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Universität zu Köln

Philosophische Fakultät
Institut für Deutsche Sprache und Literatur I

Masterarbeit

Kasusmatching bei freien


Relativsätzen im Deutschen

Eine experimentelle Untersuchung

vorgelegt von
Jana Mewe
jana.mewe@uni-koeln.de
Köln, April 2014

Themenstellerin: Prof. Dr. Beatrice Primus


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 3

2. Der Untersuchungsgegenstand – freie Relativsätze 6

3. Kasusmismatches in freien Relativsätzen –


Der Erklärungsansatz nach Pittner 14
3.1. Die Hierarchieregel nach Pittner 14
3.2. Empirische Untersuchungen 22

4. Das Experiment 30
4.1. Hypothesen und Types 30
4.2. Experimentdesign 34
4.3. Probanden 36
4.4. Testitems 36
4.5. Durchführung 40
4.6. Ergebnisse 41

5. Diskussion 46

6. Weiterführende Erklärungsansätze zu Kasusidentität


und Kasusmismatch in freien Relativsätzen 59

7. Fazit und Ausblick 69

8. Bibliographie 71

9. Versicherung des selbstständigen Verfassens 74

Anhang A – Material der Testitems 75

Anhang B – Die Fragebögen 79


1. Einleitung

Freie Relativsätze stehen seit geraumer Zeit im Fokus diverser Forschungszweige.


Sie unterliegen trotz ihrer Ähnlichkeiten zu anderen Nebensätzen, besonders
indirekten Fragesätzen und attributiv gebrauchten Relativsätzen, im Deutschen
mehr oder weniger strikten Regeln. Jedoch zeigen sie in unterschiedlichen
Sprachen gegensätzliches Verhalten, weshalb teilweise von einem Parameter
ausgegangen wurde. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass die Kasus der
Matrixverben und die der freien Relativsätze, je nach Sprache, entweder die
gleichen sein müssen oder sie vollkommen ohne Beschränkungen miteinander
verbunden werden können. Das Deutsche wurde diesbezüglich als Sprache
eingeordnet, die ausschließlich Kasusidentität erlaubt. Erst spätere Forschungen
machten deutlich, dass dies nicht notwendigerweise so ist. Inwiefern
Kasusmismatches im Deutschen möglich sind, soll die vorliegende Arbeit
empirisch untersuchen und theoriebezogen hinterfragen.
Die Grundlage stellt dabei die von Pittner (1991) eingeführte
Hierarchieregel dar. Dieser Regel zufolge kann es im Deutschen zu
Kasusmismatches kommen, jedoch nur, wenn sich dieser Mismatch an die
Kasushierarchie hält. Dabei muss das Verb des Relativsatzes einen stärker
markierten Kasus regieren als das des Matrixsatzes. Ziel dieser Arbeit ist es,
besonders die Hierarchieregel experimentell zu testen. Hinzukommend wird ein
von Leirbukt (1995) und Pittner (1995) formulierter Einflussfaktor berücksichtigt.
Hierbei handelt es sich um die Positionierung des freien Relativsatzes in Vor oder
Mittelfeld bzw. Nachfeld. Der Theorie zufolge sollen Kasusmismatches
akzeptabler sein, wenn der freie Relativsatz im Nachfeld steht.
In Kapitel 2 wird zunächst der Untersuchungsgegenstand, der freie
Relativsatz, genauer beleuchtet. Dabei werden Abgrenzungen zu ähnlichen,
teilweise oberflächlich gleichen, Satzkonstruktionen vorgenommen. Hierbei
stehen die Abgrenzung zu regulären, attributiv gebrauchten Relativsätzen und zu
indirekten Fragesätzen im Fokus. Zahlreiche etablierte Tests werden dazu
herangezogen. Ferner stellt der syntaktische Aufbau und davon abgeleitete
Prognosen zur syntaktischen Umgebung freier Relativsätze einen relevanten
Punkt dar.

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In Kapitel 3 wird Pittners Hierarchieregel genauer vorgestellt. Im Zuge
dessen soll Kasusidentität und Kasusmismatch anhand von Beispielen detailliert
dargestellt und diskutiert werden. Kritische Auseinandersetzungen mit
Gegenbeispielen zu der Hierarchieregel, vor allem von Leirbukt (1995), werden
betrachtet und auf der Grundlage von Pittners (1995) Argumentation
aufgeschlüsselt. Im späteren Verlauf dieses Kapitels werden drei vorangegangene
Studien untersucht. Dabei handelt es sich um zwei Akzeptabilitätsstudien
(Bausewein 1991; Vogel & Frisch 2003) und eine Korpusstudie (Pittner 2003).
Diese geben bereits Hinweise für spätere Beobachtungen des Experimentes der
vorliegenden Arbeit. Ferner helfen sie, gewonnene Ergebnisse empirische
einordnen zu können. Besonders die Studie und die theoretischen
Argumentationen von Vogel & Frisch (2003) bringen vielseitigen, zusätzlichen
Einblick in Konstruktionen mit freien Relativsätzen.
Kapitel 4 stellt das Experiment dar. Hierbei sollen zunächst die
Hypothesen, eine Haupthypothese und eine Nebenhypothese, vorgestellt werden,
die zu dem entsprechenden Experimentdesign führen. Dieses, sowie Probanden,
Items und Durchführung werden detailliert präsentiert. Danach folgen im
Unterkapitel 4.6. die Ergebnisse der statistischen Analyse der Studie. Diese
beinhalten zudem Informationen dazu, ob die Ergebnisse den Hypothesen
entsprechen, widersprechen oder, ob keine Aussage getroffen werden kann.
Das Kapitel 5 bietet eine ausführliche Auseinandersetzung mit den
Befunden, speziell in Bezug auf Pittners Hypothesen. Es wird geklärt, inwiefern
die Ergebnisse dieses Experimentes auf die Prognosen der Hypothesen zutreffen
und inwiefern diese ggf. verbessert werden können. Ferner werden alternative
Erklärungsansätze zu problematischen Befunden bereitgestellt und diskutiert.
Hierbei findet außerdem ein Bezug auf die bereits vorgestellten, früheren
empirischen Untersuchungen der Hypothese statt.
In Kapitel 6 wird die Hierarchieregel Pittners durch zusätzliche und
alternative Erklärungsansätze ergänzt. Auch Pittner bot bereits unabhängige
Evidenz für die bei freien Relativsätzen herrschende Kasushierarchie. Diese
Arbeit betrachtet die Kasushierarchie außerdem mithilfe von
Merkmalsspezifikationen auf Grundlage von Penkes (2006) psycholinguistischen
Studien. Der Erklärungsansatz und Befunde Penkes (2006) werden dann auf freie
Relativsätze übertragen und weitergeführt. Diese Argumentation kann der

4
Bedeutung der Kasushierarchie für freie Relativsätze tiefergreifende Bedeutung
verleihen als die Hierarchieregel nach Pittner (1991). Ferner werden die
Ergebnisse psycholinguistischer Experimente Schlesewskys (1996) zu attributiv
gebrauchten Relativsätzen auf freie Relativsätze übertragen. Diese Ansätze helfen
dabei, freie Relativsätze nicht mehr als losgelöstes Phänomen zu betrachten,
sondern sie in bestehende Forschungsdiskurse einzubetten und auf diese Weise
weiterführende Erklärungsgrundlagen zu schaffen.

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2. Der Untersuchungsgegenstand – Freie Relativsätze

Der Ausdruck freier Relativsatz ist im Grunde genommen ein Widerspruch, denn
Relativsätze müssen per Definition auf etwas (meist vorangegangenes) Bezug
nehmen, i.d.R. eine NP. Die vorliegende Arbeit geht davon aus, dass es sich bei
freien Relativsätzen um solche handelt, bei denen dieses Bezugselement –
zumindest in der phonetischen Form (PF) – fehlt (s.u. Erklärungsansatz C)). Dies
ist die in der heutigen Forschung etablierte Strukturanalyse freier Relativsätze. Da
ihnen das Bezugselement fehlt, an das sie sich binden könnten, sind sie frei. Sie
stellen auf diese Weise selbst das Satzglied dar, für das sie eigentlich nur Attribut
sein sollten. Häufig werden diese Sätze auch etwas transparenter kopflose
Relativsätze genannt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass das Bezugselement
herkömmlicher, atributiv gebrauchter Relativsätze der Kopf einer Phrase ist. Ist
dieses Bezugselement nicht gegeben, ist der Relativsatz damit kopflos bezüglich
seiner Subordinationsposition (s. Erklärungsansatz C)).
Als Kasusmatch (= Kasusidentität, auch Kasusübereinstimmung,
Matching-Effekt, Matching-Regel oder Kasus/Case-Matching) bezeichnet man
solche Konstruktionen, in denen der vom Verb des freien Relativsatzes geforderte
Kasus und der des Matrixverbs übereinstimmen. Kasusmismatch (auch
Kasuskonflikt) nennt man entsprechend solche Konstruktionen, in denen
Matrixverb und das Verb des freien Relativsatzes zwei unterschiedliche Kasus
regieren1.
Es wurden in der Forschung drei größere Erklärungsansätze dazu
entwickelt, die syntaktische Struktur freier Relativsätze darzustellen (Erklärung
aus Pittner 1991: 346; Darstellung der Struktur anhand eines Beispielsatzes mit
Kasusidentität: J.M., in Anlehnung an Pittner 1996: 128):

A) Das Relativpronomen füllt die Position der Bezugs-NP im Matrixsatz. Die


satzeinleitende Position innerhalb des freien Relativsatzes bleibt leer. (Bresnan/Grimshaw 1978)

[[Regina besucht, [wenKomplement]] [[ø COMP] sie mag.]

B) Das Relativpronomen besetzt beide Positionen zugleich, da diese bei freien


Relativsätzen zusammenfallen. (Haider 1988a, 1988b)

[Regina besucht, [[wenKomplement/COMP]] sie mag]

1 Weiterführende Erklärungen und Diskussionen dazu in Kapitel 3.1.

6
C) Das Relativpronomen füllt die satzeinleitende Position im freien Relativsatz. Die Position
der Bezugs-NP im Matrixsatz bleibt leer. (Groos/van Riemsdijk 1981, Harbert 1983, Suñer 1984, Grosu 1988)

[Regina besucht [øKomplement]], [[wen COMP,] sie mag]]

Der Lösungsvorschlag A) verortet das Relativpronomen an der Komplementstelle


des Verbs des Matrixsatzes; die Position der nebensatzeinleitenden Konjunktion
des freien Relativsatzes bliebe damit leer. Demnach ergibt sich ein Matching
daraus, dass die Rektion des Matrixverb erfüllt werden muss (Pittner 1991: 346).
Diese Theorie stellt insofern ein Problem dar, dass es nach ihr ausschließlich freie
Relativsätze mit Kasusidentität geben dürfte2. Als zusätzliches Problem bleibt
vollkommen unklar, warum die COMP-Position unbesetzt bleiben sollte, wenn
potentiell ein Element dafür in Frage kommt. Auch die Bewegung des
Relativpronomens an die Komplementstelle des Matrixverbs ist eine ad-hoc-
Annahme (Bausewein 1991: 145).
Der Lösungsvorschlag B) scheint diesbezüglich theoretisch eher
nachvollziehbar, denn hier bliebe die Position für die nebensatzeinleitende
Konjunktion nicht unbesetzt. Auch die Komplementposition des Matrixverbs wird
gefüllt. Problematisch ist, dass es sich bei beiden Besetzungen um dasselbe
Element, das Relativpronomen, handelt. Man müsste davon ausgehen, dass es
auch bei diesem Lösungsansatz nur zu Konstruktionen mit Kasusidentität kommt
(Pittner 1991: 346). Kommt es dennoch zum Kasusmismatch sollte sich der
tiefere, stärker markierte Kasus durchsetzen, unabhängig davon, ob er sich im
Matrixsatz oder im freien Relativsatz befindet (Pittner 1991: 346). Es ist jedoch
so, dass ausschließlich (und nur unter bestimmten Bedingungen) der Kasus des
Matrixverbs unrealisiert bleiben kann, die Rektion des Verbs des freien
Relativsatzes aber immer realisiert werden muss.
Der Lösungsvorschlag C) ist die in dieser Arbeit angenommene Struktur
von Konstruktionen mit freien Relativsätzen. Dabei erfüllt das Relativpronomen
die COMP-Position und wird ausschließlich dem freien Relativsatz zugeordnet.
Die Komplementposition des Matrixsatzes bleibt dabei in der PF leer. Damit
verhält sich ein freier Relativsatz wie ein regulärer Relativsatz, mit dem
Unterschied, dass er keine Bezugs-NP hat. Nur eine Analyse, bei der das

2 Eine Alternative dazu stellt auch Kasusattraktion wie im modernen Griechisch oder im
Althochdeutschen dar.

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Relativpronomen ausschließlich dem freien Relativsatz zugeordnet wird, kann
erklären, warum es überhaupt Kasusmismatches gibt und warum im Falle eines
Kasusmismatches der Kasus des Matrixverbs, nicht jedoch der Kasus des Verbs,
des freien Relativsatzes unrealisiert bleiben kann3.
Entsprechend dieses Lösungsansatzes sind freie Relativsätze also im
Grunde genommen wie reguläre Relativsätze. Der offensichtliche, sich an der PF
zeigende, Unterschied scheint minimal. Folgendes Satzpaar veranschaulicht
diesen Unterschied (Eisenberg 2004: 323):
(1)
a. Monika bezahlt das, was Manfred ausgesucht hat.
b. Monika bezahlt, was Manfred ausgesucht hat.

In (1)a. ist was Manfred ausgesucht hat Attribut zu das, dem direkten Objekt von
bezahlt. In (1)b. fehlt das eigentliche, direkte Objekt und ist somit ein freier
Relativsatz. Er wird damit selbst zum direkten Objekt (Eisenberg 2004: 324). Das
bedeutet, dass seine Funktion innerhalb des Gesamtsatzes leicht verschoben
wurde, sich die Aussage jedoch nicht, ggf. nur minimal, änderte. Beide Sätze
besagen, dass es einen Gegenstand (ggf. mehrere Gegenstände in (1)b. ) gibt, den
Manfred sich aussuchte und Monika bezahlt. Mit anderen Worten, zunächst
scheinen sich reguläre und freie Relativsätze sehr ähnlich bis gleich zu verhalten
und nur einen minimalen Unterschied an der PF aufzuweisen.
Daher werden freie Relativsätze teilweise trotz des Fehlens der Bezugs-NP
wie reguläre Relativsätze behandelt und nur als eine Art „verkappte
Attributivsätze“ (Bausewein 1991: 144) verstanden. So formulieren Heidolph et
al. 1981: 831f.):
Sogenannte verallgemeinernde Relativsätze sind eigentlich restriktive Relativsätze zu
generellem, substantivisch verwendetem derjenige oder jeder. […] Unter bestimmten
Bedingungen kann das Pronomen eliminiert werden. […] Ein verallgemeinernder
Relativsatz ohne Bezugselement füllt zwar allein die Position eines Satzgliedes (z.B. des
Subjekts) aus, ist aber nur als Attributivsatz erklärbar.

Eisenberg (1986: 220) bezieht in seiner Definition bereits die Kasusidentität ein,
indem er festhält: „Dieser [freie Relativsatz; J.M.] ist 'eigentlich' noch immer
Attribut, denn das Bezugsnominal ist über die Bedingung der Kasusidentität latent
vorhanden“. Fraglich bleibt jedoch, warum freie Relativsätze in ihren

3 Eine Erweiterung dieses Ansatzes bieten Harbert (1983) und Suñer (1984), indem sie an der
leeren Komplementstelle des Matrixverbs pro verorten (für eine ausführliche Diskussion s.
Bausewein 1991)

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Konstruktionsmöglichkeiten viel eingeschränkter sind als reguläre, attributiv
verwendete Relativsätze. Es lässt sich festhalten, dass sie nicht grundverschiedene
Konstruktionen darstellen, man sie aber auch nicht wie ein und dieselbe
Konstruktion behandeln kann.
Dies kommt auch in einem weiteren Problem mit freien Relativsätzen zum
Ausdruck. Aufgrund dessen, dass ihnen die Bezugselemente im Hauptsatz fehlen,
können sie leicht als indirekte Fragesätze analysiert werden. Beide Satztypen sind
in ihrer Form gleich und teilen sich eine Konstituentenstruktur (Eisenberg 2004:
324). Rein syntaktisch sind sie nicht voneinander zu unterscheiden. Somit ist die
Unterscheidung deutlich diffiziler als bei attributiv gebrauchten Relativsätzen,
weil sie sich nicht so offenbar zeigt. Dies ist nicht verwunderlich, folgt man
Zakariás (2010: 205) Annahme, dass „sich das Relativpronomen aus dem
Indefinit- bzw. Fragepronomen [entwickelte]“. Sowohl indirekte Fragesätze als
auch freie Relativsätze werden durch w-Elemente, ggf. auch d-Elemente,
eingeleitet (Bausewein 1991: 144) und ähneln sich bezüglich ihrer Struktur stark.
Teilweise können für einen einzigen Satz sogar beide Lesarten angenommen
werden. Einige Verben begünstigen dies, da sie sowohl freie Relativsätze als auch
indirekte Fragesätze an ihrer Objektposition zulassen. Eisenberg (2004: 323/24)
führt dieses Problem an und zeigt, dass nur geringe Veränderungen im
sprachlichen Material einen großen Unterschied in der Interpretation der
Nebensätze als freie Relativsätze oder eben indirekte Fragesätze haben kann:
(2)
a. Monika bezahlt, was Manfred ausgesucht hat.
b. Monika vergisst, was Manfred ausgesucht hat.

Bei (2)a. handelt es sich um einen freien Relativsatz. Beispielsatz (2)b. ist nicht so
eindeutig zu interpretieren. Es kann sich ebenfalls um einen freien Relativsatz
handeln, nämlich genau dann, wenn es einen Gegenstand gibt, z.B. einen Mantel,
gemäß Eisenbergs Ausführungen, den Manfred sich aussuchte. Monika vergisst
nun den Mantel an sich, um den es sich handelt. In der Lesart eines freien
Relativsatzes, vergisst Monika, was Manfred sich ausgesucht hat, ob es eine Hose,
ein Hemd, ein Paar Schuhe oder eben ein Mantel war. Das Verb bezahlen lässt im
Gegensatz zu vergessen gar nicht zu, einen indirekten Fragesatz zu
subklassifizieren (Eisenberg 2004: 324). Das Verb vergessen kann sowohl freie
Relativsätze als auch indirekte Fragesätze subklassifizieren. Daher ist es

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unmöglich im Beispiel (2)b. zu entscheiden, um welchen Satztyp es sich handelt.
Diese Feststellung macht deutlich, dass es nicht ausreicht, den eigentlich
fraglichen Nebensatz genauer zu untersuchen und anhand dessen seine Funktion
zu bestimmen; vielmehr ist es notwendig auch das Matrixverb zu analysieren, um
festzustellen, ob es sich bei dem Nebensatz um einen freien Relativsatz oder einen
indirekten Fragesatz handelt, oder ob diese Entscheidung nicht getroffen werden
kann.
Bereits Zifonun et al. (1997) führen das Problem der Unterscheidung
beider Satztypen an (Beispiel sowie Interpretationsvarianten aus Zifonun et al.
1997: 2268):

(3) Was du gesagt hast, ist unklar.

Interpretation A: Die Dinge, die du geäußert hast, sind unklar.


[referentieller Gebrauch]
Interpretation B: Es ist unklar, welche Dinge du gesagt hast.
[essentieller Gebrauch]

Der Nebensatz was du gesagt hast kann aufgrund seiner Struktur sowohl als freier
Relativsatz (Interpretation A), als auch als indirekter Fragesatz (Interpretation B)
verstanden werden. Die abweichenden Interpretationen von (3) ergeben sich
daraus, ob es sich um einen essentiellen oder einen referentiellen Gebrauch
handelt (Zifonun et al. 1997: 2266): „Der Unterschied besteht darin, daß […]
beim Gebrauch als 'Relativsatz', ein referentieller Gebrauch vorliegt“, während in
indirekten Fragesätzen auf nichts referentiell verwiesen wird und eher eine
essentielle Lesart vorliegt (Zifonun et al. 1997: 2267).
Damit einhergehend führen sie an, dass indirekte Fragesätze häufig eine
„propositionale Zusatzinterpretation“ (Zifonun et al. 1997: 2268) aufweisen, die
mithilfe von „Prädikatsausdrücken wie wissen, umstritten sein“ (Zifonun et al.
1997: 2268) motiviert werden und nur einen essentiellen Gebrauch zulassen
(somit genau das Gegenteil von z.B. bezahlen darstellen und eher einhergehend
mit vergessen). Aus der Beobachtung über die unterschiedlichen Lesarten der
beiden Satztypen leiten sie eine allgemeinere Richtlinie ab, die den essentiellen
bzw. referentiellen Gebrauch beinhaltet jedoch eine allgemeinere Aussage trifft
(Zifonun et al. 1997: 2269):

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Bei den mit W-Elementen eingeleiteten Nebensätzen unterscheiden wir
GEGENSTANDSFUNDIERTE und PROPOSITIONSFUNDIERTE W-SÄTZE.
Die propositionsfundierten Sätze werden essentiell gebraucht, die gegenstandsfundierten
werden wie andere Termausdrücke abhängig vom jeweiligen Kontext essentiell und
referentiell gebraucht. Propositionsfundierte w-Sätze erscheinen an Argumentstellen, die
für propositionale Gegenstände vorgesehen sind, mit ihnen werden diejenigen
Gegenstände oder Aspekte entworfen, die – unter der Voraussetzung des einschlägigen
Sachverhaltentwurfes – an diesem Sachverhaltsentwurf speziell von Interesse sind.

Mit anderen Worten, propositionsfundierte w-Sätze haben einen essentiellen


Gebrauch, freie Relativsätze je nach Verb einen essentiellen oder referentiellen
Gebrauch. Es gilt also zu unterscheiden, ob es sich bei den Nebensätzen um
gegenstands- oder propositionsfundierte W-Sätze handelt. Daraus leiten sich
einige Unterschiede ab, die im folgenden Abschnitt beleuchtet werden.
Es ergibt sich beispielsweise, dass indirekte Fragesätze frei an den
Matrixsatz gebunden sind, wohingegen freie Relativsätze zumindest syntaktisch
strengeren Regeln unterworfen sind. Indirekte Fragesätze sind in ihrer
syntaktischen Funktion frei und müssen sich nicht der syntaktischen Rektion des
Matrixverbs unterordnen. Daher kann der indirekte Fragesatz sowohl (Neben)Satz
((4)a.), Adverbial ((4)b.) als auch Nomenmodifikator ((4)c.) sein (Zifonun et al.
1997: 2270; Beispiele ebenfalls aus ebd.):
(4)
a. Er las, was Hans nun vorhat.
b. Er las, wie/wo/wann Hans den Verbrecher hereinlegte.
c. Er las, wessen Brief das war.

Freie Relativsätze hingegen sind syntaktischer Identität unterworfen. Das


bedeutet, dass sie als gesamter Nebensatz die Rektion des Matrixverbs beachten
müssen. Bei Relativsätzen übernimmt i.d.R. „das Relativpronomen Genus und
Numerus von Kern der Nominalgruppe“ (Eisenberg 2004: 327), selbst wenn diese
Nominalgruppe still ist wie in freien Relativsätzen (Eisenberg 2004: 327). Die
logisch sinnvollste Variante ist es so exakt den gleichen Kasus aufzuweisen wie
vom Matrixverb gefordert (= Kasusidentität). Diesem Schema müssen einige
Sprachen genau entsprechen. Davon abweichende Fälle kommen im Deutschen
und in anderen Sprachen jedoch ebenfalls vor (Kasusmismatch; s. Kaputeil 3.1).
Aus der Freiheit oder Eingeschränktheit der syntaktischen Funktion ergibt
sich ein weiterer Unterschied. Indirekte Fragesätze dürfen nicht im Mittelfeld
stehen, freie Relativsätze dürfen dies. Dies ist Konsequenz aus der engeren

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Bindung zwischen freien Relativsatz und Matrixsatz (Beispiele aus Zifonun et al.
1997: 2270 bzw. 2275, s. außerdem Eisenberg 2004: 326)
(5)
a. *Er hat, was Hans nun vorhat, gelesen.
b. Er hat, was Hans ihm mitgebracht hat, sofort aufgegessen.

Der Satz (5)a. ist ungrammatisch, der Satz (5)b. ist grammatisch. Da was Hans
nun vorhat nicht gegenstandsfundiert ist, sondern propositionsfundiert, sich also
auf nichts konkretes bezieht, ist eine Besetzung im Mittelfeld nicht möglich. In
(5)b. ist die Besetzung des Mittelfeldes durch diesen w-Satz deswegen möglichen,
weil er eben gegenstandsfundiert ist und sich im Grunde auf die leere Bezugs-NP
bezieht (auf den Gegenstand, den Hans ihm mitbrachte), an die er nahtlos
anschließt. Eisenberg formuliert es so, „daß Relativsätze bei ihren Bezugsnominal
und insbesondere auch im Mittelfeld stehen können, [selbst] wenn das
Bezugsnominal fehlt“ (Eisenberg 2004: 326). Mit anderen Worten, da der
gegenstandsfundierte w-Satz sich auf etwas Bestimmtes bezieht (z.B. Er hat das
Kuchenstück, das/was Hans ihm mitgebracht hat, sofort aufgegessen), kann er im
Mittelfeld im direkten Anschluss an seine (wenn auch nicht vorhandene) Bezugs-
NP platziert werden.
Ein weiterer Unterschied ergibt sich hinsichtlich des möglichen
Bezugselements. Indirekte Fragesätze können, freie Relativsätze müssen per
Definition, ohne Korrelat auftreten. Setzt man es dennoch ein, ergibt sich ein für
beide Satztypen ein unterschiedliches Bild. In indirekten Fragesätzen (6) ist keine
analytische Form von Deixis und Präpositionaladverbium möglich, in freien
Relativsätzen (7) ist dies möglich (Zifonun et al. 1997: 2270 bzw. 2276):
(6)
a. Die Entscheidung hängt davon ab, wer den längeren Atem hat.
b. *Die Entscheidung hängt von dem ab, wer den längeren Atem hat.
(7)
Die Entscheidung hängt von dem ab, was du eben gesagt hast.

Mit der analytischen Form wird ausgerückt, dass es sich um etwas Bestimmtes,
Gegenständliches handelt, worauf es sich bezieht, nicht um eine Proposition. Aus
diesem Grund ist sie in der Verwendung in Verbindung mit einem freien
Relativsatz jedoch nicht in Verbindung mit einem indirekten Fragesatz möglich.
Ferner sind mehrere w-Elemente in indirekten Fragesätzen (8)a. möglich,

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in freien Relativsätzen (8)b. hingegen nicht (Zifonun et al. 1997: 2270 bzw. 2276):
(8)
a. Sie packt heimlich ihre Sachen zusammen, versieht sie mit kleinen
Zettelchen und schreibt darauf, wer was nach ihrem Tod bekommen soll.
b. *Was diese Person wann wo gesagt hat, ist unerfreulich.

Eine weiterer Unterschied besteht in der Argumentstelle, die die


unterschiedlichen Satztypen besetzen können. So sind für indirekte Fragesätze
ausschließlich propositionale Argumentstellen vorgesehen, für freie Relativsätze
gibt es eine derartige Beschränkung nicht. Der Grund besteht, darin, dass bei
freien Relativsätzen kein (Neben)Satz, sondern ein w-Element selegiert wird
(Zifonun et al 1997: 2276). Außerdem kommen in freien Relativsätzen die
w-Elemente welch- und was für ein nicht vor (Zifonun et al. 1997: 2276).
Ein zusätzlicher Test, um zu prüfen, ob Verben indirekte Fragesätze
und/oder freie Relativsätze subklassifizieren, ist der Anschluss mit dass oder ob
an den Matrixsatz (Zifonun et al. 1997: 2271 bzw. Eisenberg 2004: 327). Bei
Verben, die freie Relativsätze subklassifizieren, ist so ein Anschluss möglich.
Häufig kann oder muss dabei auch es eingefügt werden4 (Beispiele der indirekten
Fragesätze aus Eisenberg 2004: 327):
(9)
a. Sie hat es gewußt, daß du umziehst
b. Sie hat es gewußt, ob du umziehst.

Das Beispiel zeigt, dass das Verb wissen indirekte Fragesätze und freie
Relativsätze subklassifiziert. Besonders durch den Einschub von es wird deutlich,
dass auf die gesamte Proposition des Nebensatzes Bezug genommen wird und
keine gegenstandsfundierte Lesart gegeben ist.
Ferner führt Pittner (Bausewein5 1991: 144) ein weiteres Kriterium zur
Unterscheidung an: „so können in abhängigen w-Fragesätzen [...] Modalpartikeln
stehen, während dies in kopflosen Relativsätzen kaum möglich ist“. Ähnliches
führt auch Zakariás (2010) mit der Partikel denn an und erläutert, dass „[w]enn
die fragliche Konstruktion als indirekter Fragesatz verstanden wird, ist dies [die
Verwendung von denn; J.M.] berechtigt, da eine Bezugsgröße in diesem Fall nicht
vorausgesetzt wird, hier geht es zunächst um eine Informationslücke, also um eine

4 Der Einschub von es ist allerdings nicht bei jedem Verb möglich (z.B. * Er hat es gefragt, ob...)
5 Bei Bausewein und Pittner handelt es sich um die gleiche Person.

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Frage“ (Zakariás 2010: 200), bei freien Relativsätzen ist dies nicht möglich, da sie
auf eine Bezugsgröße referieren.
Es gibt demnach einige Kriterien und Tests, um indirekte Fragesätze und
freie Relativsätze voneinander zu unterscheiden 6. Dennoch sind diese nicht immer
eindeutig und ggf. ist eine Entscheidung unmöglich.

3. Kasusmismatches in freien Relativsätzen -


Der Erklärungsansatz nach Pittner
3.1. Die Hierarchieregel nach Pittner
Um die Rektion des Matrixverbs zu realisieren, müssten freie Relativsätze den
regierten Kasus tragen, denn sie erfüllen selbst die syntaktische Funktion des
eigentlichen Bezugselements. Kommen sie dieser Annahme nach, so spricht man
von Kasusidentität (auch Kasusübereinstimmung oder Kasusmatch; von Pittner
wird Kasusidentität teilweise Übereinstimmungregel genannt):
(10)
a. Lena besucht, wen sie mag.
b. Ramona hilft, wem sie vertraut.

In Beispiel (10)a. regiert das Verb (besuchen) den Akkusativ. Auch das Verb des
freien Relativsatzes (mögen) regiert den Akkusativ, der im Relativpronomen (wen)
realisiert wird. Damit passt es genau in den Rektionsrahmen, den die eigentliche
Bezugs-NP hätte einnehmen sollen. Ebenso verhält es sich in Beispiel (10)b.; auch
hier passen die Rektion des Matrixverbs und die des freien Relativsatzes,in
diesem Fall der Dativ, zusammen. Mit anderen Worten, in beiden Teilsätzen wird
der gleiche Kasus regiert; die Kasus sind identisch (= Kasusidentität). Diese
Konstruktion stellt kein Problem dar.
Von einem Kasusmismatch (auch Kasuskonflikt) spricht man, wenn das
Verb des Matrixsatzes und das des freien Relativsatzes unterschiedliche Kasus
6 Pittner (2003) zeigt außerdem die Abgrenzung zu Irrelevanzkonditionalsätzen auf. Diese sind
i.d.R. Deutlich leichter von freien Relativsätzen abzugrenzen als indirekte Fragesätze. Sie sind
häufig Parenthesen, stehen im Vor-Vorfeld und lassen sich durch Zusätze wie auch oder immer
bzw. Paraphrasierungen mit gleichgültig, ob /w-... erkennen (Pittner 2003: 198). Für weitere
Details s. Pittner (2003: 198-199).

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regieren:
(11)7
a. Lena besucht, wem sie vertraut.
b. Ramona hilft, wen sie mag.

Im Beispielsatz (11)a. gibt es einen Kasusmismatch zwischen Akkusativ


(besuchen) im Matrixsatz und Dativ (vertrauen) im freien Relativsatz. In Satz
(11)b. gibt es ebenfalls einen Kasusmismatch, wieder zwischen Akkusativ und
Dativ, wobei dieses mal der Dativ (helfen) im Matrixsatz der Akkusativ (mögen)
im freien Relativsatz vertreten ist. Somit erfüllt in keinem der beiden Fälle das
Relativpronomen genau die Rektionsansprüche des Matrixverbs.
Nun verhalten sich freie Relativsätze verschiedener Sprachen
unterschiedlich voneinander. So gibt es Sprachen, die einen Kasusmismatch gar
nicht zulassen, solche, die ihn zulassen und solche, bei denen es zu einer
sogenannten Kasusattraktion kommt. Bei der Kasusattraktion wird der Kasus des
Matrixverbs auf das Relativpronomen übertragen, unabhängig von der Rektion
des Verbs im Relativsatz. So ist in Sprache wie Griechisch, Rumänisch, Gotisch
und Isländisch ein Beispiel wie folgendes möglich (Vogel & Frisch 2003: 93):

(12) *Ich vertraue, wem ich einlade.

Im Deutschen gibt es diese Form der Kasusattraktion des Relativpronomens hin


zum Matrixverb nicht. Der Kasuskonflikt zwischen dem dativregierenden
Martixverb und dem akkusativregierenden Verb des freien Relativsatzes in (12)
könnte so nicht gelöst werden. In früheren Sprachstufen des Deutschen, im
Althochdeutschen und Mittelhochdeutschen, gab es die Kasusattraktion und das
Relativpronomen konnte allgemein sogar weggelassen werden (Pittner 1996:
120). Beides ist im Neuhochdeutschen nicht mehr möglich. Das Relativpronomen
kann nicht weggelassen werden und muss in jedem Fall den Kasus des Verbs des
Relativsatzes tragen (Pittner 1996: 120, s. Regel B).
Ein typisches Beispiel für Sprachen, die gar keinen Kasuskonflikt zulassen
ist das Englische (Bausewein 1991: 150, s. auch Bresnan & Grimshaw 1978).
7 Auf eine grammatische Bewertung mithilfe eines Asterisks wird an dieser Stelle verzichtet.
Dies hat zwei Gründe. Erstens wird im Folgenden die von Pittner angenommene Regel
vorgestellt und anhand ihrer Beispiele mit ihren grammatischen Bewertungen nachvollzogen.
Zweitens sind Sätze, ähnlich wie die gegebenen Untersuchungsgegenstand des hier
durchgeführten Experimentes, sodass im Voraus hier keine Bewertung der Sätze gegeben ist.

15
Eingangs wurde auch das Deutsche unter diesen Typ subsummiert, weil
Kasusmismatches nicht vollkommen frei möglich sind. Dass sie dennoch, wenn
auch nur unter bestimmten Regeln, möglich sind, ist Pittners These.
Wie bereits gezeigt kann nur Lösungsansatz C) (s. Kapitel 2) erklären, dass
es überhaupt zu Kasusmismatches kommt. Nach diesem Lösungsansatz gehört das
Relativpronomen allein in den Nebensatz und nimmt keine Zwischenstellung
zwischen Matrix- und Nebensatz ein oder wird gar vollkommen dem Matrixsatz
zugeordnet. Nur diese Lösung kann erklären, dass es Kasusmismatches gibt und
dass der Kasus des Relativpronomens auf jeden Fall realisiert werden muss.
Sprachspezifisch ist damit nur noch, ob der Kasus Relativpronomen die Rektion
des Verbs des Matrixsatzes gleich sein müssen (= Kasusidentität) oder ob es zu
Abweichungen kommen kann (= Kasusmismatch). Lange glaubte man, dass es
nur Sprachen gibt, die ausschließlich Kasusidentität zulassen, oder solche, die
Kasusmismatches uneingeschränkt zulassen (Vogel 2001: 346), sodass teilweise
von einer Parametrisierung des Matchings ausgegangen wurde. Neben anderen
Sprachen erlaubt auch das Deutsche Kasusmismatches nicht allgemein, verbietet
sie jedoch auch nicht strikt. Das Deutsche bewegt sich also zwischen den
vorgeschlagenen Parameteroptionen; auch Kasusattraktion ist ausgeschlossen.
Pittner (1991: 341) führt zum Kasusmismatch im Deutschen mehrere
Belege an, die einen Kasuskonflikt aufweisen, jedoch in dieser Form in
Zeitschriften, Romanen u.ä. vorkamen8:
(13)
a. AKK statt NOM:
Wen es zum Lehrerberuf hinzieht, bevorzugt eher die geisteswissenschaftlichen
und philologischen Fächer. (ZEIT 41/89, 87).

b. DAT statt NOM:


Punkte machte, wem es gelang, auf dem Spielstock den Ball durch das
gegnerische Tor zu balancieren. (Zeit-Magazin 44/89, 27)

c. DAT statt AKK


Sie lädt ein, wem sie zu Dank verpflichtet ist.9

Kasusmismatches sind im Deutschen offenbar unter bestimmten Bedingungen

8 Hier eine Auswahl der Belege. Es handelt sich lediglich um Belege für Nominativ, Akkusativ
und Dativ, da sich das anschließende Experiment ausschließlich auf diese Kasus stützt;
Präpositionalkasus und Genitive wurden in der vorliegenden Arbeit nicht untersucht.
9 Es ist keine Quelle gegeben; daher ist unklar, ob es sich um einen authentischen Beleg oder
ein konstruiertes und als grammatisch empfundenes Beispiel handelt.

16
möglich. Dass freie Relativsätze jedoch insgesamt eingeschränkter sind als
reguläre Relativsätze und indirekte Fragesätze, konnte bereits in Kapitel 2 gezeigt
werden. Oberflächlich gibt es geringe bis gar keine Unterschiede; nur die
Interpretationen weichen ggf. voneinander ab.
Pittner schließt aus ihren Belegen, dass das Deutsche Kasusmismatches
nicht allgemein verbietet, sondern dass grammatischen Kasusmismatches eine
bestimmte Regel zugrunde liegt. Sie sieht die Kasushierarchie als entscheidende
Bedingung und führt ausgehend von ihren Belegen folgende Regel an (Pittner
2003: 194; in ähnlicher Form auch 1991: 342, item Pittner 1995: 195/196):

Bei einem Kasuskonflikt zwischen dem vom Matrixverb geforderten Kasus Kl und dem
vom Verb im freien Relativsatz geforderten Kasus K2 kann Kl unrealisiert bleiben, wenn
Kl K2 auf folgender Hierarchie vorangeht:
(KH) Nominativ > Akkusativ > Dativ > Präpositionalkasus10.

Anders ausgedrückt sind Kasusmismatches im Deutschen dann grammatisch,


wenn im Relativsatz ein stärker markierter Kasus gegeben ist, als im Matrixsatz11.
Pittner betrachtet die Kasushierarchie als Hierarchie morphologischer
Markiertheit. Der Nominativ ist morphologisch unmarkiert. Der Akkusativ ist
morphologisch markierter als der Nominativ, jedoch weniger markiert als der
Dativ. Dieser (gefolgt von den Präpositionalkasus, die in dieser Arbeit
ausgeklammert bleiben) ist entsprechend dieser Hierarchie der am stärksten
markierte Kasus12. Sie führt hierzu das Beispiel der Nominalflexion an, bei der es
„nur 3 Formen [gibt], die den Gegensatz NOM:AKK sichtbar machen, dagegen 4
distinktive Formen für den Gegensatz NOM:DAT und 7 distinktive Formen für
den Gegensatz NOM:GEN“ (Pittner 1991: 343/44, s. auch Mugdan 1977: 68).
Begründet ist dies damit, „daß eine größere Notwendigkeit besteht, auf der
Hierarchie tief rangierende Kasus eindeutig zu kennzeichnen als solche, die auf
der Hierarchie weit oben rangieren wie NOM und AKK“ (Pittner 1991: 344).
Diese Regel ist für Pittner Mittelpunkt des Erklärungsansatzes, warum es im

10 Erst in späteren Arbeiten verortet Pittner den Präpositionalkasus in der Hierarchieregel tiefer
als den Dativ (Pittner 2003: 194). Zunächst war er von dem Dativ durch einen Schrägstrich
getrennt, was vermutlich für eine Gleichordnung spreche sollte (dies wurde in der
Hierarchieregel nicht explizit erwähnt).
11 An dieser Stelle soll vermutlich von einer „genau dann, wenn“-Lesart ausgegangen werden.
Spätere Argumentationen und Studien Pittners legen dies nahe. Explizit zeigt sich diese
Annahme innerhalb der Hierarchieregel zu keinem Zeitpunkt.
12 Zum Genitiv äußert sich Pittner nicht; Zifonun et al. (1997:2275) übernehmen für
Kasusmismatches bei freien Relativsätzen diese Regel, inkludieren jedoch den Genitiv, wenn
auch mit einem eingeklammerten Fragezeichen versehen.

17
Deutschen entgegen vorangegangener Annahmen zu grammatischen
Kasusmismatches kommen kann. Leirbukt (1995) hingegen macht durch eine
Vielzahl an Belegen deutlich, dass diese Regel zumindest nicht als absolute und
einzige Regel fungieren kann.
Entgegen der angenommenen Regel, dass Nominative des Matrixsatzes
unrealisiert bleiben können, ein vom Matrixsatz geforderter Akkusativ jedoch
nicht durch einen Nominativ ersetzt werden kann, führt er einige Beispiele an
(Leirbukt 1995: 154):
(14) NOM statt AKK

a. Ab 1966 vollendeten die Rotgardisten das Werk, indem sie vertrieben


und töteten, wer Widerstand leistete. (Der Spiegel 10.11.1980:201)
b. Als Entwicklungshelfer können wir nun vermitteln, wer einen der
„draußen“ gesuchten Berufe hat […]. (Der Spiegel 14.3.1983:37)

Ferner zeigt er ein Beispiel von Paul (1958: 202) auf, bei dem sogar ein
geforderter Dativ unrealisiert bleibt und der Relativsatz nur einen Nominativ
bietet:
(15) NOM statt DAT
Trotz sei geboten, wer von hier mich trennt. (Grillparzer-Beispiel bei Blatz
1896: 867)

Leirbukt räumt ein, dass es sich zumindest bei dem letzten Beispiel um eine recht
altertümliche Konstruktion handelt, sieht seine These, dass es sich bei Pittners
Hierarchieregel keinesfalls um eine strikte Regel handelt, die alle grammatischen
Kasusmismatches fassen kann, aber dennoch als bestätigt. Besonders interessant
ist es, dass er bis auch das letzte, altertümlich wirkende Beispiel, nur Belege
aufführt, in denen der Akkusativ durch einen Nominativ ersetzt wird. Anfängliche
Überlegungen Pittners befassten sich ebenfalls damit, den Nominativ
möglicherweise aus der Hierarchieregel auszugrenzen13.
Anhand der gefundenen Belege führt Leirbukt zwei große Faktoren an, die
neben oder gar anstatt der Hierarchieregel fungieren können. Der erste
Einflussfaktor ist die Stellung. Offenbar kann die Stellung des Relativsatzes einen
Einfluss auf die Grammatikalität der Konstruktion haben (Leirbukt 1995: 158).
Auch Pittner (1995: 198, s. auch Bausewein 1990: 179 sowie Zifonun et al. 1997:

13 Weitere Einzelheiten und Überlegungen dazu in Kapitel 3.2., 5 und 6.

18
2272) führt an, dass es neben der Hierarchieregel diesen weiteren, systematischen
Faktor gibt, der die Grammatikalität von freien Relativsätzen beeinflusst. Befindet
sich der freie Relativsatz extraponiert im Nachfeld, ist der syntaktische Rahmen
durch den Matrixsatz komplett gesetzt. Aus syntaktischer Sicht ist es so eindeutig,
welche Argumentposition der freie Relativsatz füllen soll. Abweichende Kasus der
Relativpronomen sind dann für das Verständnis und die Verarbeitung der
gesamten Äußerung weniger auffällig und werden eher akzeptiert als in
vorangestellten freien Relativsätzen. Bei freien Relativsätzen in Voranstellung ist
nicht eindeutig, welche Satzgliedfunktion sie einnehmen sollen. Diese Tatsache
soll sich laut Pittner (1995: 199) begünstigend auf im Nachfeld verortete freie
Relativsätze mit Kasusmismatch auswirken. Zunächst bezieht sich diese Regel
offenbar ausschließlich auf hierarchiekonforme (= der Hierarchieregel
entsprechende) Kasusmismatches (z.B. besucht, wem). Als Erklärung für
Leirbukts Belege, in denen ein Nominativ statt eines Akkusativs realisiert wurde,
erweitert sie diese Regel auch auf hierarchieverletzende (= der Hierarchieregel
widersprechende) Kasusmismatches (z.B. hilft, wen; Pittner 1995: 199):
Extraposition muß als ein zusätzlicher Faktor gesehen werden, der die Bildung
von nichtübereinstimmenden und der Hierarchieregel nicht genügenden freien
Relativsätzen begünstigt. Bestimmte Beispiele, die sich an der Grenze des
Akzeptablen bewegen, werden dann eher akzeptiert, wenn der Relativsatz im
Nachfeld steht.

Weiter begründet sie Leirbukts Belege, die fast ausschließlich Nominativ/


Akkusativ-Konstruktionen aufweisen, damit, dass zwischen diesen beiden Kasus
„der Kasuskontrast ohnehin nicht stark ausgeprägt ist“ (Pittner 1995: 199). Ferner
heißt es (Pittner 1995: 197):
Wenn die Kasushierarchie eine Hierarchie morphologischer Markiertheit ist und
sich die Markiertheit eines Kasus an der Zahl vom Nominativ distinktiver Formen messen
läßt, dann ist klar, daß der Unterschied zwischen NOM und AKK minimal ist, da es im
Paradigma der Relativpronomen genau jeweils eine distinktive AKK-Form gibt.

Die überwiegende Anzahl Leirbukts (1995) Belege, erklärt Pittner somit durch
den geringen morphologischen Unterschied zwischen den beiden und der Wirkung
der Stellung der freien Relativsätze im Nachfeld.
Der zweite Einflussfaktor ist die Entfernung der nicht passenden Kasus
zueinander. Mit zunehmendem, sprachlichen Material kann der Fokus von dem
Kasusmismatch gelenkt werden, sodass dieser möglicherweise weniger auffällt
und auch solche Konstruktionen, die der Hierarchieregel widersprechen, als

19
grammatisch wahrgenommen werden (Leirbukt 1995: 161, Pittner 1995: 198).
Hierzu führt Leirbukt (1995: 161) folgendes Beispiel an:
(16)
a. Sagen Sie das bitte Frau Schwarzkopf, Herrn Müller, Herrn Schmidt und
wen Sie sonst noch treffen.
b. *Sagen Sie das bitte, wen Sie sonst noch treffen.

In (16)a. befindet sich recht viel sprachliches Material zwischen den Verben sagen
und treffen, sodass der Kasusmismatch zwischen Dativ (sagen) und Akkusativ
(treffen) weniger auffällt. Diese Verben bzw. das dativregierende Verb und das
Relativpronomen im Akkusativ stehen weit genug entfernt, dass der
hierarchieverletzende Kasusmismatch nicht stark ins Gewicht fällt. Lässt man, wie
in (16)b., dieses ablenkende, sprachliche Material weg, ist der
hierarchieverletzende Kasusmismatch sofort offensichtlich.
Pittners Ansicht nach stellen diese Beobachtungen keinerlei Schwierigkeit
oder Einschränkung ihrer Hierarchieregel dar. Es handelt sich vielmehr um
zusätzliche Faktoren, die einen Einfluss haben können und die Hierarchieregel,
die sie eher als sehr starke Tendenz auffasst (Pittner 2003: 207), leicht
modifizieren oder die ggf. gegeneinander abgewägt werden müssen (Pittner 1995:
199). Der Einflussfaktor Stellung fügt eine syntaktische Ebene hinzu, die einen
Kasusmismatch möglicherweise akzeptabler macht, weil er durch einen anderen
syntaktischen Faktor abgefangen wird. Die Entfernung der Verben voneinander,
vermutlich ein pragmatischer Faktor, dient der Ablenkung vom Kasusmismatch.
Beide Faktoren interagieren nach Pittner jedoch nur mit der Hierarchieregel und
setzen sie weder außer Kraft noch ersetzen sie sie (Pittner 1995: 198). Besonders
Leirbukts zweiter Einwand, das Hinzufügen sprachlichen Materials, um die
Entfernung der Verben verschiedener Rektionsparadigma von einander zu trennen,
ist empirisch recht schwierig nachweisbar. Um was für eine Entfernung handelt es
sich? Geht es hierbei um Silben, um Wörter, um Phrasen? Einen Einfluss kann
man diesem Faktor nicht absprechen, jedoch wird er von Leirbukt nicht weiter
konkretisiert oder definiert, sodass er nicht detailliert untersucht werden kann.
Eine weiteres Phänomen, das an dieser Stelle aus Gründen der
Vollständigkeit erwähnt werden soll, in der Studie dieser Arbeit jedoch nicht
aufgegriffen werden kann, ist Kasussynkretismus. Pittner führt an, dass es sich bei
den gegebenen Kasusformen des Relativpronomen nicht um den abstrakten,

20
sondern um den morphologischen Kasus handelt. Bei belebten Formen der
Relativpronomina (werNominativ, wenAkkusativ, wemDativ) gibt es für Nominativ,
Akkusativ und Dativ drei eindeutig voneinander unterscheidbare Formen. Anders
verhalten sich unbelebten Formen der Relativpronomina (wasNominativ, wasAkkusativ).
Daher sind eigentlich hierarchieverletzende Mismatches bei unbelebten
Relativpronomina möglich, bei belebten jedoch bei gleichen Rektionen nicht
(Pittner 1991: 1997; Beispiel (17)b leicht geändert) :
(17)
a. Er zerstört, was ihn behindert.
b. *Er zerstört, wer ihn behindert.

Bei (17)b. wird der herarchieverletzende Kasusmismatch aufgrund der diskreten


Kasusformen der einzelnen Kasus offensichtlich. Das Beispiel (17)a. hingegen ist
grammatisch, obwohl was statt des geforderten Akkusativs einen auf der
Kasushierarchie höher liegenden, und damit weniger stark markierten Kasus,
aufweist; den Nominativ. Das bedeutet, dass hier der gleiche Kasusmismatch
vorliegt wie in (17)b. Da anhand der Form jedoch keine genaue Zuordnung zu
einem Kasus getroffen werden kann, sprich, da Kasussynkretismus vorliegt, ist
der Beispielsatz (17)a. trotz der Verletzung der Hierarchieregel laut Pittner
grammatisch.
Insgesamt sieht Pittner die Hierarchieregel nicht als losgelöste Regel,
sondern führt einige von freien Relativsätzen unabhängige Aspekte
unterschiedlicher linguistischer Teilgebiete an, auf die die Kasushierarchie
Einfluss hat. So führt sie an, „daß nicht nur Kasus, sondern auch semantische
Rollen und grammatische Relationen hierarchisch geordnet sind“ (Pittner 1991:
344, s. Wunderlich 1985), die eng mit der der Kasushierarchie verbunden sind.
Ebenso spiegelt sich der Einfluss der Kasushierarchie in der Reflexivierung wider
(s. Primus 1987). Auch den diachronen Abbau von Kasus führt sie als Indiz für die
Kasushierarchie an. So werden stärker markierte Kasus eher abgebaut und durch
weniger stark markierte Kasus oder Konstruktionen, die solche enthalten, ersetzt
(Pittner 1991: 344). Ferner führt sie an, dass Spracherwerbsdaten ebenfalls die
Kasushierarchie stützen, denn Kinder erlernen die Kasus vom unmarkierten zum
stark markierten Kasus, entsprechend der Hierarchie (Pittner 1991: 344).

21
3.2. Empirische Untersuchungen
Bereits 1991 unternahm Pittner14 eine kleine Studie, um ein empirisches
Meinungsbild bezüglich ihrer Hierarchieregel einzuholen. Sie befragte 14
Probanden, um zu untersuchen, ob und wenn ja, welche Art der Kasusmismatches
im Deutschen akzeptabel sind bzw. welche Kasus eher unrealisert bleiben können
(Bausewein 1991: 153). Genaue Informationen zu Probanden, Design oder
Durchführung des Experiments sind nicht bekannt. Dennoch sind die Ergebnisse
interessant. Das Ergebnis bezüglich der Akkusative im Matrixsatz zeigt, dass sie
am ehesten unrealisert bleiben können. Allerdings ist zu beachten, dass es sich in
allen von Pittner aufgeführten Beispielen in diesem Zusammenhang um solche
handelt, in denen Kasussynkretimus (was), dativregierende Verben im freien
Relativsatz und um Präpositionalkasus handelt. Dies steht im Einklang mit der
Hierarchieregel bzw. der Prognosen bei Kasusformen, die Synkretismus
aufweisen. Ferner beobachtete sie, dass Dative im Matrixsatzes in weniger
Kontexten unrealisiert bleiben können. Kontexte, in denen das Relativpronomen
im Akkusativ statt Dativ stand, schnitten hierbei am schlechtesten ab (z.B. hilft,
wen). Auch das ist mit Sicht auf die Hierarchiegel nicht verwunderlich. Wird ein
Akkusativ statt eines Dativs verwendet, handelt es sich um einen
hierarchierverletzenden Kasusmatch (z.B. vertraut, wen). Diese sollten
entsprechend der Hierarchiegel als weniger akzeptabel bewertet werden als
hierarchiekonforme Kasusmismatches (z.B. besucht, wem). Bis hierhin zeigt sich
die Hierarchierregel als maßgeblicher Faktor und die Ergebnisse bestätigen die
Hierarchieregel.
Schlecht wurden Konstruktionen bewertet, in denen ein Prapositionalkasus
(sowohl Akkusativ als auch Dativ) statt eines Dativ realisiert wurde. Die in
diesem Zuge angeführten Testitems und Mitelwerte zeigen dies deutlich (s.u.).
Pittner hatte eine fünftstufige Skala (1-5), wobei mit abnehmender Akzeptabilität
die Zahl anstieg, ähnlich wie deutsche Schulnoten; der Mittelwert der
Bewertungen befindet sich in Klammern hinter dem jeweiligen Testitem
(Bausewein 1991: 154):
(18)
a. Er begegnete, mit wem er rechnete. (3,9)
b. Er begegnet, auf wen er gewartet hatte. (3,8)

14 Zu dem Zeitpunkt noch als Bausewein.

22
Das ist kein erwartetes Ergebnis. Zum damaligen Zeitpunkt verortete Pittner
Präpositionalkasus gleichstehend mit Dativen in der Hierachieregel (durch
Schrägstrich getrennt, der vermutlich, wenn auch nicht explizit ausgedrückt,
Gleichordnung anzeigen sollte). Dementsprechend sollten diese Testitems
eigentlich nicht so schlecht bewertet werden. Gravierender wird dieser Befund mit
den später durchgeführten Veränderungen der Hierarchieregel (s. Pittner 2003),
bei der die Präpositionalkasus unterhalb des Dativs verortet werden, also als
stärker markiert gelten. Ein Beispiel wie (18)a. sollte sich dann verhalten wie Er
besuchte, wem er mag. Erklärungsansätze zu diesem Befund sind nicht gegeben.
In den meisten Fällen der für diese Arbeit relevanten Konstruktionen
(Präpositionalkasus werden hier ohnehin nicht genauer betrachtet) wurden
hierarchiekonforme Kasusmismatches als akzeptabler bewertet als
hierarchieverletzende Kasusmismatches. Ein durchaus überraschender Befund in
dieser Studie war jedoch gegeben, der sich anhand der Hierarchieregel wieder
nicht klären lässt15: auch der Nominativ kann offenbar nicht einfach unrealisiert
bleiben. So haben die hierarchiekonforme Kasusmismatches, in denen ein im
Matrixsatz geforderter Nominativ nicht realisiert wurde, sondern durch einen
Akkusativ, einen Dativ oder eine PP ersetzt wurden ebenfalls recht schlechte
Ergebnisse erzielt (Bausewein 1991: 154):
(19)
a. Wem er geschrieben hatte, kam zu seinem Fest. (4,2)
b. Wen er erwartete, traf ein. (4,3)
c. Mit wem er rechnete, kam. (4,4)

Entsprechend der Hierarchieregel ist das nicht zu erwarten, da der Nominativ der
erste Kasus, demnach unmarkiert, ist und somit derjenige sein sollte, den man am
ehesten unrealisiert lassen kann. Dennoch sind die Bewertungen der Sätze (19)
unerwarteterweise sehr schlecht. Pittner interpretiert diesen Befund dahingehend,
dass der Nominativ möglicherweise aus der Hierarchieregel ausgeklammert
werden müsste (Bausewein 1991: 154): „Der Nominativ ist an dieser Hierarchie
nicht beteiligt, er muß realisiert werden“. Später verwirft sie diese Überlegung
offenbar und bleibt wie eingangs vorgesehen dabei, den Nominativ in der

15 Die unerwarteten Ergebnisse bezüglich der Präpositionalkasus könnten auch darauf hinweisen,
dass man sie womöglich nicht als vermeintlich homogene Gruppe in die Hierarchieregel
inkludieren sollte. Auch in der Kasushierarchie finden sie als Gruppe keinen Platz.

23
Hierarchieregel zu lassen16. Anders als Leirbukts Belege, die besonders
hierarchieverletzende Nominativ/Akkusativ-Kasusmismatches fokussierten und
sie als grammatisch auswiesen, zeigt sich der Nominativ hier allgemein als
problematischer Kasus in Verbindung mit dem Akkusativ, dem Dativ und den
Präüositionalkasus.
Ferner untersuchte Pittner in dieser Akzeptabilitätsstudie auch, welchen
Einfluss die Stellung auf die Akzeptabilität der Sätze hat. Ein leichter Effekt der
Stellung zeigte sich hierbei, denn diejenigen Sätze, in denen die freien
Relativsätze extraponiert auftraten, wurden laut Pittner etwas besser bewertet als
diejenigen, in denen der Relativsatz vorangestellt präsentiert wurde. Dies deckt
sich mit der Zusatzregel, dass freie Relativsätze im Nachfeld einen strukturell
klaren Rahmen haben und so für weniger Arbeitsaufwand sorgen als
vorangestellte.
Zusammenfassend lässt sich zu dieser Studie sagen, dass sie bereits einige
Tendenzen anzeigt17. Eine Tatsache sticht besonders hervor: Entgegen späterer
Thesen exkludiert Pittner hier den Nominativ aufgrund der Befunde von der für
Kasusmismatches geltenden Hierarchieregel und führt an, dass „[f]ür eine
Teilhierarchie Nom > Akk [...] lediglich [spricht], daß der Akkusativ nicht durch
den Nominativ ersetzt werden kann“ (Bausewein 1991: 154). Diese Studie bietet
interessante Einblicke zu Kasusmismatches in freien Relativsätzen. Sie ist jedoch
rein deskriptiv. Neben den Details zu einzelnen Types oder Items, dem
Experimentdesign (z.b. Fragebogen, Single-Item-Studie etc.), und Angaben zu
den Probanden (z.B. ob bei allen deutsch alleinige L1 war), fehlen auch
inferenzstatistische Analysen zur Signifikanz der Unterschiede zwischen der
Bewertung einzelner Testitems. Pittner bietet lediglich Mittelwerte für ihre
gewählten Belege und betrachtete die Unterschiede rein quantitativ, ohne durch
die Statistik eine zufällige Verteilung der erhobenen Daten auszuschließen.
Hinzukommend wären Vergleiche zwischen einzelnen Gruppen (der

16 Leider sind in der Studie keinerlei Testitems und die Mittelwerte ihrer Bewertungen aufgeführt,
bei denen ein Akkusativ durch einen Nominativ ersetzt wurde. Es wird lediglich ein Beispiel
(offenbar kein Testitem) als ungrammatisch gegeben: *Er lädt ein, wer ihm genehm ist. (aus
Bausewein 1991: 154). Aufschlussreich wäre es gewesen, den konkreten Vergleich zwischen
Konstruktionen in denen Akkusative statt Nominative im Vergleich zu Nominativen statt
Akkusativen zu sehen.
17 Auch wenn sich die Präpositionalkasus uneindeutig verhalten. Dies rückt an dieser Stelle in
den Hintergrund, da sie zwar Teil der Hierarchieregel sind, jedoch keinen Platz innerhalb des
Experiments der vorliegenden Arbeit finden.

24
Hierarchieregel entsprechende und widersprechende gleicher
Kasuskombinationen) wünschenswert gewesen. Auch die Anzahl der Probanden
scheint zu gering zu sein, um als aussagekräftige Studie zu fungieren. Zudem
fehlen Angaben dazu, ob es Fillersätze gab, welcher Art diese waren, wie viele
Testitems es pro Type gab und ob die Anzahl der Testitems pro Type gleich war,
ob überhaupt in Types eingeteilt wurde, ob es bezüglich der Stellung
Minimalpaare gab etc. Es bleibt unklar, ob es sich bei den von Pittner
vorgestellten Beispielen lediglich um Beispiele einer größeren Anzahl an Items
handelt oder die Beispiele die einzigen zur Bewertung vorgegebene Items der
Klasse waren. Auch die Darstellung der Mittelwerte ist uneindeutig. Handelt es
sich dabei um die Mittelwerte des gegebenen Items oder um den Mittelwert des
Types, dem dieses Item entstammt? Diese Akzeptabilitätsstudie ist demnach eher
als eine Art Untersuchung eines groben Meinungsbildes zu werten und kann keine
reliablen Aussagen treffen. Sie bietet jedoch Tendenzen und unterstreicht, dass es
sinnvoll ist, zusätzliche, empirische Untersuchungen anzustreben.
Eine weitere Studie schloss Pittner (2003) in Form einer Korpusstudie an.
Hierbei wurde erstmals die syntaktische Positionierung innerhalb des Satzes
systematisch aufgegliedert. In der vorliegenden Arbeit werden die
Linksversetzungen von den behandelten Kasusmismatches ausgeklammert, da es
sich bei diesem Phänomen wohl um eines handelt, das gesondert zu betrachten ist.
Pittners Studie zeigte, dass sich Linksversetzungen deutlich von anderen
untersuchten Gruppen unterscheiden. Außerdem beinhalten Linksversetzungen
eine Proform. Diese ist nicht mit dem eigentlichen Korrelat, das als
Bezugselement eines Relativsatzes dient, zu verwechseln. Der Relativsatz in
Linksversetzungen bleibt nach Pittner weiterhin frei, da es sich bei der Proform
nicht um „den Kern einer Attributkonstruktion“ (Pittner 1995: 198) handeln kann.
Dennoch scheinen diese Konstruktionen als gesondertes Phänomen zu betrachten
zu sein, welches in dieser Arbeit ausgeklammert werden muss 18. Das untersuchte
Korpus bestand aus drei Unterkorpora; Die Frankfurter Rundschau,
Philosophische Texte und Belletristik und Trivialliteratur. Insgesamt ist zu
erwähnen, dass Pittner lediglich einen Fall hierarchieverletzender
Kasusmismatches (Nominativ statt Akkusativ, z.B. lobt, wer19) gefunden hat
18 Für Details zu Linksversetzungen und den Ergebnissen dieser Konstruktion s. Pittner 2003:
200-207.
19 Pittner führt den hierarchieverletzenden Beleg nicht an.

25
(2003: 206), den sie ansonsten nicht weiter thematisierte und von weiteren
Untersuchungen ausschloss. Folglich beziehen sich die genannten Zahlen nur auf
hierarchiekonforme Kasusmismatches (z.B. besucht, wem).
In 36% der untersuchten Konstruktionen aus Die Frankfurter Rundschau
kamen Kasusmismatches (Pittner 2003: 201) vor. Damit handelt es sich mit
Abstand um das Korpus mit der höchsten Zahl an Kasusmismatches in dieser
Studie. In den beiden anderen untersuchten Korpora sind Kasusmismatches bei
Konstruktionen mit freien Relativsätzen deutlich niedriger; bei Philosophischen
Texten sind es nur 5,15% (Pittner 2003: 203), bei Belletristik und Trivialliteratur
8% (Pittner 2003: 205). Besonders auffällig ist, dass es große Unterschiede in der
Anzahl der Belege der Kasusmismatches bei verschiedenen Kasuskombinationen
gab. So stellen Kasusmismatches zwischen Dativ und Nominativ die eindeutig
größte Gruppe dar (72, 72%, 48 Belege), gefolgt von Akkusativ und Nominativ
(21,21%, 14 Belege), Dativ und Akkusativ (4,54%, 3 Belege) und dem einzigen
hierarchieverletzenden Mismatch Nominativ statt Akkusativ (1,51%, 1 Beleg).
Pittner interpretiert diese Ergebnisse lediglich dahingehend, dass sie ihre These
der grammatischen Kasusmismatches entsprechend der Kasushierarchie als
bestätigt ansieht, da es nur ein Gegenbeleg zur Hierarchieregel gab (2003: 207).
Es bleibt jedoch ungeklärt, warum es zu so großen Diskrepanzen zwischen den
einzelnen Kasuskombinationen kommt. Warum sind fast ¾ der Belege
Kombinationen von Dativ und Nominativ? Eine mögliche Erklärung ist hier, dass
Dative und Nominative aufgrund den ihnen zugehörigen semantischen Rollen
besser zusammenpassen als Nominativ und Akkusativ oder Akkusativ und Dativ.
Pittner untersucht die Verteilung der Belege hinsichtlich der Kasuskombinationen
nicht weiter, da dies nicht im Fokus ihrer Forschung stand.
Bezüglich der syntaktischen Positionierung der freien Relativsätze,
interpretiert Pittner die Ergebnisse als Tendenz. So stellte sie fest, dass es zwar
deutlich mehr freie Relativsätze im Vorfeld gab als im Mittel- oder Nachfeld, die
Kasusmismatches im Nachfeld aber in Relation zur Gesamtzahl des jeweiligen
Typs häufiger auftraten als im Vor- oder Mittelfeld (Nachfeld 42,3% der
Mismatches, Mittelfeld 6,97%, Vorfeld 22,8%). Die These, dass sich die
syntaktisch eindeutige Extraposition positiv auf die Akzeptabilität bzw.
Produktion freier Relativsätze auswirkt, sieht sie hier als Tendenz bekräftigt. Die
Erweiterung der These auf hierarchieverletzende Kasusmismatches, die sie als

26
Argumentation für Leirbukts Belege (Nominativ statt Akkusativ) heranzog, wurde
hier nicht weiter untersucht. Es hab ohnehin nur einen hierarchieverletzenden
Kasusmismatch.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass diese Zahlen eindeutige
Aussagen nicht zulassen, sodass insgesamt wieder lediglich von einer Tendenz
gesprochen werden kann. Mit dieser Korpusstudie konnte Pittner ihre
Hierarchieregel weiter untermauern. Dennoch bleibt zu sagen, dass es sich auch
hier um eine rein quantitative Auswertung handelt, in der nur absolute Zahlen und
Proportionen anhand von Prozentangaben geboten wurden. Es kommt zu keiner
interferenzstatistischen Auswertung, die Unterschiede zwischen einzelnen
Gruppen als signifikant nachweisen könnte. Hinzu kommt, dass es sich wiederum
um eine zu kleine Studie handelt, um reliable Ergebnisse zu liefern. Untersucht
wurden insgesamt 310 Konstruktionen20 mit freien Relativsätzen, bei denen es
sich bei 68 Belegen um solche mit einem Kasusmismatch handelte. Wieder ist der
Datenumfang zu gering, um mehr als Tendenzen und grobe Richtungen
anzugeben. Auch in diesem Fall ist eine größere empirische Untersuchung des
Phänomens wünschenswert, um diesen Tendenzen mehr Aussagekraft zu
verleihen. Aber auch diese Studie beinhaltet einen sehr interessanten Befund: der
hierarchieverletzende Kasusmismatch zwischen Akkusativ und Nominativ. Leider
ist dieser nicht geboten; es wird lediglich angeführt, dass statt eines Akkusativs
ein Nominativ realisiert wurde. Dennoch ist dieser Befund bemerkenswert, denn
bereits in der kleinen Akzeptabilitätsstudie ergab sich, dass Kasuskombinationen,
in denen der Nominativ unrealisiert blieb, keine so eindeutigen Ergebnisse lieferte
wie andere Kasuskombinationen. Eingangs exkludierte Pittner den Nominativ
daher eher von der Hierarchieregel. Auch Leirbukt führte gerade solche
hierarchieverletzenden Kasusmismatches an, bei denen fast ausschließlich
Akkusative durch Nominative ersetzt werden. Es kann natürlich Zufalls sein, dass
wieder der Nominativ, besonders in Verbindung mit dem Akkusativ als einzige
Ausnahme zu den sonst hierarchiekonformen Kasusmismatches gegeben ist.
Trotzdem sollten die Ergebnisse bezüglich dieser Kasuskombination im
Hinterkopf behalten werden.
Auch Vogel & Frisch (2003) untersuchten Kasusmismatches bei freien

20 207 Belege mit Linksversetzungen wurden aus genannten Gründen an dieser Stelle nicht
berücksichtigt.

27
Relativsätzen. Vogel (2001) geht zwar von einer etwas anderen Hierarchieregel
aus21, dennoch helfen die Ergebnisse der Studie, einen besseren Überblick zu
gewinnen. Nebst einer etwas veränderten Hierarchieregel gehen Vogel & Frisch
(2003) zudem von einer Abstufung der Akzeptabilität bei zunehmender
Markiertheit der Konstruktion aus. Das unterscheidet sie von Pittner, die eine
solche Abstufung nie in Erwägung zog, sondern hierarchiekonforme
Kasusmismatches als grammatisch (teilweise nur akzeptabel oder mehr/eher
akzeptabler) und hierarchieverletzende Mismatches als ungrammatisch (teilweise
nur unakzeptabel oder weniger akzeptabel) darstellte. Dabei verorten Vogel &
Frisch (2003) solche Kasusmismatches, die einen tieferen (markierten Kasus) im
freien Relativsatz aufweisen und damit einen höheren (weniger markierten)
unrealisiert lassen (= hierarchiekonforme Kasusmismatches) als weniger markiert
als solche, die einen tieferen Kasus des Matrixsatzes durch einen höheren Kasus
im freien Relativsatz unrealisiert lassen (= hierarchieverletzende
Kasusmismatches; Vogel & Frisch 2003: 96)22. Sie testeten dies jedoch nicht mit
allen Kasus des Deutschen, sondern bezogen sich ausschließlich auf Akkusative
und Dative, da primär diese Kasus für ihre Theorie interessant waren. Bei ihrem
Experiment handelt es sich um eine Akzeptabilitätsstudie, bei der die Probanden
(24 Studenten) die Testitems Wort für Wort (je 250ms pro Wort) präsentiert
erhielten und 500 ms nach dem letzten Wort ein Urteil zur Akzeptabilität der Sätze
abgeben sollten. Experimentdesign, Durchführung, statistische Auswertung etc.
entsprechen allgemeinen Standards der empirischen Forschung (für Details s.
Vogel & Frisch 2003: 97-101).
Als Resultat ihrer Untersuchungen ergab sich, dass solche Sätze, die
Kasusidentität aufwiesen (AKK-akk23 bzw. DAT-dat; z.B. besuchte, wen bzw.
half, wem, Vogel & Frisch 2003: 99) am besten bewertet wurden und sich
untereinander nicht signifikant unterschieden (Vogel & Frisch 2003: 100). Solche,

21 Hauptbezug bei Vogels (2001) Hierarchie sind nicht die einzelnen Kasus des Deutschen,
sondern ihre Einteilung in strukturelle (Nominativ und Akkusativ) und oblique Kasus (Dativ
und Genitiv). Seiner Annahme nach sind Ersetzungen obliquer Kasus für strukturelle Kasus
(z.B. besucht, wem) akzeptabler als Ersetzungen struktureller Kasus für oblique Kasus (z.B.
hilft, wen).
22 Es ergibt sich also ein Markiertheitsgefälle von relativ unmarkiert zu sehr markiert folgender
Art:
Kasusmatches < Kasusmismatch; obliquer Kasus statt struktureller Kasus < Kasusmismatch
struktureller Kasus statt obliquer Kasus (Vogel & Frisch 2003: 96).
23 Die Schreibweise in Majuskeln bezieht sich auf den im Matrixsatz verwendeten Kasus; die
Schreibweise in Minuskeln stellt den im freien Relativsatz verwendeten Kasus dar.

28
die hierarchiekonforme Kasusmismatches aufwiesen (AKK-dat, z.B. besuchte,
wem) wurden signifikant schlechter bewertet als Konstruktionen mit
Kasusidentität, jedoch auch signifikant besser als solche, die hierarhieverletzende
Kasusmismatches (DAT-akk, z.B. half, wen) aufwiesen. Damit ergibt sich aus
ihren Daten für die Kombination zwischen Akkusativ und Dativ folgendes
Akzeptabilitätsgefälle:
(20)
Kasusidentität (AKK-akk; DAT-dat) > Kasusmismatch (AKK-dat) > Kasusmismatch (DAT-akk)

Vogel & Frisch (2003) distanzieren sich davon, absolute Äußerungen darüber zu
machen, ab welchem Punkt genau eine Konstruktion nicht mehr grammatisch ist
oder wo es eine „threshold for grammaticality“ (Vogel & Frisch 2003: 102) gibt.
Ihnen geht es vielmehr darum zu zeigen, dass zwischen den einzelnen
Konstruktionen mit freien Relativsätzen ein Akzeptabilitätsgefälle herrscht, das
mit der zuvor von ihnen vorgestellten Markiertheitsskala solcher Konstruktionen
korreliert. Diese Studie wirft ein anderes Licht auf die von Pittner angenommene
Hierarchieregel. So macht sie selbst zwar nur selten explizite Aussage dazu, dass
hierarchiekonforme Kasusmismatches in jedem Fall grammatisch und solche mit
hierarchieverletzenden Kasusmismatches in jedem Fall ungrammatisch sind,
dennoch wird diese Annahme immer wieder nahegelegt. Vogel & Frisch (2003)
konnten zeigen, dass hierarchieverletzende Kasusmismatches zwar weniger
akzeptabel sind als hierarchiekonforme Konstruktionen, aber dass diese wiederum
schlechter bewertet wurden als Konstruktionen mit Kasusidentität.
Eine weitere Beobachtung aus dieser Studie sei hier erwähnt. Offenbar
handelt es sich bei Konstruktionen mit freien Relativsätzen generell um recht
markierte Strukturen. So berichten Vogel & Frisch (2003), dass es sowohl eine
relativ hohe Anzahl an Ablehnungen von Sätzen mit Kasusidentität seitens der
Versuchspersonen gab (27,1%) als auch, dass aus den eingangs untersuchten
Probanden insgesamt ein Drittel bei der Auswertung nicht berücksichtigt werden
konnte (Vogel & Frisch 2003: 192)24. Diese Tatsache führen sie auf eine hohe
allgemeine Markiertheit von Konstruktionen mit freien Relativsätzen zurück. Das
bedeutet, dass die von Vogel & Frisch (2003) als weniger markiert betrachteten
24 Die verwendeten Items wiesen recht reduziertes sprachliches Material auf (Maria besuchte,
wen sie mochte, Maria half, wem sie vertraute, Maria besuchte, wem sie vertraute, Maria half,
wen sie mochte), was den Faktor der Markiertheit derartiger Konstruktionen begünstigt.

29
Konstruktionen mit freien Relativsätzen bereits eine recht hohe allgemeine
Markiertheit aufweisen, welche mit zunehmender Markiertheit innerhalb der
Konstruktion folglich ebenfalls weiter ansteigt. Dieser Faktor muss in empirischen
Untersuchungen berücksichtigt werden.
Ferner ist zu sagen, dass es sich bei dieser Studie um eine Pilotstudie
handelt. Es konnten lediglich von 24 Probanden Daten ausgewertet werden.
Zudem handelt es sich um einen Vergleich der Kasuskombinationen Akkusativ
und Dativ, welche nicht alle in dieser Arbeit zu untersuchenden
Kasuskombinationen abdecken. Außerdem kamen nur Konstruktionen vor, bei
denen der Relativsatz dem Matrixsatz folgte. Konstruktionen, in denen der freie
Relativsatz dem Matrixsatz vorangestellt ist, wurden nicht untersucht, sodass über
die Akzeptabilität oder Grammatikalität solcher Strukturen keinerlei Aussage
getroffen werden kann.
Dennoch leistet diese Studie hilfreiche Einblicke darüber, dass es sich bei
Konstruktionen mit freien Relativsätzen allgemein schon um recht markierte
Konstruktionen handelt. Ein für diese Arbeit besonders bemerkenswerter Punkt
ist, dass die Autoren betonen, dass es möglicherweise sinnvoller ist von
Akzeptabilität als von Grammatikalität zu sprechen und dass es innerhalb
verschiedener Kombinationen freier Relativsätze ein Akzeptabilitätsgefälle gibt.

4. Das Experiment25

4.1. Hypothesen und Types


Grundlage der vorliegenden Studie ist die von Pittner (1991) formulierte
Haupthypothese, dass die Kasushierarchie als Erklärungsansatz für die
Grammatikalität freier Relativsätze fungiert. Zusätzlich bietet die Satzstellung der
freien Relativsätze als mögliche Einflussgröße die zweite Hypothese.

25 Besonderer Dank gilt an dieser Stelle Tim Graf, Dr. Markus Philipp sowie Dr. Martin Evertz
für die Unterstütztung des Experimentes bei der Erstellung der Fragebogen und der
statistischen Auswertung.

30
(21)
a. Haupthypothese:
Bei einem Kasuskonflikt zwischen dem vom Matrixverb geforderten
Kasus K1 und dem vom Verb im freien Relativsatz geforderten Kasus K2
kann K1 unrealisiert bleiben, wenn K1 K2 auf folgender Hierarchie
vorangeht:
(KH) Nominativ > Akkusativ > Dativ
(Pittner 1991: 343)

b. Nebenhypothese:
Extraponierte freie Relativsätze mit Kasusmismatch (hierarchie-
konform und hierarchieverletzend) sind akzeptabler, denn auf diese
Weise können „den Hörer/ Leser nicht mehr durch ein nicht in den
Kasusrahmen des Matrixverbs passendes Relativpronomen irreführen [...],
da das Matrixverb und seine Leerstellen bereits bekannt sind.
(Pittner 1995: 198)

Im Vordergrund steht Pittners Hierarchieregel. Pittner selbst gibt an, dass es sich
dabei nicht um eine absolute Regel ohne Ausnahmen handele, sondern dass es
eine starke Tendenz ist, die nicht nur im Deutschen zu beobachten sei (Pittner
2003: 207). Die Hierarchieregel erhebt nach Pittner nicht den Anspruch,
vollständig oder unbeugsam zu sein, da Zusatzregeln Einfluss haben können.
Dennoch oder gerade deswegen ist sie Forschungsdesiderat.
Die vorliegende Studie untersucht besonders die von der Kasushierarchie
abgeleitete Annahme zu akzeptablen Kasusmismatches in freien Relativsätzen
(= hierarchiekonforme Kasusmismatches). Anders als in vorangegangene
Experimenten werden in der vorliegenden Studie nur die Kasusrektionen von
Verben betrachtet. Daher bezieht sich diese Studie nicht auf die von Pittner
ebenfalls eingebundenen Annahmen zu Präpositionalkasus und kann dazu keine
experimentell untersuchten Aussagen treffen. Weiterhin wurden genitivregierende
Verben ausgeschlossen, da sie im Deutschen sehr selten vorkommen, oft archaisch
wirken und häufig von der Ersetzung durch Präpositionalphrasen betroffen sind 26.
Derartige, ungewöhnliche Verben und nicht die Hierarchieregel selbst könnten
dabei zu uneindeutigen Ergebnissen führen. Die vorliegende Studie kann demnach
ausschließlich Aussagen zu den unterschiedlichen Kasuskombinationen zwischen
Nominativ, Akkusativ und Dativ treffen. Für weitergehende Aussagen sind
zusätzliche Experimente nötig.
Weiter führt Pittner (1995: 198, s. auch Bausewein 1990: 179 sowie
26 Pittner (2003: 194, Fußnote 2) geht in ihren Untersuchungen mit der gleichen Begründung
ebenso vor.

31
Zifonun et al. 1997: 2272) an, dass es neben der Hierarchieregel einen weiteren,
systematischen Faktor gibt, der die Akzeptabilität von freien Relativsätzen
beeinflusst: ihre Stellung. Befindet sich der freie Relativsatz extraponiert im
Nachfeld, ist der syntaktische Rahmen durch den Matrixsatz komplett gesetzt. Aus
syntaktischer Sicht ist so eindeutig, welche Argumentposition der freie Relativsatz
füllen soll. Kasusmismatches zwischen Rektion des Matrixverbs und des
Relativpronomens sind dann für das Verständnis und die Verarbeitung der
gesamten Äußerung weniger ausschlaggebend. Dies soll sich in besseren
Akzeptabilitätsurteilen gegenüber einer Voranstellung freier Relativsätze äußern.
Besonders wenn der freie Relativsatz vorangestellt ist, ist der syntaktische
Rahmen durch den Matrixsatz nicht gesetzt, dass es aufwendiger ist, das
unpassende Relativpronomen einzuordnen. Diese Verarbeitungsschwierigkeiten
bzw. der Mehraufwand der Verarbeitung sollen zu niedrigeren
Akzeptabilitätsbewertungen führen. Ist der freie Relativsatz nachgestellt, kann es
dazu führen, dass Kasusmismatches als akzeptabeler bewertet werden.
Entsprechend vorangegangener Argumentationen Pittners wird dieser Faktor
sowohl für hierarchiekonforme (z.B. besucht, wem) als auch hierarchieverletzende
(z.B. hilft, wen) Kasusmismatches untersucht. Ausgangspunkt dieser Hypothesen
waren zunächst nur hierarchiekonforme Kasusmismatches. Im Zuge der
Argumentation für Leirbukts (1995) hierarchieverletzende Belege erweiterte
Pittner (1995) diesen Faktor auch auf hierarchieverletzende Kasusmismatches,
wenngleich sie dies nur innerhalb besagten Artikels tat und später zu der
eigentlichen Hypothese zurückkehrte.
Denkbar wäre außerdem, dass ein anderer Faktor gewichtiger ist, als der
des syntaktisch gesetzten Rahmens. Befindet sich der freie Relativsatz
nachgestellt (in dieser Arbeit die Kontaktstellung), so ist ein Kasusmismatch
sofort offensichtlich, da Matrixverb und Relativpronomen direkt nebeneinander
stehen und einen sofortigen Kasusabgleich begünstigen. So kann mit nur einem
Blick wahrgenommen werden, ob es sich um einen hierarchiekonformen oder
hierarchieverletzenden Kasusmismatch handelt. Steht der freie Relativsatz in
Voranstellung (in der vorliegenden Arbeit Distanzstellung) ist dieser
Kasusmismatch nicht sofort offensichtlich, da Matrixverb und Relativpronomen
nicht direkt nebeneinanderstehen und weiteres sprachliches Material vom
Kasusmismatch ablenken könnte.

32
(21)
a. Kontaktstellung: Der Chef lobt, wem der Konzern vertraut.
Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.
b. Distanzstellung: Wem der Konzern vertraut, lobt der Chef.
Wen der Arzt vorstellt, assistiert der Pfleger.

Diese Argumentation zugunsten der Distanzstellung wird in der Literatur


allgemein nicht vertreten. Ein weiterer von Leirbukt (1995) und Pittner (1995)
genannter Faktor könnte hier jedoch eine Rolle spielen. Mit zunehmendem,
sprachlichen Material zwischen Relativpronomen und Matrixverb könnte die
Akzeptabilität der Konstruktionen sowohl bei hierarchiekonformen als auch
hierarchieverletzenden Kasusmismatches steigen (s. Beispiel (16)). Eine derartige
Argumentation würde die Distanzstellung bevorzugen, weil hierbei zwischen
Relativpronomen und Matrixverb sprachliches Material steht27, welches über
einen hierarchiekonformen und hierarchieverletzenden Kasusmismatch
hinwegtäuschen könnte, da es einem sofortigen Kasusabgleich entgegenwirkt.
Möglicherweise handelt es sich hierbei um zwei unter bestimmten Umständen
(bei bestimmten Satzkonstruktionen) konkurrierende28 Faktoren, die die
Akzeptabilität beeinflussen könnten; ein pragmatischer und ein syntaktischer.
Aus diesen Vorüberlegungen ergeben sich nun insgesamt drei unabhängige
Variablen: Grammatikalität, Stellung und Kasuskombination. Es entsteht so ein
2x2x3-Design. Die Grammatikälität teilt sich in hierchiekonforme (fortan h-
konform) und hierarchieverletzende (fortan h-verletzend) Kontexte auf; die
Stellung unterscheidet sich bezüglich Kontakt- und Distanzstellung und die
Kasuskombinationen sind Nominativ/Akkusativ, Nominativ/Dativ sowie
Akkusativ/Dativ. Aus allen Variablen ergeben so 12 Types (Tabelle s.u.).
Die Kasus der Matrixsätze sind zum besseren Überblick in Majuskeln
gehalten, die Kasus der freien Relativsätze erhalten Minuskeln. Zusätzlich
befindet sich in der zweiten Zeile der Tabelle der wiederholte Hinweis, welcher
Kasus im Matrixsatz (M) und welcher Kasus im freien Relativsatz (fRs) steht und
wie der entsprechende Type (T) heißt. Die Pfeile indizieren, in welche Richtung
die Kasushierarchie verläuft, sprich, ist der Kasus des Matrix- oder freien
Relativsatzes auf der Kasushierarchie höher oder tiefer als der andere (also stärker

27 Dies bezieht sich lediglich auf die Oberflächenstruktur, nicht auf die Tiefenstruktur.
28 Bereits Vogel (2001) untersucht freie Relativsätze mithilfe eines optimalitätstheoretischen
Rahmens, bei dem er, entsprechend der Optimalitätstheorie, von konkurrierenden
Beschränkungen innerhalb freier Relativsätze ausgeht.

33
oder weniger stark markiert). Das Zeichen < bedeutet dabei, dass der erstgenannte
Kasus weniger stark markiert ist als der zweitgenannte; das Zeichen > besagt das
Gegenteil.
(22)
Darstellung sämtlicher Types mit verschiedenen Kasuskombinationen, in h-konformem bzw.
h-verletzendem Kontext und in unterschiedlichen Stellungen.
Kontakt Kontakt Distanz Distanz
h-konform h-verletzend h-konform h-verletzend
T M fRs T M fRs T M fRs T M fRs
Nom / Akk 1 NOM < akk 2 AKK > nom 7 akk > NOM 8 nom < AKK
Nom / Dat 3 NOM < dat 4 DAT > nom 9 dat > NOM 10 nom < DAT
Akk / Dat 5 AKK < dat 6 DAT > akk 11 dat > AKK 12 akk < DAT

Zu jedem Type gibt es sechs Items (für einen Überblick s. Anhang A; für eine
genauere Darstellung der Items s. 4.4).

4.2. Experimentdesign
Vorangegangene Studien zu Kasusmismatches in freien Relativsätzen sind primär
deswegen nicht ausreichend, weil sie zu klein waren. Teilweise fehlen auch
genaue Informationen zum Experimentdesign und statistisch verlässliche
Aussagen wurden nicht inkludiert. Zudem zeigte sich, dass auch die Stellung der
freien Relativsätze einen Einfluss haben könnte. Dies wurde anhand
theoriebezogener Argumente untermauert und konnte als grobe Tendenz teilweise
bereits gezeigt werden. Diese These als Einflussfaktor auf die Akzeptabilität
verschiedenartiger freier Relativsätze steht jedoch eher im Hintergrund des
vorliegenden Experiments.
Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um eine Akzeptabilitätsstudie
durch einen Fragebogen. Pittners Hypothesen nach sind Sätze, die einen
Kasusmismatch aufweisen dann grammatisch, wenn der im Relativsatz geforderte
Kasus auf der Kasushierachie tiefer liegt, also stärker markiert ist, als der des
Matrixsatzes. Andere Kasusmismatches sind nicht grammatisch 29. Pittner
untersuchte dieses Phänomen anhand einer kleinen Akzeptabilitätsstudie
(Bausewein 1991), die bereits Tendenzen und grobe Muster anzeigen konnte.
29 Pittner macht keine so konkreten Aussagen zur Grammatikalität. Es wird jedoch nahegelegt,
dass andere Kasusmismatches nicht grammatisch sind.

34
Dabei handelte es sich jedoch um eine rein deskriptive Darstellung der
Ergebnisse, bei der inferenzstatistische Analysen fehlten. Außerdem unternahm
Pittner eine Korpusstudie. Hierbei gibt es recht viele Einflussfaktoren wie
z.B. Länge der Sätze, zusätzliches sprachliches Material etc., die man nicht
kontrollieren kann. Was die genannten Studien jedoch leisteten, ist, dass sie die
Hierarchieregel zumindest oberflächlich bestätigen konnten, sodass eine
systematische und größere Untersuchung dieses Phänomens als Erklärung für
akzeptable Konstruktionen freier Relativsätze im Deutschen sinnvoll ist.
Die vorliegende Akzeptabilitätstudie soll dazu dienen, die Hypothesen
detaillierter zu testen und Einflussfaktoren (z.B. bei Korpusanalysen)
kontrollieren zu können. Zudem ergänzt sie Pittners Studien und fügt eine weitere
Ebene zur Bestätigung, zum Widerspruch oder zur Präzisierung der Hypothesen
hinzu. Die Akzeptabilität wurde anhand von Fragebögen ermittelt. Insgesamt gab
es drei Fragebögen, die aus jeweils 60 zu bewertenden Sätzen bestanden. 24
dieser Sätze waren die Testitems, 36 davon waren Filler (s. Anhang B für eine
Übersicht aller Fragebögen; s. Anhang A für die Testitems und Filler). Zu Beginn
des Fragebogens wurden Angaben bezüglich der Versuchsperson erfragt, u.a. um
Nicht-Muttersprachler identifizieren und exkludieren zu können. Es folgten
genaue Instruktionen, wie der Fragebogen auszufüllen sei.
Darauf folgten die Items, welche auf einer Skala von A (= nichts
auszusetzen) bis D (= eindeutig falsch) bewertet werden sollten. In den
Ergebnissen werden diese Akzeptabilitätsbewertungen mit 1 (für D) bis 4 (für A)
abgebildet. Die Entscheidung der Anzahl der Bewertungsmöglichkeiten auf der
Skala fiel gegen eine ungerade Zahl, da sonst eventuell häufig die Mitte gewählt
würde. Aufgrund der sprachlichen Reduzierung des Testitems und den strengen
Generierungskriterien wirken die Konstruktionen allgemein eher artifiziell. Ein
mittlerer Bewertungspunkt könnte von einigen Probanden als Kompromisslösung
verstanden werden, um sich nicht eindeutig für einen akzeptableren oder weniger
akzeptablen Wert entscheiden zu müssen. Durch eine gerade Bewertungsskala
wird der/die ProbandIn dazu gezwungen sich zwischen einem etwas besseren und
etwas schlechteren Wert zu entscheiden, sodass die Ausweichmöglichkeit Mitte auf
der Skala nicht zur Verfügung steht. Die Skala ist ferner nur vierstufig, da eine
kleine Voruntersuchung zeigte, dass es kaum Unterschiede in den
Akzeptabilitätsurteilen gab, wenn die Skala vier- oder sechsstufig war. Da die

35
Bewertung von 60 Sätzen eine recht ermüdende Aufgabe ist, die schnell dazu
führt, dass man unbewusst vergisst oder verwechselt, welcher Wert eine gute oder
schlechte Bewertung anzeigt, wurden rechts und links der Bewertungsskala
jeweils kleine lachende bzw. traurige Smileys hinzugefügt. Jede Versuchsperson
erhielt nur einen der drei Fragebögen.

4.3. Probanden
Die Fragebögen wurden an die Teilnehmer von fünf Kursen zur „Einführung in
die Sprachwissenschaft des Deutschen“ (Deutsche Sprache und Literatur I) der
Universität zu Köln im Wintersemester 2013/14 verteilt. Die Probanden hatten
grundlegendes, sprachwissenschaftliches Wissen, waren jedoch nicht mit den
Hypothesen oder der Fragestellung des Fragebogens vertraut und wurden ggf. erst
im Nachhinein darüber aufgeklärt. Aus der Erhebung ergaben sich 119 gültige
Fragebögen. Aussortiert wurden Fragebögen, deren Teilnehmer nicht deutsch als
(ausschließliche) Erstsprache angaben bzw. solche, die fehlerhaft oder sehr
lückenhaft ausgefüllt wurden. Das Alter der Versuchspersonen, die einen gültigen
Fragebogen einreichten, bewegte sich zwischen 18 Jahren und 31 Jahren
(Mittelwert: 21,28 Jahre); 100 von ihnen weiblich, 19 männlich. Die Teilnahme
war freiwillig und wurde nicht vergütet.

4.4. Testitems
Insgesamt gab es 18 Types. 12 dieser Types waren die eigentlichen Testtypes, die
anderen waren Filler, die die negative bzw. positive Kontrollgruppe darstellten30.
Die grobe Struktur der Konstruktionen der Testitems sah folgendermaßen aus:
(23)31

Type 1 (NOM < akk, Kontaktstellung, h-konform)


AdjP PPM/NPM VM, RP NPr (seltener PPr) Vr
Größere Verluste vermeidet, wen ein Experte berät.

30 Für eine Übersicht aller Types und Items s. Anhang A.


31 Aufschlüsselung der in den Tyes benutzten Abkürzungen:
AdjP= Adjektivphrase, PPM= Präpositionalphrase des Matrixsatzes, PPM=
Präpositionalphrase des freien Relativsatzes, NPM= Nominalphrase des Matrixsatzes, NPr=
Nominalphrase des freien Relativsatzes, VM= Verb des Matrixsatzes, Vr= Verb des freien
Relativsatzes, PR= Relativpronomen.

36
Type 2 (AKK > nom, Kontaktstellung, h-verletzend)
NPM VM, RP NPr (seltener PPr) Vr
Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.
Type 3 (NOM < dat, Kontaktstellung, h-konform)
AdjP PPM/NPM VM, RP NPr Vr
Gute Arbeit leistete, wem der Gast dankt.
Type 4 (DAT > nom, Kontaktstellung, h-verletzend)
NPM VM, RP NPr Vr
Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.
Type 5 (AKK < dat, Kontaktstellung, h-konform)
NPM VM, RP NPr Vr
Der Chef lobt, wem der Konzern vertraut.
Type 6 (DAT > akk, Kontaktstellung, h-verletzend)
NPM VM, RP NPr Vr
Der Junge antwortet, wen der Vater kennt.
Type 7 ( akk > NOM, Distanzstellung, h-konform)
RP NPr (seltener PPr) Vr, VM AdjP NPM
Wen ein Experte berät, vermeidet größere Verluste.
Type 8 (nom < AKK, Distanzstellung, h-verletzend)
RP NPr Vr, VM NPM
Wer einen Job sucht, vermittelt der Angestellte.
Type 9 (dat > NOM, Distanzstellung, h-konform)
RP NPr Vr, VM AdjP NPM
Wem der Gast dankt, leistete gute Arbeit.
Type 10 (nom < DAT, Distanzstellung, h-verletzend)
RP NPr Vr, VM NPM.
Wer den Rohrbruch meldete, dankt der Vermieter.
Type 11 (dat > AKK, Distanzstellung, h-konform)
RP NPr Vr VM NPM.
Wem der Konzern vertraut, lobt der Chef.
Type 12 (DAT > akk, Kontaktstellung, h-verletzend)
RP NPr Vr VM NPM
Wen der Vater kennt, antwortet der Junge.

Für jeden Type gab es jeweils sechs Items. Diese wurden entsprechend folgender
Kriterien generiert:
(24)
1. ausschließlich maskuline NP im Singular in den Relativsätzen,
vereinzelt PPs
2. ausschließlich belebte Relativpronomen
3. keine Koreferenzen

37
4. sehr wenige Modifikatoren
5. Kontakt- (Types 1-6) und Distanzstellung (7-12) mit gleichem Material
6. keine Partikelverben in Matrixsätzen
7. für dativregierende Verben: ausschließlich transitive Verben
8. Lesart eines indirekten Fragesatzes soll ausgeschlossen/minimiert sein

Kriterium 1 und 2 dienen hierbei der Vermeidung von Synkretismen (2.)


bzw. der klaren Anzeige der Kasusrektion (1.). Es wurden nur belebte
Relativpronomen gewählt, um durch Synkretismus verursachte höhere
Akzeptabilitätsurteile für einzelne Items auszuschließen (was, s. Bausewein 1991,
Leirbukt 1995, Pittner 1995, Vogel et al. 2006). Die Formen der belebten
Relativpronomen sind für alle Kasus unterschiedlich und können daher genau
zugeordnet werden. Nur so kann getestet werden, wie akzeptabel die Items bzw.
Types sind. Unterstützt wird die klare Anzeige der Kasusrektion dadurch, dass in
den Relativsätzen, neben wenigen Präpositionalphrasen maskuline Nomen im
Singular gewählt wurden. Mindestens anhand des Artikels ist eindeutig
feststellbar, welchen Kasus die Nominalphrasen trägt. Uminterpretationen oder
Reparaturen im Leseprozess kann so entgegengewirkt werden, sodass die
Verlässlichkeit der Akzeptabilitätsurteile der Probanden steigt.
Zwischen Referenten im Matrix- und Relativsatz gab es keine
Koreferenzen (3.), sprich, es wurden je zwei unterschiedliche NPs verwendet.
Dies war besonders deswegen wichtig, damit die Sätze der Types 1-6 32 in den
Types 7-1233 in umgedrehter Reihenfolge auftreten können. Gäbe es
Koreferenzen, so würden in den Types 7-12 die zuvor anaphorischen Bezüge
dadurch, dass der Relativsatz vorangestellt wird, zu kataphorischen werden und
somit eine recht markierte Form der Koreferenz aufweisen. Dieser Faktor sollte
als möglicher Einfluss auf die Akzeptabilität ausgeschlossen werden.
Insgesamt wurden nur sehr wenige Modifikatoren (4.) eingesetzt, um
durch dieses sprachliche Zusatzmaterial so wenig Einfluss wie möglich von dem
eigentlichen Untersuchungsgegenstand auszuüben. Bereits Leirbukt (1995: 161)
und Pittner (1995: 199) weisen darauf hin, dass durch Anreicherung der Sätze mit
zusätzlichem, sprachlichen Material eine höhere Akzeptabilität der sonst als nicht

32 Kontaktstellung, d.h. Matrixsatz vor freiem Relativsatz.


33 Distanzstellung, d.h. freier Relativsatz vor Matrixsatz.

38
akzeptabel geltenden Sätze hervorgerufen werden könnte. Das zusätzliche
Material sowie die immer größer werdende Distanz zwischen den verschiedenen
Kasusrektionen der Verben aus Matrix- und Relativsatz als Ablenkungsfaktor
sollten in dieser Studie minimiert werden. In wenigen Fällen gibt es
Modifikatoren in Form von Adjektivphrasen oder Präpositionalphrasen. Dies
kommt v.a. in Kombinationen mit dem Nominativ vor, da andernfalls die
Generierung sinnvoller und verständlicher Sätze deutlich erschwert bis unmöglich
geworden wäre.
Das Kriterium 5 ist insofern erforderlich, als es dafür sorgt, dass
zuverlässige Vergleiche der Bedingung Stellung getroffenen werden können und
diese nicht von unterschiedlichem Satzmaterial abhängig sind. Wie bereits
erwähnt, handelt es sich bei den Types 7-12 um die gleichen Sätze der Types 1-6.
Lediglich der Relativsatz befindet sich in den erstgenannten in Voranstellung
(= Distanzstellung).
Weiterhin befinden sich in den Matrixsätzen nie Partikelverben (6.). Diese
würden dazu führen, dass die Kontaktstellung leicht abgeschwächt würde34. Um
ermitteln zu können, ob die Stellung der Sätze Einfluss auf die Akzeptabilität hat,
ist es erforderlich, die Stellung sehr konsequent zu verfolgen. Daher sollte sich
zwischen Verb und Relativpronomen keine Partikel befinden (z.b. Der Chef stellt
ein, wem... vs. Der Chef engagiert, wem...). Ferner sollten möglichst Verben der
gleichen Struktur gewählt werden. Partikelverben würden von diesem Schema
abweichen.
In den Items wurden unter dativregierende Verben ausschließlich solche
verwendet (7.), die transitiv sind. Besonders relevant ist es, Dativsubjekte und
dativfordernde Psychverben auszuschließen. Diese könnten sich auf die
Akzeptabilität der Items auswirken und so das Ergebnis ungenau oder nicht
aussagekräftig machen. Um zuverlässige Aussagen treffen zu können, sollten sich
die Testitems bestenfalls nur hinsichtlich des Materials und nicht hinsichtlich der
Lesart oder Rektionsart voneinander unterscheiden
Zudem wurde darauf geachtet, dass die Items die Lesart eines indirekten
Fragesatzes (s. Kapitel 1.1.; Zifonun et al. 1997: 2267-77, Eisenberg 2004: 320-
328) nicht zulassen bzw. diese Lesart sehr unwahrscheinlich ist (8.). Die
Interpretation als indirekter Fragesatz und nicht als freier Relativsatz könnte zu

34 In der Oberflächenstruktur.

39
abweichenden Akzeptabilitätsurteilen der Probanden führen. Außerdem würde
damit der eigentliche Untersuchungsgegenstand (freier Relativsatz) verlassen
werden und ein anderer Faktor untersucht werden.
Insgesamt ist zu erwähnen, dass die Items durch die strengen Bedingungen
generell markiert sind. Dennoch sind die Bedingungen nötig, um die eingangs
angeführten Hypothesen sauber zu testen. Anreicherung durch kontextgebendes
Material würde die Testitems vermutlich verbessern, jedoch die Aussagekraft des
Ergebnisses schmälern, da vielerlei anderer Einflussfaktoren als der zu testenden
bei der Auswertung der Ergebnisse in Frage kämen.
Die Fillersätze wurden entsprechend Cowart (1997: 51f) generiert, um u.a.
Decken- und Bodeneffekte der Testitems entgegenzuwirken und den eigentlichen
Untersuchungsgegenstand zu verbergen. Dementsprechend handelt es sich bei den
Fillersätzen um ähnliche Konstruktionen, wie bei den Testitems. Die vier Types
der positiven Kontrollgruppe bestanden aus regulären (also nicht kopflosen)
Relativsätzen und freien Relativsätzen mit Kasusidentität in Nominativ-,
Akkusativ- und Dativkonstruktionen. Die zwei Types der negativen
Kontrollgruppe bestanden aus Items, die eine inkorrekte Rektion an der NP
innerhalb der gleichen Rektionsdomäne des Matrix- oder Relativsatzes aufwiesen.
Generiert wurden sie im Verhältnis 1:2 (ein Drittel inakzeptable Filler; zwei
Drittel akzeptable Filler; entsprechend Cowart 1994).
Die Testitems wurden auf drei Fragebögen aufgeteilt. Es wurde
sichergestellt, dass in keinem der drei Fragebögen ein Minimalpaar, also zwei
Sätze gleichen Materials aber mit unterschiedlichen Stellungen, gegeben war. Die
Fillersätze wurden für alle Fragebögen verwendet. Pro Fragebogen gab es 60
Sätze; 24 davon waren Testitems, 36 Filler 35. Testitems und Fillersätze wurden
randomisiert vorgelegt.

4.5. Durchführung
Den Probanden wurde mündlich kurz erklärt, wie der Fragebogen auszufüllen sei
und worauf zu achten ist (z.B. genaues Ankreuzen nur eines Wertes). Diese
Informationen fanden sie außerdem schriftlich eingangs auf dem Fragebogen
35 Nach Cowart (1997: 52) sollten es ungefähr doppelt so viele Fillersätze wie Testitems sein.
Hier besteht ein Verhältnis von 1(Testitems) : 1,5 (Fillersätze) als Kompromisslösung, da ein
Fragebogen sonst zu viele zu bewertende Sätze enthalten hätte.

40
aufgeführt. Desweiteren wurde darauf hingewiesen, dass es nicht um das
Abfragen normativen Wissens gehe, sondern um die Sprachintuition. Außerdem
wurde ihnen mündlich sowie schriftlich versichert, dass alle Daten zu ihrer Person
ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke der vorliegenden Arbeit verwendet
würden und die Teilnahme an dem Experiment freiwillig ist. Sie hatten ca. 15
Minuten in einer ruhigen Arbeitsatmosphäre im Seminarraum zu Beginn bzw.
Ende des Kurses Zeit, den Fragebogen auszufüllen und taten dies eigenständig.

4.6. Ergebnisse
Zunächst eine Aufstellung der Standardabweichungen der einzelnen Testtypes
sowie der positiven und negativen Kontrollgruppe:
(25)
Darstellung der Mittelwerte und der Standardabweichung der einzelnen Types (N= 119)

Bedingung Mittelwert Standardabweichung


1 2.508403 0.7891832
2 2.638655 0.7533101
3 2.873950 0.7790109
4 1.878151 0.7276803
5 2.689076 0.7591018
6 2.016807 0.7128743
7 2.768908 0.8776652
8 2.441176 0.7651755
9 2.827731 0.8397865
10 1.945378 0.7242469
11 2.214286 0.7177278
12 1.773109 0.5957046
NK 1.543417 0.4812698
PK 3.419875 0.3033200

Eine Gegenüberstellung der Akzeptabilitätsbewertungen aller Types von allen


Versuchspersonen, inklusive negativer sowie positiver Kontrollgruppe bietet
untenstehendes Diagramm. Dargestellt sind die Mittelwerte der Types als Balken
sowie der Standarderror als Fehlerbalken (für eine Aufstellung der Types s.
Kapitel 4.4 sowie Anhang A) im Vergleich zu den Kontrollgruppen (NK =

41
negative Kontrollgruppe und PK = positive Kontrollgruppe). Je höher der Wert,
desto besser die Bewertung, sprich, desto akzeptabler der Type. Der niedrigste, zu
erreichende Wert ist 1, der höchste 4.
(26)
Diagramm der Mittelwerte und Standerror für die einzelnen Types

Die Anova-Analyse (Varianzanalyse mit Messwiederholung) zeigt signifikante


Effekte bezüglich der Bedingung Stellung (F(1,118)= 6.9135, df= 118, p < .0001)
und der Bedingung Grammatikalität (F(1, 118)= 112.6010, df= 118, p < .0001).
Die Interaktion zwischen beiden ist nicht signifikant (F(1, 118)= 0,36616,
df= 118, p= 0.5463). Um die einzelnen Types untereinander zu testen, wurden
t-Tests (abhängige t-Tests) durchgeführt. Die p-Werte der t-Tests wurden
entsprechend der von Hommel (1988) eingeführten Methode angeglichen.
Zunächst soll hier die Bedingung Grammatikalität analysiert werden.
Damit wird die Hauptthese des Experiments, die Hierarchieregel, untersucht: der
Kasus des Matrixverbs kann genau dann unrealisiert bleiben, wenn das Verb im
freien Relativsatz einen stärker markierten Kasus fordert als das Matrixverb. Die
Stellung und die Kasuskombination der Paare bleiben gleich. Einziger
Unterschied ist die h-konform oder h-verletzend Konstruktion. Die Nullhypothese
besagt, dass kein signifikanter Unterschied zwischen den Paaren auftritt.

42
(27)
a. Vergleich der Bedingung Grammatikalität in Kontaktstellung
Kasus Types t-Wert df p-Wert
Nom/Akk 1+2 -1.3848 118 0.5061
Nom/Dat 3+4 10.1093 118 < 0.0001
Akk/Dat 5+6 7.8411 118 < 0.0001

b. Vergleich der Bedingung Grammatikalität in Distanzstellung


Kasus Types t-Wert df p-Wert
Nom/Akk 7+8 3.4499 118 0.0047
Nom/Dat 9 + 10 -8.7634 118 < 0.0001
Akk/Dat 11 + 12 5.4777 118 < 0.0001

Der erstgenannte Type in der jeweiligen Spalte ist der h-konforme, der zweite der
h-verletzende Type. In fünf von sechs Paaren (alle außer Type 1 + 2) zeigte der
t-Test signifikante Unterschiede zugunsten der h-konformen Kontexte, sodass für
diese Type-Paare die Nullhypothese abgelehnt werden kann. Es kann bestätigt
werden, dass die h-konformen Types signifikant besser beurteilt werden als die
h-verletzenden. Dies gilt unabhängig von der Stellung, denn sowohl der Vergleich
innerhalb der Kontaktstellung als auch der Distanzstellung zeigt signifikant besser
beurteilte h-konforme Types. Kein einziges Mal wurde der h-verletzende Kontext
signifikant akzeptabler bewertet als der h-konforme Kontext. Insofern ist die
Hierarchieregel an dieser Stelle bestätigt. Kein signifikantes Ergebnis stellt sich
überraschenderweise zwischen den Types 1 (NOM < akk, Kontaktstellung,
h-konform, Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.) und 2 (AKK > nom,
Kontaktstellung, h-verletzend, Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.)
heraus (t= -1.3848, df= 118, p= 0.5061). Das bedeutet, dass h-verletzende
Kontexte, also solche, in denen das Matrixverb einen Akkusativ forderte, der
Relativsatz jedoch nur einen Nominativ bot, nicht signifikant schlechter bewertet
wurden als h-konforme Kontexte, in denen der Matrixsatz einen Nominativ
forderte und der Relativsatz einen Akkusativ bot. Die Nullhypothese kann in
diesem Fall nicht abgelehnt werden, sodass das Ergebnis des Vergleich von Type 1
und Type 2 lautet, dass sie gleich bewertet werden. Dies ist ein durchaus
unerwartetes Ergebnis; vor allem vor dem Hintergrund, dass in ausnahmslos allen
anderen Paarungen die h-konformen Types signifikant besser abschnitten als die
h-verletzenden.

43
Nun folgen die Resultate bezüglich der zweiten und etwas untergeordneten
Hypothese. Die Bedingung Stellung des freien Relativsatzes wird von Pittner
(1995) und Leirbukt (1995) als möglicher Einflussfaktor gesehen. Bei dem
Vergleich der Stellung bleiben wieder die einzelnen Kasuskombinationen gleich,
auch die Grammatikalität wird beibehalten.
(28)
a. Vergleich zwischen Kontakt- und Distanzstellung, h-konform
Kasus Types t-Wert df p-Wert
Nom/Akk 1+7 -2.8858 118 0.0232
Nom/Dat 3+9 0.4785 118 0.6332
Akk/Dat 5 + 11 -5.8365 118 < 0.0001

b. Vergleich zwischen Kontakt- und Distanzstellung, h-verletzend


Kasus Types t-Wert df p-Wert
Nom/Akk 2+8 2.2664 118 0.1010
Nom/Dat 4 + 10 0.9022 118 0.6332
Akk/Dat 6 + 12 -3.7459 118 0.0020

Der erstgenannte Type ist jeweils derjenige mit Kontaktstellung, der


zweitgenannte ist derjenige mit Distanzstellung. Die Bedingung Stellung zeigt in
drei von sechs Vergleichen signifikante Unterschiede. Doch diese sind nicht so
klar und überzeugend wie die der Grammatikalität, was im Grunde genommen
auch nicht erwartet wurde, da es sich bei dieser Bedingung um keine
grundlegende Regel sondern um einen möglichen Einflussfaktor handelt. In der
Kasuskombination Akkusaitv/Dativ ergeben sich signifikante Unterschiede. Diese
Unterschiede zeigen sich im h-konformen Paar (Type 5: AKK < dat,
Kontaktstellung, h-konform, Der Chef lobt, wem der Konzern vertraut.) und Type
11: dat > AKK, Distanzstellung, h-konform, Wem der Konzern vertraut, lobt der
Chef.) wie auch bei dem h-verletzenden Paar (Type 6: DAT > akk,
Kontaktstellung, h-verletzend, Der Patient vertraut, wen der Chefarzt schickt.
und Type 12: akk < DAT, Distanzstellung, h-verletzend, Wen der Chefarzt schickt,
vertraut der Patient.). Im h-konformen (t= -5.8365, df= 118, p < .0001) wie auch
in h-verletzenden Kontexten (t= -3.7459, df 118, p= 0.0020) wird hierbei die
Kontaktstellung bevorzugt. Für die Vergleiche der Kasuskombination
Akkusativ/Dativ kann die Nullhypothese verworfen werden. Etwas überraschend
ist das Ergebnis, dass es zwischen Type 1 (NOM < akk, Kontaktstellung,

44
h-konform, Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.) und Type 7 (akk >
NOM, Distanzstellung, h-konform, Wen der Chef kritisiert, arbeitet wenig
motiviert.) einen signifikanten Unterschied gibt. Hierbei wird jedoch die
Distanzstellung besser bewertet und nicht die Kontaktstellung wie bei den anderen
beiden Paaren mit signifikantem Unterschied. Auch hier muss die Nullhypothese
verworfen werden. Dieses Ergebnis widerspricht der Nebenhypothese der
vorliegenden Studie, die besagt, dass sich Kontaktstellungen positiv auf die
Akzeptabilität Konstruktionen mit freien Relativsätzen auswirken würde.
Zusammengefasst bedeutet das für die Bedingung Stellung, dass bei
h-konformen Kasusmismatches in 1/3 der Fälle die Distanzstellung bevorzugt
wurde, in 1/3 die Kontaktstellung und in 1/3 keine Bevorzugung einer Stellung
gegeben ist. In h-verletzenden Kasusmismatches wurde in 1/3 der Fälle die
Kontaktstellung bevorzugt, in 2/3 der Fälle wurde keine Stellung bevorzugt. Fasst
man h-konforme und h-verletzende Kasusmismatches zusammen wurde in 2/6 der
Fälle die Kontaktstellung bevorzugt, in 1/6 der Fälle die Distanzstellung und in
3/6 keine Stellung. Diese recht durchwachsenen Ergebnisse lassen keine fundierte
Schlussfolgerung dazu zu, ob die Stellung als Faktor neben der Hierarchieregel
Einfluss hat oder nicht.
Abseits der Vergleiche innerhalb der Testitems ist anzumerken, dass die
negative sowie positive Kontrollgruppe sich signifikant von dem am schlechtesten
bzw. am besten bewerteten Types unterscheidet.
(29)
Vergleich des bestbewerteten Types (3) mit der positiven Kontrollgruppe sowie des
schlechtestbeweteten Type (12) mit der negativen Kontrollgruppe
Types t-Wert df p-Wert
3 + PK -8.4692 118 < 0.0001
12 + NK 3.9072 118 0.0011

Die positive Kontrollgruppe enthielt Kasusidentität (z.B. hilft, wem) und


unterscheidet sich signifikant vom bestbewerteten Type 3 (NOM < dat,
Kontaktstellung, Erfolgreich arbeitet, wem ein Fachmann hilft, t= -8.4692,
df= 118, p < .0001), der einen h-konformen Kasusmismatch aufweist. Die
positive Kontrollgruppe wird dabei besser bewertet. Die Nullhypothese, dass sich
positive Kontrollgruppe mit Kasusidentität und bestbewerteter Type mit
h-konformem Kasusmismatch nicht voneinander unterscheiden, muss verworfen

45
werden. Die negative Kontrollgruppe enthielt Kasusrektionsfehler (z.B. Der Arzt
hilft den kranken Kind, das sehr tapfer ist.) und unterscheidet sich signifikant vom
schlechtestbewerteten Type 12 (akk < DAT, h-verletzend, Distanzstellung, Wen
der Vater kennt, antwortet der Junge; t= 3.9072, df= 118 p= 0.0011), der einen
h-verletzenden Kasusmismatch aufweist. Die negative Kontrollgruppe wurde
dabei schlechter bewertet. Die Nullhypothese, dass sich die negative
Kontrollgruppe mit Kasusrektionsfehlern innerhalb derselben Rektionsdomäne
und schlechtestbewerteter Type nicht voneinander unterscheiden, muss verworfen
werden.

5. Diskussion

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie konnten einige weitere Erkenntnisse zu


Kasusmismatches in freien Relativsätzen liefern, werfen allerdings auch einige
Fragen auf, auf die im Verlauf dieses Kapitels noch eingegangen wird.
Zunächst ist festzuhalten, dass die Haupthypothese Pittners, die
Hierarchieregel, größtenteils bekräftigt werden konnte. In fünf von sechs Fällen
konnte eine klare Präferenz für h-konforme Konstruktionen gezeigt werden 36, was
die Haupthypothese bestätigt. Zusätzlich zeigten die Ergebnisse jedoch, dass es
keine so scharfe Trennung zwischen absolut grammatischen oder akzeptablen und
völlig ungrammatischen oder unakzeptablen Strukturen gibt, wie die
Hierarchieregel bzw. Pittners Ausführungen dazu andeuten. Wie in den Resultaten
festgehalten, rangierte selbst der bestbewertete Type (Type 3, NOM < dat,
h-konform, Kontaktstellung, Erfolgreich arbeitet, wem ein Fachmann hilft)
unterhalb der Bewertung der positiven Kontrollgruppe (u.a. hilft, wem). Der
schlechtestbewertete Type (Type 12, akk < DAT, Distanzstellung h-verletzend,
Wen der Arzt vorstellt, assistiert der Pfleger.) wurde signifikant besser bewertet
als die negative Kontrollgruppe (Kasusrektionsfehler, z.B. hilf den kranken Kind).
Entsprechend dieser Beobachtungen ergibt sich, anders als bei Pittner, eine

36 Einzige Ausnahme ist hierbei der Vergleich zwischen Type 1 (NOM < akk, Kontaktstellung h-
konform, Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.) und Type 2 (AKK > nom,
Kontaktstellung, h-verletzend, Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.). Nähere
Betrachtungen und Erklärungsansätze befinden sich am Ende dieses Kapitels.

46
Akzeptabilitätshierarchie37 folgender Struktur:
(30)
Kasusidentität (z.B. hilft, wem)
˅
h-konformer Kasusmismatch (z.B. lobt, wem)
˅
h-verletzender Kasusmismatch (z.B. hilft, wen)
˅
Kasusrektionsfehler in derselben Rektionsdomäne
(z.B. hilft den Kind)

Hiermit konnte eine Präzisierung Pittners Hierarchieregel erreicht werden. Die


vorliegende Studie zeigt, dass es ein Akzeptabilitätsgefälle gibt, wobei ein
h-konformer Kasusmismatch zwar besser bewertet wird als ein h-verletzender
Kasusmismatch. Jedoch werden diese nicht so gut bewertet, wie
übereinstimmende Kasuszuweisungen (= Kasusidentität). Ähnliches
dokumentierten bereits Vogel & Frisch (2003) und Vogel et al. (2006: 375):
Having a dative FR pronoun and suppressing the accusative required by the matrix verb
(condition DAT-acc) is worse than having no case conflict, but still better than
suppressing the dative requires by the matrix verb and realising accusative (condition
ACC-dat)

Die genannte Studie bezog sich allerdings ausschließlich auf Kasusidentität und
Kasusmismatches der Kasus Akkusativ und Dativ. Die vorliegende Studie kann
dieses Ergebnis für fast alle untersuchten Kasuskombinationen38 (Nominativ,
Akkusativ und Dativ) und zusätzlich für unterschiedliche Stellungen des
Relativsatzes (Kontakt- und Distanzstellung) zeigen. Dennoch ist es interessant,
dass Vogel & Frisch (2003), wenn auch in reduzierter Form und mit leicht
variierenden theoretischen Hintergründen, zum gleichen Ergebnis gelangen wie
diese Studie. Entsprechend ihrer Prognosen verhalten sich h-konforme
Kasusmismatches auch in der vorliegenden Studie nicht so wie freie Relativsätze
mit Kasusidentität.
Pittner macht unterschiedliche Aussagen dazu, ob es sich bei
h-verletzenden Mismatches um ungrammatische oder lediglich weniger
akzeptable Konstruktionen handelt. Es ist unklar, ob zwischen h-konformen und

37 Für eine Gegenposition zu Abstufungen von Grammatikalität s. Haider (2011). Er lehnt


Grammatikalitäts- und Akzeptabilitätsgefälle ab und argumentiert diesbezüglich mit
pragmatischen Hintergründen.
38 Mit der erwähnten Ausnahme der Types 1 und 2, bei denen der h-verletzende Kontext
signifikant besser bewertet wurde als der h-konforme.

47
h-verletzenden Kasusmismatches eine klare Grenze der Grammatikalität gezogen
werden sollte, sodass h-konforme Kasusmismatches als grammatisch und
h-verletzende Kasusmismatches als ungrammatisch gelten, oder ob hier treffender
von Akzeptabilität gesprochen werden sollte. Auch innerhalb dieses Vokabulars ist
es nicht ganz eindeutig, wie akzeptabel zu verstehen ist. So kann man es zum
einen als Synonym zu grammatisch verstehen, wobei wieder die Grenze zwischen
h-konformen und h-verletzenden Kasusmismatches gezogen wird und die ersteren
als akzeptabel, die zweiteren als nicht akzeptabel gelten. Zum anderen – und das
entspricht der Argumentation von Vogel & Frisch (2003) – kann man akzeptabel
als gradienzandeutende Terminologie verstehen. Sowohl in der Studie von Vogel
& Frisch (2003) als auch in der vorliegenden ist ein Akzeptabilitätsgefälle
festzustellen und keine klare Trennung in absolut akzeptable und definitiv nicht
mehr akzeptable Kontexte, wie häufig von Pittner angedeutet. Eine derartige
Gradienz geht aus der Hierarchieregel nicht hervor.
Auch in den Ergebnissen Pittners empirischen Studien wurde Gradienz
nicht berücksichtigt. Die Studien beziehen sich ausschließlich darauf, dass h-
konforme Kasusmismatches besser bewertet werden oder deutlich häufiger
vorkommen als h-verletzende Kasusmismatches. Ebenso ist das Ergebnis nicht
enthalten, dass h-verletzende Kasusmismatches besser bewertet werden als eine
negative Kontrollgruppe. Wo genau hierbei jedoch noch von Grammatikalität zu
sprechen ist und wo der Schnittpunkt zur Ungrammatikalität angesetzt wird, kann
nicht beurteilt werden39. Dies deutet auch mehr in die Richtung normativer
Regeln, denn in die der deskriptive Linguistik. Trotzdem ist dieses
Akzeptabilitätsgefälle innerhalb Pittners Theorie eine Überraschung. Betrachtet
man die Studie von Vogel & Frisch (2003), so bestätigt die vorliegende Studie,
was Vogel & Frisch (2003) im Rahmen ihrer im Vergleich zum vorliegenden
Experiment reduzierteren Pilotstudie bereits zeigen konnten.
Die Hierarchieregel hat ferner zwei unterschiedliche Lesarten. Einerseits
kann sie so gelesen werden, dass lediglich Aussagen zu h-konformen
Kasusmismatches getroffen werden und Aussagen zu h-verletzenden
Kasusmismatches gar nicht getroffen werden. Andererseits kann die Regel so

39 Auch Vogel & Frisch (2003) betonen, dass eine Entscheidung darüber, welche Konstruktionen
noch als grammatisch gelten und welche als ungrammatisch verworfen werden, nicht im Fokus
ihrer Forschung liegt und sie dazu keine Angaben treffen können, sondern nur von höheren
oder niedrigeren Akzeptabilitätsurteilen berichten können.

48
interpretiert werden, dass sie andeutet, dass nur h-konforme Kasusmismatches
grammatisch oder akzeptabel sind. Die h-verletzende Kasusmismatches wären
demzufolge ungrammatisch oder nicht akzeptabel. Dabei herrscht bei der
Hierarchieregel eine „genau dann, wenn-“Lesart vor40, die von Pittner offenbar
anhand ihrer sonstigen Ausführungen und Untersuchungen präferiert wird. Die
Leistung der vorliegenden Studie besteht darin, dass anhand des sich
abzuzeichnenden Akzeptabilitätsgefälles diese Ungenauigkeit aufgefangen und
konkretisiert werden konnte.
Zusammenfassend lässt sich hier bezüglich der Hierarchieregel feststellen,
dass sie präzisiert wurde. Es ist angemessener von Akzeptabilität als von
Grammatikalität zu sprechen. Ein Festlegen der Grammatikalitätsgrenze ist zum
einen weder aus den Daten ableitbar noch als logische Schlussfolgerung zu
treffen. Ferner ist die Akzeptabilität vielmehr als Gradienz zu verstehen.
Kasusmismatches wurden allgemein schlechter bewertet als die Kontrollgruppe
mit Kasusidentität. Das bedeutet, dass sie weniger akzeptabel sind als
Kasusidentität, aber es bedeutet damit nicht, dass sie gar nicht mehr akzeptabel
sind. Ebenso verhält es sich innerhalb der Gruppe der Kasusmismatches. Die
h-konformen Kasusmismatches wurden besser bewertet als die h-verletzenden
Kasusmismatches. Wieder sind die Unterschiede signifikant. Dennoch kann hier
wohl keine Grenze festgelegt werden, denn das gleiche Muster spiegelt sich
zwischen der negativen Kontrollgruppe und den h-verletzenden Kasusismatches
wider.
Als Nebenthese oder Einflussfaktor zur Hierarchieregel fungiert hier die
Stellung des freien Relativsatzes. Pittner (1995: 198, s. auch Bausewein 1990:
179, s. auch Zifonun et al. 1997: 2272) gibt an, dass der syntaktische Rahmen bei
einer Nachfeldpositionierung des freien Relativsatzes gesetzt ist und somit nicht
zu allzu starken Verarbeitungskosten bei einem Kasusmismatch führt wie die
Voranstellung des freien Relativsatzes, bei dem seine syntaktische Funktion
zunächst noch unklar ist. Demzufolge sollte die Kontaktstellung zu höheren
Akzeptabilitätsurteilen bei freien Relativsätzen mit Kasusmismatch führen.
Allgemein gilt diese Regel primär für h-konforme Kasusmismatches. Im Zuge
einer Argumentation, um die h-verletzenden Belege Leirbukts (1995) zu erklären,

40 Diese Lesart ist von Pittner offenbar anhand ihrer sonstigen Ausführungen und
Untersuchungen gemeint.

49
erweiterte Pittner (1995) diesen Faktor innerhalb des entsprechenden Artikels
auch auf h-verletzende Kasusmismatches. Später (2003) kehrte sie zum
Ausgangspunkt zurück.
Es ist anzumerken, dass bei den Testsätzen dieser Studie nicht garantiert
ist, dass es sich bei den Kontakstellungen um Nachfeldpositionen handelt, da
keine Verbklammerstruktur gegeben ist. Eine Interpretation des freien
Relativsatzes als Teil des Mittelfeldes ist jedoch sehr unwahrscheinlich, in vielen
Kontexten sogar ausgeschlossen. Geprüft wird es anhand der nun eingesetzt
Verbklammer, die eine Einbettung des freien Relativsatzes ins Mittel- oder
Nachfeld klar anzeigt:

(31) Type 1 M: NOM < fRs: akk; Kontaktstellung – h-konform


a. Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert
b. Wenig motiviert hat gearbeitet , wen der Chef kritisierte.
c. ?Wenig motiviert hat, wen der Chef kritisierte, gearbeitet.

(32) Type 2 M: AKK > fRs: nom; Kontaktstellung – h-verletzend


a. Der Polizist verhört, wer unter Verdacht steht.
b. Der Polizist hat verhört, wer unter Verdacht stand.
c. ?Der Polizist hat, wer unter Verdacht stand, verhört.

(33) Type 3 M: NOM < fRs: dat; Kontaktstellung –h- konform


a. Erfolgreich arbeitet, wem ein Fachmann hilft.
b. Erfolgreich hat gearbeitet, wem ein Fachmann half.
c. ?Erfolgreich hat, wem ein Fachmann half, gearbeitet.

(34) Type 4 M: DAT > fRs: nom; Kontaktstellung – h-verletzend


a. Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.
b. Der Vermieter hat gedankt, wer den Rohbruch meldete.
c. ?Der Vermieter hat, wer den Rohbruch meldete, gedankt.

(35) Type 5 M: AKK < fRs: dat; Kontaktstellung – h-konform


a. Die Agentur unterstützt, wem niemand sonst hilft.
b. Die Agentur hat unterstützt, wem niemand sonst hilft.
c. ?Die Agentur hat, wem niemand sonst hilft, unterstützt.

(36) Type 6 M: DAT > fRs: akk; Kontaktstellung – h-verletzend


a. Der Patient vertraut, wen der Chefarzt schickt.
b. Der Patient hat vertraut, wen der Chefarzt schickte.
c. ?Der Patient hat, wen der Chefarzt schickte, vertraut.

Die a-Beispiele sind jeweils die Testitems; die b-Beispiele stellen den freien
Relativsatz im Nachfeld dar und die c-Beispiele stellen ihn im Mittelfeld dar. In

50
den Kombinationen mit dem Nominativ kann recht sicher davon ausgegangen
werden, dass eine Interpretation des freien Relativsatzes als Bestandteil des
Mittelfeld ausgeschlossen ist. Die Sätze (31)c.-(34)c. könnten möglicherweise
sogar als ungrammatisch eingestuft werden. Die c-Beispiele der Types 5 und 6
wirken eventuell weniger unakzeptabel, dennoch ist eine Einordnung ins
Mittelfeld sehr unwahrscheinlich. Die Einordnung des freien Relativsatzes ins
Nachfeld wirkt deutlich besser. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass bei allen
Types der Kontaktstellung die Positionierung des freien Relativsatzes ins
Nachfeld vorgenommen wurde.
Zunächst werden nun h-konforme Kasusmismatches genauer betrachtet.
Auf sie bezieht sich der Stellungsfaktor primär. Hier sollten, gemäß der
Hypothese, die Kontaktstellungen besser bewertet werden als die
Distanzstellungen. Bei der Kasuskombination Akkusativ/Dativ zeigt sich die
Kontaktstellung als signifikant besser als die Distanzstellung. Dies entspricht den
Types 6 (DAT > akk, Kontaktstellung, h-verletzend, Der Patient vertraut, wen der
Chefarzt schickt.) und 11 (dat > AKK, Distanzstellung, h-konform, Wem der
Konzern vertraut, lobt der Chef.). Dieses Ergebnis stützt somit die Hypothese. Bei
der Kasuskomination Nominativ/Akkusativ, Type 1 (NOM < akk,
Kontaktstellung, h-konform, Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.)
und 7 (akk > NOM, Distanzstellung, h-konform, Wen der Chef kritisiert, arbeitet
wenig motiviert.), wurde allerdings die Distanzstellung signifikant besser
bewertet. Dieses Ergebnis widerspricht der Hypothese.
Warum die Distanzstellung zwischen dem Type-Paar 1 und 7 signifikant
besser beurteilt wurde, ist nicht klar. Eine Lösung wäre, dass bei dem Type 7 die
kanonische Satzgliedabfolge (Subjekt vor Objekt) gegeben ist; bei dem Type 1 ist
eine nicht-kanonische Satzgliedabfolge gegeben (Objekt vor Subjekt). Dieser
Erklärungsansatz kann jedoch verworfen werden, denn bei gleicher
Grammatikalität und Stellung ergibt sich dieser signifikante Unterschied bei dem
Type-Paar 3 (NOM < dat, Kontaktstellung, h-konform, Erfolgreich arbeitet,
wem ein Fachmann hilft.) und 9 (dat > NOM, Distanzstellung, h-konform, Wem
ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich.) nicht. Bei diesen Types hat Type 3 die
abweichende Satzgliedstellung, Type 9 hat eine kanonische Abfolge.
Betrachtet man die h-verletzenden Kontexte, so wird in einem von drei
Vergleichen tatsächlich die Kontaktstellung (Types 5 und 6) signifikant besser

51
bewertet. Hierbei handelt es sich um den Vergleich zwischen Type 6 (DAT > akk,
Kontaktstellung, h-verletzend, Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.) und
Type 12 (akk < DAT, Distanzstellung, h-verletzend, Wen der Arzt vorstellt,
assistiert der Pfleger.). Dieser Vergleich bestätigt die Hypothese. Die beiden
anderen Vergleiche der h-verletzenden Kontexte zeigen allerdings keinen
signifikanten Unterschied bezüglich der Stellung.
Fraglich ist, warum sich die Kontaktstellung nur in der Kasuskombination
Akkusativ/Dativ als eindeutig zeigt und ob man damit die Hypothese zur Stellung
als bestätigt betrachten kann. Zum einen könnte man die Hypothese, dass eine
Kontaktstellung sich positiv auf die Akzeptabilitätsurteile auswirkt als bestätigt
betrachten, denn die Stellung zeigt zumindest in 1/3 der Vergleiche signifikant
Ergebnisse. Zum anderen kann jedoch argumentieren werden, dass sich diese
Hypothese in mehr als 1/3 der Fälle bestätigen sollte, um wirklich als bestätigt zu
gelten. Zudem steht diesem Ergebnis noch die signifikant bessere Bewertung der
Distanzstellung zwischen Type 1 und 7 gegenüber, das eine Interpretation der
Ergebnisse als leichte Tendenz zugunsten der Hypothese wohl vollends zum
Fallen bringt, sowohl für h-verletzende als auch für h-konforme
Kasusmismatches.
Zusammengefasst muss festgestellt werden, dass die Bedingung Stellung
zu uneindeutigen, teils widersprüchlichen Ergebnissen führt. Daher lässt sich für
die vorliegende Studie kein abschließender Befund bezüglich dieser Bedingung
liefern. Weitere Studien, die die Stellung als Faktor fokussieren sind nötig, um die
Hypothese bestätigen oder ablehnen zu können.
Nun zu dem überraschenden Ergebnis der vorliegenden Studie. Type 1
(NOM < akk, Kontaktstellung h-konform, Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef
kritisiert.) und Type 2 (AKK > nom, Kontaktstellung, h-verletzend, Der
Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.) zeigen keinen signifikanten
Unterschied, obwohl die Hierarchieregel besagt, dass Type 1 besser bewertet
werden sollte. Zusätzlich haben sich alle anderen Paare mit deutlicher Signifikanz
entsprechend der Hierarchieregel verhalten. Allein dieses Paar wich davon ab.
Interessanterweise bemerkte auch Pittner in ihrer Akzeptabilitätsstudie
(Bausewein 1991) diesen Effekt für den Nominativ allgemein, weswegen sie
zunächst schlussfolgerte, dass der Akkusativ wohl der Kasus ist, der am ehesten
unrealisiert bleiben kann. Zusätzlich ist der einzige h-verletzende Beleg aus ihrer

52
Korpusstudie (Pittner 2003) genau dieser Art: ein Akkusativ wurde durch einen
Nominativ ersetzt. Auch in Leirbukts (1995) Belegen, zeigt sich, dass häufig
Akkusative durch Nominative ersetzt werden. Pittner (1995) versucht diesen
Effekt damit zu erklären, dass es zwischen Nominativ und Akkusativ nur ein
geringes Markiertheitsgefälle gibt; zwischen Nominativ und Dativ oder gar
Nominativ und Genitiv jedoch ein sehr großes (Pittner 1995: 197):
Wenn die Kasushierarchie eine Hierarchie morphologischer Markiertheit ist und
sich die Markiertheit eines Kasus an der Zahl vom Nominativ distinktiver Formen messen
läßt, dann ist klar, daß der Unterschied zwischen NOM und AKK minimal ist, da es im
Paradigma der Relativpronomen genau jeweils eine distinktive AKK-Form gibt. Die
Diskrepanz NOM/AKK sollte also weniger gravierend sein als die Diskrepanz von z.B.
NOM/DAT oder NOM/GEN, und dies scheint auch tatsächlich der Fall zu sein. Bei
Leirbukt finden sich nur zwei Beispiele für NOM statt DAT, doch eine ganze Reihe für
NOM statt AKK.

Diese Argumentation deckt sich überwiegend mit dem Ergebnis der vorliegenden
Studie. Beachtenswert ist aber, dass der minimale morphologische Unterschied
zwischen Nominativ und Akkusativ sich ausschließlich in Kontaktstellung, nicht
aber in Distanzstellung41, zeigt. Die größeren morphologischen Unterschiede
zwischen Nominativ und Dativ spiegeln sich eindeutig in den Ergebnissen wieder.
Sowohl in Kontakt- als auch in Distanzstellung wurden die h-konformen Kontexte
signifikant besser bewertet. Das spräche wiederum für die von Pittner gewählte
Erklärung.
Erweitert man diese Argumentation, so muss man auch den Unterschied
zwischen dem Akkusativ und dem Dativ untersuchen. Sie befinden sich auf der
Kasushierarchie direkt hintereinander, ebenso wie der Nominativ und der
Akkusativ. Ferner unterscheiden auch sie sich bezüglich des Paradigmas der
Relativpronomen, ebenso wie Nominativ und Akkusativ. Insofern, dass es auch
hier genau eine distinktive Dativform gibt (wenAKK versus wemDAT). Entsprechend
der Argumentation sollten sich bei Akkusativ-Dativ-Kombinationen also ähnliche
Ergebnisse feststellen lassen wie bei der Nominativ-Akkusativ-Kombination. Die
Ergebnisse der vorliegenden Studie bestätigen diese Argumentation jedoch nicht42.
Sowohl in Kontakt- als auch in Distanzstellung zeigte sich die h-konforme
Konstruktion (z.B. lobt, wem) als signifikant akzeptabler als die h-verletzende
(z.B. hilft, wen). Hier kann also nicht vom geringen morphologischen Unterschied

41 Bei der Distanzstellung ist p= 0.0047. Somit liegt die Zufallswahrscheinlichkeit bei dem
Ergebnis dieses Paares bei 0,47%.
42 Auch alle anderen in dieser Arbeit aufgeführten empirischen Erhebungen zeigen keinen
solchen Effekt.

53
als Erklärungsansatz gesprochen werden. Es ist unklar, warum sich ein geringer
morphologischer Unterschied nur in der Kombination Nominativ/Akkusativ und
hinzukommend in der potentiell vorteilhafteren Kontaktstellung, aber nicht in der
Kombination Akkusativ/Dativ zeigen sollte. Diese Argumentation ist
dementsprechend nicht ausreichend um das Ergebnis zu erklären.
Keenan & Comrie (1977) gehen von einer allgemeinen Subjektpräferenz
bei Relativpronomen aus. In Type 1 steht das Relativpronomen allerdings im
Akkusativ, in Type 2 hingegen im Nominativ. Möglich wäre, dass diese
Subjektpräferenz beim Relativpronomen dazu führt, dass ein eigentlich
h-verletzender Type doch nicht als so unakzeptabel bewertet wird.
Möglicherweise handelt es sich bei der Hierarchieregel und der Subjektpräferenz
um zwei konkurrierende Prinzipien, die einander hier schlichtweg aufheben. Der
Vergleich zu anderen Types, bei denen sich signifikante Unterschiede einstellten,
zeigt jedoch, dass dieser Erklärungsansatz hier wohl nicht zutreffend ist. Andere
Kasuskombinationen mit dem Nominativ zeigen die genannte Tendenz nicht. Hier
wird eindeutig die Hierarchieregel befolgt. So zeigt der Vergleich des Types 3
(NOM < dat, h-konform, Kontaktstellung, Erfolgreich arbeitet, wem ein
Fachmann hilft.) und des Types 4 (DAT < nom, h-verletzend, Kontaktstellung,
Der Richter vertraut, wer den Einbruch aufklärt.), dass eine eventuelle
Subjektpräferenz des Relativpronomen übergangen wird und sich allein die
Hierarchieregel durchsetzt. Es wäre nicht zu erklären, warum dies in der
Kasuskombination Nominativ/Dativ jedoch nicht Nominativ/Akkusativ so sein
sollte. Subjektpräferenz des Relativpronomens kann als Erklärungsansatz
demnach verworfen werden.
Was der Vergleich der Types 3 und 4 ebenfalls zeigt, ist, dass Nominative
nicht allgemein realisiert werden müssen, wie einst von Pittner (Bausewein 1991)
gemutmaßt. So zeigt sich nicht nur in der genannten Paarung (Kontaktstellung)
sondern auch bei den gleichen Bedingungen in Distanzstellung, also zwischen
Type 9 (dat > NOM, h-konform, Distanzstellung, Wem ein Fachmann hilft,
arbeitet erfolgreich.) und Type 10 (nom < DAT, h-verletzend, Distanzstellung,
Wer den Einbruch aufklärt, vertraut der Richter.), dass Nominative unrealisiert
bleiben können. Bei den Types 3 und 9 bleibt der Nominativ zugunsten eines
Dativs unrealisiert. Man kann folglich nicht davon ausgehen, dass der Nominativ
allgemein nicht unrealisiert bleiben kann. Möglich ist, dass der Nominativ und der

54
Akkusativ aus semantischer Sicht weniger gut zusammenpassen. Die
semantischen Rollen des Nominativs und des Dativs passen durchaus besser und
kommen häufiger vor. Jedoch lässt sich gegen diese Erklärung anmerken, dass
sich einzig in der Kontaktstellung dieser Effekt zeigt. Die gleiche
Kasuskombination zeigt in der Distanzstellung signifikant bessere
Akzeptabilitätsurteile zugunsten des h-konformen Kontextes.
Bei genauerer Betrachtung der Rolle des Nominativ als prototypischen
Subjektkasus schließt sich ein weiterer Erklärungsansatz an. Es ist denkbar, dass
es keinen signifikanten Unterschied zwischen Type 1 und 2 gab, weil Type 2 die
prototypische Satzgliedabfolge beachtet, wohingegen Type 1 ihr widerspricht. In
Type 2 liegt die klassische Subjekt-Objekt-Abfolge vor; Type 1 weist jedoch eine
unkanonische, wenn auch im Deutschen mögliche, Objekt-Subjekt-Abfolge auf.
Letztere gilt als markiert. Könnte es sich hier also auch wieder um zwei
entgegengesetzte Regel handeln? Zum einen gibt es die Hierarchieregel, die Type
1 bevorzugt und zum anderen gibt es die kanonische Satzgliedabfolge, die Type 2
bevorzugt. Beide zusammen heben sich ggf. auf; ähnlich wie bei der
Subjektpräferenz bei Relativpronomen gemutmaßt. Auch hier ist der Vergleich
zwischen anderen Types sinnvoll. Gegenübergestellt werden hierbei Types, die
sich lediglich bezüglich ihrer Satzstellung unterscheiden, also eine markierte oder
unmarkierte Satzgliedabfolge aufweisen; Kasuskombination und Grammatikalität
bleiben gleich. Der Vergleich zwischen Type 3 mit markierter Wortstellung
(NOM < dat, h-konform, Kontaktstellung, Erfolgreich arbeitet, wem ein
Fachmann hilft.) und Type 9 mit unmarkierter Wortstellung (dat > NOM, h-
konform, Distanzstellung, Wem ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich) bestätigt
diese Annahme nicht. Auch der Vergleich zwischen Type 10 mit markierter
Wortstellung (nom < DAT, h-verletzend, Distanzstellung, Wer den Einbruch
aufklärt, vertraut der Richter) und Type 4 mit unmarkierter Wortstellung (DAT <
nom, h-verletzend, Kontaktstellung, Der Richter vertraut, wer den Einbruch
aufklärt) widerspricht dieser Annahme. Sollte die Satzgliedabfolge ein
wesentlicher Faktor sein, warum es zwischen Type 1 und Type 2 keinen
signifikanten Unterschied gibt, hätte sich dieser auch hier zeigen und zu nicht
signifikanten Unterschieden führen sollen. Dementsprechend kann auch der
Unterschied der beiden Types bezüglich ihrer Satzgliedabfolge als
ausschlaggebender Grund für den nicht signifikanten Unterschied dieses Paares

55
verworfen werden.
Möglich wäre es ferner, dass ein bislang unbeachteter Faktor für das
Ergebnis bezüglich des Vergleiches von Type 1 und 2 verantwortlich ist. Bei
Nominativen sowie Akkusativen handelt es sich nach allgemeiner Forschung um
strukturelle Kasus. Die Vermutung liegt nahe, dass strukturelle Kasus eher
untereinander ausgetauscht werden können, als strukturelle und oblique
(lexikalische) Kasus. Von einer ähnlichen Hypothese gingen bereits Vogel &
Frisch (2003) aus und sahen diesen Ansatz zumindest teilweise als bestätigt an. In
gewisser Weise korreliert dies auch mit dem geringen morphologischen
Unterschied zwischen Nominativ und Akkusativ. Anders als Pittner (1995) in ihrer
Argumentation, um die Belege Leirbukts (1995) zu erklären, greifen Vogel &
Frisch (2003), wie gesagt, auf die Unterscheidung zwischen strukturellen und
lexikalischen Kasus zurück. Damit kann die Argumentation, dass zwischen
Akkusativ und Dativ ebenso ein kleiner morphologischer Unterschied besteht wie
zwischen Nominativ und Akkusativ nicht aufrecht erhalten werden kann, da,
entsprechend der Theorie, zwischen diesen beiden zusätzlich ein
Klassifizierungsunterschied herrscht. Der Akkusativ ist nach Vogel & Frisch
(2003) struktureller Kasus, der Dativ ist lexikalischer Kasus. Diese Erklärung
könnte zielführend sein. Es gibt noch ein weiteres Paar mit der gleichen
Kasuskombination. Vergleicht man das andere Paar mit der gleichen
Kasuskombination in der Distanzstellung, nämlich Type 7 (akk > NOM,
h-konform, Distanzstellung, Wen der Chef kritisiert, arbeitet wenig motiviert.) und
Type 8 (nom > AKK, h-verletzend, Distanzstellung, Wer einen Job sucht,
vermittelt der Angestellte.), zeigt sich aufgrund des signifikanten Ergebnisses
zugunsten des h-konformen Kontextes, dass entgegen der von Vogel & Frisch
(2003) angeführten Hypothese offenbar nicht strukturelle Kasus frei untereinander
ausgetauscht werden können. Auch dieser Erklärungsansatz muss somit nach
genauerer Betrachtung und nach einem Vergleich mit einem ähnlichen Type-Paar
fallengelassen werden.
Eine bereits eingangs beleuchtete Möglichkeit schließt sich an. Eventuell
wurden einige Items des betreffenden Types 2 nicht als freie Relativsätze, sondern
als indirekte Fragesätze interpretiert. Diesem Lösungsansatz zufolge würden die
entsprechenden Items repariert werden, um den Kasusmismatch abzufangen, denn
in indirekten Fragesätzen gibt es keine Hierarchieregel wie bei freien

56
Relativsätzen. Sie sind syntaktisch frei. Ist dieser Erklärungsansatz korrekt, so
erhielten die betreffenden Items abweichende, d.h. höhere
Akzeptabilitätsbewertungen, die dann wiederum den gesamten Type beeinflusst
haben könnten. Derartige Lesarten könnten bei einigen Items ausschlaggebend
gewesen sein. In Kapitel 2 wurden zahlreiche Unterscheidungskriterien und Tests
dargelegt, freie Relativsätze und indirekte Fragesätze voneinander zu
unterscheiden. Weiterhin besteht jedoch Unklarheit darüber, inwiefern diese
Kriterien umfassend oder vollständig sind (Zakariás 2010: 191). Hier soll kurz der
Test anhand der Partikel denn herangezogen werden. Diese Partikel kann in
direkten Fragesätzen vorkommen, in freien Relativsätzen allerdings nicht
(Zakariás 2010: 200). Außerdem wird der Anschluss mit ob sowie dass
angedeutet. Dies ist nur bei indirekten Fragesätzen möglich. Illustriert sei die
Lesart als indirekter Fragesatz kurz an einigen Beispielen:
(37)
a. Der Lehrer lobt, wer denn mit Eifer arbeitet.
b. ?Der Lehrer lobt (es), ob...
c. Der Lehrer lobt (es), dass...

(38)
a. Der Angestellte vermittelt, wer denn einen Job sucht.
b. Der Angestellte vermittelt (es), ob...
c. Der Angestellte vermittelt (es), dass...

(39)
a. Der Großvater beschenkt, wer denn kein Geld hat.
b. ?Der Großvater beschenkt (es), ob...
c. ?Der Großvater beschenkt (es), dass...

In Beispiel (37) könnte loben so interpretiert werden, dass über eine Tätigkeit
oder Tatsache Lob ausgesprochen wird. In Beispiel (38) kann die Lesart von
vermitteln in etwas vermitteln verändert werden. Mit dieser Lesart ist der
Anschluss mit einem indirekten Fragesatz sogar präferiert. Ausgeschlossen ist ein
solcher Anschluss in Beispiel (39). Tests dieser Art fanden daraufhin mit allen
Items statt. In einiges Types finden sich Matrixverben, die möglicherweise eine
Lesart als indirekter Fragesatz zulassen. Zu diesen Verben zählen verhören, loben,
vermitteln, bewundern (Type 2), antworten (Type 4 und Type 6), bewundern und
loben (Type 5). Bei den Types 1, 3 und 7 ist der Reparaturweg ausgeschlossen.
Bei h-konformen Kontexten besteht außerdem weniger bis kein Grund zur

57
Interpretation als indirekter Fragesatz.
Bei allen in Frage kommenden Testitems wurden die Mittelwerte
dahingehend untersucht, ob sie sich auffällig von denen anderer Items
unterscheidet, bei denen zweifelsfrei nicht der Reparaturweg des indirekten
Fragesatzes vorliegt. Bei keinem Testitem, das im Verdacht stand, von einigen
Probanden als Konstruktion mit indirektem Fragesatz gedeutet werden zu können,
wurden auffällige Abweichungen der Mittelwerte festgestellt, weder in Type 2
noch in den anderen Types. Sie wurden wie alle anderen Items bewertet. Somit
kann auch der Erklärungsansatz, dass bei den betreffenden Items eine
Interpretation als indirekter Fragesatz vorliegt, verworfen werden.
Was genau zu dem Ergebnis führte, bleibt demnach unklar. Es ist jedoch
bemerkenswert, dass diese nicht die erste Studie ist, die die Kasuskombination
Nominativ/Akkusativ als eine besondere identifiziert. Es scheint, als läge das
Ergebnis nicht am Nominativ selbst. Zahlreiche Erklärungsansätze, die in
gewisser Weise den Nominativ als besonderen Kasus betrachten und ihn zum
Zentrum eines möglichen Problems mit der Kasushierarchie machen, scheiden
hier als Erklärungsansatz aus. Möglich wären also zwei Szenarien. Es liegt an der
Kombination von Nominativ und Akkusativ und zwar genau in der
Kontaktstellung oder es ist einfach Zufall (Type 1 Error), dass sich bei dieser
Kombination kein signifikantes Ergebnis zeigte. Die Befunde Pittners (Bausewein
1991) zeigen, dass nicht der Nominativ sondern der Akkusativ der Kasus ist, der
am ehesten unrealisiert bleiben kann. Pittners Korpusstudie (2003) hat genau
einen h-verletzenden Kasusmismatch, ausgerechnet mit der Kasuskombination
Nominativ/Akkusativ. Leirbukts Belege (1995) gegen die Hierarchieregel
fokussieren besonders h-verletzende Nominativ/Akkusativ-Kasusmismatches.
Die Ergebnisse und Diskussionsbefunde dieser Studie sind ebenfalls Indiz dafür,
dass die Kasuskombination Nominativ/Akkusativ in der Kontaktstellung eine
besondere Kombination ist43. Um diesen Befund abschließend klären zu können,
reicht die vorliegende Studie nicht aus. Weiterführende Studien sind diesbezüglich
wünschenswert.
Insgesamt lässt sich hier festhalten, dass die Hauptthese (die
Hierarchieregel Pittners) präzisiert werden konnte. Es handelt sich hierbei
43 Denkbar wäre natürlich auch, dass das signifikante Ergebnis dieser Kasuskombination in der
Distanzstellung Zufall ist (p= 0.0047; 0.47 %) und sich die Besonderheit dieser
Kasuskombination nicht ausschließlich auf die Kontaktstellung bezieht.

58
vielmehr um ein Akzeptabilitätsgefälle als um eine klare Abtrennung zwischen
grammatischen bzw. akzeptablen und ungrammatischen bzw. nicht akzeptablen
Konstruktionen. Diese, durch die vorliegende Arbeit hinzugefügte, zusätzliche
Ebene erweitert die bestehende Hierarchieregel. Außerdem lässt dieses Ergebnis
die Hierarchieregel in einem anderen Licht erscheinen. Ferner wurde die
Sonderrolle der Kasuskombination Nominativ/Akkusativ, die auch schon in den
vorgestellten, vorangegangenen Untersuchungen bzw. in Belegen unerwartete
Ergebnisse brachte, bestätigt. Bezüglich des möglichen Einflussfaktors der
Stellung (in dieser Arbeit die Nebenhypothese) können auch nach einer
Diskussion der Befunde keine fundierten Aussagen getroffen werden. Dieser
Untersuchungsgegenstand bleibt für weitere empirische Forschung offen.

6. Weiterführende Erklärungsansätze zu Kasusidentität


und Kasusmismatch in freien Relativsätzen

Pittner führt zahlreiche Teilbereiche der Linguistik an (s. 3.1.), in denen die
Kasushierarchie eine Rolle spielt. Dass die Kasushierarchie für die Akzeptabilität
freier Relativsätze relevant ist, konnte die Studie der vorliegenden Arbeit
bestätigen44. Ebenso interessant ist Pittners Feststellung, dass nicht die abstrakten
Kasus ausschlaggebend sind, sondern die morphologischen Outputformen der
Kasus (s. auch Vogel et al. 2006). Damit kann sie erklären, warum ein
h-verletzender Mismatch dennoch vollkommen akzeptabel ist, wenn das
Relativpronomen morphologisch kasusambig ist. Anhand ihrer Beispiele mit was
ist zu erkennen, dass es offensichtlich nicht auf den eigentlichen, abstrakten Kasus
ankommt, sondern nur auf die äußerliche, morphologische Form. Dieser Ansatz
ist bemerkenswert, da er nicht nur auf Kasussynkretismus angewendet werden
kann, sondern auch auf den hier gewählten Untersuchungsgegenstand: mit
belebtem Relativpronomen eingeleitete, freie Relativsätze mit morphologisch
distinktem Kasus. Pittner stützt ihre Argumentation lediglich auf morphologische
Markiertheit, auch wenn sie für die Kasushierarchie Erklärungsansätze
unabhängiger Bereiche anschneidet, die weiterführende Erklärungen liefern. Sie

44 Mit Ausnahme der problematischen Type-Paares 1 und 2.

59
bietet demnach eine rein morphologische Erklärung für ein syntaktisches
Problem.
Betrachtet man die von Pittner angeführte unabhängige Evidenz für die
Kasushierarchie (z.B. Bierwisch 1967, Wunderlich 1997), so wird schnell klar,
dass neben morphologischer Form ein weiteres Phänomen eine Rolle spielt. Die
Kasus sind als Merkmalsbündel zu betrachten. Die Theorie der Merkmalsanalyse
ist bereits fest etabliert. Ausgehend von Jakobson (1941, s. auch 1936 sowie
1972), der anhand von negativen und positiven Spezifikationen verschiedener
Merkmale die Markiertheit einzelner Laute kategorisierte, wurde diese auf weitere
linguistische Teilgebiete übertragen (s. z.B. Waugh/Lafford 2000). Ein Laut, eine
Kasusform o.ä. können so durch positive und negative Merkmalsspezifikationen
genau beschrieben werden. Dabei zeigen i.d.R. die positiv spezifizierten
Merkmale den markierteren Wert an45. Die abstrakte Outputform ist lediglich ein
Merkmalsbündel diverser Merkmale (Penke 2006: 155) und vertritt damit
gleichermaßen eine unmarkierte oder markierte Form. Lange wurde – und es wird
weiterhin – angenommen, dass alle Merkmalsspezifikationen einer Form im
mentalen Lexikon abgespeichert sind und berücksichtigt werden müssen.
Penkes (2006) morphosyntaktische Annahme besteht darin, dass nur die
positiven, nicht aber die negativen, Merkmalsspezifikationen zu berücksichtigen
sind, da die negativen Merkmalsspezifikationen nur eine untergeordnete Rolle
spielen (Penke 2006: 160). Anhand verschiedener psycholinguistischer
Experimente (s. Penke/ Janssen & Eisenbeiss 2004) untermauert sie, „dass
positive und negative Merkmalsspezifikationen einen unterschiedlichen Status in
der Grammatik und dementsprechend auch für die Sprachverarbeitung haben“
(Penke 2006: 160). Bei den Experimenten wurden Probanden grammatische sowie
ungrammatische Satzpaare präsentiert. Die Ungrammatikalität bestand darin, dass
falsche Flexionsformen gegeben waren. Aufgabe war es, möglichst schnell über
die Gleichartigkeit der Satzpaare zu urteilen. Das Ergebnis dieser Studien lautete
folgendermaßen (Penke 2006: 158):
Während die Nicht-Übereinstimmung von positiven Affixmerkmalen und
entsprechenden Kontextmerkmalen zu einem Ungrammatikalitätseffekt führt, scheint die
Nicht-Übereinstimmung zwischen negativ spezifizierten Affixmerkmalen und
entsprechenden Kontextmerkmalen für das Auftreten eines Ungrammatikalitätseffekts
nicht relevant zu sein.

45 Für eine Diskussion wie die markiertere Entität festgestellt werden kann s. Waugh/Lafford
2000 sowie Penke 2006.

60
Wie erwähnt, weisen Penke et al. (2004) den negativ spezifizierten Merkmalen
eine untergeordnete Rolle zu. Wird dieser Grundgedanke, dass positive Merkmale
eine übergeordnete, wenn nicht gar einzig relevante Rolle spielen, ausgebaut und
weitergeführt, kann ferner davon ausgegangen werden, dass es statt binärer
Merkmale lediglich privative Merkmale gibt46. Hierbei findet keine positive oder
negative Spezifikation statt. Ein Kasus (und entsprechende morphologische
Formen) hat ein bestimmtes Merkmal, oder er hat es nicht. Auch auf diese Weise
entstehen eindeutige Merkmalsbündel einzelner Kasus. Der Vorteil dieser
Weiterführung von Penkes Ansatz besteht darin, dass das Problem der
Klassifizierung der Merkmale in markiert und unmarkiert nicht mehr existiert.
Trotz verschiedener Untersuchungen und theoriebasierter Argumentationen (s.
Penke 2006 sowie Waugh/Lafford 2000) ist es nicht unstrittig, welche Merkmale
als markiert und welche als unmarkiert angenommen werden. Mit einer Ersetzung
binärer Merkmale durch privative Merkmale kann diese Schwierigkeit
umgegangen werden.
Penke et al. (2004) verwendet, entsprechend ihres Forschungsfokus,
andere Merkmale als die hier benötigten. Überträgt man den Grundgedanken
dieses Ansatzes jedoch auf die vorliegende Arbeit und geht ausschließlich von
privativen Merkmalen aus, so ergibt sich folgendes Bild für die
Merkmalsspezifikationen der Kasus:
(40)
Nominativ []
Akkusativ [OBJEKTIV]
Dativ [OBJEKTIV] [OBLIQUE]
Genitiv [OBJEKTIV] [OBLIQUE] [GENITIV]

Dargestellt sind je alle auf die Kasus zutreffenden privativen Merkmale. Der
Nominativ weist keine Merkmale auf und ist somit unterspezifiziert. Beim
Akkusativ ist lediglich das Merkmal [OBJEKTIV] vorhanden. Der Dativ hat
zusätzlich zu dem Merkmal [OBJEKTIV] ein weiteres privatives Merkmal;
[OBLIQUE]. Der Vollständigkeit halber sei hier auch der Genitiv erwähnt, der
wiederum ein Merkmal mehr als der Dativ aufweist; [GENITIV].

46 Diese Überlegungen zur Weiterführung von Penkes Argumentationen zur Merkmalsanalyse


und die entsprechenden Merkmale liegen einem nur seminarintern veröffentlichten Skript
zugrunde (Primus 2011); s. außerdem Bierwisch (1967), Kiparsky (1989, 1992) Wunderlich
(1997), Gallmann (1989), Thieroff (2000) u.a.

61
Auf diese Weise bilden die weniger stark markierten Kasus (diejenigen mit
weniger Merkmalen) eine Teilmenge eines stärker markierten Kasus. Der Dativ
beispielsweise subsummiert mit seinen Merkmalen sowohl den Akkusativ als
auch den Nominativ. Statt also von abstrakten Kasus zu sprechen oder
oberflächliche Flexionsparadigma zu betrachten, geht dieser Ansatz von
privativen Merkmalen aus, die zusammengefasst einen Kasus darstellen. So
entstehen zwischen einzelnen Kasus simple Teilmengenbeziehungen bezüglich
der Merkmale. Diese wiederum entsprechen der Kasushierarchie. Das Konzept
der Kasusmarkiertheit kann auf diese Weise auf einer weiteren Ebene, abseits
morphologischer Outputformen wie es Pittner (1991, 1995, 2003) vorschlägt,
begründet werden. Dies stützt die angenommenen Markiertheitsabstufungen
innerhalb der Kasushierarchie.
Wird dieser Ansatz nun auf die Ergebnisse dieser Arbeit übertragen, kann
festgestellt werden, dass das entstandene Akzeptabilitätsgefälle unterschiedlicher
Konstruktionen sich anhand dieser Teilmengenbeziehungen erklären lässt47:
(41)
Kasusidentität ( Merkmale von K148 und K2 sind identisch; z.B. hilft, wem)
˅
Kasusmismatch ( K1 ist Teilmenge von K2; z.B. besucht, wem)
˅
Kasusmismatch ( K2 ist Teilmenge von K1; z.B. hilft, wen;)

Konstruktionen mit übereinstimmenden Merkmalen von K1 und K2


(Kasusidentität) sind akzeptabler als Konstruktionen, in denen die Merkmale von
K1 nur unter denen von K2 subsummiert werden können (h-konformer
Kasusmismatch). Diese Konstruktionen wiederum sind akzeptabler als solche, in
denen die Merkmale von K1 nicht unter denen von K2 subsummiert werden
können (h-verletzender Kasusmismatch).
Um die Bedeutung der Aufspaltung der Kasus in privative Merkmale
aufzuzeigen, sollen zwei Beispiele aus Pittners Akzeptabilitätsstudie (Bausewein
1991) herangezogen werden. Zunächst werden dazu die Merkmale der einzelnen
Kasus der Anschaulichkeit halber auf die belebten Relativpronomen übertragen.

47 Die negative Kontrollgruppe mit Kasusrektionsfehlern in derselben Rektionsdomäne wurden


an dieser Stelle außen vor gelassen, da bei ihnen die Teilmengenbeziehung ohnehin irrelevant
ist.
48 Entsprechend Pittners Notation ist K1 der vom Matrixverb geforderte Kasus und K2 der vom
Verb des freien Relativsatzes geforderte Kasus.

62
Es ergibt sich folgendes Bild:
(42)

wer []
wen [OBJEKTIV]
wem [OBJEKTIV] [OBLIQUE]
wessen [OBJEKTIV] [OBLIQUE] [GENITIV]

Entsprechend zweier Beispielsätze Pittners (Bausewein 1991: 153), ergibt sich


anhand der oben gezeigten Merkmale folgende Darstellung:
(43)

a. Er lädt ______ ein, wem er zu Dank verpflichtet ist.


[OBJEKTIV] [OBJEKTIV]
[OBLIQUE]
b. *Er vertraut ______, wen er kennt.
[OBJEKTIV] [OBJEKTIV]
[OBLIQUE]

In Beispiel (43)a. regiert das Matrixverb einen Akkusativ, der nur das Merkmal
[OBJEKTIV] aufweist. Der Kasus des Relativpronomens muss lediglich dieses
Merkmal erfüllen. Das Relativpronomen im Dativ in (43)a. erfüllt diese
Voraussetzung, denn es trägt die Merkmale [OBJEKTIV] und [OBLIQUE]. Damit
subsummiert K2 K1. K1 ist Teilmenge von K2 49. Es ist irrelevant, dass das
Relativpronomen zusätzlich das Merkmals [OBLIQUE] aufweist, denn
Kasusidentität (identische Merkmale) ist im Deutschen bei freien Relativsätzen
nicht gefordert. Es reicht eine Teilmengenbeziehung. In Beispiel (43)b. ist der
umgekehrte Fall gegeben. Das Matrixverb regiert einen Dativ, der den Merkmalen
[OBJEKTIV] und [OBLIQUE] entspricht. Das Relativpronomen des freien
Relativsatzes steht im Akkusativ und weist damit nur das Merkmal [OBJEKTIV]
auf. Dies genügt den Anforderungen des Martixsatzes nicht. K1 ist keine
Teilmenge von K2. Vielmehr ist K2 Teilmenge von K150.
Der große Vorteil der Merkmalsanalyse besteht darin, die Kasus genauer
und tiefergehend analysieren zu können. So entstehen Teilmengenbeziehungen.
Anhand dieser Teilmengenbeziehungen lassen sich die Befunde der vorliegenden
Studie präziser erläutern als durch den ursprüngliche Erklärungsansatz nach
Pittner. Dieser distanziert sich bereits von abstrakten Kasus, um Grammatikalitäts-

49 In Anlehnung an die gewählte Terminologie des Experimentes ist dies h-konform.


50 In Anlehnung an die gewählte Terminologie des Experimentes ist dies h-verletzend.

63
oder Akzeptabilitätsunterschiede deutlich zu machen. Dennoch handelt es sich
auch hierbei um oberflächliche Outputformen. Das Konzept der Markiertheit wird
von Pittner fast ausschließlich auf die morphologische Realisation der
Kasusformen bezogen. Mithilfe der vorgeschlagenen Merkmalsanalyse der Kasus
kann der Markiertheit innerhalb der Kasushierarchie auf einer deutlich
tiefergehenden Ebene mehr Nachdruck und Erklärungspotential verliehen werden.
Zudem wird dieser Ansatz durch psycholinguistische, unabhängige Evidenz (z.B.
Penke/ Janssen & Eisenbeiss 2004) gestützt.
Fraglich bleibt jedoch auch bei diesem Erklärungsansatz, warum in der
vorliegenden Studie kein signifikanter Unterschied zwischen h-konformen und
h-verletzenden Konstruktionen der Kasus Nominativ/Akkusativ (in der
Kontaktstellung) festgestellt werden konnte. Außerdem ist unklar, inwiefern sich
dieser Erklärungsansatz auf die in Pittners Hierarchieregel inkludierten
Präpositionalkasus übertragen ließe. Diesbezüglich besteht weiterhin
Forschungsbedarf.
Schlesewsky (1996) untersucht in seiner Arbeit reguläre Relativsätze und
bezieht sich, anders als die vorliegende Arbeit, nur am Rande auf freie
Relativsätze. Dennoch können seine Ergebnisse für weitere Erklärungsansätze zu
freien Relativsätzen gut eingebunden werden. Schlesewskys (1996) Ergebnisse
psycholinguistischer Studien und seine Ansätze könnten dabei helfen, den freien
Relativsatz als Konstruktion nicht vollkommen losgelöst zu betrachten, sondern
ihn in die größere Klasse der regulären Relativsätze einzubetten. Es stellt sich die
Frage, warum es für freie Relativsätze besondere Regeln geben sollte, die für
reguläre, attributiv gebrauchte Relativsätze nicht gelten. Zunächst seien nun
Schlesewskys (1996) Befunde51 dargestellt. Zur besseren Übersicht ein kleiner
Ausschnitt der Testsätze (Schlesewsky 1996: 129):
(44)
Der Tenor behauptet, ...
a. daß man Opernsängerinnen, denen man mißtraut, begrüßen sollte.
b. daß man Opernsängerinnen, denen man mißtraut, entgegengehen sollte.
c. daß man Opernsängerinnen, die man erkennt, begrüßen sollte.
d. daß man Opernsängerinnen, die man erkennt, entgegengehen sollte.
51 Die Darstellungen beziehen sich sowohl auf Objekt-Objekt-Asymmetrien, in der vorliegenden
Arbeit demnach Kasusmismatches zwischen Akkusativ und Dativ, als auch auf Subjekt-Objekt-
Asymmetrien (Schlesewsky 1996: 154), in der vorliegenden Arbeit demnach Kasusmismatches
zwischen Nominativ und Akkusativ oder Dativ. Frazier (1987) legte für das Niederländische
nahe, dass sich Subjekt-Objekt-Asymmetrien anders verhalten als Objekt-Objekt-
Asymmetrien. Für eine Erklärung dieses Unterschieds s. Schlesewsky (1996: 160).

64
In den Beispiele (44)a. und (44)d. weisen das Matrixverb und das Verb des
Relativsatzes unterschiedliche Kasus zu; in den Beispielsätzen (44)b. Und (44)c.
sind die Kasus übereinstimmend. Die NP Opernsängerinnen stellt sowohl die
Akkusativ- als auch die Dativform dar, d.h. sie ist kasusambig.
Es handelte sich bei den Experimenten um lesezeitbezogene Studien, bei
denen untersucht wurde, welche Kasuspräferenz bezüglich des ambigen
Bezugselements vorliegt. Sprache wird inkrementell verarbeitet (Schlesewsky
1996: 130); das kasuszuweisende Matrixverb befindet sich jedoch erst am Ende
des Satzes, sodass zuvor lediglich eine Vermutung über den Kasus der
kasusambigen NP im Matrixsatz getroffen werden kann. Diese Vermutung richtet
sich zunächst nach der Markiertheit der zur Auswahl stehenden Kasus (in
obengenannten Beispielen der Akkusativ und der Dativ). Die präferierte
Interpretation als Akkusativ und nicht präferierte Interpretation als Dativ wird so
lang beibehalten bis das kasusmarkierte Relativpronomen eine der beiden
Präferenzen verwirft, „da dadurch maximale Merkmalsidentität im Sinne des
Kongruenzprinzips52 möglich ist“ (Schlesewsky 1996: 144). Stimmen die Kasus
des Relativsatzes und des Matrixsatzes überein, gibt es keinerlei
Verarbeitungsprobleme und keinen Reanalyseeffekt (Schlesewsky 1996: 142).
Unterscheiden sich beide Kasus, so ist es bezüglich des Verarbeitungsaufwandes
bei der Reanalyse förderlich, wenn der vorangegangene Kasus (des
Relativpronomens) markierter ist als der vom Matrixverb regierte Kasus. Der
nachfolgende Kasus des Matrixverbs kann dann in seiner Merkmalsanalyse
subsummiert werden. Ist der vorangehende Kasus weniger stark markiert als der
des Matrixsatzes, so kommt es zu erhöhten Reanalysekosten (Schlesewsky 1996:
144). Mit anderen Worten, Kasusidentität wird bevorzugt, d.h. am schnellsten
verarbeitet; darauf folgen Kasusmismatches entsprechend der Kasushierarchie,
gefolgt von Kasusmismatches entgegen der Kasushierachie.
Interessant für die vorliegende Arbeit ist, dass Schlesewsky (1996) zwar
reguläre Relativsatzkonstruktionen betrachtete, diese jedoch in solchen
Konstruktionen testete, in denen die Bezugs-NP kasusambig war und erst im

52 Prinzip der maximalen Kongurenz, s. Schlesewsky 1996: 134: „Danach [nach dem Prinzip der
maximalen Kongruenz, J.M.] werden im Prozeß der Assoziation der beiden Phrasen [Bezugs-
NP und Relativpronomen. J.M.] Numerus, Genus und Kasus auf Identität überprüft. […]
Entsteht […] ein lokal ambiger Zustand […], so bevorzugt der Parser entsprechend dem
Prinzip der maximalen Kongruenz diese Analyse [Kasus der Bezugs-NP entspricht dem Kasus
des Relativpronomen, J.M.]“

65
Verlauf der Sätze bestimmt werden musste. Ferner stellt Schlesewsky (1996) fest,
dass das Prinzip der maximalen Kongruenz und die Kasushierarchie in Interaktion
miteinander stehen, wenn die Bezugs-NP kasusambig ist (Schlesewsky 1996:
169). Damit lassen sich seine Ergebnisse gut auf die Fragestellung der
vorliegenden Arbeit übertragen, da bei freien Relativsätzen überhaupt keine
Bezugs-NP gegeben ist, die eine eindeutige Kasusmarkierung haben könnte. In
diesem Punkt sind Schlesewskys (1996) Experimente und das der vorliegenden
Arbeit ähnlich; in einem Fall ist das Bezugselement kasusambig, in dem anderen
Fall ist es nicht vorhanden.
Schlesewskys (1996) Ergebnisse deuten an, dass für freie Relativsätze
vermutlich keine besondere Regeln herrschen, sondern dass diese bereits in
normalen Relativsätzen zum Vorschein kommen; wenn auch eventuell nicht so
stark wie bei freien Relativsätzen53. Die Ergebnisse über Lesezeiten bei regulären
Relativsätzen sind nicht mit den Akzeptabilitätsurteilen freier Relativsätze der
vorliegenden Arbeit gleichzusetzen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich bei
attributiv gebrauchten Relativsätzen mit einer anderen Methodologie die gleichen
Abstufungen abbilden wie bei der Akzeptabilität freier Relativsätze. Sowohl in
Schlesewskys (1996) Experimenten mit attributiv gebrauchten Relativsätzen als
auch in der vorliegenden Studie freier Relativsätze wurden Konstruktionen mit
Kasusidentität (Symmetrie) signifikant besser bewertet als h-konforme
Kasusmismatches (Asymmetrie). Diese wiederum wurden signifikant besser
bewertet als h-verletzende Kasusmismatches (Asymmetrie). Die Experimente
unterschiedlicher, aber verwandter, Konstruktionen mit kommen demnach zu den
gleichen Ergebnissen. Mit zunehmender Lesezeitdauer der Konstruktionen bei
Schlesewskys (1996) Experimenten sinkt die Akzeptabilität der Konstruktionen
des vorliegenden Experiments.
Von diesem Standpunkt aus kann argumentiert werden, dass sich Kasus-
Asymmetrien (= Kasusmismatches) sowohl in Konstruktionen mit, als auch ohne
Bezugs-NP negativ auswirken (sei es bezüglich der Akzeptabilität oder der
Verarbeitungsdauer), sie bei freien Relativsätzen jedoch eventuell
schwerwiegender sind, da ihnen die Bezugs-NP fehlt. Diese würde einen
geforderten Kasus realisieren und einen Kasusmismatch abschwächen. Sie ist bei

53 Ein konkreter Vergleich ist aufgrund unterschiedlichen Experimentdesigns,


Untersuchungsgegenstands und theoretischer Einbettung nicht möglich.

66
freien Relativsätzen nicht gegeben und kann somit nicht abschwächend wirken.
Daher herrschen bei freien Relativsätzen ggf. strengere Kriterien bezüglich ihrer
Akzeptabilität.
Der Vergleich zwischen freien Relativsätzen und attributiv gebrauchten
Relativsätzen zeigt, dass sie trotz oberflächlicher Unterschiede dennoch einige
Gemeinsamkeiten aufweisen. Auf diese Weise ergeben sich Parallelen zwischen
beiden Satztypen und die zuvor losgelöste Konstruktion freier Relativsätze kann
in einen größeren Rahmen eingebettet werden. Dies schafft die Möglichkeit zu
Erklärungsansätzen, die sonst nicht zur Verfügung stünden. Damit handelt es sich
bei freien Relativsätzen nicht mehr um ein Sonderphänomen, das Sonderregeln
verlangt. Vielmehr zeigt sich, dass bereits bestehende Regeln (in diesem Fall bei
regulären Relativsätzen) bei freien Relativsätzen aufgrund ihrer syntaktischen
Besonderheit und sprachlichen Markiertheit ggf. mehr zum tragen kommen.
Weiterhin bleibt die Frage, wie bei der vorangegangenen Erklärung, bestehen,
warum es in der vorliegenden Studie einen Ausnahmefalls gab und wie es sich mit
Präpositionalkasus verhält. Diese Problematik kann auch der durch Schlesewskys
(1996) Studien angeführte Ansatz an dieser Stelle noch nicht klären.
Die hier vorgestellten zusätzlichen Erklärungsansätze können freie
Relativsätze in einem größeren Kontext verorten. Außerdem kann besonders die
Merkmalsanalyse dazu beitragen, dass die Gültigkeit und der Einfluss der
Kasushierarchie auf unterschiedliche Art und Weise untermauert wird. Dabei kann
die Kasushierarchie tiefergehend erklärt und unterstützt und ihr Einfluss auf
weitere linguistische Bereiche verdeutlicht werden. Die besprochenen Ansätze
zeigen, dass die Kasushierarchie in Verbindung mit der Merkmalsanalyse nicht
ausschließlich auf freie Relativsätze anzuwenden ist, sondern, wenn auch durch
zusätzliche Faktoren abgeschwächt, einen deutlich größeren Geltungsbereich
aufweist. Damit müssen freie Relativsätze und ihre Beschränkungen nicht mehr
als ausgeklammertes Phänomen betrachtet werden. Diese weiterführenden
Erklärungsansätze zu freien Relativsätzen sind theoretische Annahmen, die nicht
den Anspruch erheben komplett oder zweifelsfrei zutreffend zu sein. Vielmehr
handelt es sich hierbei um zusätzliche, anknüpfende Überlegungen, die freie
Relativsätze nicht als gesondertes Phänomen betrachten, sondern versuchen, sie in
bestehende Rahmen und Theorien einzubinden, um Erklärungsansätze verwandter
Gebiete zu gewinnen. Inwiefern die angeführten Ideen zielführend sind, kann an

67
dieser Stelle nicht abschließend beantwortet werden. Hierzu sind zusätzliche
Studien nötig, die die Grundlage dieser Arbeit sowie hier ausgeklammerte
Teilaspekte genauer betrachten.

68
7. Fazit und Ausblick

Es konnte gezeigt werden, dass die Hierarchieregel nach Pittner fast ausnahmslos
korrekte Prognosen trifft. Der Einflussfaktor Stellung hat sich in dem Experiment
dieser Arbeit nicht als eindeutige Einflussgröße gezeigt. Zuverlässige Aussagen
können zu diesem Faktor hier nicht getroffen den. Wenn auch die Hierarchieregel
grob bestätigt wurde, so gibt es einige zusätzliche Ergebnisse, die diese Arbeit
liefert. Zum einen konnte gezeigt werden, dass es sich bei Kasusmismatches bei
freien Relativsätzen um keine klare Trennung zwischen grammatischen und
ungrammatischen Konstruktionen handelt. Vielmehr herrscht hier ein
Akzeptbailitätsgefälle vor, wobei absolut grammatische Konstruktionen (positive
Kontrollgruppe mit freie Relativsätze mit Kasusidentität) besser bewertet werden
als h-konforme Kasusmismatches. Diese wiederum werden besser bewertet als
h-verletzende Kasusmismatches. Erst danach folgen ungrammatische
Konstruktionen (negative Kontrollgruppe mit Kasusrektionsfehlern in derselben
Rektionsdomäne). Diese ist eine neue Ebene, die der Hierarchieregel hinzugefügt
werden konnte. Angedeutet wurde sie bereits durch die Pilotstudie von Vogel &
Frisch (2003) und konnte hier auf zusätzliche Kasus erweitert werden. Zum
anderen legen die Ergebnisse dieser Studie nahe, dass es sinnvoller ist, von
Akzeptabilität und ihrem Gefälle zu sprechen als von Grammatikalität. Zwischen
den Akzeptabilitätsurteilen herrscht eine Gradienz, bei der es weder zielführend
noch möglich ist, eine Grammatikalitätsgrenze anzunehmen. Diese wäre
willkürlich gezogen und entspräche vielmehr der preskripten Sprachwissenschaft,
denn der deskriptiven Sprachwissenschaft.
Natürlich reicht eine Studie allein nicht aus, um die Ergebnisse
zweifelsfrei als allgemeingültig zu betrachten. Weitere Studien ähnlicher Art sind
nötig, um die Befunde zu festigen. Ferner konnte in dieser Studie keine fundierte
Aussage dazu gemacht werden, ob die Stellung des freien Relativsatzes Einfluss
hat. Die These kann weder bestätigt, noch widerlegt werden. Zudem wäre es
interessant, zu untersuchen, inwiefern eine Anreicherung des Kontextes durch
zusätzliches Sprachmaterial, gemäß Leirbukts (1995) Vorschlag, einen Einfluss
hätte. Außerdem gehören die Präpositionalkasus zu Pittners Hierarchieregel. Diese
wurden aus dem vorliegenden Experiment vollkommen ausgeschlossen. Auch hier

69
bietet sich eine weitere Studie an, vor allem vor dem Hintergrund, dass die
Präpositionalkasus in bereits durchgeführten Studien zu widersprüchlichen
Ergebnissen führten und sie im Laufe der Zeit auf der Hierarchieregel neu verortet
wurden.
Ferner bleibt weiterhin zu klären, warum das Type-Paar 1 und 2 der
Kasuskombination Nominativ/Akkusativ in Kontaktstellung keinen signifikanten
Unterschied zeigte und nicht der h-konforme Kasusmismatch bevorzugt wurde
wie bei allen anderen Paaren. Diese Kasuskombination war bereits in einigen
Experimenten und Belegen problematisch. Mehrere Erklärungsansätze für dieses
Ergebnis der vorliegenden Arbeit mussten verworfen werden. Woran es liegt, dass
sich diese Gruppe als eine Sonderklasse darstellt, bedarf weiterer Forschung und
möglicherweise weiterer theoretischer Ansätze.
Zusätzlich zu der Hierarchieregel konnte die vorliegende Arbeit zwei
weitere Erklärungsansätze mit psycholinguistischer, unabhängiger Evidenz
aufzeigen. Zum einen verleiht die weiterentwickelte Merkmalsanalyse auf
Grundlage von Penke (2006) der Kasushierarchie deutlich mehr Tiefe und
erweitert so ihr Erklärungspotential und ihre Bedeutung für freie Relativsätze. Die
Hierarchieregel kann so durch differenziertere Analysen gestützt und angereichert
werden. Zum anderen schafft es der zweite vorgestellte Erklärungsansatz nach
Schlesewsky (1996), freie Relativsätze in bestehende Theorien verwandter
Konstruktionen (reguläre Relativsätze) einzuordnen. So ist es möglich zuvor nicht
zur Verfügung stehende Erklärungsansätze zu gewinnen und ansonsten
unmotivierte Sonderregeln für freie Relativsätze zu erklären. Schlesewskys (1996)
Befunde wurden später mithilfe eines optimalitätstheoretischen Ansatzes
analysiert (Fanselow et al. 1999). Möglicherweise könnte auch dieser, ähnlich wie
Schlesewskys (1996) Erklärungsansätze zu attributiv gebrauchten Relativsätzen,
auf freie Relativsätze übertragen werden. Inwiefern sich diese Theorien und
Überlegungen tatsächlich als zielführend erweisen bleibt in zukünftigen Studien
noch zu untersuchen.

70
8. Bibliographie

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des Instituts für Deutsche Sprache. Berlin: de Gruyter.

73
9. Erklärung des selbstständigen Verfassens

Hiermit erkläre ich an Eides statt, dass ich diese Masterarbeit selbstständig
verfasst und keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt
habe. Die Stellen meiner Arbeit, die dem Wortlaut oder dem Sinn nach anderen
Werken und Quellen, einschließlich Quellen aus dem Internet, entnommen sind,
habe ich in jedem Fall unter Angabe der Quelle als Entlehnung kenntlich gemacht.
Dasselbe gilt sinngemäß für Tabellen, Karten und Abbildungen. Diese Arbeit habe
ich in gleicher oder ähnlicher Form oder auszugsweise nicht im Rahmen einer
anderen Prüfung eingereicht.

Ich versichere zudem, dass der Text der elektronischen Fassung mit dem Text der
vorgelegten Druckfassung identisch ist.

Köln, den _________________ Unterschrift:___________________________


(Jana Mewe)

74
Anhang A – Material der Fragebögen
Darstellung der Types

Kontakt Kontakt Distanz Distanz


h-konform h-verletzend h-konform h-verletzend
T M fRs T M fRs T M fRs T M fRs
Nom / Akk 1 NOM < akk 2 AKK > nom 7 akk > NOM 8 nom < AKK
Nom / Dat 3 NOM < dat 4 DAT > nom 9 dat > NOM 10 nom < DAT
Akk / Dat 5 AKK < dat 6 DAT > akk 11 dat > AKK 12 akk < DAT

Kasusrektion des Verbs im Matrixsatz in Majuskeln


Kasusrektion des Verbs des freien Realivtsatzes in Minuskeln
< = erstgenannter Kasus ist weniger stark markiert als zweitgenannter
> = erstgenannter Kasus ist stärker markiert als erstgenannter

Inakzeptable Filler: Type 13, 14


Akzeptable Filler: Type 15, 16, 17, 18

Type 1 M: NOM < fRs: akk


Kontaktstellung – h-konform
1 Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.
2 Glücklich ist, wen der Sohn besucht.
3 Einen Job bekommt, wen der Angestellte vermittelt.
4 Mit Konzentration redet, wen der Lehrer prüft.
5 Größere Verluste vermeidet, wen ein Experte berät.
6 Erleichtert reagiert, wen der Leiter informiert.

Type 2 M: AKK > fRs: nom


Kontaktstellung – h-verletzend
1 Der Polizist verhört, wer unter Verdacht steht.
2 Der Lehrer lobt, wer mit Eifer arbeitet.
3 Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.
4 Der Wachdienst beschützt, wer einen Angriff befürchtet.
5 Der Junge bewundert, wer Schlittschuh läuft.
6 Der Großvater beschenkt, wer kein Geld hat.

Type 3 M: NOM < fRs: dat


Kontaktstellung – h-konform
1 Erfolgreich arbeitet, wem ein Fachmann hilft.
2 Voller Nervosität spricht, wem ein Prominenter zuhört.
3 Eine große Ehre erfährt, wem der Experte gratuliert.
4 Viel Geld verdient, wem der Kunde vertraut.
5 Gute Arbeit leistete, wem der Gast dankt.
6 Überzeugend redet, wem der Skeptiker glaubt.

75
Type 4 M: DAT > fRs: nom
Kontaktstellung – h-verletzend
1 Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.
2 Der Rettungsfond hilft, wer in Not ist.
3 Der Richter vertraut, wer den Einbruch aufklärt.
4 Der Onkel gratuliert, wer Nachwuchs bekommt.
5 Der Soldat dient, wer den Oberbefehl hat.
6 Der Zugführer antwortet, wer den Abfahrtszeitpunkt erfragt.

Type 5 M: AKK < fRs: dat


Kontaktstellung – h-konform
1 Der Chef lobt, wem der Konzern vertraut.
2 Der Manager engagiert, wem der Zuschauer applaudiert.
3 Die Agentur unterstützt, wem niemand sonst hilft.
4 Der Journalist beneidet, wem der Schauspieler antwortet.
5 Der Student bewundert, wem der Professor zustimmt.
6 Der Jugendliche respektiert, wem der Hund gehorcht.

Type 6 M: DAT > fRs: akk


Kontaktstellung – h-verletzend
1 Der Pfarrer hilft, wen der Bürgermeister empfiehlt.
2 Der Junge antwortet, wen der Vater kennt.
3 Das Publikum applaudiert, wen der Löwe respektiert.
4 Der Patient vertraut, wen der Chefarzt schickt.
5 Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.
6 Der Butler dient, wen der Hausherr achtet.

Type 7 fRs: akk > M: NOM


Distanzstellung – h-konform
1 Wen der Chef kritisiert, arbeitet wenig motiviert.
2 Wen der Sohn besucht, ist glücklich.
3 Wen der Angestellte vermittelt, bekommt einen Job.
4 Wen der Lehrer prüft, redet mit Konzentration.
5 Wen ein Experte berät, vermeidet größere Verluste.
6 Wen der Leiter informiert, reagiert erleichtert.

Type 8 fRs: nom > M: AKK


Distanzstellung – h-verletzend
1 Wer unter Verdacht steht, verhört der Polizist.
2 Wer mit Eifer arbeitet, lobt der Lehrer.
3 Wer einen Job sucht, vermittelt der Angestellte.
4 Wer einen Angriff befürchtet, beschützt der Wachdienst.
5 Wer Schlittschuh läuft, bewundert der Junge.
6 Wer kein Geld hat, beschenkt der Großvater.

Type 9 fRs: dat > M: NOM


Distanzstellung – h-konform
1 Wem ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich.
2 Wem ein Prominenter zuhört, spricht voller Nervosität.
3 Wem der Experte gratuliert, erfährt eine große Ehre.

76
4 Wem der Kunde vertraut, verdient viel Geld.
5 Wem der Gast dankt, leistete gute Arbeitet.
6 Wem der Skeptiker glaubt, redet überzeugend.

Type 10 fRs: nom < M: DAT


Distanzstellung – h-verletzend
1 Wer den Rohrbruch meldete, dankt der Vermieter.
2 Wer in Not ist, hilft der Rettungsfond.
3 Wer den Einbruch aufklärt, vertraut der Richter.
4 Wer Nachwuchs bekommt, gratuliert der Onkel.
5 Wer den Oberbefehl hat, dient der Soldat.
6 Wer den Abfahrtszeitpunkt erfragt, antwortet der Zugführer.

Type 11 fRs: dat > M: AKK


Distanzstellung – h-konform
1 Wem der Konzern vertraut, lobt der Chef.
2 Wem der Zuschauer applaudiert, engagiert der Manager.
3 Wem niemand sonst hilft, unterstützt die Agentur.
4 Wem der Schauspieler antwortet, beneidet der Journalist.
5 Wem der Professor zustimmt, bewundert der Student.
6 Wem der Hund gehorcht, respektiert der Jugendliche.

Type 12 fRs: akk < M: DAT


Distanzstellung – h-verletzend
1 Wen der Bürgermeister empfiehlt, hilft der Pfarrer.
2 Wen der Vater kennt, antwortet der Junge.
3 Wen der Löwe respektiert, applaudiert das Publikum.
4 Wen der Chefarzt schickt, vertraut der Patient.
5 Wen der Arzt vorstellt, assistiert der Pfleger.
6 Wen der Hausherr achtet, dient der Butler.

Filler für alle Fragebögen


Inakzeptabel

Type 13
Kasusrektionsfehler im Matrixsatz
1 Der Bote gibt des Jungen den Brief, den er sofort öffnet.
2 Die Frau genießt der Ruhe im Wald, der sie umgibt.
3 Der Arzt hilft den kranken Kind, das sehr tapfer ist.
4 Der Lehrer lobt dem klugen Schüler, der sehr viel Ehrgeiz zeigt.
5 Unser Großvater beschenkt des Armen, der sonst nichts hat.
6 Die Organisation unterstützt der Kinder, die sich engagieren.

Type 14
Kasusrektionsfehler im Relativsatz an der NP.
1 Unbequem sitzt, wer der Hocker auswählt.
2 Der Verkäufer berät, wen des Produktes kauft.
3 Der Lehrer hilft, wem dem Mitschüler vertraut.
4 Mit großen Schritten rennt, wer der U-Bahn verpasst.

77
5 Der Sportler bemitleidet, wen dem Paparazzi photographiert.
6 Der Schauspieler dankt, wem den Regisseur assistiert.

Akzeptabel

Type 15
Filler mit freien Relativsätzen mit Kasusidentität
1 Die Kinder begrüßen überschwänglich, wen sie mögen.
2 Die Tante hilft großzügig, wem der Neffe vertraut.

Type 16
Filler mit freien Relativsätzen mit Kasusidentität
1 Wer handwerklich begabt ist, kann gut schrauben.
2 Wer sich vegetarisch ernährt, bleibt schlank und gesund.
3 Wer den Unterricht vorbereitet, lehrt effektiver.
4 Wer den Fragebogen ausfüllt, fördert die Forschung.
5 Wen der Unternehmer einstellt, berät der Fachmann.
6 Wen der Bruder mag, grüßt die Schwester.
7 Wem der Hund gehorcht, gratuliert die Frau.
8 Wem der Besucher applaudiert, gratuliert der Kollege.

Type 17
Filler mit Relativsätzen mit Kasusidentität (Dativ)
1 Die Schwester assistiert dem Chefarzt, dem die Patientin vertraut.
2 Das Mädchen winkt dem Jungen, dem der Vater hilft.
3 Der Mann applaudiert dem Kind, dem das Kunststück gelingt.
4 Das Pferd dient dem Bauern, dem ein großer Hof gehört.
5 Der Rentner antwortet dem Apotheker, dem der Kollege assistiert.
6 Der Auftraggeber dankt dem Gärtner, dem jeder vertraut.
7 Der Esel gehorcht dem Tierparkwärter, dem das Kind zuwinkt.

Type 18
Filler mit Relativsätzen mit Kasusidentität (Akkusativ)
1 Der Pilot fliegt das Flugzeug, das der Mechaniker reparierte.
2 Die Ziege frisst das Gras, das die Sonne austrocknete.
3 Der Tourist besichtigt das Museum, das der Reiseleiter anpreist.
4 Die Katze jagt die Maus, die der Hund aufschreckte.
5 Die Frau mag den Mann, den die Freundin vorstellt.
6 Die Mutter beobachtet das Kind, das der Schulfreund grüßt.
7 Der Clown bespaßt die Menge, die der Dompteur betrachtet.

78
Anhang B – Die Fragebögen

Vom Versuchsleiter
auszufüllen:
Universität zu Köln VP-Nr.:_________________
Institut für deutsche Sprache und Literatur I Fragebogen 1

Bevor wir mit dem eigentlichen Fragebogen beginnen, bitten wir Sie, uns einige
persönliche Angaben zu nennen. Alle Angaben sind freiwillig und dienen lediglich
der wissenschaftlichen Charakterisierung unserer Informantengruppe.

Hinweis:
Sämtliche hier gemachten Angaben unterliegen strenger Vertraulichkeit. Sie
werden nicht an Dritte weitergegeben und nur für wissenschaftliche Zwecke
genutzt.

Geschlecht: Om Ow

Alter in Jahren: _________

Ist Deutsch Ihre Muttersprache? O ja O nein

Sind Sie mehrsprachig aufgewachsen? (z.B. Englisch/Deutsch) O ja O nein

Lesen Sie sich nun bitte die Anweisungen auf der folgenden Seite genau durch
und beginnen Sie dann mit dem Ausfüllen des Fragebogens.

Bitte bewerten Sie die folgenden Sätze bezüglich ihrer sprachlichen Angemessenheit.
• Sätze, an denen nichts auszusetzen ist, erhalten die Bewertung 'A'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen holprig oder unnatürlich, aber nicht
falsch erscheinen, bewerten Sie bitte mit 'B'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Sie eher vermeiden würden, weil sie ihnen
möglicherweise falsch erscheinen, erhalten die Bewertung 'C'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen eindeutig falsch erscheinen, bewerten
Sie mit 'D'.
Bitte kreuzen Sie nur einen Wert an. Bitte benutzen Sie nur die vorgegebenen Werte
(kreuzen Sie z.B. nicht die Linien an, wenn Sie z.B. einen Wert zwischen A und B
markieren wollen). Wir testen nicht Ihr Sprachvermögen, sondern wissenschaftliche
Hypothesen.

79
Der Arzt hilft den kranken Kind, das sehr tapfer ist.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Unternehmer einstellt, berät der Fachmann.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Lehrer prüft, redet mit Konzentration.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Bote gibt des Jungen den Brief, den er sofort öffnet.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Clown bespaßt die Menge, die der Dompteur betrachtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Esel gehorcht dem Tierparkwärter, dem das Kind zuwinkt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau genießt der Ruhe im Wald, der sie umgibt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer kein Geld hat, beschenkt der Großvater.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

80
Wer den Fragebogen ausfüllt, fördert die Forschung.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Gute Arbeit leistete, wem der Gast dankt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Schwester assistiert dem Chefarzt, dem die Patientin vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem ein Prominenter zuhört, spricht voller Nervosität.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Verkäufer berät, wen des Produktes kauft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Katze jagt die Maus, die der Hund aufschreckte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Nachwuchs bekommt, gratuliert der Onkel.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Mutter beobachtet das Kind, das der Schulfreund grüßt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Kinder begrüßen überschwänglich, wen sie mögen.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

81
Wem der Hund gehorcht, gratuliert die Frau.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Hund gehorcht, respektiert der Jugendliche.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Agentur unterstützt, wem niemand sonst hilft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Auftraggeber dankt dem Gärtner, dem jeder vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Unterricht vorbereitet, lehrt effektiver.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bruder mag, grüßt die Schwester.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unser Großvater beschenkt des Armen, der sonst nichts hat.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Vater kennt, antwortet der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Lehrer lobt dem klugen Schüler, der sehr viel Ehrgeiz zeigt.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

82
Wen der Angestellte vermittelt, bekommt einen Job.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Mann applaudiert dem Kind, dem das Kunststück gelingt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pilot fliegt das Flugzeug, das der Mechaniker reparierte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Glücklich ist, wen der Sohn besucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Tante hilft großzügig, wem der Neffe vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer sich vegetarisch ernährt, bleibt schlank und gesund.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Wachdienst beschützt, wer einen Angriff befürchtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau mag den Mann, den die Freundin vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Schlittschuh läuft, bewundert der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Schauspieler dankt, wem den Regisseur assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

83
Der Lehrer hilft, wem dem Mitschüler vertraut.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Überzeugend redet, wem der Skeptiker glaubt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Mit großen Schritten rennt, wer der U-Bahn verpasst.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Das Pferd dient dem Bauern, dem ein großer Hof gehört.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rentner antwortet dem Apotheker, dem der Kollege assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Sportler bemitleidet, wen dem Paparazzi photographiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer handwerklich begabt ist, kann gut schrauben.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Einbruch aufklärt, vertraut der Richter.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rettungsfond hilft, wer in Not ist.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

84
Die Organisation unterstützt der Kinder, die sich engagieren.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Professor zustimmt, bewundert der Student.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unbequem sitzt, wer der Hocker auswählt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Journalist beneidet, wem der Schauspieler antwortet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Besucher applaudiert, gratuliert der Kollege.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Ziege frisst das Gras, das die Sonne austrocknete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Butler dient, wen der Hausherr achtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bürgermeister empfiehlt, hilft der Pfarrer.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Tourist besichtigt das Museum, das der Reiseleiter anpreist.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Das Mädchen winkt dem Jungen, dem der Vater hilft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

85
Vom Versuchsleiter
auszufüllen:
Universität zu Köln VP-Nr.:_________________
Institut für deutsche Sprache und Literatur I Fragebogen 2

Bevor wir mit dem eigentlichen Fragebogen beginnen, bitten wir Sie, uns einige
persönliche Angaben zu nennen. Alle Angaben sind freiwillig und dienen lediglich
der wissenschaftlichen Charakterisierung unserer Informantengruppe.

Hinweis:
Sämtliche hier gemachten Angaben unterliegen strenger Vertraulichkeit. Sie
werden nicht an Dritte weitergegeben und nur für wissenschaftliche Zwecke
genutzt.

Geschlecht: Om Ow

Alter in Jahren: _________

Ist Deutsch Ihre Muttersprache? O ja O nein

Sind Sie mehrsprachig aufgewachsen? (z.B. Englisch/Deutsch) O ja O nein

Lesen Sie sich nun bitte die Anweisungen auf der folgenden Seite genau durch
und beginnen Sie dann mit dem Ausfüllen des Fragebogens.

Bitte bewerten Sie die folgenden Sätze bezüglich ihrer sprachlichen Angemessenheit.
• Sätze, an denen nichts auszusetzen ist, erhalten die Bewertung 'A'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen holprig oder unnatürlich, aber nicht
falsch erscheinen, bewerten Sie bitte mit 'B'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Sie eher vermeiden würden, weil sie ihnen
möglicherweise falsch erscheinen, erhalten die Bewertung 'C'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen eindeutig falsch erscheinen, bewerten
Sie mit 'D'.
Bitte kreuzen Sie nur einen Wert an. Bitte benutzen Sie nur die vorgegebenen Werte
(kreuzen Sie z.B. nicht die Linien an, wenn Sie z.B. einen Wert zwischen A und B
markieren wollen). Wir testen nicht Ihr Sprachvermögen, sondern wissenschaftliche
Hypothesen.

86
Der Arzt hilft den kranken Kind, das sehr tapfer ist.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Unternehmer einstellt, berät der Fachmann.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Lehrer prüft, redet mit Konzentration.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Bote gibt des Jungen den Brief, den er sofort öffnet.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Clown bespaßt die Menge, die der Dompteur betrachtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Esel gehorcht dem Tierparkwärter, dem das Kind zuwinkt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau genießt der Ruhe im Wald, der sie umgibt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer kein Geld hat, beschenkt der Großvater.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

87
Wer den Fragebogen ausfüllt, fördert die Forschung.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Gute Arbeit leistete, wem der Gast dankt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Schwester assistiert dem Chefarzt, dem die Patientin vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem ein Prominenter zuhört, spricht voller Nervosität.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Verkäufer berät, wen des Produktes kauft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Katze jagt die Maus, die der Hund aufschreckte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Nachwuchs bekommt, gratuliert der Onkel.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Mutter beobachtet das Kind, das der Schulfreund grüßt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Kinder begrüßen überschwänglich, wen sie mögen.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

88
Wem der Hund gehorcht, gratuliert die Frau.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Hund gehorcht, respektiert der Jugendliche.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Agentur unterstützt, wem niemand sonst hilft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Auftraggeber dankt dem Gärtner, dem jeder vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Unterricht vorbereitet, lehrt effektiver.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bruder mag, grüßt die Schwester.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unser Großvater beschenkt des Armen, der sonst nichts hat.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Vater kennt, antwortet der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Lehrer lobt dem klugen Schüler, der sehr viel Ehrgeiz zeigt.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

89
Wen der Angestellte vermittelt, bekommt einen Job.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Mann applaudiert dem Kind, dem das Kunststück gelingt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pilot fliegt das Flugzeug, das der Mechaniker reparierte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Glücklich ist, wen der Sohn besucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Tante hilft großzügig, wem der Neffe vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer sich vegetarisch ernährt, bleibt schlank und gesund.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Wachdienst beschützt, wer einen Angriff befürchtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau mag den Mann, den die Freundin vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Schlittschuh läuft, bewundert der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Schauspieler dankt, wem den Regisseur assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

90
Der Lehrer hilft, wem dem Mitschüler vertraut.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Überzeugend redet, wem der Skeptiker glaubt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Mit großen Schritten rennt, wer der U-Bahn verpasst.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Das Pferd dient dem Bauern, dem ein großer Hof gehört.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rentner antwortet dem Apotheker, dem der Kollege assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Sportler bemitleidet, wen dem Paparazzi photographiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer handwerklich begabt ist, kann gut schrauben.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Einbruch aufklärt, vertraut der Richter.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rettungsfond hilft, wer in Not ist.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

91
Die Organisation unterstützt der Kinder, die sich engagieren.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Professor zustimmt, bewundert der Student.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unbequem sitzt, wer der Hocker auswählt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Journalist beneidet, wem der Schauspieler antwortet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Besucher applaudiert, gratuliert der Kollege.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Ziege frisst das Gras, das die Sonne austrocknete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Butler dient, wen der Hausherr achtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bürgermeister empfiehlt, hilft der Pfarrer.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Tourist besichtigt das Museum, das der Reiseleiter anpreist.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
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Das Mädchen winkt dem Jungen, dem der Vater hilft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

92
Vom Versuchsleiter
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Universität zu Köln VP-Nr.:_________________
Institut für deutsche Sprache und Literatur I Fragebogen 3

Bevor wir mit dem eigentlichen Fragebogen beginnen, bitten wir Sie, uns einige
persönliche Angaben zu nennen. Alle Angaben sind freiwillig und dienen lediglich
der wissenschaftlichen Charakterisierung unserer Informantengruppe.

Hinweis:
Sämtliche hier gemachten Angaben unterliegen strenger Vertraulichkeit. Sie
werden nicht an Dritte weitergegeben und nur für wissenschaftliche Zwecke
genutzt.

Geschlecht: Om Ow

Alter in Jahren: _________

Ist Deutsch Ihre Muttersprache? O ja O nein

Sind Sie mehrsprachig aufgewachsen? (z.B. Englisch/Deutsch) O ja O nein

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und beginnen Sie dann mit dem Ausfüllen des Fragebogens.

Bitte bewerten Sie die folgenden Sätze bezüglich ihrer sprachlichen Angemessenheit.
• Sätze, an denen nichts auszusetzen ist, erhalten die Bewertung 'A'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen holprig oder unnatürlich, aber nicht
falsch erscheinen, bewerten Sie bitte mit 'B'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Sie eher vermeiden würden, weil sie ihnen
möglicherweise falsch erscheinen, erhalten die Bewertung 'C'.
• Sätze, die Wendungen enthalten, die Ihnen eindeutig falsch erscheinen, bewerten
Sie mit 'D'.
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(kreuzen Sie z.B. nicht die Linien an, wenn Sie z.B. einen Wert zwischen A und B
markieren wollen). Wir testen nicht Ihr Sprachvermögen, sondern wissenschaftliche
Hypothesen.

93
Der Arzt hilft den kranken Kind, das sehr tapfer ist.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wenig motiviert arbeitet, wen der Chef kritisiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Unternehmer einstellt, berät der Fachmann.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Lehrer prüft, redet mit Konzentration.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Bote gibt des Jungen den Brief, den er sofort öffnet.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Angestellte vermittelt, wer einen Job sucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Clown bespaßt die Menge, die der Dompteur betrachtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Esel gehorcht dem Tierparkwärter, dem das Kind zuwinkt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau genießt der Ruhe im Wald, der sie umgibt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer kein Geld hat, beschenkt der Großvater.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

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Wer den Fragebogen ausfüllt, fördert die Forschung.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Gute Arbeit leistete, wem der Gast dankt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Schwester assistiert dem Chefarzt, dem die Patientin vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem ein Prominenter zuhört, spricht voller Nervosität.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Verkäufer berät, wen des Produktes kauft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Katze jagt die Maus, die der Hund aufschreckte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Nachwuchs bekommt, gratuliert der Onkel.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Mutter beobachtet das Kind, das der Schulfreund grüßt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Kinder begrüßen überschwänglich, wen sie mögen.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Vermieter dankt, wer den Rohrbruch meldete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

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Wem der Hund gehorcht, gratuliert die Frau.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Hund gehorcht, respektiert der Jugendliche.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Agentur unterstützt, wem niemand sonst hilft.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Auftraggeber dankt dem Gärtner, dem jeder vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Unterricht vorbereitet, lehrt effektiver.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bruder mag, grüßt die Schwester.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unser Großvater beschenkt des Armen, der sonst nichts hat.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pfleger assistiert, wen der Arzt vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Vater kennt, antwortet der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Lehrer lobt dem klugen Schüler, der sehr viel Ehrgeiz zeigt.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

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Wen der Angestellte vermittelt, bekommt einen Job.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Mann applaudiert dem Kind, dem das Kunststück gelingt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Pilot fliegt das Flugzeug, das der Mechaniker reparierte.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Glücklich ist, wen der Sohn besucht.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Tante hilft großzügig, wem der Neffe vertraut.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer sich vegetarisch ernährt, bleibt schlank und gesund.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Wachdienst beschützt, wer einen Angriff befürchtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Frau mag den Mann, den die Freundin vorstellt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer Schlittschuh läuft, bewundert der Junge.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Schauspieler dankt, wem den Regisseur assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

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Der Lehrer hilft, wem dem Mitschüler vertraut.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
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Überzeugend redet, wem der Skeptiker glaubt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
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Wem ein Fachmann hilft, arbeitet erfolgreich.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Mit großen Schritten rennt, wer der U-Bahn verpasst.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Das Pferd dient dem Bauern, dem ein großer Hof gehört.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rentner antwortet dem Apotheker, dem der Kollege assistiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Sportler bemitleidet, wen dem Paparazzi photographiert.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer handwerklich begabt ist, kann gut schrauben.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wer den Einbruch aufklärt, vertraut der Richter.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Rettungsfond hilft, wer in Not ist.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

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Die Organisation unterstützt der Kinder, die sich engagieren.
A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Professor zustimmt, bewundert der Student.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Unbequem sitzt, wer der Hocker auswählt.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Journalist beneidet, wem der Schauspieler antwortet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wem der Besucher applaudiert, gratuliert der Kollege.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Die Ziege frisst das Gras, das die Sonne austrocknete.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Butler dient, wen der Hausherr achtet.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Wen der Bürgermeister empfiehlt, hilft der Pfarrer.


A = nichts auszusetzen B C D = eindeutig falsch
☺ ☹

Der Tourist besichtigt das Museum, das der Reiseleiter anpreist.


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