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www.jungefreiheit.de www.jungefreiheit.de Nr. 15/16 | 31. Jahrgang | 8. April 2016 | EUR 4,20 (D) WOCHENZEITUNG

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WOCHENZEITUNG WOCHENZEITUNG FÜR FÜR DEBAT TE DEBAT TE Der Held vom Feld Unser Essen wächst
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DEBAT TE
DEBAT TE
Der Held
vom Feld
Unser Essen wächst nicht im Supermarkt:
Landwirte und Verbraucher haben sich
voneinander entfremdet, beklagt im
JF-Gespräch der legendäre „Bauer Willi“
Seiten 3, 7 und 11
der legendäre „Bauer Willi“ Seiten 3, 7 und 11 Wo du es hergenommen Große Aufregung über
der legendäre „Bauer Willi“ Seiten 3, 7 und 11 Wo du es hergenommen Große Aufregung über
der legendäre „Bauer Willi“ Seiten 3, 7 und 11 Wo du es hergenommen Große Aufregung über

Wo du es hergenommen

Große Aufregung über Briefkästen in Panama und deren Inhalt.

MEINUNG, Seite 2Aufregung über Briefkästen in Panama und deren Inhalt. WIRTSCHAFT, Seite 11 Da trag’ es wieder hin

WIRTSCHAFT, Seite 11Briefkästen in Panama und deren Inhalt. MEINUNG, Seite 2 Da trag’ es wieder hin Die Zahl

und deren Inhalt. MEINUNG, Seite 2 WIRTSCHAFT, Seite 11 Da trag’ es wieder hin Die Zahl

Da trag’ es wieder hin

Die Zahl der Einbrüche in Deutsch- land ist erneut gestiegen. Daß die Opfer ihre Habe wiedersehen, ist höchst unwahrscheinlich.

POLITIK, Seite 4Opfer ihre Habe wiedersehen, ist höchst unwahrscheinlich. Am Wähler vorbei Ob Kenia, Ampel oder Kiwi: Die

Am Wähler vorbei

höchst unwahrscheinlich. POLITIK, Seite 4 Am Wähler vorbei Ob Kenia, Ampel oder Kiwi: Die neuen politischen

Ob Kenia, Ampel oder Kiwi: Die neuen politischen Farbenspiele bezeichnen nur Koalitionen der Verlierer

HANS-HERMANN GOCKEL

D ie politische Klasse macht es sich be- quem. Im Großen wie im Kleinen. So wabert Gedankenfeigheit wie dichter Nebel über unserer Gesellschaft. Klaus

von Dohnanyi, einer der bedeutendsten Köpfe der bundesdeutschen (Sozial-)Demokratie, hat den Begri der Gedankenfeigheit geprägt. Er sprach von Mehltau, der sich über die Gesellschaft ge- legt hat. Der Historiker Michael Wol sohn nahm Dohnanyis Sorge auf. Für ihn sind Gedankenleere und Gedankenfeigheit das Resultat staatlich ver- ordneter Volkserziehung. Wer sich dieser Gedankenfeigheit entzieht, stößt schnell auf zwei Begri e, die seit Mona- ten in ationär benutzt werden: „etabliert“ und „rechtspopulistisch“. Die beiden ehemals großen Parteien CDU und SPD – von denen man zu- mindest letztere kaum noch als Volkspartei be- zeichnen kann – werden gerne in Presse, Funk und Fernsehen als „etablierte Parteien“ ho ert. Die Frage sei erlaubt: warum? Etabliert hat sich bei ihnen allenfalls ein unglaubliches Maß an Ar- roganz, Selbstgefälligkeit und Selbstzufriedenheit. So hätte man annehmen sollen, daß sich CDU und SPD nach der gewaltigen Klatsche vom 13. März bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg in De- mut ergehen. Doch das können sie gar nicht mehr. Weil sie jegliche Bodenhaftung verloren haben und nicht mehr wahrnehmen, was die Bürger bewegt.

Keine 24 Stunden nachdem Merkels CDU und Gabriels SPD vom Wähler abgestraft wur- den, gaben die Parteioberen eine neue Losung heraus: Man werde jetzt den Rechtspopulisten den Kampf ansagen. Gemeint ist die Alternative für Deutschland. Was bitte schön ist an einer Partei populistisch, die genau das macht, was man von jeder Partei erwarten sollte? Nämlich die Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Das ist nicht popu- listisch. Das nennt man Demokratie. Nun sitzen also die sogenannten Etablierten – zu denen sich selbstverständlich auch FDP und Grüne zählen – einmal mehr zusammen, um Mi- nisterposten und Insignien der Macht unter sich aufzuteilen. Alles wie gehabt. Nur unter neuen, bunten Begri en. Kenia, Paprika (gerne auch Ampel genannt) oder – ganz neu im Angebot – eine Koalition namens „Kiwi“: Grün mit schwarzen Sprenkeln. Der CDU in Baden-Württemberg steht es natür- lich frei, sich als Juniorpartner der Grünen zu verdingen. Sie sollte nur wissen, wer Koch und wer Kellner ist – und nicht länger so tun, als ha- be sie den geballten Wählerauftrag im Tornister. Gerade im Ländle ist es dieser Umgang mit der politischen Niederlage, der vielen Bürgern zu denken gibt. Die CDU inszeniert sich, als habe sie die Wahl nicht krachend verloren, sondern haushoch gewonnen. Neben Rheinland-Pfalz fuhr die Union am besagten 13. März in Baden- Württemberg – ehemals beides Stammländer der Christdemokraten – ihr schlechtestes Ergebnis seit dem Zweiten Weltkrieg ein. Erst gut drei Wochen ist das her, aber der Politbetrieb läuft schon wieder

im alten Trott, als sei überhaupt nichts passiert. Der Beobachter kann sich nur wundern. Man habe „eine regelrechte Lust aufs Mit- regieren“, tönt es aus der Stuttgarter Parteizen- trale, in der man sich staatstragend gibt: „Erst das Land, dann die Partei, dann die Posten“, verkündet CDU-Landeschef omas Strobl. Er überhört den sü santen Unterton in den Wor- ten des grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann: „Niederlagen sind Auslöser für einen produktiven Neubeginn.“ Ei-

nen Neubeginn bei der CDU? Man sucht ihn vergebens. Falls es noch niemandem aufge- fallen ist: Kretschmann ist ein Po- litiker, der wie kein zweiter seiner Zunft extrem langsam spricht. Das hat zwei Vorteile: Zum einen reicht ihm ein Drittel des Textes, um eine ganze Stunde eines Vortrags zu fül- len. Zum anderen bleibt ihm mehr

Zeit zum Nachdenken. Kretschmann weiß, daß diese CDU kaum gefährlich werden kann. Im Gegenteil: Er hat die SPD schon platt- gemacht, nun droht der Union im „Kretsche- Land“ das gleiche Schicksal. Juniorpartner einer Großen Koalition, das ist bislang noch keinem gut bekommen. „Brücken und Kompromisse“ wolle er bauen, sagt Strobl, der CDU-Stratege. Das hatte Ange-

la Merkel auch einmal vorgehabt. In ihrer Rede auf dem Leipziger Parteikonvent sprach sie von einem „geistigen Führungsanspruch“ und einer „programmatischen Kraft“, die Deutschland vor-

anbringen werde. Das war im Jahre 2003. Heute blickt Deutschland unter einer Kanzlerin Merkel mehr denn je in eine ungewisse Zukunft. Und die CDU unter der Parteivorsitzenden Merkel ist munter dabei, noch mehr Kredit bei den Wäh- lern zu verspielen. Laut der jüngsten Umfrage der Meinungsforscher vom Institut Emnid kommt die Union bundesweit gerade noch auf 33 Prozent. Zur Erinnerung: Bei der letzten Bundestagswahl waren es 41,5 Prozent. Der CSU-Veteran Edmund Stoiber nennt die Gründe: „Wenn Grüne und Linke die CDU loben,

kann etwas nicht stimmen. Die Men- schen wissen doch gar nicht mehr, wofür die Partei noch steht.“ Das gilt im übrigen auch für die SPD. Auch deren Schwindsucht schreitet weiter voran. Die Sozialdemokraten liegen – laut Emnid – bei mageren 22 Prozent. Ob Ampel oder Kenia, ob Kiwi oder Paprika, ob Obst oder Gemüse:

Bei allen Farbkombinationen, die mit Blick auf künftige Regierungsbündnisse in den Hinterzimmern der Macht diskutiert werden, fehlt ein entscheidender Farbklecks: Es ist das Hellblau der Alternative für Deutschland. Die Strategen der AfD sind gut beraten, sich aus al- ledem herauszuhalten. Am Ende wird ohnehin der Wähler entscheiden – und vielleicht schon bei der nächsten Bundestagswahl dafür sorgen, daß die „Etablierten“ ihr blaues Wunder erleben.

Die CDU tut so, als habe sie die Wahl nicht krachend ver- loren, sondern haushoch gewonnen.

Hans-Hermann Gockel ist freier Journalist und war Nachrichtenmoderator bei Sat.1 und N24.

Der Bauer ist kein Spielzeug

Vor allem nicht in Frankreich. Dort ist Empörung auch angesichts der multikulturellen Lage verbreiteter. Unsere Nachbarn sind da weiter

KULTUR, Seite 13Lage verbreiteter. Unsere Nachbarn sind da weiter Was kommt dir in den Sinn Fragt man sich,

Unsere Nachbarn sind da weiter KULTUR, Seite 13 Was kommt dir in den Sinn Fragt man

Was kommt dir in den Sinn

Fragt man sich, wenn Leute moderne Kommunikationsmittel nutzen, um via App Grimassen zu schneiden. Völlig gaga. Aber lustig.

SEIN & ZEIT, Seite 28via App Grimassen zu schneiden. Völlig gaga. Aber lustig. Asyl-Dunkelzi er Kontrollverlust eines Staates A lles

Völlig gaga. Aber lustig. SEIN & ZEIT, Seite 28 Asyl-Dunkelzi er Kontrollverlust eines Staates A lles

Asyl-Dunkelzi er

Kontrollverlust eines Staates

A lles im Gri . Diese Botschaft will die Bundesregierung

in der Asylkrise aussenden. Die Osterbotschaft lautete:

Die Zahlen der Neuankömmlinge sinken. Dank des

EU-Abkommens mit der Türkei. Tatsächlich nahm zuletzt der Zustrom illegaler Einwanderer allein deshalb ab, weil sich Staaten auf der Balkanroute ihrer nationalen Souveränität besonnen haben und ihre Grenzen verteidigen, nachdem sich die EU dazu als unfähig erwiesen hat. Alles im Gri ? Die Bild-Zeitung will erfahren haben, das

Bundesinnenministerium gehe von 500.000 unregistrierten Einwanderern in Deutschland aus. Angesichts der 2015 über eine Million registriert ins Land gekommenen Migranten eine erstaunliche Zahl. Der große Asylzustrom hat sich überwiegend seit dem Spätsommer 2015 im vergangenen halben Jahr – also zur kalten Jahreszeit abgespielt. Jahreszeiten, in denen viele Fluchtrouten, beispielsweise die von Libyen nach Italien, unpassierbar wurden. Hier wird uns, auch bei geschlossener Balkanroute, ein neuer Massenansturm ins Haus stehen. Der Bundesinnenminister beeilte sich, die Meldung über

»Auch bei geschlossener Balkanroute steht uns ein neuer Massenansturm über das Mittelmeer ins Haus.«

uns ein neuer Massenansturm über das Mittelmeer ins Haus.« KOLUMNE VON DIETER STEIN eine halbe Million

KOLUMNE VON DIETER STEIN

eine halbe Million unregistrierter Ausländer zu dementieren – räumt gleichzeitig aber massive Probleme bei der admini- strativen Bewältigung des Asylproblems ein. Erst „im Laufe des Jahres“ will Frank-Jürgen Weise, Chef des Bundesamtes für Migration einen genauen Überblick darüber haben, wer sich „in Deutschland aufhalte“. Kurz, wir werden Zeugen des Kontrollverlustes unseres Staates, innen wie außen. Nur zwei Beispiele, welche bizarren Blüten dieses Staats- versagen treibt: Obwohl gegen einen eritreischen Asylbe-

werber inzwischen 80 Strafanzeigen (von Körperverletzung, Ladendiebstahl bis Schwarzfahren) vorliegen, wurde dieser bislang nicht verurteilt. Grund: Die Anklagen könnten in der Flüchtlingsunterkunft in Bad Oeynhausen nicht zugestellt werden, heißt es. Den Barscheck über 359 Euro holt er sich jedoch beim städtischen Sozialamt sorglos ab. Im hessischen Karben blockierte vergangene Woche ein irakischer Asylbewerber mit seiner Familie eine Kreuzung, drohte, seine beiden Kleinkinder von Autos überrollen zu lassen. Er forderte ein eigenes Haus, dies sei ihm im Irak „versprochen worden“, wie er verkündete. Weltwoche -Herausgeber Roger Köppel stellte jetzt fest, „Europa ist im Begri , sich selber abzuscha en“. Die „Wir scha en das“-Mentalität bezeichnet der Schweizer Publizist als „größenwahnsinnig“, eine Geisteshaltung, die in der europä- ischen Geschichte regelmäßig Katastrophen verursacht habe. Wir leben mit Trugbildern in diesen Tagen: Verantwor- tungslosigkeit tarnt sich als Verantwortung, hinter dem Mut verbirgt sich Feigheit, Ordnung entpuppt sich als Au ösung. Es ist Zeit, zu handeln.

Redaktion & Verlag: JUNGE FREIHEIT, H o h e n z o l l e r n d a m m 27 a , 10713 B e r l i n

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Pankraz

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23 Impressum 23 Sein & Zeit 24 FOTO TITELOPTIK: IMAGO Österreich EUR 4,70 Schweiz CHF 8,00

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2 | M E I N U N G

J UNGE FREIHEIT N r. 15 /16 | 8. April 2016

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Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens

Ex und flop

Von Michael Paulwitz

W as für eine absurde Inszenierung: In aller Morgenfrühe werden die ersten illegalen Einwanderer von den griechischen Inseln

in die Türkei zurückgeschafft. Asyl-Lobbyisten können sich medi- enwirksam empören, Berlin kann sich und den Bürgern einreden, daß der „Türkei-Plan“ doch irgendwie funktioniert, und Ankara läßt sich fürs Mitspielen fürstlich bezahlen. Und am nächsten Tag war die Schauveranstaltung, bei der jeder illegale Immigrant von einem eigenen Frontex-Grenzwächter zurückeskortiert wird, auch schon wieder ins Stocken geraten. Dafür läuft der Turbotransfer von syrischen Kriegsflüchtlingen aus türkischen Lagern direkt nach Deutschland wie am Schnürchen. An allem anderen sind weder die griechischen noch die türkischen Behörden auch ernsthaft interessiert. Und in Libyen schiffen sich gerade Zehntausende nach Sizilien ein, um über Italien ins gelobte Land durchgewunken zu werden. Die Deutschen müssen wieder darauf hoffen, daß wenigstens Öster- reich standhaft bleibt und seine Grenzen geschlossen hält. Merkels Türkei-Kuhhandel ist jetzt schon ein Flop; für alle weiteren Dimen- sionen der Migrationskrise hat sie überhaupt keinen Plan. Europa ist aus den Fugen, und man wundert sich, daß die Deutschen so ruhig bleiben angesichts des Totalversagens ihrer Regierung.

Zahl der Einbrüche auf Rekordniveau gestiegen

Armutszeugnis der Politik

Von Christian Schreiber

F ür Kriminelle war 2015 ein wirklich gutes Jahr, wirft man einen Blick auf die polizeiliche Statistik. Für Haus- und Wohnungsbe-

sitzer offenbart sie Erschreckendes. Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist auf ein neues Rekordniveau gestiegen. Die Zahlen gewähren auch eine schlichte Erkenntnis: In denjeni- gen Bundesländern, in denen in den vergangenen Jahren ein großer Personalabbau bei der Polizei stattgefunden hat und in denen die Beamten Tausende von Überstunden vor sich her schieben, sind die Zahlen am stärksten gestiegen. Stellvertretend seien hier Hamburg und Nordrhein-Westfalen genannt. Im Freistaat Bayern, wo die christsoziale Landesregierung traditionell ein anderes Verständnis von Recht und Ordnung hat, sank die Zahl der Brüche. Hinter vorgehaltener Hand bestätigen Ermittler, daß die alarmieren- den Fakten auch mit der EU-Osterweiterung und der Flüchtlingskrise zu tun haben. Verläßliche Zahlen über die Herkunft der Täter könne man nicht benennen, da nur zwanzig Prozent aller Einbrüche aufgeklärt würden. Laptops, Mobiltelefone und leichte Flachbildschirme sind eben einfacher zu transportieren als der Röhrenfernseher der achtziger Jahre. Deswegen gehen die meisten Einbrüche schnell über die Büh- ne. Und das Risiko, erwischt zu werden, ist – auch dank fehlender Grenzkontrollen – nur gering. Ein Armutszeugnis für diese Republik.

Eskalation im Konflikt um Bergkarabach

Kaukasische Kämpfe

Von Thomas Fasbender

D as Aufflammen des aserbaidschanisch-armenischen Konflikts um die südkaukasische Region Bergkarabach ist die größte Verletzung

des seit fast 22 Jahren geltenden Waffenstillstands. Mit armenischer Hilfe hatte sich die überwiegend von christlichen Armeniern bewohnte Grenzregion – immerhin ein Siebtel des Staatsgebiets Aserbaidschans – 1994 die De-facto-Unabhängigkeit erkämpft. Der Preis: über 30.000 Tote, über 1 Million Flüchtlinge. Anders als weithin angenommen war der Konflikt nie „eingefroren“. Vor allem mit russischen Waffen haben beide Seiten jahrelang ihre Armeen aufgerüstet. Geschätzte 20.000 Soldaten hat jede von ihnen im Grenzgebiet. Erst vor wenigen Tagen waren die Präsidenten, der Aseri Ilham Alijew und der Armenier Sersch Sargsjan, beim Nukleargipfel in New York. Zu einem bilateralen Treffen kam es nicht. Der Einfluß der Großmächte Rußland und Amerika ist im Kaukasus überhaupt begrenzt, zumal auch der amerikanisch-aserische Flirt längst wieder Vergangenheit ist. Die meisten Experten sind der Ansicht, die Aseris setzten darauf, die armenischen Truppen in Bergkarabach mit einer begrenzten Militäroperation zu schwächen, vielleicht sogar zu vertrei- ben. Schon ist von Tausenden Flüchtlingen die Rede, die teils zu Fuß das Kriegsgebiet verlassen.

die Rede, die teils zu Fuß das Kriegsgebiet verlassen. Immer mehr Einbrüche in Deutschland: „Macht mal

Immer mehr Einbrüche in Deutschland: „Macht mal ’n bißchen hin, andere wollen auch noch ran!“

Schmutzig durch Verdacht

„Panama Papers“: Auf den zweiten Blick sind die Enthüllungen wenig spektakulär

A uf den ersten Blick ist der Süddeut-

schen Zeitung ein gewaltiger Coup

gelungen: 11,5 Millionen Doku-

mente, die zusammen eine Speichergröße von 2,6 Terabyte besitzen – das ist so viel wie 20.000 komplette Enzyklopädien, also die Datenmenge einer Uni-Bibliothek –, hat das Blatt von einem Informanten zu-

gespielt bekommen. Und der Inhalt dieses Datenmeeres ist, glaubt man der Süddeut- schen, enorm brisant, zeigt er doch, daß die Großen und Mächtigen dieser Welt in Steueroasen Briefkastenfirmen unter- halten, wo sie illegal erworbene und nicht versteuerte Gelder parken, um nach dem Abschied von Amt, Macht und Würden in Saus und Braus zu leben. Die von den Journalisten gefundene Spur führt in den mittelamerikanischen Staat Panama und da wieder zur Anwalts- kanzlei Mossack Fonseca, die sich darauf spezialisiert hat, für reiche Menschen Fir- men und Stiftungen zu gründen. Bei den von Mossack Fonseca gegründeten und oft noch treuhänderisch verwalteten Firmen handelt es sich um Shell Corporations, Firmen also, die lediglich aus einer Scha- le, hauptsächlich einer Adresse und einer Bankverbindung bestehen. Auf deutsch nennt man sie Briefkastengesellschaften. Briefkastenfirmen haben aus Sicht ihrer wohlhabenden Eigentümer zwei große Vorteile: Erstens liegen sie immer in Steu- eroasen, so daß die von der Firma gehalte- nen Vermögenswerte und die damit gene- rierten Gewinne nicht oder kaum jemals zu besteuern sind. Und zweitens tauchen die wahren Inhaber der Briefkastenfirmen in keinem öffentlichen Register auf, weil sie sich hinter lokalen Strohmännern ver- bergen können, die nach außen hin als Gesellschafter, Geschäftsführer und deren Sekretäre und Repräsentanten auftreten. Reiche und Mächtige sind oft auch prominent und so gut wie immer von Neidern umgeben, weshalb sie wenig Wert darauf legen, daß andere Menschen, ins- besondere aber Zeitungen, das Internet und die Öffentlichkeit wissen, daß sie viel Geld haben. Deshalb wollen sie weder von Reportern dabei fotografiert noch

von Journalisten darüber befragt werden, wie und warum sie in so unbekannte und touristische wenig ergiebige Länder wie die Virgin Islands, die Cayman Islands, Mauritius, Jersey, Samoa oder nach Dela- ware reisen. Oder nach Panama. Womit wir wieder bei Mossack Fonseca wären. Daß es Hunderte, ja Tausende von Notaren und Rechtsanwälten auf der Welt gibt, die in Steueroasen Firmen gründen und verwalten, ist in Wirklich- keit ein alter Hut und seit Jahrzehnten bekannt. Mossack Fonseca ist weltweit die viergrößte Kanzlei, die Briefkasten- firmen gründet und verwaltet, und hat seit seiner Etablierung im Jahr 1985 an die 300.000 Unternehmen gegründet. Interne Statistiken von Mossack Fonseca zeigen, daß die meisten wahren Inhaber

VON MARKUS BRANDSTETTER

die Begriffe „Briefkastenfirma“, „Panama“ und „Steueroase“ zuerst einmal generell mit Steuerhinterziehung und Verbrechen in Verbindung zu bringen nach dem Mot- to: Wer eine Briefkastenfirma in Panama hat, ist automatisch ein Gauner. Das ist ein logischer Fehlschluß, der in der Philosophie als „Association Fallacy“ (Trugschluß durch Assoziation) bekannt ist; aber die Süddeutsche kümmert das nicht, denn sonst würde ihr journalisti- sches Kartenhaus schnell in sich zusam- menfallen. Und da die allermeisten der Mossack- Fonseca-Kunden dem Zeitungsleser un- bekannt sind, muß nun aus den paar pro- minenten Namen, die darunter sind, das Größtmögliche herausgeholt werden. Der prominenteste Name, den das Münchner Blatt mit den Panama Papers auf Umwe- gen in Zusammenhang bringen konnte, ist der von Wladimir Putin. Der taucht, das gesteht auch die Süd- deutsche ein, in all den vielen Dateien nie und nirgends auf, aber einer seiner Jugend- freunde tut es, der Cellist Sergei Roldugin. Dieser Mann ist Miteigentümer von drei durch Mossack Fonseca gründeten Brief- kastenfirmen, die über ein Vermögen von zwei MilliardenUS-Dollar verfügen. Und weil dieser Cellist der Taufpate von Putins Tochter ist und die Süddeutsche Zeitung sich einfach nicht erklären kann, wie ein ehemaliger Konservatoriums-Direktor so viel Geld haben kann, muß sein Freund Putin ein Gauner und der größte aller Oligarchen sein. In diesem Stil geht es bei den Enthül- lungen Seite um Seite weiter. Der Welt- fußballer Lionel Messi taucht ebenfalls in dem Datenkonvolut auf, auch der isländi- sche, der ukrainische und der chinesische Staatspräsident und jede Menge „Bun- desverdienstkreuzträger, Bordellkönige, Spitzenmanager“, von denen allerdings kaum ein Mensch gehört hat. Es mag sein, daß hinter manchen Vermögen in Briefkastenfirmen dubiose Transaktionen stecken, aber das bedeutet noch lange nicht, daß jeder, der damit nur irgendwie zu tun hat, ein Verbrecher ist.

der damit nur irgendwie zu tun hat, ein Verbrecher ist. »Manches daran ist dubios. Aber nicht

»Manches daran ist dubios. Aber nicht jeder, der damit zu tun hat, ist dadurch ein Verbrecher.«

der Strohfirmen nicht aus Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien oder den USA kommen, sondern aus China und Hongkong, gefolgt von Rußland, Groß- britannien und der Schweiz. Obwohl Briefkastenfirmen und Steu- eroasen seit jeher der Ruch des Unsaube- ren, Illegalen und Kriminellen anhaftet, muß auch der britische Guardian, der zusammen mit der Süddeutschen wesent- lich an der Analyse des Mossack-Fonseca- Materials beteiligt ist, eingestehen, daß allein der Besitz einer Briefkastenfirma in Panama keineswegs illegal ist. Und daß die darin gebunkerten Vermögenswerte vollkommen legal erworben und in ih- rem Ursprungsland korrekt versteuert sein können – und es meistens auch sind. Aber solche Feinheiten scheinen die investigativen Journalisten nicht zu inter- essieren. Ihnen geht es vielmehr darum,

Zitate

„Der IS bekriegt nicht die westli- che Wertegemeinschaft, sondern alle Menschen, die nicht in sein

religiös drapiertes Weltbild passen. Die Mitglieder der internationalen IS-Brigaden planen und begehen fortwährend schwerste Verbrechen

gegen die Menschlichkeit. (

Gesetze gibt, geht es nicht um mehr oder weniger exklusive Werte, son- dern darum, den Gesetzen Geltung zu verschaffen – im Fall andauernder Verbrechen gegen die Menschlich- keit nicht nur im eigenen Land. ( ) Die Pflicht zum Kampf gegen den IS führt auch zu der Notwendigkeit, sich mit all den politischen Kräften zu verbünden, die den Terror ableh-

nen, gleichgültig, ob sie dem Modell westlicher Demokratien genügen

oder nicht. (

wir unsere Werte notfalls mit Gewalt verteidigen. Anderen Völkern sollten wir sie vorleben, jedoch nicht gewalt- sam aufzwingen wollen.“

Götz Aly, Historiker und Publizist, in der „Stuttgarter Zeitung“ vom 30. März 2016

„Ich staune etwas über die allgemei- ne Empörung über den türkischen Präsidenten: Ist uns sein Regime erst jetzt aufgefallen? Empörung über Erdogan scheint mir so sinnvoll wie eine Beschwerde über Kälte in der Arktis.“ Ralf Schuler, „Bild“-Journalist, auf seiner Facebook-Seite am 31. März

2016

„Gute Migrationspolitik ist deshalb immer eine Frage der konkreten Menschen, des Maßes und der Zahl. Je schwerer sich bestimmte Kulturen mit der Eingliederung tun, desto behutsamer und dosierter sollte die Zuwanderung gesteuert werden. Die Behörden müssen lernen, nein zu

sagen. (

Maßlosigkeit herrscht. Das kann nicht gutgehen.“ Roger Köppel, Herausgeber, in der „Weltwoche“ vom 31. März 2016

„Ich bin Deutschland auch von Long Island aus, wo ich seit langem lebe, verbunden. Ich empfange dort vier deutsche TV-Kanäle. Gucke Bun- desliga. Mir ist allerdings aufgefal- len, daß das deutsche Fernsehen sehr amerikanisiert worden ist. Das stört mich, weil ich Deutschland ja gerade wegen seiner Traditionen mag.“ Ritchie Blackmore, Rocklegende, in der „Welt am Sonntag“ vom 3. April

2016

„Die beiden Überforderungen durch die Massenmedien: Wir sollen die

ganze Welt verstehen und alle Men-

schen lieben. (

Meinung wird von der veröffent- lichten Meinung versklavt.“ Norbert Bolz, Medienwissenschaftler, im Kurznachrichtendienst „Twitter“ am 4. April 2016

„Erfolgstrunken, auch machttrunken hat sich in der deutschen Demokratie eine elitäre Schicht eingerichtet: Po- litiker und Publizisten. Ihnen gehört Berlin. Sie beherrschen den Diskurs. Was aber ist mit Diskurs gemeint, dem Modewort, das so sehr nach Demokratie klingen soll? Ein fein abgeschirmter Denkraum, in dem jeder, der sich zugehörig fühlen darf, exakt weiß, welcher Platz ihm zu- steht. Wer nicht drin ist, gehört zu den ‘Menschen draußen im Lande’ – an die man, wenn nötig, das Wort zu richten beliebt.“ Frank A. Meyer, Kolumnist, im „Ci- cero“, Ausgabe April 2016

)

) Wo es

)

In Europa müssen

)

Maßhalten wäre gefragt.

Die öffentliche

Aufgeschnappt

Handschlag ins Leere

MATTHIAS BÄKERMANN

Q aasim Illi vom Islamischen Zentralrat in der Schweiz übte

sich am vergangenen Montag im Boulevardportal 20minuten.ch in listiger Rabulistik: „Nach den Vor- fällen in der Silvesternacht in Köln forderten alle lautstark, daß Mus- lime sich von Frauen fernhalten sollen. Und jetzt fordert man plötz- lich wieder körperliche Nähe.“ Da- mit kanzelte er die Empörung auf eine Schweiz am Sonntag-Meldung ab, nach der muslimische Schüler an der Sekundarschule Therwil (Kanton Basel-Landschaft) der

Lehrerin den Händedruck verwei- gern dürfen. Das hatte die dortige Schulratspräsidentin Christine

Akeret zwei 14- und 15jährigen Moslemjungs per Sonderregelung zugestanden. Und obwohl diese nur bei Lehrerinnen religiöse Vor- behalte mit einer Handberührung gehabt hatten, brauchen sie fortan auch den Männern des Kollegiums offiziell nicht mehr die Hand zu schütteln – damit es keine Diskri- minierung gibt. Sicher ist sicher. Nachdem nun andere Fälle be- kannt wurden, zuletzt in Muttenz am Rhein, gerät die Episode zum Politikum. Neben Feministinnen beklagen auch Politiker wie Felix Müri (SVP) den Entscheid: „Man muß aufhören, Intoleranz länger mit Toleranz zu begegnen“, so der Präsident der nationalrätlichen Bil- dungskommission, „der Hände- druck gehört zu unserer Kultur.“

Bild der Woche

Großer Osten

FOTO: FLICKR, GLOD
FOTO: FLICKR, GLOD

Neuer Name: Nach der unbeliebten Fusion des Elsaß mit Lo- thringen und Champagne-Ardenne durften die Bürger jetzt immerhin mitreden.„Grand Est“ soll die Region dann heißen.

Lesereinspruch

Nicht ohne Werke

Zu: „Erbarme dich!“ von Karlheinz Weiß- mann (JF 13/16)

D ieser wohltuenden, tiefen Osterbe- trachtung zum Begriff der mensch-

lichen und göttlichen Gnade muß ich doch in einem Punkt widersprechen:

Die katholische Kirche hielt nicht aus erzieherischen Gründen und zum eige- nen Machterhalt an der Notwendigkeit guter Werke fest. Religion zum „Brav- halten“ des Volkes ist eine Idee des pro- testantischen Preußenkönigs Friedrich des Großen. Katholisch ist, was der Apostel Jakobus schreibt: „Der Glaube ohne Werke ist tot“ (Jak 2, 17). Luther stutzte sich das Neue Testament selbstherrlich zurecht und nannte den Jakobusbrief „stroher- ne Epistel“. Der vom harten leiblichen Vater, vom damaligen philosophischen Voluntarismus und von starken Schuld-

gefühlen wegen eines tödlichen Duells

belastete Luther wollte der Kirche verbie- ten, Gnade durch Beichtsakrament und fromm erworbene Ablässe zu erteilen, den Menschen also am eigenen Heil tätig mit- wirken zu lassen. Dagegen schreibt auch der hl. Johannes in einem seiner Briefe, daß man die Gottesliebe des Christen am Halten der Gebote erkenne (1 Joh

5,2 f)!

KLAUS ELMAR MÜLLER, BURGBROHL

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JUNGE FREIHEIT

NGE FREIHEIT 15 /16 | 8. April 2016
NGE FREIHEIT
15 /16 |
8. April 2016

I I M

G E S P R Ä C H | 3

Nr. 15 /16 | 8. April 2016

„Das ärgert mich!“ Mit seinem„Wutbrief“ wird der Landwirt und Blogger„Bauer Willi“ 2015 schlagartig
„Das ärgert
mich!“
Mit seinem„Wutbrief“ wird der Landwirt
und Blogger„Bauer Willi“ 2015 schlagartig
bekannt. Die Medien reißen sich um ihn.
Nun verö entlicht er ein Buch:
In„Sauerei!“ geht Willi Kremer-Schillings mit
uns Konsumenten hart ins Gericht
Bauers Borstenvieh heute glücklich im Stall, morgen zu billig im Supermarkt:„Hören Sie auf! Sie sind also auch so ein Schnäppchenjäger
Irgendwann läuft einem da die Galle über.“

Lieber Bauer Willi, am Sonntag war ich im Café und hatte ein reichhaltiges Früh- stück: Brot, Butter, Wurst, Käse, Eier für 7,50 Euro – da kann man nicht meckern!

Bauer Willi: Sie nicht, ich aber schon!

Also mir hat es geschmeckt.

Willi: Freut mich für Sie, Sie sind also auch so ein Schnäppchenjäger. Das är- gert mich. Ich will nicht wieder sagen, daß es mich wütend macht, sonst heißt es gleich wieder: „Wutbauer“.

„Wutbauer“, „Wutbrief“ – damit wurden Sie 2015 bundesweit bekannt.

Willi: Hören Sie auf! Dieser Brief kam eigentlich eher zufällig zustande. Eines Morgens hatte ich die Abrechnung mei- nes Nachbarn über 25 Tonnen Pommes- Karto eln – das ist eine Lkw-Ladung

– gesehen. Dafür bekam er, jetzt hal-

ten Sie sich bitte fest, 250 Euro. Für

alle, die nicht rechnen können: das ist ein Cent pro Kilogramm! Da habe ich mich spontan an den Rechner gesetzt, um auf unserem Blog den Verbrauchern mal die Meinung zu sagen. Aber dann ging es los: Die Medien haben verrückt gespielt. ARD, WDR, NDR, Sat.1, RTL

– alle waren sie entweder hier auf dem

Hof oder haben mich eingeladen, auch Radiosender und Printmedien. Das hat mich echt überrascht und meinen Alltag auch stark verändert.

„Sie als verwöhnter Hauptstadtjournalist!“

Tenor Ihres Briefes: „Du, lieber Verbraucher, hast keine Ahnung, davon aber ganz viel!“ Und: „Du willst doch nur noch eines: billig!“

Willi: Ich bin mit meinem Brief viel- leicht etwas übers Ziel hinausgeschossen. Aber es gibt Tage, da bekommt man nur schlechte Nachrichten, und der Frust über die niedrigen Erlöse hatte mein Nervenkostüm arg strapaziert. Für ei- nen Cent pro Kilogramm Karto eln kann kein Bauer produzieren!

Also: Die Landwirtschaft ist großer Mist, wenn du deutscher Bauer bist?

Willi: Nein, ich liebe die Landwirtschaft

– aber sie muß eine Familie ernähren.

Von Ihren 7,50 Euro für das Sonntags- frühstück zum Beispiel sind vielleicht gerade mal 1,20 Euro bei uns Bauern angekommen.

Kaum zu glauben.

Willi: Eben!

Was müßte das Frühstück kosten, damit der Bauer auch zu seinem Recht kommt?

Willi: Ich weiß ja nicht, was Sie als ver- wöhnter Hauptstadtjournalist alles auf dem Teller hatten. Nehmen Sie zum Bei- spiel ein Ei. Der Bauer bekommt dafür nur sieben oder acht Cent. Für das Glas Milch haben Sie bestimmt einen Euro abgedrückt. Der Bauer bekommt für einen Liter gerade mal 26 Cent. Der Handel schlägt also mächtig drauf. Das neide ich ihm gar nicht. Nur, daß der Bauer oft weniger bekommt, als ihn die Herstellung kostet – das geht nicht!

Sprich, der Verbraucher soll zahlen?

Willi: Der Verbraucher will gute Lebens- mittel, am liebsten biologisch und fair – wählt im Supermarkt aber bevorzugt die Produkte zu Niedrigpreisen.

Natürlich, und zwar weil die teureren oft nicht besser sind als die günstigen, wie Stif- tung Warentest immer wieder nachweist.

Willi: Ja, da verstehe ich den Verbrau- cher sogar. Ich habe selbst erlebt, daß günstige No-Name-Produkte und teu- rere Markenprodukte aus der gleichen Fertigungsstraße kamen. Das heißt, mit- unter ist tatsächlich das gleiche Produkt in der Verpackung – dennoch kostet das eine doppelt soviel wie das andere.

Neulich bei Stiftung Warentest: Lachs. Das Premium-Produkt in der Feinkostabtei- lung eines Berliner Nobel-Kaufhauses war so schlecht, daß es nach dem Test aus dem Verkauf genommen wurde. Testsieger da- gegen: Aldi. Das erzieht den Verbraucher doch geradezu dazu, billig zu kaufen!

Willi: Wenn das wirklich so ist, dann ist das fatal. Aber ich kritisiere ja keineswegs nur die zu niedrigen Preise, sondern vor allem auch das Anspruchsdenken der Verbraucher. Denn der fordert, seine Lebensmittel sollen am besten gentech- nikfrei, glutenfrei, lactosefrei, choleste- rinfrei und kalorienarm sein, möglichst nicht gedüngt werden und wenn, dann organisch. Und vor allem natürlich un- gespritzt müssen sie sein – aber top aus- sehen, ohne Flecken. Haben sie klei- ne Macken, läßt der Kunde sie liegen. Überhaupt: Die Landschaft sollte aus vielen kleinen Parzellen bestehen, mit bunten Blumen und Schmetterlingen. Am liebsten hätte es der Verbraucher wohl, wir p ügten noch mit Pferden. Dann würden ihn unsere Trecker auch nicht mehr beim Joggen oder Spazieren- gehen auf – unseren – Wirtschaftswegen stören. Gleichzeitig aber kauft er Lebens- mittel am liebsten zum Schnäppchen- preis. So wie Sie Ihr Frühstück.

Mal ehrlich, ist Ihre Klage wirklich fair?

Willi: Das ist keine Klage, sondern die Erfahrung vieler Landwirte. Die Leu- te wollen, daß wir organisch düngen, beschweren sich aber, wenn es stinkt. Oder sie spazieren einfach quer über die Felder durch die Saat. Fahren wir mit dem Trecker über unsere Wirtschafts- wege und läßt es sich nicht vermeiden, daß diese dabei staubig werden, zeigt uns mancher Spaziergänger den Vogel. Müssen wir witterungsbedingt nachts mähen, rufen die Leute sogar die Polizei. Hab ich alles selbst erlebt. Irgendwann läuft einem da die Galle über.

Man könnte die Vorwürfe aber auch um- kehren: Während die Verbraucher „bio“, „fair“ und „regional“ kaufen, betreiben die Bauern Gentechnik und Massentier- haltung, spritzen Pestizide und Antibio- tika und verseuchen uns mit Glyphosat.

Willi: Das ist eben das, was nicht stimmt. Natürlich, wenn ich mich um- höre, dann kaufen alle Verbraucher un- heimlich bewußt. Tatsächlich aber liegt

etwa der Marktanteil an Bio eisch bei 1,5 Prozent, bei Ge ügel sogar nur bei einem Prozent. Wo ist denn die Kauf- bereitschaft für echte Bioprodukte? So herum wird doch ein Schuh daraus! Und dann werden wir Bauern, ganz so wie Sie das eben in Ihrer Frage skizziert haben, unterschwellig als Verkörperung allen Übels betrachtet. Dabei sind wir sozusagen nur der Spiegel der Gesell- schaft. Doch wir werden für alles ver- antwortlich gemacht, was die Leute in diesem Spiegel sehen. Junge Landwirte und Landwirtinnen erzählen mir, daß sie nicht mehr auf Feste gehen, auf de- nen sie als Landwirt alleine sind. Denn „outen“ sie sich dort, werden sie sofort in Diskussionen verwickelt. Das gleiche höre ich vom Landfrauenverband: „Wir werden in der Gesellschaft nur noch an- gegri en, müssen uns ständig rechtfer- tigen und wissen nicht einmal wofür!“

„Es ist eine Sauerei, wie man uns die Luft abschnürt“

Der Verbraucher zahlt also zu geringe Preise und macht obendrein die Bauern schlecht?

Willi: Ich sage keineswegs, daß an den Problemen nur die Verbraucher schuld sind. Aber Sie wollten mit mir ja über meinen Wutbrief an die Verbraucher sprechen. Und da sage ich, ja, ich halte es für eine unheimliche Sauerei – daher auch „Sauerei!“ als Titel meines Buches –, daß die Konsumenten höchste An- sprüche an uns Bauern stellen und uns bevorzugt für Mißstände in der Lebens- mittelwirtschaft verantwortlich machen. Uns gleichzeitig aber durch ihre Billig- heimer-Mentalität die Luft abschnüren – und dafür o enbar gar kein Bewußt- sein haben. Sehen Sie, achtzig Millionen Bürger erwarten von uns, nachhaltig, fair, gesund, artgerecht und biologisch zu produzieren. Achtzig Millionen Ver- braucher aber wollen vor allem eines:

billig! Wer aber ein Hähnchen für 2,79 Euro kauft, der gibt das Recht ab, sich über Massentierhaltung zu beschweren. Die Leute kaufen sich einen originalen Weber-Grill für achthundert Euro – und braten dann darauf das Würstchen für 79 Cent. Das paßt nicht zusammen. Um dann noch, nach dem Genuß die- ses Würstchens, über Massentierhaltung den Kopf zu schütteln und sich zu em- pören: „Das gehört doch verboten!“ – Ja, geht’s noch?

Mal ehrlich, wer im Supermarkt höhere Preise bezahlt, unterstützt nicht die Er- zeuger, sondern zahlt für Namen, Lifestyle und Werbekampagne der Markenhersteller.

Willi: Das stimmt – leider. Diese Ant- wort wird Sie jetzt vielleicht überra- schen, aber ich gebe zu, daß ich inzwi- schen schlauer bin als vor einem Jahr, als ich meinen Wutbrief schrieb. Es stimmt, daß der Verbraucher bei konventionellen Produkten im Supermarkt im Grunde wenig Chancen hat, es richtig zu ma- chen. Hier ist es tatsächlich der Einzel- handel, der sich immer wieder gewaltig die Taschen vollmacht.

Zum Beispiel?

Willi: Zum Beispiel die Milch: Für ei- nen Liter bekam der Bauer vor einiger Zeit 36 Cent, heute sind es nur noch etwas mehr als zwanzig. Dennoch ko- stet der Liter im Supermarkt nach wie vor etwa 55 Cent. Der Handel gibt also nicht einmal den gesunkenen – für die Erzeuger fatalen – Preis an den Kon- sumenten weiter, sondern behält den Gewinn für sich.

Also, was soll der Verbraucher tun, dem konventionell zu unfair, bio zu teuer ist?

Willi: Es gibt entsprechende Initiativen, zum Beispiel „Die faire Milch“.

Was ist das?

Willi: Sehen Sie, das ist das Problem – kennen Sie gar nicht. „Die faire Milch“ ist nicht bio, aber dennoch umweltbe- wußt und fair produziert. Leider aber kommt sie beim Verbraucher nicht an. Oder nehmen Sie die „Privathof“-Pro- duktreihe des Ge ügel-Herstellers Wie- senhof – nicht bio, aber fair.

Tierschützer behaupten da allerdings das Gegenteil.

Willi: Es gibt Studien, die belegen, daß es den „Privathof“-Hähnchen zumin- dest besser geht als den Billig-Hähnchen. Und während ein Bio-Hähnchen den Verbraucher zwischen 18 und 24 Euro kostet, bezahlt er für ein „Privathof“- Hähnchen nur etwa 4,50 Euro – das können sich doch auch Normalverdie- ner leisten! Dennoch, wie mir ein Aldi- Mitarbeiter vertraulich sagte, verkaufe er auf rund zwanzig Billig-Hühner zu 2,79 Euro lediglich ein „Privathof“-Huhn.

Andererseits beweisen die Verbraucher doch, daß sie durchaus fair kaufen – etwa beim Ka ee. Sind am mangelnden Interes- se nicht vielleicht doch die Bauern schuld, deren Verbände versäumen, für solche Pro- dukte durch entsprechende Vermarktung Bewußtsein zu scha en. Mir waren weder „faire Milch“ noch „Privathof“-Hähnchen bekannt. Drängen die Bauern zum Bei- spiel gegenüber der Politik darauf, ein staatliches „Fair“-Siegel zu scha en, ent- sprechend dem staatlichen Bio-Siegel?

Willi: Prima, noch ein Siegel. Das wünscht sich der Verbraucher, oder? Nein, Marketing ist gefragt! Seit der Au ösung der CMA – der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft – im Jahr 2009 macht niemand mehr Werbung für deutsche landwirtschaftliche Erzeugnisse. Das sollten unsere Verbände organisieren, und das erwarte ich von ihnen. Anderer- seits: Unsere Verbände stellen durchaus auch Forderungen auf – und die Poli- tiker stimmen grundsätzlich auch zu. Nur, sie tun dennoch nichts. Beispiel:

CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt fordert Ernährung als P ichtfach in den Schulen, setzt das aber bei seinen Kollegen nicht durch. Lassen Sie mich Ihnen aber doch noch ein Beispiel für ein faires Lebensmittel geben, nach denen Sie eben gefragt ha- ben: Kennen Sie Berchtesgadener Milch?

Sie eben gefragt ha- ben: Kennen Sie Berchtesgadener Milch? Dr. Willi Kremer-Schillings studierte Landwirtschaft mit

Dr. Willi Kremer-Schillings

studierte Landwirtschaft mit Fachrichtung P an- zenbau, arbeitete in der Zuckerindustrie und bewirtschaftet seit 1983 einen Hof bei Neuss in Nordrhein-Westfalen. Seit 2015 betreibt er als„Bauer Willi“ einen Blog, auf dem er seinen „berühmt“ gewordenen Wutbrief an die„Lieben

Verbraucher“ verö entlichte, der„Bauer Willis“ Medienerfolg begründete. Im Februar ist nun im Verlag Piper sein Buch„Sauerei! Bauer Willi über billiges Essen und unsere Macht als Verbraucher“ erschienen. Geboren wurde Kremer-Schillings 1954 im niederrheinischen Rommerskirchen.

www.bauerwilli.com

1954 im niederrheinischen Rommerskirchen. www.bauerwilli.com Steht in meinem Supermarkt – lasse ich aber stehen –

Steht in meinem Supermarkt – lasse ich aber stehen – auch so ein Lifestyle-Produkt.

Willi: Falsch! Die Berchtesgadener Mol- kerei bezahlt den Bauern 38 Cent pro Liter, also rund zwölf Cent mehr. Die Berchtesgadener haben es einerseits ge- scha t, ihrer Marke einen Wert zu geben und so auch mit ihrem höheren Preis vom Kunden akzeptiert zu werden, be- teiligen andererseits aber die Erzeuger fair an ihrem Markterfolg.

Das Problem ist nur, daß das nicht zu er- kennen ist. Was ist denn von dem Modell „Ein Herz für Erzeuger“ des Discounters Netto zu halten, bei dem ein Aufdruck kenntlich macht, daß das Produkt zugun- sten der Bauern zehn Cent teurer ist?

Willi: Konkret kann ich Ihnen dazu leider nichts sagen, da ich keine Hin- tergrundinformation über diese Aktion habe. Die Idee an sich scheint mir aber gut, wenn es tatsächlich mehr ist als nur ein Aufkleber. Ich möchte Ihnen aber noch ein weiteres Modell nennen, das mich persönlich sehr überzeugt: Eini- ge Rewe-Supermärkte haben eine Ecke eingerichtet, die „Landmarkt“ heißt:

Diese bestücken Landwirte aus der Re- gion mit ihren Produkten – eine Art Hofverkauf, nur daß der „Hof“ in den Supermarkt kommt. Den Preis der Pro- dukte bestimmt der Bauer selbst, muß allerdings etwa dreißig Prozent an Rewe abführen. Das ist legitim, denn Rewe stellt ja die komplette Infrastruktur für den Verkauf. Leider gibt es noch viel zu wenige dieser „Landmärkte“, in NRW zum Beispiel meines Wissens erst 18, in Hessen dagegen immerhin schon rund 150.

„Von den Etablierten sind wir Bauern enttäuscht“

1998 zogen die Grünen in die Bundesre- gierung ein und bereits 1995 in die Re- gierung Ihres Bundeslandes NRW – wo sie heute sogar das Landwirtschaftsressort besetzen. Haben die Grünen – angetreten mit dem Versprechen Gesundheit, Tier- schutz und Ökologie – nicht für eine faire Situation für Bauern und Tiere gesorgt?

Willi: Leider nein. Die damalige grüne Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast hat sogar Dinge in die Welt ge- setzt, von denen sie heute nichts mehr wissen will. Etwa hat sie den Bauern das Feld der Bioenergie erö net. Wörtlich prophezeite sie damals: „Bauern sind die Ölscheichs von morgen!“ Heute aber geht es bei Erneuerbaren nur noch um Wind und Solar. Mit Bioenergie wollen die Grünen – obwohl sie das überhaupt erst in die Welt gesetzt und staatlich ge- fördert haben – heute nichts mehr zu tun haben. Pardon, aber mir drehen die Grünen ihr Fähnchen zu schnell in den Wind. Übrigens: Wir Bauern wa- ren schon lange grün, als es die Grünen noch gar nicht gab. Wir Bauern sind die echten, wahren Grünen! Darum heißt er ja auch der „Grüne Beruf“!

Was ist mit der CDU/CSU, nach eigenem Verständnis traditionell die Schutzmacht der Bauern?

Willi: Ach, die Union steht heute – ebenso wie die SPD – auf dem Stand- punkt: Laß das mal die Grünen machen. Die FDP ist immerhin für einen sinnvol- len Einsatz grüner Gentechnik – das ist doch mal was anderes. Aber ansonsten, das muß ich Ihnen ehrlich sagen, sind wir Bauern von den etablierten Partei- en alle mehr oder weniger enttäuscht.

MORITZ SCHWARZ

en alle mehr oder weniger enttäuscht. MORITZ SCHWARZ Paul Sche er. Der Sozialde- mokrat gehört zu

Paul Sche er. Der Sozialde- mokrat gehört zu den Kritikern der Willkommenskultur

Der

Warner

WOLFGANG KAUFMANN

S o klingt Klartext: Der deut- schen Politik fehle jedes

Gespür für Dimension und Konsequenzen der Flüchtlings- krise – letzlich habe Berlin 2015 einfach die Grenzen geö net und die Augen geschlossen. Doch mit dieser Art realitätsblinder Willkommenskultur werde die Bundesrepublik kaum weit kom- men, denn es gebe nun einmal Obergrenzen für die Zahl der Einwanderer, die ein Land tat- sächlich integrieren könne. Das müsse auch Kanzlerin Merkel begreifen, deren befremdliche Alleingänge in der Flüchtlings- frage mittlerweile in ganz Europa auf Widerstand stießen und den Fortbestand der EU gefährdeten. Womit sie das genaue Gegenteil dessen erreiche, wofür sie sich jahrelang eingesetzt und unzäh- lige Milliarden deutscher Steuer- gelder aufgewendet habe. Das behauptet weder ein AfD- Funktionär noch ein Politiker aus Osteuropa, sondern Paul Schef- fer, einer der international an- gesehensten Experten zum e- ma Migration und Integration. Dabei ist der Kritiker, 1954 im niederländischen Nimwegen ge- boren und derzeit Inhaber von zwei Lehrstühlen für European Studies an den Universitäten Tilburg und Amsterdam, als Mitglied der Partij van de Ar- beid eigentlich Sozialdemokrat. Allerdings seziert der Soziologe die Einwanderungspolitik etli- cher europäischer Staaten wie der Niederlande, Deutschlands oder Frankreichs nicht erst seit Aus- bruch der Asylkrise. Beleg hierfür ist sein immer noch aktueller Es- say „Das multikulturelle Drama“ aus dem Jahr 2000, dessen e- sen er 2007 in dem Buch „Das Land der Ankunft“ (deutsch:

„Die Eingewanderten“) vertiefte. Darin heißt es unter anderem, daß Zuwanderung für nieman- den ein Gewinn sei – weder für diejenigen, die ihre Heimat und Identität verloren hätten noch für die Aufnahmeländer, welche sich ebenfalls gezwungenerma- ßen verändern müßten. Oder an- ders gesagt: Mit den Flüchtlingen aus aller Welt gelange weniger menschliches Kapital als mensch- liches Leid nach Europa. Angesichts der aktuellen Ent- wicklungen ist Sche ers Werk jüngst in einer aktualisierten Neuau age herausgekommen. Im Vorwort nden sich weite- re Rundumschläge gegen die Merkelsche Asylpolitik: Wa- rum könne ein hochentwickel- tes Land wie Deutschland, „das seine Bürger Tag und Nacht ab- hört, seine Grenzen nicht mehr bewachen“? Und woher nehme man den ungeheuren Optimis- mus, wenn es um das ungleich komplizierte, „gigantische soziale Projekt“ der Integration von Mil- lionen fremdkultureller Flücht- linge gehe? Zwei berechtigte Fragen, die dem sozialdemokratischen Mi- grationsexperten hierzulande wohl einige Feinde mehr ver- scha en werden, auch wenn das Feuilleton derzeit noch mehr- heitlich dazu tendiert, Sche ers Kritik als Ausdruck eines „ge- sunden Realismus“ zu goutieren, weil er seine harten Worte mit vielen, nur zu gern abgedruckten Toleranz oskeln garniert.

FOTO: WIKIMEDIA

FOTO: FACEBOOK

FOTO: WIKIMEDIA FOTO: FACEBOOK Blick von der Cloef auf die Saarschleife: An der Mitgliederstruktur hat sich

Blick von der Cloef auf die Saarschleife: An der Mitgliederstruktur hat sich bislang nichts geändert

„Hier werden Grenzen aufgezeigt“

AfD: Der Streit um die Au ösung des saarländischen Landesverbands geht in eine neue Runde

die Vorwürfe, die AfD habe im Saar- land gemeinsame Sache mit der unter Rechtsextremismus-Verdacht stehenden NPD-nahen „Freien Bürger Union“ ma- chen wollen, konkret nur gegen Dörr und Hecker. Doch zur Au ösung habe es nach Angaben von Driesang keine Alterna- tive gegeben. „Wir haben auch geprüft, ob weniger harte Maßnahmen zum Ziel führen.“ Doch dies sei nicht möglich gewesen. „Dörr und Hecker haben im Landesverband eine deutliche struktu- relle Mehrheit. Hätten wir die beiden abgesetzt, wären sie beim nächsten Lan- desparteitag wieder ins Amt gewählt worden“, erläutert Driesang. Das liegt nicht zuletzt daran, daß es im saarlän- dischen Landesverband nur noch Dele- gierten- und keine Mitgliederparteitage mehr gebe. Das sei ein klarer Vorteil für die alte Führungsriege, heißt es aus der Partei. Über die von den Vorstandsmit- gliedern oder ihren Vertrauten geführten Kreisverbände – die auch nach der Auf- lösung des Landesverbandes weiterhin bestehen – lassen sich leicht Mehrheiten organisieren. Driesang gibt sich über- zeugt, daß der Beschluß des Bundesvorstandes Be- stand haben wird. Er weist den Eindruck zurück, die AfD-Spitze sei erst aktiv geworden, nachdem der Stern kurz vor Ostern Be- lege für die Kontakte des saarländischen Landesver- bands mit Rechtsextremi- sten präsentiert hatte. „Be- reits im September vergan-

genen Jahres gab es erste

Hinweise, denen ich nach- gegangen bin“, berichtet Driesang. Der Verdacht habe sich aber zunächst nicht erhärten lassen, und die Beschuldigten hätten die Vorwürfe weit von sich ge- wiesen. Erst das vom Stern verö ent- lichte Material habe dann den Beweis gebracht, daß der Bundesvorstand von

den Verantwortlichen der Saar-AfD in dieser Frage belogen worden sei. An diesem Sonnabend könnte nun eine Vorentscheidung fallen. Das Bun- desschiedsgericht der AfD hat den Lan- desvorstand des aufgelösten Landesver- bands zur mündlichen Verhandlung nach Frankfurt am Main geladen. Die Saarländer wollen erreichen, daß die Parteirichter den Vorstandsbeschluß vorläu g aussetzen. Dadurch wäre der Landesvorstand wieder im Amt. „Es gibt ja eine Menge Arbeit, die getan werden muß“, sagt Dörr. Doch die Entschei- dung des Schiedsgerichts ist nur ein Zwi- schenspiel. Das letzte Wort im Streit hat der AfD-Bundesparteitag Ende April in Stuttgart. Laut Satzung muß der Par- teitag über den Auflösungsbeschluß des Bundesvorstandes abstimmen. Der AfD-Kreisvorsitzende von Saarbrücken- Stadt, Rudolf Müller, kündigt bereits an, daß die abgesetzte Spitze der Saar-AfD in Stuttgart gegen den Beschluß der Parteispitze kämpfen wird. „Dann gibt es Rabatz“, kündigte er an. Driesang glaubt trotzdem, daß die Mehrheit der Mitglieder der harten Li- nie des Bundesvorstandes folgen wird. „Wir können jede unserer Entscheidun- gen gut begründen“, sagt er und weist der Entschei- dung eine grundsätzliche Bedeutung zu. Die AfD sei eine „kernbürgerliche“ Partei, die sich aber noch auswachsen müsse. „Am Fall des saarländischen Landesverbands zeigt sich, was geht und was

nicht geht“, verdeutlicht

Driesang: „Hier werden Grenzen aufgezeigt.“ Mittlerweile hat die AfD-Bundes- spitze ein fünfköp ges „Aufbauteam“ eingesetzt, um die Neugründung des Landesverbandes vorzubereiten. Dar- unter sind mit Olaf Vieweg, Michael Schettle und Christian Wirth drei saar-

Olaf Vieweg, Michael Schettle und Christian Wirth drei saar- Dirk Driesang 4 | P O L

Dirk Driesang

4 | P O L I T I K

J UNGE FREIHEIT N r. 15 /16 | 8. April 2016

Thüringen: SPD kritisiert Ramelow

ERFURT. üringens Minister- präsident Bodo Ramelow (Links- partei) ist mit seinem Angebot, bis zu 2.000 Flüchtlinge aus Idome- ni aufzunehmen, beim Koalitions- partner SPD auf Kritik gestoßen. „Man sollte nicht das Schicksal von Flüchtlingen für die eigene Pro - lierung nutzen“, sagte der stellver- tretende SPD-Landeschef Carsten Schneider der üringer Allgemei- nen. Ramelow habe „falsche Ho - nungen genährt und ein Signal gesetzt, das mißverstanden wird“, warnte Schneider. „Wir wissen spä- testens seit der Grenzö nung im September 2015 und den Sel es der Bundeskanzlerin, daß so etwas als Au orderung zur Massen ucht interpretiert werden kann.“ Der Ministerpräsident habe nicht für die Sozialdemokraten gesprochen. „Deutschland sollte nicht den Ein- druck erwecken, als könne es die Probleme der ganzen Welt lösen“, verdeutlichte Schneider. (ms)

Farbanschlag auf Haus von Akif Pirincci

BONN. Mutmaßliche Linksextre- me haben sich zu einem Farban- schlag auf das Haus des Buchautors Akif Pirincci bekannt. Unter dem Namen „kranke Sau“ verö entlich- ten sie ein Bekennerschreiben auf dem linksextremen Portal Indy- media. „In den Morgenstunden des 1. Aprils wurde das Haus von Akif Pirinçci verschönert. Das Tür- schloß verklebt. Bis bald“, schrie- ben die Autoren. Pirincci vermutet, daß die Täter aus dem Umfeld des linken Buchladens „Le Sabot“ in der Bonner Altstadt stammen. Als Reaktion auf den Anschlag antwor- tete Pirincci auf Facebook: „Liebe Freunde, die mein Haus verschö- nert haben, euer Tun soll nicht umsonst gewesen sein. Meine Fans von der Hools- und Motorradclub- Szene werden euch in den nächsten Wochen einen Besuch in eurem Tre punkt Buchladen ‘Le Sabot’ abstatten, um dort ganz viele Bü- cher einzukaufen. Vielleicht auch nach Ladenschluß“, kündigte Pi- rinçci an. (ls)

Dreieinhalb Jahre Haft für Iraker

HOF. Das Amtsgericht Hof hat einen 22 Jahre alten Iraker wegen sexueller Nötigung und vorsätzli- cher Körperverletzung zu dreiein- halb Jahren Haft verurteilt. Der zuständige Richter bezeichnete das Urteil laut Bayerischem Rundfunk als verhältnismäßig hart. Der Ira- ker hatte am Neujahrsmorgen eine 29 Jahre alte Frau im oberfrän- kischen Hof angesprochen und plötzlich gegen eine Hauswand gedrückt, ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen und zwischen die Beine und an die Brust gefaßt. Die Frau setzte sich nach Anga- ben der Polizei zur Wehr und rief um Hilfe. Wenige Minuten später konnte der Mann in Tatortnähe festgenommen werden. Die Frau trug unter anderem Blutergüsse davon. Als besonders verwer ich wertete der Richter, daß der Täter aus seinem Heimatland vor Ge- walt ge ohen sei, in Deutschland aber selbst Gewalt anwandte. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft gefordert. (ls)

Sexuelle Vielfalt im Unterricht

Bildung: Bayern überarbeitet seine Richtlinien für die Schule

MARTIN VOIGT

D ie Präsidentin des Bayerischen Lehrerverbandes (BLLV), Si-

mone Fleischmann, hat die neuen „Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung“ in Bayern gelobt. Der im Oktober 2015 vom Kultus- ministerium des Freistaats Bayern beschlossene Entwurf biete die „absolute Chance“, den Gender- und Rollenbegri eingehender zu behandeln, sagte sie der Nachrich- tenagentur dpa. „Viele Fragen der Schülerinnen und Schüler bleiben zu Hause oftmals unbeantwortet. Ganz besonders Homosexualität ist ein großes Thema, bei dem auch die Schulen Verantwortung übernehmen müssen“, meinte Fleischmann. Allerdings hätten die Richtlinien ihrer Meinung nach auch homosexuelle Paare als Eltern thematisieren müssen: „Schwule oder lesbische Elternpaare gibt es immer öfter. Konkret angespro- chen wird das ema aber auch in den neuen Richtlinien nicht.“ Insgesamt sei der Entwurf „ein Schritt in Richtung einer moder- nen Familien- und Sexualerzie- hung, die dem Wandel in unserer Gesellschaft entspricht“.

Erste Änderung nach fünfzehn Jahren

Die nach fünfzehn Jahren ver- änderten „Richtlinien für die Fami- lien- und Sexualerziehung“ sehen vor, die sexuelle Vielfalt im Unter- richt zu thematisieren. Kinder sol- len dabei unterstützt werden, „ihre geschlechtliche Identität sowie se- xuelle Orientierung zu nden und anzunehmen“. In Deutsch, Kunst, Musik, Religionslehre und Ethik sollen die Schüler lernen, verschie- denste sexuelle Orientierungen wie Hetero-, Homo-, Bi-, Trans- und Intersexualität zu akzeptieren. Im Hinblick auf stereotype Geschlech- terrollen und Fremdzuschreibun- gen sollen sie außerdem ihre eigene sexuelle Identität „im Spannungs- feld gesellschaftlicher Normen, sozialer Umwelt und persönlicher Freiheit“ hinterfragen. Auch Pro Familia unterstützt den neuen Fokus auf unterschied- liche Rollen- und Identitätsbilder. Die emen seien ohnehin seit Jahrzehnten Konsens im größten deutschen Beratungsnetzwerk für sexuelle Aufklärung, sagte eine Be- raterin. „Für die Lehrer ist Sexua- lität in der Regel ein schwieriges ema. Sie sind froh, wenn externe Berater in die Schule kommen, um mit den Schülern über Sexualität zu sprechen.“ Online-Broschüren von Pro Familia, die sich an Teen- ager richten, betonen, wie normal es sei, „längere Zeit mit beiden Ge- schlechtern“ zu experimentieren. Der Lehrerverband kritisierte, daß in den Grundschulen keine außerschulischen Experten hin- zugezogen werden dürfen. Die vor nun bald sechs Jahren erlassene Anweisung für Grundschulen, sich keine externen Berater, wie Pro Familia oder Donum Vitae, in die Schule zu holen, sollte drin- gend überdacht werden.

MARCUS SCHMIDT

D ie Vorwürfe wiegen schwer, die Maßnahme war drastisch. Auch zwei Wochen nach dem

Überraschenden Beschluß des AfD- Bundesvorstands, den saarländischen Landesverband aufzulösen (JF 14/16), weil die dortige Parteiführung Kontakt zu Rechtsextremisten aufgenommen hatte, sorgt die Entscheidung über die AfD hinaus für Aufsehen. Denn in der Parteiengeschichte der Bundesrepublik nden sich nicht viele Fälle, in denen eine Parteispitze so rabiat durchgegri en hat. AfD-Bundesvorstandsmitglied Dirk Driesang fällt nur ein vergleichbares Bei- spiel ein. „1985 haben die Grünen in West-Berlin einen Landesverband aufge- löst“, berichtete er der jungen freiheit. Die Begründung damals: Der Verband sei von Rechtsradikalen unterwandert worden. Driesang ist im Bundesvorstand der AfD für das Saarland zuständig und hat die parteiinternen Untersuchungen ge- leitet, die vor zwei Wochen zur Au ö- sung des Landesverbandes führten.

Bundesparteitag hat das letzte Wort

Mittlerweile hat der abgesetzte Vor- stand um Landeschef Josef Dörr und dessen Stellvertreter Lutz Hecker seine Verteidigung organisiert und das Bun- desschiedsgericht eingeschaltet. „Wir sind derzeit kaltgestellt und haben nur noch eine Funktion – wir dürfen uns wehren“, sagte Dörr der jungen frei- heit. Dörr und seine Mitstreiter weisen die Vorwürfe des Bundesvorstands, sie hätten gezielt Kontakt zu Rechtsextremi- sten gesucht, entschieden zurück. Davon unabhängig halten sie die Au ösung des gesamten Landesverbandes für unver- hältnismäßig. Schließlich richteten sich

ländische AfD-Mitglieder als „Emissäre“ der Bundesspitze. Viel Zeit für den Neu- anfang ist nicht. Bereits in einem Jahr stehen im Saarland Landtagswahlen an. Und der Neuaufbau der Saar-AfD ist für den Bundesvorstand nicht ohne Risiko. Denn trotz der Au ösung des Landes- verbandes hat sich an der Mitglieds- struktur bislang nichts geändert. Auch die geschaßten Vorsitzenden Dörr und sein Stellvertreter Hecker sind nach wie vor Mitglieder der Partei. Zwar heißt es aus der AfD, gegen beide werde ein Parteiausschlußverfahren angestrengt. Doch o ziell in die Wege geleitet wor- den ist es o enbar noch nicht. „Ich weiß davon nichts“, sagt Dörr.

Abstimmung über von Storch und Pretzell

So besteht bis auf weiteres die Mög- lichkeit, daß die alten Machtstruktu- ren, denen der AfD-Bundesvorstand mit seinem Au ösungsbeschluß eigent- lich ein Ende bereiten wollte, auch im neuen Landesverband bald wieder die Fäden in der Hand halten. „Diese Ge- fahr sehen wir auch. Derzeit überlegen wir, wie wir das verhindern können“, sagt Driesang. Nicht weit vom Saarland entfernt, in Straßburg, fällt in der kommenden Wo- che eine weitere wichtige Entscheidung für die AfD. Am Dienstag stimmt die Fraktion der Europäischen Konserva- tiven und Reformer (EKR) im Euro- päischen Parlament darüber ab, ob die beiden verbliebenen AfD-Abgeordneten Beatrix von Storch und Marcus Pretzell Mitglieder bleiben dürfen. Anfang März hatte der Fraktionsvorstand die beiden zum Austritt aufgefordert. Zuvor hat- te die Fraktionsspitze einen Antrag auf Ausschluß der beiden AfD-Politiker kurzfristig zurückgezogen, nachdem sich abgezeichnet hatte, daß es dafür in der Fraktion keine Mehrheit geben würde. Ob sich dies mittlerweile geändert hat, gilt in Straßburg als o en.

Parteien, Verbände, Personen

AfD-Fraktion Sachsen Die Ausgaben Sachsens für Rück- kehrberatungen für Asylbewerber mit geringer Anerkennungswahr- scheinlichkeit sind auf Kritik der AfD-Landtagsfraktion gestoßen. „Es ist nicht vermittelbar, warum die Bundesregierung im großen Stil Asylbewerber aus sicheren Herkunftsstaaten und Nicht- Kriegsgebieten nach Deutschland einreisen läßt, die hier keinen An- spruch auf Asyl haben“, sagte der innenpolitische Sprecher der Frak- tion, Sebastian Wippel. „Nun gibt Sachsen mehrere hunderttausend Euro Steuergelder aus, um diese unberechtigten Asylbewerber zur freiwilligen Rückkehr zu bewegen. Eine bürgernahe Asylpolitik sieht anders aus“, kritisierte Wippel. Eine Kleine Anfrage der AfD- Fraktion hatte ergeben, daß der Freistaat 585.000 Euro für Rück- kehrberatungen ausgegeben hat.

Bund der Steuerzahler Mit Blick auf die Enthüllungen über Briefkasten rmen in Pana-

ma hat der Bund der Steuerzahler Transparenz gefordert. „Niemand darf in den Genuß kommen, sich Vorteile durch bestimmte Ge- schäftsmodelle zu verschaffen. Zwar ist der Besitz einer Brief- kasten rma nicht strafbar, aber durchaus fragwürdig“, sagt der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Rei- ner Holznagel. Es sei daher richtig, daß die Bundesregierung den Weg der internationa- len Zusammenarbeit fortsetze. „Die Bürger dürfen nicht das Ge- fühl haben, daß andere

ihre Steuern nicht oder

nicht vollständig zahlen. Steuern müssen gleich- mäßig erhoben werden“, mahnte der Steuerzahlerpräsident. Bundes- regierung und Strafverfolgungsbe- hörden müßten für Fairneß und Vertrauen sorgen. „Soweit deutsche Bürger oder Institutionen betro en sind, muß der Sachverhalt vollstän- dig aufgeklärt werden.“

Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien Neue Vorsitzende der Bundes- prüfstelle für jugendgefährdende Medien ist Martina Hannak- Meinke. Sie war zuletzt Leiterin des Referates Grundsatzangele- genheiten der Engagementpolitik des Bundesfamilienmi- nisteriums. Als Juristin begann ihre beru iche Laufbahn 2003 als Re- ferentin in der Bundes- prüfstelle für jugendge- fährdende Medien, von 2008 bis 2016 war sie in unterschiedlichen Bereichen im Famili-

enministerium tätig. „Die Bundesprüfstelle leistet innerhalb des vielschichtigen Kinder- und Ju- gendmedienschutzes einen wich- tigen Beitrag, um das Aufwachsen Minderjähriger in einer digitali- sierten Gesellschaft zu gestalten“, sagte Hannak-Meinke. Die Bun- desprüfstelle für jugendgefährden- de Medien ist zuständig für die

für jugendgefährden- de Medien ist zuständig für die Holznagel Indizierung von Träger- und Tele- medien mit

Holznagel

Indizierung von Träger- und Tele- medien mit jugendgefährdendem Inhalt auf Grundlage des Jugend- schutzgesetzes.

Deutscher Bundeswehrverband Einen Richtungswechsel in der Verteidigungspolitik hat der Deutsche Bundeswehrverband

gefordert. In einem Grundsatz- papier fordert der Verband eine deutliche Aufstockung des Wehr- etats und mehr Personal. „Noch in diesem Jahr muß das ‘Militäri- sche’ wieder in den Mittelpunkt gerückt werden“, sagte Verbands- chef Oberstleutnant André Wüstner. „Das Bundesministerium der Verteidigung muß den Schwerpunkt von den ‘nice to haves’ wie bei- spielsweise Flatscreens in Unterkünften auf die ‘must haves’ verlegen:

Munition, Wa ensyste- me, persönliche Ausrü-

stung, Ersatzteile.“ Der

Wehretat müsse von derzeit 34,3 Milliarden Euro auf 45 Milliar- den im Jahr 2021 erhöht werden. Bisher plant die Bundesregierung eine Erhöhung auf 39,2 Milliarden Euro bis 2020.

Deutsche Polizeigewerkschaft Nach Au assung der Deutschen Polizeigewerkschaft müssen nach den Terroranschlägen am Brüsse- ler Airport und in der Brüsseler U-Bahn auf europäischer Ebene weitreichende Entscheidungen ge- tro en werden. Dazu gehöre auch die Einrichtung eines europäischen Terror-Abwehrzentrums anlog zum deutschen Gemeinsamen Abwehr- zentrum des Bundes und der Länder. „Bei der Terrorismusabwehr brauchen wir eine viel engere Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa und dazu ge- hört auch eine engere Zusammenarbeit der

und dazu ge- hört auch eine engere Zusammenarbeit der Wüstner Nachrichtendienste der europäischen Staaten“,

Wüstner

Nachrichtendienste der

europäischen Staaten“,

sagte der Vorsitzende der

Bundespolizeigewerk-

schaft, Ernst G. Walter. Alle 28 europäischen Mitgliedsstaaten müß- ten dazu verpflichtet werden, ihre Erkennt-

nisse zu Terrorverdäch-

tigen in das bei Europol eingerichtete Terrorzen- trum einzuspeisen; bislang tun dies nur fünf Staaten.

trum einzuspeisen; bislang tun dies nur fünf Staaten. Becker verbundene Kinderer- ziehungsleistung bei der

Becker

verbundene Kinderer- ziehungsleistung bei der Bemessung der Beiträge zur Renten-, Kranken- und P egeversicherung zu berücksichtigen. „Wir geben jetzt dem höchsten deutschen Gericht die Gelegen- heit, in konsequenter Fortführung seiner bisherigen Rechtspre- chung Familiengerechtigkeit in der Sozialversicherung herzustel- len. Der Beitrag, den Eltern mit der Erziehung von Kindern für die Sozialversicherung leisten, muß endlich anerkannt werden“, sagte der Präsident des Familienbundes, Stefan Becker.

Junge Liberale Der 27 Jahre alte Konstantin Kuhle ist in seinem Amt als Bun- desvorsitzender der Jungen Libera- len (JuLis) bestätigt worden. Die Delegierten des 52. JuLi-Bundes- kongresses in Leipzig bestätigten am vergangenen Wochenende den

Familienbund der Katholiken Die vom Familienbund der Ka- tholiken unterstützte Familie Essig hat in der vergangenen Woche in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen die ungerechte Beitragser- hebung in der deutschen Sozial- versicherung erhoben. Die Familie wendet sich damit gegen ein Ur- teil des Bundessozialgerichts, das es nicht für verfassungsrechtlich geboten erachtet hatte, die mit erheblichen nanziellen Kosten

Juristen aus Niedersachsen mit 83 Prozent der Stimmen. In seiner Erö nungsrede hatte Kuhle zuvor an den verstorbenen ehemaligen Außenminister und FDP-Eh- renvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher erinnert. Ebenfalls wie- dergewählt wurde als stellvertre- tender Bundesvorsitzender der 27 Jahre alte Florian Philipp Ott aus Krefeld (81 Prozent). Neue stell- vertretende Bundesvorsitzende wurden die 24jährige Studentin Ria Schröder aus Hamburg (74 Prozent) sowie der 20 Jahre alte Phil Hackmann aus München (60 Prozent).

Mitteilungen für diese Rubrik senden Sie bitte an die Politikredaktion, Hohenzollerndamm 27 a, 10713 Berlin,

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JUNGE FREIHEIT Nr. 15 /16 | 8. April 2016

P O L I T I K | 5

FOTO: PICTURE ALLIANCE/DPA

Vorzugsbehandlung für Asylbewerber

Einwanderung: Der Widerstand gegen das von Bundesinnenminister Thomas de Maizière geplante Integrationsgesetz wächst

MICHAEL PAULWITZ

D ie kleine Harmonie in der Gro- ßen Koalition hielt nur übers Wochenende. Dann attackier-

ten nach der Opposition auch SPD- Politiker die von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgestell- ten Leitlinien für ein „Integrationsge- setz“. Hauptkritikpunkt: die vorgese- henen Auflagen und Sanktionen für als „Flüchtlinge“ anerkannte Einwanderer, die Integrationsmaßnahmen verweigern. Wer sich weigere, Deutsch zu lernen oder Arbeitsangebote anzunehmen, solle künftig nicht automatisch bereits nach drei Jahren einen unbefristeten Aufent- haltsstatus erhalten, kündigte der Bun- desinnenminister an. Damit solle die „Privilegierung“ von als „Flüchtlinge“ ins Land gekommenen Ausländern ge- genüber anderen Einwanderern beendet werden, die nur dann eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis bekommen, wenn sie Deutsch können, ihren Le- bensunterhalt selbst verdienen und Kenntnisse der deutschen Rechts- und Gesellschaftsordnung nachweisen. Die Integrationsbeauftragte der Bun- desregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), will dagegen an der be- vorzugten Behandlung von Ausländern mit Flüchtlingsstatus ausdrücklich fest- halten. Dabei geht es offenkundig dar- um, die Umfunktionierung des Flücht- lingsstatus zum Einwanderungstatbe- stand festzuschreiben. Die Feststellung de Maizières, „wer keinen Sprachkurs besucht und sich nicht um Arbeit be- müht, der soll in Zukunft in Deutsch- land nicht dauerhaft bleiben können, wenn keine Fluchtgründe mehr beste- hen“, spielt nämlich, wenngleich nur zaghaft, auf eine Selbstverständlichkeit an, die freilich in der deutschen Verwal-

an, die freilich in der deutschen Verwal- Integrationskurs für Frauen in Mainz: Bringschuld

Integrationskurs für Frauen in Mainz: Bringschuld bleibewilliger Einwanderer

tungspraxis kaum noch eine Rolle spielt:

Wer als Flüchtling im Sinne der Genfer Konvention aufgenommen wird, hat Anspruch auf Aufenthalt nur so lange, bis eine sichere Rückkehr möglich ist. Hunderttausende Bosnien-Flüchtlinge mußten deshalb nach Beendigung der Balkankriege 1995 wieder in ihre Heimat zurückkehren. Auf der politischen Linken werden solche Differenzierungen nicht mehr vor- genommen. Kritiker de Maizières wie Linksparteichefin Katja Kipping oder Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter heben darauf ab, daß es gar nicht genug Sprachkurse und „Integrationsangebote“ seitens der Bundesregierung gebe, als wä- ren Integrationsbemühungen nicht in er-

ster Linie eine Bringschuld bleibewilliger Einwanderer. Solange der „Fluchtgrund“ bestehe, werde auch keiner wieder aus- gewiesen, stellt de Maizière selbst klar. Dem Innenminister geht es, in der In- terpretation des Rechtswissenschaftlers Daniel Thym, „um Bedingungen für die Staatsbürgerschaft light, die ein un- befristeter Aufenthaltstitel ja ist“; seine Kritiker scheinen solche Bedingungen an sich abzulehnen. Auch EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) stimmt in diesen Chor ein. Er kritisiert darüber hinaus die vorgese- henen Wohnsitzauflagen für anerkannte Flüchtlinge, solange diese auf Sozial- leistungen angewiesen sind und ihren Unterhalt nicht selbst sichern können.

Dadurch, daß auch anerkannte Flücht- linge sich an dem Ort aufhalten, „wo wir das als Staat für richtig halten, und nicht, wo das der Flüchtling für richtig hält“, soll „Ghettobildung“ verhindert werden, erläutert der Bundesinnenmini- ster. Grundsätzlich unterstützt die SPD dieses Ziel; Parteichef Sigmar Gabriel und der Parteilinke Ralf Stegner haben sich ebenso dafür ausgesprochen wie die Integrationsbeauftragte Özoguz. Zustim- mung kommt auch vom Städte- und Gemeindetag und von den betroffenen Länderministern. Daß Asyl-Immigranten sich bevor- zugt in Ballungsräumen niederlassen, wo sie auf bestehende Parallelgesellschaften treffen, ist für Berlin und viele andere

Großstädte eine erhebliche soziale Be- lastung, von der sie sich Erleichterung durch die Wohnsitzfestschreibung er- hoffen. Bei Befürwortern im linken Lager mag auch der unausgesprochene Hintergedanke mitspielen, durch Um- lenken der Migrantenströme in dünner besiedelte ländliche Räume vor allem in Mitteldeutschland noch bestehende ethnisch homogene Siedlungsstrukturen aufzubrechen. Angesichts des absehbaren Wiederan- steigens der Wanderungsströme, die sich bereits neue Wege anstelle der geschlosse- nen „Balkanroute“ suchen, wird sich die Unterbringungsfrage schnell zuspitzen. Und während es bei der Umsetzung von Merkels Türkei-Pakt in puncto Rückfüh- rung aus Griechenland weiter hakt, ist der vereinbarte Transfer syrischer Kriegs- flüchtlinge aus türkischen Lagern nach Deutschland bereits angelaufen. Der Opposition und de Maizières innerkoalitionären Kritikern ist es ge- lungen, die Debatte um das Integrations- gesetz auf die Forderung nach mehr Geld für staatliche „Integrationsangebote“ zu verengen und die reale Anpassungsun- willigkeit vieler Asylbewerber rundweg zu leugnen. Ob es angesichts der hohen jährlichen Zuzugsraten überhaupt mög- lich ist, auf Gesetzespapier geschriebene Auflagen durchzusetzen und „Integra- tion“ mit Kursen und Verwaltungsak- ten zu verordnen, wird dagegen kaum diskutiert. Immerhin verweist die frühere SPD- Bundestagsabgeordnete Lale Akgün auf Probleme aufgrund kultureller Unter- schiede und Haltungen vieler Einwan- derer, die wohl nicht einfach per Gesetz „überwunden“ werden könnten. Selbst ein Umerziehungsprogramm analog zur „Reeducation“ der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg, wie es Welt-Autor Alan Posener ins Spiel gebracht hat, dürfte da wohl an seine Grenzen stoßen.

Das georgische Problem

Kriminalität: Die gestiegene Zahl der Wohnungseinbrüche versetzt Sicherheitsbehörden und Politiker in Alarmbereitschaft

PAUL LEONHARD

E in einziger Wohnungseinbruch in Osnabrück hat es geschafft, die

deutsche Politik und vor allem die Gerichte zu sensibilisieren: Am Oster- sonnabend waren zwei Kriminelle in das Haus einer 77 Jahre alten Frau eingebrochen. Weil ein Nachbar sofort die Polizei alarmierte, konnten die Täter gefaßt werden. In Untersuchungshaft kamen sie indes nicht. Der Mann hatte einen festen Wohnsitz. Die Einbrecherin gab an, sich erst wenig Tage im Land aufzuhalten und noch nicht strafbar geworden zu sein. Ein alltäglicher Fall in Deutschland, wo alle drei Minuten eine Wohnung aufgebrochen wird. Brisanz hat der konkrete Fall lediglich erhalten, weil

der Sohn des Opfers, Michael Wolting, Präsident des Amtsgerichs Leipzig ist. Wolting protestierte beim Gerichts- präsidenten in Osnabrück, sprach von einer „Fehlentscheidung“ und vom sin- kenden Sicherheitsgefühl innerhalb der Bevölkerung und drohte an, „falls erneut

etwas geschieht“, die Verantwortlichen „persönlich zur Rechenschaft“ zu ziehen. Für die Polizei ist dieser Fall mit prominentem Opfer wie seinerzeit der Diebstahl des Privatautos von Bundesin- nenminister Thomas de Maizière (CDU) durch polnische Kriminelle ein Glücks- fall. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert schon seit langem angesichts der steigenden Zahl von Wohnungseinbrü- chen neue Maßnahmen zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität: Der bisher häufig bei Gericht angewandte „min- derschwere Fall“ soll abgeschafft und Wohnungseinbrüche grundsätzlich als „schwere Straftat“ behandelt werden. „Es muß endlich gehandelt werden, sonst bekommen die Bürger den Eindruck“, so Gewerkschaftschef Rainer Wendt, „Deutschland fällt unter die Räuber“. Das ist es längst, wie Statistiken zei- gen. Insbesondere kriminelle Banden aus Georgien haben Deutschland als lohnenswertes Ziel mit geringem Risi- ko, verurteilt zu werden, entdeckt. Das Problem mit der Kriminalität von Men- schen aus Georgien sei „unübersehbar“, räumte Bayerns Innenminister Joachim

Herrmann (CSU) ein. „Wir haben sehr stark den Eindruck, daß Georgier ver- stärkt als Asylsuchende hierher kommen, nur um hauptsächlich Diebstähle zu be- gehen“, sagte Herrmann der Huffington Post. Von mehreren tausend Tätern ins- besondere aus Georgien, die das Asyl- verfahren nutzen, um in Deutschland Straftaten zu begehen, spricht der Prä- sident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. Laut eines BKA-Lage- berichts lenkt eine russisch-georgische Mafia die Taten und wirbt in Georgien junge Männer an. Das Landeskriminal- amt in Nordrhein-Westfalen spricht von „russisch-eurasischen Bandenstruktu- ren“. Gezielt würden Apotheken, Juwe- liergeschäfte und Elektronikgeschäften ausgeraubt. Die bisher bekanntgewordenen Zah- len zur Einbruchskriminalität 2015 zeigen steigende oder anhaltend hohe Tendenzen. In Hamburg ist die Zahl der Wohnungseinbrüche um 20 Prozent auf mehr als 9.000 Fälle gestiegen, in Nordrhein-Westfalen von 45.000 auf 62.000, was einem Plus von 18 Prozent entspricht. In Berlin kletterte die Zahl

der Einbrüche in Häuser und Villen um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Schleswig-Holstein um 12,3 Prozent. „Die vielerorts zweistelligen Zuwachs- raten korrespondieren leider mit einer niedrigen Aufklärungsquote“, klagt Wendt. In Schleswig-Holstein von über zwölf auf unter zehn Prozent.

Beamte durch laxe Gerichte demotiviert

Wendt fordert gegen die reisenden Täter und die bandenmäßig organi- sierte Kriminalität neue Ermittlungs- instrumente einzusetzen, um durch Datenerfassung und -auswertung Struk- turen und Verhalten von Kriminellen vorherzusagen. Die innere Sicherheit sei durch die zunehmenden Einbrüche schwer belastet, sagt der stellvertreten- de Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek: Für die meisten Bürger sei es ein traumatisches Erlebnis, wenn die eigenen vier Wände von Einbrechern durchwühlt wurden. „Von bloßen Beschwichtigungen und Ankündigungen lassen sich organisierte

Kriminelle nicht abschrecken“, sagte Ra- dek und forderte eine sichtbare Präsenz der Polizei in Wohngebieten. Die Sparpolitik hat die Polizei ge- zwungen, sich aus der Fläche zurück- zuziehen. Dazu kommt der laxe Umgang der Gerichte mit Eigentumsdelikten, der die Beamten demotiviert. So gibt es nicht wenige Fälle, bei denen Polizisten ein und denselben Einbrecher mehrfach am Tag festnehmen konnten und nach der Personalaufnahme laufen lassen mußten. Längst fürchten ausländische Kriminelle im östlichen Grenzgebiet nur eines: von polnischen oder tschechischen Streifen festgenommen zu werden, die nun grenz- übergreifend tätig werden dürfen, und jenseits der Grenze in Untersuchungshaft zu landen. Die Osnabrücker Täter wurden üb- rigens schnell erneut gefaßt: Sie hatten einen geklauten Mercedes zu Schrott gefahren. Wohl mit Blick auf die Dro- hung des Leipziger Gerichtspräsidenten wanderten die lettischen Kriminellen diesmal in Untersuchungshaft.

die lettischen Kriminellen diesmal in Untersuchungshaft. Kommentar Seite 2 Einwanderer: Bis zu 500.000 unregistriert

Kommentar Seite 2

Einwanderer: Bis zu 500.000 unregistriert

BERLIN. In Deutschland halten sich derzeit möglicherweise bis zu 500.000 unregistrierte Asylsuchen- de auf. Das berichtete die Bild- Zeitung unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. „Viele Migranten melden sich nicht bei den Behörden aus Angst, abgewie- sen zu werden“, zitiert die Zeitung Ministeriumskreise. Bundesin- nenminister Thomas de Maizière (CDU) bezeichnete den Bericht in der ARD als „absurd“. Die Bild zitierte zudem aus einer Zwischen- bilanz des Bundeskriminalamts (BKA) zur Asylkrise. Demnach begingen vor allem Einwanderer aus den Balkanländern Straftaten. Syrer, Afghanen und Iraker fielen dagegen weniger auf. Untersucht habe das BKA auch die Übergrif- fe in der Silvesternacht in Köln. Danach stecke kein organisiertes Verbrechen dahinter. Die Über- griffe seien kulturell begründet. (ls)

Länder: Integration kostet das Doppelte

BERLIN. Die Bundesländer rech- nen in diesem Jahr mit 16,7 Mil- liarden Euro an Asylkosten. Das entspricht einer Verdoppelung der Ausgaben für Integration und Wohnungen für Asylsuchende ge- genüber dem Vorjahr, berichtet das Handelsblatt. Die Kosten für die Bewältigung der Asylkrise machen demnach einen Anteil von drei bis sechs Prozent der jeweiligen Lan- deshaushalte aus. Davon soll der Bund einen zweistelligen Milliar- denbetrag übernehmen. Dieser ha- be aber nur etwa acht Milliarden Euro in seinem Budget bereitge- stellt. Davon sollen wiederum rund vier Milliarden Euro an die Länder weitergegeben werden. Der Groß- teil der Kosten falle für Sprach- und Integrationskurse sowie für Wohnungen an. „Wir brauchen eine neue Kostenverteilung in der Größenordnung, daß der Bund ei- nen zweistelligen Milliardenbetrag zusätzlich übernimmt“, sagte die rheinland-pfälzische Ministerprä- sidentin Malu Dreyer (SPD). (ls)

NPD: Straßburg fordert Stellungnahme

HAMBURG. Im Fall des NPD- Funktionärs Peter Marx, der 2008 nicht für das Amt des Schweriner Oberbürgermeisters kandidie- ren durfte, hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrech- te die Bundesregierung zu einer Stellungnahme aufgefordert. Die Straßburger Richter wollen unter anderem wissen, ob die verhinder- te Kandidatur in den Augen der Bundesregierung eine Beeinträch- tigung der Meinungs- und Vereini- gungsfreiheit darstellt und ob diese in einer demokratischen Gesell- schaft „notwendig“ sei, berichtet der Spiegel. Der Gemeindewahl- ausschuß in Schwerin hatte 2008 Marx’ Kandidatur – er war damals Geschäftsführer der NPD-Frakti- on im Landtag von Mecklenburg- Vorpommern – wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue abgelehnt. Nachdem deutsche Gerichte die- se Entscheidung bestätigt hatten, hatte Marx den Gerichtshof für Menschenrechte angerufen. (ms)

Marx den Gerichtshof für Menschenrechte angerufen. (ms) PAUL ROSEN W as macht eigentlich Friedrich Merz? Der

PAUL ROSEN

W as macht eigentlich Friedrich Merz? Der inzwischen 60 Jahre

alte frühere CDU-Politiker galt als Hoffnungsträger der Konservativen in der Union. Wenn der brillante Redner Merz von „Leitkultur“ sprach, hielten Linke, Grüne, Sozialdemokraten, Libe- rale und eigene Parteifreunde den Atem an. Rhetorisch und intellektuell konnten sie alle gegen ihn nicht bestehen. Aber mit einer zusammen mit dem damaligen CSU-Vorsitzenden Edmund Stoiber fein gesponnenen Intrige fegte CDU-Chefin Angela Merkel den Sauerländer nach der Bundestagswahl 2002 aus dem Amt des

Zwischen Reichstag und Kanzleramt

Kundige Thebaner

Fraktionsvorsitzenden. Merz wechselte später in eine Rechtsanwaltskanzlei und verließ die Politik, ohne seine Kontakte in die Berliner Szene aufzugeben. In Berlin dürfte er sich bald wieder öfter blicken lassen. Merz, der das Steu- ersystem drastisch vereinfachen wollte („Bierdeckelerklärung“), verdingte sich bei der amerikanischen Fondsgesellschaft „Blackrock“. Mit einem Anlagevolumen von 4,6 Billionen Euro weltweit die größ- te Firma dieser Art. Fonds wie von Black- rock, aber auch von Deka, Uni, DWS und anderen sind derzeit der Renner an den Bankschaltern, weil es auf den klassischen Sparbüchern und für Tages- und Festgelder so gut wie keine Zinsen mehr gibt. Fonds versprechen dagegen Wertzuwächse durch Kursgewinne und Dividenden. Die Produkte von Black- rock & Co. sind für Banker die letzten Hoffnungsträger im dürren Privatkun-

dengeschäft. Und hier winken dicke Provisionen und Verwaltungsgebühren. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß nach Merz ein zweiter bekannter Name in der Fondsbranche auftaucht:

Jörg Asmussen wird Verwaltungsrat von „Generali Investments“, dem Fondsbe- reich des italienischen Versicherers. SPD-Mann Asmussen (49) begann seine Karriere im Bundesfinanzministe- rium, wo er als Abteilungsleiter für die Finanzinnovationen zuständig war, an denen die halbstaatliche Düsseldorfer Industriekreditbank (IKB) zugrunde ging. IKB-Aufsichtsratsmitglied Asmus- sen wollte jedoch von den gewagten Fi- nanzgeschäften nichts gewußt haben. Als die IKB für zehn Milliarden Euro vom Staat gerettet werden mußte, hieß es in Berlin, in Wirklichkeit sei Asmus- sen gerettet worden, der bis heute zur SPD-Personalreserve zählt und sich

gerade im vorgezogenen Ruhestand befindet. Das Gedränge bei den Fonds wundert nicht. Offenbar mit tatkräftiger Unter- stützung der Finanzbranche hat das Fi- nanzministerium einen Gesetzentwurf vorgelegt, der für Aktienfonds eine Steu- erfreiheit der Dividenden von 30 Prozent vorsieht (die Unternehmen werden im Gegenzug teilweise körperschaftsteuer- pflichtig). Da sind die Werbeaushänge an den Bankfilialen schon zu ahnen:

„Jetzt Dividenden steuerfrei kassieren“ oder „Aktienfonds mit Steuerbonus“. Erfahrungsgemäß schalten viele Deut- sche den Verstand aus, sobald das Wort „Steuerersparnis“ auftaucht. Es winken Milliardengeschäfte. Der Gesetzentwurf muß noch durch Bundestag und Bun- desrat, ein oft schwieriger Prozeß, bei dem kundige Thebaner wie Merz und Asmussen hilfreich wirken können.

http://jungefreiheit.de/umfrage-der-woche Terror in Brüssel: Sollten die Geheimdienste mehr Befugnisse bekommen? Nein,
http://jungefreiheit.de/umfrage-der-woche
Terror in Brüssel: Sollten die Geheimdienste mehr
Befugnisse bekommen?
Nein, dies würde nur
zu einer stärkeren Über-
wachung der Bürger
führen.
Ja, nur durch gut aus-
gerüstete Geheimdienste
kann Terror weitgehend
vermieden werden.
48 %
19 %
32 %
Nein, besser wäre es, den
islamischen Jugendlichen eine
Perspektive zu geben.
2 %
Ja, wichtig ist vor allem eine
bessere Kooperation
zwischen den Behörden.
abgegebene Stimmen gesamt: 463

Aktuelle Umfrage: Sinkende Flüchtlingszahlen: Ist die Asylkrise ausgestanden? Stimmen Sie ab unter www.jungefreiheit.de

Aktuelle Umfrage: Sinkende Flüchtlingszahlen: Ist die Asylkrise ausgestanden? Stimmen Sie ab unter www.jungefreiheit.de

6 | P O L I T I K

J UNGE FREIHEIT N r. 15 /16 | 8. April 2016

FOTO: PICTURE-ALLIANCE

Garnisionkirche: Gegner setzen sich durch

POTSDAM. Im Streit um den Wiederaufbau der Potsdamer Gar- nisionkirche haben die Gegner ei- ner Rekonstruktion einen Durch- bruch erzielt. Statt der komplet- ten Kirche soll nun nur noch der Turm wiedererrichtet werden. Die Mitgliederversammlung des För- dervereins für den Wiederaufbau der Garnisionkirche hat am ver- gangenen Wochenende das Ziel einer „historisch getreuen und vollständigen“ Errichtung einer Kopie des Gotteshauses aus der Satzung gestrichen. Damit ist der originale Wiederaufbau des Kir- chenschi es vom Tisch. Durch die Satzungsänderung wird der Weg für ein zinsfreies Darlehen (JF 14/16) der Evangelischen Landes- kirche für die Rekonstruktion des 88 Meter hohen Turms frei. Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, hatte das Darlehen an die Bedingung geknüpft, es müsse „durch eine neue architektonische Gestaltung schon äußerlich deutlich werden, daß neben der historischen Kon- tinuität auch der Bruch mit der Tradition“ zum Ausdruck komme. Dadurch ist nun festgelegt, daß ein zu einem späteren Zeitpunkt möglicher Wiederaufbau des Kir- chenschi s nicht in historischer Form erfolgen darf. Hintergrund dieser Vorgabe ist der jahrelan- ge Streit um den Wiederaufbau der am Ende des Zweiten Welt- kriegs zerstörten und 1968 vom SED-Regime abgeräumten Gar- nisionkirche. Kritiker lehnen die Rekonstruktion des Gotteshauses ab, da dieses eine zentrale Rolle beim von den Nationalsozialisten

1933 inszenierten „Tag von Pots-

dam“ gespielt habe. (ms)

Fügung der Woche

Aufatmen im Auswärtigen Amt

Von Marcus Schmidt

N atürlich Bonn.

Bundespräsi-

Amt Von Marcus Schmidt N atürlich Bonn. Bundespräsi- dent Joachim Gauck hat zu Ehren Hans- Dietrich

dent Joachim Gauck hat zu Ehren Hans- Dietrich Genschers (FDP) für den 17. April einen Staatsakt im alten Plenarsaal am Rhein ange- setzt. Im Auswärtigen Amt dürfte diese Entscheidung für Erleichte- rung sorgen – verbunden mit der Ho nung, von unangenehmen Fragen verschont zu bleiben. Denn unter Außenminister Joschka Fischer (Grüne) hatte das Amt 2003 beschlossen, ver- storbenen Mitarbeitern, die vor

1945 Mitglied der NSDAP wa-

ren, ein „ehrendes Andenken“ zu verweigern. Dumm nur, daß die früheren Minister Genscher und Walter Scheel (FDP) ebenfalls Mitglieder der NSDAP waren. Schnell versicherte das Amt, bei beiden eine Ausnahme zu machen. Im Fall Genschers hat sich durch den Staatsakt diese peinliche Aus- nahmeregelung nun erübrigt.

Mehr Taktiker als Stratege

Nachruf: Hans-Dietrich Genscher hat sich vor 1989 nie zu einer operativen Wiedervereinigungspolitik entschließen können

DETLEF KÜHN

H ans-Dietrich Genscher, der am 31. März im Alter von 89 Jah- ren verstarb, war nicht nur einer

der bekanntesten deutschen Politiker, sondern auch ein eifriger Erzähler von Witzen. Einer seiner Lieblingswitze, den er schon in den siebziger Jahren gern erzählte, ging so: Eilmeldung von dpa:

Zwei Flugzeuge sind über dem Atlantik kollidiert; in beiden saß Genscher.

Wie viele Politikerwitze hatte auch dieser einen realen Kern. Genscher, von 1969 bis 1974 Bundesinnenminister und dann bis 1992 Außenminister so- wie langjähriger Bundesvorsitzender der Freien Demokraten (FDP), verstand es vom Anfang seiner Karriere an meister- haft, seinen Nimbus der „Allgegenwart“ zu p egen, nicht zuletzt auch bezogen auf seine Medienpräsenz. Schon als Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion seit 1965 war Genscher ein Liebling der Medien, wie der Autor dieses Nachrufs als Geschäfts-

führer des Arbeitskreises I der Fraktion zuständig für Außen-, Deutschland- und Verteidigungspolitik damals aus nächster Nähe beobachten konnte. Als Außenmi- nister war er fast täglich im Fernsehen zu sehen, auch wenn er in der Sache nur selten Substantielles zu berichten hat- te. Diese Methode der Mediennutzung haben seine Amtsnachfolger fortgesetzt, auch wenn sie es nicht zu seiner Perfek- tion brachten. Das Verhältnis zur DDR, die Be- mühungen um den Zusammenhalt der Nation standen in der Zeit der Großen Koalition von 1966 bis 1969 im Mit- telpunkt der Politik der FDP, damals die einzige Opposition im Bundes- tag. Nationalliberal zu emp nden war für alle Abgeordneten der FDP eine Selbstverständlichkeit – unabhängig davon, ob ihr Interesse sonst mehr der Wirtschaftspolitik oder den Bürger- rechten galt. omas Dehler und Erich Mende waren die wichtigsten Protagonisten dieser Politik. An ihre Seite trat nun Hans- Dietrich Genscher.

Politik. An ihre Seite trat nun Hans- Dietrich Genscher. Viel ieger Genscher als Außenminister im Flugzeug

Viel ieger Genscher als Außenminister im Flugzeug (1992): Auf den fahrenden Zug aufgesprungen

Er, der seiner Heimatstadt Halle lei- denschaftlich verbunden war, vertrat diese Politik o ensiv. Die FDP-Fraktion brachte im Bundestag den Entwurf eines „Generalvertrags“ mit der DDR ein, der 1972/73 dem Grundlagenvertrag mit der DDR zugrunde liegen sollte. Ent- scheidend war, daß die DDR-Regierung als Machtfaktor anerkannt wurde, ohne daß die DDR deshalb völkerrechtlich Ausland wurde. Das Bundesverfassungs- gericht hat diese Konstruktion mit der Maßgabe als grundgesetzkonform be- trachtet, daß alle Organe der Bundes- republik verp ichtet sind, am Ziel der Wiedervereinigung festzuhalten und diese aktiv anzustreben. Genscher, dem im Innenministerium auch eine Ver- fassungsabteilung unterstand, hat diese Festlegungen selbstverständlich aktiv begleitet. Es bleibt allerdings auch in der Rück- schau eine Tragödie, daß auch die FDP – ebenso wie die anderen staatstragenden Parteien – sich bis zur friedlichen Revo- lution der Deutschen in der DDR im Herbst 1989 nie entschließen konnte, eine operative Wiedervereinigungspolitik zu betreiben. Der Bundesaußenminister Genscher wurde am Ende sogar noch von Bundeskanzler Helmut Kohl düpiert, als dieser, der bis dahin, ebenso wie Gen- scher auch, in seiner Partei alle entspre- chenden Initiativen abgeblockt hatte, am 28. November 1989 im Bundestag ein 10-Punkte-Programm vortrug, in dem endlich nach Monaten des Schweigens die Perspektive Einheit angesprochen wurde. Diese Erklärung war mit Gen- scher nicht abgesprochen. Er konnte nur noch auf den bereits fahrenden Zug zur Wiedervereinigung aufspringen. Dies war charakteristisch für Gen- schers Einstellung zur Politik. Er war

ein gewiefter Taktiker, der alle Antennen ausgefahren hatte, um die geringsten Be- wegungen des Zeitgeistes zu registrieren. Ein Stratege, der die notwendigen Festle- gungen traf und dann mutig voranging, war er nicht. Das wurde auch in seiner Einstellung zu Europa deutlich. Gen- scher sprach, ebenso wie Gorbatschow, gern über das europäische Haus, in dem sich viele Wohnungen befänden. Darüber, wie sich das auf die Lage im geteilten Deutschland und das Ziel der Wiedervereinigung auswirken könnte, re ektierte er bis 1989 ö entlich nicht. War es tatsächlich denkbar oder gar ak- zeptabel, daß die Deutschen in einem ge- meinsamen europäischen Haus weiterhin im Zustand der Teilung leben müßten, wenn auch vielleicht „entspannter“?

Nachwirkungen auf die Eurokrise

Genscher hat sich und damit die FDP stets um die Entscheidung gedrückt, ob die Liberalen nun ein „Europa der Vaterländer“ oder einen europäischen Bundesstaat anstreben sollten. Diese Unentschlossenheit belastet Deutsch- land und damit auch Europa bis heute, wie etwa an dem endlosen Drama der Euro-Rettung zu erkennen ist. Hans-Dietrich Genscher wird seinen Platz in der Geschichte nden. Ob sein Bild allerdings so positiv ausfällt, wie das viele Nachrufe suggerieren, ist zweifel- haft. Sicher ist nur: Genschers Auftritt am 30. September 1989 auf dem Balkon der (west-)deutschen Botschaft in Prag wird im europäischen Gedächtnis ver- ankert bleiben. Bei dem tausendfachen Aufschrei der Deutschen aus der DDR läuft auch dem Autor dieser Zeilen im- mer noch ein Schauer über den Rücken.

„Refugees welcome“ – aber nicht bei uns

Berlin: Ein linker Verein weigert sich, einen von ihm genutzten Bauwagenplatz im Stadtteil Neukölln für Asylbewerber zu räumen

LUKAS STEINWANDTER

E in Mädchen kurvt langsam auf dem schmalen Trampelpfad in Richtung

Wagenburg. Abgesehen von einzelnen Autofahrern ist zur Mittagszeit weit und breit keine Menschenseele zu se- hen. Die Heranwachsende, nicht älter als 15, steigt vom Zweirad. Sie wolle auf dem Gelände der Wagenburg „Radikal Queerer Wagenplatz Kanal“ Freunde besuchen, erzählt die Jugendliche. „Wa- rum?“ fragt sie sofort hinterher. Bei der Bauwagensiedlung in der Kief- holzstraße 74 in Neukölln handelt es sich nach eigenen Angaben um ein „Projekt aus queeren, mehrheitlich ge üchteten Menschen, Migrant_innen, Schwarzen Menschen, PoC (People of Colour, Anm. JF) und Rrom_nja (Zigeuner, Anm. JF), mit unterschiedlichen politischen und sozialen Hintergründen“. Die Freunde lassen auf sich warten. Schließlich erscheinen drei junge Aus-

länderinnen und ein kleinwüchsiger, blasser Mann mit türkisfarbenen Haaren an einem der beiden Eingangstore. Das gesamte Gelände ist mit Maschendraht-

zaun abgegrenzt. Dunkle Planen verhin- dern neugierige Blicke. Ohne Anmel- dung sei es nicht möglich, aufs Gelände zu kommen, betont der Mann. „Sie kön- nen Ihre Karte an den Zaun hängen und wir rufen an. Wir haben einen eigenen Pressemenschen.“ Eines der Mädchen verhindert weitere Nachfragen: „ ere is no way, you get any answers at this point.“ Die Jugendliche mit dem Fahrrad erhält Einlaß. Das Tor wird nur so weit geö net, daß sie gerade so durchpaßt. Kaum betritt sie das Gelände, verschließt der junge Mann die Gittertür mit einem robusten Fahrradschloß. „Tschüß.“

„Rassistischer Mietvertrag“ abgelehnt

Hinter Zaun und Gitter leben 20 Menschen auf 8.000 Quadratmetern. Laut Informationen des Tagesspiegel für den Spottpreis von 800 bis 1.000 Euro im Monat. Unzählige Gartenlauben umringen die Wagenburg von Süden, Westen und Norden her. Auf der ande- ren Seite der Kiefholzstraße ebenfalls:

Gärten. Weil sich die Bewohner weigern, das Gelände für 500 Asylbewerber zu

räumen, geriet das Projekt jetzt in die Schlagzeilen. Der Berliner Senat will das Areal neben rund 70 weiteren Flächen zur Unterbringung von Asylsuchenden verwenden. Die Wagenburgler wollen davon nichts wissen. Zum einen hät- ten sie sich das Gelände „mühsam“ er- kämpft. Zum anderen lehnen sie „staat- lich organisierte Massenverwaltung“ ab und bemühten sich um die Scha ung „selbstverwalteter Räume“ . Es gehe nicht um die Asylbewerber, sondern darum, daß „der selbst organisierte Charak- ter des Platzes verlorengehen würde“, moniert eine Bewohnerin in der Welt. Zudem würde die Struktur auch von „Frauen*Ge üchteten und Migrant_in- nen Organisationen, wie z.B. ‘Women in Exile’ und ‘International Women Space’“ genutzt werden. „Wir sind links, aber keine linken Extremisten und lehnen Gewalt ab“, betont ihre Mitstreiterin. Asylbewerber auf „ihrem“ Grundstück bedeuteten mehr staatliche Kontrolle. „Wir solidarisieren uns mit den Kämpfen von Ge üchteten und für ein selbstbestimmtes Leben und ein Recht für jeden Menschen, seinen Wohnort selbst zu wählen. Wir sind gegen die

Politik von Lagern und Abschiebung“, beschreibt der Verein im Internet seine politische Ausrichtung. Die meisten Nachbarn wissen von alldem nichts. „Ich habe hier nur meinen Garten, was hinter dem Zaun geschieht, weiß ich nicht“, erzählt ein weißhaariger Mann. Ein anderer habe davon gehört, daß die 20 Bewohner auch nicht die von der Stadtverwaltung vorgeschlagenen 5.000 Quadratmeter für Asylbewerber freigeben wollen. „Ja, so sind se, alles kann jemacht werden, nur nicht mit uns“, beschwert er sich. Der Platz in der Kiefholzstraße ist nicht das einzige von Linken genutzte Grundstück in der Gegend. In der na- hen Karpfenteichstraße siedelt neben den Bahngleisen eine andere Gruppe. Unter dem Eingangsschild des „Projekt-Gelän- des Visionen e.V.“ kleben einige Refugee- und Anti-Rassismus-Plakate, eine Klin- gel gibt es nicht. „Vor einigen Wochen haben die sich ordentlich gezo t“, erzählt ein älterer Mann, der eine Gartenlaube auf der anderen Straßenseite hat. „Die wollten die Leute von da drüben nicht aufnehmen“, sagt er mit Blick auf die Wagenburgler. „Die sind aber nicht so

schlimm“, fällt ihm sein Gartennachbar ins Wort. Mit schlimm meinen die bei- den nächtliche Feten, die vor allem in den wärmeren Monaten statt nden. „Da stehen dann zig Fahrräder rum, und es gibt richtig Rambazamba.“ Doch außer einem Hund und einem langhaarigen Endzwanziger, der hinter einer Blech- hütte verschwindet, ist auf dem zweiten Grundstück heute niemand zu sehen. Wie geht es weiter mit der Wagen- burg? Der Nutzungsvertrag ist bereits 2013 ausgelaufen. Einen Folgevertrag lehnte die von der CDU-Neukölln als „Brigade Sorgenlos“ bezeichnete Gruppe ab. „Wir weigern uns, einen Vertrag zu unterzeichnen, in dem ein Paragraph den Aufenthalt von ge üchteten Perso- nen auf dem Gelände untersagt“, teilte der Verein auf seiner mittlerweile vom Netz genommenen Internetseite mit. Den Bewohnern sei durchaus bewußt, „wie kritisch dieser vertragslose Zustand“ sei, doch akzeptieren könnten sie einen „rassistischen Mietvertrag“ nicht. Bewe- gung herrscht auf dem Gelände trotz- dem. Nach gut einer Stunde trudelt der nächste Radfahrer, ein Mann mit langen Haaren, auf dem Trampelpfad ein.

So wehren Sie sich gegen den Großangriff auf Ihr Bargeld! ■ Der nächste dreiste Coup
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Bargeldverbot. Die EU arbeitet bereits an konkreten Plänen, das Bargeld 2018 vollständig abzuschaffen. Die Bürger werden
dadurch zu »gläsernen« und ferngelenkten Verbrauchern. Der Staat und viele Großkonzerne reiben sich die Hände.
In Italien, Frankreich, Spanien, Griechenland und anderen
Staaten Europas ist Cash längst nicht mehr fesch. Dort gel-
ten bereits heute Höchstgrenzen, bis zu denen der Kunde
in bar zahlen darf. Höhere Beträge müssen mit Karte begli-
chen werden. Unglaublich, aber wahr: In Schweden ist sogar
die Benutzung öffentlicher Toiletten nur noch per Handyzah-
lung möglich.
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mächtiges Finanzkartell bereits dafür, dass dies nicht mehr allzu
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AUSLAND, Seite 8 Kriegsführung: Mit Cyber- attacken wollen die USA fortan den IS lahmlegen

Mit Cyber- attacken wollen die USA fortan den IS lahmlegen THEMA HINTERGRUND, Seite 12 Islam: Jordaniens

THEMA

HINTERGRUND, Seite 12 Islam: Jordaniens König Abdullah II. kämpft um die Deutungshoheit

Jordaniens König Abdullah II. kämpft um die Deutungshoheit | 7 JUNGE FREIHEIT | Nr. 15 /16

| 7

JUNGE FREIHEIT | Nr. 15 /16 | 8. April 2016

Bauer ist ein Brotberuf Landwirte heute: Immer weniger von ihnen machen immer mehr Verbraucher satt
Bauer ist ein Brotberuf
Landwirte heute: Immer weniger von ihnen machen immer mehr Verbraucher satt
CHRISTIAN VOLLRADT
S o ein Mist! Landwirt Christian
Lange ärgert sich. Ausgerechnet
heute früh mußte noch ein Hy-
draulikzylinder an einem Gerät
kaputtgehen. Am Sonntag. Zum Glück
hatte er trotzdem den Landmaschinen-
händler erreicht. Der ist in seine Werk-
statt geeilt und hat die Sache wieder in
Ordnung gebracht. „Da bin ich seit Jah-
ren Stammkunde. In solchen Situationen
zahlt sich das aus“, meint Lange.
Das Malheur hat den Zeitplan den-
noch durcheinandergewirbelt. Nun
kann der 42jährige erst am Nachmittag
auf seinen Traktor, am Heck rasselt die
Drille; sie zieht nebeneinander liegende
kleine Furchen in den Acker und legt in
bestimmten Abständen eine kleine grüne
Pille in den Boden. In der Pille steckt der
Rübensamen, rundherum eine Schicht
aus Pflanzenschutz gegen Nager und
Unkraut. 100.000 dieser Pillen sind in
einem Karton, der Inhalt wird in kleine
Behälter an der Maschine geschüttet. 250
Euro kostet solch eine Packung, allein für
dieses 16 Hektar große Feld sind über
zwanzig Packungen nötig.
dersachsen, ist seit mehreren Generatio-
nen in Familienbesitz. Die Böden hier in
den Ausläufern der Magdeburger Börde
gehören zu den besten in Deutschland.
Viehhaltung gibt es kaum, deswegen sind
die meisten Bauern der Region auch nicht
ganz so stark von der Krise der Landwirt-
schaft betroffen wie anderswo.
Da die Preise für Milch, Fleisch und
Getreide auf den Weltmärkten stark
gefallen sind, haben die Bauern in der
vergangenen Saison so wenig Geld wie
seit Jahren nicht verdient. Weltweit gute
Getreideernten haben die Preise gedrückt,
in China sank infolge von Konjunktur-
schwächen die Nachfrage nach Fleisch,
hinzu kommt der Einbruch durch den
russischen Boykott von Agrarprodukten
aus der EU.
Milchbauern und Tiermäster hat es
besonders hart getroffen. Im Vergleich
zu den Jahren 2013/14 brach das Ein-
kommen der Haupterwerbslandwirte
durchschnittlich um rund 35 Prozent
ein. Seit dem Herbst bieten der deutsche
Staat und die EU in Finanznot geratenen
Bauern besondere Kredite an. Der Prä-
sident des Deutschen Bauernverbands,
Joachim Rukwied, gibt auch den „kar-
Bauer mit Kindern im Mähdrescher,
moderner Kuhstall, Rübendrille:
Jenseits der Landlust -Idylle
Landwirtschaftlichen Produktionsge-
nossenschaften (LPG) auf dem Gebiet
der ehemaligen DDR, werden mittler-
weile stufenweise gekürzt.
Für die Standesvertreter steht fest:
Ernährungssicherheit
spielt keine Rolle mehr
Auf der kleinen Landstraße fahren
Cabrios vorbei, einige Radfahrer nut-
zen an diesem warmen Frühlingstag den
Feldweg. Freizeitbeschäftigung. Doch
Lange muß arbeiten, das Wetter ist gün-
stig, die Saat muß in die Erde, Sonntag
hin oder her. „Wenn die Beleuchtung
es zuläßt, mache ich durch und bin bis
22 Uhr fertig“, meint er zuversichtlich.
Abendbrot wird er auf dem Fahrersitz
essen, einer seiner Söhne hat es ihm schon
vorbeigebracht. Der Lehrling, der mit
einem größeren, 200 PS starken Traktor
den Boden mit Egge und Frontpacker
fürs Rübendrillen präpariert hat, wird
tellartigen Strukturen im Lebensmit-
telhandel“ eine Mitschuld daran, daß
etwa die Milchbauern 44 Prozent des
Vorjahresgewinns einbüßten.
Hatte früher agrarpolitisch die Er-
nährungssicherheit für die Bevölkerung
Priorität, spielt dieser Aspekt spielt prak-
tisch keine Rolle mehr. Eine Hungersnot
in Deutschland? Praktisch unvorstellbar
– gut 70 Jahre nach Ende des Zweiten
Weltkriegs und knapp 100 Jahre nach
dem berüchtigten Steckrübenwinter.
Heute muß der Landwirt auf dem
Weltmarkt konkurrieren. Unter ande-
rem weil er strengere Umweltauflagen
und höhere Qualitätsstandards erfüllen
muß, bekommt er Ausgleichszahlungen,
„Cross Compliance“ nennt sich das neu-
deutsch. Durchschnittlich 344 Euro pro
Hektar waren es laut Bauernverband im
in den Feierabend geschickt.
den Feierabend geschickt.
vergangenen Jahr. Die Direktzahlungen
vergangenen Jahr. Die Direktzahlungen
Hauptsächlich Weizen und Rüben
Hauptsächlich Weizen und Rüben
für Agrar-Großbetriebe, vor allem die
für Agrar-Großbetriebe, vor allem die
baut Lange an. Sein Hof im Osten Nie-
ut Lange an. Sein Hof im Osten Nie-
nicht eigentümergeführten ehemaligen
nicht eigentümergeführten ehemaligen
Ohne die Subventionen kann „unter
den jetzigen politischen Rahmenbedin-
gungen keine Landwirtschaft betrieben
werden“, wie erst jüngst der Präsident
des Deutschen Bauernbundes, Kurt-
Henning Klamroth betonte. Dies gelte
insbesondere, wenn die „Gesetzmäßig-
keiten des Marktes durch politisches
Handeln zum Nachteil der Bauern be-
einflußt worden sind“, so der DBB, der
die bäuerlichen Familienbetriebe in den
östlichen Bundesländern vertritt. Statt
von Subventionen müsse daher richti-
gerweise von „Preisausgleichsleistungen“
gesprochen werden.
Was viele nicht wissen: Einer der
größten Empfänger von Agrarsubventio-
nen ist der Staat. Denn auch Behörden,
die öffentliche Flächen (etwa Deiche)
bewirtschaften, erhalten Fördermittel
in zweistelligen Millionenbeträgen aus
dem europäischen Agrarhaushalt. Von
den zehn größten deutschen Subventi-
onsempfängern war nur einer ein land-
wirtschaftlicher Betrieb.
Bei den Rüben, die Landwirt Lange
am Sonntag in die Erde sät, sieht die
Lage noch etwas besser aus. Trotz gu-
ter Ernten waren auch die Preise hoch.
Und obwohl im kommenden Jahr die
europäische Zuckermarktordnung en-
det, die einen Mindestpreis für quotierte
Mengen vorsah, bereiten ihm die Ab-
satzmöglichkeiten vorerst keine Sorgen.
Insgesamt etwa 450 Hektar bewirtschaf-
tet Lange, nicht alles gehört ihm. Er hat
Flächen dazugepachtet, von ehemaligen
Bauern, von der Kirche. „Ab 100 Hektar
giltst du bei vielen schon als Großbauer;
allerdings würde ich sagen, daß du mit
unter 200 Hektar keine Familie mehr
ernähren kannst“, resümiert er.
Enttäuscht von der
Annäherung an die Grünen
Er selbst sieht sich als bäuerlicher
Mittelstand. Wie über 90 Prozent der
landwirtschaftlichen Betriebe ist sein
Hof ein Einzelunternehmen, keine Ge-
nossenschaft. Der Eigentümer trägt das
Risiko. Lange wirtschaftet im Bewußt-
sein, auch das Erbe seiner Vorfahren
zu bewahren, aber das hat nichts mit
Landlust -Idylle zu tun. Landwirtschaft
im 21. ist anders als im 19. Jahrhundert.
Augenzwinkernd meint er: „Wenn
wir das Rad zurückdrehen wollen, bitte
sehr. Dann würde ich mein Land we-
niger intensiv und weniger maschinell
bearbeiten, weniger ernten. Dann würde
ich aber auch viele Landarbeiter beschäf-
tigen können, die per Hand die Saat
ausbringen und die Ernte einfahren. Die
würden dann alle einen sehr geringen
Stundenlohn bekommen – und ich
müßte nicht in Arbeitsklamotten auf
dem Trecker sitzen, sondern mit Bree-
ches und Lederstiefeln auf meinem Pferd
sitzen und Anweisungen geben.“
Die (klein-)bäuerliche Landwirtschaft
wird stets als das Ideal verkauft, gleich-
zeitig sollen natürlich hohe Standards
bei Umweltschutz und Ressourcenscho-
nung gelten. Die hohen Auflagen jedoch
– nicht nur in Form von verpflichten-
den Fruchtfolgen, Dauergrünland oder
Ökobrachen, sondern auch bei Viehhal-
tungsstandards oder Geräten – machen
es gerade den kleineren Betrieben immer
schwerer. Und der zeitliche Aufwand für
die Bürokratie wird immer größer; alles
muß dokumentiert und bei Kontrollen
sofort vorgelegt werden. Das trifft vor
allem die Viehhalter. Datenbanken, For-
mulare, alles nach dem Motto: Akten
statt Ackern. Halb im Spaß stellte in
einem Gespräch unter Landwirten ein
Viehzüchter fest: „Wenn mir mal meine
Frau davonläuft und das Paßwort zum
Computer mitnimmt, dann stehe ich
mit einem Bein im Gefängnis. Denn die
hat im Gegensatz zu mir den Überblick
über die ganzen Daten und Auflagen
Was die politische Interessenvertre-
tung betrifft, so geht es den Bauern ähn-
lich wie den katholischen Kirchgängern:
Sie sind die treuesten CDU-Wähler und
zugleich diejenigen, deren Werte und
Überzeugungen in der Programmatik
und Praxis der Partei faktisch kaum
noch eine nennenswerte Rolle spielen.
Enttäuschend sind für viele Bauern vor
allem die schwarzen Annäherungen an
die Grünen. Denn die haben, seit ihr
Kampf gegen die Kernkraft obsolet
geworden ist, als neues Kernthema die
Agrarwende entdeckt. Die wiederum be-
deute immer weitere neue Vorschriften
und Auflagen. Selbst in den Kommunen
machen Landwirte manchmal die Erfah-
rung, politisch nicht mehr vertreten zu
sein. „Da kommt es dann vor“, berichtet
Lange, „daß der bauernlose Gemeinde-
rat in einem Dorf die Ortseinfahrt ver-
kehrsberuhigt – und mein Mähdrescher
dort nicht mehr durchpaßt.“
Traditionell geprägt ist unterdessen
immer noch das Leben in bäuerlichen
Familienbetrieben. Auf dem Hof wird
gearbeitet und gelebt. Gerade bei Milch-
viehhaltern muß jeder mit anpacken, oft
auch die ältere Generation. Ernähren
muß eine Landwirtschaft nämlich in der
Regel auch die sogenannten Altenteiler,
also die Eltern des Eigentümers. Und die
nächste Generation, denn Bauernfamili-
en haben überproportional häufig mehr
als zwei Kinder, die Langes zum Beispiel
haben eine Tochter und zwei Söhne.
In der Regel ist man als Bauer in der
Kirche aktiv, oft sogar im Kirchenvor-
stand. Ehrenamt ist auch normal, För-
dermitglied in der Feuerwehr zu sein,
ist das mindeste. Wenn das Osterfeuer
aufgeschichtet werden muß, sind Gum-
miwagen und Frontlader unverzichtbar,
und manch ein Dorfbewohner freut
sich, wenn ihn der ortsansässige Bauer
im Winter mit dem Schlepper aus der
Schneewehe zieht. „Landwirtschaft dient
allen“, ist nicht ohne Grund ein gängiger
Aufkleber auf bäuerlichen Fahrzeugen.
Tag des o enen Hofes: Wer sich ein eigenes
Bild von der Landwirtschaft machen will, hat
am 21. und 22. Mai 2016 dazu Gelegenheit.
Zahlreiche Bauernfamilien ö nen ihr Hoftor
zum Dialog mit den Verbrauchern.
www.o ener-hof.de
Landwirtschaft in Deutschland
1,7 %
Landwirtschaftliche Betriebe und Erwerbstätige
* Friedhöfe, Unland, etc
5. Mio
4.819.000
Sonstiges*
0,6 Mio. ha
Binnengewässer
0,9 Mio. ha
4.
Mio
2,4 %
Anteil der Ausgaben der privaten Haushalte in
Siedlung und Verkehr
4,8 Mio. ha
3.581.000 Erwerbstätige in der Landwirtschaft
landwirtschaftliche Betriebe
Erlösanteile der
Landwirte
Von einem Euro,
den die Verbraucher
für Nahrungsmittel
ausgeben, erhält die
Landwirtschaft heute
3.
Mio
mit 1 Hektar und mehr Land äche
70
Deutschland für Nahrungsmittel (inkl. Getränke und
13,5 %
(ab 1991 mit 2 ha und mehr,
61%
2.245.000 ab 2010 mit 5 ha und mehr)
60
57%
Tabakwaren) – Konsumausgaben 1850–2015
2. Mio
50
1.411.000
44%
1.167.000
40
38%
1.646.750
1. Mio
754.000
663.000
651.000
30
17,6%
14,3%
14,1%
13,9%
13,3%
13,4%
13,6%
1.083.120
25% 20%
nur noch 23,3 Cent
Wald
10,8 Mio. ha
797.380
20
14,6%
14,1%
541.380
14%
13,5%
13,3%
13,5%
0
23,3 %
30,2 %
421.100
299.100
286.800
10
Gesamt
1949
1960
1970
1980
1991
2000
2010
2013/14
0
1850
1950
1970
1990
2005
2007
2009
2011
2013
2015
10 17
27
47
85
127
123
145
1900
1960
1980
2000
2006
2008
2010
2012
2014
14,0 %
Karto eln
Anteil der Verkaufserlöse der Landwirtschaft
Anbaukulturen
70
62,6
an den Verbraucherausgaben in
24,0 %
(Auszüge)
Ein Landwirt ernährt so
viele Menschen:
Fleisch und
54,8
Deutschland in %
60
Wurst
Getreide
6,6 Mio. ha
47,5
44,0
41,7 %
50
Weizen
Milch und
Roggen
Betriebsgrößenstruktur landwirtschaftlicher Betriebe
Milcherzeugnisse
40
Gerste
29,3
Körnermais
25,6
30
23,3
39,6 %
Sonstiges
3,3 Mio. ha
0,6 Mio. ha
1,6 Mio. ha
0,5 Mio. ha
0,6 Mio. ha
Betriebsgröße
in ha
Anteil der Betriebe
in %
landwirtschaftlich
genutzte Fläche in %
Eier
0,3%
2,7 Mio. ha
20
<5
1,9% 5,1%
71 % Ackerland
5 bis 10
12,9%
9,4%
10
4,8 %
Futterp anzen /
Mais
Ölfrüchte
1,3 Mio. ha
13,7%
Brotgetreide-
10
bis 20
15,6%
0
(z.B.
Raps)
erzeugnisse
17,4%
58,4%
20
bis 50
1950-55
1960-65
1970-75
1980-85
1990-95
2000-05
2014
Landwirtschaft
18,6 Mio. ha
davon:
20,6%
Hackfrüchte
0,5 Mio. ha
50
bis 100
20,3%
52,2 %
Zuckerrüben
Karto eln
0,3 Mio. ha
0,2 Mio. ha
ab 100
24,4%
27,8 % Wiesen und Weiden
1,2 % Sonstiges
FOTO: PIXABAY
FOTO: DPA
FOTOS(2): IMAGO
QUELLEN: STATISTISCHES BUNDESAMT;STATISTA; VBV SITUATIONSBERICHT 2015716
FOTO: PIXABAY
GRAFIK

8 | A U S L A N D

J UNGE FREIHEIT N r. 15 /16 | 8. April 2016

Gra k: © Fotolia guukaa

Schnellverfahren: FPÖ wittert Augenwischerei

WIEN. Österreichs Innenministe- rin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) hat gemeinsam mit Verteidigungs- minister Hans Peter Doskozil (SPÖ) eine Verschärfung des Asyl- rechts angekündigt. Sie soll die Zulassung von Flüchtlingen zum Asylverfahren deutlich einschrän- ken. Künftig soll demnach in ei- nem Schnellverfahren direkt an der Grenze abgeklärt werden, ob die Kriterien für ein Asylverfahren vorliegen. Die Gesetze könnten bereits Ende April im Parlament beschlossen werden. „Wir werden keine Asylanträge zulassen, außer wir müssen das tun aufgrund ge- wisser Kriterien wie Artikel 8 der Europäischen Menschenrechts- konvention“ so die konservativ- liberale Politikerin. Die SPÖ/ ÖVP-Regierung reagiert damit auf ein Rechtsgutachten, welches Probleme bei der 2016 eingeführ- ten Obergrenze für Asylsuchende sieht. Es zeige, daß eine „strikte zahlenmäßige Begrenzung völker- rechtlich möglicherweise schwie- rig“ sei, sagte Doskozil. Eigentlich wollte Österreich in diesem Jahr nicht mehr als 37.500 Asylsuchen- de annehmen. Die oppositionelle FPÖ wertet den neuen Notfall- mechanismus als „Augenwische- rei“. Es gehe SPÖ und ÖVP nur darum, den Österreichern bis zur Bundespräsidentschaftswahl Mitte April „eine Beruhigungspille nach der anderen zu verabreichen“, er- klärte FPÖ-Sicherheitssprecher Gernot Darmann. Nahezu im Monatsrhythmus er nde die Re- gierung das Asyl- und Fremdenge- setz neu und produzierte dabei ein Chaos nach dem anderen. Über- haupt ließen die neuen Regelun- gen „reichlich Schlup öcher“ of- fen. (FA, ctw)

Den Haager Urteile sorgen für Unmut

ZAGREB. Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović hat den Freispruch für den serbischen Na- tionalistenführer Vojislav Šešelj durch das Uno-Kriegsverbrecher- tribunal in Den Haag (ICTY) als eine „schändliche Niederlage für das Internationale Strafrecht“ be- zeichnet. Gerade vor dem Hinter- grund, daß das Tribunal Šešelj zu vier Jahren und neun Monaten Haft allein wegen der Mißachtung des Gerichts und ausgesproche- nen Drohungen gegenüber Zeu- gen verurteilt hat und nun we- gen Ermutigung zur Vernichtung ganzer Völker und zum Genozid einen Freispruch erhalte, werde Kroatien das „schändliche“ Ur- teil nicht hinnehmen, zitiert daß Onlineportal kroatein.de die kon- servative Politikerin. Bereits eine Woche zuvor hatte das russische Außenministerium die ICTY-Ver- urteilung des bosnisch-serbischen Ex-Präsidenten Radovan Karadžic zu 40 Jahren Haft kritisiert. Das ICTY habe sich zu einem Instru- ment der „Rache“ entwickelt und setze weiterhin auf den Mythos, wonach das serbische Volk allein für die tragischen Ereignisse wäh- rend des Bosnien-Krieges verant- wortlich sei. (ctw)

Kadetten im Cyberzentrum der US-Armee in West Point: Den Kalifatsstaat lahmlegen Angriff statt Verteidigung Emblem
Kadetten im Cyberzentrum der US-Armee in West Point: Den Kalifatsstaat lahmlegen
Angriff statt Verteidigung
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Kriegsführung: Mit Cyberattacken wollen die USA den IS schlagen
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FOTO: PICTURE ALLIANCE

LISELOTTE MILLAUER

D ie Vereinigten Staaten haben sich

eine neue Wa e zur Kriegsfüh-

rung zugelegt: Cyberattacken.

Der Erfolg einer kürzlichen Cyberof- fensive, bei der Hacker des Pentagon das Computer- und Mobilfunknetzwerk der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) lahmlegten, führte, wie Verteidi- gungsminister Ashton Carter es bei einer Pressekonferenz im Pentagon im März ausdrückte, zu einem „Wechsel der Strategie“ im Kampf gegen den in- ternationalen Terrorismus. Durchgeführt vom Hauptquartier des US Cyber Command in Fort Meade (Maryland), wurde der digitale Angri in Syrien zum historischen Eintritt des Commands in kriegerische Akivitäten der USA in einem anderen Land. Das Hackerteam in Fort Meade identi zierte und blockierte die Kom- munikation der IS-Kämpfer mit ihren Kommandeuren während einer Vier- Tage-Schlacht von US-unterstützten Rebellen um die strategische Stadt as-Schaddadi und die sie umgebenden Ölfelder. Begleitet von 85 Luftangri en der Koalition konnten die Rebellen die- se von den total verwirrten Terroristen zurückerobern.

Silicon Valley soll seine Kompetenz einbringen

Als Reaktion auf das Charlie-Hebdo - Attentat in Paris am 7. Januar sowie in Folge des Terroranschlags in San Bernar- dino bei Los Angeles am 2. Dezember 2015, bei dem 14 Menschen auf einer fröhlichen Weihnachtsfeier von einem durch den Islamischen Staat radikali- sierten muslimischen Ehepaar getötet wurden, brachte die Obama-Regierung ihre neue Strategie im Dezember 2015

auf den Weg. Der Präsident forderte für das 2009 gegründete Cyber Command eine Budgeterhöhung auf 6,8 Milliarden US-Dollar in diesem Jahr. Im Februar begann das Pentagon da- mit, Hacker anzuwerben und in Fort Meade für alle Arten von Cyberaktivi- täten auszubilden. Verteidigungsmini- ster Carter hatte bereits enge Kontakte zur High-Tech-Welt seit Beginn seiner einjährigen Amtszeit gesucht. Als Phy- siker lehrte er an der Elite-Universität Stanford, an der auch Unternehmen wie Yahoo und Google starteten. Im März unternahm er, zusammen mit General Joseph F. Dunford jr., dem Leiter des US-Oberkommandos „Joint Chiefs of Sta “, den bereits drit- ten Besuch im kalifornischen Silicon Valley, dem High-Tech-Eldorado der Vereinigten Staaten. Es war der jüngste Versuch der Obama-Administation, Te- lekommunikation, Soziale Medien und andere technologische Gesellschaften für eine Zusammenarbeit mit der Regie- rung im Kampf gegen den Terrorismus zu gewinnen. Zudem besuchte Carter die Zentralen von Microsoft, Facebook und Twitter. „Twitter ist Herz und Seele für den Cyber-Dschihad“, unterstrich Steven

FOTOS(2): WIKIMEDIA COMMONS
FOTOS(2): WIKIMEDIA COMMONS

Admiral Michael S. Rogers:

Chef des Cyber Command

tute in Washington, das Aktivitäten von Moslem-Extremisten verfolgt. Twit- ter hat bereits 125.000 Accounts von terrorverdächtigen Personen gesperrt. Facebook tut es ähnlich. Aus Rache stieß der IS in einem Video Todesdrohun- gen gegen Facebooks Präsidenten Mark Zuckerberg und Twitter-Gründer Jack Dorsey aus.

Knacken eines iPhones sorgte für Zwist

Doch herrscht seit den Enthüllungen von Edward Snowdon in weiten Kreisen von Silicon Valley auch ein Mißtrauen gegenüber der Regierung und ihren Überwachungsmethoden. So fand so- eben der Gerichtsstreit zwischen Apple und dem FBI über den Zugang zum Geheimcode vom iPhone 5 c des San Bernardino-Terroristen Syed Rizwan Farook ein überraschendes Ende. Nachdem Apple sich konstant wei- gerte das Phone zu ö nen, fand das FBI ein „externes Hacker-Team“, dem dies gelang. Jetzt klagt Apple auf Bekannt- gabe von Team und Methode, und das FBI lehnt ab. Doch während dieser Fall wieder einmal die schwierige Diskrepanz zwi- schen ungehindertem Kampf gegen den Terrorismus und persönlichen Freihei- ten der Bürger zeigt, so gehört das noch in den Bereich der bisherigen Cyber- Verteidigung. Die Strategie für das neue Cyber- kriegsprogramm liegt in den Händen von Admiral Michael S. Rogers, Chef des US Cyber Command wie auch der National Security Agency (NSA). Er wurde von Verteidigungsminiser Car- ter beauftragt, den Wechsel von bisher reiner Cyberverteidigung hin zu mi- litärischen O ensiven zu entwickeln. Ziel der Hackerteams sei nun, dem

IS sämtliche Möglichkeiten

zu nehmen, zu kommandie-

ren, zu kontrollieren und zu kom- munizieren. Details der neuen US-Strategie, wann, wie und wo sie angewendet wer- den soll, sind aus Sicherheitsgründen geheim. „Der Gegner soll nicht wissen, wann, wo und wie wir Cyberangri e starten, damit er sich nicht darauf ein- stellen kann“, erklärte General Joseph F. Dunford jr. kürzlich. Der Kalifatstaat solle stets im Ungewissen bleiben, ob es sich um eine Attacke handele oder um eigene technische Probleme.

Interessanterweise ist es das erste Mal, daß ein Land o ziell „Cyber Warfare“ als Mittel seiner Politik und seiner mi- litärischen Einsätze ö entlich macht. Rußland, China, Nordkorea, der Iran haben in den vergangenen Jahren so- wohl die Computernetzwerke der US- Regierung als auch die von Wirtschafts- unternehmen und Banken gehackt, um an Informationen zu gelangen oder Schaden anzurichten. Keines dieser Länder hat dies je zu- gegeben. Dennoch wurden gerade sie- ben Iraner in New York in Abwesenheit angeklagt. Ihnen wird vorgeworfen, mittels Cyberattacken amerikanischen Unternehmen und Banken Millionen- verluste zugefügt zu haben. Einer die- ser Hacker, so Justizministerin Loretta Lynch, habe gar die Computer eines Staudamms nahe New York gehackt. Zwei seien zudem in Nasa-Systeme ein- gedrungen. Die Hacker arbeiteten für zwei Computer-Gesellschaften im Iran, die für die Islamischen Revolutionsgar- den tätig seien, so Lynch. „Das globale Sicherheitssystem ist da- bei, sich total zu verändern”, bemerkt Alan Paller, Direktor am SANS-Institut für Cyber-Training in Bethesda, Ma- ryland: „Jede militärische Aktion der Zukunft wird eine entscheidende Cyber- Komponente haben.“

Grüße aus Rom

Viva la

Mamma

Von Paola Bernardi

haben.“ Grüße aus Rom Viva la Mamma Von Paola Bernardi E hrfürchtig staunend stehen die Besucher

E hrfürchtig staunend stehen die Besucher aus aller Welt in den

Kapitolinischen Museen in Rom vor der lebensgroßen Bronze gur einer Wöl n, die Romulus und Remus, die mythischen Grün- der der Stadt Rom, säugt. Es ist eine der meistbewachten Skulp- turen dieser an Denkmälern so überreichen Stadt. Verschwindet sie, geht Rom unter, so sagt der Volksmund. Wie die Legende erzählt, gebar die Königstochter Rhea Silvia dem Kriegsgott Mars Zwillinge, obwohl sie als Vestalin der Keuschheit verp ichtet war. Rhea und die Säuglinge wurden in den Tiber geworfen, die Zwillinge ans Ufer geschwemmt. Die Brüder gründeten später eine Stadt und als Romulus sei- nen Bruder bei einem Streit töte- te, wurde sie nach ihm benannt:

Rom. Die „Lupa Romana“ (römi- sche Wöl n) ist das am weitesten verbreitete Motiv schon seit der Kaiserzeit auf Münzen, Reliefs

und Mosaiken. Auch Mussolini benutzte dieses Symbol zur Pro- paganda, und der Fußballclub Roma trägt dieses Emblem stolz

auf seinen Trikots.

Melonis Kandidatur rief sofort die italienischen Machos à la Berlusconi auf den Plan.

Nun hat sich die rechtsnationale Politikerin Giorgia Meloni dieses Symbols bemächtigt: Die äußerst populäre Vorsitzende der Fratelli d’Italia will im Juni Bürgermei- sterin von Rom werden. Und ihre Chancen stehen gut, denn sie wird sogar von der Lega Nord unter- stützt. Roms Führungsposition ist seit einem dreiviertel Jahr verwaist, nachdem der linke Bürgermeister Ignazio Marino abgesetzt wurde. Während sich Silvio Berlusconi (Forza Italia) für seinen Vertrau- ten Guido Bertolaso, den früheren Zivilschutzchef, einsetzt – der al- lerdings unter Korruptionsverdacht steht –, machte die hübsche blon- de Meloni ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung und sorgte für Konkurrenz im rechten Lager. „Nach langen Überlegungen habe ich beschlossen, für das Bürgermei- steramt zu kandidieren“, verkün- dete die 39jährige, die im sechsten Monat schwanger ist. Ihre Kandidatur rief sofort Ita- liens Machos auf den Plan. Es sei wohl jedem klar, daß eine „Mutter sich einem Job nicht so richtig hin- geben könne“, erklärte Berlusconi und legte nach: „Wie kann man sich um Schlaglöcher und Müll kümmern, während man das Kind stillt?“ Dabei war Meloni in seiner Regierung Jugendministerin. Das war das Stichwort, auf das Meloni scheinbar nur gewartet hatte. „Das Symbol Roms ist die stillende Wöl n“ schmetterte sie unter dem Beifall ihrer Anhänger vor dem Pantheon – und dabei sang sie „Viva la Mamma“.

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FOTO: IMAGO/PANORAMIC

Recep Tayyip Erdoğan: Nicht nur der Blick verrät Zielstrebigkeit

ihm einen Sitz im Parlament sowie das Amt des Premiers. Innerparteilich regiert der 62jährige seine AKP geradezu autokratisch. Po- litische Kontrahenten, wie zuletzt der damalige Vizepremier Bülent Arinc, wurden systematisch kaltgestellt und durch ungünstige Wahlkreiszuteilun- gen aus dem Abgeordnetenhaus ge-

JUNGE FREIHEIT Nr. 15 /16 | 8. April 2016

Kritik ist nicht erwünscht

A U S L A N D | 9

Keine Rückführung von Migranten in die Türkei

ATHEN. Einen Tag nach ihrem Beginn ist die Abschiebung illega- ler Migranten von den Ägäischen Inseln in die Türkei ins Stocken ge- raten. Laut Griechenland-Zeitung waren es am Montag um die 200 Personen aus Pakistan, Marokko, Algerien, Sri Lanka, Indien und Tunesien, die die Inseln Lesbos und Chios unter Begleitung von

120 Frontex-Mitarbeitern freiwil-

lig verließen. Sie hätten sich gewei- gert, in Griechenland einen Asyl- antrag zu stellen, so das Blatt. Um eine Rückführung zu verzögern, hätten jetzt viele der Betro enen Asylanträge gestellt, deren Bear- beitung mindestens zwei Wochen in Anspruch nehme. Im Gegen- zug kamen an beiden Tagen über

500 Migranten von der Türkei mit

Booten auf den Inseln an. (ctw)

von der Türkei mit Booten auf den Inseln an. (ctw) Kommentar Seite 2 Staatsbürgerrecht: Schlappe für

Kommentar Seite 2

Staatsbürgerrecht:

Schlappe für Hollande

PARIS. Viereinhalb Monate nach den Anschlägen von Paris hat Frankreichs Präsident Fran- çois Hollande seine Pläne für ei- ne Änderung des Staatsbürger- schaftsrechts in der Verfassung aufgegeben. Hintergrund ist, daß ein Kompromiß zwischen der sozialistisch dominierten Natio- nalversammlung und der rechten Mehrheit im Senat „außer Reich- weite“ erscheint. Hauptgrund für das Scheitern Hollandes ist, daß die Sozialisten in der Nationalver- sammlung keine Beschränkung der Ausbürgerungsstrafe auf Dop- pelstaatsbürgerschaften wollten, um diese nicht gegenüber Bürgern mit nur einem Paß zu benachteili- gen. Die Ausbürgerung von einge- bürgerten Franzosen mit nur einer Staatsbürgerschaft wollte wieder- um die Rechte nicht hinnehmen, da es dadurch zu Staatenlosigkeit gekommen wäre. (ftm)

Verschwindet das Elsaß bald im„großen Osten“?

STRASSBURG. Bei einer Ab- stimmung im Internet haben sich 75 Prozent für „Grand Est“ (Gro- ßer Osten) als neuen Namen der Region Elsaß-Champagne-Arden- nen-Lothringen (ECAL) entschie- den. An der Umfrage hatten sich 290.000 Bürger aus der Ostregi- on beteiligt. 5,5 Millionen leben in dem Gebiet. Nachdem die drei Regionen zu Jahresbeginn zu ei- ner zusammengelegt worden wa- ren, standen nun vier Namen zur Wahl: Acalie, Rhin-Champagne und Nouvelle Austrasie (Name einer Provinz zu Zeiten der Me- rowinger im 6. Jahrhundert) und Grand Est. Ende April wird der Name im ECAL-Regionalrat de- battiert. Dabei, so France 3, sei da- von auszugehen, daß der Vorschlag angenommen werde. Zuletzt ent- scheidet die Regierung Hollande im Oktober über die Namensge- bung, die die Regionalpartei „Un- ser Land“ (JF 45/15) als „Unsinn“ bezeichnet und zum Widerstand aufruft. Auch die nordfranzösi- sche Region will sich in „Hauts- de-France“ umbenennen. (kp)

Beginn der Serie „Erdoğans Türkei“: Vom Fußballtalent zum Alleinherrscher

Niinistö anerkennend zu, „sind wir in Finnland nicht gewöhnt. Wir waren schon immer ein armes Land.“ Hatte sich diese kuriose Anekdote schon vor einigen Monaten ereignet, erzählt sie doch noch immer recht ein- deutig vom Wesen des Recep Tayyip Erdoğan. Sie gewährt Einblicke in die zwiespältige Denkhaltung des starken Mannes am Bosporus, dessen konserva- tive Predigten von islamischer Tugend, von selbstloser Aufopferung und beina- he schon asketischer Lebensführung im scharfen Gegensatz stehen zur eigenen Darbietung des Präsidenten, seinem exzentrischen Auftreten und vor allem auch der Gigantomanie seiner Projekte.

Kontrahenten werden systematisch kaltgestellt

Die Motivation hinter dem Scha en des türkischen Staatsoberhaupts, der nicht nur sein eigenes Volk in dessen Meinung über ihn entzweit, ist dabei nur schwer zu erfassen. Zweifelsohne spielt Erdoğans Herkunft in seinem Handeln eine gewichtige Rolle: sein ra- santer Aufstieg vom in verhältnismäßiger Armut geborenen fünften Kind eines Küstenwächters, das auf den Straßen des traditionsreichen, seinerzeit jedoch stark verfallenen Istanbuler Hafenviertels von Kasımpaşa aufwuchs und als Jugendli- cher den Wunsch hegte, eines Tages als Pro fußballer sein Geld zu verdienen. Lediglich auf Druck seines Vaters be- schloß der junge Erdoğan, Betriebswirt- schaft zu studieren. Hochgesteckt sind demzufolge auch seine Ambitionen im wirtschaftlichen Bereich. „Die Türkei ist eine aufstre- bende Kraft dank seiner jungen und hochqualifizierten Erwerbsbevölke- rung“, erklärte der türkische Präsident vergangenen Herbst auf einer Wirt- schaftskonferenz in Belgien. „Wir sind die siebzehntgrößte Wirtschaft der Welt. Im Bereich der Landwirtschaft sind wir Nummer eins in Europa und Nummer sieben weltweit. Und im Rahmen un- serer Vision 2023 streben wir an, eines der Top-10-Länder der Welt im Vertei- digungsbereich zu werden.“

MARC ZOELLNER

G anz wohl in seiner Haut fühlte sich Finnlands Präsident Sauli Niinistö nicht, als er von seinem

türkischen Amtskollegen eingeladen war, dessen neuen Präsidentenpalast zu be- sichtigen. „Ich habe Angst, mich dort zu verlaufen“, witzelte der Nordeuropäer noch kurz vor Antritt seiner Reise nach Kleinasien. „Vielleicht sollte ich mir ei- nen Kompaß mitnehmen.“ Trotz alledem emp nde er die Ein- ladung Erdoğans nach Ankara natür- lich als große Ehre, so Niinistö. Was sie auch war: Immerhin durften mit Papst Franziskus, Wladimir Putin sowie dem turkmenischen und dem ungarischen Präsidenten lediglich erst vier Staats- oberhäupter die heiligen Hallen betre- ten. Jenen seldschukischem Prunkbau von vier Hektar reiner Gebäude äche, dessen Konstruktion die horrenden Ko- sten von 500 Millionen Euro nur knapp unterschritt. „An solche Paläste“, gestand

JF-Serie (1) Erdoğans Türkei Erdoğansns Über 13 Jahre führt Recep T. Erdoğan die Geschicke der
JF-Serie (1)
Erdoğans Türkei
Erdoğansns
Über 13 Jahre führt Recep T.
Erdoğan die Geschicke der Tür-
kei. Für die einen ist der 62jährige
eine Lichtgestalt. Für die anderen
ein machtversessener Politiker,
der die Türkei islamisieren will
und die Meinungsfreiheit ein-
schränkt. In einer neunteiligen
Serie wird die JF alle Facetten sei-
ner Politik beleuchten. Teil eins
beschäftigt sich mit dem Aufstieg
Erdoğans. Teil zwei (JF 18/16) wird
dessen Verhältnis zum Kemalis-
mus und zum Islam beleuchten.

Bis 2023, verspricht Erdoğan,

soll noch einmal ein großer Sprung

nach vorn erfolgen. Mit der In-

betriebnahme des Istanbul ul New New

Airport, des bis dahin größten

Flughafens der Welt, im Fe-

bruar 2018 sowie dem Aus-

bau der Handelshäfen an der

türkischen Mittelmeerküste

erho t Ankara sich bereits

2023 Exporteinnahmen von

atemberaubenden 500 Milli-

arden US-Dollar. Die Türkei

stünde damit noch vor Ruß-

land weltweit auf Platz neun der

Außenhandelsskala.

Nicht nur aufgrund wirtschaftlicher

Mammutprojekte wie diesem wird der

türkische Präsident von seinen Kriti-

kern als „Sultan Erdoğan“ gescholten.

Auch sein herrisches Auftreten sowie

sein ungestümes, oftmals gar illiberales

Umgehen mit Kritikern trägt dieser Be-

zeichnung Rechenschaft. Daß Erdoğan

von demokratischen Werten nur bedingt

etwas hält, daraus macht er selbst kein

Geheimnis. „Die Demokratie ist nur der

Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am

Ziel sind“, verkündete er im Jahre Jahre 1998 1998

stolz auf einer Veranstaltung im osta-

natolischen Siirt. „Die Moscheen sind

unsere Kasernen, die Minarette unsere

Bajonette, die Kuppeln unsere Helme

und die Gläubigen unsere Soldaten.“

Für obigen Ausspruch endete Erdoğan

vier Monate im Gefängnis und bekam

lebenslanges Betätigungsverbot in poli-

tischen Ämtern.

Das Verbot wurde auf Erdoğans Be-

streben Ende 2002 wieder aufgehoben.

Kurz zuvor hatte die von ihm gegrün-

dete Partei für Gerechtigkeit eit und und Auf- Auf-

schwung (AKP) das türkische Abgeord- netenhaus bei den Parlamentswahlen vom November selbigen Jahres nahezu im Sturm erobert. Die Zehnprozent- hürde ließ außer den Kemalisten der CHP sowie der AKP sämtliche anderen Parteien am Einzug scheitern; eine an- schließende Verfassungsänderung sowie die Widerrufung des Wahlergebnisses – symbolisch ebenfalls in Siirt, welches Erdoğan beinahe gänzlich die politische Laufbahn versperrt hätte – sicherten

drängt. Bei der Verwirklichung seiner Visionen duldet Erdoğan schon längst keine Nebenbuhler mehr, und schon gar keine Kritik aus den eigenen Reihen. Immerhin, so der Duktus Erdoğans nach seinem doch überraschenden letz- ten Wahlsieg mit 52 Prozent der Stim- men, repräsentiert er nicht weniger als das gesamte türkische Volk.

Pulverfaß explodiert

Bergkarabach-Kon ikt: Aserbaidschan und Armenien bezichtigen sich gegenseitig der Aggression / Aufrüstungspolitik beider Länder destabilisiert die Region

CHRISTIAN JUNKARIS

E s sind erschütternde Bilder, die aus der umkämpften Region von Berg-

karabach an die Weltö entlichkeit dran- gen: in ihren Schützengräben liegende Leichen junger Soldaten. Brennende Hubschrauber, die auf dem Boden zer- schellen. Zerstörte Häuser und iehende Bauernfamilien. Welche der Parteien am vergangenen Freitag den ersten Schuß abgab, ist kaum mehr festzustellen. Sowohl Armenien als auch Aserbaidschan beschuldigen sich gegenseitig, den über einhundert Jahre schwelenden Kon ikt um die unwirt- liche Grenzregion mit kaum 150.000 Einwohnern entfacht zu haben.

Baku wird dabei von Eriwan be- zichtigt, „auf der gesamten Länge der Frontlinie Nagorny Karabachs“, wie die umstrittene Gegend von den mehrheit- lich armenischstämmischen Einwoh-

nern genannt wird, „eine großangelegte

O ensive ausgeführt zu haben.“ Nicht

nur armenische Verteidigungsstellungen, berichtet das Presseportal Armenpress, seien dabei von Artillerie beschossen worden, sondern auch eine Handvoll von Zivilisten bewohnte Dörfer. Aser- baidschanische Soldaten hätten überdies mehrere Frauen und Kinder verstüm- melt und anschließend hingerichtet. Aserbaidschan wiederum spricht von einer Provokation Armeniens, von 126 Grenzverletzungen armenischer Trup- pen allein am vergangenen Freitag so-

wie von über einem Dutzend postum zu Märtyrern deklarierten Gefallenen in den eigenen Reihen. Über 300 Soldaten wurden insgesamt allein bis Montag als gefallen gemeldet. Armenien be ndet sich seitdem auf dem Vormarsch und konnte mehrere als strategisch wichtig geltende Hügel unter seine Kontrolle bringen. Schon einmal eskalierte der Kon- ikt um Bergkarabach. Während des Zerfalls der Sowjetunion hatte sich diese Region im September 1991 von Aserbaidschan abgespalten. Der folgen- de Krieg zwischen Armenien und den proarmenischen Truppen der Republik Bergkarabach auf der einen sowie Aser- baidschan auf der anderen Seite sollte bis zum Wa enstillstand von 1994 über

30.000 Menschen das Leben kosten. Bergkarabach erlangte seine De-facto Unabhängigkeit. Völkerrechtlich wird das Gebiet jedoch noch immer Aser- baidschan zugesprochen. Daß das Pulverfaß um Bergkarabach diesmal ähnlich desaströs explodieren könnte, ist vor allem der massiven Auf- rüstungspolitik beider Kaukasusstaaten geschuldet. So verdoppelte Baku seinen Militärhaushalt in den vergangenen fünf Jahren, um modernes Kriegsgerät aus Rußland einkaufen zu können. Moskau wiederum gewährte Eriwan einen Kredit von rund 200 Millionen US-Dollar. Historisch betrachtet gilt Rußland, das in Armenien rund 5.000 Soldaten stationiert har, ohnehin als Schutzmacht der christlichen Armenier, während die

turkstämmigen Aserbaidschaner sich eng an Ankara gebunden haben. Von dort aus erhielt Baku Rückendeckung. „Wir beten dafür, daß unsere aserbaidscha- nischen Brüder mit den kleinstmögli- chen Verlusten die Oberhand in diesen Kämpfen gewinnen“, verkündete der türkische Staatschef Erdoğan. „Wie ich erfahren habe, ist Aserbaid- schan bereit, einen Wa enstillstand zu verkünden“, unterstrich Erdoğan dann am vergangenen Sonntag und zeigte so seine Friedensbereitschaft. „Allerdings nur“, wenn Armenien zuerst einen Waf- fenstillstand verkünde. Am Dienstag ei- nigten sich die Kon iktparteien dann erst einmal auf eine Feuerpause.

die Kon iktparteien dann erst einmal auf eine Feuerpause. Kommentar Seite 2 Exzellente Werbeplattform: Die

Kommentar Seite 2

Exzellente Werbeplattform: Die Sonderrubrik Finanzen!

JF-Leser interessieren sich für Geldanlagen

JF-Leser

48%

Gesamt

39%

48% der JF-Leser, gegenüber 39% der Gesamt- bevölkerung*, interessieren sich für Geldanlage- möglichkeiten.

…und haben das nötige „Kleingeld“ dafür

JF-Leser

Gesamt

haben das nötige „Kleingeld“ dafür JF-Leser Gesamt 22% 39% 39% der JF-Leser, gegenüber 22% der Gesamt-

22%

39%

39% der JF-Leser, gegenüber 22% der Gesamt- bevölkerung*, geben an, daß ihr Haushaltsnetto- einkommen über 3.000 Euro liegt.

Angaben: KINAU Mediaforschung Mai 2008 *Vergleichsdaten nach Verbraucher-Analyse 2007/2008

JUNGE 46/09 • FREIHEIT F I N A N Z E N S E I
JUNGE
46/09 • FREIHEIT
F I N A
N Z E
N
S E I
T E
11
Nr.
6. November 2009
r
Shiller:
„Spekulation
ei der Staatsverschuldung
schafft Wohlstand“
Keine Umkehr bei der Staatsverschuldung
Finanzpolitik: Die
neue Bundesregierung setzt wie das
setzt wie
das Vorgängerkabinett auf
Vorgängerkabinett auf Ausweitung
der Kreditaufnahme / Täuschung der
Täuschung der Wähler
Wähler
NEW HAVEN. Der US-Öko-
Ausweitung der Kreditaufnahme /
nom Robert
Shiller glaubt nicht
Finanzpolitik: Die neue Bundesregierung
und Wirt-
daran, daß die Finanz-
schaftskrise schon überstanden ist.
BERND-THOMAS RAMB
BERND-THOMAS RAMB
Die Pleite der
US-Großbank CIT
Group
könnte seine Befürchtun-
gen bestätigen. „Der Markt für
Gewerbeimmobilien in den USA
eun Stimmen fehlten b
eun Stimmen fehlten bei der
kollabiert gerade. Die Eigentümer
10
10
JUNGE
JUNGE
FREI HEIT
FREI HEIT
N
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Wiederwahl von CDU-Chefin
Wiederwahl von CDU
finanzieren sich zumeist mit rela-
S E I T E
S E I T E
F I N A N Z E N
F I N A N Z E N
Nr. Nr. 46/09 46/09
• 6. November
• 6. November
2009 2009
tiv kurzfristigen Schulden, und sie
t
Angela Merkel zur Bundeskanz-
k
lerin. Zeichen der Enttäuschung über
können ihre Kredite nicht erneu-
e
eine sich abzeichnende Absage an eine
ern. Das könnte überspringen auf
d
Wohnimmobilien
Staatsverschuldung
Staatsverschuldung
den Markt
Wende in der Finanzpolitik? Das am
und
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Ende der schwarz-roten Koalition ge-
dort die für Preise
erneut sinken
Geldmenge Geldmenge
nehmen und
nehmen und
zu
zu
plante Schuldenausweitungspro-
lassen. Beides würde die Banken
la
Gold, das Investment für Selbstdenker
Gold, das Investment für Selbstdenker
w
jekt der nächsten Jahre wird je-
NEW YORK. Der
NEW YORK. Der
US-Hedge-
US-Hedge-
weiter in Mitleidenschaft ziehen“,
JUNGE
11
11
warnte
w
zu der
Professor
von
der
Yale
Fonds-Manager
Fonds-Manager
George George
Soros Soros
Vermögen: Das Edelmetall bringt keine Zinsen, sein Preis schwankt – dennoch sollte jedes Portfolio ein paar Münzen oder Barren besitzen
Vermögen: Das Edelmetall bringt keine Zinsen, sein Preis schwankt – dennoch sollte jedes Portfolio ein paar Münzen oder Barren besitzen
S E I T E
S E I T E
Nr. 31-32/08 FREIHE
F I N A N Z E N
denfalls unbeirrt weiterverfolgt.
• 25. Juli I T 2008
Die Staatsausgaben werden nicht
University
U
in
der
Welt
Gleichzei-
hat
hat
erneut eine schärfere staatli-
erneut eine schärfere staatli-
tig
tig
wandte
Shiller
sich . aber
gegen
che
che
Regulierung der Finanzmärkte
Regulierung der Finanzmärkte
gesenkt, sondern über staatliche
Geschenkaktionen – natürlich mit
eine
ein
starre
Regulierung
der
Fi-
gefordert. „Der Crash von 2008
gefordert. „Der Crash von 2008
m
BRUNO BANDULET
BRUNO BANDULET
lem gegen gegen den den Ruin Ruin der der eigenen eigenen Wäh- Wäh-
Deutsche
Deutsche
Sammelklage
Sammelklage
Etikett
„sozial
gerecht“
verse- kei-
nanzmärkte:
na
„Spekulation
schafft
rung.
wurde durch das Platzen einer Su-
wurde durch das Platzen einer Su-
Scheingeld, Sch einge Kultur und Barbarei
hen
sogar noch
verstärkt.
Wohlstand“, erklärte der keynesia-
Wo
verursacht,
verursacht,
seit
seit
1980
1980
Das
gegen
Schweizer
UBS
UBS
Das alles wäre nicht vorstellbar, wäre
alles wäre nicht vorstellbar, wäre
gegen Schweizer
dem Gleichzeitig –
wird,
um wirklich
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gewachsen
gewachsen
war und
war und
aus
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die kleineren
die kleineren
Gold beliebig vermehrbar wie Papier-
hrbar wie Papier-
nische Ökonom. „Eine grundle-
gen
perblase bestand.
perblase bestand.
Blasen
Blasen
Bei Bei jeder jeder
Finanz- Finanz-
ährend
ährend i ich
nen zu verprellen, die Erhöhung der
dies schreibe, ist
und Buchgeld. Eine Banknote zu druk-
Banknote zu druk-
gende Sache in kapitalistischen Sy-
Finanzkrise: Angesichts
dergangs des
NEW YORK. Fünf Anwaltskanz-
NEW YORK. Fünf Anwaltskanz-
des Nie
des Niedergangs des US-Dollars sind die Chancen für eine Rückkehr zum gesunden und echten Geld gering
Staatseinnahmen über einen Anstieg
stem
stemen ist,
krise
krise
W
W
en,
daß die Wirtschaft nur
hatten die Behörden einge-
hatten die Behörden einge-
es genau 30 Jahre her, daß ich
es genau 30 Jahre her, daß i
ostet ein paar Cents, eine Unze
leien haben vorige Woche in New
leien haben vorige Woche in New
ken, kostet ein paar Cents, eine Unze
der Steuersätze vermieden, wenn auch
gut funktioniert, wenn die Leute
gut
damit begann, einen
damit
begann, einen
o
aus
gegen
gegen
die
die
York eine Sammelklage
York eine Sammelklage
griffen, sich um die gescheiterten
griffffen, sich um die gescheiterten
der Erde zu holen, im Schnitt
Gold aus der Erde zu holen, im Schnitt
frei darin
frei
Institute
Institute
sind, zu kaufen und zu
und Kon-
und Kon-
monatlichen
Informations-
Schweizer Schweizer
Großbank UBS
Großbank UBS
einge-
einge-
um die 800 Dollar – wenn man alles
wenn man alles
die Beiträge zum staatlichen Gesund-
monatlichen Informations-
heitssystem angehoben. Den Fehlbetrag
verkaufen –
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junkturprogramme
junkturprogramme
dienst mit
dienst mit
dem Sch
dem Schwerpunkt
zusammenrechnet, einschließlich Ab-
inschließlich Ab-
ROLAND BAADER
den Mechanismen der Macht – auch
den Mechani
und wenn die Preise
gekümmert aufgelegt.
gekümmert aufgelegt.
smen der Macht – a
reicht. Zu den Leitklägern gehören
reicht. Zu den Leitklägern gehören
jedes
jede
Gold herauszugeben.
Gold herauszugeben.
Seitdem
Seitdem
re
ung,
Demokratie. Wolf-
Steuern, Explorationskosten
und besonders in der
und besonders in der
Demokratie. W
beliebige Niveau erreichen
schreibung, Steuern, Explorationskosten
auch deutsche Fondsgesellschaf-
auch deutsche Fondsgesellschaf-
aber sollen wie immer die späteren Ge-
Damit haben sie die Superblase
Damit haben sie die Superblase
könn
fasziniert
fasziniert mich das ewige Me-
und Investitionen in die Mine. Dar-
n
nvestitionen in
die Mine. Dar-
gang Philipp hat
eindringlich dargel
ten. Die Großanleger werfen dem
ten. Die Großanleger werfen dem
nerationen finanzieren, die angeblich
können.“ Spekulative Blasen seien
noch weiter vergrößert“, schrieb
noch weiter vergrößert“, schrieb
mich das ewige Me-
gang Philipp h at eindringlich dargelegt
„Teil
der Gründer
der Gründer
Open Society
Open Society
tall, weil
es eine Kombination
aus folgt,
daß der
der Goldpreis weit über
Goldpreis weit über
„Teil des Abenteuers Leben und
größten Vermögensverwalter der
größten Vermögensverwalter der
tall, weil es eine Kombination
(„Die Erschaffung der Unterschicht“, JF
(„Die Erschaffffff ung der Unterschicht“,
soviel davon haben, wenn die jetzige
Sparschweine:
64 Milliarden Euro für die Zinsen der Schulden
nicht
Institute
Institute
in der des Financial
in der des Financial
Times Times
von Eigenschaften aufweist,
von Eigenschaften
die Marke
bedarf es
Verwandlung der Bevöl-
über ihre Verhältnisse lebt – die vor al-
von 1.000 ür Dollar
F
0 Dollar klettern
echtes klettern
Geld (Gold)
6/07), wie die eit
6/07), wie die Verwandlung der Bev
nicht etwas, das man zu aggressiv
Welt vor, zu spät über drohende
Welt vor, zu spät über drohende
bekä
bekämpfen sollte“, meinte Shiller.
Deutschland. Es reiche nicht aus,
Deutschland Es reiche nicht aus,
die kein
die
kein anderes In
müßte, damit die
Geldes“
kerungsmehrheit
kerungsmehrh
zu
Wertberichtigungen informiert zu
Wertberichtigungen informiert zu
anderes Investment
weniger ergiebigen
eniger ergiebigen
einer „Kultur des echten
zu einer staatsabhän-
einer staatsabhä
lem aber keinen Widerspruch einlegen,
Regierungen.
Verhältnissen. Die Verärgerung über
bietet, weil sich se
bietet, weil
sich sein
Preis
o
werden
werden
Couleur nachfolgender
nicht überwiegt, ist eine Sache des
wenn die Finanzaufsicht nur die
wenn die Finanzaufsicht nur die
gruben rentabel
und er-
voll-
wenn weitere Schulden zu ihren Lasten
und er- Und diese ist
gigen Unterschicht mit voller Absicht
gigen Untersch icht mit voller Absic
haben. „Die amerikanische UBS-
haben. „Die amerikanische UBS-
– zumindest im Vergleich
Der Der Staat S sollte aber durchaus hel-
Goldgruben rentabel (G. Hochreiter).
aufgenommen
Der verschärfte
Unwillen
der
neuen
Regierung,
Geldmenge im Blick habe. „Auch
Geldmenge im Blick habe. „Auch
immer wieder an der Naht-
immer wieder an der Naht-
schlossen werden können.
c
ossen
werden
betrieben wurd e
und
wird.
ständig zerstört. Der Kern
können.
betrieben wurde
Und selbst
Und selbst
des demokra-
und wird.
Anstieg der Staatsver-
Muts und der Überzeugungskraft.
mit anderen Staaten. Solange
fen, fen, Blasen B zu verhindern: „Zur
Tochter Dillon Read hat bereits
Tochter Dillon Read hat bereits
bei Enttäuschung
breitet
die sich
vor allem
llem
g
nac
der
Integration der
das
den Problem
ro
em
der
Staatsschulden
Staatsschulden
mit mit
s
ertrauensvorsprung an-
Krise
Krise beigetragen hat ja auch, daß
die
die
Politik und
tischen Machtmechanismus’
ie
Jahre, bis
ist die Um-
Dabei arbeit
en
im März
im März
Abschreibungen
Abschreibungen
stelle zwischen Polit
dann dauert es an die zehn
zehn Jahre, bis
at die neue Regierung klar
dieser Vertrauensvorsprung an-
stelle zwischen
Politik, Wohlfahrts-
schuldung nach der Integration der
Beides hat die neue Regierung klar
Kredite müssen kontrolliert
Kredite müssen kontrolliert
Dabei arbeiten Politik, Wohlfahrt
den Wählern werden.
aus,
auf eine
ener-
ener-
planwirtschaftlichen Konkursmasse der
überzeugender überzeugender
der Entschlossenheit
Entschlossenheit
an- an-
erkennbar nicht zu bieten. Die Angstha-
erkennbar nicht zu bieten. Die Angstha-
unser
werden. Der beste Weg dafür ver-
werden. Der beste Weg dafür ver-
Finanzwesen bilde
Finanzwesen bildet und
auf auf
planw irtschaftlichen Konkursmasse der
ein großes
Bergwerk k
den Betrieb auf-
den Betrieb auf-
verbriefte
verbriefte
verbände, Gewerkschaften und Kirchen
2007 Hypotheken
2007 Hypotheken
vor- vor-
verbände, Gewe rkschaften und Kirche
hält, funktioniert das Fremdfinanzie-
hält, funktioniert das Fremdfinanzie-
unser Glauben an die Markteffizi-
verteilung (und somit die systematische
gische Inangriffnahme des Schuldenab-
nab-
DDR ab
DDR ab
1990 wurde
1990
wurde
vorübergehend
vorübergehend
zugehen, zugehen,
wandelt wandelt
sich sich
in in
Entsetzen, Entsetzen,
rungssystem – allerdings zu Lasten der
rungssystem – allerdings zu Lasten der
enz jed
läuft
läuft
über Mindestkapitalanfor-
über Mindestkapitalanfor-
weil
weil
die Beschäftigung
die Beschäftigung
nehmen kann.
Verletzung
der Eigentumsrechte) und
Zerstörung der F
genommen“, erklärte die an der
Hand in Hand.
Hand in Hand.
Die Zerstörung der Fa-
Die
genommen“, erklärte die an der
enz jeden zum Schweigen gebracht
senmentalität bestätigt die gleichzeitige
senmentalität bestätigt die gleichzeitige
warz-
durch die
durch die
weil weil
eine eine
konsequente
konsequente
Bekämpfung
Bekämpfung
Staatsschulden ausländischer Staaten.
Staatsschulden ausländischer Staaten.
hat, de
am Im-
derungen.“ Um künftige Finanz-
derungen.“ Um künftige Finanz-
mit dem
mit
dem Goldmarkt
Goldmarkt –
Die
e
der unbegrenzte
milie (hauptsächlich durch den Ausbau
milie (hauptsäch
lich
Sammelklage beteiligte US-An-
Sammelklage beteiligte US-An-
kosmetische Zurückhaltung
kosmetische Zurückhaltung
Furcht vor Steuererhöhungen. Also hält
Furcht vor Steuererhöhungen. Also hält
hat, der sich über
weltweite Goldförderung wird
weltweite Goldförderung wird
Zugang zum Scheingeld
durch den Ausba
baus gehofft hatten. War die schwarz-
chuh
vor
der Einführung des Euro
abgemil-
der Staatsverschuldung damit in den
der Staatsverschuldung damit in den
Wenn Deutschland aber auch für diese
Wenn Deutschland aber auch für diese
mobilienmarkt
mobili
Sorgen
Blasen machte.“
nter
der Staatsrente –
der Staatsrente –
sprich
die Verlagerun
vor de r Einführung des Euro abgemil-
krisen zu verhindern, „müssen
krisen zu verhindern, „müssen
eine ständige Sch
eine ständige Schule
man sich an den wehrlosesten Gegner,
unter diesen Umständen für absehba-
diesen Umständen für absehba-
sprich die Verlagerung
man sich an den wehrlosesten Gegner,
über Besteuerung, Staatsverschuldung
wältin Deborah Sturman der
wältin Deborah Sturman der
rote Koalition noch als Hemmschuh
zu entschuldigen, deren Partner sich in
ch
in
dert, u m
der D-
eintreten muß, etwa im Rahmen von
eintreten muß, etwa im Rahmen von
die
die
des Realismus – mi
des Realismus – miß-
e
eit
und Inflation – das heißt zur
perma-
der Altersvorso
der Altersvorsorgelasten auf anderer
rgelasten auf andere
Wirtschaftswoche. Die Klagever-
Wirtschaftswoche. Die Klagever-
nach der Abschaffffung
Positionen sämtlicher großer
Positionen sämtlicher großer
dert, um nach der Abschaffung der D-
Bereich des scheinbar Unmöglichen
Bereich des scheinbar Unmöglichen
die ungeborenen Nachfolgegeneratio-
die ungeborenen Nachfolgegeneratio-
um oder unter 2.500 Tonnen
re Zeit um oder unter 2.500 Tonnen
rten,
Mark ab
Mark ab
dem Jahr
dem Jahr
2000
2000 die alte Ge-
die alte Ge-
EU-Verpflflflichtungen dann
EU-Verpflichtungen, dann schmilzt das
h
l
Schuldenstand
der
Marktteilnehmer überwacht wer-
Marktteilnehmer überwacht wer-
trauisch macht g
trauisch macht ge-
nenten Enteignung der Bürger.
rückt. Die probate Regel, am Anfang
rückt. Die probate Regel, am Anfang
jährlich stagnieren oder sogar weiter
oder sogar weiter
Leute Kinder), das Abschmelzen vo
Leute Kinder), das Abschmelzen von
treter streben einen Vergleich an,
treter streben einen Vergleich an,
dieser Frage gegenseitig neutralisierten,
nen, denen weitere Schulden aufgehalst
nen, denen weitere Schulden aufgehalst
ist die Verweigerung der neuen Regie-
egie-
schwindigkeit
wieder aufzunehmen.
werden.
werden.
ausländische Vertrauen in die Sicherheit
den,
den,
EU-Länder
dramatisch
inklusive Hedge-Fonds und
inklusive Hedge-Fonds und
gen Ideologien
gen Ideologien
jeder
jeder
abbröckeln. Positiv zu werten ist auch,
zu
werten ist auch,
Altersvorsorgeersparnissen (etwa über
Altersvorsorgeer sparnissen (etwa übe
der „deutlich über einer Milliar-
der „deutlich über einer Milliar-
schwin digkeit wieder aufzunehmen.
der Regierungszeit die Peitschenhiebe
der Regierungszeit die Peitschenhiebe
Eine Kultur des echten Geldes er-
schwer
hwer
60 P rozent
des Bruttoinlandspro-
auszuteilen, um gegen Ende (und vor
auszuteilen, um gegen End
(
Staatsfonds“, forderte Soros. „Die
Staatsfonds“, forderte Soros. „Die
Art und
Art und
gegen den
gegen den
a
daß die substantiellen Goldverkäufe
die substantiellen Goldverkäufe
Fleiß,
Hartz IV),
die Verweigerung der Ver-
rung in Sachen Haushaltswende
60 Prozent des Bruttoinlandspro-
deutscher Staatsschuldentitel. Höheres
Hartz IV), die V erweigerung der Ver-
fordert auf der Seite der Bürger:
de Dollar liegen“ soll. Anspruch
de Dollar liegen“ soll. Anspruch
begreiflich. Der Vorwurf des Wahlbe-
hlbe-
dukts
Inflation
als erprobtes Mittel
KÖLN/BRÜSSEL. Die Banken-
Eigenkapitalrichtlinien Basel I und
Eigenkapitalrichtlinien Basel I und
Machtanspruch
Machtanspruch
BIP) als Obergrenze l
Risiko bedeutet jedoch höhere Zinsen
der Schweizerischen National-
auf
erischen National-
auf einen Schadensersatz hätten
einen Schadensersatz hätten
dukts ( (BIP) als Obergrenze, lautet die
Disziplin, Sparsamkeit, Eigenverantwor-
mögensbildung in Arbeitnehmerhand
mögensbildung i n Arbeitnehmerhand
der nächsten Wahl) das Füllhorn der
trugs
wird laut und
verständlich. Zor-
Z
or-
papierne papiern Forderung
des Europäischen
II
II
enthalten einen Fehler: Sie atte-
enthalten einen Fehler: Sie atte-
der der
herrschenden herrschenden
bank abgeschlossen sind, daß
(über Belegschaftsaktien)
(über Belegschafts aktien) seitens der Ge-
seitens der Ge-
Wohltaten ausschütten zu können, wird
tung und Selbsthilfe
alle, die zwischen dem 13. Februar
alle, die zwischen
des Staatsschuldenabbaus?
dem 13. Februar
rettungs- und Konjunkturpakete
chlossen sind, daß im Familienver-
und damit eine weitere Belastung des
nige Erinnerungen werden
wach.
Stabilit
Stabilitätspakts. Daran
Staatshaushalts.
Klasse.
Klasse.
europäischen No-
aufzubauen,
werkschaften, das Aushungern der Pri-
werkschaften, das Aushungern der Pri-
2006
hält sich nun
stieren Wertpapieren in Bankbesitz
stieren Wertpapieren in Bankbesitz
2008 UBS-
sowie die krisenbedingt sinkenden
die anderen europäischen No-
band. Eine solche Kultur
und dem 3. Juli
nicht angewandt. Dieser Handlungs-
ein
ein
Und
Und
icherungen durch die
bald bald keiner kei mehr. Auch
Deutschland
Steuereinnahmen haben zu einer
deutlich niedrigeres Risiko als
deutlich niedrigeres Risiko als
ich hatte
ich hatte
vaten Krankenvers
vaten Krankenversicherungen durch die
spielraum ist offensichtlich nicht mehr
tenbanken zunehmend weniger
tenbanken zunehmend weniger
Aktien gekauft haben. „Die Bank
erfordert die Zeit von Generationen; zer-
Einmal aber müssen die Schulden
Es bleibt der Weg in die Inflation:
Marsch
den Schuldenstaat
aat
liegt seit
liegt seit
2002
darüber. Die im Sommer
vorhanden, die Regierung zeigt sich von
stören aber kann man sie –
Gesundheitsrefor
Gesundheitsreform (JF 2/07) und die
m
das traditionelle und erprobte Mittel
dramatischen Zunahme der Staats-
gewöhnlichen Krediten. Dadurch
gewöhnlichen Krediten. Dadurch
in
in
diesen Jahren das
diesen Jahren da
und zerstört
(JF 2/07) und die
hätte spätestens im Februar 2006
abgebaut werden. Spätestens wenn die
veräußern und daß andererseits
veräußern und daß andererseits
dieses Ja
Jahres verabschiedete mittelfri-
Zinslast
des Schuldenbergs
in nicht
des Schuldenabbaus. Selbst die stabi-
verschuldung in den EU-Ländern
Privileg,
Privileg,
begann in unter
dieses
eine beson
eine besondere
er
Nachholbedarf
massive
über die Probleme
mit Subprime-
Willy Brandt dt
Anfang an gelähmt.
ignorieren sie die systemischen Ri-
ignorieren sie die systemischen Ri-
in Asien großer Nachholbedarf
Förderung der Einwanderung
hat man sie – in wenigen Jahrzehnten.
massive Förderun g der Einwanderung
stige Finanzplanung – von der neuen
stige Fin
mehr
finanzierbare
Größenordnun-
geführt. „Im Jahr 2010 wird sich
ken-
besteht: Gold macht bislang nur
macht bislang nur
armer, unqualifififizi erter Ausländer – in-
armer, unqualifizierter Ausländer – in-
Papieren und
die drohenden ho-
Zwingend notwendig für den Schul-
siken, wenn eine Wertpapierposi-
siken, wenn eine Wertpapierposi-
Spezies Spezies von von Investoren Invest
le D-Mark hat in den fünfzig Jahren
Möglich wurde dieses Zerstörungswerk
ebro-
Regierun
Regierung nicht in
Frage gestellt
– sieht
das in
klusive
ennachzugs – sowie
das gebro-
gen ansteigt. Noch kosten die gesam-
der Schuldenstand der Euroländer
tion
tion
nenzulernen, die
nenzulernen, die kl
– sowie
zu stark konzentriert wird“,
zu stark konzentriert wird“,
kleine Minderheit der
durch das Papiergeld
(fiat money),
des Famili
klusive des Familiennachzugs
War da nicht schon einmal
denabbau ist die Erzielung von Haus-
ihres Bestehens Dreiviertel ihres An-
2,3 Prozent der japanischen
2,3 Prozent der japanischen
hen Verluste informieren müssen“,
chene Versprechen einer
„geistigen und
und
einen An
haltüberschüssen; entweder durch Sen-
ten Staatsschulden „nur“ 64 Milliarden
voraussichtlich auf fast 90 Prozent
Goldanleger.
Goldanleger. Nie habe ich
Nie habe
ich
unbegrenzter Menge von den Zentral-
die
die
einen getrof-
einen getrof-
aktive „Armut
aktive „Armutspolitik“ der Wohl-
spolitik“
der Wohl-
Dollar-Seifenblasen: Das
so die US-Juristin. Aktionäre der
und nur 1,9 Prozent der chine-
und nur 1,9 Prozent der chine-
Ende des Weltreservestandards des Dollar wird ungeahnte Folgen zeitigen
einen Anstieg der Staatsverschuldung
fangswerts verloren. Um Staatsschul-
warnte Soros. Bevor solche Refor-
warnte Soros. Bevor solche Refor-
moralischen Wende“? Immerhin hatte
hatte
bis
men
men
umgesetzt werden können,
fen, der
fen,
isenreserven aus!
fahrtsverbände
mehr
bis zum E
umgesetzt werden können,
kann.
fahrtsverbände un d Kirchen (je mehr
und Kirchen (je
deutschen Banken IKB und Hy-
Euro jährlich; etwa 15 Prozent der Steu-
den in relativ kurzer Zeit über Infla-
des Bruttoinlandsprodukts (BIP)
der sich im politischen Spektrum
sich im politischen Spektrum
sischen Devisenreserven aus!
banken erzeugt werden
zum Ende der neu angelaufenen Le-
kung der Ausgaben oder Erhöhung der
Hel-
gislaturpe
gislaturperiode
ereinnahmen. Nach Plan wird diese Be-
tion abzubauen, bedarf es jedoch ho-
erhöhen – im Jahr 2005 waren
müsse
müsse
der Staat
der Staat
den Finanzmarkt
den Finanzmarkt
i
Gründen wird
Arme, desto mehr
Zuwendungen von
Förderung
des
links eingeordnet
Aus zwei Gründen wird
wachsen insbesondere durch
das Land“. Vielleicht lassen sich einige
der damalige CDU-Vorsitzende Hel-
auf mehr als zwei Bil-
Einnahmen. Einer Ausgabenkürzung,
Arme, desto mehr Zuwendungen von
Dollar werden ungeahnte Folgen
links eingeordnet hätte. Goldanleger
po Real Estate könnten hingegen
werk
lionen
lionen Eu
her Geldentwertungsraten. Selbst bei
erst erst einmal einmal
stabilisieren:
stabilisieren:
„Das „Das be- be-
Se
Fehlende
em
Zukunftsthe-
Vermögensbildung
Staatsgeldern an d
es 77 Prozent“, heißt es in einer
sind notorische
sind notorische
Selbstdenker, immun
Staatsgeldern an
diese Institutionen)
iese Institutionen)
von Asylzuwanderung
und Familien-
für die das
zu Wort
„Kulturrevo-
jüngere FDP-Kreise für diese Idee ge-
keine Sammelklage in den USA
Euro vor. Mit weit mehr als 80
ja schon der Fixierung ihrer Höhe, steht
mut Kohl 1982 mit diesem Blendwerk
lastung bis 2013 auf schätzungsweise 85
China zu einem Zukunftsthe-
egie-
Prozent S
haben
Sys
tem.
lution“
harmlos
winnen, denn ohne ein Bein in der Poli-
einreichen, denn sie seien nicht an
Prozent Staatsverschuldung
im bezug
Milliarden
der steigen;
also mindestens
20
gegen
ma
ei-
ei-
so Philipp.
einer Preissteigerungsrate von jährlich
gegen den grassierenden Gleichheits-
den grassierenden Gleichheits-
für den
für den Goldmarkt:
die Goldmarkt:
in Arbeitnehmerhand
haben durchaus System.
„Die durchaus
nachzug gerichtet“,
zeitigen, vielleicht
sein wird.
die Ablösung der sozial-liberalen Regie-
heutzutage die politische Angst vor der
Analyse des Instituts der deut-
deutet eine Zunahme der Staats-
deutet eine Zunahme der Staats-
von
ihm wurde
urde
auf die
auf die jä
Kritik an
Prozent
Steuereinnahmen.
Derzeit
verschuldung
verschuldung
wahn
wahn
nen
Regierung in Zum
gierung in Zum
Peking
Peking
rung eingeleitet. Auch
zehn Prozent dauert es 30 Jahre, bis die
schen Wirtschaft (IW). Spitzen-
und eine so Vergröße-
und eine so Vergröße-
und zutiefst
und zutiefst s
skeptisch gegenüber
ma wird
„Die Caritas ist mit
Caritas
ist
mit
insgesamt eines
insgesamt rund
rund
Diese Institutionen und
ihre wechsel-
Zu
befürchten ist in diesem Zusammen-
einer US-Börse in den USA notiert
jährliche Wirtschaftsleistung
der fehlenden „sozialen Ge-
tik geht es – schon aus Gründen der öf-
die Staatsverschuldung angeprangert,
gert,
nähert sic
nähert sich
rechtigkeit“ gegenüber.
rung
rung
der Geldbasis“,
der Geldbasis“,
Soros.
Soros.
Daß letztere
offiffiffizieller Propagan
ist der Finanzierungszinssatz der Staats-
offizieller Propaganda
und veröffentlich-
ihren Goldbestand nach und nach
Die Rückkehr zum echten Geld
d
ist in
400.000
400.000
besoldeten
Mitarbeitern
nach und nach
besoldeten Mitarbeitern eines
seitigen Verflechtungen wird man ohne
Deutschland griechischen
reiter beim Schuldenaufbau sind
hang das Entstehen einer Diktatur – die
fentlichen Publikumswirksamkeit – lei-
und haben auch keine Niederlas-
Schulden abgetragen sind. Angesichts
t
für
schulden
ter Meinung. Kein
die Dollar-La-
der
der größten Unter
„Kulturrevolution“ nicht
mit zirka
ter Meinung. Kein Wunder, denn Gold
m
laut einer OECD-Prognose Irland
größten Unternehmen Deutsch-
drei Prozent äußerst
einem solchen entkultivierten Umfeld
nehmen Deutsch-
mehr los. Und
„rechtlichen“ Voraussetzungen dazu sind
sungen dort. Denkbar seien aber
die unter der Ära Brandt/Schmidt für
der nicht. Denn Politik ist ja die Wurzel
der staatlich initiierten Geldschwemme
aufstocken wollen, um die Dollar-La-
Höhen er-
n
er-
günstig. Es gab
mehr
mehr
ist
ist
schon Jahre, in denen bis
zur Wirtschaftsbelebung ist diese hohe
Banken sollen
Banken sollen
das Investment der Freiheit und des
das Investment der Freiheit und des
g
eit
lands. Wer so
ihrer Devisenreserven zu ver-
viel Mitarbeiter beschäf-
Gott bewahre
uns vor
einer solchen. Die
in
allen ökonomisch-finanziellen Übels.
damalige Zeiten unfaßbare
stigkeit ihrer Devisenreserven zu ver-
(+47,3 Prozent) und Großbritan-
nicht denkbar. Die politische Kaste wird
lands. Wer so viel M itarbeiter beschäf-
der (der Sowjetunion nachgebildeten)
„Klagen gegen Broker oder Rating-
Staa
Staatsverschuldung
klommen hatte. Nur,
ndert
der Bundesrepublik
zu
Individualismus. „
Individualismus. „Wenn Sie sich ent-
ringern. Und zum anderen sind auch
nderen sind auch
daran,
daran,
daran geändert
neun Prozent Zinsen zu zahlen wa-
Haftkapital Haftkapital
bilden bilden
daß immer
daß immer
Kulturrevolution Maos hat mutmaßlich
EU
Tanz es losgeht,
könnte
es
Inflation tatsächlich in den nächsten
niemals auf das Herrschaftsinstrument
tigt, hat ein Interesse
tigt, hat ein Interesse
längst gegeben.
wenn der daß
agenturen, die Subprime-Papiere
nien (+43,2). Die Niederlande
ren.
Ein angesichts des immer
engeren
– insbesondere wenn
scheiden müssen“, so schrieb einmal der
scheiden müssen“,
so schrieb einmal der
die chinesischen Bürger immer noch
Jahren zu erwarten
namens „Unbegrenzte Beraubung der
rger immer noch
genug ‘Arbeit’ da ist. Ohne eine große
genug ‘Arbeit’ da ist. Ohne
eine große
70 Millionen Chinesen das Leben geko-
Aber erweisen,
sich
von großem
Nut-
Millionen
Millionen
(+15,9) und Deutschland (+13)
als sichere Investments angeprie-
hat er absolut nichts.
Statistisches Bundesamt und Deutsche Bundesbank
JF GRAFIK Foto: Pixelio,Quelle:
Es war, ist und bleibt wie José Ortega
Ent-
Kreditmarkts zu erwartender Anstieg
die
MÜNCHEN.
MÜNCHEN.
Bevölkerung“ per fiat money verzichten,
Unterschicht ist nich t
Unterschicht ist nicht
stet. Aber sie
s
y
2.500.000
2.500.000
hat Ökonom
hat Ökonom
irische Literaturnobelpreisträger George
irische Literaturnob
stark unterinvestiert. Bisher waren die
. Bisher waren die
genug Arbeit da.
genug Arbeit da.
war (unbeabsichtigterwei-
Ein Blick auf die historische Ent-
staatlichen Schuldentitel auf dem
liegen im Mittelfeld. Schweden
Gasset es gegen Ende der dreißiger Jah-
zen wäre, wenn ein „Musiker“ mit ei-
sen haben“, meinte Sturman.
chul-
des Zinssatzes
Kreditmarkt
wird
Wolfgang
olfgang Gerke Der
Gerke Der
schärfere
schärfere
Bernard Shaw –
Bernard Shaw – de
der seinerseits freilich
er
keine Abnehmer mehr fin-
Politische Einflußnahmen dieser Orga-
Politische Einflflflußnah
men dieser Orga-
se) eine
s
re
geschrieben hat: „So wie der Albatros
nem eingängigen
um Melodien-Repertoire
auf sechs Prozent würde
wesentliche Voraussetzung des
trotz Krise im Vergleich zu
und die Bürger sind proletarisiert (neu-
wicklung der deutschen Staatsverschul-
Inder nicht nur die größten Goldbe-
nicht nur die größten Goldbe-
er anscheinend
nend
die Zinsbelastung auf 40 Prozent der
Zentralbank
Haftungsvorschriften angemahnt.
aftungsvorschriften angemahnt.
als prominentes Mitglied der Fabian So-
als prominentes Mitglied der Fabian So-
Waage mit
sitzer weltweit, sondern auch Jahr für
deutsch prekarisiert) –
ern
auch Jahr für
das heißt: in un-
nisationen waren in
der Vergangenheit
je
in China.
als
bereitstünde,
„aufzuspielen“.
Literatur:
Finanzielle
dung lohnt – gerade weil
den und der Europäischen
2005 ein Schuldenabbau (-4,2)
jetzigen „Wirtschaftswunders“
Vorbote des Sturms, so taucht der
2.000.000
2.000.000
Gold und Geld: Das Edelmetall geht nie pleite, es schützt vor der Inflation
nisationen waren in d er Vergangenheit
nichts Spektakuläres offenbart. Seitdem
tdem
direkt zum
Kauf aufgezwungen
werden.
zugetraut.
ciety
ciety
Käufer. Im ersten
Ve rminderung
Auch mit
A
dem deutschen
Wirtschafts-
Am schlimmsten sei
„Staatliche taatliche Eingriffffffe Eingriffe befehdende befehdende
dem Sozialismus zuneigte –, „ob
dem Sozialis
Jahr die wichtigsten Käufer. Im ersten
umkehrbare Staatsabhängigkeit gebracht
deshalb keineswegs auf
Lebensweisheiten
Steuereinnahmen heraufschrauben.
deshalb keineswegs a uf Ve rminderung
Mensch der Tat stets am Horizont auf,
Daß – trotz allem – die Aufklärungs-
die Sozialdemokratie 1971 die Büchse
chse
Ein weiteres
Damoklesschwert ist die
Auf Dauer
zerbricht aber
jede Währung
in Belgien,
Sie Ihr
schon Ende
n
1923 wertlos. 1924, nach
(und Deutschland 69 Prozent ), sollte
eutschland
ent ), sollte
Halbjahr 2008 wurde zum ersten Mal in
a
ja
sond
e 1923 wertlos. 1924, nach
der Unter
der Unterschicht, sondern auf deren An-
sc
hi
c h t,
hatte die vor-
die Situation weiterhin
Investmentbanker vestmentbanker arbeiten arbeiten selbst selbst
Vertrauen in die Regierung oder
wenige. g . Auch uch Immobilien Immobilien sind sind Sach- Sach-
wunder der Nachkriegszeit
Sie Ihr Vertrauen in die Regierung oder
r 2008 wurde zum ersten Mal in
worden. Letzteres gehört ebenfalls zu
wenn eine neue Krise ausbricht.“ Es setzt
arbeit über die verheerenden Wirkungen
1.500.000
1.500.000
dung
Gläubigerstruktur
der Staatsschulden.
an
Griechenland
mit
it
Staatsgarantien“, schrieb der
Staatsgarantien“, schrieb der
werte, die – je nach Lage – gegen die
und Italien: „Hier
in
in
Gold setzten, dann, meine Herren,
Gold setzten, dann, meine Herren,
als der in
werte, die – je nach Lage – gegen die
China
l
dem Ende der Hyperinflflflation,
dem Ende der Hyperinflation, als der in
denken geben.
denken geben.
mehr Gold ab es
dann regelmäßig eine Zeit der Rebarba-
angegangene „Entnazifizierung“ durch
des papierenen Falschgeldes und über die
BERLIN. Spätestens seit die US-
der Pandora namens Staatsverschuldung
einer anhaltend hohen Inflation.
China mehr Gold abgesetzt als in Indi-
geöffnet hat, ist nur
eine Bewegung
g
er-
er-
Mittlerweile
Währungsre-
Präsident des im
äsident
des im
Bayerischen
Bayerischen
Fi-
Fi-
rate ich
rate ich
Eine anschließende
Ihnen dringend dazu, sich für
Ihnen dringend dazu, sich für
Geldentwertung schützen können, aber
Geldentwertung schützen können, aber
zu Solange
zu Solange
Geldwerte investierte deutsche Mittel-
Geldwerte investierte deutsche Mittel-
die Zinsen ka
die Zinsen kaum über oder
die Alliierten (in deren Verlauf alle alten
segensreichen Konsequenzen des echten
Hypothekenkrise auch große deut-
wird mehr als die Hälfte
übersteigt die Schuldenstands-
en – auch wenn es noch dauern dürfte,
risierung ein. Vor dem 20. Jahrhundert
kennbar: ständig weiter nach
Der
Der
1.000.000
1.000.000
„Filz-
(Gold-)Geldes unablässig weitergehen
der deutschen Schulden vom Ausland
form –
mit Abschaffung des unge-
quote
die 100-Prozent-Marke,
nanzzentrums
nzzentrums
Bayernkurier. Bayernkurier.
stand
stand
Gold zu entscheiden.“
Gold zu entscheiden.“
alles verloren hatte, lag die Kauf-
alles
verloren hatte, lag die Kauf-
sie sind
k
sie sind manchmal schwer
und Klüngel-Strukturen“ bis zum
sche Geldinstitute heimgesucht
manchmal schwer verkäuflich,
sogar unter der Inflationsrate liegen,
bis Indien dauerhaft auf den zweiten
waren solche „Menschen der Tat“ aristo-
nzlers
die deutschen
liebten Euro –
„Ihre re Gewinne Gewinne werden werden in in Form Form
kraft des
kraft des
und selbst
solange
einzige
ungedeckten
wäre nicht nur eine
gelben Metalls immer noch
gelben Metalls i
der heutige deutsche Rechts-
Platz absteigt.
Getäuschtes s Vertra Vertrauen
letzten Hühnerzüchterverein zerschlagen
kratisch-autoritärer
Natur
– von Cäsar
versteht
Wir sich
für Freiheitsfreunde
finanziert. Insbesondere
hat, ist um so nachdrücklicher
Leitspruch des damaligen SPD-Kanzlers
das heißt, die in der Vergangen-
von
n
Bonuszahlungen und Divi-
Bonuszahlungen und Divi-
Gold ist
Gold ist
auf
1918.
Währungen
Willy Brandt „Mehr
Demokratie wa-
wa-
Banken haben
theoretische Lösung
des Schuldenpro-
heit aufgenommenen
Staatsschul-
kein Argum
kein Argument
dem Niveau von
keine (auch
der der
Euro
nicht!) als
der Finanzpresse
macht
Gold
wurden) mehr zu tun als
den meisten
bis
Napoleon, ab dem
20. Jahrhundert
von
muß, selbst.
Liberalen
müssen allen
500.000
500.000
sich seit der Einführung
auf einen bibliophilen Schatz zu
staat greift massiv in die Eigentums-
der Umverteilungsde-
gsde-
Prognose aufgrund
der Mittelfristigen
des Euro
klammheimlich, aber mas-
rechte ein.
dauerhaft solide gelten kann und solan-
jetzt
öfter
Schlagzeilen,
saturiert
ist
Ökonomen bewußt ist.
klarmachen, daß der Veitstanz der po-
verweisen, der anhand von Apho-
gen“ hat die Tore
blems, sondern nach Stand der Dinge
denden den privatisiert, privatisiert, während während ih- ih
Anlagen
Ende der zwanziger, Anfang der drei-
in
der der Rechtsprec Rechtsprechung
Das Ausblei-
Finanzplanung des Bundes zuzüglich der
gegen andere
Mietrecht: Kehrtwendung in
waren sie allesamt Sozialisten, von Lenin
den übertreffen die gesamtwirt-
zu
und seine De-
e
De-
erwartenden Länderverschuldung bei
unsicheren Kreditge-
die
Die
schaftliche Leistung“,
re
existenzgefährdenden Verluste
Kaufkraft mitten
ge das Weltfinanzsystem krisenanfällig
der
In Markt
dennoch
Auch
in
mokratie weit aufgerissen,
0 0
gleichbleibender Relation zu den
siv aus diesem
praktisch wahrscheinlichste.
so das IW.
liegt der nicht.
ben einer
solchen „Kulturrevolution“ in
ßiger Jahre stieg seine
über Stalin und Hitler bis zu Mao, Pol
litischen Herrschaft, daß die Ausbeu-
rismen, Zitaten und literarischer
Bundesschulden.
Wirtschaft
chaft
Noch leben die
in
Gold
nicht so
vermehrbar
Deutschland
Goldanteil
an
Rußland und
das Fortbestehen der
„al-
Pot,
Man
Betrachtung finanzielle Lebens-
vise „Die Belastbarkeit der
schäft verabschiedet.
Dänemark
und Finnland liegen
in den
in der Deflation. 1950,
nach Gründung
Kim Il Sung
und Konsorten.
tung der Arbeit
und Lebenszeit der Bür-
neue Regierung ist jedenfalls nicht
sozialisiert werden.“ Kurzfristiges
Was mußten die Deutschen
bleibt, wird Gold gefragt sein und im
m
bis
bis
Jahr
Jahr
von
dem guten
der Lage,
diese
hingegen
nur knapp über der 50-
Gewinnstreben versperre den Blick
vergangenen hundert Jahren nicht al-
der Bundesrepublik, konnte man hier-
kühl, daß sie sich an
kühl,
den früheren
darf
„Qualität“ der
von Leben
und
testen“ ihr Experimentierstadium
deutschen Regierungen
wachsende Vorahnung
wie Papier-
und
Buchgeld
den Portfolios immer noch weit unter
Trend teurer werden. Immer nach dem
E
sind in Wohn-
in Gutteil der deutschen
daß sie sich an d
also wetten, welcher
ger, daß die Zerstörung
weisheiten zu vermitteln vermag.
ten Seilschaften“ hat eine entsprechende
– ungeachtet der der
t
Kreditnehmer
zu beseitigen.
Prozent-Marke.
auf
zulande
mit derselben Menge Gold so-
raummietverträge
einem
Urteilen des
Urteilen
BGH orientiert haben.
orie
nächste „Mann der Tat“
Ruf Deutschlands als
und die
nächste
durch
die politi-
So wußte
heute nicht beendet
die Lehren der Vergangenheit:
Muster: zwei Schritte vor, einen Schritt
les über sich ergehen lassen: zwei Welt-
dem Stand von 1980. Gold ist, was im-
Entwicklung dort verhindert. Statt eines
Glück der Menschen
doch schon der Hesse
eine
als zum
Diamanten sind
sogar
leichter als
zu
mer vergessen wird, ein kleiner Markt.
entscheidenden Punkt, nämlich der
Verschlimmert
Verschlimmert
Barbarei sein werden.
sozial-sozia-
„Das Management der Münche-
gar mehr kaufen
Ende des vor-
zurück. Normalerweise verläuft das so,
des BGH wird
wird diese Kehrt-
breiten Wohlstandsprozesses
erlebt man
schen Raubkasten und die
Heinz
kriege, zwei Währungsreformen,
Schenk: „Das einzige, was
ner
Hyperinflation
vergleichen
transportieren
und zu
verstecken
Weltweit wurde 2008 für ganze 32,4
Verpflichtung
wendung jetzt
alten
herigen Jahrhunderts. Oder
daß die Preise nach dem Ende der Som-
der Mieter
zur Über-
wendung jetzt
noch durc
Hypo Real Estate (HRE) ist
und 2008 einen Fi-
noch durch ein aktuel-
dort nun das Superreichwerden der
listischen Schmarotzer-Organisationen
man ohne Geld machen kann,
nanzcrash, der
nahe daran war, das
Investment in den
Milliarden Dollar in Barren, Münzen
les
Marktwirtschaftliches Geld,
Ende
– selbst
Sie nur einmal ein
les Urteil (VIII ZR 181/
nie ein
nahme der Schönheitsreparaturen,
Eliten bei fortbestehendem Kümmerda-
nehmen werden
sind Schulden.“
Folgerichtig er-
merpause anzuziehen beginnen, daß
Urteil (VIII ZR 181/07), wonach
nicht in die Falle eines völlig neu-
Gold, aber die Spanne zwischen An-
en
Bankensystem zu zerstören
unwirksam. Diese Situation ist den
Risikos getappt, sondern hat
und mit
sie ihr Jahreshoch im Winter, vorzugs-
die Vermieter für diese Störung des
die Vermieter für diese
sein der
Rückkehr
Hyperinflation und
innert
uns Bertolt Brecht daran,
Deutschen Aktienindex (Dax) oder ei-
breiten Massen.
zum Goldstandard
nach Staatsbankrott,
JF-Anzeigenmarkt
enmark
und Verkauf kann ein Drittel des Werts
und Goldfonds (ohne die Goldaktien)
in
unverantwortlichem Umfang
ihm
die Spareinlagen und dessen Hy-
ne Festgeldanlage in
ausmachen. Anleihen bringen Zinsen,
daß
investiert. Das war nicht mehr als ein
vertraglichen Gleichgew
auch
Dennoch kann
man sich
eine „Kultur-
Krieg
daß Bankraub
nur
eine Initiative
Personalangaben, Personalangaben Perso-
Euro seit Beginn
weise im ersten Quartal, erreichen,
Richtern des VIII. Zivilsenats des
vertraglichen Gleichgewichts
immer wieder von neuem begin-
langfristige Projekte kurzfristig fi-
Personalanga-
dieses Jahrzehnts
mit einer
Goldanlage,
aber was
hat der
Besitzer davon, wenn
Marktteilneh-
die nach
dem
Ausgleichsan-
Entsprechend trübe stellen sich die
BGH zu verdanken,
Ak-
keinen finanziellen
keinen finanziellen Aus
von Dilettanten sein könne, denn:
nalangaben Personalangaben
pothek in einem Schuldenberg besteht,
dann die spekulativen
rundes Drittel des Börsenwerts der
revolution“ für Deutschland und Europa
nen, solange den Herrschaftscliquen der
nanziert.“ Auf Einsicht oder Moral
nur
steuerfrei war.
sie
keinesfalls wünschen – so notwendig sie
ben Personalangaben
mer
Kasse machen,
mich mein
ma
der nicht mehr rückzahlbar ist und
Motto, „was kümmert
spruch haben. Kann
gesun-
die noch dazu
nervös werden und
„Profis gründen eine Bank“. Doch
nach Steuern und Inflation real
Chancen für eine Rückkehr zum
beliebige Zugang zur wirksamsten Waffe
tie von Goldman Sachs. Im Vergleich
spruch haben. Kann man wirklich
zu
setzen, sei naiv. „Wer Bonus-
noch durch
werden
alles,
nichts abwerfen und mit der
Zeit im-
bis schließlich im Verlauf des Sommers
dazu
Geschwätz von gestern“ 2004 die ent-
so
mit den
Bürgern umspr
umspringen? Mit
aus
den
der
vermag Sir Peter
Inflation entwertet
Gold ist nicht
aber ohne Gold
so mit den Bürgern
strukturellen Bereinigungsgründen
Macht offensteht: zum fiat money.
Ustinov zu zeigen,
kommen 2009 neue Staatsanleihen
und echten Geld dar, obwohl eine
zahlungen erhält, muß zuvor ei-
kann.
ist
ist tat-
für schätzungsweise 5.500 Milliarden
sprechenden Klauseln in
den Mietver-
Bürgern, von
Bürgern, von
deren Souveränität auch
deren Souver
solche – und
nur sie
wie
– die zu befürch-
alles nichts. Es stabilisiert jedes Port-
mer weniger wert werden. Gold
Nur unter der Ägide
echten marktwirt-
jede Medaille zwei Seiten hat,
Ruhe einkehrt und ein neuer saisonaler
auch wäre, weil sich der Korporativis-
Ein Fels in der Brandung!
nen
Gegenwert für das von
ihm
Mit Gold
war
folio,
mit Gold
Markt für
Dollar auf
man in diesen hun-
Zyklus starten kann.
trägen gekippt
die vermeintlichen „Rich
die
mus in
den sechzig
Nachkriegsjahren
schaftlichen
Geldes (Goldgeldes) wäre
kauft man eine Versi-
sächlich der einzige effiziente
den Markt. Die Schere klafft
haben – mit der Folge,
vermeintlichen „Richterkönige“
schließlich korrumpiere Geld vor
tende Apokalypse (sowohl finanzieller
eingegangene Risiko abgezogen
dert Jahren nicht
man
Auf die
Frage, warum Gold in je-
auseinander – und genau
daß
in
in
den roten
den roten
Roben ihre M
Roben ihre
geopolitischer
Art) verhindern oder
dieser
Macht ablei-
das Land
wie
schlecht bedient,
einen homogenen, mobilen, fungiblen
immer weiter
Zugang versperrt.
allem jene, die
es
nicht haben.
Der
cherung, ohne die eingezahlten Prämien
diese Mieter nun überhaupt nicht
wieder wie ein Teppich über
Silvio
Gesell,
bekommen“, so Gehrke. „Um in
konnte
und international
akzeptierten Sach-
des konservativ
ten.
übrigens nicht:
gelegt hat – denn sie
wenigstens mildern
finanziell überleben. Die Fünf-,
geführte Portfolio paßt,
dies ist der Stoff,
aus zu renovieren brauchen.
dem die Goldphan-
ten. Man täusche sich übrig
Man täusche sich
würde unendliches
könnte. Vielleicht
Verleger Axel Springer läßt derweil
gest. der
im
März 1930
Berlin
zu verlieren, wenn der Katastrophenfall
schlechten Zeiten ihre Kunden
kein
immer
Es geht
ist.
wurden die
wäre es an der
Zehn- und Zwanzig-Goldmarkstücke
tasie gemacht
von
wissen, daß man im
In einer Zeit, in der der Er
In einer Zeit, in der
der Erwerb
Zeit, gewissermaßen als
Leben wählen
Leid über die Menschen bringen und
wert. Daß die USA, obwohl sie
gibt es drei einfache Antworten:
Noch 1987 und 1988
„Kopernikus“
bei der
nicht eintritt. Das ist wohlgemerkt
des Deutschen
Kaiserreiches bis 1915
Argument gegen
wieder versucht
haben,
Gold schlechtzu-
jetzt verworfenen Klauseln,
nach de-
Eigentumswohnungen für
Eigentumswohnungen für viele Nor-
„Panzer-
Weiterführende Literatur zum Thema:
andere Anlagen. Es
der Inflation,
das
nicht im Stich zu lassen, müssen
nie pleite, es schützt vor
könnte in der Knechtschaft des
geringere Übel, jetzt in massiver, ver-
müsse: „Geld zu verdienen oder
Wirtschaftslehre
Hülsmann: Die Ethik der Geldpro-
die
– das
zu manipulieren, 77
und es dient als
gegenüber dem
Absicherung nicht nur
in be-
malverdiener
malverdiener
sozialismus“ (Anthony de Jasay) enden.
Jörg Guido