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1 „Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941 Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg In den
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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941
Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg
In den frühen Morgenstunden des 22. Juni 1941 über-
fielen deutsche Truppen die Sowjetunion. Knapp zwei
Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begann
damit der deutsch-sowjetische Krieg – in der Sowjet-
union und in vielen ihrer Nachfolgestaaten als Großer
Vaterländischer Krieg bezeichnet. Von den National-
sozialisten als Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg
gegen die sowjetische Zivilbevölkerung, insbesondere
gegen Juden und als Kommunisten geltende Personen,
geplant, trug dieser Krieg von Anfang an verbreche-
rischen Charakter. Die Grausamkeit der deutschen Kriegs-
führung, die Vernichtungsabsicht und die enormen
Verluste, besonders unter der Zivilbevölkerung, unter-
schieden den „Krieg im Osten“ deutlich von den Kampf-
handlungen und der deutschen Besatzungsherrschaft
im Westen Europas. Eines der erklärten Kriegsziele des
nationalsozialistischen Deutschland im Krieg gegen die
Sowjetunion war die Vernichtung des „jüdischen Bol-
schewismus“, als dessen „Heimatland“ die UdSSR an-
gesehen wurde. Daran änderte auch die zeitweilige An-
näherung des NS-Staates und der Sowjetunion in den
Jahren zwischen 1939 und 1941 nichts, die im beider-
seitigen „Nichtangriffspakt“ vom 23./24. August 1939
gipfelte.
Schon früh hatten die nationalsozialistischen Kriegs-
planungen gegen die Sowjetunion begonnen, ehe sie
im Dezember 1940 in eine neue, intensive Phase tra-
ten. Die Vorbereitungen liefen nun
unterdemDecknamen„Barbarossa“.
ausgegeben: die Führungsschicht des Landes und die
Juden sollten als „Träger“ der kommunistisch-sozialis-
tischen Weltanschauung ermordet werden. Der in der
nationalsozialistischen Rasseideologie als minderwertig
eingestuften slawischen oder „asiatischen“ Bevölkerung
war ein Dasein als Zwangsarbeiter zugedacht. Die ero-
berten Gebiete sollten restlos ausgebeutet und die
Ressourcen des riesigen Landes für deutsche Interessen
schonungslos ausgenutzt werden. Schließlich wollten
die Nationalsozialisten den von der radikalen poli-
tischen Rechten in Deutschland bereits vor 1933 gefor-
derten „Lebensraum im Osten“ für das deutsche Volk
erobern und dauerhaft als deutsches Siedlungsgebiet
besetzen. Entsprechende Planungen gab es lange vor
Kriegsausbruch.
Überfall auf die Sowjetunion
Die Sowjetunion traf der deutsche Einmarsch im Som-
mer 1941 trotz vorheriger Warnungen völlig unvorbe-
reitet. Erschwerend kam hinzu, dass die sowjetische
Armee nach den brutalen „Säuberungen“ Stalins seit
Ende der 1930er-Jahre fast führungslos agierte. Stalin
hatte einen Großteil der erfahrenen Offiziere ermorden
oder strafversetzen lassen. Entsprechend desolat war
zunächst die militärische Lage. In den ersten Wochen
rückte die deutsche Wehrmacht auf einer breiten Front,
die von der Ostsee im Norden bis zu den Karpaten im
Süden reichte, rasch vor. Schnell gerieten weite Teile
[1]
„Barbarossa“ war der Beiname von
Kaiser Friedrich I. (um 1122–1190),
einem der einflussreichsten Herrscher
des Heiligen Römischen Reiches.
Die Umdeutung des mittelalterlichen
Kaisertums, vor allem seiner expan-
siven Tendenzen, war im NS-Staat
Teil der Geschichtspropaganda. So
fiel die Wahl des Codewortes nicht
zufällig auf den legendenumwo-
benen Stauferkaiser.
Der Codename „Fall Barbarossa“
tauchte erstmals am 18. Dezember
1940 auf. Unter dieser Bezeichnung
fasste Hitler – als „Führer und Obers-
ter Befehlshaber der Wehrmacht“ –
in seiner „Weisung Nr. 21“ alle
früheren Aggressions- und Aufrüs-
tungsplanungen gegen die UdSSR
zusammen. Dieses Papier war zu-
nächst nur für einen eng begrenzten
militärischen und politischen Füh-
rungszirkel gedacht. Als Kriegsziel
wurde darin nicht nur die Unter-
werfung, sondern auch die phy-
sische Vernichtung zumindest eines
Teils der sowjetischen Bevölkerung
Der Krieg in Europa 1939–1942
© Klett-Archiv, Stuttgart
© Ernst Klett Verlag GmbH, Leipzig 2011. Von dieser Druckvorlage ist die Vervielfältigung für den eigenen Unterrichtsgebrauch gestattet. Die Kopiergebühren sind abgegolten.
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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

2 „Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

der westlichen Sowjetunion in deutsche Hand, darun- ter auch wichtige Städte und Industriegebiete. Die Verluste auf sowjetischer Seite waren enorm. Zahlreiche Soldaten der Roten Armee fielen im Kampf oder gerie- ten in Kriegsgefangenschaft. Erst nach und nach gelang es der sowjetischen Füh- rung, die Lage zu stabilisieren und den deutschen Vor- marsch zu verzögern oder ganz aufzuhalten. Zumin- dest einige der wichtigsten Industrieanlagen konnten so noch demontiert und in die unbesetzten Landes- teile, etwa in den Ural und nach Sibirien, verlagert werden. Dort entstanden rasch neue Zentren der Kriegs- und Rüstungsindustrie. Massive materielle Unter- stützung kam auch von den westlichen Alliierten, ins- besondere aus England und den USA. Die Hilfe für den wenig geliebten kommunistischen Kriegsverbündeten war nicht uneigennützig. Beiden Ländern war klar, dass ein deutscher Sieg über die Sowjetunion nur den Auftakt für einen Kampf um die Weltherrschaft, also auch gegen England und die USA, darstellen würde.

Grausame Kriegsführung

Der deutsch-sowjetische Krieg wurde mit großer Grau- samkeit geführt. Anders als in den Kriegen im Westen fühlte sich Deutschland nicht an die völker- und kriegs- rechtlichen Bestimmungen gebunden, die ein Mindest- maß an Regeln für die Kriegsführung oder die Behand- lung von Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung in besetzten Gebieten vorschrieben. Der Krieg gegen den „Bolschewismus“ nahm – erklärtermaßen und ge- wollt – die Dimension eines Vernichtungskrieges an. Besonders grausam gingen die eigens zur physischen Vernichtung von Elitenangehörigen, Funktionären, tat- sächlichen oder vermeintlichen Kommunisten, Parti- sanen, Sinti und Roma sowie vor allem der jüdischen Bevölkerung eingesetzten Einsatzgruppen vor. Diese bestanden aus SS-, SD- und Polizeieinheiten und unter- standendenjeweiligen„HöherenSS-undPolizeiführern“ in den besetzten Gebieten. Im Rahmen ihrer „Sonder- aufgaben“ ermordeten die Angehörigen der Einsatz- gruppen mindestens 500.000 Menschen in systema- tisch organisierten Massenexekutionen.

Wehrmacht an Verbrechen beteiligt

Aber auch die Wehrmacht war aktiv und passiv an den Massenmorden in der Sowjetunion beteiligt. Die histo- rische Forschung hat in den letzten Jahren die zähle- bige Legende einer angeblich „sauberen Wehrmacht“ widerlegt. Der Überfall auf die Sowjetunion war von der Wehrmachtsspitze fast einhellig begrüßt worden. Kritik gab es lediglich in Bezug auf rein militärische Aspekte, etwa bezüglich des richtigen Zeitpunkts des Überfalls, bei Fragen von Ausrüstung und Ausbildungs- stand oder bei strategisch-taktischen Erwägungen. Die Wehrmachtsführung teilte weitgehend auch den ag- gressiven Antikommunismus Hitlers und der Nationalsozialisten,zumTeilauchdessenAntisemitismus.

Insofern bestanden keine grundsätzlichen Meinungs- verschiedenheiten zwischen den Nationalsozialisten und der Wehrmacht hinsichtlich der Kriegsziele und der Kriegsführung. Ausdruck dieser Haltung war der schon vor Kriegsbeginn, am 6. Juni 1941, ergangene „Kommissarbefehl“, der die „Aussonderung“ und Er- mordung aller „politischen Kommissare“ der Roten Armee vorsah – ein Befehl, dem sich die Befehlshaber und Offiziere nicht widersetzten, obwohl er eindeutig gegen geltendes Kriegsrecht verstieß. Aber auch das Los der übrigen sowjetischen Soldaten, die in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten, war schlimm. Als Juden oder Kommunisten geltende Kriegs- gefangene wurden von den übrigen Gefangenen „ab- gesondert“ und den Einsatzkommandos oder dem SD übergeben. Die sorgten für den Abtransport der Gefangenen in die Vernichtungslager. Auf diese Weise wurden mehrere Zehntausend – vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 140.000 aus – sowjetische Kriegsge- fangene in deutschen Vernichtungslagern ermordet, vor allem durch Genickschuss, aber auch durch Gift- injektionen.DieübrigensowjetischenKriegsgefangenen, soweit sie die vollkommen unzureichenden Zustände in den Kriegsgefangenenlagern oder Sammelstellen überhaupt überlebten, wurden als Zwangsarbeiter un- ter erbärmlichsten Arbeitsbedingungen eingesetzt. Von den etwa 5 Millionen sowjetischen Kriegsgefan- genen unter der „Obhut“ der Wehrmacht starben etwa 3,8 Millionen. Die nach ihrer Befreiung 1945 in ihre Heimat zurückkehrenden sowjetischen Gefangenen sa- hen sich allerdings – ebenso wie die überlebenden zivi- len Zwangsarbeiter – in der Sowjetunion dem Vorwurf des Landesverrats ausgesetzt. Ein Teil von ihnen wurde im Lagersystem des sowjetischen GULag erneut zur Zwangsarbeit herangezogen. Schließlich gilt es festzuhalten, dass die Erfolge der Wehrmacht und insbesondere der Überfall auf die Sowjetunion es der NS-Führung überhaupt erst ermög- lichten, den Massenmord an den europäischen Juden durchzuführen. Von den etwa 5 Millionen Juden, die 1941 in der Sowjetunion gelebt hatten, wurden Schät- zungen zufolge etwa 2,8 Millionen ermordet.

5 Millionen Juden, die 1941 in der Sowjetunion gelebt hatten, wurden Schät- zungen zufolge etwa 2,8
5 Millionen Juden, die 1941 in der Sowjetunion gelebt hatten, wurden Schät- zungen zufolge etwa 2,8

Über 25 Millionen sowjetische Opfer

Wehrmachtseinheiten waren aber auch auf andere Weise an den Kriegsverbrechen beteiligt. Sie sicherten zum Teil die Massenexekutionen der Einsatzgruppen. Auch die Kriegsführung der Wehrmacht selbst trug in einigen Bereichen verbrecherischen Charakter. Dazu gehörte, wie erwähnt, die Behandlung der Kriegs- gefangenen,dieRepressaliengegendieZivilbevölkerung in den besetzten Gebieten, die brutale Partisanenbe- kämpfung oder die in großer Zahl erfolgenden Geisel- erschießungen. Auch das Prinzip, dass die Wehrmachts- soldaten „aus dem Lande“ ernährt werden sollten, war Teil des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion. Mit einem rücksichtslosen „Ernährungskrieg“ lieferte

Mit einem rücksichtslosen „Ernährungskrieg“ lieferte w w w . k l e t t . d

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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

 

die Wehrmacht Millionen sowjetischer Zivilisten be- wusst und systematisch dem Hungertod aus. Von den insgesamt über 25 Millionen sowjetischen Opfern star- ben etwa 7 Millionen an Hunger und Unterernährung. Besonders viele Hungeropfer forderte die „Hunger- blockade“ von Leningrad, bei der der Tod der Einwohner nicht nur einkalkuliert, sondern erklärtes Ziel war. Der deutsch-sowjetische Krieg, der am 22. Juni 1941 begann, sollte bis zum Mai 1945 andauern. Nach den anfänglichen schnellen Siegen geriet die deutsche Wehr- macht nach und nach immer stärker in die Defensive und wurde schließlich in verlustreichen Schlachten zu- rückgeworfen. Insgesamt etwa 3,5 Millionen deutsche Soldaten bezahlten den Vernichtungskrieg im Osten mit ihrem Leben. Am Ende eines „Totalen Krieges“ hatte die Rote Armee nicht nur ihr eigenes Territorium zurückerobert, sondern weite Teile Osteuropas und schließlich auch den östlichen Teil des Deutschen Reiches besetzt. In der Schlacht um Berlin im Frühjahr 1945 konnte Hitlers „letztes Aufgebot“ den sowje- tischen Vormarsch nicht mehr stoppen. Das national- sozialistische Deutschland musste am 8. Mai bedin- gungslos kapitulieren.

 

marschierenden Unteroffizier fragte ich, was mit diesen

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Leuten geschehe. Seine Antwort: ‚Die legen wir schlafen‘. Ob es ein Wehrmachts- oder Polizeiunteroffizier war, kann ich heute nicht mehr sagen. Etwas später sah ich dann auch eine Kolonne von einigen Hundert russischen Kriegs- gefangenen. An der Spitze dieses Zuges marschierte ein

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Unteroffizier, der auf mein Befragen erklärte, es seien alles jüdische russische Soldaten. Von den russischen Soldaten mit dem Unteroffizier an der Spitze und einzelnen Gruppen der Zivilisten habe ich Aufnahmen gemacht und bereits zur Verfügung gestellt.

 

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Nachdem ich die Aufnahmen gemacht hatte, fuhr ich in mein Quartier zum Mittagessen. Da mir die Sache keine Ruhe ließ und ich die bis dahin gehörten Gerüchte nicht glauben wollte, fuhr ich erneut zusammen mit meinem techn. Inspekteur […] die Strecke ab, auf der die Leute

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marschiert waren. Einige Kilometer von der Stadt entfernt hörte ich Schüsse fallen. In einiger Entfernung sah ich auch eine Menge russischer Soldaten mit ihrer Bewachung ste- hen. Ich ließ meinen Kraftwagen und meinen Fahrer zu- rück und ging etwa 300–400 Meter mit Herrn […] zu Fuß

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zu dieser Gruppe. In unmittelbarer Nähe dieser Gruppe lagen Bekleidungs- und Gepäckstücke der Zivilisten und der Soldaten haufenweise umher. Vor der Grube stieg das Gelände etwas an, und diesen Hang wurden nun die Rus- sen in Gruppen von 12–15 Mann hinaufgetrieben. Auch

 
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Das Massaker von Kriwoj Rog

Ende August 1941 besetzen deutsche Wehrmachts- einheiten das sowjetische Eisenerzabbaugebiet im Donezbecken in der Ukraine. Im Industriezentrum Kriwoj Rog (heute Krywyj Rih) ordnet die deutsche Militärverwaltung antijüdische Maßnahmen an. Am 15. Oktober 1941 soll die Stadt „judenfrei“ gemacht werden. Eine Polizeieinheit ermordet unter Beteiligung ukrainischer Hilfspolizisten dort an einem Tag etwa 2500 jüdische Einwohner und 800 jüdische Kriegsgefangene. Einige der Tatbeteiligten oder -zeugen erinnern sich nach 1945. So gibt der ehemalige Kommandant der in Kriwoj Rog stationierten Wehrmachts-Feld-Nachrichten- Kommandantur 54 im Jahr 1960 zu Protokoll:

Wie ich bereits […] bekannt gab, lag ich mit meinem Stab im Oktober 1941 einige Tage in Kriwoj-Rog. Am 15. Ok- tober 1941 (genau lt. Tagebuch) ging ich mit einigen Herren meines Stabes durch die Strassen von Kriwoj-Rog.

Unter der Bevölkerung war eine gewisse Unruhe deutlich bemerkbar. Ich befragte dieserhalb umherstehende Solda- ten, deren Namen ich nicht angeben kann, was der Grund zu dieser Unruhe sie. Genaueres hörte ich von diesen Sol- daten auch nicht, nur, dass anscheinend Juden zusammen-

getrieben würden. Da ich gerüchteweise gehört hatte, dass die Juden vernichtet werden sollten, wurde ich hellhörig. Da ich auch kurze Zeit später schon kleinere Gruppen von Zivilisten sah, begab ich mich in mein Quartier und holte meinen Dienstwagen nebst Fahrer. Bei meiner Fahrt an

den westlichen Stadtrand überholte ich einen langen Zug von russischen Zivilisten, bestehend hauptsächlich aus Frauen, alten Männern und Kindern, begleitet auf beiden Seiten von ukrainischer Hilfspolizei. Einen an der Spitze

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ich begab mich mit meinem Begleiter den Hang hinauf. Etwa 50–100 Meter auf der Höhe befand sich eine natür- liche Grube, die etwa einen Durchmesser von 15–20 Meter u. eine Tiefe von 6–8 Metern hatte. Ich muss hierzu be- merken, dass der gesamte Boden der Grube bereits mit

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Leichen, größtenteils Zivilisten, und zwar Männer, Frauen und Kinder, bedeckt war. An den Rand dieser Grube wur- den nun die russischen Soldaten einzeln herangeführt und mussten sich auf den Rand der Grube setzen. Rechts und links von den am Rande der Grube sitzenden russischen Sol-

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daten stand je ein Uniformierter mit einer Maschinenpis- tole. Meiner Erinnerung nach, waren es Polizeibeamte. Nä- heres über die Uniform kann ich heute nicht mehr sagen. Diese haben jeweils mit einem Schuss in den Hinterkopf die Russen erschossen. Die Leichen fielen von selbst in die

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Grube. […]

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Ein ehemaliger Offizier im Stab des für die Massaker verantwortlichen Höheren SS- und Polizeiführers Russland Süd, Friedrich Jeckeln, berichtet ebenfalls in einem Prozess 1960:

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Ich habe im Raum Russl. Süd einmal eine größere Massen- exekution von Juden gesehen. Diese Aktion fand in Kriwoj- Rog statt, und zwar zu der Zeit, als der Stab Jeckelns in Kriwoj-Rog stationiert war. Wenn mir gesagt wird, dass diese Aktion am 15. 10. 1941 durchgeführt worden ist, so

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meine ich, dass es sich um diese Aktion gehandelt hat, ich selbst kann mich an den Tag jedoch nicht mehr erinnern. Ich hatte vorher entweder von Jeckeln oder von anderen Angehörigen des Stabes gehört, dass eine Aktion gegen Juden durchgeführt werden sollte. Diese Aktion wurde von

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Jeckeln angeordnet. Ich kann nicht sicher sagen, ob Jeckeln

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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

 
 

selbst an der Exekutionsstätte gewesen ist. Nach seinen Gepflogenheiten muss man das aber annehmen. Vom Stab selbst waren meistens keine Leute zu der Exekution einge- teilt. Aus Neugierde bin ich mit meinem Fahrer zu der

Leute zu der Exekution einge- teilt. Aus Neugierde bin ich mit meinem Fahrer zu der w

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Exekutionsstätte hinausgefahren. Die Exekutionsstätte lag am östlichen Stadtrand von Kriwoj-Rog. Dort befand sich ein ansteigendes Gelände, durch das sich Panzergräben zogen und das andere Verteidigungsanlagen aufwies. Wir haben etwa 150 m von der Grube entfernt angehalten und

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festgestellt, dass zwar noch Schüsse fielen, die Aktion aber offensichtlich im Ausklingen war. Soweit ich mich erinnern kann, war es schon gegen Abend. Aus Gesprächen wusste ich, dass es sich um Männer, Frauen und Kinder gehandelt hat. Meiner Erinnerung nach handelte es sich bei den

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Exekutierten um die jüdische Bevölkerung Kriwoj-Rogs. Wir sind nicht aus dem Kraftfahrzeug ausgestiegen, sondern nach kurzer Zeit wieder weggefahren. Nach meinen Feststellungen leitete ein Leutnant der Polizei die Er- schießung. Das Gelände war nicht abgesperrt. Es befanden

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sich auch Zivilpersonen und Wehrmachtsangehörige und Angehörige des SD [Sicherheitsdienst der SS] in der Nähe, die sich offensichtlich die Vorgänge ansahen. Ich habe nicht bemerkt, dass die Exekutionsstätte durch Posten ab- gesperrt war. Es kann allerdings sein, dass die Absperrung

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bereits aufgehoben war. […]

 

Hamburger Institut für Sozialforschung (Hg.), Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944. Bundesarchiv, B 162/1563, Bl. 23–24 und 315–316

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Massenexekution bei Winniza/Ukraine,

Foto 1942. Ein deutscher SS-Mann erschießt einen Zivilisten.

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Der „Kommissarbefehl“

Im übrigen gelten folgende Bestimmungen:

Am 6. Juni 1941 erließ das Oberkommando der Wehrmacht (OKW), den so genannten „Kommissar- befehl“. Der gegen die Bestimmungen des Kriegs- und Völkerrechts klar verstoßende Befehl wurde wegen seiner Brisanz nur in dreißig Exemplaren ausgefertigt und mit der höchsten Geheimhaltungsstufe versehen:

[Richtlinien für die Behandlung politischer Kommissare,

 

I.

Operationsgebiet

 

1. Politische Kommissare, die sich gegen unsere Truppe wenden, sind entsprechend dem „Erlaß über Aus-

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übung der Gerichtsbarkeit im Gebiet Barbarossa“ zu behandeln. Dies gilt für Kommissare jeder Art und Stellung, auch wenn sie nur des Widerstandes, der Sabotage oder der Anstiftung dazu verdächtig sind. […]

6.

Juni 1941]

Im Kampf gegen den Bolschewismus ist mit einem Ver- halten des Feindes nach den Grundsätzen der Menschlich-

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2. Politische Kommissare als Organe der feindlichen Trup- pe sind kenntlich an besonderen Abzeichen – roter Stern mit goldenem eingewebtem Hammer und Sichel auf den Ärmeln […]. Sie sind aus den Kriegsge- fangenen sofort, d. h. noch auf dem Gefechtsfelde,

abzusondern. Dies ist notwendig, um ihnen jede Ein- flußmöglichkeit auf die gefangenen Soldaten zu neh- men. Diese Kommissare werden nicht als Soldaten anerkannt; der für Kriegsgefangene völkerrechtlich geltende Schutz findet auf sie keine Anwendung. Sie

sind nach durchgeführter Absonderung zu erledigen.

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keit oder des Völkerrechts nicht zu rechnen. Insbesondere ist von den politischen Kommissaren aller Art als den ei- gentlichen Trägern des Widerstandes eine haßerfüllte, grausame und unmenschliche Behandlung unserer Gefan- genen zu erwarten.

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Die Truppe muß sich bewußt sein:

 

1. In diesem Kampfe ist Schonung und völkerrechtliche Rücksichtnahme diesen Elementen gegenüber falsch. Sie sind eine Gefahr für die eigene Sicherheit und die schnelle Befriedung der eroberten Gebiete.

2. Die Urheber barbarisch asiatischer Kampfmethoden sind die politischen Kommissare. Gegen diese muß daher sofort und ohne weiteres mit aller Schärfe vorgegangen werden. Sie sind daher, wenn im Kampf oder Widerstand ergrif-

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3. Politische Kommissare, die sich keiner feindlichen Handlung schuldig machen oder einer solchen ver- dächtig sind, werden zunächst unbehelligt bleiben. Erst bei der weiteren Durchdringung des Landes wird

es möglich sein, zu entscheiden ob verbliebene Funk- tionäre an Ort und Stelle belassen werden können oder an die Sonderkommandos abzugeben sind. Es

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fen, grundsätzlich sofort mit der Waffe zu erledigen.

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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

 
 

ist anzustreben, daß diese selbst die Überprüfung vor- nehmen.

Kräften geführt werden. Auf keinen Fall dürfe es zu einem frontalen Zurücktreiben der Russen kommen. Daher seien brutalste Durchbrüche erforderlich. Die wichtigste Aufgabe sei die rasche Abschneidung des Ostseeraumes, dazu müs-

se der rechte Flügel nördlich der Pripjat-Sümpfe vorsto- ßenden deutschen Kräfte besonders stark gemacht wer- den. Die Entfernungen in Rußland seien zwar groß, aber nicht größer als die Entfernungen, die von der deutschen Wehrmacht schon jetzt gemeistert würden. Ziel der Ope-

ration müsse die Vernichtung des russischen Heeres, die Wegnahme der wichtigsten Industriegebiete und die Zer- störung der übrigen Industriegebiete, vor allem im Raume von Jekaterinenburg [Swerdlowsk] sein; außerdem müsse das Gebiet von Baku genommen werden.

Die Zertrümmerung Rußlands werde für Deutschland eine große Entlastung bedeuten. Im Osten brauchten dann nur 40–50 Div[isionen] zu bleiben, das Heer könne verkleinert und die gesamte Rüstungsindustrie für die Luftwaffe und Kriegsmarine eingesetzt werden. Alsdann

müsse man einen voll ausreichenden Flakschutz aufbauen und die wichtigste Industrie in die ungefährdeten Gebiete verlegen. Deutschland würde dann unangreifbar sein. Der russische Riesenraum berge unermeßliche Reich- tümer. Deutschland müsse ihn wirtschaftlich und politisch

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Bei der Beurteilung der Frage, ob „schuldig oder nicht schuldig“, hat grundsätzlich der persönliche Eindruck von der Gesinnung und Haltung des Kommissars höher zu gelten als der vielleicht nicht zu beweisende Tatbestand.

 

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4. In den Fällen 1. und 2. ist eine kurze Meldung (Meldezettel) über den Vorfall zu richten […]. 5. Alle oben genannten Maßnahmen dürfen die Durch- führung der Operationen nicht aufhalten. Planmäßige Such- und Säuberungsaktionen durch die Kampf-

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truppe haben daher zu unterbleiben.

II. Im rückwärtigen Heeresgebiet Kommissare, die im rückwärtigen Heeresgebiet wegen zweifelhaften Verhaltens aufgegriffen werden, sind an die Einsatzgruppe bzw. Einsatzkommandos der Sicherheits-

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ist die Vervielfältigung für den eigenen Unterrichtsgebrauch gestattet. Die Kopiergebühren sind abgegolten.

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polizei (SD) abzugeben.

III. Beschränkung der Kriegs- und Standgerichte Die Kriegsgerichte und die Standgerichte der Regiments- usw. Kommandeure dürfen mit der Durchführung der Maßnahmen nach I und II nicht betraut werden.

aus: Fall Barbarossa. Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41).

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Ausgewählt und eingeleitet von Erhard Moritz, Deutscher Militärverlag, Berlin 1970, S. 321f.

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Hitlers Kriegsplanungen gegen die Sowjetunion

beherrschen, jedoch nicht angliedern. Damit verfüge es über alle Möglichkeiten, in Zukunft auch den Kampf ge- gen Kontinente zu führen, es könne dann von niemand

mehr geschlagen werden. Wenn diese Operation durchge- führt werde, werde Europa den Atem anhalten.

aus: Fall Barbarossa. Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41). Ausgewählt und eingeleitet von Erhard Moritz, Deutscher Militärverlag, Berlin 1970, S. 145ff.

Vor ranghohen Befehlshabern, unter ihnen der Oberbefehlshaber des Heeres, Generalfeldmarschall von Brauchitsch, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generalfeldmarschall Keitel und der Chef des Wehrmachtsführungsstabes, General Jodl, sowie Reichsaußenminister Joachim von Ribbentropp, erläutert Hitler am 9. Januar 1941 den geplanten Angriff auf die

 
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[6]

Richtlinien für das Verhalten deutscher Truppen in

Sowjetunion. Das Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vermerkt dazu:

Bisher habe er [Hitler] nach dem Prinzip gehandelt, immer die wichtigsten feindlichen Positionen zu zerschlagen, um einen Schritt weiterzukommen. Daher müsse nunmehr Ruß- land zerschlagen werden. Entweder gäben die Engländer

der Sowjetunion In seinen Richtlinien vom 19. Mai 1941 regelt der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) das Verhalten der deutschen Truppen nach ihrem Einmarsch in der Sowjetunion:

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dann nach, oder Deutschland würde den Kampf gegen England unter günstigsten Umständen weiterführen. Die Zertrümmerung Rußlands würde es auch Japan ermögli- chen, sich mit allen Kräften gegen die USA zu wenden. Das würde die letzteren vom Kriegseintritt abhalten.

 

I.

1.

Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozia- listischen deutschen Volkes. Dieser zersetzenden Weltanschauung und ihren Trägern gilt Deutschlands

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Kampf.

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Für die Zerschlagung Rußlands sei die Zeitfrage beson- ders wichtig. Die russische Wehrmacht sei zwar ein töner- ner Koloß ohne Kopf, ihre künftige Entwicklung aber nicht sicher vorauszusagen. Da Rußland auf jeden Fall geschla- gen werden müsse, so sei es besser, es jetzt zu tun, wo die

 

2.

Dieser Kampf verlangt rücksichtsloses und energisches Durchgreifen gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, Juden und restlose Beseitigung jedes aktiven und passiven Widerstandes.

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II.

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russische Wehrmacht über keine Führer verfüge und schlecht gerüstet sei und wo die Russen in ihrer mit frem- der Hilfe entwickelten Rüstungsindustrie große Schwierig- keiten zu überwinden hätten. Trotzdem dürfe der Russe auch jetzt nicht unterschätzt

3.

Gegenüber allen Angehörigen der Roten Armee – auch den Gefangenen – ist äußerste Zurückhaltung und schärfste Achtsamkeit geboten, da mit heimtückischer Kampfesweise zu rechnen ist. Besonders die asiatischen

Soldaten der Roten Armee sind undurchsichtig, unbere- chenbar, hinterhältig und gefühllos.

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werden. Der deutsche Angriff müsse daher mit stärksten

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„Unternehmen Barbarossa“ – Der Überfall auf die Sowjetunion 1941

 
 

4.

Bei der Gefangennahme von Truppeneinheiten sind die Führer sofort von den Mannschaften abzusondern.

den (Typhus, Cholera). Jede Berührung mit der Bevöl- kerung birgt gesundheitliche Gefahren. Schutz der ei- genen Gesundheit ist soldatische Pflicht. […]

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III.

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5.

Der deutsche Soldat sieht sich in der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) nicht einer einheitlichen Bevölkerung gegenüber. Die UdSSR ist ein Staatengebilde, das eine Vielzahl von slawischen, kau- kasischen und asiatischen Völkern in sich vereinigt und

aus: Fall Barbarossa. Dokumente zur Vorbereitung der faschistischen Wehrmacht auf die Aggression gegen die Sowjetunion (1940/41). Ausgewählt und eingeleitet von Erhard Moritz, Deutscher Militärverlag, Berlin 1970, S. 318f.

 
   

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6.

das zusammengehalten wird durch die Gewalt der bol- schewistischen Machthaber. Das Judentum ist in der UdSSR stark vertreten.

Ein großer Teil der russischen Bevölkerung, besonders die durch das bolschewistische System verarmte

Landbevölkerung steht dem Bolschewismus innerlich ablehnend gegenüber. Im nichtbolschewistischen rus- sischen Menschen ist das Nationalbewußtsein mit tie- fem religiösem Gefühl verbunden. Freude und Dank- barkeit über die Befreiung vom Bolschewismus werden

Bolschewismus – Bezeichnung für eine politisch-ideologische Richtung der marxistisch-leninis- tischen Weltanschauung; in den Auseinandersetzungen mit dem Kommunismus im 20. Jahrhundert oft auch als allge- meiner politischer Kampfbegriff gegen Kommunis- mus, Sozialismus und Marxismus gebraucht. Der Begriff Bolschewismus leitet sich von der Selbst- bezeichnung des radikalen Flügels der russischen Sozialdemokratie, den Bolschewiki (russisch „bolschinstwo“ für Mehrheit) ab, die im Gegensatz zu deren gemäßigtem Flügel, den Menschewiki (abgeleitet von „menschinstwo“ für Minderheit), standen. Aus den Bolschewiki (im Deutschen auch abwertend Bolschewisten) entwickelte sich nach den russischen Revolutionen von 1905/06 und 1917 bis 1922 die Kommunistische Partei Russlands, später der Sowjetunion. Während der Bolschewismus in Russland und der Sowjetunion zur dominierenden politischen Ideologie wurde, entwickelte sich der Begriff im Ausland, insbe- sondere in Deutschland während der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, zu einem anti- kommunistischen Kampfbegriff. Dabei wurde Bolschewismus in der Regel undifferenziert als Sammelbezeichnung für alle oder verschiedene kom- munistischen oder sozialistischen Vorstellungen ver- wendet. Die deutschen Nationalsozialisten verbanden den Begriff des Bolschewismus vor und nach 1933 zudem mit ihrer antisemitischen Rassenideologie.

verbanden den Begriff des Bolschewismus vor und nach 1933 zudem mit ihrer antisemitischen Rassenideologie.

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ihren Ausdruck häufig in kirchlicher Form finden. Dankgottesdienste und Prozessionen sind nicht zu ver- hindern oder zu stören.

 

7.

In Gesprächen mit der Bevölkerung und im Verhalten gegenüber Frauen ist größte Vorsicht geboten. Viele

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Russen verstehen deutsch, ohne es selbst sprechen zu können. Der feindliche Nachrichtendienst wird gerade im be- setzten Gebiet besonders am Werk sei, um Nachrichten über militärisch wichtige Einrichtungen und Maß-

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nahmen zu erhalten. Jede Leichtfertigkeit, Wichtigtuerei und Vertrauensseligkeit kann deshalb schwerste Folgen haben.

 

IV.

8.

Wirtschaftsgüter aller Art und militärische Beute, insbe-

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sondere Lebens- und Futtermittel, Betriebsstoff und Be- kleidungsgegenstände sind zu schonen und sicherzustel- len. Jede Vergeudung und Verschwendung schädigt die Truppe. Plünderungen werden nach den Militärstraf- gesetzen mit den schwersten Strafen geahndet.

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9.

Vorsicht beim Genuß von erbeuteten Lebensmitteln! Wasser darf nur in gekochtem Zustand genossen wer-

   

1. Erläutern Sie in eigenen Worten, welche Kriegsziele das nationalsozialistische Deutschland im Krieg gegen die Sowjetunion verfolgte. Erklären Sie anschließend, warum dieser Krieg als Vernichtungskrieg bezeichnet wird.

2. Informieren Sie sich im Internet und in der Bibliothek über den Kriegsverlauf nach dem Überfall auf die Sowjetunion. Fertigen Sie eine Zeitleiste an.

3. Die Wehrmacht war in der Sowjetunion an Kriegsverbrechen direkt beteiligt. Nennen Sie Beispiele. Halten Sie zu einem der Beispiele einen Kurzvortrag.

4. Im „Kommissarbefehl“ der deutschen Wehrmacht (M3) heißt es unter anderem, die politischen Kommissare seien „mit der Waffe zu erledigen.“ Deuten und diskutieren Sie diese Wortwahl.

5. Erläutern Sie anhand von Beispielen, welches Menschenbild in den Richtlinien über das Verhalten deutscher Wehrmachts- soldaten in der Sowjetunion (M6) zum Ausdruck kommt.

 

Autor: Jens Thiel

  Autor: Jens Thiel