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DONNERSTAG

24. JUNI 2010 Wirtschaft 17


„Gegessen wird immer“ Konjunktur
unter Volldampf
Wiesenhof-Veteran Paul-Heinz Wesjohann hält die Ernährungsbranche für krisenresistent / Kritik am Sparkurs Wachstums-Prognosen heraufgesetzt
Sein Vater Paul gründete 1932 in Rechterfeld Sie selbst sind gelernter Kaufmann und VON K LAUS TSCHARNKE
(Kreis Vechta) einen kleinen Landhandel mit Brü- Geflügelzüchter – und Sie haben bereits UND CHRISTINE SCHULTZE
terei, Heinz Lohmann unabhängig davon eine mit zehn Jahren erste unternehmerische
Fischmehlfabrik in Cuxhaven. Nach dem Krieg fan- Erfahrungen gesammelt. Wie kam es München·Nürnberg·Essen. Rund zwei
den beide zusammen, es entstand schließlich dazu? Jahre nach dem Ausbruch der globalen Fi-
Deutschlands größter Geflügelproduzent mit der Das wurde mir praktisch in die Wiege ge- nanzkrise sehen Konjunkturforscher die
bekannten Marke Wiesenhof. In einem seiner sel- legt. Mein Vater fragte mich damals, ob ich deutsche Wirtschaft wieder unter Voll-
tenen Interviews spricht Paul-Heinz Wesjohann Lust hätte, Küken aufzuziehen. Ich habe dampf. Die Erholung gewinne an Fahrt
(67) über den jüngsten Wiesenhof-Skandal, Mas- dann einen Stall von ihm gemietet, Küken und mache bisherige Wachstumsprogno-
sentierhaltung und seine Anfänge als Unterneh- und Futter von ihm auf Vorschuss gekauft. sen hinfällig, erklärten das Münchner ifo-
mer. Das Gespräch führte Hauke Gruhn. Vor der Schule habe ich die Tiere versorgt Institut und das Essener Institut RWI. Beide
und nach der Schule weiterbetreut. Dabei Institute korrigierten gestern ihre Wachs-
Sie haben über viele Jahre die nach Ihren habe ich von einem Tierarzt das Diagnosti- tumsprognosen nach oben. Auf dem Ar-
Initialen benannte PHW-Gruppe mit der zieren von Geflügelkrankheiten kennenge- beitsmarkt setzt sich nach Expertenmei-
bekannten Marke Wiesenhof aufgebaut. lernt, was mir später bei unseren landwirt- nung die Entspannung fort. Zuversicht
Wie haben Sie sich gefühlt, als im Januar schaftlichen Kunden einen guten Ruf be- herrscht auch bei Verbrauchern, obwohl
dieses Jahres die Bilder über Tiermiss- schert hat. sie mit sinkenden Einkommen rechnen,
handlungen auf einer verpachteten Hüh- wie die jüngste GfK-Konsumstudie ergab.
nerfarm in Twistringen, die zur PHW- Inzwischen schlachten die Unternehmen Nach zunächst vorsichtigeren Prognosen
Gruppe gehört, im Fernsehen gezeigt wur- der PHW-Gruppe pro Woche 4,5 Millio- rechnet das ifo-Institut inzwischen für 2010
den? nen Hähnchen. Schlachten Sie eigentlich mit einem Wirtschaftswachstum von 2,1
Paul-Heinz Wesjohann: Natürlich haben auch selbst? Prozent. Für 2011 erwarten die Ökonomen
mich die Bilder betroffen gemacht. Das Nein. wegen der Sparpläne der Bundesregie-
Schlimme daran ist, dass die Pächterin – ge- rung zwar einen Dämpfer. „Dem steht je-
gen die wir unmittelbar nach Bekanntwer- Auf den Titel „Hühnerbaron“ haben Sie doch das positive Signal gegenüber, dass
den der Bilder Anzeige erstattet haben – da- nie großen Wert gelegt... der deutsche Staat seine Haushalte im Ein-
gegen hätte einschreiten müssen. Dazu ist ...weil es ein Klischee ist, das ich nicht be- klang mit der Schuldenbremse zu sanieren
sie verpflichtet gewesen. Sie hat dieses dienen kann. beginnt“, hieß es. Insgesamt sei 2011 ein
nicht getan. Wir haben aus diesem Vorfall Wachstum von 1,5 Prozent zu erwarten.
aber umgehend die entsprechenden perso- Warum kommt die Fleischbranche einfach Mit einem höheren Wachstum in diesem
nellen und organisatorischen Konsequen- nicht von Ihrem schlechten Ruf weg? Jahr rechnet auch das Wirtschaftsfor-
zen gezogen. Wir dulden solche Zustände Ich kann nur für die Geflügelbranche spre- schungsinstitut RWI; es geht für das lau-
bei Landwirten, die für uns arbeiten, in kei- chen und mich auf meine täglichen Gesprä- fende Jahr von einem Plus von 1,9 Prozent
ner Weise. Sie entsprechen auch nicht unse- che mit Politikern, Landwirten, Verbrau- aus. Im März hatte das Institut seine Prog-
rer Unternehmensphilosophie und unse- chern und so weiter beziehen. Die zeigen nose noch von 1,6 auf 1,4 Prozent gesenkt.
rem Qualitätsverständnis. mir, dass die Geflügelbranche per se kei- Für 2011 gehen die Ökonomen jetzt von 1,7
nen schlechten Ruf hat. Prozent aus. Bisher waren es 1,6 Prozent.
Es gab Boykottaufrufe gegenüber Wiesen- Die Exporte seien voraussichtlich die Trieb-
hof-Produkten. Welchen Schaden hat die Sie haben im vergangenen Jahr die Füh- feder. „Die Konjunktur verläuft unerwartet
Marke davongetragen und wie groß wa- rung der PHW-Gruppe an Ihren ältesten schwungvoll“, so das RWI. Die Ausfuhren
ren die finanziellen Einbußen für die Un- Sohn Peter abgegeben. Ist es Ihnen hätten von einem kräftigen Aufschwung
ternehmensgruppe? schwergefallen, sich aus dem aktiven Ta- des Welthandels sowie von der Abwertung
Es gab überhaupt keine Einbußen für uns. gesgeschäft zurückzuziehen? des Euros profitiert.
Das liegt daran, dass die Konsumenten un- Nein, ist es mir nicht, weil ich die Übergabe Nach Einschätzung von ifo-Präsident
serer Marke Wiesenhof und unserer Quali- von langer Hand geplant hatte. Außerdem Hans-Werner Sinn stellt auch das Sparpa-
tätsphilosophie vertrauen. Und das zu darf ich ja hin und wieder noch meinen Kin- ket der Bundesregierung keine Konjunktur-
Recht. dern als Berater mit Rat und Tat zur Seite bremse dar – im Gegenteil: Die Milliarden-
stehen. Sparpläne seien der richtige Schritt zum
Die PHW-Gruppe hat im Geschäftsjahr passenden Zeitpunkt. Solide Finanzen
2008/2009 einen Umsatz von mehr als Und jetzt widmen Sie sich wieder ver- seien eine Voraussetzung für eine prospe-
zwei Milliarden Euro erwirtschaftet. Da- stärkt Ihrem Hobby, der Brieftauben- rierende Wirtschaft, sagte der Ökonom auf
von entfielen allein 1,192 Milliarden auf zucht? der Jahresversammlung des ifo-Instituts.
Wiesenhof – ein Umsatzplus von 7,5 Pro- Er kennt die Geflügelbranche seit Jahrzehnten: Paul-Heinz Wesjohann. FOTO: UDO MEISSNER Nicht ganz. Ich würde mich gern wieder
zent. Unternehmen in anderen Branchen mehr diesem Thema widmen. Aber das Fußball-WM treibt Konsum an
hatten dagegen zum Teil herbe Rück- Betrieb sieht, bekommt er sofort ein kom- Tat. Im Durchschnitt wird zurzeit etwa 20 kommt noch. Von der Diskussion um das Sparpaket las-
gänge zu verkraften. Ist die Geflügelindus- plett anderes Bild von der Tierhaltung als Minuten für ein Kilogramm Hähnchen- sen sich auch die Verbraucher die Konsum-
trie krisenresistent? das durch die Medien vermittelte. Es ist fleisch gearbeitet. Was haben Huhn und Taube gemeinsam – laune nicht verderben. Im Juni bewegt sich
Die gesamte Ernährungsbranche ist insge- Tatsache, dass bei Wiesenhof die Biopro- und was unterscheidet sie? die Verbraucherstimmung auf dem Vormo-
samt krisenresistenter als andere Bran- dukte ein Mehrfaches teurer sind als die Essen die Deutschen zu viel Fleisch, wie es Beides ist Geflügel. Aber Hühner legen grö- natsniveau, wie die GfK in ihrer Konsumkli-
chen. Denn gegessen wird immer. Und konventionellen Produkte. Das liegt pri- oft heißt? ßere Eier. mastudie berichtete. Dass der Konsum im
auch in vielen Teilen der Welt steigt die mär an den Futtermitteln. Tatsache ist Fleisch – in Maßen gegessen – ist ein wichti- Juni sogar noch zugelegt habe, geht nach
Nachfrage nach hochwertig hergestellten auch, dass jeder Verbraucher selbst ent- ges Grundnahrungsmittel. Es enthält Ei- Wenn Sie eine Woche lang Bundeskanzler Einschätzung der Forscher auf das Konto
Lebensmitteln. scheidet, welches Produkt er kauft. Und weiß und Mineralstoffe. Und wir haben es wären: Was würden Sie anschieben, um der Fußball-WM. Diese habe etwa bei
wir kommen schlichtweg dem Wunsch des immer schon gegessen, denn wir waren der Wirtschafts- und Finanzkrise Herr zu Flachbildfernsehern eine regelrechte Son-
Mit welchen Problemen hat die Branche Verbrauchers nach. Denn wir können schon von der Frühzeit an ein Volk von Jä- werden? derkonjunktur mit Umsatzzuwächsen von
aktuell zu kämpfen? nicht am Markt vorbei produzieren. Sonst gern und Sammlern. Ich würde den Sparkurs nicht nur auf den rund 50 Prozent ausgelöst.
Wir stehen in starkem Wettbewerb mit aus- gefährden wir unsere komplette Existenz Bereich Soziales begrenzen. Das greift zu Viele Verbraucher bleiben beim Blick
ländischen Anbietern. Diese erreichen und die von über 5000 Mitarbeitern mit ih- Viele Lieferanten klagen über die große kurz. Und zum anderen würde ich versu- auf ihre Einkommenslage aber skeptisch.
nicht die Umwelt- und Tierschutzstan- ren Familien. Marktmacht der Discounter. Ein Problem chen, endlich die Bürokratie in Deutsch- Sowohl die Sparpaket-Debatte als auch die
dards, die wir in Deutschland haben, und auch für Wiesenhof beziehungsweise die land erheblich abzubauen. Die lähmt viele Pläne für eine Kopfpauschale im Gesund-
können deshalb mit anderen Preisen am Sie haben mal gesagt: „Die moderne Geflü- PHW-Gruppe? familiengeführte Betriebe. Je mehr Frei- heitswesen lassen sie zusätzliche Belastun-
Markt agieren. gelzucht ist eine große soziale Tat.“ Kön- Auch der Discount hat heute zweifelsohne heit den Menschen gewährt wird, desto gen befürchten. Entsprechend kalkulieren
nen Sie das bitte erklären? seine Existenzberechtigung. Wir arbeiten kreativer sind sie. viele in der Zukunft mit sinkendem Ein-
Viele Menschen sehen herkömmliche Mas- Noch vor 50 Jahren war es nur wenigen mit jedem Handelskunden intensiv zusam- kommen. Der Wert für die Einkommenser-
sentierhaltungen kritisch. Und doch ver- Leuten vorbehalten, gesundes Geflügel- men – mit den Vollsortimentern genauso wartung ist daher zum zweiten Mal in
Zur Person: Paul-Heinz Wesjohann war bis
kaufen sich Bioprodukte deutlich schlech- fleisch zu essen. Wissenschaftliche Er- wie mit den Discountern oder den Großver- Folge kräftig gesunken.
2009 Vorstandsvorsitzender der nach ihm be-
ter. Kommt da beim Verbraucher – frei kenntnisse über die richtige und hygieni- brauchern. Von der guten Konjunktur profitiert der
nannten PHW-Gruppe, zu der unter anderem
nach Brecht – das Fressen vor der Moral? sche Geflügelhaltung sowie der technische deutsche Arbeitsmarkt derweil erheblich.
Wiesenhof gehört. Diese Aufgabe gab der
Die Diskussion um Massentierhaltung ist Fortschritt haben die Herstellung von Ge- Was braucht eigentlich ein glückliches Die gute Auftragslage zwinge immer mehr
67-Jährige an seinen ältesten Sohn Peter ab.
völlig verzerrt und wird ausschließlich emo- flügelfleisch erleichtert. So ist der Preis für Huhn zum Leben? Unternehmen dazu, ihre Belegschaften auf-
Paul-Heinz Wesjohann ist gelernter Kaufmann
tional geführt. Auch die normale Biohal- Geflügelfleisch in den vergangenen Jahr- Frische Luft, genügend zum Trinken, sau- zustocken; die Arbeitslosenzahl werde da-
und Geflügelzüchter. Jahrelang war der Unter-
tung ist – wenn Sie so wollen – Massentier- zehnten kaum gestiegen. Heute kann sich beres Futter, Bewegung, die Möglichkeit her in den kommenden Monaten weiter sin-
nehmer auch kommunalpolitisch aktiv. Er ist
haltung, bei 4000 bis 5000 Tieren im Stall. jeder Deutsche Geflügelfleisch leisten. Ich zum Sandbaden und einen zuverlässigen ken, prognostizierten Konjunkturforscher
Träger des Bundesverdienstkreuzes.
Wenn der Verbraucher tatsächlich einen empfinde das aus diesem Grund als soziale Landwirt. und Volkswirte deutscher Großbanken.

Fertighausbau: Bürgschaft Gewerkschaften: Betriebsfrieden in Gefahr


über Gesamtkosten erlaubt Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts über Abschaffung der Tarifeinheit sorgt für Streit
VON S IMONE ROTHE kann, frei darüber zu entscheiden, welche Befürchtet werden nun mehr Konflikte
Bundesgerichtshof gewährt Unternehmen Zahlungsgarantie Gewerkschaft für sie rechtsgültige Tarifver- zwischen Arbeitgebern und Arbeitneh-
Erfurt·Berlin. Das Bundesarbeitsgericht träge schließt“. SPD-Generalsekretärin An- mern und möglicherweise „Ellenbogen-
Karlsruhe (kei). Nach einem Urteil des Bun- Überraschend ist das Urteil dennoch hat die Tarifeinheit gekippt und lässt damit drea Nahles sprach von einem „heftigen mentalität“ zwischen Berufsgruppen. Die
desgerichtshofs dürfen Fertighausherstel- nicht. „Angesichts der Gesetzeslage mehr Vielfalt bei Tarifverträgen und Kon- Schlag ins Kontor der Sozialpartnerschaft“. großen DGB-Gewerkschaften könnten es
ler von ihren Kunden vor Baubeginn eine konnte der BGH nicht anders entschei- kurrenz unter großen und kleinen Gewerk- Auch Linke befürchten einen Flickentep- bald mit einer noch bunteren Schar kleiner
unbefristete, selbstschuldnerische Bürg- den“, sagt Rechtsanwalt Thomas Som- schaften zu. Mit der Entscheidung der Rich- pich von Tarifverträgen. Berufsgruppen-Gewerkschaften zu tun ha-
schaft verlangen. Diese Bürgschaft kann platzki, der „wohnen im eigentum“ berät. ter wird der jahrzehntelange Grundsatz „Das Bundesarbeitsgericht macht den ben. Die Weichen für die Kehrtwende hatte
den Gesamtpreis der Aufwendungen de- Demnach ist die Bürgschaft freiwillig und „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“ aufgege- Weg frei für eine grundsätzliche Neuaus- Ende Januar der Vierte Senat des Bundes-
cken. „Die Unternehmen erhalten so eine nicht gesetzlich verankert, dadurch hat der ben. Damit sind künftig in einem Unterneh- richtung des deutschen Tarifrechts“, sagte arbeitsgerichts gestellt. Seiner Rechtsauf-
Zahlungsgarantie, während die Kunden In- Bauherr ein Wahlrecht. Er muss einen Ver- men konkurrierende Vereinbarungen wie BAG-Sprecher Christoph Schmitz-Schole- fassung folgte nun auch der Zehnte Senat.
solvenz- oder Mängelbeseitigungsrisiko trag mit einer solchen Klausel nicht unter- bisher bei Lufthansa, Bahn oder in Kran- mann. Darum habe es seine bisherige „Das Problem liegt lange auf dem Tisch“,
selbst tragen müssen“, kommentierte der schreiben. Er kann den Anbieter wechseln. kenhäusern nicht mehr die Ausnahme, son- Rechtsprechung zur Tarifeinheit aufgege- sagte Schmitz-Scholemann. Das zeigten
Verbraucherschutzverein „wohnen im ei- „Wir befürchten, dass nun alle Bauunter- dern möglicherweise die Regel. Die Kehrt- die Streiks von Fluglotsen, Klinikärzten
gentum“ nach der Urteilsveröffentlichung. nehmen solche Klauseln in ihre Verträge wende in der Rechtsprechung der Bundes- oder Lokführern. „Jetzt darf sein, was seit
Der Bundesgerichtshof legitimiert damit
die gängige Praxis, dass Bauunternehmen
aufnehmen und der Kunde keine Wahl
mehr hat“, sagt Eva Walitzek-Schmidtko,
richter sorgt für heftige Kontroversen.
Arbeitgeberverbände und DGB-Gewerk-
„Jetzt darf sein, was seit längerer Zeit schon ist.“ Die Bundesrichter
sahen zudem kleine Gewerkschaften be-
in Verträgen für Fertighäuser eine Klausel
aufnehmen, die eine selbstschuldnerische
Sprecherin von „wohnen im eigentum“.
Der Verein möchte, dass das Risiko gleich-
schaften sowie einige Politiker sehen den
Betriebsfrieden und Flächentarifverträge
längerer Zeit schon ist.“ nachteiligt.
Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt ver-
Bürgschaft verlangt. Die Bauherren wür- mäßiger verteilt wird. Während das Bauun- in Gefahr, fürchten mehr Streiks und Zwie- Christoph Schmitz-Scholemann, langte von der Politik, den Grundsatz der
den dadurch nicht unangemessen benach- ternehmen auf eine hundertprozentige Si- tracht und fordern ein Gesetz zur Tarifein- Sprecher des Bundesarbeitsgerichts Tarifeinheit in Betrieben nach der BAG-
teiligt, urteilten die Richter. cherheit zurückgreifen kann, darf der Bau- heit. Kleine Spartengewerkschaften feiern Entscheidung gesetzlich zu regeln. Die Ta-
„wohnen im eigentum“ befürchtet nun, herr nur fünf Prozent des Gesamtpreises die richterliche Kurskorrektur als Erfolg. rifeinheit sei ein unentbehrliches Element
dass diese Bürgschaft das Rückbehaltungs- bis zur Fertigstellung einbehalten. Bisher galt: Ist ein Arbeitgeber an mehrere ben, die bis in die 1950er Jahre zurückgeht. der Tarifautonomie. Der BDA-Chef be-
recht der Bauherren aushebelt. „Will ein „Das Unternehmen hat ein Risiko, wenn Tarifvereinbarungen gebunden, verdrängt „Es gibt keinen übergeordneten Grund- fürchtet sonst „die Zersplitterung des Tarif-
Baukunde Zahlungen zurückhalten, weil es sein Material auf einem fremden Ge- die spezielle Abmachung die allgemeine. satz, dass für verschiedene Arbeitsverhält- vertragssystems, eine Spaltung der Beleg-
Mängel vorliegen, kann der Bauunterneh- lände lässt, ohne Sicherheit. Aber das Ri- Das führte beispielsweise zum Vorrang des nisse derselben Art in einem Betrieb nur schaften und eine Vervielfachung kollekti-
mer sofort auf die Bürgschaft zurückgrei- siko ist nicht gerecht verteilt. Der Gesetzge- Firmentarifs vor dem der Branche. einheitliche Tarifregelungen zur Anwen- ver Konflikte“. BDA und DGB hatten An-
fen“, sagt Verbraucherschützerin Gabriele ber ist jetzt gefragt“, sagt Somplatzki. Im- Die Bundesrichter hätten Tarifge- dung kommen können“, begründeten die fang Juni einen gemeinsamen Vorschlag
Heinrich. Die Bank könne demnach zwar merhin seien in den vergangenen Jahren schichte geschrieben, erklärte die Ärztever- Richter ihre Entscheidung. Der Grund für vorgestellt, um die Tarifeinheit zu sichern.
die Auszahlung verweigern, aber „die auch Fertighaushersteller in Insolvenz ge- tretung Marburger Bund, deren Mitglieder die Abkehr vom bisherigen Prinzip liege Für den Fall, dass in einem Betrieb unter-
meisten Banken scheuen eine Auseinan- gangen, wie Europas führender Fertighaus- mit einer Klage die Entscheidung angesto- auch im Grundgesetz, das Koalitionsfrei- schiedliche Tarifverträge für dieselbe Ar-
dersetzung mit den Unternehmen“, so bauer Kampa vor 15 Monaten. Der Bauherr ßen hatten. Es sei ein Erfolg für alle Arbeit- heit garantiert – Arbeitnehmer und Arbeit- beitnehmergruppe gelten, solle jener Tarif-
Heinrich weiter. Das zeige die Erfahrung steht dann mit einem möglicherweise halb- nehmer in Deutschland, „denen in Zukunft geber können sich frei zusammenschlie- vertrag Anwendung finden, an den die
von den Rechtsberatern der Zentrale. fertigen Haus und den Kosten allein da. nicht mehr das Recht verwehrt werden ßen, um ihre Interessen wahrzunehmen. meisten Arbeitnehmer gebunden sind.