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DZPhil, Berlin 53 (2005) 3,

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Hermeneutik leiblicher Expressivität

Von HERMANN SCHMITZ (Kiel)

Es gibt drei Arten verständlicher Mitteilung (im Sinne des mitteilenden Objekts, nicht der Mitteilungsbeziehung): Nachricht, Symptom und Ausdruck. Eine Nachricht ist die Darstel- lung einzelner (auch vieler einzelner) Sachverhalte als Tatsachen in stimmlicher oder schrift- licher satzförmiger Rede oder in für diese eintretenden Symbolen. Ein Symptom ist eine Kon- stellation von Zuständen oder Ereignissen, die gemäß bekannten kausalen Zusammenhängen den Schluss auf eine Ursache gestatten. Ausdruck ist die körperliche oder lautliche Erschei- nung davon, wie ein Mensch oder ein Tier erlebt. (Der Begriff wird später erweitert werden.) Mit dem Ausdruck und seinem Verständnis sind die folgenden Darlegungen befasst.

heißen,

Jede Mitteilung findet in einem Medium statt. Eine Mitteilung soll ein Zeichen wenn sie die beiden folgenden Bedingungen erfüllt:

1. Die Mitteilung ist in dem Medium durch dem Empfanger merkliche Kennzeichen hervor- gehoben. 2. Die Mitteilung ist durch eine Übersetzungsvorschrift (auch Regel genannt) dem Mitge- teilten zugeordnet.

Nachrichten und Symptome sind in diesem Sinn Zeichen. Mit den Zeichen beschäftigt sich die Semiotik als allgemeine Zeichenwissenschaft und vermeintlich allgemeine Mit- teilungswissenschaft. Dass dieser Anspruch zu weit geht, will ich im Folgenden zeigen, indem ich nachweise, dass der Ausdruck weder die erste noch die zweite Bedingung er- füllt.

Zu 1.: Der Ausdruck wird verstanden, obwohl ein bestimmtes Kennzeichen, das die Mittei- lung aus dem Medium hervorhebt, nicht angegeben werden kann. Ludwig Klages hat sich dafür folgendes Beispiel ausgedacht: „Die feinfühlige Frau aus dem Volke, die dem heimkehrenden Gatten mit einem Blick leichte Gereiztheit, dem Sohn leise Ver- stimmung ansieht, wäre, wenn darum befragt, völlig außerstande anzugeben, wie die Veränderung z.B. der Gesichtszüge beschaffen war, auf die sie ihr Urteil stützte. Sie würde sagen, sie habe leichte Gereiztheit und leise Verstimmung gesehen; das aber wüsste sie nicht, welche Verschiebung beweglicher Gesichtsteile mit den ,gesehenen' Gemütszuständen einherging." '

1

L. Klages, Grundlegung der Wissenschaft vom Ausdruck, 7. Auflage, Bonn 1950, 52.

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Zu 2.: Das Ausdrucksverständnis ist unregulierbar, also nicht durch Anwendung einer Über- setzungsvorschrift auf die Mitteilung erreichbar. Das ergibt sich aus der Unübertrag- barkeit des Ausdrucks, wodurch er von der Nachricht und dem Symptom abweicht. Diese beiden sind unempfindlich gegen Wechsel des Mediums. Eine Nachricht kann man zum Beispiel ohne Verlust an Mitteilungsleistung vorlesen, das heißt aus dem schrift- lichen Medium in das mündliche übertragen. Ein Symptom kann adäquat in eine Nach- richt übersetzt werden, zum Beispiel eine Serie von Quecksilberständen auf einem Fieberthermometer in eine von einer Krankenschwester danach gezeichnete Fieber- kurve. Beim Ausdruck versagen solche Übertragungswege. Ganz aussichtslos wäre der Versuch, den hochmütigen, nörgelnden oder enthusiastischen Ausdruck einer Stimme mithilfe einer Ausdrucksschrift so getreu wiederzugeben wie eine von dieser Stimme mitgeteilte Nachricht mithilfe der gewöhnlichen Schrift. Mag man die zugehörigen naturwissenschaftlich ermittelbaren Parameter noch so genau aufzeichnen, der Aus- druck geht dabei verloren, während von der Nachricht nichts verloren geht, wenn man sie aufschreibt. Wohl kann man im Ausdruck nach Symptomen forschen; für die ihm abgewonnenen Symptome gilt Gleiches wie für die Nachricht. Wenn aber der Inhalt der Mitteilung durch Ausdruck auf einen anderen Träger übersetzt werden soll, muss das Gesamtbild der ursprünglichen Darbietung so getreu wie möglich wiederholt wer- den; daher bedarf der geschickte Parodist einer oft verblüffenden Kunstfertigkeit, die sich der Abschreiber einer Nachricht ersparen kann.

Aus dieser Unübertragbarkeit des Ausdrucks ergibt sich die Unregulierbarkeit des Ausdrucksverständnisses durch folgendes Lemma: „Nur dann, wenn der Inhalt einer Mitteilung von der ursprünglichen Darbietung unversehrt in jedes andere Medium, das überhaupt zur Darbietung geeignet ist, übertragen werden kann, genügt zum Ver- ständnis der Mitteilung die Anwendung einer Übersetzungsvorschrift." Wenn nämlich eine Übersetzungsvorschrift der Regel R, eine Mitteilung M, einem mitgeteiltem In- halt M zuordnet und nun M, durch eine Mitteilung M 2 in einem beliebigen, zur Dar- bietung überhaupt geeigneten Medium ersetzt wird, wird es immer möglich sein, der Regel R] eine Regel R 2 als Übersetzungsvorschrift von M 2 nach M, vorzuschalten, und dadurch ist eine Regel R 3 als Produkt von R 2 und R t definiert, wodurch M 2 zur Mitteilung von M wird. (So verhalten sich zum Beispiel Fieberkurve, Thermometer- stände und Fieber.) Die damit nachgewiesene Unregulierbarkeit des Ausdrucksver- ständnisses entwertet nicht die Suche nach Regeln zur Unterstützung der Intuition, be- sagt aber, dass diese beim Verständnis des Ausdrucks nicht durch Kenntnis solcher Regeln ersetzt werden kann.

Die Semiotik scheitert also am Ausdruck, sofern sie auch diesen in die Domäne einer allge- meinen Wissenschaft von Zeichen aufnehmen will, um ihm einen Code anzudichten, der das Mitgeteilte zur Mitteilung verschlüsselt und vom Empfänger zum Verständnis der Mitteilung wieder entschlüsselt werden muss. Ein solches Scheitern beruht auf einer falschen Ontotogie, die in dem Axiom ausgesprochen werden kann: .Alles ist ohne Weiteres einzeln." Die drei ver- meintlich an jeder Mitteilung beteiligten Parteien - das Mitgeteilte, das mitteilende Zeichen und der die Mitteilung verstehende Interpret - werden wie drei Träger behandelt, zwischen denen eine Last weitergereicht werden soll, oder mit einem anderen Bild: Sie werden als zunächst nackte, bloß einzelne Sachen aufgefasst, die durch ein Regelsystem mit Bedeutung

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eingekleidet werden, wobei dieses Regelsystem konventionell gesetzt oder durch Kausalzu- sammenhänge der Natur eingegeben ist. Dagegen sage ich: Etwas kann nur im Licht einer Be- deutung einzeln sein. Bedeutungen im hier von mir gemeinten Sinn sind Sachverhalte (dass etwas ist oder nicht ist), Programme (dass etwas sein soll oder sein möge oder nicht sein soll oder nicht sein möge) und Probleme (ob etwas ist oder sein soll oder sein möge, einschließ- lich des negativen Falls). Solche Bedeutungen sind das Mitgeteilte aller Mitteilungen. Dass sie für das Einzelnsein von etwas unentbehrlich sind, erkennt man leicht, wenn man sich klar macht, was es heißt, einzeln zu sein. Einzeln ist, was eine Anzahl um 1 vermehrt (oder, was auf dasselbe hinausläuft: was Element einer endlichen Menge ist). 2 Mengen sind Umfänge von Gattungen, wobei der Sinn dieses Wortes so weit zu fassen ist, dass alles, wovon etwas ein Fall ist, eine Gattung ist. Daraus folgt, dass etwas nur als Fall einer Gattung einzeln sein kann. Das Fallsein ist ein Sachverhalt, und die Gattungen, die ich übrigens auch als Sach- verhalte (nicht immer tatsächliche) auffasse, enthalten jedenfalls in ihren Intensionen, ihrem Sinngehalt, Sachverhalte, oft auch Programme und Probleme. Daraus ergibt sich, dass etwas nur als etwas oder im Licht einer Bedeutung einzeln sein kann. Es ergibt sich aber nicht, dass für irgendeine Sache A, damit sie als Fall einer Gattung Β - einer von unendlich vielen, die stets in Frage kommen - einzeln sein kann, die Einzelheit von Β ad infinitum weitergereicht werden müsste, sodass Β als Fall einer einzelnen Gattung C, C als Fall einer einzelnen Gattung D usw. bereitstehen müssten, damit Β seinen Dienst für die Einzelheit von A leisten kann. Wäre es so, kämen Menschen nie zu etwas Einzelnem. Vielmehr hängt menschliches Finden von Einzelnem davon ab, dass Bedeutungen sich zu diffuser Bedeutsamkeit vermischen und daraus mit satzförmiger Rede als einzelne expliziert werden können. Solche Bedeutsamkeit wird trotz ihrer Diffusion, dass nicht alle darin enthaltenen Bedeutungen einzeln sind, für Menschen (und Tiere) dadurch fassbar, dass die diffus gemischten Bedeutungen sich ganz- heitlich zusammenschließen, mit zwei Merkmalen der Ganzheit: erstens Zusammenhalt in sich (durch ein Thema oder eine quasi atmosphärische Tönung, eine gemeinsame Note) und zweitens Abgehobenheit nach außen.

Eine solche ganzheitlich-binnendiffuse Bedeutsamkeit aus Sachverhalten, Programmen und Problemen, mindestens aber Sachverhalten, bezeichne ich als eine Situation sowohl dann, wenn sie ganz nur aus Bedeutungen besteht (wie im Fall von Sprachen, das heißt binnendif- fus-ganzheitlichen Massen von Rezepten für die Darstellung von Bedeutungen mit davon vorgezeichneten tatsächlichen oder untatsächlichen Sachverhalten, dass so gesprochen wird), als auch ganz besonders dann, wenn, wie in den meisten Fällen, die binnendiffuse Bedeut- samkeit beliebige weitere Sachen in ihre Ganzheit hineinzieht, darunter meist, nicht immer, Atmosphären des Gefühls. Situationen füllen den ganzen Horizont unseres Daseins und Fin- dens, sie sind das, womit wir in erster Linie zu tun haben, und einzelne Gegenstände, darun- ter auch Situationen, holen wir aus ihnen heraus kraft unseres Vermögens satzförmiger Rede, das uns gestattet, aus der binnendiffusen Bedeutsamkeit der Situationen einzelne Bedeutun- gen zu explizieren, in deren Licht dann etwas als Fall von etwas einzeln sein kann.

Situationen können aktuell oder zuständlich, impressiv oder segmentiert sein. Aktuell sind sie, wenn sich ihr Verlauf in beliebig dichten Querschnitten, wie von Augenblick zu Augenblick,

2 Alles, was Element einer endlichen Menge ist, vermehrt eine Anzahl (die der Menge) um 1, und alles, was eine Anzahl um 1 vermehrt, ist Element einer endlichen Menge (mindestens der Menge der mit ihm identischen Sachen).

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verfolgen lässt, etwa im Fall von Gesprächen oder sich zu sofortiger Bewältigung anbieten- den Gefahren; zuständlich sind sie, wenn dies nur nach längeren Fristen sinnvoll möglich ist, wie im Fall von Sprachen, Freundschaften, Feindschaften sowie persönlichen Situationen, worunter ich mit präziser Begriffsbildung ungefähr das verstehe, was man im Alltag vage die Persönlichkeit einer Person nennt, einschließlich der darin in unzähliger Fülle enthaltenen partiellen Situationen. Impressiv sind Situationen, deren binnendiffuse Bedeutsamkeit, ohne weniger diffus zu sein, mit einem Schlage zum Vorschein kommt, wie Gefahren, die sofort erfasst und bewältigt werden müssen, oder der typische oder individuelle Charakter, an dem wir etwas als ein Ding dieser Art oder als dieses Ding (zum Beispiel dieser Mensch, diese wohl- bekannte Stimme) erkennen. Segmentiert sind Situationen, die immer nur in Ausschnitten zum Vorschein kommen, wie natürliche Sprachen oder persönliche Situationen. Impressive Situationen bezeichne ich auch als vielsagende Eindrücke, weil sie viel an Sachverhalten, Programmen und Problemen zu sagen haben, was dazu aufruft, einzeln gesagt zu werden, ob- wohl sie für solches Sagen unerschöpflich sind. Der Dichter, namentlich der lyrische, bringt sie durch die geschickte Sparsamkeit seiner Explikation von Bedeutungen aus ihnen indirekt zum Vorschein, indem er durch das dünne Netz seiner Explikate die unversehrte Ganzheit der Situation durchscheinen lässt. Was zum Beispiel ein japanischer Haiku zwischen den Zeilen mitteilt, ist eine impressive Situation. Impressive Situationen, vielsagende Eindrücke, sind die primären Gegenstände unserer Wahrnehmung, meist unauffällig im Griff unseres Umgangs mit ihnen, gelegentlich aber auch so markant wie eine eigenartige Naturstimmung, ein fes- selndes Porträt, der erste Eindruck 3 von einem Menschen oder von der auf einer Reise er- lebten fremden Lebensart, die Erinnerung an einen schönen Urlaub oder eine Wohnung, die einem gleich kahl und behaglich vorkommt, noch ehe man sich umgesehen hat.

Mit der Einsicht, dass vielsagende Eindrücke die unversehrten, primären Gegenstände un- serer Wahrnehmung und meist mit Atmosphären des Gefühls geladen sind, ist der Weg zum Verständnis zeichenloser Mitteilung gebahnt, als die sich der Ausdruck erwiesen hat. Die Mitteilung ist das Vielsagende des vielsagenden Eindrucks, und die ausdrucksvolle Sache ist nicht ein Zeichen dafür, sondern gleichsam der Kern der impressiven Situation, beladen mit einer binnendiffusen Bedeutsamkeit, die ihn mit dem, was zum Beispiel an Stimmung, an Hintergrund, an Erinnerung dazugehört, ganzheitlich zur Situation zusammenschließt. Weil solche vielsagenden Eindrücke ubiquitär sind, hat eigentlich alles in diesem Sinn Ausdruck, nur dass wir angesichts unauffälliger Eindrücke darauf nicht aufmerksam werden, wohl aber, wenn zum Beispiel eine Naturstimmung, eine Straße, ein Gebäude, ein Wohnzimmer, sogar ein Möbelstück, erst recht aber der Klang eines Musikinstrumentes einen auffallenden Aus- druck hat. Der Ausdrucksbegriff hat sich damit erweitert; vom Ausdruck im weiteren Sinn muss der vorhin definierte Ausdruck (körperliche oder lautliche Erscheinung davon, wie ein Mensch oder ein Tier erlebt) nun als Ausdruck im engeren Sinn unterschieden werden.

Von diesem Ausdruck im engeren Sinn, der zum Beispiel den Untergebenen in kritischen Momenten an seinem Vorgesetzten interessiert, sprechen wir nur, sofern er zugleich Signal ist und auf diese Weise doch wieder zum Analogon der Nachricht und des Symptoms wird, dem ein „Tipp", eine das Verhalten steuernde weiterführende Information, entnommen wer-

3 Diese Redensart war es wohl, die mich zur Verwendung des Wortes „Eindruck" als Synonym für im- pressive Situationen bestimmt hat, obwohl nicht Einprägungen in irgendein Inneres, sondern wider- fahrende Situationen gemeint sind.

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den kann. Dadurch wird der Ausdruck aber nicht zum Zeichen im oben angegebenen Sinn. Viel- mehr beruht die weiterführende Information durch wahrgenommenen Ausdruck auf einem Verhältnis zwischen Situationen, das ich als Plakatierung bezeichne. Segmentierte Situatio- nen können sich zu impressiven gleichsam zusammenziehen, sodass so etwas wie die Quint- essenz der segmentierten Situation auf einen Augenblick, mit einem Schlag, in der binnen- diffusen Bedeutsamkeit eines vielsagenden Eindrucks zum Vorschein zu kommen scheint. Das nächstliegende Beispiel ist der prägnante Eindruck, den man oft bei der ersten Begeg- nung mit einem Menschen hat. Man meint dann auf den ersten oder zweiten Blick erfasst zu haben, mit was für einer Persönlichkeit oder persönlichen Situation man zu tun hat. Man nimmt das am Ausdruck wahr und kann sich demgemäß auf den anderen einstellen, auch ohne den Inhalt der Information explizit vollständig aussagen zu können. Dieser erste Ein- druck kann trügen, und daraus können Tragödien entstehen, besonders in der Erotik, die sich oft an fesselnden Eindrücken von der Persönlichkeit eines Menschen, wovon der Beein- druckte nicht mehr loskommt, entzündet. Ich habe Chancen und Gefahren solcher erotischer Plakat-Situationen in meinem Buch Die Liebe (Bonn 1993, 90-97) unter dem Titel „Der Leiteindruck" besprochen.

Die Persönlichkeit eines Menschen ist eine zuständliche segmentierte Situation aus vielen Situationen, zu der der Mitmensch einen privilegierten Zugang hat, indem sich ihm häufig die segmentierte Situation zum Plakat in Gestalt einer aktuellen impressiven Situation zu- sammenzieht, die zwar nicht untrüglich ist, aber an weiteren Erfahrungen mit dem Menschen explizierend korrigiert und angepasst werden kann, bis daraus eine zuständliche impressive Situation wird, das irreführend so genannte Bild, das man sich von dem Menschen macht; es ist immer noch nicht untrüglich, aber bewährt und insofern verlässlich. Der Mitmensch kann also analytisch, vom Ganzen eines vielsagenden Eindrucks aus vereinzelnd und verfeinernd, in die Persönlichkeit eines anderen eindringen, während der Mensch an seine eigene persön- liche Situation nur synthetisch herankommt, indem er durch Häufung fragmentarischer Er- fahrungen mit sich dem Begreifen des Ganzen, das seine Persönlichkeit ist, näher kommt. Aber auch auf viele andere Weisen kann eine impressive Situation eine segmentierte plaka- tieren, etwa so, wie der „hohe Mut" der mittelalterlichen Adels- und Ritterkultur in der Figur des Bamberger Reiters, einem vielsagenden Eindruck, schlagartig aufscheint. Impressive Si- tuationen können außer segmentierten Situationen auch andere, aktuelle oder zuständliche, impressive Situationen plakatieren. Immer dann, wenn der wahrgenommene Ausdruck wie eine Nachricht eine weiterführende - zutreffende oder irreführende - Information vermittelt, ist er eine impressive Situation, die eine andere Situation plakatiert.

Der Umgang mit vielsagenden Eindrücken besteht teils in der - sprachlich vermittelten - Explikation von Bedeutungen aus ihrer binnendiffusen Bedeutsamkeit, teils in einer Art von Fingerspitzengefühl, das sich auch ohne Explikation auf die Situation im Ganzen einstellt und sich ihr anpasst. Diese Sensibilität ist Voraussetzung gelingender Explikation, denn um aus einer impressiven Situation etwas herauszuholen, muss man erst einmal an sie herankommen und für sie empfänglich sein. Wie wird man empfänglich für impressive Situationen? Ich ant- worte: durch Einleibung. Dieses neue Wort, das ich aus freien Stücken eingeführt habe, er- hält seinen Sinn aus meiner Phänomenologie der leiblichen Dynamik und leiblichen Kom- munikation, die ich oft und eingehend vorgetragen habe, jüngst noch einmal in Was ist Neue Phänomenologie? (Rostock 2003, 24-43). Hier kann ich nur das Wichtigste kurz andeuten. Achse der Dynamik des spürbaren Leibes (wohl zu unterscheiden vom sieht- und tastbaren

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Körper) ist der vitale Antrieb, gebildet aus der antagonistischen Konkurrenz von Engung und Weitung, die einander zugleich hemmen und anstacheln. Nur durch das Band dieser Kon- kurrenz gibt es Antrieb; wenn es zur Engung hin reißt, wie im heftigen Schreck, ist der An- trieb erstarrt und gelähmt, und wenn es zur Weitung hin nachgibt, wie beim Einschlafen, beim Wegdösen und nach der sexuellen Ejakulation, ist er erschlafft. Dieses Band muss also ziemlich fest und straff sein, damit ein Antrieb, gleichsam als Dampf im Kessel, da ist, der dann Reize empfangen und ihnen zugewendet werden kann. Außer der Weitung, die im vitalen An- trieb konträr mit der Engung verschränkt ist, aber auch abgespalten werden kann, gibt es noch eine leibliche Weitung, die sowohl Engung als auch Weitung transportieren kann, indem sie unumkehrbar aus der Enge in die Weite führt: die leibliche Richtung, zum Beispiel in Gestalt des Blickes, der ebenso als engender in Scharfeinstellung wie als träumerisch weitender Blick vorkommt.

Der vitale Antrieb hat aber nicht nur im Leib des Individuums Platz, sondern schließt diesen auch mit anderen Leibern und leblosen Gegenständen, vielfach wechselnd, zu Ganzen mit der Struktur der leiblichen Dynamik zusammen. Der wichtigste Fall solchen Zusammen- schlusses ist die antagonistische Einleibimg. Was ich damit meine, belege ich jetzt nur durch ein Beispiel. Wenn man sieht, wie sich eine wuchtige Masse, zum Beispiel eine schlagbereite Faust oder ein heranfliegender Stein, drohend nähert, springt man geschickt zur Seite oder dreht sich weg, sodass unter günstigen Umständen der Zusammenstoß ausbleibt. Das gelingt in einer den unvorhersehbaren Umständen spontan angepassten Weise, weil man im Sehen mehr wahrnimmt, als was man sieht, nämlich auch den eigenen Leib, den man dann so wenig sieht wie für das Ausweichen relevante eigene Körperteile, der aber mit dem Gesehenen durch ein richtungsräumlich organisiertes Feld zusammengeschlossen ist. Der Blick als Fühler hängt sich gleichsam an die drohend sich nähernde Masse, indem er ihre Bewegungssuggestion - die anschauliche Vorzeichnung ihrer bevorstehenden Bewegung - auffängt und in das moto- rische Körperschema 4 , von dessen unumkehrbar aus der Enge in die Weite führenden Rich- tungen er selbst eine ist, so überträgt, dass dieses zur geschickt angepassten Reaktion be- fähigt wird.

Die Bewegungssuggestion ist eine Brücke der Einleibung, weil sie sowohl am eigenen Leib gespürt als auch an Gestalten - ruhenden, bewegten und Bewegungen - wahrgenommen wer- den kann. Engung und Weitung, Grundzüge leiblicher Dynamik, sind selbst Bewegungssug- gestionen. Jede Gebärde empfängt ihren Gebärdesinn durch eine über die ausgeführte Bewegung hinausreichende Bewegungssuggestion, zum Beispiel ein Augenaufschlag, ein Zurückwerfen des Kopfes, ein Zeigen mit dem Finger auf nahe Stehende. Außer den Bewegungssuggestio- nen, die den größten Teil der integrierenden Gestaltqualitäten von Gestalten ausmachen, sind Brücken der Einleibung die synästhetischen Charaktere, zum Beispiel das Scharfe, Grelle, Sanfte, Spitze, Helle, Harte, Weiche, Warme, Kalte, Schwere, Massige, Zarte, Dichte, Glatte, Rauhe der Farben, Klänge, Gerüche, des Schalls und der Stille, des hüpfenden und schlep- penden Ganges, der Freude, des Eifers, der Schwermut, der Frische und Müdigkeit. Wegen solcher verbindender Brücken oder Medien können auch Gestalten, die selbst leiblos, aber mit Bewegungssuggestionen und/oder synästhetischen Charakteren behaftet sind, wie der heranfliegende Stein, in die Einleibung eintreten.

4 Zum motorischen Körperschema von mir zuletzt: Was ist Neue Phänomenologie?, Rostock 2003, 31-34.

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Das Beispiel vom Ausweichen vor der wuchtigen Masse betrifft nur die motorische Ein- leibung; ebenso wichtig und von gleicher Struktur ist die sensible, das Organ der Wahrneh- mung von Ausdruck. In sensibler antagonistischer Einleibung spürt man den Partner am eige- nen Leib; man sagt dann wohl, man habe sich eigentümlich berührt gefühlt, und entnimmt diesem eigenleiblichen Spüren manches, wenn auch nicht als einzelne Bedeutung explizites, über den vielsagenden Eindruck, als der der Partner begegnet. Bei diesem braucht es sich nicht um einen Mitmenschen oder ein Mittier zu handeln; der Partner sensibler Einleibung kann auch eine eigenartige Naturstimmung sein, oder die von Xerxes in Händeis berühmter Arie besungene Platane. Die sensible Einleibung bedient sich ebenso wie die motorische der Bewegungssuggestionen und - besonders etwa am Stimmklang - der synästhetischen Cha- raktere als der Medien des Zusammenpassens. Ihr wichtigstes Organ aber ist die Fassung. Fassung ist das, was ein Mensch verliert, wenn er die Fassung verliert. Jeder Mensch hat seine eigentümliche Fassung, die sowohl leiblich wie personal ist. In der Fassung identifiziert sich der Mensch mit etwas, das eindeutiger ist als er selbst. Diese Identifizierung braucht keine Fiktion und keine Verwechslung zu sein, auch wenn es sich in Fällen der Unechtheit und Übertreibung um das eine oder andere handeln kann. Solchen Randfallen liegt aber et- was Elementares zu Grunde, das ich als spielerische Identifizierung bezeichnet habe, nach dem Vorbild des Schauspielers, der als die gespielte Figur gesehen wird. Das eingängigste Beispiel ist die Bildnahme. Wir sehen, wenn wir nicht reflektieren, das Bild nicht als Bild, sondern als das Abgebildete, zum Beispiel die bemalte oder bedruckte Fläche als schöne Landschaft oder fesselndes Gesicht, in dessen Ausdruck wir uns vertiefen, aber wir sind ebenso weit davon entfernt, Fläche und Gesicht zu verwechseln, wie das eine in das andere fingierend umzudeuten.

Mit der gleichen Selbstverständlichkeit identifiziert sich der personale Mensch, gleichsam unschuldig, mit seiner Fassung, falls er nicht in aufgesetzter Willkür damit spielt. Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig, da die Person, wie ich anderwärts bereits ausgeführt habe 5 , auf eine ambivalente Schieflage zwischen personaler Emanzipation und leiblich-affektivem Betroffensein, zwischen Distanzierung und Resubjektivierung, angewiesen ist und sich in dieser Labilität nicht anders stabilisieren kann, als indem sie sich eine Fassung gibt. Diese orientiert sich oft und weitgehend an der Berufs- und Familienrolle, reicht aber darüber hinaus in Gestalt der inneren Haltung, die der Psychiater Jürg Zutt unter anderem durch folgende Beispiele beschrieben hat: „Manche Haltungen, die aus bestimmten Wesenszügen hervorgehen, können fast dauernd die innere Haltung und damit das Handeln eines Menschen bestimmen:

so Aufrichtigkeit, Stolz, Liebenswürdigkeit, Bedächtigkeit. Aus diesen Grundhaitangen heraus entwickeln sich die Nuancen von Einzelhaltungen, wie z.B. Entgegenkommen, Abweisen, Begrüßen, Verabschieden." 6 Mir fallen als weitere Beispiele von Grundhaltungen misstrauische Vorsicht, Jovialität und sanfte Bestimmtheit ein, oder Freuds analer Charakter mit den Merk- malen: ordentlich, sparsam, eigensinnig. Die Fassung, die aus Anteilen der Rolle und der in- neren Haltung besteht, ist der sensibelste Fühler der Einleibung im zwischenmenschlichen Kontakt. Wenn man den anderen am eigenen Leibe spürt, weil man sich von ihm eigentüm- lich berührt fühlt, dann ist es im Wesentlichen die eigene Fassung, an die er gerührt hat. Wer

5 H. Schmitz, Der Spielraum der Gegenwart, Bonn 1999, 84—106; ders., Was ist Neue Phänomenolo- gie?, a.a.O., 157-173.

6 J. Zutt, Auf dem Wege zu einer anthropologischen Psychiatrie, Berlin 1963,14 ( 1-88: Die innere Haltung).

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sich nicht so rühren lässt, indem er die eigene Fassung starr festhält, sieht am Partner vorbei. Das umgekehrte Extrem, das Verfallen in Fassungslosigkeit, ist erst recht ein Zusammen- bruch der partnerschaftlichen Sensibilität. Ideal für diese ist eine Elastizität, die die eigene Fassung immer ein wenig aufs Spiel setzt, aber nie entgleiten lässt. Solche Elastizität der Fassung ist aber nicht nur ein Werkzeug der Sensibilität, sondern auch ein wirksames Mittel der Durchsetzung im unvermeidlichen Ringen um Dominanz, das jeder partnerschaftliche Kontakt unter Menschen, unter Tieren und zwischen Mensch und Tier als antagonistische Einleibung mit sich bringt. Einleibung erstreckt den vitalen Antrieb über den eigenen Leib hinaus auf das antagonistische oder solidarische Ganze. Der vitale An- trieb aber besteht in der gegenläufigen Verschränkung der Bewegungssuggestionen von En- gung und Weitung. Ihre Konkurrenz überträgt sich auf die antagonistische Einleibung als Ringen um Dominanz, auch wenn keiner der Partner eine Beherrschungsabsicht hat. Das zeigt sich deutlich am Blickwechsel. Blicke sind wie Speere, die unberechenbar tief zwar nicht in den sichtbaren und tastbaren Körper, wohl aber in den spürbaren Leib eindringen. Deswegen ist es schwer, den Blick des anderen lange auszuhalten, ohne zu unterliegen. Darauf beruht die starke Wirkung des auch nur kurzfristig verlängerten Blickes im erotischen Kontakt. Die dominantesten Blicke sind keineswegs die herrschsüchtigen, sondern im Gegenteil der liebe- volle und der demütige Blick: Man kann ihnen nicht widerstehen, man muss sich öffnen, das Eis schmilzt, man ist gerührt. In der Rührung schwankt die Fassung. Daran zeigt sich, dass die Dominanz des Blickes an der Wurzel nicht Wille zur Macht ist, sondern Resultat des An- tagonismus im vitalen Antrieb der Einleibung. So ist es schon im Tierreich. Auch Tiere senken oder wenden den eigenen Blick, wenn sie dem fremden nicht gewachsen sind, aber ungern, weil ihr Imponierenwollen dadurch eine Niederlage erleidet, und reagieren daher oft unwillig, wenn man ihnen in die Augen schaut.

Dieser rein leibliche Kampf um Dominanz wird im zwischenmenschlichen Kontakt über- lagert von einem personalen Konflikt, an dem die Fassung einen wichtigen Anteil hat. Dieser personale Konflikt beruht auf der Asymmetrie, dass der Mitmensch durch den vielsagenden Eindruck, der ihm von anderen zuteil wird, die Chance hat, in die Persönlichkeit oder persön- liche Situation des anderen analytisch, vom Ganzen her, einzudringen, indem er den ersten Eindruck anpasst, verfeinert oder korrigiert, während der Mensch selbst seine Persönlichkeit nur synthetisch aufsteigend zu erfassen lernt, indem er fragmentarische Erfahrungen davon, was für einer er ist, zusammensetzt, ohne je die ganze Summe zu erreichen. Ich habe schon von dieser Asymmetrie gesprochen, durch die jeder Mensch seinem Mitmenschen in der Be- gegnung unterlegen ist. Zum Ausgleich dieser Überlegenheit setzt der Mensch seine Fassung ein, indem er das mehr oder weniger geschlossene und stabile Ganze, das er für sich selbst nicht ist, als seine Fassung dem Blick des anderen entgegenhält. Diese Auseinandersetzung zwischen Blick und Fassung kann auch in einen anderen Kanal als den optischen, etwa in das Telefongespräch, verlagert werden. Sie ist zusammen mit dem Ringen um Dominanz, das jede partnerschaftliche Begegnung aus rein leiblichen Gründen ist, die fruchtbarste Quelle der binnendiffusen Bedeutsamkeit der gemeinsamen Konkurrenzsituationen, die sich bei je- dem Kontakt zwischen Menschen, die aufeinander zugehen und miteinander zu tun haben, ganz von selbst ergeben, auch unter gutmütigen Menschen, von denen keiner dem anderen ein Bein stellen will.

Die wichtigste gemeinsame Situation von dieser Art ist das Gespräch. Es ist eine aktuelle Situation, der unabsehbar viele zuständliche Situationen aufgeladen sind, die das Gespräch

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durchziehen und ihm den Hintergrund geben. Dazu gehören die Sprache des Gesprächs und die zugehörigen Umgangsformen, ferner die persönlichen Situationen der Teilnehmer mit den Situationen, in die sie gleichsam eingewachsen sind, und die thematische Situation - das, was zur Erörterung ansteht - mit den sie umrankenden Situationen der Lebenslage (zum Bei- spiel Börsenlage, politische Lage und verwandte Situationen, die die öffentliche Meinung be- wegen), nicht zuletzt aber auch eine auf Kontakte zugeschnittene Situation, die ich als die partnerschaftliche zuständliche Situation bezeichnen möchte. Wenn Menschen miteinander sprechen, baut sich in der aktuellen Gesprächssituation eine zuständliche auf, die darüber ent- scheidet, wie sie miteinander auskommen, ob glatt oder mit irgendwie gestörtem Verhältnis, und bei erneutem Zusammenkommen wieder wach wird, sich verhärtet oder umbildet.

Nährboden dieser zuständlichen partnerschaftlichen Situation ist der besprochene Konflikt zwischen Blick und Fassung. Grundsätzlich ist er nach beiden Seiten ausgewogen, weil beide Partner einander anblicken und jeder dem Blick des anderen seine Fassung entgegenhält. Be- sondere Konstellationen modifizieren die Gewichtsverhältnisse, indem zum Beispiel im Ge- spräch zwischen Arzt und Patient gewöhnlich der Blick des Arztes führt und der Patient mehr als der Arzt seine Fassung behaupten muss, doch sind die Gewichte hier wie fast immer beweg- lich. Auch im Blick liegt die Fassung, und deshalb ist die Auseinandersetzung von Blick und Fassung zugleich ein Abgleich der Fassungen der Beteiligten aneinander, eine mehr oder we- niger gelingende Anpassung und Abstimmung, die die Brücke zur binnendiffusen Bedeut- samkeit der zuständlichen partnerschaftlichen Situation schlägt. Oft ist das „Klima" eines Gespräches ganz anders geworden, wenn man sich nach dem Abendessen oder am anderen Morgen oder nach einer Unterbrechung anderer Art wieder zusammensetzt, weil die Fassun- gen der Beteiligten sich durch die Unterbrechung erholt, geglättet oder aufgerauht haben, wodurch sich die binnendiffuse Bedeutsamkeit der gemeinsamen partnerschaftlichen Situa- tion gewandelt hat.

Wegen der Beladung mit unübersehbar vielen hintergründigen zuständlichen Situationen ist die aktuelle Gesprächssituation keineswegs immer impressiv, sodass ihre ganzheitliche, binnendiffuse Bedeutsamkeit in einem Augenblick zum Vorschein käme, wie die von einem zarten lyrischen Gedicht suggerierte Situation oder der vielsagende „erste Eindruck" bei der Begegnung mit einem Menschen. Was im Gespräch an Unausgesprochenem mitschwingt, ist oft so vielschichtig und gehaltvoll, dass die das Gespräch integrierende Bedeutsamkeit der aktuellen Situation nie ganz zum Vorschein kommt, sondern immer nur in Facetten wie bei Sprachen und Persönlichkeiten, anderen segmentierten (aber obendrein zuständlichen) Si- tuationen. Die Aufgabe der Sprechenden im Gespräch stellt sich unter diesen Vorgaben ganz anders dar als nach der üblichen Vorstellung abgeschlossener Individuen, die Informationen wie Waren und Münzen austauschen. Vielmehr geht es um die Explikation binnendiffuser Bedeutsamkeit einer den Gesprächspartnern gemeinsamen Situation aus Situationen und Herausholen deijenigen Sachverhalte, Programme und Probleme, an denen die Situation sich klärt, indem deutlich wird, was in ihr dazu drängt, zur Sprache zu kommen, aber auch, was verschwiegen sein will.

Prof. Dr. Hermann

Schmitz,

Steinstraße

27, 24118 Kiel

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Hegels Philosophie

des

nationalen Hegel-Gesellschaft

subjektiven

Ein komparatorischer

2001. 447 S., € 64,80

ISBN 3-05-003670-2

Geistes

Kommentar

Karl Friedrich Koppen Ausgewählte Schriften

in zwei Bänden Heinz Pepperle (Hrsg.)

2003. 242; 214 S.

2 Bde. Im Schuber, € 124,80

ISBN 3-05-003625-7

Jeder Band

Hardcover,

Format 170 χ 240

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an Ihre

und der Internationalen

Vereinigung, Rotterdam

Heinz Kimmerle (Hrsg.)

2004. 274 S„ € 69,80

Hegel-

2003

ISBN 3-05-004086-6

Georg Sans

Die Realisierung des

Begriffs

Eine Untersuchung zu Hegels Schlusslehre

2004. 253 S„ € 69,80

ISBN 3-05-004048-3

Akademie Verlag

www.akademie-verlag.de

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