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VERSCHWÖRUNGEN, ENTHÜLLUNGEN & UNGLAUBLICHES

“GNADE EUCH GOTT!” –


SEXUELLE GEWALT IN
DER KATHOLISCHEN
KIRCHE & IHRE
URSACHEN
5. April 2021

Tausende Kinder wurden & werden von Katholischen


Priestern vergewaltigt! Die Ursachen werden
verschwiegen! Bis jetzt!

Es ist ekelhaft,
es ist widerlich,

es ist kriminell:

Kindesmissbrauch in der Kirche! Und genauso auch die


Vertuschung dieser Verbrechen durch Würdensträger!

Das jüngste Beispiel, das


diesbezüglich in die Schlagzeilen
kam und weiterhin kommt, ist der
Missbrauchsskandal im
Erzbistum Köln.

Anstatt 135 Opfer sexualisierter


Gewalt und 87 beschuldigte
Geistliche – wie die im Herbst
2018 vorgestellte
Missbrauchsstudie der deutschen Hier bestellen!

Bischöfe insinuierte – sollen es


nun 300 Opfer und 200 Beschuldigte sein.

Darunter ein Priester, der in den 1980er Jahren in einem


Internat des sexuellen Missbrauchs beschuldigt und später als
Pastor und Jugendseelsorger eingesetzt wurde. 2002 soll er
sich dann auch noch gegenüber einer Teenagerin “sexuell
übergriffig” verhalten haben, wurde aber erst 2017 in den
Ruhestand verabschiedet.

Den bezahlten Ruhestand vollgemerkt.

Das sind “offizielle” Zahlen nur EINES Bistums, die Dunkelziffer


liegt naturgemäß weitaus höher. Der 64-jährige Kölner Kardinal
Woelki steht seit Monaten unter Druck, ließ jedoch eine
diesbezügliche Studie zurückhalten. Viele werfen ihm
“Vertuschung” der Missbrauchsfälle vor.

Quelle: https://www.dw.com/de/gutachten-viel-mehr-
missbrauchsopfer-im-erzbistum-k%C3%B6ln/a-56636591
Natürlich stellt sich dabei die Frage, wer überhaupt alles in
diesen Missbrauchsskandal verwickelt ist?

Natürlich stellt sich dabei die Frage, “wer” alles in diesen


Missbrauchsskandal verwickelt ist?

Schon seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit der Kirche
und ihren pädokriminellen Verbrechen, mit der
Vertuschungsstrategie sowie dem Leid der Opfer.

Dazu habe ich Filmbeiträge produziert und ein Buch


geschrieben:
Beschäftigt habe ich mich auch mit den bislang
verschwiegenen, tabuisierten Ursachen sexuellen
Missbrauchs von Minderjährigen in der Katholischen Kirche.

Für Ermittlungsbehörden können die möglichen Ursachen


sexuellen Missbrauchs durch Kleriker oftmals gleichzeitig
auch deren Motive sein. Allerdings gestaltet sich die Suche
nach dem eigentlichen „Tätermotiv“ als relativ schwierig, weil
es oft nicht von „außen“, sondern gerade von „innen“ kommt:
aus der psychischen Verfasstheit des Missbrauchers.

So beginnt die Ursachenforschung, weshalb auch und


weshalb gerade Kleriker Minderjährige sexuell
missbrauchen, mit der psychischen Verfasstheit
katholischer Priester.

Eine ältere amerikanische Studie (Kennedy und Heckler 1972)


belegt, dass von 271 in der Untersuchung beurteilten
katholischen Priestern 179 zu den „emotional
Unterentwickelten“ zählten, 50 gehörten zu den in
„Entwicklung Begriffenen“, 19 zu „Extreme der Entwickelten“
und 23 zu den „mangelhaft Entwickelten“. Die Forscher
bemerkten, dass die Priester jedoch die „Probleme der
Allgemeinbevölkerung reflektierten“ und im landesweiten
Vergleich mit anderen Männern nicht schlecht abschnitten.[i]

Dennoch, wie ich meine, ein alarmierendes Ergebnis, wenn


man bedenkt, dass diese Geistlichen mit ihrer gestörten
psychischen Gesundheit auch seelsorgerisch tätig sind und
Erwachsene, Jugendliche und Kinder auf ihrem Lebensweg
begleiten.

Stephen Rossetti und L.M. Lothstein weisen darauf hin, dass


die meisten der Priester oder Ordensleute, die Kinder
missbrauchen, „große seelische Probleme“ hätten und unter
Persönlichkeitsstörungen mit Symptomen wie Passivität,
Abhängigkeit und zwanghaftem Verhalten litten. Sie würden
Unsicherheit, geringes Selbstwertgefühl, Vorbehalte gegen
ihre Mitmenschen und Autoritätspersonen verbergen und
zumeist ihre wahren Gefühle, Wünsche und Sehnsüchte,
aber auch ihre Wut verstecken.[ii]

Erwähnenswert ist auch die Gruppe von pädophilen oder


ephebophilen Geistlichen, die selbst missbraucht wurden.
Etwa zwei Drittel der wegen sexuellen Missbrauchs
angeklagten Priester, die beispielsweise im amerikanischen
Saint Luke Institute befragt wurden, sind in ihrer Kindheit
selbst Opfer davon gewesen. Doch häufig erkennen sie ihre
eigenen Missbrauchserfahrungen erst gar nicht.

„Viele Opfer eines sexuellen Missbrauchs sind gute Priester


geworden. Jedoch sollte man mit ihnen über ihre Verwundung
gesprochen und diese der Heilung Gottes hingehalten haben,
bevor man sie zum Amt zulässt (Rossetti/Müller)“.[iii]

Vergessen wir auch nicht die Gruppe „echter“ Pädophiler, die


den Beruf des Priesters absichtlich erwählen, um ihre
Sexualität auszuleben.

„Es gibt genügend Beispiele von Priestern, die es bestens


verstanden haben, ihr entsprechende Neigung zu
verbergen“, so Wunibald Müller.[iv]

Im März 2002 vermelden die Zürichsee-Zeitungen dazu:


„Sexualpsychologen warnen schon seit Langem, viele Männer
mit pädophilen Neigungen wählten den Beruf des Priesters,
weil sie hofften, sexuelle Enthaltsamkeit werde ihr Problem
lösen. Das ist meist ein Irrtum.“[v]

Und der Soziologe Gerhardt


Amendt von der Uni Bremen
meint: „Pädophile suchen sich
Organisationen aus, in denen sie
bestimmte Vorteile haben. In der
katholischen Kirche hat der
Priester eine überväterliche
Autorität. Er überwacht die
Beichte der Eltern, der Kinder. Er
ist das Gewissen der ganzen Hier bestellen!

Familie. Die Repräsentanz
Gottes können Kinder ganz schwer in Frage stellen.
Pädosexuelle fühlen sich in der katholischen Kirche sicher,
weil sie wissen, dass es dort viele gibt, die am selben Strang
ziehen.“[vi]

Tatsächlich gibt es – laut Experten – einen Zusammenhang


zwischen bereits vorhandenen Interessen an Kindern und der
Berufswahl.

Claudia Bundschuh vom „Deutschen Jugendinstitut“ in


München erklärt in ihrer Expertise Sexualisierte Gewalt gegen
Kinder in Institutionen – Nationaler und internationaler
Forschungsstand hierzu: „So gelangt Beier zu der
Einschätzung, dass bei jungen Männern, die eine sexuelle
Anziehung durch Kinder bei sich wahrnehmen, angesichts der
Angst vor gesellschaftlicher Ablehnung die Motivation erhöht
wird, sich in ein System zu begeben, das von einem Menschen
verlangt, die Sexualität hinter sich zu lassen.“

Und weiter: „Laut Angaben des Sexualwissenschaftlers


Volkmar Sigusch besteht ein mehr oder weniger bewusster
Anreiz zur Ausübung des katholischen Priesterberufs
sowohl für Menschen mit sexuellen Interessen an Kindern
als auch für andere Männer mit normabweichenden
sexuellen Orientierungen.“[vii]

Nach klinischen Erfahrungen in den USA belästigen Priester


kaum Mädchen, sondern eher Jungen – unabhängig von der
eigentlichen sexuellen Orientierung des Täters.

So bringt der amerikanische John-Jay-Report ans Licht, dass


40 Prozent der Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester
Kinder beziehungsweise Jugendliche im Alter zwischen elf und
vierzehn sind; 80 Prozent der Opfer sind Jungen.[viii]

Viele dieser Priester, so Rossetti und Lothstein, berichteten


davon, in einer „unterdrückenden“ Umgebung aufgewachsen
zu sein, „in der man ihnen auf direkte oder indirekte Weise
vermittelt hatte, dass sie ‚von den Mädchen wegbleiben‘
sollten und dass das Böse sich in sexuellen Sehnsüchten
verkörpere, die auf Frauen ausgerichtet sind‘“.

So könne zwar ein Priester heterosexuell, doch auch überzeugt


sein, seine sexuellen Empfindungen für Frauen nicht spüren zu
dürfen. Viele Geistliche hätten hingegen niemals eine negative
Aussage über Sex mit Jungen gehört. „Priester und
Ordensleute, die sexuelle Missbrauchshandlungen
begangen haben, sagen oft, die körperliche Begegnung mit
Jungen sei kein wirklicher Sex und daher auch nicht wirklich
schlimm.Geschlechtsverkehr mit Frauen ist die
schrecklichste Sünde, Geschlechtsverkehr mit Jungen ist
weniger sündhaft. Ein sexuelles Erlebnis mit einer Frau wird
oft als grundlegende Bedrohung der zölibatären Berufung
verstanden. Einige Priester sagen tatsächlich: ‘Nur beim Sex
mit einer Frau breche ich mein Zölibatsgelübde‘“.[ix]

Auf den Zölibat möchte ich später noch ausführlich eingehen.

Für den deutschen Experten Wunibald Müller liegt die


Hauptursache bei den Tätern in einem „Mangel an
Einfühlungsvermögen“.
Viele Priester würden sogar meinen, dem jungen Menschen
noch etwas Gutes getan zu haben.

Viele seien „sexuell unreif“; in ihrer Entwicklung auf der


Ebene von Zwölf- bis Vierzehnjährigen stehen
geblieben. Und oft könnten sie nicht mal sagen, ob sie
heterosexuell oder homosexuell seien.

Um den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen


einzudämmen, müsse in der Priesterausbildung eine
„angstfreie Auseinandersetzung mit der Sexualität“ stattfinden.
[x] Das gelte beispielsweise auch für die Vermittlung der
„medizinischen und psychologischen Grundkenntnisse der
Sexualität, besonders aber für die persönliche
Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität“.[xi]

Die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ forderte bereits


2002 in einem Brief an die 27 deutschen Bischöfe und den
Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz eine „intensive
Auseinandersetzung der Priesteramtskandidaten mit ihrer
eigenen Sexualität während der Ausbildung.“[xii]

Das Bistum Augsburg hingegen behauptete damals in einer


Stellungnahme zum Thema „Sexueller Missbrauch von
Kindern durch Priester“: „Der verantwortliche Umgang mit der
Sexualität ist ein wichtiges Element in der Ausbildung künftiger
Priester. Dabei werden psychologisch ausgebildete Fachleute
einbezogen.“[xiii]

In einer deutschen Zeitschrift jedoch spricht ein Kenner der


Priesteramtsausbildung (2002) davon, dass sechzig bis
achtzig Prozent der jungen Ordensanwärter ungelöste
sexuelle Konflikte in den Beruf tragen.[xiv]

—————————————

Quellen:

[i] Rossetti/Müller 1996, 14, 15

[ii] Rossetti/Müller 1996, 28, 75, 76

[iii] Müller 2010, 47, 48

[iv] Schreiben + Anlage von Wunibald Müller an den Autor v.


19.12.2002

[v] “Die Kirche gerät ins Fegefeuer“ in: „Zürichsee-Zeitungen“ v.


23.3.2002

[vi] „Da hilft kein Beten“ in: „Max 9/2002“


[vii] vgl. Expertise: „Sexualisierte Gewalt gegen Kinder in
Institutionen – Nationaler und Internationaler
Forschungsstand“ v. Dr. Claudia Bundschuh (Deutsches
Jugendinstitut, München), o.D., S. 41 (http://beauftragte-
missbrauch.de/file.php/95/Expertise_Bundschuh.pdf)/Zugriff:
05.05.2011

[viii] Müller 2010,  85

[ix] Rossetti/Müller 1996, 22, 23, 24

[x] „Das Schweigen bricht“ in: „Zollernalb-Kurier“ v. 13.4.2002

[xi] Schreiben + Anlage von Wunibald Müller an den Autor v.


19.12.2002

[xii] „Brief an die 27 deutschen Bischöfe und an den


Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz“ v.31.7.02
(Internet:
www.kirchenvolksbewegung.de/wsk/aktuell/20020823-mw3-
brief.htm (Zugriff: 2.11.2002))

[xiii] Internet: www.bistum-augsburg.de/aktuelles/02-
08/paedophilie.htm (Zugriff: 2.11.2002)

[xiv] „Da hilft kein Beten“ in: „Max 9/2002“


Guido Grandt – Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog
des Autors www.guidograndt.de