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Mission & Church Planting

Lutz & Frauke Ackermann (Polokwane):


„Tshollela Moya wa hao Jesu!“
Missionswoche in der Armensiedlung
Ich rutsche auf meinem Lautsprecher mitgebracht: gelohnt hat, all der
Plastikstuhl hin und her und damit es keinem in der Aufwand, all die
versuche, eine bequeme näheren Umgebung entgeht, Anstrengung, frage ich
Sitzposition zu finden. Der dass heute Abend was los mich wieder. Aber diesmal
Lärm eines völlig ist hier im Township kann ich ohne Zögen sagen:
übersteuerten Verstärkers "Extension 44". Kommt alle „Ja, auf jeden Fall!“ Für wie
dringt an meine Ohren, her! viele Menschen wir wohl in
meine Schuhe und Hose Aber was soll's, der dieser Woche gebetet haben
sind von Staub rot-brauner Prediger des heutigen Abend für Abend? Und wie
Erde bedeckt. Obwohl der Abends hat sich ja auch viele Haushalte haben wir
südafrikanische Sommer noch nicht eingestellt. Er besucht an den Vormittagen
längst vorbei ist und der habe Bereitschaftsdienst dieser Woche? Es müssen
Winter naht, sind die Tage hatte er uns im Laufe des wohl über hundert gewesen
noch heiß; aber wenigstens Tages wissen lassen und sein... Wir haben Afrikaner
ist das Missionszelt nicht müsse eine 250 km predigen hören - wie eben
allzu stickig. entfernte Außenstelle nur Afrikaner predigen. Wir
"Warum", so frage ich mich besuchen. Ob er bis zum haben gesehen, wie sich das
schon seit einigen Minuten, Abend wieder da sei könne Zelt Abend für Abend mehr
"warum tue ich mir das er noch nicht sagen. gefüllt hat; der Höhepunkt
alles an? Herr, ist es Hektische Telefonate war wohl der Freitagabend,
wirklich das, wozu du uns folgen, um kurzfristig einen wo beim "Jesusfilm" keiner
gerufen hast?" Immerhin, Ersatz zu finden. Aber es der über 100 Stühle
ich könnte gemütlich zu soll noch besser kommen. unbesetzt geblieben ist.
Hause sitzen und den Plötzlich fällt es jemand Aber das ist alles irgendwie
Feierabend genießen. Ganz ein: wir haben eine ganze fast Nebensache. Denn
verdächtig drängt sich mir Kiste mit Material in der wichtiger noch ist der
die Frage auf: "Ist es das Kirche stehen lassen. Also, Eindruck, den einige
alles wert? Wird diese jemand muss die 15 km Mitarbeiter und Teilnehmer
Missionswoche zurück in die Stadt fahren übereinstimmend mitteilten:
irgendwelche Früchte und sie holen. Ich biete Gott beginnt etwas Neues
bringen? Wird unsere kleine mich an, doch kann einen hier in "Extension 44". Als
Gemeinde-Pflanze dadurch Fluch fast nicht ob ein neues Kapitel
wachsen?" unterdrücken, als mein Auto aufgeschlagen würde in der
Wie immer sind die Kinder nicht anspringt. Jemand hat Geschichte Gottes mit
die ersten, die eintreffen. das Licht angelassen, die seinem Volk hier in der
Noch ist es nicht sechs Uhr, Batterie ist leer! Schnell, ein Armensiedlung.
aber die ersten Stuhlreihen anderes Auto muss her, aber
sind dicht besetzt - mit es ist schon klar: ich werde Wann hat es alles
Kindern. Alles was laufen den halben Abend angefangen? War es 2003,
kann, kommt. Die verpassen. Na großartig! als ein pensionierter Pfarrer
Erwachsenen werden wohl und seine Frau eine
erst später eintreffen, Der Abendhimmel glüht rot Suppenküche ins Leben
vielleicht in 10 Minuten, über der Strasse von riefen für die vielen
vielleicht in einer halben Polokwane nach Seshego. verwahrlosten Kinder? War
Stunde. Aber dazu hat ja der Es ist fünf Tage später und es irgendwann in den
Mann mit dem Keyboard unsere Missionswoche ist folgenden Jahren, als wir,
seinen Verstärker und seine fast vorbei. Ob es sich dies Arbeit weiterführend
überdimensionierten

© 2010 Dr Lutz Ackermann - Polokwane


Mission & Church Planting

erst ein "Tischgebet", dann Gesundheitsprobleme, eigentliche Arbeit geht erst


Lieder und schließlich einen Arbeitslosigkeit und Armut. so richtig los, die
"Kindergottesdienst im Viele der Mütter leben vom Herausforderungen kennen
Freien" einführten? War es, "child grant", der wenige kein Ende. Da ist die Liste
als die ersten Mütter hundert Rand pro Monat der Namen derer, die zum
anfingen, unsere beträgt (nicht zu Gebet nach vorne kamen.
Alphakurse in der Stadt zu vergleichen also mit Nacharbeit wird
besuchen? Oder in den deutschem Kindergeld), Kleinarbeit, denn ohne
Jahren als die ganze einen festen Job hat kaum einen Hausbesuch wird
Siedlung verlegt wurde - jemand. wohl kaum einer von ihnen
von Wellblechhütten in anfangen, zu unseren
staatlich geförderte "Soup for the stomach, hope Gottesdiensten zu kommen.
Häuschen? In jener Zeit als for the heart" (Suppe für Und was wird mit dem
wir jeden Sonntag eine den Bauch - Hoffnung für Glaubensgrundkurs? Sollen
regelrechten Taxiservice zu das Herz) - darum geht es wir ihn weiter in SePedi
den Gottesdiensten in der hier. Im Angesicht von (der lokalen Sprache)
Stadt unterhielten? Oder Armut stellt sich nicht die anbieten? Oder müssen wir
dann, im November 2008, Frage, ob das Evangelium uns jetzt Gedenken machen
als wir beschlossen, denn "auch ein soziales um die "Unterschicht der
regelmäßige Gottesdienste Evangelium" sei - wir Unterschicht", die vielen
in "Extension 44" können nur fragen, wie es englischsprachigen
anzubieten? das denn effektiv sein kann. Simbabwe-Fluechtlinge,
Das ist nun auch schon über Das ist nicht leicht, denn es denen wir während der
1 1/2 Jahre her. Sonntag für sind immer nur Einzelne, Missionswoche
Sonntag wird ein Zelt denen wir helfen können: begegneten? Was wird mit
aufgebaut, das ca. 50 hier, mit einem Beitrag zu unseren Gottesdiensten, die
Menschen fasst. Um 11 den Ausbildungskosten der offensichtlich ohne
Uhr, wenn die Gottesdienste einen; dort, mit einer ohrenbetäubende
in der Stadt vorbei sind, gebrauchten Nahmaschine Keyboardklänge weniger
beginnt hier draußen der der anderen. Aber mehr als attraktiv sind als
Gottesdienst - oft in der alle materielle Hilfe zählt Missionsabende? Und jetzt
größten Hitze des Tages. vielleicht noch die kommen neuerdings auch
Von Anfang an hat unsere Solidarität; da sind Männer, nicht nur Frauen -
neue Gemeindepflanzung Menschen, vom Geist müssen wir da neue Wege
mehr Kinder (50-70) als Gottes getrieben, für die wir der Glaubensvermittlung
Erwachsene (ca. 10, fast nur mehr sind als nur eine Zahl andenken?
Frauen) angezogen. Es wird in einer Armutsstatistik. Und natürlich weiterhin die
viel gesungen, wahrend der Menschen, die sich Zeit für alte Frage: wird uns die
Ablauf im wesentlichen uns nehmen; das gibt Mut, Stadtverwaltung
dem anglikanischen "prayer die Lethargie und die irgendwann einen Bescheid
book" folgt: Lesungen, Verzweiflung zu geben wegen des Antrags,
Gebete, Predigt. Aber, der überwinden. Das gibt Mut, den wir vor über einem Jahr
Zusammensetzung sich der Liebe Gottes neu eingereicht haben? Wird
entsprechend, gibt es vor anzuvertrauen, Begabungen uns jenes Stück Land
jeder Predigt eine zu entdecken, fröhlich und zugesprochen werden, auf
Kinderpredigt. Danach dann bestimmt weiterzumachen. dem wir Woche für Woche
die "ministry time", unser Zelt zum Gottesdienst
Segnungen primär für die Nun ist sie vorbei, die errichten? Werden wir eines
Kinder - aber oft kommen Woche nach Ostern - unser Tages ein festes Gebäude
auch die Erwachsenen mit Missionswoche in "Ext 44", planen und bauen können -
ihren Anliegen. Die dem Stadtteil der nicht für Gottesdienste am
Dauerbrenner sind dabei einmal einen ordentlichen Sonntag, für Kinderkrippe
ganz klar: Namen hat. Aber die und sonstige soziale

© 2010 Dr Lutz Ackermann - Polokwane


Mission & Church Planting

Zwecke den Rest der


Woche? Wir hoffen und
beten darum!

Der Abendhimmel glüht rot


über der Strasse von
Polokwane nach Seshego.
"Tshollela Moya wa hao,
Jesu" - "Sende uns, Herr,
deinen Geist" klingt es
vielstimmig aus dem Zelt
und das Keyboard kreischt
dazu. Ich stehe vor dem Zelt
und blicke in den
Abendhimmel. Jeder
Sonnenuntergang ist die
Verheißung für einen neuen
Sonnenaufgang. "Danke
Herr", lautet mein stummes
Gebet, "denn es hat sich
gelohnt!". Aber jetzt muss
ich ins Zelt, gleich ist es
sechs Uhr. Fangen wir an!

Lutz und Frauke Ackermann


wohnen und arbeiten seit
2001 in Polokwane (Limpopo
Povinz, Südafrika) und sind
beide seit Anfang des Jahres
ordinierte (ehrenamtliche)
Geistliche der ACSA
(Anglican Church of Southern
Africa). (DRLA4@HOTMAIL.COM)

© 2010 Dr Lutz Ackermann - Polokwane