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Entspannung und Kräftigung durch

Qi Gong

Acht Brokat Übung des Qi Gong

Stand: Nov.2014

© Markus Körner

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Inhaltsverzeichnis

Seite 3 Was ist Qi Gong

Seite 4 Die Geschichte des Qi Gong

Seite 5 – 6 Die physiologische und mentale Wirkung des Verfahrens

Seite 7 Qi – Die Ernergie in den Meridianen

Seite 8 – 12 Die Formen und Schulen des Qi Gong

Seite 13 – 21 Anleitung – Die Acht Brokate

Seite 13 Übung 1 „Den Himmel mit den Händen stützen“

Seite 14 Übung 2 „Auf den Adler zielen “

Seite 15 Übung 3 „Den Himmel stützen, Erde stemmen“

Seite 16 Übung 4 „Mit Verachtung hinter sich schauen“

Seite 17 Übung 5 „Das Gesäß hin und her schwenken“

Seite 18 Übung 6 „Mit beiden Händen die Füße fassen“

Seite 19 Übung 7 „Fäuste ballen und mit den Augen funkeln“

Seite 20 Übung 8 „7 mal den Rücken strecken“

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Was ist Qi Gong?

Qi Gong ist eine traditionelle chinesische Meditations-, und Bewegungskunst. Das


besondere an dieser Entspannungsmethode ist die Einfachheit der Bewegung und die
dennoch tiefgründige Wirkung auf den Energiehaushalt des Körpers.
Qi Gong kann als traditionelles Entspannungsverfahren betrachtet werden, welches
innere Ruhe und Gelassenheit fördert, die Achtsamkeit des Geistes schult und die
Physis des Körpers kräftigt. In vielen chinesischen Kampfkünsten werden bis heute
ebenfalls Qi Gong Übungen implementiert, um die Kontrolle über den Körper und den
Geist herzustellen und energetisch (Qi = Energie, Atem, Atmung, Leben, Vitalität, Wind,
Kraft) zu arbeiten.
Die Geschichte des Qi Gong lieg bereits Jahrtausende zurück, wurde aber erstmalig in
den 50er Jahren von einem chinesischen Arzt (Liu Guizhen) so bezeichnet und im
Rahmen der Gesundheitsförderung verwendet. Heute hat Qi Gong in vielen
Rehabilitationskliniken und Kliniken mit dem Schwerpunkt der alternativen Heilverfahren,
einen festen Stellenwert.

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Die Geschichte des Qi Gong

Wenn man die jahrtausendalte Geschichte des Qi Gong betrachtet, findet man Einflüsse
aus dem frühen Buddhismus, dem Doaismus und natürlich der traditionellen
chinesischen Medizin.
Die frühesten Überlieferungen des Qi Gong lassen sich in den Wurzeln des
chinesischen Buddhismus finden. Diese gehen zurück bis ca. 500 v. Christus. Im
Wesentlichen fanden in der Frühzeit des chinesischen Buddhismus die Texte der Dhyna
Übungen Verbreitung. Diese enthielten Atem-, Konzentrations- und
Meditationstechniken. Bedeutung hat hier, wie in vielen Schulen des Buddhismus, die
Einheit universellen und individuellen Energien der Lebewesen und des Universums.
Um 500 kam der buddhistische Mönch Bodhidharma aus Indien nach China. Der
Legende nach erreichte er das Shaolin Kloster. Dort meditierte er ununterbrochen neun
Jahre in einer Höhle. Geplagt durch körperliche Schwäche aus der Sitzmeditation
unterrichtete er die Mönche in der Yi Jin Jing um Ihre körperliche Schwäche zu
verbessern und ebenfalls die geistige Wachheit, die eine Voraussetzung für die
Meditation darstellt, zu fördern. Diese Techniken bilden ebenfalls die Grundlage in den
später entwickelten chinesischen Kampfkünsten (Wu Shu = Kunst des Krieges)
implementiert. Auch in anderen traditionellen buddhistischen Schulen sind Übungen
bekannt, die dem indischen Yoga abgeleitet wurden und dem chinesischen Qi Gong
ähneln.
Aus der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin finden wir die ersten
Aufzeichnungen zu Qi Gong ca. um 200 v. Christus. Dort werden Bewegungsübungen
beschrieben, die den Körper kräftigen und den Energiefluss durch die Meridiane
(Energieleitbahnen durch den Körper, die laut chinesischer Medizin ähnliche Verläufe
wie Arterien und Venen durch den Körper nehmen) erhöhen. In einer historischen Schrift
aus dieser Epochen (dem Daodejing), sind Aufzeichnungen zu sehen, die Übungen zum
Führen des Atems und zum Dehnen des Körpers zeigen. Diesen Übungen wurden
Krankheiten zugeordnet, welche dadurch geheilt werden sollten. Die chinesische
Medizin geht davon aus, dass der Fluss des Qi, seine Qualitäten und seine
Veränderungen für das Wohlbefinden oder das Auftreten von Krankheiten verantwortlich
sind. Dabei zirkuliert das Qi nach Mustern im Körper die dem Blutfluss durch den Körper
ähneln. Es besteht die Auffassung, dass das Qi in den oben erwähnten Leitbahnen im
Körper (Meridianen) kreist und eine schützende Wirkung an der Körperoberfläche hat.
In der Neuzeit hat Qi Gong erneut, sowohl in China also auch im Westen an Bedeutung
gewonnen. Im Jahr 2003 stellte das chinesische Sport-Ministerium das neustrukturierte
Gesundheits-Qigong vor. In diesem Rahmen, wurden die alten Formen des Qi Gong von
der Sporthochschule Beijing untersucht. Mediziner und Fachleute standardisierten in
diesem Rahmen Übungen wie z.B. das „Spiel der fünf Tiere“ oder die „Acht Brokat
Übung“, die in diesem Kurs vermittelt wird.

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Die Wirkung des Qi Gong im Rahmen der Gesundheitsförderung

In diesem Kurs erlernen wir eine gesunde, natürliche Körperhaltung und Bewegung. Alle
Gelenke und Muskeln werden gekräftigt, gedehnt und gelockert. Die Wirbelsäule wird
mobilisiert und „in`s Lot“ gebracht. Die Herz - Kreislauf Funktionen werden gestärkt und
die Atmung vertieft. Der Energiefluss im Körper wird verbessert und der Geist entspannt
und konzentriert. Es sollen einfache Übungen (Bewegungsabfolgen) im Sitzen, Stehen
und in der Bewegung erlernt werden, die Problemlos an jedem Ort wiederholt und geübt
werden können. In kurzen Sequenzen von Partnerübungen werden Gleichgewicht,
Sensibilität und Reaktionsfähigkeit geschult. Der Schwerpunkt der Bewegungsform liegt
auf Gleichgewicht, Natürlichkeit, optimaler Bewegungsökonomie und
Körperbewusstsein. Durch dieses Bewusstsein werden unökonomische (=ungesunde)
Haltungs-/Bewegungsmuster "umprogrammiert".

Physiologische Wirkung des Qi Gong auf den Bewegungsapparat

- aufrechte, physiologische Haltung


- Entspannung und das Loslassen unnötiger Spannungen in Körper und Geist
- Balance
- Körperbewusstsein
- ökonomische Bewegung erfahren
- Ganzkörperbewegung, Kräftigung Muskel- und Gelenkketten
- keine Überbelastung einzelner Körperbereiche
- Zentriertheit, Bewegung aus dem Körperzentrum
- runde, fließende Bewegung
- entspannte Bauchatmung
- Der Geist bewegt die Energie, die Energie bewegt den Körper; Imagination,
Projektion, Einheit v. Körper u. Geist
- Freude am eigenen Körper, der Bewegung, der Wahrnehmung

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Physiologische Wirkung des Qigong auf das Nervensystem

Das besondere im Qi Gong als Entspannungsmethode ist der Wechsel in der Dynamik.
Zuerst wird in Ruhe eine Entspannungsreaktion herbeigeführt (Stehende Säule,
Meditation), dann wird im Anschluss die Bewegungsform geübt die unter einer gewissen
körperlichen Anstrengung stattfindet. Es gilt dabei die Grundentspannung
aufrechtzuerhalten. Ziel ist es, dynamisch zwischen Sympathikus-, und Vagusaktivitäten
zu wechseln, sowie auch in Aktivität des Körpers entspannt und reaktionsfähig zu
bleiben. Dies macht es leichter, die Entspannung auch im Alltag, in beruflichen und
familiären Belastungssituationen realisieren zu können, bzw. danach schneller wieder
entspannen zu können. Das VNS wird durch mentale Entspannung bei gleichzeitiger
Aufmerksamkeit u. Wachheit durch gleichzeitige Ruhe u. Bewegung reguliert.

Mentale Wirkung

Qi Gong schult die Aufmerksamkeit und Konzentration des Praktizierenden. Außerdem


besteht eine Wechselwirkung zwischen körperlicher Koordinations- u. Balancefähigkeit,
sowie der geistigen Leistungsfähigkeit.

Physiologische Wirkung des Qi Gong auf das Herz Kreislauf System

Die Blutzirkulation wird in der Bewegung und durch Dehnung der Extremitäten durch
Aktivierung der "Muskelpumpe" angeregt. Durch rhythmisches An-u. Entspannen der
Muskeln wird Blut durch die Venen gepumpt. Am wirksamsten ist dies in den unteren
Extremitäten. Die tiefe Bauchatmung hat positiven Einfluss auf die Zirkulation des Blutes
in der unteren Hohlvene und der inneren Organe sowie dem Lymphfluss. Durch
Entspannung und Imagination wird die Entspannung der Gefäßmuskulatur der Arteriolen
u. Kapillaren reguliert. So werden der Lymphfluss, die venöse und die arterielle
Durchblutung reguliert. Zu hoher Blutdruck wird durch mentale und Entspannung der
Blutgefäße gesenkt. Zu niedriger Blutdruck wird durch Bewegung, Pumpatmung und
vegetative Tonisierung der Kapillaren erhöht.

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Qi - die Energie in den Meridianen

Laut TCM wird der materielle Körper von einer spez. Energie belebt: Das "Qi". Das Qi
durchfließt den Körper auf best. Bahnen, den Meridianen. Sie koordinieren alle
körperliche emotionalen u. mentalen Funktionen. Es besteht ein enger Zusammenhang
mit dem "vegetativen Nervensystem" der westl. Medizin. Die Qi Gong Bewegungen
machen den Menschen "durchlässiger" und gleichen Stauungen genauso wie Zustände
der Leere aus. Man lernt die Energie durch bewusste Imagination zu beeinflussen.
Durch verbesserte Atmung wird mehr Energie aus der Luft aufgenommen. Ebenso wird
mehr Qi aus der Nahrung aufgenommen durch bessere Verdauung. Umgekehrt wird
weniger Energie (Qi) verschwendet, da die Bewegungen ökonomischer sind u. der
Mensch emotional weitaus ausgeglichener ist als zuvor. Nach der traditionellen
chinesischen Medizin ist die Regulation des Qi der Schlüssel zur Gesundheit. Die
Traditionelle Chinesische Medizin basiert auf der Vorstellung, dass eine Bioenergie, das
„Qi“, auf bestimmten Leitbahnen, den Meridianen und Sondergefäßen durch den Körper
zirkuliert. Diese Energie belebt und ernährt das Gewebe, steuert und koordiniert die
Organfunktionen und verbindet Körper und Geist miteinander. Es stellt auch die
spirituelle Verbindung zu Himmel und Erde da. Für die Gesundheit ist ein ausgewogener
und ungehinderter Energiefluss von Bedeutung. Qi Gong stimulieren das Qi durch
Bewegung, Atmung und Imagination. Im Qi Gong sind besonders wichtig die acht
Sondergefäße. Diener-, Lenker- Durchdringendes- und Gürtelgefäß verbinden die
wichtigsten Energiezentren - insbesondere am Rumpf- miteinander. Die anderen 4
Sondergefäße leiten die Energie auch durch Beine und Arme. Aber auch die Organ-
Meridiane werden stimuliert.

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Die Formen des Qi Gong

Wie viel Qigong Formen bestehen ist nicht genau bekannt. Diese Vielzahl ist in vielen
Bereichen der traditionellen chinesischen Bewegungs-, Kampfkünste zu finden und
resultiert aus der Fülle an Lehrern, die Ihre individuelle Form des Qi Gong an Ihre
Schüler weitergetragen haben. Dennoch kann man behaupten, dass die Formen des Qi
Gong nach gleichen Prinzipien funktionieren. Jede Qigong Form hat einen Bezug zu
bestimmten Energieleitbahnen im menschlichen Körper (Meridiane). Genau so wirkt sich
jede Übung auf den Energiefluss im Körper aus. Dennoch ist jede Übung ist für eine
ganz genaue Indikation konzipiert und jeder Mensch verfügt über eine ihm eigene
Konstitution, so dass bestimmte Übungen besser wirken können als andere. Bei allen
Qigong-Formen findet man eine Wechselwirkung zwischen Atemregulierung,
Imagination bzw. Visualisierung und Bewegung statt. Trotz dieser Menge an Übungen
gibt es einige grundlegende Übungsformen, die sich etablieren konnten und einen
gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben.

Dieser Kurs beinhaltet das erlernen der Acht Brokat Übungen. Die folgende Auflistung
dient als Überblick:

Acht Brokatübungen – Baduanjin


Die Brokatübungen werden auch „Acht Brokate“ bezeichnet. Mit dieser Bezeichnung
möchte man den Wert dieser Übungen herausstellen, denn Brokate galten in China als
ein höchstwertvoller Stoff aus Seide. Die Übungen sind seit dem dritten Jahrhundert
überliefert und liegen aktuell in vielen verschiedenen Ausführungsformen vor. Die
Brokatübungen nach Jiao Guorui sind historisch wie bewegungsorganisatorisch und
energetisch sorgfältig ausgearbeitet und ermöglichen eine differenzierte Steuerung des
Qi und eine Einflussnahme auf dasselbe.
Die Brokatübungen gibt es in einer stehenden und in einer sitzenden Version. Übt man
im Stehen, so wirken die Bewegungen kraftvoll und ermöglichen gleichzeitig eine tiefe
innere Entspannung. Sie fördern das Körpergefühl und helfen, eine gesunde
Körperstruktur einzunehmen, so dass Zentrierung und Stabilität erleichtert werden. Die
Übungen im Sitzen sind Qigong-Übungen, die der Ruhe zugeordnet werden. Sie
erlauben moderatere Haltungen und Bewegungen und setzen den Übungsschwerpunkt
auf das Neigong, also die inneren Übungen. Das heißt, dass die Kultivierung des Qi
durch Atmung und Vorstellungskraft ermöglicht wird. Die Sitzübungen sind vor allem für
Menschen mit eingeschränkter Konstitution geeignet.

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18 Bewegungen des Taiji Qigong – Taiji Qigong Shibashi
Die Übungen nach Meister Lin Haosheng sind eine Übungsreihe, in der die weichen und
sanften Bewegungen des Tai Chi und Qigong miteinander verbunden werden. Der
Übungszyklus wurde in den 1970er Jahren in China an der Universität für chinesische
Medizin in Shanghai erarbeitet und zeichnet sich durch besonders leicht erlernbare
Übungen aus. Für Anfänger sind sie perfekt, da sie den Einstieg ins Qigong erleichtern
ohne die positiven Wirkungen zu vernachlässigen.
Im Vordergrund steht die Entwicklung der Körperwahrnehmung bei gleichzeitiger
Regulierung des Atems. So soll nicht nur der Körper gestärkt werden, sondern auch der
Geist in ein harmonisches Gleichgewicht geführt werden. Durch diese Verbindung kann
der Qi-Fluss erfahren werden. Die Übungen beinhalten mehrere Wirkungsebenen, so
dass alle Körperbereiche, Muskeln, Gelenke und Meridiane aktiviert werden. Die
Grundlage für die Wirkungen ist das bewegte Stehen. Es kommen nur weiche,
entspannte und sanfte Bewegungen zum Einsatz.

Achtzehnfache Methode der Übung – Liangong Shibafa


Diese Qigong-Übungsreihe wurde zu Beginn der 1980er Jahre von dem chinesischen
Arzt Zhuang Yuanming veröffentlicht. Die Übungen gehen auf Meister Wang Ziping
zurück, wurden aber überarbeitet und neu zusammengestellt, so dass die Bedürfnisse
des modernen Menschen Berücksichtigung finden. Es handelt sich um eine
Zusammenstellung von Übungen, die aus der taoistischen und der buddhistischen
Tradition stammen. Es gibt insgesamt 36 Einzelübungen, die auf die Wirkungsbereiche
im Körper aufgeteilt sind. Jedem Körperteil kommen so sechs Übungen zu. Die
Bewegungsweise findet von außen nach innen statt. Das bedeutet, dass die äußeren
Bewegungen zur inneren Ruhe führen. Nach jeder Übungssequenz wird eine Pause
gemacht, damit Entspannung und Wärme im Körper gefühlt werden können. Durch die
Arbeit vom Äußeren hin zum immer mehr Inneren wird die Tiefenwahrnehmung
geschult, so dass die körpereigene Energie auch auf tieferliegenden Ebenen erkannt
und verändert werden kann. Die Qigong-Übungsreihe arbeitet mit der Wechselwirkung
von Spannung und Entspannung, mit der Atemregulation und mit dem Einsatz der
Vorstellungskraft, um das Qi im Körper lenken zu können. Die Achtzehnfache Methode
erlaubt es den Übenden, eigene Übungsprogramme zu erstellen, so dass auf die
individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann.

Atem des Universums


Die Übung „Atem des Universums“ ist eine längere Übungsabfolge, die im Fersenstand
praktiziert wird. Durch das Einnehmen und Beibehalten dieses Standes soll die
„Verwurzelung“ erfahrbar gemacht werden. Das Ziel der Übung ist es, die Ebenen
„Erde“, „Mensch“ und „Himmel“ miteinander zu vereinen. Durch steigende und sinkende
Bewegungen, die vom Dantian ausgehen sowie durch leichte Rhythmusänderungen und
sachte Handführungen wird zwischen dem Körperzentrum und der Peripherie eine
spezifische Kommunikation hergestellt welche die Körperatmung verändert.

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Ba Fanhuangong
Die Entstehung dieses Übungssystems wird auf die Zeit zwischen 25 und 220 n. Chr.
datiert. „Ba“ bezeichnet die Zahl 8. Die Acht symbolisiert beispielsweise die acht
Himmelsrichtungen, mit denen die Ausbreitung und das Durchströmen der drei Schätze
Jing, Qi und Shen im Raum-Zeit-Kontinuum beschrieben werden. „Fanhuan“ heißt
übersetzt „Zur Quelle zurückkehren“ bzw. „zum Ursprung zurückkommen“. „Gong“ ist die
Arbeit oder das Bemühen. Aus der Übersetzung lässt sich damit der Charakter der
Übung beschreiben: Es sind acht Übungen oder acht Methoden, mit denen man zum
Ursprung zurückkehren kann. Es handelt sich um Bewegtes Qigong, welches mit Stillem
Neben den äußeren Bewegungen kommt den inneren (Qi-)Bewegungen eine zentrale
Rolle zu. Hierfür wird mit der Vorstellungskraft gearbeitet.

Chan Mi Gong
Es wird vermutet, dass die Übungen des Chan Mi Gong ihre Wurzeln im Schamanismus
und in tibetisch-buddhistischen Übungen der Vajrayana-Schule des Mahayana-
Buddhismus haben. Der Großmeister Liu Hanwen behauptet, dass die Übungen über
5000 Jahre alt sein sollen und in der Region des heutigen Tibets entstanden sein sollen.
In den 1970er Jahren haben Liu Hanwen und Li Zhinan die Übungen leicht verändert
und mit einem neuen Namen betitelt: Chan Mi Gong. „Chan“ kann synonym zu dem
Wort „Zen“ übersetzt werden und betont die Stille bzw. das Sitzen, um Versunkenheit zu
erreichen. „Mi“ steht für das Geheime. Es geht im Ganzen also um die geheime
Philosophie alter magischer Praktiken um eine innere Leere durch Stille zu erreichen.
Das Ziel ist es, die Einheit des Menschen mit dem Kosmos zu erfahren. Es werden auch
Mantras und Mudras eingesetzt, um die Vorstellungskraft und Körperarbeit zu
unterstützen.

Daoyin Yangsheng Gong


Das Daoyin Yangsheng Gong ist ein Übungssystem, welches in erster Linie der
Gesunderhaltung und Gesundwerdung dient. Es wird seit 30 Jahren von Prof. Zhan
Guangde entwickelt. Die Qigong-Übungen werden präventiv und therapeutisch genutzt.
Das System ist ganzheitlich ausgerichtet, bietet aber die Möglichkeit, Fokussierungen
auf bestimmte Wirkungen zu richten. Im DYYSG wird zwischen drei Stufen
unterschieden; auf der Grundstufe werden vier Regulationsmethoden praktiziert, die
Körper, Atmung, Geist, Blut und Qi harmonisieren sollen. Außerdem werden 39
Massagen für die ewige Jugend sowie die acht Brokate eingeübt. Auf der mittleren Stufe
folgen Qigong-Übungen für Herz, Magen, Milz, Nieren, Lungen, Muskeln und Knochen
sowie das gesundheitsschützende Qigong und die 49 Bewegungen des Leitbahnen-
Qigong. Auf der fortgeschrittenen Ebene wird Tai Chi praktiziert, das Tai Chi der leeren
Hand und Übungen mit dem Tai Chi-Schwert.

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Fan Teng Gong
Das Fan Teng Gong ist ein altes Qigong-System, welches aus taoistischen und
buddhistischen Ursprüngen entwickelt wurde. Es wird seit 1987 öffentlich gelehrt. Eine
eher freie Übersetzung des Begriffs lautet: „Auch normale Menschen können fliegen“.
Es handelt sich um Stehmeditationen, bei denen es bestimmte Hauptübungen,
Reinigungsübungen und Energieaufnahmeübungen gibt. Des Weiteren gibt es auch
Übungen, die im Sitzen ausgeführt werden. Fan Teng Gong kann sowohl präventiv als
auch intervenierend wirken. Werden die Qigong-Übungen ohne
Aufmerksamkeitslenkung praktiziert, so dienen sie der allgemeinen Stärkung, der
Prophylaxe von Krankheiten und der begleitenden Therapie bei schweren Krankheiten.

Fliegender Kranich – He Xian Zhuang Qigong


Der „Fliegende Kranich“ ist eine populäre Qigong-Übungsreihe, die in den 1970er
Jahren entwickelt wurde. Das Übungssystem ist eine Kombination aus den Methoden
des Stillen Qigong und des Bewegten Qigong. Es wird sowohl der Zentralkanal aktiviert
als auch der kleine himmlische Kreislauf reguliert. Das Alleinstellungsmerkmal der fünf
Übungsfolgen ist das Nachahmen der anmutenden, weichen und tänzerischen
Bewegungen des Kranichs. So sollen meditative Prozesse eingeleitet werden. Die Ziele
dieser Qigong-Übungen sind äußerst vielfältig: Sie können zur allgemeinen
Entspannung praktiziert werden, zum durchlässig machen der Meridiane, zur Förderung
der Konzentrationsfähigkeit und zur Entwicklung innerer Kraft. Neben dem effektiven
Einsatz der Vorstellungskraft kommt der Verwurzelung der Übenden im Boden eine
zentrale Bedeutung zu.

5-Organe Qigong
Das 5-Organe-Qigong bezieht sich auf die sogenannten Zang-Organe und ist dazu
konzipiert, diese zu stimulieren und in Harmonie zu bringen. Zu den Organen gehören
Leber, Herz, Milz, Lunge und Nieren. Die Qigong-Übungen können einzeln oder in
einem Zyklus ausgeführt werden

Die Sechs-Laute-Methode
Bei der Sechs-Laute-Methode wird der Atem mit sechs verschiedenen Lauten
kombiniert. Es gibt zwei Grundformen, diese Übung auszuführen. Bei der einen werden
die Laute hörbar artikuliert. Bei der anderen werden die Laute still, also tonlos, geformt.
Die Übung kann mit oder ohne körperliche Bewegungen praktiziert werden. Durch das
Formen von Lauten werden spezielle Entspannungs- und Anspannungsprozesse im
Körper eingeleitet. Hierbei bestehen Parallelen zur Gesangs- und Stimmschulung von
Schauspielern oder Musikern. Im Körper werden Vibrationen erzeugt die beruhigend
und anregend wirken können. Dadurch werden die Organe massiert und der Qi-Fluss
wird reguliert.

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Meridian-Qigong
Das Meridian-Qigong ist eine Zusammenstellung verschiedener Übungen und
Übungsreihen, mit denen die Meridianverläufe im Körper erfahrbar gemacht werden
sollen. Es gibt keine einheitliche Tradition, so dass sich in diesem System auch
Übungen aus anderen Qigong-Systemen finden lassen. Die Übungen dienen der
Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung, um die körpereigene Energie spüren zu
lernen. Zugleich wird auf die Energie eingewirkt, in dem die Meridiane durchlässig
gemacht werden und der Qi-Fluss im Allgemeinen angeregt wird. Die Übungen können
unabhängig voneinander oder in Kombination ausgeführt werden.

Qigong-Gehen – Zou Qigong


In zahlreichen Übungen des Qigong oder qigongähnlicher Systeme werden
verschiedene Arten des Gehens geschult. Sowohl im chinesischen Tanz als auch in der
Kampfkunst Bagua Zhang kommt dem Gehen eine zentrale Rolle zu. Ein typisches
Merkmal des Bagua ist das Kreisgehen, eine alte Meditationsübung, in der der
Meditierende sich um einen Mittelpunkt herum bewegt. Im Qigong können viele
verschiedene Arten des Gehens geübt werden.

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Die Acht Brokate Übung des Qi Gong - Durchführung -

1. Brokat

„Den Himmel mit den Händen stützen“

- Hände über die Seite anheben, steigen und einatmen


- Hände über dem Kopf falten und Handflächen in Kopfmittelpunkt nach unten
drücken, sinken und ausatmen
- Hände wieder nach oben drehen und nach oben schieben, steigen und einatmen
- Hände öffnen und über die Seite wieder absenken, ausatmen

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2. Brokat

„Auf den Adler zielen – links und rechts“

- Hände heben, Handgelenke überkreuz, rechte Hand innen, einatmen


- In die Handflächen schauen
- Die rechte Hand geht zurück, dabei wie eine Sehne des Bogens greifen
- Die Gegenhand nach der Seite ausstrecken, Blick folgt der Hand, Zeigefinger und
Mittelfinger in V-Form, ausatmen
- Hände öffnen, überkreuz zurückführen
- Dasselbe zur linken Seite

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3. Brokat

„Den Himmel stützen, Erde stemmen“

- Die Hände bis zum Dantian anheben (Tigermaul)


- Linke Hand nach oben, rechte Hand nach unten führen. Die linke Handfläche
zeigt nach oben – Fingerspitzen nach rechts - stützt den Himmel
- die rechte Handfläche – Fingerspitzen nach vorne - zeigt nach unten, stemmt die
Erde
- Beide Hände wieder zum Dantian zurückführen
- Hände wechseln

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4. Brokat

„Mit Verachtung hinter sich schauen“

- Beide Arme mit den Handflächen nach oben in Herzhöhe anheben, beide Hände
drehen und die Arme abwärts bewegen, dabei den Kopf nach der linken Seite
stark drehen, Augen weit zur Seite rollen
- Hände drehen –schöpfen- die Arme nach oben in Herzhöhe anheben, dabei den
Kopf zur Mitte zurückdrehen
- Dasselbe auf die rechte Seite

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5. Brokat

„Das Gesäß hin und her schwenken – treibt das Feuer aus“

- Hände – Fingerspitzen nach vorne -auf die Schenkel legen, Körper mit geradem
Rücken nach vorne beugen, den Kopf leicht einrollen. Zuerst die Brustwirbelsäule
nach links drehen, dann auch den Kopf
- Brustkorb und Kopf wieder zurück drehen und vom Becken beginnend den
Rücken wieder aufrichten
- Dasselbe zur rechten Seite. Gesundheitswirkung. Bearbeitet insbesondere den
Beckenbereich.

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6. Brokat

„Mit beiden Händen die Füße fassen“

- Arme hochheben
- In den Hüftgelenken beugen und Rumpf nach unten beugen
- Mit beiden Händen die Fußzehen fassen
- Die Beine dann wieder strecken, einatmen, beugen ausatmen
- Beine wieder strecken und Rumpf aufrollen
- Hände in die Hüfte und Oberkörper nach hinten strecken

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7. Brokat

„Fäuste ballen und mit den Augen funkeln“

- Die Fäuste auf den Hüften, Fingerspitzen nach oben


- Steigen und beim Sinken die rechte Faust drehen und nach vorne schieben,
ausatmen
- Beim Steigen Faust wieder drehen und zurückziehen, einatmen
- Dasselbe auf der anderen Seite

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8. Brokat

„7 mal den Rücken strecken und hundert Krankheiten vertreiben“

- Mit den Handrücken die Nieren/Ming Meng massieren, dabei linke Hand unten
und rechte Hand oben
- Auf die Fußballen/Sprudelnde Quelle kommen, der Körper streckt sich ganz
durch, einatmen und Hände nach unten drücken
- Dabei ein „Licht“ visualisieren, dass aus der Erde an der Körpervorderseite empor
steigt
- Sinken, ausatmen, das Licht fließt auf der Rückseite wieder hinunter

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