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Thomas Metscher

Europa und die Gewalt 1

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Das Folgende hat den Charakter eines Versuchs – nennen wir es einen Essay in geschichtsphilosophischem Denken. Ein solches Denken hat heute keine Konjunktur. In einer Zeit, die das Ende der Erzählungen auf ihre Fahnen geschrieben hat, ist auch kein Platz mehr für die Philosophie// eine philosophische Theorie der Geschichte – für geschichtsphilosophisches Denken welcher Spielart auch immer. Und dennoch, meine meine ich, werden wir eine solches Theorie ein Stück weit benötigen, wollen wir nicht vor der Zeit, in der wir stehen, erstarren wie beim Anblick des Haupts der Medusa.

Mit dem Thema Europa freilich bewegen wir uns auf höchst umstrittenem, theoretisch wie politisch brisantem Terrain. Der nach wie vor virulenten Mythe Europa – heute erscheint sie zumeist in der Gestalt der Mythe des 'Westens' – steht im internationalen Schrifttum eine radikale Europakritik gegenüber (ihr international prominentester Vertreter ist der jüngst verstorbene Edward Said). Diese tendiert, das Kind mit dem Bade auszuschütten – dem Anspruch auf europäisch-westliche Suprematie die Denunziation europäisch-westlicher Nichtswürdigkeit gegenüber zu stellen. Eine dialektische Theorie von Geschichte wird zwischen den Extremen hindurchsteuern müssen; so sehr zuzugestehen ist, daß bei den gegenwärtigen politischen Verhältnissen die Kritik westlichen Größenwahns einen entschiedenen Vorrang hat. Geschichtsphilosophisches Denken, dies sei zur Erläuterung vorausgeschickt, meint Überlegungen zu einer Theorie der Geschichte, die nach Strukturen und Prinzipien geschichtlicher Abläufe fragt, denen der ganzen Geschichte und denen einzelner Geschichten. So sehr heute die Skepsis gegenüber totalisierenden Theorien geboten ist, so wenig enthebt uns diese Einsicht der geschichtsphilosophischen Nachfrage: dem Versuch, die Bauformen und Gesetze, aber auch die Gründe geschichtlicher Abläufe zu erkunden. Dazu gehört die Frage, warum eine Geschichte so und nicht anders verlaufen ist ebenso wie die nach den Motiven der historischen Akteure. Dazu gehört die Frage nach der Bewertung der Geschichte einer besonderen Zivilisation, und im Zusammenhang damit die Diskussion der Normen, nach denen diese Bewertung erfolgt – gehört also die Kritik der Geschichte und die Frage nach den Prinzipien dieser Kritik. Und dazu gehört nicht zuletzt die Frage nach geschichtlicher Zukunft, nach den Normen – ja den Idealen und Leitbildern – der Gestaltung von Geschichte in die Zukunft hinein, wie nach den Kräften, die diese Zukunft gestalten können.

I. "Von Athen bis Auschwitz" – eine Variante der Mythe Europa

Meinen Ausgangspunkt nehme ich bei einem 2002 erschienenen Buch: Christian Meier, Von Athen bis Auschwitz. Betrachtungen zur Lage der Geschichte. 2 Der Text geht auf Vorlesungen zurück, die der Autor, hochrenommierter Historiker und Präsident der Akademie für Sprache und Dichtung, in den Jahren 2000/01 am Wissenschaftszentrum Nordrhrein-Westfalen

1 Erschienen in: N. Paech u.a. (Hg.), Völkerrecht statt Machtpolitik. Beiträge für Gerhard Stuby. Hamburg 2004, S. 202-25. 2 Meier 2002. Nachweise im fortlaufenden Text.

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gehalten hat. In ihm vertritt er die provokative These, daß die Geschichte Europas mit Athen beginnt und mit Auschwitz endet (9). Athen und Auschwitz markieren Anfang und Ende des "europäischen Sonderwegs" (41). Durch diesen Sonderweg - das „Europäische Wunder“ (39) - hob sich Europa von allen andern Kulturen der Welt ab, durchstieß "Schallmauern der Weltgeschichte", erschloß „neue Möglichkeiten der Freiheit, des Wagnisses, Mensch zu sein, des Zusammenlebens, der Erkenntnis, der Wissenschaft, der Naturbeherrschung und Technik sowie des Kapitalismus“, riß "alle anderen Teile der Welt aus ihren Bahnen heraus“, unterwarf und überformte sie (162). Die Geschichte Europas ist "Geschichte der Herausbildung von Zivilisation, Demokratie, westlicher Lebensart, Staatensystem, politischer Kultur und allgemeiner Gesittung", „wobei der Anteil der Vereinigten Staaten von Amerika nicht vergessen sei“ (23; auch 56), ihr Ergebnis die weitgehende Hegung von Gewalt und Krieg, die „Gewöhnung an friedliche Verfolgung eigener Ansprüche im Rahmen des Rechts“, „Zivilisierung von (…) freien Gesellschaften“ (168 f.; auch 162), ihr Vermächtnis Freiheit, Menschenwürde, Verantwortung, Erkenntnis, Gleichheit, Solidarität, der Bezug auf Nächstenliebe und das Leiden anderer (178), und zwar als Normen wie als Realia geschichtlichen Handelns. In der Tat ist die Frage nach dem europäischen 'Sonderweg', nach der weltgeschichtlichen Bedeutung und zivilisatorischen Identität Europas eine geschichtliche, auch geschichtsphilosophische Grundfrage, und das nicht nur für Europäer. Worin besteht der geschichtliche Weg Europas, wie ist er zu bewerten? Der Duktus der Zitate, ja des ganzen Buchs legt nahe: Meier sieht diesen Weg als zivilisatorischen Progress in weltgeschichtlicher Dimension, als Fortschritt, mit Hegel geredet, im Bewußtsein der Freiheit. Zwar werden Einschränkungen gemacht, das Urteil einer in toto eindeutig positiv zu bewertenden zivilisatorischen Leistung überwiegt. Die europäische Geschichte, so führt Meier aus, beginnt mit Athen. Die Antike ist "conditio sine qua non Europas" (96), die "erste Kultur, die nicht auf Herrschaft beruhte, sondern auf Freiheit“ (87). Athen war "demokratisch dominiert" (67): durch "Selbstbestimmung“ und den „Anspruch, die Welt als gesetzmäßigen Zusammenhang zu erkennen" (98). Hinzu treten die Leistungen "in Philosophie, Kunst, Literatur“, dann “Roms Recht, seine Republik, seine Herrschaft, seine Kultur“, „schließlich die neue Religion der Christen" (98f.). In diesen Faktoren sieht Meier Europas Beginn, die zivilisatorische Substanz des Europäischen, die Momente, die seinen Sonderweg bestimmen. Neu ist diese Sichtweise nicht. Ganz im Gegenteil, sie gehört zum Kernbestand dessen, was ich die Mythe Europa nenne: den Diskurs europäischer Suprematie, der in der Auffassung der historischen Mission Europas gipfelt. In seinem Zentrum steht die Vorstellung, Europa als höchstes Stadium des weltzivilisatorischen Prozesses, Mittelpunkt und Maß der Zivilisation und menschlichen Entwicklung (Malandrino 1990, 950; Iacono 1990, 948) anzusehen (wobei an die Stelle Europas ‚Abendland‘ oder ‚Westen‘ treten können). 2 Die europäische Mythe blendet aus, daß der Zivilisationstyp Europa auf Unterwerfung, Eroberung und Herrschaft gründet, daß seine Geschichte, auch wo sie zivilisatorischen Fortschritt verkörpert, zugleich eine Geschichte der Gewalt ist. Damit

2 Vgl. Losurdo 1994, Iacono 1990, Malandrino 1990, Willing 1998, Wolf 1998.

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sei nicht gesagt, daß das von Meier Ausgeführte in toto falsch, illusionär oder mit politischer Absicht irreführend sei. Dies wäre schon deshalb unsinnig, weil vieles, was Meier zum antiken Ursprung des Europäischen sagt, unbestreitbar stimmt – der Althistoriker weiß, worüber er redet. Europäische Mythe als kritischer Begriff meint, daß hier Vorurteil und partiell richtige Einsicht, Falsches und Wahres zusammentreten und zu einem geschlossenen Ganzen absolutiert werden. In diesem Sinn ist Mythe eine Form von Ideologie. Der Begriff der 'Freiheit ohne Herrschaft' etwa, bezogen auf die athenische Polisgesellschaft, klammert aus, daß diese auf Sklaverei gründete und die Mitsprache von Frauen ausschloß, 3 so daß hier allenfalls von der Freiheit einer geschlossenen Männergesellschaft gesprochen werden könnte - einer wahrlich eingeschränkten, bestenfalls elementaren Form von Demokratie, die alles andere als „frei von Herrschaft“ (98) war, die vielmehr auf einer doppelten Herrschaft beruhte: der ökonomischen und der patriarchalischen. Das Beispiel zeigt, wie hier ein im Kern durchaus richtiger und in seiner eingeschränkten Form auch positiv zu bewertender Tatbestand ideologisch entstellt und damit historisch falsch wird. Die barbarische Kehrseite der europäischen Zivilisation wird von Meier in einem bestimmten Sinn durchaus zur Kenntnis genommen. So registriert er eine „Beklemmung wegen all dessen, was Europa angerichtet hat“ (43) und gesteht zu, daß man bei der Frage nach dem „Wunder

Europa“ „verschieden ansetzen“ kann, etwa "bei der Frage, wie es kam, daß Europa (

Welt von sich aus erschloß, vermaß, mit Stützpunkten überzog, teils besiedelte, teils eroberte, jedenfalls ausbeutete und ihr auf die Dauer sein Gesetz auferlegte" (43). Europas "Anspruch

auf überlegene Sittlichkeit gegenüber den andern" sei "nicht erst durch Auschwitz verwirkt" (163f.). Das Vermächtnis, das unsere Vorfahren hinterlassen haben, sei in vielen Hinsichten "ein wüstes Trümmerfeld, hinter dem eine ganze Kette von weiteren Trümmerfeldern im Laufe der Geschichte sich erstreckt" (175). Meier ist gegenüber dem Faktum der Gewalt als Bestandteil der europäischen Geschichte also keineswegs blind. Das Problem liegt anderswo:

Es wird im Grunde nur rhetorisch anerkannt, doch weder sachlich noch methodisch ernstgenommen. Nirgendwo in dem Buch wird es zum leitenden Gesichtspunkt der

Betrachtung erhoben. So bleibt der Ort der Gewalt in der europäischen Geschichte unbestimmt. Das Barbarische steht dem Zivilisatorischen als das unvermittelt Andere gegenüber. Walter Benjamins tiefe Einsicht in den dialektischen Charakter zivilisatorischen Fortschritts, daß nämlich "niemals ein Dokument der Kultur (ist), ohne zugleich ein solches der Barbarei zu sein" (Benjamin 1961, 271f.), hat hier keine Spuren hinterlassen. Dem scheint zu widersprechen, daß die Frage nach Auschwitz ausdrücklich gestellt wird, ja daß Auschwitz als Endpunkt der gleichen Geschichte erscheint, die mit Athen beginnt. Auschwitz sei "Katastrophe" und "Zivilisationsbruch" (164), "Chiffre für den Endpunkt des europäischen Sonderwegs" (163). Auschwitz erhält so eine Schlüsselbedeutung für die europäische Geschichte (165). Es zwingt zu einem neuen Blick auf diese, hat "rückwirkende Kraft" für deren Verständnis (159): "mit geschärften Augen“ sei „auf die Verbrechen, die

) die

die Täter zu sehen" (160f.). Meier beruft sich auf Wilhelm

von Humboldts Gedanken, daß der "Geschichtsschreiber, der dieses Namens würdig ist, ( ) jede Begebenheit als Teil eines Ganzen oder, was dasselbe ist, an jeder die Form der Geschichte überhaupt darstellen (muß)" und will diesen auf Auschwitz angewendet wissen (132f.). Auschwitz also als Teil des Ganzen der europäischen Geschichte – ein kühnes, ein herausforderndes Problem. Wie wird es von Meier gelöst? Es wird als Frage von Meier in aller Schärfe gestellt. Dies ist festzuhalten, weil die Antwort dann so enttäuschend ist. Der Greuel Auschwitz wird anerkannt als das, was er ist, moralisch wie politisch und geschichtsphilosophisch: ein Äußerstes an Barbarei. "Das Ganze der

Katastrophen, die Opfer und (

)

3 Der bereits logisch eigentümliche 'Auch wenn'-Satz auf S. 87, in dem der Tatbestand der Sklavenwirtschaft und Frauendiskriminierung zwar zugestanden, mit Blick auf die zivilisatorische Leistung dieser Gesellschaft jedoch als letztlich irrelevant abgetan wird, zeigt schlagend, wie die ideologische Mythe auch das Bewußtsein eines soliden Forschers trübt.

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Untaten, um die es hier geht", sei "beispiellos", "einzigartig", "übersteigt menschliche Vorstellungskraft" (133). Seit Auschwitz sei „alles anders" (134). Dabei beharrt Meier darauf, daß Auschwitz der Vernunft zugänglich ist, also erklärt und verstanden werden kann; erklärt und verstanden aus der historischen Situation, die es möglich machte und aus der es hervorging, ja schließlich aus dem Gang der Geschichte, deren Teil es ist. Wie aber ist Auschwitz als Teil des Ganzen der Geschichte zu begreifen, wie kann an diesem Äußersten der Barbarei die Form der europäischen Geschichte dargestellt werden? Ich gehe mit Meier konform, daß dies eine Grundfrage der europäischen Geschichte ist: Grundfrage ihrer moralischen, politischen und kulturellen Identität. Die Antwort freilich, die er gibt, bleibt merkwürdig vage, um nicht zu sagen trivial. Als Erklärungsgründe für Auschwitz werden Dispositionen deutscher Mentalität genannt, Antisemitismus, verzweifelte Hoffnungen im "so tief gestürzten Deutschland" (138), dann die Wahnvorstellungen Hitlers, Inflation, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Ratlosigkeiten und Ängste, große Nöte der Bevölkerung (139), einiges mehr; sicher alles Gesichtspunkte, die eine Rolle spielen. Doch bleiben sie in der bloßen Aneinanderreihung deskriptiv-beliebig, einen Begriff der Sache geben sie nicht. Daß aus ihnen Auschwitz hervorgehen soll, ist völlig uneinsichtig. Dies liegt nicht zuletzt daran, daß härtere Theorien - materialistische Faschismustheorien etwa, auch nur sozialökonomische Deutungen im strengeren Sinn, ideologietheoretische Einsichten, Ergebnisse psychoanalytischer Forschung - in keiner Form und mit keinem Wort zur Kenntnis genommen werden. Um nicht mißverstanden zu werden: ich will nicht sagen, daß Meier diesen Forschungen hätte folgen sollen - sie sind für sich selbst nicht homogen -, es geht vielmehr darum, daß ohne ihre Berücksichtigung, so scheint mir, das Phänomen Auschwitz schlicht nicht erklärt werden kann. Der psychischen Deformation allein, um nur einen Gesichtspunkt zu nennen, die Auschwitz auf der Ebene subjektiven Handelns möglich machte, wird ohne psychoanalytische Einsichten nicht beizukommen sein. Und ohne Berücksichtigung von Interesse und Mitwirkung des deutschen Kapitals an Hitler (damit schließlich auch an Auschwitz) bleibt ein grundlegender objektiver Faktor ausgeblendet. Zu all dem aber fällt bei Meier kein einziges Wort. Halten wir den entscheidenden Punkt genau fest: das Kernstück des Unternehmens ist die Stellung von Auschwitz im Ganzen der europäischen Geschichte, soll doch Auschwitz nicht als singuläres Ereignis, sondern als Teil dieser Geschichte, aus ihrem Zusammenhang also erklärt werden. Genau hier nun

kommt die Argumentation über die Ebene abstrakt-allgemeiner Bekundungen nicht hinaus. So wenn es heißt, daß gerade das Besondere der europäischen Geschichte "durch immer neue Steigerung von Möglichkeiten im Guten wie im Bösen" bestimmt sei. Denn nichts, sagt er mit Sophokles, sei "so ungeheuer wie der Mensch" (159). Viel mehr wird zum Thema nicht gesagt. Meiers Unternehmen versackt, man kann es freundlicher nicht ausdrücken, in einer verblasenen Trivialanthropologie. Auschwitz ist eben eine Möglichkeit der menschlichen Natur, die sich in Europa besonders exponiert hat (98f.). Dem müsse man ins Auge sehen. Das schließe ein, "sich diese Geschichte zu eigen zu machen, in ihrer Größe, ihrem Elend und ihren kaum zu benennenden Untaten" (160). Als moralische Willenserklärung ist dies alles integer und fein, eine Erklärung für Auschwitz ist es nicht. So mutig es ist, Auschwitz und Athen als Zusammenhang zu denken, den Holocaust als Möglichkeit der europäischen Geschichte zu begreifen, so wenig gelingt es dem Autor, einen solchen Zusammenhang aufzuzeigen. Die gestellte Aufgabe wird nicht gelöst. Sie verbleibt auf der Ebene des Postulats. Der offenkundige Erklärungsmangel eines so klugen Historikers, wie es Christian Meier ist, in einer Grundfrage, die die Identität der europäischen Geschichte betrifft, ist selbst erklärungsbedürftig. Denn ich meine nicht, daß die von Meier gestellte Frage prinzipiell unlösbar ist. Ich vermute vielmehr, daß der Begriff der europäischen Geschichte, der Meiers

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Buch zugrunde liegt, die verlangte Erklärung verhindert. Dies deshalb, weil dieser Begriff in seinem Kernbestand die Ideologie europäischer Suprematie - die Mythe Europa - ungebrochen reproduziert. Von dieser Mythe her ist die Verbindung zu Auschwitz in der Tat nicht zu ziehen. Um eine solche Beziehung herzustellen, wäre eine radikale Kritik dieser Mythe erforderlich. Davon aber kann bei Meier nicht im Ansatz die Rede sein. Am Mangel des Buchs zeigt sich die ungebrochene Macht jenes Konstrukts, das die Geschichte europäischer Ideologie in den größten Teilen bestimmte.

Es gibt keinen Grund, Meiers Programm, Auschwitz aus Europa zu erklären, deshalb aufzugeben – Auschwitz ist, so vermute auch ich, überzeugend nur aus der Geschichte Europas erklärbar. Doch erfordert seine Einlösung einen radikal anderen Zugriff auf diese Geschichte, sie kann nur auf dem Boden eines anderen Begriffs von Europa erfolgen als es der ist, den die Mythe Europa perpetuiert. Ja, die Einlösung dieses Programms hat die Kritik dieser Mythe zu ihrer Voraussetzung. Nur ein Zugriff auf die europäische Geschichte, der sich dem Zwang ihrer Mythe entzieht, kann die Antwort auf Meiers Frage geben. Meine These lautet, daß Auschwitz nur dann aus der europäischen Geschichte erklärt, als Teil ihres Ganzen begriffen werden kann, wenn es zutrifft (was ich vermute), daß die exzessive Gewalt, die in Auschwitz hervortritt, die Rationalität, mit der hier Unterwerfung und Ausrottung organisiert sind, die Auschwitz charakterisierende Technologie der Vernichtung von Beginn dieser Geschichte inhärieren, nicht lediglich im Sinn einer abstrakten anthropologischen Möglichkeit, sondern als strukturelles Moment, ja Determinante dieser Geschichte selbst, wie auch als konzeptives Motiv des Handelns ihrer Akteure. Die strukturelle Präsenz des Barbarischen, auch der Rationalität des Barbarischen in der europäischen Geschichte braucht nicht zu bedeuten, daß die extreme Form, die Auschwitz darstellt, vorher schon vorkam (die historischen Formen des Barbarischen sind so unterschiedlich wie die geschichtlichen Verhältnisse, die sie hervorbringen), will doch aber sagen, daß es sich um klar identifizierbare, deutlich erkennbare Tatbestände und Qualitäten historischer Praxis handelt; nicht immer und notwendig als einzige Qualität solcher Praxis, doch aber als Qualität in einem determinierenden Sinn. Wenn dies zutrifft und gezeigt werden kann (und ich vermute, daß dies zutrifft und gezeigt werden kann), dann ist auch Auschwitz als Teil dieser Geschichte erklärbar, ja kann an Auschwitz die Form der europäischen Geschichte (im Sinne von Humboldts) dargestellt werden - als äußerstes Extrem eines Tatbestands, der dieser Geschichte nicht nur gelegentlich und zufällig, sondern als bestimmendes Moment ihres Gesamtprozesses innewohnt.

II. Ein anderer Begriff der europäischen Geschichte

Ein Begriff der europäischen Geschichte, der diesem Tatbestand Rechnung trägt und die europäische Mythe unterläuft, liegt vor. Johann Gottfried Herder hat ihn in der Zehnten Sammlung der Briefe zur Beförderung der Humanität in den Jahren 1793–97 ausgearbeitet. Die Briefe zur Beförderung der Humanität sind End- und Höhepunkt des geschichtsphilosophischen Denkens Herders. 4 Dieses setzt mit der Schrift Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit 1774 ein und wird mit den Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit 1782-1788 fortgeführt. Die Ideen, Herders Hauptwerk im Sinne einer systematischen Geschichtsphilosophie, brechen nach der Darstellung des Mittelalters und der Zeit bis zum 16. Jahrhundert im vierten Teil, der 1791 erschien, ab. Ein vorgesehener letzter Teil über die Geschichte Europas seit der Reformation

4 Die geschichtsphilosophisch herausragenden Bedeutung Herders ist kaum bekannt. Er ist ungelesen und mißverstanden (auch M. Bernal und E. Said mißverstehen Herder auf gröbliche Weise; zu Bernal vgl. Lefkowitz/Rogers 1996). Zur Rehabilitierung Herders richtungweisend Förster 2003.

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findet im Rahmen der Ideen keine Behandlung mehr. Ihm wendet sich Herder in der 1797 verfaßten Zehnten Sammlung der Humanitätsbriefe zu, und zwar im Rahmen einer völlig anderen literarischen Form. Die offene Briefform tritt an die Stelle der geschlossenen systematischen Abhandlung. Am Beginn der Zehnten Sammlung der Humanitätsbriefe stellt Herder die Fragen, die die Mythe Europa zum Einsturz bringen: 5 „warum müssen Völker auf Völker wirken, um

einander die Ruhe zu stören? Man sagt, der fortgehend wachsenden Kultur wegen; wie gar

die Phönizier, die Karthager mit ihren

gerühmten Kolonien, die Griechen selbst mit ihren Pflanzstädten, die Römer mit ihren Eroberungen, hatten sie diesen Zweck? Und wenn sich durch das Reiben der Völker aneinander hier etwa diese Kunst, dort jene Bequemlichkeit verbreitete, leisten diese wohl Ersatz für die Übel, die das Drängen der Nationen aufeinander dem Siegenden und dem Besiegten gaben? Wer vermag das Elend zu schildern, das die griechischen und römischen Eroberungen dem Erdkreise, den sie umfaßten, mittelbar und unmittelbar brachten?" (II, 233) Das Hauptthema des Herderschen Europabegriffs wird hier exakt exponiert: "Nicht der weise, sondern der anmaßende, zudringliche, übervorteilende Teil der Erde muß unser Weltteil heißen; er hat nicht kultiviert, sondern die Keime eigner Kultur der Völker, wo und wie er nur konnte, zerstöret" (II, 234f.). „Des Verbrechens beleidigter Menschheit“ müßten sich die Europäer „fast vor allen Völkern der Erde schämen. Nenne man das Land, wohin Europäer kamen und sich nicht durch Beeinträchtigungen, durch ungerechte Kriege. Geiz, Betrug, Unterdrückung, durch Krankheit und schädliche Gaben an der unbewehrten, zutrauenden Menschheit, vielleicht auf alle Äonen hinab, versündigt haben!" (II, 234f.) Dieser Sachverhalt gilt für die Gesamtheit der europäischen Geschichte: von der Antike über Kreuzzüge und Negerhandel bis in die Gegenwart hinein – ers ist für Herderihn ein unabgeschlossener Prozeß. Dies ist in der Tat ein anderer Begriff Europas und des Europäischen als der von der europäischen Mythe tradierte. Ihr Kern: die Auffassung der historischen Mission Europas, die

etwas anders sagt das Buch der Geschichte. (

)

kulturelle Rechtfertigung europäischen Expansion, der Anspruch auf kulturelle Suprematie wird unwiderruflich destruiert. Was das "Buch der Geschichte" zeigt, ist die Blutspur Europas unter den Völkern der Erde. Wird die Mythe zerstört, die zivilisatorische Maske zerrissen, tritt die Fratze des Eroberers ans Licht. Europas Mission ist nicht die kulturelle Emanzipation der Völker, sondern, wie es Joseph Conrad in The Heart of Darkness sagt, "the conquest of the earth, which mostly means the taking it away from those who have a different complexion or slightly flatter noses than ourselves" – "not a pretty thing when you look into it too much". Gewalt ist dieser Geschichte eingeschrieben "mit SchriftzZügen von Blut und Feuer" (Karl Marx, Das Kapital). Illusionslos hat Herder diesen Tatbestand erkannt und ihm theoretisch Rechnung getragen. Er nimmt keine der führenden europäischen Nationen aus, spricht von den "spanischen Grausamkeiten", dem "Geiz der Engländer", der "kalten Frechheit der Holländer" (II, 234). Allen Nationen und Mächten, die an der Eroberung der Erde beteiligt waren, macht er den Prozeß, das Christentum nicht ausgenommen: "sobald es als

)

Staatsmaschine auf fremde Völker wirkte, drückte es sie schrecklich; (

ihren eigentümlichen Charakter" (loc. cit.). "'Warum gießest du mir Wasser auf den Kopf?',

sagte jener sterbende Sklave zum Missionar. – 'Daß du in den Himmel kommest.' – 'Ich mag in keinen Himmel, wo Weiße sind', sprach er, kehrte das Gesicht ab und starb." (II, 236)

Herder konstatiert jedoch nicht nur die resignative Ablehnung, auch die kommende Rebellion.

um Rache? Um so mehr um Rache, da sie auf eine

"Schreien nicht alle diese Länder (

unübersehliche Zeit in ein fortgehend wachsendes Verderben gestürzt sind." (Loc. cit.) Herder erkennt die Bedeutung kolonialer Ausbeutung als materielle Basis der europäischen

Geschichte und Kultur - die Logik dieser Geschichte als eine solche der Eroberung und Unterwerfung. England begreift ererkennt als erste Kolonialmacht, als den Hegemon

)

verstümmelte (

)

5 Ich zitiere nach Herder 1971. Nachweise im fortlaufenden Text.

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kolonialer Gewalt (vgl. II, 250f.) Das politische Psychogramm des europäischen Subjekts zeichnet erwird von ihm so charakterisiert: "Macht ohne Güte, erfinderische Schlauigkeit ohne Verstand. Nur können, haben, herrschen, genießen" (II, 248). Ein besonderer Dorn im Auge ist ihm die Heuchelei als intellektuell-emotionales Fluidum, das die europäische Mythe umhüllt (vgl. II, 248f.) Vehement bestreitet er die Gültigkeit des europäischen Zivilsationstyps als Norm aller anderen Kulturen (vgl. II, 251). Er plädiert für die "Schätzung und Glückseligkeit aller Menschennationen" und stellt alle Schriften an den Pranger, die "den an sich schon unerträglichen Stolz der Europäer durch schiefe, unerwiesene oder offenbar unerweisbare Behauptungen nähren" (II, 251f.). In diesen Zusammenhang gehört Herders Analyse der "Gründe" der "Kriege und Eroberungen aller Weltteile". Er entdeckt sie in Konstellationen der Habgier und Macht (II, 269f.). Er fordert die Namhaftmachung und Verurteilung der "Räuber und Mörder der Völker" (II, 270). Den Kriegen und Eroberungen stellt er das Manifest einer zukünftigen internationalen Friedensordnung entgegen. 6 Er verleiht ihm die Fiktion, Dokument einer indianischen Kultur zu sein: "Zum ewigen Frieden. Eine irokesische Anstalt"; will sagen, daß die besten Gedanken für eine friedlich-freie Welt aus einer anderen Kultur als der europäischen stammen. Zugleich aber ist es unverkennbar das Friedenskonzept von Humanismus und Aufklärung, das Herder hier vertritt, bereichert durch eigenen Überlegungen und verschärft durch das radikale Gedankengut der Französischen Revolution. Ist es ein Widerspruch, daß hier europäisches Denken im Gewand einer indianischen Kultur erscheint? Für Herder gewiß nicht, vertrat er doch die – keineswegs obsolete – Auffassung, daß allen Kulturen ein Kernbestand menschlicher Vernunft innewohnt, der sie, bei aller Vielfalt und historisch- geographischen Individualität, kompatibel macht; daß Partikularität und Universalität der Weltkulturen sich ergänzen. 7 Die Universalität des Vernünftigen verkörpern die "Sieben Gesinnungen der großen Friedensfrau". Diese Gesinnungen sind der „Abscheu gegen den Krieg“, die Kritik des „Heldenruhms“, die Ablehunung jeder Politik, die auf „willkürliche Macht, List und Betrug“ setzt, ein „geläuterter Patriotismus“, das Ziel einer „Allianz aller gebildeten Nationen“, die Einstellung gegen“freche Anmaßungen im Handel“, das Credo „nützlicher“ Tätigkeit. Ihr Kern ist "allgemeine Billigkeit, Menschlichkeit, tätige Vernunft". Die Friedensfrau trägt "Öl und Arznei am Arm", "einen Fruchtstengel in der Hand", Gaben, die die Wunden der Geschichte heilen und die Völker vereinen (vgl. II, 282-288)

Herders kritischer Begriff der europäischen Geschichte, so originell und radikal er in seiner theoretischen wie literarischen Prägung ist, ist nicht vom Himmel gefallen. Er ist Summe und Gipfelpunkt vielschichtigen Denkens, zu dem die Tradition des irenischen Humanismus und der Utopie (vor allem Morus) 8 ebenso gehört wie die radikale Aufklärung und das völkerrechtliche Denken der frühen Neuzeit, 9 nicht zuletzt die Kritik des Christentums und die Idee der Toleranz, wie sie Lessing im Nathan entworfen hat. Zudem ist festzuhalten (und dieser Tatbestand ist viel zu wenig bekannt), daß es eine Linie europakritischen Denkens innerhalb Europas selbst gibt, die bis auf Euripides zurüchgeht. Herder selbst nennt im 114. Brief an Vorbildern, an die er anschließt, Las Casas, Fénelon, die "beiden guten St. Pierre", "so manch ehrliche Quacker", Montesquieu, Filangieri, Vico (den er der Vergessenheit entreißt), Menschen, "deren Grundsätze nicht auf Verachtung, sondern auf Schätzung und Glückseligkeit aller Menschennationen hinausgehn" (II, 252), auch Reiseschriftsteller wie de Pagé, Georg Forster, Levaillants, deren "treue Reisebeschreibungen viel sicherer als Systeme"

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7 Dazu des Näheren Th. Metscher, Logos und Wirklichkeit. Ein Beitrag zu einer Theorie des gesellschaftlichen Bewusstseins. Frankfurt a.M. 2010, Zweiter Teil, B, I; ders., Zur Einheit der Vernunft vgl. Topos. Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie, 20 (2002).

8 Dazu des Näheren Th. Metscher, Shakespeares Spiegel. Geschichte und literarische Idee, Bd. 1. Hamburg 1995, 199-240, 329-40.

9 Vgl. Paech/Stuby 2001, Teil A, Kap. I.

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zur "Anerkennung der Menschheit im Menschen führen" (II, 264). Will man Vorgeschichte und Umfeld des Herderschen Europabegriffs skizzieren, so darf der Name Jonathan Swifts nicht fehlen, den er kannte und schätze. Swift hat in einer Reihe von Schriften (neben Gulliver's Travels ist hier besonders A Modest Proposal zu nennen) den britischen Kolonialismus einer Kritik unterzogen, die an satirischer Schärfe und intellektueller Treffsicherheit nie überboten wurde. In dieser Kritik ist die europäische Dimension durchgängig präsent. 10

Eine besondere Rolle bei der Herausbildung der Herderschen Gedanken hat weiter die naturrechtliche Schule der Völkerrechtslehre der deutschen Aufklärung gespielt. So erkannte Christian Wolff "die Rechte der überseeischen Völker uneingeschränkt und ohne juristische Hintertür (an)" (Paech/Stuby 2001, 70). So sehr Herder in der Linie dieses Denkens steht, den entscheidenden Impuls empfingdürfte er von den Völkerrechtsvorstellungen der Französischen Revolution empfangen haben, 11 insbesondere den Lehren der Volkssouveränität und des Selbstbestimmungsrechts der Völker. 12 "Zum ersten Mal in der Geschichte wird dem ius ad bellum in der Form des Angriffs- und Eroberungskrieges die politische und rechtliche Legitimation entzogen" (Paech/Stuby 2001, 74). "Ein derartiger Krieg muß als ein Verbrechen angesehen werden", erklärte Mirabeau in der Debatte in der Nationalversammlung am 20. Mai 1790, in Vorbereitung eines Dekrets, das diese Auffassung zum Inhalt hat und zwei Tage später verabschiedet wird (loc. cit.). Die Prinzipien, die die Außenbeziehungen der Französischen Republik leiten sollten, waren: 1. die Auffassung, daß das menschliche Geschlecht eine einzige Gesellschaft bildet, deren Ziel der Friede und das Glück eines jeden ihrer Mitglieder ist; 2. die Auffassung, daß in dieser großen Gesellschaft die Völker und Staaten wie Individuen zu betrachten seien, die die gleichen natürlichen Rechte wie die Individuen in den einzelnen Gesellschaften genießen; 3. die daraus abgeleitete Auffassung, daß kein Volk das Recht hat, die Waffen gegen ein anderes zu erheben, es seines Eigentums, seiner Freiheit und seiner Güter zu berauben (op. cit., 74f.). Kern dieser Auffassungen ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker, als "wahrhaft revolutionäres Prinzip" "die logische Ergänzung der Volkssouveränität, ihre Voraussetzung ebenso wie ihre Begründung" (op. cit., 75). Folgerichtig wurde auch am 4. Februar 1794 mit großer Mehrheit die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien beschlossen (op. cit., 76). Mit dem Übergang der Revolution in die Napoleonische Diktatur freilich wurde mit diesen Prinzipien gebrochen (dazu op. cit., 79f.), ja Paech und Stuby kommen zu dem Schluß, daß diese "im imperialistischen Expansionsdrang der europäischen Mächte zunächst vollkommen untergingen, um erst im 20. Jahrhundert wieder aufzuerstehen und einen neuen Anlauf zu ihrer universalen Durchsetzung zu nehmen" (loc. cit.). Dieser zweite Versuch, das die europäische Geschichte beherrschende Gewaltgesetz zu durchbrechen und eine von Hörigkeit und Unterwerfung freie Weltordnung zu errichten, ist eng mit der Oktoberrevolution und dem Projekt einer sozialistischen Gesellschaft verbunden. So schlug das Dekret über den Frieden vom 8. November 1917, das die Prinzipien proklamiert, auf denen der Sowjetstaat seine Außenpolitik gestalten wollte, alle Krieg führenden Mächten des Ersten Weltkriegs "einen Frieden ohne Annexionen und Kontributionen, einen Frieden auf der Grundlage des Selbstbestimmungsrechts der Völker abzuschließen" vor (op. cit., 191). Es griff damit auf den

10 Vgl. "The Radicalism of Swift". In: Th. Metscher, Shakespeares Spiegel. Geschichte und literarische Idee, Bd. 2, Hamburg 1998, 56-76.

11 Die Verurteilung des Völkermords gehört zur ideologischen Vorgeschichte der Französischen Revolution (vgl. Losurdo 1994, 738). Losurdo verweist in diesem Zusammenhang auf die Histoire des Deux Indes von Raynal und Diderot (op. cit., 738), und den utopischen Roman von Louis-Sébastian Mercier, L'An deux mille quatre cent quarante. Ré`ve s'il en fut jamais (op. cit., 740).

12 Dieser Impuls erklärt die entschiedene Radikalisierung, die zwischen den Ideen und den Humanitätsbriefen gerade in Bezug auf das Bild der europäischen Geschichte zu konstatieren ist.

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Kernbegriff des völkerrechtlichen Programms der Französischen Revolution zurück. Und wie bei dieser entsprang der theoretische Impuls nicht allein dem aktuellen Bedürfnis nach Frieden und Konsolidierung der Revolution, sondern folgte einer programmatischen Zielsetzung, die das sozialistische Projekt als ein solches begreift, in dem die Kerngedanken der Französischen Revolution aufgenommen und weiterentwickelt werden. Nicht zuletzt aus diesem Grund erscheint, aus heutiger Sicht, die Niederlage des Sozialismus als eine der größten Katastrophen der Geschichte.

Die Völkerrechtsvorstellungen der Französischen Revolution, nicht allein in ihrer juristischen und politischen, sondern vor allem auch in ihrer kulturellen Bedeutung bilden klar erkennbar den theoretischen Horizont des späten Herderschen Denkens, seiner Geschichts- wie Kulturphilosophie, nicht zuletzt auch seines Begriffs der europäischen Geschichte. Herders Denken bewegt sich hier auf einem Niveau, das im 19. Jahrhundert nur in Einzelpositionen radikaler Opposition, außerhalb der Hauptlinien herrschenden Denkens, seine Fortsetzung findet: in ästhetischen und theoretischen Positionen, die sich für soziale und nationale Befreiung engagieren und damit bewußt an die radikalen Traditionen der Französischen Revolution anschließen. Byron, Shelley, Mickiewicz, Manzoni, Puschkin, Verdi, Petöfi, Heine wären als Beispiele zu nennen. Auch Goethe setzt Herders Denken fort (im Faust, im Begriff der Weltliteratur). 13 Die beginnende Arbeiterbewegung, der frühe Sozialismus bewegen sich auf der Ebene seiner Argumentation. Außerhalb dieser Denklinien aber teilen die Ideen des späten Herder das Schicksal der Prinzipien des revolutionären Völkerrechts, in deren Zusammenhang sie stehen: im imperialistischen Expansionsdrang der europäischen Mächte gingen sie zunächst vollkommen unter (Paech/Stuby 2001, 76). Bezeichnend dafür ist, daß gerade das europakritische Konzept Herders lange Zeit unrezipiert bleibt, ja verdrängt und vergessen wird und bis in die Spitzenpositionen der Philosophie hinein (so bei Hegel) 14 durch die europäische Mythe ersetzt wird. Im europäischen Schrifttum des 19. Jahrhunderts, dies wird man behaupten können, wird das volle Niveau des späten Herderschen geschichtsphilosophischen Denkens und damit auch der kritische Europabegriff der Humanitätsbriefe erst bei Marx und Engels wieder erreicht. In deren Werk, vor allem in den historischen Teilen des Kapital, wird ein Begriff der neuzeitlichen Geschichte entworfen, der die Herdersche Argumentation aufnimmt und weiterführt. So begreift das Kommunistische Manifest den von Europa ausgehenden Prozeß kapitalistischer Expansion als weltgeschichtlichen Vorgang; weltgeschichtlich, weil er die gesamte Erde betrifft. Sein Instrument ist die Exploitation des Weltmarkts. Auf diesem Weg hat die Bourgeoisie "die Produktion und Konsumtion aller Länder kosmopolitisch gestaltet" (MEW, Bd. 4, 466). An seinem Ende steht die Transformation der bürgerlichen Gesellschaft zur uniformen Weltgesellschaft, die Entwicklung der bürgerlichen Kultur zur Weltkultur. Der Prozeß dieser Transformation und Homogenisierung betrifft die Gesamtheit der materiellen und geistigen Verhältnisse - das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. Sein Subjekt, der Motor dieses Vorgangs ist das Kapital. In der geschichtsphilosophischen Perspektive des Kommunistischen Manifest erscheint die europäische Geschichte (die in ihrer neuzeitlichen Form identisch ist mit der Geschichte des Kapitals) in einem sehr bestimmten und eingeschränkten Sinn als Geschichte zivilisatorischen Fortschritts, insofern sie die Bedingungen schafft für eine von Ausbeutung, Unterwerfung und Gewalt freie Weltgesellschaft Sie schafft diese Bedingungen durch eine Reihe von Faktoren: der quantitativ und qualitativ beispiellosen Entwicklung der Produktivkräfte, der Zusammenballung der Bevölkerung und dem Entstehen des Proletariats, der Zentralisation der

13 Dazu Th. Metscher, "Jenseits des Eurozentrismus. Zur Theorie moderner Weltliteratur". In: Buhr 1994, 309- 20. Ders., Welttheater und Geschichtsprozeß. Zu Goethes 'Faust'. Frankfurt a. M. 2003. 14 Für Hegel ist Europa "schlechthin das Ende der Weltgeschichte" (Hegel 1970, Bd. 12, 134). Er legitimiert die gewaltsame europäische Expansion (vgl. Rechtsphilosophie, § 350f.; Willing 1998, 1025). Afrika ist "kein geschichtlicher Weltteil, er hat keine Bewegung und Entwicklung aufzuweisen" (Hegel 1970, Bd. 12, 129).

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Produktionsmittel, der Konzentration des Eigentums in wenigen Händen, dem Zusammenschmelzen verschiedener Klassengegensätze in den Hauptgegensatz von Bourgeoisie und Proletariat, der politischen Zentralisation, nicht zuletzt mit der Entwicklung des Wissens, von Wissenschaft und Kultur. Nur in diesem – dialektischen - Sinn ist diese Geschichte eine solche des Fortschritts. In ihrer unmittelbar faktischen Form ist sie ein Vorgang permanenter Unterwerfung, Inbesitznahme und Ausbeutung: der globalen Exploitation von Erde und Arbeitskraft; einer Exploitation mit doppelter Relation: einer internen, bezogen auf das Proletariat in den Metropolen und einer externen, bezogen auf die Kolonien. Deshalb ist die geforderte Vereinigung des Proletariats international, ruft die "Proletarier aller Länder" an, ist weltumgreifend und weltgeschichtlich gemeint - bewegt sich auf dem Niveau der kosmopolitischen bürgerlichen Gesellschaft selbst. Daß sich Marx nicht die geringsten Illusionen über den Charakter kapitalistischen Fortschritts machte, zeigt sein 1853 verfaßter Aufsatz über die "künftigen Ergebnisse britischer Herrschaft in Indien", in dem er die "tiefe Heuchelei der bürgerlichen Zivilisation" beklagt und eine "von ihr nicht zu trennende Barbarei" konstatiert. Unverschleiert vor unseren Augen lägen die "verheerenden Wirkungen der englischen Industrie in Indien", das Ergebnis der "absoluten Herrschaft des Kapitals". In diesem Zusammenhang - also bezogen auf Kolonialsystem und europäische Geschichte - gebraucht Marx eine Metapher, die an Schärfe nichts zu wünschen übrig läßt und dem europäischen Fortschrittsdenken jede Legitimation entzieht: Der "menschliche Fortschritt" unter den Bedingungen der "bürgerlichen Epoche" gleiche "jenem scheußlichen heidnischen Götzen, der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte" (MEW, Bd. 9, 226). Deutlicher läßt es sich nicht sagen, daß einem solchen Fortschritt die Barbarei eingeboren ist. Auf seiner Karte ist der Weg nach Auschwitz bereits verzeichnet. Mit explizit systematischer Absicht hat Marx in den historischen Teilen des Kapital. die Genesis der modernen europäischen Gesellschaft als eine Geschichte der Gewalt beschrieben. Sie ist "in die Annalen der Menschheit eingeschrieben mit Zügen von Blut und Feuer" (MEW, Bd. 23, 743). "In der wirklichen Geschichte", schreibt er, "spielen bekanntlich Eroberung, Unterjochung, Raubmord, kurz Gewalt die große Rolle". (MEW, Bd. 23, 742). Marx schreibt dies bezogen auf als den "Ausgangspunkt" der kapitalistischen Produktionsweise, die ursprüngliche Akkumulation (op. cit., 741). Dabei arbeitet er heraus, inwiefern Gewalt nicht nur in einem geschichtlich-allgemeinen Sinn "Geburtshelfer" der neuen Gesellschaft ist (dies würde für jede Gesellschaft gelten, "die mit einer neuen schwanger geht"), sondern im Rahmen der Ursprungsgeschichte des Kapitals in einem sehr spezifischen Sinn als "ökonomische Potenz" fungiert (vgl. op. cit., 779). Er zeigt, daß die für die bürgerliche Gesellschaft insgesamt konstitutive doppelte Ausbeutung bereits in der ursprünglichen Akkumulation die Pfeiler bildet, auf denen die neue Gesellschaft sich erhebt: intern als "Expropriation des Landvolks von Grund und Boden" (op. cit., 744), "gewaltsame Schöpfung vogelfreier Proletarier" (op. cit., 770) und Entstehung der Klasse der Lohnarbeiter (op. cit., 766), extern als Kolonialsystem. Es handelt sich hier um eine Erkenntnis, die für die Analyse der bürgerlichen Gesellschaft in ihrer europäischen wie transeuropäisch-weltgeschichtlichen Gestalt (als Empire) von grundlegender Bedeutung ist, da die Struktur der doppelten Ausbeutung für diese Gesellschaft bis auf den heutigen Tag aktuell geblieben ist, ja zunehmend eine geschichtlich bestimmende Funktion gewinnt. Auf diesen zwei Pfeilern ist die moderne bürgerliche Gesellschaft von ihren Ursprüngen an gebaut. Betrachten wir die Marxsche Argumentation deshalb noch etwas genauer. Ad 1. Als "historisch epochemachend in der Geschichte der ursprünglichen Akkumulation" nennt Marx "die Momente, worin große Menschenmassen plötzlich und gewaltsam von ihren Subsistenzmittel losgerissen werden und als vogelfreie Proletarier auf den Arbeitsplatz geschleudert werden. Die Expropriation des ländlichen Produzenten, des Bauern, von Grund und Boden bildet die Grundlage des ganzen Prozesses (op. cit., 744). Dazu gehört die Verwandlung von Ackerland in Schafweide als Folge des Aufblühens der flandrischen

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Wollmanufaktur und des entsprechenden Ansteigens der Wollpreise – was Thomas Morus in

der Utopie von England als dem sonderbaren Land sprechen läßt, "wo Schafe die Menschen auffressen" (op. cit., 746f.). Dazu gehört der Diebstahl der Kirchengüter durch die Reformation, die Unterdrückung der Klöster, die deren Einwohner ins Proletariat schleuderte (op. cit., 748f.). Zum gewaltsamen Expropriationsprozeß der Volksmasse (op. cit., 748) gehört als letzte Stufe "das sog. Clearing of Estates (Lichten der Güter, in der Tat Wegfegung der Menschen von denselben)" in Schottland – Marx gibt Beispiele massenhafter und exzessiver Brutalität (op. cit., 756-58). Durch "Blutgesetzgebung gegen die Expropriierten" seit Ende des 15. Jahrhunderts und während der gesamten Tudorzeit – "grotesk-terroristische

Gesetze" – "wurde das zum Vagabunden gemachte Landvolk (

Lohnarbeit notwendige Disziplin hineingepeitscht, -gebrandmarkt, -gefoltert" (op. cit., 765). Ad 2. Als "Hauptmomente der ursprünglichen Akkumulation" nennt Marx die Entstehung des Kolonialsystems – die koloniale Unterwerfung der Erde, also: "die Entdeckung der Gold- und Silberländer in Amerika, die Ausrottung, Versklavung und Vergrabung der eingebornen Bevölkerung in die Bergwerke, die beginnende Eroberung und Ausplünderung von Ostindien, die Verwandlung von Afrika in ein Geheg zur Sklavenjagd auf Schwarzhäute". Diese "idyllischen Prozesse" bezeichnen "die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära", auf dem Fuß gefolgt vom "Handelskrieg der europäischen Nationen, mit dem Erdrund als Schauplatz" (op. cit., 779). Er zitiert William Howitt, Colonization and Christianity (London 1838): "'Die Barbareien und ruchlosen Greueltaten der sog. christlichen Racen, in jeder Region der Welt und gegen jedes Volk, das sie unterjochen konnten, finden keine Parallele in irgendeiner Ära der Weltgeschichte, bei irgendeiner Race, ob noch so wild und ungebildet, mitleidlos und schamlos'" und merkt an: "Man muß dies Zeug im Detail studieren, um zu sehn, wozu der Bourgeois sich selbst und seinen Arbeiter macht, wo er die Welt ungeniert nach seinem Bilde modeln kann" (loc. cit.) – eine Bemerkung von verblüffender Aktualität. An diesen Greueltaten hatten alle europäischen Nationen Teil, die in der Lage waren, am Prozeß der kolonialen Eroberung Teil zu haben.: Spanien, Portugal, Holland, Frankreich, England. Die kapitalistische Musternation des 17. Jahrhunderts war Holland. Die Geschichte seiner Kolonialwirtschaft, so Marx (er zitiert Thomas Stamford Raffles, britischer Kolonialbeamter und Gouverneur der Insel Java), "'entrollt ein unübertreffbares Gemälde von Verrat, Bestechung, Meuchelmord und Niedertracht'" (op. cit., 779f.). Besonders ausgepicht war das System des Menschendiebstahls, um Sklaven für Java zu erhalten. "Die weggestohlne Jugend wurde in den Geheimgefängnissen von Celebes versteckt, bis reif zur Verschickung auf die Sklavenschiffe." "'Diese eine Stadt von Makassar z. B.", so zitiert er aus einem offiziellen Bericht, "ist voll von geheimen Gefängnissen, eins schauderhafter als das andre, gepfropft mit Elenden, Opfern der Habsucht und Tyrannei, in Ketten gefesselt, ihren Familien gewaltsam entrissen'" (op. cit., 780). Das Kolonialsystem "reifte treibhausmäßig Handel und Schiffahrt. Die 'Gesellschaften Monopolia' (Luther) waren gewaltige Hebel der Kapital- Konzentration. Den aufschießenden Manufakturen sicherte die Kolonie Absatzmarkt und eine durch das Marktmonopol potenzierte Akkumulation. Der außerhalb Europa direkt durch Plünderung, Versklavung und Raubmord erbeutete Schatz floß ins Mutterland zurück und verwandelte sich hier in Kapital" op. cit., 781). Marx schließt seine historische Analyse mit einem vernichtenden Urteil. "Tantae molis erat, 15 die 'ewigen Naturgesetze' der kapitalistischen Produktionsweise zu entbinden, den Scheidungsprozeß zwischen Arbeitern und Arbeitsbedingungen zu vollziehen, auf dem einen Pol die gesellschaftlichen Produktions- und Lebensmittel in Kapital zu verwandeln, auf dem Gegenpol die Volksmasse in Lohnarbeiter, in freie 'arbeitende Arme'".

)

in eine dem System der

15 'Solcher Mühe bedurfte es'. Marx zitiert hier Vergil, Aeneis, I, V. 33: "Solcher Mühe bedurfte es, das römische Geschlecht zu begründen".

12

Dies sei ein "Kunstprodukt der modernen Geschichte. Wenn das Geld, nach Augier, 'mit natürlichen Blutflecken auf einer Backe zur Welt kommt', so das Kapital von Kopf bis Zeh, aus allen Poren, blut- und schmutztriefend" (MEW, Bd. 23, 788).

III. Doppelte Exploitation und Kontinuität der Gewalt

Die europäische Geschichte als Geschichte der Gewalt, bestimmt von einer doppelten Exploitation, die interne einer Klasse (oder von Klassen) unmittelbarer Produzenten, die externe kolonial unterworfener Territorien und Völker: der Befund läßt sich auf den Ursprung der europäischen Zivilisation, das antike Griechenland zurückverfolgen. So komplex die Sozialstruktur der griechischen Polis auch war, beide für sie typische Staatsformen, Oligarchie bzw. Tyrannis und Demokratie waren Sklavenhalterstaaten; Demokratie im antiken Griechenland bedeutete nicht mehr (aber auch nicht weniger) als die Herrschaft der Masse der Sklavenhalter und der ärmeren vollberechtigten Bürger, beschränkt zudem auf solche männlichen Geschlechts. Kolonisation ist von Beginn an ein, wenn nicht der Grundpfeiler der europäischen Zivilisation. Sie gehört zu den "elementaren Grundlagen des klassischen Griechenland"; bereits das minoische Kreta und mykenische Griechenland kannten eine bescheidene koloniale Expansion (Geiss 1987, 118f.). In der klassischen Phase rückt sie ins Zentrum ökonomischen wie politischen Handelns. "Die attische Demokratie

verfolgte eine betont expansive Politik fast schon imperialistischen Charakters" (op. cit., p. 128). Athens Abstieg begann mit der Niederlage im Peloponnesischen Krieg, ausgelöst durch das katastrophale Scheitern der athenischen Expedition nach Sizilien. Gegenüber der geläufigen mythischen Überhöhung des klassischen Athen (sie gehört zum Grundstock der europäischen Mythe) ist zu erinnern, daß dieses Athen, wenn es eins nicht war, so friedliebend und gewaltfrei. Im Gegenteil: es war umschattet von Krieg, durchtränkt von Gewalt. Die großen literarischen Denkmäler künden davon, und nicht umsonst ist die Trojanische Sage (wir lesen sie heute als die weltliterarisch erste Parabel einer kolonialen Expansion) sein klassischer Ursprunsmythos. In der griechischen Tragödie tritt der Boden von Bluttat und Gewalt, aus dem die neue Gesellschaft sich erhebt, in aller Kraßheit hervor. Nach der Orestie gründet sie in dreifachem Mord von Blutsverwandten: der Opferung Iphigenies durch ihren Vater, der Abschlachtung des Agamemnon, dem Muttermord Orests, weiteres Morden wird allein durch göttliche Intervention suspendiert. Bei Euripides wird bereits eine Psychopathologie der subjektiven Gesinnungen vorgelegt, die zu Gewalt und Katastrophe führen. 16 Was einer vorurteilsfreien Betrachtung sofort auffällt, ist die Omnipräsenz des Kriegs in der Geschichte des klassischen Griechenland. Geiss spricht von seinen "großen

nach außen und innen": Perserkriege und Peloponnesischer Krieg in nur einem

Konflikten (

knappen Jahrhundert (490-404 v. u. Z.), gefolgt von weiteren Kriegen nach außen und innen bis hin zur Hegemonie Makedoniens und darüber hinaus (Geiss 1992, 91f.). Das legendäre Goldene Zeitalter Athens und der attischen Demokratie unter Perikles dauerte nicht mehr als 14 Jahre, die Zeit des Friedens zwischen Athen und Sparta. Es war eine Episode zwischen den Schlachten - eine "kurze goldene Zeit beinahe der Gerechtigkeit", wie mit Bertolt Brecht gesagt werden kann (Der kaukasische Kreidekreis). Ist Athen die Wiege der europäischen Demokratie, dann war diese Wiege bereits blutbefleckt, von Krieg umschattet - dies zu erkennen verringert nicht, es erhöht die vom klassischen Athen erbrachte kulturelle Leistung, zumal die große Literatur, bei allen internen politischen Differenzen, eindeutig gegen die

)

16 Vgl. Th. Metscher, Anti-Mythos und apokalyptische Vision: der Trojanische Krieg bei Euripides und Shakespeare. In: Csobádi, Peter u. a. (Hg.), Der Trojanische Krieg. Salzburg 2002, 208ff.

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Gewalt steht, sich auf die Seite des Friedens schlägt. 17 Mit dem Ende des Peloponesischen Kriegs war es mit der politischen Hegemonie des klassischen Griechenland vorbei (Geiss spricht von seiner "Explosion" (Geiss 1992, 97)). Diese ging an das persische Großreich über, gefolgt vom dem Imperium Alexanders, das ebenso schnell entstand wie zerfiel ("Kein Weltreich wurde so schnell zusammenerobert und zerfiel so schnell wieder, wie eine Supernova der Geschichte" (loc. cit.)). Die nächste Etappe der europäischen Geschichte zeigt größere Kontinuität: den Aufstieg Roms zum Imperium Romanum und damit zur ersten 'klassischen' europäischen Weltmacht, mit gewaltiger Sklavenpopulation und einer Kolonialpolitik größten Stils. Wozu dies alles? Warum hier die Auflistung von Fakten, die in jedem ordentlichen Geschichtsbuch zu finden sind? Weil sie zwar oft benannt, in ihrer kruden Bedeutung für die,

die das menschliche Material dieser Geschichte bildeten, ohne die aber diese Geschichte nicht geschehen wäre – Bertolt Brecht nennt sie die „Unteren“, Antonio Gramsci die "subalternen Klassen" – fast eine terra incognita sind. Denn die Geschichte, wie sie uns ‚offiziell‘ überliefert wird (und damit auch in der großen Mehrheit der Geschichtsbücher), wird nach wie vor erzählt vom Standpunkt der Sieger. Der Standpunkt der Unteren ist diesem entgegengesetzt. Es ist der Standpunkt von Brechts Lesendem Arbeiter: "Wer baute das siebentorige Theben?/In den Büchern stehen die Namen von Königen. /Haben die Könige die

junge Alexander eroberte Indien./Er allein?/Cäsar

Felsbrocken herbeigeschleppt?/(

schlug die Gallier./Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?/Philip von Spanien weinte,

viele Berichte./So viele

als seine Flotte/Untergegangen war. Weinte sonst niemand?/(

Fragen." ("Fragen eines lesenden Arbeiters") Aus dieser Sicht ist der Raum der Geschichte,

lange vor Auschwitz, eine "Schlachtbank" (Shakespeares Metapher), Schauplatz "ungeheuerster Opfer" (Hegel), "Einbruch höllischer Herrschaft" und "Schreckensreich" (Peter Weiss).

18

Was die Daten in ihrer Dürftigkeit verbergen, ist die Erkenntnis, daß es in der europäischen Geschichte von Beginn an 'alles andere als idyllisch' zugegangen ist, daß von ihrer dunklen Urgeschichte, ihren ersten Anfängen an Gewalt dieser Geschichte eingeschrieben ist ‚mit Zügen von Blut und Feuer‘. Zugleich demonstrieren sie, daß, im Sinne von Humboldts, an jeder ihrer entscheidenden Etappen die Form dieser Geschichte abzulesen ist – so konnte ein Shakespeare an der römischen Geschichte die Form seiner eigenen (und damit auch der europäischen) erkennen und in Gestalt des Theaters sichtbar machen (hier liegt der Schlüssel zum Verständnis der Römerdramen). Wohin man blickt in der europäischen Geschichte, man blickt auf Blut, auf Tränen, auf Gewalt. Nach dem Niedergang Roms begründete Karl der Große von neuem ein europaweites Reich – in der europäischen Mythe fungiert er als 'großer Europäer', die Nazis machten ihn zum Urahnen eines von Hitler germanisch geeinten Kontinents. "Vater Europas" nannte ihn schon zu Lebzeiten ein Hofdichter. "Die Geschichte Karls des Großen ist die Geschichte Europas", schreibt noch – im Jahr 2000 - sein neuester Biograph (Dieter Hägermann; zit. nach Fried 2002, 24). Seinen Zeitgenossen galt er als "waffengewaltig", "schwertgewaltig", "kriegsmächtig". "Machtstreben, Skrupellosigkeit und Verschlagenheit zeichneten ihn aus. Von Beginn seiner Regierung an führte Karl – den Zielen

)/Der

)/So

17 Dazu Shakespeares Spiegel, Bd. 1, 199ff.

18 Genau dieser Standpunkt ist es, von dem aus Werke wie Pablo Nerudas Canto General, Lewis Grassic Gibbons Grey Granite, Peter Weiss' Ästhetik des Widerstands und vieles andere in der modernen sozialistischen Weltliteratur verfaßt sind. In ihnen erhalten die Namen-, Sprach- und Gesichtlosen, die Ausgeschlossenen und Verdammten der Geschichte ihren Namen, Namen, Stimme und Gesicht, werden die Erniedrigten, Geknechteten, Verlassenen, Verächtlichen ins Gedächtnis zurückgeholt. Solche Literatur leistet ein Stück plebejischer Archäologie (dazu Brechts Gedicht "Die Literatur wird durchforscht werden"). Zu diesem Problembereich Th. Metscher, Pariser Meditationen. Zu einer Ästhetik der Befreiung, Wien 1992, insbes. 241- 74; ders., Moderne Weltliteratur und die Stimme Schwarzafrikas, Essen 2001; ders., "Der Roman als Medium geschichtlicher Erfahrung in der Epoche der Barbarei", Marxistische Blätter, 2, 2004.

14

extensiver Herrschaft verpflichtet – Krieg." So Johannes Fried (Fried 2002, 25.), namhafter Mediävist und Autor eines Werks, das die Figur Karls des Großen kritisch beleuchtet (Der Weg in die Geschichte). Mit dem Vorwand, die Heiden zur Taufe zwingen zu wollen, folgte Karl dem Rezept des Heiligen Augustinus, der den Königen geraten hatte, die Heiden dem rechten Glauben zu unterwerfen und dabei das eigene Reich entsprechend zu ordnen - als Mittel, die ewige Seligkeit zu erlangen. Der Weg zur ewigen Seligkeit ist manchmal lang. Der

Krieg gegen die Sachsen dauerte dreißig Jahre, bevor der letzte Widerstand erlosch. "Karl griff zu brutalsten Maßnahmen: Massenhinrichtungen wie das berüchtigte 'Blutbad' zu Verden mit Tausenden von Toten, Deportationen und Exil, Umerziehungsdruck und kirchliche Kontrolle sollten dauerhaft schrecken. Der Erfolg blieb nicht aus. Nach einem Jahrhundert der Zugehörigkeit zum Frankenreich erkannten die Sachsen in Karl ihren Heilsbringer, den seligen Glaubensboten, der sie zu Christus geführt hatte." (Op. cit., 25) "Am Aufgang

Gewalt, Gewalt, wohin

man schaute." (Op. cit., 26.) Wie eine Blutspur zieht sich die Linie der Gewalt durch die Geschichte Europas. Zum 16. und 17. Jahrhundert schreiben Paech und Stuby: "Von einer 'Hegung des europäischen Krieges'

konnte in jener Zeit wahrlich nicht die Rede sein. Die französischen Kriege mit dem Spanien Habsburgs um die Vorherrschaft in Europa, die wiederholten erfolglosen Flottenexpeditionen

der niederländische

Unabhängigkeitskrieg (

eindämmbares Blutbad.“ Hinzu tritt „die Realität des Kolonialismus“ als „Anarchie der Ausbeutung“: „die Kolonien bildeten den Quell gewaltiger Kapitalakkumulation, die den Übergang zur kapitalistischen Produktionsweise in den Zentren ermöglichte und dort die Voraussetzungen für die Industrielle Revolution selbst schuf. Im Kampf um diese Quellen legten sich die Konkurrenten freiwillig keine Beschränkungen auf, um in der Ausbeutung der Eroberungen nicht zu kurz zu kommen" (Paech/Stuby 2001, 55). Die Linie der Gewalt zieht ihre Spur auch durch die folgenden Jahrhunderte, mit einem neuen Höhepunkt im zwanzigsten, dem von Eric Hobsbawm treffend charakterisierten "Age of Extremes". Diese Gewaltspur ist auch die Straße, die nach Auschwitz führt. Ganz ohne Frage markiert Auschwitz ein äußerstes Extrem – das Extrem von Gewalt in einem Zeitalter der Extreme -, ist aber dennoch mit der Geschichte Europas verbunden, in ihr angelegt; nicht zufällig verbunden, sondern organisch: als Hervortreten eines Potentials, das dieser Geschichte von Beginn an innewohnt, daß der Form dieser Geschichte inhäriert. Von Beginn an bis heute hat der Faktor Gewalt – ich zögere nicht, hier vom Gewaltgesetz zu sprechen – die Form dieser Geschichte bestimmt. Ungebrochen reicht es in unsere Gegenwart hinein. Die Kriege des beginnenden 21. Jahrhunderts – im Kosovo, im Irak – folgen dem gleichen Muster und den gleichen Gesetzen, denen alle Kriege in der Geschichte Europas gefolgt sind. Eine von Christina Möller in einer jüngst erschienenen Studie vorgelegte Bestandsaufnahme völkerstrafrechtlich relevanter Ereignisse der Menschheitsgeschichte untermauert die hier vorgetragene These. 19 Als die schlimmsten "Menschheitsverbrechen" der letzten tausend Jahre nennt Möller die Kreuzzüge, die Auslöschung der Ureinwohner Amerikas, die Bartholomäusnacht und die Hugenottenverfolgung in Frankreich, die Verfolgung der Schotten durch die Engländer im 18. Jahrhundert, vor allem aber die Massaker des 20. Jahrhunderts: so die Völkermorde an den Armeniern, an den europäischen Juden, in Kambodscha und Ruanda, die Untaten des Vietnamkriegs, verschiedener Militärdiktaturen in Südamerika (Argentinien, Chile, El Salvador), des Kriegs in Jugoslawien, die Menschenrechtsverletzungen des Apartheid-Regimes in Südafrika. Inquisition und Hexenverbrennungen könnten addiert werden. Von größter Bedeutung für mein Argument ist, daß die große Mehrzahl der dieser

Spaniens gegen England (

tauchten Europa in ein kaum mehr

Europas stand die Gewalt. Niemals ruhte der König vom Krieg. (

)

),

die

Hugenottenkriege

)

(

),

),

der dreißigjährige Krieg (

19 Christina Möller, Völkerstrafrecht und Internationaler Strafgerichtshof, Münster 2003. Die Arbeit wurde von Claus Roxin in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als maßstabsetzende Pionierleistung zum Völkerstrafrecht gewürdigt (FAZ vom 1. August 2003, Nr. 176).

15

„Schwerstverbrechen“ (wie die Autorin sie nennt) auf das Konto der europäischen bzw. der von Europa ausgehenden, heute von den USA dominierten posteuropäischen Gesellschaft gehen, des 'Westens' also, des Kapitalismus als gesellschaftlicher Formation. Braucht es weiterer Beweise, daß diese Gesellschaft eine Blutspur auf allen Kontinenten hinterließ, auf fremdem wie auf eigenem Boden, daß ihre Geschichte eine Geschichte der Gewalt ist, die Logik dieser Geschichte eine solche der Unterwerfung? Und eine Logik hat diese Geschichte,

darauf möchten wir bestehen. Denn keines dieser Schwerstverbrechen ist 'zufällig' geschehen oder allein auf Grund einer ewigen anthropologischen Disposition. Sie haben ihre Wurzeln in einer Geschichte, die sich wie keine zweite sich dem Profit und der Herrschaft verschwor, die die Eroberung der Erde zu ihrem Ziel erhob, die skrupel- und gewissenlos auf das Instrument der Gewalt setzte. Gibt es Ausnahmen ? Welcher Historiker nennt sie? Sie sind, wenn es sie denn gibt, sicher an den Fingern einer Hand abzuzählen. Folgen wir Hans Heinz Holz' großem Essay zu Friedrich

II, dem "Kaiser aus Apulien", so muß dieser eine solche Ausnahme gewesen sein. "(

gepackt von der Erkenntnis, daß die Gesellschaft neu geordnet werden müsse, wenn in ihr die Norm, die für ihn die absolute war – iustitia durchgesetzt werden solle.“ (Holz 1994, 53f.) 20

Folgen wir Heinrich Manns Henri-Quatre-Romanen (Die Jugend des Königs Henri Quattre, 1935, Die Vollendung des Königs Henri Quattre, 1938), so gehört sicher Heinrich IV. von Frankreich zu ihnen. Schüler Montaignes und geprägt von der Erfahrung der Bartolomäusnacht, verfolgte er, auch wenn er der Gewalt nicht entbehren konnte, das Ziel der Versöhnung, des Ausgleichs und des Friedens, mit dem Gedanken des Rechts als Kompaß, um dieses Ziel zu erreichen. Er wurde ermordet auf dem Weg zu diesem Ziel. Kern des Programms der Französischen Revolution war die erklärte Absicht, das Prinzip der Unterwerfung und das Gesetz der Gewalt durch den "Gedanken des Rechts", wie Hegel sagte, zu ersetzen, die Wirklichkeit nach diesem zu erbauen." Daß dieser Versuch aller bisherigen Geschichte zuwider lief, hat Hegel gewußt. "Solange die Sonne am Firmamente steht und die Planeten um sie herumkreisen, war das nicht gesehen worden, daß der Mensch sich auf den

Es war dieses somit ein

herrlicher Sonnenaufgang." (Philosophie der Geschichte. Hegel 1970, Bd. 12, 529). Ein zweiter Sonnenaufgang war der Rote Oktober, als erneut der Versuch unternommen wurde, die Welt auf dem Grund der Vernunft umzubauen und eine neue Gesellschaft zu errichten, in der Freiheit, Gleichheit und Solidarität an die Stelle der Unterwerfung treten. Wir wissen, wie beide Versuche endeten. Den Sonnenaufgängen folgte die finsterste Nacht. Bereits mit Napoleon trat die triumphalistische Macht erneut ins Zentrum geschichtlichen Handelns. Er mußte gehen, als die Bourgeoisie der heroischen Illusionen nicht mehr bedurfte, die Gewalt der Sachen an die Stelle der Gewalt der Personen trat. Die sozialistische Revolution geriet in die Hände Stalins, der sozialistisches Recht durch exzessive Gewalt ersetzte, und ehe sie die Zeit zur Rekonstruktion fand, wurde sie durch die Konterrevolution zerschlagen. Ihre Zukunft ist ungewiß. Für eine endgültige Todsagung ist es noch zu früh, wie es zu spät ist für jeden historischen Optimismus. Fest allein steht, daß das Programm beider Revolutionen nicht erledigt ist, zwar zerschlagen, doch nicht widerlegt durch den Lauf der Geschichte. In der Gegenwart freilich herrscht ungebrochen das Gesetz der Gewalt. Es dominiert die gleiche Logik, die bereits der Motor des antiken wie des mittelalterlichen und neuzeitlichen Kolonialismus war: die Logik der Unterwerfung. Sie war auch der Motor der faschistischen Expansion, damit auch der Motor, der nach Auschwitz führte. Heute ist sie der Motor des von den USA beherrschten (doch keineswegs auf die USA beschränkten) Neo-Imperialismus, des 'New Empire', das sich selbst 'neue Weltordnung' nennt. Das meint: alle diese historischen Gestalten sind Geburten der gleichen Logik, die die europäische Geschichte, dann die Geschichte der von Europa ausgehenden bürgerlichen Weltgesellschaft in ihrem ganzen

(

) er war

)

Gedanken stellt und die Wirklichkeit nach diesem erbaut. (

)

20 Vgl. auch U. Cerroni, "Der Kaiser aus Apulien". Topos. Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie, 1994, 31-39.

16

Prozeß bestimmt hat. Nach wie vor bilden die Pfeiler der doppelten Exploitation die Basis,

auf denen diese Gesellschaft beruht – bringt man diese Pfeiler zum Einsturz, dann fällt der gesamte Bau dieser Gesellschaft zusammen wie ein Kartenhaus. Zwar haben die Erscheinungsformen der Ausbeutung, die Physiognomien der antagonistischen Klassen ihr Aussehen verändert, auch haben die Protagonisten ihre Gestalt gewechselt (nicht nur die Bourgoisie, auch das Proletariat besitzt heute globale Gestalt), die bürgerliche Gesellschaft selbst ist von ihrer beschränkten europäischen Form zur imperialen Weltgesellschaft mutiert.

), not

Nicht verändert hat sich ihr Ziel, das Gesetz ihres Daseins: "the conquest of the earth ( a pretty thing when you look into it too much".

Liste der gebrauchten Literatur

Ahmad, Aijaz 1994. In Theory. Classes, Nations, Literatures. London. Benjamin, Walter 1961. Illuminationen. Frankfurt a. M. Bernal, Martin 1987/91. Black Athena. The Afroasiatic Roots of Classical Civilisation, 2Bde. London. Buhr, Manfred (Hg.) 1994. Das geistige Erbe Europas. Napoli. Förster, Wolfgang 2003. Johann Gottfried Herder und das Programm einer 'neuen Aufklärung'. Zeitschrift marxistische Erneuerung, 56, 113-29. Fried, Johannes 2002. Ein dunkler Leuchtturm. Spiegel spezial, 1, 24-33. Geiss, Imanuel 1987. Geschichte griffbereit. Epochen. Die universale Dimension der Weltgeschichte. Reinbek. Ders. 1992. Geschichte im Überblick. Daten und Zusammenhänge der Weltgeschichte. Reinbek. Haug, Wolfgang Fritz (Hg.) 1998. Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus, Bd. 3. 2. Aufl., Berlin. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich 1970. Werke. Frankfurt a. M. Herder, Johann Gottfried 1971. Briefe zur Beförderung der Humanität, 2 Bde. Berlin.

17

Holz, Hans Heinz 1994. "Friedrich II. – die Universalität des Rationalen.". Topos. Internationale Beiträge zur dialektischen Theorie, 3, 41-58. Iacono, Alfonso M. 1990. Europa. In: Sandkühler 1990, 945-50. Lefkovitz, Mary R./Rogers, Guy Maclean (Hg.) 1996. Black Athena Revisited. Chapel Hill. Losurdo, Domenico 1994. "Selbstbewußtsein, falsches Bewußtsein, Selbstkritik des Abendlandes". In: Buhr 1994, 733-70. Malandrino, Conrado 1990. Eurozentrismus. In: Sandkühler 1990, 950f. Marx, Karl/Engels, Friedrich 1970ff. Werke (MEW). Berlin. Meier, Christian 1993. Athen. Ein Neubeginn der Weltgeschichte. Frankfurt a. M. Ders. 2002. Von Athen bis Auschwitz. Betrachtungen zur Lage der Geschichte. München. Paech, Norman/Stuby, Gerhard 2001. Völkerrecht und Machtpolitik in den internationalen Beziehungen. Hamburg. Said, Edward W. 1994. Culture and Imperialism. London. Ders. 1995. Orientalism. Harmondworth. Sandkühler, Hans Jörg 1990 (Hg.). Europäische Enzyklopädie zu Philosophie und Wissenschaften. Hamburg. Swift, Jonathan 1973. Gulliver's Travels. In: R. A. Greenberg/W. B. Piper (Hg.), The writings of Jonathan Swift. New York. Willing, Gunter 1998. Eurozentrismus. In: Haug 1998, 1023-31. Wolf, Frieder O. 1998. Europa. In: Haug 1998, 994-99.