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THEOLOGISCHE

FREMDWÖRTER
erklärt von RS. Rothenberg

2000
Begriffe
iafekflkcheTh ogi
Entmythologis rung
Existentiale Inte tation
forensisc
Funcfamentali
meneu
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letaphe
lythos
kopus
Supranaturali
lologis
lubstant

HANDBÜCHEREI R. BROCKHAUS
Friedridi Samuel Rothenberg • Theologische Fremdwörter
Theologische Fremdwörter

2 ooo Begriffe

verdeutscht und erklärt von

Friedrich Samuel Rothenberg

R. Brockhaus Verlag Wuppertal


Handbüdierei R. Brockhaus Bd. 5

1965
Grafik: Harald Wever
Gesamtherstellung: Breklumer Druckerei Manfred Siegel
VORWORT

Dies Buch möchte einem breiteren Leserkreis die Ausdrücke der


theologischen Fachsprache erschließen. Immer zahlreicher werden
die Menschen, die an theologischen Fragen interessiert sind und
hier mithören, mitlesen oder auch mitsprechen möchten, ohne
eine altsprachliche und theologische Ausbildung zu haben. Immer
mehr aktive Mitarbeiter wachsen der Kirche aus anderen Be-
rufen zu. Der »zweite Bildungsweg« führt manchen zum Dienst
der Verkündigung, der zunächst ein anderes Ziel angesteuert hatte.
Da wird ein handliches, auf alles Überflüssige verzichtendes
Fremdwörterbuch willkommen sein.
Auch dem Theologiestudenten herkömmlicher Art wird es nicht
schaden, wenn er vor dem Examen einmal überprüft, ob er mit
diesen rund 2000 Begriffen den gemeinten Sinn verbindet.
Wir haben es für nötig gehalten, auch einige Ausdrücke der all-
gemeinwissenschaftlichen Sprechweise aufzunehmen, ferner Be-
griffe aus den Grenzgebieten: Kirchenmusik, Kirchenkunst, Philo-
sophie, Psychologie, Soziologie. Auch die für die katholische Theo-
logie charakteristischen Fremdwörter durften nicht fehlen.
Vor allem haben wir uns bemüht, jene Fremdwörter und Fach-
ausdrücke aufzuspüren, die seit 1945 in das theologische Gespräch
eingedrungen sind.
Vorschläge zur Verbesserung des kleinen Werkes nimmt der Ver-
lag (Wuppertal-Vohwinkel, Postfach 504) mit Dank entgegen.

Friedrich Samuel Rothenberg


Abkürzungen
Der Pfeil -*• weist darauf hin, daß dies Stichwort eine eigene Er-
klärung hat. Mit „Gg" ist auf das Gegensatz-Wort verwiesen. Ein
Punkt unter einem Vokal zeigt die Betonung an.
Adiaphoristischer Streit
Abba (aramäisch) Vater, im NT absurd (lat.) „mißtönend", unge-
Anrede an Gott. reimt, unvernünftig.
Abbreviatur (lat.) Abkürzung. abusus non tollit usum (lat.) Der
Abolitionismus Bewegung gegen Mißbrauch hebt den (rechten)
die Sklaverei, gegen die Prosti- Gebrauch nicht auf.
tution u. ä. (von abolieren = Acta apostolorum (lat.) „Taten
abschaffen). der Apostel" = Apostelgeschichte.
ab ovo (lat.) „vom Ei an", vom actus purus (lat.) „reines Wirken",
ersten Anfang an, weit hergeholt. Gott als stofflose reine Wirklich-
Abrenuntiatio (lat.) Absage (an keit.
den Satan). A. D. (lat.) Anno Domini, im Jahr
absolut (lat.) „losgelöst", unbezo- des Herrn.
gen, unbedingt, beziehungslos, ad absurdum (lat.) ad absurdum
an sich (Gg: -»• relativ). führen: die Folgen aus einer Be-
Das Absolute ist der letzte, selbst hauptung ziehen und so die Un-
unbedingte Ursprung alles Seien- sinnigkeit dieser Behauptung
den. Absolute Wahrheit: eine aufdecken.
Wahrheit, die uneingeschränkt adäquat (lat.) angemessen, einer
gilt. Absolutheitsanspruch des Sache entsprechend.
Christentums: Überzeugung, daß Adept (lat.) ein in die Geheim-
Gott sich in Jesus von Nazareth nisse der Mysterien Eingeführ-
dem Endlichen und Geschicht- ter; ein Gehilfe, Jünger.
lichen absolut mitgeteilt hat, daß ad hoc (lat.) zu diesem Zweck,
die Christusoffenbarung keine nur für diese Aufgabe.
Religion, sondern eine einzig- adhortatio (lat.) Ermahnung.
artige, innerhalb der Geschichte Adiaphora (gr.) „Nichtunterschie-
nicht überholbare Kundmachung denes"; gleichgültige Dinge,
Gottes ist. Handlungen, die als solche noch
Absolution (lat.) Loslösung, Frei- nicht gut oder schlecht genannt
sprechung, vor allem die mit der werden können, meist als „Mit-
Beichte verbundene Zusprechung teldinge" bezeichnet.
der Vergebung im Namen Jesu Adiaphoristischer Streit 1. Ausein-
Christi nach Joh. 20, 23 (Gg: andersetzung zwischen Melanch-
->- Retention). thon und Flacius über die Zu-
Abstinenz (lat.) Enthaltsamkeit lässigkeit katholischer Formen in
(vor allem in bezug auf Alkohol). Verfassung und Kultus (1548 bis
abstrahieren (lat.) „abziehen", ab- 1555), wobei Flacius den Satz
sehen von unwesentlichen oder prägt: „Nichts ist ein Mittelding,
zufälligen Merkmalen, um das wo es das Bekenntnis gilt (in
Eigentliche herauszuheben. casu confessionis) oder wo Ärger-
abstrakt (lat.) „abgezogen", vom nis entstehen kann."
Dinglichen gelöst, rein begriff- 2. Streit über die Zulässigkeit
lich, unanschaulich, sinnlich nicht weltlicher Freuden (Oper, Tanz,
wahrnehmbar (Gg: ->- konkret). Kartenspiel, Volksfeste), der seit
Adiaphoristischer Streit 8
1681 reformierte Pietisten und Kunde vom neuen Äon, der in
Frandce-Anhänger in Hamburg, seiner Person bereits gegenwär-
Gotha und anderenorts mit den tig ist (Luk. 17, 21). Auch Paulus
Lutheranern (Löscher u. a.) ent- verkündigt die neue Weltzeit in
zweit. Christus (2. Kor. 5, 17).
Adjunkt (lat.) Helfer, Gehilfe. äquivalent (lat.) gleichwertig, von
adjuvante Deo (lat.) mit Gottes gleicher Geltung. Bei Überset-
Beistand. zungen: das wirklich zutreffende
ad majorem Dei gloriam (lat.) zur Gegenwort.
größeren Ehre Gottes (Jesuitische Ära (lat.) Zeitalter, Zeitabschnitt,
Devise). Zeitrechnung.
Admonitor (lat.) Ermahner, spe- Ästhetik (gr.) Lehre vom Schönen.
ziell: Beichtvater. Ästhetizismus Lebenshaltung, die
Adonai (hebr.) „mein Herr"; alt- einseitig das Ästhetische betont.
testamentliche Gebetsanrede Got- Ätherleib (gr.) in der Anthroposo-
tes, dessen Name „Jahve" nicht phie das den Leib durchdrin-
ausgesprochen werden durfte. gende Bindeglied zwischen stoff-
Adoptianismus (lat.) Lehre, Gott licher Leiblichkeit und innerem
habe den Menschen Jesus bei der Leben. ->• Astralleib.
Taufe adoptiert; dieser sei dann ätiologisch (gr.) Herkunft und Ur-
durch sittliche Vervollkommnung sache erklärend (aitia = Ur-
immer mehr zum Christus gewor- sache); bezieht sich zumeist auf
den. Hauptvertreter: Paul von Ortsnamen, Pflanzennamen, selt-
Samosata, 260 Bischof von Antio- same Naturgebilde, alte Bau-
chien. werke (nicht mit -> etymologisch
Adoration (lat.) Anbetung, Ver- zu verwechseln).
ehrung; Huldigung eines neuge- Affinität (lat. affinitas = Grenz-
wählten Papstes durch die Kar- nähe) Wesensverwandtschaft
dinale. zweier Größen und die dadurch
Adventisten (lat.) Sekte, welche bewirkte Anziehung (etwa bei
die Wiederkunft Christi in die den Elementen); Verwandtschaft,
Mitte ihrer Lehre stellt; 1843 in Schwägerschaft, Verhältnis des
den USA entstanden. einen Ehegatten zu den Bluts-
advocatus diaboli (lat.) „Anwalt verwandten des anderen.
des Teufels", speziell: Name des affirmativ (lat.) bestätigend, be-
Geistlichen, der im Heiligspre- jahend, behauptend.
chungsprozeß die Gegengründe Agape (gr.) 1. Liebe, von Gott
vorträgt. ausgehende oder von ihm be-
äolisch 9. Kirchentonart, dem Moll wirkte selbstlose Liebe (Gg:
entsprechend (A—a), nach der -> Eros), 2. Liebesmahl der früh-
griechischen Landschaft Äolien. christlichen Gemeinde als Aus-
Äon (gr.) Welt, Weltzeitalter, druck der Bruderschaft, zugleich
Zeitabschnitt. In den gegenwär- der Sättigung der Armen die-
tigen Äon bringt Jesus die nend.
Albigenser
Agende (lat.) „das zu Han- meinde, auch „salutatio" ge-
delnde", ein Handbuch, in dem nannt („Der Herr sei mit euch" —
der Verlauf der Gottesdienste „und mit deinem Geist").
und Amtshandlungen mit ihren Akkomodation (lat.) Anpassung,
Bibelworten, Gebeten usw. auf- speziell: Angleichung des katho-
gezeichnet ist. lischen Ritus an Vorstellungs-
agendarisch den Text der Agende welt und Lebensstil der Einhei-
benutzend. mischen.
Aggiornamento (ital.) Anpassung Akoimeten (gr.) „Nie-Ruhende",
an die heutigen Notwendigkei- Mönche der Ostkirche, die durch
ten (engl, „up to date", franz. Ablösung ununterbrochenen Ge-
„à jour"). Von Johannes XXIII. betsgottesdienst hielten.
beim 2. Vatikanischen Konzil Akoluth (gr.) Begleiter, Diener,
1962 für die katholische Kirche speziell: Kleriker als Bischofsbe-
gefordert. gleiter oder -bote.
Agnostizismus (gr.) Lehre von der Akrostichon (gr.) „Versspitze", ein
Unerkennbarkeit der Wahrheit Gedicht, bei dem die Anfangs-
und Wirklichkeit; Anschauung, buchstaben oder Anfangsworte
welche ein sicheres Erkennen jen- jeder Zeile ein Wort oder einen
seits der unmittelbaren sinnlichen Satz ergeben.
Wahrnehmung für unmöglich Aktivismus (lat.) Haltung zielstre-
hält. biger Tätigkeit.
agnostos theos (gr.) der unbe- Aktualität (lat.) Wirksamkeit in
kannte Gott (Apg. 17, 23). der Gegenwart, Gegenwartsbe-
Agnus Dei (lat.) Lamm Gottes. deutung.
Bezeichnung Christi (Joh. 1, 29). aktaale Sünde Tatsünde; die
Bestandteil der kath. Messe und Sünde, wie sie in der einzelnen
der evang. Abendmahlsliturgie: Handlung sichtbar wird.
„Christe, du Lamm Gottes". Akzidentien (lat.) Nebeneinnah-
Agonie (gr.) Todeskampf, urspr. men eines Geistlichen.
Wettkampf. Akzidenz (lat) das „Hinzukom-
Agrapha (gr.) „die Ungeschriebe- mende", das Zufällige, das
nen", Aussprüche Jesu, die nicht Wechselnde, das auch wegblei-
in den Evangelien stehen. ben kann, ohne daß sich dadurch
aide mémoire (franz.) „Gedächt- das Wesen eines Dinges (das —>•
nishilfe", Niederschrift von „Essentielle") ändert.
mündlich getroffenen Vereinba- Alba, Albe (lat.) das weiße litur-
rungen. gische Untergewand der katho-
Aion -> Äon lischen und anglikanischen Geist-
Akklamation (lat) einfache Form lichen.
der Abstimmung, in welcher der, Albigenser südfranzösische Sekte
der Beifall erhält, als gewählt des 12./13. Jahrhunderts, den ->
gilt. In der Liturgie: Grußwech- Katharern verwandt (nach der
sel zwischen Pfarrer und Ge- Stadt Albi).
Alchimie 10
Alchimie (arab.-gr.) Vorläuferin Iische Allianz: eine 1851 in Liver-
der Chemie, magische Kunst, die pool und London entstandene
Unedles in Gold verwandeln Bewegung „kirchlich Getrennter",
wollte. aber „christlich Geeinter", die
Alexandrinisdie Schule Theolo- eine Vereinigung aller gläubigen
genschule in Alexandrien seit evangelischen Christen erstrebt
etwa 180 n. Chr. Sie vertiefte In Deutschland wirkt sich die
sich, von dem jüdischen Philo- Ev. Allianz vor allem als Be-
sophen Philo beeinflußt, denke- gegnungsstätte zwischen kirch-
risch in das Geheimnis des lichen und freikirchlichen Chri-
menschgewordenen Gottes. Wäh- sten aus.
rend die ->- Antiochenische aima mater (lat.) „nahrungsspen-
Schule die personhafte Ganz- dende Mutter"; Universität
heit des Menschen Jesus betonte, Alt (lat.) „hoch", ursprünglich der
lag den Alexandrinern besonders hohe Kontratenor, später die
an der vollen Göttlichkeit Christi. tiefe Frauenstimme.
In der Schriftauslegung ging die alter ego (lat.) das andere Ich,
Alexandrinisdie Schule vor allem vertrauter Freund, der von mir
den Weg der -> Allegorese und zum Handeln in meinem Namen
-> Typologie. Hauptvertreter: Beauftragte.
Clemens und Origenes. alternieren (lat.) wechseln zwi-
Alijah (hebr.) „Hinaufreise", schen Gesang und Orgelspiel
Rückkehr der Juden ins Land der oder zwischen Chor- und Ge-
Väter (Ziel des -> Zionismus). meindegesang.
a limine (lat.) „von der Schwelle", Alternative (lat.) gegensätzliche
von vornherein. Möglichkeit; die nicht zu umge-
Aliquote (lat.) mit dem Grundton hende Wahl zwischen zwei Mög-
mitklingender Oberton. In der lichkeiten.
Mathematik: eine ohne Rest tei- Altkatholiken Abspaltung von der
lende Zahl. röm. Kirche, die die Unfehlbar-
Allegorese (gr.) Auslegungsweise, keit des Papstes nicht anerkennt
bei der ein Text als -> Allegorie Seit etwa 1700 in Holland, seit
verstanden und ausgewertet 1871 in Deutschland.
wird, der an sich gar keine Alle- Altruismus (lat-ital.) das uneigen-
gorie ist. Der Text wird dann nützige Handeln zum Wohle an-
„allegorisiert". Beispiel: Gal. 4, derer (Gg: -> Egoismus).
22—31. Alumnus (lat.) Pflegekind, Schü-
Allegorie (gr.) das „Anders-re- ler, der in einem Schülerheim
den", Redefonn, die dem Wort- (Alumnat) wohnt und erzogen
laut einen anderen, geistigen wird.
Sinn unterlegt. Ferner: eine Amarnazeit Zeit um 1400 vor
Kunstform des Gleichnisses mit Christus im vorderen Orient, ge-
bedeutungsvollen Einzelzügen. nannt nach den Tontafeln, die
Allianz (franz.) Bündnis. Evange- 1888 in Amarna (archäolog.
11 Analecta, Analekten
Name für die alte ägypt. Haupt- am ha arez (hebr.) „Leute vom
stadt Achet-Aton, 300 km süd- Lande", zur Zeit Jesu verächt-
lich von Kairo) gefunden wur- liche Bezeichnung jener Men-
den und die entscheidend zur schen, die keine genaue Kenntnis
Aufhellung der Geschichte des des Gesetzes hatten (Joh. 7, 49).
frühen Palästina beitrugen. Amoräer (hebr.) „Erklärer", jü-
ama et fac quod vis (lat.) Liebe — disch-talmudische Schriftgelehrte.
und tu, was du willst; genauer: amor fati (lat.) „Liebe zum
und was du dann willst, das tul Schicksal", von Nietzsche emp-
(Wort Augustins). fohlen, für den die bereitwillige
Ambivalenz (lat.) Doppelwertig- Annahme des Unausweichlichen
keit (von Begriffen und Aussagen, und Notwendigen ein Zeichen
die in verschiedene Richtung menschlicher Größe ist.
weisen; auch als „Doppelbödig- Amphiktyonie (gr.) Zusammen-
keit" gekennzeichnet). schluß von benachbarten Stäm-
Ambo, Ambon (gr.) erhöhter Platz men um ein gemeinsames Heilig-
in der Kirche, von dem aus die tum, meist zwölf entspr. dem
Schriftlesung stattfand, vielleicht monatlich wechselnden Dienst an
auch die Predigt. der Kultstätte.
Ambrosianisch auf Ambrosius zu- Amulett (lat.) am Körper getrage-
rückgehend, den Bischof von nes Abwehrmittel gegen Unfälle,
Mailand (etwa 340—397), Refor- Krankheiten, dämonische Mächte
mer des lat. Kirchengesanges. (-> Talisman).
Ambrosianischer Lobgesang der Anabaptisten (gr.) Wiedertäufer,
Hymnus „Te Deum laudamus" in der Reformationszeit Bezeich-
= Herr Gott, dich loben wir, den nung derjenigen, die die Kinder-
Ambrosius anläßlich der Taufe taufe als unbiblisch ablehnten
Augustins gedichtet haben soll. und deshalb die Taufe beim er-
Ambrosiaster ein alter lateinischer wachsenen Christen wiederhol-
Kommentar zu den Paulusbrie- ten.
fen, ein wichtiger Zeuge für den Anachoret (gr.) „der Sich-Zurück-
vor Hieronymus geltenden latei- ziehende"; Einsiedler, Klausner.
nischen Paulustext, um 370 in Anachronismus (gr.) Zeitwidrig-
Rom entstanden. Der Hebräer- keit, falsche zeitliche Einord-
brief fehlt. (Der Autor des Kom- nung, durch die Zeit überholte
mentars ist unbekannt; manche Einrichtung.
haben ihn dem Ambrosius zuge- Anagoge (gr.) „Hinaufführung",
schrieben, woher der Name über das Wörtliche hinausgehen-
rührt.) de, symbolische Auslegung.
Amen (hebr.) „es gilt", „es steht Anakolnth (gr.) abgebrochene Satz-
fest". Bekräftigung einer Aus- konstruktion (z. B. Matth. 9, 6).
sage oder eines Gebets durch die Analecta, Analekten (gr.) Aufge-
Hörer; bei Jesus Bekräftigung lesenes, vermischte Aufsätze,
eigener Aussagen. Auszüge.
analog 12
analog (gr.-lat.) entsprechend, ähn- die Geringen und Kleinen (vor
lich, gleichartig. Gott) empfanden.
analogia entis (gr. und lat.) „Ent- ancilla domini (lat.) Magd des
sprechung des Seins", die Gott- Herrn (Maria nach Luk. 1, 38).
ähnlichkeit des Geschöpflichen, ancilla theologiae (lat.) Magd der
auf Grund deren wir Erkenntnis- Theologie. Alte Bezeichnung der
se über Gott gewinnen können. Philosophie gegenüber der christ-
Schöpfer (absolutes Sein) und lichen Theologie, die durch die
Schöpfung (abgeleitetes Sein) ihr gegebene Offenbarung einen
sind nicht identisch, aber auch höheren Rang hat.
nicht völlig ungleich. androgyn (gr.) mannweiblich,
Analogem (gr.) ähnlicher, gleich- männlich und weiblich zugleich,
artiger Fall. zwittrig.
Analyse (gr.) Auflösung, Zerglie- Angelolatrie (gr.) Engelverehrung.
derung eines Zusammenhangs, Angelologie (gr.) Lehre von den
eines Ganzen in seine Teile (Gg: Engeln.
->- Synthese). Angelophanie (gr.) Erscheinung
analytische Methode eine Metho- von Engeln.
de, das eigentliche Wesen einer Angelas Domini (gr.-lat.) Der
Sache durch Zergliederung zu er- Engel des Herrn. Anfangswort
kennen. eines kath. Gebets zur Erinne-
Anamnese (gr.) Wiedererinnerung. rung an die Verkündigung Ma-
Die Wiederholung der Einset- rias (Luk. 1, 28). Angelaslauten:
zungsworte Jesu beim Abend- Glockenläuten als Aufforderung
mahl. Feiernde Vergegenwärti- zu diesem Gebet.
gung eines einmaligen geschicht- Anglikaner (lat.-engl.) die Glieder
lichen Heilsereignisses. der englischen Staatskirche
Ananke (gr.) schicksalhafte Not- (Church of England, in den USA
wendigkeit, Schicksalsgöttin. Episcopal Church genannt).
Anapäst (gr.-lat.) Versfuß, der aus anima naturaliter Christiana (lat.)
2 Kürzen und 1 Länge besteht die naturhaft christliche Seele.
(z. B. „Einen Brief soll ich schrei- (Mit diesem Wort meint Tertul-
ben dem traurigen Mädchen"). lian: Die Erkenntnis Gottes ist
Anarchie (gr.) Herrschaftslosig- der Seele von Anfang an mitge-
keit, Gesetzlosigkeit. geben).
Anastasis (gr.) Auferstehung. Animismos (lat.) primitive heid-
Anathema (gr.) Verfluchungsfor- nische Anschauung von der Seele,
mel (Gal. 1, 8; 1. Kor. 16, 22), die die im Blut des Menschen sitzt,
bei der Verhängung des großen aber auch in der Luft und unter
Kirchenbanns der katholischen der Erde wohnen kann und Ge-
Kirche ausgesprochen wird. genstand der Furcht ist. Darüber
Anawim (hebr.) die Niedrigen, De- hinaus die Vorstellung, daß in
mütigen; zur Zeit Jesu Gruppe allen Naturerscheinungen Geister
ernsthaft Frommer, die sich als wirksam sind. (Der Glaube an die
13 Antiochenisdie Schule
Beseeltheit der Natur geht über Einfluß neuplatonischer Gedan-
den Â. hinaus.) ken und Berufung auf Goethes
Annalen (lat.) Jahrbücher, nach naturwissenschaftliche Schriften.
der Zeitfolge geordnete Ge- anthropozentrisch (gr.) den Men-
schichtswerlce. schen in die Mitte stellend, den
annunciatio (ital.) Verkündigung Menschen als „Maß aller Dinge"
(an Maria). betrachtend (Gg: —»- theozen-
Ânno Domini (lat.) im Jahr des trisch).
Herrn. Antichrist (gr.-lat.) „Gegenchri-
Anomalie (gr. nomos = Gesetz) stus", Gegenmessias, Gegenspie-
Regelwidrigkeit, Abweichung ler Christi (1. Joh. 2, 18 und 22;
vom Normalen. 2. Joh. 7; vgl. Mark. 13, 22).
Antagonismus (gr.-lat.) Gegensatz, Antilegomena (gr.) „die Bestrit-
Widerstreit, Widerstand. tenen", Bücher des NT, deren
ante Christum natum (lat.) vor Aufnahme in den -»- Kanon um-
Christi Geburt, vor Christus. stritten war (Gg: -> Homologu-
Antependium (lat.) nach vorn mena).
herunterhängende Altarbeklei- Antimodernisteneid gegen den
dung, die je nach der Kirchjahr- „Modernismus" in Philosophie
zeit in der entsprechenden „li- und Theologie gerichteter Eid,
turgischen Farbe" aufgelegt der seit 1910 den katholischen
wird, auch „Frontale" genannt. Geistlichen abverlangt wird. Er
Anthropologie (gr.) Lehre vom ist schriftlich zu leisten, das Do-
Menschen, adj. anthropologisch. kument wird im Archiv des zu-
anthropologische Medizin (gr. u. ständigen geistlichen Oberen hin-
lat.) auf den ganzen Menschen terlegt.
bezogene Medizin, Ganzheits- Antinomie (gr.) Widerspruch eines
medizin, die auch die seelischen Satzes in sich, unaufhebbarer Wi-
Ursachen von Krankheiten ins derstreit zweier Sätze, von denen
Auge faßt. jeder Gültigkeit beanspruchen
anthropomorph (gr.) menschenge- kann.
staltig, menschenähnlich. Antinomismns (gr.) Verwerfung des
Anthropomorphismus (gr.) „Prä- Gesetzes, eine Richtung in der
gung nach Menschenart", die Christenheit, die das Gesetz auf
Verwendung menschlicher Ver- Grund einer anderen Schau (Gna-
haltensweisen für die Beschrei- de, Geist, Freiheit) als überholt
bung der Wirklichkeit Gottes. ansieht.
Anthroposophie (gr.) „Menschen- Antiochenisdie Schale eine in An-
weisheit", die Lehre der von Ru- tiochien entstandene theologische
dolf Steiner (1861—1925) 1913 be- Richtung, die dem Wortsinn des
gründeten Bewegung, die mit kritisch geprüften Schrifttextes
betonter Abkehr vom Materialis- nachspürte (Gg zur -> Allegorese)
mus nach der „Erkenntnis der und das vollkommene Menschsein
höheren Welten" strebt. Starker Christi betonte. Hauptvertreter:
Antiodienische Schule 14
die Führer des -»- Arianismus, frühen Christentum).
Paul von Samosata, Theodor von Apokatastasis (gr.) Wiederherstel-
Mopsuestia, Johannes Chrysosto- lung, Wiederkehr eines früheren
mus. Zustandes, speziell: Wiederher-
Antiphon (gr.) Wediselgesang, Rah- stellung des paradiesischen Zu-
mengesang zum Psalm aus wech- Standes am Weltende und Selig-
selnden Halbchören. machung aller (apokatastasis pan-
antiquiert (lat.) veraltet. ton), vgl. Apg. 3, 21.
Antithese (gr.-lat.) Gegenbehaup- apokryph (gr.) „verborgen", un-
tung, Gegensatz (Gg: These). echt, untergeschoben, Bezeich-
Antitrinitarier (lat.) Gegner der nung für eine Schrift, die nicht
Dreieinigkeitslehre, vor allem die im Gottesdienst verwendet wird,
-> Sozinianer im 16. Jahrhundert. auch nicht in den -*- Kanon der
In Siebenbürgen und Polen bil- Bibel aufgenommen wurde, ob-
deten sie eigene Kirchengemein- wohl sie christlichen und frühen
schaften. Ursprungs ist (Gg: ->• kano-
Antitypus (gr.) „Gegenbild", Ab- nisch). Die „Apokryphen" sind
bild, vor allem der dem alttesta- in katholischen Bibeln zum größ-
mentlichen Gegenstand als Er- ten Teil abgedruckt, in der Lu-
füllung entsprechende neutesta- therbibel zumeist nicht enthalten.
mentliche A. Nach Luther handelt es sich um
Antizipation (lat.) Vorwegnahme. „Bücher, so der Heiligen Schrift
Apartheid (Africaans) gänzliche nicht gleich gehalten und doch
Trennung zwischen Weißen und nützlich und gut zu lesen sind".
Schwarzen in der Südafrikani- Apologeten (gr.) Verteidiger (vor
schen Union. allem der Christusoffenbarung in
Apathie (gr.) Teilnahmslosigkeit, den ersten Jahrhunderten nach
Leidenschaftslosigkeit, Stumpf- Christus).
heit, gelegentlich auch: Gelassen- Apologetik (gr.) Verteidigung des
heit. christlichen Glaubens, z. B. ge-
Aphorismus (gr.) kurzer, gepräg- genüber heidnischer Philosophie
ter Sinnspruch (eine besondere und Religion.
Prosaform). Apologie (gr.) Verteidigungs-
apodiktisch (gr.) unwiderleglich, schrift, speziell: der Augsburger
von schlagender Beweiskraft. Konfession (1531 erschienen).
Apokalypse (gr.) „Enthüllung", eine Apophthegmata (gr.) kurze Ge-
Schrift, welche Offenbarungen schichten mit Jesus-Worten als
über die Zukunft und das Welt- Pointe.
ende enthält, speziell: die Offen- Aporie (gr.) „Ratlosigkeit", Aus-
barung des Johannes. weglosigkeit, Unmöglichkeit, eine
Apokalyptik (gr.) auf Weltende philosophische Frage zu lösen
und Jenseits gerichtete Haltung, oder einen gangbaren Weg zu
Gattung von endzeitlichen Schrif- entdecken.
ten (vor allem im Judentum und Apostasie (gr.-lat.) Abfall, vor al-
15 Archimandrit
lern: vom Glauben. druckung hinausgeht; aufmerk-
Apostat (gr.-lat.) Abgefallener, sames Erfassen von etwas (Verb:
Abtrünniger. apperzipieren).
Apostel (gr.) „Gesandter", die 12 Applikation (lat.) Anwendung (be-
Jünger im NT, die Augenzeugen sonders: der praktische Teil der
des Auferstandenen, aber auch Predigt).
andere Missionare, etwa Paulus Apport (lat.) das übernatürliche
(vgl. Luk. 6, 13). Die Zwölfzahl Herbeischaffen von Gegenstän-
zielt auf die 12 Stämme Israels, den (im -> Okkultismus, ->•
bedeutet also den Anspruch Jesu Spiritismus).
auf sein Volk. Approbation (lat.) Zulassung, Be-
Aposteldekret (gr.-lat.) der Be- stätigung. Genehmigung von
schluß der Apostel über die auch kirchlicher Literatur (approbatur
von den Heidenchristen einzu- = es wird gebilligt).
haltenden Gesetzesvorschriften a priori (lat.) „vom früheren", Er-
(Apg. 15). kenntnis, die von der Erfahrung
a posteriori (lat.) „vom späteren", oder Wahrnehmung unabhängig
Erkenntnisse, die man aus den ist; von vornherein (Gg: -*- a po-
Wirkungen gewinnt, bei Kant: steriori).
Erkenntnis, deren Gültigkeit lo- apriorisch (lat.) vor der Erfahrung
gisch von der Erfahrung abhängt dem Denken gegeben.
(Gg: -> a priori). Apsis (gr.-lat.) halbrunde Altar-
Apostolat (lat.) Amt und Sendung nische als Abschluß eines Kir-
des Apostels zur Verkündigung chenraums.
des Evangeliums, allgemeiner: Aquinate, der Thomas von Aqui-
geistlicher Auftrag. no, der gewichtigste katholische
Apostolikum (lat.) das sog. apo- Kirchenlehrer (gest. 1274).
stolische Glaubensbekenntnis, das Aramaismus hebr. oder gr. Text,
auf das altrömische Glaubens- der von der aramäischen Sprache
und Taufbekenntnis zurückgeht. her gefärbt ist.
Apostoliker (lat.) Bezeichnung der Archäologie (gr.) Altertumskunde,
Mitglieder der Neuapostolischen Erforschung alter Kulturen (vor
Gemeinde. allem durch Ausgrabungen).
Apotheose (gr.) Verherrlichung, archaisch (gr.) altertümlich, früh-
Vergöttlichung von Menschen. zeitig, aus der Frühstufe einer
Feierliches Schlußbild eines Dra- Kunst.
mas. Archetyp (gr.) Urbild, Urform,
apotropäisch (gr.) Unheil abweh- vorgeprägte Denkform (Tiefen-
rend (im Sinn der Zauberei). psychologie).
Appellation (lat.) Berufung (vor Archidiakon (gr.) „Oberdiakon";
allem: an ein übergeordnetes Ge- erster Gehilfe des Bischofs. An
richt). evangelischen Kirchen gelegent-
Apperzeption (lat.) Vorstellungs- lich Titel des 2. Geistlichen.
weise, die über flüchtige Beein- Archimandrit (gr.) Abt über meh-
Archimandrit 16
rere Klöster (in der orthodoxen nius von Leyden (gest. 1609), der
Kirche). die strenge -»• Prädestinations-
Ardiitrav (gr.-lat.) ein auf Säulen lehre Calvins bestritt.
ruhender Längsbalken. ars moriendi (lat.) Kunst des Ster-
Archiv (gr.) Raum oder Gebäude bens (Titel vieler alter Trost-
zur Aufbewahrung von Doku- bücher).
menten. artes liberales (lat.) die sieben
Ardionten (gr.) bei den Gnosti- freien Künste (-> Trivium,
kern Geistermächte zwischen Gott -> Quadrivium).
und der Welt, allg. Beamte in articulas stantis et cadentis eccle-
höherem Bang. siae (lat.) Artikel, mit dem die
areligiös (lat) nicht religiös. Kirche steht und fällt (= die
Areopag der höchste Gerichtshof Rechtfertigung aus Glauben).
im alten Athen (Apg. 17, 34). artikulieren (lat.) aussprechen, in
Areopagite, der Dionysios Areo- deutliche Worte fassen.
pagita (um 500), vom Neuplato- Aschera (hebr.) Götzenbild in Pfahl-
nismus bestimmter Mystiker. form (vor allem in der Religion
Argument (lat.) Beweisgrund, Be- der Kanaaniter).
weismittel. Aschkenasim (hebr.) eine auf
argumentant e silentio (lat.) Be- 1. Mose 10, 3 zurückgehende Be-
weis „aus dem Schweigen", aus zeichnung der deutschen Juden,
der Nichterwähnung. genauer: der östlich von Spanien
Arianismus die von dem Priester und Frankreich lebenden Juden
Arius (oder Areios) aus Alexan- (Gg: -»- Sephardim).
drien seit etwa 315 vertretene ascensio (lat.) Emporsteigen
Lehre, daß der Christus (= Lo- (= Himmelfahrt Jesu).
gos) nicht wesensgleich mit Gott Asebie (gr.) Gottlosigkeit.
sei, sondern von Gott erschaffen Aseität (lat.) „Von-sich-selbst-
wurde. Arius leugnete aber nicht Sein", ein Grundmerkmal Gottes,
die Gottheit Jesu. der im Gegensatz zu allem Ge-
Arie (ital.) nicht strophisch geglie- schaffenen nur in sich selbst grün-
dertes Sololied, meist betrachten- det.
den Charakters. Askese (gr.-lat.) „Übung", zucht-
aristotelisch auf Aristoteles, den volle Lebensweise, Enthaltung
Schüler Piatos, zurückgehend von Überflüssigem.
(384—nach 323). Aspekt (lat.) „Anblick", Blickwin-
Arkade auf Säulen oder Pfeilern kel, Betrachtungsweise, in den
ruhende Bogenreihe. Blick genommene Teilansicht
Arkandisziplin (lat.) Geheimhal- eines größeren Ganzen.
tung all dessen, was mit den Sa- Aspirant (lat.) Bewerber, Anwär-
kramenten der Kirche zu tun hat, ter.
gegenüber den Draußenstehen- Assensus (lat.) Zustimmung.
den (arcanum — Geheimnis). assimilieren (lat.) angleichen, an-
Arminianer Anhänger des Armi- passen.
17 Aula
Assoziation (lat.) „Vereinigung", Atrium (lat.) im römischen Haus
Verknüpfung von Vorstellungen; der vorderste und größte Raum,
Erwecken von Vorstellungen von Oberlicht erhellt. In der
durch Verwenden mehrdeutiger frühchristlichen Basilika die Säu-
Worte. lenvorhalle.
Assumptio (lat.) „Aufnahme", Him- Attribut (lat.) „Zugefügtes", Merk-
melfahrt (der Maria), als Dogma mal oder Eigenschaft eines Ge-
verkündet am 1. November 1950. genstandes. In der Philosophie
Astralleib (gr.) „Gestirn-Leib", im die wesentliche und bleibende
->- Okkultismus soviel wie Äther- Eigenschaft im Unterschied zu
Leib, in der - > Anthroposophie unwesentlichen, zufälligen Eigen-
die höchste, geistige Stufe des tümlichkeiten (Gg: -»- Akzidenz).
Leibes (Seelenleib). attritio (lat.) Reue, genauer: die
Astralreligion die göttliche Ver- nur aus Furcht vor der Strafe er-
ehrung der Gestirne. wachsene Reue, von Luther als
Astrologie (gr.) Lehre vom Ein- „Galgenreue" angegriffen (Gg:
fluß der Gestirne auf irdisch- —>- contritio).
menschliches Geschehen. audiatur et altéra pars (lat.) Man
Asyl (gr.-lat.) Freistätte, Zu- höre auch die andere Seite!
fluchtsort für Verfolgte, Heim für Audition (lat.) übernatürliches Hör-
Obdachlose. erlebnis, Vernehmen einer Stim-
Asylrecht der Anspruch politisch me, das nicht durch die Ohren
Verfolgter, in einem anderen vermittelt ist (Gg: ->• Vision).
Land aufgenommen zu werden. Augur (lat.) im alten Rom Priester
Aszetik Lehre vom Kampf des und Vogelschauer, der aus dem
Christen gegen böse Neigungen Fliegen und Schreien der Vögel
und Versuchungen (in der katho- die Zukunft ersah.
lischen Theologie als Ausdruck Augustana das Augsburgische Be-
seit 1655 bekannt). kenntnis von 1530 (eigentlich:
Ataraxie (gr.) stoisches Ideal der Confessio Augustana).
Unerschütterlichkeit der Seele. Augustinismus auf den Kirchen-
Atavismus (lat.) das Durchbrechen lehrer Augustinus (gest. 430) zu-
längst überwundener Erbeigen- rückgehende Anschauung: im Ur-
schaften, auch geistiger Art (lat. stand (Paradies) konnte der
âtavus = Urgroßvater). Mensch das Gute wollen und tun;
Athanasianum altkirchliches Sym- nach dem Fall ist ihm diese Fä-
bol, das sog. Athanasianische higkeit genommen; erst die
Glaubensbekenntnis. Es entfaltet Gnade, zu der der Mensch ohne
das Trinitäts- und Christusdogma eigenes Verdienst vorherbestimmt
unter deutlicher Ablehnung des wird, überwindet die Folgen des
-> Arianismus. Falles (vgl. -»- Pelagianismus).
Atheismus (lat-gr.) „Gottvernei- Aula (gr.) Saal, Festsaal, in der
nung", Leugnung eines persön- frühchristlichen Kirche das Mit-
lichen Gottes. telschiff.
Aureole 18
Aureole (lat.) Heiligenschein um Philosophen Averroes (gest. 1198)
die ganze Gestalt, vor allem bei zurückgehende pantheistische An-
Christusbildern. schauung, die die Unsterblichkeit
Auspizien (lat.) Vorzeichen eines der Einzelseele verneint.
Geschehens, urspr. aus der Vogel- Axiom (gr.) Grundsatz, Satz, der
schau gewonnen. nicht beweisbedürftig ist und als
Autarkie (gr.) Selbstgenügsamkeit Ausgangspunkt für ein System
und die dadurch gewonnene Un- dienen kann; in der Logik z. B.
abhängigkeit. Stoisches Ideal. In der Satz des Widerspruchs, daß
der Wirtschaft: Unabhängigkeit vom gleichen Gegenstand zwei
von ausländischen Gütern. widersprechende Aussagen nicht
authentisch (gr.) echt (von Doku- zugleich wahr sein können.
menten, Texten, Urkunden).
autochthon (gr.) eingeboren, alt- Baccalaureus mittelalterl. Titel für
eingesessen. Kandidaten, die zum Halten von
Autodafé (lat.-portugies.) „Glau- Vorlesungen berechtigt waren.
bensakt'', Ketzergericht, Ketzer- Baptisten (gr.) „Täufer", Glieder
verbrennung, Bücherverbrennung einer Freikirche, welche die
(durch die -»• Inquisition). Praxis der Kindertaufe verwirft
autokephal (gr.) „eigenhäuptig", und die „Glaubenstaufe" als Be-
selbständig (von östlichen Kir- kenntnisakt kennt und übt.
chen, die nur ihrem Patriarchen Baptisterium (gr.) zunächst Tauf-
unterstehen). becken, später Taufkirche.
autonom (gr.) eigengesetzlich, sich Barett (franz.) schirmlose Kopf-
selbst das Gesetz gebend, selbst- bedeckung, heute noch zur Amts-
verantwortlich, unabhängig. tracht der Geistlichen und der
Autonomie (gr.) Eigengesetzlich- Richter gehörend.
keit, Selbstgesetzgebung. In der Basileia (gr.) Königtum, Herr-
Ethik meint A. den Gehorsam, schaft.
der nicht auf der Unterwerfung basileia tou theou (gr.) Herrschaft
unter andere Autoritäten (Kirche, Gottes, Reich Gottes.
Staat, Eltern) beruht, sondern Basilika (gr.) „Königshalle", alt-
sittlicher Selbstbestimmung und römische Gerichtshalle, später:
dem eigenen Wollen entspricht Kirchenbau, bei dem das hohe
(Gg: ->• Heteronomie und Mittelschiff mitflacherDecke von
—y Theonomie). 2 niedrigeren Seitenschiffen be-
Autopsie (gr.) „Selbstsicht", Au- gleitet wird.
genzeugenschaft. Basis (gr.) (eigentl. „Auftreten")
Autosuggestion (gr.-lat.) Selbst- Grundlage, Grundlinie.
beeinflussung, Selbsteinredung. Baß, Bassus (lat.) die tiefste Män-
Ave Maria (lat.) „Sei gegrüßt, nerstimme.
Maria!" (Luk. 1, 28), Beginn beatus (lat.) glücklich, selig, selig
eines kath. Gebetes. zu preisen.
Averroismus auf den arabischen beata virgo (lat.) die selige (ge-
19 Bogomilen
benedeite) Jungfrau (= Maria). handelnde Dichtung, das heilige
beati possidentes (lat.) Glücklich Buch des -> Hinduismus.
die Besitzenden! Biblia pauperum (lat.) „Armen-
Beelzebub (hebr.) Fliegenbaal, Flie- biber, bebilderte Bibel für die
genfürst, höchster aller Teufel „Armen im Geiste" (Laien) im
(Matth. 10, 25). späten Mittelalter.
Beelzebul (hebr.) abweichende Biblizismus Richtung im Protestan-
Lesart von „Beelzebub", Mist- tismus, die das Hören auf und
baal, Mistherr, d. h. der Gott, den Gehorsam gegen die Schrift
dem die heidnischen Opfer betont.
(== Mist) zukommen. Andere Biblizität (lat.) Schriftgemäßheit.
Deutung: Erhabener Baal. Bigamie (lat.-gr.) Doppelehe.
Begharden, Beginen männliche bigott (franz.) frommtuend, schein-
und weibliche Glieder von klo- heilig, die äußeren Vorschriften
sterähnlich lebenden Gemein- der Kirche betont einhaltend
schaften zur Krankenpflege in (hängt nicht mit „Gott" zusam-
Belgien und den Niederlanden men).
(Stifter: Le Beghe, gest. 1187). Biogenese (gr.) Entwicklungsge-
Behaviourismus (engl.) amerikani- schichte der Lebewesen.
sche Forschungsrichtung, die sich Biogenetisches Grandgesetz Über-
auf die Verhaltensweisen von zeugung, daß die Entwicklung
Mensch und Tier unter wech- des Einzelwesens eine geraffte
selnden Umweltverhältnissen Wiederholung der gesamten Ent-
konzentriert. wicklung seiner Art ist (von
Bema (gr.) „Stufe", erhöhter Platz Heckel erstmals formuliert).
zur Schriftlesung in der Syn- Biologismus Denkart, die das Le-
agoge, erhöhter Altarraum in der ben unter ausschließlich biologi-
Ostkirche. schen Gesichtspunkten betrachtet.
Benedicamus Domino (lat.) Las- Denken und Erkennen eröffnen
set uns preisen den Herrn! keine Einsicht in die Wirklich-
Benedictus (lat.) „Gelobt", Be- keit, sondern dienen der biologi-
zeichnung für den Lobgesang des schen Anpassung. Was jemand
Zacharias (Luk. 1, 68) nach des- für wahr hält, ist abhängig von
sen Anfangswort. seiner Erbmasse. Geistige Wirk-
Beneficium (lat.) Wohltat, Begün- lichkeiten existieren für den Bio-
stigung, mit Einkünften (Pfründe) logismus nicht.
verbundenes Kirchenamt. Blasphemie (gr.) Gotteslästerung,
Berith (hebr.) Bund, spez. der verletzende Äußerung über etwas
Bund Jahwes mit Israel. Heiliges.
Berserker (altnord.) „Bärenhäuter", Bogomilen (slaw.) „Gottesfreunde";
wilder Krieger der nordischen im 11. Jahrh. Anhänger einer
Sage. Sekte auf dem Balkan, die die
Bhagavadgita (Sanskrit) „Lied des sichtbare Welt als teuflische
Erhabenen", vom Gott Krischna Schöpfung verwarf (vgl. Dualis-
Bogomilen 20
mus). scher zugleich das Oberhaupt der
bona fide (lat.) guten Glaubens, Kirche ist.
auf Treu und Glauben. Campanile (ital.) Glockenturm, ge-
bonum (lat.) Gut. In der Schola- wöhnlich freistehend (in Italien).
stik ist Gott u. a. das summum campo santo (ital.) „heiliges Feld",
bonum = das höchste Gut. Friedhof, vor allem die ummau-
Breve (lat. „kurz") Päpstliches erte, innen mit Arkaden verse-
Schreiben in kurzer, d. h. nicht- hene Friedhofsanlage.
feierlicher Form (aus „brève" cand. rev. min. Abk. für „candi-
entstand „Brief"). datus reverendi ministerii" =
Brevier (lat.) „Kurzauszug", Ge- Predigtamtskandidat.
betbuch der katholischen Geist- Canon Muratori eine Aufstellung
lichen mit den Stundengebeten; der in Rom um 200 n. Chr. be-
allgemeiner: Sammlung wichtiger kannten und anerkannten kirch-
Stellen aus den Werken eines lichen Schriften (benannt nach
Schriftstellers. ihrem Entdecker und Herausge-
Broad Church (engl.) „Breite Kir- ber Muratori, gest. 1750), die von
che", weltoffene, dem allgemei- den später kanonischen Schriften
nen Kulturleben zugewandte den Hebräerbrief, den Jakobus-
Richtung der anglikanischen Kir- brief, die beiden Petrusbriefe
che (im 19. Jahrhundert entstan- und einen Johannesbrief n i c h t
den). enthält.
Bulle (lat.) „Siegelkapsel", versie- Canticum (lat.) Lied, speziell:
gelte mittelalterliche Urkunde, biblischer Lobgesang im Kirchen-
feierlicher päpstlicher Erlaß (vgl. ton (Magnificat, Benedictus,
-*- Brève). Nunc dimittis).
Byzantinismus charakterlose Un- Canticum canticorum (lat.) „Lied
terwürfigkeit gegenüber einem der Lieder" = das Hohelied.
Machthaber, kriecherische Schmei- Cantionale (lat.) Vorlagenbuch für
chelei (Byzanz = Konstantinopel den liturgischen Gesang. Allge-
= Istanbul). „Byzantinisch" meiner: geistliches Gesangbuch.
heißt auch ein bestimmter Kunst- cantos firmns (lat.) „fester Ge-
stil. sang", Hauptmelodie im mehr-
stimmigen Chorgesang.
captatio benevolentiae (lat.) „Ein-
Cäcilianismus Chorgesangspflege fangen des Wohlwollens", den
in der katholischen Kirche, abge- Zuhörern schmeichelnder Aus-
leitet von der HI. Cäcilie, seit spruch eines Redners.
etwa 1450 Schutzpatronin der Caritas (lat.) Nächstenliebe, Wohl-
Musik. Der „Allg. Deutsche Cae- tätigkeit (carus = teuer). Die
cilienverein" wurde 1868 gegrün- „Caritas" ist die „Innere Mission"
det. der katholischen Kirche.
Cäsaropapismus (lat.) Kirchenform, Cartesianismns eine auf Cartesius
bei welcher der weltliche Herr- (franz. Descartes, gest. 1650) zu-
21 Choral
rüdegehende Denkweise, deren Firmung und Priesterweihe nach
Ausgangspunkt die Sudie nach katholischer Lehre der Menschen-
einer eindeutig gesicherten seele einprägen. Die 3 Sakra-
Grundlage des Erkennens ist. mente sind deshalb auch nicht
Cartesius findet sie durch seine wiederholbar.
Methode des absoluten Zweifels Charisma (gr.) Gnadengabe, von
an allem bis auf die unumstöß- Gott stammende Begabung.
liche Selbstgewißheit im Voll- Mehrzahl: Charismen oder Cha-
zug des Denkens: Cogito, ergo rismata. Nach 1. Kor. 12—14 sind
sum = ich denke, also bin ich. charismatische Gaben: Gemein-
cathedra (gr.-lat.) Lehrstuhl, Eh- deleitung, Erkenntnis, Kraftwir-
rensitz des Bischofs oder des kungen, Geisterunterscheidung,
Papstes. Zungenrede usw.
ex cathedra „vom (päpstlichen) Charité (franz.) „Barmherzigkeit",
Stuhl", aus päpstlicher Voll- Krankenhaus für die Armen.
macht, unter Inanspruchnahme Chassidismus (hebr.) eine um 1750
der Unfehlbarkeit. im Karpatengebiet einsetzende
causa (lat.) Ursache, Grund. religiöse Bewegung im Juden-
causa efficiens (lat.) bewirkende tum, die eine Verwandtschaft mit
Ursache ( = Gott als der dem Pietismus zeigt. Chassidim
Schöpfer). = Fromme.
causa sui (lat.) Gott ist in seiner Cherub (hebr.) Als Mischwesen
Autonomie die „Ursache seiner mit Flügeln und Tierfüßen vor-
selbst". gestellter Engel, Wächter an hei-
Chalcedonense Glaubensbekennt- liger Stätte, z. B. an der Para-
nis, das 451 von der Synode von diespforte. Mehrzahl: Cherubim.
Chalcedon (am Bosporus) ange- Chiffre (arab.-franz.) „Ziffer", ge-
nommen wurde. Kernsatz: in der heimes Schriftzeichen, Symbol-
Person Christi sind die göttliche zeichen.
und die menschliche Natur „un- Chiliasmus (gr. chilioi = 1000)
vermischt und unzertrennlich'' Lehre vom Tausendjährigen
vereinigt. Friedensreich auf Erden vor der
Chanukka (hebr.) „Einweihung", Endverwirklichung des Heils, die
das Tempelweihfest der Juden sich auf Offb. 20 stützt; heute vor
im Dezember (vgl. 1. Makkabäer allem von den „Zeugen Jehovas"
4, 59). vertreten. Die Reformatoren
Chaos (gr., sprich: kaos) in der lehnten den Chiliasmus ab (Au-
griechischen Mythologie der un- gustana Art. 17).
geordnete Urstoff, aus dem die Chiromantie (gr.) Handliniendeu-
Welt entstand. Übertragen: tung, Wahrsagung aus den For-
Wirrwarr, Durcheinander. mungen der Hand.
character indelebilis (gr. und lat.) Choral (gr.-lat.) der einstimmige
„Unzerstörbares Merkmal", ein liturgische Gesang des Priesters
unverlierbares Siegel, das Taufe, oder des Knabenchors; später:
Choral 22
das von der Gemeinde gesungene Christophanie (gr.) Christuser-
Lied. scheinung.
Chorregent Leiter eines katho- Christozentrismas ein theologisches
lischen Kirchenchors (vor allem Denken, welches die zentrale
in Süddeutschland gebräuchlich). Stellung Christi in der Schöp-
Chrischona Prediger-Ausbildungs- fungs- und Heilsgeschichte zur
stätte, verbunden mit der Pilger- Geltung bringen will.
Missionsanstalt in Chrischona bei Christus (gr.) „der Gesalbte", Über-
Basel. setzung des hebräischen „maschi-
Chrisma (gr.) geweihtes Salböl ach" = Messias.
(auch „Chrisam"). chthonisch (gr.) der Erde ange-
Christianissimus (lat.) „Allerchrist- hörend, unterirdisch.
lichster", Titel der Könige von circulus vitiosus (lat.) Zirkelschluß,
Frankreich. bei dem das zu Beweisende in
Christian science (engl.) „Christli- der Voraussetzung enthalten ist.
che Wissenschaft", eine von Mary circumcisio (lat.) Beschneidung.
Baker-Eddy in den USA begrün- Civitas Dei (lat.) „Staat Gottes",
dete Bewegung. Hauptgedanke: der kommende Gottesstaat, den
Krankheit, Übel, Sünde und Tod Augustin in der Kirche bereits
sind nur Selbsttäuschung des in anfangsweise verwirklicht sah.
seinen irrenden Gedanken sich Classe (franz.) Zusammenschluß
von Gott lösenden Menschen. Ein der reformierten Presbytérien
neues Denken überwindet diese eines Bezirks (Bezirkssynode).
Übel. Cluniazenser Anhänger der von
Christianus sine nomine (lat.) Cluny (ostfranzösisches Kloster)
„Christ ohne Namen", eine auf ausgehenden kirchlichen Reform-
Luther zurückgeführte Formel, bewegung des 11. und 12. Jahr-
die auf den Christen zielt, der hunderts.
christlich lebt, aber kein Aufhe- Codex (lat.) alte Handschrift in
bens davon macht und auf be- Buchform, meist auf Pergament-
wußte Missionierung verzichtet. blättern. Gesetzbuch.
Christkatholiken eine nach 1871 Codex Hammurabi (oder: -rapi)
entstandene Kirchengemeinschaft, Gesetzwerk des babylonischen
die das Dogma von der Unfehl- Königs Hammurabi (um 1700 vor
barkeit ablehnte und sich dem Chr.).
Protestantismus näherte (auch -*• Codex juris canonic! (lat.) das
„Altkatholiken" genannt). seit 1918 gültige Gesetzbuch der
Christologie (gr.) Lehre von der katholischen Kirche (CJC).
Person Christi und ihrer gött- coena Domini (lat.) Mahl des
lichen und menschlichen Natur. Herrn, Abendmahl.
Christomonismns (gr.) einseitige coenaculum (lat.) Speisesaal.
Betonung des Christusgesche- cogito ergo sum vgl. Cartesianis-
hens, Uberordnung des 2. Glau- mus.
bensartikels über den ersten. cognitio (lat.) Erkenntnis, spe-
23 confessio
ziell von der Gotteserkenntnis. ren Kirche als der Gemeinschaft
Goincidentia oppositomm (lat.) „Zu- der von Gott zum Heil Vorbe-
sammenfall der Entgegensetzun- stimmten.
gen", das Zusammentreffen aller communio sanctorum (lat.) „Ge-
Gegensätze in Gott (Anschauung meinschaft der Heiligen", ein
des Nikolaus von Cues, gest. Ausdruck, der im 5. Jahrhundert
1464). ins Apostolische Glaubensbe-
Collegium Germanicum (lat.) Je- kenntnis aufgenommen wurde.
suitenkolleg in Rom zur Ausbil- communio sub una (lat.) „Abend-
dung deutscher Priester, 1551 ge- mahl unter einer (Gestalt)", die
gründet. katholische Form der Kommu-
Collegium biblicum (lat.) von nion, bei der die Gemeindeglie-
Spener und Francke eingeführte der keinen Wein erhalten.
Vorlesungen zur Auslegung der communio sub utraque (lat.) Abend-
Schrift. mahl unter beiderlei (Gestalt)",
collegia pietatis (lat.) Bibel- und die evangelische Form der Mahl-
Erbauungsstunden im Frühpie- feier, bei der Brot und Wein aus-
tismus. geteilt werden.
columbarium (lat.) „Taubenhaus",* communis opinio (lat.) allgemeine
Grabkammer mit Wandnischen Meinung.
für die Aschenurnen. compelle intrare (lat.) „Nötige sie,
comma Johanneum (lat.) „Jo- hereinzukommen" (Luk. 14, 23 in
hanneischer Abschnitt", eine aus der Vulgata), Belegstelle für die
dem 4. Jahrhundert stammende Notwendigkeit, bei der Missio-
Texteinfügung in 1. Joh. 5, 7—8. nierung Druckmittel anzuwenden.
Common Prayer Book (engl.) All- Complet (lat.) das letzte Stunden-
gemeines Gebetbuch = Agende gebet, das die tägliche Gebets-
der Anglikanischen Kirche, zu- pflicht der Mönche und Priester
gleich Gesang- und Gebetbuch, abschließt (normalerweise bei
1559 eingeführt, seither nur we- Eintritt der Dunkelheit gehal-
nig verändert. ten).
communicatio idiomatum (lat. complexio oppositorum (lat.) Um-
und gr.) „Mitteilung der Eigen- fassung der Gegensätze.
schaften", Austausch der Eigen- concelebratio (lat.) gemeinsame
tümlichkeiten der beiden Na- Meßfeier mehrerer Priester.
turen in Christus. conditio Jacobea (lat.) „Bedingung
communicatio in sacris (lat.) „Teil- des Jakobus" (Jak. 4, 15: so der
nahme an heiligen Handlungen" Herr will und wir leben).
(etwa an Gottesdiensten einer conditio sine qua non (lat.) „Be-
anderen Konfession). dingung, ohne welche nicht", eine
communicatio praedestinatorum unerläßliche Bedingung.
(lat.) „Gemeinschaft der Prädesti- confessio (lat.) Bekenntnis, Sün-
nierten", in der reformierten denbekenntnis, Glaubensbekennt-
Dogmatik Bezeichnung der wah- nis, Bekenntnisschrift.
confessio generalis 24
confessio generalis (lat.) Allge- gelische Ratschläge", im Katho-
meines Sündenbekenntnis, „Of- lizismus die über das „Gebotene"
fene Schuld". hinausgehenden, aus den Evan-
confessio oris (lat.) „Bekenntnis des gelien sich ergebenden Weisun-
Mundes", Einzelbeichte. gen, deren Befolgung besonders
confessio secieta (lat.) „Geheimes verdienstvoll ist. Am bekannte-
Bekenntnis", Ohrenbeichte. sten ist die Dreizahl: lebensläng-
Confessio Augustana (lat.) Augs- liche Armut, Keuschheit, Gehor-
burger Bekenntnis, grundlegende sam gegen einen geistlichen Obe-
ev.-luth. Bekenntnisschrift, von ren (Mönchsgelübde).
Melanchthon 1530 für den Augs- consolatio fratrum (lat.) „Tröstung
burger Reichstag verfaßt. der Brüder", brüderliche Seel-
Confessio Helvetica (lat.) Schwei- sorge und Ermunterung.
zer Bekenntnis, Name reformier- contradictio (lat.) Widerspruch.
ter Bekenntnisschriften (1536 bzw. contradictio in adjecto (lat.) Wider-
1562 entstanden). spruch im Beiwort, widerspruchs-
confessionarius (lat.) Beichtvater. volle Begriffsbildung (z. B. „ar-
confessor (lat.) Bekenner, Ehren- mer Krösus").
name für die verfolgten Christen, Contratactum (lat.)„gegengemacht",
die ihren Glauben unter Opfern Veränderung einer geistlichen
bekannten. Dichtung ins Weltliche und um-
confiteor (lat.) „Ich bekenne", öf- gekehrt.
fentliches Sündenbekenntnis, das contrat social (franz.) „Gesellschafts-
der Geistliche bei der Abend- vertrag", Titel des Hauptwerkes
mahlsfeier und am Eingang der von Rousseau.
Messe spricht. contritio cordis (lat.) Zerknir-
Confutatio (lat) „Widerlegung", schung des Herzens, in der ka-
Name der von Dr. Eck und an- tholischen Dogmatik die volle
deren Katholiken verfaßten Wi- Reue, die aus reiner Liebe zu
derlegungsschrift der Augsbur- Gott über die Sünde betrübt ist
gischen Konfession (1530). (und nicht nur wegen der Fol-
conscientia (lat.) Gewissen. gen).
conscientia perplexa (lat.) das ver- Conventas (lat.) Zusammenkunft,
wirrte, unsichere Gewissen. Vereinigung (von Geistlichen,
consensus (lat.) Übereinstimmung. Mönchen usw.).
consensus quinque saecularis (lat.) Conventualen (lat.) die Mitglieder
Übereinstimmung der dogmati- eines Konvents.
schen Aussagen der ersten 5 Jahr- Conversio (lat.) Umwandlung, Be-
hunderte (nach Christus). kehrung (Gg: perversio).
conservatio (lat.) „Erhaltung", die cooperatio (lat.) Zusammenwirken
auf den Fortbestand des Geschaf- (Gottes und des Menschen) in
fenen zielende göttliche Tätig- bezug auf das Heil.
keit (Gg: -> creatio). coram pnblico (lat.) vor der Öf-
consilia evangelica (lat.) „Evan- fentlichkeit, vor aller Welt
25 dämonisch
corona clericalis (lat.) Tonsur. sprach Anselms von Canterbury,
corpus (lat.) Körper, Körperschaft, 1033—1109, der vom Glauben zur
Schriftensammlung. vernünftigen Einsicht in den
Corpus juris (lat.) Gesetzessamm- Glaubensinhalt vorzudringen
lung (speziell: des römischen sucht).
Rechtes). crimen laesae majestatis (lat.)
Corpus juris canonici (lat.) Samm- Vergehen der Majestätsbeleidi-
lung des katholischen Kirchen- gung.
rechts (war bis 1918 gültig). crimen laesae religionis (lat.) Ver-
Corpus Christi mysticum (lat.) der gehen gegen die Religion (im
mystische Leib Christi (Bezeich- Römischen Reich Grund zur Ver-
nung der Kirche). haftung der Christen).
Corpus Christianum (lat.) die Chri- crux interpretum (lat.) „Kreuz der
stenheit. Ausleger", schwer zu erklärende
Corpus Faulinum (lat.) die Gesamt- Schriftstelle.
heit der paulinischen Briefe. culpa (lat.) Schuld.
Corpus Reformatorum (lat.) Ge- mea maxima culpa meine schwer-
samtausgabe der Schriften der ste Schuld, Schuldbekenntnis des
Reformatoren. Priesters im Meßritual.
correctio fraterna (lat.) Brüder- cum grano salis (lat.) „mit einem
liche Zurechtweisung. Körnchen Salz", unter vernünf-
corredemptrix (lat.) „Miterlöserin", tiger Abwandlung und Anpas-
ein in der katholischen Theologie sung an die Situation, nicht wört-
noch nicht eindeutig geklärter lich zu nehmen.
Begriff, mit dem man die heils- Cur Deus homo? (lat.) Warum
geschichtlich einmalige Funktion (wurde) Gott Mensch? (Titel
der Mutter Jesu auszudrücken einer Schrift Anselms von Can-
versucht. terbury, gest. 1109).
Corrigenda (lat.) „zu korrigieren- cura animarum (lat.) Sorge für die
de Stellen" ( = Druckfehler). Seelen, Seelsorge.
creatio (lat.) Schöpfung. curriculum vitae (lat.) Lebens-
creatio ex nihilo (lat.) Schöpfung lauf.
aus (dem) Nichts.
credenda (lat.) „die zu glauben-
den" (Lehraussagen). D. Abkürzung für „Doctor theolo-
Credo (lat.) „ich glaube", nach giae" (der verliehene theolo-
seinem Anfangswort auch Be- gische Doktortitel).
zeichnung des Apostolikums. Da capo (ital.) „vom Kopf an",
credo quia absurdum (lat.) ich noch einmal von Anfang an.
glaube, weil es widersinnig ist Dämon (gr.) Mittelwesen zwi-
(angeblicher Ausspruch Tertul- schen Gott und Mensch, böser
lians, gest. 220). Geist.
credo ut intelligam (lat.) ich dämonisch (gr.) von Dämonen be-
glaube, damit ich erkenne (Aus- einflußt, teuflisch.
Daimonion 26
Daimonion (gr.) bei Sokrates die des Glaubens", Ehrentitel des
„innere Stimme" im Menschen, englischen Königs.
die ihn warnt. Definition (lat.) Begriffsbestim-
Daktylus (gr.) Versfuß, der aus mung, Entscheidung des Papstes
1 Länge und 2 Kürzen besteht oder eines Konzils über ein Dog-
(z. B. „Lieblich ergrünen so ma, die als endgültig und ver-
Auen als Felder"). bindlich anzusehen ist.
Damnamus (lat.) wir verurteilen, Degradation (lat.) Herabsetzung
wir verwerfen (kirchliche Ver- im Rang, Ausstoßung aus dem
werfungsformel). geistlichen Amt.
Darbysmus Bewegung, die auf Deisidämonie (gr.) Gottesfurcht,
den Engländer John Nelson Dämonenfurcht (abergläubische).
Darby (gest. 1882) zurückgeht, Deismus (lat.) Ansicht, die Gott
auch „Christliche Versammlung" zwar als Schöpfer, aber nicht als
genannt. Darby baute neben der Lenker der Welt ansieht, also
dem Verfall anheimgegebenen jedes Eingreifen Gottes in seine
Kirche eine Gemeinschaft ohne Schöpfung und jede übernatür-
jegliche Organisation und ohne liche Offenbarung ablehnt (in
Amtsträger auf und versuchte, in der französischen und englischen
den Zusammenkünften eine un- Aufklärung entwickelt).
mittelbare Leitung durch den Hl. Dekalog (gr.-lat.) die 10 Gebote
Geist sich verwirklichen zu Gottes (2. Mose 20, 2—17; 5.
lassen. Mose 5, 6—21).
DD Abkürzung für „Doctor of Dekan (lat.) Leitender Geistlicher
Divinity" (engl. theolog. Doktor- eines Kirchenkreises (= Super-
titel, hinter dem Namen ste- intendent); an Universitäten ge-
hend). schäftsführender Vorsitzender
Dédiant (lat.) katholische Be- einer Fakultät.
zeichnung, die dem „Dekan" Dekapolis (gr.) Zehnstädtebund,
entspricht; Vorsteher eines Kir- ein Zusammenschluß von (ur-
chenbezirks. sprünglich) 10 hellenistischen
decretum (lat.) Beschluß, Ent- Städten im Ostjordanland, um
scheidung, Lehrsatz. 60 vor Chr.
dedicatio (lat.) Zueignung, Wid- Dekretale (lat.) päpstliche Verfü-
mung. gung.
Deduktion (lat.) Ableitung einer delegieren (lat.) entsenden, eine
Einzelerkenntnis aus einer allge- Befugnis oder einen Auftrag
meinen Feststellung (Gg: ->• übertragen.
Induktion). Delegat, Apostolischer (lat.) Be-
Deesis (gr.) „Bitte", byzantinische vollmächtigter des Papstes zur
Darstellung des thronenden Wel- Wahrnehmung kirchlicher Inter-
tenrichters zwischen fürbittenden essen.
Heiligen (Maria, Johannes). Delikt (lat.) unerlaubte Handlung,
Defensor fidei (lat.) „Verteidiger Vergehen, Verbrechen.
27 deuteronomistisd\
Déméritas (lat.) straffälliger Geist- nannter.
licher, der amtsentlassen wurde deskriptiv (lat.) beschreibend (spe-
(Gg: Emeritus). ziell: den fertigen Zustand der
Demiurg (gr.) „Handwerker", Welt- Dinge beschreibend, nicht die
schöpfer, Weltbaumeister (bei Entwicklung und die Hintergrün-
Plato und in der Gnosis), biswei- digkeit).
len im Gegensatz zum obersten De tempore (lat.) „nach der Zeit",
Gott dargestellt. der Kirchenjahrszeit entsprechend
Denarius St. Petri (lat) Peters- (etwa das Sonntagslied).
pfennig. Determinismus (lat.) Lehre von
Denomination (lat., engl.) Kenn- der kausalen Bestimmtheit alles
zeichnung, Benennung; in Eng- Geschehens. In der Ethik: Lehre
land und den USA Bezeichnung von der Bestimmung des Willens
für eine Religionsgemeinschaft durch innere oder äußere Ur-
(Kirche oder Sekte). sachen (Gg: Indeterminismus =
Deo gratias! (lat.) Gott sei Dank! Willensfreiheit).
Deo volente (lat.) wenn Gott will. Deus absconditus (lat.) der ver-
Depositum fidei (lat.) „das hinter- borgene Gott (Jes. 45, 15); Gott
legte Glaubensgut"; im Katholi- als der letztlich (trotz seines
zismus Bezeichnung für den ge- Wortes und der Christusoffen-
samten, der Kirche als feste barung) nicht Erkennbare.
Größe anvertrauten Glaubensin- Deus revelatus (lat.) der offen-
halt (nach 1. Tim. 6, 20). bare Gott; Gott als der durch
depraviert (lat.) verdorben, ent- Christus Geoffenbarte und Er-
artet. kennbare.
deprecatio (lat.) Abbitte, dringen- deus ex madhina (lat.) „Gott aus
des Bittgebet. der Maschine", Gottheit, die im
Depression (lat.) Niedergeschla- griechischen Theater durch einen
genheit, gedrückte Gemütsstim- Schwenkkasten auf die Bühne ge-
mung. bracht wurde, um Konflikte zu
De profundis (lat.) „Aus der lösen. Übertragen: unerwarteter
Tiefe", aus tiefster Not (An- Helfer.
fangsworte des 130. Psalms). Deus sive natura (lat.) „Gott oder
desavouieren (lat-franz.) in Ab- die Natur", pantheistischer Aus-
rede stellen, nicht anerkennen, druck Spinozas (gest. 1677), für
im Stich lassen, widerrufen. den „Gott" und „Natur" im
descensus ad inferos (lat.) Abstieg Grunde eines sind.
zu den Toten, Lehrsatz vom Deuterojesaja (gr.) „Zweiter Jesa-
Eingang Christi in das Toten- ja", der uns nicht bekannte, dem
reich (nach 1. Petr. 3, 19 und 4, babylonischen Exil angehörende
6). Verfasser von Jes. 40—55.
Designation (lat.) vorläufige Er- deuteronomistisch der redaktionel-
nennung, Bestimmung. len Schicht, die vor allem im
Designates (lat.) Vorgesehener, Er- Deuteronomium, aber auch in
deuteronomistisch 28
anderen alttestamtl. Schriften er- . tung abgeleistet wird.
kennbar ist, zugehörig. Dialektik (gr.-lat.) Bemühung,
Deuteronomium (gr.-lat.) „Zwei- durch Aufzeigung von Wider-
tes Gesetz", das 5. Buch Mose, sprüchen die Wahrheit zu fin-
das nochmals die 10 Gebote und den: Satz und Gegensatz werden
dazu viele andre Gesetze ent- in einer höheren Einheit über-
hält. wunden (Plato, Hegel).
devot (Iat.) unterwürfig, gotter- Dialektische Theologie eine nach
geben. 1920 entstandene Bewegung,
Devotio moderna (Iat.) „neuartige deren Hauptvertreter Karl Barth
Frömmigkeit", religiöse Erneue- (geb. 1886) ist. Ihren Namen hat
rungsbewegung des 14.—16. sie von der Methode, theolo-
Jahrhunderts. gische Aussagen in der Form von
Devotionalien (Iat.) Kleine Ge- Satz und Gegensatz zu machen,
genstände für die katholische da wir Menschen nur gebrochen
Andacht: Kreuze, Rosenkränze, und niemals einlinig von der
Heiligenbilder. Wahrheit reden können, die Gott
diabolus (gr.-lat.) „Durcheinander- selber ist (Liebe und Zorn,
bringer", Teufel, Verleumder. Gnade und Gericht u. a. „Span-
diabolisch teuflisch. nungsbegriffe") .
Diadochen (gr.) „Nachfolger", Dialog (gr.) Zwiegespräch, Wech-
Herrscher der Teilreiche, in die selrede.
das Großreich Alexanders des dialogisch in Dialogform.
Großen nach seinem Tode auf- diametral (gr.) genau entgegenge-
gegliedert wurde. setzt.
diagnostisch (gr.) eine Krankheit, Diaspora (gr.) „Zerstreuung", „Aus-
einen Schaden erkennend und streuung", Gebiet mit konfessio-
beschreibend (Gg: therapeutisch). neller Minderheit. Zunächst be-
Diakon (gr.) „Diener", Gemeinde- zeichnete das Wort die außerhalb
helfer, Krankenpfleger. In der Palästinas lebenden Juden.
katholischen Kirche nächstniedere Diastase (gr.) Auseinanderfallen,
Stufe nach dem Priester. Auseinandertreten, Abstandneh-
Diakonus (gr.) in der ev. Kirche men, speziell: Verhältnis des Ab-
gelegentlich Bezeichnung für den standes von Christentum und
2. oder 3. Pfarrer einer Kirche. Welt (Gg: -> Synthese).
Diakonisse (gr.) Gemeindeschwe- Diatessaron (gr.) „durch vier",
ster, Krankenschwester, die einem Titel einer Evangelienharmonie,
Diakonissen-Mutterhaus ange- die Tatian aus Syrien um 175 zu-
hört. sammenstellte, indem er Einzel-
diakonisch (gr.) dienend, die Dia- stücke der 4 Evangelien unter
konie betreffend. Aufnahme apokrypher Stoffe zu
Diakonisches Jahr Dienstjahr, das einem Einheitsevangelium um-
außerberuflich in der Inneren schrieb. Das Buch war bis etwa
Mission gegen geringe Vergü- 500 in kirchlichem Gebrauch.
29 Dispens, Dispensation
Diatheke (gr.) Testament, Bund, durch einen anderen Geistlichen.
Verfügung. Diözese (gr.) „Verwaltung", Amts-
Diatribe (gr.) „Gespräch", popu- bezirk eines katholischen Bischofs.
larphilosophische Predigt, lehr- Diözesan (gr.-lat.) Angehöriger
hafte Abhandlung über Lebens- einer Diözese, die Gemeindemit-
fragen im Gesprächston. glieder innerhalb einer Diözese.
Dichotomie (gr.-lat.) Lehre von dionysisch (gr.) rauschhaft, voll
der Zweiteilung: eine Ansicht gesteigerter Lebensfreude (nach
über das Wesen des Menschen, dem griechischen Weingott
nach der dieser aus zwei „Teilen" Dionysos).
(Leib und Seele) besteht (Gg: ->• Dioskuren (gr.) „Söhne des Zeus":
Trichotomie, aber auch: Ganz- die sagenhaften Zwillinge Kastor
heitsschau). und Pollux (Apg. 28, 11).
dicta probantia (lat.) beweisende Diplom (gr.-lat.) Urkunde, (Eh-
Stellen. ren-) Zeugnis.
Didache (gr.) „Lehre", Apostel- Diptychon (gr.) zweiteiliges Altar-
lehre, die älteste christliche Ge- bild, auch zusammenklappbare
meindeordnung, um 100 in Schreibtafel des Altertums.
Syrien entstanden. Disciples of Christ (engl.) „Jünger
Didaktik (gr.) Unterrichtslehre, Un- Christi", Zweig der Baptisten in
terrichtskunst. den USA und Kanada, stark bi-
didaktisch belehrend, unterrichts- blizistisch eingestellt ohne kon-
kundlich. fessionelle Prägung.
Didaskalia (gr.) „Lehre", Titel Disestablishment (engl.) Entstaat-
einer Kirchenordnung des 3. lichung (der Kirche).
Jahrh. disjunktiv (lat.) gegensätzlich, ein-
Dies irae (lat.) „Tag des Zornes", ander ausschließend.
Tag des Weltgerichts, Bestand- Diskant (lat.) in der mittelalter-
teil der Totenmesse. lichen Musik eine höherliegende
differenzieren (lat.) Scheidungen Gegenstimme zu einer gegebe-
vornehmen, genauer formulieren, nen Melodie.
einen Komplex unter Beachtung diskursiv (lat.) Bezeichnung für
feiner Unterschiede entfalten. die schrittweise Tätigkeit des
Dignität (lat.) Würde, kirchliche Verstandes in Begriff, Urteil und
Würde. Schluß, weil er nicht alles zu-
Diktion (lat.) Ausdrucksweise, Stil, gleich gegenwärtig hat, sondern
Schreibart. in der Erkenntnis von einem Ge-
Dilemma (gr.) „zweiteilige An- danken zum andern übergehen
nahme", schwierige Wahl zwi- muß und ein Ganzes nur im
schen zwei unerfreulichen Mög- Durchlaufen der Teile deutlich
lichkeiten. erfassen kann (Gg: -> intuitiv,
Dimissoriale (lat.) Erlaubnisschein ->• Intuition).
des zuständigen Geistlichen zur Dispens, Dispensation (lat.) Auf-
Vornahme einer Amtshandlung hebung einer Verpflichtung,
Dispens, Dispensation 30
kirchliche Befreiung von die dixi (lat.) „ich habe gesprochen"
Eheschließung hindernden Be- = dabei bleibt es!
stimmungen. docta ignorantia (lat.) „die (über
Disposition (lat.) Einteilung, An- sich selbst) belehrte Unwissen-
ordnung; Empfänglichkeit für heit", das Wissen um das Nicht-
Krankheiten; Anzahl und Art der wissenkönnen, speziell: hinsicht-
Register bei der Orgel; kath. die lich des eigentlichen Wesens
durch den Menschen getroffene Gottes. Der Ausdrude zielt auf
Vorbereitung auf den Gnaden- das seiner Begrenztheit bewußte
empfang. und sich deshalb bescheidende
Disputation (lat.) öffentlich ge- menschliche Erkennen angesichts
führter Redestreit. der unbegreifbaren göttlichen
Dissenters (lat-engl.) „Andersge- Wahrheit.
sinnte", Sammelbezeichnung für Doctor angelicas (lat.) „Engel-
die nicht zur Anglikanischen gleicher Lehrer", Ehrenname des
Staatskirche gehörenden eng- Thomas von Aquino (gest. 1274).
lischen Freikirchen. Dodekalog (gr.) das Zwölfgebot
Dissertation (lat.) wissenschaft- (5. Mose 27,15—26).
liche Arbeit zur Erlangung der Dodekapropheton (gr.) das Buch
Doktorwürde. der 12 (kleinen) Propheten.
Dissidenten (lat.) „Getrenntsit- Dogma (gr.) „Satz", Glaubens-
zende*', Andersgläubige, Kon- satz, verbindliche Glaubensaus-
fessionslose, Bezeichnung für die sage der Kirche, die die Ein-
aus jeder religiösen Gemeinschaft heit der Kirche greifbar macht.
Ausgeschiedenen. Dogmatik theolog. Disziplin, die
distinctio (lat.) Unterscheidung; Ge- die Glaubenslehre in wissen-
genüberstellung entgegengesetz- schaftlich geschlossener Darstel-
ter Gedanken. lung bringt, vor allem in Ausein-
Distribution (lat.) Austeilung, Auf- andersetzung mit der Philoso-
lösung. phie.
Disziplin (lat.) Ordnung, Zucht. Dogmatismus das unkritische Ver-
Zweig einer Wissenschaft, Fach- treten von Lehren und Sätzen
gebiet. ohne Überprüfung ihrer Grund-
Dithyrambe (gr.) begeistertes Ge- lagen.
dicht, Loblied, Festlied auf den Doketismus (gr.-lat.) Anschauung,
Gott Dionysos. daß Christus sich nur mit einem
Dittographie (gr.) irrtümliche Dop- Scheinleib (dokein = scheinen)
pelschreibung von Buchstaben verbunden habe, also auch nur
oder Wörtern in den Handschrif- zum Schein gelitten habe und
ten der Frühzeit. gestorben sei. Die wahre Mensch-
Divergenz (lat.) Meinungsverschie- heit und Geschichtlichkeit Christi
denheit, Auseinandergehen. wird im Doketismus aufgegeben.
divus (lat.) „der Göttliche", Titel doktrinär (lat.-franz.) fanatisch
römischer Kaiser. eine Lehre verfechtend, wirklich-
31 Drusen
keitsfremd. dorisch Kirchentonart: Tonleiter
Domkapitel Körperschaft an einer von d bis d, wobei auf der Kla-
Bischofskirdie, aus den am Dom viatur nur die weißen Tasten
amtierenden Geistlichen beste- benutzt werden.
hend (zur Beratung des Bischofs). Dormitio Virginia (lat.) sog. „Ster-
Dominante (lat.) hervortretendes behaus der Jungfrau (Maria)"
Merkmal. In der Musik: die 5. auf dem Zionshügel in Jerusa-
Stufe der Tonleiter ( = Reper- lem.
kussionston). Dormitorium (lat.) Schlafsaal, spe-
Dominica (lat.) Tag des Herrn ziell: der Mönche.
(für: dominica dies). Dotation (lat.-franz.) Stiftung,
Dominica in albis (lat.) Weißer Schenkung.
Sonntag; erster Sonntag nach do ut des (lat.) ich gebe, damit du
Ostern, nadi den bis dahin ge- gibst (altrömische Rechtsformel,
tragenen weißen Kleidern der heute gebraucht, um die selbst-
Neugetauften in der alten Kirche. süchtige Tendenz bei scheinbar
Domini canes (lat.) „Hunde des selbstlosen Handlungen zu be-
Herrn", Bezeichnung der Domi- zeichnen).
nikaner als der Ketzerverfolger. Doxa (gr.) Herrlichkeit. Ausdruck
Dominas vobiscum (lat.) Der Herr für die äußere Erscheinungs-
(sei) mit euch! weise der himmlischen Majestät
Dona eis requiem (lat.) Gib ihnen Gottes. Hebr. 1, 3 nennt Jesus
Buhe! (Schluß des Agnus Dei in den Abglanz der Doxa Gottes.
der Totenmesse). Doxologie (gr.) Lobpreisung.
Donatismus eine auf Bischof Do- Große Doxologie: „Ehre sei Gott
natus von Karthago zurückge- in der Höhe und Friede . . •".
hende asketische Bewegung des Kleine Doxologie: „Ehre sei dem
4. Jahrhunderts, in der die An- Vater und dem Sohne . . ." Auch
sicht vertreten wurde, daß Taufe Bezeichnung der Schlußsätze des
und Priesterweihe verlierbar Vaterunsers: Denn dein ist das
seien, so daß notfalls eine Wie- Reich . . .
dertaufe nötig sei. Donatus Dragonaden (franz.) schikanieren-
lehnte die Aussöhnung der de Strafmaßnahme (nach der von
Kirche mit dem Staat ab und er- Ludwig XIV. veranlaßten Ein-
strebte mit seinen Anhängern quartierung sich rüpelhaft beneh-
das Martyrium. mender Dragoner bei Protestan-
donum superadditum (lat.) „das ten, um diese zur Rekatholisie-
darüber hinaus gegebene Ge- rung zu zwingen).
schenk", zusätzliche Gabe, For- Druide keltischer Priester der vor-
mel für die göttliche Gnaden- christlichen Zeit.
kraft, die dem Menschen im Ur- Drusen (arab.) Araber, die einer
zustand über die Naturanlage kleinasiatisch-syrischen Sekte des
hinaus als Zügel gegen den Trieb Islam (1017 begründet) ange-
geschenkt war. hören, z. T. in geschlossenen
Drusen 32
Siedlungen im Staat Israel woh- zugleich ist (Gg: -v Monophysi-
nend. tismus).
Dualismus (lat.) „Zweiheitslehre", Dytheismus (gr.) Zweigottlehre.
Anschauung, daß die Welt von
zwei gegensätzlichen Wesen-
heiten oder Grundprinzipien be- Ebed Jahwe (hebr.) „Knecht Got-
herrscht wird (z. B. Licht und tes", eine geheimnisvolle Gestalt
Finsternis, Gott und Satan, Gut in Jes. 41—52, die prophetisch
und Böse, Geist und Materie). auftreten und sühnend leiden
Der extreme Dualismus stellt soll. Man hat sie kollektiv auf
diese Gegensätze gänzlich unver- Israel deuten wollen. Im Licht
bunden nebeneinander und trägt des NT enthüllen sich die Ebed-
diese Doppelung auch in den Ur- Jahwe-Lieder als Prophétie auf
sprung der Wirklichkeit hinein Jesus.
(vgl. -> Manichäer). Eben-Ezer (hebr.) Stein der Hilfe
dubios (lat.) zweifelhaft, unge- (Gottes). 1. Sam. 4, 1.
wiß. Ebjoniten (hebr.) „die Armen",
Duchoborzen (russ.) „Geisteskämp- Glieder einer judenchristlichen
fer", um 1750 gegründete südrus- Sekte der Urkirche, die sich mit
sische Sekte ohne Priesterstand, dieser Bezeichnung als die ge-
durch die Quäker beeinflußt, nach ringen, von Gott zu seinem Reich
innen gewandte und fromme erwählten Frommen kennzeich-
Leute. nen.
Duktus (lat.) Schreibstil, Hand- Ecce homo (lat.) „Sehet, welch ein
schrift, Linienführung der Schrift- Mensch" (Joh. 19, 5). In der
zeichen. Kunst Darstellung des domenge-
Dynamik (gr.) bewegtes Kräfte- krönten Christus vor Pilatus.
spiel, Schwungkraft (Gg: -> ecclesja (gr.) Versammlung, Kirche.
Statik). ecclesia militans (lat.) die (in der
Dynamismus (gr.) Anschauung, Welt) kämpfende Kirche.
daß die Welt ein Gefüge von ecclesia triumphans (lat.) die (bei
Kräften sei, daß alle Wirklichkeit Gott) triumphierende Kirche.
auf Kräfte und deren Wirkungen ecclesia visibilis (lat.) die sicht-
zurückgeführt werden könne. bare Kirche.
Dynamistischer Monarchianismus ecclesia invisibilis (lat.) die un-
Richtung im 2. Jahrhundert, wel- sichtbare Kirche (der wahrhaft
che die Alleinherrschaft Gottes Gläubigen).
dadurch sichern wollte, daß sie Ecclesiasticus (lat.) Titel des apo-
Christus als bloßen Menschen, kryphen Buches Jesus Sirach in
den die „Kraft" Gottes erfüllte, der -> Vulgata.
darstellte. ecclesiola in ecclesia (lat.) „Kirch-
Dyophysitismus (gr.-lat.) „Zwei- lein in der Kirche" = die wahre
naturenlehre", nach der Christus Kirche innerhalb der Groß-
wahrer Gott und wahrer Mensch Kirche.
33 Emanzipation
écrasez l'infâme! (franz.) „Rottet für Gott (Mehrzahl: Elohim).
den niederträchtigen (Aberglau- Elaborat (lat.) etwas mehr oder
ben) ausl" (Schlagwort Voltaires minder mühsam Ausgearbeitetes
gegen die katholische Kirche). (oft abschätzig verwendet, „Mach-
edieren (lat.) Druckwerke heraus- werk").
geben. Eleaten Philosophenschule im ein-
Edikt (lat.) Verordnung, amtlicher stigen Elea in Unteritalien um
Erlaß. 500 v. Chr. Hauptvertreter:
effektiv (lat.) wirksam, tatsäch- Xenophanes, Pannenides, Zenon.
lich, greifbar. Die Eleaten lehrten die Einheit,
Egoismus (lat.) Ichsucht, Ichbe- Ewigkeit und Unveränderlichkeit
zogenheit, Eigenliebe (Gg: -> des Seins; Vielheit, Werden und
Altruismus). Bewegung der Dinge beruhe auf
egozentrisch (lat.) alles nur auf Sinnestäuschung.
sich beziehend, auf das eigene Electi (lat.) die Erwählten; bei
Wohl konzentriert. den -»- Manichäern der engere
Eidetik (gr.) Theorie über die Kreis der Vollkommenen.
Fähigkeit, früher Geschehenes eleison (gr.) Erbarme dich!
oder Gesehenes ohne äußeres Element (gr.-lat.) Urstoff, Letzt-
Objekt erneut als Wahrnehmung teil, Grundbestandteil. Beim
zu erleben und mit vielen Ein- Abendmahl: Brot und Wein.
zelheiten wiederzugeben (eidos Elevation (lat.) „Erhebung"; beim
= Bild). katholischen Gottesdienst die
Ekklesiologie (gr.) Lehre von der Hochhebung der Hostie und
Kirche. des Kelches nach der Wandlung.
Eklektiker (gr.) „Auswähler", ein Im Spiritismus die Aufwärtsbe-
Mensch, der nicht schöpferisch wegung schwerer Gegenstände
ist, sondern aus Vorhandenem (etwa eines Tisches) ohne natür-
auswählt und zusammenstellt. liche Ursache.
Ein Philosoph, der kein origi- Elohist (hebr.-lat.) Unbekannter
nales philosophisches System auf- Verfasser einer Quellenschrift des
stellt, sondern die Ergebnisse der -»• Pentateuch (nach seinem Ge-
Denkarbeit anderer prüft und brauch von „Elohim" für Gott;
aus verschiedenen Systemen das vgl. ->- Jahwist).
ihn Ansprechende auswählt. Emanation (lat.) der Ausfluß des
Ekstase (gr.) „Aus-sich-Heraustre- Niederen aus dem Höheren. Mei-
treten", das Außersichsein, Ver- nung griechischer Denker, die
zückung, Erregungszustand, der Welt sei durch ein Ausfließen aus
durch Einwirkung transzenden- der göttlichen Substanz hervor-
ter Mächte hervorgerufen wurde. gegangen — und zwar in abstei-
Ektenie (gr.) eindringliches Für- genden Stufen, wie der Licht-
bittengebet im griech.-katho- strahl abnimmt, je mehr er sich
lischen Gottesdienst. Von der Lichtquelle entfernt.
El (hebr.) biblische Bezeichnung Emanzipation (lat.) ursprünglich:
Emanzipation 34
die vorzeitige Entlassung aus der Überzeugung.
Gewalt des Hausvaters. Heute: Enkratiten (gr.) Christen in der
das Ringen um Gleichberechti- alten Kirche, die sich grundsätz-
gung und Verselbständigung lich tierischer Nahrung, des Al-
(der Frau, der Farbigen usw.). kohols und des Geschlechtsver-
Emblem (gr.-franz.) Wahrzeichen, kehrs enthielten (enkrâteia =
Sinnbild. Enthaltsamkeit).
Emeritus (lat.) „Ausgedienter", aus ens (lat.) ein bei den Scholasti-
Altersgründen in den Buhestand kern gebräuchliches Partizip von
versetzter Geistlicher (oder Pro- esse = sein; das Seiende, das
fessor). Ding.
Emigrant (lat.) Auswanderer (aus ens reale (lat.) das wirkliche, in
konfessionellen oder politischen seiner Existenz vom Denken
Gründen). nicht abhängige Ding.
eminent (lat.) hervorragend, au- ens realissimum (lat.) das aller-
ßerordentlich. wirklichste Wesen, der Inbegriff
Eminenz (lat.) „Hervorragung", der Realität = Gott.
„Hoheit"; Titel der Kardinale. Entelechie (gr.) das, was die Voll-
Emotion (lat.) Gemütsbewegung, endung als Ziel (telos) in sich hat.
seelische Erregung. Bei Aristoteles die zielstrebige,
Empirie (gr.) Erfahrung (Gg: -> zur Vollendung drängende Tä-
Theorie). tigkeit, besonders die Fonnkraft
empirisch aus der Erfahrung her- im Lebewesen. Ähnlich -> Fina-
rührend, dem Experiment ent- lität.
nommen. Enthusiasmus (gr.) Gottbegeiste-
Empirismus Anschauung, daß alle rung. Eine Seinsweise, in wel-
Erkenntnis nur auf Erfahrung zu- cher der Mensch sich von einer
rückzuführen ist und nur aus der guten, begnadenden Übermacht
Erfahrung stammt. Folgerung: (Gott) ergreifen läßt.
das Nichterfahrbare ist nicht Entmythologisierung Versuch, die
wirklich, zum mindesten nicht Botschaft des NT dem heutigen
erkennbar. So ist der Empirismus Menschen nahezubringen, ohne
dem —>• Agnostizismus und dem daß er genötigt ist, das mytho-
->• Positivismus verwandt. logische Weltbild der Antike zu
Enchiridion (gr.) Handbuch, Lehr- übernehmen; darüber hinaus ein
buch. Programm, das die Entflechtung
Endogamie (gr.) Heiratsordnung, des Glaubens von nicht mehr le-
nach der die Partnerin aus dem bendigen Vorstellungen allgemei-
gleichen sozialen Verband ner Art zum Ziel hat (vor allem
(Stamm, Kaste) stammen muß mit dem Namen von Rudolf
(Gg: -> Exogamie). Bultmann in Marburg ver-
Engagement (franz.) das innere knüpft).
Beteiligtsein, der mit Opfern Enzyklika (gr.) Päpstliches Rund-
verbundene Einsatz für eine schreiben an alle Gläubigen (mit
35 Epitheton ornans
Lehrentscheidungen). Im abwertenden Sinn bedeutet
Enzyklopädie (gr.) ein Werk, das Epikureer (auch: Epikuräer) so-
in übersichtlicher Weise über den viel wie Genußmensch.
Stand des Wissens auf allen Ge- Epilog (gr.) Nachwort, Schluß-
bieten oder einem Einzelgebiet rede, Ausklang.
informiert. Epiphänomen (gr.) Begleiterschei-
enzyklopädisch allgemeinwissen- nung.
sdiaftlich, umfassend. Epiphanias (gr.) Name des wohl
Enzyklopädisten die Herausge- ältesten christlichen Festes am
ber und Mitarbeiter der französi- 6. Januar, das seit dem 4. Jahr-
schen „Encyclopédie ou Diction- hundert durch das Weihnachts-
naire raisonné des sciences, des fest am 25. 12. in den Hinter-
arts et des métiers" (28 Bände, grund gedrängt wurde.
1751 begonnen), u. a. Diderot, Epiphanje (gr.) „Erscheinung", in
Rousseau, Voltaire. Von diesem den antiken Religionen Bezeich-
Werk ging eine starke Wirkung nung für das Erscheinen eines
im Sinn der Aufklärung aus. Gottes (vgl. -»• Theophanie), im
eo ipso (lat.) sowieso, schon an Christentum bezogen auf die Er-
sich verständlich. scheinung Gottes in Jesus Chri-
Eparchie (gr.) Byzantinische Pro- stus.
vinz; Diözese der Ostkirche. Epipompe (gr.) „Hinsendung", ein
ephemer(isch) (gr.) eintägig, einen Gebet, in welchem ein Übel auf
Tag dauernd, vorübergehend, den Feind herabgerufen wird.
kurzlebig. Episcopus (gr.-lat.) „Aufseher", Bi-
Ephorus (gr.) in verschiedenen schof.
(reformierten) Kirchen Bezeich- Episkopat (gr.) Bischofsamt, auch
nung für einen „Superintenden- Gesamtheit der Bischöfe.
ten"; auch Dienstbezeichnung für Episkopalismus Anschauung, daß
den Leiter eines Predigersemi- die entscheidende Gewalt in der
nars oder eines Konvikts. Kirche bei den Bischöfen liegen
Epiklese (gr.) „Anrufung"; in der müsse (Gg: Papalismus, ->Kuria-
Liturgie der Ostkirche das Gebet lismus, -> Kongregationalismus).
zum Heiligen Geist, der durch Epistel (gr.-lat.) „Brief", Send-
sein Herabkommen Brot und schreiben, im christlichen Sprach-
Wein in Leib und Blut Christi gebrauch: Brief des NT.
verwandeln soll. Epistolar (gr.-lat.) Handbuch (->•
Epikureismus die auf den griechi- Lektionar) mit den gottesdienst-
schen Philosophen Epikur (341 lichen Epistel-Abschnitten.
bis 271) zurückgehende Haltung, Epitaph (gr.) Grabmal mit In-
die durch vernünftige Abwägung schrift, Gedenktafel.
der Genüsse und Selbstbeherr- Epithet, Epitheton (gr.) als Bei-
schung das Glück des Weisen fügung gebrauchtes Eigenschafts-
erreichen will: die unerschütter- wort.
liche „Seelenruhe" ( = Atararie). Epitheton ornans (gr. und lat.)
Epitheton ornans 36
„schmückendes", formelhaftes, essentiell (lat.) wesentlich, we-
immer wiederkehrendes Bei- sensmäßig, unabtrennbar (Gg:
wort. akzidental).
Epitomç (gr.) Auszug aus einem Established Church (engl.) die
Schriftwerk. englische Staatsldrche (to estab-
Eranos (gr.) „Mahlzeit", geschlos- lish = einrichten, festsetzen).
sene Vereinigung zu verschiede- Estomihi (lat.) „Sei mir (ein star-
nen höheren (auch religiösen) ker Fels)"; Name des Sonntags
Zwecken. nach Sexagesimae (nach Psalm
Eremit (gr.) Einsiedler, Klausner. 71, 3).
Erinnyen (gr.) „die Grollenden"; Ethik (gr.) Lehre von den Pflich-
in der griechischen Mythologie ten (den Ordnungen, der Moral).
Göttinnen der Rache. Ethnarch (gr.) Statthalter, abhän-
Eristik (gr.) Kunst des Streitge- giger Volksfürst.
sprächs, der apologetischen Ge- Ethos (gr.-lat.) das Ganze der mo-
sprächsführung. ralischen Gesinnung und der sitt-
eritis sicut Deus (lat.) „Ihr werdet lichen Lebensgrundsätze.
sein wie Gott" (1. Mose 3, 5). Etsi Deus non daretur (lat.) „als
Eros (gr.) durch Liebe geweckter ob es Gott nicht gäbe". Die For-
schöpferischer Urtrieb; bei Plato mel geht auf Hugo Grotius zu-
der Drang zum Schönen und Gu- rück, der 1625 feststellt: Natur-
ten (nach dem griechischen Gott recht und Staatsrecht besitzen
der Liebe). Gültigkeit, auch wenn Gott nicht
eruieren (lat.) herausbringen, er- existierte.
mitteln. Etymologie (gr.) vergleichende
Eschatologie (gr.) Lehre von den Sprachwissenschaft, Lehre von
letzten Dingen, Botschaft von der der Abkunft und Bedeutung der
christlichen Hoffnung und der Wörter (etymon = wahr, echt).
Vollendung, adj. eschatologisch. Eucharistie (gr.) „Danksagung",
esoterisch (gr.) „nach innen ge- speziell: das große Dankgebet
wandt", Bezeichnung einer bei der Feier des Abendmahls,
Lehre, deren Inhalt nur nach be- von daher Bezeichnung für die
sonderer Vorbereitung erkannt Mahlfeier selbst.
werden kann und die daher nur Eucharistischer Kongreß Interna-
einem kleinen Kreis von „Einge- tionale katholische Tagung zur
weihten" zugänglich ist (Gg: Förderung der Verehrung der
-> exoterisch). Eucharistie (erstmals 1881).
Essener, Essäer (hebr.-gr.) Glieder Eudämonismus (gr.) Glückselig-
einer jüdischen Sekte des 1.—3. keitslehre, eine Lebensanschau-
Jahrhunderts mit mönchartigem ung, die das Glück zum Maßstab
Gemeinschaftsleben. des Tuns und Lassens macht (eu-
essentia (lat.) Wesenheit einer daimonia = Glückseligkeit).
Sache (im Gegensatz zur existen- Eugenik (gr.) Lehre vom Erbgut
tia). und der Erzeugung gesunder
37 Exequien,
Nachkommen; Förderung des zenden Abschnitte aus den vier
Erbguts der menschlichen Ras- Evangelien entstandenes Ein-
sen. heitsevangelium.
Eulogie (gr.-lat.) Kirchlicher Se- Evangelisation Verkündigung des
gensspruch, Weihegebet. In der Evangeliums für Menschen, die
Orthodoxen Kirche das nicht zur dem christlichen Glauben ent-
Kommunion benötigte gesegnete fremdet sind.
Brot, das nach dem Gottesdienst Evangelist Verfasser eines der 4
verteilt wird. Evangelien; Verkündiger des
Eumeniden (gr.) „die Wohlwol- Evangeliums, meist nicht an eine
lenden", Schmeichelwort für die feste Predigtstätte gebunden.
—•» Erinnyen. Evangelium (gr.-lat.) „Gute Bot-
Eunuch (gr.) „Betthüter", Harems- schaft", die Botschaft von Jesus
wächter, durch Kastration zeu- Christus, die 4 ersten Bücher des
gungsunfähiger Mann. NT.
Euphemismus (gr.) beschönigen- Evidenz (lat.) Augenschein, Deut-
des oder verhüllendes Wort (etwa lichkeit. Unbestreitbarer, weil
„Freitod" statt „Selbstmord"). deutlich wahrnehmbarer Tatbe-
Euphorie (gr.) gesteigertes Wohl- stand.
gefühl; Zustand überbetonter Evolution (lat.) Entfaltung in all-
Lustigkeit nach Genuß von mählicher, ununterbrochener Ent-
Rauschgiften und bei bestimmten wicklung (Gg: Revolution = Um-
Geisteskrankheiten. sturz des Bestehenden).
Euthanasie (gr.) „schöner Tod"; exaltiert (lat.) überspannt, aufge-
ärztliche Sterbehilfe; mit betäu- regt.
benden Mitteln vorgenommene Exarch (gr.) Vertreter des Patriar-
Erleichterung des Ablebens. chen oder Metropoliten für ein
Eutyehianer auf den Presbyter bestimmtes Gebiet (in der
Eutyches (geb. um 378) zurück- -v Diaspora).
gehende Richtung, nach der Exaudi (lat.) „Erhöre!" Bezeich-
Christus nur e i n e gottmensch- nung des Sonntags vor Pfingsten
liche Natur hatte. (nach Psalm 27, 7).
Evangeliar (gr.-lat.) Evangelien- ex cathedra (lat. und gr.) „vom
buch mit den Lese- und Predigt- Lehrstuhl (Petri) aus"; unfehl-
texten für den Gottesdienst; als bar, maßgebend.
mittelalterliche Handschriften Exegese (gr.) Auslegung, Bibel-
überliefert. erklärung.
Evangelical movement (engl.) Exekration (lat.) Verwünschung.
„Evangelikaie Bewegung", eine Exemt (lat.) aus der Befehlsgewalt
aus der englischen Erwedcungs- des nächsten Vorgesetzten her-
bewegung hervorgegangene Ge- ausgezogen und einer höheren
meinschaft. Stelle direkt unterstellt (von Bi-
Evangelienharmonie künstlich durch schöfen und Klöstern).
Ineinanderfügung der sich ergän- Exequien (lat.) Totenfeier mit
Exequien 38
Totenmesse. in bloße Existentiale (Existen-
Exerzitien (lat.) gemeinsame geist- ziale) des Menschen auflösen
liche Übungen im Katholizismus dürften, weisen aber auch darauf
(nach dem Vorbild des Ignatius hin, daß alle vollmächtige Ver-
von Loyola). kündigung Entscheidungscharak-
Exhibition (lat.) Entblößung, Zur- ter trage.
schaustellung. existentiell (lat.-franz.) auf das
Exhortation (lat.) Ermahnung, unmittelbare und wesenhafte
Abendmahlsvermahnung. Dasein des Menschen bezogen;
exhumieren (lat.) einen Leichnam von einer Wahrheit persönlich
wieder ausgraben. ergriffen und mit ihr Ernst ma-
Exil (lat.) Verbannung, Verban- chend.
nungsort. exklusiv (lat.) abgesondert, aus-
exilisch (lat.) im Exil entstanden, schließlich.
vom Geist der Exilzeit geprägt Exkommunikation (lat.) Ausschluß
(meist auf das Babylonische Exil aus der Gemeinschaft der Gläu-
der Juden 586—537 bezogen). bigen und vom Sakramenten-
Existential (lat.) das menschliche empfang; nach katholischem
Dasein hinsichtlich seines Seins- Recht eine „Strafe, durch die
charakters, seiner Eigentlichkeit; einem Getauften, der in ver-
in der heutigen Philosophie die stockter Gesinnung ein Delikt be-
den Menschen in seinem eigent- gangen hat, gewisse geistliche
lichen Wesen bedrohenden oder oder mit diesen verbundene Gü-
befreienden, sein Menschsein erst ter so lange entzogen werden,
ausmachenden Gegebenheiten: bis er seine verstockte Gesinnung
Geburt, Tod, Liebe, Angst, ablegt und die Lossprechung er-
Sorge, Freude u. ä. hält" (CIC 2241). Exkommunika-
Existentiale Interpretation eine von tion bedeutet aber nicht Aus-
Rudolf Bultmann der Theolo- schluß aus der Kirche oder von
gie und Predigt gestellte Auf- der Gnade Christi. Ein Exkom-
gabe, das NT existential zu in- munizierter darf auch weiterhin
terpretieren, d. h. die Botschaft der Predigt beiwohnen.
dem Menschen unserer Zeit so Exkurs (lat.) Abschweifung bei
aufzudecken, daß dieser sich da- einer Darlegung; Einschub, der
durch unmittelbar getroffen und sich mit einer Einzelfrage befaßt.
vor eine existentielle Entschei- Exodus (gr.-lat.) Ausgang, Aus-
dung gestellt sieht. Die Vermitt- zug; Name für das 2. Buch Mose
lung objektivierter „Sachen", die (nach dem Auszug Israels aus
nur als „vorhanden" geglaubt Ägypten).
werden sollen, erreiche den Per- ex officio (lat.) von Amts wegen,
sonkern des Hörers nicht. — Die dienstlich.
zahlreichen Gegner Bultmanns Exogamie (gr.) Heiratsordnung,
betonen vor allem, daß wir die nach der die Partnerin außerhalb
„objektiven Heilstatsachen" nicht des Stammes oder der Sippe ge-
39 facilitas utriusque
sucht werden muß (Gg: ->- Endo- extra ecclesiam nulla salus (lat.)
gamie). „außerhalb der Kirche (gibt es)
Exorzismus (lat.-gr.) Beschwörung kein Heil", eine auf Origenes
und Austreibung böser Geister und Cyprian (gest. 258) zurück-
(früher oft in Verbindung mit der gehende Formel, die den univer-
Taufe). salen Anspruch der römisch-
esoterisch (gr.) auch dem Nicht- katholischen Kirche ausdrückt,
eingeweihten verständlich, für die einzige von Gott eingesetzte
Außenstehende bestimmt (Gg: Heilanstalt zu sein. Nachdem
-> esoterisch). schon frühere Päpste von einer
explicite (lat.) ausdrücklich, aus- „unbewußten Hinordnung lau-
führlich dargelegt (Gg: -»- impli- tergesinnter Seelen auf die sicht-
cite). bare Kirche" sprachen und damit
Exposition (lat.) Einleitung, Ein- die Heilsbegrenzung auf Katho-
führung. Im Katholizismus: fei- liken ablehnten, hat das 2. Vati-
erliche Ausstellung des Altar- kanische Konzil die enge Ausle-
sakraments. gung der alten Formel praktisch
expressis verbis (lat.) ausdrücklich, unhaltbar gemacht.
mit eindeutigen Worten. extra usum nullum sacramentum
expurgieren (lat.) Schriften von (lat.) „außerhalb des (rechten)
anstößigen Stellen reinigen. Gebrauchs (sind die Abend-
exsekrieren (lat.) die Weihe eines mahlselemente) kein Sakrament."
Gegenstandes wegnehmen oder extravagant (lat.) überspannt, ver-
zerstören, Subst. Exsekration. stiegen, übertrieben.
Exsurge, Domine (lat.) „Erhebe extrem (lat.) äußerst, zu weit ge-
dich, Herr", Anfangsworte der trieben, radikal.
Bannandrohungsbulle gegen Lu- Extremum (lat.) „das Letzte",
ther (1520) nach Psalm 74, 22. Sterbeglocke, Geläut bei der Be-
extensiv (lat.) umfassend, der erdigung eines Gemeindegliedes.
Ausdehnung nach, nach außen Exulant (lat.) Vertriebener, Ver-
wirkend (Gg: intensiv). bannter, insbesondere Bezeich-
Extra Calvinisticum (lat.) „das nung der um ihres evangelischen
Calvinistische Außerhalb", eine Glaubens willen vertriebenen
reformierte Anschauung, nach Böhmen und Salzburger.
welcher der -»- Logos nach der Exzerpt (lat.) schriftlicher Auszug
Vereinigung mit der menschlichen (aus einem Buch, einem Vortrag).
Natur nicht aufhört, auch außer
ihr zu sein, daß also der Sohn
Gottes, der in der Menschwer-
dung unser Fleisch annimmt, facere quod in se est (lat.) „tun,
dennoch nicht in die begrenzte was in ihm ist" = jeder soll tun,
menschliche Natur eingeschlossen was ihm möglich ist.
ist (Heidelberger Katechismus, facultas utriusque (lat.) die Fä-
Frage 48). higkeit (des gefallenen Men-
facultas utriusque 40
sehen), sich nach beiden Seiten richtliche Angelegenheiten erle-
hin zu entscheiden. digt werden durften (Ursprünge
Faith and Order (engl.) Weltkon- der Fest-Ordnung).
ferenz für „Glaube und Kirchen- Fatalismus (lat.) Anschauung, daß
verfassung", erstmals 1927, seit alles Geschehen unabänderlich
1948 Kommission im Ökumeni- schicksalhaft (fatum = Schicksal)
schen Rat. vorausbestimmt ist; dieser Vor-
Fakir (arab.-türk.) „Armer", Bü- ausbestimmung steht der mensch-
ßer, Asket, der durch Selbstquä- liche Wille ohnmächtig gegen-
lerei das Wohlgefallen Gottes ge- über (vgl. -> Determinismus).
winnen will; in Indien: Gaukler. Fetisch (portugies.) ein in primiti-
Faksimile (lat.) „mach ähnlich!", ven Religionen gebrauchter Ge-
getreue Nachbildung einer Vor- genstand (aus Holz, Stein, in
lage, z. B. einer Handschrift, Form von Schnitzbildern usw.),
eines Notenblattes. von dem man Schutz gegen Gei-
Faktizität (lat.) Tatsächlichkeit, ster, Dämonen und andere Um-
Gegebenheit, feststellbare Wirk- weltmächte erwartet (ähnlich
lichkeit. -> Amulett, -> Talisman).
Fakultät (lat.) „Fähigkeit"; Hoch- Feudalismus (german.-lat.) mittel-
schulwissenschaft, auch die Kör- alterliches System des Lehns-
perschaft der Dozenten und Stu- wesens; eine Gesellschaftsord-
denten eines bestimmten Wissen- nung, die auf der Herrschaft der
schaftszweiges (Theologie, Medi- reichen Landbesitzer aufgebaut
zin usw.). ist.
fakultativ (lat.) freigestellt, wahl- Fiale (gr.) schlankes, spitzes
weise, dem eigenen Ermessen Türmchen als Bekrönung von
überlassen (Gg: -> obligat, obli- Strebepfeilern in der gotischen
gatorisch). Baukunst.
Familiären (lat.) das Gesinde fiat (lat.) „es werde", „es ge-
eines Klosters, das ebenfalls schehe" (1. Mose 1, 3).
unter Gehorsamspflicht steht. Fideismns (lat.) Anschauung, daß
Famulus (lat.) Gehilfe eines Hoch- die christlichen Wahrheiten der
schullehrers oder Forschers; ein vemunftmäßigen Erkenntnis ent-
im Krankenhaus tätiger Medizin- zogen und nur dem Glauben zu-
student. gänglich seien.
Fanatiker (lat.) Eiferer, Glau- fides justificationis (lat.) der recht-
bensschwärmer, Adj. fanatisch. fertigende Glaube.
fascinosum (lat.) die geheimnisvoll fides salvifica (lat.) der selig-
anziehende Kraft, die vom Gött- machende Glaube.
lichen ausgeht (Gg: -> tremen- fides quae creditor (lat.) der
dum). Glaube, welcher geglaubt wird
Fasti (lat.) Tage des altrömischen ( = der objektive Inhalt der
Kalenders, an denen aus religiö- christlichen Lehre).
sen Gründen staatliche und ge- fides qua creditor (lat.) der
41 Formgeschichtliche Methode
Glaube, mit dem geglaubt wird die Reformierten mit dem Satz
( = die subjektive Glaubenshal- „finitum non capax infiniti" ent-
tung, das Vertrauen zu Gott, ab- gegentraten.
gesehen von einzelnen Glaubens- Firmung (lat.) Sakrament der Ein-
aussagen). segnung im Katholizismus (Seg-
fides, spes, Caritas (lat.) Glaube, nung und Salbung des Firmlings
Hoffnung, Liebe (1. Kor. 13, 13). durch den Weihbischof, etwa im
fiducia (lat.) Vertrauen. 10. Lebensjahr vollzogen).
Fiktion (lat.) Annahme, Unter- Flagellant mittelalterlicher Büßer,
stellung, Erdichtung. der sich selbst mit Peitschen
fiktiv erdichtet, auf einer Fiktion schlug (Bruderschaft der Geißel-
beruhend. brüder).
Filial (lat.) eine mit einer Haupt- Florilegium (lat.) „Blütenlese",
gemeinde verbundene, ihr aber Anthologie, Sammlung von Ge-
rechtlich nicht gleichgestellte dichten verschiedener Verfasser.
Tochtergemeinde. Föderaltheologie (lat.) Richtung
Filigran (lat.-ital.) Zierwerk aus in der (reformierten) Theologie,
feinem Gold- oder Silberdraht. welche die Glaubenslehre auf
Filioque (lat.) „und aus dem dem Alten und Neuen Bund Got-
Sohn", ein Zusatz, der Ende des tes mit den Menschen aufbaut.
7. Jahrh. in das nicaeno-konstan- Folklore (engl.) „Wissen des Vol-
tinopolitanische Glaubensbe- kes", die volkhaften Überliefe-
kenntnis eingefügt wurde und rungen und Brauchtümer (vor
besagt, daß der Heilige Geist allem: Lied, Sage, Tanz, Tracht).
aus dem Vater „und aus dem forensisch (lat.) das (jüngste) Ge-
Sohn" hervorgeht. Das „filioque" richt betreffend (forum = Ge-
stieß vor allem auf den Wider- richt), juristischer Denkweise ent-
stand der griechischen Kirche, sprechend.
welche darin die alleinige an- Formalismas (lat.) Uberbetonung
fangslose Ursprungslosigkeit des des rein Formalen.
Vaters geleugnet sah. Formalprinzip reformatorischer
Finalitat (lat.) Zielgerichtetheit, Grundsatz über die Bibel als das
das Bestimmtsein eines Seienden Gefäß (Form), welches die selig-
von seinem Ende her, seinem machende Lehre enthält (vgl.
Ziel her, so daß das Woher der -> Materialprinzip).
Bewegung die im Anfang schon Formalstufen sinnvoller Fortgang
wirkende Kraft des Zieles ist einer Unterrichtsstunde: Vorbe-
(vgl. ->• Kausalität). reitung, Darbietung, Verknüp-
fingiert (lat.) vorgetäuscht, erdich- fung, Zusammenfassung, Anwen-
tet, bloß angenommen. dung (auf die Pädagogen Her-
finitum capax infinit! (lat.) „das bart und Ziller zurückgehend).
Endliche ist fähig, das Unend- Formgeschichtliche Methode Ver-
liche zu fassen"; eine Formel der such, die „Form" oder „Gattung"
lutherischen Theologie, welcher eines biblischen Textes aufzuzei-
Formgeschiditliche Methode 42
gen, wobei vor allem nach der Fragmentenhypothese Meinung,
Rolle gefragt wird, die ein Text am Anfang der Evangelien-
(Textstück) im wirklichen Leben schreibung hätte eine Anzahl
(etwa im Kult Israels oder in der kleiner Schriftstücke gestanden,
mündlichen Tradition der Urge- aus denen dann unsere Evange-
meinde) gespielt hat, als man ihn lien zusammengewachsen wären.
niederschrieb. Das gilt auch für frater (lat.) Bruder, Klosterbruder.
das festgeprägte kerygmatische fraus (lat.) Betrug.
Formelgut, etwa bei Paulus (vgl. pia fraus frommer Betrug.
z. B. 1. Korr. 15, 3). Der „Sitz im Frontale (lat.) nach vorne her-
Leben" hat dem Text seinen Cha- unterhängendes, die ganze Vor-
rakter gegeben; deswegen ist er derseite des Altars bedeckendes
von dieser Rolle her zu interpre- -> Antependium.
tieren. Dabei wird betont, daß fruitio Dei (lat.) das Genießen
solche „Formen" und „Gattun- Gottes.
gen" ihrem Wesen nach über- Fuge (lat.) „Flucht"; eine hoch-
individuell und nicht der Absicht entwickelte Form polyphoner
eines einzelnen Schreibers unter- Musik, bei der das melodische
worfen sind. — Die Formge- Thema als Idee des Ganzen er-
schichtliche Schule ist vor allem klingt und dann nacheinander
mit den Namen des Alttesta- von allen Stimmen aufgenommen
mentlers Hermann Cunkel (1862 wird.
bis 1932) und des Neutestament- Fnlltrui bei den Germanen der zu
lers Martin Dibelius (1883—1947) besonderem Vertrauen erwählte
verbunden. Dibelius zeigte auch Gott.
auf, daß der „Sitz im Leben" bei Fundamentalartikel (lat.) Die
den Texten des NT nicht die Haupt- und Grundartikel christ-
Studierstube des Historikers oder licher Lehre (z. B. die Rechtferti-
Biographen ist; der Text des NT gungslehre), von denen man Ne-
ist aus der Predigt entstanden. benartikel (z. B. die Engellehre)
Der Zweck allen Rufens war der unterschied; seit 1626 gebräuch-
Ruf zu Christus; von diesem An- lich.
liegen her sind alle Texte ge- Fundamentalismus eine nach 1918
prägt in den USA entstandene Bewe-
Forum (lat.) im alten Rom ein gung, die im -> Modernismus
freier Platz, der für Gerichtsver- und Liberalismus die entschei-
handlungen und Volksversamm- denden Gefahren für die Chri-
lungen bestimmt war, allg. zur stenheit sieht und ihnen gegen-
Beurteilung befugter und be- über die Fundamente von Bibel
fähigter Kreis von Menschen, vor und Bekenntnis betont. In der
denen eine Sache verantwortet Schriftfrage vertritt der F. zu-
wird. meist die Theorie der -> Verbal-
Fragment (lat.) Bruchstück, Über- inspiration.
rest. Fundamentaltheologie (lat.) im
43 Getto (auch Ghetto)
Katholizismus Bezeichnung für ter Teil des -> Talmud, Erläute-
die -»- Apologetik, die bereits in rung der ->• Mischna.
der frühesten Geschichte des Gematria (gr.-hebr.) Deutung von
Christentums in der Auseinan- Wörtern mit Hilfe des alphabeti-
dersetzung mit den nichtchrist- schen Zahlenwerts ihrer Buchsta-
lichen Wissenschaften entwickelt ben (vor allem in der ->• Kab-
wurde. Aus der frühen Gestalt bala).
einer Apologie gegen das Hei- gemina praedestinatio (lat.) die
dentum wurde mehr und mehr doppelte Vorherbestimmung (zum
eine systematische Apologetik, Heil und zur Verwerfung).
die nicht mehr ausschließlich ge- Generalsuperintendent (lat.) Be-
gen Leugner der christlichen Of- zeichnung für den leitenden
fenbarung gerichtet war, sondern Geistlichen eines größeren ev.
„fundamentale" Fragen für das Kirchengebiets (Sprengeis), heute
Selbstverständnis der Kirche klä- nur noch in der Kirche von Ber-
ren wollte. lin-Brandenburg gebräuchlich.
Funktion (lat.) Tätigkeit, Wirk- Genesis (gr.) „Entstehung", das
samkeit, Dienststellung; Aus- 1. Buch Mose, so genannt nach
druck für gegenseitige Abhängig- der am Anfang stehenden Schöp-
keit von Vorgängen. fungsgeschichte.
Furie Rachegöttin im alten Rom; genetisch (gr.) erblich bedingt, die
wütendes Weib. Vererbung betreffend, entwick-
futurisch (lat.) der Zukunft zuge- lungsgeschichtlich.
hörend. Geniza (hebr.) Raum in der Syn-
agoge zur Aufbewahrung alter
Handschriften und Kultgegen-
stände (auch „Genisa").
Galut (hebr.) „Exil", gewaltsame genuin (lat.) angeboren, echt, ur-
Verbannung aus dem Heimat- sprünglich.
land. Soweit Galut als räumliche Geonim (hebr.) „Hoheiten", Be-
Verbannung verstanden wird, zeichnung der jüdischen Lehr-
sehen die Juden sie als überwun- häupter in Mesopotamien unter
den an (durch die Neugründung islamischer Herrschaft (589 bis
des Staates Israel). 1038). Einzahl: Gaon.
Gattungsgeschichte vgl. -> Form- geozentrisch (gr.) auf die Erde als
geschichtliche Methode. Mittelpunkt bezogen.
Gehenna (hebr.) ein spätjüdischer Gernsie (gr.) der Rat der Alten
Name für die Hölle, abgeleitet (in Sparta).
von Hinnomstal, einem Tal süd- Getto (auch Ghetto) (hebr.-ital.)
lich von Jerusalem, in dem in al- abgetrennter Stadtteil, in dem —
ter Zeit dem Moloch Kinder ge- anfangs freiwillig, später zwangs-
opfert wurden (Mk. 9,43; Mt. 23, weise — die Juden lebten („Ju-
15). dengasse"). Übertragen: Abson-
Gemara (aram.) „Lernstoff"; Zwei- derung von der Allgemeinheit.
Gilgamesch-Epos 44
Gilgamesch-Epos Babylonisches Na- Spekulationen zu erkennen und
tionalepos, benannt nach dem sa- erkennend zur Erlösung vorzu-
. genhaften König von Uruk. dringen suchte. Die Gnostiker
Ginza „der Schatz", heilige Schrift meinten, auf diesem Weg zu
der mandäisdien Religion. einer Gotteserkenntnis zu gelan-
Gloria (lat.) „Ehre", „Herrlich- gen, die über den einfältigen
keit", ein Lobgesang, der aus der Glauben der Kirchenchristen hin-
römischen Messe in den ev. Got- ausreiche und den Menschen
tesdienst übernommen wurde zum „Geistmenschen" erhebe.
(vgl. -> Doxologie). Stark dualistisch bestimmt. Man
Gloria in excelsis Deo (lat.) „Ehre verachtete alles Irdisch-Dingliche.
(sei) Gott in der Höhe" (Luk. 2, Golem (hebr.) „Halbfertiges", in
14), der jüdischen Sage eine mensch-
Gloria patri (lat.) „Ehre (sei) dem liche Tonfigur, die zum Leben er-
Vater". weckt wurde.
Glorie (lat.) Heiligenschein. Graduale (lat.) „Stufenlied" aus
Glossa, Glosse (gr.-lat.) „Zunge", der römischen Messe, ein Gesang,
anfangs: erklärungsbedürftiger der auf einer Altarstufe ausge-
Ausdruck, später: Erläuterung. führt wurde; er steht zwischen
glossa marginalis (gr.-lat.) Margi- Epistel und Evangelium und en-
nalglosse, Erläuterung am Rande. det mit einem Halleluja.
Glossator (gr.-lat.) Verfasser von Gradaallied (lat.) Lied oder Psal-
Erläuterungen. mengesang nach der Epistel-
Glossolalie (gr.) Zungenreden, ein lesung (heute zumeist das Wo-
verzücktes Reden in fremden chenlied).
oder unirdischen Lauten (1. Kor. Gral in der mittelalterlichen Sage
14). eine wundertätige Schale mit
Gnesiolutheraner „echte Luthera- dem Blut Christi.
ner", Selbstbenennung jener gratia (lat.) Gnade, Dank, Huld.
Theologen, welche nach Luthers gratia efficax (lat.) die wirkungs-
Tod seine Lehre unverfälscht kräftige Gnade.
vertreten wollten. gratia infusa (lat.) die dem Men-
Gnomon (gr.) antike Sonnenuhr; schen eingegossene Gnade.
Richtschnur. gratia irresistibilis (lat.) die un-
gnorisma Christianorum (gr. und widerstehliche Gnade.
lat.) Erkennungszeichen der Chri- gratia praeveniens (lat.) die dem
sten (= die Liebe). Willen zuvorkommende Gnade.
Gnoseologie (gr.) Lehre von der Gratias (lat.) Dank; Anfangswort
Erkenntnis. (gratias agamus Deo) und Be-
Gnosis, Gnostizismus (gr.) „Er- zeichnung des Dankgebets nach
kenntnis"; eine Bewegung zur Tisch.
Zeit des Hellenismus, welche die Gravamina (lat.) Vorwürfe, Be-
im Glauben verborgenen Ge- schwerden.
heimnisse durch philosophische gravierend (lat.) erschwerend, be-
45 h.c.
lastend, wichtig. bindliche Auslegung der -> Tho-
Gregorianik der einstimmige litur- ra, in Einzelsatzungen formu-
gische Gesang der katholischen liert.
Kirche, von Papst Gregor I. Halleluja (hebr.) „Lobet Jahwe",
(590—604) geordnet. In der ev. eine oft in den Psalmen ge-
Kirche wird oft in Nebengottes- brauchte Formel, die zum Lob-
diensten (-> Mette, ->- Vesper) preis auffordert.
gregorianisch gesungen. Halluzination (lat.) Sinnestäu-
gubernatio (lat.) Lenkung der schung, Trugwahmehmung.
Weltgeschidce durch Gott. Hamartiologie (gr.) Lehre von der
Guru (hindustan.) religiöser Leh- Sünde.
rer im -> Hinduismus, oft als hamartiozentrisch (gr.) die Sjiinde
Verkörperung eines göttlichen in den Mittelpunkt der Glau-
Wesens verehrt. benslehre stellend.
Hapaxlegomenon (gr.) nur einmal
vorkommendes Wort (bei einem
Schriftsteller, im NT).
Haplographie (gr.) falsche „Ein-
Habilitation (lat.) Erwerb der fachschreibung" eines Doppel-
Lehrberechtigung an Universitä- lauts.
ten. Häresie (gr.) Irrlehre, Ketzerei.
habituell (lat.) gewohnheitsmäßig, häretisch ketzerisch, abweichend.
zuständlich. Harmonie (gr.-lat.) Übereinstim-
Habitus (lat.) Beschaffenheit, blei- mung, Zusammenklang.
bender Zustand; Aussehen. prästabilierte Harmonie bei
Haddsch (arab.) die Wallfahrt Leibniz die von Gott im voraus
nach Mekka, die jeder volljäh- festgelegte Übereinstimmung
rige Mohammedaner einmal un- zwischen leiblichen und geistigen
ternehmen soll. Vorgängen.
Hades Unterwelt, Totenreich (nach harmonisieren in Einklang brin-
dem griechischen Gott der Unter- gen. In der Musik: eine Melodie
welt). mit Begleitakkorden versehen.
Haggada (hebr.) „Erzählung"; die Haskalah (hebr.) „Aufklärung"; die
erbaulich-belehrende Fortbildung Zeit der jüdischen Emanzipation
biblischer Stoffe in der talmudi- nach 1800.
schen Literatur (vgl. -»- Halacha). Hasmonäer eine in der Makka-
Hagiographen (gr.) Bezeichnung bäerzeit zur Macht gekommene
des dritten (vor allem poetischen) jüdische Dynastie.
Teiles des AT. Havamal (altnord.) „Sprüche des
Hagiolatrie (gr.) Verehrung der Hohen", Sammlung weiser Le-
Heiligen. bensregeln in der Edda.
Hagiologie (gr.) Lehre von den h. c. (lat.) Abkürzung für „hono-
Heiligen. ris causa" = ehrenhalber. An
Halacha (hebr.) „Richtschnur'*; ver- einen Doktortitel angefügt, ist
h.c. 46
h. c. der Hinweis darauf, daß es Heros Held, Halbgott.
sich nicht um einen Grad handelt, Hesychiustext ägyptische Bibel-
der durch eine Prüfung erworben rezension um 300, die auf den
wurde. Bischof Hesychius zurückgeführt
hebdomas (gr.) die Woche. wird.
Hedonismus (gr.-lat.) Lehre der Hetäre (gr.) „Gefährtin", Buhle-
griechischen Philosophie, wonach rin, Freundin.
das Glück des Menschen im Ge- heterodox (gr.) andersgläubig,
fühl der Lust besteht (vgl. -*- häretisch (Gg: -*- orthodox).
->• Epikureismus). heterogen (gr.) ungleichartig, aus
Hedschra (arab.) „Loslösung"; Um- Ungleichartigem zusammenge-
zug Mohammeds und seiner An- setzt (Gg: - y homogen).
hänger von Mekka nach Medina heteronom (gr.) fremdgesetzlich,
(622, Beginn der islamischen Zeit- von anderen Gesetzen abhängig,
rechnung). sich einem von anderswoher
Heimarmene (gr.) Verhängnis, kommenden Gesetz beugend
Schicksal. (Gg: —>- autonom).
Hekatombe (gr.-lat.) großes Opfer Heuristik (gr.) Erfindungskunst;
(ursprünglich: 100 Stiere), auch methodische Anleitung, Neues
Bezeichnung für große Men- zu finden.
schenverluste. heuristisches Verfahren vorläufige
Helios (gr.) der Sonnengott der (probeweise) Annahme zum
Griechen. Zweck des besseren Verständnis-
heliozentrisch (gr.) die Sonne als ses eines Sachverhalts.
Weltmittelpunkt betrachtend. Hexapla (gr.) „die Sechsfache";
Hellenismus die Kulturepoche von Name für das Bibelwerk des Ori-
Alexander dem Gr. bis Augustus, genes, in dem 6 Übersetzungen
in welcher das griechische mit nebeneinander stehen.
dem orientalischen Wesen ver- Hexateuch (gr.) Bezeichnung für
schmolz. die ersten sechs Bücher des AT
Hendiadyoin (gr.) „eins durch (1.—5. Mose und Josua), die von
zwei": das Nebeneinander zweier gemeinsamen Quellenschriften
gleichbedeutender Wörter (z. B. ausgehen.
bitten und flehen). hie et nunc (lat.) hier und jetzt;
Henotheismus (gr.) Hingabe an Bezeichnung für die räumliche
e i n e n Gott ohne Leugnung und zeitliche Bestimmtheit eines
des Daseins anderer Götter. Gegenstandes.
Hermeneutik (gr.) die Lehre von Hierarchie (gr.) Priesterherrschaft;
der Methode der rechten Schrift- Rangordnung der geistlichen
auslegung. Würdenträger.
hermetische Schriften 18 gnosti- Hierodulen (gr.) Tempelsklaven
sche Schriften, die auf den Gott und -Sklavinnen.
Hermes Trismegistos zurückge- Hieroglyphen (gr.) heilige Schrift-
führt werden. zeichen; Bilderschrift der Ägyp-
47 Hore
ter und anderer orientalischer schichtlichen Vorgangs zielt, sich
Völker des Altertums. aber von Beurteilungen und Aus-
High Church (engl.) „Hoch- wertungen für die Gegenwart
kirche", eine der drei Richtungen fernhält.
in der -> Anglikanischen Kirche Homiletik Lehre von der Predigt,
(-> Broad Church, —>• Low ihrer Form und Darbietung.
Church), welche die Apostolische Homilie (gr.) Ansprache, Predigt;
Sukzession, die Tradition und eine Predigtweise, die am Text
den Kultus betont. entlang führt und Vers für Vers
Hinayana (sanskr.) „Kleines Fahr- auslegt (im Gegensatz zur The-
zeug" (der Erlösung), mönchische mapredigt, die den Inhalt eines
Bewegung im Buddhismus, wel- Abschnitts unter einem Haupt-
che die Erlösung durch Selbst- thema darbietet).
verneinung erstrebt. Homöer (gr.) Theologen, welche
Hinduismus die eigentliche Volks- die Ähnlichkeit des Sohnes mit
religion Indiens, verbunden mit dem Vater lehrten.
Vielgötterei, Dämonendienst, Homöusianer (gr.) Vermittelnde
Verehrung von heiligen Tieren Theologen, welche die Wesens-
und Flüssen. Kennzeichen des gleichheit, aber nicht die Wesens-
Hinduismus sind femer strenge einheit des Sohnes mit dem Vater
Kastenordnung und die Lehre festhalten wollten.
von der Seelenwanderung. homogen (gr.) gleichartig, gleich-
historisch (lat.) geschichtlich, der stoffig (Gg: ->• heterogen).
Geschichte gemäß. Auch im Ge- Homologumena (gr.) „die Über-
gensatz zu „geschichtlich" ge- einstimmenden", unbestritten
braucht, wobei „historisch" das zum ->• Kanon des NT gehörende
bloß Geschehene meint, während Schriften (Gg: ->- Antilegomena).
„geschichtlich" das in der Ge- Homophonie (gr.) „Gleichklang",
schichte Weiterwirkende ist. eine mehrstimmige Musik, bei
Historisch-kritische Forschung die der eine Melodiestimme führt
auf die biblischen Schriften ange- und die übrigen Stimmen nur die
wandte wissenschaftliche Metho- Harmonie auffüllen.
de der Untersuchung historischer homosexuell (gr.-lat.) gleichge-
Urkunden nach Zuverlässigkeit, schlechtlich gerichtet (Gg: -*- he-
Echtheit, Einheitlichkeit etc. All- terosexuell).
gemein Einbeziehung der bibli- Homöusianer (gr.) Theologen,
schen Überlieferung in den histo- welche die Wesenseinheit und
rischen Verstehensversuch. Be- und -gleichheit des Sohnes mit
deutende Vertreter: J. S. Semler dem Vater lehrten.
(1725—1791), J. Wellhausen honoraris causa (lat.) der Vergü-
(1844—1918), F. Chr. Baur (1792 tung wegen.
bis 1860). Höre (lat.) „Stunde"; Bezeich-
Historismus (lat.) Haltung, die nung der den katholischen Geist-
lediglich auf Feststellung des ge- lichen vorgeschriebenen 7 Gebets-
Höre 48
stunden, in denen bestimmte Hyliker (gr.) die unterste, stoff-
Breviergebete zu beten sind verhaftete Menschenklasse in der
(Stundengebet). -> Gnosis, für die Erlösung un-
hortulus animae (lat.) „Seelengärt- brauchbar.
lein"; Titel von mittelalterlichen Hymnologie (gr.) Wissenschaft
Gebetbüchern. von den (christlichen) Hymnen;
Hosianna (hebr.) „Hilf doch!", Gesangbuchkunde.
Anruf Gottes aus Psalm 118, 25. Hymnus (gr.) Lobgesang, beson-
Heilruf, mit dem Jesus beim Ein- ders zu Ehren der Gottheit.
zug in Jerusalem begrüßt wurde hyperbolisch (gr.) Gleichnis mit
(Mk. 11, 9). überhöhtem, unwirklichem Bild.
Hospiz (lat.) Gästehaus, eine Be- Hyperdulie (gr.) gesteigerte Ver-
zeichnung vor allem für evangeli- ehrung.
sche Unterkunftshäuser. Hypnose (gr.) schlafähnlicher Zu-
hostes generis humani (lat.) Feinde stand, der durch Suggestion
des Menschengeschlechts. künstlich hervorgerufen wird.
Hostie (lat.) „Opfertier", „Sühn- Hypostase (gr.-lat.) schillernder
opfer". Im Katholizismus Be- Begriff aus der Dogmenge-
zeichnung für das bei der Eucha- schichte. Ursprünglich: Substanz,
ristie verwendete ungesäuerte Wesenheit, ein für sich beste-
' Brot in Form einer -»- Oblate. hendes Einzelnes. Dann: ein aus
human relations (engl.) mensch- göttlichen Eigenschaften oder
liche Beziehungen, vor allem in religiösen Vorstellungen perso-
der heutigen Industriegesell- nifiziertes göttliches Wesen.
schaft („Betriebsklima"). Heute eher Wechselbegriff für
Humanismus (lat. humanus = „Person" („Drei Personen in
menschlich) Bewegung des 15./16. einer").
Jahrhunderts, die in Italien ent- Hypostatische Union Dogma von
stand und sich in ganz Europa der Vereinigung göttlicher und
ausbreitete. Im Mittelpunkt steht menschlicher Natur in der Person
der Mensch, dessen Vollkommen- Christi.
heit erstrebt wird (z. T. nach Hypothese (gr.) „Unterlage"; An-
antiken Vorbildern). nahme eines Sachverhalts oder
Humanität (lat.) „Menschlichkeit"; Zusammenhangs, die zunächst
eine menschenfreundliche Hal- als Vermutung an das Geschehen
tung, Achtung vor Würde und herangetragen wird, wobei man
Recht des Menschen. auch von einer „Arbeitshypo-
Humiliaten (lat.) Orden des 12. these" spricht.
Jahrh., welcher sich die Wieder-
gewinnung der -> Waldenser für
die Kirche zum Ziel gesetzt hatte. ib. (lat.) ibidem = ebenda (um
Hybris (gr.) Übermut, frevelhafte sich die wiederholte volle An-
Selbstüberhebung des Menschen gabe eines zitierten Buches zu
gegenüber Gott. ersparen).
49 Illuminatenorden
id. (lat.) idem = derselbe (um oder wirtschaftlichen Bewegung
sich die wiederholte Angabe des zugrundeliegt. Auch abwertend:
Verfassernamens zu ersparen). weltfremde Theorie.
idea innata (lat.) eingeborene id est (lat.) das ist, das heißt.
Idee, Gg: idea a me ipso facta = Idiolatrie (gr.) Selbstvergötterung,
von mir selbst auf Grund von Selbstanbetung.
Erfahrung gebildete Idee. Idiom (gr.-lat.) Sprechweise, die
Ideal (gr.-lat.) Vorbild, Urbild, einem einzelnen oder einer
Inbegriff der Vollkommenheit, Gruppe eigentümlich ist. In der
Hochziel. Theologie: die Wesenseigentüm-
Idealismus (gr.) philosophische An- lichkeiten der zwei Naturen
schauung, für welche die Grund- Christi (Mehrzahl: Idiomata).
bedingung alles Seins nicht der Idiomenkommunikation Austausch
Stoff ist, sondern der Geist, die der Eigentümlichkeiten der bei-
Seele, der Wille. Ein Grundzug den Naturen innerhalb der einen
des Idealismus ist die optimisti- Person Christi.
sche Einschätzung des Menschen Idol (gr.-lat.) „Abbild"; Götzen-
und seiner Fähigkeit, das Gute, bild, Abgott, falsches Ideal.
Wahre und Schöne zu verwirk- Idololatrie (Idolatrie) (gr.) Bilder-
lichen. verehrung, Götzendienst.
Idealität das Sein als Idee oder IFES International Fellowship of
Vorstellung, im Gegensatz zur ->• Evangelical Students (in Deutsch-
Realität. land: SMD = Studentenmis-
Idee (gr.) „Schau", die Schau des sion).
inneren Wesens, der Begriff; ignoramus et ignorabimus (lat.)
nach Plato das Urbild der Dinge, wir wissen nicht und wir werden
die nur geistig geschaut werden nicht wissen.
können. Kennzeichnend für die Ikon, Ikone (gr.) „Bild", ge-
„Idee" im philosophischen Sinn: weihtes Tafelbild der grie-
sie ist ein Geistiges, Immateriel- chischen Kirche, meist mit typen-
les — und: sie bietet irgendwie haften und starren Darstellungen
vollkommene Erkenntnis oder Christi, der Maria und der Hei-
wenigstens den Wegweiser dazu. ligen.
Identität vollkommene Gleichheit Ikonographie (gr.) Beschreibung
zweier Dinge, Wesensgleichheit und Inhaltsdeutung von alten
(Begriffe sind identisch, wenn sie Bildwerken.
in Inhalt und Umfang überein- Ikonokiast (gr.) Bilderstürmer, Zer-
stimmen). störer von Heiligenbildern, An-
Ideogramm (gr.) Zeichen einer hänger der Bilderabschaffung.
Bilderschrift. Ikonostase (gr.) dreitürige Bilder-
Ideologie (gr.) Wissenschaft von wand zwischen Gemeinde und
den Ideen und Begriffen, allge- Altarraum in der griechischen
meiner: die Gesamtanschauung, Kirche.
die einer politischen, sozialen Illuminatenorden aufklärerisch-
Illuminatenorden 50
freimaurerisdie geheime Gesell- Empfängnis durch ihre Mutter
schaft zur Verbreitung des ->• Anna (Dogma von 1854).
Deismus, 1776 gegründet. Immakulateneid kath. eidliche
illuminatio (lat.) „die Erleuch- Bekräftigung des Satzes von der
tung"; nach Augustin die Ein- unbefleckten Empfängnis Ma-
strahlung ewiger Wahrheiten in riens.
den erkennenden menschlichen immanente Trinität Trinitätslehre,
Geist. die auch innerhalb des göttlichen
illuminatio Spiritus sancti (lat.) Seins ein dreiseitiges Verhältnis
die durch den heiligen Geist be- zwischen Vater, Sohn und Geist
wirkte Erleuchtung. annimmt, Gg: Offenbarungstri-
illuminieren Handschriften aus- nität, wo dies allein für das
malen, Buchmalereien herstellen. Offenbarungshandeln gilt.
Illusion (lat.) Täuschung, Selbst- Immanenz (lat. immanere = da-
täuschung, Schein. rin bleiben) das Drinnensein,
Illusionismus (lat.) die Auflösung Eingeschlossensein innerhalb
der Wirklichkeit in Selbst- eines Bereichs. Das Immanenz-
täuschung und Schein. Denken ist eine Haltung, die zur
illusorisch trügerisch, vergeblich, Erklärung der Welt ausschließ-
sich erübrigend. lich das für uns Erfahrbare her-
Imagination (lat.) Einbildung, anzieht und die Frage nach einer
Phantasie, Einbildungskraft. Ursache der Welt oder nach
imago Dei (lat.) Bild Gottes; die ihrem Schöpfer grundsätzlich ab-
Lehre von der Gottesebenbild- lehnt (Gg: -> Transzendenz).
lichkeit des Menschen. Nach 2. Immanuel (hebr.) „Gott mit uns",
Kor. 4, 4; Kol. 1, 15; Rom. 8, 29 im AT symbolischer Name des
ist Jesus das wahre Ebenbild Jungfrauensohnes (Jes. 7, 14; 8,
Gottes. 8), im NT auf Jesus angewendet
Imam (arab.) „Vorsteher", Vor- (Matth. 1, 23).
beter in der Moschee, Titel für immateriell (lat.) unstofflich, un-
verdiente Gelehrte des Islam. körperlich.
Imitatio Christi (lat.) „Nachah- Immatrikulation (lat.) Einschrei-
mung Christi", sachlich richtiger: bung in die Liste („Matrikel")
Nachfolge Christi; Kennzeich- der Studierenden.
nung christlichen Lebens im Ge- Immoral (lat.) Unmoral, Unsitt-
horsam unter Jesus Christus. lichkeit. ,
Imitation (lat.) Nachahmung. In Imperativ (lat.) Befehl, Gebot. In
der Musik: genaue Wiederholung der Grammatik: Befehlsform,
eines Themas in anderer Ton- z. B. „Habt allzeit Salz bei
lage. euch!" (Gg: -*• Indikativ).
immaculata conceptio (lat.) die Imperialismus (lat.) Machterwei-
„unbefleckte Empfängnis" der terungsdrang der Großmächte.
Maria, d. h. ihre Bewahrung vor Imperium Romanum (lat.) das Rö-
der Erbsünde im Augenblick der mische Kaiser- und Weltreich.
51 Infralapsarismus
implicite (lat.) eingeschlossen, mit- liken verbotenen Druckwerke,
gemeint, inbegriffen (Gg: ->• ex- erstmals 1559 erschienen, heute
plicite). über 6000 Titel enthaltend.
Impotenz (lat.) Unvermögen, Un- indifferent (lat.) unbestimmt, gleich-
fähigkeit, Zeugungsschwäche. gültig, teilnahmslos.
Imprimatur (lat.) „es mag ge- Indikativ (lat.) Aussage, Anzeige.
druckt werden"; im Katholizis- In der Grammatik: Aussageform,
mus eine vom Bischof oder Or- Wirklichkeitsform des Verbs,
densoberen erteilte Druckerlaub- z. B. „Ihr seid das Salz der
nis für kirchliche Schriften. Erde!" (Gg: -»- Imperativ).
Imputative Gerechtigkeit (lat.) Individualität (lat.) Einzelpersön-
Lehre, daß die Gerechtigkeit lichkeit, persönliche Eigenart; der
Christi dem Glaubenden „ange- Inbegriff von Eigenschaften,
rechnet" wird, wobei der Nach- durch die sich jemand als eigen-
druck auf dem juristischen Vor- artiges, einmaliges Individuum
gang liegt, nicht auf dem Ge- bekundet.
recht-machen, also der Erneue- Induktion (lat.) „Heranführung";
rung durch die Rechtfertigung. Erkenntnisverfahren, das von der
inadäquat (lat.) nicht entspre- genauen Beobachtung eines oder
chend, nicht angemessen. mehrerer Einzelfälle ausgeht und
Inauguraldissertation (lat.) wis- daraus auf ein allgemeines Ge-
senschaftliche Arbeit zur Erlan- setz schließt (Gg: -> Deduktion).
gung eines akademischen Grades. In dulci jubilo (lat.) „in süßem
Independenten (lat. und engl.) Jubel", Anfang eines lat.-deut-
„Unabhängige", Vorläufer der -»- sdien Mischliedes aus dem 14.
Dissenters in England, die das Jahrhundert.
biblische Recht einer von Indulgenz (lat.) Nachsicht, Ablaß
Priestern unabhängigen Schrift- der zeitlichen Sündenstrafen.
auslegung und Sakramentsver- in extremis (lat.) „in den letzten
waltung betonten. Richtung des (Zügen)".
17. Jahrhunderts, welche die Infallibilität (lat.) Unfehlbarkeit
völlige Unabhängigkeit der Ein- des Papstes in Fragen der Glau-
zelgemeinde vertrat ( = -> Kon- benslehre (-»- ex cathedra).
gregationalismus) . Inferiority (lat.) Minderwertig-
Indeterminismus (lat.) „Nichtbe- keit, Rückständigkeit, unterge-
stimmtheit"; Lehre von der Un- ordnete Stellung.
bestimmtheit, vor allem die An- Infernum (lat.) Hölle, Unterwelt
schauung, die den menschlichen (ital. inferno).
Willen als nicht bestimmt, also infernalisch höllisch, teuflisch.
frei ansieht (Gg: -»- Determinis- Infinitum capax finiti (lat.) das
mus). Unendliche besitzt die Fähigkeit,
Index librorum prohibitorum (lat.) das Endliche zu umgreifen.
„Verzeichnis verbotener Bücher", Infralapsarismus (lat.) reformierte
eine Aufstellung der für Katho- Theorie, wonach die göttliche
Infralapsarismus 52
Prädestination erst nach dem Ketzern eingerichtet wurde (seit
Sündenfall wirksam wurde. 1215).
Infusionstaufe Taufe durch Begie- INRI (lat.) Abk. für JESUS NA-
ßen (vgl. -»- Submersionstaufe). ZARENUS REX JUDAEORUM
Ingressus (lat.) Einleitung (des = Jesus von Nazareth, König der
Beichtgottesdienstes). Juden (Überschrift über Jesu
Inhabitation (lat.) Einwohnung Kreuz).
(Gottes). Insignien (lat.) Ehrenzeichen,
Inhärenz (lat.) „Anhaften" der Ei- Kennzeichen von hochgestellten
genschaften an den Dingen. Amts trägem.
In hoc signo vinces (lat.) in die- Inspiration (lat.) „Eingebung",
sem Zeichen wirst du siegen (Vi- „Einhauchung", speziell: der
sion Kaiser Konstantins 312). göttliche Ursprung der Bibel
Initialen (lat.) Anfangsbuchstaben (2. Tim. 3, 16; 2. Petr. 1, 20—21).
eines neuen Kapitels, in alten (Vgl. —>- Personalinspiration, ->
Handschriften durch Größe und Realinspiration, -> Verbalinspi-
kunstvolle Ausmalung herausge- ration).
hoben, Namenszeichen. Installation (lat.) ursprünglich die
Initiation (lat.) Einführung, Ein- Einweisung eines Kapitulars
weihung (etwa durch „Initiations- (= Mitglied eines Domkapitels)
Riten") in einen höheren Stand, auf seinen Platz im Chorgestühl
zur Erlangung höherer Erkennt- (stallum = Chorstuhl), heute:
nisse (spez. in den Mysterienre- feierliche Amtseinführung.
ligionen). Instauration (lat.) Wiederaufrich-
Inkarnation (lat.) Fleischwerdung, tung, Erneuerung.
Menschwerdung Christi (Joh. 1, institutio (lat.) Einrichtung, Un-
14). terricht.
Inkunabeln (lat. incunabula = Integralismus (lat.) Richtung, wel-
Windeln) Wiegendrucke, Be- che alle Lebensgebiete (Schulwe-
zeichnung der frühesten Drucke sen, Kultur, Politik) aus dem ka-
bis etwa 1500, als die Buch- tholischen Anspruch heraus ge-
druckerkunst „noch in den Win- stalten will (integer = vollkom-
deln lag". men).
in partibus infidelium (lat.) „im Integration (lat.) Prozeß des Zu-
Gebiet der Ungläubigen", ehe- sammenwachsens zu einer orga-
mals Titelzusatz bei Bischöfen, nischen und heilen Einheit, Ein-
welche auf Bischofssitze geweiht gliederung in ein bestehendes
wurden, die im Lauf der Ge- Größeres.
schichte verlorengegangen waren. integrierend einen notwendigen
Inquisition (lat.) Untersuchung, Bestandteil einer Sache bildend,
Nachforschung, insbesondere: unerläßlich zu ihr gehörend.
ein geistliches Gericht der ka- Integrität Unversehrtheit, Unbe-
tholischen Kirche, das zur Auf- scholtenheit, Vollkommenheit.
spürung und Bestrafung von Intellekt (lat.) Verstand; Denkfä-
53 Introitus
higkeit im Gegensatz zu Gemüt unveränderlichen Verhältnissen
und Willen; auch der Verstand auf Erden rechnet (vgl. 1. Kor. 7,
im Gegensatz zur Vernunft. 29).
intellektuell (lat.) rein verstandes- Interkommunion (lat.) volle Abend-
mäßig, geistig. mahlsgemeinschaft zwischen ver-
Intellektualismus (lat.) einseitige schiedenen Kirchen.
Heranziehung des Intellekts interkonfessionell (lat.) die Gren-
unter Vernachlässigung von Füh- zen der Konfession überschrei-
len, Wollen und Tun. tend.
intelligibel (lat.) einsehbar, be- Interpolation (lat.) Einschaltung,
greifbar, denkbar, mit der Erfah- Texteinschaltung.
rung nicht erreichbar. Interpretament (lat.) interpretie-
intelligo ut credam (lat.) ich be- render Zusatz, der überlieferten
nütze den Verstand, um zum Texten zugefügt wird. So gilt
Glauben zu kommen (Formel des z. B. „im Geiste" als Interpreta-
Abälard, gest. 1142. Gg: ->• credo ment des Matthäus zum über-
ut intelligam). lieferten Wort Jesu: „Selig sind
Intention (lat.) Absicht (die Sa- die Armen" (Matth. 5, 3).
kramente verlangen eine posi- interpretatio romana (lat.) Deu-
tive „Intention" des Spenders tung germanisch-heidnischer
und des Empfängers). Bräuche und Kultgegenstände
Intentionalismus (lat.) Anschau- im Sinne der römischen Kirche.
ung, die „Absicht" bei einer interpretieren (lat.) auslegen, er-
Handlung entscheide über ihre klären.
Gültigkeit oder ihren sittlichen Interregnum (lat.) Zwischenherr-
Wert. schaft (nach dem Abgang eines
Interdikt (lat.) Verbot; kirchen- Herrschers bis zur Amtsübernah-
rechtliche Strafmaßnahme des me des neuen).
Papstes gegen Einzelne, Ge- Inthronisation Thronerhebung,
meinschaften, Länder (Verbot, feierliche Einsetzung eines neuen
den Gottesdienst abzuhalten und Bischofs oder Papstes.
das Abendmahl zu spenden). Intoleranz (lat.) Unduldsamkeit
Interim (lat.) „Zwischenzustand", gegenüber einem anderen Glau-
speziell: Verfügung Karls V. von ben, einer anderen Weltanschau-
1548, den evangelischen Gottes- ung.
dienst einstweilen wieder weitge- Intonation (lat.) „Einstimmung",
hend an katholische Formen an- Tonansatz, der vom Priester
zunähern. oder Kantor vorzusingende An-
Interimsethik Kennzeichnung der fang eines liturgischen Gesanges.
neutestamentlichen Ethik, die Introitus (lat.) „Eingang", Ein-
eine durch die Erwartung der leitung des Gottesdienstes, be-
baldigen Wiederkunft Christi stehend aus einem Schriftwort,
grundlegend beeinflußte Ord- schließend mit „Ehre sei dem
nung annimmt, also nicht mit Vater . . .".
introvertiert 54
introvertiert (lat.) nach innen ge- lah", Name der von Mohammed
wandt, zur inneren Verarbeitung gestifteten Religion, deren An-
von Erlebnissen fähig und bereit hänger „Moslem" heißen.
(Gg: extrovertiert). Itala Gruppe lateinischer Bibel-
Intuition (lat. intueri = hin- übersetzungen, die der -> Vul-
blicken, anschauen) Schau, eine gata vorausgeht (vgl. -> Vetus
rein geistige Schau, die ein un- Latina).
mittelbares Erfassen vermittelt Itazismus bereits im frühen Helle-
und den Umweg über Begriffe nismus einsetzende Aussprache
vermeidet. des griechischen Eta wie Ita, der
intuitiv geistig erschauend, einer altgriechischen E-Laute wie
Eingebung folgend. langes I. Erasmus führte wieder
Invariata (lat.) die „Unveränderte die E-Aussprache ein.
(Augsburger Konfession)". Ite, missa est (lat.) „Geht, (die
Investitur (lat.) „Einkleidung", Ein- Versammlung) ist entlassen!";
setzung eines Bischofs, Einwei- alte Entlassungsformel im röm.-
sung in ein Pfarramt. kath. Gottesdienst, ursprünglich
Invokavit (lat.) „Er rief (mich) zur Entlassung der Katechume-
an", Bezeichnung des 1. Sonn- nen v o r dem Abendmahl, wo-
tags der Passionszeit (nach Psalm raus das Wort -> Messe ent-
91, 15). stand.
involvieren (lat.) einschließen, in
sich begreifen, enthalten.
Inzest (lat.) Blutschande; Ge-
schlechtsverkehr mit Verwandten, Jahvist, Jahwist (hebr.-lat.) Ver-
mit denen die Ehe untersagt ist. fasser der Quellenschrift des ->•
ipsissima vox Jesu (lat.) die Je- Hexateuch, der für Gott den
susstimme selbst (im Unterschied Namen Jahve (Jahwe) gebraucht
zu Formulierungen, die erst im (Gg: ->- Elohist).
apostolischen Zeitalter entstan- Jakobiten Anhänger der syrischen
den sind). -> monophysitischen National-
ironisch (gr.) friedlich, auf Ver- kirche nach dem Bischof Jakob
söhnung bedacht. Baradai von Edessa (541—578).
Ironie (gr.) Redeweise, bei der mit Jambus (gr.) Versfuß, der aus
verstecktem oder unverhohlenem einer Kürze und einer Länge be-
Spott das Gegenteil des Ge- steht (z. B. „Erhalt uns, Herr, bei
meinten gesagt wird. deinem Wort"). Mehrzahl: Jam-
irrational (lat.) jenseits des ver- ben.
standesmäßig Erfaßbaren lie- Jansenismus romfeindliche, auf
gend, mit Begriffen nicht zu er- Augustin zurückgreifende theo-
schöpfen (Gg: -> rational). logische Richtung des 17./18.
irreligiös (lat.) religionslos. Jahrh. in Frankreich, Belgien
irresistibilis (lat.) unwiderstehlich, und Holland (nach dem nieder-
Islam (arab.) „Ergebung in Al- ländischen Theologen Cornelius
55 justificatio forensis
Jansen, gest. 1638), die gekenn- derts (nach Kaiser Joseph II.,
zeichnet war durch Abneigung gest. 1790).
gegen die Philosophie, starke Jubilate (lat.) Bezeichnung des 3.
Betonung der Schrift, sittliche Sonntags nach Ostern nach dem
Strenge und eine mystische alten Eingangsvers des Gottes-
Frömmigkeit. Von Rom 1656 und dienstes aus Psalm 66,1 „Jubelt!"
1713 verurteilt. „Jauchzet!".
Jehova alte, aber unrichtige Le- Judaika Bücher über das Juden-
sung für „Jahve", entstanden tum.
durch Vermischung mit den im Judaisten judenchristliche geset-
hebräischen Text beigeschriebe- zestreue Richtung im frühen
nen Vokalzeichen von - > Adonai. Christentum, von Paulus be-
Jehovist der unbekannte Redak- kämpft.
tor, der das Buch des —>- Jah- Judicum (lat.) Buch der Richter
visten mit dem des -»- Elohisten (im AT).
zusammenfaßte. Judika (lat.) Bez. des 5. Sonntags
Jesuit Angehöriger der - > Socie- in der Passionszeit nach dem alt-
tas Jesu, des von Ignatius von kirchlichen Eingangsvers aus
Loyola 1540 gegründeten Or- Ps. 43,1.
dens. juridisch (lat.) der Rechtswissen-
jiddisch deutsch-jüdische Sprache schaft entsprechend.
oder Sprechart der Ostjuden, in Jurisdiktion (lat.) Gerichtsbarkeit
der auch literarische Werke er- (weltliche und geistliche), Recht-
schienen sind und die heute noch sprechung.
von Gruppen im Staat Israel ge- jus canonicum (lat.) Kirchenrecht.
sprochen wird. jus divinum (lat.) göttliches Recht.
Job katholische Form des Namens jus humanum (lat.) menschliches
Hiob. Recht.
Jobeljahr (hebr.) „Jahr des Wid- jus talionis (lat.) das Recht
derhorns", mit Hörnerschall (des- gleicher Vergeltung (Matth. 5,
halb „Halljahr") verkündetes 50. 38).
Feierjahr im AT (3. Mose 25, jns reformandi (lat.) das Recht des
10—12). Fürsten, eine bestimmte Konfes-
Jom Kippur (hebr.) Versöhnungs- sion in seinem Land zuzulassen
tag; höchstes jüdisches Fest am oder auszuschließen.
10. Tischri = Ende September justificatio (lat.) Rechtfertigung,
(3. Mose 16). Gerechtsprechung.
jonisch (gr.-lat.) altgriechische Ton- justificatio effectiva (lat.) die
art; in der alten Kirchenmusik schöpferisch wirksame Rechtfer-
die dem heutigen C-Dur entspre- tigung, die den Menschen er-
chende Tonart. neuert und aus ihm einen fak-
Josephinismus aufgeklärte katho- tisch „Gerechten" macht (Gg: ->
lische Staatskirchenpolitik im justificatio forensis).
Österreich des 18./19. Jahrhun- justificatio forensis (lat. forum =
justificatio forensis 56
Gericht) die Rechtfertigung, so- der Kreuzigung Jesu ( = Gol-
weit sie eine Gerechtsprechung gatha).
vor dem Gericht Gottes ist, durch Kalvarienberg (lat.) Nachahmung
die er den Sünder gnadenweise der biblischen Kreuzigungsstätte
für gerecht erklärt. an Wallfahrtsorten.
justifia civilis (lat.) bürgerliche Kamisarden hugenottische Bauern
Gerechtigkeit, Ehrbarkeit. in den französischen Cevennen,
justitia originalis (lat.) die ur- die sich gegen Ludwig XIV. er-
sprüngliche Gerechtigkeit ( = hoben.
Zustand des Menschen vor dem Kandidat (lat. candidatus = weiß-
Sündenfall). gekleidet) in der Prüfung Stehen-
der, auch Bewerber um ein Amt.
Kanon (gr.-lat.) Maßstab, Richt-
Kaaba (arab.) „Würfel"; schwar- schnur. Sammlung heiliger Bü-
zer Steinbau in der großen Mo- cher; das eindeutig abgegrenzte
schee von Mekka, Hauptheilig- Buch des AT und NT, wie es im
tum des Islam. Ausscheidungsprozeß gegen häre-
Kabbala (hebr.) „Überlieferung"; tische Wucherungen und Speku-
überlieferte jüdische Geheim- lationen entstand, wobei der Ka-
lehre des Mittelalters mit ->• non des NT durch Athanasius
allegorischer Deutung des AT 367 in seinem heutigen Umfang
und stark magischem Einschlag. von 27 Schriften festgelegt wur-
kabod (hebr.) Ehre, Herrlichkeit. de. — In der Musik: Singrad,
kahal (hebr.) Versammlung, Ge- Kettengesang, das sich selbst no-
meinde. tengetreu und in bestimmten Ab-
Kairos (gr.) die erfüllte Zeit ständen begleitende Thema.
(Mk. 1,15; Gal. 4, 4), der Augen- kanonisch zum Kanon der Heili-
blick wesentlicher Entscheidun- gen Schrift gehörend (Gg: ->•
gen, der günstige Augenblick. apokryph).
Kalif (arab.) „Stellvertreter"; Ti- Kanoniker Domherr, Chorherr.
tel des weltl. Oberhaupts des Kanonisation Heiligsprechung ( =
Islam, Nachfolger Mohammeds. Aufnahme in den amtlichen Ka-
Kalifat Amtsbereich oder Regie- non der Heiligen, erstmals 993),
rungszeit eines Kalifen. der ein Heiligsprechungsprozeß
Kalixtiner (lat. calix = Kelch) vorausgeht.
gemäßigte Richtung der Hus- Kantate (lat.-ital.) Kirchenmusik-
siten, die 1420 den Laienkelch form, mehrteilige Komposition
forderten (auch ->• Utraquisten für Solisten oder (und) Chor mit
genannt). Instrumentalbegleitung. Bezeich-
Kalokagathie (gr. kalos = schön, nung des 4. Sonntags nach
agathos = gut) das Ideal des Ostern nach dem alten Eingangs-
edlen Menschen (bei Sokrates vers Ps. 98, 1.
und Plato). Kantor (lat.) Vorsänger, Leiter
Kaivaria (lat.) Schädelstätte, Ort eines Kirchenchors.
57 Kasuistik
Kapital, Kapitell (lat. capitellum ßigkeit), Tapferkeit. Auch Be-
= Köpfdien) Kopfstück einer zeichnung für die 3 christlichen
Säule, oberer Pfeilerabsdiluß. Tugenden: Glaube, Liebe, Hoff-
Kapitale ursprünglich auf Felsen nung.
und Steinen eingemeißelte, gleich Karfreitag (altdeutsch karen =
hohe und unverbundene rö- wehklagen) Klagefreitag, Tag der
mische Monumentalschrift. Kreuzigung Jesu.
Kapitalsünden jene Sünden, die Karma, Karman (sanskrit) „Werk",
anfänglich allein in der Ohren- „Tat"; in der indischen Religio-
beichte bekannt werden mußten sität die Summe der in einer
und unter denen Götzendienst, Existenz erzeugten moralisch be-
Ehebruch und Mord an erster deutsamen Willensregungen oder
Stelle standen. das „Gesetz der Vergeltung",
Kapitel (lat.) Vereinigung der nach dem alles Gute und Böse
Geistlichen einer Kirche (Dom- im menschlichen Leben angerech-
kapitel). net wird, was sich auf das Dasein
Kapitular Domherr, Mitglied eines nach dem Tode (im Himmel oder
Kapitels. in der Hölle oder wiederverkör-
Kaplan (lat.) „Kapellengeistlicher", pert als Mensch, Tier oder Pflan-
katholischer Hilfsgeistlicher oder ze) auswirkt.
Geistlicher mit besonderen Auf- Kasel (lat.) das Meßgewand des
gaben. katholischen Priesters in Form
Kappadozier Benennung der drei eines Überwurfs.
Kirchenväter Basilius d. Gr. Kaste (lat. castus = rein) ge-
(gest. 379), Gregor von Nazianz schlossene Gesellschaftsschicht,
(gest. etwa 390) und Gregor von sich streng abschließender Stand.
Nyssa (gest. nach 394), die sich Kastration (lat.) Entmannung,
lehrmäßig sehr nahestehen. Verschneidung.
Kapporeth (hebr.) Deckel der Kasualicn (lat.) „Zufälligkeiten";
Bundeslade ( = Sühnegerät). geistliche Amtshandlungen aus
Karäer (hebr.) „Schriftkundiger", besonderem Anlaß (Taufe, Trau-
Anhänger einer ostjüdischen ung usw.).
Sekte, seit dem 8. Jahrhundert, Kasualismns altgriech. Anschauung,
die den ->• Talmud und die rab- nach der die Welt durch Zufall
binische Überlieferung verwirft. entstanden sei und sich zufällig
Kardinal (lat. cardo = Türangel, entwickelt habe.
Hauptsache) nach dem Papst Kasuistik Anwendung allgemeiner
höchster Würdenträger der ka- Moralsätze auf einen Einzelfall
tholischen Kirche (mit dem Recht ( = casus). Lehre von den „Ge-
der Papstwahl). wissensfällen". Teil der Sitten-
Kardinaltagenden die 4 Grund- lehre (Ethik), der für mögliche
tugenden der altgriechischen Fälle des praktischen Lebens im
Philosophie: Weisheit, Gerech- voraus an Hand eines Systems
tigkeit, Besonnenheit (oder Mä- von Geboten das rechte Verhal-
Kasuistik 58
ten bestimmt, was zur Entlee- Gattung, Begriffsreihe.
rung der persönlich zu verant- Kategorischer Imperativ ein von
wortenden Entscheidung und zu Immanuel Kant geprägter Be-
einem unchristlichen Gesetzes- griff: die unbedingte Verpflich-
denken führen kann. Das Wort tung zu einer sittlichen Haltung.
K. wird auch abwertend ge- „Handle so, daß die Maxime
braucht: Wortverdrehung, Haar- deines Willens jederzeit zugleich
spalterei. als Prinzip einer allgemeinen Ge-
kasuistisch die Grundsätze der setzgebung gelten könnte" (Kri-
Kasuistik befolgend; übertragen: tik der praktischen Vernunft § 7).
spitzfindig, sophistisch. kat' exochen (gr.) urbeispielhaft,
Katabasis (gr.) das „Niedersteigen" im eigentlichen Sinne, dem
Christi auf die Erde, in das To- Grundbegriff gleichkommend (ihn
tenreich. sozusagen verkörpernd).
Katafalk (gr.-franz.-ital.) Gerüst- Katharer (gr.) „die Reinen"; Be-
bau für einen Sarg bei Beerdi- zeichnung altkirchlicher strenger
gungsfeiern. Sekten, speziell der -> Albigen-
Katakombe (gr.) unterirdische Be- ser im 12. Jahrhundert (davon:
gräbnisstätte der ersten Christen Ketzer).
(besonders in Rom, Neapel, Si- Katheder (gr.) Lehrstuhl, Pult.
zilien). Kathedrale (gr.) bischöfliche oder
Katechese (gr.) „Entgegentönen"; erzbischöfliche Hauptkirche in
Religionsunterricht in Frage und romanischen und angelsächsi-
Antwort. schen Ländern (in Deutschland
Katechetik Lehre von der rechten Dom oder Münster genannt).
Form christlicher Unterweisung Kathedralentscheidung unfehlbare
in Schule und Kirche. Lehrentscheidung des Papstes (->
Katechismus Lehrbuch, besonders: ex cathedra).
des christlichen Glaubens im Katholikos (gr.) Titel des Patri-
Frage-Antwort-Schema. archen der armenischen Kirche
Katechumenat ursprünglich: die und anderer Ostkirchen.
Vorbereitung der Katechumenen, katholisch (gr.) „allgemein", die
der Taufbewerber; heute: Ge- ganze Erde umfassend, insbe-
samtbezeichnung für den kirch- sondere die röm.-katholische
lichen Glaubensunterricht in Ge- Kirche betreffend.
meinde, Schule und Elternhaus. Katholische Aktion Laienbewe-
Kategorie (gr. kategorein = aus- gung zur inneren und äußeren
sagen) bei Aristoteles Seinsweise Stärkung katholischer Lebens-
des Seienden und die Aussage- führung und Durchdringung der
weise davon; bei Kant sind die Welt mit katholischem Geist
Kategorien Verstandesbegriffe a (1926 begründet).
priori (Substanz, Qualität, Quan- Katholische Briefe die allgemeinen,
tität usw.) und Grundformen der d. h. nicht an bestimmte Empfän-
Erfahrung. Allgemeiner: Klasse, ger gerichteten Briefe des NT,
59 Koadjutor
auch „Kirchenbriefe" genannt Kenotaph (gr.) leeres Grab zur
(Petrus, Johannes, Jakobus, Ju- Erinnerung an einen anderwärts
das). ruhenden Toten.
Katholizität die allgemeine Ver- Kerygma (gr. keryx = Herold,
breitung und umfassende Gül- Bote) Verkündigung, Anrede,
tigkeit als Eigenschaft der ka- Predigt, speziell: des Evange-
tholischen Kirche. liums.
kausal (lat.) ursächlich, in ur- kerygmatisch zur Verkündigung
sächlichem Zusammenhang, dem gehörend, predigend, in der
Kausalgesetz entsprechend. neueren Theologie Betonung des
Kausalität gesetzmäßiger Zusam- kerygmatischen Charakters der
menhang von Ursache und Wir- Hl. Schrift (-> Formgeschichte).
kung, der im Kausalgesetz so Kethubim (hebr.) „die Schriften",
ausgedrückt wird: gleiche Ur- der 3. Teil des AT (Psalmen,
sachen haben gleiche Wirkungen. Sprüche, Hiob, die 5 -> Megil-
Das Kennzeichen der physika- loth, Esra, Nehemia, Chronik).
lischen Kausalität wurde von Ketib (hebr.) „das Geschriebene",
Max Planck so formuliert: „Ein im Text des AT weiterüberlie-
Ereignis ist dann kausal be- ferte, weniger gute oder fehler-
dingt, wenn es mit Sicherheit hafte Lesart im Unterschied zu
vorausgesagt werden kann." In der am Rand vermerkten Lesart
der Makrophysik gilt die Kausa- (Qere = lies!).
lität als bewiesen; in der Mikro- Kismet (arab.) „Zugeteiltes"; un-
weit bleibt die kausale Ver- abwendbares, von Gott be-
knüpfung infolge des Wirkungs- stimmtes Schicksal, das hinzu-
quantums gänzlich undurchsich- nehmen ist.
tig. klasis ton artou (gr.) das Brechen
Kausalnexus Ursache und Wir- des Brotes (beim Abendmahl).
kung als eine aus der Vergangen- Klausur (lat.) abgeschlossener Auf-
heit kommende, durch die Ge- enthalts- und Arbeitsraum.
genwart hindurchlaufende und Klerus (gr. Los, Anteil) Geistlich-
in der Zukunft verschwindende keit, Priesterschaft.
Kette. Kleriker katholischer Geistlicher
Kausalprinzip die Überzeugung, (Gg: ->- Laie).
daß jedes Geschehen eine Ur- Klerikalismus politische Richtung,
sache voraussetzt, daß jedes Sei- die für überstarken Einfluß der
ende verursacht ist. katholischen Kirche im öffent-
kausativ veranlassend, verursa- lichen Leben eintritt.
chend. Klimax (gr.) „Treppe", Steigerung
Kenosis (gr.-lat.) „Ausleerung"; in der Rede durch Verwendung
Lehre, daß Christus (bzw. der ->• sich steigernder Ausdrücke, meist
Logos) sich seiner göttlichen Ge- dreigliedrig.
stalt entäußert habe, um Mensch Koadjutor (lat.) „Beihelfer", Ge-
zu werden (Phil. 2, 6). hilfe, der einem (durch Alter
Koadjutor 60
oder Krankheit behinderten) Kollekte (lat.) Geldsammlung zu
kirchlichen Würdenträger beige- kirchlichen Zwecken. In der Li-
ordnet ist. turgie: das Gebet vor der Schrift-
Kodifikation (lat.) systematische lesung.
Erfassung aller einzelnen Rechts- Kollektiv (lat.) Gemeinschaft, Ar-
normen eines Sachgebiets in beitsgemeinschaft, durch Inter-
einem Gesetzbuch. essengemeinschaft entstandene
Koedukation (lat.) gemeinsame Er- Gruppe.
ziehung von Jungen und Mädchen Kollektivismus eine Weltanschau-
(außerhalb der Familie). ung, in welcher der Einzelne nur
Koexistenz (lat.) „Zusammenbe- noch Glied im gesellschaftlichen
stehen", gleichberechtigtes Ne- Ganzen ist und seine persönliche
beneinanderleben verschiedener Eigenständigkeit verloren hat.
Daseinsformen oder Gesellschafts- kollektives Unbewußtes das der
systeme. Gesamtseele innewohnende Un-
kognitiv (lat.) die Erkenntnis be- bewußte, die kollektive Ge-
treffend, erkenntnismäßig. stimmtheit, das Gattungs-Ge-
Kobälät (hebr.) Bezeichnung des dächtnis, in dem unabhängig von
Buches „Prediger Salomo" ( = der Erfahrung des Einzelnen die
Ekklesiastes). Urerfahrungen der Menschheit
Koimeterien (gr.) „Schlafstätten", ihren Niederschlag gefunden
die altchristlichen Grabanlagen. haben (nach C. G. Jung, gest.
Koine (gr.) „die allgemeine (Spra- 1961).
che)"; die griechische Schrift- und Kollision (lat.) Zusammenstoß,
Umgangssprache in der Zeit des Aufeinanderprall von unverein-
Hellenismus, die sich vom klassi- baren Gegensätzen.
schen Griechisch entfernt hatte. Kollision der Pflichten Widerstreit
Ferner bezeichnet man mit „Koi- zweier Pflichten, deren Erfüllung
ne" eine Textfassung des NT, die sich gegenseitig ausschließt (oft
uns in Handschriften des 8.—10. auch nur: nicht gleichzeitig er-
Jahrh. vorliegt (auch „Reichstext" füllbare Pflichten).
genannt), und die Erasmus für Kolloquium (lat.) Gespräch, wis-
seine Ausgaben (ab 1516) be- senschaftliche Unterhaltung als
nutzte, welche Luther dann sei- Ersatz für eine Prüfung.
ner Verdeutschung zugrunde Kolophon (gr.) „Abschluß"; am
legte. Schluß früher Drucke stehende
kollationieren (lat.) eine Abschrift Nennung des Verfassers, Druk-
mit dem Urtext vergleichen; Kor- kers, Druckortes usw.
rekturfahnen mit dem Manu- Kolportage (franz.) Vertrieb von
skript vergleichen. Druckwerken (zumeist als Klein-
Kollegium (lat.) Körperschaft von schrifttum) von Haus zu Haus.
Angehörigen des gleichen Berufs Kommentar (lat.) wissenschaft-
oder Amts, Lehrkörper an liche Erläuterung, Auslegung mit
Schulen, Unterrichtsanstalt. Anmerkungen.
61 Kongregationalismus
Kommunikant (lat.) Empfänger des Kondeszendenz (lat.) die gnädige
Altarsakraments, Abendmahls- Herablassung Gottes zu seinen
gast. Geschöpfen (etwa in der bi-
Kommunikation (lat. communicare blischen Offenbarung).
= sich besprechen mit) Verbin- Kondolenz (lat.) Beileidserwei-
dung, Mitteilung, Verkehr. Spe- sung.
ziell: das hörende, anteilneh- Konfession (lat.) Bekenntnis, Glau-
mende und verantwortlich tätige bensbekenntnis, Kirchenzugehö-
Geöffnetsein des Menschen für rigkeit.
den anderen. Konfessionalismus übermäßige Be-
Kommunion (lat.) „Gemeinschaft", tonung der eigenen Bekenntnis-
Empfang des Altarssakraments. gemeinschaft.
Kommunität (lat.) „Gemeinschaft", Konfessionskunde Wissenschaft von
Lebens- und Wohngemeinschaft den Konfessionskirchen.
christlicher Brüder oder Schwe- Konfirmation (lat.) „Bestärkung
stern. (im Glauben)"; Aufnahme in die
Kompendium (lat.) knapp ge- evangelische Gemeinde mit Zu-
faßtes Hand- oder Lehrbuch. lassung zum heiligen Abend-
Kompetenz (lat.) Zuständigkeit, mahl, Einsegnung.
Sachkunde, Maßgeblichkeit. Konf itient (lat.) Beichtender, Beicht-
Kompilation (lat. compile» = aus- kind.
plündern) aus mehreren Werken Konformismus (lat.) Geisteshal-
zusammengetragene Darlegung tung, die stets auf Anpassung an
ohne eigenständigen wissen- die herrschende Meinung aus ist.
schaftlichen Rang. Konformist (lat.) Anhänger der
komplementär (lat.) ergänzend. anglikanischen Staatskirche; Ver-
Komplet (lat.) liturgisches Abend- treter des Konformismus.
schlußgebet. Konfrater (lat.) Mitbruder, geist-
Komplex (lat.) ein Ganzes, Zu- licher Amtsbruder.
sammenhängendes. In der Psy- Konfuzianismus die auf dem Le-
choanalyse: Ängste oder Wün- ben des Konfuzius oder Kung-
sche, die das Seelenleben eines tse (gest. 479 v. Chr.) fußende
Menschen beherrschen. ethische, weltanschauliche und
Komplexität Mehrsinnigkeit und staatspolitische Geisteshaltung
Spannungsreichtum eines Be- Chinas und Ostasiens (eigentlich
griffs; Vorgang, der mehrere Ur- keine Religion).
sachen hat, so daß eine einlinige Kongregation (lat.) Vereinigung,
Begründung nicht ausreichend ist. Genossenschaft. Im Katholizis-
Komponente (lat.) Bestandteil eines mus: kirchliche Gemeinschaft mit
Ganzen, Teilkraft, Teilursache. einfachen Gelübden; auch Ver-
komponieren (lat.) „zusammen- einigung mehrerer Klöster des-
setzen"; Musik schaffen. selben Ordens.
Komtur (lat.) Ordensritter mit Kongregationalismus von der an-
Verwaltungsauftrag. glikanischen Kirche gelöste Kir-
Kongregationalismus 62
chengemeinschaft calvinisch-puri- wirklich Bestehende und Erfaß-
tanischer Prägung, die sich auf bare; anschaulich, greifbar (Gg:
unabhängigen Einzelgemeinden ->- abstrakt).
aufbaut und die völlige Unab- Konkubinat (lat.) dauernde außer-
hängigkeit vom Staat vertritt. eheliche Geschlechtsgemeinschaft;
Vor ihrem Zusammenschluß 1891 wilde Ehe.
wurden die Kongregationalisten Konkupiszenz (lat.) sinnliche Be-
auch -»- Independenten genannt. gehrlichkeit, Verlangen.
kongruieren (lat.) übereinstim- Konkurs (lat.) „Zusammentreffen";
men, sich decken. Bewerbung mehrerer um die
Konjektur (lat.) Vermutung; ver- gleiche Stelle; Prüfung der Be-
mutete Lesart für einen lücken- werber.
haften, verdorbenen oder unver- Konsekration (lat.) Einsegnung,
ständlichen Text. Einweihung. Nach katholischer
Konklave (lat) von der Außen- Lehre erfolgt die Verwandlung
welt abgeschlossene Kardinals- von Brot und Wein durch die
versammlung bei einer Papst- Konsekration, d. h. das Sprechen
wahl. der Einsetzungsworte.
Konkomitanz (lat.) „Begleitung"; Konsens (lat.) Einwilligung, Er-
katholische Anschauung, daß laubnis; Übereinstimmung.
Fleisch und Blut in jeder der Konsensns-Union Vereinigung von
beiden Gestalten der Eucharistie Konfessionskirchen auf Grund in-
(Brot und Wein) enthalten sei, nerer Übereinstimmung, wobei
so daß die Kelchentziehung die die verbleibenden Unterschiede
Wirkung nicht mindere. als nicht kirchentrennend beur-
konkordant (lat.) übereinstimmend; teilt werden (Gg: Verwaltungs-
Bezeichnung einer Übersetzung, Union, etwa in Lippe).
bei der ein Wort der Ursprache Konservativismus (lat.) eine
stets mit dem gleichen deutschen Grundhaltung, die auf Erhaltung
Wort wiedergegeben wird. des Überkommenen (in Kirche,
Konkordanz (lat.) „Übereinstim- Volk, Schulwesen usw.) bedacht
mung"; alphabetische Übersicht ist und dabei oft das Herge-
über gleiche Dinge behandelnde brachte als übereinstimmend mit
Stellen eines Schriftwerks (etwa dem Gottgewollten ansieht.
der Bibel). Konsistorium (lat.) In der ev. Kir-
Konkordat (lat.) „Übereinkommen"; che oberste Kirchenbehörde
Vertrag zwischen einem Staat ( = Landeskirchenamt). In der
und der katholischen Kirche. röm. Kirche Kardinalsversamm-
Konkordienbuch maßgebende lung unter Vorsitz des Papstes.
Sammlung der altkirchlichen Be- konstantinisch die durch Kaiser
kenntnisse und der lutherischen Konstantin 313 geprägte Kirchen-
Bekenntnisschriften (1580). form, in der Staat und Kirche den
konkret (lat. concretus = geron- Charakter eines jeweiligen Ge-
nen, verdichtet) das als Einzelnes genüber verloren haben.
63 Konvolut
Konstitutionen (lat.) päpstliche gebiet entgegengesetzt sind. Zu-
Erlasse mit Gesetzeskraft, gespitzt: die entgegengesetzten
konstitutiv (lat.) objektiv bestim- Endglieder einer Reihe.
mend, das Wesen einer Sache Kontrafakt (lat.) geistliche Um-
ausmachend. dichtung eines weltlichen Liedes
Konsubstantiation (lat.) Lehre (seltener umgekehrt) unter Bei-
Luthers, daß sich im Abendmahl behaltung der Melodie (Beispiel:
Leib und Blut Christi mit Brot „O Welt, ich muß dich lassen"
und Wein verbinde, ohne ihre nach „Innsbruck, ich muß dich
Substanz zu verwandeln, so daß lassen").
sie also mit den Substanzen von Kontrapunkt (lat.) „Note gegen
Brot und Wein koexistieren Note"; ein Tonsatz, bei dem sich
(Gg: -»- Transsubstantiation). melodisch selbständige Stimmen
Kontemplation (lat.) Schauen, Be- um eine gegebene Melodie bewe-
trachtung, anschauende Versen- gen.
kung unter Ausschaltung alles Kontroverse (lat.) wissenschaftliche
Wollens (vor allem in der My- Streitfrage, Auseinandersetzung.
stik). Kontroverstheologie Zweig der
Kontext (lat.) der umgebende Text Theologie, der sich mit den durch
eines Wortes, die vorausgehen- die benachbarten Konfessionen
den und folgenden Verse, die für vertretenen Lehraussagen be-
die Auslegung bedeutungsvoll schäftigt.
sind. Konventikel (lat.) Zusammenkunft
Kontingenz (lat. contingens = kleiner Kreise zur privaten Er-
zufällig, benachbart, sich berüh- bauung (außerhalb der Groß-
rend) Zufälligkeit des Gesche- kirche).
hens; in der scholastischen Phi- Konventualen (lat.) stimmberech-
losophie die innere Endlichkeit tigte Klostermitglieder; im Bet-
eines Seienden: das Seiende ist telorden die weniger strenge
nicht notwendig, sondern be- Gruppe (Gg: -> Observanten).
gründet von einem anderen, von Konversion (lat.) Bekehrung, Glau-
dem es sein Sein „hat" (dem benswechsel.
Schöpfer). So ist „Kontingenz" Konvertit (lat.) ein zu einem an-
das philosophische Gegenstück deren Glauben Übergetretener
zum theologischen Begriff der (früher nur von der Gemeinschaft
„Geschaffenheit". gebraucht, welcher der Betref-
Kontinuität (lat.) Stetigkeit, lük- fende beitrat; einen Austretenden
kenloser Zusammenhang, Inein- nannte man „Pervertit").
anderübergehen. Konvikt (lat.) Wohn- und Lebens-
kontradiktorisch (lat.) widersprüch- gemeinschaft (von Studenten, Vi-
lich, gegensätzlich, einander aus- karen).
schließend. Konvolut (lat.) Band mit verschie-
konträr (lat.) Begriffe, die inhalt- denen kleineren Drucksachen (vor
lich auf einem bestimmten Sach- allem in Bibliotheken üblich).
Konzelebration 64
Konzelebration (lat.) die gemein- stechlichkeit; speziell: Textver-
sam durch mehrere Priester voll- derbnis.
zogene -»• Eucharistiefeier. koscher (hebr.) tauglich, rein im
Konzeption (lat.) Entwurf eines Sinn der jüdischen Speisegesetze.
Werkes, Idee einer Ordnung, Kosmogonie (gr.) „Welterzeugung",
geistiger oder künstlerischer Ein- Schöpfungsmythus, vorwissen-
fall. schaftliche Lehre von der Welt-
Konzil (lat.) „Versammlung", Kir- entstehung.
chenversammlung auf ökumeni- Kosmologie (gr.) Lehre von der
scher Grundlage (im Sinn der Weltordnung.
Frühzeit). Kosmologischer Gottesbeweis der
Konziliarismus in der römischen aus der sinnvollen Weltordnung
Kirche die Theorie des 12./13. erhobene Beweis für das Dasein
Jahrhunderts, das Konzil stehe Gottes.
über dem Papst; vom I. Vatika- Kosmopolit (gr.) Weltbürger.
nischen Konzil endgültig verur- Kosmos (gr.-lat.) Weltall, Welt-
teilt. ordnung, die Welt als ein geord-
konziliant (ital.) umgänglich, ver- netes und harmonisches Ganzes
bindlich, freundlich. (Gg: -> Chaos).
Kooperation (lat.) Zusammenwir- kosmisch das Weltall betreffend,
ken. aus dem Weltall stammend.
Kopulation (lat. copula = Band) Krasis (gr.) Mischung, Verschmel-
Trauung, eheliche Verbindung. zung zweier Wörter zu einem.
Koran (arab. Alkoran = »Le- Kreatianismus (lat.) „Schöpfungs-
sung") das heilige Buch der Mo- lehre"; scholastische Ansicht, daß
hammedaner, nach islamischer durch die Zeugung nur der Leib
Überlieferung auf unmittelbaren entsteht, die Seele aber von Gott
Eingebungen des Erzengels Ga- aus dem Nichts erschaffen und
briel an Mohammed beruhend, mit dem Leib vereinigt wird.
mit 114 Suren (Kapiteln). Dabei wird betont, die Seele exi-
Korban (hebr.) Opfer, Gabe (Mark. stiere nicht vor ihrer substantiel-
7, 11). len Einheit mit dem Leib (Gg:
Korporale (lat.) „Leibtuch"; qua- Seelenwanderung).
dratisches Leinentuch als Unter- Kreatur (lat.) Geschöpf, Lebe-
lage für den Hostienteller. wesen. Im abwertenden Sinn:
Korrektiv (lat.) Besserungsmittel, abhängige Person, Günstling,
Ausgleichsmittel. gehorsames Werkzeug.
Korrelat (lat.) Wechselbegriff, Er- Krematorium (lat.) Einäscherungs-,
gänzung. Ein Wort, das ohne ein Verbrennungsanstalt.
anderes nicht gedacht werden Krisis (gr.-lat.) Entscheidungs-
kann, das mit einem anderen in situation, Wendepunkt; Schwie-
wechselseitiger Beziehung steht rigkeit, Klemme.
(z. B. Gatte — Gattin). Kriterium (gr.-lat.) Kennzeichen,
Korruption (lat.) Sittenverfall, Be- unterscheidendes Merkmal, Prüf-
65 Làbadisten
stein. der Kirche.
Kritizismus (gr. krinein = richten, Kurrende (lat.) früher: .Schüler-
prüfen) das von Kant eingeführte chor, der bei Beerdigungen und
Verfahren, vor Aufbau einer auf den Straßen und Plätzen
Metaphysik die Möglichkeiten sang. Heute: Chor, der geistliche
und Grenzen des menschlichen Musik singt (Studenten-Kur-
Erkenntnisvermögens zu erfor- rende, Jugend-Kurrende).
schen. Kybernese, Kybernetik (gr.) All-
Kruzifix (lat.) plastische Darstel- gemein: Forschungsrichtung, wel-
lung des gekreuzigten Christus. che die Steuerungs- und Rege-
Krypta (gr.) „die Verborgene"; lungsvorgänge in Technik, Bio-
eine unter dem Chor liegende logie und Soziologie erforscht.
kleine Tiefkapelle, die oft als Der Ausdrude „Kybernetik"
Beisetzungsstätte von Fürsten wurde 1949 von Norbert Wiener
und Kirchenführern benutzt geprägt. — In der Theologie:
wurde (vor allem in romanischen Lehre von der Kirchen- und Ge-
Kirchen). meindeleitung (1. Kor. 12, 28).
Kryptokalvinisten Anhänger der Kyniker (gr. kyon = Hund) Phi-
Theologie Melanchthons, die in losophenschule im alten Hellas,
der Abendmahlslehre den Calvi- die Bedürfnislosigkeit und Selbst-
nisten zuneigten. genügsamkeit forderte, was in
Kult (lat. colère = pflegen, ver- römischer Zeit bis zur Verneinung
ehren) Gottesverehrung, Gottes- aller Kulturwerte führte („zy-
dienst. nisch").
kultisch auf den Gottesdienst Kyrie eleison (gr.) „Herr, erbarme
bezogen, gottesdienstlich. dich!" (auch: Kyrieleis).
Kumulation (lat.) Anhäufung; Äm- Kyrillische Schrift ein kirchensla-
terhäufung in einer Hand. wisches Alphabet, das auf die
Kurat (lat.) katholischer Geist- griechischen -> Majuskeln zu-
licher in der Seelsorge, speziell: rückgeht (genannt nach dem
Hilfspfarrer mit eigenem Seel- Slawenapostel Kyrill).
sorgebezirk. Kyrios (gr.) „Herr", „Gebieter", in
Kuratorium (lat.) Aufsichtsbehörde der griechischen Übersetzung des
von öffentlichen Körperschaften AT der Begriff für „Jahwe" bzw.
oder privaten Institutionen. für Adonai, im Mund der Ur-
Kurialismus Streben nach Steige- gemeinde der rühmende und an-
rung der päpstlichen Macht; kir- betende Name für Jesus Christus
chenrechtliche Richtung, die der (schon aramäisch bezeugt 1. Kor.
Kurie die oberste Gewalt zu- 16, 22).
spricht (Gg: - > Episkopalismus).
Kurie (lat.) „Versammlung"; in
der röm.-kath. Kirche die päpst- Labadisten eine auf den refor-
liche Behörde und Beamtenschaft mierten Prediger Jean de Laba-
zur Regierung und Verwaltung die aus Middelburg in Holland
Labadisten 66
(1610—1674) zurüdegehende Ge- Laudamus (lat.) „wir loben dich",
meinschaft, die eine sozialistisch die „große" -*- Doxologie der
geprägte Gemeinde der wahren Festtagsliturgie.
Gläubigen bildete. Landes (lat.) „Lobgesänge"; das
Laetare (lat.) „Freuet euch!", der Morgengebet des katholischen
4. Sonntag der Fassionszeit nach -> Breviers.
dem alten Eingangsspruch aus Laxismus eine Richtung der katho-
Jes. 66, 10. lischen Moraltheologie, die Hand*
Laie (gr. laos = Volk; laikos = lungen auch dann für erlaubt
zum Volk gehörig) zumeist im hält, wenn nur eine geringe
negativen Sinn gebraucht: der Wahrscheinlichkeit für das Er-
Unkundige, der Nichttheologe. laubtsein dieser Handlungen
Heute versucht man, das Wort spricht (Gg: -> Rigorismus).
wieder mit positivem Inhalt zu I. c. Abk. für „loco citato" = an
füllen: Glied des Gottesvolkes. der angeführten Stelle (a. a. O.).
Laienkelch eine Forderung schon lectio continua (lat.) fortlaufende
vorreformatorischer Bewegungen: Lesung der Bibel (etwa die Vier-
beim Abendmahl den Laien nicht jahresbibellese der ev. Kirche),
nur das Brot, sondern auch den auch „Bahnlesung" genannt.
Kelch zu reichen (der in der lectio difficilior (lat.) die schwie-
katholischen Kirche aus Sorge rigere Lesart, die deshalb vorzu-
vor Entweihung durch Verschüt- ziehen ist, weil angenommen
ten von Wein dem Priester vor- werden kann, daß die leichtere
behalten ist). Vgl. -> Kalixtiner, Textform (lectio facilior) bereits
—>- Konkomitanz. eine Korrektur ist
Lama (tibetan.) „der Obere"; lectio propria (lat) eine biblische
buddhistischer Mönch in Tibet Leseordnung, die auf den alten
und der Mongolei. Sonntagstexten und dem „Thema
Lambethkonferenz Weltkonferenz der Woche" aufgebaut ist, meist
der anglikanischen Bischöfe, die „Kirchjahrlese" genannt
seit 1867 alle 10 Jahre im Lon- legal (lat.) gesetzlich, dem Gesetz
doner Lambethpalast abgehalten entsprechend.
wird. legalisieren rechtlich in Ordnung
Lamentationes (lat.) Bez. der bringen; amtlich beglaubigen
„Klagelieder Jeremias". (bei Urkunden).
Lapsi (lat) die (vom Glauben) Legalismas eine Anschauung, für
Abgefallenen; Sprechfehler. die das Wesen der Religion in
latent (lat-) verborgen, unter- den Gesetzen und Vorschriften
schwellig wirksam. besteht, die der Mensch zu befol-
Lateran ehemaliger Palast des gen hat.
Papstes in Rom, außerhalb der Legat (das) (lat) Vermächtnis;
Vatikanstadt gelegen, Tagungs- Zuwendung einzelner Vermö-
ort mehrerer Konzilien, vor allem gensgegenstände durch letztwil-
des Lateran-Konzils von 1215. lige Verfügung.
67 Liberale Theologie
Legat (der) (lat.) päpstlicher Ge- Levit Angehöriger des Stammes
sandter bei besonderen Anläs- Levi, dem während des Wüsten-
sen (meist ein Kardinal). zugs das Priesteramt übertragen
Legende (lat.) „das Vorzulesende" ; wurde (2. Mose 32, 26—29;
alte Bezeichnung für Heiligenge- 5. Mose 33, 8—11). Später ist der
schichten, die im Gottesdienst am Levit ein untergeordneter Tem-
Fest des Heiligen verlesen wur- peldiener.
den; sagenhafte, unglaubwürdige Lévitation (lat.) „Leichtwerden";
Geschichte; auf Landkarten: Er- im Spiritismus die Aufhebung
klärung der Zeichen. der Schwerkraft und das freie
Legislative (lat.) gesetzgebende Schweben schwerer Gegenstände;
Gewalt, gesetzgebende Versamm- das Schweben eines Fakirs.
lung (Parlament). Leviticus das 3. Buch Mose, so
legitim (lat.) gesetzmäßig, recht- genannt, weil es weithin kulti-
mäßig; ehelich. sche Bestimmungen für die Prie-
Legitimation Beglaubigung; Aus- ster und Leviten enthält.
weis über die Identität einer Per- lex natural« (lat.) das natürliche
son. Gesetz.
Leisen Kirchenlieder, die im Mit- lex orandi, lex credendi (lat.)
telalter aus dem Ruf „Kyrie elei- „Das Gesetz des Betens ist das
son" entstanden sind und bei den Gesetz des Glaubens", ein Satz,
Prozessionen gesungen wurden. mit dem man die These, die Li-
Lektion (lat.) Lesung (vgl. -»- Pe- turgie sei eine Glaubensnorm, un-
rikope); Unterrichtseinheit. terbauen wollte.
Lektionar Buch mit den biblischen lex revelata (lat.) das geoffenbarte
Abschnitten, die im Sonntags- Gesetz.
gottesdienst vorzulesen sind. Liberale Theologie Breite theolo-
Lektor (lat.) „Vorleser"; altkirch- gische Strömung der letzten 150
liches Amt zur Vorlesung der Jahre, aus der Aufklärung her-
Heiligen Schrift im Gottesdienst. vorgegangen. Man will frei
Heute oft ein -> Laie, der den (liber!) sein von der Bindung an
Auftrag hat, bei Verhinderung Bibel und überlieferte Glaubens-
des Pfarrers Lesegottesdienst zu grundsätze, erkennt aber sittliche
halten. Mitarbeiter eines Verlags, und religiöse Werte als verbind-
der die eingehenden Manu- lich an. Vertreter: A. Ritschi (1822
skripte zu begutachten hat. bis 1889), A. v. Harnack (1851 bis
Lettner Abschlußwand in alten 1930), auch die sog. „Religions-
Kirchen zwischen Altarraum und geschichtler" H. Gunkel (1862 bis
Kirchenschiff. 1932), W. Bousset (1885—1920),
Leviratsehe Ehe eines Mannes mit E. Troeltsch (1885—1923), A.
der Frau seines kinderlos ver- Schweitzer (1875—1965).
storbenen Bruders, um ihm Er- Bis zum 1. Weltkrieg standen den
ben zu zeugen (vgl. 5. Mose 25, „Liberalen" die „positiven", d. h.
5-10). die grundsätzlich an die ge-
Liberale Theologie
schichtlich gegebene Offenbarung Zustand, in dem Verstorbene zu
gebundenen Theologen, gegen- denken sind, denen weder Selig-
über. Durch das Aufkommen der keit noch Verdammung zuteil
sog. dialektischen Theologie ist wurde. Die Limbus-Lehre war
diese Gegenüberstellung aus dem vor allem in der Scholastik ver-
Gebrauch gekommen, obwohl breitet.
man auch heute auf eine entspre- limitieren (lat.) begrenzen, ein-
chende Unterscheidung kaum ver- schränken.
zichten kann, ->• Neoliberale lingua (lat.) Sprache.
Theologie. Litanei altkirchliches, im Wechsel
Liberalismus (lat. liber = frei) gesungenes Bittgebet mit immer
freie Entfaltung der Fähigkeiten wiederkehrendem Anruf, z. B.
des einzelnen, Ablehnung von „Erhöre uns, lieber Herre Gottl"
Bindungen. Politischer L. = Auch abschätzig: eintöniges Ge-
Richtung, die dem einzelnen rede, endlose Aufzählung.
weitgehende Freiheit im Staat Literarkritik wissenschaftliche Be-
einräumen will. Religiöser L. = urteilung literarischer Werke (in
weitgehende Ablehnung religiö- bezug auf Entstehungszeit, Ent-
ser Bindungen. Wirtschaftlicher stehungsort, Verfasser, Quellen
L. = Wirtschaftssystem, in dem etc.), speziell: des biblischen
der Staat Produktion, Preisbil- Textes.
dung etc. den einzelnen Wirt- Liturgie (gr.) „Dienst"; im engen
schaftspartnern überläßt. Sinn: der Teil des Gottesdienstes,
Libertiner (lat.) „Freigelassener"; der zwischen dem Pfarrer (am
einer, der die christliche Freiheit Altar) und der Gemeinde mit
mißversteht und mißbraucht; Wechselgesängen, Lesungen und
zügelloser Mensch. Gebeten verläuft.
liberum arbitrium (lat.) der freie Liturgik Theorie und Geschichte
Wille, die freie Entscheidung der Liturgie.
(Gg: -> servum arbitrium). Lizentiat (lat.) „mit Erlaubnis
Iicentia concionandi (lat.) das versehen"; ehemaliger, von den
Recht zur Vornahme geistlicher theologischen Fakultäten verlie-
Handlungen (Sakramentsspen- hener Titel, jetzt durch den Dr.
dung und Trauung ausgenom- theol. ersetzt.
men), welches durch die 1. theo- locus (lat.) Grundlehre, Grund-
logische Prüfung erworben wird. satz, Stelle.
Iicentia docendi (lat.) Lehrberech- loci theologici (lat.) die unter in-
tigung an der Hochschule. haltlichem Gesichtspunkt geglie-
Limbos (lat.) „Rand", „Saum"; derten Hauptstücke des Glau-
die Vorhölle als Aufenthaltsort bens.
der vorchristlichen Gerechten Logia Jesu (gr.) Aussprüche Jesu
(limbus patrum) und der unge- (Einzahl: Logion).
tauft gestorbenen Kinder (limbus Logienquelle eine aus der Text-
infantium), also ein Ort oder ein vergleichung zwischen Matthäus
69 Märtyrer
und Lukas erschlossene Quelle, liehen, göttlichen Licht.
die eine Sammlung von Worten Lustration (lat.) feierliche kul-
Jesu enthielt. tische Reinigung durch Sühn-
Logik (gr. logos = vernünftige opfer u. ä.
Rede) die Fähigkeit, richtig ( = lustrum (lat.) altrömisches Reini-
logisch) zu denken; die Lehre gungs- und Sühneopfer, das alle
von der Folgerichtigkeit und von 5 Jahre stattfand; dementspre-
den Methoden des Denkens. chend: Zeitraum von 5 Jahren.
Logos (gr.) Wort, Begriff, Ver- luziferisch teuflisch (nach dem ge-
nunft. Im NT wird Logos außer stürzten Engel Luzifer).
in der üblichen Bedeutung noch LXX römische Schreibweise von
im Sinn des „Wortes Gottes" ver- 70, Abk. für die „Septuaginta",
wendet, das der Inhalt der die griechische Bibelübersetzung,
christlichen Botschaft ist (Luk. 8, die von 70 Theologen bewerk-
12; Mark. 2, 2). Daneben ist es stelligt worden sein soll.
in den johanneischen Schriften die lydisch Kirchentonart, auf f ste-
Bezeichnung für den überwelt- hend (nach der Landschaft Ly-
lichen Christus (Joh. 1, 1—14; dien in Kleinasien).
1. Joh. 1, 1; Offb. 19, 13).
logos asarkos (gr.) der göttliche
Logos vor der Menschwerdung. M.A. Magister Artium. Englisch:
logos çnsarkos (gr.) der in Master of Arts.
Christus Mensch gewordene Lo- Machiavellismus Bezeichnung für
gos. eine skrupellose Politik, die ihre
logos spermatikos (gr.) eine schon Ziele auch mit verwerflichen
bei den Heiden als wirksam an- Mitteln durchsetzt (nach dem
genommene göttliche Offenba- italienischen Staatsmann Ma-
rung. chiavelli, 1469—1527).
Lollarden „die Unkrautsäer" (lat. Madonna (ital.) „Meine Herrin",
lollium); Ketzername der An- Bezeichnung der Maria.
hänger des englischen Vorrefor- Madrigal (ital.) Hirtengesang.
mators Wyclif (14. Jh.). Mehrstimmiges (oft 5-stimm.)
Low Church (engl.) „Niedrig-Kir- Kunstlied, vor allem im 16./17.
che", pietistische Richtung in der Jahrhundert.
anglikanischen Kirche, hervorge- Mäeutik (gr.) die sokratische „Heb-
gangen aus der Erweckungsbe- ammenkunst", Bezeichnung der
wegung. Methode, durch geschicktes Fra-
lumen internum (lat.) das innere gen die im Menschen versteckten
Licht (die vom Geiste Gottes be- richtigen Antworten und Er-
wirkte Erkenntnis). kenntnisse ans Licht zu bringen.
lumen naturale (lat.) die Vernunft Märtyrer (gr.) Blutzeuge des
als das „natürliche Licht"; Er- christlichen Glaubens; ein wegen
kenntnisvermögen des Menschen seiner Überzeugung Verfolgter
im Unterschied zum übernatür- (kath. Form: Märtyrer).
Magie 70
Magie (gr.-pers.) Zauberei; ein Staates) und deren letzte männ-
Denken und Handeln, das sich liche Glieder von Herodes d. Gr.
mit der Übertragung der Kraft getötet wurden.
von Menschen, Tieren usw. und Makrokosmos (gr.) die große Welt,
mit der Bannung von Gegen- das Weltall (Gg: —>- Mikrokosmos).
kräften abgibt. Malthusianismus eine Bewegung,
Magister (lat.) „Meister"; früherer welche die Erkenntnis des Eng-
akademischer Grad. länders Malthus (1766—1834),
Magister artium liberalinm (lat.) daß die Erdbevölkerung schnel-
Meister der freien Künste, frü- ler wächst als die Ernährungs-
here akademische Würde (abge- möglichkeit, auf die Wirklichkeit
kürzt M.A.). anzuwenden suchte (Problem der
Magna Mater (lat.) Große Mutter, Geburtenbeschränkung).
Muttergottheit. Mammon (aram.) Bezeichnung für
Magnificat (lat.) Bezeichnung des die Macht des Reichtums, die den
Lobgesangs der Maria aus Luk. Menschen vom Gehorsam gegen
1, 46—55 (nach dem Anfangs- Gott lösen will.
wort). mammonistisch von der Geldgier
Magnifions, Magnifizenz (lat.) „Er- angetrieben.
habenheit"; Titel der Rektoren Mandäer alte -> gnostische, syn-
der Universitäten und Hochschu- kretistisch geprägte Sekte, die
len. einen Erlöser aus dem Lichtreich
Mahayana „großes Fahrzeug (der erwartet und die Taufe öfter
Erlösung)"; eine freiere Richtung wiederholt. Reste der Mandäer
im Buddhismus, die auch Laien existieren noch heute im Iran und
einschließt (->• Hinayana). Irak.
Mahomet andre (französische) mandatum (lat.) Auftrag, Amt.
Form für Mohammed.
mandatum divinum (lat.) von Gott
Majuskeln (lat.) Großbuchstaben.
erteilter Auftrag.
Bezeichnung der aus der Unzial-
schrift hervorgegangenen großen Mandorla (gr.-lat.-ital.) mandel-
Anfangsbuchstaben (Gg: -> Mi- förmiger Heiligenschein um die
nuskeln). ganze Figur (vor allem bei Chri-
Makarismus (gr.-lat.) Seligprei- stus- und Mariendarstellungen).
sung, vor allem in der Bergpre- manducatio indignornm (lat.) das
digt (Mehrzahl: Makarismen). Genießen von Leib und Blut
Makkabäer (hebr. makkab = Christi auch durch Unwürdige
Hammer) die Heldenfamilie des (1. Kor. 11, 27).
Judas Makkabi, der in der Nach- manducatio oralis (lat.) das Ge-
folge seines Vaters Mattathias nießen mit dem Mund — das
die Herrschaft der Seleukiden natürliche Essen des Leibes Chri-
über das jüdische Volk zu sti im Abendmahl.
brechen suchte (142 v. Chr. Wie- manducatio spirituals (lat) das
derherstellung des jüdischen geistliche Genießen (des Leibes
71 Materialismus
Christi). massa perditionis (lat.) die der Ver-
Manichäer Anhänger einer duali- lorenheit anheimgegebene Masse
stischen Mischreligion, von dem der nicht zum Heil Prädestinier-
Perser Mani im 3. Jahrb.. nach ten (Augustinus).
Chr. begründet, der sich für den Masseben (Mazzeben) (hebr.) auf-
letzten großen Propheten hielt. gerichtete Malsteine im Jordan-
Manie (gr.-lat.) krankhaft über- land zur Kennzeichnung kana-.
steigerte Neigung, Wahnsinn. anäischer Kultstätten.
Manifestation (lat.) das Offenbar- Massora (oder Massora) (hebr.)
und Sichtbarwerden. „Überlieferung"; die Gesamtheit
manipulieren (lat.) bewerkstelli- der von jüdischen Schriftgelehr-
gen, durch Tricks erreichen, ten des 7.—10. Jahrh. verfaßten
„machen" im abschätzigen Sinn. textkritischen Bemerkungen zum
Mantik (gr.-lat.) Wahrsagekunst. hebräischen AT (auch: Masora).
Manual (lat.) Handklaviatur der Massoreten (hebr.) jüdische Schrift-
Orgel (Gg: - > Pedal). gelehrte, die sich um einen ge-
Maranatha (aram.) „Herr, komm!"; nauen und einheitlichen Bibeltext
ein liturgischer Ruf in der ur- bemühten, den sie mit einem
christlichen Abendmahlsfeier (1. Punktationssystem vokalisierten,
Kor. 16, 22). in Abschnitte und Verse einteil-
Marciom'ten Anhänger des Ket- ten usw. (auch: Masoreten).
zers Marcion, der 144 mit der Mater dolorosa (lat.) schmerzens-
Kirche brach und eine mächtige reiche Mutter (nach Luk. 2, 35).
Gegenkirche gründete. Er lehnte mater lectionis (lat.) in Konsonan-
das AT ab, „reinigte" die Paulus- tenschriften ein den Vokal tra-
briefe und vereinigte sie mit dem gender Konsonant.
Luk.-Ev. zu einem eigenen Ka- Materialisation (lat.) im Spiritis-
non. mus: das Hervorbringen von Ge-
Marginalien (lat. margo = Rand) genständen aus einem mensch-
Randbemerkungen. lichen Körper durch ein sog. Me-
Mariologie Lehre von der Maria. dium. Physikalisch ungeklärt.
Maroniten eine mit Rom unierte Materialismus (lat.) eine Anschau-
syrische Kirche im Libanon (nach ung, die in der Materie den
dem heiligen Maro, gest. 422). Grund und die Substanz aller
Marranen (arab.-span.) „Schwei- Wirklichkeit sieht, also nicht nur
nekerle"; Schimpfname für die der stofflichen, sondern auch der
im Spanien des 15. Jahrh. unter seelisch-geistigen. Das Seelische
Zwang getauften Juden, die zu- ist für den M. nur ein Produkt
meist heimlich ihrem Glauben der am höchsten organisierten
treu blieben, aber der Verfol- Materie. — Der Grundgedanke
gung entgingen. des „dialektischen Materialismus"
Martyrologiom liturgisches Ge- ist der Umschlag des Quantita-
denkbuch mit Katalog der Märty- tiven in das Qualitative. — Un-
rer und Heiligen und ihrer Feste. ter „historischem Materialismus"
Materialismus 72
versteht man die vom Marxismus Medium (lat.) „Mitte"; Mittel-
vertretene Geschichtsphilosophie, glied, Mittler (in); im Spiritismus
nach der die Produktionsweise die mit Geistern in Verbindung
des materiellen Lebens den sozia- tretende Person.
len, politischen und geistigen meeting (engl.) Treffen, Ver-
Lebensprozeß überhaupt bedingt. sammlung.
Materialprinzip reformatorischer silent meeting (engl.) Schweige-
Grundsatz über den Inhalt der versammlung der -»- Quäker, die
Heilslehre, der in der Rechtfer- sich schweigend auf das Wirken
tigung aus Gnaden besteht (da- des Heiligen Geistes rüsten.
neben das —>• Formalprinzip). Megilloth (hebr.) „Rollen". Sam-
Matriarchat (lat.-gr.) Mutterherr- melbezeichnung der 5 Bücher:
schaft, Mutterrecht. Hohes Lied, Ruth, Klagelieder,
Matrikel (lat.) Verzeichnis, Liste. Prediger, Esther. Diese Schriften
Matutin (lat. morgendlich) das gehören zu den Festtagslesungen
Morgengebet in der Reihe der im jüdischen Kult.
Stundengebete der alten Kirche Melancholie (gr.) „Schwarzgallig-
(->- Mette). keit"; Schwermut, Trübsinn, ein
Mausoleum prächtiges Grabmal seelischer Zustand, der durch
(nach dem König Mausolos in Herabstimmung des Selbstge-
Halikarnaß). fühls und des Selbstvertrauens
Maxime Vorsatz für das eigene gekennzeichnet ist.
sittliche Handeln; Hauptgrund- memento mori! (lat.) gedenke des
sâtz (ähnlich Devise). Sterbens I
Mazze, Mazza (hebr.) das unge- Menetekel Abkürzung von mené
säuerte Brot (azymon) der Juden, mené tekel upharsin (pers.)
meist nur aus Wasser und Mehl Dan. 5, 25, „gezählt, gezählt, ge-
bestehend (Mehrzahl: Mazzoth). wogen und zerteilt", auch allg.
mea culpa! (lat.) meine Schuld! unheilvolles Vorzeichen.
Spez.: Schuldbekenntnis des Menhir (kelt.-franz.) unbehauene
Priesters in der Messe. Steinsäule aus vorgeschichtlicher
mediäval mittelalterlich. Zeit (Götterstein der Kelten).
Media vita in morte sumus (lat.) Mennoniten eine auf Menno Si-
„Mitten wir im Leben sind von mons (1492—1559) zurüdcgehende
dem Tod umfangen" (Gesang aus Täuferbewegung im holländi-
dem 13. Jahrh.). schen Friesland, heute in vielen
mediatrix omnium gratiarnm (lat.) Gebieten der Erde verbreitet.
„Mittlerin aller Gnaden", eine Charakteristische Merkmale:
katholische Bezeichnung für Ma- Gläubigentaufe, ernste Frömmig-
ria. keit, zuchtvolles Leben, Verwer-
Meditation (lat.) Nachdenken, Nach- fung des Waffendienstes und des
sinnen, Betrachtung im christ- Eides, Trennung von Staat und
lichen Sinn (ähnlich -> Kontem- Kirche.
plation). Mensa (lat.) „Tisch"; steinerne
73 Midrasch
Deckplatte des Altars. physika = nach dem Physischen).
Mentalität (lat.) Denkungsart, Sin- Lehre von den letzten Gründen
nesweise, geistige Gesamtein- und Zusammenhängen des Seins.
stellung eines Menschen oder (Da jede wirklich metaphysische
einer Gruppe. Behauptung über das sinnlich Er-
meritum (lat.) „Verdienst" in fahrbare hinausgeht, wird die
Glaubensdingen. Metaphysik von der strengen'
Messe -> missa. Wissenschaft abgelehnt.)
Messias (gr. nach hebr. maschiach metaphysisch zur Metaphysik ge-
und aram. meschichah) in Israel hörend, transempirisch, über
der von Gott durch die Salbung alle Erfahrung hinausgehend,
in sein Amt eingesetzte König; -> transzendent.
der im AT verheißene Heilbrin- Metempsychose (gr.) „Umseelung";
ger, der Heilskönig der Endzeit. Seelenwanderung.
messianisch mit dem (Kommen Methode (gr.) „das Nachgehen",
des) Messias verbunden. „Verfolgen"; das planmäßige
Meßstipendium Geldspende (auch Verfahren zur Erreichung eines
Stiftung), die den Priester ver- Ziels.
pflichtet, für ein Anliegen des Methodisten Anhänger der durch
Spenders Messen zu lesen. die Brüder John und Charles
metabasis eis allo genos (gr.) Wesley und George Whitefield
„Hinüberspringen in ein anderes nach 1738 begründeten ev. Frei-
Gebiet", ein unzulässiger Denk- kirche, deren Führer zunächst
schritt, eine Beweisführung, die Glieder der anglikanischen Kir-
auf ein fremdes Gebiet über- che blieben. Kennzeichen: Kin-
greift. dertaufe, Bekehrung, straffe
Metakritik (gr.) Kritik einer Kri- Gliederung der Gemeinde im
tik (meta — hinter, nächst). Sinne der Verantwortung fürein-
Metamorphose (gr.) Gestaltwan- ander. Die deutsche Methodisten-
del, Umgestaltung. kirche ist bischöflich aufgebaut.
Metanoia (gr.) Umsinnen, Um- Ihr Zusammenschluß mit der
kehr; Änderung der Auffassung „Ev. Gemeinschaft" steht bevor.
des eigenen Lebenszieles. Metrik (gr.) Verslehre.
Metapher (gr.) „Vergleichung"; Metropolit (gr.) „Hauptstadtbi-
Übertragung, Bild. Vertauschung schof"; in der Ostkirche Bezeich-
eines gewöhnlichen Ausdrucks nung des obersten Geistlichen
mit einem bildlichen, z. B. „Ihr ( = Erzbischof).
seid das Salz das Erde". Mette (lat. matutina = Morgen-
metaphorisdb im übertragenen Sinn, gebet) erstes Stundengebet, das
bildlich. ursprünglich kurz nach Mitter-
Metaphysik (gr.) Titel der Schrif- nacht gehalten wurde.
ten des Aristoteles, die das erst Midrasch (hebr.) „Forschung";
nach den konkreten Naturdingen Auslegung des AT nach den Re-
Erkennbare behandeln (meta ta geln der jüdischen Schriftgelehr-
Midrasdi 74
ten (älteste Midraschim um 250 Quellenschrift zum NT.
n. Chr.). Mirakel (lat.) wunderbare Bege-
Mikrokosmos (gr.) „Kleinwelt"; benheit, oft vom „Wunder" im
die kleine Welt (des Einzelmen- biblischen Sinn unterschieden.
schen, jedes Lebewesens, des Misanthrop (gr.) Menschenfeind,
Atoms) als verkleinertes Abbild Menschenhasser.
der großen Welt (Gg: - > Makro- Mischna (hebr.) „Wiederholung";
kosmos). Sammlung der jüdischen Geset-
militia Christi (lat.) „Christliche zeslehre aus dem 2. Jh. n. Chr.,
Ritterschaft"; Ausdruck für den Grundlage des —>• Talmud.
Kampf der Christen in der Welt Miserere (lat.) „Erbarme dich!";
im Gehorsam unter Christus speziell: Bez. des 51. Psalms in
(Eph. 6, 10). der Vulgata, der in der kath.
Millenium (lat.) das Tausendjäh- Kirche vielfach als Bittgesang der
rige Reich (Offb. 20, 2—3). Karwoche komponiert wurde.
Mimik (gr.) Mienenspiel, Gebär- Misericordias Domini (lat.) „Barm-
densprache. herzigkeit des Herrn", der 2.
Minarett (arab.-türk.) Moschee- Sonntag nach Ostern nach Psalm
turm, auf dem der Muezzin die 89,2.
Gebetsstunden ausruft. Miserikordie ein Vorsprung auf
Mincha (hebr.) „Gabe"; das un- der Unterseite der Klappsitze
blutige Speiseopfer; Nachmit- des Chorgestühls (zum Anlehnen
tagsgebet der Juden. während des Stehens).
Miniatur (lat.-ital.) kleines Bild, missa (lat.) Messe (vgl. -*. Ite,
speziell: Illustration einer alten missa est).
Handschrift oder eines Buches. missa fidelium die Messe der
minister verbi divini (lat.) Diener Gläubigen: jener Teil des alt-
des göttlichen Wortes. kirchlichen Gottesdienstes, der
ministerinm verbi divini (lat.) Amt nur den Getauften zugänglich
des göttlichen Wortes, Predigt- war.
amt. missa pontificalis Pontifikalamt,
Ministrant (lat.) Mesner, Kirchen- eine vom Bischof gehaltene
diener; Jugendlicher, der dem Messe.
Geistlichen bei der Messe zur missa pro defunctis Totenmesse,
Hand geht. Seelenmesse.
ministrieren bei der Messe die- missa sine nomine „namenlose
nen. Messe"; eine Messe, in der nicht-
Minorit (lat.) „Geringerer"; Glied kirchliche Gesänge verwendet
des Franziskanerordens, insbe- wurden.
sondere Angehöriger des Zweigs missa solemnis (lat.) „Festliche
der -> Konventualen. Messe"; Messe mit reicher musi-
Minuskel (lat.) Kleinbuchstabe kalischer Ausgestaltung (Titel
(Gg: -*• Majuskel). Bezeichnung eines entspr. Werks von Beet-
einer in Kleinschrift verfaßten hoven).
75 Monergismus
Missale Romanum (lat.) „Römi- den Menschen zugeteilte Ver-
sches Meßbuch"; das 1570 festge- hängnis.
legte Meßbuch der kath. Kirche, die Moiren Schicksalsgöttinnen
das die Lesungen, Gebete und der Griechen.
Gesänge für das Hochamt ent- Molinismus ältere Richtung im
hält. Katholizismus, nach dem spani-
Mission (lat.) „Sendung"; Auftrag, schen Jesuiten Luis de Molina
Bestimmung; speziell: die Sen- (1535—1600) benannt, welcher
dung der Kirche zum Zeugen- lehrte, daß die göttliche Gnade
dienst für Christus in der nicht- die menschliche Willensfreiheit
christlichen Welt. nicht ausschließe, da Gott die
Mitra (gr.-lat.) „Kopfbinde"; Bi- freie menschliche Entscheidung
schofsmütze. voraussieht und seine Mitwir-
miiolydisch (gr.) Kirchentonart kung zur Verfügung stellt.
des Mittelalters, auf g aufgebaut. monachium (lat.) Kloster.
Modalismas (lat.) altkirchliche An- Monade (gr. monas = Einheit)
schauung, nach welcher der eine das Einfache, Nichtzusammenge-
Gott nur und ausschließlich hin- setzte, Unteilbare; die lebendige
sichtlich seiner Wirkweisen (mo- beseelte Individualität. Begrün-
dus = Weise) zum dreifaltigen der der Monadenlehre ist Leibniz
Gott wurde und nach welcher (1646—1716). Nach Leibniz sind
Christus nur eine Erscheinungs- die Monaden einfache Substan-
form Gottes gewesen ist (ähnlich zen, voneinander unabhängig und
dem —v Monarchianismus). zu keinerlei Einwirkung von
Modalität (lat.) Art und Weise außen fähig ( = „fensterlos"),
des Seins oder Geschehens (Mög- welche die Welt je von ihrem
lichkeit, Wirklichkeit, Notwen- eigenem Standort aus vorstellen
digkeit). und widerspiegeln.
Moderamen (lat.) „Lenkung"; lei- Monarchianismus (gr.-lat.) alt-
tendes Kollegium in reformierten kirchliche Lehre, welche die Ein-
Kirchen und Gemeinden. heit und Alleinherrschaft Gottes
Moderator geistlicher Amtsträger vertrat und Christus als vergött-
innerhalb eines -> Moderamens, lichten Menschen oder als bloße
Leiter der kirchlichen Körper- Erscheinungsform Gottes sah
schaften. (-V Modalismus).
Modernismus im Katholizismus: Monarchischer Episkopat Gemein-
eine liberale, wissenschaftliche deleitung durch e i n e n Bischof,
Reformbewegung, 1907 von wie sie um 120 aufkam.
Pius X. verurteilt (-> Anti- monastisch mönchisch.
modemis teneid). Monergismus (gr.) die um 620 auf-
modifizieren (lat.) abwandern, kommende Lehre, daß die beiden
einschränken, auf das rechte Maß Naturen in Christus nur eine ein-
bringen. einzige, gottmenschliche Wir-
Moira (gr.) das den Göttern und kungsweise hätten.
Monismus 76
Monismus (gr.) All-Einheitslehre, Monotheletismus (gr.) „Lehre von
wonach die Wirklichkeit einheit- einem einzigen Willen"; alt-
lich und von einerlei Grundbe- kirchliche Anschauung, wonach
schaffenheit ist (Gg: -v Dualis- Christus wohl zwei Naturen ge-
mus). Die Welt selbst ist das habt habe, in ihm aber nur e i n
Absolute und Selbstverständliche, gottmenschlicher Wille (gr. thé-
das sich aus sich selbst erklärt. — lema) wirksam gewesen sei.
Die Monistische Bewegung (in Monstranz (lat. monstrare = zei-
Deutschland zusammengefaßt in gen) das Gefäß, in dem in der
dem 1906 in Jena gegründeten katholischen Kirche die geweihte
„Monistenbund") will der Aus- ->- Hostie gezeigt und herumge-
breitung einer diesseitigen natur- tragen wird.
wissenschaftlichen Weltanschau- Montanismus schwärmerische, je-
ung dienen; sie steht dem ->- Ma- doch sittenstrenge Richtung in
terialismus nahe. Kleinasien (nach Montanus, um
Monodie (gr.) „Alleingesang"; ein- 150), der auch Tertullian ange-
stimmiger Gesang, Arie. hörte. Wesenszüge: Zurückdrän-
Monogamie (gr.) Einehe (Gg: gen der kirchlichen Hierarchie zu-
—»- Polygamie). gunsten des charismatischen Pro-
monogenes (gr.) eingeboren, ein- phetentums, strenges Fasten,
zigentsprossen. Verbot einer zweiten Ehe, Aus-
Monographie (gr.) Einzeldarstel- richtung auf das Weltende.
lung; wissenschaftliche Untersu- Moral (lat. moralis = sittlich)
chung, die einem einzelnen Ge- Sitte, Sittenlehre, Ethik.
genstand gewidmet ist. Moralist Moralphilosoph, Sitten-
Monolatrie (gr.) Verehrung nur lehrer. Auch abschätzig: liebloser
eines Gottes — ohne Leugnung Verurteiler und Sittenrichter.
der Existenz weiterer Götter. Heute oft Bezeichnung eines
Monophysitismus (gr. mone phy- Schriftstellers, der die „mores ho-
sis = eine einzige Natur) die minum" beobachtet und das We-
Lehre, daß in Christus nicht zwei sen der Leidenschaften zu er-
Naturen (göttliche und mensch- gründen sucht.
liche) verbunden seien, vielmehr Morganaticum (lat.) Morgengabe;
sei Christus vom Logos in eine im alten deutschen Recht das
einzige (= göttliche) Natur ver- Geschenk des Mannes an die
wandelt worden. — Monophysi- Ehefrau nach der Brautnacht.
ten sind die koptischen und ar- Morganatisdie Ehe (lat.) „Ehe auf
menischen Christen. bloße Morgengabe"; nicht stan-
Monotheismus (gr.-lat.) die Lehre desgemäße Ehe, Ehe zur linken
von dem einen, persönlichen Hand.
Gott. Glaube an einen einzigen moribundus (lat.) ein dem Tod
Gott — unter ausdrücklicher Geweihter, im Tode Liegender.
Leugnung der Existenz anderer Mormonen sektiererische Gruppe,
Götter. vor allem in den USA, nach dem
77 Mythologie
Buch „Mormon" des Gründers mein usw. die Vereinigung des
Joe Smith, gest. 1844. Selbstbe- Menschen mit der Gottheit er-
zeichnung: Kirche Jesu Christi wirken sollten.
der Heiligen der letzten Tage. — mysterium tremendum (lat.) „Er-
Die ursprünglich praktizierte zittern machendes Geheimnis."
Vielehe wurde 1890 aufgegeben. Mystik (gr. mystikos = geheim-
Morphologie (gr.) Gestaltlehre, nisvoll) ein Bemühen, das Über-
Formenlehre. sinnliche und Göttliche durch Ab-
Moslem, Muslim (arab.) „Gott- kehr von der Sinnenwelt und
ergebene"; Selbstbezeichnung Versenkung in die Tiefe des eige-
der Anhänger des Islam (Mo- nen Seins zu erfassen, letztlich:
hammedaner). mit Gott eins zu werden (->- unio
Motette (lat-ital.) mehrstimmige mystica). Hauptvertreter der
Vertonung eines Schrifttextes deutschen Mystik: Meister Eck-
ohne Instrumentalbegleitung. hart (geb. um 1260), Tauler (gest.
Motuproprio (lat.) „Aus eigenem 1361), Jakob Böhme (1575—1624),
Antrieb"; päpstlicher Erlaß. Friedrich Christoph Oetinger
Ms. Abk. für Manuskript (Mehr- (1702—1782).
zahl: Mss.). Mystizismus übertriebene Vor-
Muezzin (arab.) Gebetsrufer im liebe für das Mystische. Neigung
Islam, der täglich fünfmal zum zu verschwommenem, unscharfem
Gebet ruft. Denken.
mulier taceat in ecclesia (lat.) Das Mythos (gr.) „Erzählung", „Aus-
Weib schweige in der Gemeinde sage". Der Mythos ist in der
(1. Kor. 14, 34). Frühzeit der Völker die Form, in
Multiplikatoren (lat.) „Vervielfa- der sie das Heilige ergreifen,
cher"; Menschen, die fähig sind, eine Ausdrucksform fast aller
Gehörtes und Gelerntes an an- Religionen. In ihm werden Göt-
dere weiterzugeben (im Unter- ter im unmittelbaren Verkehr mit
schied zum „Endverbraucher"). Menschen dargestellt. Auch die
munus triplex (lat.) das dreifache biblische Urgeschichte hat teil-
Amt Christi (König, Priester und weise mythische Form. — Die Be-
Prophet). urteilung des „Mythos" ist heute
mutatis mutandis (lat.) unter Be- sehr gegensätzlich. Die einen
rücksichtigung der erforderlichen sehen in ihm eine unvermeidbare
Abänderungen. Ausdrucksform für ewige Wahr-
mutua consolatio fratrum (lat.) ge- heiten (oder für rational nicht
genseitige brüderliche Tröstung. zu begreifende und doch ehr-
Mystagog (gr.) Priester, der in die fürchtig hinzunehmende Wirk-
-v Mysterien einführte. lichkeiten). Die anderen halten
Mysterien (lat.) „Geheimnisse"; den Mythos für eine wertlose
Geheimkulte der alten Griechen, Ausgeburt der religiösen Phan-
in denen darstellende Handlun- tasie.
gen, Waschungen, kultische For- Mythologie (gr.) Wissenschaft von
Mythologie 78
den Mythen, Ursprungssagen, in necessariis unitas, in dubiis
Göttersagen. libertas, in omnibus autem Caritas
im Notwendigen Einheit, in
Zweifelfällen Freiheit, in allem
aber Liebe.
Nabi (hebr.) Prophet, ekstatischer Nekrolog (gr.) Nachruf auf einen
Seher. Verstorbenen (meist mit einem
Narthex (gr.-lat.) die Binnenvor- kurzen Lebensabriß verbunden).
halle der altchristlichen und by- Nekromantie (gr.-lat.) Totenbe-
zantinischen Basilika. schwörung, Weissagung mit
Narziß (pers.-gr.-lat.) krankhaft in Hilfe von Totengeistem.
sich selbst und den eigenen Kör- Nekropole, Nekropolis (gr.) To-
per Verliebter. tenstadt; großes Gräberfeld der
Nasiräer (hebr.-gr.) „Geweihter"; Frühzeit.
Gruppe in Alt-Israel, deren Glie- Neoliberale Theologie Bezeich-
der besondere Enthaltsamkeit ge- nung für die theologische Rich-
lobt hatten (4. Mose 6). tung Rudolf Bultmanns (geb.
natura naturans (lat.) „erzeugende 1884) und seiner Schüler: -> Exi-
Natur"; ein von ßaruch Spinoza stentiale Interpretation.
(1632—1677) gebrauchter Begriff, Nepotismus (lat.) Vetternwirtschaft
der die Natur als lebendige Ein- (vor allem bei den Päpsten der
heit sieht, die in schöpferischer Renaissancezeit).
Tätigkeit die Einzeldinge aus sich Nestorianer Anhänger des Patri-
hervorgehen läßt. archen Nestorius von Konstan-
natura naturata (lat.) „geschaffene tinopel (gest. um 451), der lehrte,
Natur" ( = die Welt), ein eben- die göttliche und die menschliche
falls von Spinoza verwendeter Natur in Christus seien getrennt;
Begriff. der Mensch Jesus habe sündigen
Naturalismus Richtung, welche die können, erst zum Lohn für seine
Natur als das Allumfassende, Bewährung sei er in den Besitz
Einzige, allein Seiende betrach- der realen göttlichen Attribute
tet, oft auch ausdrücklich den eingesetzt worden.
Geist in den Begriff „Natur" ein- Neuplatonismus letzte Form der
bezieht, so daß Geschichte und griechischen Philosophie vom 3.
geistige Vorgänge eine bloße bis 6. Jahrh. n. Chr., gekennzeich-
Fortsetzung des Physischen und net durch Verschmelzung platoni-
Biologischen sind. scher, aristotelischer und stoischer
Nazarener deutscher Malerbund, Lehren mit orientalischen und
der sich 1810 in Rom auf christ- christlichen Elementen. Haupt-
licher Grundlage zusammen- vertreter: Plotin,205—270 n.Chr.
schloß (Overbeck, Cornelius, Nicaenum ökumenisches Glau-
Schnorr von Carolsfeld u. a.). bensbekenntnis, nach Nicäa be-
nécessitas (lat.) Notwendigkeit, nannt, dem Ort des Konzils 325
Unentbehrlichkeit. (heute: Isnik), auf dem die Frage
79 Nomismus
der vollen Gottheit Jesu Christi stand der Erlösung. Die Buddhi-
entschieden wurde. sten verstehen unter „Nirwana"
Nicaeno-Constantinopolitanum den Zustand der Seligkeit, in
das -v Nicaenum mit der auf dem dem alle die Einzelexistenz be-
Konzil von Konstantinopel 381 dingenden Daseinsfaktoren end-
angenommenen Erweiterung. gültig aufgehoben sind.
nihil obstat (lat.) es steht nichts nizänisch —• Nicaenum.
im Wege (Unbedenklichkeitsfor- N. N. Abk. für „nomen nescio"
mel für die Erteilung der Druck- = den Namen weiß ich nicht
erlaubnis in der katholischen Kir- oder: „nomen nominandum" =
che). der zu nennende Name (soll un-
Nihilismus (lat.) Standpunkt der bekannt bleiben).
absoluten Verneinung. Der theo- Noetik (gr.) Denklehre, Erkennt-
retische Nihilismus verneint die nislehre; das Denken betreffende
Möglichkeit einer Erkenntnis der Grundsätze.
Wahrheit (ähnlich dem -> Agno- nolens volens (lat.) „nicht wollend
stizismus). Der ethische Nihilis- und doch wollend"; wohl oder
mus leugnet die Werte und Nor- übel.
men des Handelns. Nietzsche be- noli me tangere (lat.) „Rühre mich
zeichnete mit dem Wort Nihilis- nicht an!" (Joh. 20, 14—18), in
mus (das er bei dem russischen der Kunst die Darstellung des
Schriftsteller Turgenjew gefun- der Maria Magdalena als Gärtner
den hatte) die Erscheinung, daß erscheinenden Christus.
die obersten Werte sich entwer- Nominalismus (lat.) „Benennungs-
ten, daß es nichts mehr gibt, wo- glaube"; spätscholastische An-
für zu leben oder zu sterben sich schauung, daß dem Allgemeinbe-
lohnt, daß das Bewußtsein auf- griff außerhalb des Denkens
kommt, es sei alles umsonst (»Der nichts Wirkliches entspricht, un-
Wille zur Macht"). sere Begriffe also nur subjektive
Nikolaiten Anhänger einer syri- Bewußtseinsgebilde sind, Worte,
schen gnostischen Sekte der Früh- Namen, die als Zeichen für die
zeit, denen die Offenbarung (2, Dinge und ihre Eigenschaften
6.15. 20) Unzucht und Teilnahme dienen und außerhalb des Den-
an Götzenopfermahlzeiten vor- kens nichts zu besagen haben,
wirft. — Im Mittelalter wurden nichts objektiv Wirkliches be-
Priester, die nicht im Zölibat leb- zeichnen. Die Nominalisten wen-
ten, Nikolaiten genannt. den sich gegen den Begriffsrea-
Nimbus (lat.) Heiligenschein, (un- lismus, wie Plato ihn entwickelt
verdientes) Ansehen. hatte.
Nirvana, Nirwana (sanskr.) „Erlö- Nominierung (lat.) Benennung, Er-
schen"; Versinken in ein be- nennung.
gierdeloses Sein; der schon bei Nomismus (gr.-lat.) Gesetzlichkeit;
Lebzeiten durch Schwinden des die vom alttestamentlichen Ge-
Lebenstriebes erreichbare Zu- setz bestimmte Haltung der stren-
Nomismus 80
gen Juden oder auch Christen. Geist erneuerten Menschen.
Nonkonformisten (lat.-engl.) Mit- Novelle (lat.-ital.) In der Litera-
glieder englischer protestanti- tur: knappe, in Prosa geschrie-
scher Kirchen, welche die Staats- bene Erzählung. Im Rechts-
kirche ablehnen; Menschen, die wesen: der abändernde Nachtrag
mit der herrschenden Meinung zu einem Gesetz.
nicht konform gehen; Einzelgän- Novize (lat.) Mönch oder Nonne
ger, gegen den Strom Schwim- während der Probezeit; Neuling.
mende. numen (lat.) „der göttliche Wille",
non liquet (lat.) „es ist nicht ge- das Walten der Gottheit, die
klärt"; Feststellung, daß ein göttliche Macht (ohne persön-
Sachverhalt nicht durch Beweis lichen Umriß gesehen).
oder Gegenbeweis erhellt ist. numinosum (lat.) das Göttliche als
non possumus (lat.) „wir können eine unbegreifliche, zugleich
nicht"; Weigerungsformel der Vertrauen und Schauer erwek-
röm. Kirche gegenüber der welt- kende Macht (vgl. Rudolf Otto,
lichen Macht. „Das Heilige").
norma normans (lat.) „maßgeben- Numeri (lat.) „Zahlen"; Bez. des
de Norm"; die Bibel als Norm 4. Buches Mose, in dessen ersten
der kirchlichen Lehre. Kapiteln Listen, Verzeichnisse
norma normata (lat.) „genormte und Zahlen der 12 Stämme mit-
Norm"; die kirchlichen Bekennt- geteilt werden.
nisschriften als von der Bibel aus- numerus clausus (lat.) zahlenmä-
gerichtete Lehrnorm. ßig beschränkte Zulassung (zum
normativ nonngebend, Regeln auf- Studium, zu einem Beruf).
stellend, beispielhaft. Nunc dimittis (lat.) der Lobpreis
notae ecclesiae (lat.) die Kenn- des Simeon nach Luk. 2, 29—32,
zeichen der (wahren) Kirche. nach den Anfangs Worten: „Nun
notorisch (lat.) anerkannt, offen- entläßt du . . . "
kundig; auch: berüchtigt. Nuntius (lat.) „Bote"; ständiger
nous (gr.) Geist, Intellekt, Vermö- diplomatischer Vertreter des
gen der geistigen Wahrnehmung. Papstes bei einer Staatsregie-
Novatianer altkirchliche Gruppe rung.
sittenstrenger, rechtgläubiger
Christen (nach dem römischen
Presbyter Novatian, 3. Jahrb..),
die von der Kirche verlangte, sie
solle den Abgefallenen und den Objekt (lat. objectum = das Ent-
Todsündern auch bei ihrer Um- gegengeworfene) der Gegenstand
kehr die Absolution versagen, um des Erkennens (im Gegensatz
sie allein der Gnade Gottes zu zum erkennenden Subjekt).
überlassen. objektiv sachlich, unvoreingenom-
nova vita (lat.) neues Leben, das men; gegenständlich, tatsächlich,
Leben des durch den Heiligen nicht bloß gedacht.
81 Oikosformel
Objektivation Vergegenständli- von menschlichen Verdiensten
chung, Verwirklichung, das Zu- unabhängig bezeugt.
einem-Objekt-Werden. Oculi (lat.) Bez. des 3. Passions-
Oblate (lat.) „das Dargebrachte"; sonntags nach dem Introitus,
Bezeichnung des scheibenförmi- Psalm 25, 15: „Meine Augen
gen Abendmahlsbrotes aus unge- sehen stets zu dem Herrn."
säuertem Teig, auch -»- Hostie Ökonomie (gr.) Wirtschaft, Wirt-
genannt; Laie, der sich an einen schaftlichkeit, Einrichtung, spez.
geistlichen Orden anschließt. das Heilshandeln Gottes als
obligat (lat.) unerläßlich, unent- Heilsökonomie.
behrlich (Gg: ad libitum). Oekumene (gr.) oikumene = be-
oboedientia activa (lat.) der tätige wohnte Erde) ursprünglich: das
Gehorsam (Christi — durch voll- Ganze des römischen Weltreichs;
kommene Gesetzeserfüllung). heute: der Zusammenschluß der
oboedientia passiva (lat.) der lei- christlichen Kirchen der Welt mit
dende Gehorsam (Christi — durch Ausnahme der römisch-katholi-
Hinnahme der göttlichen Strafe). schen Kirche und einiger kleine-
Obolus (gr.-lat.) Scherflein, klei- rer Gruppen.
ner Betrag. Oekumenische Konzile Konzile
Observanten (lat. observare ~ der gesamten katholischen Kirche.
einhalten) Angehörige der stren- Oekumenischer Patriarch Ehren-
geren Richtung eines Mönch- titel des Patriarchen von Kon-
ordens, besonders bei den Fran- stantinopel.
ziskanern. Oekumenische Symbole die drei
Observanz (lat.) Herkommen, Ge- altkirchlichen Glaubensbekennt-
wohnheitsrecht. Befolgung der nisse: -»• Apostolikum, -»- Atha-
strengen Regeln eines Ordens. nasianum, - > Nicaenum.
Obskurantismus (lat.) Denkart der Offertorium (lat.) Darbringung,
Dunkelmänner, Verdummungs- Opferung von Brot und Wein.
eifer, Angst vor Aufklärung. Bezeichnung des Opfergesangs
obszön (lat.) unanständig, scham- und der Meßgebete, welche die
los. —>• Konsekration vorbereiten.
Odkhamismus Lehre des engli- Officium (lat.) Pflicht, Obliegen-
schen Scholastikers Wilhelm von heit, Amt.
Ockham (gest. 1349 in München), Officium divinum (lat.) „Gottes-
der nur das Einzelseiende als dienst"; das Stundengebet des
real-wirklich anerkennt, während katholischen Geistlichen.
das Allgemeine als Begriff des Offizial (lat.) Vertreter des Bi-
Geistes existiert (-»• Nominalis- schofs oder Erzbischofs als Vor-
mus), ferner Glaube und Wissen steher der kirchlichen Gerichts-
scharf trennt, auch eine Begrün- behörde.
dung des Glaubens durch die O. F . M. Abk. für Ordo fratrum
Vernunft für unmöglich erklärt minorum = Franziskanerorden.
und Gottes freie Gnadenwahl als Oikosformel (gr. oikos = Haus)
Oikosformel 82
die in einigen Taufberichten des sphäre") ausgerichtet sind.
NT (z. B. Apg. 16, 15) vorkom- Omen (lat.) Vorzeichen, Vorbe-
mende Formel „mit dem ganzen deutung (vgl. nomen est omen).
Haus", aus der man Rückschlüsse ominös unheilvoll, bedenklich, ver-
auf die frühe Praxis der Kinder- dächtig.
taufe ziehen wollte. Omnipotenz (lat.) die Allmacht
Okkasionalismus (lat. occasio = (Gottes).
Gelegenheit) eine um 1700 auf- Omnipraesenz (lat.) die Allgegen-
tauchende Lehre von den gele- wart (Gottes).
gentlichen Ursachen, die von der Onomastikon (gr.) Namensliste,
Zweiheit zwischen Leib und Wörterverzeichnis (in Antike und
Seele ausgeht, weshalb Leib und Mittelalter).
Seele nicht wechselseitig aufein- ontisch (gr.) seiend, bestehend.
ander wirken können: Gott führe Ontologie (gr.) „Seinswissenschaft";
beider Übereinstimmung herbei, Bezeichnung für die —»• Metaphy-
der „bei Gelegenheit" von leib- sik des Seins und der Dinge, die
lichen Vorgängen die entspre- Seinskategorien formulierende
chenden seelischen Empfindun- Lehre.
gen und Willensakte erzeuge. Ontologischer Gottesbeweis aus
Okkultismus (lat. occultus = ver- dem Vorhandensein des Gottes-
borgen) Lehre vom Verborgenen; gedankens im menschlichen
Beschäftigung mit geheimnis- Geist müsse auf die reale Exi-
vollen Kräften und Mächten, um stenz Gottes geschlossen werden;
ihre Einwirkung auf das wirk- ein „ens perfectissimum" müsse
liche Leben zu erreichen, wobei notwendig auch real existieren
diese verborgenen Kräfte gele- (Ansehn v. Canterbury).
gentlich durch Klopfzeichen, O.P. Abk. für Ordo Praedicato-
Lichterscheinungen u. ä. erkenn- rum = Predigerorden (Domini-
bar werden (vgl. -». Parapsycho- kaner).
logie). opera ad extra (lat.) die Werke
Oktav (lat.) in der katholischen der göttlichen Dreiheit nach
Kirche achttägiges Fest, beson- außen, d. h. in der Offenbarung.
ders die Feier des abschließen- opera ad intra (lat.) die Werke
den Sonntags (Ostern, Pfingsten). der göttlichen Dreiheit nach in-
Oktogon (gr.) Achteck; Gebäude nen.
mit achteckigem Grundriß (öfter Ophiten Schlangenanbeter; gno-
bei Taufkapellen). stische Sekte, welche die Schlange
omega, Punkt (gr.) im Denken des Paradieses als Vermittlerin
von Teilhard de Chardin (franz. der Erkenntnis verehrte.
Paläontologe, Jesuit, 1881—1955) Opportunismus (lat. opportunus
Zielpunkt der Weltentwicklung, = günstig, bequem) Grundsatz-
der wie ein kosmischer Magnet losigkeit; Bereitschaft, sich jeder
wirkt, auf den hin Natur und neuen Situation so anzupassen,
Kultur („Biosphäre" und „Noo- daß ihren Erfordernissen mit dem
83 Orientation
geringsten Energieaufwand ent- tungsstelle eines Bistums oder
sprochen werden kann. Erzbistums; Amt eines ordent-
Optimismus (lat.) Lebensanschau- lichen Hochschulprofessors.
ung oder Gemütsverfassung, wel- Ordinarium (lat.) Bezeichnung für
che das Leben und alle Gescheh- die 5 Sätze der Messe (Kyrie,
nisse von der besten Seite auf- Gloria, Credo, Sanctus, Agnus
faßt und in Krisen einen guten Dei), welche die Hauptbestand-
Ausgang erwartet. Im religiös- teile der katholischen Meßlitur-
philosophischen Sinn: Überzeu- gie sind.
gung, daß diese Welt, so wie sie Ordinarius (lat.) ordentlicher Pro-
ist, die beste unter allen mög- fessor an einer Hochschule.
lichen sei, daß das Wirkliche Ordination (lat.) Amtseinsetzung,
von einer höchsten Vernunft ge- Übertragung des geistlichen
ordnet sei (Leibniz in seiner Amtes der Wortverkündigung
„Theodizee" 1710) (Gg: -+ Pes- und Sakramentsverwaltung.
simismus). Ordinand derjenige, dem das
opus alienum Dei (lat.) das geistliche Amt übertragen wird.
fremde (artfremde) Werk Gottes ordo (lat.) „Ordnung"; mittel-
= Gottes Zorn und Gericht. alterliche Bezeichnung für die
opus proprium Dei (lat.) das Hinordnung alles Wirklichen auf
eigene (arteigene) Werk Gottes Gott.
= Gottes Liebe und Treue. ordo salutis (lat.) Heilsordnung,
ex opere operato „durch Vollzug speziell: die Stufenordnung der
des Werkes": nach katholischer Heilsaneignung, wie sie in der
Lehre die Gültigkeit des Sakra- Orthodoxie und im Pietismus
ments jenseits der Subjektivität entfaltet wurde: vocatio (Beru-
des Empfängers und unabhängig fung), illuminatio (Erleuchtung
von Glauben und Glaubenskraft. oder Erweckung), conversio (Be-
Ora pro nobisl (lat.) Bete für uns! kehrung), justificatio (Rechtfer-
oratio (lat.) Gebet. tigung), sanctificatio (Heiligung
oratio dominica (lat.) Gebet des oder Erneuerung), conservatio
Herrn, Vaterunser. (Erhaltung).
Oratorianer eine Gemeinschaft von oremus (lat.) Laßt uns beten!
Weltpriestern, vom hl. Philipp organum (gr.-lat.) älteste Art der
Neri 1548 in Rom gegründet. Mehrstimmigkeit: Quinten- oder
Oratorium großes Chorwerk mit Quarten-Parallelen zu den Wei-
Orchester und Solisten, meist mit sen des gregorianischen Gesangs.
religiösen Stoffen (zuerst von den Auch Bezeichnung der Orgel.
—>- Oratorianem aufgeführt, um Orgie (gr.-lat.) geheimer, wild-
die weltliche Oper zu verdrän- verzückter Gottesdienst (in den
gen). altgriechischen -> Mysterien); or-
orbis catholicus (lat.) »katho- giastisch = rauschhaft.
lischer Erdkreis". Orientation (lat.) „Ostung"; Aus-
Ordinariat (lat.) oberste Verwal- richtung der Kirchen nach Son-
Orientation 84
nenaufgang. Pädagogik (gr.) Wissenschaft von
Origenismus auf den griechischen der Erziehung; Erziehungskunst.
Kirchenvater Origenes (185—254) Päderastie (gr.) (gleichgeschlecht-
zurückgehende Anschauung ohne liche) Knabenliebe, Knaben-
geschlossenes Lehrsystem. Zu ihr schändung.
gehörte auch die ->• Apokatâsta- Paganismus (lat. paganus = dörf-
sis panton. lich, bäuerisch, heidnisch) Hei-
Orkus (lat.) Unterwelt, Totenreich dentum; heidnische Unterströ-
(nach dem altrömischen Gott der mung im Christentum.
Unterwelt). Pagode (sanskr.) „Heiliges Haus";
Ornat (lat.) Schmuck, Amtstracht, buddhistischer Tempel in Indien
Priestergewand. und China.
orthodox (gr.) rechtgläubig, streng- Paläographie (gr.) Lehre von den
gläubig (Gg: ->- heterodox, libe- Formen und Mitteln der Schrift
ral). im Altertum und Mittelalter;
strenggläubig (Gg: ->- heterodox, Handschriftenkunde.
liberal). Paläontologie (gr.) Lehre von den
Orthodoxe Kirche „Rechtgläubige" Lebewesen vergangener Erdperi-
oder „richtig verherrlichende" oden.
Kirche; Selbstbezeichnung der Palimpsest (gr.) „das Wieder-Ge-
morgenländischen oder griechi- sdiabte"; Papyrus- oder Perga-
schen Kirche, die seit 1054 von mentstück, dessen ursprüngliche
Rom getrennt ist. Schrift zur Materialersparnis ab-
Orthodoxie (gr.) Rechtgläubigkeit, geschabt wurde und das man
Übereinstimmung mit der in der dann ein 2. Mal beschrieben hat
Kirche geltenden Lehre (Gg: -»- (lat. „codex rescriptus").
Hétérodoxie). Auch Bezeichnung Palindrom (gr.) „Rücklauf"; Wort
der theologischen Ära nach oder Wortreihe, die vor- und
Luther. rückwärts gelesen einen Sinn er-
gibt (z. B. Leben — Nebel)
O.S.B. Abk. für „Ordo Sancti Be-
oder sogar gleich lautet (z. B.
nedicti" = Benediktinerorden.
Tat, Elle).
O.S.Fr. Abk. für „Ordo Sancti Palingenese (gr.) Wiederkehr aller
Francisci" = Franziskanerorden. Dinge, wie sie von den Pythago-
Osservatore Romano (ital.) „Rö- reem und Stoikern gelehrt wur-
mischer Beobachter"; die Zeitung de. Auch: Wiedergeburt der
des Vatikans. Seele.
Ossnarium (lat.) Beinhaus (auf Pallium (lat.) „Hülle"; Amtsabzei-
Friedhöfen). chen des katholischen Erz-
Ostinato -*- Basso. bischofs: eine um die Schultern
ostraka (gr.) Scherben von zer- gelegte weiße Binde mit sechs
brochenen Gefäßen, die in der schwarzen Kreuzen.
Antike als Schreibmaterial ge- Palmarum (lat.) „Palmentag"; Bez.
braucht wurden. des Sonntags vor Ostern nach
85 Paragemeinde
dem Einzug Jesu in Jerusalem in der Ostkirche der Typ des
(Matth. 21, 1—11). thronenden und herrschenden
pan (gr.) das All; in Zusammen- Christus, wie er oft in der Apsis
setzungen: all-, ganz. dargestellt wurde.
Fanbabylonismus Theorie, wonach Papaiismus kirchenrechtliche An-
die babylonische Weltanschauung schauung, nach der dem Papst die
den übrigen Kulturen und Reli- volle Kirchengewalt zusteht (Gg:
gionen (auch der biblischen) ihre —> Episkopalismus).
Prägung gegeben habe. Papyrus Schreibmaterial des Al-
Pancntheismus (gr.) „All-in-Gott- tertums, hergestellt aus dem
Lehre", eine Verschmelzung von Mark der ägyptischen Papyrus-
-> Theismus und -> Pantheis- Schilfpflanze. Auch Bezeichnung
mus. Danach ist die Welt in Gott, eines einzelnen Blattes oder
aber Gott zugleich mehr als die Fragments (Mehrzahl: Papyri).
Welt. Parabel (parabolisch) (gr.) lehr-
panisch lähmend, erschreckend (nach hafte Dichtung; ein zu einer Er-
dem altgriechischen Hirtengott zählung ausgestaltetes Gleichnis
Pan, der es verstand, plötzlichen (etwa die Nathan-Parabel in
Schrecken zu verursachen). 2. Sam. 12).
Paradigma (gr.-lat.) Beispiel, Vor-
pan ta rhei (gr.) „alles fließt"; eine bild, Muster (Mehrzahl: Para-
Formel für Heraklits philosophi- digmata).
sche Grundauffassung von der paradox (gr. para doxan = gegen
Welt, der Wechsel sei das eigent- die Erwartung, gegen den Au-
lich Beständige und Zuverlässige. genschein) widersinnig, im Ge-
Pantheismus (gr.) Allgottlehre; die gensatz zueinander stehend.
Überzeugung, daß „Gott" und Paradoxon ein Urteil, das schein-
„Wirklichkeit" dasselbe sind, die bar widersinnig, aber nicht unsin-
von uns erfahrene endliche Wirk- nig ist. — In der Existenztheo-
lichkeit also nicht durch Schöp- logie Kierkegaards ist das Para-
fung durch die freie Allmacht doxon — ausgehend vom Ärger-
Gottes entstanden, sondern nur nis erregenden Widerspruch im
die Entfaltung seines eigenen NT — Ausgangspunkt für die
Wesens, seine „Selbstauslegung" Bestimmung des Glaubens gegen-
ist. Da das Gegenüber von Gott über der Vernunft.
und Schöpfung nicht besteht, Paränese (gr.) eine Schrift mah-
gibt es für den konsequenten nenden Inhalts; die Nutzanwen-
Pantheisten keine Anbetung, dung einer Predigt.
Schuldbekenntnis, Verantwor- Paragemeinde eine Gemeindebil-
tung, Vergebung usw. dung, die nicht in traditioneller
Pantheon (gr.) Tempel für die Weise als Ortsgemeinde entstan-
Götter aller Völker im antiken den ist, sondern etwa durch eine
Rom (eine Kopie davon in Paris). gemeinsame Berufsausbildung
Pantokrator (gr.) „Allbeherrscher"; (Studentengemeinde, Soldatenge-
Paragemeinde 86
meinde, Schulgemeinde) oder ein tersucht (vgl. ->- Okkultismus).
temporäres Erlebnis (Freizeit, Parerga (gr.) Sammlung kleiner
Urlaub). Schriften, Zugabe.
Paraklese (gr.) Zuspruch, Ermun- Parität (lat.) religiöse und politi-
terung. sche Gleichstellung der Glieder
Faraklet (gr.) „der Herbeigeru- verschiedener Religionsgemein-
fene"; Beistand, Fürsprecher, schaften. Gleiche Verteilung von
Anwalt. Bei Johannes Bezeich- Ausschußsitzen unter den Kon-
nung des Heiligen Geistes (Joh. fessionen.
14,16.26; 15, 26; 16, 7) und Chri- Parochie (parochial) (gr. paroikia
sti (1. Joh. 2,1). = Beieinanderwohnen) ur-
Paralipomena (gr.) „die ausgelas- sprünglich die christliche Ge-
senen (Stücke)"; Ergänzungen, meinde, die in fremder Umwelt
Nachträge zu einem früher er- lebte; heute: ein abgegrenzter
schienenen Werk. Bez. der Bü- Pfarrbezirk (Pfarrei, Kirchspiel).
cher der Chronik im AT. Parodie (gr.) „Gegengesang"; eine
parallelismus membrorum (lat.) verspottende Umschreibung eines
spezielle Form der hebräischen bekannten Textes; geistliche Um-
Poesie: zwei Zeilen eines Verses dichtung eines weltlichen Liedes.
sind eng aufeinander bezogen, Parrhesfe (gr.) Freimütigkeit (im
entweder durch gleichen Inhalt Reden, im Zeugnis).
(z. B.: „Dein Wort ist meines Parsismus die von Zarathustra
Fußes Leuchte und ein Licht auf (Zoroaster) gestiftete altpersische
meinem Wege") oder durch ent- Religion, besonders ihre heutige
gegengesetzte Aussage (z. B. „Ge- indische Form, zu der auch die
rechtigkeit erhöht ein Volk, aber Vorstellung von übermensch-
die Sünde ist der Leute Verder- lichen Geisteswesen (Engeln) ge-
ben"). hört.
Paramente (lat.) Gewebe für got- pars pro toto (lat.) Redeweise, die
tesdienstliche Zwecke (Altar- und einen Teil für das Ganze setzt
Kanzelbekleidung). (z. B. Brotgeber, heller Kopf).
Paraphrase (gr.) „Hinzusagung"; Parthénogenèse (gr.) „Jungfrau-
umschreibende Erweiterung eines zeugung"; Geburt eines Gottes
Textes, um ihn zu erläutern. oder eines Helden durch eine
Parapsychologie Forschungsrich- Jungfrau.
tung, welche die Probleme der Partizipation (lat.) Teilhabe, Teil-
Gedankenübertragung und des nahme; in der alten Philosophie
Gedankenlesens (-»- Telepathie), das Verhältnis des Abbilds zum
der Fernbewegung von Gegen- Urbild, des menschlichen Seins
ständen (Telekinese), der Auf- zum göttlichen Sein (griech. me-
hebung der Schwerkraft (-> Le- thexis).
vitation), des Hellsehens, des Parusie (gr.) „Anwesenheit"; An-
Zweiten Gesichts und andere kunft, Wiederkunft, Gegenwart
übersinnliche Erscheinungen un- des erhöhten Christus; das Ge-
87 Pax Romana
genwärtigwerden des endgülti- schaftlicher Ausdruck, erhobene
gen, in der Gegenwart Gottes Stimme, übertriebene Gefühls-
vollkommenen Lebens. äußerung.
Parzen (lat.) die drei antiken Patriarch (gr.) „Erzvater", „Va-
Sdiicksalsgöttinnen (->• Moira). ter des Anfangs"; geistlicher
Pasquill (ital.) Schmäh- oder Würdenträger der Ostkirche.
Spottschrift (meist anonym). Ökumenisther Patriarch Titel
Passa, Passah (gr. pas-cha vom des Patriarchen zu Konstantino-
hebr. pesach) „Verschonung"; die pel seit 587.
jüdische Feier zur Erinnerung an patriarchalisch Rechtszustand, in
die Verschonung der israeliti- dem der Familienvater das ge-
schen Erstgeburt und den Auszug samte Privatrecht bestimmt.
aus Ägypten (2. Mose 12), gefei- Übertragen: altväterlich, ehrwür-
ert am 14. Nisan (März—April) dig.
durch Schlachtung eines Lammes. Patripassianismus (lat.) Glaube,
Pastor (lat.) „Hirte"; Bez. für den daß Gott der Vater in Jesus selbst
ev. Geistlichen, ganz allgemein gelitten habe — eine Meinung,
üblich in Norddeutschland und die aus dem ->• Modalismus und
in Rheinland-Westfalen, in ande- - > Monarchianismus erwuchs.
ren Gebieten nur für den jungen Patristik (gr.) Kirchenväterkunde
Theologen, der noch keine eigene (auch: Patrologie); in der Kir-
Pfarrei hat. chen- und Dogmengeschichte Be-
Pastor primarius Oberpfarrer, zeichnung für die Periode der
Hauptpastor. Kirchenväter.
Pastor Ioci Ortspfarrer. Patron (lat.) Schutzherr, Beschir-
Pastoralbriefe die von Fragen der mer, Gönner.
Gemeindeleitung handelnden Patronat Schirmherrschaft über
Paulusbriefe an Timotheus und eine Ortskirche, die zur Mitwir-
Titus. kung an der Besetzung der
Pastoraltheologie im Katholizis- Pfarrstelle berechtigt und zur Un-
mus Bez. der praktischen Theo- terhaltung der Kirche verpflich-
logie (Lehre von den Gemeinde- tet.
ämtern, der Seelsorge, dem Kir- Paulinismus zusammenfassende Be-
chenrecht). zeichnung für die Theologie des
Patène (gr.-lat.) Hostienteller. Apostels Paulus, insbesondere
Pater (lat.) Vater; katholischer seine Reflexion über Tod und
Ordensgeistlicher. Auferstehung Jesu Christi.
Paternoster (lat.) Vaterunser. Pax (lat.) Friede, der Friedenskuß
Pater scraphicus Beiname des Fran- in der katholischen Messe.
ziskus von Assisi. Pax Dei der Friede Gottes.
Pathologie (gr.) Krankheitslehre; Pax Romana in der Antike der
speziell: Lehre von den seeli- befriedete Bereich der römisch-
schen Erkrankungen. griechischen Kultur. Auch Name
Pathos (pathetisch) (gr.) leiden- einer 1921 begründeten inter-
Pax Romana
nationalen katholischen Studen- Pentateuch (gr.) „Fünfbuch"; zu-
tenbewegung. sammenfassende Bezeichnung
Pazifismus (lat.) Bemühung um der 5 Bücher Mose.
Überwindung der Kriege. Der Pentatonik (gr.) fünfstufiges Ton-
konsequente Pazifismus verwirft system ohne Halbtöne, darstell-
jeglichen Kriegs- und Waffen- bar durch Benutzung nur der
dienst. schwarzen Klaviertasten (im eu-
pecca fortiter, crede fortins (lat.) ropäischen Kleinkinderlied üb-
sündige tapfer, glaube noch tap- lich).
ferer! (Luther). Pentecoste (gr.) Pfingsten als der
peccatum actuate (lat.) Tatsünde. „fünfzigste" Tag nach Ostern.
peccatum habituate (lat.) Zustands- Perfektionismus (lat.-franz.) „Voll-
sünde. kommenheitslehre"; Anschauung,
peccatum mortale (lat.) Todsünde. daß der Christ, wenn er mit
peccatum ommissionis (lat.) Un- Ernst eine Durchheiligung seines
terlassungssünde. Lebens erstrebe, schon auf Erden
peccatum originale (lat.) Erb- eine völlige Überwindung der
sünde. Sünde erlangen könne.
peccatum veniale (lat.) läßliche Perichorese (gr.) Durchdringung;
(vergebbare) Sünde. das Ineinandersein der drei gött-
Pektorale (lat.) Brustkreuz eines lichen Personen auf Grund der
hohen Geistlichen. Wesenseinheit in Gott; das Sich-
Pektoraltheologie (lat. pectus = durchdringen der beiden Naturen
Brust) Theologie aus voller in Christus.
christlicher Überzeugung. in periculo mortis (lat.) in To-
Pelagianismus Anschauung des desgefahr.
irischen Mönchs Pelagius (354 bis Perikope (gr.) Abschnitt; Schrift-
nach 418), daß es keine Erbsünde abschnitt, der im Gottesdienst
gebe, daß der Mensch einen zur Lesung und als Predigttext
freien Willen habe und aus eige- dient.
ner Kraft Gutes tun könne; diese Peripatetiker Schüler des griechi-
Lehre wurde von Augustinus und schen Philosophen Aristoteles, die
seinen Schülern bekämpft und ihre Kurse in einer Wandelhalle,
kirchlich verurteilt (vgl. -> Semi- dem „Peripatos", abhielten.
pelagianer). Peripetie (gr.) entscheidender Um-
Pentagramm (gr.) Fünfeck, fünf- schwung (etwa in einem Drama).
strahliger Stern, in einem Zug peripher(isch) (gr.) am Rande be-
mit 5 gleichlangen Linien zei- findlich; Nebendinge betreffend
chenbar, meist zu magischen (Gg: zentral).
Zwecken ( = Drudenfuß). Peripherie (gr.) Umfang eines
Pentapolis (gr.) Gruppe der fünf Kreises, Rand.
Städte, die in Feuer und Schwe- Perseität (lat.) das Durch-sich-selbst-
fel untergingen (1. Mose 14, 2; Sein Gottes, das nur von sich ab-
Weisheit 10, 0—7). hängt (scholastische Bezeich-
89 Phallos (phallisch)
nung). schlechteste) Anschauung, welche
Perseveranz (lat.) Beharrlichkeit, die Schattenseiten der Welt und
Ausdauer. des menschlichen Lebens hervor-
persona (lat.) ursprünglich: die hebt, das Überwiegen der Unlust
Maske im Schauspiel (von per- gegenüber der Lust behauptet
sonare = hindurchtönen). Über- und daraus die Sinnlosigkeit alles
setzung des griech. prosopon = Bemühens folgert, weil alles
Antlitz, das einer als sein eigenes schließlich doch ein böses Ende
zeigt. In der Philosophie: geist- nehmen werde und die Ge-
begabtes Einzelwesen, geistige schichte eine ziellose Folge von
Einzelexistenz. Aufstieg und Untergang sei (Gg:
persona grata (lat.) „willkommene -> Optimismus).
Person"; beliebter, bevorzugter petitio principii (lat.) im Beweis-
Mensch. gang die Verwendung eines
Personalinspiration Lehre von der Satzes, der selbst bewiesen wer-
Einwirkung des Heiligen Geistes den müßte (Erschleichung des
auf die Person der biblischen Au- Beweises).
toren (Gg: -> Verbalinspiration). Phänomen (gr.) „das Erscheinen-
personifizieren das Umsetzen ab- de"; Erscheinung; der uns ge-
strakter Größen (Liebe, Sorge, genübertretende unabänderliche
Tod) in persönliche Gestalten. Gegenstand unseres Erkennens.
Perspektivismus (lat.) Lehre, daß Kant unterscheidet zwischen dem
das Sein (die Wahrheit) für den „Ding an sich" und seinem „Phä-
Menschen je nur von seinem be- nomen".
stimmten Standort aus, d. h. in Phänomenalismus philosophische
einer bestimmten Blickrichtung Anschauung, wonach Gegenstän-
verstehbar und erkennbar ist, de der Erfahrung und Erkenntnis
sein Erkennen auf den Wandel immer nur die Erscheinungen der
der Welt als Verstehenshorizont Dinge (im Gegensatz zu den
bezogen sei. „Dingen an sich") sind.
Perspikuität (lat.) die Durchsich- Phänomenologie Lehre von den
tigkeit, Klarheit der Heiligen Phänomenen. Bezeichnung für
Schrift. eine philosophische Methode, die
pervertieren (lat.) entarten, vom vor aller Spekulation und Theo-
Normalen abweichen. In der ka- rienbildung eine genaue beschrei-
tholischen Terminologie: die ka- bende Analyse der zu behandeln-
tholische Kirche verlassen und den Gegenstände verlangt, um
einer häretischen Gruppe bei- so ihr Wesen zu erkennen und
treten. die aus ihnen sich ergebenden
Peschitta (syr.) „die Einfache"; Fragen in den Blick zu bekom-
altchristliche Übersetzung der men.
Bibel ins Syrische, um 380 ent- Phallos (phallisch) (gr.) das männ-
standen. liche Glied als Sinnbild der
Pessimismus (lat. pessimus = der Fruchtbarkeit.
Phantasie 90
Phantasie (gr.) Einbildungskraft, gen der abendländischen Philo-
Vorstellung; die Fähigkeit zu sophie, der die Jahrhunderte
freispielendem Verbinden von verbindet und auf den sich die
Vorstellungen, vor allem als katholische Theologie stützt. —
„schöpferische Phantasie" im Nach Jaspers ist die philoso-
Dienst des Denkens oder tech- phia perennis „das Gespräch der
nischer und künstlerischer Inspi- wenigen großen Philosophen
rationen. über die Zeiten hinweg".
Pharisäer (hebr. peruschim) „die Phlegma (gr.-lat.) Trägheit, Schwer-
sich Absondernden"; eine in der fälligkeit, Dickfelligkeit.
->• Makkabäerzeit entstandene phrygisch eine alte Kirchentonart
Bewegung jüdischer Laien, die (von e bis e), nach der klein-
den Willen Gottes durch pedan- asiatischen Landschaft Phrygien.
tisch genaue Beachtung des Phylakterien (gr.-lat.) als Amulett
Gesetzes (besonders der Rein- benutzte geweihte Gegenstände;
heitsvorschriften) zu erfüllen im Judentum Gebetsriemen (->-
trachteten, was allmählich zur Tefillin).
Veräußerlichung des Glaubens, Physikoteleologischer Gottesbeweis
zum Buchstabenkult und zur aus der zweckmäßigen und sinn-
Werkgerechtigkeit führte und in vollen Einrichtung dieser Welt
Hochmut und Heuchelei entar- müsse man auf Gottes Sein
tete (Gg: - > Sadduzäer). schließen.
pharmakon athanas;as (gr.) „Un- Physiognomie (gr.) Gesichtsbil-
sterblichkeitsarzenei"; altkirch- dung, Gesichtsausdruck (als Aus-
liche, auf Ignatius von Antiochia druck des Wesens).
(Märtyrertod um 112) zurückge- Physis (gr.) Natur, physisch natur-
führte Bezeichnung des Abend- haft, körperlich.
mahls, die bereits die „Verding- Pia desidcria (lat.) „Fromme Wün-
lichung" erkennen läßt. sche" (Titel der Schrift Speners
Philadelphia (gr.) Bruderliebe. von 1675, die zur Programm-
Philanthrop (gr.) Menschenfreund. schrift des älteren Pietismus
Phjlema (gr.) Friedenskuß, Bru- wurde).
derkuß. pia frans (lat.) frommer Betrug,
Philosemit Freund des Juden- Betrug zu gutem Zweck (Zitat
tums. aus Ovids „Metamorphosen").
Philosophie (gr.) „Weisheitsliebe"; Pieti (ital.) Plastik der trauern-
Besinnung des Menschen über den Maria mit dem toten
sich selbst und die Welt, vor Christus auf dem Schoß (soge-
allem auch über seine Verhal- nanntes Vesperbild).
tensweisen zu ihr (Erkennen, Pietismus (lat. pietas = Fröm-
Denken, Werten, Handeln). migkeit) Erneuerungsbewegung
philosophia perennis (lat) »die der ev. Kirchen seit dem 17. Jahr-
dauernde Philosophie"; der Kern hundert (Spener, Francke, Zin-
gemeinsamer Grundüberzeugun- zendorf), die den erstarrten For-
91 Polemik
malismus der Orthodoxie über- des Menschen ihm aus mehreren
wand, auf Echtheit der Fröm- Quellen zukommt und daß er
migkeit, Gemeinschaft der Gläu- diese Vielfalt nicht auf einen
bigen untereinander und die Nenner bringen kann. Speziell:
„Früchte des Glaubens" drängte, das Nebeneinander und Mitein-
dabei auf die Erfahrung der ander unterschiedlicher Weltan-
Wiedergeburt mehr Wert legte schauungen und Geisteshaltun-
als auf die Sakramente, wodurch gen, die einander respektieren
oft ein Gegensatz zur Theologie (ähnlich -*- Koexistenz).
der institutionellen Kirchen ent- Plymouthbrüder -> Darbysmus
stand. Pneuma (gr.) Geist, Hauch (hebr.
Piscina (lat.) „Fischteich"; Tauf- mach).
brunnen im altchristlichen Bap- Pneumatiker ein vom Geist Er-
tisterium; Weihwasserbedcen. füllter und Getriebener; in der
Pistis-Sophia (gr.) ägypt.-gnosti- ->• Gnosis Angehöriger der höch-
sche Schrift aus dem 3. Jahrh. mit sten, allein zur wahren Gottes-
angeblichen Offenbarungen des erkenntnis fähigen Menschen-
Auferstandenen. klasse (-> Psychiker, -> Hyliker).
Placet (auch Plazet) (lat.) „es ge- Pneumatische Exegese eine geist-
fällt"; schriftliche Zustimmung gewirkte und vollmächtige Bibel-
einer Behörde oder eines Vor- auslegung (statt bloßer Textkritik
gesetzten. und historisch-kritischer Infor-
Piatonismus die auf den Griechen mation).
Plato (427—347 v. Chr.) und Pneumatologie Lehre vom Heili-
seine Akademie zurückgehende gen Geist.
Ideenlehre.
Pönitenten (lat.) Büßer.
Pleonasmus (gr.) „Überfluß"; stil-
widrige Verwendung eines über- Pönitenz die vom Priester in der
flüssigen Beiworts, z. B. „großer Beichte aufgelegte Bußleistung
oder -Übung.
Riese" (vgl. -*- Tautologie).
Pleroma (gr.) „die Fülle"; ein von Pogrom (russ.) Ausschreitungen ge-
Paulus vielleicht aus dem Gnosti- gen religiöse oder rassische Grup-
zismus übernommener Begriff pen (speziell: gegen die Juden).
(Kol. 1,19; 2, 9; Eph. 1, 23; auch Poimenik (gr. poimen = Hirte)
Joh. 1, 16), welcher besagen will, Lehre vom Hirtenamt, von der
daß uns in Christus die Fülle, Seelsorge.
das absolute Ganze der göttlichen Polarität Spannungsverhältnis zwi-
Wirklichkeit begegnet. schen gegensätzlichen Wirklich-
Plerophorje (gr.) Fülle (des Glau- keiten, die sich ergänzen und ge-
bens, der Überzeugung, der radezu bedingen (verdeutlicht
Dankbarkeit). durch die zwei Pole des elektri-
Pluralismus (lat.) die Vielfältig- schen Stromes).
keit des Daseins; Anerkennung Polemik (gr. polemos = Krieg)
der Tatsache, daß die Erfahrung Meinungsstreit, Wortstreit, wis-
Polemik 92
senschaftliche Auseinanderset- auf Sinneseindrücke zurückführ-
zung. bare Wirklichkeit zum Gegen-
Polygamie (gr.) Vielehe, Vielwei- stand haben.
berei. Postille (lat.) Predigtbuch, in dem
Polyglotte (gr. glotta = Sprache) Predigten über die -> Perikopen
vielsprachige Bibelausgabe, die enthalten sind. Solche Lesepre-
den Text in mehreren Sprachen digten wurden oft im Gottes-
nebeneinander bietet. dienst nach der Verlesung von
Polyphonie (gr.) „Vielstimmigkeit"; Epistel und Evangelium ver-
eine Kompositionsweise, bei der verwandt (daher post ilia = nach
jede Stimme selbständig geführt jenen).
wird (Gg: -> Homophonie). Postulat (lat. postulare = for-
Polytheismus (gr.) Vielgötterei. dern) Forderung, Voraussetzung;
Meinung, daß es eine Vielzahl die Setzung eines rational nicht
von göttlichen Wesen gebe. Beweisbaren, das aber notwen-
pontifex (lat.) „Brückenbauer"; dig ist, damit ein Zusammenhang
Priester (zunächst im antiken sinnvoll wird. — Nach Aristote-
Rom). les und Thomas von Aquin: ein
pontifex maximus (lat.) oberster nicht unmittelbar einsichtiger
Priester, Hochpriester (zunächst Satz, den man in einer wissen-
im antiken Rom). Titel der rö- schaftlichen Erörterung unter
mischen Kaiser, seit 445 Titel des Verzicht auf einen Beweis vor-
Papstes. läufig annimmt, wobei man vor-
Pontifikalamt eine Messe, die der aussetzt, daß er anderswo be-
Papst oder ein Bischof zelebriert. wiesen wird. — Nach Kant ist
Pontifikat das Papstamt, die Papst- ein „Postulat der praktischen
würde. Vernunft" ein Satz, der ange-
Pope (gr. pappas = Vater) der nommen werden muß, soll nicht
Weltgeistliche in der griechischen das Sittengesetz und seine Be-
Kirche. folgung als sinnlos erscheinen;
Portativ kleine tragbare Orgel so ist z. B. das Dasein Gottes bei
(Gg: -> Positiv). Kant ein „Postulat der prak-
Positiv kleine Standorgel mit nur tischen Vernunft".
einem Manual (Gg: ->• Portativ). potentia (lat.) Möglichkeit, Fähig-
Positivismus (lat. positum = das keit, Kraft. In der scholastischen
Festgesetzte) eine von den Na- Philosophie: das bloße Angelegt-
turwissenschaften bestimmte phi- sein auf etwas hin im Gegensatz
losophische Richtung, die sich zum Akt.
streng nur an das positiv Gege- potentiell anlagemäßig, der Mög-
bene hält und nur die Tatsachen lichkeit nach, verborgen (im Ge-
erforscht (ähnlich ->• Empiris- gensatz zu wirklich, aktuell).
mus), dabei alle metaphysischen potestas (lat.) Macht, Gewalt,
Behauptungen ablehnt, weil Amtsgewalt.
diese eine nicht in dieser Weise potestas clavium Amt der Schlüs-
93 Prästabilierte Harmonie
sel nach Matth. 16, 19 (Amt der Gebet, das mit der Aufforderung
Sündenvergebung und Sünden- „Erhebet eure Herzen" beginnt
behaltung, —>- Absolution und ->• und mit dem Dreimal-Heilig
Retention). schließt.
Präambel (lat.) feierliche Erklä- prähistorisch (lat.) vorgeschicht-
rung als Einleitung zu Gesetzen, lich; aus einer Zeit stammend,
Verfassungen, Verträgen. die keine schriftlichen Zeugnisse
Präbende (lat.) „das zu Gewäh- hinterlassen hat.
rende"; kirchliche Pfründe, die Präkognition (lat.) „Vorher-Er-
Einkünfte eines Kirchenamts kenntnis"; das Hellsehen in be-
oder einer Stiftung. zug auf zukünftige Vorgänge
Prädestination (lat.) Vorherbestim- (Ausdrude der -»- Parapsycholo-
mung; die Lehre vom ewigen gie).
Willensratschluß Gottes, von der Prälat (lat.) in evangelischen Kir-
göttlichen Vorherbestimmung der chen (Württemberg, Baden, Kur-
Menschen zum Glauben und zum hessen) Titel für führende Geist-
Unglauben, zum Heil und zum liche (Stellvertreter des Bischofs).
Verderben, vor allem von Au- In der katholischen Kirche hoher
gustinus und Calvin entfaltet geistlicher Würdenträger.
(vgl. Rom. 8, 28—33; 9, 11—18; Präludium (lat.) Einleitungsmu-
Eph. 1, 4—11; Matth. 22, 14). — sik; dem Choral vorangehendes
Bei Luther liegt der Akzent der Orgelvorspiel.
Prädestination auf der Gnaden-
Prämisse (lat.) „das Vorausgeschick-
wahl: der Blick auf den ewigen
te"; Voraussetzung; Vordersatz
Heilsratschluß Gottes soll die
im Schlußverfahren, der die Vor-
Gewißheit stärken, daß das Heil
allein von Gott kommt und un- aussetzung für eine Folgerung
verdientes Geschenk ist. bildet.
Prädikant (lat.) Prediger, Hilfs- praepositus (lat.) Vorgesetzter,
prediger. Propst.
Präexistenz (lat.) vorweltliches Da- Praescienz (lat.) Vorauswissen (oft
sein Christi in Gottes ewiger als Abschwächung für die ->• Prä-
Welt (vgl. Joh. 1, 1; 3, 13; Phil. destination verwandt).
2, 6; 1. Kor. 8, 6). Präsentationsrecht Vorschlagsrecht
Präexistenzianismus Anschauung, (z. B. des Patrons einer Kirche)
daß die menschlichen Seelen für die Besetzung einer erle-
schon vor ihrem leibhaftigen Da- digten Stelle.
sein existieren und daß Gott bei Prästabilierte Harmonie (lat.) vor-
jeder Zeugung eine von ihnen herbestimmter Einklang; eine
ins irdische Dasein treten lasse von Leibniz vertretene Lehre,
(vgl. —>- Kreatianismus). wonach jede ->- Monade, weil
Präfation (lat.) „Vorspruch"; ein Gott bei der Schöpfung ihren
zum zentralen Teil des Sakra- eigengesetzlichen Vorstellungs-
mantsgottesdienstes gehörendes verlauf dem ganzen Weltgesche-
Prästabtlierte Harmonie 94
hen anpaßte, ein „lebendiger chenvorstands in der Rhein.-
Spiegel" des Ganzen ist und Westfälischen Kirche und in Re-
sich mit den anderen Monaden formierten Kirchen; gelegentlich
zu einem harmonischen Ganzen auch: Chorraum einer Kirche (als
zusammenfügt. Priesterraum).
Presumption (lat.) Vermutung, An- Priesterkodex die aus Priesterkrei-
nahme; Vorwegnahme. sen stammende nachexilische
Präzedenz (lat.) früherer Fall, frü- Quellenschrift, die im -> Hexa-
heres Beispiel. Rangfolge bei teuch verarbeitet ist.
Prozessionen. Primas (lat.) ranghöchster Bischof
Pragmatismus (pragmatisch) (gr. eines Landes (z. B. der Erz-
pragma = Tat, Handlung) Rich- bischof von Salzburg für das
tung, für welche die Bewährung deutsche Sprachgebiet).
in der Praxis und die Nützlich- Primat (lat.) „Vorrangstellung",
keit Maßstäbe der Wahrheit speziell: die des Papstes gegen-
sind: wahr ist, was für die Be- über den anderen Bischöfen.
wältigung gerade sich stellender primitiv (lat.) urtümlich, unent-
praktischer Aufgaben dienlich wickelt, dürftig, in den Anfängen
ist. steckengeblieben.
praxis pietatis (lat.) fromme Le- Primiz (lat.) erste Messe eines
bensführung. neugeweihten Priesters.
Predella (lat.) ursprünglich: Auf- primum movens (lat.) erstes Be-
bau auf dem Altartisch zum Auf- wegendes (als Weltursache).
stellen der Leuchter und Reli- primas inter pares (lat.) Erster
quienbehälter. Später: das Sok- unter Gleichrangigen.
kelgemälde oder die plastische Prinzip (lat. principium = An-
Darstellung am Sockel eines fang, Ursprung) Grundsatz, Aus-
Schrankaltars. gangspunkt; die letzte Grund-
Presbyter (gr.) „der Ältere"; Be- lage eines Seins- oder Gedan-
zeichnung für das Ältestenamt, kenzusammenhangs.
das die Urkirche von den Juden Prior (lat.) Ordensoberer, Stell-
übernommen hatte (Apg. 11, 30) vertreter des Abts.
und aus dem im 2. Jahrh. das Privatissimum (lat.) Vorlesung für
Amt des Priesters wurde (Priester einen ausgewählten Kreis.
ist Lehnwort aus „Presbyter"). Privileg(itun) (lat.) Vorrecht, Son-
Presbyterianismus Kirchenfonn in derrecht.
angelsächsischen Ländern, welche Probabiliorismus (lat. probabilior
dem Amt des Presbyters eine be- = wahrscheinlicher) katholische
sondere Verantwortung in der Moralanschauung, daß man im
Kirchen- und Gemeindeleitung Zweifelsfall nur dann die leich-
zuspricht (im Unterschied zur tere, von der menschlichen Frei-
bischöflichen Verfassung der heit erwünschte Lösung wählen
Anglikanischen Kirche). darf, wenn es „wahrscheinlicher"
Presbyterium Bezeichnung des Kir- ist, daß sie moralisch-ethisch
95 Proselyt
verantwortet werden kann, als liches Aufgebot (von Verlobten).
der schwerere Weg. Prolegomena (gr.) „die vorweg zu
Probabilismus (lat. probabilis = sagenden (Dinge)"; Vorbemer-
annehmbar) ein katholisches Mo- kungen. Einführung in eine Wis-
ralsystem, das Antwort gibt auf senschaft.
die Frage, wie bei einem zwei- proleptisch (gr.) vorgreifend, vor-
felhaften Gesetz oder Fall das wegnehmend (z. B. die erwarte-
Gewissen sich entscheiden muß: ten Einwände eines Andersden-
im Fall eines Zweifels an der kenden).
sittlichen Erlaubtheit einer Prolog (gr.) Vorspruch, Einleitung
Handlung dürfe man jenen Weg (Gg: -> Epilog).
gehen, wenn sich anerkannte Promotion (lat.) „Beförderung";
Kirchenlehrer für diese Möglich- Verleihung der Doktorwürde.
keit ausgesprochen hätten (Gg: promovieren die Doktorwürde er-
- > Rigorismus). langen; auch: die Doktorwürde
Problem (gr.) „das Vorgelegte"; verleihen ( = Aufgabe des Pro-
Aufgabe; speziell: eine noch motors).
nicht gelöste und schwer lösbare Propädeutik (gr.) Einleitung in
Aufgabe oder Streitfrage. eine Wissenschaft (besonders in
pro dorao (lat.) „für das Haus"; die Philosophie).
im eigenen Interesse, für sich Proporz (lat.) Verhältniswahl; heute
selbst. meist: Verteilung der Stellen
Proexistenz (lat.) Für-Existenz im unter gleichmäßiger Berücksichti-
Gegensatz zur bloßen Ko-Exi- gung der Konfessionen.
stenz, die keine Verantwortung propositio (lat.) Satz, Urteil; The-
für den anderen erkennen läßt. ma einer Predigt.
profan (lat. pro fano = vor dem proprietates (lat.) Eigenschaften,
Tempel) weltlich, nicht religiös, wesentliche Eigentümlichkeiten.
nicht kultisch. Proprium (lat.) „das Eigene"; die
Profangeschichte weltliche Geschich- wechselnden Texte und Gesänge
te (Gg: Kirchengeschichte). der katholischen Messe im Ge-
Profangrazität das Griechisch der gensatz zum ->• „Ordinarium".
weltlichen griechischen Schrift- Propst (lat. praepositus = Vor-
steller. gesetzter) in evangelischen Kir-
profanieren entweihen, entwürdi- chen verschieden gebrauchter
gen. Titel für führende Geistliche,
Profeß (lat-) öffentliche Ablegung deren Amt mehr seelsorglicher
der Ordensgelübde, die zunächst Art ist.
für 3 Jahre gilt, erst dann er- Proselyt (gr.) „der Hinzugekom-
folgt die „ewige Profeß". mene"; ein NichtJude, der zum
Prohibition (lat.) Verbot von Al- Judentum übertrat (Matth. 23,15:
koholverkauf und -genuß. „Judengenosse"). Heute meist
Proklamation (lat.) Verkündigung, abwertend: einer, der von einer
Aufruf, Bekanntmachung. Kirch- Religion oder Weltanschauung
Proselyt 96
zu einer anderen übertritt. Pseudo-Klementinen auf Clemens
Proselytentaufe das Tauchbad, das von Rom (1. Jahrh.) fälschlich zu-
neben der Beschneidung für alle rückgeführte apokryphe Schrift
NichtJuden vorgeschrieben war, aus dem 3. Jahrh.
die zum Judentum übertraten. Pseudomorphose (gr.) fehlgehen-
Proskynese (gr.) Ehrenbezeigung, de Entwicklung in der Gestal-
liegend oder kniend; Kniefall bei tung.
der Heiligenverehrung. Psyche (gr.) Seele, Leben (ur-
Prostitution (lat.) gewerbsmäßige sprünglich: Atem, Hauch).
Unzucht, Dirnenwesen. Psychiater (gr.) Seelenarzt, Ner-
Protevangelium (gr.) „erstes Evan- venarzt.
gelium"; der Satz in 1. Mose 3, Psychiker in der —> Gnosis die
15, welcher bereits den sieg- mittlere Menschenklasse, die zwar
reichen Ausgang zwischen Gott zum Glauben und zu sittlicher
und Satan verheißt. Einsicht fähig ist, aber nicht zur
Prototyp (gr.) Urbild, Mutter, In- vollen Erkenntnis Gottes durch-
begriff. dringt (->• Pneumatiker, -»• Hy-
Proverbia (lat.) „Sprichwörter"; liker).
Bezeichnung des Buches der Psychoanalyse (gr.) „Seelenzerglie-
Sprüche Salomos. derung"; Methode zur Heilung
providentia (lat.) Vorsehung (Got- von seelischen Fehlhaltungen und
tes). Neurosen; Versuch, die schädi-
providentia universalis die auf die gende Macht verborgener oder
Erhaltung der Welt im allge- verdrängter Tatbestände durch
meinen gerichtete Vorsehung und Bewußtmachung zu überwinden.
Fürsorge Gottes. Psychologie (gr.) Wissenschaft vom
providentia specialis die beson- seelischen Leben und den see-
dere, auf die Menschheit und die lischen Vorgängen.
Einzelmenschen gerichtete Vor- Psychopath (gr.) ein seelisch Kran-
sehung Gottes. ker, ein von der Norm Abwei-
providentia specialissima die auf chender.
die Gläubigen zur Verwirk- Psychose (gr.) krankhafter Geistes-
lichung ihrer Errettung gerichtete zustand, Seelenstörung.
Vorsehung Gottes. Psychotherapie (gr.) Seelenbehand-
Provinzial (lat.) Leiter einer Pro- lung, Heilbehandlung bei see-
vinz eines größeren Ordens. lischen und nervösen Störungen.
Psalmodie (gr.) Psalmengesang Punktatoren (lat.) spätjüdische
nach liturgisch festgelegter Melo- Schriftgelehrte, die durch die
die. Punktation (Vokalisierung) des
Pseudoepigraphen Schriften mit fal- alttestamentlichen Textes den
schen Verfassernamen, eine endgültigen Text festlegten (-»-
Praxis, die in der Antike wesent- Massoreten).
lich stärker verbreitet war als Purgatorium (lat. purgare = rei-
heute. nigen) Fegefeuer; Läuterungs-
97 Quatember
ort im Jenseits zum Abbüßen der Rande.
zeitlichen Sündenstrafen (nach Qohälat -> Kohälät.
katholischer Lehre). — Schon qua (lat.) in der Eigenschaft als,
Origenes meinte, eine ewige gemäß.
Verdammnis und ewige Ver- Quadragesima (lat.) die vierzig-
zweiflung von Menschen sei mit tägige Fastenzeit vor Ostern (im
Gottes Barmherzigkeit nicht in Katholizismus).
Einklang zu bringen, so müsse Quadratschrift Bezeichnung der
es im Jenseits eine Läuterungs- hebräischen Schriftform, wie sie
möglichkeit der Verworfenen sich nach dem Exil durchsetzte:
geben. Das Konzil von Konstan- die Mehrzahl der Buchstaben
tinopel verwarf 543 diese Lehre; füllt ein Quadrat.
die Ostkirche hält sich bis heute
Quäker (engl. to quake = zittern)
an diese Entscheidung. Das -> „Zitterer"; ursprünglich ein
Tridentinum jedoch entschied: Spottname für die vom Licht und
„Es gibt einen Reinigungszu- Geist erfüllten Anhänger des
stand, und die darin festgehalte-George Fox (1624—1691) nach
nen Seelen finden eine Hilfe in den in ihren Versammlungen
den Fürbitten der Gläubigen, auftretenden ekstatischen Glau-
vor allem aber in dem Gott bensäußerungen. Ihr eigentlicher
wohlgefälligen Opfer des Al- Name ist: Gesellschaft der
tars." Freunde. Charakteristische Züge:
Purim jüdisches Fest am 14./15. UndogmatischesChristentum ohne
Adar (Februar-März) zur Erin- Kult und Sakramente, Eintreten
nerung an die vereitelte Vernich-für Toleranz, Sklaven, Besiegte;
tung der persischen Juden Ablehnung von Kriegsdienst und
(Esther-Buch). Eid.
Purismus Streben nach Sprach- qualifizieren jemanden für einen
reinheit; übertriebener Kampf Auftrag oder ein Amt geeignet
gegen die Fremdwörter. machen; kennzeichnen; für geeig-
Puritanismus ursprünglich einenet erklären.
Bewegung in England, die den Qualität (lat. qualis = wie be-
Neuaufbau des Kirchenwesens schaffen) die Eigenschaft und Ei-
unter Heinrich VIII. und Elisa- genart einer Sache; Beschaffen-
beth stärker von katholischer heit, Güte (Gg: -> Quantität).
Überfremdung gereinigt wissen Quantität (lat. quantum = wie-
wollte; später eine calvinistischviel) die Menge und Zahl, die
geprägte, glaubens- und sitten- Größe und Ausdehnung von
strenge Richtung in England. etwas (Gg: -v Qualität).
Quasimodogeniti (lat.) „gleichwie
die Neugeborenen"; Bez. des 1.
Qerç (hebr.) „Lies!", die den im Sonntags nach Ostern (nach 1.
Text stehenden Konsonanten Petr. 2, 2).
widersprechende Lesart am Quatember Vier-Jahreszeiten-Fa-
Quatember 98
sten in der katholischen Kirche: = fünfte Substanz) nach Aristo-
nach dem 3. Advent, dem 1. Fa- teles gegenüber den 4 Elementen
stensonntag, nach Pfingsten und die fünfte, oberste, wirksamste
Kreuzerhöhung (14. September). Wesenheit: der Äther. Heute:
Quattrocento (ital.) „Vierhundert", Hauptinhalt, wirkungsvoller Aus-
in Italien das 15.(!) Jahrhundert zug aus einer Sache, einem Buch.
( = Zeit der Frührenaissance). Qnmransdhriften eine Reihe von
Quempas (lat.) Anfang des Liedes Handschriften, die 1947—1956 in
„Quem pastores laudavere" (Den Höhlen oberhalb des Wadi Qum-
die Hirten lobten), das dem ran am Nordende des Toten
Weihnachtssingen den Namen Meeres gefunden wurden und als
gab. Schriften einer jüdischen Sekte
erkannt wurden, die dort seit
Quicunque (lat.) „Jeder, der";
etwa 140 v. Chr. bis 68 n. Chr.
Bez. des -> Athanasianum nach
in klösterlicher Gemeinschaft
seinen Anfangsworten: Quicun-
lebte. Die Schriften haben eine
que vult salvus esse = Jeder,
große Bedeutung für die Text-
der selig werden will.
geschichte des AT gewonnen, zu-
qnidditas (lat.) die „Was-heit", mal dadurch erstmals die hebrä-
das Wesen eines Dinges (scho- ische Vorlage für die - > Septua-
lastische Bezeichnung). ginta vorliegt.
Quietismus (lat. quietus = ruhig) quod erat demonstrandum (lat.)
eine religiöse Haltung, die sich was zu beweisen war.
willen- und tatenlos in Gottes Quo vadis? (lat.) „Wohin gehst
Führung ergibt (Gg: Aktivismus), du?", eine Frage, die der Le-
insbesondere eine mystische Rich- gende nach der aus dem Kerker
tung in den romanischen Län- in Rom geflohene Petrus dem
dern des 17. Jahrhunderts (Moli- ihm begegnenden Jesus gestellt
nos, Madame de Guyon, Féné- hat (vgl. auch Joh. 13, 36).
lon), welche die Vollkommenheit
in der rein passiven Innerlidi-
keit selbstloser Liebe zu Gott Rabbi (hebr. „Meister", „Herr";
sah, aus der jede Aktivität und Titel, mit dem jüdische Geistliche
jedes eigene Heilsinteresse aus- angeredet werden.
zumerzen ist. Rabbiner Bez. der Schriftgelehr-
Quietiv ein beruhigendes, trösten- . ten, die nach der Zerstörung Je-
des Bibelwort, ein „Zuspruch" rusalems die Leitung der jü-
im Gegensatz zum „Anspruch" dischen Gemeinden übernahmen.
(Gg: ->• Motiv). Heute Bezeichnung der Vorste-
Quinquagesimae (lat.) im Katho- her jüdischer Gemeinden (Leh-
lizismus übliche Bezeichnung des rer und Prediger).
Sonntags Estomihi als des unge- rabbinisch die Tradition der Rab-
fähr 50. Tages vor Ostern. binen betreffend, von den Rab-
Quintessenz (lat. quinta essentia binen gelehrt.
99 reflektieren
Rabbani Steigerungsform zu -*- balinspiration, die darüber hin-
Rabbi. ausgeht und auf die wortwört-
rabies theologorum (lat.) Streit- liche Eingebung zielt (vgl. ->•
sucht der Theologen. Personalinspiration).
radikal (lat. radix = Wurzel) von Realismus (lat.) Wirklichkeitssinn,
Grund auf, tiefgreifend. Über- wirklichkeitsnahe Grundhaltung.
tragen: gewaltsam, rücksichtslos. In der Philosophie die Meinung,
Radikalismus eine Bewegung, die daß die Dingwelt „an sich" be-
bis zum Äußersten geht und steht, auch ohne daß sie ge-
eine Sache bis in die letzten Fol- dacht wird. Die katholische
gerungen durchkämpft. Theologie versteht unter „Realis-
Ramadan (arab.) Fastenmonat der mus" die Realität der Allgemein-
Moslem (Ende Februar bis Ende begriffe im Gg zum -»- Nomina-
März), in dem von Sonnenauf- lismus.
gang bis -Untergang zu fasten ist. Realität (lat.) Wirklichkeit, Tat-
Raskolnik (russ. raskol = Schis- sächlichkeit (Gg: Idealität als
ma, Trennung) Anhänger der bloßes Gedachtsein).
sog. „Altgläubigen", die sich im Realpräsenz (lat.) die wirkliche
17. Jahrb.. von der russischen Gegenwart des erhöhten Christus
Großkirche trennten, als Patriarch* im Heiligen Abendmahl (vgl. ->•
Nikon die Kultbücher und Riten Ubiquität).
erneuerte, später auch als Zaren- rebus sic stantibus (lat.) da die
gegner mit den Sozialrevolutio- Dinge nun einmal so stehen . . .
nären zusammenarbeiteten. Rethabiten (hebr.) altisraelitische,
ratio (lat.) vernünftiges Denken; den Ackerbau und den Wein ab-
Rechnung, Berechnung; Ver- lehnende Sekte, die das Ideal der
stand. Nomadenzeit beibehielt (nach
rational der Vernunft entspre- ihrem Gründer Jonadab ben
chend, mit der Vernunft zu er- Rechab, Jer. 35, 6—7).
fassen; schlüssig, logisch. recto (lat.) Vorderseite eines Blat-
Rationalismus Vernunftglaube. tes (Gg: verso).
Einseitige Schätzung der begriff- redivivus (lat.) wiedererstanden,
lichen Erkenntnis. Speziell: Kir- wiederaufgelebt.
chengeschichtliche Epoche, die Redaktion (lat.) Zurückführung,
in der ersten Hälfte des 19. Jahr- Verringerung, Herabsetzung, Ver-
hunderts der Aufklärung parallel einfachung.
läuft (Gg: - > Supranaturalis- Refektorium (lat.) Klosterspeise-
mus). saal.
real (lat.) wirklich, tatsächlich, reflektieren (lat) „rückwärtsbie-
dinglich (Gg: ideell, irreal). gen"; widerspiegeln; nachden-
Realinspiration (lat.) Eingebung ken, erwägen (Gg von reflek-
des sachlichen Inhalts der Heili- tiert: naiv).
gen Schrift durch den Heiligen reflektieren auf erstreben, auf
Geist, im Gegensatz zur -> Ver- etwas Anspruch erheben.
Reflexion 100
Reflexion (lat.) „Zurüdcbeugung", ist bezogen auf und abhängig
„Spiegelung"; die Hinwendung von Bedingungen, die ihrerseits
des Nachdenkens auf bestimmte veränderlich sind. — Dem ethi-
Gegenstände; das vergleichende schen Relativismus wird der Un-
und prüfende Denken. terschied zwischen gut und böse
Reformation (lat.) Umgestaltung, relativ, er kennt keine unbe-
besonders die kirchliche Erneue- dingten sittlichen Gebote.
rungsbewegung des 16. Jahrh., Relativitätstheorie eine von Al-
aus der die ev. Kirche erwuchs. bert Einstein (1879—1955) seit
Réfugiés (franz.) „Flüchtlinge"; 1905 begründete physikalische
die im 17. Jahrh. aus Frankreich Theorie über die reale Natur und
geflohenen glaubenstreuen Hu- Struktur des gesamten Weltalls
genotten. und über die Relativität der
regina coeli (lat.) Königin des Raum- und Zeitmessung. Grund-
Himmels (= Maria). thesen: 1. Masse ist eine Form
regressus in infinitum (lat.) Rück- der Energie, 2. Masse wächst mit
gang ins Unendliche; das unab- der Geschwindigkeit, 3. Lichtge-
schließbare Zurückverfolgen von schwindigkeit ist eine Grenzge-
Ursachen ins Unendliche. schwindigkeit, die prinzipiell
nicht überschritten werden kann,
regala fidei (lat.) Glaubensregel 4. die Zeit als vierte Koordinate
(z. B. die Bibel als Grundlage ermöglicht ein vierdimensionales
der Glaubenserkenntnis). Raum-Zeit-Kontinuum.
Reichstext ->• Koine. Relevanz (relevant) (lat.) Bedeut-
Reinkarnation (lat.) Wiederver- samkeit, Erheblichkeit, Gewicht.
körperung im Lauf einer Seelen- religio licita (lat.) erlaubte Reli-
wanderung (sprich: Re-inkarna- gion (im Römischen Reich).
tion). Religionsgeschichtliche Schule
Rekonziliation (lat.) „Aussöhnung"; eine seit etwa 1890 im evangeli-
Lossprechung eines Büßenden, schen Raum aufkommende Theo-
Wiedereingliederung in die kirch- logie, welche die Erforschung
liche Gemeinschaft. der Bibel in den Rahmen der all-
Relation (lat.) Verhältnis, Bezie- gemeinen Religionsgeschichte
zung; das Aufeinanderangewie- stellte, womit sie zu einem bes-
sensein und Einanderbestimmen. seren Verständnis der geschicht-
relativ (lat. relatus = zurückge- lichen Entwicklung und der be-
tragen) bedingt durch etwas, La sonderen Eigenart des biblischen
Beziehung stehend zu etwas, ver- Glaubens zu kommen hoffte.
gleichsweise (Gg: —y absolut). Texte aus den alttestamentlichen
Relativismus Ansicht, daß es keine Apokryphen, aus Babylonien,
uneingeschränkt geltende Wahr- aus der hellenistischen Literatur
heit gibt, weil alle Erkenntnis wurden mit dem NT verglichen,
stets durch das erkennende Sub- woraus dann erneut die Frage
jekt bedingt ist. Alles Erkennen nach der Einzigartigkeit des Chri-
101 Restauration
stentums erwuchs. Studenten durch Wiederholung
Reliquie (lat.) „Überrest"; Rest des Lehrstoffes der Vorlesungen
eines Heiligen (Gebein) oder weiterfuhrt.
eines Bekleidungsstücks, das Repräsentation (lat.-franz.) Ver-
einem Heiligen gehörte („heiliger gegenwärtigung, Vertretung, Dar-
Rock"), oder eines Marterwerk- stellung.
zeugs als Gegenstand religiöser Repristination (lat.) Wiederher-
Verehrung. stellung früherer Zustände.
Reliquiar Reliquienbehälter. Requiem (lat.) die Toten- oder
Reminiscere (lat.) „Gedenke!"; Seelenmesse der kath. Kirche,
Bezeichnung des 2. Sonntags in nach dem Eingangsspruch „Re-
der Fassionszeit nach Psalm 25, 6: quiem aeternam dona eis" (Ewige
„Gedenke, Herr, an deine Barm- Ruhe gib ihnen!).
herzigkeit." requiescat in pace (lat.) er ruhe in
remissio peccatorum (lat.) Verge- Frieden! (Abk.: R. I. P.).
bung der Sünden. reservatio mentalis (lat.) gedank-
Remonstranten (lat.) „die Ein- licher Vorbehalt, geheimer Vor-
sprucherhebenden"; Bezeichnung behalt; eine bei einem Eid oder
der reformierten -»• Arminianer einem Versprechen gemachte Ein-
nach ihrer Bekenntnisschrift „Re- schränkung, die es ermöglicht,
monstration" von 1610. zweideutig und irreführend zu
Renaissance (franz.) „Wiederge- antworten, ohne in Worten zu
burt"; eine am Beginn der Neu- lügen.
zeit stehende kulturelle Erneue- Residenzpflidit (lat.) Pflicht des
rungsbewegung in Anknüpfung Pfarrers, sich am Amtssitz aufzu-
an das klassische Altertum, be- halten.
sonders in Itah'en, verbunden mit Resignation (lat.) Entsagung, Ver-
der Entstehung eines neuen, zicht, Fügung in das Unabwend-
weltbejahenden Lebensgefühls bare; Abdankung.
(vgl. —> Humanismus). Responsorium (lat.) „Antwortlied";
Rendant (franz.) Rechnungsführer, Wechselgesang zwischen Liturg
Kassenverwalter in größeren Kir- und Gemeinde (oder Chor).
chengemeinden. Ressentiment (franz.) „Gegen-
Renegat (lat.) Abtrünniger, Ver- stimmung"; eine Grundstim-
leugner seines Glaubens. mung, die auf Enttäuschungen
Renitenz (renitent) (lat.) Wider- oder ähnlichen bitteren Erfah-
spenstigkeit, speziell: Bewegung, rungen (auch auf Neid oder ohn-
die eine 1873 vom preußischen mächtigem Haß) beruht und
Staat in Hessen-Kassel durchge- einen Menschen so stark be-
führte kirchliche Union ablehnte herrscht, daß er zu einem objek-
und den Weg in die Freikirche tiv-freundlichen Urteil nicht
wählte. fähig ist.
renovatio (lat.) Erneuerung. Restauration (lat.) Wiederherstel-
Repetent (lat.) Akademiker, der lung früherer politischer Ver-
Restauration 102
hältnisse. Im kirchlichen Raum: R. I. P. (lat.) Abk. für: requiescat
Zurückgreifen auf Vergangenes, in pace = er ruhe in Frieden!
ohne eine den heutigen Heraus- rite (lat.) dem Ritus entsprechend,
forderungen gerecht werdende formgemäß.
Erneuerung (Gg oft: Revolution). Ritenkongregation päpstliche Be-
Restitution (lat.) Wiedergutma- hörde für die Angelegenheiten
chung, Wiederherstellung. der Liturgie und der Heiligspre-
Rcsurrektion (lat.) Auferstehung chungen.
(des Leibes). Rituale (lat.) Buch mit Ritusvor-
retardierendes Moment (lat.-franz.) schriften.
verzögernder, hemmender Ein- Ritualisten Anglikaner, die im
schub (etwa in einem Drama). 19. Jahrh. den Ritus ihrer Kirche
Retention (lat.) das „Behalten" katholisierend umgestalten woll-
der Sünde nach Joh. 20, 23 (Gg: ten.
->- Absolution). Ritualmord Tötung eines Men-
revelatio (lat.) Enthüllung, Offen- schen zu rituellem Zweck.
barung. Ritus (rituell) Gesamtheit der got-
Reverend (lat.-engl.) „Hochwür- tesdienstlichen Bräuche in Wort
den''; Geistlicher, Titel der Pfar- und Handlung.
rer in England und USA, abge- Rogate (lat.) „Betet!"; Bez. des
kürzt: Rev. 5. Sonntags nach Ostern nach
Revers (lat-franz.) schriftliche Ver- Joh. 16, 24.
pflichtung, Erklärung. Roma locuta, causa finita (lat.)
revival (engl.) Erwedcung. Wenn Rom (der Papst) gesprochen
Revival meeting (engl.) Erwek- hat, ist der Fall abgeschlossen
kungs-Versammlung. (nach Augustin).
Rezension (lat.) kritische Bespre- Rotunde (lat.) kleiner Rundbau,
chung eines Buches, einer Auf- runder Saal.
führung; kritisch veränderte Aus- Rudiment (lat.) verkümmerter
gabe eines Textes („Fassung"). Rest, Überbleibsel.
Rezeptivität (lat.) Aufnahmefähig-
keit.
reziprok (lat.) wechselseitig, auf-
einander bezüglich. Sabbat (hebr.) Ruhetag; noch
Rezitativ (lat.-ital.) im Sprechge- heute der wöchentliche Feiertag
sang vorgetragener Abschnitt in der Juden, der jeweils am Frei-
Kantaten und Oratorien. tagabend beginnt und bis Sams-
Rhetor (gr.-lat.) antiker Redner. tagabend dauert.
Rigorismus (lat.) Strenge, Schroff- Sabbatarier, Sabbatisten Angehö-
heit, starres Festhalten an rige verschiedener christlicher
Grundsätzen (besonders in mora- Sekten, die den Sabbat und nicht
lischer Hinsicht). den Sonntag als Ruhetag bege-
rinascimento (ital.) Renaissance hen (vor allem für die „Sieben-
(ital. Bezeichnung dieser Epoche). tentags-Adventisten" gebraucht).
103 Samaritaner
Sabbatjahr das 7. Jahr in Âlt- ösen Grundlage, auf der sie ur-
Israel, in dem der Acker und der sprünglich erwachsen sind, ab-
Weinberg brachliegen sollte lösen.
(3. Mose 25, 1—7). sakral (lat.) heilig im Sinn der
sacerdotium (lat.) Priestertum, Bezogenheit auf Heiligtümer,
Papsttum. Gottesdienste usw. (Gg: -*• pro-
sacrificium (lat.) Opfer, Meß- fan).
opfer. Sakrament (lat.) ursprünglich:
sacrificium intellectus (lat.) Opfe- Diensteid der Soldaten, feierliche
rung des Verstandes; Verzicht auf Verpflichtung. Dann: eine heilige
eigenes Denken, Unterwerfung Handlung, welche von Christus
unter eine kirchliche Entschei- eingesetzt ist und der Gemeinde
dung entgegen der eigenen Über- unter sichtbaren Zeichen Gottes
zeugung. Heil zusagt.
Saddnzaer religiöse Partei des Sakramentalien in der kath. Kir-
Spätjudentums, die im Gg zu den che gebräuchliche religiöse Zei-
- > Pharisäern stand und nur jene chen und Handlungen, die den
Theologie gelten lassen wollte, Sakramenten ähnlich, aber nicht
die sich in den älteren Schriften von Christus eingesetzt und nicht
des AT findet. Charakteristische heilsnotwendig sind (Weihungen,
Züge: weltoffene Frömmigkeit, Segnungen, Beschwörungen).
Verbindung von griechischer Kul- Sakrileg (lat.) Gotteslästerung,
tur und jüdischer Religion, Ab- Religionsfrevel, Entweihung des
lehnung von Engeln, Wundem, Heiligtums.
Totenauferstehung. Sakristan (lat.) Küster, Kirchen-
saeculum (lat.) Jahrhundert. diener (vor allem im Katholizis-
säkular (lat.) weltlich, zeitlich, mus).
heidnisch; alle 100 Jahre wieder- sakrosankt (lat.) hochheilig, unan-
kehrend. tastbar.
Säkalarinstitut weltliches Institut; salutatio (lat.) Begrüßung. In der
eine neuere katholische Form, die Liturgie der Grußwechsel zwi-
„evangelischen Räte" mitten in schen Pfarrer und Gemeinde:
der Welt ohne Kloster und ohne „Der Herr sei mit euch" — „und
Kleid zu verwirklichen. mit deinem Geist."
SäkularisationVerstaatlichung kirch- Salutisten Mitglieder der Heils-
lichen Besitzes seit dem West- armee („Salvation-Army").
fälischen Frieden, vor allem seit Salvator (lat.) Erlöser, Heiland.
1803, wobei die großen Besitz- Salvatorianer Glieder einer 1881
tümer der Klöster weltlichen gegründeten Priesterkongregation
Zwecken zugeführt wurden. für Seeborge und Mission (Abk.:
Säkularismus Verweltlichung, Ver- SDS).
diesseitigung; der Vorgang, daß Salve caput cruentatum (lat.) „Sei
menschlicheVerhaltensweisen und gegrüßt, gekreuzigtes Haupt!"
Ordnungen sich von der religi- Samaritaner die auf die Sprach-
Samaritaner 104
form der —y Vulgata (samarita- Sarkophag (gr.) „Fleischfresser";
nus) zurückgehende Bezeichnung Monumentalsarg, Prunksarg.
der Bewohner Samarias, welche sarx (sarkisch) (gr.) Fleisch; in der
sich von den Juden getrennt hat- Schrift Bezeichnung des gesam-
ten, nur die 5 Bücher Mose als ten Menschen in seiner Todver-
Heilige Schrift kannten, auf dem fallenheit, die auch seine geistige
Berg Garizim bei Sichern einen Wirklichkeit mitbestimmt (Gg:
kultischen Mittelpunkt hatten ->• p n e u m a ) .
und sich in Resten bis in die Ge- Satan, Satanas (hebr.-gr.) Wider-
genwart in Nablus erhalten sacher, Teufel, Ankläger.
haben. Satanologie Lehre vom Teufel.
sanctificatio (lat.) Heiligung. satisfactio (lat.) Genugtuung.
Sanctissimum (lat.) „Allerheilig- Scala santa (ital.) „Heilige Trep-
stes"; die geweihte -»- Hostie in pe", der Legende nach eine
der kath. Kirche. Treppe aus dem Palast des Pila-
sanctorum communio (lat.) Ge- tus, die von der Kaiserin Helena
meinschaft der Heiligen, die Kir- nach Rom gebracht wurde.
che. Sdiaddai (hebr.) alttestamentliche
sanctus (lat.) heilig, fromm. Gottesbezeichnung, wahrschein-
Sanctas (lat.) Lobgesang nach lich: der Allmächtige.
Jes. 6, 3 (Teil der Römischen Schamanismus Religion, die auf
Messe, aber auch der ev. Abend- der Vorstellung vom Walten
mahlsliturgie). böser Geister, besonders der
Sanguiniker (lat. sanguis = Blut) Seelen verstorbener Menschen
leichtblütiger, lebhafter Mensch. und Tiere beruht (Schamane. =
Sanhédrin jüdische Form von Zauberer bei mongolischen Völ-
->- synedrium. kern).
Sanktion (lat.) Bestätigung von Schekina (hebr.) „das Wohnen";
Gesetzen oder Verträgen, auch im Spätjudentum das Wohnen
die in ihnen für den Fall ihrer (des trotzdem im Jenseits blei-
Verletzung angedrohte Strafe. benden) Gottes in seiner Ge-
sanktionieren anerkennen, guthei- meinde.
ßen. Scheol (hebr.) das unterweltliche
Sanskrit altindische Kunstsprache Totenreich im AT, das sich erst
(Gelehrtensprache). später in einen Ort für die Guten
Sapientia Salomonis (lat.) die und einen Strafort für die Bösen
„Weisheit Salomos" in den differenzierte (Luk. 16, 22—26).
-> Apokryphen. Sdiibboleth (hebr.) „Ähre", Strom";
Sarkiker (gr.) „Fleischesmensch"; Losung der Gileaditer nach Rich-
bei den ->- Gnostikern die nied- ter 12, 5—6. Übertragen: Erken-
rigste Menschengruppe, die un- nungszeichen.
fähig ist zum Empfang der Gno- Schiiten Islamische Sekte, Gegner
sis und der Erlösung (-> Pneu- der Sunniten, Staatsreligion im
matiker, ->. Psychiker). Iran, mit einer eigenen, auf Mo-
105 Seleukiden
hammeds Schwiegersohn Ali zu- (gest. 1109), Abälard (gest. 1142),
rückgeführten Lehrgrundlage Albertus Magnus (gest. 1280),
(schia arab. = Partei). Thomas von Aquino (gest. 1274),
Schintoismus (japan.) „Weg der Duns Scotus (gest. 1308), Wil-
Götter"; alte japanische Volks- helm von Ockham (gest. 1347).
religion, die primitiven Natur- Scholie, Scholion (gr.) gelehrte
und Ahnenkult samt Helden- und Anmerkung zu einem vorliegen-
Kaiserverehrung umschließt. den Text (der Antike).
Schisma (gr.) Spaltung, Kirchen- seil. Abk. für lat. scilicet = näm-
spaltung. Im Katholizismus eine lich, natürlich.
Aufhebung der kirchlichen Ge- scriptura ipsius interpres (lat.) die
meinschaft, ohne daß die Lehre (heilige) Schrift ist ihr eigener
der Kirche bestritten wird, wenn Erklärer.
auch durch den Jurisdiktionspri- Sedisvakanz (lat.) Zeit der Nicht-
mat des Papstes zwangsläufig je- besetzung des päpstlichen (bi-
des Schisma eine -> Häresie be- schöflichen) Stuhls, auch allge-
deutet. mein eines Amtes.
Schismatiker Verursacher einer Sekte (lat. sequi = folgen) Rich-
Kirchenspaltung. tung, Partei, Gefolgschaft; spe-
schizophren (gr.) bewußtseinsge- ziell: von der Großkirche abge-
spaltet, spaltungsirre. Oft in die- trennte Sondergemeinschaft (vgl.
sem Sinn gebraucht: aus entge- Apg. 24, 5 und 14). — Die sprach-
gengesetzten Grundüberzeugun- lich mögliche Ableitung von
gen lebend und handelnd (z. B. secare (= schneiden, abtrennen)
„Gott sorgt für mich", „ich allein ist geschichtlich nicht zutreffend.
muß für mich sorgen"). Sektenregel eine Schriftrolle aus
Sch'ma (hebr.) „Höre!" Anfangs- dem -y Qumranfund von 1947,
wort des jüdischen Bekenntnis- welche die Ordensregel der Esse-
gebets aus 5. Mose 6, 4—5. ner enthält und um 100 v. Chr.
Schola (lat.) Vereinigung von Leh- entstanden sein dürfte.
rern und Schülern zur Pflege des Sekuritat (lat.) Sicherheit, Sorg-
->• Gregorianischen Chorals. losigkeit (oft im Gg zu „Gewiß-
Scholaren fahrende Schüler, Stu- heit" verwandt).
denten (im Mittelalter). Sela (hebr.) musikalisches Zeichen,
Scholastik (gr.-lat.) „Schulwissen- das sich oft in den Psalmen findet,
schaft"; Gesamtbezeichnung für gewöhnlich am Ende eines Sinn-
die mittelalterliche abendländi- abschnitts. Die sprachliche Her-
sche Theologie vom 9.—14. Jahr- kunft ist unbekannt.
hundert, welche die antike Philo- Selektion (lat.) Auslese, Zucht-
sophie (Aristoteles) in die christ- wahl; die Erhaltung der begün-
liche Lehre einarbeitete und die stigten Organismen, während die
Vernünftigkeit des Christentums schwächeren zugrundegehen.
zu beweisen suchte. Hauptvertre- Selenkiden Herrschergeschlecht, das
ter: Ansehn von Canterbury sich nach dem Tode Alexanders
Seleukiden 106
in Syrien durchsetzte und von der ältesten griechischen Über-
312—64 v. Chr. die Gewalt inne- setzung des AT, die nach unge-
hatte. sichertem Bericht um 250 v. Chr.
Semipelagianismus „Halb-Pelagia- in Alexandria auf Veranlassung
nismus", eine im 5. Jahrh. vor des ägyptischen Königs Ptole-
allem in Frankreich aufkom- mäus II. von 72 Juden in 72 Ta-
mende Lehre, die ein Zusammen- gen angefertigt sein soll (Abk.
wirken der Gnade mit dem LXX).
menschlichen Willen zum Guten Sequenz (lat.) Tonfolge, Kirchen-
vertrat (vgl. -*- Augustinismus, gesang mit hymnenartigem lat.
—>- Pelagianismus) und so gewis- Text, etwa seit 850.
sermaßen in einem -»- Synergis- Seraphim (hebr.-gr.) Lichtengel,
mus das Heil zwischen Gott und Engelgestalt des AT mit 6 Flü-
Mensch aufteilte. geln (Jes. 6, 2).
Semitismen vom Semitischen be- Sermon (lat.) Predigt, Strafpre-
einflußte Sprachbildungen im digt; oft abwertend: Rede-
Griechischen. schwall, lange Rede.
semper virgo (lat.) allezeit Jung- servum arbitrium (lat.) der ge-
frau (von Maria). knechtete, unfreie Wille (Gg:
->• liberum arbitrium).
Sensualismus (lat. sensus = Sinn)
servos servornm Dei (lat.) Knecht
Anschauung, die alle Erkenntnis
nur auf Sinneseindrücke zurück- der Knechte Gottes; eine Selbst-
führen will. bezeichnung des Papstes bei be-
sonderen Anlässen (in Urkun-
sensus communis (lat.) gesunder den).
Menschenverstand. Sexagesimae (lat.) „Sechzigster"
sensus literalis (lat.) buchstäbli- Tag; Bez. des 8. Sonntags vor
cher Sinn (eines Schriftwortes). Ostern.
sensus spiritualis (lat.) der vom Sexus (sexuell) (lat.) Geschlecht,
Heiligen Geist gemeinte Sinn. Geschlechtlichkeit.
Sentenz (lat.) Ausspruch, Denk- sie (lat.) so, genau so, richtig,
spruch; in der Scholastik waren wörtlich zitiert.
„Sentenzbücher" Gesamtdarstel- sic et non (lat.) „so und nicht so",
lungen der Theologie. ja und nein, für und wider; Be-
Separation (lat.) Abspaltung, Tren- zeichnung für die von Abälard
nung. eingeführte scholastische Me-
Sephardira (hebr.-span.) die Ju- thode, vor der Beantwortung
den der Mittelmeerländer, vor einer Frage die sich widerspre-
allem in Spanien (Gg: ->• Asch- chenden Autoritäten einander ge-
kenasim). genüberzustellen.
Septuagesimae (lat.) „Siebzigster" sigillum confessionis (lat.) Beicht-
Tag vor Ostem; Bez. des 9. Sonn- siegel. Verpflichtung des Beicht-
tags vor Ostern. vaters zur unbedingten Ver-
Septnaginta (lat. „Siebzig") Bez. schwiegenheit.
107 Societas Jesu
Signum (lat.) Zeichen, verkürzte dem gegenüber allgemeine Nor-
Unterschrift. men und jederzeit gültige Vor-
Sikarier (lat. sica = Dolch) radi- schriften zurücktreten müssen.
kale Gruppe im Judentum, deren sit venia verbo (lat.) man verzeihe
Glieder Römer und Römer- den Ausdruck!
freunde heimtückisch niedersta- S. J. Abk. für Societas Jesu =
chen. Jesuitenorden.
silentium (lat.) Schweigen. skandalon (gr.) Ärgernis, Glau-
Simonie Kauf oder Verkauf geist- bensanstoß.
licher Ämter (nach Apg. 8,9—20); Skapulier (lat.) „Schulterkleid";
Vergebung kirchlicher Stellen für Überwurf über Brust und Rücken
Geld. in der Tracht einiger Mönchs-
simplicitas (lat.) Einfalt, Einfach- orden.
heit. Skarabäus Mistkäfer; altägypti-
Simplifikation Vereinfachung (meist scher Siegelstein, der viel als
im Sinn der unzulässigen Ver- Amulett gebraucht wurde.
einfachung). Skeptizismus (gr.) eine Richtung,
simul jostas, simul peccator (lat.) die den Zweifel zum Denkprinzip
zugleich gerecht, zugleich Sünder macht und die Möglichkeit einer
— eine evangelische Formel, echten. Wahrheitserkenntnis be-
welche in paradoxer Weise die streitet. Der „methodische Skep-
Existenz des Christen beschreibt, , tizismus" will demgegenüber nur
der im Glauben weiß: Gottes in kritischer Besinnung die für
Gnade hat mich gerecht ge- alles Denken und Handeln not-
macht, — der sich selbst aber wendigen Grundvoraussetzun-
immer wieder als Sünder erlebt. gen erarbeiten.
simultan (lat.) gemeinsam, gleich- Skopus (gr.-lat.) „Spitze"; Ziel-
zeitig. punkt eines Predigttextes, den der
Simultankirche eine Kirche, die Prediger bei seiner Auslegung
gemeinsam von mehreren Konfes- im Auge behalten muß.
sionen benutzt wird. Skrupel (skrupulös) (lat.) Zweifel,
Simultanschule Gemeinschaftsschule Bedenken, die aus Uberängstlich-
für verschiedene Konfessionen, keit erwachsen.
die nur getrennten Rel.-Unter- Social gospel (engl.) Soziales
richt hat. Evangelium; eine im angelsäch-
sine ira et studio (lat.) „ohne Zorn sischen Christentum früher ver-
und Eifer" = unparteiisch, un- breitete Anschauung, die das
voreingenommen, sachlich. Evangelium als ein religiöses
Situationsethik eine Ethik, welche Programm zur Neuordnung der
die Situation, die augenblickliche Welt mißverstand und den Sün-
innere und äußere Lage des Han- dencharakter von Mensch und
delnden mit ihrer Einzigartigkeit Welt übersah.
und Unwiederholbarkeit als den Societas Jesu (lat.) „Gesellschaft
entscheidenden Maßstab ansieht, Jesu" = der Orden der Jesuiten.
Sodomie 108
Sodomie Unzucht mit Tieren (nach Solipsismus (lat. solus ipse = ich
der biblischen Stadt Sodom). selbst allein) philosophische An-
Sokratik die auf Sokrates (469 bis sicht, daß es über das eigene Be-
399 v. Chr.) zurückgehende Art wußtsein und seine Inhalte hin-
des Fhilosophierens, die auf der aus keine selbständige Wirklich-
Überzeugung beruht: Wenn die keit gibt, alles andere nur in der
Menschen nach etwas gefragt Vorstellung des Ich vorhanden
werden, und es fragt sie einer ist.
auf die rechte Weise, dann sagen soma (gr.) Körper, Leib.
sie von selbst, wie es sich ver- Somatiker ->- Sarkiker.
hält. — Sokrates ließ also seine Sophia (gr.) Weisheit, in der ost-
Gesprächspartner selbst finden, kirchlichen Philosophie meist die
entdecken, entwickeln (vgl. schöpferische Weisheit Gottes.
—y Mäeutik). Sophisma (gr.) „Das listig Erson-
Sola scriptura (lat.) allein die nene"; Trugschluß, Scheinbeweis.
Schrift. Sophistik eine aufklärerische Epo-
Sola fide (lat.) allein durch den che der griechischen Philosophie,
Glauben. deren bedeutendste Köpfe (mei-
Sola gratia (lat.) allein aus Gna- stens Wanderlehrer) zwar viel
den (Losungswort reformatori- für die formale Bildung des Vol-
schen Glaubens). kes taten, durch ihre Wortver-
Solidarismus Richtung der katho- drehungskunst und ihre Spitz-
lischen Sozialwissenschaft, die findigkeiten aber -»• Relativismus
das Gesamtwohl zu fördern sucht, und -*- Skeptizismus förderten.
indem sie den rechten Ausgleich Sophrosyne (gr.-lat.) die antike
zwischen dem Einzelnen und der Tugend der Selbstbeherrschung,
Gemeinschaft in einem heilen so- der Mäßigung, der Besonnenheit.
zialen Organismus erstrebt. species (lat.) der dem Begriif der
Solidarität (lat.) Zugehörigkeits- Gattung untergeordnete Begriff;
sinn, Zusammengehörigkeitsge- speziell: die nach katholischer
fühl und die praktischen Konse- Lehre bei der ->• Transsubstan-
quenzen daraus; speziell die For- tiation erhalten bleibende Er-
derung, der Christ möge sich dem scheinung von Brot und Wein im
Gegenwartsmenschen glaubwür- Gg zur ->- Substanz, die zu be-
diger zuwenden, seine Fragen stehen aufhört.
mit durchleiden, seine Sprache sub specie aeternitatis (lat.) unter
erlernen, sich also wirklich auf der Schau der Ewigkeit.
eine Stufe mit ihm stellen, wenn sub utraque specie (Empfang des
dabei auch traditionelle kirch- Abendmahls) unter beiderlei Ge-
liche Formen und jegliche Ab- stalt.
sonderung aufgegeben werden Spektabilität (lat.) „Ansehnlich-
müssen. keit"; an Universitäten Anrede
Sol invictus (lat.) der unbesiegte des Dekans: Eure SpektabilitätI
Sonnengott Spekulation (lat. speculari = um-
109 Stigma
herschauen) das gedankliche Fort- Stabat mater (lat.) Passionsgesang
schreiten an Hand logischer Ge- der kath. Kirche aus dem 13. Jahr-
setze, z. T. über jede mögliche hundert: „Es stand die Mutter
Erfahrung hinaus, was dem Wort tränenvoll unter dem Kreuz."
einen abwertenden Sinn einge- Starez (russ.) „Der Alte", „ehr-
tragen hat. Speziell: die indi- würdiger Greis"; in der Ostkir-
rekte, „spiegelhafte" (speculum che Mönch der strengsten asketi-
= Spiegel) Erkenntnis Gottes aus schen Stufe, vom Volk oft als
seinen Werken (nach 1. Kor. 13, wundertätig verehrt (Mehrzahl:
12 und Rom. 1, 20). Starzen).
Spiritismus (lat. Spiritus = Geist) Starovverzen (russ.) „Altgläubige";
Geisterkunde. Bemühung um in der Ostkirche die wichtigste
einen Verkehr mit den abgeschie- Gruppe der ->• Raskolniki
denen Seelen, vermittelt durch (17. Jahrh.).
dafür besonders veranlagte Men- statisch (gr.-lat.) stillstehend, ru-
schen (Medien). hend (Gg: dynamisch).
Spiritualismus in der Philosophie status (lat.) Stand, Zustand.
die Anerkennung der Wirklich- Status confessionis ein Zustand
keit und Wirksamkeit des Geistes oder Fall, der das Bekennen zur
ganz allgemein (im Gg zum Pflicht macht.
—»- Materialismus). Außerdem Status corruptionis Zustand der
eine Strömung in der Geschichte Verdorbenheit (nach dem Sün-
des christlichen Denkens, die denfall).
den Heiligen Geist im Ge- status integritatis Zustand der Un-
gensatz zum Wort der Bibel versehrtheit (Urstand).
betont, die allegorische Schrift- status nascendi Zustand des Ent-
deutung bevorzugt, das Leib- stehens, des Werdens.
hafte abwertet und den festen status quo gegenwärtiger Zustand.
Formen des kirchlichen Le- Stele (gr.) aufragender Gedenk-
bens ablehnend gegenübersteht. stein, auch Grabplatte mit dem
Hauptvertreter: Joachim \?on Bildnis des Toten.
Fiore, Meister Eckhart, Tauler, Stewardship (engl.) ein zunächst
Thomas Münzer, Schwenckfeld, von den ev. Kirchen der USA
Valentin Weigel, Jakob Böhme, entwickelter und dann auch in
die -> Quäker. Europa praktizierter Besuchs-,
spirituell geistig, geistlich (im Beratungs- und Hilfsdienst in der
Katholizismus bevorzugt). Gemeinde, der von Gemeinde-
spiritus rector (lat.) treibender gliedern oder auswärtigen Laien
Geist, führende Gestalt, Anstif- durchgeführt wird.
ter. Stithomantie (gr.) „Zeilenwahrsa-
spiritus sanctus (lat.) der Heilige gung"; Wahrsagung aus einer
Geist. zufällig (durch Messer oder Na-
sporadisch (gr.-lat.) vereinzelt, del) aufgeschlagenen Bibelstelle.
verstreut, gelegentlich. Stigma (gr.) Stichmal, Brandmal;
stigma 110
speziell: die Wund- und Leidens- Submersionstaufe (lat.) Taufe
male Christi bei Gläubigen durch völliges Untertauchen
(Mehrzahl: stigmata). (auch „Immersionstaufe" ge-
Stigmatisierte Menschen, welche nannt).
die Wundmale des Gekreuzigten Subordinatianismus (lat.) „Unter-
an ihrem Leibe tragen (Franz ordnung"; die in der frühen Tri-
von Assisi, Thérèse von Konners- nitätslehre auftauchende Auf-
reuth u. v. a.). fassung, daß Christus und Heili-
Stipendium (lat.) Stiftung zugun- ger Geist dem Vater untergeord-
sten eines Studenten oder eines net, also nicht schlechthin Gott,
jungen Wissenschaftlers. sondern bloße göttliche Kräfte
Stoa (stoisch) eine um 300 v. Chr. seien.
von Zeno von Kition begründete subsidiär (lat.) zur Aushilfe die-
Philosophenschule (benannt nach nend, unterstützend.
der stoa poikile, einer mit Bil- Subsidiarität (lat. subsidium =
dern geschmückten Säulenhalle Hilfe) eine Forderung vor allem
im antiken Athen) mit dem Ideal der katholischen Soziallehrer, die
des Weisen, der naturgemäß und sich gegen den Zentralismus rich-
affektfrei (also gleichmütig) unter tet und dem Staat nur die hel-
Betonung der Vernunft und der fende Ergänzung der Selbstver-
- > Ataraxie lebt und allein in antwortung kleiner Gemeinschaf-
der Tugend den Quell der Glück- ten (Familie, Gemeinde) zuge-
seligkeit findet. steht, wobei er den Einzelnen
stoicheion (gr.) Grundbestandteil, alles das zur selbstverantwort-
Element, Buchstabe. lichen Erledigung überlassen soll,
Stola (lat.) ein von katholischen wozu sie aus eigener Kraft fähig
Geistlichen bei allen priester- sind ( = Subsidiaritätsprinzip).
lichen Handlungen getragener Subsistenz (lat.) in der Philoso-
Gewandstreifen, der von den phie der Bestand, das Bestehen
Schultern nach vom fällt. durch sich selbst, der Selb-stand.
Stundismus eine religiöse Bewe- Das subsistierende Sein ist jenes
gung im Rußland des 19. Jahrh., Sein, das absolut und ohne Bezie-
angeregt durch pietistische „Stun- hung auf eine von ihm verschie-
den" deutscher Siedler. dene Wesenheit (also jenseits al-
Stylit (gr.) Säulenheiliger im frü- ler kategorialen Bestimmungen)
hen Christentum. existiert.
sublim (lat.) ins Erhabene gestei- sub specie aeternitatis (lat.) unter
gert. dem Blickpunkt der Ewigkeit
Sublimierung (lat.) in der Psycho- Substanz (lat. substantia = Be-
analyse die Umsetzung des un- stand, eigentlich: das Darunter-
befriedigten Geschlechtstriebs in stehen) Grundstoff, Urgrund,
kulturelle Leistungen. Auch all- Wesen, Gehalt; spezieller: der
gemeiner: Verfeinerung, Vergei- beharrende Träger wechselnder
stigung. Eigenschaften (Gg: -». Attribut).
Ill Syllogismus
Substitut (lat.) Stellvertreter, Er- Kreissynode in der Ev. Kirche
satzmann. ( = Dekan).
successio apostolica (lat.) aposto- Superior (lat.) Oberer in einem
lische Nachfolgeschaft; die Weihe Kloster.
durch rechtmäßig geweihte und superstitios (lat.) abergläubisch.
so ohne Unterbrechung auf die supplementum (lat.) . Ergänzung,
Apostel zurückführbare Bischöfe. Nachtrag.
Snffizienz der Schrift (lat.) Hin- Supralapsarismus (lat.) Richtung
länglichkeit, völliges Ausreichen in der reformierten Kirche, nach
der Heiligen Schrift im Blick auf der die göttliche Prädestination
die heilsnotwendigen Erkennt- vor dem Sündenfall erfolgte (Gg:
nisse. ->• Infralapsarismus).
Suffragan (lat.) einem Erzbischof Supranaturalismus (lat.) theologi-
unterstellter Diözesanbischof. sche Haltung, die ein über die
Suicid flat.) Selbstmord. Natur, die irdische Wirklichkeit
Sokkoth (hebr.) „Hütten"; das jü- hinausreichendes, übersinnliches
dische Laubhüttenfest vom 15. höheres Sein annimmt und an
bis 21. Tischri (Sept/Okt.). eine übernatürliche Offenbarung
Summa (lat.) seit dem 13. Jahrb.. glaubt, speziell jene theologische
Bezeichnung für eine zusammen- Richtung, die um 1800 gegen den
fassende Darstellung des gesam- Rationalismus die über aller Ver-
ten theologisch-philosophischen nunft stehende Offenbarung
Wissensstoffes. Gottes betonte (Gg: -»- Rationa-
somma cum lande (lat.) mit höch- lismus).
stem Lob (Examensnote). Supremat (lat.) Vorzugsstellung
summus episcopus (lat.) der Lan- (besonders: des Papstes unter
desherr als „oberster Bischof = den Bischöfen).
Oberhaupt der ev. Landeskirche Sure (arab.) Kapitel des -*- Ko-
(bis 1918). Davon: Summepisko- rans.
pat. sursum corda (lat.) empor die
summum ens (lat.) das höchste Herzen! (Ruf zu Beginn der
Wesen. -*- Präfation bei der Abend-
summum bonum (lat.) das höchste mahlsfeier).
Gut ( = Gott). suspekt (lat.) verdächtig.
Sunniten (arab.) orthodox-islami- Suspension (lat.)einstweilige Dienst-
sche Glaubensrichtung, im Gg zu entlassung, Aufschub (suspen-
den —>• Schiiten (von sunna = dieren).
Weg, einer Sammlung von Vor- Syllabus (gr.-lat.) „Zusammen-
schriften nach Aussprüchen Mo- fassung"; Verzeichnis der vom
hammeds). Papst verurteilten Lehren (1864
superbia (lat.) Hochmut, falsches und 1907).
Selbstbewußtsein. Syllogismus (gr.) „Zusammen-
Superintendent (lat.) Vorsteher rechnung''; logische Schlußfolge-
eines Kirchenkreises oder einer rung.
Symbol 112
Symbol (gr. symballein = zu- Teil widerfährt („All-Sympa-
sammenwerfen, zusammenbrin- thie", Thomas Mann).
gen) Kennzeichen, Wahrzeichen, Sympathiezauber der Versuch, mit
Sinnbild. Dem Wortsinn nach Hilfe der Sympathie (z. B. durch
ein Erkennungszeichen, bei dem das Besprechen) Erwünschtes zu
das abgebrochene Stück einer erreichen, Krankheiten zu heilen
Sache (z. B. einer Tonscherbe, usw.
eines Ringes) an seinem Bruch- Symposion (gr.) bei den alten
rand sich mit dem anderen Stück Griechen ein Gastmahl mit geist-
genau zusammenfugen läßt; ein reichen Gesprächen (nach einem
Gebilde, dem von einer bestimm- Buche Piatos).
ten Gruppe von Menschen ein Synagoge (gr.-lat.) „Versamm-
besonderer Sinn verliehen wor- lung"; Bethaus, gottesdienst-
den ist (manchmal mit dem Cha- licher Versammlungsort der jüdi-
rakter des Geheimzeichens). Auch schen Gemeinde (von Luther mit
Bezeichnung einer Bekenntnis- „Schule" übersetzt). — Das Wort
schrift, einer „Confessio". wird oft im theologischen Sinn
Symbolik Wissenschaft von den verwandt und bezeichnet dann
religiösen Sinnbildern. Verglei- die „Kirche des AT", das Gottes-
chende Darstellung der christ- volk des alten Bundes.
lichen Konfessionen auf Grund synchron (gr.) gleichzeitig, gleich-
ihrer Lehren (Konfessionskunde). laufend.
Symbolofideismus (gr.-lat.) eine Synedrium, Synedrion (gr.-lat.)
Richtung der Neuzeit, welche die der Hohe Rat der Juden (in der
begrifflich gefaßten Sätze über griechisch-römischen Zeit).
die Gottesoffenbarung (die Synekdoche (gr.) Setzung des en-
Dogmen) als rein symbolischen, geren Begriffs für den umfassen-
daher wandelbaren Hinweis auf deren, z. B. „Blut Christi" für
eine unerkennbare, nur im Ge- „VeTSÖhnungstod Christi" (ähn-
fühl sich ankündigende Wirklich- lich -»• pars pro toto).
keit auffaßt. Synergismus (gr.) das Mitwirken
Symbolum Apostolicum das Apo- des Menschen an seiner ewigen
stolische Glaubensbekenntnis. Errettung.
sympathetisch (gr.) „mitfühlend"; Synkretismus (gr.) Vermischung,
geheimkräftig; auf dem Wege Religionsmengerei, Verbindung
der Suggestion, des Gesund- verschiedenartiger philosophi-
betens u. ä. scher Systeme ohne innere Ein-
Sympathie (gr.) „Mitgefühl"; „Mit- heit (z. B. im ausgehenden Al-
leiden"; Zuneigung. — In der tertum, im heutigen Indien).
Naturphilosophie Ausdruck für Synod (gr.) oberste Behörde der
die Verbundenheit aller Teile russisch-orthodoxen Kirche.
des Ganzen, das Mitbetroffensein Synode (gr.) „Weggenossenschaft",
eines jeden Teiles im Kosmos „Zusammenkunft"; Versammlung
durch das, was einem anderen von evangelischen Laien und
113 Taoismus
Geistlichen (in einem Kirchen- -> Hostie aufbewahrt wird.
kreis, einer Landeskirche, der Taboriten Angehörige der radika-
Gesamtkirche) zur Beratung und len Gruppe der Hussiten (nach
Entscheidung anstehender Fra- der böhmischen Stadt Tabor).
gen. tabu (polynesisch) etwas aus dem
Synodalverfassung heute fast all- Alltäglichen Herausgehobenes,
gemeine Verfassungsform der ev. das nicht berührt werden darf
Landeskirchen in Deutschland. (Tiere, Pflanzen, Orte); übertra-
synonym (gr.) gleichbedeutend, gen: unerwähnbar, verboten.
sinnverwandt. Tabula rasa (lat.) „abgeschabte
Synopse (gr.) „Zusammenschau"; Schreibtafel"; philosophische An-
Zusammendruck der drei ersten schauung, daß die menschliche
oder aller vier Evangelien, in Seele bei der Geburt noch keine
dem die gleichen oder ähnliche Eindrücke von außen empfangen
Abschnitte nebeneinander stehen. und keine Vorstellungen entwik-
Synoptiker (gr.) die Evangelisten kelt habe, deshalb als „unbe-
Markus, Matthäus und Lukas, schriebenes Blatt" anzusehen sei
von denen die Geschichte Jesu in (der Ausdruck bei Albertus
einem sehr ähnlichen Aufbau Magnus).
dargestellt wird. Talar (lat.) Amtstracht, langes
Synthese (gr. synthesis = Zusam- Obergewand des ev. Geistlichen
mensetzen) Zusammenfügen von und (bei Festen) des Hochschul-
Einzelnem zu einem Ganzen (im lehrers.
Gg zur ->- Analyse). In der dia- Talisman (gr.-arab.) „das Ge-
lektischen Methode (Hegel) ist weihte"; kleiner Gegenstand,
die Synthese die überhöhende dem zauberhafte Schutzwirkung
Zusammenfassung oder versöh- zugeschrieben wird.
nende Vereinigung von ->• These Talmud (hebr.) „Lehre"; eine
und -»- Antithese. Sammlung von Religionsgesetzen
Systematik (gr.) Kunst planvoller des Judentums, die neben der um
Gliederung und logischen Auf- 200 n. Chr. abgeschlossenen
baus. ->• „Mischna" spätere Auslegun-
Szientismus (lat.) die auf Wissen gen, Erörterungen und kasuisti-
und Wissenschaft gegründete sche Interpretierungen jüdischer
Haltung im Gegensatz zum Gelehrter aus Babylon und Pa-
—>- Fideismus. Auch die Lehre lästina enthält.
der ->• Christian science. Tao (chin., sprich: tau) „der Weg";
das Wort, die Vernunft, das All-
Eine in der chinesischen Philoso-
phie.
Tabernakel (lat.) Hütte, Zelt, Taoismus volkstümliche chinesi-
Stiftshütte. Im Katholizismus das sche Religion neben dem -> Kon-
Sakramentshäuschen, in dem die fuzianismus, verwoben mit
-». Monstranz mit der geweihten Volksaberglauben, Ahnenkult,
Taoismus 114
Dämonenglauben und primitiver nur eine kausale Anfangsbe-
Zauberpraxis, zurückgehend auf stimmtheit wahrhaben will.
den Philosophen Laotse (geb. Teleologisdier Gottesbeweis
604 v. Chr.). Schluß von der Zweckmäßigkeit
Targum (hebr.-aram.) „Verdol- und dem Geordnetsein der Welt
metschung"; die alten aramäi- auf eine zwecksetzende göttliche
schen Übersetzungen des AT Vernunft.
(Mehrzahl: Targume oder Tar- Telepathie (gr.) Fernempfindung,
gumim). Gedankenübertragung, Hellse-
Taurobolium (gr.-lat.) Stieropfer hen, das Wahrnehmen der see-
und damit verbundene Bluttaufe lischen Vorgänge in einem ande-
in den antiken -> Mysterien. ren Menschen ohne Vermittlung
Tautologie (gr. tauto legein = der Sinnesorgane (->- Parapsy-
dasselbe sagen) Bezeichnung chologie).
einer Sache durch zwei gleichbe- Temperament (lat.-franz.) n Mi-
deutende Wörter (z. B. nackt schung"; Gemütserregbarkeit, An-
und bloß, bereits schon — oder: sprechbarkeit, Art eines Men-
Vorspiegelung falscher Tat- schen, auf Reize zu reagieren.
sachen). Temperenzler (lat. temperantia =
Teamwork (engl.) Gemeinschafts- Maßhalten) Anhänger der Mä-
arbeit, Gruppenarbeit. ßigkeitsbewegung (den Alkohol-
Te Deum (lat.) „Herr Gott, dich genuß betreffend).
loben wir" (sog. Ambrosianischer tempos clausnm (lat.) geschlosse-
Lobgesang). ne Zeit; eine Zeitspanne, in der
Tefillin (hebr.) Gebetsriemen der geräuschvolle Festlichkeiten u. ä.
Juden, sog. „Phylakterien" nicht stattfinden dürfen (z. B.
(Matth. 23, 5), auf denen Käst- die Leidenswoche).
chen mit aufgeschriebenen Ge- Tenor (ital.) hohe Männerstimme.
betsworten befestigt sind, die Tenor (lat.) Inhalt, Abzweckung,
beim Morgengebet an der Stirn Wortlaut (eines Gesetzes, einer
und am linken Oberarm getra- Verlautbarung).
gen werden (nach 2. Mose 13, 9). Tentamen (lat.) Vorprüfung, Zu-
Telekinese (gr.) Bewegung von satzprüfung.
Dingen durch magische Einwir- terminus technicus (lat.) Fachaus-
kung, etwa im Spiritismus. druck.
Teleologie (gr. telos = Ziel, terminas ad quem (lat.) Zeit-
Zweck, Ende, Vollendung) punkt, bis zu dem ein bestimmtes
Lehre, daß alles Geschehen (das Ereignis stattgefunden haben
natürliche, das geschichtliche) muß.
durch Zwecke geleitet werde, daß terminus a qao Zeitpunkt, von
alle Weltbereiche zweckbestimmt dem an gerechnet wird.
und zielgerichtet seien (vgl. -*• terrores incussae conscientiae
Finalität), im Gegensatz zur (lat.) die Schrecken des erschüt-
mechanistischen Auffassung, die terten Gewissens.
115 Theonomie
Tertiarier Angehörige eines „drit- dern auf die Welt von außen
ten Ordens", die in ihrem welt- einwirkt.
lichen Beruf bleiben oder auch Theodizee (gr.) Rechtfertigung
als klösterliche Gemeinschaft Gottes; die von Theologen und
einem Mönchsorden angeschlos- Philosophen angesichts der viel-
sen sind, dessen zuchtvolle Ge- fachen Sinnwidrigkeit des Da-
betsordnung sie übernehmen, seins oft behandelte Frage, ob
ohne die Ordensgelübde abzu- Gott gerecht sei und gerecht
legen. handle und wie das Übel mit der
tertium comparationis (lat.) „das Weisheit und Güte Gottes ver-
dritte des Vergleichs"; Ver- einbar sei. Den Ausdruck „Theo-
gleichspunkt zwischen zwei mit- dizee" prägte Leibniz 1710.
einander verglichenen Gegen- Théogonie (gr.) Entstehungsmy-
ständen oder Sachverhalten. thos der Götter.
tertium non datur (lat.) ein Drittes Theokratie (gr.) Gottesherrschaft;
gibt es nicht. speziell: eine Staatsform, bei der
tertius usus legis (lat.) der dritte Gott selbst als Regent anerkannt
Gebrauch des Gesetzes: es zeigt oder das bestehende Regiment
dem Wiedergeborenen die Norm unmittelbar von Gott abgeleitet
eines gehorsamen Lebens. wird (z. B. im Judentum, im ka-
Test (engl.) Probe, Begabungs- tholischen Mittelalter).
prüfung. theologia crucis (lat.) Theologie
testimonium spiritus sancti inter- des Kreuzes (im Gg zur -> theo-
num (lat.) das innere Zeugnis logia gloriae), auf Niedrigkeit
des Heiligen Geistes (Rom. 8,16). und Unerlöstheit gerichtet.
Tetragramm (gr.) die 4 hebrä- theologia. gloriae Theologie der
ischen Buchstaben J-H-W-H als Herrlichkeit, der Ehre, auf Er-
Sinnbild Gottes. löstheit und Auferstehungswirk-
Textkritik die vergleichende Un- lichkeit gerichtet.
tersuchung eines überlieferten theologia naturalis natürliche Theo-
Textes auf Unversehrtheit, Echt- logie, eine Theologie, die der
heit und Inhalt. biblischen Offenbarung und der
Textus receptus (lat.) „angenom- Erleuchtung durch den Heiligen
mener Text" = die auf den -»- Geist nicht bedarf.
Koine-Ausgaben des Erasmus theologia regenitorum Theologie
fußende Ausgabe des grie- der Wiedergeborenen.
chischen NT durch den hollän- theologia revelata geoffenbarte
dischen Drucker Elzevier (1633). Theologie.
Textvariante (lat.) eine abwei' theologia viatorum Theologie der
thende Textform. Wanderer, der-Unterwegs-Leute.
Theismus (gr.) Glaube an einen Theologumenon (gr.) theologischer
persönlichen, selbstbewußten und Lehrsatz.
selbsttätigen Gott, der die Welt Theonomie (gr.) von Gott stam-
nicht nur geschaffen hat, son- mende Gesetzgebung, Gottbe-
Theonomie 116
stimmtheit im Gg zur -y Auto- zweifelt wird.
nomie. Thesaurus ecclesiae (gr.-lat.)„Schatz
Theophanie (gr.) Ersdieinung Got- der Kirche"; im Katholizismus
tes (-> Epiphanie). der durch die überschüssigen
Theopneustie Einhauchung durdi Verdienste der Heiligen zustande
Gott (nach 2. Tim. 3, 16). gekommene Vorrat an Verdien-
Theorem (gr.) Lehrsatz. sten und Gnaden, aus dem die
Theorie (gr. theoria = Schau) Kirche Ablaß erteilen kann, —
wissenschaftliche Darstellung eine Lehre, die mit der zuneh-
oder Betrachtungsweise, Lehre. menden Verbreitung des Ablasses
Abwertend: bloße Erkenntnis im Mittelalter entstand und zu-
ohne Rücksicht auf eine prak- erst von Clemens VI. (1342—
tische Verwertung oder auf die 1352) definiert wurde.
Wirklichkeit. — Im modernen These (thetisch) (gr. thesis =
Sinn meint Theorie auch den Setzung) Satz, Behauptung. In
Entwurf reiner Möglichkeits- wissenschaftlichen Darlegungen
strukturen, die jedem Experi- knapper Leitsatz, der den Inhalt
ment vorausgreifen und so erst der nachfolgenden Ausführungen
den Raum schaffen für die na- vorwegnimmt (Gg: -> Antithese).
turwissenschaftliche („theore- Tholedot (hebr.) „Zeugungen",
tische Physik") oder geschichts- Geschlechtsregister (1. Mos. 10,1).
wissenschaftliche Forschung. Tholos (gr.) altgriechischer Rund-
Theosophie (gr.) Gottesweisheit; bau mit Säulenumgang
eine innere („mystische") Schau Thomismus die auf den Scholasti-
und Erkenntnis der Geheimnisse ker Thomas von Aquin OP
Gottes und des Zusammenhangs (1225—1274) zurückgehende Ge-
der Welt, verwoben mit Speku- samtschau des Kosmos von der
lationen (Jakob Böhme, Sweden- göttlichen über die irdische bis
borg, Rudolf Steiner). zur dämonischen Welt, aufgebaut
Theotokos (gr.) „Gottesgebärerin"; auf dem Grundsatz: Vernunft
altkirchliche und ostkirchliche Be- und Offenbarung widersprechen
zeichnung der Mutter Jesu, als sich nicht, sondern ergänzen sich
Dogma 431 auf dem Konzil von als natürliche und übernatürliche
Ephesus verkündet. Wahrheit.
theozentrisch (gr.-lat.) Gott und Thora (hebr.) Unterweisung, Ge-
seine Ehre in den Mittelpunkt setz. Im Judentum Name der
stellend (Gg: -*• anthropozen- 5 Bücher Mose.
trisch). Threni (gr.-lat.) Bez. der Klage-
Therapeuten eine jüdische, Män- lieder Jeremias.
ner und Frauen umfassende as- Tiara (pers.) die dreifache Krone
ketische Gemeinschaft von „Got- des Papstes (und altorientalischer
tesverehrern" in Ägypten, nach Herrscher).
einem Bericht Philos von Alexan- Titularbischof katholischer Bischof,
drien, dessen Zuverlässigkeit be- der auf den Namen einer nicht
117 Transfiguration
mehr bestehenden Diözese ge- Wahrheitsfindung unfähig sei
weiht ist. und alle Wahrheit von einer gött-
tohu wabohu (hebr.) Wüste und lichen Uroffenbarung hergeleitet
Öde, der chaotische Urzustand werden müsse, wobei die Tradi-
der Welt beim Schöpfungsbe- tion als „Erweckungsgrund" des
ginn nach 1. Mose 1, 2. Über- angeborenen religiösen Wissens
tragen: Durcheinander, Wirr- gilt.
warr. Traditionsgeschichte der vorlite-
Toleranz (lat.) Duldung, Duld- rarische Prozeß in der Tradition
samkeit, Weitherzigkeit (beson- biblischer Texte, der heute be-
ders: in Glaubensfragen) als ein sonders beim AT erforscht wird,
Zeichen für Selbstvertrauen, das wobei es darum geht, die für das
den Vergleich mit anderen Über- Werden des gesamten —>- Penta-
zeugungen nicht scheut, auch als teuch entscheidenden Anfänge
Frucht der Erkenntnis, daß eine und die ersten Stadien des
Glaubenszustimmung nicht er- Wachstums, speziell das Zusam-
zwungen werden kann (Gg: In- menwachsen der Themen klarzu-
toleranz, Totalitarismus). legen.
Toleranzedikt Erlaß Josephs II. Traduzianismus (lat.) altkirchliche,
von 1781, der den österr. Pro- von Tertullian entwickelte Lehre,
testanten staatsbürgerliche Rechte daß die menschliche Seele bei der
und begrenzte Kultusfreiheit ver- Zeugung als Ableger der väter-
schaffte. lichen Seele entstehe (Gg: ->•
Tonsur (lat.) kreisrunder Haar- Kreatianismus).
ausschnitt der katholischen Geist- Tragik (gr.) erschütternde •Unent-
lichen als Zeichen der Aufnahme rinnbarkeit von verhängnisvollen
in den Klerikerstand. Entwicklungen, wobei der Ton
Tora -> Thora. auf dem Widerstreit gegensätz-
Tortur (lat.) Folter, Qual, Quäle- licher Verpflichtungen liegt, der
rei. den Menschen ohne erlösenden
Tosephta (aram.) „das Hinzuge- Ausweg läßt, so daß es notwen-
fügte"; ein Ergänzungswerk zur digerweise zu einem schuld-
-> Mischna, das nicht in den ->• haften Handeln oder zum Schei-
Talmud aufgenommen wurde. tern kommt.
Tradition (lat.) Überlieferung, Traktat (lat.) Abhandlung, kleines
Herkommen; die außerbiblische, Buch, Flugschrift.
von der katholischen Kirche als Trance (franz.-engl.) ein der Ek-
verbindlich anerkannte Überlie- stase ähnlicher Zustand, der
ferung von Glaubenslehren. durch Hypnose oder Selbsthyp-
Traditionalismns Betonung der nose eines -»- Mediums erzeugt
kirchlichen Tradition als Glau- werden kann und mit Bewußtlo-
bensquelle neben der Bibel. Ge- sigkeit verbunden ist.
legentlich auch die Lehre, daß Transfiguration (lat.) Verklärung
der Mensch von sich aus zur (Christi).
Transsubstantiation 118
Transsubstantiation (lat.) Wesens- tung Exkommunikation zur
verwandlung, Stoffverwandlung; Folge haben konnte.
die katholische Lehre von der in Trichotomie (gr.) „Dreiteilung";
der -»- Eucharistie geschehenden Einteilung des Menschen in Leib,
Wandlung der Substanzen von Seele und Geist (Gg: -> Dicho-
Brot und Wein in Leib und Blut tomie), wobei diese drei Wirk-
Christi unter Beibehaltung von lichkeiten als real voneinander
deren äußerer Form ( = species), unterschieden angesehen werden,
also des Aussehens, Geruchs, Ge- während die Bibel sie mehr als
schmacks (im 12. Jahrh. entwik- „Aspekte" des einen und ganzen
kelt, als Dogma vom Tridenti- Menschen darstellt.
nischen Konzil verkündet). Tridentinum Konzil der Rö-
transzendent (lat.) über die mischen Kirche, das 1545—1563
menschliche Erfahrung hinausge- in Trient (Oberitalien) tagte und
hend, das Erfahrbare überstei- durch die Auseinandersetzung
gend, den Bereich des mensch- mit den von der Reformation
lichen Bewußtseins überschrei- aufgeworfenen Fragen (Sünde,
tend; übersinnlich, jenseitig (Gg: Gnade, Rechtfertigung, Kirche,
-»• immanent). Sakramente) bestimmt war.
Transzendenz das Überschreiten Trinität (trinitarisch) (lat.) Drei-
der Grenze zwischen dem „Dies- einigkeit. Entfaltung des Glau-
seits" und dem „Jenseits". In der bens an den einen Gott, der sich
heutigen Existenzphilosophie ist geschichtlich geoffenbart hat in
Transzendenz der durch die Jesus Christus und sich vergegen-
Angst ausgelöste „überstieg" wärtigt durch den Heiligen
über die Uneigentlichkeit des Geist.
Daseins hinweg zur vollwertigen Trinitarier (lat.) Bekenner der
Existenz (Heidegger). Dreieinigkeit. Angehörige eines
Trauma (gr.) Verletzung, Wunde; katholischen, 1198 gestifteten
durch Schreck oder Schock ent- Bettelordens.
standene Erschütterung, die im Triptychon (gr.) ein Gemälde oder
Unbewußten nachwirkt. Schnitzwerk, das aus drei anein-
Trecento (ital.) „dreihundert"; die anderhängenden und aufeinan-
italienische Kunst des 14.(!) der abgestimmten Teilen besteht;
Jahrhunderts. vor allem: die Flügelaltäre des
tremendum (lat.) etwas, wovor der Mittelalters mit einem Mittelbild
Mensch erschauert (Gg: - > fas- und zwei Flügelbildern.
cinosum). Trishagion (gr.) „Dreimalheilig";
Trend (engl.) Entwicklungsrich- die dreimalige Anrufung Gottes,
tung, Sog, Gefälle, Tendenz. vor allem in der orthodoxen Li-
Treuga Dei (german.-lat.) „Got- turgie.
tesfriede"; im Mittelalter das Tritheismus (gr.-Iat.) „Dreigötter-
Verbot einer Fehde an be- lehre"; ketzerische Abwandlung
stimmten Tagen, wobei Übertre- der kirchlichen Dreieinigkeits-
119 unio hypostatica
lehre, die von drei getrennten Ubiquität (lat. ubique = über-
Personen sprach. all) Allgegenwart; Gottes Allge-
Tritojesaja der vermutete Verfas- genwart; speziell die Anschau-
ser der Kapitel 56—66 des Jesa- ung Luthers: da Jesus Christus
jabuches (vgl. -> Deuterojesaja). nach seiner Erlösung teilhat an
Trivium (lat.) „Dreiweg"; im Uni- der Allgegenwart Gottes, kann
versitätswesen des Mittelalters er auch allenthalben im Heiligen
die drei unteren Fächer: Gram- Abendmahl gegenwärtig sein,
matik, Rhetorik, Dialektik (denen kann also „der wahre Leib und
sich das „Quadrivium" anschloß: Blut unseres Herrn Jesu Christi"
Arithmetik, Musik, Geometrie, unter dem Brot und Wein über-
Astronomie). all genossen werden. — Die Ubi-
trivial (lat.) alltäglich, abge- quitätslehre dient heute dazu,
droschen, banal (-> trivium). den ungegenständlichen (un-
Trochäus (gr.) Versfuß, der aus 1 räumlichen) Sinn der biblischen
Länge und 1 Kürze besteht (z. B. Himmelsvorstellung deutlich zu
„Kommt und laßt uns Christum machen: Himmel ist da, wo Gott
ehren"). dem Menschen begegnet.
Tropus (gr.-lat.) in der ->- Grego- Ultramontanismus (lat. ultra mon-
rianik die Gesangsformel für das tes = jenseits der Berge, der
Schluß-Amen, allgemeiner: die Alpen) das Eintreten für die In-
melodische Ausschmückung von teressen des Katholizismus und
Texten (Mehrzahl: Tropen). für die päpstlichen Herrschafts-
Tydie (gr.) Schicksal, Glück, Zu- ansprüche, wie es sich im poli-
fall. tischen Katholizismus des 19.
Tychismus (gr.-lat.) Meinung, daß Jahrh. auswirkte.
die Welt und die Geschichte von ultra posse nemo obligator (lat.)
Zufälligkeiten geprägt wird. über sein Können hinaus kann
Tympanon (gr.) Bogenfeld über niemand verpflichtet werden.
einem Portal mit plastischen Una sancta (lat.) „Eine heilige
Darstellungen. (Kirche)"; eine Bewegung, die
Typologese, Typologie (gr.) typolo- sich um ein laufendes Gespräch
gische Auslegungsweise des AT zwischen den beiden großen
(vgl. -v Typos). Konfessionen bemüht und eine
Typos (gr.) Urbild, Beispiel, Prä- Überwindung der Spaltung er-
gung; speziell im NT: eine Per- strebt.
son oder ein Ereignis der von unctio extrema (lat.) letzte Ölung.
Gott gelenkten Geschichte des understatement (engl.) Untertrei-
Alten Bundes, insofern diese ben, Unterbewertung, unter-
„typisch" sind für die gesamte kühlte Redeweise eines anschei-
Heilsgeschichte (z. B. Mose — nend Unbeteiligten, „Tiefstape-
Christus). lei".
unio hypostatica (lat.) Einigung
der beiden Naturen (Gott und
unio hypostatica 120
Mensch) in der Person Christi mit der Weltseele enthält.
(vgl. -> Hypostase). urbi et orbi (lat.) „der Stadt ( =
unio mystica (lat.) die „geheim- Rom) und der Welt", eine alte
nisvolle Vereinigung" der Seele Formel für Verkündigungen oder
mit Gott als Ziel der Gotteser- Segensspendungen der Päpste.
kenntnis in der ->• Mystik. Urim und Tummim (hebr.) „Licht
unio sacramentalis (lat.) die sa- und Wahrheit", Losorakel israe-
kramentale Einigung. litischer Priester.
Union (lat.) Bund, Vereinigung. Usie (gr.-lat.) Sein, Wesen, We-
Konsensus-Union Kirchenbund, sensgehalt.
der auf bekenntnismäßiger Über- Usus (lat.) Gebrauch, Sitte.
einstimmung beruht oder auf der extra usum außerhalb des Ge-
Erkenntnis, daß die verbleiben- brauchs.
den konfessionellen Differenzen usus legis didacticus der lehrhafte
nicht kirchentrennend sind (im Gebrauch des Gesetzes (als Richt-
Gegensatz zur Verwaltungs- schnur für das neue Leben, -v
Union). tertius usus).
unisono (ital.) im Einklang ( = usus legis elenditicus der über-
einstimmig). führende Gebrauch des Gesetzes
Unitarismus eine schon in der Re- (den Menschen von seiner Ver-
formationszeit entstandene und derbtheit überführend).
viel verfolgte Bewegung, welche usus legis paedagogicus der er-
unter starker Betonung der zieherische Gebrauch des Ge-
E i n h e i t Gottes die kirchliche setzes.
-»- Trinitätslehre verwirft (daher usus legis politicus der politische
auch —> Antitrinitarier) und ein Gebrauch des Gesetzes (zur Auf-
dogmatisches Christentum ab- rechterhaltung der äußeren Zucht
lehnt. und Ordnung).
Universalismus (lat.) theologische usus legis quadruplez der vier-
Anschauung, nach welcher der fache Gebrauch (oder Nutzen)
Heilswille Gottes die ganze des Gesetzes.
Menschheit umfaßt (im Gg etwa Utilitarismus (lat.) Nützlichkeits-
zur -»- Prädestination, vgl. auch lehre; eine in der englischen Mo-
-»• gemina praedestinatio), wobei ralphilosophie des 18. und 19.
sie sich u. a. auf 1. Tim. 2, 4 be- Jahrh. vertretene Zielsetzung:
zieht. das größtmögliche Glück der
Universum (lat.) das Weltall. größtmöglichen Zahl (mit der
Upanischaden (sanskr.) „Geheim- Grundthese: Gut ist, was nützt;
lehre"; eine an die ->• Veden an- schlecht ist, was schadet), wobei
geschlossene Schriftensammlung, Erfolg und Wohlfahrt, nicht die
welche die Lehre von der Erlö- Sittlichkeit zum Maßstab des
sung aus dem Kreislauf der Ge- Handelns gemacht wird (->- Eu-
burten durch die Erkenntnis der dämonismus).
Einheit der menschlichen Seele ut omnes unum sint (lat.) „auf
121 ver sacrum
daß alle eins seien" (Joh. 17, 11). Vatikan Wohnsitz des Papstes in
Utopie (utopisch) (gr.-franz.) „Nir- Born, die päpstliche Regierung
gendland"; ein an sich idealer, (nach dem römischen Hügel Va-
aber nicht erreichbarer Zustand, ticanus).
ein Hirngespinst (nach dem Ro- Veda (sanskr.) „Wissen"; heilige
man „Utopia" von Thomas Mo- Schrift der Hindus, Dokument
rus, 1516). der altindischen Opferreligion,
utraque: sub utraque (lat.) „unter dem überirdischer Ursprung zu-
beiderlei (Gestalt)"; Darreichung geschrieben wird (Mehrzahl:
des Abendmahls mit Brot und Veden).
Wein. vehiculum (lat.) „Fahrzeug"; Bez.
Utraquisten Bezeichnung der hus- eines Dinges, das Geistiges mit
sitischen -> Kalixtiner nach ihrer sich trägt.
Forderung, das Abendmahl „sub vehiculum gratiae Träger der
utraque specie" zu empfangen. Gnade.
Velum (lat.) „Hülle"; Leinentuch
zur Bedeckung der Abendmahls-
Vademecum (lat.) „Geh mit mir!", geräte.
Leitfaden, Nachschlagebuch. Venerabilis (lat.) der Ehrwürdige.
Vagant (lat.) „Umherziehender"; venia concionandi (lat.) Predigt-
der umherziehende Student oder erlaubnis.
Kleriker des Mittelalters (auch venia legendi (lat.) Lehrberechti-
Spielmann). gung (an Universitäten).
Vakanz (vakant) (lat.) Freistehen Veni, creator Spiritus! (lat.)
einer Pfarrstelle oder eines son- „Komm, Schöpfer Geist!" (An-
stigen Amtes infolge Tod oder fang eines alten Hymnus).
Abberufung des bisherigen Stel- Verbalinspiration (lat.) die wört-
leninhabers. liche Eingebung (Einhauchung)
Variante (lat.) Abart; vom Origi- der Bibeltexte durch den Hei-
naltext abweichende Lesart. ligen Geist (im Gegensatz zur
Variata (lat.) „die Veränderte"; ->• Personal- und -> Real-Inspi-
die von Melanchthon 1540 etwas ration).
abgeänderte Ausgabe der ->• Verba testament! (lat.) die Ein-
Augustana. setzungsworte des Heiligen
Vaticanum das Vatikanische Kon- Abendmahls.
zil von 1869/1870 (jetzt Vatica- verbotenus (lat.) wortwörtlich, ganz
num I genannt), auf dem unter genau.
Pius IX. u. a. das Dogma von der verbum visibile (lat.) das sicht-
-^Infallibilität des Papstes ver- bare Wort (eine Bezeichnung
kündet wurde. Augustins für das Sakrament).
vaticinium ex eventtt (lat.) Weis- Verdikt (lat.) Wahrspruch, Urteil.
sagung aus dem schon eingetrof- verifizieren (lat.) als wahr be-
fenen Ereignis (die dann zurück- weisen, beglaubigen, prüfen.
datiert wird). ver sacrum (lat.) „heiliger Früh-
ver sacrum 122
ling"; altrömischer Brauch, in Weg Gegebene"; die einem Ster-
Notlagen den Göttern den gan- benden gespendete Kommunion.
zen Nachwuchs eines Frühlings Vicarios Petri (lat.) Stellvertreter
(Feldfrüchte, Vieh und Kinder) des Petrus (seit dem 5. Jahrb..
zu weihen. Selbstbez. der Päpste).
Versalien (lat.) Großbuchstaben. vice (lat.) an Stelle von.
Versikel (lat.) „kleiner Vers"; Bi- Vigjlie (lat.) „Nachtwache"; Got-
belvers, der im Gottesdienst im tesdienst am Vorabend hoher
Wechsel von Pfarrer und Ge- Feste, z. B. Mette in der Christ-
meinde gesprochen oder gesun- nacht.
gen wird. Vikar (lat.) „Stellvertreter"; Theo-
versio (Version) (lat.) Fassung, loge, der die 1. theol. Prüfung
Lesart, auch: Übersetzung. abgelegt und das Recht zur
verso (lat.) Rüdeseite eines Blat- öffentlichen Verkündigung (nicht
tes (Gg: recto). aber zur Sakramentsverwaltung)
Vesper (lat.) Abendgebet der hat.
Kirche, aus dem Stundengebet vindizieren (lat.) fordern, geltend
der alten Kirche entnommen machen, in Anspruch nehmen,
(auch: Vesper-Gottesdienst). die Herausgabe einer Sache ver-
Vetorecht (lat.) Einspruchsrecht. langen.
Vetos Latina (lat.) die altlateini- Virginität (lat.) Jungfräulichkeit,
sche, der —> Vulgata vorausge- Unberührtheit.
hende Bibelübersetzung, die seit virtus (lat.) die männliche Tüch-
1955 vom „Vetus-Latina-Institut" tigkeit, Tapferkeit, Kraft.
der Abtei Beuron neu herausge- virtuell (lat.) der Kraft (oder
geben wird (vgl. -»• Itala). Möglichkeit) nach vorhanden,
Vexilla regis prodennt (lat) die sich jedoch nicht auswirkend.
Fahnen des Königs gehen voran! Vision (lat.) Erscheinung, inneres
(altes Kirchenlied). Gesicht; Schau von Bildern und
via (lat.) Weg, Methode. Vorgängen, die nicht auf natür-
via antiqna (lat.) „der alte Weg" liche Weise vor das Auge eines
des Denkens in der Scholastik, Menschen treten (vgl. -»- Audi-
bei dem Vernunft und Glaubens- tion).
lehre nah beieinander bleiben. Visitation (lat.) Besuch, Besuchs-
via moderna (lat.) „der neue dienst. Speziell: der vom Dekan
Weg" in der Scholastik. Vernunft unter Hinzuziehung anderer
und Glauben werden streng ge- Pfarrer (oder auch Laien) bei
trennt. einem Amtsträger seines Kirchen-
via negationis (lat.) Methode, et- kreises vorgenommene Besuch,
was durch Verneinung zu be- meist verbunden mit Gottes-
stimmen (z. B. dadurch, daß Gott dienst, Unterricht, Kirchenvor-
alle irdischen Unvollkommen- standssitzung, über den er dann
heiten abgesprochen werden). der Kirchenleitung berichten
Viaticum (lat.) „das mit auf den muß.
123 Wycliffiten
vita (lat.) Leben, Lebenslauf, Le- das innere Verlangen nach der
bensbeschreibung. Kirche, nach der Taufe usw., das
vita communis (lat.) das gemein- letztlich dem Getauftsein (usw.)
same Leben (in Ordensgemein- gleichwertig ist.
schaften). ex voto auf Grund eines Ge-
Vitalismus (lat.) Überzeugung, lübdes (Inschrift auf Votivgaben).
daß Leben der Auswirkung einer vox (lat.) Stimme.
inneren, unsichtbaren Kraft („vis vox memorialis (lat.) Merkwort
vitalis") entspringt und deshalb (oft ein aus den Anfangsbuch-
rein materiell nicht erfaßbar ist, staben der zu merkenden Dinge
weil in den Lebewesen andere künstlich gebildetes Wort).
Gesetze herrschen als in der an- vozieren (lat.) vorladen (vor ein
organischen Welt. Gericht), berufen.
vitium originis (lat.) Erbsünde. Vulgata (lat.) „die Allgemeine";
vocatio (lat.) Berufung (zum eine lateinische Bibelüberset-
Heil). zung, die auf Hieronymus (um
vocatio generalis allgemeine Be- 400) zurückgeht, sich langsam in
rufung (zum Heil). der Kirche des Westens durch-
vocatio specialis spezielle Beru- setzte und durch das —> Triden-
fung (durch die Verkündigung tinum für die katholische Kirche
des Evangeliums). als verbindlich erklärt wurde.
vocatio extraordinaria außeror-
dentliche (unmittelbar durch Gott
geschehende) Berufung. Waldenser eine auf Petrus Wal-
Vokalisation (lat.) die Hinzufü- dus von Lyon (gest. 1217) zu-
gung von Vokalzeichen zur he- rückgehende Reformbewegung.
bräischen Konsonantenschrift 1184 aus der Kirche ausgeschlos-
durch die ->• Punktatoren (vgl. sen und verfolgt, leben die Wal-
—*• Massoreten). denser im Geheimen und wirken
Voluntarismus (lat.) philosophische bei der Entstehung der hussi-
Ansicht, die den W i l l e n im tischen Bewegung mit. Sie schlie-
Mittelpunkt alles Seelischen und ßen sich der Kirche Calvins an
auch alles Weltgeschehens sieht, und bilden heute den Kern des
dem Willen auf jeden Fall den Protestantismus in Italien, be-
Vorrang vor dem Verstand gibt sonders im Piémont (Chiesa Val-
(Schopenhauer). dese).
Votivmesse (lat.) Messe, die auf Wycliffiten die Anhänger des
Wunsch ( = votum) für ein be- englischen Vorreformators John
sonderes Anliegen gehalten wird Wyclif ( + 1384), der den welt-
(z. B. Totenmesse, Brautmesse). lichen Besitz der Kirche, die
Votum (lat.) Urteil, Gutachten, Transsubstantiationslehre, die
Stimmabgabe; Gelübde. In der Heiligenverehrung u. a. be-
Liturgie: kurzer biblischer kämpfte. Von ihren Gegnern
Wunsch. Im Katholizismus auch: wurden die Wycliffiten Lollar-
Wycliffiten 124
den (= Unkrautsäer) genannt. bewahrung der geweihten
Xenophobie (gr.) Fremdenfeind- Hostie.
lichkeit, Fremdenfurcht. Zjkkurat (assyr.-babylon.) berg-
YMCA Abk. für „Young Men's artiger Stufenturm in baby-
Christian Association" (= lonischen Tempelanlagen.
CVJM). Zionismus eine von Theodor
Yoga (ind. anschirren, anspannen) Herzl 1897 begründete Bewe-
ein indisches System der Askese gung, die für eine Heimstätte des
und -*• Meditation (Kasteiung, jüdischen Volkes in Palästina
Atemregulierung, Hypnose, Kon- kämpfte.
zentration u. a.) mit dem Ziel der Zivilehe (lat. civilis = bürgerlich)
Befreiung der Seele von der Ma- die vor dem staatlichen Standes-
terie und der Loslösung von der beatmen geschlossene Ehe.
Leidenswelt. Zölibat (zölibatär) (lat. coelebs
zelebrieren (lat.) feierlich bege- = unverheiratet) die in der
hen, Messe lesen. röm.-kath. Kirche für Priester
vorgeschriebene Ehelosigkeit,
Zelot (gr.) Eiferer in Glaubens- welche auf alten asketischen Vor-
dingen. Angehöriger einer jü- stellungen beruht und zu völlige-
dischen Partei zur Zeit der ->• rem Gehorsam im Dienst der
Makkabäer und danach, die das Kirdie führen soll. In der griech.-
Reich Gottes mit Waffengewalt kath. Kirche gilt der Zölibat nur
herbeiführen wollten (Luk. 6,15). für die höhere Geistlichkeit.
Zensur kath. kirchenamtliche Prü- zoon politikon (gr.) »politisches
fung von Schriften. Lebewesen"; nach Aristoteles der
Zeremonie (lat.) feierliche Hand- Mensch als bereits von Natur ge-
lung im Gottesdienst oder auch selliges Wesen, das darum füt
bei weltlichen Anlässen. seinesgleichen mitverantwortlich
Ziborium (gr.-lat.) im Katholizis- ist.
mus der gedeckte Kelch zur Auf- Zyniker ->- Kyniker.
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Sie bringt Einführungen in theologische Sachgebiete, Ar-
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bemüht sich als Sachbuchreihe um
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men. Sie will besonders dem Nicht-
theologen Informations- und Ar-
beitsmaterial zu Fragen bieten, die
Ro heute an ihn herantreten.

Wie oft stößt man auf unbekannte


theologische, religions- und kirchen-
geschichtliche Fachausdrücke!
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knapper Form Erläuterungen zu et-
wa 2 000 Fremdwörtern aus dem
Raum der Theologie und ihrer Nach-
barwissenschaften. Der Verfasser
hat dabei bewußt auch solche Wör-
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ins theologische Schrifttum einge-
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In den vielfältigen theologischen
Auseinandersetzungen unserer Zeit
will dieses Lexikon dem Theologen
wiedem Nichttheologen eine schnel-
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HANDBÜCHEREI R. BROCKHAUS 5