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Münchner Residenz

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Die Residenz in der Münchner Innenstadt war das Münchner Stadtschloss und die Residenz
der bayerischen Herzöge, Kurfürsten und Könige. Der weitläufige Palast ist das
größte InnenstadtschlossDeutschlands und heute eines der bedeutendsten Raumkunstmuseen
Europas.

Plan der Münchener Residenz

Michael Wening, Münchener Residenz um 1700

Münchener Residenz in der Altstadt

Der Gebäudekomplex umfasst zehn Höfe und gliedert sich in die drei
Hauptkomplexe Königsbau (zum Max-Joseph-Platz hin), Maximilianische Residenz (auch Alte
Residenz, Fassade zur Residenzstraße hin und ein Großteil der inneren Trakte)
und Festsaalbau (zum Hofgarten hin). Das Residenzmuseum besteht aus 130
Schauräumen.[1] Stilistisch ist die über Jahrhunderte gewachsene Residenz eine Mischung
aus Renaissance, Barock, Rokoko und Klassizismus. Vor dem Eingang zum Kaiserhof und dem
Durchgang zum Brunnenhof stehen je zwei große bronzene Löwen für die vier
Kardinalstugenden, Klugheit, Stärke, Gerechtigkeit und Mäßigkeit, die ein würdiger Herrscher mit
sich bringen sollte. Jeder Löwe hält ein Schild, auf dem die jeweilige Tugend symbolhaft
abgebildet ist und das an der unteren Spitze jeweils in einem kleinen Löwenkopf endet. (Die
Berührung der Schnauze dieser kleinen Löwenköpfe soll Glück bringen.)[2]
Der Ort der Residenz war schon vor Jahrtausenden von Menschen belebt. Erst 2014 fanden
Archäologen direkt unterhalb des Apothekenhofes der Residenz ein fast unversehrtes,
spätbronzezeitliches Grab.[3]

Inhaltsverzeichnis

• 1Geschichte und Architektur


o 1.1Die gotische Neue Veste
o 1.2Das Renaissanceschloss
▪ 1.2.1Die Maximilianische Residenz
o 1.3Die Appartements des Barock und Rokoko
o 1.4Die klassizistischen Erweiterungen Max l. Josephs und Ludwigs I.
▪ 1.4.1Der Königsbau
▪ 1.4.2Der Festsaalbau
o 1.5Die Umbauten Max II. Josephs und Ludwigs II.
o 1.6Die Residenz zu Ende der Monarchie
• 2Residenzmuseum
• 3Schatzkammer
• 4Zerstörung und Wiederaufbau
• 5Hofgarten
• 6Siehe auch
• 7Film
• 8Quellen
• 9Literatur
• 10Weblinks
• 11Einzelnachweise

Geschichte und Architektur[Bearbeiten | Quelltext


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Die gotische Neue Veste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Münchner Residenz mit Hofgarten und den Resten der Neuveste von Michael Wening, nach 1700

Schon 1385 befand sich an der Stelle der heutigen Residenz die Neuveste, die nach Aufständen
der Münchner Bürgerschaft gegen die in der Stadt residierenden Brüder Johann II., Stephan
III. und Friedrich zunächst anstelle des zu unsicher gewordenen Alten Hofs als reine Fluchtburg
für den Herzog und seinen Hofstaat diente. Als Sühne für den Aufstand hatten die Herzöge von
der Stadt die Erlaubnis erhalten, „ein vest in die statt ze pawen und ein aigen tor … das sy aus
und ein reitten“.
Grundriss der Neuveste(1):Christophturm, (2):Dürnitz, (4):Rundstubenbau, (8):Silberturm,
(10):Georgssaaltrakt

Die Neuveste war eine gotische Wasserburg, die von der Stadt her nur über eine befestigte
Brücke zu erreichen war. Bezeichnenderweise lag der größte Turm, der Silberturm, nicht an der
Außenseite, sondern verstärkte die Innenfront gegen die Stadt. Hier befand sich später der
Staatsschatz. Im Rahmen des Baus der Neuveste wurde Ende des 14. Jahrhunderts in der
Nordostecke des zweiten Mauerrings auch das Neuvesttor errichtet. Die Neuveste wurde im
Laufe der Jahrhunderte verändert und erweitert. Um 1470 wurden unter Herzog Johanns
Urenkel Albrecht IV. (reg. 1465–1508) die Zwingermauern und der Torbau im Norden errichtet,
1460–1500 folgte der Bau von zwei Geschütztürmen. 1470/71 war Albrechts Bruder Christoph
der Starke in der Neuveste interniert. Neuer Wohnraum wurde unter Albrecht noch nicht
geschaffen. Mit der Zeit verlor die Burg allmählich ihren fortifikatorischen Charakter, der durch
das verstärkte Aufkommen von Kanonen, welche die Mauern durchschlagen konnten, hinfällig
geworden war. Als herzoglichen Sitz löste die Neuveste den Alten Hof allerdings erst unter
Albrechts Sohn Wilhelm IV. ab. Um 1620 erfolgte dann der Abbruch aller Gebäude an der
Westseite, 1750 wurden Gebäudeteile nach einem Brand notdürftig instandgesetzt, bevor erst
nach 1800 die letzten Reste abgebrochen wurden.
Noch heute befinden sich jedoch unter dem Apothekenhof der Münchner Residenz die
Kellergewölbe und Grundmauern der ehemaligen Burg. Ihre Position ist durch rote Steine im
Pflaster des Hofes markiert. Die Mauern des südwestlichen Eckturms aus der Zeit um 1500 und
die Gewölbe mit den Rundpfeilern im Ballsaalkeller sind die letzten erhaltenen Reste der
Neuveste und der älteste Teil der heutigen Residenz.
Das Renaissanceschloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grottenhof

Als Herzog Wilhelm IV. (reg. 1508–1550) den Wohnsitz der Wittelsbacher vom Alten Hof, der
seither als Behördensitz diente, in die Neuveste verlegte, begann die Geschichte der Residenz
als neuzeitlicher Palast.
Er ließ zwischen 1530 und 1540 den genannten Rundstubenbau ausbauen und anstelle des
heutigen Marstallplatzes den ersten Hofgarten einrichten. Im Gartenpavillon wurde ein
Historienzyklus aufgehängt, zu dem auch Albrecht Altdorfers Alexanderschlacht gehörte.
Herzog Albrecht V. (reg. 1550–1579) ließ von Wilhelm Egckl neben einem Festsaal für die
Neuveste (St. Georgssaal) eine Kunstkammer im Marstallgebäude (heutiges Landesamt für
Denkmalpflege) einrichten, in der viele Münchner Sammlungen ihren Ursprung haben. Da dort
nicht genügend Platz für die umfangreiche Skulpturensammlung war, entstand zwischen 1568
und 1571 durch Simon Zwitzel und Jacopo Strada das Antiquarium. Das neue Gebäude musste
außerhalb der Burganlage errichtet werden, da in der Neuveste dafür kein Platz war. Dadurch
gab es der Residenz eine neue Entwicklungsrichtung vor. Das Antiquarium, das gesamte
Erdgeschoss des Gebäudes einnehmend, ist der größte Renaissancesaal nördlich der Alpen. Im
oberen Stockwerk des neuen Gebäudes wurde die Hofbibliothek untergebracht, die den Kern der
späteren Bayerischen Staatsbibliothek bildete.[4]
Ab 1560 wurde weiter nördlich auf der Fläche der heutigen Staatskanzlei ein weiterer Garten
angelegt. In seiner NO-Ecke wurde 1565/67 ein Lusthaus mit einem Zyklus von
Deckengemälden zum Thema des Silbernen Zeitalters erbaut (nur einzelne Deckengemälde
erhalten).[5] 1560/70 folgte der Bau eines Ballhauses an der Südwest-Ecke der Neuveste.

Grottenhalle (um 1585/87)

1580/1581 ließ Herzog Wilhelm V. (reg. 1579–1597) an der Residenzgasse den Witwenstock für
Herzogin Anna erbauen. Zwischen 1581 und 1586 entstand dann die kunsthistorisch hoch
bedeutende Vierflügelanlage des manieristischen Grottenhofs, Friedrich Sustris war der
Architekt. Es erhielt seinen Namen nach der an der westlichen Antiquariumsfassade angelegten
Brunnen- und Muschelwand.[6]
Die Maximilianische Residenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brunnenhof (um 1600/1610)

Unter Herzog Maximilian I. (reg. 1597–1651), dem späteren Kurfürsten, entstand an der
Westseite des Antiquariums die nach ihm benannte Maximilianische Residenz.[7] Die bis ins 19.
Jahrhundert einzige öffentlich sichtbare Fassade ist noch erhalten. Sie dominiert mit den von je
zwei Löwen bewachten Portalen und der Statue der Muttergottes als Patrona Bavariae in einer
Wandnische zwischen den Portalen die Westseite des Residenzkomplexes. Maximilian ließ die
bestehenden Bauten umbauen und verbinden. Dabei wurde der Brunnenhof geschlossen, der
zuvor als Freifläche für Turniere gedient hatte. Um 1600/1602 entstand der Schwarze Saal, im
Südosten an das Antiquarium anschließend, der ein illusionistisches Deckengemälde des
Malers Hans Werl erhielt (rekonstruiert) und über eine monumentale zweiläufige Treppe
zugänglich war.[8] Um 1607 setzte die Umbauung des Brunnenhofes ein, bei der an den
Schmalseiten die Giebelbauten errichtet wurden, von denen einer dem Uhrturm vorgelegt ist. In
der Mitte des Hofes wurde 1610 der große Wittelsbacherbrunnen errichtet. Die von Hubert
Gerhard geschaffenen und dort zusammengeführten Figuren (allegorische Darstellung der vier
bayerischen Flüsse: Donau, Lech, Inn und Isar) und das Standbild Ottos von Wittelsbach waren
ursprünglich für andere Projekte geschaffen worden.

Der Westflügel aus dem 17. Jahrhundert (Maximilianische Residenz)

Kaiserhof

Im Inneren entstanden die Hofkapelle (1601–1603) und die privaten Gemächer des Herzogs und
der Herzogin. Die mit Marmor gepflasterte und reich mit Scagliolaausgeschmückte Reiche
Kapelle diente als Privatoratorium des Herzogs.
Außerdem ließ Maximilian I. ab 1612 große Teile der Süd- und Westtrakte der Neuveste mit
dem Silberturm und dem Palas abreißen. Zwischen 1614 und 1619 wurde im Norden
der Kaiserhof mit den Trier- und Steinzimmern, dem Kaisersaal und der Kaisertreppe als
großzügiges Gästequartier geschaffen, das den hohen politischen Anspruch Maximilians
dokumentiert.[9] Die unter Leitung von Hans Krumpper und Heinrich Schön errichteten und unter
anderem von Peter Candid dekorierten Räumlichkeiten illustrieren nicht nur das Weltbild
Maximilians I., sondern sind mit ihren prächtigen Türrahmungen, Deckenfreskos und
Wandteppichen auch beispielhaft für die Architektur des frühen 17. Jahrhunderts. Der Name der
Steinzimmer geht auf die reiche Ausstattung mit Marmor, Stuckmarmor und Stuckmarmorintarsie
(Scagliola) zurück. Diese Raumfolge diente als höchstrangiges Gästeappartement, das vom
Kaiser und seiner Gemahlin bewohnt wurde, wenn diese in München Station machten. In den
Trierzimmern logierten dann im Falle kaiserlichen Besuchs die nächsten Angehörigen der
Kaiserfamilie und ranghohe Mitglieder ihres Hofstaats, ansonsten dienten die Räume als
Ratszimmer. Der heute wieder hergestellte Kaisersaal mit der gleichnamigen Prunktreppe war im
17. Jahrhundert der größte und bedeutendste Festraum der Residenz. Ab 1799 musste der
Kaisersaal und der anschließende Vierschimmelsaal den sog. Hofgartenszimmern, einem neuen
Wohnappartement für Kurfürst Max IV. Joseph (ab 1806 König Max von Bayern) weichen.[10], bis
beide nach dem Zweiten Weltkrieg rekonstruiert wurden.
Die Bauten der Residenz waren nun so umfangreich geworden, dass sie bis ins frühe 19.
Jahrhundert Maximilians Nachfolgern genügten. Sie konzentrierten sich nun im Wesentlichen auf
den Innenausbau der Residenz.
Die Appartements des Barock und Rokoko[Bearbeiten | Quelltext
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Fries und vergoldete Holzdecke des Herzkabinetts der Kurfürstin Henriette Adelaide in der Münchner
Residenz um 1666 (Foto 2011)

Zur Zeit des Hochbarock ließ die Kurfürstin Henriette Adelaide, seit 1650 Gemahlin
Kurfürst Ferdinand Marias (reg. 1651–1679), zwischen 1666 und etwa 1669 das kleinere
Appartement ihrer Schwiegermutter zwischen Residenzgasse und Grottenhof zu einer überaus
prächtigen Raumfolge erweitern. Es bestand nun aus dem Saal der Garde (Hartschiersaal), zwei
Vorzimmern, dem Audienzgemach (Goldener Saal), einem großen Kabinett (Grottenzimmer),
dem Schlafzimmer mit Bettalkoven, einer kleinen Kapelle und einem Kabinett (Herzkabinett).
Ergänzt wurde diese Raumsequenz durch eine Galerie zwischen Residenzgasse und südlichem
Garten und einer gangartigen Bibliothek. Henriette Adelaide orientierte sich bei ihrem Bauprojekt
sowohl an Vorbildern ihrer Turiner Heimat als auch an den neusten Pariser Moden. Das
Appartement besaß zahlreiche, in Friese und Decken eingelassene Gemälde, die den Räumen
jeweils eigene Themen vorgaben. Architekt war Agostino Barelli, während die Raumentwürfe von
Antonio Pistorini stammten. 1674 zerstörte ein Brand die ersten drei Räume. Seit dem
Papstbesuch Pius VI. 1782 wurde der Rest des Appartements Päpstliche Zimmer genannt. 1944
wurden fast alle diese Räume zerstört; heute gibt nur noch das Herzkabinett einen gewissen
Eindruck von dem sozialen Anspruch und künstlerischen Rang dieses Appartementes einer
bayerischen Kurfürstin.
Die Erweiterungen von Maximilian II. Emanuel (reg. 1679–1726) (Alexander- und
Sommerzimmer als repräsentative Wohnräume) wurden bereits zu seinem Lebensende
umgebaut. Die Reste gingen, bis auf einen heute unzugänglichen Raum, im Residenzbrand von
1729 unter.[11]

Grüne Galerie

Sein Nachfolger, der Kurfürst und spätere Kaiser Karl Albrecht (reg. 1726–1745) ließ an ihrer
Stelle die Reichen Zimmer mit der Grünen Galerie, dem Spiegelkabinettund
dem Paradeschlafzimmer errichten. Ihr aufwendiges Dekor dominieren das Goldornament auf
weißen Wänden und der purpurfarbene, ziselierte Genueser Samt. Nur bei der Grünen
Galerie wurde, wie der Name bereits andeutet, ein grüner Seidendamast verwendet. Die
Reihenfolge der Räume und ihre verwinkelte Lage gehen dabei auf eine Spiegelung der Räume
der Päpstlichen Zimmer zurück. Das Paradeschlafzimmer diente der Zeremonie des
morgendlichen Lever. Im Erdgeschoss entstand zwischen 1726 und 1730 die Ahnengalerie mit
ihren herrlichen, von Johann Baptist Zimmermann ausgeführten Stuckarbeiten.
Die Ahnengalerie enthält heute über hundert Porträts von Mitgliedern des Hauses Wittelsbach
bis hin zum letzten König von Bayern, Ludwig III. Dieser Raum sollte außerdem Karl
Albrechts Anspruch auf die Kaiserkrone untermauern, indem er diesen von Karl dem
Großen, Kaiser Ludwig dem Bayer und dem legendären Agilolfinger Theodo herleitete, deren
Porträts er zentral in die Mitte des Raumes stellte. Des Weiteren ließ Karl Albrecht neben
der Ahnengalerie ein weiteres prächtiges Kabinett zur Aufbewahrung des Hausschatzes
errichten, für den bisher kein spezieller Raum zur Verfügung stand. Seit dem Bau der Alten
Schatzkammer unter Prinzregent Luitpold 1897 beherbergt dieser Raum bis heute
das Porzellankabinett. Somit dienen alle durch die Hofarchitekten Joseph Effner und François de
Cuvilliés errichteten Bauten einzig der Verherrlichung seines Hauses und der Erlangung der
Kaiserkrone, was Karl Albrecht 1742 schließlich auch gelang. Als Künstler beteiligt waren neben
dem bereits erwähnten Johann Baptist Zimmermann auch Joachim Dietrich und Wenzeslaus
Miroffsky. Die zweigeschossige Außenfassade der Grünen Galerie mit sieben
Rundbogenfenstern im Königsbauhof ist ein Meisterwerk von Cuvilliés von 1730.[12] Im Januar
1745 starb Karl Albrecht als Kaiser Karl VII. in der Residenz, die somit für kurze Zeit auch
Kaiserschloss war.[13]
Karl Albrechts Sohn Kurfürst Maximilian III. Joseph (reg. 1745–1777) hatte jeglichen Ansprüchen
auf die Kaiserkrone entsagt, was sich in den von François de Cuvilliés und Johann Baptist
Gunetzrhainer eingerichteten Kurfürstenzimmern widerspiegelt. Diese Wohnräume wurden über
dem Antiquarium; wo sich bis dato die Hofbibliothekbefunden hatte, im Stil des Spätrokoko
eingerichtet. Bedeutender war allerdings der Bau des Alten Residenztheater ab 1751
(auch Cuvilliés-Theater genannt), ein Logentheater im Rokokostil, welches ausschließlich dem
Hof vorbehalten war. Dieser Bau war nötig geworden, da der alte Georgssaal welcher bis dahin
als Theater diente beim Brand der Neuveste am 5. März 1750 zerstört wurde. Das Cuvilliés-
Theater wurde dabei als quasi freistehender Bau im ehemaligen Hofgarten erbaut, welcher nur
durch ein Foyer mit der Residenz verbunden war um die Brandgefahr zu minimieren. Außerdem
wurden extra dicke Mauern errichtet sowie eine Vorrichtung um im Ernstfall Wasser in den
Dachstuhl pumpen zu können. Erstaunlich war auch eine Hebekonstruktion, welche es
ermöglichte den Fußboden des Theaters anzuheben, damit der Raum auch als Festsaal
verwendet werden konnte.
Die klassizistischen Erweiterungen Max l. Josephs und Ludwigs
I.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleiner Thronsaal im Königsbau


Ostseite der Residenz mit der Allerheiligenhofkirche, um 1860

Mit der Erhebung Bayerns zum Königreich 1806 und den zu Beginn des 19. Jahrhunderts
vorgenommenen großen städtebaulichen Veränderungen Münchens wurden die bis dato wenig
repräsentativen, nicht sichtbaren Teile der Residenz freigelegt. Dieser zum Teil einer Residenz
unwürdige Zustand veranlasste Hofarchitekten wie François de Cuvilliés noch zu Zeiten
Maximilian III. Josephs zu großzügigen Ausbauplänen, die jedoch wegen der leeren
Staatskassen nicht verwirklicht wurden. Geplant war unter anderem ein großer neuer Flügel an
der Ostseite der Residenz. Auch unter dem Nachfolger Karl Theodor (reg. 1777–1799) entstand
lediglich an der Nordseite des Hofgartens die 1780/1781 erbaute Churfürstliche Galeriedurch
den Münchener Oberhofbaumeister Karl Albert von Lespilliez.
König Max I. Joseph (reg. 1799–1825) begnügte sich wiederum mit der Neueinrichtung von
Gemächern anstelle des Kaisersaals und einer Modernisierung des Herkulessaals (des
heutigen Max-Joseph-Saals), außerdem ließ er
die Staatsratszimmer zwischen Hartschiersaal und
den Steinzimmern einrichten.[14] Die Charlottenzimmer wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts
im Stil des Empire dekoriert. Des Weiteren ließ er zwischen 1811 und 1818 anstelle des 1802
abgebrochenen Franziskanerklosters das Königliche Hof- und Nationaltheater und den
späteren Max-Joseph-Platz nach Plänen von Karl von Fischer errichten.[15] Ab 1817 entstand
gegenüber der Ostseite der Residenz der neue Marstall mir der königlichen Reitschule, den
Kutschenremisen und Stallungen sowie der Verwaltung. Der Bau der Hofreitschule mit dem
monumentalen Rundbogenportal, bekrönt mit Büsten von Kastor und Pollux, gilt als eines der
reifsten Frühwerke Leo von Klenzes.
Den heutigen Umfang erreichte die Anlage zwischen 1825 und 1842 unter König Ludwig I. (reg.
1825–1848) mit den von Leo von Klenze im Stil des Klassizismuserrichteten Flügeln
des Königsbaus und des Festsaalbaus sowie der Allerheiligen-Hofkirche.[16] Die in Anlehnung an
byzantinischen und romanischen Stil erbaute Allerheiligen-Hofkirche wurde der Palastkapelle
von Palermo nachempfunden und mit prächtigen Fresken geschmückt, von denen heutzutage
nur noch wenige Reste erhalten sind. Mit den Erweiterungsbauten entstanden zahlreiche weitere
Raumfluchten.
Der Königsbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Königsbau 2014

Der Königsbau wurde 1826 bis 1835 als zweigeschossiger Südflügel mit einer bis zu 30 Meter
hohen Grünsandstein-Fassade am Max-Joseph-Platz erbaut. Als Vorbild dienten der Palazzo
Pitti und der Palazzo Rucellai in Florenz. Der Königsbau verfügt über einen um ein Geschoss
erhöhten Mittelteil mit seitlichen Dachterrassen.
Im Erdgeschoss befinden sich heute die Schatzkammer sowie die von Schnorr von Carolsfeld
ausgemalten Nibelungensäle. Sie waren als öffentlich zugängliche Schauräume konzipiert und
lassen sich über einen gesonderten Eingang an der Residenzstraße betreten.
Im ersten Obergeschoss lagen die Wohnräume Ludwigs I. Die noch heute erhaltene
Königswohnung diente dabei vor allem der Repräsentation und war nach Voranmeldung bereits
damals zu besichtigen. Die eigentlichen Privatgemächer des Königspaares auf der Rückseite
des Königsbaus sind auf Grund ihrer Zerstörung im Weltkrieg nicht mehr erhalten. Klenze war
dabei nicht nur für die Architektur verantwortlich, sondern entwarf auch die Fußböden, die
Wandbemalungen und sämtliches Mobiliar. Den zeremoniellen Zugang zum Appartement des
Königs bildet die Gelbe Treppe, eine glanzvolle Architektur Klenzes aus einer Abfolge aus
Halbkuppel, kreuzgewölbtem Saal und Prunkportal.
Im zweiten Obergeschoss befanden sich die sogenannten Festgemächer, welche für kleine
Hoffeste gedacht waren. Die Raumfolge gliederte sich in Salon, Empfang-Salon, Tanzsaal,
Blumensaal und private Räumlichkeiten für den König.[17] Im Grundriss sind diese Räume heute
noch in einer stark vereinfachten Form erhalten und beherbergen die Bayerische Akademie der
Schönen Künste.
Der Festsaalbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festsaalbau an der Hofgartenseite

In den Jahren 1832 bis 1842 wurde schließlich an der Nordseite am Hofgarten der ebenfalls dem
Stil der italienischen Renaissance nachempfundenen Festsaalbau dort ausgeführt, wo bereits
Cuvilliés einen Neubau geplant hatte, um die letzten Reste der nach dem Brand von 1750 nur
notdürftig wieder instand gesetzten Neuveste zu beseitigen. Vor dem Mittelrisalit der 250 Meter
langgestreckten monumentalen Schaufront mit zwei bzw. drei Geschossen und erhöhten
Eckpavillons, befindet sich eine Loggia mit Figuren von Ludwig Michael Schwanthaler.
Im Festsaalbau entstand eine großzügige Raumfolge, die den Thronsaal in der Mitte,
die Kaisersäle, den Ballsaal und den Schlachtensaal im Nordostpavillon enthielt. Diese
Räumlichkeiten waren einzig für Staatsakte und Hoffeste gedacht und waren über eine heute
ebenfalls nicht mehr erhaltene Prunktreppe erreichbar. Vom prächtigen Ballsaal aus näherten
sich Besucher durch drei große Vorgemächer, die mit Szenen aus der mittelalterlichen
Kaisergeschichte ausgemalt waren, einem weitläufigen, klassizistischen Saal in Weiß und Gold,
dessen seitliche Tribünen von korinthischen Säulen gestützt wurden: Der Große Thronsaal war
der Höhepunkt dieser Raumfolge und lag genau in der Mitte des Baus. Dort fanden die
wichtigsten Zeremonien wie die Thronbesteigung statt, eingerahmt von zwölf Kolossalstatuen
aus der Erzgießerei von Ferdinand von Miller, welche die wichtigsten Wittelsbacher Herrscher
darstellten und die sich heute im Foyer im Erdgeschoss des Festsaalbaus befinden.
Im Erdgeschoss des Festsaalbaus befanden sich sechs Säle, welche (als Pendant zu
den Nibelungensälen) mit Motiven aus der Odyssee bemalt waren und als Gästezimmer dienen
sollten. Die Entwürfe zu diesen Wandbildern schuf ebenfalls Ludwig Michael Schwanthaler. Die
Ausführung vor Ort oblag Johann Georg Hiltensperger.[18] An den Festsaalbau war außerdem
der Apothekenstock angeschlossen, der die Hofapotheke sowie Wohnungen und Büros der
Hofangestellten enthielt.
Die Umbauten Max II. Josephs und Ludwigs II.[Bearbeiten | Quelltext
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Ansicht der Residenz um 1860 mit dem Wintergarten Maximilians II.zwischen Königsbau und
Nationaltheater (Fotografie von Joseph Albert)

Max II. Joseph (reg. 1848–1864) ließ nur das Appartement des Königs seinen Bedürfnissen
entsprechend umbauen und auf einem Verbindungstrakt zum Nationaltheater hin einen
Wintergarten nach Entwürfen von Franz Jakob Kreuter errichten. Ausgeführt wurde dieser Bau
allerdings von August von Voit, der bereits den Münchner Glaspalast für den König errichtet
hatte. Außerdem ließ Max II. das Cuvilliés-Theater restaurieren, welches nach 1825 fast nur
noch als Kulissenmagazin für das Nationaltheater benutzt wurde.

Wintergarten König Ludwigs II. um 1870 (Fotografie von Joseph Albert)

Ludwig II. (reg. 1864–1886) ließ viele heute nicht mehr erhaltene Veränderungen an der
Residenz vornehmen. Zuerst gestaltete er seine Prinzenwohnung im Dachgeschoss des
Nordwestpavillons des Festsaalbaues im Stil Ludwigs XIV. um. Zudem wurden für seine Verlobte
Prinzessin Sophie in Bayern (die Schwester der Kaiserin Elisabeth „Sisi“ von Österreich)
Räumlichkeiten in den Hofgartenzimmern hergerichtet, die sie allerdings nie bewohnen sollte, da
die Verlobung zuvor aufgelöst wurde. Außerdem wurden unter Ludwig II.
die Nibelungensäle vollendet. Er setzte auch die Tradition seines Großvaters Ludwig I. fort,
indem er über dem Theatinergang einen eigenen Gemäldezyklus im Gang, der zu seinen
Gemächern führte, erstellen ließ. Diese Bilder stellten Szenen aus Wagners Ring-Tetralogie dar.
Des Weiteren ließ Ludwig II. die Bühne des Cuvilliés-Theaters elektrifizieren. Außerdem ließ er
die gesamten Appartements der Residenz restaurieren.
Um 1870 ließ er über dem Nordwestflügel des Festsaalbaus einen 70 × 17 m großen
Wintergarten durch den Hofgartendirektor Carl Effner und den Theatermaler Christian
Jank errichten. Eine neun Meter hohe Tonne aus Glas und Eisen überspannte den Garten mit
exotischer Flora und Fauna, mit künstlichem See, Maurischem Kiosk, Fischerhütte und großen
austauschbaren Panoramagemälden von Julius Lange. Nach dem Tod Ludwigs II. wurde die
aufwendige Konstruktion auf Anweisung von Prinzregent Luitpold 1897 abgebaut, da sie zu
schwer für den Bau darunter war und das Wasser des künstlichen Sees in die darunterliegenden
Gemächer der Dienerschaft tropfte. Einzig der Vorbau im Kaiserhof, der zur Abstützung gebaut
war, blieb bis 1950 stehen.[19]
Die Residenz zu Ende der Monarchie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bereits mit Ludwig II. wohnte der bayerische Monarch nur noch zeitweise in der Residenz. Den
Mangel an Bequemlichkeit hatte zuvor schon Königin Therese beklagt. Ihr Sohn Prinzregent
Luitpold (reg. 1886–1912) ließ sich für seine Zwecke die Steinzimmer umbauen, da er nicht in
den Gemächern des Königs wohnen wollte. Aus seiner Zeit stammt auch die Errichtung einer
von Julius Hofmann entworfenen neuen Schatzkammer – heutiger Kassenraum –, welche bereits
damals durch eine Tresortür verschlossen wurde (1897).
Luitpolds Sohn Ludwig III. (reg. 1912–1918) bewohnte die meiste Zeit das Wittelsbacher
Palais und lebte daher in der Residenz nur über einen kurzen Zeitraum vor der Revolution 1918.
Er bezog zunächst wie schon sein Vater die Steinzimmer im Kaiserhoftrakt, später dann
den Königsbau. Hier wurden technische Modernisierungen wie Zentralheizung und elektrische
Beleuchtung vorgenommen, die der Prinzregent noch abgelehnt hatte. Außerdem wurden
während des Krieges noch die Nibelungensäle durch Königin Maria Therese genutzt, um mit
Damen aus allen Gesellschaftsschichten Handarbeiten für die Soldaten im Felde anzufertigen.[20]

Residenzmuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


→ Hauptartikel: Residenzmuseum

Das Antiquarium, eines der größten Renaissance-Gewölbe Europas

Bereits zur Zeit Ludwig I. konnte der interessierte Bürger auf Voranmeldung (wenn das
Königspaar nicht in der Residenz zugegen war) die Räumlichkeiten des Königsbaus besichtigen.
Damit wollte der König seinen Untertanen bewusst seine Vorstellung von königlichem Wohnen
vor Augen führen. Unter Prinzregent Luitpold war es bereits möglich, alle ungenutzten Teile der
Residenz sowie die Alte Schatzkammer zu besichtigen und 1897 erschien schließlich der
erste Führer durch die Residenz zu München.[21]
Nach der Revolution 1918 wurde der endgültige Schritt hin zum Museum vollzogen. Damals
konnten ganze 157 Räume besichtigt werden, was für den Besucher durchaus eine Strapaze
darstellen konnte. Das heutige Residenzmuseum zeigt mehr als 130 Schauräume in einem
Vormittags- und einem Nachmittagsrundgang. Eine Audioführung wird in fünf Sprachen
angeboten. Neben dem Antiquarium, der Alten Hofkapelle und den zahlreichen Prunksälen, den
sogenannten Kaiserzimmern, den Reichen Zimmern und den repräsentativen
Wohnräumen Ludwigs I., sind besonders die Porzellankammern, die neben Exponaten aus ganz
Europa auch eine bedeutende Sammlung aus Ostasien umfassen, und
das Miniaturenkabinett mit 129 Miniaturgemälden hervorzuheben. Ferner gibt es noch
eine Reliquienkammer und die Silberkammern. Mit den im Festsaalbau seit dem Auszug der
Ägyptischen Staatssammlung ausgestellten Bronzeplastiken aus dem späten 16. und frühen 17.
Jahrhundert, zu denen auch die Originale der vier Löwen aus dem Eingangsbereich zählen[2],
präsentiert das Residenzmuseum einen der reichsten Bestände europäischer Bronzekunst aus
der Zeit des Manierismus und Frühbarock.

Schatzkammer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Bayerische Kroninsignien, Schatzkammer

Die Schatzkammer wurde im Wesentlichen von Albrecht V. begründet und beherbergt seither die
Hauskleinodien der bayerischen Wittelsbacher, die später mit den Pfälzer Hausschätzen
vereinigt wurden. Seit dem Bau der Alten Schatzkammer unter Prinzregent Luitpold 1897 sind
die Insignien dem Publikum zugänglich. Die heute im östlichen Flügel des Erdgeschosses im
Königsbau befindliche Sammlung beherbergt Goldschmiedekunst vom frühen Mittelalter bis
zum Klassizismus. Die Sammlung ist eine der kostbarsten der Welt und umfasst unter anderem
Arbeiten aus Bergkristall und Elfenbein, Kameen, Schmuck, Orden, Prunkschwerter, Pokale
und Tafelgeschirr.
Weltbekannt sind unter anderem das Gebetbuch Kaiser Karls des Kahlen (ca. 860),
das Altarziborium von Kaiser Arnulf von Kärnten (Ende 9. Jh.), das KreuzreliquiarHeinrichs II.,
die Krone der Kaiserin Kunigunde, das Kreuz der ungarischen Königin Gisela von Bayern (alle
um 1000), die sogenannte Heinrichskrone (ca. 1270) und die aus England
stammende Pfälzische Krone (ca. 1370). Zu den zahlreichen Höhepunkten der Sammlung
zählen der Rappoltsteiner Pokal (ca. 1540), die Holbeinschale (ca. 1540), die St.-Georgs-
Statuette (ca. 1590), die Kroninsignien Karls VII. (1742), die in Paris gefertigten bayerischen
Kroninsignien (1806) mit den Kronen von König und Königin, das Reiseservice von
Kaiserin Louise von Frankreich und der Rubinschmuck von Königin Therese. Es werden
außerdem außereuropäische Schätze ausgestellt, wie die in den Türkenkriegen erbeuteten
Prunkdolche, ceylonesische Elfenbeinarbeiten oder chinesisches Porzellan.[22]
Ebenfalls in der Residenz untergebracht ist die Staatliche Münzsammlung München.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext


bearbeiten]

Die Residenz und das Bayerische Nationaltheater (mit grünem Dach)

Marstall

Bei den Luftangriffen auf München im Zweiten Weltkrieg wurde die Residenz vor allem im Jahr
1944 schwer zerstört (von 23.500 m² Dachfläche blieben nur 50 m² intakt)[23] und in den
Jahrzehnten danach größtenteils rekonstruiert, was vor allem der Tatsache zu verdanken ist,
dass fast das gesamte Mobiliar sowie ein Großteil der Wand- und Deckenverkleidungen bereits
vor den ersten Bombenangriffen ausgelagert werden konnte. Sonst wäre ein Wiederaufbau in
der heutigen Form undenkbar gewesen. Verdient gemacht haben sich im Zuge dieser relativ
schnellen Rekonstruktionsphase vor allem Männer wie Tino Walz und der Leiter der
Bauabteilung der Bayerischen Schlösserverwaltung Rudolf Esterer. Diese beiden Männer
ermöglichten gemeinsam mit dem Förderverein Freunde der Residenz eine Sicherung der noch
vorhandenen Bausubstanz durch das Errichten von Notdächern und den raschen Beginn des
Wiederaufbaus.[24]
Außerdem fanden große Spendenaktionen statt. So beteiligte sich unter anderem der Bayerische
Rundfunk mit einer Millionenspende am Wiederaufbau, allerdings unter der Voraussetzung, dass
man einen Konzertsaal als Ersatz für das ebenfalls zerstörte Odeon, in dem sich heute das
Bayerische Innenministerium befindet, in die Residenz einbauen durfte. Hierfür wurde der
ehemalige und nicht unwiderruflich zerstörte Große Thronsaal geopfert. An dieser Stelle befindet
sich heute der von Esterer im Stil des monumentalen Neoklassizismus neu errichtete Neue
Herkulessaal. Bereits seit etwa dem Jahr 1600 existierte im Hofdamenstock der Residenz ein
Festsaal namens Herkulessaal, der im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und später, um
Verwechslungen mit dem neuen Herkulessaal vorzubeugen, nach seinem Umgestalter in Max-
Joseph-Saal umbenannt wurde. Verloren sind außerdem vor allem die Fresken der Allerheiligen-
Hofkirche, die einst prunkvolle Ausstattung der Päpstlichen Zimmer, die Decke des Goldenen
Saals von Balthasar Ableithner, die Wohnräume Ludwigs II.sowie die restlichen klassizistischen
Säle im Festsaalbau inklusive der prächtigen Prunktreppe gegenüber dem Marstall.
Nach dem Krieg erfolgte der Bau des Neuen Residenztheaters anstelle des Cuvilliés-Theaters,
das im weiter nördlich gelegenen Apothekenstock der Residenz wiedererrichtet wurde. Verbaut
wurde außerdem die einst mit Rosenbeeten geschmückte Ostseite der Residenz; zwischen dem
von Klenze erbauten Marstall und der Allerheiligen-Hofkirche, deren Sicherung erst 1972
begann, liegen heute die Gebäude für die hydraulischen Anlagen des Nationaltheaters und das
spanische Kulturinstitut. Der Kronprinz-Rupprecht-Brunnen zwischen der Residenz und dem
Marstallgebäude, der ehemaligen Hofreitschule, wurde 1961 vom Bildhauer Bernhard Bleeker
geschaffen.
Heute werden die festlichen Säle für Empfänge und Konzerte genutzt. Darüber hinaus befinden
sich das Residenzmuseum, weitere Museen und Behörden in der Residenz. Seit 1972 hat
die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihren Sitz im 2. Obergeschoss des Königsbaus.
Im Ostflügel des Festsaalbaus ist die Bayerische Akademie der Wissenschaften untergebracht,
während sich im Westflügel der Sitz der Deutschen Akademie der
Technikwissenschaften befindet.[25]
Bis 1985 wurden auf Basis schriftlicher Quellen die zwei seit 1799 verlorenen Festräume des 17.
Jahrhunderts, der Kaisersaal und der Vierschimmelsaal, wiedererrichtet und man richtete sie mit
den erhaltenen Gemälden und Wirkteppichen ein. Bis zum heutigen Tage wird noch an der
Residenz gearbeitet. Zuletzt wurde bis 2008 bereits wieder das über fünfzig Jahre alte Cuvilliés-
Theater umfangreich restauriert. Außerdem wurde der Foyerhof mit einem Glasdach
ausgestattet und es wird am Ausbau der rückwärtigen Räume des Königsbaus gearbeitet.
Die Gelbe Treppe von Klenze wird von 2016 bis 2019 wiederhergestellt, sie war einst der
Hauptzugang zu den königlichen Apartments im Königsbau.

Hofgarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


→ Hauptartikel: Hofgarten (München)
Der erste Garten entstand ab 1530 an der Stelle des späteren Marstallplatzes südlich der
Neuveste. Die Geschichte des Hofgartens der Residenz an der heutigen Stelle nördlich des
Festsaalbaus begann 1560 unter Herzog Albrecht V. mit der Anlage eines
neuen Renaissancegarten mit einem (nicht erhalten) Lusthaus nördlich einer älteren Anlage aus
dem frühen 16. Jahrhundert.[26] 1613–1617 erweiterte Maximilian I. die Anlage zu der heutigen
Ausdehnung. In der Mitte des Hofgartens befindet sich seither ein Pavillon, der Dianatempel, der
von Heinrich Schön dem Älteren angelegt wurde (1615).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


• Liste der Schlösser in München
• Liste von rekonstruierten Bauwerken in Deutschland

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


• Schicksalsjahre eines Königsschlosses. Wiederaufbau der Münchner Residenz. Eine
Filmdokumentation von Bernhard Graf, BR 2004.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


• Reisebericht des Augsburger Patriziers Philipp Hainhofers aus dem Jahr 1611 (gedruckt in:
Die Reisen des Augsburgers Philipp Hainhofer nach Eichstädt, München und Regensburg in
den Jahren 1611, 1612 und 1613. Hrsg. von Chr. Haeutle. In: Zeitschrift des Historischen
Vereins für Schwaben und Neuburg, 8, Augsburg 1881, S. 1–204. – Digitalisat)
• Baldassare Pistorini: Kurz gefasste Beschreibung des Palastes, Sitzes der erlauchtesten
Fürsten von Bayern: Descrittione compendiosa del palagio sede de' serenissimi di Baviera
[1644]. Herausgegeben von Lucia Longo-Endres und der Kommission für Bayerische
Landesgeschichte. München 2006. Zusammenfassung
• Ranuccio Pallavicino: I Trionfi dell'Architettura nella Sontuosa Residenza di Monaco
... München 1667. Digitalisat auf Google-Books

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


• Anna Bauer-Wild; Brigitte Volk-Knüttel: Residenz. In: Bauer, Hermann; Rupprecht, Bernhard
(Hrsg.): Corpus der barocken Deckenmalerei in Deutschland. Band 3: Freistaat Bayern.
Regierungsbezirk Oberbayern. Stadt und Landkreis München. Teil 2: Profanbauten.
München 1989, S. 20–349.
• Ernst von Bassermann-Jordan: Die dekorative Malerei der Renaissance am bayerischen
Hofe. F. Bruckmann, München 1900 – online
• Adolf Feulner: Das Residenzmuseum in München. F. Bruckmann, München 1922 – online
• Kurt Faltlhauser: Die Münchner Residenz. Geschichte, Zerstörung,
Wiederaufbau. Thorbecke, Ostfildern 2006, ISBN 978-3-7995-0174-3
• Gerhard Hojer: Die Prunkappartements Ludwigs I. im Königsbau der Münchner
Residenz. Hugendubel GmbH, München 1992, ISBN 3-88034-639-9
• Gerhard Hojer: König Ludwig II.-Museum Herrenchiemsee. Hirmer Verlag, München
1986, ISBN 3-7774-4160-0
• Gerhard Hojer, Herbert Brunner und Lorenz Seelig: Residenz München. Bayerische
Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, München 1996, ohne ISBN
• Stephan Hoppe: Neue Appartements für den Kaiser. München und Wien im
architektonischen Dialog im frühen 17. Jahrhundert. In: Paulus, Simon; Philipp, Klaus Jan
(Hrsgg.): "Um 1600". Das neue Lusthaus in Stuttgart und sein architekturgeschichtlicher
Kontext. Berlin 2017, S. 75–95 Online auf Art-Dok
• Johannes Erichsen u. Katharina Heinemann: Bayerns Krone 1806 - 200 Jahre Königreich
Bayern. Hirmer Verlag, München 2006, ISBN 978-3-7774-3055-3
• Henriette Graf: Die Residenz in München – Hofzeremoniell, Innenräume und Möblierung von
Kurfürst Maximilian I. bis Kaiser Karl VII. Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen, München 2002, ISBN 3-932982-43-6
• Susan Maxwell: The Pursuit of Art and Pleasure in the Secret Grotto of Wilhelm V of Bavaria,
in: Renaissance quarterly, 61 (2008), 2, S. 414–462.
• Thorsten Marr: Die Münchener Residenz 1918 bis 1931. Vom Schloss zum Museum.
In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte. Band 79, Heft 1, 2016, ISSN 0044-
2364, S. 97–158.
• Matthias Memmel: Der Odyssee-Zyklus von Ludwig Michael Schwanthaler für die Münchner
Residenz. (LMU-Publikationen/Geschichts- und Kunstwissenschaften, Nr. 32). München
2008
• Samuel John Klingensmith: The utility of splendor. Ceremony, social life and architecture at
the Court of Bavaria 1600–1800. Chicago, Ill. [u. a.] 1993.
• Cornelia Kemp: Das Herzkabinett der Kurfürstin Henriette Adelaide in der Münchner
Residenz. Eine preziöse Liebeskonzeption und ihre Ikonographie. In: Münchner Jahrbuch
der bildenden Kunst, 33 (1982), S. 131–154.
• Brigitte Knüttel: Zur Geschichte der Münchner Residenz 1600-1616 (I), in: Münchner
Jahrbuch der bildenden Kunst 18 (1967), S. 187–210.
• Tino Walz: Untergang und Neubeginn – Die Rettung der Wittelsbacher Schatzkammer, der
Wiederaufbau der Münchner Residenz und andere Erinnerungen aus meinem
Leben. Langen/Müller, München 2003, ISBN 3-7844-2940-8
• Tino Walz, Otto Meitinger und Toni Beil: Die Residenz zu München. Bayerische
Vereinsbank, München 1987, ohne ISBN
• Prinz Adalbert von Bayern: Als die Residenz noch Residenz war. Prestel Verlag, München
1967, ISBN 3-7913-0225-6
• Thomas Langenholt: Das Wittelsbacher Album. Books on Demand GmbH, Norderstedt
2001, ISBN 3-8311-2818-9
• Herbert Brunner: Die Kunstschätze der Münchner Residenz. Süddeutscher Verlag, München
1977, ISBN 3-7991-5743-3
• Herbert Brunner: Die Schatzkammer der Residenz München. Bayerische Verwaltung der
staatlichen Schlösser, Gärten und Seen München, München 1970, ohne ISBN
• Hermann Neumann: Die Münchner Residenz. Prestel Museumsführer, 2. Aufl. München
2007, ISBN 978-3-7913-2207-0
• Jean Louis Schlim: Ludwig II. – Traum und Technik. MünchenVerlag, München 2010, ISBN
978-3-937090-43-6. Der Wintergarten auf der Münchner Residenz, mit 3D-Simulationen.
• Otto Meitinger: Die baugeschichtliche Entwicklung der Neuveste. Ein Beitrag zur Geschichte
der Münchener Residenz. München 1970.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


Commons: Münchner Residenz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

• residenz-muenchen.de – Webpräsenz der Bayerischen Verwaltung der staatlichen


Schlösser, Gärten und Seen
• muenchen.de: Residenz
• muenchen-lese.de: Residenz München

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]


1. ↑ Die Höfe der Münchner Residenz auf residenz-muenchen.de.
2. ↑ Hochspringen nach:a b Löwen vor der Residenz München: Streicheln bringt Glück, Alfred Dürr
und Jakob Wetzel, Süddeutsche Zeitung, 26. März 2013, Abruf 29. Oktober 2018.
3. ↑ Forscher finden 3000 Jahre altes Grab in München, Die Welt.
4. ↑ Faltlhauser, S. 17–29.
5. ↑ Bauer-Wild; Volk-Knüttel 1989, S. 33-48 (Anna Bauer-Wild)
6. ↑ Susan Maxwell: The court art of Friedrich Sustris. Patronage in late Renaissance
Bavaria. Ashgate, Farnham u. a. 2011. Die zehn Höfe der Residenz, Verwaltung der
Residenz München
7. ↑ Knüttel 1967.
8. ↑ Bauer-Wild; Volk-Knüttel 1989, S. 117
9. ↑ Hoppe 2017.
10. ↑ Anja Karlsen: Das mitteleuropäische Treppenhaus. Petersberg 2016, S. 62.
11. ↑ Prinz Adalbert von Bayern, S. 118–120.
12. ↑ Die Ahnengalerie auf der Seite der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser,
Gärten und Seen
13. ↑ Karl Hausberger/Benno Hubensteiner: Bayerische Kirchengeschichte, S. 232.
14. ↑ Langenholt
15. ↑ Faltlhauser, S. 110–111.
16. ↑ Hojer: Prunkappartements, S. 9–16.
17. ↑ Hojer: Prunkappartements, S. 155–166.
18. ↑ Memmel
19. ↑ Prinz Adalbert von Bayern, S. 306.
20. ↑ Prinz Adalbert von Bayern, S. 340.
21. ↑ Faltlhauser, S. 148.
22. ↑ Brunner: Schatzkammer
23. ↑ Walz, Meitinger u. Beil, S. 47.
24. ↑ Walz: Untergang und Neubeginn
25. ↑ Walz, Meitinger & Beil
26. ↑ Anna Bauer-Wild: Das Lusthaus Albrechts V. und seine Deckenbildausstattung. In:
Denkmäler am Münchner Hofgarten Forschungen und Berichte zu Planungsgeschichte
und historischem Baubestand. München 1988, S. 28–44; Michael Petzet: Die Arkaden
am Unteren Hofgarten und die Münchner Architektur der Renaissance. In: Denkmäler
am Münchner Hofgarten Forschungen und Berichte zu Planungsgeschichte und
historischem Baubestand. München 1988, S. 9–27.

Quelle:
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchner_Residenz