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ANBAUANLEITUNG

ERDBEERE

1. STANDORTANSPRÜCHE

KLIMA

• sehr anpassungsfähige Kultur

• Anbau möglich bis 1.500 m, bei günstigen Lagen bis 1.700 m

• je nach Sorte und Lage ist eine Vlies- Abdeckung zu empfehlen!

Zu meiden sind:

• Staulagen:

Talsohlen oder Mulden (Kältestau/Hitzestress)

• Sehr sonnenexponierte Lagen:

Hohe Temperaturen (diese Stresssituation wirkt sich negativ auf die Fruchtgröße aus)

• Sehr windige Lagen:

Pflanzen trocknen im Winter aus (kann mit Vlies- Abdeckung reduziert werden)

BODEN Zu bevorzugen sind:

• tiefgründige humose Sandböden (Humusgehalt über 3% ist ideal)

• ausgeglichener Nährstoffgehalt

• pH-Wert im leicht sauren Bereich (pH 5,5 bis 6,5)

Zu meiden sind:

• schwere Böden:

erhöhte Gefahr einer Bodenverdichtung bzw. Staunässe (Dammanbau empfehlenswert)

• kalkhaltige Böden (pH > 7):

Mangelerscheinungen verschiedener Nährstoffe (Chlorosen)

VORKULTUR Gute Vorfrüchte

• Gemüse

• 1 bis 2-jährige Kunstwiesen

• Gründüngung: Ölrettich, Senf, Raygras, Roggen, Buchweizen, Schlechte Vorfrüchte

• Auf Naturwiesen können verstärkt Unkrautprobleme auftreten. Auch Drahtwürmer können in dieser Situation ein Problem darstellen

• Kartoffeln, Tomaten, Luzerne, Bohnen und Phacelia sind als Vorfrüchte zu vermeiden (Wurzelkrankheiten)

Zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit und Vermeidung von Pflanzenschutzproblemen ist eine strenge Fruchtfolge erforderlich.

2. BODENVORBEREITUNG

Die Bodenbearbeitung (Pflug, Fräse) soll mindestens 4 bis 5 Wochen vor der Pflanzung erfolgen, besser aber noch im Herbst, damit sich der Boden bis zur Pflanzung wieder setzen kann. Vor der Pflanzung erfolgt eine flache Bodenbearbeitung (Egge, Grubber) um aufgelaufenes Unkraut zu bekämpfen und ein krümeliges Pflanzbeet zu erhalten.

Vorsicht: Verdichtungen durch eine unsachgemäße Bo- denvorbereitung sind zu meiden.

Bei der Bodenvorbereitung kann ein gut verrotteter Mist (30 bis 40 m³ pro Hektar (100 dt = ca. 12 m³) zu einer Verbesserung der Bodenstruktur beitragen. Dieser sollte möglichst flach eingearbeitet werden.

Dieser sollte möglichst flach eingearbeitet werden. 3. DÜNGUNG Grundlage der Düngung stellt die Bodenanalyse

3. DÜNGUNG

Grundlage der Düngung stellt die Bodenanalyse dar, welche vor dem Anbau und in späterer Folge alle 5 Jahre durchgeführt werden soll.

3.1 ORGANISCHE DÜNGUNG (Gründüngung, Stallmist)

Organische Dünger ergänzen die Nährstoffversorgung, daher müssen die zugeführten Nährstoffmengen bei der mineralischen Düngungsplanung berücksichtigt werden:

daher müssen die zugeführten Nährstoffmengen bei der mineralischen Düngungsplanung berücksichtigt werden:

Reinnährstoffgehalt von Stallmist in kg Reinnährstoff pro 100 dt (= ca. 12 m3)

4. WASSERBEDARF UND BEWÄSSERUNG

Erdbeerkulturen stellen hohe Ansprüche an die Wasser- versorgung.

• N

38 kg

• P2O5

31 kg

Wassermangel führt zu erheblichen Ertrags- und

• K2O

55 kg

Qualitätseinbußen.

• MgO

15 kg

Wasserüberversorgung wirkt sich negativ auf die

3.2 MINERALISCHE DÜNGUNG

Wurzelbildung (vermehrt Wurzel- und Rhizomfäulen) und Pflanzengesundheit aus. Im Anschluss an die Pflanzung ist eine ausreichende

Bei Mangel eines Nährstoffes muss eine bedarfsgerechte Grunddüngung durchgeführt werden. Angestrebt wird die Versorgungsstufe C.

Bewässerung von großer Bedeutung, aber auch bei der Blatt- und Fruchtbildung benötigt die Pflanze ausreichend Wasser.

Nährstoffbedarf von Erdbeeren in kg Reinnähr- stoff/1.000 m² bei Versorgungsstufe C Ertrag: 1.400 kg/Jahr

Eine Abdeckung mit Stroh, Mulchfolie oder Mulchmatte senkt die Wasserverdunstung an der Oberfläche (geringerer Wasserverbrauch F Vorsicht Überversor-

• P2O5

4,5 kg

gung!) Die Wassermenge sollte je nach Bodenart und Witterung

• K2O

15,0 kg

bemessen werden (Tensiometer!)

• MgO

2,5 kg

Zu bevorzugen sind:

• sauer wirkende Dünger, da sie die Aufnahme von Spurenelemente wie Eisen und Mangan sicherstellen

• kleinere Düngegaben, in kürzeren Abständen

Zu meiden sind:

• chlorhaltige Düngemittel

• sehr hohe Einzel-Düngegaben, da Erdbeeren sehr salzempfindlich sind

Nährstoffe wie Phosphor, Kali, Magnesium, Calcium und Bor können vor der Pflanzbeetbereitung ganzflächig ausgebracht werden.

Stickstoffdüngung Wichtig: Einer Stickstoffdüngung sollte immer eine Beo- bachtung der Pflanzen, deren Wachstum, Blattgröße und -farbe, Trieblänge u. ä., sowie eventuelle N-min-Analysen vorausgehen. Die gesamte zur Kultur erforderliche Stick- stoffmenge hängt vom Humusgehalt, Temperatur und Struktur des Bodens ab. Der Bedarf an Stickstoff liegt bei etwa 6,0 kg pro 1.000 m².

Zu beachten:

• Stickstoff sollte immer in Form einer Kopfdüngung ausgebracht werden

• Stickstoff sollte nach Möglichkeit als Reihendüngung ausgebracht werden (nicht in Zwischenreihen!)

Nachteile einer zu hohen Stickstoffversorgung:

• starkes Wachstum und Ausläuferbildung, schwächere Blütenbildung

• höhere Anfälligkeit auf Krankheiten und Schädlinge

• erhöhte Kälteempfindlichkeit

• schlechte Qualität (Ausfärbung, Geschmack, Haltbarkeit, Fruchtfäule)

• Grundwasserbelastung durch Auswaschung

OBERFLÄCHENBEREGNUNG

• Eine mehrmalige kurze Beregnung an heißen Tagen kann die Umgebungstemperatur um einige Grad senken (Vorsicht: Eine Oberflächenberegnung während der Blüte und Fruchtreife fördert den Fäulnisbefall!)

Wichtig: Die Beregnung sollte morgens erfolgen!

TROPFBEWÄSSERUNG

• Es ist möglich gezielt zu beregnen (Früchte bleiben somit trocken!)

• Es werden erhebliche Wassermengen eingespart!

• Über die Tropfbewässerung kann auch mineralischer Dünger verabreicht werden

Allgemein: Ideal ist eine Kombination von Tropfbewäs- serung und Oberflächenberegnung.

5. PFLANZUNG

5.1 PFLANZMATERIAL

Zum Anbau stehen dem Produzenten folgende Setz- lingstypen zur Verfügung:

A) Grünpflanzen Frischsetzlinge (Eigenvermehrung)

• Es handelt sich um Grünpflanzen welche frisch gerodet werden.

• Sie besitzen nackte Wurzeln (bei der Pflanzung nicht einkürzen).

• Sie stellen hohe Ansprüche an die Wasserversorgung nach der Pflanzung und müssen eventuell über die Beregnung bei hohen Temperaturen gekühlt werden.

Achtung: Durch die Eigenvermehrung ist das Risiko der Vermehrung von Krankheiten sehr hoch!

Topfpflanzen

5.3

PFLANZABSTÄNDE

• Es handelt sich dabei um Grünpflanzen, welche in kleinen Töpfen herangezogen werden.

• Durch den Erdballen sind sie weniger stressempfindlich und können daher leichter und schneller anwurzeln.

• Da sie etwas weniger anspruchsvoll sind, erhöhen sie die Flexibilität bei der Pflanzung.

• Vor der Pflanzung müssen die Gebinde ausreichend bewässert werden.

B) Frigopflanzen Wurzelnackte Frigopflanzen Wartebeet, Setzlinge nach Rhizomstärke sortiiert Topf Traypflanzen in verschiedenen Topfgrößen

• Diese Frigopflanzen werden von November bis Jänner gerodet und bei -1,5 C° gelagert.

• Sie erlauben eine hohe Flexibilität bei der Wahl des Pflanztermins.

• Frigopflanzen weisen ein stärkeres vegetatives Wachstum, sowie eine höhere Ausläuferbildung als Grünpflanzen auf.

• Die Früchte von Frigopflanzen reifen auf gleichem Standort ca. 5 Tage später als die der Grünpflanzen

5.2 PFLANZZEITPUNKT

Grünpflanzen müssen Mitte Juli bis Anfang August gepflanzt werden. Nach Mitte August sollte keine Pflanzung mehr erfolgen (Auswinterungsschäden, erhöhte Krankheits- anfälligkeit und geringere Erträge).

Frigopflanzen sollten zwischen Ende Mai in Höhenla- gen und Anfang Juni im Talgebiet gepflanzt werden. Ein späterer Pflanztermin ist nicht ratsam. Am Tag vor der Pflanzung sind die Frigopflanzen aus dem Kühlraum zu nehmen und in einem dunklen, kühlen Raum aufzutauen. Einmal aufgetaut beginnen sie schnell zu treiben und sollten daher sofort gepflanzt werden.

zu treiben und sollten daher sofort gepflanzt werden. Pflanzgutbedarf • Einreihige Pflanzung: 35.000 - 45.000

Pflanzgutbedarf

• Einreihige Pflanzung:

35.000 - 45.000 Pflanzen/ha

• Zweireihige Pflanzung:

50.000 - 70.000 Pflanzen/ha

• Pflanzabstände richten sich nach Maschineneinsatz, angebauter Sorte und vorgesehener Kulturdauer (einjährige Bestände werden enger bepflanzt als zweijährige Bestände).

• Beim Anbau im Freiland muss darauf geachtet werden, dass den Pflanzen genügend Standraum gewährt wird.

Ein lockerer Pflanzbestand mindert erheblich den Krank- heitsdruck und erleichtert die Arbeit.

erheblich den Krank- heitsdruck und erleichtert die Arbeit. Abb. 1: Einreihige Pflanzung Abb. 2: Zweireihige Pflanzung

Abb. 1: Einreihige Pflanzung

und erleichtert die Arbeit. Abb. 1: Einreihige Pflanzung Abb. 2: Zweireihige Pflanzung 5.4 PFLANZTIEFE

Abb. 2: Zweireihige Pflanzung

5.4 PFLANZTIEFE

Frischsetzlinge

• hoch Pflanzen

• Wurzelhals leicht über der Erde

Pflanzen mit Topfballen

• Wurzelballen leicht mit Erde überdecken

Frigosetzlinge (wurzelnackt)

• etwas tiefer pflanzen als Frischsetzlinge

• Wurzelhals muss mit Erde bedeckt sein

Wichtig: Die Einhaltung der idealen Pflanztiefe ist sehr wichtig!

• Zu hoch gepflanzte Setzlinge sind austrocknungsge- fährdet und zudem frostempfindlicher. Die Bildung von neuen Wurzeln am Rhizom ist reduziert.

• Zu tief gepflanzte Setzlinge, deren Herz teilweise mit Erde überdeckt ist, entwickeln sich zögernd und werden häufig von Rhizomkrankheiten befallen.

Abb.3: Pflanztiefe der Frischsetzlinge Abb.4: Pflanztiefe der Pflanzen mit Topfballen Abb.5: Pflanztiefe der

Abb.3: Pflanztiefe der Frischsetzlinge

Abb.3: Pflanztiefe der Frischsetzlinge Abb.4: Pflanztiefe der Pflanzen mit Topfballen Abb.5: Pflanztiefe der

Abb.4: Pflanztiefe der Pflanzen mit Topfballen

Abb.4: Pflanztiefe der Pflanzen mit Topfballen Abb.5: Pflanztiefe der Frigosetzlinge 5.5 PFLANZSYSTEME

Abb.5: Pflanztiefe der Frigosetzlinge

5.5 PFLANZSYSTEME Pflanzung mit Stroheinlage

• Das Abdecken mit Stroh verbessert den Wasserhaushalt und schützt die Früchte vor Verschmutzung.

• Die Strohschicht verringert den Unkrautwuchs, verbessert die Bodenstruktur (wenn eingearbeitet) und schützt vor Erosionen.

• Die Stroheinlage erfolgt kurz nach der Vollblüte, bevor sich die Blütenstände zu Boden biegen.

• Strohbedarf:

- ganzflächige Abdeckung: 50 bis 80 dt pro Hektar

- Reihenabdeckung: 20 bis 50 dt pro Hektar.

• Es sollte nur Stroh von unkrautfreien Beständen verwendet werden.

Pflanzung mit Mulchfolie

• Eine Abdeckung mit Mulchfolie (PE-Folie) schützt vor Verunkrautung.

• Die abgedeckten Flächen neigen deutlich weniger zur Vernässung.

Wichtig: Mulchfolie verhindert Wasserverdunstung des Bodens, deshalb entsprechend bewässern! Tensiometer sind hierfür sehr hilfreich.

• Die Mulchfolie hat den Vorteil einer geringeren Stick- stoff- bzw. Nährstoffauswaschung.

• Da die Oberfläche nach Niederschlägen schnell abtrocknet, tritt vermindert Fäulnis auf, die Mulchfolie schützt die Früchte vor Verschmutzung.

• Mit der schwarzen Mulchfolie kann man die Ernte verfrühen, mit der weißen Mulchfolie verspäten.

• Es werden 1.000 bis 1.100 kg Mulchfolie pro Hektar benötigt.

• Eine Folienabdeckung ist in Hanglagen nur bedingt einsetzbar (Erosionsgefahr). Dieser Gefahr kann aber durch Begrünung der Fahrgassen oder durch Ausbrin- gung einer Strohschicht entgegengewirkt werden.

• Eine Tropfbewässerung ist notwendig.

• Die Mulchfolie hat den Nachteil, dass die Pflanzen anfälliger auf Frostschäden sind. Daher ist eine Vlies- Abdeckung der Frigopflanzen im Winter notwendig.

• Bei Abdeckung mit Mulchfolie muss auf Mäuse und Schnecken geachtet werden (Winterquartier).

• Die Mulchfolien sind in verschiedenen Breiten und Stär- ken erhältlich, z. B. von 0,7 bis 6,0 m breit und 0,03 bis 0,10 mm stark.

Pflanzung mit Mulchmatte

• Die Mulchmatte (Bändchengewebe) vereinigt alle Vorteile der Mulchfolie, und ist zudem noch durchlässig für Wasser und Dünger.

• Ein Einsatz von Oberflächenberegnung ist möglich.

• Sie ist stärker strapazierfähig (befahrbar, lange Lebensdauer).

• Mulchmatten sind in den Breiten von 1,25 m, 2,5 m und 5 m erhältlich.

6. PRODUKTIONSVERFAHREN

6.1 ERNTEVERFRÜHUNG

• Verwendung frühreifer Sorten

• Abdeckung mit begehbaren Folientunnels, kleinen Folientunnels, Lochfolie oder Vlies

• Bodenabdeckung mit schwarzer Mulchfolie

• Früchte von Grünpflanzen reifen auf selbem Standort bis zu 5 Tage früher als Früchte von Frigopflanzen

6.2 ERNTEVERSPÄTUNG

Anbau in Höhenlagen

• Der Anbau in Höhenlagen bewirkt eine natürliche Ernteverspätung (3 - 5 Tage / 100 Höhenmeter).

• Die Höhenlage bringt zusätzlich Vorteile bei der Ausprägung des Aromas, der Farbe und der Haltbarkeit der Früchte, sowie im geringeren Schädlingsbefall der Pflanzen.

• Ideal sind Lagen, in denen der natürliche Erntebeginn Mitte bis Ende Juli liegt und die Ernte im August endet.

• Pflanzzeitpunkt: Frigopflanzen bis Ende Mai, Grün- pflanzen bis Mitte Juli.

Sommerkultur mit Frigopflanzen (Terminkultur)

• Diese Anbauart ermöglicht es, die Ernte auf einen bestimmten Termin zu programmieren.

• Es sollten keine andauernden hohen Temperaturen auftreten, und es sollte eine hohe Luftfeuchtigkeit vorherrschen.

• Es muss ausreichend Wasser vorhanden sein, vor allem nach der Pflanzung.

• Es muss das geeignete Pflanzmaterial verwendet werden, und zwar besonders kräftige Frigopflanzen

• Die Pflanzung kann ab Mitte Mai bis Mitte Juni erfolgen.

• Die Dauer von der Pflanzung bis zum Erntebeginn be- trägt 7 bis 9 Wochen.

Anbau remontierender Sorten Zum Unterschied zu den normalen Erdbeersorten, bilden remontierende Sorten während der gesamten Vegetati- onsperiode Blüten und Früchte. Nur die ersten Früchte eines jeden Blütenstandes haben eine ausreichende Größe. Nach deren Abernten wird der gesamte Blüten- stand abgebrochen und auf das Heranreifen der nächsten

Früchte gewartet. Auf diese Art ist es möglich Erträge bis zum ersten Frosteintritt zu erzielen.

• Die Pflanzung dieser Sorten erfolgt so früh wie möglich, spätestens mit Ende April

• Die Ernte beginnt Ende Juni. Die ersten Blütenstände werden entfernt.

• Diese Produktionsart ist bzgl. Kulturführung und Pflan- zenschutz problematisch.

Wichtig: Der Anbau von remontierenden Sorten eignet sich nur auf „frühen“ Standorten. Ein Regenschutz (Foli- entunnel) ist zu empfehlen!

Weitere Möglichkeiten der Reifeverspätung:

• Bodenabdeckung mit weißer Mulchfolie

• Winterabdeckung der Pflanzen mit Stroh

Mulchfolie • Winterabdeckung der Pflanzen mit Stroh 6.3 PRODUKTIONSDAUER Der Anbau sollte sich auf eine 1-

6.3 PRODUKTIONSDAUER Der Anbau sollte sich auf eine 1- bzw. 2-jährige Kultur beschränken. Bei mehrjähriger Kulturdauer nimmt der Krankheitsdruck zu und die Fruchtqualität ab.

Einjährige Kultur:

Pflanzjahr (kein Ertrag) + 1 Ertragsjahr

• Grünpflanzen

• schwache Frigopflanzen (alle Blüten werden im Pflanzjahr ausgebrochen) Vorteile

• Sehr hohe Ausbeute an großen Früchten

• Geringe Pflanzenschutzprobleme

• Hohe Ertragsleistung

Nachteile

• Hohe Kosten durch jährliche Neupflanzung

• Hohes Ertragsrisiko

Einjährige Kultur:

Pflanzjahr (Ertrag) + weiteres Ertragsjahr

• Große Frigopflanzen

Vorteile

• Erster Ertrag bereits im Pflanzjahr

• Anlagekosten auf zwei Jahre verteilt (geringeres Risiko) Nachteile

• Höhere Pflanzgutkosten

• Fruchtgröße im 2. Jahr kleiner

Zweijährige Kultur:

Pflanzjahr (kein Ertrag) + 2 Ertragsjahre

• Grünpflanzen

• schwache Frigopflanzen (alle Blüten werden im Pflanzjahr ausgebrochen) Vorteile

• Anlagekosten auf zwei Jahre verteilt

• Geringeres Risiko

Nachteile

• Fruchtgröße im 2. Ertragsjahr geringer

• Vermehrte Pflanzenschutzprobleme

Um die Produktionskosten zu optimieren sind 2 Ertrags- jahre anzustreben. Wichtig dabei ist, dass der Bestand im 2. Ertragsjahr nicht zu üppig wird, damit die Pflanzen nach dem Regen rasch abtrocknen.

7.

PFLEGEMASSNAHMEN

LAGERUNG

WINTERSCHUTZMASSNAHMEN

• Erdbeerkulturen sind sehr anfällig für Winterschäden

• Das Rhizom ist sehr austrocknungsgefährdet

• Empfindlich sind vor allem Frigopflanzen und Dammkulturen mit Mulchfolienabdeckung. In solchen Fällen müssen Schutzmaßnahmen ergriffen werden

• Erdbeerkulturen kann man mit Agryl – Vlies (35 g pro m² bzw. zwei Schichten zu je 17 g pro m²) wirksam vor Austrocknung schützen

• Bei starker Sonneneinstrahlung im Frühjahr muss das Vlies aber entfernt, und bei erneuten Kälteeinbrüchen wieder ausgelegt werden, ansonsten werden Blüte und Ernte verfrüht (Spätfrostschäden).

• Es ist auch der Einsatz einer Strohschicht als Kälteschutz möglich (Ernteverzögerung).

Strohschicht als Kälteschutz möglich (Ernteverzögerung). 8. ERNTE PFLÜCKLEISTUNG UND ARBEITSAUFWAND Die

8. ERNTE

PFLÜCKLEISTUNG UND ARBEITSAUFWAND Die Pflückleistung hängt ab von:

• der Sorte (Fruchtgröße, „Pflückbarkeit“)

• vom Pflegezustand der Anlage

• vom Alter der Kultur (umso älter desto dichter der Be- stand)

• Witterung (kühles Wetter = verzögerte Fruchtreife)

Man benötigt pro Hektar 10 bis 15 Arbeitskräfte. Der Ertrag variiert je nach Sorte, Anbausystem, Pflegezustand und Klima zwischen 1.500 kg und 2.000 kg pro 1.000 m² und Jahr.

Bei durchschnittlichen 7 bis 10 kg pro Stunde Pflücklei- stung, beträgt der Arbeitsaufwand 100 bis 200 Arbeits- kraftstunden pro 1.000 m² und Saison.

ERNTEABLAUF UND QUALITÄTSERHALTUNG

• Es ist empfehlenswert die Erdbeeren in den kühleren Tagesstunden zu ernten

• Die Beeren müssen so schnell wie möglich in einem kühlen Raum eingelagert oder unter eine schattenspen- dende Überdachung mit guter Durchlüftung gebracht werden.

• Die Erdbeere besitzt eine sehr kurze Haltbarkeit.

• Eine vollreife Frucht ist nur für den sofortigen Konsum geeignet, nicht aber für die Lagerung und den Transport.

Die Lagerfähigkeit hängt ab von:

• der Sorte

• Witterung während der Ernte

• den Reifegrad

• der Pflege der Kultur

• einer lückenlosen und einwandfreien Kühlkette (vom Anbauer bis zum Konsument)

9. SORTEN

Bewährte Sorten im Freilandanbau (gereiht nach Reife- zeit)

Darselect

Reife: frühe Reifeperiode (kurz vor Elsanta)

Wuchs: kräftiger Wuchs und sehr robust

Frucht: große bis sehr große Früchte und relativ fest bzw. haltbar, guter Geschmack, große Kelchblätter. Fruchtfarbe tendenziell matt (Vorsicht N-Düngung!)

Bemerkungen: Ertrag mittelmäßig bis hoch, mittlere Mehltauanfälligkeit, für alle Vermarktungsarten mittelmäßig bis gut geeignet. Pflanzmaterial nur über den Züchter DARBONNE (Frankreich) erhältlich.

Clery

Reife: frühe Reifeperiode

Wuchs: mittelkräftig mit durchschnittlicher

Pflanzdichte. Die Pflanze ist sehr robust und tolerant

gegen Blatt- und

Wurzelkrankheiten

Frucht: einheitliche Größe, eine hellrote Farbe und gute Haltbarkeit, geschmacklich hervorragend, im Laufe der Ernte verliert die Frucht sehr bald an Größe, vor allem im zweiten Standjahr ist die Fruchtgröße nur mäßig.

• Bemerkungen: Sie stellt keine speziellen Ansprüche an den Boden, der Ertrag reicht von schwach bis durchschnittlich, sie reift etwa eine Woche vor Elsanta. Der Anbau von Clery steigt in Europa stetig an, sie ist geeignet für die Direktvermarktung und den Frischmarkt.

Elsanta. Der Anbau von Clery steigt in Europa stetig an, sie ist geeignet für die Direktvermarktung

Arosa

Reife: mittelfrüher Reifebeginn, lange Ernteperiode, Erntebeginn wie Elsanta

Wuchs: dichte Laubenentwicklung, mittelstarker Wuchs

Frucht: langsam reifende, große, gleichmäßige Beeren, leuchtend rote Farbe, sehr feste und durchschnittlich aromatische Frucht. Frucht schmeckt gut (hoher Zuckergehalt)

Bemerkungen: hoher Ertrag, relativ widerstandsfähig gegen Mehltau, anfällig für Antracnose. Eignet sich gut auf schwere Böden (Alternative zu Elsanta). Gut geeignet für den Frischmarkt

Elsanta

Reife: mittelfrühe Reifeperiode

Wuchs: kräftigen, jedoch nicht zu üppiger Wuchs und helles Laub

Frucht: sehr attraktiv glänzend und zeigt sich in hellem Rot mit grünen Spitze, sehr gut haltbar und transportfest, zu Beginn ist die Frucht relativ groß, jedoch wird sie bald kleiner; sehr leicht pflückbar

Bemerkungen:

Verlangt lockere, luftige Böden! Empfindlich gegen Rote Wurzelfäule, Rhizomfäule und Verticilliumwelke, sehr anfällig gegen Mehltau; sehr kälteempfindlich (eine Vlies-Abdeckung ist unbedingt notwendig). Ertrag reicht von durchschnittlich bis hoch. Elsanta ist die am meisten verkaufte Erdbeersorte in Europa auf dem Frischmarkt, Hauptsorte im Erwerbsanbau

Marmolada

Reife: mittelfrühe Reifeperiode

Wuchs: mittelstarker Wuchs und dunkles Laub

Frucht: mittelgroß, während der Ernte eine relativ einheitliche Fruchtgröße, homogene rote Farbe, wird bei sehr warmem Klima sehr dunkel, im trockenen Zustand relativ gut haltbar, aber bei stärkerem Regen anfällig für Fäulnis, Aufspringen der ersten Früchte bei hoher Feuchtigkeit (sortentypisch)

Bemerkungen: Ertrag ist sehr hoch, relativ winterfest, wenig anfällig für Wurzelkrankheiten, eignet sich gut für den Frischmarkt, ist aber nur in Lagen über 1.200 m zu empfehlen, nicht geeignet für den Ab- Hofverkauf

Galiaciv

Reife: spät, reift ca. 5 Tage nach Elsanta

Wuchs: kräftig Wuchs, hoher Kältebedarf im Winter.

Frucht: einheitlich helle, orange-rote, große runde Frucht, bei höheren Temperaturen relativ druckempfindlich, mit mäßig durchschnittlichem Geschmack

Bemerkungen: hohe Erträge

Joly

Reife: mittlere bis späte Reifeperiode

Wuchs: mittel bis kräftig, jedoch nicht zu üppiger Wuchs, hoher Kältebedarf im Winter.

Frucht: konisch-längliche Frucht mit festen Kelchblätter, die bei reifen Früchten nach hinten klappen, gute Fruchtgröße die während der gesamten Ernte anhält, einheitliche feste, dunkel-glänzende Früchte mit gutem Geschmack

Bemerkungen: robuste Pflanze auch auf schwächeren Böden. Ertrag reicht von durchschnittlich bis hoch, wobei sich die Ernte in die Länge zieht.

bis hoch, wobei sich die Ernte in die Länge zieht. SORTEN FÜR DEN ANBAU UNTER TUNNEL

SORTEN FÜR DEN ANBAU UNTER TUNNEL Immertragende (remontierende) Sorten

Evi 2

Wuchs: durchschnittlicher Wuchs

Frucht: heller und größer als Everest, Geschmack mittel

Bemerkungen: ist eine Weiterzüchtung von Everest, Ertrag ist geringer. Pflanzzeitpunkt so früh wie möglich, starke Pflanzen bringen die besten Ergebnisse.

Es gibt erste Anbauerfahrungen mit den Sorten Linosa, Ischia und Florin. Zurzeit jedoch nur für den Versuchsan- bau zu empfehlen; muss noch beobachtet werden.

Linosa

Wuchs: durchschnittlicher Wuchs, mit mittelmäßigem Blattstand, gute Toleranz gegenüber Pilzkrankheiten, eine frühreife Sorte unter den Immertragenden, mit einem kleinen Peak gegen Ende der Ernte.

Frucht: regelmäßig große, konische Früchte mit hellroter glänzender Farbe und gutem Geschmack

Bemerkungen: sehr gutes Shelf Life.

Ischia

Wuchs: starker Wuchs, sehr tolerant gegenüber den gängigen Pilzkrankheiten, leicht anfällig gegenüber Mehltau

Frucht: regelmäßig große, konische Früchte mit kleinem Kelchblatt, intensiv roter Farbe und gutem Geschmack

Bemerkungen: konstante und lange Erntephase und sehr gutes Shelf Life.

Florin

Wuchs: starker Wuchs, keine großen Ansprüche an den Boden

Frucht: schöne Früchte, ähnlich Elsanta, glänzend, guter Geschmack, nicht sehr süß aber frisch

Bemerkungen: gute Erträge, ohne Spitzen

Autoren: Gamper Peter, MEG Martell; Schmuhl Joachim, EGMA Vilpian; Zago Max, Versuchszentrum Laimburg

Stand: 2013