Sie sind auf Seite 1von 4

6 Nr.276,2.6. 10 -15.6.

10 tun & lassen AU4USTIN


Lokalaugenschein zum Konflikt um eine geplante «Moschee» in der Brigittenau

In der Hitze des Stammtisches

Bei Shakespeares Hamlet hat Tische und Sessel auf den Geh- Jeden Monat findet hier der Stamm- eine Migrantenzeitsch ri ft. «Bibep)
geht es um Sein oder Nicht- steig gestellt. Ich trinke dort Kaffee. tisch der Bürgerinitiative statt. Auch heißt sie. Da gebe es Schockierendes
sein, Eine Spur weniger dra - genieße die Sonne. Und plaudere mehrere Gäste sind da. Drei Stu - zu lesen. «Wenn man die Gesich-
matisch, aber ebenfalls kon- mit Renale Schindl, einer Bewoh- dentinnen drehen einen Videofilm. ter einzeln anschaut, sind ja ganz
fliktreich ist die Frage um Sein nerin des Hauses gege nüber der Rudolf Gehring wirbt um Un ter- nette darunter», sagt er. Wenn man
oder Nichtsein eines Gebäu- Nummer 37. Sie hat eine Eigen - stützung für seine Bundespräsi- das aber liest! 4C Mona ist eine stolze
des in Wien. Der tiirkisclr-isla- tumswohnung hi er. Und ist eine dentschaftskandidatur. Zwei jun- Kopftuchträgerin. Und eine ande re
mische Verein Atib will in der der Aktivistinnen der Bürgeriniti- ge Burschen vom BZÖ versuchen. Frau nennt sich lieber Tschuschin
Dammstraße 37 im 20. Bezirk ative Moschee ade. sich einzuschmeicheln. Das große als Österreicherin!» Er echauffiert
ein Büro- und Wohngebäude Eigentlich sollte es nun laut sein: Worl fuhrt die Sprecherin Hanne- sich. Und klingt dabei verdächtjg
mit einem Veranstaltungssaal quietschende Bremsen, in zwei ter lore Schuster. Für Juni wird eine In- nach Nazi oder Ähnlichem.
bauen - zusätzlich zum bereits Spur parkende Autos. Das wurde formationsveranstaltung über den Später stößt der FPÖ-Bezirkspar-
bestehenden Gebetsraum. Die mir angekündigt, deshalb bin ich Islam geplant. Der Termin steht teiobmann im 20. Bezirk Gerha rd
Bürgerinitiative «Moschee ade» hier. In der Dammstraße 37 befin- fest. die Referenten auch: Thomas Haslinger zum Stammtisch. «lhr or-
läuft seit Mitte 2007 dagegen det sich ein islamischer Gebets- Tartsch ist Islamexperte in Deutsch- ganisiert di e Veranstaltung, die Par-
Sturm. Doch Atib hat bereits die raum. Freitagmittag ist die Zeit für land. Walter Marinovic ist· Islam- tei zahlt den Orb, sagt er. «Die Vor-
Baugenehmigung. Der Augus- das wichtigste Gebet der Muslime. kritiker in Österreich und Rudolf tragenden sollen die Medien reizen.
tin machte einen Lokalaugen- Um 14 Uhr herum kommen einige Gehring ist nicht nur Präsident- Die Medien sind das beste Trans-
schein an mehreren Stationen Män ner aus dem große n Tor der schaftskandidat. sondern Bauex- portmittel.. Je größer die von Medi-
des Konflikts. Hofeinfahrt. einzeln oder in klei- perte. Ein Veranstaltungslokal wird en entfachte Empörung. desto mehr
nen Gruppen. Einige fahren mit noch gesucht. Nach diesen Infos er- Leute würden kommen. Der Mann
einem Auto weg. andere gehen zu hitzt sich das Stammtischvolk über weiß nicht, dass eine Journalistin
. Fuß. «Heute ist es eben ruhig,., sagt die Volksbefragung in Eberau. Ein mit am Stammtisch sitzt.
Frau Schindl. . Es gibt andere Tage. älterer Herr in Anzug und Krawat- Am Ende bedankt sich Schuster
ammstraae 37, Freitag, 9. an denen es arg ist.>t te fordert: Eberau in die Brigittenau. bei einigen Personen für ihr Kom -

D April. kurz nach 13 Uhr.


Die Sonne scheint. die Vögel
zwitschern. Es ist ruhig. Hin
und wieder parkt ein Auto ein. Die
gegenüberliegende Anker-Bäckerei
Stammtisch Im Gasthaus Lehner,
Donnerstag. 4. März. 19 Uhr. An die
20 Leute sitzen im Hinterzimmer
des Gasthauses in der Hartlgasse.
Man solle eine Volksbefragung in
die Wege leiten, um den Ausbau der
Dammstraße 37 zu stoppen. Dann
erzählt er von einer Zeitschrift, die
ihm in die Hände gefalle n ist. so
men. Der Biber-Feind heißt Wal-
ter Marinovic. Er ist also einer der
drei Redner bei der Islam-Veran-
staltung. Eine Recherche über Ma-
rinovic ergibt Brisantes: Der frühe-
re Latein- und Geschichtelehrer an
Gymnasien hat in vielen Zeitschrif-
ten von rechtsextremem Rang und
Namen publiziert: Aula. Eckartbo-
te, Deutsche Stimme et cetera. Vom
Dokumentationsarchiv des österrei-
chischen Widerstandes wird er als
rechtsextrem eingestuft.

StammtlKh, 8. April .. Wieder sind


rund 20 Personen da. Hannelo re
Schuster sagt, sie sei nun doch da-
von abgekommen, die FPÖ den
Veranstaltungssaa1 finanzieren zu
lasse n. PR-Experten hätten ihr da-
von abgeraten. Sie schlägt das Gast-
haus Brigittenauer Stadl vor.
Nach dem offiziellen Teil rede
ich mit einigen Aktivistinn en. «Uns
geht es um den Lärm. Die Verkehrs-
belastung»), sagt eine Frau. Sie sei
nicht islamfeindlich. Sie stehe nicht
rechts. Sie habe es satt. dass die Me-
dien die Bürgerinitiative als auslän-
Atib wird den Hof überdachen, um Lärm zu vermeiden. Weil «türkischer Lä rm. in Wien spezielle Allergien verursacht ...
derfeindlich bezeichnen. Sie fragt.

tun & lassen Nr.276,2. 6. 10-15.6. 1O 7
Hannelore Schuster, Moschee-Gegnerin
Eine Frau voller
Widersprüche?

Hannelore Schuster ist eine Heute ist Hannelore Schuster Spre-


Hinter den Bäumen entsteht das Atib·Zentrum. Ein Mieter aus dem Wohnhaus
rechu eröffnete mit Tiraler Musik aus dem Fenster seinen Krieg gegen den Islam
dynamische Person. Sie hat cherin der Bürgerinitiative «Moschee
die «Gruft» mitbegründet. Zehn ade ~ , die ein islamisches Zentrum
Jahre hat sie den Aufbau der Ob- in der Brigitlenau bekämpft. Chefin
dachlosen- Unterstützung voran- ist sie immer noch, gewissermaßen.
was meine Meinung dazu sei. Ich sind große Wohnblöcke: Gemein- getrieben. Dann ging der Träger- Auch wenn natürlich in einer Grup-
sage, dass der als Redner geplante, debauten, Genossenschaftswoh- verein der Gruft in Konkurs. Ihr pe mehrere Personen mitbestimmen.
weit rechts stehende Walter Mari- nungen, Eigentumswohnungen. damaliger Mitstreiter Pater Doch beim monatlichen Stammtisch
novic genau diesen Eindruck der Dass daraus Nachbarschafts- Albert Gabriel nennt sie eine gibt sie den Ton an. Und durch eine
lslam- und Ausländerfeindlichkeit konflikte über Lärm entstehen «glatte Betrügerin». Heute ist sie familiäre Vernetzung hat sie Kontak -
zementieren werde. können, kann man sehen. Die Sprecherin der Bürgerinitiative te in die höchsten politischen Krei -
Ein paar Wochen später wird Lautsprecher sind inzwischen «Moschee ade». Und polarisiert. se. Sie ist die Stiefschwiegermutter
Marinovic als Redner ausgela- abgebaut. von Johannes Hahn, vormals Wie-
den. Der zweite Redner, Thomas ner ÖVP-Chef und Wissenschafts-
Tartsch, habe sie auf Marinovics Nun will Atib straßenseitig ein minister, jetzt EU-Kommissar. Die
problematische Verbindungen Gebäude errichten, das einen Ver- Tochter ihres verstorbenen Mannes
aufmerksam gemacht, sagt Schus-
ter. Davon habe sie vo rher nichts
gewusst.
anstaltungssaal enthält, dazu Fri-
seur, Kindergarten, Arztpraxis,
Büros ~nd Wohnungen. Dagegen
«W ir waren am Karlsplatz.
Wir sind gerade aus
der Oper gekommen,
ist mit Hahn verheiratet.
Der Name der Bürgerinitiative po-
larisiert und führt - wohl absichtlich
protestieren AnrainerInnen mit ich hatte einen Pelzmantel an _, er- - in die Irre. Denn in der Brigitte-
Auf dem Balkon von Hannelo- ihrer Bürgerinitiative Moschee zählt Hannelore Schuster.• Plötzlich nau wird kein Kuppel - und Mina -
re Schuster. Die Sprecherin der ade. Atib soUe sich ein anderes kommt ein Obdachloser auf mich zu rettbau gebaut. Vielmehr will der tür-
Bürgerinitiative wohnt se it 21 Grundstück suchen, fordern sie. und sagt: <Schnell, Chefin, da vorne kische Verein Atib ein ftinfstöckiges
Jahren in einem Gemeindebau Doch Atib hat die Baugenehmi- raufen ein paar.• Ich bin hingegan- Wohn- und Bürogebäude errich-
in der Hartlgasse. Von ihrem Bal- gung, will bauen und bei der Ge- gen, in voller Opern-Montur, und ten, mit einem Veranstaltungssaal
kon aus überblickt sie das Grund- legenheit den ganzen Hof überda- habe den Streit geschlichtet. Den ei- für 450 , Per'sonen sowie Wohnun -
stück der Dammstraße 37. Und chen, damit kein Lärm mehr nach nen habe ich zum Reumannplatz gen, Büros, Kindergarten , Friseur
hat, seit Atib dort eingezogen ist, draußen dringt. Das wäre doch ein geschickt, den anderen zum Schwe- und Arztpraxis. Einen Gebetsraum
auch viel gehört: "Jedes Fußball - Riesenfortschritt gegenüber dem denplatz, und a Ruah war. Das war im Hof des Grundstücks gibt es be-
spiel - ich habe immer gewusst, jetzigen Zustand, glaube ich als meine Stärke - die Obdachlosen ha- reits seit 1996, «Eine Moschee ist im-
wer gewonnen und wer verloren Besucherin. Frau Schuster sieht ben mich geschätzt. Sie haben mich mer ein Vielzweckgebäude mit wirt-
hat. » Damit hat sie bei ihrem En- das anders. Der Verkehrslärm wer- Chefin genannt.~ schaftlichem Hintergrund», sagt
kel gepunktet - er ist ein Fan der de durch die Anzahl der Besuche- Damals hieß sie noch Hannelo- Schuster. «So ein Gebäude mitten
türkischen Vereine Fenerbah\e rinnen steigen, aufs Doppelte oder re Bleibtreu. Sie hat, gemeinsam mit in einem Wohngebiet kann Atib nur
und Ga latasaray. Früher wurden Dreifache. Die von Atib geplanten Pater Albert Gabriel vom Salesianer- bauen, weil man sich auf die Religi -
Fußballspiele im Hof des Gelän - Zugeständnisse sind für sie keine. orden, in der Krypta der Mariahilfer onsfreiheit beruft.~ Sie ist gegen den
des mit dem Lautsprecher über- Der Konflikt bleibt ungelöst. Kirche die . Gruft. mitbegründet. Be- Vielzweckbau, weil damit die Inte-
tragen, oder es wurde türkische gonnen hat es als Tee- und Schmalz- gration der türkischen Zuwandere-
Musik gespielt. Das hat die An- Hinweis: Die Bürgerinitiative brot-Aktion im Advent 1986. Dann rinnen in die österreichische Gesell-
rainerInnen aber nicht entzückt. macht ihre Veranstaltung unter bauten der Orden und Bleibtreu als schaft erschwert werde. Die Leute
• Als Reaktion darauf spielte je- dem Titel «Moscheen als Keimzel- Obfrau der Vinzenzgemeinschaft die wü rden unter sich bleiben .
mand einmal Tiroler Musik aus len der Parallelgesellschaft? Mo - Gruft zu einer Tagesstätte mit Es- Lieber sollten die muslimischen
seinem Fenster. In voller Laut- scheenstafldorte - urbane Feh/- sen aus. Später kam die Schlafmög- Gebetsstätten so schön wie möglich
stärke. Das war ein Wahnsinn. )) planung'» am 10. Juni um 18.30 lichkeit dazu. lrgendwann wurde das gebaut werden, sagt sie. Durchaus
Wenn es zu laut wurde, ging sie im Brigittenauer Stad/, Griegstra- Un terfangen zu ehrgeizig: Der Alisi- mit Kuppel und Minarett .• Ein Mi-
hinunter und redete mit den Leu- ße 1-3. Redner sind der Publizist hof, ein Bauernhof in Niederöster- narett wertet auf, ein Gebetsraum in
ten. «leh habe in arabischen Län- Thomas Tartsch, Rudolf Gehring reich, wurde als Therapiestation da- einem Hinterhof wertet ab.» Deshalb
dern gelebt. Ich habe kein Prob- als Baurechtsexperte und FPÖ- zugekauft und renoviert, doch das
lem damit, da hineinzugehen. ~ Bezirksobmann Gerhard Haslin- Geld dazu war nicht da. 1996 melde-
Schuster ist Mietersprecherin in ger. Die ÖVP hat ihren Redner te der Verein Konkurs an. Die Gruft
ihrem Gemeindebau. Rund um zurückgezogen. wurde von der Caritas übernommen
das relativ schmale Atib-Gelände Margarete Endl und weitergeführt. Fortsetzung auf Seite 8
8 Nr.276,2. 6. 10-15.6. 10 tun & lassen AU4USTIN
Fortsetzung von Seite 7 Das goldene Wienerherz
und die hyperemotionale
Islam -Debatte

sei sie auch gegen ein Verbot von


Minaretten. Das überrascht. Viel·
Ohne
leicht inszeniert sie nur gegenüber
dem Augustin diese Liberalität. Muslime
Gegen den Lärm - oder gegen
den Islam? kein
Als sich Schuster flir Obdachlose
engagierte. stand sie auf der Sei·
te der Ausgestoßenen . der Au- Von ihrem Balkon aus blickt Hannelore Sthuster auf einen Ort der befürchte-
Europa
ßenseiter, der Schutzbedürftigen. ten Selbstaufgabe des christlichen Abendlandes
Sie hat daflir ihre .Chefin.-Per-
sönlichkeit, ihre Überzeugungs-
kraft, ihr Organisationstalent Verkehrslärm, sondern beim Islam gegeben. Gruft-Mitbegründer Pa- Die meisten Medien unter-
ei ngesetzt. Das könnte sie doch an sich. Sie achte den Islam als Re- ter Albert Gabriel dagegen sagt: scheiden nicht ausreichend
auch bei der neuen gesellschaftli- ligion, sagt sie. Aber Atib übe im- «Frau Schuster ist eine glatte Be- zwischen Islam als Religion
chen Herausforderung: ein fried - mer mehr Druck auf Frauen aus, trügerin.» Das habe auch ein Ge- und Islamismus als politische
volles Zusammen leben von Alt- ein Kopftuch zu tragen. Weshalb richtsurteil bestätigt. Sie habe die Ideologie, Beim Thema Integra-
eingesessenen und Zuwanderern einige Frauen, die sie kennt, nun Gruft, also die Obdachlosen, um lion wird eher polarisiert und emo-
zu ermöglichen. Warum nutzt sie in eine andere, liberalere Moschee 200.000 Schilling betrogen. Sie tionalisiert als informiert. Das In -
nicht ihre integrativen Fähigkei- gehen würden. «Was mich wirk- habe auch einen Brief ger'lscht, ternetportal Qantara bietet sich als
ten, ihre Bereitschaft, mit allen lich stört, ist , dass sogar neunjäh- worau f eine Baufirma, die für die Gegenlektüre an. Wenn auch zu be-
Leuten zu reden, um zu vermit - rige Mädels bei Atib ein Kopftuch Vinzenzgemeinschaft den Alisi- fü rchten ist, dass die «Mutter. der
teln? Warum schürt sie stattdes- tragen. Ein Kind zum Kopftuch hof renovierte, um zwei Millio- Brigittenauer Moscheegegnerlnen,
sen die Konflikte? zu zwingen ist für mich Kindes- nen Schilling umgefallen sei. Der Hannelore Schuster, andere «Infor-
~ Wenn einer nicht reden will, rnisshandlung .• Wer in welche \( Kurier» hat im Mai 2009 über mationsquellen . vorzieht: Für die
können Sie nicht vermittelnlt, ant- Moschee gehe, sei Sache des ein- einen Teil von Pater Albert Gab- Auseinandersetzung mit der gras-
wortet sie. Wer nicht reden will, zelnen, sagt Kota. Es gebe Reli- riels Vorwürfen gesch rieben. Im sierenden Islamophobie ist Qanta-
ist ihrer Meinung nach der ande- gionsfreiheit. Im Atib -Vorstand Gespräch mit dem Augustin ging ra hilfreich.
Te: nämlich Atib. Die Bürgerini · gebe es Frauen, die keine Kopfbe- der Pater noch viel weiter. Was
tiative fordert , dass Atib für ein deckung tragen. \(Doch wenn man sagt Frau Schuster dazu? \( Der Gio
in eine Moschee geht, we nn man (lohannes Hahn) hat mir damals inge es Hannelore Schus-

G
Veranstaltungszentrum ein ande·
res Grundstück suchen soll. Das betet, soll man sich bedecken. gesagt: <Lass das nicht auf dir sit- ter wirklich darum, für Sach -
lehnt Atib ab. Die Anschuldigung, Wir sagen aber niemandem: (Du zen. Zeig ihn an.) Doch ich habe lichkeit in der Debatte um die
dass Atib nicht reden will, weist musst dich bedecken.) >> Kardinal König versprochen, dass . Abendland.-Kompatibilität des
Alib-Verhandler Ni hat Koca zu- Sie sagt, er sagt. Zwei konträ- ich die Interna, die kirchenmä · Islam zu sorgen, könnte sie das in diesem
rück: «Wir wissen, dass es Proble· re Aussagen praIlen aufeinander. ßig gelaufen sind, bei mir behal- Augenblick durch wenige erste Signale
me gibt. Wir haben uns dafUr ein· Bei einigen ihrer grundsätzlichen te. Auf das Wort von Kardinal Kö- im Inhalt ihrer Website demonstrieren.
gesetzt, die Probleme gemeinsam Aussagen hat Schuster natürlich nig habe ich etwas gegeben. Er hat Wir schlagen folgende Maßnahmen vor:
zu lösen. Wir haben offe.n mit den recht: Ne unj ährige Mädchen sol- mich damals angerufen und sich Erstens, di e Löschung des Leitspruchs
Behörden und mit den Anrainern len nicht zum Kopftuchtragen ge- im Namen der Kirche entschul - . Wo der Halbmond aufgeht, geht das
diskutiert.» Man sei auf die Pro· zwungen werden. Doch wie viele digt., sagt sie. Vielmehr habe da- goldene Wienerherz unter»; die Kritike-
bleme eingegangen: Um zu ve r· Neunjährige tragen ein Kopf- mals Pater Albert Gabriel Prob- rin «islamischer Hasspredigten» ist bis-
hindern, dass Lärm über den Hof tuch? Zwingt sie ein Imam in ei· leme gehabt. Auf Weisung seines her taub gegenüber dem Vorbehalt, ein
nach draußen dringt, wird der ner von Atib geführten Moschee Ordens durfte er nicht mehr in solcher Slogan sei als Motto einer katho -
Hof beim Umbau überdacht. Die dazu? die Gruft. lischen Hasspredigt geeignet. Zweitens,
Besucher werden ermahnt, auf der Sie sagt, er sagt. Das betrifft Pater Albe rt Gabriel sagt dazu: die Einrichtung eines Links zur Inter-
Straße möglichst ruhig zu sein, auch das Ende von Schusters En- . Das ist eine glatte Lüge. Und die net-Plattform http://de.qantara.de,eine
nicht zusammenzustehen und zu gagement für die Gruft. Sie sagt, Behauptung mit Kardinal Kö- Quelle von Informationen über die am-
reden. »Wir bitten unsere Besu· die Gemeinde Wien habe eine nig ist reiner Zynismus. Ich wür- bivale nte Realität des Islam und über
eher, mit öffentlichen Verkehrs- vertraglich vereinbarte Subven- de mir dringend wün schen, sie den innermuslimischen Dialog.
mitteln zu kommen, wir versehen· tion von drei Millionen Schilling möge mich klagen .• Er fühle sich In den meisten Medien wird die De-
ken Fahrscheine. Doch manchen eineinhalb Jahre später gezahlt. verpflichtet, das zu sagen, damit batte über den Islam emotional überla-
Leuten war egal, was wir gemacht In der Zwischenze it habe sie die nicht schon wieder Leute zu Scha- den und wenig sachorientiert gefUhrt.
haben. Es war ihnen egal » Gehälter von Spendengeld ge- den kämen . Frau Schusters Weltbild spiegelt diese
Schuster ist längs t woan- zahlt. Das Gericht, das über den Sie sagt. Er sagt. Medien wider, die Medien wiederum
ders: nicht mehr nur beim Konkurs urteilte, habe ihr Recht Margarete Endl spiegeln die Positionen Frau Schusters
AU~USTIN tun & lassen Nr.276,2.6. 10 - 15.6.10 9
Ein Bild stra hlt Harmonie
aus - die Wiener Bim
scheint wie geschaffen für
eine Stadt mit Minaretten
zu sein. Ein Foto aus Sara·
jewo, wo Wiener Linien·Gar·
nituren im Einsatz sind

selbst es sind», ärgert sich Tariq Ra-


madan: . Es hat lange gedaue rt , bis
man in Deutschland beg riff, dass
es die deutschen Juden waren, die
zuerst Deutsche waren. Die meis·
ten Deutschen fühlten sich als Hes-
sen, Frankfurter, Bayern, pf;jJzer, be-
vor sie sich als Deutsche begriffen.
Die Juden hatten keine Chance, sich
als Bayern zu begreifen. Sie wollten
Deutsche sein. Vielleicht befindet
sich Europa heute in einer ähnlichen
Situation. Die Iren sind zuallererst
wider, die sie als Verbalisierung der Ungerechtigkeit dar, die den Islam sei die Scharia eben manipuliert wor- Iren, die Dänen Dänen, die Deut-
Stimmung «der Straße» oder «der entwürdige und jene Muslime be- den. »Gräueltaten kommen auch in schen Deutsche, die Belgier zuerst
Basis» verharmlosen. Wenn sich die schäme, die sich an eine barmher- nicht-muslimischen Ländern vor, in Flamen oder Wallonen; den Einwan-
Medien an die « Basis~ halten und die zige Interpretation ihres Glaubens denen andere kulturelle und religiöse derern, denen es verwehrt wird, Iren,
Stammtische dieser Basis an die Me- halten. Werte als die der Scharia missbraucht Dänen, Deutsche zu werden, von de-
dien - wer denkt da nicht an die klas- Eine nicht mehr vom politischen werden. Wir dagegen müssen besser nen aber verlangt wird, europäischer
sische «Huhn oder Ei»-Frage? Was Islam ismus okkupierte Scharia kön- verstehen. warum Menschen Gewalt zu sein, als die Europäer es jemals
ist Ursache? Was ist Wirkung? ne eine Plattform werden, die die anwenden. Sonst fahren wir fort. waren. bleibt nichts anderes übrig,
Abgesehen davon , dass auch in Menschen ermächtige und ihre Muslime und ihre Kulturen als bar- als Europäer zu werden. Sie werden
Österreich die Migrantinnen aus Rechte gegen Totalitarismus und Ul - barisch und die Scharia als Wurzel die ersten wirklichen Europäer sein.
muslimischen Ländern mehrheitlich tra-Kapitalismus schütze, antwortet allen Übels zu betrachten. Das hieße, Ohne Muslime kein Europa.!f
der Religion ebenso fern stehen wie die ägyptische Politologin. Sie kön - dass Muslime nur auf eine Zukunft Im Übrigen, für die meisten Mig-
die so genannten Taufscheinchristen ne weltweit eine egalitäre Kraft für hoffen können, wenn sie den Islam rant.lnnen aus muslimischen Län -
den christlichen Glaubensinhalten, demokratische soziale Gerechtig- im öffentlichen Leben trivialisieren. dern stellen sich religiöse Fragen -
ist der Islam in sich differenzierter keit sein. Das wäre nicht fair.>t die unter anderen von Hannelore
als er in den Klischees. die Hannelo- Zukunftsmusik, antwortet Emran Die von Qantara wiedergegebe- Schu ster als Integration sproblem
re Schuster geläufig sind, gezeichnet Qureshi. Die Scharia könne natür- ne Rede des in Genf lebendenden, Nummer I ins Feld gefü hrt werden
wird. Qantar3 reflektiert diesen in - lich einmal eine positive Kraft für umstrittenen Vertreters der europä- - gar nicht. Laut Umfragen. so Ra ·
nennuslimischen Pluralismus; eine Veränderung sein, doch heute sei ischen Muslime, Tariq Ramadan , bei madan, seien 80 Prozent der in Eu-
Lektüre weniger zufa lli g gewähl - die Realität des islamischen Rechts der Tagung »Muslime und Juden im ropa lebenden Einwanderer aus
ter Texte reicht, um den Unsinn des eine andere; und deren Brutalität sei christlichen Europa" liest sich wie muslim ischen Ländern keine prak-
pauschalierenden Geredes über DEN hausgemacht. Qureshi zählt Beispie- eine Replik auf Hannelore Schusters tizierenden Moslems. «S ie werden
Islam zu durchschauen. le auf: In einigen Teilen der. muslimi- These der Unveinbarkeil islamischer dennoch argwöhnisch beobachtet
Aufschlussreich etwa der Brief- schen Welt wie in Pakistan und Nige- Werte mit den Werten des ~ c hri s t ­ und einem Klima des Verdachts aus-
wechsel zwischen Heba Raouf Ezzat ria werden Frauen. die vergewaltigt lichen Abendlandes • . Der Halb - gesetzt. Es genügt nicht, Steuern,
und Emran Qureshi zur Frage. ob worden sind. nach Schariagesetz der mond ist aus Schusters Perspektive Kranken · und Pensionsversicherung
die Scharia. das traditionelle islami- Unzucht angeklagt. In Saudi-Arabi - nicht nur die Negation des Golde- zu bezahlen, seine Pflichten als
sche Normensystem. mit den Men- en werden zur Strafe oft Körpertei - nen Wienerherzens, sondern auch Staatsbürger zu erfü llen, gesetzes·
schenrechten vereinbar sei. Emran le amputiert. Unter der Herrschaft eine Verneinung Europas. «Der Is- treu zu sein. Trägt man einen frem-
Qureshi ist Buchautor und Exper- der Taliban wurden Frauen - im lam ist Teil der europäischen Iden- den , arabisch oder türkisch klingen-
te für Islam und Menschenrechte an Namen des Islams - grundlegende tität» , postuliert dagegen Ramadan. den Namen, werden immer neue
der Havard University, Heba Raouf menschliche Freiheiten wie Mobi - Europa brauche die Einwanderer. Es Loyalitätsbeweise verlangt. )! Bürger-
Ezzat ist Dozentin für Politologie an lität, Ausbildung und Gesundheits- könne sich seinen Lebensstandard initiativensprecherin Hannelore
der Universität Kairo. pflege vorenthalten. "Viele islami - ohne sie nicht leisten . Also müsse Schuster, selbsternannte Verkörpe-
. Die Scharia. wie sie zur Zeit in sche Intellektuelle aber - und das ist es mit ihnen leben. Europa müsse rung des Goldenen Wienerherzens,
vielen muslimischen Ländern prak- eine Schande - haben sich zu diesen begreifen, dass die Integration der verlangt besonders viele Loyal itäts-
tiziert wird. sei nicht mit der Uni- Verbrechen nicht geäußert •. Muslime kein Projekt mehr ist, son- beweise. Darunter den Verzicht auf
verselle n Menschenrechtserklärung Heba Raouf Ezzat ist weit davon dern Realität. den Ausbau des Islamischen Zent -
vereinbar, ist Qureshis einleiten- entfernt. die Missbräuche zu leug- «Man verlangt von uns bessere rums in der Brigittenau.
de These. Sie stelle eine Quelle der nen. Aber in diesen Fällen, sagt sie, Europäer zu sein, als die Europäer Robert Sommer