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Preis der Liebe Gottes

Wundervoll leuchtet das Wort am Firmament der Gnadenverheißungen Gottes: „Also hat
Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn
glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben." Johannes 3, 16. Wer
kann es ergründen? Wer will es ausschöpfen? Ein berühmter Prediger hatte sechs
Abende über dieses so herrliche Wort gesprochen. Wiederum kam er auf die Kanzel. Alle
Augen waren auf ihn gerichtet.
„Liebe Freunde", sagte er, „ich habe nach einem neuen Text gesucht, aber ich konnte
kein so kostbares Wort finden als das, über welches ich bereits gepredigt habe, und so
möchte ich nochmals über Johannes 3, 16 reden. Während einer ganzen Woche
versuchte ich euch zu sagen, wie sehr Gott euch liebt, aber ich bringe es mit meiner
armen, stotternden Zunge nicht fertig.
Wenn ich mir Jakobs Leiter leihen und in den Himmel steigen könnte und den Erzengel
Gabriel, der in der Gegenwart des Allmächtigen steht, bäte, mir zu sagen, wie groß die
Liebe des Vaters zur Welt ist, er würde nur das eine sagen können: ,Also hat Gott die
Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben,
nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.' Schon das erste Wort unseres
Textes ist von einer derart unerhörten Tiefe, Breite und Höhe, dass kein Mensch
imstande ist, sie zu durchdringen. Wer vermag in das Herz des ewigen Gottes
hineinblicken, um das „Also" in seiner Größe zu schauen.
Es gibt verschiedene große Religionen in der Welt, die beanspruchen, die Wahrheit zu
besitzen. Wenn man sie aber näher studiert, dann fällt einem auf, dass die fremden
Gottheiten dieser Religionen eines gemeinsam haben: Sie kennen die Liebe des wahren
Gottes nicht. Die armen Menschen, die ihnen dienen, sind in ständiger Furcht, weil sie
immer etwas tun müssen, um ihren Gott zu befriedigen und um ihn gnädig zu stimmen. Sie
kommen ihr Leben lang nicht aus dieser Angst und Hoffnungslosigkeit heraus, weil ein
Götze dem Menschen nicht das geben kann, was der barmherzige Gott des Himmels uns
schenkt: Seine unendliche Liebe, die er in der Hingabe seines Sohnes für uns bewiesen
hat.
Um uns eine kleine Vorstellung machen zu können, wie groß das „Also" der göttlichen
Liebe ist, müssen wir uns bewusst werden, was „Welt" ist. Unter dem Begriff Welt ist
nicht nur die Menschheit gemeint, sondern jeder einzelne Mensch. Der große englische
Prediger Spurgeon sagte in seiner feinen und beredten Art: „Ihr habt nie an der
Turmspitze des Domes eine Fliege gesehen; sie ist zu klein, als dass ihr sie sehen solltet,
wenn ihr um den Dom herumgeht. Aber eine Fliege dort oben ist im Vergleich zu euch,
die ihr euch auf dieser Erde herumbewegt, ein sehr großes Ding. In ihrem Verhältnis zu
dem Dom ist sie größer als ihr auf dem Erdball. Welch ein unbedeutendes kleines
Geschöpf bist du doch! Nimm an, du könntest eine Fliege lieben, das wäre etwas
wunderbar Seltsames. Aber nimm an, ein Engel könnte sie lieben — das wäre noch
seltsamer. Aber, dass Gott uns liebt, ist noch ein viel größeres Wunder. Nun hebe deine
Augen auf zum Himmel und zähle die Sterne. Lass dir von Astronomen sagen, dass jene
kleinen Lichtflecken mächtige Welten sind, deren viele unsere Welt an Größe unendlich
überragen, und dass Millionen und abermals Millionen solcher Welten am Himmel glitzern,
und dass vielleicht alle diese Millionen, die wir sehen können, nur einer kleinen Erde oder
einem Sandhügel gleichen gegen die Welten, die Gott überhaupt gemacht hat, die
unzählbar sind, wie der Sand am Ufer des gewaltigen Meeres. Und du, ein Mensch in
einer Welt — wie klein bist du! Aber ein Mensch in Myriaden von Welten, ein Mensch im
ganzen Universum —gibt es etwas Unbedeutenderes? Und hier steht die Liebe, dass
Gott ein solch unbedeutendes Geschöpf lieben sollte. Denn was ist Gott? Kannst du ihn,
der diesen ungeheuren Raum mit den Myriaden Welten geschaffen hat, ergründen?"
Das ist das unbegreifliche Wunder der göttlichen Liebe, dass er inmitten des
ungeheuren Universums, wo Milliarden und aber Milliarden von Welten, Sternen und
Sonnen die Herrlichkeit Gottes verkünden und preisen und die Erde unter den Giganten
der Himmelskörper sich nur wie ein Sandkorn ausnimmt, dass dieser wunderbare Gott
jeden einzelnen Menschen sieht und liebt. Schon nur diese Erkenntnis sollte uns mit
tiefer Ehrfurcht und staunender Anbetung erfüllen.
Beim Nachdenken über die Liebe Gottes werde ich an eine Geschichte erinnert, die mich
tief ergriffen hat: „Einer Witwe aus
dem Hochland war es nicht möglich, ihre Miete zu bezahlen, deshalb wurde ihre
Wohnung gekündigt. Sie nahm ihr kleines Kind, um bei Verwandten Zuflucht zu suchen,
dabei musste sie eine Bergkette überschreiten. Plötzlich brach, als sie sich im Gebirge
befand, ein Schneesturm los. Sie wurde von ihren Verwandten erwartet. Als sie aber
anderntags nicht erschien, machten sich Männer auf, um sie zu suchen. Auf der Passhöhe
fanden sie die Mutter fast nackt und erfroren. Das Kind befand sich in einer
schützenden Felsspalte, wohlbehalten und eingewickelt in den Kleidern der Mutter.
Viele Jahre später ging der Sohn des Pfarrers, der das Begräbnis leitete, nach Glasgow,
um zu predigen. Die Nacht war stürmisch und die Zuhörerschaft klein. Er hielt
infolgedessen die vorgesehene Predigt nicht, sondern erzählte die Geschichte jener
liebenden Mutter, die ihr Leben für ihr Kind opferte. Nach einigen Tagen wurde der
Pfarrer zu einem sterbenden Mann gerufen. ,Sie kennen mich nicht', sagte der
Sterbende, aber ich habe Ihren Vater vor Ihnen gekannt. Obgleich ich viele Jahre in
Glasgow lebte, habe ich die Kirche nie besucht. Nun geschah es, dass ich kürzlich abends
an der Kirche vorbeikam, als ein Sturm losbrach. Ich trat ein, und da hörte ich die
Geschichte von der Witwe und ihrem Sohn.' Dann brach die Stimme des Mannes. Und auf
einmal schrie er auf: ,Ich bin dieser Sohn! Nie habe ich die Liebe meiner Mutter
vergessen, aber nie sah ich bis jetzt die Liebe Gottes, der sich selbst für mich hingab.
Gott war es, der Sie veranlasste, diese Geschichte zu erzählen. Meine Mutter starb
nicht umsonst. Ihr Gebet ist erhört worden." Ergreifend ist die Liebe einer Mutter zu
ihrem Kind. Doch was ist diese Liebe gegenüber der Liebe Gottes? Das „Also" der
göttlichen Liebe erhält seinen Inhalt in der Tatsache, dass Gott seinen eingeborenen
Sohn dahingab. Und wie er ihn hingab, ist von einer derart erschütternden Größe, dass es
unmöglich ist, nicht davon ergriffen zu werden, es sei denn, dass man sich bewusst
verschließt und sich in die Sündenfinsternis zurückzieht.
Der große Reformator Martin Luther sagt folgendes: „Dass Gottes Liebe den Sohn
dahingab, ist für uns unergründlich und mit Worten nicht auszusagen. Der Heilige Geist
weiß nur dies eine Liedlein zu spielen. Der Name Jesu lässt uns vor Freude
springen und vertreibt den Teufel. Die Weit will sich aber nicht beschenken und lieben
lassen. Darin besteht das Gericht.
Es gibt unzählige Männer und Frauen, die nach außen hin ein ehrbares Leben führen,
innerlich jedoch voller Unrat und Schmutz sind. Wie viel Hass, Neid, Ichsucht, Hurerei,
Ehebruch, Unreinheit, Unwahrhaftigkeit, Heuchelei und Falschheit ist in ihren Herzen.
Die Laster sind ihnen zur zweiten Natur geworden, und ihre Freude ist, andere in ihren
eigenen Schmutz hinabzuziehen. Gibt es auch da noch Rettung für soviel Sündenschuld?
Die Antwort lautet: „Auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern
das ewige Leben haben."
Wer in seiner Sündennot und Angst zu Jesus im Glauben emporblickt, wird erleben, wie
er an Geist, Seele und Leib genesen wird. Mancher wird zitternd fragen, wenn er
erkennen muss, wie groß seine Schuld in den Augen Gottes ist, ob er überhaupt in diesem
Zustand zu Jesus aufblicken dürfe. Warum denn nicht? Denn, wenn geschrieben steht,
dass alle, die an Jesus glauben, gerettet werden, so sind eben alle gemeint!
Der athenische Senat hatte Sitzung auf dem offenen Feld. Auf einmal flog ein Vögelchen
von der nahe stehenden Eiche in die Mitte der Versammlung. Der kleine geängstete Vogel
flüchtete an die Brust eines Senators. Aber der Senator nahm das kleine Ding,
schleuderte es auf den Boden und zertrat es. Die anderen Senatoren waren empört und
sagten, dass er nicht mehr Senator sein dürfe und dass er für diese Grausamkeit
sterben müsse; denn ein Mensch, der auf diese Art und Weise ein hilfloses Vögelchen
töten könne, sei nicht würdig, zu leben. Er wurde zum Tode verurteilt.
Denkst du, dass, wenn diese Senatoren so freundlich gegenüber dem erschrockenen
Vogel sein konnten, dich der himmlische Vater, der dich in seinem Sohn Jesus Christus
liebt, von sich stoßen wird, wenn du in Reue und Busse zum Kreuz hinzutrittst?
„Alle, die an ihn glauben, werden nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben."
Es ist nicht nur ein Leben der Sündenvergebung, sondern auch ein Leben der Fülle und
Herrlichkeit. Wohl darf der Tod den Leib zerbrechen, doch bei der Wiederkunft Jesu
Christi werden alle, die ihr Leben nicht geliebt haben bis in den Tod, sondern in Liebe
und Dankbarkeit ihm gefolgt sind, auferstehen und die Krone des ewigen Lebens
empfangen. Die Erlösten aller Zeiten werden die unbegreifliche Liebe unseres
himmlischen Vaters in alle Ewigkeit rühmen und preisen.
Mit dem Heidenapostel Paulus möchte ich ausrufen: „Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung,
Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen." 1.Korinther 13, 13.
Ein Kind Gottes, das sein Leben Gott geweiht hat, darf in guten wie in bösen Tagen die
schöne Erfahrung machen, dass es in der Blüte des Lebens, im Alter und selbst im
Sterben NIEMALS ALLEIN ist.

Auszug aus „Niemals allein" von Siegmund Gutknecht