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Doppelpass

Endlich offiziell
Einwanderungsland
Dass die Optionspflicht bei der doppelten Staatsbürgerschaft entfällt, ist
eine große Sache für Deutschland. Denn bis vor Kurzem waren
ausländische Mitbürger nur Fremde.

Von Özlem Topçu

4. Juli 2014, 12:09 Uhr / 209 Kommentare

Jugendliche mit deutschen und türkischen Fähnchen (Archiv) © John


MacDougall/AFP/GettyImages

Der Bundestag hat am gestrigen Donnerstag die Realität im


Einwanderungsland eingeholt. Die Abgeordneten haben beschlossen,
dass Ausländerkinder, die in Deutschland mit zwei Staatsbürgerschaften
geboren werden, auch Erwachsene mit zwei Staatsbürgerschaften sein
dürfen – und sich nicht wie bisher spätestens mit 23 Jahren für eine
entscheiden müssen. Kinder von Türken und Arabern dürfen jetzt, was
EU-Bürger und Schweizer schon lange dürfen: Deutsche sein – und noch
was anderes dazu. Dieses andere ist vielen wichtig. Sie wollen nicht
gezwungen werden, sich zu entscheiden. Das betrifft laut der
Bundesbeauftragten für Integration, Aydan Özoğuz, schon heute mehr
als eine halbe Million Kinder und Erwachsene.
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Heute hat Deutschland gezeigt, dass es das
andere aushält, es nicht als Gefahr sieht. Geht
schon.

Der Wegfall dieser sogenannten


Optionspflicht zeigt, wie sehr sich das Klima
hierzulande geändert hat. Deutschland geht
gelassener mit seinen vielen Identitäten um,
auch mit seiner eigenen Identität als
modernes Einwanderungsland. Es vertraut
sich endlich selbst. Jetzt hat dieses moderne
Einwanderungsland auch ein modernes Staatsangehörigkeitsrecht.

Das ist eine ziemlich große Sache für Deutschland. Und eigentlich ging
es am Ende doch recht schnell. Machen wir uns noch einmal kurz klar,
was in den vergangenen Jahren so los war.

Türkenschreck Kohl
Da gab es den Türkenschreck Helmut Kohl, der Kanzler der
Wiedervereinigung, der es leider verpasste, die Ausländer gleich
mitzuvereinigen und auch sonst kaum eine Gelegenheit ausließ, Distanz
zu "Nicht-Deutschen" aufzubauen. Nach dem Brandanschlag von
Solingen 1993, bei dem fünf Türken starben, sagte sein
Regierungssprecher, zu der Trauerfeier werde der Bundeskanzler nicht
anreisen, man wolle nicht in Beileidstourismus ausbrechen. Deutlicher
konnte Kohl nicht zeigen, dass es sich hier um ein Angriff auf Fremde
handelt. Später bekam er eine türkische Schwiegertochter.

Da gab es 1999 in Hessen eine Unterschriftenkampagne gegen die


doppelte Staatsbürgerschaft, mit der Roland Koch die Landtagswahl
gewann. Er versuchte es im Wahlkampf 2007 erneut mit einer
Kampagne, die Einwandererkinder verausländerisierte, diesmal ging es
um böse Jungs. Pauschal sagte Koch: "Wir haben zu viele kriminelle
Ausländer", in einem Interview mit der Bild-Zeitung. Doch Koch verlor
die Wahl.
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Das bisschen Wahlrecht


Noch vor wenigen Jahren gab es leidenschaftliche Debatten über die
Vorstellung, Migranten könnten zwei Pässe haben, besonders die Union
stritt heftig. Man kann es sich kaum noch vorstellen, aber ein
grundvernünftiger Wolfgang Schäuble sagte, man zwinge ja schließlich
niemanden, Deutscher zu werden – auch ohne deutschen Pass könne
man wunderbar in Deutschland leben. Das bisschen Wahlrecht, das ja
nur deutsche Staatsbürger haben, war anscheinend nicht so wichtig.
Man hat die Leute, über die man damals so sprach, einfach nicht als
potenzielle Wähler und politische Menschen gesehen. Nun gut, Schäuble
hatte bis dahin vielleicht noch nie einen Türken aus der Nähe gesehen.
Nur sechs Jahre später berief er als Bundesinnenminister die
Islamkonferenz ein. Das ging dann auch schnell.

Und dann gab es das Buch des ehemaligen Bundesbankers Thilo


Sarrazin, das es noch einmal schaffte, klar zu machen, wer dazu gehört
und wer nicht. Wer deutsch ist und wer nicht.

Früher ging es bei der Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft um


große Worte wie Loyalität und Zugehörigkeit. Es gab tatsächlich die
Wortkreationen "Integrationsverweigerer" (Thomas de Maizière) oder
"deutsche Leitkultur" (Friedrich Merz). Ziel war immer, das "wir" vom
"die" zu trennen. Und die dazwischen sollten sich gefälligst für eine Seite
entscheiden.

Zuletzt ging es nur noch um kleine Sachen wie: Wer muss eigentlich
nachweisen, dass der Betroffene die Voraussetzungen für die
Mehrstaatlichkeit erfüllt (acht Jahre in Deutschland gelebt, oder sechs
Jahre hier eine Schule besucht, oder hier einen Schul- oder
Berufsabschluss gemacht haben) – er selbst oder die Behörden? Zunächst
sah ein Gesetzesentwurf von Bundesinnenminister de Maizière vor, dass
die Betroffenen diese Nachweise selbst erbringen. Dann sah man aber
ein, dass 95 Prozent derjenigen, um die es geht, die Kriterien sowieso
erfüllen. Um die anderen fünf Prozent kümmern sich nun die Behörden
von sich aus.

Nur eine kleine Engherzigkeit


Man könnte sich jetzt zurücklehnen und dieses neue Deutschland 2014
genießen. Doch eine kleine Engherzigkeit hat der Gesetzgeber sich dann
doch erlaubt: Von der neuen Regelung profitieren die Kinder von
Einwanderern, nicht die Elterngeneration. Die Generation Gastarbeiter,
die hier gebuckelt und mitgeholfen hat. Es gibt keine Altfallregelung.
Wer einmal den einen Pass abgegeben hat, kriegt ihn nicht wieder.

Das heißt: Heute noch nicht. Irgendwann wird es auch eine


Altfallregelung geben und Mehrstaatlichkeit wird normal sein. Die SPD
und die Grünen sollten das Thema weiterverfolgen. Es könnte auch sein,
dass die CDU sie da überholt, wie so oft in Fragen der Integration. Der
Fortschritt wird ja nur verzögert, nicht aufgehalten. Die Entscheidung
des Bundestags in dieser Woche zeigt, wie schnell es manchmal gehen
kann.

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Schlagwörter
Helmut Kohl Bundestag Roland Koch Wolfgang Schäuble EU-Bürger Bild-Zeitung

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209 Kommentare KOMMENTIEREN ▸


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Neueste zuerst Nur Redaktionsempfehlungen Nur Leserempfehlungen

vincentvision #1 — 4. Juli 2014, 12:20 Uhr 16

"Deutschland hat gezeigt, dass es das aushält..."

Genau genommen seine Regierung!

Ich bin gespannt, wie diese Anpassungen, die längst überfällig waren, vom gesunden
Volksempfinden aufegenommen werden.

Zu oft begegnet man nämlich noch Gedankengut, dass sich auf unerträgliche Blut-und-Boden-
Mentalität stützt und ganz einfach noch nicht in diesem Jahrhundert angekommen ist.

Und viele kommende Kommentare werden genau das auch beweisen...

Antworten Melden Empfehlen

Acata #1.1 — 4. Juli 2014, 12:31 Uhr 38

......

"Zu oft begegnet man nämlich noch Gedankengut, dass sich auf unerträgliche Blut-
und-Boden-Mentalität stützt und ganz einfach noch nicht in diesem Jahrhundert
angekommen ist."

[...]
+ 14 Weitere Antworten anzeigen
Die Doppelpässe fördern weder die Integration noch sind sie einem
demokratischen Gemeinwesen förderlich, dass sie die Nazi-Terminologie
ausgraben ändert daran auch nichts.
MaryPoppinsky #2 — 4. Juli 2014, 12:22 Uhr 4
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unterstellende Bemerkungen. Vielen Dank, die
Redaktion/dd
Herzlichen Glückwunsch!

[fehler]

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Gast 2011 #3 — 4. Juli 2014, 12:23 Uhr 57

Wo ist mein zweiter Pass?

Ich halte das für eine ungerechte Bevorzugung der Ausländer.

Mit zwei Pässen kann ich mir nach Bedarf den richtigen heraussuchen und wie es mir gerade
passt und die Situation es erfordert, bin ich mal Deutscher und mal Türke oder Grieche oder
irgendwas.

Die Integration wird damit sicher nicht gefördert. Im Gegenteil. Der persönliche
Opportunismus feiert aber einen Sieg.

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Aaabel #3.1 — 4. Juli 2014, 13:20 Uhr 1

forget it !

So einfach ist es nicht, im Gegenteil es kann manchmal recht besch... werden !


Glauben Sie, das ein "2 Pass-Besitzer" (also jemand, der auch einen deutschen Pass
hat) in Deutschland als Ausländer behandelt wird ?

+4 Weitere Antworten anzeigen

Gast 2011 #4 — 4. Juli 2014, 12:24 Uhr 1

[…]

Doppelposting, entfernt. Die Redaktion/dd

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WEI TERE KO M M E N TA R E › 1 / 2 / 3 / 4 / 5 / … / 22

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