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Institut fü r Bibliotheks- und Informations-

wissenschaft (IBI)
Bachelor-Studiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft

Formalerschließung
Ergänzendes Skript zu den Folienpräsentationen, Stand: Juni 2018. Petra Hauke

Inhalt
1 Grundlagen ...................................................................................................................................... 2
1.1 Statement of International Cataloguing Principles ................................................................ 2
1.2 International Standard Bibliographic Description (ISBD) ........................................................ 2
2 Kataloge ........................................................................................................................................... 3
2.1 OPAC ............................................................................................................................ 3
2.2 Historische Katalogformen.................................................................................................... 3
3 Datenformate .................................................................................................................................. 5
3.1 Austauschformate ................................................................................................................ 5
3.2 Internformate ....................................................................................................................... 6
4 Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) ....................................................... 8
4.1 Funktion und Anwendung ..................................................................................................... 8
4.2 Entitäten............................................................................................................................... 8
5 Resource Description and Access (RDA) .................................................................................. 10
5.1 Entwicklung und Zielsetzung ............................................................................................... 10
5.2 Implementierung ................................................................................................................ 11
5.4 Terminologie ...................................................................................................................... 13
6 Historische Regelwerke .................................................................................................................. 18
6.1 Preußische Instruktionen (PI) ...................................................................................... 18
6.2 Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) .................................................... 18
6.3 Anglo-American Cataloguing Rules (AACR2) ................................................................ 21
7 Normdaten .................................................................................................................................... 21
7.1 Gemeinsame Normdatei (GND) .......................................................................................... 21
7.2 Library of Congress Authorities ........................................................................................... 22
7.3 Virtual International Authority File (VIAF) ........................................................................... 22
8 Gremien ......................................................................................................................................... 22
8.1 Deutschland ................................................................................................................ 22
8.2 International ....................................................................................................................... 23
9 Internationalisierung ...................................................................................................................... 24
10 Zitierte und weiterführende Literatur und Quellen ..................................................................... 25

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1 Grundlagen
1.1 Statement of International Cataloguing Principles
Die Formalerschließung erfasst verschiedene Medien und andere Ressourcen nach formalen Kriterien
mit dem Ziel, entsprechend dem zuerst 1961 in Paris von der IFLA veröffentlichten Statement of Interna-
tional Cataloguing Principles (sog. Paris Principles):

♦ verlässliches Finden zu ermöglichen,


♦ zu unterscheiden, was verschieden ist,
♦ zusammenzuführen, was zusammengehört,
♦ Gefundenes überschaubar zu machen,
♦ Gewähltes zugänglich zu machen.

1.2 International Standard Bibliographic Description (ISBD)


Auf der Basis der Paris Priciples wurde 1969 für die bibliografische Beschreibung von Medien das Format
der International Standard Bibliographic Description (ISBD) entwickelt:

Hauptsachtitel: Zusatz zum Sachtitel / Verfasserangabe [in Vorlageform]. – 2. Ausgabebezeich-


nung. – Erscheinungsvermerk. – Kollationsvermerk. – Gesamttitelangabe
Fußnoten
ISBN
Aufführung der Bände [bei mehrbändigen Werken]

Das Schema war und ist anwendbar sowohl für gedruckte Kataloge als auch für die elektronische Katalo-
gisierung und bildet bis heute die Basis der bibliographischen Beschreibung. Art, Ansetzung und Anzahl
der Sucheinstiege wurden in den deutschen Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) und den
Anglo American Cataloguing Rules (AACR2) unterschiedlich gehandhabt, was den Datenaustausch er-
schwerte. Das seit 2013/2015 angewendete internationale Regelwerk Resource Description and Access
(RDA) regelt zwar nur die Erfassung der Daten, doch ist eine Ausgabe der Daten im ISBD-Schema mög-
lich.

Wiesenmüller, Heidrun:
Basiswissen RDA : eine Einführung für deutschsprachige Anwender / Heidrun Wiesenmüller ; Silke
Horny. – 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. – Berlin/Boston : de Gruyter Saur, [2017]. – XIX,
326 Seiten : Illustrationen
ISBN 978-3-11-053868-7

Abb. 1 Beschreibung einer Manifestation mit 2 geistigen Schöpfern im ISBD-Schema ent-


sprechend RDA.
Unabhängig vom angewendeten Regelwerk erfolgt die Erfassung der Daten grundsätzlich aufgrund von
Autopsie. Das Titelblatt ist die bevorzugte Informationsquelle. Angaben aus sekundären Informations-
quellen werden je nach Regelwerk durch eckige Klammern gekennzeichnet oder als Fußnote hinzuge-
fügt.

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2 Kataloge
2.1 OPAC 1
Online Public Access Catalog. Öffentlich zugänglicher, elektronischer Hauptkatalog einer Bibliothek, löste
frühere Formen des Katalogs, insbesondere den Zettelkatalog ab. Im Gegensatz zu diesen erlaubt der O.
die variable Abbildung von Titeldaten z.B. sowohl nach dem Schema der ISBD, als Kurztitelanzeige oder in
durch Feldnummern oder Feldnamen bezeichneten Datenfeldern, entsprechend dem dahinterliegenden
Datenformat. Sucheinstiege sind, neben dem Freitext-Retrieval, i.d.R. über den Autor, die Körperschaft,
den Titel, ein Schlagwort, die ISBN und das Erscheinungsjahr gegeben, jeweils verknüpft über Boolesche
Operatoren.

2.2 Historische Katalogformen

2.2.1 Zettelkatalog2
Form von Titelnachweisen, bei der die ursprünglich hand-, später Maschine geschriebenen bzw. gedruck-
ten Katalogisate in Form von Haupt- und Nebeneintragungen sowie Verweisungen auf losen Zetteln oder
Karten (Kartenkatalog), seit 1948 im Internationalen Bibliotheksformat (7,5 x 12,5 cm), nach bibliografi-
schen Ordnungsregeln (z.B. Alphabetischer Katalog) flexibel in Katalogkästen an- und bei Bedarf umge-
ordnet werden können. Der Untergliederung dienen Leitkarten. Im Zuge technischer Entwicklungen ab-
gelöst durch Mikrofiche-Katalog und Imagekatalog bzw. durch Retrokatalogisierung rsp. Digitalisierung
überführt in den OPAC.

Abb. 2 Beispiel für eine „Haupteintragung“ nach RAK im Zettelkatalog. Quelle: Lehrbuch
Wiesenmüller/Horney.

1
Nach: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft2009ff., Bd. 2, S. 670f. Artikel „OPAC“ (P. Hauke).
2
Nach: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft2009ff., Bd. 2, S. 994f. Artikel „Zettelkatalog“ (P.
Hauke).
Seite 3/26
Abb. 3 Beispiel für eine „Nebeneintragung“ nach RAK im Zettelkatalog. Quelle: Lehrbuch

2.2.2 Alphabetischer Katalog


Als Zettelkatalog geführter Hauptkatalog einer Bibliothek mit dem Zweck der Formalerschließung aller
selbstständigen, in der Bibliothek nachgewiesenen Publikationen. Mitunter auch fälschlich Autoren- oder
Verfasserkatalog genannt, enthält der A. K. in alphabetischer Ordnung Haupt- und Nebeneintragungen
sowie Verweisungen unter Verfassern, Herausgebern, Körperschaften und sonstigen an einem Werk be-
teiligten Personen sowie unter Sachtiteln anonymer Werke bzw. solcher Werke, bei denen nach den je-
weils angewendeten Regelwerken die Ansetzung unter dem Hauptsachtitel erfolgt.

Aufgabe des A. K. ist es, verlässliches Finden zu ermöglichen, indem er nachweist, ob eine bestimmte
Ausgabe eines Werkes in einer bestimmten Bibliothek vorhanden ist, welche Werke eines bestimmten
Verfassers vorhanden sind, welche Ausgabe eines bestimmten Werkes vorhanden sind. Durch die Ord-
nung im A.K. werden alle Werke eines Autors oder Urhebers sowie alle Ausgaben eines Werkes zusam-
mengeführt und das Gefundene überschaubar dargestellt. Diese Überschaubarkeit ist – im Gegensatz
zum Zettelkatalog – im OPAC derzeit nur bedingt gegeben, soll jedoch durch das Modell der FRBR in Ver-
bindung mit dem seit 2013/2015 anzuwendenden Regelwerk RDA nutzerfreundlicher gelöst werden.

Ursprünglich als Blatt-, Band-, Karten- oder Zettelkatalog geführt, übergangsweise vom Mikrofiche-Kata-
log abgelöst, ist der A.K. im Zuge der elektronischen Datenverarbeitung im OPAC aufgegangen.

2.2.3 Kreuzkatalog
Als Dictionary Catalogue in den USA entstanden, der wie in einem Lexikon Verfasser, Titel, Schlagwörter
sowie literarische Formen und Gattungen, auch Einträge unter Sprachbezeichnungen (Bsp. Italian poetry)
und unselbstständige Publikationen in einem Alphabet verzeichnet. Die Benutzerfreundlichkeit des Prin-
zips der vielfältigen Sucheinstiege setzt sich im OPAC fort.

Seite 4/26
3 Datenformate 3
Zu unterscheiden sind Austauschformate, die dem Austausch von Daten zwischen Datenanbietern und
Datenabnehmern, z.B. zwischen Bibliotheken, dienen, und Internformate als Teil eines bestimmten Bibli-
othekssystems.

Die der Datenerfassung zugrunde liegenden unterschiedlichen Regelwerke (bis 2013/15 RAK bzw. AACR2r,
ab 2013/15 RDA) bilden die Basis für die Strukturen zur Speicherung der Daten (Datenmodelle) und wer-
den entsprechend unterschiedlich den aktuellen Anforderungen an bibliographische Datensätze gerecht.

3.1 Austauschformate

3.1.1 MARC21
Das Akronym für MAchine-Readable Cataloging (MARC) bezeichnet das bibliographische Datenformat
für die Erfassung aller Materialarten, die Ausgabe von Daten und den Datenaustausch in maschinenles-
barer Form, angewendet zunächst v.a. im anglo-amerikanischen Raum.

Eine einheitliche Feldstruktur verbindet die einzelnen Datenformate Bibliographic, Authority (Normdaten
für Personen, Körperschaften, Veranstaltungen, Schlagwörter) und für Holdings (Bestandsdaten) sowie
die im deutschen Sprachbereich nicht angewendeten Formate Classification und Community Informa-
tion. Im Unterschied zu MAB2 sind in MARC21 Felder wiederholt belegbar, Subfields fassen in einem Feld
mehrere bibliographische Elemente zusammen. Das Format kennt keine hierarchisch gegliederten Da-
tensätze z.B. für mehrbändige begrenzte Werke. Verknüpfungen zwischen verschiedenen MARC21-Da-
teien sind nicht vorgesehen. Die Aufschlüsselung der Inhalte von Sammelbänden (Fels 505) und die In-
haltserschließung sind feste Bestandteile eines MARC21-Datensatzes.

Die vollständige Dokumentation der Anwendung des Formats MARC 21 ist als PDF- und Excel-Version
hinterlegt unter http://www.dnb.de/marc21. Änderungen im Format MARC 21 für Titeldaten ab
13. September 2016:
http://www.dnb.de/SharedDocs/Downloads/DE/DNB/service/rundschreiben20160615Aenderungen-
Marc21TiteldatenExportRelease20163.pdf?__blob=publicationFile

020 $a9783110403190$c : EUR 149.95 (Bundle: Print/eBook)$9978-3-11-040319-0


024 3 $a9783110403138
035 $a(DE-599)BSZ45619200X
040 $aDE-576$bger$cDE-576$erda
041 $ager
245 10$aPraxishandbuch Bibliotheksbau :$bPlanung – Gestaltung – Betrieb /$cherausgegeben von
Petra Hauke und Klaus Ulrich Werner
264 1$aBerlin ;$aBoston :$bDe Gruyter Saur, $c[2016]
264 4$c© 2016
300 $aXI, 528 Seiten :$bIllustrationen ;$c240 mm x 170 mm
336 $aText$btxt$2rdacontent
337 $aohne Hilfsmittel zu benutzen$bn$2rdamedia
338 $aBand$bnc$2rdacarrier

3
Vgl. auch http://www.allegro-c.de/formate/kap104.htm
Seite 5/26
500 $aAuswahlbibliografie Seite 475-507.
591 $a1131: hdub/02
655 7$<$aAufsatzsammlung$>$2gnd-content
700 1 $aHauke, Petra$d1946-$eHerausgeberIn$0(DE-588)128414413$0(DE-576)170708020$4edt
700 1 $aWerner, Klaus Ulrich$d1956-$eHerausgeberIn$0(DE-588)11133814X$0(DE-
576)343670046$4edt
Abb. 4 Beschreibung einer Manifestation (Zusammenstellung, Aufsatzband) im Format
MARC21 nach RDA (Auszug). Quelle: SWB.

3.1.2 MAB2
Das seit 1973 bis 2005/2009 v.a. im deutschsprachigen Bereich verwendete Maschinenlesbare Austausch-
format für Bibliotheken (MAB) ermöglichte die analytische Erfassung und den Datenaustausch von Meta-
daten, seit 1995 als MAB2 auch den Einsatz in Online-Umgebungen. Ein wichtiges Merkmal ist die Ver-
knüpfung zwischen Satztypen innerhalb einer MAB-Datei (z.B. Hauptsätze, Untersätze bei mehrbändigen
Werken) oder auch zwischen verschiedenen MAB-Dateien (z.B. Titelsätze, Schlagwortsätze, Exemplar-
sätze). Der Beschluss des Standardisierungsausschusses zum Umstieg auf internationale Formate führte
2004 zur Ablösung von MAB2 durch Marc21 für den Austausch zwischen den Bibliotheksverbünden und
der DNB.

Als Internformat wird MAB weiterhin verwendet, siehe HBZ Verbunddatenbank: https://kvk.biblio-
thek.kit.edu > HBZ > Anzeige nach Feldnummern.

100 |p Haller, Klaus |9 (DE-588)103798315


104a |p Popst, Hans |9 (DE-588)160029708
331 |a Katalogisierung nach den RAK-WB
335 |a eine Einführung in die Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Biblio-
theken
359 |a Klaus Haller ; Hans Popst
403 |a 6., durchges. und aktualisierte Aufl.
410 |a München
412 |a Saur
425 |a 2003
425a |a 2003
433 |a 331 S. : Ill., graph. Darst.
540a |a 3-598-11305-6
Abb. 5 Titelaufnahme einer 2-Verfasserschrift im Austauschformat MAB2 nach RAK.
Quelle: HBZ

3.2 Internformate

3.2.1 allegro-C
Das netzwerkfähige Internformat des von der UB Braunschweig (Bernhard Eversberg) entwickelten Bibli-
otheksverwaltungssystems zeichnet sich durch seine Flexibiliät aus. Es ist vom Nutzer für individuelle An-
forderungen anpassbar und anwendbar für Bibliotheken aller Arten und Größen. In sog. „Stammdaten-
sätzen“ für Personen, Körperschaften, Titel fortlaufender Ressourcen („Zeitschriften“) können Normda-
ten zur Verknüpfung mit den Titeldatensätzen angelegt werden.
Seite 6/26
#00 a74649
#20 Katalogisieren nach den RAK-WB
#25 eine Einführung in die Regeln für die alphabetische Katalogisierung in wissenschaftlichen Biblio-
theken
#39 Klaus Haller ; Hans Popst
#40 Haller, Klaus
#402Popst, Hans
#71 6., durchges. und aktualisierte Aufl.
#74 München
#75 Saur
#76 2003
#77 331 S. : Ill., graph. Darst.
#87 3-598-22626-8
Abb. 6 Kategorienschema der Titelaufnahme einer 2-Verfasserschrift im Internformat
allegro-C nach RAK.

3.2.2 OCLC PICA


Integriertes Bibliotheksverwaltungssystem mit verschiedenen Modulen, das ein eigenes Internformat mit
dem Namen Pica+ verwendet. Wird u.a. beim GBV (Gemeinsamer Bibliotheksverbund) und bei der DNB
eingesetzt. 4

0500 Aau
0501 Text$btxt
0502 ohne Hilfsmittel zu benutzen$bn
0503 Band$bnc
1100 2008$n[2008]
1130 druck
1500 ger
1505 $erda
2000 978-3-89850-167-5
3000 !PPN!Heuss-Knapp, Elly*1881-1952*$BVerfasserIn$4aut
3010 !PPN!Heuss, Theodor*1884-1963*$BIllustratorIn$4ill
4000 Ausblick vom Münsterturm$dErinnerungen$hElly Heuss-Knapp ; mit vier Kohlezeichnungen von
Theodor Heuss
4030 Stuttgart ; Leipzig$nHohenheim Verlag
4060 188 Seiten
4061 4 Illustrationen, 1 genealogische Tafel
4062 19 cm
4201 Zeittafel: Seite 175-178, Personenverzeichnis: Seite 179-188
Abb. 7 Beispiel einer PICA-Anwendung. Quelle: https://www.basiswissen-rda.de/zusatz-
material-1/beispiele-in-pica3-swb/kapitel-13/

4
Vgl. Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft 2009 ff., Bd. 2, S. 704 f., Artikel „Pica“ (A. Sabisch) und
https://www.basiswissen-rda.de/2015/04/12/beispiele-aus-dem-lehrbuch-im-pica3-format/
Seite 7/26
4 Functional Requirements for Bibliographic Records (FRBR) 5
4.1 Funktion und Anwendung
Vor dem Hintergrund eines wachsenden Publikationsaufkommens und der auch für die bibliographische
Nachweisarbeit bedeutsamen technischen Entwicklungen entwickelte die IFLA Study Group on the Func-
tional Requirements for Bibliographic Records in einer Studie ein Modell für bibliographische Daten, das
sowohl die Formal- und Inhaltserschließung vereinfachen als den Forderungen nach Benutzerzufrieden-
heit effektiver begegnen sollte. Im Gegensatz zu herkömmlichen Regelwerken finden alle Arten, Formen
und Formate von Materialien (Ressourcen) und der vernetzte Zugriff auf Informationsquellen Berücksich-
tigung. Der bibliographische Datensatz geht über die reine Beschreibung hinaus, indem er Bestandteile
wie Name, Titel, Schlagwort etc. als funktionale Sucheinstiege definiert und über Merkmale Beziehungen
zu anderen Datensätzen herstellt.

Das Modell ist unabhängig von einem Regelwerk oder einer bestimmten Anwendung. Es benennt ledig-
lich Beziehungen zwischen Entitäten mit dem Fokus auf den bereits in den Paris Principles formulierten
Maßstäben. Schließlich werden Basisanforderungen an nationalbibliografische Datensätze formuliert, die
es ermöglichen sollen, durch die Erstellung von Minimal-Datensätzen Erschließungskosten zu reduzieren
und dennoch den Benutzerbedürfnissen zu entsprechen.

4.2 Entitäten
Basis des Modells sind drei definierte Gruppen von Entitäten: 6

(1) Die Gruppe „Werk“, „Expression“, „Manifestation“ und „Exemplar“ als Produkte von intellektuel-
len bzw. künstlerischen Leistungen,
(2) „Person“ und „Körperschaft“ als Entitäten, die z.B. für den intellektuellen bzw. künstlerischen
Inhalt oder die physische Produktion und Verbreitung stehen,
(3) „Begriff“, „Gegenstand“, „Ereignis“ und „Ort“ als Themen dieser Schöpfungen.

Zusätzlich definiert die Studie Merkmale für die einzelnen Entitäten, z.B. „Titel“, „Form“ oder „Datum“
eines „Werkes“, desgl. einer „Expression“, oder „Titel“, „Verfasserangabe“, „Auflage-, Ausgabebezeich-
nung“ einer „Manifestation“.

Am Beispiel der Entität „Werk“ sei deutlich gemacht, auf welche Weise das Modell die Forderung der Pa-
ris Priciples erfüllt, Zusammengehörendes zusammenzuführen: Ein „Werk“ ist zunächst als intellektuelle
oder künstlerische Schöpfung eine abstrakte Entität, Bsp.: Don Giovanni. Auch seine verschiedenen „Ex-
pressionen“ (Realisierungen: Partitur, Libretto, Textübersetzung, Aufführung) entsprechen noch keinem
materiellen Gegenstand. Die „Manifestation“ gewinnt in Form z.B. einer bestimmten Textausgabe, einer
Schallplattenedition etc. physische Gestalt, aber erst das Exemplar (einer Bibliothek, eines persönlichen

5
Aus: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft 2009 ff., Bd. 1, S. 334 f., Artikel „Funktionelle Anforde-
rungen an bibliographische Datensätze“ (P. Hauke).
6
Vgl. auch http://d-nb.info/981794572/34
Seite 8/26
Besitzers) ist konkret „greifbar“. Über die Entitäten der Gruppen 2 und 3 werden geographische Bezie-
hungen (Verlagsort, Aufführungsort) oder solche zu Personen (Komponist, Dirigent), Familien oder Kör-
perschaften (Verlag, Orchester) hergestellt.

Im Gegensatz zu den nach herkömmlichen Regelwerken erstellten Katalogen würden in einem auf die-
sem Modell basierenden Katalog alle zu einem „Werk“ in Beziehung stehenden Aspekte zusammenge-
fasst, aufgezeigt und mit diesem und untereinander verknüpft. Die Beziehungen, die sich im bibliografi-
schen Dateneintrag widerspiegeln, helfen dem Benutzer, Bezüge zwischen einer gefundenen Entität und
anderen Entitäten herzustellen, die mit dieser in Beziehung stehen.

Abb. 8 Beispiel für einen Werkdatensatz mit Verknüpfung zu Manifestationen des


Werks. Quelle: DNB.

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5 Resource Description and Access (RDA) 7
5.1 Entwicklung und Zielsetzung
Regelwerk zur Erschließung aller Arten von analogen und digitalen Materialien in Bibliotheken, Archiven,
Museen und verwandten Institutionen wie z. B. Verlagen. Zur Ablösung der AACR2r entwickelt vom zu-
nächst 8ausschließlich anglo-amerikanisch besetzten Joint Steering Committee for the Development of
RDA (JSC) in Zusammenarbeit mit der American Library Association, der Canadian Library Association und
dem Chartered Institute of Library and Information Professionals als Herausgeber und Inhaber des Urhe-
berrechts. Wenngleich stark anglo-amerikanisch geprägt, wird durch die Beteiligung von nicht im JSC ver-
tretenen Institutionen durch die Abgabe von Kommentaren und die Möglichkeit, verschiedene Sprachen,
Zählsysteme, Kalender und Maßeinheiten in ihren nach RDA erstellten Daten einzusetzen, Internationali-
tät angestrebt. Durch Kompatibilität zwischen nach RDA und AACR2 erstellten Daten sollten bei der
Übernahme des Regelwerks ein Katalogabbruch vermieden werden.

Die Regeln definieren die für die Beschreibung und Erfassung erforderlichen Datenelemente mit dem Ziel
der Benutzerfreundlichkeit hinsichtlich des Information Retrieval und des Zugriffs auf die Daten sowie
der Förderung der maschinellen Erfassung und Bearbeitung von Metadaten. Die Regeln betreffen die Er-
fassung der Daten nach dem Entity-Relationship-Datenmodell FRBR, nicht jedoch das Ausgabeformat,
Fragen der Indexierung oder eine Verbindung zu internationalen Normdateien wie z. B. VIAF.

Struktur und Terminologie basieren auf den Functional Requirements for Bibliographic Data (FRBR), den
Functional Requirements for Authority Data (FRAD) und auf dem Statement of International Cataloguing
Principles. Das Herstellen von Beziehungen zwischen Werken und ihren geistigen Schöpfern sowie defi-
nierte Entitäten, Merkmale und Beziehungen sollen das Gruppieren von Datensätzen und damit den
strukturierten Überblick über unterschiedliche Ausgaben oder physische Formate eines Werkes ermögli-
chen.

Das Regelwerk befindet sich in fortlaufender weiterer Modifizierung, u.a. hinsichtlich der textlichen Ge-
staltung, der Funktionalität des RDA-Toolkits und einer vorgesehenen Ablösung des Datenformates
MARC21 unter Berücksichtigung neuerer technischer Web-Konzepte wie dem Semantic Web und Linked
Data.

Im Hinblick auf die Implementierung von RDA war es erforderlich, MARC21 den Erfordernissen und den
durch das Datenmodell der FRBR gegebenen Möglichkeiten der RDA anzupassen. So beschäftigt sich die
RDA/MARC Working Group 9 mit der Aufgabe, die Änderungen zu identifizieren, die an MARC 21 notwen-
dig sind, um RDA gerecht zu werden, einen effizienten Datenaustausch in der Zukunft zu gewährleisten

7
Erweiterte Fassung von: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft 2009 ff., Bd. 2, S. 771 Artikel „Re-
source Description and Access“ (P. Hauke).
8
Inzwischen ist die Deutsche Nationalbibliothek im JC vertreten.
9
http://www.rda-jsc.org/rdamarcwg.html
Seite 10/26
und entsprechende Anträge zu erarbeiten. Organisatorisch ist die Working Group zwischen den RDA-Gre-
mien (Committee of Principals, Joint Steering Committee) und dem Machine-Readable Bibliographic In-
formation Committee (MARBI 10) angesiedelt.

Zu den Ergebnissen der Arbeitsgruppe zählten im Bereich des MARC 21 Format for Bibliographic Data die
Umsetzung der RDA-Typen Content type (Inhaltstyp), Media type (Medientyp) und Carrier type (Daten-
trägertyp). Außerdem sind die Attribute von Personen, Familien, Körperschaften und Kongressen
(Gruppe 2 der FRBR) sowie die Attribute von Werken und Expressionen nun für MARC 21 darstellbar,
ebenso die Beziehungen zwischen den verschiedenen Entitätentypen, wie sie in den Anhängen I, J, und K
der RDA definiert werden. 11

5.2 Implementierung
Die Library of Congress und US-amerikanische nationale Fachbibliotheken haben RDA ab März 2013 im-
plementiert. Für den D-A-CH-Raum erfolgte der Umstieg im Dezember 2015.

Für die Implementierung der RDA sind drei Szenarien beschrieben: 12

• Szenario 3: Die alte Praxis: keine Verwendung von ID-Nummern, sondern Sucheinstiege
über kontrollierte Zugriffspunkt (ACCESS POINT CONTROL RECORD).
• Szenario 2: Verknüpfung von Titelsätzen mit Normsätzen
• Szenario 1: Darüber hinaus neue Datensatztypen für Werk und Expression

Bisherige AACR2-Anwender arbeiten – entsprechend ihrer bisherigen Praxis – nach dem Szenario 3, wäh-
rend für die Implementierung in Deutschland und den deutschsprachigen Ländern (D-A-CH-Raum) Szena-
rio 2 beschlossen wurde (siehe Abschnitt „Internationalisierung“).

Die Urheberrechte für alle Ausgaben von RDA liegen bei der American Library Association, der Canadian
Library Association und CILIP (Chartered Institute of Library and Information Professionals).

Das Regelwerk steht beim Erwerb einer Lizenz im Rahmen des RDA Toolkit in englischer Sprache sowie in
deutscher Übersetzung und weiteren Übersetzungen zur Verfügung.

Der Standardisierungsausschuss hat im Mai 2012 die Einführung von RDA im deutschsprachigen Raum
beschlossen. Nach dem von der AG RDA erarbeiteten und vom Standardisierungsausschuss gebilligten
Zeitplan wurden seit Mitte 2014 die Normdaten der GND nach RDA erfasst, die Titeldaten ab Dezember
2015. Bis Anfang 2016 sollten alle im Standardisierungsausschuss vertretenen Bibliotheksverbünde und
Institutionen ausschließlich nach RDA katalogisieren. Eine maschinelle Anpassung der Altdaten erfolgt
schrittweise.

Eine deutsche Übersetzung der RDA liegt seit Nov. 2012 vor und ist in das RDA-Toolkit integriert. 13 Halb-
jährlich erfolgen Aktualisierungen des Toolkits. Das Standardelemente-Set mit den für den deutschen

10
http://www.loc.gov/marc/mac/index.html
11
Vgl. http://www.loc.gov/marc/formatchanges-RDA.html
12
Vgl. http://www.rda-jsc.org/docs/5editor2rev.pdf
13
http://access.rdatoolkit.org/
Seite 11/26
Sprachraum festgelegten Kern- und Zusatzelementen einer Titelaufnahme liegt ebenfalls vor 14und ist in
das Tookit intgegriert. Die Anwendungsregeln für den deutschen Sprachraum sind ebenfalls in das Tool-
kit integriert und sowohl unter „Ressourcen“ zusammengefasst abrufbar als auch bei den einzelnen Ab-
schnitten unter dem Button „D-A-CH“ hinterlegt. Das Lehrbuch “Basiswissen RDA“ von Wiesenmül-
ler/Horny ist in zweiter, überarbeiteter und erweiterter Auflage 2017 erschienen.

Die DNB stellt in einem Wiki Schulungsmaterialien bereit.

Abb. 9 Vorlage für ein Beispiel für eine Titelaufnahme nach RDA 15

14
https://wiki.dnb.de/pages/viewpage.action?pageId=114430616
15
Mit frdl. Genehmigung von H. Wiesenmüller, Stand: 8/2014.
Seite 12/26
Abb. 10 Beschreibung einer einteiligen Monografie nach RDA. Quelle: Lehrbuch „Basis-
wissen RDA“, Beispiel 13-3.

5.4 Terminologie

5.4.1 Ressource
Der Terminus Ressource wird in den Kapiteln 19–22 verwendet und bezieht sich auf ein Werk, eine Ex-
pression, eine Manifestation oder ein Exemplar. In Abhängigkeit davon, was beschrieben wird, kann sich
der Terminus Ressource beziehen auf: a) eine einzelne Entität (z. B. eine einzelne Videodisk) oder b) eine
Aggregation von Entitäten (z. B. drei Kartenblätter) oder c) einen Bestandteil einer Entität (z. B. ein ein-
zelnes Dia, das als Teil eines Satzes von zwanzig Dias erscheint, oder d) ein Artikel in einer Ausgabe einer

Seite 13/26
wissenschaftlichen Zeitschrift). Der Terminus Ressource kann sich entweder auf eine materielle Entität
(z. B. eine Audiokassette) oder eine nicht anfassbare Entität (z. B. eine Website) beziehen.

5.4.2 Werk, Expression, Manifestation und Exemplar


Nach RDA 18.1.4 werden die Termini Werk, Expression, Manifestation und Exemplar folgendermaßen
verwendet:

Der Terminus Werk bezieht sich auf eine individuelle intellektuelle bzw. künstlerische Schöpfung (d. h.
den intellektuellen oder künstlerischen Inhalt). – Der Terminus Expression bezieht sich auf die intellektu-
elle bzw. künstlerische Realisierung eines Werks in Form von Buchstaben, Zahlen, musikalischer oder
choreografischer Notation, Ton, Bild, Gegenstand, Bewegung usw. oder einer Kombination dieser For-
men. – Der Terminus Manifestation bezieht sich auf die physische Verkörperung einer Expression eines
Werks. – Der Terminus Exemplar bezieht sich auf ein einzelnes Stück oder ein Beispiel einer Manifesta-
tion. Jeder dieser Termini kann sich, in Abhängigkeit davon, was beschrieben wird, auf einzelne Entitä-
ten, Aggregationen oder Bestandteile dieser Entitäten beziehen (z. B. kann sich der Terminus Werk auf
ein Einzelwerk, ein aggregiertes Werk oder einen Bestandteil eines Werks beziehen).

5.4.3 In der Manifestation verkörpertes Werk


Ein Werk, das in einer Manifestation verkörpert ist. (Quelle: RDA Glossar)

Vgl. auch: Vorgehensweise der DNB zur Angabe der Werkebene

5.4.4 Zusammengesetzte Beschreibung


Beschreibung einer Manifestation, die Elemente des Werks und/oder der Expression im Datensatz mit
beinhaltet und damit das Anlegen eines eigenen Datensatzes für das Werk rsp. die Expression überflüssig
macht.

5.4.5 Kernelemente
Bestimmte Elemente in RDA sind als Kernelemente identifiziert (RDA 0.6.1). Die RDA-Kernelemente zur
Beschreibung von Ressourcen dienen dazu, eine Manifestation zu identifizieren und auszuwählen bzw.
Werke und Expressionen zu identifizieren, die in einer Manifestation verkörpert sind, ferner den oder die
geistigen Schöpfer eines Werks zu identifizieren.

D-A-CH AWR für RDA 0.6.1: Im deutschsprachigen Raum ist für die Bibliotheken ein Standardelemente-
Set 16 festgelegt, in dem die verpflichtenden Elemente zur Beschreibung von Ressourcen aufgelistet sind.
Die für die Bibliotheken zusätzlich verpflichtenden Elemente (Zusatzelemente) bilden zusammen mit den
Kernelementen das Standardelemente-Set. Die einzelnen Bibliotheken können darüber hinaus für die
weiteren spezifischen Elemente weitere Vorgaben treffen, ob bzw. wann diese Elemente verpflichtend
anzugeben sind.

5.4.6 Geistiger Schöpfer


Eine Person, eine Familie oder eine Körperschaft, die für die Schaffung eines Werks verantwortlich ist.

16
https://wiki.dnb.de/pages/viewpage.action?pageId=114430616
Seite 14/26
5.4.7 Titel

5.4.7.1 Bevorzugter Titel des Werks


Der Titel oder die Form des Titels, der/die gewählt wurde, um das Werk zu identifizieren. Der bevorzugte
Titel ist auch die Grundlage für den normierten Sucheinstieg, der dieses Werk repräsentiert.

5.4.7.2 Haupttitel
Die hauptsächliche Bezeichnung einer Ressource (d. h. der normalerweise beim Zitieren der Ressource
verwendete Titel).

5.4.7.3 Abweichender Titel


Ein Titel, der mit einer Ressource in Verbindung steht, der von dem als Haupttitel erfassten Titel, von ei-
nem Paralleltitel, von Titelzusätzen, parallelen Titelzusätzen, früheren Haupttiteln, späteren Haupttiteln,
Key-Titeln oder Kurztiteln abweicht.

5.4.7.4 Paralleltitel
Der Haupttitel in einer anderen Sprache und/oder einer anderen Schrift.

5.4.8 Verantwortlichkeitsangabe
Eine Angabe, die sich auf die Identifizierung und/oder Funktion von Personen, Familien oder Körper-
schaften bezieht, die für die Schöpfung des intellektuellen oder künstlerischen Inhalts einer Ressource
verantwortlich sind oder zu seiner Realisierung beigetragen haben.

5.4.9 Beziehungskennzeichnung
Nach RDA 18.1.6 bezieht sich der Terminus Beziehungskennzeichnung auf eine Kennzeichnung, die die
Art der Beziehung zwischen einer Ressource und einer Person, einer Familie oder einer Körperschaft an-
gibt, die mit dieser Ressource in Verbindung steht. Eine Beziehungskennzeichnung wird mit dem nor-
mierten Sucheinstieg und/oder einem Identifikator, der die in Verbindung stehende Person, Familie oder
Körperschaft repräsentiert, erfasst. Es können auch Primärbeziehungen zwischen den Entitäten der ers-
ten FRBR-Gruppe hergestellt werden, z.B. zwischen Manifestation und Werk. Des Weiteren können Be-
ziehungen zwischen Manifestationen hergestellt werden, z.B. zwischen einer Aufsatzsammlung („Zusam-
menstellung“) und einer Reihe.

5.4.10 Publikationsformen

5.4.10.1 Einzelne Einheit


Eine Ressource, die entweder als einzelne physische Einheit (z. B. als eine einbändige Monografie) oder
im Falle einer nicht anfassbaren Ressource als eine einzelne logische Einheit erscheint (z. B. als eine PDF-
Datei, die im Web steht).

5.4.10.2 Mehrteilige Monografie


Eine Ressource, die (entweder gleichzeitig oder nacheinander) in mehreren Teilen erscheint, die vollstän-
dig ist oder innerhalb einer begrenzten Anzahl von Teilen abgeschlossen werden soll (z. B. ein Lexikon in
zwei Bänden oder drei Audiokassetten, die als Set erscheinen). (Quelle. RDA Glossar) Schulungsmaterial

Seite 15/26
5.4.10.3 Fortlaufende Ressource
Eine Ressource, die in aufeinanderfolgenden Teilen erscheint, die normalerweise eine Zählung haben,
und die kein vorherbestimmtes Ende hat (z. B. eine Zeitschrift, eine monografische Reihe oder eine Zei-
tung). Dazu gehören Ressourcen, die Eigenschaften von fortlaufenden Ressourcen aufweisen, wie aufei-
nander folgende Ausgaben, Zählung und Erscheinungsfrequenz, deren Dauer jedoch begrenzt ist (z. B.
Newsletter zu Ereignissen) oder Reproduktionen von fortlaufenden Ressourcen.

5.4.10.4 Integrierende Ressource


Eine Ressource, die durch Aktualisierungen ergänzt oder verändert wird, die nicht getrennt bleiben, son-
dern in das Ganze integriert werden (z. B. ein Handbuch in Loseblattform, das durch Austausch von Sei-
ten aktualisiert wird, eine Web-Site, die kontinuierlich aktualisiert wird). Schulungsmaterial für umfas-
sende Beschreibung, Schulungsmaterial für analytische und hierarchische Beschreibung

5.4.10.5 Zusammenstellungen
Ressourcen, die als einzelne Einheit erscheinen, deren Manifestation aber mehrere Werke verkörpert,
werden als Zusammenstellungen bezeichnet (das gilt analog für mehrteilige Monographien gleichen Cha-
rakters – insbesondere dann, wenn sie ausschließlich oder überwiegend aus Teilen mit abhängigen Titeln
bestehen). Dabei sollten mindestens zwei im Wesentlichen gleichrangige Werke enthalten sein. Schu-
lungsmaterial

5.4.11 Name

5.4.11.1 Bevorzugter Name


Der Name oder die Namensform einer Person, Familie, Körperschaft oder eines Geografikums, der/die
als Grundlage für den normierten Sucheinstieg gewählt wird, der eine Entität repräsentiert. Bsp.

9.2.2 Bevorzugter Name der Person * Levy, Marc

5.4.11.2 Abweichender Name


Ein Name oder eine Namensform, unter dem/der eine Person, eine Familie oder eine Körperschaft be-
kannt ist, der/die sich von dem Namen oder der Namensform unterscheidet, der/die als bevorzugter
Name für diese Person, Familie oder Körperschaft gewählt wurde.

9.2.3 Abweichender Name der Person Lèvy, Marc

5.4.12 Sucheinstieg
Ein Name, ein Terminus, ein Code usw., der eine bestimmte Entität repräsentiert.

Nach RDA 18.1.5 werden die Termini Sucheinstieg und normierter Sucheinstieg folgendermaßen ver-
wendet: Der Terminus Sucheinstieg bezieht sich auf einen Namen, einen Terminus, einen Code usw., der
eine bestimmte Person, Familie oder Körperschaft repräsentiert. – Der Terminus normierter Sucheinstieg
bezieht sich auf den standardisierten Sucheinstieg, der eine Entität repräsentiert. Der normierte Suchein-
stieg, der eine Person, eine Familie oder eine Körperschaft repräsentiert, wird unter Verwendung des

Seite 16/26
bevorzugten Namens für die Person, die Familie oder die Körperschaft gebildet, ggf. unter Hinzufügung
individualisierender Elemente wie Lebensdaten etc., Beispiel: Müller, Hans, 1955-

5.4.12.1 Normierter Sucheinstieg


Der standardisierte Sucheinstieg, der eine Entität repräsentiert. Bsp.:

RDA 9.19 Normierter Sucheinstieg, der eine Person re- Levy, Marc, 1961-
präsentiert

5.4.12.2 Zusätzlicher Sucheinstieg


Eine Alternative zum normierten Sucheinstieg, der eine Entität repräsentiert.

RDA 9.19 Zusätzlicher Sucheinstieg, der eine Person re- Lèvy, Marc, 1961-
präsentiert

5.4.13 Typen (IMD)

5.4.13.1 Inhaltstyp
Eine Kategorisierung, die die grundlegende Form der Kommunikation, in der der Inhalt ausgedrückt wird,
und den menschlichen Sinn widerspiegelt, durch den diese wahrgenommen werden soll. Für Inhalt, der
in Form eines Bildes oder mehrerer Bilder ausgedrückt wird, spiegelt der Inhaltstyp auch die Anzahl
räumlicher Dimensionen wider, in denen der Inhalt wahrgenommen werden soll, sowie die Wahrneh-
mung von vorhandener oder nicht vorhandener Bewegung. Bsp.:

RDA 6.9 Inhaltstyp * Gesprochenes Wort

5.4.13.2 Medientyp
Eine Kategorisierung, welche die allgemeine Art des Geräts wiedergibt, das erforderlich ist, um den Inhalt
einer Ressource anzuschauen, abzuspielen oder laufen zu lassen usw. Bsp.:

RDA 3.2 Medientyp + Ohne Hilfsmittel zu benutzen

5.4.13.3 Datenträgertyp
Eine Kategorisierung, die das Format des Speichermediums und das Gehäuse eines Datenträgers wider-
spiegelt in Kombination mit der Art des Geräts, das benötigt wird, um den Inhalt einer Ressource anzu-
schauen, abzuspielen oder laufen zu lassen usw. Bsp.

RDA 3.3 Datenträgertyp * Videodisk

Seite 17/26
6 Historische Regelwerke
6.1 Preußische Instruktionen (PI) 17
Als Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preussischen Bibliotheken und für den preussischen
Gesamtkatalog erstmals am 10. Mai 1899 veröffentlicht, in zweiter Fassung vom 10. August 1908 als In-
struktionen für die alphabetischen Kataloge der preussischen Bibliotheken mehrfach nachgedruckt, fan-
den die PI nicht nur in Preußen Anwendung für die Titelaufnahmen und die Ordnung in Zettelkatalogen
Wiss. Bibliotheken, Bibliografien und gedruckten Verzeichnissen (z. B. Gesamtverzeichnis des deutsch-
sprachigen Schrifttums 1700-1965).

Nach den Regeln wird für jedes Werk sowie i.d.R. für jede seiner Auflagen ein eigenes Katalogisat ange-
legt. Von Herausgebern, Bearbeitern, Mitarbeitern, Übersetzern, Verfassern eines Kommentars etc., aber
auch von Sondertiteln wird ggf. durch Verweisungen auf den Hauptzettel verwiesen.

Die starke Orientierung der Regeln an den Strukturen der deutschen Sprache, wie das Prinzip der gram-
matikalischen Wortfolge (Substantivum regens) bei der Ordnung der Sachtitel, ferner die Nichtberück-
sichtigung korporativer Verfasser, die Gleichsetzung der Buchstaben I und J und die Nichtberücksichti-
gung diakritischer Zeichen bei der Ordnung im Katalog, die den deutschen Rechtschreibregeln folgende
Vereinheitlichung in der Ansetzung der Vornamen deutscher Autoren, bei gleichlautenden Verfasserna-
men die chronologische Ordnung der Verfasser nach dem Erscheinungsjahr der ältesten ihrer in der Bibli-
othek vorhanden Schrift 18etc. erwiesen sich als kompliziert, nicht praktikabel insbes. für Öffentliche Bib-
liotheken, hinderlich im Zuge zunehmenden internationalen Austauschs und für eine maschinelle Daten-
verarbeitung unbrauchbar. Ab Mitte der 1970er Jahre erfolgte mit dem Übergang zu elektronischen Bib-
liotheksverwaltungssystemen die sukzessive Ablösung der PI durch RAK. Durch die unterschiedlichen,
unvereinbaren Ansetzungs- und Ordnungsprinzipien bedeutete die Umstellung in jedem Fall einen Kata-
logabbruch und den Beginn eines neuen Zettelkatalogs rsp. OPACs.

6.2 Regeln für die Alphabetische Katalogisierung (RAK) 19


Bibliothekarisches Regelwerk zur Formalerschließung, erarbeitet von entsprechenden Kommissionen der
Bundesrepublik Deutschland, der DDR und Österreichs, lösten ab Mitte der 1970er Jahre im deutschspra-
chigen Gebiet sukzessive die Preußischen Instruktionen (PI) sowohl in Öffentlichen wie Wissenschaftli-
chen Bibliotheken und bei den Bibliotheksverbünden ab.

Basierend auf den Pariser Prinzipien und auf der Grundlage der ISBD erschienen 1969-76 RAK-Vorabdru-
cke, die 1976 in der DDR und 1977 in der Bundesrepublik Deutschland in Druckausgaben mündeten, de-
ren zahlreiche Kann- und Alternativbestimmungen der angestrebten einheitlichen Katalogisierung aller-
dings entgegenstanden.

17
Nach: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft2009ff., Bd. 2, S. 722 Artikel „Preußische Instruktio-
nen“ (P. Hauke).
18
§ 175, Bsp.:
Ernst, Heinrich (1636)
Ernst, Heinrich (1801)
19
Nach: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft 2009 ff., Bd. 2, S. 760 f. Artikel „Regeln für die Al-
phabetische Katalogisierung“ (P. Hauke].
Seite 18/26
1983-86 erschienen die RAK als mehrbändiges Werk, jeweils angepasst für Öffentliche Bibliotheken, Wis-
senschaftliche Bibliotheken, für Musikalien und für Karten, 1986-96 ergänzt um Sonderregeln für un-
selbstständige Publikationen, für Parlaments- und Behördenbibliotheken, für audiovisuelle Materialien,
letztere 1996 erweitert zu Regeln für die Katalogisierung von Nichtbuchmaterialien unter Einschluss ma-
schinenlesbarer Materialien.

Nach den RAK wurde für jedes Werk, einschließlich Fortlaufender Sammelwerke, sowie für jede seiner
Auflagen ein eigenes Katalogisat angelegt. Die Grundlage für die Haupt- und Nebeneintragungen bildete
die Einheitsaufnahme. Sie bestand aus den für die Ordnung erforderlichen Angaben im Kopf, aus der bib-
liografischen Beschreibung und ggf. aus Nebeneintragungs- und Verweisungsvermerken. Nebeneintra-
gungen im Zettelkatalog bzw. zusätzliche Sucheinstiege im elektronischen Datensatz wurden angelegt
von Herausgebern, Bearbeitern, Mitarbeitern, Übersetzern, Verfassern eines Kommentars etc., aber
auch von Neben- und Paralleltiteln. Da die seit Einführung der RAK Anfang der 1970er Jahre bis zum Um-
stieg auf RDA Ende 2015 erstellten Katalogisate zwar maschinell angepasst, jedoch nicht grundsätzlich
und systematisch auf den aktuellen RDA-Standard umgeschrieben werden, sind die RAK-Regeln bei der
Recherche von vor 2016 erschienenen Titeln nach wie vor zu beachten.

Im Unterschied zu den entsprechenden Verweisungen nach den PI erhält der Nutzer des Zettelkatalogs
auch bei den Nebeneintragungen die volle Information über das gesuchte Werk ohne einen weiteren
Suchvorgang. Daneben gibt es pauschale Siehe-auch-Hinweise und Verweisungen z.B. von abweichenden
Namensformen. Die Regeln für die Ansetzung von Personennamen und der Namen von Körperschaften
folgten die Ansetzungsformen in der Personennamendatei und der Gemeinsamen Körperschaftsdatei
(beide inzwischen zusammengeführt und vereinheitlicht in der Gemeinsamen Normdatei (GND). Die bib-
liografische Beschreibung folgt im Wesentlichen der ISBD. Zugunsten der Recherche im OPAC nach Stich-
wörtern wurde mit der Ausgabe 1993 die Möglichkeit der Abkürzungen stark eingeschränkt. Die Ordnung
im Zettelkatalog erfolgt in einem Alphabet nach dem Namen des Verfassers bzw. ggf. des Urhebers, bei
anonymen Werken nach dem Sachtitel.

1996 beschloss die beim Deutschen Bibliotheksinstitut (DBI) angesiedelte Konferenz für Regelwerksfra-
gen die Entwicklung eines neuen Regelwerks (RAK2) mit dem Ziel der Vereinfachung der Regeln, der An-
passung an die Gegebenheiten des OPACs, der Angleichung an die AACR2r und der Integration der Son-
derregeln. – Nach Auflösung des DBI und der Neuregelung der Standardisierungsarbeit beschloss jedoch
der Standardisierungsausschuss am 6.12.2001 den „Umstieg von den deutschen auf internationale Re-
gelwerke und Formate“ (sog. Nikolausbeschluss). Dieser Beschluss mündete schließlich in die Über-
nahme Regelwerkes RDA.

Einige wesentliche Änderungen gegenüber RDA


• Terminologisch an den Erfordernissen des Zettelkatalogs orientiert: „Nebeneintragungen“ an-
stelle von „Sucheinstiegen“
• Die sogenannte „Rule of three“ („Dreier-Regel“) bestimmte, dass ein gemeinschaftlich verfasstes
Werk von mehr als drei Verfassern wie ein „anonymes Werk“ behandelt wurde. Lediglich der
erste oder besonders hervorgehobene Verfasser erhielt eine Nebeneintragung im Katalog.

Seite 19/26
• Bei „Begrenzten Sammelwerken“ (Aufsatzsammlungen) erhielt nur der erste oder besonders her-
vorgehobene Herausgeber eine Nebeneintragung im Katalog; weitere Herausgeber blieben un-
berücksichtigt.
• RAK arbeitete mit einer umfangreichen Liste von Pflichtabkürzungen: „S.“, „Aufl.“, „hrsg. von“
etc.
• Akademische Titel und Berufsbezeichnungen blieben unberücksichtigt.

Titel der amerikanischen Ausgabe:


LIVING YOUR LIFE
Group Guidance in Study, School, Life,
and Community Living
Copyright 1953 by D. C. Heath and Com-
pany
Second Edition
Ins Deutsche übertragen von Heinz Kro-
nen

Alle Rechte der deutschen Ausgabe vor-


behalten durch
Bartmann-Verlag GmbH, Frechen/Köln
1957
Herstellung: Druckerei Paulsen und
Janßen, Hamburg-Lokstedt
Schutzumschlag: Walter Gleinig

¬Das¬ Leben ist halb so schwer : ein fröhlicher Ratgeber für junge Menschen / Claude C. Crawford ...
[Ins Dt. übertr. von Heinz Kronen]. – Frechen/Köln : Bartmann, 1957. – 327 S.
Einheitssacht.: Living your life <dt.>
NE: Verf.; Übers.; EST <dt.>
Crawford, Claude C.: ¬Das¬ Leben ist halb so schwer : ein fröhlicher Ratgeber für junge Menschen /
Claude C. Crawford, Ehtel G. Cooley, C. C. Trillingsham, Emery Stoops. Ins Deutsche übertragen von
Heinz Kronen. – Frechen/Köln: Bartmann Verlag, 1957. – 327 Seiten
Bevorzugter Titel des Werks: Crawford, Claude C., 1897-1992. Living your life
Abb. 11 Vergleich zwischen einer RAK-(oben) und einer RDA-Erfassung (unten)betr. „Rule
of three“.

Seite 20/26
6.3 Anglo-American Cataloguing Rules (AACR2) 20
1967 erstmals verabschiedetes bibliothekarisches Regelwerk zur Erstellung von Katalogen und anderen
Listen in Allgemeinbibliotheken jeglicher Größe sowie in Spezial- und Archivbibliotheken. In zweiter Aus-
gabe 1978 vorgelegt (AACR2), mehrfach revidiert (AACR2r). Es war bis zu seiner Ablösung durch das Re-
gelwerk RDA das nicht nur im angloamerikanischen Sprachraum am weitesten verbreitete, in viele Spra-
chen übersetzte Regelwerk, wobei außerhalb dieses Sprachraumes die optionale Anwendung in der eige-
nen Arbeitssprache vorgesehen war. Das Regelwerk sah im Gegensatz zu den deutschen RAK einheitliche
Regeln für die bibliographische Beschreibung aller üblicherweise in Bibliotheken und Archiven gesam-
melten Materialien vor und bestimmte die Ansetzung der Sucheinstiege für Haupt- und Nebeneintragun-
gen. Wie die RAK basierten die Regeln auf dem Grundgerüst der ISBD, Unterschiede zeigten sich jedoch
z. B. in der Ansetzung von Personennamen, Körperschaften und Einheitssachtiteln sowie in terminologi-
schen Festlegungen bzw. Eigenheiten. 2002 ins Deutsche übersetzt als Folge des Beschlusses des Stan-
dardisierungsausschusses vom 06.12.2001 (sog. „Nikolausbeschluss“), den Umstieg u.a. von deutschen
auf internationale Regelwerke anzustreben. Ebenso wie die RAK entsprachen die AACR2r in vielen Fällen
nicht mehr den aktuellen Erfordernissen.

Zahlreiche Alternativlösungen und dem Katalogisierer freigestellte Optionen führten zur Entwicklung der
Library of Congress Rule Interpretations (LCRI), deren Anwendung für eine homogene Umsetzung der
AACR unentbehrlich waren, Bsp.: „1.5B5. For multipart items, apply the optional provision of the rule.“
Die umfangreichen, lfd. aktualisierten LCRI wurden Ende 2010 im Zuge der Tests zu RDA ersetzt durch die
Library of Congress Policy Statements (LCPI), die dem Katalogisierer mehr Entscheidungsfreiheit ein-
räumten.

7 Normdaten
7.1 Gemeinsame Normdatei (GND)
Unter Beteiligung der DNB sowie aller Bibliotheksverbünde im deutschsprachigen Raum wurden im Pro-
jekt GND die Normdaten der Personennamendatei (PND), der Schlagwortnormdatei (SWD), der Gemein-
samen Körperschaftsdatei (GKD) und der Datei der Einheitssachtitel des Deutschen Musikarchivs zusam-
mengeführt. Dabei wurden sowohl die Datenformate als auch die für die Formal- und Inhaltserschlie-
ßung unterschiedlichen Regeln für die Ansetzung vereinheitlicht. Austauschformat ist MARC21 Authority,
seit der offiziellen Umstellung im April 2012 werden keine Normdaten im MAB-Format mehr zur Verfü-
gung gestellt.

Für die Formalerschließung ist insbesondere von Bedeutung die Umstellung von nationalsprachlichen auf
deutsche Ansetzungsformen (RDA = Bevorzugter Name) , z.B. Katharina, II., Russland, Zarin (neu) statt
Ekaterina <II., Rossija, Carica> (Beisp. in RAK (1977) § 338.3 und RAK-WB (1983) § 337.3, vgl. http://d-
nb.info/gnd/118560565, oder (neu) Mailand statt Milano (bisher nach GKD).

20
Nach: Lexikon der Bibliotheks- und Informationswissenschaft2009 ff., Bd. 1, S. 18, Artikel „Anglo-American Ca-
taloguing Rules“ (P. Hauke). Siehe auch: RDA Toolkit (http://access.rdatoolkit.org) > Ressourcen > AACR2.)
Seite 21/26
Personennamen und Körperschaftsnamen in Wikipedia sind mit der GND verlinkt. Ein anderer Zugriff auf
die GND-Normdaten erfolgt über die Online-GND (OGND) unter http://swb.bsz-bw.de/DB=2.104/. Dar-
über hinaus gibt es eine Aufbereitung der GND-Daten durch die Fa. Eurospider: http://gnd.eurospi-
der.com/s

7.2 Library of Congress Authorities


Analog zu den deutschen Normdaten pflegt die LoC eine Normdatenbank 21 für Schlagwörter, Personen-
namen, Sachtitel sowie Name-/Titel-Verbindungen. Im Gegensatz zur GND sind die Authorities der LoC
jedoch nicht mit den Titeldaten im LoC Online Catalog verknüpft, sodass ggf. erst eine Recherche nach
der bevorzugten Namensform erfolgen muss, bevor mit dieser Form im Online Catalog der Titel weiter
recherchiert werden kann.

7.3 Virtual International Authority File (VIAF)


Von OCLC gehostetes Gemeinschaftsprojekt (VIAF) 22 von Nationalbibliotheken, bei dem weltweit vor-
handene Normdaten von Personennamen in einer Normdatei virtuell zusammengeführt und miteinander
verlinkt werden, um dem Endnutzer den Zugang zu Veröffentlichungen über Normdaten in der Sprache
und Schrift seines Landes zu ermöglichen. Die Integration von Werktiteln sowie der Namen von Körper-
schaften ist geplant.

Die im von OCLC gehosteten Datensätze im WorldCat 23 sind – nicht wie angegeben mit VIAF, sondern –
derzeit lediglich mit den Normdaten der Lieferbibliotheken verknüpft (sofern eine Verknüpfung vorliegt
und nicht wie bei der LoC mit kontrolliertem Vokabular angesetzt wird). Sie können deshalb auch nur mit
diesen Ansetzungen recherchiert werden.

8 Gremien
8.1 Deutschland 24

8.1.1 Standardisierungsausschuss
Der Standardisierungsausschuss ist ein kooperativer Zusammenschluss

– großer wissenschaftlicher Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland,


– der regionalen Verbundsysteme für das Bibliothekswesen der Bundesrepublik Deutschland,
– von Vertretern des österreichischen und des schweizerischen Bibliothekswesens,
– der Öffentlichen Bibliotheken der Bundesrepublik Deutschland,
– der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder der Bundesrepublik Deutschland,
– der ekz Bibliotheksservice GmbH sowie
– der Deutschen Forschungsgemeinschaft

21
http://authorities.loc.gov/
22
https://viaf.org/
23
https://www.worldcat.org/
24
Aus: http://www.dnb.de/DE/Standardisierung/AFS/afsOrganisation.html
Seite 22/26
mit der Zielsetzung, den Einsatz einheitlicher Standards für die Erschließung, Formate und Schnittstellen
in Bibliotheken sicherzustellen. Der Standardisierungsausschuss ist das überregionale Koordinierungsgre-
mium für die bibliothekarischen Bereiche der Standardisierung und entscheidet auf fachlicher Ebene
über Grundsatzfragen.

8.1.2 Arbeitsstelle für Standardisierung


Die Arbeitsstelle für Standardisierung (AfS) ist eine Organisationseinheit der Deutschen Nationalbiblio-
thek. Sie leitet und koordiniert die Arbeit in den verschiedenen Teilbereichen, vertritt die Interessen in
Gremien auf nationaler und internationaler Ebene und dient als Geschäftsstelle des Standardisierungs-
ausschusses.

Die Arbeitsstellen der Teilbereiche sind ebenfalls Organisationseinheiten der Deutschen Nationalbiblio-
thek. Sie sind für die detaillierte Facharbeit zuständig, z. B. Entwurf, Weiterentwicklung, Einführung und
Pflege von Standards. Derzeit sind folgende Teilbereiche eingerichtet: Arbeitsstelle Regelwerke der For-
mal- und Sacherschließung / Erschließung Elektronischer Ressourcen, Arbeitsstelle Normdateien sowie
Arbeitsstelle Datenformate und Kommunikationsschnittstellen.

8.2 International

8.2.1 IFLA – International Federation of Library Associations and Institutions, Cataloguing


Section 25
The Cataloguing Section analyses the functions of cataloguing activities for all types of material and me-
dia, including both bibliographic and authority information, for the benefit of all users. The Section pro-
poses and develops cataloguing rules, guidelines and standards for bibliographic information taking into
account the developing of electronic and networked digital environments in order to promote universal
access to, and exchange of, bibliographic and authority information.

The Section has close relationships with many organizations and institutions including national catalogu-
ing and standardization committees, various multinational organizations, various committees of the In-
ternational Organization for Standardization (ISO), especially with TC46–Information and Documenta-
tion, with the Sections on Bibliography, Classification and Indexing, and Information Technology, and in
particular with the IFLA-CDNL Alliance for Digital Strategies (ICADS) (formerly the IFLA-CDNL Alliance for
Bibliographic Standards).

Affiliated Groups
• ISBD Review Group: Maintains the International Standard Bibliographic Description
• BCM Review Group: Maintains the Functional Requirements for Bibliographic Records
• Working Group on Metadata for Digital Objects
• Division of Bibliographic Control's Procedures for electing members to IFLA review groups

Other working groups of interest


• Working Group on Functional Requirements and Numbering of Authority Records (FRANAR)

25
Quelle: http://www.ifla.org/en/about-the-cataloguing-section
Seite 23/26
• Working Group on Functional Requirements for Subject Authority Records (FRSAR)

8.2.2 Joint Steering Committee for the Development of RDA 26


RDA: Resource Description and Access is developed in a collaborative process led by the Joint Steering
Committee for Development of RDA. JSC gratefully acknowledges the contributions of the many institu-
tions and individuals who have generously given their time and energies to the creation of RDA.

Members:

Chair: Mr. Gordon Dunsire, Secretary: Ms. Judith A. Kuhagen

Representatives:

• American Library Association: Ms. Kathy Glennan


• Australian Committee on Cataloguing: Ms. Ebe Kartus
• The British Library: Mr. Alan Danskin
• Canadian Committee on Cataloguing: Mr. William Leonard
• CILIP: Chartered Institute of Library and Information Professionals: Mr. Galen Jones
• Deutsche Nationalbibliothek: Ms. Christine Frodl (seit Nov. 2011)
• Library of Congress: Mr. David Reser

JSC liaisons:

• European RDA Interest Group (EURIG): Alan Danskin


• IFLA FRBR Review Group: Gordon Dunsire
• IFLA ISBD Review Group: Christine Frodl (Deutsche Nationalbibliothek

8.2.3 EURIG 27
Über den anglo-amerikanischen Bereich hinaus haben sowohl nicht im JSC vertretene bisherige Anwen-
der der AACR2 als auch Anwender der RAK, zusammengeschlossen in der European RDA Interest Group
(EURIG), RDA implementiert, wobei Deutschland durch die Deutsche Nationalbibliothek, Österreich
durch den Österreichischen Bibliothekenverbund und Service vertreten wird.

9 Internationalisierung
Beschlüsse des Standardisierungsausschusses

6.12.2001 (sog. Nikolausbeschluss):

Der Standardisierungsausschuss strebt grundsätzlich einen Umstieg von den deutschen auf inter-
nationale Regelwerke und Formate (AACR und MARC) an. Dazu sind in einer Studie die Rahmen-
bedingungen, Konsequenzen und Zeitablauf insbesondere unter betriebswirtschaftlichen Aspek-

26
Quelle: http://www.rda-jsc.org/rda.html
27
http://www.rda-rsc.org/europe
Seite 24/26
ten zu erarbeiten. Die Weiterentwicklung der RAK sollte in diesem Zusammenhang nur noch un-
ter unabdingbar notwendigen und internationalen Entwicklungen nicht zuwiderlaufenden Modi-
fikationen verfolgt und spätestens zum Jahresende 2003 eingestellt werden. 28

5.10.2011:

Der Standardisierungsausschuss spricht sich grundsätzlich für die Einführung des neuen Erschlie-
ßungsstandards Resource Description and Access (RDA) im deutschsprachigen Raum aus. 29

31.5.2012:

In seiner 21. Sitzung am 31. Mai 2012 hat der Standardisierungsausschuss seinen Beschluss über
die Einführung der RDA im deutschsprachigen Raum vom 5. Oktober 2011 konkretisiert. Dem-
nach soll die Implementierung der RDA nach dem sog. Szenario 2 erfolgen. Das Szenario 2 ent-
spricht dem zurzeit in den Verbundsystemen implementierten Modell mit getrennten, miteinan-
der verlinkten Datensätzen für die bibliografische Beschreibung und Normdatensätze. (Zu den
RDA-Implementierungsszenarien s. http://www.rda-jsc.org/docs/5editor2rev.pdf) 30

Zur Vorbereitung und Durchführung des Umstiegs wurde die Einrichtung einer Expertengruppen
übergreifenden Arbeitsgruppe RDA beschlossen.

Der genaue Wortlaut aller Beschlüsse ist den online veröffentlichten Protokollen zu entnehmen:
http://www.dnb.de/DE/Standardisierung/AFS/afsOrganisation.html#doc211270bodyText4

10 Zitierte und weiterführende Literatur und Quellen


Alle Webadressen wurden zuletzt geprüft am 10.6.2018.

Anglo-American cataloguing rules : AACR. Joint Steering Committee for Revision of AACR. Chicago. 2nd
ed., rev. 2002. Online integriert in das RDA Toolkit, Reiter “Ressourcen”
Gemeinsame Normdatei (GND) = http://www.dnb.de/DE/Standardisierung/GND/gnd_node.html
IFLA Cataloguing Principles: Statement of International Cataloguing Principles (ICP) and its Glossary / ed-
ited by Barbara Tillett and Ana Lupe Cristán. München, 2009. Deutsch: „Erklärung zu den internationalen
Katalogisierungsprinzipien“ = http://www.ifla.org/files/cataloguing/icp/icp_2009-de.pdf
IFLA BMC Review Group = https://www.ifla.org/bcm-rg
Instruktionen für die alphabetischen Kataloge der preußischen Bibliotheken vom 10. Mai 1899, 2. Ausg.
in der Fassung vom 10. Aug. 1908. Unveränd. Nachdr. Wiesbaden 1970.
International Standard Bibliographic Description (ISBD) / recommended by the ISBD Review Group. Ap-
proved by the Standing Committee of the IFLA Cataloguing Section. [München], 2007 =
http://www.ifla.org/files/cataloguing/isbd/isbd-cons_2007-en.pdf

28
Vgl. http://www.hebis.de/de/1cocktail/cocktail_detail.php?we_editObject_ID=587
29
Vgl. http://www.dnb.de/SharedDocs/Downloads/DE/DNB/standardisierung/proto-
kolle/pSta20111005.pdf?__blob=publicationFile
30
Aus einer Mitteilung der Arbeitsstelle für Standardisierung in der Mailingliste [rak-list] vom 4.6.2012.
Seite 25/26
Library of Congress Authorities = http://authorities.loc.gov
MAB2. Maschinelles Austauschformat für Bibliotheken. – Loseblatt-Ausg. Grundwerk auf dem Stand der
1. Erg.-Lfg. Mai 2. Auflage 2002; Erg.-Lfg. 4, bildet 1. Erg.-Lfg. zur 2. Auflage des Grundwerks. 2002 =
http://www.dnb.de/DE/Standardisierung/Formate/MAB/mab_node.html
MARC 21 = http://www.dnb.de/DE/Standardisierung/Formate/MARC21/marc21_node.html
MARC21 Formats = http://www.loc.gov/marc/marcdocz.html.
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