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Das Buch des

buntbestickten Kleides
Von Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa
Adab & Akhlaq 3
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Inhalt
Vorwort ..................................................................................................................3
1. Die Wichtigkeit des Adab & Akhlaq...........................................................................4
2. Kapitel über die Grenzen der Bildung und darüber, was gebildete Menschen prüfen und suchen
müssen ...................................................................................................................4
3. Kapitel über das Verbot, mit vertrauten Freunden Spaß zu treiben und treue Gefährten zum
besten zu haben .......................................................................................................7
4. Kapitel über das Gebot, Freunde, Gefährten und Vertraute mit aller Sorgfalt auszuwählen......8
5. Kapitel über den Ansporn, den Umgang mit Freunden zu pflegen, über den Anreiz, mit guten
Gefährten Freundschaft zu halten, und über das Verlangen, rechtschaffene und vertrauenswürdige
Menschen zu Freunden zu haben....................................................................................9

Vorwort

Die Grenzen der Bildung


Vom angemessenen Benehmen
Über Freunde und Freundschaften
Von den Liebenden
Über Geduld und Eifersucht
Übertreibungen in der Liebe
Über Ehrenhaftigkeit und Anstand
Versprechungen und Wortbrüche
Regeln für feine Lebensart
Über Leidenschaft in der Liebe
Die Liebe bei den Beduinen
Von der Verschwiegenheit

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Adab & Akhlaq 4
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

1. Die Wichtigkeit des Adab & Akhlaq

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen

Der Gesandte Allahs, Mohammed (sas), hat gesagt: “Ich wurde gesandt, um Charakter und
Benehmen (der Menschen) vollkommen zu machen.” (Muwatta; Imam Malik)

Allahs Gesandter, Mohammed (sas) hat gesagt: „Der im Glauben vollkommenste unter den
Gläubigen ist der mit dem besten Charakter.“ (Abu Huraira; Abu Dawud, Darimi)

Es überliefert Aischa (radiallahu ´anha), dass sie den Gesandten Allahs sagen hörte: "Durch
das gute Benehmen kann ein Gläubiger die Stufe eines Fastenden und in der Nacht zum
Gebet Aufstehenden erreichen." (Abu Dawud)

Abu Dharr Dschundub ibn Dschunada und Mu'adh ibn Dschabal (radiallahu´anhu)
überliefern, dass Allahs Gesandter sagte: "Fürchte Allah, wo immer du bist, und lass der
bösen Tat eine Gute folgen, so wird sie sie auslöschen, und verhalte dich den Menschen
gegenüber auf die beste Weise!" (At-Tirmidhi)

'A'ischa (radiallahu ´anha) berichtete, dass der Prophet sagte: "Es gibt unter den Menschen
solche, die von Allah nicht geliebt werden, und es sind diejenigen, die zank- und
streitsüchtig sind“ (Al-Bukhary)

Allahs Gesandter hat gesagt: "Die schwerwiegendste Sache, die für den Gläubigen am Tage
der Auferstehung in die Waagschale gelegt wird, ist ein guter Charakter, und Allah
verabscheut gewiss den (Menschen), der unanständige und beleidigende Worte gebraucht."
(At-Tirmidhi)

2. Kapitel über die Grenzen der Bildung und darüber, was


gebildete Menschen prüfen und suchen müssen

Wisse! Zuallererst ziemt es dem Verständigen, der sich durch seinen Verstand vom Unwissenden
unterscheidet, dass er folgende Dinge beherzigt, sich zu ihnen hingezogen fühlt, sie anwendet und sie
befolgt: Er muss die Gesellschaft kluger Männer suchen, sich mit den verschiedenen Fächern der
schönen Literatur beschäftigen und Überlieferungen lesen und Geschichten und Gedichte weitergeben
sowie gut fragen und mit Bedacht antworten können. Er darf nicht zu viel reden und nur antworten,
wenn er über den Gegenstand, nach dem er gefragt wird, genau Bescheid weiß. Er schweigt, wenn er
nicht gefragt worden ist, und hört zu! Schließlich setzt er sich nicht der Peinlichkeit aus jemanden
beim Sprechen an unpassender Stelle zu unterbrechen. Hierzu gibt es den folgenden verbürgten
Ausspruch von den Gefährten Abu-Darda rah: „Sei ein Wissender, ein Lernender oder ein
Zuhörer! Sei aber nicht der vierte, der zugrunde geht!“ (ihya' ulum ad-diin von Al-Ghazali)

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Adab & Akhlaq 5
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Es ist in der Tat besser zu schweigen, als zu schwatzen, als über Dinge zu reden, die einen
nichts angehen, oder als sich über eilig an Probleme heran zu wagen, vor denen man Respekt
haben müsste !

Der Dichter Abdul- Atāhiya sagte dazu: „ Wenn du nicht gut schweigen kannst, so verstehst
du erst recht nicht gut zu sprechen! Wenn sich doch die Menschen, wenn sie reden,
kurzfassen würden oder – noch besser! – überhaupt schweigen würden!“

An anderer Stelle heißt es bei ihm: „ Erfolg hat der stumme Schweiger! Worte sind nur
nützlich, wenn sie einer ausspricht, der sie auch versteht! Es braucht nicht auf alles
geantwortet werden. Oft ist Schweigen besser als eine Antwort!“

Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Heil) sagte: „Wer an Allah und den jüngsten
Tag glaubt, der sagt nur Gutes oder schweigt!“ ( Al-Bukhary )

Ein Dichter sagte: „ Hülle dich, solange du kannst, in Schweigen! im Schweigen findet der
Schweiger seine Ruhe. Wenn du keine Antwort weißt, mache das Schweigen zum Herrn
deiner Rede: seine Antwort ist Schweigen!“

Der Weise Luqman sprach zu seinem Sohn: „Mein Söhnchen! Solltest du einmal im Reden
überwunden werden so lasse dich wenigstens nicht im Schweigen überwinden! Sei viel mehr
darauf bedacht zu hören, als dass du dir einmal sagen musst: das Sprechen musste ich viele
Male bereuen, das Schweigen aber kein einziges Mal!“

Ibrahim ibn Al-Mahdi fand diese treffenden Worte: „Sollte dir einmal das Schweigen
Verwunderung entflößen, so wisse, dass schon lange vor dir die besten Leute das Schweigen
bewunderten. Vielleicht hast du es einmal bereut, dass du geschwiegen hast, aber ganz
bestimmt bereust du viele Male, dass du gesprochen hast! Das Schweigen bringt Heil, Worte
aber Schaden und sät Zwietracht.“

Es gehört also zu unabdingbaren Pflicht des Gebildeten, die Zunge vor dem Sprechen zu
hüten, nicht zu unpassender Gelegenheit zu reden, mit Kenntnis zu sprechen, mit Nachsicht
zuzuhören, sich mit der Antwort zu beeilen und sich nicht um die Rede zu drängen. Der
Gebildete soll schweigen, wenn er jemanden sieht, der mehr weiß als er, um auf diese Weise
vom Zuhören Gewinn zu haben. Nur so kann er sich vor Versehen und falschen
ungenschlägen, vor Mängeln und Fehlern bewahren. Des Weiteren soll er nicht über etwas
sprechen, was er überhaupt nicht versteht. Andernfalls kommt er ins Stocken oder in
Verwirrung, was ihn in den Augen gebildeter Menschen herabsetzt.

Ta´lab hat berichtet das Bakr ibn Abdullah al-Muzani sehr wortkarg war. Als man ihn dieses
einmal zum Vorwurf machte, habe er gesagt: „Meine Zunge ist ein Löwe. Wenn ich ihn
freilasse, frisst er mich!“

Von einem weisen Mann stammt dieser Ausspruch: „Bewahre das Schweigen! So gältest du
als weise oder als klug!“

Von vier Königen stammen vier Aussprüche, die alle den gleichen Sinn haben:

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Adab & Akhlaq 6
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Vom Perser König Kisra: „Ich vermag leichter etwas auszusprechen als auf das, was ich
ausgesprochen habe, zu erwidern!“

Von Cäsar: „Niemals bereue ich das, was ich noch nicht ausgesprochen habe, aber immer das,
was ich bereits gesagt habe.“

Vom König von China: „Wenn ich ein Wort ausspreche, so hat es wohl mich, ich aber habe es
nicht in der Gewalt.“

Vom König von Indien: „Ich wundere mich über einen jeden, der ein Wort ausspricht. Wenn
man es von ihm berichtet, so bringt es ihm Schaden; wenn man es aber überhaupt nicht
erwähnt, so bringt es ihm auch keine Nutzen.“

Bei Imru al-Qais heißt es: „Wenn einer seine Zunge nicht hüten kann, was anders soll er sonst
noch hüten?“

Wenn also das Schweigen verdienstvoll ist, so wird das Sprechen erst bedeutsam, wenn man
nicht zu viel spricht und die Grenzen einer wohlanständigen Rede nicht überschreitet. Ta´lab
rezitierte mir dazu die folgenden Verse: „Für die Menschen ist die Sprache kein Vergehen, ja,
für mich ist dies Widerspruch und Schlussfolgerung!“

Wenn es keine Sprache gäbe, könnten wir nicht den richtigen Weg der wahren Religionen
bestimmten, würden die Grundsätze unserer Religionen ungültig! Deswegen wäge das, was
du sprichst, wohl ab, lass Nebensächliches im Gespräch beiseite! Denn Nebensächlichkeiten
ziehen Tadel auf sich! Wenn du deinem Mitmenschen, der sich an dich wendet, mit Worten
nicht den richtigen Weg weist, musst du dir von ihm Gemeinheiten und Beschuldigungen
gefallen lassen! Das Sprechen ist besser als das Stumm sein des Mannes! Man sieht ihn
wegen seiner Wortkargheit argwöhnisch an. Durch die Sprache kamen der Quran auf uns und
der Islam.

Sprache bedeutet: klare Darlegung der Gedanken. Das kannst du wohl nicht bestreiten!
Stumm sein ist ein Fehler, Ohnmacht der Zunge. Sprache aber ist wohl geführte Ordnung
der Gedanken. Es ist also für einen gebildeten Menschen durchaus keine Schande, dass er
sich einem anderen, der mehr wissen besitzt als er, unterwirft, selbst wenn er dieses
seiner Unabhängigkeit wegen nicht nötig hätte. Ebenso ist es keine Schande, wenn er
einen, der auf höhere Stufe des Wissens steht, nach dem fragt, dessen Kenntnis ihm
verborgen ist. Dazu sagte mir ebenfalls Ta´lab folgendes: „Völlig blind ist derjenige, der
immer schweigt! Willst du aber eines Tages von dieser Blindheit geheilt werden, so frage
einen, der Wissen besitzt!“

Von Al-Auza´i und Yunus überlieferte – Ausspruch: „Wer sich schämt oder hochmütig ist,
lernt nichts“!

Ein Abbaside fragte den Kalifen Al-Ma´mun: „Ziemt es sich für meinesgleichen, in meinem
Alter, Wissen zu suchen?“ Der Kalif antwortete: „Ja, bei Allah! Es ziert dich mehr, wenn du
als ein Wissender stirbst, als dass du in Unwissenheit zugrunde gehst.“ Da fragte der
Abbaside nochmals: „Aber bis wann ist es für mich ziemlich ? Denn immerhin bin ich schon
über 60 Jahre alt.“ Darauf erwiderte al-Ma´mun: „Solange dir das Leben gefällt!“

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Adab & Akhlaq 7
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Das also war eine kurz gefasste Auswahl von Aussprüchen, die die Gebildeten anspornen
sollen, die Weisheit zu suchen und sie für sich zu verwirklichen. Diese Auswahl gibt eine
erste Vorstellung von den Grenzen der Bildung und lässt diese alle verständigen Menschen
klar erkennen. Zur Bildung gehört aber auch, dass man es unterlässt, seine Freunde zu necken
und durch Scherzenden zu kränken. Dazu habe ich Dir, lieber Leser, ebenfalls eine kurz
gefasste, treffliche Auswahl von ergötzlichen Aussprüchen zusammengestellt, die dir
bestimmt gefallen und allen Gebildeten ein Höchstmaß an Wissen vermitteln werden, wenn
Allah will!

3. Kapitel über das Verbot, mit vertrauten Freunden Spaß zu


treiben und treue Gefährten zum besten zu haben

Wisse! dem Gebildeten, dem Kenntnisreichen und Verständigen, dem Wohlerzogenen und
Geistreichen gereicht es zur Zierde, wenn er nicht gedankenlos plaudert, sich für Scherz und
Neckerei zu erhaben fühlt, sich nicht in Frivolität gehen lässt und lärmendes Spaßen und
albernes Scherzen unterlässt. Denn zu vieles Scherzen erniedrigt den Menschen, setzt seinen
Wert herab, lässt Anstand vermissen, vertreibt vertraute Freunde und bewirkt schließlich, dass
niedrige und schlechte Leute gegen den freien und edlen Mann dreist werden.

Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Heil) sagte: „Hütet euch vor dem vielen
Lachen, denn es tötet das Herz und nimmt das Licht aus dem Gesicht.“ (Al-Bukhary)

Salomo, der Sohn Davids- über beiden sei Heil! – hat einmal gesagt: „Albernes Scherzen ist
dem Verstand eines Weisen abträglich und schadet dem Ansehen geachteten Menschen!“

Umar ibn Al-Khattab – Allah möge Wohlgefallen an ihm haben! – hat gesagt: „Wer etwas zu
oft tut, wird daran erkannt; wer albern scherzt, wird dafür geringgeachtet. Wer viel lacht,
verliert seine Würde!“

In einem Brief des Kalifen Umar ibn Abdul-Aziz (möge Allah sich seiner erbarmen) an seine
Statthalter heißt es: „Verbietet den Leuten zu scherzen!“ Das Scherzen lässt den ehrenhaften
Anstand verschwinden und reizt zum Zorn auf.

Der Kalif Umar ibn Abdul-Aziz soll auch noch folgendes gesagt haben: „ Enthaltet euch des
Scherzens! So werden alle anderen Charaktereigenschaften an euch gut sein.“

Ya´la ibn Munya gab seinen Söhnen den folgenden Rat: „Meine Söhne! Hütet euch vor
albernem Scherz! Er lässt den Glanz des Ansehens schwinden, hat Reue zur Folge und
mindert den ehrenhaften Anstand.“

Mis´ar ibn Kidam al-Hilali riet seinem Sohn: „Höre, Kidam, auf meinen Rat! Höre auf die
Worte deines Vaters, der dein Bestes will! Meide den Scherz und den Streit! Es sind diese
zwei Charaktereigenschaften, die ich im Verhältnis zu einem Freund nie sehen möchte. Auch
ich wurde von ihnen betroffen. Deswegen kann ich nur raten, sie gegenüber einem
nahestehenden Freund stets zu meiden.“

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Adab & Akhlaq 8
Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Zahlreiche Erzählungen, viele Gedichte, gibt es über das Verbot, mit Freunden albernen
Spaß zu treiben. Es ist in der Tat das würdigste für einen klugen und verständigen Mann,
dass er das Scherzen und Spaß tragen gänzlich unterlässt, wenn er nicht von den
gebildeten Menschen missbilligt werden will.

Der verständige und gebildete Mensch aber muss mit Bedacht seine Freunde auswählen,
Vertrauten und Gefährten sorgfältig prüfen und die Gesellschaft von Männern mit Verstand
suchen. Er muss sich solche Leute auswählen, die sich durch Vorzüge, ehrenhaften Anstand
und Verstand auszeichnen. Das ist gewissermaßen die Probe für einen Gebildeten, in der
sich der Scharfsinn des Weisen beweist! Der Mensch wird nach seinen äußeren Manieren
beurteilt, nach Leuten seinesgleichen bewertet, durch seine Freunde gekennzeichnet und
immer mit seinen Gefährten in Beziehung gesetzt. Auch darüber habe ich in einem
weiteren Kapitel eine Reihe von Erzählungen, überlieferten Geschichten und Gedichten
angeführt und erläutert. Verweile dabei und denke darüber nach, wenn Allah- erhaben ist
er! will!

4. Kapitel über das Gebot, Freunde, Gefährten und Vertraute mit


aller Sorgfalt auszuwählen

Vom Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Heil! – wird der folgende Ausspruch
überliefert: „Der Mensch ist auf der Religion seines engen Freundes, so prüfe wen du zum
engen freund nimmst.“ (Abu-Dawud und Tirmidhi)

Ali ibn Mujâhid hat gesagt: „Ich wähle mir die Freunde so aus, wie ich mir die besten
Früchte auswähle!“

Ein Dichter sagte zu diesen Thema: „Schenke deine Zuneigung nur einem edlen Menschen!
Nur der edle Mensch vermag edle Menschen hoch zu schätzen! Deswegen ist es ehrenhafter
Anstand, mit edlen Menschen einen Freundes Bund zu schließen!“

Von Salamon, dem Sohne Davids – über beiden sei Heil! – wird dieser Ausspruch überliefert:
„ Beurteilt einen Menschen in keiner Weise und nicht eher, bevor ihr nicht geprüft habt,
wen er zum vertrauten Freunde auserkoren hat!“

Die folgende Verse stammen von dem Dichter ´Adi ibn Zaid al-Ibadi:

Frage nicht nach jemanden, ohne seine Gefährten in Augenschein zu nehmen! und nimmt
sich seinen Freund zum Vorbild. Wenn immer du das Böse siehst im Menschen neben dir –
und böse Menschen gibt es überall! -, so halte dich geschickt zurück!

Der Dichter Abul-Atāhiya meinte: „Wer dir unbekannt ist, wird dir bekannt, wenn du seinen
Freund kennen lernst. Der edlen Menschen ist sein Charakter auf die volle Stirn
geschrieben!“

Der Gebildete sucht sich deshalb Freunde nur Menschen seinesgleichen aus, Menschen, die
ihm ebenbürtig sind und von denen er Treulosigkeit, Nachtragend und andere schlechte
Charaktereigenschaft nicht zu befürchten braucht. Solche Freunde aber findet man nur bei
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denjenigen, die Schamhaftigkeit besitzen. Freunde von dieser Art zeichnen sich aus durch
ihre unbeugsame Treue. Wenn Schamhaftigkeit und Treue in einer Person vereint sind,
ergibt sich eine echte Freundschaft!

Mahmud ibn Hassan al-Warraq hat gesagt: „Nimm deinen Freund, wie er beschaffen ist!
Gar manches stellt sich später erst heraus. Kaum hatte ich einen vertrauenswürdigen
Freund geprüft, begann ich schon die Folgen der Prüfung zu tadeln.

Ein Weiser wurde gefragt: „Welcher Mensch hat den weitesten Weg?“ Er gab zur Antwort:
„Derjenige, der einen zu ihm passenden Freund sucht!“

Al-Muhallabi rezitierte mit die folgenden Verse, die er selbst verfasst hatte: „Bei Allah
habe ich geschworen: Hör nicht auf, die Schuld dem Freunde zu verzeihen, und wenn sie
dir auch noch so groß erscheint und er dir immer wieder widerspricht! Das Leben ist zu
kurz, um dich vom Freund zu wenden, dich mit ihm wieder zu vereinen. Was können
Vorwürfe, Tadel nützen? Nur kränklicher Ärger kommt dabei heraus!“

Es ist also für wahre Gebildete und edel denkende Menschen viel angemessener, den
Freunden gegenüber nicht zu hart zu streng zu sein. Man übersehe ihre kleinen Fehler! Man
tut besser daran, für seine Freunde eine große Neigung zu hegen, und lehnt es ab, sie wie
Feinde zu behandeln!

Amr ibn Murra al-Guheini soll gesagt haben: „Mein Verstand wurde mir immer dann klar,
wenn ich mit einem Menschen zusammentraf, der gut sprechen konnte und mich an Wissen
bereicherte.“

Vom Propheten – Allah segne ihn und schenke ihm Heil! – und von vielen seiner Genossen –
Allah möge Wohlgefallen an ihnen haben! – werden zahlreiche Aussprüche mitgeteilt, die
alle zum Umgang mit echten Freunden anspornen und das Verlangen nach wahren
Gefährten preisen. Doch wenn wir alles anführen wollten, würde das Buch zu lange und
unsere Ausführungen zu weitschweifig. Deswegen erwähnen wir nur einiges in aller Kürze
und wählen das Beste und Treffendste aus, wenn Allah – erhaben ist er! – will!

5. Kapitel über den Ansporn, den Umgang mit Freunden zu


pflegen, über den Anreiz, mit guten Gefährten Freundschaft
zu halten, und über das Verlangen, rechtschaffene und
vertrauenswürdige Menschen zu Freunden zu haben

Von Abu Amr al-Aufi

Eine Redensart sagte: „Pflege die Freundschaft mit demjenigen, der dir zur Zierde
gereicht, wenn du mit ihm Umgang hast, der für dich eintritt, wenn du ihm dienst, der
dich versorgt, wenn du in Armut kommst, der eine Wohltat von dir zu schätzen weiß, der
einen Fehler von dir übersieht, der deinen Worten Glauben schenkt, der deinen Wunden
heilt, der dich nicht ins Unglück bringt und dessen Wege nicht von deinem Weg
abweichen!“

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Ibn Ishaq ibn Yahya ibn Al-Wassa

Al-Fadl ibn Gassan al-Basri sagte: „Pflege Freundschaft mit dem, der bei dir seinen Ruf
vergisst!“

Ein Weiser gab einem Freund einen guten Rat und sagte: „Freundschaft schließe nur mit
einem Menschen, der dir edle Freundschaft bewahrt und ehrenhaften Anstand besitzt, der
dich vertritt, wenn du abwesend bist, und der dir beisteht, wenn du anwesend bist, der
das Wohlwollen deines Freundes zu gewinnen und die Missgunst deines Freundes
abzuweisen versucht, der dich erfreut, wenn du ihn anblickst, und auf den du dich
verlassen kannst, wenn du in der Ferne weilst!“

Von einem Dichter stammen diese Worte: „Halte Freundschaft mit dem Menschen, den du
wohl aus Erfahrung kennst! Lass dich nicht einfach blenden durch den äußeren Schein des
anderen! Eine Freundschaft mit einem Menschen solltest du erst eingehen wenn du diesen
geprüft hast, gründlich geprüft, wer es auch sei! Denn die Menschen sind wie Bäume:
manche sehen unansehnlich aus, haben aber festes Holz und tragen köstlichste Früchte.
Andere wieder herum bestechen durch ihren stattlichen edlen Wuchs, während ihre
Früchte bitter schmecken und ihr Holz vermorscht und verweicht. „

Bei einem anderen Dichter heißt es: „ Wer bei manchen Fehlern seines Freundes nicht ein
Auge zudrückt, der stirbt vor lauter Tadel! „

Abul-Aswad Ad-Du´ali sagte: „Einen Freund wirst du nicht lange behalten, wenn du ihm
nicht seine Fehler verzeihst. Wo gibt es in der Welt einen Menschen, dessen Charakter in
allen Lebenslagen vollkommen ausgeglichen ist? “

Abdullah ibn Al-Abbas – Allah möge Wohlgefallen an ihm haben! – wird folgender Ausspruch
überliefert: „Der liebste Freund ist mir der, der mich entschuldigt, wenn ich ihm
fernbleibe, und der mich herzlich empfängt wenn ich zu ihm komme.“

Khalid ibn Safwan wurde gefragt: „Zu welchem Freund fühlst du dich am meisten
hingezogen?“ Er antwortete: „Zu dem, der meine Fehler berichtigt, meine Versehen
verzeiht und meine Fehlritte nicht überbewertet.“

Umar ibn Al-Khattab ( Allah mögen sich ihn erbarmen ) hat gesagt: „Haltet euch an
aufrichtige Freunde, sucht sie für euch zu gewinnen! Sie sind euch eine Zierde in der
Wohlfahrt und eine Stütze in der Not.“

Wisse also! der beste Freund ist derjenige, dessen echte, kameradschaftliche Freundschaft
in Allah begründet ist, nicht aber in einem niederen Gelüste oder einem gemeinen Zweck,
den der andere durch eine Freundschaft so schnell wie möglich erreichen will. Nichts ist
für verständige, gläubige und edelgesinnte Menschen besser als eine aufrichtige Zuneigung
zueinander in Allah! Das trifft für die Angehörigen aller Konfessionen und Religionen zu und
bildet das festeste Band des Glaubens. Darüber gibt es viele Aussprüche. Im nächsten
Kapitel haben wir einige davon zusammengestellt und die besten ausgewählt. Diese
wenigen sollen genügen, wenn Allah will!

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