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Legitimation staatlichen Handels im Bereich der Wirtschaftspolitik

- Eine Laisser-faire-Wirtschaft (Anarchie) würde die Abschaffung jeder organisierten


(Staats-)Autorität und damit des Ordnungsrahmens einer Volkswirtschaft bedeuten.

- Folgen:
- vermachtete Märkte
- ungleichmäßige Einkommensverteilung
- Wirtschafts-Darwinismus (Dominierung der wirtschaftlich starken auf Kosten der Schwachen)
- keine öffentlichen Güter
- keine Garantie der persönlichen Sicherheit
- schließlich: Raub und Schutz vor Raub

- Eine Volkswirtschaft brauch also zumindest einen Ordnungsrahmen für die wettbewerbliche
Selbststeuerung.

Ziele der Wirtschaftspolitik in entwickelten Marktwirtschaften

Wohlstandsmaximierung als Oberziel

wettbewerbliche Selbststeuerung mit


als primäres Regelungssystem
staatlichem Ordnungsrahmen

ergänzende Wirtschaftspolitik: als sekundäre Einflussnahme

- Wettbewerbsschutz- und förderung


1. Allokationsziele - öffentliche Güter
- Umweltschutz
- Einkommens- und Vermögensangleichung
2. Distributionsziele - Förderung bestimmter Zweige im Inland
- Wohlstandsangleichung für Entwicklungsländer
- Vollbeschäftigung
- Preisniveaustabilität
3. Stabilitäts- und Wachstumsziele - Außenwirtschaftliches Gleichgewicht
- Quant./qual. Wirtschaftswachstum
- Veränderung privater Konsumgewohnheiten
(z. B. Alkohol- Nikotineinschränkung)
4. gelegentlich verfolgte Ziele - Veränderung der Bevölkerungsgröße oder -
struktur (z. B. Einwanderungsquote)
Zielgrößen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland

- In Deutschland ist die wichtigste Größe der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung das BIP.

- Es erfasst den Marktwert aller im Inland hergestellten Güter und Dienstleistungen für den
Endgebrauch (Zwischenprodukte inklusive) nach Abzug aller Vorleistungen.

- Es soll einen mengenmäßigen Überblick über das wirtschaftliche Geschehen und die
Produktionsmöglichkeiten des Landes liefern. (Ursprung: Zweiter Weltkrieg)

- Es wird oft als Indikator für Wohlstand herangezogen, erfasst aber grundlegende Aspekte nicht:
- Umweltaspekte
- Verteilung von Einkommen und Vermögen
- sozioökonomische Entwicklung
- Gesundheits- und Bildungsaspekte
- Zufriedenheit

Pro Contra

- simpelster Indikator - Ungenauigkeit (sh. oben)

- misst Wirtschaftskraft in einer einzelnen Zahl - wahrer Wohlstand nicht erfasst

- einfache Vergleiche möglich - Bewertung der Ausgaben (sinnvoll oder nicht?)

- reales BIP als Indikator für Wachstum - Nichterfassung der Schattenwirtschaft


(=unabhängig von Preisveränderungen
anhand der Marktpreise eines Basisjahres)

- Alternativen:
- Happy Planet Index
- Human Development Index
- Gini Koeffizient

- Drei Möglichkeiten der Berechnung:



Qualitatives Wachstum und nachhaltige Entwicklung

- Qualitatives Wachstum: Wachstum der Wirtschaft unter Verzicht auf Ausbeutung und Zerstörung
natürlicher Ressourcen. (Gegenentwurf zum traditionellen wirtschaftpolitischen Ziel des durch
die Veränderung des BIPs gemessenen Wirtschaftswachstums.)
- Vorraussetzungen:
- Investitionen mit dem Ziel der Entwicklung nachhaltiger Produktionsformen (sowohl von
staatlicher, als auch von privatwirtschaftlicher Seite)
- Neukonzeption der Arbeitsmärkte, Neudefinition des Begriffes Arbeit, Neustrukturierung
des sozialen Netzes
- Maßnahmen:
- Erhöhung der Arbeitsproduktivität
- Erhöhung der Maschineneffizienz
- Förderung von nachhaltigen Produktionsformen
- Verwendung von regenerativen Energieträgern

- Nachhaltige Entwicklung (Leitbild der internationalen Umwelt- und Entwicklungspolitik):


Gesamtkonzept, das eine Entwicklung zum Ziel hat, die ökologisch verträglich, sozial gerecht
und wirtschaftlich leistungsfähig ist uns den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht,
ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu
befriedigen.
- Beispiele für politische Umsetzung:
- Agenda21 (1992): Ergebnis der Rio-Konferenz
- EU-Nachhaltigkeitsstrategie (2001): Beschluss des Europäischen Rates
- deutsche Nachhaltigkeitsstrategie (2002): Indikatoren- und Fortschrittsberichte
- Agenda 2030 der UNO (2015): "5 Ps“ - People, Planet, Prosperity, Peace, Partnership

Debatte um Wirtschaftswachstum
Pro Contra
- erhöht materiellen Wohlstand bzw. - allgemeine Umweltbelastung
Lebensstandard/ erhält ihn aufrecht
- erhöht Beschäftigung, senkt Arbeitslosigkeit - Hohe Produktivität verhindert
Vollbeschäftigung ohnehin
- ermöglicht höhere Investitionen - Schaffung neuer zweifelhafter Bedürfnisse
(„Konsumieren müssen“)
- Environmental-Kuznets-Curve - Ressourcenverknappung
- Tilgung von Staatsschulden - Gefälle zwischen Industrie- und
Entwicklungsländern
- Finanzierung sozialer Institutionen - Leben auf Kosten anderer Regionen und
Generationen
- technologischer Fortschritt - Wohlstand wirkt nicht gesamtgesellschaftlich
Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes von 1967

Ziel Indikator

Vollbeschäftigung Arbeitslosenquote
- setzt registrierte Arbeitslose zu den
Erwerbspersonen (EP = Erwerbstätige +
Arbeitslose) in Beziehung

Preisniveaustabilität Preissteigerungsrate des HVPIs


- soll weniger als 2% sein
Außenwirtschaftliches Gleichgewicht Außenbeitrag
- Exporte minus Importe von Waren und
Dienstleistungen
- Vermeidung langfristiger und übermäßiger
Im- und Exportüberschüsse

Angemessenes Wirtschaftswachstum Veränderungsrate des BIPs


- prozentuale Veränderung im Wachstum der
Volkswirtschaft wird rückwirkend jeweils
einmal pro Quartal erfasst.

- Zielkonflikt zwischen Vollbeschäftigung und Preisniveaustabilität:

➡ hohes Beschäftigungsniveau
➡ höhere Löhne
➡ höhere Preise
➡ höhere Inflation

➡ höhere Zinsen
➡ stabilere Preise
➡ niedrige Investitionen
➡ weniger Beschäftigung
Konjunktur- und Wachstumsschwankungen

- Konjunkturentwicklung: Auslastung des Produktionspotenzials durch tatsächliche Produktion


- steigender Auslastungsgrad: Expansion
- sinkender Auslastungsrad: Rezession
- Erklärungsansätze:
- exogene (außenwirtschaftlich) Konjunkturtheorie: z.B. Technologischer Fortschritt, Krieg,
psychologische Faktoren wie Optimismus oder Pessimismus
- endogene (innerwirtschaftlich) Konjunkturtheorie: Auf- und Abschwung unvermeidbar
durch z. B. Schwankungen der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage
- monetäre Konjunkturtheorie: Einbeziehung des Geldmarktes/ der Geldmenge
- Lehre der Klassiker: Keine langfristigen Krisen möglich (vgl. Say’sches Theorem)
- Joseph A. Schumpeter: allein Innovation und der Anpassungszwang für die Restwirtschaft
- Problematik: Ermittlung der richtigen Höhe von Investitionen privater Unternehmen

- Wachstumsentwicklung: Zuwachs des Produktionspotenzials

- Produktivität: pro Arbeitsstunde produzierte Güter/ Verhältnis von Output und Input
- Dependenz von Produktivität und Lebensstandard

- Produktionspotenzial: Gesamtwirtschaftliche Produktion, die bei maximaler Beschäftigung aller


volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren hergestellt werden könnte

- Produktionsfaktoren: Wirtschaftsgut, das bei der Leistungserstellung (Produktion) eingesetzt


wird. Man unterscheidet zwischen den Produktionsfaktoren Arbeit, Boden und Kapital.

- Multiplikatoreffekt:
➡ Investition (von Unternehmen, Haushalt, Staat oder Ausland)
➡ neue Arbeitsplätze
➡ mehr Lohn
➡ Konsum
➡ gesamtwirtschaftliche (multiplikative) Auswirkung

- Akzeleratoreffekt:
➡ steigende Nachfrage
➡ mehr Produktion
➡ höhere Investitionen in Produktionsgüter
Wirtschaftspolitische Konzeptionen

Nachfrageorientierte Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik


Wirtschaftspolitik (Fiskalismus) (Monetarismus)

Allg. Kennzeichen - kurzfristig, nachfrageorientiert - langfristig, wachstumsorientiert


- ggf. staatliche Ablaufpolitik - keine staatliche Ablaufpolitik, nur
Ordnungspolitik

Vertreter - John Maynard Keynes (1883-1946) - Milton Friedman („Chicagoer Schule“)


- basiert auf Neoklassik (Smith/Hayek)
- Saysche Theorem
Staatsauffassung - interventionistisch - liberalistisch
- (Stabilisierungspolitik) - (keine Stabilisierungspolitik)
- These des Staatsversagens
Grundannahmen - Instabilität der Wirtschaft (nie - Stabilität der Wirtschaft durch Eigen-
Gleichgewichtstendenz) regulierung (Gleichgewichtstendenz)
- antizyklisches Gegensteuern durch - antizyklisches Gegensteuern ist Grund
den Staat ist erforderlich für Konjunkturschwankungen da
- Globalsteuerung (Beeinflussung erzeugte Unsicherheit zu Fehl -
der gesamtwirtschaftlichen entscheidungen im Privatsektor führt
Nachfrage) möglich - Subventionen und staatliche
Reglementierung behindern
notwendige Strukturanpassungen
- Zu hohe Löhne, Lohnnebenkosten,
Steuern und Abgaben reduzieren
Unternehmergewinne, die für neue
Investitionen notwendig sind
- Konsum hängt vom langfristig
erwarteten Einkommen ab

weitere Annahmen - Inflation ist eine Folge eines - Inflation ist eine Folge eines Überschuss’
Nachfragesogs, eines des Geldmengen-wachstums im
„hausgemachten“ oder Verhältnis zum Wachstum des
„importierten“ Kostendrucks Produktionspotenzials
- Produktionspotenzial ist gegeben - Arbeitslosigkeit ist meistens strukturell
- bei Vollbeschäftigung ist Inflation bedingt und kann von konjunktureller
unvermeidbar (sh. Arbeitslosigkeit überlagert werden
Phillipskursve)
- Arbeitslosigkeit baut sich aufgrund
von nach unten starrer Löhne nicht
selbst ab (Inflation =
Reallohnsenkung)
- private Sparneigung konstant (so
führt mehr Einkommen zu einer
höheren Nachfrage)
- Staatsverschuldung wirkt nicht
verdrängend auf private Nachfrage
(kein „crowding out“)

Ziel - Vollbeschäftigung - Preisniveaustabilität


Hauptakteur - Staat - Zentralbank
- Beschäftigungspolitik - Geldpolitik
Ansatzpunkte & - Staatshaushalt (Veränderungen der - Geldmenge
Instrumente Einnahmen und Ausgaben) - Stabilisieren der Geldmengen- und
- Finanzpolitik/Fiskalpolitik (wirkt Fiskalpolitik (auch im Abschwung)
über Multiplikatoreffekte auf - flexible Wechselkurse zur
Nachfrage) außenwirtschaftlichen Absicherung
- Konjunktur- bzw. - Finanzpolitik (ergänzend, nicht für
Beschäftigungsprogramme im antizyklische konj. Ausgaben)
Abschwung (deficit spending) - Anpassen der Löhne an Produktivität
- Flexibilisierung der Arbeitszeiten
- Senkung der Abgaben für Unternehmen
- Abbau staatlicher Vorschriften
- Abbau von Subventionen

Finanzpolitik - zentrale Rolle - Bereitstellung öffentlicher Güter


- soll Nachfrage steuern - Senkung von Unternehmenssteuern
- soll konjunkturneutral sein
Geldpolitik - Stützung der Fiskalpolitik - am Wachstum des Produktionspotenzials
- Politik „des billigen Geldes“ in ausgerichtet
Krisen, um Zinslasten zu mildern - (potenzialorienterte Geldpolitik)
und Investitionsbedingungen zu
verbessern

Einkommenspolitik - keine zentrale Rolle bei der - beschäftigungspolitische


Beschäftigungssicherung Hauptverantwortung
- an „Lohnleitlinien“ orientiert und im - Arbeitslosigkeit ist Ausdruck von
Rahmen eines vereinbarten inflexiblen Arbeitsmärkten und zu hohen
Verhaltens zwischen Tarifpartner Lohnkosten
und Staat - Tarifparteien sind verantwortlich
- Lohnerhöhung: mehr Kaufkraft und - produktivitätsorientierte oder
folglich mehr Beschäftigung kostenniveauneutrale Lohnpolitik ist mit
(Kaufkrafttheorie) Beschäftigungsziel vereinbar
Debatte um höhere - höhere Löhne, höhere Kaufkraft, - Lohnerhöhungen wirken sich nie
Tariflöhne höhere Nachfrage, höherer unverändert auf die Nachfrage aus
Konsum - Sparneigung immer vorhanden
- höhere Investitionen der - Umsätze bringen Lohnerhöhungen nicht
Unternehmen und mehr zurück in die Kassen der Unternehmen
Arbeitsplätze
- niedrige Sparzinsen unterdrücken
Sparneigung und begünstigen
diesen Prozess

- Spielraum ist vorhanden - Inflationsrate und Produktivität


- wachsende Wirtschaft entscheiden (jeweils ca. 1%)
- fast keine Arbeitslosigkeit - Spielraum somit gerade einmal 2%
- Unternehmen sind robust genug - erst bei höheren Anstiegen nötig
Lohnerhöhungen zu verkraften

- Inflationsrate soll nahe 2% sein - in Deutschland gibt es keine Deflation


- niedriger Leitzins wirkt nicht - gefühlte Inflation ist nur hoch
- Zur Verhinderung der Deflation in - sobald Inflation erreicht ist, wollen
anderen EU-Ländern muss Banken wieder Lohnzurückhaltung
deutsche Kaufkraft steigen

- Fachkräfte mit höheren Löhnen - Konkurrenzkampf um Fachkräfte wird


locken Löhne von allein pushen
- Ausbildung durch niedrige Löhne - höhere Löhne schaden dem
oft nicht attraktiv stagnierenden Arbeitsmarkt

- Angleichung des Lohnniveaus an - Lohn geht aus Tarifverhandlungen


Stärke der Volkswirtschaft zwischen Arbeitgebern und
- andere EU-Ländern sind aufgrund Gewerkschaften hervor
zu hoher Löhne - andere EU-Länder haben über ihre
wettbewerbsunfähig Verhältnisse gelebt
- Deutschland soll dieses - Deutschland sollte deswegen nicht
ausgleichen geschwächt werden

Unterscheidung zwischen:
- klassischer Liberalismus
- Neoliberalismus
- Monetarismus
- Keynsianismus

Europäische Wirtschafts- und Währungsunion sowie europäische Geldpolitik

- drei Stufen der Wirtschafts- und Währungsunion

- Konvergenzkriterien der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion 


Kriterien Erläuterung

Preisstabilität Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5


Prozentpunkte über derjenigen der drei
preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen.

Haushaltsdefizit unter 3% des Die Differenz zwischen Ausgaben und


BIP Einnahmen des Staates dürfen jährlich 3% des
Bruttoinlandproduktes nicht überschreiten.

Gesamtverschuldung maximal Staatlicher Schuldenstand darf nicht mehr als


60% des BIP 60% des Bruttoinlandproduktes betragen

Stabile Wechselkurse Staat muss mindestens zwei Jahre lang ohne


Abwertung am Wechselkursmechanismus
teilgenommen haben (+/- 15% Schwankungen).

Unabhängigkeit der Notenbank Geldpolitik wird unabhängig von Weisungen


aus der Politik betrieben.
- Europäische Zentralbank (EZB)
- seit 01.01.1999 zuständig für Geldpolitik in 19 Mitgliedsstaaten der Eurozone (Verlagerung
der Kompetenzen der Nationalen Zentralbanken auf EZB)
- Aufgaben:
- Gewährleistung von Preisniveaustabilität (ziel: Anstieg des Harmonisierten Verbraucher-
preisindex’ bzw. der Inflationsrate um ca. 2% )
- Erzielen von Wirtschaftswachstum
- Instrumente zur Steuerung der Geldmenge:
- Zinspolitik: Fazilitäten (europäischer Leitzins)
- Mindestreserven: Mindesteinlagen auf dem Zentralbankkonto einer Geschäftsbank
- Offenmarktgeschäfte: Kauf und Verkauf von Wertpapieren (z.B. Staatsanleihen) über
Geschäftsbanken -> Inumlaufbringen von neuem Geld
- Quantitative Easing (QE): Programm der EZB, in großem Maße Staatsanleihen von
Banken und Großinvestoren zu kaufen, um die Geldmenge zur Stabilisierung des
Preisniveaus zu erhöhen. Die EZB greift u.a. auf dieses Instrument zurück, weil der Leitzins
schon quasi bei Null liegt, sodass das Instrument der Leitzinssenkung nicht mehr wirkt.

- Adressaten der Geldpolitik

- Inflation: Anhaltender Prozess der Geldentwertung, der sich durch allgemeine


Preiserhöhungen bemerkbar macht. Mit einer Geldeinheit kann dann weniger gekauft
werden, d.h., die Kaufkraft des Geldes vermindert sich laufend.
- Ursachen:
- nachfrageinduzierte Inflation: steigende Preise durch höhere Nachfrage
- importierte Inflation: steigende Preise von z.B. importierten Vorprodukten
- angebotsinduzierte Inflation:
- Kostendruckinflation: Übertragung von höheren Kosten (oft Löhne) auf Preise
- Gewinndruckinflation: steigende Preise trotz konstanter Kosten
- Erwartung fortschreitender Preissteigerungen
- geldmengeninduzierte Inflation: höhere Geldmenge -> höhere Nachfrage (Friedman)
Erscheinungsformen und Auswirkungen sozialer Ungleichheit

- soziale Ungleichheit:
- ungleiche Verteilung von Lebenschancen
- jede Art verschiedener Möglichkeiten der Teilhabe an Gesellschaft bzw. der Verfügung über
gesellschaftlich relevante Ressourcen.
- niemals objektiv, an historische Zeit gebunden

- mehrdimensionale Ungleicheitsforschung:
- vertikale Ungleichheiten: Strukturierung in ein gesellschaftliches „Oben“ und „Unten“
- z. B. Bildungsabschluss, Einkommen, Macht, Prestige
- horizontale Ungleichheiten: Unterschiedliche Lebenslagen trotz gleicher Position im
vertikalen Gefüge der Gesellschaft
- z. B. Geschlecht, Generation, Nationalität, Region (Ost/West), Familiensituation

Dimension Indikatoren Ausprägung in Deutschland

Bildung - formaler Bildungsabschluss - Anspruch auf Chancengleichheit


- soziale Herkunft aus Grundgesetz wird verletzt
- sozio-ökonomische Herkunft
determiniert Bildungschancen
- migrations-, regions- und
geschlechtsspezifische
Disparitäten (primär: Sprache,
sekundär: Kosten-Nutzen-Vorteile)

Materieller Wohlstand - Einkommen - Schichten mit ähnlichem


- Vermögen Einkommen
- ggf. Art der Armut - unterschiedliche Einkommen
abhängig von sozialer Gruppe
- Einkommen ist
berufsgruppenabhängig

Macht - berufliche Stellung - Machteliten


- Befugnisse - keine offene Leistungsgesellschaft
- politische Position - Rekrutierung der Eliten
- (Einkommen/Vermögen) - Ungleichheit von Bildungschancen
als Ursache sozialer Ungleichheit
- Habitus spielt wichtige rolle
- kulturelles und soziales Kapital von
Familien -> Netzwerke

Prestige - Berufszugehörigkeit - unterschiedliches Berufsprestige


- soziale Herkunft - Prestige korreliert nicht zwingend
mit Einkommen
- gesellschafts- und zeitspezifische
Bewertung
- nivellierte Mittelstandsgesellschaft (Helmut Schelsky, 1953)
- durch steigende soziale Mobilität und allgemeinen Wohlstand steigen mehr Menschen aus
den Unterschichten auf und aus den Oberschichten wiederum ab, sodass die Mittelschicht an
Bedeutung und Größe gewinnt. Sozialprestige und Standesbewusstsein sind Relikte.

- Berechnung des Gini-Koeffizienten:


- Grad der Ungleichheit der Einkommensverteilung anhand häuslichem Pro-Kopf-Einkommen
- Lorenzkurve / Disparitätskurve: Relation zwischen kumulativem Anteil der Bevölkerung in
Prozent (x) und Anteil am Gesamteinkommens/-vermögen dieser in Prozent (x)
- zwischen 0 und 1 (1 = einer besitzt alles; 0 = alle haben das gleiche)
- Winkelhalbierende = perfekte Gleichverteilungsgerade

- Armutsbegriffe
- Absolute Armut:
- Grundversorgung nicht gegeben
- Haushalte mit einem gewichteten Einkommen unter zwei US-Dollar pro Tag
- Extreme Armut:
- Haushalte mit einem gerichteten Einkommen unter 1.25 US-Dollar
- Existenzielle Armut:
- lebenswichtige Bedarfsgüter können z. T. nicht finanziert werden
- Relative Armut:
- so geringe (mat. / kult. / soz.) Mittel, dass „Minimum“ der Lebensweise nicht erreicht wird
- Einkommen unter der Armutsschwelle
- in Deutschland 60% des Medians der Netto-Äquivalenzeinkommen

- Einkommensbegriffe
- Faktoreinkommen (beruhen auf Gegenleistungen):
- Arbeitseinkommen
- Bodeneinkommen
- Kapitaleinkommen
- Gewinneinkommen
- Transfereinkommen:
- z.B. Kindergeld, Wohlgeld, Sozialhilfe
- Pro-Kopf-Nettohaushaltseinkommen:
- Netto-Haushaltseinkommen durch Anzahl der Personen
- Netto-Äquivalenzeinkommen:
- gesamtes Netto-Haushaltseinkommen wird durch die Summe der Gewichtungsschlüssel
der Personen (Erwachsener = 1; Zweiter Erwachsener ab 14 = 0,5; Kind unter 14 = 0,3)
Gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Wandel

- atypische Beschäftigung
- Abweichungen vom Normalarbeitsverhältnis (unbefristet; Vollzeit; in soziale
Sicherungssysteme integriert; klassisches Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis)
- über ein Drittel der Beschäftigten
- Frauen deutlich überrepräsentiert (etwa 60% aller beschäftigten Frauen)
- Seit Arbeitsmarktreform zunehmend:
- Teilzeitbeschäftigung
- Geringfügige Beschäftigung (etwa 30% Studierende und Rentner)
- Befristete Beschäftigung
- Midi-Jobs (etwa 50% Studierende und Rentner)
- Leiharbeitsverhältnisse
- Selbstständigkeit ohne Mitarbeiter
- höhere soziale Risiken
- Prekaritätsrisiken steigen (im Bezug auf Einkommen, soziale Sicherung,
Beschäftigungsstabilität und Beschäftigungsfähigkeit)
- das Risiko einer allmählichen Erosion der Beitragsbasis der Sozialversicherungen (v.a. RV)
- Ansatz: Flexicurity-Strategie

- Generation Y
- Digital Natives
- akademischer Hintergrund
- fordern mehr beim Arbeitgeber ein
- Infragestellung der starren Hierarchien zu mehr Selbstbestimmung
- Mobilität/ Flexibilität / Sinnhaftigkeit / Transparenz / Nachhaltigkeit
- persönliche Entfaltung vor klassischer Karriere (Glück vor Geld)

- Dienstleistungsgesellschaft
- Tertiarisierung
- Rückgang von Arbeitsplätzen
- De-Industrialisierung
- Automatisierung -> Produktivitätssteigerung
- Outsourcing / verstärkte Arbeitsteilung
- Nachfrage nach Dienstleistungen
- Bürokratisierung
- Verlagerung zu fachlichen Qualifikationen und sozialen Kompetenzen
- Dienstleistungsberufe oft rationalisierungsresistent, da oft die Qualität der Arbeit von ihrer
Quantität abhängt

Sozialstaatliches Handeln

- verfassungsrechtliche Grundlagen:
- Verankerung der „Sozialstaatsklausel“ in der Verfassung der Bundesrepublik (GG Art. 20)
- verfassungsmäßig verbürgte Verpflichtung auf Sozialstaatlichkeit
- Verzicht im GG auf eindeutige Hinweise hinsichtlich der konkreten Ausgestaltung

- Zielsetzungen:
- soziale Gerechtigkeit (z. B. Sicherung des Existenzminimums, Entschärfung sozialer
Gegensätze, Steuergerechtigkeit, Umsetzung des Sozialversicherungsprinzips).
- soziale Sicherung
- Sicherung gesellschaftlicher Teilhabe,
- Sicherung eines menschenwürdigen Daseins,
- Minderung ungleicher Einkommensverteilung,
- Schaffung möglichst gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland

- Maßnahmen am Beispiel der Krankenversicherung:


- Ziele:
- Schutz vor Einkommensausfall im Krankheitsfall
- Übernahme der Behandlungskosten im Krankheitsfall durch Gewährung von medizinischen
Sachleistungen oder Kostenerstattung
- Merkmale:
- Orientierung am Solidarprinzip (Leistungen meist unabhängig vom eingezahlten Beitrag)
- beitragsfreie Mitversicherung von Familienmitgliedern etc.
- gleichzeitiger Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Krankenkassen
- Leistungen:
- Krankengeld
- Übernahme von Krankheitskosten ambulanter, stationärer und pharmazeutischer Art
- Leistungen zur Prävention
- Kuration und Rehabilitation

- Herausforderungen im 21. Jahrhundert


- Demografie: Fertilität, Verschiebungen in Altersstruktur, abnehmende Bevölkerungsdichte)
- Integration: Beitrag von Migranten und Flüchtlingen zum Sozialstaat durch Sprach- und
Qualifizierungskurs
- Bildung: sozioökonomische Hintergründe bestimmen späteres Einkommen
- Globalisierung des Arbeitsmarkts: Niedriglohnsektor, Fachkräftemangel
- Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Rolle der Frau auf dem Arbeitsmarkt