Plädoyer für den Radsport in Deutschland 1.

Der Radsport hat national und international schwierige Zeiten hinter sich und steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Das gravierende Dopingproblem im Straßenradsport der Männer lässt sich – erst recht nach dem Fall Armstrong - von niemandem mehr leugnen oder verharmlosen. Über Jahre gewachsenes Misstrauen in der Öffentlichkeit zieht alle Radsportarten – auch diejenigen mit geringem DopingRisiko, z.B. den Hallenradsport - in Mitleidenschaft und belastet insbesondere die vielen Ehrenamtlichen. Die von ihnen an der Radsport-Basis, in den Vereinen, Landesverbänden und bei Veranstaltungen geleistete Arbeit ist ebenso wertvoll wie in anderen Sportarten ohne negative Schlagzeilen.  Der Radsport mit all seinen Facetten ist eine wunderbare Sportart um den im Radsport Engagierten Wertschätzung, Anerkennung ihrer Leistungen und eine Perspektive für ihr Engagement zu bieten, sind neue Motivation und eine Aufbruchsstimmung im BDR nötig. 2. Rudolf Scharping hat den deutschen Radsport acht Jahre lang in der Krise zusammengehalten und in vielen Feldern zum Erfolg geführt. Sportlich, hinsichtlich des Mitgliederbestandes und organisatorisch ist der BDR gut aufgestellt, was ebenso den Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle und im Trainerstab zu danken ist. Dies alles reichte jedoch nicht aus, um dem Vertrauensverlust entgegen zu wirken. Es ist an der Zeit, alte Gräben zuzuschütten und all denen, die sich aktiv für den Radsport und im Interesse der Aktiven für eine „Koalition gegen Doping“ einsetzen wollen, die Hand zu reichen.  Nur mit größerer Transparenz und einer konsequenten Haltung gegen Doping lässt sich national wie international Glaubwürdigkeit aufbauen und daraus folgend auch das Image des Radsports verbessern. 3. Sachgerechte und tragfähige Entscheidungen zum Wohle des Radsports erfordern eine angemessene Beteiligung der Mitglieder des BDR und der am Radsport Interessierten. Einzelne Personen oder nur die obersten Gremien können wenig bewirken – alle, die den Radsport tragen, sollten sich einbringen können. Mehr gelebte Demokratie mit einer verbesserten Mitsprache kann zusätzliche Kräfte wecken und neue Mitglieder sowie Förderer gewinnen helfen.  Die inhaltliche Einbeziehung von Interessengruppen innerhalb und außerhalb des BDR (z.B. Aktive der einzelnen Radsportarten, Trainerstab, Kommissäre, Anti-Doping-Experten, Veranstalter, Jedermann-Szene, öffentliche und private Geldgeber usw.) ist schrittweise auszubauen, unter Einsatz auch neuer Kommunikationsmittel.  Kritische Stimmen helfen bei der Lokalisierung von Problemen und der Weiterentwicklung des Verbandes, sie sind deshalb willkommener Teil einer lebendigen und positiven Streitkultur.

4. Im Mittelpunkt der Vereins- und Verbandsarbeit stehen die Aktiven aller Disziplinen, Alters- und Leistungsstufen. Dabei sind die Kinder und Jugendlichen sowie die Leistungssportlerinnen und – sportler der besonderen Obhut der Vereine und Verbände anvertraut. Für den Spitzensport hat die Ende Februar 2013 veröffentlichte

Studie „Dysfunktionen im Spitzensport“ der Stiftung Deutsche Sporthilfe Risiken aufgezeigt, die dringend eine weitere Analyse und daraus folgende Konsequenzen verlangen. Nur so lässt sich auf längere Sicht der Leistungsstand im Spitzensport sichern und ausbauen.  Fairness, universeller Bildungsanspruch, Leistung und Solidarität sind grundlegende Werte des olympischen Sports. Deshalb sind eine klare, konsequente Haltung gegen regelwidriges und unethisches Verhalten und die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen wesentliche Grundlage für einen humanen Spitzensport. Das Bekenntnis zum Spitzensport geht einher mit der Ablehnung jeglicher Leistungsmanipulation.  Die Kritiker des Radsports sind aufgefordert, konstruktiv an Lösungen mitzuwirken.  Erfahrungen und Beispiele zur „Guten Führung“ im Sport sind auch im BDR in Strukturen, Organisation und Verbandskultur zu berücksichtigen. Dies kann nur begleitend zur laufenden Arbeit geschehen, um personellen und finanziellen Aufwand gering zu halten und die sportlichen Erfolge zu sichern.  Mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe, aber auch der NADA, dem BMI und weiteren Institutionen, sollte überlegt werden, wie der BDR den in der Studie „Dysfunktionen im Spitzensport“ aufgezeigten Mechanismen (z.B. Leistungsdruck und Existenzangst als Auslöser von Regelübertretungen) und Einstellungen begegnen kann. 5. Neben der inhaltlichen Arbeit kommt der Kommunikationsfähigkeit nach innen und außen besondere Bedeutung zu, wenn Werte vermittelt, die Glaubwürdigkeit gestärkt und die künftige Stellung des Sports in der Gesellschaft mit beeinflusst werden sollen.  Ein Kommunikationskonzept sollte die Vielfalt, Tradition, innovative Kraft und Leistungsfähigkeit des Radsports zum Ausgangspunkt nehmen, um unter Einbeziehung der Mitglieder und der Interessengruppen die Weiterentwicklung der Sportart offen zu diskutieren.  Daraus lassen sich dann auch Beiträge zur Debatte auf nationaler und internationaler Ebene ableiten.

Sylvia Schenk Frankfurt am Main, März 2013

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