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Plenarprotokoll 847

BUNDESRAT
Stenografischer Bericht
847. Sitzung
Berlin, Freitag, den 19. September 2008

Inhalt:

Erinnerung an die Konstituierung des Parla- 4. Gesetz zur Änderung des Masseur- und
mentarischen Rates vor 60 Jahren . . . . 257 A Physiotherapeutengesetzes und anderer
Gesetze zur Regelung von Gesundheits-
Amtliche Mitteilungen . . . . . . . . . fachberufen (Drucksache 609/08) . . . 269 C
257 B
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
Zur Tagesordnung . . . . . . . . . . 257 C Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D

Dank an Ministerpräsident Dr. Harald 5. Drittes Gesetz zur Änderung des Bundes-
Ringstorff . . . . . . . . . . . . . . 257 C ministergesetzes (Drucksache 610/08) . 269 C
Dr. Klaus Zeh (Thüringen) . . . . 304*C
1. a) Entwurf eines Gesetzes über die Fest-
stellung des Bundeshaushaltsplans für Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
das Haushaltsjahr 2009 (Haushaltsge- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D
setz 2009) (Drucksache 500/08)
6. … Gesetz zur Änderung des Europa-
b) Finanzplan des Bundes 2008 bis 2012 abgeordnetengesetzes und eines … Ge-
(Drucksache 501/08) . . . . . . . 257 D setzes zur Änderung des Abgeordneten-
Geert Mackenroth (Sachsen) . . 299*, 300* gesetzes (Drucksache 611/08) . . . . . 269 C

Beschluss zu a): Stellungnahme gemäß Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77


Art. 110 Abs. 3 GG . . . . . . . . 258 A Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D

Beschluss zu b): Stellungnahme gemäß 7. Gesetz zur Verbesserung der grenzüber-


§ 9 Abs. 2 Satz 2 Stabilitätsgesetz und schreitenden Forderungsdurchsetzung
§ 50 Abs. 3 Satz 1 Haushaltsgrundsät- und Zustellung (Drucksache 612/08) . . 269 C
zegesetz . . . . . . . . . . . . 258 A
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
2. Gesetz zur Modernisierung der gesetzli- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D
chen Unfallversicherung (Unfallversiche-
rungsmodernisierungsgesetz – UVMG) 8. a) Gesetz zu dem Fakultativprotokoll
(Drucksache 607/08) . . . . . . . . 269 C vom 25. Mai 2000 zum Übereinkom-
men über die Rechte des Kindes be-
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
treffend den Verkauf von Kindern, die
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D
Kinderprostitution und die Kinderpor-
nographie (Drucksache 613/08)
3. Gesetz zur Änderung des Bundeskinder-
geldgesetzes (Drucksache 608/08) . . . 269 C
b) Gesetz zur Umsetzung des Rahmenbe-
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77 schlusses des Rates der Europäischen
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D Union zur Bekämpfung der sexuellen

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ISSN 0722-7999
II Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

Ausbeutung von Kindern und der Kin- 15. Gesetz zu dem Abkommen vom 31. Au-
derpornographie (Drucksache 614/08) 269 C gust 2006 zwischen der Regierung der
Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen- Bundesrepublik Deutschland und der
Anhalt) . . . . . . . . . . . 304*D Regierung der Sozialistischen Republik
Vietnam über die Zusammenarbeit bei
Beschluss zu a) und b): Kein Antrag ge- der Bekämpfung von schwerwiegenden
mäß Art. 77 Abs. 2 GG . . . . . . . 301*D Straftaten und der Organisierten Krimi-
nalität (Drucksache 621/08) . . . . . . 269 C
9. Gesetz zur Modernisierung des GmbH-
Rechts und zur Bekämpfung von Miss- Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
bräuchen (MoMiG) (Drucksache 615/08) 269 C Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D

Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77 16. Gesetz zu dem Übereinkommen des
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D Europarats vom 23. November 2001
über Computerkriminalität (Drucksache
10. Gesetz zur Sicherung von Werkunterneh- 622/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C
meransprüchen und zur verbesserten
Durchsetzung von Forderungen (Forde- Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
rungssicherungsgesetz – FoSiG) (Druck- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D
sache 616/08) . . . . . . . . . . . 269 D
Geert Mackenroth (Sachsen) . . . 17. Entwurf eines Gesetzes zur Förderung
269 D
ehrenamtlicher Tätigkeit – gemäß Arti-
Marion Walsmann (Thüringen) . . 270 C kel 76 Abs. 1 GG – Antrag der Länder
Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen- Bayern und Saarland gemäß § 23 Abs. 3
Anhalt) . . . . . . . . . . . 305*D i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR –
(Drucksache 597/08) . . . . . . . . 271 D
Beschluss: Der Bundesrat hält das Gesetz
nicht für zustimmungsbedürftig – Kein Christa Stewens (Bayern) . . . . 307*D
Antrag gemäß Art. 77 Abs. 2 GG, hilfs- Mitteilung: Überweisung an die zustän-
weise Zustimmung – Annahme einer
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 271 D
Entschließung . . . . . . . . . . 271 B
18. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
11. Gesetz zur Reform des Verfahrens in Fa-
des Gesetzes über das Kreditwesen – ge-
miliensachen und in den Angelegenhei-
mäß Artikel 76 Abs. 1 GG – Antrag der
ten der freiwilligen Gerichtsbarkeit
Länder Bremen und Rheinland-Pfalz ge-
(FGG-Reformgesetz – FGG-RG) (Druck-
mäß § 23 Abs. 3 i.V.m. § 15 Abs. 1 und
sache 617/08) . . . . . . . . . . . 271 C
§ 36 Abs. 2 GO BR – (Drucksache 653/08) 272 A
Beschluss: Der Bundesrat hält das Gesetz Karoline Linnert (Bremen) . . . . 272 A
für zustimmungsbedürftig – Zustim-
mung gemäß Art. 104a Abs. 4 GG . . 271 C Mitteilung: Überweisung an die zustän-
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 272 D
12. Zweites Gesetz zur Änderung des Güter-
kraftverkehrsgesetzes und anderer Ge- 19. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
setze (Drucksache 618/08) . . . . . . 271 C des Staatsangehörigkeitsgesetzes – ge-
Karl Peter Bruch (Rheinland-Pfalz) . 306*D mäß Artikel 76 Abs. 1 GG – Antrag der
Länder Berlin und Bremen gemäß § 23
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77 Abs. 3 i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 271 D GO BR – (Drucksache 647/08) . . . . . 272 D
Dr. Ehrhart Körting (Berlin) . . . 272 D
13. Gesetz zur Neuregelung des Schorn-
steinfegerwesens (Drucksache 619/08) . 269 C Mitteilung: Überweisung an die zustän-
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 273 D
Beschluss: Kein Antrag gemäß Art. 77
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 301*D
20. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
des Grundgesetzes (Artikel 20b) – gemäß
14. Gesetz zu dem Abkommen vom 12. No-
Artikel 76 Abs. 1 GG – Antrag des Lan-
vember 2007 zwischen der Bundesrepu-
des Berlin gemäß § 36 Abs. 2 GO BR –
blik Deutschland und der Demokratischen
(Drucksache 646/08) . . . . . . . . 273 D
Volksrepublik Algerien zur Vermei-
dung der Doppelbesteuerung und zur Gisela von der Aue (Berlin) . . . . 309*A
Verhinderung der Steuervermeidung und
Mitteilung: Überweisung an die zustän-
Steuerhinterziehung auf dem Gebiet der
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 274 A
Steuern vom Einkommen und vom Ver-
mögen (Drucksache 620/08) . . . . . 269 C
21. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 105 des Beratungshilferechts – gemäß Arti-
Abs. 3 GG . . . . . . . . . . . . 302*B kel 76 Abs. 1 GG – Antrag der Länder
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 III

Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nord- 26. Entwurf eines Gesetzes zur Veröffentli-


rhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig- chung von Informationen über die Zah-
Holstein gemäß § 36 Abs. 2 GO BR – lung von Mitteln aus den Europäischen
(Drucksache 648/08) . . . . . . . . 274 A Fonds für Landwirtschaft und Fischerei
Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen- (Agrar- und Fischereifonds-Informatio-
Anhalt) . . . . . . . . . . . nen-Gesetz – AFIG) (Drucksache 540/08) 269 C
274 A
Bernhard Busemann (Niedersach- Beschluss: Keine Einwendungen gemäß
sen) . . . . . . . . . . . . 275 B Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 302*C

Brigitte Zypries, Bundesministerin 27. a) Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Än-
der Justiz . . . . . . . 276 B, 310*A derung des Gesetzes über die Festset-
Mitteilung: Überweisung an die zustän- zung von Mindestarbeitsbedingun-
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 276 D gen (Drucksache 541/08)

22. Entschließung des Bundesrates zur Ver- b) Entwurf eines Gesetzes über zwin-
besserung der finanziellen Situation der gende Arbeitsbedingungen für grenz-
Krankenhäuser – Antrag der Länder überschreitend entsandte und für
Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein- regelmäßig im Inland beschäftigte
Westfalen und Hessen – (Drucksache Arbeitnehmer und Arbeitnehmerin-
442/08) . . . . . . . . . . . . . . nen (Arbeitnehmer-Entsendegesetz –
281 C
AEntG) (Drucksache 542/08) . . . . 263 D
Christa Stewens (Bayern) . . . . . 281 C
Harald Wolf (Berlin) . . . . . . . 264 A
Dr. Monika Stolz (Baden-Württem- Prof. Dr. Wolfgang Reinhart (Baden-
berg) . . . . . . . . . . . . 282 C Württemberg) . . . . . . . . . 265 B
Dr. Gitta Trauernicht (Schleswig- Olaf Scholz, Bundesminister für Ar-
Holstein) . . . . . . . . . . 283 A beit und Soziales . . . . . . . 266 D
Gisela von der Aue (Berlin) . . . . 311*C Beschluss zu a) und b): Stellungnahme
Beschluss: Annahme der Entschließung gemäß Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . 269 C
in der beschlossenen Fassung . . . . 283 D
28. Entwurf eines Gesetzes zur Einführung
23. Entschließung des Bundesrates „Kinder- Unterstützter Beschäftigung (Drucksache
rechte in die Verfassung“ – Antrag der 543/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C
Länder Bremen und Rheinland-Pfalz – Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
(Drucksache 445/08) . . . . . . . . 263 B Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 302*D
Jens Böhrnsen (Bremen) . . . . . 263 B
29. Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur
Beschluss: Die Entschließung wird nicht Änderung des Vierten Buches Sozialge-
gefasst . . . . . . . . . . . . . 263 D setzbuch und anderer Gesetze (Druck-
sache 544/08) . . . . . . . . . . . 269 C
24. Entschließung des Bundesrates zur
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
Schaffung einer Ausnahmeregelung für
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 302*D
Fahrerlaubnisse von Angehörigen der
Feuerwehren, des Rettungsdienstes und
30. Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2009
des Katastrophenschutzes – Antrag des
(JStG 2009) – gemäß Artikel 76 Abs. 2
Freistaates Bayern gemäß § 23 Abs. 3
Satz 4 GG – (Drucksache 545/08) . . . 283 D
i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR –
(Drucksache 602/08) . . . . . . . . 277 A Richard Drautz (Baden-Württem-
berg) . . . . . . . . . . . . 283 D
Bernd Sibler (Bayern) . . . . . . 277 A
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
Mitteilung: Überweisung an die zustän- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 284 C
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 277 D
31. Entwurf eines Investitionszulagengeset-
25. Entschließung des Bundesrates zu Maß- zes 2010 (InvZulG 2010) (Drucksache
nahmen der EU zum verbesserten Schutz 546/08, zu Drucksache 546/08) . . . . 284 C
geistigen Eigentums – Antrag des Frei-
Jürgen Seidel (Mecklenburg-Vor-
staates Bayern gemäß § 23 Abs. 3 i.V.m.
pommern) . . . . . . . . . . 284 D
§ 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR –
(Drucksache 598/08) . . . . . . . . 277 D Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
Bernd Sibler (Bayern) . . . . . . 310*C Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 285 C

Mitteilung: Überweisung an die zustän- 32. Entwurf eines Gesetzes zur Modernisie-
digen Ausschüsse . . . . . . . . . 277 D rung und Entbürokratisierung des Steu-
IV Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

erverfahrens (Steuerbürokratieabbauge- 40. Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung


setz) – gemäß Artikel 76 Abs. 2 Satz 4 GG – unerlaubter Telefonwerbung und zur
(Drucksache 547/08) . . . . . . . . 285 C Verbesserung des Verbraucherschutzes
Andreas Krautscheid (Nordrhein- bei besonderen Vertriebsformen (Druck-
Westfalen) . . . . . . . . . . 311*D sache 553/08) . . . . . . . . . . . 287 C
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 Margit Conrad (Rheinland-Pfalz) . . 287 C
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 285 D Brigitte Zypries, Bundesministerin
der Justiz . . . . . . . . . . 288 C
34. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
des Staatsangehörigkeitsgesetzes (Druck- Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
sache 549/08) . . . . . . . . . . . 285 D Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 289 C
Uwe Schünemann (Niedersachsen) . 285 D
41. Entwurf eines Gesetzes über den Zugang
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 zu digitalen Geodaten (Geodaten-
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 287 A zugangsgesetz – GeoZG) (Drucksache
554/08) . . . . . . . . . . . . . . 289 C
35. Entwurf eines Gesetzes über Personal-
ausweise und den elektronischen Identi- Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
tätsnachweis sowie zur Änderung weite- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 289 D
rer Vorschriften (Drucksache 550/08) . . 287 A
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 42. Entwurf eines Vierten Gesetzes zur
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 287 B Änderung des Allgemeinen Eisenbahn-
gesetzes (Drucksache 555/08) . . . . . 269 C
36. Entwurf eines Gesetzes zu dem Vertrag Beschluss: Keine Einwendungen gemäß
vom 3. März 2008 zwischen der Bundes- Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 302*C
republik Deutschland und dem Zentral-
rat der Juden in Deutschland – Körper-
43. Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur
schaft des öffentlichen Rechts – zur
Änderung des Vertrages vom 27. Januar Änderung des Autobahnmautgesetzes
2003 zwischen der Bundesrepublik für schwere Nutzfahrzeuge (Drucksache
Deutschland und dem Zentralrat der Ju- 556/08) . . . . . . . . . . . . . . 289 D
den in Deutschland – Körperschaft des Beschluss: Keine Einwendungen gemäß
öffentlichen Rechts – (Drucksache 564/ Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 289 D
08) . . . . . . . . . . . . . . . . 269 C
Beschluss: Keine Einwendungen gemäß 44. Entwurf eines Dreizehnten Gesetzes zur
Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 302*C Änderung des Luftverkehrsgesetzes
(Drucksache 557/08) . . . . . . . . 269 C
37. Entwurf eines Vierten Gesetzes zur
Änderung verwaltungsverfahrensrecht- Beschluss: Keine Einwendungen gemäß
licher Vorschriften (4. VwVfÄndG) Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 302*C
(Drucksache 580/08) . . . . . . . . . 287 B
45. Entwurf eines Dritten Gesetzes zum Ab-
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 bau bürokratischer Hemmnisse insbeson-
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 287 C dere in der mittelständischen Wirtschaft
(Drittes Mittelstandsentlastungsgesetz)
38. Entwurf eines Fünften Gesetzes zur
(Drucksache 558/08) . . . . . . . . 289 D
Änderung des Filmförderungsgesetzes
(Drucksache 551/08) . . . . . . . . 269 C Dr. Eva-Maria Stange (Sachsen) . . 290 A
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 302*D Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 291 A

39. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung 46. Entwurf eines Gesetzes zur Beschleuni-
des Gesetzes über die Überführung der gung des Ausbaus der Höchstspannungs-
Anteilsrechte an der Volkswagenwerk netze (Drucksache 559/08) . . . . . . 261 A
Gesellschaft mit beschränkter Haftung in
private Hand (Drucksache 552/08) . . . 258 A Christian Wulff (Niedersachsen) . . 261 A
Christian Wulff (Niedersachsen) . . 258 A Hartmut Schauerte, Parl. Staats-
Günther H. Oettinger (Baden-Würt- sekretär beim Bundesminister für
temberg) . . . . . . . . . . 259 B Wirtschaft und Technologie . . . 262 A
Brigitte Zypries, Bundesministerin Andreas Krautscheid (Nordrhein-
der Justiz . . . . . . . . . . 259 D Westfalen) . . . . . . . . . . 301*A

Beschluss: Keine Einwendungen gemäß Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76


Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 261 A Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 263 B
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 V

47. Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Ände- der wissensbestimmten Wirtschaft – ge-
rung des Telekommunikationsgesetzes mäß §§ 3 und 5 EUZBLG – (Drucksache
(Drucksache 560/08) . . . . . . . . 269 C 524/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 302*D
56. Mitteilung der Kommission der Europäi-
48. Entwurf eines Gesetzes über das Verfah- schen Gemeinschaften an das Euro-
ren des elektronischen Entgeltnachwei- päische Parlament, den Rat und den
ses (ELENA-Verfahrensgesetz) (Druck- Europäischen Wirtschafts- und Sozialaus-
sache 561/08) . . . . . . . . . . . 291 B schuss: Eine europäische Strategie für
gewerbliche Schutzrechte – gemäß §§ 3
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 und 5 EUZBLG – (Drucksache 537/08) . 269 C
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 291 B
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
49. Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Ände-
rung des Energieeinsparungsgesetzes 57. Vorschlag für eine Richtlinie des Rates
(Drucksache 562/08) . . . . . . . . 291 C zur Änderung der Richtlinie 2006/112/EG
in Bezug auf ermäßigte Mehrwertsteuer-
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76 sätze – gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG –
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 291 C (Drucksache 506/08) . . . . . . . . 292 B
Karl Rauber (Saarland) . . . . . . 312*A
50. Entwurf eines Gesetzes zur Neufassung
des Raumordnungsgesetzes und zur Än- Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 292 B
derung anderer Vorschriften (GeROG)
(Drucksache 563/08) . . . . . . . . 291 C 58. Vorschlag für eine Richtlinie des Europäi-
schen Parlaments und des Rates zur Ko-
Beschluss: Stellungnahme gemäß Art. 76
ordinierung der Rechts- und Verwal-
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 291 D
tungsvorschriften betreffend bestimmte
Organismen für gemeinsame Anlagen in
51. Entwurf eines Gesetzes zu den Abkom- Wertpapieren (OGAW) – gemäß §§ 3 und
men vom 26. Mai 2006 zwischen der 5 EUZBLG – (Drucksache 535/08) . . . 269 C
Regierung der Bundesrepublik Deutsch-
land und der Regierung der Sonderver- Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
waltungsregion Hongkong der Volks-
republik China über die gegenseitige 59. Grünbuch der Kommission der Europäi-
Rechtshilfe in Strafsachen und über die schen Gemeinschaften über die effiziente
Überstellung flüchtiger Straftäter (Druck- Vollstreckung gerichtlicher Entscheidun-
sache 565/08) . . . . . . . . . . . 269 C gen in der Europäischen Union: Trans-
parenz des Schuldnervermögens – ge-
Beschluss: Keine Einwendungen gemäß mäß §§ 3 und 5 EUZBLG – (Drucksache
Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 302*C 166/08) . . . . . . . . . . . . . . 292 B

52. Lebenslagen in Deutschland – Dritter Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 292 C


Armuts- und Reichtumsbericht (Druck-
sache 460/08) . . . . . . . . . . . 291 D 60. Mitteilung der Kommission der Europäi-
schen Gemeinschaften an das Euro-
Beschluss: Kenntnisnahme . . . . . . 292 A päische Parlament, den Rat, den Europäi-
schen Wirtschafts- und Sozialausschuss
53. Nationaler Strategiebericht Sozialschutz und den Ausschuss der Regionen: Eine
und soziale Eingliederung 2008 – 2010 gemeinsame Einwanderungspolitik für
(Drucksache 572/08) . . . . . . . . 269 C Europa – Grundsätze, Maßnahmen und
Instrumente – gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG –
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
(Drucksache 451/08) . . . . . . . . 292 C
54. Vorschlag für eine Verordnung des Euro- Uwe Schünemann (Niedersachsen) . 292 D
päischen Parlaments und des Rates zur Volker Bouffier (Hessen) . . . . . 312*A
Festlegung harmonisierter Bedingungen
für die Vermarktung von Bauprodukten Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 293 D
– gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG – (Druck-
sache 400/08) . . . . . . . . . . . 292 A 61. Mitteilung der Kommission der Europäi-
schen Gemeinschaften an das Euro-
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 292 B päische Parlament, den Rat, den Europäi-
schen Wirtschafts- und Sozialausschuss
55. Grünbuch der Kommission der Europäi- und den Ausschuss der Regionen: Künf-
schen Gemeinschaften: Urheberrechte in tige Asylstrategie – ein integriertes Kon-
VI Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

zept für EU-weiten Schutz – gemäß §§ 3 67. Vorschlag für eine Verordnung des Euro-
und 5 EUZBLG – (Drucksache 452/08) . 293 D päischen Parlaments und des Rates für
die Typgenehmigung von Kraftfahrzeu-
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 294 A gen hinsichtlich ihrer allgemeinen Si-
cherheit – gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG –
62. Mitteilung der Kommission der Europäi- (Drucksache 402/08) . . . . . . . . 295 B
schen Gemeinschaften an das Euro-
päische Parlament, den Rat, den Europäi- Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 295 C
schen Wirtschafts- und Sozialausschuss
und den Ausschuss der Regionen – Bes- 68. Vorschlag für eine Verordnung des Euro-
sere Kompetenzen für das 21. Jahrhun- päischen Parlaments und des Rates zur
dert: Eine Agenda für die europäische Änderung der Verordnungen (EG)
Zusammenarbeit im Schulwesen – ge- Nr. 549/2004, (EG) Nr. 550/2004, (EG)
mäß §§ 3 und 5 EUZBLG – (Drucksache Nr. 551/2004 und (EG) Nr. 552/2004 im
497/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C Hinblick auf die Verbesserung der Leis-
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A tung und Nachhaltigkeit des europäi-
schen Luftverkehrssystems – gemäß §§ 3
und 5 EUZBLG – (Drucksache 482/08) . 269 C
63. Vorschlag für eine Empfehlung des Rates
über die europaweite Mobilität junger Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
Freiwilliger – gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG –
(Drucksache 488/08) . . . . . . . . 294 A 69. Vorschlag für eine Verordnung des Euro-
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 294 A päischen Parlaments und des Rates zur
Änderung der Verordnung (EG) Nr. 216/
64. Mitteilung der Kommission der Europäi- 2008 in Bezug auf Flugplätze, Flugver-
schen Gemeinschaften an das Euro- kehrsmanagement und Flugsicherungs-
päische Parlament, den Rat, den Europäi- dienste sowie zur Aufhebung der Richt-
schen Wirtschafts- und Sozialausschuss linie 2006/23/EG – gemäß §§ 3 und 5
und den Ausschuss der Regionen – Eine EUZBLG – (Drucksache 483/08) . . . . 269 C
erneuerte Sozialagenda: Chancen, Zu- Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
gangsmöglichkeiten und Solidarität im
Europa des 21. Jahrhunderts – gemäß §§ 3
70. Vorschlag für eine Richtlinie des Europäi-
und 5 EUZBLG – (Drucksache 498/08) . 294 A schen Parlaments und des Rates zur Än-
Gisela von der Aue (Berlin) . . . . 312*D derung der Richtlinie 1999/62/EG über
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . die Erhebung von Gebühren für die Be-
294 B
nutzung bestimmter Verkehrswege
durch schwere Nutzfahrzeuge – gemäß
65. Vorschlag für eine Richtlinie des Rates
§§ 3 und 5 EUZBLG – (Drucksache 520/08) 295 C
zur Anwendung des Grundsatzes der
Gleichbehandlung ungeachtet der Reli- Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 295 D
gion oder der Weltanschauung, einer
Behinderung, des Alters oder der sexuel- 71. Mitteilung der Kommission der Europäi-
len Ausrichtung – gemäß §§ 3 und 5 schen Gemeinschaften an das Euro-
EUZBLG – (Drucksache 499/08) . . . . 294 C päische Parlament, den Rat, den Europäi-
Andreas Krautscheid (Nordrhein- schen Wirtschafts- und Sozialausschuss
Westfalen) . . . . . . . . . . 313*B und den Ausschuss der Regionen: Um-
Christa Stewens (Bayern) . . . . . 314*A weltorientiertes Öffentliches Beschaf-
fungswesen – gemäß §§ 3 und 5 EUZBLG –
Dr. Hermann Kues, Parl. Staats-
(Drucksache 525/08) . . . . . . . . 295 D
sekretär bei der Bundesministerin
für Familie, Senioren, Frauen und Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 296 A
Jugend . . . . . . . . . . . 315*A
72. Vorschlag für eine Verordnung des Rates
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 295 A
zur Änderung der Verordnungen (EG)
Nr. 1290/2005 über die Finanzierung der
66. Mitteilung der Kommission der Europäi-
Gemeinsamen Agrarpolitik und (EG)
schen Gemeinschaften an das Euro-
Nr. 1234/2007 über eine gemeinsame
päische Parlament, den Rat, den Europäi-
Organisation der Agrarmärkte und mit
schen Wirtschafts- und Sozialausschuss
Sondervorschriften für bestimmte landwirt-
und den Ausschuss der Regionen – Ein
erneuertes Engagement für ein soziales schaftliche Erzeugnisse (Verordnung über
Europa: Verstärkung der offenen Koordi- die einheitliche GMO) zur Einführung ei-
nierungsmethode für Sozialschutz und nes Schulobstprogramms – gemäß §§ 3
soziale Eingliederung – gemäß §§ 3 und 5 und 5 EUZBLG – (Drucksache 508/08) . . 269 C
EUZBLG – (Drucksache 502/08) . . . . 295 A Volker Bouffier (Hessen) . . . . . 305*C
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 295 B Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 303*A
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 VII

73. Vorschlag für eine Verordnung des Rates men der Umsatzsteuer nach § 5c des
zur Änderung der Verordnung (EG) Gemeindefinanzreformgesetzes (Druck-
Nr. 1234/2007 über eine gemeinsame sache 576/08) . . . . . . . . . . . 269 C
Organisation der Agrarmärkte und mit
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
Sondervorschriften für bestimmte land-
Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos-
wirtschaftliche Erzeugnisse (Verordnung
senen Änderung . . . . . . . . . 303*A
über die einheitliche GMO) – gemäß §§ 3
und 5 EUZBLG – (Drucksache 571/08) . 296 A
81. Erste Verordnung zur Durchführung des
Beschluss: Stellungnahme . . . . . . 296 B Gesetzes zum Schutz gegen Fluglärm
(Verordnung über die Datenerfassung
74. Verordnung über Mittel zum Tätowieren und das Berechnungsverfahren für die
einschließlich bestimmter vergleichbarer Festsetzung von Lärmschutzbereichen –
Stoffe und Zubereitungen aus Stoffen 1. FlugLSV) (Drucksache 566/08) . . . 296 C
(Tätowiermittel-Verordnung) (Druck-
sache 357/08) . . . . . . . . . . . 296 B Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos-
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80 senen Änderungen – Annahme einer
Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos- Entschließung . . . . . . . . . . 296 C
senen Änderungen – Annahme einer
Entschließung . . . . . . . . . . 296 B 82. Verordnung zur Ergänzung und Anpas-
sung der Anforderungen an Luftfahrer
75. Verordnung über die Gewinnung, Ab- (Drucksache 577/08) . . . . . . . . 269 C
gabe und Verwendung von Samen, Eizel-
len und Embryonen von Zuchttieren Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
(Samenverordnung – SamEnV) (Druck- Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 303*D
sache 409/08) . . . . . . . . . . . 269 C
83. 32. Verordnung zur Änderung der Straßen-
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80 verkehrs-Zulassungs-Ordnung (Druck-
Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos- sache 578/08) . . . . . . . . . . . 296 C
senen Änderungen . . . . . . . . 303*A
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
76. Verordnung zur Änderung der Verordnung Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos-
über bestimmte Impfstoffe zum Schutz vor senen Änderungen – Annahme einer
der Blauzungenkrankheit und zur Ände- Entschließung . . . . . . . . . . 296 D
rung der EG-Blauzungenbekämpfung-
Durchführungsverordnung (Drucksache 84. Verordnung zum Erlass von Regelungen
507/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C über Messeinrichtungen im Strom- und
Gasbereich (Drucksache 568/08) . . . . 296 D
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 303*D Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
Abs. 2 GG nach Maßgabe der beschlos-
77. Verordnung zur Änderung lebensmittel- senen Änderungen . . . . . . . . 297 A
rechtlicher Vorschriften (Drucksache
574/08) . . . . . . . . . . . . . . 269 C 85. Verordnung zur Änderung der Verord-
nung über Heizkostenabrechnung
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80 (Drucksache 570/08) . . . . . . . . 297 A
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 303*D
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
78. Verordnung über die Ermittlung der Abs. 2 GG in der festgelegten Fas-
Schlüsselzahlen für die Aufteilung des sung – Annahme einer Entschließung . 297 A
Gemeindeanteils an der Einkommen-
steuer für die Jahre 2009, 2010 und 2011 86. Benennung eines stellvertretenden Mit-
(Drucksache 530/08) . . . . . . . . 269 C glieds des Stiftungsrates der Stiftung für
ehemalige politische Häftlinge – gemäß
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80 § 20 Abs. 3 HHG – (Drucksache 523/08) . 269 C
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 303*D
Beschluss: Zustimmung zu der Empfeh-
79. Fünfzigste Verordnung zur Durchführung lung des Ausschusses für Innere Ange-
des § 172 des Bundesentschädigungsge- legenheiten in Drucksache 523/1/08 . 304*A
setzes (Drucksache 531/08) . . . . . . 269 C
87. Personelle Veränderung im Beirat für
Beschluss: Zustimmung gemäß Art. 80
Ausbildungsförderung beim Bundes-
Abs. 2 GG . . . . . . . . . . . . 303*D
ministerium für Bildung und For-
schung – gemäß § 44 BAföG i.V.m. § 3
80. Verordnung über die Festsetzung der
Abs. 1 BeiratsV – (Drucksache 489/08) . 269 C
Länderschlüsselzahlen und die Ermitt-
lung der Schlüsselzahlen für die Auftei- Beschluss: Zustimmung zu den Vorschlä-
lung des Gemeindeanteils am Aufkom- gen in Drucksache 489/08 . . . . . 304*A
VIII Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

88. Benennung eines Mitglieds des Kurato- 91. Verfahren vor dem Bundesverfassungs-
riums der Stiftung „Haus der Geschichte gericht (Drucksache 606/08) . . . . .297 A
der Bundesrepublik Deutschland“ – ge- Richard Drautz (Baden-Württem-
mäß § 7 Abs. 3 des Gesetzes zur Errich- berg) . . . . . . . . . . . . 315*D
tung einer Stiftung „Haus der Geschichte
der Bundesrepublik Deutschland“ – Beschluss: Zustimmung zu dem Mehr-Län-
(Drucksache 527/08) . . . . . . . . 269 C der-Antrag in Drucksache 606/1/08 – Zu
den Verfahren unter den Buchstaben a
Beschluss: Staatsrat Reinhard Stuth und d bis n der Empfehlungen in
(Hamburg) wird benannt . . . . . . 304*A Drucksache 606/08 wird von einer Äu-
ßerung und einem Beitritt abgesehen . 297 C
89. a) Benennung eines Mitglieds für den
Beirat der Bundesnetzagentur für 92. Entschließung des Bundesrates zur ei-
Elektrizität, Gas, Telekommunikation, genständigen gesetzlichen Ausgestal-
Post und Eisenbahnen – gemäß § 5 tung des Arbeitnehmerdatenschutzes
Abs. 1 BEGTPG – (Drucksache 604/08) – Antrag des Landes Rheinland-Pfalz ge-
mäß § 36 Abs. 2 GO BR – (Drucksache
b) Benennung eines stellvertretenden 665/08)
Mitglieds für den Beirat der Bundes-
netzagentur für Elektrizität, Gas, in Verbindung mit
Telekommunikation, Post und Eisen-
bahnen – gemäß § 5 Abs. 1 BEGTPG – 33. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung
Antrag des Landes Brandenburg ge- des Bundesdatenschutzgesetzes (Druck-
mäß § 36 Abs. 2 GO BR – (Drucksache sache 548/08) . . . . . . . . . . . 278 A
623/08) . . . . . . . . . . . . . 269 C Karl Peter Bruch (Rheinland-Pfalz) . 278 A
Beschluss zu a): Minister Dr. Werner Dr. Ingo Wolf (Nordrhein-Westfalen) 278 D
Marnette (Schleswig-Holstein) wird Dr. Till Steffen (Hamburg) . . . . 279 C
vorgeschlagen . . . . . . . . . . 304*A
Mitteilung zu 92: Überweisung an die
Beschluss zu b): Zustimmung zu dem zuständigen Ausschüsse . . . . . . 281 A
Vorschlag in Drucksache 623/08 . . . 304*A Beschluss zu 33: Stellungnahme gemäß
Art. 76 Abs. 2 GG . . . . . . . . . 281 C
90. Benennung eines stellvertretenden Mit-
glieds des Kuratoriums der Stiftung „Erin- Nächste Sitzung . . . . . . . . . . . . 297 C
nerung, Verantwortung und Zukunft“
– gemäß § 5 Abs. 1 EVZ-StiftG – (Druck-
Beschlüsse im vereinfachten Verfahren ge-
sache 600/08) . . . . . . . . . . . 269 C
mäß § 35 GO BR . . . . . . . . . . 297 B/D
Beschluss: Staatssekretär Dr. Olaf Bastian
(Schleswig-Holstein) wird benannt . . 304*A Feststellung gemäß § 34 GO BR . . . . . 297 D
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 IX

Verzeichnis der Anwesenden

Vo rsi tz : Berlin:

Präsident O l e v o n B e u s t , Präsident des Harald Wolf, Bürgermeister und Senator für


Senats, Erster Bürgermeister der Freien und Wirtschaft, Technologie und Frauen
Hansestadt Hamburg
Gisela von der Aue, Senatorin für Justiz
Amtierender Präsident Karl Peter
B r u c h , Minister des Innern und für Sport
des Landes Rheinland-Pfalz – zeitweise – Dr. Ehrhart Körting, Senator für Inneres und
Sport

Schriftführerin:
Brandenburg:
Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen-Anhalt)
Ulrich Junghanns, Minister für Wirtschaft

Beate Blechinger, Ministerin der Justiz


Amtierende Schriftführerin:

Dr. Kerstin Kießler (Bremen)

Bremen:

Jens Böhrnsen, Präsident des Senats, Bürger-


Baden-Württemberg: meister, Senator für kirchliche Angelegenhei-
ten und Senator für Kultur
Günther H. Oettinger, Ministerpräsident
Karoline Linnert, Bürgermeisterin, Senatorin für
Prof. Dr. Wolfgang Reinhart, Minister für Bun- Finanzen
des- und Europaangelegenheiten sowie für
den Geschäftsbereich des Staatsministeriums
und Bevollmächtigter des Landes Baden- Dr. Kerstin Kießler, Staatsrätin, Bevollmächtigte
Württemberg beim Bund der Freien Hansestadt Bremen beim Bund

Willi Stächele, Finanzminister

Dr. Monika Stolz, Ministerin für Arbeit und


Soziales Hamburg:

Richard Drautz, Staatssekretär im Wirtschafts- Dr. Till Steffen, Senator, Präses der Justizbe-
ministerium hörde

Bayern:
Hessen:
Christa Stewens, Staatsministerin für Arbeit und
Sozialordnung, Familie und Frauen Roland Koch, Ministerpräsident

Bernd Sibler, Staatssekretär im Staatsministe- Volker Bouffier, Minister des Innern und für
rium für Unterricht und Kultus Sport
X Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

Mecklenburg-Vorpommern: Saarland:

Dr. Harald Ringstorff, Ministerpräsident Peter Müller, Ministerpräsident

Jürgen Seidel, Minister für Wirtschaft, Arbeit


und Tourismus Peter Jacoby, Minister der Finanzen

Karl Rauber, Minister für Bundes- und


Europaangelegenheiten und Chef der Staats-
kanzlei
Niedersachsen:
Annegret Kramp-Karrenbauer, Ministerin für
Christian Wulff, Ministerpräsident Bildung, Familie, Frauen und Kultur

Walter Hirche, Minister für Wirtschaft, Arbeit


und Verkehr

Uwe Schünemann, Minister für Inneres, Sport


und Integration Sachsen:

Bernhard Busemann, Justizminister Stanislaw Tillich, Ministerpräsident

Geert Mackenroth, Staatsminister der Justiz

Nordrhein-We stfalen: Dr. Johannes Beermann, Staatsminister für Bun-


des- und Europaangelegenheiten und Chef
Dr. Jürgen Rüttgers, Ministerpräsident der Staatskanzlei

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innova- Dr. Eva-Maria Stange, Staatsministerin für Wis-
tion, Wissenschaft, Forschung und Technolo- senschaft und Kunst
gie

Andreas Krautscheid, Minister für Bundes- und


Europaangelegenheiten
Sachsen-Anhalt:
Dr. Ingo Wolf, Innenminister

Prof. Dr. Wolfgang Böhmer, Ministerpräsident

Prof. Dr. Angela Kolb, Ministerin der Justiz


Rheinland-Pfalz:

Kurt Beck, Ministerpräsident

Karl Peter Bruch, Minister des Innern und für Schleswig-Holstein:


Sport

Prof. Dr. Ingolf Deubel, Minister der Finanzen Lothar Hay, Innenminister

Margit Conrad, Ministerin für Umwelt, Forsten Dr. Gitta Trauernicht, Ministerin für Soziales,
und Verbraucherschutz Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 XI

Thüringen: Alfred Hartenbach, Parl. Staatssekretär bei der


Bundesministerin der Justiz
Dieter Althaus, Ministerpräsident
Nicolette Kressl, Parl. Staatssekretärin beim
Dr. Klaus Zeh, Minister für Bundes- und Europa- Bundesminister der Finanzen
angelegenheiten und Chef der Staatskanzlei

Gerold Wucherpfennig, Minister für Bau, Lan- Peter Hintze, Parl. Staatssekretär beim Bundes-
desentwicklung und Medien minister für Wirtschaft und Technologie

Marion Walsmann, Justizministerin Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär beim


Bundesminister für Wirtschaft und Technolo-
gie

Vo n der Bundesregierung: Dr. Hermann Kues, Parl. Staatssekretär bei der


Bundesministerin für Familie, Senioren,
Olaf Scholz, Bundesminister für Arbeit und Frauen und Jugend
Soziales
Rolf Schwanitz, Parl. Staatssekretär bei der Bun-
Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz desministerin für Gesundheit

Hildegard Müller, Staatsministerin bei der Bun-


deskanzlerin Achim Großmann, Parl. Staatssekretär beim
Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadt-
Klaus Brandner, Parl. Staatssekretär beim Bun- entwicklung
desminister für Arbeit und Soziales
Ulrich Kasparick, Parl. Staatssekretär beim Bun-
Peter Altmaier, Parl. Staatssekretär beim Bun- desminister für Verkehr, Bau und Stadtent-
desminister des Innern wicklung
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 257

(A) (C)

Redetext

847. Sitzung

Berlin, den 19. September 2008

Beginn: 9.31 Uhr Ich komme zur Tagesordnung. Sie liegt Ihnen in
vorläufiger Form mit 92 Punkten vor. Die Punkte 39,
46, 23 und 27 werden – in dieser Reihenfolge – nach
Präsident Ole von Beust: Meine sehr verehrten Da- Punkt 1 aufgerufen. Die Punkte 92 und 33 werden
men und Herren, ich eröffne die 847. Sitzung des miteinander verbunden und nach Punkt 25 behan-
Bundesrates und begrüße Sie sehr herzlich. delt. Im Übrigen bleibt es bei der ausgedruckten Rei-
Bevor wir in die Tagesordnung eintreten, erlauben henfolge.
Sie mir einen kurzen Rückblick auf die Geschichte!
Gibt es Wortmeldungen zur Tagesordnung? – Das
Heute vor nahezu 60 Jahren fand die Konstituie- ist nicht der Fall.
rung des Parlamentarischen Rates statt. Dies ist vor
Dann ist sie so festgestellt.
kurzem auf einer Veranstaltung im Museum Koenig
gefeiert worden; Vizepräsident Peter Müller hat uns Meine Damen und Herren, vor Eintritt in die Ta-
vertreten. Wenn wir heute unseren Aufgaben nach gesordnung möchte ich darauf hinweisen, dass der
Artikel 50 des Grundgesetzes nachkommen, emp- Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vor-
(B) fiehlt es sich, daran zu denken, dass unsere Kompe- (D)
pommern, Herr Kollege Dr. Ringstorff, heute zum
tenz darauf beruht, dass die Väter und Mütter des letzten Mal an einer Sitzung des Bundesrates teil-
Grundgesetzes im Parlamentarischen Rat innerhalb nimmt. Er wird Anfang Oktober aus seinem Amt
relativ kurzer Zeit weise Entscheidungen gefällt ha- scheiden.
ben. Bedenkt man, wie lange wir heute manchmal
für einfachere Gesetze brauchen, sollten wir daran Herr Kollege Dr. Ringstorff hat diesem Haus seit
zurückdenken, dass das Grundgesetz trotz der kur- 1994 mit einer Unterbrechung angehört, in den letz-
zen Beratungszeit profund erarbeitet wurde. Uns ten zehn Jahren als Ministerpräsident. Im vergange-
bleibt, die historische Rolle jener Damen und Herren nen Geschäftsjahr hat er dem Bundesrat als Präsident
zu würdigen und sie nicht zu vergessen. vorgestanden.

Bevor ich mich der Tagesordnung zuwende, habe Als Politiker der ersten Stunde nach der Vereini-
ich gemäß § 23 Abs. 1 unserer Geschäftsordnung Ver- gung Deutschlands hat er sich insbesondere für die
änderungen in der Mitgliedschaft bekanntzugeben: Menschen in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch
darüber hinaus engagiert. Sein Sachverstand, seine
Aus der Regierung des Landes Schleswig-Holstein ruhige, ausgleichende und gradlinige norddeutsche
und damit aus dem Bundesrat ist am 8. Juli 2008 Herr Art werden hochgeschätzt und haben die Arbeit un-
Minister Dietrich A u s t e r m a n n ausgeschieden. seres Hauses sehr bereichert.
Die Landesregierung hat am selben Tag Herrn Minis-
ter Dr. Werner M a r n e t t e zum stellvertretenden Lieber Herr Ringstorff, ich möchte Ihnen im Namen
Mitglied des Bundesrates bestellt. des Hauses für Ihre Arbeit sehr herzlich danken und
wünsche Ihnen für Ihren weiteren Lebensweg alles
Aus der Regierung des Freistaates Sachsen und da-
erdenklich Gute. Herzlichen Dank!
mit aus dem Bundesrat ist am 7. August 2008 Frau
Staatsministerin Helma O r o s z ausgeschieden. Die (Lebhafter Beifall)
Landesregierung hat am 26. August 2008 Frau
Staatsministerin Christine C l a u ß zum stellvertre- Zur gemeinsamen Beratung rufe ich die Punkte 1 a)
tenden Mitglied des Bundesrates bestellt. und b) auf:

Ich danke den ausgeschiedenen Mitgliedern für a) Entwurf eines Gesetzes über die Feststellung
ihre Arbeit in den Organen des Bundesrates. Den des Bundeshaushaltsplans für das Haushalts-
neuen Mitgliedern wünsche ich mit uns allen eine jahr 2009 (Haushaltsgesetz 2009) (Drucksache
gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. 500/08)
258 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
b) Finanzplan des Bundes 2008 bis 2012 (Druck- sondern mitgestaltet. Investitionen in Russland,
sache 501/08) Indien, Amerika, die Erweiterung in China sind im-
mer mit den Stimmen aller Beteiligten beschlossen
Staatsminister Mackenroth (Sachsen) hat Erklä-
worden.
rungen zu Protokoll*) abgegeben. – Es gibt keine
Wortmeldung. Der wirtschaftliche Erfolg von Volkswagen in den
unruhigen Zeiten, in denen wir angesichts von Fi-
Wir kommen zur Abstimmung über die Empfeh-
nanzmarktkrise, Immobilienblase, Internetblase le-
lung des Finanzausschusses. Wer folgt der Empfeh-
ben, sollte uns sehr wohl beschäftigen. Ein von
lung? – Mehrheit.
Deutschland bestimmtes Unternehmen ist auf dem
Damit hat der Bundesrat zu beiden Vorlagen Stel- Weg, in den nächsten Jahren vielleicht der größte
lung genommen. Automobilhersteller zu werden. Es liegt auch im poli-
tischen Interesse, dass konstruktive Mitbestimmung
Ich rufe Punkt 39 auf:
und Begleitung durch Aktionäre politisch flankiert
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Ge- werden. Wir wollen kein Scheitern wie bei Daim-
setzes über die Überführung der Anteilsrechte lerChrysler, was mit Milliardenverlusten für die Aktio-
an der Volkswagenwerk Gesellschaft mit be- näre rückabgewickelt werden musste, wir wollen
schränkter Haftung in private Hand (Drucksa- eine gedeihliche Zusammenarbeit. Ich erwähne nur
che 552/08) am Rande, dass Volkswagen in vier Tagen so viele
Autos baut wie der neue Großaktionär im ganzen
Wortmeldungen liegen vor von Ministerpräsident Jahr.
Wulff, Kollegen Oettinger und Frau Bundesministerin
Zypries. Zunächst Herr Wulff (Niedersachsen), bitte. Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs wird 1:1
umgesetzt. Der Tenor des Urteils besagt, dass die
Bundesrepublik Deutschland dadurch, dass sie § 4
Christian Wulff (Niedersachsen): Sehr geehrter
Abs. 1 sowie § 2 Abs. 1 in Verbindung mit § 4 Abs. 3
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und
des VW-Gesetzes beibehalte, gegen Artikel 56 des
Herren! Ich begrüße es außerordentlich, dass die
EG-Vertrages verstoße. Es wird mithin ausdrücklich
Bundesregierung den Entwurf zur Novellierung des
von der „Verbindung“, vom „Zusammenspiel“, von
VW-Gesetzes dem Bundesrat in der vorliegenden
einem „rechtlichen Rahmen“ und der daraus resul-
Fassung zugeleitet hat. Besonderer Dank gilt der
tierenden Situation gesprochen.
Frau Bundeskanzlerin und der Frau Bundesjustizmi-
nisterin dafür, dass sie sich nicht von den vermeintli- Die einzelne Bestimmung der Sperrminorität wird
chen Argumenten der EU-Kommission haben leiten vom Europäischen Gerichtshof ausdrücklich nicht
lassen, sondern das Urteil des Europäischen Ge- bemängelt. Deswegen stehen auch keine Strafzah-
(B) (D)
richtshofs 1:1 umsetzen. lungen in Rede. Sie würden ohnehin erst fällig, wenn
der Europäische Gerichtshof erneut angerufen
Das ist für Volkswagen als größtem deutschen Un-
würde. Davon gehe ich nicht aus; denn Aktienrecht,
ternehmen – Umsatz: 109 Milliarden Euro – eine Zä-
Gesellschaftsrecht ist nationales Recht, keine europäi-
sur. Das bedeutet, dass die Entsendemandate im VW-
sche Rechtsmaterie. Gesellschaftsrecht ist nicht har-
Gesetz gestrichen werden; zukünftig müssen alle
monisiert. In den Einzelfragen des Gesellschafts-
Aufsichtsräte gewählt werden. Und es bedeutet, dass
rechts hat die EU-Kommission keine Zuständigkeit.
das Höchststimmrecht im VW-Gesetz entfällt und
Es ist nicht Sache der EU, im Detail festzulegen, wie
damit jeder so viele Stimmen hat, wie er Aktien hält.
viele Personen einem Vorstand angehören, wie Mit-
Das sind zwei wesentliche Veränderungen. Wir tra-
bestimmung ausgestaltet wird oder wie groß Sperr-
gen sie mit, weil wir möchten, dass europäisches
minoritäten sind. Dann hätten wir zwei Interessenla-
Recht auch in Deutschland gilt und europäische Ent-
gen: das geschützte Interesse des Kapitalverkehrs,
scheidungen akzeptiert werden.
eine Sperrminorität zu erwerben, ebenso wie das
In der Nachkriegszeit ist es zur Gründung der heu- schutzwürdige Interesse, im freien Kapitalverkehr
tigen Volkswagen AG gekommen. Die Aktien der Dominanz zu erlangen.
Volkswagen AG sollten breit gestreut sein. Es sollte
eine Vielfalt von Aktionären geben, niemand sollte In § 179 des deutschen Aktiengesetzes heißt es,
allein dominieren. Die Volkswagenaktie war die dass die Sperrminorität 25 % beträgt. Aber nach Ab-
erste Volksaktie. Später kam es zu Privatisierungen: satz 2 können für Unternehmen Abweichungen hin-
Bahn, Telekom usw. sind auf ein neues Gleis gestellt sichtlich der Sperrminorität festgelegt werden. So hat
worden. Porsche eine Sperrminorität von 33, Volkswagen eine
solche von 20 %. Man will vermeiden, dass einer den
Gemessen an Erfolgsparametern hat sich diese anderen überstimmen, dominieren kann.
Weichenstellung bewährt. VW ist mit 6,2 Millionen
Fahrzeugen höchst erfolgreich. Arbeitnehmervertre- Ich fasse zusammen:
ter haben dem erfolgreichen Kurs nicht nur nicht im Die Bundesregierung, der Deutsche Bundestag und
Weg gestanden, sie haben ihn mitgestaltet. Auch jetzt auch der Bundesrat nehmen mit dem vorliegen-
das Land als Aktionär hat nicht im Weg gestanden, den Gesetzentwurf ihre Verpflichtungen ernst, die
sich aus dem Urteil ergeben. Aber Deutschland
nimmt auch die Verpflichtung aus der Patronatser-
*) Anlagen 1 bis 3 klärung ernst, die die Regierung A d e n a u e r mit
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 259
Christian Wulff (Niedersachsen)
(A) (C)
dem ersten niedersächsischen Ministerpräsidenten, Ich verstehe die Position des Kollegen Wulff sehr
Hinrich Wilhelm K o p f , abgeschlossen hat. In dem gut. Wer 20 % Aktien hat, schafft mit § 4 Abs. 3 deren
Vertrag zwischen Bund und Land heißt es, dass Bund Veredelung. Er stärkt seinen Vermögenswert. Dies ist
und Land alle Maßnahmen zu treffen haben, die ge- richtigerweise seine Position. Ich kann auch Kolle-
eignet sind, das mit dem Vertrag angestrebte Ziel, ginnen in der Bundesregierung, die aus Niedersach-
die Bewahrung des VW-Gesetzes, so weit wie mög- sen kommen, politisch verstehen.
lich zu erreichen. Dazu gehört auch die qualifizierte
(Bundesministerin Brigitte Zypries: Ich bin Hes-
Sperrminorität von 20 %.
sin! Aus Kassel!)
Ich bitte alle Kolleginnen und Kollegen im Bundes- Aber klar muss sein: Wir haben eine andere Aufgabe.
rat, keine Einwendungen gegen das Gesetzesvorha- Wir sollten prüfen, ob ein Gesetz europarechtskon-
ben zu erheben und dadurch eindrucksvoll deutlich form ist oder tendenziell nicht.
zu machen, dass wir hinter dem novellierten VW-Ge-
setz stehen. Ich bitte Sie um Unterstützung des Ge- Nun ersetzt der Kommissar noch nicht die Kommis-
setzentwurfs der Bundesregierung. sion und die Kommission noch nicht das Gericht.
Aber wir haben alle Anzeichen, dass der Kommissar
Das entscheidende Argument der Kommission war für die Kommission spricht. Er hat uns im April un-
im Übrigen, dass die Kapitalverkehrsfreiheit gestört missverständlich geschrieben, dass § 4 Abs. 3 nicht
sei und dass Investoren abgeschreckt würden, VW- europarechtskonform ist. Wir können davon ausge-
Aktien zu erwerben. Wer sich die Börse in den letz- hen, dass die Kommission dies im Oktober be-
ten Jahren ansieht, wird auf jeden Fall feststellen, schließt. Dann geht es vor Gericht, und dann kommt
dass sich gerade in diesen Stunden kein Investor ab- das Urteil. Vielleicht nach der Bundestagswahl!
geschreckt fühlen könnte, VW-Aktien zu erwerben.
Müssen wir Europa unnötig brüskieren? Ich halte
Es gibt im Moment keine attraktivere Aktie auf der
das für falsch. Ich glaube, dass VW einen guten Weg
Welt als diejenige von VW. Dementsprechend führt
gehen kann, dieser Paragraf dafür aber nicht not-
die Kommission auch diesbezüglich ihre Argumenta-
wendig ist.
tion ad absurdum. – Vielen Dank.

Präsident Ole von Beust: Danke schön!


Präsident Ole von Beust: Das Wort hat Herr Kol-
lege Oettinger. Frau Bundesministerin Zypries hat das Wort.

Günther H. Oettinger (Baden-Württemberg): Herr Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz: Vie-
len Dank. – Herr Präsident! Meine sehr geehrten Da-
(B) Präsident, meine Damen und Herren! Das Recht der (D)
Aktionäre ist in Deutschland klar und überzeugend men und Herren! Herr Oettinger, wenn Sie sagen, es
im Aktiengesetz geregelt. bedürfe keiner gesonderten Regelung für VW, klingt
das so, als wollten wir eine solche für VW einführen.
Die Minderheit von 25 % gilt bei Telekom, Post, Das wollen wir aber gar nicht. Wir wollen lediglich
BMW, Daimler, SAP und vielen anderen. Es bedarf an einem Gesetz festhalten, das es schon seit 50 Jah-
keiner besonderen Minderheitenregelung für einen ren in Deutschland gibt und an dem wir nach einer
einzigen Konzern. Entweder müssten wir sagen, dass Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs nur
20 % schutzwürdig sind. Dann, bitte, einen Gesetz- leichte Modifikationen vornehmen müssen. Es geht
entwurf zum deutschen Aktiengesetz! Oder wir sa- also nicht darum, eine bestimmte Firma besserzustel-
gen: Die 25 % haben sich bewährt. – Dann, bitte, len als bisher, sondern einfach darum, die Rechtslage
auch für VW! Warum kommen wir nicht auf die Idee, in Deutschland beizubehalten, weil man gesehen
15 oder 10 oder 3 % zu wählen? Ich meine, das deut- hat, dass es gut funktioniert. Wie Herr Wulff soeben
sche Aktiengesetz, das überzeugend praktiziert wird, schon gesagt hat, ist VW unter diesem Gesetz zu ei-
das auch bei Privatisierungen der letzten Jahre – wie nem der erfolgreichsten europäischen Autokonzerne
der Lufthansa, der Post, der Telekom und bald der geworden. Warum sollen wir bestehende gute Rege-
Bahn AG – angewandt wurde bzw. wird, kann in Zu- lungen ändern?
kunft für VW gelten. Man kann nur vor dem historischen Hintergrund
verstehen, warum das so ist. Nach dem Zweiten
Ein zweiter Punkt! Mir macht Sorge, dass Deutsch-
Weltkrieg bestand die heute fast nicht mehr vorstell-
land in zunehmendem Maße in die kritische Betrach-
bare Situation, dass kaum jemand wusste, wem das
tung der Kommission und des Europäischen Ge-
VW-Werk eigentlich gehörte. Da waren die Sparer,
richtshofs gerät. Wir versuchen, dies sensibel zu
die mehr als 300 000 Reichsmark angespart hatten,
vermeiden, wenn es um Rundfunk, Internet und
um Autos zu kaufen. Da war das Geld der Gewerk-
Staatsverträge geht. Ich denke auch an die Themen
schaften, das im Faschismus enteignet und mit dem
„Toto und Lotto“, „öffentlich-rechtliche Banken“
der Aufbau des Werkes begonnen worden war. Da
– mit großen Vermögensrisiken – und andere. Warum
waren die Arbeitnehmer, die für sich in Anspruch
riskieren wir ein weiteres Verfahren der Europäi-
nahmen, das Werk vorangebracht zu haben. Einen
schen Kommission sehenden Auges und ohne Not?
Eigentümer aber gab es nicht.
Deutschland als größte Volkswirtschaft sollte in allen
Fragen der Ordnungspolitik und der Marktwirtschaft Nach langen Diskussionen wurde 1960 in einem
Vorbild sein und sich nicht um Ausnahmen bemühen. historischen Kompromiss beschrieben, wie VW in
260 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Bundesministerin Brigitte Zypries
(A) (C)
Zukunft dastehen soll. In Umsetzung dieses Kompro- Wenn man als studierter Jurist einen solchen Text
misses wurde die Machtbalance in einem Gesetz ver- auslegt, kann man meines Erachtens nur zu dem Er-
ankert. Danach bekamen sowohl das Land Nieder- gebnis kommen, dass sich die Kommission mit ihrer
sachsen als auch die Bundesrepublik Deutschland, Klage eben nicht vollständig durchgesetzt hat. Das
als auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Gericht hat der Klage nur mit einer Einschränkung
bestimmte Rechte. Außerdem wurde festgelegt, dass stattgegeben.
die Beschäftigten maßgeblichen Einfluss auf die
Unternehmensentscheidungen bekommen sollen. Wenn zwei Paragrafen nur „in Verbindung“ mit-
Das lag daran, dass das Werk mit dem Vermögen der einander europarechtswidrig sind, liegt es auf der
Gewerkschaften aufgebaut worden war und dass die Hand, dass man nicht beide aufheben muss. Dann
Beschäftigten in den 50er Jahren gerade mit ihrem reicht es aus, nur einen davon aufzuheben, und der
enormen Arbeitseinsatz rund um den „Käfer“ den andere kann weiter bestehen, ohne gegen europa-
Aufschwung erst möglich gemacht hatten. rechtliche Vorschriften zu verstoßen.

Das ist der historische Hintergrund des VW-Geset- Genau das tun wir in dem vorliegenden Gesetzent-
zes. Ihn sollte man mindestens so gut kennen wie das wurf: Wir schaffen das gesetzliche Entsenderecht für
Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom letzten den Bund und das Land Niedersachsen ab; denn dies
Oktober. Der EuGH hat damals entschieden, mit eini- wird eindeutig verlangt. Wir schaffen die Stimm-
gen Vorschriften im VW-Gesetz verstoße Deutsch- rechtsbeschränkung auf 20 % ab. Die Sperrminorität
land gegen die Kapitalverkehrsfreiheit. Diese bei Hauptversammlungen, die im Übrigen gar nicht
letztinstanzliche Entscheidung werden wir selbstver- so weit vom allgemeinen Aktienrecht abweicht, kann
ständlich akzeptieren. Daran gibt es für mich als dagegen isoliert weiter bestehen.
Bundesjustizministerin – die ich übrigens in Hessen Diese Rechtsansicht hat die Kommission bis heute
gebürtige und lebende deutsche Staatsangehörige nicht widerlegt. Eine begründete Stellungnahme aus
bin – gar keinen Zweifel. Wir werden das Urteil in Brüssel, warum nicht wir das Urteil richtig interpre-
nationales Recht umsetzen, und zwar zu 100 %. tieren, sondern die Kommission, die sich durch Pres-
Angesichts der historischen Dimension des Geset- sesprecher äußert, gibt es nicht. Eine entsprechend
zes, die ich soeben dargestellt habe, kann es keinen begründete Stellungnahme soll Deutschland erst
Zweifel daran geben, dass wir es nur insoweit umset- Mitte Oktober vorgelegt werden. Anschließend hät-
zen werden, als es unbedingt erforderlich ist, als das ten wir zwei Monate Zeit, um darauf zu reagieren
Urteil es verlangt. Die Entscheidung des Europäi- und gegenüber der Kommission wiederum unsere
schen Gerichtshofs kann für Deutschland kein An- Rechtsansicht darzulegen.
lass sein, das VW-Gesetz komplett abzuschaffen. Das Wie Sie sehen, stecken wir noch mitten in einem
(B) sollte die Europäische Kommission akzeptieren. Verfahren mit Brüssel. Daher gibt es keinen Grund, (D)
Wir wollen das Urteil zu 100 % umsetzen. Zuvor weshalb die Bundesregierung von ihrem einstimmig
muss man klären, was das Urteil genau besagt. Bei gefassten Beschluss abrücken sollte. Wer dies ver-
der Beantwortung dieser Frage kommt man mit Un- langt, handelt entweder in vorauseilendem Gehor-
genauigkeiten nicht weiter; deswegen muss man sich sam gegenüber Brüssel – dafür sehe ich, ehrlich
den Text anschauen. Der Tenor der Entscheidung gesagt, keinen Anlass –, oder er versucht, unter Beru-
lautet ganz klar – ich zitiere –: fung auf Brüssel ein Gesetz zu Fall zu bringen, das
ihm wirtschaftspolitisch nicht passt. Ein solches Spiel
Die Bundesrepublik Deutschland hat dadurch, über die Bande halte ich allerdings nicht für fair. Wer
dass sie § 4 Abs. 1 sowie § 2 Abs. 1 in Verbin- wirtschaftspolitische Entscheidungen sucht, muss
dung mit auch wirtschaftspolitisch argumentieren, finde ich. Er
sollte sich nicht hinter einem Gerichtsurteil verste-
– darauf kommt es an: in Verbindung mit! –
cken, jedenfalls nicht hinter einem solchen, das mit
§ 4 Abs. 3 des VW-Gesetzes beibehalten hat, dem vorliegenden Gesetzentwurf zu 100 % in deut-
gegen ihre Verpflichtungen aus Artikel 56 sches Recht umgesetzt wird.
Abs. 1 EG-Vertrag verstoßen. Im Übrigen wird
die Klage abgewiesen. Man kann nicht behaupten, dass es in den letzten
50 Jahren eine innerdeutsche Debatte über die Auf-
Dazu muss man wissen, dass die Kommission bean- hebung des VW-Gesetzes gegeben habe. Mit ande-
tragt hatte, drei Bestimmungen für europarechtswid- ren Worten: Es geht nur um die Umsetzung der Ent-
rig zu erklären: das gesetzliche Entsenderecht für scheidung. Innerhalb Deutschlands gibt es keine
den Bund und das Land Niedersachsen, die Stimm- Vorstellungen, ein Gesetz, das sich bewährt hat, das
rechtsbeschränkung auf 20 % und das besondere die Mitbestimmungsrechte der Arbeitnehmerinnen
Mehrheitserfordernis für Hauptversammlungsbe- und Arbeitnehmer sehr gut sichert und das dazu
schlüsse von 80 % plus einer Aktie, also die soge- beigetragen hat, dass VW zu einem großen Konzern
nannte Sperrminorität von 20 %. in der Welt geworden ist, ohne Not zu ändern. Da-
für sehe ich keine wirtschaftspolitischen Ansatz-
Das gesetzliche Entsenderecht hat der EuGH für punkte.
rechtswidrig erklärt, die beiden anderen Bestimmun-
gen aber, wie ich gerade vorgelesen habe, nur „in
Verbindung“ miteinander, also nicht jede Norm Präsident Ole von Beust: Vielen Dank, Frau
selbstständig für sich, sondern nur beide zusammen. Zypries!
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 261
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der hen. Wenn Sie sich – auch in Thüringen, Sachsen und
Fall. Sachsen-Anhalt – Ihre regionale Wirtschaftsstruktur
anschauen, werden Sie feststellen, dass wir alle Pro-
Die beteiligten Ausschüsse empfehlen, gegen den
fiteure der enormen Steigerungen der Exporte von
Gesetzentwurf keine Einwendungen zu erheben.
Windkraftanlagen in die ganze Welt sind.
Ich stelle daher fest, dass der Bundesrat entspre-
Auch von den Offshore-Anlagen in der Nordsee
chend beschließt.
profitieren wir alle. Würden wir nicht auf diese
Wir kommen zu Punkt 46: Weise Energie erzeugen, könnten die anspruchsvol-
len Ziele der CO2-Reduzierung nicht erreicht wer-
Entwurf eines Gesetzes zur Beschleunigung des den. Würden wir die Trassen nicht bauen, stünde in
Ausbaus der Höchstspannungsnetze (Druck- Süddeutschland demnächst nicht ausreichend Strom
sache 559/08) zur Verfügung. In der Folge würden energieintensive
Die erste Wortmeldung: Ministerpräsident Wulff Branchen ins Ausland abwandern oder – was ich we-
(Niedersachsen). niger zwiespältig sehe; es wäre aber vielleicht im na-
tionalen Interesse zu beleuchten – nach Norden, an
die Küste, kommen. Bei uns sind sie natürlich herz-
Christian Wulff (Niedersachsen): Herr Präsident, lich willkommen.
meine Damen und Herren! Es ist eine Zufälligkeit,
dass Niedersachsen auch bei diesem Thema in be- Richtiger scheint mir zu sein, das zu tun, was an-
sonderer Weise betroffen ist. Ursache ist, dass wir ein dere europäische Länder wie Italien, Großbritannien
Flächenland an der Küste sind und mehr als die und Dänemark längst getan haben, nämlich in sen-
Hälfte der Höchstspannungsleitungen in Deutsch- siblen Bereichen zum Teil Erdverkabelungslösungen
land, die nach der dena-Studie für erforderlich gehal- zu realisieren. Deshalb hat Bundeswirtschaftsminis-
ten werden, durch Niedersachsen führen sollen. ter G l o s die Aufnahme von Pilotvorhaben vorge-
sehen.
Ich denke, es ist für unser Land eine politisch ent-
schiedene Frage, dass wir die Entwicklung regenera- Ziffer 1 der zur Entscheidung stehenden Strich-
tiver Energien und der Windkraft fördern wollen, drucksache hat das Ziel, diese Pilotvorhaben zu strei-
insbesondere der Offshore-Windkraftanlagen auf of- chen. Der Sinn meines Beitrages ist, Sie herzlich zu
fener See. Der dort produzierte Strom wird nicht vor bitten, Ziffer 1 nicht zu beschließen, sondern zu den
Ort benötigt, sondern er wird andernorts gebraucht Erdkabel-Pilottrassen zu stehen und damit den Netz-
und muss dorthin verbracht werden. ausbau in Deutschland entscheidend voranzubrin-
gen.
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung regelt das
(B) wichtige Thema des Ausbaus unseres bundesdeut- In den genannten europäischen Ländern ist der (D)
schen Stromnetzes. Ohne die großen Lückenschlüsse Netzausbau dadurch erheblich beschleunigt worden.
im Stromnetz können weder die Windparks noch Die Verfahren, die im Durchschnitt zwölf Jahre dau-
neue, effizientere Kraftwerke an der Küste ans Netz erten, konnten erst durch die Einführung von Teilver-
gehen. kabelungen zu Ende geführt werden. In Dänemark
wurden 10 % der 140 km langen Hochspannungslei-
Niedersachsen als Hauptbetroffener des Netzaus- tung zwischen Aarhus und Aalborg verkabelt. Diese
baus hat sich intensiv mit den Randbedingungen der Trasse konnte 2004 in Betrieb genommen werden. In
Genehmigungsverfahren und der Technik auseinan- Italien wurden acht der 32 km langen Hochspan-
dergesetzt. Dabei haben wir herausgefunden, dass nungsleitung zwischen Turbigo und Rho verkabelt.
vor allem mit Hilfe von Teilverkabelungslösungen Diese Leitung wurde 2006 in Betrieb genommen.
eine Beschleunigungswirkung zu erreichen ist.
Wir können auch in Deutschland belegen, dass der
Der Bund schließt eine gesetzliche Lücke, die wir
Netzausbau zeitlich deutlich vorangebracht wird,
bereits mit einem sehr guten Landesgesetz zur Erd-
wenn man in sensiblen Bereichen teilverkabelt. Eine
verkabelung ausgefüllt hatten. Leider wird dem Lan-
Herausnahme der Teilverkabelungsmöglichkeiten
desgesetz durch das Bundesgesetz die Grundlage
durch ein Bundesgesetz würde sämtliche Planungen
entzogen.
in den Bundesländern Brandenburg, Hessen,
Die Beschleunigung der Verfahren wird durchaus Niedersachsen und Thüringen über den Haufen wer-
zwiespältig gesehen; denn Anliegen und Einwen- fen und den erforderlichen Netzausbau auf längere
dungen der Bürger können dann nur in verkürzten Zeit verhindern. In der Folge könnten wir sowohl
Verfahren geprüft werden. Umso mehr Sorgfalt müs- Klimaschutzziele nicht erreichen als auch die Versor-
sen wir üben, damit Beeinträchtigungen von Umwelt, gungssicherheit nicht gewährleisten.
Natur und Menschen so verträglich wie irgend mög-
Zum Schluss möchte ich mich noch mit dem Kos-
lich sind.
tenargument der Netzbetreiber auseinandersetzen.
Interesse an der Windkraft in Deutschland wird Dieses Argument müssen wir sehr ernst nehmen,
nach wie vor den norddeutschen Ländern zugestan- weil Strom in Deutschland zu teuer ist. Aber selbst
den. Im Bundesrat sei aber erwähnt, dass die meisten dann, wenn 30 % der etwa 1 000 km neuen Freilei-
Windkraftanlagen über Elektronik und Maschinen tungen durch Erdkabel ersetzt würden, wären die
aus Baden-Württemberg, aus Süddeutschland, verfü- Strompreise nur mit 0,004 Cent pro Kilowattstunde
gen sowie aus Stahl aus Nordrhein-Westfalen beste- belastet. Bei dieser Kostenabschätzung wurden die
262 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Christian Wulff (Niedersachsen)
(A) (C)
vierfachen Mehrkosten gegenüber Freileitungen un- bei weiteren wichtigen Infrastrukturvorhaben nach
terstellt. dem Infrastrukturplanungsbeschleunigungsgesetz
der Fall. Wir sind uns bewusst, dass wir mit einer
Im Einzelfall – dies zeigt das Beispiel einer nieder-
Rechtswegverkürzung dosiert und verantwortungs-
sächsischen Pilottrasse – geht es konkret geplant mit
voll umgehen müssen. Das tun wir.
dem Faktor 2,7 noch deutlich günstiger. Die Kosten
werden nach derzeitiger Rechtslage über 40 Jahre Mit Blick auf die zentrale Zielsetzung der Be-
abgeschrieben und auf den gesamten Stromver- schleunigung hat das Thema „Erdkabel“ die Diskus-
brauch umgelegt. Also ist dies zu vernachlässigen. sion über das Gesetzesvorhaben lange beherrscht.
Aufgewogen wird es durch die beschleunigte Fertig- Wichtig ist vor allem: Auf der Höchstspannungs-
stellung, durch geringere Stromverluste bei der Erd- ebene gibt es heute allenfalls Erfahrungen mit Ver-
verkabelung und eine größere Wirtschaftlichkeit in bindungsleitungen in städtischen Ballungsgebieten,
der Unterhaltung der Trasse. z. B. mit der Ost-West-Verbindung in Berlin oder der
Anbindung des Flughafens von Mailand.
Zusammenfassend möchte ich Sie bitten, Ziffer 1
mit dem Ziel der Streichung der Erdkabel-Pilottras- Hingegen gibt es mit dem Einsatz von Erdkabeln
sen abzulehnen, um die notwendige Entwicklung im eng vermaschten deutschen Höchstspannungs-
nicht zu blockieren, sondern zu befördern. – Vielen übertragungsnetz kaum Erfahrungen. Diese müssen
Dank. erst einmal gesammelt werden. Das Ganze kommt
mir vor, als operierten wir am offenen Herzen: Wenn
die Erdkabelnetze nicht funktionieren, sind wichtige
Präsident Ole von Beust: Danke schön! Schaltstellen blockiert. Das ist hochriskant. Es ist im-
Das Wort hat Herr Parlamentarischer Staatssekre- mer noch eine enorme technologische und ingenieur-
tär Schauerte. mäßige Herausforderung.
Wir wollen deswegen vorsichtig vorgehen und, wie
Hartmut Schauerte, Parl. Staatssekretär beim Bun- gesagt, erst einmal Erfahrungen sammeln. Die
desminister für Wirtschaft und Technologie: Herr Durchführung von Pilotprojekten für Erdkabel ist das
Präsident, meine Damen und Herren! Das Gesetz zur Ergebnis einer ausführlichen Diskussion. Im Rahmen
Beschleunigung des Ausbaus der Höchstspannungs- von vier Pilotprojekten wollen wir entsprechende
netze ist dringend notwendig. Die Netze sind ein Fla- Erfahrungen sammeln. Die Projekte sind sorgfältig
schenhals. Angesichts der Veränderungen in der ausgewählt. Sie sind abgestimmt, und sie haben auch
Energiepolitik wird dieser Gesichtspunkt stärker zum die nötige kritische Masse. Von den etwa 500 km Lei-
Tragen kommen. tung, die wir ins Auge gefasst haben, werden nach
den jetzt festgelegten Kriterien rund 250 km Erdka-
(B)
Die Energie entsteht an Orten, an denen sie nicht bel sein. Das werden die längsten Erdkabelstrecken (D)
unbedingt verbraucht wird. Wir brauchen auch inter- sein, die wir in Europa bisher haben. Insoweit gehen
nationale Übergangsstellen. Deswegen ist es absolut wir über bisherige europäische Erfahrungen hinaus.
notwendig, die Dauer der Verfahren zu verkürzen.
Das tun wir mit diesem Gesetz. Ich denke, es wäre unverantwortlich, weiter zu ge-
hen. Unverantwortlich wäre es auch, die Möglichkeit
Wir verfolgen dabei ein zentrales Ziel: Wir wollen der Verkabelung geringzuachten und die preislichen
die Planungs- und Genehmigungsverfahren für wich- Auswirkungen als vernachlässigenswert zu beschrei-
tige Leitungsbauvorhaben im Höchstspannungsbe- ben. Es gibt auf dem Energiesektor mittlerweile sehr
reich beschleunigen. Zunächst einmal wird die ener- viele preistreibende Faktoren, und es wird irgend-
giewirtschaftliche Notwendigkeit bestimmter wann nach einem wichtigen nachvollziehbaren öko-
vordringlicher Leitungsbauvorhaben, die im An- logischen Argument gesucht, mit dem sich die preis-
hang zum Gesetz aufgeführt sind, verbindlich festge- treibende Wirkung jeweils als noch vertretbar und
stellt. Das Ob eines Vorhabens ist damit den Pla- vernünftig darstellen lässt. In der Addition wirkt die
nungs- und Genehmigungsbehörden vorgegeben. Politik nach wie vor in erheblichem Umfang preis-
Diese müssen die energiewirtschaftliche Notwendig- treibend in Bezug auf die Energie. Das Wirtschafts-
keit nicht mehr prüfen. ministerium hat deswegen natürlich großes Interesse
daran, die Auswirkungen gering zu halten. Wir neh-
Das ist der entscheidende Satz in dem Gesetz; dies
men die preistreibende Wirkung nach wie vor sehr
führt zu einer Beschleunigung. Entsprechende Rege-
ernst.
lungen kennen wir bereits aus dem Fernstraßenaus-
baugesetz und dem Schienenwegeausbaugesetz. In- Unser Gesetzentwurf ermöglicht es, den dringend
soweit können wir damit umgehen, und die erforderlichen Netzausbau zu beschleunigen und
Behörden wissen, wie sie die Dinge zu betreiben ha- Engpässe zu beseitigen. Das ist nötig. Er ermöglicht
ben. es uns ferner, die nötigen Erfahrungen zu sammeln –
einschließlich der preislichen Wirkungen, einschließ-
Auf die vordringlichen Vorhaben findet ferner ein
lich der Skaleneffekte, vielleicht auch der Kostensen-
beschleunigtes Planfeststellungsverfahren Anwen-
kungseffekte, wenn man in nennenswerter Größen-
dung.
ordnung in die Erdverkabelung einsteigt. Wenn wir
Weiterhin wird der Rechtsweg auf eine Instanz ver- das wissen, können wir den nächsten Schritt gehen.
kürzt. Das Bundesverwaltungsgericht wird also erste Ich bitte Sie, uns bei diesem Anliegen zu unterstüt-
und letzte Instanz sein. Das war bereits bei den Ver- zen und abweichenden Anträgen nur eine geringe
kehrsprojekten im Zuge der deutschen Einheit und Chance einzuräumen. – Herzlichen Dank.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 263

(A) (C)
Präsident Ole von Beust: Danke schön! vorzulegen, mit dem Grundrechte von Kindern aus-
drücklich festgelegt werden.
Eine Erklärung zu Protokoll*) gibt Minister
Krautscheid (Nordrhein-Westfalen) ab. – Gibt es wei- Ich darf wiederholen: Es geht um die Achtung der
tere Wortmeldungen? – Das ist nicht der Fall. Kinderwürde. Es geht um das Recht der Kinder auf
Entwicklung und Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Es
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp- geht um das Recht auf gewaltfreie Erziehung, um
fehlungen sowie ein Antrag des Landes Nordrhein- den Schutz vor Vernachlässigung und Ausbeutung,
Westfalen vor. Niedersachsen hat seinen Antrag in um das Recht der Kinder auf Förderung und die
Drucksache 559/2/08 zurückgezogen. Pflicht der staatlichen Gemeinschaft zur Schaffung
Ich beginne mit den Ausschussempfehlungen: kindgerechter Lebensverhältnisse.

Ziffer 1! Wer stimmt zu? – Minderheit. Meine Damen und Herren, UNICEF, das Deutsche
Kinderhilfswerk und der Deutsche Kinderschutzbund
Ziffer 2! – Minderheit. haben uns ausdrücklich aufgefordert, der Entschlie-
ßung zuzustimmen. Diese Organisationen und viele
Ziffer 3! – Minderheit.
andere aus Wissenschaft und Praxis weisen zu Recht
Ziffer 4! – Minderheit. darauf hin, dass Kinderrechte weiterhin keine unter-
geordnete Rolle spielen dürfen, im Übrigen keine
Ziffer 5! – Minderheit. Rolle, die sich nur aus der Rechtsprechung des Bun-
desverfassungsgerichts herleitet; vielmehr gehören
Ziffer 6! – Minderheit.
Kinderrechte in den Mittelpunkt allen Handelns von
Nun zum Antrag des Landes Nordrhein-Westfalen! Staat und Gesellschaft. Sie gehören deswegen ins
Wer stimmt zu? – Minderheit. Grundgesetz.
Zurück zu den Ausschussempfehlungen: Zumindest sollte man sich mit den Argumenten
derer, die diese Auffassung vertreten, sorgfältig aus-
Ziffer 7! – Minderheit. einandersetzen. Mir scheint, das ist bislang nicht hin-
Ziffer 8! – Minderheit. reichend geschehen. Es ist auch deswegen unver-
ständlich, weil die meisten Länder in ihren
Ziffer 9! – Mehrheit. Landesverfassungen Kinderrechte verankert haben.
Ziffer 10! – Mehrheit. Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie sehr herzlich,
die ablehnende Haltung, die absehbar die Mehrheit
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf, finden wird, zu überdenken, zumal – dessen bin ich
wie soeben beschlossen, Stellung genommen. mir sicher – die Stimmen in der gesellschaftlichen (D)
(B)
Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 23: Debatte, die eine Verankerung von Kinderrechten im
Grundgesetz fordern, nicht verstummen werden. –
Entschließung des Bundesrates „Kinderrechte Vielen Dank.
in die Verfassung“ – Antrag der Länder Bre-
men und Rheinland-Pfalz – (Drucksache 445/
08) Präsident Ole von Beust: Gibt es weitere Wortmel-
dungen? – Das ist nicht der Fall.
Die bislang einzige Wortmeldung hierzu stammt
von Herrn Bürgermeister Böhrnsen (Bremen). Bitte. Die beteiligten Ausschüsse empfehlen, die Ent-
schließung nicht zu fassen. Die Abstimmungsfrage ist
gemäß unserer Geschäftsordnung jedoch positiv zu
Jens Böhrnsen (Bremen): Herr Präsident, meine stellen. Wer also dafür ist, die Entschließung zu fas-
Damen und Herren! Morgen ist Weltkindertag. Er sen, den bitte ich um das Handzeichen. – Das ist eine
wird in 145 Staaten gefeiert. Ich denke, da passt es, Minderheit.
darauf aufmerksam zu machen, dass unser Grundge-
Damit hat der Bundesrat die Entschließung
setz bislang keine explizit formulierten Kinderrechte
n i c h t gefasst.
enthält, obwohl seit Jahren entsprechende Forderun-
gen aus breiten Schichten der Gesellschaft vorgetra- Zur gemeinsamen Beratung rufe ich die Punkte
gen werden. 27 a) und b) auf:
Dass Kinder in ihrer Entwicklung auf besonderen a) Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung
Schutz und besondere Förderung angewiesen sind, des Gesetzes über die Festsetzung von Min-
wird im Grundgesetz nicht ausdrücklich erwähnt. destarbeitsbedingungen (Drucksache 541/08)
Auch findet im Grundgesetz keine ausdrückliche Er-
wähnung, dass Kinder in ihrer spezifischen Lebenssi- b) Entwurf eines Gesetzes über zwingende Ar-
tuation Träger von Grundrechten sind. Das zu än- beitsbedingungen für grenzüberschreitend ent-
dern ist Ziel der vorgeschlagenen Entschließung. Sie sandte und für regelmäßig im Inland beschäf-
richtet sich an die Bundesregierung mit der Bitte, ei- tigte Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen
nen Gesetzentwurf zur Änderung des Grundgesetzes (Arbeitnehmer-Entsendegesetz – AEntG)
(Drucksache 542/08)
Die erste Wortmeldung: Bürgermeister Wolf (Ber-
*) Anlage 4 lin), bitte.
264 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Harald Wolf (Berlin): Herr Präsident, meine Damen Tarifverträge sollen für Inländer verbindlich bleiben,
und Herren! Mit dem Gesetzespaket, bestehend aus d. h. weitergelten. Das Mindestarbeitsbedingungen-
dem Ersten Gesetz zur Änderung des Gesetzes über gesetz liefe insoweit ins Leere. Für entsandte Arbeit-
die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingungen und nehmer soll allerdings das gesetzliche Mindestar-
dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz, sollen die Vor- beitsentgelt gelten. Ich habe erhebliche Zweifel, ob
aussetzungen für eine flächendeckende existenz- die Regelung mit Europarecht vereinbar ist.
sichernde Mindestentlohnung geschaffen werden:
für Bereiche mit einer bestehenden Tarifbindung Für das Land Berlin ist diese Regelung nicht ak-
über das Arbeitnehmer-Entsendegesetz und für Be- zeptabel. Deshalb schlagen wir in unserem Antrag
reiche ohne gefestigte Tarifbindung über das Gesetz ihre Streichung vor. Die Mindestentgeltregelungen
über die Festsetzung von Mindestarbeitsbedingun- müssen mit Inkrafttreten des Gesetzes für alle gelten,
gen. d. h. umfassend sein.

Ich bleibe dabei: Die bessere, klarere und einfa- Anträge der B-Länder sehen weitere Einschrän-
chere Lösung wäre die Festlegung eines bundesweit kungen der Voraussetzungen für die Anwendbarkeit
geltenden gesetzlichen Mindestlohns über alle Bran- des Mindestarbeitsbedingungengesetzes vor.
chen hinweg gewesen. In einem Antrag heißt es, das Gesetz solle zur An-
Wenn beklagt wird, wie es in den Anträgen der wendung kommen, wenn in der Branche keine Ge-
B-Länder gegenwärtig geschieht, dass mit den bei- werkschaften oder Arbeitgeberverbände existieren.
den Gesetzen ein umständliches, bürokratisches und Angesichts dieser Forderung kann ich nur sagen: In
mit hohem Verwaltungsaufwand verbundenes Ver- der Bundesrepublik Deutschland sind wir – Gott sei
fahren gewählt worden ist, dann kann ich nur sagen: Dank! – noch nicht so weit, dass es solche Branchen
Es gibt eine Möglichkeit, das Ganze einfach, über- gibt. Als weitere Bedingung darf nur eine Minderheit
sichtlich und vor allem transparent zu gestalten: der Arbeitgeber oder der Arbeitnehmer in dem Wirt-
einen gesetzlich festgelegten einheitlichen flächen- schaftsbereich organisiert sein. Das bedeutet eine
deckenden Mindestlohn. Ich denke, dass die Diskus- erhebliche Einschränkung des Geltungsbereichs des
sion darüber fortgeführt wird. Mindestarbeitsbedingungengesetzes, die wir für
nicht zielführend halten.
Das vorliegende Paket ist ein Kompromiss, der in-
nerhalb der großen Koalition gefunden worden ist. Es Auch für die Aufnahme von Branchen in das Ar-
ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Es ist beitnehmer-Entsendegesetz werden zusätzliche
– das betone ich – aber auch nicht mehr als ein klei- Hürden aufgerichtet. So soll z. B. ein gemeinsamer
ner Schritt. An vielen Punkten greift das Gesetzespa- Antrag beider Tarifvertragsparteien notwendig sein
ket noch zu kurz und schränkt seine Wirkung erheb- statt des Antrags einer Tarifvertragspartei. Ange-
(B)
lich ein. Das gilt vor allem dann, wenn sich im sichts der Ausweitung des Niedriglohnsektors und (D)
Gesetzgebungsverfahren Anträge durchsetzen soll- nicht existenzsichernder Entlohnung in der Bundes-
ten, die im Bundesrat von Seiten der B-Länder ge- republik – diese Entwicklung wird in einer Vielzahl
stellt worden sind. von Studien belegt sowie im Armuts- und Reichtums-
bericht der Bundesregierung dokumentiert – ist
Was sind die aus meiner Sicht wesentlichen keine Einschränkung, sondern eine Erleichterung
Punkte, die die Gesetze teilweise aushebeln oder in der Aufnahme in das Arbeitnehmer-Entsendegesetz
ihrer Wirkung einschränken? notwendig. Wenn vor Antragstellung erst eine Eini-
gung der Tarifvertragsparteien erzielt werden muss,
Das Mindestarbeitsbedingungengesetz sieht z. B. dann heißt das im Klartext, dass die Arbeitgeberseite
vor, dass Tarifverträge mit Entgeltregelungen, die ein Vetorecht hat. Das ist nicht zielführend, jeden-
von dem festgesetzten Mindestarbeitsentgelt abwei- falls dann nicht, wenn man eine tatsächlich existenz-
chen und vor dem 16. August 2008 abgeschlossen sichernde Entlohnung in der Bundesrepublik durch-
worden sind, weitergelten sollen und dass dies auch setzen will.
für Folgetarifverträge gelten soll. Das ist eine Rege-
lung, die den Sinn des Gesetzes konterkariert, be- Weiter geht es mit der Formulierung, dass bei
deutet sie doch, dass auch nach der Festsetzung von Existenz mehrerer Tarifverträge auf einen „schonen-
Mindestarbeitsentgelten gemäß dem vorliegenden den Ausgleich“ geachtet werden muss. Man fragt
Entwurf Dumpinglöhne, d. h. nicht existenz- sich, was in diesem Zusammenhang „schonender
sichernde Tariflöhne, möglich sein sollen. Sinn des Ausgleich“ heißt. Reicht nicht die Festlegung aus,
Gesetzes soll es jedoch sein, derartige Löhne aus- dass dem repräsentativsten Tarifvertrag, d. h. dem,
zuschließen. Wegen der Geltung auch für Folgetarif- der die meisten Beschäftigten innerhalb einer Bran-
verträge gäbe es nach Verabschiedung des Gesetzes che umfasst, Vorrang gebührt und dass dieser
Bereiche, in denen nicht existenzsichernde Löhne Grundlage für die Festsetzung der Mindestentloh-
gezahlt werden – mit Billigung des Mindestarbeits- nung sein soll?
bedingungengesetzes!
Mit der Formulierung „schonender Ausgleich“
Ich will an dieser Stelle auf einen Widerspruch hin- werden rechtliche Voraussetzungen dafür geschaf-
weisen bzw. auf ein Problem aufmerksam machen. fen, dass Tarifverträge mit Dumpinglöhnen, die
Mit der vorgeschlagenen gesetzlichen Konstruktion kleine arbeitgeberfreundliche Gewerkschaften – wir
schaffen wir ungleiches Recht zwischen Inländern erleben das bei den neuen Postdienstleistern – oder
und Ausländern: Vor dem 16. August geschlossene christliche Gewerkschaften – wir erleben das in der
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 265
Harald Wolf (Berlin)
(A) (C)
Zeitarbeitsbranche – abschließen, bevorzugt, zumin- Arbeitnehmer-Entsendegesetz und zum Mindestar-
dest aber berücksichtigt werden, obwohl sie nicht beitsbedingungengesetz soll der Kompromiss der
das Kriterium der Repräsentativität erfüllen. Wir sind Bundesregierung vom Juni vergangenen Jahres um-
der Auffassung, dass die Forderung nach einem gesetzt werden. Die Umsetzung des Kompromisses
„schonenden Ausgleich“ außen vor bleiben muss. besteht darin, das bislang nicht angewandte und
über ein halbes Jahrhundert alte Mindestarbeits-
Meine Damen und Herren, ich halte den Gesetz-
bedingungengesetz sowie das Arbeitnehmer-Ent-
entwurf der Bundesregierung, wie gesagt, für einen
sendegesetz zu Regelwerken auszubauen, die die
kleinen, wenn auch unzureichenden Schritt in die
Festlegung von Mindestlöhnen durch den Staat er-
richtige Richtung. Ich fände es fatal, wenn wir im Er-
möglichen sollen.
gebnis der Beratungen im Bundesrat noch dahinter
zurückfielen. Im Gegenteil, die Debatte und die poli- Baden-Württemberg lehnt die vorliegenden Ge-
tische Willensbildung müssen dahin gehen, keine setzentwürfe ab. Ich möchte vorausschickend klar
weiteren Einschränkungen des Gesetzes vorzuneh- betonen: Wir lehnen die Gesetzentwürfe nicht ab,
men, sondern Möglichkeiten für die Aufnahme wei- weil wir verhindern wollen, dass die Menschen von
terer Branchen zu schaffen. Es sollte unser aller poli- ihrer Hände Arbeit anständig leben können. Im Ge-
tisches Ziel sein, einen Zustand zu schaffen, in dem genteil, wir wollen, dass den Menschen alle Chancen
allen Beschäftigten, die einer Vollzeitbeschäftigung gegeben werden, einen Arbeitsplatz zu bekommen.
nachgehen, auf jeden Fall ein existenzsichernder Auch ein gering bezahlter Arbeitsplatz bietet die
Mindestlohn garantiert wird. Daran muss weiter ge- Möglichkeit, Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und
arbeitet werden. sich zu bewähren.
Meine Damen und Herren, in der gesamten Dis- Ein Aspekt ging bisher völlig unter, auch beim Vor-
kussion stelle ich immer wieder fest – das wird auch redner: Der Staat garantiert durch Aufstockungsbe-
an den Debatten in den Bundesratsausschüssen und träge ein Mindesteinkommen. Wir müssen zwischen
an den vorgelegten Empfehlungen deutlich –, dass es Mindestlohn und Mindesteinkommen unterschei-
im politischen Raum in der Bundesrepublik immer den.
noch eine eigenartige Furcht vor einem Mindestlohn
gibt. Ich will an dieser Stelle als unverdächtigen Zeu- Wenn der Vorredner betont hat, es gebe keinen Zu-
gen Robert S o l o w , Nobelpreisträger für Wirt- sammenhang zwischen Löhnen und Arbeitslosigkeit,
schaftswissenschaften, zitieren, der im August erklärt dann halte ich das in ökonomischer Hinsicht für welt-
hat: fremd.

Ich verstehe nicht, weshalb in Deutschland so Wir wollen, dass Chancen eröffnet werden, über
eine Angst vor dem Mindestlohn herrscht. Viele kurz oder lang besser bezahlte Tätigkeiten zu er-
(B) Ökonomen überschätzen seine negative Wir- langen. Denn wir sind überzeugt: Sozial ist, was (D)
kung. Arbeit schafft. Darum muss es gehen. Wollen wir ei-
nen Mindestlohn, der mit Sicherheit zum Abbau von
Und weiter: Stellenangeboten führen wird? Ich meine, nein. Wir
Meine auf Europa bezogenen Studien haben er- zementieren sonst die Arbeitslosigkeit gerade im
geben, dass es keinen Zusammenhang zwi- Niedriglohnbereich, und das vor dem Hintergrund
schen der Größe des Niedriglohnsektors und einer sich derzeit abschwächenden Konjunktur.
der Beschäftigung gibt. Es ist auch nicht wahr, Kontraproduktiv erscheint uns der Vorschlag, ge-
dass relativ hohe Löhne zu einer geringeren Be- rade die Zeitarbeit, über die derzeit intensiv disku-
schäftigung führen. Im Gegenteil, Unternehmen tiert wird und die für den Einstieg in eine Arbeit
sind produktiver, wenn Mindestlöhne existie- besonders geeignet ist, in das Korsett von Mindest-
ren; denn es gibt für sie neue Anreize zum lohnregelungen zu zwingen. Wir verzeichnen erfreu-
Investieren, etwa in die Weiterbildung ihrer licherweise die niedrigste Arbeitslosigkeit seit 1992.
Beschäftigten oder in neue Maschinen und Ab- Diese Entwicklung ist auch und gerade darauf zu-
läufe, um die höheren Kosten durch Mindest- rückzuführen, dass der Einstieg über die Zeitarbeit
löhne wettzumachen. möglich war und in reguläre Beschäftigung geführt
Daran wird deutlich: Wenn wir von der Einführung hat. Ich bin fest davon überzeugt – und betone das,
von Mindestlöhnen reden, dann reden wir nicht nur weil dazu kein Wort gesagt wurde –, dass es ent-
von einer sozialpolitischen Notwendigkeit, sondern scheidend darauf ankommt, auf dem bisherigen Weg,
auch von einer wirtschaftspolitisch vernünftigen der zu weniger statt zu mehr Arbeitslosigkeit geführt
Maßnahme. Deshalb bitte ich darum, unserem An- hat, fortzufahren.
trag zuzustimmen. – Ich danke für Ihre Aufmerksam-
Die Landesregierung von Baden-Württemberg hat
keit.
die „Mission Mindestlohn“ daher von Anfang an kri-
tisch verfolgt.
Präsident Ole von Beust: Nächste Wortmeldung:
Ich empfehle an dieser Stelle, sich die Gutachten
Professor Dr. Reinhart (Baden-Württemberg).
der fünf Weisen aus den vergangenen Jahren anzu-
schauen, die sich wiederholt und dezidiert zu dieser
Prof. Dr. Wolfgang Reinhart (Baden-Württem- Frage geäußert haben. Schaut man sich die Gesetz-
berg): Herr Präsident, meine Damen und Herren Kol- entwürfe an, sieht man viele Zweifel bestätigt. Das
leginnen und Kollegen! Mit den Entwürfen zum gilt vor allen Dingen für zahlreiche Details, z. B. die
266 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Prof. Dr. Wolfgang Reinhart (Baden-Württemberg)
(A) (C)
hohe Streitanfälligkeit der Regelungen durch Un- entwürfen fehlt, muss erst noch erklärt werden. Was
klarheiten im Gesetz und fehlende Definitionen. bringt denn einem Arbeitnehmer in einer der unteren
Lohngruppen ein staatlich verordneter Mindestlohn,
Ich möchte hinzufügen: Wir beraten heute in Un-
wenn er keine Arbeitsstelle bekommt und aus-
kenntnis dessen, in welchen Branchen welche Nor-
schließlich von sozialen Transferleistungen leben
men gelten sollen.
muss?
Punkt eins: Mit den Gesetzentwürfen wird der
Ein Drittes erwähne ich abschließend: Wir lehnen
Grundstein für ein staatliches Lohnfestsetzungs- und
den Entwurf des Mindestarbeitsbedingungengeset-
Zensurverfahren gelegt. In Deutschland besteht seit
zes auch wegen der Vermischung von Verwaltungs-
Jahrzehnten ein funktionierendes Tarifsystem, das in
zuständigkeiten ab. In diesem Punkt werden sich si-
der Vergangenheit schon große Aufgaben bewältigt
cherlich alle Länder einig sein. Für die Kontrolle des
hat. Die Tarifautonomie hat in Deutschland jahrzehn-
Arbeitnehmer-Entsendegesetzes sind die Behörden
telang funktioniert und ist verfassungsrechtlich ga-
der Zollverwaltung zuständig. Dies hat sich in der
rantiert.
Vergangenheit bewährt und soll auch in Zukunft so
Dieses System soll nunmehr – neben den bereits bleiben. Für den Vollzug des Mindestarbeitsbedin-
bestehenden Schutzmechanismen – einen staatlichen gungengesetzes dagegen sollen die Länder zustän-
Zensor erhalten. Denn die Rechtsverordnungen, die dig sein, und dies bei im Prinzip gleicher Regelungs-
auf der Grundlage der zu beschließenden Gesetze er- materie. Dies, meine Damen und Herren, hat aus
lassen werden können, gehen tarifvertraglichen Re- unserer Sicht keinen Sinn.
gelungen weitgehend vor. Damit erhält die staatliche
Damit gäbe es beim Bund und in den Ländern
Lohnfestsetzung Vorrang vor Verträgen, die zwi-
Doppelstrukturen. Den Bürgerinnen und Bürgern,
schen den Tarifparteien geschlossen worden sind.
die solche Strukturen finanzieren sollen, ist das nicht
Daran habe ich nach einem Blick in die Kommen- erklärbar. Auch im Sinne der Föderalismusreform
tierung zu Artikel 9 Abs. 3 Grundgesetz erhebliche sollten beide Bundesgesetze von einer einheitlichen
verfassungsrechtliche Zweifel. In der Praxis wird es Behörde vollzogen werden. Die Zuständigkeit für die
zu einer schleichenden Aushöhlung des Tarifsystems Gesetzeskontrolle und das in beiden Entwürfen fest-
kommen. Das Gesetz wird mit Sicherheit Auswirkun- gelegte Verfahren müssen unbedingt aufeinander
gen auf die Verhandlungsstrategie der Tarifvertrags- abgestimmt werden; denn es ist keine neue Erkennt-
parteien haben; denn die Ausgangslage für das Aus- nis, dass unterschiedlich zuständige Stellen und un-
handeln von Tarifverträgen ist dann nicht mehr terschiedliche Verfahren für ähnliche Regelungsbe-
dieselbe. reiche zu unnötiger Bürokratie und vor allen Dingen
zu vermeidbaren Kosten führen. Ich erinnere nur an
Punkt zwei: Wir halten die Gesetze arbeitsmarkt- die Diskussion über Hartz IV, die wir hier geführt ha- (D)
(B)
politisch für kontraproduktiv und sehen darin einen ben.
Eingriff in das Wirtschafts- und Wettbewerbsgesche-
hen. Durch entsprechendes Taktieren können sich Meines Erachtens wird mit den Regelungen Büro-
Tarifvertragsparteien mit Hilfe des Staates unlieb- kratie aufgebaut und die Regelungsdichte am
same Konkurrenz vom Hals halten. Kein wirtschaft- Arbeitsmarkt erhöht, nicht reduziert. Jeder, der sich
lich handelnder Arbeitgeber wird eine Stelle schaf- mit dem Standort Deutschland befasst, weiß, dass wir
fen, die ihm mehr Kosten als Nutzen bringt. zwei schwierige negative Faktoren haben: die Dich-
tigkeit des Steuerrechts und die Dichtigkeit der den
Werden zu hohe Mindestlöhne gesetzlich festge- Arbeitsmarkt regulierenden Vorschriften. In beiden
setzt, so wird dies zum Verlust von Arbeitsplätzen ge- Bereichen haben wir erheblichen Verbesserungsbe-
rade im Niedriglohnbereich führen, den wir eigent- darf. Die Doppelzuständigkeit von Bund und Län-
lich unterstützen wollen. Bestes Beispiel hierfür ist dern darf keinen Bestand haben.
der Anfang dieses Jahres in Kraft getretene Post-
Mindestlohn. Ich erinnere hier nur an die Diskussion, Ich komme zum Schluss. Die vorgesehenen Rege-
die es über das Wirksamwerden des Post-Mindest- lungen behindern das Wirtschaftswachstum und den
lohnes in der Zeit von Herrn Z u m w i n k e l gege- Arbeitsmarkt. Wir werden die Gesetze deshalb ab-
ben hat. Dieses Beispiel sollte uns eher abschrecken lehnen.
und gerade nicht dazu ermuntern, Mindestlöhne in
weiteren Branchen einzuführen. Eine Studie des
Präsident Ole von Beust: Danke schön!
Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsfor-
schung geht davon aus, dass ein flächendeckender Das Wort hat Bundesminister Scholz.
Mindestlohn bereits ab 7,50 Euro zu mehr als
1 Million Arbeitslosen zusätzlich führen würde.
Olaf Scholz, Bundesminister für Arbeit und Sozia-
Es spricht meines Erachtens für sich, dass die Ziele les: Herr Präsident, meine Damen und Herren! In
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und Aufbau sozial- Deutschland spielt Arbeit für unsere kulturellen Vor-
versicherungspflichtiger Beschäftigung in beiden stellungen und unser Selbstverständnis eine große
Gesetzen nicht vorkommen. Unser Ziel muss es aber Rolle. Wenn wir arbeiten, wollen wir die Arbeit gut
doch gerade sein, Beschäftigung zu sichern und machen. Wir tun es um der Sache selbst willen. Das
neue Beschäftigungschancen für wettbewerbs- ist ein sehr wichtiger Teil der Arbeitskultur unseres
schwächere Personen zu schaffen. Warum dieses Landes und eine der Grundlagen unseres wirtschaft-
zentrale arbeitsmarktpolitische Ziel in den Gesetz- lichen Wohlstandes.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 267
Bundesminister Olaf Scholz
(A) (C)
Das bedeutet aber auch, dass man die Ehre, die Ich persönlich denke im Hinblick auf den Arbeits-
Arbeit verschafft, und das Ethos, das die Arbeit ver- markt sehr angebotsorientiert; ich glaube, dass sich
mittelt, ernst nehmen muss. Ich bin fest davon über- ein Angebot qualifizierter Arbeit seine eigene Nach-
zeugt – auch die Regierung ist davon fest überzeugt –, frage schaffen kann. Aber zu diesem Angebot gehört
dass nichts Schlimmeres die Ehre eines Arbeitneh- es, dass sich diese Arbeit für diejenigen, die sie leis-
mers verletzen kann, als wenn er einen ganzen Mo- ten, rentiert. Löhne anzubieten, die den Lebensunter-
nat lang fünf Tage in der Woche arbeitet und am halt nicht sichern, beseitigt Beschäftigungschancen.
Ende des Monats auf öffentliche Unterstützung oder Wahrscheinlich ist die britische Volkswirtschaft über
auf die Unterstützung von Verwandten und Familien- mehrere Jahre hinweg nur klargekommen, weil sie
trotz ihrer Mindestlöhne den Zuzug weiterer Arbeits-
angehörigen trotz ganztägiger Arbeit angewiesen ist.
kräfte zugelassen hat, die um Deutschland einen Bo-
Dies verletzt die Ehre unserer arbeitenden Bürgerin-
gen gemacht haben, weil bei uns zu wenig gezahlt
nen und Bürger. Das wollen wir mit diesen Gesetzen
wird. Sie haben in Großbritannien Arbeitsplätze an-
ändern.
gestrebt und bekommen und so Vollbeschäftigung
Meine Damen und Herren, Mindestlöhne gibt es mitgebracht. Insofern spricht ökonomisch vieles da-
fast überall auf der Welt. Auch Staaten mit nur weni- für, dass auch wir das tun.
gen sozialstaatlichen Regelungen verfügen über Meine Damen und Herren, wir greifen Gesetze auf,
Mindestlohnregelungen. In den Vereinigten Staaten die es schon lange gibt. Das Mindestarbeitsbedin-
von Amerika gehört ein Mindestlohn seit Jahrzehn- gungengesetz stammt aus dem Jahre 1952. Es hat ei-
ten zum Normalbild der wirtschaftlichen Verfas- nen schönen Vorlauf für ein Gesetzgebungsvorhaben
sung. Auch im derzeitigen Präsidentschaftswahl- einer großen Koalition. Es kam auf Antrag der SPD-
kampf spielt die Frage eine Rolle, ob dieser Fraktion zustande, die damals im Deutschen Bundes-
Mindestlohn nicht ein wenig nach oben angepasst tag keine Mehrheit hatte, und wurde in zweiter und
werden muss. Heute beträgt er in den gesamten Ver- dritter Lesung mit den Stimmen der Mehrheit, der
einigten Staaten von Amerika 7,20 Dollar, in einigen CDU und anderer Fraktionen, beschlossen. Das Ein-
Regionen sogar etwas mehr. Das ist mehr, als der zige, was in diesem Gesetzgebungsverfahren we-
eine oder andere in unserem Land für seine Arbeit sentlich geändert wurde, war, dass der Arbeitsminis-
pro Stunde bezahlt bekommt. Insofern spricht vieles ter eine etwas zentralere Rolle bekommen hat, was in
dafür, dass wir uns den Staaten anschließen, die Min- der aktuellen Debatte nicht jedem in gleichem Maße
destlöhne haben, und Regelungen finden, die Arbeit- gefallen hat. Aber das, was damals stattfand, ist real.
Es ist eine schöne Fortsetzung, dass wir das Gesetz
nehmerinnen und Arbeitnehmer vor einem „race to
an die heutige Zeit anpassen und es einsetzbar und
the bottom“ schützen. Darum geht es, wenn wir über
handhabbar machen.
(B) Mindestlohnregelungen sprechen. (D)
Im Übrigen sollte man sich nicht darüber beklagen,
In der Debatte wird immer gesagt, solche Regelun- dass es über viele Jahrzehnte nicht angewandt
gen kosteten Arbeitsplätze. Dies ist eine der am we- wurde. Dafür gab es den guten Grund, dass große
nigsten bewiesenen Behauptungen, die es gibt. Ich Teile unseres sozialen Zusammenlebens, der Arbeits-
bin mir sehr sicher, dass all die Bücher, die dazu ge- und Sozialbedingungen, durch Vereinbarungen ge-
schrieben worden sind, verstauben werden, sobald regelt waren, die die Tarifparteien miteinander ge-
Deutschland ebenso wie viele andere Länder über troffen hatten. Das war typisch für unser Land. Ein
Mindestlohnregelungen verfügt. Die Professoren und Weiteres, was aus dem Bewusstsein des einen oder
Politiker, die jetzt behaupten, dies werde Arbeits- anderen herausgerutscht ist, war ebenfalls typisch:
plätze kosten, werden dann Vorträge mit gegenteili- Etliche Tarifverträge, die abgeschlossen worden wa-
gem Inhalt halten und die Behauptung aufstellen, ren, wurden für allgemeinverbindlich erklärt. Noch
eine Mindestlohnregelung sei schon immer Bestand- in den 70er und 80er Jahren war es eher als heute
teil der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland ge- üblich, dass Flächentarifverträge auf Nichttarifange-
wesen. Man wird ihnen dann nur vergeblich wider- hörige erstreckt wurden.
sprechen können, weil die Zeit mit der Erinnerung In der Zwischenzeit ist der Tarifvertrag für die Re-
gnädig umgeht. Aber wichtig ist, dass wir uns jetzt gelung der sozialen Zusammenhänge weniger be-
schon merken: Am Ende wird es so ausgehen. deutend geworden, weil manche über zwei, drei
Jahrzehnte in Deutschland in jeder Talkshow erzählt
Ein praktisches Beispiel, das man heranziehen und
haben, dass mit den Kompromissen Schluss sein
erörtern kann, wenn man über die Frage diskutieren
müsse. Sie haben die Tarifautonomie kritisiert und
will, ob Mindestlöhne Arbeitsplätze kosten, ist Groß-
die Sozialpartnerschaft in Verruf gebracht. Dadurch
britannien. Es ist deswegen ein praktisches Beispiel, haben sie jetzt einen Zustand geschaffen, der dazu
weil es ein mit Deutschland vergleichbares Land ist führt, dass dann, wenn Arbeitnehmerinnen und Ar-
und erst Ende des letzten Jahrhunderts, 1998/99, beitnehmer, die Schutz brauchen, aber nicht mehr
Mindestlöhne eingeführt hat. Daran kann man all die durch die Selbstregulierung der Tarifparteien ge-
Thesen, die hier abstrakt aufgestellt werden, über- schützt werden, der Staat, der demokratische Gesetz-
prüfen. Bei einer Überprüfung stellt sich heraus, dass geber, diese Aufgabe wahrnimmt. Er ist dazu beru-
die in Großbritannien eingeführten Mindestlöhne fen, genauso wie in allen anderen Ländern. Einige
keine Arbeitsplätze gekostet haben. Es ist wahr- haben also in den Wald hineingerufen und wundern
scheinlich eher umgekehrt. sich heute, dass es aus ihm herausschallt.
268 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Bundesminister Olaf Scholz
(A) (C)
Dies sollte man immer im Kopf haben, wenn wir ches dafür, dass sich im Ergebnis der Gespräche und
über die vorgeschlagenen Regelungen diskutieren. des Gesetzgebungsverfahrens die Zahl der Arbeit-
Die Kritiker der Sozialpartnerschaft, die – dieses Wort nehmerinnen und Arbeitnehmer, die durch Mindest-
wird etwas inflationär verwandt; aber manchmal löhne geschützt sind, verdoppeln wird. Das ist eine
stimmt es – neoliberalen Skeptiker unserer sozialen gute Botschaft. Wir haben verlässlich sicherzustellen,
Marktwirtschaft haben die Mindestlohngesetzge- dass man mit eigener Anstrengung sein Leben meis-
bung, die wir heute haben, selbst produziert. Es ist tern und seine Lebensverhältnisse gestalten kann,
schade, dass sie es nicht merken und sich schämen, ohne auf fremde Hilfe, auf öffentliche Hilfe angewie-
sondern verlangen, dass diese Gesetzgebung unter- sen zu sein.
bleiben solle.
Das Thema „Zeitarbeit“ wird uns wahrscheinlich
Wir sind also weitergekommen und legen die Ge- ein wenig beschäftigen. Deshalb ist es mir wichtig,
setze – das Mindestarbeitsbedingungengesetz und dass man sich über die Fakten nichts Falsches er-
das Arbeitnehmer-Entsendegesetz – so an, dass man zählt.
sie in Zukunft gut einsetzen kann. Dabei ist klar: Das
Mindestarbeitsbedingungengesetz ist nicht dazu da, Zur Wahrheit gehört: Die Tarifbindung ist in keiner
die Arbeitsverhältnisse von Brokern zu regeln. Zwar Branche so hoch wie in der Zeitarbeit. Wahr ist auch,
treffen auf sie die Bedingungen, die wir in das Gesetz dass die zwei Arbeitgeberverbände, die beantragt
hineingeschrieben haben, wahrscheinlich zu: ge- haben, mit ihrem Mindestlohntarifvertrag, den sie
ringe Tarifbindung, keine Regelungen in Bezug auf zusammen mit den Gewerkschaften abgeschlossen
die Gehaltsstrukturen. Aber Handlungsbedarf auf haben, in das Entsendegesetz aufgenommen zu wer-
Grund einer sozialen Verwerfung ist an dieser Stelle den, mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer der Bran-
nicht erkennbar. Trotz der aktuellen Turbulenzen che – nach meinen Berechnungen über 60 % – be-
muss man nicht damit rechnen, dass diese Leute un- schäftigen.
seren Schutz benötigen. Deshalb wundere ich mich Es sind die seriösen Unternehmen, die sich um den
über die eine oder andere aufgeregte Stellung- Ruf der Zeitarbeit Gedanken machen. Sie erzählen
nahme. Das Gesetz kommt dort zur Anwendung, wo mir und anderen, dass sie in ihren Büros Schwierig-
es wirklich gebraucht wird. Jeder wird am Ende er- keiten haben, Arbeitnehmer zu finden, weil diese sa-
kennen, dass man die Arbeitnehmerinnen und gen: In einer solchen Schmuddelbranche wollen wir
Arbeitnehmer dieser Branchen nicht alleine lassen nicht arbeiten. – Sie sind besorgt darüber, dass der in
kann, wenn kein Arbeitgeberverband und keine Ge- dieser Republik in den letzten Jahrzehnten seltene
werkschaft sie vor schlimmster Ausbeutung be- Vorgang, dass sich Gewerkschaften, Arbeitgeberver-
schützt. Dies wollen wir mit diesem Gesetz zustande bände und Staat miteinander über ein Gesetz-
bringen. gebungsvorhaben verständigt und einvernehmlich
(B) (D)
gehandelt haben, völlig entwertet wird. Das ist die
Das Gleiche gilt für das Entsendegesetz. Es wurde
Wahrheit bei diesem Thema.
zu Zeiten einer CDU/CSU-FDP-Bundesregierung be-
schlossen. Es hatte nur den kleinen Schönheitsfehler, Die Reform der Zeitarbeit, der Leiharbeit, die
dass es seinerzeit erst nicht zum Tragen gekommen heute alle zu Recht loben und die in der vorherge-
ist; aber es hat existiert. Nach 1998 ist es weiterent- henden Regierungskoalition zustande gebracht
wickelt worden, so dass mittlerweile drei Branchen wurde, beruhte auf einem Kompromiss zwischen
davon umfasst werden: die Bauwirtschaft und seit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Staat. Wir haben
Sommer letzten Jahres die Gebäudereiniger. Das ist die bis dahin geltenden Schutzregelungen abge-
ein wichtiger Zukunftsberuf, den wir vor Dumping- schafft und sie durch folgende gesetzliche Regelung
konkurrenz bewahrt und geschützt haben. In ihm ersetzt: Wer als Leiharbeiter in einem Unternehmen
werden viele Leute an Kammern gut ausgebildet, eingesetzt ist, erhält den gleichen Lohn wie die dort
dort gibt es Gesellen und Meister. All dies wäre in Beschäftigten, es sei denn, es existiert ein Tarifver-
Gefahr geraten, wenn wir diese Branche nicht in das trag.
Entsendegesetz aufgenommen hätten. Seit dem Jah-
reswechsel gehören die Briefdienstleistungen dazu. Schauen Sie sich die Pressearchive an: Die Kritik,
die geäußert wurde, ging in die Richtung, damit sei
Es haben sich weitere acht Branchen gemeldet, die Leiharbeit kaputt; denn die Löhne seien zu hoch.
über deren Aufnahme wir in der Koalition und im Niemand ist damals auf die Idee gekommen, dass
Deutschen Bundestag verhandeln werden. Bis zur schnell gegründete Gewerkschaften, von denen man
abschließenden Behandlung im Bundesrat wird fest- bis zu ihrer Faxmitteilung, dass sie jetzt existieren,
stehen, welche aufgenommen werden. noch nie gehört hat, und schnell gegründete Arbeit-
geberverbände Tarifverträge abschließen – meistens
Wie dies geschieht, ist vereinbart: Wir werden prü- ebenfalls per Fax – und damit Arbeitsbedingungen,
fen, wo mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer bei ta- die sich eigentlich als gesetzlicher Normalfall ergä-
rifgebundenen Arbeitgebern beschäftigt sind und wo ben, deutlich unterschreiten. Das ist die Realität
Arbeitgeber und Gewerkschaften die Aufnahme be- heute.
antragt haben. Dies wird jetzt Schritt für Schritt
durchgeprüft. Ich gehe davon aus, dass für die meis- Vor diesem Missbrauch einer guten Gesetzgebung
ten die Voraussetzungen vorliegen. Nun ist und eines Einvernehmens von Staat, Gewerkschaften
politisches Rechnen immer etwas anderes als das und Arbeitgeberverbänden will die Mehrheit der
Rechnen eines Mathematikers; trotzdem spricht man- Zeitarbeitgeber ihre Branche beschützen. Ich kann
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 269
Bundesminister Olaf Scholz
(A) (C)
mir nicht vorstellen, dass sich nach sorgfältiger Be- Ziffer 6! – Minderheit.
trachtung aller Umstände viele hier im Hause finden
Ziffer 7! – Mehrheit.
werden, die sich mit den unseriösen Unternehmern
dieser Branche gegen die seriöse Mehrheit der Un- Ziffer 8! – Mehrheit.
ternehmer der Zeitarbeitsbranche verbünden wollen.
Ziffer 9! – Mehrheit.
Mein Appell ist jedenfalls, dass Sie das sorgfältig
überprüfen und bedenken. Ziffer 11! – Minderheit.
Meine Damen und Herren, das Gesetzgebungsver- Ziffer 12! – Minderheit.
fahren beginnt jetzt. Es gibt interessante Anregun-
Ziffer 13! – Mehrheit.
gen aus den Ausschüssen, die zu prüfen sind. Soeben
ist schon über die Frage gesprochen worden: Kann Ziffer 14! – Minderheit.
der Zoll mehr tun? Das sollte man sorgfältig mitei-
Ziffer 15! – Mehrheit.
nander erwägen. An anderer Stelle ist über die
Sicherung der Urlaubskasse des Baugewerbes ge- Ziffer 16! – Minderheit.
sprochen worden. Auch das ist eine Frage, die wir
Ziffer 17! – Mehrheit.
miteinander besprechen sollten.
Jetzt bitte ich um das Handzeichen für alle noch
Über eines sollten wir uns klar sein: Der Entwurf nicht erledigten Ausschussempfehlungen. – Das ist
der Bundesregierung, der heute einvernehmlich vor- die Mehrheit.
liegt und seinen Gang durch die Gesetzgebung be-
ginnt, stimmt nach Auffassung aller vollständig mit Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
unserer Verfassungs- und Rechtsordnung überein. genommen.
Das Innenministerium, das Justizministerium und das Zur gemeinsamen Abstimmung nach § 29 Abs. 2
zuständige Fachministerium sowie das Kanzleramt der Geschäftsordnung rufe ich die in dem Umdruck
sind sich sicher: Dies ist ein verfassungskonformer Nr. 7/2008*) zusammengefassten Beratungsgegen-
Entwurf. Es ist richtig, dass – wie schon immer in un- stände auf. Es sind dies die Tagesordnungspunkte:
serem Lande – Mindestregelungen schlechtere Rege-
lungen verdrängen, so beim Mindesturlaub, bei der 2 bis 9, 13 bis 16, 26, 28, 29, 36, 38, 42, 44, 47,
Höchstarbeitszeit, bei Arbeitsschutzvorschriften und 51, 53, 55, 56, 58, 62, 68, 69, 72, 75 bis 80, 82
bei für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträ- und 86 bis 90.
gen. Es geht also nicht um etwas Neues, sondern um Wer den Empfehlungen folgen möchte, den bitte
eine striktere europarechtskonforme Fassung des ich um das Handzeichen.
Gesetzes. Ich habe mit Freude zur Kenntnis genom-
(B) men, dass auch der Rechtsausschuss des Bundesrates
Dann ist so beschlossen. (D)
an dieser Einschätzung keine Zweifel hat. Deshalb Je eine Erklärung zu Protokoll**) haben abgege-
sollte dieses Argument – jedenfalls in unserer Diskus- ben: zu Punkt 5 Herr Minister Dr. Zeh (Thüringen),
sion – in der nächsten Zeit keine Rolle spielen. zu Punkt 8 b) Frau Ministerin Professor Dr. Kolb
Meine Damen und Herren, wir sind dabei, ein sehr (Sachsen-Anhalt) und zu Punkt 72 Herr Staatsminis-
wichtiges Gesetzgebungsvorhaben zu beginnen. Es ter Bouffier (Hessen).
hat etwas mit einer Kultur zu tun, die wahrscheinlich Ich komme zu Punkt 10:
älter ist als die moderne Wirtschaftsverfassung. Der
Stolz und die Ehre, die Arbeit vermitteln, gehören zur Gesetz zur Sicherung von Werkunternehmer-
Kultur unseres Landes. Sie verteidigen wir, indem ansprüchen und zur verbesserten Durchsetzung
wir das Notwendige tun. – Schönen Dank. von Forderungen (Forderungssicherungsgesetz –
FoSiG) (Drucksache 616/08)

Präsident Ole von Beust: Danke schön! Zunächst liegt mir die Wortmeldung von Staatsmi-
nister Mackenroth (Sachsen) vor.
Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der
Fall.
Geert Mackenroth (Sachsen): Herr Präsident, meine
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp- Damen und Herren! Was lange währt, wird endlich
fehlungen und ein Landesantrag vor. gut. Dies gilt auch für das Forderungssicherungsge-
setz, wenigstens was den materiellrechtlichen Teil
Ich beginne mit dem Landesantrag, bei dessen An-
anbelangt.
nahme die Ausschussempfehlungen erledigt sind.
Wer für den Antrag ist, den bitte ich um das Handzei- Bereits zweimal – 2002 und 2004 – hat der Bundes-
chen. – Das ist eine Minderheit. rat Anläufe unternommen, um dieses besonders für
unsere Bauhandwerker wichtige Gesetzesvorhaben
Dann kommen wir zur Einzelabstimmung: in die Tat umzusetzen. Beide Male verabschiedete
Ziffer 1! Wer stimmt zu? – Minderheit. der Deutsche Bundestag das Gesetz vor Ablauf sei-
ner Legislaturperiode jedoch nicht. Im dritten Anlauf
Ziffer 2! – Mehrheit.
Damit entfällt Ziffer 3.
*) Anlage 5
Ziffer 5! – Minderheit. **) Anlagen 6 bis 8
270 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Geert Mackenroth (Sachsen)
(A) (C)
ist es nun endlich so weit: Der Bundestag hat zumin- Das Wort hat Frau Ministerin Walsmann (Thürin-
dest einen wichtigen Teil des bereits zu Beginn die- gen).
ser Legislaturperiode vom Bundesrat erneut einge-
brachten Entwurfs verabschiedet.
Marion Walsmann (Thüringen): Herr Präsident!
Hiermit ist ein erster und wichtiger Schritt zur Ver- Meine sehr geehrten Damen und Herren! Der
besserung der rechtlichen Rahmenbedingungen für 19. September 2008 ist ein guter Tag für das Hand-
die kleinen und mittleren Handwerksbetriebe, die werk in Deutschland: Die von Sachsen, Sachsen-
häufig als Subunternehmer tätig sind, gelungen. Ihre Anhalt und Thüringen ausgehende Bundesratsini-
Position wird insbesondere gegenüber Generalunter- tiative für ein Forderungssicherungsgesetz findet
nehmern und gewerblichen Bauherren durch wich- endlich ihren – zumindest vorläufigen – Abschluss.
tige Maßnahmen, die ich stichwortartig skizzieren Schon in wenigen Monaten wird das Forderungs-
möchte, erheblich gestärkt: Einführung eines An- sicherungsgesetz in Kraft treten. Es wird substan-
spruchs des Unternehmers auf Abschlagszahlungen; zielle Verbesserungen für die Bauhandwerker brin-
Verbesserung der sogenannten Durchgriffsfälligkeit, gen, aber auch die Position der Häuslebauer stärken,
d. h. der Werklohnanspruch des Subunternehmers ein Erfolg, über den ich mich besonders freue, weil
soll auch dann fällig werden, wenn der Bauherr ge- sich Thüringen bereits seit Anfang 2002, also seit
genüber dem Generalunternehmer das Werk des über sechs Jahren, unermüdlich für dieses für die
Subunternehmers abgenommen hat; Reduzierung Praxis so wichtige Gesetzeswerk einsetzt.
des sogenannten Druckzuschlags vom Dreifachen
auf das Doppelte der voraussichtlichen Mängelbesei- Das Forderungssicherungsgesetz hat sage und
tigungskosten; Verbesserung der Möglichkeiten des schreibe drei Legislaturperioden lang Bundestag und
Unternehmers zur Erlangung einer Bauhandwerker- Bundesrat beschäftigt. Manche haben schon gar
sicherheit; Erweiterung des Anwendungsbereichs nicht mehr daran geglaubt, dass dieser Dauerläufer
des Gesetzes über die Sicherung von Bauforderun- sein Ziel erreicht. Thüringen hingegen war stets opti-
gen; Beweislastumkehr, indem der Empfänger von mistisch, dass es nicht bei dem ersten Schritt bleibt,
Geld künftig den Nachweis zu führen hat, dass er das den der Gesetzgeber im Jahr 2000 mit dem Gesetz
Baugeld zweckentsprechend verwendet hat. zur Beschleunigung fälliger Zahlungen getan hat.
Mit dem Beschluss des Bundesrates zum Forderungs-
Meine Damen und Herren, diese wichtigen Neue- sicherungsgesetz am heutigen Tag ist es endlich so
rungen sollten so schnell wie möglich in Kraft treten. weit. Ich bin froh, dass sich unsere Hartnäckigkeit in
Ich meine daher, dass der Vermittlungsausschuss dieser Sache ausgezahlt hat.
nicht angerufen werden sollte, und bitte Sie, entspre-
chend zu votieren. Wie mein Vorredner bereits ausgeführt hat, können
(B) sich die von uns erkämpften materiellrechtlichen (D)
Gleichzeitig bitte ich Sie, den gemeinsamen Ent- Änderungen sehen lassen: Die Regelung über Ab-
schließungsantrag Sachsens, Sachsen-Anhalts und schlagszahlungen ist künftig praxisgerechter ausge-
Thüringens zu unterstützen; denn es ist schade, dass staltet. Der bislang übliche Druckzuschlag für zu be-
der prozessuale Teil unseres Gesetzentwurfs durch seitigende Mängel wird auf ein angemessenes Maß
den Bundestag nicht verabschiedet worden ist. Für reduziert. Die Durchgriffshaftung des Generalunter-
die mittelständischen Unternehmer ist es wichtig, nehmers gegenüber dem Subunternehmer wird ver-
dass auch der prozessuale Teil so bald wie möglich schärft. Erstmalig erhält der Handwerker gegenüber
in Kraft tritt. Der beste Zahlungsanspruch nutzt dem seinem Auftraggeber einen einklagbaren Anspruch
Unternehmer wenig, wenn sein Auftraggeber die auf Leistung einer Bauhandwerkersicherung. Zudem
Zahlung verweigert. Zur schnellen und effektiven wird das Gesetz über die Sicherung von Bauforde-
Durchsetzung von Zahlungsansprüchen bedarf es da- rungen modernisiert.
her wirksamer prozessualer Instrumente, durch die
der Unternehmer zügig einen vollstreckbaren Titel Die aufgezeigten Änderungen helfen vor allem den
erlangt. Lange gerichtliche Verfahren in Bausachen Bauhandwerkern. Aber auch der Schutz des Ver-
führen häufig dazu, dass der Gläubiger den Prozess brauchers kommt nicht zu kurz. Ein 5%iger Siche-
zwar gewinnt, aber aus dem Titel nicht mehr voll- rungsvorbehalt für die rechtzeitige Herstellung ohne
strecken kann: Beim Schuldner ist kein pfändbares wesentliche Mängel steht dem Besteller, sofern er
Vermögen mehr vorhanden, oder die Verzögerung Verbraucher ist, nunmehr gesetzlich zu.
hat die Zahlungsunfähigkeit des Gläubigers zur
Wie richtig wir mit unserem Konzept eines Forde-
Folge. Ergebnis: Arbeitsplätze werden vernichtet.
rungssicherungsgesetzes liegen, zeigt – das mag zu-
Wir müssen auch die prozessualen Möglichkeiten nächst verwundern – auch ein Blick auf das Gesetz
verbessern, schnell einen vollstreckbaren Titel zu be- zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Be-
kommen. Die Mitglieder des Bundestages haben zu- kämpfung von Missbräuchen, kurz MoMiG genannt.
gesagt, noch in diesem Herbst die Gespräche zu den Denn im MoMiG, das wir heute ebenfalls behandeln,
prozessualen Regelungen fortzusetzen. Durch den steckt ein Stück Forderungssicherungsgesetz. Die im
Entschließungsantrag wollen wir sie an dieses Ver- Forderungssicherungsgesetz vorgesehene Erweite-
sprechen erinnern. – Vielen Dank. rung der gesetzlichen Gründe zum zeitweisen Aus-
schluss einer Person von der Funktion als Geschäfts-
führer einer GmbH oder als Vorstandsmitglied einer
Präsident Ole von Beust: Danke schön! AG wurde größtenteils in das MoMiG übernommen.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 271
Marion Walsmann (Thüringen)
(A) (C)
Doch die Freude über das nach vielen Jahren des Ich komme zu Punkt 11:
Einsatzes Erreichte ist nicht ungetrübt. Trotz der Ver-
abschiedung des Forderungssicherungsgesetzes Gesetz zur Reform des Verfahrens in Familien-
bleibt eine beachtliche Lücke: Der rechtliche Schutz sachen und in den Angelegenheiten der freiwil-
des Handwerks vor ungerechtfertigten Zahlungsver- ligen Gerichtsbarkeit (FGG-Reformgesetz –
weigerungen ist erst dann optimal ausgestaltet, wenn FGG-RG) (Drucksache 617/08)
das materielle Recht von den entsprechenden verfah- Gibt es Wortmeldungen? – Das ist nicht der Fall.
rensrechtlichen Bestimmungen flankiert wird. So
muss das Prozessrecht gewährleisten, dass eine Zah- Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
lungsverzögerung, die ohne sachlichen Grund er- fehlungen und ein Antrag Berlins vor.
folgt, rasch sanktioniert wird.
Wir beginnen mit den Ausschussempfehlungen.
Der Bundesratsentwurf für ein Forderungssiche- Ich rufe auf:
rungsgesetz hatte sich dieser Problematik angenom-
men und angemessene Lösungen vorgeschlagen, Ziffern 1 und 2 gemeinsam! – Das ist die Mehrheit.
z. B. eine Verbesserung der Regelungen zum Teil- Damit hat der Bundesrat die Zustimmungsbedürf-
und Vorbehaltsurteil. Besonders hervorzuheben ist tigkeit des Gesetzes festgestellt und dem Gesetz zu-
die vorläufige Zahlungsanordnung, ein zentrales gestimmt.
Element der Bundesratsinitiative. Sie ist Frucht inten-
siver Beratungen der Bund-Länder-Arbeitsgruppe Wir kommen nun zum Antrag des Landes Berlin.
„Zahlungsmoral“. Nicht nur der Bundesrat, sondern Ihr Handzeichen bitte! – Das ist eine Minderheit.
auch die Bundesregierung hat sich für die Einfüh-
rung dieses neuen Rechtsinstituts starkgemacht, lei- Der Bundesrat hat die Entschließung n i c h t ge-
der bislang vergeblich. fasst.

Ich möchte nochmals nachdrücklich für dieses Ich komme zu Punkt 12:
neue und innovative Instrument werben. Es kann
Zweites Gesetz zur Änderung des Güterkraft-
nicht sein, dass ein Handwerker nur deshalb auf ei-
verkehrsgesetzes und anderer Gesetze (Druck-
nen Zahlungstitel warten muss, weil der Rechtsstreit
sache 618/08)
noch nicht in allen Facetten entscheidungsreif ist,
dem Gläubiger aber nach richterlicher Überzeugung Staatsminister Bruch (Rheinland-Pfalz) hat eine Er-
für mangelfreie Leistungsteile in jedem Fall ein be- klärung zu Protokoll*) abgegeben. – Weitere Wort-
stimmter Geldbetrag zugesprochen werden muss. meldungen liegen nicht vor.
Das geltende Verfahrensrecht bietet hier keine ad-
Dann kommen wir zur Abstimmung. Dazu liegen
(B) äquaten Lösungen. (D)
Ihnen die Ausschussempfehlungen vor.
Ich bitte Sie, unseren Entschließungsantrag zu un-
terstützen und den Deutschen Bundestag aufzufor- Der Ausschuss für Innere Angelegenheiten emp-
dern, die Beratungen zum zivilprozessualen Teil des fiehlt unter Ziffer 1, den Vermittlungsausschuss aus
Forderungssicherungsgesetzes umgehend wieder- mehreren Gründen anzurufen. Ich frage daher zu-
aufzunehmen, um eine entsprechende Regelung nächst, wer allgemein der Anrufung des Vermitt-
möglichst rasch zu verabschieden. – Vielen Dank. lungsausschusses zustimmt. – Das ist eine Minder-
heit.

Präsident Ole von Beust: Danke schön! Damit hat der Bundesrat den Vermittlungsaus-
schuss n i c h t angerufen.
Frau Ministerin Professor Dr. Kolb (Sachsen-An-
halt) hat eine Erklärung zu Protokoll*) abgegeben. – Ich komme zu Tagesordnungspunkt 17:
Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor.
Entwurf eines Gesetzes zur Förderung ehren-
Dann kommen wir zur Abstimmung. Ihnen liegen amtlicher Tätigkeit – Antrag des Freistaates
die Ausschussempfehlungen vor. Wir sind übereinge- Bayern gemäß § 23 Abs. 3 i.V.m. § 15 Abs. 1
kommen, die Ziffern 1 und 2 gemeinsam aufzurufen. und § 36 Abs. 2 GO BR – (Drucksache 597/08)
Bitte das Handzeichen! – Das ist die Mehrheit.
Dem Antrag des Freistaates Bayern ist das Saar-
Damit hat der Bundesrat beschlossen festzustellen, land beigetreten.
dass das Gesetz nicht seiner Zustimmung bedarf,
Frau Staatsministerin Stewens (Bayern) hat eine
den Vermittlungsausschuss n i c h t anzurufen und
Erklärung zu Protokoll**) abgegeben. – Weitere
hilfsweise dem Gesetz zuzustimmen.
Wortmeldungen liegen nicht vor.
Wir haben nun noch über die Entschließung unter Zur Beratung weise ich die Vorlage dem Ausschuss
Ziffer 3 abzustimmen. Ich bitte um das Handzei-
für Arbeit und Sozialpolitik – federführend – sowie
chen. – Das ist die Mehrheit.
dem Ausschuss für Innere Angelegenheiten und
Der Bundesrat hat die Entschließung gefasst. dem Ausschuss für Kulturfragen – mitberatend – zu.

*) Anlage 10
*) Anlage 9 **) Anlage 11
272 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
Dann kommen wir zu Tagesordnungspunkt 18: weil Sonnabend ist. Das sollte man nicht hinneh-
men.
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Ge-
setzes über das Kreditwesen – Antrag der Konsens ist, dass die bestehenden Regelungen un-
Freien Hansestadt Bremen gemäß § 23 Abs. 3 zureichend sind. Sie sind auch im europäischen Ver-
i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR – gleich zu wenig bindend. Belgien hat vor einigen
(Drucksache 653/08) Jahren eine Verpflichtung an die Kreditinstitute ein-
geführt, Girokonten auf Darlehensbasis einzurichten,
Dem Antrag der Freien Hansestadt Bremen ist
und hat damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die-
Rheinland-Pfalz beigetreten.
ses sozialpolitische Problem hat sich innerhalb von
Es gibt eine Wortmeldung von Frau Bürgermeiste- wenigen Jahren in Luft aufgelöst.
rin Linnert (Bremen).
Deshalb bitte ich um Zustimmung zu dem Antrag
Bremens, das Kreditwesengesetz um eine Verpflich-
Karoline Linnert (Bremen): Herr Präsident! Meine tung an die Kreditinstitute zu ergänzen, Girokonten
sehr verehrten Damen und Herren! 500 000 Men- auf Guthabenbasis einzuführen, und zwar in aller
schen in Deutschland leben ohne ein eigenes Giro- Regel. Selbstverständlich sieht unser Gesetzentwurf
konto – in aller Regel nicht freiwillig. Ihr Alltag ist bei Unzumutbarkeit für die Kreditinstitute Regelun-
damit hohen Belastungen ausgesetzt. Sie müssen gen vor, ein Konto auf Guthabenbasis auch zu ver-
hohe Gebühren für Einzelüberweisungen bezahlen, weigern, und zwar dieselben Regelungen, die heute
sie handeln sich Ärger mit dem Vermieter oder mög- schon in der ZKA-Empfehlung niedergelegt sind. Wir
lichen Arbeitgebern ein, und sie müssen sich ihre zwingen also kein Kreditinstitut, Menschen, die sich
Transferleistungen bar vom Sozialamt oder der z. B. in einer Schalterhalle nicht benehmen können
BAgIS abholen. oder die Konten für Straftaten benutzt haben, ein
Konto anzubieten.
Seit 1995 existieren als Reaktion auf diesen Man-
gelzustand freiwillige Empfehlungen für ein Giro- Selbstverständlich sind wir auch damit einverstan-
konto für jedermann, die sogenannten ZKA-Empfeh- den – das ist Teil des Gesetzes –, dass übliche Konto-
lungen. Sie werden von der Bundesregierung führungsgebühren erhoben werden.
regelmäßig auf ihre Wirksamkeit untersucht, zuletzt
am 14. Juli 2006. Die Bundesregierung kommt in ih- Wir bitten um Zustimmung zu unserem Gesetzent-
rem Bericht über die Wirksamkeit der ZKA-Empfeh- wurf. Er ist eine Möglichkeit, die Lebenslage armer
lungen zu folgendem Schluss – ich zitiere –: Menschen deutlich zu verbessern, ohne dass weitere
Kosten erzeugt werden. – Vielen Dank.
Die ZKA-Empfehlung von 1995 hat in diesem
(B) Zusammenhang diese intendierte Wirkung bei (D)
den einzelnen Instituten nicht nachhaltig und Präsident Ole von Beust: Gibt es weitere Wortmel-
im gebotenen Umfang herstellen können. Da- dungen? – Das ist nicht der Fall.
rauf deutet auch der hohe Prozentsatz von
Schiedssprüchen hin, mit denen dem betroffe- Dann weise ich die Vorlage dem Finanzausschuss
nen Institut angeraten wird, ein solches Konto – federführend – sowie dem Agrarausschuss, dem
zu eröffnen und damit die ursprüngliche Ableh- Ausschuss für Arbeit und Sozialpolitik, dem Rechts-
nung zu revidieren. ausschuss und dem Wirtschaftsausschuss zur Mitbe-
ratung zu.
Das kann man nur so interpretieren, dass auch die
Bundesregierung der Auffassung ist, dieser Zustand Wir kommen zu Punkt 19:
ist unerfreulich, unerwünscht und veränderungsbe-
dürftig. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
Staatsangehörigkeitsgesetzes – Antrag der
Die Tatsache, dass so viele Menschen in Deutsch- Länder Berlin und Bremen gemäß § 23 Abs. 3
land von einem normalen Kontoverkehr ausgeschlos- i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR –
sen sind, ist nach unserer Auffassung sozialpolitisch (Drucksache 647/08)
unerwünscht. Sie reduziert die Chancen armer Men-
schen auf Integration in den Arbeitsmarkt. Sie zwingt Es gibt eine Wortmeldung von Senator Dr. Körting
sie, einen Zustand hinzunehmen, der der Normalität, (Berlin).
den eigenen Zahlungsverkehr über ein eigenes
Konto abzuwickeln, widerspricht.
Dr. Ehrhart Körting (Berlin): Herr Präsident, meine
Auch für die Kommunen ist dieser Zustand uner- Damen und Herren! Die bestehende Optionsrege-
freulich und teuer. Sie müssen die Transferleistungen lung im Staatsangehörigkeitsgesetz birgt Rechts-
bar auszahlen oder Geldautomaten unterhalten. unsicherheiten, führt zu erheblichem bürokratischen
Verwaltungsaufwand und ist integrationspolitisch
Im Übrigen ist der Zustand der Barzahlung der fragwürdig. Deshalb setzen sich die Länder Berlin
Transferleistungen auch kriminogen. Wir wissen, und Bremen für eine Abschaffung der Optionspflicht
dass sich bei Barschecks Menschen zum Teil ge- ein.
zwungen fühlen, diese unter Inkaufnahme von Ab-
schlägen weiterzureichen, weil sie dringend Geld Das Optionsmodell ist im Jahre 1999 im Rahmen ei-
brauchen, aber Kreditinstitute geschlossen haben, nes politischen Kompromisses zustande gekommen.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 273
Dr. Ehrhart Körting (Berlin)
(A) (C)
Einerseits wollten wir in Deutschland geborenen rung nach dem 18. Lebensjahr, wenn man sich nicht
Kindern ausländischer Eltern bessere Startchancen entscheidet. Ich sehe keine sachliche Notwendigkeit,
einräumen. Deshalb haben wir für die Kinder, die ab dies den Betroffenen zuzumuten. Auch wenn die Op-
1. Januar 2000 geboren wurden, die deutsche Staats- tion gegen die deutsche Staatsangehörigkeit fällt,
bürgerschaft zuerkannt, wenn wenigstens ein Eltern- wird die Mehrzahl der Betroffenen ihren Lebensmit-
teil seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland lebt telpunkt in Deutschland behalten. Integrationspoli-
und eine Niederlassungserlaubnis oder Aufenthalts- tisch kann es nicht erwünscht sein, sie auf Dauer als
erlaubnis nach EU-Recht hat. Für die vor dem 1. Ja- Ausländer zu behandeln.
nuar 2000 geborenen Kinder haben wir die Möglich-
keit geschaffen, einen Einbürgerungsanspruch bis Die gegenwärtige Rechtslage ist Ergebnis eines
31. Dezember 2000 geltend zu machen. Davon haben Kompromisses. Ich meine, wir könnten in der Dis-
ungefähr 50 000 Gebrauch gemacht. kussion mittlerweile auch europarechtlich weiter
sein.
Andererseits bestanden Vorbehalte dagegen, den
Betroffenen die deutsche Staatsbürgerschaft dauer- Wir haben Mehrstaatigkeit in vielen Konstellatio-
haft neben der über ihre Eltern erworbenen ausländi- nen. In den Bundesländern sind in den letzten Jahren
schen Staatsangehörigkeit zu belassen. Deshalb ist Tausende von Iranern eingebürgert worden, weil der
ein Optionsmodell gewählt worden, wonach sich die Iran seine Bürger nicht aus der Staatsangehörigkeit
Betroffenen nach dem Eintritt der Volljährigkeit ent- entlässt. Wir haben unter Hinnahme von Mehrstaa-
scheiden müssen, ob sie ihre deutsche oder ihre aus- tigkeit eingebürgert.
ländische Staatsangehörigkeit behalten.
Zunehmend gibt es bei uns binationale Ehen mit
Wir haben zu der Frage, wie zweckmäßig das ist, der Konsequenz, dass die Kinder automatisch eine
im Innenausschuss des Bundestages eine Anhörung doppelte Staatsangehörigkeit haben. Das wird sich in
von Sachverständigen durchgeführt. Im Ergebnis ist der globalisierten Welt noch verstärken.
festzustellen, dass sowohl die Staatsrechtler – und
Und das EU-Recht billigt inzwischen ausdrücklich
zwar keiner bestimmten Couleur – als auch die übri-
Ansprüche, die Staatsangehörigkeit mehrerer Staa-
gen Sachverständigen die Optionsregelung fast uni-
sono für unzweckmäßig und eher schädlich halten. ten zu haben, soweit es EU-Staaten sind.

Es wurden auch verfassungsrechtliche Bedenken Meine Damen und Herren, es gibt gute Gründe,
geltend gemacht, unter anderem mit dem Hinweis unabhängig von der Generaldebatte über die dop-
auf einen möglichen Verstoß gegen das Grundrecht pelte Staatsangehörigkeit für in Deutschland gebo-
auf Gleichbehandlung mit Blick auf Kinder aus ge- rene Kinder ein klares Jus soli zu schaffen. Wer hier
mischtnationalen Familien. Insbesondere befürch- unter bestimmten Voraussetzungen geboren ist, ist
(B)
ten die Sachverständigen gravierende Anwendungs- deutscher Staatsangehöriger, auch wenn er über (D)
probleme bei der Optionsregelung und einen hohen seine Eltern oder einen Elternteil eine weitere Staats-
bürokratischen Verwaltungsaufwand. Dies betrifft angehörigkeit hat. Wir sollten die hier geborenen
nicht die ersten 50 000, aber alle, die ab 1. Januar Kinder nicht zwingen, als Erwachsene Brücken zur
2000 automatisch deutsche Staatsangehörige gewor- Heimat ihrer Familie abzureißen.
den sind.
Ich appelliere an die Bundesländer, sich diesem
Ich habe den Eindruck, dass die Schwierigkeiten Anliegen anzuschließen, und hoffe, dass wir im Rah-
mit dem Optionsmodell einheitlich gesehen werden; men der Ausschussberatungen zu gemeinsamen Lö-
denn unter Tagesordnungspunkt 34 gibt es eine sungen kommen. – Danke schön.
Empfehlung zu diesem Thema.

Höchstwahrscheinlich haben wir unterschiedliche Präsident Ole von Beust: Weitere Wortmeldungen
Ansätze zur Lösung des Problems. Ich will Ihnen den liegen nicht vor.
Lösungsansatz des Landes Berlin kurz erläutern.
Zur weiteren Beratung weise ich die Vorlage dem
Neben der möglichen Verfassungswidrigkeit gibt Ausschuss für Innere Angelegenheiten – federfüh-
es eine gesellschaftspolitische Komponente. Für rend – und dem Ausschuss für Frauen und Jugend
mich geht es nicht um eine ideologische Diskussion – mitberatend – zu.
über die Frage „Mehrere Staatsangehörigkeiten – ja
Wir kommen zu Punkt 20:
oder nein“, sondern um die Lage von jungen Er-
wachsenen, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr nach un- Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
serer Regelung selbstverständlich die deutsche und Grundgesetzes (Artikel 20b) – Antrag des Lan-
die ausländische Staatsangehörigkeit nebeneinan- des Berlin gemäß § 36 Abs. 2 GO BR – (Druck-
der haben. Auch wenn sie sozial in Deutschland inte- sache 646/08)
griert sind und Deutschland als Heimat empfinden,
ist eben auch ihre familiäre und kulturelle Herkunft Frau Senatorin von der Aue (Berlin) hat eine Er-
Teil ihrer Identität. Die Aufforderung, sich für eine klärung zu Protokoll*) abgegeben. – Wortmeldungen
Staatsangehörigkeit zu entscheiden, nachdem sie liegen nicht vor.
beide Staatsangehörigkeiten innegehabt haben, wird
als Zumutung empfunden werden und zu Konflikten
führen. Im Ergebnis bedeutet es eine Art Ausbürge- *) Anlage 12
274 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
Ich weise die Vorlage dem Rechtsausschuss – fe- Ursachen sehen wir auch im Recht der Beratungs-
derführend – sowie dem Ausschuss für Innere Ange- hilfe.
legenheiten und dem Ausschuss für Kulturfragen
– mitberatend – zu. Das Beratungshilfegesetz und die die Beratungs-
hilfe betreffenden Bestimmungen des Rechtsanwalts-
Wir kommen zu Punkt 21: vergütungsgesetzes werden den Anforderungen an
eine moderne Justiz nicht mehr gerecht. Unzurei-
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Be- chend bzw. unklar geregelte Tatbestandsvorausset-
ratungshilferechts – Antrag der Länder Sach- zungen, ein unübersichtliches Verfahren und wenig
sen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfa- Anreize für die Antragsteller, sich wirtschaftlich ver-
len, Sachsen, Schleswig-Holstein gemäß § 36 nünftig zu verhalten, führen aus unserer Sicht zu ver-
Abs. 2 GO BR – (Drucksache 648/08) meidbaren und weit über das notwendige Maß hi-
Zunächst hat Frau Ministerin Professor Dr. Kolb nausgehenden Kosten. Das möchte ich an einigen
(Sachsen-Anhalt) das Wort. Beispielen verdeutlichen.

Das Beratungshilfegesetz weist Schranken zur Ver-


Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen-Anhalt): Herr Präsi- hinderung von Missbräuchen auf. § 1 Abs. 1 Nr. 3
dent, meine Damen und Herren! Ein geringes Ein- schreibt z. B. vor, dass die Rechtswahrnehmung nicht
kommen und fehlendes Vermögen dürfen nieman- mutwillig sein darf. Wann aber liegt Mutwille vor?
den daran hindern, seine Rechte wahrzunehmen Dazu schweigt das Gesetz. So kommt es in der Praxis
oder sich gegen eine Inanspruchnahme durch Dritte zu Bewilligungen für die Lösung von Alltagsproble-
zur Wehr zu setzen. men, bei denen der Wert des verfolgten Rechts in
keinem angemessenen Verhältnis zur Höhe der an
Dies sichert im außergerichtlichen Bereich das Ge- den Rechtsanwalt zu zahlenden Beratungsgebühr
setz über Rechtsberatung und Vertretung für Bürger steht. Jeder, der den Rechtsanwalt aus eigener Ta-
mit geringem Einkommen, kurz: Beratungshilfege- sche bezahlen müsste, würde hier auf die Einholung
setz. Dieses Gesetz ist seit 1981 in seinen grundle- eines Rechtsrats oder gar auf die Inanspruchnahme
genden Bestimmungen nahezu unverändert in Kraft. anwaltlicher Vertretung verzichten.
Es verleiht dem Einzelnen Anspruch auf anwaltli- Eine weitere Schranke ist die Erforderlichkeit der
che Beratung und erforderlichenfalls Vertretung, Vertretung. Beratungshilfe geht nur dann über die
wenn bestimmte Voraussetzungen vorliegen, näm- Beratung hinaus und erstreckt sich auch auf die Ver-
lich wenn er die erforderlichen Mittel nach seinen tretung des Rechtsuchenden, wenn dies erforderlich
persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen ist. Konkrete Voraussetzungen für diese Erforderlich-
nicht aufbringen kann, wenn ihm keine andere zu- keit fehlen im Gesetz. Wenn man sich verdeutlicht,
(B) (D)
mutbare Hilfe zur Verfügung steht und wenn die be- dass Rechtsanwälte für die Vertretung eine zusätzli-
absichtigte Rechtswahrnehmung nicht als mutwillig che Geschäftsgebühr geltend machen können, kann
anzusehen ist. man sich gut vorstellen, dass das Interesse der Be-
treffenden an einer Vertretung sehr groß ist.
Ich möchte nicht verschweigen: Die Länder be-
trachten die Kostenentwicklung in diesem Bereich in Mittlerweile wird Beratungshilfe nicht nur in Form
den letzten Jahren mit Sorge. Im Jahr 2006 beliefen der Beratung, dem Regelfall, sondern zusätzlich in
sich die Kosten für Beratungshilfe bundesweit auf Form der Vertretung des Rechtsuchenden gewährt.
rund 84,5 Millionen Euro. Nach der Beratungshil- 1981 gab es bundesweit 12 000 Beratungsfälle und
festatistik des Bundesamtes für Justiz stiegen die nur 10 000 Vertretungsfälle. Im Jahr 2007 waren es
Ausgaben im Jahr 2007 auf 85,6 Millionen Euro. Die 450 000 Vertretungsfälle bei nur 163 000 Beratungen.
Länder haben also seit 2001 jährliche Steigerungsra- Hierzu hat der Landesrechnungshof Nordrhein-
ten im zweistelligen Bereich zu verzeichnen. Westfalen angemerkt, dass in einem Umfang von
80 % Vertretungsfälle vorliegen und damit die Aus-
Die Ursache für diese Kostenexplosion festzustellen nahme trotz festgestellter Erforderlichkeit zum Re-
und nach Möglichkeiten der Verbesserung im Bera- gelfall geworden ist.
tungshilferecht zu suchen war Aufgabe einer von den
Justizministerinnen und Justizministern der Länder Beratungshilfe ist die einzige staatliche Leistung,
eingesetzten Bund-Länder-Arbeitsgruppe unter Fe- die auch nachträglich durch den Rechtsanwalt bean-
derführung von Nordrhein-Westfalen und Sachsen- tragt werden kann. In diesem Fall hat er bereits ge-
Anhalt. leistet und erwartet die ihm aus seiner Sicht zuste-
hende Vergütung. Den Rechtspflegern fällt es in der
Zunächst sind praktische Erhebungen angestellt Praxis oftmals schwer, solche Anträge abzulehnen.
worden. Sie zeigen eine sehr unterschiedliche Bewil- Datenerhebungen weisen nach, dass die Rechtspfle-
ligungspraxis. So wurden in Sachsen-Anhalt Zurück- ger hier verstärktem Druck ausgesetzt sind. Die An-
weisungsquoten zwischen 0 und 22 % festgestellt. zahl der negativen Bescheide ist wesentlich geringer
13 Amtsgerichte in Nordrhein-Westfalen haben alle als in den Fällen, in denen der Antrag auf Beratungs-
Anträge auf Beratungshilfe bewilligt, an immerhin hilfe vor Inanspruchnahme gestellt wird.
16 Amtsgerichten beschränkte sich die Zurückwei-
sung auf 1 % aller Anträge. Diese Zahlen sind bei der Ziel der vorliegenden Gesetzentwürfe ist es, Fehl-
Bewilligung staatlicher Leistungen, die an bestimmte anreize im Beratungshilferecht zu beseitigen, die Tat-
Voraussetzungen geknüpft ist, wohl einmalig. Die bestandsvoraussetzungen für die Bewilligung klar zu
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 275
Prof. Dr. Angela Kolb (Sachsen-Anhalt)
(A) (C)
formulieren, die verfahrensrechtlichen Regelungen ordnung muss auch in Zukunft sichergestellt werden,
zu optimieren und damit Transparenz für alle Betei- dass einkommensschwache Bürgerinnen und Bürger
ligten zu schaffen. die kompetente Hilfe und Unterstützung erhalten,
die sie benötigen, um ihre Rechte zu erkennen und
Die Länder Sachsen, Niedersachsen, Nordrhein- durchzusetzen.
Westfalen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein
legen den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Das Beratungshilfegesetz ist seit seinem Inkrafttre-
Beratungshilferechtes vor, der ausgewogen ist und ten sechsmal geändert worden. Eine grundlegende
die lückenhaften Regelungen an die Bedingungen Überprüfung seiner Regelungen ist jedoch unterblie-
einer modernen Justiz anpasst. ben. Hieran hatte und hat der Bund kein vordringli-
ches Interesse, weil das Beratungshilfegesetz von
Ich möchte betonen: Es soll weiterhin uneinge- den Gerichten der Länder ausgeführt wird und die
schränkt Hilfe geleistet werden, wenn einkommens- Kosten der Beratungshilfe demgemäß vollständig
schwache Bürger rechtlichen Rat und anwaltliche von den Ländern zu tragen sind. Die Länder haben
Vertretung brauchen. Der Entwurf richtet sich aber daher selbst die Initiative ergriffen und das Bera-
auch gegen Missbrauch und hat das Ziel, die vorhan- tungshilfegesetz umfassend auf Änderungsbedarf
denen Ressourcen sparsam und nach der ursprüngli- untersucht. Das Ergebnis der Überprüfung liegt Ih-
chen Intention des Gesetzgebers für die wirklich Be- nen in Gestalt eines Gesetzentwurfs vor.
dürftigen einzusetzen. Es kann und muss auch den
Anspruchsberechtigten zugemutet werden können, Mit dem gemeinsamen Gesetzesantrag der Länder
sich wirtschaftlich vernünftig zu verhalten. Anwaltli- Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Nordrhein-Westfa-
che Hilfe soll derjenige in Anspruch nehmen können, len, Sachsen und Schleswig-Holstein soll das Bera-
der dies in dem begehrten Umfang auch tun würde, tungshilferecht modernisiert werden. Insbesondere
wenn er bei fehlender Bedürftigkeit seinen Anwalt sollen die Strukturschwächen des Bewilligungsver-
selbst bezahlen müsste. fahrens beseitigt, die Bewilligungsvoraussetzungen
präzisiert und der Anstieg der Kosten der Beratungs-
Die Ungleichbehandlung zwischen den Rechtsu- hilfe begrenzt werden.
chenden, die nach ihrer Vermögenssituation Leistun-
gen nach dem Beratungshilfegesetz beanspruchen Für die Länder hat der Kostenaspekt besondere Be-
können, und denen, bei denen diese Voraussetzung deutung. Ebenso wie bei der Prozesskostenhilfe sind
nicht vorliegt, soll durch eine Reihe von Neuregelun- die Ausgaben für die Beratungshilfe in jüngster Zeit
gen beseitigt werden, beispielsweise die Legaldefini- sprunghaft angestiegen. Die Prognose der soziallibe-
tion von unbestimmten Rechtsbegriffen wie „Mut- ralen Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf aus
willigkeit“ und „Erforderlichkeit“, die Erstellung von dem Jahre 1979, die Belastung der Länder durch Be-
Listen über andere Hilfemöglichkeiten – damit ha- ratungshilfekosten sei mit rund 14 Millionen DM pro
(B)
ben wir in Sachsen-Anhalt gute praktische Erfahrun- Jahr zu veranschlagen, ist schon 1986 von der Reali- (D)
gen gemacht –, die Abschaffung der nachträglichen tät überholt worden. Inzwischen hat die Belastung
Antragstellung, die Verbesserung der Aufklärungs- – wir haben es gehört – mit 85,6 Millionen Euro im
möglichkeiten, die Einführung eines Erinnerungs- vergangenen Jahr einen absoluten Höchststand er-
rechts der Staatskasse gegen die Bewilligung von reicht.
Beratungshilfe und eine stärkere Beteiligung der Dieser Entwicklung können die Länder nicht taten-
Rechtsuchenden an den Kosten der Vertretung. los zusehen. Es gilt, ihr schnell und nachhaltig entge-
Meine Damen und Herren, ich bin davon über- genzuwirken, damit die Haushalte der Länder mög-
zeugt, dass der vorliegende Gesetzentwurf das Bera- lichst bald von vermeidbaren Ausgaben entlastet
tungshilferecht von seinen Schwachstellen befreit werden.
und die richtigen Weichen für die rechtliche Bera- Zur Reduzierung der Kosten im Bereich der Pro-
tung und gegebenenfalls Vertretung von Personen zesskostenhilfe hat der Bundesrat bereits im Jahr
mit geringem Einkommen stellt. Ich bitte Sie, den 2006 die Initiative ergriffen. Er hat am 19. Mai 2006
Gesetzentwurf zu unterstützen. – Herzlichen Dank. die Einbringung eines Gesetzentwurfs beschlossen,
der die Aufwendungen der Länder für die Prozess-
Präsident Ole von Beust: Danke schön! kostenhilfe begrenzen soll. Leider steht eine
Beschlussfassung des Bundestages noch aus. Ich bin
Das Wort hat Herr Minister Busemann (Nieder- zuversichtlich, dass es in den nächsten Wochen ge-
sachsen). lingt, im Bundestag ein aus der Sicht der Länder an-
gemessenes Ergebnis zu erzielen.
Bernhard Busemann (Niedersachsen): Herr Präsi- Zur Reform des Beratungshilferechts schlägt der
dent, meine Damen und Herren! Das Beratungshilfe- Ihnen vorliegende Gesetzentwurf ein Bündel von
gesetz ist am 1. Januar 1981 in Kraft getreten. Seit Maßnahmen vor. Als aus meiner Sicht wesentlichste
mehr als 27 Jahren erfüllt es seine Aufgabe, Bürge- Änderung will ich nur die Abschaffung der nach-
rinnen und Bürgern mit geringem Einkommen auch träglichen Beantragung der Beratungshilfe nennen.
außerhalb gerichtlicher Verfahren sachkundigen
Rechtsrat zu verschaffen. Nach geltendem Recht ist der Rechtsuchende nicht
verpflichtet, einen Antrag auf Bewilligung von Bera-
Daran wollen wir festhalten. Angesichts unserer tungshilfe zu stellen, bevor er sie in Anspruch nimmt.
komplexen und schwer zu überschauenden Rechts- Er kann sich unmittelbar an einen Rechtsanwalt wen-
276 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Bernhard Busemann (Niedersachsen)
(A) (C)
den und den Beratungshilfeantrag nachträglich stel- niemand behaupten, wir hätten unangemessen hohe
len. Damit weicht das Beratungshilferecht von dem Ausgaben für den Zugang zum Recht.
für alle anderen Sozialleistungen geltenden Prinzip
Neben diesem Gesichtspunkt ist es uns sehr wich-
ab, wonach eine Sozialleistung erst beantragt und
tig, dass die Möglichkeit für die Menschen zu klagen
bewilligt werden muss, bevor sie in Anspruch ge-
weiterhin erhalten bleibt. Das haben Sie, Herr
nommen werden kann. Diese Regelung ist eine der
Busemann, in Ihrer Rede dankenswerterweise
wesentlichen Ursachen für die hohen Kosten im Be-
ebenso gesagt wie Frau Kollegin Kolb.
reich der Beratungshilfe; denn bei nachträglicher An-
tragstellung ist es dem Amtsgericht nicht mehr mög- Wenn man feststellt, dass man zu viel für Bera-
lich, die Beratungshilfe selbst zu leisten. tungshilfe ausgibt, muss man fragen, woran das liegt.
In Ihrem Gesetzentwurf heißt es, es liege erstens da-
Darüber hinaus trägt das geltende Recht der ran, dass das Sozialrecht hohen Beratungsbedarf er-
grundsätzlichen Subsidiarität der Beratungshilfe fordere, zweitens daran, dass die Verbraucherinsol-
nicht hinreichend Rechnung. Nach der ausdrückli- venzen sehr teuer seien, und drittens daran, dass die
chen Regelung in § 1 Abs. 1 Nr. 2 des Beratungshilfe- Anwälte nach der Reform der anwaltlichen Gebüh-
gesetzes kann Beratungshilfe nämlich nur gewährt renordnung höhere Gebühren erhielten.
werden, „wenn nicht andere Möglichkeiten für eine
Hilfe zur Verfügung stehen, deren Inanspruchnahme Ich denke, niemand kann etwas dagegen haben,
dem Rechtsuchenden zuzumuten ist“. Ein Verweis dass die Anwälte nach zehn Jahren höhere Gebüh-
auf solche anderen Hilfemöglichkeiten ist aber ren bekommen sollen. Wenn dadurch die Kosten et-
schwerlich möglich, wenn ein Rechtsanwalt bereits was steigen, muss das eben auch getragen werden.
Beratungshilfe geleistet hat. Bezüglich der Verbraucherinsolvenz wissen Sie,
dass parallel im Deutschen Bundestag ein Gesetzge-
Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin
bungsverfahren verfolgt wird, mit dem die Kosten für
davon überzeugt, dass der von fünf Ländern vorge-
die Länder bei der Verbraucherinsolvenz in einem er-
legte Gesetzesantrag in diesem Hohen Hause breite
heblichen Maß gesenkt werden sollen. Erst gestern
Zustimmung findet. Der Bundesrat sollte gegenüber
habe ich wieder drei Stunden dazu verhandelt. Ich
dem Deutschen Bundestag deutlich machen, dass die
bin sehr optimistisch, dass wir es noch in diesem Jahr
Reform des Beratungshilfegesetzes ein wichtiges An-
schaffen, den Ländern damit signifikante Kosten zu
liegen der Länder ist, das zügig umgesetzt werden sparen, übrigens besser und zielgenauer, als wenn
sollte. Dieser Erwartung kann am ehesten dadurch wir bei der Beratungshilfe Kosten einsparen, wo-
Nachdruck verliehen werden, dass die Einbringung durch den Menschen die Beratung erschwert wird.
des Gesetzentwurfs beim Deutschen Bundestag mit
möglichst breiter Mehrheit beschlossen wird. Ich darf Was das Sozialrecht angeht, muss man irgendwann
(B) Sie insofern um Unterstützung bitten, auch wenn die eingestehen, dass eine umwälzende Reform der (D)
entscheidende Abstimmung hierzu erst am 10. Okto- Sozialgesetze und der Arbeitsmarktgesetze auch zu
ber stattfindet. – Ich danke für die Aufmerksamkeit. Folgekosten führt. Ich finde es nicht richtig, dann
eine Gebühr von 20 statt bisher 10 Euro vorzusehen
und die Menschen damit in größerem Umfang zur
Präsident Ole von Beust: Danke schön! Kasse zu bitten.
Das Wort hat Frau Bundesministerin Zypries. Die Bundesregierung ist immer an Ihrer Seite,
wenn es um die Einführung administrativer Verbes-
serungen geht, mit denen man im System sparen
Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz: Herr kann, ohne dass es den Menschen schadet. Wenn es
Präsident, meine Damen und Herren! Lieber Herr aber darum geht, Menschen in ihrem Zugang zum
Busemann, ich kann Ihnen keine allzu großen Hoff- Recht schlechter zu stellen, werden Sie uns nicht an
nungen machen, dass der Deutsche Bundestag mit Ihrer Seite finden.
großer Bereitwilligkeit diesem Gesetzentwurf folgen
wird. Das wissen Sie schon. Denn nicht nur der SPD Das alles kann man in Einzelpunkten nachweisen.
im Deutschen Bundestag – ich glaube, da kann ich Diese Einzelpunkte möchte ich gerne zu Protokoll*)
geben.
die Kolleginnen und Kollegen der CDU/CSU verein-
nahmen – geht es darum, deutlich zu machen, dass
die Justiz in Deutschland ein wesentlicher Standort- Präsident Ole von Beust: Danke schön!
faktor ist und dass sie auch etwas kostet.
Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der
Die Justiz in Deutschland ist unglaublich billig. Im Fall.
Vergleich zu anderen Staaten geben wir für unsere Ich weise die Vorlage dem Rechtsausschuss – fe-
Justiz wenig aus. Das gilt auch für die Beratungs- derführend – sowie dem Ausschuss für Arbeit und
hilfe. Beim Vergleich der Pro-Kopf-Ausgaben für Be- Sozialpolitik – mitberatend – zu.
ratungs- und Prozesskostenhilfe stellt man fest, dass
sie beispielsweise in England und in Wales neunmal Die Beratung des Tagesordnungspunktes 22, Ent-
so hoch sind wie in Deutschland. In den meisten Län- schließung des Bundesrates zur Verbesserung der
dern betragen sie das Doppelte. Im Vergleich mit elf
anderen Industrienationen landen wir im Kostenran-
king sogar auf dem vorletzten Platz. Deswegen kann *) Anlage 13
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 277
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
finanziellen Situation der Krankenhäuser, soll auf phenschutzes in Abweichung von den sonst gültigen
Wunsch mehrerer Länder zurückgestellt werden, da Vorschriften einseitig Erleichterungen einzuräumen.
noch Klärungsbedarf besteht.
Mit Inkrafttreten der neuen 3. EU-Führerschein-
Erhebt sich Widerspruch, diesen Punkt insgesamt richtlinie am 19. Januar 2007 stellt sich die Situation
zurückzustellen? – Das ist nicht der Fall. nach unserer Auffassung aber anders dar. Nach die-
ser Richtlinie können die Mitgliedstaaten K-Schutz-
Dann stellen wir diesen Punkt mit Ihrem Einver- Fahrzeuge nun von der Anwendung der Führer-
ständnis zurück, bis man sich geeinigt hat*). scheinrichtlinie ausschließen. Sie können also für den
K-Schutz – dazu gehören auch Feuerwehr und Ret-
Wir kommen zu Punkt 24: tungsdienst – Ausnahmen von den Fahrerlaubnis-
klassen zulassen.
Entschließung des Bundesrates zur Schaffung
einer Ausnahmeregelung für Fahrerlaubnisse Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf,
von Angehörigen der Feuerwehren, des Ret- schnell eine ausreichende Rechtsgrundlage dafür zu
tungsdienstes und des Katastrophenschutzes schaffen, dass Angehörige der Freiwilligen Feuer-
– Antrag des Freistaates Bayern gemäß § 23 wehren, der nach Landesrecht anerkannten Ret-
Abs. 3 i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36 Abs. 2 GO BR – tungsdienste und der technischen Hilfsdienste sowie
(Drucksache 602/08) Helfer des Katastrophenschutzes mit einer Fahrer-
laubnis der Klasse B Einsatzfahrzeuge mit einer zu-
Es liegt eine Wortmeldung von Staatssekretär lässigen Gesamtmasse bis 4,25 t fahren dürfen.
Sibler (Bayern) vor.
Gründe der Verkehrssicherheit stehen nicht entge-
gen. Dies wird schon dadurch deutlich, dass mit der
Bernd Sibler (Bayern): Meine sehr geehrten Damen Fahrerlaubnisklasse B auch ein Pkw mit 3,5 t ein-
und Herren! Seit der Umsetzung der europäischen schließlich eines Anhängers mit 750 kg geführt wer-
Führerscheinvorschriften in deutsches Recht verläuft den darf. Auch in dieser Kombination wird ein Zug-
die Grenze zwischen Pkw- und Lkw-Führerschein Gesamtgewicht von 4,25 t erreicht.
nicht mehr bei 7,5 t, sondern bei 3,5 t zulässiger Ge-
samtmasse. Das heißt: Auch Feuerwehrangehörige Da die EU mit der 3. Führerscheinrichtlinie nun die
und Angehörige von Rettungsdiensten und Hilfs- Voraussetzungen für entsprechende Ausnahmerege-
organisationen mit neuem Führerschein dürfen nur lungen geschaffen hat, sollte davon rasch Gebrauch
noch Fahrzeuge bis 3,5 t fahren. gemacht werden.

Diese neue Klasseneinteilung stellt insbesondere Das Ehrenamt stärken und die Einsatzfähigkeit un-
(B)
die Freiwilligen Feuerwehren vor große Probleme. serer Feuerwehren sichern ist Ziel unserer Initiative. (D)
Das gilt umso mehr, als die meisten ihrer Kraftfahr- Ich bitte Sie um Unterstützung dieses sinnvollen An-
zeuge zwischenzeitlich ein zulässiges Gesamtge- liegens.
wicht von mehr als 3,5 t haben. Beispielsweise verfü-
gen moderne Tragkraftspritzenfahrzeuge meist über Präsident Ole von Beust: Gibt es weitere Wortmel-
eine tatsächliche Fahrzeugmasse von rund 3,8 t. Trotz dungen? – Das ist nicht der Fall.
dieses Massezuwachses von 300 bis 500 kg ähneln
diese Fahrzeuge der Art nach aber eher einem Pkw Zur weiteren Beratung weise ich die Vorlage dem
als einem typischen Lkw. Verkehrsausschuss – federführend – sowie dem Aus-
schuss für Innere Angelegenheiten – mitberatend –
Da die einzelnen Organisationen des Katastro- zu.
phenschutzes nicht über ausreichend Personal mit
Lkw-Führerschein verfügen, bemüht sich die Bayeri- Wir kommen zu Tagesordnungspunkt 25:
sche Staatsregierung seit vielen Jahren um Erleichte-
Entschließung des Bundesrates zu Maßnahmen
rungen für den betroffenen Personenkreis. Die
der EU zum verbesserten Schutz geistigen
Einsatzfähigkeit unserer Feuerwehren muss ge-
Eigentums – Antrag des Freistaates Bayern ge-
währleistet bleiben. Dazu haben wir verschiedene
mäß § 23 Abs. 3 i.V.m. § 15 Abs. 1 und § 36
Initiativen gestartet. Ich darf z. B. an die Entschlie-
Abs. 2 GO BR – (Drucksache 598/08)
ßung des Bundesrates vom 4. Februar 2000 erinnern,
mit der Bayern das Führen von Feuerwehrfahrzeu- Staatssekretär Sibler (Bayern) hat eine Erklärung
gen mit der neuen Fahrerlaubnisklasse B bis 7,5 t zu Protokoll*) abgegeben. – Weitere Wortmeldungen
entsprechend der alten Pkw-Führerscheinklasse an- liegen nicht vor.
gestrebt hatte.
Zur weiteren Beratung weise ich die Vorlage dem
Leider wurden diese Vorstöße sowohl auf Bundes- Wirtschaftsausschuss – federführend – sowie dem
als auch auf Europaebene mehrfach abgelehnt. Die Ausschuss für Fragen der Europäischen Union, dem
Hauptbegründung lautete, es sei mit europäischem Ausschuss für Kulturfragen und dem Rechtsaus-
Recht nicht vereinbar, Angehörigen des Katastro- schuss – mitberatend – zu.

*) Siehe Seite 281 C *) Anlage 14


278 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
Zur gemeinsamen Beratung rufe ich die Tagesord- Verarbeitung von Arbeitnehmerdaten mit strengen
nungspunkte 92 und 33 auf: Zweckbindungs- und Verwertbarkeitsregelungen
unter Berücksichtigung moderner Kommunikations-
92. Entschließung des Bundesrates zur eigenstän-
und Auswertungstechniken sein.
digen gesetzlichen Ausgestaltung des Arbeit-
nehmerdatenschutzes – Antrag des Landes Grundlegend ist die Achtung der grundgesetzlich
Rheinland-Pfalz gemäß § 36 Abs. 2 GO BR – geschützten Persönlichkeitsrechte.
(Drucksache 665/08)
Die Rechte der betrieblichen Interessenvertretung
in Verbindung mit und der Betriebsbeauftragten für den Datenschutz
sind zu stärken.
33. Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Bun-
desdatenschutzgesetzes (Drucksache 548/08) Wir brauchen Informations-, Kontroll- und Sank-
tionsregelungen.
Erste Wortmeldung: Herr Staatsminister Bruch
(Rheinland-Pfalz). Eine praktikable und verständliche gesetzliche Re-
gelung zum Arbeitnehmerdatenschutz muss die Prin-
zipien der Transparenz, der Erforderlichkeit und der
Karl Peter Bruch (Rheinland-Pfalz): Herr Präsident! Verhältnismäßigkeit, der legitimen Zweckbindung
Meine sehr geehrten Damen und Herren! Daten von und der Datensparsamkeit und der Datensicherheit
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern können im berücksichtigen.
Arbeitsleben umfassend registriert und gespeichert
werden. Auch die Beauftragten des Bundes und der Länder
für Datenschutz fordern ein Arbeitnehmerdaten-
Nicht nur Daten von Videokameras, Zugangskon- schutzgesetz. Der Deutsche Bundestag hat zuletzt in
trollsystemen und Chipkarten ermöglichen heute ei- seiner Entschließung vom 28. März 2007 ebenfalls ei-
nen genauen Überblick, wo sich der Arbeitnehmer nen entsprechenden Gesetzentwurf gefordert.
gerade aufhält. Informationen zum Beschäftigtenver-
halten lassen sich auch aus der PC-, Internet-, E-Mail- Vor diesem Hintergrund bitte ich Sie, dem vorlie-
und Telefonbenutzung gewinnen. Das Orten von genden Entschließungsantrag zuzustimmen. – Herzli-
Lkw-Fahrern und Außendienstmitarbeitern ist über chen Dank.
GPS oder Mobilfunkgeräte möglich. Dazu kommen
Aufzeichnungen von ärztlichen Untersuchungen, die Präsident Ole von Beust: Danke schön!
ein Bild über die Gesundheit des einzelnen Mitarbei-
ters geben können. Das Wort hat Minister Dr. Wolf (Nordrhein-Westfa-
len).
Leider kann man nicht damit rechnen, dass ein ver-
(B) (D)
antwortungsvoller Umgang mit diesen Daten in allen
Betrieben selbstverständlich ist. Offenkundige Miss- Dr. Ingo Wolf (Nordrhein-Westfalen): Herr Präsi-
brauchsfälle in der jüngsten Vergangenheit haben dent! Meine sehr geehrten Damen und Herren! In
gezeigt, dass Daten heimlich für rechtswidrige Zwe- einer hochtechnisierten Gesellschaft mit zahllosen
cke verwendet werden. Es sind Fälle bekanntgewor- Kommunikations- und Zahlungsvorgängen sind
den, in denen eklatant gegen die Würde von Arbeit- Datenaustausch und -abgleich unverzichtbar. Die
nehmerinnen und Arbeitnehmern verstoßen wurde. Nutzung von Handys und Kreditkarten führt unwei-
Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gerlich zu elektronischen Schleifspuren und Bewe-
wurde missachtet. Daher ist ein besserer Daten- gungsprofilen.
schutz in der Arbeitswelt nötig. Das ist wohl unstrei- Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung
tig. und damit der Schutz vor dem gläsernen Bürger ver-
Neben der Willkür des Arbeitgebers, die Beschäf- langt aber eine strikte Abschottung der Datenbe-
tigten in unzulässiger Weise zu überwachen, spielte stände vor unbefugtem Zugriff. Zahlreiche Miss-
in den zuletzt bekanntgewordenen Fällen auch die brauchsfälle im nichtöffentlichen Bereich haben
Unwissenheit über bestehende gesetzliche Regelun- endlich die Sensibilität für das Thema „Datenschutz“
gen und über die Rechtsprechung eine große Rolle. geschärft. Es versetzt die Menschen in Sorge, wenn
ihre Daten – Namen, Adressen, Verhaltensmuster und
Wegen fehlender klarer gesetzlicher Regelungen Kontodaten – durch die Lande vagabundieren. Auf-
sind Arbeitnehmer und Arbeitgeber heute im We- klärung, Bewusstseinsschärfung und Sensibilisierung
sentlichen darauf angewiesen, sich an der einschlägi- für den Selbstschutz durch Sparsamkeit im Umgang
gen Rechtsprechung zu orientieren. Diese ist jedoch mit den eigenen Daten sind wichtig. Aber auch das
notwendigerweise lückenhaft und im Einzelfall für rechtliche Instrumentarium gehört auf den Prüfstand.
die Betroffenen nur schwer zu erschließen.
Ich begrüße ausdrücklich die Gespräche – den Da-
Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen ihre Rechte tenschutzgipfel – beim Bundesinnenminister und die
und die Grenzen des Umfangs und der Verwendung Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Nordrhein-Westfa-
von Arbeitnehmerdaten kennen. Das ist nur mit ei- len wird sich hier selbstverständlich engagieren.
nem übersichtlichen, zusammenfassenden Gesetz zu
Voraussetzung für das weitere Handeln ist eine
gewährleisten.
sorgfältige Analyse zum Zwecke der Novellierung
Kernelement eines effektiven Arbeitnehmerdaten- des Bundesdatenschutzgesetzes. Hierbei geht Gründ-
schutzes muss die sachgerechte Begrenzung der lichkeit vor Schnelligkeit.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 279
Dr. Ingo Wolf (Nordrhein-Westfalen)
(A) (C)
Der Gesetzentwurf der Bundesregierung mit Ände- Nutzung in der Zukunft gelten, unabhängig davon,
rungsvorschlägen zu den Themenbereichen Aus- wann die Datenerhebung stattgefunden hat. – Ich be-
kunfteien und Scoring-Verfahren reicht nicht aus, um danke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
einen effektiven Schutz für alle Bürgerinnen und
Bürger zu schaffen; denn die bisherige Wider-
Präsident Ole von Beust: Danke schön!
spruchslösung führt in praxi zum regelmäßigen Ein-
verständnis mit der Datenweitergabe. Wir brauchen Das Wort hat Senator Dr. Steffen (Hamburg).
von Gesetzes wegen eine Umkehr des Regel-Aus-
nahme-Verhältnisses, damit die Menschen eine be-
wusste Entscheidung für die Datenweitergabe treffen Dr. Till Steffen (Hamburg): Sehr geehrter Herr Prä-
müssen. sident! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue
mich über die Renaissance des Datenschutzes. Der
Dies führt nach meiner Auffassung auf jeden Fall Datenschutz kommt nach Jahren endlich wieder von
zu drei zentralen Forderungen: der Anklagebank herunter.
Erstens. Gerade dort, wo Daten für Werbung und Es ist richtig Schwung in die Debatte gekommen.
Marktforschung weitergegeben werden, muss eine Alle überholen sich in den Vorschlägen. Der
ausdrückliche Einwilligung des Betroffenen recht- Schwung ist so groß, dass nicht nur das anstehende
lich verankert werden. Gesetzesvorhaben durch viele Vorschläge angerei-
chert wird; wir sehen uns sogar gezwungen, Vor-
Zweitens. Das Gleiche ist für geschäftsmäßig erho-
schläge für weitere Gesetzgebungsprozesse zu ma-
bene Daten zu fordern. Für die Bereiche der ge-
chen. Das freut mich außerordentlich.
schäftsmäßigen Werbung und Marktforschung, aber
auch für den Adresshandel dürfen die Daten nur Ich finde es richtig, dass sich die Debatte auf den
dann weitergegeben werden, wenn eine ausdrückli- Datenschutz im privaten Bereich konzentriert, ein
che Einwilligung vorliegt. Bereich, der in der Vergangenheit nicht sehr im Vor-
dergrund gestanden hat. Deswegen ist es gut, dass
Drittens. Das Gleiche muss für Menschen gelten,
sich viele Initiativen hiermit befassen.
die in der Vergangenheit nicht ausdrücklich der Wei-
tergabe ihrer Daten widersprochen haben, z. B. auch Wenn wir über den Schutz bzw. den Umgang von
für allgemein zugängliche Quellen. Wir wollen hier Daten im privaten Bereich, zwischen Bürgerinnen
genauso schützen. Auch bevor die alten Daten wei- und Bürgern auf der einen und Unternehmen auf der
tergegeben werden dürfen, bedarf es noch einer aus- anderen Seite reden, ergeht natürlich auch die Auf-
drücklichen Einwilligung. forderung an die einzelnen Bürgerinnen und Bürger,
zur Verfügung stehende Techniken zu nutzen, um
Dieser Dreiklang des Einwilligungserfordernisses
(B) muss Gegenstand eines modernen Datenschutzge- ihre eigenen Daten zu schützen, und ihren Umgang (D)
mit Daten zu überprüfen. Jeder muss selbst alles tun,
setzes sein.
um sich vor einer unerwünschten Weitergabe von
Unsere Anträge haben in den Ausschussberatungen Daten zu schützen.
große Zustimmung erfahren. Wir fordern den Bund
Es ergeht die Aufforderung an die Wirtschaft, durch
auf, diesen Lösungsansätzen im Gesetzgebungsver-
geeignete Selbstverpflichtungen zu handeln. Ich
fahren zum Bundesdatenschutzgesetz Rechnung zu
denke insbesondere an die Kreditwirtschaft, an Berei-
tragen.
che des E-Commerce, in dem die entsprechenden
Bei aller berechtigten Kritik ist mir die Feststellung Wirtschaftskreise durch funktionierende Selbstver-
wichtig, dass in weiten Teilen der Wirtschaft mit den pflichtungen das Vertrauen in den Umgang mit Daten
Daten verantwortlich umgegangen wird. Wir brau- bei ihren Kundinnen und Kunden stärken können.
chen aber die Wachsamkeit der Bürger sowie anlass- Die Unternehmen sind in der Pflicht, entsprechend
bezogene und stichprobenartige Kontrollen der voranzugehen.
staatlichen Stellen, um den schwarzen Schafen das
Es gibt aber Teilbereiche im privaten Datenschutz-
Handwerk zu legen. Wenn trotz aller Vorkehrungen
recht, in denen der Staat grundrechtliche Schutz-
die Datenschutzrechte verletzt werden, sind gesetzli-
pflichten für die Bürgerinnen und Bürger hat, in
che Sanktionen zu verhängen.
denen der Staat also handeln muss, weil die Bürge-
Bei Lösungsvorschlägen, die eine Verschärfung bei rinnen und Bürger den Schutz nicht selber gewähr-
den Straf- und Bußgeldandrohungen zum Ziel haben, leisten können und weil Unternehmen entspre-
ist kritisch zu prüfen, ob der bereits vorhandene Rah- chende Selbstverpflichtungen nicht wirksam
men des Bundesdatenschutzgesetzes in der Praxis durchsetzen können. Es ist Aufgabe des Staates, den
überhaupt ausgenutzt wird. Konsequenter Gesetzes- einzelnen Bürger und die einzelne Bürgerin vor
vollzug geht vor Gesetzesverschärfung. Soweit mir Übergriffen Dritter zu bewahren und durch geeig-
bekannt ist, wird der Bußgeldrahmen bei weitem nete gesetzliche Regelungen Rechtsgutverletzungen
nicht ausgeschöpft, geschweige denn, dass Haftstra- zu verhindern.
fen bis zu zwei Jahren verhängt werden.
Wir können in diesem Bereich natürlich keinen ab-
Der Datenschutz muss gestärkt werden, um Miss- soluten, sondern nur bestmöglichen Schutz gewähr-
brauch zu bekämpfen. Eine Weitergabe von Daten leisten. Unsere Handlungsmöglichkeiten sind auch
darf nur zulässig sein, wenn der Bürger bewusst und durch den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz begrenzt.
gewollt sein Einverständnis erklärt. Dies muss für die Das politische Handeln muss insgesamt dadurch be-
280 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Dr. Till Steffen (Hamburg)
(A) (C)
stimmt werden, dass wir das Vertrauen der Bürgerin- Deswegen gibt es diese Empfehlung. Wir haben
nen und Bürger in den Datenschutz stärken; denn wir diesen Punkt mit einem Antrag, den wir heute einge-
müssen auch ein politisches Interesse daran haben, bracht haben, nachgeschärft; denn wir brauchen,
dass Bürgerinnen und Bürger, Kundinnen und Kun- damit diese Regelung gängig gemacht wird, eine
den nicht vor der Weitergabe von Daten für erwünsch- Übergangsregelung für diejenigen, die aktuell Da-
tes wirtschaftliches Handeln zurückschrecken. tenbestände erworben haben. Eine solche Über-
gangsregelung muss verfassungskonform ausgestal-
Ausgangspunkt unserer Beratungen ist das Thema
tet werden. Wir werden die Bundesregierung bitten,
„Scoring“. Wir sehen, dass beim Scoring ein Verfah-
einen entsprechenden Vorschlag vorzulegen. Ich bin
ren Realität wird, vor dem Datenschützer seit Jahr-
mir sicher, dass die Übergangsregelung nicht länger
zehnten warnen. Bei geschäftlichen Transaktionen
als ein Jahr gelten muss. Dann hätte man relativ zü-
werden die Bürgerinnen und Bürger nicht mehr als
gig ein umfassendes Umschwenken auf das Opt-in,
einzelne Subjekte wahrgenommen, sondern sie ver-
auf die Einwilligungslösung. Damit würden wir einen
schwinden in ihrer Individualität hinter einem Score.
großen Schritt vorankommen.
An dieser Stelle muss der Gesetzgeber seiner Schutz-
pflicht nachkommen und dem Grundrecht auf infor- Es gibt einen zweiten Punkt, der zwar erwähnt
mationelle Selbstbestimmung zur Geltung verhelfen. wurde, im Hinblick auf den die entsprechende Kon-
Wenn Menschen in ganz alltäglichen Situationen, sequenz aber hier noch nicht formuliert worden ist.
wie beim Autoverkauf oder bei der Inanspruchnahme Deswegen haben wir dazu einen weiteren Antrag
eines kleinen Verbraucherkredits, quasi machtlos ih- vorgelegt.
rem Score ausgeliefert sind, wenn sie nicht wissen,
wie er sich zusammensetzt, dann müssen wir ihnen Es wird immer darüber diskutiert, ob man nicht die
Möglichkeiten an die Hand geben, sich zu schützen Ordnungswidrigkeitentatbestände oder Straftatbe-
und dafür zu sorgen, dass sie einer solchen willkürli- stände weiter verschärfen müsste, indem man den
chen Einschätzung nicht ausgesetzt werden. Strafrahmen heraufsetzt und weitere Straftatbe-
stände schafft. Das Entscheidende ist – wenn Sie sich
Der Score ist – anders, als die entsprechenden Wirt-
bei den Staatsanwaltschaften erkundigen –: Es ist
schaftskreise uns glauben machen wollen – nur
mitnichten so, dass nicht die Sachkompetenz oder die
scheinbar eine objektive Größe. Er setzt sich aus ei-
Bereitschaft vorhanden wäre, Strafverfolgung durch-
ner Vielzahl von Einzeldaten zusammen, die auch
zuführen. Die Staatsanwaltschaften und Ermittlungs-
falsch sein können, weil sehr beliebige Merkmale mit
behörden stoßen aber auf ganz praktische Probleme:
dem einzelnen Bürger, mit der einzelnen Bürgerin
Im Zweifelsfall ist der Nachweis, woher ein bestimm-
verknüpft werden, weshalb es zu ausgesprochen gro-
tes Datum kommt, nicht zu führen. Deswegen ist es
ßen Ungerechtigkeiten kommen kann. Ich bin mir si-
sehr wichtig, eine Dokumentationspflicht zu schaf-
(B) cher, dass die jetzt aufgenommene Lobbyarbeit ge- fen, insbesondere für die Wirtschaftsbereiche, in de- (D)
gen dieses Gesetzesvorhaben nicht durchdringen
nen in großem Umfang Daten verarbeitet werden.
wird.
Wenn z. B. ein Callcenter einen Datensatz benutzt
Im Rahmen des Datenschutzgipfels ist erfreulicher- und Ermittlungen ansetzen, weil der Verdacht be-
weise Einigung darüber erzielt worden, dass man steht, dass der Datensatz aus einer nicht zulässigen
vom Opt-out zum Opt-in kommen muss, dass also Quelle stammt, dann muss nachvollziehbar sein, auf
statt der Widerspruchslösung eine ausdrückliche Ein- welchem Wege das Callcenter diese Daten bekom-
willigung erforderlich ist. Das ist ein wichtiger men hat. Dann kann effektive Strafverfolgung in die-
Schritt, um die Bürgerinnen und Bürger vor einer sem Bereich stattfinden. Deswegen würde ich emp-
Weitergabe von Daten, die sie kaum wahrgenommen fehlen, den Eifer bei der Heraufsetzung von
haben oder nur mit großer Anstrengung hätten wahr- Strafrahmen umzulenken auf diesen Punkt, um den
nehmen können, zu schützen. Aber wir müssen ge- wir das Gesetzespaket, das beim Datenschutzgipfel
nau beobachten, wie diese Regelung in der Praxis ins Auge gefasst worden ist, dringend ergänzen müs-
funktioniert. sen. Dadurch würden wir eine effektive Strafverfol-
gung wesentlich erleichtern.
Wie schon erwähnt worden ist, brauchen wir auch
eine Regelung für die Altdaten. Die Einigung auf Insgesamt begrüße ich es also, dass wir einen so
dem Datenschutzgipfel war erst einmal so zu verste- breiten Konsens zur Verstärkung des Datenschutzes
hen, dass sich die Veränderungen, die vorgenommen erzielt haben. Ich hoffe, dass dieser Konsens nicht
werden sollen, um zu einer Einwilligungslösung zu nur ein saisonaler ist, sondern dass er bis zum Ab-
kommen, nur auf die neuen Daten beziehen. So schluss der beiden Gesetzesvorhaben – das, was wir
könnte sich die Einigung als zahnlos erweisen; denn gerade am Wickel haben, und das, was ins Auge ge-
ein Bürger wird sich in Zukunft nur wehren können, fasst worden ist – reicht. Wir sollten beim Schließen
wenn er nachweisen kann, dass Daten nach Inkraft- der erkannten Schutzlücken nicht auf halbem Wege
treten der anzustrebenden Gesetzesregelung ent- stehenbleiben. Deswegen würde ich mich über Zu-
standen sind. Das bedeutet de facto, dass sich nur stimmung zu den Anträgen Hamburgs freuen.
derjenige wehren kann, der nach der Gesetzesände-
rung z. B. umgezogen ist. Ansonsten wird es kaum
möglich sein nachzuweisen, dass die Daten, die wei- Präsident Ole von Beust: Danke schön!
tergegeben und verwendet worden sind, neueren
Datums sind und nicht schon unter der alten Rege- Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der
lung zustande gekommen sind. Fall.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 281
Präsident Ole von Beust
(A) (C)
Bevor wir zur Abstimmung kommen, möchte ich Zu Ziffer 34 wurde getrennte Abstimmung ge-
darauf hinweisen, dass der vorhin verschobene wünscht.
Punkt 22 – finanzielle Situation der Krankenhäuser –
Ich frage daher zunächst: Wer ist für Ziffer 34
nach Erledigung dieser beiden Tagesordnungs-
Buchstabe c letzter Absatz? – Mehrheit.
punkte aufgerufen wird, weil die notwendige Ver-
ständigung erfolgt ist. Nun das Handzeichen zu Ziffer 34 Buchstabe d! –
Wir kommen zu den Abstimmungen. Mehrheit.

Zu dem Entschließungsantrag unter Punkt 92 hat Das Handzeichen zum Rest der Ziffer 34! – Mehr-
Rheinland-Pfalz den Antrag auf sofortige Sachent- heit.
scheidung zurückgezogen. Es folgt die Abstimmung über den Antrag Ham-
Daher weise ich die Vorlage dem Ausschuss für In- burgs in Drucksache 548/5/08. Wer ist dafür? – Mehr-
nere Angelegenheiten – federführend – sowie dem heit.
Ausschuss für Arbeit und Sozialpolitik, dem Aus- Wir kommen zurück zu den Ausschussempfehlun-
schuss für Frauen und Jugend und dem Wirtschafts- gen:
ausschuss – mitberatend – zu.
Ziffer 37! – Minderheit.
Ich komme zu Punkt 33.
Wir kommen zu dem 2-Länder-Antrag von Bran-
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp- denburg und Baden-Württemberg. Wer stimmt zu? –
fehlungen sowie fünf Anträge von Ländern vor. Mehrheit.
Ich beginne mit den Ausschussempfehlungen: Dann bitte das Handzeichen zu allen noch nicht er-
Ziffer 1! – Mehrheit. ledigten Ziffern der Ausschussempfehlungen! –
Mehrheit.
Damit ist Ziffer 2 erledigt.
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf
Wir kommen zum Antrag Berlins. Wer folgt diesem entsprechend Stellung genommen.
Antrag? – Mehrheit.
Ich rufe nun den vorhin zurückgestellten Tagesord-
Damit entfallen die Ziffern 4 und 6 bis 9. nungspunkt 22 auf:
Ziffer 5! – Mehrheit. Entschließung des Bundesrates zur Verbesse-
Ziffer 10! – Mehrheit. rung der finanziellen Situation der Kranken-
häuser – Antrag der Länder Bayern, Baden-
Ziffer 13! – Mehrheit. Württemberg, Nordrhein-Westfalen – (Drucksa- (D)
(B)
Damit entfällt Ziffer 14 Buchstabe b. che 442/08)

Es bleibt noch abzustimmen über Ziffer 14 Buch- Das Land Hessen ist dem Entschließungsantrag
stabe a. Wer stimmt zu? – Mehrheit. beigetreten.

Ich fahre fort mit Ziffer 16. – Mehrheit. Wortmeldungen: Zunächst Frau Staatsministerin
Stewens (Bayern).
Ziffer 17! – Mehrheit.
Damit entfällt Ziffer 25 Nr. 10 Buchstabe a. Christa Stewens (Bayern): Herr Präsident! Liebe
Ich rufe Ziffer 25 Nr. 10 Buchstabe b auf. Wer Kolleginnen und Kollegen! Wir haben einen neuen
stimmt zu? – Mehrheit. Entschließungsantrag erarbeitet, der mittlerweile von
allen Ländern getragen wird. Die Einigung kam nach
Ziffer 18! – Mehrheit. intensiven Verhandlungen sozusagen fünf vor zwölf
Damit entfällt Ziffer 19. zustande.

Ziffer 20! – Minderheit. Der vorgelegte Entschließungsantrag gibt den In-


halt der Einigung wieder. Gleichzeitig darf ich beto-
Ziffer 21! – Mehrheit. nen, dass einige Länder, insbesondere Rheinland-
Damit entfällt Ziffer 22. Pfalz, Berlin und Bremen, darauf hinweisen, dass die
Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf einen Kor-
Wir kommen zum Antrag Schleswig-Holsteins. Wer ridor bei der Einführung des bundesweiten Basis-
ihm folgen möchte, den bitte ich um das Handzei- fallwertes vorsieht. Das wird in einer entsprechen-
chen. – Mehrheit. den Protokollerklärung dieser Länder zum Ausdruck
gebracht.
Bitte das Handzeichen zum Antrag Hamburgs in
Drucksache 548/4/08 (neu2)! – Mehrheit. Es war in den vergangenen Wochen durchaus
Damit entfallen die Ziffern 27, 28, 31 bis 33 und 35. schwierig, eine Einigung auf den Weg zu bringen.
Die Länder haben insbesondere mit ihren einstimmi-
Ziffer 29! – Mehrheit. gen Beschlüssen auf der Gesundheitsministerkonfe-
renz in Plön am 2. und 3. Juli dieses Jahres, mit dem
Damit entfällt Ziffer 36.
Umlaufbeschluss Ende 2007 und den Ergebnissen
Ziffer 30! – Mehrheit. der Sonder-GMK am 8. März 2007 in Stuttgart ge-
282 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Christa Stewens (Bayern)
(A) (C)
zeigt, dass sie einheitliche Positionen für den künfti- warten auf die finanziellen Verbesserungen, d. h.
gen ordnungspolitischen Rahmen der Krankenhaus- Entlastungen.
finanzierung erarbeitet haben.
Ferner ist es für die Länder wichtig, dass diejeni-
Andererseits hat das Bundesgesundheitsministe- gen, die den Weg von mehr Pauschalierungen in der
rium erst am 22. August 2008 einen Referentenent- Investitionsförderung gehen wollen, dies gemeinsam
wurf vorgelegt, obwohl die Verabschiedung der zu- mit Bund, Ländern und den Vertragsparteien auf der
gesagten Entlastungen der Krankenhäuser per Bundesebene entwickeln können.
Bundesgesetz zeitlich absolut dringlich war.
Schließlich haben die Länder die Option, ihren er-
Hinzu kam, dass im Gesetzentwurf des BMG
folgreichen Weg einer gezielten, bedarfsgerechten
– ohne Absprache – Regelungen zur Investitions-
Einzelförderung bzw. der bewährten Pauschalförde-
finanzierung enthalten waren, nach denen die Län-
rung, z. B. für medizintechnische Anlagen, weiterzu-
der zur Zahlung von Investitionspauschalen ver-
gehen und ihre Förderung beizubehalten.
pflichtet werden sollten, deren Grundlagen die
Vertragsparteien auf der Bundesebene und das DRG- Ich meine, dass der Freistaat Bayern, aber auch die
Institut ohne Beteiligung von Länderseite erarbeiten übrigen Länder ihr Möglichstes getan haben, um
sollten. Auch eine Ersatzvornahme durch das BMG eine Konsensregelung aller Beteiligten für das
ohne Beteiligung der Länder war vorgesehen. Es Krankenhausfinanzierungsrahmengesetz herbeizu-
handelte sich um eine für die Länderseite schwer er- führen. – Herzlichen Dank.
trägliche Regelung, unabhängig von den unter-
schiedlichen Auffassungen der Länder zum System
der künftigen Krankenhausfinanzierung und zur Er- Präsident Ole von Beust: Danke schön!
leichterung einer pauschalierten Investitionsförde-
rung. Insbesondere zum letztgenannten Punkt sind Das Wort hat Frau Ministerin Dr. Stolz (Baden-
die Positionen sehr unterschiedlich. Württemberg).
Die für die Länder nicht akzeptablen Regelungen
waren mit den Entlastungen für die Krankenhäuser Dr. Monika Stolz (Baden-Württemberg): Herr Präsi-
untrennbar verknüpft, so dass auch diese wegen der dent, meine Damen und Herren! Es ist höchste Zeit,
Differenzen in Investitionsfragen insgesamt in Frage dass wir den Krankenhäusern in ihrer Not helfen, in-
gestellt waren. Das konnte keiner der Beteiligten dem wir ein Gesetz auf den Weg bringen, das sie bei
hinnehmen, meine lieben Kolleginnen und Kollegen. den Betriebskosten entlastet. Deswegen sind alle Re-
Ich möchte nicht alles wiederholen, was in den ver- gelungen, die den tatsächlichen Betriebskosten der
(B) gangenen Wochen an Argumenten zwischen der Krankenhäuser Rechnung tragen, zu begrüßen. Das (D)
Länder- und der Bundesseite ausgetauscht wurde, ist in den vergangenen Monaten das gemeinsame
sondern die Eckpunkte der Einigung kurz beschrei- Anliegen von Bund und Ländern gewesen.
ben.
Dass wir unter erheblichem Zeitdruck stehen, liegt
Erstens. Investitionspauschalen, die die Länder zur nicht daran, dass die Länder die Not der Kranken-
Zahlung verpflichten, werden bundesrechtlich nicht häuser nicht gesehen hätten, sondern daran, dass im-
festgelegt. mer wieder der Versuch gemacht wurde, Regelungen
zu den Betriebskosten mit einer grundsätzlichen
Zweitens. Vielmehr soll eine Förderung der Länder Änderung der Investitionsförderung durch die Län-
durch leistungsorientierte Investitionspauschalen der – und damit mit einer Beschneidung ihrer Kom-
ermöglicht werden. petenz – zu verknüpfen.
Drittens. Die Grundsätze dafür erarbeitet eine
Landesregierungen stehen in unmittelbarer Ver-
Bund-Länder-Arbeitsgruppe.
antwortung für die Krankenhauslandschaft in ihren
Viertens. Die Länder können auch künftig eigen- Ländern. Sie müssen handeln und steuern können,
ständig zwischen der Förderung durch Investitions- und zwar pauschal, z. B. durch Begleitung der Kran-
pauschalen und der Einzelförderung entscheiden. kenhäuser im Rahmen einer Einzelförderung oder im
Rahmen eines Mischsystems, wie wir in Baden-
Fünftens. Die Vertragsparteien auf der Bundes-
Württemberg es – ich denke, sehr erfolgreich – prak-
ebene vereinbaren in Abstimmung mit den Ländern
tizieren.
Grundstrukturen für Investitionsbewertungsrelatio-
nen zur Abbildung des Investitionsbedarfs für statio- Wenn ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das
näre Leistungen. zum einen dazu verhilft, dass die Schere zwischen
Sechstens. Eine Ersatzvornahme durch das Bun- Einnahmen und Ausgaben der Krankenhäuser etwas
desgesundheitsministerium wird vorher mit den geschlossen wird, und das zum anderen den Ländern
Ländern abgeklärt. die Kompetenz belässt, eigenständig über die Be-
gleitung von Investitionen zu entscheiden, dann ist
Wichtig für die Länder ist dabei, dass die gemein- das gut und liegt im Interesse der Krankenhäuser.
samen Anstrengungen ein rechtzeitiges Inkrafttre- Wir sollten dafür eintreten, dass die Länder auch in
ten der Entlastungen für unsere Krankenhäuser Zukunft ihrer Verantwortung gerecht werden kön-
ermöglichen. Die Krankenhäuser deutschlandweit nen.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 283

(A) (C)
Präsident Ole von Beust: Danke schön! wichtig, dass das Bundesgesundheitsministerium uns
signalisiert hat, dass dieser Vorschlag positiv aufge-
Das Wort hat Frau Ministerin Dr. Trauernicht
nommen wird.
(Schleswig-Holstein).
Dies bedeutet, dass dem Gesetzgebungsverfahren
nichts mehr im Wege steht. Der Durchbruch zu der
Dr. Gitta Trauernicht (Schleswig-Holstein): Herr
dringend notwendigen besseren Finanzierung von
Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Anfang
Krankenhäusern ist damit erreicht.
Juni hat die Gesundheitsministerkonferenz unter
dem Vorsitz Schleswig-Holsteins in Plön einstimmig Wir wissen, dass die Zeit drängt. Wer in Plön war,
einen Beschluss zur finanziellen Entlastung der Kran- erinnert sich an eine durchaus nicht kleine Demon-
kenhäuser gefasst. Die Teilnehmer waren sich darin stration der Akteure und Beschäftigten des Kranken-
einig, dass die steigenden Kosten der Krankenhäuser haussektors. Für die kommende Woche ist eine
angemessen und auskömmlich finanziert werden weitere Demo in Berlin angekündigt, die Rekordteil-
müssen. nehmerzahlen haben soll. Dies sollte uns daran erin-
nern, dass wir den Menschen, die in diesem Bereich
Ich darf die zentralen Forderungen skizzieren: an- arbeiten, ebenso wie denen, die deren Leistungen
gemessene Erstattung der Tariferhöhung oberhalb benötigen, weiteres Zuwarten nicht zumuten kön-
der Grundlohnsteigerung; Wegfall des seit 2007 nen. Auch das sollte hier eine Rolle spielen; darüber
erhobenen Sanierungsbeitrags; Verbesserung der waren und sind wir alle uns einig.
Situation im Pflegebereich und – das war Schleswig-
Holstein und einigen anderen Ländern sehr wichtig – Vor diesem Hintergrund sehe ich in dem nun vor-
Realisierung einer bundesweiten Konvergenz der liegenden gemeinsamen Entschließungsantrag aller
Länder-Basisfallwerte mit dem Ziel eines bundes- Länder das entscheidende Signal an die Bundes-
einheitlichen Basisfallwertes. Es geht schlicht und regierung: Wir sind einverstanden, der Weg zur Neu-
ergreifend darum, dass gleiche Leistungen der Kran- ordnung der Krankenhausfinanzierung ist frei, und
kenhäuser in den Ländern gleich bezahlt werden. das ist gut so.
Gleichzeitig haben die Länder die Absicht bekräf-
tigt, ihrer Verantwortung für die Investitionen ge- Präsident Ole von Beust: Danke schön!
recht zu werden. Es liegt eine Erklärung zu Protokoll*) von Senato-
Damit konnte in Plön trotz schwieriger Ausgangs- rin von der Aue (Berlin) vor. – Gibt es noch Wortmel-
lage ein Konsens erzielt werden. Es wurde eine ge- dungen? – Das ist nicht der Fall.
meinsame Position zu dem zentralen Anliegen aller Die beteiligten Ausschüsse empfehlen, die Ent-
Länder gefunden, auch künftig – trotz schwieriger schließung zu fassen. Es liegen jedoch Anträge vor, (D)
(B) Kostensituation im stationären Sektor – eine gut
die Entschließung in einer neuen Fassung anzuneh-
funktionierende Krankenhausversorgung sicherzu- men.
stellen.
Wir beginnen mit dem 16-Länder-Antrag, der die
Alle, die in Plön selbst, aber auch im Vorfeld oder Anträge in Drucksachen 442/1/08 und 442/2/08 er-
danach beteiligt waren, wissen sehr gut, dass es an- setzen soll. Wer stimmt dem 16-Länder-Antrag zu? –
gesichts der unterschiedlichen Ausgangslagen und Das ist die Mehrheit.
der teilweise entgegengesetzten Interessenlagen der
Länder nicht einfach war, zu einer gemeinsamen Damit hat der Bundesrat die Entschließung in einer
Position zu kommen. neuen Fassung angenommen.

Nach wie vor gilt: Der gefundene Kompromiss war Die Anträge in Drucksachen 442/1/08 und 442/2/08
und ist in der Sache gut. Ich füge hinzu: Er ist für die sind entfallen.
Sicherung der Zukunftsfähigkeit unserer Kranken- Wir kommen zu Punkt 30:
häuser unverzichtbar.
Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2009 (JStG
Nun liegt seitens des Bundesgesundheitsministeri- 2009) (Drucksache 545/08)
ums der Entwurf eines Krankenhausfinanzierungs-
rahmengesetzes vor. Der Gesetzentwurf entspricht Das Wort hat Herr Staatssekretär Drautz (Baden-
den wesentlichen Forderungen der Länder, die den Württemberg).
Konsens der Gesundheitsministerkonferenz von Plön
im Juni ausgemacht haben. Richard Drautz (Baden-Württemberg): Herr Präsi-
Lediglich die vorgesehene Einführung von Investi- dent! Meine sehr geehrten Damen und Herren! An-
tionspauschalen spiegelt nicht die Beschlusslage der gesichts der Vielzahl der Anträge zum Jahressteuer-
Gesundheitsministerkonferenz und war deshalb gesetz 2009 möchte ich Ihr Augenmerk auf eine
schwierig zu diskutieren. Hier galt es, einen Kompro- Empfehlung des Wirtschaftsausschusses lenken, die
miss zu finden, den Schleswig-Holstein als Vorsitz- mir ganz besonders am Herzen liegt: die Empfeh-
land voranzutreiben versucht hat. Wir haben einen lung, den Umsatzsteuersatz für das Beherbergungs-
alternativen Vorschlag vorgelegt und Änderungspe- gewerbe von 19 auf 7 % zu senken.
tita aus mehreren Ländern aufgenommen. Dafür ha-
ben wir im Abstimmungsverfahren die Zustimmung
der großen Mehrheit der Länder bekommen. Es ist *) Anlage 15
284 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Richard Drautz (Baden-Württemberg)
(A) (C)
Mit seiner hohen Zahl an qualifizierten Arbeitsplät- Ziffer 44! – Minderheit.
zen ist das Hotelgewerbe gerade in Tourismusregio-
Ziffer 45! – Mehrheit.
nen ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor. Nicht nur in
Baden-Württemberg, sondern auch in anderen Bun- Ziffer 48! – Minderheit.
desländern steht die Branche im Wettbewerb mit
angrenzenden Tourismusländern. Mittlerweile wen- Ziffer 51! – Mehrheit.
den 22 von 27 EU-Staaten lediglich einen ermäßigten Jetzt der Landesantrag von Hessen! Wer stimmt
Umsatzsteuersatz auf das Beherbergungsgewerbe zu? – Minderheit.
an, darunter alle Länder, die an Deutschland gren-
zen; einzige Ausnahme ist Dänemark. Wir kommen zu den Ausschussempfehlungen zu-
rück:
So beträgt der Umsatzsteuersatz auf Hoteldienst-
leistungen in Frankreich 5,5 %, in Spanien und Ziffer 56! – Mehrheit.
Polen 7 %, in den Niederlanden 6 % und in Öster- Ziffer 57! – Minderheit.
reich und Italien jeweils 10 %. Auch die Schweiz als
Anrainerstaat erhebt eine Umsatzsteuer von nur Ziffer 61! – Mehrheit.
3,6 % auf Hoteldienstleistungen. In Deutschland gilt
Ziffer 63! – Minderheit.
jedoch immer noch der Umsatzsteuersatz von 19 %!
Das führt gerade in Zeiten eines hohen Preisbewusst- Ziffer 65! – Mehrheit.
seins der Bürger zu gravierenden Wettbewerbsnach-
teilen für unser heimisches Hotelgewerbe. Anders Damit entfällt der Landesantrag von Mecklenburg-
gesagt: Schon relativ kleine Preisunterschiede führen Vorpommern.
beim Verbraucher zu der Entscheidung, den Urlaub Ich bitte um das Handzeichen für alle noch nicht
im benachbarten Ausland und eben nicht bei uns in erledigten Ausschussempfehlungen. – Das ist die
Deutschland zu verbringen. Mehrheit.
Meine Damen und Herren, das geltende EU-Recht Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
eröffnet uns bereits heute die Möglichkeit, diese genommen.
Wettbewerbsnachteile zu vermeiden und den Um-
satzsteuersatz von 19 auf 7 % zu senken. Sämtliche Wir kommen zu Punkt 31:
Wirtschaftsbereiche, die vom Tourismus profitieren, Entwurf eines Investitionszulagengesetzes
würden durch einen ermäßigten Umsatzsteuersatz 2010 (InvZulG 2010) (Drucksache 546/08, zu
gewinnen. Ich bitte Sie daher dringend, die Einfüh- Drucksache 546/08)
rung eines ermäßigten Umsatzsteuersatzes für das
Beherbergungsgewerbe in Ziffer 57 der Empfeh- Das Wort hat Herr Minister Seidel (Mecklenburg-
(B) (D)
lungsdrucksache zu unterstützen. – Ich danke Ihnen. Vorpommern).

Präsident Ole von Beust: Danke schön! Jürgen Seidel (Mecklenburg-Vorpommern): Herr
Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren!
Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der In den neuen Bundesländern hat seit der deutschen
Fall. Wiedervereinigung ein umfassender Modernisie-
Wir kommen zur Abstimmung. Hierzu liegen Ihnen rungsprozess stattgefunden. Die maßgeblichen
die Ausschussempfehlungen und zwei Landes- Instrumente der Wirtschaftsförderung, die Investi-
anträge vor. tionszulage und die Zuschüsse aus der Gemein-
schaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirt-
Zur Einzelabstimmung rufe ich auf: schaftsstruktur“, waren dabei „die“ Grundlage für
Ziffer 1! – Mehrheit. eine deutliche Stärkung der Wirtschaftskraft und den
damit verbundenen Aufbau von Arbeitsplätzen. Ich
Ziffer 3! – Minderheit. betone dies, weil es immer angezweifelt wird: Diese
Ziffer 4! – Minderheit. Förderinstrumente sind sinnvoll und effizient, weil
sie – das verdeutlichen der umfassende wirtschaftli-
Ziffer 7! – Minderheit. che Strukturwandel und zahlreiche volkswirtschaftli-
Ziffer 8! – Mehrheit. che Kennziffern – ganz überwiegend ihre Wirkung
entfalten.
Damit entfällt Ziffer 9.
Es ist mir wichtig, in diesem Zusammenhang auch
Ziffer 14! – Minderheit. darauf hinzuweisen, dass Wirtschaftsförderung nicht
Ziffer 19! – Minderheit. als Einbahnstraße missverstanden werden darf. Der
umfassende Strukturwandel hat moderne, konkur-
Ziffer 21! – Mehrheit. renzfähige Unternehmen, eine leistungsfähige Infra-
struktur und am Ende Hunderttausende neuer Ar-
Ziffer 22! – Mehrheit.
beitsplätze hervorgebracht. Auch viele ausländische
Ziffer 25! – Minderheit. Investitionen wurden erst auf diesem Wege möglich.
Die damit einhergehende Wertschöpfung führt be-
Ziffer 26! – Mehrheit.
reits heute dazu, dass nicht unerhebliche Mittel in
Ziffer 38! – Mehrheit. die öffentlichen Haushalte zurückfließen.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 285
Jürgen Seidel (Mecklenburg-Vorpommern)
(A) (C)
Trotz aller Anstrengungen, die in ganz Deutsch- Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist nicht der
land unternommen werden, reicht die Basis für eine Fall.
selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung in den
Dann kommen wir zur Abstimmung. Hierzu liegen
neuen Ländern noch nicht aus; es besteht weiterhin
die Ausschussempfehlungen vor.
erheblicher Anpassungsbedarf. Das kann man
schnell erkennen, wenn man sich Vergleiche mit den Wer stimmt Ziffer 1 zu? – Mehrheit.
alten Bundesländern insbesondere hinsichtlich der
Ziffer 2! – Mehrheit.
Indikatoren Exportquote, Kapitalstock und Arbeitslo-
senquote vor Augen führt. Deswegen muss die Fort- Ziffer 3! – Mehrheit.
setzung der Investitionsförderung in den neuen Län-
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
dern ein wichtiger Baustein der Wirtschaftspolitik der
genommen.
Bundesregierung bleiben.
Ich rufe Punkt 32 auf:
Die Mittelausstattung der Gemeinschaftsaufgabe
durch den Bund ist seit 1998 pro Jahr um durch- Entwurf eines Gesetzes zur Modernisierung
schnittlich 100 Millionen Euro von 1,6 Milliarden und Entbürokratisierung des Steuerverfahrens
Euro auf 644 Millionen Euro deutlich reduziert wor- (Steuerbürokratieabbaugesetz) (Drucksache
den. Hinzu kommt nunmehr die im Gesetzentwurf 547/08)
zur Investitionszulage vorgesehene recht starke Hierzu liegt eine Erklärung zu Protokoll*) von
Degression. Diese wird insbesondere gegen Ende Minister Krautscheid (Nordrhein-Westfalen) vor. –
des Geltungszeitraumes des neuen Gesetzes, also Gibt es Wortmeldungen? – Das ist nicht der Fall.
2013, dem Ende der Förderperiode, erhebliche Folge-
wirkungen auf die Gemeinschaftsaufgabe haben. Dann kommen wir zur Abstimmung über die Aus-
schussempfehlungen. Zur Einzelabstimmung rufe ich
In diesem Jahr sind bei den Bundesländern bislang auf:
rund 2 400 Anträge auf Wirtschaftsförderung mit ei-
Ziffer 2! Wer stimmt zu? – Minderheit.
nem Volumen von 2,4 Milliarden Euro aus Mitteln
der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regio- Ziffer 3! – Minderheit.
nalen Wirtschaftsstruktur“ eingegangen. Diese Zahl
Ziffer 4! – Minderheit.
umfasst nach aktuellen Informationen der Bundes-
regierung sowohl bereits bewilligte Anträge als auch Ziffer 7! – Minderheit.
Anträge, die sich auf Investitionen in den Folgejah-
Ziffer 26! – Minderheit.
ren beziehen. Im Haushaltsentwurf für 2009 hat das
(B) Bundeskabinett GA-Mittel von 624 Millionen Euro (Staatssekretär Dr. Karl-Heinz Klär [Rhein- (D)
beschlossen, und darüber hinaus ist für die Jahre land-Pfalz]: Herr Präsident, könnten Sie
2010 bis 2012 vorgesehen, den Mittelansatz für die noch einmal zählen?)
Gemeinschaftsaufgabe um jeweils 30 Millionen Euro
Ziffer 26! – Mehrheit.
anzuheben, so dass bis einschließlich 2012 jährlich
624 Millionen Euro aus Bundesmitteln zur Verfügung Ziffer 29! – Mehrheit.
stehen werden. Damit würde das Niveau von 2009
Ich bitte um das Handzeichen für alle noch nicht
verstetigt. Auch wenn – das muss man durchaus an-
erledigten Ziffern der Ausschussempfehlungen. –
erkennen – die Bundesregierung damit die weitere
Das ist die Mehrheit.
Degression der Gemeinschaftsaufgabe aussetzt, wird
jedoch noch nicht einmal der Inflationsausgleich be- Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
rücksichtigt. genommen.

Deswegen will ich den Bund auffordern, die in- Ich rufe Punkt 34 auf:
folge der geplanten Degression der Investitions- Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des
zulage im Zeitraum 2010 bis 2013 verfügbaren Staatsangehörigkeitsgesetzes (Drucksache
Haushaltsmittel zumindest teilweise der Gemein- 549/08)
schaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirt-
schaftsstruktur“ zur Verfügung zu stellen; denn – das Das Wort hat Minister Schünemann (Niedersach-
muss man resümieren – die Gemeinschaftsaufgabe sen).
wird zukünftig das zentrale Wirtschaftsförderinstru-
ment – das verhehle ich nicht – insbesondere in den Uwe Schünemann (Niedersachsen): Herr Präsident,
neuen Ländern sein, natürlich auch in Mecklenburg- meine Damen und Herren! „Eine Rechtsordnung, die
Vorpommern. Sie schafft aber auch Möglichkeiten sich ernst nimmt, darf nicht Prämien auf die Missach-
für die alten Bundesländer. tung ihrer selbst setzen. Sie schafft sonst Anreize zur
Rechtsverletzung, diskriminiert rechtstreues Verhal-
Deswegen unterstützt Mecklenburg-Vorpommern ten und untergräbt damit die Voraussetzung ihrer ei-
die Empfehlungen der Ausschüsse. Ich möchte um genen Wirksamkeit.“
Ihre Unterstützung werben. – Vielen Dank.

Präsident Ole von Beust: Danke schön! *) Anlage 16


286 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Uwe Schünemann (Niedersachsen)
(A) (C)
Das sind klare Worte des Bundesverfassungsge- Meine Damen und Herren, Herr Kollege Körting
richts gegen die gezielte Herbeiführung rechtswidri- hat mich unter einem anderen Tagesordnungspunkt
ger Einbürgerung. Sie drücken die Erwartung aus, quasi aufgefordert, etwas zum Optionsmodell zu sa-
dass der Gesetzgeber einen festen Rahmen schafft, gen. Das will ich gerne tun.
der unsere Einbürgerungsbehörden vor Täuschung,
Bedrohung und Bestechung schützt und die Verwal- Zu Recht hat er gemutmaßt, dass ich anderer Mei-
tung sowie die Gerichte erst in die Lage versetzt, auf- nung bin. Es ist deutlich verfrüht, die Optionsrege-
gedeckte Täuschungen wirksam zu ahnden. lung, die doppelte Staatsangehörigkeit vermeidet,
bereits jetzt zu modifizieren oder einfach aufzuhe-
Deshalb begrüße ich den Gesetzentwurf der Bun- ben. Niedersachsen lehnt den soeben vorgestellten
desregierung sehr, wonach die Rücknahme einer Gesetzentwurf der Länder Berlin und Bremen des-
Einbürgerung aufgegriffen wird. Ich kann nur nach- halb entschieden ab.
drücklich dafür plädieren, dass wir entsprechend
entscheiden und empfehlen. Verständlicherweise kann sich der Antrag in die-
sem frühen Stadium nicht auf verlässliche Zahlen
Aber der Gesetzentwurf der Bundesregierung hat und Untersuchungen stützen, die eine bedingungs-
Mängel. Ich will das an zwei Beispielen deutlich ma- lose doppelte Staatsbürgerschaft für den genannten
chen: Personenkreis tragfähig begründen könnten. Vor-
handene repräsentative Datenquellen aus der empi-
Der Entwurf sieht eine Frist von nur fünf Jahren
rischen Sozialforschung deuten jedenfalls eher in
vor, innerhalb derer die Rücknahme einer Einbürge-
eine ganz andere Richtung. Die Repräsentativbefra-
rung zulässig sein soll. Dies ist aus meiner Sicht völ-
gung „Ausgewählte Migrantengruppen in Deutsch-
lig unzureichend, wenn man sich die Praxis anschaut.
land 2006/2007“ des Bundesamtes für Migration und
Denken Sie nur daran, in welchem Umfang Ermitt-
Flüchtlinge weist für die Türkinnen und Türken fol-
lungen im In- und Ausland, z. B. bei Doppelehen,
genden Befund aus: Lediglich 11,6 % der Befragten
stattfinden müssen. Wenn wir nur fünf Jahre Zeit ha-
möchten nur bei doppelter Staatsbürgerschaft einge-
ben, wird es in der Praxis im Prinzip keine Rücknah-
bürgert werden, aber 29,3 % beabsichtigen, die deut-
meentscheidung geben können. Deshalb hat der In-
sche Staatsbürgerschaft ohne diese Bedingung zu er-
nenausschuss die Empfehlung ausgesprochen, eine
langen. 46,4 % der Befragten möchten überhaupt
Frist von mindestens zehn Jahren vorzusehen. Dies
nicht eingebürgert werden.
ist meiner Ansicht nach auch notwendig.

Darüber hinaus hat Niedersachsen mit einer Bun- Diese Zahlen machen deutlich: Zu gegebener Zeit
desratsinitiative im April dieses Jahres für die Schaf- sollten wir kritisch hinterfragen, ob der automatische
fung einer Strafvorschrift im Einbürgerungsrecht ge- Erwerb der deutschen Staatsbürgerschaft durch Ge-
(B) worben. Damit soll das bisher straffreie Täuschen der burt, wie er seit 2000 stattfindet, in seiner uneinge- (D)
Einbürgerungsbehörden sanktioniert werden. Denn schränkten, umfassenden Ausgestaltung zwingend
die gegenwärtige Rechtslage weist einen eklatanten richtig ist. Im Übrigen fallen die Umfrageergebnisse
Wertungswiderspruch auf: Im Aufenthaltsgesetz und für andere Zuwanderungsgruppen, so aus dem ehe-
selbst im Asylverfahrensgesetz sind entsprechende maligen Jugoslawien, Italien, Griechenland und Po-
Verhaltensweisen unter Strafe gestellt, bei dem end- len, ähnlich aus.
gültigen Schritt in die deutsche Staatsbürgerschaft ( V o r s i t z : Amtierender Präsident Karl Peter
jedoch nicht. Bruch)
Mit großer Mehrheit hat der Innenausschuss dem
In einem stimme ich Herrn Kollegen Körting durch-
niedersächsischen Vorschlag, Täuschung insbeson-
aus zu: Es ist fraglich, ob die Entscheidung für das
dere bei Einbürgerung unter Strafe zu stellen, zuge-
Optionsmodell im Jahr 2000 richtig gewesen ist. Wir
stimmt; denn es geht hierbei nicht um wenige Ein-
müssen darüber nachdenken, ob wir die Option in
zelfälle, wie immer behauptet wird. Mir haben im
der Zukunft nicht gänzlich in Frage stellen sollten.
vergangenen Jahr einige Einbürgerungsbehörden
Denn die Staatsbürgerschaft ist keine Billigware. Sie
mitgeteilt, dass allein sie 43 Täuschungshandlungen
wird erst dann zu einem bleibenden Wert für die Ge-
zur Anzeige gebracht haben. Das Ergebnis ist aller-
sellschaft, wenn sie ausdrücklich und erklärtermaßen
dings ernüchternd: ein Freispruch, 31 Einstellungen
gewollt ist. Wer sich dagegen selbst nach 18 Jahren
und keine einzige Verurteilung – trotz nachweislich
in Deutschland und nach einer weiteren fünfjährigen
gefälschter Unterlagen. Bei 216 Echtheitsprüfungen
Überlegungszeit nicht ganz für unseren Staat ent-
von irakischen Identitätspapieren hat das Landeskri-
scheiden mag, darf nicht einfach in die lebenslange
minalamt 93 Fälschungen nachgewiesen. Das ist eine
Unentschiedenheit entlassen werden.
Fälschungsquote von 43 %.
Am Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatig-
Das Interesse des Staates, einen unredlichen
keit ist deshalb aus meiner Sicht festzuhalten.
Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit zu ver-
hindern, muss in Zukunft strafrechtlich geschützt
werden, nicht zuletzt weil sich durch Täuschungs- Amtierender Präsident Karl Peter Bruch: Vielen
handlungen bei der Einbürgerung Anknüpfungs- Dank!
punkte für ausländische Extremisten bieten können,
den deutschen Pass für bedenkliche Zwecke auszu- Gibt es weitere Wortmeldungen? – Das ist erkenn-
nutzen. bar nicht der Fall.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 287
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Wir kommen zur Abstimmung über die Ausschuss- Wir kommen nun zum Antrag Schleswig-Holsteins.
empfehlungen. Ich rufe auf: Wer ist dafür? – Minderheit.
Ziffer 1! Wer stimmt zu? – Mehrheit. Ziffer 7! – Mehrheit.
Ziffer 3! – Minderheit. Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf
Ziffer 4! – Mehrheit. entsprechend Stellung genommen.

Ziffer 5! – Minderheit. Ich rufe Tagesordnungspunkt 40 auf:

Ziffer 6! – Mehrheit. Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung uner-


laubter Telefonwerbung und zur Verbesserung
Ziffer 8! – Minderheit.
des Verbraucherschutzes bei besonderen Ver-
Ich bitte um Ihr Handzeichen zu allen noch nicht triebsformen (Drucksache 553/08)
erledigten Ziffern der Ausschussempfehlungen. –
Es liegt eine Wortmeldung von Frau Staatsministe-
Das ist die Mehrheit.
rin Conrad (Rheinland-Pfalz) vor.
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf
entsprechend Stellung genommen.
Margit Conrad (Rheinland-Pfalz): Herr Präsident!
Ich rufe Tagesordnungspunkt 35 auf: Meine sehr verehrten Damen und Herren! Wir sind
uns sicherlich darüber einig: Unerwünschte Telefon-
Entwurf eines Gesetzes über Personalausweise
werbung ist eine besonders belästigende Störung.
und den elektronischen Identitätsnachweis so-
Sie ist nicht selten Teil eines Geschäftsmodells in
wie zur Änderung weiterer Vorschriften
Verbindung mit Datenmissbrauch, wie er vor kurzem
(Drucksache 550/08)
die ganze Republik in Aufregung versetzt und zu ei-
Gibt es Wortmeldungen? – Das ist nicht der Fall. nem Datengipfel geführt hat.
Wir stimmen über die Ausschussempfehlung ab. Auch was Kostenfallen im Internet betrifft, zeigen
Ich rufe auf: Untersuchungen besorgniserregende Entwicklun-
Ziffer 2! – Mehrheit. gen. Nach Angaben der Gesellschaft für Konsum-
forschung werden in Deutschland jeden Tag ca.
Ziffer 6! – Mehrheit. 700 000 Werbeanrufe durchgeführt. Und nach einer
Untersuchung der Europäischen Kommission vom
Ziffer 11! – Minderheit.
Juni dieses Jahres wiesen 80 % der Internetseiten
Ziffer 12! – Minderheit. von 29 kontrollierten Staaten keine transparenten
(B) (D)
Preisangaben auf.
Ziffer 13! – Mehrheit.
Sehr verehrte Frau Bundesministerin, wir begrüßen
Ziffer 18! – Mehrheit.
den vorliegenden Entwurf eines Gesetzes zur Be-
Ziffer 19! – Minderheit. kämpfung unerlaubter Telefonwerbung und zur Ver-
besserung des Verbraucherschutzes bei besonderen
Bitte Ihr Handzeichen zu allen noch nicht erledig- Vertriebsformen. Die Ausweitung des Widerrufs-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Das ist die rechts bei Zeitschriftenabos und Lotterieverträgen,
Mehrheit. das Verbot der Rufnummernunterdrückung, die Buß-
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf geldbewehrung und die verbesserten Vorschriften
entsprechend Stellung genommen. bei Telefonverträgen sind wichtige Schritte, um Ver-
braucher und Verbraucherinnen vor den täglichen
Ich rufe Tagesordnungspunkt 37 auf: Belästigungen durch unerwünschte Telefonwerbung
Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung und den daraus entstehenden rechtlichen Nachteilen
verwaltungsverfahrensrechtlicher Vorschriften besser zu schützen.
(4. VwVfÄndG) (Drucksache 580/08) Aber gerade bei unerlaubter Telefonwerbung und
Gibt es Wortmeldungen? – Das ist nicht der Fall. bei Kostenfallen im Internet löst der Gesetzentwurf
die Probleme nicht an der Wurzel.
Wir stimmen über die Ausschussempfehlungen so-
wie einen Antrag des Landes Schleswig-Holstein ab. Das Widerrufsrecht gibt den Verbraucherinnen
und Verbrauchern zwar die Möglichkeit, sich von
Ich beginne mit den Ausschussempfehlungen: einem durch unlautere Geschäftspraktiken zustande
Ziffer 1! – Minderheit. gekommenen Vertrag zu lösen. Dies setzt aber vo-
raus, dass sie einen Vertragsabschluss und das daran
Ziffer 2! – Minderheit. anschließende Widerrufsrecht erkennen und es in-
Ziffer 3! – Minderheit. nerhalb der Frist von in der Regel 14 Tagen ausüben.
Befindet sich ein Betroffener oder eine Betroffene nur
Ziffer 4! – Minderheit. im Urlaub oder überliest er oder sie die Widerrufsbe-
lehrung oder – und das entspricht der Lebenswirk-
Ziffer 5! – Minderheit.
lichkeit – fliegt die Post, weil irrtümlich als Werbung
Ziffer 6! – Mehrheit. identifiziert, ungeöffnet in den Papierkorb, wird
288 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Margit Conrad (Rheinland-Pfalz)
(A) (C)
plötzlich ein Vertrag wirksam. Das darf nach unserer klarer Hinweis auf Preise und Gesamtkosten gege-
Meinung nicht sein. ben wird und wenn in einem von der Bestellung
unabhängigen zweiten Schritt die Kenntnisnahme
Hinzu kommt, dass die Hauptzielgruppe für diese dieser Preisinformation aktiv bestätigt wird. Ver-
unlauteren Vertriebspraktiken unerfahrene Markt- braucherinnen und Verbraucher, die die Kosten eines
teilnehmer und -teilnehmerinnen sind, nämlich Ju- Angebots aktiv bestätigen müssen, sind sich der
gendliche oder Menschen, die leicht überfordert Rechtsverbindlichkeit ihres Handelns bewusst. Dies
sind. Gerade ältere Menschen sehen sich gar nicht in gibt auch den Anbietern Sicherheit, fördert die
der Lage, ihr Widerrufsrecht auszuüben. Transparenz des elektronischen Geschäftsverkehrs
insgesamt und wäre darüber hinaus ein Signal für
Die geschilderten Beispiele spiegeln die Tausen-
mehr Seriosität bei Internetgeschäften. Das würde
den von Beschwerden, die bei den Verbraucherzen-
der gesamten Branche zugute kommen.
tralen eingehen.
Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich darf
Um wirksam vor unlauterer Telefonwerbung zu
Sie um Unterstützung der entsprechenden Anträge
schützen, brauchen wir eine Lösung, bei der die Ver-
bitten. – Vielen Dank.
braucherinnen und Verbraucher keine Konsequen-
zen fürchten müssen, wenn sie nach einem unerlaub-
ten Telefonanruf nichts unternehmen. Wir wollen Amtierender Präsident Karl Peter Bruch: Vielen
daher, dass ein durch solche Praktiken angebahnter Dank, Frau Ministerin Conrad!
Vertrag erst wirksam wird, wenn der Verbraucher
oder die Verbraucherin ihn innerhalb von zwei Wo- Es spricht nun Frau Bundesministerin Zypries.
chen per Brief, Fax oder E-Mail, d. h. in Textform,
bestätigt. Ohne eine solche Bestätigung kommt kein
wirksamer Vertrag zustande. Anders als bei dem Ge- Brigitte Zypries, Bundesministerin der Justiz: Herr
setzentwurf der Bundesregierung sollen Verbraucher Präsident, meine Damen und Herren! Liebe Frau Kol-
nur dann aktiv werden, wenn sie den Vertrag wirk- legin, wir sind uns völlig einig, was den Schutz der
lich wollen, nicht, wenn sie etwas nicht wollen. Verbraucher angeht. Die Diskussion geht nur über
die Frage: Wie schützen wir sie am besten, und wie
Durch unsere Anforderungen werden wir auch den stellen wir zugleich sicher, dass in unserer Wirt-
unlauteren Geschäftspraktiken in Verbindung mit schaftsordnung die Zweige Internetwirtschaft und
Daten einen Riegel vorschieben können. Wir neh- Verkauf am Telefon nicht vollständig zum Erliegen
men ihnen die Attraktivität und entziehen ihnen den kommen? Wir werben doch dafür, dass Geschäfte
Boden. Damit sind unsere Anträge Baustein einer auch über das Internet abgeschlossen werden, aber
Strategie gegen Datenmissbrauch und illegalen Da- auch viel dafür, dass die Internetsicherheit höher
(B) (D)
tenhandel. wird.

Auch die in der Praxis auftretenden Probleme bei Wir haben uns angeschaut, worum es bei diesen
Kostenfallen im Internet werden durch den Gesetz- Themen eigentlich geht, und festgestellt, dass sich
entwurf nicht im Kern erfasst. Da die Verbraucherin- weit über 90 % der Beschwerden auf Zeitungen und
nen und Verbraucher von einem kostenlosen Ange- Zeitschriften, Glücksspiele und Telekommunikation
bot ausgehen, nehmen sie eine Widerrufsbelehrung beziehen. Es gibt keine Beschwerden darüber, dass
oft gar nicht wahr. Wer Hausaufgabenhilfen, Handy- ansonsten aus dem Handel unlauter, ungenehmigt
klingeltöne, Spiele, Kochrezepte oder – was sehr be- angerufen wird und Geschäfte aufgeschwätzt wer-
liebt ist – Fahrtenrouten aus dem Internet herunter- den.
lädt, erwartet keine Kosten; denn die Anbieter
suggerieren ein Gratisangebot, verstecken den Preis Wir haben uns gefragt, warum das gerade in dem
aber im Kleingedruckten oder in den Allgemeinen genannten Bereich so ist. Wir haben festgestellt, dass
Geschäftsbedingungen. es bei Zeitungen und Zeitschriften sowie bei Glücks-
spielen das 14-tägige Widerrufsrecht nicht gibt, das
Dass sie einen Vertrag über durchschnittlich ansonsten überall gilt. Unabhängig davon, wie ein
120 Euro abgeschlossen haben – nach Angaben der Vertrag zustande gekommen ist, hat jeder, der am
Verbraucherzentralen –, nehmen die Betroffenen erst Telefon etwas bestellt oder im Internet einen Vertrag
wahr, wenn sie Wochen später eine Rechnung erhal- schließt, ein Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen:
ten. Viele zahlen spätestens dann, wenn ihnen mit Fernabsatzrichtlinie.
Inkasso- oder Mahnverfahren gedroht wird. In der
Regel scheut man den Aufwand eines Rechtsstreites. Die beiden Bereiche Zeitungen und Zeitschriften
Dies wird von den Anbietern natürlich einkalkuliert. sowie Glücksspiele sind, aus welchen Gründen auch
immer, übersehen worden. Wenn wir dort die 14-tä-
Unabhängig davon, dass ein Vertrag in den meis- gige Widerrufsfrist einführen, müssten wir densel-
ten Fällen rechtlich gar nicht zustande gekommen ben Effekt haben wie bei allen anderen Geschäfts-
ist, frage ich: Wie soll das Widerrufsrecht wahrge- feldern auch. Weil der Anreiz weg ist, weil die
nommen werden, wenn durch den klassischen Firmen wissen, dass es ihnen nichts nützt, wenn sie
Download – z. B. Routen vom Routenplaner – eine jemanden beschwätzen, weil bei der ersten Liefe-
Leistung sofort vollständig erbracht worden ist? Ent- rung der Zeitung oder der Zusendung der Rechnung
scheidend ist daher, dass ein kostenpflichtiger Ver- widerrufen werden kann, wird es dann keine unlau-
trag im Internet nur dann wirksam wird, wenn ein teren Werbeanrufe mehr geben.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 289
Bundesministerin Brigitte Zypries
(A) (C)
Deswegen werbe ich sehr dafür, dass Sie den ver- wir eine Weiterentwicklung unserer Wirtschaft in
schiedenen Anträgen nicht zustimmen, sondern den Deutschland wollen.
Gesetzentwurf so lassen, wie er ist. Er schafft – davon
bin ich überzeugt – den richtigen Mittelweg zwi-
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch: Danke
schen Verbraucherschutz und Aufrechterhaltung der
schön!
wirtschaftlichen Freiheiten in unserem Lande.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
Einen anderen Vorschlag haben wir in Bezug auf fehlungen und ein Antrag Berlins vor.
alle Geschäftsfelder vorgelegt, bei denen im Hinter-
grund etwas geschaltet wird, wovon der Verbraucher Wir beginnen mit dem Landesantrag. Wer dafür ist,
nichts merkt. Also: Der Strom kommt aus der Steck- den bitte ich um das Handzeichen. – Minderheit.
dose, und niemand weiß, wer der Lieferant ist. Der Damit kommen wir zur Abstimmung über die Aus-
Wasserhahn wird aufgedreht, niemand weiß, wer das schussempfehlungen. Daraus rufe ich zunächst Ziffer 5
Wasser liefert, aber das Wasser ist da. In diesen Fäl- auf. – Minderheit.
len und bei Telekommunikation wird zukünftig eine
schriftliche Bestätigung erforderlich sein, dass man Ich rufe Ziffer 6 auf. – Mehrheit.
den Anbieter wechseln will. Damit bauen wir eine
Damit entfällt Ziffer 7.
größere Sicherheit ein; denn der Verbraucher merkt
dort nichts. Das ist etwas anderes, als wenn die Zei- Bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig-
tung im Briefkasten liegt und man sich fragt: Was soll ten Ziffern! – Mehrheit.
das? Die habe ich doch gar nicht bestellt!
Der Bundesrat hat entsprechend Stellung genom-
Für diesen Bereich soll künftig eine schriftliche Zu- men.
stimmung erforderlich sein. Aber in den anderen Fäl- Ich rufe Tagesordnungspunkt 41 auf:
len bitte ich sehr darum, es bei der 14-tägigen Wider-
rufsfrist zu belassen. Entwurf eines Gesetzes über den Zugang zu di-
gitalen Geodaten (Geodatenzugangsgesetz –
Warum wird es ansonsten schwierig? Einer Ihrer GeoZG) (Drucksache 554/08)
Anträge zielt darauf, dass alle mündlich geschlosse-
nen Verträge schriftlich bestätigt werden. Ich finde, Wortmeldungen liegen nicht vor.
das geht weit über das Ziel hinaus. Er nimmt nicht Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
zur Kenntnis, dass 98 % aller mündlich geschlosse- fehlungen vor. Ich rufe auf:
nen Verträge völlig in Ordnung sind. Wenn mein
Weinhändler mich anruft und fragt, ob ich wieder Ziffer 1! – Minderheit.
einmal bestellen will, sage ich: Jawohl, schicken Sie Ziffer 2! – Minderheit.
(B) (D)
mir drei Kisten! – Das will ich aber nicht zwei Tage
später auch noch schriftlich machen müssen, sondern Ziffer 3! – Mehrheit.
ich will drei Tage später den Wein haben. Hier einen Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf
schriftlichen Vertrag zu verlangen ist etwas welt- entsprechend Stellung genommen.
fremd.
Ich rufe Tagesordnungspunkt 43 auf:
Das andere Beispiel, das ich immer gern bringe, ist
die Pizza. Wenn ich eine Pizza bestelle, will ich nicht Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung
ein Fax hinterherschicken müssen. des Autobahnmautgesetzes für schwere Nutz-
fahrzeuge (Drucksache 556/08)
Ein weiterer von Ihnen gestellter Antrag läuft da-
Wortmeldungen liegen nicht vor.
rauf hinaus, dass man nur dann, wenn unrechtmäßig
angerufen wurde, schriftlich bestätigen muss. Meine Wir kommen zur Abstimmung. Dazu liegen Ihnen
Damen und Herren, wir wollen den Verbrauchern die Ausschussempfehlungen vor.
doch nicht zumuten, sich darüber zu streiten, welcher
Anruf unrechtmäßig war und welcher nicht! Dann Unter Ziffer 1 empfiehlt der Wirtschaftsausschuss
geht es um die Beweispflicht: Hat der Verbraucher eine Stellungnahme. Das Handzeichen bitte für Zif-
eingewilligt? Hat er vielleicht vorher schon einmal fer 1! – Das ist eine Minderheit.
angerufen und gesagt, es solle zurückgerufen wer- Der Finanzausschuss, der Ausschuss für Umwelt,
den? Wie auch immer! Ich glaube, da geben wir den Naturschutz und Reaktorsicherheit und der Ver-
Verbrauchern Steine statt Brot. kehrsausschuss empfehlen unter Ziffer 2, gegen den
Gesetzentwurf keine Einwendungen zu erheben.
Deswegen werbe ich sehr dafür, nicht über das Ziel
Das Handzeichen bitte für Ziffer 2! – Das ist die
hinauszuschießen. Lassen Sie uns die 14-tägige Wi-
Mehrheit.
derrufsfrist einführen! Ich möchte wetten, dass es
dann funktioniert. Falls wir in zwei Jahren feststel- Es ist so beschlossen.
len, dass es nicht funktioniert, muss man überlegen,
Ich rufe Tagesordnungspunkt 45 auf:
ob es einer anderen Regelung bedarf. Aber generell
gilt: Wir sollten unsere Wirtschaft ertüchtigen, ord- Entwurf eines Dritten Gesetzes zum Abbau bü-
nungsgemäße Geschäfte auch über das Internet und rokratischer Hemmnisse insbesondere in der
über andere neue Kommunikationsmedien abzu- mittelständischen Wirtschaft (Drittes Mittel-
schließen. Das ist doch das, was wir brauchen, wenn standsentlastungsgesetz) (Drucksache 558/08)
290 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Dazu liegt eine Wortmeldung von Frau Staatsmi- bei wurden keine zusätzlichen Abgabepflichten ein-
nisterin Dr. Stange (Sachsen) vor. geführt. Es wurden weder der Kreis der Abgabe-
pflichtigen noch die Voraussetzungen für die
Abgabepflicht erweitert. Ebenso wenig ist die rück-
Dr. Eva-Maria Stange (Sachsen): Sehr geehrter Herr wirkende Abgabepflicht für die letzten fünf Jahre
Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! neu. Durch die Reform wurden lediglich Regelungen
Ihnen liegt die Drucksache mit einem Gesetzentwurf geschaffen, um besser überprüfen zu können, inwie-
vor, durch den die mittelständische Wirtschaft entlas- weit die Unternehmen ihrer Abgabepflicht nachkom-
tet werden soll. men.
Die betroffenen Fachausschüsse haben den Ge- Der Gesetzesvollzug hat bei einzelnen Unterneh-
setzentwurf beraten und unter Federführung des men eventuell zu zusätzlichen Ausgaben geführt,
Wirtschaftsausschusses eine Empfehlung vorbereitet. aber nur deshalb, weil sie ihrer Abgabepflicht nicht
Für große Irritationen und etliche Proteste sorgte der nachgekommen waren. Die von den bislang zahlen-
Vorschlag, die Künstlersozialversicherung abzu- den Unternehmen geforderte Gleichbehandlung mit
schaffen oder zumindest unternehmerfreundlich zu allen Unternehmen wurde damit endlich praktisch
reformieren. Die Empfehlung kommt nicht von der vollzogen. Die verstärkte Durchsetzung der Abgabe-
Bundesregierung, sondern ist erst im Entwurf der pflicht hat aber zur Folge, dass der Künstlersozialab-
Stellungnahme des Bundesrates enthalten. Sie ist gabesatz von 4,9 auf 4,4 % im kommenden Jahr ge-
umso verwunderlicher, als der für Kultur zuständige senkt werden kann.
Ausschuss für Kulturfragen des Bundesrates nicht
beteiligt worden war. Zu Recht hat es daher aus die- In der Diskussion in den letzten Tagen wurde vor-
sem Bereich heftige Kritik gegeben. geschlagen, dass Künstlerinnen und Künstler sowie
Publizistinnen und Publizisten wie versicherungs-
Aus der Sicht der Wirtschaft erscheint es nachvoll- pflichtige Handwerker den vollen Sozialversiche-
ziehbar, dass die Künstlersozialversicherung abge- rungsbeitrag aus eigenem Einkommen zahlen. Wer
schafft werden soll; denn gemäß § 24 des Künstler- dies fordert, sollte sich auch der Folgen bewusst sein.
sozialversicherungsgesetzes sind Unternehmen, z. B. Die Künstler und Publizisten können es sich nicht
Buch- und Presseverlage oder der Kunsthandel, zur leisten, den vollen Sozialversicherungsbeitrag aus
Künstlersozialabgabe verpflichtet. Gleiches gilt für ihrem derzeitigen Einkommen zu zahlen. Damit
Unternehmen, die „nicht nur gelegentlich Aufträge würde ihr recht geringes Einkommen weiter gekürzt.
an selbstständige Künstler oder Publizisten erteilen, Das Durchschnittseinkommen der Künstler liegt – so
um deren Werke oder Leistungen für Zwecke ihres im Bericht der Enquete-Kommission nachzulesen – in
Unternehmens zu nutzen, wenn im Zusammenhang Abhängigkeit von der jeweiligen künstlerischen
mit dieser Nutzung Einnahmen erzielt werden sol- Sparte und vom Alter zwischen 8 000 und 16 000 (D)
(B)
len“. Jedoch trifft diese Pflicht seit mehr als 25 Jah- Euro pro Jahr.
ren alle Unternehmen, die mit Künstlerinnen und
Künstlern oder Publizistinnen und Publizisten auf Um die Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu kön-
freiberuflicher Basis zusammenarbeiten. nen, müssten die selbstständigen Künstler und Publi-
zisten entsprechend höhere Honorare verlangen. Die
Die Künstlersozialversicherung dient der sozialen Werke oder Leistungen würden folglich teurer. Die
Absicherung der Künstler und Publizisten. Sie ist Unternehmen wären zwar dann von ihrer Abgabe-
eine sozial- und kulturpolitische Errungenschaft ers- pflicht an die Künstlersozialkasse befreit, sie müssten
ten Ranges. Einen Grund, sie jetzt abzuschaffen, gibt aber letztlich höhere Entgelte an die Künstler und
es nicht. Publizisten zahlen.
Dies wird auch in dem Schlussbericht der Enquete- Hinzu kommt, dass bei einer Abschaffung des bis-
Kommission „Kultur in Deutschland“ deutlich; er herigen Systems der Zuschuss des Bundes in Höhe
liegt noch nicht lange vor. Ein umfangreicher Ab- von 20 % der Ausgaben der Künstlersozialkasse ver-
schnitt – mehr als 100 Seiten – ist der wirtschaftlichen lorenginge. Auch diese Mittel müssten dann ander-
und sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler weitig aufgebracht werden.
gewidmet. Die Enquete-Kommission empfiehlt dem
Deutschen Bundestag und der Bundesregierung unter Vor diesem Hintergrund halte ich die Forderung
anderem, die Künstlersozialversicherung als wichti- nach Abschaffung der Künstlersozialversicherung für
ges Element der sozialen und kulturellen Künstlerför- nicht gerechtfertigt. Durch zahlreiche Veröffentli-
derung weiterhin zu stärken und sich grundsätzlich zu chungen in den letzten Tagen ist dokumentiert wor-
ihr als grundlegender Säule der Alterssicherung von den, dass eine breite Mehrheit der Länder dies glei-
selbstständigen Künstlern und Publizisten zu beken- chermaßen sieht. Sicherlich sollte der Aufwand der
nen. Unternehmen für die Erfassung der Zahlungspflich-
ten kritisch geprüft werden; darauf hat auch die En-
Das Künstlersozialversicherungsgesetz wurde erst quete-Kommission hingewiesen. Die Abschaffung
im vergangenen Jahr durch das Dritte Gesetz zur der Künstlersozialversicherung ist aber auszuschlie-
Änderung des Künstlersozialversicherungsgesetzes ßen.
vom 12. Juni 2007 reformiert. Eine intensive Diskus-
sion mit den Abgabepflichtigen – den Verbänden und Mit der in Europa einmaligen Künstlersozialversi-
Unternehmen – und den Versicherten hat letztlich zu cherung wurde 1983 eine Lücke im deutschen Sozial-
breiter Zustimmung zu der Novellierung geführt. Da- versicherungssystem gefüllt. Die annähernde Ver-
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 291
Dr. Eva-Maria Stange (Sachsen)
(A) (C)
dreifachung der Zahl betroffener Künstlerinnen und Ich rufe Tagesordnungspunkt 49 auf:
Künstler sowie Publizistinnen und Publizisten seit
Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung
Einführung der Versicherung zeigt die wirtschaftlich
des Energieeinsparungsgesetzes (Drucksache
schwierige Situation dieser Gruppe. Die Künstlerso-
562/08)
zialversicherung ist für sie unverzichtbar, ja lebens-
notwendig. Sie ist Voraussetzung dafür, dass sich Wortmeldungen liegen nicht vor.
künstlerische Freiheit über alle Sparten entfalten
kann. Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich auf:

Der Freistaat Sachsen lehnt daher Ziffer 3 der Emp- Ziffer 1! – Minderheit.
fehlungsdrucksache ab. Ich gehe davon aus, dass Ziffer 2! – Minderheit.
sich eine breite Mehrheit dem anschließt. – Danke.
Ziffer 3! – Mehrheit.

Amtierender Präsident Karl Peter Bruch: Weitere Ziffer 4! – Mehrheit.


Wortmeldungen liegen nicht vor. Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf,
wie soeben festgelegt, Stellung genommen.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
fehlungen vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich auf: Ich rufe Tagesordnungspunkt 50 auf:
Ziffer 1! – Minderheit. Entwurf eines Gesetzes zur Neufassung des
Raumordnungsgesetzes und zur Änderung an-
Ziffer 2! – Minderheit. derer Vorschriften (GeROG) (Drucksache 563/
Ziffer 3! – Das ist eine absolute Minderheit. 08)

Ziffer 6! – Mehrheit. Wortmeldungen liegen nicht vor.

Ich bitte um Ihr Handzeichen für alle noch nicht er- Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
ledigten Ziffern der Ausschussempfehlungen. – fehlungen vor. Bitte Ihr Handzeichen für:
Mehrheit. Ziffer 1! – Minderheit.
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf, Ziffer 2! – Minderheit.
wie soeben beschlossen, Stellung genommen.
Ziffer 5! – Mehrheit.
Ich rufe Tagesordnungspunkt 48 auf:
Damit entfällt Ziffer 6.
Entwurf eines Gesetzes über das Verfahren des
(B) Ziffer 10! – Mehrheit. (D)
elektronischen Entgeltnachweises (ELENA-
Verfahrensgesetz) (Drucksache 561/08) Ziffer 11! – Mehrheit.
Wortmeldungen liegen nicht vor. Ziffer 12 ist entfallen.

Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp- Ziffer 14! – Minderheit.


fehlungen und ein Antrag des Freistaates Sachsen
Ziffer 15! – Mehrheit.
vor.
Ziffer 16! – Mehrheit.
Ich beginne mit den Ausschussempfehlungen:
Ziffer 17! – Minderheit.
Ziffer 7! – Mehrheit.
Bitte das Handzeichen für die noch nicht erledigten
Damit entfällt Ziffer 8. Ziffern! – Mehrheit.
Ziffer 10! – Mehrheit. Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf
Stellung genommen.
Damit entfällt Ziffer 11.
Ich rufe Tagesordnungspunkt 52 auf:
Ziffer 16! – Mehrheit.
Lebenslagen in Deutschland – Dritter Armuts-
Damit entfällt Ziffer 17. und Reichtumsbericht (Drucksache 460/08)
Ziffer 21! – Mehrheit. Wortmeldungen liegen nicht vor.
Damit entfällt Ziffer 22. Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
fehlungen vor. Bitte Ihr Handzeichen für:
Ich bitte um Ihr Handzeichen für den Antrag des
Freistaates Sachsen. – Mehrheit. Ziffer 1! – Minderheit.
Wir haben noch abzustimmen über alle noch nicht Ziffer 2! – Minderheit.
erledigten Ziffern der Ausschussempfehlungen. Ihr
Ziffer 3! – Minderheit.
Handzeichen bitte! – Mehrheit.
Ziffer 4! – Minderheit.
Damit hat der Bundesrat zu dem Gesetzentwurf,
wie soeben beschlossen, Stellung genommen. Ziffer 5! – Minderheit.
292 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Ziffer 6! – Minderheit. ropäischen Union: Transparenz des Schuldner-
vermögens (Drucksache 166/08)
Ziffer 7! – Minderheit.
Wortmeldungen liegen nicht vor.
Damit hat der Bundesrat von dem Bericht Kenntnis
genommen. Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
der Ausschüsse vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich
Ich rufe Tagesordnungspunkt 54 auf:
auf:
Vorschlag für eine Verordnung des Europäi-
Ziffer 1! – Mehrheit.
schen Parlaments und des Rates zur Festlegung
harmonisierter Bedingungen für die Vermark- Damit entfällt Ziffer 2.
tung von Bauprodukten (Drucksache 400/08)
Ziffer 11! – Mehrheit.
Wortmeldungen liegen nicht vor.
Damit entfällt Ziffer 12.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
Ziffer 15! – Mehrheit.
der Ausschüsse sowie ein Antrag des Landes Baden-
Württemberg, dem das Land Hessen beigetreten ist, Damit entfällt Ziffer 16.
vor.
Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten
Wir beginnen mit den Ausschussempfehlungen. Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Zur Einzelabstimmung rufe ich auf:
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
Ziffer 6! – Minderheit. genommen.
Ziffer 7! – Mehrheit. Ich rufe Tagesordnungspunkt 60 auf:
Wir kommen zu dem Landesantrag in Drucksache Mitteilung der Kommission der Europäischen
400/2/08. Wer stimmt zu? – Mehrheit. Gemeinschaften an das Europäische Parlament,
den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und So-
Damit entfallen die Ziffern 16 bis 20 der Ausschuss-
zialausschuss und den Ausschuss der Regionen:
empfehlungen.
Eine gemeinsame Einwanderungspolitik für
Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich weiter Europa – Grundsätze, Maßnahmen und Instru-
auf: mente (Drucksache 451/08)
Ziffer 34! – Mehrheit. Wortmeldung: Minister Schünemann (Niedersach-
sen).
Damit entfällt Ziffer 35.
(B) (D)
Ziffer 48! – Minderheit.
Uwe Schünemann (Niedersachsen): Herr Präsident,
Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten meine Damen und Herren! Die europäische Migra-
Ziffern! – Mehrheit. tionspolitik hat erhebliche Auswirkungen auf unsere
Innenpolitik.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
genommen. Die Folgen einer verfehlten Einwanderungspolitik
haben in erster Linie die Länder und Kommunen zu
Ich rufe Tagesordnungspunkt 57 auf: tragen. Deshalb ist aus der Sicht der Länder immer
Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur Än- wieder zu fragen: Beachten die Vorschläge der EU
derung der Richtlinie 2006/112/EG in Bezug das im Vertrag von Lissabon festgeschriebene Prinzip
auf ermäßigte Mehrwertsteuersätze (Drucksa- der Subsidiarität? Halten sie die dort festgelegte
che 506/08) Kompetenzverteilung ein? Sind die Grundsätze der
Verhältnismäßigkeit und der Notwendigkeit beach-
Minister Rauber (Saarland) gibt eine Erklärung zu tet?
Protokoll*) ab. – Wortmeldungen liegen nicht vor.
Der Zug der europäischen Gesetzgebung rollt in
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen Richtung Vereinheitlichung. Dabei werden die Stim-
der Ausschüsse vor. Ich rufe auf: men, die auf das Subsidiaritätsprinzip hinweisen, zu
Ziffer 1! – Mehrheit. wenig wahrgenommen. Umso mehr ist es geboten,
sich rechtzeitig in die Entscheidungsprozesse auf eu-
Damit entfällt Ziffer 2. ropäischer Ebene einzuschalten. Ich möchte das an
Der Bundesrat hat entsprechend Stellung genom- einem Beispiel darstellen.
men. Es ist völlig klar, dass der Arbeitsmarktzugang
Tagesordnungspunkt 59: nicht zum Kompetenzbereich der EU gehört. Des-
sen ungeachtet hat der ehemalige Kommissar
Grünbuch der Kommission der Europäischen F r a t t i n i die Blue Card auf die Tagesordnung ge-
Gemeinschaften über die effiziente Vollstre- setzt. Dabei geht es um Hochqualifizierte. Darüber
ckung gerichtlicher Entscheidungen in der Eu- müssen gerade wir in Deutschland diskutieren und
schnell zu Entscheidungen kommen. Dieses Thema
fällt aber nicht in den Kompetenzbereich der EU.
*) Anlage 17 Dort würde man auch sehr bürokratische Regelungen
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 293
Uwe Schünemann (Niedersachsen)
(A) (C)
beschließen, wenn wir nicht frühzeitig intervenieren. dem Arbeitsmarkt gefunden haben, werden sie nicht
Weitere Vorschläge, die die Aufenthaltsbedingungen wieder zurückgehen. Wir müssen sogar befürchten,
für Saisonarbeitnehmer und Auszubildende EU-ein- dass sie in der Zukunft wieder der Sozialhilfe zur Last
heitlich festlegen sollen, sind angekündigt. fallen. Deshalb müssen wir rechtzeitig darauf hinwir-
ken, dass dies nicht passiert. Wir müssen die Pro-
Damit werden wir ein supranationales Regelungs-
blemstaaten eindeutig darauf hinweisen, dass sie die
werk bekommen, das in den Mitgliedstaaten umge-
Pässe und Passersatzpapiere auszustellen haben. Als
setzt und beachtet werden muss. Ich meine, das ist
letztes Mittel kommt meines Erachtens auch die Kür-
ein Beispiel für uns, rechtzeitig zu intervenieren. Wir zung von Entwicklungshilfe in Betracht.
müssen aufpassen, dass das Subsidiaritätsprinzip
nicht zum Papiertiger verkommt. Meine Damen und Herren, die Länder haben hier
ein klares Meinungsbild. Die Bundesregierung ist
Eine transparente und geordnete Zuwanderung gehalten, die Voten des Bundesrates in ihrer Ver-
muss im Rechtsstatus klar unterscheiden zwischen handlungslinie auf EU-Ebene aufzunehmen und dort
Drittstaatsangehörigen, die dauerhaft legal bei uns mit dem notwendigen Nachdruck zu vertreten. Es
leben wollen, solchen, die nur einen zeitweisen Auf- kann nicht akzeptiert werden, dass Ergebnisse erzielt
enthalt anstreben, und solchen, die illegal eingewan- werden, die faktisch die Länderinteressen und damit
dert sind. unsere föderale Ordnung ignorieren.
Daher kann die sogenannte Arbeitgeber-Sank-
tionsrichtlinie der Europäischen Union keinesfalls Amtierender Präsident Karl Peter Bruch: Vielen
toleriert werden. Diese Richtlinie sieht vor, auch ille- Dank!
gal beschäftigten Ausländern befristete Aufenthalts-
erlaubnisse zu erteilen, damit diese von hier aus Staatsminister Bouffier (Hessen) hat eine Erklä-
Rechte gegen ihre Arbeitgeber geltend machen kön- rung zu Protokoll*) abgegeben.
nen. Für Personen, die sich bewusst außerhalb der Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
Rechtsordnung stellen, darf es keine „Rechtsordnung der Ausschüsse vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich
light“ geben. Ich bin mit der Bundesregierung einig: auf:
Es wäre ein fatales Signal, diejenigen zu privilegie-
ren, die sich hier illegal aufhalten, um einer Schwarz- Ziffer 3! – Minderheit.
arbeit nachzugehen, während „einfach Ausreise- Ziffer 5! – Minderheit.
pflichtige“ das Land verlassen müssen. Damit würde
die Bekämpfung illegaler Migration torpediert. Die Ziffer 6! – Mehrheit.
Hauptlast hätten einmal mehr die Länder und Kom- Ziffer 10! – Mehrheit.
munen zu tragen; denn sie müssten während der Zeit
(B) des verlängerten Aufenthalts für die Versorgung die- Ziffer 11! – Minderheit. (D)
ser Personen aufkommen. Ziffer 14! – Mehrheit.
Illegale müssen spüren, dass wir Ernst machen und Ziffer 15! – Mehrheit.
alles daransetzen, der Rechtsordnung Geltung zu ver-
schaffen. Um es klar zu sagen: Es gibt kein Grund- Ziffer 16! – Minderheit.
recht auf Illegalität. Wer illegal zugewandert ist, darf Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten
am Ende nicht prämiert werden. Zum einen sind wir Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
das den Menschen schuldig, die nicht versuchen, den
Staat auszutricksen, sondern aus berechtigtem Inte- Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
resse Schutz und Zuflucht suchen. Zum anderen sind genommen.
wir das unseren Bürgern schuldig, von denen wir Ich rufe Tagesordnungspunkt 61 auf:
selbstverständlich Gesetzestreue verlangen.
Mitteilung der Kommission der Europäischen
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie Gemeinschaften an das Europäische Parlament,
wir zukünftig mit Problemstaaten umgehen, die nicht den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und So-
bereit sind, ihre Staatsangehörigen zurückzuneh- zialausschuss und den Ausschuss der Regionen:
men, und sich aus fadenscheinigen Gründen bei- Künftige Asylstrategie – ein integriertes Kon-
spielsweise weigern, Pässe oder Passersatzpapiere zept für EU-weiten Schutz (Drucksache 452/08)
auszustellen.
Wortmeldungen liegen nicht vor.
Nach dem Vorschlag der Kommission sollen soge-
nannte Mobilitätspartnerschaften vereinbart wer- Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
den; besser bekannt als zirkuläre Migration, wie sie der Ausschüsse vor. Ich rufe auf:
unter Bundesinnenminister S c h ä u b l e und In- Ziffern 1, 4, 6, 7, 9 und 11 gemeinsam! – Mehrheit.
nenminister S a r k o z y ausgehandelt wurde. So
etwas geht meines Erachtens in die völlig falsche Ziffer 2! – Mehrheit.
Richtung. Es bedeutet nämlich, dass man Zuwande- Ziffer 3! – Mehrheit.
rer aus Problemstaaten für einen gewissen Zeitraum
zulässt in der Hoffnung, dass sie nach zwei, drei Jah- Ziffer 5! – Mehrheit.
ren wieder zurückgehen. Aber damit haben wir Er-
fahrungen: Dies ist eine Illusion. Wenn sie zwei, drei
Jahre hier waren und sogar eine Beschäftigung auf *) Anlage 18
294 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Ziffer 8! – Mehrheit. Tagesordnungspunkt 65:
Ziffer 10! – Mehrheit. Vorschlag für eine Richtlinie des Rates zur An-
wendung des Grundsatzes der Gleichbehand-
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
lung ungeachtet der Religion oder der Weltan-
genommen.
schauung, einer Behinderung, des Alters oder
Tagesordnungspunkt 63: der sexuellen Ausrichtung (Drucksache 499/08)
Vorschlag für eine Empfehlung des Rates über Minister Krautscheid (Nordrhein-Westfalen), Frau
die europaweite Mobilität junger Freiwilliger Staatsministerin Stewens (Bayern) und Parlamenta-
(Drucksache 488/08) rischer Staatssekretär Dr. Kues (Bundesministerium
Wortmeldungen liegen nicht vor. für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) haben je
eine Erklärung zu Protokoll*) abgegeben.
Zur Abstimmung liegen die Empfehlungen der
Ausschüsse vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich auf: Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
der Ausschüsse sowie ein Antrag des Landes Hessen
Ziffer 3! – Mehrheit. vor.
Ziffer 5! – Minderheit. Wir beginnen mit den Ausschussempfehlungen.
Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten Ich rufe auf:
Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. Ziffer 1! – Mehrheit.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung Ziffer 2! – Minderheit.
genommen.
Ziffer 3! – Minderheit.
Tagesordnungspunkt 64:
Ziffer 4! – Mehrheit.
Mitteilung der Kommission der Europäischen
Gemeinschaften an das Europäische Parlament, Ziffer 5! – Minderheit.
den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und So-
zialausschuss und den Ausschuss der Regionen – Ziffer 6! – Minderheit.
Eine erneuerte Sozialagenda: Chancen, Zu- Ziffer 7! – Minderheit.
gangsmöglichkeiten und Solidarität im Europa
des 21. Jahrhunderts (Drucksache 498/08) Ziffer 8! – Minderheit.

Frau Senatorin von der Aue (Berlin) hat eine Er- Ziffer 9! – Mehrheit.
klärung zu Protokoll*) abgegeben. Ziffer 10! – Minderheit.
(B) Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen (D)
Ziffer 11! – Mehrheit.
der Ausschüsse vor. Ich rufe auf:
Ziffer 12! – Mehrheit.
Ziffer 1! – Mehrheit.
Ziffer 13! – Mehrheit.
Ziffer 2! – Mehrheit.
Ziffer 3! – Mehrheit. Ziffer 14! – Mehrheit.

Ziffer 4! – Mehrheit. Ziffer 15! – Mehrheit.

Ziffer 5! – Mehrheit. Ziffer 16! – Minderheit.

Ziffer 6! – Mehrheit. Ziffer 17! – Mehrheit.


Ziffern 7 und 8 gemeinsam! – Mehrheit. Ziffer 18! – Mehrheit.
Ziffern 9 bis 11 gemeinsam! – Mehrheit. Ziffer 19! – Minderheit.
Ziffer 12! – Mehrheit. Ziffer 20! – Minderheit.
Ziffer 13! – Mehrheit. Ziffer 21! – Minderheit.
Ziffer 14! – Mehrheit. Ich rufe gemeinsam auf: Ziffern 22, 23, 25 bis 27 so-
Ziffer 15! – Mehrheit. wie 30 und 31! – Mehrheit.

Ziffer 16! – Mehrheit. Jetzt bitte das Handzeichen für Ziffer 24! – Mehr-
heit.
Ziffer 17! – Mehrheit.
Wir kommen zu dem Landesantrag in Drucksache
Ziffer 18! – Mehrheit. 499/2/08. Wer dafür ist, den bitte ich um das Hand-
Ziffer 19! – Mehrheit. zeichen. – Mehrheit.
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung Damit entfällt Ziffer 28 der Ausschussempfehlun-
genommen. gen.

*) Anlage 19 *) Anlagen 20 bis 22


Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 295
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich weiter Damit entfällt Ziffer 3.
auf:
Ziffer 4! – Mehrheit.
Ziffer 29! – Mehrheit.
Ziffer 5! – Mehrheit.
Ziffer 32! – Minderheit.
Ziffer 7! – Mehrheit.
Ziffer 33! – Minderheit.
Ziffer 9! – Minderheit.
Ziffer 34! – Mehrheit.
(Widerspruch)
Ziffer 35! – Minderheit.
– Ich darf noch einmal um Ihr Handzeichen bitten. –
Ziffer 36! – Minderheit. Mehrheit.
Ziffer 37! – Mehrheit.
Ziffer 10! – Mehrheit.
Ziffer 38! – Mehrheit.
Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten
Ziffer 39! – Mehrheit. Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Ziffer 40! – Mehrheit. Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
Ziffer 41! – Mehrheit. genommen.

Ziffer 42! – Mehrheit. Ich rufe Tagesordnungspunkt 70 auf:

Ziffer 43! – Mehrheit. Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen


Parlaments und des Rates zur Änderung der
Ziffer 44! – Minderheit. Richtlinie 1999/62/EG über die Erhebung von
Ziffer 45! – Mehrheit. Gebühren für die Benutzung bestimmter Ver-
kehrswege durch schwere Nutzfahrzeuge
Ziffer 46! – Minderheit. (Drucksache 520/08)
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
Wortmeldungen liegen nicht vor.
genommen.
Ich rufe aus den Empfehlungen der Ausschüsse
Ich rufe Punkt 66 auf:
auf:
Mitteilung der Kommission der Europäischen
Ziffern 1 und 2 gemeinsam! Wer stimmt zu? –
Gemeinschaften an das Europäische Parlament,
Mehrheit.
den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und So-
zialausschuss und den Ausschuss der Regionen – Damit entfallen Ziffern 12 bis 14.
(B) Ein erneuertes Engagement für ein soziales (D)
Ziffer 3! – Minderheit.
Europa: Verstärkung der offenen Koordinie-
rungsmethode für Sozialschutz und soziale Ein- Ziffer 4! – Minderheit.
gliederung (Drucksache 502/08)
Ziffer 5! – Mehrheit.
Wortmeldungen liegen nicht vor.
Ziffer 6! – Mehrheit.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
der Ausschüsse vor. Ich rufe auf: Ziffer 7! – Minderheit.

Ziffer 1! – Mehrheit. Ziffer 8! – Minderheit.

Ziffern 2, 3 und 6 gemeinsam! – Mehrheit. Ziffer 9! – Minderheit.

Ziffer 4! – Mehrheit. Ziffer 10! – Minderheit.

Ziffer 5! – Mehrheit. Ziffer 11, 1. und 2. Spiegelstrich! – Minderheit.

Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung Bitte das Handzeichen für den 3. und 4. Spiegel-
genommen. strich der Ziffer 11! – Minderheit.

Ich rufe Punkt 67 auf: Ziffer 15! – Mehrheit.


Vorschlag für eine Verordnung des Europäi- Ziffer 16! – Minderheit.
schen Parlaments und des Rates für die Typ- Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung
genehmigung von Kraftfahrzeugen hinsichtlich genommen.
ihrer allgemeinen Sicherheit (Drucksache 402/
08) Tagesordnungspunkt 71:
Wortmeldungen liegen nicht vor. Mitteilung der Kommission der Europäischen
Gemeinschaften an das Europäische Parlament,
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen
den Rat, den Europäischen Wirtschafts- und So-
der Ausschüsse vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich
zialausschuss und den Ausschuss der Regionen:
auf:
Umweltorientiertes Öffentliches Beschaffungs-
Ziffer 1! – Mehrheit. wesen (Drucksache 525/08)
Ziffer 2! – Mehrheit. Keine Wortmeldungen.
296 Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Empfehlungen Ich rufe Tagesordnungspunkt 81 auf:
der Ausschüsse vor. Ich rufe auf:
Erste Verordnung zur Durchführung des Geset-
Ziffer 1! – Mehrheit. zes zum Schutz gegen Fluglärm (Verordnung
über die Datenerfassung und das Berechnungs-
Damit entfallen die Ziffern 9 bis 11. verfahren für die Festsetzung von Lärmschutz-
Ziffer 2! – Mehrheit. bereichen – 1. FlugLSV) (Drucksache 566/08)

Ziffer 3! – Minderheit. Wortmeldungen liegen nicht vor.


Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
Ziffer 4! – Mehrheit.
fehlungen vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich auf:
Ziffer 5! – Mehrheit.
Ziffer 1! – Mehrheit.
Ziffer 6! – Mehrheit. Ziffer 2! – Minderheit.
Ziffer 7! – Mehrheit. Ziffer 3! – Minderheit.
Ziffer 8! – Minderheit. Ziffer 6! – Mehrheit.
(Staatssekretär Wolfgang Gibowski [Nie- Ziffer 7! – Mehrheit.
dersachsen]: Herr Präsident, ich bitte Zif-
Bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig-
fer 8 nachzuzählen!)
ten Ziffern der Änderungsempfehlungen! – Mehrheit.
Ziffer 8! – 38 Stimmen; Mehrheit.
Damit hat der Bundesrat der Verordnung entspre-
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung chend zugestimmt.
genommen. Es bleibt abzustimmen über die Entschließung un-
Ich rufe Punkt 73 auf: ter Ziffer 11. Wer ist dafür? – Mehrheit.

Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Damit hat der Bundesrat die Entschließung gefasst.
Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1234/2007 Tagesordnungspunkt 83:
über eine gemeinsame Organisation der
Agrarmärkte und mit Sondervorschriften für 32. Verordnung zur Änderung der Straßenver-
bestimmte landwirtschaftliche Erzeugnisse kehrs-Zulassungs-Ordnung (Drucksache 578/08)
(Verordnung über die einheitliche GMO) Wortmeldungen liegen nicht vor.
(Drucksache 571/08)
Wir kommen zur Abstimmung. Dazu liegen Ihnen
(B) (D)
Wortmeldungen liegen nicht vor. die Ausschussempfehlungen sowie ein Antrag des
Landes Baden-Württemberg vor.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
fehlungen vor. Zur Einzelabstimmung rufe ich auf: Ich beginne mit den Ausschussempfehlungen:
Ziffer 4! – Minderheit. Ziffer 2! – Mehrheit.

Bitte Ihr Handzeichen für alle noch nicht erledigten Ziffer 6! – Mehrheit.
Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. Ich komme zu dem Landesantrag. Wer ist dafür? –
Damit hat der Bundesrat entsprechend Stellung Mehrheit.
genommen. Zurück zu den Ausschussempfehlungen:
Tagesordnungspunkt 74: Ziffer 9! – Mehrheit.
Verordnung über Mittel zum Tätowieren ein- Nun bitte das Handzeichen für alle noch nicht erle-
schließlich bestimmter vergleichbarer Stoffe digten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehr-
und Zubereitungen aus Stoffen (Tätowiermit- heit.
tel-Verordnung) (Drucksache 357/08)
Damit hat der Bundesrat der Verordnung, wie so-
Wortmeldungen liegen nicht vor. eben beschlossen, zugestimmt und eine Entschlie-
ßung gefasst.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
fehlungen und ein Landesantrag vor. Tagesordnungspunkt 84:

Wir beginnen mit dem Antrag Hamburgs. Wer ist Verordnung zum Erlass von Regelungen über
dafür? – Mehrheit. Messeinrichtungen im Strom- und Gasbereich
(Drucksache 568/08)
Damit entfällt Ziffer 1 der Ausschussempfehlun-
gen. Wortmeldungen liegen nicht vor.
Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
Bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig-
fehlungen vor. Ich rufe auf:
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit.
Ziffer 2! – Mehrheit.
Damit hat der Bundesrat der Verordnung entspre-
chend zugestimmt und eine Entschließung gefasst. Ziffer 3! – Mehrheit.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 297
Amtierender Präsident Karl Peter Bruch
(A) (C)
Bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig- Staatssekretär Drautz (Baden-Württemberg) hat
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. für Minister Professor Dr. Reinhart eine Erklärung zu
Protokoll*) abgegeben.
Damit hat der Bundesrat der Verordnung nach
Maßgabe der soeben beschlossenen Änderungen zu- Zur Abstimmung liegen Ihnen die Ausschussemp-
gestimmt. fehlungen und ein Mehr-Länder-Antrag vor, sich zu
den Verfahren unter den Buchstaben b und c – Ver-
Tagesordnungspunkt 85:
trag von Lissabon – zu äußern. Bitte das Handzeichen
Verordnung zur Änderung der Verordnung für den Mehr-Länder-Antrag! – Das ist die Mehrheit.
über Heizkostenabrechnung (Drucksache 570/
Damit hat der Bundesrat beschlossen, sich zu den
08)
Verfahren unter den Buchstaben b und c der Aus-
Wortmeldungen liegen nicht vor. schussempfehlungen zu äußern.
Aus den Ausschussempfehlungen rufe ich zur Ein- Weitere Anträge auf Äußerung oder Beitritt liegen
zelabstimmung auf: nicht vor. Ich stelle daher fest, dass der Bundesrat im
Übrigen von einer Äußerung oder einem Beitritt ab-
Ziffer 1! – Minderheit.
sieht.
Ziffer 2! – Mehrheit. Damit haben wir die Tagesordnung der heutigen
Ziffer 3! – Mehrheit. Sitzung abgewickelt.
Damit entfällt Ziffer 4. Die nächste Sitzung des Bundesrates berufe ich ein
auf Freitag, den 10. Oktober 2008, 9.30 Uhr.
Bitte das Handzeichen für alle noch nicht erledig-
ten Ziffern der Ausschussempfehlungen! – Mehrheit. Die Sitzung ist geschlossen.
Damit hat der Bundesrat der Verordnung, wie so- (Schluss: 13.43 Uhr)
eben festgelegt, zugestimmt und eine Entschließung
gefasst.
Ich rufe Tagesordnungspunkt 91 auf:
Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht
(Drucksache 606/08) *) Anlage 23

(B) (D)

Beschlüsse im vereinfachten Verfahren (§ 35 GO BR)

Grünbuch der Kommission der Europäischen Gemeinschaften: Vorschlag für einen Beschluss des Rates zur Einrichtung des Euro-
Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und den überseeischen päischen Strafregisterinformationssystems (ECRIS) gemäß Artikel 11
Ländern und Gebieten des Rahmenbeschlusses 2008/XX/JI

(Drucksache 485/08) (Drucksache 403/08)

Ausschusszuweisung: EU – U – Wi Ausschusszuweisung: EU – In – R

Beschluss: Kenntnisnahme Beschluss: Kenntnisnahme

Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen Parlaments und
Rates betreffend gemeinsame Vorschriften über Messgeräte sowie des Rates über eine Regelung für das Umweltzeichen der Gemein-
über Mess- und Prüfverfahren schaft
(Drucksache 528/08) (Drucksache 526/08)
Ausschusszuweisung: EU – Wi Ausschusszuweisung: EU – U – Wi
Beschluss: Kenntnisnahme
Beschluss: Kenntnisnahme

Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen Parlaments und des


Rates zur Änderung der Richtlinie 2006/116/EG des Europäischen
Parlaments und des Rates über die Schutzdauer des Urheberrechts
und bestimmter verwandter Schutzrechte
Feststellung gemäß § 34 GO BR
(Drucksache 536/08)
Einspruch gegen den Bericht über die 846. Sitzung
Ausschusszuweisung: EU – K – R – Wi
ist nicht eingelegt worden. Damit gilt der Bericht ge-
Beschluss: Kenntnisnahme mäß § 34 GO BR als genehmigt.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 299*

(A) (C)
Anlage 1

Erklärung

von Staatsminister Geert Mackenroth


(Sachsen)
zu Punkt 1 a) der Tagesordnung

Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2009 (Haushaltsgesetz 2009)
Einzelplan: 09 – Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie
Kapitel: 0902
Titelgruppe: 12
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“
Titel: 882 81
Zuweisungen für betriebliche Investitionen und wirtschaftsnahe Infrastrukturmaßnahmen
Seite: 23 „Allgemeine Bewilligungen“
HH-Ansatz VEs 2009 von 617,1 Mio. EUR auf 687,1 Mio. EUR.

Begründung:
Im Haushaltsansatz ist die Kürzung seit dem Haushalt 2006 bei den Verpflichtungs-
ermächtigungen im ersten Jahr der Fälligkeit fast unverändert fortgeschrieben. Der
Mangel bei den Verpflichtungsermächtigungen im ersten Jahr der Fälligkeit besteht,
weil bei den meisten Projekten erfahrungsgemäß Finanzmittel im Jahr der Bewilli-
gung und vor allen Dingen im darauf folgenden Jahr benötigt werden. Dies ent-
spricht den Bedürfnissen aller Bundesländer. Bei einer Aufstockung der Verpflich-
tungsermächtigungen auf den Stand vor der Kürzung würde sich für den Freistaat
Sachsen ein Betrag von 15,36 Mio. € ergeben, der sich mit den kofinanzierten Lan-
desmitteln verdoppelt.
(B) (D)

Anlage 2

Erklärung

von Staatsminister Geert Mackenroth


(Sachsen)
zu Punkt 1 a) der Tagesordnung

Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2009 (Haushaltsgesetz 2009)
Einzelplan: 04
Kapitel: 0405
Titelgruppe: 01
Titel: 685 14
Seite: 17 (Einzelplan 04)
HH-Ansatz Erhöhung von 7,6 Mio. EUR auf 8,181 Mio. EUR

Begründung:
Für die Finanzierung der Stiftung für das sorbische Volk und der von ihr geförderten
Einrichtungen und Projekte wird vom Freistaat Sachsen die Beibehaltung der ur-
sprünglichen Förderhöhe des Bundes in Höhe von 8,181 Mio. EUR (Ist bis einschließ-
lich 2003) erwartet. Der Parlamentarische Beirat der Stiftung sowie die Vertreter des
sorbischen Volkes fordern eine Bundesbeteiligung in Höhe von 8,2 Mio. EUR zu-
züglich einer jährlichen Anpassung an die Kostenentwicklung.
300* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Die Stiftung für das sorbische Volk hat alle Tariferhöhungen und Teuerungen, die
den Stiftungshaushalt und die durch die Stiftung geförderten Einrichtungen tangie-
ren, ohne entsprechende Erhöhungen der Zuschüsse abzufedern. Sollte der Bund
weiterhin auf seiner seit 2006 bewilligten Fördersumme beharren, wären gravie-
rende substanzielle Einschnitte bei den durch die Stiftung für das sorbische Volk ge-
förderten Institutionen und Projekten unausweichlich. Auch die Schließung einmali-
ger sorbischer Einrichtungen könnte insoweit nicht ausgeschlossen werden. Damit
würden nach Auffassung des Freistaates Sachsen die durch die Bundesrepublik
Deutschland eingegangenen internationalen Verpflichtungen aus dem Rahmenüber-
einkommen des Europarates vom 1. Februar 1995 zum Schutz nationaler Minderhei-
ten (in Kraft getreten in der Bundesrepublik Deutschland am 01.02.1998) und der
Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates
vom 5. November 1992 (in Kraft getreten in der Bundesrepublik Deutschland am
01.01.1999) negativ berührt. Ein außenpolitischer Ansehensverlust für die Bundes-
republik wäre zu befürchten.
Nach dem Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten verpflich-
ten sich die Vertragsparteien, angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um in allen
Bereichen des wirtschaftlichen, sozialen, politischen und kulturellen Lebens die voll-
ständige und tatsächliche Gleichheit zwischen den Angehörigen einer nationalen
Minderheit und den Angehörigen der Mehrheit zu fördern sowie die besonderen Be-
dingungen der Angehörigen nationaler Minderheiten zu berücksichtigen.
Da beide Chartas unbefristet geltendes Recht in der Bundesrepublik Deutschland
sind, ist die Förderung der Stiftung für das sorbische Volk durch den Bund eine pari-
tätisch zu erfüllende Daueraufgabe. Durch die Förderung der Stiftung für das sorbi-
sche Volk wird die Erfüllung eines großen Teils dieser Verpflichtungen ermöglicht.
Dabei ist eine auskömmliche und planungssichere Finanzierung der Stiftung erfor-
derlich, denn Institutionen und Projekte von Minderheiten sind zum größten Teil
Unikate, deren Aufgaben in der Regel nicht von anderen übernommen werden kön-
nen.

(B) Anlage 3 (D)

Erklärung

von Staatsminister Geert Mackenroth


(Sachsen)
zu Punkt 1 a) der Tagesordnung

Gesetz über die Feststellung des Bundeshaushaltsplans für das Haushaltsjahr 2009 (Haushaltsgesetz 2009)
Einzelplan: 04
Kapitel: 0405
Titelgruppe: 02
Titel: 685 21
Seite: 37/38 (Einzelplan 04)
HH-Ansatz Erhöhung von 106,228 Mio. EUR auf 106,308 Mio. EUR

Begründung:
Der Entwurf des Bundeshaushaltsplanes 2009 sieht in Titel 685 21 Projektförde-
rung 2.2 „Lessing-Gedenkstätte Kamenz“ einen Ansatz in Höhe von Null EUR vor.
Der damit verbundene Bedeutungsverlust für die im Blaubuch als kultureller Ge-
dächtnisort ausgewiesene „Lessing-Gedenkstätte Kamenz“ bzw. eine eventuell zu-
künftige Einstellung der Förderung ist für den Freistaat Sachsen nicht hinnehmbar,
da alle anderen Blaubucheinrichtungen weiterhin aus diesem Titel finanziert werden
sollen.
Dies gilt selbst dann, wenn die Förderung aus einem anderen Titel erfolgen sollte.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 301*

(A) (C)
Anlage 4 proben oder einzuführen und die Kosten auf alle
Stromverbraucher umzulegen.
Erklärung
Ich meine, dass solche Vorschläge ein falsches Si-
gnal sind, wenn wir unsere klimaschutzpolitischen
von Minister Andreas Krautscheid Ziele erreichen wollen. Die hierfür notwendige Fort-
(Nordrhein-Westfalen) entwicklung unseres Energieversorgungssystems
zu Punkt 46 der Tagesordnung wird mit Belastungen für alle Energieverbraucher
Die Beschleunigung der Zulassungsverfahren für verbunden sein – sowohl mit finanziellen Belastun-
Höchstspannungsleitungen ist aus mehreren Grün- gen als auch mit Belastungen durch den Um- und
den von hoher energiepolitischer Priorität: Ausbau von Energieanlagen. Niemand sollte glau-
ben, dass diese Belastungen den Betroffenen ohne
Zum einen – deshalb ist der Gesetzentwurf Be- Überzeugungsarbeit vermittelt werden können.
standteil des zweiten Energie- und Klimaschutzpa- Diese Überzeugungsarbeit wird nur dann glaubwür-
kets der Bundesregierung – muss das Übertragungs- dig sein, wenn wir transparent machen können, wel-
netz zügig ausgebaut werden, um den Strom aus che Belastungen notwendig sind und dass sie auf das
Offshore-Anlagen aufnehmen zu können. Das ist für erforderliche Maß begrenzt werden.
die angestrebte Erhöhung des Anteils erneuerbarer
Energien am Energiemix unverzichtbar. Die Verkabelungsregelungen, wie sie die Bundes-
regierung und das Land Niedersachsen vorschlagen,
Weiterhin enthält der Gesetzentwurf Regelungen, laufen darauf hinaus, diese notwendige Überzeu-
um die Zulassungsverfahren für grenzüberschrei- gungsarbeit durch eine umlagefinanzierte Akzep-
tende Leitungen zu beschleunigen. Auch diese Rege- tanzverbesserung des Netzausbaus zu überspielen.
lungen sind dringend erforderlich. Sie sind Voraus- Ich fürchte, dass wir uns mit dieser Methode den He-
setzung für eine Intensivierung des Wettbewerbs auf rausforderungen durch die klimaschutzpolitischen
dem europäischen Energiemarkt. Ziele nicht stellen können, weil wir zu früh an die
Grenzen der Belastbarkeit privater wie industrieller
Über die klimaschutz- und wettbewerbspolitische Energieabnehmer stoßen werden.
Notwendigkeit der Beschleunigungsregelungen be-
steht, wie die Ausschussberatungen gezeigt haben, Daher möchte ich für das weitere Gesetzgebungs-
unter den Ländern breiter Konsens. verfahren an alle Beteiligten appellieren: Wir sollten
beim Thema „Leitungsausbau“ deutlich machen,
Man ist daher erstaunt, wenn schon die Bundesre- dass wir nicht nur die zügige Umsetzung der klima-
gierung davon auszugehen scheint, dass die Notwen- politischen Ziele ernst nehmen, sondern dass es uns
digkeit eines Ausbaus des Übertragungsnetzes in der auch ernst damit ist, die Belastungen der Energieab-
(B) Öffentlichkeit nicht vermittelbar ist, sondern der (D)
nehmer auf das notwendige Maß zu begrenzen. Das
Akzeptanzförderung durch eine Verkabelungsrege- trägt am verlässlichsten zur Akzeptanz bei, auf die
lung bedarf. Das soll nach dem Gesetzentwurf der das Klimaschutzkonzept langfristig angewiesen ist.
Bundesregierung durch eine Erprobungsregelung
geschehen, die für vier Pilotprojekte eine Verkabe-
lung in siedlungsnahen Bereichen ermöglicht, wobei
die Verkabelungskosten bundesweit umgelegt wer-
den sollen. Der Plenarantrag des Landes Niedersach- Anlage 5
sen geht noch weiter und möchte die Möglichkeit zur
Planfeststellung von Erdkabeln bundesweit einfüh-
Umdruck Nr. 7/2008
ren, um den „Netzausbau durch Akzeptanzverbesse-
rung insgesamt beschleunigen zu können“. Zu den folgenden Punkten der Tagesordnung der
847. Sitzung des Bundesrates empfehlen die Aus-
Nordrhein-Westfalen wird beide Vorschläge zur
schüsse bzw. der Ständige Beirat dem Bundesrat:
Verkabelung nicht unterstützen. Hierbei geht es uns
nicht darum, die Verkabelung von Höchstspannungs-
leitungen grundsätzlich auszuschließen. Wenn dies
technisch möglich und – beispielsweise – aus überra-
genden Gründen des Umweltschutzes erforderlich
I.
ist, soll auch aus meiner Sicht eine Verkabelung
möglich sein, angesichts der erheblichen Mehrkosten Zu den Gesetzen einen Antrag auf Anrufung des
einer Verkabelung im Höchstspannungsbereich aber Vermittlungsausschusses nicht zu stellen:
auch nur in diesen Fällen. Hierfür reicht das geltende
Recht aus. Punkt 2
Die Verkabelungsregelungen, wie sie die Bundes- Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Un-
regierung und das Land Niedersachsen vorschlagen, fallversicherung (Unfallversicherungsmoderni-
zielen auf etwas anderes: Es geht bei diesen Vor- sierungsgesetz – UVMG) (Drucksache 607/08)
schlägen nicht darum, eine Verkabelung dort zu er-
möglichen, wo sie wirklich erforderlich ist, sondern Punkt 3
darum, sie in siedlungsnahen Bereichen ohne wei- Gesetz zur Änderung des Bundeskindergeldge-
tere Prüfung der Erforderlichkeit als Regelfall zu er- setzes (Drucksache 608/08, zu Drucksache 608/08)
302* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Punkt 4 und der Demokratischen Volksrepublik Alge-
Gesetz zur Änderung des Masseur- und Physio- rien zur Vermeidung der Doppelbesteuerung
therapeutengesetzes und anderer Gesetze zur und zur Verhinderung der Steuervermeidung und
Regelung von Gesundheitsfachberufen (Druck- Steuerhinterziehung auf dem Gebiet der Steuern
sache 609/08) vom Einkommen und vom Vermögen (Drucksache
620/08)
Punkt 5
Drittes Gesetz zur Änderung des Bundesminister-
gesetzes (Drucksache 610/08)

Punkt 6 III.
… Gesetz zur Änderung des Europaabgeordne-
Gegen die Gesetzentwürfe keine Einwendungen
tengesetzes und eines … Gesetzes zur Änderung
zu erheben:
des Abgeordnetengesetzes (Drucksache 611/08)

Punkt 7 Punkt 26
Gesetz zur Verbesserung der grenzüberschrei- Entwurf eines Gesetzes zur Veröffentlichung von
tenden Forderungsdurchsetzung und Zustellung Informationen über die Zahlung von Mitteln aus
(Drucksache 612/08) den Europäischen Fonds für Landwirtschaft und
Fischerei (Agrar- und Fischereifonds-Informatio-
Punkt 8 nen-Gesetz – AFIG) (Drucksache 540/08)
a) Gesetz zu dem Fakultativprotokoll vom
25. Mai 2000 zum Übereinkommen über die Punkt 36
Rechte des Kindes betreffend den Verkauf von Entwurf eines Gesetzes zu dem Vertrag vom
Kindern, die Kinderprostitution und die Kin- 3. März 2008 zwischen der Bundesrepublik
derpornographie (Drucksache 613/08) Deutschland und dem Zentralrat der Juden in
Deutschland – Körperschaft des öffentlichen
b) Gesetz zur Umsetzung des Rahmenbeschlus- Rechts – zur Änderung des Vertrages vom 27. Ja-
ses des Rates der Europäischen Union zur Be- nuar 2003 zwischen der Bundesrepublik Deutsch-
kämpfung der sexuellen Ausbeutung von land und dem Zentralrat der Juden in Deutsch-
Kindern und der Kinderpornographie (Druck- land – Körperschaft des öffentlichen Rechts –
sache 614/08) (Drucksache 564/08)
Punkt 9
Punkt 42
(B) Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts (D)
Entwurf eines Vierten Gesetzes zur Änderung des
und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG)
Allgemeinen Eisenbahngesetzes (Drucksache
(Drucksache 615/08)
555/08)
Punkt 13
Punkt 44
Gesetz zur Neuregelung des Schornsteinfeger-
wesens (Drucksache 619/08) Entwurf eines Dreizehnten Gesetzes zur Ände-
rung des Luftverkehrsgesetzes (Drucksache 557/
Punkt 15 08)
Gesetz zu dem Abkommen vom 31. August 2006
zwischen der Regierung der Bundesrepublik Punkt 51
Deutschland und der Regierung der Sozialisti- Entwurf eines Gesetzes zu den Abkommen vom
schen Republik Vietnam über die Zusammenar- 26. Mai 2006 zwischen der Regierung der Bundes-
beit bei der Bekämpfung von schwerwiegenden republik Deutschland und der Regierung der
Straftaten und der Organisierten Kriminalität Sonderverwaltungsregion Hongkong der Volks-
(Drucksache 621/08) republik China über die gegenseitige Rechtshilfe
in Strafsachen und über die Überstellung flüchti-
Punkt 16 ger Straftäter (Drucksache 565/08)
Gesetz zu dem Übereinkommen des Europarats
vom 23. November 2001 über Computerkrimina-
lität (Drucksache 622/08)

IV.
Zu den Gesetzentwürfen die in den zitierten Emp-
fehlungsdrucksachen wiedergegebenen Stellung-
II. nahmen abzugeben:
Dem Gesetz zuzustimmen:
Punkt 28
Punkt 14 Entwurf eines Gesetzes zur Einführung Unter-
Gesetz zu dem Abkommen vom 12. November stützter Beschäftigung (Drucksache 543/08,
2007 zwischen der Bundesrepublik Deutschland Drucksache 543/1/08)
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 303*

(A) (C)
Punkt 29 Punkt 68
Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Änderung Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen
des Vierten Buches Sozialgesetzbuch und ande-
Parlaments und des Rates zur Änderung der Ver-
rer Gesetze (Drucksache 544/08, Drucksache 544/
ordnungen (EG) Nr. 549/2004, (EG) Nr. 550/2004,
1/08)
(EG) Nr. 551/2004 und (EG) Nr. 552/2004 im Hin-
blick auf die Verbesserung der Leistung und Nach-
Punkt 38
haltigkeit des europäischen Luftverkehrssystems
Entwurf eines Fünften Gesetzes zur Änderung (Drucksache 482/08, Drucksache 482/1/08)
des Filmförderungsgesetzes (Drucksache 551/08,
Drucksache 551/1/08)
Punkt 69
Punkt 47 Vorschlag für eine Verordnung des Europäischen
Entwurf eines Ersten Gesetzes zur Änderung des Parlaments und des Rates zur Änderung der Ver-
Telekommunikationsgesetzes (Drucksache 560/08, ordnung (EG) Nr. 216/2008 in Bezug auf Flug-
Drucksache 560/1/08) plätze, Flugverkehrsmanagement und Flugsiche-
rungsdienste sowie zur Aufhebung der Richtlinie
2006/23/EG (Drucksache 483/08, Drucksache
483/1/08)

V. Punkt 72
Zu den Vorlagen die Stellungnahme abzugeben Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Än-
oder ihnen nach Maßgabe der Empfehlungen zuzu- derung der Verordnungen (EG) Nr. 1290/2005
stimmen, die in der jeweils zitierten Empfehlungs- über die Finanzierung der Gemeinsamen Agrar-
drucksache wiedergegeben sind: politik und (EG) Nr. 1234/2007 über eine gemein-
same Organisation der Agrarmärkte und mit
Punkt 53 Sondervorschriften für bestimmte landwirtschaft-
Nationaler Strategiebericht Sozialschutz und so- liche Erzeugnisse (Verordnung über die einheitli-
ziale Eingliederung 2008 – 2010 (Drucksache 572/ che GMO) zur Einführung eines Schulobstpro-
08, Drucksache 572/1/08) gramms (Drucksache 508/08, Drucksache 508/1/
08)
Punkt 55
(B) Grünbuch der Kommission der Europäischen Ge- (D)
Punkt 75
meinschaften: Urheberrechte in der wissensbe-
stimmten Wirtschaft (Drucksache 524/08, Druck- Verordnung über die Gewinnung, Abgabe und
sache 524/1/08) Verwendung von Samen, Eizellen und Embryo-
nen von Zuchttieren (Samenverordnung –
Punkt 56 SamEnV) (Drucksache 409/08, Drucksache 409/1/
Mitteilung der Kommission der Europäischen Ge- 08)
meinschaften an das Europäische Parlament, den
Rat und den Europäischen Wirtschafts- und So- Punkt 80
zialausschuss: Eine europäische Strategie für
Verordnung über die Festsetzung der Länder-
gewerbliche Schutzrechte (Drucksache 537/08,
schlüsselzahlen und die Ermittlung der Schlüssel-
Drucksache 537/1/08)
zahlen für die Aufteilung des Gemeindeanteils
am Aufkommen der Umsatzsteuer nach § 5c des
Punkt 58
Gemeindefinanzreformgesetzes (Drucksache 576/
Vorschlag für eine Richtlinie des Europäischen 08, Drucksache 576/1/08)
Parlaments und des Rates zur Koordinierung der
Rechts- und Verwaltungsvorschriften betreffend
bestimmte Organismen für gemeinsame Anlagen
in Wertpapieren (OGAW) (Drucksache 535/08,
Drucksache 535/1/08)
VI.
Punkt 62 Den Vorlagen ohne Änderung zuzustimmen:
Mitteilung der Kommission der Europäischen Ge-
meinschaften an das Europäische Parlament, den
Punkt 76
Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozial-
ausschuss und den Ausschuss der Regionen – Bes- Verordnung zur Änderung der Verordnung über
sere Kompetenzen für das 21. Jahrhundert: Eine bestimmte Impfstoffe zum Schutz vor der Blau-
Agenda für die europäische Zusammenarbeit im zungenkrankheit und zur Änderung der EG-Blau-
Schulwesen (Drucksache 497/08, Drucksache zungenbekämpfung-Durchführungsverordnung
497/1/08) (Drucksache 507/08)
304* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Punkt 77 Anlage 6
Verordnung zur Änderung lebensmittelrechtli-
cher Vorschriften (Drucksache 574/08) Erklärung

Punkt 78 von Minister Dr. Klaus Zeh


Verordnung über die Ermittlung der Schlüssel- (Thüringen)
zu Punkt 5 der Tagesordnung
zahlen für die Aufteilung des Gemeindeanteils an
der Einkommensteuer für die Jahre 2009, 2010 Für die Länder Thüringen und Sachsen gebe ich
und 2011 (Drucksache 530/08) folgende Erklärung zu Protokoll:

Punkt 79 Der Bundesrat erkennt die mit dem vorliegenden


Gesetz vorgenommene Würdigung der Verdienste
Fünfzigste Verordnung zur Durchführung des
der ersten demokratisch gewählten Regierung der
§ 172 des Bundesentschädigungsgesetzes (Druck- ehemaligen DDR an. Das Kabinett de Maizière hat
sache 531/08) den Weg der ostdeutschen Länder in die deutsche
Einheit im Sinne der Bürgerinnen und Bürger gestal-
Punkt 82 tet und zur Entwicklung demokratischer Strukturen
Verordnung zur Ergänzung und Anpassung der und der Wiedervereinigung Deutschlands beigetra-
Anforderungen an Luftfahrer (Drucksache 577/08) gen. Hierfür gebührt den Mitgliedern dieser Re-
gierung der Dank insbesondere der ostdeutschen
Länder. Die Einbeziehung der Mitglieder dieser Re-
gierung in das System der Ministerversorgung wird
begrüßt. Die Versorgung sollte aber nur den Mitglie-
dern der Regierung gewährt werden, die mit ihrer
VII.
Zugehörigkeit zur ersten demokratisch gewählten
Entsprechend den Anregungen und Vorschlägen Regierung der ehemaligen DDR nach der friedlichen
zu beschließen: Revolution ab November 1989 erstmals Regierungs-
verantwortung übernommen haben.

Punkt 86 Die Regierungschefs der Länder haben am 12. Juni


Benennung eines stellvertretenden Mitglieds des 2008 die Bundesregierung gebeten, möglichst rasch
Stiftungsrates der Stiftung für ehemalige politi- zu klären, welcher Handlungsbedarf im Bereich des
(B) sche Häftlinge (Drucksache 523/08, Drucksache Kriegsfolgenrechts und der SED-Unrechtsbereini- (D)
523/1/08) gung noch besteht. Hierbei gilt es, den berechtigten
Interessen der Opfer des SED-Unrechtsregimes Ge-
hör zu verschaffen und eine zufriedenstellende Lö-
Punkt 87 sung für deren Anliegen zu finden.
Personelle Veränderung im Beirat für Ausbil-
dungsförderung beim Bundesministerium für Bil-
dung und Forschung (Drucksache 489/08)

Punkt 88 Anlage 7
Benennung eines Mitglieds des Kuratoriums der
Stiftung „Haus der Geschichte der Bundesrepu- Erklärung
blik Deutschland“ (Drucksache 527/08)
von Ministerin Prof. Dr. Angela Kolb
Punkt 89 (Sachsen-Anhalt)
zu Punkt 8 b) der Tagesordnung
a) Benennung eines Mitglieds für den Beirat der
Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Tele- Ich begrüße ausdrücklich die nunmehrige gesetz-
kommunikation, Post und Eisenbahnen liche Umsetzung des EU-Rahmenbeschlusses in allen
(Drucksache 604/08) seinen Teilen. Damit meine ich nicht nur die Herauf-
b) Benennung eines stellvertretenden Mitglieds setzung des Schutzalters beim sexuellen Missbrauch
für den Beirat der Bundesnetzagentur für von Jugendlichen von 16 auf 18 Jahre, sondern auch
Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post die vehement diskutierte generelle Strafbarkeit der
und Eisenbahnen (Drucksache 623/08) Jugendpornografie. Denn ich halte es nach wie vor
für richtig, dass wir alle Minderjährigen vor der Aus-
beutung durch die Pornoindustrie schützen. Mein
Punkt 90 Dank gilt an dieser Stelle dem Rechtsausschuss des
Benennung eines stellvertretenden Mitglieds des Deutschen Bundestages, der Formulierungen gefun-
Kuratoriums der Stiftung „Erinnerung, Verant- den hat, die letzte Missverständnisse und Unklarhei-
wortung und Zukunft“ (Drucksache 600/08, ten und somit eine Kriminalisierung des normalen
Drucksache 600/1/08) Sexualverhaltens Jugendlicher ausschließen.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 305*

(A) (C)
Dankbar bin ich auch dafür, dass die von Sachsen- Kinderpornografie im Bereich des World-Wide-Web
Anhalt geforderte Einführung der Strafbarkeit des mittlerweile über kommerzielle Webseiten verbreitet
sogenannten „Posing“ ebenso Eingang in das Gesetz wird. Wir wissen, dass die Verantwortlichen monat-
gefunden hat wie die Versuchsstrafbarkeit des sexu- lich Millionenbeträge einnehmen, und wir wissen,
ellen Missbrauchs von Jugendlichen, und – ganz dass die technische Sperrung der Seiten – das soge-
wichtig für die Ermittlungsbehörden – das gewerbs- nannte „Accessblocking“ – einen wichtigen Beitrag
oder bandenmäßige Verbreiten jugendpornografi- leisten kann, um die Verbreitung und Besitzverschaf-
scher Schriften in den Tatbestandskatalog des fung von Kinder- und Jugendpornografie zu er-
§ 100 a StPO aufgenommen wurde. schweren.
Auch wenn wir mit dem nun vorliegenden Gesetz Accessblocking findet schon seit Jahren in Norwe-
einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung auf eine gen, Dänemark, Schweden, Finnland, ltalien, Groß-
erfolgreiche Bekämpfung der Kinder- und Jugendpor- britannien, der Schweiz, Neuseeland, Kanada und
nografie machen, dürfen wir nicht glauben, damit auch in Südkorea und Taiwan statt. In den USA sper-
alles getan zu haben. Auch wenn die Ermittlungs- ren einzelne bedeutende Provider freiwillig kin-
instrumente in der Strafprozessordnung und die ent- derpornografische Seiten. Daneben gibt es in den
sprechenden Vorschriften im Strafgesetzbuch in den Niederlanden, Belgien, Irland, Island, Polen, Austra-
letzten Jahren in Bezug auf diesen Deliktsbereich im- lien und Japan konkrete Überlegungen zum Blockie-
mer weiter qualifiziert worden sind, ist Strafverfol- ren von Webseiten. In Norwegen wurden nach Anga-
gung immer nur das Ende der Kette, wenn die ben des Bundeskriminalamtes durch Accessblocking
schlimmen Fälle des Kindesmissbrauchs bereits ein- täglich 15 000 Zugriffsversuche auf kinderpornogra-
getreten sind. fische Seiten abgewehrt.

Die im letzten Bericht des Bundeskriminalamtes Wie gesagt, das zu verabschiedende Gesetz ist ein
sowohl im präventiven wie im repressiven Bereich Schritt in die richtige Richtung. Aber es bleibt noch
festgestellten Steigerungsraten beim Besitz, der Be- einiges zu tun.
schaffung und der Verbreitung der Kinderpornogra-
fie geben Anlass zur Sorge. Besonders erschreckend
ist die zunehmende Gewaltausübung gegen Klein-
kinder oder sogar Kleinstkinder.
Anlage 8
Von daher gilt es, die im Bereich der Prävention
bestehenden Netzwerke gegen Kindesmissbrauch Erklärung
und gegen Kinderpornografie zu stärken. Neben der
Zusammenarbeit mit Opferorganisationen dort, wo
(B) von Staatsminister Volker Bouffier (D)
Prävention zum Schutz der Kinder vor sexueller Ge-
(Hessen)
walt sowie Opferbetreuung im Vordergrund stehen,
zu Punkt 72 der Tagesordnung
müssen wir auch andere gesellschaftliche Bereiche
mit ins Boot holen. So haben wir mit der in Sachsen- Die Hessische Landesregierung lehnt den Vor-
Anhalt erfolgreich geführten Operation „Mikado“ schlag für eine Verordnung des Rates zur Einführung
vor zwei Jahren begonnen, mit Kreditkartenunter- eines von Europäischer Kommission und Mitglied-
nehmen und Firmen zusammenzuarbeiten, die den staaten kofinanzierten Schulobstprogramms aus
Zahlungsverkehr für im Internet angebotene Dienst- grundsätzlichen Gründen ab. Sie sieht dadurch den
leistungen abwickeln. Zielrichtung war und ist hier Grundsatz der Subsidiarität verletzt und spricht sich
die Identifizierung von Nutzern kinderpornografi- stattdessen für Maßnahmen zur Verbesserung der
scher Webseiten, was, wie die jüngsten Ermittlungen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern auf der
auch in Bayern zeigen, außerordentlich erfolgreich in erster Linie zuständigen nationalen oder regiona-
ist. len Ebene aus.
Mit welchen Dimensionen wir es bei der Verbrei-
tung von Kinderpornografie über das Internet zu tun
haben, zeigt sich allein an der Zahl der Beschuldig-
ten in den einzelnen großen Ermittlungskomplexen
Anlage 9
in den letzten Jahren. So gab es z. B. in den aus
Sachsen-Anhalt gestarteten Operationen „Marcy“
und „Mikado“ über 850 Beschuldigte, bei den Ope- Erklärung
rationen „Penalty“ über 1 000 und „Himmel“ 12 000
Beschuldigte und bei der jüngsten Operation „Sma- von Ministerin Prof. Dr. Angela Kolb
sher“ in Bayern 987 Beschuldigte. (Sachsen-Anhalt)
zu Punkt 10 der Tagesordnung
Bei der Identifizierung von Tätern und Opfern, die
Voraussetzung für die Beendigung des oft noch an- Mit dem vorliegenden Gesetz wird Bauhandwer-
dauernden Missbrauchs der Kinder und Jugendli- kern, aber auch den Inhabern anderer begründeter
chen ist, müssen wir neue Wege gehen. Zahlungsansprüche die Durchsetzung ihrer Forde-
rungen erleichtert. Seit langem haben die Bundes-
Ich rege auch an, über die Sperrung solcher Seiten länder auf diesem Gebiet die Beseitigung erheblicher
nachzudenken. Wir wissen, dass der Großteil der Missstände angemahnt. Die schlechte Zahlungsmoral
306* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
hat in den letzten Jahren insbesondere im Bereich Die prozessualen und gesellschaftsrechtlichen
der Bauwirtschaft zu erheblichen gesamtwirtschaftli- Vorschläge aus dem Entwurf des Bundesrates sind
chen Problemen geführt. Die verzögerte Durchset- bisher nicht umgesetzt worden. Nach der Begrün-
zung begründeter Forderungen führt bei mittelstän- dung der Beschlussempfehlung des Rechtsausschus-
dischen Unternehmen in nicht wenigen Fällen zur ses des Deutschen Bundestages bedeutet dies aber
Insolvenz. Der insolvenzbedingte Verlust von Ar- keine Absage an diese Vorschläge. Vielmehr soll der
beitsplätzen hat erhebliche nachteilige wirtschaftli- gesellschaftsrechtliche Teil in einem anderen Gesetz-
che und soziale Konsequenzen. gebungsverfahren behandelt werden und der prozes-
suale Teil der weiteren Prüfung vorbehalten bleiben.
Es muss deshalb unser aller Anliegen sein, recht- Ich hoffe, dass die Beratungen über die prozessualen
liche Instrumentarien zu schaffen, um begründete Vorschläge zu einer erleichterten Durchsetzung von
Ansprüche möglichst schnell durchzusetzen. Mit die- wohlerworbenen Ansprüchen fortgesetzt und mög-
sem Ziel haben die antragstellenden Freistaaten lichst noch in dieser Legislaturperiode zu Ende ge-
Sachsen und Thüringen und das mitantragstellende führt werden können.
Land Sachsen-Anhalt das Gesetzgebungsverfahren
Die materiellrechtlichen Veränderungen können
erstmals im Jahr 2002 eingeleitet.
nur dann effizient umgesetzt werden, wenn das Pro-
Im Laufe des Gesetzgebungsverfahrens wurde zessrecht ebenfalls angepasst wird. Dafür spricht
deutlich, dass eine Vielzahl von Faktoren für die Ver- folgender Gesichtspunkt: Die Berechtigung der ma-
änderung des Zahlungsverhaltens verantwortlich ist. teriellrechtlichen Regelungen des Forderungssiche-
Nicht alle lassen sich durch gesetzliche Vorgaben rungsgesetzes ist unter anderem mit der Begründung
beeinflussen. Nach den kontroversen Diskussionen angezweifelt worden, bereits das geltende Recht
freue ich mich, dass ein Minimalkonsens erreicht schütze den Werkunternehmer ausreichend. Dieser
wurde, der ein erster Schritt zur Bewältigung des Schutz werde jedoch häufig in der Vertragsgestal-
nach wie vor dringenden Problems ist. tung und Vertragsdurchführung nicht ausreichend in
Anspruch genommen. Dafür seien oft wirtschaftliche
Der Gesetzentwurf enthielt sowohl einen mate- Gesichtspunkte, wie etwa ein ungleiches Kräftever-
riellrechtlichen als auch einen prozessualen Pfeiler. hältnis und die Hoffnung des Handwerkers auf Fol-
In materiellrechtlicher Hinsicht sah der Entwurf vor, geaufträge, maßgeblich. Ich halte diese Einwände für
das Recht des Werkunternehmers auf Abschlagszah- stichhaltig. Sie werden auch die Wirksamkeit der
lungen zu stärken, die Fälligkeit im Verhältnis verabschiedeten materiellrechtlichen Regelungen
zwischen Subunternehmer und Unternehmer an ge- begrenzen; denn diese sind ebenfalls davon abhän-
ringere Voraussetzungen zu knüpfen und die Bau- gig, dass der Unternehmer sie während der Vertrags-
handwerkersicherheit auszuweiten. durchführung in Anspruch nimmt.
(B) (D)
Die prozessualen Regelungen verfolgen demge-
Kernstück des Entwurfs in prozessualer Hinsicht
genüber einen anderen Ansatz. Sie sollen auch dort
war die „vorläufige Zahlungsanordnung“. Dieses
helfen, wo der Bauhandwerker im Vertrauen auf eine
neuartige Rechtsinstitut sollte es ermöglichen, Zah-
funktionierende Geschäftsbeziehung seine vertragli-
lungsansprüche, die mit großer Wahrscheinlichkeit
che Stellung materiellrechtlich nicht optimal abgesi-
begründet sind, zeitnah vorläufig zu titulieren. Flan- chert hat. Zu einem gerichtlichen Verfahren kommt
kierende Änderungen des Gesellschaftsrechts sollten es erst dann, wenn dieses Vertrauen enttäuscht
den Wirtschaftsverkehr stärker davor schützen, dass wurde. Wir sollten sorgfältig prüfen, ob wir hier nicht
Personen, die sich als unzuverlässig erwiesen haben, zu größerer Effizienz bei der Durchsetzung von An-
weiterhin maßgeblichen Einfluss in Kapitalgesell- sprüchen beitragen können, ohne die Rechte des
schaften ausüben. Schuldners unangemessen zu verkürzen. Die vorge-
schlagene vorläufige Zahlungsanordnung war ein
Die nunmehr vorliegende Fassung des Forde-
wertvoller Anstoß für diese Prüfung, deren Ergebnis
rungssicherungsgesetzes wird in materiellrechtlicher
vielleicht auch darin bestehen mag, die Bedeutung
Hinsicht die Position des Werkunternehmers bei der
von Teil- oder Vorbehaltsurteilen in der Zivilprozess-
Sicherung und Durchsetzung seiner Forderungen an-
ordnung zu stärken.
gemessen stärken. Darüber hinaus hat der Bundestag
den Entwurf um einen Aspekt bereichert, auf den die
Bundesregierung in ihrer Stellungnahme hingewie-
sen hatte. In Verbraucherverträgen wird Teil B der
Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen
Anlage 10
(VOB/B) zukünftig ebenso wie andere Allgemeine
Geschäftsbedingungen der Inhaltskontrolle unterlie-
Erklärung
gen. Diese Klarstellung stärkt die Rechte der Ver-
braucher. Dagegen soll die Privilegierung der VOB/B
von Staatsminister Karl Peter Bruch
im Geschäftsverkehr zwischen Unternehmen und mit
(Rheinland-Pfalz)
der öffentlichen Hand ausdrücklich festgeschrieben
zu Punkt 12 der Tagesordnung
werden. Das ist sachgerecht; denn das Regelwerk
bietet einen angemessenen Interessenausgleich zwi- Mit dem zur Beratung anstehenden Änderungs-
schen gleich starken Partnern und bedarf dort keiner gesetz soll im Hinblick auf den Beitritt Bulgariens
Inhaltskontrolle im Einzelfall. und Rumäniens zur Europäischen Union der geän-
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 307*

(A) (C)
derten Terminologie ausländerrechtlicher Vorschrif- Auch Rheinland-Pfalz vertritt die Auffassung, dass
ten, der veränderten Rechtslage und der technischen es in Erfüllung des verfassungsrechtlichen Schutz-
Entwicklung entsprochen werden. Diese beabsichtig- auftrages des Staates konsequent ist, wenn dem Bun-
ten Anpassungen werden seitens der Rheinland-Pfäl- deskriminalamt angesichts der Terrorgefahr Gefah-
zischen Landesregierung als sinnvoll erachtet und renabwehrrechte übertragen werden. Allerdings
ausdrücklich begrüßt. sehe ich hinsichtlich der Ausgestaltung der Einzel-
regelungen noch erheblichen Diskussionsbedarf.
Darüber hinaus sieht das Gesetz allerdings Rege-
lungen vor, die eine Kompetenzerweiterung des Bun- Die Notwendigkeit einer Kompetenzerweiterung
desamtes für Güterverkehr bedeuten und die bei der für die Vollzugsbeamten der Zollverwaltung ist für
Rheinland-Pfälzischen Landesregierung auf Beden- mich bislang noch nicht ausreichend dargelegt wor-
ken stoßen. den.
Was die Eilkompetenz für die Beamten der Bun-
Mit der beabsichtigten Gesetzesänderung sollen
despolizei betrifft, so halten wir die bereits geltenden
die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesam-
Vorschriften für vollkommen ausreichend.
tes für Güterverkehr die Einhaltung der Rechtsvor-
schriften des Fahrerlaubnisrechtes überprüfen, die Lassen Sie mich zusammenfassend feststellen: Ich
Einhaltung der Vorschriften über das Sonn- und Fei- wende mich nicht pauschal gegen Befugniserweite-
ertagsfahrverbot sowie der Ferienreiseverordnung rungen von Bundesbehörden. Allerdings fehlt es der
überwachen sowie Sicherheitsleistungen erheben. geplanten Kompetenzerweiterung an der Notwen-
Bislang musste hier die originär zuständige Landes- digkeit, und die quasi scheibchenweise Übertragung
polizei hinzugezogen werden. von Länderbefugnissen auf Bundesbehörden ent-
spricht nicht dem föderalen Verständnis des Landes
Oberflächlich könnte man argumentieren, dass Rheinland-Pfalz.
diese zusätzlichen Kompetenzen insgesamt den Kon-
trolldruck erhöhen könnten und den Ländern damit Wenngleich wir diese Entwicklung als problema-
doch auch gedient sei. Allerdings ist der Bund bis- tisch ansehen und wir uns bei der Ablehnung des
lang den Nachweis schuldig geblieben, wo und in vorliegenden Änderungsgesetzes Unterstützung sei-
welchem Umfang in der Vergangenheit ein solcher tens anderer Bundesländer gewünscht hätten, erken-
Änderungsbedarf begründet worden wäre. Mir sind nen wir die Notwendigkeit und Dringlichkeit der
jedenfalls aus meiner Landespolizei keine Probleme sonstigen zu treffenden Regelungen, die wir für fach-
berichtet worden. und sachgerecht halten.
Aus diesem Grund stellt Rheinland-Pfalz die vor-
Weiterhin – auch dieses Argument halte ich für
getragenen Bedenken zurück und verzichtet auf die
(B) wichtig – zeichnet sich mit diesem aktuellen Vorha- (D)
Anrufung des Vermittlungsausschusses.
ben abermals eine Tendenz ab, die nicht in föderalem
Interesse liegen kann. Exemplarisch will ich Stelle
nur drei Initiativen des Bundes aus der jüngeren Ver-
gangenheit anführen:

Zuerst sollen dem Bundeskriminalamt weitrei- Anlage 11


chende präventivpolizeiliche Befugnisse zur Abwehr
von Gefahren des internationalen Terrorismus über- Erklärung
tragen werden. Danach wünscht sich der Bund eine
Eilkompetenz für die Zollverwaltung, die in die län- von Staatsministerin Christa Stewens
derspezifischen Polizeigesetze aufgenommen wer- (Bayern)
den soll. Zuletzt fehlt es angeblich auch noch an zu Punkt 17 der Tagesordnung
einer Eilkompetenz für die Bundespolizei.
Etwa jede dritte Bundesbürgerin und jeder dritte
All diese Bestrebungen lassen sich natürlich damit Bundesbürger im Alter über 14 Jahren ist freiwillig
begründen, dass insgesamt ein Plus an Sicherheit oder ehrenamtlich tätig; dies sind über 20 Millionen
entstehen könnte. Ich habe allerdings größte Beden- Bürgerinnen und Bürger! Mit ihrem Einsatz leisten
ken, was diese offensichtliche „Salamitaktik“ betrifft. diese Menschen einen unverzichtbaren Beitrag für
den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.
Die beabsichtigte Regelung im Güterkraftver-
Das bürgerschaftliche Engagement sowohl in sei-
kehrsgesetz verstößt nach unserer Einschätzung ge-
ner traditionellen Ausprägung – wie der ehrenamtli-
gen die Kompetenzordnung des Grundgesetzes. Es
chen Tätigkeit in Vereinen und Verbänden – als auch
handelt sich bei den Befugniserweiterungen um ori-
in seinen neueren Erscheinungsformen – wie in Bür-
ginäre Länderkompetenzen, die nicht durch einfa-
gerstiftungen, Mütterzentren und Freiwilligenagen-
ches Bundesgesetz auf ein Bundesamt übertragen
turen – ist eine tragende Säule unseres Gemeinwe-
werden können. Denkbar wäre allenfalls, auf ein-
sens.
fachgesetzlicher Grundlage dem Bundesamt die hier
in Rede stehenden Befugnisse im Wege der Organ- Gerade in Zeiten der Globalisierung und des de-
leihe einzuräumen. Dies würde bedeuten, dass das mografischen Wandels nimmt die Bedeutung des
Bundesamt im Auftrag der Länder tätig würde und bürgerschaftlichen Engagements weiter zu. Es gibt
dann deren Weisungsbefugnis unterworfen wäre. vielen Menschen Halt und Orientierung. Wichtige
308* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Werte und Traditionen werden gepflegt und vermit- Arbeitnehmer muss nach wie vor jeden ehrenamtlich
telt. tätigen Menschen geradezu beleidigen und sie oder
ihn demotivieren, da unterstellt wird, sie oder er
Ein erst vor kurzem veröffentlichtes Gutachten der handle zu Erwerbszwecken.
Katholischen Stiftungsfachhochschule München zeigt,
dass sich Investitionen in bürgerschaftliches Engage- Die Annahme eines Beschäftigungsverhältnisses
ment auch „rechnen“. Es wurde eine durchschnittli- verursacht unverändert Kosten und Bürokratie und
che Wertschöpfung von ca. 1 : 7 ermittelt; d. h. dass ist damit weiterhin eine Hürde, ein wahrer Stolper-
ein in das bürgerschaftliche Engagement investierter stein für Menschen, die sich oft mit großem persönli-
Euro einen Nutzen von ca. 7 Euro stiftet. Weiterhin chen Einsatz uneigennützig engagieren.
bestätigt das Gutachten eine Verknüpfung zwischen
individuellem Wohlbefinden und Gemeinwohl. Die zunehmende Bedeutung des Ehrenamts für
unser Gemeinwesen erfordert mehr noch als früher
Ich denke, wir alle sind uns letztlich einig hinsicht- ein Eingreifen des Gesetzgebers.
lich der außerordentlichen Bedeutung ehrenamtli-
cher Tätigkeit. Es reicht aber nicht aus, sich zum Eh- Es gibt zwar erfreulicherweise auch obergerichtli-
renamt zu bekennen. Wir müssen den Worten auch che Urteile, die die Sozialversicherungspflicht Ehren-
Taten folgen lassen. Denn es ist Aufgabe des aktivie- amtlicher verneint haben – so im Bereich der Feuer-
renden Staates, möglichst optimale Rahmenbedin- wehr. Diese konnten aber – nicht weil sie inhaltlich
gungen für die Entfaltung des Engagementpotenzials unrichtig wären, sondern auf Grund der Tücken des
seiner Bürgerinnen und Bürger zu schaffen. Revisionsrechts – einen Umschwung zu Gunsten des
Ehrenamts nicht bewirken. Das entstandene Durch-
Insoweit ist schon einiges geschehen: einander für Verwaltung und Betroffene muss von
der Politik aufgelöst werden.
Im vergangenen Jahr konnten mit dem Gesetz zur
weiteren Stärkung des Bürgerschaftlichen Engage- Unser Gesetzentwurf sieht deshalb die Klarstel-
ments, für das sich der Freistaat Bayern übrigens lung vor, dass die Wahrnehmung von Ehrenämtern,
auch mit einigen über den ursprünglichen Referen- die in Gesetzen als solche anerkannt sind oder bei
tenentwurf hinausgehenden Vorschlägen erfolgreich geringfügiger Entschädigung insbesondere für ge-
eingesetzt hat, wesentliche Erleichterungen im Stif- meinnützige Organisationen ausgeübt werden, keine
tungs- und Steuerrecht erreicht werden. sozialversicherungspflichtige Beschäftigung darstellt.
Damit wird sichergestellt, dass aus Aufwandsent-
Daneben sind sowohl auf Bundesebene als auch in
schädigungen für ehrenamtliche Tätigkeiten künftig
den Ländern Fortschritte bei der Weiterentwicklung
weder reguläre Sozialversicherungsbeiträge noch
der Infrastruktur für das bürgerschaftliche Engage-
Pauschalbeiträge, wie sie seit 1999 für Minijobs mit
ment erzielt worden. Ein wichtiger Schritt wurde im
(B) einem Arbeitsentgelt bis zu 400 Euro im Monat anfal- (D)
Freistaat Bayern – wie auch in anderen Ländern – mit
len, zu zahlen sind.
der Einführung einer Ehrenamtsversicherung getan.
Mit der Landesversicherung für das Ehrenamt ge- Um dabei auch den Interessen derjenigen ehren-
währleistet der Freistaat Bayern, dass bei der Frei- amtlich Tätigen gerecht zu werden, die auf den
willigenarbeit Unfall- und Haftpflichtversicherungs- Schutz der gesetzlichen Sozialversicherung nicht
schutz besteht. verzichten wollen, erhalten diese gleichzeitig ein Op-
tionsrecht, in der Sozialversicherung zu verbleiben.
Bereits seit 2003 fördert Bayern den Aufbau bzw.
die Arbeit des Landesnetzwerkes Bürgerschaftliches Die Vorteile liegen auf der Hand: Wir eröffnen Frei-
Engagement. Ziel ist die Schaffung eines Bildungs-, raum, wenn ehrenamtlicher Dienst nicht im Korsett
Beratungs- und Informationsnetzwerkes zur Verbes- sozialversicherungsrechtlicher Pflichten eingeschnürt
serung der lokalen Arbeit im bürgerschaftlichen En- bleibt. Wir bieten allen Betroffenen die Möglichkeit
gagement, zur Förderung innovativer Ansätze der zu weniger Bürokratie und Abrechnungsaufwand.
Freiwilligenarbeit und zu ihrer landesweiten Verbrei- Wir schaffen Klarheit und Sicherheit, wo wider-
tung. sprüchliches Verwaltungshandeln von Sozialversi-
cherungsträgern lange Gerichtsverfahren nach sich
Der Bundespräsident hat in seiner diesjährigen
zieht. Wir nehmen Rücksicht auf das Selbstverständ-
Berliner Rede zu Recht ausgeführt:
nis der Betroffenen, die ehrenamtliches Engagement
Freiheit ist auf Freiwilligkeit angewiesen. Dazu nicht als abhängige Beschäftigung gewertet wissen
können wir anstiften, und dafür lassen sich noch wollen.
bessere Rahmenbedingungen schaffen.
Der vorliegende Gesetzentwurf macht somit Ernst
Es geht aber nicht nur um weitere Verbesserun- mit einer Kernforderung des Bundespräsidenten zur
gen. Vielmehr werden die Anstrengungen entwertet, Stärkung der Bürgergesellschaft in seiner Berliner
wenn wir es weiterhin zulassen, dass ehrenamtliche Rede 2008: „Gebt den Leuten Freiraum und lasst sie
Tätigkeiten wie normale Beschäftigungsverhältnisse machen!“
behandelt werden.
Da ich davon ausgehe, dass Sie meine Wertschät-
Die Sozialversicherungspflicht ehrenamtlicher Tä- zung für die vielen freiwillig Engagierten in unserem
tigkeiten wird in der Praxis nun seit einer ganzen Land ebenso wie für das Ehrenamt im Allgemeinen
Reihe von Jahren durchgesetzt. Hier besteht drin- teilen, bitte ich Sie sehr herzlich um Unterstützung
gender Handlungsbedarf. Denn die Einstufung als dieses wichtigen politischen Anliegens.
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 309*

(A) (C)
Anlage 12 tiv gelebten demokratischen Bürgerschaft. Insofern
ist Kulturförderung auch Demokratieförderung. Sie
Erklärung soll nach unserem Verständnis zur Einmischung und
zur Übernahme von Verantwortung befähigen und
von Senatorin Gisela von der Aue ermutigen.
(Berlin)
zu Punkt 20 der Tagesordnung Der Schutz und die Förderung der Kultur haben
eine emanzipatorische und eine bildungspolitische
Der Senat von Berlin hat den Antrag gestellt, das Dimension. Vielen Jugendlichen fehlt heute der Zu-
Grundgesetz um einen neuen Artikel 20b mit dem gang zu unserem kulturellen Erbe. Kulturelle Bildung
folgenden Wortlaut zu ergänzen: „Der Staat schützt eröffnet riesige Chancen für junge Menschen.
und fördert die Kultur.“
Kunst und Kultur sind Formen, in denen wir uns
Richtig: Das Grundgesetz hat sich bewährt. Man die Welt aneignen und sie gestalten können. In Kunst
soll sparsam mit Änderungen umgehen. Wer für Än- und Kultur findet eine Verständigung der Gesell-
derungen ist, hat die Begründungslast. So ist das in schaft über sich selber statt, über ihre aktuellen Fra-
einer Republik, die auf knapp 60 erfolgreiche Jahre gestellungen genauso wie über ihre Geschichte.
zurückblicken kann.
Kultur fördert den Dialog und die Kommunikation
Dennoch: Es gibt gute Gründe, den Satz „Der in der von Vielfalt geprägten Weltgesellschaft. Trotz
Staat schützt und fördert die Kultur“ ins Grundgesetz vieler ermutigender Entwicklungen und großer Fort-
aufzunehmen. Es soll hier nicht der Begriff der Kul- schritte ringen wir in Deutschland immer noch um
turnation bemüht werden. Er hat zuweilen etwas
eine Balance zwischen der Orientierung auf unseren
Überhebliches. Außerdem transportiert er die frag-
hergebrachten nationalen Kanon und einer interkul-
würdige Fiktion einer homogenen Kultur.
turellen Öffnung, die sich der kulturellen Vielfalt im
Aber unser Land hat ohne Zweifel ein reiches kul- Alltag unserer Metropolen nicht nur stellt, sondern
turelles Erbe hervorgebracht. Davon zeugen Bau- diese als Reichtum erfahrbar macht.
denkmale aus vielen Epochen, ein reicher Schatz an
Nur wenn wir uns unserer kulturellen Tradition
Werken der Literatur, der Musik und der Bildenden
Kunst. Dieses Erbe gilt es zu schützen, zu bewahren bewusst sind, wenn wir unsere Geschichte mit all ih-
und zu pflegen. ren Höhen und Tiefen kennen, können wir uns auch
mit Offenheit und Gelassenheit auf die kulturellen
(B) (D)
In unserem Land leben Künstlerinnen und Künst- Unterschiede einlassen, entwickeln wir Neugier auf
ler, die sich auf lebendige und kreative Weise mit un- andere Kulturen und werden fähig, Vielfalt nicht als
serer Gesellschaft auseinandersetzen. Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen.

Wir verfügen über großartige kulturelle Einrich- Die vorgeschlagene Ergänzung des Grundgeset-
tungen: über Opern und Theater, Museen, Gedenk- zes würde der grundlegenden Bedeutung der Kultur
stätten und Bibliotheken. für unsere Gesellschaft Rechnung tragen, und zwar
jenseits der Auseinandersetzung um die Kulturhoheit
Viele engagierte Bürgerinnen und Bürger setzen der Länder, die durch einen solchen Satz im Grund-
sich als Stifter und Mäzene oder als Mitglieder von gesetz nicht angetastet wird. Der Kernauftrag des
Fördervereinen für die Künste und die Kultur in un- neuen Artikels besteht darin, das zu schützen und zu
serem Land ein. fördern, was es schwer hat. Der Staat schafft so die
Räume für Experimente, ohne die es keine Innovatio-
Und schließlich: Unser Land ist geprägt von ge-
nen geben kann, jedenfalls nicht diejenigen, die vor-
waltigen Herausforderungen, die auch eine kultu-
dergründig keinen materiellen Nutzen versprechen.
relle Dimension haben. Denken wir an die Herausfor-
derungen der Globalisierung und der Migration! Wie
Kunst und Kultur müssen auch im Sinne einer
definiert sich ein Land der kulturellen Vielfalt?
nachhaltigen Stärkung der Standortqualitäten der
Die Ergänzung des Grundgesetzes um den vorge- Bundesrepublik, eines Bundeslandes oder einer Stadt
schlagenen Satz soll die Bedeutung der Kultur für geschützt werden. Im 21. Jahrhundert sind Staaten
unser Land unterstreichen. Denn Kultur stiftet Identi- und Metropolen dann erfolgreich, wenn sie die
tät – für den Einzelnen und in gleicher Weise für die „kreative Klasse“ anziehen.
Gemeinschaft.
Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundes-
Kunst und Kultur helfen dabei, die Persönlichkeit tages teilt unsere Überzeugung, die besondere Ver-
zu bilden und sich in der Welt des 21. Jahrhunderts antwortung aller staatlichen Ebenen zum Schutz und
zurechtzufinden. Kulturelle Ausdrucksmöglichkei- zur Förderung der Kultur und des kulturellen Lebens
ten entscheiden wesentlich über gesellschaftliche ausdrücklich in der Verfassung zu verankern. Ich
Teilhabechancen und über die Möglichkeit einer ak- bitte um Unterstützung unseres Antrags.
310* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Anlage 13 Anlage 14

Erklärung Erklärung

von Bundesministerin Brigitte Zypries von Staatssekretär Bernd Sibler


(BMJ) (Bayern)
zu Punkt 21 der Tagesordnung zu Punkt 25 der Tagesordnung
Zwei Punkte möchte ich noch ausführlich anspre- Der Bundesrat beschäftigt sich heute nicht zum
chen: die Abschaffung der nachträglichen Beantra- ersten Mal mit dem Schutz geistigen Eigentums. So
gung von Beratungshilfe und die zusätzliche Eigen- hat er bereits am 15. Februar dieses Jahres die zen-
beteiligung von 20 Euro. trale Rolle betont, die die Europäische Union in einer
weltweit vernetzten, globalisierten Wirtschaft spielen
Von der Abschaffung der nachträglichen Antrag-
kann und muss, wenn es darum geht, unsere in Eu-
stellung verspricht man sich Einsparungen von 14 %.
ropa erarbeiteten erfinderischen, technischen, wis-
Das ist schon deshalb nicht schlüssig, weil der Ent-
senschaftlichen und kreativen Leistungen auch inter-
wurf an der nachträglichen Bewilligung von Bera-
national wirksam zu schützen.
tungshilfe in solchen Fällen festhält, in denen eine
anwaltliche Vertretung des Betroffenen erfolgt. Bei Wir haben die Bundesregierung aufgefordert, sich
der Berechnung des Einsparpotenzials wird diese dafür in Brüssel zu engagieren. Wir haben uns dafür
Differenzierung aber nicht beachtet. eingesetzt, die entsprechenden rechtlichen Instru-
Im Übrigen überzeugt auch die Begründung nicht: mente – Schadensersatz- und Unterlassungsansprü-
Nachträgliche Bewilligungen setzen die Rechtspfle- che oder Patentrechte – wirksam auszugestalten und
ger angeblich unter Bewilligungsdruck und führen vor allem in den aufstrebenden Wirtschaftsnationen
zu anwaltlichen Beratungen, die nicht wirklich nötig rasch und effektiv durchzusetzen. Ich darf dies nur
sind. Das soll aber wieder nur für eine Beratung ohne kurz anreißen; uns allen ist die Entschließung, die wir
anwaltliche Vertretung gelten. Müsste dies – wenn es im Februar gefasst haben, noch gegenwärtig.
denn stimmte; was ich bezweifle – nicht erst recht im Die Forderungen des Bundesrates gingen zurück
Fall anwaltlicher Vertretung gelten? Die Begründung auf einen Antrag, den Bayern Anfang des Jahres ein-
ist hier schon in sich nicht schlüssig. gebracht hatte und der in den Ausschüssen praktisch
Außerdem ist das Fehlen jeglicher Ausnahmerege- uneingeschränkte Unterstützung erfahren hatte.
lungen bedenklich. Denn in der Praxis gibt es immer Wir sind daraufhin nicht untätig geblieben: Ge-
wieder Eilfälle, die eine sofortige Beratung durch meinsam mit dem „Munich Intellectual Property Law
(B) eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt erfor- Center“ (MIPLC), einer „Tochter“ der Max-Planck- (D)
dern. Wenn hier nachträglich keine Beratungshilfe Gesellschaft und der Universitäten Augsburg und
mehr gewährt werden kann, könnte dies zu sehr un- Washington, haben wir am 29. Februar dieses Jahres
gerechten Ergebnissen führen. nach München zu einem Internationalen Fachhea-
Nicht akzeptabel ist für mich auch eine zusätzliche ring zum Schutz geistigen Eigentums in einer globa-
Gebühr von 20 Euro für die außergerichtliche anwalt- lisierten Welt eingeladen. Es haben daran Vertreter
liche Vertretung. Diese Eigenbeteiligung soll die der Marken- und Patentverwaltungen der USA und
Menschen anhalten, ihre Ansprüche grundsätzlich der Volksrepublik China, des Europäischen Parla-
selbst zu betreiben. Allerdings ist Voraussetzung für ments, der Rechtspraxis, des deutschen und des eu-
die Gewährung der Beratungshilfe bei anwaltlicher ropäischen Patentamtes, der Gerichtsbarkeit, der
Vertretung doch gerade die Tatsache, dass sich der Anwaltschaft und vor allem der betroffenen Wirt-
Betroffene nicht selbst vertreten kann. Dieser Vorstoß schaftsbranchen teilgenommen. Das Hearing hat die
ist also entweder überflüssig, oder er wird die not- immense Bedeutung des Themas für die Wirtschaft
wendige Vertretung durch einen Anwalt vereiteln. bestätigt.

Im Übrigen stellen Sie sich bitte eines vor: Wenn Wissenschaftler, betroffene Unternehmen, Ver-
wir für einen beratungsbedürftigen Hartz-IV-Emp- bände – sie alle erwarten, dass die politisch Verant-
fänger jetzt noch eine weitere Eigenbeteiligung ein- wortlichen handeln.
führen, dann steigt seine finanzielle Belastung auf In der Sache hat das Fachhearing die Entschlie-
fast 10 % seines verfügbaren Monatseinkommens. ßung bestätigt, die wir im Februar gefasst haben, es
Ich meine, hier werden die Grenzen einer zumutba- hat aber auch weitere Erkenntnisse gebracht. Wir
ren Belastung erreicht. Das ist sozialpolitisch nicht wollen mit unserem aktuellen Antrag an die bisheri-
hinnehmbar, und das ist auch verfassungsrechtlich gen Forderungen anknüpfen und weitere Vorschläge
sehr bedenklich. formulieren, wie Immaterialgüterrechte international
Der Gesetzentwurf enthält manch vernünftige De- wirksamer geschützt werden können.
tailregelung. Seine Grundtendenz läuft aber in die Wir meinen:
falsche Richtung, und deshalb kann ich ihn nicht un-
terstützen. Für mich bleibt es dabei: Der Zugang zum Der Schutz geistigen Eigentums muss stärker in
Recht darf nicht allein vom Geldbeutel abhängen. den Freihandelsabkommen der EU mit sogenannten
Dies ist ein Gebot des sozialen Rechtsstaates, und das Drittstaaten verankert werden. Dies würde es ermög-
ist auch eine Frage der Gerechtigkeit. lichen, Lücken zu schließen, die die multilateralen
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 311*

(A) (C)
Vereinbarungen lassen. Schutzrechte müssen aber Der Schutz des geistigen Eigentums ist neben der
auch tatsächlich durchgesetzt werden können. So Energiepolitik und dem Klimaschutz eines der The-
müssen beispielsweise Beschlagnahme, Beweisfüh- men, bei denen wir mehr Europa brauchen. Hier
rung und Beweissicherungsregeln vereinfacht und muss Europa seine Kräfte bündeln und aktiv gestal-
verbessert werden. tend im internationalen Bereich auftreten. Europa
muss auf offenem und fairem Handel bestehen und
Europa braucht einen Koordinator für den Schutz darauf hinwirken, dass insbesondere die WTO-Ver-
geistigen Eigentums. Die Beispiele der USA, Japans, pflichtungen eingehalten werden. Damit zeigt die
Chinas und bald vielleicht auch Russlands zeigen: EU, dass sie die Schutzinteressen der Bürger vertei-
Ein zentral Verantwortlicher verbessert die Chancen digt. Zugleich dient sie den Interessen mittelständi-
erheblich, Schutzstrategien effizient umzusetzen. scher Unternehmen, die auf dem Weltmarkt koope-
rieren müssen, dies aber nicht selten aus Angst vor
In der EU-Kommission sind die Zuständigkeiten
Schutzrechtsverletzungen unterlassen.
für den Schutz geistigen Eigentums auf mehrere Ge-
neraldirektionen verteilt. Diese Zersplitterung kann Unser Ja zur Globalisierung und zur Öffnung des
zu Effizienzverlusten führen. Was fehlt, ist eine hori- europäischen Marktes für den Welthandel muss kla-
zontale Integration, zumindest aber eine wirksame rer als bisher an die Erwartung geknüpft sein, dass
Koordinierung der verschiedenen Handlungsfelder. auch unsere Handelspartner für offene Märkte mit
Hier sind sich Wissenschaft und Praxis einig. fairen Regeln einstehen.

Das Bewusstsein für den Wert geistiger Schöpfun- Für die anstehenden Ausschussberatungen hoffe
gen muss stärker in unserer Gesellschaft verankert ich, dass unser Vorschlag Ihre Unterstützung findet.
sein. Lippenbekenntnisse, wie wichtig der Schutz
solcher Leistungen sei, hört man allenthalben. Das
Gefühl, mit dem Kauf von Plagiaten im Urlaub oder
auf entsprechenden Märkten ein Schnäppchen zu Anlage 15
machen, ist aber ebenso weit verbreitet. Das Gefühl,
damit unrecht zu handeln, hat kaum jemand. Wir Erklärung
müssen also das Bewusstsein dafür schaffen, dass die
geistigen Schutzrechte einen wichtigen Zweck erfül- von Senatorin Gisela von der Aue
len. Das geistige Eigentum hat für die Gesellschaft (Berlin)
und nicht nur für den Einzelnen große Bedeutung. Es zu Punkt 22 der Tagesordnung
zählt zu den Fundamenten unseres Wohlstands.
Die Länder begrüßen die Absicht der Bundesre-
Der internationale Handel mit gefälschten Produk- gierung, im Rahmen des KHRG zur schrittweisen An-
(B) ten hat in den letzten Jahren dramatische Ausmaße gleichung der unterschiedlichen Basisfallwerte der (D)
und den Charakter organisierter Kriminalität ange- Länder eine Konvergenzphase und einen Basisfall-
nommen: wertkorridor um einen einheitlichen Bundesbasisfall-
wert vorzusehen.
Der wirtschaftliche Schaden, den Produkt- und
Markenpiraterie anrichten, lässt sich kaum mehr be-
ziffern. Die EU-Kommission schätzt den Schaden auf
120 bis 370 Milliarden Euro pro Jahr.
Anlage 16
Allein für Deutschland wird ein Schaden von etwa
25 Milliarden Euro pro Jahr angenommen. Erklärung
Die Beschlagnahme nachgeahmter Waren durch
die EU-Zollverwaltungen ist von 1998 bis 2004 um von Minister Andreas Krautscheid
fast 1 000 % angestiegen. (Nordrhein-Westfalen)
zu Punkt 32 der Tagesordnung
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer
Die Landesregierung sieht Vor- und Nachteile bei
schätzt, dass allein in Deutschland jährlich der Bauabzugsbesteuerung.
70 000 Arbeitsplätze auf Grund von Produktpiraterie
verlorengehen. Zu den Bedenken gehört: Sie führt zu erheblichem
bürokratischen Aufwand. Die Effekte zur Bekämp-
Marken- und Produktpiraterie vernichten nicht fung der illegalen Bautätigkeit sind begrenzt.
nur Arbeitsplätze. Sie gefährden auch die Innova-
tionskraft unserer Wirtschaft. Wenn ein Unterneh- Für die Regelung spricht, dass die im Zusammen-
men eine Erfindung, ein Patent oder eine Marke hang mit der Bauabzugsbesteuerung erteilten so-
nicht mehr wirtschaftlich verwerten kann, gibt es genannten Freistellungsbescheinigungen tragende
auch keinen Anreiz für die Entwicklung neuer Ideen. Bedeutung für die Steuerschuldnerschaft des Leis-
Für die wirtschaftliche Verwertung einer guten Idee tungsempfängers (Reverse Charge) bei der Umsatz-
steuer für Bauleistungen haben.
und einer neuen Erfindung ist effektiver und welt-
weiter Schutz des geistigen Eigentums unabdingbar. Eine Abschaffung der Bauabzugsteuer erscheint
Der Schutz des geistigen Eigentums und die Innova- von daher erst sinnvoll, wenn ein Ersatz der Freistel-
tionsfähigkeit einer modernen Wissensgesellschaft lungsbescheinigung für Zwecke der Umsatzsteuer
sind damit letztlich zwei Seiten derselben Medaille. gefunden ist.
312* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Anlage 17 Auch müssen die Brüsseler Vorschläge unter den
Gesichtspunkten Subsidiarität und Kompetenzord-
Erklärung nung noch einmal geprüft werden. Der Umfang des
Zugangs zum nationalen Arbeitsmarkt und die Inte-
von Minister Karl Rauber gration von Einwanderern liegen nach den geltenden
(Saarland) europäischen Verträgen in der Kompetenz der Mit-
zu Punkt 57 der Tagesordnung gliedstaaten. Auch der Vertrag von Lissabon sieht bei
der Integrationspolitik für die europäische Ebene le-
Für die Länder Saarland und Thüringen gebe ich
diglich eine Unterstützungsfunktion vor.
folgende Erklärung zu Protokoll:
Unter diesem Aspekt ist die Auffassung der Kom-
Das Saarland und der Freistaat Thüringen begrü-
mission problematisch, dass der Einwanderung aus
ßen den Vorschlag der Kommission für eine Än-
wirtschaftlichen Gründen eine gemeinsame bedarfs-
derung der Richtlinie 2006/112/EG in Bezug auf er-
orientierte Einschätzung der Arbeitsmärkte in der EU
mäßigte Mehrwertsteuersätze. Zum einen werden
durch die ab 2011 vorgesehene Ermöglichung einer zugrunde liegen müsse. Besonders kritisch zu sehen
dauerhaften Reduzierung der Mehrwertsteuersätze ist der Plan, zu diesem Zweck nationale „Einwande-
im Bereich der lokal erbrachten und der arbeitsinten- rungsprofile“ zu erstellen. Dieses ergänzende Mittel
siven Dienstleistungen positive Effekte auf das Wirt- zur Erhebung von statistischen Daten würde nur
schaftswachstum und die Beschäftigung erzielt. Zum neue bürokratische Hürden schaffen. Das ist abzu-
anderen ist mit der Ausdehnung der ermäßigten lehnen.
Mehrwertsteuersätze auf Babywindeln ein erster Das gilt auch unter dem Gesichtspunkt des Subsi-
Schritt in Richtung auf die Unterstützung von Fami- diaritätsprinzips für sogenannte „Migrationsprofile“.
lien mit Kindern getan. Diesem ersten Schritt muss
eine Ausdehnung der ermäßigten Mehrwertsteuer- Nicht weniger problematisch ist der Vorschlag der
sätze für zusätzliche typische Kleinkind- und Kinder- Kommission, „echte Möglichkeiten für eine zirkuläre
produkte des täglichen Bedarfs folgen. Migration [zu] schaffen, [...] um legalen Einwande-
rern das Recht auf vorrangige Genehmigung eines
weiteren legalen Aufenthalts in der EU einzuräu-
men“. Der Bundesrat hat wiederholt auf die Erfah-
rung hingewiesen, dass aus der vorübergehenden
Anlage 18 Aufnahme von Drittstaatsangehörigen sehr schnell
ein dauerhafter Bleibewunsch entsteht. Ich be-
Erklärung fürchte, dass die EU-weit guten Sozialsysteme diesen
(B) Wunsch noch verstärken. (D)
von Staatsminister Volker Bouffier
Damit Sie mich nicht falsch verstehen: Aus meiner
(Hessen)
Sicht enthalten die Vorschläge auch gute Ansätze.
zu Punkt 60 der Tagesordnung
Ausdrücklich positiv hervorzuheben ist die Betonung
Im Frühjahr nächsten Jahres will die Europäische einer „Nulltoleranz“ gegenüber Menschenschmug-
Kommission konkrete Vorschläge zur Weiterführung gel.
der bisher noch nicht behandelten asyl- und einwan-
Für die Hessische Landesregierung fordere ich die
derungspolitischen Aspekte des Haager Programms
Bundesregierung daher auf, sich bei den Gesprächen
von 2004 vorlegen. Heute sprechen wir über die von
zu einem „Europäischen Pakt für Einwanderung und
der Kommission vorgelegten Grundsätze, auf die sich
diese Vorschläge stützen sollen. Asyl“ einzubringen und insbesondere beim Europäi-
schen Rat am 15. Oktober dieses Jahres die aufge-
Ich möchte Ihr Augenmerk auf einige kritische zeigten Kritikpunkte nachdrücklich zu benennen.
Punkte lenken. Zu ihnen gehört der Vorschlag, den
Rechtsstatus von Drittstaatsangehörigen dem der Abschließend bitte ich um Ihre Zustimmung zu
Unionsbürger anzugleichen. Eine solche Anglei- den Ausschussempfehlungen.
chung dürfte für die Mitgliedstaaten schon deshalb
erhebliche Schwierigkeiten nach sich ziehen, weil
auch auf längere Sicht noch keine Angleichung der
sozialen Standards und der daraus folgenden Rechte
zu erwarten ist. Anlage 19

Ich vermisse Ausführungen der Kommission, wie Erklärung


eine breite Zuwanderung geringqualifizierter Kräfte
abgewendet werden kann. Die Europäische Union ist von Senatorin Gisela von der Aue
in der Tat aus demografischen und arbeitsmarktpoli- (Berlin)
tischen Gründen auf den Zuzug Hochqualifizierter zu Punkt 64 der Tagesordnung
angewiesen. Im Gegenzug bedeutete eine starke
Zuwanderung Geringqualifizierter eine Belastung Das Land Berlin erkennt an, dass mit der Sozial-
für unsere schon jetzt stark angespannten Sozialsys- agenda ein Schritt in die richtige Richtung zu einer
teme, die mit Blick auf die Zuwandernden selbst nachhaltigen und beschäftigungsfreundlichen Sozial-
kaum zu verantworten wäre. politik auf europäischer Ebene vollzogen wird. Wich-
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 313*

(A) (C)
tige Themen für ein soziales Europa werden aufge- gen europäischen Antidiskriminierungsrichtlinien mit
griffen. dem deutschen Allgemeinen Gleichbehandlungsge-
setz umgesetzt wurden. Die Debatten bezogen sich
Gleichwohl bleiben die Vorschläge hinter den Er- auch darauf, dass Deutschland beim Allgemeinen
fordernissen, die soziale Dimension der Europäischen
Gleichbehandlungsgesetz über die europäischen
Union entschieden und umfassend im Interesse der
Vorgaben hinausgegangen ist. Das ist insbesondere
Bürgerinnen und Bürger zu entwickeln, zurück. Des-
im zivilrechtlichen Bereich der Fall. Vor allem die mit-
halb besteht Bedarf, im laufenden Verfahren zu ein-
telständische Wirtschaft hat zu Recht die damit ver-
zelnen Aspekten der Agenda noch Verbesserungen
zu erreichen. bundenen Belastungen und die Eingriffe in die
Rechtskultur gerügt.
So sollten die Arbeitnehmerrechte durch erwei-
terte Rechte für die Europäischen Betriebsräte mehr Maßnahmen zum Schutz vor Diskriminierung sind
als bisher vorgesehen gestärkt werden. Starke Ar- notwendig und unerlässlich. Bei dieser sensiblen
beitnehmervertretungen und Gewerkschaften sowie Thematik kommt es aber in erster Linie auf das rich-
handlungsfähige Betriebsräte sind für ein qualitati- tige Maß an. Mit der Vorlage des weitreichenden
ves Wachstum in Europa unverzichtbar. neuen Richtlinienvorschlags schießt die Kommission
meines Erachtens über das Ziel hinaus.
Die wirtschaftliche Integration in den europäischen
Binnenmarkt muss mit dem gleichrangigen Ausbau Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass unter-
und Schutz der sozialen Rechte Hand in Hand gehen. schiedliche Umsetzungsstandards in den Mitglied-
Vor dem Hintergrund der aktuellen EuGH-Entschei- staaten keine Harmonisierung auf europäischer Ebene
dungen zu Fragen der Arbeitnehmerentsendung, des rechtfertigen. Auch wenn in Deutschland über eine
Streikrechts und des Arbeitsrechts – Urteile in Sa- bloße 1:1-Umsetzung der bisherigen vier Antidiskri-
chen Laval, Viking, Rüffert, Luxemburg – ist dafür minierungsrichtlinien hinausgegangen wurde, muss
Sorge zu tragen, dass keine Widersprüche zwischen damit keine Rechtsangleichung auf höchstem Niveau
den Grundfreiheiten des Vertrags und dem Schutz befürwortet werden. Die Mitgliedstaaten sollten das
der Grundrechte auftreten bzw. den Grundfreiheiten Recht haben, über europäische Vorgaben hinauszu-
im notwendigen Abwägungsprozess keine automati- gehen. Aber das darf nicht dazu führen, dass die an-
sche Vorrangstellung eingeräumt wird. Hier besteht deren das auch tun müssen.
unmittelbarer Handlungsbedarf, um eine Aufwei-
chung der bestehenden Lohn- und Sicherungsni- In Deutschland wurde das europäische Antidiskri-
veaus zu verhindern, aktuell bei der Diskussion über minierungsrecht erst vor zwei Jahren umgesetzt.
Änderungen der Entsenderichtlinie. Diese Zeit ist zu kurz, um die Auswirkungen des Ge- (D)
(B)
setzes ausreichend zu evaluieren.
Für die Zukunft Europas ist es entscheidend, die
Europäische Union so weiterzuentwickeln und zu Angesichts des Richtlinienvorschlags befürchte ich
stärken, dass Wirtschaft, Umwelt und Soziales als auch weitere Belastungen für die Wirtschaft, insbe-
gleichrangige Ziele behandelt werden. sondere KMU. Bereits die Umsetzung der alten Anti-
diskriminierungsrichtlinien hat die Kostenbelastung
der Unternehmen erheblich gesteigert und zu einem
unverhältnismäßig hohen bürokratischen Mehrauf-
wand geführt. Das passt nicht zu dem von der EU un-
Anlage 20
terstützten Motto „think small first“. Wenn die klei-
nen und mittleren Unternehmen von bürokratischen
Erklärung Vorschriften befreit werden sollen, darf man ihnen
nicht gleichzeitig neue Belastungen auferlegen. Eine
von Minister Andreas Krautscheid konsistente Politik sieht anders aus.
(Nordrhein-Westfalen)
zu Punkt 65 der Tagesordnung Außerdem zeigt die Vielzahl von Vertragsverlet-
zungsverfahren in den Mitgliedstaaten, dass die An-
Mit dem Vorschlag der Kommission für eine Richt- wendung des bisherigen Rechts noch nicht konsoli-
linie zur Anwendung des Grundsatzes der Gleichbe- diert ist. Neue Urteile des EuGH weisen in die
handlung vom 2. Juli 2008 wurde der Schutz vor gleiche Richtung.
Diskriminierung erneut auf europäischer Ebene auf-
gegriffen. Ich habe Zweifel, ob zur Bekämpfung von Diskri-
minierung ein umfassender Vorschriftenapparat der
Der Kampf gegen Diskriminierung ist ein sehr
richtige Weg ist. Vieles spricht dafür, dass wir dieses
wichtiges, aber auch sehr sensibles und kontroverses
Problem über Kommunikationsstrategien besser an-
Thema. Ich bin nicht der Auffassung, dass die Anti-
gehen können als über rechtliche Verbote und Ge-
diskriminierungspolitik in Europa derzeit auf dem
richtigen Weg ist. bote. Wenn es gelingt, die hinter den Handlungen
stehenden Einstellungen und Haltungen der Men-
Es hat in Deutschland intensive innenpolitische schen zu beeinflussen, so ist das viel effektiver, als
Debatten gegeben, als im Jahr 2006 die vier bisheri- mit Zwangsvorschriften zu arbeiten.
314* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Anlage 21 Neue Richtlinien sollten nur dann erlassen wer-
den, wenn es keine milderen erfolgversprechenden
Erklärung Maßnahmen gibt. Dieser Zurückhaltung, die Aus-
fluss des Verhältnismäßigkeitsprinzips ist, ist auch
der europäische Gesetzgeber verpflichtet. Wenn die
von Staatsministerin Christa Stewens
EU die Regeln zur Antidiskriminierung über das Ar-
(Bayern)
beitsleben hinaus auch auf den Alltag erweitern will,
zu Punkt 65 der Tagesordnung
dann weil sie die Einstellung jedes Einzelnen ändern
Als Teil des Europäischen Sozialpaketes wurde am möchte. Aber können Werte wirklich per Gesetz ver-
2. Juli 2008 ein Richtlinienvorschlag zur Antidiskri- mittelt werden? Meines Erachtens müssen wir klar-
minierung veröffentlicht. Er ist der fünfte seiner Art, stellen, dass das bislang von der Europäischen Union
den die Europäische Kommission den Mitgliedstaa- geschaffene und im deutschen Allgemeinen Gleich-
ten in den letzten acht Jahren vorgelegt hat. behandlungsgesetz (AGG) umgesetzte Regelwerk als
ausreichend angesehen wird. Um ein Umdenken in
Ziel des Vorschlags ist es, Diskriminierung aus der Gesellschaft zu erreichen, ist es zielführender, Er-
Gründen von Religion und Weltanschauung, Behin- fahrungen auszutauschen, Sensibilisierungsmaßnah-
derung, Alter oder sexueller Orientierung auch au- men zu starten, die verschiedenen Ansätze in den
ßerhalb von Beruf und Beschäftigung zu bekämpfen. Mitgliedstaaten zu vergleichen und voneinander zu
Bislang waren europäische Vorgaben bezüglich die- lernen.
ser Diskriminierungsgründe auf das Arbeitsleben be-
Gesetze brauchen Zeit, um ihre volle Wirksamkeit
grenzt.
zu entfalten. Nachdem nur neun Monate vergangen
Der Kampf gegen Diskriminierung ist ein wichti- sind, seit die Umsetzungsfrist der jüngsten Vorgän-
ges Thema. Wir sind uns sicherlich alle darüber ei- ger-Richtlinie 2004/113/EG abgelaufen ist, ist es zu
nig, dass Diskriminierung in einer aufgeklärten und früh, schon Nachbesserungen vornehmen zu wollen.
den Grundrechten verpflichteten Gesellschaft keinen Noch immer laufen gegen mehr als die Hälfte der
Platz hat. Die Bayerische Staatsregierung tritt klar Mitgliedstaaten Vertragsverletzungsverfahren. Na-
gegen jede Art von Diskriminierung ein. Deswegen tionale Umsetzungsgesetze wie das deutsche AGG
sind noch zu kurz in Kraft, um ihre Wirkungen zu
begrüße ich es ausdrücklich, wenn durch europa-
evaluieren. Und wenn durch die Richtlinien ein Wan-
weite Kampagnen, z. B. dem Europäischen Jahr der
del in den Köpfen der Menschen bewirkt werden soll,
Chancengleichheit 2007, auf Wertvorstellungen der
muss man ihm auch Zeit lassen, dort anzukommen.
Gesellschaft ein- und auf eine tolerante Gesellschaft
Schon jetzt eine weitere Richtlinie vorzuschlagen ist
hingewirkt wird. Denn der beste Diskriminierungs-
deswegen übereilt.
(B) schutz besteht nicht in einer Gesellschaft mit den (D)
meisten gesetzlichen Vorgaben, sondern in einer vor- Wie wir alle wissen, ist Deutschland mit seinem
urteilsfreien und toleranten Gesellschaft. Wir Länder AGG bei der Umsetzung der ersten vier Richtlinien
genauso wie Mitgliedstaaten und Europäische Union zur Antidiskriminierung über das geforderte Min-
wünschen uns diese Freiheit und Toleranz für alle destmaß hinausgegangen. Auch andere Mitglied-
Bürgerinnen und Bürger. staaten haben das europaweit vorgesehene Schutz-
niveau teilweise übertroffen und von ihrem insoweit
Dabei dürfen wir aber nicht vergessen, dass auch bestehenden Gestaltungsspielraum Gebrauch ge-
bei einem wichtigen Thema wie dem Kampf gegen macht. Deswegen das Schutzniveau für alle ver-
Diskriminierung der Gesetzgeber – sei es der deut- pflichtend zu heben, verkennt die Rechtsnatur einer
sche oder der europäische – die ihm vorgegebenen Richtlinie, die lediglich Mindeststandards setzen will
Regeln einhalten muss. und darf, aber ganz entschieden. Zudem ist nicht
dargelegt, wieso eventuell bestehende Lücken im
Zunächst kann jeder Gesetzgeber nur handeln,
Diskriminierungsschutz nicht auf nationaler Ebene
wenn er die Zuständigkeit dazu hat. Die Ausschuss-
geschlossen werden können. Das gilt umso mehr, als
empfehlungen, die Ihnen heute zur Abstimmung vor-
die in einzelnen Mitgliedstaaten eventuell vorhande-
liegen und die auf B-Länder-Anträge in den verschie-
nen Lücken sich häufig nicht decken werden. Für
denen Ausschüssen zurückgehen, negieren mit
alle gleichermaßen geltende Regelungen sind dann
gewichtigen Argumenten die Gesetzgebungskompe-
aber wenig erfolgversprechend.
tenz der Europäischen Union für die uns zur Bera-
tung vorliegende Richtlinie. Zwar sieht Artikel 13 des Auch inhaltlich enthält die Richtlinie zahlreiche
EG-Vertrags vor, dass der Rat Vorkehrungen treffen Unklarheiten, die zu Rechtsunsicherheit und Anläs-
kann, um Diskriminierung aus verschiedenen Grün- sen für Rechtsstreitigkeiten führen können. Von den
den zu bekämpfen. Allerdings sind solche Maßnah- im vorgelegten Antrag aufgeführten Beispielen
men nur „im Rahmen der durch den Vertrag übertra- möchte ich eines herausgreifen: Nach Artikel 3 Nr. 1
genen Zuständigkeiten“ möglich. Mit anderen des Richtlinienentwurfs soll das Diskriminierungsver-
Worten schafft Artikel 13 somit keine zusätzliche bot bei der Versorgung mit Dienstleistungen und Gü-
Kompetenz für ein Handeln der EU. Auf die beste- tern für alle vertragschließenden Personen im öffent-
henden Zuständigkeiten kann der Entwurf wegen lichen und privaten Bereich gelten. Allerdings ist bei
der nur begrenzten Zuständigkeiten der EU im Be- der Geltung für Einzelne Voraussetzung, dass beim
reich von Bildung und Soziales aber gerade nicht ge- Vertragsschluss eine gewerbliche oder berufliche Tä-
stützt werden. tigkeit ausgeübt wird. Was das heißt, bleibt im Dun-
Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008 315*

(A) (C)
keln. Denn wenn Private generell vom Anwendungs- muss. Ferner müssen Subsidiarität und Verhältnismä-
bereich ausgeschlossen werden sollten, warum wird ßigkeit gewahrt sein.
dieser dann erst auf den privaten Bereich erstreckt?
Wenn aber alle Geschäfte betroffen sein sollten, die Der vorliegende Richtlinienentwurf greift weit in
der Private zu Erwerbszwecken vornimmt, wäre alles den Spielraum der nationalen Gesetzgebung ein. Da-
erfasst, was mit einem Entgelt verbunden ist. Das her steht die Bundesregierung diesem Vorhaben dem
wären kleine Verkäufe auf einem Flohmarkt genauso Grunde nach weiterhin sehr skeptisch gegenüber.
wie Vermietungen im Privathaus. Dass das zu weit Die jetzt vorliegenden konkreten Vorschläge der
geht, dürfte jedem einleuchten. Kommission werden sorgfältig von uns geprüft.
Alle betroffenen Ressorts meldeten Bedenken we-
Ich bitte Sie deswegen, sich für einen Diskriminie-
gen erheblicher Rechtsunsicherheiten im Zusammen-
rungsschutz mit Augenmaß auszusprechen und den
hang mit dem Richtlinienentwurf. Ferner wurden
Richtlinienvorschlag abzulehnen.
schwerwiegende grundsätzliche wie auch spezifische
fachliche Bedenken benannt. Diese wurden von mei-
nem Haus in Form von Fragen an die Kommission
bzw. den Juristischen Dienst des Rates zusammenge-
stellt und in die Beratungen der Ratsarbeitsgruppe
Anlage 22 eingebracht. Viele Fragen greifen auch die in der Be-
schlussempfehlung der Bundesratsausschüsse ge-
Erklärung nannten Bedenken auf. Konkrete Textvorschläge
wurden in den Ratsarbeitsgruppensitzungen noch
von Parl. Staatssekretär Dr. Hermann Kues nicht diskutiert.
(BMFSFJ) In den ersten Beratungen der Ratsarbeitsgruppe
zu Punkt 65 der Tagesordnung begrüßte die überwiegende Mehrzahl der Mitglied-
Die Bedenken des Bundesrates gegen den Vor- staaten den Richtlinienvorschlag. Allerdings steht
schlag einer neuen Antidiskriminierungsrichtlinie Deutschland mit vielen Bedenken und Fragen nicht
habe ich mit Aufmerksamkeit gelesen. allein.
Wir in Deutschland wollen einen guten Diskrimi-
Die Bundesregierung steht dem Richtlinienvor-
nierungsschutz. Wir wollen ihn aber vorrangig an
schlag sehr skeptisch gegenüber. Wir in Deutschland
unseren nationalen Gegebenheiten und Rechtstradi-
setzen uns auf allen Ebenen für den Schutz von Be-
tionen ausrichten. Nur dann wird er auf breite gesell-
nachteiligten in der Gesellschaft ein. Das gilt unab-
schaftliche Akzeptanz stoßen. Nur dann kann er auch
hängig von den Regelungen, die auf EU-Ebene ge-
(B) Wirksamkeit entfalten. (D)
troffen wurden und nach Vorstellung der Kommission
noch getroffen werden sollen. Unser gemeinsamer
Kampf gegen Diskriminierungen muss daher dahin
gehen, die vielfach noch neuen Gesetze erst einmal
in ihrer Wirkung zu unterstützen.
Anlage 23
Deutschland hat die bis vor kurzem noch geltende
Einschätzung der Kommission ausdrücklich begrüßt, Erklärung
dass vor neuen Maßnahmen die Erfahrungen mit den
bereits vorgenommenen Maßnahmen abgewartet von Staatssekretär Richard Drautz
werden sollten. Die dieser Bewertung zugrunde lie- (Baden-Württemberg)
genden Tatsachen bestehen weiter fort: Es fehlen Er- zu Punkt 91 der Tagesordnung
fahrungen mit der Anwendung der bereits bestehen-
den Richtlinien, und es fehlt an Rechtsprechung des Für Herrn Minister Professor Dr. Wolfgang Rein-
EuGH. Dies gilt im Übrigen auch für das deutsche hart gebe ich folgende Erklärung zu Protokoll:
Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz. Daher hat Am 23. Mai haben wir mit überwältigender Mehr-
Deutschland in seinen Stellungnahmen zu den Pla- heit in diesem Hause den Vertrag von Lissabon ratifi-
nungen der Kommission deutlich gemacht: „Die Bun- ziert. Das war der Höhepunkt einer langen und
desregierung sieht derzeit keine Notwendigkeit für intensiven Mitarbeit der Länder an dem EU-Reform-
die Vorlage neuer Vorschläge.“ prozess.
Die Vielzahl der Vertragsverletzungsverfahren Jetzt stockt die Reform infolge des irischen Refe-
– auch gegen Deutschland – macht eine große rendums. Doch nicht genug! Auch bei uns wird Front
Rechtsunsicherheit in der jeweiligen nationalen Um- gemacht und Klage vor dem Bundesverfassungsge-
setzung der bestehenden Richtlinien deutlich. Bis richt erhoben.
heute sind diese Verfahren nicht abgeschlossen. Der
neue Richtlinienvorschlag birgt die Gefahr, diese Ich halte es für wichtig, dass wir uns in dieses Ver-
Rechtsunsicherheit weiter zu vergrößern, ohne die fahren einschalten. Dabei geht nicht darum, etwas
bestehende zu reduzieren. Neues zu sagen. Es geht vielmehr darum, unsere
glasklare Haltung zu dem Reformwerk zu bekräfti-
Deutschland hat immer betont, dass bei neuen Ini- gen – gegenüber dem Bundesverfassungsgericht und
tiativen eine Gemeinschaftskompetenz bestehen gegenüber der Öffentlichkeit.
316* Bundesrat – 847. Sitzung – 19. September 2008

(A) (C)
Die Klagen schüren Angst vor der EU und schaden setz gezogene Grenze überschreitet der Lissabon-
der Position Deutschlands in Europa; schließlich hat Vertrag aber nicht. Er überträgt in einigen Bereichen
die Bundesregierung, hat Bundeskanzlerin Merkel Kompetenzen an die EU, in anderen – sensiblen – Be-
ganz persönlich den Weg für die Unterzeichnung des reichen bleibt es dagegen bei der Zuständigkeit der
Vertrags bereitet. Wir sollten daher auch gegenüber Mitgliedstaaten; so auch im Wesentlichen in der Au-
der EU, anderen Mitgliedstaaten und Parlamenten ßen- und Sicherheitspolitik.
deutlich machen, dass Bundestag und Bundesrat so-
wie die Bundesregierung geschlossen zum Vertrag Der Vertrag nimmt nicht nur Kompetenzen von
von Lissabon und zur Reform der Europäischen den Mitgliedstaaten. Er gibt auch etwas zurück,
Union stehen. nämlich Kontroll- und Mitentscheidungsrechte, vor
allem für die nationalen Parlamente.
Der Vorwurf, der Vertrag sei undemokratisch und
entleere die Rechte des Bundestages – und damit Und auf europäischer Ebene stärkt er die Rechte
auch des Bundesrates –, ist unbegründet und in sich des Europäischen Parlaments. Das stärkt die Bürger-
unverständlich. Genau das Gegenteil ist doch der nähe. Schließlich sind dort direkt gewählte Volksver-
Fall. Erstmals in der Geschichte der europäischen treter.
Verträge werden die nationalen Parlamente als maß- Fazit: Sowohl auf europäischer Ebene als auch auf
gebliche Akteure auf europäischer Ebene eingestuft. nationaler Ebene werden die Parlamente gestärkt. Im
Sie erhalten eigene Rechte gegenüber der Europäi- Vergleich zum jetzigen Vertrag von Nizza wird die
schen Union. EU wesentlich demokratischer. Die Analyse des Ver-
Mit dem Frühwarnsystem können die nationalen trags ergibt also genau das Gegenteil der Behaup-
Parlamente im Ergebnis Legislativvorschläge der tung der Kläger.
Kommission zu Fall bringen. Das ist eine scharfe Bedenkt man noch, dass der Vertrag zu einem gro-
Waffe. In dieses System sind über die Landesregie- ßen Teil das Ergebnis eines Verfassungskonvents ist,
rungen auch die Landtage eingebunden. Auch die an dem die nationalen Parlamentarier und die Europa-
Landtage können damit stärker mitgestalten. parlamentarier auf gleicher Augenhöhe mit den
Der Vorwurf, es würden zu viele Hoheitsrechte auf Staatenvertretern verhandelt haben, fällt das Urteil
die EU übertragen, ist ebenso unrichtig. umso eindeutiger aus.

Erstens: Das Grundgesetz ist integrationsfreund- Mit dem Vertrag von Lissabon geht es um nichts
lich. Es geht davon aus, dass Hoheitsrechte auf die Geringeres als die Zukunftsfähigkeit der EU. Diese
EU übertragen werden. Das ist auch im Interesse darf nicht durch leichtfertige Vorwürfe, gespickt mit
Deutschlands. Wir wollen, dass sich die EU um natio- falschen Behauptungen, gefährdet werden. Deshalb
(B) nale Grenzen überschreitende Themen kümmert, sind wir, der Bundesrat, auch in dieser „Postratifika- (D)
z. B. die Klima- und Energiefragen. Dass die EU hier tionsphase“ aufgefordert, klar Stellung zu beziehen.
zukünftig mehr machen soll, ist doch richtig.
Der Bundesrat steht hinter der Reform der Euro-
Zweitens: Natürlich gibt es einen Kernbereich der päischen Union. Das müssen wir klarstellen und be-
deutschen Eigenstaatlichkeit. Diese vom Grundge- kräftigen.