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Sonderveröffentlichung Band 11 Ursula Koch zu

Roland Prien und Christian Witschel

Zwischen Backofen und „Burgus“


Überlegungen zur Rolle von „Lopodunum“ im Gefüge des
spätantiken Grenzraums am Unteren Neckar

In der „Alamannia“ existierte während des 4. Jahr- Für letzteren bildete jedenfalls der Unterlauf
hunderts bekanntlich keine einheitliche politische des Neckars ein wichtiges Operationsgebiet. Die
Führung. Vielmehr war das Alamannengebiet Quellen erwähnen in diesem Zusammenhang eine
im heutigen Südwestdeutschland in zahlreiche größere Siedlung im weiteren Umkreis der Neck-
kleinräumige Gebiete untergliedert, welche in armündung, bei der es sich – so unsere Hypo-
den Quellen pagi genannt werden. Die dort sie- these – durchaus um das ‚Herrschaftszentrum‘
delnden Gruppierungen unterstanden regionalen des lokalen rex gehandelt haben könnte. Solche
Anführern, die der bedeutendste Geschichts- ‚Residenzen‘ alamannischer Anführer, die man sich
schreiber des 4. Jahrhunderts, Ammianus Marcel- mit Sicherheit nicht zu grandios vorstellen darf,
linus, zumeist als reges bezeichnet. Jeder rex soll befanden sich nämlich nicht notwendigerweise in
über ein ‚Herrschaftszentrum‘ verfügt haben, das einer Höhenlage, obwohl man häufig die archäo-
jedoch in den literarischen Darstellungen nicht logisch bekannten (jedoch in den Schriftquellen
genauer beschrieben wird.1 kaum fassbaren) alamannischen Höhensiedlungen
Während von einigen der alamannischen ‚Teil- hierfür in Anschlag gebracht hat;6 vielmehr gibt es
2
stämme‘ die Namen bekannt sind, trifft dies auf einige Hinweise darauf, dass sie zumindest teil-
die Bevölkerung in dem – aus römischer Sicht weise auch im Flachland gelegen haben könnten.7
durchaus bedeutsamen – Gebiet am Unteren Zunächst sollen die wichtigsten schriftlichen
Neckar nicht zu. Generell ist zu betonen, dass die Quellen zu diesem Thema kurz vorgestellt wer-
geographischen Angaben in der ausführlichen den. Dabei ist auf ein Ereignis einzugehen, das
Schilderung des Ammian, aber auch bei anderen sich während einer Militäroperation des Julian
römischen Autoren zumeist reichlich vage sind. im Sommer 359 abspielte und von dem Ammi-
Alle im Folgenden geäußerten Gedanken haben an berichtet:8 Der Caesar nahm zu Beginn der
daher einen hypothetischen Charakter. Dennoch Feldzugssaison Kontakt zu dem rex Hortarius auf,
kann vermutet werden, dass es auch am Unteren mit dem er bereits ein Jahr zuvor einen Vertrag
Neckar vergleichbare Strukturen gegeben hat, abgeschlossen hatte. Julian zog sodann mit dem
denn das Herrschaftsgebiet (regnum) eines in Hauptheer von Mainz aus am westlichen Rheinufer
den Quellen mehrfach genannten rex lässt sich entlang nach Süden, um an einer günstigen Stelle
(ungefähr) in diesem Raum lokalisieren. Dabei auf einer Schiffsbrücke überzusetzen; diese befand
handelt es sich um Hortarius, der in den späten sich augenscheinlich im Umkreis der Neckarmün-
350er Jahren in Konflikt mit dem an den Rhein dung. Eine Vorausabteilung wurde auf 40 Kriegs-
entsandten Caesar Julian geriet und sich die- schiffen über den Fluss geschickt. Währenddessen
sem schließlich unterwerfen musste, woraufhin hatte Hortarius, der sich als treuer Verbündeter
ein Vertrag mit ihm abgeschlossen wurde.3 Das Roms zeigen wollte, die benachbarten, mit ihm
von Hortarius kontrollierte Gebiet soll sich in befreundeten alamannischen Lokalfürsten (reges
dem Raum zwischen dem südlichen Hessen und omnes et regales et regulos) zu einem Gastmahl
dem Kraichgau befunden haben; es umfasste eingeladen. Der Ort dieser Veranstaltung wird
somit auch die Region des (späteren) Lobden- nicht näher beschrieben; es dürfte sich aber um
gaues.4 Hortarius verschwindet in der Folgezeit das ‚Herrschaftszentrum‘ des Hortarius gehandelt
5
aus der Überlieferung; er dürfte aber einen (uns haben. Als die Teilnehmer des Essens dieses mit-
namentlich nicht bekannten) Nachfolger gehabt ten in der Nacht verließen, „stießen zufällig ganz
haben, mit dem es dann Valentinian I. zu tun unvorhergesehen unsere Soldaten [der Vorausab-
bekam. teilung] auf sie“.9 Die Alamannenfürsten konnten

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auf ihren Pferden entkommen, während ihr Gefol- sein könnte, geht aus einer Passage in dem
ge zu Fuß teilweise niedergemacht wurde. Das Gedicht „Mosella“ des Ausonius hervor, die sich
alles lässt die Vermutung zu, dass sich in der Nähe mit einiger Wahrscheinlichkeit ebenfalls mit die-
der Neckarmündung die Residenz des Hortarius sen Ereignissen verbinden lässt:15 „Und der Wert
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befunden haben dürfte. liegt nicht in den Wogen / allein, sondern darin,
Die nächste Episode führt uns in den Hochsom- dass er, weil er [der Mosel-Strom] von den Mauern
mer des Jahres 369, als sich Kaiser Valentinian I. der augustischen Stadt [Trier] herkommt, / die ver-
im Neckarmündungsgebiet aufhielt (am 19. Juni einigten Triumphe sowohl des Vaters als auch des
ist er in Altrip bezeugt).11 Er ordnete einen mili- Sohnes [Valentinians I. und Gratians] gesehen hat,
tärischen Vorstoß über den Rhein hinweg an, der / nachdem die Feinde über den Neckar bei Lupo-
die römischen Truppen den Neckar entlang füh- dunum [Ladenburg] / und die Quelle der Donau,
ren sollte. Ammian berichtet hierüber nichts, aber die den lateinischen Annalen unbekannt ist, ver-
wir besitzen eine ausführliche Beschreibung des trieben waren“ – das ist die erste und gleichzeitig
Anfangsstadiums dieser Aktion. Diese findet sich auch letzte Erwähnung von Ladenburg in der anti-
in einer Lobrede auf den Kaiser aus der Feder des ken Literatur! Der Ort „Lopodunum“ scheint also
Symmachus, dessen poetische Umschreibungen – zumal in der hier präferierten Übersetzung des
allerdings nicht immer ganz einfach zu verste- Ausoniusgedichts16 – bei der Aktion im Sommer
12
hen sind: Nach geheimen Vorbereitungen auf 369 eine wichtige Rolle gespielt zu haben. Man
römischer Seite wurde erneut eine Vorausabtei- fragt sich nun, was genau Ausonius, der diese
lung aus römischen Soldaten gebildet und auf Ereignisse aus der Nähe, wenn auch nicht unbe-
Schiffen über den Fluss gesetzt. Sie erklomm am dingt als Augenzeuge, miterlebt hatte,17 bei der
gegenüberliegenden Ufer einen steilen Hang und Nennung von Lopodunum vor Augen hatte: Eine
ging dann zum Angriff auf eine nahe gelegene, noch funktionierende und nicht ganz unwichtige
jedoch nicht genauer lokalisierte alamannische Siedlung, die ‚aktiv‘ diesen Namen trug; oder
Siedlung über. Dieser Überfall erfolgte zwar über- lediglich eine gelehrte Reminiszenz an einen Ort,
raschend, hatte aber dennoch keine verheerenden der diesen Namen nicht mehr wirklich verdiente?
Folgen, weil die römischen Soldaten Milde wal- Die Frage nach dem Erscheinungsbild des Sied-
ten ließen: „Niemand zerstörte die mit schäbigem lungsplatzes Lopodunum in der Spätantike ist
Rohr gedeckten, ärmlichen Hütten durch alles ver- schon seit längerer Zeit Gegenstand der archäo-
nichtendes Feuer, und kein Plünderer zerrte vor logischen Forschung; eine umfassende Untersu-
Sonnenaufgang die auf ihrem Lager schlafenden chung mit einer Zusammenschau der relevanten
Barbarenmütter heraus“ – „Du duldetest, dass sie Befunde und Funde steht jedoch noch weitgehend
samt ihrer Kinder weggingen, und […] Du ließest aus.18 Es muss an dieser Stelle darauf verwiesen
zu, dass die Barbaren ihre Waffen mitnahmen […] werden, dass die Vorstellung von einer ungebro-
und man hielt es für ein dankbareres Geschäft, chenen Siedlungskontinuität, die vom 3. Jahrhun-
den auseinander stiebenden Barbaren zuzusehen, dert bis in das frühe Mittelalter gereicht habe, und
13
als sie zu erschlagen“. Die Bewohner der Sied- damit auch von der hervorgehobenen Bedeutung
lung wurden also zunächst zur Flucht gezwungen, Ladenburgs in der Spätantike gewissermaßen
konnten aber vermutlich bald darauf nach dem zu den Leitgedanken von Berndmark Heukemes
erneuten Abschluss eines Vertrages in ihre Behau- gehörte, der jahrzehntelang im Stadtgebiet archä-
sungen zurückkehren. ologisch tätig war. Neben den eher zaghaften
Trotz der abwertenden Beschreibung des Sym- Andeutungen in kurzen Fundberichten19 ver-
machus, der auf die aus römischer Sicht ‚primi- deutlichen dies vor allem die von ihm konzipierte
tiven‘ Behausungen der Alamannen abhebt, um Ausstellung des Lobdengau-Museums und seine
die kurz darauf geschilderten Neubauten Valenti- Grabungstagebücher.20 Somit gehört Ladenburg
nians am Rhein in umso hellerem Licht erscheinen zu den wenigen Orten in Südwestdeutschland, in
zu lassen, kann diese Siedlung nicht ganz unbe- denen bereits ab den 50er Jahren des 20. Jahr-
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deutend gewesen sein. Welcher Ort hier gemeint hunderts gezielt nach archäologischen Resten der

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Übergangszeit zwischen Antike und Mittelalter samt verweisen diese Befunde auf verschiedene
gesucht wurde. Die bislang aktenkundig gewor- Arten von Aufräumtätigkeiten, bei denen jedoch
denen Spuren einer Siedlung dieser Epoche inner- unklar bleibt, wer diese mit welcher Zielsetzung
halb der römischen Stadtmauern von Lopodunum veranlasst und durchgeführt hat. Vergleichbare
sind jedoch spärlich: Verschiedene Brunnen- und Phänomene aus der Epoche des ‚Limesfalles‘ sind
Kellerverfüllungen zeigen Aktivitäten in der zwei- mittlerweile auch aus anderen vici und römischen
ten Hälfte des 3. und der ersten Hälfte des 4. Jahr- Orten in Südwestdeutschland und im Rhein-Main-
hunderts an, die sich vorwiegend auf den Südteil Gebiet bekannt.21 Ein dünner ‚Fundschleier‘ aus
des Stadtgebietes konzentrierten (Abb. 1). Ein von spätantiker Keramik und vor allem Münzen (Abb.
Heukemes postulierter, aus Spolien errichteter 2) deutet ferner darauf hin, dass die kaiserzeit-
‚Notbau‘ im Bereich des späteren Bischofshofes liche Bebauung an verschiedenen Stellen weiter
lässt sich hingegen nicht sicher datieren. Insge- genutzt oder zumindest begangen wurde, wobei

Abb. 1
Siedlungsfunde aus
Lopodunum von der
Mitte des 3. bis zum
frühen/mittleren
5. Jahrhundert
Vorlage: Roland Prien
Gestaltung: Tobias
Schöneweis
Kartengrundlage: Lan-
desamt für Denkmalpfle-
ge Baden-Württemberg,
Landesvermessungsamt
Baden-Württemberg

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Kaum zwei Kilometer nördlich von Ladenburg


erbrachten neuere Grabungen den Nachweis für
eine bedeutende spätantike Siedlung in Heddes-
heim.26 Hier existierte ein Siedlungsschwerpunkt
seit dem 1. Jahrhundert und kontinuierlich bis in
das 4. Jahrhundert. Im mittleren 4. Jahrhundert
wurde dieser allerdings systematisch niedergelegt
und einplaniert. In der zweiten Hälfte des 4. Jahr-
hunderts schließlich entstand ca. 350 m südlich
des alten Standortes eine neue Siedlung, deren
hervorstechendstes Merkmal eine größere Anzahl
von Backöfen darstellt, die in Gruppen von drei
oder vier Öfen um eine gemeinsame Arbeitsgrup-
pe herum angeordnet waren. Auch wenn nicht alle
der rund 16 Öfen gleichzeitig in Betrieb gewesen
sein dürften, belegen diese Befunde doch eine
Brotproduktion von fast schon ‚industriellem‘ Aus-
Abb. 2 der Münzumlauf bis in die Mitte des 4. Jahrhun- maß, die den Eigendarf der ansässigen Bevölke-
Verteilung der Fundmün-
derts in etwa dem der linksrheinischen, im Impe- rung mit Sicherheit erheblich überstieg.
zen (aus der Zeit nach
260) im Ladenburger rium Romanum verbliebenen Gebiete entspricht, Für die beiden Siedlungen Ladenburg-
Stadtgebiet wenn auch auf quantitativ deutlich niedrigerem ‚Ziegelscheuer‘ und Heddesheim könnte ein
Vorlage: Susanne Börner
Gestaltung: Tobias Niveau (Abb. 3).22 gemeinsamerer Bezugspunkt bestanden haben:
Schöneweis Im Gegensatz zu der geschilderten Situation Beim Neubau des Ladenburger Rathauses wurde
Kartengrundlage: Lan- im Stadtgebiet von Lopodunum war die engere im Jahr 1979 ein eindrucksvoller Beleg dafür ent-
desamt für Denkmalpfle-
ge Baden-Württemberg, Umgebung von Ladenburg während dieser Phase deckt, dass in der Spätantike auch die römische
Landesvermessungsamt weiterhin einigermaßen dicht besiedelt. Vor allem Staatsmacht wieder in Lopodunum präsent war.
Baden-Württemberg
im Verlauf des 4. Jahrhunderts nahm die Zahl Beim Abbruch der vorhandenen mittelalterlichen
der nachgewiesenen Siedlungsplätze zu, unter und neuzeitlichen Bebauung kam die gut erhal-
denen sich auch einige kaiserzeitliche villae rusti- tene Ruine einer spätrömischen Kleinfestung
cae befinden, die Spuren von hölzernen Ein- und (Burgus) zum Vorschein. Leider verhinderten die
Umbauten in oder an den älteren Steingebäu- widrigen Umstände der Auffindung eine gründ-
23
den aufweisen. Zu diesen gehört die villa im liche Untersuchung der Ruine, die nachfolgend zu
Gewann Ladenburg-‚Ziegelscheuer‘, die nur weni- erheblichen Teilen abgebrochen wurde, wodurch
ge hundert Meter südlich der Stadtmauer von das Land Baden-Württemberg um das größte
Lopodunum lag (Abb. 1, Nr. 12). Ein Pfostenbau noch erhaltene Bauwerk der Spätantike auf seinem
im Bereich des Hauptgebäudes sowie Nutzungs- Territorium gebracht wurde. Die baubegleitenden
spuren in verschiedenen Nebengebäuden deuten Untersuchungen durch Heukemes konnten ledig-
eine (erneute) Besiedlung möglicherweise schon lich das eigentliche Kernwerk der Festung ausführ-
zu Beginn des 4. Jahrhunderts an; der größere Teil licher dokumentieren, während die umgebenden
des Fundmaterials, zu dem auch Scherben von Partien nur oberflächlich gesichtet werden konn-
Argonnen-Sigillata und Mayener Ware gehören, ten.27 Trotzdem publizierte Heukemes nachfol-
belegt eine intensivere Nutzung in der zweiten gend eine detaillierte Rekonstruktion der Anlage,
Hälfte des 4. Jahrhunderts.24 Im weiteren Umfeld die zweifelsohne zu den wirkmächtigsten ihrer Art
dieser villa wurden außerdem mehrere Gruben- gehörte, da sie nachfolgend immer wieder aufs
25
häuser entdeckt, die wahrscheinlich zu einer Neue abgedruckt und zitiert wurde.28 Seiner Mei-
größeren Siedlung gehörten, deren Mittelpunkt nung nach handelte es sich bei der Kleinfestung
sich in den ehemals römischen Gebäuden der villa um einen sogenannten ‚Schiffslände-Burgus‘,29
befand (Abb. 1, Nr. 8 und 9; ferner 13 und 15). der Bestandteil des Festungsbauprogrammes zur

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Sicherung der Rheingrenze unter Valentinian I. bestehende kaiserzeitliche Stadtmauer eingebaut


gewesen sei und in diesem Rahmen als vorge- und mit einem ummauerten Hof nach Osten hin
schobener Beobachtungspunkt am unteren Neck- umgeben war.34 Das Verhältnis der Festung zum
arlauf gedient habe. Das von Heukemes vorge- Neckar bleibt unklar, da der römerzeitliche Ver-
legte Fundmaterial gehört – mit wenigen, älteren lauf des Flusses nicht bekannt ist; sie dürfte jedoch
Ausnahmen – in die zweite Hälfte des 4. Jahrhun- hauptsächlich über den Wasserweg aus dem
derts und stützt daher seine These zur Datierung Linksrheinischen erreicht worden sein, sodass eine
des Bauwerks. Seine Aussage, die Festung sei Hafen- oder Landesituation in der Nähe anzuneh-
nur wenige Jahrzehnte in Benutzung gewesen, men ist. In seiner neu rekonstruierten Form ent-
da keine Funde des 5. Jahrhunderts aufgetreten spricht der Ladenburger Burgus nicht mehr den
seien, kann hingegen nicht vollkommen bestätigt klassischen ‚Schiffslände-Burgi‘ der Spätantike, die
werden, da Heukemes bei seiner ersten, vorläu- nach gängiger Meinung als Versorgungspunkte
figen Auswertung übersehen hat, dass zu dem für die auf dem Rhein patrouillierende römische
Zeitpunkt, als die archäologische Dokumentation Flotte gedeutet werden.35 Ohnehin verfügte die
einsetzte, alle Fußböden und Laufhorizonte bereits Anlage über einige spezifische Eigenschaften, Abb. 3
bei den Abbrucharbeiten zerstört worden waren. wie etwa die eigenständige Wasserversorgung in Fundmünzreihe aus
Ladenburg (für die Zeit
Somit stammt das gesamte Fundmaterial aus den Form eines Brunnens oder ihre Lage weit abseits
von der Mitte des 3. bis
Fundamentbereichen des Burgus und kann ledig- des Rheins, die sich so bei vergleichbaren Bauwer- zum frühen 5. Jahrhun-
lich zur zeitlichen Einordnung seiner Errichtung ken nicht wiederfinden lassen. Somit kann ange- dert) nach dem neuesten
Forschungsstand
herangezogen werden. Für seine Rekonstruktion nommen werden, dass der Ladenburger Burgus Vorlage und Graphik: S.
des Bauwerks zog Heukemes neben den archä- eine andere (Primär-)Funktion hatte: Er diente Börner
ologischen Befunden aus Ladenburg selbst vor
allem Beobachtungen an vergleichbaren Anla-
gen (in erster Linie die ‚Schiffslände-Burgi‘ von
Mannheim-Neckarau und das nur wenige Jahre
zuvor ausgegrabene ‚Zullestein' bei Biblis)30 sowie
den literarischen Bericht über die Errichtung
einer Befestigung an den Ufern des Rheins durch
römische Soldaten in der schon genannten Lob-
rede des Symmachus auf Valentinian I. heran.31
In der Summe zeigt das von ihm entworfene Bild
daher eine Reihe von Elementen, die im archä-
ologischen Befund so nicht zu erkennen sind,
darunter die rechteckigen Ecktürme und auch
die Flügelmauern, die bis in den vorbeifließenden
Neckar hinabgereicht haben sollen.32 Leider han-
delt es sich bei der von ihm ebenfalls vorlegten
Steinkugel, die zu einem römischen Schleuderge-
schütz gehört haben soll, sowie bei der Bleiplatte,
die zur Abdeckung des Daches des Burgus gedient
habe,33 nicht um stratifizierte Funde – ein direkter
Zusammenhang dieser Objekte mit der spätanti-
ken Festung ist daher nicht zu erweisen.
Eine jüngst vorgenommene Neubewertung
dieser Befunde hat nun zu einer Rekonstruktion
geführt, die eine etwas bescheidener dimensio-
nierte Anlage zeigt (Abb. 4), bestehend aus einem
massiven Turm, der in die zu dieser Zeit wohl noch

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Abb. 4
Visualisierung des spät-
römischen Burgus von
Ladenburg, im Hinter-
grund die Ruinen des
Forums
Graphik: J. Süß (Media-
Cultura)

nicht in erster Linie als weit vorgeschobener Beo- Es spricht also nach der Sichtung des literarischen
bachtungsposten, sondern als Anlaufstelle für die und archäologischen Befundes Einiges dafür, dass
benachbarte lokale Bevölkerung. die fortbestehende, wenn auch in ihrer Struktur
Die Errichtung der Festung im Bereich der stark veränderte Siedlung von Lopodunum, die
noch vorhandenen Stadtmauer von Lopodunum bei Ausonius namentlich genannt wird, weiterhin
lässt erkennen, dass dieser Ort für die römische ein regional bedeutsamer Zentralort gewesen ist,
Staatsmacht in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhun- in dem auch der dieses Gebiet kontrollierende
derts wieder von Bedeutung und Interesse war. rex, das heißt Hortarius bzw. dessen Nachfolger,
Auch wenn die zeitgleiche Besiedlung, wie bereits residiert haben könnte. Mit einer solchen Annah-
geschildert, eher schütter ausfiel, so fällt doch auf, me – die, um es nochmals zu betonen, hypothe-
dass in dieser Phase keine genuin ‚alamannischen‘ tisch bleiben muss – ließe sich auch die Errichtung
Funde im Stadtgebiet auftreten. Eine gemischte, einer Kleinfestung in Ladenburg während der
‚romano-lokale‘ Sachkultur findet sich nur in den valentinianischen Epoche noch besser als bislang
beiden schon genannten Siedlungen ‚Ziegelscheu- erklären. Diese Anlage könnte nämlich vorrangig
er‘ und Heddesheim, die sich zudem in Sichtwei- dazu gedient haben, den Kontakt mit dem lokalen
te, aber räumlich deutlich getrennt vom Burgus Potentaten zu erleichtern und dadurch sicherzu-
befanden. Neben seiner Funktion als Symbol der stellen, dass dieser die Abmachungen aus dem
römischen Präsenz an einem Ort, der zumindest im mit ihm geschlossenen Vertrag einhielt. Letztere
historischen Bewusstsein noch als städtischer Mit- sahen, wie wir aus vergleichbaren Fällen wissen,
telpunkt präsent war, könnte der Bau als geschütz- regelmäßig die Ablieferung von Lebensmitteln
ter Ort der Kommunikation und des Austausches (Getreide), Baumaterialien und anderen Objekten
gedient haben. So ist gut vorstellbar, dass hier die vor.36 Der Burgus könnte somit als Sammelpunkt
zahlreichen in Heddesheim produzierten Brote im für solche Abgaben unter der Aufsicht römischer
Rahmen von regelmäßigen Tributleistungen oder Soldaten und in Sichtweise der ‚Residenz‘ des ala-
auch eines ‚offenen‘ Warenverkehrs ins Linksrhei- mannischen rex gedient haben.
nische verschifft wurden. Im Areal der villa ‚Zie- An dieser Stelle kommt noch einmal die bereits
gelscheuer‘ mag zudem, etwas herausgehoben erwähnte Lobrede des Symmachus auf Valentinian I.
aus der übrigen reinen Holzbebauung, eine lokale aus dem Jahr 370 ins Spiel, in der auch das gera-
politische Autorität präsent gewesen sein, die der de angelaufene Befestigungsbauprogramm des
römischen Staatsmacht als Counterpart diente. Kaisers am Rhein im Bereich der Neckarmündung

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gepriesen wird. Symmachus beschreibt in diesem mit einigen römischen Soldaten erhielt.41 Diese
Kontext das Verhalten der Bevölkerung in der sollte mit Nahrungsmitteln (alimenta) aus dem
Nachbarschaft einer ehemaligen, angeblich mitt- Inneren des Barbarenlandes versorgt werden.
lerweile weitgehend verlassenen römischen Stadt, Drei alamannische reges ergaben sich darauf-
bei der es sich eigentlich nur um Lopodunum hin dem Julian und beschworen die Einhaltung
gehandelt haben kann:37 „Es peinigten das Volk der mit ihnen abgeschlossenen Verträge: Das
[der Alamannen], das sich des Raubes bewusst munimentum solle unangetastet bleiben, und
war, die alten Spuren und Inschriften der einstmals sie würden es mit Getreide (fruges) beliefern,
römischen Kolonie, die sein Verbrechen verrieten. wenn die Besatzung hierfür Bedarf anmeldete.
[…] In dieser Sache offenbarte sich der Sinn des Als im Folgejahr Julian den rex Suomarius, dessen
Siegers [Valentinians], der die Überreste der wie- Herrschaftsgebiet sich im südlichen Hessen (und
dergewonnenen Stadt transferierte“. Die Barbaren somit nördlich von demjenigen des Hortarius)
hätten hieran diensteifrig mitgewirkt: „Freiwillig befand, zu einem Friedensvertrag zwang, wurde
bot der Barbar dar, was zerstört werden sollte, erneut die Auflage formuliert, dass die römischen
und half bei der Ausführung eines neuen Baues.“ Soldaten mit Lebensmitteln zu versorgen seien,
Es wurde also offensichtlich Baumaterial aus den wann immer das nötig sein würde; dafür sollten
römischen Ruinen zur Verfügung gestellt.38 Tat- dem Suomarius, wie üblich in Handelsgeschäften,
sächlich hat man bei der Ausgrabung des Burgus Quittungen ausgestellt werden, die dann von ihm
von Mannheim-Neckarau zahlreiche römische vorzulegen seien.42
Spolien, darunter auch Inschriftensteine, gefun- Solche im ‚Barbarengebiet‘ etablierten
43
den, von denen viele aus Ladenburg stammen römischen Vorposten, zu denen auch der Bur-
dürften, auch wenn sich das im Einzelfall kaum gus von Ladenburg gehörte, hatten also offenbar
sicher nachweisen lässt.39 Der regionale alaman- mehrere Funktionen: Zum einen demonstrier-
nische Anführer musste für die Spolienentnahme ten sie durch ihre massive Architektur und ihre
wohl Arbeitskräfte stellen, wobei für den Transport militärische Besatzung die römische Präsenz in
der schweren Steine vermutlich der Wasserweg auf der Region. Zum anderen dienten sie als Sam-
dem Neckar genutzt wurde. Von dem zur selben melpunkte für die Ablieferung von Getreide und
Zeit errichteten Ladenburger Burgus aus könnten anderen Lebensmitteln durch die benachbarte
Aktivitäten dieser Art kontrolliert und koordiniert Bevölkerung. Für die Erfüllung der genannten
worden sein. Aufgaben war es durchaus von Vorteil, wenn
Dass die Etablierung von weit vorgeschobenen diese vorgeschobenen Kleinfestungen mit den
römischen Posten in der Alamannia durchaus Schiffen der römischen Rheinflotte zu erreichen
(auch) einem solchen Zweck dienen konnte, waren; zwingend notwendig war dies jedoch
zeigt das Beispiel des unter Julian im Herbst 357 nicht. Zusammenfassend lässt sich festhalten,
wiederhergestellten munimentum Traiani. Des- dass solche Anlagen sowohl zur Einschüchte-
sen genaue Lokalisierung und Identifizierung rung bzw. Kontrolle der Alamannen als auch zur
sind zwar nicht gesichert; es dürfte sich aber im Kontaktaufnahme mit diesen gedacht waren, was
Bereich der Wetterau befunden haben.40 Ammi- in dem vielfach – und gerade in ökonomischer
an berichtet hierzu, dass diese mit einer starken Hinsicht – vernetzten Grenzraum am Rhein von
Umwehrung versehene Anlage eine Besatzung großer Bedeutung war.

1 Zur Geschichte und den politischen Strukturen der Alamannia im 4. Jahrhundert vgl. Geuenich 2005, S. 37-64; Drinkwater 2007,
S. 117-319; Witschel 2017. Die wichtigsten Quellen zu dieser Thematik sind zusammengestellt bei Dirlmeier/Gottlieb 1976/78.
2 So die Bucinobantes im Vorfeld von Mainz (Amm. 29, 4, 7) oder die Brisigavi im Breisgau (erschlossen aus den Brisigavi seniores
und iuniores in Not. Dign. occ. 5, 201-202); dazu Drinkwater 2007, S. 117-126. Diese Bezeichnungen waren zumeist offenbar nicht
‚autochthon‘, sondern aus der römischen Perspektive geprägt worden.
3 Zu Hortarius s. PLRE I Hortarius 1 (mit den Quellen). Pagus des Hortarius: Amm. 17, 10, 5; regna Hortarii: Amm. 18, 2, 14.

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4 Zur Lokalisierung des pagus des Hortarius (und desjenigen des nördlich benachbarten rex Suomarius) s. Amm. 18, 2, 8-10 u. 14;
dazu Lorenz 1997, S. 54f.; Drinkwater 2007, S. 243-245 u. 249 mit Abb. 20-21.
5 Er ist wohl nicht identisch mit dem bei Amm. 29, 4, 7 genannten Hortarius, einem der alamannischen primates, der unter Valentinian
I. als Offizier im römischen Heer diente und dann wegen Hochverrats hingerichtet wurde; dieser könnte jedoch ein Sohn (oder
Enkel) des rex Hortarius gewesen sein (s. PLRE I Hortarius 2).
6 Zu den alamannischen Höhensiedlungen, die ab der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts entstanden und vor allem im 5. Jahrhundert
genutzt wurden, vgl. zusammenfassend Drinkwater 2007, S. 93-106; Steuer/Hoeper 2008; Böhme 2012. Inzwischen setzt sich immer
mehr die Ansicht durch, dass die rechtsrheinischen Höhensiedlungen verschiedene Funktionen erfüllt haben dürften, wobei sie
kaum ausschließlich als ‚Fürstensitze‘ zu interpretieren sind.
7 Drinkwater 2007, S. 98. Ein Beispiel hierfür könnte die ‚Residenz‘ des rex der Bucinobantes, Macrianus, gewesen sein, die sich nach der
Schilderung von Amm. 29, 4, 2-5 in der Nähe von Aquae Mattiacae (Wiesbaden) befunden haben dürfte; dazu Drinkwater 2007, S. 307f.
8 Amm. 18, 2, 2 u. 12-13.
9 Amm. 18, 2, 13 (Übers. Dirlmeier).
10 Vgl. Drinkwater 2007, S. 250f. Eine Höhensiedlung scheidet hingegen als ‚Residenz‘ des Hortarius wohl aus, denn bislang fehlen in
dem Gebiet am Unteren Neckar – im Gegensatz zu anderen Regionen wie dem Breisgau – gesicherte Hinweise auf solche Anla-
gen. Der in diesem Kontext häufiger genannte Heiligenberg bei Heidelberg, der von der geographischen Lage her passen würde,
hat nur sehr wenige Funde des 4. und 5. Jahrhunderts erbracht, welche höchstens eine gelegentliche Begehung oder eine Nutzung
als temporäres Refugium belegen können; dazu Gross 1989; Marzolff/Gross 2008.
11 Durch Cod. Theod. 11, 31, 4.
12 Symm. or. 2, 4-11. Die Rede wurde am 1.1.370 vermutlich in Trier gehalten, auch wenn Pabst 1989, S. 15, 67 als Alternative einen
Ort am Rhein (Altrip oder Mannheim-Neckarau?) ins Spiel bringt, und zwar als ein Teil der in or. 2, 2 erwähnten ‚Einweihungsze-
remonie‘ – mitten im Winter ist eine solche aber praktisch ausgeschlossen (s. dazu auch den Kommentar von Callu 2009). Vgl. zu
den geschilderten Vorgängen, die wohl eher den Charakter eines ‚Schaukampfes‘ hatten, auch Sogno 2011.
13 Symm. or. 2, 10 (Übers. Pabst).
14 Vgl. Drinkwater 2007, S. 289-292 mit Abb. 23. Nach ihm ist dieses alamannische ‚Herrschaftszentrum‘ in der Nähe der Neckarmün-
dung zu suchen (ebd. 290: „close to the Rhine, very possibly east-north-east of the fort at Alta Ripa, where raised ground … afforded
protection from the Rhine and the Neckar“), aber die Darstellung des Symmachus lässt auch eine Lokalisierung der Siedlung in
etwas größerer Entfernung zu.
15 Auson. Mos. 420-424 (Übers. Gruber; mit leichten Modifikationen). Die Mosella wurde wohl zwischen 371 und 375 verfasst (so
Shanzer 1998b; vgl. auch Lorenz 1997, S. 103f.). Mit den „Triumphen des Sohnes und des Vaters“ wird offensichtlich auf den
Feldzug des Valentinian I. im Sommer 368 (so Green 1991, S. 507f.; vgl. Shanzer 1998a, S. 210f., 213, 215) oder – eher – 369 verwie
sen (so auch Den Boeft et al. 2011, S. 125); und hiermit ist wiederum die Erwähnung von Lopodunum und des Neckars zu verbinden
(vgl. Drinkwater 2007, S. 293). Schwerer einzuordnen ist der Vorstoß Valentinians zu den Quellen der Donau, der nicht unbedingt
im selben Jahr erfolgt sein muss, obwohl dies zumeist angenommen wird.
16 Dazu Shanzer 1998a, S. 210.
17 Ob Ausonius selbst an dem hier erwähnten Feldzug Valentinians gegen die Alamannen teilgenommen hat, ist umstritten; s. dage-
gen Shanzer 1998a, S. 229.
18 Eine erste, allgemeine Übersicht präsentiert Witschel 2017, S. 87-100, 157-165; eine Aufarbeitung ausgewählter Befunde zum
Thema ist gegenwärtig im Druck: Prien 2018.
19 Heukemes 1970; Heukemes 1981, S. 458; s. auch Rabold 2005, S. 167f.
20 Die Grabungstagebücher aus dem Nachlass von Berndmark Heukemes wurden im Rahmen einer vom Landesamt für Denkmalpflege
Baden-Württemberg finanzierten Maßnahme durch Manfred Benner katalogisiert und für die Forschung zugänglich gemacht.
21 Dazu jüngst Heising 2018.
22 Zu den Fundmünzen des Zeitraumes zwischen 250 und 500 aus Ladenburg und Umgebung wird demnächst eine ausführliche
Untersuchung von Susanne Börner erscheinen, die das numismatische Material systematisch neu aufgenommen hat.
23 Als (einigermaßen) gesicherte Beispiele im Umfeld von Ladenburg wären die villae rusticae von Großsachsen (Hagendorn 1999)
und Schriesheim (Braun et al. 2013) zu nennen.
24 Lenz-Bernhard 2002, bes. S. 157-161.

62
Sonderveröffentlichung Band 11 Ursula Koch zu

Roland Prien und Christian Witschel

25 Vgl. hierzu auch Schallmayer 1986.


26 Jäger 2018.
27 Dazu Heukemes 1981.
28 Heukemes 1981, S. 442 Abb. 4.
29 Dieser Begriff wurde eingeführt von Schleiermacher 1942.
30 Mannheim-Neckarau: Wieczorek 1995. ‚Zullestein‘: Schwarz 2007; Backer 2014.
31 Symm. or. 2, 20. Eine Kritik an den solchermaßen erarbeiteten Rekonstruktionen der ‚Schiffslände-Burgi‘ findet sich bei Heising 2012.
32 Heukemes 1981, S. 440 Abb. 3.
33 Heukemes 1981, S. 455 mit Abb. 9. Bei der Zuweisung der Bleiplatte an den Burgus stand wiederum unverkennbar die Schilderung des
Symmachus Pate, der schreibt: „In der Mitte ragt golden der erhabene Hauptbau hervor, gekrönt von einem Dach anstelle des Siegesmals,
das von einem Panzer aus glatten Bleiplatten überspannt ist, die in nach vorne abschüssigen Reihen verlegt sind“ (Symm. or. 2, 20; Übers. Pabst).
34 Vgl. dazu vorläufig R. Prien in: Witschel 2017, S. 157-161.
35 Höckmann 1986, S. 399-406.
36 S. etwa Lib. or. 18, 52 (Getreideversorgung des römischen Heeres); Amm. 17, 10, 9 (Vertragsabschluss mit Hortarius; dieser muss u.a.
für den Wiederaufbau der von Alamannen zerstörten Siedlungen Gespanne und Baumaterial stellen; vgl. hierzu auch Lib. or. 13, 30);
Amm. 18, 2, 6 (im Sommer 359 schicken die alamannischen reges aufgrund der vertraglichen Regelungen des Vorjahres Baumate-
rial auf Wägen); Lib. or. 18, 77-78 (die Alamannenkönige bitten um Frieden und erhalten Verträge unter der Bedingung, dass sie
beim Wiederaufbau der Städte helfen, vor allem durch die Lieferung von Holz und Eisen). Vgl. hierzu zusammenfassend Drinkwater
2007, S. 133-136; Mathisen 2012.
37 Symm. or. 2, 15-16 (Übers. Pabst); dazu Pabst 1989, S. 145f.; Drinkwater 2007, S. 292.
38 Nicht ganz klar ist, auf welches „neue Bauwerk“ sich Symmachus hier bezieht; am ehesten auf den Burgus von Mannheim-Neckarau
(s. die nächste Anm.), vielleicht aber auch auf denjenigen in Ladenburg; vgl. Lorenz 1997, S. 134; Drinkwater 2007, S. 291f.
39 Zu dem Burgus von Mannheim-Neckarau vgl. o. Anm. 30..
40 Zur umstrittenen Lokalisierung des munimentum Traiani vgl. Lorenz 1997, S. 52f. und Drinkwater 2007, S. 241: Es lag offenbar in
der Nähe von Julians Vormarschroute, d.h. entlang einer ehemaligen römischen Fernstraße oder am Main, und wohl nicht allzu
weit von der Rheingrenze entfernt. Castritius/Schallmayer 1997 sehen hierin kein einzelnes Bauwerk, sondern ein Teilstück des
ehemaligen obergermanischen Limes.
41 Amm. 17, 1, 11-13.
42 Amm. 17, 10, 3-4.
43 Vgl. hierzu ferner Amm. 28, 2, 5-9, die bekannte Episode, als Valentinian im Frühherbst 369 anordnete, „es solle schnellstens jenseits
des Rheins am Piri Mons, einem Ort im Barbarenlande, eine Befestigungsanlage (munimentum) errichtet werden“. Dazu sowie zur
umstrittenen (und letztlich nicht zu lösenden Frage der Lokalisierung des Mons Piri vgl. Lorenz 1997, S. 141-145; Hildebrandt 1997;
Drinkwater 2007, S. 292f.

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Titel Mannheimer Geschichtsblätter

Zwischen Backofen und „Burgus“. Überlegungen zur Rolle von „Lopodunum“

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C. Witschel (mit einem Beitrag von R. Prien): Lopodunum zwischen Alamannen und Römern, in: F. Damminger/U. Gross/R. Prien/C. Witschel:
Große Welten – Kleine Welten, Ladenburg und der Lobdengau zwischen Antike und Mittelalter, Edingen-Neckarhausen 2017, S. 77-194

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