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d.lux EVERYTHING STARTS WITH PASSION | DAS STEIGENBERGER-MAGAZIN 2.2010

TRADITION & MODERNE


... wie gelingt uns der Spagat?
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BUSINESS
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Kleider machen Leute


Text H e l g e S i e g e r Illustration K e r s t i n W a c k e r

Die einen nennen es Stil, die anderen Geschmack – jenes


Händchen, mit dem der Mann von Welt seine Garderobe kombiniert.
Sicher ist: Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.
Wie man auf Anhieb als echter Gentleman überzeugt

VIELEN GILT ER BIS HEUTE ALS INBEGRIFF DES GENTLE- durch die Stoffauswahl oder Details wie Knöpfe und die Farbe des
MAN: Fred Astaire. Im Umgang galant, dabei stets geschmackvoll Innenfutters zum Ausdrucksmittel persönlicher Individualität. „Bei
gekleidet, tanzte er mit traumwandlerischer Sicherheit über das uns können Sie aus mehr als 5.000 Tüchern dasjenige wählen, das
gesellschaftliche Parkett seiner Zeit.Astaire wusste, dass es für den zu Ihrem Typ, zu Anlass,Tages- oder Jahreszeit am besten passt“, so
ersten Eindruck keine zweite Chance gibt. Thissen.Wem die Vielfalt an Seiden-, Kaschmir-, Baumwoll- und Lei-
Grund genug, dem äußeren Erscheinungsbild die gebührende nentüchern zu verwirrend scheint, folgt dem Rat des bekannten
Aufmerksamkeit zu widmen. Denn: „Kleider machen Leute, be- Stilexperten Bernhard Roetzel: „Reine Schurwolle ist und bleibt
sonders in der Geschäftswelt“, sagt Matthias Aull. Der Prominen- der beste Anzugstoff – auch im Sommer. Kein anderes natürliches
tenschneider muss es wissen: Seit 18 Jahren zählt er zu den ersten Material fällt derart elegant und ist dabei so unempfindlich gegen
Adressen, wenn es um maßgeschneiderte Garderoben für den ge- Knitter.“
pflegten Herrn geht. Durchschnittlich 80.000 Kilometer legt Aull
pro Jahr zurück, um bei Topmanagern zwischen Flensburg und DIE KUNST IST, DIE PERSÖNLICHKEIT HERVORZUHEBEN
Garmisch persönlich Hand anzulegen. Das Ergebnis überzeugt Seinen adäquaten Partner findet der Anzug im Maßhemd aus kost-
selbst kritische Geister. „Nach individuellem Maß gefertigte Anzüge barem Vollzwirn. Der Herr von Welt wählt Spitzenqualitäten aus
und Hemden besitzen einen unvergleichlichen Tragekomfort. ägyptischer Giza-45-Baumwolle. Ihre Fasern sind so fein, dass 1.000
Nichts spannt, nichts drückt, nichts ist zu kurz oder zu lang. In Maß- Meter Garn gerade zwei Gramm auf die Waage bringen. Für solch
kleidung bewegt sich der Gentleman in jeder Situation mit lässiger erlesene Oberbekleidung muss der Grandseigneur nicht einmal
Eleganz.“ Ein gut geschnittener Anzug in einer mittleren Tuchqua- nach London, Neapel oder Paris reisen. „Ein großer Teil meiner
lität ist daher einem schlecht geschnittenen in einer besseren Stoff- Hemden wird seit einigen Jahren in der Nähe von Danzig genäht,
qualität immer vorzuziehen. Als guten Schnitt bezeichnet Aull das in der Maßhemdenabteilung von Emanuel Berg“, verrät Roetzel.
Grundmuster, das allen Moden und Trends trotzend seit den „Achten Sie vor allem auf den exakten Musterverlauf beim Über-
1930er-Jahren immer wieder verwendet wird: klassisch nach eng- gang von Schulterteil zum Ärmel sowie auf die individuell ange-
lischem Vorbild, aus bestmöglichem Tuch, die Anzugjacke lang und passte, richtige Ärmellänge.“ Da die meisten Menschen unter-
auf den Körper geschnitten, mit flachen, allenfalls leicht gepols- schiedlich lange Arme haben, zeigt sich hier eine der Qualitäten
terten Schultern. des Maßhemds.
Gregor Thissen, Geschäftsführer des renommierten Tuchspezia- Das wichtigste Kleidungsstück des kultivierten Mannes aber ist
listen Scabal, sieht im gediegenen britischen Look sogar den Som- der Schuh.Als rahmengenähter Maßschuh avanciert er zum Syno-
mertrend 2010: „Britischer Stil ist zeitlos, stilvoll und formell. So- nym des guten Geschmacks, zur einzigartigen Visitenkarte seines
wohl im Schnitt als auch in den Motiven.“ Dabei setzt Scabal auf Trägers. Eine ideale Verbindung aus Eleganz und Ergonomie. Kay
Maßarbeit mit persönlicher Note: So wird ein formeller Anzug Gundlack zählt zur handverlesenen Schar derer, die es in dieser

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BUSINESS

längst nicht mehr als Stilbruch. Politikern und Bankern indes emp-
fiehlt Kay Gundlack einen schwarzen Schnürschuh zum kostba-
ren Zwirn. „Der glatte Oxford, mit oder ohne Kappe, aus bestem
Leder gearbeitet, ist und bleibt der Schuhklassiker schlechthin.
Darin hinterlassen Sie bei jedem Anlass einen guten Eindruck“, sagt
er. Ein gerade in Geschäftsverhandlungen nicht zu unterschätzen-
der Vorteil. Studien belegen, dass Kommunikation zu 55 Prozent
aus Körpersprache und nur zu 7 Prozent aus Inhalten besteht. Er-
fahrene Wirtschaftskapitäne wissen um die Bedeutung eines in
jeder Hinsicht souveränen Auftritts. Neben Kompetenz und Cha-
„Echte Eleganz risma signalisieren sie auch bei der Kleiderwahl Selbstsicherheit
bis ins Detail.

hat nur eine Regel: EIN GENTLEMAN FÄLLT NICHT AUF – ER GEFÄLLT
Wer bei Anzug, Hemd und Schuhen alle stilistischen Klippen si-

Schlichtheit“ Luciano Barbera


cher umschifft hat, sollte bei der Auswahl der Accessoires eben-
falls größte Sorgfalt walten lassen. Portemonnaie,Aktentasche, Kra-
watte oder Einstecktuch: „Gerade diese scheinbar nebensächli-
chen Dinge verraten viel über ihren Besitzer“, erklärt Stilpapst
alten Handwerkskunst zu einer bewundernswerten Perfektion ge- Bernhard Roetzel. Beispiel Gürtel: Kenner lassen ihren Leibriemen
bracht haben. Elegante und bequeme Schuhe zu „bauen“, ist für seit über 40 Jahren in der „Kreis Ledermanufaktur“ fertigen. Dort
ihn nicht nur Berufung, sondern gelebte Leidenschaft – und die hat Firmenchef Bernd Kreis die Anfertigung des schmalen Helfers
sieht man jedem seiner Unikate an. Dabei erfüllt Gundlack auch am Hosenbund zur hohen Kunst erhoben. Nirgendwo sonst kann
ausgefallene Kundenwünsche. Ein weißer Sommerschuh zum der Connaisseur zwischen so vielen Ledern, Farben und Verarbei-
schwarzen Anzug? Kein Problem. Ein Gentleman beherrscht die tungsarten wählen.
Kunst geschmackvoller Selbstinszenierung, pointiert gesetzte Ak- Für Lederspezialist Kreis ist die Beratung seiner Kunden Chef-
zente eingeschlossen. Selbstbewusst wählt er seine Kleidung so, sache: „Schuhe und Gürtel sollten von ihrem Ausdruck grundsätz-
dass sie die eigene Persönlichkeit ergänzt – und nicht etwa lich zum Charakter der Garderobe passen und beim eleganten
ersetzt. Anzug im Helligkeitswert nicht extrem kontrastieren.“ Auffallende
Die Individualität seiner Kunden herauszuarbeiten, ist deshalb Farben und Leder sind bei der Business-Garderobe genauso fehl
das erklärte Ziel von Schuhmachermeister Gundlack. Mit normalen am Platz. „Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt Schuhe und
Business-Schuhen haben seine Schuh-Preziosen wenig gemeinsam. Gürtel in identischer Farbe und Oberfläche. Ich persönlich finde
Auf Maß gefertigte Schuhe zieht der Mann von Welt nicht einfach es spannender, wenn die Gürtelfarbe zwar derselben Farbfamilie
an. Sie schmiegen sich vielmehr wie eine zweite Haut an seinen angehört, aber im Farbton und in der Oberflächenstruktur ab-
Fuß und ermöglichen völlig neue, unbeschwerte Geherlebnisse. weicht“, erklärt Bernd Kreis. Mögen die persönlichen Vorlieben in
Bleibt die Frage, welche Farbe beim Schuhwerk „gentlemanlike“ der Garderobenwahl so unterschiedlich sein wie die einzelnen
ist.Waren braune Schuhe in der Geschäftswelt lange Zeit verpönt, Charaktere, in einem Punkt sind sich doch alle Gentlemen einig:
gelten sie dank des immer stärkeren Einfluss italienischer Mode Mode ist immer vergänglich, Stil niemals. ■

L i t e r a t u r
Der Gentleman. Von Bernhard Roetzel.
Das Buch liefert das komplette Basiswissen
über klassische Herrenmode, enthält
wertvolle Informationen über Einkaufs-
quellen, vermittelt Kompetenz für den
souveränen Umgang mit Mode und macht
Lust auf stilvolle Kleidung und Accessoires.
h.f.ullstein Verlag, 360 Seiten, 19,95 Euro

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