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„Are you HD-ready?“


Status Quo und Perspektiven
der HD-Bildverteilung

2009 / 11

www.detecon.com
“Are you HD-ready?”

Inhaltsverzeichnis
1 Executive Summary............................................................................................. 2
2 HDTV wird Standard – Wettbewerber legen vor ................................................. 3
2.1 Kunden haben lnteresse an hochauflösenden Bewegtbildern .................... 3
2.2 Die HDTV-Wertschöpfungskette schließt sich............................................. 3
2.3 Wettbewerber bringen sich in Position ........................................................ 4
3 DSL: technische Unterlegenheit bei linearem HDTV........................................... 5
3.1 HDTV benötigt Bandbreite – DSL langfristig im Nachteil............................. 5
3.2 HDTV beeinflusst den Netzausbau ............................................................. 5
3.3 Im linearen Bereich: Me-too Positionierung................................................. 5
4 Chance IPTV: VoD HD & Premium-Positionierung ............................................. 6
4.1 Innovationsführerschaft bei VoD ................................................................. 6
4.2 Exklusive HD-Inhalte – Vehikel für Pay-TV Modelle.................................... 7
5 HDTV: Notwendigkeit und Chance zugleich........................................................ 8
6 Die Autoren.......................................................................................................... 9
7 Das Unternehmen ............................................................................................. 10

Opinion Paper 1 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

1 Executive Summary

Hochauflösendes Fernsehen (HDTV) entwickelt sich zum TV-Standard. HD-fähige


Hardware, die Einzug in die Haushalte hält, unterstützt diesen Trend zum einen. Zum
anderen sind auf den vorgelagerten Wertschöpfungsstufen die Voraussetzungen für HDTV
zunehmend gegeben: Inhalteanbieter haben große Fortschritte bei der Umstellung auf HD-
fähige Produktionstechnik gemacht.

Und auch in der Distribution tut sich etwas. Die Digitalisierung der Verbreitungswege
schreitet voran, die bereits volldigitalen DSL-Netze werden ausgebaut und liefern allmählich
auch im Internet Protocol TV-(IPTV)-Umfeld die zur Übertragung von HDTV notwendigen
Bandbreiten. Fortschrittliche Fernsehmärkte, wie zum Beispiel Großbritannien, zeigen, dass
HDTV auf eine hohe Nachfrage trifft.

Insbesondere Satellitenanbieter haben erkannt, dass sich HDTV zur Differenzierung in


einem weitgehend gesättigten Markt eignet. Aber Kabelnetzbetreiber bringen sich bereits in
Position.

Gleichzeitig schließt sich allmählich das ‚Window of Opportunity’ für IPTV-Anbieter, sich
durch HDTV vom Wettbewerb abzugrenzen. Hochauflösendes Fernsehen ist gerade für
IPTV nicht nur Notwendigkeit, sondern auch eine besondere Chance. Mehr als die
etablierten Kabel- und Satellitennetzbetreiber sind IPTV-Anbieter als Neulinge im Markt auf
Innovationen angewiesen, die eine deutliche Unterscheidung vom Wettbewerb ermöglichen.
Gerade der Aufbau eines Video-on-Demand-(VoD)-Angebots in HD-Qualität kann eine
solche Differenzierung ermöglichen.

Marktteilnehmer, die Content in HD-Qualität anbieten wollen, müssen zunächst die


strategische Relevanz bewerten:
Q Im Vordergrund steht, inwieweit sich mit HDTV eine Differenzierung gegenüber
dem Wettbewerb erzielen lässt.
Q Auch ist zu beantworten, wann HDTV zum Marktstandard, also von Kunden als
selbstverständlich angesehen wird. Eine Abgrenzung vom Wettbewerb erlaubt
HDTV nur in der aktuellen frühen Marktphase.
Q Desweiteren stellt sich die Frage des geeigneten Geschäfts- und Ver-
marktungsmodells. Reine Bezahlmodelle dürften ebenfalls nur in der frühen
Marktphase durchzusetzen sein. HDTV allein sollte daher als neue Umsatz-
quelle nicht überbewertet werden. Grundsätzlich eignet sich HDTV jedoch gut
zur Stärkung eines Pay-TV-Angebotes, etwa durch Kopplung von HD-Qualität
mit hochwertigen, ggf. exklusiven Inhalten.
Q Schließlich sind die technischen Anforderungen zu definieren und auf Mach-
barkeit zu prüfen. Für IPTV-Anbieter stellt sich insbesondere die Frage nach
der Verfügbarkeit der nötigen Bandbreiten. Eine Entscheidung über HDTV
sollte daher immer im Zusammenhang mit der Netzausbaustrategie getroffen
werden.

Opinion Paper 2 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

2 HDTV wird Standard – Wettbewerber legen vor

2006 kannten nur 20% der Befragten den Begriff HDTV, 2008 über 60% - mit steigender
Tendenz. Auch die Ansprüche der Fernsehkonsumenten stiegen. Laut einer Bitkom-Umfrage
erwarten mehr als 90% der Befragten, dass HDTV ihnen ein intensiveres Fernseherlebnis
bieten wird. Auf die Frage, weshalb sie beabsichtigen, sich einen Flachbildschirm zu kaufen,
antworteten zudem drei von vier Befragten mit dem Hauptargument „weil ich
hochauflösendes Fernsehen sehen will“.

2.1 Kunden haben lnteresse an hochauflösenden Bewegtbildern

Die Ausstattung mit HD-fähiger Hardware nimmt weltweit zu. 2008 waren beispielsweise in
Deutschland mehr als 80% der 7,3 Millionen verkauften Fernsehgeräte HD-fähig, und
BluRay-Player erhalten als Stand-alone oder Konsolengerät verstärkt Einzug in deutsche
Haushalte. HD-Konsolen bilden mit mehr als 800,000 verkauften Einheiten sogar den
Großteil der BluRay-Player. Und Konsolen- und PC-Spieler zeigen großes Interesse an TV-
Inhalten in HD-Qualität. Zugleich begünstigen die immer größer werdenden Bildschirm-
diagonalen das Angebot eines hochauflösenden TV-Signals.

Vergleichsmärkte wie USA, Frankreich und Großbritannien beweisen mit hohen HDTV-
Penetrationsraten, dass HDTV mehr und mehr zum TV-Standard wird. So wird in
Großbritannien bereits auf mehr als 30 HD-Kanälen gesendet und mehr als 1,3 Millionen
Fernsehkunden sind an eine lineare HDTV-Plattform angeschlossen. Ein Großteil dieser
Kunden ist zudem bereit, für qualitativ höherwertiges Fernsehen zusätzlich zu zahlen – im
Durchschnitt sogar mehr als umgerechnet zehn Euro pro Monat.

2.2 Die HDTV-Wertschöpfungskette schließt sich

In der Branche bestand weltweit lange Zeit ein „Henne-Ei-Problem“: Auf der einen Seite
scheuten TV-Content-Produzenten und -Aggregatoren aufgrund geringer Penetrationsraten
von HDTV-Hardware in den Haushalten und hoher Kosten die notwendigen Investitionen in
teures HD-Studioequipment. Außerdem benötigt HDTV hohe Netzkapazitäten, was sich
wiederum in hohen Distributionskosten niederschlägt. Aufzeichnungen in HD wurden daher
vornehmlich in Genres mit langfristiger Verwertbarkeit erstellt – insbesondere Spielfilme,
Dokumentationen, hochwertige Reportagen und internationale Sportereignisse.

Auf der anderen Seite waren Endkunden aufgrund des geringen Angebots und der teilweise
sehr hohen Kosten zurückhaltend bei der Nutzung von HDTV-Angeboten.

In einigen Ländern, wie z.B. Deutschland, hemmt auch die geringe Digitalisierung –
insbesondere im Kabelmarkt – eine schnelle HDTV-Umstellung. Als Konsequenz war
beispielsweise das ab Oktober 2005 angebotene HDTV des Münchener Medienkonzerns
ProSiebenSat.1 nicht profitabel und wurde Anfang 2008 eingestellt.

Zum Jahreswechsel 2009/2010 stellt sich die Situation nun völlig anders dar: Ein
ausreichend großes Marktsegment verfügt über HDTV-fähige Hardware, und mit dem
Markteintritt der wichtigen öffentlich-rechtlichen Sender Anfang 2010 haben nun auch die
werbefinanzierten TV-Stationen (RTL-Gruppe, ProSiebenSat.1) eigene HDTV-Sender für
Ende 2009/Anfang 2010 angekündigt.

Opinion Paper 3 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

Begünstigt wird diese Entwicklung zusätzlich durch den aggressiven Markteintritt von Sky
Deutschland (ehemals Premiere) mit sieben neuen HD-Sendern im Juli 2009, den geplanten
Launch einer HD+-Plattform des Satellitenbetreibers Astra sowie Ankündigungen, das
Angebot 2010 um weitere vier HD-Sender zu erweitern. HDTV entwickelt sich durch die
Schließung der Wertschöpfungskette langsam zum TV-Standard der Zukunft, so dass keines
der betroffenen Unternehmen es sich leisten kann, es zu ignorieren.

2.3 Wettbewerber bringen sich in Position

Der sich etablierende HDTV-Markt veranlasst TV-Distributoren, insbesondere Satelliten- und


Kabelbetreiber, verstärkt zu investieren. Der Satellitenbetreiber Astra bietet aktuell das
umfangreichste HDTV-Portfolio in Deutschland – und zwar sowohl im FTA-(Free To Air) als
auch im Pay-TV-Bereich. TV-Sender buchen immer mehr Kapazitäten bei Astra,
insbesondere da Astras Satelliten-Plattform technologische Vorteile des Satelliten-
Broadcasting bietet, die Bandbreiten von bis zu 20 Mbit/s pro Sender zu allen Haushalten im
Versorgungsgebiet ermöglichen.

Einzelne Kabelbetreiber, wie z.B. Kabel BW, bieten ebenfalls ein umfangreiches HDTV-
Portfolio an; Kabel BW war im Juli 2009 neben Astra der einzige Anbieter, der sowohl das
vollständige HDTV-Angebot von Sky einspeiste als auch ein umfangreiches Free-to-Air-
HDTV-Portfolio bot. Erleichtert wurde der schnelle Einstieg von Kabel BW in den HDTV-
Markt durch den vergleichsweise fortgeschrittenen Ausbau des baden-württembergischen
Kabelnetzes auf den Kabelstandard DOCSIS 3.0, der neben einer besseren
Rückkanalfähigkeit eine höhere Gesamtbandbreite pro Haushalt ermöglicht.

Opinion Paper 4 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

3 DSL: Technische Unterlegenheit bei linearem HDTV

3.1 HDTV benötigt Bandbreite – DSL langfristig im Nachteil

Aus technischer Sicht besitzen klassische Broadcasting-Plattformen, wie Satellit und Kabel,
gegenüber DSL-basierten Übertragungswegen Vorteile in der Distribution von linearem
HDTV, da ‚echtes’ HDTV mit gegenwärtigen Technologien pro linearem Kanal eine
konstante Bandbreite von etwa 10 Mbit/s benötigt. Dies stellt insbesondere bezüglich der
sogenannten „letzten Meile“ zu den Haushalten für die DSL-Technologie eine Hürde dar.
Satellit und Kabel haben diese Einschränkung nicht. Denn diese Technologien sind - anders
als DSL - vom Ursprung her für die Verbreitung von Bewegtbildinhalten an ein
Massenpublikum konzipiert und liefern die notwendige Bandbreite mühelos.

Daran ändert sich auch künftig nichts. Der hohe Bedarf an HDTV-Bandbreiten wird in
Zukunft vermutlich sogar weiter zunehmen, unter anderem, weil HDTV neben dem
Videorecorder verstärkt auch auf Zweitfernsehgeräten genutzt wird. Entsprechend sind
Bandbreiten von 20 Mbit/s erforderlich. Und selbst damit ist noch nicht das Ende der
Fahnenstange erreicht; der bereits sichtbare Trend zum 3D-TV stellt weitere Anforderungen
an die Verfügbarkeit von Bandbreiten.

3.2 HDTV beeinflusst den Netzausbau

Wie sollten IPTV-Anbieter nun mit dem hohen Bandbreitenbedarf von HDTV in Bezug auf
ihre Netzinfrastruktur umgehen? VDSL ist eine mögliche, wenn auch teure, Über-
gangstechnologie, die (in Abhängigkeit vom Grad ihres Ausbaus) in der Lage ist, die meisten
HDTV-Kundenbedürfnisse kurz- bis mittelfristig zu befriedigen. Darüber hinaus lässt sich
temporär für bestimmte Regionen auf Basis von Fibre-To-The-Home (FTTH) die
Marktführerschaft im linearen Programmbereich erzielen, solange die Voraussetzungen bei
den konkurrierenden Plattformen noch nicht gegeben sind (z.B. Umrüstung auf geeignete
Set-top-Box (STB) der Kabelnetzbetreiber). Eine solche Strategie muss jedoch auf einer
generellen Netzausbaustrategie aufbauen. Die Umstellung auf FTTH nur wegen HDTV ist
aus Kostengründen sicher nicht zu rechtfertigen. Wie für viele weitere Applikationen liefert
FTTx jedoch alle Voraussetzungen, um lineares HDTV in hoher Qualität und in einem
großen Umfang anzubieten.

3.3 Im linearen Bereich: Me-too Positionierung

Aus den genannten Gründen wird auch IPTV beim linearen TV nur in Ausnahmefällen eine
Marktführerposition einnehmen können. Neben den rein technischen Faktoren hängt dies
häufig auch mit der höheren Reichweite und daraus resultierenden größeren
Stammkundschaft etablierter Satelliten- und Kabelbetreibern zusammen. Dies ermöglicht
unter anderem ein günstigeres Sourcing von linearem HDTV-Content. Satellit hat zudem bei
Free-To-Air-(FTA)-Sendern einen weiteren strategischen Vorteil, da aufgrund des anderen
Geschäftsmodells (B2B-Kundenbeziehung, d.h. Sender buchen Satellitenkapazitäten) FTA-
Sender ohne monatliche Grundgebühr angeboten werden können.

Da HDTV sich jedoch auf absehbare Zeit als TV-Standard etablieren wird und die Telco-
Anbieter handeln müssen, bietet sich im Sinne einer Wettbewerbspositionierung beim
linearen TV ein „me-too Ansatz“ an. Bei diesem werden die wichtigsten linearen HDTV-
Kanäle – insbesondere öffentlich-rechtliches und werbefinanziertes Fernsehen – angeboten.
Spartenkanäle für Nischensegmente stehen bei diesem Ansatz nicht im Fokus. Vielmehr
wird ein Kernportfolio der wichtigsten HD-Sender angeboten.

Opinion Paper 5 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

4 Chance IPTV: VoD HD & Premium-Positionierung

Zeitunabhängige Sendungen stoßen auf großes Interesse. Während On-Demand-Nutzung


am PC eine Selbstverständlichkeit ist, setzt sie sich am Fernsehgerät erst allmählich durch.
Die Timeshift-Funktionalität beim digitalen Fernsehen erfreut sich bereits hoher Beliebtheit.
Die Nutzer entdecken die Vorteile, selbst zu entscheiden, wann sie sich Sendungen
anschauen.

Führende IPTV-Anbieter haben sich diesen Trend bereits zunutze gemacht und das lineare
Programmangebot durch VoD-Angebote ergänzt. So bietet die Deutsche Telekom bspw. ein
Sortiment von ca. 3000 Video-Titeln, die am TV-Gerät noch ganz überwiegend im SD-
Format abrufbar sind. Bei VoD-typischen Genres wie Filmen und Dokumentationen besteht
jedoch großes Kundeninteresse an hoher Bildqualität.

4.1 Innovationsführerschaft bei VoD

Im nicht-linearen Bereich haben IPTV-Anbieter die Möglichkeit, sich mit HD-Formaten vom
Kabel- und Satelliten-Wettbewerb zu differenzieren. Satelliten-Plattformen müssen sich aus
technischen Gründen mit Near-VoD-Angeboten zufrieden geben, die keine volle zeitliche
Souveränität der Nutzung erlauben. Oder sie nutzen DSL-Technologie zur Herstellung der
Rückkanalfähigkeit, die Voraussetzung für echtes VoD ist. Gegenüber Kabelbetreibern
haben IPTV-Anbieter einen Vorsprung auf Grund der Digitalisierung der Netze: Die DSL-
Technologie ist von vornherein voll-digital. Die Umstellung insbesondere der Kabelnetze und
die Verbreitung der Set-Top-Boxen ist teuer und erfordert die Initiative des Kunden; sie
verläuft daher nur allmählich.

VoD-Angebote in HD-Qualität ermöglichen IPTV-Anbietern, sich unter Wahrung ihres


Wettbewerbsvorsprungs dauerhaft als Innovationsführer zu positionieren. Dadurch werden
insbesondere die für die Werbung wichtigen Segmente junger Kunden angesprochen, aber
auch die für die Weiterverbreitung ebenso wichtigen ‚early adaptors’: Diese setzen neue
Impulse bei der Nutzung und bieten der breiten Masse Orientierung bei
Kaufentscheidungen.

Der Ausbau der Marktführerschaft im nicht-linearen Bereich, gestützt durch einen hohen
Anteil an HD-Titeln, hat weitere Vorteile. Er dient z.B. der wirksamen Abwehr
konkurrierender Net-TV-Angebote. Net-TV liefert Inhalte ‚over-the-top’ vom Internet auf den
TV-Bildschirm. Die IPTV-Infrastruktur droht auf diese Weise langfristig substituiert zu
werden. Schwachpunkt von Net-TV bleibt jedoch auf absehbare Zeit die Über-
tragungsqualität. Obwohl sie sich durch technische Optimierungen in letzter Zeit deutlich
verbessert hat, kann eine Quality of Service bei rein Internet-basierten Übertragungen nicht
gewährleistet werden. HD-Formate im Kontext von IPTV machen den Qualitätsunterschied
noch deutlicher.

Schließlich besteht für IPTV-Anbieter die Möglichkeit einer integrierten VoD-Strategie. Damit
ist gemeint, dass entsprechende Angebote nicht nur Fernsehzuschauern, sondern auch PC-
Nutzern offeriert werden. Im Internet abrufbare VoD-Titel, die in HD-Qualität am
Fernsehgerät erhältlich sind, liefern der ‚TV-Proposition’ interessante Up-Selling-
Möglichkeiten.

Opinion Paper 6 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

4.2 Exklusive HD-Inhalte – Vehikel für Pay-TV Modelle

Lassen sich mithilfe von HD-Inhalten neue Umsatzquellen erschließen? Das eingangs
erwähnte Marktbeispiel Großbritannien zeigt, dass Kunden durchaus bereit sind, für bessere
Bildqualität mehr zu bezahlen. Doch wird die Bereitschaft zu Mehrzahlungen im Zeitverlauf
abnehmen, denn Kunden werden HD-Qualität mit zunehmender Marktdurchdringung als
selbstverständlich ansehen – so wie heute Farbfernsehen als gegeben vorausgesetzt wird.
Was jedoch als selbstverständlich gilt, wird nicht extra bezahlt.

Bis sich HDTV zum Marktstandard entwickelt und Standard-Definition-TV (SDTV) verdrängt
hat, wird es allerdings noch dauern. In Deutschland wird beispielsweise der Anteil der
HDTV-befähigten Haushalte innerhalb der nächsten drei Jahre nicht über 15% liegen.
Dennoch werden Entscheidungen, die die künftige Marktposition bestimmen, bereits heute
getroffen. Nur jetzt, in der noch frühen Phase der HDTV-Entwicklung besteht die Möglichkeit
der Differenzierung und des Abschöpfens von Zahlungsbereitschaften. Das gilt für alle
Anbieter gleichermaßen und betrifft lineare wie auch nicht-lineare Formate (VoD).

IPTV-Anbieter sind als Marktneueinsteiger mehr als die etablierten Kabel- und Satelliten
Betreiber darauf angewiesen, Neukunden zu gewinnen. Und das bedeutet in einem
gesättigten Fernsehmarkt, Kunden von der Konkurrenz abzuwerben. Dazu bedarf es starker
Argumente. HD im Zusammenhang mit exklusiven Inhalten liefert ein solches Argument,
denn mit hochauflösender Bildqualität und Exklusivität kommen zwei Komponenten
zusammen, die das Fernseherlebnis unterscheidbar machen und für die Kunden auch bereit
sind zu bezahlen, sofern es sich um populäre Inhalte handelt. Die Deutsche Telekom ist
jüngst diesen Weg gegangen, indem sie exklusiv vermarktete Fußball-Live-Übertragungen in
HD ausstrahlt. Sie hat damit einen wichtigen Schritt getan, um ihre Stellung als Pay-TV-
Anbieter auszubauen und ihre Positionierung im Premium-Segment zu festigen.

Opinion Paper 7 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

5 HDTV: Notwendigkeit und Chance zugleich

Potenzielle HDTV-Anbieter müssen sich im Wesentlichen mit folgenden wichtigen Fragen


auseinandersetzen:
1. Wie ist die strategische Relevanz von HDTV zu beurteilen? Hier geht es vor allem
um die Frage, welchen Stellenwert HDTV als Differenzierungsfaktor hat.
Satellitenanbieter haben die Chance, aufgrund der technischen Voraussetzungen
(d.h. hoher verfügbarer Bandbreiten und Flächenreichweite) im linearen
Programmbereich einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. IPTV-Anbieter können vor
allem im nicht-linearen Bereich eine starke Positionierung erreichen. Darüber hinaus
haben sie die Chance, hochauflösendes Fernsehen zur Festigung ihrer Inno-
vationsführerschaft zu nutzen.
2. Wann ist der richtige Zeitpunkt zur Einführung von HDTV-Angeboten? Der
Einführungszeitpunkt bestimmt maßgeblich die Wirkung, die ein HDTV-Angebot
erzielen kann. Angebote, die zu früh lanciert werden, stoßen auf geringe
Marktakzeptanz (Bsp. Pro7Sat1 in Deutschland). Wer jedoch zu spät reagiert, läuft
der Marktentwicklung hinterher. Der Markteinführung sollte eine Analyse
vorausgehen, inwieweit die HDTV-Wertschöpfungskette geschlossen ist. Wann sich
HDTV im Markt als Standard durchsetzen wird, hängt darüber hinaus von der
Dynamik des Wettbewerbs ab. Zur besseren Einschätzung empfiehlt es sich, HDTV-
Marktszenarien unter Berücksichtigung der Positionierung der relevanten
Marktteilnehmer abzuleiten.
3. Welche Geschäfts- und Vermarktungsmodelle sind geeignet? Kunden sind nur in
begrenztem Maße bereit, für HD-Qualität extra zu bezahlen. Hinzu kommt, dass die
Zahlungsbereitschaft nur temporär bestehen dürfte, nämlich solange, wie HDTV
vom Kunden nicht als selbstverständlich angesehen wird. HDTV sollte daher als
neue Umsatzquelle nicht überschätzt werden. Im Vordergrund steht der strategische
Nutzen, z.B. eignet sich HDTV in der frühen Marktphase sehr gut zur Stärkung
eines Pay-TV-Angebotes.
4. Welche technischen Voraussetzungen müssen erfüllt sein? Für Content Provider
bedeutet HDTV eine kosten- und zeitintensive Umstellung der Produktionsmittel.
Satelliten-, Kabel- und IPTV-Anbieter müssen die Voraussetzung zur
Transcodierung der angelieferten HDTV-Signale erfüllen. Sie müssen außerdem für
den kundenseitigen Empfang der HD-Inhalte sorgen bzw. den Kunden z.B. bei der
Anschaffung von (neuen) Set-Top-Boxen unterstützen. Die zusätzlichen Kosten für
den Endkunden durch Anschaffung von Set-Top-Boxen sollte wichtiger Bestandteil
auch des Vermarktungsmodells sein. Schließlich stellt sich speziell für die IPTV-
Anbieter die Frage nach der ausreichenden Verfügbarkeit von Bandbreiten. HDTV-
Entscheidungen sollten daher nicht isoliert von der Netzausbaustrategie getroffen
werden.

Opinion Paper 8 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

6 Die Autoren

Falk Wöhler-Moorhoff ist Managing Consultant in der Competence Practice Strategy &
Marketing. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaftslehre begann er seine berufliche
Laufbahn mit einem dreijährigen Aufenthalt in Singapur als Territory Manager. Anschließend
arbeitete er zwei Jahre für ein Start-up Unternehmen im Bereich eCommerce bevor er 2001
zu Detecon kam.

Seine Projektschwerpunkte liegen im Bereich Innovation mit einem Fokus auf Themen im
Bereich Telko-/Medienkonvergenz. Sie erreichen Falk Wöhler-Moorhoff unter +49 160 /
8845344 oder

falk.woehler-moorhoff@detecon.com

Tobias Hiddemann ist Consultant in der Competence Practice Strategy & Marketing. Im
Rahmen des internationalen „European Business Programme“ (EBP) beschäftigte er sich mit
Unternehmensstrategien und Elementen des Strategischen Marketings im Tele-
kommunikationsumfeld. Seine Projektschwerpunkte liegen in Launch- und Post-Merger-
Integrations-Projekten und insbesondere in den Bereichen IPTV, HDTV und dem
Zukunftsthema „3DTV“ sowie dessen Bedeutung für IPTV-Anbieter. Sie erreichen Tobias
Hiddemann unter der Rufnummer +49 151 / 11816582 oder

Tobias.Hiddemann@detecon.com

Opinion Paper 9 Detecon International GmbH


“Are you HD-ready?”

7 Das Unternehmen

Detecon International GmbH

Detecon International ist eines der weltweit führenden Unternehmen für integrierte
Management- und Technologieberatung und entstand 2002 aus der Fusion der beiden
Beratungshäuser DETECON und Diebold. Auf der Basis umfangreicher Kompetenzen im
Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologie (engl.: ICT) berät Detecon
Kunden aus allen Schlüsselbranchen. Im Fokus steht dabei der Aufbau neuer
Geschäftsmodelle, die Optimierung bestehender Strategien und die Steigerung der
Unternehmenseffizienz durch Strategie-, Organisations- und Prozessverbesserungen. In
Verbindung mit der herausragenden Technologie-Expertise von Detecon ermöglicht uns dies
eine Beratung entlang der gesamten Wertschöpfungskette unserer Kunden. Die Grundlage
unserer Dienstleistungen bilden das Branchen-Know-how unserer Consultants und unser
gewonnenes Wissen aus erfolgreichen Management- und ICT-Projekten in über 100
Ländern. Detecon ist ein Tochterunternehmen der T-Systems, der Geschäftskundenmarke
der Deutschen Telekom.

Integrierte Management- und Technologiekompetenz

Herausragend ist unsere Fähigkeit, technologische Expertise sowie umfassende Branchen-


und Prozesskenntnisse in konkrete Strategien und Lösungen umzusetzen. Von der Analyse
über die Konzeption bis zur Umsetzung wenden wir integrierte, systematische und
kundenzentrierte Beratungsansätze an. Diese umfassen u.a. die Evaluierung von
Kernkompetenzen, die Modularisierung von Services, ein wertorientiertes
Kundenmanagement sowie den Aufbau effizienter Strukturen, um sich mit innovativen
Produkten im Markt absetzen zu können. All dies macht Unternehmen im globalen Zeitalter
flexibler und schneller – bei gleichzeitig geringeren Kosten.

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Oberkasselerstr. 2
53227 Bonn
Telefon: +49 228 700 0
E-Mail: info@detecon.com
Internet: www.detecon.com

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