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Schloss Mansfeld

Dokumentation zur Geschichte der Festung

Historische Ansichtskarte mit Blick von Westen hinauf zu Festung und Schloss Mansfeld: Heimatverein Mansfeld
Inhalt

Zur Geschichte /2

Einführung /3

Übersichtsplan /5

Zeittafel /6

Das Bauensemble /7

Gesamtansicht /8

Festungspläne vor und nach der Schleifung /9

Bestandteile der Festung:


Mine / 10
Große Streichwehr / Südrondell / 11
Innerer Graben / Nordrondell / 12
Schlosskirche / 13
Schloss Vorderort / 14
Grabungsplan Schloss Vorderort / 15
Schloss Mittelort / 16
Schloss Hinterort / 17

Mansfeld und Martin Luther / 18

Literatur / 19

/1
Zur Geschichte

Das Mansfelder Wappen ab 1481: Sir Gawain (Maler), http://de.wikipedia.org/wiki//Bild:MansfeldWappen.gif /2


Auf einem Bergsporn über der Stadt Mansfeld befinden sich die Anlagen von Schloss
und Festung Mansfeld. Die Anlage entspringt einer in das 11. Jahrhundert zurückrei-
chenden, 1060 erstmals genannten Burganlage, die der mächtigen Dynastie der Grafen
von Mansfeld bis 1780 als Stammsitz diente. Die mittelalterliche Burg wurde vollständig
überformt. Nur wenige Sachzeugen der untergegangenen romanischen Burg sind im Be-
reich des heutigen Schlosshofes nachgewiesen.

Neben dem Ausbau der Burg im 14. Jahrhundert wurde eine Verstärkung der Wehran-
lagen vorgenommen. Aus gotischer Zeit blieb nur die um 1400 errichtete Schlosskirche
erhalten, die zu den bedeutendsten deutschen Schlosskirchen der Gotik zählt.
Nach der Erbteilung im Jahre 1501 entstanden für die gräflichen Linien mit Hinterort
(1517-1523), Mittelort (bis 1532) und Vorderort (1513-1518) eigene Wohn-Schlossanlagen.
Schloss Vorderort ist in der vorhandenen Bausubstanz des Haupthauses aufgegangen, die
Schlösser Hinterort und Mittelort stellen heute wildromantische Ruinen dar.

Ebenso Anfang des 16. Jahrhunderts erfolgte ein umfangreicher Ausbau der Wehranla-
gen, so dass Schloss Mansfeld als eine der stärksten deutschen Festungen galt.
1570 erfolgte die Sequestration der Grafschaft Mansfeld. 1579 wurde sie an Kursachsen
und an das Erzbistum Magdeburg aufgeteilt.

Schloss Mansfeld, Kupferstich von Matthäus Merian: Topographia Germaniae, Obersachsen, 1650 /3
Das Schloss wurde im 30-jährigen Krieg belagert. In den Jahren 1674 / 75 erfolgte die
Schleifung der Festungsanlage, ohne dass diese vollständig zerstört wurde.
In den Jahren 1860 / 1862 fanden im Schloss Vorderort, insbesondere am Haupthaus und
am Nebenhaus, umfangreiche Baumaßnahmen statt. Außerdem wurde die parkartige Ge-
staltung des Festungsgeländes vorgenommen.
Bis 1946 befand sich das Schloss in privatem Besitz, zuletzt im Besitz der Freiherren von
der Recke. Eine Sicherung des umfangreichen Ruinenkomplexes und der Festungsmau-
ern erfolgte um 1933 durch den Arbeitsdienst.
Die seitdem unterlassenen Instandhaltungsmaßnahmen und der damit einhergehende
Bewuchs der Festungsanlage bzw. die fortschreitende Bewaldung des Schlossgeländes
führten zum weiteren, natürlichen Verfall des Ruinenkomplexes.
Seit 1947 wird Schloss Mansfeld als Christliche Bildungs- und Freizeitstätte für Kinder
und Jugendliche genutzt. Schloss- und Festungsgelände sind neuerdings der Öffentlich-
keit zugängig gemacht worden. Eigentümer und Betreiber ist seit 1999 der Förderverein
Schloss Mansfeld e.V., der die Sanierung der Bauwerke und Freianlagen und die Siche-
rung der Ruinen ausführen lässt.
Die historische Entwicklung der Festungsanlage auf dem Schlossberg hat die enge Ver-
bindung der baulichen Anlagen mit Bestandteilen des Naturerbes an Flora und Fauna
über drei Jahrhunderte ungestört entstehen lassen.

Schloss Mansfeld, 1650 - Ansicht Lith. Anst. v. P. Schwabe, Berlin /4


Der Felssporn heute: Blick auf Mine und Kirche 1

10 Goldener-Saa-Bau Mittelort 17 Streichwehr Ostseite


4 Haupthaus Vorderort 11 Goldener-Saal-Bau -Anbau 18 Hauptschloss Hinterort
5 Ehem. Wächterstube 12 Festungsmauer Südwest 19 Wirtschaftsgebäude I
6 Remise/Alter Marstall 13 Mine Schloss Hinterort
1 Sakristei-Anbau
7 Inneres Tor 14 Nordrondell 20 Wirtschaftsgebäude II
2 Schlosskirche
8 Äusseres Torhaus 15 Brücke / Damm Schloss Hinterort
3 Nebenhaus
9 Festungskeller 16 Innerer Wehrgraben 21 Wohnbau Hinterort
4 Haupthaus Vorderort

Übersichtsplan der Gesamtanlage von Schloss- und Festung Mansfeld heute 2

1)Förderverein Schloss Mansfeld; 2) Schnell-Kunstführer, S. 23 /5


Geschichtlicher Überblick zu Schloss und Festung

- 1060 Erste urkundliche Erwähnung: ein Hoyer von Mansfeld schenkt dem Erzstift in Mansfeld 10 Hufen
Land.
- 1115 Hoyer von Mansfeld, oberster Feldherr Heinrich des V., wird in der Schlacht am Welfesholz
erschlagen.
- 1229 Erstmalig wird die Burg als solche erwähnt, es ist auch das Jahr in dem die Linie Hoyer ausstirbt.
- 1215 In Urkunde von Andernach werden Grafen von Mansfeld mit Bergrecht beliehen.
- 1264 ‘Comes de mansfeld‘: Graf Burchard II (Querfurter Stamm) verbindet altes Familienwappen mit
eigenem.
- 1420 Erste Erbteilung, Festlegung von Vorder-, Mittel- und Hinterort.
- 1480 Erste Nachricht über ‘aufrührerische Bergleute‘ (Schleppenbuch & Gerechtigkeit/Berggericht zu
Eisleben).
- 1509 Vernichtung der ersten Burganlage durch großen Brand.
- 1509 – 1549 Neubau von drei Renaissance-Schlössern sowie der Festungsanlage (als größte Festung
Mitteldeutschlands), Vollendung der Schlosskirche, Weihnachten 1541 Einführung der evange-
lischen Lehre durch Luther in einem kirchlichen Festgottesdienst.
- 1570 Zwangsverwaltung der gräflichen Besitzungen, seitdem baulicher Verfall der Schlösser Mittel- u.
Hinterort.
- 1618 - 1648 Mehrfache Belagerung der Festung während des Dreißigjährigen Krieges.
- 1674/75 Städte und Stände der Grafschaft Mansfeld verlangen wegen der hohen Abgaben an das Schloss
die Demolierung der Festungsanlagen. Auf Beschluß des Obersächsischen Kreistages werden sie
geschleift. Auch die Schlösser Mittel- und Hinterort wurden dabei in Mitleidenschaft gezogen.
- 1710 Letzter auf Schloss Mansfeld wohnender Graf Johann Georg III. stirbt.
- 1780 Mansfelder Grafen sterben mit dem Tode von Johann Wenzel Nepomuk aus.
- 1794 - 1810 Schloss im Besitz des Oberbergrats Carl Friedrich Bückling, Erbauer der ersten deutschen
Dampfmaschine, durch ihn wurde das Seitengebäude als Stallung umgebaut, Schloss Vorderort bis
auf die erste Etage abgerissen, daraufhin Aufbau des Gebäudes im Barockstil, Schlosskirche als
Scheune genutzt.
- 1859 Freiherr von der Recke erwirbt Schlossanlage. Barocketage des Schloss Vorderort wird abgerissen
und durch zwei Etagen im neogotischen Stil ersetzt.
- 1900 Kirche erhält ihre jetzigen Fenster und Chorgestühl, im Schlossgebäude werden in der ersten
Etage Decken und Wände mit Holz vertäfelt
- 1946 Mit Bodenreform wird Schloss enteignet und später Volkseigentum.
- 1947 Schloss Mansfeld wird von der Provinzialregierung des Landes Sachsen-Anhalt für unentgeltliche
Nutzung an die Kirche der Kirchenprovinz Sachsen (KPS) übergeben, wobei sich das Evangelische
Jungmännerwerkum die kirchliche Arbeit auf dem Schloss kümmert. Das Schloss wird als
Tagungs- und Rüstzeitheim in dieser Form bis 1989 genutzt.
- 1989 - 1993 Das Jungmännerwerk der KPS wird im Oktober 1993 durch die Gründung des CVJM Lan-
desverbandes Sachsen-Anhalt abgelöst.
- 1994 Übernahme d. Geschäfte und Verwaltung von Schloss Mansfeld durch den CVJM Sachsen-Anhalt.
- 1997 Am 24. Mai wird der Förderverein Schloss Mansfeld gegründet
- 1999 Ab 1. Januar übernimmt der Förderverein vom CVJM Landesverband den Betrieb und die Ge-
schäftsführung der Christlichen Jugendbildungs- und Freizeitstätte. Ab 2000 beginnt eine rege
Bautätigkeit zur Erhaltung und Sanierung der hochwertigen Bausubstanz. Es wurden 80 Über-
nachtungsräume modernisiert und Tagungsräume in historischer Bausubstanz geschaffen. 2007
wurden die Küche und der Speiseraum modernisiert.

/6
Das Bau-Ensemble

Treppenturmportal am Nebenhaus (Wohnhaus B): Schnell-Kunstführer, S. 16 /7


Fernwirkung von Schloss und Festung

Schloss Mansfeld zu Beginn des 19. Jahrhunderts1

Mansfeld und Schloss Mansfeld 2

1) „Zwischen Saale und Harz - Mansfelder Land -“; S. 95 2)Historische Ansichtskarte: Heimatverein Mansfeld /8
Renaissance-Festungsanlage
vor und nach der Schleifung

Die Gesamtanlage zeigt


einen rechteckig-ver-
zogenen Grundriss von
etwa 350 m Länge und
230 m Breite. Ost- und
Südseite der gesamten
mansfeldischen Schlos-
sanlage sicherte ein
gewaltiger Befestigungs-
ring, während die West-
seite und teilweise auch
die Nordseite durch den
Steilabfall auf natürliche
Weise stärker geschützt
sind. Die fünfeckige
Hauptanlage umschließt
im Osten und Süden
der tiefe innere Graben,
im Westen und Norden
eine Ringmauer, aus der
an der Nordwestecke
eine gewaltige Bastei, die
sogenannte Mine, her-
Lageplan der mächtigen Renaissance-Festungsanlage mit den drei
vorspringt. Die Nordost-
Schlössern 1674 (vor der Schleifung)1
ecke sichert ein Rondell
(Nordrondell). An diesen
ersten Befestigungs-
ring schließt sich der
Schloß Hinterort einbe-
ziehende, starke zweite
Befestigungsgürtel an. Er
besteht im wesentlichen
aus zwei gemauterten
Basteien an der Ostseite,
dem Rondell im Graben
und der Mittelbastei, und
zwei hohen Erdwerken:
der Tiergartenbastei an
der Nordostecke und
der Katzenbastei an der
Südwestecke.
Alle Befestigungswerke
waren ehemals größten-
teils untereinander durch
gewölbte, mit mehreren
Streichwehren versehene
Wehrgänge verbunden.
Den zweiten Befesti-
gungsring umgab der
äußere Graben, der sich
bis zur Nordseite herum- Lageplan der heutigen Anlage2
zog und nur dort noch
völlig erhalten ist.*)

1) : „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“ S. 265 ff.; (nach Zeichnung aus dem Staatsarchiv Dresden)
2) Schnell-Kunstführer, S. 23 *) : „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“; S. 265 ff.; /9
Festungsanlage / Mine

Die gewaltige Bastei an


der Nordwestecke der
Festung, die Talbastei,
auch Minenbastei oder
Mine genannt, prägt
auch heute noch vom
Tal her bestimmend das
Aussehen der Anlage.
Die Mine springt aus
der Umfassungsmauer
in leicht verzogenem
halbkreisförmigem
Grundriss mit einem
Durchmesser von
etwa 30 m hervor. Die
heute ungefähr 30 m
hohe Außenmauer mit Albrecht Dürer, Aufriß für eine Bastei1
mehreren Reihen von
Rüstlöchern verläuft
konisch nach oben
und wird von einem
Zinnenkranz aus dem
19. Jahrhundert abge-
schlossen. Ursprüng-
lich war die Plattform
vorgekragt und mit zin-
nenartigen Geschütz-
scharten versehen. (...)
Die einzelnen Fe-
stungswerke von Mans-
feld jedoch entspre-
chen vollkommen dem
Stand der deutschen
Festungsbaukunst der
ersten Hälfte des 16.
Jhdts und verwirkli-
chen Grundsätze der
Dürerschen Befesti-
gungslehre von 1527,
jenem ersten gedruck-
ten Buch über Befesti-
gungskunst in deut-
scher Sprache.*)
Mine und äußerer Graben 2

1) „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“, S. 265 ff.; (nach A. Giesecke, 1921; Abb. 20)
2) und *) „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“; S. 265 ff. / 10
Festungsanlage

Vor der Katzenbastei liegt an der Talseite das


Südrondell (Abb. 2) in kreisförmigem Grund-
riss mit einem Durchmesser von 21,5 m. Die
nicht durchgehend erhaltene Außenmauer
des ehemals zweigeschossigen Rondells steigt
konisch nach oben und zeigt drei zum Teil
dicht übereinanderliegende Reihen Entla-
stungsbögen. Nach Merian durchbrachen
schmale rundbogige Scharten die Mauern
des Obergeschosses, das heute größtenteils
abgebrochen ist. Es besteht aus rotliegendem
Sandstein und bildet einen wirkungsvollen
Kontrast zum Untergeschoss aus Zechstein-
kalk. Eine aus Erde aufgeschüttete, mit Brust-
wehr versehene Plattform für Geschütze bil-
dete den oberen Abschluss des Südrondells.
Die Tonnengewölbe im Untergeschoss, die
wahrscheinlich das Südrondell mit den an-
deren Befestigungswerken verbunden haben,
sind von sehr unregelmäßigem Grundriss.

An die Umfassungsmau-
Große Streichwehr an der Katzenbastei 1
er der Katzenbastei ist
im Nordwesten stumpf-
winklig eine gewaltige
zweigeschossige, 6 m
breite Streichwehr
(Abb. 1) aus rotliegen-
dem Sandstein gesetzt,
die in einer Länge von
etwa 14 m erhalten ist.
Sie diente zur Bestrei-
chung des benachbar-
ten Südrondells. Nach
den Darstellungen von
Merian und Hartmann
besaß die Streichwehr
in beiden Geschossen je
vier Geschützscharten
und war an den Seiten
zinnenartig überhöht.
Die Mauer des Unter-
geschosses durchbricht
eine breite Kanonen-
scharte. *)
Südrondell 2

1), 2) uns *) „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“, S. 265 ff. / 11
Festungsanlage
1

Der Bau von Schloss


Hinterort machte den
kostspieligen Bau der ge-
meinsamen Befestigung
für die drei Schlösser
der Mansfelder Grafen
erforderlich.

Von 1517 bis etwa 1549


wurde nach den mo-
dernsten Prinzipien der
Fotifikationsbaukunst
der Bau ausgeführt. Da-
mit war Mansfeld im
16. und 17. Jahrhundert
eine der stärksten Fe-
stungen Deutschlands.

Von 1546 bis 1549 wurde


die 25m hohe Minenba-
stei gebaut und befestigt. Wehrgang des Inneren Grabens 1
Während des Dreißig-
jährigen Krieges erlebte
die Festung mehrfache
Belagerungen, ohne
jedoch jemals im Sturm
erobert worden zu sein.*)

Im Bild unten sind Reste


eines Wehrturmes mit
10 m Innendurchmesser,
zu sehen. Es handelt sich
dabei um das Nordrondell
mit der sog. Münze, deren
Mauern 3,7 m stark sind.
Mit den 5 Schießschar-
ten wurde der nordwest-
liche Teil des äußeren
Wehrgrabens kontrol-
liert.

Nordrondell 2

1) und 2) Archiv SES-Dresden; *) Schnell-Kunstführer / 12


Schlosskirche

Minenbastei, Schloß Vorderort und Schlosskirche: Talseite 1

Die bauliche Dominante der gesamten Anla-


ge bildet die Kirche, die den Typ der ein-
schiffigen gotischen Schlosskirchen vertritt.
Sie gehört auf Grund der einheitlichen Wir-
kung des Raummantels, der harmonischen
Farbigkeit und der reichen Ausstattung, die
eine bedeutende Stellung in der Frührenais-
sance einnimmt, zu den schönsten
deutschen Schlosskirchen der Gotik. *1)
Den hohen Innenraum der Kirche, dessen
spätgotische Raumfassung in den Jahren
1907 und 1974 wiederhergestellt worden
ist, überspannen Kreuzgewölbe. Das Schiff
umziehen an drei Seiten schmale spätgo-
tische Steinemporen, die für den Raum
bestimmend sind und ihm den Charakter
einer Herrschaftskapelle verleihen. Außer
den Emporen ist das prächtige lettnerartige
Gitter zwischen Schiff und Chor für den
Raumeindruck bestimmend. Den litur-
gischen Mittelpunkt des Schiffes wie des
Chores bildet der stattliche Flügelaltar, der
eine beachtliche Arbeit aus der Werkstatt
Lucas Cranachs d.Ä. darstellt * 2)

Schlosskirche: Inneres nach Südosten 2

1 2
), ) und *2): Schnell-Kunstführer, S. 7ff
*1): „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“, S. 265 ff. / 13
Schloss Vorderort

1
2

Schloss Vorderort - zwi-


schen 1509 und 1518 errich-
tet - besteht aus mehreren
Gebäuden: dem Haupthaus
an der Talseite, das im 16.
Jhdt durch Anbauten an der
Nord- und Westseite eine
bedeutend größere Ausdeh-
nung als heute hatte und
vorübergehend als Wohnsitz
der Eislebener Linie der
Mansfelder Grafen diente,
dem ehemaligen „Gemei-
nen Saal“ und dem Wohn-
bau B (einstmals Wohnsitz
der Bornstedter Linie der
Mansfelder Grafen) [heute
Nebenhaus genannt] an der
Ostseite.
Haupthaus Hofseite mit Treppentürmen 1
Die unregelmäßige Anord-
nung dieser Gebäude zeigt
noch die malerische Grup-
pierung der Gotik. Jedoch
drückt der weiträumige Hof
das großzügige Platz- und
Raumenpfinden der Renais-
sance aus.*)

1860 bis 1862 wurden das 1.


und 2. OG des Haupthauses
in neugotischem Stil durch
den Hamburger Baumeister
Max Wallenstein umgebaut.

Der Brunnen des Hofes von


Schloss Vorderort, auf den
Bildern zu sehen, wurde
bereits im 12. Jahrhundert
errichtet.

Nebenhaus Hofseite 2

1) und 2) Archiv SES-Dresden *): „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“, S. 265 ff. / 14
Romanische und Mittelalterliche Bebauungsstruktur

Im Vorfeld der Bauar-


beiten, die der Förder-
verein in den Jahren ab
2000 beginnen konnte,
wurden archäologische
Untersuchungen durch-
geführt. Sie erbrachten
den archäologischen
Nachweis einer
hochmittelalterlichen
Bebauung in Form eines
Bergfriedes und einer
romanischen Mauer...da-
mit kann man vermuten,
dass die erste mittelal-
terliche Bebauung des
Hochplateaus im Westen
bei der Mine und dem
Hauptschloss lag.
Zahlreiche spätere mit-
telalterliche Mauerzüge,
die nur angeschnitten
werden konnten, zei-
gen, dass die ehrgeizige
Neubebauung durch die
Mansfelder Grafen zu
Beginn des 16. Jahr-
hunderts, bei der sie
sich übernahmen, völlig
neue Raumstrukturen
schuf, die (zumindest im
Bereich des Vorderortes)
nicht auf die Vorgänger-
bauten Bezug nahmen.

Die Wahrung des über


1000-jährigen Kultur-
denkmales wird durch
den Förderverein
Schloss Mansfeld betrie-
ben. *)

Grabungsplan des Wohnbau B (Nebenhaus) 1

1) und *) Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, darin: Beitrag mit Plan von Ulf Petzschmann / 15
Schloss Mittelort

Wie der Chronist der


Grafschaft Mansfeld,
Cyriakus Spangenberg,
bemerkte, wurde
Schloss Mittelort „von
Grund auf neue gebau-
et“, und im Jahre 1532
nach längerer Bauun-
terbrechung vollen-
det. Bauherr war Graf
Gebhard VII. (1486-1558),
ein früher Anhänger der
reformatorischen Lehre.
Erker zum Goldenen Saal der Ruine Schloss Mittelort1

Schloss Mittelort stelle


einen einflügeligen Bau
- nach dem „Goldenen
Saal“, dem ehemaligen
prachtvollen Festsaal im
Obergeschoss, „Gol-
dener-Saal-Bau“ genannt
- dar mit Anbauten an
der Hof- und Talseite*),
sowie einem Verbin-
dungsgang von Schloss
Mittelort zur Empore der
Kirche.

Ruine Schloss Mittelort 2

1
) Archiv SES-Dresden 2) und *): „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“ S. 265 ff. / 16
Schloss Hinterort

Durch den inneren Graben


von Schloss Vorderort und
Mittelort getrennt, schließt
sich südlich Schloss Hinterort
an. Es wurde nach jahrelangen
Streitigkeiten unter den Mans-
felder Grafen zwischen 1511
und 1523 erbaut und verkör-
pert bereits den nach einem
einheitlichenPlan errichteten
regelmäßigen vierflügeligen
Schlossbau der Renaissance.
*1)

Die drei repräsentativen,


großzügigen Renaissance-
schlösser entstanden als reine
Wohnbauten gleichzeitig mit
den starken Befestigungswer-
ken. Damit wurde in Mansfeld
bereits zu Befinn des 16. Jahr-
hunderts in großem Rahmen
die entwicklungsgeschichtlich Ehemalige Küche Schloss Hinterort1
bedingte Trennung von Wohn-
und Wehrzweck, dem die mit-
telalterliche Burg gemeinsam
gedient hatte, vollzogen. *2)

Blick von Westen auf die Ruine Schloss Hinterorts2

1), *1) Schnell-Kunstführer, S. 18f 2


) Archiv SES-Dresden *2): „Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“, S.265 ff. / 17
Ein Blick auf Mansfeld und Martin Luther

Die Stadt Mansfeld wurde 973 erstmals urkundlich erwähnt. Kaiser Otto II. bestä-
tigte einen, in Gegenwart seines Vaters, zwischen Erzbischof Adalbert von Magde-
burg und Abt Werinhar von Fulda abgeschlossen Tauschvertrag vom 22. Oktober
973. Darin kommt Mansfeld zu den Besitzungen des neu geschaffenen Erzbistums
Magdeburg.

Die Entwicklung der Stadt ist durch die 800 jährige Bergbaugeschichte, speziell
die Kupfer- und Silbergewinnung in den Hütten, bestimmt. Ende des 15. Jahr-
hunderts wurden jährlich ca. 20.000 Zentner Schwarzkupfer erzeugt und ein
großer Teil davon in viele Teile Europas exportiert. Bis in die 70er Jahre des 20.
Jahrhunderts wurde der Bodenschatz gefördert. Noch heute sieht man die typisch
kegelförmigen Abraumhalden als Landschaftselemente im Mansfelder Land sowie
verschiedene Industrierelikte aus früherer Zeit.

Der freie Bergmann Hans Luther kam Anfang 1484 nach Mansfeld, um im Berg-
bau- und Hüttenwesen zu arbeiten. Er wurde Hüttenmeister und kam zu erheb-
lichem Wohlstand. Sein Sohn Martin Luther machte Mansfeld über die Landes-
grenzen hinaus bekannt. Er verlebte hier seine Kindheit und erste Schulzeit bis
1497. Bei seinen späteren Besuchen der Familie konnte er das Enstehen der drei
Schlösser und der Festung der Mansfelder Grafen verfolgen.
Dass sich die Lebenswege zwischen den Mansfelder Grafen und insbesondere
mit dem Grafen Albrecht VII. (IV.) und Martin Luther wiederholt kreuzten, ist
geschichtlich erwiesen. Bekannt ist auch, dass zwischen dem 1480 geborenen Graf
Albrecht VII von Mansfeld, dem die Herrschaft auch über die Stadt Mansfeld
zugeordnet war und dem 1483 geborenen Martin Luther eine enge Freundschaft
bestand. Albrecht VII wurde folgerichtig ein glühender Anhänger der Reformation
und setzte in seinem Herrschaftsgebiet der seit 1501 geteilten Grafschaft umfas-
sende Reformen durch. Albrecht VII war einer der ersten deutschen Adeligen, die
für den Protestantismus eintraten.
Wie eng die Verbindung der Mansfelder Grafengeschlechter zur Familie Luther
gewesen ist, wird auch daran deutlich, dass Graf Albrecht mit seinem Sohn Volrat
und seinem Neffen Christoph den Leichnam Martin Luthers von Eisleben nach
Wittenberg begleiteten. Die Grafen des Schlosses Vorderort und Mittelort haben
der Witwe eine jährliche Leibrente von 2000 Gulden ausgesetzt.

Der Reformator war in seiner Wittenberger Zeit auf Einladung der Mansfelder
Grafen wiederholt auf dem Schloss zu Gast - auch um deren Streitigkeiten zu
schlichten. In der Schlosskirche hat er mehrfach gepredigt.

Symbol: die Lutherrose / 18


Literatur

Dr. Roch-Lemmer, Irene:


„Schloss Mansfeld“, Schnell, Kunstführer Nr. 2260,
Regensburg, 1997

Roch, Irene:
„Baugeschichte und Rekonstruktion der Festung Mansfeld“
in:
Clasen, K. H.:
„Aspekte zur Kunstgeschichte von Mittelalter und Neuzeit“,
Weimar, 1971

Petzschmann, Ulf:
„Mittelalterliche Vorgängerbauten und jüngere Befunde auf Schloß
Mansfeld“
in:
Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen
Burgenvereinigung e.V..:
„Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Heft 10, Mitteilungen
der Landesgruppe Sachsen-Anhalt der Deutschen Burgenvereini-
gung“,
Halle/Saale, 2001

Dr. Eisenächer, Wolfgang u. A.:


„Zwischen Saale und Harz - Mansfelder Land -“
Horb am Neckar, 2. Auflage 1999

Roch, Irene:
Dissertation: „Die Baugeschichte der Mansfelder Schlösser mit ih-
ren Befestigungsanlagen und die Stallung der Schlossbauten in der
mitteldeutschen Renaissance“,
Halle/Saale, 1966

Verfasser: Förderverein Schloss Mansfeld Oktober 2007 / 19