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TABELLE DER AUSSPRACHEZEICHEN

I. Vokale [ú] offenes ö (wie in Köln)


[:] der Doppelpunkt bezeichnet die Länge eines Vo- [ù:] langes, geschlossenes ö (wie in Köhler)
kals; Vokale ohne Doppelpunkt sind kurz bis [úÄ] nasales ö (wie in Verdun [v/r!dúÄ ])
halblang zu sprechen [ou] Diphthong (wie in Show [(ou])
[a] kurzes a (wie in kann) [u] kurzes u (wie in rund)
[a:] langes a (wie in Hahn) [u:] langes u (wie in Gruû)
[ñ] sehr offenes, kurzes, dem [a] zuneigendes ä (wie in [y] kurzes ü (wie in Jünger)
Gangway [!gñ,w&i]) [y:] langes ü (wie in führen)
[*] dumpfes, kurzes a (wie in Rugby [!r*gbi])
[ˆ] kurzes, nasaliertes a (wie in Chambre [!(ˆbr/])
II. Konsonanten
[ai] Diphthong (wie in Brei, Laib)
[ç] ch (wie in ich)
[au] Diphthong (wie in kaum)
[,] ng (wie in Länge, Bank [ba,k])
[e] kurzes, geschlossenes e (wie in Debauche
[s] stimmloses s (wie in müssen)
[de!bo:(])
[(] stimmloses sch (wie in Schaf)
[e:] langes, geschlossenes e (wie in Reh)
[)] stimmhafter sch-Laut (wie in Etage [e!ta:)/])
[/] kurzes, dumpfes e (wie in Pinie [-i/], Gebirge)
['] stimmloser Lispellaut (wie in engl. Common-
[/:] langes, dumpfes e (wie in girl [g/:l])
wealth [-w&l'])
[&] kurzes, offenes e (wie in Fest, Gänse)
[+] stimmhafter Lispellaut (wie in engl. mother
[&:] langes, offenes e (wie in Bär)
[!m*+/(r)])
[&i] Diphthong (wie in engl. Wales [w&ilz] und niederl.
[v] w (wie in Wasser)
Ijmuiden [&i!múyd/n])
[w] mit stark vorgewölbten Lippen gesprochenes eng-
[4] nasaliertes e (wie in französ. jardin [)ar!d4])
lisches w (wie in water [!w.:t/(r)]) oder flüchtiges,
[i] kurzes i (wie in bin)
gleitendes u (wie in Zøoty [!zw.ti])
[i:] langes i (wie in Wien)
[x] ch (wie in machen)
[.] kurzes, offenes o (wie in Ross)
[z] stimmhaftes s (wie in Weise)
[.:] langes, offenes o, ein dem a angenähertes o (wie in
engl. Wallstreet [!w.:lstri:t])
[5] offenes, nasales o (wie in Mont Blanc [m5!blˆ]) Buchstaben, die zwei Laute wiedergeben, werden in
[.i] Diphthong (wie in Leute) der Lautschrift durch zwei Zeichen dargestellt, z. B.
[o] kurzes, geschlossenes o (wie in Vokativ) [ts] wie z in reizen [!raits/n]
[o:] langes, geschlossenes o (wie in Lohn, Los) [ks] wie x in Hexe [!h&ks/]
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TABELLE DER DEKLINATIONEN

Beachte: Die Kennzeichnung eines Deklinationssche- tionsendung zu ss: das Roû/Ross Ÿ des Rosses; aber:
mas durch ¹uª (z. B. 1u, 2u usw.) bedeutet, dass der Maû Ÿ des Maûes.
Stammvokal im Plural umgelautet wird:
Anmerkung: Bei einer Reihe von Wörtern lässt sich
a wird zu ä nicht entscheiden, ob sie der starken, schwachen oder
aa wird zu ä gemischten Deklination angehören. Zu dieser Gattung
au wird zu äu von Hauptwörtern gehören insbesondere weibliche
o wird zu ö Substantive, die keinen Plural bilden. Ein Hinweis
u wird zu ü von einem solchen Wort im Wörterbuchteil auf ein be-
stimmtes Schema geschieht daher nur aus praktischen
Nach kurzem Vokal wird û bei angefügter Deklina- Gründen.

STARKE DEKLINATION

Beachte: Bei Wörtern, die auf Zischlaut enden, steht im ebenso: der Reichtum, des Reichtums, die Reichtümer;
Genitiv Singular immer -es: Hals Ÿ Halses, Baû/Bass Ÿ der Gott, des Gottes, die Götter; der Wurm, des Wur-
Basses, Maû Ÿ Maûes, Schmaus Ÿ Schmauses. mes, die Würmer; der Strauch, des Strauches, die
Sträucher
Maskulinum
Singular Plural 3
Singular Plural Nom. der Adler die Adler
Gen. des Adlers der Adler
1 Nom. der Tag die Tage Dat. dem Adler den Adlern
Gen. des Tag(e)s der Tage Akk. den Adler die Adler
Dat. dem Tag(e) den Tagen
Akk. den Tag die Tage ebenso: der Käse, des Käses, die Käse

ebenso: der Greis, des Greises, die Greise; der Riû/ Nom. der Vater die Väter 3u
Riss, des Risses, die Risse Gen. des Vaters der Väter
Dat. dem Vater den Vätern
Akk. den Vater die Väter
1u Nom. der Bach die Bäche
Gen. des Bach(e)s der Bäche
ebenso: der Bruder, des Bruders, die Brüder
Dat. dem Bach(e) den Bächen
Akk. den Bach die Bäche Nom. der Lappen die Lappen 4
Gen. des Lappens der Lappen
ebenso: der Baû/Bass, des Basses, die Bässe; der Saal, Dat. dem Lappen den Lappen
des Saales, die Säle; der Sohn, des Sohnes, die Söhne; Akk. den Lappen die Lappen
der Kloû, des Kloûes, die Klöûe; der Fuchs, des Fuch-
ses, die Füchse Nom. der Faden die Fäden 4u
Gen. des Fadens der Fäden
2 Nom. der Leib die Leiber Dat. dem Faden den Fäden
Gen. des Leibes der Leiber Akk. den Faden die Fäden
Dat. dem Leib(e) den Leibern
Akk. den Leib die Leiber ebenso: der Ofen, des Ofens, die Öfen

2u Nom. der Wald die Wälder Nom. der Deckel die Deckel 5
Gen. des Waldes der Wälder Gen. des Deckels der Deckel
Dat. dem Wald(e) den Wäldern Dat. dem Deckel den Deckeln
Akk. den Wald die Wälder Akk. den Deckel die Deckel
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Deklinationen

Singular Plural Singular Plural

5u Nom. der Vogel die Vögel Gen. des Brot(e)s der Brote
Gen. des Vogels der Vögel Dat. dem Brot(e) den Broten
Dat. dem Vogel den Vögeln Akk. das Brot die Brote
Akk. den Vogel die Vögel
ebenso: das Maû, des Maûes, die Maûe; das Roû/
Ross, des Rosses, die Rosse; das Erlebnis, des Erleb-
ebenso: der Apfel, des Apfels, die ¾pfel
nisses, die Erlebnisse
6 Nom. der Uhu die Uhus Nom. das Floû die Flöûe 11u
Gen. des Uhus der Uhus Gen. des Floûes der Flöûe
Dat. dem Uhu den Uhus Dat. dem Floû(e) den Flöûen
Akk. den Uhu die Uhus Akk. das Floû die Flöûe

Femininum Nom. das Kind die Kinder 12


Gen. des Kind(e)s der Kinder
7 Nom. die Drangsal die Drangsale
Dat. dem Kind(e) den Kindern
Gen. der Drangsal der Drangsale
Akk. das Kind die Kinder
Dat. der Drangsal den Drangsalen
Akk. die Drangsal die Drangsale ebenso: das Ei, des Ei(e)s, die Eier
Nom. das Dach die Dächer 12u
7u Nom. die Hand die Hände Gen. des Dach(e)s der Dächer
Gen. der Hand der Hände Dat. dem Dach(e) den Dächern
Dat. der Hand den Händen Akk. das Dach die Dächer
Akk. die Hand die Hände
ebenso: das Dorf, des Dorfes, die Dörfer; das Schloû/
ebenso: die Not, der Not, die Nöte; die Kuh, der Kuh, Schloss, des Schlosses, die Schlösser; das Gut, des Gu-
die Kühe; die Nuû/Nuss, der Nuû/Nuss, die Nüsse; tes, die Güter; das Haupt, des Hauptes, die Häupter
die Braut, der Braut, die Bräute
Nom. das Messer die Messer 13
Gen. des Messers der Messer
8u Nom. die Mutter die Mütter
Dat. dem Messer den Messern
Gen. der Mutter der Mütter
Akk. das Messer die Messer
Dat. der Mutter den Müttern
Akk. die Mutter die Mütter ebenso: das Gebirge, des Gebirges, die Gebirge; das
Schnitzel, des Schnitzels, die Schnitzel
ebenso: die Tochter, der Tochter, die Töchter
Nom. das Kloster die Klöster 13u
9 Nom. die Kenntnis die Kenntnisse Gen. des Klosters der Klöster
Gen. der Kenntnis der Kenntnisse Dat. dem Kloster den Klöstern
Dat. der Kenntnis den Kenntnissen Akk. das Kloster die Klöster
Akk. die Kenntnis die Kenntnisse
Nom. das Mädchen die Mädchen 14
10 Nom. die Bar die Bars Gen. des Mädchens der Mädchen
Gen. der Bar der Bars Dat. dem Mädchen den Mädchen
Dat. der Bar den Bars Akk. das Mädchen die Mädchen
Akk. die Bar die Bars
Nom. das Echo die Echos 15
Neutrum Gen. des Echos der Echos
Dat. dem Echo den Echos
11 Nom. das Brot die Brote Akk. das Echo die Echos
SCHWACHE DEKLINATION
Maskulinum Femininum
16 Nom. der Bär die Bären Nom. die Frau die Frauen 18
Gen. des Bären der Bären Gen. der Frau der Frauen
Dat. dem Bären den Bären Dat. der Frau den Frauen
Akk. den Bären die Bären Akk. die Frau die Frauen
ebenso: der Bauer, des Bauern, die Bauern; der Geck,
des Gecken, die Gecken Nom. die Gabe die Gaben 19
Gen. der Gabe der Gaben
17 Nom. der Riese die Riesen
Dat. der Gabe den Gaben
Gen. des Riesen der Riesen
Akk. die Gabe die Gaben
Dat. dem Riesen den Riesen
Akk. den Riesen die Riesen ebenso: die Harmonie, die Hostie, die Liebe
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Deklinationen

Singular Plural Singular Plural

20 Nom. die Uhr die Uhren Nom. die Tafel die Tafeln 21
Gen. der Uhr der Uhren Gen. der Tafel der Tafeln
Dat. der Uhr den Uhren Dat. der Tafel den Tafeln
Akk. die Uhr die Uhren Akk. die Tafel die Tafeln

ebenso: die Leistung, der Leistung, die Leistungen; die ebenso: die Leiter, der Leiter, die Leitern
Attraktion, der Attraktion, die Attraktionen; die Ab-
Nom. die Beamtin die Beamtinnen 22
normität, der Abnormität, die Abnormitäten
Gen. der Beamtin der Beamtinnen
Dat. der Beamtin den Beamtinnen
Akk. die Beamtin die Beamtinnen

GEMISCHTE DEKLINATION

Maskulinum Nom. der Name die Namen 26


Gen. des Namens der Namen
23 Nom. der Schmerz die Schmerzen Dat. dem Namen den Namen
Gen. des Schmerzes der Schmerzen Akk. den Namen die Namen
Dat. dem Schmerz(e) den Schmerzen
Akk. den Schmerz die Schmerzen Neutrum

ebenso: der Korrektor, des Korrektors, die Korrekto- Nom. das Ohr die Ohren 27
ren Gen. des Ohr(e)s der Ohren
Dat. dem Ohr den Ohren
24 Nom. der See die Seen Akk. das Ohr die Ohren
Gen. des Sees der Seen
Dat. dem See den Seen ebenso: das Juwel, des Juwels, die Juwelen
Akk. den See die Seen
Nom. das Auge die Augen 28
25 Nom. der Stachel die Stacheln Gen. des Auges der Augen
Gen. des Stachels der Stacheln Dat. dem Auge den Augen
Dat. dem Stachel den Stacheln Akk. das Auge die Augen
Akk. den Stachel die Stacheln
ebenso: das Hibernakel, des Hibernakels,
ebenso: der Vetter, des Vetters, die Vettern die Hibernakeln

ADJEKTIVISCHE DEKLINATION
29 M a s k u l i n u m

stark schwach

Nom. ein Abgeordneter Abgeordnete Nom. die Illustrierte die Illustrierten


Gen. eines Abgeordneten Abgeordneter Gen. der Illustrierten der Illustrierten
Dat. einem Abgeordneten Abgeordneten Dat. der Illustrierten den Illustrierten
Akk. einen Abgeordneten Abgeordnete Akk. die Illustrierte die Illustrierten

schwach Neutrum 31

Nom. der Abgeordnete die Abgeordneten stark


Gen. des Abgeordneten der Abgeordneten
Dat. dem Abgeordneten den Abgeordneten Nom. ein Geräuchertes Isomere
Akk. den Abgeordneten die Abgeordneten Gen. eines Geräucherten Isomerer
Dat. einem Geräucherten Isomeren
30 F e m i n i n u m Akk. ein Geräuchertes Isomere

stark schwach

Nom. eine Illustrierte Illustrierte Nom. das Geräucherte die Isomeren


Gen. einer Illustrierten Illustrierter Gen. des Geräucherten der Isomeren
Dat. einer Illustrierten Illustrierten Dat. dem Geräucherten den Isomeren
Akk. eine Illustrierte Illustrierte Akk. das Geräucherte die Isomeren
TABELLE DER KONJUGATIONEN

Indikativ Präsens Indikativ Konjunktiv


Infinitiv Imperativ Partizip Perfekt
1., 2., 3. Sing. Präteritum Präteritum

I. SCHWACHE KONJUGATION (VERBEN OHNE ZIFFERN)


machen mach 3 3e, ~st, ~t macht 3 3e, ~est, ~e machte mach(e) gemacht
achteln achtel 3 3e, ~st, ~t achtelt 3 3e, ~est, ~e achtelte achtele geachtelt
Wenn der Verbstamm auf unbetontes ~el od. ~er endet,
werden (a) Infinitiv und 1., 3. Person Plural Präsens auf ~n, der Imperativ
des Singular auf ~e gebildet;
kann (b) in der 1. Person Indikativ Präsens das unbetonte ~e~
des Stammes ausfallen: ich angle, zittre od. angele, zittere
rasen ras 3 3e, ~t, ~t rast 3 3e, ~est, ~e raste rase gerast
Wenn der Stamm des Verbs auf [z] od. [s] = s, û, z, x endet, fällt in der
2. Pers. Sing. Präs. das ~s~ aus, veraltet lautet die Form auch ras 3 3est
prassen prasse, praût/prasst praût/prasst 3 3e, ~est, praûte/prasste prasse gepraût/
~e geprasst
Wenn der Stamm des Verbs auf ~ss endet, gilt die vorangegangene Regel,
und das ~ss vor t wird zu û. Künftig bleibt ~ss vor t.

{ retten
rechnen
rett 3 3e, ~est, ~et
rechn 3 3e, ~est, ~et
rettet 3 3e, ~est, ~e
rechnet 3 3e, ~est, ~e
rettete
rechnete
rette
rechne
gerettet
gerechnet
Wenn der Stamm des Verbs auf ~d, ~t, Konsonant + m, Konsonant + n endet,
wird in der 2. Pers. Sing. und vor dem ~t~ des Präteritums ein ~e~ eingefügt
II. STARKE KONJUGATION (VERBEN MIT ZIFFERN)
101 backen backe, bäckst/backst, bäckt/ backte (älter: buk) büke back(e) gebacken
backt
102 befehlen befehle, befiehlst, befiehlt befahl beföhle/befähle befiehl befohlen
103 befleiûen befleiû 3 3e, ~(es)t, ~t befliû/befliss, beflisse befleiû(e) beflissen
beflissest
104 beginnen beginn 3 3e, ~st, ~t begann begönne/begänne beginn(e) begonnen
105 beiûen beiû 3 3e, ~(es)t, ~t biû/biss, bissest bisse beiû(e) gebissen
106 bergen berge, birgst, birgt barg bärge birg geborgen
107 bersten berste, berstest (älter: birst), barst (borst, berstete), bärste birst geborsten
berstet (älter: birst) ~est
108 bewegen beweg 3 3e, ~st, ~t bewog bewöge beweg(e) bewogen
wird in der ursprünglichen Bedeutung schwach konjugiert, im übertragenen Sinn dagegen stark
109 biegen bieg 3 3e, ~st, ~t bog böge bieg(e) gebogen
110 bieten biet 3 3e, ~(e)st, ~et bot, ~(e)st böte biet(e) geboten
111 binden bind 3 3e, ~est, ~et band, ~(e)st bände bind(e) gebunden
112 bitten bitt 3 3e, ~est, ~et bat, ~(e)st bäte bitte gebeten
113 blasen blase, bläst, bläst blies, ~est bliese blas(e) geblasen
114 bleiben bleib 3 3e, ~st, ~t blieb, ~(e)st bliebe bleib(e) geblieben
115 braten brate, brätst, brät briet, ~(e)st briete brat(e) gebraten
116 brechen breche, brichst, bricht brach bräche brich gebrochen
117 brennen brenn 3 3e, ~st, ~t brannte brennte brenn(e) gebrannt
118 bringen bring 3 3e, ~st, ~t brachte brächte bring(e) gebracht
119 denken denk 3 3e, ~st, ~t dachte dächte denk(e) gedacht
120 dingen ding 3 3e, ~st, ~t dingte (älter: dang) ding(e)te (älter: ding(e) gedungen (sel-
dünge, dänge) ten: gedingt)
121 dreschen dresche, drischst, drischt drosch, ~(e)st (äl- drösche drisch gedroschen
ter: drasch)
122 dringen dring 3 3e, ~st, ~t drang, ~(e)st dränge dring(e) gedrungen
123 dünken mich dünkt (älter: deucht) dünkte (älter: Ÿ Ÿ gedünkt (älter:
deuchte) gedeucht)
124 dürfen darf, ~st, ~; dürfen durfte dürfte Ÿ gedurft
125 empfehlen emp 3 3fehle, ~fiehlst, ~fiehlt empfahl empföhle empfiehl empfohlen
Konjugation

Indikativ Präsens Indikativ Konjunktiv


Infinitiv Imperativ Partizip Perfekt
1., 2., 3. Sing. Präteritum Präteritum

126 erbleichen erbleich 3 3e, ~st, ~t erbleichte (älter: erbleichte (älter: erbleich(e) erbleicht (älter:
erblich) erbliche) erblichen)
127 erkiesen erkies 3 3e, ~t, ~t erkor erköre erkies(e) erkoren
128 erlöschen erlösche, erlischst, erlischt erlosch, ~est erlösche erlisch erloschen
129 essen esse, iût/isst, iût/isst aû, ~est äûe iû/iss gegessen
130 fahren fahre, fährst, fährt fuhr führe fahr(e) gefahren
131 fallen falle, fällst, fällt fiel fiele fall(e) gefallen
132 fangen fange, fängst, fängt fing finge fang(e) gefangen
133 fechten fechte, fich(t)st, ficht focht, ~(e)st föchte ficht gefochten
134 finden find 3 3e, ~est, ~et fand, ~(e)st fände find(e) gefunden
135 flechten flechte, flich(t)st (flechtest), flocht, ~est flöchte flicht (flech- geflochten
flicht (flechtet) t(e))
136 fliegen flieg 3 3e, ~st, ~t flog, ~(e)st flöge flieg(e) geflogen
137 fliehen flieh 3 3e, ~st, ~t floh, ~(e)st flöhe flieh(e) geflohen
138 flieûen flieû 3 3e, ~t, ~t floû/floss, flossest flösse flieû(e) geflossen
139 fressen fresse, friût/frisst, friût/frisst fraû, ~est fräûe friû/friss gefressen
140 frieren frier 3 3e, ~st, ~t fror fröre frier(e) gefroren
141 gären gär 3 3e, ~st, ~t gärte (älter: gor) gärte (älter: göre) gär(e) gegoren(gegärt)
142 gebären gebär 3 3e, ~st (älter: ge- gebar gebäre gebär(e) (älter: geboren
bierst), ~t (älter: gebiert) gebier)
143 geben gebe, gibst, gibt gab gäbe gib gegeben
144 gedeihen gedeih 3 3e, ~st, ~t gedieh gediehe gedeih(e) gediehen
145 geh(e)n geh 3 3e, ~st, ~t ging ginge geh(e) gegangen
146 gelingen es gelingt es gelang es gelänge geling(e) gelungen
147 gelten gelte, giltst, gilt galt, ~(e)st gälte (gölte) gilt gegolten
148 genesen genes 3 3e, ~(es)t, ~t genas, ~est genäse genese genesen
149 genieûen genieû 3 3e, ~t, ~t genoû/genoss, genösse genieû(e) genossen
genossest
150 geschehen es geschieht es geschah es geschähe Ÿ geschehen
151 gewinnen gewinn 3 3e, ~st, ~t gewann, ~(e)st gewänne gewinn(e) gewonnen
(gewönne)
152 gieûen gieû 3 3e, ~t, ~t goû/goss, gossest gösse gieû(e) gegossen
153 gleichen gleich 3 3e, ~st, ~t glich, ~(e)st gliche gleich(e) geglichen
154 gleiûen gleiû 3 3e, ~t, ~t gleiûte (gliû/gliss), glisse gleiû(e) gegleiût (geglis-
~st (glissest) sen)
155 gleiten gleit 3 3e, ~est, ~et glitt, ~(e)st glitte gleit(e) geglitten
156 glimmen glimm 3 3e, ~st, ~t glimmte (älter: glömme glimm(e) geglommen (ge-
glomm) glimmt)
157 graben grabe, gräbst, gräbt grub, ~(e)st grübe grab(e) gegraben
158 greifen greif 3 3e, ~st, ~t griff, ~(e)st griffe greif(e) gegriffen
159 haben habe, hast, hat hatte hätte hab(e) gehabt
160 halten halte, hältst, hält hielt, ~(e)st hielte halt(e) gehalten
161 hängen hänge (hange), hängst, hing, ~(e)st hinge häng(e) gehangen
(hangen) hängt (gehängt)
transitiv schwach konjugiert
162 hauen hau 3 3e, ~st, ~t haute (älter: hieb) hiebe hau(e) gehauen
163 heben heb 3 3e, ~st, ~t hob (älter: hub), höbe (älter: hübe) heb(e) gehoben
~(e)st
164 heiûen heiû 3 3e, ~t, ~t hieû, ~est hieûe heiû(e) geheiûen
165 helfen helfe, hilfst, hilft half, ~(e)st hülfe hilf geholfen
166 kennen kenn 3 3e, ~st, ~t kannte kennte kenn(e) gekannt
167 klimmen klimm 3 3e, ~st, ~t klimmte (älter: klömme klimm(e) geklommen
klomm) (geklimmt)
168 klingen kling 3 3e, ~st, ~t klang, ~(e)st klänge kling(e) geklungen
169 kneifen kneif 3 3e, ~st, ~t kniff kniffe kneif(e) gekniffen
170 kommen komm 3 3e, ~st, ~t kam käme komm(e) gekommen
171 können kann, ~st, ~; können konnte könnte Ÿ gekonnt
172 kriechen kriech 3 3e, ~st, ~t kroch kröche kriech(e) gekrochen
173 laden lad 3 3e, lädst (älter: ~est), lädt lud (ladete), ~(e)st lüde (ladete) lad(e) geladen
(älter: ~et)
174 lassen lasse, läût/lässt, läût/lässt lieû, ~est lieûe laû/lass (lasse) gelassen
175 laufen laufe, läufst, läuft lief, ~(e)st liefe lauf(e) gelaufen
176 leiden leid 3 3e, ~est, ~et litt, ~(e)st litte leid(e) gelitten
177 leihen leih 3 3e, ~st, ~t lieh, ~(e)st liehe leih(e) geliehen
178 lesen lese, liest, liest las, ~est läse lies gelesen
Konjugation

Indikativ Präsens Indikativ Konjunktiv


Infinitiv Imperativ Partizip Perfekt
1., 2., 3. Sing. Präteritum Präteritum

179 liegen lieg 3 3e, ~st, ~t lag läge lieg(e) gelegen


180 lügen lüg 3 3e, ~st, ~t log, ~(e)st löge lüg(e) gelogen
180a mahlen mahl 3 3e, ~st, ~t mahlte, ~est mahlte mahl(e) gemahlen
181 meiden meid 3 3e, ~est, ~et mied, ~(e)st miede meid(e) gemieden
182 melken melk 3 3e, melkte (molk) mölke melk(e) gemelkt (ge-
~st (milkst), ~t (milkt) molken)
183 messen messe, miût/misst, miût/misst maû, ~est mäûe miû/miss gemessen
184 miûlingen/ es miûlingt/misslingt es miûlang/misslang es miûlänge/miss- Ÿ miûlungen/
misslingen länge misslungen
185 mögen mag, ~st, ~; mögen mochte möchte Ÿ gemocht
186 müssen muû/muss, ~t, ~; müssen, muûte/musste müûte/müsste Ÿ gemuût/
müût/müsst, müssen gemusst
187 nehmen nehme, nimmst, nimmt nahm, ~(e)st nähme nimm genommen
188 nennen nenn 3 3e, ~st, ~t nannte nennte nenn(e) genannt
189 pfeifen pfeif 3 3e, ~st, ~t pfiff, ~(e)st pfiffe pfeif(e) gepfiffen
190 pflegen pfleg 3 3e, ~st, ~t pflegte (pflog), ~st pflegte (pflöge) pfleg(e) gepflegt (ge-
(pflogst) pflogen)
wird meist schwach konjugiert
191 preisen preis 3 3e, ~t, ~t pries, ~est priese preis(e) gepriesen
192 quellen quelle, quillst (quellst), quoll (quellte) quölle quill (quelle) gequollen (ge-
quillt (quellt) quellt)
transitiv schwach konjugiert
193 raten rate, rätst, rät riet, ~(e)st riete rat(e) geraten
194 reiben reib 3 3e, ~st, ~t rieb, ~(e)st riebe reib(e) gerieben
195 reiûen reiû 3 3e, ~t, ~t riû/riss, rissest risse reiû(e) gerissen
196 reiten reit 3 3e, ~est, ~et ritt, ~(e)st ritte reit(e) geritten
197 rennen renn 3 3e, ~st, ~t rannte rennte renn(e) gerannt
198 riechen riech 3 3e, ~st, ~t roch röche riech(e) gerochen
199 ringen ring 3 3e, ~st, ~t rang ränge ring(e) gerungen
200 rinnen rinn 3 3e, ~st, ~t rann, ~(e)st ränne (rönne) rinn(e) geronnen
201 rufen ruf 3 3e, ~st, ~t rief, ~(e)st riefe ruf(e) gerufen
202 salzen salz 3 3e, ~t, ~t salzte salzte salz(e) gesalzen
203 saufen saufe, säufst, säuft soff, ~(e)st söffe sauf(e) gesoffen
204 saugen saug 3 3e, ~st, ~t saugte (älter: sog), söge saug(e) gesaugt (älter:
~(e)st gesogen)
205 schaffen schaff 3 3e, ~st, ~t schuf, ~(e)st schüfe schaff(e) geschaffen
wird in der Bedeutung ¹arbeitenª und in Ableitung mit ver- und an- schwach konjugiert
206 schallen schall 3 3e, ~st, ~t schallte (älter: scholl) schallete (schölle) schall(e) geschallt (älter:
geschollen)
207 scheiden scheid 3 3e, ~est, ~et schied, ~(e)st schiede scheid(e) geschieden
208 scheinen schein 3 3e, ~st, ~t schien, ~(e)st schiene schein(e) geschienen
209 scheiûen scheiû 3 3e, ~t, ~t schiû/schiss, ~ssest schisse scheiûe geschissen
210 schelten schelte, schiltst, schilt schalt, ~(e)st schölte schilt gescholten
211 scheren scher 3 3e, ~st, ~t scherte (schor) schöre scher(e) geschoren
wird in den Bedeutungen ¹kümmern, fortgehenª schwach konjugiert
212 schieben schieb 3 3e, ~st, ~t schob, ~(e)st schöbe schieb(e) geschoben
213 schieûen schieû 3 3e, ~t, ~t schoû/schoss, schösse schieû(e) geschossen
schossest
214 schinden schind 3 3e, ~est, ~et schund, ~(e)st schünde schind(e) geschunden
215 schlafen schlafe, schläfst, schläft schlief, ~(e)st schliefe schlaf(e) geschlafen
216 schlagen schlage, schlägst, schlägt schlug, ~(e)st schlüge schlag(e) geschlagen
217 schleichen schleich 3 3e, ~st, ~t schlich, ~(e)st schliche schleich(e) geschlichen
218 schleifen schleif 3 3e, ~st, ~t schliff, ~(e)st schliffe schleif(e) geschliffen
wird in den Bedeutungen ¹zerstören, ziehenª schwach konjugiert
219 schleiûen schleiû 3 3e, ~t, ~t schleiûte (schliû/ schlisse schleiû(e) geschlissen (ge-
schliss), ~st (schlissest) schleiût)
220 schlieûen schlieû 3 3e, ~t, ~t schloû/schloss, schlösse schlieû(e) geschlossen
schlossest
221 schlingen schling 3 3e, ~st, ~t schlang, ~(e)st schlänge schling(e) geschlungen
222 schmeiûen schmeiû 3 3e, ~t, ~t schmiû/schmiss, schmisse schmeiû(e) geschmissen
schmissest
223 schmelzen schmelze, schmilzt, schmilzt schmolz, ~est schmölze schmilz geschmolzen
(schmelzte) (geschmelzt)
transitiv häufig schwach konjugiert
224 schneiden schneid 3 3e, ~est, ~et schnitt, ~(e)st schnitte schneid(e) geschnitten
225 schrecken schrecke, schrickst schrak, ~(e)st schräke schrick erschrocken
(schreckst), schrickt (schreckt) (schreckte) (schreckte) (schrecke) (erschreckt)
transitiv schwach konjugiert
Konjugation

Indikativ Präsens Indikativ Konjunktiv


Infinitiv Imperativ Partizip Perfekt
1., 2., 3. Sing. Präteritum Präteritum

226 schreiben schreib 3 3e, ~st, ~t schrieb, ~(e)st schriebe schreib(e) geschrieben
227 schreien schrei 3 3e, ~st, ~t schrie schriee schrei(e) geschrie(e)n
228 schreiten schreit 3 3e, ~est, ~et schritt, ~(e)st schritte schreit(e) geschritten
229 schweigen schweig 3 3e, ~st, ~t schwieg, ~(e)st schwiege schweig(e) geschwiegen
230 schwellen schwelle, schwillst (schwellst), schwoll, ~(e)st schwölle schwill geschwollen
schwillt (schwellt) (schwellte) (schwellte) (schwelle) (geschwellt)
transitiv schwach konjugiert
231 schwimmen schwimm 3 3e, ~st, ~t schwamm, ~(e)st schwömme schwimm(e) geschwommen
(schwämme)
232 schwinden schwind 3 3e, ~est, ~et schwand, ~(e)st schwände schwind(e) geschwunden
233 schwingen schwing 3 3e, ~st, ~t schwang, ~(e)st schwänge schwing(e) geschwungen
234 schwören schwör 3 3e, ~st, ~t schwor (älter: schwüre schwör(e) geschworen
schwur), ~(e)st
235 sehen sehe, siehst, sieht sah, ~st sähe sieh(e) gesehen
236 sein bin, bist, ist; sind, seid, war, ~st wäre sei; seid gewesen
sind Präsens: sei,
sei(e)st, sei; seien,
seiet, seien
237 senden send 3 3e, ~est, ~et sandte (sendete), sendete send(e) gesandt (gesen-
~st det)
238 sieden sied 3 3e, ~est, ~et siedete (älter: sott) siedete (älter: sied(e) gesiedet (älter:
sötte) gesotten)
intransitiv schwach konjugiert
239 singen sing 3 3e, ~st, ~t sang, ~(e)st sänge sing(e) gesungen
240 sinken sink 3 3e, ~st, ~t sank, ~(e)st sänke sink(e) gesunken
241 sinnen sinn 3 3e, ~st, ~t sann, ~(e)st sänne (sönne) sinn(e) gesonnen
242 sitzen sitz 3 3e, ~t, ~t saû, ~est säûe sitz(e) gesessen
243 spalten spalt 3 3e, ~est, ~et spaltete spaltete spalt(e) gepalten
244 speien spei 3 3e, ~st, ~t spie spiee spei(e) gespie(e)n
245 spinnen spinn 3 3e, ~st, ~t spann, ~(e)st spönne (spänne) spinn(e) gesponnen
246 sprechen spreche, sprichst, spricht sprach, ~(e)st spräche sprich gesprochen
247 sprieûen sprieû 3 3e, ~t, ~t sproû/spross, sprösse sprieû(e) gesprossen
sprossest
248 springen spring 3 3e, ~st, ~t sprang, ~(e)st spränge spring(e) gesprungen
249 stechen steche, stichst, sticht stach, ~(e)st stäche stich gestochen
250 stecken steck 3 3e, ~st, ~t stak stäke steck(e) gesteckt
transitiv schwach konjugiert
251 steh(e)n steh 3 3e, ~st, ~t stand, ~(e)st stände (stünde) steh(e) gestanden
252 stehlen stehle, stiehlst, stiehlt stahl stöhle (stähle) stiehl gestohlen
253 steigen steig 3 3e, ~st, ~t stieg, ~(e)st stiege steig(e) gestiegen
254 sterben sterbe, stirbst, stirbt starb stürbe stirb gestorben
255 stieben stieb 3 3e, ~st, ~t stob (stiebte), ~(e)st stöbe stieb(e) gestoben (ge-
stiebt)
256 stinken stink 3 3e, ~st, ~t stank, ~(e)st stänke stink(e) gestunken
257 stoûen stoûe, stöût, stöût stieû, ~est stieûe stoû(e) gestoûen
258 streichen streich 3 3e, ~st, ~t strich, ~(e)st striche streich(e) gestrichen
259 streiten streit 3 3e, ~est, ~et stritt, ~(e)st stritte streit(e) gestritten
260 tragen trage, trägst, trägt trug trüge trag(e) getragen
261 treffen treffe, triffst, trifft traf, ~(e)st träfe triff getroffen
262 treiben treib 3 3e, ~st, ~t trieb triebe treib(e) getrieben
263 treten trete, trittst, tritt trat, ~(e)st träte tritt getreten
264 triefen trief 3 3e, ~st, ~t troff (triefte), ~(e)st tröffe (triefte) trief(e) getroffen (ge-
trieft)
265 trinken trink 3 3e, ~st, ~t trank, ~(e)st tränke trink(e) getrunken
266 trügen trüg 3 3e, ~st, ~t trog, ~(e)st tröge trüg(e) getrogen
267 tun tue, tust, tut; tun tat, ~(e)st täte tu(e) getan
268 verderben verderbe, verdirbst, verdirbt verdarb verdürbe verdirb verdorben
269 verdrieûen verdrieû 3 3e, ~t, ~t verdroû/verdross, verdrösse verdrieû(e) verdrossen
verdrossest
270 vergessen vergesse, vergiût/vergisst, vergaû, ~est vergäûe vergiû/vergiss vergessen
vergiût/vergisst
271 verlieren verlier 3 3e, ~st, ~t verlor verlöre verlier(e) verloren
272 wachsen wachse, wächst, wächst wuchs, ~(es)t wüchse wachs(e) gewachsen
273 wägen wäg 3 3e, ~st, ~t wog (wägte) wöge (wägte) wäg(e) gewogen (ge-
wägt)
274 waschen wasche, wäschst, wäscht wusch, ~(e)st wüsche wasch(e) gewaschen
Konjugation

Indikativ Präsens Indikativ Konjunktiv


Infinitiv Imperativ Partizip Perfekt
1., 2., 3. Sing. Präteritum Präteritum

275 weben web 3 3e, ~st, ~t webte (wob, wobest) webte (wöbe) web(e) gewebt (gewo-
ben)
276 weichen weich 3 3e, ~st, ~t wich, ~(e)st wiche weich(e) gewichen
wird in den Bedeutungen ¹weich werden, einweichenª schwach konjugiert
277 weisen weis 3 3e, ~t, ~t wies, ~(e)st wiese weis(e) gewiesen
278 wenden wend 3 3e, ~est, ~et wandte (wendete) wendete wende gewandt (ge-
wendet)
279 werben werbe, wirbst, wirbt warb würbe wirb geworben
280 werden werde, wirst, wird wurde (älter: ward) würde werd(e) geworden
das Partizip des Hilfsverbs lautet ¹wordenª
281 werfen werfe, wirfst, wirft warf, ~(e)st würfe wirf geworfen
282 wiegen wieg 3 3e, ~st, ~t wog wöge wieg(e) gewogen
283 winden wind 3 3e, ~est, ~et wand, ~(e)st wände wind(e) gewunden
284 wissen weiû, ~t, ~; wissen, wiût/ wuûte/wusste wüûte/wüsste wisse gewuût/
wisst, wissen gewusst
285 wollen will, ~st, ~; wollen wollte wollte wolle gewollt
285a wringen wring 3 3e, ~st, ~t wrang wränge wring(e) gewrungen
286 zeihen zeih 3 3e, ~st, ~t zieh (zeihte), ~(e)st ziehe zeih(e) geziehen (ge-
zeiht)
287 ziehen zieh 3 3e, ~st, ~t zog, ~(e)st zöge zieh(e) gezogen
288 zwingen zwing 3 3e, ~st, ~t zwang, ~(e)st zwänge zwing(e) gezwungen

ABKÜRZUNGEN UND ZEICHEN

a. auch Ausspr. Aussprache El. Elektronik


Abk. Abkürzung Bankw. Bankwesen erg. ergänze
Adj. Adjektiv Bauw. Bauwesen eskim. eskimoisch
Adv. Adverb bes. besonders europ. europäisch
adv. adverbial Bez. Bezeichnung ev., evang. evangelisch
aengl. altenglisch Bgb. Bergbau evtl. eventuell
afrik. afrikanisch Bibliotheksw. Bibliothekswesen f. femininum, weiblich
afrz. altfranzösisch Biol. Biologie Fem. Femininum, weibliches
ags. angelsächsisch Bot. Botanik Geschlecht
ahd. althochdeutsch Buchw. Buchwesen fig. figürlich, bildlich
Akk. Akkusativ bulg. bulgarisch finn.-ugr. finnisch-ugrisch
alem. alemannisch Bundesrep. Bundesrepublik Flugw. Flugwesen
allg. allgemein bzw. beziehungsweise Forstw. Forstwirtschaft
amerik. amerikanisch Chem. Chemie Fot. Fotografie
Anat. Anatomie chin. chinesisch frz. französisch
anord. altnordisch Chir. Chirurgie Funkw. Funkwesen
Anthrop. Anthropologie Dat. Dativ Fuûb. Fuûball(spiel)
aram. aramäisch Dekl. Deklination gallorom. galloromanisch
Arch. Architektur d. h. das heiût Gartenb. Gartenbau
Archäol. Archäologie dt. deutsch geh. gehoben
Art. Artikel Dtschld. Deutschland Gen. Genitiv
asächs. altsächsisch EDV Elektronische Daten- Geogr. Geographie/a.
Astrol. Astrologie verarbeitung Geografie
Astron. Astronomie ehem. ehemalig Geol. Geologie
AT Altes Testament eigtl. eigentlich Geom. Geometrie
attr. attributiv Eisenb. Eisenbahn germ. germanisch
Abkürzungen und Zeichen

Gesch. Geschichte ndrl. niederländisch süddt. süddeutsch


gest. gestorben Neutr. Neutrum, sächliches Superl. Superlativ
Ggs Gegensatz Geschlecht Sy Synonym
Gramm. Grammatik nhd. neuhochdeutsch Tanzk. Tanzkunst
grch. griechisch nlat., neulat. neulateinisch Tech. Technik
Handb. Handball(spiel) Nom. Nominativ Tel. Fernsprechwesen
hebr. hebräisch norw. norwegisch Textilw. Textilwesen
Her. Heraldik NT Neues Testament Theat. Theater
hind. hindustanisch Num. Numerale, Zahlwort tibet. tibet(an)isch
i. allg./ im allgemeinen/ o. ä./o. ¾. oder ähnliche(s)/ TV Television
i. Allg. im Allgemeinen oder ¾hnliche(s) Typ. Typographie/a.
idg. indogermanisch oberdt. oberdeutsch Typografie
i. e. S. im engeren Sinne Obj. Objekt u. und
Inf. Infinitiv od. oder u. a. unter anderem, und
insbes. insbesondere Okk. Okkultismus anderes
Int. Interjektion Opt. Optik u. ä./u. ¾. und ähnliche(s)/
intr. intransitiv österr. österreichisch und ¾hnliches
isl. isländisch oV orthographische u. dgl. und dergleichen
ital. italienisch Variante ukr. ukrainisch
i. w. S. im weiteren Sinne Päd. Pädagogik umg. umgangssprachlich
jap. japanisch Part. Partizip undekl. undeklinierbar
Jh. Jahrhundert Pass. Passiv ung. ungarisch
jmd. jemand Perf. Perfekt unz. unzählbar
jmdm. jemandem Pharm. Pharmazie, Pharma- urgerm. urgermanisch
jmdn. jemanden kologie urspr. ursprünglich
jmds. jemandes Philol. Philologie usw. und so weiter
Kart. Kartenspiel V. Verb
Philos. Philosophie
Kartogr. Kartographie/a. Vet. Veterinärmedizin
phön. phönizisch
Kartografie vgl. vergleiche
Phon. Phonetik
Kfz Kraftfahrzeug V. i. intransitives Verb
Phonol. Phonologie
kath. katholisch Völkerk. Völkerkunde
Phys. Physik
Kochk. Kochkunst volksetym. volksetymologisch
Physiol. Physiologie
Komp. Komparativ Volksk. Volkskunde
Pl. Plural
Konj. Konjunktion Vors. Vorsilbe
Pol. Politik
Kunstw. Kunstwort V. refl. reflexives Verb
port., portug. portugiesisch
Kurzw. Kurzwort V. t. transitives Verb
präd. prädikativ
Kyb. Kybernetik vulgärlat. vulgärlateinisch
Präp. Präposition
kymr. kymrisch Web. Weberei
Präs. Präsens
Landw. Landwirtschaft Wirtsch. Wirtschaft
Prät. Präteritum wiss. wissenschaftlich
lat. lateinisch
Pron. Pronomen Wissth. Wissenschaftstheorie
lit. litauisch
Lit. Literatur, Literatur- prov. provenzalisch zählb. zählbar
wissenschaft Psych. Psychologie z. B. zum Beispiel
m. maskulinum, männlich rätorom. rätoromanisch Zeitungsw. Zeitungswesen
MA Mittelalter rd. rund zig. zigeunersprachlich
mal. malaiisch Rechtsw. Rechtswesen Zool. Zoologie
Mal. Malerei refl. reflexiv Zus. Zusammensetzung(en)
Mar. Marine Rel. Religion - Runenzeichen für den
Mask. Maskulinum, männ- relig. religiös Laut ['] (¹Thornª)
liches Geschlecht Rhet. Rhetorik ` siehe
Math. Mathematik rom. romanisch ` a. siehe auch
mdt. mitteldeutsch rotw. rotwelsch = Hinweis auf ein Wort
Med. Medizin S. Seite gleicher Bedeutung
mengl. mittelenglisch scherzh. scherzhaft * erschlossene, nicht be-
Met. Metallurgie schweiz. schweizerisch legte Form eines Wor-
Meteor. Meteorologie Schulw. Schulwesen tes; grammatisch/
mfrz. mittelfranzösisch Sg., Sing. Singular sprachlich nicht korrek-
mgrch. mittelgriechisch skand. skandinavisch ter Ausdruck
mhd. mittelhochdeutsch sog. sogenannte(r, -s)/ < kommt aus der ... Spra-
Mil. Militärwesen so genannte(r, -s) che bzw. aus dem fol-
Min. Mineralogie Soziol. Soziologie genden Wort
mlat. mittellateinisch Sp. Sport ² gestorben
mnddt. mittelniederdeutsch Spr., ...spr. Sprache, ...sprache Verweis auf das
mndrl. mittelniederländisch Sprachw. Sprachwissenschaft ¹Lexikon der deutschen
Mus. Musik Sprichw. Sprichwort Sprachlehreª
Myth. Mythologie Stat. Statistik Die Endung ...isch ist oft weggelassen
n. neutrum, sächlich Steig. Steigerung worden, ...lich wurde häufig durch ...l.
nddt. niederdeutsch Subst. Substantiv abgekürzt.
Weitere Abkürzungen befinden sich im Wörterverzeichnis als Stichwörter.
Von geographischen Namen abgeleitete Einwohnernamen
Namen, die durch Anhängen der Endung -er an das unveränderte Grundwort gebildet werden und von denen
es darüber hinaus keine unregelmäûige Form gibt, sind nicht aufgeführt, z. B. Schweiz Ÿ Schweizer, Mali Ÿ Malier.
Namen, die von Ländernamen auf -ien und -land abgeleitet sind und regelmäûig gebildet werden (-ier, -län-
der), sind nicht aufgeführt, z. B. Argentinien Ÿ Argentinier, England Ÿ Engländer.
Biblische Namen sind nicht aufgeführt. Zusammengesetzte Namen sind unter dem Grundwort zu finden, z. B.
¾quatorialguinea unter Guinea.
Afghanistan Afghane Dalmatien Dalmatiner Ischia Ischianer
Afrika Afrikaner Damaskus Damaszener Israel Israeli
¾gina ¾ginete Dänemark Däne Jamaika Jamaikaner
¾gypten ¾gypter Dithmarschen Dithmarscher Java Javaner
Albanien Albaner Dominikani- Dominikaner Jemen Jemenit
Aleppo Aleppiner sche Republik Jena Jenaer, auch: Jenenser
Alexandria Alexandriner Dresden Dresdner Jugoslawien Jugoslawe
Alpen ¾lpler Ecuador Ecuadorianer Jütland Jüte
Amerika Amerikaner Ellwangen Ellwanger Kaiserslautern Kaiserslauterer
Andorra Andorraner Elsaû/Elsass Elsässer Kaiserstuhl Kaiserstühler
Angola Angolaner El Salvador Salvadorianer Kalabrien Kalabrese, auch:
Antigua Antiguaner Emden Emder, auch: Emdener Kalabrier
Antillen Antill(i)aner Epirus Epirot Kambodscha Kambodschaner
Aragonien Aragonier, auch: Eritrea Eritreer Kamtschatka Kamtschadale
Šragonese Erlangen Erlanger Kanada Kanadier
Arabien Araber Estland Este Kanaren (Ka- Kanarier
Ardennen Ardenner Etrurien Etrusker narische Inseln)
Arosa Aroser Euböa Euböer Kap Verde Kapverdier
Asien Asiat Färöer Färöer, auch: Färinger (Kapverden)
Baden Badener, auch: Fidschi Fidschianer Kärnten Kärntner, auch:
Badenser Finnland Finne Kärntener
Bahamas Bahamaer Karthago Karthager
Flandern Flame
Balkan Balkanese
Florenz Florentiner Kasachstan Kasache
Barbados Barbadier
Franken Franke Kassel Kasselaner, auch:
Barcelona Barcelonier
Frankreich Franzose Kasseler, Kaûler/Kassler
Basel Basler
Friesland Friese Kastilien Kastilianer, auch:
Bayern Bayer
Gambia Gambier Kastilier
Belutschistan Belutsche
Genua Genuese Katalonien Katalane
Bengalen Bengale
Ghana Ghanese, auch: Kenia Kenianer
Bergamo Bergamaske
Ghanaer Kirgisistan Kirgise
Bermudas Bermuder
Graubünden Graubündner, auch: Kleve Klever
Birma Birmane
Bündner Kolumbien Kolumbianer, auch:
(engl. Burma Burmese)
Grenada Grenader Kolumbier
Böhmen Böhme
Griechenland Grieche Komoren Komorer
Bolivien Bolivianer, auch:
Bolivier Groûbritannien Brite Kongo Kongolese, auch:
Bologna Bolognese Guatemala Guatemalteke Kongoer
Bordeaux Bordelese Guinea Guineer Konstantinopel Konstantinopolitaner,
Bosnien Bosnier, auch: Guyana Guyaner auch: Konstantinopeler
Bosniake Haiti Haitianer, auch: Haitier Korea Koreaner
Botsuana Botsuaner Halle (Saale) Hallenser Korfu Korfiot
Brasilien Brasilianer Halle (Westf.) Haller Korsika Korse
Bremen Bremer Hameln Hameler, auch: Kreta Kreter
Bretagne Bretone Hamelner Kroatien Kroate
Bulgarien Bulgare Hannover Hannoveraner Kuba Kubaner
Byzanz Byzantiner Hawaii Hawaiianer, auch: Kurdistan Kurde
Burkina Faso Burkiner Hawaiier Laos Laote
Capri Caprese Hellas Hellene Lappland Lappe
Ceylon Ceylonese Herzegowina Herzegowiner Latium Latiner
Chile Chilene Hessen Hesse Lausanne Lausanner
China Chinese Honduras Honduraner Lesbos Lesbier
Costa Rica Costaricaner/ Ibiza Ibizenker Lesotho Lesother
Costa-Ricaner Indien Inder Lettland Lette
Côte d©Ivoire Ivorer Irak Iraki, auch: Iraker Levante Levantiner
Cottbus Cottbusser, auch: Iran Irani, auch: Iraner Libanon Libanese
Cottbuser Irland Ire Liberia Liberianer
Geographische Namen

Libyen Libyer Pompeji Pompejaner Togo Togolese, auch: Togoer


Ligurien Ligurer Portugal Portugiese Tokio Tokioter, auch:
Lissabon Lissabonner Preuûen Preuûe Tokioer
(Lisboa Lisbonenser) Provence Provenzale Toledo Toledaner
Litauen Litauer Puerto Rico Puertoricaner/ Toronto Toronter
Lombardei Lombarde Puerto-Ricaner Toskana Toskaner
Lothringen Lothringer Rätien Räter Treviso Trevisaner
Lugano Luganese Rom Römer Trient Tridentiner
Lyon Lyonese, auch: Lyoner Ruanda Ruander Tripolis Tripolitaner
Madagaskar Madagasse Rumänien Rumäne Troja Trojaner, auch: Troer
Madeira Madeirer Ruûland/ Russe Tschechische Tscheche
Madrid Madrilene, auch: Russland Republik
Madrider Sachsen Sachse Turan Turanier
Malaysia Malaysier Saint Louis Saintlouisianer/ Türkei Türke
Malediven Malediver Saint-Louisianer Turkmenistan Turkmene
Mallorca Mallorquiner Saint Lucia Lucianer Uelzen Uelzer, auch: Uelzener
Malta Malteser Saint Vincent Vincenter Uganda Ugander
Mantua Mantuaner Salamanca Salamanquese Ukraine Ukrainer
Marokko Marokkaner Salomonen Salomoner Umbrien Umbrer
Marseille Marseillese, auch: Salzgitter Salzgitteraner Ungarn Ungar
Marseiller Sambia Sambier Uri Urner
Marshallinseln Marshaller Samoa Samoaner Usbekistan Usbeke
Martinique Martinikaner Sankt Gallen Sankt Galler Valencia Valencianer
Mauritius Mauritier San Marino Sanmarinese/ Valparaiso Valparaiser
Menorca Menorquiner San-Marinese Venedig Venezianer
Mexiko Mexikaner Sansibar Sansibari Venetien Veneter
Milet Milesier Sardinien Sarde Venezuela Venezolaner
Monaco Monegasse Saudi-Arabien Saudiaraber, Saudi
Vereinigte (US-)Amerikaner
Mongolei Mongole Schlesien Schlesier
Staaten von
Montenegro Montenegriner Schottland Schotte
Amerika (USA)
Montevideo Montevideaner Schwaben Schwabe
Verona Veronese(r)
Mosambik Mosambikaner, auch: Schwalm Schwälmer
Vietnam Vietnamese
Mosambiker Schweden Schwede
Walachei Walache
München Münchner Schwiebus Schwiebusser, auch:
Wales Waliser
Münster Münsteraner Schwiebuser
Wallis Walliser
Namibia Namibier Senegal Senegalese
Wallonien Wallone
Navarra Navarrese Serbien Serbe
Weimar Weimaraner, auch:
Neapel Neapolitaner, auch: Sevilla Sevillaner
Weimarer
Neap(e)ler Seychellen Seycheller
Westfalen Westfale
Nepal Nepalese Siam Siamese
Wiesbaden Wiesbad(e)ner
Nicaragua Nicaraguaner Siebenbürgen Siebenbürger
Wittenberge Wittenberger
Niger Nigrer Siena Sienese
Zaire Zairer
Nigeria Nigerianer Sierra Leone Sierraleoner/
Nikosia Nikosianer Sierra-Leoner Zürich Zürcher
Ninive Ninivit Simbabwe Simbabwer Zypern Zypriot, auch: Zyprer
Norwegen Norweger Sizilien Sizilianer -beuren -beurer (Ottobeurer)
Numidien Numider Slowakei Slowake -brücken -brücker (Saarbrücker)
Orleans Orleaner Slowenien Slowene -brückener (Zwei-
Padua Paduaner Sofia Sofioter brückener)
Pakistan Pakistani, auch: Somalia Somalier -felde -felder (Oebisfelder)
Pakistaner Sparta Spartaner -hausen -hausener (Oberhau-
Palästina Palästinenser Sri Lanka Srilanker/Sri-Lanker sener)
Palermo Palermitaner, auch: Stadthagen Stadthäger -häuser (Mühlhäuser)
Palermer Steiermark Steirer, auch: -hofen -hofener (Sonthofe-
Panama Panamene, Panamese, Steiermärker ner)
auch: Panamaer Steinhagen Steinhäger -hofer (Solnhofer)
Pandschab Pandschabi Sudan Sudanese, auch: Sudaner -höfer (Königshöfer)
Parma Parmesane, auch: Swasiland Swasi, auch: Swasiländer -ingen -inger (Überlinger)
Parmer Syrien Syrer -kirch -kircher (Neukircher)
Pavia Pavianer Tadschikistan Tadschike -kirch(e)ner (Lenzkir-
Persien Perser Tanganjika Tanganjiker ch[e]ner)
Peru Peruaner Tansania Tansanier -mark -märker (Altmärker)
Pfalz Pfälzer Tarent Tarentiner -leben -leber (Eisleber)
Philadelphia Philadelphier Texas Texaner -loe -loer (Buchloer)
Philippinen Filipino, auch: Thailand Thai, auch: Thailänder -see -seer (Tegernseer)
Philippiner Thale Thalenser -stadt -städter (Neustädter)
Piemont Piemontese Theben Thebaner -statt -stätter (Hallstätter)
Pisa Pisaner Thüringen Thüringer -wald -wälder (Schwarzwäl-
Polen Pole Tibet Tibetaner, auch: der)
Pommern Pommer Tibeter -weiler -weiler (Ahrweiler)
f:/DBischoff/Wahrig, groÔ/WahrigGr 31-36.3d vom 22.8.2002
Seitenformat: 203,00 x 270,00 mm

Informationen zur
neuen deutschen Rechtschreibung

Für die deutsche Rechtschreibung galten bis zum 1. 8. 1998 die Die im Folgenden gegebenen Informationen über die wichtigs-
Beschlüsse der II. Orthographischen Konferenz von 1901 in ten neuen Regeln der deutschen Rechtschreibung beruhen auf
Berlin, die 1902 als Regelwerk veröffentlicht wurden. Ziel der dem amtlichen Regelwerk. Die ¹Deutsche Rechtschreibung,
damaligen Orthographiereform war es, die in den deutschspra- Regeln und Wörterverzeichnis. Text der amtlichen Regelungª
chigen Ländern (Deutschland, Österreich und der Schweiz) zum umfasst zwei Teilbereiche: erstens ein Regelwerk und zweitens
Teil unterschiedlich gehandhabte Rechtschreibung zu verein- ein Wörterverzeichnis, das keine Angaben zur Worttrennung
heitlichen. und -bedeutung enthält. Das amtliche Regelwerk besteht aus
Da mit der Rechtschreibreform von 1901/02 zwar eine einheit- Regeln sowie aus Einzelfestlegungen. Die Rechtschreibreform
liche Schreibweise für den deutschsprachigen Raum begründet betrifft sechs Bereiche:
wurde, diese jedoch keine Systematisierung und Vereinfachung
der deutschen Schriftsprache beinhaltete, gab es immer wieder A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
weiter gehende Reformvorschläge. (einschlieûlich Fremdwortschreibung)
Im Jahre 1958 entstanden z. B. die ¹Wiesbadener Empfehlun- B Getrennt- und Zusammenschreibung
genª, die für eine ¹gemäûigte Kleinschreibungª sowie für eine C Schreibung mit Bindestrich
vereinfachte Zeichensetzung plädierten. Mit diesen Zielsetzun- D Groû- und Kleinschreibung
gen stimmten jedoch Österreich und die Schweiz nicht überein. E Zeichensetzung
Auch in den Siebzigerjahren kam die Rechtschreibreform wie- F Worttrennung am Zeilenende
der ins Gespräch. 1977 wurde beim ¹Institut für deutsche Spra-
cheª in Mannheim eine neue ¹Kommission für Rechtschreib-
fragenª gegründet, und 1980 fand sich erstmals ein Arbeitskreis
zusammen, dem mehrere Treffen von Wissenschaftlern aus der A Laut-Buchstaben-Zuordnungen
Bundesrepublik Deutschland, der Deutschen Demokratischen (einschlieûlich Fremdwortschreibung)
Republik, der Schweiz und Österreich folgten. Hieraus entstan-
den im Jahre 1986 die so genannten 1. Wiener Gespräche, an de- Das Lautprinzip der Schreibung, d. h. die Übereinstimmung ei-
nen politische Beamte und Wissenschaftler aus den deutsch- nes Lautes mit einem Buchstaben, ist im Deutschen nicht immer
sprachigen Ländern teilnahmen. Diesen folgten 1990 die 2. Wie- gegeben, z. B. kann das Phonem [e:] durch die Buchstaben e (z. B.
ner Gespräche. Dabei wurde der Beschluss gefasst, von dem Stele, Sirene), ee (z. B. Meer, Seele) oder eh (z. B. mehr, sehr) wie-
¹Internationalen Arbeitskreis für Orthographieª, bestehend dergegeben werden. Ebenso werden die Diphthonge ai (z. B.
aus Vertretern des Instituts für deutsche Sprache, der For- Saite, Mais, Kaiser) und ei (z. B. Seite, Eis, weiter) gleich ausge-
schungsgruppe Orthographie Rostock, des Koordinationsko- sprochen, aber unterschiedlich geschrieben. Umgekehrt kann
mitees für Orthographie Wien und der Arbeitsgruppe Recht- aber auch ein Buchstabe mehrere Aussprachevarianten besit-
schreibreform Bern, eine Beratungsgrundlage für das geplante zen, z. B. kann v stimmlos (z. B. Vesper) oder stimmhaft (z. B.
Reformwerk erarbeiten zu lassen. Im Jahre 1992 wurde das Ar- Vase) artikuliert werden.
beitsergebnis dann unter dem Titel ¹Deutsche Rechtschreibung. Mithilfe der neuen Rechtschreibregeln sollen u. a. einige der
Vorschläge zu ihrer Neuregelungª veröffentlicht. Auf der Unregelmäûigkeiten in der Laut-Buchstaben-Beziehung besei-
Grundlage dieses Vorschlags fanden schlieûlich 1994 die 3. tigt werden.
Wiener Gespräche vom 22.Ÿ24. 11. 1994 statt. Mit dieser Konfe-
renz wurden die Reformbestrebungen vorläufig zu einem Ab- Zukünftig soll dem Stammprinzip stärker Rechnung getragen
schluss gebracht. Das vorgelegte Regelwerk wurde von allen werden, d. h., gleiche Wortstämme Ÿ besonders in Ableitungen
Teilnehmern der Konferenz befürwortet und musste noch auf und Zusammensetzungen Ÿ werden gleich geschrieben, z. B.
politischem Weg in den einzelnen Ländern vertraglich abgesi- überschwänglich (zu Überschwang) statt bisher überschwenglich.
chert werden. Unterschiedliche Wortstämme (wie z. B. Seite/Saite und Mal/
Die endgültige Entscheidung über die Rechtskräftigkeit der ge- Mahl ) werden aber Ÿ trotz gleicher Lautung Ÿ weiterhin ihre ab-
planten Orthographiereform sollte ursprünglich bereits Ende weichende Schreibweise behalten.
September 1995 fallen. Da jedoch die deutschen Kultusbehör- Aufgrund der Berücksichtigung des Stammprinzips ergeben
den den Vorschlägen nicht einhellig zustimmten Ÿ insbesondere sich folgende Neuerungen:
die geänderte Fremdwortschreibung sowie einige Fälle der ge-
änderten Groû- und Kleinschreibung wurden von einigen Kul- A1 Einzelfälle mit Umlautschreibung
tusministern und Ministerpräsidenten kritisiert Ÿ, erfolgte eine
nochmalige Korrektur der Reformvorschläge. Neu: Bändel (zu Band ) statt bisher: Bendel
Das Inkrafttreten der Reform ist am 1. Juli 1996 beschlossen behände (zu Hand ) statt bisher: behende
worden, die neuen Regeln wurden zum 1. August 1998 gültig. belämmert (zu Lamm) statt bisher: belemmert
Bis zum Jahr 2005 gilt eine Übergangsregelung für die deutsche Gämse (zu Gams) statt bisher: Gemse
Orthographie, d. h. bis zu diesem Zeitpunkt können die alten Quäntchen (zu Quantum) statt bisher: Quent-
noch neben den neuen Schreibweisen gebraucht werden. Der chen
Staat besitzt Regelungsgewalt für die staatlichen Institutionen, schnäuzen (zu Schnauze) statt bisher: schneuzen
insbesondere für Schule und Verwaltung. An der neuen amtli- überschwänglich (zu Überschwang) statt bisher:
chen Schreibweise wird sich in der Folge aber auch die nicht überschwenglich
amtliche orientieren. verbläuen (zu blau) statt bisher: verbleuen
In Zukunft werden ¾nderungen der deutschen Rechtschrei- Wechte (¹Schneeweheª) statt bisher: Wächte
bung von der ¹Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche (nicht zu wachen)
Rechtschreibungª, die ihren Sitz am Institut für deutsche Spra- aufwendig (zu aufwenden) oder aufwändig (zu
che in Mannheim hat, geregelt werden. Damit besitzt der Du- Aufwand )
denverlag nicht mehr die Regelungsgewalt für die deutsche Schenke (zu ausschenken) oder Schänke (zu Aus-
Rechtschreibung, die ihm 1955 von der Kultusministerkonfe- schank)
renz zugesprochen wurde. aber wie bisher: Eltern (trotz alt)
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A2 Neuregelung der s-Schreibung Neu: Differenzial, differenziell (zu Differenz) neben


bisher: Differential, differentiell
Künftig wird û nur noch nach langem Vokal und nach essenziell (zu Essenz) neben bisher: essentiell
Diphthong geschrieben, z. B. Maû Ÿ Maûe, gieûen Ÿ Potenzial, potenziell (zu Potenz) neben bisher:
gieût usw., nach kurzem Vokal tritt anstelle von û im- Potential, potentiell
mer ss. substanziell (zu Substanz) neben bisher: sub-
stantiell
Neu: dass statt bisher: daû
Fass Ÿ Fässer statt bisher: Faû Ÿ Fässer
Fluss Ÿ Flüsse statt bisher: Fluû Ÿ Flüsse A6 Einzelfälle
Kuss Ÿ küssen Ÿ küsste statt bisher:
Kuû Ÿ küssen Ÿ küûte Neu: rau (zu den anderen auf -au auslautenden Ad-
passen Ÿ passt Ÿ passend statt bisher: jektiven wie blau, grau, schlau) und dementspre-
passen Ÿ paût Ÿ passend chend Rauheit statt bisher: rauh und Rauhheit
Wasser Ÿ wässerig Ÿ wässrig statt bisher: Känguru (zu anderen Tiernamen wie Kakadu,
Wasser Ÿ wässerig Ÿ wäûrig usw. Gnu) statt bisher: Känguruh

Neu: Föhn statt bisher: Fön


A3 Zusammentreffen von drei gleichen Buchstaben Rohheit, Zähheit statt bisher: Roheit, Zäheit
selbstständig neben bisher: selbständig
Bei dem Aufeinandertreffen von drei gleichen Buch- Zierrat statt bisher: Zierat
staben in Zusammensetzungen sollen grundsätzlich
alle Buchstaben geschrieben werden. Man schreibt al-
so wie bisher Schifffracht, Fetttropfen, aber auch bei A7 Fremdwörter
nachfolgendem Vokal bleiben alle drei Konsonanten
erhalten: Eine groûe Anzahl der im Deutschen gebräuchlichen
Fremdwörter ist bereits der deutschen Schreibweise
Neu: Flanelllappen statt bisher: Flanellappen angeglichen worden, z. B. Frottee, zu frz. FrottØ, Nugat
Flussstrecke statt bisher: Fluûstrecke neben Nougat, scharmant neben charmant usw. Mit-
genusssüchtig statt bisher: genuûsüchtig hilfe der neuen Rechtschreibregeln wird versucht,
Schifffahrt statt bisher: Schiffahrt die Orthographie der Fremdwörter in einigen Fällen
wettturnen statt bisher: wetturnen der deutschen Schreibweise anzupassen.
Die in der Rechtschreibreform vorgeschlagene Neu-
schreibung der Fremdwörter betrifft nur den Allge-
Diese Regelung gilt auch für das Aufeinandertreffen meinwortschatz, nicht den der Fachsprachen. Die
von drei gleichen Vokalen bei Zusammensetzungen. neue und die alte Schreibung werden zunächst neben-
Bislang wurde der zweite Wortbestandteil durch Bin- einander gebraucht werden, um einen ¹allmählichenª
destrich abgetrennt, z. B. Kaffee-Ersatz. Diese Integrationsprozess der neuen Schreibweise zu er-
Schreibweise ist nicht mehr obligatorisch. möglichen.
Neu: Kaffeeersatz, Seeelefant
A7.1 f, t, r, g kann in einigen Wörtern ph, th, rh, gh ersetzen
Der Bindestrich kann jedoch zur besseren Lesbarkeit
beim Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben Ÿ Bei einigen Fremdwörtern hat sich die f-Schreibung
sowohl bei Konsonanten als auch bei Vokalen Ÿ ver- gegenüber der ph-Schreibung bereits durchgesetzt,
wendet werden: z. B. Sauerstoff-Flasche, See-Elefant z. B. Foto (anstelle von Photo), Telefon (statt Telephon)
(vgl. hierzu auch Abschnitt C). und Grafik (statt Graphik). Diese Schreibweise kann
Die neue Regelung betrifft jedoch nicht diejenigen auch bei Delphin (neu: Delfin), Graphit (neu: Grafit)
Wörter, die nicht mehr als eine Zusammensetzung be- und bei allen Wörtern mit den Morphemen -phon-,
griffen werden: z. B. Mittag, dennoch. Hier wird die -phot- und -graph- angewendet werden. Ebenso wie f
bisherige Schreibweise beibehalten. anstelle von ph gebraucht wird, kann in einigen Fällen
t statt th, r statt rh sowie g statt gh geschrieben werden.
Es gibt aber auch viele Wörter, die ph, th, rh oder gh
A4 Verdoppelung der Konsonantenbuchstaben nach beibehalten, z. B. Phänomen, Philosophie, Theologie,
kurzem Vokal Rhythmus, Rheuma usw.
Infolge der angleichenden Schreibweise der Wort- Neu: Delfin neben bisher: Delphin
stämme oder Flexionsformen erhalten einige Wörter Grafit neben bisher: Graphit
zukünftig einen doppelten Konsonanten, z. B.: Getto neben bisher: Ghetto
Jogurt neben bisher: Joghurt
Neu: Ass (zu Asse) statt bisher: As Panter neben bisher: Panther
Karamell (zu Karamelle) statt bisher: Karamel Tunfisch neben bisher: Thunfisch
Mopp (zu moppen) statt bisher: Mop Katarr neben bisher: Katarrh
nummerieren (zu Nummer) statt bisher: nume- Myrre neben bisher: Myrrhe
rieren Hämorriden neben bisher: Hämorrhoiden
platzieren (zu Platz) statt bisher: plazieren
Stepp (zu steppen) statt bisher: Step
Tipp (zu tippen) statt bisher: Tip A7.2 ee kann Ø, Øe ersetzen
Tollpatsch (zu toll ) statt bisher: Tolpatsch
Neu: Dragee neben bisher: DragØe
A5 Endet das Stammwort einer Ableitung auf -z, so kön- Exposee neben bisher: ExposØ
nen neben den Endungen -tial, -tiell zukünftig auch Kommunikee neben bisher: KommuniquØ
-zial, -ziell gebraucht werden. Varietee neben bisher: VarietØ
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A7.3 ä kann ai ersetzen B4 Substantive, Adjektive oder Partikeln, die mit Verben
untrennbare Wortverbindungen bilden, werden in der
Neu: Frigidär neben bisher: Frigidaire Regel wie bisher stets zusammengeschrieben (liebäu-
Nessessär neben bisher: Necessaire geln, vollbringen, wehklagen, schlafwandeln, heimsu-
(bereits jetzt schon so: Mohär, Sekretär, chen). In einzelnen Fällen ist jedoch künftig auch Ge-
Dränage, Majonäse) trenntschreibung möglich:

A7.4 u kann ou ersetzen Neu: haushalten oder Haus halten statt bisher:
haushalten
Neu: Buklee neben bisher: BouclØ
Sufflee neben bisher: SoufflØ B5 Partikeln, Adjektive oder Substantive können mit
(bereits jetzt schon so: Nugat) Verben trennbare Zusammensetzungen bilden. Man
schreibt sie nur im Infinitiv, im Partizip I und im Par-
A7.5 ss kann c ersetzen tizip II sowie im Nebensatz bei Endstellung des Verbs
zusammen (wie bisher: abholen, er holt sie ab).
Neu: Fassette neben bisher: Facette
B6 Verbindungen mit dem Verb sein werden künftig stets
Nessessär neben bisher: Necessaire
getrennt geschrieben.
(bereits jetzt schon so: Fassade, Fasson)
Neu: ab sein statt bisher: absein
A7.6 sch kann ch ersetzen

Neu: Ketschup neben bisher: Ketchup B7 Verbindungen aus einem auch als selbständiges Wort
Schikoree neben bisher: ChicorØe gebrauchten (zusammengesetzten) Adverb und Verb
(bereits jetzt schon so: scharmant, Haschee, werden in der Regel getrennt geschrieben:
Scheck usw.)
Neu: anheim fallen statt bisher: anheimfallen
A7.7 k kann qu ersetzen überhand nehmen statt bisher: überhandnehmen
auseinander gehen statt bisher: auseinanderge-
hen
Neu: Kommunikee neben bisher: KommuniquØ
(bereits jetzt schon so: Likör, Etikett)
B8 Zusammengeschrieben werden, wie schon bisher,
Verbindungen, in denen das Adverb nicht als selb-
A7.8 Die englische Pluralendung -ies wird zu -ys
ständiges Wort vorkommt, z. B. fehlgehen, feilbieten.
Wörter aus dem Englischen erhalten das Mehrzahl-s
B9 Adjektiv und Verb werden getrennt geschrieben,
nach deutschem Muster:
wenn das Adjektiv in dieser Verbindung steigerbar
oder erweiterbar ist, wenigstens durch sehr oder ganz.
Neu: Babys statt bisher: Babies oder Babys Auûerdem wird getrennt geschrieben, wenn der erste
Gullys statt bisher: Gullies oder Gullys Bestandteil eine Ableitung auf -ig, -isch oder -lich ist:
Hobbys statt bisher: Hobbies oder Hobbys usw.
Neu: bekannt machen statt bisher: bekanntmachen
A7.9 Einzelfälle leicht fallen statt bisher: leichtfallen
nahe bringen statt bisher: nahebringen
Neu: Portmonee neben bisher: Portemonnaie zufrieden stellen statt bisher: zufriedenstellen
übrig bleiben statt bisher: übrigbleiben
B Getrennt- und Zusammenschreibung
Sofern das Kriterium der Steigerbarkeit bzw. Erwei-
Da die Getrennt- und Zusammenschreibung im Reformwerk terbarkeit keine klare Entscheidung für oder gegen
von 1902 nicht ausreichend festgeschrieben wurde, ist dieser Be- die Getrenntschreibung bietet, bleibt es dem Schrei-
reich in den folgenden Jahrzehnten in der Duden-Rechtschrei- benden überlassen, ob er einen Begriff getrennt oder
bung zum Teil uneinheitlich geregelt und damit unnötigerweise zusammenschreibt.
verkompliziert worden (z. B. radfahren, aber: Auto fahren). Mit-
hilfe der neuen Regeln soll versucht werden, diese Unstimmig- B10 Verbindungen aus Partizip und Verb werden getrennt
keiten in der deutschen Orthographie zu beseitigen. geschrieben:

B1 Die Getrenntschreibung ist künftig der Normalfall, Neu: gefangen nehmen statt bisher: gefangennehmen
während die Zusammenschreibung (z. T. nach Wör- verloren gehen statt bisher: verlorengehen
terverzeichnis der amtlichen Regelung) als regelungs-
bedürftig gilt.
B11 Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb wer-
B2 Generell wird wie bisher zusammengeschrieben, den getrennt geschrieben, sofern sie nicht eine un-
wenn der erste oder zweite Bestandteil in dieser Form trennbare Wortverbindung (wie schlafwandeln,
als selbständiges Wort nicht vorkommt, z. B. wissbe- schlussfolgern) bilden (vgl. B4).
gierig, heiûblütig, darstellen, wettmachen, vieldeutig,
einfach usw. Neu: Eis laufen statt bisher: eislaufen
Kopf stehen statt bisher: kopfstehen
B3 Bei Zusammensetzungen wird stets getrennt geschrie- Not tun statt bisher: nottun
ben, wenn der erste oder der zweite Bestandteil erwei- Rad fahren statt bisher: radfahren (wie bisher:
terbar oder steigerbar ist. Auto fahren)
Dies gilt insbesondere für die Zusammensetzungen Maû halten statt bisher: maûhalten
von Adjektiven und Verben (vgl. B9). Staub saugen neben bisher: staubsaugen
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B12 Verbindungen aus Verb (Infinitiv) + Verb werden C Schreibung mit Bindestrich
stets getrennt geschrieben:
C1 Die Schreibung mit Bindestrich ist grundsätzlich
Neu: kennen lernen statt bisher: kennenlernen dann zu verwenden, wenn die unterschiedlichen Be-
sitzen bleiben statt bisher: sitzenbleiben standteile von Zusammensetzungen verdeutlicht wer-
den sollen. Mit dieser neuen Regelung kann der
B13 Substantive, Adjektive, Verbstämme, Adverbien oder Schreibende häufig selbst entscheiden, ob er einen
Pronomen können mit Adjektiven oder Partizipien Bindestrich verwendet oder nicht. In einigen Fällen
Zusammensetzungen bilden (denkfaul, fernsehmüde, ist die Schreibweise mit Bindestrich jedoch vorge-
geschlechtsreif, dummdreist usw.). Diese schreibt schrieben, um die unterschiedlichen Bestandteile
man wie bisher zusammen. Davon betroffen sind deutlich voneinander abzuheben, z. B. O-Beine, x-be-
auch Zusammensetzungen, bei denen der erste Be- liebig, UKW-Sender. (Hier wird die bisherige Schreib-
standteil für eine Wortgruppe steht bzw. wenn mit weise mit Bindestrich beibehalten.)
der Zusammensetzung eine Präposition oder ein Arti-
kel eingespart wird: z. B. angsterfüllt (= von Angst er- C2 Der Bindestrich nach Zahlzeichen ist obligatorisch.
füllt), bahnbrechend (= sich eine Bahn brechend), jah-
relang (= mehrere Jahre lang), durstlöschend (= den Neu: 8-Pfünder, 27-Tonner, 20-jährig, 100-prozentig
Durst löschend).
Suffixe werden wie bisher ohne Bindestrich geschrie-
B14 Bei Zusammensetzungen mit einem Partizip wird ge- ben: 68er
trennt geschrieben, wenn das zugrunde liegende Verb
(Infinitiv) vom ersten Bestandteil getrennt geschrie- Der Bindestrich kann zur Verdeutlichung der Wort-
ben wird. bestandteile freier verwendet werden als bisher: z. B.
Blumentopf-Erde neben Blumentopferde, Ich-Sucht
Neu: sitzen geblieben (wegen: sitzen bleiben) statt bis- neben Ichsucht usw. Nicht mehr obligatorisch ist der
her: sitzengeblieben Bindestrich beim Aufeinandertreffen von drei Voka-
zufrieden stellend (wegen: zufrieden stellen) statt len:
bisher: zufriedenstellend
Rat suchend (wegen: Rat suchen) statt bisher: Neu: Seeelefant oder wie bisher: See-Elefant
ratsuchend (Siehe hierzu auch A3)
Laub tragend (wegen: Laub tragen) statt bisher:
laubtragend C3 Komposita aus Anglizismen werden wie die deut-
schen Zusammensetzungen behandelt und künftig
B15 Zusammensetzungen mit Partizipien bzw. Adjektiven ebenfalls ohne Bindestrich geschrieben.
werden auch getrennt geschrieben, wenn der erste Be-
standteil auf -ig, -isch oder -lich endet oder der erste Neu: Hairstylist statt bisher: Hair-Stylist
Bestandteil ein adjektivisches Partizip ist (riesig groû, Happyend oder Happy End statt bisher:
musisch begabt, scheuûlich grün; abschreckend häss- Happy-End
lich). Jobsharing statt bisher: Job-sharing

Neu: kochend heiû statt bisher: kochendheiû Bei Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv wie
Blackbox, Softdrink usw. ist in Anlehnung an die Her-
B16 Getrenntschreibung bei Zusammensetzungen mit ei- kunftssprache auch Getrenntschreibung möglich:
nem Partizip gilt auch, wenn der erste Bestandteil er-
weitert oder gesteigert werden kann (vgl. B13). Neu: Softdrink od. Soft Drink statt bisher: Soft Drink
Blackbox od. Black Box statt bisher: Blackbox
Neu: ernst gemeint (sehr ernst gemeint) statt bisher:
ernstgemeint D Groû- und Kleinschreibung
dicht behaart (sehr dicht behaart) statt bisher:
dichtbehaart Die bislang gültige Regelung der Groû- und Kleinschreibung
verursachte häufig Unsicherheiten beim Schreiben. So ist z. B.
Lässt sich bei den Wortbildungen mit Adjektiven/ die unterschiedliche Schreibweise von in bezug auf und mit Be-
Partizipien in einzelnen Fällen keine klare Entschei- zug auf, heute mittag und gegen Mittag ohne ein fundiertes
dung für Getrennt- oder Zusammenschreibung tref- grammatisches Vorwissen nicht zu verstehen. Die zum Teil ver-
fen, so bleibt es dem Schreibenden überlassen, ob er wirrende Regelung der Groû- und Kleinschreibung stand des-
diese als Wortgruppe oder Zusammensetzung ver- halb bereits mehrfach im Mittelpunkt der Diskussion um eine
standen wissen will, z. B. nicht öffentlich (Wortgruppe) Reform der deutschen Orthographie.
oder nichtöffentlich (Zusammensetzung). Die ursprünglich vom ¹Internationalen Arbeitskreis für Ortho-
graphieª vorgeschlagene ¹gemäûigte Kleinschreibungª (Klein-
B17 Einzelfälle schreibung der Substantive, Beschränkung der Groûschreibung
auf den Satzanfang, Eigennamen u. a.) konnte sich bei den Wie-
a) Getrenntschreibung ner Gesprächen jedoch nicht durchsetzen. Um dennoch eine Sy-
stematisierung und Vereinfachung der Groû- und Kleinschrei-
bung zu bewirken, sind die folgenden grundlegenden Regelun-
Neu: so viel, wie viel statt bisher: soviel, wieviel gen getroffen worden.
(bereits jetzt schon so: so viele, wie viele)
D1 Substantive/Substantivierungen werden auch in prä-
b) Zusammenschreibung positionalen oder anderen festen Verbindungen groû-
geschrieben.
Neu: irgendetwas, irgendjemand statt bisher: irgend
etwas, irgend jemand D2 Nach dem Artikel werden Substantive/Substantivie-
(bereits jetzt schon so: irgendwer, irgendwann) rungen generell groûgeschrieben.
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Neu: auûer Acht lassen statt bisher: auûer acht lassen Die Groû- und Kleinschreibung ist hier rein formal
in Bezug auf statt bisher: in bezug auf (wie be- geregelt. Die Groûschreibung gilt weiterhin, wenn
reits jetzt: mit Bezug auf ) die Fügung als Ganzes ein Eigenname oder ein als sol-
alles Übrige statt bisher: alles übrige cher aufzufassender Begriff ist, z. B. Heiliger Vater,
auf dem Trockenen sitzen statt bisher: auf dem Letzte Ölung, Dritte Welt.
trockenen sitzen
im Allgemeinen, im Folgenden, im Wesentlichen, D8 Die Groûschreibung bei Eigennamen wird durch das
im Geheimen statt bisher: im allgemeinen, im fol- Wörterverzeichnis der amtlichen Regelung festgelegt.
genden, im wesentlichen, im geheimen
im Dunkeln tappen statt bisher: im dunkeln tap- D9 Nach dem Doppelpunkt ist grundsätzlich mit Groû-
pen schreibung fortzufahren.
im Groûen und Ganzen statt bisher: im groûen
und ganzen D10 In der schriftlichen Anrede werden die vertraulichen
das Gleiche sagen statt bisher: das gleiche sagen Anredepronomen du, dein, dir und ihr, euer, euch stets
der Einzelne statt bisher: der einzelne kleingeschrieben.
des Näheren statt bisher: des näheren
es wird das Beste sein statt bisher: es wird das Die Höflichkeitspronomen Sie und Ihr werden dage-
beste sein gen wie bisher groûgeschrieben.
zu Mute neben bisher: zumute
zu Gunsten von neben bisher: zugunsten von
aber: am besten (der Superlativ wird wie bisher E Zeichensetzung
kleingeschrieben); wie bisher: der, die, das an-
dere Die neuen Regeln sehen hier einen gröûeren Entscheidungsfrei-
raum für den Schreibenden vor.
D3 Farb- und Sprachbezeichnungen werden nach Präpo-
sitionen groûgeschrieben. E1 Das Komma bei und, oder und verwandten Konjunk-
tionen ist bei Hauptsätzen nicht mehr obligatorisch.
Neu: einen Satz auf Deutsch sagen statt bisher: einen
Satz auf deutsch sagen Neu: Es war ein herrlicher Sommertag (,) und wir ver-
brachten den ganzen Tag am Meer.
D4 Bezeichnungen für Tageszeiten, die in Verbindung
mit gestern, heute, morgen gebraucht werden, schreibt E2 Bei (erweiterten) Infinitiv- oder Partizipgruppen
man nun groû. muss kein Komma mehr gesetzt werden, auûer wenn
die Satzstruktur dies erforderlich macht bzw. der Satz
Neu: heute Mittag statt bisher: heute mittag ohne ein Komma mehrdeutig ist.
gestern Abend statt bisher: gestern abend
morgen Früh neben bisher: morgen früh Ein Komma kann jedoch zur Verdeutlichung der
am Montagabend statt bisher: am Montag Satzgliederung gesetzt werden.
abend
Neu: Sie hatte geplant (,) ins Kino zu gehen.
Neu: montagabends oder montags abends Ich rate, ihm noch einmal zuzuhören (im Ver-
statt bisher: Montag abends gleich zu:) Ich rate ihm, noch einmal zuzuhören.
D5 Wörter wie Angst, Bange, Gram, Leid, Pleite und
Neu: Vor Anstrengung keuchend (,) kam er die Treppe
Schuld werden nur noch in Verbindung mit den Ver-
herauf.
ben sein, bleiben und werden kleingeschrieben, an-
sonsten groû.
E3 Bei direkter Rede soll das Komma nicht weggelassen
Neu: jmdm. Bange machen statt bisher: jmdm. bange werden, wenn der Kommentarsatz folgt oder nach der
machen direkten Rede weitergeht.
Pleite gehen statt bisher: pleite gehen
Schuld haben statt bisher: schuld haben Neu: ¹Wann kommst du?ª, fragte sie mich. Sie sagte:
es tut mir Leid statt bisher: es tut mir leid ¹Ich komme gleich wiederª, und ging hinaus.

D6 Aus nicht deklinierten Adjektiven bestehende Paar-


formeln, die Personen benennen, werden groûge- F Worttrennung am Zeilenende
schrieben.
In der amtlichen Regelung zur neuen deutschen Rechtschrei-
Neu: Arm und Reich statt bisher: arm und reich bung wird die Worttrennung am Zeilenende in sechs Paragra-
Groû und Klein statt bisher: groû und klein phen beschrieben. Die wesentlichen Kriterien für die Worttren-
Alt und Jung statt bisher: alt und jung nung sind die Gliederung nach Sprechsilben, die Abtrennung
von Konsonanten, die Berücksichtigung der einzelnen Wort-
D7 Adjektive, die in einer festen Verbindung mit einem bestandteile sowie Ÿ generell von geringerer Bedeutung als bis-
Substantiv stehen, werden kleingeschrieben. her Ÿ die Zusammensetzungen in der Herkunftssprache.

Neu: erste Hilfe statt bisher: Erste Hilfe Die Regeln im Einzelnen:
das goldene Zeitalter statt bisher: das Goldene
Zeitalter F1 Geschriebene Wörter trennt man am Zeilenende nach
das schwarze Brett statt bisher: das Schwarze Sprechsilben.
Brett
Gemäû dieser Regelung ergeben sich die folgenden
Neu: das ohmsche Gesetz (nur bei Abtrennung durch Neuerungen:
Apostroph wird wie bisher groûgeschrieben:
der Ohm©sche Widerstand ). F1.1 st ist künftig zu trennen:
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Neu: Fens-ter statt bisher: Fen-ster F6.1 Die Silbentrennung bei Fremdwörtern orientierte
kos-ten statt bisher: ko-sten sich bislang (zumindest bei Wörtern griechischer
Nes-ter statt bisher: Ne-ster und lateinischer Herkunft) an den jeweiligen Stäm-
men, was jedoch zum Teil der allgemein üblichen
F1.2 Ein einzelner Vokal darf am Wortanfang und in der Trennung nach Silben widersprach.
Wortmitte, nicht aber am Wortende abgetrennt wer-
den: Bei Fremdwörtern gelten künftig ebenfalls die allge-
meinen Trennungsregeln. Die bisherige Trennungs-
Neu: a-ber statt bisher: aber weise bei Fremdwörtern bleibt jedoch weiterhin zu-
o-der statt bisher: oder lässig.
Ru-i-ne statt bisher: Rui-ne
na-ti-o-nal statt bisher: na-tio-nal Neu: Zyk-lus neben bisher: Zy-klus
Chi-rurg neben bisher: Chir-urg
F2 Ein einzelner Konsonantenbuchstabe zwischen Vo- Al-ler-gie neben bisher: All-er-gie
kalbuchstaben wird bei der Worttrennung auf die Nos-tal-gie neben bisher: Nost-al-gie
neue Zeile gesetzt. Folgen mehrere Konsonanten- He-li-kop-ter neben bisher: He-li-ko-pter
buchstaben aufeinander, so kommt der letzte auf die pa-ral-lel neben bisher: par-al-lel
neue Zeile. (Wie bisher: Pap-pel, Va-ter, kom-men,
letz-te)

Neu: schöns-te statt bisher: schön-ste


Fens-ter statt bisher: Fen-ster Literatur zur Rechtschreibreform
Res-triktion (auch Rest-riktion, vgl. F1) neben
bisher: Re-striktion Augst, G./Dehn, M., Rechtschreibung und Rechtschreibunter-
richt. Können ± Lehren ± Lernen, Stuttgart (Ernst Klett Ver-
F3 Buchstabenverbindungen wie ch, sch, ph, rh, sh oder th lag) 1998.
geben einen Konsonanten wieder und werden nicht Deutsche Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis.
getrennt. Das gilt auch für ck. Text der amtlichen Regelung, Tübingen (Gunter Narr Ver-
lag) 1996.
F3.1 ck wird nicht mehr in k-k aufgelöst: Heller, K., Reform der deutschen Rechtschreibung. Die Neure-
gelung auf einen Blick, Institut für deutsche Sprache, er-
Neu: Ha-cke statt bisher: Hak-ke schienen 1995 im Bertelsmann Lexikon Verlag.
schme-cken statt bisher: schmek-ken Institut für deutsche Sprache (Hrsg.), Rechtschreibreform. Eine
tro-cken statt bisher: trok-ken Zusammenfassung von Dr. K. Heller (Sprachreport-Extra-
Zu-cker statt bisher: Zuk-ker ausgabe vom Dezember 1998), Institut für deutsche Sprache,
Mannheim 1998.
F4 In Fremdwörtern können die Verbindungen aus ei- Internationaler Arbeitskreis für Orthographie (Hrsg.), Deutsche
nem Konsonantenbuchstaben + l, n oder r entweder Rechtschreibung, Vorschläge zu ihrer Neuregelung, Tübin-
entsprechend F2 getrennt oder ungetrennt auf die gen (Gunter Narr Verlag) 1992.
neue Zeile gesetzt werden (vgl. auch F6). Internationaler Arbeitskreis für Orthographie (Hrsg.), Deutsche
Rechtschreibung, Regeln und Wörterverzeichnis. Vorlage
Neu: Quad-rat neben bisher: Qua-drat für die amtliche Regelung, Tübingen (Gunter Narr Verlag)
möb-liert neben bisher: mö-bliert 1995.
Mag-net neben bisher: Ma-gnet Die neue deutsche Rechtschreibung. Was ist neu? Was bleibt?,
pyk-nisch neben bisher: py-knisch Gütersloh (Bertelsmann Lexikon Verlag) 1996.
Sitta, H., Duden, Informationen zur neuen deutschen Recht-
F5 Zusammensetzungen sowie Wörter mit Präfix oder schreibung: Nach den Beschlüssen der Wiener Orthogra-
Suffix trennt man zwischen den einzelnen Bestandtei- phiekonferenz vom 22.Ÿ24. 11. 1994 für Deutschland, Öster-
len. (Wie schon bisher: Papp-plakat, in-stabil, Ver- reich und die Schweiz, hrsg. von der Dudenredaktion in Zu-
kehr, Rest-strahlen, Mit-streiter, gegen-steuern, ab- sammenarbeit mit der Schweizerischen Konferenz der kan-
blenden, Einzel-haft, Anwalt-schaft) tonalen Erziehungsdirektoren und dem Koordinationsko-
mittee für Orthographie des Bundesministeriums für Unter-
Irreführende Trennungen (Neuer-öffnung statt Neu- richt und Kunst, Wien, Bibliographisches Institut & F. A.
eröffnung, Seeu-fer statt See-ufer) sollten vermieden Brockhaus AG, Mannheim 1994.
werden. Stanze, B., Die Orthographischen Regelbücher des Deutschen,
Egelsbach (Hänsel-Hohenhausen) 1994.
F6 Wörter, die von der Wortherkunft her gesehen Zu- Willenpart, N./Kircher, H., Diskussion Rechtschreibreform.
sammensetzungen sind, aber oft nicht mehr als solche Kommentierte Bibliographie zur Reformdebatte von
empfunden oder erkannt werden, können künftig 1970Ÿ1992, Wien 1994.
nach den allgemeinen Trennungsregeln (F2-5) ge- Zabel, H., Die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung, in:
trennt werden. Der Sprachdienst 1/95, hrsg. von der Gesellschaft für deut-
sche Sprache, S. 1Ÿ18.
Neu: ei-nan-der neben bisher: ein-an-der Zabel, H., Die neue deutsche Rechtschreibung, hrsg. von der
wa-rum neben bisher: war-um Gesellschaft für deutsche Sprache, Niedernhausen/Ts. (Fal-
vo-ran neben bisher: vor-an ken-Verlag) Ÿ Aktualisierte Auflage Ÿ 1995.
he-rein neben bisher: her-ein Zabel, H., Keine Wüteriche am Werk, Hagen (Reiner Padligur
be-o-bach-ten neben bisher: be-ob-ach-ten Verlag) 1996.
LEXIKON
DER
DEUTSCHEN SPRACHLEHRE
Von Dr. Walter Ludewig ²,
erweitert von Prof. Gerhard Wahrig ², neu bearbeitet von Dr. Petra Kürten

Abkürzungen Ausnahmen von dieser Regel sind sehr zahlreich. So


Kurzformen häufig vorkommender Wörter oder Wort- werden z. B. A. in Firmennamen so geschrieben, wie
folgen. die Eintragung im Handelsregister lautet. Für Gesell-
1 Der Zweck der A. war ursprünglich eine Ersparnis schaft mit beschränkter Haftung sind beispielsweise
beim Schreiben. Später drangen die A. auch in die ge- folgende Abkürzungen geläufig: GmbH, GMBH,
sprochene Sprache ein. Noch weniger als dem Kurz- GmbH., G.m.b.H.
wort (` Kurzwortbildung) sieht man einer Abkürzung A. von Maûeinheiten u. am Satzanfang bzw. -ende: 4
die Herkunft an. Früher wurden fast alle A. mit Punkt A. von Maûangaben dürfen nur dann verwendet wer- 4.1
geschrieben; heute dagegen ist es allgemein üblich, A., den, wenn eine Ziffer vorangeht: 1 m Bleirohr, 10 ha
die man auch verkürzt spricht oder die den Charakter Land, 10 l Wasser.
von Symbolen haben (Maûe, chemische Zeichen), A. dürfen nicht verwendet werden, wenn die Maûan-
ohne Punkt zu schreiben. gabe ohne Ziffer steht:
2 Im Einzelnen kürzt man mit Punkt ab z. B.: das Meter als Längenmaû; drei Liter Alkohol;
2.1 In einem Text öfter vorkommende Wörter, besonders wenn eine der allgemein üblichen A. am Satzanfang 4.2
auch Namen, falls dies aus Ersparnisgründen für sinn- steht, wird nicht abgekürzt:
voll gehalten wird: Zum Beispiel erlaubte ich ihm nicht, . . .;
S. (etwa: Shakespeare), S.s Werke (etwa: Schillers Das heiût . . .
Werke), in diesem Artikel: A. = Abkürzungen; Steht eine Abkürzung mit Punkt am Satzende, so wird 4.3
2.2 Zusätze zu mehrfach vorkommenden Ortsnamen: kein weiterer Punkt gesetzt:
Frankfurt a. M. (am Main), Frankfurt a. d. O. (an der Das geschah in Frankfurt a. M.
Oder); postalische Vorschriften weichen allerdings A. werden im Allgemeinen nicht dekliniert. Bei den mit 5
häufig von dieser Schreibweise ab; Punkt geschriebenen A. wird beim Sprechen sowieso
2.3 nicht metrische oder nicht dem Dezimalsystem zuge- die Beugungsendung ergänzt. Möchte man die Flexion
hörige Maûangaben; jedoch deutlich machen, so gilt folgende Regel:
Mon. (Monat), Dtzd. (Dutzend), Min. (Minute), Sek. Ist der letzte Buchstabe der Abkürzung identisch mit
(Sekunde), In. (Inch); dem letzten Buchstaben des vollen Wortes, so wird
2.4 aus einer Fremdsprache übernommene A., die man die Flexionsendung direkt angehängt. Darauf folgt
nach deutschem Brauch ohne Punkt schreiben würde, der Abkürzungspunkt: die Bde. (= die Bände), dem
weil man sie verkürzt spricht: Hrn. (= dem Herrn).
cand. jur., stud. phil., Dr. med. [!d.kt/r !me#t], k. o. Im anderen Falle schlieût sich die Flexionsendung an
2.5 A., die im vollen Wortlaut ausgesprochen werden: usw. den Abkürzungspunkt an: des Jh.s (= des Jahrhun-
(und so weiter); u. a. (und andere[s], unter anderem). derts), die Jh.e (= die Jahrhunderte).
3 Ohne Punkt schreibt man z. B.: Bei den A. ohne Punkt (3.2) kann im Genitiv Singular
3.1 A., die Zeichencharakter haben, wie metrische und auf des Neutrums und im Plural bei allen drei Genera die
dem Dezimalsystem aufgebaute Maûe und Gewichte, Endung -s stehen, auch wenn im ausgeschriebenen
chemische Elemente, Himmelsrichtungen, Währungs- Wort diese Endung gar nicht vorkommt:
einheiten, genormte Zeitangaben, wenn sie mit kleinem des Pkw(s), die Pkw(s), die AG(s); des EKG(s), die
Anfangsbuchstaben geschrieben werden: EKG(s).
m (Meter), g (Gramm), H (Wasserstoff), N (Norden),
SSW (Südsüdwest), M (Mark), DM (Deutsche Mark), Ablaut
S (Schilling), min (Minute), s (Sekunde); Regelmäûiger Wechsel bestimmter Vokale in etymolo-
3.2 A., bei denen jeder Buchstabe einzeln gesprochen gisch (` Etymologie) zusammengehörigen Wörtern
wird: und Wortteilen; Merkmal zahlreicher indoeuropäi-
BRD (Bundesrepublik Deutschland), CDU (Christ- scher Spachen (` Indogermanisch). Zur Entstehung
lich-Demokratische Union), AG (Aktiengesellschaft), des A.s ` Betonung (2.4). Man unterscheidet zwei Ar-
PKW oder Pkw (Personenkraftwagen). ten des A.s:
Ableitung

1. den qualitativen A. oder die Abtönung, d.h. den Zustände: Wärme, Freude, ¾rger, Ruhe, Unruhe,
Wechsel in der Klangfarbe; Schweigen;
2. den quantitativen A. oder die Abstufung, d.h. den Wissenschaften und Künste: Philologie, Physik, Musik,
Wechsel in der Vokallänge. Bildhauerei;
Der A. ist noch im heutigen Deutsch charakteristisch Triebkräfte: Ursache, Anlass, Drang, Kraft, Bedürfnis,
für die Tempusbildung der sog. starken Verben, z. B.: Instinkt;
[e#] ± [a#] ± [o#]: stehlen ± stahl ± gestohlen, Maûe und Zeitbegriffe: Meter, Kilowattstunde,
[e#] ± [a#] ± [.]: nehmen ± nahm ± genommen, Gramm, Minute, Monat;
[&] ± [a#] ± [.]: brechen ± brach ± gebrochen, Verhältnisse (Beziehungen): Ehe, Kameradschaft,
[&] ± [a] ± [.]: bergen ± barg ± geborgen. Feindschaft, Gegensatz.

Ableitung, Derivation Adjektiv, Adjektivum, Eigenschaftswort


Mittel der ` Wortbildung, das von der ` Zusammen- Das A. ist eine Wortart, die wie das Substantiv die Fä- 1
setzung und der ` Präfixbildung zu unterscheiden ist. higkeit besitzt, die einzelnen Kasus durch besondere
A. erfolgt durch ` Ablaut und/oder Anfügung von Endungen zu kennzeichnen. In der traditionellen
` Suffixen: so sind z. B. die Substantive Bund, Band, Grammatik sind A. und Substantiv unter dem Oberbe-
Binde, Bindung von dem Verbum binden abgeleitet; griff ` Nomen zusammengefasst. Das A. stellt etwa ein
` Morphem. Sechstel des gesamten Wortschatzes der deutschen
Sprache. Die meisten A.e sind Ableitungen von Sub-
absolutes Verb stantiven, Verben und auch anderen A.en mit Suffixen,
Verb, das innerhalb eines Satzes ohne zusätzliche wie -bar, -ig, -isch, -haft, -lich, -sam usw., oder Zusam-
` Objekte oder ` Ergänzungen auskommt: es regnet; mensetzungen, partizipiale Bildungen u.a. ¹Primäreª
Klaus humpelt. (einfache) Adjektive gibt es im Deutschen nur etwa
Im Gegensatz dazu stehen Verben, die aufgrund ihrer zweihundert.
` Valenz weitere Objekte benötigen: das Kind bemalt Als deutsche Bezeichnung für A. ist Eigenschaftswort
die Wand. am üblichsten.
Das A. kann im Dt. erscheinen 1. in einer unveränder- 2
Abstraktum ten Grundform und 2. in veränderten Formen, die
1 Begriffswort, ` Substantiv, das im Unterschied zum durch äuûere Flexion, das heiût durch Deklination,
Konkretum die Eigenschaften von Gegenständen jeweils für die einzelnen Kasus, Numeri und Genera
(Personen und Dingen) oder nicht gegenständlichen mit verschiedenen Endungen gebildet werden. Man
Erscheinungen bezeichnet; z. B. Härte, Kälte, Form, unterscheidet dabei zwei Arten der Deklination, die
Farbe, Verstand, Gerechtigkeit, Demokratie. seit Jakob Grimm als schwach bzw. stark bezeichnet
2 Manche Abstrakta erhalten in bestimmten Verwen- werden.
dungszusammenhängen konkrete Bedeutung. So ist Die schwache Deklination des A.s kommt dann vor, 2.1
das Wort Unschuld zunächst A., nimmt aber in dem wenn vor der Wortgruppe Adjektiv + Substantiv der
Ausdruck eine Unschuld vom Lande konkrete Bedeu- bestimmte Artikel oder ein Pronomen mit voller Beu-
tung an und bezeichnet ein naives, einfältiges Mäd- gung: dieser, jener, jeder, steht:
chen. Ebenso ist Regierung zunächst A., kann aber
auch konkrete Bedeutung annehmen, wenn es die Mit- Maskulinum:
glieder einer bestimmten Regierung bezeichnet. Die Singular Plural
Mehrdeutigkeit dieser Wörter wird jeweils im Sinnzu- Nom. der kräftig e die kräftig en
sammenhang der ` Rede aufgehoben. Mann Männer
3 Unter dem Gesichtspunkt der ` Wortbildung gibt es Gen. des kräftig en der kräftig en
folgende Gruppen von Abstrakta: Mannes Männer
3.1 Abstrakta auf -heit und -ung: Blindheit, Erblindung; Dat. dem kräftig en den kräftig en
Krankheit, Erkrankung. Mann(e) Männern
3.2 Abstrakta auf -keit (-igkeit): Ewigkeit, Heiterkeit, Sau- Akk. den kräftig en die kräftig en
berkeit, Geschwindigkeit, Helligkeit, Zähigkeit; manche Mann Männer
dieser Wörter können jedoch, besonders im Plural,
konkrete Bedeutung annehmen: Kleinigkeit(en), Flüs- Feminium:
sigkeit(en), Süûigkeit(en). Singular Plural
3.3 Von Verben abgeleitete Abstrakta (Vorgangsbegriffe): Nom. die klug e Frau die klug en Frauen
der Raub, die Heirat, der Bruch; sie können neben Gen. der klug en Frau der klug en Frauen
ihrer abstrakten Bedeutung in Einzelfällen auch kon- Dat. der klug en Frau den klug en Frauen
kret gebraucht werden: (er brachte seinen Raub nach Akk. die klug e Frau die klug en Frauen
Hause).
3.4 Substantivierte Infinitive bzw. Adjektive: das Lesen, Neutrum:
das Wachsen, das Lernen; (aber mitunter konkret: das Singular Plural
Schreiben = Brief, das Leiden = Krankheit); das Nom. das munter e die munter en
Neue, Wahre, Schöne. Kind Kinder
Nach den Bedeutungsbereichen lassen sich folgende Gen. des munter en der munter en
Gruppen unterscheiden: Kindes Kinder
Vorstellungen: Gedanke, Seele, Traum; Dat. dem munter en den munter en
Eigenschaften: Länge, Güte, Sanftmut, Klugheit; Kind(e) Kindern
Handlungen: Lesen, Löten, Arbeit; Akk. das munter e die munter en
Vorgänge: Schlaf, Beginn, Tod, Krieg, Rückkehr, Spiele- Kind Kinder
rei, Ehebruch;
Adjektiv

Diese Deklination lehnt sich an die schwache Deklina-


tion des Substantivs vom Typus Bote an, bei der auûer Neutrum:
im Nom. Sing. stets die Endung -(e)n steht; eine Aus- Singular Plural
nahme bildet hier nur der Akk. Sing. des Fem. und Nom. kein alt es Buch keine alt en Bücher
Neutr., der mit dem Nom. formgleich ist. Gen. keines alt en Buches keiner alt en Bücher
2.2 Stark dekliniert werden A.e nur in dem Falle, dass die Dat. keinem alt en Buch(e) keinen alt en Büchern
Wortgruppe Adjektiv + Substantiv ohne Artikel oder Akk. kein alt es Buch keine alt en Bücher
Pronomen mit voller Beugung steht. Hier muss also
das A. dem zugehörigen Substantiv seine Stellung im Hier tritt beim Maskulinum im Nom. Sing., beim Neu-
Satz anweisen; es übernimmt die Endungen des be- trum im Nom. und Akk. Sing. die starke Endung an das
stimmten Artikels (bzw. der Demonstrativpronomina A., sonst überall die schwache.
dieser, jener, jeder). Folgen mehrere A.e aufeinander, so haben sie die glei- 2.4
che Endung: nach gutem, altem, deutschem Brauch,
Maskulinum: auch wenn das letzte A. mit dem folgenden Substantiv
Singular Plural eine begriffliche Einheit bildet: mit vortrefflichem ro-
Nom. edl er Wein neu e Schuhe tem Weine gefüllt.
Gen. edl en Weines neu er Schuhe Nach unverändertem solch, manch, welch werden die 2.5
Dat. edl em Wein(e) neu en Schuhen A.e im Sing. stark dekliniert: in manch hartem Streit,
Akk. edl en Wein neu e Schuhe bei solch törichtem Geschwätz, welch groûer Künst-
ler!; werden die Wörter solch, manch, welch (bes. im
Femininum: Plural), dazu sämtliche und alle selbst dekliniert, so fol-
Singular Plural gen die A.e in schwacher Form: solche groûen Künst-
Nom. rein e Seide lieb e Mütter ler, welcher hervorragende Mann!, sämtliche näheren
Gen. rein er Seide lieb er Mütter Angehörigen, allen groûen und kleinen Kindern;
Dat. rein er Seide lieb en Müttern doch begegnet neuerdings auch die starke Form: man-
Akk. rein e Seide lieb e Mütter che groûe Künstler.
Grundzahlen sowie die unbestimmten Zahlwörter: 2.6
Neutrum: viele, einige, andere, einzelne, mehrere, verschiedene, et-
Singular Plural liche, zahlreiche, unzählige, werden wie A.e behandelt,
Nom. rot es Blut alt e Bücher haben also nach ` 2.4 die gleichen Endungen wie
Gen. rot en Blutes alt er Bücher die nachfolgenden A.e: zweier guter Freunde, vieler
Dat. rot em Blut(e) alt en Büchern schöner Tage, verschiedene alte Herren, zahlreiche
Akk. rot es Blut alt e Bücher treffende Beispiele.
Nach beide wird das nachfolgende A. meist schwach 2.7
Nur im Gen. Sing. des Mask. und Neutr. hat sich, so- gebeugt: beide jüngeren Geschwister; die parallele
weit das Substantiv die Genitivendung -s zeigt, die En- Beugung: beide jüngere Geschwister (also wie 2.6),
dung -en gegenüber der älteren -es durchgesetzt; ei- gilt als veraltet.
nige Restformen sind erhalten, z. B. gutes Mutes, Nach folgend steht im Sing. das A. meist in schwacher 2.8
keines-falls (gegenüber jüngerem jedenfalls) u. a. Form: folgendes treffende (seltener: treffendes) Bei-
Wenn jedoch das Mask. die schwache Endung -(e)n spiel, im Plural gewöhnlich in starker Form: folgende
hat, erhält das A. die Endung -es: gutes Menschen widersprechende (auch: widersprechenden) Sätze.
Leid. Die syntaktische Funktion des Adjektivs lässt sich fol- 3
2.3 Eine gemischte Form der Deklination gibt es im Singu- gendermaûen gliedern:
lar, wenn der unbestimmte, im Nom. Mask. und Neutr. 1. attributiv
endungslose Artikel ein, ebenso kein sowie die Posses- 2. prädikativ
sivpronomina mein, dein, sein, unser, euer, ihr vor der 3. adverbial.
Wortgruppe Adjektiv + Substantiv erscheinen. (Bei un- Bei der Charakterisierung von Personen oder Gegen- 3.1
ser und euer gehört -er zum Stamm, während es z. B. bei ständen tritt das A. attributiv neben ein Substantiv. In
dieser Endung ist). Der Plural dieser Deklinationsreihe der Regel steht es vor diesem und erscheint dabei mit
mit unbestimmtem Artikel wird ohne Artikel, also stark veränderten Formen, je nach dem Kasus, in dem das
gebildet, und steht unter 2.2, während er mit kein oder Substantiv auftritt; über die Verschiedenartigkeit der
den Possessivpronomina schwach gebildet wird wie Endungen ` 2. In der Stellung vor dem Substantiv
unter 2.1: kommt es in einigen stehenden Wendungen auch un-
verändert vor: ruhig Blut, gut Freund, Jung Siegfried.
Maskulinum: In besonderen Fällen, meist gehobener oder dichteri-
Singular gemischt Plural schwach scher Sprache, steht das attributive A. undekliniert
Nom. ein neu er Schuh meine neu en Schuhe nach dem Substantiv:
Gen. eines neu en Schuh(e)s meiner neu en Schuhe Der Franz, ein Schüler hochgelehrt, . . .
Dat. einem neu en Schuh meinen neu en Schuhen Försters Fritze, blond und kraus, . . .
Akk. einen neu en Schuh meine neu en Schuhe Papa Fittig, treu und friedlich,
Mama Fittig, sehr gemütlich, . . . (Busch)
Femininum: In sehr erregter Sprache wird auch das nachgestellte A.
Singular Plural dekliniert: Lump, elender! Schwein, dreckiges! Mist, ver-
Nom. deine lieb e Mutter unsere lieb en Mütter dammter!
Gen. deiner lieb en Mutter unserer lieb en Mütter Das prädikativ verwendete A. trägt diese Bezeichnung 3.2
Dat. deiner lieb en Mutter unseren lieb en Müttern aufgrund der Tatsache, dass es vorwiegend mit der
Akk. deine lieb e Mutter unsere lieb en Mütter ` Kopula sein, aber auch mit anderen Kopulaverben
das Prädikat bildet. Dabei tritt das A. zur Charakteri-
Adjektivadverb

sierung eines Seins in der unveränderten Grundform schen und Lateinischen hatten diese Formen beson-
neben ein prädizierendes Verb, d.i. ein Verb, das einem dere adverbiale Endungen, auch noch im Althochdeut-
Subjekt oder Objekt ein ` Prädikativ zuordnet. schen und ` Mittelhochdeutschen (-o bzw. -e). Da im
Auf das Subjekt bezogen wird das A. als Prädikatsno- Neuhochdeutschen die Endung weggefallen ist und so-
men bei Verben wie sein, werden, bleiben: das Wetter mit Formengleichheit mit den adjektivischen Grund-
ist, wird, bleibt schön; (er)scheinen, heiûen, vorkommen: formen besteht, spricht man heute von Adjek-
er scheint kräftiger, als er ist; das kommt mir merkwür- tivadverbien:
dig vor. Du sollst deutlich schreiben.
Bei anderen Verben ist das Prädikativ auf das Objekt Bei einer solchen adverbialen Konstruktion kann man 2
bezogen: ich finde ihn ganz vernünftig; fühlst du dich ge- das Adjektiv lediglich mit dem substantivierten Infini-
sund?; die Mutter hält die Suppe warm; du kannst das tiv des Verbs, nicht jedoch attributiv bzw. prädikativ
nicht ungeschehen machen. Bei manchen Verben wird mit dem Substantiv in Verbindung bringen. Dieser Be-
es mit als oder für angeschlossen: ich halte das für rich- zug lässt sich mithilfe der folgenden Umformungs-
tig; das kann als erledigt gelten. probe (= Attributsprobe) nachweisen: Heiner malt
3.3 Ein Geschehen oder eine Tätigkeit wird im Allgemei- bunt; das bunte Malen; Heiners Malen ist bunt; *Heiner
nen durch ein Verb geschildert; der näheren Charakte- ist bunt.
risierung dieses Geschehens dient das ` Adverb: er hat Mithilfe dieser Umformungsprobe kann zwischen 3
hier, drauûen (Ort), gestern, jederzeit (Zeit), gern, um- Adjektivadverbien und reinen Adverbien (wie gern,
sonst (Modalität) gearbeitet. Anstelle solcher Adver- abends . . .) unterschieden werden. Da reine Adverbien
bien können aber auch A.e das Geschehen charakteri- undeklinierbar sind, lassen sie sich nicht als vorange-
sieren: er hat gut, schnell, leise gearbeitet; er hört schwer. stelltes Attribut verwenden:
Die Grammatik hat diese unveränderten A.formen er malt gern; *das gerne Malen.
früher auch den Adverbien zugerechnet; sie hatten in Adjektivadverbien kann man im Gegensatz zu reinen 4
den älteren Stufen der sprachlichen Entwicklung Adverbien steigern:
auch noch kennzeichnende Endungen (ahd. -o, mhd. Heiner malt am buntesten. *Heiner malt am gernsten.
-e), die sie seitdem abgelegt haben. Ein Rest hat sich
in der Form lange erhalten: es dauerte lange. Die Adverb, Umstandswort
neueren ± und zwar sowohl die rein an der Form orien- Unveränderliche ` Wortart mit verschiedenen Funk- 1
tierten als auch die inhaltsbezogenen ± Grammatik- tionen im Satz. Steht das A. im Zusammenhang mit
theorien gehen bewusst vom gegenwärtigen Sprachzu- dem Verbum, so gibt es die näheren Umstände des im
stand aus und sprechen daher von A.en mit adverbialer Satz ausgesagten Geschehens an. Es kann jedoch
Funktion (` Adjektivadverb). auch in attributiver Funktion beim Adjektiv, Adverb
Das A. kann in seiner Grundform auch vor andere A.e und Substantiv stehen.
treten und deren Bedeutung abtönen oder präzisieren: Ausgehend von der Bildungsweise unterscheidet man
Fritz ist hoch begabt, eng verwandt mit . . ., wesentlich die folgenden Gruppen von A.ien:
älter als . . . Auch hier liegt adverbialer Gebrauch des reine A.ien bestehen nur aus einem einzigen Stamm- 2.1
A.s vor. wort: heute, bald, dort, gern, sehr;
4 Nicht jedes A. ist für jede der unter ` 3 beschriebenen Zusammensetzungen lassen sich in selbständige Wör- 2.2
syntaktischen Aufgaben geeignet. ter zerlegen: dort ± hin, vor ± her, neben ± an, auûer ±
4.1 So können z. B. die orientierenden A.e (obere, hintere, dem;
platonisch, europäisch, golden, eisern, hölzern . . .) im All- Ableitungen sind mit einem ` Suffix und/oder ` Prä- 2.3
gemeinen nicht prädikativ verwendet werden (mit fix versehen: un ± zweifel ± haft, folg ± lich,
Ausnahme wertender Aussagen), also nicht: *die un ± gern, furcht ± bar.
Theatervorstellung war damalig, *diese Praxis ist ärzt- Ausgehend von ihrem syntaktischen Bezug im Satz 3
lich; wohl aber wertend: sein Verhalten war typisch. sind die wichtigsten Funktionen des A.s:
Sie sind also zumeist auf die attributive Stellung neben Der adverbiale Gebrauch: das A. bestimmt ein Verb 3.1
einem Substantiv beschränkt. näher: Marion steht dort.
4.2 Andere wiederum kommen nur in der unveränderten Der prädikative Gebrauch; das A. steht in Verbindung 3.2
Form im Prädikat vor: schade, leid, schuld; manche mit sein, werden . . .: das neue Theater ist anders.
stellen, mit einem ¹Elementarverbumª sein, werden, Der attributive Gebrauch: das A. kann ein Nomen, Ad- 3.3
machen verbunden, einen Zustand: eingedenk, gewär- jektiv oder ein anderes A. näher bestimmen: der Spie-
tig; einen Vorgang: ansichtig, gewahr; eine Handlung: ler dort wird ausgewechselt; das ist ein recht schönes
abspenstig, ausfindig, dar. Hierher gehören auch zwei- Bild; er arbeitet sehr oft nachts.
gliedrige Ausdrücke wie fix und fertig, klipp und klar Der Gebrauch als ` Pronominaladverb: das A. hat 3.4
und zusammengesetzte A. wie sternhagelvoll, fuchsteu- hier Stellvertreterfunktion; es steht für ein präpositio-
felswild. nales Gefüge: der Artikel nimmt auf das Buch Bezug;
Einige attributiv verwendete A.e, die aus fremden er nimmt darauf Bezug.
Sprachen übernommen wurden, lassen sich wegen Der Gebrauch als ` Relativadverb: das A. steht hier 3.5
der Lautgestalt ± wenigstens in der Hochsprache ± anstelle eines `Relativpronomens. Im Gegensatz
nicht deklinieren, bleiben also unverändert: ein lila zum ` Relativpronomen wird das Relativadverb je-
Kleid mit rosa Punkten; sie haben prima Zeugnisse doch nicht dekliniert; wo, woher, wohin, wie; warte bitte
nach Hause gebracht. dort, wo wir uns verabredet haben; ich denke an dich, wo-
hin ich auch gehe.
Adjektivadverb Der Gebrauch als ` Interrogativadverb: das A. über- 3.6
1 Adverbial verwendetes ` Adjektiv. In früheren nimmt in diesem Fall die Rolle eines ` Interrogativ-
Grammatiktheorien wurden unveränderte Adjektiv- pronomens. Wie das Relativadverb wird das Interroga-
formen als Adverbien bezeichnet, wenn sie ein Gesche- tivadverb nicht dekliniert; wo?, woher?, wohin?, wie?;
hen charakterisieren (` Adjektiv 3.3); im Griechi- wie kommst du zurecht?
adversativ

3.7 Der Gebrauch als Satzadverb: das A. bezieht sich auf Zahl oder Maû: Heute
einen ganzen Satz: ich habe leider die gesamten Unter- Grad oder Intensität: Das Publikum folgte der Rede mit
lagen verloren. (`Satzadverbial) groûem Beifall.
4 Ausgehend von der Art der Umstände, die sie be- Wirklichkeit, Notwendigkeit, Möglichkeit u.¾: Das
schreiben, lassen sich die folgenden Gruppen unter- kann man mit völliger Sicherheit sagen.
scheiden: Kausale A. (` Kausalbestimmung) 2.4
4.1 Lokales A. (Umstandswort des Ortes, der Richtung kausal: Er kam wegen seiner Erkrankung nicht.
und der Herkunft): wo? hier, dort, oben, unten, drinnen, instrumental: Er fuhr mit seinem Wagen hinterher.
nirgends, rechts; wohin? dorthin, aufwärts, hinunter; konditional: Ich werde nach Möglichkeit kommen.
woher? dorther, heraus. konzessiv: Trotz der Kälte ging er spazieren.
4.2 Temporales A. (Umstandswort der Zeit): wann? heute, final (` Finalbestimmung): Er nutzt jede freie Stunde
einst, damals, schon, bald; wie lange? bisher, seitdem, zum Lesen.
fortan; wie oft? zeitweise, manchmal, mehrmals. konsekutiv: Er arbeitete bis zur völligen Erschöp-
4.3 Modales A. (Umstandswort der Art und Weise). Diese fung an dem Projekt.
Gruppe gibt Auskunft über: A.en sind häufig präpositionale Gefüge. Sie dürfen je- 3
Verhaltensart: gern, anders, vergebens, eilends, derart; doch nicht mit Präpositionalobjekten verwechselt wer-
Zahl oder Maû: mehr, meistens, genug, zweimal; den. A.en unterscheiden sich von Letzteren dadurch,
Grad oder Intensität: so, sehr, allzu, besonders; dass die Präposition nicht eng mit dem Verb verbunden
Wirklichkeit, Notwendigkeit, Möglichkeit u. ¾.: völlig, ist, sondern im Gegenteil durch andere Präpositionen
wohl, sicherlich, vielleicht. ersetzt werden kann:
4.4 Kausales A. (Umstandswort des Grundes). Diese Der Hammer liegt auf / neben / unter dem Tisch.
Gruppe gibt Auskunft über:
den Grund im engeren Sinne (kausal): also, demnach, Adverbialsatz, Umstandssatz
folglich, deshalb; Der A. gehört wie der ` Subjektsatz und der ` Ob- 1
das Mittel (instrumental): dadurch, damit, womit; jektsatz zu den Gliedsätzen. Er nimmt die grammati-
die Bedingung (konditional): andernfalls, nötigenfalls, sche Stellung einer ` Adverbialbestimmung ein und
sonst; charakterisiert somit die näheren Umstände eines Ge-
die Einräumung (konzessiv): jedenfalls, trotzdem, schehens.
gleichwohl; Man unterscheidet die folgenden Arten des A.es:
den Zweck, die Absicht (final): dazu, dafür, darum, Lokalsätze: Ort: bleibe, wo du stehst; Richtung: so weit 2.1
hierfür; der Blick reicht, sehen wir riesige Wälder; wir wollen hin-
die Begründung, Folge (konsekutiv): folglich, also, gehen, wo wir hergekommen sind.
deshalb, demzufolge. Temporalsätze: als ich ihn besuchte, lag er krank im 2.2
5 Zum adverbialen Gebrauch von Adjektiven: ` Adjek- Bett; solange ich bei ihm war, unterhielten wir uns ange-
tivadverb. regt; sooft ich zu ihm kam, freute er sich.
Modalsätze: vergleichend: er war interessiert, wie man 2.3
Adverbialbestimmung, Adverbiale, Umstandsbe- es von einem guten Schüler erwarten durfte; adversativ:
stimmung Hans blieb noch länger am Ort, während sein Freund ab-
Satzglied, das die näheren Umstände angibt, unter reiste; einen Grad angebend: soweit ich sehe, hast du
denen sich die im Satz ausgedrückte Verbalhandlung deine Sache gut gemacht.
vollzieht. Kausalsätze (im weiteren Sinn): zur Angabe: 2.4
1 Von der syntaktischen Funktion her kann die A. ent- des wirklichen Grundes = kausal: weil ich zu spät kam,
weder als obligatorische ` Ergänzung oder als freie habe ich dich nicht mehr getroffen;
` Angabe auftreten: des Mittels = instrumental: er schlichtete den Streit, in-
1.1 Nur bei wenigen A.en handelt es sich um Adverbial- dem er ruhig blieb;
ergänzungen, d.h., sie sind notwendig, damit ein Satz des möglichen Grundes = konditional: wenn du nicht
grammatisch vollständig ist. Sie folgen nach Verben artig bist, musst du zu Hause bleiben;
und Adjektiven wie sich verhalten, wohnen, sich befin- des ¹unzureichendenª Grundes = konzessiv: obwohl
den, sich betragen, geschehen, gebürtig oder wohnhaft : es regnete, ging er spazieren;
Sie wohnt in Hamburg. ± *Sie wohnt. des Zwecks = final: lerne fleiûig, damit du später etwas
Er ist gebürtig aus den USA. ± *Er ist gebürtig. kannst;
1.2 Die meisten A.en stellen Adverbialangaben dar, d.h., der Folge = konsekutiv: das Wetter war so schön, dass
sie sind nicht notwendig, damit ein Satz grammatisch wir spazieren gehen konnten;
vollständig ist. Es werden lediglich Zusatzinformatio- des Mittels = instrumental: der Lehrer verschaffte sich
nen geliefert: Gehör, indem er in die Hände klatschte;
Sie besitzt ein Haus in Hamburg. ` Konjunktionalsatz, Lokalsatz, Temporalsatz, Mo- 3
2 Ausgehend von der Art der Umstände, die sie be- dalsatz, Komparativsatz, Kausalsatz, Instrumental-
schreiben, lassen sich die folgenden Gruppen unter- satz, Konditionalsatz, Konzessivsatz, Finalsatz, Kon-
scheiden (` Adverb 4): sekutivsatz.
2.1 Lokale A. (` Lokalbestimmung) Auch Infinitiv- oder Partizipialkonstruktionen können 4
Ort: Es liegt auf dem Tisch. die Funktion von Adverbialsätzen übernehmen: ich
Richtung: Hänge das in den Schrank. bin zu erschöpft, um zum Sport zu gehen; verärgert
Herkunft: Er kommt aus Frankfurt. und unverständliches Zeug murmelnd, verlieû er das
2.2 Temporale A. (` Temporalbestimmung) Zimmer.
Zeitpunkt: Er war am letzten Sonntag bei uns.
Zeiterstreckung: Sie schlief den ganzen Tag. adversativ, entgegensetzend
2.3 Modale A. (` Modalbestimmung) In ` Satzverbindungen kann der Fall eintreten, dass 1
Art des Verhaltens: Sie ging mit groûer Freude hin. der zweite Hauptsatz eine dem Inhalt des ersten entge-
Affix

gengesetzte Aussage macht, sie beschränkt oder berich- Nach inhaltlichen Kriterien lassen sich zwei Arten des 2
tigt. Dann spricht man von einer adversativen Ver- A.s unterscheiden:
knüpfung der Sätze. das affizierte (oder äuûere) Objekt: die Tätigkeit trifft 2.1
2 Diese können unverbunden nebeneinander stehen; den Gegenstand: einen Hund schlagen;
meist jedoch werden sie durch eine der folgenden das effizierte (oder innere) Objekt: die Tätigkeit be- 2.2
` Konjunktionen miteinander verbunden: aber, al- wirkt den Gegenstand:
lein, dagegen, dennoch, dessen ungeachtet, doch, gleich- als Ergebnis: eine Münze schlagen;
wohl, hingegen, indes(sen), jedoch, nichtsdestoweniger, als Inhalt: eine Schlacht schlagen.
nur, sondern, sonst, trotzdem, vielmehr; oder durch die A.e sind abhängig von ` transitiven (d.h. auf ein Ob- 3
doppelgliedrigen:einerseits± andrerseits, zwar ± aber: jekt zielenden) Verben, die eine Tätigkeit bezeichnen;
ihr könnt euch amüsieren, aber wir müssen arbeiten. Akkusative des Inhalts können aber auch zu ` intran-
In ` Satzgefügen wird der adversative Gedanke durch sitiven Verben treten: er kämpft einen harten Kampf; er
einen Nebensatz ausgedrückt, der durch die Konjunk- schläft den Schlaf der Gerechten.
tion während eingeleitet wird: während ihr euch amüsie- Bei lehren, kosten, nennen u. ¾. können zwei A.e stehen: 4
ren könnt, müssen wir arbeiten. Fritz hat mich einen Trick gelehrt; dieses Vorhaben kostet
dich keinen Pfennig; man nennt ihn einen Meister seines
Affix Faches.
Zusammenfassende Bezeichnung für gebundene, d.h.
frei nicht vorkommende, Reihen bildende Flexions- Aktant
oder Wortbildungsmorpheme. Nach der Position die- Satzglied, das nicht frei ist, sondern in Abhängigkeit 1
ser Morpheme gegenüber dem ` Stamm unter- vom Verb eine Leerstelle besetzt, so dass ein grammati-
scheidet man: scher Satz entsteht. Man unterscheidet zwischen obli-
` Präfixe: Sie gehen dem Stamm voraus (Un ± sinn). gatorischen und fakultativen A.en. Die Art und Anzahl
` Suffixe: Sie sind dem Stamm nachgestellt (freund ± der A.en wird durch die ` Valenz des Verbs bestimmt.
lich). ` Rektion, Ergänzung, Satzmuster.
Die obligatorischen A.en sind Ergänzungsbestimmun- 2
Affrikata, angeriebener Laut gen des Verbs, die für die strukturell korrekte Kon-
` Konsonant 1.2.6 struktion eines Satzes notwendig sind: er beraubte die
alte Frau.
Agens Die fakultativen A.en unterscheiden sich von den obli- 3
Verursacher einer Handlung, repräsentiert durch das gatorischen dadurch, dass sie zwar nicht für die Struk-
` Subjekt des Satzes. ` Passiv 1 tur des Satzes zwingend notwendig sind, jedoch ein
Gegenbegriff: ` Patiens besseres Verständnis einer Formulierung ermöglichen:
er beraubte die alte Frau ihres Geldes.
Akkusativ, 4. Fall, Wenfall Darüber hinaus kann ein Satz noch freie Angaben 4
1 Die Bezeichnung Akkusativ (der ¹die Anklage betref- (` Angabe, frei) enthalten. Sie sind von der Valenz
fendeª Kasus) ist eine falsche, schon im 1. Jh. v. Chr. des Verbs unabhängig und zahlenmäûig nicht festge-
bei Varro begegnende Übersetzung des griechischen legt. Man kann sie beliebig innerhalb eines Satzes hin-
Fachworts ai©tiatikh pivsiV, das ¹das von der Hand- zufügen oder weglassen: er beraubte ohne jeden Skru-
lung Bewirkteª kennzeichnet; eine treffendere Über- pel die alte Frau ihres Geldes.
setzung wäre deshalb etwa ¹Effektivusª gewesen. Je-
doch ist auch diese Begriffsbestimmung zu einseitig: Aktionsart
Der A. bezeichnet nicht nur das Bewirkte (wir bauen Semantische Kategorie des Verbs, um einen Vorgang 1
ein Haus), sondern auch etwas, was schon vorhanden nach zeitlichen bzw. inhaltlichen Gesichtspunkten zu
ist und von der Handlung nur betroffen wird (wir be- charakterisieren.
wohnen ein Haus); in beiden Fällen ist die Funktion Bei der A. muss zunächst einmal grundsätzlich unter- 2
des Akkusativs die eines Objektes (` Akkusativob- schieden werden zwischen durativen (= imperfekti-
jekt), das sich durch wen oder was? erfragen lässt. ven) und nicht durativen (= perfektiven) Verben. Die
2 Der A. hat im Dt. aber noch eine andere Funktion; er durativen Verben beschreiben eine Handlung oder ei-
wird auch in Adverbialbestimmungen verwendet, die nen Vorgang als einen zeitlich nicht strukturierten Ab-
eine zeitliche oder räumliche Erstreckung angeben: lauf. Im Gegensatz dazu wird bei den nicht durativen
der kleine Junge ist erst einen Monat alt; das Figürchen Verben die durch eine Beginn- oder Endphase be-
ist einen Fuû hoch; auch in Wertbestimmungen: das grenzte Entwicklung eines Geschehens betrachtet.
ist keinen Pfennig wert; ferner in Zeitangaben auf die Die A.en der Verben im Einzelnen: 3
Frage: wann?: letzten Sonntag waren wir bei Schulzes iterativ: Verben, die eine ständige Wiederholung von 3.1
zu Besuch; bei der Datumsangabe: Mittwoch, den 2. Handlungen oder Vorgängen kennzeichnen: streicheln,
Oktober (damit der A. deutlich hervortritt, wurden sticheln;
als Beispiele maskuline Substantive im Singular ver- diminutiv: Verben zum Ausdruck einer geringen Inten- 3.2
wendet). sität: hüsteln ± husten, lächeln ± lachen;
intensiv: Verben mit der Bedeutung eines besonders 3.3
Akkusativobjekt hohen Grades von Intensität: brüllen, saufen, schreien,
Durch die ` Rektion bzw. ` Valenz des Verbs gefor- kreischen;
dertes ` Satzglied im ` Akkusativ. kausativ/faktitiv: Gruppe von Verben, die ein ¹Verur- 3.4
1 Das A. ist in manchen Sätzen obligatorisch (` Ak- sachenª beschreiben. Viele von ihnen können durch
tant), d. h., es muss stehen, damit der Satz grammatisch syntaktische Konstruktionen mit ¹machenª oder ¹be-
(vollständig) ist: er wiederholt die Frage. wirkenª umschrieben werden. Abhängig davon, ob
In anderen Sätzen ist es fakultativ, d. h., es kann ste- der ` Stamm ein Verb oder ein Adjektiv ist, unterschei-
hen: sie hat (einen Preis) gewonnen. (` Satzmuster) det man zwischen kausativ und faktitiv.
Anführungszeichen

kausativ: tränken (= trinken machen) deutschen hin abgeschwächt werden. Man darf sich
faktitiv: schärfen (= scharf machen) das A.e jedoch nicht als eine homogene Sprache vor-
3.5 privativ: Verben, mit deren Hilfe sich die Entfernung stellen, sondern es handelt sich um eine Vielzahl von
oder Beseitigung von etwas ausdrücken lässt: enteig- Dialekten (z. B. Bairisch, Alemannisch, Fränkisch).
nen, entfernen; Das A.e ist weiterhin gekennzeichnet durch den Ein-
3.6 ornativ: Verben, mit der Bedeutung ¹mit etwas verse- fluss der 2. Lautverschiebung sowie den Beginn des i-
henª: besohlen, verschleiern; Umlauts. Im Rahmen dieses Prozesses werden [a, u,
3.7 inchoativ: (= ingressiv): Verben, die den Beginn eines o] zu [e, y, ù] umgelautet, sofern die folgende Silbe ein
Vorgangs oder einer Handlung bezeichnen: erblühen, [i] oder [i#] enthält (` Umlaut). Im Wortschatzbereich
entflammen; ergeben sich gravierende Veränderungen durch die ste-
3.8 egressiv: (= resultativ): Verben, die den Verlauf und tige Ausbreitung des Lateinischen. (Hier ist besonders
Abschluss einer Handlung ausdrücken: erlangen, ver- die Übersetzungstätigkeit der Klöster zu erwähnen.)
blühen; Die älteste Überlieferung des A.en ist der um 765 in
3.9 transformativ: Verben, durch welche der Übergang Freising entstandene ¹Abrogansª, bei dem es sich um
von einem Zustand in einen anderen verdeutlicht ein spätlateinisches Synonymwörterbuch mit ahd.
wird: altern, abkühlen; Glossen (= Erläuterungen, Übersetzungen) handelt.
3.10 punktuell: Verben, die ein Geschehen kennzeichnen,
das auf einen kurzen Zeitpunkt begrenzt ist: platzen, Anapher
finden. Verweis auf ein vorher erwähntes Element der Rede,
4 Die morphologischen Mittel zur Bildung solcher A.en der durch einen festen Bestand an Ausdrucksformen
sind im Deutschen die Präfigierung (auf ± wachen, er ± realisiert wird, z. B.
langen), die Erweiterung der Infinitivendung, häufig in Personalpronomina: ich sah einen Mann auf der 1
Verbindung mit dem Umlaut (husten ± hüste ln, lachen ± Straûe; er ging gebückt.
läche ln) und der Umlaut bzw. der Ablaut (glatt ± glät- Relativpronomina: ich sah auf der Straûe einen Mann, 2
ten, aufwachen ± aufwecken). der gebückt ging.
Possessivpronomina: an der Felswand wuchsen Fichten; 3
Aktiv, Tatform, Tätigkeitsform ihre Wurzeln suchten zwischen den Steinen Halt.
Das A. ist als Ausdruck einer Handlungsrichtung zu Pragmatische Anreihung: im Zimmer stand ein Tisch, 4
bezeichnen, die mit dem ` Passiv unter dem Oberbe- die Platte aus massivem Eichenholz.
griff ` Genus Verbi zusammengefasst wird. Dort
wird die Bedeutung des A.s als Tätigkeitsform erläu- Anführungszeichen
tert; jedoch ist zu beachten, dass das A. auch die For- Umgangssprachlich auch ¹Gänsefüûchenª genannt.
men anderer Verben stellt, durch die keine Tätigkeit, ` Direkte (= wörtlich wiedergegebene) Rede (im Ge- 1
sondern ein Vorgang, ein Verhalten ausgesagt wird gensatz zu ` indirekter Rede) wird von A. umschlos-
und zu denen es ein Passiv überhaupt nicht gibt, z. B. sen.
regnen, gelingen, geschehen, scheinen; bei reflexiven Stehen Ankündigungsworte vor der Rede, so werden 1.1
Verben: sich freuen, sich setzen; bei Verben, von denen sie mit ` Doppelpunkt (1.1) abgeschlossen:
es höchstens ein ¹unpersönlichesª Passiv gibt: hungern Fritz antwortet: ¹Ich werde diese Aufgabe morgen erle-
(es wird gehungert), frieren. digen.ª
Zur Formenbildung ` Konjugation 3. Innerhalb der Rede stehen Punkt, Frage- und Ausrufe-
zeichen vor dem schlieûenden A.
Akzent Stehen die Ankündigungsworte innerhalb oder hin- 1.2
` Betonung ter der Rede, so gilt folgende Regelung:
Schlieût die vor den Ankündigungsworten stehende
Alphabet Rede mit Frage- oder Ausrufezeichen, so setzt man
Der Bestand an Buchstaben in einer festgelegten Rei- diese Zeichen vor das schlieûende A. Nach dem schlie-
henfolge. Das dt. A. besteht aus 2 mal 26 Schriftzeichen ûenden Anführungszeichen folgt dann ein Komma, be-
für Groû- und Kleinbuchstaben: vor der übergeordnete Satz weitergeführt wird.
¹Genügt das?ª, fragte Paul.
A a F f K k P p U u Z z ¹Beeil dich!ª, sagte die Mutter.
B b G g L l Q q V v Schlieût die Rede vor den Ankündigungsworten mit
C c H h Mm R r Ww Punkt oder Komma, so fallen Letztere vor den Anfüh-
D d I i N n S s X x rungszeichen weg; es steht stattdessen nach dem
E e J j O o T t Y y schlieûenden A. ein Komma. ¹Das glaube ich nichtª,
Dazu kommen 2 mal 3 Zeichen für Umlaute: antwortete Franz.
¾ ä Ö ö Ü ü ¹Ich glaube nichtª, sagte Franz, ¹dass du Recht hast.ª
und 1 Zeichen zur ausdrücklichen Kennzeichnung des ¹Wenn du mir nicht glaubstª, erwiderte Paul, ¹lässt du es
stimmlosen s im In- und Auslaut nach langem Vokal: û. bleiben.ª
Die aphabetische Reihenfolge der Buchstaben dient Auch wörtlich wiedergegebene Gedanken werden oft 2
u. a. dazu, den Wortbestand einer Sprache übersicht- in dieser Weise von A. umschlossen:
lich aufzuführen, und ist deshalb die Grundlage der Dann traf mich ein Blick, in dem mit Riesenbuchstaben
meisten Wörterbücher (` Wortschatz 5). geschrieben stand: ¹Musst du mir das wirklich antun?ª
Ferner werden angeführte Textstellen (Zitate) von A. 3
Althochdeutsch umrahmt:
Erscheinungsform der deutschen Sprache zur Zeit des Hebbels ¹Maria Magdalenaª schlieût mit den Worten
Frühmittelalters (ca. 750 ± 1050). Wichtigstes Merkmal Meister Antons: ¹Ich verstehe die Welt nicht mehr!ª
des A.en sind die vorhandenen vollen Endsilbenvokale A. charakterisieren auch einzelne Wörter als von ande- 4
(z. B. ahd. erd a, nhd. Erd e), die zum ` Mittelhoch- ren ausgesprochen oder geschrieben:
Angabe, freie

¹Holdseligª, dies veraltete Wort hatten ihre Freunde für wenn kein Artikel, Possessivpronomen usw. davor-
sie wieder hervorgesucht. (Storm) steht: Sophokles© Tragödien (aber: des Sophokles Anti-
5 Buch- und Zeitungstitel, Titel von Literaturwerken und gone), Grass© Blechtrommel, Gauû© Lebenszeit, Helm-
Gedichten werden meist in A. gesetzt: holtz© Schriften, Leibniz© Geburtsort, Marx© Werke .
Er hat kürzlich wieder in Bismarcks ¹Gedanken und Er- Bei längeren Auslassungen im Wortinneren (im Ge- 1.2
innerungenª gelesen. gensatz zum unbetonten e): D©dorf (Düsseldorf), Ku©-
In der heutigen ¹Weltª steht, dass . . . damm (Kurfürstendammm), habgier©ge Menschen,
Man kann den jeweils zu einem Titel gehörigen Artikel ew©ger Bund, aber: wässrig (wässerig), unsre Meinung
mit in A. setzen, wenn er innerhalb des Textes unverän- (unsere).
dert bleibt: Ferner wird nach der neuen Regelung dann ein A. ge- 1.3
Gestern habe ich mir ¹Die Zeitª (oder: die ¹Zeitª ) ge- setzt, wenn das Wort ansonsten schwer lesbar oder
kauft. missverständlich wäre. Beispiele findet man häufig in
Wird der Artikel jedoch verändert, so darf er nicht in A. dichterischen Texten: Das Wasser rauscht©, das Wasser
stehen: schwoll.
Gestern stand in der ¹Zeitª . . . Genau wie bei der früheren Regelung wird nach wie 2
6 A. können auch der (bisweilen ironischen) Hervorhe- vor kein A. gesetzt:
bung dienen. Bei Verschmelzung von Präposition und Artikel: ins, 2.1
Sie hat sich insgesamt ¹nurª acht Mal verschrieben. ans, aufs; im, am, zum.
7 Wenn innerhalb eines von A. umrahmten Satzes ein Wenn beim Imperativ das Endungs-e weggelassen 2.2
weiterer Satz oder ein Wort angeführt wird, so werden wird: Sag nichts!, Halt still!
diese Redeteile von ¹halbenª A. eingeschlossen: Im Gegensatz zur alten Regelung steht nun grundsätz- 2.3
¹Nenne mich ,Sesemi©, Kindª, sagte sie gleich am ersten lich kein A. mehr für das ausgelassene Endungs-e bei
Tage zu Tony Buddenbrook. (Th. Mann) Substantiven und bestimmten Verbformen: Freud und
¹Ja . . . so sprach er. Er sagte nicht: ,Das nimmt sich gut Leid; Lass mich in Ruh!; Behüt dich Gott!; Ich werd
aus©, oder: ,Das schmückt das Zimmer©, sondern: ,Das mal sehen; Ich probier das aus.
putzt ganz ungemein© . . . So albern war er.ª (Th. Mann) Im Ermessen des Benutzers liegt nach der neuen Rege- 3
lung das Setzen eines A.s in den folgenden Fällen:
Angabe, freie Bei umgangsprachlichen Verschmelzungen: Leg©s 3.1
Im Gegensatz zu den vom Verb abhängigen obligatori- auf©n Tisch!; Versuch©s doch mal mit©m Schraubenzieher!
schen und fakultativen ` Aktanten ein für die Satz- Hierbei handelt es sich häufig um die schriftliche Wie-
struktur nicht konstitutives Element. So können etwa dergabe von gesprochener Sprache. Der A. dient dabei
dem grammatisch vollständigen Satz Ich gehe ins Kino der Verdeutlichung.
folgende weglassbare Angaben hinzugefügt werden: Beim Genitiv-s und der Endung -sch im Falle von Per- 3.2
Heute Abend (temporale ` Adverbialbestimmung) sonennamen: Lotti©s Lädchen, Grimm©sche Märchen,
gehe ich vielleicht (modale Adverbialbestimmung) mit Wagner©sche Oper. Obwohl in der Regel kein A. vor
meiner Freundin (junktive Adverbialbestimmung) ins dem Genitiv-s von Namen steht (Bismarcks Reden,
Kino. ` Ergänzung, Satzmuster Barbaras Texte), kann der A. verwendet werden, um
die Grundform des Namens zu verdeutlichen. Das
Anlaut Gleiche gilt auch für -sch. Hier wird durch den A.
Der erste Laut eines Wortes, ` Vokal oder ` Konso- und die Groûschreibung die Grundform des Namens
nant; dementsprechend auch Silbenanlaut. ` Inlaut, besonders betont (Einstein©sche Relativitätstheorie),
Auslaut möglich ist aber auch die Kleinschreibung ohne A. (ein-
steinsche Relativitätstheorie).
Antonymie
1 Beziehung zwischen zwei semantisch entgegengesetz- Appellativum, Gattungsname
ten Wörtern. Ein solcher Gegensatz kann auf unter- Im Gegensatz zum ` Eigennamen, der bestimmte In- 1
schiedliche Art ausgedrückt werden: dividuen (Personen, Länder, Gebäude usw.) benennt,
1.1 durch Wörter verschiedener Herkunft: groû ± klein, bezieht sich das A. auf eine gesamte Gattung: Mann,
Bruder ± Schwester; Frau, Tier, Pflanze, Buch, Stein, Haus usw.
1.2 durch ein entsprechendes ` Affix, welches das Gegen- Dabei unterscheidet man zwischen generischem und
teil von einer Sache oder einem Sachverhalt ausdrückt: nicht generischem Gebrauch:
freundlich ± unfreundlich, Raucher ± Nichtraucher; Generisch wird ein Substantiv dann verwendet, wenn 1.1
1.3 durch zwei entgegengesetzte Affixe; in diesem Fall es eine gesamte Gattung oder Klasse bezeichnet. Die
sind beide Wörter an entsprechender Stelle affigiert: Wortbedeutung ist von begrifflich-verallgemeinernder
liebe voll ± lieb los, eingieûen ± ausgieûen. Art. Sie spiegelt charakteristische Merkmale der Gat-
Gegenbegriff: ` Synonymie tung wider:
Das Haus ist die Wohnstätte des Menschen; der Hund
Apostroph, Auslassungszeichen ist der bekannteste Jagdbegleiter.
Durch einen A. wird verdeutlicht, dass man in einem Will man die einzelnen Individuen einer Gattung be- 1.2
Wort einen oder mehrere Buchstaben weglässt. zeichnen, so spricht man von nicht generischem Ge-
Im Gegensatz zur früheren Regelung ist eine Vereinfa- brauch:
chung dahin gehend eingetreten, dass beispielsweise Das ist ein schönes Haus; den Hund von nebenan mag
das weggefallene End-e nicht mehr durch einen A. an- ich wirklich gern.
gezeigt wird. Ferner steht in einigen anderen Fällen die Auch Eigennamen können in Einzelfällen als A. ver- 2
Setzung eines A.s im Ermessen des Benutzers. wendet werden:
1 Fälle, in denen man nach wie vor einen A. setzen muss. da kommt ein Opel angefahren; kannst du mir eine
1.1 Beim Genitiv von Eigennamen, die auf -s, -ss, -û, -tz, -z Cola geben?; die Alpen sind das Mekka der Wanderbe-
oder -x auslauten, wird das Endungs-s durch A. ersetzt, geisterten.
Artikel

Apposition, Beisatz Deklination 3.2


1 Ein substantivisches ` Attribut (2.4), das im gleichen
Kasus steht wie das Substantiv oder Personalpro- Sing. Plur.
nomen, zu dem es gehört.
2 Es steht vor dem Beziehungswort, wenn es angibt: Mask. Fem. Neutr. MFN
einen Vornamen: Fritz Schulze;
einen Titel, eine Standes- oder Berufsbezeichnung: Nom. ein eine ein Hier
Professor Dr. Schulze, Klempnermeister Schwarz; Gen. eines einer eines ent-
einen Verwandtschaftsgrad: Onkel Fritz; Dat. einem einer einem fällt
eine Maû- oder Mengenbezeichnung: ein Glas Bier; ein Akk. einen eine ein der A.
Zentner Kartoffeln.
3 Meist steht die A. hinter dem Beziehungswort und wird Der A. hat verschiedene Funktionen: 4
dann durch ` Kommas eingeschlossen: Pfingsten, das ¹Der Herr, der eben vorüberging, war der Klavierlehrer 4.1
liebliche Fest, war gekommen; am Montag, dem 30. Sep- unseres Sohnesª, sagt die Mutter zu einer Bekannten.
tember, reiste er ab. Ohne Komma werden stehende Der bestimmte A. verweist auf etwas, das im Zusam-
Beinamen angefügt: Karl der Groûe. menhang der Rede als bekannt vorausgesetzt oder prä-
4 Gelegentlich wird eine A. mit als an das Beziehungs- zisiert wird; er besitzt hier identifizierende Funktion.
wort angeschlossen: Fritz als bester Schüler seiner ¹Der Herr ist ein Lehrer unseres Sohnes.ª Der unbe- 4.2
Klasse hatte Aussicht, . . .; Herr Dr. Schulze als leiten- stimmte A. im Prädikatsnomen ordnet das Subjekt ei-
der Arzt des Krankenhauses gab ein positives Gutach- ner Klasse zu: er hat hier klassifizierende Funktion.
ten ab. ¹Der Herr war früher Lehrer.ª Kein A. steht, wenn das 4.3
Prädikatsnomen Beruf, Funktion, ein Verhalten, eine
Artikel, Geschlechtswort Weltanschauung oder die Nationalität bezeichnet.
1 Der A. gehört zu den veränderlichen ` Wortarten. Er Darüber hinaus gibt der A. an, ob die vorgestellte Per- 4.4
muss in ` Genus, ` Kasus u. ` Numerus mit dem son oder Sache bei ihrer ersten Nennung bekannt oder
darauffolgenden Substantiv übereinstimmen (` Kon- nicht bekannt ist:
gruenz). ¹Gestern begegnete ich einem jüngeren Herrn, der mir
Die in der deutschen Grammatik seit dem 17. Jahrhun- gleich bekannt vorkam. Der Herr grüûte mich, und es
dert gebräuchliche Bezeichnung Geschlechtswort ist stellte sich heraus, dass wir einmal bei Bekannten aus
irreführend, da der A. eben nicht nur das Genus, son- Anlass eines Dienstjubiläums zusammengetroffen wa-
dern auch Kasus u. Numerus eines Substantivs kenn- ren. Die Bekannten hatten damals zu der Festlichkeit
zeichnet. verschiedene Freunde zu sich eingeladen.ª Der unbe-
Die neueren Grammatiktheorien bestimmen den Be- stimmte A. benennt häufig eine bisher nicht genannte
griff A. häufig nicht (traditionell) morphologisch-se- Person oder Sache, die in der Folge mit dem bestimm-
mantisch, sondern syntaktisch. Dabei werden auch ei- ten A. bezeichnet wird; handelt es sich um eine Mehr-
nige ` Pronomina (z. B. ` Possessiv-, Demonstrativ- zahl von Personen oder Sachen, so stehen die neu ein-
pronomina) als A. bzw. A.wörter aufgefasst (vgl. Vater geführten Begriffe zunächst ohne A. (` 3.2).
1979, Bisle-Müller 1991). Ist eine Person oder Sache für Sprecher und Hörer auf- 4.5
In der traditionellen Grammatik werden folgende zwei grund der Situation oder des gemeinsamen Wissens
Arten von A.n unterschieden: 1. der bestimmte A.: der, von vornherein identifiziert, so wird auch bei der ersten
die, das; 2. der unbestimmte A.: ein, eine, ein. Nennung der bestimmte A. gesetzt: ¹Darauf trat der
2 Bestimmter A.: Bundeskanzler an das Rednerpult.ª
2.1 In den älteren Zeiten der indogermanischen Sprachen So heiût es auch: die Sonne, der Mond, die Erde; die 4.6
(` Indogermanisch) wurden Genus, Kasus und Nu- Hauptstadt; oft: der Rektor (der Universität), der
merus durch Endungen kenntlich gemacht. Diese En- Chef; oder bei Abstrakta: das Altertum, die Natur, die
dungen sind in den meisten dieser Sprachen im Lauf Schönheit.
der Zeit mehr oder weniger abgeschwächt, so dass sie Der bestimmte A. wirkt gelegentlich generalisierend: 4.7
zur Kennzeichnung der Formen nicht mehr ausreich- ¹Der alte Mensch erinnert (= alle alten Menschen erin-
ten. Im Deutschen hat man zu diesem Zweck das nern) sich eher an Vorfälle in der Jugend als an Ereig-
` Demonstrativpronomen der, die, das herangezogen, nisse der jüngsten Zeit.ª
dessen Betonung aber ebenfalls mit der Zeit abge- Namen von Personen (auch Gott und Christus sind 4.8
schwächt wurde. Namen geworden), Orten und Ländern stehen im All-
2.2 Deklination gemeinen ohne A., es sei denn, dass die Kennzeich-
nung des Genitivs sonst nicht möglich wäre (die Pfalz,
die Türkei); Landschaftsnamen (Gebirge, Berge,
Sing. Plur. Flüsse, Seen u. a.) erhalten den bestimmten A.: der
Schwarzwald, der Brocken, die Elbe, der Wannsee.
Mask. Fem. Neutr. MFN Personennamen, besonders aus der Antike, die auf -s 4.9
(-x) enden, werden, wenn der Kasus, bes. der Genitiv,
Nom. der die das die deutlich gemacht werden soll, mit A. versehen, ebenso
Gen. des der des der weibliche Namen, die alternativ auch die maskuline
Dat. dem der dem den Genitivendung -s bekommen können: der Tod des
Akk. den die das die Achilles; Hektor, der Vater des Astyanax; die Regierung
des Augustus; das Leben der Maria (Marias, Mariae).
Ohne A. stehen ` Stoffnamen, bei denen es keinen 4.10
3 Unbestimmter A.: Plural gibt: Seide, Papier, Glas, Blut, Honig, Brot; wenn
3.1 Er ist vom Zahlwort abgeleitet; auch hier ist die Beto- aber ein Gegenstand aus dem Stoff oder eine (un)be-
nung abgeschwächt. stimmte Menge des Stoffes gemeint ist, wird der be-
Aspirata

stimmte (identifizierende) A. gesetzt: Seide glänzt ± ich (3:) im mährischen Raum; die Auswirkungen (1:) der
habe nun doch die Seide gekauft (= ein Stück von dem Kürzung (2:) der Bundesmittel (3:) für die Studienförde-
besprochenen Seidenstoff); Papier ist geduldig ± gib rung (4:) nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz.
das Papier her! (den Bogen Schreibpapier, den Aus- Je länger derartige Attributketten sind, um so schwerer
weis); Brot ist das wichtigste Nahrungsmittel ± habt ihr sind sie mitunter zu überblicken, sie sind daher besser
das Brot (die Brote) nicht vergessen (einzukaufen)? zu vermeiden, etwa: das Recht, private Schulen zu er-
4.11 Ohne A. stehen auch Abstrakta, wenn sie eine Eigen- richten; der Versuch, eine slawische Kirche im mähri-
schaft, einen Vorgang oder Zustand nur allgemein nen- schen Raum zu errichten.
nen: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht; Vorsicht ist die
Mutter der Weisheit; Alter schützt vor Torheit nicht. Attributsatz
Zur Verwendung des A.s bei Substantiven ` Substan- ` Gliedsatz, der eine nähere Bestimmung zu einem
tiv 4. Substantiv gibt.
Attributsätze folgen dem Bezugswort meist unmittel-
Aspirata, Hauchlaut bar. Häufig handelt es sich um ` Relativsätze: das
1 In der indogermanischen Ursprache (` Indogerma- ist der Junge, von dem ich dir erzählt habe;
nisch) gab es bei den Verschlusslauten (` Explosiva, aber auch jeder Konjunktionalsatz kann diese Aufgabe
` Konsonant 1.2) auch solche, an die ein Hauchlaut erfüllen, sofern er über ein Bezugswort im übergeord-
angetreten ist: ph, bh, th, dh, kh, gh; sie haben sich in neten Satz verfügt: ich stelle mir die Frage, ob die Auf-
einzelnen indogermanischen Sprachen erhalten, z. B. gabe zu erfüllen ist.
im Indischen, z. T. auch im Altgriechischen (bei den Auch zu einem ganzen Satz kann ein Attribut treten
stimmlosen Verschlusslauten). (Satzattribut, ` Attribut 3):
2 Im heutigen Deutsch werden nur die stimmlosen Wir lobten Fritz für seine Erfolge in der Schule, was ihn
(` Konsonant 1.3) Verschlusslaute p, t, k aspiriert, hoffentlich zu weiteren guten Leistungen anspornen
d. h. behaucht (` Konsonant 1.5) gesprochen, ohne wird.
dass dies in der Schrift in Erscheinung tritt.
Aufforderungssatz
Attribut, Beifügung Neben dem Aussagesatz und dem ` Fragesatz eine
1 Nach der älteren Grammatik jede nähere Bestimmung der drei grundlegenden Satzarten. Er dient zum Aus-
von Nomina; kein selbständiges ` Satzglied, sondern druck von Anweisungen, Befehlen, Bitten oder Wün-
lediglich Satzgliedteil. schen. Der ` Modus des Verbs ist zumeist der ` Im-
2 Das zu einem Substantiv tretende A. kann erscheinen perativ, wobei das Verb in Spitzenstellung steht.
als: Auch ` Modalverben sind in Aufforderungssätzen ge-
2.1 Adjektiv: der gute Schüler; die blühende Rose; der ge- bräuchlich.
deckte Tisch; Der A. bezieht sich meistens auf die 2. Person (Sing. 1
2.2 Pronomen: dieser Mann, dein Freund; und Plur.), in einigen Fällen auch auf die 3. Person
2.3 Zahlwort: zwei Menschen, der dritte Tag; (Sing. und Plur.), aber auch auf die 1. Person (Sing.
2.4 Substantiv: und Plur.).
im gleichen Kasus wie das zu bestimmende Substantiv. An eine 2. Person 2
Diese Form des A.s wird als ` Apposition bezeichnet; ist die so genannte Befehlsform (` Imperativ, Befehls- 2.1
im Genitiv: das Haus des Vaters; satz) gerichtet.
mit Präposition: Iphigenie auf Tauris; die Reise nach Einer höflichen Form dient die Anrede Sie, verbunden 2.2
Italien; das Wetter in diesem Sommer; mit der 3. Person Plur. Konjunktiv Präsens des Verbs in
2.5 Adverb: der Mann da, das Fuûballspiel gestern; Spitzenstellung: Nehmen Sie bitte Platz! Seien Sie mir
2.6 Infinitiv mit zu: das Bemühen zu helfen; das Bewusst- willkommen!
sein, falsch gehandelt zu haben; Eine Reihe von Aufforderungen kann durch Um- 2.3
2.7 Gliedsatz (` Attributsatz); schreibung ausgedrückt werden:
Relativsatz: der Platz, wo wir stehen, bietet eine gute ein Wunsch durch mögen: mögest du wieder ganz ge-
Sicht; sund werden!;
Fragesatz: die Frage, wer Recht hat, ist unentschieden; eine Aufforderung durch sollen: du sollst die Wahrheit
Konjunktionalsatz: der Tag, als wir zuletzt beisammen sagen!;
waren, liegt weit zurück; meine Befürchtung, dass ich ein Gebot (Verbot) durch müssen bzw. nicht dürfen: du
zu spät käme, war grundlos; musst bei der Wahrheit bleiben!; du darfst nicht länger
2.8 ` indirekte Rede: die Behauptung, er sei nicht dabei warten!;
gewesen, konnte sofort widerlegt werden. eine gebieterische Weisung durch einen Infinitiv mit zu
3 Als A. wird auch eine nähere Bestimmung bezeichnet, in Verbindung mit haben: du hast zu warten; in einem
die sich auf einen ganzen Satz bezieht (Satzattribut): passivischen Sinn in Verbindung mit sein, gelten, hei-
Fritz behauptete, er sei nicht dabei gewesen, eine ûen: jetzt ist noch ein kleiner Rest zu erledigen (= muss
Lüge, die sofort widerlegt werden konnte. erledigt werden); jetzt gilt es (heiût es) noch einen klei-
4 Einige Beispiele für Attribute zu anderen nominalen nen Rest zu erledigen;
Wortarten: in schroffem Ton durch eine rhetorische Frage mit wol-
4.1 zu Adjektiven: der drückend heiûe Tag; ich war sehr len: willst du endlich vernünftig werden!
froh; du bist frech wie Oskar; oder durch einen Imperativ mit lassen: lass dir das nicht
4.2 zu Adverbien: er kam sehr gern zu uns; wir saûen im noch einmal einfallen!
Theater ganz vorn; er hielt sich eine Woche lang in Pa- Natürlich kann auch von einem auffordernden Verb 2.4
ris auf; ein Infinitiv mit zu oder ein mit der Konjunktion dass
5 Mitunter werden mehrere A.e aneinander gereiht: das eingeleiteter Gliedsatz abhängig gemacht werden: ich
Recht (1:) zur Errichtung (2:) von privaten Schulen; der bitte Sie, morgen zu mir zu kommen; ich erwarte (muss
Versuch (1:) der Gründung (2:) einer slawischen Kirche darum bitten), dass du die Vorschriften beachtest.
Aussagesatz

2.5 Oft wirkt auch der Indikativ des Präsens oder Futurs ± Nur zwei Wochen später befanden sie sich schon wieder in
in bestimmtem Ton gesprochen ± als Aufforderung: du demselben alten Trott . . .
gehst jetzt nach Hause und wirst sofort deine Sache erle- Ich hatte Recht, der Fisch wiegt doch satte vier Pfd. . . .
digen; wird©s bald!
3 Auch in der 1. Person, Auslaut
3.1 und zwar im Singular, kann eine Aufforderung ausge- Der letzte Laut eines Wortes, ` Vokal oder `Konso-
sprochen werden: Wenn der Sprecher einen Wunsch nant; dementsprechend auch Silbenauslaut. ` Anlaut,
anderer zum Ausdruck bringt oder diese Aufforderung ` Inlaut
aus eigener Überlegung hervorgeht:
in entschiedener Form durch sollen: ich soll gehen; Auslautverhärtung
in einer hypothetischen Form: ich sollte einmal eine Zeit Verlust der Stimmhaftigkeit von Verschluss- und Rei-
lang ausspannen; belauten (` Konsonant 1.2) im absoluten Auslaut.
in einer Form, die die Unumgänglichkeit der Auffor- Dabei werden [b,d,g,v,z] wie [p,t,k,f,s] ausgesprochen:
derung ausdrückt, durch müssen: ich muss mich über- geben ± gab [p]; Bilder ± Bild [t]; Berge ± Berg [k]; Detek-
winden. tive ± Detektiv [f]; Verse ± Vers [s]. Im ` Mittelhoch-
3.2 Der A. mit der 1. Person Plur. wird in folgenden Fällen deutschen wurde diese lautliche Erscheinung auch
verwendet: noch in der Schriftsprache wiedergeben: mhd. lo bes
der Sprecher äuûert als Mitglied einer Gruppe eine ± lo p (des Lobes ± das Lob); bin den ± ban t . . .
Aufforderung zu gemeinsamem Handeln: seien wir ei-
nig!; lasst uns entschlossen handeln; Ausrufesatz
er will zum Ausdruck bringen, dass die Gruppe zu ei- Satz, dessen emotional bestimmte Aussageweise (auf- 1
nem bestimmten Verhalten verpflichtet ist: wir wollen grund einer starken inneren Bewegtheit) durch eine
(müssen) nach Recht und Gesetz handeln; wir haben un- bes. Intonation, oft auch durch Zusatz von Partikeln
sere Pflicht zu erfüllen! (bes. aber, ja) realisiert wird.
4 Auch an eine 3. Person können Aufforderungen gerich- Es kann sich z. B. um ¾uûerungen des Staunens han- 2
tet sein, und zwar im Konjunktiv deln: das war aber ein langer Kerl!; der Freude: oh,
4.1 des Präsens, wenn mit der Möglichkeit der Verwirkli- wie freut mich das, dass ich Sie endlich einmal wieder-
chung zu rechnen ist: man nehme . . .; es sei darauf hin- sehe!; des Zornes: du bist aber ein altes Ekel!; oder är-
gewiesen; der Herr Vorredner möge das bedenken; gerlicher Erregung: das hat aber laut geknallt!; wie oft
4.2 des Präteritums, wenn mit der Verwirklichung nicht zu habe ich dir das schon gesagt!; das könnte dir ja so pas-
rechnen ist: wäre doch nur schon alles vorüber; der Herr sen! Die Ausrufesätze werden durch ein ` Ausrufezei-
Vorredner sollte einmal über diesen ausgezeichneten chen abgeschlossen.
Vorschlag nachdenken; Mitunter werden auch Ausrufe ohne Prädikat hierher 3
4.3 oder des Plusquamperfekts, wenn eine Verwirklichung gerechnet: ein abscheulicher Sturm heute!; welche
nicht mehr möglich ist: der Herr Vorredner hätte lieber Freude, Sie zu sehen!
(früher) darüber nachdenken sollen!
4.4 Auch hier kann das Begehren von einem auffordern- Ausrufezeichen (!)
den Verb in Form eines Infinitivs mit zu oder eines Es wird gesetzt: 1
Gliedsatzes mit der Konjunktion dass abhängig ge- nach Aufforderungssätzen (Wunsch-, Befehlssätzen): 1.1
macht werden: ich möchte sie auffordern, sich auch sprich doch endlich einmal lauter!; entscheidet euch,
dazu zu äuûern; wir wollen wünschen, dass das Wetter ehe es zu spät ist!;
besser wird. Ausrufen (Sätzen oder Einzelwörtern): 1.2
oh!; wie schade!; Ruhe!; das war aber schön!; nein, nein!;
Auslassungspunkte (. . .) nach Ausrufen in Frageform: 1.3
Sonderzeichen (` Interpunktion), für die es keine ver- wie lange soll ich noch in der Kälte herumstehen!; wann
bindlichen Vorschriften gibt. wirst du endlich vernünftig!
1 Wird eine Rede oder ein Gedanke nicht bis zum voll- in Briefen nach der Anrede kann auch ein A. stehen 1.4
ständigen Satzende geführt ± der Leser soll und kann (` Briefschreiben 1): Liebe Mutti!; Sehr geehrter
die Auslassung ohne Schwierigkeiten ergänzen ±, so Herr Professor!
stehen an ihrer Stelle häufig drei Punkte: Wenn ein Ausrufesatz oder Aufforderungssatz als Zitat 1.5
Der Horcher an der Wand . . . (in Anführungszeichen eingeschlossen) in einem Aus-
¹Benimm dich endlich anständig, oder ich . . .ª sagesatz enthalten ist, so bleibt der zitierte Satz mit
Mitunter liest man anstelle der A. auch einen ` Ge- dem A. versehen (während ein Aussagesatz als Zitat
dankenstrich (8). seinen Punkt verliert (` Punkt 1.2):
2 Wird ein Text, eine Rede, ein Brief nur auszugsweise ¹Nimm dich in Acht, Paul!ª, rief die Mutter.
abgedruckt, so wird auf die Weglassung von Satzteilen, Ein A. in Klammern wird mitunter einer Aussage bei- 1.6
ganzen Sätzen oder auch längeren Textteilen vor, zwi- gefügt, um sie hervorzuheben:
schen oder hinter dem abgedruckten Text meist durch Das Alter der Eiche wird auf 500 Jahre (!) geschätzt.
A. hingewiesen: (` Klammern 1.4)
Hält man . . . den Weg gewaltsamer Veränderung und Das A. steht nicht nach abhängigem Aufforderungs- 2
den folgenloser Reflexion . . . für gleichermaûen unak- satz; hier ist für die Zeichensetzung die Art des überge-
zeptabel, dann ist praktisch-politische Emanzipation ordneten Hauptsatzes maûgebend (` Punkt 2): Ich
nur im Bereich entscheidungsrelevanter Dialoge . . . ( . . .) habe ihn mehrfach gebeten, er solle nicht immer so spät
möglich. (Lewandowski) anrufen.
3 Stehen die A. am Satzende, so wird der nachfolgende
Punkt als Satzzeichen weggelassen. Ein Punkt als Ab- Aussagesatz
kürzungszeichen darf jedoch nie in die A. integriert Neben dem ` Aufforderungssatz und dem ` Frage- 1
werden: satz eine der drei grundlegenden Satzarten. Er dient
Aussprache

zur Wiedergabe eines Sachverhalts und schlieût mit Zu derartigen Unterschieden zwischen Buchstabe und 4
einem Punkt. Der A. ist ein ` Hauptsatz und formal Lautung kommen in Fremdwörtern noch weitere
durch die Zweitstellung des finiten Verbs gekenn- hinzu. Von diesen werden hier nur die geläufigsten auf-
zeichnet: der Wind weht; er geht zur Schule; das ist geführt:
schön. Fremdwörter aus dem Französischen: 4.1
2 Soll der Sachverhalt im A. als wirklich (real) dargestellt Vokale:
werden, so steht das Verbum im ` Indikativ. Wenn der ai, ay wie [&]: Qu ai d©Ors ay;
Sachverhalt als ungewiss, bedingt oder möglich darge- au, eau wie [o]: H aute Couture; Niv eau;
stellt werden soll, so steht meist der ` Konjunktiv auslautendes er wie [e:], ier wie [ie:]: Din er, Rent ier;
(ebenso, wenn etwas als nicht wirklich (irreal) darge- eu, úu wie [ù:] bzw. [ú], Fris eur, C úur;
stellt werden soll). oi wie [oa:] Mem oiren, oy wie [oaj] l oyal;
3 Der A. kann auch die Form eines ` Gliedsatzes haben ou wie [u:] Ouvertüre;
(abhängiger A.), wobei sowohl der Indikativ als auch u wie [y] B udget;
der Konjunktiv stehen können; ` Gliedsatz, ` In- Nasallaute ` Nasal 2.
haltssatz. Konsonanten:
c vor a o u wie [k]; Camembert; vor e und i wie stimm-
Aussprache loses [s]: Centime, Direktri ce;
1 Die Art und Weise der Realisierung von ` Lauten. g vor e und i wie stimmhaftes [)]: Gara ge, Gilet;
Laute werden in der Schrift durch ` Buchstaben dar- h ist im Allgemeinen stumm: Agence Havas;
gestellt; ihre A. kann jedoch durch die Schriftzeichen (i)ll wie [j] oder [ij]: Gu illotine;
nicht genau wiedergegeben werden, weil in einigen qu wie [k]: Quivive;
Fällen nicht jedem Laut ein Buchstabe entspricht (die s bleibt am Wortende oft unausgesprochen: apropo s;
Zeichen in eckigen Klammern sind Aussprachezeichen z wie stimmhaftes [z]: Ga ze.
der Internationalen phonetischen Umschrift. Vgl. Ta- Fremdwörter aus dem Englischen: 4.2
belle S. 19). a wird manchmal wie [&i] gesprochen: G ate; wie kurzes
2 Der Unterschied zwischen der Zahl der Buchstaben [ñ]: C amping;
und der Laute ist besonders auffällig bei den ` Voka- ai wie [&:]: f air;
len, die kurz oder lang, offen oder geschlossen (d. h. mit aw wie offenes [.:]:L awntennis;
möglichst groûer bzw. geringer Lippenöffnung) ge- ew wie [u:]: Revi ew;
sprochen werden. ou wie [au]: B ounty;
3 Aber auch Konsonanten haben mitunter verschiedene ow wie [au]: Cl own, wie [o:]: B owle;
Lautung. g vor e und i wie stimmhaftes [d)]: Gin.
3.1 So werden z. B. die Tenues p t k vielfach aspiriert ge- Fremdwörter aus dem Italienischen: 4.3
sprochen, d. h. mit einer mehr oder weniger deutlichen c vor e und i wie [t(]: Cinque cento, entsprechend g wie
Behauchung (h) versehen. [d)]: Gir genti;
3.2 Die Mediae b d g werden im Silbenauslaut im All- ch vor e und i wie [k]: Chianti, entsprechend gh wie [g]:
gemeinen stimmlos, also wie Tenues gesprochen Respi ghi.
(` Auslautverhärtung), jedoch meist ohne deren Fremdwörter aus dem Griechischen: 4.4
Aspiration. ph wie [f]: Philoso phie;
3.3 Das h wird im Silbenanlaut gesprochen: hier her, im (r)rh wie [r]: Rhetorik, Kata rrh.
Silbeninnern oder -auslaut dient es als Dehnungszei- Fremdwörter aus dem Lateinischen: 4.5
chen: Ha hn, Re h (` Vokal 4.2b). t vor i + nachfolgendem Vokal wie [ts]: kondi tional,
3.4 ch wird nach e und i anders als nach a o u gesprochen Pa tient, Na tion;
(` Allophon): geschriebenes v im Allgemeinen wie [v]: ner vös, am Sil-
i ch re chne [ç]; a ch, no ch, Wu cht [x]; anlautend in man- benende wie [f]: Detekti v, ebenso vor stimmlosen Kon-
chen deutschen Eigennamen (Ortsnamen) als [k]: sonanten: des Detekti vs.
Cham, Chemnitz, Chiemsee, Chlodwig, Christian, Wegen dieser Unterschiede zwischen Buchstaben und 5
Chur. Lautung ist für die hochsprachliche Lautung eine
3.5 sch wird als einheitlicher Reibelaut (` Konsonant 1.1, ` Lautschrift (` Tabelle der Aussprachezeichen
1.2) gesprochen: A sche [(]. S. 19) entwickelt worden.
3.6 g wird im Wortausgang -ig häufig als Reibelaut (i) ch
[-iç] gesprochen: König, auûer wenn das Suffix -lich Befehlsform
darauf folgt: königlich [!kù:nikliç]. ` Imperativ
3.7 ng ist ein einheitlicher velarer Nasal (` Konsonant 1.1
und 1.2): Ri ng [,] Beifügung
3.8 s wird teils stimmhaft, teils stimmlos gesprochen: ` Attribut
stimmhaft am Wortanfang vor Vokal: Sohn; im Wort-
innern zwischen Vokalen: Ra sen; nach 1 m n r zwi- Betonung, Akzent
schen Vokalen: Fel sen, Am sel, un ser, Fer se [z]; Innerhalb der Rede werden auf der Ebene des Satzes 1
stimmlos am Wortende: da s, un s, vor s Hau s; und (Satzakzent), des Wortes (Wortakzent) und der Silbe
meist im Wortinnern: be ste, höch st [s]; (Silbenakzent) durch Betonung einzelne Glieder her-
vor p und t wird anlautendes s als sch gesprochen: spa- vorgehoben.
ren, Splitter, Staat, streben [(p, (t] Den Satzakzent trägt ein bestimmtes Wort im Satz: 1.1
3.9 v wird als f gesprochen (` Konsonant 2.2); häufiger was hast du gesagt? du bist verrückt! das geht doch
kommt es in Fremdwörtern vor und wird in der Regel nicht! Er hebt das Wort hervor, auf das es dem Sprecher
als w [v] gesprochen (` 4.5). besonders ankommt.
3.10 Das Zeichen des Vokals u wird zwischen q und einem Träger des Wortakzentes ist eine Silbe des Wortes; von 1.2
Vokal als w gesprochen: Quelle [kv]. ihm ist in diesem Artikel besonders die Rede.
Briefschreiben

1.3 Innerhalb einer Silbe ist der Klangträger ein Laut, und Beim Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben 3.4
zwar normalerweise der Vokal (z. B. in lang), während kann ein Bindestrich gesetzt werden: Tee-Ernte (ne-
die Konsonanten ± wie ihr Name sagt ± meist nur Mit- ben: Teeernte), Kaffee-Ersatz (neben: Kaffeeersatz),
laute sind. Bei ` Diphthongen ist stets der eine Vokal Schiff-Fahrt (neben: Schifffahrt).
stärker betont als der andere: in laufen ist das a Träger Manchmal werden durch B.e Missverständnisse ver- 3.5
des Silbenakzents, während das u den Konsonanten mieden:
näher steht. Druck-Erzeugnis, Drucker-Zeugnis; Gründung, Grün-
2 Ihrer Natur nach werden zwei Arten der B. unterschie- Dung; Bau-Mast, Baum-Ast.
den: 1. eine dynamische oder exspiratorische und 2. Zweigliedrige Zusammensetzungen mit einem Namen 3.6
eine musikalische. werden mit B. geschrieben, wenn der Name besonders
2.1 Der dynamische Akzent wird dadurch bewirkt, dass hervorgehoben werden soll, also besonders bei gele-
das hervorzuhebende Sprachglied mit verstärktem gentlichen Ereignissen:
Atemdruck (Exspiration) ausgesprochen wird. Schubert-Konzert, Bach-Fest, Mozart-Abend;
2.2 Beim musikalischen Akzent wird dieses Sprachglied aber: Goethehaus, Herderschule, Dieselmotor.
mit gröûerer Tonhöhe gesprochen. Durchkopplungsbindestrich 4
2.3 Zumeist kommen beide Arten des Akzents in einer Mehrgliedrige Bezeichnungen werden mit B. gekop- 4.1
Sprache vor, so dass man am besten von ¹überwiegend pelt, so auch, wenn sie Zahlen enthalten: Goethe-Schil-
dynamischerª oder ¹überwiegend musikalischerª B. ler-Denkmal, Januar-Februar-Heft, Sturm-und-Drang-
spricht. Überwiegend dynamisch ist vermutlich die la- Zeit, Vitamin-C-haltig, 20-Pf-Marke, 3/4-l-Flasche, 12-
teinische Sprache betont worden, auch manche nord- mm-Stabeisen.
deutschen Mundarten gehören hierher; überwiegend Bei substantivisch gebrauchten Zusammensetzungen, 4.2
musikalisch ist die B. wohl im Altgriechischen gewe- bes. bei substantivisch gebrauchten Infinitiven wird
sen. ein B. gesetzt (das Make-up, das Sit-in).
Substantivierte Infinitive mit Zusätzen werden gekop- 4.3
Beugung pelt, wenn sie sonst unübersichtlich würden:
` Flexion das Hand-in-Hand-Arbeiten, das Für-gut-Befinden, das
Auf-Länge-Schneiden; aber z. B.: das Inkrafttreten.
Bilabial Bei Zusammensetzung von Adjektiven gleichen Ran- 4.4
` Konsonant 1.1, `Labial ges kann Bindestrich-Schreibung erfolgen: süû-saure
(neben: süûsaure) Soûe.
Bindestrich Bei mehrgliedrigen Namen von Straûen, Anlagen oder 4.5
1 Der B. ist formgleich mit dem ` Gedankenstrich und Bauwerken stehen B.e:
dient bei bestimmten Wortgefügen entweder als Ergän- Johann-Friedrich-Straûe, Karl-Marx-Platz, Prinz-Al-
zungszeichen oder zur Erläuterung sonst undeutlicher brecht-Allee, Von-der-Schulenburg-Park, Kaiser-Wil-
Zusammensetzungen. helm-Turm.
2 Ergänzungsbindestrich Unabhängig von ihrer Bedeutung werden zusammen- 4.6
Er vertritt bei Aneinanderreihung mehrerer Zusam- gesetzte Farbbezeichnungen zwar in der Regel zusam-
mensetzungen, denen ein Bestandteil gemeinsam ist, mengeschrieben, der Übersichtlichkeit wegen kann je-
die Stelle des nur einmal genannten, bei den anderen doch wahlweise auch die Schreibung mit Bindestrich
Wörtern zu ergänzenden Bestandteils: Ein- und Aus- erfolgen: schwarz-rot-goldene oder schwarzrotgoldene
gang, Ecke Müller- und Schulzestraûe; Gepäckan- Fahne.
nahme- und -ausgabestelle; Bäckerei- und Konditorei- Wenn aber eine einheitliche Farbtönung gemeint ist,
maschinen und -geräte. wird zusammengeschrieben: ein blaurotes (violettes)
Stilistisch bedenklich ist die Anwendung bei unselb- Kleid, ein gelbgrünes Gemisch.
ständigen Ableitungsmorphemen:
Ge- und Verbot; Be- und Entwässerung; hier ist Wieder- Bindewort
holung vorzuziehen: ` Konjunktion
Gebot und Verbot; Bewässerung und Entwässerung.
3 Erläuterungsbindestrich Briefschreiben
3.1 Lange, unübersichtliche Wortzusammensetzungen Anrede: Das früher in Anreden übliche Ausrufezei- 1
kann man in zwei oder mehr Bestandteile, die dann chen wird heute meistens durch ein Komma ersetzt.
durch B. gekoppelt werden, zerlegen; dabei erfolgt In diesem Fall beginnt der Text mit einem Kleinbuch-
die Zerlegung meistens an der Stelle, wo die Bindung staben:
am losesten ist: Lieber Vater, bzw. Sehr geehrter Herr Paul,
Lebensversicherungs-Aktiengesellschaft; Feuer-Versi- anstatt:
cherungs-Anstalt, Unfall- und Schadens-Versicherungs- Lieber Vater! bzw. Sehr geehrter Herr Paul!
Gesellschaft; Verpackungsmittel-Kontor; Polstermöbel- Brieftext: Nur die Pronomen der höflichen Anrede 2
Spezialhaus; Kraftfahrzeug-Reparaturwerkstätten; ¹Sieª und ¹Ihrª sowie von ihnen abgeleitete Formen
Branchen-Fernsprechbuch. werden immer groûgeschrieben. Die persönlichen
3.2 Ferner kann der Bindestrich der Hervorhebung einzel- und possessiven Pronomen der vertrauten Anrede
ner Bestandteile von Zusammensetzungen dienen: Ich- (du, dir, ihr, euch, dein, euer) werden hingegen kleinge-
Laut (neben: Ichlaut), Ist-Aufkommen (neben: Istauf- schrieben: Über eine baldige Antwort von Ihnen würden
kommen). wir uns freuen. Es wäre toll, wenn du bald antworten
3.3 Bindestrichschreibung erfolgt in Zusammensetzungen könntest. (` Groû- und Kleinschreibung 5)
mit einzelnen Buchstaben, Ziffern und Formelzeichen: Gruûformel: Vom Brieftext leitet man in der Regel mit 3
a-Moll, x-beliebig, 3-Tonner, 8-Zylinder, 5-mal, 18-jäh- einer Gruûformel, auf die weder ein Ausrufezeichen
rig. Suffixe nach Zahlzeichen werden wie bisher ohne noch ein Komma folgt, zur Unterschrift über. Diese
Bindestrich geschrieben: 68er. steht ohne nachfolgenden Punkt:
Bruchzahl

Mit freundlichen Grüûen In Bezug auf die Abhängigkeit vom Verb wird der not-
Peter Westermann wendige D. vom freien D. unterschieden.
Es grüût dich Beim notwendigen D. handelt es sich um eine durch die 1
dein ` Valenz des Verbs geforderte Ergänzungsangabe
Peter (` Ergänzung), die in einem grammatisch korrekten
Satz nicht weggelassen werden darf. Der Dativ folgt
Bruchzahl u. a. auf folgende Verben: ähneln, gehören, raten, scha-
1 B.en sind eine Untergruppe der Zahlwörter (` Nume- den; der Junge ähnelt seiner Mutter.
rale). Sie werden aus den ` Ordinalzahlen abgeleitet, Beim freien D. handelt es sich um ein Satzglied, das für 2
an die das Suffix -tel (von Teil) tritt, und bezeichnen den Satz nicht strukturell notwendig ist. Dabei werden
eine Teilmenge: die folgenden Arten unterschieden:
das Drittel, ein Fünftel, sieben Zehntel. Der Dativus Commodi (= Dativ des Nutzens) bezeich- 2.1
2 Eintel und Zweitel werden nur in der mathematischen net eine Person oder Sache, um derentwillen etwas ge-
Sprache gebraucht: 2/301 = zwei Dreihundertundeintel. schieht: die Tante kauft ihrem Neffen ein Spiel.
Statt Zweitel sagt man substantivisch die Hälfte, adjek- Der Dativus ethicus (= sittlicher Dativ) bezeichnet eine 2.2
tivisch halb: die Hälfte des Huhns = das halbe Huhn. Person, die nicht direkt an der Handlung beteiligt ist,
3 Wenn die B. substantivisch verwendet wird, erscheint aber persönlich Stellung nimmt. Er findet sich vor-
die Bezeichnung der jeweiligen Gesamtmenge als At- nehmlich in der volkstümlichen Redeweise: pass mir
tribut: drei Viertel seines Einkommens; zwei Drittel bloû auf deinen kleinen Bruder auf!
vom Ertrag seiner Ernte; oder als Apposition: zwei Eine andere Funktion erfüllt der D. bei Präpositionen.
Fünftel Mehl. Häufig bezeichnet er hier eine Ruhelage (im Unter-
4 Wenn die B. als Maûangabe dient, wird sie kleinge- schied zum Akkusativ, der eher eine Bewegungsrich-
schrieben und nicht in den Plural gesetzt: ein zehntel tung kennzeichnet): an, auf, bei, gegenüber, hinter, in,
Millimeter, in fünf hundertstel Sekunden, nach drei vier- neben, über, unter, vor, zwischen . . .; das Buch liegt auf
tel Stunden. Hier ist auch Zusammenschreibung mög- dem Tisch.
lich: ein Zehntelmillimeter, in fünf Hundertstelsekun-
den, nach drei Viertelstunden. Dativobjekt, Ergänzung im Wemfall
Häufig vorkommende Verbindungen einer B. als Be- Durch die ` Rektion bzw. ` Valenz des Verbs gefor-
stimmungswort mit einem Substantiv als Grundwort dertes ` Satzglied im ` Dativ, auch indirektes Objekt.
ergeben Zusammensetzungen: Viertelstunde, Achtelli-
ter, Sechzehntelnote. Datumsangabe
6 B.en in Uhrzeitangaben unmittelbar vor Kardinalzah- D.n geben Auskunft über Tag, Monat und Jahr. Die 1
len werden kleingeschrieben: um viertel fünf, gegen reine D. tritt in den folgenden schriftlichen Formen
drei viertel acht, in drei viertel Stunden (oder) in einer auf:
Dreiviertelstunde. 03.11.1993; 03.11.93; 3. November 1993; 03. November
7 Substantivierte B. schreibt man groû: ein Fünftel, das 1993; 3. Nov. 93; 03. Nov. 1993.
erste Drittel, um (ein) Viertel vor fünf. In Verbindung mit Orts- und Uhrzeitangaben gelten 2
8 Halb nach dem Zahlwort ein wird dekliniert und unde- die folgenden Regeln:
kliniert gebraucht: zwei und ein halbes Jahr = Ohne Komma steht eine einfache kombinierte Tages- 2.1
zwei(und)einhalb Jahre. und Uhrzeitangabe mit Präposition:
8.1 Für ein(und)einhalb wird oft anderthalb (= das andere Sie kam am 20. September um drei Uhr.
[zweite] halb) gesagt: in anderthalb Jahren. Stellt die Uhrzeit den letzten Datumsbestandteil dar, so 2.2
8.2 Veraltet sind Zusammensetzungen dritthalb (= das wird sie nicht durch Komma vom übrigen Satz ge-
dritte halb = zwei[und]einhalb), vierthalb usw. trennt. Das Komma steht jedoch vor der Uhrzeit,
wenn sie nicht durch eine Präposition angeschlossen
Buchstabe wird:
Schriftzeichen. Der Begriff Stab bezeichnete ursprüng- Wir werden auf unserer nächsten Sitzung am 15. Fe-
lich wohl den senkrechten Hauptstrich der meisten Ru- bruar, 17 Uhr im groûen Sitzungssaal einen Entschluss
nen, dann die Rune überhaupt; der B. ist das in Bü- fassen.
chern verwendete Schriftzeichen zunächst der Steht die D. im Akkusativ (ohne am), so kann entweder 2.3
lateinischen Sprache im Unterschied zu der in Holz, nur vor der D. oder davor und dahinter ein Komma ge-
Stein oder Eisen geritzten Rune. Die B.n dienen zur setzt werden:
Schreibung der ` Laute einer Sprache (` Alphabet). Wir kommen Donnerstag, den 13. April[,] in Paris an.
Zum Problem der unzulänglichen Entsprechung von Besonderheit bei am: 2.4
B. und Laut ` Aussprache, ` Rechtschreibung, Bei Wochentagsangaben in Verbindung mit am (im
` Vokal, ` Konsonant. Dativ) trennt man die Monatsangabe für gewöhnlich
in den Fällen mit zwei Kommas ab, in denen sie densel-
Consecutio Temporum ben Kasus (den Dativ) wie die Wochentagsangabe auf-
` Zeitenfolge weist. Diese Regelung ist jedoch nicht obligatorisch
(` Komma 6.1) z.B.:
das vs. dass Am Dienstag, dem 20. August(,) verlieûen sie die Stadt.
` Konsonant 2.1 Schlieût sich die Monatsangabe jedoch im Akkusativ
an, so wird in jedem Fall nur ein Komma gesetzt:
Dativ, 3. Fall, Wemfall Am Freitag, den 11. November begannen die Schwierig-
` Kasus des Objekts, auf das sich die Handlung des keiten.
` Subjekts bezieht. Der D. kann durch die Hilfsfrage
¹Wem oder was?ª ermittelt werden; er schenkt seiner Deklination
Tochter ein Spielzeug. Die Formabwandlung (Beugung) der Nomina.
Diphthong

Für das Deutsche unterscheidet man nach der von Ja- Erweiterungen des D.s der sind: 5
cob Grimm (1819) aufgestellten Typologie die starke, der-, die-, dasjenige, die meist auf einen nachfolgenden 5.1
schwache und gemischte Deklination. Relativsatz hinweisen: wir bitten diejenigen, die mit
Die D. der Nomina wird mit der ` Konjugation der unseren Plänen einverstanden sind, um ein Handzei-
Verben unter dem Obergegriff ` Flexion zusammen- chen;
gefasst. der-, die-, dasselbe, die die Gleichartigkeit eines Gegen- 5.2
1 Dekliniert werden ` Substantive (` auch Tabelle standes oder Sachverhaltes mit einem zuvor erwähnten
¹Deklination der Substantiveª, S. 20ff.), ` Adjektive, bezeichnen: Hans äuûerte seine Meinung, Fritz sagte im
` Artikel, ` Pronomen und ` Numerale. Wesentlichen dasselbe.
2 Die D. stellt die verschiedenen Formen, durch die der Mehr auf die Art und Beschaffenheit weisen folgende, 6
` Kasus (Fall), der ` Numerus (die Zahlform) und ge- meist attributiv gebrauchte Demonstrativpronomina
gebenenfalls das ` Genus (grammatisches Ge- hin:
schlecht) bestimmt werden; dadurch wird die Funktion Mit derartigen/dergleichen Ausreden machst du dir
der genannten Wortarten und -gruppen im Satz für den keine Freunde. Mit einem solchen (solch einem)
Hörer bzw. Leser erkennbar. Betragen kommst du nicht durch. So eine Arbeit wird
3 Man unterscheidet im Dt. vier Kasus: ` Nominativ, eigentlich nie fertig.
` Genitiv, Dativ, ` Akkusativ, zwei Numeri: ` Sin-
gular und ` Plural, und drei Genera: Maskulinum, Fe- Denotation
mininum, Neutrum. Die Substantive kommen in der Bedeutung einer sprachlichen Einheit, die vom jeweili-
Regel nur in einem Genus vor, die anderen Wortarten gen Kontext und der Situation unabhängig ist. Im
meist in den drei Genera. Gegensatz zur Konnotation ist diese Bedeutungsart
4 Die Formen der D. sind in den Artikeln zu den unter 1 konventionell festgelegt und wird nicht durch das per-
aufgeführten Wortarten im Einzelnen angegeben. sönliche Empfinden eines Sprechers beeinflusst.
So ist beispielsweise die denotative Bedeutung von Ur-
Demonstrativpronomen, hinweisendes Fürwort wald ¹nicht bewirtschafteter tropischer Regenwaldª,
Das D. ermöglicht dem Sprecher, in besonderer Weise während die konnotative Bedeutung Komponenten
auf Personen oder Sachen hinzuweisen. Dabei kann es wie ¹undurchdringlich, Furcht erregend, farbenpräch-
sowohl die Rolle des Stellvertreters als auch die des Be- tig . . .ª impliziert.
gleiters (` Pronomen 2) eines Substantivs einnehmen. Gegenbegriff: `Konnotation
Das Deutsche kennt die folgenden D.: der, die, das; die-
ser, diese, dieses; jener, jene, jenes. Dental, Zahnlaut
Am häufigsten wird der, die, das verwendet, besonders ` Konsonant 1.1
in der Umgangssprache.
Stellvertreter: Stell dir das bloû vor! Die hatte ich aber Derivation
ganz anders in Erinnerung. ` Ableitung
Begleiter: Diese Vorstellung hat mir besonders gut ge-
fallen. Ich hätte gerne jene Zeitung, die dort drüben deskriptiv
auf dem Tisch liegt. ` normativ
2 Die meisten Sprachen, so auch das Deutsche, realisie-
ren zwei parallele demonstrative Möglichkeiten, um diakritisches Zeichen
Nähe bzw. Ferne im Verhältnis zum Sprecher auszu- Diakritische Z. sind unterscheidende Zusätze an
drücken: dieser (nah) ± jener (fern); engl. this ± that; Schriftzeichen, oberhalb oder unterhalb des Wortes,
frz. celui-ci ± celui-ça; lat. hic ± ille. z. B. Umlautzeichen (ä,ö,ü). Sie weisen meist auf Be-
3 Das D. kann sowohl vorausweisenden als auch zurück- sonderheiten in der Aussprache hin: (frz.) fr›re, garçon.
weisenden Charakter haben.
vorausweisend: Es können sich all die freuen, deren Dialekt, Mundart
Name bis jetzt noch nicht aufgerufen wurde. Im Gegensatz zur ` Standardsprache regional be-
zurückweisend: Er hat sich schon wieder beschwert. Das dingte Variante einer Sprache, die sich durch Unter-
ist eine Unverschämtheit. schiede in der Aussprache, dem Wortschatz und der
4 Die Deklination der D. der und dieser zeigt folgende Syntax von den Varianten anderer Regionen unter-
Formen: scheidet. Aus entstehungsgeschichtlicher Sicht sind
die D.e älter als die Hochsprache. Sie bilden daher
Sing. Plur. häufig die Grundlage für sprachhistorische Untersu-
chungen.
Mask. Fem. Neutr. MFN
diminutiv
Nom. der die das die ` Aktionsart
Gen. dessen deren dessen deren1/
derer2 Diminutiv, Deminutiv, Verkleinerungsform
Dat. dem der dem denen Zu vielen Substantiven werden durch Anfügung der
Akk. den die das die Suffixe -chen oder -lein Verkleinerungsformen gebil-
det: Haus ± Häuschen, Buch ± Büchlein. ` Suffix 3.1
Nom. dieser diese dies(es) diese
Gen. dieses dieser dieses dieser Diphthong, Doppelvokal
Dat. diesem dieser diesem diesem Im Artikel ` Vokal (2.2) sind die vier in der deutschen 1
Akk. diesen diese dies(es) diese Sprache vorkommenden D.e aufgeführt; in runden
Klammern sind die Möglichkeiten ihrer orthographi-
1
zurückweisend, 2 vorausweisend schen Wiedergabe angegeben:
direkte Rede

[ai] ± (ei, ai, ey, ay) Doppelpunkt, Kolon (:)


[au] ± (au) Der D. ist 1. ein Ankündigungszeichen, 2. ein Zusam-
[.y] ± (eu, äu, oy) menfassungszeichen.
Ein D. ist eine Gruppe von zwei Vokalen, die eine sil- Der D. als Ankündigungszeichen steht vor: 1
bische Einheit bilden und von denen der erste stärker direkter (wörtlicher) Rede: 1.1
gesprochen wird und deshalb den Klang des Gesamt- Und die kleine Antonie, achtjährig und zartgebaut, . . .
lautes bestimmt. Von diesen vier D.en bieten au und blickte aus ihren graublauen Augen angestrengt nach-
das ganz selten (z. B. in hui, pfui) vorkommende ui keine denkend und ohne etwas zu sehen ins Zimmer hinein,
Rechtschreibschwierigkeiten. wiederholte noch einmal: ¹Was ist dasª, sprach darauf
Bei den beiden anderen kommt die Schreibung mit y langsam: ¹Ich glaube, daû mich Gottª, fügte, während
nur noch in Fremdwörtern vor; Ausnahmen: Bayern ihr Gesicht sich aufklärte, rasch hinzu: ¹± geschaffen
(bayerisch) und Namen wie Mayer, Meyer, Beyer usw. hat mit allen Kreaturenª, war plötzlich auf glatte Bahn
Im Übrigen ist auf Folgendes hinzuweisen: geraten und schnurrte nun, glückstrahlend und unauf-
2 ei ± ai haltsam, den ganzen Artikel daher. (Th. Mann)
Sätzen und Satzteilen: 1.2
Kaiser ± Laie ± Maid; Leib ± Laib
Aber in seinen Augen war noch immer jener Glanz, der
In der Schreibung hat sich meist ei durchgesetzt. Bei ei- aus einer anderen Welt zu kommen scheint: Der Meister
nigen Wörtern hat sich, wohl mit Rücksicht auf ihre Unwirrsch hörte nichts von dem Flüstern und Schnattern
Herkunft, die Schreibung ai gehalten: der Weiber, er sah nichts von ihrem Durcheinander, er
Mai, Main, Mainz, Bai, Hai, Mais, Taifun, Kainsmal, sah auch den Schwager nicht, bis dieser ihn an der Schul-
Balalaika, Baikal, Lakai, Tokaier; Maische, Rainer, ter packte und ihn auf nicht sehr sanfte Art ins Bewuût-
Raiffeisen. sein zurückschüttelte. (Raabe)
In anderen Wörtern werden durch die Schreibung ai Aufzählungen: 1.3
Bedeutungsunterschiede gekennzeichnet: Die Woche hat sieben Tage: Sonntag, Montag, Dienstag,
Weise ± Waise, Seite ± Saite, rein ± Rain, Leiche ± Laich, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag. Walt Whit-
Hein ± Hain, Weide ± Waid. mans bewegter Entwicklungsgang ist wohl typisch:
Trotz verschiedener Bedeutung werden gleicherweise Schriftsetzer, Zeitungsreporter, Redakteur, Verleger,
mit ei geschrieben: Schullehrer, Bauhandwerker, Architekt.
Weide (Baum) ± Weide (Gras-, Futterland); dazu die Der D. steht nicht, wenn die Aufzählung angekündigt 1.4
meist auf die Jagd bezogenen Ausdrücke: Weidmann, wird durch Wörter wie nämlich, z. B., d. h. o. ¾.;
ausweiden, Eingeweide, weidlich; sich an etwas weiden; dann wird vor diese Wörter ein Komma gesetzt:
Heide (Nichtchrist) ± Heide (Sandboden); Eiche Die Woche hat sieben Tage, nämlich Sonntag, Montag,
(Baum) ± eichen (das gesetzliche Maû prüfen; Eichamt) Dienstag, . . .
± Eichen (kleines Ei). Der D. als Zusammenfassungszeichen steht: 2
3 eu ± äu wenn auf die Anführung von Einzelheiten ein zusam- 2.1
menfassender Satz folgt:
Feuer; Haus ± Häuser
Frau und Kinder, Haus und Hof: Das alles hatte er im
In der Schreibung überwiegt eu: Kriege verloren.
Euter, Reue, Schleuder, Schleuse, teuer. um auf eine Folgerung, die aus Vorausgegangenem ge- 2.2
äu wird geschrieben, wenn ein Wortstamm au vorliegt: zogen wird, hinzuweisen:
vorläufig ± laufen; täuschen ± tauschen; Fräulein ± Frau; Gladstone sorgte dafür, dass mit seiner Freihandelspoli-
Wiederkäuer ± kauen; schäumen ± Schaum; betäuben ± tik der englische Handel und die englische Industrie-
taub; säumen ± saumselig. macht sich weit in der Welt ausdehnen konnten: England
Durch die Orientierung der neuen Rechtschreibung am eroberte die Märkte.
¹Stammprinzipª fallen mehr Wörter als früher in diese Zur Schreibung nach Doppelpunkt ` Groû- und 3
Kategorie: schnäuzen ± Schnauze, verbläuen ± blau, Kleinschreibung 1.2.
gräulich ± Grauen.
Doch kommen auch Wörter vor, bei denen ein ver- durativ, imperfektiv
wandtes Wort mit au nicht gegeben ist: ` Aktionsart
Säule, räuspern, Räude, sträuben.
Im ungebeugten Stamm von Fremd- oder Lehnwörtern egressiv
kommt äu nicht vor: Abenteuer, Teufel, Rheumatismus; ` Aktionsart
in Wörtern wie Jubiläum, Trochäus sind die beiden Vo-
kale auf zwei Silben verteilt, also kein D. Eigenname
In einigen Wörtern kennzeichnet verschiedene Schrei- ` Substantiv 4; Bezeichnung einzelner Gegenstände 1
bung Bedeutungsunterschiede: oder Lebewesen im Gegensatz zum Gattungsnamen
Beute ± Gebäude, Leute ± Geläute, heute ± Häute. (`Appellativum); dabei können die Namen oft mehr-
mals vorkommen, aber im einzelnen Fall der Nennung
direkte Rede sind bestimmte einzelne Personen oder Sachen ge-
Die direkte Rede wird in ` Anführungszeichen (1) ein- meint.
geschlossen. Im Gegensatz dazu steht die `indirekte Es handelt sich dabei um Personennamen (Vor- und 2
Rede: ¹Bitte lass micht nicht im Stich!ª, flehte sie. `Familiennamen), um geographische Namen (Län-
¹Wir werden einen schönen Sommer habenª, stellten der, Städte, Straûen, Gebirge, Berge, Flüsse, Seen,
sie fest. Er sagte: ¹Ich mag nicht mehrª, und ging hin- Meere u. a.), Namen von Schiffen und Flugzeugen,
aus. von menschlichen Einrichtungen (Firmen, Vereine,
Parteien, Bauten: Theater, Hotels, Gebäudenamen)
direktes Objekt und geistigen Werken (Bühnenstücke, Filme, Bücher
` Akkusativobjekt [Buchtitel: `Substantiv 4.3], Zeitungen).
Ergänzung

3 Personen- und Ländernamen haben vielfach keinen sätzen: von maûgebenden Männern 0,1 wie Herr Schulze
Artikel bei sich; wenn aber ein ` Attribut (eine ` Ap- und Herr Meyer 0es sind,1 werde ich darauf hingewiesen
position) dabeisteht, ist ein Artikel notwendig: der (statt wie Herrn Schulze usw.).
kleine Fritz, das antike Rom, das Nachkriegsdeutsch- Ganze Hauptsätze werden in affektischer Sprache er- 7
land, der Dichter Gerhart Hauptmann, mit Ausnahme spart: wenn du doch Recht behieltest 0, dann wäre uns
von Titeln: Professor Schmidt, Bundeskanzler Schröder. geholfen1!; 0es ist bedauerlich,1 dass du so unverständig
Ein Artikel wird auch bei weiblichen Namen gesetzt, bist!
wenn nur dadurch ihr Geschlecht gekennzeichnet Fragesätze werden bis auf das Fragewort verkürzt: 8
wird: die Droste-Hülshoff. dann kam ich weiû nicht wer, man sieht doch wo und
Der Genitivartikel des wird bei Personennamen ge- wie. (Goethe)
setzt, die auf -s oder einen anderen Zischlaut enden In nachlässiger Sprache wird gegangen ausgelassen, 9
und bei denen deshalb der Genitiv nicht durch die En- z. B.: Gestern waren wir schwimmen, heute waren wir rei-
dung -s deutlich gemacht werden kann: das Ei des Ko- ten 0gegangen1.
lumbus; das betrifft vor allem viele Namen aus dem Die E. kennzeichnet bes. die auf Kürze bedachte 10
griechisch-römischen Sprachbereich: des Atlas, des Pe- Kommandosprache: stillgestanden!, das Gewehr ±
rikles, des Attis, des Kallimachos, des Augustus; darüber über!, Gewehr ± ab!, weggetreten!
hinaus wird bei antiken Namen nicht selten auch im
Dativ und Akkusativ der Artikel hinzugefügt. Veraltet Endung
sind Genitivbildungen wie: Vossens Luise, Marxens ` Morphem, das die Formabwandlungen (` Flexion)
Lehre. der veränderlichen ` Wortarten kennzeichnet; auch
Länder- und Landschaftsnamen, die stets mit Artikel als Flexionssuffix bezeichnet (` Suffix 2). ` Deklina-
gebraucht werden, sind z. B.: die Ukraine, die Schweiz, tion, ` Konjugation
der Irak, der Sudan, der Balkan, das Rheinland, das El-
sass. Enklise
Verschmelzung eines kurzen und schwach bzw. unbe-
Eigenschaftswort tonten Wortes mit dem vorausgehenden betonten
` Adjektiv Wort. Diese Reduzierung ist mit Lautschwächung
oder Lautverlust verbunden: gehst du ± gehste.
Einzahl Gegenbegriff: ` Proklise
` Singular
Entlehnung
Elativ Erweiterung des Wortbestandes einer Sprache durch
Steigerungsform des Adjektivs, die keinen Vergleich, Übernahme eines Ausdrucks aus einer Fremdsprache.
sondern einen sehr hohen Grad zum Ausdruck bringt; Der Grund für die E. besteht meistens darin, dass die
der Form nach identisch mit dem absoluten Superlativ: eigene Sprache noch keine Bezeichnung für ein neu
der geringste Lärm, der leiseste Zweifel, dies sollte man entstandenes Ding oder einen Sachverhalt kennt.
möglichst vermeiden. Ein sehr hoher Grad kann auch ` Lehnwort, Fremdwort, Neologismus
durch andere Ausdrucksmittel bezeichnet werden;
` Komparation 4. Entscheidungsfrage, Satzfrage
` Fragesatz, indirekter Fragesatz
Ellipse, Auslassung
Aussparung einzelner Teile, auch ganzer Sätze, in der Epenthese
Rede; trotz dieser ¹Ersparungª ist das Verständnis Einschieben von Lauten im Wortinneren ohne etymo-
der Rede aus der Situation heraus ohne Schwierigkei- logische (`Etymologie) oder morphologische
ten möglich. (` Morphologie) Motivation, lediglich um die Aus-
Dabei wird ausgelassen: sprache zu erleichtern: Spindel y mhd. spinnel; na-
1 in den meisten Fällen die Verbform, oft in Verbindung mentlich y Namen + lich.
mit dem Subjekt: 0ich wünsche einen1 guten Tag!; 0ich
habe1 keine Zeit!; 0sei1 still!; 0bist du1 einverstanden?; Erbwort
0komm1 her mit dem Buch! Ein Wort der dt. Sprache, das aus dem ` Indogerma-
2 das Subjekt: 0ich1 danke!; sowie ± veraltet ± im Ge- nischen stammt und dadurch Gemeinsamkeiten mit
schäftsstil: 0ich1 teile Ihnen hierdurch mit, dass . . . den entsprechenden Wörtern anderer Sprachen der in-
3 ein Akkusativobjekt: ich höre im Nachbarhaus 0jeman- dogermanischen Sprachfamilie aufweist, zum Bei-
den1 Klavier spielen; 0das1 mach© ich!; 0das1 weiû Gott! spiel: Vater, althochdeutsch fater, lateinisch pater,
4 ein Adjektiv als ` Prädikativ, etwa mit der Bedeutung griechisch path r (pater), altindisch pitµr, armenisch
notwendig, möglich, naheliegend, leicht, gut o. ¾.: es ist hayr, tocharisch pàcar.
0notwendig o. ¾.,1 zu fragen, warum . . .; Der heutige ` Wortschatz des Dt. besteht zu etwa ei-
5 eine Präposition: 0durch die1 Spieûruten laufen, 0auf nem Viertel aus Erbwörtern, was den Grundbestand,
der1 Maschine schreiben. d. h. den Bestand an nicht abgeleiteten Wörtern (` Ab-
6 In Gliedsätzen treten gern Verkürzungen ein; in Kon- leitung), betrifft. Im Gegensatz dazu stehen die erst im
ditionalsätzen statt: wenn wir rechtzeitig benachrichtigt Laufe der weiteren Sprachentwicklung aus anderen
werden, werden wir zur Stelle sein schreiben wir, wohl Sprachen übernommenen Wörter, die ` Fremdwörter
um das Nebeneinander von werden zu vermeiden: wer- und ` Lehnwörter.
den wir rechtzeitig benachrichtigt, so werden . . ., aber
auch: wir werden, wenn rechtzeitig benachrichtigt, zur Ergänzung
Stelle sein; und bist du nicht willig, so brauch© ich Gewalt Im Unterschied zur freien ` Angabe ein konstitutiver
(Goethe); in Kausalsätzen: ich konnte, da zu spät be- Bestandteil des Satzes, ein fakultativer oder obligatori-
nachrichtigt, nicht rechtzeitig eintreffen; in Vergleichs- scher ` Aktant, der im ` Satzmuster des jeweiligen
Ergänzungsfrage

Verbums erscheint. Die folgenden E.en lassen sich un- Faux Amis
terscheiden: Aus dem Französischen (= ¹falsche Freundeª) stam-
1 die E. in Form eines Prädikatsnomens (` Prädikativ): mender Begriff zur Bezeichnung von Wörtern aus je-
Karl ist Lehrer. weils unterschiedlichen Sprachen, die zwar ähnlich ge-
2 die E. in Form von ` Kasusobjekten: schrieben bzw. gesprochen werden, jedoch verschie-
2.1 ` Genitivobjekt: dene Bedeutungen haben. Sie stellen beim Erlernen
wir gedenken des Verstorbenen. von Fremdsprachen häufig Fehlerquellen dar: dt. sen-
2.2 ` Dativobjekt: sibel ± engl. sensible (= vernünftig); dt. Figur ± frz. figure
er ähnelt seinem Vater. (= Körper).
2.3 ` Akkusativobjekt:
er wiederholte die Frage. Femininum
3 die E. in Form eines ` Präpositionalobjektes: Weibliches Geschlecht der ` Nomen (und ` Prono-
es wimmelt von Ameisen. men), nicht im Sinne des natürlichen, sondern des
4 die E. in Form der verschiedenen ` Adverbialbe- grammatischen Geschlechts (` Genus).
stimmungen, sofern es sich nicht um freie Angaben Als F. wird auch ein ` Substantiv mit diesem Genus
handelt: Kaffee macht mich munter. bezeichnet.

Ergänzungsfrage final
` Fragesatz, indirekter Fragesatz Den Zweck oder das Ziel eines Geschehens (einer Tä-
tigkeit) bezeichnend.
Etymologie
Lehre vom historischen Ursprung der Wörter, der Ent- Finalbestimmung
wicklung ihrer Bedeutung (auch im Vergleich mit an- ` Adverbialbestimmung (2.4), die den Zweck einer
deren Wörtern) und der Verwandtschaft mit Wörtern Handlung oder eines Geschehens angibt.
gleichen Ursprungs in anderen Sprachen. Die E. be- Der Form nach handelt es sich um Präpositionalge-
schäftigt sich ferner mit der lautlichen Entwicklung füge. Die F. kann eine obligatorische ` Ergänzung
und der wortbildungsmäûigen Zusammengehörigkeit sein: die Summe bleibt zur Verrechnung; er ist auf Rache
von Wörtern. aus; er gibt sich zu dieser Sache her; oder auch eine freie
` Semantik 2.2 Angabe: er ging zum Mittagessen ins Hotel; Sie werden
aufgefordert, zwecks näherer Ermittlungen zum Polizei-
Explosiva, Explosivlaut, Verschlusslaut revier zu kommen.
` Konsonant 1.2
Finalsatz
faktitiv Bezeichnung für eine Art der ` Adverbialsätze (2.4), 1
` Aktionsart und zwar für Gliedsätze, durch die eine Absicht, ein
Zweck ausgedrückt wird. Sie werden eingeleitet durch
fakultativ die Konjunktionen dass oder eindeutiger damit, in bi-
` Aktant blischer und altertümlicher Sprache auch auf dass:
wir wollen uns beeilen, dass (damit) wir nicht zu spät kom-
Fall men; . . ., der für uns gestorben ist, auf dass wir zugleich
` Kasus mit ihm leben sollen. (Luther)
Sehr häufig steht anstelle eines konjunktionalen F.es 2
Familien-, Vor- und Personennamen eine durch um zu eingeleitete Infinitivgruppe (Präpo-
1 Der Rufname (im christl. Bereich auch Taufname) sitionalinfinitiv genannt):
kennzeichnet als Eigenname eine Person (und meist Der Pianist setzte seine ganze Kraft ein, um einen groûen
auch deren Geschlecht). Seit dem Mittelalter sind im Erfolg zu erringen; wir gingen alle zur Groûmutter, um
dt. Sprachraum Familiennamen an den Rufnamen ge- ihr zum Geburtstag zu gratulieren. In diesen Beispielen
treten. ist das Subjekt des Hauptsatzes zugleich auch der Trä-
2 Später wurde es üblich, den Kindern mehrere Vorna- ger der in der Infinitivgruppe ausgedrückten Hand-
men zu geben, von denen meistens einer zum Rufna- lung.
men bestimmt wurde. Katholische Eltern nannten Das ist jedoch nicht immer der Fall; meist ergibt sich
ihre Kinder oft nach dem bzw. der Heiligen des Tages das zur Infinitivgruppe gehörige Subjekt aus dem Zu-
ihrer Geburt; dadurch erhielten Knaben auch weibli- sammenhang:
che Vornamen, Mädchen auch männliche. Einige Bei- In dem Aufsatz werden weitere Einzelheiten angeführt,
spiele: der Komponist Carl Maria von Weber, Hans um zu zeigen, dass . . . (Es ist verständlich, dass der Ver-
Magdalene Storm (ein Sohn Theodor Storms), Gottlob fasser des Aufsatzes etwas zeigen will).
Sophie Christiane von Stein (eine Schwägerin der Frau Der Präpositionalinfinitiv kann nicht nur für Final-
von Stein). sätze, sondern auch für Konsekutivsätze verwendet
3 Die Familiennamen sind auf verschiedene Weise ent- werden.
standen. Zum Teil sind sie vom Rufnamen des Vaters
abgeleitet: Peters, Paulsen, z. T. von Ortsnamen: Ha- finite Verbform
gen, Adenauer. Es können auch Berufsbezeichnungen: Form, deren Geltungsbereich auf eine bestimmte Per-
Becker, Müller, Meier oder Eigenschaftswörter: Starke, son und Zahl ¹begrenztª ist (finis lat. ¹Grenzeª), z. B.:
Rothe, Kluge zugrunde liegen. (ich) schreibe, (du) schriebst, (er) wird schreiben, (wir)
Als Familienname von Adligen erscheint oft der Name haben geschrieben, (ihr) hattet geschrieben, (sie) sind ge-
des Stammsitzes: Dietrich von Wettin. kommen (` Konjugation 1.1).
4 Zur Verwendung des Artikels bei Personennamen Gegenbegriff: infinite Formen sind solche, die nicht
` Eigenname (3); ` Substantiv 4.1. nach Person und Zahl bestimmt sind, also die ` Infi-
Fremdwort

nitive und `Partizipien: schreiben; schreibend, ge- chenen stärker, als es ihm durch eine Aussage möglich
schrieben (` Konjugation 1.2). wäre, in seine Gedankengänge einbeziehen, ihn zum
Nachdenken, zu Zustimmung oder Ablehnung anre-
Flexion, Beugung gen: ist es notwendig, erst noch auf die Gefahren hinzu-
Oberbegriff für die beiden an den veränderlichen weisen, die mit . . . verbunden sind? Auch auûerhalb der
` Wortarten möglichen Formabwandlungen: Rednersprache gibt es diese Frageweise bei gefühlsbe-
für die ` Deklination der Nomina und für die ` Kon- tonten Ausrufen: wie oft habe ich dir schon gesagt, dass
jugation der Verben mittels Flexionsmorphemen; du nicht so spät nach Hause kommen sollst?; bist du denn
` Morphem 2.2. ganz von allen guten Geistern verlassen?; kannst du denn
Durch die F. werden verschiedene Kongruenzbezie- nicht aufpassen? Bei diesen Beispielen könnte aus die-
hungen (` Kongruenz) geschaffen, z. B. zwischen sem Grund auch ein ` Ausrufezeichen (1.3) gesetzt
Subjekt und finitem Verb in Person und Numerus werden.
(die Kinder basteln) oder dem Substantiv und seinen Es kommen auch Fragen vor, die die Form von Aussa- 5
adjektivischen Attributen (sie hat eine interessante gesätzen haben: du bist das gewesen?; es ist schon gleich
und spannende Geschichte geschrieben). Mitternacht? Sie sind eine Mischung von Ausruf und
Frage; der Tonfall zeigt einen Ausdruck von Erstaunen
Fragesatz (direkter) (daher Verwunderungsfrage); wie bei den rhetorischen
1 Der F. ist neben dem ` Aussagesatz und dem ` Auf- Fragen (4) wird in den meisten Fällen keine Antwort er-
forderungssatz eine der drei grundlegenden Satzarten. wartet.
Im Unterschied zum ` indirekten Fragesatz richtet Der direkte F. wird im Allgemeinen mit dem ` Frage- 6
sich die Frage hier unmittelbar an den Angesproche- zeichen abgeschlossen.
nen.
2 Die durch die Frage geforderte Antwort kann entweder Fragezeichen (?)
eine Entscheidung sein oder eine Ergänzung des Wis- Satzzeichen, das einen Fragesatz kennzeichnet. Es 1
sens des Fragenden. Daher unterscheidet man Ent- steht:
scheidungs- und Ergänzungsfragen. nach einem unabhängigen Fragesatz: 1.1
2.1 Die Entscheidungsfrage fordert die Antwort ja oder Wo gehst du hin? Wie lange willst du bleiben? auch als
nein heraus (daher auch Bestätigungsfrage): hast du Überschrift:
den Brief beantwortet? ja/nein; doch kann die Antwort Was heiût und zu welchem Ende studiert man Universal-
auch als Satz erfolgen (daher Satzfrage): ich habe geschichte? (Schiller)
gestern/noch nicht geschrieben. Formal ist dieser Frage- Wenn ein Fragesatz als Zitat (in Anführungszeichen 1.2
typus durch die Umkehrung von Subjekt und Verbal- eingeschlossen) in einem Aussagesatz enthalten ist, so
form, d. h. durch die Spitzenstellung des Verbs gekenn- bleibt der zitierte Fragesatz mit dem F. versehen (wäh-
zeichnet. rend ein Aussagesatz als Zitat seinen ` Punkt (1.2) ver-
2.2 Die Ergänzungsfrage wird meist mit einem Wort (da- liert):
her auch Wortfrage), d. h. mit einem Satzglied, beant- ¹Komme ich noch zur rechten Zeit?ª, fragte er.
wortet, das aber auch in Form eines Gliedsatzes auftre- ¹Wer kauft Liebesgötter?ª lautet die Überschrift eines
ten kann: wer hat eben gesprochen? ich; woran dachtest Goethe©schen Gedichtes.
du? an unser gestriges Beisammensein; wohin fahrt ihr? Auch einzelne Fragewörter werden, ob sie allein oder 1.3
nach Berlin; warum hast du nicht an dem Treffen teilge- im Satzzusammenhang stehen, durch F. verdeutlicht:
nommen? weil ich krank war; worauf wartest du? dass du Frage: Wer oder was? ± Auf die Frage ¹wessen?ª antwor-
mich endlich zu Worte kommen lässt. Diese Fragen be- tet der Genitiv.
ginnen mit einem Fragewort (` Interrogativpronomen Ein F. in Klammern wird häufig zu einer Aussage bei- 1.4
oder ` Interrogativadverb), darauf folgt wie bei der gefügt, wenn man sie als fragwürdig hinstellen will:
Entscheidungsfrage die ` finite Verbform und dann Das Alter der Eiche wird auf 500 Jahre (?) geschätzt
erst das Subjekt. (` Klammern 1.4).
2.3 Eine Mittelstellung zwischen diesen beiden Formen Ein F. steht nicht: 2
nimmt die Doppelfrage ein; sie fordert eine Entschei- nach einem indirekten Fragesatz; hier ist für die Zei- 2.1
dung zwischen zwei (manchmal auch mehr) vom Fra- chensetzung die Art des übergeordneten Satzes maûge-
genden bestimmten Möglichkeiten heraus: fahrt ihr bend (` Punkt 1.2);
im Sommer nach Oberbayern oder in den Schwarzwald? bei gefühlsbetonten Ausrufen, denen die Frageform 2.2
habt ihr in der Schule als zweite Fremdsprache Franzö- gegeben wurde, um den Hörer (Leser) stärker anzurüh-
sisch oder Latein gelernt? Man bezeichnet diese Dop- ren:
pelfragen deshalb auch als bestimmte Entscheidungs- Wie nimmt ein leidenschaftlich Stammeln
fragen ± im Gegensatz zu den unter 2.1 besprochenen Geschrieben sich so seltsam aus! (Goethe)
allgemeinen Entscheidungsfragen. Wie schön ist es heute morgen!
3 Eine Sonderart der unter 2 genannten Fragen sind die Solche Ausrufe sind nicht zu verwechseln mit rhetori-
Überlegungs- oder Zweifelsfragen (auch deliberative, schen Fragen (` Fragesatz 4).
konsultative, dubitative Fragen). Sie sind, meist mit
dem Modalverb sollen, auf die 1. Pers. Sing. oder Fremdwort
Plur. beschränkt: was soll ich (sollen wir) heute Abend Im Unterschied zum ` Erbwort und ` Lehnwort
tun? (vgl. 2.2); soll ich ins Konzert gehen? (2.1); soll ich handelt es sich bei dem F. um ein aus einer fremden
mir jetzt noch den Vortrag anhören oder lieber zu Bett ge- Sprache übernommenes Wort, das sich dem Dt. in Aus-
hen? (2.3). sprache, Betonung und/oder Schreibweise nicht oder
4 Eine weitere Sonderart sind die rhetorischen Fragen, nur z. T. angepasst hat.
auf die der Fragende gar keine Antwort erwartet; sie Beispiele: aus dem Griechischen: Demokratie,
werden nicht selten von Rednern angewendet. Der- Rheuma, Christ; aus dem Lateinischen: Senat, Orakel,
Sprecher will durch die Fragestellung den Angespro- Kollege; aus dem Französischen: Chaussee, Mode,
Frikativ

amüsieren; aus dem Englischen: Trust, Beefsteak, Aktiv: morgen werde ich den Auftrag erledigt haben;
Hobby; aus dem Russischen: Machorka, Kolchos, Vorgangs- bzw. Zustandspassiv: morgen wird der Auf-
Sputnik; aus dem Hebräischen: koscher, Kibbuz, Rabbi; trag erledigt (worden, gewesen) sein. Da diese Formen
aus auûereuropäischen Sprachen: Banane, Orange, noch umständlicher sind als die des F.s I, finden sie
Schah, Sahib, Rikscha. nur selten Verwendung.
Das F. II steht besonders in einem Gliedsatz, wenn die-
Frikativ, Reibelaut ser eine vorzeitige Handlung enthält gegenüber einer
` Konsonant 1.2 Hauptsatzhandlung im F. I: ich werde froh sein, wenn
ich den Brief geschrieben haben werde; dafür wird man
Fugenelement, Fugenzeichen, Kompositionsfuge meist sagen: ich bin froh (ich will froh sein), wenn ich
Bindeglied zwischen zwei unmittelbaren Konstituen- den Brief geschrieben habe. Man zieht also auch hier
ten einer Wortbildung, das diachronisch gesehen häu- einfachere Formen (Präsens/Perfekt) vor.
fig auf eine alte Flexionsendung zurückgeführt werden Auch das F. II kann eine Annahme ausdrücken; die 2.2
kann. In der Gegenwartssprache haben diese Elemente Vermutung bezieht sich in diesem Fall auf ein vergan-
jedoch ihre morphologisch-syntaktische Funktion ver- genes Geschehen: das Kind wird weggelaufen sein;
loren; Himmel srichtung, Hund eleine, Sonn enschein, seine Frau wird ihn verlassen haben.
Kind ergarten. Das -er- in Kindergarten entsprach bei- Zur Formenbildung ` Konjugation 3. 3
spielsweise ursprünglich einmal dem Genitiv Plural.
Gedankenstrich (±)
Funktionsverb Er gehört zu den Sonderzeichen (` Interpunktion), bei 1
Verb, welches eine so feste Verbindung mit einem No- denen die Setzung weniger durch verbindliche Regeln
men eingeht, dass es seine Eigenbedeutung entweder vorgeschrieben wird, als vielmehr jeweils durch stilisti-
ganz verliert oder diese zumindest stark reduziert sche Erwägungen bedingt ist.
wird. In solchen Kontexten erfüllt das F. nur noch Im Allgemeinen kann der G. als ein Pausenzeichen an-
eine grammatische Funktion, indem es die Verbindung gesehen werden. Er bezeichnet im Einzelnen:
zwischen dem Subjekt und dem (präpositionalen) Ob- einen Wechsel von Sprechern: 2
jekt herstellt; in Erfüllung gehen, zur Aufführung brin- ¹Du meinst?ª ± ¹Je nun, ich meine nur so.
gen, Beachtung finden. Zwei würden des Schatzes besser frohª ±
¹Doch wennª ± ¹Wenn was?ª ± ¹Nun, nehmen wir an,
Funktionswort Sam wäre nicht daª ± ¹Ja, freilich, dann ± ª (Geibel)
Bezeichnung für Wörter mit rein grammatischer Funk- eine Pause: 3
tion. Diese Wörter haben die Aufgabe, die Beziehun- In das Klirren und Klingen mischte sich ein Schrei, der
gen zwischen den anderen Elementen im Satz zu kenn- das Blut erstarren machte. ± ¹Apoplexia spasmodica!ª
zeichnen. Zu den Funktionswörtern zählen die Wort- sagte eine Viertelstunde später der Doktor. (Raabe)
arten ` Artikel, ` Pronomen, ` Konjunktion und einen Übergang zu etwas Anderem: 4
` Präposition. Um das Bett des Königs Salomo standen mit Schwertern
in den Händen sechzig Starke, geschickt zum Streiten,
Fürwort ¹um der Furcht willen in der Nachtª; zu Häupten der
` Pronomen Witwe und ihres Kindes jedoch stand ein Geist, der bes-
sere Wache hielt, als alle Gewappneten in Israel. ±
Futur, Zukunft Fast den ganzen Sommer hindurch dauerte der Kampf
Zeitstufe (` Tempus) des Verbs, die eine zukünftige gegen den Oheim Grünebaum. (Raabe)
Handlung bezeichnet. Es gibt zwei futurische Tem- stockende oder verwirrte Rede: 5
pora. ¹So©n Knirps ± will sich an der ganzen ehrbaren Schuste-
1 Bildung und Funktion des Futur I rei vergreifen! ± der Deibel ± wenn man©s nicht mit höchst
1.1 Das F. I wird gebildet aus dem Hilfsverb werden und eigenhändigen Ohren gehört hätte, sollte man©s nicht
dem Infinitiv des Präsens: Aktiv: ich werde schreiben; glauben ± bis dahin, daû man©s ± mit seinen eigentümli-
Passiv: der Brief wird geschrieben werden. Entstanden chen Augen gesehen hätte ± hallo! ± Donner und Hagel,
ist das aktive F. I wohl aus den Formen von werden und als wenn nicht von Adam herunter ein ganzer
und dem Partizip des Präsens: ich werde schreibend, wo- Schwanz von Schustern hinge ± einer am andern, und
bei das auslautende d im Laufe der Zeit abgeschliffen diese miserablige naseweise Kröte, das Exkrementum
wurde. Die als umständlich empfundene Umschrei- von die ganz achtbare und notable Reihe! ± I da soll ja
bung bewirkt, dass zukünftige Handlungen sehr häufig ±ª (Raabe);
durch das Präsens ausgedrückt werden, besonders den Eintritt, die Nennung von etwas Unerwartetem: 6
wenn durch temporale Umstandsbestimmungen auf Mit ihren groûen Augen sah sie fest und tief in die schöne
die Zukünftigkeit der Handlung hingewiesen wird: Welt und schloû sie dann geraume Zeit, als wolle sie ver-
ich komme gleich; nächsten Dienstag fahre ich nach Ber- suchen, wie viel sie von all der Pracht und Lieblichkeit mit
lin; im Frühjahr wird mit den Ausschachtungsarbeiten sich hineinnehmen könne in die Dunkelheit, den Winter ±
begonnen. das Grab.
1.2 Das F. I kann auch zum Ausdruck einer Annahme, ei- Sie starb in dem Winter an einer Kinderkrankheit, die
ner Vermutung dienen, die auf die Gegenwart bezogen kleine Sophie. (Raabe)
ist: sie wird im Kino sein (jetzt); er wird wohl Recht ha- Einschaltungen: 7
ben. Gehört die jeweilige Einschaltung zum Vordersatz ± in
2 Bildung und Funktion des Futur II dem anschlieûenden Beispiel ein Gliedsatz ±, dann
2.1 Das F. II (Futurum exactum, Vorzukunft) benutzt der folgt auf den G. ein Komma, da es auch ohne den Ein-
Sprecher, um auszudrücken, dass eine Handlung in schub gesetzt werden müsste:
der Zukunft abgeschlossen ist; es wird gebildet mit Und wenn warmherzige Menschen uns anliegen um ihret-
dem Hilfsverb werden und dem Infinitiv des Perfekts: willen, begeisterte oder auch nur neugierige ± denn wo ist
Genitivobjekt

da die Grenze zu ziehen ±, haben wir ein Recht mit uns zu ters Mantel ist verschwunden. Manche Präpositionen
geizen und die Inständigen schnöde zurückzustoûen? erfordern den G., z. B. ¹wegenª. Hier, wie auch in ande-
(Th. Mann) ren Fällen, wird dieser Kasus jedoch im gegenwarts-
Das Komma entfällt jedoch, wenn auf den Einschub sprachlichen Gebrauch zunehmend durch den ` Da-
eine nähere Bestimmung folgt, die noch Teil des Vor- tiv ersetzt.
dersatzes ist, da der G. hier nicht an der Nahtstelle zwi- Am häufigsten wird der G. als ` Genitivattribut ver- 2
schen vollständigen Teilsätzen steht. wendet, das Auftreten des ` Genitivobjektes hingegen
Schlieûlich erwähnen spätere Aufzeichnungen ± und da- ist seltener.
mit hätten wir endlich den Beleg ± eine Frau, die ir-
gendwo mir gegenüber stehen, sitzen oder liegen muû, Genitivattribut
in diesem Moment machen allerdings nur zwei Dinge Attribut im ` Genitiv, das unterschiedliche Bedeu- 1
ihre Anwesenheit glaubhaft, ihre Stimme und ihr Geruch tungsverhältnisse zum Bezugsnomen haben kann. Bei
soweit ich sie unter der Zeitung unterscheiden kann. dieser Funktion lassen sich die folgenden Gruppen be-
(H.P. Piwitt) schreiben:
Ausrufe- und Fragezeichen stehen bei einem Einschub Genitivus definitivus/explicativus: Genitivkonstruk- 1.1
vor dem G., da sie zu der entsprechenden Ergänzung tion, welche das Bezugselement näher erklärt: die
gehören: Strafe der Verbannung; das Gefühl der Zusammengehö-
Und sie hatte gewählt ± und ob sie gewählt hatte! ±, näm- rigkeit.
lich wieder nur ihn, den schlicht Ebenbürtigen, den ihr Be- Genitivus partitivus: Genitivkonstruktion zum Aus- 1.2
stimmten und Zukommenden, ihren Hans Christian. druck einer Teil-Ganzes-Relation: einer der Schüler;
(Th. Mann) ein Bruchteil einer Minute.
Doppelpunkte hingegen stehen nach dem G., da sie ge- Genitivus possessivus: Genitivkonstruktion, welche 1.3
danklich zu dem Vordersatz gehören: die Zugehörigkeit zu einer Person oder Sache bzw.
Mit wütendem Blick brüllte er ± sein Gesicht lief dabei rot den Besitzer kennzeichnet: das Dach des Hauses; die
an ±: ¹Verschwinde und lass mich um Himmels willen Rede des Abgeordneten; Sabines Kinder.
endlich in Ruhe!ª Genitivus qualitatis: Genitivkonstruktion zum Aus- 1.4
8 eine Auslassung, einen nicht zu Ende geführten Satz- druck einer Eigenschaft oder Beschaffenheit: Waren
teil: bester Qualität; ein Raum mittlerer Gröûe, eine Nieder-
¹Nur eben noch diese Formalität wäre nebenher zu erfül- lage erniedrigendster Art.
len . . . Nicht unser ist die Pedanterei, sondern der heiligen Abhängig von der Interpretation der zugrunde liegen- 2
Hermandad . . . Dürfte ich wohl um die Güte und Gefäl- den Satzkonstruktion unterscheidet man weiter:
ligkeit ersuchen ±?ª (d. h. die Eintragung auf der poli- Genitivus subjectivus: Der G.s. nennt das Subjekt zu 2.1
zeilichen Meldetafel vorzunehmen). (Th. Mann) dem im übergeordneten Substantiv enthaltenen Ver-
9 Ein G. kann auch statt eines Kommas gesetzt werden, balvorgang: das Gebet der Gläubigen / = die Gläu-
wenn dieses zu schwach erscheint: bigen (= Subjekt) beten / (der Verbalvorgang ¹betenª
Bei sinkender Dämmerung wurde der zum Zivilisten impliziert Gebet); die Anordnung des Vorgesetzten /
Verwandelte unbeanstandet am Rande der Stadt hin = der Vorgesetzte (= Subjekt) ordnet an / (der Verbal-
zum Schloû geschafft, wo ihm der Kammerherr ± und vorgang ¹anordnenª impliziert Anordnung).
zwar in dem alten Teil, dem Torgebäude der sogenannten Genitivus objectivus: Der G.o. nennt das Objekt zu 2.2
Bastille ± ein hoch unter dem Dach gelegenes Zim- dem im übergeordneten Substantiv enthaltenen Ver-
merchen als Versteck und Asyl im Einvernehmen mit balvorgang. Bei der Transformation muss das Substan-
der Verwaltung zubereitet hatte. (Th. Mann) tiv aufgelöst werden in die allgemeine Form ¹jemand
10 ¾hnlich kann der G. anstelle eines ` Doppelpunktes tut . . .ª; die Ermordung / der Mörder / des Präsiden-
(2.2) stehen, der eine Folgerung andeutet: Aber es war ten (jemand (Subjekt) ermordet den Präsidenten (Ob-
schon Recht ± was konnte man von solch© einem Hunger- jekt));
leider anders erwarten, als daû er die Partei der Hunger- die Erziehung / der Erzieher / der Kinder (jemand (Sub-
leider nehme? (Raabe) jekt) erzieht die Kinder (Objekt)).
11 Durch G.e werden häufig in Überschriften oder In- In neuerer Zeit wird das G. oft durch präpositionale 3
haltsangaben die aneinander gereihten Einzelheiten Fügungen ersetzt, besonders durch solche in Verbin-
getrennt: dung mit ¹vonª; Dächer von Häusern; der Vater von
Vom Bau der Wörter: Silbe und Stamm ± Bildung neuer dem Jungen (Gen. poss.); ein Raum von mittlerer Gröûe
Wörter ± Die Ableitung ± Die Zusammensetzung ± (Gen. qual.).
Grund- und Bestimmungswort ± Wortfamilie. Infinitivische G.e werden auch als Infinitv mit ¹zuª 4
12 In der Kommandosprache werden Ankündigungs- ausgedrückt; die Kunst des Fechtens ± die Kunst zu
und Ausführungsbefehl durch G. getrennt: fechten.
¹Augen ± rechts!ª ¹Die Augen ± links!ª
¹Das Gewehr ± über!ª ¹Gewehr ± ab!ª Genitivobjekt
Durch die ` Rektion bzw. ` Valenz des Verbs gefor-
Gegenwart dertes ` Satzglied im ` Genitiv. Diese Funktion hat
` Präsens der Genitiv in der Gegenwartssprache nur noch im Zu-
sammenhang mit einer sehr kleinen Gruppe von Ver-
Genitiv, Genetiv, 2. Fall, Wesfall ben. Sie sind häufig reflexiv: sie gedenken der Toten;
1 Einer der vier ` Kasus des Deutschen, welcher zur der Aufsatz bedarf einer Überarbeitung; sie enthielt sich
Bezeichnung von Zugehörigkeit, Besitz oder Eigen- der Stimme; er brüstete sich seiner sportlichen Leistun-
schaft dient. gen; weitere Verben: ermangeln, sich bedienen, sich be-
Der Genitiv kann durch das ` Interrogativpronomen mächtigen, sich entledigen.
¹wessenª ermittelt werden; die Ergebnisse der Ver- Die meisten dieser Verben werden nur noch in der ge-
handlungen waren insgesamt zufrieden stellend; Va- hobenen Sprache gebraucht. Demgegenüber gibt es
Genus

einzelne Wendungen, in denen das G. auch in der


` Standardsprache erhalten geblieben ist: sich seines Feminina:
Lebens freuen; das spottet jeder Beschreibung; das ent- -ade Olympiade, Promenade
behrt nicht einer gewissen Komik. -age Garage, Etage
Häufig wird das G. durch ein ` Präpositionalobjekt -an Schwinge, Pfeife, Tränke
ersetzt: sie denken an die Toten; er brüstete sich mit sei- -ei Bäckerei, Schweinerei
nen sportlichen Leistungen. -elle Bagatelle, Frikadelle
-ette Toilette, Tablette
Genus, grammatisches Geschlecht -heit Frechheit, Schönheit
1 Grammatische Kategorie (lat. genus, Pl. genera: -igkeit Helligkeit, Standhaftigkeit
grammatisches Geschlecht), die sich schwerpunktmä- -ik Musik, Politik
ûig auf das ` Substantiv, jedoch auch auf den ` Arti- -in Lehrerin, ¾rztin
kel, das ` Pronomen und das ` Adjektiv bezieht. Das -ion/-ation Reduktion, Oxidation
G. umfasst die Klassen ` Maskulinum, ` Femininum -(i)tät Universität, Anonymität
und ` Neutrum. In der Grundform (im Nominativ) -itis Rachitis, Bronchitis
des Substantivs wird das G. durch die Artikel der, die, -keit Höflichkeit, Tapferkeit
das angezeigt. -schaft Botschaft, Verwandtschaft
2 Das G. als grammatisches Geschlecht stimmt mit dem -ung Unterhaltung, Verhaftung
natürlichen Geschlecht (lat. sexus) als Merkmal von
Lebewesen nicht durchgängig überein. So gibt es im
Dt. Neutra, die weibliche Lebewesen bezeichnen: das Neutra: 4.3
Weib, das Mädchen, das Fräulein. Bei den Tiernamen -chen,-lein Wäldchen, Fräulein
erscheint die G.zuweisung oft völlig willkürlich. Bei- -icht Dickicht, Kehricht
spiele für Maskulina: der Hund, der Floh, der Adler; -in Benzin, Nikotin
Feminina: die Ente, die Ameise, die Meise; Neutra: -ing Dressing, Hearing
das Pferd, das Schwein, das Reh. Nur bei einigen Tier- -(i)um Datum, Fluidum
namen gibt es Begriffspaare, die dem natürlichen Ge- -ma Dogma, Thema
schlecht entsprechen: der Hund ± die Hündin, der -ment Sakrament, Regiment
Hengst ± die Stute, der Kater ± die Katze, die Sau ± -ol Benzol, Menthol
der Eber, die Ente ± der Erpel (Enterich). -tum Bürgertum, Beamtentum
3 Das G. trägt neben ` Kasus und ` Numerus dazu bei,
die ` Kongruenz von Beziehungswörtern innerhalb
eines Satzes zu verdeutlichen (die interessante Ge- Substantivierte Infinitive (das Malen), Adjektive (das 4.4
schichte). Wahre), Pronomina (das Ich) und Partikeln (das Wenn
Dabei ist zu beachten, dass von den genusfähigen und Aber) sind immer Neutra, ebenfalls Kollektiva
Wortarten nur das Substantiv sowohl genusbestimmt (` Kollektivum) und Verbableitungen mit dem Präfix
als auch genusfest ist. ¹Genusfestª bedeutet, dass das Ge- (das Gewässer, das Gerenne).
G. eindeutig festgelegt ist und sich in keinem Kontext Die meisten deutschen Baum- und Blumennamen sind
ändert. ¹Genusbestimmtª hingegen meint, dass das Feminina: Eiche, Linde, Rose . . .
Merkmal zwar relevant ist, sich jedoch in Abhängigkeit Bezeichnungen für Himmelsrichtungen sind Masku-
von einem Bezugswort ändern kann. lina: Norden, Osten, Süden, Westen.
Im Gegensatz zum Substantiv sind die anderen Wortar- Substantivische Zusammensetzungen aus zwei oder 5
ten, wie z. B. das Adjektiv, nicht genusfest, sondern ge- mehreren Bestandteilen haben das Genus des Grund-
nusveränderlich (z. B. grünes Kleid = Neutrum; grüner wortes: der Fensterrahmen, die Gartenlaube, der
Mantel = Maskulinum; grüne Wiese = Femininum). Kirschbaum.
Ihr Genus richtet sich jeweils nach dem Substantiv,
auf das sie sich beziehen. Genus Verbi, Handlungsrichtung
4 Im Folgenden findet sich eine Übersicht über die wich- Auf Verben bezogen bezeichnet der Begriff ` Genus
tigsten Endungen, die das G. eines Wortes bestimmen die Handlungsart, im Deutschen ` Aktiv und ` Pas-
können; hier sind auch solche aufgenommen, die heute siv. Man kann eine Handlung, eine Tätigkeit oft von
nicht mehr produktiv sind, d.h. mit deren Hilfe in der zwei Punkten aus betrachten, einmal von dem Punkt,
Gegenwartssprache keine Neuwörter mehr gebildet von dem sie ausgeht, zum anderen von dem, auf den
werden können (` Suffix). sie sich richtet:
1. der Verbrecher hat den Überfallenen schwer verletzt;
4.1 Maskulina: 2. der Überfallene ist von dem Verbrecher schwer verletzt
-and Proband, Doktorand worden.
-ant Brillant, Fabrikant Was im 1. Satz Akkusativobjekt war, erscheint im 2. als
-el Deckel, Löffel Subjekt; was im 1. Satz Subjekt war, wird im 2. als die
-er Bläser, Täter ¹handelnde Personª meist mithilfe des Dativs ausge-
-ich Teppich, Estrich, Fittich drückt. Die Verbform des 1. Satzes wird als Aktiv (Tä-
-ig Pfennig, Honig, König tigkeitsform) bezeichnet, weil das Subjekt tätig ist; im
-iker Graphiker, Informatiker Gegensatz dazu drückt der 2. Satz aus, dass dem Sub-
-ismus Fanatismus, Optimismus jekt etwas geschieht, dass es etwas ¹erleidetª, und des-
-ist Jurist, Optimist halb wird die Form Passiv (veraltet: Leideform) ge-
-ler Postler, Pendler nannt.
-ling Däumling, Pfifferling Was im Aktiv Tätigkeit ist, erscheint im Vorgangspassiv
-or Katalysator, Rektor als Geschehen. Es handelt sich also bei der sprachli-
chen Gestaltung desselben Vorgangs um zwei Blick-
4.2
Getrennt- und Zusammenschreibung

richtungen, und man hat deshalb den Ausdruck Genus zuhanden, zunichte, zupass, zustatten, zuteil: Sie hatten
Verbi mit Handlungsrichtung verdeutscht. etwas Geld beiseite gelegt. Sie Mückenplage hatte über-
hand genommen.
Getrennt- und Zusammenschreibung Adjektiven als erstem Bestandteil der Wortgruppe, die
Die Getrennt- und Zusammenschreibung beschäftigt gesteigert oder erweitert werden können: leicht fallen
sich mit Wortformen, die in Texten unmittelbar neben- (Es war ihm noch leichter gefallen.), bekannt machen
einander stehen. Dabei schreibt man Wortgruppen ge- (Die Sendung hatte ihn noch bekannter gemacht.), genau
trennt und Zusammensetzungen zusammen. Die Ge- nehmen (Sie nahm die Dinge auch noch genauer als ihre
trenntschreibung ist als der Normalfall anzusehen. Schwester).
Im Gegensatz zur alten Regelung stehen bei der Ent- Ableitungen auf -ig, -isch, und -lich als erstem Bestand-
scheidung ¹Wortgruppeª versus ¹Zusammensetzungª teil: übrig bleiben, logisch denken, deutlich machen.
formale und nicht semantische Kriterien im Vorder- Partizipien als erstem Bestandteil der Wortgruppe: ge-
grund. Das frühere Argument der ¹übertragenen Be- trennt schreiben, gefangen nehmen, verloren gehen.
deutungª für Zusammenschreibung hat fortan keine Substantiven als erstem Bestandteil der Wortgruppe,
Gültigkeit mehr. wenn sie eindeutig als solche verwendet werden. Frü-
1 Verbindungen mit Verben als zweitem Bestandteil her war dieser Bereich eine groûe Fehlerquelle. Jetzt
1.1 Untrennbare Zusammensetzungen mit einem Verb als sorgt die neue Regelung gegenüber der alten für Ein-
zweitem Betandteil schreibt man stets zusammen. Hier- heitlichkeit:
bei handelt es sich um Zusammensetzungen, bei denen Eis laufen, Auto fahren, Rad fahren, Maschine schrei-
die Reihenfolge der Bestandteile immer unverändert ben, Leid tun, Schlange stehen.
bleibt. Als erste Bestandteile kommen Substantive, Ad- Verben als erstem und zweitem Bestandteil der Wort-
jektive und Partikeln (Präpositionen) vor: Warum hört gruppe. Auch hier sorgt die neue Regelung gegenüber
man nicht auf, ihn zu maûregeln? Was sie ihm auch vor- der alten für gröûere Einheitlichkeit:
werfen, er widerspricht nicht. Sie nachtwandelt häufig. liegen lassen, kennen lernen, spazieren gehen, sitzen blei-
1.2 Trennbare Zusammensetzungen mit Verb schreibt man ben.
im Infinitiv, in den beiden Partizipien sowie bei End- Verbindungen mit einer Form des Verbs sein: da sein
stellung im Nebensatz zusammen. Bei trennbaren Zu- (da gewesen), fertig sein, zusammen sein.
sammensetzungen wechselt die Reihenfolge der Be- Verbindungen mit Adjektiven oder Partizipien als 2
standteile in Abhängigkeit von ihrer Stellung im Satz. zweitem Bestandteil
(Zu den jeweils ersten Bestandteilen vgl. ` 1.1.) Der (Auch hier kommt es in vielen Fällen zu Abweichungen
Plan war fehlgeschlagen. ( . . . schlug fehl). Es war verein- gegenüber der alten Regelung.)
bart, dass an der Weggabelung weitere Informationen Bei Substantiven, Adjektiven, Verbstämmen, Adver- 2.1
bereitgehalten würden. ( . . . hielten bereit). Bei der Un- bien oder Pronomen als erstem Bestandteil erfolgt
tersuchung wurde eine Verkrümmung der Wirbelsäule auch hier Zusammenschreibung, wenn es sich um
festgestellt. Die Lehrerin ermahnte die Schüler, bei Auf- eine Zusammensetzung handelt. Notwendiges Krite-
sätzen nicht sofort draufloszuschreiben. rium dafür ist, dass gegenüber der freien Wortgruppe
Hiervon sind Fälle zu unterscheiden, in denen ein ein Element (z.B. eine Präposition oder ein Artikel) ein-
selbstständiges (Pronominal-)Adverb und ein Verb gespart wird: butterweich (weich wie Butter), jahrelang
eine Wortgruppe bilden: Er wird sich einer starken (mehrere Jahre lang), tropfnass, selbstsicher.
Front gegenübersehen. Aber: Das Grundstück, welches Zusammenschreibung erfolgt ferner, wenn es sich bei 2.2
Sie dort gegenüber sehen . . . dem zugrunde liegenden Verb um eine Zusammenset-
Ein Kennzeichen für Zusammenschreibung mit Ver- zung handelt: irreführen (wegen irreführend), teilneh-
ben als zweitem Bestandteil ist auch, wenn der erste Be- mend, schlafwandelnd.
standteil in dieser Form als sebstständiges Wort nicht Liegt jedoch eine Wortgruppe zugrunde, so erfolgt Ge-
vorkommt und er weder erweiter- noch steigerbar ist: trenntschreibung:
Das kannst du mir nicht weismachen! Viele Köstlichkei- Rat suchend (wegen Rat suchen), vorwärts weisend, dun-
ten und Spezialitäten wurden auf dem Jahrmarkt feilge- kel gefärbt.
boten. Bei Zusammensetzungen, in denen der erste Bestand- 2.3
Die Wortbestandteile heim-, irre-, preis-, stand-, teil-, teil bedeutungsverstärkende oder bedeutungsmin-
wett-, und wunder- werden als verblasste Substanive in- dernde Funktion hat, erfolgt ebenfalls Zusammen-
terpretiert. Daher schreibt man Zusammensetzungen schreibung. In einigen Fällen kommt es hier zu
mit ihnen als erstem und einem Verb als zweitem Be- Reihenbildungen: bitterkalt (bitterböse), dunkelblau,
standteil stets zusammen: heimfahren, irreführen, teil- brandaktuell, superklug.
nehmen . . . Ist der erste Bestandteil der Wortgruppe ein (adjektivi- 2.4
1.3 Getrenntschreibung hingegen erfolgt bei: (Hier kommt sches) Partizip, so schreibt man hingegen getrennt:
es, auch innerhalb der einzelnen Kategorien, teilweise leuchtend rot, gestochen scharf, blendend weiû, kochend
zu Abweichungen gegenüber der alten Regelung.) heiû.
den Adverbien dahinter, darin, darüber, darunter und Getrennt schreibt man auch bei Wortgruppen, in denen 2.5
davor als erstem Bestandteil, es sei denn, es handelt der erste Bestandteil eine Ableitung auf -ig, -isch oder
sich um die umgangssprachlichen Kurzformen drin, -lich ist:
drüber, drauf und drunter: Schau mal, was darunter winzig klein, himmlisch leicht, rötlich gelb (` 1.3).
liegt! ( . . . drunterliegt) Ein weiteres Kennzeichen für Getrenntschreibung liegt 2.6
Adverbien als erstem Bestandteil auf -einander oder dann vor, wenn der erste Bestandteil der Wortgruppe
-wärts: aufeinander prallen, übereinander liegen, rück- steigerbar ist: dicht besiedelt, dick belegt, stark erkältet
wärts geleiten. (` 1.3).
den folgenden (zusammengesetzten) Adverbien als ers- In Zweifelsfällen, in denen keine klare Zuordnung zu 2.7
tem Bestandteil der Wortgruppe: abhanden, anheim, den oben genannten Fällen vorgenommen werden
beiseite, fürlieb, überhand, vonstatten, vorlieb, zugute, kann, ist G.- u. Z. möglich.
Gleichsetzungsnominativ

3 Verbindungen mit Substantiven als zweitem Bestand- Nach dem Anschluss der Gliedsätze an den übergeord- 3
teil neten Satz, ausgedrückt durch die Einleitewörter, un-
3.1 Verbindungen aus Substantiven, Adjektiven, Verb- terscheidet man: ` Relativsätze, indirekte Fragesätze
stämmen, Pronomen oder Partikeln mit Substantiven und Konjunktionalsätze.
werden wie mehrteilige Substantivierungen zusam- Das Satzschema behält bei diesen Gliedsätzen im Ge- 4
mengeschrieben: Apfelbaum, Brotrinde, Lebenswerk, gensatz zum Hauptsatz die ` finite Verbform dem
Airbag, Blackbox, Softdrink, Workstation usw. Satzende vor: Hauptsatz: Fritz kam nach Hause;
3.2 Verbindungen aus Adjektiv und Substantiv, die fremd- Gliedsätze: Relativsatz: Fritz, der nach Hause kam,
sprachlicher Herkunft sind, können in Anlehnung an . . .; indirekter Fragesatz: ich weiû nicht, wann Fritz
die Herkunftssprache auch getrennt geschrieben wer- nach Hause kam; Konjunktionalsatz: als (sooft, weil,
den, der zweite, substantivische Bestandteil wird dann obwohl u. a.) Fritz nach Hause kam.
groûgeschrieben: Bigband oder Big Band, Blackbox Eine Ausnahme zeigen zusammengesetze Tempora der
oder Black Box, Softdrink oder Soft Drink. Modalverben (dürfen, können, mögen, müssen, sollen,
4 Aus Wortfügungen entstandene Adverbien und Präpo- wollen) und lassen, von denen ein Infinitiv abhängig
sitionen ist: Fritz, der pünktlich hatte nach Hause kommen wol-
(Auch bei diesem Kapitel der Getrennt- und Zusam- len; ich bin nicht sicher, ob wir ihm werden Vertrauen
menschreibung kommt es in einigen Fällen zu Abwei- schenken dürfen; weil ich das nicht hatte glauben kön-
chungen gegenüber der alten Schreibweise.) nen; obwohl ich dich sogleich habe rufen lassen. Auch
Aus ehemaligen Substantiven als zweitem Glied mit können stilistische Gründe, etwa der Anschluss eines
hinzutretender Präposition usw. sind teilweise Adver- Relativsatzes an ein Satzglied, eine Nachstellung die-
bien bzw. Präpositionen geworden. In einigen Fällen ses Satzgliedes hinter die finite Verbalform bewirken:
steht es im Ermessen des Schreibenden, ob er die Fü- als Fritz gegen 20 Uhr vergnügt zurück kam in seine
gung als Zusammensetzung oder als Wortgruppe ver- Wohnung, wo schon alles vorbereitet war, . . .
steht: aufgrund (auf Grund), aufseiten (auf Seiten), zu- Manche der unter 3 genannten G.arten kommen, meist 5
leide (zu Leide), mithilfe (mit Hilfe). in gehobenem Stil, auch ohne Einleitewörter vor:
Nur zusammen schreibt man: beizeiten, meistenteils, Die folgenden konjunktionslosen Gliedsätze beginnen 5.1
anstatt, inmitten, zuliebe. mit der finiten Verbalform, der das Subjekt folgt:
In anderen Fällen wiederum ist nur Getrenntschrei- Konditionalsätze: sollte es morgen regnen, so bleiben
bung möglich: zu Ende, zu Hause (österr., schweiz. wir hier; kannst du nicht kommen, so ruf an!
auch: zuhause), unter der Hand, zu Hilfe. Konzessivsätze: sei es auch schlechtes Wetter, die Arbeit
5 Einige Einzelfälle muss erledigt werden; hast du auch keine Lust, so erfülle
5.1 Im Gegensatz zur alten Regelung sind alle Zusammen- wenigstens deine Pflicht.
setzungen mit irgend- nun grundsätzlich ein Wort: Irreale Vergleichssätze: du tust so, als wüsstest du von
irgendwann, irgendwer, irgendwo, irgendwas. nichts (statt: als ob du von nichts wüsstest).
5.2 Fügungen mit so schreibt man hingegen im Gegensatz An die Stelle von Gliedsätzen, die, mit dass eingeleitet, 5.2
zur alten Regelung immer getrennt. Das gilt auch für so den Inhalt einer Aussage näher bestimmen (abhängige
viel und so viele: so viel Geld, so viele Kinder. Aussagesätze, ` Inhaltssätze), können auch Sätze tre-
5.3 Fügungen mit gar werden immer getrennt geschrieben: ten, die nach dem Schema der Hauptsätze gebildet
gar nicht, gar kein, gar nichts. sind: Subjekt ± finite Verbform ± weitere Satzglieder.
5.4 Bei Fügungen mit allzu ergibt sich ebenfalls ein Unter- Die finite Verbform steht dabei häufig im Konjunktiv
schied zur alten Regelung. Man schreibt hier immer ge- (` indirekte Rede): er sagte, er sei nicht zu Hause gewe-
trennt: allzu oft, allzu sehr, allzu bald. sen; ich dachte, du seiest einverstanden; sie kann aber
auch, wenn der Sprecher sich für die Richtigkeit des
Gleichsetzungsnominativ Gesagten einsetzt, im Indikativ stehen: ich glaube (be-
` Prädikativ haupte), du hast nicht Recht; ich höre, du bist in Mün-
chen gewesen. Trotz der Wortstellung, die der von
Gliedsatz, Nebensatz Hauptsätzen entspricht, handelt es sich hier der Funk-
1 Dem ` Hauptsatz syntaktisch untergeordneter Teil- tion nach um Gliedsätze.
satz eines ` Satzgefüges. Indirekte Fragesätze, die als Entscheidungsfragen mit 5.3
1.1 Der G. kann Satzgliedwert haben oder die Funktion ei- ob, als Ergänzungsfragen mit einem Interrogativprono-
nes ` Attributes zu einem Beziehungswort im Haupt- men oder -adverb eingeleitet sind, werden umgangs-
satz erfüllen. sprachlich nicht selten als selbständige Fragen formu-
1.2 Die Unterordnung (lat. Subordination, gr. ` Hypo- liert: ich erinnere mich nicht recht, warst du damals bei
taxe) ist aus ursprünglicher Neben- oder Beiordnung der Gesellschaft mit dabei (= ob du . . . dabei warst); ich
(Koordination, Parataxe) hervorgegangen. Zwei Sätze, weiû nicht mehr recht, wer hat damals eigentlich gewon-
die dem Sinn nach eng zusammengehören, werden zu nen (= wer . . . gewonnen hat). Auch diese Beispiele
einer Einheit verschmolzen, z. B. der ` Aufforde- sind trotz der Hauptsatzform als Gliedsätze anzusehen.
rungssatz wärest du gesund! mit der Folgerung: dann Die Stellung des G.es zum Hauptsatz kann verschieden 6
könnten wir auf Reisen gehen, zu: wärest du gesund, sein; man unterscheidet:
dann könnten wir auf Reisen gehen. Im Laufe der Ent- Vordersätze: wenn nichts dazwischenkommt, sehen wir 6.1
wicklung bildeten sich für die Unterordnung beson- uns in 14 Tagen wieder; als ich nach Hause kam, haben
dere formale Kennzeichen heraus; die Gliedsätze wer- wir uns gleich zu Tisch gesetzt; da ja im Winter die Sonne
den meist durch bestimmte Subordinationswörter erst spät aufgeht, müssen wir noch im Dunkeln zur Arbeit
eingeleitet (Einleitewörter ` 3). Jedoch können einige gehen. Überwiegend vorangestellt werden demnach
G.arten auch ohne Einleitewörter auftreten (` 5). Gliedsätze, die eine Bedingung des Hauptsatzgesche-
2 Nach ihrer Funktion unterscheidet man folgende Ar- hens, ein diesem vorausgehendes Geschehen oder
ten der Gliedsätze: ` Subjektsätze, Objektsätze, Ad- eine bekannte Ursache aussagen.
verbialsätze, Prädikativsätze und Attributsätze. Nachsätze: ich hoffe, dass du kommst; sei fleiûig, damit 6.2
Groû- und Kleinschreibung

du versetzt wirst; ich kam leider zu spät, so dass ich dich Groû- und Kleinschreibung
nicht mehr antraf. Überwiegend nachgestellt werden Die Verwendung groûer Anfangsbuchstaben (Majus-
` Objektsätze, ` Final- und `Konsekutivsätze, de- keln) war schon lange vor der Erfindung des Buch-
ren Geschehen zeitlich auf das Hauptsatzgeschehen drucks üblich. In der althochdeutschen Zeit (` Alt-
folgt; ferner die meisten anderen Gliedsätze. Im Übri- hochdeutsch) wurde in den Handschriften am Anfang
gen ist die Stellung der Gliedsätze frei; im Allgemeinen eines Abschnittes ein groûer, schön verzierter Buch-
enthält der an zweiter Stelle stehende Satz, auch wenn stabe gemalt.
es der G. ist (!), die wichtigere Mitteilung, auf die es Dieses Verfahren wurde allmählich erweitert: Kapitel,
dem Sprecher vor allem ankommt. Absätze, Strophen begannen mit groûen Buchstaben.
6.3 Zwischensätze (Einschubsätze): die häufigste Art sind Als sich im 16. Jh. der Punkt als Endzeichen eines Sat-
attributive Relativsätze: der Mann, dem wir begegneten, zes durchgesetzt hatte, war auch der Groûbuchstabe
kam mir bekannt vor. Jedoch können auch andere Arten am Satzanfang üblich. Im Innern eines Satzes war da-
eingeschoben werden: wir sehen uns, wenn nichts dazwi- gegen der Gebrauch noch recht frei. Nicht grammati-
schenkommt, in 14 Tagen wieder. Wenn dieser Satz ei- sche Überlegungen, sondern das Bedürfnis, gewisse
nem anderen untergeordnet wird, etwa durch ich hoffe, Wörter hervorzuheben, führten zur Anwendung der
dass . . ., und die Abfolge Vordersatz ± Hauptsatz beibe- Groûbuchstaben; der Brauch begann, wie schon in
halten werden soll, ergeben sich für den Einschub fol- den lateinischen Handschriften, mit Eigennamen und
gende Möglichkeiten: ich hoffe, dass, wenn nichts da- erweiterte sich dann auf Titel (Kaiser, König, Papst),
zwischenkommt, wir uns bald wiedersehen; aber auch: gewisse Kollektivbezeichnungen (Welt, Mensch) und
dass wir, wenn nichts dazwischenkommt, uns bald wie- christliche Begriffe (Apostel, Christ, die Weisen aus
dersehen; oder besser: dass wir uns, wenn . . ., bald wie- dem Morgenlande, Evangelium u. a.).
dersehen; d. h., der Einschub kann nach dem Einleite- Seit dem Erscheinen von Luthers Übersetzung des
wort des G.es, aber auch nach seinen ersten Neuen Testaments (1522) wurde eine Anzahl von Bü-
Satzgliedern erfolgen. chern herausgebracht, die Anleitung zum Lesen- und
7 Aus dem letzten Beispiel ist zu ersehen, dass nicht nur auch Schreibenlernen geben wollten. Wenn diese über-
einem Hauptsatz, sondern auch einem G. ein weiterer haupt auf die Schreibung von Groûbuchstaben eingin-
G. untergeordnet werden kann; man spricht dann gen, so forderten sie solche meist zur Hervorhebung
von Gliedsätzen 1., 2. usw. Grades und nennt sie ein und Betonung für Satzanfänge und Eigennamen (ins-
` Satzgefüge. besondere für den Namen Gottes, der ganz in Groû-
8 Infinitivgruppen mit zu und Partizipialgruppen kön- buchstaben geschrieben werden sollte). Die Anweisun-
nen in manchen Fällen an die Stelle von Gliedsätzen gen zur Groû- und Kleinschreibung in diesen Büchern
treten (` Infinitivsatz, Partizipialsatz): unsere vor- stimmten häufig nicht überein. Oft waren es in dieser
nehmste Aufgabe ist es, den Frieden zu erhalten; der Zeit die Buchdrucker, die über den Einsatz von Groû-
Bundeskanzler, von seiner Amerikareise zurückge- buchstaben entschieden.
kehrt, unterrichtete sogleich die Bundesregierung über Grammatische Überlegungen zum Gebrauch der
das Ergebnis seiner Besprechungen mit dem amerikani- Groûbuchstaben stellte als erster der Schulrektor Jo-
schen Präsidenten. hannes Becherer aus Mühlhausen in Thüringen an.
Er forderte 1596, neben den Satzanfängen auch
Griechisches Alphabet ¹meistensª die Substantive und ebenso die Adjektive,
` Transliteration die aus Eigennamen abgeleitet sind, groûzuschreiben,
Es umfasst 24 Buchstaben: ¹wie Gott, Rom, Römischª. Das letzte dieser Beispiele,
¹Römischª, zeigt, dass Becherer von der in lateinischen
Groûbuch- Kleinbuch- Translite- Texten üblich gewordenen Schreibweise ausging. Er
Name
staben staben ration fand manche Nachfolger, aber auch Gegner; die Buch-
1. A a a Alpha drucker aber waren es ± das betonen die Gegner immer
2. B b b Beta wieder ±, die den Gebrauch der Groûbuchstaben als
3. G g g Gamma Zierde und zur Hervorhebung der Substantive recht
4. D d d Delta willkürlich erweiterten.
5. E e e Epsilon Im 18. Jh. wurde die inzwischen üblich gewordene
6. Z z z Zeta Groûschreibung der Substantive auch von den Gram-
7. H h eÅ (gespr. a) Eta matikern sanktioniert. Nach Gottscheds ¹Deutscher
8. Q J th Theta Sprachkunstª (1748) werden im Satz alle Wörter, vor
9. I i i Iota die man einen Artikel setzen kann (also die Substan-
10. K k k Kappa tive), groûgeschrieben, weil sie als ¹Hauptwörterª ein
11. L l l Lambda besonderes Gewicht hätten.
12. M m m My Nachdem sich die Groûbuchstaben endgültig durch-
13. N n n Ny gesetzt hatten, blieb es nicht bei der Groûschreibung
14. X x x Xi der eigentlichen Substantive, sondern folgerichtig
15. O o o Omikron mussten auch Wörter anderer Wortarten, wenn sie sub-
16. P p p Pi stantivisch gebraucht wurden, groûgeschrieben wer-
17. R r r Rho den. Das führte wieder zu Fehlermöglichkeiten, die
18. S s, V s Sigma kaum abzugrenzen waren, so dass im 19. Jahrhundert
19. T t t Tau der Kampf gegen die Groûschreibung der Substantive
20. U u y (gespr. ü) Ypsilon erneut einsetzte. Jacob Grimm hat sich im Vorwort
21. F j ph (gespr. f) Phi seines ¹Deutschen Wörterbuchesª für die Kleinschrei-
22. C c ch Chi bung eingesetzt und sie auch selbst praktisch durchge-
23. Y y ps Psi führt; dabei haben ihn allerdings weniger das Streben
24. W w oÅ Omega nach einer Erleichterung der Rechtschreibung als viel-
Groû- und Kleinschreibung

mehr sprachgeschichtliche bzw. schriftgeschichtliche Setzen sich solche aus anderen Sprachen entlehnte
Gründe geleitet. Wörter aus mehreren Bestandteilen zusammen und ha-
Für eine ¹gemäûigte Kleinschreibungª, bei der nur die ben die Wörter als Ganzes die Funktion eines Substan-
Eigennamen groûgeschrieben würden, plädierten auch tivs, dann werden auch alle substantivischen Bestand-
die ¹Wiesbadener Empfehlungenª aus dem Jahre 1958. teile im Wortinneren groûgeschrieben: das Desktop-
Sie fanden jedoch nicht die notwendige Zustimmung. Publishing (neben: Desktoppublishing), der Full- Time-
Auf der Wiener Konferenz (1994) wurde die Frage, Job (neben: Fulltimejob), der Soft Drink (neben: Soft-
ob man Substantive wie ¹Baumª, ¹Hausª usw. über- drink).
haupt groûschreiben sollte, ein weiteres Mal diskutiert. Groûschreibung gilt auch für Wortzusammensetzun-
Die Mehrheit der Kommission entschied sich auch hier gen mit Bindestrich bei substantivischem Gebrauch:
wieder gegen eine ¹gemäûigte Kleinschreibungª und die Ad-hoc-Entscheidung, das In-den-Tag-hinein-Le-
für eine ¹modifizierte Groûschreibungª. Die neue Re- ben. (` 3.2 Substantivierte Verben) Ausgenommen
gelung führte zu einer leicht vermehrten Groûschrei- von dieser Regel sind Wörter, die mit Abkürzungen, zi-
bung bei substantivierten Wörtern. tierten Wortformen und Einzelbuchstaben beginnen:
1 Satzanfänge die km-Zahl, der dass-Satz, der i-Punkt.
1.1 Das erste Wort eines Satzes, einer Überschrift, eines Nach der neuen Regelung werden auch alle Substan- 2.2
Textes wird grundsätzlich groûgeschrieben: Schnell tive groûgeschrieben, die Bestandteile fester Gefüge
bogen sie in den Waldweg ein und schon bald war nie- sind, sofern sie nicht durch Zusammenschreibung
mand mehr zu erkennen. Als der Mann nun die Wegga- ihre Eigenständigkeit verloren haben. Bei den Gefügen
belung erreicht hatte, musste er sich für einen der Pfade handelt es sich insbesondere um Substantive in Verbin-
entscheiden. dung mit einer Präposition oder einem Verb: mit/in Be-
Für Überschriften, Werktitel usw. gilt diese Regelung zug auf, auûer Acht lassen, Rad fahren, Eis laufen,
auch dann, wenn sie innerhalb eines Satzes vorkom- Pleite gehen.
men: Unter all den aufgeführten Stücken fand ¹ Der In Verbindungen der Verben sein, bleiben und werden
Kaufmann von Vendigª den gröûten Beifall. mit angst, bange, gram, leid, pleite und schuld werden
1.2 Die Regel, das erste Wort eines Satzes groûzuschrei- Letztere jedoch als Adjektive interpretiert und daher
ben, gilt auch für Ganzsätze, die nach einem Doppel- kleingeschrieben. Mir wurde angst und bange. Nun
punkt beginnen. Bitte beachten Sie: Das Rauchen auf war die Firma pleite.
den Zimmern ist leider untersagt. Gebrauchsanweisung: Substantive zur Bezeichnung von Tageszeiten wie 2.3
Man nehme . . . ¹Morgenª, ¹Nachmittagª und ¹Nachtª werden nach
Nach einem Doppelpunkt wird auch die durch ihn an- den Adverbien ¹vorgestern, gestern, heute, morgenª
gekündigte direkte Rede mit groûem Anfangsbuchsta- und ¹übermorgenª groûgeschrieben: Wir treffen uns
ben begonnen. Und er kommt zum Freunde: ¹ Der König dann wie vereinbart morgen Nachmittag. Du wirst es
gebeugt, . . .ª (Schiller). Dies gilt auch für Sätze, die nicht glauben, aber heute Morgen fiel mir das Aufstehen
nicht in Anführungszeichen stehen, etwa weil der besonders leicht.
Schreiber sie an sich selbst richtet: Da wuûte ich: Nun Substantivierungen 3
gilt es die ersten Schritte zu tun auf dem Wege, den ein Substantivisch gebrauchte Wörter anderer Wortarten
neues Dasein mir anbietet. Und ich stand vor der Frage: gelten als Substantive und werden daher ebenfalls
Wie wird dieses neue Dasein aussehen und wer wird dar- groûgeschrieben. Dieser substantivische Gebrauch
über bestimmen? (Hans Graf von Lehndorff). Folgt wird meist durch den Artikel kenntlich gemacht; dabei
aber der direkten Rede ein Begleitsatz, so fährt man kann der Artikel auch mit einer Präposition verschmol-
klein fort: ¹Was wollt ihr?ª, ruft er, vor Schrecken bleich, zen sein. In anderen Fällen weist ein Indefinitprono-
. . . ¹Mich Henker!ª, ruft er, ¹erwürget . . .ª (Schiller) men oder ein anderes Pronomen auf den substantivi-
Im Gegensatz zur bisherigen Regelung beginnen nun schen Gebrauch hin.
nach einem Doppelpunkt auch Ganzsätze, die eine Substantivierte Adjektive und Partizipien: Wie schon 3.1
Schlussfolgerung oder eine Zusammenfassung bein- nach der alten Regelung werden auch weiterhin sub-
halten, mit einem Groûbuchstaben: Die Bemühungen stantivierte Adjektive groûgeschrieben.
des Detektivs waren am Ende doch erfolgreich: Der Allerdings wird im Gegensatz zu früher eine gröûere
Mann konnte überführt werden. Frau und Kinder, Anzahl entsprechender Adjektive als Substantivierun-
Haus und Hof: Das alles hatte er im Krieg verloren. gen gedeutet: im Allgemeinen, es ist das Beste, alles
Lediglich Aufzählungen nach Doppelpunkt beginnen Übrige.
nach wie vor mit kleinem Anfangsbuchstaben, da es Groûschreibung gilt insbesondere in Verbindung mit
sich hierbei nicht um Ganzsätze handelt: In der Kunst- Wörtern wie ¹alles, allerlei, etwas, genug, nichts, viel,
gewerbeausstellung sah man viel Schönes: formschöne wenigª, wobei nur in wenigen Fällen Abweichungen
Keramik, handgewebte Stoffe, . . . Zusammenfassungen gegenüber der alten Regelung bestehen: wir wünschen
des vorher Gesagten oder Schlussfolgerungen aus die- alles Gute, es gab allerlei Interessantes, ich möchte etwas
sem werden nach dem Doppelpunkt kleingeschrieben, Süûes, das ist nichts Neues.
wenn sie nicht als Ganzsatz aufgefasst werden: Haus Im Gegensatz zur alten Regelung werden künftig auch
und Hof: alles ist verloren. vergleichbare substantivierte Adjektive in festen Wen-
2 Substantive dungen und bei übertragener Bedeutung groûgeschrie-
2.1 Substantive bezeichnen Gegenstände, Lebewesen oder ben: zum Besten geben, im Folgenden, im Trüben fi-
abstrakte Begriffe. Man schreibt sie grundsätzlich schen, auf dem Laufenden sein, auf dem Trockenen
groû. Dasselbe gilt auch für Namen: sitzen.
Bild, Wand, Vorstellung, Frankreich, Marie. Im Gegensatz zur alten Regelung gilt auch konse-
Die Regel hat ferner Gültigkeit für Substantive aus an- quente Groûschreibung in Fällen von paarweise auf-
deren Sprachen, wenn sie nicht direkt zitiert werden: tretenden, nicht deklinierten Adjektiven als Personen-
einen Drink nehmen, etwas Make-up auflegen, sein bezeichnungen: Jung und Alt, Arm und Reich (aber:
Know-how einbringen. durch dick und dünn).
Hilfsverb

Groûschreibung gilt auch für substantivierte Ord- Bei adjektivischen Ableitungen von Eigennamen auf 4.4
nungsadjektive und sinnverwandte Adjektive. Hier ¹-(i)schª erfolgt in der Regel Kleinschreibung. Eine
kommt es zu Abweichungen von der alten Regelung: Ausnahme liegt lediglich dann vor, wenn die Grund-
Er ging als Erster durchs Ziel. Jeder Dritte äuûerte form eines Personennamens durch einen Apostroph
sich ablehnend. Der Nächste bitte! abgetrennt wird: das ohmsche / Ohm©sche Gesetz, die
Ferner schreibt man Sprachbezeichnungen groû, so- darwinsche / Darwin©sche Evolutionstheorie.
fern ihr Gebrauch eindeutig weder adjektivisch noch Handelt es sich bei substantivischen Wortgruppen, die 4.5
adverbial zu interpretieren ist: Sie sprechen flieûend mit einem nicht substantivischen Element beginnen,
Italienisch. Aber: die italienische Küche. zwar um feste Verbindungen, jedoch um keine Eigen-
Bestimmte feste Verbindungen aus Präposition und namen, so erfolgt Kleinschreibung. Hier kommt es in
Adjektiv ohne vorangehenden Artikel werden jedoch einigen Fällen zu Abweichungen von der bisherigen
kleingeschrieben: Über kurz oder lang müssen wir Regelung: das schwarze Brett, die erste Hilfe, die
eine Entscheidung treffen. Sie können sich ohne weiteres schwedischen Gardinen.
an die angegebene Adresse wenden. Groûschreibung erfolgt lediglich dann, wenn es sich
Kleinschreibung erfolgt ebenfalls bei Superlativen mit bei den Wendungen um Titel, fachsprachliche Bezeich-
¹amª, nach denen mit ¹Wie?ª gefragt werden kann und nungen, besondere Kalendertage oder historische Er-
bei adverbialen Wendungen mit ¹aufsª. Dieser Artikel eignisse handelt: der Regierende Bürgermeister, das
ist am interessantesten. Dieser Weg ist am gefährlichs- Fleiûige Lieschen, der Erste Mai, der Zweite Weltkrieg.
ten. Ich gratuliere Ihnen aufs herzlichste (oder: Herz- Anredepronomen 5
lichste). Aber: Wir sind aufs Schlimmste eingestellt. Die Anredepronomen ¹Sieª und ¹Ihrª sowie deren 5.1
Sie wurde aufs schlimmste (oder: Schlimmste) zugerich- Flexionsformen werden grundsätzlich groûgeschrie-
tet. ben: Hätten Sie an dem Angebot Interesse? Wir würden
3.2 Substantivierte Verben: Auch hier erfolgt, wie schon uns freuen, einen Ihrer Mitarbeiter in unserm Haus be-
nach der alten Regelung, Groûschreibung: Es war ein grüûen zu dürfen.
einziges Kommen und Gehen. Beim Einladen des Ge- Die Anredepronomen ¹duª und ¹ihrª sowie die abge- 5.2
päcks stieû er sich den Kopf an der Klappe. Es ist zum La- leiteten Possessivpronomina ¹deinª und ¹euerª wer-
chen (aber: Er hatte nichts zu lachen.) Handelt es sich den in allen Flexionsformen kleingeschrieben. Das
um mehrteilige Fügungen, deren einzelne Bestandteile gilt auch für Briefe: Liebe Christine, vielen Dank für dei-
durch Bindestrich miteinander verbunden sind, so wer- nen Brief. Leider befürchte ich, dass ich dir . . .
den das erste Wort, der Infinitiv sowie alle substantivi- Substantive, die zu anderen Wortarten geworden sind, 6
schen Bestandteile groûgeschrieben: Es ist zum Nicht- schreibt man klein. Dazu zählen: Präpositionen: dank
mehr- Aushalten. Es war ein angenehmes Hand-in- dem Fleiû (des Fleiûes), kraft des Gesetzes, zeit seines
Hand- Arbeiten. Lebens, Adverbien: abends, anfangs, eingangs, aller-
3.3 Substantivierte Pronomen und Kardinalzahlen: So- hand, heutzutage, jahrelang, Konjunktionen: falls,
fern diese Wortarten eindeutig als Substantiv verwen- teils und unbestimmte Zahlwörter: ein bisschen, ein
det werden, erfolgt Groûschreibung: Ich habe ihr das paar.
Du angeboten. Die Familie stand nun vor dem Nichts.
Sie schreibt eine Fünf nach der anderen. Im Regelfall Hauptsatz
werden jedoch Pronomen und Kardinalzahlen unter Der H. ist im Unterschied zum abhängigen ` Glied- 1
einer Million kleingeschrieben: Dies hat schon man- satz ein selbständiger ` Satz.
chen interessiert. Bitte zähl bis fünf! Diese vier habe Entsprechend den verschiedenen Leistungen des Sat-
ich schon einmal gesehen. Kleinschreibung erfolgt fer- zes lassen sich für den H. folgende Wortstellungstypen
ner grundsätzlich bei Formen von ¹vielª, ¹wenigª, unterscheiden:
¹einª und ¹andere(r, -s)ª: die vielen, dieses wenige, Beim ` Aussagesatz, ` Aufforderungssatz und bei 2
die einen und die anderen. der Ergänzungsfrage (` Fragesatz 2.2) steht der ver-
3.4 Substantivierte Adverbien, Präpositionen, Konjunk- bale Satzkern, also die finite Verbform, in Zweitstel-
tionen und Interjektionen: Auch hier erfolgt in eindeu- lung: du bist gesund, du sollst kommen, wo bist du?
tigen Fällen von Substantivierung Groûschreibung: Es Dabei besetzt beim Aussage- und Aufforderungssatz
wird kein Morgen geben. Nun steht er vor dem Aus. Es meist das Subjekt die erste Stelle, wenn nicht eine an-
gibt Menschen, die haben immer ein Aber einzuwenden. dere Bestimmung zur Hervorhebung an diese Position
Bei mehrteiligen substantivierten Präpositionen gerückt wird und das Subjekt dem Verb folgt; gestern
schreibt man jedoch nur den ersten Bestandteil groû: warst du krank, hierher sollst du kommen; bei der Er-
das Sowohl- als- auch, das Entweder- oder. gänzungsfrage steht das Fragewort an der Spitze, und
4 Eigennamen das Subjekt schlieût sich an das Verb an.
4.1 Eigennamen schreibt man grundsätzlich groû: Peter, Beim Befehlssatz und bei der Entscheidungsfrage 3
Frankfurter Rundschau, Neuseeland, Moskau. (` Fragesatz 2.1) steht die finite Verbform in Spitzen-
4.2 Bei mehrteiligen Namen, welche nicht substantivische stellung; im Befehlssatz schlieût die Verbalform das
Bestandteile enthalten, werden neben dem ersten Subjekt mit ein: kommt her!, während dieses in der
Wort, abgesehen von Artikel, Präpositionen und Kon- Entscheidungsfrage dem Verb folgt: warst du in der
junktionen, alle Bestandteile groûgeschrieben: Schule?
Heinrich der Achte, Börsenverein des Deutschen Buch- Im ` Gliedsatz (4) steht dagegen die finite Verbalform
handels, Johann Wolfgang von Goethe, Freie und Han- in der Regel am Satzende.
sestadt Hamburg, Naher Osten, Deutsches Rotes
Kreuz. Hauptwort
4.3 Ableitungen von geographischen Eigennamen auf ` Substantiv
¹-erª werden groûgeschrieben: der Schweizer Käse, die
Berliner Kunstszene, der Kölner Dom, eine Frankfurter Hilfsverb, Hilfszeitwort
Firma. Verb, das nur in Verbindung mit einem ` Vollverb eine 1
Homonymie

vollständige Aussage leisten kann. Aus diesem Grund Künstlerpech (kleines, unbedeutendes Missgeschick);
verfügt es nur in sehr eingeschränktem Maûe über jmdm. ein X für ein U vormachen (jmdn. täuschen, be-
` Valenz. trügen).
2 Sein, werden, haben werden als H.en bezeichnet, wenn Durch den Austausch von einzelnen Gliedern kann 2
sie zur Bildung der zusammengesetzten Verbformen keine sonst übliche Bedeutungsveränderung erzielt
beitragen. So bildet werden in Gemeinschaft mit dem werden, z. B.: jmdm. ein Y für ein V vormachen. Die In-
Infinitiv das aktive Futur I: ich werde kommen; sein terpretation eines solchen Satzes ergibt keinen Sinn.
und haben mit dem Partizip Perf. die aktiven Perfekt- In der nicht idiomatisierten, also der wörtlichen Lesart 3
(Plusquamperfekt-)Formen: ich bin (war) gekommen, gelten die unter 1 und 2 beschriebenen Phänomene
habe (hatte) gesehen; werden und sein mit dem Parti- nicht.
zip Perf. die Passivformen: ich werde (wurde) gesehen Der Verlust der Durchsichtigkeit solcher Bildungen 4
usw.: das Haus ist gebaut (worden) (` Konjugation). wird als Idiomatisierung bezeichnet. Lutz Röhrich
3 Stehen diese Verben jedoch in Verbindung mit einem (1971) untersucht in seinem zweibändigen Werk die
Prädikatsnomen, so erfüllen sie die Leistung von Voll- sprachgeschichtlichen Grundlagen für viele Bilder sol-
verben: er ist Schüler, fleiûig; er wird Ingenieur, ver- cher feststehenden Begriffe. So bezieht sich z. B. die
ständig. Redewendung sich freuen wie ein Schneekönig auf den
4 Einige Grammatiker zählen auch die ` Modalverben kleinsten heimischen Singvogel, nämlich den Zaunkö-
dürfen, können, mögen, müssen, sollen, wollen zu den nig, der selbst im strengsten Winter diese geographi-
H.en. schen Breiten nicht verlässt und auch seinen Gesang
nicht einstellt.
Homonymie
Gleichheit der Ausdrucksform von Wörtern hinsicht- Idiomatik
lich Orthographie und Aussprache, jedoch bei unter- Wissenschaftliche Forschungsrichtung, die sich mit
schiedlicher Bedeutung. Bei H. geht man meistens ± der Beschreibung und Klassifizierung von ` Idiomen
im Gegensatz zur ` Polysemie ± von einer unterschied- beschäftigt.
lichen Etymologie der Wörter aus. Die einzelnen Be-
deutungen sind nicht unmittelbar miteinander ver- Imperativ, Befehlsform
wandt. Eine der drei als ` Modus bezeichneten Aussagearten
Homonyme entstehen dadurch, dass die lautliche Ent- des Verbs.
wicklung von verschiedenen Ausgangswörtern ¹zufäl- Der I. ist die nachdrücklichste Form, eine Aufforde-
ligª zu demselben Ergebnis führt. rung an eine oder mehrere angesprochene Personen
mhd. wiz (Farbe) ± weiz (Verbform) (2. Person) zu richten (` Aufforderungssatz 2.1).
nhd. weiû Die Form des I.s wird im Singular im Allgemeinen ge-
Im Einzelfall lässt sich jedoch die H. häufig schwer von bildet durch Antritt von -e an den Stamm der 1. Grund-
der ` Polysemie trennen, da das etymologische Krite- form (des Infinitivs): schreib-e!; (über Ausnahmen
rium unscharf ist. ` Konjugation 2.4).
Die 2. Plur. lautet mit derselben Form des Indikativs
Hypotaxe gleich: ihr schreibt; schreibt!
Unterordnendes Gefüge (Subordination) von ` Satz- Bei dem ` Hilfsverb sein wird der I. vom Stamm des
gliedern oder Teilsätzen (` Satzgefüge, ` Gliedsatz). Konjunktivs Präs. abgeleitet: sei; den Plural schreibt
Die H. wird im Deutschen formal markiert durch: man im Neuhochdeutschen zur Unterscheidung von
subordinierende ` Konjunktionen: weil, sofern, nach- der Präposition seit mit d: seid!
dem, wenn usw.; ich schalte die Heizung ein, weil mir Der passivische I. findet nur selten Verwendung; er
kalt ist. klingt veraltet: sei(d) beruhigt!; sei(d) mir gegrüût! Vor
` Relativpronomen: der, dessen, die, welcher usw.; Gott befohlen! ist sei(d) ausgelassen. Meist wird eine
das ist der Redner, dessen Vortrag eine groûe Wirkung Umschreibung vorgezogen: lass dich mal sehen!; lass
erzielte. dich nicht verführen (abschrecken)!
Ein satzwertiger Infinitiv (` Infinitivsatz) oder ein
satzwertiges Partizip (` Partizipalsatz) vermögen ei- Imperfekt
nen Gliedsatz der oben beschriebenen Art zu ersetzen. In der lateinischen und griechischen Grammatik übli- 1
In einer H. kann mehrfache Unterordnung vom che, aber auch in manchen deutschen Grammatiken
Hauptsatz zum jeweils nächstniedrigeren Gliedsatz noch vorkommende Bezeichnung für ¹erste Vergan-
vorliegen: genheitª.
(Ich bin der Meinung) HS, (dass er auch alleine wissen Das I. ist in den alten Sprachen vom Präsensstamm ab- 2
sollte) GS1, (wie er sich zu verhalten hat) GS2, (wenn er geleitet, gehört somit zum Präsenssystem und bezeich-
von seinem Vorgesetzten etwas will ) GS3. net ein zwar vergangenes, aber ¹nicht vollendetes, nicht
Gegenbegriff: ` Parataxe abgeschlossenes, im Vollzug befindlichesª Geschehen
oder Sein. Es ist demnach nicht nur Ausdruck einer
Idiom Zeitbestimmung, sondern auch einer ` Aktionsart.
Wort oder feste Wortgruppe, wobei die Bedeutung auf Da dies auf die Zeitstufe der ¹ersten Vergangenheitª
einem Bild oder einer anderen nicht wörtlichen Inter- im Dt. nicht zutrifft, ist die Bezeichnung I. hier irrefüh-
pretation beruht. Handelt es sich um eine feste Wen- rend und durch ` Präteritum zu ersetzen.
dung, die aus mehr als einem Wort besteht, so spricht
man von einem Phraseologismus. imperfektiv, durativ
Ein I. hat die folgenden Kennzeichen: ` Aktionsart
1 Die Gesamtbedeutung ergibt sich nicht aus der Bedeu-
tung der einzelnen Glieder: Impersonale
` unpersönliches Verb
indirekter Fragesatz

inchoativ Die indirekte Rede wird in der Regel durch ein Verb 2
` Aktionsart des Sagens, Fragens, Meinens, Bittens o. ¾. eingeleitet;
in der Rede selbst wird dann ohne Rücksicht auf das
Indefinitpronomen, unbestimmtes Fürwort Tempus des Leitverbs für ein Präsens der direkten
1 ` Pronomen (3.1) zur Benennung von Personen oder Rede der Konjunktiv des Präsens, für eine Vergangen-
Sachen, die hinsichtlich Genus und Numerus als unbe- heit der des Perfekts, für einen künftigen Vorgang der
stimmt gekennzeichnet sind. Manche Indefinitprono- des Futurs I gesetzt (Konjunktiv I): ich sagte, ich sei
mina haben nur Stellvertreterfunktion (jedermann, ir- glücklich; du sagtest, du habest das kommen sehen; er
gendwer, einer, man), andere haben Stellvertreter- und werde kommen.
Begleiterfunktion (jeder, alle, etwas, sämtliche, kein). Wenn aber diese Konjunktivform nicht deutlich als 3
2 Deklination der I. jemand und jeder: solche erkennbar ist, weicht man aus auf den Konjunk-
tiv des Präteritums oder des Plusquamperfekts (Kon-
unbestimmt im Numerus unbestimmt junktiv II): ich sagte, wir kämen wohl noch zur rechten
in Genus Zeit (der von der Grundregel geforderte Konjunktiv
Mask. Fem. Neutr. u. Numerus des Präsens wir kommen ist gleichlautend mit dem Indi-
kativ, fällt deshalb nicht als Konjunktiv ins Ohr); er
Nom. jeder jede jedes jemand sagte uns heute, seine Freunde hätten ihm mitgeteilt,
Gen. jedes/ jeder jedes/ jemandes sie würden später kommen (Konjunktiv Perfekt ha-
jeden jeden ben . . . mitgeteilt = Indikativ; Konjunktiv Futur I wer-
Dat. jedem jeder jedem jemand(em) den . . . kommen = Indikativ).
Akk. jeden jede jedes jemand(en) Mitunter weicht ein Sprecher auch zum Konjunktiv 4
des Präteritums aus, weil ihm die Konjunktivform
Normalerweise wird bei jeder im Gen. Mask./Neut. des Präsens zu gekünstelt erscheint: er sagte, du hättest
die Form auf -es verwendet; vor Substantiven, die im Recht (statt: du habest), ihr hättet Unrecht (statt: ihr ha-
Genitiv die Endung -(e)s haben, kann die Form jedoch bet).
wechseln: die Kraft jed es Ries en; aber: die Form jed es Auch wenn der Sprecher Worte wiedergibt, die seiner 5
Blatt es oder jed en Blatt es. Meinung nach offensichtlich Unwahrheiten enthalten,
3 Für das I. all gibt es in seiner Rolle als Begleiter im Gen. wird er gern den Konjunktiv des Präteritums oder Plus-
Sing. Mask./Neut. ebenfalls zwei Formen: quamperfekts verwenden, um das Irreale zum Aus-
3.1 Bei Substantiven, die im Genitiv auf -(e)s enden, steht druck zu bringen: warum hast du mir vorgelogen, du hät-
allen: angesichts all en Widerstandes gab die Parteifüh- test deine Schularbeiten gemacht? (statt: habest nach der
rung auf. Grundregel).
3.2 Bei Adjektiven, die Substantivfunktion übernehmen Selbstverständlich ändert sich bei der indirekten Rede 6
und dementsprechend keine Genitivendung auf -(e)s unter Umständen auch die Angabe der Person. Wenn
aufweisen, steht alles: durch Streichung all es Irrelevan- ein Sprecher von sich selbst sagt: ich war am Mittwoch
t en konnte der Bericht doch noch gerettet werden. in Bonn, so wird ein anderer Sprecher diesen Sachver-
4 Manche I. bleiben in Begleiterposition undekliniert: halt wie folgt darstellen: er sagte, er sei am Mittwoch in
mit etwas / ein bisschen Wasser verdünnt; mit viel / (ein) Bonn gewesen.
wenig Geduld; all vor Demonstrativ- oder Possessiv-
pronomina: all die groûartigen Eindrücke. indirekter Fragesatz, abhängiger Fragesatz
5 Bei ein bisschen, etwas, viel, wenig kommt auch adver- Im Unterschied zum direkten ` Fragesatz ein Glied- 1
bialer Gebrauch vor, der einen unbestimmten Umfang satz, der einem übergeordneten Satz angeschlossen
oder Grad eines Geschehens angibt: wir wollen ein biss- wird; der übergeordnete Satz weist auf die Frage hin
chen / etwas spazieren gehen; das hat uns viel / wenig ge- oder lässt einen Tatbestand in Ungewissheit oder Zwei-
nützt; auch in Verbindung mit Adjektiven wird ein fel.
Grad angegeben: das Wetter ist heute etwas besser als Indirekte Fragesätze werden umgangssprachlich auch
gestern; du musst viel fleiûiger werden. ` unbestimmtes ohne Einleitewort als selbständige Fragen formuliert
Zahlwort (` Gliedsatz 5.3).
Der Modus der indirekten Frage ist meist der Indika- 2
Indikativ, Wirklichkeitsform tiv; nur wenn es sich ± ähnlich wie bei der ` indirekten
Eine der drei als ` Modus bezeichneten Aussagearten Rede ± um früher getane eigene oder fremde ¾uûerun-
des Verbs. Er wird in der Regel vom Sprecher dann an- gen handelt, die in Frage gestellt werden, wird das Verb
gewendet, wenn dieser ein Geschehen oder Sein als in den Konjunktiv gesetzt; Beispiele ` 3.1(3); 4.
wirklich, tatsächlich stattfindend oder stattgefunden Das Satzschema zeigt wie bei allen Gliedsätzen End- 3
hinstellen will; im Gegensatz dazu ` Konjunktiv, Im- stellung des Verbs; an der Spitze steht ein Einleitewort.
perativ. Wie bei den direkten Fragesätzen unterscheidet man
zwei Arten:
indirekte Rede, abhängige Rede Die Entscheidungsfrage wird durch die Partikel ob ein- 3.1
1 Im Unterschied zur ` direkten Rede, bei der die Worte geleitet: 1) sage mir, ob du kommst; 2) ich weiû nicht, ob
so, wie sie gesprochen wurden, wiedergegeben werden, das richtig ist; 3) ich fragte ihn, ob er (er fragte mich, ob
gibt ein Sprecher bei der indirekten Rede eigene Worte ich) wirklich daran glaube. Die Antwort ist ja/nein,
oder die eines anderen Sprechers nicht im ` Indikativ, kann aber auch als Satz gegeben werden, etwa: 1) ich
sondern im ` Konjunktiv wieder; mit der Wahl dieses komme (nicht); 2) es ist falsch.
` Modus, der ja eine Möglichkeit oder Nichtwirklich- Ergänzungsfragen werden durch ` Interrogativpro- 3.2
keit ausdrückt, distanziert sich der Sprecher von dem nomina oder -adverbien eingeleitet: 1) sage mir, wer
Gesagten und überlässt die Verantwortung für die das gemacht hat; 2) ich frage dich, wo du gewesen bist;
Wirklichkeit des Gesagten dem ursprünglichen Spre- 3) ich möchte wissen, warum du gelogen hast. Die Ant-
cher der Worte. wort bezieht sich auf das mit dem Einleitewort Er-
indirektes Objekt

fragte, also etwa: 1) ich; 2) bei meinem Freund; 3) weil ich chen, d.h. einer westlichen und einer östlichen Gruppe,
Angst hatte. jeweils benannt nach ihrer Bezeichnung für ¹hundertª.
3.2.1 Mitunter ist es schwierig, eine indirekte Ergänzungs- Zu den Kentumsprachen gehören u. a. das Germani-
frage von einem Relativsatz zu unterscheiden; die Ent- sche, das Keltische und das Italische, zu den Satem-
scheidung darüber ergibt sich aus dem Sinnzusammen- sprachen hingegen das Indische, das Iranische, das
hang der Rede: ich weiû nicht mehr genau, was ich dir Slawische u.v.m. (vgl. Tabelle unten).
gesagt habe (indir. Fragesatz); ich kann nur wiederho- Die Kennzeichen des I. sind u. a.: 3
len, was ich dir gesagt habe (Relativsatz = das, was; Es handelt sich um stark flektierende Sprachen (` Fle- 3.1
hier wird die Aussage des Gliedsatzes nicht in Frage ge- xion).
stellt). Es lassen sich 8 ` Kasus, 3 Genera (` Genus: Mas- 3.2
3.3 Auch indirekte Doppelfragen sind möglich: sage mir, kulinum, Femininum, Neutrum) und 3 Numeri
ob du dich meinem Vorschlag anschlieût oder einen an- (` Numerus: Singular, Dual, Plural) beschreiben.
deren Weg weiût.
4 Eine Antwort wird in vielen Fällen nicht zu erwarten infinite Verbform
sein und nicht erwartet, besonders wenn es sich um ` Konjunktiv 2.2
die Wiedergabe von Fragen aus weit zurückliegenden
Zeiten handelt: unser Groûvater legte sich damals die Infinitiv, Nennform, Grundform
Frage vor, was er unternehmen solle. Der I. gehört zusammen mit den ` Partizipien zu den
5 Das abschlieûende Satzzeichen richtet sich nach der infiniten Verbformen. Es handelt sich um eine Form
Art des Hauptsatzes; ist dieser ± wie meist ± ein Aussa- des Verbs, die ± ohne Bezug auf eine Person ± lediglich
gesatz, so steht ein Punkt: ich weiû nicht, wie viel Uhr es den Verbalbegriff, den Vorgang oder Zustand,
ist. Ist er ein Fragesatz, so wird ein Fragezeichen ge- ¹nenntª.
setzt: weiût du, wie viel Uhr es ist? Enthält er eine Auf- Da seine Anwendung mitunter in den Bereich des No-
forderung, so schlieût ein Ausrufezeichen ab: Sage mens (Substantivs) übergreift (` 6), hat man ihn auch
mir doch, wieviel Uhr es ist! als Nominalform des Verbs bezeichnet.
Der I. des aktiven Präsens ist die 1. Grundform des 1
indirektes Objekt Verbs und damit die Zitierform, die sich als Stichwort-
` Dativobjekt eintrag im Wörterbuch findet; nach Abstrich der I.en-
dungen -en, -n (steig-en, kletter-n) ergibt sich der (Prä-
Indogermanisch, Indoeuropäisch sens-)Stamm des Verbs. Auûer dieser Form kommen
1 Durch den Vergleich einer Vielzahl von Sprachen re- auch noch der I. des aktiven Perfekts sowie die entspre-
konstruierte ¹Urspracheª, wobei die Vergleichsspra- chenden Passivformen vor, bei denen das 2. Partizip
chen bezüglich ihres Baus und Wortschatzes verwandt mit haben, sein, werden verbunden ist: geschrieben ha-
sind. Der Terminus kam im 19. Jh. auf, als sich eine in- ben, gekommen sein; bestraft werden, verurteilt worden
dogermanische bzw. historische Sprachwissenschaft sein (` Konjugation 1.2).
entwickelte. Der Nachbildungsversuch dieser gemein- Der reine I. steht nach den ` Modalverben und eini- 2
samen, nicht belegten Grundsprache erfolgte mithilfe gen anderen Verben: du musst gehen, du darfst kom-
von Lautgesetzen, welche man durch den Vergleich men; wir gehen spazieren, lernen schreiben, helfen auf-
von Einzelsprachen beschrieb. räumen, sehen dich kommen, lassen ihn laufen u. a.
2 Diese Lautgesetze bilden auch die Grundlage für die Meist wird der I. mit der Präposition zu verbunden. Er 3
Unterscheidung zwischen Kentum- und Satemspra- kann die Funktion eines Subjektes haben: sich zu be-
Interrogativpronomen

herrschen ist nicht immer leicht; aber auch die Funktion juchhe, hurra; Schmerz: au, autsch, oh; Widerwillen:
verschiedener ` Ergänzungen einnehmen: du scheinst bäh, pfui, igitt; aber auch äuûerer Vorgänge wie Laute
Recht zu behalten (Teil des Prädikats); ich beabsichtige, und Geräusche: hatschi; muh, miau, kikeriki, mäh,
im Sommer zu verreisen; er fängt an zu arbeiten (Akk.- meckmeck, quak; ticktack, plumps, tatü-tata, wumm.
Obj.); er wurde bezichtigt, das Verbrechen begangen zu Auch Aufforderungen zu bestimmten Handlungswei-
haben (Gen.-Obj.); er ist imstande, stundenlang zu war- sen können durch I.en ausgedrück werden: hallo, pst,
ten (Präpositionalobjekt) u. a. ksch, hauruck.
4 Auch als Attribut kann der I. mit zu verwendet werden:
die Fähigkeit, sich klar auszudrücken. Bei der ` Final- Interpunktion, Zeichensetzung, Satzzeichen
bestimmung wird der I. mit um zu eingeleitet: er geht in Die I. erfüllt einen doppelten Zweck. Ihre Aufgabe ist 1
die Stadt, um Besorgungen zu machen; sie schreibt, um es 1., ein Satzgefüge grammatisch zu gliedern und da-
Geld zu verdienen. mit seinen Aufbau übersichtlicher zu machen; 2. dem
5 Die Funktion einer ` Modalbestimmung haben laut Lesenden Hilfen zu geben für das geregelte Dahin-
I.gruppen mit ohne zu: wir werden das schon schaffen, flieûen (den Rhythmus) des Lesens, also das Senken
ohne uns besonders anzustrengen; lerne leiden, ohne zu und Heben der Stimme, auch für die Betonung und
klagen; er schoss wiederholt, ohne zu treffen. das Einlegen von Pausen.
Das gilt auch für I.gruppen mit (an)statt zu: anstatt zu- Die Satzzeichen haben zum Teil eine lange Geschichte
zugreifen und konkret etwas zu verändern, hältst du hinter sich.
lange Reden!; statt Schularbeiten zu machen, hast du Der Punkt war schon im Altertum gebräuchlich, an-
Zeitung gelesen! dere Zeichen kamen allmählich dazu. Eine allgemein
6 Der I. des aktiven Präsens kann auch substantiviert gültige Regelung der I. gab es nicht, bis der gelehrte
werden: das Lieben bringt groû© Freud©; Reden ist Silber, Buchdrucker Aldus Manutius in Venedig gegen Ende
Schweigen ist Gold. An den substantivierten I. können des 15. Jh.s für seine Druckerei feste Regeln aufstellte,
Attribute treten: das Betreten des Grundstücks ist verbo- die sich dann bei den Zeitgenossen allmählich durch-
ten; ein weiteres Eingehen auf die Worte des Vorredners setzten.
erübrigt sich. Man unterscheidet 10 Arten von Satzzeichen: 2
A. die schweren Satzzeichen, die am Ende vollständi-
Infinitivsatz, Nennformsatz ger Sätze stehen können:
` Gliedsatz, in dem ein ` Infinitiv mit zu einen 1. ` Punkt,
`Konjunktionalsatz ersetzt: wir hoffen, dass wir uns 2. ` Fragezeichen,
bald wiedersehen ± wir hoffen, uns bald wiederzusehen. 3. ` Ausrufezeichen;
Der Form nach handelt es sich um Infinitivgruppen B. die leichten Satzzeichen, die innerhalb von Satzge-
(` Gliedsatz 8). fügen gesetzt werden:
4. ` Komma,
Inhaltssatz 5. ` Semikolon,
` Gliedsatz, dass-Satz, der die Funktion eines Satz- 6. ` Doppelpunkt;
gliedes übernimmt (` Subjektsatz, Objektsatz). Der C. die Sonderzeichen:
I. dient auch dazu, die ` indirekte Rede wiederzuge- 7. ` Gedankenstrich,
ben. Er kann mit dass eingeleitet werden oder uneinge- 8. ` Anführungszeichen,
leitet sein: 9. ` Klammern,
ich dachte, du kämst erst morgen ( . . ., dass du . . .); sie 10. ` Auslassungspunkte.
sagte, sie habe keine Ahnung ( . . ., dass sie . . .).
Der uneingeleitete I. sollte jedoch nicht mit einem Interrogativadverb, Frageumstandswort
Hauptsatz verwechselt werden, auch wenn das flek- Untergruppe der Adverbien (` Adverb), die Fragen
tierte Verb hier ebenfalls die zweite Satzgliedstelle ein- nach den Umständen einleiten, z. B. wo (Ort), wann
nimmt. ` Konjunktion 2.2 (Zeit), wie viel (Menge), wieso, warum (Grund), wozu
(Zweck), womit, wodurch (Mittel), wie (Art und Weise).
Inlaut Das I. darf nicht mit dem ` Interrogativpronomen ver-
Laut (` Vokal oder ` Konsonant) im Innern von wechselt werden. ` Interrogativum
Wort oder Silbe. ` Anlaut, ` Auslaut
Interrogativpronomen, Fragefürwort
Instrumentalsatz Pronomen, das der Untergruppe der hinweisenden 1
Bezeichnung für eine Art des ` Adverbialsatzes, und Fürwörter angehört (` Pronomen 3.2) und sowohl
zwar für Umstandssätze des Mittels. Der Form nach Stellvertreter- als auch Begleiterfunktion hat. Das I.
handelt es sich um einen Konjunktionalsatz. Ein weist in einem Fragesatz auf eine unbekannte Person
derartiger ` Gliedsatz wird häufig durch indem einge- oder Sache hin. Zu den I. gehören: wer? was? welcher?;
leitet: wer? fragt nach Personen: wer ist da?; was? fragt nach
Der Komiker erheiterte die Gesellschaft, indem er unun- Nichtpersönlichem, also meist nach Sachen oder
terbrochen Witze erzählte. Sachverhalten: was machst du?; was will er denn?; wel-
cher? wird vornehmlich attributiv verwendet; erfragt
intensiv werden damit einzelne Elemente einer Gesamtheit:
` Aktionsart welche Schuhe gefallen dir am besten?; welches Kind
spielt nicht gern?
Interjektion, Ausrufewort Die I. dürfen nicht mit den Interrogativadverbien
Unveränderliche ` Wortart, die meist der Bezeich- (` Interrrogativadverb) verwechselt werden. ` In-
nung von Gefühlsäuûerungen dient und auûerhalb terrogativum
des Satzzusammenhangs steht, etwa zum Ausdruck Die I. sind im Gegensatz zu den Interrogativadverbien 2
von Überraschung: oha, hopla, nanu; Freude: ei, heiûa, deklinierbar:
Interrogativum

Kind spielt; ich begegnete dem Freund; wir gedenken des


Sing. und Plur. Verstorbenen. ` Verb 4.1
Gegenbegriff: ` transitiv
Mask. Fem. Neutr.
Inversion
Nom. wer? wer? was? (lat. invertere = umdrehen); Umkehrung der Grund-
Gen. wessen? wortstellung (im Deutschen: Subjekt ± finites Verb) in-
Dat. wem? nerhalb eines Satzes; Beipiele: Normalstellung: Keiner
Akk. wen? wen? was? hat ihm geholfen. I.: Ihm hat keiner geholfen. / N.: Er
hilft ihr. I.: Hilft er ihr? / N.: Sie kommt gerade an. I.:
Gerade kommt sie an. (Zu den Wortstellungstypen:
Sing. Plur. ` Wortstellung.)
Mask. Fem. Neutr. MFN Irrealis
` Konjunktiv 2
Nom. welcher? welche? welches? welche?
Gen. welches?/ welcher? welches?/ welcher? iterativ
welchen? welchen? ` Aktionsart
Dat. welchem? welche? welchem? welchen?
Akk. welchen? welche? welches? welche? Kardinalzahl, Grundzahl
Eine Art des ` Numerals.
Bei welcher? kann im Gen. Mask. und Neutr. zwischen Sie bezeichnet die Anzahl, in der etwas vorhanden ist: 1
zwei Formen ausgewählt werden, sofern der Genitiv eins, zwei, drei usw.; zehn, hundert, tausend, hunderttau-
des nachfolgenden Substantivs auf -(e)s endet: welch es send usw.;
(welch en) Vogel s Nest ist ausgeraubt worden? aber: wel- eine Million = 1 000 000, eine Milliarde = 1000 Millio-
ch es Bär en Fell ist verkauft worden? Diese Genitivfor- nen,
men werden jedoch nur selten gebraucht; man um- eine Billion = 1 000 000 Millionen, eine Billiarde = 1000
schreibt vorzugsweise durch: von welchem Vogel / Billionen,
Bären usw. eine Trillion = 1 000 000 Billionen, usw.
Nach welcher? wird das folgende Adjektiv schwach de- Die K.en werden im Deutschen absolut und attributiv
kliniert: welchem bunt en Schal gibst du den Vorzug? gebraucht.
4 Was für ein? fragt nach der Art oder Beschaffenheit Von den K.en sind nur wenige deklinierbar: 2
von Belebtem und Unbelebtem; das folgende Adjektiv eins (altes Neutrum) wird absolut gebraucht; attributiv 2.1
ist gemischt zu deklinieren: was für ein langweiliges Ge- heiût es ein, eine, ein (wie das ` Indefinitpronomen [ir-
rede er bloû täglich von sich gibt! Dabei wird ein bei gend]ein); Deklination ` Artikel 3.2; mein eines Bein
Stoffbezeichnungen und Pluralen weggelassen: was ist umgangssprachlich.
für Wein ist das?; was für Leute waren dort? Von zwei und drei kommt der Genitiv zweier/dreier 2.2
Männer, Frauen, Kinder vor; steht ein Demonstrativ-
Interrogativum, Fragewort pronomen (Artikel) davor, so bleibt das Zahlwort un-
Zusammenfassende Bezeichnung für ` Interrogativ- verändert: dieser (der) zwei Männer; in einigen Wen-
adverb und ` Interrogativpronomen. Diese Frage- dungen ist im Dativ die Endung -en erhalten
wörter sind geeignet, sowohl direkte als auch indirekte geblieben: zu zweien, dreien (heute meist: zu zweit, zu
Ergänzungsfragen einzuleiten (` Fragesatz 2.2, indi- dritt) gehen, auch auf allen vieren umherkriechen; Um-
rekter Fragesatz 4). gangssprache und Dialekt kennen auch eine Nomina-
tiv- und Akkusativendung -e: dazu gehören zweie; alle
Intonation viere von sich strecken; fünfe gerade sein lassen; ach du
1 Stimmführung innerhalb des Satzes; Satzmelodie, grüne Neune!; alle neune werfen (beim Kegeln).
deren Variation (ebenso wie die Veränderung der Substantivierungen mit der Endung -er werden für 2.3
Wortstellung) eine semantische Funktion im Satz er- Münzen bzw. für Banknoten gebraucht: der Fünfer
füllt. (= 5-Pfennig-Stück), Zehner (= 10-Pfennig-Stück),
2 In dem Satz das Buch gehört dir (Normalstellung) kann Fünfziger; in Norddeutschland früher noch der Sechser
durch Spitzenstellung des Pronomens: dir gehört das für das 5-Pfennig-Stück in Erinnerung an das in Preu-
Buch das Dativobjekt zum Schwerpunkt des Satzes ûen 1821-73 übliche, etwa gleichwertige 6-Pfennig-
werden. Lässt man in dem Satz das Buch gehört dir Stück (= 1/2 Silbergroschen).
den Stimmton am Schluss sinken, so hat der Satz Fest- Hundert und tausend bezeichnen im Plural eine nicht 2.4
stellungscharakter; hebt man dagegen den Stimmton genau bestimmte, nicht in Ziffern schreibbare Menge;
am Schluss, so bekommt der Satz den Charakter einer man kann sie klein- oder groûschreiben: Hunderte/hun-
Frage (` Fragesatz 5). derte von Menschen, Tausende/tausende von Gefange-
3 Da die I. in Schrift und Druck nicht bezeichnet wird, nen. Von beiden gibt es auch die substantivierte Form
kann ihre Gestaltung eine Schwierigkeit für das Lesen im Singular: das (halbe) Hundert, Tausend.
oder Sprechen eines geschriebenen Textes darstellen. Vor Million, Milliarde usw. steht immer noch eine 2.5
(Zur Hervorhebung von einzelnen Satzteilen ` Beto- Grundzahl: eine Million, fünf Millionen, zwei Milliarden
nung 1.1) usw.
Durch Zusammensetzung mit -mal werden Zahladver- 3
intransitiv, nicht zielend bien (` Zahladverb) gebildet, die eine Wiederholung
Als i. werden in der traditionellen Grammatik Verben benennen: einmal, zweimal (bei besonderer Betonung
bezeichnet, die keine ` Ergänzung im Akkusativ for- auch: ein Mal, zwei Mal usw.) (klingeln). Durch das
dern (` Satzmuster), z. B. es klingelt; er schreibt; das ` Suffix -ig entstehen daraus Adjektive, die in attribu-
Klammern

tiver Funktion vor ` Verbalsubstantive treten können: Die einleitenden Konjunktionen dieser Kausalsätze 2
dreimaliges Klingeln, zweimaliges Verhör. sind vor allem weil, da.
4 Durch Voranstellung von je vor K.en entstehen Distri- Weil gibt im Allgemeinen die besonderen Gründe für 2.1
butivzahlen, die eine Verteilung benennen: je zwei, je einen Einzelfall an, vielfach nach ¹Vorschlagswörternª
hundert; durch Anfügung von -fach (veraltet -fältig) wie deswegen, deshalb, darum, bloû, gerade u. a. Diese
werden Multiplikativa gebildet: hundertfach, tausend- Begründungen sind oft der wichtigere Teil der Aussage
fältig. Durch Zusammensetzung von Genitivformen des Gesamtsatzes; darum stehen weil-Sätze oft nach
auf -er mit -lei entstehen undeklinierbare Gattungs- dem Hauptsatz (` Gliedsatz 6.2). Ein Beispiel aus
zahlwörter, die eine Anzahl von Arten, Gattungen an- der Zeitung: immer mehr junge Menschen lieûen sich
geben: eine Nachspeise aus dreierlei Früchten, ein Kleid in den letzten Jahren als Mediziner immatrikulieren,
aus zweierlei Stoff. weil der Arztberuf so attraktiv war und weil das Wunder
der Brotvermehrung in kaum einem anderen Bereich so
Kasus, Fall wahr geworden zu sein schien.
1 Grammatische Kategorie der nominalen Wortarten Demgegenüber leitet da mehr allgemein bekannte 2.2
(` Nomen), die ihre syntaktische Funktion (insbeson- Gründe ein; der wichtige Teil der Aussage steht dann
dere der Substantive) im Satz kennzeichnet. Im Dt. ha- oft im Hauptsatz; darum sind diese da-Sätze häufig
ben sich von den 8 ursprünglichen indogermanischen vorangestellt. Auch hierfür ein Beispiel aus demsel-
Kasus nur 4 erhalten: Nominativ, ` Genitiv, ` Dativ ben Zeitungsartikel: da die nächsten Bundestagswah-
und ` Akkusativ. Ihre formale Kennzeichnung durch len erst im nächsten Herbst stattfinden, wird der Wahl-
besondere Endungen erfolgt nicht durchgängig; zur kampf über anderthalb Jahre andauern.
Formenbildung ` Deklination; zur Übereinstimmung Jedoch können die beiden Konjunktionen oft ausge-
des Substantivs und der attributiv gebrauchten ande- tauscht werden.
ren nominalen Wortarten ` Kongruenz. Die Konjunktionen zumal (da), umso mehr als geben 3
2 In der traditionellen Grammatik erfolgt eine Unter- Gründe an, die für das Hauptsatzgeschehen ausschlag-
scheidung von ` Casus rectus und ` Casus obliqui: gebend sind: wir haben gern zu dem Buch gegriffen, zu-
dem Nominativ als einzigem K. ohne Endungsmor- mal (da) wir schon einige lobende Besprechungen gelesen
phem werden alle anderen Fälle gegenübergestellt. hatten (d. h., es gab noch andere Gründe, aber den Aus-
schlag gab, dass . . .); wir sind umso lieber auf seinen Vor-
kausal schlag eingegangen, als er unseren eigenen Vorstellun-
Den Grund für ein Geschehen oder eine Handlung an- gen entsprach.
gebend. Insofern (als) schränkt die Hauptsatzaussage ein auf 4
K.en Charakter können Adverbien (` Adverb), ` Ad- die im Nebensatz angegebene Begründung: man kann
verbialbestimmungen (` Kausalbestimmung) und das Wetter insofern noch gut nennen, als es wenigstens
Gliedsätze (` Kausalsatz) haben. nicht regnet.
Als k.e Gliedsätze im weiteren Sinn bezeichnet man Dadurch, dass stellt das Gliedsatzgeschehen zwar auch 5
folgende Gliedsatzarten: als Begründung, aber doch eher als Mittel des Haupt-
1 Einen ¹wirklichenª Grund geben ` Kausalsätze an, satzgeschehens dar: dadurch, dass er den Schnellbus
die den tatsächlichen Grund für das Geschehen des nach Stade erreichte, kam er gerade noch pünktlich zur
Hauptsatzes nennen. Abschlussfeier.
2 Ein Mittel zur Durchführung einer Handlung geben
Instrumentalsätze an. kausativ
3 Einen ¹möglichenª Grund geben ` Konditional- ` Aktionsart
sätze an; sie nennen eine Bedingung, von deren Erfül-
lung oder Einhaltung das Geschehen des Hauptsatzes Klammern
abhängig ist. Sonderzeichen (` Interpunktion), für die es keine ver-
4 Einen ¹unzureichendenª Grund geben ` Konzes- bindlichen Vorschriften gibt.
sivsätze an; sie nennen einen Umstand, der zwar be- Ihre Form ist zumeist rund ( ); in besonderen Fällen
steht, aber nicht genügend wirksam ist, das Geschehen kommen auch eckige [ ] und spitze 0 1 K. vor.
des Hauptsatzes so zu gestalten, wie man es erwarten Runde K. 1
sollte. Erläuternde Zusätze (Sätze oder Einzelwörter) werden 1.1
5 Auch in dem Verhältnis Hauptsatz / ` Konsekutivsatz in runde K. gesetzt:
liegt eine Kausalität, insofern der Hauptsatz einen Aus Vulci stammt eine Göttin ± oder ist es eine Frau? ±
Grund für die Folge nennt. mit langem Zopf (der auf anderen Bildern manchmal
6 Das Gleiche gilt für ` Finalsätze: hier liefert der fast bis auf den Boden herabhängt).
Hauptsatz in gewissem Sinne einen Grund für den im Man nennt die Urnen Kanopen (Bezeichnung für die
Gliedsatz ausgedrückten Zweck. Eingeweidebehälter der ¾gypter).
Über den k.en Charakter des Vergleichssatzes vom Ty- Einschaltungen (Schaltsätze, ` Parenthesen) werden 1.2
pus: . . ., wie er ist, . . . ` Komparativsatz 5. mitunter an Stelle von ` Gedankenstrichen (7) in K.
eingeschlossen:
Kausalbestimmung Er war ein Fremder aus Syrakus und (was die Ratsherren
` Adverbialbestimmung, die den Grund, die Ursache von Abdera in Respekt hielt) ein naher Verwandter des äl-
eines Geschehens bezeichnet. teren Dionysius. (Wieland)
In diesen Fällen steht am Ende des eingeschalteten Sat-
Kausalsatz, Begründungssatz zes kein Punkt, wohl aber, wenn nötig, ein Frage- oder
1 Eine Art der ` Gliedsätze, und zwar der ` Konjunk- Ausrufezeichen:
tionalsätze, die zu einem im Hauptsatz geschilderten Plötzlich trat (das konnte niemand erwarten) (wer hätte
Geschehen oder Umstand die Ursache oder den Be- das erwartet?) (hört gut zu!) eine völlige Wendung ein.
weggrund nennen. Wenn dagegen ein eingeklammerter Satz auf einen ab- 1.3
Kollektivum

geschlossenen Satz folgt, so wird vor der Endklammer der Bestandsvermehrung erkennen etwa in der Anwen-
ein Punkt gesetzt: dung einer Individualbezeichnung (mit bestimmtem
So weit ist der Verlauf der wichtigsten Ereignisse in Artikel) auf eine Vielheit: der Feind, das Wild, der
groben Zügen geschildert. (Nähere Einzelheiten folgen Busch; oder in der Anwendung von Abstrakta auf
im 5. Kapitel.) eine Vielheit von Trägern einer Eigenschaft oder eines
1.4 Gelegentlich findet man ein eingeklammertes Frage- Vorgangs: Jugend, Bereitschaft, Wache; oder in der An-
oder Ausrufezeichen; mit dem Fragezeichen will der wendung von Raum- und Zeitbezeichnungen für die in
Schreiber oder Herausgeber seinen eigenen Zweifel dem Raum oder der Zeit Befindlichen: der ganze Rat-
an der angeführten Textstelle ausdrücken, mit dem hausplatz klatschte dem Redner begeistert Beifall.
Ausrufezeichen etwas besonders hervorheben (oft zu- Von diesem Gebrauch kann man eine äuûere Mög- 6
stimmend). lichkeit der Bestandserweiterung an Kollektiva unter-
Als Beispiel Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II. zu scheiden durch Übernahme von ` Fremd- bzw. Lehn-
einem Bericht des deutschen Botschafters Lichnowsky wörtern für Personen: Clique, Familie, Generation,
in London: Revolutionäre Bewegungen wie im Jahre Gruppe, Klasse; und für Sachen: Aggregat, Kollektion,
1848 infolge der darniederliegenden Erwerbstätigkeit Komplex.
werden eine Folge sein (!W.), . . . Sir E. Grey sagte mir, Viele neue Kollektiva werden gewonnen durch Anfü- 7
er würde bereit sein, mit uns zusammen im Sinne einer gung der Neutra Gut, Werk, Wesen, Zeug, des Masku-
Fristverlängerung in Wien vorstellig zu werden (nutzlos! linums Kram und des Femininums Welt (` Suffixoid);
W.), da sich dann vielleicht ein Ausweg (?!! W.) finden sie werden zusammengesetzt mit Adjektiven: Freigut,
lasse. (` Fragezeichen 1.4, Ausrufezeichen 1.6) Naschwerk, Grünzeug, Gemeinwesen, Kleinkram; be-
2 Eckige K. sonders häufig mit Substantiven: Geistesgut, Schulwe-
2.1 Sie werden gelegentlich verwendet, um innerhalb frem- sen, Blechzeug, Papierkram; vereinzelt auch mit Parti-
der Anführungen (Zitate) einen eigenen Zusatz des keln: Beiwerk.
Schreibers oder Herausgebers zu kennzeichnen. Als Kollektiva auf -wesen gehören überwiegend der Spra-
Beispiel der Anfang eines Briefes von Moltke: Neapel, che der Wissenschaft und der Verwaltung an: Bildungs-
den 7. Mai 1876. [Moltke brachte seines Asthmas wegen wesen, Schlichtungswesen, Verkehrswesen, Wohnungs-
einige Wochen in Italien zu.] wesen, Zeitungswesen;
Nach Capri war leichtbewegte See, so daû mehrere Da- Kollektiva auf -werk bezeichnen das vom Menschen
men dem Neptun ihr Opfer brachten . . . oder der Natur Geschaffene: Backwerk, Flechtwerk,
2.2 Eckige K. werden gelegentlich bei Zusätzen innerhalb Schuhwerk, Buschwerk, Wurzelwerk.
von runden K. gesetzt: Während Bildungen mit -wesen und -werk im Allgemei-
Er hat die Gesetze übertreten, gilt also als Verbrecher nen kein wertendes Element enthalten, geben Zusam-
(auch: also [folglich, somit oder mithin] gilt er als Verbre- mensetzungen mit -gut bzw. -kram, -zeug eine positive
cher). bzw. negative Wertung.
2.3 Eckige K. werden mitunter zu besonderen Zwecken ge- Kollektiva auf -gut beinhalten in einigen Fällen eine
setzt, die natürlich jeweils erläutert sein müssen; so positive Bewertung: Gedankengut, Kulturgut, Allge-
wird in diesem und anderen Nachschlagewerken die meingut;
Aussprache der Wörter in eckigen K. angegeben, Kollektiva auf -kram sind häufig abwertend: Papier-
z. B.: fair ± [f&:r]. kram, Routinekram, Kleinkram, Schreibkram.
Kollektiva auf -zeug bezeichnen einerseits eine Ge-
Kollektivum, Sammelname samtheit von Mitteln oder Geräten: Nähzeug, Schreib-
Bezeichnung, die eine Vielzahl von Personen oder Din- zeug, Waschzeug; Bettzeug, Nachtzeug, Tischzeug; von
gen als Einheit in Form eines singularischen Substan- Dingen, die als etwas durch das Vorderglied Bestimm-
tivs zusammenfasst. Altererbt sind Bildungen tes dienen: Riemenzeug, Schuhzeug; von Dingen, die
1 mit dem Suffix -icht : Röhricht, Dickicht, Kehricht; eine gemeinsame Eigenschaft kennzeichnet: Grünzeug,
2 mit dem Suffix -schaft , das zunächst einen Zustand Unterzeug.
oder ein Verhalten bezeichnet: Vormundschaft, Bürg- Andererseits können Bildungen mit -zeug abschätzige
schaft, Priesterschaft; dann aber eine kollektive Bedeu- Bezeichnungen für eine Gesamtheit nicht im Einzelnen
tung erhielt, bes. bei Personen: Priesterschaft, Arbeiter- genannter Gegenstände sein: Blechzeug, Dreckzeug,
schaft, Lehrerschaft, Burschenschaft, Turnerschaft; z. T. Lumpenzeug, Papierzeug.
verkürzt oder zusammengezogen: Fach(genossen)- In Kroppzeug (niederdeutsch krop = Kleinvieh) und
schaft, Seil(mann)schaft; dann aber auch bei Sachen: Viehzeug greift die Sachbezeichnung -zeug in die Welt
Barschaft, Errungenschaft; der Lebewesen über.
3 mit dem Präfix ge- Kollektiva auf -welt bezeichnen eine Gesamtheit als
teils denominative Bildungen: Gerippe, Gestüt, Ge- weithin gegliedertes Ganzes: Inselwelt, Pflanzenwelt,
birge, Gesinde, Gebein, Gedärm, Gebälk, Gemüse, Ge- Tierwelt.
mäuer, Gestühl, Gesträuch (` Präfix 3.1); Gelegentlich kommen Zusammensetzungen mit
deverbale Bildungen, die Einzelhandlungen zu einem -material vor: Bildmaterial, Unterrichtsmaterial,
Gesamtvorgang zusammenfassen: Gebrumm, Ge- Schreibmaterial.
räusch, Gekicher, Gezänk, Gewühl, Gezwitscher; mitun-
ter mit Suffix -e, das die Lästigkeit eines wiederholten Komma
Vorgangs betont: Gepfeife, Gefluche, Geplärre, Getute, Das K. ist das meistgebrauchte Satzzeichen unserer 1
Gerenne; ` Interpunktion innerhalb des Satzes. Es hat die Auf-
4 mit dem Suffix (-er)ei (teilweise ` pejorativ): gabe, dem Leser den inneren Aufbau des Satzes deut-
denominale Bildungen: Fischerei, Anpöbelei, Poussie- lich zu machen und dadurch ein flieûendes Lesen zu er-
rerei. leichtern.
5 Der Bestand an Kollektiva wird auf verschiedene Aufzählung von gleichrangigen Wörtern und Wort- 2
Weise erweitert; man kann eine innere Möglichkeit gruppen
Komma

2.1 Gleichrangige Wörter und Wortgruppen, die unver- heit angesehen, so kann ein zusätzliches K. eingefügt
bunden aneinander gereiht sind, werden durch K. von- werden:
einander getrennt: Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich noch einmal
Beruf, Freizeit, Spaû, Entspannung. Sie trug einen meldet geschweige(,) dass er ernstlich vorhat, für das Pro-
schwarzen, eng anliegenden Rock. jekt zu arbeiten.
Kein Komma steht zwischen nicht gleichrangigen Handelt es sich um formelhafte Gliedsätze, so kann das 4.2
Adjektiven: K. entfallen.
die allgemeine politische Lage, die neue rote Tasche, ein Wie telefonisch vereinbart(,) übersenden wir Ihnen heute
trockener italienischer Rotwein. das neue Produkt.
Das Komma entfällt ferner am Ende einer Aufzählung, Das K. trennt Gliedsätze gleichen Grades. Das K. ent- 4.3
wenn der Satz noch weitergeht: fällt im Normalfall bei den Konjunktionen und, oder
Es war ein fröhliches, beschwingtes, ausgelassenes, wirk- und beziehungsweise, auûer der Schreibende möchte
lich gelungenes Fest. durch das Setzen eines K.s die Gliederung des Satzes
2.2 Sind gleichrangige Wörter oder Wortgruppen durch in besonderer Weise deutlich machen:
und, oder, sowohl . . . als (auch), weder . . . noch usw. ver- Wenn du mir hilfst, wenn du wirklich nicht kneifst, dann
bunden, so entfällt das K: werde ich dir das nicht vergessen. Wir glaubten alle, dass
Der Gärtner hatte die Blumen und das Gemüse versorgt. er ein grundehrlicher Mensch sei und dass man ihm be-
Ich mag weder ¾pfel noch Birnen. dingungslos vertrauen könne.
2.3 Werden gleichrangige Wörter oder Wortgruppen Das Komma trennt Gliedsätze verschiedenen Grades: 4.4
durch entgegenstellende Konjunktionen wie aber, Sie war zu intelligent, als dass sie sich einem Mann an
doch, jedoch, sondern voneinander getrennt, dann setzt den Hals geworfen hätte, der ihr nicht das Wasser reichen
man ein K.: konnte.
hart, aber herzlich. Ich werde nicht nur meine Freunde, Bei Infinitiv-, Partizip- und Adjektivgruppen steht es 5
sondern all meine Bekannten einladen. Sie mag keine im Ermessen des Schreibenden, ob er durch ein
Himbeeren, sondern nur frische Erdbeeren. Komma, ggf. auch durch ein paariges Komma, die
2.4 Kein Komma hingegen steht vor vergleichenden Kon- Struktur des Satzes für den Leser verdeutlichen möchte
junktionen: oder nicht.
Es war interessanter als erwartet. Das ist doch klar wie Die nach der alten Regelung noch relevante Unter-
Kloûbrühe! Ich arbeite mehr denn je. scheidung zwischen reinen und erweiterten Infinitiven,
2.5 Das K. trennt ein vorangestelltes, hervorgehobenes welche auch Auswirkungen auf die Kommasetzung
Satzglied, das durch ein Pronomen oder Adverb wieder hatte, gibt es nun nicht mehr.
aufgenommen wird, von diesem ab: Sie hatten sich alle daruf gefreut(,) nun mit vereinten
Deinen Bruder, den konnte der Mathelehrer noch nie lei- Kräften die Sache zum Erfolg zu führen. Durch die
den. Hier unten im Saale, da sind wir allein. (Goethe) gute Nachricht angespornt(,) fasste sie wieder Mut. Er
3 Hauptsätze verlieû(,) wütend schreiend und polternd(,) das Büro sei-
3.1 Hauptsätze, die nicht durch eine anreihende Konjunk- nes Chefs.
tion wie und usw. miteinander verbunden sind, werden Ein Komma ist jedoch in keinem Fall sinnvoll, wenn
durch Komma voneinander getrennt. Dasselbe gilt für der Infinitiv in einen übergeordneten Satz verschränkt
entgegenstellende Konjunktionen: ist oder der Hauptsatz dadurch vom erweiterten Infini-
Sie hatte nicht zu viel versprochen, das Projekt wurde ein tiv eingeschlossen wird, dass ein zum Infinitiv gehöri-
voller Erfolg. Er machte mehrere Anläufe, aber der ges Glied am Satzanfang steht. Ferner ist das Setzen
Sprung wollte ihm nicht gelingen. des Kommas nicht sinnvoll, wenn der erweiterte Infini-
3.2 Im Gegensatz zur alten Regelung, nach der bei einer tiv auf Hilfsverben oder die Verben brauchen, pflegen
Reihung von vollständigen mit und usw. verbundenen oder scheinen folgt.
Hauptsätzen ein Komma gesetzt werden musste, sofern Ich hatte diese Reise zu unternehmen schon lange im
sie kein Satzglied gemeinsam hatten, kann jetzt durch- Sinn. Die Schulden beantrage ich ohne Erhebung von
gängig vor und das K. entfallen: Gebühren zu erlassen. Du scheinst heute eine ziemlich
Wie oft soll ich dir das noch sagen und wann wirst du end- schlechte Laune zu haben.
lich zufrieden sein? Weist jedoch ein Wort wie das, es oder dies auf den In-
Geht es dem Schreibenden jedoch darum, die Struktur finitiv hin, so muss ein Komma gesetzt werden:
des Satzes in besonderer Weise zu verdeutlichen, so Den verdächtigen Mann in der Menge zu finden, das war
kann auch im Fall von anreihenden Konjunktionen gar nicht so einfach.
ein K. gesetzt werden: Zusätze und Nachträge 6
Montags kam er immer etwas zu spät(,) und niemand Zusätze und Nachträge, in Form von Parenthesen, 6.1
nahm ihm das übel. Entweder wir raffen uns jetzt auf(,) Substantivgruppen, mehrteiligen Orts-, Wohnungs-,
oder wir können die Sache vergessen. Zeit- und Literaturangaben, nachgestellten Erläute-
4 Gliedsätze rungen, angekündigten Wortgruppen usw., werden
4.1 Gliedsätze trennt man durch K. von Hauptsätzen ab. mit Komma abgetrennt. Im Falle von Einschüben wer-
Bei eingeschobenen Gliedsätzen schlieût man mit ei- den sie mit einem paarigen K. eingeschlossen.
nem paarigen Komma. Eines Abends, es war wohl im Sommer 1946, tauchte er
Obwohl wir uns eigentlich gar nicht darauf eingestellt plötzlich wieder auf. Ihren Vorschlag, um das noch ein-
hatten, fuhren wir dann doch noch den Umweg über mal zu betonen, finden wir äuûerst interessant. Meine
Köln. Seine Befürchtung, dass im Zweifelsfall niemand Tante, eine begnadete Köchin, hatte uns wieder einmal
hinter ihm stehen würde, hatte sich zum Glück dann mit einem köstlichen Essen verwöhnt. Hotel Lehmann,
doch nicht bestätigt. Nun weiû ich auch nicht mehr, an Dienstag, 18 Uhr. Kunst und Literatur, 18. Jg., 1998,
wen ich mich noch wenden soll. Heft 5, S.18. Sie interessierte sich für Pfanzen, besonders
Werden Wortgruppen wie geschweige(,) dass, abgese- aber für Blumen. Er, der Experte, weiû schieûlich ganz
hen davon (,) dass usw. vom Schreibenden nicht als Ein- genau, um wie viel Geld es dabei geht.
Komparation

Folgt im Falle von Substantivgruppen der Eigenname schattiger, -lich: stattlicher, -sam: sorgsamer, ferner bei
einem Titel, einer Berufsbezeichnung o. ¾., so ist das Partizipien: überraschender, begabter, und bei fremd-
Setzen von Kommas freigestellt: sprachlichen Adjektiven: genialer, interessanter, gran-
Der grandiose Autor berühmter Dramen(,) William dioser. Gelegentlich fällt im Komparativ von Adjekti-
Shakespeare(,) wird auch in hundert Jahren noch die ven auf -el, -en, -er das e aus: dunkler, trockner,
Menschen mit seinen Werken erfreuen. finstrer, besonders, wenn in deklinierten Formen
Bestandteile von mehrgliedrigen Namen oder vorange- noch eine Endung mit e folgt: trocknerem, finstreren.
stellte Titel werden nicht durch Komma abgetrennt: (Bei dunkel ist der Ausfall des e obligatorisch.)
Heinrich der Löwe, Professor Dr. Engelhardt. Der Komparativ geht im Allgemeinen vom Positiv des 2.2
Bei mehrteiligen Orts-, Wohnungs-, Zeit- und Litera- gleichen Wortes aus: älter ist also eine Steigerung ge-
turangaben kann das schlieûende K. entfallen: genüber alt.
Die Anhörung soll am Mittwoch, dem 7.November, in der Das trifft aber nicht immer zu: eine Charakterisierung
Schillerstraûe 8(,) stattfinden. als ältere Dame wird im Allgemeinen beim Hörer die
6.2 Häufig liegt es im Ermessen eines Schreibenden, ob er Vorstellung wecken, dass damit noch keine alte
etwas als Zusatz oder Nachtrag empfindet und dem- Dame gemeint ist. Die Stufenfolge würde also heiûen:
entsprechend ein K. setzen möchte oder nicht: jung ± älter ± alt, d. h., der Komparativ ist vom Gegen-
Die Ausgaben(,) einschlieûlich Essen und Getränke(,) pol des Positivs ausgegangen. Das kommt häufiger vor:
waren weitaus höher als erwartet. Nun hatte er(,) entge- ein Kranker sagt: es geht mir besser, womit er keines-
gen besserem Wissen(,) die Fahrt nach Düsseldorf doch wegs sagen will, dass es ihm schon gut geht, sondern
noch angetreten. nur, dass es ihm nicht mehr so schlecht geht wie vorher;
7 Besonders hervorgehobene Anreden, Ausrufe oder also: schlecht ± besser ± gut.
Stellungnahmen grenzt man durch Komma ab bzw. Zu vielen Adjektiven gibt es einen Gegenpol und damit
schlieût sie mit paarigem Komma ein. ein Gegenwort. Die Vergleichsform orientiert sich
Du, kannst du bitte die Musik leiser stellen? dann nicht selten an diesem Gegenpol. Von welchem
Den Dank, Dame, begehr ich nicht. (Schiller) Pol der Vergleich ausgeht, hängt in der Regel vom
Das, mein Lieber, hättest du nicht tun dürfen! Standpunkt des Sprechers ab.
Und mit stillgefaûten Zügen Jedenfalls ist die deutsche Bezeichnung Steigerungs-
spricht er: ¹Na, denn mit Vergnügen!!ª - stufe für Komparativ, die doch nur Sinn hat, wenn sie
¹Ei, potztausend! Also doch!!ª - zum Positiv desselben Wortes in Beziehung gesetzt
¹Ja, so ist die Jugend heute!ª (Wilhelm Busch) wird, unzureichend und besser durch Vergleichsstufe
Nein, das sollten Sie auf keinen Fall tun! zu ersetzen.
Auf jeden Fall, dies ist eine ernste Sache! Der Superlativ wird im Allgemeinen mit dem Suffix 3
8 Bei der ` direkten Rede werden grundsätzlich keine -(e)st gebildet; in gröûte, beste fällt das s aus; in höchste,
K.s weggelassen. Auch wenn die direkte Rede mit nächste ist das stammauslautende h (der hohe, der
einem Frage- oder Rufzeichen endet bzw. der überge- nahe) in ch gewandelt, weil es hier mit dem voranste-
ordnete Satz mit und weitergeführt wird, ist ein K. zu henden Vokal zur selben Silbe gehört (vgl. hoch, aber
setzen. nahe).
¹Lasst mich nicht im Stich!ª, rief er verzweifelt. Er fügte Er bezeichnet das letzte Glied einer nach Gröûen ge-
hinzu: ¹Ich hätte mehr von eurer Freundschaft erwartetª, ordneten Reihe. Im Unterschied zum Komparativ ist
und verlieû das Haus. hier eine Steigerung gegenüber dem Gegenpol ausge-
schlossen.
Komparation, Steigerung Auûer diesen Vergleichsstufen gibt es noch eine Steige- 4
Von lat. comparare (= vergleichen) abgeleitete Bezeich- rungsform, die einen sehr hohen Grad, aber keinen
nung einer grammatischen Kategorie des ` Adjektivs, Vergleich ausdrückt, den ` Elativ. Eine andere Mög-
` Adjektivadverbs und der Partizipien zum Ausdruck lichkeit, diesen hohen Grad zu bezeichnen, ist die Ver-
von Gradangaben. Bei der Bildung dieser so genannten stärkung der Grundstufe durch Wörter wie sehr, höchst,
Vergleichsformen unterscheidet man im Deutschen ungemein o. ¾.: die sehr schnelle Strömung ist auûeror-
drei Stufen: dentlich gefährlich.
1. die Grundstufe (Positiv), Bei einigen Adjektiven bzw. auch Adverbien werden 5
2. die Vergleichsstufe (Komparativ, auch 1. Steige- die Vergleichsformen von Suppletivstämmen gebildet,
rungs-, Höher- oder Mehrstufe genannt), das sind Stämme, die zusammen mit andersstämmigen
3. die Höchststufe (Superlativ, auch 2. Steigerungs- Grundwörtern eine formale Wortgruppe bilden: viel ±
stufe). mehr ± meiste; gut ± besser ± beste; wenig ± minder ±
1 Auch in der Grundstufe (Positiv) lässt sich ein Ver- mindeste (neben weniger ± wenigst ).
gleich mithilfe der Partikeln so und wie anstellen: Prädikativ gebrauchte Superlative (` Adjektiv 3.2) ha- 6
Fritz ist (nicht) so groû wie Hans. ben im Allgemeinen den bestimmten Artikel bei sich:
2 Der Komparativ wird durch Anhängen von -er gebil- es ist das Beste, wenn du . . .; Fritz ist der gröûte unter sei-
det: nen Mitschülern.
schön ± schöner, klein ± kleiner, neu ± neuer, bequem ± Bei adverbialem Gebrauch (` Adjektiv 3.3) wird der
bequemer. Superlativ mit am oder auf in Verbindung gebracht:
2.1 Dabei ist zu beachten: Bei Adjektiven mit dem Stamm- er läuft am schnellsten von allen; er hat seine Familie
vokal a, o, u tritt oft Umlaut ein: arm ± ärmer, groû ± aufs beste/Beste versorgt.
gröûer, klug ± klüger (jedoch: falscher, froher, bunter Diese Form wird nicht selten auch auf den prädikati-
u. a.; andere schwanken); kein Umlaut tritt ein bei ven Gebrauch übertragen: es ist am besten, wenn du
Adjektiven mit dem Diphthong au: faul ± fauler, mit . . .; er ist am glücklichsten, wenn er . . .
den Ausgängen -e, -el, -en, -er: lose ± loser, dunkel ± Von den meisten Adjektiven können Vergleichsformen 7
dunkler, offen ± offener, locker ± lockerer sowie mit gebildet werden. Es gibt jedoch häufig inhaltliche Be-
den Suffixen -bar: dankbarer, -haft: lebhafter, -ig: schränkungen: es macht z. B. in der Regel keinen
Kongruenz

Sinn, die Adjektive physikalisch, tatendurstig, geschicht- Der Form nach gehört der K. zu den ` Konjunktional- 2
lich usw. zu steigern. Adjektive wie nackt, schwanger sätzen.
oder bleiern können aus dem Grunde nicht gesteigert Die meistgebrauchte Konjunktion ist wenn: wenn du 2.1
werden, weil die entsprechende Eigenschaft entweder Fieber hast, solltest du ins Bett gehen. Wenn wird aber
vorhanden ist oder nicht. nicht nur als Einleitewort für Konditionalsätze ver-
8 Im Gegensatz zu den Adjektiven lassen sich nur von wendet, sondern auch für ` Temporalsätze: wenn es
wenigen Adverbien Vergleichsformen bilden: dunkel wird, schlieûe die Gartentür ab! Manchmal ist
oft ± öfter ± am öftesten; sehr ± mehr ± am meisten; gern schwer zu entscheiden, ob es sich um einen Konditio-
± lieber ± am liebsten. nal- oder Temporalsatz handelt: wenn der Regen auf-
hört (= falls oder dann, wenn . . .? ), setzen wir uns in
Komparativ, Vergleichsstufe, 1. Steigerungsstufe den Garten.
` Komparation In der Schriftsprache, vor allem im Bereich der Verwal- 2.2
tung und des Geschäftslebens, wird daher im K. häufig
Komparativsatz, Vergleichssatz falls, sofern gebraucht: falls (sofern) die eben genannten
Innerhalb der ` Gliedsätze eine Unterart der ` Mo- Voraussetzungen erfüllt sind, können sie damit rechnen,
dalsätze; er kennzeichnet die Art eines Hauptsatzge- dass . . .
schehens durch einen Vergleich. Auch präpositionale Wendungen: im Falle, dass; unter 2.3
Der Form nach gehören die Komparativsätze zu den der Voraussetzung, dass; sowie partizipiale Wendun-
Konjunktionalsätzen. gen: angenommen, dass; vorausgesetzt, dass; gesetzt
1 Die Konjunktion wie zieht einen allgemeinen, gleich- den Fall, dass können den K. einleiten. Schlieûen sich
artigen Vergleichsfall heran: benimm dich, wie es sich die dass-Sätze an die Substantive Fall, Voraussetzung
gehört. an, so handelt es sich dabei um ` Attributsätze (` At-
2 Bei verschiedenartiger Modalität im Haupt- und tribut 2.7): im Fall, dass ich krank bin, wird mich Herr
Gliedsatz, also besonders nach Komparativ im Haupt- Schulze vertreten.
satz, wird der Vergleichssatz mit als eingeleitet: er blieb Nach partizipialen Wendungen hat der Gliedsatz oft
länger weg, als er geplant hatte; die Wortstellung von Hauptsätzen: angenommen (vor-
3 wie wenn oder als wenn führen mit Indikativ einen be- ausgesetzt, gesetzt den Fall), du bist morgen nicht zu
stimmten, realen Einzelvorgang ein, mit dem das Hause, so . . .
Hauptsatzgeschehen verglichen wird: Der ` Modus im K. ist im Allgemeinen, wie obige Bei- 3
Und es wallet und siedet und brauset und zischt, spiele zeigen, der Indikativ, wenn die Bedingung wirk-
wie wenn Wasser mit Feuer sich mengt. (Schiller) lich (real) oder auch möglich ist. Will der Sprecher da-
4 als wenn, als ob führt mit Konjunktiv Präsens einen an- gegen zum Ausdruck bringen, dass die Bedingung
genommenen, möglichen Vergleichsfall ein: ich hatte nicht wirklich (irreal) ist, so wird der Konjunktiv des
den Eindruck, als wenn (als ob) er uns zustimme; mit Präteritums gesetzt: wenn das Wetter schön wäre, wür-
Konjunktiv des Präteritums oder Plusquamperfekts ei- den wir in den Garten gehen; wenn es meine finanzielle
nen irrealen, nicht zutreffenden Vergleichsfall: tut, als Lage zulieûe, würde ich nach Asien reisen. Auch das Ge-
wenn (als ob) ihr zu Hause wäret (auch: als wäret ihr zu schehen des Hauptsatzes wird dann als irreal darge-
Hause); der Vorfall aus dem letzten Jahr zeigt sich mir stellt und im Konjunktiv ausgedrückt.
noch so lebhaft in der Erinnerung, als wenn ich ihn ge-
stern erlebt hätte. Kongruenz
5 Eine besondere Form des Vergleichssatzes ist der Formale Übereinstimmung von mindestens zwei Kon- 1
Typus: wie er ist, angeschlossen an ein Adjektiv, wel- stituenten, ausgedrückt durch morphologische Mittel.
ches als vorangestelltes und damit betontes ` Prädika- Auf diese Weise werden Zusammengehörigkeitsver-
tiv das im Haupt- und Gliedsatz gleiche Subjekt cha- hältnisse innerhalb eines Satzes ausgedrückt.
rakterisiert: strebsam, wie er ist, wird Fritz sein Ziel Mit dem Begriff K. wird in erster Linie die formale
zweifellos erreichen (= als strebsamer Mensch wird ¹Übereinstimmungª von Subjekt und Prädikat in
Fritz sein Ziel erreichen). Der Sinn derartiger Kompa- ` Person, Numerus und ` Genus bezeichnet.
rativsätze ist kausal: da Fritz strebsam ist, wird er sein K. der Person: 2
Ziel erreichen. ich bin, gehe; ihr seid, geht u. a. 2.1
Im Allgemeinen richtet sich das Verb nach dem Sub- 2.2
Komplement jekt, weiterhin stimmt es, sofern vorhanden, mit dem
` Ergänzung Prädikatsnomen (` Prädikativ) überein: das bin ich ge-
wesen; das waren meine älteren Geschwister (von das
komplexer Satz wird ausgesagt, wer es war, nämlich ich bzw. meine äl-
Syntaktisches Gebilde, das aus mehreren Teilsätzen teren Geschwister).
besteht; zusammenfassende Bezeichnung für Satzreihe Gehören mehrere Subjekte verschiedenen Personen an 2.3
und ` Satzgefüge. An die Stelle von untergeordneten (ich, du, er usw.), so wird am besten vor dem Verb ein
Gliedsätzen (` Hypotaxe) können innerhalb k. Sätze zusammenfassendes Pronomen im Plural eingefügt;
auch Infinitive (` Infinitivsatz) oder satzwertige Parti- dabei hat die 1. Person den Vorrang vor der 2. und 3.,
zipien (` Partizipialsatz) treten. die 2. vor der 3.: du und ich, wir sollten uns wieder besser
vertragen; mein Freund und ich, wir wollen verreisen; du
Kompositum und dein Freund, ihr könntet uns in der neuen Wohnung
` Zusammensetzung besuchen.
Jedoch wird nicht selten dieses zusammenfassende 2.4
Konditionalsatz, Bedingungssatz Pronomen weggelassen;
1 Eine Art des ` Gliedsatzes, der eine Bedingung, einen dann hat bei Zusammenstellung von 1. und 2. Person
¹möglichen Grundª (` kausal) für das Geschehen des die 1. den Vorrang: ich und du (du und ich) sollten uns
Hauptsatzes nennt. wieder vertragen (sollten = 1. Plur.);
Konjugation

bei der Zusammenstellung von 2. und 3. Person richtet Tierbezeichnung als Akkusativobjekt (für Menschen
sich die Person des Verbs im Plural nach dem zuletzt müsste es heiûen: er schieût auf . . .). Die semantische
genannten Subjekt: du und dein Freund (du und deine K. wird jedoch bei metaphorischem (übertragenem)
Freunde, ihr und eure Freunde) sollten am Sonntag zu Gebrauch aufgehoben.
uns kommen; eure Freunde und ihr solltet am Sonntag
zu uns kommen. Konjugation
Sonderfall: wenn auf die 3. Person die 2. Sing. folgt, ist Beugung des ` Verbs
das zusammenfassende Pronomen ihr notwendig: dein Übersicht
Freund und du (deine Freunde und du), ihr solltet zu uns Allgemeines
kommen. Meist wird man in solchen Fällen ausweichen 1 Übersicht über die Formen
auf eine Formulierung wie: du solltest mit deinem 1.1 Finite Formen
Freund (deinen Freunden) zu uns kommen. ± Person
3 K. des Numerus: ± Modus
3.1 Mehrere Subjekte erfordern im Allgemeinen das Verb ± Tempus
im Plural: ± Genus verbi
Seht, da sitzen Plüsch und Plum 1.2 Infinite Formen
voll Verdruû und machen brumm! (Wilh. Busch) ± Infinitiv
3.2 Wird eine Pluralform nur als grammatische Form ge- ± Partizip
nannt oder als Einheit aufgefasst, so steht das Verb 2 Formenbildung
im Singular: 2.1 Starke K.
Bücher ist der Plural von Buch; 80 Jahre ist ein schönes ± Erste Gruppe
Alter. ± Zweite Gruppe
3.3 Wird eine Mehrzahl von Subjekten als Einheit oder ± Dritte Gruppe
Ganzheit empfunden, steht das Prädikat im Singular: 2.2 Schwache K.
mein Mitarbeiter und Freund (dieselbe Person!) hat 2.3 Unregelmäûige K.
mir mitgeteilt . . .; ¹Max und Moritzª ist eine lustige Ge- 2.4 Personalendungen
schichte; 2 und 2 gibt (ist) 4; Haus und Hof ging (neben: 2.5 Bildung des 2. Partizips
gingen) verloren. 2.6 Perfektbildung mit haben oder sein
3.4 Sind die Subjekte ` Abstrakta, steht oft der Singular: 3 Konjugationstabellen
Maû und Gewicht kommt eins vor Gericht; 3.1 Hilfsverben
Hoffen und Harren macht manchen zum Narren; ± sein
Lust und Liebe zu einem Ding ± haben
macht alle Müh und Arbeit gering. ± werden
(Sprichwörter) 3.2 Vollverben
3.5 Ist ein Substantiv im Plural mit einem Mengenbegriff Um seiner Funktion als zustands- oder vorgangsschil-
attributiv verknüpft, steht das Prädikat bei Betonung derndes Aussagewort zu genügen, nimmt das Verb ver-
des Mengenbegriffs im Singular: eine groûe Schar schiedene Formen an.
Freunde hatte ihm gratuliert; eine riesige Menge Men- Übersicht über die FORMEN: 1
schen war versammelt; eine stattliche Herde Rinder Finite Formen: 1.1
wurde vorbeigetrieben; in diesem Fall sind die Substan- Das Verb richtet sich auf den Träger der Handlung, des
tive Attribute zur Mengenbezeichnung. Ist das Umge- Zustands oder Vorgangs, die Person (die durchaus
kehrte der Fall, liegt der Ton auf dem Substantiv, ist auch eine Sache sein kann) und ihre Zahl (den Nume-
also die Mengenbezeichnung Attribut, steht das Prädi- rus).
kat im Plural: eine Schar Freunde waren gekommen, Man unterscheidet:
eine Menge Menschen waren versammelt, eine Herde 1. Person: ich/wir (den Sprecher oder eine Gruppe, der
Rinder wurden vorbeigetrieben, ein Schwarm Bienen sich der Sprecher zurechnet),
sammelten viel Honig. 2. Person: du/ihr (den oder die Angesprochenen),
3.6 Bei dem grammatischen ` Subjekt es richtet sich das 3. Person: er, sie, es/sie (den oder das Besprochene in
Prädikat nach dem logischen Subjekt: es waren viele Ein- oder Mehrzahl).
Menschen eingeladen. Das Verb kennzeichnet die Auffassung des Sprechers
4 K. des Genus: über die Wirklichkeit (Realität oder Realisierung) der
Nach Möglichkeit wird auch K. hinsichtlich des Genus ausgesagten Handlung (des Zustands oder Vorgangs)
erstrebt: durch eine bestimmte Art (den Modus) der Aussage.
Frau Schulze ist Studienrätin; dies ist jedoch nicht bei Man unterscheidet:
allen Wörtern durchführbar: Ute ist Lehrling (` Suffix 1. die Wirklichkeitsform = den Indikativ,
5.1). 2. die Möglichkeitsform = den Konjunktiv,
5 Der Begriff K. bezeichnet weiterhin die syntaktische 3. die Befehlsform = den Imperativ.
Übereinstimmung der nominalen Wortgruppen hin- Das Verb gibt die Zeit (das Tempus) an, in der die
sichtlich des Genus, Kasus und Numerus (` Deklina- Handlung, der Zustand, der Vorgang vom Sprecher
tion): ein alter Mann, eine alte Frau, ein kleines Kind; bei dargestellt wird.
schönem Wetter, wegen schlechten Wetters; reinen Her- Man unterscheidet:
zens sein; dieser junge Mann, manche jungen Männer. 1. die Gegenwart = das Präsens,
6 Im Unterschied zur formalen K. wird mit dem Begriff 2. die Vergangenheit = das Präteritum,
semantische K. (auch semantische Verträglichkeit 3. die Vollendung = das Perfekt,
oder Kompatibilität) die inhaltliche Übereinstimmung 4. die Vorvergangenheit = das Plusquamperfekt,
beispielsweise von Subjekt und Prädikat (bzw. Prädi- 5. die Zukunft = das Futur I,
kat und Objekt) bezeichnet. So erfordert das Prädikat 6. die (selten vorkommende) Vorzukunft = das Futur
bellen das Subjekt Hund, das Prädikat schieûen eine II, vollendete Zukunft.
Konjugation

Eine weitere grammatische Kategorie des Verbs gibt kalklänge; z. B. oÅ; = Langvokal, oÆ = Kurzvokal). Nach
dem Sprecher die Möglichkeit, einen Vorgang oder der Art der Abtönung sind drei Verbgruppen zu unter-
eine Handlung aus verschiedener Perspektive darzu- scheiden:
stellen: zum einen aus der Sicht des Handelnden und 1. Die drei Grundformen haben verschiedene Stamm-
zum anderen aus der Sicht des Betroffenen. Daher un- vokale (7 Abtönungen);
terscheidet man zwei Handlungs- oder Vorgangs- 2. die 1. und 3. Grundform (Infinitiv und 2. Partizip)
arten (das Genus Verbi): haben gleiche Stammvokale, das Präteritum einen
1. Die ¹Tatformª = das Aktiv, abweichenden (8 Abtönungen);
2. die ¹Leideformª = das Passiv. 3. die 2. und 3. Grundform (Präteritum und 2. Partizip)
Nach diesen Möglichkeiten kann jede Form gebildet haben gleiche Stammvokale, während der Infinitiv
und bestimmt werden, z. B. abweicht (11 Abtönungen).
1. Sing. Ind. Präs. Akt. = 1. Person Singular Indikativ Im Folgenden werden 173 starke Verben nach diesen
Präsens Aktiv: ich sehe; Gruppen (1:48, 2:37, 3:88 Verben) aufgeführt, inner-
2. Plur. Konj. Plqpf. Pass. = 2. Person Plural Konjunk- halb der Gruppen sind sie alphabetisch nach Abtönun-
tiv Plusquamperfekt Passiv: ihr wäret gesehen wor- gen und Abstufungen geordnet; dazu werden noch
den. ausgewählte Beispiele für den Ablaut und andere Er-
Diese Formen, deren Geltungsbereich nach Person scheinungen bei etymologisch zugehörigen Wörtern
und Numerus genau begrenzt ist, heiûen finite (lat. fi- vorgestellt.
nis, ¹Grenze, Einschränkungª) Formen (auch: Perso- Zu beachten ist noch Folgendes:
nalformen). (1) Mit dieser Ziffer sind die Verben mit dem Stammvo-
1.2 Infinite Formen: kal a, o, au im Infinitiv gekennzeichnet, bei denen mit
Dazu kommen nun zwei Formen, die nicht nach Person der 2. und 3. Sing. Ind. Präs. Akt. Umlaut zu ä, ö, äu
und Numerus begrenzt sind und die deshalb als infinite eintritt: du fällst, er fällt; Ausnahmen innerhalb dieser
Formen bezeichnet werden. Gruppe bilden die Verben: schaffen, kommen, hauen,
Der Infinitiv (Nennform, Grundform), der einfach den saugen, schnauben.
Verbalbegriff nennt; von ihm gibt es im Einzelnen vier (2) Mit dieser Ziffer sind die Verben mit dem Stammvo-
Formen, die den Vorgang in seiner Unabgeschlossen- kal e (ä,ö) im Infinitiv gekennzeichnet, die in der 2. und
heit bzw. in seiner Vollendung im Aktiv oder Passiv 3. Sing. Ind. Präs. Akt. und 2. Sing. Imp. ein i (ie) haben
ausdrücken, z. B.: (e/i-Wechsel): du nimmst, er stiehlt, sie sieht, es ver-
1. Inf. Präs. Akt.: sehen, gehen (Endung -en, in einzel- dirbt; Ausnahmen innerhalb dieser Gruppe bilden die
nen Fällen -n: wechseln, wandern); Verben: bewegen, gären, stecken, weben, gehen, stehen
2. Inf. Perf. Akt.: gesehen haben, gegangen sein; u. a.
3. Inf. Präs. Pass.: gesehen werden; (3) Hinter der Form des Präteritums ist in ( ) die 1. Sing.
4. Inf. Perf. Pass.: gesehen worden sein. des Konjunktivs aufgeführt, wenn sie mit Umlaut ge-
Das Partizip (Mehrzahl: Partizipien); es gibt zwei bildet wird.
Formen:
1. Gruppe
1. das 1. Partizip oder Partizip des Präsens; Endung
-end, -nd: sehend, wandernd; die drei Grundformen haben verschiedene Stammvo-
2. das 2. Partizip oder Partizip des Perfekts; Endung kale:
-en bzw. -(e)t: gesehen; gerechnet, gewandert. 1. Abtönung: äÅ aÅ o: 1 Verb
2 FORMENBILDUNG: gebären (2) ± gebar (gebäre) ± geboren; (2 nur noch in
Die Formen des Verbs sind entweder einfach (Präsens gehobener Sprache; meist: gebärst, gebärt; gebäre!)
und Präteritum des Aktivs) oder sie werden aus dem In- [Geburt, -bar, Bahre, Gebärde]
finitiv Präs. Akt. oder dem 2. Partizip und Formen der 2. Abtönung: e a o
Hilfszeitwörter haben, sein und werden zusammenge- 1. Abstufung: oÅ eÅ aÅ oÅ: 3 Verben.
setzt. befehlen (2) ± befahl (beföhle, selten: befähle) ± befoh-
Die Formenfülle lässt sich im Allgemeinen zurückfüh- len
ren auf drei Grundformen: ferner: empfehlen (2), stehlen (2) [Diebstahl]
1. den Infinitiv Präsens Aktiv: a) sprechen, b) zeigen; 2. Abstufung: oÅ eÅ aÅ oÏ: 1 Verb
2. die 1. Sing. Ind. Prät. Aktiv: sprach, zeigte; nehmen (2) ± nahm (nähme) ± genommen [Nach-
3. das 2. Partizip: gesprochen, gezeigt. nahme, vornehm, Vernunft]
Es zeigt sich, dass die Formen des Beispiels a mit einem 3. Abstufung: eÆ aÅ oÆ: 5 Verben
Wechsel des Stammvokals (` Ablaut) und im 2. Parti- brechen (2) ± brach (bräche) ± gebrochen [Flachsbre-
zip mit der Endung -en gebildet sind, während bei de- che, Brache, Brocken, Bruch]
nen des Beispiels b im Präteritum und im 2. Partizip ferner: erschrecken (intr.) (2), sprechen (2), stechen (2),
ein Dentalsuffix -te bzw. -t an den unveränderten treffen (2)
Stamm tritt. Entsprechend unterscheidet man zwei 4. Abstufung: eÆ aÆ oÆ: 9 Verben
Arten der K., die starke (a) und die schwache (b); bergen (2) ± barg (bärge) ± geborgen [borgen, Bürge]
dazu kommt noch eine gröûere Anzahl unregelmäûiger ferner: bersten (2), gelten (2), helfen (2), schelten (2),
Verben. sterben (2), verderben (2), werben (2), werfen (2)
2.1 Starke K.: 3. Abtönung: eÅ Ïõ aÆ: 1 Verb
Die Grundformen der starken K. werden mit ` Ablaut gehen ± ging ± gegangen (unregelmäûiges Verb)
gebildet. (` Tabelle der Konjugationen S. 23ff.) Dieser 4. Abtönung: eÅ uÏ oÆ: 1 Verb
vollzieht sich an den Grundformen im heutigen werden (2) ± wurde (im Singular ursprünglich und
Deutsch in 26 qualitativ verschiedenen Abtönungen heute noch in feierlicher und dichterischer Sprache:
(Veränderungen des Vokals an sich). Diese Abtönun- ward; ansonsten im Singular: an den Plural angegli-
gen sind z. T. noch unterteilt in insgesamt 41 quantita- chen) (würde) ± (ge)worden (` 2.5) (Imperativ:
tiv verschiedene Abstufungen (Veränderung der Vo- werde!)
Konjugation

5. Abtönung: i a e 6. Abtönung: uÅ ie uÅ: 1 Verb


1. Abstufung: ie aÅ eÅ: 1 Verb rufen ± rief ± gerufen [Ruf; Ruhm; Gerücht, anrüchig,
liegen ± lag (läge) ± gelegen [Kausativum (` Aktions- berüchtigt, ruchbar]
art): legen; Lager] 7. Abtönung: au ie au: 2 Verben
2. Abstufung: Ïõ aÅ eÅ: 1 Verb hauen ± hieb ± gehauen (neben hieb kommt heute auch
bitten ± bat (bäte) ± gebeten [beten; Iterativ (` Ak- haute vor) [Verhau, Hieb; Heu]
tionsart): betteln] ferner: laufen (1)
3. Abstufung: Ïõ aÅ eÆ: 1 Verb 8. Abtönung: ei ie ei: 1 Verb
sitzen ± saû (säûe) ± gesessen (mit Konsonantenwech- heiûen ± hieû ± geheiûen [Geheiû]
sel) [Sessel, Freisasse, Gesäû; Kausativum: setzen, 3. Gruppe:
Satz; Sattel]
6. Abtönung: Ïõ aÆ oÆ: 6 Verben 2. und 3. Grundform haben gleichen Stammvokal:
beginnen ± begann (begönne, selten: begänne) ± begon- 1. Abtönung: aÆ oÆ oÆ: 1 Verb
nen erschallen ± erscholl (erschölle) ± erschollen (z. T. be-
ferner: gewinnen, rinnen, schwimmen, sinnen, spinnen gegnen heute schwache Formen, die vor allem
7. Abtönung: Ïõ aÆ uÆ: 18 Verben beim einfachen Verb schallen geläufiger sind)
binden ± band (bände) ± gebunden [Band, anbändeln, [Schall, Schelle; schelten]
Gebinde, Bund, Bündel] 2. Abtönung: äÅ oÅ oÅ: 2 Verben
ferner: dingen, dringen, finden, gelingen, klingen, rin- gären ± gor (gäre) ± gegoren (heute auch schwach:
gen, schlingen, schwinden, schwingen, singen, sin- gärte, hat gegärt)
ken, springen, stinken, trinken, winden, wringen, ferner: wägen
zwingen 3. Abtönung: eÅ aÆ aÆ: 1 Verb
stehen ± stand (stünde, jünger: stände) ± gestanden (äl-
2. Gruppe:
teres Prät. stund allmählich verdrängt; unregelmäûi-
1. und 3. Grundform haben gleichen Stammvokal: ges Verb) [Stand, Statt, Stätte, Stadt, stetig, Gestade;
1. Abtönung: a i a Stuhl, Stunde]
1. Abstufung: aÅ ie aÅ: 4 Verben 4. Abtönung: e o o:
blasen (1) ± blies ± geblasen [Blase, Blust; blähen] 1. Abstufung: eÅ oÅ oÅ: 5 Verben
ferner: braten (1), raten (1), schlafen (1) bewegen ± bewog (bewöge) ± bewogen (= veranlassen;
2. Abstufung: aÆ ie aÆ: 5 Verben in der Bedeutung ¹die Lage, einen Zustand verän-
fallen (1) ± fiel ± gefallen [Fall, Falle; Kausativum: fäl- dernª schwach)
len] ferner: heben, pflegen, scheren, weben
ferner: halten (1), lassen (1), salzen (salzte), spalten 2. Abstufung: eÆ oÆ oÆ: 7 Verben
(spaltete) dreschen (2) ± drosch (veraltet: drasch; drösche, veral-
3. Abstufung: aÆ Ïõ aÆ: 2 Verben tet: dräsche) ± gedroschen [Drusch]
fangen (1) ± fing ± gefangen ferner: fechten (2), flechten (2), melken (2), quellen (in-
ferner: hängen (1) transitiv) (2), schmelzen (intransitiv) (2), schwellen
2. Abtönung: a u a (intransitiv) (2)
1. Abstufung: aÅ uÅ aÅ: 6 Verben 5. Abtönung: i o o
fahren (1) ± fuhr (führe) ± gefahren [Fahrt, Fährte, 1. Abstufung: ie oÅ oÅ: 11 Verben
Ferge, fertig, Furt, führen, Fuhre] biegen ± bog (böge) ± gebogen [Kausativum: beugen;
ferner: graben (1), laden (1), schlagen (1), tragen (1), Bogen, Bucht, bücken]
mahlen (mahlte) ferner: bieten, erkiesen, fliegen, fliehen, frieren, schie-
2. Abstufung: aÆ uÅ aÆ: 4 Verben ben, stieben, verlieren, wiegen, ziehen
backen (1) ± buk (büke) ± gebacken (Prät. jetzt meist 2. Abstufung: ie oÆ oÆ: 11 Verben
schwach) [Zwieback, Gebäck] flieûen ± floss (flösse) ± geflossen [Fleet; Floû, flöûen,
schaffen ± schuf (schüfe) ± geschaffen (= hervorbrin- Flosse, flott, Flotte, Fluss, Flut]
gen; in der Bedeutung ¹arbeitenª schwach) [Schaff- ferner: genieûen, gieûen, kriechen, riechen, schieûen,
ner, Geschäft; schaben, schöpfen, Schöffe] schlieûen, sieden, sprieûen, triefen, verdrieûen
wachsen (1) ± wuchs (wüchse) ± gewachsen [Gewächs, 3. Abstufung: Ïõ oÆ oÆ: 2 Verben
Wuchs] glimmen ± glomm (glömme) ± geglommen (heute wird
waschen (1) ± wusch (wüsche) ± gewaschen [Wäsche] überwiegend die schwache Beugung verwendet)
3. Abtönung: e a e [Glimmer]
1. Abstufung: eÅ aÅ eÅ: 6 Verben ferner: klimmen
geben (2) ± gab (gäbe) ± gegeben (2. u. 3. Sing. Ind. Präs. 6. Abtönung: Ïõ uÆ uÆ: 1 Verb
und Imp.: gibst, gibt; gib) [Gabe, Gift; aus-, er-, schinden ± schund (schünde) ± geschunden (Prät. heute
nachgiebig, aber freigebig] meist schwach: schindete) [Schund]
ferner: genesen, geschehen (2), lesen (2), sehen (2), tre- 7. Abtönung: ö o o
ten (2) 1. Abstufung: öÅ oÅ oÅ: 1 Verb
2. Abstufung: eÆ aÅ eÆ: 4 Verben schwören ± schwor (jüngere Form; daneben erhält sich
essen (2) ± aû (äûe) ± gegessen [Aas; Kausativum: at- die ältere Form schwur; Konj. schwüre, da schwöre
zen; ätzen; fressen] dem Ind. Präs. gleichlautend ist) ± geschworen
ferner: fressen (2), messen (2), vergessen (2) [Schwur]
4. Abtönung: oÆ aÅ oÆ: 1 Verb 2. Abstufung: öÅ oÆ oÆ: 1 Verb
kommen ± kam (käme) ± gekommen [Abkömmling] erlöschen (intr.) (2) ± erlosch (erlösche) ± erloschen
5. Abtönung: oÅ ie oÅ: 1 Verb 8. Abtönung: uÅ aÅ aÅ: 1 Verb
stoûen (1) ± stieû ± gestoûen [Stoû, Stöûe]; stottern; tun ± tat (täte) ± getan (unregelmäûig) [Tat; Suffix:
stutzen -tum]
Konjugation

9. Abtönung: üÅ oÅ oÅ: 2 Verben: fiel, jedoch erhalten blieb (sog. ¹Rückumlautª). Bei
lügen ± log (löge) ± gelogen [Lug, leugnen] senden und wenden kommen (heute zunehmend ge-
ferner: trügen bräuchlich) auch die Formen sendete ± gesendet
10. Abtönung: au o o (` 2.2), wendete ± gewendet vor. Die Formen des
1. Abstufung: au oÅ oÅ: 2 Verben Konj. Prät. werden vermieden.
saugen ± sog (söge) ± gesogen (heute häufig schwach: 2) denken ± dachte ± gedacht
saugte, gesaugt; Umlaut 2. u. 3. Sing. Ind. Präs. un- bringen ± brachte ± gebracht
terbleibt zur Vermeidung einer Verwechslung mit dünken ± deuchte ± gedeucht
säugen) [Sog; siech (?)] Bei diesen Verben geht der Stamm auf g oder k aus; vor
ferner: schnauben t wurde daraus mit Nasalausfall ch (vgl. mögen ±
2. Abstufung: au oÆ oÆ: 1 Verb mochte). Hinsichtlich des Vokalwechsels e/a liegen
saufen (1) ± soff (söffe) ± gesoffen [Suppe; seufzen] bei denken und bringen dieselben Verhältnisse vor wie
11. Abtönung: ei i i bei der 1. Gruppe, d. h. der Stammvokal war ursprüng-
1. Abstufung: ei ie ie: 16 Verben lich a. Deuchte ist eine regelrecht umgelautete Kon-
bleiben ± blieb ± geblieben [Leib, leben] junktivform zu einem verloren gegangenen dauchte,
ferner: gedeihen, leihen, meiden, preisen, reiben, die auf den Indikativ übertragen wurde und von der
scheiden, scheinen, schreiben, schreien, schweigen, auch das Partizip abgeleitet wurde. (Diese Formen
speien, steigen, treiben, weisen, zeihen werden heute nicht mehr verwendet.)
2. Abstufung. ei Ïõ Ïõ: 23 Verben Gebräuchlich sind heute nur die Formen dünkte, ge-
sich befleiûen ± befliss ± beflissen (heute üblicher: sich dünkt.
befleiûigen: schwach) [Fleiû, geflissentlich] 3. a) wissen ± wusste ± gewusst
ferner: beiûen, bleichen (intr.), gleichen, gleiten, grei- 3. b) die Modalverben
fen, kneifen, kreischen, leiden, pfeifen, reiûen, rei- dürfen ± durfte ± gedurft
ten, scheiûen, schleichen, schleifen, schleiûen, können ± konnte ± gekonnt
schmeiûen, schneiden, schreiten, spleiûen, strei- mögen ± mochte ± gemocht
chen, streiten, weichen müssen ± musste ± gemusst
Unter den hier genannten Formen der starken K. sind sollen ± sollte ± gesollt
manche, die zwar korrekt sind, aber ungewohnt klin- wollen ± wollte ± gewollt.
gen, ja leicht etwas lächerlich wirken (z. B. genäse, Bei der 1. Sing. Ind. Präs. dieser Wörter: ich weiû, darf,
göre, flöhe) und die man besser vermeidet. kann, mag, muss, soll und will, fällt auf, dass das En-
2.2 Schwache K.: dungs-e fehlt; endungslos ist sonst das starke Präteri-
Bei den schwachen Verben bleibt der Stammvokal in tum.
allen Grundformen der gleiche; die 2. und die 3. In der Tat sind diese Formen (auûer will, s. u.) ur-
Grundform werden mit Dentalsuffixen gebildet: im sprünglich Präteritalformen gewesen, die später als
Präteritum wird der Präsensstamm erweitert durch Präsens gebraucht wurden; daher bezeichnet man
Hinzutritt von -(e)t-, daran schlieûen sich die Personal- diese Gruppe als ` Präteritopräsentia. Zu ihnen wur-
endungen an; den dann neue schwache Formen des Präteritums
im 2. Partizip wird der Präsensstamm erweitert durch und des 2. Partizips gebildet.
Hinzutritt von -(e)t und Vorantritt von ge-, soweit die ich will, du willst, er will waren ursprünglich Konjunktiv
Voraussetzungen gegeben sind (` 2.5); also: zeigen, Präsens, übernahmen dann die Aufgabe des Indika-
zeig-t-e, ge-zeig-t; tivs; im Übrigen verläuft die Formbildung wie bei
atmen, atm-et-e, ge-atm-et. den Präteritopräsentia.
Heute gehören die meisten Verben zur schwachen haben ± hatte ± gehabt.
K.; vor allem neu entstehende Verben werden Im Präteritum ist der Stammvokal verkürzt und der
schwach konjugiert: filmen ± filmte ± gefilmt; aber auch stammauslautende Labial b weggefallen.
z. B. im neuzeitlichen Gebrauch beim Rundfunk und sein ± war ± gewesen.
Fernsehen wird nur senden ± sendete ± gesendet ge- Verschiedene Stämme:
braucht. das Präteritum ist von demselben Stamm wie das 2.
2.3 Unregelmäûige K.: Partizip gebildet mit grammatischem Wechsel s/r: we-
Die unregelmäûigen Verben sind gröûtenteils schwa- sen/war(en).
che Verben, bei denen sich im Präteritum und im 2. Par- Personalendungen: 2.4
tizip auûer den Dentalsuffixen noch andere Kennzei- Präsens Präteritum
chen finden. Einige Verben, bei denen derartige Ind. Konj.Imp. Ind. Konj.
Kennzeichen neben dem Ablaut auftreten, wurden be- st. schw. st. schw.
reits bei den starken Verben aufgeführt: gehen, stehen, Sing. 1. -e -e ± -e -e -e
tun. 2. -(e)st -est -e -(e)st -est -(e)st -est
Die schwachen unregelmäûigen Verben lassen sich in 3. -(e)t -e ± -e -e -e
mehrere Gruppen zusammenfassen: Plur. 1. -en -en -en -en -en -en
1. a) brennen ± brannte ± gebrannt 2. -(e)t -et -(e)t -(e)t -et -(e)t -et
kennen ± kannte ± gekannt 3. -en -en -en -en -en -en
nennen ± nannte ± genannt Bemerkungen:
rennen ± rannte ± gerannt Zu den Endungen des Ind. Präs.: 2. u. 3. Sing. und 2.
1. b) senden ± sandte ± gesandt Plur.: Das in Klammern gesetzte (e) (Murmelvokal [/]
wenden ± wandte ± gewandt ` Vokal 2.1) erscheint bei Verben mit dentalem
Diese Gruppe, bei der heute auf den präsentischen Stammauslaut (du redest, findest; er reitet, rettet; ihr
Stammvokal e ein nn oder nd folgt, hatte ursprünglich achtet, heftet) und bei Verben, deren Stämme auf zwei
a als Stammvokal, der im Präsens umgelautet wurde, Konsonanten enden (Verschluss- oder Reibelaut und
im Präteritum, wo ein umlautbewirkendes i früh aus- Nasal): du atmest, du rettest, er widmet, ihr rechnet.
Konjugation

Geht der Stamm auf einen Zischlaut (dentalen Reibe- ist, setzen ge- und stellen es zwischen die Bestandteile:
laut oder dentale Affrikata; ` Konsonanten, Tabelle) freimachen, freigemacht; haushalten, hausgehalten;
aus (s, û, tz, z; aber nicht sch), so fällt in der 2. Sing. Ind. stattfinden, stattgefunden.
Präs. heute auch das -(e)s- gewöhnlich weg: du reist (rei- 5. Anfangsbetonte Verben, die von zusammengesetzten
sest), beiût (beiûest), schwitzt (schwitzest), heizt (hei- Substantiven abgeleitet sind, setzen das ge- an die
zest), aber du wächst (*du wächsest nicht möglich); in Spitze.
der 2. Sing. Ind. Prät. wird es mitunter noch verwendet: wehklagen (ich wehklage), gewehklagt;
du bliesest, saûest, rissest, wuchsest, schmolzest, aber du handhaben (ich handhabe), gehandhabt;
wuschst. brandmarken (ich brandmarke), gebrandmarkt;
Die Endungen des starken Indikativs Präteritum gelten mutmaûen (ich mutmaûe), gemutmaût;
auch für das Präsens der ` Präteritopräsentia. lustwandeln (ich lustwandle), gelustwandelt
In der 2. Sing. u. Plur. des starken Konj. Prät. kann das e (` Getrennt- und Zusammenschreibung, Substantiv +
fehlen, wenn die Form trotzdem deutlich und gut Verb).
sprechbar bleibt: du sprächst, aber du fändest; ihr 6. Das 2. Partizip geworden (von werden) verliert in den
sprängt, aber ihr trätet. Formen des passiven Perfekts, zu deren Bildung es ge-
Das Endungs-e des Imperativs im Sing. wird in der braucht wird, die Vorsilbe:
Umgangssprache oft ausgelassen; in der Schriftspra- du bist gesehen worden.
che sollte das nur aus rhythmischen Gründen (auch 7. Ersatz-Infinitiv:
Versmaû) zulässig sein. Bei den im Verzeichnis der star- Eine Anzahl Verben setzen, wenn sie mit einem Infini-
ken Verben (` 2.1) mit (2) gekennzeichneten Verben tiv Präs. Akt. verbunden sind, zum Ausdruck des Per-
mit e/i-Wechsel fällt das e weg: lies, tritt, iss; Aus- fekts anstelle des 2. Partizips den Inf. Präs. Akt. unmit-
nahme: siehe bei Verweisungen (neben regelrechtem telbar hinter den abhängigen Infinitiv. Es handelt sich
sieh). dabei um
Im Plur. stimmt der Imperativ mit dem Ind. Präs. der 2. a) die ` Modalverben dürfen, können, mögen, müssen,
Person überein. sollen, wollen;
2.5 Bildung des 2. Partizips: das hätte nicht geschehen dürfen; ich habe ihm nicht hel-
Das 2. Partizip hat im Allgemeinen die Vorsilbe ge- und fen können; du hättest dich darum kümmern müssen; es
beim starken Verb die Endung -en; hat nicht sein sollen; ich hatte dich am Sonntag treffen
beim schwachen Verb die Endung -(e)t. wollen;
Die Vorsilbe ge- steht im Allgemeinen, wenn der Infini- b) einige Verben, die auûer dem Infinitiv auch noch ein
tiv auf der 1. Silbe betont ist; im Einzelnen gibt es Son- nominales Objekt haben, das der Träger der infinitivi-
derfälle. schen Handlung, also logisches Subjekt des abhängi-
1. Diese Vorsilbe steht bei allen einfachen Verben, die gen Infinitivs ist.
den Ton auf der 1. Silbe tragen: fallen, gefallen; spre- Dazu gehören Verben, die eine sinnliche Wahrneh-
chen, gesprochen; sagen, gesagt; hören, gehört; singen, mung ausdrücken: sehen, hören;
gesungen. ich habe dich schon von weitem kommen sehen; hast du
Bei anders betonten Verben fehlt das ge-: ihn nicht um Hilfe rufen hören?
2. Verben mit den unbetonten Präfixen ge-, be-, er-, Ferner das Verb lassen:
ver-, ent- (emp-), zer-, miss- bilden das Part. ohne die der Lehrer hat den Schüler am Montag zu sich kommen
Vorsilbe ge-: lassen.
gerinnen, geronnen; bewundern, bewundert; erledigen, Der Kreis der Verben war früher noch gröûer; manche
erledigt; vergessen, vergessen; entspringen, entsprungen; Wendungen sind veraltet, andere nur in gehobener
empfangen, empfangen; zerreiûen, zerrissen; misshan- Sprache üblich:
deln, misshandelt (jedoch missgestaltet, missgestimmt, Ihr habt mich weidlich schwitzen machen (Goethe);
weil hier das Präfix betont ist). der Herr hat den Diener eintreten heiûen.
3. Verben, die mit Partikeln oder Adjektiven zusam- Bei anderen hat sich mehr und mehr das 2. Partizip
mengesetzt sind, die in den finiten Formen des Präs. durchgesetzt: ich habe ihn kennen gelernt; auch sagt
und Prät. getrennt werden (` Partikelverb, trennbarer man oft: ich habe ihn rufen gehört; er hat seine Brille lie-
Verbteil), werden mit der Vorsilbe ge- gebildet, wenn gen gelassen. Den gleichen Ersatz-Infinitiv bildet das
sie auf dem 1. Bestandteil betont sind; dabei wird das Verb brauchen, das allerdings den abhängigen Infinitiv
ge- zwischen die Bestandteile gestellt: mit zu fordert: das hättest du nicht wirklich zu tun brau-
abfallen (falle ab), abgefallen; zunehmen (nehme zu), zu- chen.
genommen; herauskommen (komme heraus), herausge- Perfektbildung mit ¹habenª oder ¹seinª: 2.6
kommen; zusammenstoûen (stoûe zusammen), zusam- Die meisten der deutschen Verben bilden das Perfekt
mengestoûen. mit haben.
Manche dieser Partikeln (über-, unter-, hinter-, durch-, Dazu gehören:
um-, wi[e]der-) und das Adjektiv voll- bilden sowohl fes- a) alle transitiven Verben: ich habe einen Brief geschrie-
te als auch unfeste Zusammensetzungen, je nachdem, ben;
ob der Verbalstamm oder der erste Bestandteil betont b) alle reflexiven Verben, gleich ob sie transitiv oder in-
wird; im 1. Fall fehlt das ge-, bei Anfangsbetonung transitiv sind: er hat sich in den Finger geschnitten; er
steht ge-: hat sich gefürchtet;
über !setzen (ich über !setze), über !setzt; aber: !übersetzen c) die intransitiven Verben, die eine Handlung in ihrem
(ich setze über den Fluss), !übergesetzt; voll !enden (voll !- Verlauf (ihrer Dauer) schildern (durative Verben,
ende), voll !endet; aber: !volllaufen (das Fass läuft voll), ` Aktionsart); ihr habt gebummelt; es hat den ganzen
!vollgelaufen. Tag geregnet.
4. Auch Verben, die aus ursprünglich syntaktischen Das Perfekt mit sein bilden diejenigen der deutschen
Wendungen entstanden sind und heute zusammenge- Verben, die einen einzelnen Augenblick einer Hand-
schrieben werden, in denen der 1. Bestandteil betont lung herausgreifen, somit einen vollzogenen Übergang
Konjugation

aus einem Zustand in einen anderen oder eine Ortsver-


änderung ausdrücken: Futur I
ich bin aufgewacht; er ist erkrankt; sie ist sanft errötet; Sing. 1.ich werde sein werde sein
sein Glas ist zersprungen; das Eis ist geschmolzen; er 2.du wirst sein werdest sein
ist ertrunken; wir sind nach Hamburg gefahren; er ist 3.er/sie/es wird sein werde sein
in die Schule gegangen. Plur. 1.wir werden sein werden sein
Bei einigen Verben der Bewegung kommen daher beide 2.ihr werdet sein werdet sein
Perfektbildungen vor. Will der Sprecher nur die Tätig- 3.sie werden sein werden sein
keit angeben in ihrer Dauer oder ihrem Verlauf, so bil-
det er das Perfekt mit haben: Rainer hat gerudert, Rüdi- Futur II
ger gesteuert. Dabei wird das Verb oft transitiv Sing. 1.ich werde gewesen sein werde gewesen sein
verwendet: Rainer hat das Boot gerudert. 2.du wirst gewesen sein werdest gewesen sein
Will der Sprecher aber die Ortsveränderung zum Aus- 3.er/sie/es wird gewesen werde gewesen
druck bringen, und das ist stets der Fall, wenn er Orts- sein sein
angaben (Ausgangspunkt oder Ziel) hinzufügt, so bil- Plur. 1.wir werden gewesen werden gewesen
det er das Perfekt mit sein: Rainer ist zur Insel Norder- sein sein
ney gerudert. 2.ihr werdet gewesen sein werdet gewesen sein
Entsprechend: bei der Unglücksfahrt hatte Herr Schulze 3.sie werden gewesen werden gewesen
(das Auto) gefahren; er war gegen einen Baum gefahren. sein sein
Die Neigung geht mehr und mehr dahin, bei Verben
der Bewegung das Perfekt mit ¹seinª zu bilden, weil Imperativ Infinitiv Partizip
in der Regel die Vorstellung von der Ortsveränderung Sing. sei! Präs. sein 1. Präs. seiend
die von der Dauer überwiegt; daher oft: er ist den gan- Plur. seid! Perf. gewesen sein 2. Perf. gewesen
zen Tag geschwommen.
Ferner bilden ¹seinª und ¹bleibenª das Perfekt mit
haben:
¹seinª: ich bin bei dir gewesen; du bist bei mir geblieben;
süddt. auch ¹liegenª, ¹sitzenª, ¹stehenª.
Präsens
3 Konjugationstabellen Indikativ Konjunktiv
Sing. 1.ich habe habe
3.1 HILFSVERBEN 2.du hast habest
3.er/sie/es hat habe
Plur. 1.wir haben haben
sein:
2.ihr habt habet
3.sie haben haben
Präsens
Indikativ Konjunktiv Präteritum
Sing. 1.ich bin sei Sing. 1.ich hatte hätte
2.du bist sei(e)st 2.du hattest hättest
3.er/sie/es ist sei 3.er/sie/es hatte hätte
Plur. 1.wir sind seien Plur. 1.wir hatten hätten
2.ihr seid seiet 2.ihr hattet hättet
3.sie sind seien 3.sie hatten hätten

Präteritum Perfekt
Sing. 1.ich war wäre Sing. 1.ich habe gehabt habe gehabt
2.du warst wär(e)st 2.du hast gehabt habest gehabt
3.er/sie/es war wäre 3.er/sie/es hat gehabt habe gehabt
Plur. 1.wir waren wären Plur. 1.wir haben gehabt haben gehabt
2.ihr wart wär(e)t 2.ihr habt gehabt habet gehabt
3.sie waren wären 3.sie haben gehabt haben gehabt

Perfekt Plusquamperfekt
Sing. 1.ich bin gewesen sei gewesen Sing. 1.ich hatte gehabt hätte gehabt
2.du bist gewesen sei(e)st gewesen 2.du hattest gehabt hättest gehabt
3.er/sie/es ist gewesen sei gewesen 3.er/sie/es hatte gehabt hätte gehabt
Plur. 1.wir sind gewesen seien gewesen Plur. 1.wir hatten gehabt hätten gehabt
2.ihr seid gewesen seiet gewesen 2.ihr hattet gehabt hättet gehabt
3.sie sind gewesen seien gewesen 3.sie hatten gehabt hätten gehabt

Plusquamperfekt Futur I
Sing. 1.ich war gewesen wäre gewesen Sing. 1.ich werde haben werde haben
2.du warst gewesen wär(e)st gewesen 2.du wirst haben werdest haben
3.er/sie/es war gewesen wäre gewesen 3.er/sie/es wird haben werde haben
Plur. 1.wir waren gewesen wären gewesen Plur. 1.wir werden haben werden haben
2.ihr wart gewesen wär(e)t gewesen 2.ihr werdet haben werdet haben
3.sie waren gewesen wären gewesen 3.sie werden haben werden haben
Konjugation

Futur II Futur II
Sing. 1.ich werde gehabt werde gehabt Sing. 1.ich werde geworden werde geworden
haben haben sein sein
2.du wirst gehabt werdest gehabt 2.du wirst geworden werdest geworden
haben haben sein sein
3.er/sie/es wird gehabt werde gehabt 3.er/sie/es wird werde geworden
haben haben geworden sein sein
Plur. 1.wir werden gehabt werden gehabt Plur. 1.wir werden geworden werden geworden
haben haben sein sein
2.ihr werdet gehabt werdet gehabt 2.ihr werdet geworden werdet geworden
haben haben sein sein
3.sie werden gehabt werden gehabt 3.sie werden geworden werden geworden
haben haben sein sein

Imperativ Infinitiv Partizip Imperativ Infinitiv Partizip


Sing. habe! Präs. haben 1. Präs. habend Sing. werde! Präs. werden 1. Präs. werdend
Plur. habt! Perf. gehabt 2. Perf. gehabt Plur. werdet! Perf. geworden 2. Perf. geworden
haben sein (als Hilfszeitwort:
worden)
werden:

Präsens VOLLVERBEN 3.2


Indikativ Konjunktiv
Sing. 1.ich werde werde Es werden drei Beispiele vorgestellt:
2.du wirst werdest
3.er/sie/es wird werde a) ein starkes Verb, das das Perfekt mit haben bildet:
Plur. 1.wir werden werden sehen;
2.ihr werdet werdet
3.sie werden werden b) ein schwaches Verb, das das Perfekt mit haben bil-
det: loben;
Präteritum
Sing. 1.ich wurde würde c) ein Verb, das das Perfekt mit sein bildet: bleiben; bei
2.du wurdest würdest diesen Verben gibt es kein Passiv.
3.er/sie/es wurde würde
Plur. 1.wir wurden würden Aktiv
2.ihr wurdet würdet
3.sie wurden würden Präsens
Indikativ Konjunktiv
Perfekt a) Sing. 1. ich sehe sehe
Sing. 1.ich bin geworden sei geworden 2. du siehst sehest
2.du bist geworden sei(e)st geworden 3. er/sie/es sieht sehe
3.er/sie/es ist geworden sei geworden Plur. 1. wir sehen sehen
Plur. 1.wir sind geworden seien geworden 2. ihr seht sehet
2.ihr seid geworden seiet geworden 3. sie sehen sehen
3.sie sind geworden seien geworden
b) Sing. 1. ich lobe lobe
Plusquamperfekt 2. du lobst lobest
Sing. 1.ich war geworden wäre geworden 3. er/sie/es lobt lobe
2.du warst geworden wär(e)st geworden Plur. 1. wir loben loben
3.er/sie/es war wäre geworden 2. ihr lobt lobet
geworden 3. sie loben loben
Plur. 1.wir waren wären geworden
geworden c) Sing. 1. ich bleibe leibe
2.ihr wart wär(e)t geworden 2. du bleibst bleibest
geworden 3. er/sie/es bleibt bleibe
3.sie waren wären geworden Plur. 1. wir bleiben bleiben
geworden 2. ihr bleibt bleibet
3. sie bleiben bleiben
Futur I
Sing. 1.ich werde werden werde werden Präteritum
2.du wirst werden werdest werden a) Sing. 1. ich sah sähe
3.er/sie/es wird werde werden 2. du sahst sähest
werden 3. er/sie/es sah sähe
Plur. 1.wir werden werden werden werden Plur. 1. wir sahen sähen
2.ihr werdet werden werdet werden 2. ihr saht sähet
3.sie werden werden werden werden 3. sie sahen sähen
Konjugation

b) Sing. 1. ich lobte lobte Futur I


2. du lobtest lobtest
3. er/sie/es lobte lobte a) Sing. 1. ich werde sehen werde sehen
Plur. 1. wir lobten lobten 2. du wirst sehen werdest sehen
2. ihr lobtet lobtet 3. er/sie/es wird werde sehen
3. sie lobten lobten sehen
Plur. 1. wir werden sehen werden sehen
c) Sing. 1. ich blieb bliebe 2. ihr werdet sehen werdet sehen
2. du bliebst bliebest 3. sie werden sehen werden sehen
3. er/sie/es blieb bliebe
Plur. 1. wir blieben blieben b) Sing. 1. ich werde loben werde loben
2. ihr bliebt bliebet 2. du wirst loben werdest loben
3. sie blieben blieben 3. er/sie/es wird werde loben
loben
Perfekt Plur. 1. wir werden loben werden loben
2. ihr werdet loben werdet loben
a) Sing. 1. ich habe gesehen habe gesehen
3. sie werden loben werden loben
2. du hast gesehen habest gesehen
3. er/sie/es hat habe gesehen
c) Sing. 1. ich werde bleiben werde bleiben
gesehen
2. du wirst bleiben werdest bleiben
Plur. 1. wir haben gesehen haben gesehen
3. er/sie/es wird werde bleiben
2. ihr habt gesehen habet gesehen
bleiben
3. sie haben gesehen haben gesehen
Plur. 1. wir werden bleiben werden bleiben
2. ihr werdet bleiben werdet bleiben
b) Sing. 1. ich habe gelobt habe gelobt
3. sie werden bleiben werden bleiben
2. du hast gelobt habest gelobt
3. er/sie/es hat gelobt habe gelobt
Futur II
Plur. 1. wir haben gelobt haben gelobt
2. ihr habt gelobt habet gelobt
3. sie haben gelobt haben gelobt a) Sing. 1. ich werde gesehen werde gesehen
haben haben
c) Sing. 1. ich bin geblieben sei geblieben 2. du wirst gesehen werdest gesehen
2. du bist geblieben sei(e)st geblieben haben haben
3. er/sie/es ist sei geblieben 3. er/sie/es wird werde gesehen
geblieben gesehen haben haben
Plur. 1. wir sind geblieben seien geblieben Plur. 1. wir werden gesehen werden gesehen
2. ihr seid geblieben seiet geblieben haben haben
3. sie sind geblieben seien geblieben 2. ihr werdet gesehen werdet gesehen
haben haben
Plusquamperfekt 3. sie werden gesehen werden gesehen
haben haben
a) Sing. 1. ich hatte gesehen hätte gesehen
2. du hattest gesehen hättest gesehen b) Sing. 1. ich werde gelobt werde gelobt
3. er/sie/es hatte hätte gesehen haben haben
gesehen 2. du wirst gelobt werdest gelobt
Plur. 1. wir hatten gesehen hätten gesehen haben haben
2. ihr hattet gesehen hättet gesehen 3. er/sie/es wird gelobt werde gelobt
3. sie hatten gesehen hätten gesehen haben haben
Plur. 1. wir werden gelobt werden gelobt
b) Sing. 1. ich hatte gelobt hätte gelobt haben haben
2. du hattest gelobt hättest gelobt 2. ihr werdet gelobt werdet gelobt
3. er/sie/es hatte hätte gelobt haben haben
gelobt 3. sie werden gelobt werden gelobt
Plur. 1. wir hatten gelobt hätten gelobt haben haben
2. ihr hattet gelobt hättet gelobt
3. sie hatten gelobt hätten gelobt c) Sing. 1. ich werde geblieben werde geblieben
sein sein
c) Sing. 1. ich war geblieben wäre geblieben 2. du wirst geblieben werdest geblieben
2. du warst geblieben wär(e)st sein sein
geblieben 3. er/sie/es wird werde geblieben
3. er/sie/es war wäre geblieben geblieben sein sein
geblieben Plur. 1. wir werden werden geblieben
Plur. 1. wir waren wären geblieben geblieben sein sein
geblieben 2. ihr werdet werdet geblieben
2. ihr wart geblieben wär(e)t geblieben geblieben sein sein
3. sie waren wären geblieben 3. sie werden werden geblieben
geblieben geblieben sein sein
Konjugation

mit würde umschriebene Form des Konj. Fut. I Akt.


Präteritum
a) b) c) a) Sing. 1. ich wurde gesehen würde gesehen
Sing. 1. ich würde sehen, loben, bleiben 2. du wurdest gesehen würdest gesehen
2. du würdest sehen, loben, bleiben 3. er/sie/es wurde würde gesehen
3. er/sie/es würde sehen, loben, bleiben gesehen
Plur. 1. wir würden sehen, loben, bleiben Plur. 1. wir wurden gesehen würden gesehen
2. ihr würdet sehen, loben, bleiben 2. ihr wurdet gesehen würdet gesehen
3. sie würden sehen, loben, bleiben 3. sie wurden gesehen würden gesehen
b) Sing. 1. ich wurde gelobt würde gelobt
2. du wurdest gelobt würdest gelobt
mit würde umschriebene Form des Konj. Fut. II 3. er/sie/es wurde gelobt würde gelobt
Plur. 1. wir wurden gelobt würden gelobt
a) b) 2. ihr wurdet gelobt würdet gelobt
Sing. 1. ich würde gelobt haben 3. sie wurden gelobt würden gelobt
gesehen,
2. du würdest gelobt haben Perfekt
gesehen, a) Sing. 1. ich bin gesehen sei gesehen
3. er/sie/es würden gelobt haben worden worden
gesehen, 2. du bist gesehen sei(e)st gesehen
Plur. 1. wir würden gelobt haben worden worden
gesehen, 3. er/sie/es ist gesehen sei gesehen
2. ihr würdet gelobt haben worden worden
gesehen, Plur. 1. wir sind gesehen seien gesehen
3. sie würden gelobt haben worden worden
gesehen, 2. ihr seid gesehen seiet gesehen
c) worden worden
Sing. 1. ich würde geblieben sein 3. sie sind gesehen seien gesehen
2. du würdest geblieben sein worden worden
3. er/sie/es würde geblieben sein b) Sing. 1. ich bin gelobt sei gelobt
Plur. 1. wir würden geblieben sein worden worden
2. ihr würdet geblieben sein 2. du bist gelobt sei(e)st gelobt
3. sie würden geblieben sein worden worden
3. er/sie/es ist gelobt sei gelobt
worden worden
Imperativ Plur. 1. wir sind gelobt seien gelobt
Sing. sieh(e)! lob(e)! bleib(e)! worden worden
Plur. seht! lobt! bleibt! 2. ihr seid gelobt seiet gelobt
worden worden
Infinitv 3. sie sind gelobt seien gelobt
Präs. sehen loben bleiben worden worden
Perf. gesehen gelobt geblieben sein
haben haben
Partizip Plusquamperfekt
1. Präs. sehend lobend bleibend a) Sing. 1. ich war gesehen wäre gesehen
2. Perf. gesehen gelobt geblieben worden worden
2. du warst gesehen wär(e)st gesehen
worden worden
Passiv (Vorgangspassiv) 3. er/sie/es war gesehen wäre gesehen
worden worden
Präsens Plur. 1. wir waren gesehen wären gesehen
Indikativ Konjunktiv worden worden
a) Sing. 1. ich werde gesehen werde gesehen 2. ihr wart gesehen wär(e)t gesehen
2. du wirst gesehen werdest gesehen worden worden
3. er/sie/es wird werde gesehen 3. sie waren gesehen wären gesehen
gesehen worden worden
Plur. 1. wir werden gesehen werden gesehen b) Sing. 1. ich war gelobt wäre gelobt
2. ihr werdet werdet gesehen worden worden
gesehen 2. du warst gelobt wär(e)st gelobt
3. sie werden werden gesehen worden worden
gesehen 3. er/sie/es war gelobt wäre gelobt
b) Sing. 1. ich werde gelobt werde gelobt worden worden
2. du wirst gelobt werdest gelobt Plur. 1. wir waren gelobt wären gelobt
3. er/sie/es wird werde gelobt worden worden
gelobt 2. ihr wart gelobt wär(e)t gelobt
Plur. 1. wir werden gelobt werden gelobt worden worden
2. ihr werdet gelobt werdet gelobt 3. sie waren gelobt wären gelobt
3. sie werden gelobt werden gelobt worden worden
Konjugation

Futur I Imperativ a) b)
a) Sing. 1. ich werde gesehen werde gesehen Sing. werde (sei) werde (sei)
werden werden gesehen! gelobt!
2. du wirst gesehen werdest gesehen Plur. werdet (seid) werdet (seid)
werden werden gesehen! gelobt!
3. er/sie/es wird werde gesehen Infinitiv a) b)
gesehen werden werden Präs. gesehen werden gelobt werden
Plur. 1. wir werden gesehen werden gesehen Perf. gesehen worden gelobt worden
werden werden sein sein
2. ihr werdet gesehen werdet gesehen
werden werden Zustandspassiv
3. sie werden gesehen werden gesehen
werden werden Präsens Indikativ Konjunktiv
b) Sing. 1. ich werde gelobt werde gelobt Sing. 1. ich bin sei überrascht
werden werden überrascht
2. du wirst gelobt werdest gelobt 2. du bist sei(e)st überrascht
werden werden überrascht
3. er/sie/es wird gelobt werde gelobt 3. er/sie/es ist sei überrascht
werden werden überrascht
Plur. 1. wir werden gelobt werden gelobt Plur. 1. wir sind seien überrascht
werden werden überrascht
2. ihr werdet gelobt werdet gelobt 2. ihr seid seiet überrascht
werden werden überrascht
3. sie werden gelobt werden gelobt 3. sie sind seien überrascht
werden werden überrascht

Futur II Präteritum
Ind. Sing. 1. ich war überrascht wäre überrascht
Sing. 1. ich werde gesehen, gelobt worden sein 2. du warst wärest überrascht
2. du wirst gesehen, gelobt worden sein überrascht
3. er/sie/es wird gesehen, gelobt worden 3. er/sie/es war wäre überrascht
sein überrascht
Plur. 1. wir werden gesehen, gelobt worden sein Plur. 1. wir waren wären überrascht
2. ihr werdet gesehen, gelobt worden sein überrascht
3. sie werden gesehen, gelobt worden sein 2. ihr wart wär(e)t überrascht
Konj. überrascht
Sing. 1. ich werde gesehen, gelobt worden sein 3. sie waren wären überrascht
2. du werdest gesehen, gelobt worden überrascht
sein
3. er/sie/es werde gesehen, gelobt worden Perfekt
sein Sing. 1. ich bin überrascht sei überrascht
Plur. 1. wir werden gesehen, gelobt worden gewesen gewesen
sein 2. du bist überrascht sei(e)st überrascht
2. ihr werdet gesehen, gelobt worden sein gewesen gewesen
3. sie werden gesehen, gelobt worden 3. er/sie/es ist über- sei überrascht
sein rascht gewesen gewesen
Plur. 1. wir sind überrascht seien überrascht
mit würde umschriebene Form des Konj. Fut. I Pass. gewesen gewesen
2. ihr seid überrascht seiet überrascht
a) b) gewesen gewesen
Sing. 1. ich würde gesehen, gelobt werden 3. sie sind überrascht seien überrascht
2. du würdest gesehen, gelobt werden gewesen gewesen
3. er/sie/es würde gesehen, gelobt werden
Plur. 1. wir würden gesehen, gelobt werden Plusquamperfekt
2. ihr würdet gesehen, gelobt werden Sing. 1. ich war überrascht wäre überrascht
3. sie würden gesehen, gelobt werden gewesen gewesen
2. du warst über- wär(e)st überrascht
mit würde umschriebene Form des Konj. Fut. II Pass. rascht gewesen gewesen
3. er/sie/es war über- wäre überrascht
Sing. 1. ich würde gesehen, gelobt worden sein rascht gewesen gewesen
2. du würdest gesehen, gelobt worden sein Plur. 1. wir waren über- wären überrascht
3. er/sie/es würde gesehen, gelobt worden rascht gewesen gewesen
sein 2. ihr wart über- wär(e)t überrascht
Plur. 1. wir würden gesehen, gelobt worden sein rascht gewesen gewesen
2. ihr würdet gesehen, gelobt worden sein 3. sie waren über- wären überrascht
3. sie würden gesehen, gelobt worden sein rascht gewesen gewesen
Konjunktion

Man unterscheidet zwei Arten von K.en:


Futur I 1. koordinierende K.en, die Wörter (Wortgruppen)
Sing. 1. ich werde über- werde überrascht oder Sätze ¹neben- oder beiordnenª;
rascht sein sein 2. subordinierende K.en, die Gliedsätze einem anderen
2. du wirst über- werdest überrascht Satz oder Satzglied ¹unterordnenª.
rascht sein sein Innerhalb dieser Gruppen kann man Untergruppen
3. er/sie/es wird über- werde überrascht nach ihren Funktionen unterscheiden, die sich z. T. in
rascht sein sein beiden Gruppen aufzeigen lassen.
Plur. 1. wir werden über- werden überrascht Bei den koordinierenden K.en werden fünf Arten un- 1
rascht sein sein terschieden:
2. ihr werdet über- werdet überrascht kopulative (anreihende) K.en verbinden Wörter, Wort- 1.1
rascht sein sein gruppen und Sätze aller Art; hierher gehören vor allem
3. sie werden über- werden überrascht und, auch, (so)wie.
rascht sein sein Auûerdem gibt es K.spaare, die solche Verbindungen
nachdrücklicher herstellen; sowohl ± als auch (wie),
Futur II nicht nur ± sondern auch, weder ± noch.
Sing. 1. ich werde über- werde überrascht Durch und zwar bzw. nämlich wird eine erläuternde
rascht gewesen sein gewesen sein Bestimmung angereiht, während (und) auch mehr
2. du wirst über- werdest überrascht eine Art Nachtrag anfügt, ja (sogar), negativ geschweige
rascht gewesen sein gewesen sein (denn) ein steigerndes Satzglied hinzufügt. Dazu, zu-
3. er/sie/es wird über- werde überrascht dem, auûerdem, überdies reihen meist einen Satz an
rascht gewesen sein gewesen sein den vorigen an.
Plur. 1. wir werden über- werden überrascht disjunktive (ausschlieûende) K.en sind: oder, auch 1.2
rascht gewesen sein gewesen sein sonst, anderenfalls (` 1.5), entweder ± oder.
2. ihr werdet über- werdet überrascht adversative (entgegensetzende) K.en drücken einen 1.3
rascht gewesen sein gewesen sein Gegensatz zweier Gröûen oder Vorgänge aus: aber, je-
3. sie werden über- werden überrascht doch, dennoch, dagegen, indes(sen), vielmehr, nichts-
rascht gewesen sein gewesen sein destoweniger, nach negativem Satzteil: sondern.
modale K.en (im weiteren Sinn) bezeichnen Art und 1.4
mit würde umschriebene Formen des Konj. Fut. I Pass. Weise; sie lassen sich in folgende Gruppen unterglie-
dern:
Sing. 1. ich würde überrascht sein 1. vergleichend: dabei unterscheidet man:
2. du würdest überrascht sein a) Gleichsetzung von Gröûen: (so-) wie, bzw. von
3. er/sie/es würde überrascht sein Satzinhalten: ebenso: er ist so groû wie du; er kam
Plur. 1. wir würden überrascht sein mir vor wie ein alter Mann; der Abgeordnete Lehmann
2. ihr würdet überrascht sein kritisierte das Verhalten der Regierung, ebenso äu-
3. sie würden überrascht sein ûerte sich der Abgeordnete Meyer.
b) Gegenüberstellung ungleicher Gröûen: nach
mit würde umschriebene Form des Konj. Fut. II Pass. Komparativen und ¹andersª: als, denn (meist um
doppeltes als zu vermeiden): Fritz ist gröûer als
Sing. 1. ich würde überrascht gewesen sein Hans, denkt anders als du; X ist bekannter als Dichter
2. du würdest überrascht gewesen sein denn als Maler; formelhaft: mehr denn je.
3. er/sie/es würde überrascht gewesen sein 2. proportional: desto, umso: diese K.en zeigen in
Plur. 1. wir würden überrascht gewesen sein Verbindung mit einem ` Komparativ die mengen-
2. ihr würdet überrascht gewesen sein oder gradmäûig ausgedrückte Steigerung (Intensi-
3. sie würden überrascht gewesen sein vierung) oder Verminderung (Vernachlässigung) ei-
nes Geschehens gegenüber dem Geschehen des Vor-
Imperativ satzes an: du siehst nicht gut, umso (desto) besser
Sing. sei überrascht! musst du im Straûenverkehr aufpassen; du hast Un-
Plur. seid überrascht! recht, umso weniger hast du Grund, dich zu beklagen.
Infinitiv 3. restriktiv (einschränkend): insofern: du behauptest,
Präs. überrascht sein Fritz habe Unrecht; du hast insofern Recht, als er dies
Perf. überrascht gewesen sein und jenes nicht bedacht hat.
kausale K.en (im weiteren Sinn begründend, ` kau- 1.5
Mit diesen Tabellen ist eine Übersicht über die gram- sal 2):
matisch möglichen Formen gegeben worden. Damit 1. kausal (im engeren Sinn: die K.en geben einen
ist über die Sprachüblichkeit dieser Formen noch ¹wirklichenª Grund oder eine Erklärung zum Vor-
nichts gesagt. hergesagten an): denn, nämlich, ja, doch;
Manche Formen und Formengruppen werden von vie- 2. konditional (bedingend): sonst, andernfalls
len Sprechern überhaupt nicht angewendet (z. B. das (` 1.2); geh von der Straûe, sonst wirst du überfah-
Futur II, bes. im Passiv; der Imperativ des Passivs), an- ren; die K.en weisen darauf hin, dass das negierte
dere werden vielleicht schriftsprachlich, aber kaum in Vorsatzgeschehen ¹möglicherª Grund für das Ge-
der Umgangssprache gebraucht. schehen des folgenden Satzes sein kann (= wenn
du nicht . . . gehst, wirst du . . .);
Konjunktion, Bindewort 3. konzessiv (einräumend): trotzdem, dennoch, gleich-
Nicht flektierte, d. h. unveränderliche ` Wortart, de- wohl; die K.en weisen darauf hin, dass das Vorsatz-
ren syntaktische Funktion darin besteht, Wörter bzw. geschehen ¹nicht ausreichtª, um das Geschehen
Wortgruppen oder Sätze miteinander zu verbinden. des folgenden Satzes zu negieren bzw. unmöglich
Konnotation

zu machen, wie man es hätte erwarten können: es ungeklärt, ob das richtig gewesen ist (Subjekt); ich frage
regnete, trotzdem gingen wir spazieren; dich (sage mir), ob das richtig ist (Objekt).
4. konsekutiv (eine ¹Folgeª gegenüber dem ¹begrün-
detenª Vorsatzgeschehen bezeichnend): also, folg- Konjunktionalsatz
lich, mithin, demnach, daher, deshalb: es regnete, da- Durch eine subordinierende (unterordnende) ` Kon-
her blieben wir zu Hause; junktion eingeleiteter ` Gliedsatz. ` Temporalsatz,
5. final (einen ¹Zweckª, eine ¹Absichtª bezeichnend; Modalsatz, Komparativsatz, Kausalsatz, Konsekutiv-
der Vorsatz gibt den Grund an): dazu, darum: es tut satz, Instrumentalsatz, Konditionalsatz, Konsekutiv-
uns gut, einmal auszuspannen; dazu wollen wir eine satz, Finalsatz.
Reise unternehmen.
2 Bei den subordinierenden K.en unterscheidet man die Konjunktiv, Möglichkeitsform
folgenden Arten: Eine der drei als ` Modus bezeichneten Aussagearten
2.1 adversativ: während, seltener indessen, wohingegen: des Verbs.
während wir geradeaus gingen, bog er nach rechts ab; Der K. wird dann verwendet, wenn ein Geschehen oder
2.2 temporal zum Ausdruck einer ein Sein als nicht wirklich bzw. tatsächlich stattfindend
1. Gleichzeitigkeit: während, indessen, solange als, oder stattgefunden beschrieben werden soll. Neben der
als, wenn: er begann schon mit den Vorbereitungen, Unwirklichkeit eines Geschehens kann der Konjunktiv
als sie noch unterwegs war; eine Möglichkeit, einen Wunsch, eine Einschätzung
2. Vorzeitigkeit: als, nachdem, sobald (als), oder eine Aufforderung ausdrücken.
seit(dem): als ich alles erledigt hatte, konnte ich endlich Man unterscheidet zwei Arten des K.s:
ausspannen; Konjunktiv I: er wird auf der Grundlage der Formen 1
3. Nachzeitigkeit: bis, bevor, ehe. des Infinitivs gebildet (` Konjugation 3): werden:
Dabei drücken manche K.en einen Zeitpunkt (bis, (es) werde; sein (es) sei.
nachdem), andere eine Dauer (während, solange), In seiner eigentlichen Funktion als Möglichkeits- bzw.
noch andere eine Wiederholung (sooft, [jedes Mal] Wunschform findet der K.I nur selten Verwendung:
wenn) aus; Grundlage für die Verhandlungen seien die Ergebnisse
2.3 modal (i. w. S.): dazu gehören: der letzten Sitzung; er ruhe in Frieden!
1. modal (i. e. S.): indem; es wird ein Gliedsatz einge- Daneben taucht der K.I in anleitenden Texten (wie z. B.
leitet, der einen begleitenden Nebenumstand zum Kochrezepten oder Konstruktionsbeschreibungen)
Hauptsatzgeschehen angibt: indem er sich von seinem auf: man nehme drei Eier und 100 g Mehl . . .; man
Platz erhob, richtete er Worte der Begrüûung an die falte die Kanten nach innen . . .
Anwesenden; Der Hauptgebrauch des K.I bezieht sich jedoch auf die
2. instrumental: indem dass, dadurch dass leitet ei- ` indirekte Rede: Klaus erzählte, er habe mehrfach
nen ein Mittel bezeichnenden Gliedsatz ein: der Ver- versucht, bei der Störungsstelle anzurufen.
brecher konnte dadurch überführt werden, dass er Fin- Fallen die Formen des K.I mit dem ` Indikativ zusam-
gerabdrücke hinterlassen hatte. Zu diesen beiden men, so werden stattdessen die Formen des K.II ver-
Gebrauchsweisen gehört als Negativum ohne dass, wendet (` indirekte Rede).
das einen nicht vorhandenen Umstand, ein nicht Konjunktiv II: er wird auf der Grundlage der Formen 2
zur Verfügung stehendes oder in Anspruch genom- des Präteritums gebildet (` Konjugation 3): wurde:
menes Mittel kennzeichnet: er schaffte seine Auf- (es) würde; war: (es) wäre.
gabe, ohne dass er sich besondere Mühe gegeben hätte Neben seiner Funktion als Ersatzform für den K.I,
(bei gleichem Subjekt im Haupt- und Gliedsatz auch dient der K.II hauptsächlich dazu, Unwirkliches aus-
infinitivisch: ohne sich besondere Mühe gegeben zu zudrücken. Aus diesem Grunde wird er auch als Irrea-
haben); lis bezeichnet: hätte ich die Möglichkeit noch einmal
3. vergleichend: wie, wie wenn, als, als wenn, als ob von vorne anzufangen, dann würde ich vieles anders ma-
(` Komparativsatz); chen.
4. proportional: je (-desto, ± umso); je nachdem: je Manchmal lässt sich jedoch auch der K.II nicht vom 3
fleiûiger du bist, umso bessere Erfolge wirst du haben; Indikativ unterscheiden: er sagte. In solchen Fällen
5. restriktiv (einschränkend): inwiefern, (in)sofern, ist eine Umschreibung mit würde vorzunehmen: ich
(in)soweit, soviel: sofern ich kann, bin ich zur Hilfe fragte mich, ob er mir wirklich etwas erzählen würde.
gern bereit. ` Indikativ, Imperativ
2.4 kausal (i. w. S.):
1. kausal (i. e. S.): weil, da, zumal (da), umso mehr (als) Konkretum
(` Kausalsatz); Im Gegensatz zum ` Abstraktum ein Substantiv, das
2. konditional: wenn, falls, sofern (` Konditional- etwas Gegenständliches nennt: Haus, Brot, Papier. Je-
satz); doch kann auch ein Abstraktum konkrete Bedeutung
3. konzessiv: obgleich, obwohl, trotzdem, wenn auch, erhalten; so kann etwa Jugend entweder das Lebensal-
wenn schon, wiewohl (` Konzessivsatz); ter bezeichnen (Abstraktum) oder die Gesamtheit jun-
4. konsekutiv: (so) dass; eine nicht eingetretene ger Menschen (K.).
Folge kennzeichnet ohne dass (` Konsekutivsatz); `Substantiv 7
5. final: dass, damit, auf dass (` Finalsatz).
2.5 Die K.en dass und ob leiten auch ` Inhaltssätze ein, Konnotation
und zwar dass einen Gliedsatz, der ein (tatsächliches) Zusätzliche Bedeutungselemente eines Wortes oder
Geschehen oder Sein zum Inhalt hat: es ist gut, dass einer ¾uûerung, in dem gefühlsmäûige oder soziale
du gekommen bist (der Gliedsatz ist logisches Subjekt Wertungen zum Ausdruck kommen. So haben z. B.
des Hauptsatzes); ich höre, dass du gekommen bist (Ob- die Wortpaare Werktätiger ± Arbeitnehmer, sich be-
jekt); ob leitet einen Gliedsatz ein, der ein unsicheres, schweren ± meckern eine unterschiedliche K.
fragliches Geschehen oder Sein zum Inhalt hat: es ist Gegenbegriff: ` Denotation
Konsekutivsatz

Konsekutivsatz, Folgesatz [p] in Pilz [pilts]


1 Eine Art des ` Gliedsatzes, und zwar des ` Konjunk- [b] in blau [blau]
tionalsatzes, der eine Folge oder Wirkung des im [m] in mit [mit]
Hauptsatz ausgesagten Geschehens ausdrückt. 2. Untere Lippe und obere Schneidezähne: Durch An-
2 Das Einleitewort ist meist (so) dass: ich war müde, so legen der Lippe an diese Zähne wird der Atemstrom
dass mir die Augen zufielen; ich war so müde, dass mir eingeengt. Bezeichnung: Lippenzahnlaute, Labioden-
die Augen zufielen. Dabei wird im 1. Satz mit tonschwa- tale.
chem so nur die Tatsache und ihre Folge festgestellt, im [f] in Fahne [!fa:n/]
2. bei betontem so mehr der Grad der Ermüdung an ih- [v] in Wäsche [!v&(/]
rer Folge erläutert. Bilabiale und Labiodentale können zu den Labialen
3 Unter den koordinierenden ` Konjunktionen (1) wird zusammengefasst werden. In den Übergangsbereich
bei den konsekutiven auch deshalb angeführt. Es leitet zwischen beiden Gruppen und damit unter die Sam-
u. a. einen Hauptsatz ein, der eine Folge des Vorsatz- melbezeichnung fällt auch:
geschehens darstellt; entsprechend kann auch weshalb [pf] in Pflege [!pfle:g/].
an die Spitze eines Gliedsatzes treten: seine Krankheit 3. Die Zähne: Der vordere Rand der Zunge wird hinter
war nicht mehr zu heilen, weshalb er schlieûlich seine Tä- die obere Zahnreihe oder in ihre Nähe gebracht. Be-
tigkeit aufgeben musste. zeichnung: Zahnlaute, Dentale.
4 Eine mögliche Folge, die nicht eingetreten ist oder ein- [t] in Tag [ta:k]
treten soll, wird durch ohne dass eingeleitet: er stellte [d] in Draht [dra:t]
Überlegungen an, ohne dass er zu einem Entschluss kam [n] in Nebel [!ne:b/l]
(bei gleichem Subjekt im Haupt- und Gliedsatz meist [l] in leicht [laiçt]
infinitivisch: ohne zu einem Entschluss zu kommen). [s] in das [das]
5 Eine Folge, die nicht eintreten konnte oder kann, weil [z] in Saft [zaft]
ein überhöhter Grad eines Umstandes ± im Hauptsatz [(] in Schild [(ilt]
mit der Partikel zu angeführt ± dieses verhindert, wird [ts] in Zeit [tsait]
durch als dass eingeleitet: sein Vorschlag war zu weit ge- [t(] in Tscheche [!t(&ç/]
hend, als dass er ohne weiteres bei den Anwesenden Bei- [)] in Genie [)e!ni:]
fall fand. [d)] in Gin [d)in]
6 Die Irrealität einer Folge wird oft noch durch den Kon- 4. Der vordere Gaumen: Die Zunge wird in seine Nähe
junktiv ausgedrückt: Fritz gab sich viel Mühe, ohne dass gebracht. Bezeichnung: (Vorder-) Gaumenlaute, Pala-
er dabei besonderen Erfolg gehabt hätte; sein Vorschlag tale.
ging zu weit, als dass er ohne weiteres Beifall gefunden [ç] in wichtig [!viçtiç]
hätte; der Vorschlag geht zu weit, als dass sein Urheber [j] in jäten [!j&:t/n]
mit Zustimmung rechnen könnte. 5. Der hintere Gaumen, das Gaumensegel: Die Zunge
7 Anstelle eines K.es kann auch der Infinitiv mit um zu wird mehr oder weniger in Richtung des hinteren Gau-
stehen (Präpositionalinfinitiv; ` Finalsatz 2): mens gebracht. Bezeichnung: Hintergaumenlaute,
Doktor Überbein angehend, der gleichfalls an das Gym- Gaumensegellaute, Velare.
nasium zurückgekehrt war, so war er in seiner ungewöhn- [k] in Kiste [!kist/]
lichen Laufbahn noch nicht so weit vorgerückt, um in der [g] in Geld [g&lt]
obersten Klasse zu unterrichten (Thomas Mann, König- [,] in drängen [!dr&,/n]
liche Hoheit). Die Infinitivgruppe hat hier konsekuti- [x] in Krach [krax]
ven Sinn: so ..., dass er in der obersten Klasse unterrich- 6. Das Halszäpfchen: Es vibriert gegen die hintere
ten konnte. Zunge. Bezeichnung: (Hals-) Zäpfchenlaut, Uvular.
(gerollt/geschlagenes Zäpfchen ±) [r]
Konsonant, Mitlaut in Rasen [!ra:z/n]
Gegenbegriff: ` Vokal 7. Der Kehlkopf: Lautbildung durch Hauchen. Be-
1 K.en entstehen dadurch, dass die beim Sprechen ver- zeichnung: Kehlkopflaut, Laryngal.
wendete Atemluft zeitweise gehemmt oder eingeengt [h] in Hemd [h&mt]
wird. Die Unterschiede zwischen den einzelnen K.en Knacklaut, Glottisverschlusslaut: Sprachlaut, welcher
sind bedingt durch die folgenden Faktoren: durch Kehlkopfverschluss und anschlieûende Öff-
1. die Artikulationsstelle (= die Stelle der Mundhöhle, nung gebildet wird:
an der dem Atemstrom ein Widerstand entgegenge- [P
n
] in verabreden [f&r!P n
apre:d/n]
stellt wird), 2. die Artikulationsart (= die Art und Artikulationsart 1.2
Weise, in der die Hemmung oder Einengung vorge- Die angeführten K.en werden auf verschiedene Art ge-
nommen wird) und 3. die Sonorität (= die Unterschei- bildet; danach lassen sich folgende Gruppen aufstel-
dung zwischen Stimmhaftigkeit und Stimmlosigkeit, len:
d. h., ob beim Sprechen die Stimmbänder mitschwin- 1. Verschlusslaute, Explosiva, Explosivlaute: Zunächst
gen oder nicht). Weitere Differenzierungen lassen sich wird ein Verschluss der Mundhöhle gebildet und dann
nach der Intensität, Aspiration und Dauer vornehmen. durch einen Luftstoû gesprengt.
1.1 Artikulationsstelle [p], [b], [t], [d], [k], [g], [P
n
]. Von diesen werden die stimm-
An den folgenden Stellen der Mundhöhle wird dem losen [p], [t], [k] als Tenuis (Plur. Tenues), die stimmhaf-
Atemstrom ein Widerstand geboten; die Stellen wer- ten [b], [d], [g] als Media (Plur. Mediae) bezeichnet
den nach ihrer Lage im Mund von vorn nach hinten (` 1.3).
aufgeführt: 2. Nasenlaute, Nasale: Gaumensegel und Zäpfchen
1. Die Lippen: Die beiden Lippen werden mehr oder hängen lose herab, dadurch wird die Nasenhöhle in
weniger kräftig zusammengepresst. Bezeichnung: Lip- den Sprachraum einbezogen und die Resonanzfähig-
penlaute oder, weil beide Lippen beteiligt sind, Bila- keit erhöht:
biale. [m], [n], [,].
Konsonant

3. Seitenlaut, Lateral: Die Atemluft entweicht zu bei- û (¹eszettª, auch ¹scharfes sª) wird nach der neuen Re-
den Seiten der Zunge: [l]. gelung geschrieben:
4. Schwinglaute, Vibranten: Die Zungenspitze oder das a) Nach langen Vokalen: stoûen, Spaû, Maû, vergaû,
Halszäpfchen werden in Schwingung versetzt. Muûe.
(gerollt/geschlagenes Zäpfchen ±) [r]. b) Nach ` Diphthongen: fleiûig, drauûen, beiûen.
Seitenlaute und Schwinglaute werden auch zusam- Nach der neuen Regelung wird nach kurzen Vokalen
mengefasst als Dauerlaute, Flieûlaute, Liquide. nur noch ss verwendet. Gegenüber der alten Rege-
5. Reibelaute, Frikative: Dabei wird der Atemstrom an lung wird auf diese Weise der Wechsel von ss zu û
verschiedenen Stellen des Sprachraums so eingeengt, bei gleichen Wortstämmen aufgehoben: der Kuss,
dass ein Reibegeräusch entsteht: des Kusses, die Küsse, das Küsschen.
[f], [v], [s], [z], [(], [)], [ç], [j], [x], [h]. Bei der Verwendung von Groûbuchstaben wird û zu ss:
6. Angeriebene Laute, Affrikate: Ein Verschlusslaut Straûe ± STRASSE.
steht in Verbindung mit einem Reibelaut (Frikativ) das ± dass :
der gleichen Artikulationsstelle ein: [pf], [ts], [t(], [d)].
1.3 Sonorität Da s ist das Haus, da s der Groû-
Hiernach werden unterschieden: Demonstrativ- Relativpronomen
Stimmhafte Laute, bei denen die Stimmbänder des pronomen Artikel
Kehlkopfes schwingen: [b], [d], [g], [m], [n], [,], [l], [r], = dieses = welches
[v], [z], [)], [d)], [j]. vater so zeitlos hat bauen lassen, dass es noch
Stimmlose Laute, bei denen das nicht der Fall ist: [p], heute gefällt. Konjunktion
[t], [k], [P
n
], [f], [s], [(], [ç], [x], [h], [pf], [ts], [t(].
1.4 Intensität Die entsprechende Regel lautet: das wird mit s ge-
Man unterscheidet nach der Intensität der Muskel- schrieben, wenn man dafür dieses oder welches ein-
spannung: setzen kann, wenn es also Artikel, Demonstrativ-
Starke K.en, Fortes: [p], [t], [k], [f], [s], [(], [ç], [x]. oder Relativpronomen ist; nur die Konjunktion
schwache K.en, Lenes: [b], [d], [g], [v], [z], [)], [j]. wird mit ss geschrieben.
Diese Unterscheidung deckt sich für die Verschluss- f-Laute 2.2
und Reibelaute mit der Unterscheidung nach Sonori-
tät. fangen ± Finale ± raffen ± Vater ± Vesper ±
1.5 Aspiration Strophe
Der bei den stimmlosen Verschlusslauten [p], [t], [k] die
Mundhöhle sprengende Luftstoû bewirkt im Deut- f wird geschrieben in deutschen Wörtern:
schen, dass an diese Verschlusslaute ein Hauchlaut Flachs, flach, fertig, frech, folgen, Frau, fürchten, Hefe;
tritt, der aber in der Schrift nicht besonders bezeichnet in Wörtern fremden Ursprungs:
wird; ` Aspirata. Franse, Ferment, Fiber, Fistel, Elefant, Sofa, Sulfid;
1.6 Dauer als Doppel-f nach kurzem Vokal:
Konsonanten klingen, da sie im Deutschen nicht allein Waffe, Griffel, Stoff.
Träger einer Silbe sein können, immer kurz, gleichgül- v kommt in einigen deutschen Wörtern vor:
tig, ob sie einfach oder doppelt geschrieben werden. Vater, Vetter, Vieh, viel, vier, Vlies, Vogel, Volk, voll
Stoûen aber ± in zusammengesetzten Wörtern oder (aber: füllen), von, vor, die Vorderen, Frevel; ` Präfix
auch im Satzzusammenhang ± zwei gleiche K.en zu- ver-; häufiger in Wörtern nichtdeutscher Herkunft:
sammen, so spricht man diese häufig nicht zweimal Veilchen, Vize-, Vogt, Sklave, Pulver.
aus, sondern dehnt ihre Aussprache etwas, so dass ph wird in Wörtern griechischer Herkunft verwendet:
man von einer Länge des K.en sprechen kann: a nneh- Philosophie, Diphtherie, Phlegma, Physik, Phosphor.
men; i m Monat. Nach der neuen Regelung kann jedoch in allen Wör-
Eine Übersicht über die K.en gibt die Tabelle S. 87. tern mit den Stämmen phon, phot und graph ph durch
2 Rechtschreibung der K.en f ersetzt werden. Die Schreibung mit f wird jetzt als
Für einzelne K.en gibt es feste Regeln: die geläufigere Variante angesehen: Mikrofon (Mikro-
2.1 s-Laute phon), Fotokopie (Photokopie), Fotograf (Photograph).
Die Lautlehre unterscheidet stimmhaftes s [z] und Ferner ist die f-Schreibung nun auch in Delfin und Gra-
stimmloses s [s], das auch als ss oder û geschrieben wird. fit möglich. Die Schreibung Fantasie beschränkt sich
Einfaches s wird geschrieben: nach der neuen Regelung nicht mehr auf die Bedeu-
a) in der Lautverbindung sp und st: tung ¹Musikstückª, sondern ist eine Variante zu Phan-
Wespe, Westen, Wulst, Wurst; du willst, wolltest; tasie.
st erscheint besonders auch im Superlativ: der k-Laute 2.3
kleinste, fleiûigste, die meisten; der beste (trotz: bes-
ser); aber: der gröûte (groû); Balken ± Brücke ± Mokka ± CafØ ± Christ ± Zwerg
b) in den ` Suffixen und Wortausgängen: -nis; -as, -is,
-us: Erlebnis, Atlas, Iltis, Omnibus; Beugungsfälle Für den Laut [k] gibt es eine ganze Anzahl verschiede-
werden aber mit ss geschrieben: Erlebnisse (` Vokal ner Schreibungen: k, ck, kk, c, ch, in bestimmten Fällen
2.2); auch g, für die Lautverbindung k + w: qu, für k + s: chs,
c) im Auslaut kurzer einsilbiger Wörter, auch in Zu- cks, x, ks, gs.
sammensetzungen: als, bis, es, des, unterdes (aber: Am häufigsten kommt die Schreibung k vor:
dessen), weshalb, Wesfall (aber: wessen); Haken, welken, denken, Harke.
d)s bleibt in allen Konjungationsformen, Ableitungen ck steht nur nach kurzem Vokal: backen, Decke, flicken,
und Zusammensetzungen unverändert: lesen, leser- Bock; ausnahmsweise in Eigennamen nach den Konso-
lich, Lesung, las, lies, lesbar; lösen, lose, los; das Los, nanten l, n, r oder nach langem Vokal: Vogel von Fal-
die Losung, losen, er loste, gelost. ckenstein, Planck, Bismarck; von Seeckt, Tieck.
Konsonant

ck ist auch in einige Fremdwörter eingedrungen, wie: Adjektive mit to d- Verben mit to t-
Baracke, Trecker, Picknick, Schock, Stuck. todelend totarbeiten totgeschwiegen
kk nach kurzem Vokal in einigen Fremdwörtern: Ak- todernst totfahren totgehetzt
kord, Kokken, Makkaroni. todschick totlachen tot geboren
c erscheint in manchen Fremdwörtern im Anlaut: todsicher totschweigen
Cape, Clown, Courage, cremefarbig, Cocktail, Curry. (tödlich) (töten)
ch ebenfalls in Fremdwörtern im Anlaut: Chaos, Chlor, Bei Substantiven ist es ähnlich:
Chor (Gesang), Orchester, Melancholie, Chianti. Todfeind Totgeburt
Auslautendes g, g vor stimmlosen K.en und vor d wird Todsünde Totschlag
meist stimmlos, wenn auch nicht so stark behaucht wie
k, gesprochen (` Auslautverhärtung); ungeachtet der Substantivische Zusammensetzungen, in denen das
Aussprache bleibt jedoch die Schreibung g: Grundwort (-geburt, -schlag) von einem Verb abgeleitet
klug, er lag, tragbar, er trägt, Jagd. ist, werden mit t, die anderen mit d geschrieben.
Die Lautgruppe k + w [kv] wird in deutschen und in todbringend, todgeweiht sind zwar Zusammensetzun-
Fremdwörtern qu geschrieben: gen mit einer Verbalform, aber hier stellt die Form
Qual, Qualm, erquicken, Quarz, Quittung, Quote, Anti- tod- ein Objekt zur Verbalform dar, und zwar in tod-
qua. bringend ein Akkusativobjekt: den Tod bringend, in tod-
geweiht ein Dativobjekt: dem Tod geweiht.
wechseln ± Häcksel ± Examen ± links ± flugs -end, -ent, -ant; -end, -and

Für die Lautverbindung k + s steht meist die Schrei- leidend ± konsequent, Fabrikant; horrend,
bung chs: Konfirmand
wachsen, Lachs, sechs, Deichsel, Ochse, Büchse, Buchs-
baum. Die Partizipien des aktiven Präsens deutscher Wörter
In einigen Wörtern, in denen meist ein Stamm mit ck werden im Auslaut mit d geschrieben:
erkennbar ist, wird cks geschrieben: blühend, erwachend, schreiend; fortlaufend, mitreiûend.
Häcksel (hacken), Klecks (klecken), stracks (strecken), In Fremdwörtern, die aus dem Lateinischen kommen,
Knicks (knicken). werden jedoch Partizipialformen, die oft auch zu Sub-
In Fremdwörtern, aber auch in einigen Wörtern deut- stantiven geworden sind, im Auslaut mit t (-ent/-ant)
schen Ursprungs, begegnet x: geschrieben: intelligent, latent, militant, riskant; der
exerzieren, axial (aber: Achse), fix, paradox, Plexiglas, Student, Orient, Kontinent, Adjutant.
Textilien, Mixtur, Xaver, Xylophon; Axt, Hexe, Nixe, Diesen Wörtern steht eine andere Fremdwörtergruppe
Buxtehude. gegenüber, die im Stammauslaut ein d hat: horrend;
Gelegentlich kommt die Schreibung ks vor: Konfirmand, Summand, Minuend. Hier handelt es
links, Keks, Koks. sich um lateinische Verbaladjektive, die vielleicht ur-
Entsprechend begegnet gelegentlich gs: sprünglich die Funktion eines Partizips des passiven
unterwegs, tagsüber; bugsieren. Präsens hatten, später aber zum Ausdruck einer Mög-
2.4 d-t-Laute lichkeit, meist einer Notwendigkeit, im Passiv ge-
braucht wurden (Gerundivum). Sie sind im Deutschen
wenden ± wandte ± gewandt ± Gewandtheit ± meist zu Substantiven geworden:
Gewand horrend (etwas, wovor Schauder [Horror] empfunden
wird oder werden soll); Konfirmand (einer, der konfir-
In einigen Verbalformen wird das Dentalsuffix -t- mit miert werden soll); Summand (eine Zahl, die zugezählt
dem d des Stammausgangs zu dt zusammengezogen: werden soll); Minuend (eine Zahl, um die vermindert
sandte, gesandt; beredt; er lädt. werden soll).
Auch in Ableitungen: Gleitlaut
Gewandtheit, Verwandtschaft, Gesandtschaft u. ¾.;
aber mit reinem Stamm: Gewand, Versand, Beredsam- hoffend ± hoffentlich, ordentlich, allenthalben;
keit. In Stadt, städtisch wird dt geschrieben zur Unter- morgendlich
scheidung von Statt, obwohl beide Wörter aus dem
gleichen Stamm hervorgegangen sind; entsprechend: Die Wörter hoffentlich, wissentlich sind nicht von den
Stätte, anstatt, stattfinden, stattgeben, statthaft, Statt- 1. Partizipien hoffend, wissend abgeleitet; ebenso we-
halter. nig versehentlich (zu versehen), flehentlich (zu flehen),
in der Amtssprache beziehentlich (zu beziehen); das aus-
Tod ± tot lautende t findet sich auch in anderen Wörtern, die
nicht von 1. Partizipien abgeleitet sein können:
Todesanzeige ± Totenschädel ± todkrank ± ordentlich, eigentlich, namentlich, wöchentlich, öffent-
totschlagen ± Todfeind ± Totschlag lich, wesentlich, gelegentlich.
Hier hat sich zur besseren Sprechbarkeit hinter dem n
Der Tod wird stark dekliniert: des Todes; daher: Todes- am Schluss einer unbetonten Silbe ein t entwickelt als
fall, Todesstoû; todesmutig. Gleitlaut, der auch in anderen Zusammenfügungen
Der Tote wird schwach dekliniert: des Toten; daher: als mit -lich vorkommt, z. B. in den ursprünglichen Da-
Totenbett, Totenwache, totenstill. tiven des Plurals allenthalben, meine(n)twegen (¹von
Wenn aber tot- oder tod- ohne Kasusendung (auslau- meinen Wegenª = von meiner Seite), oder dem alten
fendes d klingt ebenso stimmlos wie das t ` Auslaut- Akkusativ des Singulars um meine(n)twillen, auch bei
verhärtung) in Zusammensetzungen auftritt, gilt fol- den Genitiven dessentwegen, derentwegen.
gender Grundsatz: In morgendlich hat der Gleitlaut wohl unter dem Ein-
Zusammengesetzt werden: fluss von abendlich die Form d angenommen.
Konversion

der Konjunktion können Satzglieder treten: wenn Fritz


Thron, Athlet ± Commonwealth ± Thusnelda ± Gotha (sein Vater) schon nicht kommen kann, soll er doch etwas
von sich hören lassen; wenn mich auch niemand von euch
th begegnet in Fremdwörtern meist griechischer, mit- gesehen hat, so war ich doch in der Menge dabei.
unter auch englischer Herkunft. Vornamen deutscher In neuerer Zeit dringt trotzdem auch als subordinie- 3
Herkunft werden heute in der Regel nur noch mit t ge- rende ` Konjunktion (2.4) vor.
schrieben: Günter (gegenüber: Günther), Dieter, Berta. Wenn der unter 1 genannte Umstand nicht schon be- 4
Nur in einigen altdeutschen und erdkundlichen Na- steht, sondern erst eintreten könnte, liegt nicht so
men hat sich das th erhalten: sehr ein ¹unzureichenderª als vielmehr ein ¹mögli-
Theodor, Lothar, Thüringen, Wörth, Rothenburg ob der cherª Grund (` kausal 3) vor. Dieser Sachverhalt
Tauber. wird durch die mit wenn zusammengesetzten Konjunk-
Seit der Rechtschreibreform ist neben der Schreibung tionen, besonders durch auch wenn ausgedrückt: ob-
Panther auch die Schreibung ohne h, Panter, möglich. wohl das Wetter schlecht war (ist), sind wir doch verreist
Dasselbe gilt für Thunfisch, der nunmehr auch Tunfisch (verreisen wir doch); aber: auch wenn das Wetter schlecht
geschrieben werden kann. wird (werden sollte), verreisen wir doch. Diese Sätze be-
Auch die komplizierten Buchstabengruppen rrh und rühren sich näher mit ` Konditionalsätzen.
gh wurden durch die Reform in einigen Fällen verein- Verneinte Konzessivsätze können mitunter durch auch 5
facht. So ist jetzt neben Katarrh auch Katarr, neben ohne dass eingeleitet werden: auch ohne dass ich den
Myrrhe auch Myrre und neben Hämorrhoiden auch Hä- Vorgang selbst gesehen habe, kann ich mir doch eine Vor-
morriden möglich. Ferner schreibt man jetzt Jogurt ne- stellung machen = obwohl ich den V. selbst nicht gese-
ben Joghurt und Spagetti neben Spaghetti. hen habe, kann ich ...
z ± tz ± zz
Kopula, Satzband
heizen ± Grenze ± Hitze ± Razzia Bindeglied zwischen dem logischen Subjekt und Prädi-
kat einer Aussage, das im Deutschen sprachlich reali-
Auf langen Vokal, Diphthong u. die K.en l, n, r folgt z: siert wird durch die ` finiten Verbformen von sein,
Lazarett, Mäzen, Kauz, Brezel, reizen, Kreuz, Indiz, Bo- werden, heiûen, bleiben, scheinen, die die Verbindung
zen, Flöz, duzen, Byzanz; Holz, ganz, Herz. von Subjekt und Prädikatsnomen herstellen:
Nach kurzem Vokal wird tz geschrieben: Anne ist Studentin; Hans wird Elektriker.
Schatz, Hetze, kitzeln, ergötzen, schützen; (` Prädikativ)
In Fremdwörtern erscheint zz:
Jazz, Intermezzo, Skizze, Pozzuoli, Abruzzen. Kurzwortbildung
2.5 -tial/-zial, -tiell/-ziell Produktive Art der Wortbildung, die durch die Verkür-
Im Gegensatz zur früheren Regelung gilt jetzt hier zung meist mehrerer Ausgangswörter entsteht. Man
durchgängig: Gibt es verwandte Wörter auf -z, so ist unterscheidet die folgenden Arten:
die Schreibung mit -z nach dem Stammprinzip Haupt- Kurzwort, Stutzwort, engl. clipping 1
variante: substanziell (wegen: Substanz), neben: sub- Kopfwort: verkürztes Wort, bei dem nur der erste Teil 1.1
stantiell; Potenzial, potenziell (wegen: Potenz), neben: erhalten bleibt:
Potenzial, potenziell; essenziell (wegen: Essenz), neben: Uni (versität), Foto (grafie), Zoo (logischer Garten), Ak-
essentiell. ku (mulator), Mathe (matik).
2.6 Zusammentreffen dreier gleicher Buchstaben Schwanzwort: verkürztes Wort, bei dem nur der hintere 1.2
Im Gegensatz zu den früheren, komplizierteren Regeln Teil erhalten bleibt:
bezüglich des Zusammentreffens dreier gleicher Buch- (Regen)Schirm, (Eisen)Bahn, (Omni)Bus, (Violin)-
staben gilt nun, dass alle drei stets erhalten bleiben. Das Cello.
gilt gleichermaûen für K.n wie für Vokale. Für den Fall, Klammerwort: verkürztes Wort, bei dem nur die um- 1.3
dass unschöne Schriftbilder entstehen, kann zusätzlich klammernden Auûenteile erhalten bleiben:
freier als früher ein Bindestrich gesetzt werden (` Bin- Öl (baum)zweig, Fern (sprech)amt, K(raft)rad, Mo (tor-
destrich 3.4): Schifffahrt (Schiff-Fahrt), Flusssenke ho)tel.
(Fluss-Senke), Teeei (Tee-Ei). Bei dieser Art der K. kann entweder nur das erste Wort
(Politbüro ± Politisches Büro) oder gleichzeitig auch
Konversion das zweite (Intervision ± Internationale Television) ge-
Wortbildungsprozess (` Wortbildung), bei dem sich kürzt werden.
der Übertritt von einer Wortart in eine andere ohne Initialwort, Buchstabenwort, Akronym 2
morphologische Kennzeichnung (` Ableitung, Suffix, K., die durch die Addition der Anfangsbuchstaben
Ablaut) vollzieht: kochen (Verb) ± Das Kochen (Sub- oder -silben mehrerer Wörter oder Wortteile entstan-
stantiv). den ist. Bei der Aussprache solcher Wörter unterschei-
det man:
Konzessivsatz Bildungen, bei denen jeder einzelne Buchstabe für sich 2.1
Einräumungssatz, eine Art des ` Gliedsatzes, und ausgesprochen wird. Diese Wörter sind endbetont:
zwar des ` Konjunktionalsatzes. LKW ( Last kraft wagen), LVA ( Landes versicherungs -
1 Der K. ¹räumtª das Vorliegen eines Umstandes ¹einª, anstalt), EDV ( Elektronische Daten verarbeitung).
der aber ¹unzureichendª (` kausal 4) oder überhaupt In einigen Fällen werden Anfangsbuchstaben mit voll-
ungeeignet ist, das Geschehen des Hauptsatzes zu be- ständigen Wörtern zusammengesetzt:
einflussen. D-Zug ( Durchgangswagenzug), U-Bahn ( Untergrund-
2 Als einleitende Konjunktionen dienen: obgleich, ob- bahn).
wohl, obschon; wenn auch, wenngleich, wenn schon; wie- Bildungen, bei denen die Aneinanderreihung von 2.2
wohl: obgleich (wenngleich) er sich krank fühlte, hat er Buchstaben ein phonetisches Wort ergibt:
keine Mühe gescheut ...; zwischen wenn und das 2. Glied Agfa ( Aktiengesellschaft für Anelinfabrikation), Aids
Lokalsatz

( Acquired Immune Deficiency Syndrome), Azubi nes Wort. Allgemein gilt für das L., dass es sich in Aus-
( Aus zubildender). sprache, Schreibung, Betonung und Flexion mit der
3 Kunstwort Zeit vollkommen an die jeweilige Sprache angepasst
K., die künstlich entsteht, um leicht einprägsame Be- hat und nur noch vom Fachmann als solches erkannt
griffe zu schaffen. Man unterscheidet: wird.
3.1 Warenbezeichnungen: bei dieser Gruppe fällt auf, dass So haben die Germanen bereits in voralthochdeutscher 2
häufig Wortkörper verwendet werden, die ein a oder o (` Althochdeutsch) Zeit etwa 600 inzwischen einge-
enthalten: deutschte Wörter aus dem Lateinischen übernommen,
Odol, Nikon, Zewa, Tempo. und zwar aus Lebensgebieten, in denen die römische
3.2 Termini aus Wissenschaft und Technik: sie enthalten Kultur ihrer eigenen überlegen war: Militärwesen:
oft Morpheme, die ursprüglich aus dem Griechischen Straûe (strata), Wall (vallum), Pfeil (pilum); Handel:
oder Lateinischen stammen: Kaufmann (caupo), Pfund (pondus), Münze (moneta);
Telegramm, Penicillin, Neutron, Azetylen. Steinbau: Mauer (murus), Ziegel (tegula), Kalk (calx);
4 Mit K.en können selbst wieder Zusammensetzungen Weinbau: Wein (vinum), Most (mustum), mischen (mis-
gebildet werden: cere); Gartenbau: Kohl (caulis), Rettich (radix), Kir-
Lokführer, Bahnwärter. sche (cerasum).
5 Das ` Genus der K.en entspricht im Allgemeinen dem Auch das Vordringen des Christentums hat manche
der vollständigen Wörter: griechischen und lateinischen Wörter zu uns gebracht:
das Krad (Kraftrad), der PKW (Personenkraftwagen), Kirche (kyriake), Pfingsten (pentekoste); opfern (ope-
die Lok (Lokomotive); es gibt jedoch einzelne Aus- rari), Kloster (claustrum). ` Fremdwort
nahmen:
das Kino (der Kinematograph), das Foto (die Fotogra- Lexem
fie). Fachwort der Sprachwissenschaft, mit dem die
6 Der Genitiv und der Plural (soweit vorhanden) von Grundeinheit des ` Wortschatzes bezeichnet wird
K.en werden meist mit ± s gebildet: (` Morphem 2.1). Für die Darstellung dieser Grund-
des Akku s, des Pulli s; die Akku s, die Pulli s; daneben einheit im Wörterbuch wird von den verschiedenen
auch: möglichen ` Wortformen abgesehen und eine kon-
die Bus se, die Kräd er. ventionelle Form gewählt (Substantive werden in der
Regel im Nom. Sing., Verben im Infinitiv des aktiven
Labial, Lippenlaut Präsens, Adjektive in der undeklinierten Form angege-
Bezeichnung für Sprachlaute, an deren Erzeugung die ben).
Lippen beteiligt sind. Zusammenfassender Begriff für
Bilabiale (Lippenlaute) und Labiodentale (Lippen- Liquida, Dauerlaut, Flieûlaut
zahnlaute). ` Konsonant 1.1 Zusammenfassende Bezeichnung für Laterale (Seiten-
laute) und Vibranten (Schwinglaute). ` Konsonant
Labiodental, Lippenlaut 1.2
` Konsonant 1.1, Labial
lokal
Laryngal, Kehlkopflaut Örtlich, einen Ort bezeichnend.
` Konsonant 1.1
Lokaladverb
Lateral, Seitenlaut Ein ` Adverb, das einen örtlichen Umstand bezeich-
` Konsonant 1.2, Liquida net. Man unterscheidet 3 Arten; sie bezeichnen:
eine Örtlichkeit auf die Frage wo?: hier, da, dort, oben/ 1
Laut unten, drauûen/drinnen, links/rechts, überall/nirgends;
L.e sind die einzelnen Töne und Geräusche, die von eine Richtung auf die Frage wohin?: hierhin, dahin, 2
den Sprechorganen hervorgebracht werden und aus dorthin, aufwärts/abwärts, hinauf/hinunter, hinein/hin-
denen sich die Silben und Wörter zusammensetzen. aus, überallhin, zurück, heim;
Man unterscheidet dabei 1. ` Vokale = Selbstlaute, eine Herkunft auf die Frage woher?: daher, dorther, her- 3
die dem Wort seinen Schall geben, und 2. ` Konso- unter, herauf, heraus, herein.
nanten = Mitlaute, die ± selbst schallarm ± erst durch Einige der oben genannten L.ien zählen zu den ` Pro- 4
die Verbindung mit Vokalen zum Klingen kommen. nominaladverbien.
Sie werden in der Schrift durch die ` Buchstaben dar-
gestellt, wobei kein klares Entsprechungsverhältnis be- Lokalbestimmung
steht. ` Phonem, Phonetik Adverbialbestimmung des Ortes, ausgedrückt entwe-
der durch ein Lokaladverb, durch eine präpositionale
Lautschrift Wendung (` Adverbialbestimmung 2.1) oder durch ei-
Im Gegensatz zur Buchstabenschrift (` Aussprache, nen ` Lokalsatz.
Buchstabe, Rechtschreibung) eine Schreibweise, die
die Ausprache von Wörtern lautgetreu wiedergibt. Lokalsatz
Die international standardisierte Lautschrift wird von ` Gliedsatz mit der Funktion einer lokalen ` Adver-
der IPA (International Phonetic Association) fest- bialbestimmung.
gelegt. (` Tabelle der Aussprachezeichen S. 19; Der Form nach ist der L. ein ` Relativsatz. 1
` Konsonant, Vokal) Angabe eines Ortes auf die Frage wo?: ich habe ihn dort 2
getroffen, wo wir vor Jahren schon einmal waren; wo bis-
Lehnwort her Trümmerfelder waren, ist ein neuer Stadtteil entstan-
1 Im Unterschied zum ` Erbwort handelt es sich bei den; wo ich auch hinschaue, ich kann keinen meiner
dem L. um ein aus einer fremden Sprache übernomme- Freunde entdecken.
Maskulinum

3 Angabe einer Richtung, eines Ziels auf die Frage wo- gen, Vermutungen usw. ausdrücken (` Satzadver-
hin?: geh, wohin du willst!; geh zurück, woher du gekom- bial);
men bist! ` Modalverben wie können, müssen, sollen, mit deren 4
4 Angabe der Herkunft auf die Frage woher?: ich komme Hilfe sich ebenfalls Vermutungen, aber auch Notwen-
dorther, wo du früher gewohnt hast. digkeiten usw. verbalisieren lassen;
5 Angabe der örtlichen Erstreckung (Ausdehnung) auf Infinitivbildungen mit haben oder sein: ich habe zu nä- 5
die Frage wie weit?: so weit du blicken kannst, siehst du hen; der Fall ist zu untersuchen; auch hier geht es meis-
Wiesen und Felder. tens um eine Notwendigkeit.
6 Diese Lokalsätze haben im Unterschied zu ` Attribut-
sätzen die Funktion von ` Ergänzungen: der Ort, wo Modalsatz
wir im Sommer waren, hat nur wenige hundert Einwoh- ` Gliedsatz, der einen übergeordneten Satz durch nä-
ner (Attributsatz als freie ` Angabe); sie sind auch here Angaben über die Art und Weise seines Gesche-
nicht zu verwechseln mit ` Objektsätzen: ich will hens ergänzt; der Form nach handelt es sich dabei
euch berichten, wo wir im Sommer waren. um ` Konjunktionalsätze.
Hinsichtlich der Modalität werden mehrere Arten un-
Maskulinum terschieden:
Männliches Geschlecht der ` Nomen (und ` Prono- Der Modalsatz i. e. S. gibt die begleitenden Umstände 1
men), nicht im Sinne des natürlichen, sondern des des Hauptgeschehens an. Konjunktion: indem: indem
grammatischen Geschlechts (` Genus). Als M. wird er sich gemächlich eine Zigarre ansteckte, fuhr er in sei-
auch ein ` Substantiv mit diesem Genus bezeichnet. nem Bericht fort.
Der Instrumentalsatz bezeichnet ein Mittel zur Durch- 2
Mitlaut führung des Hauptsatzgeschehens: indem; dadurch,
` Konsonant dass: indem er bedürftigen Talenten half, gewann er
sich viele Freunde (Goethe); dadurch, dass du die
Mittelhochdeutsch, mhd. Schraube verstellt hast, geht die Uhr jetzt falsch.
Erscheinungsform der deutschen Sprache zur Zeit des Das Nichteintreten des Begleitumstandes und die 3
Hochmittelalters (~ 1050±1350), wobei der Terminus Nichtanwendung des Mittels wird durch ohne dass
überwiegend zur Beschreibung des Klassischen M.en ausgedrückt: er ging aus dem Zimmer, ohne dass es
(~ 1150±1250) verwendet wird. Diese Sprachform be- den anderen auffiel; der Erfolg war ihm sicher, ohne
zeichnet die feudalhöfische Literatur, welche als weit- dass er die Hilfe anderer in Anspruch nahm. Ist das Sub-
gehend überregional und normiert beschrieben werden jekt im Haupt- und Gliedsatz das gleiche, so wird der
kann. Das Hauptkennzeichen des M.en besteht in dem Gliedsatz häufig durch den Infinitiv mit zu ersetzt: er
so genannten Endsilbenverfall, bei dem vollklingende ging durch die Menge, ohne nach links und rechts zu bli-
Vokale in unbetonter Silbe abgeschwächt werden cken; ohne dich anzustrengen, wirst du keinen Erfolg in
(ahd. scoÃn o ymhd. schoÃn e ynhd. schon; ahd. salb a, dieser Sache haben.
salb o(:)n ymhd. salb e, salb en). Damit verbunden ist Der Vergleichssatz kennzeichnet die Art und Weise des 4
eine Vereinfachung des Formenbestandes bei der Hauptsatzgeschehens durch einen Vergleich: ` Kom-
` Konjugation und ` Deklination. parativsatz 1.
Mit dem Vergleichssatz berührt sich der Proportional- 5
modal satz, in dem das Geschehen oder Sein des Hauptsatzes
Die ¹Art und Weiseª bezeichnend. hinsichtlich des Grades (der Intensität) durch Gegen-
überstellung zu dem des Gliedsatzes erläutert wird: je
Modaladverb (-desto, umso); je nachdem: ` Konjunktion 2.3.4.
Umstandswort, das die Art und Weise eines Gesche- Der Restriktivsatz schränkt die Gültigkeit der Haupt- 6
hens ausdrückt. Man unterscheidet mehrere Unterar- satzaussage ein: (in)sofern, (in)soweit, soviel: soviel ich
ten, von denen jeweils einige Beispiele im Artikel mich erinnere, hat damals Herr Lehmann die Festrede
` Adverb 4.3 angeführt werden. gehalten.

Modalbestimmung Modalverb
Adverbialbestimmung, die die Art und Weise eines Ge- Als M.en bezeichnet man eine Gruppe von Verben, die 1
schehens ausdrückt. Wie bei den ` Modaladverbien meist in Verbindung mit dem Infinitiv eines ` Voll-
unterscheidet man auch hier mehrere Unterarten, von verbs gebraucht werden. Die eigentliche Handlung,
denen im Artikel ` Adverbialbestimmung 2.3 einige das Geschehen oder Sein, wird durch den Infinitiv aus-
Beispiele angeführt sind. gedrück; das M. bezeichnet die Art und Weise (die Mo-
dalität) des Geschehens.
Modalität Es folgen einige Beispiele zum Gebrauch der M.en (die 2
Syntaktisch-semantische Kategorie, um die Einstel- entsprechende Modalität ist jeweils angegeben):
lung des Sprechers gegenüber einer Aussage auszu- wollen: ein Wille: ich will nach Hause gehen; 2.1
drücken. Der Begriff der M. bezieht sich auf: sollen: eine Aufforderung: du sollst endlich den Brief 2.2
1 die Kategorie ` Modus (` Indikativ, Konjunktiv, schreiben; negiert zum Ausdruck von etwas moralisch
Imperativ), bei der es darum geht, verschiedene Ein- Verwerflichem oder Strafbarem: du sollst nicht töten;
stellungen zur Wirklichkeit bzw. eine Aufforderung dürfen: eine Erlaubnis: du darfst hier bleiben; negiert 2.3
auszudrücken (hier muss auch die Umschreibung mit ein Verbot: du darfst nicht mitkommen;
würde erwähnt werden); mögen: ein Wunsch: möge es dir gut gehen; das möchte 2.4
2 die Typisierung von Sätzen nach den Kategorien Be- ich nicht noch einmal hören; ich mag nicht zu Hause
hauptung, Frage, Aufforderung; bleiben;
3 Satzadverbien (` Adverb 3.7) wie vermutlich, hoffent- müssen: eine durch äuûere Umstände herbeigeführte 2.5
lich, leider, welche Wünsche, Befürchtungen, Hoffnun- und dadurch zwingende Notwendigkeit: du musst
Negation

pünktlich sein; negiert eine im Allgemeinen wohl gül- ausüben, z. B. geh- st, Mensch- en (` Konjugation, De-
tige oder zu erwartende, im Einzelfall aber nicht zwin- klination). Auch die M.e, welche die Komparation aus-
gende Notwendigkeit: du musst nicht denken, dass ich drücken, gehören hierher (gröû- er).
etwas von dir haben will; Ableitungs-M.e sind alle M.e, die zu freien M.en treten
2.6 können: eine Möglichkeit: kannst du Französisch spre- und der Weiterbildung oder Umwandlung von einer
chen?, du kannst nicht länger bleiben; Wortart in eine andere dienen, z. B. Bau, Er-bau- er,
2.7 lassen: eine Veranlassung, ein Daraufhinwirken: lass Be-bau- ung.
dir doch ein neues Kleid nähen!; ich lasse dich nicht mit- Ausgehend von ihrer Form lassen sich im Deutschen 3
fahren. weiterhin unterscheiden:
3 Das M. kann auch ohne Vollverb gebraucht werden: er Diskontinuierliche M.e: mehrere Morphe, welche 3.1
kann schon gut Deutsch; das Kind mag keine Milch. Das nicht direkt aufeinander folgen, sondern die durch an-
fehlende Vollverb (sprechen; trinken) ergibt sich in sol- dere Elemente getrennt sind, ergeben das Gesamtm.:
chen Fällen aus dem Kontext. ge-lande- t, ge-koch- t.
4 Von modalem Gebrauch spricht man auch bei negier- Null-M.e: sie bezeichnen Leerstellen, die im Anschluss 3.2
tem brauchen, das einen Infinitiv mit zu bei sich hat: an freie M.e oder M.gruppen stehen. Das Null-M. soll
du brauchst das nicht zu essen; es berührt sich mit ver- auf das Fehlen von Flexions- oder Ableitungs-M.en
neintem müssen. hinweisen; vgl. die Bildung des Imperativs geh-é zu ge-
5 Über die Formbildung der unter 2.1 bis 2.6 genannten hen und die Ableitung von Schlaf-é zu schlafen.
M.en ` Konjugation 2.3. Alternations-M.: die unter 2.2 beschriebenen Funk- 3.3
6 Die Perfektformen aller M.en werden mit haben zu- tionen werden durch phonematische ¾nderungen
sammengesetzt, jedoch in Kombination mit einem In- (` Phonem) innerhalb eines M.s ausgedrückt (` Ab-
finitiv nicht mit dem 2. Partizip verbunden, sondern laut, Umlaut), oder verschiedene Wortstämme nehmen
mit dem Infinitiv: ich habe das nicht tun wollen, aber: die entsprechenden Aufgaben wahr: flieh-en, floh; reit-
ich habe das nicht gewollt. Entsprechend: du hättest en, Ritt; geh-en, Gang; Vater, Väter; sein, bin gewesen.
schreiben sollen; ich habe nicht bleiben dürfen; ich hätte M.e als morphologische Einheiten sind grundsätzlich 4
lieber den Pudding essen mögen (ich hätte ihn lieber ge- von ` Silben als den konkreten Lauteinheiten eines
mocht); hast du lange warten müssen? Wortes zu trennen. Sofern im konkreten Fall eine Iden-
tität zwischen den beiden Phänomenen besteht, ist sie
Modus, Aussageweise rein zufällig, z. B. Hand-schrift, Welt-bild. Einerseits
Beim ` Verb unterscheidet man drei Modi: den ` In- kann sich eine Silbe aus mehreren M.en zusammenset-
dikativ, mit dem der Sprecher etwas als wirklich statt- zen (z. B. ging: a) Tempus: Imperfekt; b) Person: 1 und
findend oder stattgefunden aussagt, den ` Konjunk- 3; c) Numerus: Singular), andererseits kann ein einzel-
tiv, durch den etwas als wünschenswert oder möglich, nes Morphem aus mehreren Silben bestehen: ges-tern.
jedenfalls nicht als wirklich dargestellt wird, und den
` Imperativ, durch den eine oder mehrere angespro- Morphologie
chene Personen nachdrücklich zu einem Tun aufgefor- ` Wortbildungslehre
dert werden.
Mundart
Monophthong ` Dialekt
` Vokal
Nasal, Nasallaut
Morphem Als N.e werden die ` Konsonanten (1.2): [m], [n] und 1
1 Kleinste funktionale Einheit einer Sprache, die häufig [,] bezeichnet, bei denen die Nasenhöhle zur Artikula-
einem ` Lexem entspricht (z. B. Bau) oder Teil eines tion benötigt wird.
Lexems ist (z. B. besteht bau-en aus zwei, er-bau-en aus Im Französischen, folglich auch in den daher über- 2
drei M.en). Der Begriff M. entstammt dem Struktura- nommenen Fremdwörtern, aber auch in anderen Spra-
lismus, wobei es im Wesentlichen um die Segmentie- chen, kennt man auch Nasalvokale. Während bei den
rung von Wörtern bzw. Wortbildungen geht; `a. reinen Vokalen das Gaumensegel hochgezogen ist, so
Wortbildungslehre. dass der Luftstrom seinen Ausweg nur durch die
Je nach Untersuchungsaspekt unterscheidet man bei Mundöffnung findet, hängt bei Nasalvokalen das Gau-
den M.en verschiedene Klassifizierungstypen: mensegel herab, so dass auch die Nasengänge in den
2 Ausgehend von ihrer Funktion: Sprechraum einbezogen sind; dadurch erscheinen die
2.1 Freie M.e (Grundm., Basism.) können im Prinzip (nicht Laute gegenüber den reinen Vokalen etwas getrübt.
in jedem einzelnen Fall) ` Lexeme sein (Bau, Mann, Man kennt im Französischen 4 Nasalvokale; in der
Haus). In anderen Fällen haben sie keinen oder nur be- Schrift folgt m oder n; für die Vokale gibt es z. T. mehr-
grenzten Inhalt. Sie üben lediglich grammatische fache Schreibweisen:
Funktionen aus und dienen dem Aufbau eines Satzes [ˆ] ambassadeur, embl›me; enf ant terrible;
(an, auf, mein). [4] impromptu, intØrieur; faim, Saint-Germain, Reims,
2.2 Gebundene M.e kommen nicht als Einzelwörter (Le- teint;
xeme) vor, obwohl sie die Form der unter 2.1 zuletzt [5] fait accompli, Montmartre;
genannten M.e haben können. (Vgl. den Unterschied Ä ] parfum, Dunkerque.

zwischen / an/ /der/ /Wand/ und / An-lasser/. Sie
werden in der traditionellen Grammatik als ` Affixe Nebensatz
bezeichnet. ` Präfix, Suffix ` Gliedsatz
Man unterscheidet hier Flexions-M.e und Ableitungs-
M.e: Negation, Verneinung
Flexions-M.e sind alle M.e, die zu den veränderlichen Vielseitige sprachliche Kategorie, die durch verschie- 1
Wortarten treten und dabei grammatische Funktionen dene Mittel realisiert wird, etwa durch besondere Wör-
Neologismus

ter oder durch bestimmte Morpheme. Sie kann sich auf m Ïõn, nhd. m ein). Durch die Dehnung in offener Silbe
ein einzelnes Wort, eine Wortgruppe im Satz oder auf werden Vokallängen bewirkt (z. B. mhd. sagen [z agen],
den ganzen Satz beziehen. nhd.[z a:gen]. Die Entstehung des Frühn.en ist in star-
2 Die Verneinung durch Negationswörter: kem Maûe durch die Bibelübersetzung Luthers, die Er-
2.1 durch die Partikel nicht: Fritz raucht nicht; das hat nicht findung des Buchdrucks sowie das Aufkommen des
Hans, sondern Peter gesagt. Bürgertums geprägt. Unter den verschiedenen Dialek-
Eine Verstärkung von nicht wird durch Vorsatz von gar ten setzt sich im Laufe des 18. Jh. das N.e als relativ ein-
oder durchaus erreicht; ich habe gar nicht aufgepasst; heitliche Schriftsprache durch. Gegenüber anderen
ich habe durchaus nicht diese Absicht. germanischen Sprachen (` Indogermanisch) weist
2.2 durch das Konjunktionspaar weder noch: wir sind auf das N.e folgende Kennzeichen auf: ` Auslautverhär-
der Reise weder durch Bonn noch durch Köln gekommen. tung, ausgeprägtes Flexionssystem (` Deklination,
2.3 durch bestimmte Adverbien: Konjugation).
keinesfalls; zeitbezogen: nie(mals), nie und nimmer;
Ortsbezogen: nirgends. Neutrum
2.4 durch bestimmte Pronomina: niemand/nichts (zu: je- Sächliches Geschlecht der ` Nomen (und ` Prono-
mand/etwas), kein (zu: [irgend]ein). men), nicht im Sinne des natürlichen, sondern des
3 An ein verneintes Glied wird eine Steigerung im Sinne grammatischen Geschlechts (` Genus).
von ¹noch wenigerª angeschlossen durch geschweige Als N. wird auch ein ` Substantiv mit diesem Genus
(denn) (zur Konjunktion erstarrte 1. Sing. Ind. Präs. bezeichnet.
des veralteten Verbs geschweigen):
Ich war noch nicht in England, geschweige (denn) in nicht durativ, perfektiv
Amerika. ` Aktionsart
4 Eine abgeschwächte Verneinung wird durch das Ad-
verb kaum im Sinne von ¹beinahe nicht, noch nicht Nomen
ganz, wahrscheinlich nichtª ausgedrückt: das glaube Oberbegriff für die deklinierbaren Wortarten, bes. für 1
ich kaum; kaum hundert Zuhörer waren anwesend; das Substantiv und ` Adjektiv; im weiteren Sinn werden
wird er kaum tun. ihm auch die deklinierbaren ` Numeralia und die
5 Die Verneinung von Nomina (Substantiven, Adjekti- ` Pronomina sowie der ` Artikel untergeordnet.
ven, Partizipien) durch bestimmte Morpheme: Beim ` Verb werden ` Infinitiv und ` Partizip als 2
5.1 durch das ` Präfix un-: Unruhe, unangenehm, unge- Nominalformen bezeichnet.
pflegt; (zu beachten ist dabei, dass un- in einigen Fällen
auch eine verstärkende Bedeutung [also nicht vernei- Nomen acti
nend] haben kann: Unkosten, Unwetter); Von einem Verb abgeleitetes Substantiv zur Bezeich-
5.2 durch Zusammensetzung mit nicht-: Nichtfachmann, nung des Ergebnisses einer Handlung: eine tiefe Grube,
Nichtraucher; Nichteinmischung, nichtöffentlich (oder: ein kostbarer Fund, eine kleine Öffnung; die Firma
nicht öffentlich), nichtrostend (oder: nicht rostend ). richtete eine Niederlassung ein; das Glas hat einen
5.3 Aberglaube, Missgunst, widerrechtlich. In Fremdwör- Sprung; er besitzt groûe Kenntnisse, besichtigt eine
tern begegnen Präfixe, die ebenfalls eine verneinende Ausstellung, legt ein Geständnis ab.
Wirkung haben: abnorm, disqualifizieren, impotent,
indirekt, kontraproduktiv, Nonkonformismus; aus Nomen Actionis
dem Griechischen: anomal, anorganisch, antichrist- Von einem Verb abgeleitetes Substantiv zur Bezeich-
lich. nung einer Handlung: er setzt zum Sprung an; der
6 Deutsch entspricht die doppelte N. (durch ein Negativ- Wurf gelang; das Treffen der Freunde; die Eröffnung
wort vor einem durch Präfix verneinten Nomen) einer des neuen Ladens erfolgt am ...; das Gespräch begann
Bejahung: es ist nicht unangenehm, nicht unbedenklich, am ...; Verhör, Spaziergang.
das ist nicht ungefährlich; kein Mensch ist unsterblich;
nichts für ungut; diesen Vorfall kann man nicht unge- Nomen agentis
schehen machen (man muss ihn als geschehen hinneh- Von einem Verb abgeleitetes Substantiv zur Bezeich-
men). nung eines Handelnden: der Reiter, Turner, Sänger,
Schreiber, Schwätzer, Schläfer, Reisende, Geschworene,
Neologismus Eindringling, Emporkömmling, Kassierer, Dirigent,
Zu einer bestimmten Zeit neu gebildetes Wort, um eine Masseur.
bisher nicht bekannte Erscheinung zu erfassen. Dazu Gegenbegriff: ` Nomen patientis
werden die üblichen Wortbildungsmittel verwendet:
Kombination bekannter ` Morpheme: Umwelttonne, Nomen Instrumenti
Ampelkoalition; ` Entlehnungen aus anderen Spra- Von einem Verb abgeleitetes Substantiv zur Bezeich-
chen: campen, parsen. nung eines Geräts: Bohrer, Leuchter, Klingel, Hebel,
Schere, Pfeife.
Neuhochdeutsch, nhd.
Erscheinungsform der deutschen Sprache in der Neu- Nomen patientis
zeit (ab ~ 1350). Am Anfang der Entwicklung dieser Von einem Verb abgeleitetes Substantiv zur Bezeich-
Sprachstufe steht das Frühn.e, das sich durch Mono- nung einer Person oder Sache, auf die sich die Handlung
phthongierung, Diphthongierung und Dehnung in of- richtet: die Geliebte; der Sträfling, Lehrling; der Hinter-
fener Silbe auszeichnet. Bei der Monophthongierung lader, Wälzer (Buch), Überzieher, Zug (Eisenbahn).
wird ein ` Diphthong in einen einfachen Vokal ver- Gegenbegriff: ` Nomen agentis
wandelt (z. B. mhd. g uot, nhd. g ut ). Im Rahmen der
Diphthongierung verändern sich einfache (lange) Vo- Nomen proprium
kale zu Diphthongen, also Doppelvokalen (z. B. mhd. ` Eigenname
Ordinalzahl

Nomen Qualitatis (` Nomen) und des Verbs; Oberbegriff für ` Singular


Von einem Adjektiv abgeleitetes Substantiv zur Be- (Einzahl), Dualis (paarweise vorkommende Elemente)
zeichnung einer Eigenschaft, eines Zustandes: Gröûe, und ` Plural (Mehrzahl). Von einem im Indogermani-
Milde; Krankheit, Schönheit; Eitelkeit, Dreistigkeit; Al- schen vorhandenen Dual (Zweizahl, Paarigkeit) sind
ter, Ernst, Armut, Hitze. bei uns nur noch in Dialekten, z. B. im Bairischen es,
ös (ihr) und enk (euch) Spuren erhalten, aber im plura-
Nominalisierung lischen Sinn: ös werd©s enk wieder z©samma nehma
` Ableitung eines Substantivs (¹Nomenª im engeren müaû©n (L. Thoma: Erster Klasse).
Sinne) aus einer anderen Wortart: Adjektiv: reif ± die Im Satz müssen Subjekt und Prädikat im Numerus in 2
Reifung; Verb: laufen ± der Läufer. der Regel übereinstimmen (` Kongruenz).
` Substantivierung
Objekt, Satzergänzung
Nominativ, 1. Fall, Werfall ` Satzglied, das den Bezugspunkt des Verbalvorgangs
Die ¹Nennformª eines ` Nomens ohne Deklinations- charakterisiert und somit die Aussage über das ` Sub-
endung (` Deklination). Der N. kennzeichnet im Satz jekt ergänzt. Die Art und Anzahl dieser ` Ergänzun-
das ` Subjekt sowie das Prädikatsnomen (` Prä- gen wird durch die ` Valenz bzw. ` Rektion des fini-
dikativ). Ebenso stehen die Anredeformen in diesem ten Verbs bestimmt. Die O.e werden nach dem
` Kasus. jeweiligen Kasus bzw. nach ihrer Bildungsweise be-
nannt. Man unterscheidet dementsprechend:
normativ, präskriptiv ` Genitivobjekt
Eigenschaft einer sprachwissenschaftlichen Betrach- ` Dativobjekt
tungsweise, welche darauf abzielt, die Sprache nicht ` Akkusativobjekt
nur zu beschreiben (dieses wäre deskriptiv), sondern ` Präpositionalobjekt
Normen für ihren ¹richtigenª und ¹gutenª Gebrauch
aufzustellen. Objektergänzungen
` Ergänzungen der verbalen Aussage durch ` Ob-
Numerale, Zahlwort jekte im Unterschied zu Umstandsergänzungen, bei
1 Gruppe von Wörtern, die aufgrund ihrer inhaltlichen denen die verbale Aussage durch Adverbialbestim-
Gemeinsamkeit in manchen Grammatiken zu einer be- mungen vervollständigt wird.
sonderen ` Wortart zusammengefasst werden.
2 In der älteren Grammatik unterschied man zwischen Objektsatz
bestimmten und ` unbestimmten Zahlwörtern; die ` Gliedsatz, der die Funktion eines Objektes zum Verb 1
letzteren werden heute den ` Indefinitpronomen des übergeordneten Satzes übernimmt als:
und den ` Zahladjektiven zugeordnet. Akkusativobjekt: ich habe gehört, dass du in Rom warst 2
3 Die Klassifizierung der bestimmten Zahlwörter in der (Probe: ich habe es gehört ); ich wünsche, dass du hier
traditionellen Grammatik beruht auf der Unterschei- bleibst; ich weiû nicht, ob du Recht hast, wohin das führen
dung von Kardinal- und Ordinalzahlen. Nur diese soll, warum du nicht gekommen bist;
sind im Wörterbuch noch als Numeralia gekennzeich- Dativobjekt: wir helfen jetzt, wem wir wollen (Probe: wir 3
net; alle anderen von ihnen abgeleiteten Wörter wur- helfen ihm jetzt);
den den entsprechenden Wortarten zugeordnet. Genitivobjekt (selten): wir müssen uns noch einmal ver- 4
4 Im Einzelnen wird unterschieden: gewissern, was der Mann gesagt hat (Probe: wir müssen
4.1 die ` Kardinalzahlen: eins, zwei, drei, zehn, hundert, uns noch einmal dessen vergewissern);
tausend; von diesen werden abgeleitet: Präpositionalobjekt: ich ärgere mich (darüber), dass du 5
Verteilungszahlwörter (Distributiva) durch Voranstel- nicht aufgepasst hast; ich danke dir (dafür), dass du an
lung von je; sie drücken eine zahlenmäûig wiederkeh- mich gedacht hast. Die hier in Klammern gesetzten
rende Verteilung aus: je drei Mann wurden ausge- Stützwörter haben die Funktion, das präpositionale
schickt; bei der Übung werden die Arme je viermal Verhältnis zu verdeutlichen; sie sind häufig nicht weg-
seitwärts und vorwärts gehoben; lassbar.
Vervielfältigungszahlwörter (Multiplicativa) durch Häufig treten an die Stelle von Objektsätzen auch Infi- 6
Anfügung von -fach oder -fältig (im Wörterbuch dem nitivgruppen mit zu: ich hoffe, dass ich dich antreffe =
Adjektiv zugeordnet): die A-Schule hat die dreifache dich anzutreffen; ich habe den Kindern erlaubt, ihren
Schülerzahl der B-Schule; Freund zu besuchen (Akkusativobjekt); ich habe dich
Wiederholungszahlwörter (Iterativa) durch Anfügung oft (dazu) aufgefordert, dass du mich besuchst = besser:
von -mal (als Adverb gekennzeichnet; ` Zahladverb): mich zu besuchen (Präpositionalobjekt).
einmal, zehnmal; hast du zweimal geklingelt?;
Gattungszahlwörter durch Anfügung von -lei an die obligatorisch
Genitivformen auf -er (Adjektiv): zweierlei Tuch; ` Aktant
4.2 die ` Ordinalzahlen: der Erste, Zweite, Dritte, Zwan-
zigste, Hundertste; von diesen werden abgeleitet: Ordinalzahl, Ordnungszahl
die ` Bruchzahlen, in denen unter Wegfall des En- Eine Art des ` Numerals.
dungs-t das Suffix -tel (= Teil) angefügt wird (Substan- Die O.en heben aus einer ansteigenden Zahlen¹reiheª 1
tiv): Drittel, Viertel, Zwanzigstel; (lat. ordo) ein Endglied heraus: der Erste, Zweite,
Aufzählungswörter durch Anfügung der Endung -ens Dritte; Zwanzigste, Hundertste, Tausendste. Im Gegen-
(Adverb; a. ` Zahladverb): erstens, zweitens, drittens satz zur alten Rechtschreibung werden substantivierte
(vgl. die Superlativadverbien bestens, wenigstens). Ordnungszahlen jetzt groûgeschrieben. Sie haben für
Erste und von Zwanzigste an die Endung -ste, sonst
Numerus, Zahl -te. Insbesondere die Endung -ste weist auf die Bildung
1 Grammatische Kategorie der nominalen Wortarten der ` Superlative hin, die mit den O.en gemeinsam ha-
ornativ

ben, dass sie ebenfalls die ¹Höchststufeª einer Reihe ner Präposition oder einem Adverb hervorgegangen,
angeben; erste ist Superlativ zum Komparativ eher = hat jedoch jetzt den Charakter von einem ` Präfix.
der Früheste. P.en sind überwiegend unfest, d. h. fest verbunden sind 2
Bei zusammengesetzten O.en ist nur das letzte Glied die 1. Glieder nur in den infiniten Formen des Verbs
eine O.: der Dreiundvierzigste, Einundachtzigste, Zwei- (Infinitiv, 1. u. 2. Partizip) und bei den finiten Verbfor-
hundertunderste, (Ein)tausendfünfhundertundachte. men, wenn sie in Relativ- und Konjunktionalsätzen
2 Von O.en werden abgeleitet: und dadurch am Satzschluss stehen (` trennbarer
` Bruchzahlen: ein Drittel; Zwanzigstel, (tel = Teil); Verbteil): abschreiben, abschreibend, abgeschrieben;
Aufzählungswörter (` Zahladverbien), die man durch wenn ich abschreibe; welcher abschrieb. Sonst werden
Anfügung der Endung -ens bildet: erstens, zweitens, die Glieder getrennt, und zwar steht das 1. Glied
drittens (vgl. die Superlative bestens, wenigstens). dann meist am Satzende (` Satzklammer, Wortstel-
lung 2.1): ich schreibe den Aufsatz noch einmal auf bes-
ornativ seres Papier ab. Bei solchen unfesten P.en trägt das 1.
` Aktionsart Glied stets den Hauptton, während bei festen ` P.en
das 2. Glied (der Verbalstamm) betont ist.
Orthographie Feste P.en werden u. a. mit den Präfixen be-, ent-, er-, 2.1
` Rechtschreibung ver-, zer- gebildet, wobei ver- am häufigsten Anwen-
dung findet: bewohnen, entfallen, versalzen, zerreiûen;
Palatal, Vordergaumenlaut z. B. ich bewohne, habe bewohnt, weil ich bewohne; ich
` Konsonant 1.1 zerreiûe, habe zerrissen, weil ich zerreiûe.
Feste und unfeste P.en werden gebildet mit über-, un- 2.2
Paradigma ter-, hinter-, durch-, um-, wi(e)der-:
Menge von Elementen, die an bestimmter Position im über: fest: er übergeht den Hunger, hat ihn übergangen;
Satz oder auch im Wort austauschbar sind: Er (Peter, wenn er den Hunger übergeht; unfest: der Soldat ging
Tante Emma) geht (rennt, springt) über (auf) die Straûe zum Feind über, ist übergegangen; als er überging;
(den Weg). Wortinterne Paradigmen sind beispiels- unter: fest: man unterstellt mir die Behauptung, hat sie
weise die Flexionsreihen der ` Deklination und der mir unterstellt; weil man sie mir unterstellte; unfest: ich
` Konjugation: das Haus, des Hauses, dem Haus, stelle mich bei dem Regen lieber unter, will mich unter-
das Haus. stellen; wenn ich mich nicht unterstellte;
Gegenbegriff: ` Syntagma hinter: in der Hochsprache kommen nur feste Verbin-
dungen vor: sie hinterging ihn, hat ihn hintergangen;
Parataxe weil sie ihn hinterging; dagegen kommen umgangs-
Gleichordnendes Gefüge von ` Satzgliedern oder Sät- sprachlich auch unfeste P.en vor: hintergehen (= nach
zen. Die durch die P. ausgedrückte Nebenordnung hinten gehen), ich gehe hinter;
wird im Deutschen markiert durch: durch: fest: wir durchfahren die Stadt, haben sie durch-
` koordinierende ` Konjunktionen (= syndetisch; fahren; als wir sie durchfuhren; unfest (nicht lokal):
` gleichgeordnete Gliedsätze): und, oder; er hatte ich arbeite den Text durch, habe durchgearbeitet; als
nun alle Arbeiten erledigt und ging nach Hause; ich durcharbeitete;
asyndetische Reihung (= unverbundene Aneinander- um: fest: du umgehst die Vorschrift, hast sie umgangen;
reihung): Heiner , Klaus , Ina gehören zum engsten wenn du sie umgehst; unfest: ein Gerücht geht um, ist
Freundeskreis. umgegangen; als es umging.
Gegenbegriff: ` Hypotaxe wieder: fest: ich wiederhole meine Worte, habe sie wie-
derholt; wenn ich sie wiederhole; unfest: ich hole mein
Parenthese, Schaltsatz, Einschaltung Buch wieder (= zurück), habe es wiedergeholt; wenn
Ein in einen Satz eingeschobener Satz (manchmal auch ich es wiederhole. Entsprechend bei P.en mit wider-:
ein Wort oder eine Wortgruppe), dessen (deren) for- fest: widersprechen; unfest: widerspiegeln.
male Unabhängigkeit vom eigentlichen Satzverband Feste P.en können ein Akkusativobjekt bei sich haben,
durch die Interpunktion gekennzeichnet ist: meist ist auch wenn das einfache Verb (z. B. gehen) intransitiv
die P. in Gedankenstriche (7) oder ` Klammern ist; bei ihnen fällt im 2. Partizip das Präfix ge- weg
(1.2) eingeschlossen; (` oben umgehen).
Die Mannschaft ± sie hatte es sich redlich verdient ± fei- Nur unfeste P.en ergeben sich bei der Masse der Parti- 2.3
erte nach dem Spiel gebührend den Sieg. keln: ab, an, auf, vor, aus, zu, mit, bei, ein, nach, her, hin,
Liegt auf der P. kein besonderer Nachdruck, so können dar; herab, -an usw.; hinab, -an usw.; umher, einher;
anstelle der Gedankenstriche bzw. Klammern auch vorbei, -an -aus, -her; daran, -in, -auf, -ein, -zu, -bei,
Kommas stehen. -her, -hin, -vor; hintan; entgegen, zusammen, zurück
(Die P. ist nicht zu verwechseln mit dem Zwischen- usw.; z. B. ich liefere ab, habe abgeliefert, weil ich ablie-
oder Einschubsatz, einem Gliedsatz (6.3), der in ei- ferte; ich komme zurück, bin zurückgekommen, als ich
nen übergeordneten Satz eingeschoben und von Kom- zurückkam.
mas eingeschlossen ist.) In einigen Fällen, besonders dort, wo es sich bei dem 2.4
Partikelteil um ein adverbiales Element handelt, treten
Partikel Abgrenzungsprobleme gegenüber dem Wortbildungs-
Oberbegriff, mit dem man die vier nicht flektierbaren typ der ` Zusammensetzung auf: emporarbeiten, hoch-
` Wortarten ` Adverb, ` Präposition, ` Konjunk- heben, fortfahren. (` Präfixbildung)
tion und ` Interjektion zusammenfasst.
Partizip, Mittelwort
Partikelverb Neben dem ` Infinitiv eine infinite (nicht konju-
1 Verbreiteter verbaler Wortbildungstyp: anfangen, auf- gierte), weder an die Person noch an den Numerus ge-
hören, weggehen; der Partikelteil ist dabei häufig aus ei- bundene Form des ` Verbs.
Patiens

Zwei Formen werden unterschieden (` Konjugation nimmt: Der Satz Herr Sch., der pünktlich in Bremen ein-
1.2): getroffen war, suchte uns sogleich auf lässt sich ver-kür-
das P. des Präsens (auch P. I oder 1. P. genannt): lesend, zen zu: Herr Sch., pünktlich in B. eingetroffen, suchte uns
eilend; sogleich auf.
das P. des Perfekts (auch P. II oder 2. P. genannt): gele-
sen, geeilt. Passiv, Leideform
1 Das P. des Präsens stellt ein Geschehen oder Sein als Eine der beiden Handlungsrichtungen des Verbs
ablaufend oder bestehend dar. (` Genus Verbi).
1.1 Es kann attributive Funktion haben: brennende Sonne Im Gegensatz zum ` Aktiv ist beim P. das Subjekt 1
(` Adjektiv 3.1). Das P. kann wie jede Verbalform wei- nicht mit dem Handelnden identisch, sondern wird re-
tere Ergänzungen zu sich nehmen: er hatte die ein wenig präsentiert durch das Ziel (` Patiens; daher veraltet
tief liegenden Augen seines Vaters; die sich hieraus erge- ¹Leideformª), auf das eine Handlung gerichtet ist
benden Folgen. (grammatisches Subjekt ` Subjekt 3.1). Das Subjekt
Mit vorangestelltem zu ergibt sich das sog. Gerundiv, (` Agens) des Aktivs lässt sich im P. durch eine präpo-
das eine Möglichkeit oder Notwendigkeit ausdrückt: sitionale Ergänzung mit von ausgedrücken; Aktiv: die
seine leicht zu durchschauenden Absichten = die Absich- Firma Meyer baut ein Haus; Passiv: das Haus wird
ten sind leicht zu durchschauen = es ist leicht, d. A. zu (von der Firma Meyer) gebaut.
durchschauen; ein unbedingt zu vermeidender Fehler = Das P. kann für alle Zeitstufen gebildet werden
der F. ist unbedingt zu vermeiden = der F. muss unbe- (` Konjugation 3).
dingt vermieden werden. Nach der Art des Verbalgeschehens unterscheidet man 2
1.2 In prädikativer Funktion: der Vorgang war durchaus zwei Kategorien des Passivs:
verblüffend; der Mann war sehr entgegenkommend Das Vorgangspassiv setzt sich zusammen aus dem 2.1
(` Adjektiv 3.2). Partizip Perfekt des ` Vollverbs und einer Form des
1.3 In adverbialer Funktion: zähneknirschend ging er weg; ` Hilfsverbs werden. Das durch das Verb ausge-
die freie Hand mit zierlichen kleinen Gesten bewegend, drückte Geschehen wird hier als Vorgang und nicht
sagte er ... (` Adjektiv 3.3). als statischer Zustand dargestellt: der Lack wird ent-
2 Das P. des Perfekts stellt ein Geschehen oder Sein als fernt; die Treppe wurde geputzt.
vollendet oder vollzogen hin (Vollendungsform). Zu Das Zustandspassiv wird gebildet durch das Partizip 2.2
Besonderheiten in der Bildung trennbarer, untrennba- Perfekt des Vollverbs in Verbindung mit einer Form
rer Verbteil. des Hilfsverbs sein: die Straûe ist von Autos völlig ver-
2.1 Es wird attributiv gebraucht: stopft; das Gerät war nicht angeschlossen.
zu einem Substantiv, das den Träger (Agens) eines ab- Bei der unter ` 1 besprochenen Umformungsmög- 3
geschlossenen Vorgangs bzw. des dadurch entstande- lichkeit von Aktivsätzen in P.sätze ist Folgendes zu be-
nen Zustands bezeichnet: das gefallene Laub, der ge- achten:
lungene Streich; es handelt sich dabei um ` intran- Bei ` transitiven Verben kann das Akkustivobjekt des 3.1
sitive Vorgangsverben mit perfektiver Bedeutung Aktivsatzes (Patiens) in das Subjekt des P.satzes ver-
(` Aktionsart 2); wandelt werden. Man spricht hier von persönlichem
zu einem Substantiv, das das Ziel (Patiens) einer vollzo- P. (Beispiel: ` 1).
genen Handlung bezeichnet, also das Objekt eines Sowohl transitive als auch ` intransitive Verben kön- 3.2
transitiven Verbs: die gebratene Gans; die Flucht des nen jedoch ein unpersönliches P. bilden. Hier wird das
überstürzt auf den Thron gesetzten Königs. Oft wird Subjekt nur durch das Pronomen es vertreten, welches
das Attribut mit längeren Ergänzungen auch unflek- bei entsprechender Satzstellung auch weggelassen wer-
tiert nachgestellt: die Soldaten kehrten heim, erbittert den kann: es wurde viel gearbeitet; es kann dir nicht ge-
über die unzulängliche Führung, der sie ausgeliefert wa- raten werden (dir kann nicht geraten werden).
ren; da waren die bürgerlichen Gruppen, wenig zahlreich Von manchen transitiven Verben lässt sich kein Passiv 3.3
und auf die groûen Städte beschränkt. bilden: hier hast du eine Mark; Frau Lehmann bekommt
2.2 Prädikativisch gebraucht wird das P. des Perfekts auch ein Kind.
über die zusammengesetzten Verbalformen wie ich bin Dasselbe gilt auch für ` unpersönliche Verben: es reg-
gelaufen hinaus: der Brief liegt in der Schublade aufbe- net; es rauscht.
wahrt; er sah sich von den Nachbarn getäuscht. Auch reflexive Verben sind nicht passivfähig: er
3 Durch Wechsel der Wortart ergeben sich aus dem P. schämt, fürchtet, freut sich.
3.1 Substantive: der Vorsitzende, der Sterbende; der Abge- Das Zustandsp. im Präsens und Präteritum darf nicht 4
ordnete, der Geschworene; mit dem Perfekt und Plusquamperfekt des Aktivs ver-
3.2 Adjektive: ein dringender Brief, ein brennendes Inter- wechselt werden. In beiden Fällen beruht die Bildung
esse, der treffende Ausdruck, eine zuvorkommende Hal- auf einer Form von sein in Kombination mit dem Par-
tung, eine ausgesprochene Abneigung. Gelegentlich tizip Perfekt; Perfekt Aktiv: die Leidenschaft ist gekom-
kommen wie bei Adjektiven Komparativ- und Superla- men; Zustandspassiv Präsens: der Traum ist zerstört.
tivbildungen vor: ein treffenderer Ausdruck, die zuvor- Um festzustellen, ob es sich wirklich um ein P. handelt,
kommendste Haltung; in bestimmtester Form, die sinn- kann die Form worden hinzugefügt werden: * die Zeit
vollste Lösung. ist gekommen worden; der Traum ist zerstört worden.
In adverbialer Verwendung: das hast du treffend ge- Eine weitere Probe ist die Rückführung in das Präsens
sagt, das wird dringend gebraucht; er sprach gebrochen Aktiv: die Zeit kommt (nur auf der Grundlage des Per-
Deutsch. Der Übergang vom Partizip zum Adjektiv ist fekt Aktiv möglich); * der Traum zerstört.
flieûend.
Patiens
Partizipialsatz, Mittelwortsatz Im Gegensatz zum ` Agens Element innerhalb eines
` Gliedsatz, in dem eine Partizipialgruppe die Funk- Satzes, auf das eine Handlung gerichtet ist.
tion eines Relativ- oder ` Konjunktionalsatzes über- ` Passiv 1
pejorativ

pejorativ, deteriorativ Pers. sein): Und als der Herre mein ansichtig ward
Semantische Eigenschaft von Ausdrücken mit abwer- (Schiller, Teil III, 1); im Spätmittelhochdeutschen
tender, negativer ` Konnotation. Solche semanti- kam, wohl in Anlehnung an unser, euer, die Form mei-
schen Einheiten entstehen durch: ner, deiner (seiner) auf; ein Rest der alten Form begeg-
1 Wortbildungsmittel in Form von ` Suffixen bzw. net im Blumennamen Vergissmeinnicht.
` Präfixen: -ler (Umstürzler), -isch (kindisch), -ling Attributiv werden die Genitivformen bei Substantiven 2.2
(Schwächling), Ge- (Geplärre); kaum gebraucht, sondern durch das Possessivprono-
2 Neubildungen: engl. Krauts zur Bezeichnung der deut- men ersetzt, also meine Socke, dein Hut; nur in Verbin-
schen Soldaten bzw. der Deutschen im Allgemeinen, dung mit aller kommt das Genitivattribut vor: aber der
wobei das aus der Sicht der Engländer spezifische Herr warf unser aller Sünde auf ihn (Luther). Ursprüng-
Kennzeichen des Sauerkrautessens auf die gesamte lich partitiver Genitiv bei Zahlwörtern: unser drei,
Person (Nation) übertragen wird; auch: unsereiner.
3 Bedeutungswandel beispielsweise des Wortes Weib Für die 2. Pers. Sing. und Plur. tritt als Höflichkeits- 2.3
vom neutralen Begriff der erwachsenen Frau bzw. der form die groûgeschriebene 3. Plur. der 3. Pers. auf:
Ehefrau zur abfälligen Bezeichnung für Frau. Nom. Sie, Gen. Ihrer, Dat. Ihnen, Akk. Sie:
seien Sie versichert, dass wir Ihrer gedenken werden, Ih-
Perfekt, 2. Vergangenheit nen vertrauen und Sie hoch schätzen.
1 Ein ` Tempus (` Konjugation 1.1) der Vergangen- Ein umgangssprachlicher Gebrauch ist die (im Sinnzu- 2.4
heit, das ein vergangenes Geschehen oder Sein meist sammenhang entbehrliche) Verwendung des Dativs,
aus dem Blickwinkel der Gegenwart betrachtet. Des- die in der lat. Grammatik als Dativus ethicus (` Da-
halb ist das vergangene Geschehen häufig für die Ge- tiv 2.2) bezeichnet wird und eine gefühlsmäûige Anteil-
genwart bedeutsam: ich habe Recht behalten (habe jetzt nahme des Sprechers oder des Angesprochenen aus-
noch Recht); die Mutter hat Kuchen gebacken (wir kön- drückt: pass mir gut auf!
nen ihn jetzt essen); heute haben wir eine Mathematik- Die 3. Person 3
arbeit geschrieben (ich bin gespannt, wie sie ausgefallen hat folgende Formen, die im Singular nach dem Genus 3.1
ist); ich habe das vergessen (weiû es jetzt nicht mehr, ge- unterschieden werden:
genüber: ich vergaû das [bald wieder] ); wir sind in Ita-
lien gewesen (und denken jetzt noch gern daran; gegen- Sing. Plur.
über der Feststellung: wir waren in Italien). Mask. Fem. Neutr.
2 Im Hinblick auf diesen Gegenwartsbezug steht das P. Nom. er sie es sie
als Tempus in Gegensatz zum ` Präteritum. In der ge- Gen. seiner ihrer seiner ihrer
sprochenen Sprache verwischen sich jedoch allmäh- Dat. ihm ihr ihm ihnen
lich die Unterschiede zwischen diesen beiden Zeitfor- Akk. ihn sie es sie
men.
3 Über die Bildung der Perfektformen ` Konjugation es erscheint: 3.2
2.6 u. 3. oft als Vorläufer des eigentlichen Subjekts und ermög-
licht seine betonte Endstellung: es war einmal ein Mül-
perfektiv ler, der war arm; es führen viele Wege nach Rom; es irrt
` Aktionsart der Mensch, solang er strebt; das gilt besonders, wenn
das Subjekt ein Gliedsatz ist: es ist nicht gut, dass der
Person Mensch allein sei; es ist Arznei, nicht Gift, was ich dir rei-
Grammatische Kategorie des ` Verbs, die die ` fini- che (Lessing); oder eine Infinitivgruppe mit zu: es ist
ten Verbformen (zusammen mit der Kategorie des nicht schön, das mitansehen zu müssen. (` unpersönli-
` Numerus) kennzeichnet. Die 1. P. bezeichnet den ches Verb)
Sprecher selbst; mit der 2. P. wendet sich der Sprecher Auch als (entbehrlicher) Vorläufer eines Objektsatzes
an einen (oder mehrere) Hörer; die 3. P. ist bezogen auf (Akk.) begegnet es: willst du (es) gar nicht einsehen,
denjenigen (diejenigen), über den (die) gesprochen dass du Unrecht hast? Es nimmt auch ein vorangegan-
wird bzw. auf das, was besprochen wird. genes ` Prädikativ wieder auf: bist du zufrieden? ich
bin es; oder weist auf ein folgendes Prädikativ hin: es
Personalpronomen, persönliches Fürwort ist spät, wird Frühling.
1 Eine Untergruppe des ` Pronomens (3.1), die anstelle es war im Mittelhochdeutschen auch Genitivform; sie
eines Substantivs steht: sie ¹nenntª bestimmte Perso- hat sich in Resten erhalten: ich bin es (= dessen) satt,
nen (auch Gegenstände): (ich, du, er, sie, es; wir, ihr, sie; müde; sie haben©s (= es = dessen) kein© Gewinn (Lu-
sich = ` Reflexivpronomen, ` 4), die Sprecher und ther).
Hörer bekannt sind (` Anapher). Wenn Subjekt und Objekt eines Satzes identisch sind, 4
2 ich, wir bezeichnen die sprechende 1. Person oder eine ersetzt das ` Reflexivpronomen das Objekt: ich wa-
Gruppe, der sich der Sprecher zugehörig fühlt, du, ihr sche mich, du kämmst dich, sie tröstet sich (Akk.objekt);
die angesprochene(n) 2. Person(en). er kauft sich ein Haus, wir erhofften uns bessere Zu-
2.1 Die Deklination zeigt folgende Formen: stände (Dativobjekt).
Eine besondere Form für das Reflexivpronomen gibt
Nom. ich wir du ihr es also nur für die 3. Pers.; für die 1. und 2. Pers. treten
Gen. meiner unser deiner euer Formen des P.s ein.
Dat. mir uns dir euch
Akk. mich uns dich euch Phonem
Die kleinste bedeutungsunterscheidende sprachliche
Das Geschlecht ist bei diesen 1. und 2. Personen nicht Einheit, z. B. /m/ und /d/ in mein-dein. Anzahl und
gekennzeichnet. Der Gen. Sing. hieû im Mittelhoch- Art der P.e sind von Sprache zu Sprache verschieden.
deutschen und noch bei Luther mein, dein (auch: 3. Die Beschreibung des P.inventars einer Sprache er-
Prädikat

möglichte der Strukturalismus durch seine Arbeitsme- Possessivpronomen, besitzanzeigendes Fürwort


thoden der Segmentierung und Klassifizierung. ` Pronomen zum Ausdruck von Besitzverhältnissen,
Zusammengehörigkeit bzw. Zuordnung: mein, dein,
Phonetik sein, ihr, unser, euer.
Wissenschaft von den ` Lauten, Lautlehre. Gegen- Das P. steht in enger verwandtschaftlicher Beziehung
stand der P. sind nicht nur die einzelnen Laute, son- mit dem ` Personalpronomen. Etymologisch (` Ety-
dern auch die Eigenschaften von Lautfolgen (` Beto- mologie) gesehen handelt es sich um den Genitiv des
nung, ` Intonation) sowie die materiellen Grundla- Personalpronomens, was sich noch in einigen Formen
gen der Prozesse von Sprechen, Hören und Verstehen. widerspiegelt: ich ± (meiner) ± mein; du ± (deiner) ± dein.
` Laut, Konsonant, Vokal, Diphthong Das P. kann sowohl Begleiter- als auch Stellvertreter-
funktion übernehmen:
Phonologie Als Begleiter orientiert sich das P. an zwei Bezugsgrö- 1
Lehre von den ` Phonemen als abstrakten Einheiten ûen: es richtet sich erstens nach dem Bezugswort, vor
des Sprachsystems, im Unterschied zur ` Phonetik, dem es steht und zweitens nach dem Substantiv, für
die sich mit den tatsächlich realisierten Lauten bzw. das es steht. Die formale Abhängigkeit von dem Be-
Lautfolgen und deren materiellen Eigenschaften be- zugswort, vor dem es steht, drückt sich in der unter-
fasst. schiedlichen Flexion des P.s aus: soll ich d en/mein en
Rock oder d ie/mein e Hose anziehen? Die formale Ab-
Phraseologismus hängigkeit von dem Substantiv, an dessen Stelle es
` Idiom steht, findet ihren Ausdruck in den verschiedenen P.:
möchtest du Peters / seinen oder Utas / ihren Malkasten
Plural, Mehrzahl ausleihen?
Grammatische Kategorie der Nomina und Verben, Ge- Als Stellvertreter nimmt das P. die Rolle eines nomina- 2
genbegriffe: Singular, Dualis. ` Numerus. len Satzgliedes ein.
Zur Bildung der P.formen bei Verben ` Konjugation. Wird es ohne Artikel verwendet, so treten die zusätzli- 2.1
Zur Bildung der P.formen bei Nomina ` Deklination. chen Endungen -er (im Nom. Sing. Mask.) und -(e)s (im
Pluralische Funktion kann beim Substantiv auch von Nom./Akk. Neut. Sing.) auf: (Beispiele:) wem gehört
der Sammelbezeichnung (` Kollektivum) übernom- der Füller? ± das ist mein er; wem gehört das Buch? ±
men werden. das ist mein (e)s.
In Verbindung mit dem Artikel entsprechen die En- 2.2
Pluraletantum, Pluralwort dungen der schwachen Adjektivdeklination: wem ge-
Bezeichnung für deutsch- und fremdsprachige Sub- hört das Buch? ± es ist das meine. Diese Verwendungs-
stantive, die nur (= lat. tantum) im Plural vorkommen; art beschränkt sich schwerpunktmäûig auf den geho-
z. B. Alimente, Auslagen (in der Bedeutung ¹ausgelegtes benen Sprachgebrauch.
Geldª), Blattern, Diäten (in der Bedeutung ¹Auf- Deklination des P.s am Beispiel mein: 3
wandsentschädigungª), Eingeweide, Ferien, Flitterwo-
chen, Gliedmaûen, Graupen, Kosten, Masern, Nachwe- Sing. Plur.
hen, Ostern, Pfingsten, Spesen, Tropen.
Mask. Fem. Neutr. MFN
Plusquamperfekt, 3. Vergangenheit, Vorvergangen-
heit, vollendete Vergangenheit Nom. mein meine mein meine
1 Ein ` Tempus des Verbs, gebildet durch das ` Parti- Gen. meines meiner meines meiner
zip des Perfekts mit den Präteritalformen von haben Dat. meinem meiner meinem meinen
oder sein: ich hatte gelesen, war gegangen. Akk. meinen meine mein meine
2 Es bezeichnet eine ¹mehr als vergangeneª Zeit, d. h., es
drückt gegenüber einem vergangenen Geschehen ein
zeitlich noch vorausliegendes Geschehen aus: als Prädikat, Satzaussage
(nachdem, sobald) er eingetroffen war, stellte er fest, ` Satzglied, das zusammen mit dem ` Subjekt die 1
dass...; kaum war die Sonne aufgegangen, da bezog Grundform eines einfachen ` Aussagesatzes bildet.
sich der Himmel mit Wolken. Das P. kann durch die Hilfsfrage ¹Wie verhält sich
3 Die Wahl der jeweiligen Präteritalform von haben oder das Subjekt?ª bzw. ¹Was wird über das Subjekt ausge-
sein korrespondiert mit der des ` Perfekts (` Konju- sagt?ª ermittelt werden.
gation 2.6 und 3). In Abhängigkeit von seiner ` Valenz bestimmt der fi-
nite Prädikatsteil Art und Anzahl derjenigen Satzglie-
Polysemie der, die neben dem Subjekt notwendig sind, um einen
Inhaltliche Mehrdeutigkeit eines Ausdrucks, wobei die grammatisch korrekten Satz zu erzeugen. (` Rektion,
unterschiedlichen Bedeutungen Parallelen aufweisen Satzmuster)
und häufig auf einer Grundbedeutung basieren. Im Das einfache P. beschränkt sich im Deutschen auf die 2
Gegensatz zur ` Homonymie geht man bei der P. ` finite (flektierte) Verbform. Subjekt und P. müssen
von einer gemeinsamen Etymologie aus: in Person und Numerus übereinstimmen (` Kongru-
Läufer = a. Sportler, b. Schachfigur, c. Teppich enz):
Stock = a. Holzstück, b. Spazierstock, c. Etage ich sitze; die Hunde schlafen.
Im Einzelfall lässt sich jedoch die P. schwer von der Das einfache P. steht in den Zeitformen ` Präsens und
Homonymie trennen, da das etymologische Kriterium ` Präteritum.
unscharf ist. Das mehrteilige P. ist hauptsächlich bei den zusam- 3
mengesetzten Tempora anzutreffen;
Positiv, Grundstufe Futur I: die Gelder werden flieûen.
` Komparation Perfekt: ich habe schon gefrühstückt.
Prädikativ

Die flektierte Verbform (werden, habe) repräsentiert ein negatives Element einführen: Untat, Unfall, Un-
den finiten Prädikatsteil, die anderen Verbformen kraut, Unrat, Unzucht;
sind infinit (` infinite Verbform). auch ein steigerndes Element: Unkosten, Unmenge,
Mehrteilig sind auch solche Prädikate, die sich aus ei- Unzahl.
nem ` Modalverb und einem Infinitiv zusammenset- ur-/er-: als nominales P. hat sich die Form ur- erhalten. 1.2
zen: Beim Verb ist es zu er- geworden (` 2.2). Aus der
Sie sollen jetzt endlich anfangen. Grundbedeutung ¹ausª ergibt sich die Bedeutung
Die Stellung des finiten Prädikatteils bestimmt die von einem Ausgangszustand, von etwas Anfänglichem:
Satzart (` Wortstellung). Der finite Prädikatsteil Urzeit, -bild, -mensch, -heimat, -schrift, -text, -wald, -ab-
nimmt im Aussagesatz normalerweise die zweite Satz- stimmung, -aufführung; urverwandt, -eigen; ähnlich wie
gliedstelle ein: un- bekommt auch das P. ur- bei manchen Adjektiven
Er kommt heute später zurück. eine verstärkende Bedeutung: uralt, urgemütlich, urko-
misch, urplötzlich.
Prädikativ Es folgen einige wichtige nominalen Fremdp.e, die so- 1.3
Nominaler Satzteil, der zusammen mit einem Kopula- wohl in Verbindung mit Substantiven als auch mit Ad-
verb (` Kopula) das Prädikat bildet. jektiven stehen und im Deutschen auf synchroner
1 Das P. kann in den folgenden grammatischen Katego- Ebene noch analysierbar bzw. produktiv sind:
rien auftreten: als a-, vor Vokalen an-: Analphabet, atypisch; in-: Inva-
1.1 Prädikatsnomen (Gleichsetzungsnominativ): riante, inaktiv, auch in den Morphemvarianten il- und
er ist / bleibt Präsident; ir-: Illegalität, Irregularität; dis- (lat. ¹auseinanderª):
1.2 Prädikatsakkusativ: Disharmonie, diskontinuierlich; (in allen drei Fällen
sie nannte ihn einen Geldverschwender; handelt es sich um Negationspräfixe); anti- (gr. ¹ge-
1.3 Prädikatsadjektiv: genª): Antikörper, antisemitisch; auto- (gr. ¹alleinª):
er bleibt sich selbst treu; Autobiographie, autodidaktisch; inter- (lat. ¹zwi-
1.4 Prädikatsadverb: schenª): Interhotel, international; ko- (lat. ¹zusammen
Anneliese ist dort; mitª) auch in den Varianten kon- und kor-: Kopilot,
1.5 Prädikativsatz: Konfrater, korrelativ; mono- (gr. ¹allein, einzigª): Mo-
sie schien doch so zu sein, wie ich es niemals für mög- nokultur, monographisch; poly- (gr. ¹vielª): Polygamie,
lich gehalten hätte. polychrom.
2 In Abhängigkeit von der syntaktisch-semantischen Be- Verbale P.e: Auch diese P.e waren ursprünglich selb- 2
ziehung der entsprechenden Konstituenten im Satz un- ständige Wörter.
terscheidet man zwischen: be-, mit bei verwandt, hatte anfangs Richtungsbedeu- 2.1
2.1 Subjektsprädikativ: tung; die Bedeutung verallgemeinerte sich vielfach
Herr Weidemann ist Bäcker. auf eine Verstärkung und Bewältigung der verbalen Tä-
Das P. bezieht sich auf das Subjekt. tigkeit hin: bedecken, bedrängen, beschlieûen, betreiben,
2.2 Objektsprädikativ: behindern; aber auch intransitiv: befahren, beschreiten,
Man betrachtet ihn als einen Lügner. bekommen, besitzen, bewachen. Manche der Verben
Das P. bezieht sich auf das Objekt. sind von Substantiven abgeleitet und bedeuten ¹verse-
hen mitª (= ` Aktionsart 3.6): bewölken, beseelen, be-
Prädikativsatz urkunden. Intransitiv sind: behagen, beharren, beru-
` Gliedsatz, der die Stelle eines Prädikatsnomens hen.
(` Prädikativ) einnimmt: er ist, was man einen Intellek- er- (` 1.2): ursprünglich = ur-, durch Tonlosigkeit ab- 2.2
tuellen nennt. Die Zusammensetzung des Kollegiums geschwächt; Bedeutung: örtlich ¹(her)aus, emporª,
bleibt, wie sie letztes Jahr war. zeitlich ¹dem Ende zuª: erbrechen, erziehen, erheben,
ernähren; inchoativ (einen Anfang bezeichnend, ` Ak-
Prädikatsnomen tionsart 3.7): erblühen, erschrecken; resultativ (` Ak-
` Prädikativ tionsart 3.8): in der Bedeutung ¹töten/sterbenª: er-
schlagen, ertränken, erleben; ertrinken, erfrieren,
Präfix, Vorsilbe erliegen; ferner: erlösen, erhören, erzielen, erwerben;
Die Wortbildung mithilfe von P.en, die so genannte auch: erwidern, erlauben, erwähnen, ersetzen.
Präfixbildung zeichnet sich dadurch aus, dass ein ge- ent- (ahd. int-, älter ant-; ¹gegenª; vgl. Antwort, An- 2.3
bundenes Morphem an den Wortanfang tritt. Sie steht reiz); es deutet demnach oft einen Gegensatz an, der
im Gegensatz zur Suffigierung, der Wortbildung mit- die Handlung des Verbs aufhebt: entfalten, entfesseln,
hilfe von ` Suffixen. Da es einige P.e gibt, die nur entbinden, entladen; eine Trennung, ein Rückgängig-
bei Nomina vorkommen, empfiehlt es sich, die P.e machen der Handlung: entlassen, entführen, enthaup-
nach ihrer Verwendung zu gliedern: 1. bei Nomina, ten, entspringen, entfliehen, entfärben, entfetten.
2. bei Verben, 3. bei beiden Wortarten. Es gibt aber auch andere Entstehungsmöglichkeiten: in
1 Nominale P.e (bei Substantiven und Adjektiven): inchoativer Bedeutung: entschlafen, entflammen, ent-
1.1 un- ist eine Negationspartikel, drückt also einen Ge- zünden liegt in en = hinein (mit Gleitlaut) zugrunde;
gensatz aus. in entbehren die alte Negationsform en (Gegenstück
un- kommt besonders häufig bei Adjektiven vor, die zu gebären).
von meist zusammengesetzten Verben abgeleitet sind; ver-: in diesem P. sind mehrere Partikel zusammenge- 2.4
manche kommen sogar nur mit dem P. vor: unabänder- fallen, die ¹vor(bei), weg, (her)ausª bedeuteten; heute
lich, unabdingbar, unabhängig; unaufhaltsam, unauf- lässt sich eine einheitliche Bedeutung von ver- vor Ver-
hörlich, unausbleiblich, unbedeutend, unbefriedigend, balstämmen nicht mehr angeben (` Artikel ver... im
ungenügend; unangebracht, unberührt; bei Substanti- Wörterbuch): verhauen, verbrauchen, verbrennen, ver-
ven: Unlust, Unschuld, Unreife. knüpfen; verbinden, verbieten, vertreiben, verhüten; ver-
Nicht immer drückt un- einen Gegensatz aus; es kann laufen, verschlafen, verbummeln, vertrauen. Mit Adjek-
Präposition

tivstämmen (oft im Komparativ) bildet es Verben, die Auf diese Weise können sich ` Adverbialbestimmun- 1.1
ein ¹Machenª bedeuten (Faktitive, Aktionsart 3.4): ver- gen: das Bild hängt an der Wand, ` Attribute: das Bild
jüngen, vergüten, verheilen; verbessern, verschönern. an der Wand ist nicht deutlich zu sehen und ` Präposi-
Mit Substantiven entstehen Bewirkungswörter: ver- tionalobjekte ergeben: seine Aussage beruht auf Wahr-
schalen, verkeilen, vergällen, verehren. heit. Auch Adjektive können bestimmte P.en fordern:
Gelegentlich wirkt ver- verstärkend: verdeutlichen, ver- der Mann ist für diese Tätigkeit nicht geeignet.
wässern. Die P.en regieren verschiedene ` Kasus, d. h. die bei 1.2
2.5 zer- bedeutet Sonderung, Trennung, Teilung: zer- ihnen stehenden Substantive bzw. Pronomina erhalten
streuen, zerstückeln, zerschlagen, zersetzen, zerpulvern, unterschiedliche Formen (` 3).
zerkleinern. Die P.en stehen im Allgemeinen, wie ihr Name sagt, 2
2.6 Es folgen die wichtigsten verbalen Fremdp.e. Wie im vor dem von ihnen abhängigen Wort, doch kommt
nominalen Bereich (` 1.3) werden nur solche behan- auch Nachstellung oder Umrahmung vor.
delt, die im Deutschen auf synchroner Ebene noch ana- Nachgestellt werden: dringender Geschäfte halber, 2.1
lysierbar bzw. produktiv sind: dem Verbot zuwider, dir zuliebe.
dis-: disqualifizieren; de- (vor Vokalen des-): demotivie- Vor- und Nachstellung sind möglich bei: entgegen 2.2
ren, demontieren, desinfizieren; in-: insistieren, instruie- meinem Vorschlag = m. V. entgegen; gegenüber, unge-
ren, infiltrieren; re-: reproduzieren, reparieren, rekapitu- achtet, wegen.
lieren. Mit dem Stellungswechsel ist ein Wechsel des regierten 2.3
Charakteristisch für diese Bildungen ist, dass der Kasus verbunden bei: zufolge des Befehls = dem Be-
Stamm zwar mit verschiedenen Präfixen, jedoch nicht fehl zufolge; entlang des Gebirgszuges = dem Gebirgs-
allein vorkommt. zug entlang liegen die Dörfer (Ruhe), die Bahn fährt
3 P.e bei Nomina und Verben den Gebirgszug entlang (Bewegung).
3.1 ge- (entspricht dem lat. con-) bezeichnet bei Substanti- Mit dem Stellungswechsel kann ferner eine Andeutung 2.4
ven ein Zusammen(sein): Gebrüder, Gemahl, Gefährte des Sinnverhältnisses verbunden sein: über die Brücke
und ist darum geeignet, Kollektiva zu bilden, oft zu- gehen (lokales Verhältnis), das ganze Jahr über (tem-
sammen mit dem Suffix -e: Gebirge (` Kollektivum). poral); nach München (lokal), nach einem Jahr
Weiterhin können Substantive mit ge- ein Ergebnis ei- (temporal), der Bildung (dem Namen) nach (modal).
nes verbalen Vorgangs bedeuten: Gebräu, Gebinde, Umrahmung kommt vor bei: von Mittag an, um Got- 2.5
Geschenk, Gewächs, Gemälde; auch den Vorgang tes willen, von Amts wegen.
selbst: Gebrüll, Geflüster, Geschrei, Geschwätz, Gewühl Übersicht über die P.en (nach den regierten Kasus zu- 3
(` Suffix 3.1). sammengefasst):
Auch bei Adjektiven kommt das P. vor: gemein, geheim, Akkusativ: bis, durch, für, gegen, ohne, betreffend, um, 3.1
genau, gerade, gesund. wider.
Bei Verben ging die Grundbedeutung meist verloren; Dativ: ab, aus, auûer, bei, binnen (` 3.6), entgegen, ent- 3.2
gefallen, gestehen; eine perfektivierende Bedeutung, sprechend, gegenüber, gemäû, mit, nach, nächst, nebst,
die sich daraus entwickelte, hat dazu geführt, dass ge- samt, seit, von, zu, zufolge (` 2.3), zuwider.
das Kennzeichen des 2. Partizips wurde; im Übrigen Dativ zur Bezeichnung einer Ruhelage, Akkusativ 3.3
ist dieser Sinn zurückgetreten: gedenken, gebieten, ge- zur Bezeichnung einer Bewegungsrichtung: an, auf,
horchen, gebären, geschehen, gestatten, gewinnen. entlang (` 2.3), hinter, in, neben, über, unter, vor, zwi-
3.2 miss-, volle Form in Missetat; Grundbedeutung ur- schen: in die Stadt gehen, in der Stadt leben.
sprünglich ¹wechselseitig, verschiedenartigª wie in Genitiv: abseits, anlässlich, betreffs, bezüglich, binnen 3.4
misslich (was verschieden ausfallen kann, d. h. auch (` 3.6), entlang (2.3), oberhalb/unterhalb, hinsichtlich,
übel), misshellig (verschieden tönend, uneinig); daraus kraft, längs, laut, mangels, mittels, seitens, statt, unbe-
entwickelte sich ¹verkehrtª: missbrauchen, missdeuten; schadet, ungeachtet, unweit, vermöge, während, wegen,
¹übelª: misshandeln, Missgeschick, missgelaunt; ¹Ver- zufolge (` 2.3), zwecks.
kehrung ins Gegenteilª: missachten, missbilligen. Bei Die Substantive Dank und Trotz sind P.en geworden: 3.5
Verben bildet das P. feste ` Partikelverben, weil der dank, trotz. In den Wendungen: Dank sei... und Trotz
Hauptton auf dem Verb liegt: ich missachtete, habe sei geboten... folgte früher der Dativ. Beide Präpositio-
missachtet; weil ich missachte, zu missachten. nen sind heute vorzugsweise mit dem Genitiv verbun-
Bei einigen Verben haben sich jedoch die Betonungs- den: dank eures guten Willens; trotz deines Leugnens;
verhältnisse geändert, weil die Hervorhebung des Ge- (in Einzelfällen, bes. bei dank oder bei regionalem Ge-
genteils die Betonung des P.es mit sich brachte, wie brauch, ist auch der Dativ möglich); der Dativ hat sich
sie sich bei den meisten Substantiven und Adjektiven gehalten in trotzdem, trotz allem.
findet: missbilden (Missbildung), missgestalten (miss- binnen wird heute nur noch zum Ausdruck eines Zeit- 3.6
gestalt[et]), missverstehen (Missverständnis). verhältnisses gebraucht, meist mit dem Dativ: binnen
drei Jahren, aber auch mit Genitiv: binnen dreier Jahre.
Präfixbildung, Präfigierung Nach den durch sie gekennzeichneten Verhältnissen 4
Mittel der Wortbildung, das sich von der ` Ableitung lassen sich die P.en unterscheiden in:
und der Zusammensetzung unterscheidet. Im Gegen- lokale, und zwar bezeichnen sie einen Ort: z. B. in Ber- 4.1
satz zum Substantiv und zum Adjektiv handelt es sich lin, gegenüber unserem Haus, bei dir;
dabei um einen verbreiteten Wortbildungstyp des eine Richtung: nach Rom, in die Bar, wider den Feind;
Verbs, in dessen Rahmen ein ` Affix vor den einen Ausgangspunkt: von (ab) Berlin, aus Köln.
` Stamm gesetzt wird. temporale: Zeitpunkt: am Jahresende, in den Ferien; 4.2
Zeiterstreckung: binnen zwei Monaten, während ei-
Präposition, Verhältniswort niger Wochen;
1 Unveränderliche ` Wortart, deren Funktion im Satz Beginn eines Zeitabschnitts: seit deinem Geburtstag;
darin besteht, Wörter (bzw. Wortgruppen) zueinander modale: mit Erfolg, um vieles besser, für unsere Verhält- 4.3
in Beziehung zu setzen. nisse, dank deiner Hilfe, ohne Zögern;
Präpositionalobjekt

4.4 kausale: wegen dieses Vorfalls, mit dem Hammer, in- und 3), ist das P. das ` Tempus der historischen Erzäh-
folge des Unfalls, trotz meiner Bitte, zur Erholung. lung und schildert vergangenes Geschehen in seiner
4.5 Weitere Beispiele ` Adverbialbestimmung 2. Abgeschlossenheit; es wird schwerpunktmäûig in der
geschriebenen Sprache eingesetzt: Johannes Unwirrsch
Präpositionalobjekt tat auch, was er nicht lassen konnte, er legte Löffel,
Durch die ` Rektion bzw. ` Valenz des Verbs gefor- Messer und Gabel nieder, sah den fröhlichen Herrn meh-
dertes ` Satzglied, das durch eine Präposition einge- rere Augenblicke starr und bleich an, wischte den kalten
leitet wird. Im Gegensatz zum präpositionalen Gefüge Schweiû von der Stirn und goû auf das Gewühl und Ru-
(` Angabe, freie; Adverbialbestimmung 3) ist beim P. moren in seinem Innern sehr schnell hintereinander drei
die zugehörige Präposition eng mit dem finiten Verb Gläser Wein, die ihm bei seinem aufgeregten Zustande
verbunden: baldigst zu Kopfe stiegen (Raabe: Der Hungerpastor).
denken an, forschen nach, fragen nach, sich fürchten vor, Über den Unterschied zur 2. Vergangenheit ` Perfekt. 2
glauben an, klagen über, lachen über, warten auf:
der Mann fragt nach dem Weg, wartet auf seinen privativ
Freund. ` Aktionsart

Präsens, Gegenwart Proklise


1 Ein ` Tempus des ` Verbs, das im Dt. vielfältige Verschmelzung eines kurzen und schwach bzw. unbe-
Funktionen hat. Es kann ein gerade ablaufendes Ge- tonten Wortes mit dem folgenden betonten Wort.
schehen bezeichnen: das Kind spielt (gerade) mit dem Diese Reduzierung ist mit Lautverlust oder Lautschwä-
Ball; aber auch etwas, das über die unmittelbare Ge- chung verbunden: ein Haus ± ©n Haus.
genwart hinausgeht: Hans besucht die Oberschule (seit Gegenbegriff: ` Enklise
5 Jahren, und es dauert noch 4 Jahre); ferner allgemein
gültige Tatsachen: zwei mal zwei ist vier. Pronomen, Fürwort
2 Für vergangenes Geschehen benutzt der Sprecher (Er- Veränderliche ` Wortart, deren Funktion im Satz 1
zähler) gelegentlich das P., um es dem Hörer besonders darin besteht, die Stelle eines ` Nomens einzunehmen
lebendig und gegenwärtig zu machen (historisches P.): oder als ` Attribut zu einem Nomen zu treten.
Schiller lässt im Tell Baumgarten berichten: ¹Ich hatte Das P. kann somit Stellvertreter (ich, wer?, niemand, et- 2
Holz gefällt im Wald, da kommt mein Weib gelaufen was) oder Begleiter eines Substantivs (mein, dieser, wel-
in der Angst des Todes ... Da lief ich frisch hinzu.ª cher) sein. Viele Promomina können jedoch beide
3 Auch künftiges Geschehen wird sehr häufig in das P. Funktionen wahrnehmen.
gesetzt, wodurch die umständlichere, zusammenge- Im Einzelnen lassen sich die folgenden drei Gruppen 3
setzte Form des ` Futurs vermieden wird; dabei macht mit je zwei Untergruppen unterscheiden:
man oft durch eine ` Temporalbestimmung (Adverb) Fürwörter, die anstelle von Substantiven stehen; sie 3.1
die Zukünftigkeit deutlich: heute Abend gehen wir ins nennen stellvertretend Personen und Sachen, und
Theater; meine Frau ist heute abgereist, und ich fahre zwar bestimmte: z. B. ich, du, er, sie, es ` Personalpro-
in drei Tagen nach. Das P. ist somit auch geeignet zur nomen; sich: ` Reflexivpronomen; die 1. u. 2. Person
Voraussage: ich komme bestimmt; du hast sicher kein stimmt in den Formen mit dem Personalpronomen
Glück mit deinem Vorhaben; und zum Befehl: II. Ba- überein;
taillon hält bis 10.00 Uhr als Nachhut die Höhe 1 km süd- unbestimmte: z. B. irgendwer, jemand, etwas, jeder,
lich... und folgt dann dem Regiment. man: Indefinitpronomen.
4 Der Form nach gehört das P. zur 1. Grundform Hinweisende Fürwörter: sie weisen den Hörer 3.2
(` Konjugation 2 und 3). ± auf Bekanntes hin: z. B. der, dieser, jener, derselbe,
solch: Demonstrativpronomen;
Präteritopräsentia ± auf ihm Unbekanntes hin und regen ihn durch die
Plur. zu Sing. ¹Präteritopräsensª, ehemals ` starkes Frageform dazu an, sich Aufschluss zu suchen: wer,
Verb, dessen präteritale Form im Laufe seiner Entwick- welcher? ` Interrogativpronomen.
lungsgeschichte die Bedeutung des Präsens übernom- Zuordnende Fürwörter: sie ordnen etwas einer Person 3.3
men hat. Zu den P. zählen Verben wie: wissen, können, oder Sache zu:
mögen, sollen, dürfen. Bei dieser Funktionsverschie- dem Bereich des Sprechers, Angesprochenen oder Be-
bung der Tempora sind die folgenden Veränderungen sprochenen (1., 2. oder 3. Person) wird etwas als zuge-
zu beobachten: hörig oder ihn betreffend zugeordnet: z. B. mein Vater,
Das ursprüngliche Präsens solcher Verben ging verlo- dein Buch, seine (= des Schülers) Versetzung; Posses-
ren, so dass diese Zeitfunktion vom ehemals starken sivpronomen;
Präteritum übernommen wurde. Um die nun fehlende einer meist vorher genannten Person oder Sache wird
Präteritalform zu ersetzen, wurden schwache Formen ein in einem Gliedsatz ausgesagtes Geschehen zuge-
mithilfe des Dentalsuffixes (t . . .) gebildet. ordnet: z. B. der Mann, der (welcher) mir begegnete,
Die P. weisen die unten beschriebenen Kennzeichen ..., in der Zeitung, die (welche) ich gestern las, ..., der
auf: 1. ¾nderung des Vokals im Sing. und Plur. des Prä- gute Vorsatz, zu dem (welchem) ich mich durchgerun-
sens (also des ursprünglichen Präteritums): ich weiû / gen hatte, ...: ` Relativpronomen.
kann ± wir wissen / können; 2. die 1. und 3. Pers. Sing. Zur Formenbildung der Pronomina im Einzelnen 4
Präsens ist endungslos: ich / er weiû / kann. ` Demonstrativpronomen, Indefinitpronomen, Inter-
Man klassifiziert die Verben als unregelmäûig, weil sie rogativpronomen, Personalpronomen, Possessivpro-
sowohl Kennzeichen der starken als auch der schwa- nomen, Reflexivpronomen, Relativpronomen.
chen Verben aufweisen (` Konjugation 2.3).
Pronominaladverb, Umstandsfürwort
Präteritum, I. Vergangenheit Untergruppe des ` Adverbs, bei der eine Zusammen-
1 Der Form nach die 2. Grundform (` Konjugation 2 setzung aus den Adverbien da, hier und wo mit Präpo-
Rechtschreibung

sitionen wie an, auf, aus, bei usw. vorliegt: darauf, dar- Rechtschreibung, Orthographie
unter, hierin, worüber, woran usw. Die Ursachen für Probleme mit der deutschen R. sind 1
Ein P. ist nicht deklinierbar und steht anstelle einer vielfältig:
sachbezogenen Präpositionalgruppe (Präposition + 1. Der Bestand an ` Phonemen entspricht nicht der
Substantiv im Dativ oder Akkusativ) und erfüllt die Zahl der Buchstaben, so dass oft für mehrere Phoneme
syntaktische Funktion einer ` Adverbialbestimmung nur ein Buchstabe verwendet wird (z. B. s für [s] und [z]),
oder eines Präpositionalobjektes: Die Bananen liegen manche Phoneme durch verschiedene Buchstaben wie-
in der Schüssel/darin. Er sorgte für eine bessere Woh- dergegeben (z. B. [f] durch f oder v), andere Phoneme
nung/dafür. wiederum nur durch mehrere Buchstaben dargestellt
werden können (z. B. [(] durch sch).
Punkt 2. Manche Mundarten haben eine von der Hochspra-
Das Satzzeichen, mit dem ein Satz abschlieût. che abweichende phonematische Struktur, und des-
Der P. erscheint bereits auf altgriechischen und altrö- halb haben manche Sprecher dieser Mundarten zusätz-
mischen Inschriften und in Handschriften. Er wurde liche Schwierigkeiten mit der R.
nicht nur wie jetzt unten neben die Buchstaben gesetzt, 3. Unsere Schrift war geschaffen zur Schreibung der la-
sondern auch oben daneben und in mittlerer Höhe; es teinischen Sprache, die in ihrem Phonembestand mit
gab runde, drei- und viereckige P.e; es wurden ein oder der deutschen Sprache nicht völlig übereinstimmt.
mehrere P.e gesetzt. Der P. diente zur Trennung von 4. Die Schreibung strebt nicht nur nach phonemati-
Wörtern, Sätzen, Versen; es gab bis zum Mittelalter scher Wiedergabe des gesprochenen Wortes, sondern
kein einheitlich geregeltes System der ` Interpunk- oftmals auch danach, verwandte Wörter möglichst
tion. gleichartig zu schreiben.
Als einheitliches Satzschlusszeichen wird der P. erst 5. Andererseits unterscheidet man mitunter gleichlau-
seit Anfang des 16. Jh.s verwendet. tende Wörter mit verschiedener Bedeutung durch un-
Der P. steht: terschiedliche Schreibweise.
1 am Schluss eines Aussagesatzes: 6. Dazu kommt die Einführung groûer Anfangsbuch-
Mein Freund ist gestern zu Besuch gekommen. staben für die Substantive, was bei der substantivischen
1.1 Wenn in einem Satzgefüge ein abhängiger Fragesatz Verwendung von Wörtern anderer Wortarten eine
oder auch ein abhängiger Wunsch- oder Befehlssatz Fülle von Schwierigkeiten bereitet.
vorkommt, so ist doch der Charakter des Hauptsatzes Schon daraus ergibt sich die Notwendigkeit von ver- 2
als Aussagesatz für die Setzung des Schlusspunktes bindlichen Regeln für die R. In den ersten Jahrhunder-
maûgebend: Ich weiû nicht genau, wann unser Freund ten der Neuzeit lag die Rechtschreibung weniger in den
kommen wird. Ich habe ihn dringend gebeten, uns doch Händen der Schriftsteller als in denen der Buchdru-
zu helfen. cker; das Auffälligste war damals die Aufblähung der
Handelt es sich jedoch beim Hauptsatz selbst um einen Konsonanten: Marckt, Volck, Ambt, nemblich, auffzu-
Fragesatz, so ist ein Fragezeichen zu setzen: Weiût du, hencken, Kurtzweil, khünfftigen Monatt, unndt, scharpff.
wann unser Freund kommen wird? Im 17. und 18. Jahrhundert bemühten sich u. a. Männer
Ein Ausrufezeichen setzt man bei einem Wunsch- oder wie Schottel, Freyer, Gottsched und Adelung um eine
Befehlssatz: Teile mir sofort mit, wann unser Freund Reform; im 19. Jahrhundert setzte sich Jacob Grimm
kommen wird! für eine Schreibung der Wörter aufgrund ihrer ` Ety-
Bei einem abhängigen Wunsch- oder Befehlssatz steht mologie und der sprachgeschichtlichen Zusammen-
demgegenüber ein P.: Ich habe ihn dringend aufgefor- hänge ein, ein Grundsatz, der die notwendige Volks-
dert, er solle uns doch besuchen. tümlichkeit der Schreibweise geradezu ausschlieût.
1.2 Wenn ein Aussagesatz als Zitat, das in Anführungszei- Der Gymnasialdirektor Konrad Duden (1829±1911)
chen eingeschlossen ist, in einem anderen Aussagesatz verfasste 1881 unter Anwendung der Regeln für die
enthalten ist, so wird der zitierte Aussagesatz nicht mit preuûische Schulorthographie ein ¹orthographisches
P. abgeschlossen (` aber Fragezeichen 1.2, Ausrufe- Wörterbuchª, an das sich weitere Folgewerke an-
zeichen 1.5): ¹Ich möchte nicht in deiner Haut steckenª, schlossen.
sagte Paul. Nach der 1. Orthographischen Konferenz (1876 von
2 Ein P. kann oft auch anstelle eines Ausrufezeichens am der preuûischen Regierung einberufen) fand 1901
Ende eines Wunsch- oder Befehlssatzes gesetzt wer- eine zweite Konferenz statt, auf der Teilnehmer aus
den, wenn diesem ein besonderer Nachdruck fehlt: dem Deutschen Reich, Österreich und der Schweiz
Sei doch bitte so gut, und hilf mir mal. Ich komme allein die bis 1996 bzw. 1998 gültige Regelung festlegten.
nicht zurecht. Schon zu Beginn des 20. Jh. setzten Bestrebungen ein, 3
3 nach Ordnungszahlen: der 3. April; Wilhelm I.; diese Regelung zu reformieren. In dem zweibändigen
4 nach ` Abkürzungen, die im vollen Wortlaut ausge- Werk ¹Sprachwissenschaftliche Untersuchungen zu
sprochen werden: usw. (und so weiter); u. a. (und ande- einer Reform der deutschen Orthographieª (1981) setz-
re[s], unter anderem). ten sich mehrere Forscher mit den wichtigsten Frage-
5 Der P. steht nicht: stellungen zu diesem Thema auseinander. Folgende
bei manchen Arten von ` Abkürzungen; Prinzipien sollten schwerpunktmäûig berücksichtigt
in Briefen hinter dem Datum, bei der Anschrift und der werden:
Unterschrift (` Briefschreiben); ± Verringerung der Anzahl der jeweiligen Regeln,
bei ` Überschriften (insbesondere auch Buch- und ± Betrachtung der deutschen Orthographie im Verhält-
Zeitungstiteln, Substantiv 4.3), selbst wenn sie die nis zu anderen Sprachen, da eine internationale Kom-
Form eines Satzes haben: munikation immer wichtiger wird und
Der Präsident schaltet sich ein ± Sicherstellung der Tatsache, dass in der alten Ortho-
graphie verfasste Schriftzeugnisse dem Leser weiterhin
punktuell zugänglich bleiben.
` Aktionsart 1986 fand die so genannte 1. Wiener Konferenz mit
reflexives Verb

Vertretern zahlreicher europäischer Länder statt. Der kreis für Orthographieª die Substantivkleinschreibung
¹Internationale Arbeitskreis für Orthographieª erar- angeboten. Sie sah u. a. vor, dass die Verwendung von
beitete ein neues Regelwerk als Grundlage für die ge- Groûbuchstaben auf Satzanfänge und Überschrif-
plante orthographische Reform: ¹Deutsche Recht- tenanfänge, Eigennamen und Anredepronomen be-
schreibung: Regeln und Wörterverzeichnis; Text der schränkt wird. Dieser Vorschlag konnte sich jedoch
amtlichen Regelung, Tübingen 1996ª. Am 1. Juli 1996 bei der 1996 beschlossenen Reform der deutschen Or-
wurde die Absichtserklärung zur Neuregelung der thographie nicht durchsetzen (` Groû- und Klein-
deutschen Rechtschreibung von den amtlichen Vertre- schreibung).
tern unterzeichnet. Die Reform trat am 1. August 1998 Die Satzzeichen, und damit auch das Komma, werden 3.5
in Kraft. Bis zum Jahr 2005 besteht eine Übergangszeit, im Deutschen als Gliederungs-, Ton- und Pausenzei-
in der noch die alten neben den neuen Schreibungen chen verstanden. Sie dienen dazu, eine grammatisch-
Gültigkeit haben. Die Reform umfasst sechs Teilberei- semantisch-logische Akzentuierung im Satz vorzuneh-
che: men. Besondere Probleme ergeben sich bei Infinitiv-
1. Laut-Buchstaben-Zuordnungen (einschlieûlich und Partizipialkonstruktionen (` Komma 5) und
Fremdwortschreibung) beim Komma vor und bzw. oder (` Komma 2, 3).
2. Getrennt- und Zusammenschreibung Künftig können die Kommaregeln freier gehandhabt
3. Schreibung mit Bindestrich werden.
4. Groû- und Kleinschreibung Die deutsche Worttrennung orientiert sich in erster Li- 3.6
5. Zeichensetzung nie am silbischen Prinzip. Abgesehen von der Tren-
6. Worttrennung am Zeilenende. nung nach Silben, wird in Einzelfällen auch nach
3.1 Bei den heimisch-deutschen Wörtern besteht ein Pro- ` Morphemen getrennt.
blem darin, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, Probleme bereitet die Trennung von Fremdwörtern so-
die Kürze bzw. Länge von Vokalen wiederzugeben wie die Buchstabenverbindung st und auch ck (` Sil-
(` Vokal 3 und 4). Ebenfalls verwirrend ist die Bezie- bentrennung 2.1). Die Trennung nach dem morphema-
hung zwischen den ` Phonemen /z/ und /s/ und der tischen Prinzip bei Fremdwörtern ist schon allein
Art, wie sie in der Schriftsprache dargestellt werden, dadurch schwierig, dass nur derjenige die Morphem-
nämlich als s, ss oder û (` Konsonant 2.1). Künftig grenzen bestimmen kann, der die einzelnen Morpheme
wird /s/ nach langem Vokal und Diphthong û ge- in der Herkunftssprache zu identifizieren weiû (` Sil-
schrieben. Nach kurzem Vokal ist /s/ in der Schrift- bentrennung 3).
sprache durch ss dargestellt (auch am Wortende, z. B. Künftig können auch Fremdwörter nach den allgemei-
bei Fluss). Die Schreibung von Fremdwörtern bereitet nen Worttrennungsregeln getrennt werden, auûerdem
häufig Schwierigkeiten, weil sie die Beziehung zwi- ist die Buchstabenverbindung st zu trennen und ck
schen gesprochenem und geschriebenem Wort der nicht mehr in k´k aufzulösen.
Herkunftssprache und nicht des Deutschen widerspie-
gelt. Zur Vereinfachung des Systems werden einige reflexives Verb, rückbezügliches Zeitwort
Buchstabenfolgen wie th, rh, ph, ou oder Øe z. T. er- Verb, bei dem das Objekt der Handlung mit dem Sub- 1
setzt, um sie dem deutschen Aussprachesystem stärker jekt identisch ist: ich kämme mich. Das Objekt wird
anzupassen. Somit ergeben sich z. B. die folgenden durch ein ` Reflexivpronomen repräsentiert. Refle-
Schreibungen: Tunfisch neben Thunfisch, Myrre neben xive Verben sind nicht passivfähig. Man unterscheidet
Myrrhe, Delfin neben Delphin, Buklee neben BouclØ zwei Arten:
usw. (` Konsonant 2.2 ± 2.4, Fremdwort). Echte reflexive Verben sind solche, die nur mit einem 2
3.2 Viele der nebeneinander stehenden und gedanklich zu- Reflexivpronomen auftreten können. Das Reflexiv-
sammengehörigen Einheiten des Lexikons befinden pronomen ist weder weglassbar noch kann es durch
sich in einem Übergangsbereich zwischen einer Wort- ein anderes Pronomen oder Substantiv ersetzt werden:
bildung und einer syntaktischen Gruppe. Probleme er freut sich; * er freut; * er freut seinen Nachbarn. Das
bei der Rechtschreibung ergeben sich dadurch, dass Reflexivpronomen ist zwar ein notwendiger Bestand-
das Schriftsystem nur zwei Möglichkeiten der grafi- teil des Verbs, doch hat es aufgrund der oben beschrie-
schen Darstellung zulässt, nämlich die Getrenntschrei- benen Merkmale keinen Satzgliedcharakter (` Satz-
bung oder die Zusammenschreibung. Mithilfe der glied) und damit auch nicht den Stellenwert einer
neuen Regeln soll die Schreibung stärker vereinheit- durch die ` Valenz des Verbs geforderten ` Ergän-
licht werden. So gilt beispielsweise Getrenntschrei- zung; e. r. V. verhalten sich wie ` absolute Verben.
bung als Normalfall: kennen lernen, sitzen bleiben Das Reflexivpronomen steht meistens im Akkusativ. 2.1
(` Getrennt- und Zusammenschreibung). Ergänzungen zum Verb werden häufig durch Präposi-
3.3 Bei der Schreibung mit Bindestrich werden Zahlen in tionen angeschlossen: sich bedanken für, sich besinnen
Verbindung mit Adjektiven künftig mit Bindestrich ab- auf, sich entschlieûen zu. Es können sich auch adver-
geteilt, z. B. 50-prozentig, 45-jährig. biale Bestimmungen anschlieûen, etwa des Ortes: sich
3.4 Sofern eine Sprache zwischen Groû- und Kleinschrei- befinden in, sich umsehen in. Einige wenige Verben hat-
bung unterscheidet, werden Groûbuchstaben zur ten früher, andere haben noch jetzt ein Genitivobjekt
Kennzeichnung von Satzanfängen, Eigennamen und bei sich: sich seines Lebens freuen, sich einer Sache schä-
höflichen Anredewörtern verwendet. Demgegenüber men.
ist das Deutsche die einzige Sprache, in der darüber Bei einer geringen Anzahl steht das Reflexivpronomen 2.2
hinaus die Groûschreibung auf Substantive angewen- im Dativ. Diese Verben haben zusätzlich ein Akkusa-
det wird. Dadurch ist die deutsche Orthographie um tivobjekt: sich etwas aneignen, sich etwas ausbitten.
vieles schwieriger als die Orthographie anderer Spra- Unechte reflexive Verben können sowohl reflexiv als 3
chen. Eine Lösung der Frage nach Groû- und Klein- auch nicht reflexiv gebraucht werden, ohne dass sich
schreibung ist eines der Hauptanliegen der Reformbe- die Bedeutung grundsätzlich ändert: er beruhigt sich
mühungen seit 1945. Als einer von drei Lösungs- (seine Mutter). Bei ihnen hat das Reflexivpronomen
vorschlägen wurde von dem ¹Internationalen Arbeits- den Stellenwert eines selbständigen Satzgliedes.
reziprokes Verb

3.1 Auch in Verbindung mit dieser Gruppe kommen unter- Plur. deren; es sollte nicht mit dem Gen. Plur. des De-
schiedliche Kasus vor; Akkusativ: ich verletzte mich monstrativpronomens derer verwechselt werden;
(eine Frau); Dativ: er erlaubte sich (seinem Freund) et- Sing.: wir wollen die Tante besuchen, deren (nicht: de-
was; Präpositionalkasus: er zweifelt an sich (seinen Fä- rer) meine Schwester sich noch gut erinnert; Plur.: ... die
higkeiten). Tanten ..., deren (nicht: derer) sich meine Schwester ...
4 In einigen Fällen kann reflexiver Gebrauch die Funk- Seltener wird welcher, welche, welches gebraucht; es tritt 3
tion des Passivs haben: die Ware verkauft sich reiûend; besonders dann auf, wenn auf das R. ein gleich lauten-
das Buch liest sich gut. der Artikel folgen würde: der Abgeordnete Sch., wel-
cher (statt: der) der Sitzung nicht beiwohnen konnte, ...
Reflexivpronomen, rückbezügliches Fürwort was (Nominativ und Akkusativ) schlieût Relativsätze 4
1 ` Pronomen, welches ausdrückt, dass das Objekt einer besonders an pronominale Neutra an: alles, etwas, vie-
Handlung mit dem Subjekt identisch ist. les, was; an Superlative: das Beste, was; oder an ganze
2 Das R. hat nur eine besondere Form, sich, die für die 3. Satzinhalte: es geht uns gut, was wir auch von euch hof-
Person (Singular und Plural) in den beiden Kasus Da- fen.
tiv und Akkusativ verwendet wird. Für die 1. und 2. Per- Ortsangaben werden mitunter durch das ` Pronomi- 5
son (Singular und Plural) treten die entsprechenden naladverb wo relativisch aufgenommen: im obersten
Formen des ` Personalpronomens ein: ich fühle mich Stockwerk, wo die Sonne am längsten hinscheint, ...;
wohl; ich habe mir das angeeignet; wir erholen uns gut; ebenso Zeitangaben: Mittwoch ist der glücklichste
wir kaufen uns ein Buch; du hast dich beeilt; du hast Tag, wo deine Briefe ankommen, meine Gabriele. (Caro-
dir etwas gekauft; ihr setzt euch hierhin; ihr bildet euch line von Humboldt)
etwas ein. In der 3. Person: er irrt sich (Akk.); er nimmt Angaben über die Art und Weise durch wie: die Art, wie 6
sich (Dat.) viel heraus; sie freuen sich (Akk.) darüber; sie er sich benahm, ...
holen sich (Dat.) Hilfe. Steht ein Relativsatz ohne Bezugswort vor dem Haupt- 7
3 Wenn das Subjekt eine Mehrzahl darstellt, kann das R. satz, so verallgemeinert er den Bezug; er beginnt dann
auch bedeuten, dass die einzelnen Geschehensträger mit wer/was (= jeder, der; alles, was) usw.: wer auf den
sich ¹wechselseitigª beeinflussen; diesen Gebrauch Text vorbereitet ist, dürfte keine Probleme haben.
des Reflexivums bezeichnet man als reziprok (es
kann dann durch einander ersetzt oder durch Zusatz Relativsatz, Bezugssatz
von gegenseitig verdeutlicht werden); Akk.; sie trösten Gliedsatz, der durch ein ` Relativpronomen oder
sich (jeder sich selbst = reflexiv; der eine den anderen ` Relativadverb eingeleitet wird.
= reziprok); sie umarmten sich; die Gruppe begrüûte Ist der R. einem Bezugswort im Hauptsatz zugeordnet, 1
sich; Dat.: die standen sich bei; man trank sich zu (` re- so hat er attributive Funktion (` Attributsatz):
ziprokes Verb). Das ist der Junge, der (Relativpronomen) sich gestern
4 Die Stellung des R.s im Satz ist möglichst weit vorn: mit meinem Sohn geprügelt hat.
als sich Fritz mit seinem Freund getroffen hatte, . . . Wird der R. durch eine Präposition eingeleitet, so muss 1.1
diese vor dem Relativpronomen stehen:
Rektion Das ist der Junge, mit dem sich gestern mein Sohn geprü-
1 Die Fähigkeit eines Wortes, den ` Kasus eines von gelt hat.
ihm abhängigen Wortes zu bestimmen. Diese Fähigkeit Relativadverbien werden häufig durch Präpositionen 1.2
haben im Dt. die Verben (` Ergänzung), die ` Präpo- plus Relativpronomen ersetzt: ich interessiere mich für
sitionen (die z. T. verschiedene Kasus regieren) und die das Buch zur Fernsehserie, wofür (für das) so viel ge-
Adjektive (` Satzmuster). worben wird.
2 Eigenschaft des Verbs, die Form der von ihm abhängi- Fehlt das Bezugswort, so spricht man von einem freien 2
gen Satzglieder zu bestimmen (` Valenz, Aktant). Man R.
unterscheidet die direkte R. (bei Kasusobjekten) und Er kann die Funktion eines Satzgliedes übernehmen,
die indirekte R. (bei ` Präpositionalobjekten, die und zwar als:
zwar vom Verb als notwendige Ergänzung gefordert ` Subjektsatz: wer zuerst kommt, malt zuerst; 2.1
werden, bei denen aber der Kasus von der jeweiligen ` Objektsatz: ich möchte wissen, was ich jetzt machen 2.2
Präposition regiert wird). soll;
` Adverbialsatz: bleibe, wo du bist; 2.3
Relativadverb ` Prädikativsatz: meine Nichte wird, was sie sich seit 2.4
Eine Gattung der ` Pronominaladverbien, die Rela- Jahren vorgestellt hat.
tivsätze einleitet und im Allgemeinen mit w- beginnt: Bezieht sich der R. auf die gesamte Aussage des Haupt- 3
wo, woran, worüber, womit, wohin, woher, wann, wie. satzes, so heiût er relativischer Anschluss:
Er hörte überhaupt nicht auf zu reden, was die ganze Zu-
Relativpronomen, Relativum, bezügliches Fürwort hörerschaft völlig entnervte.
Untergruppe des ` Pronomens (3.3)
1 Mit seiner Hilfe wird das Geschehen eines Gliedsatzes reziprokes Verb
auf eine Person oder eine Sache bezogen: Der Redner, Verbkonstruktion mit Reflexivpronomen, die aber im
der heute Abend gesprochen hat, ...; das Buch, das ich Gegensatz zum ` reflexiven Verb kein rückbezügli-
gerade lese, ... ches, sondern ein ¹wechselseitigesª Verhältnis aus-
2 Als R. wird meist der, die, das in absoluter Form ver- drückt (lat. reciprocare ¹in Wechselbeziehung stehenª).
wendet (zur Formenbildung ` Demonstrativprono- Das Subjekt ist dementsprechend hier nicht einfach
men). Im Genitiv lauten die Formen: Sing. dessen, de- mit dem Objekt identisch, vielmehr besteht eine rezi-
ren, dessen, Plur. der en: die Ferien, die heute begonnen proke Beziehung zwischen mindestens zwei Personen
haben, dauern bis ...; Fritz, dessen Brief heute ankam, (Objekten): Martin und Rolf helfen sich (= Martin hilft
...; die Verwandten, deren Ankunft bevorsteht, ... Im Ge- Rolf und Rolf hilft Martin). Zur Verstärkung des Aus-
nitiv Fem. heiût also das R. sowohl im Sing. als auch im drucks dieser Wechselseitigkeit wird häufig das Wort
Rhema

gegenseitig hinzugefügt. Das Reflexivpronomen kann bien (` Adverb 3.7) zum Ausdruck einer subjektiven
auch durch einander ersetzt werden: Martin und Rolf Stellungnahme des Sprechers. Diese Stellungnahme
helfen einander. kann sich auf den Wahrscheinlichkeitsgrad (vielleicht)
oder den emotionalen Wert (leider) der Aussage bezie-
Rhema hen.
` Thema Die Funktion von S.en können erfüllen: Adverbien: Es
hat kaum einen Sinn. Adjektive: Natürlich helfen wir
Satz euch. Präpositionale Fügungen: Das wird ohne Zwei-
Sprachliches Gebilde, meist oberhalb der Wortebene, fel ein groûer Erfolg.
jedoch unterhalb der Textebene. Die Wörter eines Sat- Die Bezugsgröûe von S.en ist der Gesamtsatz. S.e ha-
zes sind grammatisch aufeinander bezogen und bilden ben daher den logisch-funktionalen Status von Sätzen,
eine Sinneinheit, was sich auch in der Betonung aus- welche andere Sätze einbetten.
drückt. Der Satz übernimmt in der Rede kommunika-
tive Funktionen, deren Analyse in der Regel auch den Satzgefüge
Kontext berücksichtigen muss. Zum genaueren Ver- Eine Verknüpfung von Haupt- und Gliedsätzen ergibt 1
ständnis des sehr umfassenden Begriffs S. wird die fol- ein S., d. h., ein oder mehrere Glieder des Hauptsatzes
gende Einteilung vorgenommen: Nach werden durch Gliedsätze ausgedrückt (` Hypotaxe);
Satzgliedern (` Satzglied) Beispiele ` Subjektsatz, Prädikativsatz, Objektsatz,
Satzbauformen. Adverbialsatz und Attributsatz.
1 Bei den Satzgliedern ist zu unterscheiden zwischen: Auch Glieder innerhalb der Gliedsätze können wie- 2
` Subjekt derum als Gliedsätze, nunmehr 2. Grades, auftreten;
` Objekt die Kette lässt sich fortsetzen und ergibt dann kompli-
` Adverbialbestimmung. ziertere S., die auch als Periode bezeichnet werden; das
(Satzglieder können jedoch auch die Form von abhän- anschlieûende Beispiel zeigt folgende Satzglieder in
gigen Sätzen (` 4) haben; vgl. ` Subjektsatz, (` Prä- Satzform:
dikativsatz), ` Objektsatz, ` Adverbialsatz.) ich hoffe (Hauptsatz),
2 Unter die Satzarten fallen der dass du uns bald besuchst (Gliedsatz 1. Grades: In-
` Aussagesatz haltssatz (Objektsatz): Objekt zu hoffe),
` Fragesatz damit wir uns in aller Ruhe erzählen können
` Aufforderungssatz/` Ausrufesatz. (Gliedsatz 2. Grades: Finalsatz: adverbiale Be-
3 Bei den Satzbauformen muss eine grundsätzliche Ab- stimmung des Zweckes zu besuchst)
grenzung zwischen einfachen und zusammengesetzten was wir erlebt haben (Gliedsatz 3. Grades: in-
Sätzen vorgenommen werden. dir. Fragesatz: Objekt zu erzählen),
Zu den einfachen Sätzen gehören: während du auf der groûen Reise warst
der Kurzsatz: Bleib stehen! Schweig! (Gliedsatz 4. Grades: Temporalsatz: adver-
und der Einfachsatz: Die Sonne scheint. biale Bestimmung der Zeit zu erlebt haben),
Zu den zusammengesetzten Sätzen zählen: die dich bis nach Indien führte (Gliedsatz 5.
die Reihung (` Parataxe): Es tut mir Leid, ich habe Grades: Relativsatz (Attributsatz): Attribut
keine Zeit mehr. Ich brauche etwas Entspannung, weil zu Reise).
ich völlig überarbeitet bin und weil ich mir schon lange
keine Ruhepause mehr gegönnt habe. Satzglied
und das Gefüge (` Satzgefüge, ` Hypotaxe): Ich Funktionseinheit des Satzes. Die traditionelle 1
komme, wenn ich mit der Arbeit fertig bin. Grammatik unterscheidet für das Deutsche vier S.er
4 Für diese Einteilung der Sätze spielen zwei Kriterien und einen Satzgliedteil:
eine wichtige Rolle: ` Subjekt, Prädikat, Objekt, Adverbial (und Attribut).
Ist der Satz grammatisch vollständig, d. h. besteht er Zur Identifizierung der Satzglieder gibt es die folgen- 2
mindestens aus Subjekt und Prädikat? den Verfahren. Man nennt sie Satzgliedprobe:
Ist der Satz grammatisch selbständig, d. h. kann er un- die Verschiebeprobe (Umstellprobe): 2.1
abhängig von anderen Sätzen oder einem anderen Satz Satzglieder können innerhalb eines Satzes als Ganzes
stehen? verschoben werden, ohne dass sich der Sinn (wesent-
Ein ` Hauptsatz ist sowohl vollständig als auch selb- lich) ändert:
ständig: Ich suche einen Schlüssel. Die Kinder (Subjekt) spielen (Prädikat) im Garten (Ad-
Ein ` Gliedsatz ist ebenfalls vollständig, jedoch von verbial).
einem Hauptsatz oder einem anderen Gliedsatz abhän- Im Garten spielen die Kinder.
gig: ... wenn das Wetter besser wird. die Ersatzprobe: 2.2
Ein Kurzsatz ist kein Hauptsatz, weil er zwar selbstän- Ein S. lässt sich als Ganzes durch ein einzelnes Wort
dig, jedoch nicht grammatisch vollständig ist. oder durch eine Wortgruppe ersetzen.
Ein Einfachsatz ist immer Hauptsatz. Er besteht min- Nach dem Spiel (Adverbial) bekamen (Prädikat) die
destens aus den Satzgliedern ` Subjekt und ` Prädi- Kinder (Subjekt) einen Apfel (Objekt).
kat, häufig ist er auch um andere Satzglieder erweitert. Später erhielten sie etwas.
Eine Reihung besteht aus mehreren gleichgeordneten die Fragemethode: 2.3
(Haupt-)sätzen. Es gibt bestimmte Fragewörter, mit deren Hilfe die je-
Ein Gefüge enthält mindestens einen Haupt- und einen weilige Funktion eines Satzgliedes ermittelt werden
Gliedsatz. kann.
¹Wer oder was?ª für das ` Subjekt,
Satzadverbial ¹Wem?ª für das ` Dativobjekt,
Syntaktisch-semantische Satzfunktion von Satzadver- ¹Wen?ª für das ` Akkusativobjekt usw.
Bei dem Attribut handelt es sich nicht im eigentlichen 3
Semantik

Sinne um ein S., weil es nicht ohne sein Bezugswort ver- Weitere Beispiele und Hinweise zur Zeichensetzung
schoben werden kann. ` Komma 3.
Ich mag (bunte Blumen). (Bunte Blumen) mag ich.
Daher ist beim Attribut von einem Satzgliedteil zu satzwertiger Infinitiv
sprechen. ` Infinitivsatz

Satzklammer satzwertiges Partizip


Bei mehrgliedrigen Prädikaten besteht die Möglich- ` Partizipialsatz
keit, dass andere Satzglieder zwischen die Prädikats-
teile treten, so dass sie die übrigen Satzglieder umklam- Schaltsatz
mern. Dieses kann der Fall sein bei: ` Parenthese
1 ` trennbaren Verbteilen: Der Zug fährt pünktlich ab.
2 ` Hilfs- und Modalverben: Er wird/muss nach Hause schwaches Verb
kommen. ` starkes Verb

Satzmuster, Satzbauplan, Satzmodell Selbstlaut


Die nach formalgrammatischen Kriterien erarbeiteten ` Vokal
Grundstrukturen des dt. Satzes.
1 Die S. beschreiben, mit welchen ` Objekten und Semantik
` Adverbialbestimmungen zusammen das Verb einen Lehre von der Bedeutung der sprachlichen Zeichen.
grammatisch als vollständig und richtig empfundenen Bedeutungstragend sind alle Sprachzeichen, die über 1
Satz bilden kann (` Valenz, Rektion). Das ` Subjekt die phonematische Ebene hinausgehen (` Phoneme
als in jedem Satz notwendiges Element erscheint in al- sind lediglich bedeutungsunterscheidend), also das
len S.n. ` Morphem, das ` Lexem, der ` Satz (und jeder sei-
2 Von den S.n werden nur ` Ergänzungen, nicht freie ner Teile). Die S. untersucht diese Sprachzeichen im
` Angaben erfasst. Bei den Ergänzungen wird unter- Hinblick auf ihren ¹Inhaltª, auf ihre Beziehung zu
schieden zwischen solchen, die zur Erzeugung eines den von ihnen bezeichneten Gegenständen oder Sach-
grammatisch richtigen Satzes notwendig sind, und sol- verhalten.
chen, die im Satz erscheinen können, aber nicht müs- Bisher hat sich die S. vor allem mit der Bedeutung ein-
sen. So ist z. B. in dem Satz: Er beweist dem Vater das zelner Wörter befasst (lexikalische S.).
Gegenteil das Akkusativobjekt eine notwendige Ergän- Lexikalische S. 2
zung, das Dativobjekt eine fakultative Ergänzung Bedeutungsvielfalt einzelner Lexeme 2.1
(` Aktant). Diesem Beispielsatz liegt das S.:S + Vb + Die genaue Bedeutung vieler Wörter ergibt sich oft nur
(DatO) + AkkO zugrunde (die fakultativen Ergänzun- aus dem Zusammenhang der Rede (des Textes). Ein gu-
gen werden in Klammern notiert). Einige weitere Bei- tes Kind, ein guter Schütze, eine gute Mathematikarbeit,
spiele für S.: dem S. S + Vb + GenO entsprechen Sätze der gute Anzug; jedes Mal hat gut einen anderen Sinn.
wie: wir gedenken des Verstorbenen, dem S. S + Vb + ` Etymologie 2.2
PräpO Sätze wie: seine Aussage beruht auf Wahrheit, Sie versucht, durch die Entwicklungsgeschichte eines
dem S. S + Vb + Adl/lok (= lokale Adverbialbestim- Wortes und den Vergleich mit anderen indogermani-
mung) Sätze wie: er wohnt in Mainz. schen Sprachen (` Indogermanisch) eine ursprüngli-
3 Auch für bestimmte Adjektive lassen sich S. angeben, che Bedeutung, seine ¹Grundbedeutungª, zu rekon-
entsprechend ihrer Rektion. So ist etwa in dem Satz: struieren.
der Nachbar ist auf seinen Vorteil bedacht das Präposi- Semasiologie 2.3
tionalobjekt abhängig vom Adjektiv; in dem Satz: du Dieser Zweig der S. untersucht, welche verschiede-
tust mir Leid erscheint das Adjektiv mit der Rektion nen Bedeutungen ein Wort haben kann, welche Bezie-
Dativobjekt. hungen zwischen verschiedenen Wörtern bestehen
(` Wortfeld), oder welche Veränderungen sich im
Satzverbindung Laufe der Zeit ergeben haben; die S. stellt Bedeu-
Satzreihe aus nebengeordneten/gleichgeordneten tungserweiterungen fest und Verengungen, bildliche
` Hauptsätzen. Übertragungen und andere Möglichkeiten, sie klärt
1 Die Sätze können unverbunden (asyndetisch) neben- die Bedeutungen durch Vergleich mit sinnverwandten
einander stehen: er lag auf der Wiese, er genoss die Wörtern (` Synonymie: helfen, unterstützen) bzw.
warme Sonne. mit Wörtern entgegengesetzter Bedeutung (` Antony-
2 Sie können auch durch koordinierende ` Konjunktio- mie: lieben, hassen), sie unterscheidet bei gleichlauten-
nen (1) miteinander verbunden sein (syndetisch): den Wörtern (` Homonymie/Polysemie: Bogen) die
und blindlings reiût der Mut ihn fort, und er lästert die verschiedenen Bedeutungen.
Gottheit mit sündigem Wort (kopulativ); entweder Onomasiologie 2.4
kommt ihr zu uns oder wir besuchen euch (disjunktiv); Diese geht nicht vom Wort aus, sondern von dem be-
die Magier kamen, doch keiner verstand zu deuten die zeichneten Gegenstand oder Sachverhalt, und versucht
Flammenschrift an der Wand (adversativ); ich kann auf diese Weise, die Wortbedeutung zu klären.
nicht zu dir kommen, denn ich muss verreisen (kausal). Satzsemantik 3
Über die Zeichensetzung ` Komma 4.1. Sie hat die Aufgabe, die inhaltliche Struktur von Sätzen
3 Haben die verbundenen Sätze ein gemeinsames Satz- zu untersuchen. Dieser Bereich der S. ist bisher weniger
glied, so entsteht meist ein zusammengezogener erforscht.
Satz: ich habe keine Lust mehr und gehe nach Hause Textsemantik 4
(gemeinsames Subjekt); er hat den Aufsatz zwar gele- Sie beinhaltet die Untersuchung der Bedeutungsstruk-
sen, aber nicht verstanden (gemeinsames Subjekt und tur von ganzen Texten oder Textteilen. Die semanti-
Objekt). sche Beschreibung auf dieser Ebene wird seit einigen
Semikolon

Jahren von der Textlinguistik gefordert, die davon aus- Vokalische Lauteinheiten, die mit mehreren Buchsta-
geht, dass ein Text mehr ist als eine bloûe Menge von ben geschrieben werden (Doppelvokale aa, ee, oo;
Sätzen. Dehnungs-ie; Diphthonge ai, ei, au eu, äu) können
nicht getrennt werden.
Semikolon, Strichpunkt (;) Nach der neuen Regelung können hingegen einzelne
1 Das S. hat eine stärkere Trennwirkung als das Komma, Vokale nun genau wie Doppelvokale abgetrennt wer-
eine schwächere als der Punkt. Es trennt in Satzverbin- den: o-ben, A-der, E-feu, I-gel, U-fer, Ei-sen, Eu-le,
dungen vollständige Hauptsätze, zeigt aber zugleich Au-ge, äu-ûern.
an, dass sie inhaltlich zusammengehören:
Die arme Frau muûte sich sehr quälen, um sich und ihr a) Waa-ge, Schie-fer, Freu-de
Kind ehrlich durchzubringen; in der kleinen Schlafkam- b) po-chen, Zu-cker, rau-schen, flei-ûig
mer, deren Fenster nach dem Hof hinaussahen, lag sie c) Wen-dung, Ern-te, Drechs-ler
manche Nacht wachend in groûen Sorgen. (Raabe)
2 Solche Zusammengehörigkeit liegt besonders auch a) Einzelne Konsonanten werden zur folgenden Silbe
vor, wenn der zweite Satz gegenüber dem ersten eine gezogen.
Begründung gibt, eine Folgerung zieht oder einen Ge- b) Dabei werden die Lauteinheiten ch, ck, sch, û als ein-
gensatz ausdrückt, also etwa mit Konjunktionen wie fache Konsonanten behandelt. Für die Lautgruppe ck
denn; daher, deshalb; aber, jedoch, hingegen o. ¾. einge- bedeutet das gegenüber der alten Regelung eine Ver-
leitet wird: einfachung.
Ganz deutlich und von unumstöûlicher Wahrheit war ihm c) Von mehreren Konsonanten tritt immer nur der
die Art, wie Gott dem Adam den Odem einblies, während letzte zur folgenden Silbe.
dagegen der erste kritische Zweifel in dem Kinderkopf Hierher gehören auch die Konsonantengruppen:
entstand, als das Weib aus der Rippe des Mannes er- nk: sin-ken, Rän-ke, Klin-ker;
schaffen wurde; denn ¹das tat doch weh!ª (Raabe) pf: Hop-fen, schimp-fen, Strümp-fe;
3 Das S. dient auch dazu, bei längeren Aufzählungen sp: Knos-pe, Has-pel, Wes-pe; aber, da auf sp ein weite-
(Wortreihen), deren einzelne Begriffe an sich durch rer Konsonant folgt: knusp-rig;
Komma (` 2) getrennt werden, enger zusammengehö- st: Kas-ten, Fens-ter, meis-tens;
rige Begriffe zusammenzufassen: tz: trot-zen, Stüt-ze, Hit-ze;
Unsere Interpunktion kennt 10 Satzzeichen: Punkt, Fra- chs: drech-seln, wech-seln, Ach-sel.
gezeichen, Ausrufezeichen; Komma, Semikolon, Doppel- Die Lautgruppe st fällt erst durch die neue Recht-
punkt; Gedankenstrich, Anführungszeichen, Klammern, schreibung unter diese Regelung.
Auslassungspunkte. In gleicher Weise werden die Konsonantengruppen ng
und dt behandelt, obwohl diese Gruppen Lauteinhei-
Silbe ten bilden:
Kleinste Sprecheinheit der Rede; besteht entweder aus ng: Klin-gel, an-geln, Fin-ger;
einem Vokal oder einer ¹Zusammenfassungª mehrerer dt: Städ-te (Plural von Stadt), städ-tisch, die Gesandten,
Laute (Konsonanten und Vokale): o-ben, ei-tel. Ein die Verwand-ten.
Wort kann einsilbig sein (auf, zu) oder mehrsilbig: zu- Zusammengesetzte Wörter und Wörter mit einem Prä- 2.2
sam-men-schrei-ben. Die Trennung der einzelnen S.n fix
innerhalb eines Wortes stimmt in der Schreibung in Sie werden zunächst in ihre Bestandteile zerlegt: Diens-
den meisten Fällen mit der Sprechweise überein (` Sil- tag, Haus-tür, tat-kräftig, Fenster-glas, Schiff-fahrt,
bentrennung). Die S. als lautliche Einheit ist nicht mit melde-pflichtig, Todes-anzeige, hin-ein, her-ab, an-
dem ` Morphem als morphologischer Einheit zu ver- pflanzen.
wechseln. Die Bestandteile werden wieder als einfache Wörter
behandelt:
Silbentrennung tat-kräf-tig, Fens-ter-glas, mel-de-pflich-tig, To-des-an-
1 Mehrsilbige einfache und abgeleitete Wörter (` Ablei- zei-ge, Le-ber-tran, Sil-ben-tren-nung, ver-kau-fen, be-
tung) werden nach Sprechsilben abgeteilt. han-deln.
Zusammengesetzte Wörter und Wörter mit einem Im Gegensatz zur alten Regelung wird nun auch bei
` Präfix werden in erster Linie nach Bestandteilen ab- verdunkelten Zusammensetzungen, bei denen die Be-
geteilt, diese wieder nach Sprechsilben. standteile für den heutigen Sprecher nicht mehr unbe-
dingt erkannbar sind, nach Silben getrennt: wa-rum
Mehrsilbige einfache (neben: war-um), hi-nein (neben: hin-ein), ei-nan-der
und abgeleitete Wörter und Wörter (neben: ein-an-der).
Wörter mit einem Präfix Fremdwörter 3
werden getrennt nach Für Fremdwörter gelten dieselben drei Hauptregeln 3.1
Sprechsilben: Bestandteilen: wie für die deutschen Wörter (` 1). Zu den im Deut-
Mei-nung Mein-eid schen untrennbaren Doppelvokalen und Diphthongen
Wel-ten Welt-ende (` 2.1) kommen in Fremdwörtern noch andere, bei-
be-loh-nen Lohn-empfänger spielsweise:
glät-ten Glatt-eis ee: Mee-ting,
En-te ent-eisen ea: Beef-steak,
eu: Sa-bo-teu-re, Chauf-feu-re,
2 Deutsche Wörter ou: Trou-ba-dour.
2.1 Mehrsilbige einfache und abgeleitete Wörter Bilden Vokalgruppen keine Lauteinheit, so können sie
Altona-er, Feu-er, Trau-ung getrennt werden:
Treffen mehrere Vokale zusammen, so können sie ge- Jubilä-um, Petrole-um, Individu-um, na-iv, Oze-an,
trennt werden, wenn sie keine Lauteinheit bilden. prämi-ieren, Koffe-in.
starkes Verb

3.2 Einzelne Konsonanten werden zur folgenden Silbe ge- nommen werden sollen: Öl ± Pflanzenöle; Holz ± Na-
zogen; dabei gelten auûer ch und sch auch ph, th und rh turhölzer.
als einfache Konsonanten: Gegenbegriff: ` Pluraletantum
ch: Epo-che, Is-chias, (oder: I-schias)
sch: Ha-schee, Sprachgeographie
ph: Geogra-phie, Ty-phus, ` Dialektologie
th: Ame-thyst, Diph-therie,
rh: Diar-rhö. Stamm
Zur Schreibung von th und gh: ` Konsonant 2.4. Zu dem sprachwissenschaftlichen Begriff St. findet
3.3 Die Regel, dass in Konsonantengruppen der letzte man in der Literatur zwei unterschiedliche Interpreta-
Konsonant zur folgenden Silbe tritt, gilt auch hier. tionsweisen:
Auch bei einer Verbindung aus einem Konsonanten- Das den Wörtern einer ` Wortfamilie zugrunde lie- 1
buchstaben mit l, n oder r kann nach der neuen Rege- gende Basismorphem (` Morphem 2.1; = Wurzel).
lung auf diese Weise getrennt werden. Alternativ hat Der St. trägt die Grundbedeutung und kann durch
der Schreibende auch die Möglichkeit, die alte Rege- ` Ableitung, ` Präfix, ` Ablaut und ` Umlaut ver-
lung anzuwenden und diese Buchstabenverbindungen ändert bzw. erweitert werden:
nicht zu trennen: Pub-likum (neben: Pu-blikum usw.), brech-en, (er) brach, (du) brich-st, ge-broch-en, Ein-
Dip-lom, Fab-rik, Sig-nal, Quad-rat. bruch, Brech-ung; Haus, Häus-er, Be-haus-ung. (Die
Nach der neuen Regelung muss st auch in Fremdwör- Trennungen sind hier keine Silben-, sondern Mor-
tern getrennt werden: Kas-te, Exhaus-tor, Regis-ter. phemtrennungen.)
Dass Fremdwörter bei der Trennung in die Bestand- Einzelnes Morphem oder Morphemkonstruktion, wel- 2
teile ihrer Herkunft aufzuteilen sind, gilt nicht mehr ches bzw. welche nach Abstreichen der Flexionsen-
als alleinige Regel. Vielmehr steht die morphologische dungen übrig bleibt.
Trennung von Fremdwörtern neben der Trennung Im Rahmen der neuen Rechtschreibung ist der Wort-
nach Sprechsilben bzw. der Abtrennung des letzten stamm stärker ins Interesse gerückt. Nach dem
Konsonanten einer Konsonantengruppe (Chir-urg ¹Stammprinzipª sollen Inkonsequenzen bei der
oder Chi-rurg, Inter-esse oder Inte-resse usw.). Schreibung desselben Stamms vermieden werden.
4 Nichtanwendung der S. Es wurden z.B. Einzelfälle der Umlautschreibung an
Bei der S. soll der erste Wortteil am Ende einer Zeile den Stamm angeglichen: behände (zu Hand), beläm-
das richtige Auffassen des ganzen Wortes ermöglichen, mert (zu Lamm), Quäntchen (zu Quantum), Stängel
zumindest jedoch nicht erschweren. Deshalb werden (zu Stange). Vgl. ferner beispielsweise auch die Ver-
Trennungen, die den Ablauf des Lesens stören, vermie- dopplung von Konsonantenbuchstaben nach kurzem
den, auch wenn sie den Regeln entsprechen. Insbeson- Vokal (` Vokal 3.2).
dere werden zusammengesetzte Wörter möglichst nur
in der Wortfuge zwischen den Bestandteilen getrennt, Stammwort
also nicht: beer-digen, zuun-gunsten, Tiefe-bene, Ein Wort, das nur aus dem ` Stamm besteht, z. B. Amt,
Spargel-der, Diensten-de, Koor-dination, Nai-vität, Berg, Dieb, Feld; dick, dünn, klein, groû.
Kleinstab-nehmertarif, Fettau-gen, Soller-füllung,
Drucker-zeugnis (meist ist Druck-Erzeugnis gemeint), Standardsprache
Urin-stinkt. Überregional gebräuchliche Ausprägung der Sprache
einer Sprachgemeinschaft (z. B. des Deutschen), die
Simplex sich hauptsächlich an der Schriftsprache orientiert.
In der ` Wortbildung einfaches, also weder zusam- Häufig wird der Begriff mit ¹Hochspracheª synonym
mengesetztes noch abgeleitetes Wort, welches sich (` Synonymie) verwendet. Er bezeichnet die Sprache
dementsprechend nicht in unmittelbare ` Konstituen- der Mittel- und Oberschicht, welche auch die sprachli-
ten zerlegen lässt: gut, weich, Haus, Teil. Simplizia kön- che Richtlinie für die öffentliche Verständigung dar-
nen nicht auf andere Wörter oder Wortstämme zurück- stellt.
geführt werden.
Gegenbegriffe: ` Zusammensetzung, Ableitung, Prä- starkes Verb
fixbildung Terminus nach J. Grimm (1819/1837) zur Bezeichnung
derjenigen Verben, welche den Präteritalstamm ¹ohne
Singular, Einzahl fremdes Zutunª, also ¹aus eigener Kraftª, d. h. durch
Grammatische Kategorie der Nomina und Verben Wechsel des Stammvokals bilden können: s ingen ±
` Numerus. Zur Bildung der S.formen bei Verben s ang ± ges ungen; h elfen ± h alf ± geh olfen (` Ablaut,
` Konjugation, bei Nomina ` Deklination. Konjugation 2.1).
Gegenbegriffe: ` Plural, Dualis Im Gegensatz dazu stehen die schwachen Verben, die
zur Bildung des Präteritalstamms ein Dentalsuffix
Singularetantum, Singularwort (t...) benötigen: spielen ± spiel te ± gespiel t; kaufen ±
1 Substantiv, das nur im ` Singular vorkommt und kauf te ± gekauf t (` Konjugation 2.2). Sprachge-
keine Pluralformen kennt. In diese Gruppe gehören schichtlich gesehen stellen die st. V.en die ältere
vorwiegend: a) ` Eigennamen (der Schwarzwald, die Gruppe dar. Bei Neueingängen in den Wortschatz
Oder); b) ` Stoffnamen (das Wasser; das Blei); c) Kol- wird immer schwach konjugiert, d. h., dass nur noch
lektiva (` Kollektivum) (das Gebüsch; der Lehrkör- diese Art der Konjugation sprachlich produktiv ist.
per); d) Abstrakta (` Abstraktum) (die Klugheit, die In einigen Fällen existiert ein Nebeneinander von star-
Kälte); e) substantivierte Infinitive (das Schwimmen, ker und schwacher Konjugation bei demselben Aus-
das Malen). gangsverb, wobei teilweise eine Bedeutungsdifferen-
2 Pluralbildung tritt in den meisten Fällen nur dann ein, zierung eingetreten ist: wiegen: w og ± wieg te;
wenn entsprechende Sortenbezeichnungen vorge- schaffen: sch uf ± schaff te.
Steigerung

Steigerung Das S. ist in der Regel ein Substantiv oder Pronomen, 2


` Komparation kann aber auch ein substantiviertes Adjektiv oder
Zahlwort sein:
Stoffname der Mann arbeitet; du schreibst; der Gerechte muss
1 Bezeichnung für Stoffe aller Art; S.n sind dem ` Ge- leiden; eines schickt sich nicht für alle.
nus nach oft Neutra, z. B.: Metalle: Blei, Eisen, Gold, Auch der substantivierte Infinitiv ist in der Subjektpo-
Kupfer, Messing, Platin, Silber, Zink, Zinn; andere sition möglich:
Stoffe: Wasser, Gas, Öl, Holz, Bier, Eiweiû, Fleisch, Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Mehl, Glas; weniger oft Maskulina: Stahl, Schnee, Ein Gliedsatz kann ebenfalls anstelle des Subjekts ste-
Sand, Wein, Kaffee, Tee, Kakao; Feminina: Bronze, hen (` Subjektsatz).
Kohle, Seife, Milch, Schokolade. Neutra sind ferner Der Handelnde oder Verursacher eines Geschehens 3
häufig chemisch-pharmazeutische Fachwörter: Aspi- muss jedoch nicht notwendigerweise im Satz immer
rin, Sulfonamid, Natrium, Sulfat, Benzin, Benzol, Dyna- als Subjekt ausgewiesen sein. Aus diesem Grund unter-
mit u. a. scheidet man zwischen dem grammatischen und dem
2 Der Singular bezeichnet im Allgemeinen die formlose logischen S.
Stoffmasse. Häufig gibt es gar keinen Plural: Blei, Das grammatische S. steht im Nominativ und stimmt 3.1
Milch, Rauch, Staub, Tau, Zucker. Von manchen S.n in Person und Numerus mit dem flektierten Prädikats-
haben sich Plurale gebildet, die dann die Art und Gat- teil (` Prädikat) überein:
tung bezeichnen: Gase, Hölzer, Öle, Weine, Lüfte, Grä- Die Bäume sind noch nicht (vom Gärtner) gepflanzt
ser. In anderen Fällen bezeichnet der Plural Einzel- worden. Hilfsfrage: Wer oder was ist noch nicht ge-
stücke aus dem Stoff: Gläser, Tücher, Papiere. Fehlt pflanzt worden?
die Möglichkeit der Pluralbildung, so treten Zusam- Das logische S. bezeichnet den wirklich Handelnden 3.2
mensetzungen mit -arten, -sorten ein: Getreidearten, bzw. den Verursacher des Geschehens:
Fleischsorten. Sie können auch mit anderen Wörtern Der Gärtner hat die Bäume noch nicht gepflanzt.
Zusammensetzungen bilden: Goldwaren, Silbersachen, Hilfsfrage: Wer oder was hat die Bäume noch nicht ge-
Rauchschwaden, Misthaufen, Schneemassen. pflanzt?
3 Bezeichnungen für Edelsteine sind Gattungsnamen Das S. darf nicht mit dem Prädikatsnomen oder auch 4
(` Appellativum), nicht S.n: Diamant, Türkis, Opal, Gleichsetzungsnominativ (` Prädikativ) verwechselt
Saphir. werden.

Straûennamen Subjektsatz, Gegenstandssatz


Bei der Schreibung von St. sind einige Besonderheiten ` Gliedsatz, der die Stelle des ` Subjekts im Satzge- 1
zu beachten: füge einnimmt, als:
1 Das erste Wort eines St.s wird immer groûgeschrieben. ` Relativsatz: wer©s glaubt, wird selig; 2
Dasselbe gilt auch für ` Adjektive und Numeralia ` indirekter Fragesatz: wann ich eintreffe, ist noch un- 3
(` Numerale), sofern sie einen Teil des St.s ausma- gewiss;
chen. In den Gärten, Am Grünen Grund, Alte Weseler ` Inhaltssatz: mit der ` Konjunktion (2.5) dass: dass 4
Landstraûe, An den Vier Linden. du uns besuchen willst, ist sehr erfreulich.
2 Zusammenschreibung erfolgt in folgenden Fällen:
2.1 Der Straûenname besteht aus mehreren ` Konstituen- Substantiv, Dingwort, Hauptwort, Nennwort
ten, wobei das Grundwort ein typischer Vertreter Veränderliche nominale ` Wortart mit vielfältigen
der Klasse ­Straûenbezeichnungen¬ ist (-allee, -graben, syntaktischen Funktionen.
-platz, -straûe, -weg usw.). Bei dem Bestimmungswort Das S. kann in einem Satz das ` Subjekt oder eine 1
handelt es sich um ein Substantiv oder einen Namen: ` Ergänzung stellen sowie in freien ` Angaben bzw.
Heinemannallee, Stadtgraben, Schlossplatz, Linden- in attributiver Funktion zu einem anderen S. hinzutre-
straûe, Krögerweg. ten.
2.2 Es liegt eine Zusammensetzung aus einem ungebeug- Ein wichtiges Merkmal des S.s im Deutschen ist seine 2
ten Adjektiv und einem entsprechenden Grundwort Verbindung mit dem Artikel. ` Genus
vor: Altheide, Neumarkt. Bei der ` Deklination der S.e (nach ` Kasus, ` Nu- 3
Bei gebeugten Adjektivformen schreibt man jedoch ge- merus und ` Genus) lassen sich drei Arten unterschei-
trennt: Schmale Straûe, Neue Kämpe. den: eine starke, eine schwache und eine gemischte De-
3 Getrenntschreibung erfolgt bei Orts- und Länderna- klination (` Tabelle der Deklinationen, S. 17ff.).
men, die auf -er abgeleitet sind: Hamburger Allee, Wie- Nach der starken Deklination werden S.e aller drei Ge- 3.1
ner Straûe, Belgischer Platz. nera abgewandelt. Ihre Kennzeichen sind: Beim Mask.
4 Bindestriche sind dann zu setzen, wenn der Bestim- und Neutr. endet der Gen. Sing auf -(e)s, der Dat. auf
mungsteil der Bildung nicht durch ein Einzelwort, -(e) (das e wird in beiden Kasus oft weggelassen), beim
sondern durch eine Wortgruppe repräsentiert wird: Fem. sind beide Kasus endungslos; der Nom. Plur. en-
Kardinal-von-Galen-Ring, Friedrich-Schiller-Straûe, det auf -e, -er, -s oder ist endungslos mit oder ohne Um-
Friedrich-Ebert-Anlage. laut; der Dat. endet auf -(e)n.
Maskulinum:
Subjekt, Satzgegenstand 1. Pluralendung -e:
1 Das ` Satzglied, welches einer Aussage ¹zugrunde
liegtª, über das also etwas ausgesagt wird. Es kann Sing.
durch die Hilfsfrage ¹Wer oder was?ª ermittelt werden Nom. der Fisch der Fluss
und steht im ` Nominativ. Das S. gibt den Verursacher Gen. des Fisch es des Fluss es
bzw. den Handelnden des in einem Satz ausgedrückten Dat. dem Fisch( e) dem Fluss( e)
Verbalvorgangs an. Zusammen mit dem Prädikat bil- Akk. den Fisch den Fluss
det das S. die Grundform des einfachen Aussagesatzes.
Substantiv

2. Pluralendung -er:
Plur.
Nom. die Fisch e die Flüss e Sing.
Gen. der Fisch e der Flüss e Nom. das Kind das Kalb
Dat. den Fisch en den Flüss en Gen. des Kind( e) s des Kalb( e) s
Akk. die Fisch e die Flüss e Dat. dem Kind( e) dem Kalb( e)
Akk. das Kind das Kalb
2. Pluralendung -er:
Plur.
Sing. Nom. die Kind er die Kälb er
Nom. der Geist der Mann Gen. der Kind er der Kälb er
Gen. des Geist es des Mann es Dat. den Kind ern den Kälb ern
Dat. dem Geist( e) dem Mann( e) Akk. die Kind er die Kälb er
Akk. den Geist den Mann
3. Pluralendung -s:
Plur.
Nom. die Geist er die Männ er Sing. Plur.
Gen. der Geist er der Männ er Nom. das Mädel die Mädel s
Dat. den Geist ern den Männ ern Gen. des Mädel s der Mädel s
Akk. die Geist er die Männ er Dat. dem Mädel den Mädel s
Akk. das Mädel die Mädel s
3. Pluralendung -s (diese ist aus dem Niederdeutschen
[bei anderen Wörtern aus dem Französischen oder 4. Plural endungslos (mit Umlaut selten):
Englischen] übernommen und hat sich vor allem bei
Tiernamen und ` Kurzwortbildungen eingebürgert, Sing.
die auf einen Vokal ausgehen: Uhus, Zebras; Akkus, Nom. das Ufer das Kloster
Unis, Hochs, Tiefs): Gen. des Ufer s des Kloster s
Dat. dem Ufer dem Kloster
Sing. Akk. das Ufer das Kloster
Nom. der Kerl der Vati
Gen. des Kerl s des Vati s Plur.
Dat. dem Kerl dem Vati Nom. die Ufer die Klöster
Akk. den Kerl den Vati Gen. der Ufer der Klöster
Dat. den Ufer n den Klöster n
Plur. Akk. die Ufer die Klöster
Nom. die Kerl s neben Kerle die Vati s
Gen. der Kerl s Kerle der Vati s
Dat. den Kerl s Kerlen den Vati s
Akk. die Kerl s Kerle die Vati s Femininum (Pluralendung -er kommt nicht vor):
1. Pluralendung -e (ohne Umlaut selten):
4. Plural endungslos:
Sing.
Sing. Nom. die Kenntnis die Braut
Nom. der Pfarrer Nagel Boden Gen. der Kenntnis der Braut
Gen. des Pfarrer s Nagel s Boden s Dat. der Kenntnis der Braut
Dat. dem Pfarrer Nagel Boden Akk. die Kenntnis die Braut
Akk. den Pfarrer Nagel Boden
Plur.
Plur. Nom. die Kenntniss e die Bräut e
Nom. die Pfarrer Nägel Böden Gen. der Kenntniss e der Bräut e
Gen. der Pfarrer Nägel Böden Dat. den Kenntniss en den Bräut en
Dat. den Pfarrer n Nägel n Böden Akk. die Kenntniss e die Bräut e
Akk. die Pfarrer Nägel Böden
2. Pluralendung -s:
Neutrum:
1. Pluralendung -e (mit Umlaut selten): Sing. Plur.
Nom. die Mutti die Mutti s
Sing. Gen. der Mutti der Mutti s
Nom. das Jahr das Floû (urspr. mask.) Dat. der Mutti den Mutti s
Gen. des Jahr es des Floû es Akk. die Mutti die Mutti s
Dat. dem Jahr( e) dem Floû( e)
Akk. das Jahr das Floû 3. Plural endungslos (nur Mutter und Tochter):

Plur. Sing. Plur.


Nom. die Jahr e die Flöû e Nom. die Tochter die Töchter
Gen. der Jahr e der Flöû e Gen. der Tochter der Töchter
Dat. den Jahr en den Flöû en Dat. der Tochter den Töchter n
Akk. die Jahr e die Flöû e Akk. die Tochter die Töchter
Substantiv

3.2 Die schwache Deklination findet sich nur beim Masku- S.e mit der Pluralendung -(e)n haben keinen Umlaut; 3.4
linum und Femininum. daher gibt es diesen nur in der starken Deklination.
Kennzeichen: beim Maskulinum auûer im Nom. Sing. Da Feminina im Sing. stets endungslos sind, lassen sich
durchgängig die Endung -(e)n; beim Femininum Sing. fem. S.e, die keinen Plural bilden, keiner der drei Dekli-
endungslos, Plur. wie beim Maskulinum; kein Umlaut. nationsarten zuweisen, z. B. Milch, Frische, Bräune,
Furcht, Weile, Geduld, Vernunft.
Maskulinum: Sonderfall Die Groûgruppe der ` Eigennamen zeigt einige Be- 4
sonderheiten in der Deklination.
Sing. Personen- und Familiennamen ohne Artikel nehmen 4.1
Nom. der Bär Knabe Herr im Genitiv die Endung -s an, auûer wenn ein Wort vor-
Gen. des Bär en Knabe n Herr n angeht, das sie klar als Genitiv erkennen lässt: Momm-
Dat. dem Bär en Knabe n Herr n sens Römische Geschichte: die Römische Geschichte des
Akk. den Bär en Knabe n Herr n Historikers Mommsen. Hat die Person mehrere Namen
oder einen Titel, so hat nur der letzte Name das -s: Karl
Plur. Augusts Stil; die Amtszeit Bundeskanzler Kohls.
Nom. die Bär en Knabe n Herr en Enthalten Namen eine Bezeichnung mit von, die als
Gen. der Bär en Knabe n Herr en Ortsbestimmung zu verstehen ist, so tritt in der Regel
Dat. den Bär en Knabe n Herr en das Gen.-s an den Vornamen: die Lieder Walthers von
Akk. die Bär en Knabe n Herr en der Vogelweide, die Zeit Rudolfs von Habsburg; andern-
falls erhält der Familienname das -s: die Werke Leopold
von Rankes. Steht das dem Gen. übergeordnete Wort
Femininum: hinter dem Namen, so tritt das -s an die Ortsbestim-
mung: Walther von der Vogelweides Lieder.
Sing. Fremdsprachliche Namen, die auf s enden, werden im
Nom. die Zahl Mauer Katze Allgemeinen mit Artikel angeführt: das Leben des Peri-
Gen. der Zahl Mauer Katze kles, die Lehren des Kopernikus; deutsche Namen auf
Dat. der Zahl Mauer Katze einen Zischlaut s, û, x oder z werden mit Apostroph ver-
Akk. die Zahl Mauer Katze sehen: Karl Marx© ¹Kapitalª, oder der Genitiv wird
durch von umschrieben: das Gedicht ¹Luiseª von J. H.
Plur. Voû; Vossens ¹Luiseª (veraltet).
Nom. die Zahl en Mauer n Katze n Weibliche und männliche Vornamen erhalten im Geni-
Gen. der Zahl en Mauer n Katze n tiv die Endung -s: Irmgards Hochzeit; Maries Mann;
Dat. den Zahl en Mauer n Katze n Peters Frau. Veraltet bei weiblichen Vornamen auf -e:
Akk. die Zahl en Mauer n Katze n Sophiens (Mathildens) Zimmer.
Geographische Namen werden, wenn sie Maskulina 4.2
3.3 Die gemischte Deklination kommt beim Maskulinum oder Feminina sind, mit Artikel versehen und wie an-
und beim Neutrum vor. dere S.e dekliniert; im Genitiv lauten sie: des Rheins,
Kennzeichen: im Sing. wie in der starken Deklination der Weser, des Iraks (mask.), der Pfalz.
Gen. auf -(e)s, Dat. auf -(e); Plur. wie bei der schwachen Orts- und Ländernamen im Neutrum haben meist im
Deklination -(e); kein Umlaut. Genitiv ein -s; steht ein Artikel oder Adjektiv davor,
Maskulinum: so wird auch heute oft das -s weggelassen: die Lage
Wiens, die Grenzen Deutschlands, die Schönheit des al-
Sing. ten Heidelberg(s), die Überreste des antiken Italien(s).
Nom. der Spatz Vetter See Enden die Namen auf Zischlaut (s, û, x, z) so wird meist
Gen. des Spatz es( en) Vetter s See s Umschreibung mit von vorgezogen: die Lage von
Dat. dem Spatz( e)( en) Vetter See Mainz, von Tunis, von Laos.
Akk. den Spatz( en) Vetter See Titel von Büchern, Dichtungen, Filmen, Zeitschriften 4.3
werden immer dekliniert; ¹Der grüne Heinrichª: ein
Plur. Kapitel des ¹Grünen Heinrichsª; ¹Westöstlicher Di-
Nom. die Spatz en Vetter n See n wanª: der Dichter des ¹Westöstlichen Diwansª; ¹Der
Gen. der Spatz en Vetter n See n Tagesspiegelª: die heutige Ausgabe des ¹Tagesspie-
Dat. den Spatz en Vetter n See n gelsª; ¹Nathan der Weiseª: die Hauptrolle in ¹Nathan
Akk. die Spatz en Vetter n See n dem Weisenª. Hat also der Titel einen Artikel, so wird
dieser weggelassen, die Anführungsstriche stehen erst
Neutrum (selten): nach dem einleitenden Artikel, ein dann etwa an erster
Stelle stehendes Adjektiv wird groûgeschrieben.
Sing. Wird der Verfassername vor dem Titel genannt, so fällt
Nom. das Bett das Auge der Artikel des Titels weg: das Vorspiel zu Wagners
Gen. des Bett( e) s des Auge s ¹Meistersingern von Nürnbergª; das traurige Ende von
Dat. dem Bett( e) dem Auge Wilhelm Buschs ¹Frommer Heleneª.
Akk. das Bett das Auge Steht ein Gattungsname vor dem Titel, so bleibt dieser
unverändert: Lessing verkündete eine Religion allge-
Plur. meiner Menschlichkeit in seinem dramatischen Ge-
Nom. die Bett en die Auge n dicht ¹Nathan der Weiseª; der geistvolle Witz in Curt
Gen. der Bett en der Auge n Goetz© Film ¹Das Haus in Montevideoª.
Dat. den Bett en den Auge n Fremdwörter werden, soweit sie in die deutsche Spra- 5
Akk. die Bett en die Auge n che fest eingebürgert sind, wie deutsche Wörter dekli-
niert.
Suffix

5.1 Viele Fremdwörter, besonders aus dem Französischen und 2. Flexionss.e oder auch Flexionsmorpheme
oder Englischen, haben im Plural die Endung -s: die (` Morphem 2.2). Die Letzteren unterteilen sich
Hotels, Bankiers, Forts; Bars, Tricks, Trusts. nach den beiden Arten der Formabwandlung (` Fle-
5.2 Fremdwörter aus dem Italienischen auf -o haben häu- xion), der ` Deklination der Nomina und der ` Kon-
fig auch -s im Plural, jedoch auch die italienische En- jugation der Verben, in Kasus- und Personalendungen
dung -i: Kollos ± Kolli, Portos ± Porti, Tempos ± Tempi. und sind in den angegebenen Artikeln behandelt.
5.3 Lateinische Neutra werden oft mit der Endung -a ver- An dieser Stelle wird nur von der ersten Hauptklasse, 3
sehen: Maskulinum ± Maskulina, Minimum ± Minima, den Stammbildungssuffixen, gesprochen. Sie werden
Nomen ± Nomina, Tempus ± Tempora; Maskulina auf getrennt nach Wortarten aufgeführt, zu deren Bildung
-us haben in seltenen Fällen, wenn sie zur o -Deklina- sie beitragen.
tion gehören, -ie: Famulus ± Famuli, Modus ± Modi; Substantive. Hier ist es zweckmäûig, den Bestand nach 3.1
wenn zur u-Deklination gehörig, in einigen Fällen - Personenbezeichnungen und Nichtpersonenbezeich-
us: Kasus ± Kasus [u:]; sonst meist die deutsche En- nungen zu untergliedern. Sie können von Verben, Sub-
dung -en: Rhythmus ± Rhythmen, Organismus ± Orga- stantiven und Adjektiven abgeleitet sein.
nismen, Virus ± Viren, Genius ± Genien, Typus ± Typen. Personenbezeichnungen
5.4 Feminine Fremdwörter auf -ur deklinieren schwach: 1. -er, -ner, -ler: die meisten Personenbezeichnungen
die Zensur, der Zensur, die Zensuren; Maskulina auf haben das S. -er, das gelegentlich zu -ner, -ler erweitert
-or, die auf der vorletzten Silbe betont sind, nach der wird; sie benennen Personen nach der Tätigkeit, die sie
gemischten Deklination: der Mótor, des Mótors, die ausüben, bzw. nach dem Bereich, dem sie angehören,
Motóren; aber: der Majór (auf der Endsilbe betont) de- oder der Sache, mit der sie zu tun haben. Der gröûte
kliniert stark: des Majórs, die Majóre (ähnlich wird mit- Teil der Bildungen ist von Verben abgeleitet: Lehr-er,
unter Motór, ohne Rücksicht auf die lat. Herkunft, auf Bäck-er, Schneid-er, Nachfolg-er; aber auch: Eisen-
der Endsilbe betont und bildet die Motóre). bahn-er, Schül-er, Berlin-er, Bühnenbild-ner, Sport-ler.
5.5 Manche Fremdwörter bilden den Plural sowohl nach 2. -(l)ing: das S. -ing bezeichnete die Zugehörigkeit und
der deutschen wie nach fremdsprachlicher Art: der At- Herkunft von Personen: Wik-inger, Merow-inger; jetzt
las ± des Atlas(ses) ± die Atlasse (Atlanten); der Balkon ± hauptsächlich in Bildungen wie: Säug-ling, Täuf-ling,
die Balkone (Balkons); das Lexikon ± die Lexiken (Le- Impf-ling, Jüng-ling; mit abwertender Bedeutung: Em-
xika) u. a. (` jeweils im Stichwortverzeichnis nachzu- porkömm-ling, Feig-ling, Wüst-ling.
schlagen). 3. -in: eine Fülle von weiblichen Personenbezeichnun-
6 Auch von deutschen Wörtern werden mitunter meh- gen wird mit diesem S. von einer männlichen abgleitet:
rere Pluralformen gebildet, die dann meist verschie- Königin, ¾rztin, Gattin, Freundin.
dene Bedeutung haben; z. B. der Band (Buch) ± die 4. Fremds.e: -and: Konfirmand; -ant/-ent: Musikant,
Bände; das Band ± die Bänder (Gewebestreifen) ± die Student; -är: Aktionär; -ist: Germanist; -eur: Ingenieur;
Bande (Fesseln); der Bauer (Landmann, Schachfigur, -ier: Offizier; -iker/-ikus: Fanatiker, Luftikus; weibliche
Spielkarte), des Bauern ± die Bauern (schwach dekli- Bildungen: -ess(e), isse: Prinzess, Baronesse, Diako-
niert); der Brunnenbauer (stark); das Bauer (Käfig), nisse; -euse: Friseuse.
des Bauers ± die Bauer (stark); die Sau ± die Säue Nichtpersonenbezeichnungen (` Abstrakta, ` Kon-
(stark: allgemein = Schweine), die Sauen (schwach: kreta). Die S.e sind meist andere als bei den Personen-
weibliche Schweine). bezeichnungen.
7 Von der Bedeutung her lassen sich folgende Arten von 1. -ung: Das S. ist sehr produktiv und bildet häufig von
S.en unterscheiden: Verben abgeleitete Geschehensbezeichnungen: Wer-
das ` Abstraktum bung, Reinigung, Kundgebung.
das ` Konkretum 2. -e: Hilfe, Pfeife, Länge; in neuerer Zeit auch Jargon-
das ` Appellativum bildungen wie Schreibe (für Schriftstück oder die Art
der ` Eigenname zu schreiben). -e kommt oft zusammen mit dem ` Prä-
das ` Kollektivum (Sammelname) fix Ge- vor und bildet dann Kollektiva und (abwertend
der ` Stoffname das Wiederholen einer Handlung bezeichnende) Ver-
balabstrakta: Gewerbe, Gehege, Gebirge, Gelände;
Substantivierung auch ohne -e: Gebell, Gebälk; Gelaufe, Gelaber, Gerufe.
Umwandlung von Wörtern einer anderen Wortart in 3. -nis: bezeichnet, sofern von Verben abgeleitet, ein Er-
Substantive, so dass das Wort der Ausgangswortart gebnis oder den Ort des Geschehens: Bewandtnis, Er-
wie ein Substantiv verwendet wird: z. B. Verb: leben ± kenntnis, Gefängnis; auch: Finsternis, Bündnis.
das Leben; Adjektiv: alt ± die Alte; ` Groû- und Klein- 4. -(er)ei: benennt häufig den Ort, an dem Berufstätige
schreibung 3; ` Nominalisierung (-er) arbeiten: Bäckerei, Schlosserei; auch ein Gesche-
hen: Hehlerei, Schlosserei. Ableitungen wie Brüllerei,
Suffix Fahrerei, Raserei haben abwertenden Charakter und
1 Wortbildungsmorphem, das an das Wortende tritt. stehen in Konkurrenz mit Bildungen wie Gebrüll.
Mithilfe von S.en werden Wörter von anderen abgelei- 5. -heit, -keit: ursprünglich selbständiges Wort mit der
tet (` Ableitung, ` Wortbildung). Ursprünglich wa- Bedeutung ¹Zustand, Art, Wesenª: Kindheit, Bosheit,
ren S.e häufig selbständige Wörter, die in Zusammen- Freiheit, Gelehrtheit; Heiligkeit, Traurigkeit, Brauchbar-
setzungen das zweite Glied bildeten. Sie haben meist keit, Einsamkeit; Kollektiva: Menschheit, Christenheit.
im Laufe der sprachlichen Entwicklung ihre Form ver- 6. -schaft: ursprünglich selbständiges Wort mit der Be-
ändert, so dass ihre ursprüngliche Bedeutung nicht deutung ¹Zustand, Verhaltenª; Freundschaft, Gemein-
mehr zu erkennen ist. In Anlehnung an bereits be- schaft, Wissenschaft, Leidenschaft; auch mit kollektiver
stehende Wortbildungsmuster traten sie später auch Bedeutung: Priesterschaft, Lehrerschaft.
an andere Wortstämme. 7. -tum: ursprünglich ebenfalls selbständiges Wort mit
2 Man unterscheidet zwei Hauptklassen von S.en: der Bedeutung ¹Würde, Standª: Christentum, Helden-
1. Stammbildungss.e oder auch Ableitungsmorpheme tum, Irrtum, Wachstum, Eigentum.
Superlativ

8. Fremds.e: -(i)ade: Marinade; -age: Blamage; -enz/ handelt sich dementsprechend um ähnliche, nicht um
-anz: Existenz, Relevanz; -ie: Monarchie; -ik: Metapho- vollständig gleiche Bedeutungen. Die Hauptbegrün-
rik; -ion/-ation: Exkursion, Oxidation; -ismus: Liberalis- dung für das Nebeneinander mehrerer fast bedeu-
mus; -ment: Engagement. tungsgleicher Begriffe liegt darin, dass die Sprache
Verkleinerungss.e (Diminutiva): -chen, -lein über verschiedene Ausdrucksebenen (z. B. Fachspra-
Die Verwendung der Verkleinerungsform erfolgt oft che, poetische Sprache, Umgangssprache, Dialekt-
mit Gefühlsbetonung; häufig in Kombination mit sprache) verfügt:
dem Umlaut. Endet das Grundwort auf g oder ch, so Fernsprecher ± Telefon, entschlafen ± sterben.
wird aus Gründen der Aussprache meist -lein verwen- Gegenbegriff: ` Antonymie
det; endet es auf l, meist -chen: Bächlein, ¾uglein; Kü-
gelchen, Röllchen; Endungs-e wird ausgelassen: Häs- Syntagma
chen, Püppchen. Lineare Kette von strukturierten sprachlichen Aus-
3.2 Adjektive können von Verben, Substantiven, anderen drücken, die in einem engen Zusammengehörigkeits-
Adjektiven, auch Pronomina und Adverbien abgeleitet verhältnis stehen. Es kann sich dabei um einen ganzen
sein: 1. -ig: gebräuchlichstes Adjektivs.; bezeichnet Be- Satz, eine ` Adverbialbestimmung, ein ` Satzglied
sitz, Beschaffenheit, ¾hnlichkeit: eilig, freudig, felsig, mit seinen ` Attributen o. ¾. handeln. Die Elemente
niedrig, gütig, fällig, ergiebig, meinig, dortig, baldig. eines S.s zeichnen sich durch Bedeutungsgemeinsam-
2. -(e)n/-ern: Stoffbezeichnungen: seiden, hölzern. keiten, welche einen bestimmten Kontext bilden, sowie
3. -lich: entstanden aus einem Substantiv mit der Be- durch ` Kongruenz der Flexionsformen aus. ` Seg-
deutung ¹Leibª (vgl. Leiche), gibt es Art, Merkmal mentierung, Strukturalismus
oder Besitz an: königlich, lächerlich, weiblich. Endet Gegenbegriff: ` Paradigma
das Stammwort auf -n, so tritt vor -lich der Gleitlaut
-t-: wesentlich, versehentlich; in morgendlich ist in Ana- Syntax, Satzlehre
logie zu abendlich ein -d- als Gleitlaut eingesetzt. Ein Teil der Grammatik.
4. -isch: bezeichnet Herkunft und Art: diebisch, när- Die S. untersucht die Funktion der ` Wortformen und
risch, kantisch, hessisch, griechisch, linkisch, neckisch. ` Wortarten im Satzzusammenhang. Aus der syntakti-
Zu beachten ist, dass -isch gegenüber einer -lich-Bil- schen Analyse von Sätzen werden die ` Satzglieder
dung mit demselben Stamm abwertend wirkt: kindlich und ` Satzmuster gewonnen. Zum Gegenstandsbe-
± kindisch, bäuerlich ± bäurisch. reich der S. gehören auch die Unterscheidung von Satz-
5. -bar: Bedeutung ursprünglich ¹fähig zu tragenª: arten (` Satz, ` Gliedsatz, ` Hauptsatz) sowie die
fruchtbar, ehrbar; dann verallgemeinert: offenbar, dreh- Regeln der ` Wortstellung.
bar, essbar, haftbar, unbeirrbar.
6. -haft: ursprüngliche Bedeutung etwa ¹behaftet mitª: Tätigkeitswort
sündhaft, vorteilhaft, lebhaft; gibt auch Art und Eigen- ` Verb
schaft an: flatterhaft, wohnhaft, pöbelhaft, massenhaft.
7. -sam: sittsam, genügsam, heilsam, gehorsam. temporal
8. Fremds.e: -abel: passabel; -al: pastoral; -an: momen- Zeitlich, das Zeitverhältnis betreffend.
tan; -än: mondän; -ant: elegant; -ar: elementar; -är:
populär; -at: rabiat; -ell: konstitutionell; -ent: eminent; Temporalbestimmung
-esk: grotesk; -ett: komplett; -ibel: flexibel; -id: schizoid; ` Adverbialbestimmung (2.2) der Zeit; gibt die nähe-
-il: labil, stabil; -iv: negativ; -os: rigoros; -ös: voluminös. ren zeitlichen Umstände des Satzgeschehens an.
3.3 Verben Sie wird ausgedrückt entweder durch ein ` temporales 1
1. -eln: das S. deutet u. a. eine Abschwächung des ur- Adverb, durch eine nominale Wendung oder durch ei-
sprünglichen Vorgangs und/oder eine Wiederholung nen ` Temporalsatz.
an: kränkeln, tröpfeln, nörgeln, wackeln. T.en i.e.S. geben verschiedene Zeitverhältnisse an, wo- 2
2. -ern: wirkt iterativ und intensiv (` Aktionsart 3.1 bei sich Überschneidungen ergeben können:
und 3.3) und kommt häufig bei schallnachahmenden einen Zeitpunkt (Frage: wann?). Dabei ist zu beachten, 2.1
Wörtern vor: klimpern, plappern, plätschern, stottern. dass auch ein längerer Zeitraum als Ganzes gesehen
3. -igen: ursprünglich zur Bildung von Faktitiva (` Ak- oder ein bestimmter Ausschnitt aus einem längeren
tionsart 3.4): verflüchtigen, ermutigen, erniedrigen; Zeitraum den Charakter eines Zeitpunktes haben
auch: reinigen, entschuldigen. kann: im Jahre 1914 war Wilhelm II. Kaiser (das ganze
4. -ieren: Fremds., das auch an deutsche Basen gehängt Jahr wird als Zeitpunkt aufgefasst); im Jahre 1914
wird: radieren, disputieren; buchstabieren, hausieren. brach der Krieg aus (genauer: am 1. August); weitere
sprachliche Mittel zum Ausdruck eines Zeitpunktes:
Superlativ, Höchststufe, 2. Steigerungsstufe andere präpositionale Wendungen: vor (in, nach) acht
` Komparation Tagen, am (späten) Abend, am 1. Mai, um 5 Uhr, zu
Ostern; der Akkusativ: Rom, den 7. Mai 1993; der
Synonymie Hund ist letzte Nacht gestorben; der Genitiv: des Mor-
1 Inhaltliche Übereinstimmung von zwei oder mehreren gens (Abends), eines schönen Tages;
sprachlichen Ausdrücken bei unterschiedlicher Lau- eine Zeitdauer (Zeiterstreckung) (wie lange?): präposi- 2.2
tung bzw. Schreibweise. Man unterscheidet zwischen tionale Wendungen: während des Krieges, zeit seines
totaler S. und partieller S. Lebens, binnen drei Jahren; wir verreisen auf vier Wo-
2 Die Bedingung für totale S. ist die völlige Gleichheit chen; ... zieht sich über vier Jahre hin; Akkusativ der
der Bedeutung von Begriffen. Sie können somit in je- Zeiterstreckung: der Hund lebt nur noch kurze Zeit;
dem beliebigen Kontext ausgetauscht werden. Dieser die Rede dauerte zwei Stunden; das Kind war einen Mo-
Fall ist in der Sprachwirklichkeit äuûerst selten. nat alt; das Licht brannte die ganze Nacht (hindurch);
3 Von partieller S. spricht man, wenn Begriffe in einigen, den Anfang einer Zeitspanne (seit wann?); präpositio- 2.3
jedoch nicht in allen Kontexten austauschbar sind. Es nale Wendungen: seit seinem Geburtstag, seit langem,
Überschriften

seit 8 Tagen, von (der) Geburt an, ab 1. Januar; Ende Formale Hinweise auf die Th.-Rh.-Gliederung geben
(bis wann?): bis Mitternacht, bis zum Morgengrauen; die Wort- und Satzgliedstellung bzw. der Satzakzent
Anfang und Ende: vom Morgen bis zum Abend; (` Betonung). Der Satzakzent liegt dabei immer in
2.4 eine Wiederholung (wie oft?): sonntags, täglich, nach- dem Bereich, der mit Rh. bezeichnet wird.
mittags. Ein ebenfalls in der Literatur häufig verwendetes, alter-
natives Begriffspaar zu Th./Rh. ist topic/comment.
Temporalsatz
` Konjunktionalsatz, der durch eine temporale transitiv, zielend
` Konjunktion (2.2) eingeleitet wird; er gibt nähere T. nennt man Verben, die durch ein ` Akkusativobjekt
zeitliche Umstände zu einem Satzgeschehen in Form ergänzt werden, das bei der Passivtransformation zum
eines ` Gliedsatzes an. Subjekt des Satzes wird: ich schreibe einen Brief.
Temporalsätze kennzeichnen wie ` Temporalbestim- Echte ` reflexive Verben (2), die ein Reflexivprono-
mungen folgende Zeitumstände, daneben aber auch, men im Akkusativ bei sich haben, gelten jedoch nicht
wo möglich, die Zeitverhältnisse: Gleichzeitigkeit, als t., sondern als ` intransitiv, weil keine Passivtrans-
Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit des Gliedsatzgesche- formation möglich ist: Herr Meyer bedankt sich für un-
hens zum Hauptsatzgeschehen: seren Hinweis.
1 Zeitpunkt: als ich nach Hause kam, war es spät; nach-
dem ich nach Hause gekommen war, ging ich zu Bett; be- Transkription
vor ich nach Hause kam, hatte Fritz geputzt. Umschrift. Verfahren zur Wiedergabe gesprochener
2 Zeitdauer: während ich unterwegs war, besuchte uns die Sprache, z. B. mithilfe einer ` Lautschrift.
Tante; ich bleibe hier, solange du mich brauchst.
3 Anfangstermin einer Dauerhandlung: seit Fritz mehr Transliteration
übt, hat er gute Zensuren. Bei der T. wird ein Text, der einer bestimmten Buchsta-
Endtermin: warte, bis ich zurückkomme (zurückgekom- benschrift entstammt, Zeichen für Zeichen in eine an-
men bin); bevor ich verreise, muss die Arbeit fertig sein. dere Buchstabenschrift umgewandelt, z. B. von der ky-
4 Wiederholung: sooft (jedesmal, wenn) Fritz zur Schule rillischen in die lateinische Schrift: ABTOMOb±NLb
geht, trifft er Herrn Schulze. = Automobil.

Tempus, Zeitstufe Trema


1 Grammatische Kategorie des ` Verbs, durch die der Diakritisches Zeichen, das aus zwei Punkten besteht,
zeitliche Aspekt seines Geschehens aus der Perspektive die über den ersten von zwei aufeinander folgenden
des Sprechers dargestellt wird. Das grammatische T. Vokalen gesetzt werden. Das bedeutet, dass die be-
darf nicht ohne weiteres mit dem tatsächlichen Zeitver- treffenden Vokale getrennt gesprochen werden (= Diä-
hältnis gleichgesetzt werden; so kann etwa das Präsens rese) und keinen Diphthong bilden: Aluten [ale!u:t/n]
im Dt. auch ein zukünftiges Geschehen ausdrücken. (= Inseln zwischen Beringmeer und Pazifischem
Auch ist die Kategorie des T. nicht auf temporale Funk- Ozean), frz. nol (= Weihnachten).
tionen beschränkt; so kann z. B. das Futur modale
Funktion haben: Er wird noch nicht zurück sein (Vermu- trennbarer Verbteil
tung). Erster Bestandteil eines unfesten ` Partikelverbs
2 Zur Formenbildung ` Konjugation (1.1 und 3); man (` Präfix bzw. ` Präfixoid): ab ± laufen, auf ± hören.
unterscheidet 6 Stufen: Wird das Verb in einer finiten Form gebraucht, so ist 1
1. das ` Präsens, der Partikelteil abzutrennen und an das Satzende zu
2. das ` Präteritum, stellen (` Satzklammer). Dieses gilt jedoch nur bei
3. das ` Perfekt, Erst- und Zweitstellung der ` finiten Verbform: Läuft
4. das ` Plusquamperfekt, die Frist morgen ab? Die Frist läuft morgen ab. Jedoch
5. das ` Futur I, bei Endstellung: ich weiû nicht, ob die Frist morgen ab-
6. das ` Futur II. läuft.
Über das zeitliche Verhältnis dieser Tempora zueinan- Trennbare Verben sind anfangsbetont. Das Partizip 2
der unterrichtet der Artikel ` Zeitenfolge. Perfekt wird mit ge- gebildet, welches zwischen Parti-
kel und Stamm tritt: !anhören ± angehört; !teilnehmen
Thema ± teilgenommen.
Zusammen mit Rhema Grundbegriffspaar der funktio- Liegt Doppelpräfigierung vor, wobei das erste Präfix
nalen Satzperspektive (Mathesius 1929), in deren Rah- betont und das zweite unbetont ist, so entfällt das ge-
men Sätze im Hinblick auf ihren Informationswert ge- im Partizip Perfekt: !abbestellen ± abbestellt; !anerzie-
gliedert werden. Dieses Oppositionspaar erfährt in der hen ± anerzogen.
Forschung unterschiedliche Interpretationen: ¾hnlich wie trennbare Partikelverben verhalten sich 3
1 Identifizierung von Th. mit dem traditionellen Begriff idiomatische Prädikatsteile, z. B. in den Fügungen: er
des Satzgegenstandes (` Subjekt) (= das, worüber fährt gerne Rad; sie läuft gerne Eis (` Getrennt- und
eine Aussage gemacht wird) und Rh. mit der Satzaus- Zusammenschreibung 1.3).
sage (` Prädikat) (= das, was über den Satzgegenstand Gegenbegriff: ` untrennbarer Verbteil
ausgesagt wird). Hier ersetzt man den Begriff Rh. oft
durch Prädikation. Überschriften
2 Th.: Das, was einem Diskurs allgemein zugrunde liegt; Nach Ü., die vom folgenden Text deutlich abgehoben
Rh.: worüber gerade gesprochen wird. sind, wird kein Punkt gesetzt, auch wenn sie Satzform
3 Th.: Das bedingt durch die Information des sprachli- haben.
chen Kontextes dem Rezipienten Bekannte; Rh.: dem- Zur Verwendung von Anführungszeichen, der Groû-
entsprechend das Unbekannte, Neue: Klaus (Th.) hatte schreibung und der Deklination ` Substantiv 4.3
einen Unfall (Rh.). (Buchtitel u. a.).
Umlaut

Umlaut Valenz, Wertigkeit


Vokalumfärbung, die durch den Einfluss des folgen- Fähigkeit bestimmter Wortarten (vorzugsweise der 1
den, helleren Vokals entstanden ist. U.e werden mit Verben, aber auch der Nomen und Adjektive) eine be-
den Buchstaben ä, ö, ü, äu [&:, &, ù:, ú, y:, y, .y] bezeich- stimmte Anzahl und Art von Leerstellen in ihrer Umge-
net (` Vokal, ` a. Morphem 3.3). bung zu eröffnen. Deren Besetzung ist die Vorausset-
1 Die Vokale a o u in betonter Silbe sind durch ein i (j) der zung für die Konstruktion eines grammatisch
folgenden unbetonten Silbe im ` Althochdeutschen korrekten Satzes (` Rektion). In Abhängigkeit davon,
zu ä ö ü umgelautet worden. Beispiele: Koch ± Köchin, wie viele der vorhandenen Leerstellen eröffnet werden,
jung ± Jüngling, Hass ± hässlich, Sachsen ± sächsisch. unterscheidet man:
2 Der U. spielt eine Rolle in der Konjugation: ich trage ± nullwertige Verben 1.1
du trägst, in der Deklination (Pluralbildung): Mutter ± Dies sind vorzugsweise Witterungsverben, die über
Mütter, bei der Diminution: Vater ± Väterchen, in der kein Subjekt im eigentlichen Sinne verfügen.
Komparation: klug ± klüger. Es schneit.
3 Mitunter ist ein früherer U. durch die spätere Schrei- einwertige Verben 1.2
bung unkenntlich geworden: Eltern (zu alt). In diese Gruppe fallen diejenigen Verben, welche kein
Objekt fordern.
unbestimmtes Zahlwort Claudia weint.
Neben den Zahlwörtern (` Numerale), die eine be- zweiwertige Verben 1.3
stimmte Zahl nennen, gibt es solche, die eine Menge In solchen Konstruktionen muss ein Objekt vorhanden
ungenau angeben, z. B. alle, viele, mehrere, einige, we- sein. Das trifft u. a. auf alle ` transitiven Verben zu.
nige, keine. Monika füttert den Hund.
Diese wurden früher in den Grammatiken unter den dreiwertige Verben 1.4
Zahlwörtern angeführt; heute rechnet man sie meist Diese Verben fordern neben einem Subjekt zwei Ob-
zu den Adjektiven oder den ` Indefinitpronomen. jekte.
Sie werden wie attributive ` Adjektive (2.2) stark de- Andreas schenkt Heiner eine Schokolade.
kliniert; folgt ihnen jedoch ein attributives Adjektiv, Die in Abhängigkeit von der Valenz des Verbs stehen- 2
so zeigt dieses verschiedenartige Behandlung: alle den Satzpositionen werden auch als ` Aktanten be-
(keine) alten Leute (schwach), viele (mehrere, einige, we- zeichnet.
nige) alte Leute (stark). ` Artikel 3
Velar, Hintergaumenlaut
unpersönliches Verb, Impersonale ` Konsonant 1.1.5
1 Darunter sind Verben zu verstehen, die in der Regel
kein persönliches Subjekt bei sich haben (ich, du, er Verb(um), Tätigkeitswort, Zeitwort
usw.), sondern nur das unpersönliche es. Veränderliche ` Wortart, der etwa ein Viertel des
2 Eine Gruppe dieser Verben sind die Witterungsverben: deutschen Wortschatzes angehört.
es regnet, hagelt, blitzt, donnert, reift, schneit, friert, taut, Der aus der lateinischen Grammatik übernommenen 1
flimmert, dämmert; dazu in dichterischer Sprache: es Bezeichnung Verb (= Wort) ist der Vorzug zu geben,
tagt, dunkelt, nachtet, herbstet. da die beiden anderen Termini (Tätigkeitswort, Zeit-
3 Bei anderen Verben kann es als Subjekt stehen, wenn wort) nur einzelne Kategorien dieser Wortart berück-
die möglichen Subjekte in ihrer Fülle nicht genannt sichtigen.
werden sollen: es grünt und blüht; es wächst und gedeiht Die Bezeichnung Tätigkeitswort ist zu eng, denn es gibt
in der Natur (Wachstumsverben). auch Verben wie sein, werden, dürfen, müssen, schlafen,
4 Geräusche werden oft in unpersönlicher Form ausge- schweigen, erkranken, die keine Tätigkeit ausdrücken.
drückt: es kracht, klopft, raschelt, knistert, rauscht. Der Terminus Zeitwort kennzeichnet lediglich die
5 Manche Verben, die gewisse körperliche und seelische grammatische Kategorie des ` Tempus.
Empfindungen des Menschen ausdrücken, werden mit Im Satz übernimmt das V. die Funktion des ` Prädi-
dem Subjekt es versehen: es zieht. Zu diesen unpersön- kats und ist somit meist Träger des Aussagekerns (der
lichen Konstruktionen kann ein Akkusativ- oder Da- aber beispielsweise auch durch ein Nomen ausge-
tivobjekt hinzutreten: es friert mich; es zieht mir (in drückt werden kann; ` Prädikativ). Das V. ist gekenn-
den Rücken); steht das Akk.objekt vor dem Verb, so zeichnet durch die Kategorien der ` Person, des
kann das es ausfallen: mich friert, hungert, dürstet; je- ` Numerus, des ` Genus Verbi, des ` Modus, des
doch bei anderen Objekten nicht: zieht es Ihnen?; Hein- ` Tempus und der ` Aktionsart.
rich! Mir graut©s vor dir. Bildungsgruppen: Die Gruppe der einfachen V.en: bie- 2
gen, kommen, schwimmen, ziehen wird erweitert durch
untrennbarer Verbteil Präfixbildungen (` Präfix): verbiegen, entkommen;
Erster Bestandteil eines festen ` Partikelverbs und durch Zusammensetzungen mit Präpositionen od.
(` Präfix): ent ± eisen, zer ± laufen. Partikel und ` fi- Adverbien: abziehen, davonschwimmen.
niter Verbteil bleiben stets ungetrennt. Vor allem kommen Ableitungen aus anderen Wortar-
Im Normalfall ist der Partikelteil unbetont. Das Parti- ten hinzu, die den Bestand bis in die Gegenwart vergrö-
zip Perfekt wird ohne ge- gebildet: be!stellen ± bestellt; ûern: aus Substantiven: teil-en, tröst-en, nagel-n, fass-
er!zählen ± erzählt. In Ausnahmefällen können einige en; mit Erweiterungen durch ` Suffixe: fröst-eln,
dieser Verben anfangsbetont sein. Das Partizip-Per- folg-ern, stein-igen, mark-ieren; Präfixe: be-grenz-en,
fekt-Morphem ge- tritt hier an den Wortanfang: !früh- ent-fessel-n, er-statt-en, ver-ur-teil-en, zer-fleisch-en
stücken ± gefrühstückt; !wetteifern ± gewetteifert. (wobei das Präfix in den meisten Fällen schon zum
Gegenbegriff: ` trennbarer Verbteil Substantiv gehört); oder durch Präfix und Suffix: be-
leid-igen, ver-sünd-ig-en; aus Adjektiven: bleich-en,
Uvular, Zäpfchenlaut säu-ber-n, alt-ern, rein-ig-en, stolz-ieren, ver-steif-en,
` Konsonant 1.1.6 be-wert-en, er-krank-en, zer-klein-ern, be-güt-ig-en usw.
Vokal

3 An Bedeutungsgruppen sind zu unterscheiden: ben. Durch Nominalisierung lassen sie sich als Sub-
3.1 Zustandsverben: sie bezeichnen den Ablauf eines Ge- stantiv: das Lernen und als Adjektiv verwenden: der
schehens, ohne etwas über seine Dauer auszusagen: lernende Schüler, das gelernte Gedicht; daher werden
sein, bleiben, liegen, stehen, wohnen, ruhen, sich aufhal- diese Bildungen auch als Nominalformen des V.s be-
ten, bestehen aus, leiden an, an der Wand hängen; zeichnet.
3.2 Vorgangsverben: sie zeigen in der Regel ein Geschehen
an, das zu Veränderungen führt: erlöschen, sterben, Verbalabstraktum
schwellen; das Eis schmilzt; Speisereste verderben; das ` Nomen Actionis
Feuer brennt, glimmt; verstummen, aufblühen;
3.3 Tätigkeitsverben schildern ein Geschehen, das von ei- Verbalsubstantiv
nem Handlungsträger ausgeht: gehen, schwimmen, lau- Ein von einem Verb abgeleitetes Substantiv.
fen, kämpfen, rauchen; da die Tätigkeit meist auf eine Nach ihrer Bildung sind zu unterscheiden: 1
Person oder Sache gerichtet ist, gehören hierher die Ablautbildungen bei starken Verben (` Ablaut); dabei 1.1
` transitiven Verben: schreiben, lesen, kochen, bügeln, kann der Ablautvokal von jeder der drei Grundformen
lernen, suchen, finden; aber auch andere: mit Dativob- (` Konjugation 2) herstammen:
jekt: gehorchen, beistehen, helfen, dienen, danken; mit Vokal des Präsens: Fall, Grab, Schreck, Sinn, Stoû,
Genitivobjekt: sich bemächtigen, gedenken, sich rüh- Lauf; mit i für e: Tritt;
men; mit Präpositionalobjekt: arbeiten an, eintreten für. Vokal des Präteritums: Zwang, Maû, Griff, Spross, Sog,
4 Nach den Fügungsmöglichkeiten unterscheidet man: Schund; mit u für o: Guss, Schwur.
4.1 Transitive und intransitive V.en: Vokal des 2. Partizips: Gang, Fund, Schwung; mit u für
` transitive V.en sind solche, die ein Akkusativobjekt o: Spruch, Burg.
fordern, das im Passiv als Subjekt erscheint: einen Brief Suffixbildungen: Beispiele zu diesem Punkt sind ange- 1.2
schreiben, lesen; führt ` Suffix 3.1.
` intransitive V.en sind solche, die kein Akkusativob- Nach ihrer Bedeutung sind zu unterscheiden: 2
jekt, sondern andere Kasus- oder Präpositionalobjekte V.e, die ein Geschehen bezeichnen: Kampf ` Nomen 2.1
bzw. keine Ergänzung fordern: es regnet; er begegnet Actionis;
dem Freund; er gedenkt des Freundes; er wartet auf das Ergebnis eines Geschehens: Spalt ` Nomen acti; 2.2
den Freund. eine handelnde Person: Schreiber ` Nomen agentis; 2.3
4.2 ` reflexive V.en (echte und unechte): er bedankt sich; eine Person oder Sache, die von dem Geschehen be- 2.4
er beruhigt sich. troffen wird: Täufling, Schieber (Maschinenteil)
4.3 Voll-, Hilfs- und Modalverben: ` Nomen patientis;
` Vollverben sind solche, die den Zustand, Vorgang, ein Gerät, mit dem das Geschehen vollzogen wird: 2.5
die Tätigkeit schildern: bleiben, gehen, schreiben; Schraube, Flügel ` Nomen Instrumenti.
` Hilfsverben sind sein, werden, haben, wenn sie in Ge-
meinschaft mit Partizipien oder Infinitiven zur Bildung Verbklammer
zusammengesetzter Verbformen beitragen: ich bin ge- ` Satzklammer
gangen, habe gelesen, werde anrufen, werde angerufen;
` Modalverben drücken eine Modalität des durch den Verbstellung
Infinitiv des Vollverbs bezeichneten Geschehens aus, ` Wortstellung
z. B.: ich darf, muss, will sagen.
5 Nach der semantischen Kategorie der ` Aktionsart Vergangenheit
lassen sich perfektive (Vollendung anzeigende) und ` Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt
durative (den andauernden Verlauf anzeigende) V.en
mit ihren jeweiligen Unterarten voneinander unter- Verneinung
scheiden. ` Negation
6 Bei der Beugung (` Konjugation 1.1) der V.en werden
die ` finiten Verbformen von den infiniten Formen Vibrant, Schwinglaut
(` 7) unterschieden. Die finiten Formen sind genauer ` Konsonant 1.2.4, Liquida
bestimmt:
6.1 nach der Person: der 1., sprechenden, der 2., angespro- Vokal, Selbstlaut
chenen Person oder der 3., besprochenen Person oder Die V.e entstehen dadurch, dass die Stimmbänder im 1
Sache im ` Singular oder Plural; Kehlkopf durch ausgeatmete Luft zum Schwingen ge-
6.2 nach der Realität (Realisierung) des Geschehens durch bracht werden; die Atemluft strömt dabei ungehindert
den ` Modus: Indikativ, Konjunktiv, Imperativ; durch den Mund. Die Unterschiede zwischen den ein-
6.3 nach der zeitlichen Einstufung durch das ` Tempus: zelnen V.en bedingen die folgenden Faktoren: die Lip-
Präsens, Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt, Futur pen sind entweder ungerundet oder gerundet, woraus
I (und II); eine helle bzw. dunkle Klangfarbe resultiert; die Zun-
6.4 nach der Verhaltensrichtung durch das ` Genus genlage ist entweder hoch, mittel oder tief, was zu ge-
Verbi: Aktiv und Passiv. schlossenen, mittleren bzw. offenen V.en führt.
Über die Formenbildung im Einzelnen ` Konjugation Auflistung der deutschen V.e 2
2 und 3. Monophthonge (Einlautv.e): 2.1
7 Den finiten V.formen gegenüber stehen die infiniten (Die Doppelpunkte weisen auf V.länge hin.)
Formen, das sind solche, die nicht näher bestimmt sind [a] in Matte [!mat/]
nach Person, Numerus und Modus; es handelt sich um [a:] in Papst [pa:pst]
die ` Infinitive des Präsens und Perfekts im Aktiv und [/] (kurzer ¹Murmelv.ª unbestimmter Klangfarbe, der
Passiv und die beiden ` Partizipien (` Konjugation nur im Silben- oder Wortauslaut vorkommt) in Gewebe
1.2 und 3): schreiben, geschrieben haben, geschrieben [g/!ve:b/]
werden, geschrieben (worden) sein; schreibend, geschrie- [&] in hätte [!h&t/]
Vokal

[&:] in Bären [!b&:r/n] Lange V.e 4


[e:] in beten [!be:t/n] Die Länge eines V.s (Dehnung) wird entweder nicht be-
[i] in bitten [!bit/n] zeichnet
[i:] in bieten [!bi:t/n] oder bezeichnet:
[.] in Motte [!m.t/] a) durch Verdopplung der V.e a, e, o,
[o:] in Boot [bo:t] b) durch ein h,
[ú] in Götter [!gút/r] c) bei i auch durch ie,
[ù:] in Öl [ù:l] d) in manchen ± bes. westdeutschen ± Personen- und
[u] in Rum [rum] Ortsnamen bei a durch e, bei o durch i oder e Strae-
[u:] in Ruhm [ru:m] len, Vaerst; Grevenbroich, Voigt, Coesfeld.
[y] in füllen [!fyl/n] Unbezeichnete Länge 4.1
[y:] in fühlen [!fy:l/n]
2.2 Diphthonge (Doppelv.e): Faden ± Besen ± holen ± Bude; Erde ± Schwarte ±
[ai] in weich [vaiç] Harz
[au] in Haus [haus]
[.y] in Gebäude [g/!b.yd/]) Auf einen langen V. folgt häufig nur ein zum Stamm ge-
(selten: [ui] in pfui [pfui] höriger Konsonant; die Länge des V.s wird in diesem
Aus der Lautung eines Vokals lassen sich jedoch keine Fall also nicht bezeichnet: Tag, Ladung, Mädchen,
eindeutigen Schlüsse bezüglich seiner Schreibung zie- Weg, Feder, Los, Hose, hören, nur.
hen. Es gibt kaum sichere Regeln. Ein langer V. kann auch vor den zum Stamm gehörigen
3 Kurze V.e Konsonantengruppen rd, rt, rsch, rz stehen, ohne dass
Die Kürze eines V.s wird entweder gar nicht oder durch die Länge bezeichnet wird:
Konsonantenverdopplung bezeichnet. Herde, werden, Bart, zart, Schwert, Wert, Geburt, Harz,
3.1 Unbezeichnete Kürze ¾rztin, Erz; ferner: Mond, Ostern; aber: er fährt, lehrt,
bohrt, berührt.
Falke ± Kranz ± Durst ± Kampf a) Verdopplung der V.e a, e, o 4.2

Auf den kurzen V. einer Stammsilbe folgen mindestens Haar ± leer ± Moor; Paar ± Pärchen
zwei Konsonanten; dazu gehören auch ch, sch, ng:
Gold, Elfe, Galgen, Gewalt, schmelzen, Wand, Erbe, In einigen Wörtern werden die langen V.e a, e, o vor ei-
Arm, Herz, warten, Ampel, Kosten; brechen, mischen, nem einzelnen Stammkonsonanten (auûerdem in
klingen; flechten, Bürste, Gespenst, knirschen, Strümpfe. Geest) sowie im Auslaut durch Verdopplung gekenn-
Jedoch kann auch ein langer V. vor mehreren Konso- zeichnet; in umgelauteten Formen wird aber nur ein
nanten stehen: hoch, Brache, werden, Arzt, verrucht. ä oder ö geschrieben:
3.2 Konsonantenverdopplung Aal, Maar, Maat, Saat; Beere, Beet, Fee, Heer, Klee,
Meer, Reede, Seele, seelisch (aber: selig!), Tee, Teer;
Ebbe ± Kasse ± Latte; Schnecke ± Fratze; doof, Koog, Moos, bemoost; Saal ± Säle, waagerecht ±
gehemmt wägen, Erwägung, Boot ± Bötchen.
b) Dehnungs-h
Geht die kurzvokalige, betonte Stammsilbe auf ei-
nen Konsonanten aus, so wird die Kürze durch Ver- Sohle ± Rahm ± Bohne ± sehr; Schuh ± blühen
dopplung dieses Konsonanten gekennzeichnet:
krabbeln, paddeln, Muff, Roggen, Fülle, Appell, Summe, Die Länge des V.s wird vor l, m, n, r häufig durch ein h
Tunnel, Kuppe, Karren, passen, Rettung, Struwwelpeter. bezeichnet: prahlen, Fehler, nachahmen, Lehm, Sühne,
Doppeltes k wird als ck, doppeltes z als tz geschrieben: Lohn, wahr, sehr.
Wecker, bücken; Witz, putzen. Die Doppelkonsonanten Auch im Stammauslaut dient h, das in manchen Wör-
bleiben auch in konjugierten Formen erhalten: es tern Rest eines früheren ch ist, als Längenbezeichnung:
knallt, er trifft, du kannst. Durch die Rechtschreibre- nah, er sah, Reh, Geweih, froh, früh, jäh, Schuh; ferner,
form werden in einigen Einzelwörtern Konsonanten wenn auf einen langen Stammsilbenvokal eine unbe-
nach kurzen V.en in Anlehnung an andere Wörter der- tonte, vokalisch anlautende Endung oder Ableitungs-
selben Wortfamilie verdoppelt: Ass (wegen Asse), Ka- silbe folgt:
ramell, Messner, Mopp, nummerieren, platzieren, Stepp[- sehen, Ehe, leihen, Reihe, höher, Ruhe, glühen; fähig,
decke], Tipp, Tollpatsch. Zähigkeit; Drehung, Bemühung; aber: säen. Auch
In einigen einsilbigen, meist satzunbetonten Partikeln wenn auf solche Stämme eine konsonantisch anlau-
oder anderen Wörtern folgt auf kurzen V. nur ein Kon- tende Beugungsendung oder ein Ableitungsmorphem
sonant: an, in, zum, ab, gen, bis, weg, um, am, vom, ob, (` Morphem) folgt, bleibt in der Regel das h erhalten:
hin, mit; bin, hat; aber: denn, wenn (im Unterschied ihr geht, es gedeiht, du ruhst; drehbar, Naht; aber: Blüte,
zu den, wen); dann, wann. Glut, Schuster.
c) Langer i-Laut
Lehrerin ± Lehrerinnen; Verhältnis ± Verhältnisse
ˆmir ± Fibel ± ihm ± wieder ± Diplomatie ± Vieh
Die ` Suffixe -in, -nis und die Fremdwortausgänge -as,
-is, -us verdoppeln das n oder s: Verkäuferinnen, Arbei- Langes i ist nur in wenigen deutschen Wörtern unbe-
terinnen; Kenntnisse, Ersparnisse; der Primas, die Pri- zeichnet: mir, dir, wir; Biber, Igel, Lid.
masse; die Iltisse, des Globusses. Sonderfall: Das Suffix Häufiger erscheint das lange i ohne Dehnungszeichen
-ismus bleibt bei der Deklination unverändert: der Rea- in Lehn- oder Fremdwörtern, daher auch in der Ablei-
lismus ± des Realismus; bei konkreter Bedeutung wird tungssilbe -in(e):
ein Plural auf -ismen gebildet: Organismen. Benzin, Maschine; Bibel, Nische.
Wortbildungslehre

Dehnungs-h kommt nach i nur in den Formen des Per- die mehrere Worttypen unterscheidet (` Stamm, `
sonalpronomens ihm, ihn, ihnen, ihr und des Possesiv- Ableitung, Präfixbildung (` Präfix), ` Zusammenbil-
pronomens ihr vor. dung, ` Zusammensetzung, ` Zusammenrückung).
Gewöhnlich wird langes i als ie geschrieben: Der Begriff des Lexems ermöglicht die Zusammenfas-
in deutschen Wörtern: wieder, schieben, Riemen, lieben, sung aller Wortformen eines W.es zu einer Beschrei-
hier, Riegel, viel, sieden; in Lehnwörtern: Brief, Miene, bungseinheit.
Mieder, Ziegel, Spiegel, Zwiebel; bei Fremdwörtern in Im Unterschied zum Morphem ist das W. grundsätz- 5
den betonten Suffixen -ie, -ier, -ieren: Regie, Klavier, lich selbständig, was in der Schrift durch Leerstellen
intrigieren. zwischen den Wörtern und beim Sprechen durch (mög-
In einigen Wörtern tritt zum ie noch ein heute stummes liche) Pausen zum Ausdruck kommt.
h, das mitunter in Beziehung zu einem ch-Laut steht: Die Gesamtheit der Wörter einer Sprache nennt man 6
Vieh (mundartlich Viech); ziehen (vgl. Zucht); fliehen ` Wortschatz.
(vgl. Flucht); er gedieh (vgl. gediegen); er sieht (vgl. Ge-
sicht); es geschieht (vgl. Geschichte); du befiehlst; er Wortart
stiehlt. Jedes Wort einer Sprache lässt sich aufgrund bestimm- 1
ter Merkmale einer Klasse von Wörtern, der W., zuord-
Vollverb nen. Die Einteilung der W.en in diesem Wörterbuch
Subklasse des Verbs, bei der im Gegensatz zum folgt im Wesentlichen der aus der griechisch-lateini-
` Hilfsverb oder Modalverb die finite Verbform die schen Grammatik überlieferten Klassifizierung, die
Fähigkeit besitzt, selbständig Handlungen, Zustände, noch immer (mit einigen Abwandlungen) die ge-
Ereignisse usw. auszudrücken. Die V.en bilden somit bräuchlichste ist. Die Wörter werden nach verschie-
das Zentrum der Wortart Verb; sie verfügen über denartigen Gesichtspunkten klassifiziert; semantische,
` Valenz. In Verbindung mit Hilfs- oder Modalverben syntaktische und formale Kriterien spielen dabei eine
trägt das im Infinitiv stehende V. die eigentliche Aus- Rolle.
sage. Es ergibt sich zunächst eine Zweiteilung nach dem (for- 2
malen) Kriterium der Flektierbarkeit. Bei den flektier-
Vorgangspassiv baren (veränderlichen) W.en ergibt sich eine weitere
` Passiv 2.1 Zweiteilung aus der Unterscheidung von ` Deklina-
tion und Konjugation. Die Abgrenzung innerhalb der
Währungsbezeichnungen deklinierbaren W.en erfolgt z. T. nach syntaktischen
Männliche und sächliche W. erscheinen auch in der Aspekten (für Substantiv, Adjektiv und Artikel), z. T.
Mehrzahl häufig in der singularischen Grundform: 4 nach semantischen Gesichtspunkten (Pronomen und
Pfund Sterling 8 Pence, 6 Dollar, 50 Euro; für weibli- Numerale). Der Einteilung der unveränderlichen
che W. wird meist eine Pluralform gebraucht, z. B.: 10 W.en liegen im Wesentlichen syntaktische Kriterien
Kronen, 20 Kopeken, 100 Drachmen, 3000 Peseten, zugrunde.
40 000 Lire. Schema der W.en der dt. Sprache 3
flektierbare, veränderliche W.en: 3.1
Witterungsverb konjugierbar: das ` Verb
` unpersönliches Verb deklinierbar: das ` Substantiv
das ` Adjektiv
Wochentagsnamen der ` Artikel
W., die adverbial gebraucht werden und damit die stän- das ` Pronomen
dige Wiederholung eines Geschehens oder Tuns aus- das ` Numerale.
drücken, schreibt man klein: sonntags (= an jedem (Die deklinierbaren W.en werden auch unter dem Be-
Sonntag). griff ` Nomen zusammengefasst).
nicht flektierbare, unveränderliche W.en: 3.2
Wort das ` Adverb
1 Das W. wird zwar von den Sprechern einer Sprache in- die ` Konjunktion
tuitiv als sprachliche Einheit erkannt; die exakte Defi- die ` Präposition
nition des Begriffes als Fachwort der Sprachwissen- die ` Interjektion.
schaft erweist sich jedoch als auûerordentlich (Die nicht flektierbaren W.en werden auch unter dem
schwierig, wenn die vielfältigen Funktionen des W.es Begriff ` Partikel(n) zusammengefasst).
in all ihren Differenzierungen vollständig erfasst wer-
den sollen. Wortbildungslehre, Morphologie
2 Der bedeutungstragende Aspekt des W.es (einschlieû- Lehre von der Bildung und Flexion der Wörter. Die
lich der Bedeutungsveränderungen) wird von der lexi- Entstehung von Wörtern beruht auf zwei verschiede-
kalischen ` Semantik untersucht; seine Lautgestalt nen Vorgängen:
hingegen wird von der ` Phonetik beschrieben. Die Die erste Möglichkeit besteht darin, Wörter neu zu prä-
Funktion der Wörter im Satz ist ein Gegenstand der gen (= Wortschöpfung, ` Wortschatz).
` Syntax. Ferner lassen sich Wörter mithilfe anderer, schon vor-
3 Mit der Einteilung der Wörter in ` Wortarten wird handener Wörter bilden. Die Untersuchung der Ent-
versucht, sie nach gemeinsamen Eigenschaften (se- stehung, Klassifizierung, Struktur und Flexion von
mantischen/syntaktischen/formalen) zu klassifizie- Wörtern ist Hauptgegenstand der W.
ren. Die drei wichtigsten Arten der Wortbildung sind: die
4 Durch die Begriffe ` Morphem, ` Lexem und ` Ableitung (Einsam-keit), die ` Zusammensetzung
` Wortform hat die Linguistik weitere Beschreibungs- (Kirsch-baum) und die ` Präfixbildung (aus-lachen).
möglichkeiten geschaffen. Die morphologische Struk- ` Morphem, Lexem, Stamm, Suffix, Zusammenbil-
tur der Wörter ist Gegenstand der ` Wortbildung, dung, Zusammenrückung.
Wortfamilie

Wortfamilie Wortstellung
Im Gegensatz zum `Wortfeld, Gruppe von Wörtern, Die Folge der Wörter (eigentlich: der Satzglieder) im
die eine Verwandtschaft in ihrer ` Etymologie aufwei- Satzzusammenhang.
sen und gleiche oder ähnliche Stämme haben, z. B.: Die im Dt. relativ stark ausgeprägte Freiheit in der W.
kommen: ankommen, aufkommen, Einkommen, Ab- wird durch einige verbindliche Grundregeln einge-
kommen, Abkömmling, herkömmlich usw. Die Mitglie- schränkt, von denen allenfalls in der Sprache der Dich-
der einer W. können sich jedoch sowohl lautlich als tung abgewichen werden kann.
auch semantisch stark auseinander entwickeln. So han- Ausgehend von der finiten Verbform lassen sich für die 1
delt es sich beispielsweise bei -kunft um eine ¹Tochter- W. folgende Regeln aufstellen, zunächst für die W. in
familieª von kommen: Ankunft, Auskunft, Zukunft, Un- Hauptsätzen:
terkunft, zukünftig usw. Die finite Verbform steht in Zweitstellung; davor ist 1.1
nur Platz für ein Satzglied, meist das Subjekt. Die
Wortfeld Zweitstellung findet sich in folgenden Sätzen:
Im Gegensatz zur ` Wortfamilie, Gruppe von Wör- Aussagesätze: der Vater schreibt einen Brief; heute
tern, die einen ähnlichen Inhalt haben. Ein W. besteht schrieb ich einen Brief; den Brief habe ich schon abge-
aus Wörtern, bei denen einerseits eine gewisse inhaltli- schickt;
che Zusammengehörigkeit, andererseits jedoch eine Aufforderungssätze mit Konjunktiv: der Mensch
gegenseitige inhaltliche Begrenzung besteht. Dadurch, versuche die Götter nicht; das ertrage, wem©s gefällt;
dass ein Wortfeld möglichst lückenlos wie ein Mosaik das wolle Gott verhüten!;
aufgebaut ist, wird der Inhalt eines Einzelwortes durch Ergänzungsfragen (` Fragesatz 2.2): wer lacht da?;
seine Feldnachbarn mitbestimmt. So gehören bei- wohin wollen wir gehen?;
spielsweise zu dem Feld Aussetzen des Lebens die Ver- Das finite Verb steht in Spitzenstellung: 1.2
ben sterben, umkommen, zugrunde gehen, verhungern, Aufforderungssätze
verdursten, ersticken, verbluten. 1. als Befehlssätze an die 2. Pers.: gib jetzt Ruhe!; hört
auf damit!
Wortform 2. mit Konjunktiv in der 3. Pers. Plur. als Anredeform:
Im Unterschied zum ` Lexem (das die abstrakte Ein- seien Sie mir willkommen!; kommen (= Konjunktiv!) Sie
heit des ` Wortschatzes darstellt) die Gestalt, die ein mit!
Wort je nach seiner Funktion im Redezusammenhang 3. mit Konjunktiv, in der 1. Pers. Plur.: seien wir
annimmt. W.en des Lexems arbeiten sind z. B.: (ich) ar- Freunde!; kommen wir zum Schluss!
beite, (er) arbeitete; des Lexems Herr: (des) Herrn, (die) 4. mit mögen im Konjunktiv Präsens als Ausdruck eines
Herren. Wunsches: mögen die Federn der Diplomaten nicht wie-
` Syntax der verderben, was das Volk mit so groûen Anstrengun-
gen erworben hat (Blücher); möge es dir weiterhin gut
Wortherkunft gehen!
` Etymologie Entscheidungsfragen (` Fragesatz 2.1): hast du es
schon erledigt?; ist Fritz verreist?; geht ihr mit?
Wortschatz bei Aussagesätzen gelegentlich in dichterischer
Gesamtbestand der Wörter einer Sprache. Sprache:
1 Eine Gliederung des W.es lässt sich nach verschiede- Klingt im Wind ein Wiegenlied (Spitzenstellung),
nen Gesichtspunkten vornehmen: Sonne warm herniedersieht (Endstellung),
1.1 die Ausgliederung nach Wortarten: jedes Wort lässt seine ¾hren senkt das Korn ... (regelhafte Zweitstel-
sich aufgrund bestimmter Merkmale einer ` Wortart lung) (Th. Storm: Juli);
zuordnen; auch in lebhafter Umgangssprache, besonders wenn
1.2 die Ausgliederung nach semantischen Kriterien: ein doch darin vorkommt: kommt der Kerl doch auf
Wörter mit inhaltlichen Gemeinsamkeiten bilden mich zu und legt los.
` Wortfelder, Wörter mit gleichem Stamm ` Wortfa- Bei zusammengesetzten Verbformen stehen Infini- 1.3
milien; tiv und 2. Partizip in Endstellung, so dass bei Zweitstel-
1.3 die Ausgliederung nach der Herkunft der Wörter: es er- lung der finiten Form der gröûte Teil des Satzes, bei
geben sich die drei Gruppen der ` Erbwörter, der Spitzenstellung die Gesamtheit der Satzglieder von
` Fremdwörter und der ` Lehnwörter. der Verbform umrahmt ist: der Vater hat gestern einen
2 Die ` Wortbildungslehre beschreibt die verschiede- langen Brief an die Tante in München geschrieben;
nen Möglichkeiten der Entstehung neuer Wörter aus deine Gedanken sind von den meisten Leuten nicht
vorhandenem Wortmaterial. ohne Widerspruch aufgenommen worden; werdet
3 Der W. einer Sprache ist nicht als unveränderliches In- ihr von euren Verwandten erwartet?
ventar von Wörtern anzusehen; er befindet sich viel- Die gleiche Umrahmung findet sich bei Modalver-
mehr in ständiger Entwicklung: Wörter veralten und ben mit Infinitiv: du musst mich bald einmal besu-
werden ungebräuchlich, neue Wörter entstehen durch chen; du darfst morgen nicht zu spät zur Schule kom-
die verschiedenen Mittel der Wortbildung, als ` Neo- men.
logismus, durch Wortschöpfung (z. B. ` Kurzwortbil- Dasselbe gilt für unfeste ` Partikelverben: wir la-
dungen wie Komintern oder Hapag) oder werden aus den Sie für morgen Abend zum Essen ein; kommt ihr
anderen Sprachen übernommen. bei einem Spaziergang einmal wieder bei uns vorbei?
4 Der W. einer Sprache wird dargestellt in Wörterbü- In Gliedsätzen 2
chern oder Lexika, in denen die Wörter in der Regel al- hat die finite Verbform in der Regel Endstellung: als ich 2.1
phabetisch geordnet sind; jedoch gibt es auch Wörter- in München war; weil ich dich nicht getroffen habe; dass
bücher, in denen die Anordnung der Wörter nach du fleiûig lernen musst;
anderen Gesichtspunkten vorgenommen wird, etwa Ausnahme: in Gliedsätzen, deren Prädikat durch ein
nach Wortstämmen, nach Sachgruppen o. a. ` Hilfsverb im Perfekt oder Plusquamperfekt gebildet
Zeitenfolge

wird, steht die finite Verbform vor dem das Geschehen Ableitungen hingegen schreibt man weiterhin zusam-
angebenden Infinitiv: schade, dass du nicht hast mit- men: 20stel, 70er. Im Falle von Zusammensetzungen
kommen dürfen; der Raum, in dem er seine Bücher- mit Ableitungen schreibt man nun mit Bindestrich: in
mappe hatte liegen lassen; ein den Vorgang näher den 70er-Jahren (auch: 70er Jahren), aufs 100stel-
kennzeichnendes Adverb steht meist unmittelbar vor Gramm genau. Bei Aneinanderreihungen mit Maûan-
dem Infinitiv: obwohl du hättest fleiûig lernen müssen; gaben erfolgt nach wie vor Bindestrichschreibung:
weil man nichts hat deutlich erkennen können; kann 100-m-Lauf, 5-Mark-Stück, 20-Pfennig-Marke.
aber auch zur Hervorhebung vor die finite Verbform Schreibung in Ziffern (` auch 1.4): 2
treten: obwohl das längst hätte erledigt sein müssen; Groûe ganze Zahlen werden häufig von den Einerstel- 2.1
weil du genauer hättest hinsehen sollen. len nach vorn in Dreiergruppen mit einem Zwi-
2.2 In konjunktionslosen Gliedsätzen (` Gliedsatz 5.1) ist schenraum abgesetzt: 3 450 687. (Der Zwischenraum
Spitzenstellung erforderlich: bist du einverstanden, so kann auch durch einen Punkt ersetzt werden.)
ist keine weitere Erörterung notwendig; bis wird entweder ausgeschrieben oder durch einen 2.2
2.3 in ` indirekter Rede, bei der ` Objektsätze von ei- waagerechten Strich bezeichnet: 1914 ± 1918; 2 ± 3 Me-
nem Verb des Sagens abhängen, gelten die Regeln für ter, Hauptstraûe 10 ± 12; bei abgekürzter zweiter Jah-
Hauptsätze: er sagte, er sei es nicht gewesen; reszahl auch durch Schrägstrich: 1914/18.
2.4 ` indirekte Fragesätze werden als Gliedsätze be-
handelt, also Endstellung: Ergänzungsfrage: sage Zahlwort
mir, wer das getan hat; Entscheidungsfrage: . . . ob du ` Numerale
dabei gewesen bist.
Zeichensetzung
Zahladjektiv ` Interpunktion
Zu den ` unbestimmten Zahlwörtern bzw. ` Indefi-
nitpronomen gehörige Wörter wie gesamt, einzeln, viel, Zeitenfolge, Consecutio Temporum
zahlreich, die wie Adjektive verwendet werden. Auch Von den im Artikel ` Tempus angeführten sechs Zeit- 1
die ` Kardinal- und ` Ordnungszahlen sind als be- stufen können vier, nämlich das Präsens, das Präteri-
stimmte Z.e dieser Gruppe zuzurechnen. Z.e stehen tum, das Perfekt und das Futur I, absolut gebraucht
wie andere Adjektive (attributiv) beim Substantiv: die werden; sie schildern den Vorgang oder Zustand als
roten / wenigen Autos; seine interessanten / drei Bücher. in der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft gesche-
hen. Die übrigen zwei Tempora, Plusquamperfekt und
Zahladverb Futur II, ordnen dagegen ihre Aussage zeitlich immer
Zwei Gruppen des ` Numerals geben nähere Um- in ein Verhältnis zu einer anderen Zeitstufe ein: das
stände an: Plusquamperfekt berichtet, was vor einem vergange-
1 Wiederholungszahlwörter (Iterativa), abgeleitet von nen Zeitpunkt geschah, das Futur II, was zu einem zu-
den ` Kardinalzahlen: einmal, zweimal; künftigen Zeitpunkt vergangen ist; sie werden also nur
2 Aufzählungszahlwörter abgeleitet von den ` Ordinal- relativ gebraucht; (die ersten vier Zeitstufen stehen
zahlen: erstens, zweitens usw. selbstverständlich auch in zeitlicher Beziehung zuein-
ander).
zählbar Vorgänge oder Zustände, deren zeitliche Stellung zu- 2
Von Bezeichnungen für z.e Personen und Dinge lässt einander beschrieben werden soll, stehen meist in
sich ein ` Plural bilden: Männer, Pferde, Steine; nicht zwei aufeinander folgenden Sätzen: das können zwei
z., wohl aber messbar sind Stoffnamen: Seide, Gas, Blei Hauptsätze sein: eine ` Satzverbindung; oder auch
(` Artikel 4.10); nicht z. sind aber auch ` Abstrakta: Haupt- und Gliedsatz: ein ` Satzgefüge.
Glaube, Liebe, Hoffnung; von diesen Wörtern lassen Z. in der Satzverbindung: 3
sich nur in besonderen Fällen Pluralformen bilden. Gleichzeitigkeit: die beiden Vorgänge werden als 3.1
gleichzeitig geschehend berichtet:
Zahlen und Ziffern 1. es regnet; darum bleiben wir zu Hause.
Bei der Schreibung ist Folgendes zu beachten: 2. es regnete (hat geregnet); darum blieben wir zu Hause
1 Schreibung in Buchstaben (Zahlen von 1 bis 12 werden (sind wir ... geblieben).
meist in Buchstaben ausgeschrieben). 3. es wird wohl regnen; da werden wir lieber zu Hause
1.1 Wenn Zahlen attributiv gebraucht werden, schreibt bleiben (oder auch im Präsens: da bleiben wir . . .).
man sie klein: zwei Bücher; die ersten/drei/alle/drei Vorzeitigkeit: der Sprecher berichtet einen Vorgang 3.2
Bände; ein achtel Liter. und stellt dazu einen zweiten, der vor dem ersten ge-
1.2 Werden sie substantivisch gebraucht, in der Regel mit schehen ist; (diesen zweiten stellt er der Zeitfolge we-
Artikel, so schreibt man sie groû: die Zwei, ein Dritter, gen oft an die erste Stelle):
die böse Sieben, ein Viertel, der Erste; ebenso Ordinal- 1. kaum ist Hans nach Hause gekommen, da stellt er
zahlen als Bestandteil eines Namens: Karl der Fünfte. schon den Fernseher an.
1.3 Werden gröûere zusammengesetzte Zahlen in Buch- 2. kaum war er am Abend nach Hause gekommen, da
staben geschrieben, so schreibt man sie bis zur Million stellte er schon den Fernseher an (da hat er schon den
zusammen: dreihundertfünfzehntausendvierhundertsie- Fernseher angestellt).
ben. 3. du wirst die eine Sache noch nicht erledigt haben, da
Z.en über eine Million schreibt man getrennt: zwei Mil- wird schon wieder etwas Neues auf dich zukommen (oft
lionen dreihundertzwanzigtausend, fünfzehn Milliarden. wie 3.1.3: da kommt . . . zu).
1.4 Im Bereich der Zusammensetzungen mit Z.en kommt Nachzeitigkeit: der Sprecher berichtet einen Vorgang 3.3
es zu Abweichungen gegenüber der alten Regelung. und setzt dazu einen zweiten, der später geschehen
Bei Zusammensetzungen, die eine Zahl als Ziffer ent- wird, mit diesem in Beziehung; (diesen zweiten stellt
halten, erfolgt Bindestrichschreibung: 8-Zylinder, 10- er der zeitlichen Folge wegen oft an die zweite Stelle,
mal, 150-prozentig, 18-jährig (` Bindestrich 3.3). Bei doch kann er mitunter auch an erster Stelle stehen):
Zeitwort

1. jetzt bist du mit der einen Sache fertig; wann wirst du Zusammenbildung
an die nächste gehen? auch umgekehrt: wann wirst du Mittel der ` Wortbildung, das zwischen ` Zusam-
dich an die neue Aufgabe machen? Du bist ja jetzt mensetzung und ` Ableitung anzusiedeln ist. Die erste
(aber auch: gerade erst) mit der alten fertig. an diesem Wortbildungsprozess beteiligte Konstitu-
2. eben warst du mit der einen Sache fertig (bist du . . . ge- ente wird hier nicht repräsentiert durch ein einzelnes
wesen); jetzt fängst du schon wieder mit einer neuen Auf- Wort, sondern durch eine Wortgruppe. Daran schlieût
gabe an. sich ein Ableitungssuffix (` Suffix) an: Gesetze geben:
= 3.1.3, da es zu einem Futur I im ersten Satz keine Gesetzgeb ung; lieb haben: Liebhab er; dieses Jahr: dies-
Form gibt, die den zweiten Vorgang in eine noch wei- jähr ig.
tere Zukunft setzen könnte.
3.4 Diese in den Abschnitten 3.1±3 aufgezeigten Beispiele Zusammenrückung
stellen Schemata dar, die wohl logisch begründet sind, Bezeichnung für eine besondere Art der ` Zusammen-
von denen aber die lebendige Sprache oftmals ab- setzung, die in der Fachliteratur nicht einheitlich ver-
weicht, weil ihr die umschriebenen Zeitformen zu um- wendet wird.
ständlich sind. Allgemein: Wortbildung, welche aus einer syntakti- 1
4 Z. im Satzgefüge: schen Gruppe hervorgegangen ist, wobei sowohl die
4.1 Gleichzeitigkeit: Wortfolge als auch die Flexionsendungen beibehalten
1. während du nähst, schreibe ich den Brief. wurden: Sauregurkenzeit, Freundeshand, Hoheslied,
2. als du nähtest, schrieb ich den Brief (als du damals ge- trotzdem.
näht hast, habe ich . . . geschrieben). Fleischer (1982) beschränkt den Begriff auf die Satz- 2
3. wenn du heute Abend nähen wirst, werde ich den Brief komposita (` Zusammensetzung 1.3), bei denen die
schreiben (oft auch wie 3.1.3: wenn du . . . nähst, werde zweite unmittelbare Konstituente nicht Wortart und
ich . . . schreiben). semantische Grundkategorie der Gesamtbildung be-
4.2 Vorzeitigkeit: der Vorgang des Gliedsatzes wird als vor stimmt: Dreikäsehoch, Vaterunser, Gernegroû.
dem des Hauptsatzes geschehend ausgesagt:
1. Wenn du den Brief geschrieben hast, bringe ich ihn Zusammensetzung, Komposition
zum Briefkasten. Ein Wort, das aus zwei oder mehr selbständig vorkom-
2. Nachdem du den Brief geschrieben hattest, brachte ich menden Morphemen gebildet wird; auch Kompositum
ihn zum Briefkasten (habe ich ihn gebracht). genannt. Die Wortbildungsmittel der Z. sind nicht auf
3. Wenn du den Brief geschrieben haben wirst, werde ich die veränderlichen Wortarten beschränkt, sondern er-
ihn zum Briefkasten bringen (statt des kaum üblichen fassen auch die Partikeln.
Futurs II im Gliedsatz wird hier meist das Perfekt ge- Bei den nominalen Zusammensetzungen lassen sich 1
setzt: wenn du . . . geschrieben hast; oder auch das Prä- nach inhaltlichen Gesichtspunkten folgende Gruppen
sens: wenn du . . . schreibst, werde ich . . . bringen; in die- unterscheiden:
sem Fall kommt wohl weniger das Zeitverhältnis als Determinativkomposita: Dabei gibt das zweite (bzw. 1.1
die Verteilung der Aufgaben auf die zwei Personen letzte) Glied (das Grundwort) die allgemeine Begriffs-
zur Geltung). kategorie an, die durch das erste Glied (das Bestim-
4.3 Nachzeitigkeit: der Vorgang des Gliedsatzes wird als mungswort) genauer abgegrenzt wird; z. B. ist ein Gold-
nach dem des Hauptsatzes geschehend ausgesagt: schmied ein Schmied, der Gold verarbeitet. Dieser Art
1. ich warte so lange, bis du da sein wirst (geläufiger: da gehören die meisten nominalen Z.en an: Maikäfer,
bist); Kartoffelsuppe, Hundeleine, Handtuch, Ballspiel, Ra-
ich warte so lange, bis du ankommen wirst (dafür meist: benmutter; hilfreich, feuergefährlich, mausetot, preisge-
bis du ankommst oder auch angekommen bist); krönt.
2. ich wartete, bis du kamst; ich habe gewartet, bis du ge- Kopulativkomposita (Dvandva): Zwei Wörter ver- 1.2
kommen bist (hier lässt sich die Nachzeitigkeit gegen- schiedener Bedeutung werden nebeneinander gestellt
über dem Hauptsatz kaum anders als durch Gleichzei- und ihre Bedeutungen gewissermaûen durch eine un-
tigkeit ausdrücken); ausgesprochene ¹Sowohl-als-auch-Beziehungª mit-
3. ich werde warten, bis du da sein wirst (geläufiger: da einander verbunden: Strichpunkt, Hemdhose; bittersüû,
bist). tollkühn.
4.4 Im Allgemeinen wird man sagen können, dass die Z. Satzkomposita: Kurze, oft imperativische Sätze wer- 1.3
bei Nachzeitigkeit des Gliedsatzes der bei Gleichzeitig- den zu einem Begriff: Wagehals, Fürchtegott, Tauge-
keit entspricht; auch bei diesen Beispielen 4.1±3 han- nichts, Springinsfeld, Habenichts, Vergissmeinnicht
delt es sich um Schemata, denen der Sprachgebrauch (` Zusammenrückung 2).
(besonders der mündliche) nicht immer folgt. Die inhaltlichen Beziehungen, in denen Bestim- 1.4
5 Über die Z. in konjunktivischen Gliedsätzen `indi- mungswort und Grundwort zueinander stehen können,
rekte Rede 2. lassen sich darüber hinaus feiner untergliedern. Das
Kompositum kann beispielsweise bezeichnen: ein
Zeitwort Besitzverhältnis: Königsschloss (Schloss des Königs),
` Verb eine Ortsangabe: Amerikareise (Reise nach Amerika),
einen Zweck: Schreibheft (Heft zum Schreiben), einen
Zischlaut Vergleich: grasgrün (grün wie Gras) usw.
Volkstümliche Bezeichnung für einen ` Konsonan- Zu den verschiedenen Arten von verbalen Z.en vgl. 2
ten, in dem ein s-Laut enthalten ist. In der Schrift wer- ` Getrennt- und Zusammenschreibung 1.
den die s-Laute durch die folgenden Buchstaben-Zei- Zu den adjektivischen Zusammensetzungen vgl. ` Ge- 3
chen wiedergegeben: s, û, sch, tz, x, z. trennt- und Zusammenschreibung 2.

Zukunft Zustandspassiv
` Futur ` Passiv 2.2
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An diesem Werk, das zuerst 1966
im Bertelsmann Lexikon Verlag erschien, haben mitgearbeitet:
Prof. Dr. Gerhard Wahrig ² ´ Ursula Hermann
Dr. Margarete Lawetzky
Lexikon der deutschen Sprachlehre:
Dr. Walter Ludewig ² ´ Barbara Kaltz
Etymologie: Friedrich Gohlke
Dr. Christa Förster ´ Imgard von Beckerath
Dr. Christhild Tschentscher ´ Dr. Gernot Hempelmann
Hans-Peter Wahrig

Die Neuausgabe 1980 wurde bearbeitet von Ursula Hermann

Die Neuausgabe 1986 wurde bearbeitet von


Ursula Hermann ´ Renate Wahrig-Burfeind
Klaus Rüme ´ Norbert Raum

Die Leitung der Neuausgabe 1994 hatte


Dr. Renate Wahrig-Burfeind
Fachliche Bearbeitung: Dr. Gisela Benecke ´ Ursula Hermann
Klaus Laabs ´ Norbert Raum ´ Elmar Stenzel ´ Dr. Renate Wahrig-Burfeind
Lexikon der deutschen Sprachlehre:
Dr. Petra Kürten
Redaktion: Dr. Sabine Krome

Die Leitung der Neuausgabe 1997 hatte


Dr. Renate Wahrig-Burfeind
Redaktionsleitung: Dr. Sabine Krome
Redaktion: Stefan Grosser ´ Christiane Hemkendreis
Redaktionelle Mitarbeit: Heiko Hartmann ´ Oliver Mingers ´ Michaela Stüttgen

Die Leitung der Neuausgabe 2000 hatte


Dr. Renate Wahrig-Burfeind
Lexikon der deutschen Sprachlehre:
Dr. Petra Kürten
Redaktionsleitung: Dr. Sabine Krome
Redaktion: Dr. Heiko Hartmann ´ Dr. Ulrike Hönsch ´ Oliver Mingers
Redaktionelle Mitarbeit: Paul Kaltefleiter ´ Heiner Müller
Datentechnik, Satz und Layout: DATACOPY, Köln
Herstellung: Günter Hauptmann ´ Martin Kramer

Fragen zur Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung


beantwortet die WAHRIG-Sprachberatung unter der
Telefonnummer (01 90) 89 89 60 (1,86  pro Minute deutschlandweit)
und unter der Internet-Adresse:

www.wahrig-sprachberatung.de

Hier finden Sie auch weitere aktuelle Informationen


und Serviceangebote des Verlages.

Warenzeichen, Gebrauchsmuster und Patente sind in diesem Werk, soweit feststellbar, als solche gekennzeichnet.
Es wird aber empfohlen, vor Benutzung von bestimmten Zeichen für Waren beim Deutschen Patentamt in München
anzufragen, ob hierfür ein Schutz besteht.

Library of Congress Catalog Card Number: 66-17134

7., vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage


Einbandgestaltung: Groothuis, Lohfert, Consorten (glcons.de)
Druck und Bindung: Brepols, Turnhout
 Wissen Media Verlag GmbH, Gütersloh/München 2002 (vormals Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH)
Alle Rechte vorbehalten
ISBN 3-577-10079-6