Analyst View // Carlo Velten

© Crisp Research 2014





HP, IBM, Red Hat – Wer hat die Nase vorn im
Geschäft mit Enterprise-Openstack?
Analyst View

Autor: Carlo Velten, Senior Analyst

Datum: 30.05.2014
Tags: Cloud, Openstack






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OpenStack hat sich in den letzten Jahren für viele IT-
Anbieter zum zentralen Standard entwickelt, auf dessen
Basis die Technologien und Services für kommende
Generationen hybrider Cloud-Umgebungen entwickelt
werden. Doch welche Anbieter können ihren Kunden
schon heute Openstack-Produkte liefern, die reif für den
Enterprise-IT Einsatz sind?

Openstack wird erwachsen! Nachdem im letzten Jahr viele IT-
Strategen und CIOs das offene Cloud-Management Framework
OpenStack noch als reine Marketingblase abgetan und sich nicht
weiter damit beschäftigt haben, zeigen eine Vielzahl an Releases
und Investitionszusagen, dass Openstack sich zum de-facto
Standard für hybride, herstellerunabhängige Cloud-Umgebungen
entwickelt.




Mit IBM, HP und kürzlich auch Cisco haben sich die führenden IT-
Technologieanbieter klar zu Openstack bekannt und investieren
jeweils rund 1 Milliarde US Dollar in Openstack. Die Gelder fließen
einerseits in die unternehmensinterne Produktentwicklung und die
Qualifizierung eigener Mitarbeiter und Partner. Andererseits
leisten IBM, HP und Cisco substanzielle Beiträge zur Openstack-
Community. Federführend bei der Entwicklung der ersten Stunde
waren allerdings HP, Dell, Red Hat und die Chip-Hersteller AMD
und Intel. Dass die anderen Hardware- und Technologieanbieter
nachgezogen sind und klare Investitionszusagen gemacht haben,
beweist den Stellenwert der Open Source-Plattform als neuem
IBM, HP, Cisco – der 1 Milliarde
Dollar Openstack-Club




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Cloud-Standard. Auch wenn Openstack noch nicht vollkommen
ausgereift ist und derzeit eine Vielzahl unterschiedlicher
Distributionen existiert, muss man eine Wahrheit anerkennen – es
gibt derzeit wohl keinen besseren bzw. alternativen Standard auf
den sich eine solche Vielzahl an Technologieanbietern, Service
Provider und Anwender einigen können.

HP hat mit dem Release der HP Helion Cloud ein klares
Bekenntnis abgegeben. Nun werden alle HP Cloud-Produkte und
Services (IaaS & PaaS) einheitlich auf der Openstack-Technologie
aufbauen und die Openstack-Schnittstellen nutzen. Zudem
vertreibt HP mit HP Helion eine eigene Openstack-Distribution,
deren Commercial-Edition gegen Herbst diesen Jahres verfügbar
sein soll. HP plant ein Investment von einer Milliarde US Dollar,
das auch die Aufrüstung von weltweit 20 Rechenzentren betrifft,
aus denen die HP Helion Cloud Dienste verfügbar sein sollen. Für
CIOs und Cloud-Architekten ist die wichtigste Nachricht, dass nun
erstmals ein einheitlicher, herstellerunabhängiger Cloud-
Management-Layer die gesamte HP-Produktfamilie (von Private
Cloud über Service Automation bis hin Public IaaS) durchzieht.
Das langjährige Engagement in der Openstack-Community kommt
HP derzeit zu Gute.

Auch IBM hat nach dem Beitritt zur Openstack-Community in
2012 massiv in die Weiterentwicklung der Technologie und die
Adaption im eigenen Portfolio investiert. So hat auch IBM das
Committment gegeben, zukünftig alle neuen Cloud-Produkte
Openstack-kompatibel zu machen. Im Bereich der Cloud-
Management Software „SmartCloud Orchestrator“ und der neuen
IaaS-Plattform ist dies schon geschehen. In beiden Fällen




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verwalten die Nutzer die Ressourcen nun mit der Openstack-
Konsole und können auf die offenen Schnittstellen setzen.

Im März diesen Jahres ist auch Cisco dem 1-Milliarden-USD-
Openstack-Club beigetreten und hat verkündet in den kommenden
2 Jahren eine weltweite, hybride Cloud-Infrastruktur auf Basis von
Openstack aufzubauen. Teile dieser Infrastruktur sind schon heute
in Betrieb und die Grundlage für die Entwicklung neuer Cisco
Cloud-Dienste. Mit dieser strategischen Entscheidung wird
deutlich, dass die dominierende Rolle von VMware langsam
aufgebrochen wird und auch das gemeinsame Joint Venture (VCE)
zusammen mit VMware und EMC nicht den Erfolg bringt, den man
sich davon versprochen hat. Der sich deutlich abzeichnende Bedarf
nach mehr Herstellerunabhängigkeit bei Planung und Betrieb von
Cloud-Plattformen zwingt auch Branchengrößen wie Cisco in neue
Bahnen.





Openstack wird unabdingbar zu einem zentralen
Technologiebaustein für Private und auch hybride Clouds.
Allerdings stellt sich heute die Frage, welche Dienstleister in der
Lage sind, Anwender in den kommenden 2 Jahren hinsichtlich
Planung, Implementierung und Integration von Openstack-
basierten Clouds effektiv zu unterstützen. Sind hier die großen IT-
Dienstleister oder kleine Spezialisten und Startups die richtigen
Partner?

Wo steckt die Openstack-
Kompetenz? – IT-Konzerne versus
Startups




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In den USA dominieren derzeit einige auf Openstack spezialisierte
Startups den Markt. So haben z.B. Mirantis, Piston und Solinea
Teams von je 20-30 Spezialisten aufgebaut und erste Projekte
umgesetzt. Neben Beratung in den Bereichen Architektur und der
Implementierung von Openstack, bieten Mirantis und Piston auch
eigene Openstack-Distributionen an. Vor allem Mirantis darf als
Pionier und Openstack-Entwickler der ersten Stunde gelten. Auch
zählt Mirantis zu den aktivsten Entwicklern in der Openstack-
Community (derzeit stammen 8% der Code-Basis von Mirantis).
Anfang April konnte Mirantis mit dem Netzwerkausrüster Ericsson
einen großen Deal abschließen und hat für Europa den Aufbau
eines Partner- und Schulungsprogramms angekündigt.






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Aber auch im deutschsprachigen Raum arbeiten einige
hochqualifizierte Openstack-Architekten und –Integratoren. Zu
diesen zählen beispielsweise Hastexo aus Wien oder auch B1
Systems aus Ingolstadt. Zudem leistet Suse mit ihrem
Entwicklungsteam einen großen Beitrag zur Weiterentwicklung
von Openstack (6% der Codebasis). Der Nürnberger Suse-
Entwickler Andreas Jäger ist auf individueller Basis der aktivste
Openstack-Developer. In Frankreich hat es eNovance geschafft,
erste Großkunden wie die AXA-Versicherungsgruppe von
Openstack zu überzeugen.

Neben den Spezialisten bauen derzeit auch die IT-Majors ihre
Consulting-Sparten um entsprechende Openstack-Experten aus.
Hinsichtlich Anzahl und Qualifikation der in Europa und im
deutschsprachigen Raum verfügbaren Experten, liegen derzeit HP,
IBM und Suse vorn.





Doch Openstack ist nicht nur für IT-Integratoren und
Dienstleistern im Hinblick auf den Bau von Private und Hybrid
Clouds interessant. Auch immer mehr Cloud Service Provider
bauen ihre neuen Plattformen auf Basis von Openstack. Dies gilt
seit langem für den Webhoster Rackspace – einen der Openstack-
Initiatoren – sowie auch für die neuen Public IaaS von HP und
IBM. Aber auch die Deutsche Telekom und T-Systems nutzen
Openstack als Basis für ausgewählte neue Cloud-Dienste (z.B.
DTAG Cloud Marktplatz). Ebenso Swisscom in der Schweiz.
Openstack-basierte Dienste –
T-Systems, Rackspace, HP & Co




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Nachdem seit Januar 2014 auch der auf Web Hoster spezialisierte
Virtualisierungsanbieter Parallels der Openstack-Foundation
beigetreten ist, dürfte das Thema Openstack sich auf Seiten der
Webhoster nun deutlich schneller verbreiten, was sich aus sicheren
Quellen auch bestätigen lässt.



Crisp Research geht davon aus, dass sich Openstack - in
Ermangelung von Alternativen – zum de-facto-Standard für
private und hybride Clouds durchsetzen wird. Die breite
Unterstützung auf Seiten der Technologieanbieter spricht schon
heute dafür. Aber auch Anwender sollten sich darüber Gedanken
machen, Openstack als eine zentrale Technologiekomponente in
ihre Cloud-Architekturen einzuplanen und entsprechende
Expertise aufzubauen. Diese ist zwingend erforderlich. Denn selbst
wenn Openstack als Standard funktioniert, muss die Technologie
immer noch implementiert werden! Dass sich dies lohnen kann,
zeigen heute schon Unternehmen wie beispielsweise AXA oder
eBay, die intensiv in Openstack investieren.

Spannend wird vor allem die Entwicklung der Beziehung der
Openstack-Community zu dem anderen großen Plattform-Spieler:
Microsoft. Microsoft ist mit dem Cloud-OS, Azure und seiner
immensen Partner-Basis das Gegengewicht zur wachsenden
Openstack-Allianz. Beide Plattformen haben ihre Vorteile und
Stärken. Für die Anwender wäre es optimal, wenn Microsoft und
Openstack noch stärker zusammenspielen würden. Dann wäre der
Weg frei für eine Cloud ohne Vendor-Lockin!

Ausblick




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Dr. Carlo Velten ist Managing Director des IT-
Research- und Beratungsunternehmens Crisp
Research. Seit über 15 Jahren berät Carlo Velten
als IT-Analyst namhafte Technologieunternehmen
in Marketing- und Strategiefragen. Seine Schwerpunktthemen sind
Cloud Strategy & Economics, Data Center Innovation und Digital
Business Transformation. Zuvor leitete er 8 Jahre lang gemeinsam
mit Steve Janata bei der Experton Group die „Cloud Computing &
Innovation Practice“ und war Initiator des „Cloud Vendor
Benchmark“. Davor war Carlo Velten verantwortlicher Senior
Analyst bei der TechConsult und dort für die Theman Open Source
und Web Computing verantwortlich. Dr. Carlo Velten ist
Jurymitglied bei den „Best-in-Cloud-Awards“ und engagiert sich
im Branchenverband BITKOM. Als Business Angel unterstützt er
junge Startups und ist politisch als Vorstand des Managerkreises
der Friedrich Ebert Stiftung aktiv.

Dr. Carlo Velten, Senior Analyst & Managing Director
carlo.velten@crisp-research.com
https://www.xing.com/profiles/Carlo_Velten

Autor




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Crisp Research ist ein europäisches IT-Research- und
Beratungsunternehmen. Mit einem Team erfahrener Analysten,
Berater und Software-Entwickler bewertet Crisp Research aktuelle
und kommende Technologie- und Markttrends. Crisp Research
unterstützt IT-Anbieter in Strategie-, Contentmarketing- und
Vertriebsfragen.

Cloud Computing und Digital Business Transformation sind die
Themenschwerpunkte von Crisp Research. Wir verfügen in
unseren Crisp Labs über ein internes Software-Developer Team
und testen aktuelle Cloud Services und Produkte unter Live-
Bedingungen.


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