Fue Datenreport 2013 Analysen Und Vergleiche
Fue Datenreport 2013 Analysen Und Vergleiche
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Andreas Kladroba
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
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Analysen und
Vergleiche
Die Statistik zu Forschung und Entwicklung im Wirtschaftssektor wird gefördert mit Mitteln
des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft
Herausgeber Bezug durch
Wissenschaftsstatistik GmbH Wissenschaftsstatistik GmbH
im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
Essen, 2013 Postfach 16 44 60, 45224 Essen
ISSN 0720-2776
Verantwortlich für den Herausgeber
Andreas Kladroba Rückfragen
Gero Stenke Wissenschaftsstatistik GmbH
Telefon (02 01) 84 01-4 00, Telefax (02 01) 84 01-4 31
E-Mail: wissenschaftsstatistik@stifterverband.de
FuE-Datenreport
2013
Analysen und Vergleiche
Wissenschaftsstatistik
Forschung und Entwicklung in der Wirtschaft
Bericht über die FuE-Erhebung 2011
Thomas May
Wissenschaftsrat, Köln
Dieter Sarreither
Statistisches Bundesamt, Wiesbaden
Günther Schmitz,
Deutsches Patent- und Markenamt, München
Die Wissenschaftsstatistik GmbH ist eine Dienstleistung des Stifterverbandes für die
Deutsche Wissenschaft. Sie erfasst durch regelmäßige Erhebungen bei Unternehmen
und Institutionen für Gemeinschaftsforschung die Leistungen, die für Forschung und
Entwicklung, Wissenschaft und Innovation erbracht werden.
2
Inhalt
Seite
Verzeichnis der Abbildungen 4
Verzeichnis der Tabellen 5
Abkürzungen und Zeichenerklärung 6
3
Verzeichnis der Abbildungen
Seite
Abb. 2.1 Interne FuE-Aufwendungen der Wirtschaft nach ausgewählten Bundesländern und 23
Wirtschaftszweigen 2011
Abb. 3.1 Bruttoinlandsaufwendungen für FuE in absoluten Zahlen 1995 bis 2011, ausgewählte Länder, 25
nach Kaufkraftparitäten gewichtet
Abb. 3.2 FuE-Aufwendungen als Anteil am BIP 2000 bis 2011, Deutschland im Vergleich zu 26
ausgewählten Ländern
Abb. 3.3 FuE-Aufwendungen als Anteil am BIP 2011, Deutschland im Vergleich zu Europa 27
Abb. 3.4 Die 27 forschungsintensivsten Unternehmen weltweit im Jahr 2010 28
Abb. 3.5 Beitrag des Staates zur Finanzierung von FuE in der Wirtschaft 2000 bis 2011, Deutschland 29
im Vergleich zu ausgewählten Ländern
Abb. 3.6 Beitrag der Wirtschaft zur Finanzierung von FuE in öffentlichen Einrichtungen 2000 bis 2011, 31
Deutschland im Vergleich zu ausgewählten Ländern
Abb. 4.1 Interne FuE-Aufwendungen ausländischer Unternehmen in Deutschland 2011, nach 35
Herkunftsland
Abb. 4.2 Branchenstruktur deutscher und ausländischer Unternehmen in Deutschland 2011, 36
in Anteilen an den jeweiligen internen FuE-Aufwendungen
Abb. 4.3 Branchenstruktur der globalen FuE-Aufwendungen 2011 37
Abb. 5.1 FuE-Kooperation (ja/nein) der Unternehmen in den Jahren 2009 bis 2011, insgesamt und 40
differenziert nach Branchen
Abb. 5.2 FuE-Kooperation (ja/nein) der Unternehmen in den Jahren 2009 bis 2011, nach Größenklassen 41
Abb. 5.3 Durchschnittliche Anzahl der FuE-Kooperationen mit Unternehmen 2009 bis 2011 (davon: 41
mit KMU und Unternehmen der eigenen Unternehmensgruppe), nach Größenklasse
Abb. 5.4 Durchschnittliche Anzahl der FuE-Kooperationen mit Hochschulen (davon: Fachhoch- 42
schulen) und außeruniversitären FuE-Einrichtungen 2009 bis 2011, nach Größenklasse
Abb. 5.5 Gute und sehr gute Kooperationen mit Unternehmen aus Perspektive der Hochschulen 43
Abb. 5.6 Anteil von Unternehmen mit strategischen Beziehungen zu außeruniversitären 44
Forschungseinrichtungen zur Unterstützung ihrer Innovationsaktivitäten, nach Ländern
Abb. 5.7 Anteil von Unternehmen mit strategischen Beziehungen zu Hochschulen zur 45
Unterstützung ihrer Innovationsaktivitäten, nach Ländern
Abb. 5.8 Co-Publikationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft 2009, 45
(Anzahl)2/Gesamtbevölkerung und Veränderung im Vergleich zum Vorjahr
Abb. 7.1 Anzahl der Unternehmen und Beschäftigten in der IKT-Branche 2010 54
Abb. 7.2 Bruttowertschöpfung in der IKT-Branche 2010 54
Abb. 7.3 Umsatz der IKT-Branche in Deutschland 1998 bis 2013 55
4
Verzeichnis der Tabellen
Seite
Tabelle 1.1 Interne und externe FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 1991 bis 2011 8
Tabelle 1.2 FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2008 bis 2013 nach der Wirtschaftsgliederung 9
Tabelle 1.3 FuE-Personal im Wirtschaftssektor 1991 bis 2011 im Verhältnis zur Erwerbstätigenzahl 10
Tabelle 1.4 FuE-Personal im Wirtschaftssektor 2008 bis 2011 11
Tabelle 1.5 FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors nach Herkunft der Mittel 2011 12
und nach der Wirtschaftsgliederung
Tabelle 1.5a Auslandsfinanzierung der FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2011 13
nach der Wirtschaftsgliederung
Tabelle 1.6 Interne FuE-Aufwendungen im Wirtschaftssektor 2001 bis 2011 nach Aufwendungen für 14
Grundlagenforschung, angewandte Forschung sowie experimentelle Entwicklung
Tabelle 1.7 Interne FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2001 bis 2011 nach Einsatz der Mittel 15
Tabelle 1.8 Externe FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2001 bis 2011 nach Auftragnehmern 15
Tabelle 1.9 Externe FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2011 nach Auftragnehmern und 16
nach der Wirtschaftsgliederung
Tabelle 1.10 FuE-Personal im Wirtschaftssektor 1991 bis 2011 17
Tabelle 1.11 FuE-Personal im Wirtschaftssektor 2001 bis 2011 nach Personalgruppen 17
Tabelle 1.12 FuE-Personal im Wirtschaftssektor nach Personalgruppen und Geschlecht 2011 18
Tabelle 1.13 Anteil der Frauen in den Personalgruppen des FuE-Personals im Wirtschaftssektor 18
Tabelle 2.1 Regionale FuE-Kennzahlen des Wirtschaftssektors in Deutschland 2001, 2005, 2009, 1011 21
Tabelle 4.1 Interne FuE-Aufwendungen 2005 bis 2011 der Unternehmen in Deutschland nach 34
Konzernsitz des Endeigentümers
Tabelle 4.2 FuE-Aufwendungen 2011 deutscher Unternehmensgruppen nach Inlands- und 37
Auslands-FuE nach der Wirtschaftsgliederung
Tabelle 4.3 Interne FuE-Aufwendungen in Deutschland und weltweite FuE-Aufwendungen 38
deutscher Konzerne 2005 bis 2011
Tabelle 5.1 Multivariate Analyse: Zusammenhang Kooperation = ja, marginale Effekte, Probit 42
Regression
Tabelle 6.1 Entwicklungs- und Nutzungsdauer nach Unternehmensgrößenklassen 50
Tabelle 6.2 Entwicklungs- und Nutzungsdauer nach Branchen 51
Tabelle 7.1 Interne und externe FuE-Aufwendungen 2011 im IKT-Sektor 56
Tabelle 7.2 Finanzierung der internen FuE-Aufwendungen im IKT-Sektor 57
Tabelle 7.3 Externe FuE-Aufwendungen nach Empfänger 58
Tabelle 7.4 FuE-Personal im IKT-Sektor nach Personalgruppen und Geschlecht 59
5
Abkürzungen und Zeichenerklärung
Allgemeine Abkürzungen
AiF Arbeitsgemeinschaft industrieller NACE Allgemeine Systematik der Wirtschafts-
Forschungsvereinigungen zweige in der Europäischen Union
aLd alte Länder nLd+Bln neue Länder und Berlin
Aufw. Aufwendungen OECD Organization for Economic
Besch. Beschäftigte Co-operation and Development
(Organisation für wirtschaftliche
BMBF Bundesministerium für Bildung und
Zusammenarbeit und Entwicklung)
Forschung
StBA Statistisches Bundesamt
BMWi Bundesministerium für Wirtschaft und
Technologie SV Stifterverband für die Deutsche
Wissenschaft
chem. chemische
SV WiStat Stifterverband Wissenschaftsstatistik
FuE Forschung und experimentelle
Entwicklung Tsd. Tausend
Zeichenerklärungen
• kein Nachweis verfügbar
– nichts vorhanden
> größer
< kleiner
0 mehr als nichts, aber weniger als die Hälfte der kleinsten Einheit, die in der Tabelle
zur Darstellung gebracht werden kann
• a) aus Gründen der Vertraulichkeit nicht ausgewiesen, aber in der Gesamtsumme enthalten
X Nachweis ist nicht sinnvoll bzw. Fragestellung trifft nicht zu
() Schätzung unter dem Vorbehalt, dass das Ergebnis erhebliche Fehler aufweisen kann
Abweichungen in Summen, Prozent- und Verhältniszahlen ergeben sich durch Runden der Zahlen
6
Forschung und Entwicklung
1
im Wirtschaftssektor 2011
von Andreas Kladroba
Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und Raum beschränkt blieb. So stieg die Schuldenquote der
2009, teilweise Überwindung des Krisentiefpunktes im USA in dem genannten Zeitraum von 68 % auf 103 %
Folgejahr, erneute Flaute durch die Staatsschuldenkrise. und bewegte sich damit ungefähr im Rahmen von
Dies war die Situation der vergangenen Jahre. Portugal.
• Auch das Defizit-Ziel der öffentlichen Haushalte (zu-
Wie haben sich die Unternehmen in dieser S ituation lässig sind 3 %) rückte verstärkt in den Blickpunkt.
bezüglich Forschung und Entwicklung verhalten? Allerdings befanden sich im Jahr 2011 die meisten
Der vorliegende Datenreport berichtet über die FuE- Staaten bereits wieder auf dem Weg der Besserung.
Erhebung 2011. Wie war die Entwicklung im Vergleich Griechenland und Spanien konnten ihre Defizite mo-
zu den Vorjahren? Welche Strukturen sind zu erkennen? derat, Portugal und Irland sogar beträchtlich abbau-
Haben sich die Strukturen verändert? Die FuE-Erhebung en. Italien musste erfahren, dass man auch in negative
bietet – eingebettet in internationale Vereinbarungen – Schlagzeilen geraten kann, wenn man mit 3,9 % das
eine Vielzahl von Variablen und Informationen zum Maastricht-Ziel weitaus knapper verfehlt als einige an-
Forschungsgeschehen im deutschen Wirtschaftssektor, dere, eher weniger „verdächtige“ Länder.
deren Auffälligkeiten und Besonderheiten in den fol- • Politisch hat die Krise allerdings tatsächlich einige
genden Kapiteln diskutiert werden sollen. Eine ausführ „Erdbeben“ ausgelöst. In nicht weniger als sieben Eu-
liche Darstellung des Zahlenmaterials findet der Leser ro-Staaten kam es 2011 zu Rücktritten oder vorzeitigen
im D atenreport 2012 – Tabellen und Daten, der über Ablösungen der amtierenden Regierungschefs.
die Homepage des Stifterverbandes heruntergeladen wer-
den kann.1 In dieser Besorgnis erregenden Nachrichtenlage schien
Deutschland eine Art „Fels in der Brandung“ zu sein, was
1.1 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen die wichtigsten wirtschaftlichen Daten auch durchaus be-
Die tägliche Nachrichtenlage des Jahres 2011 erschien in stätigen:
Europa ganz im Licht der Schuldenkrise. Die Meldungen • Das BIP ist nominal mit 3,9 % (real 3,0 % nach 4,2 %
lassen sich wie folgt zusammenfassen: im Vorjahr) deutlich gewachsen. Dazu beigetragen ha-
• Die Staatsschulden vieler Euro-Staaten eilten – so ben vor allem der private Konsum (+3,8 %) und die
zumindest die öffentliche Wahrnehmung – zu im- Bruttoanlageinvestitionen (+7,9 %). Dagegen ist der
mer neuen Rekordwerten. Im Verhältnis zum Brut- Außenbeitrag (Exporte minus Importe) sogar zurück-
toinlandsprodukt (BIP) stiegen die Staatsschul- gegangen, bleibt aber positiv.
den seit 2005 in Irland von 27 % auf 106 %2 und in • Die Arbeitslosenquote ist leicht zurückgegangen. Im
Griechenland von 101 % auf 170 %. Etwas vernach- Juni 2011 lag sie bei 6,9 % (im Juni 2010 bei 7,5 %).
lässigt wurde in diesem Zusammenhang die Tatsache, • Die Preise sind bereits seit 2009 deutlich gestiegen,
dass im „Schuldenstaat“ Italien die Quote von 105 % was bei einer guten konjunkturellen Gesamtlage nicht
auf 120 % recht moderat anstieg und in Zypern im ungewöhnlich ist. Der Verbraucherpreisindex lag im
Jahr 2011 sogar fast der gleiche Stand wie 2005 er- Juni 2011 2,1 % über dem Vorjahresmonat. Die Steige-
reicht wurde (ca. 70 %). Zu kurz kam in der Betrach- rungsraten betrugen im Juni 2010 nur 0,9 und im Juni
tung auch, dass dieses Phänomen nicht auf den Euro- 2009 sogar nur 0,1 %.
7
Tabelle 1.1: Interne und externe FuE-Aufwendungen des der FuE-Aufwendungen sogar bei 12,8 %. Damit fügt sich
Wirtschaftssektors 1991 bis 2011 die Entwicklung von FuE gut in das gesamtwirtschaftli-
che Bild in Deutschland ein, wie es im vorigen Kapitel
FuE-Aufwendungen
beschrieben wurde.
Interne Veränderung Externe Veränderung
zum Vorjahr zum Vorjahr
Jahr
Mio. € % Mio. € % Die Diskussionen im Rahmen der FuE-Erhebungen 2009
1 2 3 5 und 2010 waren geprägt von der Krise, die sich in den
1991 1) 26 246 • 2 937 • meisten Wirtschaftszahlen bereits im Jahr 2008 niederge-
1992 1) 26 566 1,2 3 361 14,4
schlagen hatte. Im Bereich FuE wurde sie aber erst 2009
1993 25 933 - 2,4 3 613 7,5
1994 25 910 - 0,1 3 872 7,2
durch die Rückgänge der internen FuE-Aufwendungen
1995 26 817 3,5 3 145 -18,8 um 1,7 % sichtbar.
1996 27 211 1,5 3 236 2,9
1997 28 909 6,2 4 508 39,3 Gesamtwirtschaftlich lag die deutsche Wirtschaft dann
1998 30 334 4,9 5 808 28,8 2010 bereits wieder über den Werten von 2008 und
1999 33 622 10,8 6 062 4,4 die Krise schien schon wieder überwunden zu sein. Ei-
2000 35 600 5,9 6 590 8,7
ne nähere Betrachtung einzelner Branchen aber zeigte,
2001 36 332 2,1 7 427 12,7
dass dies tatsächlich erst 2011 der Fall war. Während
2002 36 950 1,7 7 590 2,2
2003 38 029 2,9 8 493 11,9
die FuE-Aufwendungen bei wichtigen Branchen wie z. B.
2004 38 636 1,6 7 696 -9,4 dem KfZ-Bau oder der Elektrotechnik 2010 noch unter
2005 38 651 0,0 9 758 26,8 dem Vorkrisenniveau lagen, hatten sie erst 2011 dieses
2006 41 148 6,5 10 832 11,0 wieder überschritten.6
2007 43 035 4,6 10 412 -3,9
2008 46 073 7,1 11 231 7,9 Die Verteilung der internen FuE-Aufwendungen über
2009 45 275 - 1,7 11 204 -0,2
die Branchen ist bekannt und seit mehreren Jahren im
2010 46 929 3,7 10 863 -3,0
Prinzip unverändert. Den mit Abstand größten Anteil
2011 51 077 8,8 12 340 13,6
hat der KfZ-Bau mit knapp einem Drittel der internen
Die Werte vor 1999 wurden von DM in Euro (1 Euro = 1,95583 DM) umgerechnet FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors. Es folgen die
1) 1991: Früheres Bundesgebiet (ABL) = Erhebung der SV WiStat, Neue Länder
und Berlin-Ost (NBL) = Erhebung der SV WiStat sowie aufbereitete Daten Elektroindustrie7 (16 %), Maschinenbau (9,6 %), Pharma
von Treuhandanstalt, AIF-Ost, BMFT (8 %) und Chemie (6,5 %). Die Informations- und Kom-
1992: ABL = Schätzung aufgrund einer Erhebung der SV WiStat bei ausgewähl-
ten Unternehmen, NBL = Ergebnis aufgrund einer Erhebung der SV WiStat munikationstechnologie (5,9 %) und die unternehmens-
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik nahen Dienstleister8 (6,4 %) haben bereits seit einigen
Jahren an die „großen“ klassischen Industriebranchen
Anschluss gefunden.
neues Allzeithoch. Erst Ende des Jahres fiel er deutlich ab,
verharrte aber – vor allem verglichen mit dem Jahr 2009
– auf einem immer noch hohen Niveau. In diesem Zu- 3 Unter interner FuE sind die FuE-Leistungen zu verstehen, die ein
sammenhang sind dann auch die positiven Entwicklun- Unternehmen im eigenen Hause durchführt.
gen im Forschungsverhalten der Unternehmen, wie sie in 4 Forschungsaufträge an Hochschulen, staatliche Forschungseinrich-
den folgenden Kapiteln dargestellt werden, zu verstehen. tungen und andere Unternehmen (einschließlich anderer Unterneh-
men der eigenen Unternehmensgruppe), vgl. auch Kapitel 1.4.4.
1.2 FuE-Aufwendungen 5 Um Doppelzählungen zu vermeiden werden interne und externe
Die deutsche Wirtschaft hat im Jahr 2011 insgesamt FuE-Aufwendungen nicht addiert.
51.077 Mio. Euro für interne3 und 12.340 Mio. Euro für 6 Eine Ausnahme bildet der Luft- und Raumfahrzeugbau, dessen in
externe4 Forschung und Entwicklung ausgegeben.5 Dies terne FuE-Aufwendungen unter denen von 2008 liegen. Hier han-
waren bei den internen FuE-Aufwendungen 8,8 % und delt es sich aber nicht um eine Nachwirkung der Krise sondern
bei den externen FuE-Aufwendungen 13,6 % mehr als vielmehr um ein Ergebnis der besonderen Situation dieser Branche
2010. Verglichen mit dem Krisenjahr 2009, in dem die bezüglich FuE.
FuE-Aufwendungen der Unternehmen erstmals seit der 7 In der Abgrenzung der Branchen 26 und 27 der WZ 2008.
Wiedervereinigung zurückgingen, lag die Steigerungsrate 8 Branchenklassen 69-75 der WZ 2008
8
Tabelle 1.2: FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2008 bis 2013 nach der Wirtschaftsgliederung
FuE-Budget-
FuE-Aufwendungen
planung 2)
Wirtschaftsgliederung 1) 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Interne Externe Interne Externe Interne Externe Interne Externe Interne
Mio. €
A 01-03 Land- u. Forstwirtschaft und Fischerei 99 43 131 48 142 41 126 51 136 144
B 05-09 Bergbau u. Gewinnung v. Steinen u. Erden 28 6 13 6 12 6 10 4 14 10
C 10-33 Verarbeitendes Gewerbe 40 778 10 130 38 711 9 619 40 241 9 495 43 733 10 899 44 814 46 381
10-12 H.v. Nahrungs- u. Futtermitteln, Getränken u.Tabakerz. 275 24 318 26 329 26 308 27 292 300
13-15 H.v. Textilien, Bekleidung, Leder, Lederwaren. u. Schuhen 134 16 126 14 124 18 119 11 126 133
16-18 H.v. Holzwaren, Papier, Pappe und Druckerzeugnissen 182 9 176 15 208 17 183 25 183 185
19 Kokerei und Mineralölverarbeitung 88 1 93 3 89 3 94 4 98 99
20 H.v. chemischen Erzeugnissen 3 226 393 3 198 396 3 124 355 3 297 448 3 582 3 615
21 H.v. pharmazeutischen Erzeugnissen 3 414 1 251 3 896 1 200 3 737 1 075 4 070 1 220 4 261 4 538
22 H.v. Gummi- und Kunststoffwaren 885 36 847 40 833 41 943 47 932 982
23
H.v. Glas, Glaswaren, Keramik, Verarb. v. Steinen u. Erden 266 25 288 22 285 23 281 21 278 293
24 Metallerzeugung und -bearbeitung 398 55 495 74 493 69 516 70 528 543
25 H.v. Metallerzeugnissen 742 101 712 97 713 93 726 79 742 763
26 H.v. DV-Geräten, elektronischen u. opt. Erzeugnissen 6 475 1 714 5 815 999 5 995 1 012 6 563 1 085 6 714 7 035
27 H.v. elektrischen Ausrüstungen 1 495 181 1 333 122 1 345 125 1 602 175 1 683 1 767
28 Maschinenbau 4 671 408 4 499 445 4 597 470 4 902 577 5 093 5 031
29 H.v. Kraftwagen und Kraftwagenteilen 15 284 4 934 13 821 5 006 14 812 4 814 16 312 5 887 16 661 17 573
30 Sonstiger Fahrzeugbau 2 333 734 2 056 936 2 514 1 134 2 602 939 2 379 2 204
30.3 Luft- und Raumfahrzeugbau 2 048 723 1 907 912 2 326 1 105 2 304 899 2 106 1 951
31-33 Sonst. H. v. Waren, Rep. u. Inst. von Masch. u. Ausrüst. 909 248 1 039 221 1 044 221 1 214 285 1 261 1 321
D,E 35-39 Energie- und Wasservers., Abwasser- und Abfallents. 129 81 216 73 196 74 197 80 197 195
F 41-43 Baugewerbe/Bau 56 8 69 11 77 13 66 14 65 64
J 58-63 Information und Kommunikation 1 916 282 2 564 702 2 652 520 2 990 507 3 103 3 308
K 64-66 Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 220 25 335 35 233 31 261 43 275 270
M 69-75 Freiberufliche, wissenschaftl. u. techn. Dienstleistungen 2 411 430 2 921 569 3 035 540 3 262 588 3 093 3 290
71
Architektur-, Ing.büros; techn., phys., chem. Untersuchung 912 119 1 094 113 1 130 128 1 296 124 1 227 1 313
72 Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung 1 473 308 1 596 376 1 666 329 1 711 384 1 624 1 718
IFG Institutionen für Gemeinschaftsforschung 276 152 292 175 292 175 273 183 264 262
G-I,L,N-U Restliche Abschnitte 438 226 313 142 342 141 432 155 387 408
Insgesamt 46 073 11 231 45 275 11 204 46 929 10 863 51 077 12 340 52 085 54 071
II. Nach Beschäftigungsgrößenklassen
unter 250 Beschäftigte 4 765 803 4 986 851 5 146 833 5 615 851 5 655 5 880
250 bis 499 Beschäftigte 2 384 310 2 342 282 2 408 296 2 670 355 2 733 2 818
500 und mehr Beschäftigte 38 924 10 117 37 946 10 072 39 375 9 734 42 792 11 134 43 697 45 373
Insgesamt 46 073 11 231 45 275 11 204 46 929 10 863 51 077 12 340 52 085 54 071
1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 (WZ 2008) Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Juni 2013
2) Plandaten aus der Erhebung 2011
Aus Branchensicht waren vor allem IKT, KfZ-Bau und scheidet. Die Aufwendungen in FuE sind hier zwar
Elektroindustrie mit Steigerungsraten von z. T. deutlich verhältnismäßig hoch, allerdings ist die Zahl der Unter-
über 10 % treibende Kräfte. Knapp überdurchschnittlich nehmen, die dahinterstehen, relativ gering. Daher wirkt
mit 8,9 % schnitt auch die Pharmaindustrie ab. sich die Entwicklung einzelner Unternehmen auf den
Branchendurchschnitt sehr viel stärker aus als in ande-
Ein Rückgang bei den forschungsstarken Branchen ist ren Branchen.
nur im Luft- und Rumfahrzeugbau zu verzeichnen,
wobei sich diese Branche strukturell deutlich von den Weitere Rückgänge gab es sonst nur bei einigen (ge-
anderen forschungsstarken Industriebranchen unter- messen an der Höhe der FuE-Aufwendungen) kleineren
9
ranchen. Hier gilt zum Teil Ähnliches wie bei der Luft-
B Rückgänge moderater ausfielen. Eine Erklärung dafür
und Raumfahrt, z. T. werden aber auch längerfristige könnte darin liegen, dass es sich bei den Arbeitsplätzen
Trends wie z. B. im Bergbau fortgesetzt. in FuE fast ausschließlich um qualifizierte bzw. sogar
hochqualifizierte Tätigkeiten handelt. Ein Niedriglohn-
1.3 FuE-Personal segment, das gesamtwirtschaftlich in den vergangenen
Die positive Entwicklung in FuE zeigt sich nicht nur in Jahren immer wieder für Negativschlagzeilen gesorgt
den internen FuE-Aufwendungen sondern auch beim hat, dürfte an dieser Stelle also keine Auswirkungen ha-
FuE-Personal. Mit 357.129 Vollzeitäquivalenten (FTE = ben. Darüber hinaus ist bei hochqualifizierten Tätigkei-
Full Time Equivalent) arbeiteten nicht nur so viele Per- ten das Bestreben der Unternehmen, die Beschäftigten an
sonen in FuE wie nie zuvor, sondern mit 5,9 % war auch sich zu binden, erfahrungsgemäß höher als bei Gering-
die Steigerungsrate gegenüber dem Vorjahr die höchste qualifizierten.
der letzten zehn Jahre.
1.4 FuE-Strukturen
Im mittelfristigen Vergleich fällt auf, dass die Zahl der Neben den absoluten Zahlen zu den Kernindikatoren
FuE-Beschäftigten seit 2004 stetig steigt (mit Ausnahme FuE-Aufwendungen und FuE-Personal erfragt die FuE-
des Krisenjahres 2009, in dem die Zahl der FuE-Beschäf- Erhebung auch die Strukturen in Forschung und Ent-
tigten quasi konstant geblieben ist), nachdem es in der wicklung. Hier stehen vor allem die Finanzierung mit der
Zeit nach der Wiedervereinigung eher Schwankungen politisch wichtigen Frage der FuE-Förderung von Seiten
um einen verhältnismäßig konstanten Mittelwert gege- des Staates, die Art der Forschung, die sich grundlegend
ben hat. z. B. von Hochschulen unterscheidet, und die Verwen-
dung der Mittel für Personal- und Sachkosten sowie FuE-
Vergleicht man diese Bewegung mit der Gesamtzahl der Investitionen im Mittelpunkt.
Erwerbstätigen gemäß den Angaben des Statistischen
Bundesamtes, stellt man fest, dass das FuE-Personal Bei den externen FuE-Aufwendungen interessiert vor al-
ein recht gutes Spiegelbild darstellt. Die Entwicklung lem die Frage nach den Mittelempfängern. Bei der Betrach-
von FuE-Beschäftigten und Erwerbstätigen verlief zu- tung des FuE-Personals stellt sich neben der Gender- auch
mindest seit 2001 recht parallel. Man sieht aber auch, die Frage nach den Personalgruppen und damit letztlich
dass die Entwicklung des FuE-Personals immer etwas auch nach der Qualifikation der FuE-Beschäftigten.
günstiger ausfiel als bei der Gesamtzahl der Erwerbstä-
tigen. Das heißt, dass Steigerungsraten höher waren und 1.4.1 Finanzierung
Wie viel FuE die Unternehmen betreiben, ist eine zen
Tabelle 1.3: FuE-Personal im Wirtschaftssektor 1991 bis 2011 trale Fragestellung der FuE-Erhebung. Sie wird gemes-
im Verhältnis zur Erwerbstätigenzahl sen in FuE-Aufwendungen und FuE-Personal und wurde
in den Kapiteln 1.2 und 1.3 bereits angesprochen. Eine
FuE-Personal 1)
der darüber hinausgehenden Fragen ist, wie viel die Un-
Insgesamt je 10 000 der Erwerbs-
Jahr tätigen in Deutschland ternehmen insgesamt für FuE ausgeben, denn die in den
Anzahl Unternehmen durchgeführte FuE wird nicht komplett
1 2 aus unternehmenseigenen Mitteln finanziert.
1991 321 756 25
1993 293 774 28
So kommen zu den internen FuE-Aufwendungen noch
1995 283 316 29
1997 286 270 29
Forschungsaufträge (= externe FuE) hinzu, deren Emp-
1999 306 693 27 fänger andere Unternehmen (fremde und andere Un-
2001 307 257 27 ternehmen der gleichen Unternehmensgruppe), Hoch
2003 298 072 28 schulen oder staatliche Forschungsinstitute sein können
2005 304 502 27 (vgl. Kapitel 1.4.4). Neben der Frage der Durchführung
2007 321 853 26 steht also die Frage der Finanzierung von FuE. Für das
2009 332 491 25
einzelne Unternehmen besteht die von ihm finanzierte
2011 357 129 23
FuE aus den internen und/oder den externen FuE-Auf
1) Vollzeitäquivalente Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, StBA wendungen.
10
Diese Sichtweise kann allerdings nicht auf den Wirt- Die Verteilungen auf die Branchen ist der der internen
schaftssektor übertragen werden, da gut 60 % der exter- FuE-Aufwendungen recht ähnlich, weil diese auch in der
nen FuE-Aufwendungen im Wirtschaftssektor verblei- Fassung der Tabelle 1.5 dominierend sind.
ben und damit wieder interne FuE-Aufwendungen für
andere Unternehmen sind. Bei einer einfachen Addition Tabelle 1.5 zeigt, dass FuE der Wirtschaft zu über 90 %
von internen und externen FuE-Aufwendungen käme es auch von der Wirtschaft selbst finanziert wird. Nur 4,4 %
also zu Doppelzählungen. Daher enthalten die Tabellen kommen vom Staat, weitere 4,5 % aus dem Ausland.
1.5 und 1.5a die internen FuE-Aufwendungen und den Hochschulen und PNP („Private Non Profit“) spielen
Teil der externen FuE-Aufwendungen, der außerhalb bei der Finanzierung der FuE der Wirtschaft keine Rolle.
des Wirtschaftssektors fließt. Man kann also sagen, dass Dabei gibt es auf der Branchenebene einige interessante
gem. Tabelle 1.5 die Wirtschaft im Jahr 2011 FuE in der Unterschiede: So werden beispielsweise die Branchen
Größenordnung von 55.866 Mio. Euro finanziert hat. Luft- und Raumfahrt mit 22,5 % der FuE-Aufwendungen
FuE-Personal
Wirtschaftsgliederung 1)
Größenklassen 2008 2009 2010 2011
Vollzeitäquivalente
A 01-03 Land- u. Forstwirtschaft und Fischerei 1 180 1 345 1 382 1 189
B 05-09 Bergbau u. Gewinnung v. Steinen u. Erden 182 136 138 109
C 10-33 Verarbeitendes Gewerbe 289 343 274 747 279 422 293 448
10-12 H.v. Nahrungs- u. Futtermitteln, Getränken u.Tabakerz. 2 491 2 514 2 608 2 533
13-15 H.v. Textilien, Bekleidung, Leder, Lederwaren. u. Schuhen 1 324 1 320 1 369 1 334
16-18 H.v. Holzwaren, Papier, Pappe und Druckerzeugnissen 1 499 1 647 1 798 1 670
19 Kokerei und Mineralölverarbeitung 319 353 398 390
20 H.v. chemischen Erzeugnissen 23 014 21 660 22 123 22 099
21 H.v. pharmazeutischen Erzeugnissen 18 735 18 927 19 341 20 386
22 H.v. Gummi- und Kunststoffwaren 8 042 7 697 7 453 7 858
23
H.v. Glas, Glaswaren, Keramik, Verarb. v. Steinen u. Erden 2 182 2 292 2 251 2 519
24 Metallerzeugung und -bearbeitung 3 168 4 103 4 356 4 122
25 H.v. Metallerzeugnissen 7 278 6 809 7 104 7 281
26 H.v. DV-Geräten, elektronischen u. opt. Erzeugnissen 54 703 49 963 51 296 54 647
27 H.v. elektrischen Ausrüstungen 14 191 13 095 13 361 15 203
28 Maschinenbau 40 644 37 874 37 993 40 463
29 H.v. Kraftwagen und Kraftwagenteilen 90 755 87 966 88 221 90 829
30 Sonstiger Fahrzeugbau 12 271 11 124 12 059 13 832
30.3 Luft- und Raumfahrzeugbau 10 112 9 752 10 522 11 638
31-33 Sonst. H. v. Waren, Rep. u. Inst. von Masch. u. Ausrüst. 8 728 7 403 7 693 8 282
D,E 35-39 Energie- und Wasservers., Abwasser- und Abfallents. 653 855 845 1 014
F 41-43 Baugewerbe/Bau 640 761 819 836
J 58-63 Information und Kommunikation 15 470 22 089 22 825 24 810
K 64-66 Finanz- und Versicherungsdienstleistungen 1 468 1 899 1 554 1 536
M 69-75 Freiberufliche, wissenschaftl. u. techn. Dienstleistungen 20 882 27 487 26 920 29 798
71
Architektur-, Ing.büros; techn., phys., chem. Untersuchung 7 283 11 000 10 507 11 874
72 Wissenschaftliche Forschung und Entwicklung 13 366 14 945 14 970 16 058
IFG Institutionen für Gemeinschaftsforschung 3 374 3 642 3 642 3 383
G-I,L,N-U Restliche Abschnitte 3 091 3 170 3 307 4 388
Insgesamt 332 909 332 491 337 211 357 129
unter 250 Beschäftigte 53 334 55 929 57 355 63 431
250 bis 499 Beschäftigte 22 683 21 800 22 550 24 935
500 und mehr Beschäftigte 256 892 254 761 257 306 268 763
Insgesamt 332 909 332 491 337 211 357 129
1) Klassifikation der Wirtschaftszweige, Ausgabe 2008 Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik, Juni 2013
Rundungsabweichungen
11
oder Herstellung von Metallerzeugnissen (11,1 %) über- abelle 1.5.a). Neben dem gesonderten Ausweis von EU-
T
durchschnittlich stark vom Staat unterstützt. Subventionen, wie es ihn bisher auch schon gab, sind
nun Finanzierungen darzustellen, die von ausländischen
In anderen Branchen wird FuE vor allem aus dem Aus- verbundenen Unternehmen und fremden Unternehmen
land finanziert. Dies ist beispielsweise in der Branche sowie „sonstigen internationalen Organisationen“ (ge-
„Kokerei und Mineralölverarbeitung“ der Fall, da sie meint sind hier alle Organisationen außer der EU) stam-
von britischen und amerikanischen Mineralölkonzernen men. Die Rubrik „sonstiges Ausland“ ist somit anders
dominiert wird. Aber auch ein überdurchschnittlicher abgegrenzt als in der Vergangenheit.
Anteil an EU-Subventionen spiegelt sich hier wieder.
Insgesamt stammen 61,7 % aller vom Ausland finanzier-
Mit der Erhebung 2011 sieht die EU-Verordnung (EG) ten FuE-Aufwendungen von verbundenen Unternehmen.
995/2012 erstmalig eine feinere Untergliederung der Der zweitgrößte Geldgeber ist mit 24 % die EU. Nur zu
vom Ausland finanzierten FuE-Aufwendungen vor (vgl. 5,4 % ergeben sich FuE-Gelder aus dem Ausland aus
Tabelle 1.5: FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors nach Herkunft der Mittel 2011 und nach der Wirtschaftsgliederung
FuE-Aufwendungen 1)
davon finanziert
insgesamt vom Wirtschafts- von sonstigen
Wirtschaftsgliederung sektor vom Staat Inländern vom Ausland
1) Interne FuE-Aufwendungen und externe FuE-Aufwendungen, die nicht im Wirtschaftssektor verbleiben Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Rundungsabweichungen
12
Tabelle 1.5a: Auslandsfinanzierung der FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2011 nach der Wirtschaftsgliederung
FuE-Aufwendungen 1)
darunter finanziert
davon
insgesamt
Wirtschaftsgliederung vom Ausland verbundene andere aus sonst. internat.
Unternehmen Unternehmen EU-Förderprogr. Organisationen sonst. Ausland
1) Interne FuE-Aufwendungen und externe FuE-Aufwendungen, die nicht im Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Wirtschaftssektor verbleiben
Rundungsabweichungen
13
ufträgen von fremden Unternehmen. Die sonstigen in-
A Tabelle 1.6: Interne FuE-Aufwendungen im Wirtschafts-
ternationalen Organisationen spielen keine Rolle. sektor 2001 bis 2011 nach Aufwendungen für Grundlagen-
forschung, angewandte Forschung sowie experimentelle
Auch hier gibt es wieder einige Besonderheiten in den Entwicklung
Branchen. So ist die Glasindustrie stark mit fremden
Interne FuE-Aufwendungen
Unternehmen verbunden. Hier ist zu vermuten, dass die
davon
Glashersteller in hohem Maße als Zulieferer für andere Insgesamt Grundlagen- angewandte experimentelle
Jahr
Industrien tätig sind und dafür auch die Forschung über- forschung Forschung Entwicklung
nehmen. Ähnliches gilt sicher auch für die Hersteller von Mio. € % von insgesamt
1 2 3 4
elektrischen Ausrüstungen.
I. Unternehmen
2001 35 969 4,7 51,0 44,3
EU-Subventionen prägen vor allem die Auslandsfinanzie- 2003 37 743 4,6 51,5 43,9
rung von Luft- und Raumfahrzeugbau (93 % aller Aus- 2005 38 345 5,0 48,7 46,3
landsgelder), Energie- und Wasserversorgung (71,7 %) 2007 42 759 5,0 48,5 46,6
und Gummi- und Kunststoffwaren (62,4 %). Allerdings 2009 45 275 5,4 48,4 46,2
spielt bei den beiden letztgenannten die Auslandsfinan- 2011 51 077 4,9 50,1 45,0
zierung aufgrund des geringen Betrages quasi keine Rol-
Rundungsabweichungen
le, so dass die hohen Anteile von EU-Subventionen an Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
dieser Stelle zu einer verzerrten Wahrnehmung führen.
Eine enge internationale Konzernverflechtung zeigt sich
bei der Informations- und Kommunikationstechnik, in konstant bei 5 %. Auch das Jahr 2011 macht mit 4,9 %
der Landwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie und im keine Ausnahme.
Bergbau. Hier stammen 90 % bis 95 % der FuE-Mittel aus
dem Ausland von verbundenen Unternehmen. An dieser Stelle soll eine Aussage des FuE-Datenreports
2012 aufgegriffen werden,11 die versuchte, ein modera
Insgesamt zeigt sich, dass die FuE-Aktivitäten des tes Ansteigen des Anteils der Grundlagenforschung im
Wirtschaftssektors sehr stark finanziell in deren eige- Jahr 2009 auf 5,4 % zu erklären. Es wurde die Vermu-
nen H änden liegen. Der Staat hat verhältnismäßig we- tung geäußert, dass die Krise eine der Ursachen sein
nig Einfluss. Im Gegenteil ist der Anteil der staatlichen könnte. Hintergrund könnten freie Forschungskapazi-
Finanzierung im Laufe der Jahre sogar zugunsten der täten in der Krise gewesen sein, die die Unternehmen
Eigenfinanzierung der Wirtschaft und der Finanzierung veranlasst haben könnten, verstärkt in Grundlagenfor-
durch das Ausland zurückgegangen. Lag der Anteil des schung zu investieren. Der Rückgang des Anteils der
Staates im Jahr 1991 noch bei über 10 %, ist er aktuell auf Grundlagenforschung nach Überwindung der Krise
4,4 % zurückgegangen.9 Inwiefern alternative Förder- quasi auf den „alten“ Wert der Jahre 2005 und 2007
instrumente wie z. B. eine steuerliche Förderung daran von fast 5 % widerspricht dieser dort geäußerten Ver-
etwas ändern könnten, wäre vor diesem Hintergrund zu mutung zumindest nicht, sondern scheint sie eher noch
diskutieren. zu unterstreichen.
14
Tabelle 1.7: Interne FuE-Aufwendungen des Wirtschafts Eine strukturelle Entwicklung der Kostenarten ist al-
sektors 2001 bis 2011 nach Einsatz der Mittel lenfalls im langfristigen Vergleich festzustellen: Seit der
Wiedervereinigung ist der Anteil der FuE-Investitionen
Interne FuE-Aufwendungen in Mrd. €
Mitteleinsatz von 9,7 % (1991) über 8,2 % (2001) auf 7,7 % (2011) zu-
2001 2003 2005 2007 2009 2011
Personalaufwendungen 21,28 22,31 23,53 25,62 27,23 30,42
rückgegangen.12 Dagegen ist der Anteil der Personalkos-
Sachaufwendungen 12,09 12,50 11,97 14,05 14,69 16,71 ten von 58,0 % (1991) auf 59,6 % (2011) gestiegen. Der
Investitionen 2,96 3,22 3,15 3,37 3,35 3,94 Anteil der Sachkosten lag sowohl 1991 als auch 2011
Insgesamt 36,33 38,03 38,65 43,03 45,27 51,08 bei 32,7 %, wobei die zwischenzeitlichen Schwankungen
Rundungsabweichungen Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik unter 0,5 Prozentpunkte lagen.
Tabelle 1.8: Externe FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2001 bis 2011 nach Auftragnehmern
Externe FuE-Aufwendungen
davon an
Staatliche
sonstige
Jahr Insgesamt Wirtschaftssektor Hochschulinstitute Forschungs- Ausland
Inländer
einrichtungen
Mio. € % von insgesamt
1 2 3 4 5 6
2001 7 427 71,0 7,7 4,0 0,9 16,4
2003 8 493 61,7 10,5 5,0 0,6 22,2
2005 9 758 59,2 11,3 10,1 0,9 18,5
2007 10 412 58,3 11,1 9,1 1,7 19,8
2009 11 204 61,1 9,7 8,1 1,5 19,7
2011 12 340 61,2 6,8 7,0 2,8 22,3
15
Planck-Gesellschaft, fremde Unternehmen, aber auch deren kann auf plötzlich auftretende Bedürfnisse verhält-
verbundene Unternehmen im In- und Ausland sein. nismäßig schnell reagiert werden, ohne dass eine eigene
FuE-Infrastruktur aufgebaut bzw. erweitert werden muss.
Im Jahr 2011 hat der Wirtschaftssektor insgesamt 12.340 So entstehen für das Unternehmen nach Beendigung der
Mio. Euro für externe FuE ausgegeben. Dies sind 10,1 % Forschungsaufgabe keine ungenutzten Leerkapazitäten,
mehr als 2009. Damit sind die externen FuE-Aufwendun- deren Abbau z. B. an den Anforderungen des Kündi-
gen weniger gestiegen als die internen (12,8 %). Eine im gungsschutzes scheitert. Externe FuE ist daher sicherlich
längeren Zeitablauf zu beobachtende stärkere Dynamik noch in bedeutend höherem Maße an einzelne Projekte
der externen Aufwendungen im Vergleich zu den inter- gebunden als interne FuE. Daraus resultieren auch die
nen lässt sich an zwei Punkten festmachen: starken Schwankungen in den Aufwendungen.
• Die Gesamtzunahme der externen FuE-Aufwendungen
seit 1991 ist deutlich größer als die der internen Auf- Wer sind nun aber die Empfänger externer FuE-Aufwen-
wendungen. Die externen Aufwendungen haben sich dungen? Das zunächst vielleicht erstaunliche Ergebnis
in zwanzig Jahren gut vervierfacht, während sich die einer längerfristigen Betrachtung ist, dass sich die Zu-
internen Aufwendungen nur verdoppelt haben. sammensetzung der Empfänger in den Jahren 1991 bis
• Die Volatilität der externen FuE-Aufwendungen ist 2011 kaum geändert hat. Es gab zwar zwischenzeitlich
deutlich größer als die der internen. Zum einen sind moderate Schwankungen, ein Trend ist darin aber auf
die externen FuE-Aufwendungen in den Jahren 1999 keinen Fall erkennbar.
bis 2011 siebenmal zurückgegangen, die internen Auf-
wendungen jedoch nur dreimal. Zum anderen erfah- Im Jahr 2011 sind 61,2 % (1991: 62,9 %) der externen
ren die externen Aufwendungen neunmal zweistellige FuE-Aufwendungen im inländischen Wirtschaftssektor
Veränderungsraten, was bei den internen Aufwendun- verblieben. Davon sind 42,2 % an verbundene Unterneh-
gen noch nie der Fall war. men der eigenen Unternehmensgruppe gegangen. Das
heißt, dass der größte Teil der externen FuE-Aufwendun-
Die Vergabe von Forschungsaufträgen hat für Unterneh- gen mit Empfängern im inländischen Wirtschaftssektor
men vor allem zwei Vorteile, anhand derer die genannte an fremde Unternehmen geflossen ist. Der Anteil der ex-
Entwicklung auch erklärbar ist. Zum einen können im ternen FuE-Aufwendungen an Hochschulen lag 2011 bei
Unternehmen nicht vorhandene Kompetenzen schnell 6,8 % (1991: 10,4 %) und war damit verglichen mit den
und unproblematisch zugeführt werden. Ein Aufbau Jahren 2003 bis 2007, wo jeweils über 10 % der externen
eigener Kompetenz ist somit nicht erforderlich. Zum an- FuE-Aufwendungen an Hochschulen geflossen waren,
Tabelle 1.9: Externe FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors 2011 nach Auftragnehmern und nach der Wirtschaftsgliederung
Externe FuE-Aufwendungen
davon Aufträge an
darunter darunter
Insgesamt den Wirtschafts-
Wirtschaftsgliederung verbundene das Ausland verbundene
sektor
Unternehmen/IfG Unternehmen
Tsd. €
1 2 3 4 5
C 10-33 Verarbeitendes Gewerbe 10 898 854 6 838 889 2 889 452 2 487 352 1 669 766
20 H.v. chemischen Erzeugnissen 448 228 154 491 114 109 265 297 250 976
21 H.v. pharmazeutischen Erzeugnissen 1 219 678 602 053 148 494 524 216 377 343
26 H.v. DV-Geräten, elektronischen u. opt. Erzeugnissen 1 084 532 523 783 124 788 85 809 60 122
27 H.v. elektrischen Ausrüstungen 174 995 92 040 25 063 19 278 9 443
28 Maschinenbau 576 621 445 846 92 304 94 879 31 642
29 H.v. Kraftwagen und Kraftwagenteilen 5 886 728 4 574 246 2 233 757 876 495 569 320
30 Sonstiger Fahrzeugbau 939 313 158 329 45 346 541 641 307 679
IfG Institutionen für Gemeinschaftsforschung 183 473 59 534 31 793 19 330 8 469
Insgesamt 12 340 013 7 551 016 3 184 636 2 746 308 1 826 418
16
verhältnismäßig niedrig. Die Quoten in den Jahren 1999 In der mittelfristigen Entwicklung sind dabei deutliche
und 2001 lagen in einer ähnlichen Größenordnung, so Fortschritte zu erkennen. Im Jahr 2001 lag der Anteil
dass auch hier nicht von einem neuen Phänomen gespro- der Frauen an den Forschern noch bei 22 % und hat sich
chen werden kann. gemessen in Prozentpunkten bis 2011 fast verdoppelt.
Der Anteil der FuE-Aufwendungen an staatliche For- Auch im internationalen Vergleich spielt Deutschland bei
schungsinstitute lag 2011 mit 7,0 % niedriger als in den den Hochschulen zwar keine Vorreiterrolle, steht aber
Vorjahren. Dennoch war der Anteil noch deutlich höher auch nicht schlecht da. In Spanien, Italien, Österreich
als Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre, so und Schweden liegt der Frauenanteil bei den Wissen-
dass auch hier eher mittelfristige Schwankungen als ein schaftlern an Hochschulen ungefähr bei 40 % und damit
längerfristiger Trend zum Ausdruck kommen. Wenn man nur leicht höher als in Deutschland.15 Umso auffälliger
von einer dauerhaften Entwicklung sprechen möchte, ist die Diskrepanz zum Wirtschaftssektor. Hier liegt der
kann man das höchstens im Fall der Auslands-FuE. Der
Anteil der externen FuE-Aufwendungen an das Ausland 14 Alle Angaben gem. Statistischem Bundesamt und EUROSTAT.
lag Anfang der 1990er Jahre bei 15 % bis 17 % und scheint 15 Ein ausführlicher Vergleich ist leider nicht möglich, weil die inter-
sich inzwischen bei einem Wert von ungefähr 20 % zu nationale FuE-Erhebung in diesem Punkt sehr lückenhaft ist.
etablieren.
Tabelle 1.10: FuE-Personal im Wirtschaftssektor 1991 bis 2011
1.4.5 FuE-Personal nach Geschlecht
In FuE beschäftigte Personen
„Forschung ist Männersache.“ Dieser hochprovokante
Vollzeitäquivalent
Satz ist, zumindest im Wirtschaftssektor, auch im Jahr Insgesamt aller in FuE
Jahr beschäftigten Personen
2011 immer noch Realität. Während die Hochschulen in
Anzahl
Sachen Gleichberechtigung in den letzten 10 Jahren deut-
1 2
liche Fortschritte gemacht haben, sind im Wirtschaftssek- 1991 367 037 321 756
tor seit 2001 kaum Veränderungen auszumachen. 1993 335 415 293 774
1995 321 137 283 316
Dazu einige Zahlen zum Vergleich: Bei den Hochschulen 1997 324 965 286 271
betrug der Anteil der Frauen am gesamten Forschungs- 1999 341 812 306 693
personal im Jahr 2011 knapp 42 % und bei den Wissen- 2001 342 977 307 257
2003 333 285 298 072
schaftlern gut ein Drittel.14 Erwartungsgemäß gab es
2005 341 833 304 503
zwischen den Wissenschaftsbereichen deutliche Unter-
2007 364 669 321 853
schiede. Während der Anteil der Frauen unter den Wis- 2009 383 559 332 491
senschaftlern in der Medizin bei über 50 % lag, betrug er 2011 410 682 357 129
in den Ingenieurwissenschaften nur 18 %. Die Geistes-
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
und Sozialwissenschaften lagen bei knapp 43 %.
FuE-Personal 1)
davon
Insgesamt
Jahr Wissenschaftler 2) Techniker sonst. FuE-Personal
Anzahl % Anzahl % Anzahl %
1 2 3 4 5 6 7
2001 307 257 157 836 51,4 74 144 24,1 75 277 24,5
2003 298 072 161 981 54,3 70 057 23,5 66 035 22,2
2005 304 503 166 874 54,8 76 256 25,0 61 372 20,2
2007 321 853 174 309 54,2 83 565 26,0 63 985 19,9
2009 332 491 183 214 55,1 88 003 26,5 61 281 18,4
2011 357 129 190 696 53,4 115 498 32,3 50 944 14,3
1) Vollzeitäquivalente Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
2) Einschließlich Führungskräfte der FuE-Verwaltung
17
Frauenanteil beim gesamten FuE-Personal bei 19,3 % und Tabelle 1.12: FuE-Personal im Wirtschaftssektor nach Perso-
bei wissenschaftlichem Personal sogar nur bei 13,9 %. nalgruppen und Geschlecht 2011
FuE-Personal (Vollzeitäqivalente)
Natürlich gibt es auch hier Unterschiede, die sich in ers-
Personalgruppe davon
ter Linie an den Branchen festmachen lassen. E inen ho- Insgesamt
Frauen Männer
hen Frauenanteil haben dort die Landwirtschaft (57,3 %), Wissenschaftler/innen 190 696 26 485 164 211
Textilindustrie (55,4 %), Pharmazie (49,2 %) und Nah- Techniker/innen 115 498 28 119 87 379
rungsmittelindustrie (44,7 %). Das andere E nde der Sonstiges FuE-Personal 50 994 14 292 36 652
Rangfolge nehmen die Branchen ein, in denen vorzugs- Insgesamt 357 129 68 896 288 232
weise Ingenieure eingesetzt werden, wie z. B. K fZ-Bau, Rundungsabweichungen Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Elektrotechnik, Maschinenbau und Luft- und Raumfahr-
zeugbau. Der Frauenanteil aller dieser Branchen liegt
bei unter 13 %. Insofern zeigen sich Hochschul- und Sozialwissenschaften mit entsprechend höheren Frauen-
Wirtschaftssektor durchaus ähnlich. anteilen eine gewichtige Rolle.
Bei der Aggregierung über den jeweils gesamten Sektor Anders als im universitären Umfeld blieben die Zahlen
kommen also die extrem unterschiedlichen Gewich- des Wirtschaftssektors in den letzten 10 Jahren quasi
tungen der Wissenschaftsbereiche bzw. Branchen zum unverändert. Der Anteil der Frauen beim gesamten FuE-
Tragen. Während die industrielle Forschung vor allem Personal lag auch 2001 bereits bei 19 % und ist bis 2005
ingenieurwissenschaftlich ausgerichtet ist, spielen in der sogar noch zurückgegangen. Erst im Jahr 2011 ist es
universitären Forschung auch die Natur-, Geistes- und erstmals gelungen den Anteil von 2001 zu überschreiten.
Tabelle 1.13: Anteil der Frauen in den Personalgruppen des FuE-Personals im Wirtschaftssektor
FuE-Personal in Vollzeitäquivalenten
FuE-Personal insgesamt Wissenschaftliches FuE-Personal Technikerinnen Sonstiges FuE-Personal
Jahr Männer darunter Frauen Männer darunter Frauen Männer darunter Frauen Männer darunter Frauen
und und und und
Frauen Anzahl % Frauen Anzahl % Frauen Anzahl % Frauen Anzahl %
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
2001 307.257 58.337 19,0 157.837 18.544 11,8 74.144 - - 75.277 - -
2003 298.072 55.145 18,5 161.981 18.035 11,1 70.057 - - 66.035 - -
2005 304.503 55.796 18,3 166.874 19.014 11,4 76.257 20.537 26,9 61.372 16.251 26,5
2007 321.853 59.326 18,4 174.309 20.846 12,0 83.565 22.240 26,6 63.985 16.239 25,4
2009 332.491 62.067 18,7 183.214 22.961 12,5 88.003 23.439 26,6 61.281 15.667 25,6
2011 357.129 68.896 19,3 190.696 26.485 13,9 115.498 28.119 24,4 50.944 14.292 28,1
18
Räumliche Verteilung von Forschung
2
und Entwicklung in Deutschland
von Andreas Kladroba
19
haben sich Ersatzmetropolen gebildet, von denen Mün- den-Württemberg und Niedersachsen trotz ebenfalls
chen und Stuttgart zumindest in Bezug auf Forschung starker Autostandorte eine unterdurchschnittliche
und Entwicklung besonders herausragen. Steigerungsrate vorzuweisen. Hessen hat sogar eine
der niedrigsten Steigerungsraten aller Bundesländer.
2.2 Die Entwicklung in den Bundesländern Allerdings zeigt sich auf den zweiten Blick, dass der
Die internen FuE-Aufwendungen sind in Deutschland Vergleich nur eingeschränkt gültig ist. Während in
zwischen 2009 und 2011 um 12,8 % von 45.275 Mio. Eu- Baden-Württemberg und Niedersachsen die Automo-
ro auf 51.077 Mio. Euro gestiegen. Dabei haben die ein- bilindustrie zu über 50 % zu den internen FuE-Auf-
zelnen Bundesländer höchst unterschiedlich von dieser wendungen der jeweiligen Bundesländer beisteuern,
Entwicklung profitiert, wobei es verhältnismäßig schwer ist es in Hessen und Bayern nur knapp ein Viertel.
fällt ein einheitliches Muster zu erkennen. Es fallen aber Bayern hat hier einen deutlich ausgeglicheneren Bran-
einige interessante Entwicklungen ins Auge: chenmix, was im Allgemeinen sicher nicht von Nach-
• Die Bundesländer mit den höchsten Steigerungsraten teil ist, in diesem Fall aber zu einer unterdurchschnitt-
waren Schleswig-Holstein (+26 %) und Mecklenburg- lichen Entwicklung geführt hat. In Hessen ist neben
Vorpommern (+23 %). Beide Länder bewegen sich in dem Automobilbau vor allem die Pharmaindustrie sehr
Bezug auf FuE auf einem recht niedrigen Niveau. In präsent, die aber zumindest in diesem Bundesland FuE
der sehr positiven Entwicklung kann man sicher den 2011 deutlich zurückgenommen hat, so dass in der
Schritt aus der Krise, die sich für unternehmerische Summe die relativ schwache Wachstumsrate Hessens
FuE ja vor allem im Jahr 2009 gezeigt hat, erkennen. übrigbleibt.
Die hohen Wachstumsraten enthalten dabei natürlich
wegen des niedrigen Niveaus auch einen gewissen sta- Neben den internen FuE-Aufwendungen ist das FuE-Per-
tistischen Effekt. sonal der zweite wichtige Indikator für die Entwicklung
• Die Länder auf den nächsten beiden Plätzen sind aller- von Forschung und Entwicklung. Hier stellt sich natür-
dings völlig anders gestaltet. Mit Baden-Württemberg lich die Frage, wie sich das FuE-Personal im Vergleich zu
zeigt der Klassenprimus mit über +20 % eine erstaun- den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten entwickelt
lich hohe Wachstumsrate. Auch Niedersachsen gehört hat. Tabelle 2.1 zeigt, dass in den meisten Bundesländern
zu den TOP 5 und kann ebenfalls eine Wachstumsrate das FuE-Personal stärker gestiegen ist als die sozialver-
von über 20 % vorweisen. Beiden Ländern ist gemein, sicherungspflichtig Beschäftigten, was zu einem Anstieg
dass sie stark durch die Automobilindustrie geprägt des entsprechenden Anteilswertes führt. Allerdings ist
sind. Gerade diese Branche war aber durch das Kri- in Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen
senjahr besonders stark betroffen. Die Verluste, die die die gegenteilige Entwicklung zu beobachten. Die Steige-
Krise der Automobilindustrie beschert hatte, waren im rungsraten des FuE-Personals sind in diesen Ländern ge-
Jahr 2010 noch nicht wieder aufgeholt worden. Offen- ring (in Rheinland-Pfalz sogar leicht negativ) und können
sichtlich zeigen sich hier Nachholeffekte, von denen mit der allgemeinen Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt
die starken Autoländer besonders profitieren. nicht mithalten. Einzig in Bayern verändern sich FuE-
Personal und sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in
Diesen beiden zunächst einleuchtenden Erklärungen gleichem Maß.
können aber auch Länder entgegengehalten werden, die
vordergründig ähnlich strukturiert sind wie die Genann- 2.3 Ein Gedankenexperiment: Die Bundesländer
ten, die aber eine andere Entwicklung genommen haben. ohne ihre Schwerpunkte
• In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist es nicht gelun- Das Phänomen der Konzentration der gewerblichen FuE
gen, einen spürbaren Aufschwung seit 2009 zu generie- auf einige wenige Bundesländer wurde in Kapitel 2.1
ren, obwohl die Voraussetzungen dafür sicherlich nicht bereits thematisiert. Letztlich ist aber auch die Aussage,
schlechter waren als in Mecklenburg-Vorpommern. Im dass sich FuE auf bestimmte Bundesländer konzentriert,
Gegenteil verzeichnet Sachsen-Anhalt mit 2,3 % die falsch. Die Konzentration findet vielmehr auf einzelne
niedrigste Wachstumsrate aller Bundesländer. Auch Städte oder Kreise statt, in denen sich entsprechend
Thüringen gehört mit 4,8 % zu den Schlusslichtern. große Unternehmen angesiedelt haben. Andere Kreise
• Mit Bayern und vor allem mit Hessen haben zwei oder Städte bleiben dagegen fast völlig außen vor. Z. B.
forschungsstarke Bundesländer im Gegensatz zu Ba- tragen in Bayern gut ein Viertel aller Kreise oder kreis-
20
Tabelle 2.1: Regionale FuE-Kennzahlen des Wirtschaftssektors in Deutschland 2001, 2005, 2009, 2011
Baden-Württemberg 9 434 10 966 12 995 15 698 3,05 3,40 3,81 4,10 71 868 82 376 88 581 97 548 18,7 22,2 23,0 24,1
Bayern 8 682 9 201 10 056 11 008 2,35 2,30 2,37 2,41 76 665 76 061 75 514 79 043 17,3 17,8 16,8 16,6
Berlin 1 766 1 473 1 365 1 402 2,24 1,86 1,49 1,39 15 568 10 698 10 760 11 340 13,8 10,6 9,7 9,6
Brandenburg 242 140 186 308 0,53 0,29 0,34 0,54 2 467 1 620 2 106 3 229 3,2 2,3 2,9 4,2
Bremen 240 225 243 269 1,06 0,91 0,91 1,00 2 304 1 824 1 838 2 082 8,0 6,8 6,5 7,0
Hamburg 583 934 1 075 1 181 0,76 1,16 1,27 1,26 5 055 5 984 7 113 7 130 6,5 8,1 8,8 8,4
Hessen 3 749 4 236 5 173 5 319 1,98 2,09 2,40 2,35 31 795 30 147 35 366 35 774 14,4 14,4 16,3 15,7
Mecklenburg-Vorpommern 53 97 196 242 0,17 0,30 0,55 0,68 646 950 1 822 2 189 1,1 1,9 3,5 4,2
Niedersachsen 3 208 2 871 3 646 4 420 1,76 1,49 1,77 1,97 23 682 22 461 23 801 27 269 9,8 9,7 9,9 10,6
Nordrhein-Westfalen 5 056 5 376 6 429 6 950 1,09 1,10 1,23 1,21 43 127 41 968 49 381 53 453 7,3 7,6 8,6 8,8
Rheinland-Pfalz 1 354 1 186 1 572 1 673 1,49 1,22 1,54 1,46 11 678 10 077 12 447 12 346 9,8 8,8 10,4 9,8
Saarland 96 90 144 169 0,38 0,32 0,51 0,54 860 864 1 364 1 625 2,4 2,5 4,0 4,5
Sachsen 935 915 1 090 1 198 1,20 1,07 1,17 1,26 11 057 9 393 10 770 11 378 7,5 7,1 7,8 7,8
Sachsen-Anhalt 145 161 215 220 0,33 0,34 0,43 0,43 1 913 1 991 2 474 2 656 2,4 2,8 3,3 3,5
Schleswig-Holstein 341 356 413 521 0,51 0,52 0,56 0,69 3 319 3 217 3 897 4 733 4,1 4,2 4,8 5,6
Thüringen 448 424 477 500 1,08 0,94 0,99 1,03 5 253 4 873 5 258 5 334 6,6 6,9 7,3 7,1
Deutschland 36 332 38 651 45 275 51 077 1,72 1,72 1,89 1,97 307 257 304 503 332 491 357 129 11,0 11,6 12,1 12,4
21
freien Städte jeweils weniger als 0,1 % zu den internen der Regierungsbezirk Düsseldorf, der 38 % der landes-
FuE-Aufwendungen des bayerischen Wirtschaftssektors weiten internen FuE-Aufwendungen trägt, gefolgt vom
bei. Für die vier Bundesländer mit den meisten internen Regierungsbezirk Köln mit knapp 30 % und schon etwas
FuE-Aufwendungen gilt: abgeschlagen die Regierungsbezirke Arnsberg und Det-
mold mit jeweils ca. 13 %. „Weiße Flecken“ auf der For-
Baden-Württemberg schungslandkarte Nordrhein-Westfalens findet man aber
Im Zentrum der unternehmerischen FuE in Baden- nicht nur im ländlichen Raum wie z. B. in weiten Teilen
Württemberg steht der Regierungsbezirk Stuttgart mit des Münsterlandes, sondern auch in den strukturschwa-
den Städten Stuttgart und Böblingen. Allein in diesen chen Großstädten des Ruhrgebiets. So tragen die Städte
beiden Städten werden zusammen fast 40 % der internen Bottrop und Hagen gerade einmal jeweils 0,1 % zu den
FuE-Aufwendungen des Bundeslandes ausgegeben. Der internen FuE-Aufwendungen des Landes bei.
gesamte Regierungsbezirk trägt über 60 %. Schon deutlich
dahinter zurück bleiben die Regierungsbezirke Karlsruhe Was bedeutet die beschriebene Konzentration von unter-
(mit dem Rhein-Neckar-Kreis) und Tübingen mit jeweils nehmerischer FuE innerhalb der Bundesländer? Ist die
15 % bis 16 %. Stärke Oberbayerns eine wirtschaftliche bzw. politische
Fehlentwicklung? Wo würden die Spitzenreiter Baden-
Bayern Württemberg und Bayern in der Rangfolge der Bundes-
Die Konzentration der Wirtschaftskraft Bayerns auf Mün- länder ohne Stuttgart und München überhaupt stehen?
chen und seine nähere Umgebung ist schon an vielen
Stellen diskutiert worden. In Bezug auf FuE sind über Wagen wir ein kleines Gedankenexperiment. Ange-
43 % der internen FuE-Aufwendungen des Freistaates nommen die Forschung in den Spitzenregionen (Regie-
auf die Stadt und den Landkreis München konzentriert. rungsbezirke) der genannten vier Bundesländer würde
Der Regierungsbezirk Oberbayern trägt 60 % der internen komplett eingestellt. Wo würden sich die entsprechen-
FuE-Aufwendungen des Landes. Dem stehen die Regie- den Länder dann wiederfinden? Die Ergebnisse sind er-
rungsbezirke Niederbayern und Oberfranken gegenüber, staunlich:
in denen gerade einmal 3 % bis 4 % zu finden sind. Damit • In Baden-Württemberg werden außerhalb des Regie-
dürfte Bayern unter den Flächenländern das Land mit der rungsbezirks Stuttgart knapp 6,15 Mrd. Euro für FuE
größten Spannweite zwischen den FuE-Aufwendungen in ausgegeben. Das ist fast so viel wie in ganz Nordrhein-
den Regierungsbezirken sein. Westfalen.
• In Bayern summieren sich die internen FuE-Aufwen-
Hessen dungen außerhalb von Oberbayern noch auf stolze 4,4
Am extremsten dürfte die Konzentration aber in Hessen Mrd. Euro und bewegen sich somit auf dem Niveau
sein. Hier trägt der Regierungsbezirk Darmstadt mit den von Niedersachsen, dem fünftstärksten Forschungs-
Städten Frankfurt/Main, Darmstadt und dem Kreis Groß- land in Deutschland.
Gerau, zu dem u. a. Rüsselsheim gehört, fast 85 % zu den • Am wenigsten betroffen wäre von unserem Gedanken-
internen FuE-Aufwendungen des Landes bei. experiment erwartungsgemäß Nordrhein-Westfalen.
Ohne den Regierungsbezirk Düsseldorf blieben noch
Nordrhein-Westfalen 4,3 Mrd. Euro interne FuE-Aufwendungen. NRW
Eine gegenüber den anderen Ländern abweichende stünde somit auf Augenhöhe mit Bayern ohne Ober-
Struktur weist Nordrhein-Westfalen auf. Grund dafür bayern.
ist einerseits die Existenz verschiedener wirtschaftli- • Am schwersten würde es Hessen treffen. Ohne den Re-
cher Schwerpunkte und zum anderen die Organisation gierungsbezirk Darmstadt bleiben gerade einmal 850
der Regierungsbezirke. Dadurch dass das Ruhrgebiet Mio. Euro übrig. Hessen wäre damit in der unteren
auf drei Regierungsbezirke aufgeteilt ist, werden for- Hälfte des Länderrankings angesiedelt.
schungsschwächere ländliche Regionen innerhalb der
Regierungsbezirke wieder ausgeglichen. Auf diese Weise Das so vielleicht nicht erwartete Ergebnis unseres Gedan-
kommt es zumindest auf NUTS2-Ebene nicht zu ähnli- kenexperiments ist, dass die Spitze der Bundesländer zwar
chen Konzentrationen wie in den anderen beschriebenen näher zusammenrückt, aber dennoch die Spitze bleibt.
Bundesländern. Formal forschungsstärkster Region ist Baden-Württemberg wäre auch ohne Stuttgart durchaus
22
Abbildung 2.1: Interne FuE-Aufwendungen der Wirtschaft nach ausgewählten Bundesländern und Wirtschaftszweigen1) 2011
Mrd. € 8,3
4,2
4
3
2,8
2,6
2,1
2
1,6
1,5
1,3
1,2
1,1 1,1 1,1
1,0 1,0
1
0,8
0,5
0,4 0,4 0,4 0,4
0,3
0,2 0,2
0,1
0,0
Baden-Württemberg Bayern Hessen Niedersachsen Nordrhein-Westfalen
Chemie (20) Pharmazie (21) Maschinenbau (28) Elektrotechnik (26-27) Kraftfahrzeugbau (29)
mit Vorsprung Klassenprimus, gefolgt von Bayern und Zusammengefasst zeigt sich, dass die FuE-Hochburgen
fast gleichauf Nordrhein-Westfalen. Nur Hessen würde natürlich identisch sind mit den wirtschaftlich starken
deutlich absacken und findet sich irgendwo zwischen Teilen der Bundesländer. Allerdings ist das hohe FuE-
Hamburg und Thüringen wieder. Aufkommen in diesen Regionen nicht alleine eine Folge
der Wirtschaftskraft, sondern es kommt offensichtlich
Abschließend stellt sich die naheliegende Frage, ob die auch zu einer räumlichen Nähe FuE-starker Branchen
Konzentration von FuE in einigen Regionen einfach nur und/oder Unternehmen, weil z. B. entsprechende Inf-
eine Folge einer gleichgerichteten Konzentration der ge- rastruktur genutzt werden kann oder die notwendigen
samten Wirtschaftskraft des Landes ist. Hier zeigt sich Fachkräfte leichter zu rekrutieren sind.
aber, dass diese in der Regel nicht so ausgeprägt ist. Na-
türlich sind die Forschungsregionen in den Bundeslän-
dern gleichzeitig auch Regionen mit einem weitaus über-
durchschnittlichen BIP, allerdings kann man sehen, dass
• der Regierungsbezirk Stuttgart zwar 60 % der inter-
nen FuE-Aufwendungen aufbringt, aber nur 40 % des
Landes-BIP erwirtschaftet
• das Verhältnis für Oberbayern in Bayern ähnlich ist
• auf den Regierungsbezirk Darmstadt zwar deutlich
über 80 % der internen FuE-Aufwendungen aber nur
70 % des hessischen BIP fallen
• Nordrhein-Westfalen auch hier eine Ausnahme dar-
stellt. Zwar sind auch in den Regierungsbezirken
Düsseldorf und Köln die jeweiligen Anteile am BIP
geringer als an den internen FuE-Aufwendungen, al-
lerdings sind die Unterschiede deutlich geringer als bei
den anderen Bundesländern.
23
24
Forschung und Entwicklung
3
im internationalen Vergleich
von Nina Czernich und Julia Schneider
Abbildung 3.1: Bruttoinlandsaufwendungen für FuE in absoluten Zahlen 1995 bis 2011, ausgewählte Länder, nach Kaufkraft
paritäten gewichtet
Mrd. US $
1.200
1.000
800
600
400
200
95 96 97 98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
Quelle: OECD STAT (2012): MSTi Main Science and Technology Indicators. Eigene Darstellung.
25
immer wichtigere Rolle für FuE. Im G
egensatz zu anderen rungsquote öffentlicher FuE durch deutsche Unterneh-
Ländern sind diese Investitionen in Deutschland prozen- men. Die Studie schließt in Abschnitt 5 mit einer kurzen
tual nicht bedeutender geworden und liegen seit Jahren Zusammenfassung.
bei ca. 1/3 der gesamten FuE-Aufwendungen.
3.2 Bedeutung und zeitliche Entwicklung von
In Deutschland finanziert und realisiert die Wirtschaft Forschung und Entwicklung weltweit
mit ca. 2/3 der gesamten FuE-Aufwendungen einen Forschung und Entwicklung wird für wissensbasierte
höheren Anteil der FuE als die Wirtschaft in anderen Ökonomien immer relevanter. Im ersten Jahrzehnt des
Industrieländern; traditionell vor allem im Bereich der neuen Jahrhunderts erhöhten die meisten Industrie- und
hochwertigen Technik (Chemie, Elektroindustrie, Ma- Schwellenländer ihre FuE-Intensität.2 OECD-weit wur-
schinen- und Fahrzeugbau). Das scheint sich während den im Jahr 2011 über 1 Billion Dollar für FuE aufge-
der Finanz- und Wirtschaftskrise bewährt zu haben: wendet, das entspricht 2,4 % des Bruttoinlandproduktes.
nicht nur bei Exporten und den Arbeitsmarktzahlen hat Trotz der schweren ökonomischen Krisen der vergange-
Deutschland während der Krise Erfolge erzielt, auch seine nen Jahre, die in vielen Industrienationen auch im Jahr
FuE-Aufwendungen sind im letzten Jahrzehnt bis auf das 2011 anhielten, lag dieser Wert etwas höher als im Jahr
Jahr 2009 kontinuierlich gestiegen. 2000. Auch in der Gruppe der EU-28-Staaten wuchsen
die FuE-Aufwendungen im selben Zeitraum von 184 auf
Der folgende Abschnitt 2 gibt einen Überblick zur Bedeu- 320 Mrd. Dollar im Jahr 2011 (nach Kaufkraftparität ge-
tung und zeitlichen Entwicklung von FuE im internatio- wichtet, vgl. Abb. 3.1).
nalen Vergleich. Abschnitt 3 widmet sich der Bedeutung
und den Feldern staatlicher Investitionen für FuE. Ab- 2 Unter FuE-Intensität versteht man den Anteil der Aufwendungen
schnitt 4 beschreibt die vergleichsweise hohe Finanzie- für FuE am Bruttoinlandsprodukt eines Landes.
Abbildung 3.2: FuE-Aufwendungen als Anteil am BIP 2000 bis 2011, Deutschland im Vergleich zu ausgewählten Ländern
4,50
4,00
3,50
3-Prozent-Ziel
3,00
2,50
2,00
1,50
1,00
0,50
00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
Deutschland EU-28 OECD Total USA China Japan Südkorea Finnland Schweden
Quelle: Eurostat (2013), tsdec320, Stifterverband Wissenschaftsstatistik, OECD STAT (2012): MSTi Main Science and Technology Indicators. Eigene Darstellung.
26
Bei der Betrachtung der absoluten Höhe der FuE- 1,5-fache der FuE-Aufwendungen der aufstrebenden
Aufwendungen spielen die USA und Japan eine wichti- Wirtschaftsmacht China (vgl. Abb. 3.1).
ge Rolle: zusammen bringen sie mehr als die Hälfte der
FuE-Aufwendungen der OECD auf: 54 % in 2011. Trotz der in absoluten Zahlen erheblichen FuE-Auf-
wendungen der USA liegt Deutschlands FuE-Intensität
In absoluten Zahlen betrugen die FuE-Aufwendungen mit 2,9 % im Jahr 2011 erstmals über der FuE-Intensität
der E
U-28-Staaten im Jahr 2011 77 % der FuE-Aufwen- der USA (vgl. Abb. 3.2) und nähert sich dem 2002 vom
dungen der USA, das 2,2-fache der FuE-Aufwendungen Europäischen Rat in Barcelona formulierten Ziel, die FuE-
der forschungsstarken Volkswirtschaft Japan und das Intensität der EU bis 2010 auf 3 % des BIP zu steigern.
Abbildung 3.3: FuE-Aufwendungen als Anteil am BIP 2011, Deutschland im Vergleich zu Europa
27
Während insbesondere die asiatischen Länder wie Süd- Deutschland, sich vor den meisten größeren EU-Ländern
korea und Japan auch Anfang des Jahrhunderts ihre FuE- zu behaupten und seine FuE Intensität sogar noch zu
Aktivitäten weiter mit hoher Dynamik verfolgten, war die erhöhen. Andere EU-Länder wie Frankreich, Großbri-
US-Wirtschaft durch die Dotcom-Blase im Jahr 2000 in tannien, Italien und auch die Niederlanden konnten ihre
ein Tief geraten, mit der Folge, dass die US-amerikanische FuE-Intensität im letzten Jahrzehnt kaum steigern.
FuE-Intensität zwischen 2000 und 2004 abnahm. Erst im
Jahr 2007 konnten die USA wieder die FuE-Intensität von So verharrt etwa die FuE-Intensität Großbritanniens seit
2000 (2,7 %) erreichen (vgl. Abb. 3.2). dem Jahr 2000 unter 2 % des BIP (2011: 1,8 %), eben-
so wie die FuE-Intensität in Spanien, Portugal, Italien
Damit haben sich die schon in den 1980er Jahren be- oder den südosteuropäischen Länder. Frankreich liegt
gonnenen Verschiebungen der weltweiten FuE-Intensität mit 2,3 % über der 2-Prozent-Marke, in einer Gruppe
fortgesetzt – von Europa Richtung USA und Asien sowie mit Belgien, den Niederlanden oder Österreich, aber
innerhalb Europas von den großen Ländern zu kleineren mehr als einen halben Prozentpunkt unter Deutschland.
Volkswirtschaften vor allem Nordeuropas (vgl. Abb. 3.3). Deutschland konnte seine FuE-Intensität in den letzten
Finnland und Schweden geben kontinuierlich deutlich zehn Jahren von 2,5 % im Jahr 2000 auf 2,9 % im Jahr
mehr als 3 % ihres BIP für FuE aus. Jedoch gelang es 2011 steigern.
28
Neben der FuE-Intensität eines Landes gibt auch die Auf- Innovationswettbewerb unter Technologieführern und
listung der weltweit forschungsstärksten Unternehmen Schwellenländern. Die staatlich finanzierte und in öffent-
einen Eindruck der Forschungsleistung eines Landes lichen Einrichtungen durchgeführte FuE spielt daher eine
(vgl. Abb. 3.4). In der Unternehmensbetrachtung finden gewichtige Rolle für die weltweit gestiegenen FuE-Auf-
sich vielfach Unternehmen aus den Ländern, die bereits wendungen. Allerdings ist ein internationaler Vergleich
in der volkswirtschaftlichen Betrachtung als Spitzenreiter zur Rolle des Staates bei FuE-Investitionen schwierig. Je
identifiziert wurden: Japan, USA, Korea, Finnland und nach Land unterscheiden sich entscheidende Faktoren
Deutschland. wie die Wirtschaftsstruktur oder das Rollenverständnis
des Staates.
Auf Unternehmensebene ist die USA nach wie vor an der
Spitze der Forschung: von den fünf forschungsstärksten Grob lässt sich festhalten, dass seit Mitte der 1990er Jahre
Unternehmen, gemessen an weltweiten FuE-Aufwendun- bis heute der Anteil der staatlich finanzierten FuE-Auf-
gen, stammen drei Unternehmen aus den USA: Pfizer, wendungen im OECD-Durchschnitt bei etwa 30 % liegt.
Microsoft und Merck US. Doch zuletzt ist die Bedeutung staatlicher FuE-Finanzie-
rung in den meisten OECD-Ländern merklich gestiegen.
3.3 Bedeutung und Schwerpunkte staatlicher Zwischen 2007 und 2010 stieg der Anteil der staatlich
FuE-Investitionen finanzierten FuE-Aufwendungen im OECD-Durchschnitt
Viele Regierungen hatten sich lange Jahre aus der Finan- von 28 % auf 31 %, in der EU-28 von 33 % auf 35 %. In
zierung und Durchführung von FuE zurückgezogen. Die Deutschland lag der Anteil des Staates mit 30 % etwas un-
oben beschriebene Ausweitung der FuE-Aufwendungen ter dem OECD-Durchschnitt und den USA (32 %), aber
war nicht zuletzt eine Reaktion vieler Staaten auf die Fi- deutlich über Japan (17 %).
nanz- und Wirtschaftskrise und den sich verschärfenden
Abbildung 3.5: Beitrag des Staates zur Finanzierung von FuE in der Wirtschaft 2000 bis 2011, Deutschland im Vergleich
zu ausgewählten Ländern
16
14
12
10
00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
Quelle: OECD STAT (2013): MSTi Main Science and Technology Indicators. Eigene Darstellung.
29
Der deutsche Staat wendet deutlich weniger Mittel als Die staatlichen Ziele der FuE-Aufwendungen unter-
andere Länder für die Unterstützung von FuE in der scheiden sich zwischen den Industrieländern zum Teil
Wirtschaft auf.3 Deutschland finanzierte im Jahr 2010 deutlich. In Deutschland und Japan richtet sich das FuE-
im Schnitt 4,5 % der von der Wirtschaft durchgeführten Engagement des Staates zu 96 % bzw. 97 % auf den zivilen
Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten (vgl. Abb. Bereich, in Großbritannien noch zu 83 %, in USA jedoch
3.5).4 Der ganz überwiegende Teil staatlicher FuE- nur zu 43 %. Die USA geben also mehr als die Hälfte ih-
Förderung Deutschlands geht also in die Durchführung rer staatlichen Forschungs- und Entwicklungsmittel für
von FuE in Hochschulen und außeruniversitären For- militärische Zwecke aus. Die Forschungs- und Entwick-
schungseinrichtungen. lungsschwerpunkte der USA – Rüstung, Gesundheit und
Raumfahrt – kommen besonders den Industrien der Spit-
Die EU-28 ist mit durchschnittlichen 7,2 % staatlichem zentechnologie zugute.
Finanzierungsanteil der FuE in der Wirtschaft viel zu-
rückhaltender als die USA, wo der Finanzierungsanteil Während die USA auf die Anschubfunktion der Förde-
im Jahr 2010 12,3 % betrug (was auch den OECD-Durch- rung dieser Schwerpunkte setzen, spielt in Deutschland
schnitt in die Höhe treibt). Die USA weitete diesen Anteil die Förderung industrieller Technologien eine wichtige
im Verlauf der Finanz- und Wirtschaftskrise signifikant Rolle bei der staatlichen FuE-Förderung: 17 % der zivi-
aus. In Deutschland und der EU-28 insgesamt nahm der len FuE-Aufwendungen entfielen in Deutschland im Jahr
staatliche Finanzierungsanteil an FuE in der Wirtschaft 2011 auf diesen Bereich. Im Vergleich gaben die USA nur
hingegen eher ab. 1 % der zivilen Aufwendungen für industrielle Technolo-
gien aus, im OECD-Durchschnitt waren es 9 %. Japan gab
Auch China reduzierte wie Deutschland den staatlichen bis zum aktuellen Rand der Daten im Jahr 2011 verhält-
Finanzierungsanteil von FuE in der Wirtschaft – und das, nismäßig viel für FuE im Energiebereich aus, aufgrund
obwohl die FuE-Aufwendungen insgesamt in China ex- der traditionell hohen Bedeutung der Atomenergie: 14 %
trem gestiegen sind, wie oben deutlich wurde. Hier stieg im Vergleich zu 6 % im OECD-Durchschnitt. In Deutsch-
vor allem der Anteil der privatwirtschaftlich finanzierten land liegt dieser Wert heute bei 5 %.
FuE-Aufwendungen kontinuierlich an – von 58 % im Jahr
2000 auf 72 % im Jahr 2010. Zum Vergleich: in Deutsch- Auffällig ist ein weiterer Unterschied z wischen Deutsch-
land liegt dieser Anteil bei 66 %, in der OECD und den land und den FuE-Spitzennationen. In den USA und
USA nur bei etwa 60 %. Japan konzentrieren die Unternehmen ihre FuE auf
experimentelle Entwicklung, also neue Produkte und
Verfahren, und weniger auf angewandte Forschung. In
3 Rechtfertigung solcher Maßnahmen können aus Marktversagen re- Deutschland liegt der Anteil der FuE-Aufwendungen für
sultierende Unterinvestitionen der privaten Wirtschaft in FuE sein, angewandte Forschung im Wirtschaftssektor bei 48 % im
etwa wenn aufgrund von Wissens-Spillover zu anderen Akteuren ein Jahr 2009, der Anteil für experimentelle Entwicklung
Unternehmen nicht den gesamten Nutzen aus FuE internalisieren bei 46 %. In den USA betragen diese Anteile 15 % bzw.
kann. Während das Unternehmen aus betriebswirtschaftlicher Sicht 80 %, in Japan 21 % bzw. 73 %. Der Anteil der Grund-
optimal investiert, kommt es auf volkswirtschaftlicher Sicht zu Un- lagenforschung war bei den Ländern hingegen ähnlich
terinvestitionen. und betrug zwischen 5 % und 7 %.
4 90 % werden von der Wirtschaft selber finanziert. Weitere 4,5 %
kommen aus dem Ausland, zumeist von verbundenen Unterneh- Das führt dazu, dass die deutsche Industrieforschung
men, aber auch der EU. Hochschulen spielen bei der Finanzierung über Jahrzehnte hinweg und mindestens bis ins Jahr
der FuE der Wirtschaft keine Rolle (vgl. auch das einleitende Ka- 2008 auf dem Bereich der Spitzentechnologie schwach
pitel). Im internationalen Vergleich werden FuE-Aufwendungen vertreten war. Gehrke et al. 2013 zeigen, dass sich deut-
anders als in Deutschland vielfach steuerlich begünstigt (vgl. Gehrke sche FuE vielmehr auf eine breite Palette von Gütern der
et al. 2013: S. 32 f.). Steuerliche Finanzierungshilfen erweitern die hochwertigen Technik (Chemie, Elektroindustrie, Ma-
Impulse staatlicher FuE-Fördermittel. Nach einer OECD-Schätzung schinen- und Fahrzeugbau) konzentriert und sich über
nutzen vor allem Frankreich und die iberische Halbinsel dieses In- diese Spezialisierung an einer der vordersten Positionen
strument und steigern damit die staatliche Förderung von FuE in im internationalen Technologiewettbewerb positioniert
der Wirtschaft. hat und diese weiterhin hält.
30
Nach wie vor setzt Deutschland vor allem auf die För- Belastungen für Finnland, dessen Volkswirtschaft stark
derung industrieller Technologien, weniger auf Spitzen- vom ehemaligen Handy-Marktführer Nokia beeinflusst
technologieindustrien. Im Jahr 2008 flossen in den USA wird.5
52 % der FuE-Aufwendungen in die Spitzentechnologie.
Auch forschungsstarke Länder wie Korea und Finnland 3.4 Finanzierung öffentlicher FuE durch die
investieren etwa die Hälfte ihrer FuE-Aufwendungen in Wirtschaft
Spitzentechnologie. In Deutschland sind es nur 28 %, im Die Finanzierung öffentlicher FuE durch die Wirtschaft
Vergleich zu 54 % für hochwertige Technik. Die Kon- ist in Deutschland vergleichsweise stark ausgeprägt – viel
zentration auf wenige Spitzentechnologiefelder birgt stärker als in den USA, Japan oder der EU-28. Im letzten
allerdings das Risiko einer höheren Krisenanfälligkeit Jahrzehnt hat sich diese Vernetzungsform zwischen Wirt-
der Volkswirtschaft, vor allem bei sich rasch verän- schaft und Wissenschaft in Deutschland noch intensiviert.
dernden Märkten. Beispielsweise bedeutet die aktuelle
Entwicklung des Marktes für Smartphones besondere Im Jahr 2011 finanzierten die Unternehmen der OECD-
Länder im Schnitt 6 % der FuE, die in Hochschulen
durchgeführt wurde – in Deutschland lag dieser Wert
5 Seit 2008 schrumpfte die Zahl der Beschäftigten in der Elektronik- bei 14 %. Japan und USA beispielsweise haben deutlich
branche in Finnland von 61,500 auf 46,000 im März 2013 (vgl. niedrigere Werte. Japans Unternehmen finanzierten 2011
Helsingin Sanomat 2013). Dafür war vor allem Nokia verantwort- knapp 3 % der Hochschulforschung, in den USA lag die-
lich, die größte Firma Finnlands, die ihr Personal von 23,320 auf ser Wert bei 5 %. Auch die FuE in außeruniversitären
11,000 reduzierte. Der Wirtschaftsminister Finnlands zeichnet ein Forschungseinrichtungen wurde in Deutschland mit 9 %
düsteres Bild: „The forestry and telecommunications sectors are in überdurchschnittlich viel von Unternehmen finanziert
crisis, and short-term economic policy is not sufficient to address (nicht abgebildet). Im OECD-Durchschnitt liegt dieser
these problems“. Wert bei nur 4 %.
Abbildung 3.6: Beitrag der Wirtschaft zur Finanzierung von FuE in öffentlichen Einrichtungen 2000 bis 2011, Deutschland im
Vergleich zu ausgewählten Ländern
16
14
12
10
00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11
Quelle: OECD STAT (2013): MSTi Main Science and Technology Indicators. Eigene Darstellung.
31
Der öffentliche FuE-Sektor scheint also bei den Unter-
nehmen in Deutschland besondere und steigende Wert-
schätzung zu genießen. Andererseits scheinen Unterneh-
men diese Kooperationen bislang stärker für Auftrags-
forschung zu nutzen und weniger für die Generierung
von Innovationen, als das in anderen Ländern der Fall
ist (vgl. Kapitel 5).
3.5 Fazit
Deutschland konnte im letzten Jahrzehnt seine FuE-In-
tensität deutlich steigern und sich in der internationalen
Spitzengruppe behaupten. Deutschlands enge Vernet-
zung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft im Bereich
Finanzierung öffentlicher FuE durch die Wirtschaft
könnten Unternehmen in Zukunft stärker für die Schaf-
fung von Innovationen im Feld der Spitzentechnologie
nutzen. Damit wäre Deutschland auch als FuE-Standort
für multinationale Unternehmen attraktiv und könnte
seine Wettbewerbsposition zu den aufstrebenden Schwel-
lenländern wie der BRIC-Gruppe stärken.
3.6 Literatur
EUROSTAT (2013): Statistiken über Forschung und
Entwicklung. Online verfügbar unter: epp.eurostat.
ec.europa.eu/portal/page/portal/science_technology_
innovation/data/database (letzter Abruf: 16.07.2013).
Gehrke, Birgit; Schasse, Ulrich; Kladroba, Andreas und
Stenke, Gero (2013): FuE-Aktivitäten von Wirtschaft
und Staat im internationalen Vergleich, Studien zum
deutschen Innovationssystem 2-2013, Berlin.
Helsingin Sanomat (2013): Finland: ‘Long shadow of
Nokia’s problems’. Online verfügbar unter: www.
presseurop.eu/en/content/news-brief/3923131-long-
shadow-nokia-s-problems (letzter Abruf: 16.07.2013).
OECD STAT (2013): MSTI Main Science and Technolo-
gy Indicators. Online verfügbar unter: stats.oecd.org/
index.aspx (letzter Abruf: 15.07.2013).
32
Forschung und Entwicklung in
4
international agierenden Unternehmen
von Nina Czernich und Andreas Kladroba
33
tionalen FuE-Erhebung bekannt sind, ergeben sich die Einigen dieser genannten Punkte möchte eine Unter-
Aufwendungen für Auslandsforschung aus der Differenz suchung der Expertenkommission für Forschung und
der beiden Größen. Innovation (EFI), deren Geschäftsstelle bei der Wissen-
schaftsstatistik angesiedelt ist, durch eine eigene Unter-
Allerdings ist die Aussagekraft der „outward“-FuE aus suchung begegnen.
verschiedenen Gründen beschränkt:
• Aus den Geschäftsberichten geht oftmals nicht hervor, Anders als bei der „inward“-Betrachtung kann aufgrund
ob die dort angegebenen Werte nur interne FuE oder der Vorgehensweise die Höhe der globalen FuE-Aufwen-
auch externe FuE beinhalten. dungen der deutschen Wirtschaft in jedem Jahr ausge-
• Eine Auswertung der Geschäftsberichte ist oftmals wiesen werden.
nur auf Konzernebene möglich. Dem Anspruch der
nationalen FuE-Erhebung, eine Erfassung auf der Ba- 4.3. FuE ausländischer Unternehmen in
sis der kleinsten selbständig bilanzierenden Einheit Deutschland
zu realisieren, kann so nicht entsprochen werden. Tabelle 4.1 zeigt die Entwicklung der internen FuE-
Damit kommt es zum Teil auch zu unterschiedlichen Aufwendungen in- und ausländischer Unternehmen in
WZ-Zuordnungen von Unternehmensteilen. Wäh- Deutschland seit 2005. Dabei zeigt sich, dass sich die
rend in der nationalen FuE-Statistik problemlos eine Struktur zwischen in- und ausländischen Unternehmen
individuelle Zuordnung jedes Unternehmensteils zu nicht geändert hat. Der Anteil der internen FuE-Aufwen-
einer WZ-Klasse erfolgen kann, muss man sich bei dungen ausländischer Unternehmen an den Gesamtauf-
der Ermittlung der „outward“-FuE oftmals darauf wendungen des Unternehmenssektors in Deutschland lag
beschränken, dem Gesamtkonzern eine WZ zuzu- 2011 bei 26,2 %. Dies ist im Vergleich zu 2005 (27,8 %)
ordnen. Dies kann zur Folge haben, dass Unterneh- zwar weniger, allerdings zeigt Tabelle 4.1, dass es sich
men, die aufgekauft wurden, in der Statistik die WZ- dabei nicht um einen Abwärtstrend sondern um Schwan-
Klasse wechseln, ohne dass sich faktisch etwas geän- kungen um einen stabilen Mittelwert handelt. Diese
dert hätte. Schwankungen wirken sich allerdings in den jeweiligen
• Es erfolgt in der Regel keine oder nur eine sehr grobe Steigerungsraten aus, so dass für eine sinnvolle Aussage
regionale Unterteilung. Die oftmals gestellte Frage, in bezüglich des intertemporären Vergleichs das Bezugsjahr
welchen Regionen deutsche Unternehmen FuE betrei- von entscheidender Bedeutung ist. Wählt man 2009 als
ben, lässt sich nicht beantworten. Bezugsjahr, stiegen die internen FuE-Aufwendungen der
• Ähnlich wie bei der „inward“-FuE wird die Länder- deutschen Unternehmen bis 2011 um 14,5 %, während
zugehörigkeit eines Unternehmens nach dem „ulti- die ausländischen Unternehmen nur um 7,9 % zulegen
mate owner“ bestimmt. Das heißt, dass durch Auf- konnten.
käufe deutscher Unternehmen durch ausländische
Unternehmen diese ebenfalls zu einem ausländischen In dieser Betrachtungsweise ergeben sich also deutliche
Unternehmen werden und damit aus der Statistik he- Unterschiede zugunsten der deutschen Unternehmen.
rausfallen. Wählt man dagegen 2007 als Bezugsjahr waren die Ent-
Tabelle 4.1: Interne FuE-Aufwendungen 2005 bis 2011 der Unternehmen in Deutschland nach Konzernsitz des Endeigentümers
Interne FuE-Aufwendungen
Eigentümerland bekannt
Eigentümerland
Insgesamt davon
Jahr zusammen unbekannt
Inland Ausland
Mio. € % Mio. € % Mio. € % Mio. € %
1 2 3 4 5 6 7 8 9
2005 38 345 38 204 99,6 27 592 72,2 10 612 27,8 140 0,4
2007 42 759 42 619 99,7 31 411 73,7 11 208 26,3 139 0,3
2009 44 983 44 954 99,9 32 682 72,7 12 273 27,3 28 0,1
2011 50 804 50 672 99,7 37 434 73,7 13 329 26,1 132 0,3
34
wicklungen mit 19,2 % für die deutschen Unternehmen Abbildung 4.1: Interne FuE-Aufwendungen ausländischer
und 18,1 % für die ausländischen Unternehmen fast iden- Unternehmen in Deutschland 2011, nach Herkunftsland
tisch.
35
Abbildung 4.2: Branchenstruktur deutscher und ausländischer Unternehmen in Deutschland 2011, in Anteilen an den jeweili-
gen internen FuE-Aufwendungen
Anteile in Prozent
40
36,9
35
30
25
20
18,5
17,4 9,2
15,6 15,7
15
12,4 12,2
11,0
9,8
10
7,6
6,5 6,2 6,0
5,8
5,0
5
3,5
0,6
Chemie Pharma Elektro- Maschinen- Kfz-Bau Luft- und Raum- IKT Dienstleister sonstige
industrie bau fahrzeugbau
Inland Ausland
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Dieses Beispiel zeigt gleichzeitig auch, dass die Ergebnisse 4.4 FuE deutscher Unternehmen im Ausland
der hier beschriebenen Betrachtungsweise letztlich auch Die international agierenden deutschen Unternehmen
nicht überinterpretiert werden sollten und der Sitz des haben im Jahr 2011 weltweit 48,39 Mrd. Euro für For-
„ultimate owners“ oftmals eher Zufall als Konsequenz schung und Entwicklung ausgegeben.2 Dies ist ein An-
einer konkreten Unternehmenspolitik ist. stieg gegenüber 2010 in Höhe von 10,4 % und gegenüber
2009 von 16,9 %.
Natürlich ist auch der Kauf und Verkauf von Unterneh-
men keine Einbahnstraße. Fast 100 Unternehmen mit gut Die Dominanz des KfZ-Baus ist bei den globalen FuE-
290 Mio. interner FuE-Aufwendungen, die 2009 noch in Aufwendungen der deutschen Unternehmen noch deut-
ausländischem Besitz waren, wurden im Jahr 2011 als lich stärker ausgeprägt als bei den in der nationalen FuE-
deutsche Unternehmen ausgewiesen. Auch hier waren die Erhebung ausgewiesenen internen FuE-Aufwendungen.
wichtigsten Partner die USA, die Schweiz und Österreich. Über 52 % der globalen FuE-Aufwendungen stammen aus
dieser Branche (national nur gut ein Drittel).
Für die Entwicklung von 2009 auf 2011 ist also zu er-
kennen, dass sich länderübergreifende Unternehmens- Deutlich stärker ist auch die Pharmazie vertreten.
käufe und -verkäufe einigermaßen ausgleichen. Auch Während sie global über 15 % der FuE-Aufwendungen
die betroffenen Länder sind die gleichen, so dass sich beisteuert, sind es national nur etwa 9 %. International
die einzelnen Ströme sogar weitgehend neutralisieren. von deutlich geringere Bedeutung sind dagegen die
Allerdings dürfte das sicherlich eher die Ausnahme als Bereiche IKT und die unternehmensnahen Dienstleis-
die Regel sein, so dass der grenzüberschreitende Verkauf
von Unternehmen tatsächlich, wie bereits erwähnt, eine 2 Aus methodischen Gründen ist bei den globalen FuE-Aufwendungen
gewisse Hürde für die Betrachtung von inward-FuE sein eine Trennung zwischen internen und externen Aufwendungen nicht
dürfte. möglich.
36
Grafik 4.3: Branchenstruktur der globalen FuE-Aufwen aber auch einige deutliche Differenzen. Zunächst sind die
dungen 2011 internen FuE-Aufwendungen um 33,2 % zwischen 2005
und 2011 gestiegen, wie Tabelle 4.3 zeigt. Die Steige-
rungsrate der weltweiten FuE-Aufwendungen der global
agierenden deutschen Unternehmen lag mit 26,4 % in
einer ähnlichen Größenordnung. Dass hier eine gewisse
9,0 6,9
Parallelität besteht, überrascht zunächst nicht, weil die
global agierenden Unternehmen auch in Deutschland
15,5
über 50 % der internen FuE-Aufwendungen abdecken.
Anteile in Prozent
11,6
Differenzen zeigen sich erst, wenn man die weltweiten
52,1
4,9 FuE-Aufwendungen in Aufwendungen im In- und Aus-
land aufsplittet. Zunächst zeigt sich, dass auch die welt-
weit operierenden Unternehmen zu gut 70 % ihre FuE-
Ausgaben in Deutschland tätigen, ein Anteil der sich in
den letzten Jahren kaum geändert hat.
Betrachtet man die mittelfristige Entwicklung der glo- 3 Eine genaue Aufschlüsselung ist leider nicht möglich. Alle nicht dem
balen FuE-Aufwendungen seit 2005, zeigen sich Paral- Verarbeitenden Gewerbe zuzurechnenden Branchen zusammen er-
lelen zu den internen nationalen FuE-Aufwendungen, bringen weniger als 6 % der globalen FuE-Aufwendungen.
Tabelle 4.2: FuE-Aufwendungen 2011 deutscher Unternehmensgruppen1) nach Inlands- und Auslands-FuE nach der
Wirtschaftsgliederung
FuE-Aufwendungen
darunter
darunter
weltweit FuE im FuE in
Wirtschaftsgliederung interne externe
Ausland Deutschland
FuE FuE
Mio. € % Mio. € % Mio. €
1 2 3 4 5 6 7
C 10-33 Verarbeitendes Gewerbe 45 535 13 926 30,6 31 609 69,4 24 211 7 399
20 Chemie 3 320 894 26,9 2 426 73,1 2 091 335
21 Pharmazie 7 489 4 067 54,3 3 422 45,7 2 591 831
26-27 Elektrotechnik 5 600 1 908 34,1 3 693 65,9 2 910 782
28 Maschinenbau 2 400 783 32,6 1 617 67,4 1 381 236
29-30 Fahrzeugbau 25 517 5 863 23,0 19 653 77,0 14 516 5 137
29 H.v. Kraftwagen und Kraftwagenteilen 25 216 5 844 23,2 19 372 76,8 14 339 5 033
Sonstige Wirtschaftszweige 2 856 838 29,3 2 018 70,7 1 718 300
Insgesamt 48 391 14 764 30,5 33 627 69,5 25 928 7 699
37
Tabelle 4.3: Interne FuE-Aufwendungen in Deutschland und weltweite FuE-Aufwendungen deutscher Konzerne 2005 bis 2011
Chrysler – jetzt wieder ein amerikanischer Konzern – fällt FuE-Tätigkeiten im Ausland lassen sich folgende Struktu-
an dieser Stelle aus der weiteren Betrachtung heraus. Be- ren bzgl. der Zielländer und Wirtschaftszweige der FuE-
rücksichtigt man diesen Umstand, wird die Differenz in Tätigkeiten im Ausland ableiten.
der Entwicklung von Inlands- und Auslands-FuE deut-
lich geringer. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich Zielländer
für FuE deutscher Unternehmen und Herkunftsländer
Es lässt sich daher festhalten, dass zumindest mittelfristig von FuE ausländischer Unternehmen stark überschnei-
kein unterschiedliches Verhalten der weltweit agierenden den. So sind etwa die USA, gemessen in internen und
deutschen Konzerne bezüglich ihrer Inlands- und Aus- externen FuE Aufwendungen, das wichtigste Zielland für
lands-FuE festzustellen ist. Weder gibt es Tendenzen FuE FuE deutscher Unternehmen. Wie in Abschnitt 4.3 ge-
verstärkt ins Ausland zu verlagern, noch wird der inlän- sehen sind die USA für Deutschland auch das wichtigste
dische Standort zu Lasten des Ausländischen bevorteilt. Herkunftsland von FuE ausländischer Unternehmen.
4.5 Befragung EFI Im Bereich der Wirtschaftszweige haben sich die Phar-
Wie oben beschrieben, erlaubt die bisherige Methodik maindustrie sowie der Kfz- und sonstige Fahrzeugbau
des Stifterverbands „outward“-FuE zu erfassen keine als wichtigste Wirtschaftszweige für FuE im Ausland he-
Unterscheidung nach Zielländern. Um diese Lücke zu rauskristallisiert. Der Großteil der FuE-Aufwendungen
schließen, hat der Stifterverband in Zusammenarbeit mit im Ausland entfällt auf diese beiden Wirtschaftszweige,
der Expertenkommission Forschung und Innovation e ine wobei die Pharmaindustrie dominiert. Allerdings ist die-
Sonderbefragung zu den FuE-Aktivitäten deutscher Un- ser Befund mit Vorsicht zu genießen, da unter den auf
ternehmen im Ausland im Jahr 2011 initiiert. Für die die Sonderbefragung antworteten Unternehmen deutlich
Befragung wurde eine Untergruppe der Unternehmen mehr Unternehmen aus der Pharma- als der Automobilin-
der nationalen FuE-Erhebung angeschrieben. Ausgewählt dustrie vertreten sind. Das Ergebnis könnte daher durch
wurden alle Unternehmen, für die die Daten aus der na- die unterschiedlich hohe Beteiligung von Unternehmen
tionalen FuE-Erhebung Anhaltspunkte für FuE-Aktivitä- aus diesen Wirtschaftszweigen verursacht sein.
ten im Ausland gaben. Diese Unternehmen erhielten im
Herbst 2012 einen vierseitigen Fragebogen, in dem sie Ebenfalls abgefragt wurden die Motive, aufgrund derer
aufgeschlüsselt nach Zielländern zu Höhe und Art ihrer Unternehmen FuE im Ausland betreiben. Dabei wurden
FuE-Aufwendungen sowie Motiven und Hemmnissen für zwei Motive am häufigsten als wichtig oder sehr wich-
ihre FuE-Aktivitäten im Ausland befragt wurden. tig eingestuft: Markterschließung sowie Erschließen von
spezifischem Wissen und/oder Fachkräften im Zielland.
Insgesamt wurden durch die Sonderbefragung 7,2 Mrd. Regulatorische und politische Rahmenbedingungen hin-
€ FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Aus- gegen wurden nur selten als wichtig oder sehr wichtig
land erfasst. D. h. die Befragung umfasst fast 50 % der eingeschätzt.
gesamten FuE-Tätigkeiten deutscher Unternehmen im
Ausland. Basierend auf diesem Ausschnitt der gesamten
38
Kooperationsverhalten der Unternehmen
5
in Forschung und Entwicklung
von Verena Eckl, Andreas Schlüter, Julia Schneider und
Gero Stenke
Warum sollten Unternehmen im Bereich rekte Kontakt zwischen Wissenschaftlern und Unter-
Forschung und Entwicklung mit externen nehmen im Rahmen gemeinsamer Forschungsprojekte
Partnern kooperieren? hergestellt werden muss, um einen effektiven Transfer
Durch Kooperationen mit anderen Unternehmen, Hoch- zu erreichen.1
schulen und außeruniversitären wissenschaftlichen Ein-
richtungen können Unternehmen ihre eigene Innova Wenn Unternehmen bereits im Entstehungsprozess des
tionstätigkeit durch externes, nicht unternehmenseigenes Wissens beteiligt sind, können sie die Relevanz des in öf-
Wissen ergänzen. In Abgrenzung zu den traditionellen fentlichen Forschungseinrichtungen generierten Wissens
internen bzw. geschlossenen Innovationsstrategien wur- mitgestalten. Zum einen indem sie ihre Ideen und Bedarfe
de hierfür von Henry Chesbrough (2003) der Begriff einbringen, zum anderen indem sie den Prozess beglei-
der „offenen Innovation“ geprägt. Diese „Öffnung“ des ten und beratend tätig werden können. Schließlich beför-
Innovationsprozesses wird notwendig durch steigenden dert der direkte Kontakt zwischen Wissenschaftlern und
Wettbewerbsdruck, ausgelöst durch Globalisierung und Unternehmen auch den Zugang zu implizitem Wissen,
höheren Innovationsdruck infolge kürzerer Produkt welches ohne den direkten Kontakt zum Wissensträger
lebenszyklen. Kernstück einer offenen Innovations unzureichend zu kommunizieren und zu formalisieren
strategie ist der Transfer extern entwickelten Wissens. ist (Polanyi 1985). Gerade in Bezug auf die Anwendbar-
keit von Forschungsergebnissen spielt dieses vor allem
Der Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirt- durch Erfahrung und Nachahmung erworbene Wissen
schaft muss allerdings auch funktionieren, damit das in eine wichtige Rolle für den erfolgreichen Transfer von
der Wissenschaft generierte Wissen in wettbewerbsrele- Wissen (Senker und Faulkner 1996).
vante Innovationen einfließen kann. Dabei ist die kom-
plementäre Ergänzung zwischen dem, aus Perspektive Der direkte, intensive Kontakt zwischen Wissenschaft-
des Unternehmens, „neuen“ Wissen und dem im Unter- lern und Unternehmen entsteht im Rahmen von For-
nehmen bereits vorhandenen „alten“ Wissen von zentra- schungskooperationen, wenn Wissen von beiden Ak-
ler Bedeutung für den Aufbau von Innovationspotential teuren in den Forschungsprozess einfließt. Eine weitere
(Tsai und Wu 2010). Diese Kombination von externem Möglichkeit für einen erfolgreichen Wissenstransfer
und internem technologischem Wissen ist ein Prozess, zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sind zudem For-
der in der Literatur unter dem Konzept der „Absorption“ schungsaufträge, hier sind die Unternehmen zwar nicht
summiert wird. Im Verlauf dieses Prozesses wird der Wert direkt an der Generierung des Wissens beteiligt, sie
des externen Wissens erkannt, in unternehmensinterne bestimmen aber im Zuge des Auftrags die Ausrichtung
Produktionsweisen und Verfahrensabläufe übernommen der Technologie im Sinne ihrer Bedarfe. Das generierte
und angewendet (Cohen und Levinthal 1994). Wissen sollte bei einer erfolgreichen Auftragserfüllung
also in jedem Falle in die Innovationsaktivitäten des Un-
Für einen erfolgreichen Transfer von technologischem ternehmens einfließen.
Wissen aus staatlichen Einrichtungen in die Wirtschaft
müssen die Forschungsergebnisse aus Unternehmens Wie steht es in Deutschland mit einer „offenen“ Innova-
perspektive erstens bekannt und relevant, zweitens zu- tionsstrategie und der Kooperation von Wirtschaft und
gänglich und schließlich auch anwendbar sein (Eckl
2011). Wissenschaftliche Studien zeigen, dass bei 1 Vgl. z. B. Eckl (2011), Eckl und Engel (2011), Fischer (2006),
neuartigen und komplexen Forschungsinhalten der di- Schmoch et al. (2000)
39
Wissenschaft national und im internationalen Vergleich Abbildung 5.1 zeigt die Angaben zur Kooperationsak-
und welche technologiepolitischen Maßnahmen werden tivität (ja/nein). Von denjenigen Unternehmen, die die
ergriffen, Forschungskooperationen zu fördern und den Frage beantwortet haben, gaben 61 % an, in den Jahren
Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft 2009 bis 2011 an FuE-Kooperationen beteiligt gewesen
anzuregen? zu sein. Betrachtet man die unterschiedlichen Branchen
so zeigt sich, dass die Branche der wissenschaftlichen und
Das Kooperationsverhalten deutscher technischen Dienstleistungen den höchsten Kooperati-
Unternehmen im Bereich Forschung und onsanteil aufweist. Insbesondere wissensintensive Dienst-
Entwicklung 2011 leistungen sind auf das vorhandene und benötigte Wissen
In der Erhebung zu Forschung und Entwicklung der ihrer Auftraggeber angewiesen. Als Teil einer Wettbe-
Wirtschaft im Jahr 2011 wurden die Unternehmen zu werbsstrategie können im Rahmen der Kooperation auch
ihrer Kooperationstätigkeit befragt. Dabei ging es zum Aufträge akquiriert werden, wenn den kooperierenden
einen um die Frage, ob überhaupt mit anderen Unterneh- Unternehmen das Know-how der Dienstleistungsunter-
men oder Hochschulen kooperiert wird. Zum anderen nehmen und dessen Nutzen für die potentiellen Auftrag-
wurde auch die Frage nach der Art des Partners und der geber deutlich wird (vgl. Friese 1998). Abgesehen vom
Reichweite der Kooperationen gestellt. wissensintensiven Dienstleistungsbereich fallen die Bran-
chenunterschiede eher gering aus und reichen von 54 %
Unter FuE-Kooperationen verstehen wir dabei die Zu- bis 61 % kooperierender Unternehmen.
sammenarbeit eines Unternehmens mit anderen Unter-
nehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen mit dem Betrachtet man die Kooperationsaktivität in FuE nach
Ziel, gemeinsame FuE-Projekte durchzuführen, gemein- Größenklassen in Abbildung 5.2 zeigt sich, dass die Grup-
same FuE-Fragestellungen zu lösen und technologisches pe der Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten
Wissen auszutauschen. Die Zusammenarbeit kann dabei mit 71 % den höchsten Kooperationsanteil aufweist. Ein
von vertraglich vereinbarten FuE-Projekten bis zum in- ebenfalls hoher Kooperationsanteil (65 %) kann in der
formellen Wissensaustausch reichen. In Abgrenzung zu Gruppe der Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäf-
externer FuE werden die Partner bei FuE-Kooperationen tigten beobachtet werden. Während kleine Unternehmen
nicht vollständig mit der Durchführung der FuE beauf- Kooperationen zur Ergänzung ihrer FuE-Tätigkeit nut-
tragt, sondern bringen sich in unterschiedlichem Ausmaß zen, greifen Großunternehmen gerne auf das Wissen
ein. Eine FuE-Kooperation besteht unabhängig davon, hochspezialisierter Partner zu und verfügen – häufig im
von wem die Ergebnisse im Anschluss an die Kooperation Gegensatz zu KMU – über die Fähigkeit, dieses in ihre
genutzt werden. eigenen FuE-Prozesse zu integrieren. Diese Fähigkeit ei-
Abbildung 5.1: FuE-Kooperation (ja/nein) der Unternehmen in den Jahren 2009 bis 2011, insgesamt und differenziert nach
Branchen
Anteile in Prozent
Gesamt 61 39
wiss. und techn. Dienstl. 77 23
sonstige Branchen 64 36
Gummi, Glas 61 39
Chemie, Pharma 60 40
Elektro, Optik 59 41
Metall 57 43
Fahrzeugbau 54 46
Maschinenbau 54 46
IuK 54 46
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
ja nein
40
Abbildung 5.2: FuE-Kooperation (ja/nein) der Unternehmen Abbildung 5.3: Durchschnittliche Anzahl der FuE-Koopera
in den Jahren 2009 bis 2011, nach Größenklassen tionen mit U
nternehmen 2009 bis 2011 (davon: mit KMU
und Unternehmen der eigenen Unternehmensgruppe),
Anteile in Prozent nach Größenklasse
Beschäftigte 13
Mittelwert Anzahl Kooperationen
> 500 65 35
8
250 – 499 51 49
7
6 6
100 – 249 47 53 6
20 – 99 59 41
4
4
< 20 71 29 3 3 3 3 3
2
0 20 40 60 80 100 2
1 1
ja nein
0 0 0 0
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik < 20 20 – 99 100 – 249 250 – 499 > 500 Total
Beschäftigte
mit Unternehmen davon: mit KMU
nes Unternehmens, externes Wissen zu identifizieren,
davon: mit eigener Unternehmensgruppe
aufzunehmen und zu nutzen wird in der Innovations-
ökonomie als Absorptionskapazität bezeichnet (Cohen Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
und Levinthal 1990). Strategische Überlegungen jenseits
des Wissenstransfers oder eines erhofften innovativen Zu-
gewinns hinsichtlich neuer Auftragspartner mögen bei rangezogen. Hier gibt es wohl weniger Synergieeffekte
kleinen Partnern eine Rolle spielen (Eckl 2011). als in FuE-Kooperationen mit externen Unternehmen-
spartnern.
Die durchschnittliche Anzahl der Kooperationen mit an-
deren Unternehmen ist in der Gruppe der Unternehmen Betrachtet man die durchschnittliche Zahl der FuE-Ko-
mit mehr als 500 Beschäftigten im Zeitraum 2009 bis operationen mit Hochschulen, zeigt sich für den Zeitraum
2011 am höchsten (vgl. Abbildung 5.3). Durchschnitt- 2009 bis 2011 ebenfalls, dass große Unternehmen deut-
lich fanden hier mehr als 12 Kooperationen mit anderen lich häufiger als KMU mit Hochschulen und außeruniver-
Unternehmen statt. KMU und Unternehmen der eigenen sitären Forschungseinrichtungen (FuE-Einrichtungen)
Unternehmensgruppe spielten dabei als Kooperations- kooperieren (Mittelwert: mehr als fünf FuE-Kooperatio-
partner eine eher untergeordnete Rolle. nen). Der Anteil der Kooperationen mit Fachhochschulen
(FHs) an den gesamten Hochschulkooperationen ist bei
Die Zahl der durchschnittlichen Kooperationen wächst kleineren Unternehmen deutlich höher. Insgesamt sind
mit der Größe des Unternehmens bzw. mit dessen per Universitäten häufiger Kooperationspartner im Vergleich
soneller Ausstattung und der damit verbundenen Mög- zu FHs und auch im Vergleich zu außeruniversitären For-
lichkeit, Ressourcen für Kooperationen mit externen schungseinrichtungen (vgl. Abbildung 5.4).
Partnern freizugeben. Kleine Unternehmen (unter 100
Beschäftigte) kooperieren häufiger mit KMU als mit Große Unternehmen kooperieren also deutlich häufiger
großen Unternehmen, während mittlere Unternehmen als KMU mit externen Kooperationspartnern – ob mit
mit 100 bis 500 Beschäftigten häufiger FuE-Koopera- Unternehmen, Hochschulen oder außeruniversitären
tionen mit Großunternehmen eingehen. Unternehmen FuE-Einrichtungen. Unternehmen der wissensintensi-
der eigenen Unternehmensgruppe werden über alle Grö- ven Dienstleistungen kooperieren häufiger als andere
ßenklassen hinweg seltener als Kooperationspartner he- Branchen im Bereich FuE. Unternehmensgröße und
41
Abbildung 5.4: Durchschnittliche Anzahl der FuE-Koope- Tabelle 5.1: Multivariate Analyse: Zusammenhang
rationen mit Hochschulen (davon: Fachhochschulen) und Kooperation = ja, marginale Effekte, Probit Regression
außeruniversitären FuE-Einrichtungen 2009 bis 2011, nach
dF/dx Std. Err. z
Größenklassen
FuE-Aktivität
Mittelwert Anzahl Kooperationen FuE extern (in 1000 Euro) 0.000 0.000 0.910
FuE intern (in 1000 Euro) 0.000 0.000 0.060
8 FuE Personal (Anzahl) 0.000 0.000 0.800
Förderung
Öfftl. FuE-Förderung (ja/nein) 0.439 1) 0.019 20.270
Größenklasse
6
bis 20 Beschäftigte 0.058 0.041 1.498
5
20-100 Beschäftigte -0.048 0.040 -1.210
100-250 Beschäftigte -0.105 1) 0.044 -2.410
4
250-500 Beschäftigte -0.063 0.052 -1.240
mehr als 500 Beschäftigte Ref. Ref. Ref
2 2 2 2 2 Branche
2
Gummi, Glas, Keramik 0.027 0.058 0.450
1 1 1 1 1 1 1 1
Metall 0.016 0.055 0.280
0 0 0 0 0
Maschinenbau -0.022 0.050 -0.440
< 20 20 – 99 100 – 249 250 – 499 > 500 Total Elektronik, Optik -0.042 0.050 -0.850
Fahrzeugbau -0.044 0.073 -0.610
Hochschulen davon: FHs FuE-Einrichtung Sonst. Verarb. Gewerbe 0.011 0.054 0.210
Informations- und Komm. -0.085 0.062 -1.390
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik wiss.-techn. Dienstleistungen 0.090 1) 0.050 2.740
sonst. Branchen -0.026 0.062 -0.420
Chemie, Pharma Ref. Ref. Ref.
-branche scheinen also die Neigung von Unternehmen Anzahl 2217
zu beeinflussen, FuE-Kooperationen einzugehen. Doch R² 0.188
wie spielen diese und andere Unternehmenscharakte- 1) Signifikant auf dem 10 % Niveau
2) Signifikant auf dem 1 % Niveau
ristika zusammen in der Frage, wie groß dieser Einfluß
tatsächlich ist? Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
42
Indiz dafür sein, dass viele Unternehmen eine externe aus der Region. 60 % der Fachhochschulen und 45 %
Motivation brauchen, um sich an FuE-Kooperationen zu der Universitäten kooperieren zudem gut mit außerre-
beteiligen (und der Nutzen der Kooperation an sich oh- gionalen Unternehmen (vgl. Abbildung 5.5). Die großen
ne Förderung als nicht hoch genug bewertet wird). Zum Elite-Universitäten kooperieren deutlich seltener mit Un-
anderen könnte es bedeuten, dass Unternehmen, die oh- ternehmen als weniger forschungsstarke Hochschulen.
nehin kooperieren möchten, gerne auch die dafür vorge- Anders als vermutet, kooperieren die zumeist überdurch-
sehenen öffentlichen Fördermittel in Anspruch nehmen. schnittlich großen Elite-Universitäten auch nicht häufiger
Der kausale Zusammenhang zwischen Förderung und mit außerregionalen Unternehmen.
Kooperation wird zukünftig in tiefergehenden Analysen
der Wissenschaftsstatistik untersucht werden. Zweck der Kooperation mit der Wirtschaft ist bei rund
neun von zehn befragten Hochschulen insbesondere 1)
Kooperation zwischen Wissenschaft und einen Beitrag zum Wissenstransfer zu leisten, 2) For-
Wirtschaft aus Perspektive der Hochschulen schungsaktivitäten zu finanzieren, 3) das Profil bzw. Re-
und Fachhochschulen nommee der Hochschule zu steigern und 4) den Einstieg
Die Neigung zur Kooperation wird nur dauerhaft erhalten in das Berufsleben für ihre Absolventen zu erleichtern.
bleiben, wenn die beteiligten Partner vom Nutzen der 82 % der Fachhochschulen, aber nur 57 % der Univer-
Kooperation überzeugt sind. Speziell die Zusammenar- sitäten sehen auch im Zugang zu neuen Forschungsfra-
beit zwischen Partnern aus unterschiedlichen Sektoren, gen ein wichtiges Ziel bei Unternehmenskooperationen
wie Unternehmen und staatlichen Forschungseinrich- (Hochschul-Barometer 2012).
tungen, ist anfällig für Probleme, da etwa Arbeitsprozes-
se und Kommunikationsroutinen unterschiedlich aus- Die Kooperationsneigung der deutschen
geprägt sind. Unternehmen im internationalen Vergleich
Eine Erhebung der Europäischen Gemeinschaft aus dem
Laut dem Hochschul-Barometer 2012, einer jährlichen Jahr 2004 (Community Innovation Survey – CIS 4) zeigt,
Erhebung des Stifterverbandes zur aktuellen Lage und dass weniger als fünf Prozent der deutschen innovativen
zukünftigen Entwicklungen der Hochschulen aus Sicht Unternehmen Hochschulen und andere öffentliche FuE-
ihrer Präsidenten und Rektoren, funktioniert die Koope- Einrichtungen als äußerst wichtige Informationsquellen
ration zwischen Wissenschaft und Wirtschaft für Uni- für die Innovationstätigkeit nennen. Institutionelle In-
versitäten und Fachhochschulen allerdings gut, insbe- formationsquellen werden von den Unternehmen also
sondere auf regionaler Ebene und für regional profilierte wesentlich seltener genutzt als interne oder vom Markt
Hochschulen.2 83 % der Fachhochschulen im Gegensatz angebotene Quellen, was aufgrund der Existenz exzel-
zu 61 % der Universitäten kooperieren gut mit Firmen lenter Forschungsinstitute, wie z. B. der Fraunhofer Ge-
sellschaft und Max-Planck-Gesellschaft, ein erstaunliches
2 Mehr Informationen unter www.hochschul-barometer.de Ergebnis darstellt.
Abbildung 5.5: Gute und sehr gute Kooperationen mit Unternehmen aus Perspektive der Hochschulen
Anteile in Prozent
50
Unternehmen 45
außerhalb der Region 17
60
69
Unternehmen 61
aus der Region 43
83
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100
43
In Deutschland wie im Rest der EU ist die Vernetzung durchschnittlichen Mittelfeld. Auch hier weist Finnland
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft im Bereich In- mit 51 % den höchsten Anteil auf, jedes zweite finnische
novationen weiterhin verbesserungsfähig (Europäische Unternehmen unterhält also strategische Beziehungen mit
Kommission 2008: 126). Im EU-Vergleich lassen sich Hochschuleinrichtungen zur Unterstützung seiner Inno-
wenige Besonderheiten für Deutschland feststellen: die vationsaktivitäten (Europäische Kommission 2009, S. 49).
Bedeutung von Kunden als ‚äußerst wichtige’ Informa-
tionsquelle für die Innovationstätigkeit ist überdurch- Ein häufig genutzter Indikator für die Kooperationsnei-
schnittlich, während Berater im EU-Ländervergleich in gung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist zudem
Deutschland eine unterdurchschnittliche Rolle spielen. die gemeinsame Autorenschaft von Wissenschaftlern aus
öffentlichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen
Nur 8 % aller Unternehmen entwickeln gezielt strategi- im Rahmen von Fachpublikationen. Der Indikator zeigt
sche Beziehungen zu einzelnen außeruniversitären For- für Deutschland im Vergleich mit anderen innovations-
schungseinrichtungen, um ihre Innovationsaktivitäten starken europäischen Ländern für 2009 ein eher unter-
zu unterstützen. Finnische Unternehmen weisen hier mit durchschnittliches Bild, lässt aber eine positive Entwick-
37 % den höchsten Anteil auf, aber auch die dänischen lung von 1,3 % im Vergleich zum Vorjahr 2008 erkennen
(28 %), tschechischen (26 %) und norwegischen (25 %) (siehe Abbildung 5.8).
Unternehmen nutzen Forschungseinrichtungen ebenfalls
weit über dem EU-Durchschnitt, um Innovationen zu Die vergleichsweise geringe Quote an Co-Publikationen
schaffen (vgl. Abbildung 5.6). zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in Deutschland
hängt neben einer geringen Zusammenarbeit von Unter-
Strategische Kooperationen mit Hochschulen haben ins- nehmen und öffentlichen Forschungsstätten im Bereich
gesamt eine etwas höhere Bedeutung für die Innovati- Innovationen vor allem mit zwei institutionellen Hürden
onstätigkeit von Unternehmen (vgl. Abbildung 5.7). Im zusammen: die deutsche aktuelle Patentgesetzgebung und
Vergleich mit den anderen europäischen Ländern bewegt interne Anreize in Hochschulen und Forschungseinrich-
sich Deutschland mit einem Anteil von 22 % im unter- tungen. Wissenschaftler erhöhen ihre Reputation durch
Abbildung 5.6: Anteil von Unternehmen mit strategischen Beziehungen zu außeruniversitären Forschungseinrichtungen zur
nterstützung ihrer Innovationsaktivitäten, nach Ländern
U
Anteile in Prozent
50
40
37
30
28
26
25
22
21 21 21
20 20
20 19 19
18 18
17 17
16 16
15 15
14
13 13
11
10
10 9 9 9
8
FI DK CZ NO NL SE CY LT UK PL EL AT ES IE SI BE SK IT EU 27 PT BG MT EE RO LU FR CH HU DE LV
Die Frage im Innovationsbarometer 2009 lautete: „Since 2006, has your company developed any Quelle: Europäische Kommission (2009), S. 48
strategic relationships in support of your innovation activities with …?“
Grundgesamtheit: alle Unternehmen, %-Anteil von „Ja“-Antworten nach Ländern
44
Abbildung 5.7: Anteil von Unternehmen mit strategischen Beziehungen zu Hochschulen zur Unterstützung ihrer Innovations
aktivitäten, nach Ländern
Anteile in Prozent
51
50
44
40 39
33
32 32
31
30 30
30
28 28
26
25
24 24 24 24
23
22 22 22
21 21
20 19 19
17 17 17
15
10
8
FI SI SE DK UK AT CZ CH MT IE CY ES NL EL RO EU 27 PL LT SK LU DE EE NO BE HU FR BG IT PT LV
die schnelle Publikation von Forschungsergebnissen. Abbildung 5.8: Co-Publikationen zwischen Wissenschaft
Eine Publikation beeinträchtigt jedoch die Anmeldung und Wirtschaft 2009, (Anzahl)2/Gesamtbevölkerung und
einer Erfindung zum Patent, da im Rahmen der Patent- Veränderung im Vergleich zum Vorjahr
prüfung die Erfindung nach erfolgter Veröffentlichung
nicht mehr als neu eingestuft wird. Außerdem werden + 0,6 %
45
Wissenschaft und Wirtschaft wurden hierdurch angesto- jüngst die Initiative Wissenschaftsfreiheitsgesetz den
ßen. Eine Beurteilung dieser Maßnahmen hinsichtlich deutschen Wissenschaftseinrichtungen mehr Freiräume
deren langfristiger Effekte auf die Kooperationsneigung für W
issens- und Technologietransfer eingeräumt, etwa
von Unternehmen kann allerdings kaum erfolgen. Un- durch verbesserte Möglichkeiten für Ausgründungen
klar ist nämlich, wie viele ohnehin kooperationsgeneigte und Beteiligungen. Allerdings fallen Hochschulen nicht
Unternehmen die Förderung in Anspruch genommen in den Wirkungsbereich des Wissenschaftsfreiheitsge-
haben. setzes. Aktuell sind die Erfahrungen mit Public Private
Partnerships zwischen Forschungseinrichtungen und
Ein Blick in die kooperationsfreudigeren skandinavischen Unternehmen noch begrenzt. Positive Beispiele sind das
Länder zeigt, dass der Anteil der FuE-Aufwendungen am Catalysis Research Laboratory Carla, eine Kooperation
Bruttoinlandsprodukt in Finnland und Schweden bei an- zwischen der BASF AG und der Universität Heidelberg,
nähernd 4 % liegt. Im Jahr 2006 wurde in Finnland eine oder das MerckLab an der Technischen Universität
besondere Förderung für die sechs führenden Techno- Darmstadt.
logiecluster eingeführt. Schweden unterstützt seine Sci-
ence Parks bereits seit den 1980er Jahren (Löfsten und Wichtig wäre im Bereich der Patentgesetzgebung auch
Lindelöf 2002). Eine zusätzliche Besonderheit ist die die Einführung einer Neuheitsschonfrist, wie sie in den
spezielle Förderung von jungen technologieintensiven USA existiert. Auch an der Gestaltung der Anreizsysteme
Firmen, die einerseits ein hohes Wachstumspotential auf- der Hochschulen und Forschungsinstitute, welche Publi-
weisen, andererseits aber auch durch eine große Nähe zu kationen für die wissenschaftliche Reputation förderlich
wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen (aus denen sind, ist zu überlegen. Beide Maßnahmen könnten die
sie zum Teil entstanden sind) geprägt sind (Heydebreck gemeinsame Innovationstätigkeit von Unternehmen und
et al. 2000). öffentlichen Wissenschaftseinrichtungen wie Hochschu-
len und Forschungsinstituten fördern.
Auch die Clusterförderung im Rahmen der Hightech-
Strategie für Deutschland des Bundesministeriums für Literatur
Bildung und Forschung (BMBF) soll die deutsche In- BDI – Bundesverband der deutschen Industrie und
novationskraft nachhaltig stärken und Deutschland an Deutsche Telekom Stiftung (2011): Innovationsindi-
die Weltspitze der wichtigsten Zukunftsmärkte führen. kator 2011. Gutachten online verfügbar unter: www.
Leitmärkte sollen erschlossen und Freiräume für For- innovationsindikator.de/fileadmin/user_upload/Doku-
scher geschaffen werden. Das Ziel ist es, Wirtschaft und mente/Innovationsindikator_2011.pdf (letzter Abruf:
Wissenschaft zu vernetzen (BMBF 2010). Dass die Stra- 11.07.2013).
tegie langfristig zu einer erhöhten Kooperation auch bei BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung
Innovationen führt und den Wissenstransfer zwischen (Hrsg.) (2010): Ideen. Innovation. Wachstum. High-
(außer-) universitären Forschungseinrichtungen und der tech-Strategie 2020 für Deutschland. Bonn, Berlin.
Industrie befördert, kann schlicht aufgrund des bereitge- Bozeman, B. (2000): Technological transfer and public
stellten Volumens und der Zahl der beteiligten Akteure policy: a review of research and theory. Research Po-
angenommen werden. Dass deutsche Unternehmen öf- licy 29(4-5): 627-655.
fentliche Forschung im internationalen Vergleich deut- Chesbrough, H. W. (2003): Open innovation. The new
lich häufiger finanzieren, ist heute bereits der Fall (vgl. imperative for creating and profiting from technology.
Kapitel 3). Ob ein langfristiger Effekt auch über die Dau- Boston, Harvard Business School Press.
er des Programms heraus erreicht wird, muss Gegenstand Cohen, W. M.; Levinthal, D. A. (1994): Fortune favors
zukünftiger Forschung sein. the prepared firm. Management Science 40(2): 227-251.
Cohen, W. M.; Levinthal, D. A. (1990): Absorptive ca-
Die Häufigkeit und der Erfolg von Kooperationen sind pacity: A new perspective on learning and innovation.
jedoch nicht allein an Förderinstrumente gekoppelt. Administrative Science Quarterly 35(1):128-152.
Zusätzlich bedarf es adäquater Rahmenbedingungen Europäische Kommission (Hrsg.) (1996): Grünbuch der
rechtlicher Art und entsprechender Handlungsfreiräu- Europäischen Kommission zur Innovation 1996. Lu-
me und Anreizstrukturen an den Hochschulen und au- xemburg, Amt für Amtliche Veröffentlichungen der
ßeruniversitären Forschungseinrichtungen. So hat erst Europäischen Gemeinschaft.
46
Europäische Kommission (2008): Science, technology Research and Development Funding and Performance
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European Commission, DG Enterprise and Industry. gy Indicators. Online verfügbar unter: stats.oecd.org/
Eckl, V. C. (2011): Barrieren des Wissenstransfers unter index.aspx (letzter Abruf: 11.07.2013).
besonderer Berücksichtigung von KMU. Eine theore- Parvan, S.-V. (2007): Eurostat – Gemeinschaftliche Inno-
tisch-empirische Analyse am Beispiel der Industriellen vationsstatistiken: Schwache Verbindung zwischen in-
Gemeinschaftsforschung in Deutschland. Eckl Verlag, novativen Unternehmen und öffentlichen Forschungs-
Essen. einrichtungen/Hochschulen, Statistik kurz gefasst,
Eckl, V. C.; Engel, D. (2011): How to benefit from pu- Wissenschaft und Technologie 81/2007. Luxemburg.
blicly funded pre-competitive research: an empirical Polanyi, M. (1985): Implizites Wissen. Frankfurt am
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velopment in Industry 2007; Academic Research and
Development Expenditures: FY 2008; Federal Funds
for Research and Development: FY 2007-2009; and
47
48
Entwicklungs- und Nutzungsdauer
6
von Forschung und Entwicklung im
Wirtschaftssektor
von Barbara Grave und Andreas Kladroba
Die FuE-Erhebung 2011 umfasste neben der Regelerhe- hier Abschreibungen ausgewiesen und die Investitionen
bung auch zwei Sondererhebungen. Neben Fragen zu somit über eine vorher definierte Nutzungsdauer verteilt.
Forschungskooperationen (vgl. Kapitel 5) wurden auch Eine entsprechende Vorgehensweise ist natürlich auch
Fragen zu Entwicklungszeiten und Nutzungsdauer von mit den Investitionen in FuE vorzunehmen. Zu diesem
FuE gestellt. Dieser Fragenblock erfolgte auf Initiative Zweck sind Nutzungsdauern für FuE zu definieren, wozu
und mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes. die Zusatzfragen in der FuE-Erhebung 2011 eine Hilfe-
stellung sein sollen.
6.1. Motivation und Fragestellung
Eine der wichtigsten Weiterentwicklungen der Volks- Darüber hinaus kann man sich von den Fragen zu Ent-
wirtschaftlichen Gesamtrechnung auf Basis des neuen wicklungs- und Nutzungsdauer weitere Einsichten in
Systems of National Accounts (SNA 2008) der Verein- die FuE-Aktivitäten der Unternehmen versprechen. So
ten Nationen bzw. des neuen Europäischen Systems ist sicherlich die These, dass die schon formal recht an-
Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010) spruchsvollen FuE-Prozesse in der Pharmaindustrie zu
ist die Einbeziehung von FuE als Investition und damit einer längeren Entwicklungszeit als in anderen Branchen
die Aufnahme in das Anlagevermögen. In den bisherigen führen, plausibel. Auch die Vermutung, dass die Nut-
Rechnungslegungen nimmt FuE lediglich die Rolle von zungszeiten im Luft- und Raumfahrzeugbau im Schnitt
Vorleistungen ein. Mit der Neuregelung kommt es somit länger sind als in anderen Wirtschaftszweigen, ist nahe-
zu einer deutlichen Aufwertung der Forschungs- und liegend.
Entwicklungsleistungen der Unternehmen. Damit gehen
beginnend mit dem Jahr 2014 die Zahlen der vom Stif- Wie wurde die Befragung durchgeführt?
terverband durchgeführten und dem BMBF geförderten Die Angaben der Unternehmen zur Nutzungs- und Ent-
FuE-Erhebung direkt in die VGR ein. Allerdings müssen, wicklungsdauer wurden über einen separaten einseiti-
ähnlich wie bei anderen Fachstatistiken, die ebenfalls der gen Fragebogen abgefragt, der dem Standardfragebogen
VGR zuliefern, unterschiedliche Sichtweisen und Defini- der FuE-Erhebung beigelegt wurde. Konkret wurden die
tionen vereinbart werden.1 Unternehmen gebeten, für maximal vier FuE-Projekte
folgende Angaben zu machen
Eine der wichtigsten Unterschiede besteht darin, dass • Art des Projektes
die FuE-Erhebung Investitionen in FuE direkt abfragt. • Entwicklungszeit in Jahren, d. h. „Zeitspanne vom Be-
Anders als in der Rechnungslegung werden diese Inves- ginn bis zum Ende des FuE-Projektes“
titionen dem Jahr zugeschrieben, in denen sie getätigt • Nutzungszeit in Jahren, d. h. „Zeitspanne vom Beginn
werden. Abschreibungen auf Investitionen sind kein Be- bis zum Ende der Nutzung der FuE-Ergebnisse in der
standteil der FuE-Erhebung. Produktion“
• Anteil an den gesamten FuE-Aufwendungen in Prozent
In der VGR findet man genau die gegenteilige Sichtweise.
Ähnlich wie im betrieblichen Rechnungswesen werden Hintergrund dieser Fragebogengestaltung war es einer-
seits, die Belastung der Unternehmen möglichst gering
1 Vgl. Oltmanns/Bolleyer/Schulz (2009), Forschung und Entwicklung zu halten und andererseits, die Vorgehensweise mög-
nach Konzepten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, in: lichst praktikabel zu gestalten. Diese, vom Statistischem
Wirtschaft und Statistik 2/2009, S. 125-136 Bundesamt und Stifterverband gleichermaßen beschlos-
49
sene Vorgehensweise hat dazu geführt, dass sich folgende Die Tabellen 6.1 und 6.2 zeigen, dass die mittlere Ent-
Probleme nicht vermeiden ließen: wicklungsdauer 2,6 Jahren beträgt. Um eventuell vor-
• Die vorgegebene Auswahl von vier Projekten be handenen Ausreißern keinen Einfluss zu geben, bietet
inhaltet die Gefahr einer gewissen Willkür durch die es sich an, auch den Median zu betrachten. Dieser liegt
antwortenden Unternehmen. Inwiefern die gewähl- bei 2 Jahren. Als Homogenitätsmaß soll im Folgenden
ten Projekte für das Unternehmen repräsentativ sind, der Quartilsabstand (0,75-Quantil minus 0,25-Quantil)
kann von Außenstehenden natürlich nicht entschie- verwendet werden.2 Das obere Quartil (0,75-Quantil)
den werden. beträgt bei der Entwicklungsdauer 3 Jahre, das untere
• Die Definitionen von Entwicklungs- und Nutzungszeit Quartil (0,25-Quantil) beträgt 1,5 Jahre.
sind verhältnismäßig wage und somit unterschiedlich
interpretierbar. Allerdings ist zu bedenken, dass die Die mittlere Nutzungsdauer über alle Branchen beträgt
Fragen, wann ein Projekt beginnt und wann es endet, 10,5 Jahre bei einem Median von 10 Jahren. Als oberes
in den Unternehmen selber höchst unterschiedlich Quartil erhält man 15 Jahre, als unteres Quartil 5 Jahre.
beantwortet würden. Um nicht Gefahr zu laufen, dass
sich die Unternehmen in der Fragestellung nicht mehr Unterscheiden sich kleine und große Unternehmen doch
wiedererkennen und vielleicht auf eine Beantwortung stark in ihren FuE-Aufwendungen, könnte man vermu-
der Frage verzichten, erschien es sinnvoll keine genau- ten, dass sich dieses auch in den Entwicklung- und Nut-
eren Vorgaben zu machen. zungsdauer widerspiegelt. Betrachtet man allerdings die
• Die Antworten beziehen sich zwangsläufig entweder Entwicklung- und Nutzungsdauer für unterschiedliche
auf bereits abgeschlossene Projekte oder stellen Erwar- Unternehmensgrößenklassen, stellt man fest, dass es für
tungen dar. Ein Bezug zur Erhebung 2011 ist damit beide Größen keinen nennenswerten Unterschied gibt.
nur begrenzt gegeben. Der Median der Nutzungsdauer beträgt für alle Größen-
klassen 10 Jahre, der Median für die Entwicklungsdauer
6.2 Die wichtigsten Ergebnisse 2 Jahre mit Ausnahme der großen Unternehmen mit 500
Der Zusatzfragebogen wurde von insgesamt 1531 Un- und mehr Beschäftigten, wo er 2,5 Jahre beträgt. Aller-
ternehmen beantwortet, die Auskunft über die Entwick- dings ist diese Abweichung kaum statistisch signifikant
lungsdauer von insgesamt 2968 Projekten und über die und sollte daher auch nicht überinterpretiert werden.
Nutzungsdauer von insgesamt 2755 Projekten gaben.
Damit haben knapp 17 % aller Unternehmen, die sich 2 Der Quartilsabstand ist ein Streuungsmaß und soll im Folgenden
direkt an der FuE-Erhebung beteiligt haben, auch die zeigen, wie homogen die betrachteten Branchen oder Größenklassen
Zusatzfragen zu Entwicklungs- und Nutzungsdauer be- in sich sind. Dabei ist zu erkennen, dass die Branchen bzw. Grö-
antwortet. Die Gesamtzahl ist damit sicherlich hoch ge- ßenklassen untereinander vordergründig zunächst relativ homogen
nug um einige Tendenzen untermauern zu können. Für erscheinen, wenn man den Median oder das arithmetische Mittel als
detaillierte Analysen, z. B. auf Branchenebene, erfordert Vergleichsmaßstab wählt. Innerhalb einer Branche oder Größenklas-
der relativ geringe Anteil jedoch eine Beschränkung auf se zeigen sich jedoch zum Teil gravierende Unterschiede, die durch
eine rein deskriptive Vorgehensweise. den Quartilsabstand deutlich werden.
Entwicklungsdauer Nutzungsdauer
Unternehmensgröße
(Beschäftigte) Mittel- 25 %- 75 %- Mittel- 25 %- 75 %-
Median Median
wert Quantil Quantil wert Quantil Quantil
unter 10 Beschäftigte 2,7 2 2 3 10,1 10 5 15
10 bis 49 Beschäftigte 2,5 2 2 3 10,6 10 5 15
50 bis 99 Beschäftigte 2,5 2 1 3 10,4 10 5 15
100 bis 249 Beschäftigte 2,3 2 1,5 3 10,2 10 5 15
250 bis 499 Beschäftigte 2,8 2 1,5 3 11,3 10 7,5 15
500 und mehr Beschäftigte 2,8 2,5 2 3 10,4 10 5 13
Gesamt 2,6 2 10,5 10
50
Die recht hohe Homogenität innerhalb der Größenklas- abstand von nur einem Jahr identifiziert werden. Dem
sen wird auch im Mittelwert sichtbar. Dieser schwankt für stehen aber auch Branchen wie die Pharmazie gegenüber,
die Entwicklungsdauer zwischen 2,3 und 2,8 Jahren und in der zwar ein Viertel aller Entwicklungen höchstens
für die Nutzungsdauer zwischen 10,1 und 10,6 Jahren. ein Jahr beträgt, aber ein anderes Viertel mindesten 4,5
Auch der Quartilsabstand zeichnet ein ähnliches Bild. Bei Jahre benötigt. Ein ähnliches Bild liefert auch der sonstige
der Entwicklungsdauer beträgt der Quartilsabstand bei Fahrzeugbau, wo 25 % aller Projekte eine Entwicklungs-
fast allen Klassen 1 bis 1,5 Jahre, wobei zu beachten ist, dauer von mindestens 5,5 Jahren haben.
dass der weitaus größte Teil der Unternehmen seine An-
gaben in vollen Jahren gemacht hat, so dass dieser Wert Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei der Nutzungsdauer
schon als Zeichen großer Homogenität gewertet werden ab. Unter den Branchen mit einer niedrigen Nutzungs-
muss. Leichte Abweichungen davon zeigt die Klasse der dauer befindet sich erwartungsgemäß die Informations-
Unternehmen mit 50 bis 99 Beschäftigten, bei der der und Kommunikationstechnologie mit einem Median
Quartilsabstand 2 Jahre beträgt. Allerdings ist auch diese von gerade einmal sieben Jahren. Auch der KfZ-Bau hat
Abweichung eher durch Zufallseinflüsse als systematisch mit acht Jahren eine eher geringe Nutzungszeit. Dies
zu erklären. wird dadurch unterstrichen, dass das obere Quartil mit
12 Jahren verhältnismäßig niedrig ist. Das heißt, dass
Ähnliche Beobachtungen macht man auch bei der Nut- 75 % aller FuE-Ergebnisse höchstens 12 Jahre genutzt
zungsdauer. In allen Größenklassen bis 250 Beschäftigte werden.
beträgt der Quartilsabstand 10 Jahre mit einem unteren
Quartil von fünf und einem oberen Quartil von 15 Jah- Dem steht auf der anderen Seite die Pharmaindustrie
ren. In den beiden oberen Klassen ist der Quartilsabstand gegenüber, bei der 50 % aller FuE-Projekte eine Nut-
hingegen kleiner. Allerdings fällt eine inhaltliche Inter- zungsdauer von mindestens 15 Jahre haben. Auch ist
pretation auch hier schwer, besonders weil in der Klasse hier das untere Quartil mit acht Jahren im Vergleich zu
250 bis 499 Beschäftigte das untere Quartil höher und in den anderen Branchen verhältnismäßig hoch. Das heißt,
der obersten Klasse das obere Quartil niedriger ist. dass die sich eingangs geäußerte Vermutung bestätig. In
der Pharmaindustrie ist nicht nur die Entwicklungszeit
Ein deutlich anderes Bild zeichnet sich in der Branchen- für einen Großteil der Produkte überdurchschnittlich
betrachtung ab. Tabelle 6.2 zeigt die wichtigsten FuE- hoch, sondern auch die Nutzungszeit der FuE-Ergebnis-
Branchen. Der Median der Entwicklungsdauer beträgt für se. Ähnliches gilt auch für den sonstigen Fahrzeugbau,
alle Branchen zwei oder drei Jahre, was zunächst wenig wo 75 % der FuE-Ergebnisse mindestens 10 Jahre genutzt
spektakulär klingt. Die Besonderheiten werden erst bei werden.
der Betrachtung des Quartilsabstand deutlich. Hier kön-
nen in sich sehr homogene Branchen, wie z. B. der KfZ- Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass diese kur-
Bau oder die Dienstleistungsbranche mit einem Quartils- ze Untersuchung im Wesentlichen das bestätigt, was
Entwicklungsdauer Nutzungsdauer
Wirtschaftsgliederung 1) arithm. 25 %- 75 %- arithm. 25 %- 75 %-
Median Median
Mittel Quantil Quantil Mittel Quantil Quantil
Chemie 2,5 2 1 3 11,5 10 8 15
Pharma 3,7 3 1 4,5 12,2 15 8 15
Elektroindustrie 2,4 2 1,5 3 9,2 10 5 10
Maschinenbau 2,3 2 1,2 3 11,2 10 7 15
KfZ-Bau 2,7 3 2 3 9,8 8 6,5 12
sonst. Fahrzeugbau 4,4 3 2 5,5 12,2 10 10 15
IKT 2,5 2 1,5 3 7,8 7 5 10
Dienstleister 2,9 2 2 3 9,8 10 5 15
Gesamt 2,6 2 1,5 3 10,5 10 5 15
51
die öffentliche Wahrnehmung vermuten lassen würde.
Die Informations- und Kommunikationstechnologie
ist eine hochinnovative Branche mit verhältnismäßig
kurzen Entwicklungszeiten, bei denen die Ergebnisse
aber auch relativ schnell veralten. Ähnlich ist auch der
KfZ-Bau zu sehen, der ja dadurch wahrgenommen wird,
dass er in relativ schneller Folge neue Produkte an den
Markt bringt. Auf der anderen Seite sind Branchen zu
finden mit aufwändigen Entwicklungsprozessen, wie in
der Pharmazie oder dem sonstigen Fahrzeugbau (der
vom Luft- und Raumfahrzeugbau dominiert wird). Hier
ist auch die Nutzung der FuE-Ergebnisse überdurch-
schnittlich lang.
52
Forschung und Entwicklung in
7
der IKT-Branche in Deutschland
von Julia Schneider und Andreas Kladroba
53
Abbildung 7.1: Anzahl der Unternehmen und Beschäftigten Abbildung 7.2: Bruttowertschöpfung in der IKT-Branche 2010
in der IKT-Branche 2010
Bruttowert-
68, 02
10,19
12,23
schöpfung ∑90,44
669.191
137.427
119.293
Anzahl ∑925.911
(in Mrd. €)
Beschäftigte
0% 20 % 40 % 60 % 80 % 100 %
65.566
Anzahl
4.493
4.949
Auch die überwiegende Zahl der Unternehmen und Be- Den Löwenanteil dieser Güter machen auch hier
schäftigten ist im Bereich der IKT-Dienstleistungen tä- die klassischen IKT-Dienstleistungen aus: Im Jahr
tig, wie die Abb. 7.1 zeigt. Rund 72 % aller Beschäftigten 2010 b etrug die Wertschöpfung in den Bereichen
arbeiten in den IKT-Dienstleistungen. Insgesamt sind so- IKT-Dienstleistungen 68 Mrd. Euro. Das entspricht
gar knapp 87 % aller Unternehmen in diesem Bereich tätig. einem Anteil von 75 %. Es folgen der IKT-Handel mit
12 Mrd. Euro (14 %) und die IKT-Warenproduktion
Damit ist der durchschnittliche IKT-Dienstleister mit mit 10 Mrd. Euro (11 %). Nicht nur in absoluten Zahlen
gut 10 Beschäftigten aber deutlich kleiner als ein durch- schaffen die IKT-Dienstleistungen den meisten Wert.
schnittliches Unternehmen in der IKT-Warenproduktion Auch das Verhältnis Bruttowertschöpfung/Umsatz ist
(31 Beschäftigte pro Unternehmen) und im IKT-Handel
(24 Beschäftigte). Ebenfalls ist der durchschnittliche 4 In einer nicht identischen, aber verwandten Statistik zur Zahl der
Umsatz pro Beschäftigten in den IKT-Dienstleistungen Erwerbstätigen nach dem Inlandskonzept lag die Zahl aller Erwerbs-
(241 Tsd. Euro) deutlich geringer als im IKT-Handel tätigen lag im Jahr 2010 gemäß der bei rund 40,6 Millionen, im
(685 Tsd. Euro) und der IKT-Warenproduktion (280 Dienstleistungsbereich „Information und Kommunikation“ bei 1,2
Tsd. Euro). Millionen Personen (www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/Gesamt-
wirtschaftUmwelt/Arbeitsmarkt/Erwerbstaetigkeit/Erwerbstaetigen-
Die IKT-Branche wird also von den IKT-Dienstleistungen rechnung/Tabellen/ArbeitnehmerWirtschaftsbereiche.html, Zugriff
dominiert, sowohl was den Umsatz betrifft als auch die 09.07.2013). Das entspricht 3,0 % aller Erwerbstätigen.
Anzahl der Unternehmen und der Beschäftigten. Doch 5 Die Bruttowertschöpfung gibt den Gesamtwert aller produzierten
sind es im Vergleich zu Handel und Warenproduktion Waren und Dienstleistungen an, abzüglich der Vorleistungen, also
häufig relativ kleine Unternehmen, die dort tätig sind, die der in der Produktion verarbeiteten Güter.
pro Beschäftigten weniger Umsatz generieren. 6 Die Bruttowertschöpfung 2010 lag bei 2.364,51 Mrd. Euro (Quelle:
Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“.
7.2.2 Wirtschaftliche Bedeutung der IKT-Branche Berechnungsstand: August 2012/Februar 2013. Vorläufiges Ergeb-
Die wirtschaftliche Bedeutung einer Branche wird al- nis, online verfügbar unter: www.statistikportal.de/statistik-portal/
lerdings weniger vom Umsatz, als vielmehr von der de_jb27_jahrtab66.asp, Zugriff 03.06.2013)
54
in den zumeist kleinen IKT-Dienstleistungsfirmen dem Krisenjahr 2009 kontinuierlich an, im vergange-
am günstigsten, mit einem Anteil von 42 %, gefolgt nen Jahr um rund 3 % auf 152 Mrd. Euro. Diese 3 %
von der IKT-Warenproduktion (27 %) und dem IKT- Wachstum entsprechen auch der durchschnittlichen
Handel (15 %). jährlichen Wachstumsrate der Branche seit dem Jahr
1998.
Der Branchenverband BITKOM (iwd 2012) bestätigt die
obigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes, dass be- Die IKT-Unternehmen erwarten eine ähnlich positive
sonders der IKT-Dienstleistungssektor boomt. Gründe Entwicklung für die Zukunft: Der Index der Umsatzer-
sieht BITKOM vor allem im wachsenden Online-Handel, wartungen des Branchenverbandes lag im ersten Quar-
in der steigenden Nachfrage nach mobilen Anwendun- tal dieses Jahres bei +64 Punkten, auf einem ähnlichen
gen für Smartphones und im noch nicht gedeckten Niveau wie im vergangenen Jahr und deutlich im po-
IT-Beratungsbedarf der kleinen und mittleren Unterneh- sitiven Bereich, im Gegensatz zur Stimmung in der
men in Deutschland. deutschen Wirtschaft insgesamt. Der dem IKT-Index
vergleichbare ifo-Index der Geschäftserwartungen der
7.2.3 Die zeitliche Entwicklung der IKT-Branche gesamten Wirtschaft lag im ersten Quartal dieses Jahres
Seit den 1990er Jahren stehen in der gesamten Bran-
che die Zeichen auf Wachstum.7 Zwar gab es durch 7 Wie oben erwähnt, wird in diesem Abschnitt die engere Definition
die Finanzkrise im Jahr 2009 auch in der IKT-Branche des Branchenverbandes BITKOM herangezogen, da diese einen län-
Umsatzeinbußen. Besonders stark betroffen war die geren zeitlichen Vergleich ermöglicht.
IKT-Warenproduktion. Doch schon im Jahr 2010 er- 8 Online verfügbar unter: www.bitkom.org/files/documents/
holte sich die Branche wieder. Laut einer Mitteilung BITKOM_ITK-Marktzahlen_Maerz_2013_Kurzfassung.pdf; www.
des Branchenverbandes BITKOM (iwd 2012) wuchs teialehrbuch.de/Kostenlose-Kurse/eCommerce/images/kea_14_02_
der Umsatz der IKT-Unternehmen – in einer engeren ueb04_kl.gif; www.bitkom.org/files/images/ITK_MARKT_
Definition als der obigen OECD-Abgrenzung – nach Download.jpg (Zugriff 05.06.2013).
Umsatz in Mrd. €
160
151,2 153,3
145,9 148,0
142,9 144,6
140,2 139,4
140 134,1
128,9 131,4 131,4
127,9 128,3
120 115,2
102,7
100
80
60
40
20
98 99 00 01 02 03 04 05 06 07 08 09 10 11 12 13
55
bei -3 Punkten.9 Das Wachstum der IKT-Branche ist in 7.3 Forschung und Entwicklung in der
Deutschland allerdings deutlich geringer als in den auf- IKT-Branche
strebenden Industrienationen. Nach Informationen des Doch auch mit den etwas geringeren Wachstumsraten
Branchenverbandes10 wuchs die IKT-Branche in Deutsch- wird die deutsche IKT-Branche immer wichtiger, nicht
land im Jahr 2011 – zugegebenermaßen in einem Zeit- nur gemessen an der Bruttowertschöpfung oder der An-
raum, in dem ganz Europa mit den Auswirkungen der zahl der Beschäftigten. Die IKT-Branche hat sich in den
Finanz- und Euro-Krise beschäftigt war – um etwa 1,4 %. vergangenen Jahren zu einem der wichtigen Pfeiler der
Im selben Jahr wuchsen die BRIC-Staaten zwischen 6 und Forschung und Entwicklung in Deutschland gemausert.
17 %: Brasilien wuchs um 6 %, Russland um knapp 10 %, Dabei standen die Hersteller von IKT-Produkten als Teil
Indien um 17 % und China um rund 10 %. der Elektroindustrie, die eine der forschungsstärksten
Branchen in Deutschland ist, schon immer im Fokus.
Hervorzuheben sind besonders die IKT-Dienstleister,
die in den letzten Jahren einen Aufholprozess absolviert
haben und mit ihrem Engagement in Forschung und
Entwicklung nun in einer Reihe mit den großen Indust-
9 Quelle: BITKOM (2013), online verfügbar unter: www.bitkom. riebranchen stehen.
org/de/presse/8477_74972.aspx (Zugriff 05.06.2013). Quelle:
BITKOM (2011), online verfügbar unter: www.bitkom.org/de/the- Aus statistischen Gründen konzentrieren wir uns in der
men/65158_67719.aspx (Zugriff 05.06.2013). folgenden Auswertung auf diese zwei der drei Säulen der
10 Vergleiche www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Presse- Branche:
info_BRIC-Staaten_14_09_2011.pdf; online verfügbar unter: • Herstellung von IKT-Produkten (WZ 26.1-26.4 und
www.bitkom.org/files/documents/BITKOM_Presseinfo_EITO- 26.8) und
Bericht_16_07_2012.pdf (Zugriff 05.06.2013). • IKT-Dienstleistungen (WZ 58-63).11
FuE-Aufwendungen
interne FuE- externe FuE-
Wirtschaftsgliederung/Beschäftigtengrößenklassen Aufwendungen Aufwendungen
Tsd. €
I. Nach der Wirtschaftsgliederung
26.1 H.v. elektronischen Bauelementen und Leiterplatten 1 308 296 144 598
26.2 H.v. Datenverarbeitungsgeräten und peripheren Geräten 601 912 34 409
26.3 H.v. Geräten und Einrichtungen der Telekommunikationstechnik 1 103 979 125 614
26.4 H.v. Geräten der Unterhaltungselektronik 241 804 7 842
26.8 Herstellung von magnetischen und optischen Datenträgern 2 000 0
J 58-63 Information und Kommunikation 2 989 576 507 046
Insgesamt 6 247 568 819 509
II. Nach Beschäftigtengrößenklassen
unter 20 Beschäftigte 146 215 13 707
20 bis 49 Beschäftigte 263 088 18 445
50 bis 99 Beschäftigte 176 200 15 273
100 bis 249 Beschäftigte 427 472 45 202
250 bis 499 Beschäftigte 348 870 38 623
500 bis 999 Beschäftigte 261 599 29 108
1 000 bis 1 999 Beschäftigte 735 938 78 304
2 000 bis 4 999 Beschäftigte 657 928 76 157
5 000 bis 9 999 Beschäftigte 875 259 306 829
10 000 und mehr Beschäftigte 2 354 999 197 861
Insgesamt 6 247 568 819 509
56
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
Die Aussagekraft der Auswertungen verändert sich
46,8
42,8
41,1
85,5
0,0
93,0
86,6
13
%
durch die veränderte Klassifikation der Branche kaum.12
Ausland
sonst.
Im ungünstigsten Fall kann bei den folgenden Betrach-
13 532
225
5 240
4 388
0
256 941
280 325
Tsd. €
12
tungen für den gesamten IKT-Sektor von einer Über-
erfassung der internen FuE-Aufwendungen von ca.
davon
20 Mio. Euro im Vergleich zur OECD-Abgrenzung
53,2
57,2
58,9
14,5
0,0
7,1
13,4
11
EU-Förderprog.
%
ausgegangen werden. Dies entspricht einer Abweichung
aus
von unter 0,5 %.
15 384
301
7 521
746
0
19 491
43 444
Tsd. €
10
7.3.1 Steigende interne FuE-Aufwendungen
Wie Tabelle 7.1 zeigt, hat der IKT-Sektor im Jahr 2011
2,2
0,1
1,2
2,1
0,0
9,3
5,2
%
9
in der oben genannten Abgrenzung 6.248 Mio. Euro
Ausland
vom
28 916
527
12 760
5 134
0
für interne FuE ausgegeben. Das sind 905,5 Mio. Euro
276 431
323 768
Tsd. €
davon finanziert
8
Interne FuE-Aufwendungen
mehr als 2009, was einer Steigerung von 17 % ent-
spricht. Der Anteil an den internen FuE-Aufwendun-
0,1
0,0
0,0
0,0
0,0
1,5
0,8
gen der deutschen Wirtschaft insgesamt beträgt damit
%
7
von sonstigen
Inländern
12 %. Dieser Anteil liegt deutlich über dem Beschäfti-
684
8
329
4
0
46 115
47 139
gungsanteil der IKT-Branche an allen Beschäftigten in
Tsd. €
6
Deutschland (3 %). Das zeigt, wie forschungsintensiv
die Branche ist.
5,4
0,9
0,7
4,6
0,0
4,2
3,5
%
5
Staat
vom
70 142
5 183
7 307
11 184
0
125 283
219 100
Tsd. €
%
3
Tsd. €
stellbar. Auch Säule (2), die IKT-Dienstleister, weicht leicht von der
OECD-Klassifikation ab. In unserer Klassifikation werden auch die
1 308 296
601 912
1 103 979
241 804
2 000
2 989 576
6 247 568
insgesamt
57
Die Säulen „IKT-Hersteller“ und „IKT-Dienstleister“ un- FuE-Aufwendungen des Wirtschaftssektors direkt von
terscheiden sich in der absoluten Höhe der FuE-Aufwen- dort, 4,4 % hat der Staat beigesteuert und 4,0 % das Aus-
dungen kaum – die Dienstleister geben für interne For- land. Der IKT-Sektor unterscheidet sich nicht wesent-
schung und Entwicklung 48 % aus, die Hersteller 52 %. lich von diesen Durchschnittswerten. Mit 90,6 % liegt
Auch die Entwicklung seit 2009 ist bei beiden Säulen der Anteil der Eigenfinanzierung etwas niedriger, auch
gleich. Während die Steigerungsrate der Dienstleister der Anteil des Staates ist mit 3,5 % etwas geringer. Dies
knapp unter 17 % liegt, beträgt die der Hersteller etwas wird durch einen höheren Auslandsanteil (5,2 %) aus
über 17 %. geglichen. Dieser ist allerdings durch den Einzelfall eines
Großunternehmens in ausländischem Besitz zu erklären,
Nach Größenklassen gegliedert wurden 4.885,7 Mio. dessen Finanzierung fast ausschließlich über die aus
Euro, also 78 % der internen FuE-Aufwendungen, von ländische Mutter erfolgt und das auf diese Weise zu einer
Großunternehmen mit 500 und mehr Beschäftigten aus- Verschiebung der gesamten Branche beiträgt.
gegeben. Damit ist die FuE der IKT-Branche deutlich
weniger auf Großunternehmen konzentriert als beim 7.3.3 Sinkende externe FuE-Aufwendungen
Durchschnitt des Wirtschaftssektors, wo gut 84 % der Der IKT-Sektor hat im Jahr 2011 Forschungsaufträge (im
internen F
uE-Aufwendungen durch Großunternehmen Sinn externer Forschung und Entwicklung) in Höhe von
aufgebracht werden. Allerdings gibt es deutliche Unter- 819,5 Mio. Euro vergeben. Dies waren gut 16 % weniger
schiede zwischen den Säulen. als 2009. Ein Rückgang von externen FuE-Aufwendun-
gen ist auch in Zeiten eines steigenden FuE-Engagements
Bei den Herstellern, die ja dem Verarbeitenden Gewer- der Unternehmen nicht ungewöhnlich und zeigt, dass
be, also der Industrie, zuzuordnen sind, werden 82 % der Forschungsaufträge oftmals zur kurzfristigen Disposition
internen FuE-Aufwendungen von Großunternehmen ge- verwendet werden. Daher wurde schon an verschiedenen
tragen. Bei den wesentlich mittelständischer geprägten Stellen ein Verlauf auch gegen den allgemeinen Trend des
Dienstleistern sind es unter 75 %. Die kleineren IKT- FuE-Engagements beobachtet.
Dienstleister forschen und entwickeln also überdurch-
schnittlich viel. Externe FuE-Aufwendungen des gesamten Wirtschafts-
sektors bleiben zu über 60 % im gleichen Sektor. Im Be-
7.3.2 Interne FuE-Aufwendungen hauptsächlich eigen- reich IKT gilt das nur für knapp mehr als die Hälfte der
finanziert externen FuE-Aufwendungen, wobei sich hier die beiden
Forschung und Entwicklung des Wirtschaftssektors Säulen von IKT noch deutlich unterscheiden. Während
werden traditionell von diesem auch weitgehend sel- die IKT-Dienstleister ihre externe FuE zu gut 55 % im
ber finanziert. Im Jahr 2011 kamen 91,4 % der internen inländischen Wirtschaftssektor vergeben, ist dies bei den
Externe FuE-Aufwendungen
davon Aufträge an
I. Wirtschaftsgliederung insgesamt den Staat und
den Wirtschaftssektor das Ausland
II. Unternehmen mit … bis … Beschäftigten sonstige Inländer
Tsd. € % Tsd. € % Tsd. € %
1 2 3 4 5 6 7
I. Nach der Wirtschaftsgliederung
26.1 H.v. elektronischen Bauelementen und Leiterplatten 144 598 68 241 47,2 63 869 44,2 12 489 8,6
26.2 H.v. Datenverarbeitungsgeräten und peripheren Geräten 34 409 23 851 69,3 5 422 15,8 5 136 14,9
26.3 H.v. Geräten u. Einrichtungen der Telekommunikationstechnik 125 614 42 441 33,8 66 760 53,2 16 413 13,1
26.4 H.v. Geräten der Unterhaltungselektronik 7 842 3 866 49,3 3 594 45,8 382 4,9
26.8 Herstellung von magnetischen und optischen Datenträgern 0 0 0,0 0 0,0 0 0,0
J 58-63 Information und Kommunikation 507 046 280 979 55,4 174 363 34,4 51 704 10,2
Insgesamt 819 509 419 377 51,2 314 008 38,3 86 124 10,5
58
Quelle: Stifterverband Wissenschaftsstatistik
IKT-Herstelllern nur zu 45 % der Fall. Bei den Herstellern
Anteil
25,7
22,2
24,1
27,8
25,8
37,4
32,4
darunter Frauen
12
%
wird dafür mehr mit Hochschulen und außeruniversitä-
Sonstiges FuE-Personal
ren Forschungseinrichtungen zusammengearbeitet.
Anteil Anzahl
241
71
0
233
39
1 062
1 646
11
Vor allem die IKT-Hersteller vergeben also überdurch-
Anzahl
schnittlich häufig Forschungsaufträge an deutsche Wis-
Männer
Frauen Frauen Frauen Frauen
935
321
2
838
151
2 842
5 088
senschaftseinrichtungen, weniger an deutsche Unterneh-
und
10
men. Der Anteil der externen FuE-Aufwendungen, der
ins Ausland geht, ist in beiden Säulen mit 10 % bis 11 %
17,9
12,9
16,2
20,9
15,4
19,4
18,2
darunter Frauen
%
9
Technikerinnen/Techniker
ungefähr gleich.
Männer
Anteil Anzahl
7.3.4 FuE-Personal in der IKT-Branche
454
240
1
391
63
1 108
2 257
8
Im IKT-Sektor haben im Jahr 2011 51.467 Vollzeitäquiva-
FuE-Personal in Vollzeitäquivalent
Anzahl
lente (60.220 Personen) in Forschung und Entwicklung
2 537
1 858
5
1 871
412
5 724
12 407
und
gearbeitet. Dies entspricht 14,4 % aller FuE-Beschäftigten
7
des Wirtschaftssektors in IKT. Damit ist die IKT-Branche
nicht nur besonders forschungsintensiv gemessen am
9,3
8,1
8,0
9,4
14,7
9,1
11,5
darunter Frauen
%
6
hohen Anteil an den internen FuE-Aufwendungen der Wissenschaftlerinnen/
deutschen Wirtschaft insgesamt (12 %), sondern auch
Männer
Wissenschaftler
Anteil Anzahl
am deutlich überdurchschnittlichen Anteil an FuE-Be-
644
205
571
1
2 388
100
3 910
5
schäftigten.
Anzahl
6 888
2 538
7 181
14
16 245
1 106
33 972
Dies gilt für beide betrachtete Säulen des IKT-Sektors,
und
4
Hersteller wie Dienstleister. Dennoch gibt es aber einige
Unterschiede in der Personalstruktur. Zunächst ist der
12,9
11,0
darunter Frauen
12,1
12,1
12,2
18,4
15,2
Frauenanteil im IKT-Bereich niedriger als im Durch-
%
3
Insgesamt
1 338
517
1 196
203
2
4 558
7 813
2
59
schnittlich. Über alle Branchen betrachtet liegt der Anteil 7.5 Literatur
nur bei 53 %. Dafür ist der Anteil der Techniker mit 24 % Statistisches Bundesamt (2013): IKT-Branche in
in der IKT-Branche deutlich geringer als im gesamten Deutschland, Bericht zur wirtschaftlichen Entwick-
Wirtschaftssektor (32 %) lung, Wiesbaden.
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
7.4 Zusammenfassung (2007), IKT 2020, Forschung für Innovationen, Berlin.
Mit 75.000 Unternehmen, über 900.000 Beschäftigten iwd (2012): IKT-Branche, Mobil funkt, iwd – Nr. 50 vom
und einem jährlichen Wachstum von 3 % gilt die Bran- 13. Dezember 2012, Köln, online verfügbar unter:
che der Informations- und Kommunikationstechnologien www.iwkoeln.de/de/infodienste/iwd/archiv/beitrag/
zu Recht inzwischen als einer der wichtigsten Innova- ikt-branche-mobil-funkt-99183, Zugriff 03.06.2012.
tionsmotoren Deutschlands. Die aktuellen Zahlen der
FuE-Statistik zeigen, dass die IKT-Branche besonders
forschungsintensiv ist und bleiben wird, sowohl gemes-
sen am hohen Anteil an den internen FuE-Aufwendungen
der deutschen Wirtschaft insgesamt (12 % aller Aufwen-
dungen), als auch gemessen am deutlich überdurch-
schnittlichen Anteil an FuE-Beschäftigten (14 % aller
FuE-Beschäftigen in Deutschland). Zwischen 2009 und
2011 stiegen die internen FuE-Aufwendungen der IKT-
Branche um ganze 17 %.
60
Anhang
61
Fragebogen der Erhebung 2011
Bitte den ausgefüllten Fragebogen möglichst umgehend zurückschicken an: SV Wissenschaftsstatistik gGmbH
Barkhovenallee 1
45239 Essen
SV Wissenschaftsstatistik gGmbH Fax: (02 01) 84 01-4 31
wissenschaftsstatistik@stifterverband.de
Postfach 16 44 60 www.wissenschaftsstatistik.de
Rückfragen? Tel.: (02 01) 84 01-4 29
45224 Essen Sie erreichen uns am besten von 9-12 und 13-16 Uhr
Evtl. Änderungen in Ihrer Anschrift bitte angeben:
Datenschutz:
Die erhobenen Einzeldaten Ihres Unternehmens werden in jedem Fall geheim gehalten. Wir geben ausschließlich aggregierte
Untersuchungsergebnisse in einer Form weiter, die einen Rückschluss auf einzelne Unternehmen ausschließt.
Wenn ja, bitte hier den Namen der Unternehmensgruppe und den Hauptsitz der Führungsgesellschaft
eintragen (bei Sitz im Ausland, bitte auch das Land angeben):
335
Bitte bei den folgenden Angaben nur den Standort Deutschland berücksichtigen.
2. Beziehen sich die nachfolgenden Angaben, auch die in den Abschnitten B. bis K., ausschließlich
4 0 1
auf das im Adressfeld genannte Unternehmen (nur Inland)? ja nein
Wenn nein, bitte hier die einbezogenen weiteren Unternehmen (nur Inland) der Unternehmensgruppe
14
angeben (gegebenenfalls bitte Anlage beifügen):
FA 1-11
1
54
62
B. Allgemeine Angaben zu Ihrem Unternehmen Anzahl
Personen Vollzeitäquivalent*)
1. Wieviel Beschäftigte hatte Ihr Unternehmen 15 204
Männer
16
000 €
2. Wie hoch war der Umsatz im Geschäftsjahr 2011?
(bei Meldung von Unternehmensgruppen: Außenumsätze)
Falls Schlüsselzahl nicht bekannt, bitte die Hauptprodukte der wirtschaftlichen Tätigkeit angeben:
*) Vollzeitäquivalent ist eine Maßeinheit, die einem Vollzeitbeschäftigten entspricht, der seine gesamte Arbeitszeit auf FuE verwendet. Bei der
Berechnung wird z. B. ein Vollzeitbeschäftigter, der ein Viertel seiner Arbeitszeit auf FuE verwendet, als 0,25 VZÄ berechnet, ein Halbtagsbeschäf-
tigter, der ausschließlich für FuE-Arbeiten eingesetzt wird, als 0,5 VZÄ.
Das Produkt sollte neu für Ihr Unternehmen sein; es muss sich dabei nicht notwendigerweise um eine Marktneuheit
handeln. Wesentlich ist nur die Beurteilung aus der Sicht Ihres Unternehmens.
Haben Sie in den Jahren 2009 bis 2011 neue oder verbesserte Produkte 0 nicht
235 1 2
in Ihr Produktionsprogramm aufgenommen? ja nein bekannt
Wenn ja, wie hoch schätzen Sie den Umsatzanteil im Jahre 2011 von
seit 2009 neu eingeführten Produkten
238
%
2
55
63
Erläuterungen zum Begriff FuE
Forschung und experimentelle Entwicklung (FuE) sind Arbeiten mit dem Ziel
• vorhandenes Wissen zu erweitern und neue allgemeingültige Erkenntnisse zu gewinnen,
• neue Anwendungsmöglichkeiten zu finden oder
• neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren auf experimentelle Weise zu entwickeln oder durch wesentliche
Änderungen weiterzuentwickeln
FuE kann sich auf verschiedene Bereiche beziehen wie Natur- und Ingenieurwissenschaften, Informatik, Medizin, Agrar-
wissenschaften sowie Wirtschafts-, Geistes-, und Sozialwissenschaften. Unternehmen führen FuE zum Teil in Forschungs-
abteilungen durch, integrieren FuE in den Produktionsprozess oder aber vergeben Forschungsaufträge an andere.
Eine Tätigkeit gehört zu FuE, wenn sie zur Lösung von Problemen oder Fragestellungen beiträgt, die bisher technologisch oder
wissenschaftlich nicht geklärt sind. Wesentlich ist, dass im Ergebnis etwas Neues entwickelt wird. Neu können dabei sowohl
Teile des entwickelten Produkts oder der Dienstleistung sein als auch die eingesetzten Methoden und Verfahren. In der Regel
ist das Resultat zu Beginn von FuE-Arbeiten noch ungewiss.
Nicht zu FuE gehören Tätigkeiten, bei denen die hergestellten Produkte, die genutzten Verfahren oder Vorgehensweisen im
Wesentlichen schon bekannt sind, z. B.
• routinemäßige (Qualitäts-)Kontrollen,
• administrative und juristische Patent- und Lizenzarbeiten, die nicht unmittelbar im Zusammenhang mit FuE-Projekten stehen,
• Untersuchungen über die Durchführbarkeit von technischen Projekten mit Hilfe bekannter Verfahren,
• Softwareentwicklungen, soweit es sich um Standardentwicklungen oder Support für bereits existierende Systeme handelt,
• Untersuchungen zur Erschließung von Märkten,
• wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Studien, in denen bekannte Methoden oder Erkenntnisse aus diesen Wissen-
schaften auf eine bestimmte Fragestellung angewandt werden.
In der Übersicht finden Sie die Einordnung einiger Grenzfälle.
FuE-Aufwendungen FuE-Budgetplanung
2011 2012 2013
2. Gesamt FuE 305 241 242
000 € 000 € 000 €
308
Anzahl der
FuE-Personal 2011 Personen
FA 1-11
309
Vollzeit-
äquivalent
56
64
E. FuE-Aufwendungen nach Mittelverwendung
31
1. Interne FuE-Aufwendungen insgesamt 000 €
Die internen FuE-Aufwendungen setzen sich zusammen aus Aufwendungen
für FuE-Personal, FuE-Sachmittel sowie Investitionen für FuE. 26
FuE-Personalaufwendungen 000€
Löhne und Gehälter für FuE-Personal. Eingeschlossen sind gesetzliche, tarifliche und zusätzliche
Personalkosten, wie z. B. Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers, Zuschüsse zur Altersversorgung,
Prämien, Gratifikationen sowie Weiterbildungskosten für FuE-Personal. 27
000 €
FuE-Sachaufwendungen
Aufwendungen für Material und Ausrüstung für die durchgeführte FuE, sofern es nicht unter Investi-
tionen fallende größere Posten sind. Eingeschlossen sind z. B. Bücher, Zeitschriften, EDV-Ausgaben
(Hardware, Software, Support), Büromaterialien, Telefon sowie Verwaltungs- und Gemeinkostenanteile.
Abschreibungen sind auszuschließen. 28
000 €
Investitionen für FuE
Bruttokapitalausgaben (Bruttozugänge ohne Umbuchungen) für erworbene und selbsterstellte Anlagen
für FuE, wie sie tatsächlich angefallen sind, unabhängig von der Finanzierungsmethode und unabhängig
davon, ob es sich um Ersatz- oder Erweiterungs-(Neu-)inverstitionen handelt. 40
verbundene Unternehmen
000 €
222
FuE-Gesamtaufwendungen
000 €
Dies ist die Summe von internen und externen FuE-Aufwendungen (E.1. und E.2.)
Bitte die Herkunft der Mittel zur Finanzierung von FuE eintragen, ungeachtet der Verwendung für interne und externe FuE.
Nach Möglichkeit ist die ursprüngliche Herkunft der Mittel anzugeben (Subkontrakte).
39
000 €
vom Inland
42
4
57
65
G. FuE-Personal
Personen, die direkt FuE-Arbeiten durchführen oder indirekte Dienstleistungen für FuE erbringen, wie z. B. in Management und
Verwaltung tätiges Personal sowie Bürokräfte. Eingeschlossen sind auch solche Personen, die auf Honorar- oder ähnlicher Vertragsbasis im
Unternehmen für FuE arbeiten.
Für die Zuordnung zu den Personalgruppen (Wissenschaftler und Ingenieure, Techniker, sonstiges FuE-Personal) ist die Art
der ausgeübten Tätigkeit entscheidend:
Wissenschaftliches FuE-Personal: Personen, die neue Erkenntnisse, Produkte, Verfahren, Methoden und Systeme konzipieren oder schaffen, ein-
schließlich Führungskräfte der FuE-Verwaltung. In der Regel sind dies Wissenschaftler oder Ingenieure, die ein
Studium an einer Hochschule abgeschlossen haben.
Technisches FuE-Personal: Personen, die technische Hilfsarbeiten in Verbindung mit FuE normalerweise unter Leitung und Aufsicht eines
Wissenschaftlers oder Ingenieurs ausführen.
Sonstiges FuE-Personal: Facharbeiter, ungelernte und angelernte Hilfskräfte sowie Buchhalter, Lagerverwalter, Verwaltungssachbe-
arbeiter und Schreibkräfte, die direkt im FuE-Bereich tätig sind. Auszuschließen ist sonstiges Betriebspersonal wie
z. B. Pförtner.
Anzahl
Personen Vollzeitäquivalent*)
194 190
FuE-Personal insgesamt
281 292
Frauen
282 293
Männer
286 297
Technisches FuE-Personal
287 298
Frauen
288 299
Männer
289 300
Sonstiges FuE-Personal
290 301
Frauen
291 302
Männer
*) Vollzeitäquivalent ist eine Maßeinheit, die einem Vollzeitbeschäftigten entspricht, der seine gesamte Arbeitszeit auf FuE verwendet. Bei der
Berechnung wird z. B. ein Vollzeitbeschäftigter, der ein Viertel seiner Arbeitszeit auf FuE verwendet, als 0,25 VZÄ berechnet, ein Halbtagsbeschäftig-
ter, der ausschließlich für FuE-Arbeiten eingesetzt wird, als 0,5 VZÄ.
FA 1-11
58
66
H. Standort Ihrer inländischen FuE-Stätte(n), an dem die unternehmenseigene FuE
durchgeführt wird.
Befinden sich Ihre Forschungsstätten ausschließlich an Ihrer Anschrift auf Seite 1?
84 0 1
ja nein
Wenn nein, bitten wir nachfolgend um ergänzende Angaben (gegebenenfalls bitte Anlage beifügen):
PZ 2 VT 2
PZ 3 VT 3
PZ 4 VT 4
PZ 5 VT 5
PZ 6 VT 6
PZ 7 VT 7
PZ 8 VT 8
PZ 9 VT 9
PZ 10 VT 10
2. Aufgabenstellung
Entwicklung neuer Produkte
234
%
Entwicklungen, die sowohl Produkte als auch Verfahren erneuern oder verändern
247
%
100 %
Beschränkt sich die in Ihrem Unternehmen durchgeführte interne FuE auf die
83 0 1
Produkte/Verfahren, die dem wirtschaftlichen Schwerpunkt Ihres Unternehmens entsprechen? ja nein
FA 1-11
59
67
K. Interne Aufwendungen nach Produktgruppen, für die FuE durchgeführt wurde
Bei der Aufteilung der internen Aufwendungen nach Gütern (Waren und Dienstleistungen) sind die jeweiligen
FuE-Aufwendungen unter den Bereichen einzutragen, für die FuE durchgeführt wurde.
Ziffern in Klammern = Statistische Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, 2008 (CPA 2008)
101
P17 Geräte u. Einrichtungen d. Telekommunikationstechnik (26.3)
102
P18 Geräte der Unterhaltungselektronik (26.4)
103
P19 Mess-, Kontroll-, Navigations- u.ä. Instrumente u. Vorricht.; Uhren (26.5 )
104
P20 Elektromedizinische (Therapie-) Geräte (26.6)
105
P21 Optische u. fotografische Instrumente u. Geräte (26.7)
106
P22 Magnetische u. optische Datenträger (26.8)
107
P23 El.-mot., Generat., Transform., Elektrizitätsverteilungs- u. -schalteinrichtungen (27.1)
108
P24 Akkum., Batt., el. Lampen/Leuchten, H.v. el. Ausr., Kabel u. elektr. Installationsmat. (27.2-.4, 27.9)
109
P25 Haushaltsgeräte (27.5)
110
P26 Land- und forstwirtschaftliche Maschinen (28.3)
111
P27 Werkzeugmaschinen (28.4)
112
P28 Übrige Erzeugnisse des Maschinenbaus (28.1, 28.2, 28.9)
113
P29 Kraftwagen und Kraftwagenteile (29)
114
P30 Schienenfahrzeuge (30.2)
115
P31 Luft- u. Raumfahrzeuge (30.3)
116
P32 Sonstige Fahrzeuge ohne Schienen-, Luft- und Raumfahrzeuge (30.1, 30.4, 30.9)
117
P33 Möbel, Münzen, Schmuck, Musikinstrumente, Sport- u. Spielwaren (31, 32-.4)
118
P34 Medizinische u. zahnmedizinische Apparate u. Materialien (32.5)
119
P35 Sonst. Erzeugnisse; Reparatur-Instandhaltungsarbeiten an Metallerz. /Masch./ Ausrüstungen (32.9, 33)
120
P36 Energieerzeugung u. -versorgung (35)
121
P37 Wasserver- u. -entsorgung (36-37)
122
P38 Abfallsammlung, -behandlung, -beseitigung; Recycling (38-39)
123
P39 Erzeugnisse des Baugewerbes, Bauarbeiten (41-43)
124
P40 Handel (45-47)
125
P41 Verkehrs-, Lagerei-, Post- u. Nachrichtenübermittlungsdienstleistungen (49-53, 58-60)
126
P42 Telekommunikationsdienstleistungen (61)
127
P43 Software- u. Informationsdienstleistungen (62-63)
128
Dienstleistungen
60
68
L. Fragen zu FuE-Kooperationen
Unter FuE-Kooperationen verstehen wir die Zusammenarbeit Ihres Unternehmens mit anderen Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen
mit dem Ziel, gemeinsame FuE-Projekte durchzuführen, gemeinsame FuE-Fragestellungen zu lösen und technologisches Wissen auszutauschen. Die
Zusammenarbeit kann dabei von vertraglich vereinbarten FuE-Projekten bis zum informellen Wissensaustausch reichen. In Abgrenzung zu externer
FuE werden die Partner bei FuE-Kooperationen nicht vollständig mit der Durchführung der FuE beauftragt, sondern bringen sich in unterschiedli-
chem Ausmaß ein. Eine FuE-Kooperation besteht unabhängig davon, von wem die Ergebnisse im Anschluss an die Kooperation genutzt werden.
140 1 0 2
1. Waren Sie in den Jahren 2009-2011 an FuE-Kooperationen beteiligt? ja nein nicht bekannt
2. Mit wie vielen Partnern haben Sie in den Jahren 2009-2011 im Bereich FuE kooperiert? (Anzahl)
141 142
Unternehmen insgesamt, davon Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten
143
Unternehmen der eigenen Unternehmensgruppe
144 145
Hochschulen, davon Fachhochschulen
146
sonstige außeruniversitäre Forschungseinrichtungen (MPG, FhG etc.)
481
Name: Firmenstempel/Unterschrift:
496
Abteilung:
497
Telefon:
498
E-Mail:
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Analysen und Vergleiche
FuE-Datenreport 2013
FuE-Datenreport
2013
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