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Die Barockgitarre

Kunst- oder Begleitinstrument ?

Barockgitarre in Spanien

1596 erschien der Traktat „Guitarra española y vandola...“ des Mediziners und Musikers
Joan Carlos y Amat in Barcelona. Diese erste „Gitarrenschule“ der Geschichte enthält eine
Anleitung zur Liedbegleitung, die anhand der Harmonisierung einfacher Beispiele in
verschiedenen Tonarten demonstriert wird. Den Akkorden werden Zahlen zugeordnet, in
Italienischer Tabulatur und mit einem Schaubild der Griffpositionen dargestellt, die
zusätzlich mit den Großbuchstaben nach dem italienischen Alfabeto-System bezeichnet
sind, wie später bei G. Montesardo. (siehe S. 6, Abb.1) Akkorde sind in „naturales“ (n =
Dur) und „bemollados“ (b = Moll) aufgeteilt. Da dieses Buch sehr beliebt war, erschienen
in den folgenden 200 Jahren fünf Auflagen.

Gaspar Sanz

Gaspar Sanz (1640-1710) in Calanda/Aragonien geboren, studierte in Salamanca Musik,


Theologie und Philosophie und wurde Professor für Musik. Seine Studien setzte er in Rom
und Neapel fort, wo er auch Mitglied der königlichen Kapelle war. Später war er Gitarrist
und Lehrer des Vizekönigs von Aragon, Juan José von Österreich. Sein Gesamtwerk
„Instrucción de música sobre la guitarra española y método de sus primeros rudimentos,
hasta tañerla con destreza“ besteht aus drei Büchern. Das erste Buch ist in zwei Traktate
aufgeteilt. Im Ersten gibt Sanz eine Einführung für Anfänger bezüglich Besaitung,
Bundstellung, Stimmung, rasgueado- (Akkordanschlag) und punteado- (Zupf) Stil, sowie
Ornamentik wie Triller, Mordent, Vibrato und Bindungen. Außerdem folgen zwei laberintos
oder Transpositionstabellen von Akkorden, die auf dem italienschen Alfbeto-System von
Montesardo basieren. (siehe S.6,Abb.2) Erstes beinhaltet meist gespielte Akkorde mit
Umkehrungen in Bezug auf den Quintenzirkel, Zweites umfasst dissonante, schwierige
Akkorde. Darauf folgen einundzwanzig rasgueado Stücke und einundzwanzig punteado
Stücke, darunter auch zwei Suiten. Sie basieren größtenteils auf populären spanischen
Liedern und Tänzen der Zeit wie Gallardas, Jácaras, Folias, Canarios etc. wobei die
rasgueado Stücke zur reinen Begleitung gedacht sind. Das zweite Traktat beginnt mit
Regeln und Übungen zur Begleitung nach einem Generalbass, was heute in der
Ausbildung eines Gitarristen leider fehlt. Im zweiten Buch findet man ähnliche punteado
Stücke mit Variationen, sowie zwei Suiten. Das dritte Buch besteht ausschließlich aus
Passacalles. Dieser spanische Tanz (nach pasar una calle, durch eine Straße gehen)
basiert auf selbständigen Ostinatoreihen, die die Grundlage für Variationen bilden und
gelang durch die Gitarrenmusik nach Italien.
Sanz verwendet die italienische Tabulatur (diese wird später erklärt) und verbindet als
erster in Spanien das Akkord- und Stimmenspiel miteinander, welches eine hohe Kunst ist.
Er ist zu Recht bis heute der bedeutendste Komponist für die Barockgitarre und wird auch
von modernen Gitarristen auf der Konzertgitarre interpretiert.

Daniel Knoop

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