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Autorenporträt

Autorenporträt 1952 wurde ich in einem Ort in Österreich mit angrenzenden Wäldern, Bergen und Flüssen geboren.

1952 wurde ich in einem Ort in Österreich mit angrenzenden Wäldern, Bergen und Flüssen geboren. Durch diese Nähe zur Natur entwickelte ich schnell tief empfundene Gefühle für Zusammenhänge im Leben. Schon in jungen Jahren faszinierten mich Geschichten wie Mythen und Legenden. In meiner lebhaften Vorstellungswelt setzte ich meine Eindrücke um, indem ich Bilder fantastischer Figuren zeichnete und malte. Aber wie auch später in meinem Leben, interessierten mich die Hintergründe des Weltgeschehens gleichermaßen, und so stieß ich schon bald auf esoterische und grenzwissenschaftliche Themen. Darüber diskutierte ich auch gerne. Einerseits wurde ich von außergewöhnlichen Menschen inspiriert, die ich in meiner frühen Jugend oft leider nur kurz kennen lernte durfte, andererseits konnte ich einiges Wissen diesbezüglich in Büchern finden. So wurde ich schon bald zu einer eifrigen „Bücherratte“.

Später entfernte ich mich wieder von diesen sehr geistigen Themen und lernte einen eher „bodenständigen“ Beruf. So förderte ich auch meine pragmatische Seite und arbeitete anschließend in der Privatwirtschaft. Dementsprechend strebte ich einer normalen Berufslaufbahn entgegen, obwohl diese mich nicht wirklich erfüllte. So hatte mein Leben im jungen Erwachsenenalter noch eine ganz „normale“ Laufbahn, aber das sollte sich ändern. In dieser Zeit lebte ich schon in Wien. Dort begann ich wieder zu malen, aber bald vermisste ich Ideen und meine Kreativität ließnach.

Ich brauchte neue Eindrücke, und dazu musste ich mehr von der Welt wissen. So begann die Zeit meiner Reisen. Zuerst nur zaghaft, dann suchte ich Antworten auf meine immer wiederkehrenden Sinnfragen auch in sehr fremden Kulturen. In fernen Ländern lernte ich fremde Mythen und Weltbilder kennen, die mich inspirierten. So wurde ich motiviert, mich mit Meditationen, Schamanismus, Energie- und Lichtarbeit auch praktisch zu beschäftigen. Zu Hause setzte ich meine in der Fremde erfahrenen Erkenntnisse um. Durch bestimmte Methoden, wie lucides Träumen und schamanische Reisen, konnte ich über meine tatsächlichen Erlebnisse hinaus, die ich ab dieser Zeit auch immer in Reisetagebücher festhielt, auch an Informationen aus „anderen“ Welten gelangen, die ich in meinen daraus entstandenen Geschichten weitergeben will.

Alle meine Geschichten basieren auf einen reellen Hintergrund und sagen etwas Bestimmtes aus. Das heißt, meine Bücher geben nicht nur fantastischen Erzählungen wieder, sie beruhen zum Teil auf tatsächlich erlebten Geschehnissen.

Eva Lene Knoll

Höhere Schwingungen – höheres Bewusstsein

Erkenntnisse der letzten Jahrzehnte und unser Weltbild im Wandel der Zeit

©2011 Autorin: Eva Lene Knoll Illustrationen (gemalt und fotografiert): Eva Lene Knoll Verlag: tredition GmbH

©2011 Autorin: Eva Lene Knoll Illustrationen (gemalt und fotografiert): Eva Lene Knoll Verlag: tredition GmbH ISBN: 978-3-8424-0104-4

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemein
2. Hintergrundinformationen Die Marquesa Der Lehrer Die Winterfee Das Spiegeleis Der Enkelsohn der Fee Reise nach „Avalon“ Eine Brücke zu einem anderen Stern Neue Entdeckungen auf der Erde Erste Hälfte des 21. Jahrhunderts auf der Erde Aron und die Römerin Das Leben in der neuen Welt Neue Ankömmlinge Elfenfeuer Leonie Seltsame Lichter El Reons Sternentor

Vorwort:

Vorwort:

Kapitel 1:

Kapitel 2:

Kapitel 3:

Kapitel 4:

Kapitel 5:

Kapitel 6:

Kapitel 7:

Kapitel 8:

Kapitel 9:

Kapitel 10:

Kapitel 11:

Kapitel 12:

Kapitel 13:

Kapitel 14:

Kapitel 15:

Kapitel 16:

Nachwort

Quellen

1. Vorwort: Allgemein

Nachdem ich oft gefragt wurde, welche Gedankengänge mich

veranlasst

hatten,

die

folgenden

Geschichten

zu

schreiben,

beziehungsweise

welche

grundlegenden

Aus

sagen

dahinter

stecken,

habe

ich

mich

entschlossen,

zuvor

noch

einige

Erläuterungen abzugeben.

Alle meine Texte, Geschichten und Gedichte haben einen wahren und wissenschaftlich erklärbaren, also realen Hintergrund. Sie wirken zwar rein esoterisch, utopisch oder zumindest rein fantastisch, dennoch denke ich mir etwas Bestimmtes dabei. Wir leben in einem Zeitumbruch, zumindest ist das für mich immer offensichtlicher geworden, und es gibt bestimmte Tendenzen, wo wir uns hin entwickeln. Dabei gilt es, sich dieser Neigungen bewusst zu werden, denn es gibt sowohl positive als auch negative. Wir Menschen haben in den letzten Jahren durch Forschung vieles entdeckt, und wie es sich schon immer gezeigt hat, haben neue Erkenntnisse auch Schattenseiten, wie man von vielen Anwendungen, wie zum Beispiel die der Atomkraft, weiß. Große Erfindungen und Entdeckungen verlangen auch große Reife.

Wir haben die Chance, uns höher zu entwickeln, wenn wir jetzt daran gehen, unser Bewusstsein zu erhöhen, indem wir an unserer Wahrnehmung und Achtsamkeit arbeiten und uns auf die wahren Werte des Lebens besinnen. Das sind keine „großen“ Worte, das ist eine einfache Sache, aber wir müssen offen sein und das heißt, hellwach. Das ist allerdings eine große Herausforderung, weil es einfach unbequem ist. Wir leben in einer Zeit, wo Stress der Alltag ist, und wir möchten eigentlich nichts lieber als entspannen und nicht über Probleme nachdenken.

Wenn ich die Hintergründe meiner Geschichten erzähle, komme ich nicht umhin, auch wissenschaftliche Ausdrücke zu benutzen, obwohl ich selbst keine Physikerin und Mathematikerin bin (heute sage ich leider). Dabei schreibe ich persönlich lieber einfachere Texte, damit man sich auch gefühlsmäßig hinein leben kann.

Manche Geschichten scheinen paradox zu sein, aber die Welt ist eben so oder zumindest erscheint sie uns so. Der Grund, dass wir manche Geschehnisse paradox empfinden, ist unser mangelhaftes Vorstellungsvermögen, da wir auf ein dreidimensionales Denken beschränkt sind. Unser Vorstellungsvermögen zu erhöhen, ist gerade im grenzwissenschaftlichen Bereich erforderlich. In der Zeit meiner Zen-Praxis in den neunziger Jahren habe ich mich lange mit der Art dieses Denkens auseinandergesetzt, denn Zen befasst sich mit dem Paradoxon, und zwar in Form von Ko'ans. Ein Ko'an ist ein schwieriges Rätsel für den Schüler, weil die Fragen immer paradox sind, und die Lösungen sind es ebenfalls.

Ich will in diesem Buch nicht mehr auf die Zen-Praxis eingehen, auch nicht auf irgend eine andere Methode, denn diese habe ich in meinen vorigen Büchern zur Genüge beschrieben. In der Zwischenzeit bin ich der Meinung, dass die Zeit gekommen ist, wo man langsam verstehen lernt, dass komplizierte Methoden nicht mehr nötig sind. Es ist wirklich alles ganz einfach, wenn man einmal erkannt hat, worum es wirklich geht. Eigentlich sollten wir es alle schon längst wissen, und im Unbewussten war dieses Wissen auch längst in uns. Um Schwingungen zu erhöhen und damit Heilung in jeder Beziehung zu bewirken, brauchen wir nichts anderes als wirkliche Liebe und Licht zu kanalisieren. Ich habe das selbst lange nicht verstanden, aber es ist wirklich so. Es ist deshalb oft so unverständlich, weil wir mit dem Begriff „Liebe“ nicht zurecht kommen. Dieser Begriff wurde und wird schwer missbraucht, denn die menschliche Liebe ist hier nicht gemeint, nur die göttliche, die

bedingungslose, und die ist für uns nicht vorstellbar.

Wir können uns dabei nur vor Augen halten, dass diese absolute, kosmische Liebe reichlich vorhanden ist. Sie ist die ursprüngliche Quelle allen Seins und repräsentiert reines Licht. Wir können uns mit ihr in „Resonanz stellen“. Auch wenn wir sie nicht oder noch nicht nachvollziehen können, wird sie uns gegeben. Um das endlich zu verstehen, musste ich nicht nur viele Seminare machen, um zu merken, dass diese nur so lang nötig sind, bis man im wahrsten Sinn des Wortes die Wahrheit „begreift“. Ich musste mir diese Erkenntnisse auch erst verinnerlichen; und um das zu können, war bei mir viel Zeit für Meditation und Kontemplation nötig.

Mit diesen Geschichten, die sich eigentlich auf eine einzige Historie hinausläuft, möchte ich meine Leserinnen und Leser zum selbständigen Denken anregen, aber auch zum „Sichhineinfühlen“, zum intuitiven Fühlen und Spüren. Es wäre also kontraproduktiv, würde ich sofort mit meiner eigenen Interpretation diese Geschichten analysieren und wissenschaftlich erklären wollen. Damit wäre auch der Textfluss unterbrochen. Auch in meinen vorigen Büchern habe ich zwischen meinen Texten sehr viele Kommentare abgegeben und mit Erklärungen aus den naturwissenschaftlichen und aus den geisteswissenschaftlichen Bereichen wie Philosophie und Psychologie nicht gegeizt, wobei ich als Nichtwissenschaftlerin sehr viel wörtlich zitieren musste (von Texten bekannter Physiker und Mathematiker, Biologen sowie Psychologen und Philosophen). Daher ließen sich meine Bücher, oft nicht so leicht lesen, wobei ich in meinem letzten Buch – „Das ewige Lied der Schöpfung“ – ein umfangreiches Glossar eingefügt habe.

Erst neulich habe ich dieses Buch wieder durchgelesen und festgestellt, dass ich den Lesern doch einiges zugemutet habe. Auf der einen Seite konnte ich ja nicht die kompletten Texte der

Physiker wiederholen, das wäre gegen die rechtlichen Bestimmungen, auf der anderen Seite habe ich mit diesen relativ kurzen Zitaten bewirkt, dass meine Leserinnen und Leser mit den wissenschaftlichen Erklärungen vielleicht doch etwas „in der Luft hingen“. Das möchte ich in diesem Buch vermeiden, denn ich kann nicht davon ausgehen, dass meine Leser(innen) so umfangreiche Physikkenntnisse haben, dass sie die neuesten Errungenschaften kennen und noch dazu Vorkenntnisse in der Metaphysik, dem grenzwissenschaftlichen Bereich zwischen Physik und unerklärlichen Phänomenen. Kenntnisse aus der Parapsychologie, so wie es in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts populär war, wären auch vorteilhaft.

Ich habe dazu gelernt. Mit meinen eigenen Worten konnte ich die physikalischen Erkenntnisse damals nicht besser erklären, und damit setzte ich von meinen Leser(inne)n voraus, fachlich nicht nur sehr bewandert zu sein, sondern auch auf empathischem Weg meine eigenen Gedankengänge widerspiegeln und mitfühlen zu können. Mitfühlen mit dem, was mich zu dieser Zeit bewegte und „mitbegreifen“ der Antworten; mögliche Antworten von Physikern und Biologen auf grundsätzliche Fragen über die Rätsel des Universums. Aber sind das auch dieselben Fragen, die sich die Leserinnen und Leser über das Universum stellen? Heute wage ich das zu bezweifeln.

Wir Menschen sind sehr verschieden konstruiert, und speziell in den letzten Jahren bin ich vielen begegnet, die ganz andere Fragen an das „Leben“ stellten. Aber: Habe ich die wissenschaftlichen Antworten auf kosmische Phänomene meinen Leser(inne)n auch ausreichend erklärt und auch die Fragen die ich stellte, die zu diesen Erklärungen führten? Kann sein, dass Menschen dieselben Fragen in ihrem Inneren haben, aber heute kommt es mir bei Durchsicht des letzten Buches so vor, als hätte ich verlangt, den

Rest, der vielleicht doch nicht verstanden wurde, mit Glauben aufzufüllen. Daher möchte ich mich in diesem vorliegenden Buch einfacher halten, lieber mit eigenen Worten erklären, wenn es überhaupt nötig ist, und weniger wissenschaftliche Texte zitieren.

Ich wende mich mit meinen Büchern an geistig wache, nach Erklärungen suchende und vor allem an Esoterik und Grenzwissenschaften interessierte Leser(innen), die zwar einen naturwissenschaftlichen Hintergrund sehen wollen, aber durchaus wissenschaftliche Laien sein können. Dieses Buch ist kein entspannender Unterhaltungsroman, bei dem Sie sich nur berieseln lassen können; aber von völlig pessimistischen und grauenhaften Zukunftsvorstellungen habe ichAbstand genommen. Dann wäre das Buch zwar, wenn ich außerdem noch Verschwörungstheorien berücksichtigt hätte, ein Thriller geworden, aber das habe ich gar nicht im Sinn. Obwohl ich selbst manchmal über solche Verschwörungstheorien und über die „Machtspiele“ von gewissen Organisationen nachdenke, habe ich nur einige Tatsachen erwähnt, die man wirklich nicht ignorieren sollte. Bei meinen Leserinnen und Lesern setze ich deshalb voraus, dass sie manchmal „zwischen den Zeilen“ lesen können und „hinter die Worte schauen“. Ganz einfach deshalb, weil unser Wortschatz nicht oder nicht mehr ausreicht. Albert Einstein sagte schon warnend:

„Begriffe, welche sich bei der Ordnung der Dinge als nützlich erwiesen haben, erlangen über uns leicht eine solche Autorität, dass wir ihres irdischen Ursprungs vergessen und sie als unabänderliche Gegebenheiten hinnehmen.“

Ich hoffe, dass ich damit nicht zu viel verlange, aber ich werde Gedankensprünge meiden und beim Thema bleiben, auch wenn das aufgrund der Biografien der Protagonisten nicht immer gleich ersehbar ist. Die Erzählform in der dritten Person werde ich

beibehalten, ebenso die zeitliche Reihenfolge - abgesehen von einigen unerlässlichen Rückblenden.

Mit diesem Buch richte ich mich vor allen Dingen an die Menschen, die sich schon immer für esoterische, metaphysische oder mythologische Themen interessierten und darüber einigermaßen informiert sind. Da sich diese Bereiche zum Glück immer mehr mit den rationalen Erkenntnissen der Wissenschaft verbinden und es für manche nicht mehr ausreicht, einfach nur zu „glauben“, werde ich Phänomene auch aus einem wissenschaftlichen Hintergrund erläutern. Sowieso hat mir persönlich Glauben auch nie gereicht, daher schreibe ich für die an naturwissenschaftlichen Begründungen interessierten Menschen und hoffe, dass sie zahlreich sind. In diesem Buch stelle ich die neuesten Erkenntnisse und Vorstellungen der theoretischen (und zum Teil auch der praktischen) Physiker im Kapitel „Hintergrundinformationen“ nieder, damit meine Leserinnen und Leser verstehen, was überhaupt der Grund dieser Phänomene sein könnte, um die es sich in den meisten Geschichten handelt. Obwohl ich selbst keine akademische Wissenschaftlerin bin, habe ich bei meinen Aufsätzen sehr gut recherchiert.

Bevor ich beginne, den Hintergrund für die folgenden Geschichten aufzuschreiben, erwähne ich nochmals, dass ich selbst von Anfang an keine von denen war, die einfach nur Glauben hatten. Ich war immer geprägt von Zweifeln und war skeptisch all dem gegenüber, was sich nicht analysieren oder logisch erklären ließ und bin es noch. Das ist auch berechtigt., aber dass ich überhaupt spirituelle Einsichten erhielt, war wie Wunder.

Wahrscheinlich bekam ich diese Einsichten und Erkenntnisse nur, weil ich immer auf der Suche nach der Wahrheit unserer Natur und der Zusammenhänge im Universum war und die Naturgesetze

verstehen wollte. Ich brauchte stets Antworten auf meine Sinnfragen des Lebens und war offen gegenüber anderen Kulturen und deren Wissen. Trotz einiger spiritueller Erkenntnisse, die ich in meinen vorigen Büchern geschildert habe, wurde ich deswegen nicht einfach „gläubig“, ich wollte es immer genau wissen. Diesen Wissensdurst zu befriedigen, war natürlich harte Arbeit.

Mitten im praktischen Leben privat solche Zusammenhänge zu studieren, war ziemlich zeitraubend. Da ich selbst immer wieder bei meinem Verstand bleibe, was ja auch gut ist, dauert mein Weg zu rein intuitiven Einsichten und Erkenntnissen schon sehr lange. Immerhin befasse ich mich schon seit meiner Jugend mit all diesen Fragen. Mein Erfolg ist, dass ich zwar leider nicht zum einfachen Glauben gekommen bin, wohl aber zu einem Teilwissen der modernen Physik. Warum leider? Ich kann nur aus eigener Erfahrung sagen:

In der Einfachheit des schlichten Glaubens und Vertrauens liegt das wahre Glück!

Payerbach, 2. November 2010 Eva Lene Knoll

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2004

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2004

2. Vorwort: Hintergrundinformationen

In der Physik müssen wir uns manchmal, wie erwähnt, auch mit paradoxen Zuständen auseinandersetzen, da diese nun mal Gegebenheiten in unserer Welt sind. In der mechanischen Welt von Isaac Newton war das noch ganz anders, auch Albert Einstein gibt uns mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie noch ein logisch- rationales Bild vom Universum. Das ist auch der Grund, warum er mit der Quantenphysik nie so recht zufrieden war und dreißig Jahre seines Lebens nach einer vereinfachten Formel, der sogenannten „Weltformel“, gesucht hatte. Bis jetzt wurde sie aber nicht gefunden, und daher wird die allgemeine Relativitätstheorie und die Quantenmechanik gleichwertig angesetzt, die eine im Großen, die andere im Kleinen. Aber die Vereinheitlichung der Relativitätstheorie mit der Quantenphysik ist noch immer ein Problem. Selbst Niels Bohr, Quantenphysiker, sagte:

„Ein Mensch, der von der Quantenphysik nicht schockiert ist, hat sie nicht verstanden.“

Im mystischen esoterischen Wissen gibt es schon lange das Gesetz: „Wie im Großen, so im Kleinen, wie oben, so unten!“ (Hermes Trismegistos, griechischer Philosoph und Alchemist, gelebt und gewirkt in Alexandria, Ägypten, ca. 300 v. Chr.)

Zur Zeit gibt es schon gute Ansätze, die Verbindung zwischen beiden Theorien zu finden, z.B. mittels der Stringtheorie(n) und dem „Global Scaling“. Das Paradoxe: Für ein Elementarteilchen wie ein Elektron gelten andere Gesetze als bei den molekularen Gegenständen. Es muss nämlich durch ein Wellenmuster beschrieben werden. Aber laut der Quantenphysik gibt es nur Wahrscheinlichkeiten über den Ort, wo ein Teilchen zu treffen ist

(das ist die Heisenberg'sche Unschärferelation, bedingt durch die Quantenvakuumfluktuationen). Diesbezüglich wurden Versuche gemacht, indem man Elektronen durch einen Spalt leitete, später auch durch einen Doppelspalt, wo man diese Wellenmuster genau sehen konnte, aber nicht vorhersehen, wo genau ein Elektron ankommen würde. Außerdem kann man von zwei Faktoren immer nur einen genau bestimmen, der andere Faktor bleibt im Bereich der Wahrscheinlichkeit.

Erwin Schrödinger hat diesen Effekt anhand einer Katze in einem Behälter erklärt, der durch einen angebrachten Mechanismus mittels eines elektronischen Auslösers ein radioaktives Gift freisetzt. Je nachdem, ob das Elektron den Mechanismus trifft oder nicht, wird der Auslöser betätigt oder nicht, wodurch die Katze getötet wird oder nicht („Schrödingers Katze“, eine Erklärungsversuch Schrödingers zur Unschärferelation in der Quantenphysik). Solange man nicht in diese Kiste hineinsieht, ist diese Katze noch immer lebendig oder tot (beides gleichzeitig!). Das ist wirklich paradox. Unschärferelation heißt auch: Wenn man ein Teilchen, z.B. ein Elektron, durch einen materiellen Träger schickt, ist das Elektron nur wahrscheinlich innerhalb der Barriere (Träger), aber es ist auch möglich, dass es außerhalb ist (die Wahrscheinlichkeit ist nicht Null). Das ist dann der sogenannte „Tunneleffekt“.

Der Physiker Günter Nimtz hat nun 1993 experimentell bewiesen, dass bei einer Reise durch so einen Tunnel die Lichtgeschwindigkeit überschritten wird. Das wurde aber als Angriff auf die Relativitätstheorie aufgefasst, und es wurde deshalb kaum Notiz davon genommen. Erst als Steinberg und Chiao (amerikanische Physiker) diesen Effekt zwei Jahre später in einem Experiment bestätigt hatten, kam Nimtz wieder ins Gespräch. Dieser testete dann 1996, ob auch Informationen durch so einen Tunnel geschickt werden können. Der Versuch gelang ihm.

Die Information kam am anderen Ende des Tunnels an, wenn auch verzerrt. Man dachte zwar, das sei ein Sakrileg gegen Einsteins Theorien, aber in Wirklichkeit war das keineswegs ein Verstoß gegenüber seinen Erkenntnissen. Er hatte ja seinerzeit schon formuliert, dass es ein höher dimensionales Raum-Zeit- Gefüge gäbe. Durch die Wirkung der Quantengravitation müsse dann die Raumzeit gekrümmt sein, sodass man zu einer höheren Dimension kommen müsste, auch wenn wir das mit unserem dreidimensional denkenden Hirn nicht verstehen können. Trotz dieser Unfähigkeit unseres Vorstellungsvermögens konnte das aber mathematisch genau beschrieben werden. Dieses Raum-Zeit- Gefüge wäre eine Tunnelverbindung, und man nannte diese „Einstein-Rosen-Brücke“ (Albert Einsteins Kollege war damals Nathan Rosen).

Diese Brücke ist eine Verbindung von einem „Schwarzen Loch“ (das alle Materie und Energie verschlingt) zu einem „Weißen Loch“ (das alles wieder erscheinen lässt). Diese Tatsache verleitete viele Science Fiction-Autoren zu Geschichten mit Reisen in andere Welten (durch diese Löcher). In Wirklichkeit werden solcherart Reisen nicht möglich sein, aber diese schwarzen Löcher wären auch große makroskopische Löcher. John A. Wheeler, Physiker, nahm allerdings an, dass es neben diesen großen auch zahlreiche kleine schwarze und weiße Löcher gäbe und nannte sie „Wurmlöcher“. Dieser Ausdruck wurde in zahlreiche Science Fiction- Filme und Serien aufgenommen. In Wirklichkeit sind diese Löcher jedoch äußerst instabil und fallen bald zusammen.

Die Theorie, dass es ganz kleine schwarze und weiße Löcher gäbe, beruht darauf, dass auch im sogenannten „Quantenvakuum“ immer eine Art Restenergie da ist und reagiert, die man dann als „Quantenvakuumfluktuationen“ bezeichnet. Dabei scheinen hier Teilchen und Anti-Teilchen auf und löschen sich wieder gegenseitig

aus – unter Freisetzung gewaltiger Energien. So entsteht ein schwarzes Loch. Das, wo dann Materie und Energie erscheint, nennt man „Weißes Loch“. Die Verbindung zwischen schwarzem und weißem Loch ist dann das sogenannte Wurmloch. Wie erwähnt, sind diese Wurmlöcher aber instabil und daher nur kurz am Leben. Makroskopisches Material darin zu übertragen, ist zumindest zur Zeit noch Utopie. Aber, und das ist sensationell:

Für etwas taugen sie, nämlich zum Übertragen von Information! Allerdings ist es eher wahrscheinlich, dass die Elektronen und Mikrowellen, mit denen experimentiert wurde, sich durch den Träger nicht durchgequetscht haben, sondern viel eher haben sie sich durch einen höher dimensionalen Raum bewegt. Bei dieser Reise gibt es keine Zeitvorstellung und auch keine Vorstellung von Entfernung. Im Vergleich dazu kennt man aus Erzählungen von Sagen und Legenden, dass bei den Reisen ihrer Helden in andere Welten (Feenwälder, Hexeninseln usw.) ganz andere Zeiten herrschen, sodass sie bei ihrer Rückkehr so alt waren, dass sie entweder sofort zu Staub zerfielen, oder dass sie erfahren mussten, dass überhaupt keine Zeit vergangen war oder eben nur wenige Minuten. Wahrscheinlich wurden sie mit Lichtgeschwindigkeit durch andere Dimensionen in diese fremden Gegenden versetzt. So kam es auch in alten Sagen und Mythen zu Schilderungen von Raum-Zeit-Reisen.

Ende es vorigen Jahrhunderts ist es dem Team von Anton Zeilinger in Innsbruck gelungen, ein Photon zu „beamen“. „Beamen“ war der Ausdruck für Teleportieren in der bekannten Science Fiction-Serie „Star Trek“. Natürlich sagen die Physiker nicht „beamen“ dazu, der korrekte Ausdruck heißt „Teleportation“ und heißt „Fernübertragung“. Ursprünglich wurde dieses Wort auch nur in der Parapsychologie benutzt. Aus der parapsychologischen Forschung kennt man Geschichten, bei denen ein Medium fähig ist, aus der Ferne etwas zu bewegen. In den Fantasy-Geschichten sind

es meist Hexen, Magier oder andere mythische Wesen, wie Feen oder Elfen, die das können. Etwas Ähnliches ist dann die „Telekinese“. Das ist die Bewegung von Materie durch ein Medium mittels Gedankenkraft.

Bei obigem Versuch von Anton Zeilinger hat man ein Photon gebeamt, bei Menschen wird das nicht so leicht gelingen, dazu ist er ein allzu großes makroskopisches Gebilde, selbst dann nicht, wenn man solche Einstein-Rosen-Brücken zusammenclustern würde. Allerdings, wenn man eine Information anstatt mit Teilchen mit Fraktalen übersenden würde, wäre das eine große Vereinfachung, da Fraktale wesentlich größer als Teilchen sind. Die Physik der Fraktale wurde vom Mathematiker Hartmut Müller definiert und nennt sich seitdem „Global Scaling“. Bei Einstein-Rosen-Brücken oder bei den kleineren Wurmlöchern handelt es sich also um einen höher dimensionalen Raum, einen sogenannten „Hyperraum“, und die Kommunikation durch diese Räume kann man dementsprechend „Hyperkommunikation“ nennen. Nicht nur die alten Geschichten aus der Vergangenheit wie Sagen und Legenden kann man durch diese Erklärung besser verstehen, sondern auch Science Fiction-Romane oder Erzählungen von Zeitreisen, Reisen durch Raum und Zeit, das heißt Reisen in andere Sonnensysteme und Galaxien.

Beim mikromolekularen Hyperraum befasst man sich schon lange mit der Erforschung der DNS (Desoxyribonucleinsäure, DNA), den Trägern unserer Gene. Der finnische Quantenphysiker Matti Pitkänen hat im ausgehenden 20. Jahrhundert eine Theorie über den Aufbau des Universums aufgestellt, indem er eine achtdimensionale Raumgeometrie entworfen hat. Die ist selbst in Fachkreisen schwer zu begreifen, darum kann ich darauf nicht näher eingehen. Es spielen dabei magnetisierte Wurmlöcher eine große Rolle.

Was hat das nun mit Biologie zu tun? In seiner Theorie hängen sich die magnetisierten Kommunikationskanäle, die höher dimensional sind, an diese großen Moleküle (der DNS), das heißt, wir wären theoretisch für eine höhere Wahrnehmung und damit für einen Kontakt zu höheren Bewusstseinsebenen fähig. Mittlerweile befassen sich auch viele Naturwissenschaftler mit dem Kosmos und dem Bewusstsein. Seit einigen Jahren sprechen einige Physiker von einem bewussten und intelligenten Universum.

Das neue Jahrtausend ist tatsächlich der Beginn eines völlig neuen Verständnisses, was das Universum anlangt. Newtons mechanisches Weltbild ist endgültig Vergangenheit. Wissenschaft und Religion nähern sich an, denn in der Wissenschaft sucht man wieder nach einer allumfassenden Intelligenz, auch wenn das mit der alten Gottesvorstellung nichts zu tun hat.

Die Wissenschaftler folgern aus diesen neuen Erkenntnissen: Der Kosmos ist durch und durch intelligent und bewusst. Praktisch nachgewiesen wurde Pitkänens Theorie in Moskau unter der Leitung von Dr. Pjotr P. Garjajev (Biophysiker). All diese Erkenntnisse bieten folgenden Geschehnissen aus mythischen, parapsychologischen und esoterisch-spirituellen Geschichten den Hintergrund:

Hellsehen, Hellhören (Einsichten in die Akasha-Chronik, das Lebensbuch);

Erkenntnisse,

„Erleuchtung“, Telepathie;

willkürliche Reisen in andere Welten, wie beim Schamanismus (Oberwelt, Mittelwelt, Unterwelt) oder bei alten Lehren (Unterwelt = Hades);

Intuition,

blitzartige

Einsichten,

spirituelle

unwillkürliche Astralreisen (außerkörperliche heißt es reist nur der Astralkörper);

Sehen von Ufos (= unidentifizierte Flugobjekte) und Außerirdischen; es ist möglich, dass man durch die Verzerrung bei einer Reise durch so eine Brücke (Wurmloch, Tunnel) oder des Wahrnehmungsfilters des Betroffenen etwas verfälscht sieht, hört oder spürt, besonders wenn diese Ufos oder Außerirdischen archetypisch erscheinen

Erfahrungen, das

(zum Thema „Wahrnehmungsfilter“ sagte Niels Bohr auch:

„Alle unsere normalen sprachlichen Ausdrücke tragen den Stempel unserer gewohnten Formen der Wahrnehmung.“

Das heißt nicht, dass es nicht tatsächlich Ufos oder Außerirdische gäbe; das kann sein oder nicht. Auch da können die Wahrnehmungen durch das „Rauschen“ des Wurmlochs verfälscht sein.)

und Kontakte zu anderen Bewusstseinsinstanzen.

Sicher ist diese Aufstellung nicht vollständig. Wer Genaueres wissen möchte, dem empfehle ich die Quellenangabe nach dem letzten Kapitel.

Der Zen-Meister Man Gong antwortete auf die Frage seiner Mönche zu Buddhas Erleuchtung:

Der Buddha sah einen Stern und sagte, er erfuhr Erleuchtung. Dies ist Sand, der in die Augen fällt.“

Der Kommentar dazu war: „ Kommt dieser Stern aus deinem Geist, deinen Augen oder aus dem Himmel? Wenn du diesen

Punkt erlangst, erlangst du dein wahres Selbst.“

Payerbach, 14. November 2010 Eva Lene Knoll

Kapitel 1: Die Marquesa

Die Marquesa saß inzwischen bei Kerzenlicht in ihrer Bibliothek des Schlosses ihrer Familie. Das Schloss befand sich mitten in den Weinbergen des Chianti-Tales in Italien. Zu dieser Zeit war es ungefähr Mitte des 16. Jahrhunderts nach unserer Zeitrechnung. Die Marquesa war aus wohlhabendem Hause. Sie befand sich bereits in mittlerem Alter, war verheiratet und hatte zwei erwachsene Söhne, die mit einem Handelsschiff den Orient bereisten, um mit Handel von Öl, Wein und Gewürzen zum Wohl der Familie beizutragen. Ihr Ehemann Carlo war aus einer verarmten, aber hoch adeligen Familie aus der Toscana. Die Heirat fand, wie so oft damals, ursprünglich aus geschäftlichen Gründen statt. Im Laufe der Jahre hatten sie allerdings mehr zueinander gefunden, und es entwickelte sich zwischen ihnen eine echte Liebesbeziehung. Früher war Carlo nur an Gesellschaften interessiert, und war vor allen Dingen auf Jagdgesellschaften in seinem Element, um sich dort zu amüsieren und sich mit anderen Frauen zu unterhalten.

Doch im Laufe der Jahre zeigte ihm die Marquesa, dass es mehr auf dieser Welt gab als oberflächliche Gesellschaften. Sie traf sich mit interessanten Leuten und war oft in der Familienbibliothek, in der sich noch alte Bücher von ihrem Vater und seinen Ahnen befanden, in denen man über verborgenes Wissen erfahren konnte. Carlo begriff, dass sich ein großer Teil der Familienangehörigen seiner Ehefrau, besonders ihr bereits verstorbener Vater als Mitglieder geheimer „Logen“ heraus stellten. Das erweckte auch sein Interesse, und er nahm immer mehr am Leben seiner Gemahlin teil:

So gewann er mit der Zeit eine ganz andere Einstellung zum Leben. Er wurde ein reifer Mann neben ihr, und nach einigen Jahren hatte er sie so lieb gewonnen, dass er sie an seiner Seite nicht mehr

missen mochte. Auch sie begann ihn wirklich zu lieben, und bald kam der erste Sohn auf die Welt. Nur zwei Jahre später folgte der zweite. Dann folgten keine Kinder mehr. So teilte das Ehepaar sehr viel Zeit mit Zusammenkünften der Logenmitglieder.

Die Loge nannte sich die „Bruderschaft des Abraxas-Ordens“. Abraxas war eine alte orientalische Ur-Gottheit, die lange vor Christi Geburt existierte. Der Abraxas- oder Schlangenorden ließ sich durchaus mit dem Christentum vereinbaren. Aber dann wurde die Schlange als Böse aus der Kirche verbannt, und die römischkatholische Kirche wollte nichts mehr von diesem Orden wissen. Daher gediehen solche esoterischen Lehren nur mehr im Geheimen. Das heißt, es wurden „geheime Orden“ gegründet, die sich wiederum in viele Logen aufteilten. In ihren Lehren ging es immer um altes spirituelles und magisches Wissen, das die Weisheiten des Orients enthielt, und das für die konventionelle Kirche zu blasphemisch klang, als dass sie es offiziell anerkennen konnten.

Nachdem die beiden nun keine Kinder mehr bekamen, befasste sich besonders die Marquesa umso mehr mit altem Wissen über Spiritualität und Magie.

Nun saß sie schon stundenlang und schrieb einen Text, den sie im Auftrag des Ordens für die Nachwelt zu Papier bringen wollte. Mittlerweile war es dunkel geworden, aber sie ließ sich nicht beirren, bei Kerzenlicht weiter zu schreiben. Sie war „im Fluß“. Das heißt, es schrieb sich wie von selbst. Die Marquesa hatte manchmal solch kreative Phasen und wurde dabei wie von unsichtbarer Hand geleitet. Das ging nur, wenn sie allein war, und das war sie jetzt. Denn bei allem Verständnis, in Anwesenheit Ihres Gemahls hatte sie nicht so viel Zeit zum Schreiben. Ihr Ehemann war für eine Woche aus geschäftlichen Gründen in Lucca, und daher war es günstig,

diesen wichtigen Text jetzt aufzuschreiben. Als sie endlich fertig war, war sie müde, aber sehr erleichtert. Er lautete wie folgt (in deutscher Übersetzung):

„MAGIE DER ZEITEINHEITEN

(1)Die Zeit ist nicht eine einzige, nein, vier verschiedene Zeiten gilt es , zu erkennen und zu benutzen. Darin ruhen die Es arcanum abraxum, des magischen Umgehens mit der Zeit, mit den Zeiten.

(2)Zwei Zeiten heißt es in dieser Welt, zwei Zeiten gibt es im Jenseits, und überdies gibt es die Zeitlosigkeit, die allein dem Göttlichen gilt.

(3)Die erste Erdenzeit ist jene, die alle kennen, nach der die Menschen Jahr, Tag und Stunde benennen. Diese ist da hier allgemein von Bedeutung.

(4)Im magischen Handeln aber wird diese häufig durchdrungen von der zweiten Erdenzeit; und dieser liegt zu Grunde das folgende:

Als Gott der Herr, welcher ist Christus, die Erde mitAllem was zu ihr gehört erschaffen hat, da erschuf Er auch alle Zeiten auf einmal. Er selbst steht ja über jeglicher Zeit. Darum sieht der Blick Gottes auch alles immer zugleich, sämtliches ist für Ihn allzeit da:

Das, was wir Vergangenheit nennen, das, was wir als Gegenwart erleben, und das auch, was wir Zukunft heißen. Alle Zeiten sind eine Zeit nur für Gott und die gottähnlichen Wesen des Jenseits.

Alles ist also immerzu da, auf eine für uns Menschen kaum merkliche Weise.

(5)Das Zukünftige ist aber trotzdem noch nicht gewiss. Als Gott der Herr die Zeitenläufe bildete, da tat Er es mit allen zugleich, indem Er alles, was möglich werden könnte, vorhersah und möglich machte, aber noch ohne es so oder so zu bestimmen. Einfluss auf alles soll ja nehmen der freie Wille des Menschen, so gestalten ihre Zeit sie sich selbst, ob gut oder übel. Also gibt es von jeder Zeit, die in Zukunft wirklich werden könnte, sehr viele unterschiedliche Formen. Wie die Menschen sich verhalten und was dadurch ihre Eigenschwingungen ausstrahlen, unbewusst, das entscheidet darüber, welche der möglichen Formen der Zeit Gestalt annehmen. Alle unbenutzten Vorlagen für die Zeiten löst Gott der Herr danach jeweils auf.

(6)Weil alle Zeiten aber immer schon da sind, wenn auch vorerst stets nur in Möglichkeitsformen dessen, was wird verwirklicht werden, ist es auch an dem, dass jeder Mensch die Zeitspanne seines Erdendaseins zweifach erlebt: Einmal in voller Bewusstheit, und zugleich auch nochmals ohne davon zu wissen.

(7)Daraus ergibt sich die zweite Erdenzeit. Auch diese durchlebt jeder Mensch immerzu, bloß meistens ohne davon viel zu ahnen.

(8)Denn

die

zweite

Erdenzeit ist von

einer Art, die

sich

schwerlich wahrnehmen lässt. Sie besteht nämlich in sich selbst aus lauter unmessbar kurzen Zeiträumen, so winzig, kürzer als der schnellste Augenblick, und doch immerzu geschehend.

unablässig

durchdringt, bilden sich auch Zeitritzen der zweiten Erdenzeit in der

(9)Weil

nun

die

zweite

Erdenzeit

die

erste

ersten, durch welche blickt, wer es versteht;

(10)und manchmal fällt unverhofft ein Blick durch solch eine Zeitritze, sodass der Mensch meint, was er sieht schon zu kennen, obgleich er es aus der ersten Erdenzeit nicht kennen kann, vielmehr nur unbewusst durch eine Zeitritze in der zweiten Erdenzeit ganzflüchtig einmal sah.

(11)Also durchlebt jeder Mensch von der Geburt bis zum irdischen Sterben zwei parallel bestehende oder verlaufende Zeiten von unterschiedlicher Art: die erste Erdenzeit, die gut wahrnehmbar dahin fließende, und die zweite Erdenzeit, die kaum merkliche, welche ist mit der ersten verwoben.

(12)Wer kundig ist in der Magie des hohen Abraxas, versteht diese beiden Zeiten wie eine zu nutzen. Dies ist von gutem Wert, um durch Zeiträume von bis zu wohl zehn oder einigen mehr Jahren nützliche Kundschaft zu erlangen; aber auch, um die Gemeinschaft durch alle Zeitläufe in sich selber zu festigen.

(13)Zu den beiden Erdenzeiten gibt es noch die beiden Zeiten des Jenseits. Die Erste davon ist die Zeit der Art, wie sie im Grünen Lande abläuft, wie diese Hauptebene alles Jenseitigen genannt wird.

(14)Diese

Zeit ist nicht immer gleich, sondern

die

erste

Jenseitszeit kann sich ausdehnen oder auch zusammenziehen; für den Besucher aus dem Irdischen ist das voller Merkwürdigkeit, wie überhaupt sehr vieles dort im Jenseits, im Grünen Land.

(15)So kann es geschehen bei einer Wanderung durch die Grüne Wand von hüben nach drüben und sodann zurück, dass dort nicht viel Zeit verstrichen zu sein schien, sich aber bei der

Rückkehr herausstellt, im Irdischen sind viele Jahre vergangen, vielleicht gar Jahrhunderte. Oder es schien ein langer Aufenthalt im Grünen Lande gewesen zu sein, nach der Rückkehr vergingen auf Erden aber nur wenige Stunden.

(16)Das liegt an den Wolken, jenen grünlichen Nebeln, die ständig das Grüne Land durchziehen; denn die tragen verschiedene Schwingungen, welche auch maßgebend für die erste Jenseitszeit sind. Je dichter dort drüben die Wolken, um so langsamer verstreicht da die Zeit, und wo kaum Wolken sind, da eilt sie dahin.

(17)Wer so wandern möchte, dem genügt aber nicht allein die Magie des Abraxas; um die Schwellen zu überschreiten, bedarf es obendrein des Maka'ara.

(18)Das Abraxas regelt alles, was anbelangt die Zeiten, das Maka'ara aber regelt, was anbelangt die Räume.

(19)Die zweite Jenseitszeit ist das Zeitmaß der jenseitigen Welten. Dieses gilt nicht in allen gleich. In einer bestimmten Jenseitswelt indes bleibt der Zeitlauf stets derselbe.

(20)Über den Zeiten ist die Zeitlosigkeit, das unmessbare Maß Gottes aus der zeitlosen Ewigkeit und der raumlosen Unendlichkeit. Weder die Menschen noch die Wesen des Jenseits vermögen dies zu erfassen, das bleibt bei Gott dem Herrn Christus allein. Das Magische indes tun wir selbst.“

Anmerkung: Im nächsten Kapitel ist dieser Text von mir in ein neueres Deutsch übersetzt, daher können Sie ohne Weiteres zum

nächsten Kapitel springen, obwohl ich Ihnen empfehle, sich diesen alten Text nicht entgehen zu lassen.

Dieses Schriftstück durfte mit Erlaubnis der Marquesa Antonia Contanta von der geheimen Loge der Templer in ein Buch aufgenommen werden (siehe „das kleine Handbuch der geheimwissenschaftlichen Templer“), das ein Sammelwerk ist.

„das kleine Handbuch der geheimwissenschaftlichen Templer“), das ein Sammelwerk ist. gemalt von: Eva Lene Knoll, 2001

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2001

Kapitel 2: Der Lehrer

Der Volksschullehrer Josef Mittermeier hatte vor einer Woche einen merkwürdigen Text in seiner Post gefunden. Die großen Ferien hatten gerade begonnen, und es war einige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Er lebte in seiner Wohnung in einer Vorstadt von Wien. Der Lehrer saß schon länger an seinem Schreibtisch, wo eine kleine Lampe brannte und sah fasziniert auf das Skriptum, das er in Händen hielt. Es war ein altes Dokument, das ihm auf geheimnisvolle Art zugekommen war, denn der Absender dieses Schriftstücks war anonym. Als er den Umschlag öffnete, nahm er das bereits vergilbte Dokument heraus. Er betrachtete es und bemerkte eine blasse alte Schrift, geschrieben mit schwarzer Tinte, die jetzt hellgrau erschien.

Ganz oben links stand eine Bemerkung, dass es sich um eine deutsche Übersetzung eines italienischen Textes aus dem 16. Jahrhundert handle. Das Original war im Besitz eines christlichen Ordens, der zumindest offiziell nicht mehr existierte. Ursprünglich war das Dokument von einer Marquesa Antonia Contanta geschrieben worden. Der Inhalt war schwer zu verstehen, und so musste der alte Lehrer schon etwas nachgrübeln, um ihn auch richtig zu begreifen. Der Inhalt war ziemlich okkult. Langsam aber ergab er einen Sinn. Die Urheberin hatte über ein sehr religiöses Thema geschrieben. Der Inhalt war geprägt von einem sehr spirituellen und magischen Hintergrund. Diese alte deutsche Übersetzung aus dem Italienischen wollte er nun in eine moderne deutsche Sprache übersetzen.

So brannte seine Schreibtischlampe einige Tage und Nächte, denn er konnte selbst bei Tageslicht die blasse Schrift nicht ohne

Schwierigkeiten lesen. Satz für Satz übersetzte er den Text des alten Skriptums vom alten Deutsch in ein neues, leicht verständliches und schrieb ihn sorgfältig nieder.

Er machte zwei Kopien, indem er zwischen dem ersten dicken Blatt und zwei dünnen Blättern zwei Kohlepapiere legte. Das war üblich bis zur Zeit der Fotokopierer und Computer. Der Inhalt war noch immer schwer verständlich für jemanden, dem okkulte, spirituell-magische Themen nicht geläufig waren. Als er mit dem Schreiben fertig war, las er alles nochmals durch. Der Text ergab für ihn jetzt Sinn. So stand jetzt schwarz auf weiß gedruckt, was er auf der alten Adler-Schreibmaschine mühselig und dennoch fehlerfrei mit seinem Dreifingersystem getippt hatte:

„MAGIE DER ZEITEINHEITEN

(1) Es gibt nicht nur eine einzige Zeit, sondern (mindestens) vier. Die Zeit ist überhaupt nicht so wie sie scheint, sie ist symmetrisch und multidimensional. Wenn man dieses Wissen erkennt, kann man es auch nutzen. Das Wissen kann jeder aus dem `Es arcanum abraxum´ (der göttliche Schlüssel des Abraxas) erfahren. Es lehrt im Besonderen das magische Umgehen mit der Zeit beziehungsweise mit den Zeiten.

(2)Zwei Zeiten hier und zwei Zeiten im Jenseits.Aber es gibt noch eine Zeitlosigkeit, die aber nur in der Einheit, in Gott, wirksam ist.

(Anmerkung der Autorin: In der Einheit der multidimensionalen Raum-Zeit).

(3)Die erste Zeit, die wir auf der Erde kennen, ist diejenige, die wir im Allgemeinen benutzen; also Jahr, Tag, Stunde.

(4)Bei magischen Praktiken wird die erste Zeit von einer zweiten durchdrungen; damit meint man Folgendes: Als Gott, den der Herr Christus in der Dreifaltigkeit repräsentiert, die Erde mit allen Geschöpfen geschaffen hat, da hat er auch alle Zeiten gleichzeitig erschaffen. Gott selbst steht über den Zeitebenen, er ist also jenseits der Zeit. Das ist der Grund, warum Gott alles gleichzeitig sieht und gleichzeitig überall sein kann und auch in jeder Zeit da sein kann:

Unsere vermeintliche Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind alles Eins für Gott und den gottähnlichen Wesen. Also ist alles jederzeit und immerdar, obwohl das nur wenige von uns merken.

(5)Trotzdem ist die Zukunft nicht sicher, denn als Gott die Zeitenläufe bildete, so schuf er auch alles zugleich und alles, was möglich sein könnte. Er machte Zeitlinien zu allen nur denkbaren Möglichkeiten auf und bestimmte nicht, welcher Zeitlinie seine Geschöpfe folgen werden.

(Anmerkung der Autorin: Darum tun sich Wahrsager und Hellseher oft so schwer, die Zukunft vorherzusehen, da sie nur eine Zeitlinie sehen, nämlich die, auf der sich jemand momentan bewegt.)

Ein Mensch kann aber jederzeit seine Zeitlinie wechseln, auch wenn er es selten tut. Aber das ist der freie Wille, sonst wäre alles vorher bestimmt und alles unveränderliches Schicksal. Der Mensch kann Herr seines Schicksals sein. Es gibt also viele Möglichkeiten für die Menschen, obwohl jede Möglichkeit von Gott schon „durchgespielt“ wurde.

(Anmerkung der Autorin: Es ist vergleichbar mit einem programmierten Computerspiel. Der freie Wille ist dann wie die Person, die den Spieler repräsentiert, und je nachdem, welcher Level erreicht wird, erhält das Schicksal seines Avatars diese oder jene Wendung.)

Die unbenutzten Zeitlinien löscht Gott, der Schöpfer, dann wieder aus.

(6)Weil aber alle Zeiten schon immer da waren (und noch sind), wenn auch nur als Vorlage in einer Art Möglichkeitsform, ist es so, dass der Mensch sein Erdendasein zweimal erlebt: einmal voll bewusst, und einmal unbewusst.

(7)Die unbewusste Zeit ist die zweite Erdenzeit, auch wenn der Mensch wenig davon weiß. Man kann sie aber im Schlaf erleben:

Manchmal wird diese unbewusste Zeit uns auch durch einen Traum bewusst, der dann eigentlich eine Vision ist; die Grenzen zwischen Traum und Vision sind oft verschwommen und es ist wirklich schwierig, das unterscheiden zu lernen.

(8)Denn diese zweite Erdenzeit ist so gestaltet, dass sie sich schwer erkennen lässt, sie wird fast nicht wahrgenommen. Sie besteht aus unglaublich kleinen Zeiteinheiten (Anmerkung: Quanten). Diese sind kürzer als der schnellste Augenblick und doch geschehen diese unbewussten Zeitabläufe ständig.

(9)Die erste Erdenzeit wird von der zweiten dauernd durchkreuzt und dadurch bilden sich gewisse Zeitüberschneidungen, die ein magisch Praktizierender, wie ein Hellseher oder Wahrsager oder ein Adept irgend einer magischen Schule, sehen kann.

(10)Manchmal haben auch wir, die ganz „normalsichtigen“ Menschen, einen kurzen Einblick in solche Zeitkreuzungen, dann kommt es zu Eindrücken, wo man meint, etwas schon zu kennen, obwohl man es noch nie kennen gelernt oder auch nur je gesehen haben.

(Anmerkung der Autorin: Das sind die sogenannten Déjà vu- Erscheinungen.)

Das heißt auch, dass man einen kurzen Einblick in die Zukunft erhaschen konnte. Weil wir Menschen aber bewusst nur die erste Erdenzeit erleben, können wir dieses Ereignis nicht richtig zuordnen.

(Anmerkung der Autorin: Wissenschaftler erklären, dass Déjà vu daher kommt, dass Informationen im Gehirn gleichzeitig oder über zwei verschiedene Nervenwege verarbeitet werden und ein Denkstrang schneller ist, sodass die Information quasi doppelt ins Bewusstsein tritt! Möglich ist, dass damit auch der zweite unbewusste Zeitablauf gemeint ist – siehe Punkt (8) - , der aus unglaublich kleinen Zeiteinheiten, also Zeitenquanten oder digitalisierten Quanten, vergleichbar mit Punkten auf einer Linie, besteht.

Vielleicht ist es durch Bewusstheitserweiterung möglich, in die Zukunft oder in die tiefe Vergangenheit zu sehen - oder durch praktische Weiterforschung der Physiker mit zusammengeclusterten Wurmlöchern, die eigentlich Hyperkommunikationskanäle sind. Ein Weg für den wissenschaftlichen Laien wäre dann der Weg über die magische Praxis. Durch viele anstrengende Übungen, wie Konzentration, Visualisierung, Imagination usw. kann man zu Inspirationen und Eingaben aus höheren oder parallelen Dimensionen kommen. Vielleicht geschieht das auch durch diesen zweiten Denkstrang, von dem manche Hirnforscher sprechen, dass diese Déjà vu-Erlebnisse so erzeugt werden.Auf der anderen Seite, wozu dient dann das schon erwähnte wurmlochartige Gefüge direkt an unserer DNS, wenn nicht dazu, sich auch mit höheren oder parallelen Welten in Verbindung zu setzen?)

Diese zweite Zeit ist noch immer eine Erdenzeit (die zweite Erdenzeit), obwohl man mit ihrer Maßeinheit schon die erste Jenseitswelt wahrnehmen kann.

(11)Jeder Mensch erlebt von seiner Geburt bis zu seinem Tod alle zwei Erdenzeiten, die bewusst wahrnehmbare und die unbewusste, selten wahrnehmbare Zeit. Beides sind zwar Erdenzeiten, aber miteinander verwoben, obwohl die zweite Erdenzeit, die des grünen Landes, der ersten Jenseitszeit entspricht.

(12)Wer die Lehre des Abraxas-Ordens kennt, versteht es, auch die zweite Erdenzeit zu erkennen und dementsprechend zu nutzen. Oft ist es Eingeweihten dieses magischen Weges möglich, bis zu zehn Jahre die Zukunft voraus zu sehen.

(13)Dann gibt es noch die beiden Zeiten des Jenseits. Es mag jetzt wirklich verwirrend sein, denn die ersten beiden Zeiten (siehe Punkte 9, 10, 11) sind Erdenzeiten, wobei die Zeit im grünen Land die erste Jenseitszeit, der zweiten Erdenzeit entspricht. Hier gibt es Möglichkeiten für eine Überschneidung. In diese Zeit des grünen Landes, in diese Jenseitswelt also, können wir unter Umständen noch Einblick bekommen, denn sie hat dasselbe Zeitmaß wie die zweite Erdenzeit, die wir unbewusst wahrnehmen; und manchmal kommt das Unbewusste ins Bewusstsein.

Die in den nächsten Punkten erwähnten zwei Zeiten sind Jenseitsebenen. Die erste Jenseitsebene ist die Zeit, die mit der Zeiteinheit der zweiten Erdenzeit übereinstimmt. Sie ist die Zeit des `Grünen Landes´. Das heißt, wie schon erwähnt, diese erste Jenseitszeit verläuft so wie die zweite Erdenzeit. Man kann sich durch die eine bekannte Zeiteinheit auch im grünen Land zurecht finden.

Das`Grüne Land´ ist eine Hauptebene der jenseitigen Welt.

(14)Diese Zeit ist allerdings sehr variabel, sie ist keineswegs stabil, sondern verläuft manchmal schneller und manchmal kürzer. Für einen Menschen, der die Ebenen bewusst oder unbewusst

wechselt, ist das sehr merkwürdig, wie überhaupt so einiges in jenem grünen Lande, das sogar zur Hauptebene der Jenseitswelt gehört.

(Anmerkung von Josef Mittermeier.: Nachdem diese dritte Zeit, die erste Jenseitswelt, eigentlich gleich ist wie die der zweiten Erdenzeit, gäbe es nach meinem Verständnis nur drei Zeiten. Aber die Marquesa meint zwei Erdenzeiten und zwei Jenseitszeiten, wobei das Zeitmaß der zweiten Erdenzeit mit der ersten Jenseitszeit gleich ist. Sie unterscheidet Erdenzeiten und Jenseitszeiten und Erdenwelt und Jenseitswelt, wobei es durch eine gleiche Zeit in einer anderen Welt zu Überschneidungen kommen kann.)

(15)Wenn man die Ebenen wechselt, erlebt man erstaunliche Zeitverschiebungen. Viele stellten bei der Rückkehr auf die`normale´ Ebene fest, dass viele Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte vergangen sind, oder umgekehrt, ein Ausflug in die Ebene des`Grünen Landes´ dauerte anscheinend mehrere Jahre oder Jahrzehnte, während in unserer Zeit nur ein paar Sekunden oder Stunden vergangen sind.

(16)Das liegt an den Wolken, die aus grünlichen Nebelwänden bestehen, und die im grünen Land ständig zu sehen sind. Das ist auch der Grund, warum diese Jenseitsebene als`Grünes Land´ bezeichnet wird.

(Anmerkung der Autorin: Was es mit der Farbe auf sich hat, wissen wir nicht. Aber in zahlreichen Berichten aus der Nordpolgegend hat man solche magnetischen Lichter schon gesehen. Ebenfalls ist aus alten Legenden und Mythen bekannt, dass die Helden bei ihren Reisen zu fernen Inseln und fremden Ländern vorher eine grünliche Nebelwand durchquerten.

Es gibt auch Geschichten über Phänomene, zum Beispiel in Berichten bei Flügen oder Fahrten durch das`Bermudadreieck´, das ist ein bestimmter Bereich im Atlantik, sowie bei Sichtungen von unidentifizierten Flugobjekten, worin immer wieder die Rede von einer grünlichen Wolkenwand oder grünlichen Nebelschleiern ist. Auch bei dem bekannten Bericht aus dem früher streng geheimen`Bluebook´ der U.S.-Navy, aus dem in den achtziger Jahren ein Film gedreht wurde, war von einem grünlichen Nebel die Rede, bevor die Kriegsflotte samt Besatzung in Philadelphia – darum hieß es auch`Philadelphia-Experiment´ - bei Forschungsarbeiten mit Magnetfeldern verschwunden ist, um kurz nachher wieder aufzutauchen. Diese grünlichen Nebel werden auch `Elmsfeuer´ genannt, so wie die Naturphänomene in den Polgegenden.)

(17)Wer die Welt der grünen Nebel erforschen möchte, braucht aber nicht nur die Kenntnisse der Abraxas-Magie, er braucht auch die besonderen magischen Kenntnisse des Maka'ara, das ist eine besondere Kenntnis im Bereich der Magie.

(18)Die Abraxas-Magie erklärt, wie man mit den Zeiten umgeht, die Maka'ara-Magie erklärt noch zusätzlich, wie man mit den Raumgrößen umgeht.

(19)Die zweite Jenseitszeit ist das Zeitmaß im Jenseits. Nicht in allen Ebenen des Jenseits' gelten die gleichen Zeiteinheiten, aber in einer bestimmten Ebene bleiben sie gleich.

(20)Über all den vier Zeiten steht die Zeitlosigkeit. Diese ist nicht messbar, denn sie ist die Ewigkeit in Zeit und Raum. Kein Wesen, weder die Menschen noch die anderen Wesen, die in anderen Welten beheimatet sind, können diese Zeitlosigkeit erfassen. Das kann nur der Herrgott, Jesus Christus allein. Im magischen Denken befassen wir uns aber mit der Ewigkeit und der Unendlichkeit des

Raumes sowie mit den Reisen durch Raum und Zeit.“

Josef Mittermeier war zufrieden, besser war der Sinn des Inhaltes nicht zu verstehen und nicht zu erklären. Dann steckte er das Original des neu geschriebenen Skriptums sorgfältig in ein Kuvert, adressierte es und versiegelte es mit Wachs. Noch am selben Tag ging er zur Post und gab den Brief eingeschrieben auf.

Der Adressat war sein alter Freund Othmar, den er schon seit der Kindheit kannte. Er hatte Theologie studiert und war jetzt schon lange Pfarrer in einer altkatholischen Kirche. Seine Pfarre befand sich in einer Kirche im ersten Bezirk in der Nähe der Wipplingerstraße. Eigentlich hätte er das Schriftstück auch persönlich überbringen können, er hätte nur mit der Straßenbahn fahren müssen. Er wusste nur nie, wann sein Freund Zeit für ihn hatte, daher zog er es vor, dass er ihm den Text vorerst mit der Post zuschickte.

Gewiss würden sie später über den Inhalt persönlich reden, nachdem sie telefonisch einen Termin vereinbart hatten. Er war einer der wenigen, die schon privat ein Telefon besaßen und war sehr gespannt, wie sein Freund auf den Inhalt des Textes reagieren würde. Wahrscheinlich würde es zwischen ihnen zu einer interessanten Diskussion über Theologie kommen. Josef freute sich schon darauf.

Kapitel 3: Die Winterfee

Etwa zur gleichen Zeit, also Mitte der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, lebte ein Mädchen mit ihrer Großmutter in einem Dorf in der Nähe eines Waldes. Eines Tages ging Clara, die inzwischen zu einer junge Frau herangewachsen war, im tiefen Winterschnee durch diesen angrenzenden Wald. Sie trug ein einfaches langes Leinenkleid, ein gestricktes Dreieckstuch gegen die Kälte sowie einen Lodenumhang, der fast den Boden berührte. Sie suchte Tannenzapfen und trockenes, abgebrochenes Holz zum Heizen für die kleine Hütte, in der sie wohnten.

Clara war noch keine zwanzig Jahre, aber sie wusste schon viel über die Kunst der Hebammen, die ihr ihre Großmutter lehrte. Sie kam nun in eine Waldlichtung. Am Rande der Lichtung standen hohe Tannen, dick mit Schnee bedeckt. Kleine Eiszapfen hingen von den nackten Laubbäumen, die zwischen den Nadelbäumen wuchsen. Es musste mindestens minus 10 Grad Celsius haben. Ihre Hände waren klamm und steif. Die kalte Sonne schien jetzt auf eine Tanne und ließ den darauf liegenden Schnee glitzern. Irgendetwas kam ihr beim Betrachten des Baumes seltsam vor. Es war eine Form im Baum, fast unsichtbar – weiß und glitzernd!

Tatsächlich löste sich nun eine Form aus dem Baum heraus. Clara erschrak. Es war eine wunderschöne, ganz in weiß gekleidete Frau mit elfenbeinfarbener Haut und schwarzen, langen Haaren, die ihr lose über die Schultern fielen. Sie trug ein funkelndes Diadem wie eine Krone in ihrem Haar, das wie Eiskristalle in der Sonne glitzerte. Diese Frau streckte ihr nun freundlich die Hände entgegen und sagte:

„Erschrecke nicht vor mir, ich bin die Winterfee hier in diesem

Gebiet und achte auf die Natur in dieser Zeit. Ich kenne dich schon lange von meinen Beobachtungen und biete dir an, mit mir zu kommen. Du kannst bei mir viel lernen – die Heilkunst und überhaupt sehr viele Geheimnisse der Natur, die ihr nicht wisst.“

Sie blickte so vertrauenswürdig, dass Claras Angst augenblicklich verschwand.

Die Fee erklärte ihr:

„Wenn du dich entscheidest mit mir zu kommen, werde ich dir alles lehren, was du als Heilkundige deiner Zunft brauchst, aber du musst es sofort tun. Du hast keine Zeit, um dich von deiner Großmutter zu verabschieden, du siehst sie dann erst wieder, wenn deine Lehrzeit zu Ende ist.“

Clara war längst nicht mehr mit ihrem Leben im Dorf zufrieden, und sie hatte den Wunsch viel mehr zu lernen. Wissen war für sie sehr hochrangig. Daher war das ein verlockendes Angebot, was die Fee aussprach. Kurz dachte sie an ihre Großmutter und was sie wohl denken würde, wenn sie nicht vom Wald zurückkehrte. Sie dachte aber auch nach, ob Großmutter alleine im Haushalt zurecht kommen würde. Aber es war ja Winter, und im Garten war zu dieser Zeit nichts zu tun. Außer die zwei Geburten, die im Winter angekündigt waren und die Ziege melken, standen keine wesentlichen Arbeiten an. So zerstreute Clara schnell diese Gedanken, und kurz entschlossen willigte sie ein, mit ihr zu kommen und nahm die dargebotene Hand der Fee.

Diese ging mit Clara tiefer in den Wald. Kurz bevor sich die Sonne neigte, kamen sie zu einem Waldhaus. Es war klein, aber ordentlich, nichts wies auf irgendwelche Schäden hin, die zu reparieren waren. Es hatte einen kleinen Vorbau.

Ein paar Treppen führten hinauf zur Eingangstür. Sie gingen hinein und kamen in einen Flur mit zwei Türen rechts und einer Tür links. Durch diese gingen sie weiter hindurch. In jenem Raum war es gemütlich warm. Die Fee ging zu einer Anrichte an der rechten Seite und zündete eine Lampe an, obwohl schon ein kleines Licht brannte. Das kam von einem großen Eichentisch vorne. Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Am Eichentisch saß ein junger attraktiver Mann vor einer brennenden Kerze.

„Das ist mein Sohn“, stellte die Fee ihn vor:

„Er hilft mir bei der Arbeit und studiert altes Wissen.“

Tatsächlich lagen ein paar dicke Bücher am Tisch. Dahinter befand sich außerdem ein volles Bücherregal. Rund um den Tisch waren ein paar bequeme Sessel, und in der Ecke stand ein mit buntem Stoff bezogenes Sofa. In der linken Ecke vorne stand ein Herd zum Kochen und daneben, der Wand entlang, waren Arbeitstische, auf dem sich viele Flaschen und Töpfe mit Essenzen und anderen Flüssigkeiten befanden, sowie Schalen mit Nüssen und getrockneten Früchten sowie einigen Teekannen. Von der Decke hingen – an Schnüren gebunden – getrocknete Kräuter, aber auch Pfannen und große Löffel. An der gegenüberliegenden Wand befand sich ein großer Kachelofen zwischen zwei Türen. Die eine Tür führte, wie sich später herausstellte, in das Schlafzimmer der Fee, die andere in das Zimmer ihres Sohnes.

Hinter dem Schlafzimmer der Fee befand sich noch ein Zimmer für Gäste, das jetzt für Clara bestimmt war. Über den Arbeitstischen befand sich ein langes Fenster, auf der Seite neben dem Regal hinter dem Eichentisch war noch ein ganz kleines. Aus dem großen Fenster konnte man den kleinen Vorgarten mit dem Weg und den Wald betrachten. Der volle Mond hing an diesem Tag zwischen zwei Baumwipfeln. Aus dem kleinen Fenster sah man eine kleine

Holzhütte. Das war der Stall für die Hühner und einer scheckigen Ziege. Werkzeuge wie Heugabeln, Schaufeln und Sicheln befanden sich auch darin.

Die zwei Türen im Flur führten zu einem Badezimmer und einem Closett, das mit Wasser gespült wurde, wie sich für Clara später heraus stellte. Das war eine Sensation zu jener Zeit. Im Haus gab es auch Wasserleitungen in die Küche und in das Bad. In der Hütte ihrer Großmutter mussten sie das Wasser noch vom Brunnen holen, und es gab auch kein Wasserclosett, sondern den damals üblichen Holzverschlag mit einem Brett, das ein Loch hatte, ohne Spülung.

Die Winterfee stellte nun Abendbrot auf den Tisch. Es gab Käse und frische Butter zum Brot. Ihr Sohn, der Silvester hieß, las ihnen nachher noch eine passende Geschichte aus den Büchern im Regal vor. Da Clara sehr müde war, ging sie an diesem Tag bald ins Bett und schlief sogleich ein - bis zum frühen Morgen.

Am Morgen, wie in der Folge jeden Morgen, machte Silvester mit ihr einen Waldspaziergang. Dabei erklärte er ihr viel von den Gesetzen der Natur. Er nannte ihr die Namen der Bäume, auch von denen, die momentan entlaubt waren und der Tiere, die jetzt Hunger litten. Dem Wild legten sie regelmäßig Rosskastanien in die Futterkrippen sowie Heu und Salzsteine zum Lecken. Dann gingen sie nach Hause, und die Winterfee wartete mit einem Essen auf sie.

Wenn sie arbeitete, trug sie ein einfaches Wollkleid, und nur ein schlichtes Lederband hielt ihre langen schwarzen Haare zusammen. Am Nachmittag ging Silvester Holz hacken oder machte kleinere Reparaturarbeiten im angrenzenden Stall, wo sich, wie erwähnt, ein paar Hühner und eine Ziege den Platz teilten. Außerdem waren ja dort die Werkzeuge sowie eine große Werkbank untergebracht

Clara erhielt unterdessen von der Fee Unterricht. Die Fee lehrte

ihr, wie man Kräuter verarbeitete, Auszüge herstellte, Tinkturen, Essenzen und vieles mehr. Sie lehrte ihr, welche Kräuter für welche Beschwerden benötigt wurden und wie man durch Wasseranwendungen und Packungen Krankheiten und Schmerzen lindern konnte. Clara lernte noch vieles mehr; Methoden, die wir längst vergessen hatten und Wirkstoffe, die man „Zaubermittel“ nennen könnte.

Sie lernte auch, wie man aus Pflanzen und Früchten, die im Winter nur getrocknet vor kamen, wertvolle Speisen zubereiten konnte, wie man besonders gut Marmeladen einkocht, Brot bäckt, Fleisch räuchert und so weiter. Sie lernte dabei, wie man alles so schonend zubereiten konnte, dass die Nährstoffe weitestgehend erhalten blieben. Die Fee lehrte ihr, wie man Tee zubereitet und welcher Tee bei welchen Beschwerden am wirkungsvollsten ist. Ebenso lehrte sie ihr den Sinn und die Wirksamkeit von Gewürzen, wie Zimt, Nelken, Ingwer und vielen anderen.

Später, nach dem Abendbrot und dem Saubermachen, erschien die Winterfee in ihrem weißen Kleid, das reichlich mit Silberfäden bestickt war und setzte sich auf einen Hocker. Silvester holte dann eine Harfe, seine Harfe, herbei und setzte sich ebenfalls auf einen Hocker. Dann fing die Fee zum Singen an, und ihr Sohn begleitete sie mit seinem Instrument. Sie sang hell und klar wie ein Engel, und Silvester holte aus den Harfensaiten die zauberhaftesten Klänge, die Clara je gehört hatte. Das war für sie immer wie eine Belohnung für die Arbeit des Tages. Es war das fixe Tagesprogramm.

Manchmal, am späten Abend, saß Silvester auf der Gartenbank, eingehüllt in seinen Lodenmantel und starrte in den Himmel, wo die Sterne funkelten. Er hatte ein Rohr, in das er durchschaute. Es hieß „Teleskop“ erklärte er Clara, nachdem sie sich immer öfter zu ihm gesellte, ebenfalls eingehüllt in ihrem Lodenumhang und hatte noch

ein Wolltuch über ihren Kopf geschlungen, denn es war sehr kalt.

Silvester erzählte ihr dann von den Planeten und Sternen, wie sie hießen und die Legenden dazu. Er ließ sie oft durch das Teleskop blicken, um ihr auch weit entfernte Sonnen und Sternenhaufen zu zeigen. Er erzählte ihr dabei von seinem Verhältnis zu seiner Mutter, der Winterfee, und von seinem Vater, der längst verstorben war. Er erzählte ihr, dass sein Vater ein Mensch, ein Bauernsohn gewesen sei und jahrelang der Geliebte seiner Mutter.

Langsam wurden die Tage wieder länger, und es wurde auch etwas milder. Es fing an zu tauen, und die Sonne kam immer öfter heraus. Clara und Silvester machten zu dieser Zeit sehr lange Spaziergänge am Vormittag. Sie stellte fest, dass sie ihn inzwischen sehr lieb gewonnen hatte.

Eines Tages war es endlich warm geworden, und der Frühling zog ins Land. Da teilte ihr die Winterfee mit, dass nun ihre Lehrzeit zu Ende sei, und sie zurück gehen könne in ihre Menschenwelt. So verabschiedeten sie sich, und die Fee gab ihr als Geschenk einen Topf mit Zauberkräutern sowie ein versiegeltes Pergament, mit der Bitte, es erst zu öffnen, wenn sie zu Hause sei. Sie verabschiedeten sich herzlich, und alle waren auch ein wenig traurig, sich wieder trennen zu müssen.

Clara wurde von Silvester noch bis zum Rande des Waldes begleitet, wo er sie zum Abschied umarmte und ihr versprach, sie bald wieder zu sehen. Das machte ihr denAbschied leichter. Als sie den bekannten Weg zurück in ihr Dorf ging, überlegte sie fieberhaft, wie sie ihre monatelange Abwesenheit ohne Abschied erklären sollte.

Als sie in das Haus ihrer Großmutter eintrat, erblickte sie diese sofort und nahm sie weinend in die Arme. Die Großmutter fragte sie

immer wieder, wo sie denn all die Jahre gewesen sei. Clara war verstört, denn es waren doch nur drei Monate vergangen, dachte sie. Sie nahm nun das versiegelte Pergament und öffnete es. Darin fand sie eine Bestätigung ihrer Lehrzeit bei „Frau Heidelinde vom Auenwalde in den blauen Bergen“ während einer Zeit von drei Jahren!

Es waren also drei Jahre vergangen, und Clara war inzwischen 21 Jahre alt geworden. Sie ging zu dem Spiegel, der in der Stube hing und betrachtete sich genau: Ja, sie war reifer geworden. Sie sah noch fast gleich jung aus, aber ihre Gesichtszüge waren weiser und erwachsener. Diese drei Monate in der Feenwelt waren wie drei Menschenjahre. Man hatte immer schon in den Sagen und Legenden erzählt, dass die Zeit in der Feenwelt anders war, als die in der Menschenwelt.

Clara erzählte ihrer Großmutter, was sie alles erlebt hatte, und dass sie auch für den Beruf als Hebamme viel dazu gelernt hätte, überhaupt, was die Pflege im Wochenbett betraf. Nun, in den nächsten Wochen war für sie viel zu tun. Drei Kinder erblickten das Licht der Welt, und Clara konnte ihr neu erworbenes Wissen gleich unter Beweis stellen.

Inzwischen war es Hochfrühling geworden. Die Bäume und Sträucher blühten, und die Blumen wuchsen in bunter Pracht. Clara dachte mit Wehmut oft an die Zeit bei der Winterfee und vor allen Dingen an Silvester.

Die Großmutter ging eines Tages in die Stadt, um einiges zu besorgen wie Stoffe, Knöpfe und bestimmte Gewürze, die sie hier oben im Dorf nicht bekam. Als sie zurück kam, erzählte sie Clara, sie hätte unterwegs den neuen Förster getroffen, und dieser hätte sie gebeten, sie wegen eines bestimmten Anliegens besuchen zu dürfen. Clara wusste nicht, was dieses Anliegen sein könnte und war

sehr neugierig, aber Großmutter tat sehr geheimnisvoll.

Es war Sonntag früh, und Clara putzte sich für den Kirchgang fein heraus. Sie trug ein hellblaues Baumwollkleid, das ihre Großmutter für sie vom neuen Stoff genäht hatte. Es hatte einen taillierten Schnitt und war am Ausschnitt mit Rüschen verziert. Dazu trug sie eine weiße Strickweste, die mit blauen und rosa Blümchen bestickt war. Um den Hals trug sie ein schwarzes Samtband mit einem Herz aus Silber von ihrer verstorbenen Mutter. Ihr blonder Zopf war aufgesteckt und ebenfalls mit einem schwarzen Samtband geschmückt. Großmutter trug ihr „Sonntagskleid“ und saß auf ihrem Stuhl, als es an der Tür klopfte.

„Herein!“ rief die Großmutter laut, und die Tür öffnete sich. Ein Sonnenstrahl fiel in den Raum hinein. Die Tür war im Osten, und die Morgensonne stand noch tief am Himmel, sodass das Licht von hinten auf eine Gestalt fiel, von der man nur einen Schatten sah. An der Türschwelle stand nun dieser Schatten von einem Mann. Clara blickte auf die weit aufgerissene Tür und auf die Gestalt, dessen Silhouette sie nun langsam erkannte. Der Mann trug einen langen Mantel und einen Hut. Ihr Herz schlug wild, während sich der Mann leicht beugte und dabei den Hut zog. Dann küsste er ihre Hand und richtete sich langsam wieder auf, um ihr direkt in ihre strahlenden Augen zu sehen:

Es war Silvester!

Clara und Silvester wurden ein Paar und bekamen nach einigen Jahren einen sehr begabten Sohn namens Georg und eine Tochter namens Catharina. Der Sohn, der Georg hieß, zog nach Wien und studierte dort Physik, während die Tochter, welche die Gaben ihrer Feen-Großmutter geerbt hatte, in der Nähe der Natur blieb. Später

kam sie zu ihrer Feen-Großmutter, so wie seinerzeit Clara, um sich bei ihr in allen möglichen Heilkünsten ausbilden zu lassen. Sie war der Fee sehr ähnlich und blieb bei ihr für lange Zeit.

Der Sohn hatte feurige, dunkle Augen und schwarzes, gewelltes Haar. Er hatte ein leicht exotisches Aussehen, was ihm einen gewissen Reiz gab. Unter seltsamen Umständen lernte er später eine Frau kennen und lieben, die Christine hieß. Als ob sie ihn erkennen würde, verliebte sie sich sofort in ihn und er in sie. Auch er hatte das Gefühl, sie schon gut zu kennen. Vielleicht hatte er sie in einer Vision gesehen, denn er besaß ebenfalls Talente, die er von seiner Großmutter, der Fee, geerbt hatte. Kurz nachdem sie sich kennen gelernt hatten, heirateten sie. Christine war Künstlerin mit Leib und Seele, während er in der Forschung eine Stelle bekam. Sie bekamen zusammen wieder einen Sohn, der Geschichte und Germanistik studierte. Sie nannten ihn nach seinem Großvater „Silvester“. Außerdem liebte er die Natur so sehr wie sein Feen- Vorfahr, deshalb zog es ihn auf das Land.

Dieser lernte im südlichen Österreich eine hübsche kluge Frau kennen, die ihrerseits wiederum an den Naturwissenschaften interessiert war, aber auch an Musik und Kunstgeschichte. Sie war noch sehr jung. Er bekam in einer Kleinstadt am Semmering eine Stelle als Lehrer. Sie hatten keine materiellen Sorgen. Bald darauf gebar ihm seine Frau eine Tochter und einen Sohn. Während der Sohn ganz nach seinem Vater geriet und ebenfalls studierte, allerdings in Graz, lernte die Tochter in jungen Jahren während eines Urlaubs in Italien einen Mann aus Florenz kennen und lieben und zog kurzerhand zu ihm nach Italien.

Diese Tochter hieß ebenfalls Clara, so wie ihre menschliche Ahnfrau, hatte allerdings die Gaben ihrer Feen-Vorfahren geerbt, aber das wusste sie nicht mehr. Clara bekam mit dem jungen

Florentiner wieder eine Tochter. Sie nannten sie Lara. Ihre Ehe aber funktionierte nicht, und sie ließen sich bald wieder scheiden. Clara zog mit ihrer Tochter nach Wien. Dort studierte sie Wirtschaftswissenschaft, war aber nicht wirklich zufrieden damit. Ihr wurde bald langweilig, und so musste sie sich anders orientieren. Dabei zog es sie zunächst nach Italien, zu ihrem Vater nach Florenz. Inzwischen war längst das zweite Jahrzehnt des nächsten Jahrtausends angebrochen, und ausgerechnet da kam es wieder zu mehreren Katastrophen auf der ganzen Welt. Das hielt sie dennoch nicht ab, zu gehen.

Ich betrachte mein Leben als eine Reihe sich entfaltender Möglichkeiten, aufzuwachen.“

Ram Dass (geb. 1931), Psychologe und Philosoph

Kapitel 4: Das Spiegeleis

Als Claras und Silvesters Sohn Georg längst erwachsen war, also Ende der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, spielte sich parallel zu seinem Leben, das er in Wien führ te, folgende Szene ab, und zwar in einem dichtem Wald zwischen südlichem Niederösterreich und der nördlichen Steiermark:

Eine junge 'Frau namens Christine stapfte in der eisigen Kälte entlang eines Seitenweges durch die winterliche Landschaft. Es war ein dichter Hochwald. Zwischen Bäumen und Büschen sah sie eine Lichtung, die vom vollen Mond beleuchtet wurde, denn es dämmerte bereits, und es war bitter kalt.

Christine hatte nicht rechtzeitig den Weg zurück zu ihrem Auto gefunden. Das lag wohl an ihrer Art, Pfade zu nehmen, die nicht markiert waren. So wie jetzt. Noch dazu war dieser Weg nicht einmal ein richtiger, er war nur eine Wildfährte. Eiskristalle hingen überall an den Zweigen und Gräsern. Der Schnee war nicht mehr so hoch wie vor einiger Zeit, dafür war es noch kälter geworden. Sie hoffte, von dieser Lichtung aus eine Straße zu sehen, bevor es völlig dunkel wurde. Wenigstens angrenzende Felder und Äcker, die eine nahe Straße oder ein Haus vermuten ließen, hoffte sie zu sehen. Sie wusste nicht, was ihr eigentlich eingefallen war, sich so weit auf unmarkierten Wegen vom Auto zu entfernen.

Christine war warm angezogen, sie trug dicke Jeans und eine pelzgefütterte Lederjacke, dicke Lederhandschuhe und eine Mütze sowie einen doppelt gefalteten langen Schal. Die dichten blonden Haare fielen ihr weit über ihre Schultern und boten noch einen zusätzlichen Kälteschutz. Dennoch, es war weit unter dem Gefrierpunkt, und ihre Gesichtszüge waren steif gefroren. Sicherlich

konnte sie nicht einmal mehr sprechen, dachte sie. Die Finger wurden auch langsam klamm. Wenigstens blieben ihre Füße warm, denn sie trug dicke Socken und feste, gefütterte Winterschuhe.

Endlich kam sie zur Lichtung, und vor ihr lag ein stiller, tief gefrorener Teich, glatt wie ein Spiegel. Es war inzwischen völlig dunkel geworden, aber zum Glück leuchtete der Vollmond, der die Landschaft erhellte. Sie blickte in die Ferne, aber es war kein Weg in der Dunkelheit mehr zu sehen, schon gar keine Straße oder ein Haus, ja nicht einmal angrenzende Felder, die ein Ende des Waldes ankündigten. Nein, ringsum war nur tiefer Wald, und es war spät und dunkel.

Rund um den Teich befanden sich Gräser. Einige Grasbüschel waren nackt, das heißt, sie waren nicht vom Schnee bedeckt. In der Tasche fand sie ein Feuerzeug. Sie wollte damit ein paar Büschel und vermeintlich trockene Zweige anzünden, aber es entstand nur Rauch. Die Kälte hatte die Nässe im Gras und im Holz nur gefroren, sie waren als Materialien zum Feuermachen nicht geeignet. Wohl oder übel musste sie hier übernachten.

Vor der Dunkelheit hatte sie keine Angst, aber vor der Kälte. Sie suchte sich einen Platz, wo sie ruhen konnte und fand auch tatsächlich einen umgeholzten Baum, der wie eine Bank da lag. Er war von einem Dach aus Ästen eines dahinter stehenden hohen Baumes geschützt. Sie legte ein paar Grasbüschel auf den Baum und spannte ihren Schal wie eine Decke über die Büschel. Den Kragen konnte sie aufstellen, und den Rollkragen ihres Pullis schob sie fast bis über den Mund. Das hätte sie schon vorher tun können, dachte sie. Nun war sie müde vom stundenlangen Gehen. Was war ihr nur eingefallen, so tief in den Wald zu gehen? Nach einiger Zeit hatte sie schon ein Schutzhaus gesucht, stattdessen war sie in Gedanken versunken wieder die falschen Wege gegangen, weit

entfernt von den markierten.

Sie setzte sich hin und starrte auf den Teich. Der volle Mond leuchtete ihn fast aus mit seinem hellen Licht. Er lag da wie ein großer Spiegel. Sie war unheimlich müde, aber es war zu kalt zum Schlafen. Sie hatte ja nicht einmal irgend etwas zum Zudecken, und beim Stillsitzen wurde ihr noch kälter.

Etwas Weißes leuchtete in der Ferne, und sie hoffte, es hätte dort jemand einen Stofffetzen liegen gelassen. So tappte sie sich am Rand des Teiches entlang, um nach zu sehen. Sie war enttäuscht, denn was sie fand, war nur ein zerschlissener weißer Plastiksack. Aber besser als nichts, dachte sie dann und ging damit zurück.

Sie nahm den Schal von den Grasbüscheln weg und deckte den Platz an seiner statt mit dem alten Plastiksack zu. Sie konnte sich hinlegen und mit dem langen, breiten Schal zudecken. Er war wie ein Hauch von Nichts, aber trotzdem war es besser so. Sie war jetzt noch viel müder geworden. Fasziniert schaute sie auf die glatte Spiegelfläche des Teiches, und es kam ihr vor, als sähe sie unter dem Eis ein Gesicht einer Waldfee. Sie stand auf und ging zum Eis. Diese Fee oder wer auch immer dieses Wesen war, war wunderschön anzusehen und hatte ein Diadem in ihrem Haar. Plötzlich krachte das Eis, und sie fiel hinein. Sie fiel und fiel. Ihr schwanden die Sinne.

Als sie wieder die Augen öffnete, befand sich Christine mitten in einer Frühlingslandschaft. Sie war nicht im Wasser ertrunken, sie war trocken, und vor ihr war der Teich, der jetzt voller Leben war. Seerosen blühten inmitten des ruhigen Wassers, Frösche quakten und Bienen summten. Sie hörte die Vögel zwitschern, und zwischen dem Schilf sah sie einige kleine Enten. Libellen schwirrten über dem Wasser, und es war so warm, dass sie ihre Jacke und Handschuhe ausziehen musste. Auch ihre Mütze nahm sie ab, und die Ärmel des

Pullovers strickte sie ebenfalls auf. Die Wiese duftete nach Blumen und Gräsern. Vom Wald kam ein leichter Harzduft entgegen. Die Sonne leuchtete hoch und hell.

Hinter der Lichtung sah sie einen kleinen Pfad. Dorthin ging sie nun. Nachdem sie ein Stückchen entlang gelaufen war, kam sie zu einem Platz mit einer Bank. Darauf saß ein attraktiver junger Mann. Er schien groß gewachsen und muskulös zu sein. Seine dunklen glänzenden Haare und seine mandelförmigen, dunklen Augen mit den hohen Backenknochen gaben ihm ein besonderes Aussehen. Er gefiel ihr sehr, aber es war seine Ausstrahlung, die ihn so anziehend für sie machte. Irgendwie hatte er Ähnlichkeit mit der Fee, die sie unter dem Eisspiegel gesehen hatte.

Als er sie nun erblickte, stand er auf und ging auf sie zu. Er hielt ihr seine Hände hin und begrüßte sie mit den Worten:

„Endlich bist du gekommen, meine Seelenschwester!“

Christines Herz klopfte, und ein seltsames Gefühl ging durch ihren Körper – so gar nicht schwesterlich. Aber diese Bemerkung von ihm war nicht wörtlich gemeint, da war sie sicher. Der Mann meinte etwas ganz Anderes. Es ging ein starkes Gefühl der Liebe von ihm aus. Er nahm ihre Hände und blickte sie lange mit seinen samtenen Augen an. Eine Welle der Wärme ging durch ihren Körper, und es kam ihr vor, als würde ein Lichtstrahl von oben auf sie beide fallen, und dieser Strahl hüllte sie ein und wärmte sie. Das war wie ein Segen, und sie empfand Liebe und Geborgenheit.

Nach einer lange dünkenden Zeit, wobei weder sie noch der Mann etwas sprachen, sondern nur fühlten und spürten, ließ er dann doch wieder langsam ihre Hände los und sprach:

„Du musst jetzt gehen, aber ich verspreche dir, wir sehen uns bald

wieder. Dann wirst du mich wieder erkennen und ich dich, und es wird eine schöne Zeit für uns beginnen.“

Christine wollte nicht, dass er sich entfernte, aber da wurde sie von einem Schwindel erfasst und sah nur noch Licht. Sie verlor wieder das Bewusstsein. Als sie erwachte, befand sie sich am Teich, und sie lag auf dem Plastiksack, den sie über die Grasbüschel auf den Baum gelegt hatte und war zugedeckt von ihrem Schal. Es war dieselbe Winterlandschaft, und ihr war eiskalt. Aber der Morgen war schon angebrochen. Es war bald so hell, dass sie alles überblicken konnte. Sie war am Leben und nicht erfroren. Also stand sie auf und ging um den Teich herum, wo sie auch tatsächlich einen Weg fand. Seltsam, hinter einem Baum sah sie eine feenhafte Gestalt verschwinden. Diese verlor sie sofort wieder aus ihren Augen. Nach kurzer Zeit fand sie einen Platz mit einer Bank.

Sie ging noch weiter, und schließlich sah sie auch eine Straße und Häuser. Dort würde sie ihr Auto finden.

einer Bank. Sie ging noch weiter, und schließlich sah sie auch eine Straße und Häuser. Dort

fotografiert von: Eva Lene Knoll, 2010

„Zu der neuen Art des Sehens gehört ein imaginativer Sprung, der uns in Erstaunen versetzen wird.“

John Bell, Quantenphysiker (1928-1990)

Kapitel 5: Der Enkelsohn der Fee

Georg, der Enkelsohn der Fee vom Auenwalde, der Sohn von Clara und Silvester, verbrachte währenddessen schon stundenlang seine Zeit in seinem kleinen Wohnzimmer vor einem Stapel von Büchern seines Faches, denn er machte einen langen Aufsatz über einen Vortrag, den er im Zuge eines Seminars, das seine Firma veranstaltete, halten sollte. Es war sehr mühsam für ihn, denn er war müde. Draußen war es kalt, also wurde er wenigstens nicht vom schönen Wetter abgelenkt, er wäre sonst lieber nach draußen gegangen.

Er war dabei, die physikalischen Gesetze von Newton bis Einstein zusammen zu fassen, die ja alle von einer vollkommenen Symmetrie der Zeit ausgingen, das heißt, Vergangenheit und Zukunft sind laut Theorie bis auf Ausnahmen, zeitsymmetrisch. Die Praxis zeigt zwar immer etwas anderes, nämlich die Richtung von der Vergangenheit zur Zukunft, aber dieser Pfeil scheint in der Physik keine Spuren zu hinterlassen. Es gibt diese besagte Zeitumkehrsymmetrie. Das heißt, eine Bewegung, die sich in die übliche nach vorne gehende Richtung entwickelt, ist immer auch umgekehrt möglich.

Überall in der Natur herrscht das Gesetz der Symmetrie. Sogar der entropische Pfeil ist ein Doppelpfeil. Bei genauer Betrachtung scheint sich dieser Doppelpfeil mit dem zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu widersprechen, der besagt, dass beim Eintreten von Unordnung auch immer eine mehr als gleichwertige Ordnung entstehen würde. Da das Universum aus einem hoch entropischen Zustand entstanden ist, was man annimmt (entropisch ist eine Unordnung, das heißt hoch entropisch ist ein Zustand einer großen

Unordnung, während nieder entropisch bedeutet, dass der Zustand nicht so chaotisch ist). Der Urknall ist aber aus einem Zustand niedriger Entropie entstanden, und das bedeutet, dass die gegenwärtige Ordnung ein Rest der kosmologischen Frühzeit ist.

Schwarze Löcher, das sind die materiedichtesten Zustände, bei denen die Gravitation so stark ist, dass nicht einmal Licht mehr heraus kommt, weisen maximale Entropie auf. Schwarze Löcher sind aber das Ende eines Sterns, also müsste der Anfang nieder entropisch sein (weiße Löcher?). Also, hier standen Physiker wie Georg vor einem Rätsel, und zwar vor dem Zeitpfeilrätsel.

Die Quantentheoretiker meinen sogar: Die Wahrscheinlichkeitswelle verkörpert alle Arten von Vergangenheiten (Feynmann). In der Quantentheorie bestimmt der Beobachter, welchen Weg das Teilchen einschlägt. Es klingt paradox: Aber Teilchen verhalten sich wie Wellen, und bei mehrfach wiederholten Versuchen wurde festgestellt (Doppelspaltversuche), dass man nur mit Wahrscheinlichkeit weiß, welches Teilchen welchen Weg nehmen würde.

Es wurde am Bildschirm immer ein wellenartiges Interferenzmuster gebildet. Gab es aber einen Beobachter - zum Beispiel wurde bei einem Versuch ein Detektor kurz vor dem Eintreffen der Photonen an eine der möglichen zwei Spalten angebracht - verhielten sich die Quanten wie Teilchen und nicht wie Wellen. Das heißt, es bildeten sich keine Interferenzmuster am Bildschirm, so als ob sie der Beobachter, in diesem Fall ein mechanischer Detektor, dahingehend beeinflusst hätte, welchen Weg sie nehmen sollten.

(Anmerkung: Später, nach 1980, gab es sogar ein „Delayed- Choice-Experiment“ [Welcher-Weg-Information] von John A. Wheeler, das auch praktisch durchgeführt und analysiert wurde, aber

von dem wusste Georg noch nichts, obwohl er in der Forschung tätig war. Wheeler sagte, dass anscheinend die Vergangenheit von der Zukunft abhängen würde. Bei diesem Experiment wurde ein Photonendetektor unten an der Vorrichtung angebracht – in einer winzigen Entfernung vom Strahlteilchen. Ein Photon wurde dann abgeschossen. Wurde der Detektor abgeschaltet, kam es zum Wellenmuster. Wurde der Detektor eingeschaltet, verhielt sich das Photon wie ein Teilchen. Als hätte das Teilchen die Zukunft mit ihrer Wahrnehmung schon gesehen und durchgedacht, wie es sich entscheiden würde.

Und wie es sich bei Teilchen verhält, kann es sich im Großen auch beim Menschen so verhalten.

Wheeler kam zu folgendem Schluss: Haben Teilchen eine Vorahnung? Das heißt auch, in diesem Falle hätte es über alle Zeiten hinweg schon immer eine Vielfachwirklichkeit der Möglichkeiten gegeben.

Scully und Drühl stellten 1982 [zwei Jahre später, daher wusste Georg ebenfalls nichts davon] eine Theorie auf mit der Frage, wie die Sache aussehen würde, wenn sie einen sogenannten „Quantenradierer“ benutzen würden.

Den

praktischen

Versuch

machten

dann

Chia,

Kuriat

und

Steinberg, experimentelle Physiker: Es war wieder ein Doppelspaltversuch, indem sie vor den Spalten jeweils eine Markiervorrichtung montierten.

Jedes Photon wurde markiert und später untersucht, welchen Weg es genommen hatte. Da der Radierer klarerweise wie ein Beobachter fungierte, kam kein Interferenzmuster zustande. Sie gingen durch den linken oder durch den rechten Spalt. Die Physiker löschten nun diese Markierung wieder kurz vor dem Eintritt in den

jeweiligen Spalt. Was geschah? Die „Welcher-Weg-Funktion“ wurde ausgelöscht, und es kam wieder zu einem Wellenmuster! Mit einem Detektor hätte das anders ausgesehen, aber ein Markierer bietet nur die Möglichkeit einer Wegwahl. Bei einem Detektor werden die Interferenzen verwischt, und es kommt wieder zum Teilchenverhalten. Keine Welle!)

Die Quantenphysiker sagen nämlich: Die Welt ist eine verschränkte Welt, und das Universum ist nicht lokal! Dann gäbe es also doch eine Zeiten-Asymmetrie!

Die Folge einer Zeitsymmetrie wäre die:

Würde man ein Glas zerbrechen, könnte sich der Vorgang wieder umdrehen, und das Glas könnte wieder „entbrechen“, es würde wieder werden wie vorher. Die Suppe, die man gekocht hätte, würde sich wieder „entkochen“ und in ihre rohen Bestandteile zerlegen. Und schließlich würde man mit der Zeit zwar älter werden, man könnte sich aber auch wieder umdrehen und jünger werden.

„Aber gibt es nicht doch eine versteckte Zeitsymmetrie, die wir noch nicht entdeckt haben?“ So dachte Georg.

(Anmerkung: Bis heute ist das Rätsel der Zeitsymmetrie noch nicht gelöst, denn was die Quantentheorie über die Zeit aussagt, erklärt die erst viel später ausgearbeitete Stringtheorie anders. Und dort geht es auch um den Raum, denn die Stringtheorie ist vom Hintergrund einer Raumzeit abhängig.

Diese Stringtheorien (denn eigentlich sind es schon fünf) widersprechen sich nicht mit der allgemeinen Relativitätstheorie. Bei näherem Hinsehen widerspricht sich die allgemeine Relativitätstheorie auch nicht mit der Quantenphysik, aber beide lassen sich mathematisch nicht auf eine Formel bringen. Daher

stellte man beide Theorien als gleichwertig hin, nur wo die Relativitätstheorie in der Welt des Großen verwendet wird, wird die Quantenphysik in der Welt des Kleinen verwendet, zum Beispiel in der Astronomie. Eine zusammenbringende „Weltformel“ wird noch gesucht.)

Gibt es überhaupt die Zeit oder ist sie eine Illusion? Würden sich die Dinge nicht von Augenblick zu Augenblick verändern, das heißt, sich in Richtung Zukunft entwickeln, gäbe es überhaupt keine Vorstellung eines Ablaufes, und alles was existiert und je existiert hat, wäre unbeweglich und tot!

Georg hatte sein Konzept inzwischen fast fertig geschrieben, doch wurde er plötzlich so müde, dass er in seinem bequemen Stuhl nach hinten sank. Es war fast wie ein Traum, was mit ihm dann geschah. Plötzlich war er weit weg und befand sich in folgender Szene:

Er sah ein Mädchen oder besser gesagt, eine junge Frau. Diese war warm gekleidet und hatte lange blonde Haare. Er erkannte in ihr ganz intuitiv seine Seelengefährtin und wollte sie sofort berühren. Doch sie kam zu ihm und war offensichtlich auch von ihm sehr beeindruckt. Außerdem war sie scheinbar verwirrt. Es war zwar ein wunderschöner Frühlingstag, aber die junge Frau hielt eine Winterjacke unter ihrem Arm und hielt Mütze und Handschuhe in der Hand. Sie hatte feste warme Schuhe an, einen dicken Pullover und schaute ihn an, als ob er von einem „anderen Stern“ gekommen sei.

An mehr konnte er sich nicht mehr erinnern, als er wieder in seinem Stuhl erwachte. Es fehlte ihm auch die Erinnerung an das Gesicht der Frau. So dachte er, er wäre vor Müdigkeit eingeschlafen und hätte dies nur geträumt, aber das Gesehene kam ihm real vor.

Obwohl er Physiker war und sich für ein Studium dieser

Naturwissenschaft als junger Mann entschieden hatte, eine Wissenschaft, die nur harte Fakten zuließ, wusste er doch von seinen feenhaften Vorfahren, dass die Wissenschaften allein nicht die ganze Weisheit des Weltalls erfassen können. Wenn wir Menschen nicht auch unsere mystischen Erfahrungen hätten und die Weisheit, die uns unsere „Seele“ sagt, kämen wir selbst in der Forschung nicht weiter.

Er wünschte sich, diesem Mädchen auch in der Wirklichkeit begegnen dürfen, und dieser Wunsch erfüllte sich bald, als er im selben Jahr zu einem Seminar nach Graz fuhr. Dort lernte er die hübsche Christine kennen, die zur selben Zeit in dieser Stadt war, um ein Konzert zu besuchen. Sie heirateten nach einiger Zeit und bekamen einen Sohn, den sie „Silvester“ nannten, so wie sein Großvater hieß, der Feen-Sohn. Dieser Silvester bekam Kinder mit seiner Frau und eines seiner Enkelkinder, das Clara hieß wie eine ihrer Ahnfrauen. Sie bekam in einer kurzen Ehe mit einem Italiener eine Tochter, die sie Lara nannten, von der schon im vorigen Kapitel die Rede war.

Bevor nun über das Leben von Lara weiter zu lesen ist, berichte ich über das Leben der Schwester von Georg. Diese Schwester namens Catharina, führte später ein ganz anderes Leben.

Über Laras Geschichte werden Sie weiter erfahren, nachdem das Leben des Enkelsohns des Lehrers beschrieben wird, denn dieser Enkelsohn wird in der Zukunft noch eine bedeutende Rolle für Laras Enkeltochter spielen; so seltsam das klingt, denn diese Geschehnisse müssten theoretisch zeitlich schon zu weit auseinander liegen.

Tatsächlich beginnt die Fortsetzung von Laras Geschichte erst mit der Erzählung von Aron Rafael Sternbergs Leben, denn diese Lebensgeschichten sind zeitüberschneidend. Aron wird Lara in

jungen Jahren begegnen. Aber lesen Sie weiter - zuerst die Geschichte Catharinas.

Kapitel 6: Reise nach „Avalon“

Es war Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Claras Tochter Catharina, die die Talente der Feen geerbt hatte, ging im jungen Mädchenalter zu ihrer Großmutter, der Fee vom Auenwalde, um ebenfalls Heilkunst zu lernen. Da blieb sie auch, bis sie ungefähr zwanzig Jahre alt war. Sie war sehr glücklich im Feenwald, aber ihre Großmutter schickte sie wieder in die Menschenwelt zurück – zu ihrer Mutter und ihrem Vater, der der Sohn der Winterfee war.

Dort arbeitete sie mit ihrer Mutter zusammen und konnte mit der Heilkunst den Menschen viele gute Dienste erweisen. Mit ihrem Feenvater ging sie oft in den Wald. Das war ihr am liebsten. Er erklärte ihr jeden Baum und jeden Strauch und auch jedes Tier, das sie sahen, so wie er es seinerzeit ihrer Mutter lehrte. Ihr Vater war glücklich hier in der Menschenwelt. Er war zufrieden mit seiner Arbeit im Wald und war glücklich mit Clara, seiner Ehefrau.

Abends saß er oft lange mit seinem Teleskop draußen im Garten und schaute durch das Rohr. So wie er es damals bei seiner Frau getan hatte, lehrte er Catharina ebenfalls vieles über den Sternenhimmel. Sie war dennoch nicht glücklich hier, und sie wollte auch nicht in die Stadt gehen wie ihr Bruder Georg. Ihr Feenblut rief zu stark. Immer wieder ging sie in den Wald, um ihre Großmutter zu suchen, aber sie fand ihr Haus nicht mehr. Sie weinte oft und fühlte sich allein gelassen. Als sie wieder einmal mit ihrem Vater durch das Teleskop schaute, das war mittlerweile auch ihre Lieblingsbeschäftigung in ihrer Freizeit, fragt sie ihn, wie er sich den Kosmos eigentlich vorstellt.

Ohne es allzu intellektuell zu erklären – typisch für ihren Feenvater

– sagte er ihr fast literarisch:

„Ich sage dir: Das Weltall ist ein lebendes Wesen, das einen Willen besitzt. Es atmet – gleich Brahma, der indische Gott – einmal ein und einmal aus. Dann ist ein Weltenzyklus vollendet.

Beim Einatmen konzentriert sich die Materie an einem Punkt –der Lunge Gottes – bis zum Moment, wo sich – wie bei einem Pendel – sich wieder alles umdreht.

Das ist der Moment der Ruhe, der sogenannte Totpunkt.

Dann atmet Gott aus, und alles Leben, alle Materie breitet sich aus, bis das Pendel des Lebens wieder umschlägt.

Und mit jedem Atemzug wird das Weltall, das lebende Wesen, bewusster und seine in sich tragenden Systeme und Wesen.

Wir alle, als Seelen, nicht als Körper, wachsen, bis wir volle Bewusstheit erlangen.

Dann leuchtet das Weltall in reinem Licht.

Das ist Erleuchtung.“

Es vergingen mehr als zehn Jahre, bis Catharina wieder einmal das Feenreich suchte. Es war gerade Frühling geworden, und ein wunderschöner Maientag hob ihre Laune. Von den Feldern her wehte milde Luft, und es dämmerte schon. Am Horizont war der Himmel rosa und golden eingefärbt. Auch ein Grünton war vorhanden. Langsam füllte sich der Horizont noch mehr mit grüner

Farbe, und aus einer Wolkenwand brach ein Strahl wie ein Regenbogen heraus und fiel hinab bis zur Erde. Nur dass dieser Regenbogen wie ein grünlicher Nebel leuchtete. Dieser Nebel reichte bis zur Mitte des Feldes und endete nicht mehr als fünfzig Meter vor ihr. Plötzlich kamen vom Horizont her Reiter auf weißen Rössern. Sie erschienen förmlich wie Geister am Himmel und kamen den Regenbogen herunter. Catharina war hingerissen von diesem Anblick.

Eine ganze Armee von Reiterinnen und Reiter auf weißen, edlen Pferden, die schnaubend vom Regenbogen und dann durch eine grünliche Nebelwolke herunterliefen, blieben plötzlich mitten im Feld stehen. Es waren hunderte von Pferden, und darauf saßen Feen, Frauen und Männer, wunderschön anzusehen. Die Pferde waren weiß und von edlem Geblüt, die Feen selbst waren ebenfalls weiß gekleidet, und alle waren prächtig geschmückt.

Ein mit einer Krone geschmückter Feenmann stieg vom Pferd herab und ging auf sie zu. Ehrfurchtsvoll erschauderte Catharina, als sie diese edle Gestalt auf sich zukommen sah. Der Feenmann näherte sich und verbeugte sich, als er vor ihr stand. Er selbst trug eine Krone, und seine Reiterinnen waren ebenfalls mit goldenen und silbernen Diademen geschmückt.

Die Reiter trugen Schwerter mit Edelstein-verzierten Scheiden, und ihre Gewänder waren alle mit Gold- und Silberfäden durchzogen und mit Juwelen besetzt. Auch die Pferde hatten Gold- und Silberbeschläge, golden waren ihre Hufe und silbern die Steigbügel der Sättel, die ebenfalls mit edlen Materialien bestickt waren. Catharina wusste: Das waren die Thuatha de Danann, ein altes Feengeschlecht aus den keltischen Sagen. Normalerweise bekam sie kein Sterblicher zu sehen, aber ihre Feen-Großmutter hatte viel von ihnen erzählt.

Catharina verneigte sich ebenfalls leicht und stellte sich mit ihrem Namen vor. Der Feenmann begrüßte sie: „Wir kennen dich Catharina. Du bist oft in den Wäldern und hast deine Großmutter, die Winterfee, gesucht. Aber sie ist nicht mehr da, sie lebt bei uns. Auch sie wollte schon länger nicht mehr bei den Menschen sein, so wie du.

Wir wollten sicher gehen, ob du wirklich nicht bei den Menschen bleiben willst, bevor wir uns für dich sichtbar machen. Wir leben jenseits des`Grünen Landes´ auf der Feeninsel`Avalon´, die schon lange vom menschlichen Bewusstsein verschwunden ist. Wir laden dich jetzt ein, bei uns zu leben, aber du musst dir sicher sein, denn es gibt kein Zurück.“

Catharina blickte in die Menge, und da kam ihre Großmutter auf einem Pferd herangeritten – mit wehenden Haaren. Sie stieg ab, und beide fielen sich in die Arme und weinten. Die Wiedersehensfreude war groß. Dann trat Catharina wieder einen Schritt zurück.

„Träumte sie nur?“ Fragte sie sich einen Augenblick, aber sie merkte schließlich, dass die Szene real war. Dann fragte sie sich, ob sie vielleicht gestorben wäre und nun diese berühmte „Lichterfahrung“ machte, von der manche berichteten, die den Nahtod erlebt hatten.Aber die Feen versicherten ihr, dass dem nicht so sei.

„Komm', ich zeige dir Avalon!“ Rief der Feenkönig und ließ sie auf sein Pferd aufsteigen, und im Nu flogen sie durch eine grüne Nebelwand. Hoch oben vom Himmel sah sie schon von der Ferne eine Insel. Avalon! Wie prächtig sie war: Pastellfarbene, schlossähnliche Gebäude mitten in grünen Landschaften, angelegten Gärten, Obstbäume, Blumen, sanfte Hügel und Berge sah sie dort, und rundherum erstreckte sich ein blauer, klarer Ozean,

wobei die Wellen an den Felsen der Küste hinauf spritzten, sodass eine meterhohe Gischt entstand.

Sie landeten nun im Schlosshof, und Großmutter stand wieder neben ihr. Sie war noch immer so schön wie früher. Hier wurde man nicht alt. Sie umarmten sich nochmals vor Freude, und Catharina fühlte sich sofort geborgen und gut aufgenommen. Sie fühlte, das war ihre Heimat.

„Wenn du nicht bald zurückkehrst, musst du hier bleiben, denn die Zeit vergeht hier anders. Bleibst du auch nur ein paar Minuten hier, zerfällst du schon zu Staub, wenn wir dich in die Menschenwelt zurückführen. Dort vergeht die Zeit ungleich viel schneller.“

Aber Catharina wollte nicht mehr zurückkehren. Sie war nun endlich hier und konnte mit den Feen und anderen Naturwesen ein Leben führen, wie sie es sich immer in ihren Träumen vorgestellt hatte. Sie wurde sehr glücklich in der Feenwelt.

Gott wurde, wie wir sind, so dass wir werden können, wie Er ist. Gott ist Mensch und ist in uns und wir in Ihm.“

William Blake

Kapitel 7: Eine Brücke zu einem anderen Stern

Josef Mittermeiers Enkelsohn Wilhelm war in der Mitte der sechziger Jahre geboren. Er war ebenfalls Lehrer, so wie damals sein Großvater. Wilhelms Gebiete waren Mathemathik und Physik.

Er schrieb an diesem Nachmittag, es war ein schöner Frühherbsttag im September 1991, gerade an einem Manuskript über einen Vortrag, den er wegen einer Bewerbung für eine Stelle an einer höheren Schule halten sollte. Er tippte es in seine elektronische Schreibmaschine, denn einen persönlichen Computer hatte er noch immer nicht.

Er ersparte sich dabei, handschriftlich irgendetwas festzuhalten, denn er wusste, später konnte er seine eigene Schrift nicht mehr lesen. Die elektronische Schreibmaschine schrieb nicht nur schöner, es war auch leicht, im Nachhinein noch Korrekturen vorzunehmen, nicht wie früher bei den mechanischen Schreibmaschinen, wo man noch mit Radiergummi und Korrekturlack arbeiten musste.

In seinem Kopf kreiste das Thema um die neuesten Erkenntnisse der physikalischen Forschung zu dieser Zeit. Die Physik kam aber ohne der Mathematik niemals aus, und so musste er auch sein Verständnis für Formeln auffrischen. Mathematik ist eben das wichtigste Hilfsmittel der theoretischen Physik. In neuerer Zeit hatte Wilhelm sich ganz der Quantenphysik verschrieben. Hier kam es aber zu gewissen Unstimmigkeiten mit der Relativitätstheorie, obwohl beide als gleichwertig akzeptiert werden.

In der Physik musste man sich manchmal mit paradoxen

Zuständen auseinandersetzen, das hatte Wilhelm schon lange gelernt, denn die mechanische Welt von Isaac Newton, die sehr einfach zu verstehen ist, hat sich in unserem Verständnis des Universums ja schon lange verabschiedet. Auch Albert Einstein hat uns mit seiner allgemeinen Relativitätstheorie noch ein logisch- rationales Bild von der Welt gegeben. Deshalb war er auch Zeit seines Lebens unzufrieden und suchte nach einer verbesserten, eleganteren Lösung.

Aber die Vereinheitlichung der Relativitätstheorie mit der Quantenphysik ist noch immer ein Problem. Wilhelm wusste allerdings zu dieser Zeit schon, dass es Ansätze gab, die Verbindung zwischen beiden Theorien zu finden. Im Kollegenkreis munkelte man von einer sogenannten „Stringtheorie“, die beide Theorien endlich vereinigen könnte.

(Anmerkung: Wie schon erwähnt, gibt es zwischen der Relativitätstheorie und der Quantenphysik Unstimmigkeiten, da der Zeitpfeil – im Gegensatz zu der Relativitätstheorie – hier asymmetrisch ist. Bis jetzt sind nur Theorien als Lösung in Sicht, diese beiden Haupttheorien zu einer „Weltformel“ zu vereinen. Auch die Form des Universums spielt bei diesen Fragen eine Rolle. Zur Zeit geht man von einem flachen, expandierenden Weltraum aus. Man hat zwar bislang die Dichte des Universum nicht messen können, trotzdem geht man davon aus, dass die Masse des Universums die „kritische Dichte“, die bei 10 hoch minus 23 liegt, weder über- noch unterschreitet. Ob das Universum einen symmetrischen oder asymmetrischen Zeitpfeil hat, ist ebenfalls eine der Hauptfragen, und bei der Quantentheorie muss man annehmen, dass der Zeitpfeil asymmetrisch ist.

Das heißt, ein Zeitablauf von der Vergangenheit zur Zukunft wäre immer gegeben und nie umgekehrt. Der Zeitpfeil ist auf jeden Fall

dadurch begründet, dass man Dinge, die sich verwandeln, nur von Augenblick zu Augenblick nachvollziehen kann. Andernfalls hätten wir überhaupt keine Vorstellung eines Ablaufes oder einer Veränderung, das heißt, die Dinge wären bewegungslos und damit „tot“ - auch wenn in Wirklichkeit die Zeit, so wie wir sie wahrnehmen, Illusion ist. Aber, wie gesagt, der asymmetrische Zeitpfeil ließe uns vermuten, dass es auch in der Zukunft nicht möglich wäre, „Zeitreisen“, so wie sie in Science Fiction-Darstellungen zu sehen sind, jemals zu machen.)

Wie immer, brauchte Wilhelm nach langer Zeit des Grübelns frische Luft, da er Kopfschmerzen bekam. Er ging in den nahen Stadtpark, der ja bekannterweise in Wien ziemlich groß ist. Er kam dabei in Gefielde, wo es nahezu menschenleer war. Seine Kopfschmerzen wurden jedoch stärker, und er blieb stehen. Er bemerkte in der Nähe eine Bank und setzte sich nieder.

Als er dann aufatmend zum Himmel hoch blickte, sah er in den Wolken etwas Seltsames. Fast unbemerkt, weil durchscheinend, sah er in einer Wolke noch eine andere, grünlich durchscheinende Wolke, die vor sich hinwaberte wie Gel aus Waldmeister. Plötzlich wurde das Licht heller und bekam Tentakel wie bei einer Qualle. Wilhelm verlor kurz das Bewusstsein, denn er wurde in so einen „Tentakel“ hineingezogen. Als er wieder bei sich war, befand er sich in einem Raum, der aussah wie das Innere eines Raumschiffes, so wie man es in den Filmserien zu sehen bekommt. Er hatte keine sonderliche Angst, denn alles kam ihm vor wie ein Traum. Die ganze Zeit über war er etwas benommen. Vor ihm stand eine helle freundliche Männergestalt. Diese stellte sich vor:

„Ich bin „El Reon.“

Er erklärte ihm, dass er einer der Torwächter der sogenannten „Stargates“ in ein anderes Sonnensystem sei. Diese Sternentore

wären auf der Erde zwölf an der Zahl. Er werde ihn, wenn er will, durchführen und ihm eine neue Welt zeigen.

El Reon erinnerte Wilhelm daran, was in den letzten Jahren auf der Erde geschehen war. Das waren viele Dinge, von denen er und die Öffentlichkeit nichts wussten. El Reon erklärte ihm unter anderem, dass das Unglück in Tschernobyl vor einigen Jahren eine Folge von Geschehnissen gewesen sei, von dem die Mehrheit der Menschen nichts wusste. Es wäre trotz allem für die Menschen noch glimpflich verlaufen, meinte er, denn es wurde einigen „höheren“ Wesen aus anderen Galaxien erlaubt, hier helfend einzugreifen. Leider würde es fünfundzwanzig Jahre später noch ein großes Reaktorunglück – diesmal in Asien - geben, wenn die Menschen ihre Aufrüstungen nicht einstellen würden.

Um selbst helfend eingreifen zu können, müssten sie auf einer noch viel höheren Ebene sein, sagte er, aber er und sein Volk wären das noch nicht. Jedenfalls gab es schon nach dem Unglück von Tschernobyl weltweit politische Umstürze, erinnerte sich Wilhelm. Der Ostblock zerfiel, und kurz darauf kam es in Europa zu einer Union. Bald würde auch Österreich dieser Union beitreten, sagte der Sternentorwächter zu Wilhelm. Überdies würde es um das Jahr 2000 herum einige schwere Katastrophen geben, denn das sei schon gewiss. So waren die Worte El Reons. Noch weitere Krisen würden folgen, seien aber noch nicht endgültig bestimmt.

„Das ist wie bei der Unschärferelation in der Quantenphysik“, dachte Wilhelm, der noch ganz bei dem Thema war, mit dem er sich vor ein paar Stunden beschäftigt hatte.

Sie flogen durch eine Art „Tunnel“, der Wilhelm wieder an eine „Einstein-Rosen-Brücke“ erinnerte, aber in diesem Fall befände sie sich in der Welt des Großen.

(Anmerkung: Eine Einstein-Rosen-Brücke ist eine Art „Schwarzes Loch“ [das ist dort, wo alle Materie und Energie verschlungen wird] und das in ein „Weißes Loch“ [dort, wo alle Materie und Energie wieder erscheint] mündet. Diese Theorie beschreibt, wie es wäre, wenn ein Teilchen, z.B. ein Elektron [also in der Welt des Kleinen] durch so eine Brücke wanderte. Sie wurde von Albert Einstein und seinem damaligen Kollegen Nathan Rosen theoretisiert. Diese Brücke nannte man „Einstein-Rosen-Brücke“ und wurde später auch kurz „Wurmloch“ genannt.)

Die Fahrt war schwindelerregend. Nach einiger Zeit befanden sie sich in einem Himmel, der fast grünlich leuchtete, eher in einem Blaugrün. El Reon zeigte ihm vom Raumschiff aus eine wunderschön erscheinende Welt. Die Natur, die sich vor seinen Augen zeigte, schien fantastisch zu sein. Er sah keine technischen Anlagen, nur einige kleine Luftgefährte, die aber unseren Flugzeugen nicht ähnlich waren. Er bekam Erklärungen über die Einheimischen, die dort leben und über deren soziales Gefüge. Auf sein Angebot aber, ob er hier bleiben wolle, ging Wilhelm nicht ein.

„Das ist auch gut.“ Meinte El Reon, und weiter:

„Es muss auch Menschen wie dich geben, die auf der Erde bleiben und die speziell der Jugend helfen, gedanklich eine starke Vorstellungskraft zu entwickeln, damit die Menschheit in ihrer Entwicklung nicht`stecken bleibt´, sondern wächst. Vielleicht werden mit der Zeit die Menschen endlich`erwachen´“.

Er meinte auch: „Es ist wichtig, in der naturwissenschaftlichen Forschung noch wesentlich weiter zu kommen. Ebenso wichtig ist es, dass ihr auch die Geisteswissenschaften wieder zu schätzen lernt und damit euer gesamtes Bewusstsein erhebt. Gruppenweise habt ihr schon gute Ansätze gemacht, allerdings bleibt der Mehrzahl der Menschen die`geistige Sphäre´ noch verschlossen. Wir haben

Wesen zu euch geschickt, die versucht haben, euch aufzurütteln, aber ihr habt sie missverstanden oder als Götter verehrt, wie das schon früher der Fall war.“

El Reon erklärte ihm noch einiges mehr und versuchte ihn auch, für die Zukunft vorzubereiten und ihn vor gewissen Ereignissen, die auf die Erde zukommen werden, zu warnen.

Dann reisten sie wieder zurück und machten Halt auf der Stelle, wo sie ihn abgeholt hatten. So schnell wie er gereist war, so schnell war er wieder in Wien, im Stadtpark und auf der Bank, wo er sich vor einigen Stunden niedergesetzt hatte. Er hatte für kurze Zeit beim Weg durch den Durchgangstunnel des Raumschiffs bis zum Aufwachen auf der Bank abermals das Bewusstsein verloren.

Als er die Augen aufschlug, glaubte er geträumt zu haben. Dieser Traum schien ihm jedoch sehr real.

Bewusstsein verloren. Als er die Augen aufschlug, glaubte er geträumt zu haben. Dieser Traum schien ihm

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2008 (Acryl auf Leinwand)

Denn ich tauchte in die Zukunft, sah, so weit das Auge reicht, sah die Zukunft unserer Welten und die Wende jener Zeit.

Alfred Lord Tennyson (1809-1892)

Kapitel 8: Neue Entdeckungen auf der Erde

Wilhelm Mittermeier befand sich gerade im Sommerurlaub und war an der ligurischen Küste Italiens. Es war sehr heiß im August 2012, aber als Lehrer musste er seinen Urlaub immer in den Ferien verbringen. Seine etwa zehnjährige Ehe mit seiner Frau war gescheitert, und deswegen verbrachte er diesen Urlaub allein. Er liebte es, den Stränden entlang zu schlendern, setzte sich aber auch gerne in Bars und Trattorias, um Kaffee oder Chianti zu genießen.

Weil er diesen Urlaub allein war, begann er nach zwei Wochen wieder vermehrt an den damaligen „Traum“ vom Jahr 1991 zu denken. Es war tatsächlich so gekommen, wie El Reon es vorausgesagt hatte. Österreich ging schon bald darauf zur Europäischen Union, und um das Jahr 2000 kam es tatsächlich zu einigen Katastrophen. Eigentlich hielten die Katastrophen sogar an - bis jetzt. Nur hatte man sich irgendwie daran gewöhnt, dass es überall Flutkatastrophen, Erdbeben, Wetterphänomene und Terror und Putschversuche gab. Wie gern wäre er jetzt dort auf diesem Planeten, der ihm damals von El Reon gezeigt wurde.

Aber trotzdem, nicht nur die Forschung über die Naturgesetze hatte inzwischen Fortschritte erzielt. Durch die neuen Erkenntnisse konnte sich in einigen Kreisen, sogar unter den Physikern, die Naturwissenschaft wieder der Geisteswissenschaft annähern. Dabei ging es schon lange nicht mehr um das alte Gottesbild. Leider hat sich diese Toleranz nicht überall im Bewusstsein der Menschen durchgesetzt, dachte er.

Damals, im Jahr 1991 wusste man nicht viel über die Stringtheorie. Inzwischen wurden fünf Superstring-Theorien entwickelt, darunter die M-Theorie („M“ für Matrix oder Macht oder

Mutter oder Magie, wie auch immer).

Dann kam es weltweit zum Umdenken, ein neues Weltbild wurde integriert: Das „Global Scaling“, das auf Hartmut Müller, Mathematiker, der maßgeblich bei der Forschung beteiligt ist und in der Schweiz lebt und wirkt, zurückgeht. Global Scaling befasst sich mit Fraktalen, das sind Muster in Muster, vom Großen bis zum Kleinsten, sich immer wieder wiederholend. Es wurde festgestellt, dass sich im ganzen Universum immer wieder einige gleiche Muster wiederholen – und diese Muster schwingen wie Melodien im ganzen Weltall.

Das ganze All - die ganze Materie und all deren Energie - besteht aus Schwingungen. Diese Entdeckung steht voll im Einklang mit den Stringtheorien. Die Stringtheorie unterteilt selbst die Quanten noch in unendlich lange Fäden (Stränge), die in ihrem eigenen Muster schwingen. Nur diese Frequenzen bestimmen die Art der Materie und beschreiben damit alle elementaren Stoffe.

Die vorherigen Entdeckungen Einsteins und der Quantenphysiker wurden deshalb nicht angerührt. Die Stringtheorie ist ebenfalls nicht - so wie die Relativitätstheorie - zeitasymmetrisch. Sie bestätigt den Zeitpfeil in beiden Richtungen und kann daher eine Verbindung zu den zwei großen Theorien, der Relativitätstheorie und der Quantentheorie, darstellen. Der einzige Nachteil ist: Bis jetzt hat man noch nie einen String gesehen und wird es auch niemals können. Wenn man aber von der Fraktaltheorie des Global Scaling ausgeht, wäre ein Beweis in der Zukunft möglich.

So gingen Wilhelm die Gedanken bei seinen langen Spaziergängen entlang der Promenaden und im Sand der Meeresstrände durch den Kopf. Er erinnerte sich wieder an seine damaligen Gedanken über die Einstein-Rosen-Brücke. Der Physiker Günter Nimtz hatte nun tatsächlich 1993 experimentell

bewiesen, dass bei einer Reise durch so einen Tunnel die Lichtgeschwindigkeit überschritten wird. Das ist dann der sogenannte „Tunneleffekt“.

Das wurde aber als Angriff auf die Relativitätstheorie aufgefasst, und es wurde deshalb kaum Notiz davon genommen. Wie schon erwähnt, erst als Steinberg und Chiao (amerikanische Physiker) diesen Effekt zwei Jahre später in einem Experiment bestätigt hatten, kam Nimtz wieder ins Gespräch.

Dieser testete dann 1996, ob auch Informationen durch so einen Tunnel geschickt werden können. Der Versuch gelang ihm. Die Information kam am anderen Ende des Tunnels an, wenn auch verzerrt. Man dachte zwar, das sei ein Sakrileg gegen Einsteins Theorien, aber in Wirklichkeit war das keineswegs ein Verstoß gegenüber seinen Erkenntnissen.

Albert Einstein hatte ja seinerzeit schon formuliert, dass es ein höher dimensionales Raum-Zeit-Gefüge gäbe. Durch die Wirkung der Quantengravitation müsse dann die Raumzeit gekrümmt sein, sodass man zu einer höheren Dimension kommen müsste, auch wenn wir das mit unserem dreidimensional denkenden Hirn nicht verstehen können. Trotz dieser Unfähigkeit unseres Vorstellungsvermögens konnte das aber mathematisch genau beschrieben werden. (Siehe auch „Prolog“)

Dieses Raum-Zeit-Gefüge wäre eine Tunnelverbindung, und das wäre eine „Einstein-Rosen-Brücke“. John A. Wheeler, Physiker, nahm allerdings an, dass es neben diesen großen schwarzen und weißen Löchern auch zahlreiche kleine schwarze und weiße Löcher gäbe und nannte sie „Wurmlöcher“. Dieser Ausdruck wurde wiederum in zahlreiche Science Fiction-Filme und Serien aufgenommen. In Wirklichkeit sind diese Löcher jedoch äußerst instabil und fallen bald wieder zusammen.

Die Theorie, dass es ganz kleine schwarze und weiße Löcher gäbe, beruht darauf, dass auch im sogenannten „Quantenvakuum“ immer eine Art Restenergie da ist, die man dann als „Quantenvakuumfluktuationen“ bezeichnet. Dabei scheinen hier Teilchen und Anti-Teilchen auf und löschen sich wieder gegenseitig aus – unter Freisetzung gewaltiger Energien.

So entsteht ein schwarzes Loch. Das, wo dann Materie und Energie erscheint, nennt man „Weißes Loch“. Die Verbindung zwischen schwarzem und weißem Loch ist dann ein Wurmloch (siehe ebenfalls „Prolog“). Wie erwähnt, sind diese aber instabil und daher nur kurz am Leben. Makroskopisches Material darin zu übertragen, ist zumindest zur Zeit noch Utopie. Aber, und das ist sensationell:

Für etwas taugen sie, nämlich zur Übertragung von Information! Allerdings ist es eher wahrscheinlich, dass die Elektronen und Mikrowellen, mit denen experimentiert wurde, sich durch den Träger nicht durchgequetscht haben, sondern viel eher haben sie sich durch einen höher dimensionalen Raum bewegt (Tunnel).

Bei dieser Reise gibt es keine Zeitvorstellung und auch keine Vorstellung von Entfernung. Im Vergleich dazu kennt man aus Erzählungen von Sagen und Legenden, dass bei den Reisen ihrer Helden in andere Welten ganz andere Zeiten herrschten, sodass sie bei ihrer Rückkehr so alt waren, dass sie entweder sofort zu Staub zerfielen oder dass sie erfuhren, dass überhaupt keine Zeit vergangen war, oder eben nur wenige Minuten (das „Grüne Land“). Wahrscheinlich wurden sie mit Lichtgeschwindigkeit durch andere Dimensionen in diese fremden Gegenden versetzt. So kam es auch in alten Mythen zu Schilderungen von Raum-Zeit-Reisen.

Ende der neunziger Jahre ist es dem Team vonAnton Zeilinger in

Innsbruck gelungen, ein Photon zu „beamen“. „Beamen“ war der Ausdruck für Teleportieren in der bekannten Science Fiction-Serie „Star Trek“. Natürlich sagen die Physiker nicht „beamen“ dazu, der korrekte Ausdruck heißt „Teleportation“ und heißt „Fernübertragung“. Ursprünglich wurde dieses Wort auch nur in der Parapsychologie benutzt.

Bei obigem Versuch von Anton Zeilinger hat man ein Photon gebeamt, bei Menschen wird das nicht so leicht gelingen, dazu ist er ein allzu großes makroskopisches Gebilde, selbst dann nicht, wenn man solche Einstein-Rosen-Brücken zusammenclustern würde. Wenn man nun eine Information anstatt mit Teilchen mit Fraktalen übersenden würde, wäre das eine große Vereinfachung, da Fraktale wesentlich größer als Teilchen sind. Die Physik der Fraktale wurde vom Mathematiker Hartmut Müller schon definiert. Bei diesem höher dimensionalen Raum handelt es sich also um einen sogenannten „Hyperraum“, und die Kommunikation durch diese Räume kann man dementsprechend „Hyperkommunikation“ nennen. (Diese Erklärung finden Sie ebenfalls schon im Prolog).

Diese Gedanken gingen Wilhelm in der letzten Urlaubswoche durch den Kopf, denn er musste sich gerade in den letzten Jahren oft an seinen „Traum“ erinnern. Noch vor dem Jahrtausendwechsel, so erinnerte sich Wilhelm, hatte Matti Pitkänen, ein Biologe, eine Theorie aufgestellt, dass an die großen Moleküle der DNS magnestisierte Wurmlöcher, die höher dimensional sind, angeschlossen sein können.

Das heißt, wir wären theoretisch für eine höhere Wahrnehmung und damit für einen Kontakt zu höheren Bewusstseinsebenen fähig. Mittlerweile befassen sich auch viele Naturwissenschafter mit dem Kosmos und dem Bewusstsein, und seit einigen Jahren sprechen einige Physiker von einem bewussten und intelligenten Kosmos.

Das neue Jahrtausend war tatsächlich der Beginn eines völlig neuen Verständnisses, was das Universum anlangt - so wie es Wilhelm von El Reon, dem Sternentorwächter, im Jahr 1991 vorausgesagt wurde. In bestimmten Kreisen, auch in den wissenschaftlichen, sucht man wieder die Annäherung zur Religion, denn auch dort sucht man wieder nach einer allumfassenden Intelligenz. Selbst die Naturwissenschafter haben in ihr Weltbild folgende Erkenntnis aufgenommen:

Der Kosmos ist durch und durch intelligent und bewusst. (Prolog).

Jeder, der sich ernsthaft mit Wissenschaft befasst, kommt zu der Überzeugung, das sich in den Gesetzen des Universums ein Geist manifestiert – ein Geist, der dem Menschen weit überlegen ist.“

Albert Einstein auf die Frage von Phyllis Wright, ob Wissenschaftler beten. (1936)

Zu dieser Zeit dachte er oft, ob der scheinbare Traum damals nicht doch Realität gewesen sei oder zumindest eine Vision. Das damalige Erlebnis ging Wilhelm Mittermeier nie aus dem Sinn, und er sehnte sich inzwischen nach dieser Welt, die er damals gesehen hatte.

In der Dämmerung eines wunderschönen Sommerabends, als er wieder einmal den Strand entlang ging, tat sich plötzlich der Himmel auf - und heraus kam ein grünliches Licht, wie Strahlen. Den Strahlen entlang, die wie Tentakel aussahen, floss ein zweites Licht, das sich dann materialisierte. Wie erstaunt war er, als ihm wieder – nach so vielen Jahren - El Reon, einer der Wächter der „Stargates“,

auf ihn zukam.

„Also war doch alles real“, dachte er. Er erschrak nicht, seine Erinnerung an damals lebte auf, als ob es gestern gewesen wäre, und nachdem ihn El Reon abermals fragte, ob er mitkommen wolle, um auf diesem fremden Planeten zu leben, verneinte er nicht mehr.

„Es ist jetzt an der Zeit, diese Welt zu verlassen.“ Bestätigte ihm El Reon. Er sagte ihm auch noch einen großen Umsturz auf der Erde voraus: „Er wird schlagartig kommen und mit großen Tumulten und Katastrophen einher gehen.“

„Möglicherweise bin ich schon zu alt, um nochmals von vorne zu beginnen.“ Gab Wilhelm dann doch zweifelnd zu bedenken.

„Du wirst wieder jung sein,“ antwortete El Reon und erklärte weiter:

auch nicht so jung, dass du wieder in die Schule gehen

musst. Du wirst ein Erscheinungsbild von höchstens dreißig Jahren haben. Dich braucht es auch nicht zu schmerzen, dass du hier fort gehst. Du wirst das, was du hier auf Erden gelernt hast nicht vergessen, damit meine ich das Wissen, das du dir in der Schule und in deinem späteren Leben aus Büchern und anderen Studien angehäuft hast, auch dein intuitives Wissen über andere Dinge wird nicht verloren gehen, aber wir legen einen Schleier des Vergessens über all das, an was du noch hängen könntest – im emotionalem Sinne.

Wir lassen dich alle deine Traumata vergessen, was bleibt, sind nur die Themen, die du noch nicht erledigt hast in deinem Leben. Jeder andere Mensch, der einen physischen Tod stirbt, wird wegen seiner Themen, die noch nicht aufgearbeitet sind, irgendwann wieder geboren werden müssen, aber du und all die anderen, die

„ wenn

mit uns durch unsere „Stargates“ gehen, werden sich physischen Tod und physische Wiedergeburt, zumindest in den nächsten Jahrhunderten, ersparen.“

Nachdem er Wilhelms erstaunten Blick bemerkte, sprach er weiter:

„Ich sage dir, sowieso wird dein Lebensalter hier nicht allzu lange dauern, du wirst hier nicht mehr alles machen können, was du dir vorgenommen hast. Du hast jetzt schon – in deinen eigentlich noch jungen Jahren - Gebrechen, die dich dauernd zum Arzt gehen lassen. Das allein ist es aber nicht, du hast Herzprobleme, von denen du nichts weißt, wenn ich dir das so sagen darf. Aber mach' was du willst, die Medizin kann dich auch auf der Erde noch ein paar Jahrzehnte vor dem physischen Tod retten.

Aber auf „Türkis“ kann ich dir ein wirklich langes Leben versprechen. Es soll jedoch dein freier Wille sein, mit uns zu kommen. Ich sage dir noch, dass du nicht der Einzige bist, der mitgeht, es werden viele sein. Allein mein „Stargate“ fasst eine Zahl von einer Menschenmasse, die bei euch schon eine größere Stadt auffüllt, und es gibt deren zwölf. Dass es mehrere gibt, weißt du schon, seit ich zum ersten Mal mit dir gesprochen habe. Kannst du dich jetzt an alles erinnern?“

„Ja“ antwortete Wilhelm, und er verspürte starke Sehnsucht und Ungeduld, dort auf diesem schönen Planeten zu sein und noch dazu wieder jung sein zu dürfen und sein Leben neu beginnen zu können mit all dem Wissen, was er schon hatte – auf einem reinen Planeten in einem nicht gar so weit entfernten Sternensystem, wie er sich erinnern konnte.

„Wir haben nicht viel Zeit“ sagte El Reon, und:

„Wie du noch weißt, sind diese Sternentore nicht allzu lange stabil.“

Er brauchte Wilhelm nicht mehr lange zuzureden, denn der hatte sich schon längst entschieden. Und so wie er war, ging er mit El Reon hinein in einen der durchsichtig wabernden Tentakel des Stargates, und hinein in das Innere des Tores, wo er auf viele Menschen unterschiedlicher Rassen traf, die ebenfalls zum Planeten „Türkis“ wollten.

Kapitel 9: Erste Hälfte des 21. Jahrhunderts auf der Erde

Aron Rafael Sternberg lebte jetzt seit etwa zehn Jahren in Israel. Geboren wurde er um die Jahrtausendwende in New York. Er studierte Sozialwissenschaft und Religionswissenschaft. Nicht um Rabbiner zu werden, denn die Politik war sein eigentliches Interesse. Außerdem war er nur Halbjude. Seine Mutter war römisch- katholisch, und so wurde er auch erzogen. Er studierte in einer brisanten Zeit und kam bald nach seinem Studium als Botschafter nach Israel, wo es wieder einmal „heiß“ herging. Es war das vierte Jahrzehnt des neuen Jahrtausends, und es war so gefährlich wie schon lange nicht hier. Nichts hatte sich gebessert seit der Jahrtausendwende, im Gegenteil, es hatten sich Dinge ereignet, die nicht voraussehbar waren, zumindest nicht von der Mehrheit der Menschen.

Er war jetzt beinahe vierzig und überdachte die Geschehnisse der letzten Jahre, während er aus dem Fenster seines Büros im ersten Stock eines Hauses am Stadtrand von Jerusalem blickte. Er wusste, dass geheime Mächte seit dem 1. Weltkrieg die Macht verstärkt an sich reißen wollten. Das waren vor allen Dingen vier Strömungen aus verschiedenen Ländern. Dabei spielte Russland nur die Figur einer Marionette für einen Großmeister aus Asien. Ja, ein Großmeister, auch bei allen anderen Strömungen wirkten eingeweihte religiöse Orden als Hintermänner. Diese waren allerdings eher atheistisch als theistisch. Nach dem ersten Weltkrieg im vorigen Jahrtausend waren alle Nationen verschuldet. Der zweite Weltkrieg wurde ebenfalls inszeniert, indem geheime Logen Großdeutschland unterstützten. Das Ergebnis war eine noch weitere Verschuldung aller beteiligten Nationen.

Man wusste, dass bereits 1789 in Paris 65 Logen existierten; das waren die Illuminaten, die Eingeweihten. Sie waren nicht nur als schlecht anzusehen, denn ursprünglich waren sie Hüter eines geheimen esoterischen Wissens und wirkten positiv auf den Staat ein.

Seltsamerweise begann 1789 die französische Revolution, genau in diesem Jahr, als die Orden gezählt wurden. Wahrscheinlich spielten sie damals eine große Rolle, um selbst an die Macht zu kommen. Parallel dazu kam mehr als zehn Jahre zuvor in der „neuen Welt“ Amerika ein weiterer Illuminat an die Macht: George Washington (er war Freimaurer). Diese Tatsache wurde erst 1785 bekannt. Aber schon 1786 kam es zum Verbot der Illuminaten- Orden.

Weishaupt, selbst ein führender Machthaber eines Illuminatenordens gab sich große Mühe, den Eindruck zu erwecken, dass es damit tatsächlich zum Ende dieser Orden käme. Das war natürlich nur Täuschung. Gerade er wirkte im Geheimen weiter, wie alle Orden der Templer, Rosenkreuzer und Freimaurer, die sich in unzähligen Logen aufsplitterten, wobei sie sich aber gegenseitig bekämpften.

Aron lernte, dass hinter allen politischen Ereignissen Kräfte am Werk waren, die planen, finanzieren und in die Tat umsetzen –durch Propaganda, Verschwörungen, Desinformation, Aufwiegelung und Intrigen. Wie erwähnt, diese Illuminaten brachten nicht nur Schlechtes hervor. Sie waren maßgeblich daran beteiligt, dass der Hexenwahn im vorigen Jahrtausend ausgemerzt wurde und machten sich durch Wohlfahrt verdient. Sie sitz(t)en in den Reihen der NATO, EU und der UNO und auch in anderen elitären Kreisen, wie in den Kreisen der Hochfinanzen.

Aber, wie gesagt, diese Orden sind nicht als theistische Orden zu verstehen, das ist nur vordergründig der Fall. In Wirklichkeit fördern sie Materialismus und Atheismus.

Aron schüttelte seine schwarzen Locken, die so kurz geschnitten waren, dass seine Frisur die Form nicht verlieren konnte. Im Kontrast dazu war seine Haut blass, ebenso wie seine Augen. Er war ein großer, schlanker Mann mit einem länglichen Gesicht und hohen Backenknochen. Er kam gut an beim weiblichen Geschlecht, konnte sich aber bis jetzt nicht für eine entscheiden. Die meisten Frauen waren ihm zu oberflächlich, zu körperbetont, zwar jugendlich aufgepeppt und hergerichtet, schön anzusehen, aber geistig war oft nicht viel dahinter. Auf das legte Aron aber großen Wert. Schließlich wollte er mit einer Frau das ganze Leben teilen, wenn er sich schon für eine entscheiden sollte.

In seiner frühen Jugend war er einmal in eine Studienkollegin verliebt, aber eines Tages war sie wie vom Erdboden verschwunden. Das war um das Jahr 2020 herum. Um diese Zeit gab es mehrere solche Fälle, wo später Menschen vermisst wurden. Aron war religiös, wenn auch nicht im orthodoxen Sinne. Weder jüdisch noch katholisch, sondern auf seine eigene Art, machte er sich viel Gedanken über Gott und den Kosmos. Er dachte an das Buch, das ihm aus dem ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts in die Hände kam, worin stand:

„Die höchste Aufgabe der Intelligenz als gottgegebenes Instrument besteht darin, das offenbar höhere Wissen als wahr zu erkennen und es verstandesmäßig nachzuvollziehen. Auf diese Weise ist der Mensch nicht auf sich allein gestellt und nicht endlos seinen eigenen Mutmaßungen ausgeliefert.“ (Armin Risi,

„Machtwechsel auf der Erde“, siehe „Quellen“)

Jener Autor schrieb auch, dass in der Bhagavad-Gita (das ist eine heilige Schrift der Inder) über die „Gottlosen“ geschrieben steht, dass sie sich selbst ausgeliefert sind und über keine wirkliche Intelligenz verfügen, da sie sich den atheistischen Halbwahrheiten verschrieben hatten. Es steht, dass die Asuras (die Gottlosen), die sich nach solchen Weltbildern ausrichten, sich selbst ausgeliefert sind. Weil ihnen demnach geistiges Wissen fehlt, gehen sie schrecklichen und unheilvollen Tätigkeiten nach und richten dabei großen Schaden an. (Genauer nachzulesen in der Bhagavad-Gita

16,9).

Gotteserkenntnis bedeutet Erkennen des Absoluten, denn es gibt etwas Absolutes: Gott. Der moderne Geist sagt aber gerne, dass alles relativ sei, und es gäbe nichts Absolutes. Das ist an sich ein Widerspruch, da diese Aussage selbst etwas Absolutes darstellt, und das ist paradox. Ja sicher, etwas Relatives ist nicht absolut. Wer aber eine relative Wahrheit annimmt und behauptet, das sei absolut wahr, der verkennt das Absolute.

Aron sinnierte weiter und murmelte leise ein paar Worte zu sich selbst: „Jenseits der Dunkelheit ist das Licht!“

Er besann sich wieder auf das Buch des gelehrten Mannes aus dem beginnenden dritten Jahrtausend. In diesem Buch stand geschrieben:

„Wie das Ewig-Unteilbare sich in unendlich viele Teile „teilt“ und dennoch eins und ungeteilt bleibt, ist für alle außer Gott unfassbar und unvorstellbar (acintya), denn diese ist das Mysterium und die Vollkommenheit Gottes: das gleichzeitige (=ewige) Sein von

Einheit und Individualität.“ (Armin Risi „Machtwechsel auf der Erde“)

Aron wusste, Gott ist selbst die Zahl „Aleph“, das ist die Zahl „1“.

Diese Zahl ist allgegenwärtig in allen Werten. Dennoch existiert sie selbständig als eigenständige Zahl. So wie Gott allgegenwärtig und alldurchdringend ist; und wir sind die Teile dieses unteilbaren Gottes!

Aron Rafael Sternberg lenkte nun seine Gedanken auf die Politik. Seit Jahrzehnten wird von einer neuen Weltordnung gesprochen. Die Politiker meinen aber etwas ganz anderes, wenn sie von dieser neuen Weltordnung sprechen, als die Mehrheit der Menschheit denkt. Die Menschen denken an eine globale Wohlfahrt und an eine allgemeine umfangreiche Ordnung. Genau das sagen auch die entdeckten Dokumente der Illuminaten aus. Aber etwas anderes ist gemeint: Nämlich totale Kontrolle! Das hatte schon längst am Beginn des dritten Jahrtausends angefangen. Es gab eine explosionsartige Technologie. Das war Bedingung, um einen funktionierenden Überwachungsstaat zu gründen.

Durch die Infrastruktur war es möglich, dass das Geld jedes Bürgers durch Mikrochips überwacht wurde. Auch durch den Computer konnte man bargeldlos verkehren. Bis 2020 war das dann auch ausnahmslos der Fall. Aron war längst an diese Tatsache gewöhnt, er kannte kaum Bargeld. Dass der Staat die totale Kontrolle in der Hand hatte, musste er sich auch immer wieder bewusst machen, so selbstverständlich war das bereits jetzt – zwanzig Jahre später.

In den letzten Jahrzehnten wurde wirklich alles getan, um das Bewusstsein der Menschen auf materielles Denken zu reduzieren, und es schien gelungen zu sein. Die Menschen dachten nur mehr an Geld, Macht und oberflächlichen Körperkult. Daraus resultierte Schönheits- und Jugendwahn. Die Menschen waren so in ihrem materiellen Denken verbohrt, dass sie sogar bereit waren, sich „chippen“ zu lassen, nur um damit scheinbar bessere medizinische

Versorgung zu bekommen und schön und jung zu bleiben. Angefangen hatte das bereits im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtau=sends, als es zur Pflicht wurde, bei Hunden Chips einzusetzen. Aron fand aus dem Jahr 2001 einen Bericht vom ZDF, der im Internet bekannt gegeben wurde und wie folgt lautete:

„US-Firma Applied Digital Solutions hat einen Mikrochip entwickelt, der Menschen unter die Haut gepflanzt werden kann.

(Quelle: Armin Risi „Machtwechsel auf der Erde“)

Im selben Jahr ereignete sich die Katastrophe in New York, als die beiden Türme am 11. September 2001 durch Flugzeugattentate zum Einsturz gebracht wurden. Dadurch wurden die Leute aber offener für die Idee der Verchippung, mit dem Vorwand, damit eine bessere Kontrolle über Kriminelle zu haben.

Er dachte zurück an die Geschehnisse der letzten Jahre: In einem Gewaltakt wurden in Jerusalem die beiden Moscheen abgerissen, die sich über dem alten Tempel befanden, um den neuen Tempel wieder zu erbauen. Dieser war wichtig für die Juden, denn nur, wenn dieser Tempel gebaut wurde, konnte gemäß ihrem Glauben der Messias erscheinen. Dieser Gewaltakt brachte alle islamischen Staaten auf, und Anfang des Jahres 2019 ging mit einer Bombenexplosion der Tempel wieder in die Luft. Die ganze Stadt wurde wie durch ein Erdbeben schwer erschüttert. Es kam zu einigen Blitzangriffen. Ein Waffenstillstand kam nur durch geschicktes Agieren zustande. Seitdem brodelte es in Israel mehr als je zuvor. Seit den dreißiger Jahren war Aron nun in dieser Stadt, um aktiv bei diplomatischen Verhandlungen mitzuwirken und um einem Frieden wieder näher zu kommen.

Seit den zwanziger Jahren aber kam es seltsamerweise immer wieder vor, dass Menschen spurlos verschwanden - so wie damals seine Freundin. Während dieser Kriegstätigkeiten in Israel starben

viele Leute, aber ungefähr 150.000 Menschen verschwanden einfach (genau: 144.000). Diese Zahl war nicht zu ignorieren. Sie galten als vermisst, da man von ihnen nie eine Spur fand, auch keine sterblichen Überreste. Wo waren sie hingegangen?

Es wurde viel gemunkelt. Ein gläubiger Teil meinte, sie seien direkt ins Himmelreich geholt worden, ein anderer Teil glaubte, sie wurden von Außerirdischen entführt. Es gab sogar zahlreiche Zeugen hierfür. Ein anderer Teil von Menschen, die esoterisch gesinnt waren, dachten, dass sie in eine parallele Welt mit einer höheren Schwingung hinüber gewechselt seien, mit welcher Hilfe auch immer.

Zu dieser Zeit liefen viele Inder zu den bei ihnen bekannten Palmblatt-Bibliotheken, um das weitere Schicksal zu erfahren. Sie nahmen ihre eigenen Palmblätter mit nach Hause, lasen sie und befolgten die Anweisungen, um das Karma ins Positive zu wenden. Die Anweisungen waren Aufrufe zu Gebeten, Meditation, Kontemplation und Gutes zu tun. Das taten Millionen Menschen, auch die Tibeter und die Einwohner angrenzender Staaten wie Nepal und Bhutan. Tatsächlich geschah es, dass die eifrig meditierenden Menschen ebenfalls spurlos verschwanden. Aber diesmal war es die zehnfache Anzahl. Mehr als eine Million Menschen waren einfach weg. Man konnte das zwar nicht ignorieren, aber man konnte auch nichts tun.

Aron Rafael Sternberg erinnerte sich an ein Schriftstück aus dem Jahr 1997, wo ein Prof. Dr. Dino Dini von der Universität Pisa, er war Raumfahrtsingenieur, folgendes nieder geschrieben hatte:

„Überall, wo Konfusion herrscht – im Golfkrieg, im letzten Krieg, überall, wo Verwirrung ausbricht – dort erscheinen diese Fliegenden Scheiben. Diese Scheiben kommen aus Stationen,

die in Erdnähe postiert sind. … Neil Armstrong sah Objekte, die ihnen folgten, Raumschiffe, die der Apollo folgten – und auch Lebewesen. Das ist eine Tatsache, die von verschiedenen

Expeditionen bezeugt wurde.“ (Quelle: Armin Risi „Machtwechsel auf der Erde“)

Aron war skeptisch dem Text gegenüber. Tatsache war, dass seit dem neuen Jahrtausend eine Menge sogenannter „Ufo-Akten“ (Ufo = unidentified flying object oder unidentifiziertes fliegendes Objekt) bekannt gemacht wurden. Nicht nur Ufo-Akten sind offiziell geworden. Es gab früher geheime unterirdische Basen. Diese Basen sind inzwischen kein Geheimnis mehr, obwohl noch immer keiner weiß, was da genau gemacht wurde.

Aron war aber gläubig, und deshalb war er überzeugt, dass ihm eine Höherschwingung des Geistes vor möglichen unheilvollen Geschehnissen schützen könne. Der größte Schutz war für ihn der heilige Name „AUM“. Diese Silbe wurde nicht nur in Indien verwendet (OM), sie war auch im christlichen „Amen“ und „Omega“ enthalten und im hebräischen „Shalom“. Er glaubte, wer sich mit ganzem Herzen an Gott wendet, verbindet sich mit seinem unendlichen Strom aus Licht und Liebe, und er war überzeugt, dass dieser Strom den besten Schutz gegen alle negativen Einflüsse darstellen würde.

Er geriet auch an einen Text aus den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es war eine Biographie von einem gewissen „Magus von Strovolos“ und lautete:

„Eben habe ich drei fliegende Untertassen gesehen. Die Wesen darin setzten sich mit mir [telepathisch] in Verbindung … Diese Wesen sind uns wirklich weit voraus. Sie leben in der höheren noetischen Welt und haben keine äußere Gestalt. … Diese

Superintelligenzen arbeiten sehr hart. Wir sind so unbedeutend im Vergleich zu ihnen. …`Wir sind die Hüter des Gartens´ sagten sie. … Diese Wesen lieben uns wirklich … Ich hatte das Gefühl, dass sie eine Art von Licht waren, das vibrierende Intensität zeigte.“

(Quelle: Armin Risi „Machtwechsel auf der Erde“) Dieser Text hatte den Titel: Die Hüter des Planeten Erde.

auf der Erde“) Dieser Text hatte den Titel: Die Hüter des Planeten Erde. gemalt von: Eva

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2004

Kapitel 10: Aron und die Römerin

Aron bekam einen Anruf. Er wurde soeben mit einem diplomatischen Dienst beauftragt. Er sollte einen Diplomaten aus Rom holen. Schon in den nächsten Tagen würde er nach Rom fliegen. Er wollte dabei auch die Gelegenheit wahrnehmen, Roms Sehenswürdigkeiten anzusehen, denn er war noch nie in Europa gewesen. Als bei den Katastrophen rund um 2010 (nicht nur) die Küsten Italiens in starker Mitleidenschaft gezogen wurden, wäre die Umgebung Roms fast zerstört worden, hätte man nicht zeitgerecht einen Notplan für „Terraforming“ gehabt.

Einfallsreiche Architekten planten, vor der Küste einen künstlichen, schwimmenden Damm aufzubauen, dem das Meer nichts anhaben konnte. Der Plan wurde zeitgerecht durchgesetzt, und so konnte Rom unbeschädigt überstehen. Ein ähnliches Projekt wurde in Holland durchgeführt. Ohne dieses Terraforming gäbe es keine Niederlanden mehr. Soweit zu Europa, aber auf anderen Kontinenten kam es zu schwereren Schäden.

Aron hatte drei Tage Zeit, sich Rom anzusehen, bevor er sich mit dem Diplomaten traf, einem Vertreter des Vatikans. Mit ihm sollte er dann nach Israel fliegen. Es sollte eine Friedenskonferenz stattfinden. Dazu war dieser hohe Vertreter der römischkatholischen Kirche eingeladen. Die jüdischen Diplomaten befanden sich Vorort, und islamische Diplomaten würden ebenfalls unter Begleitschutz zur Konferenz kommen, um das leidige Thema rund um den Tempel abzuschließen. Es mussten sowohl ein Tempel als auch zwei Moscheen wieder errichtet werden, und zwar genau dort an diesem heiligen Platz.

Am kommenden Dienstag abends flog er mit einer

Linienmaschine nach Rom und buchte ein Zimmer in einem einfachen Hotel. Am nächsten Tag sah er sich sofort das Kolosseum an und die Ausgrabungen gleich dahinter. Dann nahm er sich eine Führung durch den Vatikan vor.

Er ging gemächlich entlang der Straße, die dorthin führte; neben der Straße floss gemächlich der Tiber. Als er die Brücke überquerte und zum Petersplatz einschlug, bemerkte er schon seit einiger Zeit eine Frau vor ihm, die mit einem halbwüchsigen Mädchen plauderte. Sie musste dasselbe Ziel wie er haben. Tatsächlich, sie ging auch zum Vatikan, aber dann verlor er sie aus den Augen. Als er nach einer Stunde wieder herauskam und in die Gasse hinein ging, wo Künstler ihre Werke ausstellten, sah er sie wieder. Die ältere der beiden interessierte sich für ein Ölbild auf Leinen, auf dem ein bestimmtes antikes Gebäude dargestellt war und war soeben mit dem Künstler in Verhandlung.

Das Mädchen, es mochte vielleicht fünfzehn oder sechzehn sein, sah zu und hielt sich dabei abwesend den Finger über Mund und Nase. Ihm gefiel die ältere Frau, die ungefähr in seinem Alter sein musste, vielleicht war sie auch ein paar Jahre jünger. Wie konnte er sie kennen lernen ohne aufdringlich zu sein? Fragte er sich. Er stellte sich neben den beiden hin und bewunderte ebenfalls das Gemälde. Das war aufrichtig, denn er fand es wirklich sehr hübsch.

Jetzt bemerkte die Frau ihn, und er hatte Glück. Sie meinte lachend zu ihm – auf Italienisch: „Nicht wahr, das Bild ist sehr interessant. Für einen moderaten Preis würde ich es gerne erwerben.“

„Sicher,

es

gefällt

mir

auch“,

Italienisch mit starkem Akzent.

antwortete

er

in

schlechtem

„Sie sind wahrscheinlich Amerikaner.“ Stellte die Frau fest und

fuhr in fließendem Oxford-Englisch fort: „Es sind immer viele Touristen hier. Ich selbst bin Römerin, wenn ich so sagen darf, denn ich wohne schon sehr lange hier. Geboren bin ich allerdings in Florenz.“

Aron ging nicht näher darauf ein, was er hier tat, sondern fragte in seiner Sprache: „Was will er für dieses Bild haben?“ Und neigte dabei seinen Kopf in Richtung des Künstlers.

Der Künstler verstand die Konversation und sagte einen Preis, der für Aron angemessen erschien. Ohne zu handeln, zahlte er ihm die Summe mit einer Kreditkarte, die dann der Künstler über ein Gerät zog. Er händigte ihm das Bild aus, und Aron übergab es mit feierlicher Miene der erstaunten Frau mit den Worten:

„Ich möchte Sie nicht in Verlegenheit bringen, indem ich Ihnen das Bild hier zum Geschenk mache. Für mich spielt Geld keine große Rolle, und ich bitte Sie zum Ausgleich nur um einen kleinen Gefallen.“

„Und der wäre? Eigentlich haben Sie mir das Bild weg gekauft, und ich müsste beleidigt sein“, meinte sie. Trotzdem war sie überrascht, dass er sie mit dem Bild beschenken wollte.

„Kommen Sie beide mit mir in ein nettes Kaffeehaus und geben Sie mir ein paar Tipps, wie ich in zwei Tagen so viel wie möglich über Roms alte Kultur erfahren kann.“

Die Frau lächelte. Damit war sie gerne einverstanden. Sie stellte sich vor: „Mein Name ist Vera, und das ist meine Nichte Lara.“ Sie zeigte dabei auf die junge Frau:

Sie verbringt manchmal ihre Ferien bei mir. Eigentlich lebt sie sonst in Österreich bei ihrer Mutter. Aber ihr Vater, der mein Bruder

ist, lebt in Florenz. Sie sind geschieden. Ich übrigens auch.“

Dann lachten sie alle. Der Bann war gebrochen. Er hatte jetzt jede Chance, sie näher kennen zu lernen. An der nächsten Ecke fanden sie ein gemütliches Straßencafé und gingen hinein. Er trank einen Caffe latte, das ist ein italienischer Milchkaffee im Glas, während sich sein weibliches Gegenüber für ein Glas Chianti entschied, der eigentlich in der Toscana beheimatet ist. Das junge Mädchen bestellte sich ein Sojagetränk, das war zu dieser Zeit ziemlich „in“.

Vera erzählte ihm, dass sie Architektin sei und sich wegen ihrer Vorliebe zu ihrem Beruf für dieses Bild mit dem alten Gebäude interessierte. Sie wäre überhaupt sehr an der „alten“ Architektur interessiert. Das Mädchen selbst wusste noch nicht so recht, wo ihre Interessen lagen. Vorerst wollte sie studieren, das war gewiss. Zu dieser Zeit waren für sie allerdings Musik und Mode interessanter. Lara war ebenfalls sehr offen im Gespräch und konnte gut Englisch. Er stellte sich vor als Sozial- und Religionswissenschaftler, von seinem diplomatischen Dienst erzählte er nichts, das wäre in diesem Moment nicht gut gewesen.

Solch relativ gefährlichen diplomatischen Dienste, wie einen hohen Würdenträger mit einer hoch brisanten Aufgabe in ein derart kriegsgefährdetes Land zu bringen, waren mit strengster Geheimhaltung belegt. Er ließ sie glauben, er sei wegen einer Privatangelegenheit hier.

Sie blieben lange, und während Vera nach ungefähr zwei Stunden etwas länger in ein Nebengebäude verschwand, um Brot und Schinken für das Abendessen zu besorgen, erzählte Lara ihm einiges über das Leben mit ihrer Mutter in Wien. Sie redete wie ein Wasserfall, und was ihn besonders erstaunte, sie erwähnte fast wie nebenbei, dass sie von einer Fee abstammen würde. Aron musste zuerst lachen, aber er merkte, es war ihr ernst, und so fragte er sie,

ob sie darüber erzählen wolle. Aber Lara verneinte.

Sie sagte ihm, dass sie selber nicht sehr viel von ihrer Ahnfrau, der Fee, wüsste, aber manchmal hätte sie Ahnungen und glaubte, Einblicke in Situationen zu haben, die andere nicht hatten. Auch sagte sie ihm, dass sie manchmal sehr traurig wäre über diese Welt, so wie sie jetzt geworden sei. Er verstand das Mädchen und dachte bei sich, woher sie wohl wüsste, wie die Welt vorher war, denn sie war noch so jung. Aus ihr klang die Weisheit einer alten Frau, trotz ihrer sonst so ausgelassenen jugendlichen Leidenschaft, die ihr zu eigen war.

Als Vera zurück kam, blieben sie nicht mehr lange, aber sie versprach Aron, ihn morgen wieder zu treffen, um ihm einiges zu zeigen und ihm dabei die Kultur Roms zu erklären. Sie hätte Zeit, meinte sie, momentan wäre für sie nicht viel zu tun, und Lara wollte mit Freunden sowieso zum Schwimmen gehen. Während sie sprachen, trafen sich immer wieder ihre Blicke. Sein Charme dürfte bei ihr angekommen sein. Aber es war nicht bloß Charme, mit dem er spielte, er meinte es ehrlich. Sie verabschiedeten sich und fuhren dann mit einem Taxi nach Hause, denn ihre Wohnung lag etwas außerhalb der Stadt, erklärte Vera ihm. Aron freute sich schon auf den morgigen Tag.

Aron war verliebt. Beschwingt ging er zu Fuß zum Hotel zurück. Zwei Tage hatte er Zeit, um mit ihr so eng in Kontakt zu treten, dass sie ihm ihre Adresse gab und umgekehrt. Er wollte sie nach Israel einladen. Spät am Abend saß er am Balkon und träumte von ihren glutvollen, dunklen Augen und ihrem brünetten, welligem Haar, das ihr bis zum Ansatz ihres Ausschnittes fiel, der ihm ebenfalls nicht entgangen war. Sie war fünfunddreißig und ihre Figur war immer noch hinreißend. Es war ja auch kein Alter. Er war ebenfalls erst knapp neununddreißig Jahre. Sie würden gut zusammenpassen,

dachte er.

Sie, eine gescheite, künstlerisch begabte Frau und er, ebenfalls begabt, mit vielseitigem geistigem Interesse. „Doch halt, wo denke ich hin!“ mahnte er sich selbst, er wollte sich nicht in Träume verlieren, die sich nicht erfüllten. Er trank noch eine halbe Flasche Vino rosso und ging anschließend ins Bett. „Man wird sehen, was der morgige Tag bringt.“ Dachte er.

Er stand bald auf, pflegte sich und zog einen hellen Baumwollanzug an, der seine körperlichen Vorzüge hervor hob. Er wollte Vera beeindrucken und sie in sich ebenso verliebt machen. Sie trafen sich am Vormittag am verabredeten Platz.

„Ich glaube, sie findet mich auch sehr sympathisch,“ dachte er, als er sie sah, fein herausgeputzt in einem grauen Seidenkostüm und mit goldenen Kreolen in den Ohren, die mit ihrem leicht getönten Teint um die Wette strahlten. Das einzige Bunte war ihr Lippenstift - korallenrot.

Am liebsten hätte er sie geküsst, aber sie gaben sich nur kurz die Hand und gingen dann zusammen die Straße entlang, während sie ihm erzählte. Er hörte gut zu und fragte manchmal interessiert zurück. Sie kamen in ein Museum. In der Zwischenzeit hatte er sie ein paarmal flüchtig berührt. Sie schien es zu mögen.

Als sie mittags in eine Trattoria gingen, blickten sie sich tief in die Augen und ohne viel zu sagen, durfte er ihre Hand halten. Sein Herz klopfte, so sehr freute er sich. Er spürte ihre leidenschaftlichen Blicke, auch sie hatte „Amors Pfeil“ erwischt. Dann tranken sie beide noch einen Vino rosso, während sie einander immer näher rückten, ohne von ihren Händen loszulassen. Sie verzichteten auf das geplante Nachmittagsprogramm. Er durfte ihr lange die Hand streicheln, und sie wurde dabei tatsächlich ein wenig rot.

Er wollte sie eigentlich küssen, tat es aber nicht. Er lud sie ihn sein Hotel ein und schlug ihr vor, in der Hotelbar noch etwas zu trinken. Vera willigte ein, und sie fuhren mit dem Taxi zu seinem Hotel. Die Bar war leer, und er küsste sie leidenschaftlich auf ihren Mund. Sie erwiderte seinen Kuss, dann ließ sie wieder ab. Sie war unsicher. Er bestellte lächelnd zwei Gläser Prosecco und gab ihr Zeit.

Sie konnten beide nichts mehr sprechen. Die Zeit zu sprechen war vorbei. Es hatte ihnen förmlich „die Rede verschlagen“. Sie sagten also nichts, streichelten einander nur an den Händen und blickten sich tief in die Augen. Aron ließ sich die Rechnung auf das Zimmer schreiben, dann stand er auf und nahm sie wortlos mit.

Am nächsten Tag frühmorgens wachte er auf und streckte seine Hand zur Seite, um zu spüren, ob sie noch da lag. Sie war da, und er war glücklich darüber. Das Bett war zerwühlt. Es war noch Zeit, aber er sprang auf, weil er zur Toilette musste. Ihm Badezimmerspiegel blickte er in sein Gesicht. Es war mit korallenrotem Lippenstift bedeckt. Er ging unter die Dusche und kam dann wieder zurück zum Bett. Sie saß jetzt aufrecht. Ein wenig verlegen sah sie aus, aber er ging zu ihr und küsste ihr diese Verlegenheit weg. Sie liebten sich wieder. So wurde es Mittag, bis sie endlich frisch geduscht und ordentlich hergerichtet das Hotel-Restaurant betraten, um etwas zu sich zu nehmen.

Sie musste sich dann von ihm verabschieden, aber er hatte sie darauf gedrängt, sie abends besuchen zu dürfen. Sie wäre wohl beleidigt gewesen, hätte er das nicht vorgeschlagen. Am Abend traf er auch Lara wieder. Das Mädchen wusste offensichtlich Bescheid. Artig ging sie in ihr Zimmer und ließ die beiden allein.

„Nur mehr der eine Abend,“ dachte er, dann musste er den

Diplomaten abholen und zurück nach Israel fliegen. So viel wie er durfte, hatte er Vera erzählt: Wo er lebte, dass er Politiker sei in Israel, und dass er nicht zu ihr nach Europa kommen könne. Er fragte sie, ob sie es trotzdem wagen würde, ihn zu besuchen.

Sie blickte ihn lange schweigend an. „Ich liebe dich, Vera.“ Sagte Aron zu ihr, und da weinte sie plötzlich und legte ihre Arme um seinen Hals. Er wiegte sie wie ein Kind. „Es geht alles so schnell,“ schluchzte sie:

ich liebe dich auch und ja, ich möchte zu dir kommen.“

Aron versprach ihr: „Es wird alles gut, Darling. Wenn ich denAuftrag erledigt habe, hole ich dich. Das wird spätestens in vierzehn Tagen der Fall sein. Was sind schon vierzehn Tage?“

Vera stöhnte erleichtert. Gleichzeitig hatte sie Zweifel. Das merkte er, aber er nahm ihr tröstend die Hände und küsste sie auf beide Handflächen. Dann nahm er ihren Kopf zärtlich in seine Hände und küsste sie sanft auf den Mund.

„Ich muss gehen, aber wir hören uns täglich. Wozu gibt es die Erfindung der Webcams und Handys?“

Vera lachte: „Aber ein Gerät zum Spüren haben sie noch nicht erfunden.“ Aron stand auf und küsste sie nochmals, diesmal wieder innig und leidenschaftlich, so als ob er sich nicht von ihr trennen wollte. Er wollte es auch nicht, er musste.

Im Hotel telefonierte er dann und bekam einen genauen Termin, wann und wo er den Diplomaten abholen sollte. Schon frühmorgens sollte das Treffen sein. Er schlief schlecht. Am Morgen trafen sie sich an dem vereinbarten Platz, fuhren gemeinsam zum Flughafen und flogen sofort mit dem gebuchten Privatjet nach Israel. In Israel wurde sein Gast von einem Spezialsicherheitsdienst empfangen

„ aber

und mit ihm in ein Auto bugsiert und dann in ein hochgesichertes Haus in der Nähe von Jerusalem gefahren, wo er während der Zeit in Jerusalem leben sollte.

Sein Auftrag war erledigt. Es war alles ohne Zwischenfall verlaufen, und er konnte nun nach Hause fahren. Jetzt musste nur noch die Konferenz „glatt“ gehen, bei der er ebenfalls anwesend war. Diese war am nächsten Tag und dauerte drei Tage, vom frühen Vormittag bis spät in die Nacht. Endlich, am letzten Tag kamen die Beteiligten überein, dass zwei kleinere Moscheen und ein kleinerer Tempel am ursprünglichen Platz errichtet werden sollen. Dabei mussten die Moslems und die Christen ordentlich zurückstecken. Die Moslems bekamen Platz für zwei relativ kleine Moscheen, nicht für große, dafür reichte der Platz nicht, aber sie bekamen als Entschädigung viel Geld zugesagt.

Die römisch-katholische Kirche hätte ebenfalls Anspruch auf diesen Platz, schon aufgrund der christlichen, heiligen Stätte. Sie wurden anderweitig entschädigt. Außerdem wollten die Katholiken mit gutem Beispiel voran gehen, sonst würde es nie zu einer Einigung in Israel kommen. Der Vertrag wurde gemacht, stand jedoch auf wackeligen Füßen. Aber immerhin! Ein bisschen Frieden für eine gewisse Zeit, auch wenn keiner wusste, wie lange er halten würde, war gewährleistet.

Aron flog nach Rom und holte Vera ab. Lara war inzwischen wieder in Wien. Er brachte sie nach Jerusalem. Aron Rafael von Sternberg heiratete Vera im Jahr 2043 im Katharinenkloster nahe bei Jerusalem. Es war eine kleine Hochzeit, denn niemand wagte es, sie in diesem von Terror heimgesuchten Staat zu besuchen. Sie wurden sehr glücklich, und zwei Jahre später wurde Vera schwanger mit einem Sohn, gerade zu einer Zeit, als es wieder sehr gefährlich in Jerusalem war. Terror drohte überall, und man konnte nie wissen,

wann und wo eine Bombe explodierte.

Als Vera kurz vor Weihnachten zum Bäcker ging, um Milch und Brot zu holen, explodierte mit einem lauten Knall eine Bombe im Laden, und sie wurde schwer verletzt. Vera war hochschwanger. Blutungen setzten ein. Überall war Blut, ihr Herz schlug nicht mehr. Aron hörte diese Explosion von zu Hause aus und stürzte ohne zu denken auf die Straße, hin zum Bäcker, oder besser, wo er gewesen war und fand seine Frau blutend am Boden liegen.

Ihre Augen waren geschlossen, sie war bewusstlos. Rundherum waren umgestürzte Mauern, und der tote Bäcker war an einer solchen Mauer aufdrapiert. Aron hatte keinen Blick für die Umgebung. Seine Tränen schossen heraus, während er Vera berührte. Er streichelte ihr Gesicht, ihren Bauch und drückte ihre Hände. Aber sie bewegte sich nicht mehr. In stärkster Verzweiflung fing Aron zum Beten an. Er betete und betete - mit Inbrunst und Konzentration. Plötzlich sah er ein Licht neben sich, nahe der umgestürzten Mauer; Er vernahm eine Stimme. Als er aufblickte, glaubte er, einen Engel zu sehen.

Das lichtvolle Wesen vor ihm sagte: „Hab' keine Angst vor mir. Ich bin Al Aphalon, Hüter eines Sternentores. Mein Team und ich, wir können dich von hier weg bringen - an einen anderen Ort, dich und deine Frau. Wir können sie heilen. Aber du musst dich schnell entscheiden, ob wir das tun sollen oder nicht, sonst stirbt sie hier.“

Aron von Sternberg hatte keine Angst. Nichts konnte ihm mehr Angst machen. Da lag seine geliebte Frau am Boden mit seinem geliebten Kind im Bauch, und beide würden sterben, wenn nicht ein Wunder geschah. Und das was jetzt geschah, war ein Wunder! „Waren die Leute, die um das Jahr 2020 verschwanden, ebenfalls von solchen Wesen geholt worden?“ Dachte er und dem prachtvollen Lichtwesen antwortete er:

„Ja, das will ich, ich will, dass du uns von hier wegbringst und meine Frau und mein Kind rettest.“

Was dann geschah, ging blitzschnell. Wie durch einen Lichtsog wurde er in Sekundenschnelle durch einen Strahl in ein Raumschiff befördert. Er wurde kurz bewusstlos. Als er aufwachte, sah er sich auf einem Sessel in einem runden Raum und konnte durch Glasscheiben die Erde von oben sehen. Neben ihm lag seine Frau auf einer Liege, umzingelt von drei lichten, weiblichen Wesen, die nicht irdisch schienen und legten die Hände überall auf ihren Körper. Aus den Händen floss Licht wie Laserstrahlen, und die Wunden versiegten. Vera öffnete bereits die Augen, als das Kind kam. Eine der Frauen nahm es in Empfang, wischte es ab und reichte ihr sodann den kleinen Sohn auf ihre Brust. Er atmete und war gesund, obwohl er noch so klein war, um drei Wochen zu früh geboren. Welche Freude war das inmitten des Unglücks! Dann durfte Aron ihn kurz halten. Sie trugen ihn dann wieder weg, um ihn zu waschen. Seine Frau aber wusste nicht, was überhaupt geschehen war.

Er streichelte sie: „Es wird alles gut. Alles wird gut,“ sagte er

tröstend: „

„Ja, sie soll schlafen,“ sagten die Lichtwesen und kamen wieder herbei. Sie legten ihre Hände auf sie, und sofort fiel Vera in einen tiefen, heilsamen Schlaf.

Aron würde ihr alles erklären, wenn sie sich erholt hatte. Er wusste ja selbst noch nicht genau, was da wirklich geschehen war.

Schließlich hob das Raumschiff mit einer gewaltigen Beschleunigung vom Ort ab, und wieder sah er nur Licht. Dabei wurde er fast ohnmächtig.Als es vorbei war, und das Gefährt wieder im normalen Tempo dahinglitt, konnte er von außen einen fremden

versuche

zu schlafen.“

Planeten vor sich sehen. Er leuchtete in einem Grünlichblau. Al Aphalon würde jetzt hier landen, und dieser Planet würde ihre neue Heimat sein. Soviel hatte Aron von Sternberg begriffen. Langsam landete das Raumschiff am Boden, der aussah wie eine Landebahn eines irdischen Flughafens. Die Türen wurden geöffnet, und Aron erblickte einen türkisfarbenen Horizont vor sich und atmete reine Luft.

Es war eine freundliche Atmosphäre auf diesem Planeten. Er war hingerissen von der exotischen Landschaft, die sich vor ihm auftat, als er hinaustreten konnte mit seiner Frau, die inzwischen aufgewacht war. Sie begriff noch immer nicht, was geschehen war. Er hatte seinen kleinen Sohn in den Armen.

noch immer nicht, was geschehen war. Er hatte seinen kleinen Sohn in den Armen. fotografiert von:

fotografiert von: Eva Lene Knoll, 2011

Kapitel 11: Das Leben in der neuen Welt

Inzwischen waren bereits einige Jahre vergangen, und die neu angekommene Gruppe auf dem Planeten „Türkis“ und alle anderen, die aus ähnlichen Sternentoren in diese Parallelwelt gekommen waren, hatten sich sehr schnell an das neue Klima gewöhnt. Außerdem hatte sich ein Schleier des Vergessens über das Trauma der Trennung von der alten Erde und den lieb gewonnenen Menschen, die nicht mitkamen, geschoben, und im Angesicht der klaren Schwingung auf diesem Planeten, empfand niemand Trauer. Denn diese Welt, auf der sie nun waren, war wirklich sehr ähnlich wie die Erde. Das Klima war nicht so extrem, da die Sonne den Planeten gleichmäßiger bestrahlte, das Wasser war klar und rein, und der Himmel war grünlich, fast türkis.

Wilhelm, der jetzt „Willem“ genannt wurde, erinnerte sich kaum noch, wie es früher auf der Erde war. Der Schleier des Vergessens zeigte im die „alte“ Erde nur wie in einem Traum. Er hatte wie fast alle hier eine jugendliche Erscheinung, waren sie doch auch im Vergleich zu den Einheimischen meist wirklich biologisch jung; nur die sehr „alten“ Einheimischen, die schon vorher hier waren, übertrafen das biologische Alter der Menschen bei Weitem, denn alle wurden hier mindestens vier- oder fünfhundert Jahre alt. Hier nannten sie ihn „Willem von El Reon“, da die Einheimischen eine Vokalsprache sprachen und kaum mehr als einen Konsonanten aufeinmal aussprechen konnten ohne Trennung durch einen Vokal. „El Reon“ war sein Stammesname hier. Alle Menschen, die El Reon durch das Sternentor führte, hießen im Nachnamen „El Reon“ und benutzten auch das „von“ als Zeichen, dass sie von ihm geführt wurden und nicht seine leiblichen Kinder waren.

Willem von El Reon war sehr glücklich hier und fand viele Menschen, mit denen er sich befreunden konnte. Bald würde er sich eine Lebensgefährtin suchen, dachte er, und mit ihr würde er viel unternehmen und vielleicht später eine Familie gründen, auch wenn es hier nicht üblich war, viele Kinder zu bekommen, so wie auf der alten Erde. Der Durchschnitt war nie mehr als zwei Kinder, und das wurde von der Natur selbst geregelt.

Hier auf „Türkis“, wie die Einheimischen ihren Planeten nannten, gab es bei Weitem nicht so viele technische Anlagen wie auf der Erde, zumal die Menschen sie gar nicht in dem Maße brauchten wie dort. Alle Neuankömmlinge lernten hier, dass neben der „normalen“ Sprache auch die Telepathie eine Kommunikationsart war, zu der man Zugang finden konnte, wenn man sich darum bemühte.

Dieser Zugang funktionierte nur, wenn man sich sehr konzentrieren konnte. Damit konnte man also wichtige Informationen rein über den mentalen Weg versenden und empfangen. Allerdings fiel es den meisten Menschen leichter, sich mittels der „normalen“ Sprache, also auf verbale Weise mitzuteilen, ebenso wie es der einheimischen humanoiden Rasse noch leichter viel. Das war auch einer der Gründe, warum es hier überhaupt noch „Botschafter“ und „Mediatoren“gab, die bei Streitangelegenheiten zwischen Gruppen und Einzelpersonen vermitteln mussten.

Aber es gab keine Kriege und daher auch keine Kriegstechnik. Die technischen Errungenschaften hier ermöglichten einen globalen Reiseverkehr mit größeren Gefährten oder Luftschiffen, die durch ein spezielles Kraftfeld geschützt und gesteuert wurden. Diese Kraftfelder nutzten sowohl das Magnetfeld als auch das Schwerkraftfeld und das Antischwerkraftfeld.

Er wusste, dass es auf der Erde noch vor der Jahrtausendwende Antigravitationsexperimente gegeben hat, allerdings drangen diese

Versuche kaum an die Öffentlichkeit. Es schien, als ob so manche Erfinder von Machthabern „gekauft“ worden sind, damit die Menschheit an den herkömmlichen Energiequellen „hängen bliebe“. Auf der anderen Seite hieß das nicht, dass solche Experimente mit Antigravitation ungefährlich waren. Ähnlich wie die Ausnutzung der Atomkraft, konnte man sie zu dieser Zeit nicht beherrschen.

Hier aber war das anders. Sie waren wesentlich weiter im Verständnis über die Natur und deren Gesetze. Ebenso wurde anstatt der Elektrizität eine andere, für „Erdlinge“ unbekannte Quelle zur Versorgung von Wärme, Licht und vielem mehr benutzt. Durch diese fast kostenlose Energiequelle, die auf der Erde noch unbekannt war und durch ein magnetisches Antigravitationsfeld, konnten sich alle auf kürzeren Strecken mittels Flugscheiben bewegen, die derart durch einen Kraftfeld-Mantel geschützt waren, sodass es keine Unfälle gab.

Auf langen Strecken und für größere Transporte von Waren und Personen benutzten sie die oben erwähnten Fluggeräte, welche auf gleiche Weise funktionierten. Die Umwelt wurde durch diesen Verkehr nicht verschmutzt und kaum belästigt, da es auf diesen Planeten auch wesentlich weniger Menschen gab, und die, die reisen wollten, benutzten oft nur ihre Flugscheiben. Es gab auch Tiere, die dieses Kraftfeld nutzen konnten. Als Beispiel seien die „Pegasus“-Pferde genannt, die nicht nur laufen, sondern auch fliegen konnten.

Die Architektur der Bauten war kunstvoll, und meist bestanden sie aus natürlichem Material, vor allem aus Holz und Steinen. Die Bevölkerungsdichte war, wie oben erwähnt, sehr gering, und daher gab es keinen Nahrungsmangel. Die Vegetation war üppig, und es gab auch keinen Mangel an Bauholz. Geheizt wurde ebenfalls über dieses für ihn neuartige, fast kostenlose Kraftfeld. Natürliches Feuer

Harzen

verwendet.

Auf dieser Welt gab es keine Schwingungen von Neid, Habgier, Geiz und Missgunst. Alle hatten genug und konnten so leben, wie es ihren Talenten entsprach. Niemand musste arbeiten, aber jeder trug etwas für die Gemeinschaft nach seinem eigenen Interesse und seiner eigenen Energie bei. So gab es viele, die sich gerne und mit Leidenschaft handwerklich betätigten, andere wieder sorgten gerne für die Lebensmittel und deren Zubereitung, und wieder andere sorgten für gute Schwingungen und Heilenergien. Manche von ihnen gaben diese Fähigkeiten anderen weiter, sodass sie als Lehrer fungierten.

Dann gab es noch Geschichtsschreiber und Künstler und natürlich Forscher, Naturwissenschaftler und Menschen, die sich nur mit Geisteswissenschaften befassten. Die einen lebten ihre Fähigkeiten und Talente in hohem Maß aus, die anderen nicht. Es gab auch einige, die fast gar nichts machten, und sie mussten auch nichts tun, wenn sie nicht wollten. Es war genug für alle da: Nahrung, die niemals tierischen Ursprungs war, Kunstgegenstände und Möbel, Stoffe und Kleider, die übrigens aus den edelsten Naturmaterialien gewirkt und gewebt waren, Gebrauchsgegenstände und Genussmittel.

Was die Genussmittel betraf, wie Kaffee, Tee und Wein, konnte Willem feststellen, dass es hier auf dieser Welt zu keinem Suchtverhalten kam, denn das Gehirn funktionierte hier ebenfalls anders, was die Schaltzellen und die Ausschüttung der Hormone betraf.

Alles, was produziert wurde und über den Eigenbedarf und den der Familie hinausging, wurde in große Lagerhallen befördert und jeder, der Bedarf an irgendeiner Ware hatte, brauchte sie nur zu

wurde

hauptsächlich zum

Räuchern von Kräutern und

holen. Man musste nur die Art der Ware und die Menge dem Verwalter mitteilen, der das dann schriftlich festhielt, denn solche Leute, die organisierten und verwalteten, gab es natürlich auch. Das waren Persönlichkeiten mit besonderer Gabe zur Ordnung und Talent für Zahlen. Das war notwendig. Auch wenn es an nichts mangelte, wenn nicht eine gewisse Verwaltung des Haushalts organisiert wurde, würde es zu einer unabsichtlichen Verschwendung von wertvollen Materialien kommen und damit zu einem Raubbau, den es auf jeden Fall zu verhindern galt. Es wurde – im Gegenteil – sorgfältig darauf aufgepasst, dass nicht zu viel Vorrat diesem Planeten namens „Türkis“ weggenommen wurde, das galt

Frauen und Männer lebten hier gleichberechtigt, da sie aufgrund ihrer edlen und liebevollen Gesinnungsweisen alles tun und lassen konnten. Weder kam es aus diesem Grund zu Unstimmigkeiten, Ängsten oder Minderwertigkeitsgefühlen, noch zu Neid und Eifersucht, diese negativen Schwingungen gab es hier nicht, zumindest nicht auf Dauer. Dafür sorgten ganz besonders die Heiler und Priester in dieser Dimension.

Jeder war in der Gesellschaft eingebunden, ohne dass es wirklich eine Hierarchie gab. Die politische Struktur war weder hierarchisch noch anarchisch. Es gab auch keine wirklichen Regenten. Wenn es um eine allgemeine Entscheidung ging, die die Gesellschaft betraf, dann entschied das „der Rat der Alten“. Der Rat bestand aus gewählten Frauen und Männern, die über größte Erfahrungen in Expertenfragen verfügten und die dadurch die Repräsentanten des Volkes bildeten. Von diesen wiederum wurde dann eine Frau oder ein Mann gewählt, die oder der das Volk repräsentierte, aber jederzeit wieder durch eine andere Person ersetzt werden konnte, wenn die Mehrheit das so wollte.

Es fanden auch viele Feste statt, denn damit bekam man auf angenehme Weise Kontakt zu den anderen und konnte sich in seiner Rolle in die Gesellschaft einbringen. Jedem war klar, dass jedes Wesen nur eingebunden in der Gesellschaft leben konnte, je harmonischer, umso glücklicher. Da es keine Schwingungen von Neid und Eifersucht gab, kam es immer wieder sehr schnell zu wahren Liebesbeziehungen, denn niemand war hinterhältig, niemand intrigierte, und da sich jeder seines Wertes bewusst war, gab es auch keine Lügen, denn niemand musste sich anders darstellen, als es seinem wirklichen Wesen entsprach. Jeder war gleich wert, ob es nun einer der Räte war oder ein normaler Bürger.

Liebesbeziehungen wurden in dieser Welt zwar nicht unbedingt in Form von offenen Beziehungen gehandhabt, zumindest meistens nicht, aber schon aufgrund der Langlebigkeit hier war es eher so, dass es Partnerschaften auf Zeit gab. Allerdings, wenn sich ein Seelenpaar fand, konnte die Liebe ein Leben lang dauern, manchmal sogar noch über den physischen Tod hinaus.

Schon die Architektur war ganz anders als auf der Erde. Das Haus von Willem war zum Beispiel aus Holz, umkränzt von einem schattigen Wald, pagodenartig und kunstvoll geschnitzt, und grüne Pflanzen umrankten die Säulen. Die Architektur war offen, es gab keine geschlossenen Türen, denn das war nicht notwendig. Niemand ging ohne Erlaubnis über die Schwelle, und wendeltreppenartig schlangen sich Stufen bis zu einigen Stockwerken nach oben und erreichten damit die hohen Kronen der Bäume des Waldes in dieser Gegend, wo er lebte. Es gab aber auch stadtähnliche Architekturen.

Für die Menschen und anderen Wesen gab es auch hier einen Tod, aber meist sehr spät. Der größte Teil der Bewohner wurden wie oben erwähnt, sehr alt, aber es kam auch vor, dass ein Mensch

in ein anderes Leben eintreten wollte, und dann ging er zum Sterben in die Natur oder in eine eigens dafür gedachte andere Umgebung.

Dass Willem hier seinen Beruf als Physiklehrer nicht mehr weiter verfolgen konnte, da die Einheimischen hier jedem naturwissenschaftlichen Verständnis der Menschen weit voraus waren, war ihm bald klar. Zum Beispiel waren sie mit dem Verständnis des Universums sehr viel weiter. Ein Teil ihres Wissens wurde allerdings schon im neuen Jahrtausend auf der Erde angenommen: Zum Beispiel das Wissen über die Welt der Strings und der Branen, obwohl die Einheimischen ein ganz anderes Verständnis für alle Wissenschaften hatten, und die Dinge auch ganz anders benannten.

Zum Beispiel die Sache mit dem Urknall: Laut ihren Theorien gab es mehrere Urknälle, je nachdem, welcher Phasenwechsel gerade entstand. Durch den Phasenwechsel, das wurde auch auf der Erde theoretisiert, entstand das sogenannte „Higgs-Feld“, das man durch die Hintergrundstrahlung im Kosmos mit einem Hubble-Teleskop schon beweisen konnte. Das Higgs-Feld ist eine Mikrowellenstrahlung.

Den Phasenwechsel kann man sich vorstellen - zum Beispiel anhand des Wassers: Bei normaler Temperatur über dem Gefrierpunkt ist es flüssig. Wird es aber über 100 Grad Celsius erhitzt, beginnt es zu verdampfen. Ist das ganze Wasser von der flüssigen Form in die gasförmige hinüber gewechselt, ist das Wasser ums Vielfache an Volumen gewachsen, aber dennoch noch Wasser. Geschieht das sehr schnell, entspricht das dem Urknall (oder einem Urknall von vielen möglichen).

Die Frage ist, was konnte überhaupt knallen und was war vor dem Urknall, wenn das Universum doch noch leer war? In der Physik beschäftigte man sich daher auch mit der „Leere“ des Raums. Die

Quantentheorie besagt, dass laut der Unfschärferelation der Wert „Null“ im leeren Raum trotzdem auf oder ab fluktuiert (+/-) - aufgrund des Wellenverhaltens. Das Feld ist also immer Quantenvakuumfluktuationen unterworfen.

Das heißt, ein Feld kann um den Wert Null schwingen, aber wirklich nur einen kurzen Augenblick Null sein, das wäre dann der Totpunkt. Kommt jetzt noch die Theorie der Branen hinzu (Branen oder Englisch „Branes“), das kommt von Membranen, ist die Casimir-Kraft (nach dem holländischen Entdecker Casimir) gut erklärbar. Die Theorie: stellt man zwei Platten in den leeren Raum, sollte man meinen, dass bewegungsmäßig nichts geschieht. Aber durch die Quantenfluktuationen, die auch im „leeren“ Raum auf die Platten prallen, entsteht ein Druckungleichgewicht. Zwischen den Platten ist dann die Quantenvakuumfluktuation stärker, die Platten treiben auseinander. Das nennt man den „Casimir“-Effekt.

Gemäß den astronomischen Beobachtungen stellte man schon auf der alten Erde fest, dass das Universum expandiert und weiter in noch schnellerem Maße expandieren wird, wobei es seltsam ist, dass die Raum-Zeit nicht schon längst zerrissen wurde. Dafür musste die „dunkle Materie“ und die „dunkle Energie“ herhalten, die bis jetzt nicht eindeutig bewiesen wurden. Ein Hinweis, dass das Universum sich eines Tages wieder zusammenzieht, wurde nicht gefunden.

Die Struktur des Universums könnte aber auch anders sein: Auf einer Planck-Skala liegt nämlich ein Raumgitter, aber die Gitterlinien wären außerhalb der physikalischen Realität. Man vermutete auch, dass die Zeit eine körnige Struktur haben könnte, und zwar mit einem Intervall in der Planck-Länge. Die Planck-Länge ist 10 hoch minus 33 cm. Also würde wirklich alles auf Strings beruhen. Nur man konnte diese niemals sehen. Diese Superstring-Theorie braucht

außerdem 10 Dimensionen, für die M-Theorie sind sogar 11 Dimensionen erforderlich. Das wäre aber kein Problem.

Mathematisch wurde schon in den achtziger Jahren, also lange vor der Jahrtausendwende (auf der Erde) errechnet, dass es bei den Stringtheorien zu keinen Anomalien käme, und mathematisch sind diese zusätzlichen Dimensionen durchaus möglich. Die Annahme, dass es Branen (Englisch „Branes“) gibt, ist völlig theoretisch, aber in Erinnerung an die Casimir-Kraft besagt sie folgendes:

Wenn der Weltraum durch Branen begrenzt wäre, würde es mehrere Welten(räume) geben und eine würde die andere anregen. Das Universum wäre ein ewiger Zyklus. Der Hinweis darauf, dass es tatsächlich eine Welt der Branen geben kann, ist die Entropiegrenze. Das heißt, es gibt im ultramikroskopischen Raum eine atomisierte Struktur, also Raumquanten. Wenn die aber wiederum aus Strings bestehen, gäbe es weder Raum noch Zeit. Strings bewegen sich schwingend durch die Raumzeit.

Willem erfuhr auf diesem Planten: Unser Bewusstsein, unsere Aufmerksamkeit, bewegt sich tatsächlich durch die Raumzeit. Die Zeit und der Raum allein sind stabile Zustände. Das was sich bewegt, ist das Bewusstsein, sind wir, sind die Materie und die Energie. Und wir, die Materie, sind aus dem Wert Null gekommen, aus der Leere.

Diese Leere aber war (ist) nicht ein Nichts, sondern ein Etwas, wenn es auch nur ein Einziges war (ist) - das Eine, das Alles ist. Und das schwingt unaufhörlich zwischen wahrscheinlichen Werten um +/- Null. Das ist das Leben; und nur der kurze Moment, wo der Wert wirklich Null ist, ist der Tod, der Moment der Ruhe, der für das Bewusstsein „ewig lang“ sein kann. Denn die Zeit ist ja nur etwas Relatives zum Raum, und der Raum ist relativ zum Wert +/- Null, je

nachdem, in welcher Phase wir uns gerade befinden.

Das Bewusstsein auf diesem Planeten war aber noch viel weiter, um es in irgendeiner menschlichen Sprache ausdrücken zu können. Willem konnte das selbst als Physiker nicht begreifen, denn er hatte ja doch nur das Vorstellungsvermögen eines „Erdlings“. Also befasste er sich hier, so wie jeder andere Neuankömmling, mit dem Lernen dieses Wissens, denn sein Interesse war ja nicht verloren. Genauso schwierig war es, mit seinem Erdenwissen in den Geisteswissenschaften Fuß zu fassen, denn auch hier war das einheimische Volk viel weiter in ihrem Verständnis.

Das Verständnis über „den großen Geist“ aller Dinge, allen Seins war klar und einfach, aber gerade mit dieser Einfachheit tut sich der Mensch immer so schwer. Nebenbei hatte dieses Weltbild gar nichts mit dem Gottesbild auf der „alten“ Erde zu tun, wenn es sich auch in gewissen Kreisen selbst dort nach der Jahrtausendwende sehr zum Vorteil verändert hatte.

Er hatte hier viel Zeit zu lernen. Um zu jener Zeit seinen sozialen Beitrag auf „Türkis“ leisten zu können, beschäftigte Willem sich lieber mit etwas Anderem als mit dem, was er auf der Erde gemacht hatte, und dazu musste er zuerst einmal lernen, was Leben, das wirkliche Sein in der Bewusstheit des allumfassenden Geistes dieser höheren Bewusstseinsebene, eigentlich ist.

Eines Tages lernte Willem eine junge Frau kennen. Sie sah aus wie ein junges Mädchen, vielleicht sechzehn, aber El Reon sagte ihm, dass sie bereits mehr als zwanzig Erdenjahre sei und noch nicht lange auf „Türkis“ lebte. Das Mädchen war ein sanftes, weit entwickeltes Wesen, hatte Feenblut und war schon lange sehr unglücklich auf der Erde gewesen. Einige Wächter der Sternentore durften bis auf Weiteres für die nächsten 2000 Jahre noch ein paar Menschen hierher nach „Türkis“ holen, sofern sie es selber wollten.

Das war ungefähr im Jahr 2100.

Chiara, so hieß sie, hatte sich sofort und gern dafür entschieden, mitzukommen. Zu dieser Zeit lernte sie alle möglichen Künste, auch Heilkünste, sowie es auch in ihrem Feen-Erbgut angelegt ist, erzählte ihm El Reon. Sie hatte aus ihrer irdischen Vergangenheit fast alles vergessen und war jetzt wie ein Mädchen, das gerade erst erwachsen geworden ist. Willem kümmerte sich um sie und brachte ihr einiges Wissen von dieser Welt bei. Bald hatte er sie sehr lieb gewonnen, und sie liebte ihn ebenfalls mit einer einfachen und naiven, fast kindlichen Hingabe. Viele Jahre, als sie auch hier erwachsen war und nach einigen Reisen und Studien, wurden sie ein Paar. Sie bekamen im Laufe einiger Jahrhunderte zwei Kinder. Zuerst eine Tochter und ein Jahrhundert später, als sie noch immer wie dreißig aussah, einen Sohn.

Willem von El Reon lebte hier, auf diesem Planeten, mehr als fünfhundert Jahre und hatte auch alle seine Aufgaben erledigt, die er sich schon auf der alten Erde vorgenommen hatte, ohne es allerdings zu wissen. Das war sein altes „Karma“. Indem er auf sein Leben und das, was er vollbracht hatte, zufrieden zurück blicken konnte, ging er eines Tages, im Bette liegend – und wohl wissend, dass es mit ihm „zu Ende“ ging, im Kreise seiner engsten Verwandten und seiner lieben Frau sowie seiner liebsten Freunde hinüber - in eine andere Dimension.

Kapitel 12: Neue Ankömmlinge

A ron und Vera hatten sich schnell vom Schock erholt, nachdem sie hier angekommen waren. Alle waren sehr freundlich, und sie fanden auch viele Menschen, die ebenfalls durch Sternentore hierher gekommen waren. Es gab 12 Wächter der Sternentore. El Reon war ein sehr wichtiger Sternentorwächter auf der Erde, aber auch der ihrige, Al Aphalon war tüchtig und hatte schon viele Menschen evakuiert. Sie waren jetzt nach ihm benannt, Vera und Aron Rafael von Al Aphalon.

Nun waren sie schon fast drei Jahrzehnte hier und sehr glücklich. Ihr Sohn hatte nie eine andere Welt gekannt, aber er wusste, dass er auf einer anderen Welt gezeugt wurde. Ihr Sohn, Daniel Al Aphalon war in einem Alter, wo er alles über seine Herkunft und über die Kultur des Planeten „Türkis“ wissen wollte und befand sich deswegen oft in Bibliotheken. Ja, hier gab es tatsächlich Bücher, allerdings sahen die anders aus wie auf der Erde. Es waren Platten statt Seiten, die bei Berührung Filme zeigten - mit Untertiteln in der gewünschten Sprache.

Daniel von Al Aphalon war eines Tages wieder in der Bibliothek. Er saß vor einem Buch, das ihm einen spannenden Film über eine Episode der Geschichte der einheimischen Türkisianer zeigte, als er hinter sich eine Bewegung spürte. Er drehte sich um und sah diese Lichtgestalt von Frau, in die er sich sofort verliebte.

Ki-Nen hieß sie. Sie sah diesen jungen Erdenmann in der Bibliothek für einheimische Kultur schon öfter, ohne dass er sie bemerkte. Seine exotische Schönheit faszinierte sie. Selbst war sie

zart und hell, fast durchsichtig, mit hellen, fast weißen, langen und seidigen Haaren, wie alle Einheimischen auf Türkis.

Dieser junge Erdenmann war wie alle Erdlinge dünkler, aber nur er strahlte eine gute Schwingung für sie aus. Sein Name war Daniel, das hatte sie schon herausgefunden, und er war in einem Raumschiff am Weg hierher unter unglücklichen Umständen geboren. Er musste noch sehr jung sein, dachte sie, er war ein „Al Aphalon“. Der Sternenwächter Al Aphalon hatte Mitte der fünfziger Jahre des ersten Jahrtausends die vorerst letzten Evakuierungen gemacht, machte aber nach dem Jahr 2100 mit fünf anderen Sternentorwächtern wieder weiter.

El Reon gehörte der ersten Gruppe der Star Gate- Kommandanten an, Al Aphalon war in der zweiten Gruppe Star Gate-Kommandant. Jeweils sechs Sternentore wurden abwechselnd aktiviert. El Reon machte die vorerst letzten Evakuierungen schon im Jahr 2010, begann aber mit einigen anderen wieder ab 2050 und setzte bis 2100 nach unserer Zeitrechnung wieder mit diesen Sternentorreisen fort, indem er noch viele Menschen mit seinem Raumschiff hindurch führte.

Al Aphalon machte die vorerst letzten um das Jahr 2045, also musste Daniel um diese Zeit geboren sein. Er konnte also nicht älter als fünfundzwanzig sein, dachte Ki-Nen, und damit hatte sie recht.

Selbst war sie schon über fünfzig, sah aber keinen Tag älter als zwanzig aus. Hier auf Türkis machte ein Altersunterschied kaum etwas aus, nur wenn der Altersunterschied um mehrere hundert Jahre differierte. Nun, Daniel war sehr jung für sie, aber er war fleißig und geistig wach. Rein materiell denkende Menschen konnten die Sternentorwächter sowieso nicht evakuieren, denn diese konnten die Schwingung nicht anpassen. Dennoch, manche von den „Neuen“ bekamen Kinder, die zeitweise wieder in dieses

starke materielle Denken fielen, so als ob sie es genetisch in sich trügen.

Daniel hatte sehr helle Augen wie sein Vater, aber dunkle Haare. Er war von hoher Gestalt und hatte ein schmales Gesicht. Das gefiel Ki-Nen. Seine Hände waren schmal und feingliedrig. Ob er wohl geschickt sei? dachte Ki-Nen, denn sie selbst liebte die Natur und befasste sich hauptsächlich mit Arbeiten in den Gärten, wie Pflanzen und Ernten. Die geernteten Früchte wurden mit spezieller Energie konserviert und kamen dann in Lagerräume. Diese Früchte waren das Hauptnahrungsmittel auf Türkis. Sie hatte gehört, dass man auf der Erde Tiere aß. Wie widerlich! Sie konnte sich das nicht vorstellen. Für sie klang das nach Kannibalismus.

Es gab fast keine Tiere auf diesem Planeten, und die Tiere, die es gab, wurden weder gezüchtet noch als Haustiere gehalten. Sie waren völlig frei und konnten tun, was sie wollten. Ohnehin fehlte ihnen an nichts, sie lebten ebenfalls von Früchten, die es zahlreich gab. An den Gedanken, diese Tiere essen zu müssen, schüttelte sich Ki-Nen vor Ekel. Aber das war ja nicht der Fall, und sie lebten alle hier und nicht auf der Erde, deren Menschen sich sowieso bald selbst ausrotten würden. So hatte sie es jedenfalls gehört.

Sie trat nun näher zu Daniel, um ihn genauer beobachten zu können. Außerdem wollte sie sehen, welches Buch er gerade liest. Sie schlich sich ganz leise heran, aber als ob er etwas gehört hätte, drehte er sich plötzlich um und sah sie an. Er blickte ihr direkt in die Augen. Sie fühlte sich ertappt und war ein bisschen verlegen. Anscheinend wurde sie tatsächlich rot, denn sie sah, wie ihre Haut sich rosa färbte, und das Licht ihrer Aura strahlte ebenfalls in einem rosafarbenen Ton.

Das hatte auch Daniel bemerkt, und er lächelte. Zum Glück lächelte er und lachte nicht lauthals auf. Ki-Nen wurde noch röter. Sie

musste direkt leuchten. Jetzt lachte Daniel aber doch. Ki-Nen war das so peinlich, dass sie sich umdrehte und davonlaufen wollte wie ein kleiner Teenager. Sie merkte aber, wie Daniel vom Stuhl aufsprang und hinter ihr herlief. Er berührte sie am Arm und stammelte, noch immer lachend:

„Verzeih'!“ Mehr konnte er nicht herausbringen. Einfach nur:

„Verzeih'.“ Dabei blickte er ihr wieder mit diesem tiefen, seltsamen Blick in die Augen. Sie wusste ja nicht, dass er sie in diesem Augenblick am liebsten geküsst hätte. Obwohl Türkisianer empathisch sind, kamen sie manchmal mit dem Wesen der Menschen nicht klar, und dann konnten sie aus ihren Schwingungen nicht „lesen“. Das Problem war auch, dass die Menschen nicht so authent wie die Türkisianer waren, und daher war sich Ki-Nen nicht sicher, was Daniel wirklich empfand. Sie hatte ihm gegenüber kein anderes Wahrnehmungsvermögen wie ein Mensch – zumindest vorerst, solange ihre Gefühle noch so aufgebracht waren. Das war direkt spannend.

„Gehen wir in den Garten!“ Schlug er ihr vor. So, als ob er ihre Gedanken gelesen hätte und nicht sie seine. Sie zögerte etwas und ging dann mit ihm. Er pflückte ihr eine Frucht und reichte sie ihr.

Jetzt lachte Ki-Nen. „Willst du mich damit verführen?“ „Ich habe gehört, dass bei euch Menschen eine Geschichte im Umlauf ist, nachdem die erste Menschenfrau auf diese Weise den ersten Mann verführt haben soll.“

Daniel lachte wieder. „Ach ja, die alte Geschichte,“ und dann sagte er: „Ja. Aber diese Menschenfrau wurde wiederum von der Schlange verführt. Aber ich bin keine Schlange, nur ein Mann, der dir diese herrliche Frucht anbietet.“

Er sah Ki-Nens verdutzten Blick und redete dann aufklärend

weiter, indem er gleichzeitig ihre Hand nahm:

„Entschuldige, ich wollte dich nicht verwirren. Diese Geschichte ist eine Metapher. Du gefällst mir einfach in deiner Art. Übrigens, ich heiße`Daniel´“ und streckte ihr die andere Hand hin.

„Frieden?“ fragte sie und nahm seine Hand an. Sie wusste ja, dass er Daniel hieß.

„Ja, das auch,“ sagte er: „Aber mit einem Händedruck stellen wir Menschen uns einander vor. Wie heißt du denn?“ wollte er wissen.

„Ki-Nen“ antwortete sie jetzt genauso kurz.

„Also nimmst du jetzt diese Frucht oder willst du sie nicht? Dann eß' ich sie selber.“ Daniel lachte wieder.

Ki-Nen nahm sie jetzt und biss herzhaft hinein. Sie schmeckte köstlich, obwohl sie keinen Hunger hatte. Sie aß die Frucht mehr als Geste ihm zuliebe. War sie in ihn wirklich verliebt? Der Verdacht lag nahe, denn sie dachte immer nur an ihn, seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hatte.

„Ich möchte dich öfter treffen,“ sagte jetzt Daniel zu ihr: „Wäre das möglich?“

Sie schaute ihm in die Augen und fragte sich, ob er es ehrlich meinte, aber sie konnte keine Lüge sehen oder fühlen. Daher antwortete sie einfach mit „Ja“, tat aber ansonsten nichts dergleichen. Sie ließ ihn zappeln.

Und er zappelte wirklich. Wie ein Fisch an der Angel zappelte er fast unmerklich von einem Fuß auf den anderen, bis er es nicht mehr aushielt und herausplatzte:

„Und? Was Ja? Gibst du mir jetzt deinen Code zur telepathischen Kontaktnahme mit dir oder nicht?“

„Aber ja,“ sagte sie gedehnt. Als sie seinen verständnislosen, aber abwartenden Blick sah, dachte sie, sie hätte jetzt genug gespielt und sagte schnell: „223.69“

Mit dieser Bemerkung wandte sie sich ab und ging schnell davon. Sie ließ den verdutzten Mann einfach stehen. Sie wusste, er würde sie kontaktieren, und das geschah noch am selben Nachmittag. Ki- Nen trällerte ein Lied, während sie nach Hause ging. Dann kämmte sie sich sorgfältig die Haare, als sie ihr Spiegelbild betrachtete. Ob sie ihm wohl gefallen würde? Fragte sie sich. Sie würde sich mit ihm noch spät am Abend treffen. Er wollte ihr etwas zeigen, hatte er zu ihr gesagt. Wie war sie doch verliebt. Sie musste nur aufpassen, nicht wieder so verräterisch rosarot zu werden.

Daniel von Al Aphalon und Ki-Nen trafen sich noch am selben Abend, und sie verliebten sich tatsächlich ineinander. Sie verabredeten sich seit dieser Zeit fast jeden Tag, und bald kam es zum ersten Kuss. Es wurde ernst. Ki-Nen dachte darüber nach, ob sie wirklich mit einem Menschen lange Zeit zusammen sein könnte. Sie konnte das gefühlsmäßig mit „ja“ beantworten, aber sie dachte weiter. Wenn sie beide eines Tages einen Kinderwunsch haben würden, könnten sie miteinander ein Kind zeugen? Ki-Nen ging zu einer alten Vertrauten, die viel wusste, denn sie war eine wirklich weise Frau. Diese Frau war alt, mindestens 300 Jahre und sehr erfahren und gelehrt. Sie kannte die Kultur der Menschen sehr gut und auch deren Entwicklungsgeschichte.

„Wir waren schon vor Tausenden von Jahren auf der Erde,“ begann die Vertraute und erzählte weiter: „Allerdings zeigten wir uns damals nicht von unserer besten Seite. Wir hatten auch noch eine lange Entwicklung vor uns.

Die Menschen kamen uns vor wie Tiere, und wir dachten daran, sie für den Bergbau zu benutzen, denn wir brauchten Metalle für unsere Technologien. Die Menschen waren zu wenig stark und zu wenig intelligent damals, und so begannen einige unserer Leute, die Menschen mit unseren Genen zu kreuzen. Nur um effizientere Diener zu bekommen! Das war nicht Recht, darum erzählen wir nicht oft von diesen alten Geschichten. Wer möchte schon dauernd an seine Schuld erinnert werden?“

„Erzähl' weiter!“ sagte Ki-Nen: „Funktionierte das wirklich?“

„Ja, es ging besser, als wir uns das vorstellten,“ antwortete die Vertraute und sprach weiter:

„Unsere Gene ließen sich wunderbar mit denen der Menschen vereinen, und es entstand eine neue Rasse, die wir`Nephilim´ nannten. Die Leiter des Forschungsprojektes waren Anu, Enlil und Enki. Die Menschen haben diesen Schöpfungsakt missverstanden und hielten sie für Götter. Anu, der Ältere, Enlil der Jüngere und sein Bruder Enki haben die Menschen seinerzeit nicht aufgeklärt. Sie ließen sich anbeten. Das gefiel ihnen sogar.

Aber die Nephilim ließen nicht mit sich machen, was unsere Forscher wollten und richteten sich eines Tages gegen ihre Erzeuger. Da wollte Anu, der Ältere und Enlil gegen die Nephilim Krieg führen. Aber Enki, der diese Nephilim liebte, verriet das Vorhaben an sie und verhalf ihnen zur Flucht. Daher ist anzunehmen, dass sich die Nephilim später mit den anderen Menschen vermischt haben, und dass der heutige moderne Mensch so entstanden ist, der Cro-Magnon-Mensch, so wie Aron und Vera und Daniel, die du ja gut kennst, und so wie alle Menschen, die jetzt hier bei uns leben.“

Die Vertraute hielt inne und blickte Ki-Nen an, die sie aber

auffordernd anblickte. Der Blick hieß, sie solle weiter erzählen. Also berichtete sie weiter:

„Stell' dir vor, was aus dieser Geschichte mit dem Forschungsprojekt geworden ist: Die Hochzüchtung der Menschheit nahm ihren Ursprung in Mesopotamien, so hieß das Land zwischen Euphrat und Tigris damals auf der Erde. Es war das Land Sumer mit den ältesten Städten Uruk und Niniwe. Dann gab es noch andere Städte, wie Susa und Babylon, aber diese wurden erst später gegründet.

Babylon war ein eigenes Reich, das aufblühte, als Sumer schon auseinander fiel. Sumer hatte eine hohe Kultur. Die Bewohner dieses Landes kannten Architektur, Mathematik, Medizin und die Schrift. Die Schriftzeichen wurden in Tontafeln gehauen, um sie der Nachwelt zu erhalten, obwohl sie das Papier, den Papyrus, kannten.

Babylon blühte auf, übernahm ihre Götterwelt und nannte sie die ihrige. Später blühte das Land Ägypten auf und die Götterwelt wurde auch von den Ägyptern übernommen, umbenannt und in ihre heiligen Schriften aufgenommen. Dann kamen diese Schriften in etwas anderer Form in die jüdischen Lehren und schließlich sogar in die Bibel, nur waren sie dann schon ziemlich verfälscht. Seit vielen Jahrhunderten befassen sich die Erdlinge intensiv mit der Ägyptologie, aber inzwischen haben die Ägypter ihre Ausgrabungsstellen geschlossen.

In der Ägyptologie hatten die Menschen den Vorteil, die Sprache übersetzen zu können. Der Schlüssel zum Verständnis der Hieroglyphen wurden seinerzeit im Stein von Rosette gefunden. Das war zu Napoleons Zeiten, ein großer führender Kaiser in Europa. Mit der sumerischen Schrift hatten die Menschen kein Glück. Obwohl hier die eigentliche Wiege ihrer Hochzivilisation liegt, haben sie keinen „Stein von Rosette“ für die sumerische Schrift gefunden, und

ihre Schriften wurden nur mühselig und zu einem kleinen Teil übersetzt, zum Beispiel das`Gilgamesch-Epos´ und das`Enuma Elish´“.

Wenn sie doch eines Tages alles übersetzen können, werden sie sehr erstaunt sein und ihre alten grausamen Götter erkennen als das, wer sie wirklich sind und sich endlich dem wahren kosmischen Gott zuwenden, der nur absolute Liebe und reinstes Licht ausstrahlt. Niemals könnte ein Gott einen Menschen bestrafen, Rache fordern oder ein Opfer von ihm haben wollen.

Unsere Mitglieder des Forschungsteams müssen ihnen in ihrer Erscheinungsform wie Gottheiten vorgekommen sein, groß und edel von Gestalt, geharnischt mit Stahl und geschmückt mit Juwelen und Gold. Sie müssen wirklich prächtig anzuschauen gewesen sein und machten ihnen vor, Engel oder Götter zu sein. Sie forderten Opfer, nämlich Gold und andere Metalle, und sie forderten Blut, nämlich Menschen als Sklaven für verschiedenste Zwecke. So unedel waren diese „Götter“ in Wirklichkeit. Aber die Menschen damals waren primitiv und rückständig und konnten aufgrund der Technologie und des Wissens, das sie hatten, nur bewundernd auf sie aufschauen und sie für allmächtige Götter halten, die in ihren „Himmelswagen“ auf sie hernieder kamen.

Diese Himmelswagen waren natürlich unsere alten Raumschiffe, aber wie sollte ein antiker Mensch verstehen, dass am Himmel die Sterne nicht wie Lampen hingen, sondern dass diese Lichter groß wie Sonnen waren, und die Sonne, die sie sahen, viel größer ist als ihre ganze Erde, und dass es zahlreiche Sternensysteme gibt mit anderen Zivilisationen.“

„Gütiger Gott!“ rief Ki-Nen bestürzt. Aber ihre Frage war beantwortet. Eine Mischung zwischen Erdlingen und Türkisianern war also möglich, das war ihre ursprüngliche Frage gewesen, und

jetzt hatte sie noch dazu eine so außergewöhnliche Geschichte erfahren. Aber seit sie die Geschichte gehört hatte, fühlte sie sich irgendwie mitschuldig an dem, was damals auf der Erde in Sumer geschehen war.

Aber das tat letztendlich ihrer Liebe zu dem Erdling keinen Abbruch. Auch er liebte sie von Herzen, und seine Eltern waren ebenfalls offen zu ihr. Ki-Nens eigene Eltern waren bereits vierhundert Jahre alt und befanden sich irgendwo auf einem anderen Planeten auf Mission. Die engste Bezugsperson für Ki-Nen war ihre Vertraute.

Es vergingen noch zwei Jahre bis sie sich entschlossen, zusammen zu bleiben. Das Ritual war entfernt dem einer Heirat auf der Erde ähnlich, es war bei Weitem nicht so formell und so endgültig. Man ging nicht davon aus, sein ganzes Leben lang zusammen zu sein, dafür wurde man hier viel zu alt. Jedenfalls bekamen sie fünf Jahre später tatsächlich ein Kind. Es wurde ein hübsches Kind, ein Hybrid, halb Mensch, halb Türkisianer. Es war ein Mädchen, und sie nannten es „Gillian“.

Aron und Vera waren also Großeltern geworden. Als Gillian fünfzehn war, musste Vera oft an Lara denken, die ebenfalls in diesem Alter war, als sie Rom verlassen hatte.

Eines Tages war Vera zu Besuch bei einer Freundin von El Reons Stamm. Als sie bei Tisch saßen, kam eine junge Menschenfrau herein. Diese junge Frau erinnerte sie aus irgendeinem Grunde stark an Lara. Bald kamen sie in Kontakt, und sie erzählten sich ihre Geschichte. Welch freudige Überraschung kam bei allen auf, als sie hörten, dass Chiara, so hieß das Mädchen, eine weitschichtige Verwandte von Vera war, denn Lara war tatsächlich die Großmutter von Chiara. Das wurde gebührend gefeiert, denn sie freuten sich alle mit ihnen, dass sie eine

Verwandtschaft von der Erde gefunden haben und waren getröstet, dass die Galaxis doch so klein war. Das konnte nur geschehen, weil die Zeit hier anders verlief. Sie wurden kaum älter. Auf der Erde wäre Vera schon eine alte Frau gewesen und Aron ein alter Mann.

Wer eine Welt erblickt im Körnchen Sand und Himmel in dem Blumengrunde, schließt die Unendlichkeit in seine Hand und Ewigkeit in einer Stunde.“

William Blake aus „Auguries of Innocence“

Kapitel 13: Elfenfeuer

Kapitel 13: Elfenfeuer gemalt von: Eva Lene Knoll, 2010 E s war in den fünfziger Jahren

gemalt von: Eva Lene Knoll, 2010

Es war in den fünfziger Jahren des 21. Jahrhunderts. Lara ging durch den angrenzenden Hain der Stadt. Sie war in Gedanken versunken. Mehr als fünfzehn Jahre nach den großen Tumulten um 2012 war sie geboren geboren und jetzt war sie Mitte zwanzig. Das vorangegangene Jahr hatte viele Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur mit sich gebracht, positive allerdings. Für sie selbst hatte sich schon im Jahr davor alles verändert, als sie Leon kennen lernte, einen Mann aus Florenz. Leon hatte in Montepulciano sein Elternhaus.

Lara hatte sich sofort in ihn verliebt, und er wiederum liebte sie von ganzem Herzen. Sie blieb nun endgültig in Italien und zog zu ihm. Das war leicht für Lara, denn sie war ja selbst eine halbe Italienerin. Als sie zu ihrem Vater nach Florenz zog, lernte sie Leon

kennen.

Österreicherin.

Was zu dieser Zeit Italien war, war um einiges kleiner als vor dem Jahr 2012, denn viele Flutkatastrophen und Erdbeben zerrissen damals die Küste. Durch das anschließende Ansteigen der Meere verlor Italien viel Land an das Meer. Nach diesen Umwälzungen der Erde, der Natur zu jener Zeit, was sich schon Jahre vorher angekündigt hatte, war es auch noch zu einer globalen Finanzkrise gekommen. Es folgten weltweit politische Unruhen.

Schon vor dem Jahr 2012 kündigten sich große Katastrophen an; im Jahr 2010 gab es eine große Ölpest im Golf von Mexiko, als ein Bohrturm explodierte, und im Jahr 2011 kam es zu einer Atomkatastrophe größten Ausmaßes in Japan, ausgelöst durch einen Tsunami und einem Erdbeben. Dieses Erdbeben führte zu einem Schaden am Atomreaktor. Zu guter Letzt kam es auch noch zu einer Polverschiebung im selben Jahr.

Die dabei entstandenen magnetischen Winde verursachten noch mehr Katastrophen, Stromausfälle und psychische Störungen an allen Lebewesen. Viele Menschen und Tiere starben damals, und viele verschwanden spurlos. Sie wurden nie wieder gefunden, auch nicht etwaige sterbliche Überreste. Es war wirklich sehr seltsam. Danach zerfiel auch Europa, und die Vereinigten Staaten spalteten sich in zwei Teile. Es kam zu keiner Globalisierung, im Gegenteil. Erdbeben und Flutwellen zerstörten vor allem die Küstenstädte der Kontinente und lösten in der Bevölkerung nationale Schwierigkeiten aus. Seit einem Jahr lebte Lara nun in Montepulciano, einer Stadt, die gänzlich erhalten blieb, zusammen mit Leon.

Bevor sie als junge Erwachsene zu ihrem Vater nach Florenz zog, lebte sie bei ihrer Mutter, die nach der Scheidung in Wien lebte. Dort studierte Lara. Diese Stadt blieb ebenfalls gänzlich

Ihre

Mutter

Clara

war,

wie

schon

erwähnt,

eine

unbeschädigt. Später reiste sie ein paar Monate um die Welt und kam dann nach Florenz. Sie konnte dort bei ihrem Vater leben, dem sie so ähnlich sah mit ihren dunklen festen Haaren, die in Wellen über ihre Schultern fielen und ihren dunklen großen Augen. Sie war sehr hübsch, schlank und zierlich.

Italien war, wie schon erwähnt, sehr von den Umwälzungen betroffen. Fast alle Küstenstädte waren versunken, Venedig zuerst. Nur Norditalien und die Toscana blieben weitgehend verschont, abgesehen vom ligurischen Teil, der auch sehr überflutet wurde.

Lara ging also einen schmalen, erdigen Weg entlang, der mehr ein Wildlauf war und schob dabei immer wieder einige Zweige aus ihrem Gesicht. Plötzlich sah sie zwischen einigen Bäumen ein Licht flackern. Es war von bläulichgrüner Farbe und loderte wie eine Flamme. Sie ging furchtlos hin zu jenem bläulichgrünen Feuer. Es war ein sogenanntes „Elfenfeuer“, wie sie aus den diversen Erzählungen ihres Freundes Leon wusste. Durch dieses konnte man angeblich hindurchgehen – in eine andere Welt!

Es war ein Dimensionstor zu einer nicht alltäglichen Welt, wo man noch Feen und Elfen finden konnte. Leon erzählte ihr oft über die alten Religionen, auch über die Naturreligionen der Kelten und Schamanen, denn das war sein Interessensgebiet. Er konnte zwar ihr Interesse für diese Geschichten wecken, doch sie verwies sie alle in das Reich der Mythologie. Lara war nicht sehr gläubig, im Gegensatz zu Leon, und es kam immer wieder zu leidenschaftlichen Diskussionen über theosophische Themen.

Sie stand jetzt direkt vor dem Feuer. Sollte sie es wagen? Lara hatte Angst. Konnte sie nachher wieder zurück? Doch die bläulichgrünen Flammen faszinierten sie derart, dass sie wie hypnotisiert trotz klopfenden Herzens hinein trat.

Sie war umhüllt von diesem Licht, das nicht heiß und nicht kalt war, sondern warm und freundlich. Dann sah sie eine hell strahlende Lichtgestalt auf sie zukommen. Diese strahlte so viel Güte aus, dass sich Lara von jeder Angst löste. Die Gestalt reichte ihr die Hand:

ich führe dich sicher auf deinen

Weg hier und auch wieder zurück. Hast du ein Anliegen?“

Lara begrüßte sie höflich und erzählte ihr von ihren Sinnfragen, über die sie sich oft mit Leon ereiferte.

„Ich bin Saranda,“ sagte sie „

und

„Komm“ sagte Saranda: „Ich zeige dir etwas!“

Sie traten beide aus dem Elfenfeuer heraus und kamen in eine fremde Landschaft eines weit entfernten Planeten.

„Das ist ein Planet im Oriongürtel“ sagte sie zu Lara und dann mit Begeisterung in der Stimme:

„Sieh mal in den Himmel!“

Lara sah einen klaren Sternenhimmel. Prachtvoll prangten ihr unbekannte Gestirne am Firmament. Dann nahm Saranda sie auf eine Reise mit. Sie flogen durch das Weltall, ganz schnell, fast mit Lichtgeschwindigkeit, und Lara sah Galaxien entstehen – wie Blumen, die aufblühten und dann wieder verwelkten. Diese blumenartigen Formen in all ihren prachtvollsten Farben schlossen sich wieder bis zu einem einzigen Punkt; sie verschwanden im Nichts. Dann entstanden abermals neue Formen, blühten voll auf und schlossen sich wieder, bis sie wieder im Nichts verschwanden. Es war ein buntes Kaleidoskop.

„Leon hat Recht.“ Sagte Saranda:

„Das Universum ist ewig. Aber das Leben ist nicht das Vorhandensein von Materie und Energie allein, es ist die Bewegung. Das Leben ist die Geburt der Raumzeit. Nur durch das Vorhandensein der Raumzeit gibt es Leben. Da es diese nicht gibt, so wie ihr Menschen euch das vorstellt, könnt ihr es nicht vom Verstand begreifen, nur vom Herzen. Ihr könnt es nur glauben, so wie es Leon tut.

Seit dem vorigen Jahrtausend versucht ihr mit der harten Wissenschaft alles was ist, zu beweisen, aber nur die Philosophie weist euch den Weg.

Seit dem Jahr 2000 ungefähr habt ihr begonnen, harte Wissenschaften wie Physik und Mathematik und weiche Wissenschaften wie Theologie und Philosophie zusammenzubringen. Das war ein guter Versuch. Nur mit dem Verstand werdet ihr Menschen das Leben an sich nie erfassen, dazu fehlen euch die Mittel und die Worte ebenso.“

Sie blickte Lara freundlich an und sprach weiter:

„Vertraue auf dein Herz.“

Dann reichte sie ihr ein Möbius'sches Band (ein Band wie eine liegende Acht, nur verdreht zusammengefügt. Wenn man es der Länge nach auseinander schneidet und auseinander zieht, entsteht ein einziger Ring), ein Symbol der Ewigkeit. Es verwandelte sich in ein golden strahlendes Licht, dann materialisierte es sich in zwei goldene Ringe. Es waren Freundschaftsringe.

„Das ist ein Geschenk von mir an dich und Leon als Zeichen meines Segens über eure seelische Verbindung.“ Dann steckte Saranda sie in einen roten Seidenbeutel und überreichte ihn der erstaunten Lara, die sich herzlich bedankte.

Die Lichtgestalt sprach weiter:

„Ich begleite dich nun zurück, deine Konzentration lässt nach.“

Sie nahm Lara wieder bei der Hand und flog mit ihr zurück, und begleitete sie anschließend noch durch das Elfenfeuer. Dann verabschiedete sie sich und löste sich in einer Lichtwolke auf.

Lara erwachte liegend auf einem Mooshügel. Der ganze Zauber war verschwunden. Hatte sie nur geträumt? Sie befand sich im Waldhain vor der Stadt. Doch als sie den Beutel mit den goldenen Ringen in ihrer linken Hand bemerkte, wusste sie, dass es kein Traum war.

Kapitel 14: Leonie

Leonie war in den beginnenden sechziger Jahren des dritten Jahrtausends in Italien geboren – als einziges Kind von Lara und Leon - und ging sehr jung nach Florenz, wo sie bei einem Schüler des alten Philosophieprofessors ihrer Großmutter väterlicherseits Kunstgeschichte und Philosophie studierte.

Dort entdeckte sie ihre Leidenschaft für die darstellende Kunst und wollte ihr Wissen auf diesem Wege für andere bildhaft darstellen. Nur jener, der tiefgründig erkennen konnte, sah die von ihr vermittelten Botschaften in ihren Bildern, für alle anderen waren es eben nur schöne Landschaften oder Figuren.

Nachdem sie in Florenz studiert hatte, ging sie zurück nach Montepulciano, ihrer Heimatstadt. Zum Glück erkannten auch ihre Eltern ihr Talent und förderten sie; denn wie in den vorigen Jahrtausenden, war es auch im 3. Jahrtausend sehr schwer, von der Kunst zu leben.

Nun war Leonie schon ein paar Monate hier. Die Einheimischen lebten in dieser Gegend hauptsächlich von der Agrarwirtschaft, vornehmlich vom Weinbau. Die Stadt selbst war auf einem Berg, denn die Etrusker hatten seinerzeit die Städte immer so angelegt. Die alte Stadtmauer war noch fast intakt. Die Gebäude selbst haben mehrstöckige Keller, die tief in den Berg hinein gegraben sind. Durch die unterirdischen Gänge konnte man bis in die nächste Stadt kommen. In so einer unterirdischen Höhle unter dem Berg hatte sie es sich mit ihrer Staffelei oft gemütlich gemacht. Dabei versuchte sie, das farbige Licht, das durch einen Schacht fiel, mit ihrem Pinsel auf Papier zu bringen. Manchmal vergaß sie dabei die Zeit und saß nur da, bis das Licht immer schwächer wurde, weil die Sonne

langsam am Horizont versank. Als das wieder einmal geschah, konnte sie ein bläulichgrünes Licht in der Höhle entdecken. Es flackerte wie eine Flamme. Was war das nur?

Eines Tages fand Leonie bei ihren Wanderungen durch die Natur, um sich Motivation zu holen, eine Höhle außerhalb der Stadtmauer. Ohne Angst ging sie mit einer Stablampe hinein und fand zu ihrem Erstaunen eine Kristallhöhle. Sie bestand nur aus Felsen und vielen hellen, durchscheinenden Kristallen. So saß sie oft auf einem flachen Felsen, lehnte sich zurück und beobachtete, wie sich die Lichtstrahlen vom Eingang in den kristallenen Strukturen brachen und das Gestein zum Funkeln brachte. Sie leuchteten in allen Regenbogenfarben.

Sie ging näher hin und entdeckte eine hell leuchtende Gestalt in den Strahlen. Diese Gestalt streckte ihr die Hand entgegen und sprach:

„Komm', ich zeige dir ein Geheimnis des Lebens.“

Leonie zögerte nicht lange. Die Gestalt schien vertrauenswürdig. Sie dachte viel über das Leben an sich nach, und anders wie ihre Eltern, die beide den Glauben in ihrem Herzen trugen, den Glauben an Gott und an ein ewig lebendes Universum, hatte sie diese Einstellung nicht. Angeblich glaubte auch ihre Mutter nicht, bevor sie nicht ein Mysterium erlebt hatte, damals in der Mitte des 21. Jahrhunderts, einige paar Jahre bevor sie geboren wurde. Ihre Mutter sah damals ebenfalls ein Feuer, das sie „Elfenfeuer“ nannte.

„Ich bin Ramira“ sagte die Gestalt, und riss Leonie aus ihren Gedanken.

dieses Feuer hier ist weder heiß noch kalt, es ist ein Tor in

eine andere Welt. Keine Angst, ich weise dir den Weg zurück, wenn

„ und

du mitkommst.“

Leonie verlor jedes Misstrauen und trat in die bläulichgrünen Flammen. Der farbige Nebel war angenehm und leuchtete auf ihrer Haut. Ramira nahm sie bei der Hand, und sie schritten beide durch das Feuer hindurch. Sie standen schließlich in einem großen Saal.

„Sieh mal“ sagte Ramira zu Leonie und deutete auf einen großen Spiegel, der plötzlich Bewegung zeigte.

Der Spiegel war zuerst dunkel, dann indigoblau. Von irgend woher tauchte im Blickfeld ein strahlender Punkt auf, klein wie ein Stern am Himmel. Ganz schnell löste dieser weiße Punkt ein Loch in das Indigoblau in derselben Größe heraus und zerfiel sofort in zwei strahlende Punkte, die gelb und violett leuchteten. Der violette Punkt bewegte sich schnell zum weißen hin, färbte sich in ein helles Lila, während der gelbe Punkt aus dem Indigo einen weiteren Funken herauslöste, der zerfiel und mit dem gelben Teil einen grünen Stern bildete, und mit dem violetten Teil wurde er zu einem blauen Punkt.

Es ging alles blitzschnell weiter (nichts war jedoch im Sinn der Farbenlehre) und alle Farben des Regenbogens entstanden, bis das Indigo völlig aufgelöst war.

Plötzlich wurde die ganze Fläche weiß, es strahlte und von irgend woher kam ein Fünkchen, ein dunkler, aber strahlender Punkt und riss aus dem weißen Licht einen Fleck in derselben Größe heraus, der sich in ein rosarotes und blaues Pünktchen teilte, wobei sich der rosarote mit den dunklen Punkt verband, zum Purpurrot wurde, und der blaue Teil ein weiteres weißes Fleckchen herauslöste, das sich wiederum in zwei farbige Sternchen teilte. Schließlich wurde die ganze Fläche bunt, und dann wurde alles wieder in ein sattes Indigoblau gefärbt. Ein weißes Licht tauchte auf, und alles begann von vorne.

„Das ist das Leben!“ erklärte Ramira:

„Es geht ewig so fort. Das Universum, entstanden aus einem Einzigen (Licht, Zahl, Wort oder Algorhythmus) teilte sich bis ins Unendliche und vereinte sich wieder, und durch die Bewusstheit, die man Willen nennt, strebte alles wieder in die Einheit zurück. Der Zeitpunkt des Verbleibens in der Einheit kann eine lange Zeit oder auch nur einen Moment dauern, bis durch den Willen die Raumzeit wieder in Bewegung gerät, die Einheit instabil wird und in selbstähnliche Teile zerfällt, um sich selbst zu spiegeln.

Diese selbstähnlichen Teile nennt man Fraktale, und alle zusammen bilden ein Muster. Sie tragen das Gesamtbild des Universums in sich, so wie das Universum in jedem Teilchen selbst ist. So spiegelt sich Gott, und um sich selbst zu erkennen, hat er die Welt geschaffen.

Den Nullpunkt der Schwingung, den Punkt also, wo alles in Ruhe verharrt, nennt man bezeichnenderweise auch „Totpunkt“.

Das Universum ist ein ewig in einem endlosen Raum schwingendes, lebensfüllendes Feld. Das heißt, es ist in einem endlosen Raum mit endloser Materie und endlos andauernder Zeit. Materie erzeugt Raum. Wäre der Raum endlich, ist er begrenzt, dann ist es die Materie ebenso. Der Effekt wäre ein anderer:

Der Raum würde sich aufgrund der Schwerkraft krümmen und mit ihm die Materie zusammenfallen bis zum Urknall. Hier wäre das Universum endlich, aber die Bewegung an sich selbst würde wieder anfangen, das Leben wäre ebenso unendlich und ewig. Im ersten Modell ist ein Urknall nicht notwendig. Das Universum war immer und ist immerdar. Zur Zeit geht eure Wissenschaft noch immer vom zweiten Modell aus. Verstehe aber, dass beide Modelle nur eine

Metapher sein sollen, denn die Wirklichkeit erfordert mehr als dreidimensionales Denken, und das ist euch noch immer nicht möglich.

Trage dieses Bild und die Tatsache, dass das Gesehene und Gesagte auch nur eine Metapher ist, in deinem Herzen, und du wirst verstehen und in der Kunst einen annähernden Ausdruck finden können. Nicht mit deinem Verstand, aber du kannst ab jetzt mit deinem inneren Wissen deine Bilder zum Leuchten bringen.“

Nachdem sie das gesagt hatte, nahm sie Leonie bei der Hand und führte sie zurück durch das Elfenfeuer in die Höhle.

Leonie erwachte wie aus einem Traum. Das Feuer war verschwunden und es war bereits dunkel. Sie nahm ihre Stablampe und ging schnell nach Hause. Ab diesem Zeitpunkt sahen ihre Bilder anders aus. Sie strahlten eine eigene Kraft aus, ihre innere Weisheit über das Leben.

Viele Menschen sahen das auch in ihrer Kunst. Diejenigen, die ihre Bilder betrachteten, verstanden die Aussage darin mit ihrem Herzen, wenn auch nicht mit ihrem Verstand. Erst wenn Kunst fühlbar wird, wenn sie einem berührt, dann hat sie ihr Ziel erreicht, dann ist die Botschaft angekommen.

„Zeit ist die Substanz, aus der ich erschaffen wurde. Zeit ist ein Fluss, der mich mit sich zieht, doch ich bin der Fluss; sie ist ein Tiger, der mich verschlingt, doch ich bin der Tiger; sie ist ein Feuer, das mich verzehrt, doch ich bin das Feuer.“

Jorge Luis Borges (1899-1986)

Kapitel 15: Seltsame Lichter

Leonie bekam mit ihrem späteren Mann, Carlo Baldoni aus Florenz, drei sehr begabte Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. Die Tochter erblickte als letztes Kind um das Jahr 2090 in Florenz das Licht der Welt. Sie nannten sie Chiara, in Anlehnung des Namens „Clara“, so wie einst ihre Urgroßmutter hieß. Auch eine noch ältere Ahnfrau hieß so, wie Leonie erfahren hatte. Chiara war ein italienischer Name. Das Mädchen war sehr sensibel und neigte mehr zu den musischen Künsten ihrer feenhaften Ahnen.

Ihre Eltern hatten im Hinterhof des Hauses einen kleinen Garten. Dieser Garten war mit Blumen, Sträuchern und Obstbäumen bepflanzt und veranlasste Chiara immer zum Träumen. Die Natur war ihre Muse. Sie war noch ganz jung und fühlte sich zu dieser Zeit sehr einsam. So saß sie an der steinernen Treppe des Hintereingangs und betrachtete den Garten. Dort gab es auch einen mit Gras bewachsenen Erdhügel, der von Blumen überwuchert war. Sie ging aufmerksam um ihn herum und sah dort eine durch Pflanzenbewuchs fast gänzlich verborgene Tür, die sie vorher nie gesehen hatte. Neugierig ging sie hin und drückte auf die Klinke, um zu sehen, ob sie offen oder geschlossen war. Knarrend ließ sich die Tür öffnen, und das Tageslicht fiel etwas hinein in den Raum, der dahinter lag.

Chiara ging hinein, nicht ohne sich zu versichern, dass die Türklinke von innen in Ordnung war und sich wieder öffnen ließ. Sie sah eine Treppe, die nach unten ging. Links hing ein schmiedeeiserner Behälter mit einer Fackel. Diese Fackel brannte, und sie nahm sie in ihre linke Hand, damit die rechte frei war, um sich damit am eisernen Geländer zu stützen, während sie mutig,

zwar mit etwas Herzklopfen, die Stiege hinunter ging. Sie zählte die Treppen nicht, es mussten ungefähr zehn sein. Am Ende der Treppe befand sich ein mit Kerzen leicht erhellter großer Raum, der sehr gemütlich aussah. Er war am Boden mit Teppichen ausgelegt, und an den Wänden hingen alte Bilder. Es waren auch kleine Nischen zu sehen, geschmückt mit Vasen und kunstvollen Figuren.

Ihr Herz blieb fast stehen, als sie eine Lichtgestalt am fernsten Ende des Raumes bemerkte, die sich leicht zu bewegen anfing. Es war ein goldenes Licht, und langsam beruhigte sich Chiara, da es Freundlichkeit und Liebe ausstrahlte. Langsam nahm das Licht Gestalt an, und sie sah, dass es sich um eine weibliche, schön anzusehende Gestalt handelte, so wie sie sich seit ihrer Kindheit einen Engel vorstellte.

Freundlich reichte ihr dieser „Engel“ die Hand, und Chiara nahm sie wie betäubt dankend an. Als sie die Hand des Engels spürte, fühlte sie eine Energie in sich durchströmen und fiel dabei in eine tiefe wohlige Entspannung.

„Ich bin ein Engel aus Erzengel Uriels Heer“ sagte die Gestalt

„ und

Als Chiara ihre Stimme wiederfand, antwortete sie:

ich weiß, ein bestimmtes Anliegen hat dich hierher geführt.“

„Ich begrüße dich, schöner Engel. Ich habe tatsächlich Ängste und Sorgen, die mich heute hinaustrieben, um nachzudenken, als ich den Grashügel mit diesem Eingang fand.“

„Dieser ist nur für jene zu sehen, die Antwort suchen“ erwiderte er und zog sie auf seine Seite.

Dann forderte er Chiara auf, ihr zu sagen, wo sie ihre Angst in

ihrem Körper spürte. Chiara zeigte auf ihre Brust, und da traten sie und der Engel - rein geistig - in ihre eigene Brust hinein. Es war wirklich eng da drin. Dann fragte er sie nach dem Grund dieser Angst, ohne es rational erklärt haben zu wollen. Der Engel wollte nur das Gefühl hören. Chiara hörte in sich und spürte ein anderes unangenehmes Gefühl. Ihre geistige Führerin erfragte immer wieder das nächste Gefühl, das dahinter lag, und es waren immer schlechte Gefühle, bis Chiara in ein „schwarzes Loch“ fiel, das sich gar nicht einmal so unangenehm anfühlte, aber auch nicht angenehm, es war einfach ein Gefühl der Leere.

Langsam führte der Engel sie aus diesem Gefühl heraus. Sie sah dann ein helles Licht, das zuerst grell und schmerzlich und kalt war und sich dann allmählich veränderte; es wurde blau mit weißen Wolken, und in ihrem Innern tauchte ein schönes Freiheitsgefühl auf. Dann sah Chiara ein rötliches Licht mit goldenen, irisierenden Punkten, das sie sehr anziehend fand. Das rote Glühen mit den goldenen Lichtfäden umhüllte die beiden nun völlig, und plötzlich lösten sich alle unangenehmen Gefühle bei Chiara auf. Sie fühlte nur noch angenehme Wärme, Harmonie und eine Form von mütterlicher, reiner Liebe.

Hier - in diesem Licht - ließ der Engel sie eine ganze Weile baden, bis er sie wieder sanft herausführte, aber das rot-goldene Glühen umhüllte sie weiter. Der Engel führte Chiara durch das dunkle Gebiet und zurück durch alle unangenehmen Gefühle in umgekehrter Reihenfolge bis zum ersten Gefühl der Angst. Das rotgoldene Licht löste alle diese Gefühle auf, es transformierte alle unangenehmen Gefühle und nahm sie auf in die liebende Wärme.

Nun forderte der Engel sie auf, wieder ihre eigene Brust wahrzunehmen und nachzusehen, ob sich etwas verändert hatte. Tatsächlich stellte Chiara fest, dass sie nun frei atmen konnte und

der Brustraum von jedem unangenehmen Gefühl befreit war.

Dann verabschiedete sich dieses liebende Licht, und der Engel brachte Chiara wieder zurück in den Raum in der Grashöhle.

„Nun muss ich mich von dir wieder trennen,“ sagte der Engel,

wirst du

behalten und ich selbst werde nie weit sein, wenn du mich rufst.“

Chiara umarmte dankend den Engel, der sich langsam auflöste, und schließlich stand sie wieder allein im Raum. Sie ging die Treppe hinauf, stellte die Fackel in den Behälter und öffnete die Tür in den Garten hinaus. Es war inzwischen Nacht geworden, und der Sternenhimmel strahlte am Himmel. Chiara aber fühlte sich befreit und hatte ein leichtes Gefühl in ihrem Herzen.

aber

das

schöne

Gefühl des

liebenden Lichtes

Ihre beiden Brüder waren älter, aber knapp hintereinander geboren. Sie hatten eher die rational denkende Weise ihres Vaters und befassten sich beide mit Rechtswissenschaft. Dennoch sickerte auch musische Begabung durch, und so hatten sie auch Vorliebe für Musik und andere Künste. Außerdem flüsterte ihnen das schon sehr verdünnte Feenblut leise noch etwas Anderes zu, etwas Mystisches - verborgene Geheimnisse, die man zu diesen Zeiten nicht mehr wusste.

Sie waren sich in ihren Vorlieben und auch äußerlich sehr ähnlich. Beide waren dunkel, gebräunt, schlank, und sie waren jung, fünfundzwanzig und siebenundzwanzig Jahre alt, aber doch um einige Jahre älter wie ihre „kleine“ Schwester. Anders wie Chiara blieben sie nicht im Elternhaus, sondern zogen bald nach Florenz, um zu studieren. Später eröffneten sie in Lucca zusammen eine

Kanzlei

unter dem Namen „Gebrüder Salvatore

und

Giovanni

Baldoni“.

Am Wochenende fuhren sie gerne an die Küste, die sich zu dieser Zeit schon fast bis Pisa erstreckte. Dort gingen sie baden und an der Strandpromenade laufen und schauten sich dabei nach hübschen Mädchen um. Sie hatten noch immer keine festen Freundinnen, waren aber auf der Suche. Gerne gingen sie auch auf Feste in die Stadt.

An diesem Wochenende, ungefähr zur selben Zeit als Chiara das obige Lichterlebnis unter dem Hügel im Garten hatte, von denen die Brüder jedoch nichts wussten, gingen sie abends durch die Stadtmauern von Lucca hinaus und auf die Felder, wo sich angrenzend alte Pinienwälder befanden. Sie hatten genug von der Stadt in diesem Sommer und wollten ein wenig den Abend genießen. Sie sprachen nicht viel, sondern genossen die Landschaft. Dabei kamen sie weit weg von der Stadt und schlugen in einen Feldweg ein, der umsäumt war von Zypressen. Weit und breit war kein Haus zu sehen, aber der Himmel war eigentümlich. Er war lachsrot eingefärbt, und es gab kleine Wölkchen, die goldene Ränder zu haben schienen.

Salvatore streckte die Hand aus, dem Himmel entgegen und rief:

„Schau mal, das sieht aus wie ein Kreuz aus Kondensstreifen, aber es gibt nirgendwo ein Flugzeug zu sehen.“

Giovanni blickte hoch und sah die Erscheinung ebenfalls. Jetzt begann sich in der Mitte des Kreuzes ein seltsames Licht zu bilden, es formte sich wie ein Stern, aber er war durchscheinend wie Gel. Dieses gelartige Licht waberte, und die Strahlen des Sternes flossen herab auf die Landschaft und verbreiteten sich über die Felder auf sie zu. Sie erschraken, wollten davon rennen, aber

irgendetwas war da, sodass sie sich nicht bewegen konnten. Vielleicht war es der Schock oder die Faszination des Geschehnisses.

Dann erfasste sie jeweils ein Strahl, der sie sie förmlich hineinsog, und beide verloren augenblicklich das Bewusstsein, bis sie an einem anderen Ort aufwachten, in einem Gefährt hoch oben am Himmel.

Vor ihnen war eine imposante männliche Gestalt, strahlend wie ein Engel. Sie fragten ihn, ob er einer sei, und dieser antwortete:

„Ihr habt uns oft so genannt. Wir sind nicht wirklich Botschafter vom allmächtigen, universellen Gott, aber sehr wohl kommen wir aus einer anderen, höher entwickelten Welt und möchten euch etwas zeigen.“

Er sprach „wir“ und tatsächlich sahen sie hinter ihm noch einige prächtig anzusehende Gestalten.

„Ich bin der Hüter eines Sternentores, aber es gibt mehrere hier auf eurer Erde. Man kann sie allerdings selten sehen und nicht zu jeder Zeit. Zu dieser Zeit aber könnt ihr Menschen sie öfter bemerken. Das hat auch etwas mit der momentan günstigen Planetenkonstellation zu tun. So können sie für euch manchmal sichtbar werden. Jetzt laden wir euch ein, mit zu kommen auf unseren entfernten Planeten im Sternbild des Wales. Ihr Menschen habt eine andere Bezeichnung für dieses Sternbild. Der Planet von dem wir kommen, nennt sich „Türkis“, und wir wollen ihn euch zeigen, sofern ihr keine Angst habt.“

„Wir wollen, wenn ihr uns wieder zurückbringt.“ Antworteten die Brüder. Mit dieser Antwort ließen sie den Hüter des Sternen-tors wissen, dass sie nachher wieder zurück zur Erde wollten. Der

„Engel“ versprach den beiden eine sichere Rückkehr, und nachdem sie eine Weile die Erde von oben beobachten durften, kam es zu einer blitzartigen Fahrt durch einen Tunnel, und Salvatore und Giovanni befanden sich alsbald in einer völlig anderen Gegend in einer fremden Welt.

Eine Welt, wie sie vorher noch keine gesehen hatten, ausgefüllt mit blühenden Landschaften und wunderschönen architektonischen Gebäuden. Wenige Menschen, oder besser gesagt Humanoiden, die offensichtlich alle jung und schön waren, gab es dort. Der Planet schien rein und nicht überbevölkert. Sie flogen ganz tief, durften aber nicht aussteigen, nur wenn sie sich entschieden hätten, auch auf „Türkis“ zu bleiben. Die Brüder sahen auch fast keine technischen Anlagen in der Landschaft, aber diejenigen, die sie sahen, versetzten sie sehr in Erstaunen.

Da waren schwebende Fahrzeuge auf Platten, überdacht, die zwar sehr schnell flogen, aber keine Unfälle erzeugten, größere schwebende Gefährte mit mehreren Personen oder anderen Ladungen und sogar fliegende Pferde. Das ginge alles mittels Magnetfelder und Gravitation beziehungsweise Antigravitation, sagte ihnen der Hüter des Sternentores. Mit diesen Techniken könne man noch viel mehr machen. Es gäbe hier auch keine Energieprobleme und keine Probleme mit der Zeit - und fast keine Krankheiten, dafür ein langes Leben, meinte er.

Sie waren berauscht von den Eindrücken. Dann sagte ihnen der „Engel“, dass sie sich entscheiden müssten. Sie wären eingeladen hier zu bleiben, ansonsten müssten sie schnell zurück auf die Erde. Das hätte etwas mit der Energie und dem Zeitgefüge zu tun. Salvatore und Giovanni waren sich nicht ganz schlüssig, aber dann hatten sie doch mehr Verlangen, zurück zur heimatlichen Erde zu kommen.

„Das ist auch Recht.“ Sagte der „Engel“ und erklärte weiter:

„Nur relativ wenige Menschen können wir nach`Türkis´ bringen. Es werden auch Menschen auf eurer Erde gebraucht, besonders solche, die helfen können, für die menschliche Gesellschaft etwas Nützliches beizutragen. Vielleicht liegt euer Aufgabenbereich nicht hier, sondern auf der Erde. Vielleicht könnt ihr eurenAuftrag, den ihr seit eurer Geburt unbewusst in eurer Seele trägt, besser auf der Erde erfüllen. Ich wünsche euch alles Gute dort, und ihr habt meinen Segen für eure Unternehmen.

Ein Weiser, der vor langer Zeit auf der Erde lebte, sagte zu Euch (er lebte von 563 bis 483 v. Chr.):

Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nichts aufgrund von Gerüchten oder weil die Leute viel davon reden; glaube nichts aufgrund der bloßen Autorität deiner Lehrer und Geistlichen.

Was nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft übereinstimmt und deinem Wohl und Heil wie dem aller

anderer Wesen dient, das nimm als Wahrheit an und lebe danach.

´

Das war Buddha.“

Schnell ging es wieder zurück mit dem raumschiffähnlichen Gefährt. Sie kamen alsbald durch den Tunnel, wo sie das Bewusstsein verloren und erwachten, als sie schon durch die Strahlen des Sterns gerutscht waren, auf der Wiese in Lucca. Am Himmel war noch das Kreuz zu sehen, aber das Licht wurde kleiner,

ganze

Himmelserscheinung.

Ab dieser Zeit waren die beiden veränderte Männer. Sie waren ernsthafter und weiser geworden, aber sie erzählten das Erlebnis niemanden, auch nicht ihrer Schwester. Sie hatten sich entschieden, hier auf der Erde zu bleiben und sich ihren Aufgaben zu stellen. Sie hatten sich entschieden, den Menschen auf der Erde in ihrer Entwicklung zu helfen und ihnen beizustehen. In der nächsten Zeit vertieften sie ihr Wissen und entwickelten einen politischen Ehrgeiz, um sich sozial zu engagieren. Sie vernachlässigten ab diesem Zeitpunkt nie mehr die Einflüsterungen ihrer Intuition.

Sie wussten, dass ihre Vorfahren über heilerische Fähigkeiten verfügt hatten. Sie wussten, dass man dafür oft nicht einmal chemische Mittel oder Pflanzen brauchte, sondern dass man mit feinstofflichen Energien und Bewusstwerdung meist mehr erreichen konnte, wenn man gesund bleiben wollte. Aber nicht nur für die Gesundheit wäre Bewusstheit und Achtsamkeit gegenüber jedem Wesen und der Umwelt zuträglich, sondern auch für die Erde an sich, für die gesamte Natur und sogar für die technische Entwicklung und die Forschung in den Naturwissenschaften.

und

von

einer

Sekunde

zur

anderen

verschwand

die

Kapitel 16: El Reons Sternentor

Als Chiara ungefähr Mitte zwanzig war, gab es abermals viele Naturkatastrophen auf der Erde. Wieder gab es Finanzkrisen, und viele Völker bekriegten sich, und ein Waffenstillstand dauerte nie lange. Diese Probleme waren trotzdem nicht so arg wie um die Jahrtausendwende, aber davon wusste Chiara nichts. Die Situation auf der Erde war schlecht. Ein allgemeiner Weltfrieden war lange nicht absehbar. Obwohl es durch die modernen Erkenntnisse keine Energiekrisen geben dürfte, hatten sich einige Wirtschaftsmachthabende doch Monopole „ergattert.“

Chiara war erstaunt, als sich vor bereits vielen Jahren ihre Brüder zu sensiblen und ideell denkenden Wesen entwickelt hatten und seitdem alles dafür taten, um den Menschen einen Weg aus der Krise zu zeigen und um solche Monopolstellungen zu verhindern. Sie wusste nicht, was geschehen war, dass ihre Brüder sich derart zum Positiven verändert hatten. Beide hatten sie vor einigen Jahren in Abständen von zwei Jahren eine Gefährtin gefunden, und Salvatore hatte inzwischen zwei Kinder.

Chiara war musisch sehr begabt, ihr Feenblut kam auch sehr stark durch was die „übersinnliche“ Begabung betraf, und so wie einst eine Ahnfrau vor ihr, Catharina, war sie eigentlich nicht glücklich in dieser Welt. Von Catharina, sagte die Legende, hieß es, sie sei eines Tages spurlos verschwunden, aber man fand nie sterbliche Überreste von ihr, trotz eifrigen Suchens. Ihr Vater, der angeblich selbst der Sohn einer Fee war, betonte, dass sie zu den Feen gegangen sei. Das glaubte natürlich niemand außer seiner Frau, aber Chiara konnte sich das gut vorstellen. Sie wünschte sich sogar, selbst in einer Feenwelt leben zu dürfen. So ging sie eines

Tages entlang des Flussufers, in Gedanken versunken, denn es ging ihr immer wieder eine bestimmte Musik durch den Kopf. Sie setzte sich auf eine Bank, um auf den Fluss zu sehen, denn sie liebte es, am Wasser zu meditieren, während ihr Musikstücke durch den Kopf gingen.

Mitten in der schönsten Melodie in ihrem Kopf – sie war wie in Trance – sah sie plötzlich ein helles grünliches Licht in der Nähe eines Weidenbaumes – und aus diesem Licht trat jemand hervor:

Es war eine männliche Gestalt, wunderschön und mächtig anzusehen. Es strahlte alles um seinen Körper herum, sodass er eine silberne Aura hatte. Es sah tatsächlich aus, als ob er Flügel hätte, so wie man es in früheren Engelsdarstellungen sehen konnte.

Chiara war erschrocken und fasziniert zugleich. Sie war unfähig zu reagieren in diesem Augenblick, als der prächtige „Engel“ näher auf sie zukam.

„Erschreck' nicht!“ Sagte er:

„Ich bin El Reon und komme aus einer anderen Welt. Es ist dort so ähnlich wie auf einer sogenannten „Feenwelt“, von der du immer träumst, aber wir Bewohner dieser Welt sind sterblich, auch wenn wir unglaublich viel länger leben, als ihr auf dieser Erde. Ich bin ein Wächter eines der zwölf Sternentore, die es hier gibt und kann Menschen, die es wollen und reif dafür sind, durch dieses Tor hindurchführen. Aber wir alle, die damit beauftragt sind, Menschen durch diese „Stargates“ zu führen, haben deine Sehnsuchtsrufe „gehört“.

Um dir dein Leben hier zu erleichtern – wir wissen, dass in dir das Feenblut sehr stark ruft – haben wir dir Melodien geschickt. Wir waren deine`Musen´, wie ihr es nennt. Jetzt frage ich dich, willst du mitkommen? In diesem Fall schlage ich dir vor, diese Welt zuerst

von Weitem anzusehen. Nach kurzer Zeit musst du dich allerdings entscheiden, ob ud dort leben willst oder lieber weiter auf der Erde.“ Das sagte der „Engel“, der sich „El Reon“ nannte.

Für Chiara gab es kein langes Nachdenken über dieses Angebot. Sie wollte diese Welt sofort sehen. So trat sie mit ihm durch diese grünliche Nebelwand vor ihr und wurde mit El Reon durch einen Strahl in eine Art „Raumschiff“ gezogen. Sie befand sich dann mit anderen solchen Wesen wie ihm in einem runden Raum, der aus glasartigem Material bestand, sodass man überall Aussicht hatte. Das war etwas ungewöhnlich für sie, denn man hatte das Gefühl, als ob man selbständig in der Luft schwebte.

Dann beschleunigte das Gefährt plötzlich, und sie stürzten in eine Art Tunnel. Während dieser kurzen Fahrt konnte man außerhalb des Raumschiffs farbige Lichtbögen und Funken sehen. Alsdann waren sie – wieder nach Durchtritt durch eine grünliche Nebelwand – in einer Atmosphäre über einem Planeten, ähnlich wie auf der Erde. Nur war der Himmel hier fast türkis, nicht blau. Was sie von oben sah, ließ sie in Begeisterung fallen. Im Geiste hörte sie ein Flüstern ihrer Musen im Ohr:

„Lass dich ziehen von dem leisen Sog dessen was du wirklich liebst.“

Rumi (1207-1273), Sufi-Dichter

Chiara musste nicht lange zögern, um sich zu entscheiden, dass sie dort leben wollte. Verabschieden von ihren Lieben durfte sie sich nicht mehr. Ihr wurde versprochen, dass man einen

Vergessensschleier über all ihre Traumata, die sie auf der Erde erlebt hatte zu legen, und dass man ihre Sehnsucht nach lieb gewonnenen Menschen und Dingen mildern würde, indem man ihr die Vergangenheit wie einen Traum erscheinen ließe. Es war für sie ganz klar: Sie wollte hier leben.

El Reon und sein Schiff landeten alsbald. Von nun an wurde Chiara Baldoni „Chiara von El Reon“ genannt, und sie wurde einer Gruppe zugewiesen, mit der sie in harmonischer Resonanz leben konnte. Das heißt, die Schwingungen der Menschen aus jener Gruppe waren mit der ihrigen ähnlich.

Bald lernte sie dort einen Mann kennen, der Willem hieß und seinerzeit ebenfalls von der Erde gekommen war, und zwar schon lange vorher. Allerdings sah er physisch nicht viel älter als fünfundzwanzig bis dreißig aus. Sie verliebte sich sofort in ihn, aber erst nach ausführlichem Kennenlernen und vielen Erfahrungen, die sie auf „Türkis“ machen konnte, wie alle den Planeten nannten, gestanden sie sich ihre Liebe zueinander.

Nachwort

Inzwischen muss ich die Ideen für die Zukunftsvisionen, die ich schreibe, nicht mehr aus schamanischen Reisen beziehen, ich habe gelernt, mit „Licht“ zu arbeiten. Das heißt, ich schaffe mir einen Lichtkanal. Dieses Licht hat nichts mit elektrischem Licht oder mit irgendwelchen Farben unserer Vorstellungswelt zu tun. Dieses Licht ist reinstes, göttliches Licht aus einer geistigen Welt. Diese geistige Welt bitte ich, sich mir zu öffnen. Dadurch kreiere ich einen Lichtkanal, durch den ich direkt mit den „parallelen“ Welten, die sich sogar in höheren Dimensionen befinden können, kommunizieren kann. Lucides Träumen ist zwar noch immer höchst interessant, aber es funktioniert nicht immer, wann ich will bei mir. Ideal wäre es, nicht nur mit diesem reinen Licht zu arbeiten, sondern mit dem göttlichen Liebeslicht. Da aber das Wort „Liebe“ bei uns dermaßen „abgegriffen“ ist und dementsprechend missbraucht - denn für uns ist wirklich reine göttliche Liebe kaum vorstellbar und schon gar nicht nachvollziehbar -, machen die meisten noch „Lichtarbeit“. Sehr weit entwickelte Menschen arbeiten allerdings tatsächlich mit reiner göttlicher Liebe. Das sind für mich die wahren Eingeweihten.

Ich bedanke mich bei allen, die mir auf diesem Weg zur Erkenntnis geholfen haben, mich geführt und gelehrt haben, auch wenn einige von ihnen schon verstorben sind oder nichts mehr von mir wissen oder überhaupt nicht wissen, dass sie mir bei meinem Lernprozess geholfen haben. So schreibe ich meinen Dank ins Universum, auf dass er in der Akasha-Chronik, dem Buch des Lebens, für immer eingeschrieben sein möge.

Denn unsere sogenannte Zeit ist ebenfalls eine Illusion, so wie wir sie erleben. Das heißt nicht, dass es die Zeit nicht gibt, nur unsere

Wahrnehmung ist es, die uns diesbezüglich täuscht. In Wirklichkeit ist alles da, schon immer gewesen und wird immer sein –und das alles auf einmal. Zu dieser vermeintlichen Zeitbewegung, wie wir sie als wahr erleben, sagte P.D. Ouspensky, einer der bedeutendsten Esoteriker:

„Die wahre Bewegung, die allem zugrunde liegt, ist die Bewegung des Denkens. Wahre Energie ist die Energie des Bewusstseins.“

Das heißt, das, was wir als Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft erleben, ist die Wahrnehmung unseres Egos, das allerdings auch wichtig ist, denn nur durch das Ego können wir uns als Individuum erfahren. Im „Überbewusstsein“ aber sind wir alle vereint. Erwin Schrödinger, Quantenphysiker, sagte zu diesem Thema treffend: „Die Summe allen Bewusstseins ist eins.“

So hat auch die Akasha-Chronik alle Ereignisse im Universum in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft vereint. Dieses Lebensbuch, in dem alles aufgeschrieben steht, ist für manche Menschen, die ihren Wahrnehmungskanal (Hyperkommunikationstunnel) bewusst benutzen können, durchaus zugänglich.

Payerbach, 18. März 2011 Eva Lene Knoll

Quellen

Titel: „Fractal Time“, Untertitel: „Das Geheimnis von 2012 und wie ein neues Zeitalter beginnt“; ISBN: 9783867280877; Autor:

Gregg Braden; KOHA-Verlag GmbH, 1. Aufl. 2009; Burgrain, DE

Titel: „Der Gottes Code“; Untertitel: Das Geheimnis in unseren

Zellen“; ISBN: 9783867281423; KOHA-Verlag GmbH, 1. Aufl. 2010; Burgrain, DE

Titel: „Der Realitäts-Code“; Untertitel: „Wie Sie Ihre Wirklichkeit

verändern können“; ISBN: 9783867280594; KOHA-Verlag GmbH, 3. Aufl. 2009; Burgrain, DE

Titel: „Das fünfte Wunder“; Untertitel: „Auf der Suche nach dem

Ursprung des Lebens“; ISBN: 9783502151630; Autor: Paul Davies, Mathematiker; aus dem Englischen von Bernd Seligmann; Verlag:

Scherz 2001; Bern, München, Wien

Titel: „Geist, Kosmos und Physik“; Untertitel:. „Gedanken über die

Einheit des Lebens“; ISBN: 9783861910039; Autor: Hans-Peter Dürr; Crotona Verlag GmbH, 1. Aufl. 2010; Amerang, DE

der geheimwissenschaftlichen

Titel: „Das

kleine

Handbuch

Tempelritter“; ISBN: 9783981035827; wiederhergestellt nach Texten aus Wien, Venedig, Mailand und Paris (unter anderem der Text von der Marquesa Antonia Contanta um ca. 1530 n. Chr. „Magie der Zeiteinheiten“); Autor: Ralf Ettl; Verlag: causa nostra, 2005; Starnberg, DE

Titel: „Status: Nicht existent!“; Unteritel: „ Antigravitation im Einsatz: Weltraumverteidigung . Tarnkappentechnologie . Mind

Control“; ISBN: 9783895393884; Autoren: Grazyna Fosar, Franz Bludorf; Michaels Verlag; 1. Aufl. 2008; Peiting, DE

Titel: „Vernetzte Intelligenz“; Untertitel: „ Die Natur geht online –

ISBN:

Gruppenbewusstsein

Genetik

Gravitation“;

9783930243235; Autoren: Grazyna Fosar, Franz Bludorf; Verlag:

Omega, 5. Aufl. 2007; Aachen, DE

Titel: „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“; Untertitel: „Raum, Zeit und die Beschaffenheit der Wirklichkeit“; ISBN: 9783442154876;

Autor: Brian Green; aus dem amerikanischen Englisch von Hainer Kober; Verlag: Goldmann; 3. Aufl. April 2008; München, DE

Titel: „Der Weg“; Untertitel: „Von intuitiven Einsichten und vom Erwachen bis zur Einweihung des Adepten“; ISBN:

9783937568669;

Aachen, 2006; Deutsch-land

Titel: „Die Welle des Erwachens“; ISBN: 9783940212030; Autorin: Eva Lene Knoll; Rosamontis Verlag, Ludwigshafen, 2007; Deutschland

Titel: „Das ewige Lied der Schöpfung; Untertitel: „Geschichten und Gedanken zu Visionen und Reisen in andere Welten“; ISBN:

9783868503395; Autorin: Eva Lene Knoll; Verlag: tredition GmbH, 2009; als e-book und printbook erhältlich; Deutschland

Titel: „Kosmische Kreativität“: Untertitel: „Neue Grundlagen einer einheitlichen Wissenschaft von Materie, Geist und Leben“; ISBN:

9783458166207; Autor: Ervin Laszlo, Dr. Dr. mult.h.c., Promotion in Naturwissenschaften, Dozent an den Universitäten Yale und Princeton, Professor für Philosophie, Systemwissenschaft und Zukunftsforschung; aus dem Englischen von Vladimir Delavre; Insel

Autorin:

Eva

Knoll;;

Spirit

Rainbow

Verlag,

Verlag, 1. Auflage 1995; Frankfurt am Main und Leipzig, DE

Titel: „Das Nullpunkt-Feld“; Untertitel: „Auf der Suche nach der

kosmischen Ur-Energie“; ISBN: 9783442217984; Autorin: Lynne Mc Taggart: aus dem Englischen von Gisela Kretschmar; Verlag:

Arkana, 2.Aufl. 2007; DE

Titel: „Machtwechsel auf der Erde“; Untertitel: „ Die Pläne der Mächtigen, globale Entscheidungen und die Wendezeit“; ISBN:

9783453700574 ; Autor: Armin; Verlag: Heyne, 2007; München, DE

Titel: „Zen – der wahre Weg“; ISBN 9783836112116; mit Fragen und Kommentaren von Seung Sahn, Zen-Meister; Area-Verlag, 2003; Deutschland

Titel: „Der 12. Planet“; Untertitel: „Wann, wo und wie die ersten Astronauten eines anderen Planeten zur Erde kamen und den

Homo sapiens schufen“; ISBN: 9783930219581; Autor: Zecharia Sitchin; Verlag: Kopp; veränderte Neuaufl. Aug.2003; Rottenburg, DE

das

Bewusstsein die Welt erschafft“; ISBN: 9783442219261; Autor:

Jörg Starkmuth; Arkana, 1.Aufl. 2010; München, DE

Titel: „Die

Entstehung

der

Realität“;

Untertitel: „Wie

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