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Die Epoche der Trümmerliteratur

Am 8. Mai 1945 war der zweite Weltkrieg beendet und damit beginnt eine neue Literaturepoche,
die man Trümmerliteratur nennt. Sie bezieht sich auf die Trümmer, die die Menschen nach Ende
des Krieges in den Städten vorfanden, denn viele Städte waren zerstört und die Menschen hatten
Häuser, Familie und Freunde verloren. Diese Epoche wird auch „Literatur der Stunde Null“ und
„Heimkehrerliteratur“ gennant, weil die Leute wieder bei Null angefangen haben und alles
aufbauen mussten. Man kann „Die Stunde Null“ als einen Neuanfang für Deutschland
betrachten.
Die Literaturepoche dauerte bis 1950. Die Zeit der Trümmerliteratur war vom Wiederaufbau
geprägt.
Viele Autoren dieser Epoche kamen aus der Krigsgefangenschaft in ihre Heimat zurück und
versuchen dort die Erlebnise des Kriges zu verarbeiten. Zentrales Thema ist die Zerstörung,
sowohl die der Städte als auch die zerstörten Träume, das Leben, die Vorstellungen und die
Seelen der Menschen. Alles was man vom Leben erwartet und gehofft hat ist jetzt zerstört. Eine
sinnlose Situation steht im Mittelpunkt. Da viele Autoren selbst als Soldaten im Krieg waren,
konnten sie die Situation authentisch wiedergeben. Sie konnten sich nicht mehr in den normalen
Alltag integrieren und für viele erschien das weitere, „normale“ Leben nun sinnlos.
Auseinandersetzung mit Schuldfrage ist auch ein wichtiges Merkmal dieser Epoche.
Ziel war ein realistisches Schreiben. Die Schriftsteller verwendeten eine ganz einfache
unpoetische Sprache, damit es auch alle verstehen konnten. Die Sätze waren kurz und knapp.
Eines der wichtigsten Stilmittel war die Wiederholung im Text, und diesen Stilmittel hat auch
Borchert in seinem Drama “Draußen vor der Tür verwendet”. Sachliche und wenig
ausgeschmückte Sprache sollte das Lebensgefühl der Menschen nach dem Krieg widerspiegeln.

Wichtige literarische Gattungen:


 Lyrik
 Prosa
 Drama.
An erster Stelle steht die Lyrik. Die Lyrik wurde in der Nachkriegsliteratur zur wichtigsten Gattung,
weil viele Autoren in der Lyrik die beste Möglichkeit sahen, ihre Empfindungen und Erfahrungen
auszudrücken. Prosa wurde für Kurzgeschichten verwendet. Vorbild waren die
amerikanischen Kurzgeschichten. Die Kurzgeschichte wurde von vielen Autoren genutzt, wobei
als wichtige Vertreter vor allem Heinrich Böll und Wolfgang Borchert gelten.

Die Kurzgeschichten der Nachkriegszeit zeichnen sich durch verschiedene stilistische Merkmale
aus:
 selten länger als 1 ½ Seiten
 in Prosaform geschrieben
 kurze Sätze
 der Leser ist mitten im Geschehen
 offenes Ende.

Das Drama war in der Trümmerliteratur weniger wichtig und spielte keine Hauptrolle. Zu
nennen ist allerdings Wolfgang Borcherts Drama „Draußen vor der Tür“.

Prägende Vertrater der Trümmerliteratur waren:


 Wolfgang Borchert,
 Heinrich Böll,
 Günter Eich,
 Wolfgang Koeppen.

Die wichtigsten Themen der Trümmerliteratur waren:

 Trümmer, Heimkehr und Krieg

 Zerstörung der Städte aber auch die Zerstörung der Träume der Menschen

 Auseinandersetzung mit der Schuldfrage.

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Biographie des Autors - Wolfgang Borchert

Ein berühmtes Beispiel für die Trümmerliteratur ist Wolfgang Borchert und sein Drama
„Draußen vor der Tür“.
Wolfgang Borchert wurde am 20. Mai 1921 in Hamburg geboren. Bereits in seiner Jugend
verfasste er erste literarische Werke. Er wurde nur 26 Jahre alt. Sein kurzes Leben war von Krieg
und Krankheit gekennzeichnet und diese schwere Erlebnisse in den Kriegsjahren waren Grund,
warum Krieg und Krankheit Hauptthemen seines literarischen Schaffens waren.
Er verwendet eine einfache Sprache, um die Kriegsfolgen realistich darzustellen. Dabei standen
die Folgen und Auswirkungen des Krieges im Vordergrund und nicht der Krieg selbst. Auch
wenn er in seinen Werken die Zerstörung zum Ausdruck bringt, können wir trotzdem in seinen
Werken gleichzeitig die Hoffnung finden. Damit zeigt er, dass man trotz allem versuchen soll,
alles neu aufzubauen und hoffnungsvoll zu sein. 
Sein Stück „Draußen vor der Tür“ spielt in Hamburg nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
und spiegelt die damalige Zeit. Es geht um eine Hauptfigur Beckmann, der nach dem Krieg nach
Deutschland zurückkommt. Der ursprüngliche Titel des Werkes war deswegen nicht Draußen
vor der Tür, sondern der Titel war ein Mann kommt nach Deutschland. Es ist ein zerstörtes
Deutschland mit sehr vielen zerstörten und beschädigten Wohnungen und gleichzeitig ein
besetztes Land, das keine eigene suverene Regierung hat. Das Stück wurde in 1946 geschrieben,
angeblich innerhalb von 8 Tagen. Den größten Erfolg mit dem Drama »Draußen vor der Tür«
erlebte er leider nicht. Er starb einen Tag vor der Premiere.
Seine bekannten Werke sind:
 Die drei dunklen Könige (1946)
 An diesem Dienstag (1946)
 Die Hundeblume (1946)
 Das Brot (1946)
 Draußen vor der Tür (1946)
 Nachts schlafen die Ratten doch (1947)
 Die Kirschen (1947)
 Dann gibt es nur eins!  (1947)
 Die lange lange Strasse lang (1947)
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Inhalt des Dramas „Draußen vor der Tür“ und Analyse

Das Drama „Draußen vor der Tür“ verkörpert eine Mischung aus Realität, Fiktion, Allegorie und
Traum. Der Handlungszeitraum umfasst nur einen einzigen Abend. 
Das Drama "Draußen vor der Tür" kommt mit sehr wenigen Personen aus. Es hat nur eine
Hauptfigur - Beckmann.
Die Figuren teilen sich in fiktive und reale Figuren. Reale Nebenfiguren sind ein Mädchen, der
Oberst, der Kabarettdirektor und Frau Kramer. Fiktive Figuren sind die Elbe, Gott, Tod und der
Andere. Fiktive Figuren sind als Mittel geeignet, die Innenwelt Beckmanns beleuchten.
Nach drei Kriegsjahren in Russland kehrt Beckmann in seine Heimatstadt Hamburg zurück. Bei
seiner Rückkehr muss Beckmann feststellen, dass sich vieles verändert hat.

„Ein Mann kommt nach Deutschland. Er war lange weg, der Mann. Sehr lange. Vielleicht zu
lange. Und er kommt ganz anders wieder, als er wegging. Äußerlich ist er ein naher Verwandter
jener Gebilde, die auf den Feldernstehen, um die Vögel (und abends manchmal auch
dieMenschen) zu erschrecken. Innerlich – auch.“

Seine Frau lebt jetzt mit einem anderen Mann und das gemeinsame Kind das sie mit Beckmann
hatte ist unter den Trümmern liegen geblieben und Beckmann hat dieses Kind nie kennengelernt.
Seine Frau hat ihn nach seinem Nachnamen genannt. Sie sagte zu ihm Beckmann, wie man zu
Tisch Tisch sagt. Da ist alles drin, sie kennen einander nicht mehr und er ist ganz allein.
Er fühlt sich verloren und verraten. Verloren, weil er keine Heimat mehr hat, verraten,weil das
Letzte, was ihn an Heimat erinnerte, seine Frau, einen anderen Partner gefunden hat. Also wie
soll er in einer zerstörten Stadt mit zerstörtem Bein und zerstörter Liebe leben?
Er sieht für sich keinen Neuanfang, weil für ihn kein Zuhause mehr da ist.
Hier steht die Figur des Beckmann für eine ganze Generation heimgekehrter Soldaten, die in der
Nachkriegszeit orientierungslos waren. Sie haben ihre Illusionen über das Phänomen Leben
verloren, haben keine Hoffnung mehr in die Zukunft. Der Krieg hat ihre Seelen zerstört. Den
äußeren Trümmern der Häuser entspricht das zertrümmerte Innenleben der Menschen.
Beckmann ist eine tragische Figur. Als Opfer einer schrecklichen Zeit leidet er an ihren Folgen,
die ihn auf verschiedene Weise persönlich betroffen.

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Das Schicksal Beckmanns wird verallgemeinert, sodass wir feststellen können, dass es außer ihm
noch vielen anderen ebenso geht. Die Kriegsheimkehrer kehren völlig verändert nach Hause
zurück und finden auch ihre Heimat verändert vor. Sie stoßen auf Unverständnis und können
sich nicht mehr an die Gesellschaft anpassen. Vor allem junge Soldaten können sich nach einem
Leben, in dem sie jeden Augenblick mit dem Tod rechnen mussten, nicht mehr im alltäglichen
Leben zurechtfinden.
Er möchte nicht mehr leben, hat den Lebensmut verloren und will Selbstmord begehen.
Beckmann springt in die Elbe. Nach seinem Sprung von dem Ponton befindet sich Beckmann in
dem Wasser der Elbe, die im Werk als Mensch personifiziert auftritt. 
Der Fluss steht symbolisch für den Weitergang des Lebens und zwingt Beckmann dazu, wieder
neuen Mut zu fassen. Die Elbe will ihn nicht behalten, spuckt ihn wieder aus und sagt: so nicht,
du bist zu jung, du hast zu wenig erlebt, kommt später wenn wircklich alles vorbei ist.
Hier stellt die Elbe eine mütterliche Figur dar. Sie ist streng, aber fürsorglich. Sie bezeichnet ihn
als „Säugling", als „mein Sohn" sowie als „mein Goldjunge". Die Elbe erklärte ihm, wie hart das
Leben sein kann, und wirft ihm vor, zu früh aufgegeben zu haben, da er das Leben noch nicht
richtig gelebt hat.

“Laß dir das von einer alten Frau sagen: Lebe erst mal. Laß dich treten. Tritt wieder! Wenn du
den Kanal voll hast, hier, bis oben, wenn du lahmgestrampelt bist und wenn dein Herz auf allen
vierenangekrochen kommt, dann können wir mal wieder über die Sache reden. Aber jetzt machst
du keinen Unsinn, klar? Jetzt verschwindest du hier, mein Goldjunge.”

Beckmann begegnet dann dem Anderen. Der Andere stellt sich als der "Jasager", der "Optimist"
und Hoffnungsbringer vor. Er versucht, Beckmann am Leben zu erhalten, immer wenn dieser die
Hoffnung verloren hat. Er bildet Beckmanns Gegenstück. Er ist der Teil von ihm, der an das
Gute im Menschen glaubt. Er ist die Personifikation der Hoffnung.

“Ich bin der Andere, der immer da ist. Der andere Mensch, der Antworter. Der lacht, wenn du
weinst. Der antreibt, wenn du müde wirst, der Antreiber, der Heimliche, Unbequeme bin ich. Ich
bin der Optimist, der an den Bösen das Gute sieht und die Lampen in der finstersten Finsternis.

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Ich bin der, der glaubt, der lacht, der liebt! Ich bin der, der weitermarschiert, auch wenn
gehumpelt wird. Und der Ja sagt, wenn du Nein sagst, der Jasager bin ich.”

Nach dem Gespräch mit dem Anderen wird er am Strand von einem Mädchen gerettet, das ihm
neue Hoffnung schenkt.. Das Mädchen findet den nassen Beckmann und nimmt ihn mit nach
Hause. Doch durch das Auftreten ihres vermissten Ehemanns wird diese Hoffnung zerstört.
Beckmann wird mit seiner Verantwortung konfrontiert.
Der Einbeinige erkennt Beckmann als seinen Unteroffizier. Er meinte, dass Beckmann dafür
schuldig ist, dass er sein Bein verloren hat. Der Einbeinige wiederholt ständig Beckmanns Name.
Beckmann konnte das nicht hören und verlässt das Mädchen. Er ist wieder draußen und möchte
nicht mehr leben aber der Andere tritt wieder auf und sagte ihm dass er einen Mann kennt, der
ihm die Verantwortung nehmen kann und gibt ihm wieder die neue Hoffnung.

“Und du sagst, ich soll weiterleben? Ich stehe draußen, wieder draußen. Gestern abend stand
ich draußen. Heute steh ich draußen. Immer steh ich draußen. Und die Türen sind zu. Und dabei
bin ich ein Mensch mit Beinen, die schwer und müde sind. Mit einem Bauch, der vor Hunger
bellt. Mit einem Blut, das friert hier draußen in der  Nacht.”

Beckmann besucht seinen ehemaligen Oberst. Er will ihm die Verantwortung für einen
Spähtrupp zurückgeben, die der Oberst ihm im Krieg übertrug. Von diesem Spähtrupp starben
elf Männer und Beckmann gibt sich die Schuld an ihrem Tod. Aber der Oberst hält ihn für
verrückt und lacht ihn aus.
Durch diese Situation mit dem Oberst, sehen wir am besten das Problem der Schuld und der
Verantwortung die viele Menschen nach dem Krieg hatten.
Viele der Heimkehrer leiden nach dem Zweiten Weltkrieg unter schweren psychischen
Problemen. Sie haben große Schwierigkeiten, ihre Schuld zu bewältigen und die Erinnerungen
an die grausamen Kriegshandlungen zu verarbeiten. Aber auf der anderen Seite verdrängt die
Gesellschaft ihre Verantwortung und tut so, als wäre nichts gewesen.  

“Es sind nur elf Frauen, Herr Oberst, bei mir sind es nur elf. Wieviel sind es bei Ihnen, Herr
Oberst? Tausend? Zweitausend? Schlafen Sie gut, Herr Oberst? Dann macht es Ihnen wohl

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nichts aus, wenn ich Ihnen zu den zweitausend noch die Verantwortung für meine elf dazugebe.
Können Sie schlafen, Herr Oberst? Mit zweitausend nächtlichen Gespenstern? Können Sie
überhaupt leben, Herr Oberst, können Sie eine Minute leben, ohne zuschreien? Herr Oberst,
Herr Oberst, schlafen Sie nachts gut? Ja? Dann macht es Ihnen ja nichts aus, dann kann ich
wohl nun endlich pennen – wenn Sie so nett sind und sie wieder zurücknehmen, die
Verantwortung.“

Beckmann wird gesellschaftlich ausgeschlossen, da ein Großteil der Bevölkerung nicht mehr an
den Krieg erinnert werden will: „Ich stehe draußen, wieder draußen. Gestern abend stand ich
draußen. Heute steh ich draußen. Immer steh ich draußen. Und die Türen sind zu. Und dabei bin
ich ein Mensch mit Beinen, die schwer und müde sind. Mit einem Bauch, der vor Hunger bellt.
Mit einem Blut, das friert hier draußen in der Nacht“.
Auch sein Versuch als Künstler, ist zum Scheitern verurteilt, denn der Zirkusdirektor findet ihn
zu hart und zu brutal für die Zuschauer. Dies zeigt, dass die deutsche Bevölkerung nach dem
Krieg noch nicht bereit war, sich mit der Realität auseinander zu setzen und nach Schuldigen zu
suchen. Kabarettdirektor ist ein Feige, da er nichts über den Krieg sagen oder hören will. So
symbolisiert er den schweigenden Teil der Gesellschaft.

„DIREKTOR: Damit machen Sie sich nur unbeliebt. Wo kämen wir hin, wenn alle Leute
plötzlich die Wahrheit sagen wollten! Wer will denn heute etwas von der Wahrheit wissen? Hm?
Wer? Das sind die Tatsachen, die Sie nie vergessen dürfen.
BECKMANN: Ja, ja. Ich verstehe. Danke auch. Langsam verstehe ich schon. Das sind die
Tatsachen, die man nie vergessen darf, die man nie vergessen darf: mit der Wahrheit kommt
man nicht weit. Mit der Wahrheitmacht man sich nur unbeliebt. Wer will denn heute etwas von
der Wahrheit wissen?”

In der letzten Szene des Stücks weißt Beckmann nicht mehr wohin er hingehen soll und es fällt
ihm noch eine letzte Möglichkeit ein. Interessanterweise kommt diese Möglichkeit als leztzes,
denn man möchte glauben es wurde einem als erstes einfallen. Beckmann versucht seine Eltern
zu besuchen. Nachdem er alle anderen Stationen durchlaufen hat. Er geht zur Wohnung seiner
Eltern und findet sie nicht mehr dort, nur eine Frau Kramer, die da wohnt. Und die erzählt ihm

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dass seine Eltern nicht mehr da sind, dass sie sich mit Gas selbst umgebracht haben. Frau Kramer
beklagt, dass es schade um das Gas sei, weil man mit dem Gas einen ganzen Monat hätte kochen
können. Frau Kramer steht für die Gefühllosigkeit des Krieges. Sie ist nur auf ihren eigenen
Vorteil bedacht.
“BECKMANN: Was haben sie? Sich selbst –
FRAU KRAMER: Entnazifiziert. Das sagen wir so, wissen Sie. Das ist so ein Privatausdruck von
uns. Ja, die alten Herrschaften von Ihnen hatten nicht mehr die rechte Lust. Einen Morgen lagen
sie steif und blau in der Küche. So was Dummes, sagt mein Alter, von dem Gas hätten wir einen
ganzen Monat kochen können.”

Mehrfach sind die Türen vor ihm zugeschlagen worden. Er steht nun wieder draußen. Die
Gesellschaft bietet ihm keinen Platz mehr.
Beckmann ist verzweifelt und will wieder zu der Elbe. Der Andere versucht, ihn aufzuhalten,
und sagt ihm, dass er weiterleben soll. Doch Beckmann will nicht mehr weiter. Er setzt sich auf
die Treppe vor der Tür und will nur noch schlafen. Der Andere probiert, Beckmann
wachzuhalten, doch dieser schläft trotzdem ein.
In seinem Traum begegnen Beckmann nacheinander Gott, der Tod in Gestalt eines
Straßenfegers, der Oberst, der Direktor, Frau Kramer, seine Frau, das Mädchen und der
Einbeinige. Er wirft ihnen vor, einen Mord an ihm begangen zu haben.

“Gestern waren es vielleicht zweitausend, vorgestern vielleicht siebzigtausend. Morgen werden


es viertausend oder sechs Millionen sein. Abgewandert in die Massengräber der Welt. Wer fragt
danach? Keiner. Hier untenkein Menschenohr. Da oben kein Gottesohr. Gott schläft, undwir
leben weiter.”

Gott wird in dem Werk als machtlos dargestellt. Viele Menschen verstanden nicht, wie Gott eine
solche Tragödie zulassen konnte. Die Tatsache, dass Borchert Gott so weinerlich darstellt, soll
illustrieren, wie verzweifelt und desillusioniert das deutsche Volk nach dem Krieg war.
Der Tod beispielsweise wird als dicker, lachender Mann dargestellt und Gott als alter,
gebrechlicher Mann, der keine Kraft mehr hat und am Ende auch keine Antwort auf die Fragen
von Beckmann, auf die Fragen einer ganzen Nation geben kann.

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Er ist am Ende ganz allein und er ruft nach dem Anderen, der am Anfang des Stücks da war und
immer wieder aufgetaucht ist aber dieser Andere schweigt jetzt und auch Gott schweigt und ist
nicht mehr da und er ruft hinaus:

„Was soll das alles, was ist mit dem leben, wie soll ich denn jetzt weitermachen, wie soll jetzt
weitergehen mit mir, und er steht ständig stellvertretend für eine ganze Generation und ruft: gibt
denn keiner keiner Antwort?“

Borchert gibt seinem Drama somit absichtlich ein offenes Ende, das mit Fragen und der Bitte um
Antworten abschließt: „Warum schweigt ihr denn? […] Gibt denn keiner Antwort???“. Damit
zeichnet der Autor ein pessimistisches und hoffnungsloses Bild der Nachkriegszeit.
Borchert hat selbst über dieses Stück gesagt: die Antwort gibt es nicht, bzw. Die Antwort ist das
Leben selbst. Irgendwie dieses „Weitermachen“ ohne zu wissen wie es gehen soll oder einen
Plan zu haben. Es gibt keinen Leitfaden wie man sich durch das Leben handeln kann.