Sie sind auf Seite 1von 2

16 FA L TE R

6/1 3

POLITIK

Cß.Was

Die Caritas ist es nicht gewohnt,

kritisiert zu werden. Nun steht sie plötzlich als verlängerter Arm des

Innenministeriums da, als pater- naJistiscbe Organisation, die den

Flüchtlingen nicht zugesteht, ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen. So zumindest behaup- ten es die Refugee-Camp-

Aktivisten.

Wahr daran ist. dass

die Caritas sehr aktiv in der Flüchtlingsbetreu- ung ist. Sie stellt Quar- tiere zur VeIfligung, sie bietet Rechtsberatung fü-r Asylwerber, sie küm- mert sich um deren Integrati- on, und sie bietet Heimkehrhilfen rur jene an, die kein Asyl bekom- men. Die Caritas-Mitarbeiter ken- nen die Schwächen und Missstän- . de des Asylsystems und haben auch immer wieder darauf hingewiesen,

aber sie stellen es nicht grundsätz- lich infiage, so wie es die Refugee- Aktivisten tun. Die Caritas ist wie die Feuerwehr, die ausrückt, wenn es irgendwo am Rande der Gesell- schaft brennt. Manche in der kirchlichen Hilfs-

organisation fragen sich nun, ob-Sie

nicht früher und lauter hätten auf-

'~

~

.~

.rPnWnministerin

Hart bleiben, ohne allzu hart zu wirken, dieses Ziel hat sich Innen· ministerIn Johanna Mlkl-Lelter (OVP) gesetzt. Vier Flüchtlingsvertreter empfing sie zum Gespräch, ihr An- gebot, jeden Fall einzeln zu prüfen, ist aufrecht. Nur einmal vergriff sie

sich im Ton, als- sie ankündigte, nun

weiteren Gespräche" mehr zu-

lassen zu wollen. Dabei woUte sie eigentlich keine Ultimaten setzen, um den Konflikt nicht weiter zu- zuspitzen. Lieber aussitzen - und die Behörden weiterarbeiten lassen. Weil die protestierenden Flüchtlin- ge ihre Quartiere verlassen haben - viele stammen nicht aus Traiskir- ehen, sondern waren in Gasthöfen oder Heimen untergebracht -, wurde ihnen inzwischen die Grundversor- gung entzogen. Adalat Khan ist einer von ihnen. Andere sind aus der Ge- sundheitsversicherung gefallen, wie auch Shahjahan Khan, der sein ver- letztes Auge operieren lassen muss. Auf Anschlägen in der Votivkirche hat das Innenministerium auf die- se Gefahren hingewiesen. Auf dem Weg durch das Dickicht der Bestim- mungen sind die Flüchtlinge ohne Hilfe aber verloren. Chancenlos wären sie nicht. Das österreichische Fremdenrecht ist im Detail liberaler als sein Ruf. Die Pa- kistani in der Votivkirche gehören zur Gruppe jener Flüchtlinge, die selten Asyl bekommen, aber auch nicht in ihre Heimat abgescho- ben werden können: Sie stranden im 'rechtlichen Niemandsland. Nur Wien und Tirol gewähren auch in diesem Fall automatisch wei-

keine

schreien sollen. Nach einer Ar- beitserlaubnis für Asylwerber, nach weniger strengen Aufenthaltsbe- stimmungen, nach besseren Quar- tieren, nach quaJifizierteren Uber- setzern im Asylvemhren. Deeskalation und pragmatische Hilfe vor Ort, das war und ist auch ihr Leitgedanke in der Votivkirche.

Caritas-Wien-Sprecher Klaus Schwert-

ner, der demnächst Generalsekre- tär wird, sorgte dafür, dass der überforderte Pfarrer Joseph Farrugia gleich zu Beginn der Kirchen- besetzung kaltgestellt wurde. Schwertner ge- lang es, den Boulevard für die Anliegen der Flüchtlinge zu gewinnen.

Ginge es nach ihm, wären die Flüchtlinge schon längst ins Servi- tenkloster übersiedelt. In ein heiz- bares Quartier, mit Doppel- und Mehrbettzimmern. Auf Caritas-In- itiative sind die emhrenen Asylan- wälte Georg Bürstmayr und Nadja

für "all

Lorenz gerade dabei, Fall zu prüfen.

Für die Caritas geht es vor Ort

um das Schicksal jedes einzelnen

Flüchtlings. Auf der Metaebene geht es aber auch um ihre Selbst- behauptung als karitative Organisa- tion, die das Verbindende über das Trennende stellt.

Verwirrspiel in

Die Flüchtlinge in der Votivkirche sind wieder im Hungerstreik, sich gegenseitig. Aber wer ist wirklich verantwortlich für das

RECHERCHE :

BARBARA

TOTH

war sein weitreicj!endes Ange- bot. Vier Repräsentanten der Flüchtlinge besichtigten das Kloster. Als kurz darauf die Flüchtlinge via Presseaus- sendung über die Refugee- Plattform das Serviten- kloster als "menschenun- würdig" kritisierten, erlebte die staunende Öffentlichkeit zur Abwechslung einmal einen richtig zornigen Kardinal. Namen' nannte er nicht, aber aUe verstanden, was er meinte. Es gibt die guten Hel- fer - Caritas, Johanniter, Diakonie, Pfar- ren -, und es gibt die weniger guten. Die FPÖ applaudierte ihm, Krone-Kolumnist Michael Jeannee schrieb ihm einen Dan- kesbrief. So schneU können sich Fron- ten verschieben. Schönborn ist seit die- ser Enttäuschung deutlich verstimmt. Er hat den Hungerstreikenden auch erklärt, dass er als Hausherr Hilfe nicht unterlas- sen darf Bringen sie sich gesundheitlich in Gefahr, muss er einschreiten - mit- hilfe der Rettung, womöglich aber auch der Polizei.

- mit- hilfe der Rettung, womöglich aber auch der Polizei. , . KePrf.nal Kardinal Chrlstoph Schön-

,

.

KePrf.nal

Kardinal Chrlstoph Schön- bom ist der Hausherr der Flüchtlinge, aber er versteht sich auch als ihr Schutzherr. Er verteidigt sie gegen die FPÖ, die die Räumung der Votivkirche gefordert hat. Aber auch gegen jene ,,Akti- visten", die den Menschen ,,Angst machen, dass man der Caritas und uns nicht trauen darf". Schönborn muss die Balance halten zwischen dem Recht auf Kirchenasyl, das aUen Hilfesuchenden zusteht, der öffentlichen Meinung und der Politik. Sein Einsatz ist hoch. Zwei- mal war er persönlich in der Votivkirche, beim letzten Mal stand er knapp vor ei- ner Einigung mit den Flüchtlingen. Hört auf mit dem Hungerstreik, ich begleite euch persönlich in ein neues Quartier im Servitenkloster, wir machen dort eine gemeinsame Pressekonferenz, ich garantiere euch Sicherheit - das

Die

Flüchtlinge

ich garantiere euch Sicherheit - das Die Flüchtlinge ter Grundversor- gung - circa 300 Euro im

ter Grundversor- gung - circa 300 Euro im Monat. Die anderen Bun- desländer tun dies nur, wenn die Re-

wenn sie unsere Forderungen erfiil len", mit solchen Ultimativansagen hält Nu- man den Protest am Köcheln. Unter den Flüchtlingen gilt er als "Gründer der Bewegung", so zumindest sagt es der Pakistani Shahjahan Khan, 34. Shah- jahan ist ein gebildeter Mann, er hat

an der Panjabi-Universität Massenkom-

munikation und Englisch studiert, er- zählt er, bevor er in ~in Ausbildungsla-

ger der Taliban gezwungen wurde. Sein

Vater, ein Transportuntemehrner, zahlte Schleppern mehr als 10.000 Euro, um seinem Sohn nach seiner Flucht eine bessere Zukunft in Europa zu ermögli - chen. Dass der nun in der Votivkirche hungert, weiß der Vater nicht. Shahjahan hat sich, nicht zuletzt dank seiner Sprachkenntnisse, in den letzten Tagen zu einem wichtigen Spre- cher der Gruppe etabliert, in dem Aus- maß, wie sich Adalat Khan zurückge- zogen hat. Adalat ist mit 47 Jahren der Ältes- te der Gruppe und wird von den Jünge-

ren als eine Art Vaterfigur akzeptiert. Er " stammt aus Bara Bandai im Norden Pa- ;

kistans ;-dort hatte er eine Baufirma und

engagierte sich flir

mi

der

National Party Seit 2005 ist er auf:

publik "subsidiären Schutz" gewährt oder die Fremdenpolizei eine Duldungskar- te ausstellt. Wer ein Jahr "geduldet" ist, kann theoretisch eine dauerhafte Aufenthaltsbewilligung beantragen. Im Jahr 2012 gab es aber nur 268 Duldungen - bei 3.323 rechtskräftig

Problemstaaten". Votivkirche", wie sie

Negativen au s Einer " Lex

die Flüchtlinge fordern - legaler Auf-

enthalt rur aUe oder zumindest die Löschung ihrer Daten, damit sie in einem anderen europäischen Land erneut einen Asylantrag stellen kön- nen - kann die Innenministerin also nicht zustimmen. Aber sie könnte eine individuelle Einzelfallprüfung vorantreiben, die aUe persönlichen Aspekte der Betroffenen berücksich- tigt und die Duldung zur Regel und nicht zur Ausnahme macht. AhnIich haben übrigens in Frankreich die Be- hörden aufgletchartige Protestcamps in Kirchen reagiert.

Aus der Votivkirche wegziehen? Wei- terhungern? Paradoxerweise gehört der Mann, der zum Wortflihrer der Flücht- linge geworden ist, weder zu den Kir- chenschläfern noch.zu den Hungerstrei- kenden. Keine Aktion, keine Pressekon- ferenz, bei der Numan Mohammad, 25 Jahre alt, nicht zu sehen war. Er war von Anfang an dabei, als die Refugee-

Bewegung im November letzten Jahres mit einem gut organisierten Marsch von Traiskirchen nach Wien ihren Anfang nahm. Inzwischen ist er feste r Bestand- teil der Bewegung, aktueU organisiert er die geplanten Flüchtlingsmärsche für den 16. Februar, die in ganz Österreich stattfinden saUen. . Numan wuchs in Dubai auf. wo sei- ne Eltern als Gastarbeiter lebten. Als Teenager kehrte er in seine pakistani- . sehe Heimatstadt Khanki zurück, von dort flüchtete er nach Europa. Eigent- lich woUte er nach Belgi- en, überUngarn lande-

te er in Osterreich. Sein Asylantrag wurde abge- lehnt, aber Numan ist ein kämpferischer No- made, mit einer gro- ßen Portion Risikobe- reitschaft und jugend- lichem Übermut. "Sie müs s en un~ einen po - sitiven A:sylbescheid ge- ben. Unser Kampfwird erst dann beendet sein,

~

Die Verfassungsschützer

Das Wiener Landesamt für Vemssungsschutz sorgte auf beiden Seiten flir Kopfschütteln, bei den Refugee- Aktivisten wie bei Caritas und Kirche, und das muss einer erst einmal hinkriegen. Zuerst verantwortete der Leiter des LVT, Erich Zwettler, die unverhältnismäßig grobe Räumung des Votivpark-Zeltlagers, dann schick- te er seine Be~mten in Zivil auf Stippvisite in die Votiv- kirche, bis sich die Kirche das verbat. ZufaU oder nicht, FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache beruft sich immer wieder auf Informationen der Verfassungsschützer.

die

säkulare Awa- ~

Flucht vor den Taliban, sieben Jah- e

re lebte er in Griechenland. ~

Adalat ist ein Pragmatiker, aufgrund ~ seines Alters wohl auch besonnener als ~

die

anderen. Die Hoffnungen der Cari- ;:::

tas

ruhten stets auf ihm, als die anderen

das Sagen hatten, die mit den Maximal- :;

vertraue niemandem ::

mehr,

tas", sagt Numan, "ich glaube nur an ~

Ich

nicht der Politik, nicht der Cari- e

POLITIK

FALTER 6/13

17

der Votivkirche

Kirche, Caritas und Flüchtlingsaktivisten beschuldigen verzweifelte Patt? Eine Beziehungsskizze

o

JO le annlter

~

°

Helfen, bedingungslos, das ist die Auf-

gabe von Mich. el Hüpfl, dem Chef. rrt der )0 -

hann ite r.

Seine Organisation begleitet die

rrt der )0 - hann ite r. Seine Organisation begleitet die Flüchtlinge seit dem Beginn ihres

Flüchtlinge seit dem Beginn ihres Kirchen- asyls, und das sind inzwischen neun Wochen. Jetzt, da der

Hungerstreik wiederaufgenommen wurde, kommt er wieder täglich in die Kirche. Jeden wird er ·anschauen, auch jene;

in die Kirche. Jeden wird er ·anschauen, auch jene; Tag und Nacht stehen sie vor der

Tag und Nacht stehen sie vor der Kirche. Nicht ganz klar ist inzwi- schen, wen sie vor wem schützen. Nur mehr fünf Aktivisten auf ein- ·

mal dürfen hinein, sie bekommen knallrote Eintrittskarten. Eine Na-

mensliste mit Personen, die Kirchenverbot haben, gibt es inzwischen

auch. Marissa Lobo steht auf dieser Liste, ebenso der Deutsche Hans-

Georg Eberl. Er hatte den Protestmarsch vom Flüchtlingsheim Trais-

kirchen nach Wien beim Innenministerium gemeldet und wurde vom

Boulevard daraufhin zum Drahtzieher der Refugee-Bewegung hoch- stilisiert. Anfangs wollten die Flüchtlinge den Schutz aus Angst vor

Repressionen, inzwischen ruhlen sie sich eingesperrt. Auch Journalisten dür- fen D.ue mehr nach Voranmeldung

in die Kirche. Die Flüchtlinge wir-

die im Schlafsack eingemummt vor sich hindämmern.

Nierenversagen und Schlaganfall sind die Gefahren, die Hungerstreikenden drohen . Was Hüpfl aber genauso Sor-

gen macht, ist, dass "sich die Flüchtlinge in den Wochen ihres Protests ein bissehen selbst aus den Augen verlo- ren haben , als Person ". Hier spricht der Allgemeinmedizi-

ner aus ihm, nicht der Anästhesist. Die Kälte, die Isolati- on in der Votivkirche, die langwierigen Diskussionen in der Gruppe, der mediale Druck - all das belastet jeden Einzel-

nen zusätzlich.

ken isolierter denn je .

D O

StuWenten

Was in der Votivkirche geschieht, bewegt auch viele Studenten. Se-

~n~~~~!;~d~t~~!~t~!e

Wirtschaftsflüchtlinge oder Asylwer- ber? Einerlei, ftir die Refugee-Camp-

Aktivisten sind sie Menschen, die ein

Recht auf Bildung, Aufenthalt und Arbeit haben, egal wo. Menschen, die

sich selbst vertreten und für sich sel-

ber sprechen sollen - auch in den Me- dien. Dieser Ansatz wirkt schnell ra- dikal in einer Gesellschaft, die sich an

ihre mannigfachen Zugangsbeschrän-

kungen längst gewöhnt hat, und auch

Zugangsbeschrän- kungen längst gewöhnt hat, und auch Es aber nicht alles bleibt dem Zufall über- lassen.
Zugangsbeschrän- kungen längst gewöhnt hat, und auch Es aber nicht alles bleibt dem Zufall über- lassen.
Zugangsbeschrän- kungen längst gewöhnt hat, und auch Es aber nicht alles bleibt dem Zufall über- lassen.
Zugangsbeschrän- kungen längst gewöhnt hat, und auch Es aber nicht alles bleibt dem Zufall über- lassen.

Es

aber nicht alles bleibt dem Zufall über-

lassen. Flüchtlingsmärsche, Protest-

camps mitten in den Städten, auch Kirchenbesetzungen gibt es derzeit in Europa an vielen Orten. In Berlin, Lille und Amsterdam etwa. Die Slogans

der Bewegungen gleichen sich, man ist

gut vernetzt, ähnlich wie die Occupy- Bewegung. Schwierig wird es, wenn die Dinge außer Kontrolle geraten.

Keiner der Aktivisten würde zuge-

ben, dass es ein Drehbuch gab, aber

die Konzentration auf die Votivkirche

und die 45 verzweifelten Männer da-

rin, deren zweiter Hungerstreik, die · wechselseitigen Anschuldigungen zwi-

schen Caritas und den Supportern -

das war nicbt vorgeseben. Man woll- te das selbstverwaltete Zeltlager im Votivpark etablieren. bei Gelegenheit

vielleicht in ein leerstehendes Gebäu- de übersiedeln, jedenfalls die Flücht- linge gestärkt in die Mitte der Gesell-

schaft zurückholen. Jetzt frieren sie abges_chottet in der Kirche. Und wer

trägt die Verantwortung? Die Flücht- linge jetzt zu beeinflussen, das wider- spräche dem selbstbefreierischen An- satz der Refugee-Bewegung.'"Die radi- kale Entscheidung zum Hungerstreik haben die Flüchtlingsaktivisten getrof-

fen", sagt M. rls

Löbo. Künst le rin (im

Bild rechts) und seit vielen Jahren in

migrantischen

Selbstorganisationen

aktiv. " Ich respektiere diese

Entschei-

dung. obwohl ich für andere politische

Strategien bin ' und keinesfalls daflir, seine Gesundheit zu riskieren."

bastia~ Kugler ist einer von ih-

nen. Der Soziologiestudent geht jeden Tag auf dem Weg zu sei- nem Institut am Rooseveltplatz

an der Kirche vorbei. Er wuss- te, dass es eine Dusche im Haus

gibt, und fragte den Institutsvor-

stand, ob man sie den Flücht- lingen zur Nutzung anbieten dürfe - seither kümmert er sich um die Organisation der

Schlüsseldienste. Das Lokal der Basisgruppe, gleich beim Ein- gang links, ist zu einer Art Clu- braum ftir die Flüchtlinge gewor- den, hier gibt es Kaffee, Laptops, Ladegeräte - und ein Stückehen

Normalität abseits vom Kirchen-

asylalltag. Auch auf der Kunst- .akademie und im Alten AKH ha- ben Studenten beheizte Räume bereitgestellt, zwischen den Fei-

ertagen übernachteten dort im-

mer wieder Flüchtlinge, inof-

fiziell . Wer meint, die Studiosi seien nicht mehr engagiert, irrt.

Eine Minderheit hilft, selbstor-

ganisiert, pragmatisch und ohne großes mediales Tamtam.

L oDje

InkSpartel

°

Die Refugee-Bewegung ist na- türlich auch rur Protestpartei-

en attraktiv. die sich erst etablie-

ren wollen, wie die Sozialistische Linkspartei (SLP). Man kämpft

gegen die FPÖ. den Burschen- schafterball, und man war auch

schnell zur Stelle, als der Flücht- lingsmarsch in Traiskirchen be-

gann, der dann zum Protestzelt- lager im Votivpark wurde. Die SLP ist straff organisiert, und weil sie ideologisch auch kein

Problem mit Hierarchien hat, fallen Entscheidungen schnel- ler als bei den Refugee-Aktivis- ten, die lieber im Kollektiv, basis- demokratisch und ohne eindeuti- ge Führungsstruktur agieren. Das macht die Linkslinken bei De- mos oder Zeltlagern zu willkom-

menen Aktionspartnern. aber im Grunde teilt man abgesehen von

Forderungen

den

wenig miteinander.

inhaltlichen

daran, dass Asylwerber abgeschottet in Lagern auf ihren Bescheid warten. Und er verstört die etablierten Ak- teure der Flüchtlingshilfe wie Ca- ritas, Diakonie oder SOS Mit-

mensch. ,Wir haben einen Pa-

radigmenwechsel eingeleitet, ge- gen die Logik der Versorgung und Vertretung", sagt cat rl n S.e -

franz, Kul turwi ssen schaftleri n (im

Bild links) und eines der Gesich- ter der neuen Bewegung, die ei- gentlich kein Gesicht haben will, weil sie am liebsten als Kollektiv auftritt. Vieles wirkt improvisiert,

die Votivkirche ."

"Sie ist Symbol unseres

Protestes", meint auch Shahjahan, "und

deswegen wollen wir hier nicht mehr

weggehen ." Er s agt aber

auch, dass neun

Wochen Protest viel zu lange sind, und da s Interesse nachzulassen beginnt. Adalat macht keinen Hehl daraus, dass er gegen die Wiederaufnahme des Hungerstreiks war. Und er lässt durch-

blicken. dass er auch nichts gegen einen

Um zug in ein anderes Quartier hat

muss ein unabhängiger Ort sein, kein kirchlicher - und die Vereinten Natio-

nen müssen uns Schutz garantieren."

Numan, Shahjahan und Adalat spre- chen für nur noch knapp 45 Männer,

die in der Votivkirche ausharren. Bis auf wenige Ausnahmen sind sie im

Hungerstreik. Fast alle stammen aus

der Grenzregion zwischen Pakistan und Afghanistan, sie sprechen Urdu - die Amtssprache Pakistans - oder Pasch- tuniseh, eine der zwei Amtssprachen

Afghanistans. Ihre Fluchtschicksale gleichen sich.

Die meisten kamen mithilfe von Schlep- pern auf dem Landweg nach Europa, meistens über Griechenland. Etwa ein

Drittel ist in zweiter Instanz " negativ", die anderen sind im laufenden Asylver- fahren. Ihre Chancen sind gering. Nur

ein Prozent aller Pakistani bekamen im

Jahr 2012 Asyl, bei den Afghanen wa- ren es 40 Prozent. Weil es mit beiden Staaten kein Rückflihrabkommen gibt,

tauchen viele nach negativem Ende des

Asylverfahrens ab . "Wir haben nichts

mehr zu verlieren", diesen Satz hört man in der Votivkirche sehr oft - und

er eint sie immer noch am stärksten.