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MAX-BORN-GYMNASIUM

Oberstufenjahrgang 2009/2011

Seminarfach Geschichte

Seminararbeit

England als Feinbild der Schotten im 17. und 18. Jahrhundert

Verfasser: Andreas Kern


Kursleiterin: Eva Knobel-Spina

Bewertung: .... Punkte

1
1. Einleitung

1.1. Ziel der Arbeit

1.2. Begriffsbestimmung „Feindbild“

1.3. Forschungsstand

2. England als Feinbild der Schotten im 17. und 18. Jahrhundert

2.1. Geschichtlicher Hintergrund

2.2. Gründe für das Feindbild

2.2.1. Unterdrückung durch den Englischen Adel


2.2.1.1. Rechtssprechung und Regierung
2.2.1.2. Willkürliche Gewalt (Glencoe)

2.2.2. Absetzung von Jakob VII. im Rahmen der „Glorious


Revolution“
2.2.2.1. Grund der Absetzung
2.2.2.2. Auswirkungen der „Glorious Revolution“

2.2.3. Wirtschaftliche Gründe

2.3. Auswirkungen des Feindbildes

2.3.1. Bündnisse zwischen den Highland – Clans


2.3.1.1. Beilegung alter Streitigkeiten

2.3.2. Offener Widerstand gegen die englischen Truppen


2.3.2.1. Der erste große Jakobitenaufstand (the fifteen)
2.3.2.2. Der zweite große Jakobitenaufstand (the forty-five)
2.3.2.3. Die Folgen der Jakobitenaufstände

2.4. Wichtigkeit des Feindbildes für den schottischen Teilerfolg

3. Das Feindbild „Engländer“ – existent oder nicht? - Fazit der Arbeit

4. Literaturverzeichnis

4.1. Quellenangabe

2
1. Einleitung
1.1. Ziel der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der Klärung der Frage, ob das Feindbild der
Engländer bei den Bewohnern Schottlands zur Zeit der jakobitischen Aufstände
(1689-1745) existent war und wenn ja, wie es ausgedrückt wurde. Dazu werden
sowohl wissenschaftliche Arbeiten der Neuzeit als auch zeitgenössische Dokumente
zur Hilfe genommen und historische Ereignisse interpretiert, um Gründe für das
Feindbild herauszuarbeiten.

1.2. Begriffsbestimmung „Feindbild“


Zunächst muss jedoch der Begriff „Feindbild“ genauer definiert werden.
Es gibt viele verschiedene Definitionen dieses Begriffs,von denen nun einige näher
angeführt werden. Sybil Wagener etwa definiert das Feindbild an sich als eine
„[...]Begleiterscheinung kollektiver, nicht privater Feindschaft“, die immer einen
Kern historischer Erfahrung enthalte. Das Feindbild sei im Unterschied zum real
existierenden Feind Teil der virtuellen Welt der Wörter und Vorstellungen.
Es diene dem Zweck, von Totschlagshemmungen zu entbinden, indem es dem
Gegner das menschliche Gesicht nehme. 1
Ostermann und Nicklas meinen, im Feindbild seien eine Reihe negativer Vorurteile
gebündelt, die den Feind fast zwingend vom Individuum zur einheitlichen Masse
machen und eine „[...] differenzierte Beurteilung dessen, der mit dem Etikett Feind
oder Freund versehen wird, unmöglich machen."
Die entscheidende Denkersparnis liege in dem vermeintlich gerechtfertigten Verzicht
auf Differenzierung: es gibt nur noch das Feindes- und das Freundeslager, wobei „der
Feind“ der individuellen und gesellschaftlichen Aggressionsabfuhr dient und die
Eigengruppe stabilisiert.2 Ein Feindbild wird gebildet, wenn sich eine Gruppe durch
einen Feind von außen oder innen in seiner gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder
religiösen Existenz bedroht fühlt. Die Entwicklung eines Feindbildes führt dazu, dass
sich aus einer Gruppe mit unterschiedlichen Interessen eine homogene Gemeinschaft
gegen einen gemeinsamen Feind bilden kann. Das gemeinsame Interesse gegen den
Feind eint diese Gruppe, auch wenn zuvor Konflikte untereinander bestanden haben.

1 Vgl. Sybil Wagener, Feindbilder. Wie kollektiver Hass entsteht, Berlin 1999, S. 20-36
2 Vgl. Änne Ostermann, Hans Nicklas, Vorurteile und Feindbilder, München/Wien 1976, S. 30 ff

3
1.3. Forschungsstand
Leider existiert zu der besprochenen Problematik kaum Literatur,die sich explizit mit
dem Feindbild der Engländer im Bezug auf Schottland beschäftigt.
Die existierende Literatur befasst sich überwiegend mit historischen Ereignissen und
deren machtpolitischer Bedeutung oder der Relevanz für die Entwicklung der
schottischen Kultur.

2. England als Feindbild der Schotten im 17. und 18. Jahrhundert


2.1. Geschichtlicher Hintergrund
Ursprünglich war das heutige Schottland von Keltenstämmen besiedelt, die als sehr
streitbar und kriegerisch galten. Auch nach der Eroberung Englands durch William
den Eroberer im Jahre 1066 blieb Schottland bis 1296 unabhängig.
In diesem Jahr gliederte der englische König Edward I. von England Schottland mit
militärischer Gewalt in sein Reich ein, nachdem der Plan, seinen Sohn mit der
minderjährigen schottischen Thronerbin zu verheiraten, durch deren Tod gescheitert
war.3 Schottland war schon immer in zwei Teile unterteilt, deren Grenzen zwar
imaginär waren, die aber dennoch existierten: die Highlands und die Lowlands. Als
Lowlands wurden eher die flachen Regionen Schottlands in der Nähe der englischen
Grenze bezeichnet, während das raue, unwirtliche Land in den Bergen als die
Highlands bekannt war. Durch seine Nähe zu England näherten sich die Lowlands
wirtschaftlich und politisch an England an, während die Bewohner der Highlands
dem englischen Reich eher skeptisch gegenüberstanden. Fitzroy Maclean beschreibt
diesen Zustand so:
„Im Nordwesten, jenseits der Highland-Linie, verlief das Leben indes weiterhin so,
wie seit fünfhundert Jahren oder länger. Hier hatte das, was sich in Edinburgh oder in
den anglisierten Lowlands tat, wenig Bedeutung. [...] Hier herrschte ein anderes
System, andere Untertanentreue und andere Maßstäbe.“4
Dieses System in den Highlands war das Clansystem, das auf der Annahme
beruhte,der Häuptling eines Clans (Clanchief) sei der Vater seines Volkes (kelt. clann
=Kinder). Blutsbande wurden hoch geachtet, die Anweisungen des
Familienoberhauptes, also des Häuptlings, galten mehr als jedes geschriebene
3 Vgl. Fitzroy Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, Herford 1986, S. 32-35
4 Aus: a.a.O. S. 66

4
Gesetz.
Jakob VI., der Sohn von Maria Stuart und König von Schottland und England
verlegte nach der Reformation Anfang des 17. Jahrhunderts den schottischen
Regierungssitz von Edinburgh nach London. Die Schotten fürchteten daraufhin,
schottische Interessen würden nicht mehr ausreichend wahrgenommen. Nach dem
Tod Jakobs 1625 folgte diesem sein Sohn Karl I. auf den Thron. Unter ihm erfolgte
eine zunehmend katholische Ausrichtung der protestantischen Kirche, was die
überwiegend protestantisch-presbyterianische Bevölkerung Schottlands aufwiegelte.
Die Folge war ein Bürgerkrieg, der sogenannte 1. Bischofskrieg, den Schottland
1639 gewann. Kurz darauf folgte der 2. Bischofskrieg,der mit der Hinrichtung Karls
I. endete. Die Schotten riefen Karl I. zum König aus, während in England Oliver
Cromwell die Macht hatte. 1650 schlug dieser das schottische Heer bei Dunbar
vernichtend und entschloss sich daraufhin, England und Schottland getrennt zu
regieren. Schottische Adlige, die gegen Cromwell gekämpft hatten, wurden
enteignet, die erbliche Gerichtsbarkeit wurde abgeschafft und die Rechtssprechung
wurde englische Richtern übertragen. In der Rechtsstaatlichen Vereinigung am
12.04.1654 wurde das Königtum Schottland abgeschafft.
Als 1685 der englische König Charles II. starb, kam sein Bruder als James II. von
England, gleichzeitig Jakob VII. von Schottland, auf den Thron.
Er war seit über einhundert Jahren der erste römisch-katholische Herrscher Englands.
Obwohl er in jenem Zeitalter der Intoleranz von seinem Hoheitsrecht Gebrauch
machte und allen seinen Untertanen, Katholiken, Covenanters und Quäkern
gleicherweise Toleranz gewährte, gewann er bei den meisten unter Ihnen trotzdem
keine Sympathie.5
Nach einigen erfolglosen Revolten seiner Gegner landete im November 1688 sein
Schwiegersohn Wilhelm von Oranien mit einer Armee in England. Als Jakob merkte,
dass ihm seine Truppen nicht mehr bedingungslos gehorchten, floh er nach
Frankreich. Im Februar 1689 wird Wilhelm von Oranien zum englischen und irischen
König Wilhelm III. gekrönt, im April zum König Schottlands. Doch nicht alle
Untertanen Jakobs waren mit diesem Machtwechsel einverstanden; „Es gab jedoch
auch jene in den Highlands, die treu zu ihrem legitimen Monarchen standen und ihn
einem holländischem Ursupator bei weitem vorzogen. Man nannte sie die

5 Vgl. Fitzroy Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, Herford 1986, S. 138

5
Jakobiten.“6 Im September 1701 starb Jakob VII., seitdem sahen die Jakobiten seinen
Sohn James Edward als ihren rechtmäßigen König und nach dem Tod seiner
Halbschwester Anne hofften sie auf seine Rückkehr.7
Nach dem Tod Wilhelms 1702 bestieg die protestantische Anne den englischen
Thron. Am 1. Mai 1707 schließlich kam es zum „Act of Union“, das das schottische
und das englische Parlament zu einem gemeinsamen britischen Parlament mit Sitz in
London zusammenfasste und den Schotten wieder ein autonomes Rechtssystem
gewährte.

2.2. Gründe für das Feindbild


2.2.1. Unterdrückung durch den englischen Adel
2.2.1.1. Rechtssprechung und Regierung
Obwohl laut dem Act of Union England und Schottland als gleichberechtigte Partner
vereinigt werden sollten, war dies de facto nicht der Fall, denn junge schottische
Adlige wurden anders als die englischen Adligen nicht nur von der Lehensvergabe
ausgeschlossen, sondern hatten auch kein Mitspracherecht bei der Wahl der sechzehn
schottischen Vertreter im Parlament;
„The 'Masters', eldest sons of peers, were debarred fromsitting for shires and
burghs, and even from voting at elections. The conferring on Hamilton of
the Title Duke of Brandon in 1711 was made the occasion for a resolution
in the Lords that no Scottish peer should become a member of their House
by virtue of an English title granted after the Union; yet such peers were
forbidden to vote at the election of the sixteen representative peers. A new
Treason Act, though it abolished torture, was bitterly resented in Scotland
because it introduced the draconian penalties stipulated by English law.“8
So waren hauptsächlich die schottischen Adligen von der englischen Willkür
betroffen. Dadurch wurde das Feindbild der Engländer bei den Schotten
bekräftigt, denn das Wort des „Chief“ war Gesetz, und wenn der Clanchief eine
Abneigung gegen alles Englische hatte, fand sich diese Abneigung meist auch
bei den Angehörigen seines Clans wieder.

6 Vgl. a.a.O. , S. 139


7 Aus: Fitzroy Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, Herford 1986, S. 157
8 Aus: John Duncan Mackie, A History of Scotland, London 1991, S. 267

6
2.2.1.2. Willkürliche Gewalt (Glencoe)
Am 27. August 1691 bot Wilhelm den Hochlandclans eine Amnestie hinsichtlich
ihrer Teilnahme an einem Aufstand gegen ihn unter der Führung von John Graham of
Claverhouse, besser bekannt als Bonnie Dundee, an. Bedingung war, dass sie bis
zum 1. Januar 1692 einen Treueeid auf ihn ablegen müssten. Die Oberhäupter der
Clans wollten von Jakob dafür die Erlaubnis erhalten. Jakob zögerte eine
Entscheidung zunächst hinaus, da er immer noch plante, nach Britannien
zurückzukehren. Als klar wurde, dass dies nicht so bald möglich sein werde,
gestattete er den Clanchefs, den Eid zu leisten. Die Antwort erreichte sie Mitte
Dezember, wenige Wochen vor dem Stichtag. Alastair MacDonald, Chief von
Glencoe, wartete bis zum letzten Tag, bevor er sich aufmachte, den Eid abzulegen.
Am 31. Dezember 1691 kommt er in Fort William an. Colonel Hill erklärt ihm, dass
er für die Abnahme des Eids nicht zuständig sei und MacDonald schnell nach
Inveraray weiterreisen müsse. Dort könne er den Eid vor Sir Colin Campbell, dem
Sheriff von Argyll, ablegen. Hill versicherte, dass in der Zwischenzeit keine
Maßnahmen gegen die MacDonalds getroffen würden, ohne dass diese sich vor dem
König oder einem Gericht rechtfertigen könne. MacDonald brauchte drei Tage bis
nach Inveraray. Bei seiner Ankunft war Sir Colin Campbell nicht anwesend und
MacDonald musste drei weitere Tage auf ihn warten. Dann nahm Sir Campbell den
Eid entgegen.9 MacDonald sah sich durch den Eid außer Gefahr, allerdings sahen
einige Personen in der Regierung dies als willkommene Gelegenheit, gegen die
MacDonalds vorzugehen. Am 13. Februar 1692 befahl König Wilhelm die
Auslöschung des ganzen Clans der MacDonalds of Glencoe. Dies kann durch den
Originalbefehl (siehe Abbildung 1)zweifelsfrei bewiesen werden. Wie an der
Formulierung des Befehls zu erkennen ist,waren auch die Engländer nicht frei von
Vorurteilen („Dieser Befehl kommt direktals Spezialauftrag vom König, zum Wohle
und zur Sicherheit des Landes, damit dieWurzeln dieser Kreaturen abgeschnitten
werden.“). Dieser Befehl war damals eine der Hauptursachen für den Hass, den viele
Schotten den englischen Herrschern entgegenbrachten und führte dazu, die Annahme
zu festigen, dass man den Engländern nicht trauen könne.

9 Vgl. T.M. Devine, The Scottish Nation. 1700-2004, London 2006, S. 35

7
10

10 Abb. 1:Befehl des Königs zur Auslöschung des Clans der MacDonalds von Glencoe
Übersetzung: 12. Februar 1692
Sir.
Sie werden hiermit beauftragt, die Rebellen zu überfallen, die MacDonalds of Glencoe, und alle
Personen jünger als 70 Jahre hinzurichten. Sie werden insbesondere angewiesen, darauf zu achten,

8
2.2.2. Absetzung von Jakob VII. im Rahmen der „Glorious Revolution“
2.2.2.1. Grund der Absetzung
Die Hauptgründe der Absetzung Jakobs VII. waren wohl seine Konvertierung zum
römisch-katholischen Glauben und die Tatsache, dass durch die Geburt seines
Sohnes James Francis Edward Stuart (später „The old Pretender“, der alte
Thronanwärter genannt) im Jahre 1688 die Aussicht auf eine römisch-katholische
Thronfolge bestand. Jakob versuchte zwar, die englischen Adligen zu
beschwichtigen, indem er seiner Tochter Marie 1677 erlaubte, den protestantischen
Statthalter der Niederlande, Prinz Wilhelm III. Von Oranien, zu heiraten, doch diese
Maßnahme erzielte eher den gegenteiligen Effekt. 11 Mehrere einflussreiche
Protestanten nahmen 1688 Kontakt zu Wilhelm von Oranien auf, um diesem den
englischen Thron anzubieten, welchen dieser annahm. Jakob floh nach Frankreich,
eine „Convention“ in London deklarierte mit der „Bill of Rights“ die protestantische
Erbfolge. Gleich nach der Machtübernahme wurde auch in Edinburgh eine
„Convention“ einberufen. Diese stellte in einem „Claim of Right“ fest, Jakob habe
die Gesetze Schottlands verletzt, die protestantische Religion geschwächt und
dadurch das Recht auf die schottische Krone verwirkt. Die Anhänger Jakobs blieben
dieser Convention allerdings aus Protest fern, und hatten somit auch keinen Einfluss
auf das Resultat.

2.2.2.2. Auswirkungen der „Glorious Revolution“


Wilhelm regierte England und Schottland in Personalunion und sicherte seine
Herrschaft nicht zuletzt dadurch, dass er das protestantisch System der Kirche
bestätigte und die Bischöfe abschaffte. In England und Schottland waren zwei
unterschiedliche Entwicklungen zu beobachten; im anglikanisch-protestantischen
dass der alte Fuchs und seine Söhne Ihnen auf keinen Fall entkommen können. Sie haben alle Straßen
und Wege zu sichern, dass kein Mann entkommen kann. Diesen Befehl müssen Sie exakt um 5 Uhr
morgens ausführen. Ich werde um diese Uhrzeit oder kurz danach mit einer starken Streitmacht zu
Ihnen stoßen. Sollte ich nicht um 5 Uhr kommen, haben Sie nicht auf mich zu warten, sondern
weiterzumachen. Dieser Befehl kommt direkt als Spezialauftrag vom König, zum Wohle und zur
Sicherheit des Landes, damit die Wurzeln dieser Kreaturen abgeschnitten werden. Achten Sie darauf,
dass dieser Befehl unparteiisch befolgt wird, andernfalls werden Sie als Feind des Königs und der
Regierung betrachtet und als unfähig ein königliches Kommando zu führen. In Erwartung, dass sie
schon in eigenem Interesse erfolgreich sein werden, unterzeichne ich dies eigenhändig
Unterzeichnet Robert Duncanson
Im Dienste Ihrer Majestät
An Captain Robert Campbell of Glenlyon
11 Vgl. T.M. Devine, The Scottish Nation. 1700-2004, London 2006

9
England gab es kaum Unruhen, während in Schottland die Anhänger der
katholischen Stuart-Könige, die Jakobiten, gegen die presbyterianisch-
protestantischen wilhelminischen Schotten standen, die eher in den Lowlands zu
finden waren. Die Jakobiten erklärten den Aufstand, der jedoch keinen wirklichen
Erfolg erzielte. Sie operierten von den Highlands aus unter der Führung von
Viscount Dundee, der von seinen Truppen nur Bonnie Dundee genannt wurde. Am
27. Juli 1689 erfochten die Aufständischen bei Killiecrankie einen Sieg gegen die
Engländer, bei dem Bonnie Dundee jedoch fiel.
Das Jakobitenheer löste sich bis auf wenige Reste auf,die dann bei Cromdale am 1.
Mai 1890 von den Engländern endgültig aufgerieben wurde.12
Auch wirtschaftlich gesehen brachte die Glorious Revolution Nachteile für die
Beziehungen Schottlands z.B. zu Frankreich, da England Krieg mit Frankreich
führte. Zusätzliche Hungersnöte führten zu Kolonialisierungsbestrebungen
Schottlands und zu Auswanderungswellen nach Amerika. England unterstützte
Schottland kaum, und nachdem Schottland Gesetze zu höherer Eigenständigkeit
erlassen hatte (Wine Act 1703, Act Anent Peace and War, Act of Security) 13,
verabschiedete England einen „Alien Act“, der demjenigen das englische
Bürgerrecht entzog, der die protestantische Thronfolge nicht anerkannte. Es kam also
zunehmend zu einer Entfremdung zwischen England und Schottland und das
Verhältnis der beiden Länder war von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Zur
Sicherung eigener Interessen und um die Beschlüsse zur Abgrenzung gegen England
zu rechtfertigen, wurde das Feindbild der Engländer verfestigt, um die Angst vor
wirtschaftlicher Abhängigkeit und Verfall abzuwehren.

2.2.3. Wirtschaftliche Gründe


Ursprünglich war Schottland ein stark landwirtschaftlich geprägtes Land. Lediglich
in den Lowlands kam es zu einer von England initialisierten leichten
Industrialisierung. Durch die englische Aussenpolitik, die immer mehr Geld zu
Aufrechterhaltung der Kriege, v.a. gegen Frankreich benötigte, kam es zu einer
hohen Steuerbelastungen, die von der relativ armen schottischen Bevölkerung kaum
oder gar nicht getragen werden konnte. Der schottische Handel richtete sich
zunehmend nach England aus. Durch Missernten gab es zusätzliche Hungersnöte,
12 Vgl. Michael Maurer, Kleine Geschichte Schottlands, Ditzingen 2008, S. 148/149
13 Vgl. a.a.O. , S. 153

10
was die angespannte Stimmung gegen die Engländer weiter sinken ließ.

2.3. Auswirkungen des Feindbildes


2.3.1. Bündnisse zwischen den Highland-Clans
Unter den einzelnen schottischen Clans herrschte nicht immer Frieden.
Mitunter waren zwei Clans wegen des Diebstahls von Vieh bis auf den Tod
verfeindet. Das gemeinsame Feindbild der Engländer, die ihnen ihr Land
wegnehmen wollten, änderte diesen Zustand grundlegend. Clans wie die
MacDonalds und die Campbells, die bereits über Generationen verfeindet waren,
gaben diese tief verwurzelte Feindschaft auf und erhoben sich gemeinsam gegen die
Engländer.

2.3.2. Offener Widerstand gegen die englischen Truppen


2.3.2.1. Der erste große Jakobitenaufstand (the fifteen)
Nach dem Tod Königin Annes 1714 setzten die Jakobiten alles daran, mit der Hilfe
Frankreichs den Sohn Jakobs, James Edward Stuart (the old pretender) an die Macht
zu bringen. Allerdings dauerten die Vorbereitungen des Aufstandes bis ins Jahr 1715,
weshalb dieser allgemein als the fifteen bezeichnet wird. 1715 wurde eine
weitreichende Verschwörung mit dem Ziel, James Edward auf den englischen Thron
zu bringen, aufgedeckt. In diese waren englische Parlamentsabgeordnete und
ehemalige Minister verwickelt. Kurz darauf erhob sich in Schottland unter der
Führung von John Erskine, Earl of Mar ein großer Aufstand, bei dem dieser etwa
12.000-20.000 Männer, überwiegend aus den Highlands zu den Waffen rief. 14 Diese
waren jedoch keineswegs alles überzeugte Jakobiten, denn das Clansystem
ermöglichte den Chiefs auch noch im 18. Jahrhundert, alle ihnen untergebenen
Männer zu den Waffen zu rufen. So musste der Earl of Mar nicht viele Highlander
überzeugen,sich seiner Sache anzuschliessen, sondern nur die Clanchiefs. Diese
hassten die Engländer oft mehr als dies die Mitglieder ihres Clans taten, denn sie
bekamen das volle Ausmaß der englischen Willkür zu spüren.15 Das Feindbild der
Engländer als machthungriges und expansives Volk half den Schotten hier also, eine
schlagkräftige Armee aufzustellen, um den verhassten Gegner aus dem eigenen Land

14 Vgl. T.M. Devine, The Scottish Nation. 1700-2004, London 2006, S. 31 ff.
15 Vgl. Michael Maurer, Kleine Geschichte Schottlands, Ditzingen 2008, S. 164

11
zu vertreiben. Doch der Earl of Mar hatte keine militärische Erfahrung, während auf
Seiten der Engländer der Earl of Argyll, ein äußerst erfahrener und fähiger Feldherr
des Britischen Reichs die Truppen anführte. Hinzu kam noch,dass Mar zu lange
zögerte, um auf mögliche Verstärkung zu warten, sodass den Engländern genügend
Zeit blieb,um sich auf einen Aufstand vorzubereiten. Als Mar dann im November
1715 auf Edinburgh vorrückte, stellte sich Argyll ihm mit nur 300 Mann entgegen
und schlug die schottischen Truppen in der Schlacht von Sheriffmuir. Die Highland-
Armee zog sich nach Perth zurück, um sich neu zu sammeln, als sich am 22.
Dezember the old pretender aus Frankreich einschiffte, um sich an die Spitze
„seiner“ Truppen zu stellen. Am 23. Januar 1716 liess er sich in Perth zum König
Jakob VIII. krönen. Doch Argyll setzte den Jakobiten nach und veranlasste
schliesslich Jakob VIII. und den Earl of Mar dazu, sich am 4. Februar nach
Frankreich einzuschiffen, woraufhin sich das Heer der Rebellen zerstreute.

2.3.2.2. Der zweite große Jakobitenaufstand (the forty-five)


Im Zuge der Bemühungen zur Sicherung des Landes war 1725 ein Gesetz zur
Entwaffnung der Highlands verabschiedet worden, welches offiziell auch
durchgesetzt worden war, faktisch jedoch unmöglich zu realisieren war. Es waren
Militärstraßen in die Highlands gebaut worden, um ein schnelles Eingreifen
englischer Truppen im Falle eines weiteren schottischen Aufstandes zu
gewährleisten. Doch 1745 machte sich Charles Edward Stuart, der Sohn des old
pretenders, der von allen nur „Bonnie Prince Charlie“ genannt wurde, auf den Weg
von Frankreich aus nach Schottland, um seinen Herrschaftsanspruch geltend zu
16
machen. Er versuchte zunächst, seine Anhänger mit dem selben Mittel zu
mobilisieren, das auch schon der Earl of Mar bei the fifteen anwandte: er versuchte
die Clanchiefs zu überzeugen, seiner Sache zu folgen. Doch die meisten Chiefs
hielten dieses Unterfangen ohne einen mächtigen Verbündeten für zu gefährlich.
Also versuchte es der Charles Edward Stuart mit der Behauptung, Frankreich stehe
mit einer Invasionsarmee bereit, um auf sein Zeichen in England zu landen. Damit
hatte er Erfolg und hatte einen Monat später eine Armee von ca. 1300 Mann
aufgebaut. Ermutigt durch einen ersten Sieg in Prestopans gegen ein englisches Heer,
rückten die Aufständischen bis Derby vor. Doch dort stellte sich heraus, dass die

16 Vgl. Michael Maurer, Kleine Geschichte Schottlands, Ditzingen 2008, S. 165 ff.

12
versprochenen französische Invasionsarmee nicht existierte, woraufhin sich das
schottische Heer zurückzog.17 Nun bestand Charles Edward Stuart auf einer
Entscheidungsschlacht. Am 16. April 1746 stellten sich ungefähr 5000 erschöpfte
Rebellen in der Schlacht von Culloden gegen ca. 9000 gut ausgerüstete englische
Soldaten. Die verlorene Schlacht von Culloden wird heute noch von vielen
Geschichtsbüchern als eine der grausamsten Schlachten der schottischen Geschichte
beschrieben, da der Befehlshaber der Engländer, Wilhelm August, Herzog von
Cumberland, den Befehl gab, alle überlebenden Rebellen zu töten.18

2.3.2.3. Die Folgen der Jakobitenaufstände


Nach the fifteen wurde ein Gesetz erlassen, das allen Highlandern verbot, eine Waffe
zu besitzen. Nach the fourty-five wurden zudem der Kilt und der Dudelsack
verboten. Dies ist als ein Versuch der englischen Regierung zu sehen, den Schotten
ihre Identität und damit auch ihre wilde Natur zu nehmen, indem man sie dessen
beraubt, was aus Tradition mit dieser Natur verbunden ist. Nach dem Scheitern des
letzten großen schottischen Aufstandes wurden viele Clanchiefs, deren ursprüngliche
Funktion ja unter anderem die eines Kriegsherren umfasste, mehr und mehr zu
Großbauern und Viehzüchtern. Sie erkannten, dass sie der Übermacht der Engländer
nicht gewachsen waren und konzentrierten sich von da an auf die Bewahrung ihrer
eigenen wirtschaftlichen Interessen. Sie bemühten sich um Industrialisierung und die
Einführung neuer Techniken, neuen Saatguts und neue Anbaumethoden. Auch die
Kohlevorkommen Schottlands wurden konsequenter ausgebeutet und neue Wege
erschlossen, um die hergestellten Waren besser in die Lowlands transportieren zu
können. 19

2.4. Die Wichtigkeit des Feindbildes für die schottischen Geschichte


Um die Rolle des Feindbildes klar darzustellen, muss man den wichtigsten Punkt
betrachten, bei dem das Feindbild einen Faktor darstellte, nämlich die schottischen
Aufstände und deren Voraussetzungen. Voraussetzung für sämtliche großangelegten
Aufstände ist es, Einigkeit unter den Rebellen zu schaffen. Genau diese Rolle
übernimmt hier das Feindbild der Engländer.
17 Vgl. T.M. Devine, The Scottish Nation. 1700-2004, London 2006, S. 42 f.
18 Vgl. Michael Maurer, Kleine Geschichte Schottlands, Ditzingen 2008, S. 167
19 a.a.O. , S. 168 f.

13
Ohne diesen klaren gemeinsamen Feind wären die einzelnen, untereinander
verfeindeten Clans nicht in der Lage gewesen, in solchem Ausmaße aufzubegehren,
sondern sie hätten einzeln gegen die Engländer gekämpft, wobei diese mit ihren gut
ausgebildeten, disziplinierten und zahlenmäßig überlegenen Truppen jeden Clan
einzeln besiegt hätten. So aber konnten die Schotten einige wichtige Rechte
erkämpfen. Schottland hätte kein eigenes Parlament, keine eigene Gerichtsbarkeit
und würde sich heute kulturell und traditionell möglicherweise kaum von England
unterscheiden.

3. Das Feindbild „Engländer“ – existent oder nicht? - Fazit der Arbeit


Diese Arbeit hat klar gezeigt, dass das Feindbild „Engländer“ im Schottland des 17.
und 18. Jahrhunderts vorhanden war und einen großen Einfluss auf die Entwicklung
der schottischen und englischen Geschichte hatte. Das Feindbild zeichnet ein Bild
der Engländer als nach Dominanz strebendes, hinterhältiges Volk, das in der
schottischen Bevölkerung nur „Kreaturen“ sieht, die man auslöschen soll. 20 Der
Engländer wurde als machthungriger und geldgieriger Mensch betrachtet, der durch
die hohen Steuerabgaben seine aussenpolitischen Ziele verfolgen konnte. Zu einem
gewissen Teil entsprachen die Engländer diesem Bild auch, als sie zur Strafe für die
schottischen Eigenständigkeitsbestrebungen den Entzug der englischen Bürgerrechte
androhten und zur Finanzierung ihres Krieges mit Frankreich die Steuern für
Schottland anhoben. Das Feindbild trug viel zur Vereinigung der Clans und zur
Bewahrung der Rechte Schottlands und seiner Bevölkerung gegenüber England bei,
was nur durch ein gemeinsames, national gefühltes Feindbild möglich war. Die
Unabhängigkeit gegenüber den verhassten Engländer war (und ist) vielen Schotten
ein wichtiges Anliegen, welches sie durchaus bereit waren mit ihrem Leben zu
verteidigen.
Auch in neuerer Zeit zeigen sich Unabhängigkeitsbestrebungen des modernen
Schottland, welches seit kurzem wieder ein eigenes, rein schottisches Parlament
besitzt. Dies ist Ausdruck eines Nationalbewusstseins, zu dessen Entstehung das
gemeinsame Feindbild sicher einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet hat. Es
besteht also ein Zusammenhang zwischen den damaligen und den heutigen
Bestrebungen, wieder zu einem eigenen, souveränen Staat zu werden.

20 Vgl. Befehl zum Massaker von Glencoe im Anhang

14
4. Literaturverzeichnis
4.1. Quellenangabe

1. T.M. Devine, The Scottish Nation. 1700-2004, London 2006

2. John Duncan Mackie, A History of Scotland, London 1991

3. Fitzroy Maclean, Kleine Geschichte Schottlands, Herford 1986

4. Michael Maurer, Kleine Geschichte Schottlands, Ditzingen 2008

5. Änne Ostermann, Hans Nicklas, Vorurteile und Feindbilder, München/Wien 1976

6. Hagen Seehase, Axel Oprotkowitz, Montrose. Der Feldzug in den Highlands,


Thüringen, 2002

7. Sybil Wagener, Feindbilder. Wie kollektiver Hass entsteht, Berlin 1999

15
Anhang

16
Erklärung

Ich erlkäre hiermit,dass ich die Seminararbeit ohne fremde Hilfe angefertigt und nur
die im Literaturverzeichnis angeführten Quellen und Hilfsmittel benutzt habe.

…......................................, den ….................................


Ort Datum

…........................................................................................
Unterschrift des Verfassers

17