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ELFRIEDE JELINEK

AM
KÖN IG S
WEG

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DER TAG LACHT GOLDEN,
DAS HAUS LACHT AUCH GOLDEN,
ES IST ALLES GOLD, WAS GLÄNZT.

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AM KÖNIGSWEG
von Elfriede Jelinek
Inszenierung BENJAMIN JUNGHANS
Ausstattung MAIKE HÄBER
Licht GEROLF HAAGA
Streaming-Technik KARLHEINZ FOHLERT / ANDREAS USENBENZ
Mobile Kamera ANDREAS USENBENZ
Dramaturgie CHRISTIAN STOLZ
Regieassistenz SONJA HALTER / JOSHUA TAYLOR
Abendspielleitung und Inspizienz SONJA HALTER
Soufflage RUTH DOHLE

Es spielen SILVA BIELER


RUDI GRIESER
MARIE LUISA KERKHOFF
TINI PRÜFERT

IN KOOPERATION MIT DER AKADEMIE FÜR


DARSTELLENDE KUNST BADEN-WÜRTTEMBERG

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ONLINE-PREMIERE Donnerstag, 26. November 2020, 19.30 Uhr
AUFFÜHRUNGSDAUER ca. 1 Stunde 30 Minuten, keine Pause
AUFFÜHRUNGSRECHTE Rowohlt Theater Verlag, Hamburg

Wir danken Karlheinz Fohlert, Andreas Usenbenz sowie


der Cortex Media GmbH Ulm herzlich für die umfangreiche
technische Unterstützung.

Der Regisseur dankt Nils Corte, Armin Luschin, Christof Nel und
Caspar Weimann für sehr hilfreiche Gespräche.

HINWEIS
Die Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflussen weiterhin den Pro-
ben- und Spielbetrieb des Theaters Ulm erheblich. Die Inszenierung von »Am
Königsweg« ist unter Beachtung der Abstandsregeln erarbeitet worden, d.h.
das Ensemble vermeidet beim Agieren körperliche Nähe und Kontakt und
hält einen Mindestabstand zueinander ein, zudem entstand die Produk-
tion unter den Bedingungen der am Theater Ulm seit Mai 2020 geltenden
Kurzarbeit, d.h. unter besonderen Probenreglementierungen und mit auf
ein ­Minimum reduziertem Bühnen- und Kostümbild, Requisiteneinsatz und
technischem Aufwand.

DANK
Wir danken unserem Publikum für die in den vergangenen Monaten geleis-
tete Unterstützung des Theaters, insbesondere durch die Spendenbereit-
schaft im Rahmen der Abonnement- und Kartenrückerstattung.

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Technische Einrichtung MANFRED SCHWARZMANN UND DAS TECHNIK-TEAM
Tontechnik KARLHEINZ FOHLERT, DANIEL HATVANI, DANIEL KONOLD,
MATTHIAS MEZGER, JENS SCHALLE
Requisite SONJA KADEN, CORINNA MERKER, SARAH KATHARINA SCHERRER,
MANUELA SCHWEND, SYBILLE VOGEL
Maske BENITA BREETZKE, JASMIN CETIN, CLAUDIA GRAGES, NICOLE HILLER,
NATHALIE KOTTMANN, DANIELA MAYERBACHER, KATHLEEN ROHRER, ELISA STRAHL
Ankleiderinnen GABRIELA FAKESCH, GABRIELE GAIDAMOWITSCH, DANIELA HARDERS,
EVI HENTSCHEL, KARIN KLEIN, SVENJA SCHÄFER, EDITH WIETSCHORKE

Technischer Direktor PETER PERKOVAC


Leiter Beleuchtungsabteilung MARCUS DENK
Leiter Ton- und Videoabteilung KARLHEINZ FOHLERT
Ausstattungsleiterin PETRA MOLLÉRUS
Leiterin Kostümabteilung, Gewandmeisterin RUTH HAUSER
Leiterin Herrenschneiderei BARBARA MARQUARD
Leiterin Requisite SARAH KATHARINA SCHERRER
Leiterin Ankleide KARIN KLEIN
Leiterinnen Maskenabteilung CLAUDIA GRAGES (Herrenmaske),
DANIELA MAYERBACHER (Damenmaske)
Teamleiter Werkstätten ANDREAS LONSINGER
Polsterei JULIANE WIEGREFFE
Malersaalvorstand JULE KARDAß
Schreinerei HORST SCHWALB
Schlosserei KLAUS RAPF
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SCHNELL INS STÜCK

WORUM GEHT'S?
»Am Königsweg« ist ein Theatertext ohne klare Handlung oder lineare
Struktur. Pulsierend, spannend, provozierend stellt das Stück nichts weniger
als große Fragen der Gegenwart, in einem sprachlichen Bewusstwerdungs-
strom. Ausgehend von Donald Trump, seinen Eskapaden und der Show, die er
um sich macht, begibt sich der Text — verschiedene Stimmen annehmend —
in die Klüfte, Ungeheuerlichkeiten und Leerstellen von Herrschaft, Macht
und Tyrannentum. Es geht unter anderem um Verflechtungen von Kapita-
lismus und Populismus, Rassismus und Nationalismus. Die Ulmer Inszenie-
rung pointiert die fehlende Unterscheidbarkeit von Fakt und Fiktion, Pop
und Populismus in der Ära Trump anhand des generellen Phänomens von
Selbstinszenierung in Reality-TV-Shows.

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WER IST DIE AUTORIN?
Elfriede Jelinek wird 1946 in Österreich geboren. Bereits in ihrer
Kindheit erhält sie eine musikalische Ausbildung. 1960 beginnt sie
am Wiener Konservatorium Klavier und Komposition zu studieren,
anschließend Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der
Universität Wien. 1967 bricht sie das Studium ab und beginnt zu
schreiben. Mittlerweile zählt sie zu den bedeutendsten deutsch-
sprachigen Autorinnen und wurde vielfach ausgezeichnet. 2004
erhält sie den Nobelpreis für Literatur.
Elfriede Jelinek verfasst unter anderem Theaterstücke, Lyrik,
Essays, Übersetzungen, Hörspiele, Drehbücher und Libretti. Zu
ihren Romanen zählen beispielsweise »Die Klavierspielerin« (1983)
und »Kinder der Toten« (1995).

WIE FUNKTIONIERT DAS ONLINE-FORMAT?


Öffnen Sie den Link zum Live-Stream, den Sie kurz vor Vorstellungsbeginn an die
von Ihnen beim Ticketkauf hinterlegte E-Mail-Adresse zugesendet bekommen.
Es öffnet sich ein Bildschirm mit vier Fenstern/Video-Playern. Ab Beginn der
Vorstellung werden vier Streams gleichzeitig angezeigt, sobald Sie auf »Stream
starten« klicken. Die vier Kameraeinstellungen vermitteln gleichzeitig unter-
schiedliche Anteile des Stücktextes und der Inszenierung. Über das Auswahlfeld
Tonspur können Sie selbst bestimmen, welcher der vier Tonspuren sie folgen.
Zwischen den Tonspuren können Sie während der Aufführung nach Belieben
wechseln. Außerdem ist es möglich, einzelne Screens als Vollbild anzuzeigen.
Diese Wahlmöglichkeit ist unser Impuls, im Online-Format das Stimmengewirr
des Stücks »Am Königsweg« ästhetisch abzubilden: als parallele Vorgänge. Bitte
beachten Sie auch die technischen Hinweise in der E-Mail mit dem Zugangslink.
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WELCHEM WEG FOLGEN WIR?
Gedanken zu »Am Königsweg«

Die Gegenwart wirkt zuweilen wie ein gigantisches »Am Königsweg« protestiert: Denn würde nichts zu
Knäuel aus widersprüchlichen Stimmen und Daten, sagen nicht bedeuten, dem Gegner, dem empfun-
mit Leerstellen und losen Fäden. Ob der Blick auf denen Übel das Feld zu überlassen? Also spricht
das Zeitgeschehen früher übersichtlicher, leichter die Stimme des Stücks. Sie scheut sich nicht, die
zu fokussieren war: Das darf bezweifelt werden. großen Themen der Gegenwart ins Licht zu stellen,
Zumindest aber erfordert es einige Aufmerksam- sich mitten hineinzubegeben in das Auge des Chaos:
keit, Kenntnis und Akribie, um die Zusammenhänge »Gestöhn und Wirrnis, Tod und Schmach«.
zwischen Ereignissen der jüngeren Geschichte zu Am Abend, an dem Donald Trump 2016 zum 45. US-
erfassen: Die Finanzkrise ab 2008, der weltweite amerikanischen Präsidenten gewählt wird, beginnt
Umgang mit dem Flüchtlingsstrom, der Brexit, die die österreichische Autorin Elfriede Jelinek mit der
Jahre Donald Trumps als US-Präsident, die poli- Arbeit am Stück. Die Irritation angesichts dieses
tischen Verwerfungen, welche auch die Corona- Ereignisses motiviert viele Passagen des Textes, der
Pandemie wie ein Brennglas offenlegt … diese Ausprägung des politischen Meinungskampfs
So viele Fragen schwirren im Kopf, dass es schwer befragt, erkunden will, weshalb ein »blinder Blender«
ist, sie einzeln auszusprechen. Fast noch häufiger als in diese Machtposition kommen konnte. Die Fragen
Fragen werden allzu leichte Antworten um die Welt Jelineks weisen allerdings über die Person Trumps
getwittert, doch sie stellen selten zufrieden. Verlo- und die Kapriolen seiner Amtsführung hinaus, es
ckend schleicht sich hie und da der Gedanke in den bleibt nicht bei sarkastischem Witz und wütenden
Kopf: nichts mehr zu sagen, weil alles gesagt und Sottisen. Ausgehend vom Exempel Trump, diesem
alles zu kompliziert und überhaupt relativ ist. prototypischen wie originären Entertainer aus
Doch die Seherin in Elfriede Jelineks Theatertext dem Politik-Showbusiness, wendet sich die Autorin

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den Ur- und Abgründen von Herrschaft und Tyran- Der Untersuchungsgegenstand des Stücks ist
nentum zu, Erklärung suchend für die ökonomi- komplex, das Untersuchungsfeld weit. »Von wem
schen wie sozialen Strukturen und Phänomene will ich da überhaupt sprechen, darüber muss
auch der Gegenwart: postfaktische Politik, Globa- ich mich mit mir verständigen«: Die Stimme des
lisierung des kapitalistischen Wirtschaftens, Stücks kämpft mit ihrem Sprechen, mit dem
Nationalismus, Rassismus, Chauvinis-mus, Neoli- Gegenstand des Sprechens. Dennoch erfasst
beralismus, Populismus und — nicht zuletzt — sie stetig die unterschiedlichen Formen des
das latente Gewaltpotential aller gegen alle. Machterwerbs und –missbrauchs: die haltlosen
»Am Königsweg« wirkt als ein sprachlicher Versprechen des angehenden Machthabers im
Bewusstwerdungsstrom, der erhellen will, trotz- Wahl-Kampf, den von ihm geschürten Hass der
dem alle in diesem Denk-Stück mit Blindheit Unterprivilegierten, aus dem der Wunsch nach
geschlagen sind, wie es schon die Regieanwei- einem »Erlöser« sich herausbildet und die gewalt-
sung zu Beginn ankündigt: »Die einen sind blinde same Unterdrückung Schuldiger an der eigenen
Seher, die treten mit ihrem Blindenstock auf, die Misere, seien es Personen(-Gruppen) oder Prinzi-
andren sind blinde Könige, die treten mit ihren pien.
Kronen auf«. Das Prinzip der seherischen Blind- Wähler, Anhänger, Rückwärtsgewandte, Vor-
heit ist das Mittel, um die Wege der Macht und wärtsstrebende, die geschockte Mitte, Zurück-
die Wege zur Macht zu ergründen, und diese gelassene, Egomanen, junge weiße Männer, Ent-
Macht, dieses Königtum hat in Jelineks Text viele rechtete, Lästerer, sprachlose Denker, Kriegs-
Gesichter und Kostüme: vom Feudalherrscher mit veteranen, Berater: Sie alle hasten, mäandern,
den goldenen Insignien des Reichtums im glanz- wüten oder stottern mit ihren Gedanken, Wort-
vollen Palast (oder Tower), zum lüsternen triebge- hülsen und Sprachfetzen durch den Text — als
steuerten oder aber kalt kalkulierenden Akteur, symptomatische Geräuschkulisse, die den Herr-
der die namenlose Masse der Untertanen und scher umgibt, den »Königsweg« säumt. Dass
Wähler auf seiner Mission (in eigener Sache) auf dieser jemals gekappt werden könnte, die Macht-
den Kampfplätzen der Weltpolitik gegeneinander verhältnisse grundlegend zu verändern wären,
ausspielt. diese Aussicht vermittelt Jelinek nicht. Die

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beiläufig erwähnten Alternativen, ohnehin meist die Phänomene, das äußere Erscheinen auch zeit-
nicht durchsetzungsfähig gegen eine etablierte genössischer Politik, sondern auf Ursache und
Ordnung, sind, daraus macht die Sprecherin des Wirkung politischer Eskapaden: Populismus,
Textes keinen Hehl, lediglich anscheinend Neues das Dilemma politischer Utopien, die Konfronta-
und meist bloß das Alte, das sich gekonnt getarnt, tion diverser arroganter Anspruchshaltungen, das
verkleidet hat. Wir wollen das Neue, »bestellen« Entstehen radikaler Gruppierungen, von Parolen
aber gleichsam das Alte. und Hetzkampagnen, das Erstarken und Vorpre-
Insofern erscheint auch der Tyrann als Typus schen des »weißen Mannes«, die Herausbildung
immer wieder auf der Bildfläche: Er wird eine an- und Zersplitterung von Mehrheiten, die Auflö-
dere Frisur tragen, oder seine Stimme verstellen, sung von Bündnissen ... All das streift der Text,
so wie Trump sich einst am Telefon tatsächlich verweilt in der Betrachtung, dem Erklärungsver-
als ein anderer ausgab, um Journalisten auf eine such mal länger, mal nur flüchtig.
falsche Fährte zu locken. Realsatirischer Sonder- Und er nutzt zur Verständigung vielfache gedank-
und tragikomischer Ernstfall: Trump ist bloß liche Vorleistungen, neben Sophokles’ »Ödipus«,
eine Spitze des Eisbergs — das Überlieferte sagt David Graebers »Schulden«, David Cay Johns-
voraus, dass und wie auch künftig Machthaber tons »Die Akte Trump«, Martin Heideggers
»geliefert« werden und im immerwährenden »Schwarze Hefte« und Sigmund Freuds »Unter-
Zyklus der Tyrannei, der ab und an nur scheinbar gang des Ödipuskomplexes« auch René Girards
unterbrochen wird, sich lediglich das jeweilige »Das Heilige und die Gewalt«. Girard formu-
Antlitz der Machthaber verändert. Wer glaubt liert in diesem Werk unter anderem die These,
ernsthaft, dass das, was den Herrscher systema- der Ödipus-Mythos symbolisiere die ungeheuer-
tisch hervorbrachte und was er selbst zum Macht- liche Übertretung eines einzigen Individuums.
erhalt als Techniken und Symbole erschuf, mit Ödipus werde für das Unglück der Stadt Theben
seiner Abwahl, seiner Niederlage, dem Macht- verantwortlich gemacht als ein Schuldiger par
wechsel obsolet wäre? excellence. Ihm wird die Schuld für die »Pest«
Die Prognose der Seherin in »Am Königsweg« ist übertragen, die sinnbildlich eine gesellschaft-
düster. Sie deutet mit klarem Blick nicht nur auf liche Krise, eine Ära der Gewalt umschreibt. Der

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menschliche Sündenbock Ödipus, auf den eine von
zu viel Unheil bedrängte Gesellschaft alle Anklagen
projiziert, wird gejagt. Die Anklage und Jagd ist ein
Behelfsmittel gegen die Gefahr sozialer Dissozia-
tion angesichts der als unerträglich empfundenen
Gewalt. Wird dieser Akt gewalttätiger Einmü-
tigkeit gegen den Sündenbock die Gemeinschaft
wieder einen? »Die Menschen wollen sich davon
überzeugen, dass ihr Unglück von einem einzigen
Verantwortlichen kommt, dessen man sich leicht
entledigen kann.« Kommt in dieser sozialen Syste-
matik auch dem Herrscher und König die Funktion
zu, bei entsprechendem Stau des Hass- und Gewalt-
potentials als Sündenbock zu dienen, dessen Opfe-
rung die Gemeinschaft befrieden könnte?
Elfriede Jelinek verarbeitet solche Thesen gedan-
kenscharf, subtil wertend, aber auch mit ironi-
schen Brechungen und kalauerndem Humor,
wortspielerisch und phantasievoll im Kombinieren
und Arrangieren des Texts aus Zitaten, Verweisen,
Transformierungen von Bekanntem, und im Fall von
»Am Königsweg« auch einem hohen Maß an Emoti-
onalität und Pathos in der Seherinnenstimme, in
der auch die Autorinnenstimme mitklingt. Alt sei
die Seherin, sagt sie, mit vielem sei sie als »Sprüche-
klopferin« — Autorin — angeeckt, und immer wieder
habe man versucht, sie von der Bühne des Lebens

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und Schreibens zu entfernen. Doch sie hält sich Die Show ist Politik geworden, die Realität Reality,
ans und am Wort — wie könnte sie sonst weiterhin die Reality Politik — Pop und Populismus gehen
sein? längst Hand in Hand. In Reality-Shows soll ein
Der Regisseur der Ulmer Inszenierung, Benjamin Sieger gewählt werden, so wie auch der König das
Junghans, pointiert die im Stück befragten Never Ending Game nutzt, um seine Herrschaft
Mechanismen von Selbstinszenierung und die zur Show des Siegers zu machen. Diese Verflech-
Vermischung von Fakt und Fiktion. Dafür hat tungen nimmt sich die Inszenierung zum Anlass,
sich Benjamin Junghans vom Phänomen der Ebenen von Faktizität und Realität zu befragen.
Reality-TV-Shows inspirieren lassen mit ihren Was, wenn jeder seine Fakten hat, aber jeder
medial zugespitzten schrillen Figuren, welche andere? Show-Stereotypen Prominenter, die nach
die Teilnehmer oftmals in ihrem Modus abso- Aufmerksamkeit haschen, und Stimmen politi-
luter Rampenlicht-Präsenz, in der Haltung unbe- scher Herrschaft und Macht verweben sich zur
dingter Selbstinszenierung verkörpern. Ähnlich, Situation einer Fernsehshow, die Dschungel-
wie Donald Trump in der Politik Fakten und camp, Promi-Realitycontainer, Show-Hölle und
alternative Fakten bis zur Ununterscheidbarkeit Weltpolitik zugleich bedeutet — bis ein neues
verbindet, wie er Begriffe von Wahrheit radikal Opfer gewählt wird …
umformt, sie unkenntlich macht und die Realität
Reality, eine absurde Show wird, bewegen sich Christian Stolz
auch die Inszenierungsmechanismen auf der
Ebene von Reality-Shows im TV zwischen Inti-
mität und überzeichneten Zerrbildern »authen-
tischer« Menschen. Es ist verblüffend, wie offen
Reality-TV-Stars über ihre eigenen kühlen Insze-
nierungstaktiken plaudern, die dazu dienen, best-
oder lautestmöglich im Licht der Öffentlichkeit zu
stehen und gesehen zu werden. Ist der Reality, der
Schein-Realität, jemals wieder zu entkommen?

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REALITÄT UND REALITY,
REALITY UND REALITÄT
Regisseur Benjamin Junghans, Ausstatterin Maike Häber und Dramaturg
Christian Stolz sprechen kurz vor der Online-Premiere von »Am Königsweg« über
Trump, goldfunkelnde Turmzimmer und das Stimmengewirr der Gegenwart

Christian Stolz Im Jahr 2017 wurde »Am im Frühjahr 2020 die Proben, die wir abbrechen
Königsweg« von Elfriede Jelinek in der Kritiker- mussten, aufgrund des damaligen Corona-Lock-
Umfrage der Theater-Zeitschrift »Theater heute« downs. Ich erinnere mich gut an unser Treffen vor
zum »Stück des Jahres« gewählt. »Es ist wirklich das ein paar Monaten im Sommer, als klar wurde, dass
Stück, dass die Zeitstimmungen und Gefährdungen die Proben in diesem Herbst wiederaufgenommen
zusammenfasst«, heißt es in der Begründung. werden sollen. Wir hatten damals alle drei ein
Benjamin Junghans Trifft das für Dich auch im ähnliches Gefühl: Die großen gesellschaftspoliti-
Jahr 2020 noch zu? schen und mythischen Fragen, die das Stück auffä-
Christian Stolz Dadurch, dass wir schon seit recht chert, sind weiterhin drängend und werden wichtig
langer Zeit an dem Stück arbeiten, haben wir ja bleiben. Andererseits hatten wir den Eindruck,
verschiedene Konzeptions- und Probenphasen dass sich der Blick auf Weltpolitik in den vergan-
hinter uns. Vor etwa anderthalb Jahren haben wir genen Monaten ein Stück weit verändert hat, dass
uns zum ersten Mal getroffen, um über den Text zu er sich vergrößerte und verlagerte, dass die allseits
sprechen. Nach vielen Planungstreffen starteten bekannten Anekdoten und Zoten über Trump, mit

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denen Jelineks Text lustvoll spielt, teils aus dem viele Fragen im Raum: Inwieweit wird ein poli-
Fokus rücken. Diese diffuse Zeitstimmung beein- tischer Diskurs von einem medialen Diskurs
flusste mein Gefühl: Man erhitzt sich kaum mehr bestimmt oder mitbestimmt? Welches sind die
emotional an Trumps Eskapaden, was er tut, weist Wechselwirkungen von Pop und Popkultur, Politik
über ihn hinaus. Das macht die Frage umso span- und Populismus? Wo werden die Grenzen dessen
nender, wie man sich zu dem Text verhält, was er eingerissen, sind nicht mehr erkennbar, oder
bedeutet. verfließen? Trump ist für diese Fragen das präg-
Benjamin Junghans Trump ist nach wie vor ein nanteste Beispiel. Doch das Untersuchungsfeld
relevantes Thema. In den Proben aber war es inter- von Realität und Reality hat sich in den Proben
essant zu sehen, dass wir Tag für Tag weniger über von Trump als Kernthema emanzipiert, weniger in
ihn gesprochen haben. Er wurde aus der Produktion einem Verdrängungsmoment, sondern vielmehr,
beinahe herausgeschwiegen. Wieso? Das sollten wir weil wir einen eigenen Erzählstrang geformt haben.
für uns noch einmal reflektieren. Dieser Prozess ist essenziell bei der Beschäftigung
Christian Stolz Ja, wir haben uns auf die mit einem Theatertext, der selbst keinen Erzählver-
abstrakten, überzeitlichen Fragen von Herrschaft lauf im klassischen Sinne in sich trägt.
im Stück konzentriert. Wie ist nun, kurz vor der Maike Häber Ihr habt einen alternativen Erzähl-
Premiere, Eure Sicht auf diesen Text? Background für das Stück imaginiert, in dem
Maike Häber Für mich hat das Stück an Aktualität konkrete Textstellen, die direkt auf Trump
gewonnen, bedingt durch die politischen Entwick- verweisen, nicht so stark vorkommen.
lungen in den USA, Trumps Klammern an den Christian Stolz Was das Stück inhaltlich für uns
Thron und die Macht. bedeutet, hat sich in den vergangenen Monaten
Benjamin Junghans Den Eindruck teile ich. oft verändert: Hätten wir zu verschiedenen Zeit-
Gleichzeitig hat sich unsere Inszenierung in den punkten Stückbeschreibungen geschrieben, sie
vergangenen sechs Wochen verselbstständigt, hat hätten sicher immer wieder anders geklungen. Um
einen eigenen Kosmos geschaffen, einen eigenen welche Fragen geht es heute für Euch in diesem
Reflektionsraum. Darin geht es aus meiner Sicht Stück »Am Königsweg«?
vor allem um einen politischen Diskurs. Es standen

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Benjamin Junghans Wenn ich über den Text nach- Christian Stolz Hinsichtlich der Form: Rück-
denke, verschwinden konkrete Fragen. Der Text blickend standen beim ersten Probenblock im
entzieht sich: Das ist die große Bewegung dieser Frühjahr Sound, Musik und Rhythmus stark im
Probenzeit, ein sich entziehender Text. Es ist die Vordergrund der Inszenierung. Elemente dessen
Herausforderung und die Stärke des Textes. Für sind nach wie vor da. Warum ist eine musikalische
mich ist dieser inhaltliche Strang wichtig: »Jeder Auseinandersetzung mit diesem Text wichtig?
hat seine Fakten, und jeder andere hat auch seine Benjamin Junghans Ich begreife den Text als
Fakten, aber andere. Natürlich sind die nicht gleich, eine Verschränkung von verschiedenen Stimmen
aber sie sind alle beide wahr. So hat jeder eine und Haltungen. Es ist weder ein narrativer Fließ-
Waffe gegen jeden.« Allerdings ist für mich mitt- text noch ein dramatischer Dialog, sondern er
lerweile weniger entscheidend, welche inhaltli- bewegt sich abstrakter: wie ein Strom oder Strudel,
chen Aspekte des Textes besonders relevant sind, so wie man auch Musik auf einer abstrakteren
sondern es ist die Form des Textes. Die Form Ebene wahrnimmt als Text. In der Musik hat man
erzeugt den Inhalt und die Erzählung. Sie stellt die eine andere Rezeptionshaltung, weniger kognitiv
Erzählung her: über die Produktion von Fakten, von entschlüsselnd, sondern sinnlicher. Das verstärkt
Gefühlen, von Inhalten, deren Wahrheitsgehalt ulti- für mich in der jetzigen Online-Inszenierungs-Vari-
mativ relativ ist. Damit wird eine Form von Macht- ante vor allem das Motiv der Gleichzeitigkeit: dass
system, Herrschaftssystem konstruiert, wie in einer Dinge gleichzeitig stattfinden, dass ich als Einzelner
Reality-Show. Die thematischen Aspekte, die wir als nicht alles erfahren kann, dass ich immer eine
Schlaglichter gesetzt haben — zum Beispiel Gewalt bestimmte Perspektive auf ein Geschehen habe.
als Sport, Frauen als Ware — verwenden wir als Als Zuschauerin oder Zuschauer surfe ich hoffent-
Bühne, um etwas über den Diskurs selbst, über das lich durch die Inszenierung, als könnte ich mich wie
Sprechen zu erzählen. Das Sprechen ist für mich bei einer Symphonie durch die einzelnen Stimmen
stärker der Inhalt des Textes als die vermeintliche hören.
Bedeutung von Wörtern. Das lernen wir ja in jedem Was würdest Du sagen, Christian, welche Wirkung
Satz von Elfriede Jelinek, dass ein Wort viele Bedeu- könnte das Setting dieser Inszenierung entfalten?
tungen haben kann, aber keine mehr greift.

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Christian Stolz Man kann als Zuschauerin und konzipiert, sollte vor allem eine bestimmte Atmo-
Zuschauer im Live-Stream durch die Tonauswahl sphäre gestalten. Dadurch, dass man diese Atmo-
selbst bestimmen, welchen Teil der Inszenierung sphäre nicht mehr leiblich erfahren kann, wird das
man verfolgt — ich finde, das ist eine sehr bild- Bild wichtiger. Das Optische ist nun noch entschei-
starke Idee von Dir. Ich hoffe, das Publikum hat dender geworden.
dadurch zu Hause am Bildschirm das Gefühl, einen Christian Stolz Es war in den Konzeptionen allzeit
Zugriff auf das Setting zu haben. Auch wenn man ein wichtiges Element, die Architektur des Podiums
nicht vor Ort im Podium anwesend sein kann, hat zu nutzen. Woher kam dieser Impuls?
man die Möglichkeit, mit den verschiedenen paral- Benjamin Junghans Bei meinem ersten Besuch
lelen Aufführungsorten in Beziehung zu treten. Jede im Podium war ich total angefixt von der Archi-
Aufführung hält viel Improvisation, Spiel und Über- tektur, denn sie hat etwas sehr Theatrales und
raschungen bereit. erzählt bereits viel: Es gibt dort eine Bar mit einer
Benjamin Junghans Maike, wie gestaltet man kleinen Bühne, den schalltoten Gang ins Podium,
denn eine Bühne für solch ein Wort-Labyrinth wie den sechseckigen Raum, der eine sehr modulierbare
»Am Königsweg«? Black Box ist. Das hat mich begeistert. Ich denke
Maike Häber Ich bin immer noch verwundert, dass Theater häufig installativ. Viele meiner Arbeiten
das Bühnenbild trotz der Inszenierungs-Konzepte, haben in Raumbühnen verschiedenster Art statt-
die sich vor allem durch Corona immer wieder gefunden. Das Publikum empfinde ich als einen
stark verändert haben, nach wie vor passend ist. Akteur im Theater, als Teil der Szene. Das Lesen
Es hat sich vom ursprünglichen Spiegelsaal eines dieses Textes und der Besuch der Podium-Räume
Schlosses nun in ein Fernsehstudio verwandelt. ist für mich stark verwachsen. So war für mich
Christian Stolz Verändert es den Raum, dass kein schnell der Wunsch klar, das narrative Potential des
Live-Publikum anwesend ist? Podiums und seiner Architektur auszuschöpfen.
Maike Häber Ich denke, der Raum tritt noch mehr Maike Häber Es bietet sich an, die Räume rund um
in Erscheinung, wird wichtiger. Das Live-Stream das Podium zu bespielen. Das Podium ist kein klas-
Konzept hat den Raum zu einer Bühne gemacht. sischer Theaterraum mit einem frontal sitzenden
Die Ausstattung war ursprünglich als Raumbühne Publikum und den üblichen Aufgängen: Man kann

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sich rund um das Podium bewegen. Es ist möglich, seinem Kosmos, alles muss nach seinem Willen
verschiedene Orte rund um das Podium zu erreichen. funktionieren. Doch es bröselt jetzt etwas von
Christian Stolz Das schon eben erwähnte Setting außen hinein und zerstört seine Welt. Eines unserer
einer Reality-Show wird im Text von Elfriede Beispiele, über das wir zu diesem Phänomen immer
Jelinek atmosphärisch zitiert, ist aber nicht die wieder gesprochen haben, ist die Truman-Show,
gesetzte Situation des Stück-Textes. Welches war in der eine perfekte Idylle hergestellt wird. Doch
denn der Impuls, den Text für die Ulmer Inszenie- dann bricht die Realität in diese gestaltete Welt
rung in ein Reality-Show Konzept einzubetten? hinein. Zweifel kommen auf. Auch im Format der
Benjamin Junghans Elfriede Jelinek schreibt in Reality-Show ist eine Künstlichkeit impliziert:
einer Regie-Anweisung, sie hätte auf der Bühne Es ist die Frage, inwieweit die Teilnehmerinnen
gerne Figuren aus der Muppet-Show. Durch den und Teilnehmer performen, inwieweit die Show
politischen Diskurs des Stücks, über das eigene gescripted ist. Das hat eine starke Verbindung zu
Sprechen nachzudenken, bin ich auf die Frage »Am Königsweg«.
von Wahrheit und Realität gestoßen. Was ist für Christian Stolz Die Ausstattung ist nicht fix in
jemanden real, was ist Show? Wo ist es nicht mehr einer Reality-Show verankert, spielt mit barocken
zu unterscheiden, geht Hand in Hand? Reality- Elementen …
Shows sind für mich ein superinteressantes Maike Häber Es geht in Reality-Shows oft darum,
Forschungsfeld: Was ist in solch einer Show herge- einen Sieger, einen König zu wählen. Auch in der
stellt, inszeniert? Welche Notwendigkeit gibt es in »Königsweg«-Inszenierung ist die Suche nach dem
einer Reality-Show, für Emotionen, Streit und Publi- König zentral: Bei uns ist die Suche nach dem König
city zu sorgen, um gesehen und erlebt zu werden als die Suche nach dem ersten, der sagt, wo es langgeht
Star? Dem Sprechen in Elfriede Jelineks Text gibt und die Reality-Show Gruppe anführt. So überlagert
dieses Setting einen wichtigen Anlass: Die wider- sich das Setting von Barock-Schloss und Fernseh-
streitenden Stimmen in dem Text können, dürfen Studio.
vielleicht sogar nicht aufhören zu sprechen, sonst Die ursprüngliche Idee zum Bild eines Thronsaals
verschwinden sie und ihre Meinung. ist inspiriert vom Penthouse Trumps im Trump-
Maike Häber Trump lebt auch nach der Wahl in Tower, das neobarock eingerichtet ist, mit

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seiner Architektur der 1980er Jahre und dem Blick solch eine Form von Herrschaft ermöglicht wird: Ist
auf den Central Park. Trumps ganzes Benehmen nicht schon eine dunkle Zukunft angebrochen, in
erinnert zudem stark an absolutistische Herrscher, der für die Seherin kein Platz mehr ist?
Tyrannen: So entstand die Bild-Idee. Christian Stolz War das auch ein Impuls für die
Christian Stolz Elfriede Jelinek sagte in einem Figur der Wahrsagerin in der Inszenierung?
Interview vor ein paar Jahren, Schreiben sei für Benjamin Junghans Ja. Die Stimme der Seherin
sie zeitweise wie ästhetisches Brechen-Müssen. ist sehr prägnant in dem Stimmen-Teppich Jeli-
Sie habe einen starken Drang, sich von der Realität neks. Ihre Stimme ist wiedererkennbar im Text: Sie
abzukapseln, und gleichzeitig schreibe sie über verkörpert für mich eine Seherin, eine Form von
die Welt. Was für ein Blick spricht für Euch aus Wahrsagerin.
der Autorinnen- und Seherinnen-Stimme in »Am Christian Stolz In der Recherche zum Setting einer
Königsweg«, die immer wieder ihre Isolation, Reality-Show haben wir uns einige solcher Shows
äußere Einschüchterungsversuche, aber auch ihren angeschaut, zum Beispiel »Promis unter Palmen«.
ungebrochenen Drang, zu sprechen, forciert? Hat das Spaß gemacht?
Benjamin Junghans Ich habe den Eindruck, es Benjamin Junghans Es hat Spaß gemacht, weil ich
spricht im Text eine Stimme, die nach einer Autorin die Shows aus einem neuen Blickwinkel angeschaut
klingt, welche im selben Jahr geboren wurde wie habe. Im Vordergrund stand die Frage: Wie intensiv
Donald Trump. Sie empfindet den Triumph dieses sprechen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der
Mannes als eine Form von Kränkung. Es ist ein Reality-Shows darüber, dass sie Figuren in einer
Schock, dass jemand so viel Gehör findet, dass es Show sind? In der letzten Folge der Show »Promis
jemand scheinbar so einfach hat auf dem Weg zur unter Palmen«, in der die Promis sich aussprechen
Macht. Die Stimme macht sehr viele Anspielungen sollten, ist wie ein Clash sichtbar, dass Menschen
darauf, in eine dunkle Zukunft zu sehen. Sie ist an dem Format teilnehmen, die sich absolut als
gebrochen, kann keine fixen Behauptungen über die theatrale Figur inszenieren, für sie ist Fernsehen
Zukunft anstellen, das ist auch nicht ihr Anliegen. eine Bühne: Doch andere Teilnehmer können diese
Doch es wird deutlich, dass es nicht nur ein Beginn Unterscheidung nicht für sich machen. Die Teil-
von Faschismus ist, wenn jemandem wie Trump nehmenden versuchen, miteinander zu sprechen,

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doch das Verständigen untereinander scheitert. Benjamin Junghans wurde 1993 in Zwenkau bei
Dies findet sich oft in der Politik wieder, aber auch Leipzig geboren. 2016 erreichte er seinen Studien-
im gesellschaftlichen Diskurs: Inwieweit sind wir abschluss in Deutscher Literatur und Geschichte
in der Lage, uns als Teilnehmer eines Diskurses, als an der Humboldt-Universität zu Berlin. Anschlie-
Figuren eines Dialogs zu begreifen? Oft redet man ßend begann er ein Regiestudium an der Akademie
auf verschiedenen Ebenen aneinander vorbei. für Darstellende Kunst Baden-Württemberg, das
er 2020 abschloss. Mit seiner Soloperformance
»Verlust« nahm er 2019 am Körber Studio Junge
Regie am Thalia Theater in der Gaußstraße in
Hamburg teil sowie beim Greizer Theaterherbst.
Benjamin Junghans ist Regisseur und Komponist
für Bühne, Funk und Film. »Am Königsweg« ist
seine erste Inszenierung am Theater Ulm.

Maike Häber studierte Bühnen- und Kostüm-


bild an der TU Berlin. Seit 2013 realisiert sie eigene
künstlerische Projekte, Interventionen und Perfor-
mances im öffentlichen Raum sowie Arbeiten für
das Theater Paderborn, die Hochschule für Musik
Hanns Eisler, Berlin und das TAK, Berlin. Einladung
zu den Bayerischen Theatertagen mit der Produk-
tion »Furor«, Stadttheater Ingolstadt. 2016 Grün-
dungsmitglied der Gruppe Gianni Maccaroni. Seit
2019 tätig als Ausstattungsassistentin am Theater
Ulm.

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»DIE SPRACHE ZERRT MICH HINTER
SICH HER«
Elfriede Jelinek erzählt im Gespräch mit Hans-Jürgen Heinrichs,
wie ihre Texte entstehen

Hans-Jürgen Heinrichs Elfriede Jelinek, wenn Sie gibt kein Ich; meine Figuren haben kein Ich,
schreiben, auch rastlos in einem gewissen Sinne, weil das individuelle Handeln mit dem Roman
fühlen Sie sich dann, im Umgang mit Ihren eigenen des 19. Jahrhunderts ein Ende hatte. Selbst wenn
Figuren und mit Zitaten, in einer Art kommunika- manche Kritiker das immer noch von Autoren
tiver Situation, oder fühlen Sie sich einsam? verlangen, ist das nicht mehr zu leisten. Es wäre
Elfriede Jelinek Nein, es ist keine Kommunika- auch eine Illusion, individuelles Handeln überhaupt
tion. Die Figuren wachsen mir auch nicht in dem als möglich anzusehen.
Sinne ans Herz, dass ich mit ihnen leben würde. Heinrichs Können Sie aus Ihrer Erfahrung nach-
Die Figuren sind nur Kleiderbügel, auf die ich die vollziehen, was Marguerite Duras in ihrem Buch
Sprache hänge. Sonst habe ich kein sinnliches »Schreiben« sagt, dass ohne die Einsamkeit des
Anschauungsmaterial dafür. In den realistischeren Schreibens Geschriebenes nicht entstehen oder
Romanen wie »Die Klavierspielerin« oder »Die aber zerbröckeln würde? »Diese reale Einsam-
Ausgesperrten« habe ich schon eine Empathie und keit des Körpers wird zu der unverbrüchlichen
auch mit den Figuren gelebt, aber diese Ebene habe Einsamkeit des Geschriebenen. Ich sprach darüber
ich wieder verlassen. Es gibt keine Biographie, es mit niemandem. In dieser Periode meiner ersten

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Einsamkeit hatte ich bereits entdeckt, dass es umzieht zum Schreiben, wie jemand, der ins Büro
Schreiben war, was ich tun musste. Ich war darin geht. Kennen Sie das auch?
schon von Raymond Queneau bestärkt worden, Jelinek Unvorstellbar, das Gegenteil ist bei mir
allein durch Queneaus Urteil durch den Satz ›Tun der Fall. Ich kann ungestört die ältesten Fetzen
Sie nichts anders als das, schreiben Sie‹.« Hat Ihnen zum Schreiben anziehen, in denen ich vorher noch
das auch mal jemand geraten? den Hund spazierengeführt habe, der mir seine
Jelinek Bei mir war es ein Zustand, der mir keinen dreckigen Pfoten hineinwischte. Das ist auch sehr
anderen Weg offengelassen hat, abgesehen davon, genussvoll, und man kann sich weiter im Schlamm
dass ich schon als Kind immer geschrieben habe. wälzen wie ein Schwein in der Suhle.
Aber ich hatte nach der Schulzeit eine starke Heinrichs Das Archaische Ihres Hundes gibt mir
soziale Phobie, mit Angstneurose gemischt, entwi- die Möglichkeit, einen neuen Gesichtspunkt in
ckelt und konnte buchstäblich nicht mehr auf die unser Gespräch einzubringen. Können Sie die
Straße gehen. Reste davon habe ich leider immer Erfahrung von Marguerite Duras teilen, dass das
noch, aber mir geht es jetzt sehr gut im Vergleich Schreiben einen zum Wilden macht und man zu
zu damals. Es gibt Tätigkeiten, die man im Haus einer Wildheit zurückkehrt, die vor dem Leben
ausüben kann. Sie sind begrenzt, aber der große da war? Man erkenne sie stets wieder. Es ist ein
Vorteil meiner Arbeit ist, dass man sie im normalen Zustand der Angst vor allem auch nur Denk-
Lebensbereich ausführen kann; ein Ersatzleben, das baren, einer Angst, die untrennbar mit dem Leben
man führt, wenn man kein wirkliches führen kann, verbunden sei. »Man ist verbissen, man kann nicht
und wenn man, so wie ich, nicht reisen kann, weil schreiben ohne die Kraft des Körpers. Man muss
man Angst hat, seinen Standort zu verändern. Dann stärker sein als man selbst, um mit dem Schreiben
ist es eine imaginäre Wirklichkeitsebene, die man anzufangen. Das ist eine komische Sache, ja, es ist
sich selbst schaffen kann. Und den Rest muss das nicht nur das Schreiben, das Geschriebene, es sind
Fernsehen leisten. die Schreie der Tiere in der Nacht, die Schreie aller,
Heinrichs Wie weit soll man gehen in der äußeren, ihre und meine, die der Hunde. Es ist die massive
auch der habituellen Zurichtung für die Arbeit des trostlose Vulgarität der Gesellschaft.«
Schreibens? Paul Nizon hat erzählt, dass er sich

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Jelinek Das schreibt natürlich eine, die sehr viel Heinrichs In einem Gespräch mit Gisela von
vom Leben gewusst hat. Die Duras ist eine Autorin, Wysocki, »Fremde Bühnen«, erwähnen Sie die
die eine ungeheure soziale Intelligenz besitzt und Sucht nach Wortassoziationen, nach Kalauern
auch viel gesehen hat und wissen will, wie die und Sprachspielen und stellen eine Beziehung her
Menschen funktionieren. Bei mir ist das Gegenteil zu den Wirbeln auf der Kopfhaut. Ich habe den
der Fall. Ich habe immer vermieden, die Wirklich- Eindruck, dass für Sie das Sprechen, das Schreiben,
keit zu sehen, weil ich weiß, was die Wirklichkeit der Umgang mit der Sprache etwas Lustvolles ist.
ausmacht. Ich schreibe ständig wie der Blinde oder Genießen Sie die Komik und die Absurditäten, die
der Farbenblinde von der Farbe. Es ist nicht ein dabei entstehen, oder ist es doch mehr eine ernste
Schöpfen aus etwas, das man erfahren hat, sondern Tätigkeit?
ein Vermeiden des Lebens, weil man schon vorher Jelinek Nein, ich genieße das sehr. Allerdings darf
weiß, wie es ist. es keine planerische Komik sein, sondern es muss
Ich stimme Brecht — eigentlich ein Autor, den ich ein Vorgang sein, bei dem die Sprache mich hinter
gar nicht so sehr schätze — in diesem Fall zu, dass sich herzerrt. Das wird übrigens umso stärker, je
die Wirklichkeit letztlich nach wenigen Gesetzen länger ich schreibe, sodass ich eine geradezu neuro-
funktioniert. Und die lassen sich darstellen. Viel- tische Abneigung gegen das Planen habe. Diese
leicht kommt es gerade aus der Vermeidung von Sprachspiele entstehen ja erst im Verfertigen des
Leben, dass man auf der anderen Seite schnell etwas Textes. Die Sprache zerrt mich hinter sich her, wie
sieht. Ich sehe zum Beispiel ein Paar und weiß nach ein Hund seinen Besitzer an der Leine hinter sich
kürzester Zeit, wer von beiden der Unterlegene und herzerrt, und schnüffelt an jeder Ecke. Das sind
wer der Sieger ist. Das ist aber eine soziale Intelli- dann die Sprachspiele, die Kalauer, die aber nicht
genz, die nicht aus dem Wissen und der Erfahrung einfach sinnloses Spiel mit Sprache sind, sondern
kommt, sondern aus der Vermeidung von Erfah- in eine bestimmte Richtung weisen. Also ich richte
rung, dem Sich-Freihalten von Erfahrung, dass man dann in den Kalauern, die eigentlich Ausweichen
sich ständig zu einer Tabula rasa macht, die nicht sind, die Sprache wieder wie ein Papierschiff in die
nur »etwas«, sondern sich selbst schreibt. Strömung. Und dann geht es erneut ein Stück voran.

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Heinrichs Ich habe Nathalie Sarraute gefragt, ob nichts mit meinem Schreiben anfangen können. Für
das Schreiben für sie eher innere Freiheit oder die ist es wahrscheinlich ein leeres Rauschen. Es
Zwang sei. Beim ersten Mal hat sie geantwortet, ein erscheint ihnen unsinnig.
Zwang, und beim zweiten Mal, innere Freiheit. Ist es Heinrichs Und die Art und Weise, wie Sie mit
für Sie auch beides? diesen Trivalitäten und den Zitaten arbeiten, die
Jelinek Ja, wahrscheinlich ist es beides. Es ist inso- Art der Verbindung, der Montage, entsteht beim
fern ein Zwang, als es — wenn man sich einmal Schreiben selbst, oder ergibt sie sich aus der metho-
dazu durchgerungen hat, überhaupt anzufangen dischen Erfahrung?
und etwas zu schreiben — wie Kotzen-Müssen ist. Jelinek Die Erfahrung ist natürlich größer
Es ist etwas, was man eigentlich nicht gerne tut, geworden. Von diesen Zitaten stoße ich mich ab wie
aber man kann nicht anders, man muss es tun. Viel- von einem Trampolin. Aber zuerst bin ich eher wie
leicht auch, weil man nichts anderes kann. Ich weiß ein Raubvogel, um diese Zitate zu finden, ähnlich
nicht, aber auf jeden Fall hat es etwas sehr Trieb- wie die Sätze, die Unica Zürn finden musste, um ihre
haftes bei mir. Es gibt ja auch ungeheuer planerische wunderbaren und unvergleichlichen Anagramme
Autoren, bei denen das eher ein zwangsneuroti- zu schreiben, und wo es auch drauf ankommt, dass
sches Konstrukt ist. Zum Beispiel Arno Schmidt, man einen Satz findet, der einen weiterführt. Es
der über riesige Zettelkästen verfügte, in denen er gibt aber durchaus Autorinnen und Autoren, die
dann nachschlug. Solche Autoren spuren etwas im anders, doch mit ähnlichen Verfahren arbeiten, zum
Schnee vor. Aber das ist nicht mein Weg. Beispiel Mayröcker und auch Ingeborg Bachmann.
Heinrichs Schreibt man, weil man nichts anderes Jemand hat gesagt: Irgendein Satz, und wäre es eine
kann? Strumpfwerbung auf einem Plakat, lässt sie wie von
Jelinek Ich habe wahrscheinlich nicht die Wahl. Ich einem Trampolin in die Luft fliegen und eröffnet
komme ja von der Musik her und habe daher dieses neue Räume. Der Text geht da wirklich von der
lauthafte oder lautliche Sprachverfahren entwickelt, Lautlichkeit und von der völligen Absurdität aus.
das eine Zwischenform zwischen Komponieren und Wenn man so einen Satz sieht, dann weiß man, der
Schreiben darstellt. Das geht sicher so weit, dass ist es, den muss man aufschreiben, und der führt
Leute, die sich nie mit Musik beschäftigt haben, gar einen dann ganz woandershin.

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DIE KRAFT DES NICHTWISSENS

Donald Trump ist komisch, keine Frage, und nicht kalt. Es erzeugt eine dem Aufstieg wie dem Erfolg
nur dort, wo er es sein will. Aber dass das Establish- zuwiderlaufende Ordnung. Es macht die Welt linear,
ment samt seinen Agenten über ihn lacht, macht ihn und es negiert einen Teil der Subjektivität. Daher
nur noch volkstümlicher. Denn in der Verachtung muss der Volksheld im Western und anderswo —
eines Donald Trump, des Ungebildeten und Unwis- wir erkennen ihn an seinem Lachen und an dem
senden, spiegelt sich nichts anderes als die Arroganz Vergnügen, mit dem er eine »Brillenschlange«
und das Abgekoppeltsein der Elite. Aber wenn man erschießt — sich, anders als der Revolutionär, nicht
einer wissenden Elite misstraut, muss man folge- das Wissen aneignen, sondern demonstrieren, wie
richtig dem Wissen selbst misstrauen. Der Kern gut man außerhalb von ihm leben kann. Die Herr-
einer alten Emanzipationsgeschichte — »Wissen schaft des Wissens wird gebrochen, damit die Herr-
ist Macht« — hat sich in sein Gegenteil verwandelt: schaft des Begehrens beginnen kann. Womit sich
Um der Macht des Wissens entgegenzutreten, muss ein Kreis schließt zwischen dem performativen
die Kraft des Nichtwissens entfaltet werden. Dieses Anti-Wissen des männlichen Protagonisten, dem
Nichtwissen ist nicht nur provinzielle Ignoranz oder das Wissen hinderlich ist bei seinem Tun und der
mangelndes Interesse an Bildung, Kultur und Infor- die Zügel von Moral und Vernunft abwerfen muss,
mationen, sondern vor allem die Leugnung einer um zu sich selbst und zum Volk zu kommen, und der
Verbindlichkeit. So geben wir mit einer Karnevalisie- untoten Luxusexistenz der Frau.
rung der Politik eine empfundene Kränkung zurück. Der Anti-Intellektualismus ist nicht nur ein Funda-
Denn das Wissen sollte zugleich allgemein verbind- ment des politischen Populismus, sondern auch
lich sein und »uns« ausschließen. Das Wissen ist ein Herzstück der populären Kultur. Das Wesen des

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Volkshelden ist, dass er Authentizität an die Stellen blieb. Er versteht die Welt auf seine Weise, und das
von Erkenntnis setzt. Er ist daher nicht allein unge- ist oft die bessere als die »realistische« seiner Um-
bildet, was ihn schon vom Establishment unter- welt, des »bürgerlichen« Mickey ebenso wie des
scheidet, sondern manchmal regelrecht dumm. Als neurotischen und manischen Donald. Und diese
die Mickey Mouse sich in Comics und Filmen von glückliche Form des Nichtwissens lässt in seiner
ihrer ursprünglichen anarchischen Direktheit fort- Umgebung viele (einschließlich des Freundes Mickey)
entwickelt und sich zu einem schlauen und bürger- als unangenehme Besserwisser erscheinen. Wozu
lichen Mann mit Haus, Familie und Reputation (zum soll man wissen, was die Gewissheit stören könnte?
Establishment) gewandelt hatte, wurde ihr nicht George Bush sen. musste noch verbissen verkünden:
nur ein cholerisches Gegenbild, die Ente im Matro- »Die Fakten sind mir egal«, als er sich weigerte, einen
senanzug (Donald Duck), verpasst, sondern auch militärischen Zwischenfall aufklären zu lassen, für
ein naiver, tölpelhafter Freund namens Goofy. Aber den sich »sein Land« hätte entschuldigen müssen.
Goofy ist nicht nur der fall guy, der Prügelknabe, der Donald Trump strahlt die Goofy-Seligkeit aus:
sich und seinen Freund immer wieder in den Schla- Fakten? Ah-hua-hua.
massel führt, sondern auch derjenige, der gerade Zeichentrickfiguren sind die kindlichen Urbilder
wegen seiner Unwissenheit immer wieder die Wahr- der Volkshelden. Sie befinden sich in einem ewigen
heit erkennt. Er ist eben der kindlichen Emotion Krieg mit der »etablierten« Welt; neben der mani-
zugewandt: Wenn man ihm zwei Gemälde der Mona schen Attacke des Verlierers Donald (mit dem
Lisa vor Augen hält, erkennt er sofort, welches die Trump vielleicht doch auch nicht nur den Vornamen
Fälschung und welches das Original ist, nämlich gemein hat) und der unerschütterlichen Ignoranz
derjenige, bei dem er weinen muss. Und seine soziale Goofys erscheint die schiere Unverschämtheit von
Tölpelhaftigkeit hat immer wieder den Zweck, das Bugs Bunny als großes Vorbild. Niemand scheint so
»Falsche« in den sozialen Ritualen und die Borniert- prädestiniert wie Donald Trump, zur Cartoonfigur zu
heit der »guten Gesellschaft« zu entlarven. Goofy werden. Er war es schon vor seiner Präsidentschafts-
fehlt jeder Hang zur Selbstkontrolle und -kritik, er kandidatur. Reduziert auf besondere Merkmale,
strahlt das ursprüngliche Glück eines Wesens aus, wenige Charaktereigenschaften, wiederkehrende
das von den Zumutungen der Moderne unberührt Sprüche und Gesten. Wie Bugs Bunny, Road Runner

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oder Homer Simpson, mit dem er so viel gemein
hat, wie Trump überhaupt der Welt von Springfield
entsprungen scheint (einschließlich des zynischen
Clowns Krusty, der sein Publikum verachtet und
nach Strich und Faden hereinlegt), kommt er aus der
Tiefe kindlicher Lust an der Störung von Ordnung
und Autorität. Ja, diese Figur ist schlicht ein Ideal
der Nicht-Erzählung, gepaart mit dem Prinzip des
Anti-Biografischen. Sie macht immer dasselbe,
immer wieder, und immer wieder sind die Wider-
sacher gleich verblüfft und ratlos. Und natürlich
sind sie immun gegen Zerstückelung, Schläge und
Umwelteinflüsse. Es ist das Wesen, das buchstäblich
nur Zeichen ist.
Aber es verhält sich auch umgekehrt: Mit Donald
Trump ist eine Cartoonfigur Präsident geworden.
Das ist kein politisches, sondern ein semantisches
Urteil. (Eine Gestalt ohne Metaphysik, zusammen-
gesetzt aus Begehren, Aktion und Reaktion, die
Sprache nur als Waffe einsetzt.)

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IMPRESSUM
Herausgeber Theater Ulm
Intendant Kay Metzger
Spielzeit 2020/2021
Redaktion Christian Stolz
Probenfotos Kerstin Schomburg, Hamburg
Grafik Michael Hahn, Hamburg

QUELLEN
Die Texte »Schnell ins Stück«, »Welchem Weg folgen wir?« und »Realität und Reality, Reality und Realität« sind
Originalbeiträge für dieses Programmheft..
»Schnell ins Stück« entstand unter Zuhilfenahme von https://rowohlt-theaterverlag.de/tvalias/autor/2558.

WEITERE TEXTE
Elfriede Jelinek, Die Sprache zerrt mich hinter sich her, in: Hans-Jürgen
Heinrichs, Schreiben ist das bessere Leben, München 2006.
Georg Seeßlen, Trump! Populismus als Politik, Berlin 2017.

Eventuelle Kürzungen innerhalb der Texte wurden ohne Kenntlichmachung vorgenommen.

Weitere Informationen zur Produktion finden Sie auf theater-ulm.de

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KÖNIGLICHE RINGE
FÜR PRINZ UND PRINZESSIN
in 935er Silber oder in 14/18 Karat Gold

43 Goldschmiede Dentler Gerbergasse 3 89073 Ulm rexdentler.de


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BITTE, SEIEN SIE MIR NICHT
BÖSE, UND HÖREN SIE LIEBER
NICHT AUF MICH.

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