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Alexander Koschel 16.01.

2018

Selbstporträt als Apostel Paulus – Rembrandt Van Rijn


Das Gemälde ''Selbstporträt als Apostel Paulus'', welches 91 x 77 cm misst, entstand 1661 in der
Barockepoche und wurde vom Künstler Rembrandt Van Rijn als eines seiner Spätwerke gemalt. Er
verwendete für sein Werk Ölfarben und führte es auf einer Leinwand aus. Der Aufenthaltsort des
Selbstporträts ist aktuell das Rijksmuseum in Amsterdam.

Mein erster Eindruck auf das Bild ist wechselnd und trüb. Es gibt mir das Gefühl, als würde ich von
Rembrandt direkt in das Bild involviert werden. Rembrandt scheint wie ein Lehrer, welcher seinem
Schüler, dem Betrachter, versucht etwas erfolglos zu erklären. Es gibt mir das Gefühl, als wäre
man in einer recht unbehaglichen Situation gefangen, dabei wird diese von Rembrandt gleichzeitig
etwas erzwungen akzeptiert so wie sie sich unkontrollierbar abspielt.

Im Porträt stellt sich Rembrandt in einem überwiegend dunklem Hintergrund da, wobei der Bereich
links oben heller ist als der Rest. Rembrandt blickt den Betrachter über die rechte Schulter mit
einem überraschtem oder etwas verlegend wirkendem Gesichtsausdruck an. Auf dem Kopf trägt
Rembrandt einen weißen Turban, welcher der hellste Punkt auf dem Bild ist. Zu dem Turban hat er
eine ebenfalls dunkel gehaltene Jacke an, aus welcher nur schwer erkennbar der Griff eines
Schwertes lugt. In der rechten Hand hält er ein Buch oder ein Bündel mit beschriftetem Papier.
Über Rembrandts rechter Schulter ist wage seine Unterschrift, auf dem hellen Abschnitt des
Hintergrunds, zu erkennen.

Die Blickführung leitet den Betrachter beim ersten Ansehen auf den Turban Rembrandts, welcher
sich durch die Helligkeit und dem Kontrast stark vom Rest des Bildes abhebt, da von oben links
eine Lichtquelle auf diesen herabscheint und somit auch Rembrandts Gesicht erleuchtet. Dieser
Lichteinfall lässt Rembrandt sehr alt aussehen. Die absackenden Wangen und die faltige Stirn sind
deutlich zu erkennen. Daraufhin wandert der Blick vom Turban und Rembrandts Gesicht zu dem
lichterfülltem Hintergrund links von der Kopfbedeckung, dieser leitet einen anschließend über die
Schulter zu dem weniger belichtetem Buch. Die Lichtquelle erscheint von oben auf das Buch zu
fallen. Die dunkle Jacke verschmilzt fast mit dem ebenso dunklem Hintergrund, zu welchem man
seinen Blick zuletzt kehrt.

Die Zentrallperspektive und die Pose in welcher Rembrandt sich dargestellt hat, verleihen dem
Gemälde eine räumliche Tiefe. Ebenfalls erscheint der stark, hell erleuchtete Abschnitt links oben
im Bild durch die Anwendung der Diagonalmethode als Kompositionregel sehr harmonisch. Der
zweite Hauptpunkt der Interesse, neben dem Turban, liegt auf dem Buch welches Rembrandt in
seiner Hand hält.

Das Werk ist typisch für Rembrandt in warmen, größtenteils Braun-, Gelb- und Rottönen gehalten.
auch eine Einspielung von Grüntönen ist vor allem im ausgeleuchteten Hintergrund zu erkennnen.
Der Duktus ist weitgehend grob und pastos, nur das Gesicht wird mit einer feineren und
übergehenden Pinselführung dargestellt während vor allem die Haare und der Turban sehr
konturenhaft gehalten sind.

In diesem Porträt stellt sich Rembrandt als den Missionar Apostel Paulus dar und nimmt so,
charakteristisch für seine Arbeiten, die Rolle einer historische Figur ein welche vor allem in der
Religion relevant ist. Erkennbar ist dies erstmal bereits am Titel, jedoch auch an dem Buch und
dem Schwert welches Rembrandt in das Selbstporträt eingebaut hat. Dabei wird Apostel Paulus'
traditionelles Attribut, das Schwert, weniger dominant gemalt und die Aufmerksamkeit wird
stattdessen auf das andere Symbol Paulus', die Apostelbriefe, gelenkt. So wird bewusst eine
weniger aggressive Impression von Apostel Paulus geschaffen und es fügt zu dem Gefühl, dass
Rembrandt ein geschlagener Mann ist welcher nur vergebens seine ''Apostelbriefe'' verbreiten
kann, bei. Auch ist auf dem Turban ein herausstechender, gelber Pinselstrich sichtbar, welcher
den Heiligenschein Apostel Paulus' imitiert.

Vergleichbar war es sehr selten für Künstler sich als Apostel darzustellen; man könnte dies
aufnehmen als überhebter Stolz. In Rembrandts Werk jedoch ist genau das Gegenteil der Fall und
stattdessen erscheint er durch seine Kleidung, als auch durch seine eingefaltene Körperhaltung
und seinen Gesichtsausdruck, ergeben, alt und einfach in seiner Darstellung. Alles Andere als
heroisch. Jenes lässt sich auch mit der Lebenssituation, in welcher Rembrandt sich zur Zeit der
Entstehung befand, widerspiegeln. Nach seinem offiziellen Bankrott in 1656, seinem stetigen
Altern und auch der Auseinandersetzung mit dem calvinistischen Kirchenrat, vergleicht Rembrandt
seine eigene Erschöpfung und seine eigenen Erfahrungen mit denen von Apostel Paulus.

Gegensätzlich zu Rembrandts anderen Selbstporträts ist dieses, vor allem mit dem erforderlichen
Hintergrundwissen über Rembrandt, sehr düster. In diesem Werk stellt er sich nicht, wie so oft, als
siegreicher und gehobener Maler dar und zeigt so besonders wie sich Lebensbedingungen
schlagartig ändern können und wie man manchmal nicht die Macht hat eine gewisse Situation, wie
zum Beispiel das Altern, zu ändern. Das Werk deutet auch auf einen Zeitraum der Reflexion in
Rembrandts Leben hin.

Wenn ich auf meinen ersten Eindruck rückblicke, scheint sich dieser bestätigt zu haben.
Rembrandt ist in einer unschönen Situation gefangen, hat dieser gegenüber aber völlig resigniert,
da er nichts anderes machen kann als sie zu akzeptieren.