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Zivilrecht Zusammenfassung

Gliederung
1. Kapitel: Einführung: Vertragstypen, Pflichtverletzung
2. Kapitel: Unmöglichkeit
3. Kapitel: Verspätete Leistung (Verzug)
4. Kapitel: Sachmängelleistung

1. Kapitel: Einführung: Vertragstypen, Pflichtverletzung


Vielfalt der Vertragstypen

- In der freien Marktwirtschaft ist der Vertrag das zentrale Medium der Güter- und Geldströme

Juristische Systematik

- Erste der sehr allgemeine Teil


o Zur rechtsgeschäftlichen Begründung eines Schuldverhältnisses ist regelmäßig ein
Vertrag erforderlich (§311 Abs. 1)
- Dann Unterscheidung zwischen den folgenden Typen
o Gegenseitige Verträge
 Leistung und Gegenleistung untrennbares Wechselverhältnis
 Kaufvertrag (§433 Abs. 1,2) „Ware gegen Geld“
 Tauschvertrag „Ware gegen Ware“
 Mietvertrag (§535)
 Dienstvertrag (§611)
 Werkvertrag (§631)
 Reisevertrag (§651 a)
• Gesetzgeber hat also zahlreiche Vertragstypen genau gegliedert
o Unvollkommen zweiseitig verpflichtende Verträge
 Nur eine Partei ist verpflichtet (manchmal auch noch die andere)
• Zufällig zweiseitige Verträge
 Auftrag: Verpflichtung des Beauftragten; er hat es übernommen, das
übertragende Geschäft unentgeltlich zu besorgen (§662); Ggf. Verpflichtung
des Auftraggebers, Aufwendungen zu übernehmen (§670)
• Aufwendungsersatz ist kein Entgelt für die Leistung
• Verwahrer wird unentgeltlich verpflichtet (§688,690) etwas zu
verwahren, macht er aber Aufwendungen, muss der Hinterleger sie
ersetzen (§693)
o Einseitig verpflichtende Verträge
 Nur eine Partei wird verpflichtet
 Schenkungsversprechen (§516,518), Bürgschaftsvertrag (§765)
- Übliche Gesetzestechnik
o Erst die allgemeinen Vorschriften, dann wird’s konkret
 Bspw. Kaufvertrag; allg. §433 Konkret z.B. Kauf auf Probe (§454)
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- Im marktwirtschaftlichen System  Vertragsfreiheit
o Zentrale Prinzip umfasst die Typengestaltungsfreiheit
 Die Parteien können jede Art von Verträgen schließen (§311)
 Kombination verschiedener Vertragstypen
• Gemischter Vertrag (z.B. Beherbergungsvertrag ϵ (Kauf-, Miet-,
Dienst-, Werk-, Verwahrungsvertrag))
 ODER völlig neu gestalteter Vertrag (den das BGB „nicht kennt“)
• A-typischer Vertrag (Leasing, Factoring, Franchising…)
• Franchisevertrag
o Def.: vertical-kooperatives Absatzsystem, alles
selbstständige Unternehmen mit einheitlichem Marktauftritt
(corporate identify)
o Ziel: Absatzförderung
o Franchisenehmer Selbstständig oder Arbeitnehmer des
Franchisegebers? Tatsächliche Situation ist wichtig, egal was
der Vertrag „meint“
o Was macht Unternehmer aus? Freie Urlaubsplanung,
Arbeitszeitgestaltung, Personalentscheidung
o AGB-Recht (§305)
o Franchisenehmer als Absatzmittler des Franchisegebers
o Gesamtheit von Rechten (Urheberrecht, Patente…)
o Dauerschuldverhältnis
o Franchisenehmer tritt gegenüber Endverbraucher als
selbstständiger Händler im eigenen Namen und auf eigene
Rechnung auf
o Verbunden mit zahlreichen Pflichten
o ≠ Filiale—>vielmehr selbstständiges Unternehmen

Vielfalt von Konflikten

Fehler beim Abschluss eines Vertrages

o Mindestmerkmale eines Vertrages ergeben sich aus seinen Wesensmerkmalen


 Z.B. Kaufvertrag (§433); Verkäufer & Käufer müssen übereinstimmende
Willenserklärungen haben
- Nur wenn fehlerfreie Willenserklärungen abgegeben wurden, liegt wirksamer Vertrag vor
o Geheimer Vorbehalt, Scheingeschäft, Scherzerklärung führen zur Nichtigkeit des
Vertrages (§116); bzw. zur Nichtigkeit des Angebotes oder der Annahme (§145)
o Willen ≠ Erklärung: Irrtum; Inhalts-/Erklärungsirrtum (§119 Abs. 1),
Eigenschaftsirrtum (§119 Abs. 2)
o Zunächst wirksam, aber durch Anfechtungserklärung rückwirkend unwirksam (§142)
- Vertrag kann nichtig sein, bei
o Fehlender Geschäftsfähigkeit einer Partei (§104)
o Formmangel (§125)
o Verstoß gegen gesetzliches Verbot (§134)
o Sittenwidrigkeit oder Wucher (§138)

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- Vertragsform
o Abschluss eines Vertrages formfrei
o Für bestimmte Verträge Vorschrift der Form durch Gesetzgeber (§126)
 Verbraucherdarlehensvertrag
 Miet- und Pachtvertrag mit Vertragsdauer über ein Jahr
 Bürgschaftserklärung (§766)
 Vereinbaren die Parteien eine bestimmte Form, sind sie daran gebunden
(§127)
 Seit Schuldrechtsreform 01.01.2002 zwei neue Vorschriften im BGB
• Elektronische Form kann die Schriftform ersetzen
o Elektronische Signatur nach Signaturgesetz notwendig
o Gleichlautendes Dokument für beide Parteien (§126)
 Bei besonders wichtigen (gefährlichen) Verträgen notarielle Beurkundung
durch Gesetzgeber vorgeschrieben (§128)
• Erwerb und Veräußerung Grundstücke (§311)
• Schenkungsversprechen (§518); Formmangel führt zur Nichtigkeit
(§125)
• Formmangel wird durch Erfüllung des Vertrages „geheilt“

Konflikte bei der Durchführung eines Vertrages

Pflichtverletzungen, Fallkonstellationen

- Verträge „wollen“ erfüllt werden


o Zentralen Hauptleistungspflichten, aber auch sekundären Nebenleistungspflichten
 Kaufvertrag; V. ist verpflichtet, Ware in mangelfreiem Zustand zu übereignen
(§433), K. ist verpflichtet, Kaufpreis zu zahlen (§433)
Hauptleistungspflichten
 Nebenleistungspflichten: V. ist verpflichtet, zu versenden, aufbewahren,
versichern oder zur Aushändigung einer Bedienungsanleitung, K. ist
verpflichtet, Ware abzunehmen (§433 Abs. 2)
- Schutzpflichten (allg. in §241 Abs. 2) Erfüllung nicht einklagbar, kein Anspruch auf Erfüllung
o Jeder Teil eines Vertrages, allgemeiner: eines Schuldverhältnisses) ist verpflichtet,
auf die Rechte, Rechtsgüter und Interessen des anderen Teils Rücksicht zu nehmen
o Werden sie verletzt, kann der Geschädigte Schadensersatz fordern und vom Vertrag
zurücktreten
o §241 generalklauselartige (allgemeine) Umschreibung, Schutzpflichten nicht näher
konkretisiert
o Wichtig: Es kommt auf Umstände des Einzelfalles an
- Bei nicht ordnungsgemäßer Erfüllung der Leistungs- und Schutzpflichten
o Zweck des Vertrages kann durch ein Verhalten des Schuldners/Gläubigers vollständig
oder teilweise, endgültig oder vorübergehend vereitelt werden
 Pflichtverletzungen
 Vor der Schuldrechtsmodernisierung 2002; „Recht der Leistungsstörung“

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- Pflichtverletzungen, verschiedene Formen
o Unmöglichkeit
 Leistung des Schuldners bleibt endgültig aus
• Verkaufte PKW brennt vor Übergabe an Käufer auf dem Gelände
von V. ab oder der Wagen wird vor Aushändigung gestohlen
o Verzug
 Es wird nicht rechtzeitig geleistet, es kommt zur Verzögerung
o Sachmängelhaftung
 Schuldner leistet rechtzeitig, aber nicht wie geschuldet, er bringt
mangelhafte Leistung
o Schlechterfüllung im weiteren Sinne
 Schuldner verletzt seine Nebenpflicht, die im Zusammenhang mit der
Hauptleistungspflicht steht (z.B. keine Bedienungsanleitung zugefügt)
o Verletzung von Schutzpflichten
 Schuldner verletzt seine Schutzpflicht, sprich; eine Verpflichtung zur
besonderen Rücksicht auf Rechte, Rechtsgüter und Interessen der
Gegenseite (§241)
o Verschulden bei Vertragsabschluss
 Schuldner darf auch vorvertragliche Schutzpflichten nicht verletzen (§311)

Gesetzliche Grundlagen

- BGB von 1896 (in Kraft getreten 1990) viele Lücken


o Schuldrechtsmodernisierung 2002
 Nun: Vereinfachtes Recht der Pflichtverletzungen
• Allg. Teil des Schuldrechts §276 ff. (und §323 ff. hinsichtlich der
Gegenleistung im Rahmen gegenseitiger Verträge)
• Besonderheiten für zentrale Vertragstypen (Kaufvertrag §434 &
Werkvertrag §633)
• Sonderregeln für den Fall, dass Vertragspartner Verbraucher ist
(Verbrauchsgüterkauf §474)
o Grundlegendes Prinzip, vor allem Regeln der Gegenseitigen VerträgeGeben &
Nehmen
- Muss ein Schuldner noch leisten?
o Primäre Leistungspflicht des Schuldners und damit der Anspruch des Gläubigers auf
Erfüllung (primäre Leistungspflicht = auch Hauptleistungspflichten, in den
einleitenden Vorschriften zum jeweiligen Vertragstypus)
 Verkäufer noch verpflichtet, K. zu liefern? (§433)?
 Werkvertrag: Unternehmer noch zu Herstellung des versprochenen Werkes
verpflichtet (§631)?
 Vermieter noch verpflichtet, dem Mieter Gebrauch der Mietsache zu
gewähren (§535)?
 Muss Dienstleistung noch erbracht werden (§611)?
 Erfüllungsansprüche?

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- Gegenseitige Verträge
o Beachten, es stehen sich zwei Pflichten gegenüber; Parteien nehmen gleichermaßen
Rolle als Gläubiger und Schuldner ein
 Kaufvertrag: K. Anspruch gegenüber V., Sache zu Übereignen (§433), V. hat
Anspruch auf Bezahlung des Kaufpreises (§433)
- Rechte des Gläubigers nehmen ihren Ausgang bei der allgemeinen Kategorie der
Pflichtverletzung, die in §250 Abs. 1 eingeleitet wird mit den Worten „Verletzt der Schuldner
eine Pflicht (aus dem Schuldverhältnis,), so…“
- Das neue Recht (ab 2002) regelt Einzelheiten, ausgehend vom zentralen Begriff der
„Pflichtverletzungen“
o Allg.: Vier zentrale Gläubigerpositionen (Erfüllungsanspruch, Schicksal der
Gegenleistung des Gläubigers, Schadensersatz und Rücktritt)
o Spez.: Schlecht- und Nichtleistung, Verzug

2. Kapitel: Unmöglichkeit
Unmöglichkeit

Keine Verpflichtung des Verkäufers mehr zur Lieferung

Fallgestaltung

- Arten der Unmöglichkeit


o Objektive Unmöglichkeit (NIEMAND kann die Leistung erbringen)
o Subjektive Unmöglichkeit (auch: Unvermögen) (SCHULDNER ist nicht in der Lage,
Leistung zu erbringen, andere Personen schon)
o Anfängliche (ursprüngliche) Unmöglichkeit (besteht bereits bei Vertragsschluss)
 PKW wird verkauft, ohne dass der Verkäufer weiß, dass PKW abgebrannt ist
o Nachträgliche Unmöglichkeit (erst nach Abschluss des Vertrages)
 PKW verkauft, vor Aushändigung gestohlen
- Gründe der Unmöglichkeit
o Physische Unmöglichkeit (Leistung kann aus NATÜRLICHEN Gründen nicht mehr
erbracht werden (verkaufter PKW explodiert))
o Juristische Unmöglichkeit (aus RECHTLICHEN Gründen kann nicht mehr geleistet
werden)
 Verkauft, dann Veräußerung gesetzl. Verboten
o Faktische Unmöglichkeit (auch: praktische Unm.) (Erbringung der Leistung an sich
nicht ausgeschlossen, erfordert aber Maßnahmen jenseits der Vernunft)

Ausschluss der Leistungspflicht § 275

- Bei Unmöglichkeit muss nicht mehr geleistet werden


o § 275 Abs. 1: Anspruch auf Leistung ist ausgeschlossen, soweit diese für den
Schuldner oder für jeder Mann unmöglich ist
- In allen Fällen der Unmöglichkeit wird der Verkäufer von Lieferpflicht befreit (selbst wenn er
selbst die Unmöglichkeit verschuldet hat)
- „Was nicht geleistet werden kann, kann auch nicht erzwungen werden.“

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- Klage des Käufers gem. §929 auf Übereignung der Ware aussichtslos

Zur Zahlungspflicht des Käufers

Allgemeine Regeln § 326

- Kaufvertrag ist gegenseitiger Vertrag; Leistung und Gegenleistung stehen in einer


unmittelbaren Wechselbeziehung
o Besondere Vorschriften dafür §§ 320
 § 326 Abs. 1: Braucht Schuldner nach § 275 Abs. 1 und 3 nicht zu leisten,
entfällt der Anspruch auf Gegenleistung.
 „Ohne Ware kein Geld.“ – Wer nicht liefert hat kein Anspruch auf Geld
 Grund: Ursache für Unmöglichkeit der Leistung im Organisations- und
Verantwortungsbereich des Verkäufers
- Zwei Ausnahmen: Käufer bleibt zahlungspflichtig, wenn
o er für den Umstand, auf Grund dessen der Schuldner nach § 275 Abs. 1-3 nicht zu
leisten braucht, allein oder weit überwiegend verantwortlich ist (§326 Abs. 2)
 Was Gläubiger (Käufer) zu verantworten hat, richtet sich nach vertraglicher
Risikoverteilung §276 Abs. 1
o er sich im Verzug der Annahme befindet, weil er die Ware nicht angenommen hat (§
326; Annahmeverzug)
- Käufer bleibt also zahlungspflichtig, wenn er die Unmöglichkeit zu verantworten hat

Kaufvertragliche Sonderregeln

a) Übergang des Preisrisikos mit der Übergabe der Ware § 446


- Ausnahmen für den Kauf §446/447 (allg. Regeln für alle gegenseitige Verträge §320ff.)
- Sache wurde Käufer übergeben, Verkäufer behält sich Eigentum vor
o Wenn Leistungshindernis eintritt wäre es unfair, wenn Verkäufer nach §326 Abs. 1
Zahlungsanspruch verlieren würde
 §446 „mit der Übergabe der verkauften Sache geht die Gefahr des zufälligen
Untergangs und der zufälligen Verschlechterung auf den Käuferüber, er
bleibt zahlungspflichtig“
• §446 gilt nur, wenn die verkaufte Sache mit der Übergabe noch nicht
(im Sinne von §929) übereignet wird
o Denn mit Übereignung erfüllt Verkäufer seine Hauptpflicht,
die Frage der Unmöglichkeit stellt sich gar nicht mehr
Grundsatz: Jeder Eigentümer trägt die Gefahr des zufälligen Untergangs oder
sonstiger Schäden an Sachen, die ihm gehören
b) Übergang des Preisrisikos (bereits) mit der Übergabe an den Transporteur § 447
- Versendungsverkauf: Das Risiko, weiterhin zahlungspflichtig zu bleiben, wird im Interesse des
Verkäufers, zeitlich vorverlagert
o Voraussetzung: Schickschuld: Der Verkäufer muss die Ware auf Verlangen des
Käufers nach einem anderen Ort als dem Leistungsort versenden
o Bringschuld: Verkäufer verpflichtet sich, Ware zu versenden (§447 nicht anwendbar),
Versand auf Risiko des Verkäufers

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- Bei Schickschuld; geht Ware beim Transport „unter“, bleibt Käufer zahlungspflichtig (da
Transport nicht zur geschuldeten Leistung gehört)
c) Sonderregelung beim Verbrauchsgüterkauf: Übergang des Preisrisikos (erst) mit der
Aushändigung an den Verbraucher (§474 Abs. 2)
- §474ff. über Verbrauchsgüterlauf
- Schutz des Verbrauchers (weil „strukturell unterlegene Partei“)
- §474 Abs. 1 „ergänzende Anwendung“, also zunächst gelten für Verbrauchsgüterkauf
§433/473
- §474 macht Ausnahme: Vorschrift des §447 findet auf Verbrauchsgüterkäufe keine
Anwendung
o Kauft ein Verbraucher bei einem Unternehmen eine bewegliche Sache, so muss er
den Kaufpreis nur zahlen, wenn er die Ware auch tatsächlich erhält; Die Ware „reist“
immer (auch beim Versendungsverkauf) auf Risiko des Verkäufers (Preisgefahr beim
Handel, immer!)
o Gründe dafür
 Risiko soll bei der Partei liegen, die es leichter hat, das Risiko abzuwenden
oder Vorsorge gegen Schadensfolgen zu treffen (VERKÄUFER)
- FAZIT: §446/447 gelten nur für den kaufmännischen Verkehr (Unternehmen untereinander)
- Kauft Verbraucher, muss er nur bei Erhalt der Ware zahlen (Preisrisiko immer beim V.)

Ansprüche des Käufers (statt der Ware)

Schadensersatz statt der Leistung bei Ausschluss der Leistungspflicht (§ 283)

a) Verschulden des Verkäufers (§ 280/276)


- § 283; Gläubiger kann Schadensersatz statt der Leistung fordern (Voraussetzungen §280),
wenn Schuldner nach § 275 Abs. 1-3 nicht zu leisten braucht
- § 280 Abs. 1 Schuldner ist ersatzpflichtig, falls er die Pflichtverletzung zu vertreten hat
- § 276 Abs. 1 Schuldner hat Vorsatz oder Fahrlässigkeit zu vertreten
- Fahrlässigkeit §276 Abs. 2: Außerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt
o Es geht darum, wie sich ein „ordentlicher, umsichtiger“ z.B. Kaufmann verhalten
hätte
o Es geht nicht um persönliche Schuld (Bestrafung), sondern um die Regulierung von
Schäden
- § 280 Abs. 1: Voraussetzung für Schadensersatzpflicht: Schuldner hat Pflichtverletzung zu
vertreten
o Formulierung mit doppelter Verneinung
 Ersatzpflicht soll nicht gelten, wenn Schuldner Pflichtverletzung nicht zu
vertreten hat
• „normalerweise“ muss klagender Gläubiger Schuldner Verschulden
nachweisen (ABER: Woher soll der Käufer wissen, wieso der
Verkäufer nicht leistet?)
• § 280 kehrt Beweislast um! Schuldner muss sich entlasten, er muss
beweisen, dass er die Unmöglichkeit nicht zu vertreten hat, kann er
das nicht, wird Verschulden vermutet, Gläubiger gewinnt Prozess
und Schuldner muss Schadensersatz leisten

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- Zu ersetzen ist das positive Interesse (Erfüllungsinteresse), als hätte der Gläubiger Leistung
erhalten
- Ersatzfähig ist der Marktwert der ausgebliebenen Leistung und ggf. Kosten für
Ersatzbeschaffung und ein entgangener Gewinn aus einer geplanten Weiterveräußerung
- K. kauft Wagen für x, Wert von Wagen aber y>x, Vertrag geschlossen, aber vor Übereignung
Unfall, den V. zu verantworten hat. Erfüllungsinteresse von K. beträgt y!!!
- Schadensersatz NUR, wenn Schaden beziffert werden kann (Gewinne) (bei
Verschulden/Fahrlässigkeit des Schuldners)
- Aufwendungsersatz IMMER (bei Verschulden/Fahrlässigkeit des Schuldners)

b) Verschulden von Erfüllungsgehilfen (§ 278)


- Erfüllungshandlungen für den Schuldner
- Kaufsache dem Käufer übergeben kann ein Besitzdiener (§ 855)
- Hat quasi eine Vollmacht des Verkäufers (Schuldners) um in dessen Namen zu handeln
- Bsp. Taxi: Fahrgast hat keine Ahnung, ob Fahrer Inhaber oder nur Angestellter des
Unternehmens ist
- § 278: Ein Schuldner hat ein Verschulden der Personen, deren er sich zur Erfüllung seiner
Verbindlichkeiten bedient, in gleichem Umfang zu vertreten wie eigenes Verschulden. Wer
im Rahmen vertraglicher Beziehungen die Vorteile der Arbeitsteilung für sich in Anspruch
nimmt, hat auch für die Nachteile einzustehen
- Kreis der Erfüllungsgehilfen: eigenen Leute, Personal des Verkäufers
o Erfüllungsgehilfen können aber auch selbstständige Unternehmen sein
(Subunternehmen)
- Für den Fahrlässigkeitsmaßstab ist Person des Schuldners maßgeblich, nicht die des
Erfüllungsgehilfen
o Zudem kommt es auf die Fähigkeiten an, die ein gewissenhafter Angehöriger der
jeweiligen Berufsgruppe besitzen muss
- Unterschiede zwischen § 278 und § 831
o Haftung für Schäden, die von einer anderen (natürlichen/juristischen) Person
verursacht werden, sieht auch § 831 vor
o Es haftet danach derjenige, der einen anderen zur Verrichtung bestellt, für den
Schaden, den der Verrichtungsgehilfe in Ausführung der Verrichtung einem Dritten
zufügt
o § 278 vs. § 831
 § 278 setzt voraus, dass zur Zeit der Schädigung ein Schuldverhältnis besteht,
allen voran ein Vertrag
 § 278 ist keine selbstständige Anspruchsgrundlage, sondern eine Norm, die
fremdes Verschulden zurechnet. Immer vorher prüfen, ob gesetzliche oder
vertragliche Verbindlichkeit verletzt ist. Hat Schuldner Pflichtverletzung zu
verschulden?  §278. § 831 dagegen ist selbstständige Anspruchsnorm
 Gehaftet wird gem. § 278 für fremdes Verschulden (der Hilfsperson), auf ein
Verschulden des Schuldners kommt es nicht an
 § 831 begründet eine Haftung für eigenes Verschulden des Geschäftsherrn
bei der Auswahl und der Beaufsichtigung des Verrichtungsgehilfen; Ein

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Verschulden des Verrichtungsgehilfen ist nicht erforderlich, hinreichend ist,
dass er rechtswidrig einen der Tatbestände der §823 ff. erfüllt
 § 831: Schuldner haftet nicht, falls er nachweist, dass man ihm hinsichtlich
der Auswahl und Beaufsichtigung des Verrichtungsgehilfen keinen Vorwurf
machen kann (§831 Abs. 1; Exkulpationsmöglichkeit)
 § 278: für Schuldner keine Entlastungsmöglichkeit, er haftet für das fremde
Verschulden des Erfüllungsgehilfen unbedingt
 Geschäftsherr haftet nach § 831 für den Verrichtungsgehilfen, weil er den
Gehilfen nicht sorgfältig ausgesucht und überwacht hat. Au0erdem muss der
Verrichtungsgehilfe weisungsabhängig sein, in einem persönlichen
Abhängigkeitsverhältnis zum Geschäftsherrn stehen. Somit,
Verrichtungsgehilfen nur Arbeitnehmer
 Erfüllungsgehilfen (gem. § 278) sind demgegenüber weiter auch
selbstständige Unternehmen, die der Schuldner zur Vertragserfüllung
einsetzt
o Juristische Personen (Unternehmen, Vereine, etc.) haften für ihre Organe gem. § 31
BGB unbedingt, ohne die Möglichkeit einer Entlastung

Zweispurigkeit des Haftungsrechts

Vertragsrecht Deliktsrecht (außervertragliches Recht)


§280 §823
Verschuldensbeweislast beim Schädiger Verschuldensbeweislast beim Geschädigten
Alle Rechtsgüter sind geschützt Nur absolute Rechte sind geschützt, nicht aber
relative Rechte und nicht das Vermögen
§278 §831
Unbedingte (ohne Ausnahme) Haftung für den Exkulpation hinsichtlich des Verrichtungsgehilfen
Erfüllungsgehilfen ist möglich
Wenn jemanden verklagen, nach Möglichkeit immer nach Vertragsrecht

Vertragsrecht: Taxi Unternehmen bei Unfall verklagen

Deliktsrecht: Taxi Fahrer selbst bei Unfall verklagen

(*absolute Rechte = Rechte, die man gegen jeden hat)

Anspruch auf Ersatz vergeblicher Aufwendungen (§ 284)

- Anspruchsgrundlage ist § 284


- Entweder Aufwendungsersatz ODER Schadensersatz
- Dem Schuldner muss ein Verschulden vorzuwerfen sein
- „voreilige“ Aufwendungen (wenn schon bekannt ist, dass nicht geleistet wird) werden nicht
ersetzt

Anspruch auf Herausgabe des Ersatzes (§ 285) (VERSCHULDENSUNABHÄNGIG)

- § 285 Herausgabeanspruch: V. verkauft K. Bauernhof (Verkehrswert 180.000 €) Hof brennt


ohne V.‘s Verschulden ab (Nach Vertragsschluss, vor Übereignung), Versicherungssumme
500.000 € (ggf. weil über so viele Jahre versichert)Käufer erhält 320.000 € (wenn die 180.000
€ schon gezahlt wurden)
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- Schadensersatz statt der Leistung (§ 283) und Aufwendungsersatz (§ 284) setzen Verschulden
des Schuldners voraus, im Gegensatz dazu ist § 285 verschuldensunabhängig
- Der nach § 275 von der Leistungspflicht befreite Schuldner soll wenigstens herausgeben
müssen, was er als Ersatz für den versprochenen Gegenstand erlangt hat.
- § 285: Ansprüche gegen Versicherungsgesellschaften oder gegen Dritte
o V. verkauft Gemälde an K., Gemälde wird vor Übereignung in Wohnung von V. durch
Brand zerstört. V. hat Hausratsversicherung. Gem. § 285 Abs. 1 kann K. verlangen,
dass ihm V. den Anspruch gegen seine Versicherung abtritt
- Veräußerungserlös: V. verkauft K1. ein Bild, verkauft dann aber an K2., da er mehr bietet. K1
hat Anspruch auf den Kaufpreis, den K2 gezahlt hat (Vorteilhafter als Schadensersatz)
o Es besteht Unmöglichkeit, Leistungsanspruch entfällt, aber Ersatzforderung möglich

Rücktritt vom Vertrag (§ 326 Abs. 5)

- Gem. § 326 Abs. 5 kann Gläubiger vom Vertrag zurücktreten, wenn Schuldner nach § 275
Abs. 1-3 nicht zu leisten braucht
- Rücktrittsrecht: Gläubiger wird von Gegenleistungspflicht befreit

3. Kapitel: Verspätete Leistung (Verzug)


Einführender Überblick

- Verzug = verspätete Leistung


- Verkäufer liefert nicht TermingerechtSchuldnerverzug in Gestalt des Lieferverzugs
- Käufer zahlt nicht rechtzeitigSchuldnerverzug in Gestalt des Zahlungsverzugs
- Voraussetzungen für Verzug sind streng juristisch systematisiert im BGB
o Ersatz des Verzugsschadens (§ 280 Abs. 2, § 286 ff.)
o Es kann ein Schadensersatz an Stelle der primär geschuldeten Leistung kommen
§281
o Rücktritt des Gläubigers (§ 323)
- Voraussetzung für Anspruch auf Ersatz des Verzugsschadens
o Fällige Forderung, regelmäßig Mahnung des Gläubigers, Verschulden des Schuldners

Ersatz des Verzugsschadens (§ 280 Abs. 2)

Voraussetzungen (§ 286 = zentrale Vorschrift Verzug)

a) Fälligkeit
- Fällig wird Leistung dann, wenn Schuldner sie erbringen muss, Gläubiger hat das Recht, sie zu
fordern
- Fälligkeit bestimmt sich nach Vereinbarung der Parteien
o Ohne Vereinbarung: Gläubiger kann Leistung sofort verlangen, Schuldner muss sie
sofort (innerhalb angemessener Zeit) bewirken (§ 271 Abs. 1)
o Teilweise Sonderregeln (Miete usw.)
o Hinausschiebung der Fälligkeit = Stundung (zumeist beruhend auf nachträglicher
Vereinbarung)

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b) Mahnung (§ 286 Abs. 1)
- Verzugsfolgen erheblichSchuldner muss vorher eindringlich gewarnt (gemahnt) werden
- Begriff Mahnung selbst muss nicht benutzt werden, Gläubiger muss nur Leistung verlangen
und zum Ausdruck bringen, dass Nichtbeachtung rechtliche Folgen hat
- Mahnung ist geschäftsähnliche (ggf. Ansprüche ergeben sich aus Gesetz) Handlung. Erlangt
Wirksamkeit in dem Moment, in dem der Schuldner sie erhält
- Besonders eindringliche Form der MahnungErhebung einer Klage
- Mahnbescheid im Mahnverfahren (§688ff., Zivilprozessordnung) kann der Gläubiger bei
Geldforderungen zustellen lassen, meistens wenn Forderung unbestritten ist (Forderung
nicht bestritten, aber bekannt, dass nicht Zahlungsfähig)
c) Entbehrlichkeit der Mahnung (§ 286 Abs. 2) („Ausnahmen“)
- Ist in § 286 Abs. 2 geregelt; muss nicht gemahnt werden, wenn
o Für Leistung (gesetzl. oder vertraglich) eine Zeit nach dem Kalender bestimmt ist
o Der Schuldner ernsthaft und endgültig seine Leistung verweigert
o Selbstmahnung („Ach ja, ja geb ich dir morgen“)
o Überflüssigkeit der Mahnung bei besonderer Dringlichkeit (Klempner)
- Bei Fälligkeitsüberschreitung passiert erst mal nichts
d) Zahlungsverzug: Fristablauf nach Rechnungsstellung (§ 286 Abs. 3)
- Wenn es um Geld geht
o Gem. § 286 Abs. 3kommt der Schuldner einer Entgeltforderung spätestens in Verzug,
wenn er nicht innerhalb von 30 Tagen nach Fälligkeit und Zugang einer Rechnung
oder einer gleichwertigen Zahlungsaufstellung leistet
o Ist Schuldner ein Verbraucher (§ 13), dann gilt dies nur , falls er auf diese Folgen
besonders hingewiesen wurde
o Wenn in Rechnung schon steht, dass das Ausbleiben der Zahlung rechtl. Folgen
haben kann, dann ist sie als Mahnung zu verstehen (§ 286 Abs. 3 hat dann keine
Bedeutung mehr für den Eintritt des Verzugs)
- 30 Tage Frist beginnt mit dem Zugang der Rechnung
- Ist Zeitpunkt des Zugangs unsicher, kommt der Schuldner, wenn er kein Verbraucher ist,
spätestens nach 30 Tagen nach Fälligkeit und Empfang der Gegenleistung in Verzug (§ 286
Abs. 3)
e) Verschulden (§ 286 Abs. 4)
- Verzug hängt davon ab, dass die Verspätung auf einen Umstand zurückzuführen ist, den der
Schuldner zu vertreten hat (also verschuldet ist)
- Negative Fassung („der Schuldner kommt nicht in Verzug…“); Beweislast liegt beim Schuldner
(wie bei § 280 Abs. 1)
- Der Schuldner muss nachweisen, dass ihm kein Vorwurf gemacht werden kann
- Formen Verschulden
o Eigenverschulden (§ 276)
o Fremdverschulden eines Erfüllungsgehilfen (§ 278)
o Vorsatz
o Fahrlässigkeit (§ 276 Abs. 2)
 Verkäufer trägt Beschaffungsrisiko (§ 276 Abs. 1) verschuldensunabhängig
 Dagegen kein Vorwurf, wenn Fahrzeug ausfällt o.ä., ohne dass V. das weiß
- Mangelnde Zahlungsfähigkeit hat ein Schuldner immer zu vertreten
o Verzug also auch, wenn plötzlich Krank, unverschuldet arbeitslos o.ä.
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Rechtsfolgen: Konsequenzen für den säumigen Schuldner

a) Ersatz des Verzugsschadens (§ 280 Abs. 2)


- Sind Voraussetzungen der §286/280 Abs. 1 erfüllt, so kann der Gläubiger verlangen, dass ihm
der durch den Verzug entstandene Schaden ersetzt wird
o Verspätete Lieferung von RohstoffenProduktionsausfall
o Verspätete LieferungHändler kein Gewinn durch Weiterveräußerung
o Kosten der Anmietung oder z.B. Ersatzfahrzeug
o Verzögerungsschaden beinhaltet auch Kosten, die der Gläubiger zu Verfolgung seiner
Rechte aufwenden musste (Kosten Rechtsanwalt etc.)
- Anspruch auf Ersatz des Verzugsschadens tritt neben den Erfüllungsanspruch, denn durch
Mahnung wird der Bestand des Vertrages nicht berührt, Parteien bleiben einander
verpflichtet
- Hauptpflichten werden lediglich ergänzt durch sekundäre Pflichten (Pflicht zum Ersatz des
Verzugsschadens)
- Trennung der Parteien = Auflösung des Vertrages erst, wenn Gläubiger vom Vertrag
zurücktritt oder Schadensersatz statt Leistung verlangt
b) Verzugszinsen bei Geldschulden (§ 288)
- Gläubiger kann (bei Geldschulden) nach § 288 Abs. 1Verzinsung in Höhe von 5
Prozentpunkten und nach Abs. 2 8 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz fordern
- Hat Gläubiger höheren Schaden erlitten (z.B. wegen Aufnahme Kredit), sind diese Zinsen zu
ersetzen (§ 288 Abs. 4)

Rücktritt vom (gegenseitigen) Vertrag (§ 323)

Voraussetzungen im Überblick

- Leistet Schuldner nicht rechtzeitig, kann Gläubiger sein Interesse am Vertrag verlieren
- §323 Abs. 1: (im Hinblick auf die Verzögerung einer Leistung)
o Erbringt bei einem gegenseitigen Vertrag der Schuldner eine fällige Leistung nicht
(rechtzeitig), kann der Gläubiger vom Vertrag zurücktreten (wenn er dem Schuldner
erfolglos eine angemessene Frist zur Leistung bestimmt hat.
 Gegenseitiger Vertrag muss vorliegen
 Trotz Fälligkeit nicht geleistet
 i.d.R. muss Gläubiger angemessene Frist gesetzt haben
o Mahnung nicht notwendig, wenn für Leistung Termin nach Kalender gesetzt wurde
(§286 Abs. 2 Nr. 1)
o Außerdem ist nach §323 Abs. 1 ein Verzug nicht notwendig, Fälligkeit und nicht
Erbringung am festgelegten Zeitpunkt reicht aus

Erfolglose Bestimmung einer Frist (§323 Abs. 1)

- Rücktritt hat weitreichende Konsequenzen


o Vertrag wandelt sich in Rückabwicklungsverhältnis (§346 f.)
 Ursprüngliche Erfüllungsansprüche erlöschen (bei bereits erfüllten
Ansprüchen // Leistungen müssen diese rückgängig gemacht werden)

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- Voraussetzungen für „Trennung der Parteien“
o Gläubiger kann nur zurücktreten, wenn er dem Schuldner zuvor eine Frist mit
(zusätzlicher) Ablehnungsandrohung gesetzt hat & an seine Pflicht erinnert hat
o ODER man ist der Meinung es reicht, wenn man eine Frist setzt…
- Seit der Schuldrechtsreform vom 01.01.2002 reicht eine Fristsetzung
o Frist muss allerdings angemessen sein
o Wird zu kurze Frist gesetzt, so wird eine angemessene Nachfrist in Lauf gesetzt

Entbehrlichkeit der Fristsetzung (§323 Abs. 2)

- §323 Abs. 2: Fälle, bei denen Fristsetzung entbehrlich ist


- §323 Abs. 2 Nr. 1: Fristsetzung entbehrlich, wenn Schuldner Leistung endgültig und
ernsthaft verweigert
- §323 Abs. 2 Nr.2: Fristsetzung entbehrlich, wenn Schuldner die Leistung zum bestimmten
vertraglich festgehaltenen Termin/Frist nicht bewirkt & der Gläubiger im Vertrag den
Fortbestand seines Leistungsinteresses an die Rechtzeitigkeit der Leistung gebunden hat
o „einfache, relative Fixgeschäft“
 Leistung noch zu späterem Zeitpunkt nachholbar, Vertrag steht und fällt
jedoch zu bestimmtem Zeitpunkt (z.B.: 01.03.)
 Unterscheidung zum „absoluten, uneigentlichen Fixgeschäft“ (= nur zu einem
genau bestimmten Zeitpunkt kann geleistet werden, später nicht mehr)
o Rücktritt vom Vertrag setzt kein Verschulden voraus
- §323 Abs. 2 Nr. 3: Fristsetzung entbehrlich, wenn besondere Umstände vorliegen, die unter
Abwägung beiderseitigen Interessen den sofortigen Rücktritt rechtfertigen
o Auffangtatbestand (Fälle, die nicht durch Nr.1 &2 abzudecken sind)
 Insbesondere für just-In-Time-Verträge

Umgestaltung (erst) mit Rücktrittserklärung

- Bis zum 01.01.2002: Gläubiger konnte nach Fristsetzung mit Ablehnungsandrohung nur noch
zurücktreten oder Schadensersatz fordern; aber nicht auf Erfüllung bestehen
- ab 01.01.2002 „Gläubigerfreundlich Änderung“
o §323 Abs. 1: Gläubiger kann nach Ablauf der Frist weiterhin Erfüllung verlangen
o Erst mit Erklärung des Rücktritts wird der Vertrag in Rückgewährungsschuldverhältnis
umgewandelt & es erlischt der Anspruch auf die Leistung
o Solange sich Gläubiger nicht entschieden hat, muss Schuldner sich auf Erfüllung
sowie auf Sekundäransprüche vorbereiten (Ungewissheit)

13
Schadensersatz anstelle („statt“) der Leistung (§281)

Voraussetzungen des Anspruchs

- Verliert Gläubiger in Folge der Verzögerung sein Interesse am Vertrag, kann er unter
bestimmten Voraussetzungen Schadensersatz statt der Leistung fordern (§281)
o Er verzichtet auf primär geschuldete Leistung & liquidiert stattdessen sein positives
Interesse
- Voraussetzungen des Schadensersatzanspruches ähnlich wie bei denen des Rücktritts
o Schuldverhältnis muss bestehen (Vertrag) (§323 gilt nur für gegenseitige Verträge)
 Bei §281 spielt es keine Rolle ob gegenseitig oder nicht, es geht um Vertrag!
o Es muss erfolglos angemessene Nachfrist verstrichen sein
 Erfüllungsanspruch > Schadensersatzanspruch:Gläubiger ist zunächst
darauf verwiesen, den primären Anspruch geltend zu machen, bevor er sein
positives Interesse in Geld liquidieren kann
o Die Nachfrist kann entbehrlich sein (§281 Abs. 2)
 Wenn Schuldner Leistung endgültig / ernsthaft verweigert (§323 Abs. 2 Nr.
1)
 Bei besonderen Umständen (§323 Abs. 2 Nr. 3)
o Schadensersatz kann nur gefordert werden, wenn der Schuldner die Verzögerung zu
vertreten hat
 Vorsatz & Fahrlässigkeit (§276)
 Eigenes Verschulden sowie Verschulden eines Erfüllungsgehilfen (§278)

Rechtsfolgen

- Schadensersatz statt der Leistung


o Schadensersatz soll Gläubiger so stellen, als wäre ordnungsgemäß erfüllt worden; es
soll der durch Nichterfüllung entstandene Schaden ersetzt werden, das positive
Interesse
o Ersatzfähig ist der Marktwert der ausgebliebenen Leistung, höhere Kosten für
Ersatzbeschaffung, entgangener Gewinn aus geplanter Weiterveräußerung
- Erlöschen des Erfüllungsanspruchs
o Erfüllungsanspruch erlischt, wenn Gläubiger Schadensersatz statt Leistung fordert
 Erfüllungsanspruch erlischt NICHT bereits mit Ablauf der Nachfrist
• Gläubiger kann so theor. auch nach Ablauf noch Leistung verlangen

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4. Kapitel: Sachmängelhaftung des Verkäufers (hier: Haftung des
Verkäufers/Handels)
Einführender Überblick

- Leistung nicht wie geschuldet, mangelhaft oder fehlerhaft


o Werkvertrag: Unternehmer verpflichtet sich, dem Besteller das Werk frei von
Sachmängeln zu verschaffen (§633 Abs. 1)
 Tut er das nicht, kann Besteller Nacherfüllung verlangen (U. auffordern,
Mangel zu beseitigen oder neues Werk zu erstellen (§634 Nr. 1)
 Unter bestimmten weiteren Voraussetzungen kann der Besteller den Mangel
selbst beseitigen und die erforderlichen Aufwendungen verlangen (§634 Nr.
2)
 Außerdem kann er vom Vertrag zurücktreten oder die Vergütung mindern
(§634 Nr. 3)
 Schließlich kann er Schadensersatz fordern (§634 Nr. 4)
- Kaufvertrag verpflichtet den Verkäufer in vergleichbarer Form
o §433 Abs. 1: V. hat Sache sachmängelfrei dem K. zu verschaffen
o Mängelfreiheit gehört zu den Hauptleistungspflichten des Verkäufers
o Käufer kann mangelhafte Ware ablehnen (er gilt dabei nicht in Annahmeverzug)
o K. kann Zahlung verweigern (Einrede des nicht erfüllten Vertrages (§320) erheben
o Weitere Rechte des Käufers §437 ff. (wurden in Schuldrechtsreform vollständig neu
verfasst)
 Vorrangig kann Käufer Nacherfüllung verlangen
• Beseitigung des Mangels (Nachbesserung)
• Lieferung einer einwandfreien Ware (§437 Nr. 1 / §439)
 Weitere Rechte erst, wenn Verkäufer angemessene Frist zur Nacherfüllung
erhalten hat
• Vertragsrücktritt oder Minderung Kaufpreis (§437 Nr. 3)
- Zahlreiche andere Vorschriften in §437
o Mängelrechte im allgemeinen Leistungsstörungsrecht §280 ff. / §323 ff.
o Lieferung mangelhafter Ware = Nichterfüllung der Verkäuferpflichten (§433 Abs. 1)
o Nichterfüllung = Pflichtverletzung im Sinne von §280 bezogen auf gegenseitige
Verträge: nicht vertragsgemäße Leistung im Sinne von §323
o Nacherfüllungsanspruch = Erfüllungsanspruch des Käufers (§433 Abs. 1)
o Recht auf Minderung des Kaufpreises (§441) ist kaufvertragliche Besonderheit

Mangel des Produkts im Kaufrecht

Abweichen von einer Vereinbarung (§434 Abs. 1)

- Gewährleistungsrechte des Käufers setzen mangelhafte Kaufsache voraus


- §434: Verschiedene Fallgestaltungen eines Sachmangels
o Abs. 1: Vorliegen einer Beschaffenheitsvereinbarung
o Abs.2: Vorliegen eines Montagefehlers
o Abs. 3: Vorliegen einer Falsch- bzw. Zuweniglieferung
- Für Mangel ist es unerheblich, ob der Mangel geringfügig ist

15
o JEDE Abweichung von der vereinbarten Beschaffenheit macht eine Ware mangelhaft,
so auch der „kleine Kratzer“ am Kühlschrank
o Käufer kann jedoch bei Unerheblichkeit des Mangels nicht vom Vertrag zurücktreten,
denn in §437 Nr. 2 (§323 Abs. 5) heißt es: Hat der Schuldner die Leistung nicht
vertragsgemäß bewirkt, so kann der Gläubiger vom Vertrag nicht zurücktreten, wenn
die Pflichtverletzung unerheblich ist
- Sache ist mangelhaft, wenn sie bei Gefahrübereignung (Übergabe) oder Aushändigung an die
Transportperson (§446/447) nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat (§434 Abs. 1)
o Ausgehend ist von einer Vereinbarung, die stillschweigend oder ausdrücklich
getroffen werden kann
 Beschreibt Verkäufer die Eigenschaften eines Gegenstands, so gelten diese
Stillschweigend und werden Vertragsinhalt

Weitere Anknüpfungspunkte, Werbung (§434 Abs. 1)

- Eignet sich das Produkt für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung? (§434 Abs. 1
Nr. 1)
o Gemeinsame Vorstellung der Parteien vom Verwendungszweck des Produktes
entscheidend
- Produkt eignet sich nicht zur gewöhnlichen Verwendung & hat nicht die Beschaffenheit, die
zu erwarten gewesen wäre (die bei Sachen gleicher Art üblich sind)Produkt ist fehlerhaft!
(§434 Abs. 1)
o Objektiver Fehler; auf Vorstellung der Parteien kommt es dann nicht an
o Welche Beschaffenheit erwartet werden kann bestimmt sich durch die Vorstellungen
eines Durchschnittskäufers
- Öffentliche Äußerungen des Herstellers oder des Verkäufers/deren Gehilfen können
bedeutsam sein, insbesondere bei Werbung (§434 Abs. 1)
o Werbeaussagen des Verkäufers werden vielfach bei den Verkaufsverhandlungen in
Bezug genommen, dann liegt zumeist eine Vereinbarung vor
o Werbeaussagen haben vornehmliche Bedeutung für die Werbebotschaften der
Hersteller
 Kunde, der Kaufentscheidung auf konkrete Werbebotschaften begründet,
muss auf Richtigkeit vertrauen können
o Handel wird durch Bindung an Werbebotschaften des Herstellers nicht in
unzulässiger Weise beeinträchtigt
 Zum einen profitiert auch er von der Werbung
 Zum anderen kann er nur zur Rechenschaft gezogen werden, wenn konkrete
Produkteigenschaften in Aussicht gestellt wurden: allg. Anpreisungen ohne
jeglichen Gehalt sind nicht prüfbar, können somit auch nicht „falsch“ sein
und ein Produkt fehlerhaft machen

Montagefehler (§434 Abs. 2)

- Mangel, wenn vereinbarte Montage durch Verkäufer / Erfüllungsgehilfen unsachgemäß


durchgeführt wurde (§434 Abs. 2)
o Lieferung einwandfreie Waremangelhaft durch unsachgemäße Montage

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- Sachmangel auch, wenn Montageanleitung mangelhaft, es sei denn, Sache ist fehlerfrei
montiert worden (§434 Abs. 2 = „IKEA-Klausel“)
o Norm zielt auf Anleitungen (Unerheblich ist, ob Verkäufer Anleitung selbst erstellt
oder den Mangel aus sonstigen Gründen zu vertreten hat
o Gewährleistungspflicht entfällt, wenn die unzulängliche Montageanleitung folgenlos
geblieben ist, weil z.B. der Käufer auf Grund besonderer Kenntnisse fehlerfrei
montieren konnte (BEWEISLAST für Ausnahmetatbestand einer einwandfreien
Montage liegt beim Verkäufer)
- Fehlerhafte Bedienungs- und Gebrauchsanweisungen werden nicht erfasst in §434 Abs. 2
o Hier kommen Schadensersatzansprüche gem. §280 wegen Verletzung von
Schutzpflichten in Betracht

Exemplarische Vertiefung: der Wagen mit überhöhtem Kraftstoffverbrauch

- Vor etwa 10 Jahren ein Fall vorm BGH


- K. (Kläger) kauft vom B. (Beklagten) fabrikneuen PKW zum Preis von 53.765 DM
- Grundlage für Kauf war Herstellerprospekt (Kraftstoffverbrauch Stadtverkehr 9,8 Liter, bei
const. V = 90 km/h 6,3 Liter und bei const. V = 120 km/h 8,5 Liter)
- Nach Auslieferung beklagte K. mehrfach Mängel, insb. da der Inhaber der B. bei
Vertragsabschluss Durchschnittsverbrauch von 8 Liter auf 100 km zugesichert hat
o Tatsächlich verbraucht er aber im Durchschnitt 11 Liter auf 100 km
- K. forderte Rückzahlung des Kaufpreises & machte geltend, der Wagen habe infolge des
erhöhten Verbrauchs einen erheblichen Fehler (§459 Abs. 1)
- Mehrverbrauch liegt bei 13 % im Drittelmix
o Nach Ansicht der Richter auf jeden Fall erheblicher Fehler
 Kraftstoffverbrauch ist zentrales Entscheidungskriterium
 Grenze wurde im Anschluss auf 10 % festgelegt
 Ausschlaggebend ist der Drittelmix (Alles Fahrstile; Stadt, bei 90 und 120
km/h)
- Heute auch Gewährleistungsansprüche bei unter 10 % (Rechtsreform 01.01.2002) auch bei
geringfügigem Mehrverbrauch

Rechte des Käufers

Drei-Stufen-Struktur der Gewährleistungsrechte

- AGB, räumen Käufer einer fabrikneuen Sache Anspruch auf Beseitigung des Mangels ein
- Realitätsanpassung mit der Reform 01.01.2002 dreistufig:
o §437 Nr. 1: Zunächst hat Käufer Anspruch auf Nacherfüllung, nach seiner Wahl auf
Beseitigung des Mangels oder Lieferung einer mangelfreien Ware
o §437 Nr. 2: regelmäßig nach erfolglosen Fristsetzung kann Käufer sodann
zurücktreten oder Herabsetzung des Kaufpreises verlangen
o §437 Nr. 3: Käufer kann schließlich Schadensersatz fordern, falls Verkäufer den
Mangel zu vertreten hat (Verschulden = Vorsatz oder Fahrlässigkeit) oder einer
verschuldensunabhängigen Erklärungshaftung (Garantie)
- Drei-Stufen-Struktur gibt’s bei allen vergleichbaren Vertragstypen (nicht nur
Kaufvertragsrecht)

17
Zunächst: Nacherfüllung (§437 Nr. 1 // §439)

- §433 Abs. 1: V. muss mangelfreie Sache liefern


o Bei Nichterfüllung: K. kann Nacherfüllung verlangen (nach seiner Wahl §439)
 Beseitigung des Mangels (NACHBESSERUNG)
 Lieferung einer mangelfreien Sache (ERSATZLIERFERUNG)
- Anspruch auf Nacherfüllung vorrangig
o Rücktritt, Minderung und Schadensersatz kann K. erst geltend machen, wenn er
zuvor erfolglos First zur Nacherfüllung gesetzt hat
o Mit Nacherfüllungsanspruch geht das Recht des V. „zur zweiten Andienung“ einher (
noch eine Chance)
o Vorrang der Nacherfüllung entspricht dem Interesse der Parteien
- Käufer hat die Wahl (NICHT Verkäufer!!!): Nachbesserung oder Ersatzlieferung
o Weil Pflichtverletzung des Verkäufers
- K. hat Nacherfüllungsanspruch auch, wenn Mangel unerheblich
o Nur die weitreichende Auflösung des Vertrages (Rücktritt) kann er nicht verlangen
(vgl. §323 Abs. 5)
- Art der Nacherfüllung kann Verkäufer unangemessen belasten (Händler ohne
Reparaturwerkstatt soll nachbessern)
o V. kann vom K. gewählte Form der Nachbesserung (bei unverhältnismäßigen Kosten)
verweigern (§439 Abs. 3)
o Liegt ein Fall der Unverhältnismäßigkeit vor, so beschränken sich die Rechte des K.
auf die jeweils andere Form der Nacherfüllung

Sodann: Rücktritt (§437 Nr. 2 // §440)

a) Regel: Setzen einer Nachfrist


- Rücktritt: Parteien gehen auseinander, Vertrag wird rückabgewickelt, empfangene
Leistungen werden zurückgeben (vgl. §346 ff.)
- Befugnis des Käufers zum Rücktritt bestimmt durch §440 // §323 // §326 Abs. 5 // §437 Nr.
2
o Über diese Verweisungskette wird mit §323 die zentrale Rücktrittsvorschrift des allg.
Leistungsstörungsrechts für anwendbar erklärt
o Rücktrittsrecht erklärt sich maßgeblich aus den allgemeinen Regeln (ergänzend §440)
- Zurücktreten kann Käufer nur, wenn er regelmäßig zuvor dem Verkäufer eine angemessene
Frist zur Nacherfüllung gesetzt hat(§323 Abs. 1)
o Ist Frist zu kurz, ist sie nicht wirkungslos, vielmehr wird angemessene Frist in Gang
gesetzt
b) Entbehrlichkeit der Nachfrist (§323 Abs. 2 // §440)
- Nachfristsetzung kann entbehrlich sein, sodass der K. sofort zurücktreten kann
- §323 Abs. 2
o Nr. 1: Käufer kann sofort zurücktreten, wenn Verkäufer die Nacherfüllung ernsthaft
& endgültig verweigert
o Nr. 2: Auch wenn V. nicht zu einem im Vertrag vereinbarten Termin oder einer
bestimmten Zeit (relatives Fixgeschäft) eine mangelfreie Sache liefert & der Käufer
im Vertrag den Fortbestand seines Leistungsinteresses von der Rechtzeitigkeit der

18
Leistung abhängig gemacht hat („fix“, „spätestens“, „genau“ wären solche
Formulierungen)
o Nr. 3: besondere Umstände, die unter Abwägung der beiderseitigen Interessen den
sofortigen Rücktritt rechtfertigen („Auffangtatbestand“)
- §440: Möglichkeit des sofortigen Rücktritts, wenn Nacherfüllung fehlgeschlagen
o Nacherfüllung technisch unmöglich
o Oder erneute Lieferung mangelhafter Ware
o §440 Satz 2: Nachbesserung regelmäßig nach dem 2. erfolglos erfolgten Versuch als
fehlgeschlagen („Richtgröße“ Eher Umstände des Einzelfalls)
c) Erklärung & Rechtsfolgen
- Rücktritt ist Gestaltungsrecht, dass durch einseitige empfangsbedürftige Willenserklärung
ausgeübt wird (gegenüber dem Verkäufer (§349))
o Ist formfrei möglich (selbst wenn Vertrag (Kaufvertrag) formbedürftig ist)
o Mit Zugang beim Verkäufer ist Käufer an Rücktritt gebunden
 K. kann nach erklärtem Rücktritt nicht mehr zur Minderung übergehen
- Durch Rücktritt erlöschen LeistungspflichtenRückabwicklungsschuldverhältnis (§346)
o Verkäufer hat nicht nur Kaufpreis zu erstatten, sondern auch die erlangten Zinsen
(gezogene Nutzungen nach §346 Abs. 1)
d) Kein Rücktritt bei unerheblichem Fehler
- Bagatellgrenze für Rücktritt: Rücktritt ist ausgeschlossen, wenn Mangel unerheblich
o Nacherfüllung / Schadensersatz kann K. auch bei unerheblichen Mängeln verlangen
o Ermittlung „Unerheblichkeit“ unter Berücksichtigung aller Umstände, vor allem des
Verwendungszwecks & der Verkehrsanschauung

Oder: Minderung (§437 Nr. 2 // §441)

a) Voraussetzungen
- Kaufpreisminderung statt Rücktritt (auch bei unerheblichen Fehlern (§323 Abs. 5 findet
KEINE Anwendung §441 Abs. 1)) möglich
- Minderungsrecht = besonderes Mängelrecht (gibt es nicht im allg. Leistungsstörungsrecht)
- §441 Abs. 1: K. kann mindern statt zurücktreten: Es müssen aber alle Voraussetzungen für
den Rücktritt vorliegen
b) Berechnung der Minderung
- relative Berechnungsmethode: Der Kaufpreis ist in dem Verhältnis herabzusetzen, „in
welchem zur Zeit des Vertragsschlusses der Wert der Sache im mangelfreien Zustand zu dem
wirklichen Wert gestanden haben würde“ (§441 Abs. 3)
- in der „Realität des Wirtschaftslebens“ wird Minderwert meist durch Schätzungen festgelegt
(vgl. §441 Abs. 3)
c) Geltendmachung und Folgen der Minderung
- Minderungsrecht ebenfalls Gestaltungsrecht, das durch einseitige Erklärung gegenüber dem
Verkäufer ausgeübt wird (§441 Abs. 1)
- Mindert der Käufer, erlischt der Nacherfüllungsanspruch
- Auch Rücktritt ist dann ausgeschlossen („Alternativverhältnis“)
- Schadensersatzansprüche allerdings
o Können neben der Minderung geltend gemacht werden (§437 Nr. 2)

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Schließlich: Schadensersatz (§437 Nr. 3)

a) Mögliche Schäden
- Durch fehlerhafte Ware kann der Käufer geschädigt werden
o Ware minderwertig
o Wegen des Mangels kann Sache nicht (gewinnbringend) weiter verarbeitet werden
o Weiterveräußerung: nicht möglich oder nur geringer Preis

in diesen Fällen steht ein Schadensersatz gem. §437 Nr. 3 zur Diskussion

b) Voraussetzungen
1. Verschulden des Verkäufers (§280 // §276 // §278)
- §433 Abs. 1: Verkäufer hat die Pflicht, dem Käufer die Sache frei von Mängeln zu verschaffen
o Hat V. Lieferung einer mangelhaften Sache zu vertreten, macht er sich
schadensersatzpflichtig (§280 Abs. 1) (V. hat Vorsatz & Fahrlässigkeit §276 sowie
Verschulden eines Erfüllungsgehilfen §278 zu vertreten)
- Verkäufer muss überzeugen, dass ihm kein Vorwurf zu machen ist (Ausgangspunkt:
Verschulden des Verkäufers)

2. Alternativ: (verschuldensunabhängige) Garantie (§276 Abs. 1)


- §276: auch Garantie löst Schadensersatzansprüche aus (Begriff Garantie gesetzl. nicht
definiert)
- Garantie = nachhaltige Zusage, dass die Kaufsache eine bestimmte Eigenschaft hat,
verbunden mit dem Versprechen, für das Fehlen dieser Eigenschaft unbedingt einzustehen
und zwar auch ohne jegliches Verschulden
- Abgrenzung Garantie zu Produktbeschreibung: „in welchem Sinne ein verständiger Käufer die
Angaben verstehen dürfte“ („Empfängerhorizont“)
- „garantiert viel Spaß“ o.ä. reichen nicht (beschreiben nur ein Produkt (§434 Abs. 1))

3. Regel: Fristsetzung
- Regelmäßig muss der Käufer dem Verkäufer (auch bei Schadensersatzforderungen) eine
angemessene Frist setzen; auch gegenüber dem Schadensersatzanspruch ist der Anspruch
auf Nacherfüllung vorrangig
- Ausnahmsweise kann Frist überflüssig seinKäufer kann sofort Schadensersatz fordern
o Verkäufer verweigert ernsthaft und endgültig Nacherfüllung (§437 Nr. 3)
o Besondere Umstände (§437 Nr. 3) [z.B. Just-in-time-Verträge]
- §440: Fristsetzung ebenfalls überflüssig, wenn
o Der Verkäufer beide Arten der Nacherfüllung verweigert hat
o Die dem Käufer zustehende Art der Nacherfüllung fehlgeschlagen ist
o Die Art der Nacherfüllung dem Käufer nicht zugemutet werden kann
- Fehlschlagen: Verkäufer hat Nacherfüllung nicht in angemessener Frist vorgenommen
o Fehlschlagen liegt bei (subjektiver und objektiver) Unmöglichkeit, bei
Unzulänglichkeit oder unberechtigter Verweigerung der Nachbesserung, bei
ungebührlicher Verzögerung und misslungenem Versuch vor
o Fehlschlagen bei ca. zwei Versuchen, grundsätzlich aber Einzelfallabhängig

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o Formularmäßige Bestimmung, dass der Kunde drei (oder mehr) Nachbesserungen zu
gestatten hat, ist nach zwingenden Vorschriften der AGB unwirksam (vgl. §305 insb.
§309)

c) Folgen: Schadensersatz statt Leistung


1. Mangelschaden
- Verlangt Käufer Schadensersatz, erlischt der Nacherfüllungsanspruch (§281 Abs. 4): Käufer
bekommt Schadensersatz statt der Leistung (Ersetz wird der sog. Mangelschaden)
- Dieser kann in einem „kleinen“ Schadensersatz oder einem „großen“ bestehen
o „kleiner“ Schadensersatz (§281 Abs. 1)
 K. behält mangelhafte Sache und verlangt, so gestellt zu werden, als wäre
gehörig erfüllt worden
 Er kann Differenz zwischen Wert der gelieferten (mangelhaften) Sache und
dem Wert der Sache in einwandfreiem Zustand verlangen (entspricht
Minderung)
 Statt des reinen Minderwertes können aber auch höhere Kosten entstanden
sein, die für Beseitigung des Mangels aufgewandt wurden
 Es können Vermögensschäden entstehen, insb. in Gestalt von Ersatzpflichten
des Käufers, die ihre Ursache darin haben, dass er die Ware weiterverkauft
hat
 Konnte der K. die Ware infolge eines Mangels nicht weiter verkaufen, so ist
auch der entgangene Gewinn zu ersetzen
o „großer“ Schadensersatz (§281 Abs. 1) wenn Mangel erheblich ist
 Ob erheblich, muss unter Berücksichtigung aller Umstände ermittelt werden
 Es ist zu vermuten, dass der Mangel erheblich ist
 Beweislast für Unerheblichkeit liegt beim Verkäufer (§281 Abs. 1)
 Der Käufer gibt beim „großen“ Schadensersatz die mangelhafte Sache zurück
und verlangt Ersatz des Schadens, der ihm infolge Nichterfüllung des ganzen
Vertrages entstanden ist
• K. enthält Kaufpreis zurück & kann zahlreiche Positionen geltend
machen, z.B. Kosten einer Ersatzbeschaffung, den entgangenen
Gewinn oder die Freistellung von der Haftung aus Weiterverkäufen,
z.B. die Zahlung einer Vertragsstrafe

2. Mangelfolgeschaden
- Zusätzlich zum Ersatz solcher „kleinen“ und „großen“ Schäden kann K. fordern, dass alle
weiteren Schäden ersetzt werden, die ihm infolge der Mangelhaftigkeit an anderen
Rechtsgütern entstanden sind (z.B. an der Gesundheit, am Eigentum oder Vermögen)
- Bsp.: K. kauft Pferdefutter, ist aber vergiftet
o K. kann Kaufpreis zurück verlangen und Mangelfolgeschäden (in Gestalt des
Verlustes der Tiere) ersetzt verlangen
o Weitere Beispiele Skript Seite 77

21
Ausschluss der Rechte, Verjährung, Garantien

Kenntnis des Käufers (§442)

- Kaufvertrag: Preis-Leistungs-Verhältnis zwischen Waren & Geld gestört, wenn Käufer glaubt,
einwandfreie Sache zu erwerben, dann aber feststellt, dass er sich getäuscht hat; mit
Gewährleistungsrechten soll (objektive) Missverhältnis von Ware & Geld korrigiert werden
- Wenn der Käufer den Mangel kennt
o Kann er sich bei Verhandlungen darauf einstellen (Preisminderung fordern, vom Kauf
Abstand nehmen usw.),l tut er das nicht, erwirbt er ein Produkt in Kenntnis des
Mangels; er hat dann keine Ansprüche mehr (§442 Abs. 1)
 Anm.: Privater Konsument ist nicht in der Pflicht, Ware direkt bei der
Anlieferung zu untersuchen
o Gewährleistungsrecht ebenfalls ausgeschlossen, wenn dem Käufer grobe
Fahrlässigkeit nachgewiesen werden kann (war der Mangel offensichtlich?)
- Allein grobe Fahrlässigkeit ist für Käufer unschädlich, wenn gegen den Verkäufer ein noch
schwererer Vorwurf gemacht werden kann
o Wenn Verkäufer Mangel arglistig verschwiegen oder Garantie für die Beschaffenheit
der Sache übernommen hat (§442 Abs. 1)
 Zu achten ist auf Offenbarungspflicht
 K. kann nicht davon ausgehen, unbefragt über Mängel aufgeklärt zu werden,
die offensichtlich sind
 Arglistige (vorsätzliche) Verhalten muss der K. dem V. nachweisen

Ausschluss kraft Vereinbarung (§444), Zulässigkeitsgrenzen (§475 Abs. 1, §309 Nr. 8b)

- Vertragsfreiheitgesetzliche Vorschriften dispositiver NaturParteien können davon


abweichen
- Vereinbarung, welche Rechte des K. beschränken oder ausschließen sind zunächst zulässig
- Unzulässig ist aber Haftungsausschluss, wenn V. „schlitzohrig“ war; wenn V. den Mangel
arglistig verschwiegen oder Garantie der Beschaffenheit der Sache übernommen hat (§444)
- Praxisrelevante Grenze (§475 Abs. 1) für Verbrauchsgüterkauf
o Für alle Kaufverträge, die Unternehmen mit Verbrauchern abschließen
o Vorschriften dann nicht dispositiver, sondern zwingender Natur
- Wird ein Ausschluss der Haftung in den AGB vorgeschrieben, ist §309 Nr. 8b BGB (Mängel)
zu berücksichtigen
o Verbot für zahlreiche Gewährleistungsklauseln (bei gebrauchten sowie neuen
Sachen)

Verjährungsfristen (§438)

- Ansprüche auf Nacherfüllung & Schadensersatz verjähren (§438 Abs. 1 Nr. 3) regelmäßig
nach zwei Jahren (2 Jahre auch bei Rücktritt und Minderung)
- Verjährung beginnt bei beweglichen Sachen mit der Lieferung (§438 Abs. 2)
- Bei Bauwerken 5 Jahre Verjährungsfrist (§438 Nr. 2a)
o Handwerker haften 5 Jahre für mangelhaftes Bauwerk (§634 a Abs. 1 Nr. 2)

22
Garantie: Beschaffenheits- und Haltbarkeitsgarantie (§443)

a) Formen der Garantie


- K. einer fehlerhaften Ware kann Nacherfüllung, nach dem Setzen einer Frist zurücktreten /
den Kaufpreis mindern, schließlich Schadensersatz fordern, falls V. Mangel zu vertreten hat
- NEBEN diesen Ansprüchen: K. können bestimmte Rechte aus einer Beschaffenheits- oder
Haltbarkeitsgarantie zustehen (§443 Abs. 1)
o Unselbstständige Garantie; Versprechen, für die Mangelhaftigkeit einstehen zu
wollen, und zwar in einem Maße, das über die gesetzlichen Vorschriften hinaus geht
- Selbstständige Garantie bleibt weiterhin (auch nach 2002, im Gegensatz zur
unselbstständigen Garantie) unkodifiziert

b) Unselbstständige Garantie
1. Abschluss des Vertrages
- Nach §443 Satz 1 muss Garantie des Verkäufers oder eines Dritten vorliegen
- „V.“ meint durchweg den Handel, während über das Merkmal „Dritten“ vor allem die
Herstellergarantie meint
2. Inhalt des Vertrages
- Unterscheidung Beschaffenheits-und Haltbarkeitsgarantie
- Es liegt beim Handel / Produzenten, was Inhalt der Garantie ist und der Garantiezeitraum
- Voraussetzungen für Garantiefall müssen sich unmittelbar aus Garantiebedingungen ergeben
- Garantie ≠ bloße Beschaffenheitsvereinbarungen
o Abweichen von Beschaffenheitsvereinbarungen = Fehlerhaftigkeit des Produkts
(§434)
o Garantie = unbedingtes Einstehen für die Folgen des Fehlens bestimmter
Eigenschaften
3. Beweislast im Garantiefall
- Liegt beim Käufer (Beweis das: Garantie gegeben wurde, Mangel erfasst wird und innerhalb
der Frist aufgetreten ist)
- Gelingt Nachweis: Vermutungsregel §443 Abs. 2bei einer Haltbarkeitsgarantie wird
vermutet, dass ein während der Geltungsdauer aufgetretener Mangel die Rechte aus der
Garantie begründet (Sinn: K. wird Beweis abgenommen, dass der Mangel nicht etwa auf sein
Verhalten zurückzuführen ist)
4. Besonderheiten beim Verbrauchsgüterkauf
- Verbrauchsgüterkauf gem. §474 ff. muss Garantieerklärung besonderen (formalen)
Erfordernissen genügen
o Einfach und verständlich gefasst sein
o Aufklärung des Verbrauchers über verschiedene Punkte (z.B. über seine gesetzl.
Rechte vgl. §477)
- Ist das nicht der Fall: Garantieverpflichtung gleichwohl wirksam (Abs. 3) (Verletzung der
Formerfordernisse wird nicht sanktioniert)

23
Verbrauchsgüterkauf (§474 ff.)

Gemeinschaftsrechtlicher Hintergrund: EU-Richtlinie zum Verbrauchsgüterkauf

- Seit Mitte der 80 er in EU Bestrebungen, Privatrecht zu vereinheitlichen


- Verordnungen gelten in allen Mitgliedsstaaten unmittelbar
- Richtlinien bedürfen der Umsetzung in nationales Recht (Bundestag & -rat müssen Gesetze
erlassen
- Zahlreiche Richtlinien im Bereich des zivilen Verbraucherschutzes
o Haustürgeschäfte-Richtlinie (§312, 355 BGB)
o Verbraucherkreditrichtlinie (§491 BGB)
o Pauschalreiserichtlinie (§651)
o Richtlinie über missbräuchliche Klauseln in Verbraucherverträgen (§305)
o Etc.
- Verbrauchsgüterkauf-Richtlinie (1999/44/EG)
o Ziel: Gewährleistung eines einheitlichen Mindestniveaus im Verbraucherrecht im
Rahmen des Binnenmarktes.
 Wo immer ein Verbraucher ein Produkt kauft, in Andalusien oder Sizilien,
überall sollen ihm bestimmte Ansprüche auf jeden Fall zustehen
- Allgemeine Vorgaben
o Bei Vertragswidrigkeit (Fehlerhaftigkeit) soll Verbraucher das Recht haben, die
unentgeltliche Herstellung des vertragsgemäßen Zustands zu verlangen, wobei er
zwischen Nachbesserung und einer Ersatzlieferung wählen kann; andernfalls muss er
den Kaufpreis mindern oder den Vertrag auflösen können
o Zunächst Käufer Anspruch auf Nachbesserung oder Ersatzlieferung, es sei denn, dass
diese Abhilfen unmöglich oder unverhältnismäßig sind
o Gebrauchte Güter können auf Grund ihrer Eigenart in aller Regel nicht ersetzt
werden, und daher hat ein Verbraucher regelmäßig keinen Anspruch auf
Ersatzlieferung. Die Mitgliedstaaten können den Parteien jedoch gestatten, für
solche Güter eine kürzere Haftungsdauer zu vereinbaren
o Mitgliedstaaten können auch Frist vorsehen, innerhalb der die Verbraucher ihre
Ansprüche geltend machen können. Diese Verjährungsfrist darf aber 2 Jahre nicht
unterschreiten (ab dem Zeitpunkt der Lieferung)
o Garantien (Hersteller & Händler) sind durchaus zulässige Marketinginstrumente.
Irreführung des Verbrauchers aber nicht zulässig. Sie sollen bestimmte
Informationen enthalten, unter anderem eine Klarstellung, dass eine Garantie die
gesetzlichen Rechte (des Verbrauchers) nicht berührt
o Es sollte verhindert werden, dass der gesetzliche Schutz durch (individuelle)
Vereinbarungen oder (von Unternehmen diktierte) Klauseln unterlaufen wird
- Richtlinie hat Vielzahl von detaillierten Vorschriften
o Vertragsmäßigkeit eines Gutes (Art. 2)
 Der Verkäufer ist verpflichtet, dem Verbraucher dem Kaufvertrag gemäße
Güter zu liefern
 Es wird vermutet, dass Güter vertragsgemäß sind, wenn sie

24
• Mit der Beschreibung übereinstimmen & die Eigenschaften des Guts
besitzen, dass der Verkäufer dem Verbraucher als Probe oder Muster
vorgelegt hat
• Sich für einen bestimmten vom Verbraucher angestrebten Zweck
eignen, den der Verbraucher dem Verkäufer bei Vertragsschluss zur
Kenntnis gebracht und dem der Verkäufer zugestimmt hat
• Sich für Zwecke eignen, für die Güter der gleichen Art gewöhnlich
gebraucht werden
• Eine Qualität & Leistung aufweisen, die bei Gütern der gleichen Art
üblich sind & die der Verbraucher vernünftigerweise erwarten kann,
wenn die Beschaffenheit des Guts & gegebenenfalls die in der
Werbung oder bei der Etikettierung gemachten öffentlichen
Angaben des Verkäufers, Herstellers oder dessen Vertreters über die
konkreten Eigenschaften des Gutes in Betracht gezogen werden
 Keine Vertragswidrigkeit, wenn Verbraucher zum Zeitpunkt des
Vertragsschlusses Kenntnis von der Vertragswidrigkeit hatte oder
vernünftigerweise nicht in Unkenntnis darüber sein konnte, oder wenn die
Vertragswidrigkeit auf den vom Verbraucher gelieferten Stoff
zurückzuführen ist
o Rechte des Verbrauchers (Art. 3)
 Verkäufer haftet dem Verbraucher für JEDE Vertragswidrigkeit, die zum
Zeitpunkt der Lieferung des Verbrauchsgutes besteht
 Bei Vertragswidrigkeit hat Verbraucher entweder Anspruch auf
unentgeltliche Herstellung des vertragsgemäßen Zustands des
Verbrauchsguts durch Nachbesserung oder Ersatzlieferung nach Maßgabe
des Absatzes 3 oder auf angemessene Minderung des Kaufpreises oder auf
Vertragsauflösung in Bezug auf das betreffende Verbrauchsgut nach
Maßgabe der Absätze 5 & 6
 Zunächst kann Verbraucher unentgeltliche Nachbesserung oder
unentgeltliche Ersatzlieferung verlangen, sofern dies nicht unmöglich oder
unverhältnismäßig ist. Unverhältnismäßig, wenn Verkäufer Kosten hätte, die
…., Nachbesserung oder Ersatzlieferung muss innerhalb einer angemessen
Frist & ohne erhebliche Unannehmlichkeiten für den Verbraucher erfolgen,
wobei die Art des Verbrauchsgutes sowie der Zweck, für den der
Verbraucher das Verbrauchsgut benötigte, zu berücksichtigen sind
 Unentgeltlich: umfasst die für die Herstellung des vertragsgemäßen Zustands
des Verbrauchsguts notwendigen Kosten, insbesondere Versand-, Arbeits-,
Materialkosten
 Verbraucher kann Minderung oder Vertragsauflösung verlangen, wenn
• Der Verbraucher weder Anspruch auf Nachbesserung noch auf
Ersatzlieferung hat
• Der Verkäufer nicht innerhalb einer angemessenen Frist Abhilfe
geschaffen hat
• Der Verkäufer nicht ohne jegliche Unannehmlichkeiten für den
Verbraucher Abhilfe geschaffen hat

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 Bei geringfügiger Vertragswidrigkeit hat Verbraucher KEINEN Anspruch auf
Vertragsauflösung
 Richtlinien ins deutsche Recht mit der Schuldrechtsmodernisierung 2002
• Europäisierung des BGB
• VerbrauchsgüterrichtlinieSchuldrechtallg. Vorschriften
(Kaufvertrag)§434 ff.
• Verbrauchsgüterkauf nur in wenigen Vorschriften §474 ff.

Begriff des Verbrauchsgüterkaufs (§474 Abs. 1)

a) Beteiligte Personen: Verbraucher (§13) & Unternehmer (§14)


- VerbrauchsgüterkaufKaufvertrag über bewegliche Sache (Verk. = Unternehmer, Käufer =
Verbraucher)
- In Pflicht alle Unternehmer; juristische oder natürliche Personen oder rechtsfähige
Personengesellschaften, die bei Abschluss eines Rechtsgeschäfts in Ausübung ihrer
gewerblichen oder selbstständigen beruflichen Tätigkeit handeln §14 Abs. 1)
o (auch Kleingewerbebetreibende, die NICHT im Handelsregister stehen)
- Wer Verbraucher ist, bestimmt §13Jede natürliche Person, die ein Rechtsgeschäft zu
einem Zweck abschließt, der weder ihrer gewerblichen noch ihrer selbstständigen
beruflichen Tätigkeit zugerechnet werden kann
o Nur natürliche Personen (Menschen) sind Verbraucher, juristische Personen (AG o.ä.)
fallen nicht unter diesen Begriff
o Alle natürlichen Personen sind, Verbraucher, des Weiteren, Freiberufler, falls sie
außerhalb Ihres Berufes handeln
o Verbrauchsgüterkauf liegt nur vor, wenn Vertrag privaten Zwecken dient
o Zuordnung zu privat oder unternehmerischen Bereich entscheidet nicht der Wille des
Käufers, sondern der Vertragsinhalt
o „Wer die Vorteile einer Schutznorm beansprucht (Verbrauchsgüterkauf), muss
beweisen, dass er zu dem begünstigten Personenkreis gehört.“
- §474 ff. gelten nur für Beziehung von Verbraucher zu Unternehmer
o Privater und kaufmännischer Bereich sind ausgenommen, dort gelten die
Vorschriften nicht
 Für Kaufverträge zwischen Verbrauchern oder zwischen Unternehmen
 Ebenso wenig in den Fällen, dass ein Verbraucher eine Sache an ein
Unternehmen verkauft

b) Anwendungsbereich: Kauf einer beweglichen Sache


- §474 ff. beziehen sich sachlich auf den Kauf beweglicher Sachenkörperliche Gegenstände
§90
- Körperliche Gegenstände: im Raum abgrenzbar, entweder durch eigene körperliche
Begrenzung, durch Fassung in einem Behältnis oder durch sonstige künstliche Mittel wie
Grenzsteineallg. Güter wie Wasser und Luftkeine Sachen.
- Sachen müssen beweglich sein; Käufer einer Immobilie oder Grundstück kann sich daher
NICHT auf die Schutzvorschriften der §474 ff. berufen
- Käufer eines Tieres: Tiere keine Sachen, ABER sie finden die für Sachen geltenden
Vorschriften (§90 a)

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- Auch Käufer gebrauchter Waren werden geschützt; Gebrauchte Sachen werden hem. §474
Abs. 1 vom Schutzbereich der §474 lediglich ausgenommen, wenn sie öffentlich ersteigert
wurden

Kein (vorzeitiger) Gefahrenübergang beim Versendungskauf (§474 Abs. 2)

- §447: beim normalen Versendungskauf die sog. Preisgefahr bereits mit der Aushändigung
der Ware an die Transportperson auf den Käufer über. Die Ware reist auf Risiko des Käufers;
dieser bleibt zahlungspflichtig, wenn er die Ware nicht oder nur beschädigt erhält
- In §474 Abs. 2 steht, dass §447 keine Anwendung findet
o Beim Verbrauchsgüterkauf gelten andere Regeln; Ware reist auf Risiko des
verkaufenden Unternehmens (Handels)
o Verbraucher muss nur dann zahlen, wenn ihm eine (einwandfreie) Ware
ausgehändigt wurde
- Gründe für diese verbraucherfreundliche Regelung
o Verkehrsaufassung: Ware muss nur bezahlt werden, wenn erhalten (einwandfrei)
o Unternehmer ist eher in der Lage, Versendung zu versteuern und Beförderungsrisiko
zu versichern
o Unternehmer ist der, der den Beförderungsvertrag (Transport) schließt, daher stehen
ihm Ersatzansprüche zu

Weitere Schutzvorschriften zugunsten des Verbrauchers (§475)

a) Zwingende Vorschriften (Abs. 1)


- Nach allg. Vorschriften gilt
o §433 Abs. 1; Verkäufer muss mangelfreie Sache liefern
o Begriff Sachmangel §434
o §437; Käufer stehen Gewährleistungsansprüche zu, zunächst Anspruch auf
Nacherfüllung, des weiteren Rücktritt oder Minderung oder gar auf Schadensersatz
o Einzelheiten enthalten §§439-443
- Vorschriften alle dispositiv, d.h. die Parteien können abweichende Regelungen treffen
o Falls der Verkäufer jedoch einen Mangel arglistig verschwiegen hat oder eine
Beschaffungsgarantie übernommen hat, haftet er letztlich doch (§444)
- Dispositive Vorschriften der §§433 ff. werden im Rahmen des Verbrauchsgüterkaufs
durchweg zu zwingenden Normen ausgestaltet, die zum Nachteil des Verbrauchers NICHT
verändert werden können, und zwar unabhängig von der Form, ob in Gestalt von
Individualvereinbarungen oder von AGB-Klauseln, die ein Unternehmer einem Verbraucher
diktiert (Art. 7: Einem Verbraucher gewährte Rechte sind nicht zu dessen Nachteil abdingbar)
- Umgehungsverbot: Zwingenden Vorschriften dürfen zum Nachteil des Verbrauchers nicht
unterlaufen werden (§475 Abs. 1)
b) Mindestverjährungsfristen: zwei Jahre/ein Jahr (§475 Abs. 2)
- §438 Abs. 1 Nr. 3: Verjährungsfrist beträgt zwei Jahre
- §475 Abs. 2: Verjährungsfrist muss mindestens zwei Jahre, bei gebrauchten Waren
mindestens ein Jahr betragen (darf auch durch AGB’s nicht verkürzt werden)
(Verbrauchsgüterkaufrichtlinie); Regelung gilt auch bei Tieren

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c) Zur Beschränkung von Schadensersatzansprüchen (§475 Abs. 3)
- Ausnahme für zwingenden Charakter der gesetzl. Regelungen macht §475 Abs. 3 für den
Schadensersatz
- Mit solchen Ansprüchen beschäftigt sich die Verbrauchsgüterkaufrichtlinie nicht
- Es bleibt bei der allg. Grenze der §444; nur bei arglistigem Verschweigen des Mangels oder
einer Beschaffenheitsgarantie ist der Ausschluss oder die Beschränkung eines
Schadensersatzanspruchs unwirksam
- Sollte ein Unternehmen seine Haftung formularmäßig ausschließen, so ist sie unwirksam
(§309 Nr. 7a und b)
o Bei Verletzung von Leben, Körper & Gesundheit kann Haftung niemals
ausgeschlossen werden, auch dann nicht, wenn Unternehmen lediglich der Vorwurf
der Fahrlässigkeit gemacht werden kann
o Für sonstige Schäden, insbesondere Vermögensschäden, ist eine
Haftungsfreizeichnung bei grobem Verschulden (=Vorsatz & grobe Fahrlässigkeit)
unwirksam

d) Vermutung der Mangelhaftigkeit bei Gefahrenübergang (§476)


- Wenn Käufer Gewährleistungsrechte geltend macht, muss er die Voraussetzungen beweisen;
Mangel war bereits bei Gefahrenübergang, bei der Übergabe (§434 Abs. 1) vorhanden und
nicht erst nachträglich eingetreten (durch vorschriftswidrigen Gebrauch)
- §476 kehrt Beweislast um (zugunsten des Käufers)
o Zeigt sich ein Mangel innerhalb von 6 Monaten, so wird vermutet, dass die Ware
bereits bei der Übergabe mangelhaft war (beruht auf Verbrauchsgüterkaufrichtlinie)
- Die Vermutung gilt nicht, wenn sie mit der Art der Sache oder der Art des Mangels nicht
vereinbar ist (gebrauchte Sachen mit hohem Abnutzungsgrad, …)

e) Formelle Voraussetzungen für Garantien (§477)


- Allg. Rechte des Käufers (§443) gelten auch beim Verbrauchsgüterkauf
- §477 enthält Sonderbestimmungen zugunsten des Verbrauchers im Hinblick auf formelle
Voraussetzungen
o Garantieerklärung muss einfach und verständlich sein
o Muss auf ein Nebeneinander von Garantie und gesetzlichen Rechten des
Verbrauchers (§437) hinweisen, sowie den Inhalt der Garantie und alle wesentlichen
Angaben für die Geltendmachung der Garantierechte enthalten; insbesondere für
die Dauer und den räumlichen Geltungsbereich des Schutzes sowie Namen und
Anschrift des Garantiegebers
o Verbraucher kann verlangen, dass ihm die Garantieerklärung in Textform (§126 b)
zur Verfügung gestellt wird (§477 Abs. 2); durch §477 soll der Verbraucher vor
Irreführung und unklare Garantiebedingungen geschützt werden
- Garantieverpflichtung bleibt wirksam, auch wenn sie gegen die formellen Anforderungen
verstößt (§477 Abs. 3); andernfalls würde der Verbraucher, der gerade geschützt werden
soll, benachteiligt
- Unternehmen, die unklare Garantieerklärungen abgeben, können nach §2
Unterlassungsklagengesetz (UklaG) auf Unterlassung verklagt werden; nicht von einem
einzelnen Verbraucher, wohl aber von Verbänden, bspw. Einem Verbraucherschutzband,
allen voran dem Verbraucherschutzverein Berlin
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Ergänzung: Rücktrittsrechte des Handels (§§478, 479)

a) Zum gebotenen Rückgriff innerhalb einer Vertriebskette


- Ist Produkt fehlerhaft, hat Käufer zahlreiche Gewährleistungsansprüche (§437 ff.)
- Adressat der Ansprüche ist der Verkäufer, beim Verkauf fabrikneuer Waren durchweg der
Handel; bzw. der Letztverkäufer
- Kosten der Gewährleistung sind von dem Unternehmer zu tragen, der den Produktfehler zu
verantworten hat (z.B. Produzent bei fabrikneuer Waren)
- Innerhalb der Distributionskette müssen daher Regressionsmöglichkeiten eröffnet werden
o Händler muss sich an den Großhändler wenden können, dieser dann an den
Produzenten usw.
- Händler kann quasi den Haftenden in Regress nehmen
- Vorschriften des Verbrauchsgüterkaufs deshalb um §§478, 479 ergänzt

b) Erleichterungen: keine Frist, Beweislastumkehr, Weitergabe der Nachbesserungskosten


(§478 Abs. 1, 2, 3)
- Wenn Händler etwas zurücknehmen muss o.ä., so hat er gegenüber seinem Lieferanten
(Großhandel) die „normalen“ Rechte eines Käufers gem. §437 ff.; er kann so z.B. auch vom
Vertrag zurücktreten
o Beachten §377 HGB: in der Beziehung von Unternehmern untereinander ist der
Käufer dazu angehalten, die angelieferte Ware unverzüglich zu untersuchen; kommt
er diesen Obliegenheiten nicht nach, verliert er seine Gewährleistungsansprüche
- Dieser Regress wird dem Handel nunmehr erleichtert
o §478 Abs. 1; es bedarf keiner Fristsetzung (damit das fehlerhafte Produkt möglichst
problemlos durchgereicht werden kann)
o Handel kann also unmittelbar nach der Rücknahme der mangelhaften Sache
zurücktreten, ohne Lieferanten Möglichkeit zur Nacherfüllung einzuräumen
- Zugunsten des Handels gilt Beweislastumkehr (§476, vgl. §478 Abs. 3)
o Auch dem Großhandel gegenüber wird zugunsten des Handels vermutet, dass ein
Mangel, der sich innerhalb von 6 Monaten seit Anlieferung zeigt, bereits bei der
Übergabe vorlag
- Gilt alles nur für neu hergestellte Produkte (§478 Abs. 1); Außerdem ist Voraussetzung, dass
der Handel die Sache zurücknehmen musste, der Verbraucher einen Anspruch hatte. Ein
Regress scheidet also aus, wenn der Handel die Sache aus Kulanz zurück genommen hat
- Handel kann auch Kosten der Nachbesserung verlangen, insb. Transport- und Wegekosten,
die er in der Beziehung zum Verbraucher aufwenden musste (§478 Abs. 2, §439 Abs. 2)

c) Innerhalb der gesamten Vertriebskette (§478 Abs. 5)


- Vorstehendes gilt für alle Verträge in einer Lieferkette, Nachteile eines Mangels einer Ware
trägt letztlich das Unternehmen, in dessen Verantwortungs- und Organisationsbereich der
Mangel entstanden ist
- Nur wenn fehlerhaftes Produkt vom Handel an den Endverbraucher verkauft ist, finden §478,
§479 Anwendung
- Verjährung  §479

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d) Zwingender Charakter: Schutz des Handels (§478 Abs. 4)
- Rückgriffsvorschriften §478, §479 im Ausgangspunkt dispositiv, Abweichung aber möglich
- Oft: Händler in unterlegener Position: ökonomische Abhängigkeit vom Hersteller
o Gefahr: Angebotsmächtige Hersteller schließen in ihren Formularbedingungen
Rückgriffsmöglichkeiten aus
- §478 Abs. 4: es soll verhindert werden, dass von den Vorschriften §§433 ff. zu Lasten des
Handels abgewichen wird, gleichgültig in welcher Form (GEGEN AUSNUTZUNG
ökonomischer Überlegenheit)
- Rückgriffsrechte können dem Handel nur genommen werden, wenn ihm ein gleichwertiger
Ausgleich eingeräumt wird (Was darunter zu verstehen ist, steht nirgendwo geschrieben)

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