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Ausgabe 07 | Herbst 2015 WimadiMu Das Magazin zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik!

Ausgabe 07 | Herbst 2015

WimadiMu

Das Magazin zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik!

zum kulturellen Bildungsprogramm Wir machen die Musik! Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserin und lieber

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserin und lieber Leser,

überall in Niedersachsen bringen ausgebildete Fachlehrkräfte der Musikschulen in wöchentlicher Regelmäßigkeit Musik in die Kitas und Grundschulen. Sie sind dort gerne gesehen, denn nicht nur tau- sende Kinder profitieren von den musikalischen Angeboten, sondern auch viele pädagogische Fachkräf- te, Lehrkräfte und Mitarbeiter in den Einrichtungen.

Angebote der Musikschulen wie etwa das gemeinsame Musizieren im Klassenorchester, das morgendliche Begrüßungslied im Stuhlkreis oder die Proben für ein selbstinszeniertes Mu- siktheater machen nicht nur großen Spaß und bieten allen Kindern die Möglichkeit der Teilhabe. Sie sind auch eine sinn- volle Ergänzung formaler Bildungsangebote und helfen bei der Strukturierung des pädagogischen Alltags. Vor allem bringen sie dauerhaft Vielfalt und eine neue Qualität in die Einrichtungen. Die von der niedersächsischen Landesregierung gestartete Musikalisierungsinitiative ist eine echte Erfolgsgeschichte – und zwar von Anfang an. Heute hat Wir machen die Musik! einen festen Platz in der Bildungslandschaft der niedersäch- sischen Kommunen. Natürlich basiert dieser Erfolg auf dem

Engagement vieler Beteiligter, denn die Verantwortung für die gelingende Zusammenarbeit vor Ort ist immer auf meh- rere Schultern verteilt. Nicht zuletzt stellen die kommunalen Träger der Musikschulen, die Kooperationspartner, Eltern und örtliche Sponsoren die Finanzierung der Angebote sicher, deren Kosten maximal zur Hälfte vom Land Niedersachsen getragen werden. Wir machen die Musik! ist Land und Kommunen viel Wert. Welche kultur-, bildungs- und sozialpolitischen Ziele verfol- gen die Einrichtungsträger eigentlich mit den musikalischen Bildungskooperationen? Nach welchen Kriterien wird das Pro- gramm in den Kommunen gesteuert? Welche Zukunftspoten- ziale sehen die Verantwortlichen für Wir machen die Musik!? In der aktuellen Ausgabe unseres Wimadimu-Magazins sind wir u. a. diesen Fragen nachgegangen und haben einige inter- essante Antworten darauf erhalten.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen

darauf erhalten. Viel Spaß bei der Lektüre wünscht Ihnen Klaus Bredl Geschäftsführer des Landesverbandes

Klaus Bredl Geschäftsführer des Landesverbandes niedersächsischer Musikschulen

Der Bedarf ist riesig In Oldenburg arbeiten Kulturamt und Musikschule als kommunale Träger von „Wir

Der Bedarf ist riesig

Der Bedarf ist riesig In Oldenburg arbeiten Kulturamt und Musikschule als kommunale Träger von „Wir machen

In Oldenburg arbeiten Kulturamt und Musikschule als kommunale Träger von „Wir machen die Musik!“ in der musikalisch-kulturellen Bildung eng zusammen. Wir haben Christiane Cordes, Leiterin des Kulturamtes, und Holger Den- ckmann, Leiter der Musikschule der Stadt Oldenburg zum Gespräch getroffen und einmal nachgefragt, welche Stellung „Wir machen die Musik!“ in der kulturellen Bildungsarbeit der Stadt einnimmt.

Frau Cordes, Sie sind als Leiterin des Kulturamtes für die Gesamtstrategie des kulturellen Bildungsangebotes in Oldenburg verantwortlich. Können Sie Ihre Strategie kurz beschreiben? Christiane Cordes: In Oldenburg verfolgen wir mit Kultur – wie jede Kommune – bestimmte Ziele. Eines unserer wichtigsten Ziele ist die Möglichkeit von Teilhabe. Und wenn wir über Teilhabe sprechen, bedeutet das, dass man nicht nur einfach Angebote wie Museen und ähnliches vorhält, sondern eben auch zielgruppengenaue Angebote erarbeitet und durchführt, sodass Teilhabe in der Praxis wirklich funktionieren kann. Das Kulturamt fungiert hierbei als Nahtstelle zwischen den fachlichen Einrichtungen, in diesem Fall also der Musik- schule, und den Entscheidungsträgern der Stadt.

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„Wir machen die Musik!“ ist ein Programm, das Teilhabe ermöglicht, es fügt sich also in diese Gesamtstrategie ein. Wie viele Kinder nehmen in Oldenburg denn teil? Holger Denckmann: Derzeit nehmen 1.069 Kinder an zehn Kitas und sieben Grundschulen am Programm teil. In den Kitas versuchen wir wirklich alle Kinder mit dem jeweiligen Angebot zu erreichen. Unser Oldenburger System sieht vor, dass die Erzieherin gemeinsam mit den Kindern und der Musikschullehrkraft Musik macht und parallel dazu eine Weiterbildung bekommt, damit wir irgendwann aus der Kita wieder herausgehen können und es trotzdem weitergeht. CC: Auch kulturpolitisch ist dieser frühe Ansatz in Kitas und Grundschulen sehr wichtig, da man hier alle Kinder einer Altersstufe vorfindet. Durch die Institution stellt man sofort Teilhabe her. Es gibt auch andere Angebote, in denen es schon exklusiver zugeht und der Grund dafür, uns an Wir machen die Musik! zu beteiligen, ist, dass dort Chan- cengleichheit gegeben ist. Auch deswegen haben wir uns entschlossen, keine Beiträge zu verlangen und Erzieher und Lehrer zu schulen, sodass auch über den Tag hinaus noch Wirkungen erzielt werden. Gibt es denn messbare Effekte einer Bindung an die Musik- schule, wenn Kinder aus dem Kita- und Grundschulbereich herauswachsen? HD: Natürlich gibt es hier Transfereffekte in das Regelange- bot der Musikschule hinein, aber die Kooperation einzugehen, um Leute für unser Kerngeschäft zu gewinnen, kann ei- gentlich gar nicht unser Ansatz sein. Es geht wirklich darum, absolut schwellenlos jeden mitzunehmen: Es gibt einmal die Woche Musik als normalen Bestandteil der Kita, ohne An- meldung, ohne Fragen, ohne Hürden, jeder ist dabei. Mit dem Programm wecken wir auch Bedarf nach mehr und erhöhen damit auch die Nachfrage an Musikschulangeboten. Die Kitaangebote sind in Oldenburg für die Eltern kostenlos. Wie gestaltet sich das Modell der Co-Finanzierung? HD: Die Musikschule bekommt die Landeszuschüsse und der Differenzbetrag wird vom Haushalt der Stadt Oldenburg mitgetragen. Dieser ist aber nicht als Haushaltsposten so benannt, sondern die Musikschule finanziert aus eigenen Mitteln quer.

Dieser ist aber nicht als Haushaltsposten so benannt, sondern die Musikschule finanziert aus eigenen Mitteln quer.
Haben Sie schon einmal daran gedacht, noch andere Finan- zierungsmöglichkeiten, z. B. durch Stiftungen oder
Haben Sie schon einmal daran gedacht, noch andere Finan- zierungsmöglichkeiten, z. B. durch Stiftungen oder
Haben Sie schon einmal daran gedacht, noch andere Finan- zierungsmöglichkeiten, z. B. durch Stiftungen oder

Haben Sie schon einmal daran gedacht, noch andere Finan- zierungsmöglichkeiten, z. B. durch Stiftungen oder Sponso- ren aufzutun? HD: Ja, aber das eingeworbene Geld wurde nicht dafür verwendet, bestehende Finanzlücken zu füllen, sondern um wieder zwei neue Einrichtungen parallel zum Programm vergleichbar gut zu betreuen. CC: Man muss überlegen, ob so ein Programm durch Sponso- ring längerfristig getragen werden kann. Auch in Oldenburg sind viele Kultureinrichtungen auf Sponsorengelder ange- wiesen, gleichzeitig stehen den Stiftungen durch anhaltend niedrige Zinsen immer weniger Mittel für Projektförderungen zur Verfügung. Deshalb muss man als Kommune immer wie- der abwägen, ob man sich auf den Sponsorenmarkt begibt. Zumal ja auch Aufwendungen notwendig sind, um Gelder zu akquirieren. Wie sieht die Finanzierung bei den Grundschulangeboten aus? HD: Die ist unterschiedlich. Die Singklassen in einem Olden- burger Bezirk, in dem auch sozial benachteiligte Kinder leben, sind kostenfrei, weil es bei diesem Angebot z. B. auch darum geht, den Spracherwerb zu fördern. Wir haben uns hier für ein niedrigschwelliges Angebot ohne Beiträge entschieden. Aber wir haben auch Schulen, die selbst etwas dazugeben und es gibt eine Schulkooperation, bei der die Eltern einen Beitrag bezahlen. Wie ist ihre grundsätzliche Meinung zum Finanzierungsmo- dell von „Wir machen die Musik!“ mit einer 50-prozentigen Finanzierung durch das Land? CC: Ich würde schon sagen, dass das Glas halb voll ist! Wir freuen uns, wenn es eine Co-Finanzierung durch das Land Niedersachsen gibt. Zum einen, weil es auf der ganz prag- matischen finanziellen Ebene hilft, aber auch weil es die Wertschätzung des Landes für kulturelle Bildung und Chan- cengleichheit ausdrückt. Außerdem ist das Land Niedersach- sen ein akzeptierter Qualitätsgarant, was uns auch vor Ort weiterhilft, z. B. um weitere Mittel einzuwerben.

vor Ort weiterhilft, z. B. um weitere Mittel einzuwerben. In Oldenburg sind sieben Schulen und zehn

In Oldenburg sind sieben Schulen und zehn Kitas am Pro- gramm beteiligt. Gibt es weiteren Bedarf am Programm? HD: Es gibt einen riesigen Bedarf. Wir haben eine Kitawarte- liste und bei den Grundschulen wird gerade der Ausbau von Ganztagsangeboten sehr vorangetrieben. Da ist der Bedarf nach kostenfreien Angeboten auch sehr hoch. Die Stadt ist dauernd mit neuen Herausforderungen kon- frontiert, ein aktuelles Thema ist die momentane Flücht- lingssituation. Müssen Sie, wenn solche neuen Themen auf Sie zukommen, Partei ergreifen für die kulturelle Bildung? CC: Ich würde sagen, dass kulturelle Bildung mit der Inte- gration von Flüchtlingen Hand in Hand gehen kann und wird. Denn wenn wir möchten, dass sich Flüchtlinge hier schnell heimisch fühlen, und auch unsere Kultur und unsere Gesell- schaft kennenlernen, dann sind gerade Projekte der kultu- rellen Bildung hilfreich. Außerdem können wir in Oldenburg bei Angeboten für Kinder mit den Kitas und den Schulen an bestehende Strukturen und Netzwerke anknüpfen, etwa über Wir machen die Musik!. Was wünschen Sie sich für „Wir machen die Musik!“ in der Zukunft? HD: Ich würde mir wünschen, dass Wir machen die Musik! weitergeht. Damit steht und fällt sehr viel. Denn unsere Stunden sind begrenzt und wenn die Gelder aus dem Land wegfallen sollten, ist die Rechnung einfach gemacht: Das Programm, wie es jetzt besteht, wäre nicht ansatzweise finanziert und man müsste es einfach so weit herunterfah- ren, dass man wieder auf den gleichen Kosten ankommt, die wir jetzt haben. Wir wollen aber gerne versuchen, das Angebot in seiner jetzigen Form aufrechtzuhalten oder sogar noch weiter auszubauen, wenn es die Finanzlage und unsere Personalressourcen zulassen. Liebe Frau Cordes, lieber Herr Denckmann, vielen Dank für das Gespräch.

zulassen. Liebe Frau Cordes, lieber Herr Denckmann, vielen Dank für das Gespräch. WimadiMu | Ausgabe 07
zulassen. Liebe Frau Cordes, lieber Herr Denckmann, vielen Dank für das Gespräch. WimadiMu | Ausgabe 07
zulassen. Liebe Frau Cordes, lieber Herr Denckmann, vielen Dank für das Gespräch. WimadiMu | Ausgabe 07

WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015

Ein gemeinsames Werk In den vergangenen beiden Schuljahren konnten knapp 3.800 Vorschulkinder an 50

Ein gemeinsames Werk

In den vergangenen beiden Schuljahren konnten knapp 3.800 Vorschulkinder an 50 Kindertageseinrichtungen der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover kostenfrei am Musikalisierungsprogramm teilnehmen. Dies wurde ermöglicht durch eine Co-Finanzierung des Diakonischen Werks. Das WimadiMu-Magazin sprach mit Regina Struwe, Referentin für Kindertageseinrichtungen beim Diakonischen Werk über das Projekt „Mit Leib und Seele“.

„Wir machen die Musik!“ lief schon ein paar Jahre, als Sie als Co-Förderer mit dem Projekt „Mit Leib und Seele“ ein- gestiegen sind. Wie sind Sie auf das Musikalisierungspro- gramm aufmerksam geworden? Da ich selber Musikschullehrerin gewesen bin, verfolge ich diesen Bereich aufmerksam. Ich kannte das Programm von Beginn an, denn ich war in der Fachgruppe, die die Richtlini- en für den Bereich Kita geschrieben hat. Das Programm ist eine gute Möglichkeit, Kinder im frühen Alter musikalisch zu fördern. Sie haben für die Co-Förderung insgesamt 82.000 € be- reitgestellt, die von verschiedenen Partnern kamen: von der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, der Klosterkammer Hannover, der Hanns-Lilje-Stiftung und dem Diakonischen Werk evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

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Wie konnten Sie diese Partner für die Förderung gewinnen? Es hatte ein Vorgängerprojekt gegeben, wo lediglich eine Mu- sikerstelle finanziert worden ist und nur ein Kirchenkreis pro- fitiert hat. Dieses Projekt war ausgelaufen und dann erreich- te mich der Anruf des Oberlandeskirchenrates Dr. Grünwaldt, der mich fragte, wie wir bei Kindern sinnvoll das frühe Singen fördern könnten. Da habe ich ihm dieses Projekt vorgeschla- gen und er hat sofort Ja gesagt. Die anderen Förderer sind dann mit ins Boot gekommen. Was haben Sie in den letzten beiden Jahren Projektförde- rung für Rückmeldungen aus den Kitas bekommen? In den Kitas ist das Projekt sehr gut angekommen. Eine positive Erfahrung war vor allem, dass zwischen den Mu- sikschullehrkräften und den Erzieherinnen ein Arbeiten auf Augenhöhe möglich war. Es war ein gemeinsames Werk ohne Konkurrenz. Die Erzieherinnen, Kinderpflegerinnen und Sozialassistentinnen konnten sich in der Teamarbeit sehr gut etwas vom Spezialwissen der Musikschullehrkraft abgucken und haben sich auch getraut zu singen und zu musizieren. Sie haben gemeinsam musiziert und besprochen, wie das Angebot in den Alltag der Kita hineinpasst. Ich habe auch viele positive Rückmeldungen dazu bekommen, dass Singen eine Schnittstelle zu mehreren Lernbereichen ist: Es wird die kognitive Entwicklung, das soziale Miteinander, die Konzen- tration und natürlich auch der musisch-kreative Bereich und die Sprachentwicklung gefördert. Dadurch konnten Kinder gefördert werden, die sonst einen schwierigeren Zugang zur

und die Sprachentwicklung gefördert. Dadurch konnten Kinder gefördert werden, die sonst einen schwierigeren Zugang zur
Gruppe gehabt hätten und zwar in allen Altersstufen. Sogar die kleinsten Krippenkinder haben das Angebot

Gruppe gehabt hätten und zwar in allen Altersstufen. Sogar die kleinsten Krippenkinder haben das Angebot so aufgeso- gen, dass sie beim zweiten Termin schon vor dem Beginn der Stunde gewartet haben, um wieder singen zu können! Auch konnten durch geteilte Stunden oft alle Kinder einer Krippe erreicht werden, obwohl es insgesamt nur eine Wochenstun- de Unterricht gab. Die Erzieherinnen haben sich also einiges einfallen lassen und das Programm gut in den Alltag einge- bettet. Das war äußerst positiv. Sie haben für die Erzieherinnen auch Fortbildungen angebo-

ten. Wie wurden diese Fortbildungen angenommen? Unsere Fortbildungen wurden von Kantorinnen und Kanto- ren geleitet, die im Bereich Singen mit Kindern Erfahrungen haben. Diese besonders geschulten Kantoren wurden mir vom Michaeliskloster empfohlen und vermittelt. Die Fortbil- dungen sind sehr gut angenommen worden und die Erziehe- rinnen hätten sich gerne mehr gewünscht, da es seitens des Kultusministeriums kaum Fortbildungsangebote für sie gibt.

Und in der Erzieherausbildung spielt das praktische Musizie- ren heute so gut wie keine Rolle mehr, was ich gar nicht gut finde. Deswegen unterstützen wir Vorstöße zur Modulari- sierung der Erzieherinnenausbildung, sodass das Singen und Musizieren hier wieder Einzug hält. Denn nur durch Fortbil- dungen und Fachberatung können wir diese Defizite in der

Ausbildung nicht

können wir diese Defizite in der Ausbildung nicht Gab es von den Förderern Auflagen, dass das

Gab es von den Förderern Auflagen, dass das Projekt in ei- nen kirchlichen Jahresrhythmus integriert sein musste oder

ähnliches? Die Musikschullehrkräfte waren frei, aber ich denke schon, dass es den Leitungen und den Erzieherinnen gelungen ist, bestimmte Lieder aus dem evangelischen Kontext miteinzu- beziehen. Das habe ich vielfach gehört. Im Harz habe ich zum Beispiel einen Gottesdienst besucht, in dem eine Mischung aus weltlichen und geistlichen Liedern gesungen wurde, genauso wie neues christliches Liedgut, das auch Kinder sehr anspricht. Das ist ganz ohne Auflagen berücksichtigt worden und klappte innerhalb der Absprachen zwischen Musikschul- lehrkraft und Erzieherin.

Wie geht es nun – nach zwei Jahren Förderung – bei den Kitas mit der Musik weiter? Viele haben bedauert, dass das Projekt nicht weiterläuft und mich angerufen, um sich Tipps zu holen, wie sie weiterarbei- ten können. Einige haben Wege gefunden, wie sie mit einem Förderverein oder mit Spenden das Projekt noch mal um ein Jahr verlängern können und es wurden lokal sehr unter- schiedliche Quellen aufgetan. Mitunter haben sich Kirchen- kreise bereiterklärt, das Projekt noch weiter zu fördern. Von unserer Seite ist eine Verlängerung leider nicht möglich, da

wir so viele andere Themen und Problemgruppen haben. Wir haben Beratungsfelder von der Altenarbeit bis zum Freiwilli- genamt und es gibt so viele Gruppen mit Förderbedarf, dass ich da leider keine Chance sehe. Allenfalls könnte es sein, dass Musik ein Schwerpunkt im Beratungsfeld für Kinderta- gesstätten wird, sodass man Einrichtungen berät und ihnen zeigt, wo sie Hilfe finden können. Es ist zum Beispiel gerade ein Buch herausgegeben worden, „Singen im evangelischen Kindergarten“ von Beate Quaas. Dieses Buch bietet einige Lieder, die methodisch eingeführt werden, sodass man sie gut in den Alltag integrieren kann. Das Buch wird jetzt auf ei- ner Seminarreihe vorgestellt und alle beteiligten Kitas haben es schon bekommen. So kann man vielleicht eine Brücke in den Kita-Alltag schlagen. Welchen Kindergärten würden Sie besonders zu einer Teil- nahme am Musikalisierungsprogramm raten? Insbesondere allen Kindergärten, die jetzt Flüchtlingskinder

allen Kindergärten, die jetzt Flüchtlingskinder flächendeckend ausgleichen. aufnehmen. Denn hier gibt es
flächendeckend ausgleichen.
flächendeckend ausgleichen.
die jetzt Flüchtlingskinder flächendeckend ausgleichen. aufnehmen. Denn hier gibt es einen Ansatz, ein pädagogisch
die jetzt Flüchtlingskinder flächendeckend ausgleichen. aufnehmen. Denn hier gibt es einen Ansatz, ein pädagogisch

aufnehmen. Denn hier gibt es einen Ansatz, ein pädagogisch integriertes Konzept, das die Musik in den Alltag einbettet und darüber Kinder mit Fluchterfahrung oder mit sozialen oder seelischen Problemen ansprechen kann. Man stem- pelt diese Kinder nicht von vorneherein ab, dass sie erst einmal die Sprache lernen müssen. Vielleicht würde sich so ein Programm sogar in Flüchtlingsaufnahmelagern oder in Wohnanlagen einführen lassen, weil darüber Kinder ein- deutig integriert werden können: sprachlich, spielerisch und musikalisch. Liebe Frau Struwe, vielen Dank für das Gespräch.

WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015

Beispiele wegweisender Kooperationen Musikschule Musikschule Isernhagen & Burgwedel Partner Maria-Sibylla-Merian
Beispiele wegweisender Kooperationen Musikschule Musikschule Isernhagen & Burgwedel Partner Maria-Sibylla-Merian
Beispiele wegweisender Kooperationen Musikschule Musikschule Isernhagen & Burgwedel Partner Maria-Sibylla-Merian
Beispiele wegweisender Kooperationen
Musikschule
Musikschule Isernhagen & Burgwedel
Partner
Maria-Sibylla-Merian Grundschule Fuhrberg
Projekttitel
Singende Grundschule
Kooperationstyp
Chorklasse (Klassenmusizieren)
Ziele
Entwicklung und Förderung sängerischer und sozialer Kompetenzen, Steigerung der Freude am Singen,
Profilbildung der Schule
Bausteine

Tandemunterricht, Unterricht im Klassenverband und nach Bedarf in Kleingruppen, Stimmbildung, Erweiterung des Liedrepertoires, Weiterführung des Gelernten im regulären Musikunterricht

Was ist eine Chorklasse?

Chorklassen stellen als eine besondere Form des Klassen- musizierens das Singen in den Mittelpunkt des Musikunter- richts. In Niedersachsen wurde die Idee der Chorklassen von der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover entwickelt. Insbesondere für Grundschulen hat sich das Konzept Chorklasse als praktikabel und zukunftsträchtig erwiesen. Das Konzept ist auf vier Jahre ausgelegt. In der Chorklasse werden die sängerischen und sozialen Kompe- tenzen der Schüler entwickelt und gefördert. Darüber hinaus trägt das Modell auch zur Profilbildung einer Schule bei. Die Kinder sind durch das praktische Musizieren und das Erlernen neuer Lieder motiviert und aufgeschlossen, sich mit musikalischen Inhalten zu beschäftigen. Sie lernen entde- ckend und damit nachhaltiger als es durch den herkömmli- chen Musikunterricht möglich wäre. An der Grundschule Fuhrberg gibt es Chorklassen in allen Klassenstufen. Das Angebot wird durch eine Unterstützung des Fördervereins der Musikschule und einen monatlichen Elternbeitrag von 2,50 € teilfinanziert.

einen monatlichen Elternbeitrag von 2,50 € teilfinanziert. WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015 Wie läuft
einen monatlichen Elternbeitrag von 2,50 € teilfinanziert. WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015 Wie läuft

WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015

Wie läuft eine Chorklassenstunde ab?

Eine Lehrkraft der Musikschule unterrichtet im Tandem mit einer Lehrkraft der Grundschule in einer Wochenstunde in der Regel den gesamten Klassenverband, der nach Bedarf aber auch in Teilgruppen aufgeteilt wird. An ein bekanntes Begrüßungslied schließt sich zu Beginn der Stunde eine kindgerechte Stimmbildungseinheit an, die die Atmung und die Stimme schult. Anschließend werden neue und bereits bekannte Lieder geprobt, um das Repertoire laufend zu erweitern. Das Chorklassenkonzept sieht vor, dass Lieder in kreativer Weise vermittelt werden: Dabei steht stets die Freude am gemeinsamen Singen und die Entwicklung eines sängerischen Selbstbewusstseins im Fokus. Nach einiger Zeit tasten sich die Kinder auch an das mehrstimmige Singen heran. Zusätzlich zu dieser Chorklassenstunde führt die Lehrkraft der Grundschule das Gelernte mit den Kindern in einer weiteren Musikstunde fort. Um den Kindern unvergessliche Höhepunkte beim Singen zu bereiten, arbeiten die Chorklassen auch auf musikalische Kooperationsprojekte hin. In Isernhagen wurde beispielswei- se im Mai 2014 gemeinsam mit dem Jugendblasorchester der Musikschule das Musical „Tuishi Pamoja“ aufgeführt, bei dem 100 Kinder gemeinsam musizierten.

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Der WimadiMu-Talk

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IN DIESER RUBRIK BESUCHEN WIR DIE KINDER DIREKT VOR ORT. DIESMAL: DIE SINGKLASSE 4A DER GRUNDSCHULE NADORST (OLDENBURG)

Dienstagmorgen, 8:45 Uhr: Die Klasse 4a der Grundschule Nadorst stürmt die Treppe in das helle Pausenfoyer hinun- ter. Das Klavier steht schon bereit, ebenso Cornelia Renz, die gleich die Singstunde leiten wird. Eine Unterrichtsstunde Stimmbildung und natürlich gemeinsames Singen pro Woche steht bei den 20 Kindern der Singklasse auf dem Stunden- plan. Damit der Effekt nicht über die Woche verpufft, wird aber auch im restlichen Unterricht, so oft es sich gut ein- binden lässt, gesungen. Ob sich das aufs Lernen auswirkt? Marieluise, 9 Jahre, ist sich da nicht sicher, „aber es macht einfach total viel Spaß!“ ,„Ich singe immer zuhause“, fügt der ebenfalls neunjährige Malik hinzu, der im kommenden Schul- jahr plant, auf das Herbartgymnasium zu gehen. Dort gebe es auch Bläser- und Chorklassen, sodass er mit der Musik weitermachen könne.

Schon den Einstieg in die Singstunde gestaltet Frau Renz musikalisch: „Guten Morgen, liebe Klasse 4a“, sagt sie laut, leise, hoch und tief. Die Klasse antwortet natürlich im sel- ben Gestus. Dann singen die Kinder ein bereits bekanntes Begrüßungslied, bevor es in die Stimmbildungs- und Locke- rungsübungen geht. Musik und Bewegung, Rhythmus und die richtigen Töne treffen, das geht hier Hand in Hand. Jeder Schüler darf auch ein, zwei Mal alleine singen – und siehe da:

Alle Kinder machen das gerne, niemand hat Angst, vor allen anderen solo zu singen. Aber die Kinder kennen es ja auch nicht anders, schließlich singen sie jetzt bereits das vierte Jahr gemeinsam mit Frau Renz und haben einiges gelernt. Das wird im Repertoire deutlich: Momentan stehen Lieder aus der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ auf dem Pro-

WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015

Gretel“ auf dem Pro- WimadiMu | Ausgabe 07 | Herbst 2015 gramm. „Die Kinder haben in

gramm. „Die Kinder haben in der vergangenen Woche eine Aufführung der Oper in ihrer Schule miterlebt, darum singen wir hier auch die Lieder“, begründet Cornelia Renz ihre Aus- wahl. Und die scheint gut anzukommen: „Mein Lieblingslied ist ‚Ein Männlein steht im Walde‘, weil man da so schön hoch singen kann“, sagt Malik und seine Klassenkameradinnen Katharina und Marieluise pflichten ihm bei. Doch auch die anderen Lieder, wie ‚Brüderchen, komm‘ tanz mit mir‘, der ‚Abendsegen‘ – sogar mit szenischer Umsetzung – und das swingende Lied ‚Anders als du‘, das davon handelt, dass eben jeder Mensch anders ist als man selbst, singen die Kinder mit voller Überzeugung und mit Gesten unterstützt. Als Gast will man da direkt einstimmen und hofft, dass die Kinder nach der Grundschule weitersingen werden. Genauso, wie Malik das vorhat.

da direkt einstimmen und hofft, dass die Kinder nach der Grundschule weitersingen werden. Genauso, wie Malik
da direkt einstimmen und hofft, dass die Kinder nach der Grundschule weitersingen werden. Genauso, wie Malik

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WimadiMu-Marktplatz

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VERANSTALTUNGEN UND FORTBILDUNGEN Nov. Band ohne Noten
VERANSTALTUNGEN UND FORTBILDUNGEN Nov. Band ohne Noten

VERANSTALTUNGEN UND FORTBILDUNGEN

Nov. Band ohne Noten Kreisjugendmusikschule Schaumburg Freitag, 27. und Samstag, 28.11.2015 Veranstaltungsort: Rinteln
Nov.
Band ohne Noten
Kreisjugendmusikschule Schaumburg
Freitag, 27. und Samstag, 28.11.2015
Veranstaltungsort: Rinteln
www.musikschulen-niedersachsen.de/
fortbildungen
Feb. Kooperationsmanagement Musik- und Kunstschule der Stadt Osnabrück Freitag, 26. und Samstag, 27.02.2016
Feb.
Kooperationsmanagement
Musik- und Kunstschule der Stadt
Osnabrück
Freitag, 26. und Samstag, 27.02.2016
Veranstaltungsort: Osnabrück
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www.musikschulen-niedersachsen.de/ fortbildungen Weitere Fortbildungs- und Veranstaltungshinweise finden Sie
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Weitere Fortbildungs- und Veranstaltungshinweise finden Sie unter www.wirmachendiemusik.de

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finden Sie unter www.wirmachendiemusik.de Impressum Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19

Arnswaldtstraße 28 30159 Hannover Telefon: 0511-159 19 Telefax: 0511-159 01 info@musikschulen-niedersachsen.de www.musikschulen-niedersachsen.de www.wirmachendiemusik.de Präsidentin: PSt‘in Gabriele Lösekrug-Möller MdB Vorsitzender: Johannes Münter

Ansprechpartner für WimadiMu Christopher Nimz Telefon: 0511-270 640 53 nimz@musikschulen-niedersachsen.de

Telefon: 0511-270 640 53 nimz@musikschulen-niedersachsen.de Redaktion: Christopher Nimz, Ulrike Eberle Texte: Ulrike
Telefon: 0511-270 640 53 nimz@musikschulen-niedersachsen.de Redaktion: Christopher Nimz, Ulrike Eberle Texte: Ulrike

Redaktion: Christopher Nimz, Ulrike Eberle Texte: Ulrike Eberle, Klaus Bredl V. i. S. d. P.: Klaus Bredl (Geschäftsführer) Fotos: Ulrike Eberle, Janko Woltersmann, Mathis Körner Gestaltung: www.artfaktor.de

Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Stand: Oktober 2015

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