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zeichen

Nr. 1 März 2009


Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.

z e iche n
1
50 Jahre ASF in den
Niederlanden und Norwegen
50 Years of ARSP in the
Netherlands and Norway
2
KOMMUNIKATIONSDESIGN
BAR–M.DE

AKTION SÜHNEZEICHEN FRIEDENSDIENSTE GABRIELE KAMMERER Zu bestellen bei ASF,


ist seit vielen Jahrzehnten eine der bedeutends- AKTION SÜHNEZEICHEN FRIEDENSDIENSTE Auguststr. 80, 10117 Berlin
ten Organisationen für Freiwilligendienste in ABER MAN KANN ES EINFACH TUN per Fax 030-28 395-135
Deutschland. Sie hat die politische Landschaft oder unter info@asf-ev.de
geprägt, bahnte den Weg für die diplomati- Lamuv Verlag, 272 S.,
schen Beziehungen zu Israel sowie die Ent- 46 S. Bildteil, Euro 24,90
spannungspolitik nach Osten in den sechziger Ab Mai im Buchhandel
und siebziger Jahren. Mit ihrer Erinnerungs- ISBN 978-3-88977-684-6
arbeit, ihrem Friedensengagement in Ost und
West, durch die Arbeit Tausender ihrer Freiwilli- ERSTMALS ERZÄHLT DIESES BUCH ausführ-
gen in kurz-, mittel- und langfristigen Diensten lich von atemberaubenden Anfängen und zer-
im In- und Ausland war sie der großen Politik mürbenden Durststrecken, von der Konfronta-
oft einen entscheidenden Schritt voraus. tion christlichen Tatendrangs mit dem real
Die Organisation war eine der führenden Kräf- existierenden Sozialismus, von der Begegnung
te in der westdeutschen Friedensbewegung An- von Christen und Juden, von Friedensdemos,
fang der achtziger Jahre. Zwangsläufig lotete politischer Pädagogik und der Öffnung zum in-
sie die unterschiedlichen Spielräume in beiden ternationalen Austausch.
deutschen Staaten aus, denn die deutsche Tei- Fünfzig Jahre Aktion Sühnezeichen – das ist
lung spaltete auch Aktion Sühnezeichen. nicht nur eine deutsch-deutsche Nachkriegsge-
schichte aus zivilgesellschaftlicher Perspektive.
Die Arbeit dieser Organisation ist international
zukunftsweisend.

GABRIELE KAMMERER lebt als freie Autorin


und Hörfunkjournalistin in Berlin. Nach einem
Freiwilligendienst in Frankreich hat sie Evange-
lische Theologie, Soziologie und Philosophie
studiert.
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zeichen
März 2009
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V.
Inhalt / Table of contents
Editorial, Barbara Kettnaker und Dörte Esselborn 4-5
Sühnezeichen im Aufbruch / The Emergence of Action Reconciliation, Hans-Richard Nevermann 6-7
ASF in den Niederlanden / ASF in the Netherlands, Barbara Schöpping und Karen Polak 8-9
ASF-Freiwillige: Brückenbauer zwischen den Kulturen / ASF Volunteers: Building Bridges between Cultures, Veline Backofen 10-11
Freiwillige im Dialog – Ein niederländisch-deutsches Gespräch /
Volunteers in Dialogue – a Dutch-German Discussion, Dennis Fink und Tom Bergrath 12-13
Erinnerungskulturen im Dialog – Ein deutsch-norwegisches Gespräch zwischen Freiwilligen /
Cultures of Remembrance in Dialogue – A German-Norwegian Discussion among Volunteers, Samuel Tannhäuser 14-15
Was Ihr tut, ist Friedensarbeit – Gespräch mit dem norwegischen Widerstandskämpfer Bernt Lund /
What your Are all Doing is Peace Work – Speaking with the Norwegian Resistance Fighter Bernt Lund, Frieder Wolfsberger 16-17
»Und das Gefühl blieb!« – Geschichte im Dialog: Freiwillige über ihre Begegnung mit zwei Zeitzeuginnen /
»And the Feeling Remained« – History in Dialogue: Volunteer´s Meeting with two Historical Witnesses, Inga Schlosser 18-21
ASF-Freiwillige in den Niederlanden / ASF Volunteers in the Netherlands 19, 21
Stimmen von ASF-Projektpartnern in Norwegen und den Niederlanden / ASF Project Partners in Norwegian and the Netherlands 22-23
Andacht / Prayer-Service
Erfahrungen, die wir einfach weitergeben müssen / Experiences We have to Pass on, Veline Backofen 24-25
ASF-Nachrichten
Mehr als »Friede, Freude, Eierkuchen« –
ASF-Jahrestreffen 2009: Aktion Sühnezeichen und internationale Friedensmission(en), Christine Bischatka 26
Nachdenkliches über Sühnezeichen – Adolf Muschg sprach beim ASF-Jahresempfang, Johannes Zerger 27
ASF-Kuratorium zu konkurrierenden Erinnerungen und dem Nahostkonflikt, Johannes Zerger 27
Abschied von Eröspuszta – Nachfolger für Sommerlager in Ungarn gesucht, Hans und Helga Gottschalk 28
Große ASF-Beteiligung bei GEH-DENKEN-Demonstration in Dresden –
Ruth Misselwitz kritisiert Geschichtsverdrehung durch rechtsextremen Aufmarsch, Johannes Zerger 29
»Dem Frieden Wurzeln geben« – Rückblick auf das 50 Jahre ASF Jubiläumsjahr 2008, Christian Staffa 30
50 Jahre ASF-Jubiläumsdokumentationen erschienen 30
Mit breiter Basis über die Finanzkrise hinweg, Bettina Hoffmann 31
Eindrücke eines ASF-Freiwilligen während des Gaza-Konfliktes –
Von Deutschland aus erscheint die Situation für viele anders als für uns… , Matthias Sievers 32
»LeDor Dor… Von Generation zu Generation« –
Begegnungsprojekt mit israelischen Schoah-Überlebenden in Deutschland, Dörthe Engels 33
Nachrufe:
»Erinnerung ist Aufruhr« – Nachruf auf Manfred Karnetzki, Christian Staffa 34
»Wir trauern um einen sehr sanftmütigen Menschen!«, Lothar Wittkopf 34-35
»Er hat mir seine Heiterkeit geschenkt« – Gedanken zu meinem Vater Manfred Karnetzki, Mirjam Karnetzki 35
Gedenken an Heta Kriener – Sie hat immer über den eigenen Tellerrand hinaus geblickt, Ilse Härter 36
Ein Friedensarbeiter und Mutmacher – Zum Tod von Günther Reinboth, Wolf Jung 36
»Sie fliegen wieder, die Schmetterlinge« –
Brief an den Überlebenden von Theresienstadt Martin Glas, gestorben im Herbst 2008, Rudolf Grimm 37
Abschied von Dik Linthout, Barbara Schöpping 37
Kurznachrichten
Glückwunsch! Helmut Morlok wird 80 Jahre, Leszek Szuster 38
Hans Koschnick zum 80. Geburtstag – Einer, bei dem Reden und Handeln stets übereinstimmen, Hans-Jochen Vogel 38
Personalwechsel bei ASF / Friedensarbeit gewürdigt – Deutsch-Polnischer Friedenspreis wurde an ASF verliehen /
Film über ASF-Arbeit ausgezeichnet / Fünf Möglichkeiten, wie Sie sich mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
für Frieden, Verständigung und Menschenrechte einsetzen können 39

Impressum / Imprint:
Mitbegründer / Co-founder: Volker von Törne †
Ausgabe / Issue: 1 März 2009, 37. Jahrgang
Auflage / Copies: 17.000
Herausgeber / Editor: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. / Action Reconciliation Service for Peace • Auguststraße 80 • D-10117 Berlin
Tel. / Fon +49 (0)30 28395-184 • Fax +49 (0)30 28395-135 • e-mail: asf@asf-ev.de, Internet: www.asf-ev.de
Spendenkonto / Number of donation account:
Bank für Sozialwirtschaft Berlin, Nr. 311 37-00, BLZ / Swift: 100 205 00 BIC: BFSWDE33BER, IBAN: DE68 1002 0500 0003 1137 00
Redaktion / Editorial staff: Karl Grünberg, Johannes Zerger (verantwortlich / responsible)
Übersetzungen / Translations: Miriamne Fields
Dank für Unterstützung / Thanks for support: Ursel Müller
Erscheinungsweise / Frequency: vierteljährlich / quaterly
Satz, Layout / Print layout: take offset-druck, Fredersdorf b. Berlin
Druck / Print: Westkreuz Druckerei Ahrens, Berlin

Titelbild / Cover picture: Das Titelbild zeigt eine Teilnehmerin des ASF-Sommerlagers in Norwegen im Jahr 2006 /
Participant of an ASF summer camp in Norway in 2006, Foto: ASF-Archiv.

Fotos / Pictures: Archiv 4, 6, 7, 9, 12, 13, 14, 19, 22, 24, 25, 31, 32, 33, 34, 35, 38, 39, 40 · Gundi Abramksi 21, 27, 30 · Veline Backofen 10
Heinz Gottschalk 28 · Rudolf Grimm 37 · Robert Münch 11 · Inga Schlosser 18, 20 · Barbara Schöpping 8 · Frieder Wolfsberger 5, 15, 16, 17
Johannes Zerger 26, 29

Regelmäßige Informationen von und über Aktion Sühnezeichen Friedensdienste erhalten Sie per E-Mail durch unseren Newsletter.
Anmeldung unter www.asf-ev.de .
4
das 50-jährige Bestehen von bäude für das Behindertenheim deskreises ASF‘s Venner, NOR) Liebe Leserin,
Aktion Sühnezeichen Friedens- Trastad Gaard. Die Einladungen lässt uns im Gespräch mit der
dienste (ASF) haben wir im letz- waren zunächst für Bauprojekte ASF-Landesbeauftragten in Nor- lieber Leser,
ten Jahr gefeiert: Viele von Euch ausgesprochen, erst später folgten wegen Veline Backofen teilhaben
und Ihnen waren bei einer der soziale Projekte in den Niederlan- an seiner Geschichte und Perspek-
vielfältigen Jubiläumsveranstal- den und Norwegen und Einladun- tive mit und auf ASF. Gemein-
tungen dabei und haben in zahl- gen aus weiteren Ländern. samkeiten gibt es viele in der Ar-
reichen Begegnungen und Ge- beit von Aktion Sühnezeichen
sprächen die Geschichte und Ge-
genwart von ASF lebendig werden
lassen und gemeinsam in die Zu-
I n dieser niederländisch-norwe-
gischen zeichen-Jubiläumsaus-
gabe »entführen« uns Projektpart-
Friedensdienste in Norwegen und
den Niederlanden: in beiden Län-
dern gibt es – wie in vielen ande-
kunft geblickt. nerInnen, Freiwillige, Freunde ren Ländern auch – aktive Freun-

G anz folgerichtig feiern wir


nun die 50. Geburtstage mit
unseren Part-
und Freundinnen von ASF und
wir uns selbst in eine 50-jährige
deskreise, die die Arbeit von ASF
eng und in stetem Dialog beglei-
ten. Die Anre-
nern in den Län- gungen und die
dern, von denen Unterstützung Barbara Kettnaker,
die ersten Einla- unserer Partner ASF-Freiwilligenreferentin für
dungen an Akti- haben unsere Norwegen
on Sühnezeichen Arbeit immer Barbara Kettnaker, ASF
ausgingen, an wieder produk- Program Director for Norway
die Freiwilligen tiv hinterfragt
die »es einfach und vorange-
tun« wollten. Die bracht.
ersten Partner
waren die »Her-
vormde Kerk«
I n der Hoff-
nung auf den
weiteren frucht-
Freiwillige in Norwegen
aus den Nieder- baren und in- bilden »ASF«
landen, so dass tensiven Dialog
im April 1959 mit Ihnen, grü- ASF volunteers in Norway
eine Gruppe jun- ßen wir in Vor-
ger Bauarbeiter aus Köln und Ber- Geschichte voller Annäherung, freude auf ein Wiedersehen oder
lin in Ouddorp, Zeeland, mit dem Irritationen, Fragen und Freund- Kennenlernen in Amsterdam oder
Bau eines Erholungsheimes für schaft. So begeben sich die Histo- Oslo im Mai 2009.
niederländische Arbeiterfamilien rikerin Karen Polak (Anne-Frank-
beginnen konnte. Im September Stiftung, Amsterdam) und die Ihre und Eure
1959 folgte eine Gruppe der Ein- ASF-Landesbeauftragte Barbara
ladung des norwegisch-deutschen Schöpping auf die Spur von ASF
Kirchenkonvents und errichtete in in den Niederlanden. Björn Sand- Barbara Kettnaker und Dörte Es-
Nordnorwegen ein Wirtschaftsge- vik (Pfarrer, Gründer des Freun- selborn

ASF’s 50- års jubileum feiret vi


stort i fjor. Mange av dere var da
som bygde driftsbygning på et
hjem for utviklingshemmede på
for ASF i Norge, Veline Backofen..
Det er mange fellestrekk i ASF’s
Kjære lesere!
med på et av de mange jubileums- Trastad gård i Norge. Innbydelse- arbeid i Nederland og Norge: I
arrangementene. Gjennom mange ne gjaldt i første omgang byg- begge land finnes det, som også i
møter og samtaler kunne dere da ningsprosjekter, først senere fulg- mange andre land, aktive og støt-
la ASF’ historie og nåtid bli leven- te sosiale prosjekter i Nederland, tende vennekretser, som følger
de, og dere kunne se framover Norge og fra andre land. arbeidet nært og med stadig dia-
mot en felles framtid.

D et er da rett og rimelig at vi
fortsetter feiringen av de 50
I denne nederlandsk- norske ju-
bileumsutgaven tar vi og pros-
jektpartnere, frivillige, venner og
log. Vårt arbeid har alltid blitt
fulgt opp og brakt videre gjennom
positive forslag og støtte fra våre
år, sammen med våre partnere i de venninner av ASF dere alle  med partnere. 
land som var de første til å innby
til ASF, de som ganske enkelt vil-
le ”sette i gang”. Den første part-
til en 50-årige historie fylt av til-
pasning, irritasjoner, spørsmål og
vennskap. Historikeren Karen Po-
V i håper på videre fruktbar og
intensiv dialog med dem, og
vi ser fram til gjensyn eller nær-
ner var Hervormde Kerk i Neder- lak (Anne-Frank- Stiftelsen, Ams- mere bekjentskap i Amsterdam
land og Nordisk-Tysk Kirkekon- terdam) og ASF-leder Barbara eller i Oslo i mai 2009.
vent.  I april 1959 begynte en Schöpping begir seg ut på å følge
gruppe unge bygningsarbeidere ASF-spor i Nederland. Bjørn Med hilsen
fra Köln og Berlin å bygge et fe- Sandvik (sokneprest, grunnlegger
riehjem for nederlandske arbeid- av ASF’s venner i Norge) lar oss få
erfamilier i Ouddorp, Zeeland. I del i sin historie og sine perspek- Barbara Kettnaker og Dörte Essel-
september 1959 fulgte en gruppe tiver på ASF, i samtale med leder born
5
Dear reader,
L ast year Action Reconciliation
Service for Peace (ASF) celeb-
rated its 50th anniversary and
tions were limited to building
projects; later ASF became invol-
ved in social projects in the
track down the core of ASF in the
Netherlands. Björn Sandvik (pas-
tor and founder of ASF‘s »Ven-
many of you attended one of our Netherlands and Norway and was ner,« NOR) shares with us his own
numerous anniversary events. also invited to become active in history and views of ASF in a talk
Through meetings and discus- other countries. with Veline Backofen, the ASF co-
sions you helped to bring the his- ordinator in Norway. The work of
tory and current work of ASF to
life and joined us in looking to
our shared future.
I n this Dutch-Norwegian anni-
versary edition, we join our
project partners, volunteers, and
ASF in Norway and the Nether-
lands shares much in common:
like so many other countries, both
friends of ASF on a journey have an active and supportive cir-

W e now continue
to celebrate
ASF’s 50th birthday
cle of friends that
closely assist and
engage ASF in an
with our partners in ongoing dialogue.
the countries which The encourage-
Dörte Esselborn, ASF- first invited ASF, an ment and support
Freiwilligenreferentin für die organization that »just we receive from
Niederlande wanted to do it!« Our our partners has
Dörte Esselborn, ASF Program first partners were greatly helped us
Director for the Netherlands »Hervormde Kerk« to critically exa-
from the Netherlands mine and promo-
and the Norwegian- te our work.
German church con-

Der ASF-Freiwillige Frieder


Wolfsberger mit zwei
vent which made it
possible for a group of
young construction
W e look for-
ward to in-
tensive and pro-
Bewohnern seines Projekts
Stiftelsen SIGNO Oslo, Arbeit
workers from Cologne ductive dialogues
mit Menschen mit and Berlin to begin and to reuniting
Behinderungen building a rest home or getting to know
The ASF volunteer Frieder for construction wor- you in Amster-
Wolfsberger with two residents kers and their families in Oud- through a fifty-year history full of dam or Oslo in May 2009.
of his project Stiftelsen SIGNO dorp, Zeeland in April 1959. A rapprochements, misunderstan-
Oslo, where he works with
people with disabilities second group followed in Sep- dings, questions and friendship. Sincerely,
tember 1959 to erect a mainte- The historian Karen Polak (Anne
nance building for the Trastad Frank Foundation, Amsterdam)
Gaard home for the disabled in and Barbara Schöpping, ASF co- Barbara Kettnaker and Dörte Es-
northern Norway. The first invita- ordinator in the Netherlands, selborn

Beste lezers H et afgelopen jaar hebben we


het 50-jarige jubileum ge-
voor Nederlandse arbeidersgezin-
nen kon beginnen. In september
sprek met de coördinator in Noor-
wegen, Veline Backofen, delen in
en lezeres- vierd van Aktion Sühnezeichen 1959 volgde een groep die een bi- zijn geschiedenis met en perspec-
Friedensdienste (ASF). Velen van jgebouw voor het gehandicap- tieven voor ASF.
sen, jullie en u hebben één van de vele
manifestaties bijgewoond en heb-
ben in talrijke ontmoetingen en
tentehuis Trastad Gaard bouwde.
In het begin ging het alleen om
verzoeken voor bouwprojecten –
E r zijn veel overeenkomsten
tussen het werk van ASF in
Nederland en Noorwegen: in bei-
gesprekken het verleden en heden pas later kwamen daar sociale de landen zijn er -net als in veel
van ASF tot leven gebracht en een projecten bij in Nederland en andere landen- actieve en onder-
blik in de toekomst geworpen. Noorwegen en verzoeken uit an- steunende vriendenkringen, die

W e willen dan ook graag de


50ste verjaardag van ASF
vieren met onze partners in de
dere landen.

I n deze Nederlands-Noorse jubi-


leumuitgave kijken projectpart-
nauw betrokken zijn bij het werk
van ASF. De stimulans en onder-
steuning van onze partners heeft
verschillende landen, van wie de ners, vrijwilligers, vrienden en ons werk steeds weer kritisch be-
eerste verzoeken afkomstig waren vriendinnen en wijzelf terug op licht en vooruitgeholpen. In de
aan ASF, die »er gewoon voor wil- een geschiedenis van 50 jaar, vol hoop dat deze vruchtbare en in-
de gaan!« De eerste partners wa- toenadering, irritatie, vragen en tensieve dialoog met hen blijft
ren de Hervormde Kerk uit Neder- vriendschap. Zo volgen historicus bestaan, groeten wij jullie/u en
land en de Noors-Duitse Kerkge- Karen Polak (Anne Frank hopen we elkaar te zien of te leren
meenschap, die ervoor zorgden Stichting) en coördinator Barbara kennen in Amsterdam of Oslo in
dat er in april 1959 een groep jon- Schöpping het spoor van ASF in mei 2009.
ge bouwvakkers uit Keulen en Nederland, Björn Sandvik (domi-
Berlijn in Oudorp, Zeeland, met de nee, oprichter van ASF’s Venner, Barbara Kettnaker en Dörte Essel-
bouw van een herstellingsoord Noorwegen) laat ons via een ge- born
6

Sühnezeichen im Aufbruch
Von den Anfängen in den Niederlanden und Norwegen

V or 50 Jahren betrat die Aktion


S o sah das Spannungsfeld aus, Durchschnittsalter von nur 21

HANS-RICHARD
NEVERMANN
Sühnezeichen mit ihren Bau- das wir 1959, 20 Jahre nach Jahren das schwierige Werk schul-
projekten in Ouddorp/Holland Kriegsbeginn, betraten. Ohne die terten und die Verantwortung auf
und Trastad/Norwegen materiell behutsame Begleitung unserer in- sich nahmen, ohne recht zu wis-
und praktisch die internationale ternationalen Freunde, die uns zur sen, worauf sie sich einließen.
Bühne. Vorausgegangen waren Seite standen, hätte sich Sühne- Obwohl nur ein Drittel der Teil-
viele Sondierungsgespräche mit zeichen nicht so erfolgreich ent- nehmer aus Fachleuten bestand,
Freunden Lothar Kreyssigs, des wickeln können. Die meisten die- sollten komplizierte Projekte ge-
Gründers von Aktion Sühnezei- ser Persönlichkeiten sind heute baut werden. Vieles war für sie
chen, hier und in den Nachbarlän- verstorben und können nicht unbekannt, nicht nur Land, Leute
dern, ob die Bitte um Vergebung mehr miterleben, wie erfreulich und Sprache, sondern auch das
in Form eines gemeinnützigen gut die Aktion Sühnezeichen heu- Klima. Sie waren nicht ausrei-
chend vorbereitet. Dennoch haben
sie ihre Aufgabe mutig bewältigt
und darüber hinaus ihr Land und
die entsendende Organisation
würdig vertreten.

A ls wir 1959 in Oslo ankamen,


um für das nordnorwegische
Behindertenheim Trastad Gard ei- »Hier baut Aktion
ne Wirtschafts- und Therapiege- Sühnezeichen Ökumenisches
Zentrum Rotterdam«. In den
bäude zu bauen, höhnte die Osloer 1960er Jahren bauten ASF-
Tageszeitung »Dagbladet«: »Kuh- Freiwillige die Internationale
stall statt Wiedergutmachung«. Es Ökumenische Sozialakademie,
dem Visser't-Hooft-Zentrum in
war die Zeit, als es noch um Repa- Rotterdam
rationsforderungen gegenüber der
Bundesrepublik ging, und zum »Action Reconciliation is
building the Rotterdam
Beispiel die Bundeswehr mit Ecumenical Center here.«
Rücksicht auf die norwegische Be- ASF volunteers built the
völkerung nicht an integrierten International Ecumenical
Social Academy, the Visser't
Manövern der NATO in ihrem Hooft Center in Rotterdam,
nordischen Bereich teilnehmen in the 1960s
durfte.
Gebäudes gerade an solchen Orten
angenommen werden würde, wo
Krieg und Besatzung einst
te als Friedensdienst in der Welt
etabliert ist. Ihnen gebührt Dank
und Ehre. Ohne ihre Hilfe wäre der
S elbst in dem Heim für Men-
schen mit geistigen Behinde-
rungen, für das das Sühnezeichen
schmerzliche Wunden gerissen »Geburtsprozess von Sühnezei- gebaut werden sollte, gab es in
hatten. chen« wohl nicht so gut gelun- dessen Hauptkomitee zunächst

M an konnte ja nicht einfach


hingehen in Länder, die einst
von Deutschen überfallen und
gen.

B esonders kirchliche und kom-


munale Freunde, hier bei uns
starken Widerstand gegen die An-
wesenheit von Deutschen, weil in
eben solchen Institutionen in
jahrelang unterdrückt worden und in den europäischen Nach- Deutschland geistig schwerbehin-
waren, und naiv sagen: »Hier sind barländern, haben Türen geöffnet, derte Menschen als »lebensun-
wir Deutschen wieder. Diesmal durch die Sühnezeichen Zugang wertes Leben« bezeichnet und als
nicht als Soldaten in kriegerischer gefunden hat zu den Orten, wo »unnütze Esser« getötet worden
Absicht, sondern jetzt wollen wir gebaut werden sollte. Sie haben waren.
uns im Namen unseres Volkes ent-
schuldigen, etwas Nützliches bau-
en und uns mit euch versöhnen.«
geistige und materielle Hilfe ge-
leistet, wo immer »Not am Mann«
war. Die Aktion selbst hatte weder
S o stand Aktion Sühnezeichen
vor 50 Jahren trotz aller
Schwierigkeiten entschlossen an

D enn auch in den Nachbarlän-


dern war die Bevölkerung
zum Teil gespalten und steckte
genug Geld noch das nötige
Know-how, um die enormen Rei-
se-, Bau- und Unterhaltskosten
der Seite derer, die ein neues, in-
tegriertes Europa im Auge hatten.
Und ihre Friedensdienste heute,
noch mitten in der Auseinander- der Gruppen zu finanzieren. Nach- die einen guten Namen in der Hans-Richard Nevermann,
setzung mit denen, die sich wäh- dem erste Erfahrungen vorlagen, Welt haben, können mit Stolz auf 85 Jahre, ist Pfarrer im
rend des Krieges auf die Seite der wuchs dann allmählich auch eine die ersten Schritte ihrer Vorgän- Ruhestand. Er leitete die
Deutschen geschlagen hatten – breitere Unterstützung in der ger auf dem Weg zur Versöhnung ersten Sühnezeichengrup-
pen in Norwegen und war
aus Not, aus Opportunismus oder deutschen Bevölkerung. Große einer durch den Zweiten Welt- langjähriger Vorsitzender
gar aus ideologischer Überzeu- Anerkennung gebührt den jungen krieg zerrissenen Welt zurückbli- der Aktion Sühnezeichen
gung. Freiwilligen, die damals in einem cken. Friedensdienste.
7

The Emergence of Action Reconciliation


The Beginnings in the Netherlands and Norway

F ifty years ago Action Reconci- gical conviction - had sided with ganization that had sent them.
HANS-RICHARD
NEVERMANN

liation entered the internatio-


nal stage both formally and
practically with its building pro-
the Germans during the war.

T his was the field of tension


that we entered in 1959, twen-
W hen we arrived in Oslo in
1959 to build a mainte-
nance and therapy building for
jects in Ouddorp, Holland and ty years after the outbreak of war. Trastad Gard, a home for the disa-
Trastad, Norway. This underta- Without the cautious attendance bled in northern Norway, the Oslo
of our international friends daily newspaper »Dagbladet« de-
at our side, Action Reconci- rided our plans with the line
liation could not have deve- »cowshed replaces reparations.«
loped so successfully. Most At this time restitution payments
of these people have passed were being demanded of Germa-
away and weren’t able to ny and the northern division of
experience how internatio- the Bundeswehr was refraining
nally well-established Ac- from participating in the NATO
tion Reconciliation is as a integrated maneuvers out of con-
peace service today. They sideration for the Norwegian po-
deserve our special thanks pulation.
and honor. Without their
help, the »birth of Action
Reconciliation« would not
E ven the central committee of
the home for the mentally di-
sabled for which Action Reconci-
have been so successful. liation was erecting a building

I n particular the church


and community friends
here and in the neighboring
expressed initial resistance to the
presence of Germans. It argued
that severely disabled patients of
European countries opened similar institutions in Germany
Junger Freiwilliger der Aktion doors for Action Reconcili- had been labeled »unworthy of
Sühnezeichen bei den ersten ation, providing access to life« and »useless mouths to feed«
Bauprojekten in Norwegen
places where construction and consequently murdered.
Young volunteer from Action was planned. They provided

D
Reconciliation working on the intellectual and material espite all these difficulties
first building projects in
Norway support »in times of need.« Action Reconciliation was
The project had neither determined fifty years ago to
king had been preceded by a enough money nor the necessary stand by those who strove to-
number of exploratory talks with »know how« to fund the group’s wards a new integrated Europe.
friends of Lothar Kreyssig, the enormous travel, building and Its peace service today, with its
founder of Action Reconciliation, maintenance expenses. But after good reputation throughout the
here and in the neighboring coun- we had gained some initial expe- world, can proudly look back
tries, about whether the request rience, we gradually acquired wi- upon the first steps taken by its
for forgiveness through the act of despread support from the popu- predecessors on the path to recon-
building a charitable building lation. ciliation after the world was torn

Das damalige Symbol von


would be accepted at places that
had once suffered painful wounds
from war and occupation.
S pecial recognition goes to the
young volunteers who at that
time, on average only 21 years
apart by the Second World War.

Aktion Sühnezeichen: Das


Sühnemännchen wurde in die
erbauten Gebäude mit
eingefügt
I t wasn’t possible to simply enter
a country that had once been
invaded and oppressed by Germa-
old, took upon themselves this
difficult task and responsibility
without really knowing what they
The figure of atonement, the ny for many years and naively were getting themselves into. Alt-
Action Reconciliation symbol say: »Here we are again, the Ger- hough only a third of the partici-
at that time, was integrated
into the buildings mans. But this time we are not pants were trained specialists,
here as soldiers with the intention they planned complicated buil-
of war. Now, in the name of our ding projects. Much of this was
Hans-Richard Nevermann, people, we would like to apologi- unfamiliar terrain to them – not
85 years old, is a retired ze, build something useful and only the country, people and lan-
pastor. He led the first make up with you.« guage, but also the climate. They
Action Reconciliation
groups in Norway and
was the chairman of
T he populations of the neigh-
boring countries were also
partially divided and in conflict
were not well enough prepared.
But despite such problems they
were able bravely to manage their
Action Reconciliation
Service for Peace for with those who - out of despera- task and were worthy representa-
many years. tion, opportunism or even ideolo- tives of their country and the or-
8
Wie wirkt sich die Geschichte des
Holocaust und der deutschen Be-
satzung heute in den Niederlan-
ASF in den Niederlanden
den aus? Was bedeutet diese Frage Über Gegenwart der Geschichte und Zukunftsperspektiven
für die Zukunftsperspektive von
ASF? Hantz Reisen für StudentenInnen. schiedlichen Generationen, was
»ASF kann sich erneuern, das ist Für Karen Polak ist es von wach- die Freiwilligen kennzeichnet und Karen Polak, Vorsit-
eine der Stärken des Vereins. In sender Bedeutung, sich der Ge- wodurch ASF lebt. zende des ASF-Freundes-
den letzten zehn Jahren sind vie-
le neue Projekt hinzugekommen,
was zeigt, dass es einen Bedarf an
schichte des Holocaust als euro-
päischer Geschichte zu stellen
und sie nicht mehr ausschließlich
K aren Polak sieht vor allem
mehr Vielfalt bei den Freiwil-
ligen und in den Projekten, wenn
kreises, im Gespräch mit
Barbara Schöpping, ASF-
Landesbeauftragte in
neuen Aufgaben in neuen Berei- aus der Perspektive eines »Täter- sie sich ASF in fünf Jahren vor- den Niederlanden.
chen gibt«, so Karen Polak. Es landes« gegenüber den ehemals stellt. Vielfalt der Freiwilligen,
sind unter anderem Gedenkstät- besetzten Ländern zu betrachten. bezogen auf ihren (kulturellen)

KAREN POLAK
BARBARA SCHÖPPING
ten, die erst vor einigen Jahren Barbara Schöpping findet diesen Hintergrund, und der Projekte,
Freiwillige aufgenommen haben, Gedanken in der Zukunftsvor- z.B. stärker den unterschiedlichen
erklärt Barbara Schöpping. Das stellung wieder, ein weiteres tri- Kulturen der niederländischen
Widerstandsmuseum in Amster- laterales ASF-Programm in den Gesellschaft entsprechend, wie in
dam ist erst Ende der 1990er Jah-
re erweitert und neu eröffnet
worden. Die Gedenkstätte Vught
erhielt erst 2003 mit einem Neu-
bau den Raum für Ausstellungen
und erweiterte pädagogische Pro-
gramme. Ist dies ein Ausdruck
dafür, wie sehr die Geschichte
noch gegenwärtig ist? Es bedeu-
tet sicher, dass in den Niederlan-
den die Erinnerung an Holocaust
und Besatzung lebendig gehalten
wird und mit mehreren Gedenk-
tagen institutionalisiert ist. Karen Polak und Barbara
Doch ist die Geschichte im Alltag Schöpping vor dem Gebäude
der Deutschen Evangelischen
verankert? Gemeinde Amsterdam, wo sich

B arbara Schöpping sieht in der


niederländischen Politik viel-
fache Verweise auf die Besat-
der Freundeskreis regelmäßig
trifft

Karen Polak and Barbara


zungszeit. Oft in 'positivem Sinne' Schöpping in front of the
— etwa als moralische Messlatte, German Protestant Community
Center in Amsterdam where the
jedoch auch in Begriffen, die sehr Friends of ASF meets regularly
umstritten sind. Beispielsweise
bezeichnen KritikerInnen die Aus- Niederlanden aufzubauen oder Migrantenorganisationen. Auch
weisungen von Flüchtlingen als gar eine internationale Freiwilli- wenn die Freiwilligen in sozialen
Deportationen. Oder bei einer De- gengruppe in den Niederlanden Projekten schon sehr unterschied-
monstration auf den Antillen tru- begleiten zu können. lichen Kulturen begegnen, ist es
gen die TeilnehmerInnen David-
sterne, um zu zeigen, dass sie sich
durch die Niederlande nicht als
K aren Polak verbindet mit ASF
in den Niederlanden die jun-
gen begeisterten Freiwilligen, die
eine Aufgabe für den Freundes-
kreis, so Karen Polak, die Projekt-
plätze, auch im Sinne eines um-
vollwertig behandelt fühlen. Das sehr motiviert und offen für neue fassenderen Netzwerkes, zu ver- Karen Polak ist Historike-
ist ein gesellschaftliches Phäno- Erfahrungen sind. Wenn Barbara breitern. rin und arbeitet seit 1991
bei der Anne Frank Stif-
men, auf das noch keine Antwort
gefunden wurde.
Ist es nicht an der Zeit, dass Ge-
Schöpping an ASF in den Nieder-
landen denkt, hat sie ein Bild vor
Augen, auf dem Mirjam Ohringer,
B arbara Schöpping: »Wir sind
mitten in den Vorbereitungen
für das 50-jährige Jubiläum von
tung in Amsterdam. Seit
einigen Jahren ist sie in
der Internationalen Abtei-
denken viel stärker in europäi- Truus Menger und Els Schalker zu ASF in den Niederlanden. Gerne lung Projektleiterin für
schem Zusammenhang stattfin- sehen sind, die lesend mit ASF- wollen wir hier den Bekannt- pädagogische Programme.
Sie ist Vorstandsmitglied
det? Freiwilligen bei einem Seminar heitsgrad von ASF vergrößern. bei der Leo Smit Stiftung

K aren Polak bewertet es als


sinnvoll, wenn sich Deutsche
und NiederländerInnen gemein-
zusammensitzen. Diese drei Frau-
en stehen für den so wertvollen
Kontakt der jungen Menschen
Insgesamt ist die Organisation
nicht sehr bekannt, aber da, wo
man Aktion Sühnezeichen Frie-
und Vorsitzende des ASF-
Freundeskreises in den
Niederlanden.
sam mit dem Holocaust und dem mit Überlebenden und Mitglie- densdienste kennt, werden die
Barbara Schöpping ist
Krieg beschäftigen und zusam- dern des Widerstandes gegen die Freiwilligen und die Arbeit von
Diplom-Pädagogin und
men gedenken. Das Sobibor Co- deutsche Besatzung in den Nie- ASF sehr gewürdigt. Das ist eine seit Oktober 2000
mité organisiert z.B. mit dem pol- derlanden. Es ist das Interesse gute und sehr ermutigende Erfah- ASF-Landesbeauftragte in
nischen Bildungswerk Stanislaw aneinander und an den unter- rung.« den Niederlanden.
9

ASF in the Netherlands ASF in the Netherlands, she sees


Mirjam Ohringer, Truus Menger
and Els Schalker reading together
History Today and Future Prospects with ASF volunteers at a seminar.
These three women show how im-
What impact does the history of lution to these problems has yet to portant it is to maintain contact
Karen Polak, chair- the Holocaust and the German oc- be found. with survivors and people who
woman of the Friends of cupation have on the Netherlands? engaged in resistance against
ASF, speaking with Bar- How is this question important to Isn’t it time for commemoration German occupation. The volun-
bara Schöpping, ASF co- the future of ASF? to take place in a European con- teers’ interest in each other and in
ordinator in the Nether- text? the different generations is what
lands office. »ASF is able to renew itself. That
is the association’s strength. Over
the last few years a lot of new
K aren Polak feels it would ma-
ke sense for Germans and
Dutch to learn about and comme-
distinguishes them and what ASF
thrives on.
KAREN POlAK
BARBARA SCHÖPPING

projects have been added which


show that there is a need for new
responsibilities in new fields,«
morate the Holocaust and the war
together. For example the Sobibor
Comité and the Stanislaw Hantz
W hen Karen Polak imagines
ASF in five years, she sees
volunteers with a more (cultu-
Karen Polak said.
Barbara Schoep-
ping explained that
the memorial sites
in particular have
begun taking in
volunteers in recent
years. The Resis-
tance Museum in
Amsterdam was
expanded and re-
opened in the late
1990s. The Vught
memorial just ope-
ned in 2003 with a
new building that
has a room for ex-
hibitions and ex-
Die ASF-Niederlanden
Freiwilligen-Gruppe der panded education
Generation 2007/08 in programs. Is this an
Amsterdam bei einem indication of just
Länderseminar
how present histo-
The ASF-Netherlands volunteer ry is? It certainly
group, generation 2005/06, at suggests that com-
a seminar in Amsterdam
memoration of the
Holocaust and the occupation in Polish educational center jointly rally) diverse background. She
the Netherlands is being actively organize trips for students. Karen sees the projects more broadly re-
preserved and institutionalized Polak thinks it is increasingly im- presenting different cultures of
through a number of days of re- portant to address the Holocaust Dutch society, perhaps through
membrance. as European history and not only an immigrant organization. But
to see it from the perspective of a volunteers do encounter very dif-
But is the history anchored in dai- »country of perpetrators« versus a ferent cultures in the social pro-
ly life? country that was occupied. Bar- jects. Karen Polak thinks it is the
Karen Polak is a historian
who has been working at
the Anne Frank Foundati-
B arbara Schoepping thinks that
Dutch politics include a num-
ber of different references to the
bara Schoepping sees this idea
being potentially fulfilled in the
plan to create an additional trila-
task of the Friends of ASF to
spread project positions and esta-
blish a broader network.
on in Amsterdam since period of occupation. Some are teral program in the Netherlands
1991. For the last few ye-
ars she has served as head
of the international
division for educational
very »positive,« functioning as a
moral compass. But there is also
the very controversial terminolo-
in the future or in accompanying
an international volunteer group
in the Netherlands.
B arbara Schoepping: «We are
in the middle of preparing the
fiftieth anniversary of ASF in the
programs. She is on the gy: that the practice of expelling Netherlands. We hope this will

K
board of the Leo Smit refugees is called »deportation« or aren Polak associates with make ASF better known. In gene-
Foundation. that participants of a demonstrati- ASF in the Netherlands the ral ASF is not very well-known
Barbara Schöpping: edu- on on the Antilles wear the Star of young enthusiastic volunteers but those who do know ASF value
cation degree, Netherlands David to convey that they don’t who are highly motivated and the volunteers and the work of
office coordinator since feel they are treated as full-fledged open to new experiences. When ASF highly. That is a good and
October 2000. citizens in the Netherlands. A so- Barbara Schoepping thinks of very encouraging experience.«
10

ASF-Freiwillige: Brückenbauer
zwischen den Kulturen
Die Gegenwart der Geschichte und Zukunftsperspektiven für ASF in Norwegen
zeichen: In den nächsten Tagen und betrifft immer die Zivilbevöl- gründen. Dieser Verein ist jetzt 15
hat der Film »Max Manus« in kerung. Jahre alt und der Schwerpunkt der Gespräch mit Pfarrer
Norwegen Premiere. Über 60 Seit etwa 20 Jahren bist du eng Arbeit hat sich im Laufe der Zeit Björn Sandvik, Mitbe-
Jahre nach dem Ende des Zwei- mit ASF verbunden. Warum? verändert. Durch die Verbindun- gründer des norwegi-
ten Weltkrieges wird ein Mann
des Widerstandes zum Thema. In
der größten Tageszeitung wieder-
M eine erste Begegnung mit
ASF fand durch Pfarrer
Gerhard Dümchen statt, der gera-
gen mit der EU sind die formalen
Probleme geringer geworden und
der Verein konnte sich mehr sei-
schen Freundeskreises
»ASFs venner«

V eline B ackofen
um erscheint ein Artikel, der den de Anfang der 1960er Jahre von nen Visionen zuwenden: Eine
Widerstand mit Jungenstreichen dem ASF-Baueinsatz in Kokelv Plattform für junge Norweger zu
vergleicht. Was meinst du zu die- nach Deutschland zurückgekehrt werden, die einen ähnlichen Frei-
sen beiden kontroversen Darstel- war. Zu dieser Zeit studierte ich willigendienst in Deutschland ma-
lungen? Theologie in Deutschland. Diese chen wollen. Bis heute hat »ASFs

B jörn Sandvik: Die Okkupati-


onszeit in Norwegen hat die
Generation nach dem Krieg ge-
Begegnung war ein Kontrast!
Später trat ich mit einem jungen
venner« zehn norwegische Frei-
willige gefördert.

prägt. Der Artikel, der den Wi-


derstand als Jugendstreiche be-
schreibt, ist für mich problema-
tisch. Ich war fünf Jahre alt, als
mein Vater vom Pfarrdienst sus-
pendiert wurde. Ich erinnere
mich, dass wir das Pfarrhaus ver-
lassen mussten und mein Vater
nicht mehr da war. Er war erst im
Gefängnis und wurde später im
Strafgefangenenlager Grini in-
haftiert. Mein Onkel war Mitglied
der Kompanie Linge, dem militä- Die ASF-Norwegen-Freiwilligen
rischen Teil des Widerstands. der Generation 2008/09 bei
einem Länderseminar
Später habe ich dann auch erfah-
ren, dass es in der Familie ein The ASF-Norway volunteer
group, generation 2008/09,
Mitglied der Frontsoldaten gab. at a seminar
Frontsoldaten waren Angehörige
der norwegischen Einheit inner- Pfarrer aus der DDR in Kontakt. Was hältst du von dem Namen Ak-
halb der deutschen Wehrmacht Ein Kontakt, der mich sehr ge- tion Sühnezeichen Friedensdienste?
– aber darüber wurde nicht ge-
sprochen. Der Widerstand ist ein
wichtiger Teil unseres kulturellen
prägt hat und später zu einer ak-
tiven Mitarbeit im Nordisch-
Deutschen Kirchenkonvent ge-
A ktion Sühnezeichen Frie-
densdienste ist ein guter Na-
me. Während der erste Teil des
Gedächtnisses. Norwegen hat führt hat. Aktion Sühnezeichen Namens auf die Geschichte ver-
aber auch eine unbewältigte Ver- war ein Kind der Evangelischen weist, öffnet sich in den Friedens-
gangenheit. Das militärische De- Kirche und wollte die Verbindun- diensten der Blick in die Gegen-
saster rund um den 9. April 1940 gen zu den ehemals von Deut- wart und Zukunft. Die ASF-Frei-
wird viel zu wenig thematisiert. schen besetzten Ländern wieder willigen in Norwegen erlebe ich
Wenn dich dazu deine Enkel fra- aufbauen. So war es nur natür- als wache und reflektierte junge
gen, was erzählst du ihnen? lich, dass der Norwegisch-Deut- Menschen, die zwischen den Kul-

A n was ich mich am eindrück-


lichsten erinnere, ist, dass
wir wenig zu essen hatten. Da
sche Kirchenkonvent zum Paten
für die ersten ASF-Bauprojekte in
Norwegen wurde.
turen vermitteln können. Das ha-
ben alle Nationen nötig, um das
gegenseitige Verständnis zu för-
wurde der Geschmack von Drops
mit echtem Zucker zu einem
richtigen Erlebnis. Ich glaube,
D ie zweite Begegnung mit ASF
war Ende der 1980er Jahre
und daraus entwickelte sich eine
dern. Heute arbeiten die Freiwil-
ligen nicht mehr wie früher in
Bauprojekten, aber sind weiterhin
dass das die märchenhaften Ge- dauerhafte Zusammenarbeit. ASF Bauarbeiter, die mit ihrem Idea-
schichten sind, die ich meinen hatte Probleme mit der norwegi- lismus Brücken zwischen Kultu- Veline Backofen,
Enkeln erzählen werde, wenn sie schen Bürokratie und brauchte ren bauen. Gerade dieser Idealis- 53 Jahre, Theologin,
ist seit 1987 Landes-
fragen. Eines habe ich aber ge- dringend Unterstützung von Nor- mus macht sie zu Kulturvermitt- beauftragte der Aktion
lernt und das will ich vermitteln: wegern. So entwickelte sich lern zwischen unseren beiden Sühnezeichen Friedens-
Krieg ist eine gefährliche Sache schnell die Idee, einen Verein zu Ländern. dienste in Norwegen.
11

ASF Volunteers: Building Bridges


between Cultures
History Today and Future Prospects of ASF in Norway
zeichen: The film »Max Manus« way has yet to address its past. that had a major impact on me
A talk with Pastor will be premiering in Norway in The military disaster around Ap- and later led to my active involve-
Björn Sandvik, co-found- the next few days. Sixty years af- ril 9, 1940 has not been dealt ment in the Nordic-German Chur-
er of AFS’s venner, the ter World War II, attention is with enough. ch Convent. Action Reconciliation
circle of friends in Nor- being paid to a man of the resis- was a child of the Protestant
way tance. But an article in the largest When your grandchildren ask you Church and wanted to re-establish
daily newspaper compared the re- about it, what do you tell them? connections to the countries that

B
V eline B ackofen

sistance to boyish pranks. What jörn Sandvik: What I remem- had been occupied by Germany.
do you think of these two contro- ber most clearly is that we So it was only natural that the
versial presentations? didn’t have much to eat. That Nordic-German Church Convent
should become the godparents of
the first ASF project in Norway.

M y second encounter with


ASF was at the end of the
1980s and this turned into a per-
manent relationship of cooperati-
on. ASF had difficulties with the
Norwegian bureaucracy and des-
perately needed help from Norwe-
gians. So the idea of founding an
Robert Münch war von 2007 bis association quickly developed.
2008 als ASF-Freiwilliger in This association is now 15 years
Norwegen im Projekt Jodisk old and the focus of its work has
Bo-og Seniorsenter, Arbeit mit
älteren Menschen, hier zu sehen shifted over time. The technical
mit einer seiner Klientinnen problems lessened with the con-
nection to the EU and the associ-
Thomas Münch was an ASF
volunteer in Norway from 2006 ation was able to focus more on
to 2007 and worked on the its visions. To set up a platform
project Jodisk Boog
Seniorcenter, assisting the
for young Norwegians like the
elderly. He is seen here with one volunteer service in Germany. To-
of his clients day »ASF’s venner« continues to
support ten Norwegian volun-

B jörn Sandvik: The period of


occupation in Norway had
an impact on the generation that
made the taste of drops made of
real sugar a real experience. I
think that those are the kinds of
teers.

What do you think of the name


grew up after the war. I have a marvelous stories that I would Action Reconciliation Service for
problem with the article that de- tell my grandchildren if they Peace?
scribes resistance as a boyish
prank. I was five years old when
my father was suspended from
asked. But there is one thing I
have learned and I want to con-
vey: War is a dangerous thing
B jörn Sandvik: Action Recon-
ciliation Service for Peace is a
good name. The first part of the
his position as pastor. I remem- and always affects the civilian name refers to the history, while
ber that we had to move out of population. the peace service throws a glance
the parsonage and that my father at the present and future. I know
was not around anymore. He was You have been closely connected ASF volunteers in Norway to be
in prison and was later held in to ASF for about twenty years. astute and thoughtful young peo-
the Grini prison camp. My uncle Why? ple who are able to mediate bet-
was a member of the Kompanie
Linge, the military wing of the
resistance. I later discovered that
B jörn Sandvik: I first came into
contact with ASF through
Pastor Gerhard Dümchen, who
ween cultures. This is necessary
for all nations as a way to rein-
force mutual understanding. To-
someone in my family was a had just returned to Germany day the volunteers no longer work
member of the Front Soldiers. from the ASF building project in on construction projects as they
Front Soldiers were members of Kokelv in the early 1960s. I was once did, but they continue to be
the Norwegian unit within the studying theology in Germany at builders, erecting bridges between
German Wehrmacht – but that that time. This encounter was a cultures with their idealism. It is
Veline Backofen, aged 53,
was never talked about. The re- strong contrast! Later I establis- this very idealism that makes
theologian, has been the
ASF office director in sistance is an important part of hed contact with a young pastor them cultural mediators between
Norway since 1987. our cultural memory. But Nor- from the GDR. It was a contact both countries.
12

Freiwillige im Dialog: Verantwortung


wahrnehmen, miteinander handeln
Ein niederländisch-deutsches Gespräch
W ir sind beide Anfang 20 und Beziehung zu Berlin. Es zieht ihn gibt, über das Jahr verteilt, meh-

D ennis F ink
T om B ergrath
beide waren wir ASF-Frei- wieder dorthin zurück. Allerdings rere Gedenkveranstaltungen, die
willige. Tom kommt aus den Nie- kann er Freunden nicht genau er- von verschiedenen Interessens-
derlanden und war für ein Jahr in klären, was es eigentlich heißt, vertretern organisiert werden -
Berlin im Öffentlichkeitsreferat einen Friedensdienst mit ASF zu und das nicht allein zum Thema
von Aktion Sühnezeichen Frie- leisten. Er versucht es so: »Die Ar- Holocaust. »Es gibt viele Gedenk-
densdienste (ASF) tätig. Ich war beit mit ASF kann emotional tage, darin unterscheiden sich
erst Freiwilliger im ASF-Infobüro schwierig sein. Themen wie die unsere beiden Länder aber nicht
und dann in den Niederlanden, Aufarbeitung der Vergangenheit, sehr«, stimmt Tom mir zu. Der
seitdem lebe ich hier. Wir haben ihre Auswirkungen auf die Ge- größte Unterschied ist aber der
Ausgangspunkt. Darauf kommen
wir immer wieder zurück. Am 5.
Mai wird in den Niederlanden die
Befreiung gefeiert, mittlerweile
ein großes Fest für Frieden und
Freiheit. Man fühlt sich schon ei-
genartig, wenn man als Deutscher
mitfeiert und dabei an den histo-
rischen Hintergrund denkt. Tom
nennt das Schuldbewusstsein. Et-
was, was er immer wieder deut-
lich im Kontakt mit jungen Deut-
schen fühlt. Sie seien »schuldbe-
wusst, weil sie Deutsche sind« Tom Bergrath (rechts) mit
und die Verantwortung fühlen seinen Mitfreiwilligen der
oder aber kritisch und voll von Deutschlandgruppe auf einem
ASF-Seminar
einem Verlangen den Dialog mit
anderen zu suchen. Beide Arten Tom Bergrath (right) with
des Umgangs sehen Tom und ich fellow ASF volunteers from
the Germany group during an
bei Freiwilligen von ASF vereint. ASF seminar

beide unterschiedliche Erfahrun-


gen gemacht, schließlich kommen
genwart und ihre Bedeutung für
die Verhältnisse in der heutigen
E r freut sich, dass es sich dabei
um Menschen handelt, die ih-
re Verantwortung wahrnehmen
wir aus verschiedenen Ländern. Gesellschaft, sind für Menschen wollen. Viele Diskussionen und

T om beschreibt, wie fasziniert


die Niederländer von den
Deutschen und ihrer Vergangen-
schwierig zu begreifen, so wichtig
sie auch sind.« Diese Erfahrung
teile ich mit Tom. Die Erinnerung
Veranstaltungen prägen den Um-
gang. So sieht der Dialog aus, den
ASF schon lange vorantreibt. Für
heitsbewältigung sind. Das kann verschwindet manchmal aus un- Tom ist die Erinnerungskultur in
ich aus eigener Erfahrung bestäti- serem Alltag. Darum fällt es umso Deutschland stark durch einen
gen. Wie viele andere Niederlän- mehr auf, wenn die ASF-Freiwil- selbstkritischen Dialog geprägt.
der fragt auch Tom mich sofort, ligen sich so bewusst mit der Ver- Die Diskussionen haben aus sei-
wie es kommt, dass junge Deut- gangenheit auseinander setzen. ner Sicht dazu geführt, dass die
sche »solch ein Schuldbewusst- Darüber stolpere auch ich in den Auseinandersetzung mit der Ver-
sein« haben, wenn es um den alltäglichen Gesprächen. Wenn gangenheit einen wichtigen Platz
Zweiten Weltkrieg und die Zeit ich danach gefragt werde, wie ich bei vielen Freiwilligen bekommen
des Nationalsozialismus geht. In in die Niederlande kam, sind Mit- hat. Dem letzten Satz von Tom
seinem Land schaut man mit an- studenten überrascht, solch einen will ich nichts hinzufügen. Er
deren Augen auf diesen Teil der Hintergrund zu erfahren. Dadurch zeigt, wie Erinnerungen uns be- Dennis Fink war von 2003
bis 2005 zunächst ASF-
Geschichte. Viele Niederländer werden Erinnerungen zum Ge- einflussen: »ASF bringt die Frei-
Freiwilliger im Infobüro in
stellen interessiert fest, wie sprächsthema und man setzt sich willigen dazu nachzudenken, wie der Berliner Geschäftsstel-
Deutschland heute damit umgeht. mehr damit auseinander. man mit der Vergangenheit um- le und dann in Amersfoort
Wobei Berlin für diese Frage von
besonderer Bedeutung zu sein
scheint: »Die Stadt und ihre facet-
I n beiden Ländern erinnert man
unterschiedlich an den Holo-
caust. Uns beiden fiel dabei auf,
gehen kann. Das ist ausschlagge-
bend dafür, wie verschiedene
Menschen miteinander agieren.
in den Niederlanden.

Tom Bergrath war von


2006 bis 2007 Freiwilliger
tenreiche Geschichte lässt einen dass die Erinnerungskultur in den Diese Arbeit ist schwierig und im ASF-Öffentlichkeitsre-
nicht mehr los, die Stadt atmet Niederlanden viel stärker institu- verdient deswegen jede Wert- ferat und in der Jüdischen
Geschichte«, beschreibt Tom seine tionalisiert zu sein scheint. Es schätzung.« Gemeinde zu Berlin.
13

Volunteers in Dialogue:
Assuming Responsibility, Taking Joint Together
A Dutch-German Discussion

W e are both in our early what it means to be a volunteer throughout the year. But not only
D ennis F ink
T om B ergrath

twenties and served as ASF in the peace service of ASF. He about the Holocaust. »There are a
volunteers. Tom comes from the tries: »The work with ASF can be lot of memorial days, in that way
Netherlands and spent a year in emotionally difficult.« Topics our countries are not very differ-
Berlin. I was first a volunteer in such as »dealing with the past, its ent,« Tom agrees. The biggest dif-
the ASF office and later in the impact on the present and its im- ference has to do with the starting
Netherlands where I have lived portance to current situations in point. We always come back to
ever since. Our experiences var- today’s society are hard for peo- that point. The Netherlands cele-
brates liberation on
May 5th and it has be-
come a large festival
for peace and freedom.
Given the historical
background of the cel-
ebration, a German
feels rather odd joining
the celebration. Tom
Die ASF-Freiwilligengruppe calls that a sense of
2007 bis 2008 in den guilt and it is some-
Niederlanden auf einem thing that he always
Seminar in Amersfoort, Dennis
Fink (links) arbeitet als feels strongly when he
Honorarkraft im ASF-Büro in comes into contact with
den Niederlanden und ist bei young Germans. They
der Betreuung der ASF-
Freiwilligengruppen bei are »conscious of their
Seminaren mit dabei guilt because they are
German« and feel re-
The ASF-Netherlands volunteer sponsible or critical
group of 2007/2008 at a and they feel a strong
seminar in Ammersort. Dennis need to engage in dia-
Fink (left) works in the ASF
office in the Netherlands and logue with other peo-
helps supervise the ASF ple. We think that the
volunteer groups during ASF volunteers unify
seminars
both ways of dealing
ied considerably since we come ple to understand, even though with history.
from different countries.

T om describes how fascinated


the Dutch are by the Germans
they are so important.« I share
this experience with Tom. Memo-
ry sometimes disappears from our
H e is pleased that people are
involved who want to ac-
knowledge their responsibility.
and their way of confronting daily routine. That is why it is They address the subject through
their difficult past. My own expe- that much more remarkable that discussions and special events.
riences confirm this. Like so many volunteers consciously choose to This is how ASF has advanced the
other Dutch people, Tom immedi- address the past. I also run across dialogue for a long time. Accord-
ately asked me to explain why this in daily conversations. When ing to Tom the culture of remem-
young Germans have such a I am asked how I came to be in brance in Germany is strongly
strong sense of guilt about the the Netherlands, my fellow-stu- marked by a self-critical dialogue.
Second World War and the period dents are surprised to learn about The discussions have led volun-
of National Socialism. In his my background. It turns memory teers to value the importance of
country they look back at this pe- into a topic of conversation and confronting the past. I don’t wish
Dennis Fink was an ASF riod of history differently. Many we find ourselves addressing the to add anything to Tom’s last sen-
volunteer from 2003 to
Dutch are interested in how Ger- issue. tence, in which he shows how
2005, first in the Berlin
office and then in Amers-
foort in the Netherlands.
many deals with its history today.
Berlin is a big part of this. Tom
describes his relationship to Ber-
T he two countries commemo-
rate the Holocaust differently.
We both noticed that the culture
memory influences us: »ASF gets
the volunteers to think about how
we can address the past. That is
Tom Bergrath was an ASF lin: »The city and its diverse his- of remembrance in the Nether- crucial for determining how dif-
volunteer from 2006 to tory sticks with people. The city lands seems much more institu- ferent people deal with each oth-
2007 in the ASF public
relations office and the breathes history.« And it draws tionalized. A number of memo- er. This work is difficult and that
Jewish community in him back. But he has difficulty rial events, organized by various is why it deserves to be appreci-
Berlin. explaining to friends exactly interest groups, take place ated.«
14

Erinnerungskulturen im Dialog
Ein deutsch-norwegisches Gespräch zwischen Freiwilligen

W as ist eigentlich ein typi- in Norwegen stationiert waren gen«, sagt sie, »ist das ganz nor-

S A M U E L TA N N H Ä U S E R
scher Name für Katzen in und nach dem Krieg dann gerne mal!« – »Ja stimmt, diesen Patri-
Norwegen? Mauzi? Schnurri? mal von der Schönheit Skandina- otismus sind wir nicht gewohnt.
Minnie? Nein, der typische Kat- viens schwärmten und den hüb- Hier steht wirklich in fast jedem
zenname hier lautet »Mons«. Fast schen Frauen – nur positive Din- Vorgarten ein riesiger Fahnen-
jede zweite Katze muss im Land ge. Für die Norweger sind die mast mit der norwegischen Flag-
der Mitternachtssonne diesen Erinnerungen an die Deutschen ge«, brach es aus uns heraus.
seltsam anmutenden Namen er- dagegen ja sicher komplett an- »Aber vielleicht haben wir auch
tragen. Wer bleibt am Ende des ders.« Uns interessierte, ob einige nur ein gestörtes Nationalbe-
Kinofilms noch eine Minute sit- Norweger auch heute noch ir- wusstsein.« Und doch stellt sich
zen und sieht sich in Ruhe den gendwie eine innere Abneigung die Frage: Sind die Norweger in
Abspann an? In Norwegen: Nie- gegen Deutsche verspüren, auf Sachen Zweiter Weltkrieg selbst-
mand! Man verlässt sofort beim der anderen Seite, ob die Liebe kritisch genug? »Nun ja, es kann
leisesten Anzeichen,
dass das Ende des
Films erreicht ist, den
Kinosaal. Erlauben es
die Anstandsregeln,
sich in der Öffentlich-
keit die Nase zu put-
zen? Nein! Sitzt man
im Bus neben einem
richtigen Norweger,
so wird es wahr-
scheinlich nie passie-
Die ehemalige ASF-
ren, dass der Neben- Deutschlandfreiwillige Gunn
mann einfach mal ein Helene Svela (Mitte) aus
Taschentuch auspackt Norwegen zusammen mit
zwei ASF-
und sich gehörig den Sommerlagerteilnehmerinnen
Frust von der Seele in Norwegen im Sommer 2006
schnäuzt. Nein, das
The former ASF Germany
würde nicht vorkom- volunteer Gunn Helene Svela
men. (center), from Norway, seen with

A ber warum ist das two ASF summer camp


participants in Norway in
so? Diese ganz summer 2006
kleinen alltäglichen
Unterschiede, wo kommen die ei- und die Verbundenheit vieler schon sein, dass wir uns gerne
gentlich her? Auf diese Fragen Deutschen speziell zu den skandi- mal zu schnell in die Opferrolle
sind Frieder und ich gestoßen, als navischen Ländern vielleicht fallen lassen. Es gibt natürlich
wir uns mit dem Thema »Erinne- doch auch im Blick auf die Ver- auch einige Norweger, die nicht
rungskulturen im Dialog« zwi- bundenheit zur »arischen Rasse« offen über ihre Vergangenheit re-
schen Deutschland und Norwe- ein winziger Rest Nazigedanken- den können, weil sie selbst Nazis
gen beschäftigt haben. Wir, zwei gut in den Köpfen sein könnte. waren«, gab da Helene zur Ant-
der aktuellen deutschen Freiwil- »Nein, das kann ich mir nicht wort. »Es kommt sicherlich auch
ligen in Norwegen, haben uns vorstellen«, meinte die norwegi- viel mehr auf die eigene Ge-
dazu für ein Gespräch mit der sche Germanistikstudentin. »Ge- schichte, die weitergegebenen Er-
norwegischen ehemaligen rade für junge Norweger wird fahrungen, Erlebnisse und Emoti-
Deutschlandfreiwilligen Gunn Deutschland vielmehr mit starken onen einer jeden einzelnen Fami-
Helene Svela getroffen. Wenn je- Autos, billigem Bier und einer lie an. Jeder hat vermutlich seine
mand etwas darüber sagen kann, großen Kunst- und Kulturge- eigene Erinnerungskultur.«
dann sie, dachten wir uns. schichte verbunden. Der Krieg ist »Nun ja«, kommen wir schließlich

W ährend ihre Katze Rita (und


nicht Mons!) auf dem Ra-
dio herumkletterte und ab und zu
da viel weniger ein Thema.«

H elene war gerade während


der Fußball-WM 2006 in
zum Fazit, »jetzt haben wir ver-
sucht, Unterschiede zu finden
und es auch irgendwie geschafft,
die im Hintergrund laufende Xa- Deutschland. Dabei fiel ihr auf, aber eigentlich sind wir – abgese- Samuel Tannhäuser,
vier-Naidoo-CD zum Springen dass sie während dieser Zeit das hen von den Katzennamen und 19 Jahre, arbeitet seit
August 2008 als ASF-
brachte, fingen wir an: »Man hört erste und einzige Mal Deutsche den kleinen Unterschieden im Freiwilliger im Jüdischen
oft von deutschen Soldaten, die mit Fahnen und den Nationalfar- Alltag – vielleicht gar nicht so Kindergarten in
während des Zweiten Weltkriegs ben umherlaufen sah: »In Norwe- verschieden«. Oslo/Norwegen.
15

Cultures of Remembrance in Dialogue


A German-Norwegian Conversation between Volunteers

W hat is a typical name for a background to skip, we began:


H elene was in Germany during
S A M U E L TA N N H Ä U S E R

cat in Norway? Mauzi? »One hears a lot about German the World Cup in 2006 and
Schnurri? Minnie? No, a typical soldiers who were stationed in while she was there she realized
cat name here is »Mons.« Almost Norway during World War II and that it was the first and only time
every second cat in this country of who after the war raved about the she had seen Germans walking
the midnight sun bears this stran- beauty of Scandinavia including around with flags and their natio-
ge sounding name. Who stays sea- its pretty women. Only positive nal colors. »In Norway that is to-
ted for a moment at the end of a things. For Norwegians, however, tally normal.«
film to quietly read the final cre-
dits? Nobody in Norway! They
leave the theater at the first sign
that the movie has reached its
conclusion. Does etiquette allow
one to blow their nose in public?
Not in Norway! If you sit next to a
real Norwegian on a bus it is high-
ly unlikely that your neighbor
would ever pull out a tissue and
properly blow out his frustration.
No, that would not happen. But
why is this? These very small dif-
ferences in daily life, where do
they come from?

Die ASF-Freiwilligen Samuel


Tannhäuser und Frieder
F rieder and I stumbled upon
these questions while we were
considering some of the differen-
Wolfsberger in Norwegen
ces between Germany and Nor-
The ASF volunteer Samuel way in »Cultures of Remembrance
Tannhäuser and Frieder
Wolfsberger in Norway in Dialogue.« We are two of the
German volunteers who are cur-
rently serving in Norway and we the memory of Germans is no »Yes, that is true, we are not used
met to talk with the Norwegian doubt totally different.« We wan- to this kind of patriotism. Here a
Gunn Helene Svela, who had pre- ted to know if some Norwegians huge flag pole with the Norwegian
viously served as a volunteer in still feel a personal aversion to- flag stands in almost every front
Gum Helene Svela
wards Germans yard,« we burst out. »But maybe we
or on the other just have a damaged national con-
side, whether the sciousness.« »And still the question
love and bond remains: Are the Norwegians criti-
many Germans cal enough of themselves when it
feel especially has to do with World War II?«
towards the »Well, it may be that we are a little
Scandinavian too quick to adopt the victim role.
countries has There are of course some Norwegi-
perhaps to do ans who can’t speak openly about
with a feeling of their past because they were Nazis
solidarity with themselves,« Helene answered. »It
the »Aryan race« no doubt has a lot to do with one’s
– a little bit of own history, the experiences and
left-over Nazi emotions that are passed on within
ideology that re- a family. Probably everyone has
Germany. We figured that if anyo- mains in their heads. »No, I can- their own culture of remembran-
ne could answer our questions, not imagine that,« the Norwegian ce.«
she could. German Studies student respon- »Well,« we finally arrived at our
Samuel Tannhäuser, ded. »The younger Norwegians conclusion: »We have made a tho-

W
19 years old ASF volun- hile her cat Rita (not Mons!) tend to associate Germany with rough attempt to find differences
teer, has been helping
out in the Jewish Kinder- climbed upon the radio, oc- fast cars, cheap beer and an im- and managed it somehow, but what
garten in Oslo/Norwegen casionally causing the Xavier mense art and cultural history. we actually think is that we are not
since August 2008. Naidoo CD that was playing in the The war is much less an issue.« all that different after all.«
16

Was Ihr tut, ist Friedensarbeit


Gespräch mit dem norwegischen Widerstandskämpfer Bernt Lund

A ls mir der freundliche ältere ist als seine Geschichte zu erzäh- zeit dafür ein, dass es namibischen

F R I E D E R WO L F S B E R G E R
Herr vom Balkon seines Hau- len und der heute noch in der Ver- Buschvölkern ermöglicht wird, ei-
ses aus durch das Schneetreiben gangenheit lebt, sondern ein wa- ne Schriftsprache zu entwickeln,
zuwinkt, beginnt sich meine Auf- cher und politischer Zeitgenosse, als Grundlage für Ausgleichung
regung zu legen. Meine Ehrfurcht mit einem sehr reflektierten Blick durch Bildung.«
bleibt. Erst gestern habe ich er-
fahren, dass ich Bernt Lund tref-
fen sollte. Ein »Zeitzeuge« – le-
auf seine Geschichte. Nach dem
Krieg war er politisch aktiv, zu-
nächst auf kommunaler Ebene,
W enn wir jungen Norwegern
heute von unserer Arbeit
und von der Organisation mit
bende Geschichte! Schon als Ju- unter anderem als Oberstadtdirek- dem eigentümlichen Namen Ak-
gendlicher war er aktiv im norwe- tor der Stadt Oslo und später als tion Sühnezeichen Friedensdiens-
gischen Widerstand gegen te erzählen, stoßen wir oft
die Nazis, auch nach seiner auf Unverständnis. »Was
Verhaftung als 17-Jähriger hat das denn mit euch zu
und seinem Abtransport ins tun?«, fragen sie uns dann.
Osloer Gefangenenlager Gri- Wie siehst du das? »Ich habe
ni, von wo aus er im März mich zunächst auch gewun-
1944 ins Konzentrationsla- dert. Sühne, das ist ein Be-
ger Sachsenhausen gebracht griff, mit dem ich wenig
wurde. Zu Besuch bei einem anfangen kann.« Also das S
Helden? in ASF könnte man auch
»Ich war kein Held«, sagt weglassen? »Ja, das ist doch
Bernt Lund bescheiden. Bernt künstlich. Natürlich gibt es
war 15, als Norwegen von Themen und Probleme in
den Nazis besetzt wurde. Im der Geschichte, die behan-
Gewächshaus hörte er Ra- delt werden müssen. Aber
diosendungen aus England von Sühne und Schuld kann
und brachte die Nachrichten ja bei euch keine Rede sein.
als Korrektiv zur zensierten Aber eure Arbeit schätze ich
norwegischen Presse unter sehr.«
die Leute. Eine Geschichte,
auf die man stolz sein kann,
oder? »Das, was ich machte,
A uch wenn wir in Nor-
wegen, dem Land mit
der – nach UNO-Maßstäben
Bernt Lund heute und auf dem
Bild vor 74 Jahren

Bernt Lund today and in a


war so natürlich. Wir muss- – zweithöchsten zivilisato- drawing painted 74 years ago
ten doch aufpassen, dass das rischen Entwicklung auf der
Nazi-Gedankengut sich nicht un- Botschafter in Namibia. Seine Zeit Welt, kaum Entwicklungshilfe
ter den Menschen durchsetzt. Und in Gefangenschaft und die Begeg- leisten können? Manchmal fühle
mein Beitrag war so klein. Erst die nungen mit deutschen Kommu- ich mich als sozial Arbeitender
Arbeit als Nachrichtenschmuggler nisten und Sozialdemokraten po- ein bisschen fehl am Platz. »Dei-
im Lager Grini hat mein Gewissen litisierten ihn stark. »Ich bin im- ne Aufgabe ist es ja nicht, unsere
ein wenig beruhigt, da konnte ich mer linksradikal gewesen. Von Sozialstruktur zu verbessern. Du
wirklich helfen.« Als er so alt war der täglichen Politik habe ich aber hast eine internationale Aufgabe,
wie ich jetzt, saß er in Deutsch- inzwischen Abstand genommen, die sehr wichtig ist. Du gibst ein
land im Konzentrationslager. denn keine politische Organisati- Beispiel. Ich selbst wollte als Ju-
Heute sitze ich als Deutscher bei on braucht einen alten Greis«, gendlicher mit einer ähnlichen
ihm am Tisch und esse Weih- meint er schmunzelnd. Aber das Organisation arbeiten. Aber dann
nachtskekse. »Trotz der schreck- hindert ihn nicht, sich immer kam die Wehrmacht. Nichts
lichen Dinge, die ich gesehen ha- noch sozial zu engagieren und in bringt Menschen besser zusam-
be – ich hatte nie Probleme mit öffentlichen Debatten zu Wort zu men, nichts schafft mehr Ver-
Deutschen, wenn sie keine Nazis melden. ständigung als zusammen zu ar-
waren. Zu Hause nahmen meine
Eltern deutsche Flüchtlinge auf G ibt es Dinge, die man aus ei-
ner über 60 Jahre alten Ge-
beiten. Das, was Ihr tut, ist Frie-
densarbeit.«
und unter den Häftlingen in Sach-
senhausen waren viele Deutsche
– Freunde, Menschen, die mich
schichte lernen kann, für heutige
Konflikte zwischen oder inner-
halb von Nationen? »Der wirt-
N achdenklich und ermutigt
mache ich mich nach dem
Gespräch auf den Weg zur Arbeit
geprägt und mir geholfen haben. schaftliche und soziale Ausgleich mit Menschen mit Behinderun- Frieder Wolfsberger,
20 Jahre, ist aktueller
Ich würde sogar sagen, sie haben zwischen Nationen, Gruppen und gen. Ich bin spät dran, Stian hat ASF-Freiwilliger und be-
mich gerettet.« Einzelpersonen ist wirklich ein bestimmt schon Hunger und Ing- treut in der Stiftung

D er Mann, den ich treffe, ist


keiner, dem nichts geblieben
wichtiger Ausgangspunkt«, sagt
er. »Deswegen setze ich mich zur-
rild braucht Hilfe beim Zähne-
putzen.
SIGNO in Oslo Menschen
mit Behinderungen.
17

»What you all Doing is Peace Work«


Speaking with the Norwegian Resistance Fighter Bernt Lund

T hrough snow flurries the friend-


T he man that I met is not some- viduals is really an important star-
F R I E D E R WO L F S B E R G E R

ly old man waves to me from one who had nothing left but ting point. That is why I am cur-
the balcony of his building and my his stories to tell, someone still li- rently working to help the Namibi-
nervousness begins to subside. My ving in the past today. He is an an bush people develop a written
awe, however, remains. I just found astute and political contemporary language, as a foundation for pro-
out yesterday that I am supposed to with a very thoughtful view of his viding them an education.«
meet Bernt Lund. A »historical wit-
ness« – living history! He
was already involved in
history.
W hen we talk to
young Norwegi-
ans today about our
the Norwegian resistance work with the organiza-
against the Nazis as a tion with the peculiar
youth, and continued his name »Aktion Sühnezei-
activities even after he chen« (Action Reconcili-
was arrested at the age of ation Service for Peace),
17 and transported to the we often encounter a
Grini prison camp in Os- lack of understanding.
lo. From there he was »What does that have to
brought to the Sachsen- do with you?« they ask
hausen concentration us. What do you think?
camp in March 1944. Am »I was a little surprised
I visiting a hero? at first, too. ‘Sühne‘
»Jeg var ingen helt,« says (atonement), that is a
Bernt Lund modestly – »I term that I cannot really
was not a hero.« relate to.« So we could

B ernt was 15 when


Norway was occupi-
ed by the Nazis. In the
leave out the S in ASF?
»Well, that would be ar-
tificial. Of course there
greenhouse he would lis- are issues and problems
ten to radio programs in history that have to
from England and spread be dealt with. But atone-
Frieder Wolfsberger heute und the news to the people as ment and guilt have
auf einem Selbstbildnis a corrective to the censo- nothing to do with you.
wahrscheinlich in 74 Jahren red Norwegian press. But I have great respect
Frieder Wolfsberger today This is a story to be proud for your work.«
and in a selfportrait probably
in 74 years
of, isn’t?
»What I did was so natu- E ven though in Nor-
way, which accor-
ral. We had to be careful that the
Nazi ideology didn’t permeate the
people. My contribution was so
H e was politically active after
the war, first on the local level,
including positions as chief muni-
ding to the UN has the second
highest development in the world,
we are hardly able to engage in
small. My conscience wasn’t ap- cipal director of the city of Oslo, developmental aid? Sometimes I
peased a bit until I started working and later as ambassador in Nami- feel a little out of place here as a
as a news smuggler in the Grini bia. The time he spent in prison social worker. »It is not your job to
camp. That is when I was really ab- and his contact to German Com- improve our social structure. You
le to help.« munists and Social Democrats po- have an international task that is

W hen he was the same age that


I am now he was doing time
in a concentration camp in Germa-
liticized him strongly. »I was al-
ways a radical leftist. But I have
distanced myself from daily poli-
very important. You serve as an
example. When I was a youth I
wanted to work with a similar or-
ny. Today I, a German, am sitting tics now today since no political ganization. But then the Wehr-
at a table eating Christmas cookies organization needs an old man,« he macht came. Nothing brings peo-
with him. »Despite all the terrible says smiling. But that doesn’t stop ple closer together, nothing creates
things I have seen – I never had a him from continuing to be socially more understanding than working
problem with Germans, if they engaged and speaking out in pub- together. What you all are doing is
weren’t Nazis. At home my parents lic debates. Are there things that peace work.«

Frieder Wolfsberger is cur-


took in German refugees and there
were a lot of Germans among the
prisoners in Sachsenhausen. –
we can learn from a sixty-year-old
history that are meaningful to
today’s conflicts between or within
I leave our discussion feeling
thoughtful and encouraged and
head off to my work with disabled
rently an ASF volunteer in
a project working with di- friends, people who influenced and nations? people. I am running late. Stian is
sabled people in Oslo, Nor- helped me. I would even go so far »Economic and social equalization no doubt hungry and Ingrild needs
way. as to say they rescued me.« between nations, groups and indi- help brushing her teeth.
18

»Und das Gefühl blieb!«


Freiwillige über ihre Begegnung mit zwei Zeitzeuginnen

E s ist Samstag, ein winterli- Mutter konnte sogar Jiddisch von ab, bei der Aufnahme von

INGA SCHLOSSER
cher, kalter Tag in den Nieder- sprechen (...) für mich war das Flüchtlingen zu helfen, wenn
landen. Man könnte meinen, das immer unheimlich spannend, dann auch mit mehr Vorsicht.
ganze Land hätte sich heute doch ich durfte nicht darüber re- »Die Umstände unserer Erziehung
Schlittschuhe unter die Sohlen den.« haben uns gezwungen und ge-
geschnallt. Truus Menger sitzt holfen, schon sehr früh selbstän-
neben mir im Auto und freut sich
über die Familien auf dem Eis. T ruus und ich sind auf dem
Weg zu Mirjam Ohringer. Mir-
dig zu denken«, erklärt sie mir.

S eit einem Jahr treffe ich mich


regelmäßig mit ihr, um sie zu
jam ist 1924 als Kind aus Osteu-
ropa eingewanderter Juden in
Amsterdam zur Welt gekommen.
M irjam und Truus beschrei-
ben, dass sie in den Wider-
stand hineingerutscht sind. »Wir
unterstützen und ihr Gesellschaft Ihre Eltern haben erlebt, was es wurden mit der Selbstverständ-
zu leisten. Truus wurde 1923 als bedeutet, diskriminiert zu werden lichkeit erzogen gegen das Un-
recht und den Faschismus zu
kämpfen. Als wir Flugblätter ver- »Für mich war und ist es
teilten, traten wir dem Unrecht immer noch die Aussa-
entgegen«, betont Mirjam. Mit 17 ge junger Menschen aus
Jahren wurde Truus für »geeig- Deutschland, welche
net« erklärt, in einer »Untergrund- auf internationalem Ge-
armee« mitarbeiten zu können, zu biet einen Beitrag leis-
deren Aufgaben unter anderem ten, sich gegenseitig die
das Planen und Durchführen von Hände zu reichen für ei-
Brückensprengungen sowie die ne friedlichere und ge-
Liquidierung von Nazis zählten. rechte Welt. Junge ASF-
»Auf der einen Seite war das Freiwillige kommen mit
spannend, aber auf der anderen einem besonderen Idea-
Seite ist das die Tragik einer weg- lismus.«
geworfenen Jugend.« Ruhig er- Mirjam Ohringer
klärt sie weiter: »Mit der Tatsache
und den Folgen, dass ich Nazis Die ehemalige ASF-Freiwillige
erschoss, habe ich natürlich eine Inga Schlosser zusammen mit
Truus Menger und Mirjam
Last zu tragen. Es waren Men- Ohringer (rechts)
schen! Menschen, denen, so sagte
meine Mutter immer, das Falsche The former ASF volunteer Inga
Schlosser with Truus Menger
erzählt wurde.« and Mirjam Ohringer (right)

erste von zwei Töchtern einer Ar-


beiterfamilie aus Haarlem, einer
Stadt in den Niederlanden, gebo-
und arm zu sein. Als ich Mirjam
auf ihren Erziehungshintergrund
anspreche, reagiert sie energisch:
A ls die Niederlande im Mai
1945 befreit wurden, emp-
fanden das beide nicht als eine
ren. Als ich sie nach ihrer Erzie- »Was sollte Menschen, die unter Befreiung. »Ich konnte kein Fest
hung frage, erzählt sie von ihrer Ungerechtigkeit litten, mehr an- feiern. Ich fühlte mich gealtert«,
Mutter, einer ȟberzeugten Kom- sprechen als die Ideale der russi- erinnert sich Truus. Nach dem
munistin«. Truus´ frühe Erinne- schen Revolution? Ich habe durch Krieg stand für beide Frauen die
rungen reichen in Zeiten zurück, meine Eltern schon früh gelernt, Familie im Vordergrund, doch
in denen sie an Demonstrationen zwischen Recht und Unrecht zu engagierten sie sich auch immer
gegen Lohnkürzungen auf den unterscheiden und jeden Mensch in Friedensorganisationen oder
Schultern ihres Vaters teilnahm; gleich zu behandeln, egal welcher anderen politischen Gruppen.
in denen sie mit ihrer kleinen Religion oder welchem Land er Truus sprach direkt nach dem
Schwester Freddi während des angehört.« Auch Mirjam musste Krieg vor Schulklassen und ande-
spanischen Bürgerkrieges gegen früh begreifen, dass sie außer ren Gruppen, aus Angst um jedes
Franco Geld sammelte und in de- Haus nicht über die Vorgänge da- weitere Kinderleben, was durch
nen sie schon zeitig lernen muss- heim sprechen durfte, da die Auf- Mienen in den Dünen verloren
te, das, was sich zu Hause ab- deckung der illegalen politischen ging. 1977 begann auch Mirjam, Inga Schlosser, 27 Jahre,
spielte, für sich zu behalten. Aktivitäten ihrer staatenlosen Fa- ihre Erinnerungen und Erfahrun- Diplom-Sozialarbeiterin/-
»Meine Mutter saß in einem Ko- milie natürlich um einiges fol- gen mit Gruppen zu teilen. »Ich pädagogin, war von 2007
bis 2008 ASF-Freiwillige
mitee, das Flüchtlingen über die genreicher gewesen wären, als es hatte das Glück«, stellt Truus fest,
im Jüdisch Historischen
Grenze half. Da kamen Juden, für Mitglieder des niederländi- »meinen Erinnerungen in Gedich- Museum Amsterdam und
Sozialisten, Kommunisten und schen Widerstands der Fall war. ten, im Malen und Zeichnen so- ist dort zurzeit als Mitar-
Pfarrer, fast alle links. Meine Doch auch das hielt sie nicht da- wie in der Bildhauerei Ausdruck beiterin beschäftigt.
19
zu verleihen. Ich war mein eige- hen war, kennen lernte. Er war es, tun! – hatten. Außerdem kommen
ner Psychiater.« Und sie schaut der Mirjam 1982 bat, zum ersten uns seit ein paar Jahren auch
mich weiterhin an: »Ich betrachte Mal mit einer ASF-Gruppe zu ASF-Freiwillige regelmäßig be-
»Im Zentrum steht auf es ebenso als Glück, dass ich jun- sprechen. Seitdem hat Mirjam suchen. Wenn mich Leute fragen,
jeden Fall ihre Haltung ge Menschen wie dich traf, die ihr jede/n ASF-Freiwillige/n kennen warum ich noch so gut aussehe,
und ihre Bereitschaft Bestes geben, um Unrecht zu be- gelernt und auch Truus zu eini- sag ich immer, dass ich mit viel
auch gerade den jüdi- kämpfen und die den Menschen, gen Gesprächen mit hinzu geholt. jungen Menschen zu tun habe!«
schen Menschen und die so schwere Folgen erleiden »Meine erste Begegnung mit einer Ich muss lachen und Mirjam
Menschen aus dem Wi- mussten, helfen, ihr eigenes Ich ASF-Gruppe war warm und ver- schaut mich mit ehrlichem Blick
derstand das Gefühl zu wieder zu stärken.« traut«, erinnert sich Truus und an: »Mal im Ernst: ASF ist ein
geben, dass es auch ein
anderes Deutschland
gibt. Das hat vielen
D och wie entstand ihre Bin-
dung zu ASF, interessiert
mich nun. Durch Mirjam erfahre
Mirjam setzt den Gedanken fort:
»Und das Gefühl blieb! Ich fühlte
mich stets involviert und einbe-
positiver Baustein für den Frie-
den«.
Die Rede von Mirjam Ohringer
Menschen gut getan. ich, dass sie 1979 den Koordina- zogen.« Was war es, was die bei- beim ASF-Jahrestreffen in Berlin
Einfach kommen und tor für die Niederlande Helmut den mit ASF verbunden hielt? am 30. April 2008 können Sie
helfen – das find’ ich Rödner auf der Ausstellung »Wi- Mirjam: »Der Fakt, dass deutsche nachlesen: www.asf-ev.de/aktuel-
großartig.« derstand in Deutschland«, die im junge Menschen solch eine posi- les/veranstaltungen/2008/asf-ju-
Truus Menger »Mozeshuis« in Amsterdam zu se- tive Einstellung – Wir wollen was biläum_2008

Freiwillige gefragt: Für was steht ASF


in den Niederlanden?
Sarah: Nachbarn können sehr Jonas: ASF in den Niederlanden
verschieden sein und sich den- bedeutet, einzelnen Menschen die
noch verstehen. ASF trägt dazu Plattform und die Stimme geben,
bei. sich aktiv gegen Rassismus, Vor-
urteile und für den Dialog und den
Philipp: ASF ist eine Familie, die Ausbau einer gemeinsamen Zu-
jeden willkommen heißt und of- kunft der Nationen einzusetzen.
fen für die Auseinandersetzung
mit der Vergangenheit ist. Was Lisa: Aktion Sühnezeichen Frie-
ASF in den Niederlanden aus- densdienste hat eine Brücke zwi-
macht, sind langjährige Bezie- schen den Nachbarländer gebaut,
hungen zu unterhalten und sich um grenzenlos gute Erfahrungen
einzusetzen im Kontakt mit Men- zwischen Deutschen und Nieder-
schen. So wie eine Mutter, die ih- ländern sowie ein Leben mitein-
re Kinder aufwachsen sieht, so ander statt gegeneinander zu er-
reift auch ASF an den Beziehun- möglichen.
gen und beschreitet neue Wege.
Ulrike: ASF in den Niederlanden
Die ASF-Freiwilligen der Malte: ASF in den Niederlanden ist Nikolai: Aktion Sühnezeichen bil- ist für mich ein Netz und ein Netz-
Generation 2007/08 in den
Niederlanden
eine feste, zusammengehörige Ge- det für mich eine tolle Grundlage. werk. Ein Netz, das bei dem
meinschaft, auf die man sich in Das Ideal »Dem Frieden Wurzeln Drahtseilakt des Freiwilligen-
The ASF volunteers, generation seinem Freiwilligenjahr voll und geben« trifft genau den Hinter- dienstes im Ausland Sicherheit
2007/08, in the Netherlands
ganz verlassen kann. grund unserer Projektarbeit, denn und Begleitung bedeutet und ein
wir hinterlassen im Sinne der Völ- soziales Netzwerk von Menschen
Paula: ASF ermöglicht es mir eine kerverständigung einen Eindruck mit ähnlichen Interessen und Er-
»Wiedergutmacherin« zu sein. Am bei den Menschen, denen wir be- fahrungshintergründen, mit de-
Anfang sind es viele Jugendliche, gegnen. nen ich meine Erlebnisse teilen
die mit einem guten Willen, aber kann.
ohne eine richtige Vorstellung zu Timo: Durch die vielen unter-
den Vorbereitungstagen fahren, schiedlichen Projekte, die ASF in Cosima: Ich denke sofort an meine
um dann drei Monate später be- den Niederlanden unterstützt, zeigt Arbeit im Widerstandsmuseum
geistert von ihrem Projekt als »dem mir ASF immer wieder, wie vielfäl- Amsterdam: wirklich aktiv zu sein
Besten« zu erzählen. tig man sich sozial engagieren und vielen verschiedenen Men-
kann. schen zu begegnen.
Katharina: ASF-Niederlande ist ein
Kreis bestehend aus all den ande- Michael: Durch ASF habe ich die Jesse: ASF-Niederlande hat eine
ren Freiwilligen, Ehemaligen, Niederlande und mich selbst ganz Vielzahl von spannenden und
Mentoren und dem Landesbüro. neu und intensiv kennen gelernt. lehrreichen Projekten zu bieten.
20

»And the Feeling Remained«


History in Dialogue: A Former Volunteer’s Meeting with two Historical Witnesses

I t is Saturday and a winter day gardless of his religion or natio- explains this further: »The fact

INGA SCHLOSSER
in the Netherlands. It looks like nality.« Mirjam also had to learn and consequences that I shot Na-
the whole country has put on ice early that she was not to speak zis is of course a burden for me to
skates today. Truus Menger is sit- outside the house about what bear. They were people! People, as
ting next to me in the car, pleased went on at home, that if the ille- my mother always said, who were
to see all the families on the ice. gal political activities of her sta- taught the wrong things.«

I have been meeting


her regularly for a
year now, to offer her
assistance and to keep
her company. Truus
was born in 1923, the
eldest of two daughters
born to a working-class
family from Haarlem, a
city in the Netherlands.
When I ask her about
her upbringing, she
Die ehemalige ASF-Freiwillige
tells me about her mo- Inga Schlosser (3. von links) bei
ther, a »convinced ihrer Arbeit im Joods Historisch
Communist.« Truus’ Museum in Amsterdam,
zusammen mit SchülerInnen
earliest memories go bereitet sie im Kindermuseum
back to when she would Schabbat-Brote vor
sit on her father’s
The former ASF volunteer Inga
shoulders at demonst- Schlosser (3rd from the left)
rations against wage working in the Joods Historical
cuts, when she and her Museum in Amsterdam. She is
preparing Sabbath bread with
sister collected money schoolchildren in the
against Franco during children’s museum.
the Spanish civil war
and when she had to learn early
that what went on at home was
to be kept secret. »My mother was
teless family were discovered, the
consequences would be more se-
rious than for Dutch resistance
W hen the Netherlands was li-
berated in May 1945, it did
not feel like liberation for either
on a committee that helped refu- fighters. But even that didn’t stop of them. »I wasn’t able to celebra-
gees flee across the border. They them from helping refugees, alt- te,« Truus recalls. »I felt I had
were Jews, Socialists, Commu- hough it did make them more aged.« For both women family
nists and ministers, most of them careful. »The circumstances of became a priority after the war
were leftists. My mother could our upbringing forced us and but they continued to be involved
even speak Yiddish (...) I found helped us to think independently in peace organizations and other
that incredibly exciting, but I at a very young age,« she exp- political groups. Right after the
wasn’t allowed to talk about it.« lains. war Truus began speaking to
school classes and other groups

T ruus and I are on our way to


see Mirjam Ohringer. Mirjam
was born in 1924 in Amsterdam
M irjam and Truus describe
how they happened to get
involved in the resistance. »In our
out of a concern for every child-
hood that could be lost to mines
in the dunes. In 1977 Mirjam also
to Eastern European Jewish im- upbringing fighting against inju- began to share her memories and
migrants. Her parents were inti- stice and fascism was a matter-of- experiences with groups. »I was
mately familiar with discrimina- course. When we distributed fliers, lucky,« Truus realizes. »I was able
tion and poverty. When I ask we were acting against injustice,« to express my memories in poems,
Mirjam about her family back- Mirjam stresses. When Truus was in painting and drawings, even in
ground she responds vigorously: 17 she was declared »suitable« to sculpture. I was my own psychia-
»What could appeal more to peo- work in an »underground army« trist.« She continues looking at Inga Schlosser, 27 years,
ple who had suffered injustice whose tasks included planning me. »I also think I was lucky that degree in social work/
than the ideals of the Russian Re- and implementing the detonation I met young people like you, who education, served as a
volution? I learned from my pa- of bridges and liquidating Nazis. are doing their best to fight inju- volunteer in the Jewish
Historical Museum
rents at a young age to distingu- »On the one hand it was exciting, stice and to help people who are in Amsterdam in
ish between right and wrong and but the flip side was the tragedy still suffering greatly to strengthen 2007/2008 and is
to treat every person equally, re- of a wasted youth.« She quietly their own ego.« currently employed there.
21

»For me it was and still


is the presence of young
B ut now I am interested in how
the connection to ASF came
to exist. I learn from Mirjam that
good, I always say that I do so
much with many young people!«
I have to laugh and Mirjam looks
at me with a serious expression.
»But seriously: ASF is a positive
building block for peace.«
people from Germany, she met Helmut Rödner, the coor-
who make a contributi- dinator for the Netherlands, in
on in international are- 1979 at the exhibition »Resistance
as, who work together in Germany« that was shown in
for a more peaceful and the »Mozeshuis« in Amsterdam. In
just world. Young ASF 1982 he asked Mirjam to speak for
volunteers bring a spe- the first time to an ASF group.
cial idealism with Since then Mirjam has continued
them.« to meet each ASF volunteer and
Mirjam Ohringer even brought Truus along to a few
discussions. »My first contact with
»A central point is defi- an ASF group was warm and trus-
nitely their attitude and ting,« Truus recalls and Mirjam
readiness to give Je- continues the thought: «And the
wish people and people feeling has remained! I always felt
from the resistance in involved and included.« What
particular the feeling kept the two of them connected to
that there is also ano- ASF? Mirjam: «The fact that
ther Germany. That young Germans have such a
made a lot of people positive attitude – want to do
feel better. Just to come something! And for the last few
and help - I think that years ASF volunteers have been
is great.« visiting us regularly. When
Truus Menger people ask me why I still look so

What do you think ASF represents in the


Netherlands?
Bild oben: Mirjam Ohringer Malte: ASF in the Netherlands is a working with people. Like a mo- develop a joint future between na-
sprach bei der closely-knit community that the ther who watches her child grow tions.
Eröffnungsveranstaltung des
Jubiläums 50 Jahre ASF am volunteers can totally count on du- up, ASF matures with these relati-
30. April 2008 in Berlin ring their year of service. onships and traverses new paths. Lisa: ASF built a bridge across the
borders to neighboring countries
Picture above: Mirjam Ohringer
speaking at the ASF 50th Paula: ASF allows me to »make Nikolai: Action Reconciliation gi- that makes it possible for Germans
anniversary opening event on good.« In the beginning they are a ves me a great foundation. The and Dutch to have boundless posi-
April 30, 2008 in Berlin lot young people heading for the goal of »giving peace roots« captu- tive experiences with each other
orientation days with good inten- res our project work exactly since and to live side by side with one
tions but without clear expecta- we leave an impression on the another rather than in conflict.
Volunteers ´ speaking

tions. Three months later they will people we meet that helps us im-
be talking about each of their pro- prove international understan- Ulrike: For me ASF in the Nether-
jects enthusiastically as the best ding. lands is a safety net and a network:
one. A safety net that provides security
Timo: The very diverse projects and support to its high-wire act –
Katharina: ASF-Netherlands is a that ASF supports in the Nether- the volunteer service abroad. And
circle made up of all the other vo- lands continually show me how a social network of people with si-
lunteers, former volunteers, men- many different ways there are to milar interests and backgrounds
tors and the country office. be socially engaged. with whom I can share my experi-
ences.
Sarah: Neighbors can be very dif- Michael: ASF has helped me to get
ferent and still get along. ASF helps to know the Netherlands and my- Cosima: Right away I think of my
to make this possible. self in a new and intense way. work in the Resistance Museum in
Amsterdam: being truly active and
Philipp: ASF is a family that welco- Jonas: ASF in the Netherlands meeting many different people.
mes everyone and is open to con- stands for giving individuals a
fronting the past. ASF makes a platform and a voice to work ac- Jesse: ASF-Netherlands has a
difference in the Netherlands by tively against racism and prejudi- number of exciting and educatio-
maintaining long relationships and ce and to establish a dialogue and nal projects to offer.
22

»ASF-Freiwillige sind alle verschieden,


doch besonders sind sie immer«
Stimmen von ASF-Projektpartner

A SF in den Niederlanden bedeutet offen willige gibt es in allen Sorten, doch besonders sind sie
Niederlande

sein, es steht für die Vergangenheit und immer.


für einen Beitrag zu deren Bearbeitung mit Marianne Plug, Art. 1 Rotterdam
und von jungen Erwachsenen, die die Ge-
schichte nur aus Büchern kennen. Hier kom-
men sie in Kontakt mit Überlebenden. Sie
lernen in dieser Zeit sich kritisch umzusehen
A SF ist sinnvoll, freundlich, sozial engagiert und
bewusst.
Annelie Spaans, Joods Historisch Museum Amster-
und im täglichen Leben der Ungleichheit dam
und dem Ausschluss von Mitmenschen et-
was entgegenzusetzen.
Aki Herlyn, Regenboog Groep/AMOC, Ams-
terdam
M it ASF über Grenzen hinweg und begeistert zu-
sammen an einer besseren Welt arbeiten.
Jeroen van den Eijnde,
NM Kamp Vught

A SF ist eine klare, engagierte Organisati-


on, die sich dafür einsetzt, junge moti-
vierte Deutsche mit gesellschaftlichen Orga- I n wohlwollender Gegenseitigkeit be-
einflussen ASF-Freiwillige die Freund-
nisationen im Ausland in Verbindung zu bringen und schaftsgeschichten über den Mensch zwi-
dadurch eine fantastische »Lernen-sich-einzusetzen«- schen Menschen und Gott mit uns.
Situation schafft, die für beide Seiten – Freiwillige Corrie de Graaf, Arkgemeenschap Gouda
und Projektpartner – große Bedeutung hat.
Fija van der Weide, Sinai Centrum Amstelveen
A SF bedeutet, viel zu lernen von den jun-
gen Deutschen, die bereit sind, sich für

S ie sind Aktivisten auf den Barrikaden, oder haben


eine kommerzielle Einstellung, sie agieren ruhig
im Hintergrund oder sind deutlich präsent. ASF-Frei-
ihren Freiwilligendienst enorm einzusetzen.
Erik Guns, Herinneringscentrum Kamp Wes-
terbork

Junge deutsche Idealisten – so möchte ich rung. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese jun-
Norwegen

die ASF-Freiwilligen in Norwegen nen- gen Menschen aufnehmen können, die ein Jahr
nen. ihres Lebens für einen menschlichen Dienst ge-
Idealisten, weil sie in diesem merkwürdigen ben. Rigmor Skålholt, Institutionsleiterin
Land am Rande Europas einen konkreten
Einsatz für Mitmenschen leisten, die ihn
brauchen. Deutsche, die den Schatten der
Vergangenheit überspringen, und den Be-
I ch hatte mehrere Jahre lang das Vergnügen der
Zusammenarbeit mit ASF, die jedes Jahr zwei
Friedensdienstleistende in die Jüdische Gemeinde
weis erbringen, dass Norweger und Deut- Oslo entsendete – je einen in den Kindergarten und
sche in Frieden, Verständnis und Liebe mit- in das Seniorenheim. Die Erfahrungen mit ihnen sind
einander leben wollen. durchweg positiv und die ASF-Mitarbeiter sind in der
Junge Frauen und Männer, die verstanden Jüdischen Gemeinde allseits beliebt. Diese engagiert,
haben, dass die Zukunft ihnen gehört. Und interessiert und pflichtbewusst junge Leute sind her-
die Zukunft muss mit positiven Werten, So- ausragende Vertreter Deutschlands.
lidarität und kreativer Arbeit gebaut werden. Als Mit- Christine Mohn, Jüdisches Gemeinde Oslo
begründer und Mitglied von »ASF’s Venner« (»Freun-
de von ASF«) möchte ich ihnen herzlich danken!
Bjørn Sandvik D ie ASF-Freiwilligen sind ein frischer Wind für
unsere Patienten. Durch die individuellen Ange-
bote für Aktivitäten durch die Freiwilligen haben

D ie Granly-Stiftung hat gute Erfahrungen in der


Zusammenarbeit mit ASF. Jedes Jahr kommen
erwartungsvolle junge Freiwillige nach Granly. Ihr
unsere Patienten schnell ein gutes Verhältnis zu ih-
nen. Die Dinge gehen aber langsam mit psychisch
kranken Menschen und die Freiwilligen müssen sehr
Enthusiasmus und Arbeitseinsatz ist ein großes Ge- geduldig sein oder es eben lernen.
schenk für diesen Ort. Die Freiwilligen werden von Hilbjörg Lund, Abteilungsleiterin der Wohnabteilung
allen geliebt und für sie selbst ist das Zusammensein für psychiatrische Patienten der Stiftung Betania,
mit Menschen mit Behinderungen eine reiche Erfah- Alta/Finnmark
23

There are all Types of ASF Volunteers,


but They are always Special
Voices of the ASF Project Partners

Netherland
A SF in the Netherlands means openness. It stands
for the past and for helping to address this past
with and by young adults who only know about the
T hey are activists taking to the streets, or
they have a commercial attitude. They
maneuver quietly behind the scenes or make
past from books. The volunteers come into contact their presence known. There are all types of
with survivors here. During their stay here they learn ASF volunteers, but they are always spe-
to view things critically and to deal with inequality cial.
and the exclusion of other people in their daily life. Marianne Plug, Art. 1 Rotterdam
Aki Herlyn, Regenboog Groep/ AMOC, Amsterdam

A SF is a clear, committed organization that works


to connect young motivated Germans with soci-
A SF is meaningful, friendly, socially-
committed and socially-conscious.
Annelie Spaans, Joods Historisch Museum
al organizations abroad in order to provide a fantas- Amsterdam
tic opportunity for »learning to assert yourself« that
is very important to both the volunteers and the pro-
ject partners.
Fija van der Weide, Sinai Centrum Amstelveen
W orking enthusiastically with ASF to
reach beyond borders to make a better world.
Jeroen van den Eijnde (NM Kamp Vught)

I n beneficial reciprocity ASF volunteers influence


friendships between people, and between God and
ourselves.
A SF means learning a lot from the young Germans
who are willing to make a tremendous commit-
ment to their voluntary service.
Corrie de Graaf, Arkgemeenschap Gouda Erik Guns, Herinneringscentrum Kamp Westerbork

Norway
Y oung German idealists – that is what I would
like to call the ASF volunteers in Norway.
Idealists because they engage in a concrete pro-
able to take in these young people who give
a year of their life for a human service.
Rigmor Skålholt, Institution Director
ject to help other people that need them in this
strange country on the edge of Europe. Ger-
mans who jump over the shadow of the past
and are the proof that Norwegians and Ger-
F or several years I have had the pleasure
of cooperating with ASF, which sends
two peace workers each year to the Jewish
many want to live together in peace, under- Community of Oslo - one in the kindergarten
standing and love. and one in the seniors› home. This experi-
Young women and men who understand ence has been entirely positive, and the ASF
that the future belongs to them and that the workers are very popular in the Jewish Community.
future has to be built with positive values, These committed, interested, and conscientious young
solidarity and creative work. As a co- people are outstanding representatives of Germany.
founder and member of »ASFs venner« Christine Mohn, The Jewish Community of Oslo
(Friends of ASF), I would like to thank
you very much! Bjørn Sandvik
T he ASF volunteers are a breath of fresh air for our
patients. The individual selection of activities of-

T he Granly Foundation has had a very positive


experience working with ASF. Each year young
volunteers come to Granly full of expectations. Their
fered by the volunteers allows our patients to quickly
develop good relations with them. Things move slow-
ly with the mentally ill and the volunteers have to be
enthusiasm and work contribution is a great gift to very patient or else learn to be.
this place. Everyone loves the volunteers and they Hilbjörg Lund, division head of the living section of
find working with disabled people an enriching mentally ill patients of the Betania Foundation, Alta/
experience, too. We are very grateful that we are Finnmark
24
»Wir können`s ja nicht lassen von
dem zu reden, was wir gesehen Erfahrungen, die wir einfach
weitergeben müssen
und gehört haben.«
Apg. 4,20, Monatspruch Mai in
den Herrnhuter Losungen

D as ist ja eine wunderbare Sachverhalt und den geltenden werden und schon gar nicht in der

V E L I N E B AC K O F E N
Aufforderung gegen das Gesetzen ist eine Verurteilung Öffentlichkeit.
Schweigen und ganz im Sinne
von Aktion Sühnezeichen Frie-
densdienste (ASF), denke ich, als
nicht möglich. Ja, es herrscht Ge-
rechtigkeit auch vom Sanhedrion
aus. Petrus und Johannes werden
E in solches Tabu war im
Deutschland der 1950er Jahre
der Nationalsozialismus und der
ich diesen Satz lese. Aber Vor- freigesprochen, aber ihnen wird Zweite Weltkrieg. Eine Gruppe
sicht: Losungen machen aus bib- verboten, weiter im Namen Jesu meldete sich mit einem klaren
lischen Sätzen schnell Aphoris- zu reden. Das wiederum akzeptie- »Nein« zu Wort: Lasst uns über
men, die aus dem Zusammenhang ren Petrus und Johannes nicht, das, was wir gehört und gesehen
herausgerissen sind. denn »wir können`s ja nicht las- haben reden. Sie gehörten der

I n der Apostelgeschichte erfahre


ich, dass dieser Satz am Ende
einer Verhandlung steht und Pet-
sen von dem zu reden, was wir
gesehen und gehört haben.« Sie
wollen nicht schweigen. Der Dia-
Evangelischen Kirche an und ha-
ben sich um Lothar Kreyssig ge-
sammelt. Ich habe Kreyssig nie
getroffen, aber von ihm
viel gehört. In mir ent-
steht das Bild, dass er
mit seinen Auftritten in

Andacht
der Synode ebenfalls
Unruhe und Verwirrung
stiftete. Kreyssig war der
Mann, der den Worten
auch Taten folgen lassen
wollte. In der Folge wur-
den Verhandlungen ge-
führt und Bündnisse
eingegangen. Im Ergeb-
nis wird eine Aktion ins
Leben gerufen, die sich
Sühnezeichen nennt. Gedenken an die Opfer
Die ersten Aktionen wa- der Schoah in den
ren in Polen, der Sowjet- Niederlanden
union und Israel vorge- Commemorating the
sehen. Das war so nicht victims of the Shoah
möglich und die ersten in the Netherlands
Bauprojekte werden in
rus und Johannes in den Mund log geht weiter und auch die Ak- den Niederlanden und Norwegen
gelegt ist. Was wird erzählt: Pet- tionen. Das kann in der Apostel- durchgeführt. Diese sichtbaren
rus und Johannes haben einen geschichte nachgelesen werden. Zeichen stehen heute noch. Das
Lahmen geheilt. Sie berufen sich
mit ihrem Tun auf Jesus und er-
zählen von ihm. Viele haben den
D en Sanhedrion gibt es so
nicht mehr und auch keinen
Petrus oder Johannes, die Lahme
war der Anfang.

G efolgt sind diesen Zeichen


Tausende von Freiwilligen.
beiden zugehört. Und viele Men- zum Gehen bringen. Nun kann die Mit ihrem Dienst treten sie in ei-
schen haben gesehen, dass ein Geschichte aber mit anderen Ak- nen Dialog mit dem Gastland und
Lahmer wieder auf seinen eigenen teuren neu erzählt werden. Men- in einen Dialog mit ihrer eigenen
Beinen steht und sich bewegen schen, die Ungewöhnliches tun Geschichte. Auch sie reden darü-
kann. Der Sanhedrion, das oberste und widersprechen, gibt es in al- ber, was sie gehört und gesehen
Organ der jüdischen Gemein- len Zeiten. Ebenso hat jede Ge- haben und so verbindet sich Ge-
schaft, hört davon und wird aktiv. meinschaft ihre Organisationsfor- schichte und Gegenwart. Die Pro-
Es kommt zu einer Verhandlung, men, in denen die Regeln und jektberichte sind der Spiegel für
in der sich Petrus und Johannes Gesetze ausgelegt und Verhand- diesen Prozess.
verantworten müssen. Es kommt
zu Rede und Gegenrede. Sie wer-
den angehört, es wird zugehört.
lungen geführt werden. Es wird
diskutiert und gestritten, Be-
schlüsse werden gefasst. Manch-
I n diesem Sinne können wir mit
dem zufällig ausgelosten Satz
von Herrnhut auch die Geschichte
Der oberste Rat zieht sich zurück mal soll im Ergebnis dieser Dis- von Aktion Sühnezeichen Frie-
und ist ratlos. Fakt ist, der Lahme kussion das eine oder andere dann densdiensten beschreiben. »Wir
Veline Backofen, 53 Jahre,
steht auf eigenen Beinen und geht doch lieber auf Eis gelegt werden. können`s doch nicht lassen, davon Theologin, ist seit 1987
als sichtbares Zeichen zwischen Es wird ein Tabu. Nein, darüber zu reden, was wir gesehen und ge- ASF-Landesbeauftragte
den Menschen herum. Nach dem soll nun doch nicht weiter geredet hört haben.« in Norwegen.
25

Experiences We just Had to Pass on alliances formed and ultimately, a


project was brought into being
that called itself Action Reconcili-
»For we cannot but speak of the tion the norm. And every commu- ation. It’s founders had hoped to
V E L I N E B AC K O F E N

things which we have seen and nity has its institutions which in- get involved in Poland, the Soviet
heard.« terpret the rules and laws and Union and Israel, but that was not
Moravian Church Watchword for carry out hearings. They discuss, possible at the time. Instead the
the month of May (Acts 4.20) debate, and make resolutions. So- first building projects took place

W hen I first read this I thought


that it is a wonderful call to
speak out and fits perfectly with
metimes it is decided to put a dis-
cussion on hold. It then becomes a
taboo. No, let’s not talk about this
in the Netherlands and Norway.
The visible signs of this work still
stand today. That was the begin-
ASF’s philosophy. But one has to anymore, especially not in public. ning. Since then thousands of vo-
be careful: Watchwords can turn This kind of taboo existed in lunteers have followed this sign.
biblical sayings into aphorisms
that are then taken out of con-
text.

I learned in the history of the


apostles that this quote appears
at the end of a hearing and is at-
tributed to Peter and John. It is
said that Peter and John healed a
lame man and that they claimed
to be acting in the name of Jesus.
They spoke to the people about
him and many people listened.
Many people had watched as the
lame man stood up on his own
two feet and was able to move.
The Sanhedrin, the highest autho-
rity of the Jewish community,
heard about this and took action.
A hearing took place and Peter
and Johannes had to stand trial.
Speeches and objections were
made. They were heard, people
listened. The highest council
withdrew to consult on a verdict
and was at a loss. Undeniable was
Eine von den ersten ASF- the fact that the lame man had
Freiwilligen in Norwegen stood on his own two feet and
erbaute Kirche, hier wäh- walked among the people as a vi-
rend und nach Vollendung
sible sign of their deed. It was de-
der Bautätigkeiten
cided that a verdict was not pos-
One of the first churches sible based on the evidence and
built by ASF volunteers, existing laws. Justice was served,
shown here during and af- even from the view of the Sanhe-
ter the completion of con- drin. Peter and John were found
struction
innocent but were forbidden from
speaking on behalf of Jesus. But
Peter and John were unable to ac- 1950’s Germany with regard to During their service they engage
cept this: »For we cannot but National Socialism and World War in a dialogue with their host coun-
speak of the things which we have II. But there was one group that try and with their own history.
seen and heard.« They did not rejected this clearly and said: »Let And they too speak about what
want to remain silent. They con- us speak of the things we have they have heard and seen. Thus
tinued to preach and do deeds. heard and seen.« The group belon- history and the present are joined.
This can be read in the history of ged to the Protestant Church and The volunteers’ project reports are
the apostles. was led by Lothar Kreißig. I never a reflection of this process.

T he Sanhedrin no longer exists


and Peter and John are also no
longer around to bring the lame
met Kreißig but I have heard a lot
about him. I imagine he also
caused agitation and confusion
H ence we are able to use this
isolated sentence from the
Moravian Church to describe the
man to walk. But the story can when he appeared before the syn- history of Action Reconciliation
Veline Backofen, age 53,
theologian, has been the
now be told anew with different od. Kreißig was a man who went Service for Peace: »For we cannot
ASF coordinator in actors. There are always people from words to deeds. As a conse- but speak of the things which we
Norway since 1987. who do unusual things and ques- quence, hearings were held and have seen and heard.«
26

Mehr als »Friede, Freude, Eierkuchen«


ASF-Jahrestreffen: Aktion Sühnezeichen und internationale Friedensmission(en)

Friede, Freude, Eierkuchen – »Was Speerspitze?« unter die Lupe. Jörn in Russland ihrerseits Partner für

C H R I S T I N E B I S C H AT K A
soll denn dieser Titel?«, war eine Böhme, Leiter der Böll-Stiftung in einen kritischen Dialog suche und
der Reaktionen auf die Einladung Tel Aviv, wies darauf hin, dass sich sich weder allein von ihren Inter-
zum Jahrestreffen, das vom 9. bis die Führungsposition von ASF, essen an Energieträgern noch von
11. Januar 2009 mit 140 Teilneh- nachträglich in die Formulierung einer einseitigen Eindämmungs-
merInnen in der Heilig-Kreuz- »Speerspitze der Friedensbewe- politik leiten lasse. Gleichzeitig
Kirche in Berlin-Kreuzberg statt- gung« gegossen, vor allem den solle man im Westen die demokra-
fand. Zu lax, kindisch… Wer indes internationalen Kontakten der Or- tischen Kräfte in Russland ernst
genau hinsah, erkannte darin den ganisation verdankte und nur ei- nehmen und nicht von vornherein
Vorwurf, mit dem sich auch die nen relativ kurzen Zeitraum An- jede demokratische Entwicklung
Friedensbewegung beschäftigen fang der 1980er Jahre bestand. ausschließen.
muss, nämlich realitätsferne, ja Neben der Dekonstruktion eines »Eigentlich haben wir bisher nur
naive Lösungen als Antwort auf Vereinsmythos hagelte es im über die Frage gesprochen, wie
harte Konflikte zu präsentieren. Workshop Kritik an der fehlenden mit Waffen Frieden möglich ist…«,

D er Titel blieb nicht die einzige


Irritation, denn auch die Ein-
ladung an den Auftaktredner, Mi-
Positionierung von ASF in den
1990er Jahren: Während Sühne-
zeichen Ost und West mit der eige-
resümierte ein Teilnehmer kurz
vor Schluss des Workshops »Frie-
den schaffen – mit und ohne Waf-
fen?«. Dass Frieden in bestimmten
Situationen nicht ohne Waffen zu
schaffen sei, darüber herrschte je-
doch weitgehend Einigkeit, eben-
so darüber, dass Krieg nur das
letzte Mittel nach dem Scheitern
aller Diplomatie sein könne. Der
Krieg müsse, so die These des Re-
ferenten Gerhard Beestermöller,
an Bedingungen geknüpft wer-
den, und zwar an solche, die zu
seiner eigenen Überwindung bei-
trügen. Wie aber das Militär eine
konkrete und aktive Rolle für den TeilnehmerInnen der
Frieden spielen könne, darüber Eröffnungsveranstaltung des
gab es wenig Konsens. ASF-Jahrestreffens 2009
in der Heilig-Kreuz-Kirche
»Frieden«, das war den ehrenamt- in Berlin-Kreuzberg
lichen Mitgliedern der Vorberei-
chael Wolffsohn, empörte manche nen Vereinigung beschäftigt wa- tungs-AG klar, ist ein bleibend
friedensbewegte UnterstützerIn- ren, wäre eine kritische Stimme, kontroverses Thema, hier will
nen von ASF. Diejenigen, die den zum Beispiel zur »Nie-wieder- man keine platten Antworten ge-
Dialog mit dem Professor für Neu- Auschwitz«–Begründung des ben. So lässt sich gerade wegen
ere Geschichte dennoch wagten, deutschen Einsatzes in Jugoslawi- der wiederholten Erkenntnis, das
erlebten einen unterhaltenden en, dringend vonnöten gewesen, bei weitem nicht alles so (einfach)
Vortrag, der die Ausbildung einer meinten viele Workshop-Teilneh- scheint wie es ist, resümieren,
»Realpolitik« von Aufrüstung und merInnen. dass das ambitionierte Programm
Abschreckung einerseits und ei-
ner »Moralpolitik« auf der ande-
ren Seite nach 1945 reflektierte.
V on falschen Bildern im Kopf
sprach Andrej Kalikh, Refe-
rent vom Moskauer Zentrum für
des Jahrestreffens einer breiten
Palette von Positionen und Fra-
gen zu Krieg und Frieden erfolg-
Letztere fand laut Wolffsohn ih- Entwicklung von Demokratie und reich Raum bot.
ren Ausdruck in der Friedensbe-
wegung. Mit dieser These erntete
er Widerspruch. Doch ein hand-
Menschenrechten im Workshop
»Zurück zum Kalten Krieg? Russ-
land und Europa«. Er fragte, was
U nser besonderer Dank gilt ne-
ben den zahlreichen Referen-
tInnen dem Vorbereitungsteam
fester Streit blieb aus, wie über- der Georgienkrieg im August 2008 des Jahrestreffens: Dirk Baumann,
haupt das Jahrestreffen von ei- über den Zustand der russischen Katharina Gotzler, Markus Heck-
nem offenen und sachlichen Aus- Gesellschaft aussage und konsta- mann, Ulrike Huhn, Florian Kem-
tausch unterschiedlicher Positio- tierte ein diffuses Selbstverständ- melmeier, Ulrike Kind, Johannes
nen geprägt war. nis einer vom »Westen« belagerten Krautheim, Cora Krückels und Eli- Christine Bischatka,

D ie »großen, friedensbewegten Festung, gepaart mit einer sabeth Rögler, ohne deren enga- 30 Jahre, ist Kulturwissen-
schaftlerin und arbeitet
Zeiten« des Vereins nahm der »orangenen Paranoia« seit 2004. giertes Wirken die dreitägige Ver- seit dem Sommer 2008 im
Workshop »Sühnezeichen und die In russischen Menschenrechts- anstaltung nicht hätte gelingen ASF-Referat für Sommer-
Friedensbewegung – Stumpfe kreisen hoffe man auf eine EU, die können. lager und Jahrestreffen.
27

Nachdenkliches über Sühnezeichen


Adolf Muschg sprach beim ASF-Jahresempfang

D er Schriftsteller Adolf Mu- damals polnischen Lwow geboren ner« des Deutsch-Französischen
JOHANNES ZERGER

schg hat sich in einem philo- wurde, zeigte sie auf, wie sich die Jugendwerks in der ASF-Ge-
sophisch-theologischen Vortrag wechselvolle europäische Ge- schäftsstelle in Berlin mitgearbei-
beim Jahresempfang der Aktion schichte in ihrer Familienbiogra- tet hat, wies darauf hin, dass
Sühnezeichen Friedensdienste am phie niedergeschlagen hat. Wäh- durch verschiedene Auslandsauf-
5. Februar 2009 in Berlin dafür rend ihres Freiwilligendienstes enthalte die europäische Perspek-
ausgesprochen, die allem Mensch- habe sie festgestellt, wie unter- tive immer mehr zu seiner eige-
lichen innewohnende Ambivalenz
von Gut und Böse auch in Zusam-
menhang mit dem Begriff »Süh-
ne« zu berücksichtigen. So dürfe
»Friedensarbeit zwar mit friedens-
willigen Menschen rechnen, aber
nicht mit friedensfähigen«, sagte
der ehemalige Präsident der Aka-
demie der Künste in der saarlän-
dischen Landesvertretung beim
Bund. Gerade weil der Mensch
»sein eigener größter Feind« wer-
den könne, »muss es sie geben«,
Adolf Muschg spricht vor betonte Muschg vor rund 200 Zu-
200 TeilnehmerInnen des hörerInnen die Notwendigkeit der
ASF-Jahresempfangs ASF-Arbeit.

W elche Bedeutung die ASF-


Arbeit für ihre Biographien
hatte, schilderten Marta Mituta
schiedlich die Perspektiven auf
die Jahreszahlen 1919, 1939,
1949 und 1989 durch die kollek-
nen werde: »Deswegen kann ich
mich (auch als Franzose) mit den
Anliegen von ASF identifizie-
und Ludovic Fresse in ihren Rede- tiven Erinnerungen der verschie- ren.«
beiträge beim Jahresempfang.
»Das Phänomen der Multipers-
pektivität wurde mir während
denen europäischen Länder ge-
prägt sei: »Aber seit 1989 können
wir frei über diese unterschiedli-
W ährend sein Großvater 1919
aus Polen nach Frankreich
ausgewandert war, wurde sein
meines Freiwilligendienstes in chen Sichtweisen diskutieren«, Vater 1939 für sechs Jahre Kriegs-
London bewusst«, sagte Marta betonte sie die besondere Bedeu- gefangenschaft nach Leipzig ver-
Mituta aus Wrocław, die im Rah- tung des Mauerfalls für die Men- schleppt. »Meine freiwilligen Mi-
men des deutsch-polnischen ASF- schen in den Ländern des einsti- grationen waren das Echo anderer
Programms in Großbritannien gen Ostblocks. Ludovic Fresse, Migrationen, die vom Krieg oder
tätig war. Anhand des Geburtsor- der 2007/2008, finanziert durch von der Armut ausgelöst worden
tes ihres Großvaters, der 1919 im das Programm »Arbeit beim Part- waren.«

ASF-Kuratorium zu konkurrierenden
Erinnerungen und dem Nahostkonflikt
D A
ie Konkurrenz unterschiedli-
cher Geschichtsbilder in den
verschiedenen Gesellschaften Eu-
schichtsdiskurse in den ehemali-
gen Sowjetrepubliken weiter von-
einander entfernten und – wie
ußerdem wurde über die Fra-
ge diskutiert, ob und in wel-
cher Form sich ASF zu den Ent-
ropas war einer der Schwerpunkte zuletzt in den Konflikten zwischen wicklungen im Nahostkonflikt
der Diskussion bei der diesjähri- Russland und Georgien oder der äußern sollte. Dabei wurde deut-
gen Sitzung des Kuratoriums von Ukraine deutlich wurde – vielerlei lich, dass in einer öffentlichen Äu-
Aktion Sühnezeichen Friedens- erinnerungspolitischen Spreng- ßerung von ASF vor allem Stim-
dienste (ASF). Irina Scherbakowa, stoff beinhalteten. Deutschland men von ProjektpartnerInnen und
die den ASF-Projektpartner ME- genieße in Russland und den Freiwilligen zu Wort kommen soll-
MORIAL im Kuratorium vertritt, Nachbarländern wegen der Bear- ten. Hier sollte der Schwerpunkt
stellte hierzu das Papier ihrer Or- beitung der eigenen Geschichte eher auf einer kritischen Reflexion
ganisation unter dem Titel »Nati- eine »gewisse Autorität«. Deshalb der deutschen Debatte liegen. Zu-
onale Geschichtsbilder – das 20. könnten die Bundesrepublik oder gleich wurde darauf hingewiesen,
Jahrhundert und der ‚Krieg der Er- Organisationen wie ASF an be- dass Solidarität mit Israel immer
innerungen’« vor. Sie verwies da- stimmten Stellen eine vermitteln- auch sachliche Kritik an der Regie-
rauf, dass sich die nationalen Ge- de Rolle spielen. rungspolitik beinhalten könne.
28

A ls im Heim Eröspuszta des


Ökumenischen Hilfswerks
Ungarn, 25 Kilometer südlich von
Abschied von Eröspuszta
Budapest, Anfang der 1990er Jah- Nachfolger für Sommerlager in Ungarn gesucht
re Flüchtlinge des Krieges in Jugo-
slawien untergebracht waren, hat Herbst. Im Auto brachten wir ge- ASF-Jubiläum, waren wir zu un-

HELGA UND HEINZ GOTTSCHALK


Aktion Sühnezeichen Friedens- spendete Hilfsgüter für das Heim serem letzten Einsatz dort. Bedingt
dienste (ASF) diese in Sommerla- und seine Bewohner, aber auch für durch unser zunehmendes Alter,
gern bis 1997 betreut. Uli Freytag die Mitarbeiterinnen mit. Das wa- zusammen jetzt 154 Jahre, müs-
und Peggy Teubner berichteten ren Wäsche und Kleidung, Ge- sen wir diese Aktivität beenden.
darüber beim ASF-Jahrestreffen. schirr, Bestecke, aber auch Roll- Wir tun das mit Wehmut, auch
Wir – damals Senioren in den stühle und technische Geräte, vom deshalb, weil wir nicht wissen, ob
Sechzigern – fragten uns und ASF, Fernseher bis zum Keyboard. und von wem diese Arbeit weiter-
ob wir das nicht auch könnten. So
waren wir im Mai 1996 und 1997 U nsere Aufgabe war es, die
Heimbewohner mental zu be-
geführt wird. So danken wir Ulla
Wahrheit und Sophia Kühn, die
uns dort mehrmals
unterstützt haben,
aber jetzt nicht
mehr nach Erös-
puszta kommen
können, aber auch
den anderen
Freunden, die dort
jeweils einmal mit-
gewirkt haben. Ro-
mi Romberg hat
uns in all den Jah-
ren vorbildlich be-
treut. Alle Auf-
wendungen haben
wir selbst getra-
gen, sodass für
ASF keine Kosten
entstanden sind.

L eider ist es uns


bisher nicht ge-
lungen, jüngere
Bosnische Flüchtlingskinder
Anfang der 1990er Jahre im
Heim Eröspuszta in Ungarn

dort und haben mit bosnischen treuen. Das umfasste: Exkursio- Nachfolger für diesen Dienst zu
Kindern eine Stadt gebaut: »Nas nen nach Szentendre, Esztergom motivieren und einzuarbeiten. In
nowy grad – Unsere neue Stadt« und Ráckeve, Heimnachmittage, unseren für ASF geschriebenen
als Symbol der Hoffnung auf Lichtbilder mit Fotos aus ver- Berichten und in Beiträgen im zei-
baldige Rückkehr in die Heimat. schiedenen Ländern und aus Ber- chen haben wir dafür geworben.
Wir gaben Sprachunterricht für lin, Besuche einer Konditorei, Ge- Man erreicht eben auch im Verlauf
Jung und Alt und spielten mit den burtstagsfeiern, Spaziergänge mit eines langen Lebens nicht alle Zie-
Kindern. Rollstühlen… Den Abschluss bil- le.

A ls die Flüchtlinge zurückge-


kehrt oder in andere Länder
ausgereist waren, nahm das Heim
dete nach ungarischem Brauch
immer ein Fest (búcsú délután)
mit Gesang und Tanz sowie einer
A ber es ist nicht alles zu Ende.
In diesen Jahren sind persön-
liche Verbindungen und Freund-
ungarische Seniorinnen und Seni- großen Tombola, bei der jedes Los schaften zur Familie der Leiterin
oren auf, die sich dort nach einer gewann. Orsolya Bálint und zu anderen Fa-
Krankheit, einer Operation oder
einem Unfall erholen und später
in ihre Familien zurückkehren
U nsere Erfahrung in Eröspusz-
ta: Senioren eignen sich gut
für die Betreuung alter Menschen.
milien entstanden, die bleiben
werden. Wir werden wiederkom-
men, dann als Gäste, nicht als
sollten. Es gibt in den drei Flach- Sie bringen ihre Berufs- und Le- Touristen.
bauten etwa 30 Plätze in einfa-
chen Zimmern mit zwei oder drei
Betten sowie einige Einzelzim-
benserfahrung, häufig auch
Sprachkenntnisse, mit und kennen
schon die Probleme des Alterns.
U nd wir würden uns nach wie
vor freuen, wenn sich Men-
schen finden, die dieses besondere
mer. Außerdem sind sie das ganze Jahr Sommerlager auch in Zukunft Helga und Heinz Gott-

W ir wurden gebeten, die Ar-


beit dort fortzusetzen, wei-
terhin im Auftrag von ASF, und
verfügbar, nicht nur im Sommer,
wenn es in der ungarischen Tief-
ebene drückend heiß ist.
fortführen würden.

Bei Interesse bitte melden bei:


schalk, Kindergärtnerin
und Kinderdiakonin und
Dipl.-Ingenieur,
engagierten sich von
haben das vom September 1998
bis Mai 2008 getan, jeweils zwei
Wochen im Frühjahr und im
D iesen Text müssen wir in der
Vergangenheitsform schrei-
ben. Im Mai, gleich nach dem
Aktion Sühnzeichen Friedens-
dienste, Auguststraße 80, 10117
Berlin, Tel.: 030 / 28 39 51 84.
1996 bis 2008 für das
Sommerlager in
Eröspuszta, Ungarn.
29

Große ASF-Beteiligung bei


GEH-DENKEN-Demonstration in Dresden
Ruth Misselwitz kritisiert Geschichtsverdrehung durch rechtsextremen Aufmarsch

E s waren über 10.000 Menschen Rechtsextremisten weitgehend


A uf dem Theaterplatz an der
JOHANNES ZERGER

gekommen, um am 14. Febru- unbehelligt durch Dresden ziehen Semper-Oper fand bei leich-
ar 2009 in Dresden ein klares Zei- konnten, was nicht nur Journalis- tem Schneetreiben und -3 Grad
chen gegen Rechtsextremismus zu ten aus dem Ausland fragen ließ, dann die Abschlusskundgebung
setzen. Doch es hätten gut und ob dies so gewollt sei. mit bundespolitischer Prominenz
gerne noch mehr sein und einem Konzert
dürfen, um den jun- mit Künstlern wie
gen und alten Rechts- Sebastian Krumbie-
extremisten - von der gel, Curse und Ralf
NPD bis hin zu den so Stahlhofen (früher
genannten freien Ka- Söhne Mannheims)
meradschaften - zu statt.
zeigen, dass ihre als
Trauermarsch getarn-
te Geschichtsverdre-
D ie Veranstaltung
wurde über-
schattet durch ins-
hung auf deutlichen gesamt fünf Über-
ASF-Freunde auf der Geh- Widerspruch in der griffe von Rechtsex-
Denken Demonstration am Mehrheit der Bevöl- tremisten auf Ge-
14. Februar in Dresden gegen kerung stößt. Denn gendemonstranten
den größten Aufmarsch von
Rechtsextremen in Europa der Jahrestag der bei der An- und Ab-
Bombardierung Dres- reise, die im krassen
dens hat sich in den letzten Jahren
zum Kristallisationspunkt für den
größten regelmäßig stattfinden-
I n ihrer Rede bei der Zwischen-
kundgebung vor der Dresdner
Synagoge wies die ASF-Vorsit-
Gegensatz zum demonstrativ mo-
deraten Auftreten bei ihrem
»Trauermarsch« standen. Beson-
den Aufmarsch der rechtsextre- zende Ruth Misselwitz darauf hin, dere Kritik wurde an der Polizei
men Szene aus ganz Europa ent- dass die Bombardierung Dresdens laut, die den Angriff auf eine
wickelt. Mit 6.000 bis 7.000 Teil- nicht aus ihrem historischen Kon- Gruppe Gewerkschafter auf der
nehmerInnen konnte der von der text gerissen werden dürfe. Ver- Raststätte Teufelstal bei Jena, bei
Die Rede der ASF-Vor- Jungen Landsmannschaft Ost- bunden mit der Trauer über die dem es zwei Schwerverletzte gab,
sitzenden Ruth Missel- deutschland angemeldete Marsch Opfer in Dresden sei auch das nicht verhindert hatte.
witz bei der GEH-DEN-
KEN-Demonstration in
Dresden finden Sie im
in diesem Jahr sogar noch mehr
Rechtsextreme anziehen als zum
60. Jahrestag der Dresdner Bom-
Wissen, dass der Bombardierung
ein Krieg vorausgegangen sei,
»der sich von Deutschland aus in
D ie Beteiligung aus dem ASF-
Umfeld war bundesweit und
regional recht positiv. Mit mehre-
Internet unter www.asf- bennacht im Jahr 2005. einer unvergleichlichen Erobe- ren Transparenten war der ASF-
ev.de.
U nter dem Motto »GEH DEN-
KEN – ein klares Stopp dem
Rechtsextremismus« hatte Aktion
rungs- und Vernichtungswut über
ganz Europa und weit darüber hi-
naus gezogen hat«. Zudem erin-
»Block« mit rund 200 Teilneh-
merInnen im Demonstrationszug
gut erkennbar. Dass ASF einen
Sühnezeichen Friedensdienste nerte die Pfarrerin daran, »dass es Reisebus aus Berlin organisiert
(ASF) zusammen mit einem brei- Menschen gab, denen diese An- hatte, war ein klares Signal, dass
ten Bündnis aus Parteien, Gewerk- griffe das Leben gerettet haben, die Demonstration im Verein ei-
schaften und zivilgesellschaftli- weil sie dadurch der Vernich- nen hohen Stellenwert hat. Ein
chen Gruppen zum Protest gegen tungsmaschinerie des Nationalso- Fortbildungstag zum Thema »Kir-
das makabre Schauspiel aufgeru- zialisten entgehen konnten.« che und Rechtsextremismus« mit
fen. Mit einen dezentralen Kon-
zept mit drei Demonstrationszü-
gen gelang es die Rechtsextremis-
S ie verwies darauf, dass nicht
zuletzt durch Aktion Sühne-
zeichen und die Nagelkreuzge-
den RegionalsprecherInnen am
13. Februar und ihre Teilnahme
an der Demonstration in Dresden
ten zumindest von ihrer gewohn- meinschaft Dresden und Coventry wurden von den TeilnehmerInnen
ten Marschroute zu verbannen. zu Symbolen der Versöhnung sehr positiv bewertet. Eine Fort-
Durch die großräumige Absper- geworden sind: »Deshalb ist es setzung ist für den 7./8. Mai 2009
rung der Polizei konnten gewalt- unerträglich«, sagte Ruth Missel- in Köln geplant, wo die rechtsex-
tätige Auseinandersetzungen zwi- witz, »wenn die NPD und andere treme Initiative PRO KÖLN einen
Johannes Zerger, 47 Jahre, schen rechten und linken Demons- rechtsextremistische Gruppen neuen Anlauf für ihren Anti-
Politikwissenschaftler und trantInnen verhindert werden. Dresden für ihre Zwecke instru- Islamisierungskongress plant, der
Sozialpädagoge, ist seit Durch entsprechend geringe Poli- mentalisieren und diese Stadt als im vergangenen Herbst an den
1996 Referent für Öffent-
lichkeitsarbeit und Fund- zeipräsenz in unmittelbarer Nähe Symbol für Geschichtsrevisionis- massenhaften Protesten eines
raising bei Aktion Sühne- des Neonazi-Marsches entstand mus und deutschen Opferkult breiten demokratischen Bündnis-
zeichen Friedensdienste. allerdings der Eindruck, dass die missbrauchen.« ses scheiterte.
30

»Dem Frieden Wurzeln geben«


Rückblick auf das 50 Jahre ASF Jubiläumsjahr 2008

B egonnen hat das ASF-Jubilä-


umsjahr zum 50. Geburtstag
intensiven Gesprächen verbun-
den.
am 27. Januar 2008 im Stepha-
nus-Stift in Weißensee, wo nicht
nur 1958 ein Teil der berühmten
H öhepunkt des Jubiläumsjah-
res war die Berliner Veran-
staltung vom 30. April bis zum 4.
»ASF«-Synode stattgefunden hat- Mai 2008, zu der mehr als 1000
te, sondern das sich zu DDR-Zei- Menschen gekommen waren, um
ten zu einem zentralen Versamm- 50 Jahre Aktion Sühnezeichen
lungsort von Aktion Sühnezei- Friedensdienste zu feiern, Ent-
chen im Osten (ASZ) entwickelt wicklungen neu anzusehen und
hat. Mit dieser beginnend, haben Herzen und Köpfe auf die Zukunft
wir insgesamt 22 regionale Ver- auszurichten, von der wir wissen,
anstaltungen in allen Landeskir- wie sehr sie mit der Vergangen-
chen Deutschlands durchführen heit oder den Vergangenheiten
können. Dafür sei an dieser Stelle verbunden ist. Veranstaltungen dieser fünf Tage TeilnehmerInnen der »Geh

A
Denken«-Prozession in Berlin-
allen Landeskirchen mehr als uf dem Jubiläum wurde ein- haben wir auf unterschiedliche Mitte am 30. April im Rahmen
herzlich gedankt, die uns im letz- mal mehr deutlich, wie Weise mit dem Weg gerungen, der der Auftaktveranstaltung des
ten Jahr besonders unterstützt schwierig die Anfänge der Bezie- sich aus Aktion Sühnezeichen Jubiläums 50 Jahre ASF
haben, sowohl für die regionalen, hung zwischen ASF und den Friedensdienste ergibt.
wie auch für die zentrale Veran- Partnern waren, wie sehr die Frei-
E s war doch ein Geschenk, dass

C hristian
S taffa
staltung in Berlin. Gedankt sei willigen, wie auch die Partner so viele Menschen aus mehr
auch den Regionalgruppen, sich in der Gestaltung dieser Be- als 13 Ländern und aus vielen Ge-
Freundeskreisen und insbesonde- ziehung veränderten und wie nerationen zum Jubiläum kamen
re dem ASF-Regionalreferenten langsam Vertrauen wuchs. Es ist und ein wenig Wurzeln des Frie-
Jens Pohl, der die meisten dieser dieses Vertrauen, das Petr Weber, dens sichtbar wurde. Leider ist an
Veranstaltungen sorgsam und dem Vorsitzenden der Jüdischen dieser Stelle nicht der Platz dazu,
energiegeladen geplant hat. Gemeinde in Brno ermöglichte, allen namentlich oder auch nur

D as Jubiläumsjahr ging dann


in Magdeburg am 7. Dezem-
ber zu Ende. Dazwischen lagen
»liebe Schwestern und Brüder« zu
sagen und Michaela Vidlaková,
eine Überlebende aus Terezin und
gruppenmäßig zu danken, die
dieses kleine Wunder mit finan-
ziert oder durch ihre Arbeit mög-
größere und kleinere Gottesdiens- Festaktsrednerin, zu den Worten lich gemacht haben. Deshalb hier: Christian Staffa,
te, meist mit einem Empfang und »liebe Freunde« bewegte. In allen Vielen, vielen Dank an alle! ASF-Geschäftsführer

ASF-Jubiläumsdokumentationen erschienen
D ie Dokumentation der gro-
ßen Jubiläumsfeierlichkeiten
50 Jahre ASF in Berlin vom
cke von Gästen und ASF-Part-
nern ergänzen das Bild und
schaffen so eine Dokumentation,
umsfilm zu einer
spannenden, inhalts-
reichen und lebendi-
30. April bis zum 4. Mai und der die lebendig, facettenreich und gen Dokumentation,
regionalen Veranstaltungen im vielfältig vom Jubiläumsjahr mit der das 50 Jahre
gesamten Jubiläumsjahr 2008 ist 2008 erzählt. ASF-Jubiläum als
erschienen. Auf 212 Seiten fin-
den sich umfassende Informatio-
nen über das Jubiläum, beeindru-
Z usätzlich zu dem Buch ist ei-
ne filmische Jubiläumsdoku-
mentation erschienen. Mit 68
Erinnerung zum An-
schauen lebendig
bleibt.
ckende 500 Fotos illustrieren Minuten Laufzeit zeigt die DVD
bildreich die schönsten Momente eine Zusammenfassung der wich- Preis: 8 Euro
und zeugen von den vielfältigen tigsten Ereignisse der Jubiläums- Bestellungen unter:
Veranstaltungen und der einma- tage in Berlin. Dabei vermittelt Aktion Sühnezeichen
ligen Atmosphäre. Viele Beiträge der Dokumentationsfilm viel- Friedensdienste,
von NS-Überlebenden, Promi- schichtig die bedeutendsten Mo- Johannes Zerger,
nenten wie Bundespräsident mente des Jubiläums, die wichti- Auguststr. 80, 10117
Horst Köhler, Charlotte Knobloch gen Zeugnisse der Überlebenden, Berlin, Telefon:
und Thomas Roth und ehemali- spannende Diskussionen und 030-28 395 184,
gen Freiwilligen reflektieren alle Eindrücke von den verschiedenen Telefax: 0049-30-28
Veranstaltungen während der Veranstaltungen. Zusätzliches 395 135, zerger@
Berliner Jubiläumstage. Eindrü- Bonusmaterial macht den Jubilä- asf-ev.de
31

Mit breiter Basis über die Sorge um die stabile Fortführung


unserer Arbeit.

Finanzkrise hinweg D aher bitten wir Sie herzlich:


Wir brauchen Ihre Unterstüt-
zung in 2009 weiterhin, erneut
und auch zum ersten Mal deutlich

V ielen Dank für Ihre Unter- gegenzuwirken. Denn es ist uns stärker als in den letzten Jahren.
BETTINA
HOFFMANN

stützung in den letzten Mo- wichtig, eine breite Basis an Un- Helfen Sie mit, die Arbeit von
naten. In der momentan schwie- terstützerInnen für Frieden und ASF durch viele kleine Spenden
rigen Zeit der Finanzkrise wissen Verständigung zu erhalten und neben den hoffentlich bleibend
wir diese besonders zu schätzen. aufzubauen. Deshalb ermutigen großen zu sichern.
Durch unseren E-Mail-Aufruf
kurz vor Weihnachten fühlten
sich noch einmal viele Menschen
wir hier zum Beispiel die rund
4000 privaten Empfänger dieser
Zeitschrift »zeichen«, die bisher
E in kleines Rechenbeispiel da-
zu: Wenn alle Personen, die
das zeichen erhalten, ohne bisher
motiviert, ASF am Ende des Jubi- nicht für ASF spenden, zu einer für ASF zu spenden, sich viertel-
ersten Spende. Außer- jährlich mit einer Spende von
dem versuchen wir, fünf Euro an den Erstellungs- und
ehemalige Spenderin- Versandkostenkosten beteiligen,
nen und Spender, die verdoppelt sich dadurch die Basis
sich seit längerer Zeit von allgemeinen Spendern bei
nicht mehr finanziell ASF. Die jährlichen Spenden stei-
beteiligt haben, für eine gen parallel um 80.000 Euro und
erneute Unterstützung sichern neun Freiwilligenplätze.
zu gewinnen.

W ir verstehen die
Verunsicherung,
G emeinsam kommen wir sicher
über diese Finanzkrise hin-
weg. Dauerhafte Spenden sind für
die mit der gegenwärti- ASF dabei eine Stütze von un-
gen wirtschaftlichen Si- schätzbarem Wert. Bleiben Sie bei
tuation einhergeht, sehr uns! Kommen Sie zurück! Ent-
gut. Denn ASF ist als scheiden Sie sich für eine erste
Empfängerin von För- Spende! »Man kann es einfach
dergeldern noch von tun«, wie Lothar Kreyssig sagte.
anderer Seite her be-
troffen. Wir haben be-
reits von Stiftungen ge-
B itte füllen Sie den Coupon zur
dauerhaften Unterstützung in
der Mitte dieses Heftes aus und
ASF-Freiwillige der Generation läumsjahrs eine Spende zu geben. hört, die unsere Arbeit seit lan- schicken ihn an uns zurück. Ihre
2007 in einem Wir sind dadurch unserem Wun- gem unterstützen und aufgrund Entscheidung ist uns viel wert.
Vorbereitungsseminar in
Belgien schergebnis für 2008 sehr nahe der Finanzkrise in 2009 drama- Als neue Dauerspenderin bzw.
gekommen. Dennoch wenden wir tisch weniger Erträge ausschütten neuer Dauerspender erhalten Sie
uns mit einem Thema an Sie, das werden. Gekoppelt mit der zu- ein spannendes Überraschungs-
Sie vielleicht überrascht: rückgehenden Zahl spendender Dankeschön von uns. Vielen herz-

S eit Jahren sinkt trotz vieler


neuer Spenderinnen und
Spender die jährliche Anzahl all-
Privatpersonen macht uns dies lichen Dank!

gemeiner Spender bei ASF und Spendenlexikon


das bei steigender Gesamthöhe
der allgemeinen Spenden. Dies E wie »Ethik im Fundraising«
bedeutet: Weniger Menschen
spenden insgesamt mehr. Das ist
wundervoll. Wir freuen uns über
diese treuen und großzügigen Ge-
D ie philosophische Disziplin Ethik stellt Kriterien für gutes und
schlechtes Handeln. Kriterien einer »Ethik im Fundraising« sind spä-
testens durch den Unicef-Spenden-Skandal im letzten Jahr für jede ge-
ber. Bei näherem Hinsehen birgt meinnützige Organisation zum einem Thema geworden. Sie sollen fol-
Bettina Hoffmann,
34 Jahre, Diplom-Sozial-
eine solche Entwicklung jedoch gende Fragen beantworten: Wie offensives Bitten ist in der Spenden-
pädagogin, ist auch große Risiken. Denn: Wenn werbung angemessen? Wie hoch dürfen die Verwaltungskosten sein?
Fundraising-Referentin nur wenige jener Unterstützer Mit wem kann man zusammenarbeiten? Von wem wird Geld angenom-
bei ASF. nicht mehr spenden, fehlt ASF ein men? Wie wird die korrekte Mittelverwendung sichergestellt?

Bei Anmerkungen zu
den Artikeln wenden Sie
vielfach höherer Prozentsatz der
gesamten Spendeneinnahmen,
aus denen die Freiwilligenarbeit
A SF ist der ethisch einwandfreie Umgang mit Spendern und Spen-
dengeldern sehr wichtig. Denn das Vertrauen unserer Spender ist
für uns oberstes Gebot. Daher: ASF zahlt keine Provisionen. Für die
sich bitte an: Bettina in unseren 13 Ländern finanziert Zusammenarbeit mit Wirtschaftsunternehmen wenden wir Ethik-Krite-
Hoffmann, Referentin wird. rien an. Den verantwortungsvollen Umgang mit Spendengeldern be-
für Fundraising, hoff-
mann@asf-ev.de, Tel:
030 / 28 395 204
W ir versuchen mit unseren
Briefen und E-Mails dieser
Entwicklung kontinuierlich ent-
scheinigt uns jährlich das DZI mit dem Spendensiegel. Und in der jähr-
lichen Berichterstattung richten wir uns nach den Transparenz-Kriteri-
en von PriceWaterhouseCoopers.
32

Gedanken eines ASF-Freiwilligen


zum Gaza-Konflikt
Von Deutschland aus erscheint die Situation für viele anders als für uns…
A m 27. Dezember 2008 begann schreiten des Krieges recht schnell Neue ins Bewusstsein gebracht,

M AT T H I A S S I E V E R S
Israel die »Operation gegos- der Gewohnheit und einer augen- dass die Situation von Deutsch-
senes Blei« mit den ersten Luftan- scheinlichen Unbetroffenheit, land aus für viele anders erscheint
griffen auf den Gazastreifen. Da- denn in Jerusalem hat sich an als für uns. Generell haben die
vor kam es zum Ende des Waffen- meinem Alltag fast nichts geän- ASF-Mitarbeiterinnen hier vor Ort
stillstands zwischen der Hamas dert. Die Menschen sind wie ge- uns in dieser Zeit sehr gut betreut,
und Israel und zu einem verstärk- wohnt ihren Beschäftigungen waren jederzeit ansprechbar und
ten Raketenbeschuss israelischer nachgegangen, zur Arbeit gefah- haben mit uns unsere Möglichkei-
ten, mit dieser Situation umzuge-
hen, persönlich intensiv bespro-
chen.

E in weiterer moralischer Kon-


flikt war es, nun plötzlich in
einem Land zu leben, durch des-
sen Bomben täglich dutzende Zi-
vilisten starben. Die Frage, ob
dieser Krieg wirklich so unum-
gänglich gewesen ist oder nicht,
ob es vielleicht möglich gewesen
wäre, ihn anders zu führen, so
dass die Zivilbevölkerung weni-
ger hätte leiden müssen, ging mir
durch den Kopf. Zugleich habe ich
aber auch die deutschen Nach- Grenzsicherung zwischen den
richten gesehen und mich über israelischen und
palästinensischen Gebieten
die meiner Meinung nach unaus-
Städte aus dem Gaza-Streifen. ren und einkaufen gegangen. Ich gewogene Berichterstattung geär-
Auch wenn dies den größten Teil traf mich wie zuvor mit meinen gert. Jede Angabe der Todeszah-
des Landes nicht direkt betraf und Freunden und lebte meinen All- len klang so, als ob es nur Zivilis-
es schon weit schlimmere Situati- tag. ten gewesen wären, die dort ge-
onen innerhalb der israelischen
Grenzen und somit auch für die
ASF-Freiwilligen in Israel gege-
D ennoch blieb nicht alles beim
Alten. Vor und zu Beginn der
Offensive begann die Armee Re-
storben sind. Es wurde viel zu
wenig darauf hingewiesen, wie
lange Israel den Raketenbeschuss
ben hat, so war es doch eine neue servisten einzuziehen und auch schon hingenommen hat, dass
Situation, deren Verlauf erst ein- die jungen Israelis, die gerade ih- sich die Hamas hinter der Zivilbe-
mal ungewiss blieb. Wir ASF- ren Wehrdienst leisteten, wurden völkerung versteckte und somit
Freiwilligen stellten uns die Frage, eingesetzt. Beispielsweise leistet mitverantwortlich für die zivilen
was auf uns zukommen würde der Sohn einer meiner Kollegin- Opfer ist.
und wie wir damit umgehen soll-
ten.
nen seinen Wehrdienst bei der
Infanterie. Jeden Morgen schlug N ichtsdestotrotz und unabhän-
gig davon, wer den Ausbruch

S chon vor Beginn meines Frei-


willigendienstes war mir die
Situation in Israel bewusst und
ich voller Sorge, dass er zu den
getöteten Soldaten zählen würde,
die Zeitung auf. Wenn es mich,
dieses Krieges zu verantworten
hat, bleiben die Fragen, wie es nun
weitergehen wird. Hat dieser Krieg
eine Zuspitzung des Nahost-Kon- der ihn gar nicht persönlich kennt, eine positive Konsequenz bezüg-
fliktes im Laufe des Jahres abzu- so beeinflusst hat, wie groß müs- lich der Situation der Menschen in
sehen. Aber als es dann dazu kam, sen dann die Sorgen seiner Ange- Sderot, Ashdod oder Ashkelon?
stellte ich mir doch noch einmal hörigen gewesen sein? Schwer Hat er die Hamas geschwächt oder
die gleichen Fragen, die mich fiel es mir, die Sorgen meiner Fa- in erster Linie ihren Rückhalt un-
auch beschäftigten, als ich die Zu- milie und meiner Freunde zu ver- ter den Palästinensern gestärkt?
sage für meinen Freiwilligen- stehen. Denn während ich aus Gibt es einen Erfolg, der der Klage
dienst von ASF erhalten habe: ihrer Perspektive unvorstellbar über die vielen Opfern des Krieges
»Was mache ich, wenn es zu einer nah an oder schon in dem Kriegs- entgegengesetzt werden kann? Matthias Sievers ist vom
weiteren Intifada kommt?« und gebiet lebte, so war ich aus meiner Wie sieht die Zukunft dieser Regi- September 2008 bis zum
August 2009 ASF-
»Wie weit wird meine Solidarität Perspektive weit weg. on aus? Hält der Waffenstillstand
Freiwilliger im Altenheim
mit Israel im Ernstfall reichen?«

D iese anfängliche Unsicherheit


wich allerdings mit dem Fort-
A uf dieses Problem hat uns je-
doch ASF immer wieder auf-
merksam gemacht und mir so aufs
oder ist er nur eine Atempause be-
vor der Konflikt mit neuer Wucht
ausbricht?
»Beit Bart« und im »Zen-
tralarchiv des jüdischen
Volkes«.
33

»LeDor Dor… Von Generation zu Generation«


Begegnungsprojekt mit israelischen Schoah-Überlebenden in Deutschland
»Immer wenn ich nach Berlin neration« initiiert. Die Aktion mitgereisten Angehörigen der 2.
DÖRTHE ENGELS

komme, habe ich gemischte Ge- Sühnezeichen Friedensdienste, und 3. Generation waren zum
fühle. Ich kann nicht über die die seit den 1960er Jahren mit ersten Mal in Deutschland und in
Vergangenheit hinweg kommen, Freiwilligen in israelischen Al- der Geburtsstadt ihrer Eltern oder
die Erinnerung lässt mich nicht tenheimen und anderen Projek- Großeltern. Auch für sie war es
los. Ich gedenke all derer, die mir ten aktiv ist, übernahm die Koor- eine besondere Erfahrung, im
so lieb waren, meinen Eltern, dination. Land der Täter vom Schicksal ih-
meiner Familie und meinen
Freunden. Sie wurden von mir
gerissen, um in Auschwitz und
B is zum Jahresende besuchten
die Gäste vorwiegend Orte,
die in einem engen Verhältnis zu
rer Familie während der NS-Dik-
tatur zu hören. Dies war für beide
Seiten ein sehr schmerzhafter
Theresienstadt ver-
nichtet zu werden, nur
weil sie Juden waren.
In mir klingt es: Erin-
nere dich, vergiss es
nie und lasse es nicht
vergessen, was der
Nationalsozialismus
Dir, Deiner Familie
und Deinem Volk an-
getan hat.«

D iese Worte schrieb


der 83-jährige Is-
rael Löwenstein im
Juni 2008, nachdem
er von einer Reise in
seine Geburtsstadt
Die Überlebende Frau Doron bei Berlin in seine Heimat
einem Gespräch mit Israel zurückgekehrt
Schulkindern im Rahmen des war. Mit »Ick komme
LeDor Dor Projektes in
Deutschland vom Alex« hatte er ei-
nige Wochen zuvor
seine Geschichte vor 250 Schüle- ihrer Lebensgeschichte stehen. So Prozess, wurde doch auch in Isra-
rInnen in der Aula eines Gymna- sahen einige Überlebende erst- el lange Zeit nicht über die Scho-
siums sowie zwölf »Stadtteilmüt- mals nach dem Zweiten Weltkrieg ah gesprochen.
tern« in Neukölln begonnen. Wer
die Möglichkeit hatte, den Ausch-
witz-Überlebenden zu hören, war
ihre Geburtsstädte wieder. Ande-
re besuchten Gedenkstätten, die
bei ehemaligen Konzentrations-
D as Erleben von Verschieden-
heiten, Gegensätzen und Ge-
meinsamkeiten im Umgang mit
ergriffen von seiner Biographie lagern errichtet wurden. Viele Erinnerungen, aktueller Geschich-
– unabhängig von Alter, kulturel- Besuche wurden um den 9. No- te und ihrer Tradierung »von Ge-
lem Hintergrund oder Bildungs- vember 2008 gemacht, dem Tag, neration zu Generation« (leDor
stand. an dem vor 70 Jahren die Reichs- Dor) motivierte alle Beteiligten zu

I srael Löwenstein war im ver-


gangenen Jahr einer von insge-
samt 24 deutschsprachigen Scho-
pogromnacht stattfand. Gerade
für diejenigen Überlebenden, die
die Zerstörung jüdischer Geschäf-
weiteren Begegnungen. So be-
schlossen ganze Schulklassen, ih-
ren nächsten Austausch mit Israel
Dörthe Engels, 29 Jahre ah-Überlebenden, die zusammen te und Synagogen miterleben zu gestalten, und junge Männer
alt, war von 2000 bis 2001 mit Kindern, EnkelIn oder Ehe- mussten, war es ein großes Be- erkundigten sich nach einem Er-
eigenständige Freiwillige partnerIn eine Reise nach dürfnis, zu diesem Gedenktag satzdienst mit ASF im Ausland.
im Krankenhaus des Kib- Deutschland antraten – einem nach Deutschland zu kommen. Einige BetreuerInnen der Gäste

I
buz Shaar Haamakim in Land, das zwiespältige Gefühle n über 100 Veranstaltungen planen eine Rucksackreise zu »ih-
Israel. Sie studierte Islam-
wissenschaft, Judaistik auslöst: die Erinnerung an das trafen an 25 Orten der Bundes- ren« Überlebenden, mit denen sie
und Neuere Geschichte an Leid während des Nationalsozia- republik Jugendliche und Er- nun eine enge Freundschaft ver-
der Freien Universität Ber- lismus, aber auch Heimatgefühle wachsene mit den Überlebenden bindet. Die Tatsache, dass sich
lin. Heute arbeitet sie im und Sympathie für die junge Ge- zusammen und teilten mit ihnen heute NS-Verfolgte, ihre Angehö-
Israel-Referat der ASF für neration. Die Bundesregierung die Erinnerungen an die Kindheit, rigen und die dritte Generation in
das Zeitzeugenprojekt »Le-
Dor Dor«, das Beit Ben Ye-
hatte zum 60. Jahrestag der die Zeit der nationalsozialisti- Deutschland so innig verbunden
huda - Haus Pax und das Staatsgründung Israels im Mai schen Verfolgungen und Vernich- fühlen, ist ein Wunder der Ge-
deutsch-israelische Som- 2008 das Begegnungsprojekt »Le- tungsaktionen sowie den Neuan- schichte und alles andere als eine
merlager. Dor Dor… Von Generation zu Ge- fang in Israel. Die meisten der Selbstverständlichkeit.
34

»Erinnerung ist Aufruhr« – Nachruf auf Manfred Karnetzki


»Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen und nicht sitzt, wo die Spötter sitzen.«

A m 24. Dezember 2008 starb politische Akzent war nie kon- zu Aktion Sühnezeichen Frie-

C H R I S T I A N S TA F FA
der langjährige ASF-Vorsit- fliktfrei. So mussten Manfred densdienste. Mit seiner Frau Inge
zende Manfred Karnetzki. Unter Karnetzki und Hellmuth Linke entdeckte er Südafrika als radika-
großer öffentlicher Anteilnahme sich gegen massive Vorwürfe der le Frage christlicher Glaubenspra-
fand die Trauerfeier am 8. Januar Zehlendorfer CDU erwehren, die xis in Deutschland. Und er ver-
in der Kirchengemeinde Berlin- gegen eine angebliche Politisie- suchte zwei massiv voneinander
Schlachtensee statt. ASF-Ge- rung des Evangeliums der entfremdete Sozialgestalten, näm-
schäftsführer Christian Staffa Schlachtenseer Pfarrer zu Felde lich die Kirche - als Hörende und
würdigte den promovierten Theo- zog. doch mit einer Botschaft - und die
logen in einem Nachruf säkulare Arbeitswelt
in der Zeitung »Die Kir- ins Gespräch mitein-
che« folgendermaßen: ander zu bringen. Ge-
»Wohl dem, der nicht gen Zerrbilder, die ent-
wandelt im Rat der Gott- stehen, »wenn wir
losen und nicht sitzt, wo Menschen zu Feinden
die Spötter sitzen.« Der stempeln, weil sie uns
erste Psalm hat Manfred fremd sind,« richteten
Karnetzki in seiner Su- sich sein Denken und
che nach einer Praxis Tun, Predigt und Seel-
seines Glaubens beglei- sorge. Zu stehen wie
tet. In dieser Praxis, ob ein »Baum an Wasser-
als Pfarrer in Schlach- läufen, der die Frucht
tensee, als Superinten- der Gerechtigkeit, der Manfred Karnetzki, Pfarrer i. R.,
war von 1993 bis 2001
dent von Zehlendorf Wahrheit und Liebe Vorsitzender von Aktion
oder als Direktor des bringt zu seiner Zeit«, Sühnezeichen Friedensdienste
evangelischen Bildungs- sprach er als Möglich-
werkes oder dann im Ehrenamt
des »Fast-Vollzeit-Vorsitzenden«
von Aktion Sühnezeichen Frie-
D iese Orientierung am Zent-
rum der biblischen Botschaft
als alltagsrelevante Hinwendung
keit den je anderen zu. 
»Spreu im Wind« dieser Kirche
und dieser Welt war er nicht. Das
densdienste war die Begegnung zum Menschen brachte ihn zum Gegenbild zur Spreu ist jener
mit Menschen als Ebenbilder Got- Engagement gegen den Kalten Baum, und das Gegenbild zum
tes für ihn leitend. Diese suchte er Krieg, für Frieden und Versöh- Spötter, jener, der »Lust hat am
nicht nur in der Kerngemeinde, nung, ohne je sich Illusionen über Gesetz«. So wird er uns, den Weg-
sondern besonders an den Rän- den real existierenden Sozialis- genossInnen, persönlich und die-
dern der Gesellschaft. Dabei sind mus zu machen. Das Thema Wi- ser Kirche fehlen. Die Erinnerung
die Ränder, biblisch gesprochen, derstand und Folgen aus der NS- an Manfred Karnetzki wird uns
Christian Staffa, 49 Jahre,
Teil der Mitte, wie »Galiläa im Geschichte faszinierte ihn als ge- bei dem Versuch helfen, unsere promovierter Theologe,
Markusevangelium«, so der Titel genwärtige Gestaltungsfrage und Kirche in sanfter Aufruhr zu ver- ist seit 1999
seiner Doktorarbeit. Dieser theo- brachte ihn vom Unterwegs-Kreis ändern.    ASF-Geschäftsführer.

»Wir trauern um einen sehr sanftmütigen Menschen!«


Auszüge aus der Trauerpredigt für Manfred Karnetzki am 8. Januar

D ie Geburt von Manfred in


E r hat überlegt, ob er Architekt des Genießens zusammen mit der
LOTHAR
WITTKOPF

Berlin, Kindheitstage in Bres- werden soll. Die Theologie hat Familie, mit Freunden, aber im-
lau, eine Schulzeit im Nationalso- ihn dann mehr gereizt. Klare Lini- mer und vor allem mit Dir, Inge.
zialismus, eine Jugendzeit vom en hat er auch in seiner theologi- Fast 50 Jahre seid Ihr die Wege
Krieg zerrissen. Und dann eine schen und kirchlichen Arbeit ge- zusammen gegangen. Bei Eurer
ganze Lebenszeit, in der er nicht zogen und sich dabei inspirieren Trauung wurde Euch ein Wort aus
vergisst, nicht verdrängt, nicht lassen von der Vielfalt seiner In- den Sprüchen Salomos mitgege-
beschönigt. Er lernt, Schuld zu teressen und Kenntnisse: Litera- ben. »Des Menschen Herz erdenkt
benennen, Verantwortung wahr- tur, Theater, Malerei, Geschichte sich seinen Weg, aber der HERR
zunehmen, sich politisch zu enga- und alles, was mit Berlin und allein gibt, dass er fortgehe.« Lothar Wittkopf,
gieren, Deutlichkeit einzufordern Brandenburg zu tun hat. Keine (Spr. 16,9). Ihr habt gelebt, was Evangelischer Pfarrer in
von sich und anderen. Gerade Kirche, kein Schloss, kein Park, Gott geschenkt hat, und Euch ge- Rheinsberg, war
jungen Leuten wird er darin zum keine Ruine ohne dass er nicht ehrt, gestützt, geliebt und habt so Superintendent von
Berlin-Kreuzberg, langjäh-
Vorbild und bewirkt neue Auf- anfangen konnte zu erzählen. viele Menschen an Euern Tisch riger ASF-Weggefährte
merksamkeit für Aktion Sühne-
zeichen Friedensdienste. A ll diese Erkundungen, Entde-
ckungen und Exkursionen
geholt und mit ihnen das Leben
gefeiert.
und Mitglied des
ASF-Kuratoriums.
35

W ir trauern um einen sehr


sanftmütigen Menschen.
Und zugleich stand er unbeugsam
der Schlachtenseer Gemeinde und
er war Pastor auch in seinen kir-
chenleitenden Tätigkeiten. Unsere
I n der Marienkirche hat er Mitte
Dezember noch einmal öffent-
lich für uns Fürbitte gehalten. Dort
für das ein, was er theologisch, Kirche verdankt ihm aufrütteln- haben wir das letzte Abendmahl
was er kirchlich und politisch für den Einspruch und solidarische mit ihm gefeiert. Gott sei Dank
geboten hielt. Manfred Karnetzki Mitarbeit. auch für dieses Geschenk.
hat sich in Situationen vorgewagt,
in die ihm andere kirchliche Amts-
träger nicht gefolgt sind, die ohne
ihn aber ohne Verkündigung des
Evangeliums geblieben wären. In
manchem Streit hatte er Vereinze-
lung und Einsamkeit auszuhalten.
Er blieb klar, wurde aber nicht
hart. Er blieb ein Zuhörender,
konnte sich zurücknehmen, konn-
te anderen den Vortritt lassen.

U nd doch war er ganz präsent,


verbindlich und treu in der
Pflege von Beziehungen. Bis in
seine letzten Tage hinein war
Manfred Karnetzki für andere
Manfred Karnetzki (rechts) bei
der Verleihung des Seelsorger und Ratgeber. Er war
Verdienstkreuzes 2004 Pastor auch fast 50 Jahre hier in

»Er hat mir seine Heiterkeit geschenkt«


Gedanken an meinen Vater Manfred Karnetzki

E s war ein Jahr des Abschied- und ich dachte, es muss sehr heiter Vater. Als ein Vater, der sehr lange
MIRJAM KARNETZKI

nehmens von Manfred Kar- sein, in der Nähe der Grenze. Wir Zeit hauptsächlich für seinen Be-
netzki, meinem Vater. Ein Jahr, in haben Tränen gelacht, in diesen ruf lebte und in dieser Zeit nur
dem die Grenze endgültig ins Be- letzten Tagen, im und über das eine beschränkte Wahrnehmung
wusstsein trat. Krankenhaus, denn das Absurde für seine Töchter hatte. Das hat er

A m Ostersonntag kam mein


Vater das erste Mal wegen
und Unmenschliche unserer Ge-
sellschaft zeigt sich in frappieren-
am Ende seines Lebens immer wie-
der eingeräumt.
seiner Krankheit ins Krankenhaus,
am Heiligen Abend ist er gestor-
ben. Letztlich ist er schnell gegan-
der Weise im Krankenhaus, das
alles tut, um menschliche Begeg-
nungen zu verhindern. Er hatte
U nd wenn ich an ihn denke,
dann stelle ich mir vor, dass er
einen Ort in sich gefunden hatte,
gen, hat keinen Tag an einem Kör- ein solches Gespür für Komik, von dem er die Welt und sich be-
per festgehalten, der am Ende zu überhaupt und besonders in die- obachtete, liebevoll und mit Dis-
einer einzigen Last geworden war. sen letzten Tagen. Und er hat mir tanz. Und dass dieser Ort ihm sei-
So hat er mich zum Schluss noch am Ende seine Heiterkeit ge- ne geistige Freiheit gegeben hat.
das Sterben gelehrt. Dass es nicht schenkt. Es war nicht immer einfach, die
schrecklich ist.

F ür mich schlossen sich in die-


sem Jahr unzählige Kreise und
I ch habe ihn gesehen, am frühen
Morgen des 24. Dezember, kurz
nachdem er gegangen ist, und ich
Tochter eines so großartigen Va-
ters zu sein. Und gleichzeitig emp-
fand ich ihn immer und empfinde
vielleicht schließen sich am Ende konnte seine Erleichterung spüren, ihn jetzt als ein unglaubliches Ge-
des Lebens die Kreise, wenn man diesen Körper hinter sich gelassen schenk.

Mirjam Karnetzki,
sie lässt: So die Platane am Pots-
damer Platz, die vor seinem Kin-
derzimmer stand, auf die er immer
zu haben. Und jetzt glaube ich sei-
ne Freiheit zu spüren, ein Leben
lang war er Sohn, Ehemann, Vater,
I ch durfte erfahren, wie eine Fa-
milie zusammenhalten kann,
wenn es darauf ankommt, und wie
43 Jahre, Dozentin für
wieder verwies und auch und zum Opa, Pfarrer, Freund. Und immer jeder seine Rolle findet und ich
Deutsch als Fremdsprache.
letzten Mal am 15. Dezember, der mehr als das. Ist Menschsein doch bewundere die Größe und Stärke
letzten Fahrt durch SEINE Stadt, auch immer Begrenzung. Jetzt ist und Weichheit meiner Mutter und
SEIN Berlin, nach St. Marien, wo er wieder alles. meiner Schwester in dieser Zeit.
Auszug aus der Trauer-
rede, vorgetragen am
8. Januar 2009 in der
sein Pfarrer-Sein ein herzergrei-
fendes und wunderschönes Ende
fand.
U nd ich denke, wir tun gut da-
ran, ihm das Menschliche, das
Begrenzte zu lassen, hat er uns
Mit Staunen sehe ich, wie vielen
Menschen er viel bedeutet hat und
es ist wunderschön, sich mit all
Johanneskirche in
Schlachtensee von Sarah
Wittkopf.
E r war so vergnügt und witzig
an diesem 15. Dezember und
in den Tagen bis zu seinem Tod
doch an seinem 80. Geburtstag da-
rum gebeten: Ihm seine Unvoll-
kommenheit zu lassen. Auch als
diesen Menschen in der Trauer
und Dankbarkeit verbunden zu
fühlen.
36

A m 9. Januar 2009 starb Heta


Kriener, geb. Bentlage, nach
schwerer Krankheit. Sie war mit
Gedenken an Heta Kriener
ihrer Familie nicht nur eng mit Sie hat immer über den eigenen Tellerrand hinausgeblickt
Aktion Sühnezeichen Friedens-
dienste verbunden, sondern hat Elberfeld nebenamtlich mit dem kirchlich und politisch-kritisch

ILSE HÄRTER
sich vielfach engagiert und pfleg- Synodalen Jugendpfarramt be- beschäftigt hat. Daher war für sie
te mit vielen Menschen Freund- auftragt war. Schon bei der ersten die Teilnahme an den Ostermär-
schaften. Zusammenkunft fiel mir die junge schen und an anderen Demonst-
Gemeindehelferin Heta Bentlage rationen selbstverständlich. Weil

H eta Kriener wurde 1926 in


Bochum geboren, erlebte dort
in der NS-Zeit ein kirchlich ge-
auf. Mein Eindruck war, dass sie
nicht nur auf ihren Arbeitsbereich
fixiert sei, sondern ȟber den Tel-
es zwischen uns so viele Gemein-
samkeiten gab – Ökumene, Anti-
Apartheid, Anti-Atom, Anti-NS,
prägtes Elternhaus (Bekennende lerrand hinausblickte«. Wenn ich Anti-Wiederaufrüstung, Israel-
Kirche). Da ihr Vater sich nicht etwas Übergemeindliches organi- Palästina, Ost-West-Konflikt, ASF,
politisch »gleichschalten« ließ, sieren wollte, unterstützte mich Solidarische Kirche, kritische An-
verlor er seine Stelle bei der Stadt, Heta. So ergab sich von selbst ein fragen an Kirche und Politik und
was für die Familie schmerzliche ständiger erfreulicher Austausch vieles mehr – überdauerte unsere
Konsequenzen hatte. Das elterli- und eine gute Freundschaft. Das Freundschaft Jahrzehnte, für die
che Heim war verbotenerweise ein änderte sich auch nicht nach ihrer wir beide dankbar waren.
offenes Haus für holländische Heirat 1955, als sie mit Gustav
Zwangsarbeiter, die in Bochum
verpflichtet waren. Mit Überle-
benden dieser Zeit ist Heta bis in
Adolf Kriener im Auslandspfarr-
amt in Beirut war. E s blieben Heta neben ihren
weit gespannten Interessen
auch die Familien ihrer sechs
Dr. hc. Ilse Härter, geb.
1912, ASF seit Beginn an
verbunden, Theologin der
ihre letzte Lebensphase in Verbin-
dung geblieben. N ach der Rückkehr war Gustav
Adolf in Wuppertal-Elberfeld
in der Gemeinde tätig, in der Heta
Söhne mit den vielen Enkelkin-
dern sehr wichtig. Da war sie ganz
Mutter und Großmutter. Dort, wo
Bekennende Kirche, Pfarr-
amtsvertretungen, von
1946 bis 1952 im Rhein-
land Schulpfarramt, von

W ir begegneten uns zuerst im


Januar 1953 in meiner Ar-
beitsgemeinschaft für Gemeinde-
vorher gewirkt hatte und jetzt
auch wieder mitarbeitete. Die
Krieners nahmen regen Anteil an
sie sich engagierte, wurde dank-
bar anerkannt, dass sie Impulse
gab, hinterfragte, sich selber ein-
1952 bis 1972 im Berufs-
schulpfarramt und im
Synodalen Jugendpfarramt
helferInnen, als ich in Wuppertal- allem, was uns in den Jahren setzte und andere inspirierte. in Wuppertal.

Ein Friedensarbeiter und Mutmacher


Zum Tod von Günther Reinboth
F

WO L F J U N G
ür Günther Reinboth war die mit ehemaligen KZ-Häftlingen in für sich umzusetzen. Er wusste um
biblische Friedensverheißung Warschau lernte er Zdzislaw Jas- die Zerstörungskraft von Über-
Hoffnung und Antrieb zu prakti- ko kennen, der fortan die Gedenk- heblichkeit und vorenthaltener
schem Handeln in seinem Alltag. stättenfahrten begleitete und mit Achtung. Dagegen hat er beharr-
Schon als Gemeindepfarrer be- vorbereitete. Aus der ge-
gleitete er Kriegsdienstverweigerer meinsamen Arbeit entwi-
bei ihren Anerkennungsverfahren. ckelte sich eine tiefe Freund-
Ab 1981 konnte er als Leiter der schaft.
Arbeitsstelle für KDV und ZDL der
Hannoverschen Landeskirche die-
se Arbeit intensivieren. Seine Se-
E s gehörte zu Günther
Reinboths Arbeitsstil,
dass er die jährlichen Vor-
minare für Zivildienstleistende und Nachbereitungstreffen
waren nicht nur thematisch aktu- für die Fahrten nach Polen
ell, anspruchsvoll und gut vorbe- besuchte und dass er sich um Günther Reinboth (rechts) im
reitet. Sein Verständnis für die die Situation von ASF küm- Gespräch mit seinem Freund
Zdzislaw Jasko (links)
Fragen der jungen Leute zeigte ih- merte. Jahrelang war er ASF-
nen, dass er ihre Motive teilte. Das Berichterstatter bei den Tagungen lich angearbeitet – manchmal pin-
gab ihnen Mut, ihren Alltag zu be- des Ev. Arbeitsgemeinschaft zur gelig, wenn es sein musste kontro-
stehen. Betreuung der Kriegsdienstver- vers, immer solidarisch und offen.

Ü ber Rüstzeiten bekam Gün-


ther Reinboth auch Kontakt
zur Aktion Sühnezeichen Frie-
weigerer. Zu den Mitarbeitern der
Gedenkstätten und den dort be-
schäftigten ASF-Freiwilligen hielt
Menschen, die mit ihm zusam-
menarbeiten konnten, hat er ge-
prägt. Er war ein Mutmacher.
densdienste (ASF). Mitte der
1980er Jahre wurde mit ASF eine
Reise nach Auschwitz vorbereitet,
er Kontakt.

G ünther Reinboth war Frie-


densarbeiter. Das war seine
A m 28. Januar ist Günther
Reinboth gestorben. Bei sei-
ner Frau steht jetzt ein Bild, das
Wolf Jung, 69 Jahre,
Pfarrer i. R., war von 1993
bis 1999 Geschäftsführer
und in den 1970er Jahren
der in den nächsten Jahren Reisen Art, die biblische Friedensverhei- ihn in Auschwitz beim Zaunstrei- Mitglied des Vorstands
in die drei großen Gedenkstätten ßung, aber auch seine Erfahrun- chen zeigt. Es ist gut, ihn gekannt von Aktion Sühnezeichen
folgen sollten. Bei einem Gespräch gen mit dem Nationalsozialismus zu haben. Friedensdienste.
37

»Sie fliegen wieder, die Schmetterlinge«


Brief an den Überlebenden von Theresienstadt Martin Glas, gestorben im Herbst 2008

Im Interview hast Du gesagt gesucht hast. Deine Einsamkeit Nun hast Du es erfüllt.
RUDOLF GRIMM

»Sinn des Lebens für mich ist die auf den Schanzen Theresien-
stete Bemühung, dass die Men- stadts. »Es gab hier keine Schmet- Lieber Martin, ich werde Deine
schen, die mit mir zusammen terlinge, keine Blumen, keine Freundschaft zu mir, dem ASF-
kommen, froh sind, dass sie mir Bäume«. Aber, Du hast es nie ver- Freiwilligen, nicht vergessen.
begegnet sind«. gessen, es gab für Dich im
Ansehen des blauen Himmels

L ieber Martin, viele Menschen,


vor allem junge, sind durch
die Begegnung mit Dir, mit Dei-
und seiner Wolken, die über
die Wälle hinwegsegeln durf-
ten, die Ahnung von einer
nem Schicksal als Häftling von Freiheit.
Theresienstadt 1941 bis 1945, be-
rührt und durch Deine Bereit-
schaft zur Vergebung bereichert
worden. Du hast unermüdlich in
E iner Freiheit, die Dir bis
zum Ende 1945, da warst
Du dreizehn, verschlossen
Martin Glas
der Gedenkstätte des ehemaligen war. Im Traum sind Dir Deine
Konzentrationslagers mit jungen Kameraden so oft erschienen
Menschen vor allem aus unserem mit der Frage: »Wie lebst Du?
Land gesprochen über die unend- Weißt Du, dass Du für uns
lich schmerzhaften Verluste, die lebst«. Unendlich quälend
Dich damals in Deinem jungen diese Frage: »Warum habe
Leben trafen. Der Verlust Deiner ich, warum haben nicht die,
Kameraden, die »auf Transport« meine Freunde, überlebt?«
gingen und nicht zurückkehrten. Bis Dir die Antwort gegeben
Der Verlust des Vaters, der mit und zur Gewissheit wurde:
Rudolf Grimm, 72 Jahre, dem allerletzten Transport noch Es war Zufall, es war nicht
war von 2003 bis 2004
ASF-Freiwilliger in der nach Auschwitz in den Tod ge- Schuld. Das gab Dir letztlich
Gedenkstätte Theresien- schickt worden war, dessen Asche die Kraft zurückzukehren in
stadt. Du später auf den Feldern dort das Leben.

Abschied von Dik Linthout


Ein Lehrer mit Engagement und Humor

A m 23. Dezember ist Dik Lint- mann«, in denen er auf anregende


BARBARA
SCHÖPPING

hout in Amsterdam gestor- und humorvolle Art die Nieder-


ben. Er wurde 65 Jahre alt. länder für Deutsche und Deutsche

D ik Linthout ist vielen von uns


bekannt, hat er doch seit
1983 ASF-Freiwilligen die ersten
für Niederländer erklärt. Die Be-
schreibung der vielen subtilen
Unterschiede dieser beiden Nach-
niederländischen Sätze gelehrt. barländer machen beide Bücher
Mitgegeben hat er ihnen jedoch sehr interessant und lesenswert.
viel mehr: Eindrücke vom neuen Von Freunden wird Dik als sehr
Wohnort Niederlande, der Kultur, zugewandt und gewissenhaft be-
den Besonderheiten, den Unter- schrieben. »Dik wollte Dinge wis-
schieden, aber auch Gemeinsam- sen« und war am Detail interes-
Dik Linthout
keiten mit Deutschland. siert. Darin mischte sich der ty-

E r tat dies mit viel Engagement


und vor allem Humor. Mit sei-
bei den Freiwilligen ausgelöst.
1977 begann er Niederländisch-
pisch Amsterdamer Humor.

nem Ausspruch: »Die deutsch-


niederländische Grenze ist die
erotischste Grenze« hat er viele
Kurse für Deutschsprachige am
Goethe-Institut in Amsterdam zu
geben. Daneben hat er als Über-
S o trifft der Satz von Confuzius
sicherlich auf Dik Linthout zu
»Wer altes Wissen hegt und pflegt
Freiwillige beeindruckt und mit setzer gearbeitet. Einem größeren und ständig neues Wissen ver-
Barbara Schöpping ist
dem niederländischen Brauch, Publikum bekannt geworden ist sammelt, der darf Lehrer für an-
Diplom-Pädagogin und
seit 2001 ASF-Landes- beim Tee oder Kaffee nur einen Dik Linthout durch die beiden dere sein.« Wir sind dankbar, dass
beauftragte in den Keks nehmen zu dürfen, hat Dik Bücher: »Onbekende buren« und so viele Freiwillige von einem
Niederlanden. Linthout immer wieder Erstaunen »Frau Antje und Herr Muster- solchen Lehrer lernen konnten.
38

Glückwunsch! Helmut Morlok wird 80 Jahre

LESZEK SZUSTER
»Die andere Seite der Welt« – mit uns verpflichtet fühlten. Ich nahm Jahr aus der ganzen Welt hierher
diesen Worten beschrieb Baron diese Aufgabe an, die nie schrift- kommen, als ein Ort mit besonde-
Maurice Goldstein die Internatio- lich formuliert wurde, und umso rer Stimmung, die in der Architek-
nale Jugendbegegnungsstätte in weniger ein Vertrag war, und ver- tur der Stätte zum Ausdruck
Oświe˛cim, ein gemeinsames Werk stand sie als eine Herausforderung, kommt – genial in ihrer Schlicht-
von ASF und der Stadt Oświe˛cim, als Berufung, weil ich meine Be- heit und harmonisch in ihrer Form.
am Tage ihrer Eröffnung, dem Funktional und, was viele Besu-
7. Dezember 1986. Es sind ehema- cher betonen, einen »Geist« besit-
lige Häftlinge von Auschwitz-Bir- zend. Helmut Morlok beschränkte
kenau und junge Menschen, die seine Aufgabe nicht nur auf den
seit über 22 Jahren diese »andere Projektentwurf, sondern beteiligte
Seite der Welt« erschaffen: Frei- sich persönlich an den Bauarbei-
willige, Teilnehmer der Seminare ten dieser »anderen Seite der Welt«.
und Studienreisen sowie Jugendli- Während dieser Zeit verließ er im
che aus Oświe˛cim. Auch Helmut Grunde genommen nie die Bau-
Morlok, der am 6. April dieses Jah- stelle und war Architekt, inoffizi-
res seinen 80. Geburtstag feiern eller Bauleiter, Baukontrolleur und
wird, erschafft diese tagtäglich zu- Gutachter in einem.

J
Helmut Morlock mit seiner Frau
sammen mit den Ideengebern und edes Gebäude braucht seinen
Gründern sowie den Mitarbeitern rufserfahrung, politische Überzeu- Geist. Heutzutage ist es gut, ei-
der Begegnungsstätte. gungen und christlichen Glauben nen Schutzengel zu haben - am Leszek Szuster, geb. 1956,
»Die Aufgabe, in Oświe˛cim eine in dieses Projekt einbringen konn- besten einen, dessen Hilfe und Un- studierte Philosophie und
Begegnungsstätte für die Jugend te«, sagte Helmut Morlok. Die Be- terstützung allerlei Formen an- Religionswissenschaft in
Krakau. Seit 1996 ist er
aus der ganzen Welt zu entwerfen gegnungsstätte existiert seitdem nimmt. Die IJBS hat solch einen in Direktor der Internationa-
und zu bauen, war für mich und im Bewusstsein der Stadtbewoh- der Person von Helmut Morlok. len Jugendbegegnungsstät-
meine Kollegen eine Gabe, der wir ner und Jugendlichen, die jedes Aus dem Polnischen: Anna Szłapak te Oświe˛cim/Auschwitz.

Hans Koschnick zum 80. Geburtstag


Einer, bei dem Reden und Handeln stets übereinstimmen
H ans Koschnick hat unserem zender der Vereinigung »Gegen
K ein Wunder, dass sich Hans

H A N S - J O C H E N VO G E L
Gemeinwesen Zeit seines bis- Vergessen – Für Demokratie«. Koschnick seit Jahrzehnten
herigen Lebens in vorbildlicher
Weise gedient. Als Sohn eines vom
NS-Gewaltregime verfolgten Ar-
W as hat ihn zu diesen unge-
wöhnlichen Leistungen befä-
higt? Einmal – so meine ich – seine
auch in der Aktion Sühnezeichen
Friedensdienste engagiert: Als
Mitglied des Kuratoriums, aber
beiters hat er sich schon bald nach absolute Glaubwürdigkeit, bei der auch zur Verwirklichung konkreter
dem Kriege als Gewerk- Reden und Handeln Projekte, wie etwa der Internatio-
schafter und zugleich stets übereinstimmt. nalen Jugendbegegnungsstätte
auch politisch enga- Deshalb war und ist Auschwitz. Wichtig waren ihm
giert. In seiner Heimat- er den Menschen in stets auch Gespräche mit den jun-
stadt Bremen stieg er besonderem Maße gen Menschen, die im Rahmen der
rasch in verantwor- nahe. Und wer ihm Aktion ihren Beitrag zur Versöh-
tungsvolle Funktionen begegnete, spürte nung leisten wollten. Das alles sa-
auf und amtierte von stehts, dass er ernst ge ich als einer, der Hans Koschnick
1967 bis 1985 als Prä- genommen wird. seit den 1960er Jahren in enger
sident des Senats und Zum anderen sind Weggefährtenschaft verbunden ist,
als Bürgermeister. In es seine Grundüber- ja sich als Freund bezeichnen darf.
Hans Koschnick
dieser Zeit war er von zeugungen, sind es Als solcher wünsche ich ihm zu
1971 bis 1977 auch Präsident des die Grundwerte der Freiheit, der Ge- seinem 80. Geburtstag Wohlerge-
Deutschen Städtetages und von rechtigkeit, der Solidarität und des hen und vor allem Festigung seiner
1975 bis 1979 als Stellvertreter Friedens, an denen er sich bis heute Gesundheit, die ihm seit einiger
Willy Brandts stellvertretender Par- orientiert. Diese Orientierung, für Zeit zu schaffen macht. Möge er Dr. Hans-Jochen Vogel,
teivorsitzender der SPD. 1987 wur- die auch christliches Gedankengut uns noch lange das bleiben, was er Mitglied der SPD, ehemali-
de er in den Bundestag gewählt, eine Rolle spielt, hat er nicht zuletzt bis zum heutigen Tage ist: nämlich ger Justizminister der
dem er bis 1994 angehörte. Aber als Antwort auf die verbrecherische ein Mann, der in jeder Beziehung Deutschen Bundesregie-
auch danach zog er sich nicht zu- Ideologie des NS-Gewaltregimes dem Zerrbild widerspricht, das rung von 1974 bis 1981,
heute nichtberufsrichter-
rück. Vielmehr bewährte er sich als verstanden. Die Devise »Nie wieder! nicht wenige Medien Tag für Tag liches Mitglied des
EU-Administrator der Stadt Mostar Nicht noch einmal!« lag und liegt von den Politikern und der Politik Bayerischen Verfassungs-
und mehrere Jahre lang als Vorsit- ihm besonders am Herzen. verbreiten. gerichtshofs.
39

Friedensarbeit gewürdigt
Deutsch-Polnischer Friedenspreis wurde an ASF verliehen

A m 8. Dezember 2008 wurde verdient gemacht« hat. Der Preis ten, im sozialen Bereich und mit
Kurznachrichten

der 8. Deutsch-Polnische wird gemäß dem Deutsch-Polni- Menschen mit Behinderungen.


Friedenspreis an »Aktion Sühne- schen Vertrag von 1991 über gute Mit dem internationalen Pro-
zeichen Friedensdienste« und an Nachbarschaft und freundschaft- gramm von Aktion Sühnezeichen
die »Stiftung Kreisau für europäi- liche Zusammenarbeit für »beson- Friedensdienste sind Freiwillige
sche Verständigung« in Warschau dere Verdienste um die Entwick- aus Polen in England und in
von Außenminister Frank-Walter lung der deutsch-polnischen Be- Deutschland tätig.
Steinmeier und seinem polnischen
Amtskollegen Radoslaw Sikorski
vergeben. Steinmeier sagte dazu,
ziehungen« vergeben. Träger sind
unter anderem Willy Brandt (post-
hum) und Hans-Dietrich Gen-
I m September 2009 startet ein
weiteres Trilaterales Programm,
bei dem Freiwillige aus der Ukra-
dass mit Aktion Sühnezeichen scher. ine und Deutschland gemeinsam
Friedensdienste eine Initiative
ausgezeichnet wird, »die sich in
hervorragender Weise um die
D erzeit leisten 14 ASF-Freiwil-
lige ihren Friedensdienst in
Polen. Sie arbeiten mit Überleben-
in Polen arbeiten. ASF freut sich
über das ermutigende Signal, dass
ihre Versöhnungs- und Friedens-
deutsch-polnische Verständigung den des Holocaust, in Gedenkstät- arbeit anerkannt wird.

Film über ASF- Personalwechsel


W ir heißen die neue Landes-

Arbeit ausgezeichnet
beauftragte von Großbri-
tannien Magda Schmukalla herz-
lich willkommen. Die 28-jährige
wurde in Danzig in Polen gebo-

A m 4. Dezember erhielt ein


Kurzfilm über die Arbeit der
Freiwilligen von Aktion Sühne-
D er Film handelt von Julius
Kuhn und Ella Enzmann, die
nach ihrem Abitur als Freiwillige
ren, ging in Köln zur Schule und
studierte Psychologie an Univer-
sität in Trier. Seitdem arbeitete
zeichen Friedensdienste in Israel von ASF nach Israel gehen, um in sie als Psychologin in einem
eine Auszeichnung von der Bun- Jerusalem und Haifa einen Frie- Frauenhaus in Trier. Seit dem
Auf der Internetseite der desregierung. Der Film »Zum densdienst zu leisten. Die Festver- Oktober 2008 ist sie als neue
Bundesregierung können Glück gewannen wir ihn nicht - anstaltung im Bundespresseamt ASF-Landesbeauftragte in Lon-
der Film und andere Bei- Deutsche Freiwillige in Israel« von wurde von zahlreichen Gästen be- don für die Betreuung der ASF-
träge des Wettbewerbes Wolfram Huke und Franziska von sucht, darunter Vertreter der Jüdi- Freiwilligen des Trilateralen Pro-
angeschaut werden: www. Malsen-Ponickau nahm als einer schen Gemeinde zu Berlin, der gramms in Großbritannien zu-
bundesregierung.de/ von fünf deutschen Beiträgen an Deutsch-Israelischen Gesellschaft, ständig. Wir freuen uns auf die
nn_1264/Content/DE/ einem deutsch-israelischen Wett- des Kulturausschusses des Deut- Zusammenarbeit mit Magda
Artikel/2008/12/2008- bewerb aus Anlass der Staats- schen Bundestages und der Schmukalla und wünschen ihr
12-04-filmwettbewerb. gründung Israels vor 60 Jahren deutsch-israelischen Parlamenta- viel Erfolg, Glück und Freude bei
html. teil. riergruppe. den Aufgaben bei ASF.

5 Möglichkeiten, wie Sie sich mit ASF für Frieden,


Verständigung und Menschenrechte einsetzen können:
1. Weitersagen – Erzählen Sie anderen von ASF und 5. Zustiftungen – Schaffen Sie Bleibendes,
machen Sie auf das Engagement unserer Freiwilli- zum Beispiel durch eine Zustiftung in die
gen neugierig. Helga-Weckerling-Stiftung, die Freiwilligen-
2. Einzelspenden – Mit jedem Betrag unterstützen dienste in Mittel- und Osteuropa fördert. Zu-
Sie sofort unser gemeinsames Anliegen. stiftungen sind in hohem Maße steuerlich
3. Anlässe nutzen – Sie haben schon alles? Bitten Sie absetzbar.
zu Geburtstagen, (Betriebs-) Jubiläen, Hochzeiten
oder Beisetzungen Ihre Gäste um Spenden an ASF Gern unterstützen wir Sie bei Ihren Ideen mit
anstelle von Geschenken und unterstützen Sie ASF Auskünften und Informationsmaterial.
festlich mit vereinten Kräften.
4. Einzugsermächtigung – Geben Sie ASF eine länger- Auch mit weiteren Anregungen können Sie sich
fristige, planbare Unterstützung und sparen Sie gerne an uns wenden:
mit uns gemeinsam 10% der Verwaltungskosten. Bettina Hoffmann, Referentin für Fundraising,
Rechnen Sie mit uns, wir rechnen mit Ihnen. E-Mail: hoffmann@asf-ev.de, Tel: 030-28 395 -204
ASF-Sommerlagerprogramm im Jahr 2009

Termine Land Orte Projekte Typ/Alter

12.07. – 25.07. D Buchenwald Gedenkstätte international / ab 18


12.07. – 25.07. D Osnabrück/Augustaschacht Gedenkstätte international / ab 16
18.07. – 01.08. D Berlin Musik-Workshop zu Heimat und Exil israelisch-deutsch / 16 - 23
19.07. – 02.08 D Ravensbrück Gedenkstätte international / ab 18
20.07. – 02.08. D Prettin – Lichtenburg Gedenkstätte international / ab 16
27.07. – 15.08. D Kleinwachau Integrationsprojekt mit
Menschen mit Behinderung deutschsprachig / ab 18
01.08. – 25.08. D Dachau Gedenkstätte international / 16-26
27. Internationale Jugendbegegnung
08.08. – 22.08. D Ahrensbök Gedenkstätte deutschsprachig / ab 16

03.05. – 10.05. PL Wrocław Pflege jüd. Friedhofs/ Jüdisches Leben in


Vergangenheit und Gegenwart international / Senioren
20.07. – 31.07. PL Treblinka Gedenkstätte international / ab 18

09.05. – 16.05. CZ Straz Pflege jüd. Friedhofs/ Jüdisches Leben in


Vergangenheit und Gegenwart international / Senioren
20.07. – 02.08. CZ Domaslav Pflegearbeiten im Dorfzentrum und
auf dem Friedhof deutsch-tschech. / ab 18
03.08. – 17.08. CZ Terezin Gedenkstätte international / ab 18

06.07. – 19.07. F St. Jean Geschichte der Normandie/


Ökologische Landwirtschaft international / ab 18
01.08. – 12.08. F Créhange Pflege jüd. Friedhofs/ Jüdisches Leben in
Vergangenheit und Gegenwart international / ab 18

19.07. – 02.08. UA Czernowitz Pflege jüd. Friedhofs/ Jüdisches Leben in


Vergangenheit und Gegenwart international / ab 18

13.07. – 01.08. NL Vught Gedenkstätte international / ab 18

06.07. – 23.07. BY Minsk Integrationsprojekt für Menschen mit


und ohne Behinderung international / ab 18

27.07. – 09.08. RUS Perm Gedenkstätte / Renovierungsarbeiten für


Opfer des Stalinismus dt-russ. / ab 18

Ende August RO Timisoara Resozialisierungsprojekt international / ab 18

Hinweise zum ASF-Sommerlagerprogramm 2009


v Ab Ende März 2009 nehmen wir Anmeldungen für die Teilnahme am Sommerlagerprogramm entgegen.
Anmeldungen können über das Formular im Internet (www.asf-ev.de/sommerlager) oder schriftlich erfolgen.
v Weitere Informationen, beispielsweise zu den Inhalten der Sommerlagerprojekte, den Teilnahmebeiträgen und deren
Bezahlung, An- und Abreise, stehen ebenfalls ab Ende März auf der Homepage von ASF bereit.
v Wir bitten alle Interessentinnen und Interessenten, ihre Anfragen zum Sommerlagerprogramm an folgende
Adresse zu richten:
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Referat 5 – Sommerlager/Jahrestreffen, Auguststraße 80, 10117 Berlin
Telefon: 030 / 28395 220, E-Mail: sommer@asf-ev.de