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Für

Sina
[noch
h sieben Jaahre und vier
v Monaate …]
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Seite 2
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Inhalt

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R Warum ein kleiner Mord so schwierig ist
R Warum ein Mann tun muss, was ein Mann tun muss
R Frauentausch
R Warum Mordgedanken zur Liebe gehören
R Jeder Anfang ist auch ein Anfang vom Ende
R Entsorgungsprobleme und Gewissensqualen
R Erweckungsspiele
R Seidenstrümpfe
R Philosophisches Korsett
R Liebes- und vorbereitende Mordzeiten
R Spurensicherung und Geständnis
R Rettungsversuche
R Interessengeficke (Kopenhagener Deutung der
Quantentheorie)
R Rote Pumps
R Wie ich als Prophet erfolgreich wurde
R Von einem uralten Apfelbaum und einer Wiese im Sonnenlicht
Tarot, goldene Kugeln, und von einem Drachen, der mit
seinem Schwanz die Sterne vom Himmel holt
R Gerechter Mord mit Apfelbaum
R Mörderische Heiratsgedanken
R Komplizen
R Philosophisches Ehekonzept
R Ursache, Plan und Wirkung
R Nonnenkleid und Bar Bizarr
R Natursekt
R Nachtrag
R Mein Profil
R Meine Bücher und Veröffentlichungen
R Meine Schutz- und Nutzungsrechte

Seite 3
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______

W
Warum ein kleiner Mo
ord so schw
wierig ist

Diie brave Hausfrau liest im Blättcheen


von Lastern
n selten dusstrer Art, vo
om Marktprreis fleißiger
Erzkoketttchen, vom Lustgreis au
uch mit Fuß
ßsackbart.
Mein Gott, deenkt sich diee junge Gatttin, mein Gott!
G welch ein
Spektakulum
m!
„Daas schlanke Frauenzimm
mer hat ihn
n …“ Ja was?? Sie bringt sich
reinw
weg um. O Frau!
F Die Ph
hantasie hatt Grenzen, sie
s ist so en
ng - es
gibt nicht viel.
v Nach wenigen
w Tou
uren, weniggen Tänzen
ist’s sttets das altee, gleiche Sp
piel. Der lieb
bt die Knaben. Dieser ZZiegen.
Die will
w die Männer laut und m bei Seeeoffizieren liegen.
d fett. Die mag
Und der
d geht nurr mit sich ins Bett. Hausbacken sch
hminkt sich selbst
das Laster.
L Sieh hin - und Illlusionen fliiehn.
Es gründen noch
h die Päderaaster „Vere
ein für Unzucht, Sitz Berlin“.
Was kaann der Men
nsch denn mit
m sich machen! Wie er
e sich anstellt und
verren
nkt: Was Neeues kann er nicht entfaachen.
Es sind doch stets
s dieselb
ben Sachen
n ...
Geschenkt! Gesch
henkt!
Kurt Tucholskyy.

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Die Gedankken sind freei, wer kann


n sie erraten
n? Das ist eiine
gute Frrage, wenn man die begrenzte Gedankenweltt des
durchscchnittlichen
n Gehirns beetrachtet. Es
E strebt ein
ndimensional nach
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Brauchbarkeit, etw
wa wie der dürftige Inh
halt eines Krrokodilkopffes, der
nur diee Reflexe „V
Vorwärts“, „Zuschnappe
en“, „Zurücck“ und
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„Verdauen“ kennt. Nur das scheinbar Naheliegende wird vom

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gewöhnlichen Kleinhirn als Möglichkeit akzeptiert, und was nicht sein
kann, kann auch nicht erdacht werden. Geniale Ideen können in
solchen Kleinhirnen nicht entbunden werden – das ist eine
unumstößliche Tatsache, und dazu stehe ich.
Für die Minimalgeister, die Untermittelmäßigen und die
Bescheidenen sind die alltäglichen Dinge spannend, aber für mich,
den grandiosen Gedankenschöpfer und Zuendedenker kann nur gut
sein, was ich in den letzten Winkeln der verkommenen Seelen finde.
Darum sage ich ehrlich und aufrichtig: „Aus meinem Wissen um die
Abgründe der Realität schöpfe ich die Kraft, das zu tun was getan
werden muss, aber nur weil ich muss.“
Wenn ich das, für das man mich mit einem läppischen
Vorschuss bezahlt hat, mit den kritischen Augen des Genies
betrachte, steht es für mich unumstößlich fest: Ein Mord ohne Gehirn
führt zu einer hirnlosen Aktion.
Hinterrücks meucheln und dann wie ein Schnitzel zu
Schaschlik metzeln passt nicht zu meiner Wesensart, weil ich auch
sensibel bin, und außerdem einen Auftrag habe, den ich erfüllen
muss, und zwar schon bald, sonst gibt es gewaltigen Ärger.
Alles vorbei Raoul Yannik. Morgen dann bist du tot. Ich spüre
es überdeutlich: Nicht morgen, schon heute, jetzt, in diesem Moment
bin ich tot, denn schon seit Stunden fühle ich nichts mehr.
Bin ich ganzkörpermäßig so richtig mit allem Drum und Dran
tot, oder ist nur mein Gehirn tot?
Lebt mein Körper - noch?

Seite 5
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Ich denke, dass ich no


och denken kann, also bin
b ich, aber so
sicher wie
w das Amen in der Kiirche ist ein
ne Tatsache: Keiner wirrd um
mich weinen,
w auf meinem
m lettzten Gang – wenn ich meinen Aufftrag
nicht in
nnerhalb deer mir vorgeegebenen Ze
eit erfülle.
Um einen Mord
M zu begehen muss ich wie ein
Hochleistungssporrtler trainieren. Quälen m versuche icch die
nd mühsam
düstereen Versagen
nsängste au
us meinem Kopf zu verttreiben. Flü
üsternd
und bewusst gesch
hwindigkeittsreduziert zähle ich vo
on hundert
rückwäärts und sitzzend betrachte ich dab
bei die Tür aus altem Ho
olz. Auf
diese verschlossen
v ne Tür bin icch sehr stolz. Meinen Auftrag
A hab
be ich
seit siebzehn Tageen, aber diese Tür habe
e ich vor vieer Tagen
eigenhäändig mit feeinem Schm
mirgelpapierr abgeschlifffen und in d
der
Farbe Kobaltblau
K (
(RAL 5013) glanzlackiert.
Mit der kon
nventionellen Aufwärttszählmetho
ode wäre ich in
diesem
m Moment bei
b der Sieben vor der runden
r Fün
nfzig angeko
ommen.
Die Sieben, die dreei plus vier, ist eine heiilige Zahl, und die Fünffzig ist
die Zah
hl der Freud
de. Früher, im Altertum
m war jedes fünfzigste JJahr ein
Jubeljahr, in dem die
d Sklaven wieder freigestellt, diee Schulden
erlassen, die Feldeer nicht beaackert, und die verpfän
ndete Äcker und
Häuserr wieder zurrückgegeben wurden.
Im Wissen um die Folggen, und daass ich mein
nen
Verpflicchtungen nachkommen muss, abe
er in der un
nerschütterllichen
Ahnungg von der Größe meineer Genialitätt, zähle ich abwärts. Noch bin
ich in guter
g Hoffnu
ung, dass du
urch diese Zähl-Übung
Z mein Gehirrn
wiederrbelebt werd
den kann.
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Insgeheim hoffe ich, dass


d spätesttens bei derr fünf vor Zeehn
eine schöne und rothaarige Frau
F die kob
baltblaue Tü
ür öffnet und den
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gehirntoten Raoul, den optisch gutaussehenden Clyde mit festem

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Auftrag um Rat bittet, wie es weiland dem genialen Philip Marlowe1
geschehen ist.
Mein Gehirn ist leblos und mein geistiger Horizont entwickelt
sich zu einer imaginären Linie, die ich mit den vier Fingern meiner
linken Hand ergreifen will, die sich aber beim Näherkommen von mir
weg bewegt. Noch immer zählend, warte ich sehnsuchtsvoll auf die
Reinkarnation meiner leidenschaftliche Bonnie, nicht blond getönt,
sondern echt rot und mit grünen Augen wie Velma, die der
Bankräuber Moose Malloy2 mit den Worten: „Süß, süß wie ein
Spitzenunterhöschen“ präzise beschrieben hat.
Ich unterbreche meine rituelle Zählung und sende ein kurzes
Zwischengebet: „Bitte schick mir einen echten und unrasierten
Rotfuchs“3 zum allmächtigen und gerechten Weltenlenker.
Ich bewege mich nicht, denn jede Andeutung einer Bewegung
könnte in meinem meditativen Zustand vom Allmächtigen als eine
respektlose Geste interpretiert werden.
Endlich ist die Drei vor Null angezählt, und sein Wille
geschehe, in der Hölle meines Wohnzimmers. Ich höre das leise
Geräusch eines sich in der veralteten Mechanik drehenden
Bartschüssels.

1
Nach einer Romanfigur von Raymond Chandler in dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“
mit Robert Mitchum
2
Aus dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“
3
Etwa wie Velma oder Helen Grayle (Charlotte Rampling) aus dem Film „Fahr zur Hölle Liebling“

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Versteht sich „Bewegu


ung“ von se
elbst, oder ist Fortschritt nur
eine reflexartige Erschütterun
E ng in den un
nzähligen Nichtigkeiten
N n einer
baren Ewigkkeit?
unfassb
Ist sie es, und
u kann siee mich aus meinem
m unttoten Zustaand
erlösen
n, oder wird
d sie mir lächelnd einen
n spitzen Ho
olzpfahl ins kalte
Herz scchlagen, so wie
w es Professor Abron
nsius als Heeilmittel
empfoh
hlen hat?
Darf ich auf meinem Stuhl
S bis zum
m Anbruch der letzten Stunde
des letzzten aller Taage sitzen bleiben,
b ode
er muss ich aufstehen, weil
ich schnödes Geld für einen Auftrag
A bezü
üglich einess, oder bessser
mehrerrer Morde angenomme
a en habe?
Phantasie kennt
k keinee Grenzen, keine
k Türen
n, keine Gittter,
keine Schlösser,
S nur Mauern aus luftigem
m Nichts. Diie Beschäftiigung
mit meeiner Phantaasie ist etwaas Wunderb
bares. Nur mit
m ihr kann
n ich
durch Räume
R und Zeiten schw
weben, ohn
ne meinen Körper
K zu
bewegeen. Mit Phaantasie kann
n ich die We
elt verändern und Wün
nsche
äußern
n, die ich niccht laut auszzusprechen
n wage. Ich kann die
Vergan
ngenheit nacch Belieben
n verändern
n und wiedeer, und imm
mer
wiederr anders erleeben.
Meine Erin
nnerung und
d meine Phaantasie scheeinen ein
eingesp
pieltes Team
m zu sein. Die bt die Leichen aus, und
D Eine gräb d die
Anderee spielt mit den
d Verwessten. Geistvvoll male ich
h mir in diessen
Sekund
denbruchteiilen aus, waas hinter der noch nich
ht aufgestoß
ßenen
Tür gesschieht, und
d was ich mit meiner ro
othaarigen und grünäu
ugigen
Velma erleben weerde.
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Die blitzblaue Tür geht mit einem nicht unangenehmen, aber

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einige Tropfen Nähmaschinenöl vertragenden Geräusch auf. Ich
bewege mich nicht, denn mein Gehirn ist ohne Leben.
Sina ist schön, Sina ist gut, Sina ist geschmeidig, Sina hat blaue
Augen und Sina ist momentan hellblond. Sina küsst mich auf die hohe
Stirn, aber Sina ist nicht das, was ich mit jeder Faser meines Herzens
herbei gesehnt habe. Eine Affäre mit einer verkommenen Frau der es
vor Wenigem graut, kann über eine gewisse Zeit an- und aufregend
sein, aber Sina ist zur langweiligen Gewohnheit verkommen. Oder
wie der alte Nietzsche das Eisen zum Magneten sprechen lässt: „Ich
hasse dich am meisten, weil du anziehst, aber nicht stark genug bist,
an dich zu ziehen.“4
Das habe ich Sina noch nicht so deutlich gesagt, aber
gelegentlich werde ich das nachholen müssen.
Mein Gehirn ist tot und auch der Erweckungskuss der falschen
Frau zeigt keine Wirkung auf meine niederen Reflexe. Aber Sina kann
Gedanken lesen und sie besitzt eine seltene Fähigkeit. Sie kann tote
Körper munter machen, wenn es für sie nützlich ist.
Ein Mord ist etwas Besonderes, Sina war es vor langer Zeit.
Heute ist sie nur noch Gewohnheit, etwa so wie das Fressen-Saufen-
Ficken-Phänomen, das ich an anderer Stelle noch ausführlich
beschreiben werde. Kurzentschlossen und trotz einem beigemischten
Quäntchen Resignation, aber auf meine männliche Stärke
vertrauend, entscheide ich mich wieder einmal für das Eine und
gegen die geistige Auseinandersetzung mit meinem Auftrag.

4
Aus „Also sprach Zarathustra“ Friedrich Nietzsche

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Wenn es mir
m nicht gelingt, wird keiner
k um mich
m weinen
n, auf
meinem
m letzten Gang. Wird keine
k Sonne
e scheinen, klingt mir kkein
Glockenklang. Dass sind düstere Aussichtten. Ich musss es tun, ab
ber ich
bin schwach. Nur wegen
w mein
ner untoten
n Konstitution kann ich
h an
meinem
m momentaanen Zustan
nd nichts än
ndern, und unüberlegte
u es
Handelln würde meine Situatiion nur versschlechtern – denke ich
h.
Sina versuccht mich miit Verve und
d wie eine Nymphoma
N nin, die
mit dem
m nackten Hintern
H auf einer heiße
en Herdplattte sitzt, zu
inspirieeren. Ich weeiß was sich gehört, denn ich durftte in einer gguten
Kindersstube aufwaachsen. Dan
nkbar und unüberhörb
u bar seufze icch: „Du
Gute …“
… und denkke voller Verrzweiflung: „… ist das Nekrophilie
N ?“
Mir fällt ein
n, dass mein
n Japaner seit einigen Tagen einen
Kolbenfresser hat,, und sich nicht mehr bewegt.
b Dass Geld für einen
neuen Motor musss ich mir no
och verdienen. Es ist niicht die
Leidensschaft, sond
dern mein nüchterner
n Restverstan
nd, der mich
h
spontan zu der Fraage drängt, ob sich nicht die besonders verdäächtig
machen, die sich zu
z sehr engaagieren.
Immerhin – in meinem
m Körper istt noch etwaas Leben. Ich
h sitze
etwas ermattet,
e aber immer noch auf meinem Stuh
hl und mein
Perlon--Reißversch
hluss musstee sich mehrr bewegen als
a ich, was
meinem ehr gelegen kam. Ich deenke an
m destruktivven Gemütsszustand se
Schuld und Sühne und Sina richtet sich auf.
a Ich sehee ihren
vermesssenden Blicck, zuerst vo
on meinem
m Antlitz, dann abwärts zu
meinen
n Füßen in den
d bequem
men Filzpantoffeln, dan
nn wieder
aufwärrts. Sie sagt nichts, und
d ich betrach
hte ihre junge Gestalt vvor der
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kobaltb
blauen Tür. Nicht die Tür, Sina sieh
ht aus wie ein
e blonder Vampir
nach deem Biss und
d vor der Rü
ückkehr in die
d Familien
ngruft. Sie tu
upft
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mit einem Papiertaschentuch ihren stark geschminkten Mund, und

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ich lese „Tempo“ auf kobaltblauem Grund.
Kann man kommende Wirtschaftskrisen, oder sogar
Katastrophen an einfachen Signalfarben erkennen? Wenn sich Frauen
keine neuen Klamotten leisten können, trotzen sie dann dem
Trübsinn mit leuchtendrotem Lippenstift?5 Wenn ich an die
Geschichtsstunden in meiner Volksschule denke, dann erinnere ich
mich, dass Pfarrer Kussmaul und unmündigen Kindern gelehrt hat,
dass der Lippenstift in seinen Anfangsjahren nur von Tänzerinnen und
Huren nachgefragt wurde, und von geschminkten Damen hätten wir
uns als anständige, deutsche Jungs fernzuhalten, denn es wären
keine, sondern solche. Erst viele Jahre später habe ich erfahren, dass
früher, also etwa in den goldenen Zwanzigern, der rote Lippenstift als
optisches Erkennungszeichen für eine Spezialität galt, die heutzutage
unter dem Begriff „Französisch“ in aller Munde ist. Plötzlich verstehe
ich die urgermanische Angst der Wacht am Rhein und die
Vergänglichkeit alles Irdischen. Mein ganzes Leben, viele lange Jahre,
kurze Tage und belanglose Episoden, ziehen in Sekundenbruchteilen
an mir vorbei und mein Gehirn ist immer noch tot.
Sina fummelt an ihrer Lippenstifthülse, und der patschrote
Fettstift dreht sich vulgär aus der falschgoldenen Hülle. Mit geübten
Strichen korrigiert sie die etwas verschmierten Lippen. Stecken
handfeste Interessen dahinter, wenn Frauen zum knallroten
Lippenstift greifen? Mir fällt ein, dass der Lippenstifthersteller

5
Über das Thema „Knallroter Lippenstift und Wirtschaftkrisen im Spannungsfeld der letzten
zweihundert Jahre“, habe ich ein interessantes Buch geschrieben, das in den nächsten Monaten
veröffentlicht wird.

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REVLON
N die weltw
weite Stimm
mungslage kurz vor dem
m letzten Bö
örsen-
Crash, in einem leggendären Werbespot
W zusammeng
z gefasst hat. „On a
bad dayy, there is always
a lipstiick“, war die
e Botschaftt. Auch der
legendääre Bill Clinton bekam Probleme mit
m dem Lip
ppenstift. Err
stolperrte nicht übeer die Lewin
nsky-Zigarre
e, wie oft fäälschlicherw
weise
behaup
ptet wird, so
ondern der rote Lippen
nstift der Prraktikantin Monica
Lewinsky war verw
wischt, nach
hdem sie au
us dem intern als Oral-O
Office
bezeich
hneten Prässidentenbürro kam. Darran und an noch
n mehr
Zeitgesschichtliches muss ich in
i diesen kle
einen Mom
menten denkken.
Ich greife wie
w die Man
nnschaft vorr dem Elfmeeter schützeend
zum Geemächt, abeer ich habe keinen Bisss gespürt. Dennoch ist mein
Herz vo
oller Zweifel. Werde ich
h trotzdem zum Vampir, oder bin ich nur
nsibel Gelutsschter und kein durch einen Biss geadelter
ein sen g U
Untoter
mit eigener Ritterb
burg in Tran
nssylvanien und mit vieelen
durchgeknallten Vasallen?
V
Erst im Allttagsgebraucch achtet man
m auf die kleinen
k Dettails.
Viele Frragen gehen mir in bun
nter Mischu
ung durch den
d Kopf. Geeschah
die Tat aus Liebe, gepaart mitt Umsicht und
u Arglist? Hat sie ihree Bluse
geöffneet, weil sie mich
m mitfüh
hlend und in
n Liebe mottivieren wollte,
oder au
us hausfraulicher Vorsiicht, damit das gute Stück nicht
zerknittert und beefleckt wird??
er Luft und der Liebe, aaber es
Der Menscch lebt nichtt nur von de
ist nun mal eine Taatsache, dass Frau man
nchmal ganz pragmatissch
voraus-- und mitdeenken und auch
a Dinge schluckt, um
m verborgenden
Ziele leeichter zu errreichen.
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Ich bewegee mit leicht geöffnetem


m Mund meeinen Kopf eetwas
nach vo
orn. Ich sehe, dass ihr Kleidungsst
K tück nicht befleckt ist, u
und
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Sina knöpft die geöffnete Bluse zu. Sie beginnt mit ihrer Knöpfarbeit

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von unten und arbeitet sich nach der traditionellen
Karrierefrauenmethode mit gesenktem Kopf und Knopf für Knopf
gewissenhaft hoch.
Für meine Gedanken muss ich mich nicht schämen, denn im
Grund sind sie keusch, weil sie von der momentanen Angespanntheit
meiner Sinne beeinflusst sind. Ich sehe Sina zu und ich denke nicht an
das Fleischliche, das jung und prall aus dem schwarzen Spitzen-
Büstenhalter quillt, sondern an einen üppigen Mord, weil ich einen
Mordauftrag habe. Schön blutig zubereitet soll er sein, aber wie soll
ich es angehen, ich der sensible Frauenflüsterer Raoul? Vielleicht
zuerst ein kleiner Mord zur Übung. Nur so, eher nebenbei, vor und
zwischen der großen Langeweile, nur um zu testen, ob mein Gehirn
noch lebt und vor den großen Sachen.
Ich muss an meinen Auftrag denken, und das viele Geld das
ich dafür genommen habe. Werde ich für die pünktliche Erfüllung
meines Auftrags gelobt, und wurde ich auch gerecht entlohnt? Sina
zum Beispiel, weiß von der Summe Geldes, die ich ohne
nachzudenken genommen habe.
Gegen meinen Willen gehen mir Fragen über Moral und
Gerechtigkeit durch den Kopf. Wie würde ich mich als Unbeteiligter
zwischen Mörder und Opfer verhalten? Für wen sollte ich Partei
ergreifen, und wer gehört verurteilt und verdammt? Soll ich
überhaupt zu einer Partei halten, oder nach dem Motto: „Was du
nicht willst was man dir tut, das füg auch keiner Anderen zu“ auf
meinen Gerechtigkeitssinn hören? Gibt es unter bestimmten
Umständen ein Recht zu morden, vielleicht weil das Salär besonders

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hoch, oder
o das Op
pfer ein ekelhafter Men
nsch ist? Miir hat man o
oft
bestätigt, dass ich sehr sympaathisch wirkke, aber Sina ist auch n
nicht
ohne Charme.
C Bin ich wegen meiner sen
nsiblen Wessensart ein
geschützter Mann
n?
Sina unterb
bricht beim vierten Kno
opf von untten ihr Vorh
haben.
Sie hat noch drei vor
v sich, abeer sie sieht, dass ich mich in einem
m
anspruchsvollen Denkprozess
D s befinde. Sie lächelt veerständig und
senkt dabei
d den blond gesträhnten Scho
opf. Ich sehee ihren Rückken und
im Spieegel ihren hochgerutschten Rock. Die Schuhee sind neu, d
denn
unter dem
d linken Schuh,
S unm
mittelbar vorr, also aus meiner
m Position
geseheen am Absattzansatz ist noch ein kleines, weiß
ßes Preisetikkett.
Sina ist nicht süß, wie das bereitss erwähnte
Spitzen hen, und siee hat kein bedeckendes Nichts am
nunterhösch m
Körper. Sina trägt nie Slips, un
nd der Anblick ist trotzz meiner
momen
ntanen Lusttlosigkeit en
ntzückend blank
b und feeuchtglänzeend,
aber nicht ausreichend, um mich
m zu weitteren Großttaten zu verrleiten.
Ich verssuche mich auf das Weesentliche meines
m übliccherweise sschnell
ansprin
ngenden Triiebs zu konzzentrieren, aber mein Intellekt sch
hlägt
mir ein schlaffes Schnippchen
n.
Kann Popo-Sex die Lössung für me
eine Problem
me sein? Ich
denke an
a meinen Auftrag
A und
d an einen Mord,
M oder auch an meehrere,
wenn meine
m Auftrraggeber zufrieden sind
d und die Beezahlung sttimmt.
Die blaue Tür
T irritiert meine Überrlegungen. Was liegt dahinter
und waas wird wan
nn und wie geschehen?
g ? Mein totess Gehirn sch
hmerzt
und ich
h schließe die Augen. Sind Schmerrzen nur Illu
usionen, diee
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Schmerrzen bereiteen, oder sin


nd die Schm
merzen in meeinem Gehirn real,
weil meein Gehirn doch
d noch lebt,
l sich streckt, sich räkelt
r und
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langsam, für Internet-Junkies scheinbar unendlich langsam in den

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binären Fragen und Antworten Modus schaltet.
Wer mordet wann, wie, wo, wen und warum?
Einfache Fragen, die keine ultimativen Antworten, aber
Vermutungen und Spekulationen geradezu provozieren. Ich bin
verzweifelt. Meine Gedanken schaffen es nicht, sich in die Tiefen
eines genialen Charles Bukowski-Gehirns zu begeben.
Zu jeder Tags- und Nachtzeit werden eine Menge Verbrechen
begangen, die niemals aufgedeckt werden. Bei genauer Betrachtung
der Umstände sind unaufgedeckte Verbrechen grobe Fehlleistungen
der Täter. Grausame Morde mit viel Blut kommen in die Medien. Das
ist gut für die Medien, das Publikum und darum auch für das Image
des Mörders, und zugegeben auch bedauerlich für das Opfer. Ein
unaufgeklärter Mord ist zwar eine intelligente Tat, aber ohne
öffentlichkeitswirksame Aufmerksamkeit insgesamt schlecht, weil
das Werk den Ruhm des Mörders nicht mehrt, und den meisten
Menschen fehlt es an Phantasie, die großartige Tat in seiner ganzen
Dimension zu begreifen.
Oft kommt immer gut, aber nicht zu oft, ist meine Devise,
denn ich bin nicht nur sensibel, sondern auch bescheiden. Zu viele
Morde lassen die einzelne Tat zu einer schnöden statistischen Zahl
verkommen, und phantasielose Wiederholungen nach dem immer
gleichen Strickmuster langweilen mit zunehmender Häufigkeit das
dekadente Publikum. Nur das richtige Mord-Mittelmaß macht sich
gut in der Biografie. Aber was ist das richtige Maß für, sagen wir mal
großzügig, die nächsten fünfhundert Jahre? Was ist der Goldene
Mord-Schnitt, der mich aus den Niederungen der Alltags-Mörder

Seite 15
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heraus hebt und auf


a den gold
denen Thron
n der genialen Spezialisten
beamt??
Mein Gehirrn ist tot, ab
ber mein Instinkt flüsteert mit ins rrechte
Ohr: „D
Du musst daas Mordproblem anderrs angehen,, nicht statisstisch
und auch nicht tecchnisch - eh
her psycholo
ogisch und vor
v allen weeiteren
Überleggungen, vorrrangig gescchlechtsspe
ezifisch.“
Also versucche ich mich
h zu konzen
ntrieren und
d stelle mir noch
einmal die Kombin
nationsfragee: „Wer mo
ordet wen und
u warum??“
Ich betrach
hte die kobaaltblaue Türr und Sina richtet
r sich n
nach
getaner Dienstleisstung auf. Siie zieht den
n Saum nach
h unten und
d
korrigieert den richtigen Sitz ih
hres grauen Rocks. Dan
nn geht sie iin die
Küche und
u schaut in den Kühlschrank, de
enn sie hat einen trockkenen
Hals – sagt
s sie, und
d beim Auflleuchten de
es Lichts függt sie beiläu
ufig
hinzu: „Hast
„ du heeute etwas mit viel Kno
oblauch geggessen?“
Ich habe, und
u ich spürre den kalte
en Hauch dees Todes, deer aus
dem offfenen Kühlgerät zu mir wabert. Icch war nichtt beim Thai,
sondern ausnahmsweise beim
m Spanier. Aber
A ich anttworte nich
ht auf
ihre Fraage, denn manchmal
m isst resignierttes Schweiggen die besssere
Wahl, besonders
b w
wenn man bei
b genauerr Betrachtun
ng und nach
h dem
Abwägen aller Vorr- und Nach
hteile festge
estellt hat, dass
d die geliiebte
Frau un
nd Gefährtin
n mit bösen
n Macken ge
eschlagen isst.
Was kann ein
e sensibleer Raoul in so uation tun? Für
s einer Situ
den Maann und Auftragsmörder gibt es mehrere
m Mö
öglichkeiten
n: Ich
erhebee meine Stim
mme und taadele die Naachlässigkeiten der Dam
me
streng. Das wäre bei
b einer No
ormalfrau zw
war eine
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achtungsgebietende, aber beei Sina eine wirkungslos


w se Geste, un
nd bei
Viola auch. Ich mu
uss es mir eiingestehen - meine Mu
usen sind w
wegen
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dauerhaft nachlässiger Führung äußerst disziplinlos geworden. Ich bin

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ein friedlicher und gewaltfreier Mensch und Auftragsmörder.
Disziplin hat nun mal das vorrangige Ziel, Konflikte zu verhindern,
oder zumindest für eine gewisse Zeit zur unterdrücken. Was soll ich
tun, wenn mir Sina suspekt, und Viola langweilig geworden sind. Ist
ein Mord unter solchen Umständen naheliegend und verzeihbar?
Oder soll ich großzügig über die Unzulänglichkeiten der
Frauen im großen Ganzen hinwegsehen? Das würde zeigen, dass ich
souverän vergeben und vergessen kann. Das würde aber auch zeigen,
dass mein Denkorgan tot ist.
Spontan fällt mir eine Alternative ein, die zwar ungewöhnlich
und nicht Jedermanns Sache, aber durchaus ehrenvoll ist. Um das
Problem in kurzer Form zu umschreiben, muss ich an eine Kreuzfahrt
mit einem Luxusliner denken. Wenn ich als verantwortungsbewusster
Passagier erkennen müsste, dass es dem Kapitän, in meinem Fall der
Kapitänin an den fachlichen Voraussetzungen zur Führung des
Schiffes mangelt, oder sie sogar Böses gegen mich im Sinn hat, ist es
dann nicht besser, das Übel zu beseitigen, bevor es mich beseitigt?
Andrerseits laufe ich als zahlender, aber geist- und weitgehend
rechtloser Passagier Gefahr, als irrer Meuterer eingesperrt zu
werden, wenn ich die Kapitänin von ihrem Platz entferne und
kurzerhand über Bord werfe, bevor sie es mit mir macht. Das ist für
mich eine Denksportaufgabe, denn der Kapitän in meinem Beispiel
Sina, hat trotz aller Missetaten immer noch das Recht und dazu den
strafmildernden Frauenbonus auf ihrer Seite. Aber manchmal muss
man als potenzieller Mörder auch Dinge tun, welche die Gefahren in
sich tragen, und kurz entschlossen die mir lästig gewordene Sina der

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________________
______

rauen See
S übergeb
be. Oder an
nders und ku
urz und bün
ndig gefragtt: Darf
man eine attraktivve Mörderin
n beseitigen
n, ohne seellischen Schaaden zu
nehmen, bevor siee mich ermo
ordet?
Ich befindee mich nichtt auf einem Schiff, und auf hoher See
sind retttungsbootmäßig geseehen, Männer immer benachteiligtt. Ich
sitze au
uf einem haarten Holzsttuhl und in meinem
m Kopf ist nichtss, denn
mein Gehirn
G ist un
ntot.
Die eigentliche, also die
d in der Tie
efe verborggene Ursach
he für
meinen
n Zustand isst mir momeentan entfaallen, aber irgendwo haabe ich
gelesen
n, dass die Mehrzahl
M deer Frauen heimtückisch
h h mit Gift m
mordet,
denn Frauen sind sensibel, un
nd Frauen morden
m nur, wenn sie ssich aus
der Kneechtschaft eines
e despo
otischen Maannes befreien wollen.
ola. Aber wird ein
Ich bin sehr zart besaitet, sagt Vio
empfin
ndsamer Maann der mit Gift morde
et, als tuntigger Mann
abgesteempelt? Weerde ich mitt dem Griff zum Gift zu
u einem sch
hwulen,
zukünfttigen Mörder mit einer Geliebten, deren Geffühle und M
Motive
mir nicht mehr ganz geheuer sind, und mit
m der Frau
u meines beesten
Kumpeels, die mir langweilig geworden
g isst, und die icch nicht
umtausschen kann,, weil sie irggendwie zurr Familie geehört?
Ich rufe nach Sina und
d frage, ob ich nicht etw
was zu
empfin
ndsam für diese Welt wäre.
w Sie kom
mmt zwei Schritte
S aus der
Küche. Dann bleib
bt sie in resp
pektvollem Abstand steehen und sie
schütteelt den Kopff. Will sie mir
m damit saggen „Nicht schon
s wied
der …“
Verständniislos sieht sie mich an. An ihrem Blick
B kann icch
unschw
wer erkenneen, dass sie denkt „der spinnt …“, und außerd
dem
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den ged
dachten Zusatz „… mal wieder“ alls Wirkungssverstärker ffür ihre
Einstelllung bezüglich meiner Person dran hängt. Siee sagt nichtss, aber
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sie dreht sich um, denn sie hat noch in der Küche das zu tun, was

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Frauen in Küchen gern tun.
Woran denken Frauen vor einem Mord? Denken Frauen
überhaupt, oder denken Frauen zuerst an die mögliche Sauerei in der
Wohnung, und dann an die Tat? Welche Rolle spielen Küchenkräuter
bei einem sensiblen Giftmord. Schon die Äbtissin Hildegard von
Bingen (die hat angeblich 1098 – 1179 gelebt) hat die giftigen
Akeleien in ihrer „Physica“ ausführlich beschrieben. Auch Zauberkraft
und Impotenz sollen Akeleien brechen können, was mich sehr
wundert, denn Hildegard war eine Heilige, die sich aus den
zwischenmenschlich-weltlichen Dingen hätte heraushalten sollen.
Spontan stellt sich mir die Frage, ob moderne Frauen anders
denken und handeln würden, wenn die Witwenverbrennung wieder
ein fester Bestandteil unserer freiheitlichen, demokratischen
Grundordnung wäre?
Ein gestandener Mann ist nicht sensibel. Er darf nicht sensible
sein, denn er ist seit Urzeiten Jäger und Sammler. Genetisch bedingt
mordet er anders als Frauen. Der Mann nimmt seine Qualitäts-
Edelstahl-Axt von der Loch-Wand seines wohlsortierten Werkzeug-
Sideboards, er erwirbt eine neue, und zwar die beste Kettensäge mit
elektronischer Zündung und großer Schnitt-Tiefe, oder er verwendet
ein Gerät das schön laut ist - eine Pistole nicht mit fünf oder sechs,
sondern mit sieben linksdrehenden Zügen, oder noch besser eine
vollverchromte Pump-Gun. Ein Mann tut das, was ein Mann seit
Urzeiten tun muss. Männer brauchen Krach, und wer schießen will,
soll schießen, und nicht lange rumquatschen – so denken Männer.
Ich dagegen habe einen Auftrag und ich brauche meine Zeit,

Seite 19
________________
______

um übeer das Geräuschproblem als existe


enzielles und geschichttliches
nachzu
udenken.
nn-Krach-Veerhalten vergleichbar mit
Ist das Man m dem Sch
hrei,
den urzzeitliche Jägger nach dem Erlegen und
u vor dem
m Zerlegen der
Beute ausgestoße
a n haben, um
m den Weib
bchen in der Höhle zu
signalissieren: „Weeiber ich kom
mme, und die
d Schönsteen können ssich
schon mal
m nackig machen“,
m und um den erfolglosen
n Losern in d
den
Wälderrn zu versteehen zu geben: „Jungs, versucht ess erst gar niicht. Ich
hab Frischfleisch und
u ich kann
n mir jetzt die
d leckersteen Frischfleeisch-
Torten aussuchen.“
Männern isst der Gedaanke an das Putzen erstt mal egal. D
Das ist
Frauenarbeit. Hau
uptsache das Mordwerkzeug ist machomäßig groß
und maacht einen Heidenlärm
H m. Männer denken in grroßen
Dimenssionen. Frau
uen morden
n still, denn Frauen den
nken nicht w
weiter,
was auch genetiscch bedingt isst.
Wenn ein Mann
M Gift verwendet,
v kann man davon
d ausgeehen,
dass err ein persön
nliches Prob
blem bezüglich seiner Polung
P hat.
Vielleiccht ist er ein
ne tuntige Schwuchtel,
S oder eine
damenwäschetraggende Tuntee, oder sogaar Beides un
nd noch vieel mehr.
Gift ist unmännlich
h und heimtückisch un
nd darum veerwendet eiin
Mann kein
k Gift. Ich
h bin sensib
bel und ich will
w und mu
uss ästhetiscch
morden
n – und ich bin keine Schwuchtel, denn ich lieebe Frauen. Muss
ich jetzzt trotzdem martialisch
he Mordwerrkzeuge verrwenden?
Ich sitze au
uf meinem Stuhl
S und be
etrachte diee kobaltblau
ue Tür.
Mein Gehirn
G begin
nnt zu arbeiiten. Noch ist es nicht tot,
t es bescchäftigt
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sich nur mit dem Tod


T und ein
nem blitzblaauen Nachsttrich, denn ich
sehe, dass
d ich etw
was unorden
ntlich beim Vorstrich
V geewesen bin.
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Sina hantiert in der Küche und ich versuch mich auf das

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Problem der Entsorgung zu konzentrieren, das sich für einen
passionierten Umweltfetischisten zu einer ernsten Angelegenheit
entwickeln kann. Ich bin gesellschaftlich bestens konditioniert.
Darauf bin ich stolz, und darum trenne ich auch den Hausmüll, so wie
es von der Legislative vorgeschrieben ist. Meine ehemals ohne
System gefüllten Müllsäcke landen aus Angst vor der Executive schon
seit Monaten nicht mehr in der Tannenschonung im nahen
Wäldchen. Säuberlich verschraubt und nicht zerdrückt bringe ich
sogar die Plastikflaschen in den Supermarkt zurück, da wo sie
herkommen, und zum Dank bekomme ich etwas Kleingeld in die
Hand gedrückt, damit ich neue Plastikflaschen kaufen kann.
Aber wohin mit einer Leiche? Wenn ich mit Werner ein
ernstes Gespräch von Mann zu Mann führe, kann ich ihm mit gutem
Zureden und etwas rhetorischer Geschicklichkeit seine Viola
retournieren, denn er ist mein bester Kumpel und auch mein
Steuerberater. Vielleicht findet er auch einen Weg, das Problem aus
steuerlicher AfA Sicht durch Absetzung für Abnutzung anzugehen.
Bei Sina sieht das anders aus. Ich kann sie zwar hübsch in eine
Mülltüte stecken, aber nicht einfach am Waldrand ablegen, denn
mein sensibilisiertes Umwelt-Gewissen würde mir unweigerlich
unruhige Nächte bereiten, und unausgeschlafene Mörder sind
schlechte Mörder. Die Frage der sozial und politisch korrekten
Entsorgung steht unbeantwortet wie ein Menetekel an der kahl
gekalkten Wand im Küchenraum.
Sina lebt, sie ist immer noch hier und nicht dort. In welche
Richtung ich auch denke, die Aufgaben kommen, bleiben und gehen,

Seite 21
________________
______

und es sind immerr die gleicheen.


Je mehr ich
h über einen
n Mord und
d seine Vor-- und
Nachbeearbeitung nachdenke,, umso geringer wird meine
m Furch
ht vor
der eigentlichen Tat.
T Schon aus Hautschüppchen, deren Durch
hmesser
kleiner als ein Haaar ist, kann man
m DNA-M
Material isollieren und eein
DNA-Prrofil erstelleen. Unter so
olchen Voraaussetzungeen kann man nur
noch in
n einem Gan
nzkörperkondom gefah
hrlos mordeen. Der Beru
uf des
Mörders erfordertt eine hohe Spezialisierrung, die deem Normal--
Sterblicchen vollkommen unbeekannt ist. Mein
M gedan
nklicher Kon
nflikt
zwischeen ethischeen, ästhetiscchen und prraktikablen Werten wäächst im
Minuteentakt.
Ich brauchee Rat und ru
ufe nach Sin
na: „Sag maal Honey, wie
machstt du das so?? Hast du ein System?““
Sina komm
mt telefonierren aus der Küche, und
d gibt mir m
mit
erigierttem Zeigefin
nger vor ihrrem Mund zu
z versteheen, dass ich
gefälliggst schweigeen soll.
Ich sitze, icch schweigee, ich betracchte die kob
baltblaue Tü
ür und
denke an
a einen Mord, oder bei
b Erfolg au
uch an mehrrere in Seriee.
det mit eineem verführe
Sina beend erisch-gurreenden Lacheen ihr
Telefon
ngespräch. Ich frage no
och einmal: „Du hast doch Erfahru
ung.
Wie maachst du das so - normalerweise?““
Sina kramt in ihrer kleeinen Handttasche aus der
d abgezoggenen
Haut eiines geschü
ützten Reptiils. Ich denkke: „Das Vieh hat ´s aucch
überstaanden“ und
d Sina antwo
ortet ohne von
v ihrem Sammelsuri
S ium im
Beutel aufzusehen
n: „Also ich nehm am liiebsten Plasstiktüten vo
om
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EDEKA.. Die sind reeißfest und die Farben erinnern mich


m irgendw
wie an
Eierlikö
ör.“
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Seite 22
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Mein Gehirn begreift nicht, denn es lebt noch nicht so richtig,

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oder nicht mehr, je nachdem und aus welcher Perspektive man die
Funktionalität betrachtet. Außerdem habe ich etwas Schmerzen im
Gulliver, wie Alex6 der Beethoven-Fan jetzt sagen würde.
„Eddegga?“ frage ich verständnislos, und Sina antwortet dem
Begriffsstutzigen: „… und braunes Paket-Klebeband. Das
Durchsichtige reißt zu schnell und lässt sich schlechter abrollen.“
Ich überlege und bin ratlos, weil ich die Begriffe nicht sinnvoll
mit meinem beabsichtigten Vorhaben und Sinas zwölf
dahingegangenen fast-Ex-Ehemännern in gedanklichen
Zusammenhang bringen kann. Sina sieht die Mimik meiner
geistabsenten Verständnislosigkeit.
Sie deutet mit ausgestrecktem Zeigefinger eine linksdrehend
kreisende Handbewegung an.
Ich gebe ihr murmelnd zu verstehen, dass mein Gehirn
momentan etwas untot sei, und sie antwortet liebevoll: „Um den
Hals Dummerchen. Das Klebeband um den Hals.“
Jede Methode folgt einem einfachen Ordnungsprinzip. Nur
wenn ich den Zweck und die Technik verstehe, kann mein Gehirn
auch das Motiv des Handelnden verstehen. Mit halbgeöffnetem
Mund sehe ich Sina an, und sie erklärt mir kichernd und wie einem
grenzdebilen Analphabeten: „Du nehmen Plastikdüdde und stülpen
über aldes Kopp. Dann mussu nehmen Klebeband un viermal um
faltiges Hals bis nix mehr Luft. Kapische?“
Jetzt verstehe ich Sinas Erfolgssystem, das immerhin schon

6
Malcolm McDowell in dem Film „Uhrwerk Orange“

Seite 23
________________
______

zwölfm
mal nicht verrsagt hat. Sp
pontan den
nke ich daran, dass ich sschon
länger nicht mehr an meine auf
a meiner Hitliste
H auf den zweiten Platz
abgestiiegene Freu
undin Viola gedacht habe. Viola haat ihre eigen
ne
Method
de entwickeelt. Sie will Werner mitt destillierteem Wasser
umbrin
ngen. Angeb
blich soll dieese Behandlungsweise totsicher u
und die
unnatü
ürliche Ursache nicht naachweisbarr sein.
„Das militaante Arschlo
och (Werner, Violas Ehemann und
d Violas
Originaal-Ton) beko
ommt ein Jaahr lang nurr destilliertees Wasser zum
Trinken
n. Das entzieht dem Kö
örper alle wertvollen Mineralien
M u
und
nelemente, und nach einem Jahr bin
Spuren we“ hat mir Viola in
b ich Witw
einem vertrauliche
v en Momentt gesagt.
Ich hab Weerner, meinen besten Kumpel
K d Steuerberater in
und
Personalunion geffragt, ob er von der soggenannten
Destillaationsmetho
ode im Span
nnungsfeld von Geld und Ehe scho
on mal
was gehört hätte, und Werneer hat geanttwortet: „Jaa klar, das isst
wiederr mal eine vo
on Violas Biio-Spinnere
eien. Ich solll nur noch ihr
gesund
des Bio-Wassser trinken, sagt sie, aber ich neu
utralisier ihr
Geschw
wätz mit ein
nem gut eingeschenkte
en Weizenbier.“
Nach dem fünften Bieer habe ich Werner
W verlassen, der
vermuttlich immer noch an seeinem
Destillaationsneutralisierungsp
programm mit
m Pilsbiercchen und W
Weizen
arbeiteet.
Nach dieseem Gespräch unter Männern ist Viiola wegen
schwerren intellekttuellen Män
ngeln auf meiner
m Hitliste weiter geefallen.
Unschw
wer kann ich
h vorhersehen, dass Viola
V nicht so
o schnell zu
ur
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Witwe avancieren wird, denn


n Werner istt zäh und wie
w bereits
erwähn
nt, auch meein Berater in
i steuerlich
hen Angeleggenheiten, und
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darum eine schützenswerte Spezies.

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Sina klappert mit allerlei Gerätschaften in meiner Küche und
ich rufe: „Aber wie bekommst du den Kopf in die Plastiktüte. Das
macht doch niemand freiwillig?“
Sina kichert aus der Kombüse: „Schlaftabletten zerstoßen und
in den Pudding. Am besten Waldmeister, wegen dem Geschmack.
Dann kurz ziehen lassen und eine Stunde vor dem Mittagessen in den
Kühlschrank. Eine Stunde nach dem Mittagessen die Tüte und dann
das Klebeband.“
Sina ist weder sensibel, noch eine gute Hausfrau, denn Sina
macht sich um das Entsorgungsproblem keine Gedanken, außerdem
räumt sie nie die Küche auf. Andrerseits ist Sina eine erfahrene
Heiratsschwindlerin, oder Subjektmanagerin wie sie sagt, mit einer
langen Referenzliste, und hohem Einkommen, wenn man von den
Viertausend Euronen einmal absieht, die sie mir noch schuldet.
Ich sitze auf meinem Stuhl und betrachte gedankenverloren
die kobaltblaue Tür. Mein Gehirn ist immer noch tot, und mein
Körper zu schwach um aufzustehen.
Ich muss an die alten Zeiten, die Guten denken. Früher war
alles beschaulicher, geruhsamer und romantischer. Der ehemalige
Chorknabe und Heiratsschwindler Henri Désiré Landru schaltete oder
antwortete auf Heiratsanzeigen und hat so über zweihundert
gutsituierte Muschis klargemacht. Das ist auch im modernen
Internet-Zeitalter eine immer noch beeindruckende Kontaktmenge.
Der alte Landru hatte viel Gefühl im Stift, und nach seinen
Liebesbriefen brannten die mittelalten Damen im sprichwörtlichen
Sinn. So ein literarisch unterfüttertes Vorgehen zeigt eine gewisse

Seite 25
________________
______

Größe, und Landru


us Stil komm
mt meinen Vorstellung
V gen schon näher.
Oder wie mein
m Großvaater väterliccherseits geern zu sagen
n
pflegtee: „Sohn“, daann zog er immer
i schm
matzend an seiner Pfeife
„merkee dir für ´s Leben.
L Alte Hütten bren
nnen schneell und heiß..“
Ich weiß, dass ich in der Vor-Internet-Zeit Lieebesbriefmäßig
geseheen, auch ziem
mlich gut war.
w Elke, ein
ne leider veerblühte,
strohbllonde Schön
nheit mit brreitem Beckken, schlepp
pt meine Brriefe
nach im
mmerhin zw
wanzig Jahreen immer no
och mit sich
h herum. Ab
ber
welchee Menge an literarischeer Romantikk kann eine Frau heutzutage
i eine starrke und schnelle Konku
noch errtragen? Daas Internet ist urrenz
und ein ungsseminar für Heiratsschwindler würde mir
n Auffrischu
vermuttlich mehr als
a nur gut tun.
t Die Ziellgruppe und
d Kontaktfraage
dern eher die
dürfte damit nichtt das eigenttliche Thema sein, sond
Frage der
d richtigen
n Portionierrung.
Landru hattte es noch vergleichsw
weise gut. Der
D hat elf oder
auch mehr
m Frauen
n und dazu einen
e niedliichen, kleinen Wuschelhund
mit einer Handsägge aus dem Pariser Warenhaus „Au Bon Marcché“
sorgfälttig zerkleineert und im Kohleofen
K verheizt.
v Daas geht heutte nicht
mehr, denn
d Kohleöfen sind seelten geworrden, und die
d Einzelteile von
einsam
men mittelalten Damen passen nicht in die Zentralheizun
ng. Es
sind maanchmal diee kleinen Deetails, die einen großarrtigen Plan
scheiteern lassen.
Ich komm ins
i Grübeln
n und mein Gehirn
G mmer noch wie
ist im
n, weil zu einem intelligenten Mord
tot. Es will sich niccht bewegen
nicht nur die Tat an
a sich, sond
dern auch ein
e spektaku
ulärer Tatorrt
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gehört..
Tatort?
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Seite 26
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Ort der Tat?

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Ort der zu begehenden Taten?
Ich frage mich, wie sich ein neuer Papst in seiner Wohnetage
verhält, wenn er feststellt, dass beim Umbau seiner Räume der
Einbau der Toiletten vergessen wurde. Sagt er: „Aller Anfang ist
schwer“, oder „gibt es hier nur Engel?“ Vielleicht betet er: „Nichts
Menschliches ist uns fremd“, oder „hier ist nicht der Ort“, weil Engel
keine menschlichen Bedürfnisse haben.7
Also hier in meinem Wohnzimmer geht es an den
Wochentagen mordmäßig nicht, und aus Glaubensgründen auch
nicht an den Sonntagen. Da hätten meine Katzen und meine
polnische Putze etwas dagegen.
Sina gibt mir einen Kuss auf die Stirn und flüstert: „Schatz, ich
hab dir ein leckeres Frucht-Jogurt gemacht. Das Schüsselchen steht
im Kühlschrank. Ich geh jetzt. Ich muss zur Arbeit.“
Ich denke: „Hunger hätte ich schon“ und ich lächle
gedankenverloren, denn mein Gehirn ist untot, und etwas flau im
Magen ist mir jetzt auch noch.
Sina öffnet die blitzblaue und schlecht lackierte Tür. Sie dreht
sich noch einmal um und wirft mir einen gehauchten Abschieds-
Handkuss aus der linken Handfläche zu. Die rotlackierten Finger ihrer
rechten Hand krallen sich in die zusammengenähte Haut des toten
Reptils. Sie schließt die Tür und ich wanke mit schmerzenden
Testikeln in die Küche, die nach meinem ersten Eindruck so ist, wie
sie immer ist. Dann öffne ich die Kühlschanktür und denke spontan:

7
Zitat sinngemäß aus „DER STERN“ 16/2004

Seite 27
________________
______

„Oh Joggolé“, denn


n aus den Au
ugenwinkeln sehe ich auch
a eine
zerknitterte, gelbee Plastiktütee, vermutlicch achtlos mit
m dem linkken
Pumps unter den Küchentisch
h geschoben. Ich schlieeße die
Kühlsch
hranktür un
nd ich nehm
me an, dass auch
a das Liccht im kalteen
Raum erloschen
e isst.
„Sie schweenkte eine Champagne
C rflasche und
d begoss mich mit
dem Inhalt, es warr eine prickelnde Begegnung“, saggte ein
französsischer Proffessor über den ersten Moment des Kennenleernens.
Momen
ntan steht er
e vor Gericcht, weil seine Frau spu
urlos
verschw
wunden ist.. War das eiin perfekterr Mord, odeer ist der Professor
nur ein
n unbescholtener Bürgeer mit einem
m Hang zu alten
a Hitchccock
Filmen,, der nach zehnjährige
z r Ehe nicht mehr angepisst im teu
uren
Champ n stehen will?
pagnerregen
Mit Champ
pagnerflasch
hen hat mitt Sina auch allerlei
a gezeeigt,
und auch Viola maag nasse Spiele. Die Leiiche der Pro
ofessorenfraau
wurde nie gefundeen, und ich lasse das Näpfchen
N miit Sinas Jogh
hurt
dort steehen wo es steht. Wen
nn die grau gestreifte Nachbarskat
N tze
wiederr mal auf meeinem Balko
on herumsttreunt, habee ich für dass süße
Ding ein Leckerli.
Ich habe im
mmer noch Hunger und
d ich denke an das kleine
urant an deer Ecke, das jetzt einen neuen und immer
chinesische Restau
lächeln n Gehirn ist nicht mehrr ganz tot. EEin
nden Besitzeer hat. Mein
Restquäntchen Leben beginnt zu kombin
nieren. Hat hierzulandee schon
mal jem
mand über die
d Frage naachgedachtt, warum ess keine toten
n
Chineseen gibt? Ich
h habe noch
h nie eine Trraueranzeigge über eineen
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dahingeschiedeneen Chinesen
n gesehen. In Italien ist das nicht aanders.
In Rom leben etwaa zwanzigtaausend Chin
nesen. Keineer kommt n
neu
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Seite 28
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hinzu, keiner geht und die Zahl der Aufenthaltsgenehmigungen bleibt

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seit vielen Jahren konstant. Nur gestorben wird nicht. Die römische
Polizei sagt, es habe vor fünf Jahren einen Fall von Einäscherung
gegeben, und die Asche sei nach China geschickt worden. Es gibt
keine Begräbnisfeiern, keine Bestattungsinstitute und keine Spur von
toten Chinesen. Die römische Polizei hat eine Sonderkommission auf
das Mysterium der toten Chinesen angesetzt. Die Ermittlungen der
Sonderkommission „Tote Chinesen“ sind inzwischen ergebnislos
abgebrochen worden.8 In Rom gibt es seit Jahrzehnten keine toten
Chinesen, und die lebenden stehen in ihren Restaurants. Sie lächeln,
sie schweigen und sie liefern frei Haus.
Ich muss mit einer kleinen Übelkeit kämpfen, denn noch vor
wenigen Tagen fand ich das chinesische Hühnerklein mit Reis sehr
lecker.
Wie schmeckt das Weichfleisch von Sina? Also bei einer
Hungersnot im Gebirge würde ich, aber nur in großer Verzweiflung,
an Sinas Oberschenkel und an ihren Pobacken mit dem linksseitigen
Tattoo 4711 und an der rankenden Rose knabbern, denn das Fleisch
ist fest und lecker.
Ich setze mich wieder auf meinem Stuhl und betrachte das
lackierte Holz der Tür. Die Zeit vergeht, und mit einem Pakt mit dem
Teufel gibt es keinen Frieden. Mein Gehirn ist untot und ich habe
einen Auftrag. Offensichtlich verstecken sich hinter dem eigentlich
Selbstverständlichen die schwierigsten Probleme.
Ist die Ursache der Vorläufer der Tat, oder entwickelt sich die

8
Aus DER SPIEGEL 14/2007 Seite 134

Seite 29
________________
______

eigentliche Tat auss vielerlei Ursachen?


U Plötzlich
P hörre ich das leeise
Geräussch eines sicch drehendeen Schlüsse
els. Ich schlieeße die Auggen und
dann höre ich Sinaas leise Stim
mme: „Schattz, lebst du noch?“
Soll ich lügen oder diee Wahrheit sagen?
s Die Wahrheit isst, dass
mein Geist
G nicht mehr
m mit meeinem Gehirn korrespo
ondiert. Ich öffne
die schläfrigen Auggen und antworte: „Ho
oney, da bisst du ja wied
der.
u etwas vergessen?“
Hast du
Sina lächelt verlegen und
u fast etw
was erschro
ocken, und ich
erinnerre mich, dasss Sina scho
on wieder ve
ergessen haat, mir die
Viertau
usend zurücck zu geben,, die ich ihr schon vor Monaten
M geepumpt
habe, weil
w sie weggen einer kleeinen Unpäässlichkeit etwas
e in
Bedrän
ngnis war, und außerdeem meine goldene Sparkassen-Eurocard
seit meehreren Taggen verschw
wunden ist.
Vor vier Mo
onaten warr die Liebe noch
n frisch und Sina meine
vorranggig präferierte Muse, aber
a heute??
Ob der Berruf mit der Berufung
B zu
um Mörder positiv korrreliert?
Dieser Frage müssste ich geleggentlich mal nachgehen. Die dann
n
nahelieegenden Erggänzungsfraagen wären dann: „Weelche Berufee sind
für Mörder besond
ders gut geeignet? Gib
bt es Berufe, in denen
überdu
urchschnittlich viele Mö
örder anzuttreffen sind? Und Augeen auf
bei derr Berufswah
hl. Welche Ausbildungs
A sberufe steh
hen für geeiignete
Schulab
bgänger zurr Verfügungg? “
Ohne den aktuellen
a Zeensus zu Raate zu ziehen, also rein
gefühlssmäßig, käm
men Metzgeer und Apotthekerinnen
n in meine eengere
Auswah
hl. Für mich
h wären aucch stark beh
haarte Döneerbudenbessitzer,
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Fleischw
wursthersteeller, und an erster Ste
elle asiatisch
he
Restaurantbetreib
ber verdächtig. Von Zah
hnärzten wu
usste ich biss vor
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Seite 30
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wenigen Tagen nur, dass dieser Berufsstand durch eine hohe

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Suizidrate unangenehm auffällt. Dass Zahnärzte auch als
Handelsunternehmer erfolgreich sein können, war mir neu, aber
nichts ist unmöglich. In den USA steht derzeit ein Zahnarzt,
zusammen mit drei Komplizen vor Gericht. Er soll Patienten nach
deren Tod illegal Organe und Knochen entnommen haben, um sie en
gros zu verkaufen. Bei seiner Vorgehensweise war er offensichtlich
sehr erfinderisch. Damit der Diebstahl nicht auffiel, füllte er
zusammen mit drei Helfern die Leichen mit OP-Handschuhe oder
Schürzen wieder auf, bevor sie die Körper wieder zunähten.
Entnommene Knochen ersetzen sie durch PVC-Rohre, damit die
Leichen bei der Beerdigung äußerlich normal aussahen. Die vier
Angeklagten sollen Körperteile von mehr als tausend Leichen
entnommen und für viel Geld verkauft haben. Totenscheine und
Organspenderausweise sollen die Angeklagten gefälscht haben. Ob
der Zahnarzt über den oralen Umweg und beim Zahnsteinentfernen
auf die inneren Organe und zu der hohen Zahl dahingeschiedener
Kassenpatienten gekommen ist, konnte ich nicht in Erfahrung
bringen.
Spontan fällt mir ein, dass ich mich mal wieder bei Paul van
Cre zum Gedankenaustausch melden könnte. Seit dem
überraschenden Tod seines Schwiegervaters ist er zum
Geschäftsführer avanciert. Aber Paul hat einen vollen
Terminkalender und ich betrachte nachdenklich die vier Finger
meiner linken Hand. Comicfiguren werden auch nur mit vier statt mit
fünf Fingern gezeichnet, und das beruhigt mich ungemein.

Seite 31
________________
______

Ob Titti noch alle Finger hat? Ich kann sie niccht fragen, denn
Titania ist in Stammheim und
d steht unter strenger Observanz,
O weil sie
verdächtigt wird, ihren
i Mann
n und Pauls Schwiegervvater umgeb
bracht
zu habeen. Ich glaube das nich
ht, denn Titaania kann keeiner Fliegee etwas
antun.
Mein Gehirrn ist immer noch unto
ot. Kann maan Geld nur durch
Fleiß od
der auch du
urch die Dum
mmheit derr anderen erwerben?
e LLeidet
die Reinheit meineer Seele untter dem We
ettlauf nach
h Geld und G
Gut?
Sollte icch das Prob
blem von ein
ner anderen
n, mehr auss einer
kapitaliistischen Peerspektive angehen?
a Eiine internattional agierende
Murder Inc. erscheeint mir als geniale Geschäftsideee. So eine Firma
könntee nach dem Gier-Prinzip
p auch in grrößeren Dim
mensionen
funktio
onieren. Diee Grundvoraaussetzunge
en sind bekaannt. Ich haabe
einen Auftrag,
A den
n ich ausfüh
hren muss, weil
w ich etw
was Geld
angeno
ommen hab
be, was meinen Kühlsch
hrank kurzzzeitig gefülltt hat,
aber meine
m Seele dauerhaft belastet.
b We
enn ich die mir lästige
mensionen betrachte, dann könntte aus
Verpflicchtung in grrößeren Dim
meinem
m kleinen Leeid eine dau
uerhafte Fre
eude werdeen.
Zuerst legee ich überschlägig fest, wie viele Auftragsmor
A rde
meine Murder Inc. in den näcchsten zwan
nzig Jahren realisieren
könntee. Der geschätzte Umsaatz aus Auftragsmorden
n wird auf eeinem
zum Wertpapier
W g
geadelten Scchriftstück notiert.
n Dan
nn wird der
Gesamtwert trancchiert. Wer Interesse an einem Mo
ord hat, kan
nn
einen Vorzugsante
V eil, oder soggar mehrere
e an diesem
m Wertpapieer
erwerb
ben und bekkommt als Bonus
B einen
n schönen Mord
M zum
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Vorzuggspreis. Da anzunehme
a n ist, dass viele
v Erwerb
ber der Murrder
Inc.-Weertpapiere keinen
k Morrd in Auftragg geben wo
ollen, sondeern nur
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Seite 32
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einen schwunghaften Handel mit meinen Murder Inc.

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Vorzugsanteilen betreiben wollen, muss schon wegen dem Gesetz
von geringem Angebot und großer Nachfrage der Kurswert meiner
ausgegebenen Zertifikate steigen. Die von mir prognostizierten und
angebotenen Auftragsmorde werden zur Nebensache, denn für die
Investoren sind nur noch die steigenden Kurse interessant. Wenn
man die Geschäftsidee weiter denkt, könnte ein Syndikat, vielleicht
die Mafia, eine Vielzahl meiner Murder Inc.-Zertifikate kaufen, und
die Papiere zum Beispiel bei einer deutschen Großbank als Sicherheit
für einen Kredit hinterlegen, um mit dem geliehenen Geld in Reha-
Kliniken für misshandelte Ehemänner zu investieren. Damit würde
der eigentliche Geschäftszweck meiner Murder Inc. – der klassische
Mord – zur Nebensache. Wirklich wichtig werden dann nur noch
steigende Kurse.
Al Capone war der Erfinder der Geldwäsche. Er investierte die
Gewinne aus seinen kriminellen Geschäften in Waschsalons. Das
money laundering, die Geldwäsche, hatte seinen Namen. Mein
System könnte als Mörder-Business ohne Mord in die Geschichte
eingehen.
Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Ich weiß immer noch
nicht, wie man einen Mord begeht. Ich habe einen Auftrag und Geld
angenommen. Ich kann keinen Mord begehen. Ich soll einen Krimi
mit einem schönen Mord schreiben, und ich habe eine
Schreibblockade.

Seite 33
________________
______

W
Warum ein Mann
M tun muss,
m was ein
e Mann tu
un muss

„60 Prozent
P der Männer, die haben so
o ´nen Leichenfrust. Haalt mit
Familiee, man hat sich
s irgendw
wie arrangie
ert, aber maan braucht abends
einen
n, der´s mal sagt.“
Harald Schmidt, Ente
ertainer

________________
______

Unter der Dusche


D mmen mir die besten Id
kom deen. Das w
warme
Wasserr läuft an meinem Körp
per runter. Es wirkt enttspannend und
sogar der
d graue Allltag wird zu
u einem phaantasievolleen Ereignis. Ich
habe die Augen geeschlossen und
u ich spüre die Regu
ungen ganz
deutlich. Es kribbeelt in meinen Fingerspittzen. Das wird
w er, das iist er -
groß, mächtig
m und
d doch sensiibel. Wir sin
nd ein unsch
hlagbares TTeam -
mein Geist
G und seine Stärke. Ich spüre die Kraft und
d die Herrlicchkeit
für jetzzt und alle Ewigkeit.
E Er wird den Frrauen Vergn
nügen bereeiten
und den Männern eine Lehree sein. Noch nie war ich
h so sicher. Heute,
sofort und
u jetzt muss es geschehen. Die Welt warteet darauf. Icch liebe
sie. Es wird
w eine Vollmondnaccht um Held
den zu zeuggen und wirr
werden
n es tun.
Ich trocknee mich mit Bedacht
B ab.. Dann verw
wende ich ettwas
revitalisierende Bo
ody-Lotion, die Gute fü
ür besonderre Anlässe, ffür
meinen
n Körper, ich
h habe noch
h eine ande
ere Lotion, aber
a nur dieesen,
meinen
n Body. Etw
was Eau de Toilette
T entsspannt und versetzt mich in
die sinn
nliche Stimm
mung für grroße Taten. Ich muss es tun - jetztt und
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sofort. Ich kleide mich


m sorgfältig an und verwende sogar
s frische
hosen, obwo
Unterh ohl es nicht an der Zeitt ist. Ich will los, aber zu
uerst
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Seite 34
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noch kurz, also ohne längeren Aufenthalt an den Kühlschrank. Ein

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großes Glas, gefüllt mit kaltem Orangensaft, gepresst aus frischen,
spanischen Orangen, verstärkt meine sprühenden Gedanken.
Frisch geduscht und erfrischt setze ich mich an den penibel
aufgeräumten Tisch. Links liegt der Duden, schon etwas angestaubt,
und dazu eine Ausgabe der neuen Rechtschreibung. Rechts eine
kleine Auswahl silberglänzender Scheiben mit smoother Rockmusik
aus den Endsechzigern und frühen Siebzigern.
Sorgfältig putze ich meine Brille und lehne mich zurück. John
singt: „Woman is the Nigger of the World ...“
Kritisch und etwas herablassend lächelnd sehe ich sie an. Sie
steht vor mir. Schweigsam, dunkel glänzend und bereit auch
ausgefallene Spiele zu spielen und meine Wünsche ohne
Widerspruch zu erfüllen. Für einen Moment schließe ich die Augen
und falte die Hände. Es sieht nur so aus, aber ich bete nicht. Es ist wie
eine geheimnisvolle Zwiesprache mit ihr. Noch ist sie still wie es sich
gehört, aber ich spüre ihre sinnliche Kraft.
Ich möchte sie berühren.
Ich zögere.
Ich tu es.
Vorsichtig drücke ich sie auseinander, und sie wehrt sich
nicht. Warum auch, ich bin es. Sie kennt ihren rechtmäßigen Besitzer
und Meister. Jetzt sehe ich ihn, den kleinen, etwas versteckten
Power-Button. Das Knöpfchen ist schön und irgendwie ästhetisch. Ich
lächle weil ich weiß, dass ich viele Dinge kenne, aber noch Unzähliges
lernen muss. Ich berühre es vorsichtig mit der Fingerspitze des

Seite 35
________________
______

Zeigefin
ngers meineer rechten Hand.
H Ein le
eichter Drucck genügt, u
und sie
vibriertt. Ich höre leeise, fast zäärtliche Töne. Es gefälltt ihr.
Ich liebe diiese Momen
nte der Erw
wartung. Es ist wie mit eeinem
genialeen Verbrech
hen. Der Cou
up kann nur gelingen, wenn
w man sich auf
seinen Partner hundertprozentig verlasssen kann. Ich habe die beste
Komplizin der Wellt. Ich weiß,, nur ihr kan
nn ich alle Geheimnisse
G e
anvertrrauen. Es istt wie bei deer Mafia. Wenn drei Leute ein Geh
heimnis
kennen
n, müssen zw
wei sterben
n. Bei uns isst es anders. Sie lebt un
nd sie
gehorcht nur mir. Ich behaltee sie noch eiinige Monate, aber dan
nn
suche ich mir einee neue, einee Jüngere. Davon
D weiß sie noch nicchts,
und sicch sag es ihrr auch nichtt.
Sie ist bessser als die, die
d ich vorher hatte. Siee funktionieert
perfektt und sie kann schweiggen. Jetzt schnurrt sie leeise, wie ein
ne
Katze die
d am Baucch gekrault wird.
w
Ich bin ihr Gebieter, aber ist es so
o, oder wün
nsche ich mir, dass
sie heu
ute den aktivven Part üb
bernimmt un
nd mich intellektuell
submisssioniert? Wird n immer so sein? Wird sie, ganz in
W es dann n
schwarrzem Plastikk über mich herrschen?? Noch bin ich
i
unentschlossen, aber ich lasse es sie nich
ht spüren. Disziplin
D und
d
Präzisio
on gehören zu unserem
m Spiel, und
d nur dann kann
k ich siee
benutzen wie ich es
e will.
Gehorsam gehorcht siie den Befehlen, um daas zu tun waas zu
tun ist. Lächelnd denke
d ich: „SSie brauchtt nicht langee. Sie geht lo
os wie
eine Raakete.“
Fasziniert beobachte
b i wie sie schnell
ich s hoch
hfährt. Sie ist gut
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konditioniert. Ich habe


h nicht lange dazu gebraucht, ihr alles
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beizubringen was ich mag. So wie ich es liebe, funktioniert alles

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perfekt.
Vor mir erscheint in unschuldigem Weiß der Hintergrund
meines Textprogramms. Eigentlich sollte ich mal ihre Festplatte
aufräumen, aber dazu ist später auch noch Zeit. Ein Bestseller, ein
Megahit und mein Bankkonto können nicht warten. Ich darf meine
Leser nicht enttäuschen.
Links oben blinkt sie, sie zwinkert mir zu. Sie kennt mich und
wartet auf meine Befehle, immer willig und bereit. Es juckt mir in den
Fingern, ich muss meine genialen Gedanken niederschreiben. Die
Menschheit musste zu lange warten. Es muss jetzt entstehen – mein
Buch, der Bestseller.
Links oben blinkt der Cursor und wartet auf die ersten
Buchstaben. Sie lebt, sie ist nervös, ich bin nervös, mir ist heiß. Sie
gibt mir Zeichen, sie ist heiß.
Wenn man liebt ist man verliebt oder man entliebt sich. Ich
spüre meine genialen Gedankengänge und bekomme Durst. Die
Steigerung von Durst ist durstig. Man ist satt, wenn man nicht mehr
hungrig ist. Was mache ich danach, wie soll es weitergehen? Ich finde
kein Wort für den Zustand, wenn man nicht mehr durstig ist.
Ich gehe noch einmal zum Kühlschrank, aber frischer
Orangensaft aus frisch gepressten Orangen ist aus. Kirschsaft ist auch
nicht da, aber Wasser aus der Leitung gibt’s im Überfluss. Ein Glas
kaltes, erfrischendes Wasser, frisch geklärt aus der Ruhr ist gut für die
Kondition. Nach dem ersten Schluck fühle ich mich noch topfitter. Ich
zögere. Leitungswasser enthält Pestizide und Östrogene. Ob sie die
Pille nimmt, oder womöglich verseucht ist. Erst gestern, weit nach

Seite 37
________________
______

Mittern
nacht waren
n wir doch zusammen
z in einem Ch
hat, wo ansständige
Mensch
hen nicht hingehen, un
nd nackte Frauen und Paare
P ihr Un
nwesen
miteinaander treibeen?
Was soll die Scham, das checken wir später. Der zukünfftige
Bestselller entsteht. Vor mir isst eine weiß
ße Fläche un
nd links obeen
blinkt der
d Cursor. Mir wird vo
or Glück sch
hwindelig – ich bin geniial und
mir ist nach einem
m klaren Graappa.
Warum heißt das Woh
hnzimmer eigentlich
e W
Wohnzimme
er? Es
müsstee Denkzimm
mer heißen. Ist ein Frau
uenzimmer so
s etwas wie ein
Harem und wie wiird es mir mit
m den siebzig glutäugiigen Jungfraauen im
Paradiees ergehen?? Sind die Mädels
M verscchleiert und
d ansonsten
n nackt,
oder ziccken die neett vollfleischig und mitt orientaliscchem Doppeelkinn
m Schmollmund rum? Icch bin voller spritziger Ideen für eeinen
unterm
Bestselller.
Im Hinterggrund läuft der
d Fernseh
her. Er stört mich bei m
meinen
Überleggungen. Ich
h drehe mich um und sehe es vor mir.
m Ich
erschreecke, ich bekomme Anggst und steh
he auf. Hintter mir ist d
die
Wand, rechts ist eine Wand und
u links auch. Nur vorr mir gibt ess noch
einen Ausweg.
A Bed
dächtig nacch Worten ringend
r gehe ich auf un
nd ab.
Ich schw
weige, denn
n was ich vo
or mir sehe ist die Hölle und nichtt das
Paradiees.
Vielleicht vermehrt
v ess sich ja und
d ich habe es
e nicht bem
merkt.
Ich setzze mich wieeder zu mein
ner Geliebten, an die Tastatur
T meeines
Compu
uters und du
urchsuche das
d Internett. Aber ich finde
f nichts über
seine Lebensgewo
ohnheiten. Wie
W liebt ess und wen? Es gibt nich
ht den
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kleinsteen Hinweis über die Wachstumsp


W hasen und die
d
Fortpflaanzungsmeethoden. Sexx im Interne
et ist auch nicht
n mehr das
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Seite 38
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was es einmal war, aber mir juckt es in der Hand und ich kratze mich

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am Skrotum.
Links oben blinkt der Cursor. Es ist die Aufforderung, meine
Gedanken niederzuschreiben.
„Miststück, du versuchst mich unter Druck zu setzen.“ Ich
spreche es nicht aus, aber meine Gedanken sind frei. Ich muss mich
gelegentlich mal entscheiden.
Ich kann es nicht, ich habe keine Gedanken, ich fühle mich
leer und ausgebrannt. Das Wasser schmeckt nach Leitungswasser. Ein
Grappa würde mir und meinem Magen jetzt gut tun, aber Grappa ist
auch aus. Bols blau ist noch da, aber ich hasse das Zeug, außerdem
hat die Flasche schon Staub angesetzt.
Das Geräusch des Fernsehers wird immer lauter und es ist
immer noch da. Warum geht es nicht? Lebt es hier? Hat es keine
natürlichen Feinde? Warum gebraucht es nicht seine Beine? Hat es
Beine?
Ich schaue vorsichtig über die linke Schulter. Es ist immer
noch da und mein Bestseller wartet.
Warum ist es sprachlos? Es gibt keinen Ausweg, der Cursor
blinkt und sie schnurrt. Gibt die Maschine mir Signale? Will sie mir
eine Botschaft senden? Ich verstehe sie gut, zu gut. Vor mir ist der
Bildschirm meines Computers. Hinter mir ist das Geräusch des
Fernsehers. Ich wage es nicht, mich dem Gerät zu nähern, es könnte
Entsetzliches passieren. Ich habe Angst und ich liebe meinen
Flachbildfernseher auch, aber anders. Nicht so wie meine Geliebte,
meine schöne, schwarze Maschine, meinen saugeilen Computer.

Seite 39
________________
______

Er ist weiblich und sie gehört aucch zu mir un


nd zu meineem
Leben, wie mein Namen
N auf dem
d selbstggetöpferten
n Namensscchild am
gedrehten Bändch
hen an der Tür.
T
Ich muss jeetzt einen Bestseller
B scchreiben. Ich
h bin dazu
n, ich weiß es. Ich kann
berufen n es schaffe
en, wenn ich
h es will. Ich
h gehe
noch eiinmal zum Kühlschrank
K k, zuerst an der Wand entlang durrchs
Wohnzzimmer, micch klein macchend und etwas
e gedu
uckt am Fern
nseher
vorbei, schweigend und den Blick
B auf me
ein Ziel gerichtet zur Kü
üche.
Was ist Zeiit? Zeit ist nur
n ein leere
er Raum und in der Ew
wigkeit
und in meiner Kücche gibt es keinen
k n Ende. Ich bin
Anfaang und kein
ganz en
ntspannt im e Komplizin steht unterr Strom.
m Hier und Jetzt. Meine
Strom ist
i gelb, abeer welche Farbe hat Ze
eit? Die Küch
he hat zartb
blaue
Fließen
n an den Wäänden, und die Decke ist
i grau und
d müsste maal
wiederr gestrichen werden. Die Spülmascchine muss ausgeräum
mt
werden
n, damit sie wieder beffüllt werden
n kann. Ein immerwährrender
Kreislau
uf von Pflich
hten bis anss Ende mein
ner irdischeen Tage - un
nd ich
kann deem Elend nicht entkom
mmen.
„Geiles Din
ng. Nur du bist
b mein einziger Trosst. Du warteest auf
meine Befehle.“
Hab ich das gesagt oder gedacht?? Sie möchtte gestreich
helt
n. Ich hab Bock auf sie und sie weiß es. Gedanken und
werden
Empfin
ndungen waarten darauff geschriebe
en zu werdeen und im
Kühlsch
hrank ist nicchts. Er ist weiß
w und leer wie der
Bildschirmhintergrrund.
Ich höre deen Dialog zw
weier Fraue
en. Die Stimmen komm
men aus
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dem Feernseher. Ich fühle micch wie hinte


er Gittern un
nd
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leidenschaftlicher Sex in der Stadt ist nur ein Gerücht, wenn man

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verheiratet ist.
Ich gehe einige Schritte auf und ab. Vier Schritte nach links
und vier Schritte nach rechts, dann wieder zurück. Dann durchs
Wohnzimmer zu ihr. Ich sehe auf meinen Bildschirm und ich sehe den
Cursor. Sie hat auf mich gewartet, meine Sklavin ist gewohnt zu
gehorchen.
Aber warum drehe ich mich jetzt um? Es liegt immer noch auf
dem Sofa. Eigentlich ist es ein putziges Wesen, wenn es mich nur
verstehen würde - irgendwie.
Ich schwanke zwischen Willen und Widerwillen. Es ist lustig,
wie es sich stundenlang mit dem kleinen grauen Spielzeug
beschäftigen kann. Eigentlich ist es ein pflegeleichtes Lebewesen. Ich
denke an meine Kakteen, die brauchen mehr Zuwendung. Mir fällt
Paul der Apostel ein, der vor langer Zeit zu den Korinthern sagte: „Ich
bezwinge meinen Leib und bringe ihn zur Dienstbarkeit.“ Da hat er
weise gesprochen, der alte Griesgram, und ich gehorche. Zwar treibt
mich meine niedere menschliche Natur an, das zu tun was ich nicht
für recht halte, aber allein durch die Kraft meines Geistes und meines
Willens unterdrücke ich die von meinem schwachen Körper
ausgehenden Versuchungen nach einem spontanen Mord. Ich zwinge
meinen Körper, sich nach meinem Verstand zu richten. Ich muss mich
um meinen zukünftigen Bestseller kümmern und setze mich wieder
an den Tisch. Der Cursor blinkt mich zärtlich an. Ich höre das leise
Schnurren ihrer Festplatte. Es sind Töne der Liebe und der
Sinnlichkeit. Ich berühre ihre Maus. Es gefällt ihr und der Cursor
zittert vor Erregung.

Seite 41
________________
______

Ob es imm
mer noch mitt seinem Sp
pielzeug rum
mmacht? Ich
h drehe
mich niicht um, aber ich höre es. Meine Nerven
N sind
d wie die Saiten
einer Stradivari geespannt.
Ist der Fern
nseher lauteer geworde
en? Die Grap
ppa-Flaschee ist
immer noch leer. Ich
I fühle mich ausgebrrannt und wie
w auf einer weit
abgeleggenen Insel mitten im Ozean. Einssam und unendlich verrlassen.
Ich schaue auf den Bildschirm un
nd dann sehe ich aus deen
Augenw
winkeln eine kleine Bew
wegung. Nicht das Sofaa in meinem
m
Wohnzzimmer ist seine
s Lebensgrundlage. Es sind diee Fingerspitzen. Sie
haben sich auf dem
m grauen Plastikkästch
hen bewegtt. Ich habe ees ganz
deutlich gesehen. Ich habe ess entdeckt. Es ist eine wissenschaf
w ftliche
Sensatiion. Die Eneergieströmee verlassen den Körperr und
konzen
ntrieren sich
h in den Finggerspitzen. Der Körperr ist nur ein
lästigess Anhängsel. Vor unend
dlich langerr Zeit habe ich
i einen scchönen
Körper geliebt. Er hat sich aussgedehnt. Er
E ist ohne Energie
E und
d ich
habe Hunger auf einen
e Chefsalat vom Itaaliener und eine Pizza Hawaii
mit Kässe der keineer ist.
Habe ich es nur gedaccht oder tatsächlich ausgesprocheen? Ich
höre ein Geräusch
h und es berreitet mir in
n meinen Oh
hren starke
Schmerrzen. Hier in
n meinem Raum,
R aus meinem
m Wo
ohnzimmer, von
meinem
m Sofa kommt eine meenschenähn
nliche Stimm
me, die zu m
mir
spricht: „Ich arbeitte den ganzzen Tag, du kannst dich
h auch mal u
ums
Essen kümmern.“
k
Das Geräussch des Fernsehers wirrd wieder laauter. Es stö
ört mich
immer mehr. Vor mir ist der weiße
w Bildschirmhinterrgrund. Sie wird
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ungedu
uldig, ich mu
uss ihr mein
ne Liebe zeiigen. Meinee Maschine lebt,
der Currsor blinkt ärgerlich
ä un
nd ich kann es ihr nicht übel nehm
men.
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Ob das Geräusch des Fernsehers mit den Plastikkästchen

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zusammenhängt? Ich stehe auf und gehe vorsichtig ein paar Schritte
auf das Plastikkästchen zu. Ich versuche danach zu greifen. Ich
schaffe es nicht. Zeternd und keifend halten feuerrote Krallen das
graue Plastikkästchen fest. Ich sehe den hasserfüllten Blick, der durch
mich hindurch zu sehen scheint. Meine Hand zuckte zurück. Sind das
noch die liebevollen und warmen Augen die ich mal kannte? Bin ich
noch wesentlich, oder nur eine lästige Sichtblende. Lebt das
unförmige Anhängsel noch oder wird es nur durch das graue
Plastikkästchen am Leben gehalten? Vielleicht ist das Spiel mit dem
Kästchen nur eine Art stille Revolution gegen die unerträglichen
Lebensumstände in meinem Wohnzimmer? Soll ich das Kästchen
einfach mit Gewalt an mich nehmen? Aber was geschieht dann mit
den Fingern? Kann man sie von dem Kästchen lösen? Stirbt der
unförmige Körper dann ab und was wird aus den Telenovelas, aus TV-
Kaiser und den Fernsehgerichten? Könnte es sich nach mir überhaupt
noch selbst versorgen? Wie wird es ernährt? Vielleicht mit
aufgeschnittenen Brötchen, zwischen denen ein grauer Fleischklops
liegt? Das Geräusch des Fernsehers wird wieder lauter.
Ich habe Hunger, ich brauche Energie. Entweder das Kästchen
oder ein Bestseller – ich gehe in die Küche und greife nach dem
großen Messer im Messerblock. Langsam ziehe ich es heraus. Es ist
ein japanisches Messer. Es liegt gut in der Hand und die extrascharfe
Klinge des Messers blitzt. Ich höre eine disharmonische Stimme aus
dem Wohnzimmer: „Kannst du endlich mal Abendessen machen,
oder hast du schon wieder nichts eingekauft.“

Seite 43
________________
______

Ich denke an
a das Lebeen mit mein
ner Geliebteen. Der Curssor
blinkt zärtlich:
z „Nu
ur du bist mein
m Leben. Nur dir geh
horche ich. TTu es!
Tu es jeetzt!“
Nur die Lieebe zählt. Ein Mann mu
uss sich entsscheiden kö
önnen.
Ich schreibe jetzt ein
e Buch. Ein Mann lieb
bt seinen Co
omputer. Icch muss
tun was ich tun muss.
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Frauentausch

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„Frauen sind austauschbare Instrumente
für ein stets identisches Vergnügen.“
Marcel Proust

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Du hast viel von mir erfahren und vielleicht kannst du mit mir
fühlen. Noch vertrete ich die Meinung, dass Mord keine Lösung sein
kann. Angesichts der rigorosen Beschränkungen durch die Legislative
muss es für einen intelligenten Mann auch Alternativen geben.
Darum behaupte ich, dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist,
eines der letzten Tabuthemen aufzugreifen und zu diskutieren.
Traditionelle Werte verfallen mit der gleichen
Geschwindigkeit, wie das Anspruchsdenken des verwöhnten
Bundesbürgers wächst. Kaum jemand erinnert sich an die Zeiten, in
denen das bewahren des Bewährten noch lebensbestimmend war.
Wir befinden uns am Anfang eines Jahrtausends des hemmungslosen
Ge- und Verbrauchs. Grenzenloser Konsum inmitten einer hektischen
Hetzjagd nach Neuem bestimmt das Leben des modernen Menschen.
Altes, Störendes und Bewährtes wird immer schneller und
gewissenlos entsorgt. Dieses „gelernte“ Verhalten der späten
Wirtschaftswundergeneration hat auch Auswirkungen auf Liebe, Ehe
und Partnerschaft. Es ist unübersehbar, die Keimzelle unserer
Gesellschaft befindet sich in einem Strukturwandel. Wer hat noch
Zeit und Lust, die Belastbarkeit emotionaler und vertraglicher
Bindungen bis an die Grenzen zu testen? Niemand, und das ist eine

Seite 45
________________
______

bedaueerliche Entw
wicklung, ab
ber nun mal nicht mehrr zu ändern.
Was sind die
d Ursachen
n? Was kann man tun, und wo lieggen die
Chanceen und Risikken für den interessiertten Mann? Diese Frageen
möchtee ich hier un
nd heute au
usführlich beantworten
n.

Plötzlich, erst
e unbewu
usst, dann im
mmer stärker spürt maan es -
es ist so
oweit. Eheliiche Lust istt nur noch abgehangen
a ne Vergangeenheit.
Unlust und Frust sind
s die Reaalitäten. Wie
e über Nach
ht hat eine
dere Art derr Lähmung die
besond d vor langger Zeit viellleicht glückliche
oder errträgliche Beziehung beefallen. Sexx, Kommunikation und Rock
´n´ Roll werden zur leidigen Pflicht
P und sind
s darum ein lästigess Muss.
Nun weiß ich, dass der Grund fürr Liebe, Parttnerschaft o
oder
Ehe niccht nur das Körperlichee ist. Es gibt auch noch andere Anttriebe,
die mirr momentan
n nicht einfaallen. Doch bedauerlicherweise veerfällt
auch deer allgemeine Gebraucchswert mitt zunehmen
ndem Konsu
um und
zur Wo
ohnzimmereeinrichtung passt sie au
uch nur nocch durch
Wegsehen. Vielleicht hängt man
m noch an
n ihr wie an
n einem alteen
Möbelsstück und die Entscheid
dung zwisch
hen Behalteen und Entssorgen
wird vo
on Tag zu Taag und Wocche für Wocche hinausggezögert.
Die Frage, warum solcchen Überle
egungen ein
n oft langwieriger
Entscheeidungsprozess voranggeht, ist schonungslos und
u einfach
h
beantw
wortet. Ersatz muss zeitt- und koste
enintensiv besorgt
b werrden,
und darin liegt diee eigentlichee Problemattik.
Jerry Lewiss gab mir deen wertvolle
en Tipp, dasss jeder Mann eine
Frau die Kopfschm
merzen hat, sehr gern gegen
g eine andere
a einttauscht,
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die wellche verursaacht. Vielleiicht hast au


uch du die Alternativen
A n von
Versteiigerung, Tau
usch oder Abschaffung
A g zwar prophylaktisch, aber
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ohne greifbares Ergebnis durchdacht. Eine zeitgemäße Idee muss her

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und zwar schnell. Die Welt wartet darauf und hier ist sie, die
überragende und erfolgreiche Lösung aller Probleme. Sie lautet:
„Frauentausch.“
„Frauentausch“ klingt zunächst einfach und nach einem
harmlosen Experiment für dekadente Großstadtbürger. In der
Theorie tauscht Mann mit beliebig vielen Gleichgesinnten solange die
Frau, bis der Zustand der größtmöglichen Zufriedenheit erreicht ist.
Aber ohne perfekte Organisation und weitreichende Verbindungen
scheitert das Vorhaben oft schon in der Planungsphase. Klare
Regelungen für einen reibungslosen und sozialverträglichen
Tauschablauf, ohne Einmischung des Gesetzgebers sind erforderlich.
Was liegt näher, als die bewährte, soziale Marktwirtschaft, mit dem
konträren Ideengut von Karl Marx zu kombinieren. Nur dann kann
Frauentausch in der gewünschten Qualität und Tauschfrequenz
funktionieren. Zum besseren Verständnis, werde ich dir die
wirtschaftlichen und organisatorischen Zusammenhänge etwas näher
erläutern.

In der durch kapitalistische Züge geprägten, sozialen


Marktwirtschaft, die auch heute noch den Turbo-Kapitalismus in der
Bundesrepublik Deutschland beeinflusst, bestimmen monetäre
Tauschmittel (Geld) und Bedarf (Nachfrage) den Wert eines Gutes.
Wenn für ein Wirtschaftsgut ein hoher Preis bezahlt wird, ist das Gut
seinen Preis in der Summe des bezahlten Geldes wert. Wenn der
Verkäufer einen Gewinn erzielt, hat er einen kapitalistischen
Mehrwert erzielt, den der Gesetzgeber gerechterweise mit der

Seite 47
________________
______

Mehrw
wertsteuer bestraft.
b Oder anders ausgedrückt
a t: Der Verkääufer
hat am Verkauf ein
nes minderwertigen Guts verdient, was für d
den
linksbeewegten Kleeingeist morralisch verdammensweert ist, aber
letztendlich unseren Wohlstaand erhält und
u den Finaanzministerr
erfreutt, denn der verdient
v miit.
In einer mo
odernen und funktionierenden Fraauentausch
hkultur
gibt es keine unmo
oralischen Gewinne,
G denn zwei Nutzer tauschen
gleichw
wertige Güteer. Der ausb
beuterische
e Mehrwert, den jeder
raffgierrige Händler als seinen
n Anteil auf eine Ware aufschlägt,
a
entfälltt. Alle Resseentiments, die
d der dresssierte Man
nn haben kö
önnte,
werden
n gegenstan
ndslos. Der neue Nutze
er hat zuerst einmal diee
Vorteilee einer neuen Frau und
d auf die Naachteile mu
uss der Andeere erst
mal kom nn der Tausschgutempffänger verstteckte Mängel
mmen. Wen
früher oder späterr entdeckt, entsteht ihm kein Schaaden, denn er
tauschtt sie einfach
h weiter und
d alle Beteiligten sind zufrieden.
z D
Diese
Vorgeh
hensweise entspricht
e einem bis daato noch niee erreichten
n Ideal.
ndlich ist daas universell einsetzbarre Volks-Weeib (VW) für den
Jetzt en
Nutzer und Verweender in greeifbare Nähe
e gerückt. Doch
D damit das
m des Frauen
System ntauschs au
uch funktion
niert, sind noch
n einige Hürden
zu überrwinden.
Die gebrau
uchte, aber meist für vielerlei Tätiggkeiten nocch
verwen
ndbare Eheffrau muss zuerst mit eiiner klaren und allgemein
akzeptiierten Werttdefinition, vergleichbaar mit den bekannten
b D
DIN-
Normen oder TÜV
V-Zertifizieru
ungen, verssehen werdeen. Nur dan
nn kann
nem alltäglicchen Gebrauchsgut ein
aus ein n von
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Nützlichkeitserwägungen gep
prägter Tausschwert enttstehen.
Oder anders, eher verrbalpopulär ausgedrückt: Man tau
uscht
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Seite 48
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nur, wenn die Alte dem Neuen lecker serviert wird, damit er seine

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leckere Alte gern abgibt, damit man mal wieder etwas Leckeres,
Frisches zum Nachtisch hat, und zwar so lange, bis einem das immer
gleiche Leckerchen zum Hals raushängt.
Damit kommen wir zur eigentlichen Problematik des
Frauentauschs. Einerseits weiß ich, dass es unendlich viele
Gleichgesinnte gibt. Ein weiterer Vorteil ist, dass in der
Bundesrepublik Deutschland zurzeit etwa 20 Millionen tauschfähige
Frauen verfügbar sind. Andrerseits verpuffen die Vorteile, wenn die
eigene Frau bewegungslos auf dem heimischen Sofa rumliegt, eine
ansprechende Tauschfrau dagegen vierhundert Kilometer entfernt,
vielleicht im Bayerischen Wald, oder in Haag in Oberbayern
unentdeckt und unbedeckt vor sich hin schmollt. Die eigentliche
Schwierigkeit des Frauentauschs ist unter solchen Voraussetzungen
nicht nur ein kommunikativ-logistisches Problem, sondern auch eine
gigantische Netzwerk- und Marketingaufgabe, die nur mit Hilfe einer
internetalen Frauen-Tausch-Plattform und einer schlagkräftigen
Vermittlungsorganisation, ähnlich den bekannten
Lebensversicherungsvermittlungsvertrieben zu lösen ist. Es bietet
sich darum geradezu an, eine regionale, nationale und internationale
Vermittlungsorganisation ins Leben zu rufen. Dieser gigantischen
sozialen Aufgabe habe ich mich gestellt, und ich kann dir und auch
interessierten Lesern die Gründung einer internationalen Frauen-
Tausch-Börse (FTB) verkünden.
In der ersten Phase können Tauschwillige ihre zu tauschende
Ehefrau, abzulegende Geliebte, oder ganz Allgemein ein
„Tauschobjekt“ (FTO) zur Registrierung in die FTB eintragen. Der

Seite 49
________________
______

Registrrierungsvorggang ist einffach und scchnell. Kosteen entsteheen in


dieser Phase nichtt. Ein kurzerr Fragenkataalog zur Bew
wertung deer
hen Merkmaale und Fäh
optisch higkeiten mu
uss möglich
hst
wahrheeitsgetreu ausgefüllt
a w
werden. Dazu einige Bild
der der
Tauschfrau „a la Nature“
N mit Vorder-, Se
eiten-, Rück- und Detailansicht
uploaden und an meine
m bekannte Email--Adresse seenden und d
die
Registrrierung ist feertig. Ledigllich bei erfo
olgtem Taussch fallen geeringe
Gebührren an, die bei den vielen Vorteile
en aber kaum ins Gewiccht
fallen.
Und das istt noch nichtt alles, denn
n es gibt noch mehr Vo
orzüge:
Der Tau
uschvorgang kann belieebig oft wie
ederholt weerden. Die eersten
Powersseller sind bereits
b aktivv und als reggionale Vermittlungspaartner
sehr errfolgreich.
Für risikofrreudige Inveestoren und
d interessierrte Frauen-TTausch-
Partnerr (FTP) ergeeben sich rieesige Gewin
nn-Chancen. Gern zeigee ich
dir, abeer auch solvventen Investoren gege
en Kapitalnaachweis und einer
Einlagee ab zehntau
usend Euro die Möglich
hkeiten an diesem
d lukrrativen
Marktssegment zu partizipiereen.
Festzustellen ist noch,, dass innovvative Fraueentauscher einer
weltweeiten Gemeinschaft von
n intelligentten und akttiven Wissenden
angehö
ören. Damitt du in der global
g etzten Welt der
verne
Frauentauscher dich nicht ein
nsam fühlst, und Gleich
hgesinnte u
und
Tauschwillige sofo
ort erkennstt, bekommsst du jetzt das geheimee
Erkennungszeichen zum Zugaang in diese
en exklusiven Kreis. Bistt du
bereit?? Streck jetzzt den Zeigeefinger deiner rechten Hand horizo
ontal
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aus. Daann hältst du die Hand mit deinem


m ausgestreckten Zeigeefinger
senkreccht nach ob
ben und etw
wa fünf Zenttimeter vor dein rechtees Auge
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(nicht das linke Auge, das rechte Auge und nicht „ins“ Auge, sondern

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vor dein Auge). Mit diesem Zeichen erkennen sich aktive
Frauentauscher in der Menge der Unwissenden. Bitte praktiziere das
Identifizierungsritual bei einer Ansammlung von mindestens zwei
Personen, aber verrate dieses geheime Zeichen in keinem Fall an
Uneingeweihte und schon gar nicht deiner tauschfähigen Frau.
Alternativ empfehle ich, das beigefügte Frauentauschzeichen
auszuschneiden, und gut sichtbar an der Vorder- oder Heckscheibe
deines Fahrzeugs anzubringen.

Vielen Dank für dein konspiratives Mitwirken.

Seite 51
________________
______

W
Warum Mord
dgedanken zur Liebe ggehören

Aufhörren wirst du
u zu fürchteen, wenn du
u aufhörst zu
u hoffen, deenn der
Hoffn
nung folgt die Angst. Beeides ist dass Merkmal eines
e abhän
ngigen
und in Erw
wartung derr Zukunft be
eunruhigten
n Gemütes.
Das lieegt hauptsäächlich daraan, dass wir uns nicht auf
a die Gegeenwart
einsteellen, sondern die Gedaanken in we
eite Ferne vorauseilen lassen.
Die Erinnerung
E bringt die Qual
Q der An
ngst zurück, die Vorausssicht
n
nimmt sie vo
orweg; niem
mand ist nur wegen deer Gegenwart
unglücklich!
S
Seneca, 5.Brie
ef

________________
______

Schüttle jettzt nicht miitleidig den Kopf. Was ich hier


beschreeibe, hat sicch tatsächlich so zugetragen. Aber du kannst es mir
glauben, ich hätte auch den Boden
B eleckt, auf dem sie gingg. Ich
abge
meine jetzt
j nicht die
d begrenzzte Zeit mit meiner mir damals
rechtm
mäßig, und mir
m aus heutte immer no
och unerkläärlichen Grü
ünden
angetraauten Frau. Inzwischen
n sind einige
e Jahre verggangen, und
d auch
meine Ehe ist Verggangenheit.. Ich meine Sina, also Petra,
P die sicch Sina
und wiee ich späterr erfahren habe,
h oft au
uch ganz and
ders nanntee, und
vermuttlich auch im
mmer noch nennt. Ich weiß,
w jetzt wird
w es
kompliziert, und vielleicht klin
ngt es für dich irritierend, aber ich
h hätte
es wirkklich und waahrhaftig un
nd noch viell mehr getan, wenn siee es
verlanggt hätte, waas sie aber nicht
n getan hat.
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Warum siee es von and


deren, aber nicht von mir
m verlangtt hat?
Auf diese Frage
F weiß ich
i bis heutte keine Anttwort, und iich will
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auch nicht mehr darüber nachdenken. Vielleicht ahnte sie nur nicht,

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wie weit sie mit mir gehen konnte und was ich für sie zu tun bereit
gewesen war.
Du fragst dich, warum ich dir meine Erlebnisse mit Sina, also
Petra, die sich Sina nannte, erzähle? Weil verheiratete Männer, wenn
sie ein bestimmtes Alter erreicht haben, häufig von so einer Art
Leichenfrust befallen werden. Die haben sich irgendwie mit ihrem
Leben arrangiert, und das war´s dann – denken die. Bei mir war es
nicht anders. Aber manchmal, ganz plötzlich und wenn du eigentlich
nicht damit rechnest, meldet er sich - dein Überlebenswille. Er packt
dich an deiner Seidenkrawatte, zieht langsam zu und spricht
freundlich, aber doch bestimmt zu dir: „Sei einmal in deinem Leben
stark und entscheide dich. Es gibt nur einen Mann im Haus. Vergiss
die Selbstzusammenschraubregale mit Riester-Rente, die dem Trend
deines Leibumfangs folgend immer größer werdenden Einkaufstüten,
die unendlichen Abwaschdiskussionen die dich zum nutzlosen
Domestiken degradieren. Vergiss den dir verordneten Deo-Roller und
die widernatürliche Sitzpinkelei. Verscheuch die Rotznasen, die
angeblich von dir sind und geh jetzt nicht zum gemeinsamen
Durchgeknalltensingen in die Waldorfschule. Sperr jetzt und sofort
deine die Gefahr witternde Frau weg, oder schick sie in die Küche wo
sie hingehört. Sie soll nicht mitlesen und du musst dich nicht
solidarisch zeigen. Sie würde es doch nicht verstehen. Sie hat hier
nichts zu suchen, denn es geht um dein Leben …“

Du siehst, der Überlebenswille ist ein ziemlich dominanter


Typ und das was er sagt klingt nicht nur für deine Ohren hart. Aber

Seite 53
________________
______

glaub es
e mir - einees ist so sich
her wie das Amen in deer Kirche: Auch du
wirst ess eines Tagees so und nicht anders erleben, wenn
w du erstt mal
mein Alter
A erreich
ht hast.
Das soll jettzt nicht übeerheblich klingen, denn das ist es nicht.
Es ist auch nicht die scheinbare Weisheitt des Alters, die mich zzum
Zynikerr gemacht hat.
h Altersw
weisheit gibtt es nur als platte
Entschu
uldigung für ein Samm
melsurium ge
elebter Erfaahrungen.
Warum es bei mir so war?
w Mir haat mein Übeerlebenswille
eindrin
nglich zugefllüstert: „Raoul du musst durchhallten und unter
allen Umständen die eiden, auch wenn die
d Kapitulaation verme
Einschläge unaufh
haltsam und
d immer sch
hneller näheer kommen..“
Was ich dirr damit sageen will, wirsst du vielleicht verstehen,
wenn icch dir meine ganze Gesschichte erzzählt habe.
An deinem
m gelangweilten Gesichtsausdruck kann ich deeine
Gedankken ablesen
n. Erzählte, und noch weniger
w gescchriebene
Banalitäten anderer Leute intteressieren dich nicht wirklich.
w Ich
h muss
zugebeen, meine Errlebnisse sin
nd auch nurr Alltäglichkkeiten, die jedem
von uns passieren können, wenn Zeit, Scchmerz und Perspektivve sich
nstellation befinden,
in der idealen Kon b um
m sich gegenseitig die
angstscchweißigen Hände zu schütteln.
s
Walk a mile in my sho enn sich alles in dir geggen den
oes, auch we
beschw
werlichen Weg
W des Versstehens strääubt. Schon
n bald wirst du
dich an
n mich erinn
nern. Spätesstens dann, wenn du dich
d verzweiifelt
fragst: „Sag mir wo
o die Jahre sind, wo sin
nd sie geblieeben?“
Du sagst, diese
d Frage stellt sich dir
d nicht, denn du hast noch
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Zeit? Wenn
W du dicch da mal nicht irrst. In der ersten Hälfte dein
nes
Lebenss kannst du alles erreichen und bewirken. Du hast Zeit. D
Du
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kannst üben, probieren und dir die „Hörner“ abstoßen. In der

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zweiten Hälfte vergeht die Zeit immer schneller und du brauchst
mehr Zeit für das, was du dir vorgenommen hast. Am Ende steht
immer und unausweichlich der Tod. Danach kommt nichts mehr.
Deine Witwe wird ein paar Tränchen vergießen, und sie wird mit
deinem Geld und deiner Rentenversicherung einen Jüngeren
finanzieren, der einer Jungen mit großen Titten vormacht, er habe
ehrlich verdientes Geld. Der Tod nimmt keine Rücksicht, ob du das,
was du dir im Leben vorgenommen hast, auch erreichen konntest.
So hast du es noch nie gesehen? Du hast noch nie bewusst an
das letzte Drittel deines Lebens gedacht?
Dein selbstgefälliges Lächeln kann mich nicht täuschen.
Morbide Gedanken gehören zum Anfang vom Ende, wie der
widerliche Gestank zu einem langsam verfaulenden Kadaver.
Du schweigst betroffen? Die Falten in deinem Gesicht
verraten dich. Du bist nachdenklich und bedrückt. Das ist gut so,
denn das was ich dir jetzt berichte ist die reine Wahrheit und nichts
als die Wahrheit, und es ist auch dein Schicksal.
Wie ich es bemerkt habe? Ich denke, es war die Routine.
Schleichend und zuerst vollkommen unbemerkt, fast wie von einem
kurzen Tag auf den nächsten, der sich in nichts von seinem
ereignislosen Vorgänger unterschied. Was hatte ich für eine Wahl?
Ich konnte nichts dagegen tun. Alles, vom frühen Morgen bis in die
Nacht war schon mal erlebt, und wie ein übriggebliebenes
Fertiggericht immer wieder verdünnt und aufgekocht.
Wenn du mich jetzt fragst, ob und warum ich alles so
geschehen ließ, kann ich dir keine vernünftige Antwort geben.

Seite 55
________________
______

Doch, etwaas hat sich verändert.


v Ich
I habe angefangen, n
nach
den Ursachen meiiner Empfindungen erfforschen. Ich muss zugeeben,
spontan und immeer öfter, aber nur damals und heu
ute nicht meehr,
habe icch an einen klassischen
n Mord gedaacht. Nicht blutig wie eein
Steak, eher
e gut ab
bgehangen, raffiniert ge
ewürzt und sorgfältig
tranchiiert, um dan
nn im Bewu
usstsein, dasss eine Grun
ndreinigungg auch
die letzzten Spuren
n beseitigen würde, den
n geleerten
n Teller in diie
Spülmaaschine zur Reinigung zu
z stellen.
Die Gedanken sind ja bekanntlich
h frei, und es
e blieb auch bei
der Theeorie. Ich haabe mich fü
ür eine ande
ere Tat entsschieden. Zu
uerst
habe icch begonnen, einige Worte
W aneinaander zu reiihen, aber ees
waren nur Hülsen ohne Inhalt, die keinen Sinn ergaben. Dann
entstan
nden Sätze, und jetzt isst so etwas wie ein umfangreichess Buch
daraus entstanden
n.
Du möchteest kotzen und
u meine morbiden
m G
Gedanken niicht
lesen? Es sind zu viele
v Seiten und das Lesen strengtt dich zu seh
hr an?
Das maacht nichts, du bist schon mitten drin
d – in meeiner, in dein
ner, in
unserer Geschichtte.
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Seite 56
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Jeder Anfang ist auch ein Anfang vom Ende

„Schon seit der Steinzeit bis heute - und es wird bis in alle Ewigkeit so
sein - ist es das unabänderliche Schicksal des gestandenen Mannes.
An einem Morgen wacht man auf und stellt fest, dass die Ehefrau
langweilig geworden, und was noch schlimmer ist, defätistisch das
Gegenteil glaubt, obwohl man es ihr gesagt hat.
Für den intelligenten Mann zur schweren Last wird die Gattin, wenn
man entdeckt, dass das alte Fleisch zwar noch willig, aber der
Verstand schwach ist.“
Paul van Cre

____________________

Als ich anfing an diesem Buch zu schreiben, war ich eine


männliches, jedenfalls dachte ich das, einundvierzigjährige und
verheiratete Kreatur, die sich am Anfang vom gefühlten Ende
sechzehn monotoner Ehejahre befand. Hinter mir lag eine relativ
sichere Zeitspanne, in der ich nur hin und wieder an die Rente, und
noch weniger an das Leben im letzten Drittel der mir vermutlich noch
verbleibenden Zeit dachte.
Warum ich so gleichgültig in den Tag hinein gelebt habe? Das
ist einfach zu erklären. Der tägliche Albtraum von Maloche und
Verbrauch hatte alles was im Leben wirklich wertvoll ist überlagert.
Aber was ist wirklich wertvoll und was ist im letzten Lebensdrittel
entbehrlich?
Haus und gut gefülltes Bankkonto ist gut. Das ist keine Frage,

Seite 57
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______

denn es gibt dir die Freiheit, das


d zu tun was
w du inneerhalb deineer
sozialen und hedo
onistischen Ansprüche
A tun möchteest.
Frau ist gutt, wenn du Kinder hastt. Kinder sin
nd gut, wenn du
eine Frau hast. Kin
nder ohne Frau
F sind sch
hlecht, und Frau und K
Kinder
sind au
uch schlechtt, wenn du unentwegt
u an die Freih
heit denken
n musst.
„Du musst dir keine Sorgen mach
hen, alles wird
w gut“, lau
utet die
Theoriee der Verdräänger. Ich behaupte,
b dass
d die Sorggen dann
beginnen, wenn die Erinnerungen verblaassen.
Eines schönen Tages und
u vollkom
mmen unverhofft begaann sich
mein Verstand
V z strecken. Plötzlich sah
zu regen und zu s ich es vo
or mir.
Ich, derr Rebell derr vor langer Zeit die We
elt verändern wollte, w
war zum
lustloseen Schreberrgärtner meeines kleine
en Lebens veerkommen.. Rein
rechnerisch und unter optimiistisch kalku
ulierten Vorraussetzunggen war
ich etw
wa zwanzig Prozent
P abggelebter Verrgangenheit eines, und
d zwar
meiness wertvollen
n Lebens miit einer mir vollkommeen fremden Frau
zusamm
men geweseen, von derr man nicht behaupten konnte, daass sie
das Sch
hießpulver erfunden
e haatte.
Mein Lebensglas war nicht mehr voll. Es war auch nichtt
halbvoll, die letztee Hälfte des Inhalts beggann sich im
mmer schneeller zu
leeren. Die Zeit waar wie im Flug mit eine
em Düsenjett an mir
vorbeiggegangen und ich hattee sie brav, so
s wie es seeit jeher den
n
gesellscchaftlichen Normen in einer zivilissierten Geseellschaft
entspricht, ohne Murren
M abgeeleistet.
Was mich noch
n zusätzzlichen deprrimiert hattte, war die
unspekktakuläre Au
ussicht auf weitere,
w klaar strukturieerte Jahre d
der
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letzten Hälfte meines Lebens, die wie graue Betonkklötze, nebeen


denen Panzersperrren wie Spielzeug für Kleinkinder
K wirken mussten,
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unbeweglich und unveränderbar vor mir lagen.

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Zu meinem Elend kam auch noch das tückische Zeit-Raum-
Volumen-Phänomen.
Du hast noch nie etwas davon gehört? Dann will ich es dir in
einer einfachen Form erklären. Je älter du wirst, umso schneller
vergeht die Zeit in einem immer kleiner werdenden Aktionsradius, in
dem du gefangen bist, während es aussieht, als ob sich alle Personen
wie aufgedunsene Körper in einer Leichenhalle ausdehnen.
Du musst mir zu meiner sensationellen Entdeckung nicht
gratulieren. Mir wäre es lieber, ich hätte niemals darüber
nachgedacht.
Wie ich darauf gekommen bin? Ich habe Zeit-Raum-Volumen-
Phänomen das erste Mal vor etwa fünfzehn Jahren am eigenen Leib
erfahren. Mir war der spontane Gedanke gekommen, dass eine
Bahnfahrt angenehmer und auch sicherer sein könnte, als der Stress
auf den überfüllten Autobahnen. Weg mit dem Risiko des
ungehemmten Verkehrs, rein in die geregelten Abfahrt- und
Ankunftszeiten. Einmal ganz entspannt im luxuriösen Intercity-Sessel
zurücklehnen und die Fahrt genießen.
Da saß ich also, zufrieden und mit einer guten Laune. Als
Autofahrer achtet man ja nicht so darauf. Anfangs, sozusagen als
unerfahrener Bahnfrischling, konnte ich mich noch am Blick aus dem
Zugfenster freuen. Die Aussicht war schön und die farbenfrohe
Herbstlandschaft, es war am Ende des dritten Jahresquartals, zog
immer schneller an mir vorbei.
Kennst du den dämmrigen Zustand, wenn man grenzenlos
vertraut und plötzlich schläfrig wird? Die Aufmerksamkeit lässt nach,

Seite 59
________________
______

denn man
m hat es sich
s behaglich gemachtt. Mit hochggelegten Beeinen
im häuslichen Fern
nsehsessel ist diese Erffahrung bessonders sch
hön.
uht und kann nicht weggrennen, de
Man ru enn der Willle wird von der
Bequem
mlichkeit manipuliert.
Ich erinnerre mich noch genau, ess war ein en
ntspanntes G
Gefühl
der Sich
herheit und
d des Vertraauens, damaals in meineem komforttablen
Bahnab
bteil. Von mir
m zuerst un
nbemerkt, fiel
f es mir im
mmer schwerer,
mich au
uf die vorbeeihuschende Landschaft zu konzen
ntrieren. Diie
Häuserr, Wiesen, Bäume
B und auch
a die Kirrchtürme saah ich nur n
noch als
einen Einheitsbrei
E . Die Zeit scchien stehen zu bleiben
n und gleich
hzeitig
immer schneller zu
u verrinnen
n. Trotz der schönen Heerbstzeit wu
urde
die Farbe der Land
dschaft mit der Dauer der
d Zugfahrrt immer graauer.
Die Auggen fielen mir
m zu und icch hörte die
e Stimmen der
d Mitreiseenden
wie auss weiter Ferrne.
Dann begann sich etw
was zu verän
ndern. In meeinem Wachtraum
hörte icch zuerst eine leise, fasst sanft flüssternde Stim
mme, die sicch nach
und nach zu einem
m hysterisch
hen, sich üb
berschlagenden Geschrrei
steigertte. Es waren die gellen
nden Worte: „Du sollst so lange mit
diesem
m Zug fahren
n, bis dass der
d Tod euch scheidet““ und eine riesige
Hand mit
m einem ausgestrecktten Zeigefin
nger deute auf
a mich. In
n
meinem ndlos auf fest
m Traum sah ich einen Geisterzugg vor mir, en
verlegtten Gleisen fahrend, jeden Tag und jede Nach
ht und nie w
wieder
anhalteend, weil die toten Seeelen der Mittreisenden den
d Zug niccht
mehr stoppen kon
nnten. Es waar eine Fahrrt bis zum vorbestimm
v ten
Ende, dem
d endgültigen Ende vor dem Niichts.
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Ich bekam grauenhaftte Angst und


d die Panik schnürte m
mir den
Hals zu. So war es nicht abgessprochen. Es
E war nichtt die verspro
ochene
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Sicherheit, es war eine raffiniert inszenierte Falle. Voller Entsetzen

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sprang ich auf und rüttelte an den Ausgangstüren, aber sie ließen sich
nicht mehr öffnen, niemals mehr. Der Geisterzug fuhr stampfend und
ratternd immer schneller und er hielt nicht mehr an. Für immer und
ewig sollte ich dazu verdammt sein, in diesem Zug zu fahren. Immer
die gleichen Erlebnisse mit den immer gleichen Mitreisenden,
solange ich noch dahinleben würde.
Dann sprach eine andere, eine gefährlich drohende Stimme
von oben zu mir: „Kontrolle.“
Ich spürte eine feste Hand, wie eine hart zupackende Kralle
auf meiner Schulter. Es war die pure Angst, die wie ein schweres
Halseisen meine Lebensgeister abwürgte. Schweißgebadet und am
ganzen Körper zitternd bin ich aufgewacht. Plötzlich sah ich klar.
Mein Leben ist zu kurz und zu wertvoll. Ich musste etwas verändern,
um zu überleben.
____________________

Resignation gehört nicht zu meiner Wesensart und ich neige


nicht zu Depressionen. Im Gegenteil, ich war ein aktiver Ehe-
Konformist und damals stand ich mit beiden Beinen fest auf der
Hochflor-Auslegeware. Doch was sollte ich tun? Mein Thalamus war
wie betäubt. Ich fand nichts Schönes und Ästhetisches auch nicht
mehr. Als lustvolle Geliebte und auch unter dem Aspekt der niedrigen
Bedürfnisse im Rahmen des Gewohnheitsrechts war meine Ehefrau
nur noch bedingt nutzbar. Sie war zwar willig, wirklich beschweren
konnte ich mich eigentlich nicht. Sie gab sich für mich hin, wenn es an

Seite 61
________________
______

manchen Samstaggen in der Nacht


N und nach der Späätausgabe d
der
Tagesth
hemen mal wieder an der Zeit war. Aber Sex mit ihr erfo
orderte
Konzen
ntration und
d Planung. Etwa
E so, wie
e wenn man
n als fanatisscher
Autofahrer mit der Straßenbaahn zum Zahnarzt fahren muss, w
weil man
schon vorher
v weiß
ß, dass man eine starke
e Betäubunggsspritze vo
or dem
kommeenden Schm
merz brauch
ht. Und nach
h der Einnah
hme von
Narkotika soll man
n ja bekanntlich nicht mehr
m schnelle Autos faahren.
Darum schob ich die
d Bohrterm
mine immer weiter hin
naus.
Auch die erotischen Wünsche
W me
einer Frau blieben
b mir
vollkom
mmen verbo
orgen, obwo
ohl ich dach h sie kennen
hte, dass ich
sollte. Ich
I wollte sie ja erfüllen, wenn ich
h einen Man
ngel oder eiinen
konkreten Bedarf erkannt hättte.
Was sollte ich tun? Geehorchen und leisten? Für meine
Wünsche hatte sicch schon lan
nge niemand mehr inteeressiert. Ich
musstee mich zufrieeden geben
n und mich fügen.
f Imm
merhin hattee ich
vierzig lange Jahree überstanden und mir war nun mal
m die Rollee des
Hauptaakteurs in einem Traueerspiel über die erfolgreeiche
Domestizierung deer Bestie Mann zugewiiesen. Letztendlich gab
b es für
mich nur noch die Wahl zwiscchen Destru
uktion oder Kooperatio
on, eine
Alternaative gab ess nicht.

Ich muss dich nicht an


nsehen, ich weiß es. Deein Gehirn b
beginnt
zu arbeeiten. Du haast nachged
dacht, du haast dich in deinem
Wohnzzimmer umggesehen und du kannstt jetzt mitdeenken. Spürst du
es auch
h? Das Umstellen der Möbel
M und neue
n Bilderr aufhängen
n reicht
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nicht aus, und mit ein paar Du


uftkerzen und softer Musik
M ist es auch
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nicht getan.

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Weißt du noch was geiler Sex ist? Für mich war der erste
Begriff nicht mehr existent und der zweite nur noch eine Betätigung
unter vielen anderen, die irgendwie zu meiner Ehe dazugehören
musste, wenn ich musste, weil sie wollte. Aber eigentlich waren es
bei mir nur Banalitäten, so wie bei dir und bei jedem anderen, dem
unerbittlich und schnell wie ein Intercity das fünfzigste Lebensjahr
entgegen kommt.
Routine, Besitzstand, Anpassung und Dauer sind die
wesentlichen Bestandteile des ehelichen Zwangs. Meine Ehe sollte
als Institution bewahrt werden und gleichzeitig wurde mein Recht auf
Freiheit brutal vergewaltigt. Ich ließ es geschehen, obwohl mir schon
lange klar war, dass unsere Bedürfnisse so unterschiedlich waren, wie
sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Aber noch konnte ich ganz
gut damit vegetieren, denn es gab auch Angenehmes. Immerhin war
die Wäscherei in meinem Ehekonstrukt nicht zu verachten. Das hatte
Vorteile, denn ich musste nicht lernen, wie und wann man eine
Constructa zum ordnungsgemäßen Funktionieren bringt und ich
weigere mich bis heute, eine Bedienungsanleitung zu lesen. Meine
Hemden waren immer ordentlich gebügelt, auch wenn ich an
manchen Tagen dabei eingeschlafen bin. Das gleichmäßige hin und
her des dampfenden Bügeleisens und der hasserfüllte Blick meiner
Frau am Bügelbrett waren für meine Nerven zu viel. Sie hat mir mein
Desinteresse am Bügeln noch Jahre danach vorgeworfen, als ob ich
eine Erbsünde begangen hätte. Dabei hätte ich zu gern mit einer
Anderen gebügelt, aber ich war verheiratet und daran durfte ich noch
nicht einmal denken.

Seite 63
________________
______

Gegen die Küchenleisttungen kann ich im Naachhinein au


uch
nichts einwenden.
e . Die zubereeiteten Speiisen waren schmackhaaft und
der Serrvice still un
nd hurtig. Allles was gessagt werden
n musste waar ja in
den vieelen Jahren schon weitgehend gessagt.
Meine Zelle war sauber, mit etwaa hundertundachtzig
Quadraatmetern seehr geräumig und auch
h stilvoll mö
öbliert. Ich h
hatte
als Rückzugsgefängnis alles was
w ich brau
uchte. Ein gu
ut ausgestattteter
Hobbyrraum im Keller war vorrhanden, wo
o ich mich mit
m kleinereen
Bastelaarbeiten besschäftigen konnte,
k wen
nn mir nach
h einer klein
nen
Handarrbeit zumutte war.
Lach nicht,, auch du haast dir eine stille Ecke geschaffen,
g in die
du dich
h zurückzieh
hen kannst, wenn du zu
u dir selber finden willsst.
Eigentlich und im Großen und Gaanzen konntte ich mich nicht
beklageen. Das matteriell Erreicchte war zu
ufriedenstellend. Die
Vergan
ngenheit hattte mir, durrch ein glückkliches Händchen in vieelerlei
Geschääften, einigeen finanziellen Wohlstaand, erkenn
nbar an sich
htbarem
Bauchu
umfang und ülle beschert, was
d gleichzeitigg abnehmender Haarfü
nach Aussage meines Friseurss auf meine
en erhöhten
n Testostero
on-
Spiegell zurückzufü
ühren war. Nur das bekkannte Plato-Zitat, nacchdem
nur Fraauen und Eu
unuchen über eine volle Haarpracht verfügen
n, kann
ich bis heute nichtt ganz nachvvollziehen, da meine Libido zusam
mmen
mit meeinem Haupthaar eine deutliche
d Flluchtbeweggung „nur w
weg von
dem“ entwickelt
e h
hatten.
Von meineer Versicherrungsgesellsschaft bekam ich regelmäßig
Briefe mit
m Fitnessaangebote fü
ür Senioren zugeschickt, und ich hatte
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immer etwas zum Essen und Trinken und


d meine Ferrnbedienun
ng für
den Fernseher. Allles in allem konnte ich mit frohem
m Herzen
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behaupten: „Eigentlich geht es uns gut.“

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Du ahnst es sicher schon, jetzt kommt das „Aber“, das immer
und hundertprozentig auf ein Lob oder eine positive Aussage folgt.
Der Zustand wäre noch schöner gewesen, wenn ich das „Gutgehen“
alleine mit mir und in grenzenloser Freiheit hätte genießen können.

Hast du schon mal an einen Mord gedacht? Wenn man es


nüchtern bedenkt, und alle sentimentalen Gefühle weg lässt, kann es
ein elitäres Vergnügen sein, dass sich nur Mutige gönnen. Ich bin
nicht mutig. Eigentlich bin ich ein Feigling. Nicht die Tat an sich
schreckte mich ab, sondern das Danach. Ganz pragmatisch betrachtet
fehlt mir auch heute noch das Know-how für einen ästhetisch-
perfekten Mord, mit anschließendem Vertuschen und Verstecken der
Leiche. Als reinlicher Mensch hatte ich auch Probleme mit der zu
erwartenden Sauerei auf dem Fußboden und in der Badewanne, und
als öffentlichkeitsscheuer Mensch war mir etwas bang vor der zu
erwartenden Publicity in den Medien.
Dann sah ich wieder die Vorteile meiner Ehe. Sie schuf nicht
nur die Ruhe die ich für meinen Narkoseschlaf brauchte. Ich
entdeckte auch eine neue Form der Ehe-Kommunikation. Das fing mit
der Ehesprache an, die das nicht mehr ausdrücken konnte, was ich
tatsächlich wollte.
Bei mir kam erschwerend hinzu, dass ich als Beteiligter das
Verhalten der Menschen unter extremen Bedingungen studieren
musste. Das ist etwa so, wie wenn du zusammen mit einer hungrigen
Löwin in einen Käfig gesperrt wirst, aber beide wissen, wie der Kampf
ausgehen wird. Die Löwin und in diesem Fall ich als Hauptdarsteller

Seite 65
________________
______

belauern sich gegeenseitig, um


m in einem günstigen
g M
Moment diee
Reißzäh
hne in den Hals des Sch
hwächeren zu schlagen
n, um ihn dann
genüsslich ausblutten zu lasseen. Du kannsst dir sicherr denken, daass ich
dabei den
d Kürzereen gezogen hätte.
Nicht dass ich mit Streeit und bluttrünstigen Machtkämp
M fen
leben musste,
m die kamen in meiner
m Ehe nicht vor. Es war mehrr ein
freundlich-kooperratives Ehe-Arrangement unter weeitgehend
keimfreeien Klima-B
Bedingungeen wie in ein
ner gut funkktionierend
den
Tiefküh
hltruhe. Fürr eine mir fremd geworrdene Frau war
w ich ein nicht
weiter störender Gegenstand
G estimmung zur Ernähru
d mit der Be ung der
Beteiliggten.
Ich wusste genau, dasss mein Nuttzen jeden Tag
T auf dem
m
ehelich
hen Prüfstan
nd genau ko
ontrolliert wurde.
w Die Prüf-Forme
P l war
einfach
h und einpräägsam: „Sch
haff Kohle ran
r Mann. Nur
N dann bisst du
ein guter Ehemann
n.“ Oder an
nders, etwass salopper ausgedrückt
a t
lautetee die Formel: „No moneey, no hone
ey.“
In Gedankeen schrie ich „Ich bin verheiratet, holt mich h
hier
raus“, aber
a ich hattte nicht den Mut, es laaut auszusp
prechen und
d
Amnesty International war daamit beschääftigt, öffen
ntlich für diee
Mensch
henrechte einzustehen
e n - allen Wid
derständen zum Trotz, nur
nicht fü
ür meine.

Der scheinbar für alle Zeiten unabänderlichee Zustand taat mir


in der Seele
S weh und
u ich war enttäuschtt. Nicht über meine Eheefrau,
sie konnte nichts dafür.
d Alles was mir in den Augen und Ohren
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unerträägliche Schm
merzen bereitete, ihre Nörgeleien
n, ihre ständ
dige
Unzufriedenheit und
u ihre ästh
hetischen und
u proporttionalen
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Seite 66
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Unzulänglichkeiten hatten ja eine Ursache. Aber bei wem sollte ich

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mich beschweren, die Gründe waren eindeutig in meiner Person zu
suchen. Voller Bitternis musste ich erkennen, dass ich nicht den Mut
und die Kraft besessen hatte mich aufzulehnen, also war ich
mitschuldig.
Ganz am Anfang hätte ich sie durch mein konsequentes Nein
vor der Unterschrift beim Standesbeamten retten können, aber
damals und angesichts der Umstände besaß ich nicht die Courage, so
ein klares Wort auch deutlich hörbar auszusprechen. Nur auf mir
lastete die gesamte Verantwortung, denn wir hatten uns Treue bis
zum Tod geschworen, und sie hatte den Schwur so interpretiert, dass
ich auch für ihr Wohlergehen zu sorgen hätte, bis zum bitteren Ende.
Oft habe ich darüber nachgedacht, wenn ich nachts einsam
auf dem Balkon oder einer regennassen Brücke stand. Mir war schon
früh klar, dass ich ein schlechter Ehemann war und lebend ein noch
schlechterer Ex sein würde. Ein verehrtes Leben nach meiner Ehe
konnte es nur im aufgebahrten Zustand als Toter und nach
Auszahlung meiner diversen Lebensversicherungen geben. Doch so
weit ging meine Opferbereitschaft noch nicht.
Alle meine Versuche, das unerträgliche Zusammenleben
durch friedliche Mittel, wie zum Beispiel dadurch, dass sie sich einen
Liebhaber nehmen, der sie, vielleicht durch mehr oder weniger
sanften Druck gebraucht aber immerhin übernehmen würde, waren
kläglich gescheitert. Niemand wollte sie und ich musste sie behalten,
so wie sie geworden war.
Unter diesen Umständen gab es nur wenige Möglichkeiten.
Ich hatte nur die Wahl zwischen zwei Taten. Die erste war brutale

Seite 67
________________
______

Gewaltt, die anderee der Ausbrruch. Als Me


ensch mit einer
e
humanistischen Leebenseinsteellung war die
d Entscheiidung schneell
getrofffen. Ich mussste mich, die
d eindeutigg identifizieerte Ursachee des
Übels, aus der Verrbindung un
nserer Ehe entfernen,
e d
damit sie w
wieder
ruhig leeben konntee.
Der Zeitpunkt war so günstig wie
e nie. Jetzt, in dem Mom
ment,
als ich das
d erste Mal
M begann meine
m Gedaanken niedeerzuschreib
ben war
der rich
htige Momeent für Veräänderungen
n. Veränderungen plantt man
nicht am Anfang einer
e Ehe. Das ergibt ke
einen Sinn, denn die
Hoffnungen auf einen guten Ausgang
A berlagern die Bedenken
üb n und
der Glaaube an einee rosige Zukkunft ist noch so stark und unverrrückbar
wie diee Kraft in deen Lenden. Doch
D das lässt nach un
nd am Schluss des
Lebenss bleibt zu wenig
w Zeit die kleinen Freiheiten
F zu
u genießen.
Mittendrin, dann wenn
w alle denken,
d dass es am schönsten ist,
müssen
n Veränderu
ungen mit allen
a Mitteln herbeigefführt werdeen.
Aber waren meine Üb
berlegungen
n triftige Gründe für einen
Ausbru
uch mit allen
n Konsequeenzen?
Komm mir jetzt nicht mit dem urralten Rat: „Ihr
„ hättet
miteinaander reden
n sollen.“
Wir haben es nicht geetan und es war gut so.. Nach mein
nen
ungen ist deer Rat, miteinander zu reden nur graue
Erfahru g Theorrie.
Tieferggehende Gespräche nacch langen Ehejahren fü
ühren zu nicchts.
Das hatt einen Grund. Wenn die
d Gefühle abgestorbeen sind, und
d die
Einstelllung über die Wesensaart des Partners als Vorrurteil fest
betonieert ist, dann
n erzeugen Aussprache
en nur Kämp
pfe um absttrakte
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Machtvverhältnissee mit kriegeerischen Erscheinungsfo


ormen von
Unterw
werfung, Un
nterdrückun
ng und Beuttezügen. Eheliche
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Seite 68
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Aussprachen enthalten brisanten Konfliktstoff in unvorhersehbarer

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Menge, ausreichend für viele Monate Ehekrieg. Verständnis,
Akzeptanz oder eine faire Auseinandersetzung mit den Gefühlen des
Partners ist nicht mehr zu erwarten.
Ich wusste, wenn ich über meine spontanen Bedürfnisse offen
und ehrlich sprechen würde, wären schwere Disharmonien
unvermeidlich. Unbestreitbar war ich zu einem kleinen Ehefeigling
verkommen, bei dem der Selbsterhaltungstrieb noch normal
funktionierte.
Heute, mit zeitlichem Abstand habe ich die uralte Kriegerregel
verstanden, nach der die besten Kämpfer unverheiratet sind. Zu einer
funktionierenden Ehe gehören Knebel und Fesseln, die die Namen
„Bausparverträge“, „Kinder“ und „Versicherungen“ tragen. Zu einer
guten Ehe gehören weder Rebellion noch Freiheit.

Für mich war es ein schwieriger Zustand zwischen


Bewusstsein und Möglichkeiten. Ich wusste genau, was mir fehlt,
aber ich hatte in meiner Situation nicht die geringste Chance es zu
bekommen. Die Tür an meinen Käfig war fest verschlossen. Der Tag
war nach strengen Regeln verplant und in der Nacht hatte ich, wie es
der Brauch ist, Zuhause zu sein. Ich war Gefangener in meinem
eigenen System von täglicher Produktion, Verbrauch und
Ausscheidung, ohne die geringste Chance auf Veränderung des
scheinbar immerwährenden Kreislaufs.
Dabei war die Lösung für meine Probleme ganz einfach. Ich
hätte seelsorgerische Hilfe benötigt. Natürlich hatte ich sehr präzise
Vorstellungen von meiner persönlichen Seelsorgerin. „Sie“ sollte

Seite 69
________________
______

nicht nur meine seeelischen Qualen


Q lindern, sie solltee auch mein
nen
intellekktuellen Anssprüchen geenügen. Ich
h brauchte etwas
e für m
meinen
Geist. Ach
A ja, fast hätte ich ess vergessen. Meine Wu
unschseelso
orgerin
sollte auch
a noch meinen
m ästh
hetischen Vo
orstellungen nahe kom
mmen.
Aber wo
w waren diee gutgebauten Retterin
nnen mit Hiigh-Heels am
m
schlankken Fuß und
d stramm sitzenden Strrapsen am glatten
g Scheenkel,
die mirr in meinen Seelenqualen hätten beistehen
b können? Es iist
immer die gleiche Enttäuschu
ung. Wenn man
m die helfende Hand
d der
Leute mal
m brauchtt, sind sie niirgendwo zu
u finden, od
der wollen b
bezahlt
werden
n.

Du kannst es mir glauben. Ich gab mir alle Mühe


M und icch habe
mich überall umgeesehen, sow n stark eingeschränkter
weit es mein
Bewegungsradius zuließ. Abeer mein verzzweifelter Hilferuf:
H „Sag mir
wo die Frauen sind
d, wo sind sie
s gebliebe
en“ blieb ungehört und
d ich
stand es
e durch. Ich
h wurde niccht schwul, weil ich keine Frau abkkriegen
konntee. Harald Sch
hmidt sagtee in einer ve
ermutlich äh
hnlichen Sittuation
einmal: „Das ist nicht so wie bei
b den Lesben.“
Zwar war mir
m klar, dasss man in Notsituationen größere
Abstricche vom beaanspruchten Lebensstaandard macchen muss. Ich war
auch beereit, meinee Bedürfnisse bis auf ein kaum no
och erträglicch-
ästhetisches Minim
mum zu red
duzieren. Ab
ber in meineem näheren
n und
weitereen Bekanntenkreis gab
b es niemand, der auch
h nur annähernd
meinem
m Ideal entssprach. „Un
nsere“ Freun
nde und Bekannten
bestanden aus Günter und seeiner unförm
migen Carm
men, Agatha mit
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strähnigen Haaren
n und Rolf mit
m Oberlipp
penbärtchen, Alfons un
nd
voluminöser Bärbeel und ähnliich unattrakktiven Zweierbeziehun
ngen.
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Seite 70
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Und die wenigen, mit vielen Abstrichen an meiner inneren Checkliste

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infrage kommenden, weiblichen Personen waren in einer für mich
unzugänglichen Sicherungsverwahrung.
In meiner verzweifelten Vorstellung mied mich das wahre
Leben, als ob ich Mundfäule hätte. Es hatte mich übersehen, nicht
mehr beachtet und mich allmählich vergessen. Ich war zu einer Art
Relikt aus der Vergangenheit geworden. So ähnlich, wie wir heute mit
wohligem Gruselschauer Dinosaurier und ähnlich ausgestorbenes
Getier betrachten.
Den größten Schock bekam meine labile Psyche, als ich mit
Freunden in einer Szenekneipe saß und die zugegeben sehr junge
und offensichtlich kurzsichtige Biernachschubverwalterin die neben
mir Sitzenden reihum mit einem herzlichen „was kann ich dir
bringen“ und mich mit einem kühlen „was möchten Sie trinken“
begrüßte.
„Du bist Megaout“ war die unüberhörbare Botschaft und Jim
Morrison sprach mich direkt und ohne Umschweife aus dem Jenseits
an: „This is the end, my friend” und das musste ausgerechnet mir
passieren. Immerhin lag ich mal drei Tage vor Woodstock,
eingeschlossen im Dreck und zugekifft. Und nicht zu vergessen, ich
hatte wie ein gut genährtes Karnickel für Love and Peace gevögelt,
damit es die heutige Jugend mal besser hat. Ich konnte von mir
behaupten „Ich war damals dabei“, und on the road again. Jimi hatte
mir eine Foxy Lady versprochen, und ich hatte im Vertrauen auf die
Versprechungen eine große Schallplattensammlung der späten
sechziger, aber auch der frühen siebziger Jahre des letzten
Jahrhunderts zusammengetragen. Auch meine voluminöse und von

Seite 71
________________
______

meinerr Frau gehassste Comicssammlung war


w beeindrruckend, un
nd die
Begriffee „Harley“ und
u „Easy Rider“
R waren mir nicht ganz fremd
d. Mit
solchen
n Verdiensten stand mir eine klein
ne Freiheit mit
m einem
bisscheen exzessiveem Freivögeeln für den Weltfrieden
W n, und dazu einer
kleinen
n Orgie hin und
u wieder, rechtmäßiig zu.
In meinen postkoitaleen Tagträum
men sah ich alles noch eeinmal
vor mirr, als ob es erst
e gestern
n gewesen wäre.
w Siebzeehn Jahr un
nd
Stretch
h-BH (mit Metallbügel
M u verwirrrenden Haken, was zu einem
und
ersten Tasttraumaa geführt haat). Die putzzigen Bärchen auf den
hellblau
uen Frotteeeslips unter den unübe
erwindbaren
n Sloggi-Fesstungen
meinerr ersten Lieb
ben. Der heellblaue Haschischkuchen mit den
silberneen Liebespeerlen. Die Freude über das lang errsehnte
nensertuch und mein erster
Palästin e eigen
ner Pflasterssein. Die Deemos
auf dem
m Kurfürsteendamm geggen Imperiaales und irgendwas
Weltum
mstürzleriscches. Alles nur
n noch verklärte Held
dentaten eines
schütteeren Veteraanen im Epizzentrum de
er Spießigkeit. Meine
Diagno
ose war klar und katastrophal ernü
üchternd, daas Alter ist nichts
für Feigglinge. Ich liitt an einer schweren Sinnkrise,
S fü
ür jeden
Wissen
nden sofort erkennbar. Die wenige
en noch leb
benden Junggs aus
„My Geeneration“, Robert (de Niro), Mickk (Jagger) und ich wareen nach
einer viel zu kurzen Zeitreise im mittlere
en Alter anggekommen.
Mein stilles Leiden un
nd mein verzweifelter Schrei
S „Lassst mich
zu eineer netten Fraau die mich
h versteht“ waren
w nichtt mehr zu
übersehen. Aber es
e verstand mich niemaand, weil diie Zeichen vvon
einer gleichgültigeen Gesellsch
haft nicht wahrgenomm
w men wurden.
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In dieser scchweren Ph
hase fand ich bei Albertt Einsteins
Relativitätstheorieen Trost und
d Hilfe „Alle
es Relative ist modifizieerbar“,
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und „die verbrauchte Energie für ein Problem, darf nicht größer sein,

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als der zu erwartende Energieschub für die Lösung“ waren sein Rat
und meine allerletzte Hoffnung. Außerhalb meines kleinen
Lebensraums wartete ein Universum der Möglichkeiten auf mich, den
dressierten Ehemann. Mir wurde klar, ich durfte nicht länger säumen,
denn ich war schon weit in den Jahren vor. Es war an der Zeit für
einen Aufbruch in eine neue Welt. In eine Welt, die nur darauf
wartete, von mir neu entdeckt zu werden.
Meine Phantasie half mir über manch schlaflose Nacht
hinweg. Ich war in hohem Maß anfällig für das, was man mit dem
Begriff „Versuchung“ nur Bruchstückhaft umschreibt. Nur um meine
egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen, sah ich andere,
vorzugsweise weibliche Menschen, nicht als gleichberechtigte und
freie Subjekte mit einem Anspruch auf Respekt und Glück. Ich sah
diese Wesen in verdammenswerter Weise (heute bereue ich es
zutiefst) als seelenlose und nutzbare Objekte, über die man Ex-und
Hopp verfügen kann, sofern man über die notwendigen Ressourcen
verfügt. Ich weiß, solche Gedanken gehören nicht zu einer guten Ehe,
und schon gar nicht zu einem moralisch gefestigten Menschen. Aber
noch hatte ich die eitle Vorstellung, Herr über meinen eigenen Willen
und der Beherrscher der Geschehnisse zu sein. In meiner Situation
sah ich nur noch einen Ausweg: Exzessiver Sex bis zum Umfallen mit
einer mir fremden, aber saugeilen Frau.
Und dann geschah es. Mein Überlebenswille packte mich
wieder einmal am Hals und flüsterte mit drohendem Unterton in der
Stimme zu mir: „Bevor du an deinem moralischen Leben zugrunde
gehst, musst du etwas ändern, sonst spreche ich nie wieder mit dir

Seite 73
________________
______

und ich
h werde dein Gehirn un
nd deine Eie
er amputierrten.“
Ich nahm diese
d unmisssverständliche Drohun
ng ernst und
d
beschlo
oss, meine Einstellung
E m bisherigen Leben zu äändern.
zu meinem
Dazu geehörte zuerrst einmal ein
e umfassender Leben
nsplan um m
meine
Absichtten kunstvo
oll zu versteecken. Meine kriminellee Energie fin
ng an
sich zu entwickeln
n und ich fan
nd Spaß darran. Ich beggann, wie ess sich
für eineen vernünfttigen und veerantwortungsbewusstten Mensch
hen
gehört,, mit einer strategische
s en Bestandssaufnahme..
Meine Vorraussetzunggen waren gut.
g Ich hattte damals das
richtigee Alter, dazu
u die Erfahrrung (dachte ich), das nötige
n Klein
ngeld
(dachtee ich auch), und die notwendige, gewissenlos
g se Cleverness
(dachtee ich ebenfaalls) um mal etwas zu wagen.
w Den
n unbemerkten
Ausbru
uch aus eineem sicheren
n Hochsiche
erheitsverpfflegungsgefäängnis,
um nacch einigen heimlichen
h F
Freigängen meine Restt-Lebenszeit in
Ruhe und Frieden und nur miit mir und meinen
m verkklärten
Erinnerrungen abzu
usitzen.
Bitte glaub
b mir, es wääre nur eine ganz kleinee, eine winzzige
Flucht geworden.
g „Nur einmaal kurz ausb
brechen und
d dann komm ich
sofort wieder
w zurü
ück“, versprrach ich mirr bei allem was
w mir irgeendwie
noch heeilig war. Fü
ür die Lust hatten
h mir meine
m Trieb
be die Erlaubnis
gegebeen. Für mein
nen Freiheittsdrang hatte ich die Genehmigun
G ng
meiness Geistes. Und mein zu beruhigend
des Gewisseen erfand eine
Vielzah
hl unschöner Bezeichnu
ungen für meine
m liebe Ehefrau. Veernunft
und Mo
oral? Es war mein rückksichtsloser Wille, der die
d beiden
Stänkerer schon irrgendwie üb
berreden würde.
w Ich wollte
w nur no
och
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einmal das unbescchreibliche Gefühl frem


mder, weiblicher Haut sspüren,
und den frischen, vaginalen Geschmack
G einer jungeen Unbekannten
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auf der Zunge. Wenn jemand ein Anrecht darauf hatte, dann gab es

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nur einen auf der Welt: Mich.
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Wie es im Leben so ist, man muss nur warten können, denn


alles was geschieht, geschieht, weil es zu einem vorbestimmten
Zeitpunkt so geschehen soll. Arglos stieg ich aus dem Zug, der mich in
eine mir fremde Stadt gebracht hatte. Mit diesem kleinen Schritt, der
ein großer Schritt für mein zukünftiges Leben sein sollte, beginnt der
zweite Teil meiner Geschichte. Auch ich konnte meinem Schicksal
nicht entrinnen, und die Liebe auf den sprichwörtlichen ersten Blick
traf mich vollkommen unerwartet.
Nüchtern, mit leichten Kopfschmerzen und an einem
regengrauen Dienstag setzte ich vor meinem linken den rechten Fuß
auf den Bahnsteig des Bahnhofs einer süddeutschen Stadt am
Neckar, die aus für mich unerfindlichen Gründen ein sexuell
verstörtes Käthchen zu einer Art Maskottchen erhoben hat. Der
Grund meines Ausstiegs war eine an eine Freifahrkarte gebundene,
berufliche Aktivität, weil es nicht zu meinen Gewohnheiten gehört,
mich planlos von Bussen und Bahnen durch die Gegend kutschieren
zu lassen. Ich sollte meine Meinung zu einem technisch-fachlichen
Thema, anlässlich einer kleinen Veranstaltung vortragen und ich war
gewillt es zu tun, denn es war ein gut bezahlter Auftrag für wenig
körperliche Arbeit. An das Thema meines Vortrags kann ich mich
nicht mehr erinnern und mit Einzelheiten meiner üblichen
Ausführungen möchte ich dich nicht langweilen. Ich kann mich aber
noch sehr gut daran erinnern, dass ich irgendwann zwischen den

Seite 75
________________
______

mehr oder
o wenigeer schläfrigeen und geisttig abwesen
nden Teilnehmern
des Sem
minars, klugge blaugrau
ue, mich geb
bannt anseh
hende Augeen
wahrgeenommen habe.
h
Wenn ich daran zurücck denke, dann hat allees mit der
langsam
me Verengu
ung meines Blickfelds und
u der gleiichzeitigen
Ausblendung der Statisten
S beegonnen. Mitten
M in derr Menge der
teilnahmslos dasittzenden Körrper saß sie, mit einer Ausstrahlun
A ng die
mich au
us der Fassu
ung brachtee. Endlich war
w sie da. „SSie“ auf diee ich so
lange und
u sehnsücchtig gewarrtet hatte, und
u sie begaann mit ihreer
Präsenz den Raum
m zu füllen.
nen Herzen kommendees „Gott sei Dank“
Ich weiß, ein vom rein
wäre in
n diesem sp
pirituellen Moment
M anggebracht gewesen. Ich habe
h war zu aufgeregt. Nach den langgen
den Dank vergesseen, denn ich
Jahren der Einsam
m- und orgiastischen En
nthaltsamkeeit, verspürtte ich
zum ersten Mal deen gerechteen Willen de
er Götter, die behutsam
m und
doch wohldurchda
w acht die Gesschicke des guten Men
nschen leiteen. In
ihrem unergründli
u ichen Wolleen hatten sie beschlosssen, mich au
us
meinem
m Jammertaal herauszuführen und meine durch seelischee
Vergew
waltigung errzwungene Treue zu be
elohnen. Welcher
W Gottt der
Wohltääter war, weeiß ich nichtt, aber ich nehmen
n mitt gutem Gew
wissen
an, dasss er männliich und mir damals zuggetan war, denn
d er hattte mir
in seineem unergrü
ündlichen Wollen
W die Scchönste derr Nutzbaren
n und
die Zweeckdienlichsste für mein
ne kleinen Bedürfnisse
B e geschickt. Ich
spürte es sofort. Sie
S war da, die
d inspirierrende Engellin, die mein
n
trostlosses Leben aufpoppen
a s
sollte. Die den
d Auftrag hatte, mich
h sanft
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an der Hand zu neehmen, um mich ins geile Paradiess mit Honigb


brot
und lusstvollen Spieelen zu führren. In diese
em Momen
nt verstand ich,
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dass Verbrechen und Gesetze untrennbar zusammen gehören

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müssen, weil sie sich suchen und finden, und weil sie ohne den
Anderen nicht existieren können.
Obwohl ich bekennender Atheist und Ketzer war und auch
heute noch bin, ist mein Glaube an eine überirdische und alles
steuernde Macht seit diesen Minuten unverrückbar. Wir gehörten
zusammen und nur wir waren das ideale Paar. Von mir war es
gegenseitige Liebe auf den ersten Blick, denn ihre Gefühle kannte ich
ja noch nicht, aber das was ich sah, war Versprechen genug. In
diesem Moment des ersten Blicks konvertierte ich vom bekennend-
gläubigen Heiden zum Glauben an den Allmächtigen. Ich schickte ein
Stoßgebet nach dem anderen in Richtung Himmel.
„Hilf, Teufel mir die Zeit der Angst verkürzen, Mag´s schnell
geschehen, was muss geschehen?“
Ich wollte dieser Frau nahe sein. Koste es was es wolle. Ich
beabsichtigte sie zu besitzen, und sie, ich ahnte es noch nicht, war im
Auftrag der Götter unterwegs, um mit mir zu spielen.
Vielleicht fragst du dich, was die Götter damit zu tun hatten?
Warte noch etwas, ich werde es dir erzählen. Ich bekam die Antwort
auch erst einige Monate später.
Zwar konnte ich allem wiederstehen, nur nicht der
Versuchung, und schwach wie ich damals war, war ich mental schon
vor langer Zeit aus meiner Ehe ausgebrochen. Aber meine Ängste und
Skrupel wollten mich mit Macht ins ungeliebte Gefängnis
zurücktreiben, nur damit meine Erinnerungen und meine
schmerzenden Hoden mich später mal kräftig auslachen konnten.
Was blieb mir anderes übrig? Ich brauchte qualifizierte Hilfe.

Seite 77
________________
______

Mein Ausbruch
A mu
usste professionell abggesichert werden. Die
etablierten Versich
herungsgessellschaften konnten mir
m dabei niccht
helfen, darum bott ich ihm, deem allmächttigen Schöp
pfers des Ho
omo
(Erectu
us) Sabiens, und darum
m um die Sorrgen und Nö
öte seiner
Geschö
öpfe wissenden Welten
nlenker eine
en, nach meeiner Einsch
hätzung
interessanten Deaal an. Ich fing an zu beten: „Wenn du mir diesse Frau
beschaffst, dann kannst
k du allles von mirr haben, und
d ich werdee ihr
Sexsklaave sein, sollange sie ess will“, war mein
m demütiger Vorsch
hlag.
Du wirsst es nicht glauben,
g aber mein Gebet wurde erhört,
e und meine
n Erfüllung gehen.
Wünsche sollten in

Inzwischen
n sind schon
n einige Jahre vergangeen und daru
um
weiß icch nicht meh
hr genau, welcher
w Reizz es geschaffft hatte, diee
Triebe in den längst vergessenen Brennkkammern meiner
m
Einbildungskraft zu entzünden. Vielleicht war es aucch nur die
me von Inteeresse an meinen
Annahm m Ausführungen, die
d ich dam
mals,
vermuttlich vollkom
mmen fälsch
hlicherweisse, als Anbetung meineer
Person wegen meiner pseudo
ointellektue
ellen Ausfüh
hrungen
interpretiert hattee. Es kann auch sein, daass ich nur hochgradig
h anfällig
für jedee noch so banale Versu
uchung und
d süchtig nach Anerken
nnung
war.
Zugegeben
n, mit so ein
nem Prachtsstück vor deer Nase warr es
nicht scchwer mich
h zum religiö
ös motiviertten Bittstelller zu machen.
Eigentlich war es ein
e ziemlich
h plumper Versuch
V mich zu
mpieren. Dass banale Sch
korrum hicksal wolllte sich meinen privateen
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Interesssen bemächtigen und es wollte auch noch krräftig geschmiert


werden
n. Andrerseits muss maan auch saggen, dass deer Mensch im
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Glauben stark sein sollte. Wären meine Gebete nicht erhört worden,

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wäre vielleicht alles ganz anders gekommen. Aber es hat sich nun mal
so ereignet, und ich musste die Konsequenzen tragen. Ich, der Ketzer
hatte dem Chefgott einen Deal angeboten, und für meine egoistische
Einstellung hat er mich bestraft. Dafür bin ich ihm heute und wie es
sich gehört dankbar. Denn die Erfahrung hat mich klug gemacht, und
ich konnte mich mit der Gewissheit trösten, dass die Unerfahrenen
und Mutlosen die Dummbeutel sind, denn ich hatte es gewagt. Am
Schluss der Episode hat „Der da Oben“ alles von mir genommen. Ich
hatte es ihm am Anfang versprochen und Versprechen soll man ja
bekanntlich halten. Heute bin ich bei ihm schuldenfrei, jeder von uns
geht seiner Wege. Er lachend mit seiner Beute und ich mit meinen
Erfahrungen, von denen ich dir heute erzähle.
Doch bevor ich mit meinen Erinnerungen zu weit abschweife,
kommen wir zu dem denkwürdigen Tag in Heilbronn zurück.
In meinen Augen war sie wunderschön. Allerdings denke ich
heute, dass eine arglos hin und her huschende Maus beim Anblick
einer schillernden Gift- und Würgeschlange so ähnlich empfindet. Es
war der Beginn eines Prozesses, vergleichbar mit der Kernschmelze in
einem Atomkraftwerk, der mein Leben und meine Zukunft verändern
sollte.
In diesen geheiligten Minuten bekam ich spontan eine
mächtige Erektion. Gleichzeitig hatte ich den Faden meines Vortrags
und dazu meine eisernen Grundsätze über die Heiligkeit der Ehe
verloren, und dankbar über das Erstere, fand ich beide nicht wieder.
Nun weißt du, und auch ich weiß es, dass es Situationen gibt,
in denen sich auch eher zurückhaltende, weil verheiratete Männer,

Seite 79
________________
______

mutig und
u unverw
wundbar füh
hlen. Für mich war der durchaus
denkbaare Dolchsto
oß an der Heimatfront
H nichts gegeen die
Heraussforderung der
d graublauen Augen für die ich nur noch Augen
hatte. Im
I ehelicheen Felde mo
oralisch unbesiegt, wurrde ich mit d
dem
Speer der
d Versuch
hung aus deem Hinterhaalt beworfen
n und an meiner
schwäcchsten Stellee getroffen, dort wo icch aus Wohllstandsgrün
nden
nicht mehr
m hinseh
hen konnte.
Wenn du mich
m in diessem Momen
nt gefragt hättest: „Waas
würdesst du tun? Zu
Z was wärsst du bereit,, um sie zu bekommen
n, und
um mitt ihr an eineen fernen Ort zu versch
hwinden?“
Ich hätte dir
d ohne zu zögern
z ntwortet: „IIch ziehe hier und
gean
jetzt ein Baströckcchen an und
d führe eine
en hawaiian
nischen
Fruchtb
barkeitstanzz auf, wenn
n es hilft.“
nnten wir uns
Du hast miich nicht gefragt, denn damals kan
noch nicht. Aber mein
m Wille musste
m als unabänderli
u iche Folge aauf den
Verfall meiner Weertvorstellun
ngen gesche
ehen. Denn
n nach dieseem Blick
war es so gewiss, wie
w die Sün
nde zur Morral gehört – der reine EEngel
wollte mich, und ich wollte sie, und alless andere, die Risiken, d
die
oral waren mir
Folgen und die Mo m in Anbe
etracht ihrer blitzenden
n Augen
h- und scheeißegal.
herzlich
Du bist neu
ugierig und möchtest wissen,
w wo mein
m Gewisssen
geblieb
ben ist? Nattürlich war es
e noch da, und es warr tonnensch
hwer
mit nie begangeneen Verstößeen gegen die eine oderr andere Mo
oral, die
nicht die meine waaren, gepflaastert. Mit dieser
d Last war
w es für m
mich
nicht leeicht. Über meine Gew
wissensquale
en kam ich nur
n hinweg, weil
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ich mir einredete, dass die Beewertung de


er Sünde eine simple FFrage
des Staandpunkts sei,
s und die Gebote, die
e zehn mit denen
d man auch
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dich gepestet hat, nur zur Versklavung des Mannes erfunden worden

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sind. Immerhin gibt es genug Menschen, die ohne Moral ziemlich
glücklich leben, oder die intelligent genug sind, ihre eigene Moral zu
entwickeln. Mit solchen Gedanken sah ich der Schlange in die
blitzenden Augen, und ich wusste, dass meine geordnete
Vergangenheit nur eine mit Auszeichnung überstandene Prüfung für
zukünftige Vergehen sein konnte.
Heute, mit einer zeitlichen und gefühlsmäßig abgekühlten
Distanz kann ich Sina, also Petra, di sich Sina nannte, nur noch
bruchstückhaft beschreiben. Eigentlich war sie kein reiner Engel. Sina
war „das“ gut getarnte Verderben und ein ganz schlimmer Finger.
Du möchtest, dass ich sie beschreibe? Ich versuche es, aber es
wird mir nur unzureichend gelingen. Optisch hatte sie damals (echte)
bis zum Rücken reichende, etwa bis zu der Stelle, wo bei
erwachsenen Engeln die Flügel heraus wachsen, pechschwarze und
leicht glänzende Haare, die jeden schwulen Friseur zu einem
andächtigen Seufzen verleiten, was meine Theorie über die
sichtbaren Merkmale der blonden Guten und der vorwiegend
dunkelhaarigen Bösen ein weiteres Mal recht ansehendlich
bestätigen konnte. Die Brille mit schmalem, schwarzem Horngestell
gab ihrem Gesicht einen zusätzlichen erotischen Touch, den der
intime Feingenießer und Kenner strenger Anleitung, üblicherweise
mittelalten, und zwar den englischen Internatslehrerinnen aus den
konsequenten frühen 50er Jahren zuschreibt. Das elegant
mittelgraue Kostüm mit dem die für meine Begriffe vollkommene
Figur betonenden, engen Rock stand ihr gut und ich konnte meinen
Seitenblick ob der ästhetischen Perfektion nicht von ihr lösen. Ich

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______

musstee unwillkürliich an Vivienne Westw


wood denken (das ist diie
englische Designerin, die nie Unterwäsch
he getragen
n hat), die
mäß gesagtt haben soll: „Ein Mann
sinngem n, der eine Frau
F im Kostüm
nicht jeeder andereen Frau vorzzieht, muss entweder blind
b oder eein Idiot
sein.“
Vor mir saß
ß eine Frau (nicht Vivie
enne Westw
wood, sondeern
Sina), die
d trotz, od
der wegen der
d ungewöhnlich schlichten Harm
monie
ihres optischen Geesamteindru
ucks alle Bliicke auf sich
h zog und siie
wusstee es, das Misststück. Ich dachte nich
ht mehr an meinen Auftrag,
sondern nur noch: „Schöne Frauen kann
n man überaall treffen. EEs gibt
sie in jeeder Haar- und
u Hautfarrbe, nur niccht in jeder Figur und faast
immer da wo ich nicht
n bin. Ab
ber das ist ein
e besondeeres Exemplar und
ich bin ihr nah.“
Ich weiß, man
m muss viele Wege gehen,
g bis ein
e Mann zu
um
Mann wird.
w Du meein Freund, bist ein gesstandener Mann
M und d
du
versteh
hst mich. Deennoch kann ich es nicht verhindeern, dass au
uch
Frauen mitlesen und mit fiebrigen Augen
n und angeh
haltenem A
Atem
mit mirr mitleiden. Darum mö
öchte ich me
eine Leserin
nnen sozusaagen
prophyylaktisch darrauf hinweisen, dass bei mir Äußeerlichkeiten keine
wesenttliche Rolle bei der Beu
urteilung de
es Charakters eines Meenschen
spielen
n. Für mich in
i meiner feeinstoffliche heit kommt es auf
en Gesamth
den Meenschen an. Doch mein
ne Triebe de
enken da eh
her archaiscch und
zum daamaligen Zeeitpunkt kon
nnte ich nocch nicht auff Sinas innere
Werte eingehen.
Mein Forsccherdrang war
w geweckkt und meine motivatio
onale
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Erregun
ng stieg im gleichen Maße, wie meine Erwarttung an dass
Ungew
wisse.
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Zwar wusste ich von dem von mir sehr verehrten Friedrich

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Nietzsche, dass die sinnlichsten Männer vor den Frauen fliehen und
den Leib martern müssen. Doch was hätte ich tun sollen? Ich floh
nicht und mein Leib blieb an diesem Tag ungemartert. Auch mein
klarer Verstand warnte mich eindringlich: „Lass es, aus diesem Blick
können nur blaue Augen und verbrannte Erde entstehen.“
Es war mir egal. Mein Glauben, meine Restmoral und meine
Grundsätze waren zusammen mit meinem Verstand auf der Flucht.
Angesichts der leckeren Schnitte sah ich für meine Zukunft nur noch
blau, und ohne dass ich es wusste, stand ich damit vor der
vollkommenen Zerstörung des Bewährten und vor einem radikalen
Neuanfang. Eigentlich ein Vorgang den jeder Revolutionär kennt und
anstrebt, und es entsprach ja auch meinem Wunsch. Damals wusste
ich noch nicht, dass Konformisten geheiratet, und Revolutionäre
gemartert und erschossen werden.
Nach meinem ersten Eindruck, und entgegen meiner
sonstigen Angewohnheiten unauffällig aus den Augenwinkeln
gecheckt, war sie höchstens fünfundzwanzig Jahre alt. Ein junges und
gelungenes Exemplar der Gattung Frau. Nicht zu jung, aber alt genug
um nicht zu scheu, sondern erfahren zu sein, wie der Kenner von gut
zugerittenen Wildpferden gern sagt.
Du musst es mir nicht sagen, ich weiß es. Auch eine
Atombombe kann man optisch schön und proportional ästhetisch
finden, aber dennoch rührt man so ein Mist-Ding nicht an. Das sagt
einem schon der gesunde Menschenverstand. Im Gegenteil, jeder
vernünftige Mensch hält einen respektvollen Sicherheitsabstand und
zumindest seine Aktentasche schützend vor sein Gesicht. Denn die

Seite 83
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______

Optik sagt noch lange nichts über


ü den Inhalt, das Haandling und
d die
praktische Anwendung im Allltag aus. Daas alles wussste ich, und
d ich
hatte es
e mit dem ersten
e Blickk in ihre blitzenden Auggen vergesssen.
Dass mich
m der dazugehörende, äußerst gefällig
g prop
portioniertee,
weiblicche Körper und
u die dezent bestrum
mpften, sinn
nlichen Schenkel
zusätzlich inspirierrt hatten, seei hier nur am
a Rand erw
wähnt. Docch noch
hatte icch kein Worrt mit ihr geewechselt, und
u es sah nicht
n so auss, als ob
sich diee Gelegenheeit bieten würde,
w denn
n ich bin im anbaggern mir
wildfreemder Fraueen bis heutee sehr ungeübt.
In solchen mystischen
n Momenten n Anbetung löst die
n der stillen
he Wirkung beim mitteelalten Mann die Reaktion aus, fürr die
optisch
das Objjekt geschaffen wurdee. Sie hat gezündet, bei mir
mbe) und den revolutionären
eingescchlagen (niccht die Bom
Flächen
nbrand der Veränderun
ng ausgelösst. Welcher Sinneseindruck
der enttscheidendee war, oder ob das Zusammenspieel von mehrreren
den in meiner durch Gewöhn
nung und Ro
outine verho
ornten Seelle
verstecckten G-Pun
nkt der Sehn
nsüchte berrührte, weiß
ß ich bis heu
ute
nicht. Doch
D von mir
m unvergesssen ist ihr ungewöhnli
u iches Parfüm
m, das
ich, derr aufs äußerrste Sensibiilisierte mit allen meineen Sinnen
wahrnaahm. Es warr wie Opium
m von einer schweren, edlen Süßee, die
bedingte Allttagsgerüche abgestum
meine durch eheb mpfte,
orische Wah
olfakto hrnehmung wiedererweckte.
Als sie nach
h der Veran
nstaltung zie
elstrebig zw
wischen Büfffet und
Small-TTalk schlend
derte, folgtee ich dem Duft
D mit groß
ßem Abstan
nd und
so unau
uffällig wie ein halbverrhungerter Hund einer geöffneten
n
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Futterb
büchse. Heu
ute weiß ich
h, dass die Wölfin
W schon damals w
wusste,
dass siee mich am Angelhaken
A n hatte.
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Ich sah sie an, sie sah mich so bewusst gleichgültig an, als ob

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sie die Gedanken ihrer Beute lesen könnte. Ihr kaum sichtbares
Lächeln galt mir und ich war der Gewinner, obwohl wir noch kein
Wort miteinander gewechselt hatten. Dann fiel die kleine
Handtasche, die sie unter dem linken Arm eingeklemmt hatte, auf
den Boden. Ich, der abgebrühte Unternehmer und ehrsame Ehemann
vergaß Sinn und Zweck meines geschäftlichen Aufenthalts. In einer
metaphorischen Anwandlung dachte ich: „Es sind nicht die
Widrigkeiten des Lebens mit der Hässlichkeit der Allerweltsnatur,
sondern die Zuckungen des Zufalls, denen der einsame Mensch
verfällt“, und sie beachtete mich mit der gleichen Aufmerksamkeit
wie man als fanatischer Nichtraucher Zigarettenautomaten an grauen
Hauswänden wahrnimmt.
Für mich war die gefallene Tasche wie ein Wink des Schicksals
und die Gelegenheit auf die ich intuitiv gewartet hatte.
„Darf ich Ihnen helfen?“ war meine ob des Zwischenfalls
zögernde Frage, um ohne eine Antwort abzuwarten, mich trotz
meines noch nicht gänzlich auskurierten Bandscheibenvorfalls zu
bücken um mit den Händen den Boden zu berühren. Hastig begann
ich die kleinen Utensilien, die aus der Handtasche gefallen und auf
dem Boden verstreut waren, einzusammeln.
Nicht mehr unverbindlich lächelnd, sondern eher kühl, ohne
sich zu bücken und ihrem kleinen Missgeschick größere Beachtung zu
schenken, antwortete sie: „Bitteschön. Wenn es Ihnen Spaß macht.“
Wegen meiner Leibesfülle etwas zu laut keuchend, begann ich
eine vergoldete Lippenstifthülle, dazu ein kleines silbernes
Schminketui und ein Feuerzeug aus gebürstetem Metall mit

Seite 85
________________
______

ineinan
nder verschlungenen weiß-,
w gelb- und rotgold
denen Ringeen
zusamm
men zu such
hen. So unm
mittelbar vo
or ihr auf deem Boden nahm
ich den
n subtilen Geruch der schönen
s jun
ngen Frau beesonders in
ntensiv
war. Au
us meiner gebückten
g P
Perspektive sah ich ihree dezent
bestrum
mpften Bein
ne, und die roten Pumps mit den schmalen
Riemch
hen die sich um ihre schmalen Knö nten, und ich
öchel spann
fühlte mich
m das errste Mal seitt vielen Jahren wieder wie der dumme
schüchterne Schulljunge, der regelmäßigg von der veerhassten un
nd
gleichzeitig angebeteten Lehrrerin mit de
en ausrasierrten Augenb
brauen
und dem streng naach hinten gebundene
g n Pferdesch
hwanz aus d
der
Sindelfinger Klosteergartengru
undschule se
eine obligattorischen
Kopfnü
üsse für Unaartigkeiten empfangen
e hatte.
So vor der schönen Un
nbekannten
n kniend, em
mpfand ich
plötzlicch ein längstt verdrängtes Gefühl der
d familiäreen Hingabe,, das
sich in dieser Inten
nsität das leetztemal, un
nd zwar anlässlich des ersten
Mals vo
or vielen Jah
hrzehnten in einem Stu
uttgarter Ettablissemen
nt mit
dem beezeichnendeen Namen Je
J t´aime, und in der Hand einer äälteren
Helga zum
z Rhythm
mus von „I want
w to hold
d your Hand
d“ wie von SSinnen
entladeen hatte, un
nd von dem
m ich dachte, dass ich ess in diesem Leben
nie wieeder erleben
n würde.
Nach unendlich erscheeinenden Se
ekundenbru
uchteilen w
wohliger
Erinnerrungen an Episoden
E au
us Kindheit und
u Halbstaarkenzeit wollte
ich micch aufrichten, aber vor Aufregung fiel mir dass kleine
Schmin
nketui aus der
d Hand un
nd mit einem
m metallisch
h klirrenden
n
Geräussch auf den Steinboden
n. Ich bückte
e mich noch
h einmal un
nd sah,
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dass ess einen unscchönen Krattzer und der kleine Spiegel einen SSprung
bekommen hatte. Beim schulldbewussten Aufblickeen sah ich ih
hre
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Zornesfalten zwischen den sorgfältig ausrasierten Augenbrauen und

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das mein zitterndes Tun ohne Worte missbilligende, hochgezogene
rechte Augenlid. Als ich ihr mit schweißnassen Händen und kleinen
Nervositätsperlchen auf der hohen Stirn das schmale Handtäschchen
aus dem Leder einer weltweit geschützten Reptilien-Art übergab,
nahm ich meinen ganzen Mut zusammen.
„Entschuldigen Sie bitte, dass ich so ungeschickt war.
Selbstverständlich ersetze ich Ihnen den Schaden. Darf ich sie als
kleine Wiedergutmachung zu einem Glas Champagner einladen?“
Sie sah mich mit einem spöttischen Lächeln ihrer sorgfältig
geschminkten Lippen an.
„Ich weiß noch nicht, ob das eine Wiedergutmachung oder
eine Strafe ist. Sie werden verstehen, dass ich mich normalerweise
nicht so einfach von jedem X-Beliebigen ansprechen lasse.“
Dabei betrachtete sie mich mit einem durchdringenden,
überheblichen Blick an, der einer kleinen Krämerseele zu sagen
schien: „Du Winzling, sei froh, dass ich dich überhaupt ansehe.“
„Es ist mir ein Bedürfnis Ihnen den Schaden zu ersetzen“, war
meine bittende Antwort.
Ihr Lächeln veränderte sich zu einem Wohlwollen, das
hungrige Alligatoren beim Betrachten eines mit verstauchtem Geläuf
in halbhohem Wasser stehend, fetten Gnus, gern aufsetzen.
„Gut, dann möchte ich Ihr Angebot ausnahmsweise
annehmen. Mein Name ist Sina Sidonius, und wer sind Sie?“
Obwohl sie mir zugehört hatte und meinen Namen kennen
musste, war ihre Frage eine pure Provokation, die meine Hoden zum
vibrieren brachte. Ich wusste nicht, was ich darauf sagen sollte, aber

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______

die verheiratete Petra Krafft, alias Sina Sidonius


S ging mit dem
Bewussstsein, den gewünschteen Fisch an der Angel zu
z haben, voran,
und ich
h dachte: „FFür diese Fraau schwimm
me ich in ein
ner Tonne d
durch
die Niagarafälle, wenn
w sie es verlangt.“
Aus den Au
ugenwinkeln betrachte
ete ich ihren
n Gang, die
wohlgeeformten Beeine, und diie Muskeln ihrer Schen
nkel, die sich
h am
dünnen
n Stoff des engen
e Rockk ihres Kostü
üms so vorttrefflich
abzeich
hneten. Ich wusste, ich
h war in geschäftlichen Angelegenheiten
unterw
wegs, und daarum versucchte ich micch zu konzeentrieren un
nd an
etwas anderes
a zu denken. Ab g mit wieegendem Gang
ber vor mir ging
mbi, sonderrn der Porscche unter den
nicht der geräumigge Volkskom
Frauen. Als sie sich
h mit einem
m selbstbew heln an die Bar
wussten Läch
lehnte, sah ich, daass sich der Rock ihres Kostüms
K etwas, für
unkund
dige Laien kaum
k bemerrkbar, zwiscchen den Beeinen bauscchte.
„Die Sau haat Strümpfee und keinen Slip an“ schoss es miir
spontan durch den
n Kopf.
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Entsorgungsprobleme und Gewissensqualen

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„Das Mädel ist schön, schlank, führt einen netten Fuß.
Unterm Dach mag's aussehen, wie's will.
Darüber guckt man bei euch Weibsleuten weg,
wenn's der liebe Gott Parterre nicht hat fehlen lassen.“
Friedrich Schiller, aus „Kabale und Liebe.“

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Die mir gesetzlich angetraute Frau war mir schon seit langer
Zeit ziemlich gleichgültig. Trotz der markanten Tätowierung auf ihrem
in den Jahren ausladend gewordenen Gesäß war das Zusammenleben
mit ihr nur noch eine banale Gewohnheit, wie ein durchgesessener
Cord-Sessel aus den 70ern, den man zwar vor Jahren, als er noch neu
und beneidenswert exklusiv gewesen, begehrenswert gefunden
hatte, aber in den vielen Jahren der Nutzung zu einem bequemen
und etwas ausgeleierten Gebrauchsgegenstand geworden war.
Bei Sina war es anders. Das war kein durchgesessener
Alltagssessel, um bei meinem bildhaften Vergleich zu bleiben. Das
war ein heißer Feuerstuhl. Instinktiv und sofort spürte ich, dass die
junge und unverbrauchte Sina Sidonius purer Sprengstoff war mit
dem ich trotz der Gefahren, die solchen Dinge nun mal als
wesentliche Eigenschaft besitzen, zwar behutsam, aber doch
ausgiebig zu experimentieren gedachte.
Zu meiner Verteidigung muss ich dir gestehen, dass in diesen
Minuten mein Mut nicht so groß war, wie ich ihn hier mit vielen
Worten umschreibe. Ich wollte siegen, das war mal klar, aber ich

Seite 89
________________
______

hatte meine
m kleinlichen Ängstte und die Zweifel
Z warren auch da. Ganz
im Verttrauen und unter uns sage
s ich es dir
d jetzt, und bitte erzäähl es
nicht weiter.
w Es gaab Momentee in denen ich mutlos und
u mit ein
ner
gemurm
melten Entsschuldigungg meinen go
oldenen Eheering wiedeer auf
meinen
n Finger stecken und die Flucht errgreifen wolllte.
Zweifelsfreei stand ich vor einer scchwierigen Herausford
derung,
der sich
h jeder Feld
dherr vor ein
ner großen Schlacht mit
m ungewisssem
Ausgan
ng stellen muss.
m Zwar wusste
w ich, dass
d ich diee bebende FFestung
erobern konnte. Icch besaß diee monetäre
en Mittel un
nd den
unumsttößlichen Willen
W in ein
nem wankelmütigen Prrozess von TTun und
wir dürrfen es nicht tun.
Aber andreerseits lud sie
s mich mitt offenen Scchenkeln ein
n. Was
hättestt du an mein
ner Stelle geetan? Hätte
est du gekniffen und
weinerrlich den Rückzug angetreten? Die
e Menschen fliegen zum
m
Mond und
u wagen den Schrittt ins Universsum. Der Mars
M ist nur n
noch
ein Katzensprung entfernt, un
nd mutige Männer
M erkunden die letzten
Winkel der Erde. Und
U ich soll jetzt kneife
en? Es wäree ein Verbreechen
an der Menschlich
hkeit gewesen.
Aber konntte ich sie au
uch dauerhaaft bezwinggen? Jeder FFeldherr
weiß, dass
d eine Beesitznahme die nicht zu
ur vollständ
digen
Beherrschung führrt, nur ein Pyrrhussieg
P ist.
Besaß ich die hen? Ein Wildpferd
d Kraft, siee mir unterttan zu mach
zuzureiiten ist ja keeine einfach
he Sache, haab ich mal gehört.
g Abeer
würde ich es schafffen, im Gettümmel mitt der ungesttümen Jugeend im
Sattel zu
z bleiben? Immerhin war
w sie deutlich erkenn
nbar und zieemlich
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jünger, und die Sittten und Geebräuche haatten sich in


n den letzten
Jahrzeh
hnten verän
ndert, missionarsstellungsmäßig gesehen.
g Es gab
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noch viele Fragen, auf die ich zu diesem Zeitpunkt noch keine

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Antwort wusste.
Für meine Seele sehr belastend waren auch eher komplexe
Ungewissheiten: „Sehe ich noch so attraktiv aus, dass ich auch ohne
Unterhosen noch gut aussehe?“, oder „bin ich nicht zu alt, für so ein
junges Ding?“ und auch eine andere Frage stand noch unbeantwortet
im mentalen Raum: „Werden meine Kumpels auch beeindruckt sein,
wenn ich sie vorzeige, was ich ja imagemäßig tun sollte, wenn ich sie
bekomme?“
Auch die Fragen an meine potenzielle Leistungs- und
dauerhafte Zuverlässigkeit war noch nicht abschließend beantwortet.
Würde er so funktionierten wann er soll, wie er soll und wie lang er
soll? Und wie soll ich wenn ich soll und auch will, sie aber anders will,
weil das weibliche Wollen ja bekanntlich wirr und nicht immer klar
und verständlich ist? Frauen haben da ja Vorteile. Sie können immer
und ziemlich kompliziert beim Tricksen, Stöhnen und Schauspielern
sein, habe ich mir sagen lassen.
Mit schlagartig erwachtem Bewusstsein wurde mir klar, dass
am Ort der Prüfung immer auch das Negative lauert. Aber der
Vorfreude auf die vielen Dinge, die wir miteinander tun könnten, gab
mir den Mut, um das schwere Los dieser von mir zu bewältigenden
Bestimmung auf mich zu nehmen.
„Herr Ober, zwei Gläser Sekt bitte.“
Im Allgemeinen mag ich das für mich sowohl geschmacklich,
wie auch im Preis-Leistungsverhältnis für mich vollkommen
unakzeptable Prickelgesöff nicht besonders. Dennoch gab ich mit
einer generös und gleichzeitig weltmännisch wirken sollenden

Seite 91
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______

Handbeewegung diie obligatorische Beste


ellung auf. Mein
M Satz w
war noch
nicht ausgesproch
hen, als sie mir
m zeigte, wer
w die Herrrin im Ring ist,
und weer der Domeestik. Mit eiiner bestimmenden Geeste legte siie ihre
Hand auf meinen Unterarm und
u verbessserte mit ein
nem spöttisschen
Lächeln
n ihrer sorgffältig geschminkten Lip
ppen meinee kleinmütigge
Order.
„Zweimal Champagne
C er und zwei Martinis. Und lassen SSie bei
der Füllung ordenttlich die Peiitsche knallen.“
Ich sah sie nur an. Dass war Stil un
nd echte Eleeganz und m
mir
fehlten
n die Worte für eine gepflegte Kon
nversation.
„Stößchen..“
Nur zu gern
n kam ich der Aufforde
erung nach und ich stieeß mein
Glas vo
orsichtig mitt einem leissen Klirren gegen
g das Glas
G der attrraktiven
jungen Frau, die mich
m sowohll in Hingebu
ungsvorfreu
ude, als auch
erwartungsvoll an
nsah.
„Sie dürfen
n mich Sina nennen.“
„Hallo Sinaa, dann wolllen wir doch
h anstoßen.. Ich bin derr
Raoul.““
Mit einem bezaubernd
den Lächeln
n sah sie mich an, und bevor
ich weiterreden ko
onnte, kamen aus ihren vollen Lip
ppen die
neckiscchen Worte: „Darf ich mal
m an ihre Nüsse?“
Mein Herz zog sich mit einem leicchten Stich,, ich vermutte es
war meeine sensiblere, die linkke Herzkam
mmer, zusam
mmen. So viiel
Offenheit war ich in der Öffen
ntlichkeit niicht gewohn
nt und daru
um
wusstee ich nicht was
w ich zu deer Frage saggen sollte, denn
d bis dahin
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nahm ich an, dass Frauen sch


hüchterne und zurückhaltende Weesen
seien. Ich kannte vom
v Hörenssagen zwar viele obszö
öne Worte u
und die
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wenigen Damen, die ich ansonsten gegen ein angemessenes Honorar

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gelegentlich frequentierte, waren üblicherweise älter, also aus
Paritätsgründen in meinem Alter und darum in einem erkennbar
gebrauchten Zustand. Doch im Hier und Jetzt dieses mystischen
Moments war alles anders. In den Sekunden, die sich wie
unmessbare Zeiten, angefüllt mit erotischer Spannung dehnten,
begann sich in der atemlosen Stille zwischen den beiden Menschen
an der Bar eine innige Bindung des Sehnens und Wollens aufzubauen.
Der volle Mund der jungen Frau verzog sich zu einem Lächeln, als ob
sie jede noch so komplizierte Windung meiner Gedanken lesen
könnte.
Ich war fasziniert, wie sich ihre Nasenflügel leicht und doch
erkennbar krausten und ich sah das rosagesunde Zahnfleisch in ihrem
Mund und die nassglänzende Zungenspitze, die beim Sprechen
vorwitzig zwischen den prachtvoll weißen Zähnen sichtbar wurde.
Unwillkürlich musste ich an eine schnaubende, rossige Stute auf einer
nur unzureichend gesicherten Koppel beim Anblick eines erfahrenen
Zuchthengstes mit dem Prädikat „Orgasmus-Garantie“ denken. Ohne
meinem Blick auszuweichen griff sie mit der linken Hand nach dem
Schälchen mit den Knabber-Nüsschen das vor uns auf dem
grauglänzenden Tresen der Bar stand. Als ich die Sekunden der
Überraschung überwunden hatte, griff ich auch danach und berührte
wie zufällig ihre Hand. Erschrocken über meine Zudringlichkeit zog ich
sie zurück. Sina nahm mit ihren sorgfältig manikürten Fingern zwei
aus dem Glas-Schälchen und sah sie kurz an, bevor sie die salzigen
Nüsschen in ihren Mund steckte.

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______

„Ich frag mich


m gerade,, wie viele Männer
M auf der Toilette ihre
Schwän
nze in der Hand
H hatten
n und danacch mit ihren
n Fingern in dem
Schälch
hen waren.““
Ich sagte nichts, bekam
m aber eine
en roten Kopf. Mit geseenkter
Stimmee und mit einem nur fü
ür den Kenn
ner erkennb
baren
provozierenden Unterton, plaauderte sie weiter. Ich griff nach m
meinem
mit Chaampagner einer
e mir un
nbekannten
n Marke gefüllten Sektgglas.
„Wie bei meinem
m Man
nn. Zu kleine und zu weeiche Nüssee und
schmeccken nach nichts“,
n um dann das Scchüsselchen
n etwas und
d mit
einem fast
f unhörb
baren Klackeen mit den rotlackierteen Fingernäägeln zu
berühren und einige Zentimeeter in meine Richtung zu schieben
n. Leise,
kaum hörbar
h fügtee sie hinzu: „Haben Sie
e größere?“
Ich musste husten und
d hätte das Glas fast um
mgestoßen. Die
ehrliche Offenheitt dieser schö
önen jungen Frau emp
pfand ich alss eine
überau
us erotisiereende Erfahrung, und die Spannkraft meiner d
dezent-
grauen Gabardinehose aus eiinem Trevira Mischgew
webe hielt d
dem
überrasschenden Widerstand
W nur dank eiinem Qualittäts-
Reißverschluss auss guter deutscher Prod
duktion stan
nd. Plötzlich
h
schämtte ich mich nicht mehr,, Obszönes zu denken, aber immeer noch,
dass man mir vielleicht die scchmutzigen Gedanken ansehen kö
önnte.
Darum gab ich micch in meineem Verhalte
en so souverrän wie derr
Repräsentant eineer hochmoraalischen Glaaubensgeno
ossenschaftt. Wie
ein Vorrbild, unerscchütterlich und fest in seinen morralischen
Grundssätzen wolltte ich erscheinen, und ich war es nicht.
n Und d
dann,
plötzlicch hatte ich den entsch
heidenden Schritt
S von der
d Ordnun
ng zum
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Chaos in
i einen volllkommen neuen,
n sinnllichen Erfah
hrungsbereiich
getan. In diesem Moment
M dachte ich, daass ich denkken sollte, aber ich
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ahnte auch, dass dieser Abend zu einem Hauptgewinn werden

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konnte, und Petra, die sich nur für mich Sina Sidonius nannte, dachte
vermutlich das gleiche.

Die Konversation mit Sina empfand ich als eine inspirierende


Erfahrung von unbeschreiblicher Größe. Wann hatte ich mit meiner,
vermutlich in einem Anfall von Geistesdämmerung geehelichten
Frau, jemals so geistreiche Gespräche geführt? Plötzlich verspürte ich
die Leere meiner Ehe, so wie der Leibhaftige das Fehlen anfälliger
Seelen in der Hölle. Ein kalter Schauer durchlief meinen Körper. Dort,
in meinem grauen Alltag waren nur noch gleichbleibende Intervalle
von Tag und Nacht, von Gebrauch, Verbrauch, Verfall und Tod. Aber
hier, jetzt und an diesem Ort und mit dieser Frau lockte die pralle
Fettlebe mit Dekadenz und Orgien bis zum abwinken. Wie mit der
Kraft eines unzerstörbaren Elastikbands verbunden, fühlte ich mich
zu ihr hingezogen.
Als ich ihr, um das Gespräch nicht abreißen zu lassen, meinen
Lieblingswitz vom einsamen Schäfer erzählte, der jeden Abend vor
dem Schlafengehen seine Schafe durchzählt: „Ein, zwei, drei, hallo
Schatzi, fünf, sechs …“, war es um mich geschehen.
Meine im Wesen sehr nüchterne und im schöpferischen Geist
sehr bescheidene Ehefrau verstand weder ihren Ehemann, noch
meinen tiefgründigen Humor. Aber hier war eine schöne junge Frau,
die mir mit einem herzlichen und aufrichtigen Lachen zeigte, dass sie
die hintergründige Pointe nicht nur gehört, sondern auch begriffen
hatte. Eine Frau, die wie gebannt meinen geistreichen Wortspielen

Seite 95
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______

lauschtte, und sich aufrichtig an


a meinen intelligente
i n Witzen errfreuen
konntee.
Mit einer schelmische
s en Mimik sah sie mich an.
a Dann naahm sie
einen kleinen
k Schluck aus dem
m hohen Se
ektglas, bevor sie weiteer
sprach:: „Der armee Schäfer haat nur ein Scchatzi. Wie traurig für iihn,
dass err beim Bockkspringen nu
ur zusehen darf.“
Einen Mom
ment war ich
h über die mir
m bis dahin entgangeene,
aber orrgiastisch-bedeutungsvvoll interpre
etierte Metaapher mein
nes
oberfläächlich betraachtet, banalen Witzess verblüfft. Unwillkürlicch
musstee ich an die große und einmalige
e Liebe
L auf deen ersten Blick
denken
n, aber dann
n verwarf icch das sich entwickelnd
e de Hirngesp
pinst
wiederr. Ich fühlte mich in derr Gesellschaaft der interressanten ju
ungen
Frau wo
ohl. Eines war
w mir blitzzartig klar. Ich, nur ich allein war d
der
Entdecker eines seelten schönen und dazu scharfsinn
nigen
Schmucckstücks un
nd Sina dazu
u ausersehe
en meinen Wert
W beträcchtlich
zu steiggern.
Sinas Vorscchlag zwisch
hen knappe
ern und eineem weiteren
Schlückkchen aus dem
d hohen Sektglas: „TTrinkst Du auch
a so gern
n den
echten Champagn
ner?“ und oh
hne eine An
ntwort abzu
uwarten: „Laass uns
doch woanders
w hingehen. Irggendwohin wo
w nicht so viele Leutee sind“,
klang zu verlocken
nd und ich nahm
n etwass überraschtt an, dass sie
vielleicht hungrig sei.
s
Die warmee Hand, die sie
s sich mit sanftem Drruck ziemlicch weit
oben auf meinen Oberschenk
O kel legte, ve
ersprach etw
was Verlockkendes
h beeilte mich, die Rech
und ich hnung zu be
ezahlen. Zuerst zögern
nd,
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dann im
mmer forsch
her ging ich
h mit Sina zu
um Ausgangg. Auf halbeem Weg
sah ich mich noch einmal um, und dann legte ich meinen Arm um
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ihre Taille, wie um zu signalisieren, dass ich mit dem mir zustehenden

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Gewinn aus dem Kampf und meiner wohlverdienten Beute als
souveräner Sieger den Kriegsschauplatz verlasse.
In der Tiefgarage drückte sich Sina an mich und an ein
fremdes Auto. Ich erschrak, als sie mir mit heißem Atem ins rechte
Ohr hauchte: „Ich will jetzt deine Kokosnüsse klackern hören“ und
sich spontan vor mich kniete und den Plastikreißverschluss meiner
Hose öffnete. Doch dann war es mir egal, was die zufällig
Vorbeigehenden dachten, und Sina Sidonius flüsterte kaum hörbar:
„Ich liebe die weichen, weißen Lollys“, denn mit vollem Mund soll
man nicht zu viel sprechen. Dann dachte sie: „Verheiratete Schwänze
schmecken irgendwie ganz anders“, aber das sagte sie mir noch nicht,
sondern erst viel später.

Sina war eine begnadete Oraleuse. Sie sah mich mit gefülltem
Mund und ihren blauen, pornografisch blitzenden Augen von unten
herauf an, und mir blieb nichts anderes übrig als „Süßes Ferkel“ zu
stöhnen und mit meinen Händen ihren Kopf zu ergreifen um ihn
rhythmisch im angedeuteten Dreivierteltakt eines Wiener Walzers,
der mir spontan in den Sinn kam, zu bewegen.
„Du machst es mit so viel Hingabe wie eine zum Tod
verurteilte Nymphomanin mit der Aussicht auf Aufschub der
Hinrichtung“ wagte ich nicht zu sagen, als ich das erste Mal kam. Im
gleichen Moment signalisierte die Alarmanlage des fremden
Siebeners mit einem gellenden Ton die unerlaubten Erschütterungen.
Der Klang war das weithin hörbare Erkennungszeichen einer

Seite 97
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______

beginnenden Beziehung die verhängnisv


v volle Auswirrkungen auff mein
weiterees Leben haaben sollte.
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Erweckungsspiele

Wer die große Liebe sucht, und sie gefunden hat, und sie auch noch
festhalten und im ganzen Glanz erhalten will, und sich vielleicht auch
so engagiert, als wäre es eine Lebensaufgabe, muss auch damit
rechnen, dass er jeden Tag den Müll wegräumen muss, damit sie
weiter strahlt.
Paul van Cre

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Magst meine Ava sehen?“ Sina kicherte leise vor sich hin und
ich wusste nicht, was ich auf die Frage antworten sollte, denn ich
kannte das Wort nicht, und Wikipedia war für mich momentan nicht
verfügbar. Sina sah meinen ratlosen Gesichtsausdruck und sie
beantwortete hilfsbereit meine unausgesprochene Frage – die gute
Seele.
„Es ist die Stelle zwischen meinem Anus und meiner Vagina.
Magst sie mal sehen?“
Mir fehlten die Worte, denn so viel charmante Frivolität war
ich nicht gewohnt. Aber dennoch war ich von der ansehendlich
proportionierten und so schamlos direkten Gesellschaft mehr als nur
sehr angetan. Ausserdem war ich von den virtuos-oralen und
gleichzeitig aktiv-unkomplizierten Vorgehensweise meiner neuen
Bekanntschaft inspiriert und voller Vorfreude auf die vielen Varianten
in einer möglichen Fortsetzung. In Gedanken begann ich mir schon
die Frage zu stellen, ob mir das sehr attraktive Hinterteil in dem die

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______

Figur äusserst vortteilhaft beto


onenden Ko
ostüm eben
nso viel Freu
ude
bereiteen würde, wie
w ihre mün
ndlichen Kü
ünste, denn auf diese
Kombin
nation stand
d ich damalls ganz beso
onders.
Spontan fieel mir ein urralter Kneip
penreim ein, den ich vo
or
Jahren anlässlich eines
e Weiteerbildungsw
workshops über emphatische
Verhan
ndlungsführrung von ein
nem leicht angetrunke
a nen und
stotternden Kolleggen gehört hatte.
„Jetzt gehtt’s rund. Ersst in den Po,, dann in deen Mund. Dann vor
der Kattze mit dem
m Hund.“ Ich
h musste läccheln, aber er wagte nicht,
das frivvol Gedachtte auszuspreechen, denn
n dazu habee ich eine zu
u gute
Kindersstube genosssen.
Als sie mich
h an der Rezeption eines nahelieggenden Hotels mit
einem verlockend
v en Kichern fragte: „Sagg mal Honeyy, du hast d
doch
bestimmt Durst. Wollen
W wir uns
u Champaagner aufs Zimmer
Z brin
ngen
lassen??“, stimmte ich trotz meiner
m für de
en Monat schon über G
Gebühr
strapazzierten Kred
ditkarte sofo
ort zu. An dem
d Abend kam es mir nicht
mehr aufs nn Visa gestattet auch Teilzahlung
a Plastikggeld an, den T g.
Außerd
dem hatte icch in Erwarttung des vo
ollkommeneen Kommen
ns
vollkom
mmen verdrrängt, dass ich mit allen Pflichten die ein Ehemann
nun maal so hat, au
uch noch veerheiratet war.
w
Sina bestelllte gleich zw
wei Flasche
en mit der tiiefsinnigen
Bemerkkung: „Darling, du willsst doch sich
her nicht, daass wir im Zimmer
verdurssten?“
Ich war von
n der praktiischen und vorausschauenden Artt
meinerr geliebten Sina,
S die ich
h erst wenigge Stunden kannte,
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beeindruckt und mehr


m dachtee ich nicht, denn der weitere
w Verlaauf der
Nacht war
w für auch für mich mit
m etwas Phantasie
P un
nd im grossen
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Rahmen vorhersehbar, aber in den Details, das muss ich zugeben,

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doch überraschend inspirierend.
Sina Sidonius, alias Petra F. aus dem Heilbronner Stadteil
Neckargartach konnte mehr halten, als ich mir in meinen kühnsten
Träumen vorzustellen wagte. Denn Sina zeigte mir, dem in der
klassischen Sprint-Variante zwar geübten und darum oft frühzeitig
das Ziel erreichenden, aber in der avantgardistisch-sexuellen Kür
doch sehr Unerfahrenen, das Spiel mit zwei Sektflaschen, und dass es
noch andere Variationen der Genüsse unter Einbeziehung aller
Körperöffnungen gab, als Champagner in der konservativen Methode
aus Gläsern zu trinken.
Angesichts der Ereignisse war mir tiefgründig-philosophisch
zumute. Ich dachte an Tucholsky, der als alter Geniesser, wohl um
exquisite Sinnesfreuden wissend, einmal sinngemäss gesagt haben
soll: „Ein Loch ist ohne den Rand und das Ganze drum herum wenig
amüsant.“
In den Sekunden, in denen mir solche Gedanken durch den
Kopf schossen, merkte man mir nicht an, dass ich dabei war, den
Verstand zu verlieren. Ich konnte nicht mehr zurück, denn es war mir
unmöglich, die Augen noch länger vor den Realitäten zu verschließen.
Ich hatte das Glück, eine weise Erzieherin des reinen Sehens
gefunden und vor mir zu haben. Plötzlich wusste ich, dass ich nur die
Augen öffnen musste. Aber dazu bedurfte es einer dominierenden
Anweisung, ähnlich dem Schicksal eines Neugeborenen, dem man
mit einem leichten Klaps auf den Po die Anweisung gibt, endlich ein
Lebenszeichen von sich zu geben. Mit mir geschah ähnliches, ich
konnte wieder sehen.

Seite 101
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Sina war eine begabtee Lehrerin, die


d sich beh
hutsam meines
morbid
den Körperss und meineer nach Sinn
nlichkeit lechzenden Seeele
annahm
m. Eine warrme Dankbaarkeit überkkam mich scchon beim eersten
zaghaftten Rendezvvous in dem
m Moment, als sich meeine Prinzipaalin mit
einer so
ouveränen Bewegung eine Zigarette ansteckkte. Ich war
unfähigg, ihr Feuer zu geben, obwohl
o meiin über jedeen Zweifel
erhabeenes und nachweislich gutes Benehmen selbsst in prekäreen
Situatio
onen bekan
nnt ist. Mein
ne Hände zitterten zu sehr,
s als sie
langsam
m auf meineem Gesicht, den ihr zustehenden Platz einnahm.
Mein Verstand
V waar wie geläh
hmt, und ich
h bewunderrte, was übeer mir
war, ab em Moment war ich wieder
ber ich beurrteilte es niccht. In diese
der reb
bellischste Mensch
M der Welt.
Ich fühlte mich
m wie deer Rex diabo mmte mir da völlig
oli. Sina stim
zu. Sie pfiff und ich
h, ihr Rex kaam auf allen
n Vieren an. In meiner
Erinnerrung höre icch auch heu
ute noch ihrre bestimmeende Stimm
me, die
mir „mach die Auggen auf“ befahl. Ich waar willenlos. Wer jemals in der
gleicheen Situation war, kann es nachvollziehen. Wirr waren ein Paar
wie Blittz und Donn
ner und die ersten gynäkologischeen Tests auff
meinem
m Gesicht waren
w eine Sensation.
S Es
E war die unvergesslic
u che
Champ
pagnerprobee für den Keenner. Der Austausch
A u
unserer
eichen Siegg über meinee
Körperfflüssigkeiten besiegelte den glorre
Unfreih
heit mit dem
m heißen Drrink auf meine persönliche
Unabhäängigkeitserklärung. Icch kam und sie übernah
hm cool meeine
Gefühlee. Nur noch
h mit ihr wo
ollte ich in Zukunft alless erleben un
nd nicht
mehr die
d Augen vo
or der Realiität verschließen. Mein
ne Phantasiee war
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so blind
d, dass ich mir
m beim beesten Willen
n nicht vorstellen konn
nte, wie
sich dieeses geliebtte Wesen im
m Alltag an meiner
m Seitte verhalten
n
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würde. In meiner vernebelten Vorstellungskraft war es undenkbar,

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dass sich sogar Göttinnen im Alltag verändern.
Als sie über mir war, wollte ich voller Lust hinausschreien:
„Das Leben zieht nicht mehr an mir vorbei. Das nasspralle Leben setzt
sich endlich auf mein Gesicht.“
Aber es gelang mir nur ein erstickter Laut, denn mit vollem
Mund blieb mir nichts anderes übrig als das Gegebene zu nehmen
und zu schlucken. Ich muss zugeben, ich war begeistert, denn solche
Experimente wagte (oder kannte) selbst meine erfahrene, aber in der
letzten Zeit doch zunehmend lähmend routinierte und wohl durch zu
viel Vertrauen in das Bewährte sich nicht weiterbildende
Jugendfreundin Viola nicht. Mit meinem Gesicht zwischen Sinas
Schenkeln begriff ich endlich die Idee der Freiheit als das höchste und
erstrebenswerteste Gut der Menschheit und des Mannes. Endlich
war meine revolutionäre Kraft zurückgekehrt. Ich konnte wieder
zwischen den Alternativen wählen, die den echten Mann von den
Jungs unterscheidet.
Sina verließ mich am frühen Morgen, nicht ohne mich noch
einmal gekonnt mundmäßig zu verwöhnen. Nach einem ausgiebigen
Frühstück im Continental-Style entschloss ich mich zu einem kleinen
Stadtbummel und genehmigte mir dann ein Mietfahrzeug der
Mittelklasse. Es war schon früher Nachmittag, als ich wie in Trance,
mit weichen Knien und immer noch leichten Schmerzen in den
Testikeln, aber ohne Gewissensqualen gemächlich, aber mit lauter
Musik zurück ins heimatliche Sindelfingen zu meiner Frau und
meinen Hypotheken fuhr. In Gedanken war ich bei meiner göttlichen
Sina mit ihren höllischen Ideen, von denen ich bis zum Vortag nicht

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gewussst hatte, dasss es sie gab


b, und die icch nicht meehr missen w
wollte.
Ich hattte in dieserr Nacht viel gelernt, abe
er die für mich
m wichtiggste
Erkenntnis war, daass es einen
n gravierend
den Unterscchied zwischen
einem Heiligen un
nd einem Sü
ünder gibt. Ein
E Heiliger hat eine
Vergan
ngenheit, ab
ber keine errstrebenswe
erte Zukunfft, jedenfallss nicht
zu seinen Lebzeiteen. Nur der Sünder hat eine Vergangenheit vo
on der
er zehrren kann, un
nd die Aussicht auf eine Zukunft, für
f die es sich zu
leben lo
ohnt.
Das erste Mal
M seit viellen Jahren war
w ich mir hundertpro
ozentig
g es Dingee, die für die Nachkommen aufbew
sicher. Im Leben gibt wahrt
werden
n müssen. Es
E ist doch sinnlos,
s dasss etwas gesschieht, wen
nn
nieman
nd davon errfährt. Was mir in diese
er Nacht geschehen istt,
bekommt nur eineen tieferen Sinn, wenn spätere Geenerationen
n davon
erfahreen und daraaus lernen können.
k Nurr darum hab
be ich diesees Buch
geschriieben.
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Seidenstrümpfe

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Doch soll mein Urteilsspruch nicht zu einer einzigen Frau euch
verdammen, Das kann verlangen, bei Gott, selbst eine Ehefrau kaum.
Nein, amüsiert euch, doch bergt ein Vergehen sittsam im Dunkeln,
Rühmet euch nicht groß eurer Schuld, wenn es einmal geschehn.
Meide auch jedes Geschenk, das die andre könnt wiedererkennen,
Wähle zum Seitensprung niemals die nämliche Zeit. Und dass dich
nicht erwisch' im bekannten Verstecke die Freundin,
darfst du mit jeder dich nicht treffen am selben Ort.
Ovid

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Du kannst es mir glauben, auf solche Gedanken kommt nur


ein gestandener Mann, wenn er eine Affäre beginnt. Er möchte sich
mitteilen, erzählen und mit Gleichgesinnten sprechen. In dieser
Phase des Lebens ist es eine besondere Form von Freiheitsdrang und
der Bestätigungssucht, die den mittelalten Grandseigneur befällt.
Entdecker und Eroberer, von Alexander dem Großen bis, also jetzt
fällt mir kein Name der mit dem letzten Buchstaben des Alphabets
beginnt, ein, haben es getan, und wollten nur das Eine - Ruhm und
Anerkennung. Aus einem einmaligen Seitensprung wurde eine Affäre
und durch meine göttliche Sina bekam mein Leben wieder einen
Sinn. Für mich war es tiefe und einmalige Leidenschaft. Ich spürte die
quälende Liebe mit jeder Faser meines Herzens. Sie war ein Engel,
und ich war ihr verfallen und kurz davor, so wie seit Jahrhunderten
unzählige Ehemänner auch, zum Zigarettenautomat zu gehen (falls

Seite 105
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______

damalss einer in deer Nähe gew


wesen wären) um dann
n für immerr in der
dunklen Nacht zu verschwind
den. Zum Glück ahnte sie
s nicht wiee weit
hen würde. Sie
ich geh S fand and
dere Mittel, um mir ihre Liebe zu zeigen.
Ich muss zu
ugeben, ich war angenehm überraascht, als m
mir
meine phantasievo
olle Geliebtte wie beiläufig den harmlos klingenden
Satz inss Ohr flüsterte: „Schatzz (unauffälliig-abschätzender Blick von
oben nach unten und
u wieder zurück, dazzu ein kaum
m merkbarer, aber
unterscchwellig vorrwurfsvoller Ton in derr Stimme), wir
w müssen für
dich maal wieder eiin paar neue Hemden und Sweatsshirts kaufen.“
„Was für eine gute Seele sie doch
h ist“ ging mir
m spontan durch
den Kopf. Der Ged
danke, dass sie nur mein Bestes will,
w erzeugtee ein
beruhiggendes Hocchgefühl. Ob
bwohl, eine
en kurzen Moment
M kam
m mir
der intu
uitive Gedanke: „Ob sie mich vielleicht unattraktiv findeet?“
Aber bei ih
hrem hinreiß
ßenden Lächeln und deem
verheiß
ßungsvollen
n Blick mit den
d blitzend
den blaugrauen Augen
(läufigee Geilheit pu
ur) waren die
d Zweifel schnell
s wegggeblasen, d
denn ich
war verrliebt und arglos
a und darum
d anfällig für Versuchungen jeeder
Art. Meental berührt und auch
h höchst mo
otiviert, schloss ich auss dem
Satz, daass jetzt der Prozess deer heimliche
en Legalisieerung unseres
äußerstt illegalen Verhältnisse
V es beginnen
n sollte, wozzu ich nach den
Erfahru
ungen der vergangenen
v n Wochen nicht
n gänzlicch abgeneiggt war.
„Liebling, wenn
w du meeinst, wann ist dein Maann wieder auf
Geschääftsreise? Dann können
n wir ja mal einen Einkaaufsbummeel
machen“, war meiine neutral klingende, aber doch beschwingt
b
formuliierte Einverrständniserkklärung.
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„Schatz, du
u bist einfacch der Beste
e!“ war der freudig
umhalssfallende Au
usruf, ohne dass ich die
e ganze Tragweite des Satzes
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Seite 106
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sofort und in seiner ganzen Tragweite begriff. Immerhin muss man ja

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eine aktuelle, oder besser mehrere Vergleichsmöglichkeiten haben,
um das Prädikat „der Beste“ zu verleihen. Aber immer nur das Gute
im Menschen sehend, machte ich mir über die kleinen
Spitzfindigkeiten der Kommunikation keine Gedanken.
Frohgemut ging ich, zusätzlich überzeugt von einem tiefen
und treuherzigen Blick aus den ehrlichen und bereits erwähnten
blitzblaugrauen Augen, auf den selbstlosen Vorschlag ein. Mir war in
meiner emotionalen Vorfreude bewusst, dass Geiz in so einer
Situation ziemlich ungeil wäre. Ich war ohne nachzudenken bereit,
nicht nur in mich, sondern gegebenenfalls in Maßen auch in meine
hingebungsvolle Geliebte zu investieren.
Obwohl, für einen kurzen Moment kamen mir die Prioritäten
in den Sinn. Die mir zugewiesene Rolle des außerehelichen
Lustspenders beinhaltete nicht die Unterhaltsinvestitionen. Nüchtern
betrachtet war es die Aufgabe ihres Ehegatten (ich vergaß zu
erwähnen, dass meine Geliebte verheiratet war), und nicht die
meine. Aber in der Liebe gibt es keine Ordnung und darum sah ich es
als eine Art erster Bewährungsprobe meiner bedingungslosen
Hingabe und meiner Potenz, der finanziellen.
Liebe empörte Leserin, verehrter wissender und erfahrener
Leser, deine Vermutung ist richtig. Der Autor war zum fraglichen
Zeitpunkt etwas älter, und Sina war, wie du vielleicht schon weißt,
sehr viel jünger und sich ihres schmückenden Wertes intui- und
manipulativ bewusst. Aber du musst dich um mich nicht sorgen. Ich
war und bin nicht so ein verliebter Trottel, der sich in einem letzten
Anfall von zweitem Endfrühling von einer flittchenhaften Liebschaft

Seite 107
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______

irreleiteen lässt. Un
nd verkleideen, wie ein Pfingstochs
P e lasse ich m
mich
bis heu
ute nicht. No
och hatte icch alle mein
ne ästhetischen und
finanzieellen Sinne zusammen, dachte ich
h.

Wenn Frau
uen einkaufeen, soll es jaa und wie man
m hört, fü
ür
Männeer eine Qual sein. Ich beehaupte, die Qualen beefallen
ausschließlich verh
heiratete Männer.
M Dass hat seinen Grund. Maan
kennt die
d Ausgabeegewohnheiten der Angetrauten und
u der
Einkauffsvorgang isst eine meh
hr oder weniger lästige Pflicht zur
Vorratssergänzung unter Berü
ücksichtigun
ng des verfü
ügbaren und
d meist
zu gerin
ngen Kapitaals.
Dagegen veerhalten sicch verheirattete Männeer im mittlerren
d vom Ehee-Alltag abgestumpft dahinvegetieeren, und die mit
Alter, die
Umsich
ht und Bedaacht eine leiidenschaftliiche Affäre kultivieren,,
vollkom
mmen anders. Sie verfaallen unter Ausschaltun
A ng des Groß
ß- und
Kleinhirns einem hedonistisch
h hen Sorglossigkeitssynd
drom. Man kkann
dieses Verhalten
V a
auch mit dem berühmtten „Spiel mit
m dem Feu
uer“
bezeich
hnen. Das Spiel mit dem
m Feuer beginnt dann,, wenn die A
Affäre
über eine gewisse Zeit, so etw
wa ein halbe
es Jahr nich
ht aufgefloggen ist.
Man(n)) wird mutigger, denn er hat gelern
nt, mit dem Sprengstofff und
den Geefahren eineer jederzeit möglichen Explosion umzugehen
u .
Außerd d männliche Geltungstrieb eine besondere Rolle.
dem spielt der
Solche Konstellatio
onen sind dann
d ders brisantt, wenn die Affäre
besond
im Verggleich zu deer legalen Verbindung und
u entgegen der sonsstigen
Gewoh
hnheiten und Möglichkkeiten sehr vorzeigbar
v i
ist.
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Du kannst das nicht naachvollziehe


en? Du warrst noch nie in
einer vergleichbarren Situation?
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Es ist wie mit den Autos. Zur Fahrt ins Büro, zum Bio-Markt,

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oder um die Kinder von der Schule abzuholen nimmt man den
dieselnden Familienkombi. Praktisch, geräumig, behäbig, etwas
schwergängig in den Kurven und mit weicher, etwas durchgesessener
Federung. Unauffällig, immer etwas unaufgeräumt, politisch korrekt
und preisgünstig. Den sündteuren Sportwagen lässt man besser in
der Garage, weil es einfach obszön wäre, sich bei Tageslicht damit zu
zeigen. Andrerseits, wer hat schon mit einem Traktor viel Spaß, wenn
man ein gut verstecktes, superheißes Gerät besitzt? Einige Landwirte
in abgelegenen Gegenden und Naturfreaks, die einsam im Regen die
Furchen ziehen vielleicht.
Aber die richtige, die männliche Freude kommt nur auf, wenn
man an schönen Sonnentagen voller Stolz zeigen kann, dass man so
eine Höllenmaschine besitzt und dazu über die Fähigkeiten und die
Mittel verfügt, die Kräfte zu bändigen. Oder „es ist nur schön, wenn
du ohne auf die Kosten achten zu müssen, das Biest reitest“, wie
mein Onkel, der Philosoph vor langer Zeit einmal sagte.
Bei mir traf das alles zu, denn Sina war zum damaligen
Zeitpunkt äußerst vorzeigbar und das Einkaufserlebnis versprach das
Vergnügen demonstrativen Konsums. Ich war bereit, und dafür
schäme ich mich auch heute noch, einem zwingenden Bedürfnis
nachzugeben und die egoistische Botschaft auszusenden, die da
lautet: „Ihr kleinen Ehekrüppel, seht euch meine Beute an, ich bin der
Größte, ich kann mir so ein leckeres Schnittchen leisten.“
Mehr wollte ich in aller Bescheidenheit nicht. Sina verstand
meine Sehnsüchte. Mit einem gütigen Lächeln sah sie mich an und
dachte: „Heute werde ich ihn Mittagessen nennen.“

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Freu dich jeetzt mit mirr auf einen Einkaufsbum


mmel der
besond
deren Art.

Shoppen isst für Frauen


n ein situationsbedingttes, zwiespäältiges
Erlebnis. Der weib
bliche Teil eiines Ehepaaars achtet auf
a das famiiliäre
Geld. Mann
M und Frau halten es
e zusamme
en, jedenfalls im
Allgemeinen.
Zwei shopp
pende Freundinnen verhalten sich
h wieder anders,
mehr bummelig
b su
uchend, um
m dann ein verträumtes
v s Vor- und
Nachm
mittägchen ohne
o größerre Geldausggaben im Caafe zu beenden.
Einzelne Männer
M geheen los und erwerben
e daas, was zu
erwerb
ben beabsichtigt war. Aber
A eine de
ekorative errst- oder
mehrm
malig ausgefführte Affäre erkennt in
ntuitiv die Gunst
G der
schwacchen Stundee. Es geht darum, und das
d scheint ein weibliccher
Urinstin
nkt zu sein, dem schwaachen, also abwesendeen Teil unteer
Aufbiettung aller psychologiscchen Tricks den verfügb
baren Anteiil zu
entreiß
ßen, um dam
mit die Lebeensgrundlagge der legitiimen Verbin
ndung
zu zersttören. Deko
orative und frische Affäären in män
nnlicher Beggleitung
verwan
ndeln sich in
n Sekundenbruchteilen
n in reißend
de Werwölfiinnen,
die skru
upellos die männliche Geberhand zerfleischeen, wenn diee
Kreditkkarten nichtt schnell gen
nug gezücktt werden. Das
D wusste iich
nicht, denn
d ich waar verliebt und
u darum übergab
ü ich
h meiner
angebeeteten Sina vertrauensvvoll die straategische Teeamleitung und sie
bestimmte die Ein
nkaufsstätteen nach eine
em uralten, und ich vermute
genetissch bedingteen Code im weiblichen
n Gehirn.
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Vorzugsweeise und gan


nz zufällig werden
w solch
he ausgesuccht, die
vom So
ortiment erllesen und daraus resultierend teu
uer, und eine
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größere Auswahl hochmodischer Kleidungsstücke für Mann und Frau

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gleichermaßen vorrätig haben, und außerdem bei jungen Frauen
total angesagt sind. Ich bekam den Part des Investors zugewiesen
und vergaß vor lauter Freude den Rat eines bekannten Bankiers:
„Investoren sind dumm und frech, sie wollen ihr Geld wieder sehen
und sie wollen etwas dafür haben.“
Das Humankapital, in diesem Fall der verliebte Raoul und das
süß stöckelnde Sahnestückchen als überaus vorzeigbare Begleitung,
betraten Arm in Arm eine dieser durchgestylten Einkaufsstätten, in
einer Straße, die es in jeder Großstadt gibt, und die beim
Normalbürger üblicherweise als gut und teuer verschrien ist. Leise
Musik empfing uns und mich traf der erste Satz vollkommen
unvorbereitet: „Schatz guck mal da, die find ich toll!“
Wie befohlen guckte ich.
Sina steuerte (mit dem souverän wirkenden Autor als noch
benötigtes, aber eigentlich lästiges Anhängsel im Schlepptau) zuerst
einmal, vermutlich um mich in Sicherheit zu wiegen und gegen
meinen inneren Drang nach Wohlfeilem, zielstrebig auf die
chromblitzenden Regale mit den hochmodischen Sweatshirts zu.
„Oh Schatz, die stehen dir bestimmt gut“ war die emotional
erregt klingende Stimme, die meinen Willen paralysierte, weil ich an
anderes dachte. Ob des freudigen Ausrufs meiner süßen Sina und die
Situation sofort durchblickend, begannen sich mehrere
Verkäuferinnen unauffällig in einer strategischen Ausgangslage
aufzustellen – immer bereit der Dame zum Nachteil des Herrn
behilflich zu sein. Das sah ich nicht, denn ich war geblendet. Einen
kurzen Moment sah ich vor meinem geistigen Auge einen jungen

Seite 111
________________
______

Wuschelhund, derr das erste Mal


M in seine
em Leben auf einer üpp
pigen
Sommeerwiese herrumtollt und
d den man irgendwie
i n
niedlich find
det.
Falls du dicch schon ein
nmal mit de
er Erziehungg von kleineen oder
mittelggroßen Hund
den beschääftigt hast, weißt
w du waas ich meinee. Am
Anfangg lässt man noch
n alles durchgehen
d n, weil die Viecher
V ja so
o
niedlich
h und tapsigg sind. Erst später merkt man, oft viel zu spätt,
welchee Fehler man
n im Unterrricht gemaccht hat, und man würdee den
Köter am
a liebsten irgendwo an
a der Autobahn ausseetzen.
Du errätst es, aber klaar doch? Jed
de Nachlässsigkeit in der
Erziehu
ung und in der
d Liebe veerkehrt die Kräfte ins Gegenteil
G un
nd mir
ging es nicht anders. Unter so
olidarischerr Mithilfe vo
on geschulteem
Verkau
ufspersonal wurden fürr mich unmü
ündiges Opfer, einige ((bitte
beachte die Mehrzzahl) Shirts ausgesuchtt, die niemaand (und ich
h schon
gar nich
ht) mit wachem Verstaand anziehe
en würde, denn ich warr
damalss keine Neunzehn mehr. Und jetztt kommt diee hinterlistigge
Falle, vor
v der ich dich,
d lieber männlicher
m und darum
m unerfahrener
Leser eindringlich
e warnen mö
öchte. Falls du jemals in
n eine ähnliich
gefährliche Situatiion geraten solltest, acchte wie beiim Schach aauf den
ersten Spielzug. Wenn
W du beii der Eröffnu
ung unachtsam bist un
nd nicht
nkst, ist alless verloren. Du musst in
mitden n jeder Seku
unde das Sp
piel
aktiv fü
ühren und darfst
d dich niemals
n d Defensivve drängen lassen.
in die
Auch wenn
w deine Augen etwaas anderes sehen.
h nicht, und die strategische
Diesen werrtvollen Ratt kannte ich
Okkupaation der vieel jüngeren Dame begaann mit dem
m Satz: „Sch
hatz,
die sind
d super, ich zieh die maal für dich an,
a damit du
u siehst, wiee die
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aussehen.“
Welcher Mann
M könntee schon wid
derstehen, wenn
w der zw
weite
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Satz mit einem unschuldigen Augenaufschlag (du erinnerst dich an

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die blitzblaugrauen Augen), und einer leicht vibrierenden, etwas
abgesenkt, betont lockenden Stimme gesprochen wird.
„Schahaatz, komm doch mit in die Umkleidekabine, dann
musst du nicht draußen allein rum stehen.“
So viel Mitgefühl muss echte Liebe sein, dachte ich. Als
aufgeklärter und phantasiebegabter, männlicher Leser wirst du
wissen, was dann geschah. Es gehört zum Standardtraumrepertoire
jedes gestandenen und auf ehelicher Sparflamme halbgar gekochten
Mannes. Auch ich ging in die Falle.
In der engen Umkleidemöglichkeit fand folgendes statt: Zuerst
wurde langsam die Bluse aufgeknöpft und danach ausgezogen. Dazu
muss natürlich auch die Jeans aufgeknöpft werden. Danach bückte
sich meine wunderschöne Pretty-Woman, und ich war sozusagen
gezwungen, ihren schmalen schwarzen String zu betrachten, der so
prachtvoll den jungen Po teilt.
Verehrte Leserin, geschätzter Leser, ich weiß, die katholische
Kirche sieht „a tergo“ nicht so gern, und die Kaufhäuser ihre Kunden
auch nicht. Aber was sollte ich, der verliebt-ahnungslose Raoul
machen, wenn ich meinen Verstand angesichts eines sich verlockend
dargebotenen Apfels (metaphorisch gesprochen) in ihrer Hand
verliere.
„Schaaatz, guck mal.“
Meine Brille war zwar wegen der bedrückenden Enge etwas
verschoben und beschlagen. Aber ich guckte wieder, wie sie es mir
sagte, denn ich konnte nicht anders. Es wäre gegen die Natur
gewesen.

Seite 113
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______

Die Shirts für


f mich staanden ihr wirklich gut. Es war einee
Situatio
on, in der man
m Schwächen übersp
pielen und Entscheidun
E ngen
treffen muss. Doppelt gibt, wer
w schnell und
u gern gib
bt, eine and
dere
Wahl hat
h der hilflo
ose Mann nicht.
Das Ergebn
nis dieser Einkaufsejaku
ulation, die, wie du dicch
sicher erinnerst,
e fü
ür den Besten unter Vielen und nu
ur zu meineem
Besten war, kann man nur mit allgemein
nen Wohltatten beschreeiben.
Es war der aussich
htslose Kam
mpf zwischen
n meinen klleinen Genü
üssen
und dem unerwartet großen Limit meine
er Kreditkarrten.
Du meinst,, ich hätte mich
m falsch verhalten?
v Hätte ich über
mein Verhalten
V naachdenken sollen?
s Meiine Liebe taadeln, knaussern
oder mich
m sogar über ihr Verh
halten bescchweren? Das konnte u
und
kann niiemand von
n mir verlan
ngen.
Ein weitereer, ich nehm
me an, typisch männlich
her Traum, ging in
Erfüllun
ng. Ich kam nicht nur in
n den Genu
uss eines kurzen Handyy-
Quickiees in Verbindung mit eiinem schne
ellen aber geekonnten Blow-
Job. Ich
h durfte micch sogar, matt wie ich mich nun mal
m fühlte, m
mit fünf
(oder mehr,
m ich weeiß es nichtt mehr so ge
enau) großvvolumigen
Einkauffstüten (unggefährlich) und einigen
n kleineren (gefährlich weil
teurer Inhalt) abscchleppen.
Warum ich
h es getan habe? Das isst einfach zu
u erklären. IIch
musstee es tun, den
nn der Wegg mit der Be
eute zur heimischen Hö
öhle ist
seit den
n Zeiten des Neandertalers Aufgabe des Man
nnes. Der M
Mann ist
nun maal der Jäger und Transp
porteur. Fürr alles andere ist das W
Weib
zuständ
dig und darin wird sich
h auch in den nächsten zehntausen
nd
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Jahren nichts ändeern.


Über den Inhalt der Eiinkaufstüten machte icch mir noch
h keine
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Gedanken. Als Mann muss man einfach mal hin und wieder etwas

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wagen. Aber nach meiner Erinnerung waren sie mit Folgendem
befüllt: Zwei bunte Sweatshirts und zwei Jeans für mich. In den
restlichen vier Tüten waren dann noch einige Kleinigkeiten für die
Süße, da ich ja nicht als knickriger, alter Egoist dastehen wollte.
Wenn dir, verehrter und sparsamer Haushaltsvorstand, meine
Geschichte jetzt schon als nicht zu steigernde Folter erscheint, dann
muss ich dich leider enttäuschen. Es gibt immer noch Steigerungen,
auf die kein normaler (männlicher) Mensch mit wachem Verstand
jemals kommen kann. Auf dem Umweg (beladen mit den
Einkaufstüten) durch die Wäscheabteilung, die skrupellose Händler in
ihren Hallen so angeordnet haben, dass es kein Entkommen gibt,
lauerten weitere Gefahren.
Unsensible Männer und miederschlüpfertragende
Allerweltsfrauen können die Risiken und Folgen nicht beurteilen.
Aber für sensitive Männer bedeutet die geballte Ansammlung von
luftigem Nichts eine ernste, finanzielle Bedrängnis. Die Gefahr wird
noch verstärkt, wenn der Geliebte seiner Geliebten alle Details seiner
freudlosen Ehe erzählt hat. Junge, hungrige Frauen die sich in Affären
befinden, haben einen vergrößerten Speicherchip für
Benachteiligungen jeder Art und suchen früher oder später den
Ausgleich.
„Guck mal Schatz, da gibt’s die gleichen Seidenstrümpfe, die
deine Frau auch immer kauft!“
Und schon schnappt die Falle zu. Ein unüberlegt gesprochener
Satz vor vielen Monaten. Ein kleines Klagen in schwachen Stunden
über die Verschwendungssucht meiner Ehefrau. Nichts war

Seite 115
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______

vergesssen. Jeder unbedachte


u e Satz wurde
e zur Herausforderung und
zur moralischen Errmahnung an
a die Gleicchberechtigung und meeiner
Verpflicchtung zur finanziellen
f n Gleichstelllung meinerr Frauen.
Ältere und in den vielffältigen, zw
wischenmenschlichen
Konstellationen errfahrene Deessous-Verkkäuferinnen
n lauern wiee
hungrigge Hyänen auf
a ihre Opffer, denn sie kennen dieses Phäno
omen.
Nur zu diesem Zweck halten sie
s für Menschen wie mich,
m vom B
Besten
das Teu
uerste bereit. Ich hing in der Dessous-Abteilu
ung fest, zu der
Mann ja ein erregeend-beklem
mmendes Ve
erhältnis haat. Welcher echte
Mann kann
k schon dem sehnliichsten Wunsch der Geeliebten nacch
Seidensstrümpfen, und dazu ein
e aufregen
nd-hauchdü
ünnes Korseett,
streng englisch, so
orgfältig han
ndgearbeite
et und büsteenhebend m
mit
allen Zu
utaten wideerstehen, wenn
w es doch ganz selbstlos einem
m guten
Zweck, der ästhetiischen Freu
ude des Inve
estors dieneen soll? Und
d an
diesem
m Ort, zwisch
hen duftigen Körbchen
n, winzigen Strings und
d
hauchzzarten Kleinigkeiten hatte ich endllich das Prin
nzip der Lieb
be
verstan
nden. Liebe ist der Zwaang des Nützlichkeitsprrinzips unteer
Berücksichtigung der
d Gewichtung. Oder anders ausgedrückt: M
Männer
n früher odeer später bluten, sonstt bockt das Weib.
müssen W
Ich weiß, was
w dir jetzt durch den Kopf geht, aber es ist n
nicht so
wie du denkst. Der Autor geh
hört keinesfalls zu der willensschw
w wachen
Sorte Mann.
M Im Geegenteil, mir wurde oftt bestätigt, dass ich diee
Hinterlist selbst haarmlos erscheinender Situationen
S n schnell
durchscchaue und die
d natürlicchen Hürden
n eines schw
weren Lebeens mit
Bravou
ur meistere. Aber wie icch aus verläässlichen Qu
uellen und d
durch
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die intimen Gestän


ndnisse einer Vielzahl betroffenerr und fast im
mmer
finanzieell ruinierteer Männer erfahren
e habe, sind solche heimtü
ückische
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Situationen alltäglich. Die meisten Frauen kennen die Beziehung des

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männlichen Willens zur Sinnlichkeit, die in solchen Situationen
anschwillt und größer ist, als die zum virilen Verstand. Und sie nutzen
diese kleine Schwäche brutal und schamlos aus. Darum möchte ich
dir den Schluss der Geschichte nicht vorenthalten.
Wie du vielleicht noch weißt, waren ich und meine
wunderschöne Geliebte zum damaligen Zeitpunkt noch anderweitig
verheiratet. Zum besseren Verständnis, jeder von uns mit einem
anderen Partner. Aus diesem Grund wurden die erbeuteten Schätze
in der von mir aus vorgeblich steuerlichen Gründen erworbenen
Eigentumswohnung anprobiert. Die für mich bestimmten vier (nicht
wie ich irrtümlich annahm zwei) Sweatshirts standen ihr eindeutig
besser, als mir. Mit den zwei Jeans hatte ich mich auch ganz klar
verkauft. Vermutlich lag es an unserem kurzen Aufenthalt an der
Sushi-mit-Prosecco-Bar. Sie waren während des Transports kleiner
und darum für mich zu eng geworden. Natürlich versprach mir Sina,
dass sie mich in Zukunft von solchem Einkaufsstress verschont und
mir die Mühe des Umtauschs abnimmt (oder sich das investierte Geld
auszahlen lässt). Den Rest der Einkaufsbeute, das rote und
figurbetonte Etuikleid, die Strümpfe aus feinster Seide und Nylon mit
Naht, die hauchzarten, aber dafür exquisit teuren LaPerla-Slips mit
passenden Büstenheben, dazu drei Paar Pumps mit Absätzen über 9
Zentimeter konnte ich zwar kurz betrachten, aber sie verschwanden
und zusammen mit der sündteuren Korsage und der restlichen Beute
im Schrank.
Du wunderst dich? Es gibt eine einfache Erklärung. Sina traf
eine sorgfältige, von Nützlichkeitserwägungen geprägte

Seite 117
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______

Entscheeidung. Ich kannte meine vergötte


erte Sina ja ohne Verpaackung.
Es ergib
bt doch kein
nen Sinn, eiinen in und auswendigg bekannten
n Inhalt
wiederr einzupackeen, damit man
m ihn wied
der auspackkt. Niemand
d
würde so etwas tu
un. Außerdeem leidet ja die Verpacckung darun
nter,
und weer weiß, wann man sie später noch
h mal braucchen kann (nicht
Sina, diie Verpacku
ung). Meinee Sina hatte in solchen Dingen einee sehr
praktische Einstelllung. Darum
m vermute ich, dass siee kein Einzellfall ist.
Selbstb
bewusste Frrauen werdeen in jungen Jahren vo
on
selbstb
bewussten Großmütter
G rn über raffinierte Verp
packungstecchniken
aufgeklärt.
In dem Zussammenhan
ng erinnere ich mich no
och an mein
ne
Großmutter mütteerlicherseitss. Die hatte auch immeer, sparsam wie
die Resste der Krieggsgeneratio
on nun mal sind, die bu
unten
Verpacckungspapieere von den Weihnachtts- und
Geburttstagsgeschenken und die bunten Schleifen feein säuberliich
wiederr zusammen
ngefaltet un
nd für beson
ndere Geleggenheiten
verwah
hrt.
„Ist der Beutel leer, lässt sich kein
ne sehen mehr
m …„ Das wusste
ich nich
ht, aber den
nnoch bin icch nicht verbittert. Micch tröstet au
uch
heute noch
n der Geedanke, dasss meine Invvestitionen nicht umso
onst
waren. Aber der Nutzen
N von mir Ungezählter entstaand nicht au
us
meinerr Blindheit. Es war volkswirtschaftliche Nächsstenliebe, denn
meine Nachfolger konnten daavon profitieren. Aber vermutlich ging es
denen genau so, und
u wir konnten mit un
nserer Liebee einen wich
htigen
Beitragg für das Bru
uttosozialprrodukt in De
eutschland leisten.
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Eventuell möchtest
m du
u, der vielleicht hoch verschuldet noch
jahrelang seine Invvestitionen abbezahlt, von mir ein
nen geeigneeten
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Rat für ähnliche Situationen? Es ist nicht so wichtig, was „Liebe“

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wirklich „ist“. Entscheidend ist das Wissen, dass mit zunehmender
Dauer einer Verbindung, der Wert der Liebe vom „Nutzen“ abhängt.
Mit voranschreitender Zeit muss man investieren können oder
verzichten. Ich habe investiert, ich habe nicht verzichtet sondern
genossen, und ich bereue nichts. Ich habe daraus gelernt und
angenehme Erinnerungen an eine große Liebe. Liebe die mir geholfen
hat, dieses Buch zu schreiben um dich vor Schaden zu bewahren. Tu
ein gutes Werk und gib dieses Buch an Betroffene weiter.

Seite 119
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______

Philosophisches Korsett

„Korrsetts sind eine


e wunderbare Erfind
dung.
Sie wirken anzziehend ohn
ne auszuziehen und Fraau kann sie mit
weniggen Handgrriffen der Sittuation, dem
m Rückgratt und der Kaarriere
anpassen.““
Sina Sidoniuss

________________
______

emäß später als früher wächst


Früher odeer später, errfahrungsge
im gesttandenen Mann,
M zuerst heimlich und usst, dann immer
u unbewu
stärkerr und drängender, der Wunsch
W nach Verändeerung.
h der stürmischen
Üblicheerweise begginnt dieserr Drang in der Zeit nach
Jugend, dann wen
nn der Mann
n in der Mittte seines Leebens stehtt.
Erfahru
ung macht bekanntlich
b klug und er hat, was wir
w im natürrlich
auch gö
önnen, in deen langen Jahren des Kampfes
K um
m seine Existenz
viel gelernt. Er hatt einen Baum gepflanztt, ein Haus gebaut
g und
d
vielleicht auch wieeder verloreen. Er hat hiier und dortt ein bisschen
gezeuggt und viele hungrige Mäuler
M gesto
opft. Die harte Zeit mitt viel
Arbeit und wenig Brot gehörtt zu seiner glorreichen
g Vergangenheit
von der er gedankklich noch zeehrt, so wie
e die Altvord
deren von
Stalingrad, Woodsstock, oder 14-18 - und
d er ist im Feelde unbesiiegt.
Vielleiccht ist eine vermögend
v e Großtante bedauerliicherweise
verstorrben und haat ihm, wenn er Glück gehabt
g hat, eine kleineere
Erbschaaft mit etwaas Barem au
us einem stteuerneutraalen Verstecck
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hinterlaassen.
Beruflich und finanziell etabliert strebt
s er naach Höherem
m.
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Auch sein Lifestyle entspricht dem gehobenen Einkommen. Er fährt

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einen nicht zu auffälligen Obermittelklasse-Pkw mit sorgfältig
kombinierter Edelausstattung und er joggt in den neuesten High-
Tech-Schuhen „Made in Taiwan“ mit amerikanischem In-Logo. Zum
kleinen Büronachmittags-Rat-Race trägt er einen seriösen Anzug in
Handmade-Optik aus Metzingen, und zur Seidenkrawatte aus Italien
die passende mechanische Armbanduhr mit möglichst vielen
Komplikationen. Die diskreten Zeichen seines exquisiten Geschmacks
sind für Kenner unübersehbar. Sein ästhetischer Lebensstil ist die
qualitative Metamorphose seiner sinnlichen Empfindungen.
Um da hinzukommen, wo er sich jetzt befindet, war es ein
langer Weg. Jetzt, in diesem Stadium des männlichen Lebens, ist der
Unterschied zwischen echten Männern und Jungs am
Offensichtlichsten. Aus dem ungeschliffenen Jungmann hat sich ein
erfahrener Connaisseur entwickelt, falls er nicht resigniert vor dem
Fernseher oder dem Daddel-Computer dahin dämmert.
So etwa ab dem vierzigsten Lebensjahr möchte der arrivierte
Mann, dass die Träume aus den revolutionären Sturm- und
Drangjahren seiner Jugend zur Realität werden. Der Eine gönnt sich
die vergötterte Harley und träumt von der grenzenlosen Freiheit,
weit weg von Familie und Hypotheken, auf dem einsamen Ritt über
die Route 66 von 68 und einem gepflegten 69er mit einer
gutgeformten Neunzehnjährigen, und nicht von der runden
Neununddreißigjährigen, in seinem Haus auf dem durchgesessenen
Sofa, das er bezahlt hat. Der Andere erfüllt sich den langgehegten
Wunsch nach der längst überfälligen, fülligeren Geliebten, und der
Dritte legt sich eine umfangreiche CD-Sammlung längst vergessener

Seite 121
________________
______

Beat-Sttars zu und investiert in


n eine 58er Corvette mit
m
Weißbaandreifen und
u Formen, neben den
nen die aus den Fugen
geraten
ne Ehefrau ziemlich blaass aussiehtt. Allen Män
nnern gemeein ist
die Seh
hnsucht nacch Reinem und
u Unverfäälschtem au
us einer
glorreicchen Zeit, in
n der die Welt
W noch au
us phantasieevollen Form
men
und niccht aus kalteen Funktion
nen bestand
d.
Manchmal, geprägt du
urch sonntäägliche Pflicchtbesuche bei der
Großtante und den visuellen Eindrücke aus
a unachtssam
herumlliegenden Versandhau
V skatalogen aus Weiden und
Burgun
ndstadt, kön
nnen die virrilen Jugend
dträume aucch zu einem
m alles
bensziel weerden. Es istt nicht mehrr die Frage, ob es
überlaggernden Leb
das gibt, was man unerlaubteerweise und
d mit glühen
nden Wangen in
der späätkindlichen
n Prägungsp
phase geseh
hen hat. Maann weiß jettzt,
dass ess das gibt. Nicht
N Zuhausse im heimiischen Woh
hn- Essbereiich, das
ist der falsche,
f weil konformisstische Plattz. Da ist maan angepassst, da
darf Maann es nicht, weil zwischen überfäälliger Wäscche und
notwen
ndigem Abw
wasch der unpassende
u Platz ist un
nd die notwendige
Zeit und auch die Muse für deen ästhetiscchen Genusss fehlt. Eheer bei
mmungslosen Geliebteen, die zum Lebensstil des
der hem d gestand
denen
Mannees gehört, wie
w das Navigationsgeräät zum mod
dernen Auto
o. Es ist
auch niicht mehr die
d Frage, ob
b man es sicch leisten kaann. Jetzt eendlich
kann Mann
M es sich
h leisten. Er ist Schönge
eist und Forrscher, er isst wer
und weenn nicht jetzt, wann dann?

Nicht nur an
a seinen äu
ußeren Attrributen und seinen, nur
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Eingew
weihten versschlüsselt mitgeteilten
m Träumen, ist
i der erfah
hrene
Mann erkennbar.
e Er ist nicht mehr der abhängige Täter, der blindlings
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seinen Trieben folgt. Jetzt, in diesem Alter überlagern

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Sinneseindrücke sein Tun und optische Reize beeinflussen sein durch
feinsinnige Perfektion geprägtes, intellektuelles Streben. Er steht vor
der Problematik, an deren Lösung sogar erfahrene Designer zu oft
scheitern. Es ist die uralte Entscheidung zwischen der unerträglichen
Leichtigkeit des seienden Seins oder dem monetären Nichts?
Die oft überlebensnotwendigen Fragen sind: „Fügt sie sich,
oder kann ich es mir leisten? Durch und ab welchem Druck dominiert
die Verpackung das Verhalten? Folgt die Funktion der Form, oder hat
die Funktion die Funktion, die ideale Form zu formen? Hat sie oder
hat sie nicht? Trägt sie es, oder ist sie wirklich echt, die
gertenschlanke und biegsame Taille?“
Ich kenne viele Männer und die Geschichte kennt ungezählte
Größen, die zur Ergründung dieser existenziellen Fragen Frau und
Kinder verließen, Schlachten, Königreiche und Vermögen verloren,
um abhängig einer taillierten Geliebten Lola zu dienen, bis zum
seelischen und finanziellen Ruin.
Für sinnlich Abgestumpfte ist so ein fanatisches Verhalten
unerklärlich. Solche Leserinnen und jüngere Leser bis vierunddreißig
vollendeten Lebensjahren sind hier auch unerwünscht da vermutlich
verständnislos. Es ist wie mit dem Essen. Currywurst und Schnitzel
sind Bedürfnisbefriediger für die reduzierten Geschmacksnerven der
breiten Bevölkerung. Auf dieser niederen Bedürfnisebene ist die
Optik des matschig-aufgequollenen Gekröses im Pappschälchen
Nebensache. Die Hauptsache ist die Beseitigung des Hungers. Rauf,
gedankenlos reinstecken (die kleine Plastikgabel), runter in den Abfall
mit dem Zeug, und zurück zum grauen Alltag mit seiner Maloche.

Seite 123
________________
______

Der welterfahrene Go
ourmand hat vollkomm
men andere
Begierd
den. Seine Verlangen
V n
nach Nahrun
ng und das überrascheende
Arrangement sind gleichwerttige Faktore
en. Sehr gut kann man diesen
Verhalttensprozesss bei der Entscheidung zum Besucch eines bessseren
Feinsch
hmeckerrestaurants mit einer beliiebigen Anzzahl von Steernen
über drrei beobach
hten. Die ästthetische Optik
O ist für den Genieß
ßer das
entscheeidende Kriterium. Seine Ablehnu
ung, Akzeptaanz oder
anbeteende Begeisterung wird
d durch das künstleriscche Arrangeement
visuelleer Eindrückee, die sein tiefes
t Sehne
en nach übeerraschendeer
Perfekttion ansprecchen, bestim
mmt. Über die Qualität der Zutateen, also
n der Speisen, wird nur am Rande diskutiert, d
den Bestandteilen denn
die hoh
he handwerrkliche Veraarbeitungsqualität ist unabdingbarre
Voraussetzung und bekannt. Es ist die Anordnung die
d den perffekten,
optisch
hen Genuss bringt, und
d der in der Spitzenklassse über den
n
zusätzlichen Stern entscheideet und damit die Konku
urrenz mit ihrer
fetten und
u ungenießbaren Haausmannsko
ost im kalteen Regen steehen
lässt.
Mir wird offt und besonders von oberflächlic
o chen, weiblichen
Lesern vorgeworfeen, dass ich schwierige
e Themen zu
u ausführlicch und
geschleechtsspezifisch sehr ein
nseitig behaandle. Aus langjährigerr
Erfahru
ung und nacch vielen Geesprächen mit
m Betroffeenen weiß icch
auch, dass
d mir in diesem
d kom
mplexen The
ema nur wenige, sehr
erfahreene Männerr intellektueell folgen kö
önnen. Daru
um bitte ich
h dich,
verstörrte und imm
mer noch ko
opfschütteln
nd mitlesende Leserin u
um
Verstän
ndnis für meine Ausfüh
hrungen. Nu
ur aus Paritäts- und
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Betrofffenheitsgründen, sozussagen für de


en Fall der Fälle
F ist es m
mir ein
mensch
hliches Bedürfnis, die diffizile
d Prob
blematik dieeses speziellen
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Seite 124
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Themas zu simplifizieren.

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Mein Freund, verehrte verheiratete und
miederschlüpfertragende Leserin, es geht um Korsetts. Nicht um
krankenkassengeförderte und auch nicht um rosmarinfarbene
Gesundheitskorsetts. Es geht um das edel-klassische und
handgearbeitete, mit spezieller Schnürungstechnik ausgestattete, die
weibliche Figur, insbesondere die Taille der hingebungsvollen
Geliebten (nicht die mit Hüftgold gesegnete Körpermitte der Ehefrau)
in ästhetische Proportionen stilisierende Korsett. Vom Liebhaber im
intimen Männerkreis auch verklärt-frankophil „Korsage“ genannt.
Unbemerkt von der Alltagsfrau, missachtet von der
Ehetroglodytin und von pseudointellektuellen
Blickdichtstrumpfhosenfetischistinnen aus falsch interpretierten
Glaubensgründen abgelehnt, beeinflusst es in ungeheurem Ausmaß
den gestandenen, männlichen Mainstream-Bundesbürger. Führende
Modedesigner haben es längst erkannt. Der Trend geht eindeutig zur
schmückenden Geliebten, und nicht nur darum feiert das luxuriöse
Korsett ein triumphales Insider-Comeback.
Welche Mythen ranken sich darum und warum übt dieses
altertümlich anmutende Kleidungsstück einen so extrem aushäusig-
erotischen Reiz aus? Liegt es an der feinen Schnürtechnik, oder ist es
die konsequente, auf sinnliche Domestizierung ausgerichtete
Verarbeitung, die den technisch versierten Perfektionisten
begeistert?
Gehen wir die Angelegenheit zuerst von der sachlichen Seite
an. Oberflächlich betrachtet ist das Korsett ein formendes
Kleidungsstück zum eleganten Ausgleich der natürlichen

Seite 125
________________
______

Uneben
nheiten dess weiblichen
n Körpers. Es
E ist auch ein
e eher
selbstvverständlicher Aspekt, dass
d ein guttgeschnittenes Korsettt die
unkonttrolliert wucchernde Forrm in eine für
f das gescchulte Auge
proportional ästheetisch akzep
ptable Facon bringt, un
nd darum fü
ür jede
intelligeente Frau ein
e zwingend
d notwendiiges Utensil ist. Aber eiin
Korsettt hat noch mehr
m Funktiionen, die icch dir an dieeser Stelle eetwas
ausführlicher erläu
utern möch
hte.
Da Frauen im Allgemeeinen, mit Ausnahme
A d begehrenden
der
Geliebtten im Beso
onderen, ein
nen wunderrbaren Instinkt für die Dinge
besitzeen und alles bemerken,, mit Ausnahme des
Selbstvverständlich
hen, ist es mir ürfnis, auch meinen
m ein Bedü
unerfah d darum auffklärungsbedürftigen Leserinnen d
hrenen und die
unüberrsehbaren Vorteile
V einees Korsetts näher zu brringen.
Zuerst sei bemerkt,
b daass ein Korssett das tiefssitzende,
weiblicche Begehreen nach Verrtrauen und
d Ehrlichkeitt erfüllt. Dass mag
zunäch
hst irritieren
nd klingen, aber
a es ist so
s und nichtt anders.
Vertrau
uen, und daas ist allgem
mein bekann
nt, kann eineerseits nur durch
Ordnun
ng entsteheen, die andrerseits durcch Regeln definiert wirrd.
Regeln werden nu
ur eingehalten, wenn Disziplin
D gefo
ordert,
Missachtung gebü
ührend besttraft und be
ei allfälligem
m Gehorsam
m auch
Schutz gewährt wiird. Es ist wie mit den Leitplanken
L n an der Auttobahn,
die unkkontrolliertees Ausbrech
hen so lange
e verhinderrn, bis der
Gesetzggeber eine Abweichun
ng gestattet. Oder andeers ausgedrückt:
Ein Korrsett erzeuggt Vertrauen
n durch Ord
dnung und Sicherheit
S in
n einem
ungereegelten und darum unsicheren Leb
ben.
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Für die karrierebewussste Frau un


nd noch mehr für die Leeiterin
eines kleinen
k Familienunternehmens, kaann es eine faszinierende und
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Seite 126
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vollkommen neue Erfahrung werden, nicht nur darüber zu reden,

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sondern Disziplin dort zu beweisen, wo es am schwersten fällt – im
Alltag.
Du verstehst nicht was ich dir damit sagen möchte? Ich werde
es dir erklären.
Natur kennt keine Ordnung und darum kann es im
Naturzustand auch keine Ordnung geben, weil Regeln fehlen. Im
Naturzustand gibt es willkürliche Ausdehnung und aussichtslose
Kämpfe gegen wuchernde Pfunde. Darum ist die weibliche Natur
letztendlich die Anarchie der Form und die Vergewaltigung der
Willensschwäche unter schamloser Ausnutzung der Lethargie. Oder
anders ausgedrückt: Ohne fachkundige, männliche Hilfe und
Anleitung regiert das Chaos.
Das kann man ändern, und du wirst die sogenannten, offenen
Türen“ einrennen, wenn du ruhig und vernünftig mit deiner
Geliebten über die Vorteile sprichst.
Ein Korsett regelt schnürend die Dinge und formt behutsam.
Das Korsett passt das biegsame Rückgrat den Bedingungen der
Karriere an. Es beseitigt Ängste vor Unebenheiten und tief in der
weiblichen Seele versteckte Zwanghaftigkeiten. Zusammenfassen
kann man sagen: Ein Korsett befreit von geistigen, seelischen und
körperlichen Hemmungen. Es vermittelt vertrauensvolle Sicherheit in
einer gefährlichen Welt.
Auch wenn es oft vermutet wird, der Zwang des Korsetts ist
kein Instrument der Ungerechtigkeit und Unterdrückung, sondern ein
Test des Charakters. Das mag dir oberflächlich betrachtet
unverständlich erscheinen, aber es liegt auf der Hand. Stabile Stäbe

Seite 127
________________
______

bieten Schutz vor Nachlässigkkeiten und ein


e gut gescchnürtes Ko
orsett
erzwinggt einen auffrechten un
nd hochgem
muten Gang. Die rückw
wärtige
Linie vo
om Kopf biss zum Hals wird
w gerade
e. Außenstehende
interpretieren die Haltung inttuitiv als maajestätischee Selbstsicheerheit.
Sie zieh
hen Vergleicche zum eiggenen, oft gebeugten
g R
Rücken. Dass steht
nicht im
m Widerspruch zum falsch interprretierten Ro
ollenbild dess
frühen Feminismu
us der 70er und 80er Jaahre des letzten Jahrhu
underts.
Das Korsett ist die ultimative Versöhnun
ng mit dem Sexobjekt,
S d
denn
die Haltung und Atmung, der üblicherwe
eise eher naachlässig
daherkkommenden
n Frau, wird
d straff zum ästhetischeen Vorteil
korrigieert. Die konsequent geeschnürte Taaille betontt die Hüften
n. Das
Rückgrat wird gesttrafft und das
d Korsett zwingt
z dazu
u, das Gesäß
ß
stramm
m einzuzieheen.
Aber die beehutsame Anleitung
A de
es Korsett stabilisiert
s n
nicht
nur den
n aufrechteen Gang derr über ihre Tragepflicht
T t stolzen
Korsetttträgerin. Ess versteht sich von selb
bst, dass zu einem Korssett nur
eine ho
oheitsvolle Kopfhaltung
K g passt, die weder geseenkt noch zzum
Himmeel gewandt und
u ohne unruhigen Blick sein sollte. Die
korsettttragende Frau wird daarum auch niemals
n die Stirn in
sorgenvvolle Falten
n legen, odeer ängstlich die sorgfälttig ausrasierten
Brauen
n zusammen
nziehen. Ein
n stimmigerr Gesamtein
ndruck zwiscchen
Haltungg, Gang und
d Mimik enttsteht, wenn die sorgfäältig stilisierrten
und geschmückten
n Augenbraauen zu den
n leicht fallenden
Augenliedern passsen. Der Gesamteindru
uck in Verbindung mit d
dem
fuchsigg-schnürend
den Gang in passendem
m Schuhwerrk mit schm
malen
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Absätzeen über elf Zentimeterr ist eine exq


quisite Übu
ung für den
bekann
nten und beegehrten Kn
nackarsch au
uf dem man
n Walnüsse
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Seite 128
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knacken kann (sofern man das will und Walnüsse zur Hand hat). Kein

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sündteures Fitnessstudioabonnement mit monatelangen Sit-up
Quälereien kann solche Ergebnisse erreichen.
Welches Korsett das Richtige für die Geliebte ist, bleibt
persönlichen Vorlieben des Entscheiders vorbehalten. Das klassische
Korsett ist aus edlem Stoff, aber dennoch fest und darum besonders
zu empfehlen. Die oft gewünschten Latexkorsetts sind nichts für
Anfängerinnen. Die Geliebte wird nach einer ersten und fachlich
fundierten Belehrung die Notwendigkeit eines solchen, aber nicht aus
Latex erkennt. Der Nachteil von Latex ist, dass das Material viel
weicher ist und einen größeren Bewegungsspielraum zulässt, was wie
bereits dargelegt und darum verständlicherweise nicht gut ist. Aus
der Kindererziehung ist ja auch bekannt, dass jede Nachlässigkeit zur
Ungezogenheit führt. Warum also Altbewährtes in Frage stellen?
Anzumerken ist, dass es vorwiegend bei weiblichen
Verwendern immer noch Wissenslücken über die korrekte
Trageweise gibt.
Verehrte Leserin, die Schnürung gehört nach hinten und die
Häkchen, sofern welche vorhanden sind, nach vorn. Sollten elastische
Bänder am unteren Rand angebracht sein, werden daran Strümpfe
befestigt, die aus edlem Material von einschlägigen Markenfirmen
und nicht vom Kaufhaus-Krabbeltisch sein sollten.
An dieser Stelle ist eine kleine Fachbelehrung angebracht, weil
das Wissen über subtile Feinheiten in breiten Bevölkerungsschichten
weitgehend verloren gegangen ist. Seidenstrümpfe erzeugen beim
Gehen, oder beim übereinanderschlagen der Beine ein erotisches
Rascheln, das den Kenner um den Verstand bringt. Nylon mit Naht ist

Seite 129
________________
______

etwas für
f den Gen
nießer, und nasse Strüm
mpfe sind nur
n für den
extravaaganten Gesschmack in privaten Örtlichkeiten
n. In letztereem Fall
sind au
uch augenscchmeichelnd
der Latex un
nd Bettlakeen aus gleich
hem
Materiaal zu empfeehlen. Aber auf diese Besonderhe
B it komme icch in
einem anderen Beericht ausführlich zurücck. Nur so viel
v sei aus eeinem
erotischen Lehrbu
uch verraten
n, dass scho
on Großmüttter ihren Tö
öchtern
den Rat gaben: „Ein züchtigess Mädchen eine Mannssperson seh
hr leicht
an sich zu fesseln vermag,
v weenn sie ihm in den Stieffel pinkelt.““
Doch ich möchte
m nichtt zu sehr ab
bschweifen und darum
kommeen wir zum ursprünglicchen Themaa, zum Korseett zurück.
Zur richtigeen Schnürun densten Ansichten
ng gibt es die verschied
und diee Experten befinden
b sicch seit Jahrzzehnten in einem
e erbittterten
Glaubeensstreit. Au
us humanisttischen und
d hedonistischen Aspekkten hat
die von
n mir präferriert empfoh
hlene Schnü
ürung nichts mit Gewalt oder
Unterd
drückung zu tun, aber viel
v mit intelligenter Su
ubmission.
Aus Qualitääts- und Dissziplinierunggsgründen sollte
s die
Schnürung vom an
nbetenden Mann vorge
enommen werden.
w Dieese
präzisee Vorgehenssweise hat einerseits
e kö
örperliche Gründe,
G den
nn die
Schnürung des klaassischen Ko
orsetts ist ve
ergleichbar mit dem Sp
piel der
Kräfte bei
b einem Schwerlastk
S kran unter Voll-Last.
V An
ndrerseits siind
intellekktuelle Ingenieurleistun
ngen erford
derlich, um durch eine
raffinieerte Schnür--Hebelwirku
ung und mitt geringstem
m Kraftaufw
wand
das grö
ößtmöglichee Reduzieru
ungsergebniis zu erreich
hen. Nur ein
n
erfahreener Mann ist
i dazu fäh
hig.
Du glaubst das nicht und
u unterste
ellst mir Sexxismus? Dann
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beobacchte doch mal


m Frauen beim
b einparrken, und du wirst versstehen.
Kommen wir
w nun zu weiteren
w De
etails, deren
n Beachtungg nicht
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nur wichtig ist, sondern beziehungsexistenzielle Dimensionen

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annehmen kann.
Zur Schnürung sitzt oder steht die Geliebte mit dem Rücken
zum Mann, der mit der Aktion am oberen Ende des Korsetts beginnt
und sich sozusagen zur Mitte vorarbeitet. Das Schnürband wird in die
Ösen des Korsetts eingeführt. Die Schnürung sollte mit Bedacht und
gleichmäßig überkreuz bis in die Mitte des Korsetts, also bis etwa in
Taillenhöhe vorgenommen werden. Falls du kleinere Stöhn-
Geräusche, oder ein „quäl mich nicht Liebling“ deiner Geliebten
hörst, soll dich das nicht weiter stören, denn solche Laute sind
normal und gehören zu den anregenden Sentenzen in einer
ritualisierten Handlung. Bei eher seltenen, vielleicht ärgerlichen
Protesten hilft der sachliche Hinweis, dass ein Korsett die
effizienteste Methode zur Taillenreduzierung ist, oder die Drohung
der sofortigen Trennung von der Unverständigen. Dann ist
üblicherweise Ruhe im Quängel-Karton.
Für die Geliebte von Vorteil ist, dass die Sorgen um den nicht
vorhandenen, flachen Bauch verschwinden. Mit einem Korsett muss
keine Frau mehr eigentümliche Substanzen aus schweinteuren,
kleinen Döschen trinken. Außerdem wird das Hungergefühl
unterdrückt, das ja bekanntlich für den fülligeren Bauch
verantwortlich ist.
Kleine Inspirationspausen sind zu empfehlen. Jeder Künstler
hält hin und wieder inne, um sein Kunstwerk zu betrachten, zu
verbessern und um kleinere Nachlässigkeiten zu korrigieren.
In der Taillenmitte angekommen, beginnt der schwierige Teil.
Achte darauf, dass das Schnürband nicht mehr überkreuzt wird.

Seite 131
________________
______

Führe dann
d das Baand auf beid
den Seiten einmal
e doppelt durch d
die
Ösen. Du
D siehst jettzt auf beid
den Seiten eine
e Schlauffe. Anschließend
schnürsst du wiedeer überkreuz weiter. Wenn
W du an der
d unteren
n Öse
angeko
ommen bist, zieh das Band von außen nach in
nnen durch Ösen.
In die beiden
b Endeen des Schn
nürbandes solltest
s du eine
e sorgfälttig
gebund
dene Schleiffe oder eineen kunstvollen Knoten machen. Fü
ür die
korrektte Knotenteechnik empffehle ich ein
nschlägige Fachliteratu
F ur für
Hochseeesegler, diee im Buchhaandel zu erw
werben ist. Nicht
empfeh
hlenswert isst, die Schnürband-End
den ohne Saach- und
Kunstveerstand zussammen zu binden. Zum
m Schluss korrigierst
k d
du das
Band und die Unebenheiten der
d Schnüru
ung. Die Taiillenreduzieerung
erfolgt durch die beiden
b Schlaaufen in der Mitte der Taille.
w angewiesen noch beewegungslo
Falls deine Geliebte wie os steht
oder sittzt, kannst du
d das Korssett durch le
eichtes Zieh
hen in die
endgülttige Position bringen. Abschließen
A nd solltest du
d noch
kontrolllieren, ob die
d Ösen akkurat parallel sitzen. Ein bereit
gehalteenes Lineal mit Millimeeterunterteilung hilft bei der
Abstandmessung und
u erzeugtt ein hübsch
hes Geräuscch beim Auftreffen
m jetzt pralll abstehend
auf dem den Arsch der Geliebten.
Wiederrholungen sind
s zur Belo
ohnung durrchaus angeebracht und
d
werden
n geschnürtt gern entgeegen genom
mmen.
Perfektioniisten halten
n das Kunstw
werk mit deer bereit
welt fest. Fallls die Bänder zu
gehalteenen Digitallkamera fürr die Nachw
lang sin
nd, bindest du noch ein
ne zusätzliche Schleife,, oder falls
dadurch dein ästhetisches Em estört wird, versteckst du die
mpfinden ge
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Bänderr unter dem


m Korsettran
nd.
Leider gibt es über diee optimalen
n Korsetttragezeiten keeine
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Seite 132
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allgemein anerkannten Empfehlungen. Nach meiner persönlichen

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Erfahrung, steht einer liebenden Geliebten ein Korsett zu jeder
Tages- und Nachtzeit. Falls die Geliebte eine karrierebewusste Frau
ist, sollte das Korsett auch beruflich getragen werden, denn der
bereits erwähnte, selbstbewusst-schnürende Gang (ein dezent
bestrumpftes Bein, leicht überkreuz vor das andere) ist für die
Karriere förderlich. Wichtig ist, dass sich nicht nur der Körper,
sondern auch der widerstrebende Geist der Frau an das Korsett
gewöhnt.
Ein motivierender Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben. Durch
den geraden Rücken stehen auch bei der fülligeren, etwas älteren
Dame die Brüste wieder so stramm ab wie bei einer siebzehnjährigen
Cheerleaderin. Das Letztere allerdings nur bei einem brustfreien
Korsett. Damit komme ich nicht nur zu einem brisanten Teilaspekt,
sondern auch zu einer ernsten Warnung für meine interessierten
Leserinnen.
Die Anschaffung eines Korsetts wird oft fälschlicherweise als
rein weibliche Angelegenheit gesehen. Das ist falsch. Die Frau als
solche mag zwar eine natürliche Beziehung zu allerlei nützlichen
Wäscheteilen aus pflegeleichten Materialien haben, aber bei einem
Korsett verhält es sich vollkommen anders. Der Korsetterwerb
erfordert Erfahrung und großen Sachverstand für eine
hochkomplizierte Aktion, über die die Frau aus verständlichen
Gründen häufig nicht verfügt.
Eine dem Autor vor den Erlebnissen mit Sina gut bekannte
und der Erinnerung nach wohlgeformte, aber zeitweilige Gefährtin
wollte gefällig sein und überredete, vermutlich voller Euphorie und

Seite 133
________________
______

Sehnen
n, eine flach
hbrüstige un
nd beste Fre
eundin als fachkundige
f e
Beraterrin zu einer gemeinsam
men Korsettt-Einkaufsto
our. Die Berratung
der wohlmeinendeen Freundin
n führte zum
m Erwerb eines billigen
n
Korsettt-Machwerkks, das seineen Namen noch
n nicht einmal
e
ansatzw
weise verdieente. Die vo
orher wund
derschönen,, schweren Brüste
wurden
n durch dass falsche Korrsett wie üb
berreife Meelonen
zerquetscht. Das Korsett
K und die sich alss Gefährtin angebotene
a e Dame
sind niee wieder zum Einsatz gekommen.
g Über den Verbleib
V der
besten Freundin gibt
g es leider keine Hinw
weise. Diesees erschütternde
Beispieel einer sow
wohl mensch
hlichen, wie
e auch korseettierten Traagödie
zeigt, dass
d ausschlließlich Män
nner über den
d notwendigen,
ästhetischen Sachverstand veerfügen.

Damit möcchte ich meiine philosop


phischen Beetrachtungeen
vorerstt abschließeen und ich hoffe,
h dass ich dir helfeen konnte. FFalls du
dich fraagst, woherr ich meinen
n reichhaltiggen Erfahru
ungsschatz h
habe,
frag Sin
na. Sie wird es dir gern erklären.
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Liebes- und vorbereitende Mordzeiten

In Pompeji und Herkulaneum fand man bei Ausgrabungen in die


Mauern eingeritzte Sprüche wie diesen: „Hier entsinne ich mich, ein
Mädel gevögelt zu haben. Nicht verrat ich's der Gattin, wenn sie vor
Neugier auch platzt!“
____________________

Die Sünde, also Sina wurde schnell zu einer mein Leben


bestimmenden Gewohnheit, die ich nicht mehr missen wollte. Ich
habe an die ganz große und an die ewige Liebe geglaubt, an
gehauchte Treueschwüre und an gestöhntes Liebesgeflüster. Ich war
verliebt und ich war meiner Sina bedingungslos treu. Aber das Gefühl
des verliebten Herzschlags löste bei mir noch keine Überlegungen
über die Ursachen und Folgen aus. Zwar war mir bewusst, dass die
junge und unverbrauchte Sina Sidonius purer Sprengstoff war, aber
ich bin lernfähig und wollte trotz der Gefahren, die solche Dinge nun
mal als wesentliche Eigenschaft besitzen, behutsam und dauerhaft
damit umgehen.
Trotz und in aller Liebe setzte mein nüchterner Verstand nicht
vollkommen aus. Aus vielerlei Gründen erschien es mir besser, wenn
Sina zwar nach Bedarf verfügbar, gleichzeitig unter vorsichtig-
abhängiger Kontrolle, und zwar so, dass sie es nicht als solche
empfand, aber sich in sicherer Entfernung vom heimischen Heilbronn
aufhielt. Dieser Zustand war zwar für den Normalbürger nur schwer
herzustellen, doch durch die langen Jahre als Unternehmer erfahren,

Seite 135
________________
______

wusstee ich was zu tun war. Jeetzt war mein Alter kein
n Nachteil m
mehr.
Aber icch durfte miir nichts vorrmachen. Mit
M zunehmeendem Alteer sind
größeree, aber woh
hlüberlegte Investitionen um der
Konkurrrenzfähigkeeit Willen nun mal notw
wendig. Hotels waren, und
das ahn
nte ich intuitiv, für unsere Vorlieb
ben sowohl aus
a Reinlich
hkeits-
wie aucch aus Gerääusch- und eigentlich
e auch aus finaanziellen Gründen
ungeeiggnet. Sina hatte
h mir mit dem Hinw
weis auf äuß
ßerste Diskrretion
zu verstehen gegeeben, dass sie
s glücklich und äußersst ehrsam m
mit
einem honorigen Mann
M aus der
d allerbestten Heilbro
onner Gesellschaft
w es vielleicht den An
verheirratet und eigentlich niccht so sei, wie nschein
hätte.
Nach weniggen Wochen war ich zu
u der schneellen Entscheidung
gekommen, dass wieder
w einm
mal der richttige Zeitpun
nkt für eine
steuerm
mindernde Investition gekommen
n wäre. Das Appartemeent in
der obeeren Sindelffinger Innen
nstadt mit einer
e großen und nichtt
einsehb
baren Terraasse und dem Blick übe
er den Ort und
u gleichzeeitig auf
die eheemalige Hau
uswirtschafttsschule, in der brave Mädchen
M ehemals
mit Zuccht zur Ordn
nung angeh
halten wurden, das mirr von einem
m ihm
verpflicchteten Stuttgarter Bau
uunternehm
mer angebo
oten worden
n war,
erschieen mir, um das
d Angenehme mit de
em Nützlichen zu verbinden,
für die beabsichtiggten Zweckee am geeign
netsten.
Sina Siodon
nius liebte besondere
b Spiele
S und ich
i bewund
derte
ihren Einfallsreichttum, der meiner Phanttasie nicht nur
n nahe kaam,
sondern ohne langges drum heerum zu disskutieren, weit
w übertraaf. Die
Regeln waren von Anfang an klar definie
ert. Sina Sidonius war d
die
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alleinigge Hausherrrin und der Autor


A ein Nichts.
N Wenn sie mir mit ihrer
glocken
nhellen Stim
mme ins Ohr flüsterte: „Darf´s ein bisschen m
mehr
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Seite 136
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sein“, war es für mich wie eine göttliche Offenbarung und das

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Paradies. Aber ich war nicht so einfältig, nur wegen einer Frau den
Verstand und noch mehr zu verlieren. Dennoch konnte ich es nicht
leugnen. Schon nach wenigen Wochen begann Sina mein Leben in
ungeahntem Ausmaß zu beeinflussen.
Eigentlich hätte ich es ja wissen müssen und vielleicht ahnst
du es schon. Es war der Anfang einer zeitlich ziemlich beschränkten,
einer überirdischen und unendlichen Liebe für eine ziemlich kurze
Zeit. Das ist aus meiner heutigen Sicht und mit etwas Abstand
betrachtet, an sich kein weltbewegendes Ereignis. Solche Dinge
passieren täglich an jeder Ecke. Jeder liebt Irgendwas und irgendwie
irgendwann, hin und wieder und dann und wann für was auch immer.
Jeder Fast-Verhungerte wird alles dran setzen, Dinge zu bekommen,
die seinen Hunger stillen, und wenn es nur Fast-Food ist, und für
Verdurstende sind sogar schlammige Wasserlöcher Zeichen des
Himmels.
Heute sehe ich das natürlich anders. Verliebtheit ist ganz
offensichtlich nicht eine besondere Art der Kurzsichtigkeit, sondern
ein Problem der Nahsicht. Wahrscheinlich hätte mir damals eine
stärkere Brille genügt, um mich zu heilen, aber die hatte ich aus
verständlichen Gründen nicht auf der Nase. Eigentlich war es nur ein
triviales Spiel, das von unzähligen Frauen und Männern so oder so
ähnlich jeden Tag gespielt wird.
In diesem moralischen Zwiespalt gab es für mich mehrere
Alternativen. Die erste Alternative war, die Sicherheit meiner Ehe zu
wählen und auf jede wertvolle Erfahrung zu verzichten.
Mein Gehirn und mein wacher Verstand hätten mir ja sagen

Seite 137
________________
______

können
n: „Tu es. Daas ist gut un
nd vernünfttig!“, aber die
d waren zum
damaliggen Zeitpun
nkt neutralisiert. Ich haabe meine über
ü alles geeliebte
Sina geesehen, ihr verträumte
v s Lächeln und ich las in
n ihren blitzzenden
Augen:„Was kann es da noch helfen? Du
u verstehst nun einmal nichts
anderees - so sei deenn wenigsttens mein Hund“,
H wie Nietzsche in
n einer
ähnlich
hen Situation einmal geesagt haben
n soll. Sie hielt mir ihre Finger
zum ab
blecken hin und ich wusste genau wo sie vorh
her waren.
Welcheer gestandeene Mann mit
m wachem Verstand kann
k da nocch zur
Normalität zurückkkehren.
Du kannst immer noch nicht so richtig verstehen, waru
um ich
mich so
o hingegebeen hatte? Icch werde ess für dich, lieeber
verstän
ndnisvoller, männlicher Leser in äh
hnlicher Situation, und
d für
meine verständnis
v herer, also in
slosen Leserrinnen in ettwas einfach
geraffteer Form erkklären. Es war
w der freie
e Wille einess mündigen
n
Bürgerss der wähleen musste. Der
D eine bewusste Entsscheidung ffür den
Himmeel mit Sina und
u gegen seine (meine
e) Ehe-Höllee getroffen hatte.
Selbst ein
e dreiköpffiger Höllen
nhund hätte
e mich nichtt von meineer
Unbeuggsamkeit ab
bbringen kö
önnen.
Aber die Ep
pisode mit Sina
S war niccht nur der Himmel, so
ondern
auch daas vorausseehbare Endee meiner siccheren Ehe und meiness
Wohlsttands. Was soll ich mich beschwerren. Vom errsten Momeent an
kannte ich das Risiko der riskaanten Invesstition in meeinen
Gefühlsshaushalt. Es
E war scho
on immer so
o: Je größer die erhofften
Gewinn
ne, umso hö
öher das Rissiko des Tottalverlustess. Nur Feiglinge
investieeren in ein konservativves Sparbucch mit Mickeerzinsen.
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Spurensicherung und Geständnis

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„Aufhören wirst du zu fürchten, wenn du aufhörst zu hoffen, denn
der Hoffnung folgt die Angst. Beides ist das Merkmal eines
abhängigen, beides eines in Erwartung der Zukunft beunruhigten
Gemütes. Das liegt hauptsächlich daran, dass wir uns nicht auf die
Gegenwart einstellen, sondern die Gedanken in weite Ferne
vorauseilen lassen... Die Erinnerung bringt die Qual der Angst zurück,
die Voraussicht nimmt sie vorweg; niemand ist nur wegen der
Gegenwart unglücklich!“
Seneca, 5.Brief

____________________

Es gibt eine goldene Regel in der Kriminalistik. Sie lautet: „Es


gibt keine Regel.“ Aber es gibt auch einen weitgehend unbekannten
Zusatz zur Darwinschen Evolutionstheorie, den ich dir verraten
möchte. „Nur wer wirklich gut ist, überlebt.“ Das bedeutet, der
Clevere wird nicht erwischt und die Durchfallquote ist hoch. Daran
hätte ich denken sollen.
Damals, in meinen jugendlich-revolutionären Sturm und
Drangzeiten war es mir eine Berufung. Die gesellschaftsverändernde
Forderung „macht kaputt, was euch kaputt macht“, war meine
Losung für einen revolutionären Neuanfang. Aber die Wege des
Schicksals sind unergründlich und die ohne nachzudenken gerufenen
Sätze aus meinen aufrührerischen Jugendtagen sollten jetzt endlich
in Erfüllung gehen. Der berühmte Zufall hieb mir mit voller Wucht
seine Faust in die Fresse, und beim stolpern bin ich voll auf meine

Seite 139
________________
______

vorlautte Schnauzee gefallen.


Mein Freun
nd, ich bittee dich flehentlich: Falls du dich jem
mals in
so eineer prickelndeen Situation
n wie in diesem Buch beschrieben
b n
befindeest, dann acchte auf jed
de Kleinigkeit. Verleg niiemals dein
ne Brille
zusamm
men mit deinem Verstaand. Es sind
d nicht die großen
g
Besond
derheiten, es
e ist der winzige Stein der ein kun
nstvoll ersteelltes
Gebäud
de zum Einssturz bringeen kann. Darum höre, lese und meerke dir
gut: Bleeib in jeder Sekunde daas Tages achtsam wie ein
e Luchs vo
or dem
Überqu
ueren einer Autobahn. Auch wenn
n du denkst, dass du alles
perfektt organisiertt hast. In deen kurzen Momenten
M d Zerstreu
der utheit
lauern die größten
n Gefahren. Zwar ist die Technik heutzutage
h eetwas
weiter,, aber vertraau niemals einem Foto
ohändler, od
der Jemandem der
dir ein Stück Papieer als Quittu
ung gibt. Es gibt gewisssenlose Gessellen,
die ohn
ne nachzufrragen fertig entwickelte
e Fotos an fremde
f Men
nschen
herausggeben, die einen Abho
olbeleg vorle
egen, ohne sich gewisssenhaft
zu informieren, ob
b die Abholeende auch dazu
d berech
htigt ist. Ich kann
dir nur raten: Geh fremd, enttferne soforrt deine Spieegelreflexkaamera,
falls du
u so etwas noch
n besitztt. Wirf das untaugliche
u Teufelsgerät in
den nächsten Müllcontainer und
u kauf dir umgehend
d ein digitalles
Fotogerät mit ausrreichendem
m Speicherp
platz. Aber achte
a darauf, dass
das Gerät gut und sicher in eiinem Tresorr verwahrt ist.
i
In meinem Fall war ess kein Stein, sondern du
ummerweisse ein
von mir verwechseelter Abholbeleg für die Fotos vom
m letzten
Geburttstag der Familie. Nun weiß
w ich, daass Fotos nu
ur noch seh
hr selten
beim Fo
otohändler abgeholt werden
w müsssen. Daran kannst du
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erkennen, dass meeine Erlebnisse mit Sina schon ein


nige Jahre zu
urück
liegen. Doch das soll dich nich
ht irritieren, denn ausggerechnet m
mir,
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dem pseudokonformen Bewahrer des Unantastbaren ist es passiert.

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Jahrzehntelang hatte ich mich für die Umwelt engagiert. Ich habe
grüne Bäume geschützt wo ich nur konnte und jeden wuchernden
Busch mit den Augen des Kenners betrachtet. Greenpeace besaß
mein volles Vertrauen. Jeder vollschlanke Wal, der nachts und im
Regen verloren am Straßenrand herumstand, bekam von mir fünfzig
Euro, damit sie sich was Warmes zum Essen und was Anständiges
zum Anziehen kaufen konnte. Ich bin brav und politisch voll korrekt
mit der mir umgehängten Strohtasche zum Einkaufen in den Bioladen
und auf den Gemüsemarkt marschiert, obwohl mir nach leckerem
Frischfleisch zumute war. Keinen bösen Gedanken hatte ich beim
Aussuchen von Gurken, Feigen und anderem Obst. Ich habe mich mit
meinem schmerzhaft gefüllten Beutel abgeschleppt. Immer mit dem
Glauben an das Jute und die Kraft der Natur, die es zu schützen galt.
Mein Herz war voller Liebe und schon morgens sang ich mit froher
Stimme: „Wo wir uns finden, wohl unter Linden.“ Aber nicht Einer
hatte mich davor gewarnt, dass grüne Wälder und pure Natur
gefährlich sein können. Darum hör auf meinen Rat: Begib dich nicht
in Gefahr. Falls es dich danach gelüstet, deinem Dachs mal die Natur
zu zeigen, meide unter allen Umständen sonnige Waldlichtungen und
bleib mit beiden Beinen auf den befestigten Wegen. Und falls du ganz
sicher gehen möchtest, dann verlasse niemals die asphaltierte Bahn
deiner Verpflichtungen. Die Leitplanken sind Regeln, die dich vor den
Gefahren eines Ausbruchs bewahren. Wenn du meinen Rat befolgst,
kann dir eigentlich nichts Schlimmes passieren.
Du hast genug von meinen Ratschlägen und möchtest endlich
mehr von Sina und von meinem Schicksal erfahren? Bei mir hat sich

Seite 141
________________
______

alles an
nders entwiickelt, denn
n ich hatte keinen
k Freund, der mir mit Rat
und Hillfe zur Seitee stand. Niemand war da
d um mich
h, den
sinnenffrohen Natu
urfreak zu schützen.
s
Ich soll nich
ht so dumm
m herum red
den sondern
n endlich errzählen
was geschehen istt?
Ja mein Freeund, es ist bedauerlich und die Grünen,
G abeer auch
das Bün
ndnis 90 weerden es niccht gern hören wollen. Ich bin übeer eine
geballte Überdosiss Natur gesttolpert. In meinem
m Fall brachten
wunderschöne Naaturaufnahm
men, besond
ders die herrlichen
Detailaufnahmen auf der kleinen, versch
hwiegenen Waldlichtun
W ng,
etwas abseits
a am Hölzersee, im hohen Gras,
G dort wo
w die Bäum
me
beginnen und das Schilfrohr endet,
e mein
n kunstvoll aufgebaute
a es Zwei-
Frauen-ein-Mann--Beziehungssgebäude mit
m lautem Krachen
K zum
m
Einsturrz. Meine Eh
hefrau konn
nte die wunderschönen
n Detailaufn
nahmen
der ihr zwei fremd
den und seh
hr nackten Frauen
F und des unbekaannten
Herrn im hellen Waldlichtung
W gslicht als eiindeutig ihrr nicht zugehörige,
aber daafür nach nääherer Unteersuchung der
d vielen Bilder
B als meeine
Körpertteile und meinen
m nackten Arsch id
dentifizieren. Denn sie war
nicht geepierced un
nd Sina in meinen
m Armen war eind
deutig die scharfe
Herrin der Silberringe, die siee aber nicht an den Finggern trug.
Du bist verrwirrt? Das Rätsel werd
de ich für dich sofort
entwirrren. Die Gesschichte mit Sina war die
d immer gleiche,
g ban
nale
Geschicchte, die au
uch Johann Wolfgang von
v Goethe schon selbsst
erlebt, und in seinem Faust II, im ersten Akt beschriieben hat:
hes Fest ich auch ersann, ward um
„Welch msonst begaangen;
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Pfänderspiel und dritter


d Mann, wollten nicht
n verfan
ngen.“
Es ist nun mal
m unabän
nderliche Tatsache. Mitt einer
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leidenschaftlichen Geliebten probiert man das aus, was man sich im

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trauten Heim nicht traut und auch niemals bekommt, weil man es
nicht macht.
Ja, ich gebe es zu. Meine Sina war nicht abgeneigt, sich mit
frivolen Paaren zur Freizeitgestaltung zu treffen, und ich habe sie
nicht daran gehindert, sondern auch mitgemacht. Denn mein
Grundrecht auf ausschweifende Orgien wurde in meiner Ehe nicht
nur brutal unterdrückt, sondern war auch unerwünscht.
Meine verzweifelten Beteuerungen „Schatz, ich weiß wirklich
nicht, wie die Fotos entstanden sind“ waren nur noch aussichtslose
Floskeln. Von den Vieren war ich als Einziger deutlich zu erkennen.
Im Nachhinein ist man immer schlauer. Ich hätte Sabine und
Dieter noch deutlicher sagen sollen, dass ich beim fröhlichen
Outdoor-Treiben nicht abgelichtet werden will.
Auch mein beschwörendes Flehen „Schatz, es ist nicht so wie
es aussieht“ war vergebens. Zwar gibt es für den Täter unzählige
Wege und Verstecke, aber ich hatte die Hoffnung auf ebenso viele
Möglichkeiten der Rettung aus meiner misslichen Situation. Aber es
war eine trügerische Hoffnung. Eine sofortige, hochnotpeinliche
Hausdurchsuchung meiner intimsten Privatsphäre brachte noch
weitere Beweisstücke ans Tageslicht, und in Sekundenbruchteilen
entstand eine nicht mehr zu stoppende Kettenreaktion die mich wie
eine grausame Lawine überrollte. Angesichts der Beweislage hatte
ich jedes Recht auf eine faire und wortreiche Verteidigung verwirkt.
Meine Ehefrau bestand als Hintergangene auf ihre Anrechte und auf
eine kunterbunte Mischung von Rache-, Schmerz- und
Enttäuschungsgefühlen, und ich, der gewissenlose Frevler war der

Seite 143
________________
______

Furie wehrlos
w ausggeliefert.
Vielleicht fragst du dicch jetzt beso
orgt: „Wie konnte
k so eetwas
nur passsieren? Waar deine häu
usliche Vollzugsanstaltt nicht sicheer
genug?? Hattest du
u es nicht warm, trocke
en und gemütlich?“
Die Frage: „Wie konntte ausgerechnet mir so
o etwas nur
passierren?“ habe ich mir im Nachhinein
N auch immeer wieder geestellt.
Damit meine
m ich nicht
n die vorrhersehbare
e Katastrophe am Schlu
uss der
Episodee mit Sina. Die
D war als zwingend eintreffende
e es Ereignis
abzusehen. Jede Geschichte
G h eine Urssache, einen Anfang, eein
hat
Mittelteil und imm
mer ein vorb
bestimmtess Ende. Im Nachhinein
N hat
mich viiel mehr diee Frage bew ür Ursachen zum
wegt, was fü
Zusamm
mentreffen zweier Menschen führt?
Diese wichtige Frage kann
k ich dirr heute bean
ntworten. D
Die
Ursache ist der „richtige Augeenblick“, de
er dann erreeicht ist, weenn die
Schmerrzen und Leeiden am größten sind. Dann gibt es nur noch
h einen
Gedankken: „Ich wiill meinen unerträglich
u hen Zustand
d sofort ändern.“
d in dieseem Zustand befindest, musst du nur noch
Wenn du dich
gleicheermaßen Betroffene fin
nden, und das ist nicht sehr schweer.
Leidend
de erkennen sich, oft über
ü hunderte von Kilo
ometern hin
nweg,
denn es gibt ja dass Internet. Auch
A bei miir musste eiinfach passiieren,
ich kon
nnte mich nicht dagegeen wehren. Damals war Sina die
wirksam
mste Droge aller verfüggbaren Mitttel um mich
h von meineen
Beschw
werden zu befreien.
b
Etwas habee ich darauss gelernt: Man
M sollte daas Leben nicht
nach deer Länge deer Tage bew
werten, sond
dern nach der
d Zahl der
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Ereignisse. Nur aus Erfahrunggen werden geachtete Experten


gemach
ht. Die Feiglinge und Versager
V bleiben brav zuhause hoccken
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Seite 144
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und fügen sich ihrem Schicksal. Oder wie ein leider inzwischen

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verstorbener Großonkel vor langer Zeit einmal zu mir sagte: „Sohn“,
dann schwieg er einen Moment wie abwesend im Geiste. „Das letzte
Mal, wo ich einer Frau vertraut habe, das war in Paris im Jahr 1940.
Sie sagte, sie wollte nur schnell mal ´ne Flasche Wein holen gehen.
Und zwei Stunden später sind die Deutschen in Frankreich
einmarschiert.“
Dann saugte er mit einem schmatzenden Geräusch an seiner
Pfeife und ich glaube mich zu erinnern, ein Tränchen, aber nur ein
winziges, in seinen alten Auge gesehen zu haben. Nach einigen
Minuten nachdenklichen Schweigens folgten kluge Worte eines
langen Daseins, die ich dir nicht vorenthalten möchte: „Aber am Ende
bedauerst du jeden Schuss den du nicht abgefeuert hast.“
Danach verfiel er in Schweigen und sprach bis zu seinem
Lebensende nie wieder ein Wort. Solche unvergesslichen Leitsätze
erfahrener Menschen haben den zukünftigen Lebensweg eines
sensiblen jungen Mannes geprägt.
Die Schlussszene meiner Ehe und meiner großen Liebe
möchte ich dir nicht vorenthalten. Sie ist wichtig, damit du, falls du in
eine ähnliche Situation gerätst, nicht in tiefe Hoffnungslosigkeit
verfällst. Im nächsten Kapitel erfährst du, wie es mir weiter ergangen
ist.

Seite 145
________________
______

Rettungsveersuche

„Die So
orgen um deine
d Existenz bedeute
en nichts. Ess sind nur scchäbige
Gefü
ühle. Kontoaauszüge, Veerträge, Besitz und Verssprechen sind im
A
Angesicht der Ewigkeitt noch nichtt einmal ein Windhauch
h.
Für den denkenden Mensschen ist nur der Tod ein existenzielles
Problem.““
Paul van Cre
e

________________
______

Während der
d stressreichen Monaate, in deneen ich alles m
mir
möglich
he und auch
h den Versu
uch unternaahm, Unmögliches mögglich zu
machen, nur um meine
m gelieb
bte Ehefrau
u zu besänfttigen und um
m Ehe
und Besitz zu retteen, hatte ich
h naturgem
mäß wenig Zeit für Sina,, und
noch weniger
w liquide Mittel. Zwar
Z bestan
nd noch Ho
offnung auf einen
guten Ausgang,
A ab
ber letztend
dlich befand
d mich in ein
ner vergleicchbaren
Situatio
on wie der olle
o Varus in
n der Schlaccht im düsteeren Wald. In
meinerr bedingunggslosen Kapitulationserrklärung waar weder Plaatz und
noch weniger
w Kapital für zwei Frauen vorgesehen. Es
E war vorbei und
gegesseen. Die gut getarnten Feinde
F im dichten
d Gesttrüpp der
Absichtten und Ziele verhinderten meinen Durchblicck.
Dieser Zusttand ist an sich
s nichts Besonderes
B s. Jeder der sich
schon mal
m in so ein
ner Situatio
on wiederge
efunden hatt weiß, dasss unter
strengsster Bewach
hung der Beewegungs- und
u Investittionsradius
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ziemlich eingeschrränkt ist. Mir ging es niicht anders.. Ich stand u


unter
strikterr Observanzz mit der Pfllicht zur abssoluten Beffolgung der mir
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Seite 146
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vorgegebenen Regeln, garniert mit meiner bedingungslosen

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Unterwerfung. Die gemeinsame Haushaltskasse wurde argwöhnisch
und Pfenniggenau kontrolliert und das Tageszeitkonto lückenlos
überwacht, während das tränengeschmückte Vorwurfskonto
Dehnungsstrapazen bis zur Schmerzgrenze erdulden musste.
Ich gab mich als perfekter Büßer. Mein vollkommenes
Wohlverhalten war mit dem kompletten, mir zu Verfügung
stehendem Verwöhn-Aroma, beginnend bei Amsterdam (Blumen
aus) bis Zerknirschung (absolute) garniert. Dazu kam mein tiefes und
aufrichtiges Bereuen mit dem vollkommen unwirksamen
Versprechen, es niemals wieder zu tun. In dieser Situation hätte mich
jeder Blumenhändler adoptiert und sofort sein Geschäft durch einen
größeren Anbau erweitert.
Vielleicht interessiert es dich, was aus meiner
sechzehnjährigen Ehe und meiner überalles geliebten Ehefrau
geworden ist? Meine kurze Wohlverhaltensperiode hatte nichts
bewirkt. Die seelischen Schmerzen, die ich ihr durch meine Affäre
zugefügt hatte waren zu groß. Sie wollte Gerechtigkeit für sich und
meinen Kopf, aufgespießt auf einer Stange und ausgestellt in der
Donnerkuppel der hintergangenen Ehefrauen.
Ich wollte es verdrängen, weil mir mein Glaube an das Gute m
Menschen Halt gab. Immerhin steht schon in der Bibel geschrieben,
dass man dem Sünder verzeihen soll. Aber es war offensichtlich. Sie
beabsichtigte, über meinem auf einem Silbertablett liegenden,
bluttriefenden Haupt, mit hochgezogenem Rock einen
ausschweifenden Tanz zu Ehren von Nemesis aufzuführen, um dann
meinen gespaltenen Schädel an ihrem Frauenstammtisch, auf dem

Seite 147
________________
______

Affenfeelsen der hintergangen


nen Frauen, zur Begutaachtung im K
Kreis
herum gehen zu laassen. Was sollte ich tu
un? Ich war nicht mehrr ihr
Lebenssinhalt. Ich war
w das arm
me Würstchen im eigen
nen Darm, d
das
zwar mutig
m die Tatt, eigentlich
h Taten in Se
erie beganggen, und damit
avantgaardistische Größe gezeeigt hatte, aber
a nur nocch ausgezuttzelt
am Telllerrand lieggen zu bleiben hatte.
Zwar hattee ich nach meiner
m Mein
nung meine Missetaten
n
ausgieb
big bereut um
u mich von meiner scchweren Geewissenslastt zu
befreieen. Aber meeine Ehefrau
u wollte mirr nur noch vor
v die Füßee
kotzen. Ich war un
nd blieb derr Sündenbocck für die Su
umme allerr jemals
erlitten
nen Verfehlungen, Dem
mütigungen, Ungerechttigkeiten un
nd der
alleinigge Verursach
her aller ehelichen Misssstände, sttellvertreten
nd für
alle Määnner, die jaa bekanntlicch nur schlaachtreife Schweine sind
d. Alles
was wir in der Verrgangenheitt gemeinsam
m erreicht und
u geschafffen
hatten,, verlor dram
matisch sein
nen Wert und verkehrtte sich ins
Gegentteil.
Es klingt scchrecklich, aber
a du mussst dich nich
ht fürchten. Wenn
du das alles vermeeiden willst,, bleib brav,, bezahl deiine Hypotheeken
und settz dir ein Zieel – deine Rente.
R Dann
n kann dir niichts passieeren.
Wenn du
d trotz meeiner Warnu
ungen in ein
ne ähnliche Situation kommst,
denk an
n mich. Mitt dem schön o leid, ich wusste
nen Satz: „EEs tut mir so
nicht was
w ich tat“ lässt sich zu
um Beispiel ein Mord einigermaße
e en
entschu
uldigen, und
d man gehtt über die le
eidige Angellegenheit nach
Aussprechen einer den Verhäältnissen an
ngemesseneen Strafe, w
wenn es
günstigg läuft nach der Bewährungszeit, wenn
w du Peech hast, nach fünf
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bis sieb
ben Jahren, wieder zur Tagesordnung über. Bei
B einer
aufgeflogenen Afffäre wirkt ess nicht. Meiine düpiertee Frau wolltte
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Seite 148
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einfach nicht einsehen, dass die Ereignisse ohne ihre Mitschuld

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niemals geschehen wären. Sie wollte Gerechtigkeit – ihre
Gerechtigkeit und nicht das was ich darunter verstand.
Aber mir blieb noch ein unantastbarer, wertvoller Besitz. Ich
hatte die unerschütterliche Kampfmoral der Heiligen auf meiner
Seite. Ich ließ mich geduldig misshandeln und empfand mein
Martyrium als verdiente Strafe, damit ich mich über andere erheben
und predigen konnte: „Sehet her ihr mutlosen und verzagten
Ehekrüppel, ich hab es getan, ich war so mutig, zwei Frauen
gleichzeitig zu beherrschen. Das müsst ihr erst mal nachmachen, ihr
erbärmlichen Ehewixer.“
Das konnte ich von mir behaupten, und ich, der optimistische
Revolutionär war stolz darauf.
Nun klingt mein Schicksal für dich vielleicht lustig, aber das
war es nicht, denn die moralischen Gesetze hatten nicht nur bei mir
kläglich versagt. Sie konnten meinen Zustand der Unfreiheit nicht
länger erhalten. Mir war zwar bekannt, dass Befreiungskämpfe keine
Fairness, sondern nur unversöhnlichen Fanatismus mit Nachtreten
kennen. Aber als ich mich als Betroffener mitten im Scharmützel
befand, war es eine ziemlich schmerzliche Erfahrung, dass
enttäuschte Liebe kein Herz und kein Mitleid kennt. Ich musste
erkennen, dass es in einer Ehe wie im Krieg zugehen kann, und Liebe
und Lüge, geforderte Moral und schwere Regelverstöße zusammen
gehören.
Es war zwölf Uhr mittags, am dritten Tag nach Sylvester, als
sie beschloss den Baum raus zu werfen und mich hinterher. Ich bat
Gott um Vergebung, es hat nichts gebracht.

Seite 149
________________
______

„Wehe dem
m Besiegten
n“ war das Geheul
G der heisshungrrigen
Hyänen
n, und mein
ne ökonomischen Basiss begann grö
ößere Rissee am
Fundam
ment zu zeiggen und zu wanken. Meine
M Frau und
u ihre
Scheidu
ungsanwälttin fanden, dass
d jeder Besitz
B an üb
berflüssigen
n
Dingen Eigentum sei,
s und meein Eigentum
m ein Verbrechen, solaange es
noch mir
m gehöre und
u nicht ihr.
In ihrer desstruktiven Gemütsverf
G fassung konfiszierte siee als
Reparaation den mobilen, eheemals untrennbaren Beesitz, um sicch ein
neues, standesgem
mäßes Dom
mizil einzuricchten. Der verbleibend
v de Rest
und dazu die Immobilien mit der schnuckligen Woh
hnung für diie
diskreten Stunden
n mit Sina wurden
w durcch das messserscharfe SSchwert
des Sch
heidungsrichters unparrteiisch gete
eilt. Das Teiilungsverhältnis
war sieebzig zu fünff. Siebzig Prrozent der ersten
e und zweiten
z Hälfte des
verbliebenen Resttvermögenss fielen ihr zu.
z Fünfundzwanzig Pro
ozent
meinerr noch verw
wertbaren Habseligkeite
en wurden zur Beute
raffgierriger Anwälte, die eineen fairen Vergleich ausggehandelt h
hatten.
Die restlichen Erin
nnerungen an
a gute Tage und die Hypotheken
H
verblieben bei mirr, und meiner Bank die Hoffnung, dass ich diee
ungsschuldeen eines fern
Trennu nen Tages würde
w zurücckzahlen kö
önnen.
Das waar nicht viel,, aber immeerhin konnte ich als Aktivposten d
die
wertvo ng, dass maan dann am meisten geehasst wird, wenn
olle Erfahrun
man einmal sehr geliebt
g wurd
de, verbuch
hen.

Du findest meine Einstellung unm


moralisch? Ich nicht, deenn ich
habe eine sensatio
onelle Entdeeckung gem
macht. Es gib
bt zwischen
n den
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Mensch
hen universsell gültige Gesetze.
G Ein
nes davon isst das uraltee
Gesetz vom Zusam
mmenwirken von Koste
en, Nutzen, Stärke und
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Schwäche. Oder anders ausgedrückt: Die Investitionen müssen, wie

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bei einer altertümlichen Waage in etwa dem Nutzen entsprechen.
Zeigt eine Seite Schwäche, schlägt die Waagschale aus und es
entstehen Probleme. Eigentlich ganz einfach zu merken.
Du glaubst das nicht? Vielleicht erinnerst du dich daran, wenn
du gelegentlich ein beliebiges Justizgebäude in einer Stadt deiner
Wahl betrittst. Eine junge, meist nur spärlich bekleidete und
bedauerlicherweise blinde Dame mit einer Waage und einem
Schwert in der Hand zeigt dir den richtigen Weg. Zweifle nicht an der
ausgleichenden Gerechtigkeit, wenn sie wahllos um sich schlägt. Es
ist aus ihrer Betrachtungsweise gerecht, denn jede Waage unterliegt
unseren deutschen Eichgesetzen. So einfach ist Liebe zu verstehen.

Als Fan von Bertold Brecht musste ich zugeben, dass er Recht
hatte. „Besitz besitzt - kein Besitz ist Freiheit.“ Am Ende des
Trennungsprozesses war ich durch raffgierige Scheidungsanwälte und
entsetzlich ungerechte Scheidungsgesetze pleite und abgemagert,
aber frei von jeder Belastung durch Besitz. Es war ein grosses und
heroisches Gefühl der Unabhängigkeit und der Sorglosigkeit, wenn
man von meinem knurrenden Magen und den zugigen
Übernachtungsquartieren in kalten Hauseingängen und unter
Brücken mal absah.
Wenig war mir geblieben. Schön war die Erinnerung an
meinen letzten, den knittrigen 10-Mark-Schein mit der abgerissenen
Ecke rechts oben. Die Deutsche Mark und der Geldschein sind
Geschichte, wie meine Ehe.
Auch mein Bauchumfang hatte während der Genesungsphase

Seite 151
________________
______

aus verrständlichen
n Gründen ziemlich
z abggenommen
n. Und auch meine
Steuer-- und Absch
hreibungsdiffferenzen mit
m dem Finanzamt hattten
sich rellativ schnelll erledigt. Denn
D nach der
d Investitio
on in meinee
verlustreiche Bezieehung konn
nte ich nichtt nur meinee Ehe abschreiben,
denn wenn
w nichts mehr da istt, dann gibtt es nichts mehr
m zum
Abschreiben.
Heute macchen mich das
d Bewussttsein und die Erfahrungg stolz,
dass nu
ur mutige Menschen
M die Kraft aufbringen, miit gefährlich
hen
Affären
n souverän umzugehen
n. Das bedeutet nicht, dass
d ich nun voll
Selbstm m geganggen bin und der Welt entsage.
mitleid zerknirscht in mich
Ganz im
m Gegenteill, solche Erffahrungen hatten
h mir geholfen,
g diie Liebe
und ihrre Auswirku
ungen etwass gelassener zu sehen. Alles, alles geht
vorbei, doch wir siind uns treu
u. Da war icch mir
hunderrttausendprrozentig sich
her, und in Gedanken war
w ich bei meiner
Sina, deer mir Treueen, mit der ich ein neu
ues Leben in
n Liebe und
Frieden
n beginnen wollte.
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Interessengeficke
(Kopenhagener Deutung der Quantentheorie)

„Man muss den Männern zeigen, was sie sehen wollen.


Stil ist, wenn unter einem Nerzmantel ein billiges Kleid aus dem
Second-Hand-Shop wie ein schweineteurer Designerfummel wirkt.
Und wenn es dazu nicht mehr reicht –
Für eine Frau mit Phantasie
ist Haut ist immer eine gute Alternative.“
Sina Sidonius

____________________

Ich muss zugeben, es war eine schwere Zeit für mich, und ich
war ziemlich eingeschränkt. Meine flüssigen Mittel, die mich bei
sparsamster Haushaltsführung für ein ganzes Jahr ernähren sollten,
reichten in der zweiten Januarwoche nicht einmal mehr aus meinen
Jaguar zu füttern, der darum kurz vor dem Notverkauf stand. Zeitlich
sah es auch nicht so gut aus, denn ich befand mich im Kampf um den
kleinen Restbesitz aus meiner Ehe. Wenn ich überleben wollte,
musste ich kämpfen, und ich war entschlossen, aus der Defensive zu
retten was zu retten war.
Aber ich befand mich nicht nur im Kampf um meine Existenz.
Es war ein dreidimensionaler Mehrfrontenkrieg mit taktischen
Manövern und neuen Allianzen. Hinter meinem Rücken spielte sich,
von mir unbemerkt, eine lautlose Anpassung der praktischen
Interessen ab.

Seite 153
________________
______

Am Anfangg fiel es mir nicht weite


er auf. Aber in milden
Nächteen hörte ich immer öfteer sibylliniscche Sätze vo
on Sina, wiee zum
Beispieel: „Schatz, ruf
r mich heute Abend nicht an, ich
h geh heutee früh
ins Bettt“, oder „wir können uns
u heute Abend nicht sehen, ich h
hab so
starke Kopfschmerzen.“
Die für micch bestimmtten Sätze hatten die gleiche Wirku
ung wie
betäub
bende Nebelkerzen, mit dem Zwecck die Gegend kunstvoll zu
illuminieren und mich
m vom Taatort und de
en Taten ab
bzulenken.
he war, dass meine Gö
Tatsach öttin den staarken Drangg nach mehr
Zuwend
dung verspürt hatte.
Eigentlich wäre
w das ein schöner Drang
D geweesen, wenn er sich
nur auff mich, und nicht auf einen andere
en Sofortgläänzer konzeentriert
hätte. Im
I Nachhinein kann ich
h es ihr auch nicht verü
übeln. Mein
ne
defizitäär-ökonomissche Situatiion ließ ihr keine andere Wahl, alss mir
die besscheidene Rolle
R des bescheidenen
n Nachpolierers zuzuweeisen.
Meine Rolle hatte sich ohne mein
m Wissen gewandelt. Ich war d
der
dritte Mann
M und musste
m irgen
ndwie und möglichst
m schnell in deer
Kanalissation verschwinden, jeedenfalls so
o lange, bis meine
m finan
nzielle
Situatio
on nicht meehr so stinkeen würde, wie
w sie es taat. Sie hat es mir
nie gessagt, aber Siina war in der
d guten Ho
offnung, daass ich dafürr
Verstän
ndnis aufbringen würde, denn ich war und biin tolerant.
An dieser Stelle
S endette mein Traum, von waahrer Liebe und
treuen Frauen. Ich
h war verzw
weifelt, und ich verstand
d nicht meh
hr, was
um micch herum geeschah.
„Warum tu
ut sie mir daas an?“ warr die Frage auf
a die ich zzuerst
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keine Antwort
A wusste. In meiiner Not fan
nd ich die Rettung in deer
klassiscchen Physikk mit ihren Unbestimm
U theitsrelatio
onen. Geho
olfen
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hat mir die Kopenhagener Deutung der Quantentheorie, die ich allen

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Hintergangenen nur wärmstens zur Anwendung empfehlen kann.
Mein Freund, ich sehe vor meinem geistigen Auge deinen
fassungslosen Gesichtsausdruck. Aber die Physik kann auch dir in
vielfältigen Liebesproblemen helfen. Ich werde es dir jetzt einfach
und nachvollziehbar erklären.
Als ich eines Tages dachte, meinen Schmerz nicht länger
ertragen zu können, ging ich in einen nahegelegenen Wald, um mein
Herzeleid hinaus zu schreien, und um einen Baum, einen wahren
Freund zu umarmen. Dabei sah ich nicht nur seine dicken Äste,
sondern auch eine kleine Quelle, und plötzlich verstand ich das
Prinzip. Im Chaos der Liebe gibt es ein klar strukturiertes
Verhaltensmuster, ähnlich einem quirligen Wasserstrudel. Lässt man
einer sinnlichen Frau einen Ausweg, vielleicht weil sie sich langweilt,
oder beruflich zu wenig belastet ist, dann ändern sich die
Strömungsverhältnisse. Wasser verhält sich nicht anders. Öffnet sich
links ein Ausweg, dann fließt das Wasser nach links. Achtet man nicht
auf die kleinen Lücken auf der rechten Seite, dann fließt das Wasser
nach rechts. Beseitigt man unbeabsichtigt ein Hindernis, dann fließt
das Wasser genau an dieser Stelle. Hindernisse werden zuerst
behutsam umspült, dann gewissenlos untergraben und zum Schluss
rücksichtslos weggespült. Das klingt brutal, aber so ist nun mal die
weibliche Natur. Mit dieser epochalen Entdeckung musste ich nur
noch die Ergebnisse meiner Beobachtungen in nüchterne
Mathematik übersetzen. Mein erster Schritt war, mit wachem
Verstand und glasklarer Logik die Orte und die Zeiten zu bestimmen,
an denen ich nicht wachsam gewesen war, denn nur dort konnten die

Seite 155
________________
______

Risiken
n gelegen haaben. Ich beegann die Bewegungsggrößen, zum
m
Beispieel fehlende Hindernissee, unbewach
hte Zeiten,
Ausweiichmöglichkkeiten, denkkbare Orte und den Akktionsradiuss
meinerr Geliebten zu identifizieren. Damit bekam ich
h eine Miscchung
aus zweei Elementeen: Nämlich
h mehrere unumstößlic
u che Tatsach
hen,
und dazu den Grad
d meiner Keenntnisse der Tatsacheen. Diese Mischung
ergab ein
e Faktum.
Aber das hat mir noch
h nicht gereicht. Auch meine
m
Nachlässigkeiten, mein Vertraauen in dass Undenkbare und mein
n
Verhaltten musste ich bei meinen mathematischen Berechnung
B gen
selbstkkritisch beacchten. Und zum Schluss meiner An
nalyse mussste der
Faktor „Perspektivve“ berückssichtigt werd
den. In diesser Weise ko
onnte
ich meiin unglückliches Liebessschicksal ziiemlich genau berechn
nen.
Meine wissenschaaftlichen Berechnungen
n ergaben ein
e sehr präzises
Resultaat: Ich allein
n trug die Scchuld, denn ich war zu vertrauensvoll
und zu gedankenlo
os gewesen
n.
Das war ab
ber nur ein Teil
T der Ursache, denn auch die
Perspektive in eineer legalisierrten Verbind
dung mit mir
m war mehr als
frustrieerend. Die Quintessenz
Q z meiner Naachforschun
ngen ließ keeinen
andereen Schluss zu
u: Ich war nicht
n länger Akteur mitt verdientem
m
Applaus für Höchsstleistungen
n. Ich war zu
um nicht maal mehr im
hrlichen, weeil nach Belieben
Vorspann erwähntten und darrum entbeh
austausschbaren Sttatisten deggradiert. Sow
weit hatte ich
i es verstaanden.
Alles was
w mir zugeestoßen ist, war aus ein
ner Wechseelwirkung deer
Möglichkeiten und
d der eingessetzten Mittel unter Beerücksichtiggung
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von Zeiit und Zuweendung entsstanden. Als kaserniertter Beobach


hter mit
eingescchränktem Aktionsradi
A ius besaß icch keine Chaance, die
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Ereignisse zu beeinflussen. Sina, meine große Liebe waren mir

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entglitten.
Immerhin hatte ich die Möglichkeiten, den Tatort und die
Objekte nur mit dem Einsatz meines Verstandes eindeutig
identifiziert. Meine sinnliche Geliebte war die neue Geliebte Ihres
Arbeitgebers, den ohne Moos ist nun mal nichts los. Jetzt blieb nur
noch die Frage offen: „Welche Mittel hat die geile Sau zur optimalen
Wirkung eingesetzt?“
Erst sehr viel später habe ich es, mehr durch Zufall erfahren.
Sina hatte die Macht ihres roten, und bis dahin noch nie als schnöde
Arbeitskleidung missbrauchten Kleides entdeckt. Die optische
Wirkung des Kleides und der Seidenstrümpfe, die wir zusammen von
meinem mühsam Ersparten gekauft hatten, muss sensationell
gewesen sein. Ihr damaliger Arbeitgeber, der Inhaber einer
mittelgroßen Heilbronner Druckerei, sah an einem verregneten
Montagmorgen seine Aushilfsbuchhalterin inmitten der grauen
Aktendeckel plötzlich mit ganz anderen Augen.
Natürlich bin ich nicht so blind, um nicht zu wissen, dass
achtzig Prozent aller Seitensprünge am Arbeitsplatz ihren Anfang
haben. Meine Situation war also nicht die seltene Ausnahme,
sondern die alltägliche Regel.
Dir mein Freund, der du dich vielleicht in der bekannten Spät-
Midlifecrisis mit realen Alltagsfrustrationen befindest, möchte ich an
dieser Stelle den ermutigenden Tipp geben: „Verzage nicht, Aussehen
ist nicht so wichtig, es gibt immer Hoffnung, wenn du über die
notwendigen Mittel verfügst, oder zumindest den Eindruck
vermitteln kannst, dass du diese besitzt.“ An anderer Stelle werde ich

Seite 157
________________
______

dir diesse Zusammeenhänge etwas näher erklären.


e
Bei Sina ko
onnte es nurr verstandesgeleitet Lieebe auf den
n ersten
Blick mit
m schweren
n Augentrüb
bungen gew
wesen sein. Die optisch
hen
Werte ihres Brötch
hen-Geberss gaben nich
ht besonderrs viel her. M
Mein
Nachfo
olger war kleein, etwas kugelig
k und mit schütteeren, und noch
wenigeer Haaren au
uf dem Hintterkopf. Dazu mit einer starken Teendenz
auf die „weit überr Fünfzig“ zu
ugehend. Mit
M solchen Voraussetzu
V ungen
war er für Sina ein
ne dankbaree und dazu noch
n leicht zu erlegend
de
Beute. Kein Vergleeich mit einem Klassem
mann wie ess der sensib
ble
Autor ist, der allen
n Anfechtun
ngen widersstehen kann
n, wenn er w
will,
was aber nicht zu oft geschieht.
In den ersten Momenten der Erkenntnis war ich ziemlicch
enttäusscht. Denn Verlassen
V nvolle Variante im Liebesspiel
isst die ehren
und immer die besssere Altern
native, als schmählich verlassen
v zu
u
werden
n, was ich als grobe Un
ngerechtigke
eit empfand
d. Zwar ist ees
etwas Allgemeines
A s, dass Men
nschen untrreu werden und Paradiese
verloreen gehen, ab
ber wenn angebetete Engel
E fallen
n, muss der Mann,
im Geggensatz zur Frau,
F die üb
blicherweise
e über ein Netzwerk
N vo
on
mitfühllenden Freu
undinnen veerfügt, sein Elend einsaam und
unversttanden auskosten.
Da saß ich nun, einsam
m und unen
ndlich trauriig. Zwischen
n
meinem
m leblosen Mobiliar, meinem
m schw
weigsamen Telefon, meiner
tiefen Hoffnungslo
H osigkeit. Diee ersten dre
ei Nächte, angenagelt aam
Kreuz sind
s angebliich die schw
wersten, abe
er danach wurde
w es au
uch
nicht besser. Vielee Nächte lagg ich zitternd wach in meinem
m
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zerwüh
hlten Bett, mit
m dem Bed
dürfnis den Mond anzu
uheulen, un
nd
morgen
ns war ich unausgesch
u lafen und scchweißgebaadet, wie eiin
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Junkie auf kaltem Entzug.

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„Geheiligt und verflucht sei dein läufiger, geiler Arsch“ war
noch einer der zahmeren Flüche. In meinen Träumen trieb ich, so wie
ich es bei den Professoren Alibori und Abronsius gelernt hatte, einen
spitzen Holzpflock mit harten und entschlossenen Hammerschlägen
in ihr kaltes Herz. Mit Zweifeln und Verwünschungen über die
Weiber, insbesondere die Eine, war ich damit beschäftigt, meine
unerträglich schmerzenden Liebeswunden zu lecken. Wer die ganze
Bandbreite zwischen Lust und Leiden nicht kennt, braucht mir nichts
mehr über Liebe zu erzählen. Ich habe sie gespürt - die Kraft der
Liebe in ihrer ganzen Brutalität.
Wie mit dem Affen im Genick musste ich alle Höhen und
Tiefen des Entzugs durchleben. Für mich gab es nur noch wenig
Hoffnung, dass ich jemals wieder clean werden, und ganz bescheiden
zum öden Alltag zurückkehren könnte.
„Irgendwann ist jeder mal ein Verlierer. Die Kunst ist, es sich
nicht anmerken zu lassen.“ Das war mein Trost und die Sätze
murmelte ich wie ein tibetanischer Wandermönch seine Gebete,
unentwegt vor mich hin. Einige Monate litt ich wie ein schwer
verwundetes Tier in einer unzugänglichen Wildnis. Keine
Krankenkasse half mir, aber ich hatte ja viel Zeit, meine Wunden
ausgiebig zu belecken. Doch dann, langsam, ganz langsam setzte der
Heilungsprozess ein. Endlich, auf dem letzten Drittel des
Genesungsprozesses begann meine Liebe so schnell wie Vanilleeis in
der Sonne zu schmelzen. Ich befand mich auf dem Weg zur Sonne zur
Freiheit, zum Licht. Ich war endlich auferstanden aus der Krise, ich
der Unkaputtbare, der Stählerne der alle Prüfungen des Lebens

Seite 159
________________
______

übersteehen kann.

Ich weiß nicht, ob du es


e weißt? Ohne
O Verpflichtungen zzu
leben isst ein wund
derbares Geefühl der Un
nabhängigkeeit. Jetzt ersst
spürte ich die herrrliche Ruhe der grenzenlosen Freiheit, ohne d
den
materieellen Besitz meiner Ehee und ohne den sinnlicchen Stress meiner
außereehelichen Akktivitäten. Ich musste mich
m um nicchts und nieemand
kümmeern. Keine Heimlichkeit
H ten, war me
eine Devise und ich hattte kein
Zeitpro
oblem mehrr.
Etwas möcchte ich dir ganz
g im Verrtrauen beicchten: Ich kkonnte
meine Leiden nich
ht aus eigener Kraft milldern. So staark bin ich n
nicht.
Ein hocchwirksamees Gegenmitttel war nottwendig, un
nd ich möch
hte dir
das gro
oße Geheim besschmerzen können nur mit
mnis jetzt verraten. Lieb
starken
n Liebesdroggen bekämpft werden. Um meinee Schmerzen
n zu
überleb
ben, musstee ich mit eissernem Willen und einer noch stärkeren
Konditiion meine Körper
K bis aufs Äußerstte belasten..
Ich suchte willige und möglichst namenlose
n Gefährtinnen in
Serie fü
ür ein paar Stunden,
S un
nd sie waren dienstberreit in allen
Formen
n und in Üb
berfülle da. Früher
F mit Besitz und Ehestand
E w
waren
sie nirggends zu finden, sie hattten sich vo
or mir gut veersteckt. Jettzt
konnteen alle meine Gedanken
n lesen und
d wollten meeine Wünscche
erfüllen
n. Ich war in
n der Mehrzzahl der Gebundenen und
u
Unerreeichbaren daas Freiwild, der kapitale Bock, den
n es mit alleen
Mitteln
n zu erlegen
n galt.
Die tiefe Deepression der
d vergangenen Monaate beganneen mich
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allmählich zu verlaassen. Mein


n Optimismu
us und mein
ne gute Lau
une
kamen wieder zurück, und die Tage wurden wiederr heller.
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Anschmiegsame Freundinnen, wie die mollige, aber umso obszönere

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Elke, die extrem gehorsame und schweigsame Susanne, die zur
Begrüßung und ohne weitere Worte meinen Schwanz in den Mund
nahm und nach einer Stunde und nach dem Putzen der Küche ohne
zu sprechen wieder nach Hause ging, und nicht zu vergessen, die bis
in die frühen Morgen unermüdliche Sandra, die sich bei mir die
ersten Sporen verdienen konnte und die sich dank meiner Tipps und
Ausbildung heute als hochbezahlte Domina einen Namen in der
einschlägigen Szene machen konnte. Auch meine beste Freundin
Viola hatte sich wieder um mich gekümmert, und dann gab es auch
einige, deren Namen ich vergessen habe, die mir aber mit viel
Hingabe über die kurzen Momente möglicher Rückfälle hinweg
halfen. Im Gedenken an diese unbekannten Helferinnen möchte ich
kurz innehalten und eine kleine Schweigeminute einlegen.

Dank der vielen und hilfreichen Objekte begann sich Sina aus
meinem Gehirn zu entsorgen. Erst für einige Sekunden, dann für
Minuten, und nach einigen Tagen waren es schon Stunden. Und
irgendwann dachte ich mehr durch Zufall daran, dass ich schon lange
nicht mehr an Sina denken musste. Ich war am Ende eines langen
Wegs der Rekonvaleszenz angekommen. Immer immer wieder geht
die Sonne auf, und eines Tages waren meine Liebeswunden nicht nur
vernarbt, sondern verheilt. Meine treulose Göttin war nur noch ein
kurzer Zwischenfall in meiner Vergangenheit, und unbedeutend für
meine Zukunft. Ich hatte sie ganz einfach vergessen, dachte ich.

Seite 161
________________
______

Rotee Pumps

„Ich weiss wirklich nicht, ob


b Böses mitt Bösem zu vergelten richtig
odeer falsch ist?? Ich kann es
e nicht wisssen, weil ich
h nicht objeektiv
zwiscchen Gut un
nd Böse unterscheiden kann.
Aber weer kann das schon?“
Sina Sidonius am 27. Okktober 2005

_______________
_______

Nietzsche hatte
h wiedeer mal rechtt. Man muss einem Hund nur
das Fell streicheln, sofort wed
delt er mit dem
d Schwanz, und sein
n Fell
knistert und sprüh
ht Funken. Die eren Ereignisse hatten sich
D besonde
irgendw
wie schon angekündigt
a t. Es waren nicht die Vo
orboten ein
nes
w beispielsweise die Beben bei einem
gewaltiigen Natureereignisses wie
Vulkanausbruch, bei
b dem es zu
z riesigen Rauchwolkeen kommt, bevor
rote Lava fließt un
nd glühendee Steine vom
m Himmel regnen. Im
Gegentteil, der Tagg begann gu
ut. Meine Pu
ulsfrequenzz war zwar eetwas
höher als
a sonst, deenn Susanne hatte am Vormittag die Küche aauf
Vorderfrau gebraccht, was sie immer sehr gewissenh
haft und ohne
mich zu
u stören tatt. Draußen schien
s die Sonne
S in ein
nem samtweeichen,
milchiggen Licht du
urch die besonders farb
benprächtigg erscheinen
nden
blätter der Bäume. Im Briefkasten
Herbstb n waren keine Mahnun
ngen
geweseen, sondern
n ein Scheckk mit einer beträchtlich
b hen Summe als
verdien
nter Lohn fü
ür eine gutee Arbeit. Am
m späten Naachmittag m
musste
ich zu meiner
m größ
ßten Überraaschung erfahren, dasss der Scheckk auch
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noch geedeckt war,, und der Filialleiter me


einer Bank kam
k persön
nlich
hinter seinem
s schu
usssicheren
n Panzerglass hervor, um
m mir die Haand zu
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schütteln. Dann las ich auch noch, dass eine renommierte

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Fachzeitschrift einen längeren Artikel von mir veröffentlicht hatte
und die Leserbriefe waren überwiegend positiv. Es war ein schöner
Tag.
Dann, ohne Vorwarnung geschah etwas womit ich niemals
gerechnet hätte. Ein sensationelles und unvergessliches Ereignis. Das
Telefon begann zu klingeln. Ich weiß, Telefone klingeln heutzutage
nicht mehr, sondern erzeugen computerisierte Geräusche und für
dich ist so ein Vorgang nichts Besonderes. Das Telefon signalisiert
jeden Tag unzählige Male unzähligen Menschen, dass irgendjemand
eine Reaktion erwartet. Für mich ist ein Telefonsignal normalerweise
auch nichts besonderes, aber diesmal war der Ton anders. Er war
verlockend, etwas zeitverzögernd, eine Nuance leiser als sonst,
demütig bittend und doch bestimmend.
Ich hatte es sofort gespürt und darum nicht sofort zugegriffen.
Drei-, vier-, nein fünfmal ließ ich diesen besonderen Ton auf mich
wirken. Ich sah die jungen Triebe an den Bäumen vor meinem
Fenster, die Vögel zwitscherten ihr Lied im Geäst, und dann nahm ich
den sich samtweich anfühlenden Hörer ab. Es war alles wieder da,
ohne lange Anlaufzeit, die volle Dröhnung. „Sie“ war nach
monatelanger Sendepause am anderen Ende der Leitung.
„Schatz, ich wollte dich mal anrufen, wie geht es dir?“ war das
leise gesprochene (eine bedingungslos-hingebungsvolle Sehnsucht
spürte ich aus der Stimme heraus), rituelle Eröffnungsgambit und mir
fiel fast der Hörer aus der schweißnassen Hand.
„Hi Babe, lange nichts von dir gehört“ war meine zärtlich
gehauchte Antwort. Der Telefonhörer begann in meiner Hand leicht

Seite 163
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______

und angenehm zu vibrieren. Er


E war warm
m und ich sp
pürte die
aufsteiggende Stärkke, so mäch
htig wie scho
on lange niccht mehr. EEs war,
als ob sie
s nie weg gewesen wäre.
w Ich spü
ürte sie und
d sie war mir so
hingebungsvoll nah wie noch nie zuvor. Sie
S wollte mich
m und ich
h kann
es nicht leugnen, ich
i wollte siie auch. Ich lehnte micch in meinem
m Stuhl
entspannt zurück. Aus dem Radio
R kamen
n die melan
ncholischen Klänge
von „Time is on my side“ von den legend
dären Stonees.
Ich, der Un
ntote war wieder
w im Sp
piel. Alles waar vergesseen und
niemals geschehen. Die Verw
wünschunge
en, die Pest die ich ihr aan den
Hals geewünscht haatte, meine obszönen Flüche,
F meiine aussichttslosen
Schreiee nach endlo
osen Qualen, nächtelang in einsam
men, dunkleen
Stundeen. Als ob ess nie gescheehen wäre. Meine Götttin bedurftee
meinerr und ich waar der Retteer. Der qualiifizierte Facchmann, der
ultimattive und uneeinholbare Lustspende
er. Ein unvergesslicher
Freund
d, der Einzige der jetzt und
u in der Not
N noch heelfen konnte. Ich
war der ambulante Nothelferr ohne Medicopter. Ich
h war nicht n
nur der
Retter, ich war der weiße, der starke Rittter mit blitzzender Rüsttung.
„Ich konntee mich nicht melde, mir ging es nicht so gut“ war
mlich niedergeschlagen
die ziem ne Antwort, die meine ehrlich
mitfühllenden Fraggen: „Ach herrje. Was ist
i den passsiert? Was w
war
denn lo
os?“ geradeezu provozieerte.
Nicht dass ich auf umsständlich fo
ormulierten Lügen schaarf war.
So simp
pel bin ich nicht
n gestricckt. Aber be
eim Klang ih
hrer Stimmee
musstee ich lächeln
n und lehntee mich entsspannt in meinem Stuh
hl
zurück.. Mit der lin
nken Hand öffnete
ö ich meinen
m Gürrtel und dacchte:
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„Verzeiihen ist wiee eine Mehrrkampfdiszip


plin mit weiit reichendeen
Folgen..“
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„Können wir uns treffen, ich erzähle dir dann alles

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ausführlich“ war die gehauchte, und ohne weitere Erklärungen, um
Verzeihung bittende Antwort.
Seit Monaten und zwischen ungezählten Atemzügen hatte ich
diesen Moment herbeigesehnt, aber trotz aller Verwünschungen war
ich in diesem Moment großmütig bereit der devot Bittenden zu
verzeihen.
Du musst jetzt nicht an meinem Verstand zweifeln. Ich bin
nicht so schwach wie es vielleicht den Anschein hat. Die Ursache für
mein Verhalten war in meinem unersättlichen Wissensdrang zu
suchen. Erfahrungen sind wertvolle Bausteine des Lebens. Vergessen
bedeutet, kostbare Erfahrungen zum Fenster hinaus zu werfen. Mein
gutes Herz gierte danach zu vergeben, damit mein Verstand
begreifen konnte, was warum und wie geschehen war, denn ich
wollte meine Vergangenheit geordnet wissen. Ich vermute, auch du
bist gespannt, was sich da ereignet hatte. Allzu viele Neugier-Qualen
möchte ich dir nicht zufügen, darum werde ich die Geschichte in
einer gerafften und dem Jugendschutz genügenden Kurzform
erzählen.

Bitte glaub mir, ich hatte mich wirklich auf diesen Abend
gefreut, und ich hatte die besten Absichten. Ich bin nicht
nachtragend. Im Gegenteil, ich bin tolerant bis zur Schmerzgrenze
und ich kann vergeben und vergessen wenn ich will. Aber mein Ziel
für diesen Abend war in dominierender Liebe klar definiert: „Der Sieg
muss vollkommen sein. Ich will die geile Mist-Sau am Boden und um
Verzeihung bitten sehen.“

Seite 165
________________
______

In aller Besscheidenheiit, mehr wo


ollte ich nich
ht, und das ist nach
meinen
n langen Qu
ualen ja woh
hl nicht zu viel
v verlangtt.

Wir trafen uns in einem gut beste


ernten, und
d darum
sündteuren Restau
urant, das icch für diese
e Zwecke alss besonderss
geeigneet ansah. Denn meine monetäre Situation
S haatte sich durch den
erhalteenen Scheckk erheblich gebessert,
g was
w sie nich
ht wissen ko
onnte,
aber ich schamlos zu meinem
m Vorteil ausszunützen gedachte.
g
was mitgeno
Sie sah etw ommen, abe
er immer no
och hübsch aus,
obwohl seit unserem letzten Treffen fastt zwölf Mon
nate vergan
ngen
waren. Die langen schwarzen
n Haare flosssen weich und
u leicht im
m
dämmrrigen Licht glänzend
g au
uf die schmaalen, makellos weißen
Schulteern der Sünd
derin. Ihr lin
nkes Ohr waar frei und ich
i sah die d
drei
kleinen
n Ringe von vielen, nach meinem letzten Wisssenstand drreizehn,
zwei an
n der linken
n Brustwarzee, drei an den Schamlip
ppen, aber die
Aufzählung führt jetzt etwas zu weit, den
nn es waren
n nur die an
n ihrem
zarten Ohrläppcheen zu sehen
n. Das rote, schlicht-hochgeschlosssene,
die Figu
ur vorteilhaaft unterstreeichelnde Kleid stand ih
hr gut, fast zu gut.
Sie wussste was sicch gehört, und dass maan dem Siegger das rech
htmäßig
ihm Zustehende präsentieren
n muss. Sie trug
t daruntter, das Lud
der
kannte mich genau und wusste, dass ich es durchscchauen mussste,
den sch
hwarzen, glänzenden Push-up
P BH (von meineem Ersparteen
gekauftt), der ihre Brüste, wass ich an ihr sehr
s liebte, so dekorattiv
anhob. Da Sina sch
hon immer auf Eleganzz bedacht war,
w muss ich dir
über deen Slip nichts erzählen,, denn ich habe
h ihre Trragegewohn
nheiten
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ja schon ausgiebigg beschriebeen. Der Verzzicht auf üb


bertriebenes
Make-u
up und prottzig störend
den Schmucck unterstricch den
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würdevollen Anlass der paritätischen Friedenverhandlungen noch

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zusätzlich. Offensichtlich wollte sie auf die letzte Information, dass
ich finanziell noch etwas defizitär wäre, anstandshalber Rücksicht
nehmen. Eigentlich war es ein edler Zug von ihr, der Grundguten.

Schönheit bändigt bekanntlich allen Zorn, und auch ich war


zahm wie ein Königstiger unter Drogen. Nur ein kleines Detail warf
Fragen auf. Das makellose reine Erscheinungsbild wurde von der
medizinischen Halskrause gestört, um die kunstvoll ein dekorativer
Schal gewunden war. Zuerst wagte ich nicht zu fragen, aber dann
bekam ich Antworten.
Wie bereits berichtet, hatte meine Göttin ein Verhältnis mit
ihrem Chef. Ich konnte an diesem Abend nicht erfahren, ob ich in der
Anfangsphase der Liaison auch noch irgendwo mit im Spiel war. Viel
wichtiger sind die unendlichen Gefahren in der klassischen Chef-liebt-
Angestellte Konstellation, vor der ich dich, sehr verehrte, in einem
Abhängigkeitsverhältnis stehende Leserin eindringlich warnen
möchte. Bitte präge dir die folgenden Merksätze gut ein. Vielleicht
hängst du diese Sätze in einem neutralen Rahmen an gut sichtbarer
Stelle deines Schlafzimmers, zum Beispiel an der Kopfseite über dem
Ehebett auf.

1. Merksatz: „Ehefrauen von gutverdienenden, aber etwas


älteren Unternehmern sind nicht so blöd wie sie manchmal
erscheinen, oder dargestellt werden.“

2. Merksatz: „Männer oder Frauen in mittleren Jahren und mit

Seite 167
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______

mittlerem bis größereem Vermöge


en haben meist
m einen
Partner, deer/die den Diebstahl
D de
es anderen nicht ohne
fanatische Gegenwehr, verbunde
en mit unnaachsichtigerr
Vergeltungg hinnimmt..“

3. Merksatz: „Frauen
„ verrteidigen wertvollen Beesitz wie hu
ungrige
Löwinnen, die monateelang leckerre Kanincheen vor sich h
her
hoppeln saahen, aber nicht
n erreich
hen konnten.“

4. Merksatz: „Chefs
„ werd
den nicht durch die Lieebe, sondern durch
Sachzwängge zu Entsch
heidungen und
u durch Druck
D zum H
Handeln
gezwungen
n. Die willige Angestelltte muss imm
mer und
ausnahmslos irgendwann entsorggt werden. Meist dann
n, wenn
es die fügsame Angesttellte am wenigsten
w errwartet und
d in
größter Ho
offnung ist.““

Du musst nicht
n traurigg sein, denn
n es ist eine universellee Regel:
nehmendem
Mit zun m Mannesalter wird die
e sinnliche Begierde im
mmer
zugunsten des materiellen Beesitzes geop
pfert. Die Lu
ust lässt nacch, aber
nur Barres ist Wahrres und bleibt. Darum verlassen Chefs
C nur in
n
extrem
men Situationen, die so selten sind wie ein Blizzzard in derr Wüste
Gobi, ih
hre Ehefrau
u, um sich mit ebten Angesstellten für ein
m der gelie
ganzes Leben zusaammenzutu
un. Du glaub
bst das nicht? Dann verrsucht
mal ein
nem Kind ein Bonbon wegzunehm
w men, dann veerstehst du, was
ich dir sagen
s möch
hte.
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Zuerst waren es die kleinen verrääterischen Anzeichen,


A d
die der
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Chefgattin unangenehm ins Auge sprangen. Ihr sonst so grauer und

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nörgeliger Ehemann begann sich wie über Nacht in einen bunten
Vogel mit guter Laune zu verwandeln. Eine neue, schicke Lederjacke,
modisch bunte Hemden und ein neues Aftershave wurden
angeschafft. Er unterschrieb eine Beitrittserklärung für einen
Fitnessclub, und vor dem verspiegelten Schlafzimmerschrank übte er
heimlich in Unterhosen Posen. Und aus einem ersten Misstrauen
wurde Gewissheit, als auf seinen Kreditkartenabrechnungen seltsame
Ausgaben auftauchten, die irgendwie nicht zu seinem sonstigen
Ausgabeverhalten passten. Der stille Ehefrauenaufschrei: „Seit wann
geht der alte Sack in teure Restaurants und Hotels, wenn er steif und
fest behauptet, er hätte an dem Tag nur lange Gespräche mit dem
Steuerberater geführt“ war wohl das Fass, dass so voll war, dass es
zwangsläufig überlaufen musste.
Ein cleverer Privatdetektiv war schnell gefunden, der auf
Geschäftskosten mit einer Rundumüberwachung des Verdächtigen
begann.

Ich weiss, Schadenfreude ist ein verwerfliches Laster. Aber aus


eigener Erfahrung kann ich eine hohe Dosis Schadenfreude nur
empfehlen. Sie schädigt niemand. Sie regt die Sinne an, mildert
Schmerzen und sorgt für genussvolle Stunden. Auch Gerechtigkeit ist
ein wirksames Schmerzmittel, wenn man sich als ungerecht
Verfolgter fühlt und sie nach vielen Demütigungen endlich bekommt.
Dennoch blieben mir einige nachdenkliche Momente nicht erspart,
die ich schweigsam, aber mit einer bedenklich gerunzelten Stirn
kommentierte.

Seite 169
________________
______

Dann dachte ich, dass Wiederholungen Erfin


ndungen dees
Teufelss sein müsseen, denn diee Ereignisse
e führten daazu, dass ich
h
bedingungslos zum
m Glauben an
a einen spirituellen Zyyklus in eineer
gerechtten Welt ko
onvertiert bin.
b Alles im Leben wied
derholt sich
h und
lieber Freund,
F vereehrte Leserrin, bitte glaaubt mir, meeine Wandlung
hatte einen
e tiefen visuellen Grund.
G Es istt erstaunlich
h, was eine hoch
auflöseende Kamerra für detailgenaue Bild
der liefert. Die
D Naturbilder
waren eindeutig und
u die nackkten Tatsachen ließen sich nicht
wegdiskutieren. Meine
M vergö
ötterte Sina hat all das, was ich dacchte,
was siee nur mit miir macht, weil wir es errfunden hattten, mit „ih
hm“
versuch
ht zu perfekktionieren. Beeindruckkende Leistu
ungen,
festgeh
halten auf beeindrucke
b enden Fotoss von bestecchender Sch
härfe
und Qu en ich immeer dachte, dass
ualität, in beesten Hotels, von dene
diese seriös seien,, mit einem gräulichen Druckereib
besitzer mit Brille
und Bieerbäuchlein
n. Die hinterrgangene Ch
hefgattin faand, überwäältigt
von den offensichttlichen Bildqualitäten, dass es an der Zeit wääre, für
eine Au
ussprache unter
u härften Bedingungen. Aber