Wie schon in seinem ersten Buch An den Grenzen des Wissens unternimmt John Horgan einen Streifzug durch verschiedene Wissenschaften: Diesmal durch jene Disziplinen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geist und Psyche des Menschen beschäftigen. Der Streifzug führt von der Psychologie über die Neurologie, die Pharmakologie, die Evolutionsbiologie bis zur Genetik. Die Ansätze und Methoden dieser Disziplinen werden bündig vorgestellt, die in ihnen gewonnenen Kenntnisse zentralen Fragen gegenüber gestellt, die um die immer noch ungelösten Rätsel des menschlichen Geistes und des psychischen Innenlebens kreisen. John Horgan ist Wissenschaftsjournalist des Scientific American. Im Fischer Taschenbuch Verlag liegt vor: ›An den Grenzen des Wissens. Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften‹ (Bd. 14364). Unsere Adresse im Internet: www. fischer-tb.de

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John Horgan

Der menschliche Geist
Wie die Wissenschaften versuchen, die Psyche zu verstehen
Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

Fischer Taschenbuch Verlag

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Ungekürzte Ausgabe Veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, November 2001 Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Luchterhand Literaturverlages, München Die amerikanische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel ›The Undiscovered Mind: How the Human Brain Defies Replication, Medication, and Explanation‹ bei The Free Press, New York © 1999 John Horgan Für die deutsche Ausgabe: © 2000 Luchterhand Literaturverlag GmbH, München Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany
ISBN 3-596-15139-2

Ungekürzte eBook-Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des Autors Erscheint in der Reihe: Eine Welt des Wissens - Eine Welt des Friedens © 2003 E.V.C. Elaboraziones, Vatican City Diese Ausgabe ist unverkäuflich.

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Für meinen Vater

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Inhalt

EINLEITUNG: »ICH-ZEUGE« 11

Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist 17 Wo bleibt das Positive? 24
1. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT 30

Das Dilemma des Reduktionismus 34 Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke 41 Emotionen erkunden 48 Gagesche Neurowissenschaft 53 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden 58 Psychoanalyse und Seehasen 63 Freud als Neurowissenschaftler 70
2. WARUM FREUD NICHT TOT IST 73

Ziegen, Schafe und der Ödipuskomplex 78 »Crews Missiles«» 87 Der Skeptiker Steven Hyman 96 Freud als Erzähler 102 Freuds versöhnender Pessimismus 108
3. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 110

Psychoanalytiker bewerten sich selbst 117 Die Dodo-Hypothese - Teil I 120 Psychotherapie als Placebo 125
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Therapien im Hier und Jetzt 131 Der Mythos von der Sachkompetenz 134 Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum 137
4. FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 146

Fieber, Koma und andere Therapien 149 Peter Kramer lauschen 158 Die Dodo-Hypothese - Teil II 167 Vom Placebo zum Allheilmittel 172 Placebos zur Behandlung von Depressionen 177 Die Renaissance der Elektroschocktherapie 181 In der EST-Abteilung 186 Zur Verteidigung der EST und anderem 190
5. GEN-MAGIE 194

Die Minnesota-Zwillinge 200 Die Fahndung nach Psychosegenen 207 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? 211 Die Alkoholspur 214 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt 217 Auf der Suche nach Intelligenzgenen 225 Das Temperament von Jerome Kagan 229 Das andere genetische Paradigma 233
6. DARWIN, RETTE UNS! 236

Steven Pinkers Umgang mit Wörtern 245 Was Noam Chomsky wirklich denkt 250 Ist Altruismus ein Instinkt? 252 Das Syndrom vom bösen Vater 258

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wegerklärt 337 Der Aufstieg der »Hysteriker« 343 Der mystische Weg zur Erkenntnis 347 Brian Josephsons »Tunnelkontakt« 352 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES 357 Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser 359 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit 361 Die Sehnsucht nach einer Offenbarung 367 -9 . KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 279 Herbert Simons Prophezeiungen 283 Die Revanche des Philosophen 293 Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand 298 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier 304 KI und Psychoanalyse 310 Die Bedeutung des Turing-Tests 313 8. DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN 319 Christof Kochs Bewußtsein 337 Roger Penroses Quantensprung 331 Thermostate mit Bewußtsein 335 Bewußtsein .Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden 261 Darwinistische Kulturalisten 264 Die Hypothese der Geburtenfolge 266 Darwin und Freud 270 Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft 273 7.

ANHANG 373 Anmerkungen 375 Literaturhinweise 412 Danksagung 414 Register 415 .10 .

wurde als erstes der Herrschaft des Gesetzes unterworfen. dieses Buch mit einem Ich-Zeugnis zu beginnen. hat ihn »IchZeuge-Sein« (»I-witnessing«) genannt. als man es hätte erwarten sollen.oder auch für Wissenschaftsjournalisten. bei der sie die kulturellen. dann die Erde.und Pflanzenreich. Der Bereich. daß sein Argwohn hinsichtlich der Absichten des Erzählers nicht zerstreut. daß jeglicher Anspruch auf Objektivität naiv. dann das Tier. daß der Leser . dann. Dennoch fühle ich mich genötigt. Allerdings führt dies häufig dazu.der sich vermutlich mehr für das Sexualleben der Fidschianer als für das Heimweh des Harvard-Doktoranden interessiert . die ihre Beobachtungen verzerren könnten. hoffen sie. Anfang der neunziger Jahre. intellektuellen und emotionalen Präferenzen offenlegen.mehr als beispielsweise die Elementarteilchenphysik oder die Chaostheorie . sondern geradezu angefacht wird. weil sein Gegenstand . der uns am fernsten lag. der zu den Begründern dieses Ansatzes gehörte. m Verlauf der letzten Jahrzehnte haben Anthropologen eine Dokumentationsmethode entwickelt. alles Näherliegende: zuerst der Himmel. Bekenntnisse sind für Wissenschaftler genauso gefährlich wie für Politiker und Liebende . Anthropologe am Institute for Advanced Study in Princeton. nach und nach.EINLEITUNG »ICH-ZEUGE« Die Naturwissenschaften entwickelten sich in genau umgekehrter Reihenfolge.Fragen hinsichtlich der Grenzen der Objektivität aufwirft. Clifford Geertz. wenn nicht unlauter ist. als ich bereits zehn Jahre . anschließend der menschliche Körper und zu guter Letzt (und bis jetzt äußerst unvollkommen) der menschBERTRAND RUSSELL1 liche Geist. ein größeres Vertrauen beim Leser zu gewinnen.11 I .2 Indem Ich-Zeugen ihre subjektiven Vorlieben offenbaren und dadurch implizit zu verstehen geben.gelangweilt ist und vor allem.

Kosmologie und Evolutionsbiologie. Die Physiker würden niemals über die allgemeingültigen Theorien der Quantenmechanik und die Relativitätstheorie. Dort untersuchte ich die Kerngebiete der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. werden übersehen. störte mich die Art und Weise zunehmend. Spektrum der Wissenschaft). wie etwa Elementarteilchenphysik.Fortschritte gemacht werden.lang als Wissenschaftsjournalist arbeitete.entweder weil die Hauptprobleme bereits gelöst wurden und keine fundamentalen Fragen mehr geblieben sind oder weil die Probleme allen Angriffen widerstanden haben -. die zusammen sämtliche Kräfte und Teilchen der Natur beschreiben. All die Wissenschaftsgebiete.echten oder vermeintlichen . das 1997 erschien. Aus verständlichen Gründen konzentrieren sich sowohl Forscher als auch Journalisten auf die Grenzgebiete der wissenschaftlichen Forschung. auf denen die meisten . die Wissenschaft könne keine absoluten. in denen nur langsame oder gar keine Fortschritte gemacht werden .12 . Ich behauptete. Mein Interesse an den Grenzen der Wissenschaft gipfelte in dem Buch An den Grenzen des Wissens. Paradoxerweise bestätigt sie auch die postmoderne Kritik. diese Disziplinen würden zu Opfern ihrer phänomenalen Erfolge. meinen ehemaligen Arbeitgeber. hinausgelangen. befaßte ich mich immer weniger mit den Errungenschaften der Wissenschaft und zunehmend mit ihren Beschränkungen. die Kosmologen würden nie mehr etwas so Tiefsinniges zustande bringen wie das vereinheitli. In meinen Beiträgen für den Scientific American (dt. dauerhaften Wahrheiten hervorbringen. weil alle Theorien nur vorläufig gültig seien und sich ständig wandelten. Diese Konzentration führt jedoch zu einer Überzeichnung der Leistungsfähigkeit und der positiven Ergebnisse in den Wissenschaften. in der die meisten Naturwissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten einschließlich meiner selbst die Wissenschaft präsentierten.

13 . fühlte sich durch meine Darstellung der Neurowissenschaft persönlich angegriffen. eine Säule der britischen Biologie. daß »das Gehirn letzten Endes nicht in der Lage sein wird. meine Analyse der Hirnforschung fanden sie indes – gelinde gesagt – nicht überzeugend.chende Modell der Urknalltheorie. gelegentlich aber auch mit »Psyche« und »Gehirn«. jemals die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-basierte Genetik zu übertreffen. Lewis Wolpert. geriet er so in Rage.3 In seinen zukunftsweisenden Büchern The Coming of the Golden Age und Paradoxes of Progress behauptete Stent. in den siebziger Jahren von der Molekularbiologie auf dieses Fachgebiet umzusatteln. und später fungierte er als Leiter der Abteilung Neurobiologie der National Academy of Sciences. die Elementarteilchenphysik. ein Opfer sowohl ihres Erfolgs als auch ihrer Grenzen zu werden. (A.) . In den Kapiteln »Das Ende der Sozialwissenschaften« und »Das Ende der Neurowissenschaften« erörterte ich eine andere These: Wissenschaftler. eine Erklärung von sich selbst zu liefern. Doch Stent schätzte die Fähigkeit der Neurowissenschaft. Hierbei wie bei anderen Überlegungen ließ ich mich von Günther Stent von der Universität von Kalifornien in Berkeley anregen. sind womöglich von dessen schierer Komplexität überfordert. die Naturwissenschaft sei dazu verdammt. pessimistisch ein. die das menschliche Bewußtsein erklären wollen. Dies veranlaßte ihn sogar dazu.«4 Einige Kritiker meines Buchs An den Grenzen des Wissens räumten zwar ein. Er vermutete.d. * Der englische Begriff mind wird im folgenden meist mit »Geist« wiedergegeben. Bewußtsein und andere ungelöste Fragen des menschlichen Geistes* zu erklären.5 Als ich ihm bei einer Wissenschaftskonferenz in London im Jahr 1997 vorgestellt wurde.Ü. die Biologen könnten nicht hoffen. Stent erkannte die Bedeutung der Neurowissenschaft. die Kosmologie und die Evolutionsbiologie hätten möglicherweise in der Tat ihren Zenit überschritten.

daß meine Behandlung der Wissenschaft vom menschlichen Geist in Anbetracht der enormen Breite und Bedeutung des Themas unzureichend war.daß ich für einen spannungsgeladenen Augenblick fürchtete. die Neurowissenschaft gehe ihrem Ende zu. nämlich das Bewußtsein. wie Gerald Edelman. Emotionen empfinden. das die größte philosophische Tragweite hat. einen ausgebildeten Immunologen. er würde gleich auf mich einprügeln. sondern mit Wissenschaftlern. Mit knallrotem Gesicht fauchte er. An den Grenzen des Wissens konzentrierte sich in erster Linie auf Versuche. das unmittelbarste und unbestimmteste aller mentalen Phänomene.14 . die erst spät auf dieses Gebiet umgesattelt hätten. Tatsächlich war ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt. bevor ich antworten konnte. lernen. daß sein Einwand gegen mein Buch nicht völlig unberechtigt sei. Wenn wir unser Gespräch hätten fortsetzen können. Bewußtsein ist wohl das Problem des Geistes. Psychotherapien und andere Heilverfahren. das Kapitel über Neurowissenschaft in An den Grenzen des Wissens sei »entsetzlich! absolut entsetzlich!«. aber es ist auch das am schwersten zu packende Problem. zu erklären. wo sie doch offenkundig gerade erst beginne? Wolpert stolzierte davon. Willensentschlüsse fassen oder handeln? Weshalb leiden so viele Menschen an psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie ? Wie wirksam sind die Medikamente. hören. wenn wir sehen. Es befasse sich nicht überwiegend mit Neurowissenschaftlern. konkreteren Fragestellungen: Was geschieht im Gehirn. der gelernter Physiker sei! Und wie könne ich überhaupt schreiben. die ihr Metier von der Pike auf gelernt hätten. die zur Behandlung dieser verheerenden Leiden eingesetzt werden? Auf welche Weise wird die Persönlichkeit des einzelnen durch das Zusammenwirken von Erbanlage und Umwelt geformt ? Wel. hätte ich versucht. logisch denken. Die meisten Hirnforscher beschäftigen sich mit anderen. und Francis Crick. ihn mit der Bemerkung zu besänftigen.

für alle Organismen gelten.15 . weil sie. abwertet und Physik und Kosmologie überbewertet. Gebiete wie Psychologie.«6 So narzißtisch. Nach dieser Definition. der erst seit ein paar hunderttausend Jahren auf der Erde lebt. unseren Geist und unser Verhalten zu verstehen.wiederum soweit wir wissen . gibt es kein Thema. ist die Conditio humana. die uns helfen. soweit wir wissen.] Was mich fasziniert. Psychiatrie und Verhaltensgenetik befassen sich dagegen mit einem einzigen Organismus. Wie schrieb doch der Arzt Sherwin Nuland in seiner Betrachtung über die Sterblichkeit Wie wir sterben: »Mir ist der Mikrokosmos wichtiger als der Makrokosmos. lassen sich wissenschaftliche Theorien nach dem Umfang ihres Gültigkeitsbereichs in Raum und Zeit in eine Rangfolge einordnen. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. die ich von den Elementarteilchenphysikern Steven Weinberg und Murray Gell-Mann übernommen habe. die implizit Gebiete. [. die jemals auf der Erde gelebt haben. nicht die Struktur des Kosmos. die Wissenschaft habe ihren Zenit überschritten. basierte auch auf einer Definition der Wissenschaft. mich interessiert das Leben eines Menschen mehr als das Verlöschen eines Sterns oder das Vorüberziehen eines Kometen.che Rolle spielt die natürliche Selektion bei der Prägung unseres Gehirns und unserer Psyche? In welchem Ausmaß werden wir durch unser biologisches Erbe bestimmt? Lassen sich die Funktionen des menschlichen Geistes durch einen Computer kopieren? Mein Argument. Die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie sind die fundamentalsten Theorien. wie wir nun einmal sind. das uns mehr interessierte als wir selbst.. Innerhalb der Biologie sind die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-gestützte Genetik die fundamentalsten Theorien.. für das gesamte Universum gelten. Andererseits sind diese Disziplinen. . für die meisten von uns bedeutungsvoller als Physik oder Kosmologie. weil sie .

Laut Auskunft der Weltgesundheitsorganisation leiden über 1. deren Theologien ebenfalls implizite Theorien über die menschliche Natur enthalten -. Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und andere Erforscher der Psyche ihre Träume verwirklichen. Schizophrenie und Alkoholismus. das Elend minimiert und Glück maximiert. Wir werden vielleicht über . die von Karl Marx und Sigmund Freud ins Leben gerufen wurden . haben dies gezeigt. den Lauf der Geschichte zu verändern. Krieg. Umweltverschmutzung.Die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ist jedoch nicht nur bedeutungsvoll. Armut. Auch in einem streng praktischen Sinne besitzt die Erforschung des Homo sapiens von allen wissenschaftlichen Unternehmungen die größte Tragweite.2 Milliarden Menschen an neuropsychiatrischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. Wir werden uns nicht länger an der Anlage-Umwelt-Kontroverse oder dem Geist-Körper-Problem aufreiben. Rassismus.7 Die neuropsychiatrischen Erkrankungen verursachen allein in den Vereinigten Staaten jährliche Kosten von über dreihundert Milliarden Dollar. um ein politisches System zu konzipieren. Das gleiche gilt für Depression. weil sie zu jedermanns Zufriedenheit gelöst sein werden. Verbrechen. Psychologen. Selbst pseudowissenschaftliche Erklärungen der menschlichen Natur haben die Macht. Auch die Lösungen für diese Probleme werden vielleicht aus dem menschlichen Geist hervorgehen. Wenn Neurowissenschaftler. Angststörungen.8 das sind mehr als die geschätzten Ausgaben für Krebsund Herzerkrankungen sowie AIDS zusammengenommen. werden wir eines Tages vielleicht in einer Kultur leben. die von wahren Theorien der menschlichen Natur geprägt sein wird. Wir werden vielleicht genug über unsere Natur wissen. Buddha und Mohammed.oder auch von Jesus.16 . Die Bewegungen. ja praktisch alle gesellschaftlichen Übel haben ihren Ursprung zumindest teilweise in unserem Gehirn.

Medikamente verfügen. es sollte auch Versuche. (Ein unverkennbares Beispiel für ironische Wissen. medikamentös zu behandeln und die Eigenschaften des Gehirns in Maschinen zu kopieren. der Astronomie und der Chemie.17 . die empirisch bestätigt oder widerlegt werden können. Sie ist daher näher mit der Philosophie und der Literaturtheorie oder gar der Literatur verwandt als mit der echten Naturwissenschaft. die die Wirklichkeit niemals richtig durch Erkenntnis erfaßt und sich folglich nicht der Wahrheit annähert. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data aus der Serie Star Trek sind. einer kritischen Würdigung unterziehen. das die wissenschaftliche Erforschung des Geistes sehr viel eingehender untersuchen sollte. In den sogenannten exakten Wissenschaften. Aus all diesen Gründen beschloß ich. als ich dies in An den Grenzen des Wissens getan hatte. die Psyche von Personen. Das Buch sollte sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Ansätzen zur Erklärung der Eigenschaften des Geistes einschließlich des Bewußtseins befassen. ein weiteres Buch zu schreiben. wie etwa der Physik. die manisch-depressive Erkrankungen heilen und die Intelligenz optimieren. die an seelischen Störungen leiden. taucht sie plötzlich auf. Wir werden vielleicht von Robotern bedient werden. die Hoffnungslosigkeit vertreiben und das Erinnerungsvermögen verbessern. Die ironische Wissenschaft stellt keine präzisen Tatsachenbehauptungen über die Welt auf. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data sind. Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist In An den Grenzen des Wissens prägte ich den Ausdruck »ironische Wissenschaft« für eine Wissenschaft. Wir werden vielleicht zu Robotern werden. über Gentherapien.

dauerhaften Wahrheiten suchen. das Alphabet lernt. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. Düsenflugzeugen. Die wissenschaftliche Erkundung des menschlichen Geistes stellt Forscher. Der Evolutionsbiologe Ernst Mayr von der Harvard-Universität hat darauf hingewiesen.schaft ist eine Theorie. Elektroschocktherapie. vermeintliche genetische Marker für Homosexualität. . Die Erforschung des Gehirns hat bislang auch nicht jene Arten von praktischen Nutzanwendungen hervorgebracht. die zweifelsfrei für ein bestimmtes Paradigma sprächen. Radar. Und auch jedes einzelne Gehirn macht möglicherweise drastische Veränderungen durch. daß kein Zweig der Biologie es mit der Genauigkeit und Allgemeingültigkeit der Physik aufnehmen könne.) Doch sie dominiert vor allem in den Gebieten. Transistoren. IQ-Tests und Schachcomputer. der Klonierung und anderen Wundern auftrumpfen.9 Doch die Unterschiede zwischen beispielsweise zwei Bakterien der Art Escherichia coli oder zwei Blattschneiderameisen sind belanglos im Vergleich zu den Unterschieden zwischen zwei beliebigen Menschen. Atombomben prahlen. eine jungianische Traumtherapie absolviert oder einen Schlaganfall erleidet. welche die Existenz weiterer Welten neben dem bekannten Universum postuliert. sich verliebt. weil sämtliche Lebewesen. die nach exakten. ob sein Besitzer verprügelt wird. Biologen können mit Impfstoffen. je nachdem. Physiker können mit Lasern. Antibiotika. sich scheiden läßt. einzigartig seien. anders als etwa Elektronen und Neutronen. Also sprach Zarathustra liest. LSD nimmt. Die Variabilität und die Formbarkeit des Gehirns erschweren die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien der menschlichen Natur enorm. Die Nebenprodukte der wissenschaftlichen Erforschung des Gehirns nehmen sich dagegen viel bescheidener aus: kognitive Verhaltenstherapie.18 . seien sie auch genetisch identisch. Fluctin. vor eine Herausforderung ganz eigener Art.

.. sie kommen nur in und aus der Mode. die sie abgelöst hätten. daß jeder Nebel eine eigene Galaxie ist. [. entstehen nicht alle hundert. Im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert glaubten die Astronomen. manchmal hat man fast den Eindruck. zu welchem Zweck sie gewinnen soll -.] Paradigmen. völlig neue Herangehensweisen an die Welt der Dinge. Gaswolken in unserer Galaxie. Auch ältere Behandlungstechniken bestehen fort.Der Philosoph Thomas Kuhn behauptete. daß die Lichtflekken im Himmel. sie änderten sich im monatlichen Abstand. Doch Kuhns Modell des wissenschaftlichen Nicht-Fortschritts paßt recht gut auf die wissenschaftliche Erforschung des Gehirns. die in den letzten Jahrzehnten weitgehend durch Fluctin . daß die Psychologie »durch grundverschiedene Vorstellungen dessen. ja. Das ist nicht bloß eine andere Sichtweise. seien. Die von ihren anstößigen politischen Implikationen (weitgehend) gereinigte Eugenik schlüpft ins Gewand der Verhaltensgenetik. moderne wissenschaftliche Theorien seien nicht wahrer als die Theorien. sondern bloß anders. Schockbehandlungen und Lobotomien. Als sich dann das Auflösungsvermögen der Teleskope verbesserte. Clifford Geertz wies unlängst darauf hin. der Milchstraße. ›worum‹ es ihr geht . Die Soziobiologie wandelt sich zur Evolutionspsychologie. sich in grundverschiedene Richtungen entwickelt hat. über welche Wirklichkeit. Die Phrenologie wird als Modularitätstheorie der kognitiven Psychologie wiedergeboren. erkannten die Astronomen.10 Kuhns These trifft auf bestimmte wissenschaftliche Fachgebiete wie etwa die Astronomie einfach nicht zu. sondern alle zehn Jahre. die weit jenseits der Grenzen der Milchstraße liegt.«11 Theorien der menschlichen Natur sterben niemals völlig aus. die als Nebel bezeichnet wurden. es ist die richtige Sichtweise. Oftmals werden alte Ideen einfach in schmackhafteren Formen neu verpackt.19 .welche Erkenntnisse.

das ein unglaubliches Beharrungsvermögen bewiesen hat. der dem Überdauern der Psychoanalyse zugrunde liegt: die Unfähigkeit der Wissenschaft. Obgleich das Ansehen der Psychoanalyse in den letzten Jahrzehnten gesunken ist.und Lithium verdrängt worden waren. ist die Psychoanalyse. dessen Erkenntnisse über die Psyche. KI-Forscher und andere. eine zweifelsfrei überlegene Erklärung für die Psyche und ihre Störungen zu liefern. Doch die Physiker erörtern heute die Phlogiston-Hypothese deshalb nicht mehr.20 . doch beide übersehen auch den entscheidenden Faktor. Zudem brachten viele Intellektuelle . der sich auf nichts so gut verstanden habe wie auf die Werbung in eigener Sache. dennoch intuitiv plausibel erscheinen. werden bei schweren Psychosen noch immer verordnet. FreudAnhänger huldigen ihm als Genie. indem sie Freud als Sektenführer anprangern. die Sigmund Freud vor einhundert Jahren erfand. sondern auch Neurowissenschaftler. . von dem die Physiker im achtzehnten Jahrhundert glaubten. Weshalb ist die Psychoanalyse noch immer so einflußreich? Freud-Gegner beantworten diese Frage. die.ihre Bewunderung für die Psychoanalyse zum Ausdruck. Beide Auffassungen sind vertretbar. doch das gleiche gilt für die Verfechter modernerer Paradigmen.darunter nicht nur französische Philosophen. der Stoff. Ein Paradigma. weil sie dank der Entdeckung des Sauerstoffs und weiterer Fortschritte in der Chemie und der Thermodynamik als gänzlich überholt gilt. Die Antifreudianer behaupten in der Tat. machen nach wie vor Millionen von Menschen eine Psychotherapie. die Psychoanalyse stehe wissenschaftlich auf ebenso tönernen Füßen wie das Phlogiston. auf der Lehre Freuds basiert. die es vermeintlich besser wissen sollten . obgleich empirisch nur schwer zu überprüfen. er würde bei allen Verbrennungsvorgängen freigesetzt. zumindest indirekt. Die Freudianer können keine eindeutigen Beweise für die Überlegenheit ihres Paradigmas vorlegen.

ein Anhänger der Elektroschocktherapie stellt die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin heraus.21 . Ich habe diesen internen Konflikt für meine Zwecke ausgeschlachtet. dann gilt dies auch für ihre selbsternannten Nachfolgerinnen. als wenn sie die Paradigmen anderer heruntermachen. Um mit Thomas Kuhn zu sprechen: Diese Alternativen sind nicht wahrer oder besser. wenn sie das von ihnen bevorzugte Paradigma anpreisen. ein Verhaltensgenetiker verspottet die Roboterphantasien von Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. So verhöhnt ein Neurowissenschaftler die Evolutionspsychologie als ein Sammelsurium von kasuistischen Fallgeschichten. Einige Leser mögen es unfair und widersprüchlich finden. bis ihre Richtigkeit über jeden . Theorien sollten so lange als schuldig . sondern einfach anders. daß ich beispielsweise die Verhaltensgenetik in einem Kapitel kritisiere und mich dann im nächsten Kapitel auf sie berufe. gegensätzliche Standpunkte zu vertreten.angesehen werden. Doch die Zerstrittenheit unter den Wissenschaftlern. kann das Kreuzfeuer tödlich sein.Dagegen haben hundertjährige Forschungsanstrengungen in der Psychiatrie. ist in der Wissenschaft genauso unentbehrlich wie in der Rechtsprechung. häufig mit weniger Ernsthaftigkeit und Begeisterung bei der Sache. Selbst unter Forschern. wie die Antifreudianer behaupten. Die Freiheit. Wenn die Psychoanalyse dem Phlogiston entspricht. Doch bei Theorien über die menschliche Natur sollten die umgekehrten Beweisanforderungen gelten als vor Gericht. unterscheidet diese Wissenschaften von anderen. die sich für ein und dasselbe Paradigma einsetzen. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. der Genetik. um die Evolutionspsychologie in Frage zu stellen. daß Freud ein für allemal erledigt wäre. Die Forscher sind. der Neurowissenschaft und den angrenzenden Gebieten kein so allgemeingültiges Paradigma hervorgebracht.das heißt falsch oder zweifelhaft .

Wissenschaftler verteidigen die Neurowissenschaft und verwandte Gebiete vielfach mit der Bemerkung. eine Theorie in Zweifel zu ziehen. indem sie eine entgegengesetzte Hypothese aufstellen. die Vorläuferin der Modularitätstheorie des Geistes. daß Nerven elektrische Ströme aussenden und darauf ansprechen. Deshalb sollte es Kritikern erlaubt sein. sondern auf ihrer Produktivität. Unterdessen enträtselten Camillo Golgi. das AnlageUmwelt-Problem durch Untersuchung eineiiger Zwillinge zu lösen.22 . Tatsächlich hat die Neurowissenschaft eine Geschichte. die ebenso zweifelhaft sein mag. die mit der anderer wissenschaftlicher Disziplinen vergleichbar ist. Grund für Skepsis gegenüber allen Paradigmen. fußt nicht auf dem tatsächlichen Alter der Disziplin. daß sie »noch am Anfang stehe«. William James schrieb 1890 die Principles of Psychology. Im fünften Jahrhundert vor Christus stellte Hippokrates die Hypothese auf. das Gehirn sei beim Menschen Sitz der Wahrnehmung und des Denkens. Und Freud begann wenig später mit der Darlegung seiner psychoanalytischen Theorie.berechtigten Zweifel hinaus erwiesen ist. sich widersprechende Paradigmen vertreten. die Neurowissenschaft »stehe an ihrem Anfang«. Luigi Galvani zeigte im späten achtzehnten Jahrhundert. die durch Hirnschäden verursacht werden. wie etwa mein britischer Gegner Lewis Wolpert. Francis Galton versuchte im neunzehnten Jahrhundert. Ramon y Cajal und andere Aufbau und Funktion der Nervenzellen.12 und Galen bestätigte diese Annahme sechs Jahrhunderte später. die heute von Kognitionswissenschaftlern und anderen gepriesen wird. geschrieben hatte. nachdem er bereits eine solide Monographie über Sprachstörungen. Zudem ist die Tatsache. Wolpert räumte dies in seinem 1993 erschienenen Buch The Unnatural Nature of . Etwa zur selben Zeit erfand Franz Joseph Gall die Phrenologie. Die Behauptung. daß sachkundige Wissenschaftler so unterschiedliche.

Wie die meisten anderen Wissenschaftler ist Wolpert ein Optimist. der Mißerfolg in der Vergangenheit läßt auf künftige Erfolge schließen. ein Experiment auf einer niedrigen Organisationsebene . und folglich. Im Grunde genommen behauptet er. was den gegenwärtigen »primitiven« Zustand der Neurowissenschaft und anderer Disziplinen.das heißt der Ebene der Hirnfunktion oder der Neurophysiologie durchzuführen. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes befinde sich im Vergleich zu ausgereiften wissenschaftlichen Disziplinen wie der Kernphysik und der Molekularbiologie noch immer in einem »primitiven« Zustand. Als Beleg führte er die Unfähigkeit der Neurowissenschaftler an. was die Zukunft bringen wird. wie weit es die Wissenschaft vom menschlichen Geist. anbelangt. das die psychoanalytische Theorie widerlegen würde. Den Wissenschaftlern wird . daß um so wichtigere Entdeckungen vor uns lägen. Er behauptete: »Wir wissen einfach nicht. Psychologie. Die Frage ist. in Zukunft bringen wird. Psychiatrie und andere Fachgebiete.« Dennoch lehnte Wolpert die pessimistische Auffassung entschieden ab. möglicherweise an fundamentale wissenschaftliche Grenzen stoßen. daß »menschliches Verhalten und Denken niemals jener Art von Erklärungen zugänglich sein werden.«13 Ich stimme mit Wolpert überein. die in den physikalischen und biologischen Wissenschaften so erfolgreich sind«. die sie bislang erzielt hat.Science auch ein. In Anbetracht ihrer dürftigen Erfolgsbilanz bis heute fürchte ich. die Grundkonzepte der Psychoanalyse zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen: »Es ist gegenwärtig unmöglich. Er schrieb. das bisherige Ausbleiben von Fortschritten bei der Erforschung des Geistes bedeute. Dies ist allerdings weniger ein Argument als eine Glaubensaussage. Anders gesagt. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. die sich mit der Erforschung der Psyche befassen.23 . was wir nicht wissen. daß Neurowissenschaft. angesichts der geringen Fortschritte.

meine kritische Einstellung zu begründen und etwas Positives zu finden. während ich ein paar Schritte von ihr weg stand und Notizen auf einen Block mit gelbem Papier kritzelte. »Sie legen uns all die negativen Punkte auseinander. mir zu sagen. sagte er. die ich kritisieren wollte. Zu Beginn meiner Recherchen beobachtete ich am New York State Psychiatrie Institute Patienten. Eine der Patientinnen war eine schlanke. Was sagen Sie den Lesern am Ende Ihres Buches. Womöglich wird der menschliche Geist bis zu einem gewissen Grad immer ein Rätsel bleiben. die dem Streben nach Wahrheit als solchem innewohne.24 . ich verstehe«. Doch ich empfand ein starkes Bedürfnis. Wo bleibt das Positive? Bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches begann. »Ja. »Ja.»Hoffnungsvoll?« fragte ich zurück. bohrte er nicht weiter. Als ich mich dann an die Arbeit machte. Sie lag auf einer Untersuchungsliege und wartete auf ihre Behandlung. zierliche Frau mit kurzem braunem Haar. Als ein Techniker die . Obgleich der Agent nicht überzeugt zu sein schien. änderte sich meine pessimistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage der wissenschaftlichen Erforschung des Geistes nicht. Im Gegenteil. was er von der Idee halte. »Ich bringe nichts Optimistisches«. die einer Elektroschocktherapie unterzogen wurden. die Psyche zu heilen. sie auf Rechnern zu simulieren oder zu erklären. bat ich einen auf Naturwissenschaft spezialisierten Verlagsagenten. durchgegangen war. Aber welchen hoffnungsvollen Ausblick setzen Sie dem entgegen?« . sagte ich und faselte etwas von der Befriedigung. die positive Botschaft. damit sie das Buch nach Lektüre nicht in gedrückter Stimmung weglegen?« Auf diese Frage war ich nicht gefaßt.es vielleicht niemals endgültig gelingen. nachdem ich alle Disziplinen.

und er sagte mir schließlich. drehte sie plötzlich den Kopf und starrte mich unvermittelt an. Fluctin hatte ihm geholfen. das ich erörtern wollte. Er fragte mich freundlich. Vor ein paar Jahren war Harry einer so tiefen Depression verfallen. warum.Schläfen der Frau mit elektrisch leitendem Gel einrieb. als ich auf einer Party zufällig einem Bekannten aus Kindertagen begegnete. Je länger ich sprach. Sie schien gleichzeitig verwirrt. daß diese Forschungen scheitern? Angenommen. um so verlegener blickte Harry drein. was ich mir davon verspräche.14 Während der anschließenden Diskussion fragte mich ein Genetiker empört. was versprach ich mir davon. oder. meine Sichtweise der Erforschung des menschlichen Geistes war richtig. erschrocken und zornig zu sein. und ich erzählte ihm von meinem Buchprojekt. ein Medikament anzuprangern. meine geplante Kritik an Medikamenten wie Fluctin als Beispiel wählte. daß ich zunehmend meine persönliche Einstellung zu dem Thema. Ob ich der Ansicht sei. worauf ich eigentlich hinauswolle. um mit dem Verlagsagenten zu reden: Was war das Positive daran? . als ich in einem Vortrag an einer kalifornischen Universität einige Themen dieses Buches angeschnitten hatte. den ich Harry nennen will. wie ich leide ? Ähnliche Gedanken überkamen mich. Weshalb war ich so negativ eingestellt? Was war mein Motiv? Wollte ich im Grunde genommen. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. sie öffentlich kundzutun ? Wozu sollte es gut sein. wobei ich. das ihm und vielen anderen das Leben gerettet habe? Eine weitere Unsicherheit kam auf. hinterfragte.25 . Er fragte. als dächte sie: Wer zum Teufel ist der da. die Depression zu überwinden. was ich mache. Ohne das Medikament wäre er möglicherweise tot. wie ich es häufig gegenüber Laien tat. er und seine Kollegen sollten einfach mit ihrer Arbeit aufhören? Solle der US-Kongreß seine finanzielle Förderung einstellen? Diese Begegnungen führten dazu. daß er an Selbstmord dachte. und was steht er da herum und gafft.

daß ich eine Unausgewogenheit beheben möchte: Die meisten Bücher zum Thema menschlicher . Religiöser Glaube ist wohl die erfolgreichste psychologische Therapie. Es macht mich betroffen. daß Kritik an Fluctin. Meine Kritik mag sich manchmal schroff anhören. und Politiker abschrecken. daß der Glaube an eine bestimmte Therapie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann. an der Psychotherapie und an anderen Behandlungsverfahren möglicherweise den Glauben daran untergräbt und so deren Wirksamkeit bei Menschen wie Harry beeinträchtigt. Gerade weil diese Forschungen so wichtig sind.26 . Ich möchte in diesem Buch konstruktive Kritik an den Disziplinen üben. diese Art von Forschung fortzusetzen. Der Glaube ist nicht allmächtig und auch nicht immer nützlich. Fördermittel für weitere Studien zu bewilligen. nur damit irgend jemand eventuell größeren Nutzen daraus zöge. Der Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse muß den Nutzen des Glaubens übertreffen. Das liegt daran.Ich befasse mich zunächst mit dem Einwand meines Bekannten aus Kindertagen. Kristallen oder der Homöopathie anpreisen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. Doch diese Möglichkeiten rechtfertigen nicht. Doch zweifellos wäre es unverantwortlich. ja sogar grausam. Weshalb sollte man andernfalls überhaupt Wissenschaft betreiben? Eindringliche Hinweise auf die Grenzen von Neurowissenschaft. schließlich hat die Wissenschaft gezeigt. Tatsachen zu ignorieren oder falsch darzustellen. bedürfen sie einer sorgfältigen Überprüfung. Dann könnten Journalisten genausogut die Heilkräfte von Blutegeln. aber er hat auch Unwissenheit und Intoleranz gefördert. mit der vielleicht wichtigsten wissenschaftlichen Fragestellung überhaupt. Harry. wenn ein Journalist bewußt die Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens übertriebe. die je erfunden wurde. Verhaltensgenetik und verwandten Disziplinen könnten vermutlich auch Wissenschaftler davon abhalten.

keiner Theorie zuviel Glauben zu schenken. Psychologie. Trotz ihrer Fehltritte und Grenzen sind Neurowissenschaft. das Weiterbestehen rassistischer Intelligenztheorien. Evolutionspsychologie. In der Vergangenheit brachte die Überbewertung der Macht von Wissenschaft und Vernunft pseudowissenschaftliche Ideologien hervor wie den Sozialdarwinismus. Sie haben uns wichtige Erkenntnisse über unser Wesen verschafft. Doch der feste innere Glaube und die Zuversicht.und andere Menschen . die Eugenik und den totalitären Kommunismus. in einem allzu verklärenden Ton geschrieben. die immer weiter um sich greifende Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka. Solcher . Einige Probleme. Verhaltensgenetik. Ich bin beunruhigt über die Ausbreitung der erinnerungsaufdeckenden Therapie. und Methoden finden. Psychiatrie. gleich ob sie von Forschern oder Journalisten stammen. wonach wir Menschen nur ein Haufen Neurone oder nur Vehikel für die Fortpflanzung von Genen oder nur Maschinen sind.mittlerweile gelernt haben. doch ich sehe zu viele gegenteilige Anzeichen. die Veröffentlichung karikaturistischer Darstellungen der männlichen und weiblichen Sexualität. können sie auch in Schwierigkeiten bringen. daß diese Prognose zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. mit denen sich die Forscher herumschlagen. daß Wissenschaftler . um ihre Suche durchzuhalten. Zudem werden die Wissenschaftler vielleicht eines Tages wirklich damit anfangen.27 . doch ich möchte keinesfalls. Subtilere Schäden können die Behauptungen prominenter Forscher anrichten. Künstliche Intelligenz und sogar die Psychoanalyse keineswegs wertlos. daß keine zu mächtig wird. entziehen sich möglicherweise dem wissenschaftlichen Zugriff.Geist sind. wenn auch problematische und widersprüchliche. die Wissenschaftler brauchen. sie zu verbessern. die menschliche Natur zu verstehen. Jede dieser Disziplinen kann zumindest als ein Gegengewicht zu den anderen dienen und sorgt dafür. Ich würde gern glauben.

So wird die Wissenschaft. zu einem endlosen Unternehmen. sehr plausibel.Reduktionismus erweist sowohl der Menschheit als auch der Wissenschaft einen schlechten Dienst. der Astronomie und der Biologie gewonnen haben. Ich ziehe den Begriff optimistischer Skeptizismus vor. In An den Grenzen des Wissens behauptete ich. das Poppersche Modell lasse sich nicht aufrechterhalten. Zuwenig Skepsis läßt uns wissenschaftlichen Quacksalbern auf den Leim gehen. sondern die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt bestreitet. Alle unsere Erkenntnisse seien nur vorläufig gültig. Der Schlüssel liegt darin. In bezug auf die menschliche Natur kann unsere Gier nach absoluten Wahrheiten.28 . wenn man es auf die gesamte Wissenschaft beziehe. nach vereinheitlichten Theorien und nach Allheilmitteln gefährliche Konsequenzen haben.kann uns vor unserer Gier nach Antworten schützen und uns gleichzeitig so aufgeschlossen sein lassen. daß unsere Theorien wahr seien. die wir in der Physik. Er behauptete. zur Freude des wissenschaftsliebenden Popper. Popper nannte seine Philosophie kritischen Rationalismus. Der Philosoph Karl Popper verkörperte diese Einstellung. der wissenschaftlich so schwer zu bezwingen ist. daß die Erde rund und nicht flach ist.gemischt mit dem richtigen Maß an Hoffnung . daß wir echte Wahrheiten erkennen. wir könnten Theorien lediglich widerlegen beziehungsweise falsifizieren. wie etwa die Tatsache. sind nicht vorläufig. die nicht nur die Möglichkeit vollkommener menschlicher Selbsterkenntnis. Nur das richtige Maß an Skepsis . wenn sie . bezogen auf die Erforschung des menschlichen Geistes. sondern dauerhaft und absolut. den Ergebnissen der Wissenschaft skeptisch gegenüberzustehen und gleichzeitig die Wissenschaft als solche zu fördern.15 Ein Großteil der Erkenntnisse. Die Poppersche Philosophie ist allerdings. wir könnten nicht beweisen. Zuviel Skepsis kann zum Solipsismus führen. zu einer radikalen postmodernen Anschauung.

.29 .selbst wenn er ein Rätsel bleiben sollte -. zu therapieren und zu simulieren. daß die Wissenschaft vom menschlichen Geist vielleicht nie zu einem Ende kommen wird. solange wir leiden. bedeutet paradoxerweise. Die Ziele der Erforschung des Geistes sind so verlockend. Doch selbst wenn der Geist weiterhin den Bemühungen von Wissenschaftlern. Falls dieses Buch auch nur annähernd sein Ziel erreicht. dieses Streben finanziell zu unterstützen. sie zu verfolgen. daß die Wissenschaftler zweifellos niemals aufhören werden. widersteht . wenn dieses Streben nach Erkenntnis enden sollte.unerforschte Grenzgebiet der Wissenschaft. noch werden Regierungen. werden wir weiterhin mit den Instrumenten der Wissenschaft unseren Geist analysieren und ihm auf den Grund gehen. daß diese Ziele möglicherweise nie ganz erreicht werden. ihn zu erklären. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes mit optimistischem Skeptizismus zu betrachten. Das ist ein positiver Aspekt. edle Aufgabe gegeben.ewig . Könnten wir anders? Die Innenwelt ist vielleicht das letzte . Unternehmen und Philanthropen jemals aufhören. gibt es einen weiteren positiven Aspekt. Solange wir uns selbst ein Rätsel bleiben. solange wir nicht in eine utopische Apathie verfallen. Die Tatsache. Die Wissenschaft hat der Menschheit eine gewaltige. werden wir etwas Wertvolles verlieren.auftauchen. wird es den Leser dazu bringen.

daß ich jetzt imstande sei. ganz vernachlässigend. die Töne nämlich und die Luft und das Gehör und tausenderlei dergleichen herbeibringen. weshalb er die Todesstrafe angenommen habe und nicht geflohen sei.2 . ad absurdum. der dies glaube. Jemand. seine »Libido«. Ebenso. und sie projizieren ihre Dias und betrachten Freuds theoretische Konstrukte. seinen »Ödipuskomplex« und alles weitere..] Heute sind die neuen Gelehrten eifrig dabei. das Gehirn von allen Seiten zu sondieren und in hauchdünne Scheibchen zu zerlegen. wenn ich sie nachlasse und anziehe. mich zu verdammen. Die neueste wissenschaftliche Mode war die klinische Erforschung des Zentralnervensystems.. Im Verlauf seiner Rede führt Sokrates die Vorstellung. sage im Grunde folgendes über ihn aus: Da nun die Knochen in ihren Gelenken schweben. argumentierte Sokrates.30 . TOM WOLFE. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT Im Jahr 1979 behandelte man die freudianische Psychologie nur noch als eine interessante historische Fußnote. so bewirkten die Sehnen. als kuriose Scharlatanerien der Vergangenheit. daß nämlich. ähnlich Mesmers »animali1 schem Magnetismus«. Sokrates erklärte seinen Freunden. weil es den Athenern besser gefallen hat. der von der Athener Regierung ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt worden war. wenn er von unserm Gespräch andere solche Ursachen anführen wollte. und gerechter. [. und aus diesem Grund säße ich jetzt hier mit gebogenen Knien. In Our Time Im Phaidon beschrieb Platon die letzten Stunden des Sokrates. die wahren Ursachen anzuführen. die sich im Gefängnis versammelt hatten. meine Glieder zu bewegen. hier sitzenzubleiben. deshalb es auch mir besser geschienen hat. sein Verhalten lasse sich rein physisch erklären.1. die Strafe geduldig auszustehen. welche sie angeordnet haben.

daß das Gehirn der Sitz der mentalen Funktionen ist. die zwischen einzelnen Nervenzellen weitergeleitet werden.31 . Als Platon seinen Phaidon schrieb. brachte ihn zu der Überzeugung. Der Begriff wurde von Joseph Levine geprägt.) Heute erkunden die Neurowissenschaftler die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Geist mit einer Reihe immer leistungsfähigerer Instrumente. daß die Neurowissenschaft schließlich für die Wissenschaft vom menschlichen Geist das leisten wird. Sie können mit Mikroelektroden die extrem schwachen elektrischen Impulse registrieren. Sie können mit Hilfe der Positronenemissions. Die Forscher hoffen. die . daß Hühner nach ihrer Enthauptung oftmals noch eine Zeitlang umherlaufen. nämlich sie auf eine feste empirische Grundlage zu stellen. (Aristoteles' Beobachtung. die Wissenschaft vom Gehirn. psychische Phänomene zu erklären. In seinem Aufsatz »Materialism and Qualia: The Explanatory Gap«3 befaßte sich Levine mit der rätselhaften Unfähigkeit physiologischer Theorien. logisches Denken und Emotion sowie auf das menschliche Verhalten beziehen. was zeitgenössische Philosophen die »Erklärungslücke« nennen. Die Disziplin. die Erklärungslücke zu schließen. die am ehesten imstande sein dürfte.und der Kernspinresonanztomographie die Aktivität sämtlicher Hirnareale messen. Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf das Bewußtsein beziehungsweise »Qualia«. wußte man nicht einmal. ist die Neurowissenschaft. Gedächtnis. was die Molekularbiologie für die Evolutionsbiologie leistete. Sie können die Wirkungen spezifischer Gene und Neurotransmitter auf die Funktionsweise des Gehirns verfolgen. Doch die Erklärungslücke kann sich auch auf mentale Funktionen wie Wahrnehmung. daß das Gehirn keinesfalls die Steuerungszentrale des Körpers sein könne.Dies ist die meines Wissens älteste Anspielung auf das. also unsere subjektiven Empfindungen von der Welt. einem Philosophen an der Staatsuniversität von North Carolina.

hat. bis zur bildlichen Darstellung der Aktivität des gesamten Gehirns mit Hilfe der Kernspinresonanztomographie reiche. die die neuronale Impulsübertragung beschleunigen. sondern sie hat auch tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen. Die Zahl neurowissenschaftlicher Fachzeitschriften hat stark zugenommen. Die Neurowissenschaft ist zweifellos eine Wachstumsbranche. Die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns ist nicht nur eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. stieg drastisch von fünfhundert in ihrem Gründungsjahr 1970 auf über fünfundzwanzigtausend im Jahr 1998 an. Nature Neuroscience. Als Nature 1998 eine neue Fachzeitschrift. reichen ihre Fragestellungen doch von der Grundlage des Gedächtnisses über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bis hin zur Entstehung von Emotionen. der Persönlichkeit und sogar des Bewußtseins selbst. auf den Markt brachte.32 . D. den Direktor der Abteilung Neurowissenschaft an der Harvard-Universität und ehemaligen Präsidenten der Society for Neuroscience. Es sei unmöglich.. die aus der neurowissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien.6 Er lächelte über die Naivität der Frage. ebenso die Behandlung des Themas in renommierten Wissenschaftsmagazinen wie Science und Nature.«5 Die Neurowissenschaft macht zweifelsohne Fortschritte. die Neurowissenschaft sei »eines der dynamischsten und sich am schnellsten entwickelnden Gebiete der Biologie. C. betonte er. Aber in welcher Richtung schreitet sie voran ? Ich bat einmal Gerald Fischbach.zu weitreichenden neuen Erkenntnissen und Nutzanwendungen führt. das von der Erforschung von Molekülen. hieß es in der Presseverlautbarung. Die Neurowissenschaft sei ein weites Feld. Die Anzahl der Mitglieder der Society for Neuroscience4 die ihren Sitz in Washington. eine bestimmte Erkenntnis oder auch eine Reihe von Erkenntnissen herauszustellen. mir die seines Erachtens bedeutendste Errungenschaft seines Fachgebiets zu nennen. .

also chemischen Substanzen. Und Experimente hätten mindestens fünfzehn Rezeptoren für den Neurotransmitter Gammaaminobuttersäure (GABA) nachgewiesen. Forscher hätten herausgefunden. die das Wachstum des Gehirns vom Embryonal. es gebe nur einen Rezeptor für den Neurotransmitter Acetylcholin. so Fischbach weiter. Leider wüßten die Neurowissenschaftler bislang nicht.bis ins Erwachsenenstadium steuerten. der die Aktivität von Nervenzellen hemmt. Er warf damit ein Schlaglicht auf eines der paradoxesten Merkmale seines Fachgebiets. »Wir sind von einer einheitlichen Theorie des menschlichen Bewußtseins noch weit entfernt«. Die Erforschung neurotroper Faktoren nehme ebenfalls »explosionsartig« zu. mit denen Neuronen miteinander kommunizierten. Auslassungen sind gerade ein Merkmal für erfolgreiche Erklärungen. also Substanzen. sondern während der gesamten Lebensspanne. also den Proteinstrukturen auf der Oberfläche von Nervenzellen. daß neurotrope Faktoren das Gehirn nicht nur in der Pränatalphase und im Säuglingsalter formen. Obgleich das Adjektiv reduktionistisch oftmals in einem abwertenden Sinne gebraucht wird. in welche die Neurotransmitter paßten.Das charakteristischste Kennzeichen der Disziplin sei vielmehr ihre Produktion einer gewaltigen und wachsenden Zahl von Erkenntnissen. und von neurotropen Faktoren. mittlerweile seien mindestens zehn verschiedene Rezeptoren identifiziert worden. wie sie all diese Erkenntnisse in ein kohärentes Rahmenmodell einordnen könnten.33 . so Fischbach. ist die Naturwissenschaft definitionsgemäß reduktionistisch. hätten die Forscher geglaubt. von Neurotransmittern. Vor nicht allzu langer Zeit. Die Forscher entdeckten ständig neue Typen von Hirnzellen beziehungsweise Neuronen. von neuronalen Rezeptoren.«7 . Der Philosoph Daniel Dennett formulierte dies einmal folgendermaßen: »Aber natürlich muß etwas ›ausgelassen‹ werden andernfalls hätten wir nicht zu erklären begonnen. der die Aktivität der Muskeln steuert.

Der Zweck dieser Proklamation bestand darin. dekken sie weiterhin immer komplexere Zusammenhänge auf. sowohl die Errungenschaften der Neurowissenschaft ins allgemeine Bewußtsein zu heben als auch Forschungsanstrengungen zur Aufklärung der Ursachen von Psychosen wie Schi. das vielen scheinbar ungleichartigen Phänomenen zugrunde liegt. zu Boden zu fallen. Der Fortschritt der Neurowissenschaft ist in Wirklichkeit ein Gegen-Fortschritt. Das Dilemma des Reduktionismus Im Jahr 1990 brachte die Society for Neuroscience den USKongreß dazu. Isaac Newton fand heraus. all die verschiedenen Daten zu einem in sich widerspruchsfreien. der Gravitation oder Massenanziehung.Im günstigsten Fall isoliert die Wissenschaft ein gemeinsames Element. Im zwanzigsten Jahrhundert haben Physiker nachgewiesen. daß die mannigfaltigen Arten von Lebewesen auf der Erde durch einen einzigen Prozeß entstanden sind. James Watson und andere Molekularbiologen. die Evolution. Den Neurowissenschaftlern dagegen steht ihr reduktionistisches Offenbarungserlebnis noch bevor. daß alle Organismen weitgehend dieselbe DNA-gestützte Methode zur Übertragung genetischer Information an ihre Nachkommen benutzen. die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Gehirns zu erklären. die Gezeiten der Meere sowie die Bewegung des Mondes und der Planeten durch den Weltraum alle mit einer einzigen Kraft erklären lassen.34 . Je mehr Erkenntnisse die Forscher über das Gehirn gewinnen. Quarks und Elektronen. daß alle Materie sich letztlich aus zwei Teilchenarten zusammensetzt. Statt eine große vereinheitlichte Theorie zu finden. daß sich die Neigung von Körpern. Charles Darwin zeigte. In den letzten fünfzig Jahren enthüllten Francis Crick. um so schwieriger wird es für sie. kohärenten Gesamtmodell zusammenzufügen.

im Jahr 1998 damit. der Molekular. vielleicht tausend Jahre«. daß das Jahrzehnt.dazu gehören Psychologen.)9 Wiesel selbst war an einer der mustergültigen Entdeckungen der Neurowissenschaft beteiligt. doch als ich ihn 1997 interviewte. »Wir begreifen noch nicht einmal. (Ende 1998 legte er dieses Amt nieder.35 . doch sie wüßten im Grunde immer noch nicht. elegans funktioniert«. womit ein winziger Wurm gemeint ist. zur »Dekade des Verhaltens« gekürt wird. murrte er. fensterlosen Kellerlabor« der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität Experimente am visuellen Kortex einer Katze durch. schäbigen.zophrenie und manisch-depressive Erkrankung (auch bipolare affektive Störung genannt) zu unterstützen.und Zellbiologen als Versuchstier dient.8 geriet er bei der Erwähnung des Ausdrucks »Dekade des Gehirns« in Rage. in einem »kleinen.10 Nachdem sie eine Elektrode in den visuellen Kortex der Katze implantiert . Anthropologen und andere . Im Jahr 1958 führten Wiesel und ein anderer junger Neurowissenschaftler. »Wir brauchen mindestens hundert. um das Gehirn zu verstehen. »Wir stehen ganz am Anfang der Gehirnforschung. wie das Gehirn altere und wie das Gedächtnis funktioniere. der diese Idee ablehnte. sich dafür stark zu machen. Genetiker. war der in Schweden geborene und aufgewachsene Torsten Wiesel. ruhiger Mann. David Hubel. Die Idee sei »töricht«. das im Jahr 2000 beginnt. wie C. wie sich das Gehirn in der Embryonalphase und den anschließenden Lebensstadien entwickle. der 1981 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde und später Präsident der Rockefeller-Universität in New York wurde.« (Dennoch begannen Verhaltenswissenschaftler . Wissenschaftler hätten im Gehirn einige »einfache Mechanismen« entdeckt. Wie viele andere wissenschaftliche Triumphe verdankte sich auch dieser einer Kombination von harter Arbeit und Findigkeit.) Wiesel ist ein freundlicher. Ein Neurowissenschaftler. um sich wieder der Forschung zu widmen. fuhr er fort.

auf welche die Neuronen reagierten. die einen Kreis um eine Uhr beschreibt. Plötzlich begann der Elektrodendetektor »wie ein Maschinengewehr« zu feuern. bis eines ihrer Dias im Projektor hängenblieb. Wiesel und Hubel erhielten unschlüssige Ergebnisse. das einem Geigerzähler glich.hatten. Noch in den fünfziger Jahren glaubten viele Wissenschaft. der mit einem Ophthalmoskop verbunden war. Im Jahr 1981 wurden Wiesel und Hubel für ihre Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. daß das Neuron auf die Bewegung der Kante des Dias durch das Gesichtsfeld der Katze reagierte. Wiesel und Hubel erkannten schließlich. ein Klickgeräusch von sich. daß verschiedene Hirnregionen je spezifische Funktionen ausführen. ist die Tatsache. Als die Forscher die Elektrode durch den visuellen Kortex bewegten. kontinuierlich. schoben sie es langsam zurück in den Schlitz. und es ist kein Ende dieses Prozesses in Sicht. projizierten sie mit einem Diaprojektor. Bilder auf die Netzhaut der Katze. mit der der Charakter eines Menschen aus der Form seines Schädels abgeleitet wurde). Sie boten der Katze zwei einfache Reize dar: einen hellen Fleck auf dunklem Hintergrund und einen dunklen Fleck auf hellem Hintergrund. gab ein Gerät. Nachdem sie das Dia gelöst hatten.36 . die in bestimmter Weise bezüglich der Netzhaut ausgerichtet waren. die aus dieser Disziplin hervorging. Das ist zwar nicht gerade neu . änderte sich die Ausrichtung der Linien. Die wohl bedeutendste Erkenntnis. Doch moderne Wissenschaftler zerschneiden das Gehirn in immer dünnere Scheiben. Bei nachfolgenden Experimenten wiesen sie Neuronen nach. als er die Phrenologie erfand (die zu einer pseudowissenschaftlichen Lehre verkam. wie eine winzige Hand. die nur auf Linien ansprachen. Solche Entdeckungen sind bezeichnend für einen allgemeinen Trend in der Neurowissenschaft. Wenn die Elektrode eine elektrische Entladung eines Neurons registrierte.Franz Gall behauptete dies schon vor zweihundert Jahren.

11 Er behauptete. Anschließende Experimente sowohl mit Menschen als auch mit anderen Tieren erbrachten den Nachweis.37 . die jeweils mit spezifischen Hirnregionen assoziiert sind. Das prozedurale Gedächtnis läßt uns solche unwillkürlichen Fertigkeiten wie das Autofahren. beeinträchtigt ist. das Gedächtnis sei eine einheitliche . sondern überall im Gehirn verarbeitet und gespeichert. Zum Beweis führte er Experimente an. wenn die Fähigkeit der Ratte. ermöglicht uns.ler. daß es viele verschiedene Gedächtnistypen gibt.Funktion. weicht sie auf olfaktorische oder taktile Stimuli aus. den Weg durch ein Labyrinth zu finden. und das implizite oder unbewußte Gedächtnis. Das Gedächtnis wurde noch in weitere Kategorien eingeteilt. Das episodische Gedächtnis ermöglicht uns die Erinnerung an bestimmte Ereignisse. einen flüchtigen Blick auf eine Telefonnummer zu werfen und sie uns gerade lange genug zu merken.wenn auch sehr vielseitige . das Blindschreiben oder das Tennisspielen erwerben und ausführen. Erinnerungen würden nicht an einer bestimmten Stelle des Gehirns. das unterhalb der Bewußtseinsschwelle liegt. Der Forscher Karl Lashley war ein prominenter Verfechter dieser Auffassung. Die zwei Hauptkategorien des Gedächtnisses sind das explizite oder deklarative Gedächtnis. sich aber dennoch auf das Verhalten und die mentale Aktivität auswirkt. bei denen Verletzungen im Gehirn von Ratten keine wesentliche Auswirkung auf ihre Fähigkeit hatten. daß Ratten viele redundante Methoden besitzen. in dem das bewußte Erinnern abläuft. so daß sie jederzeit abgerufen werden kann. von denen sich einige überschneiden. war die Tatsache. . gelegentlich auch Arbeitsgedächtnis genannt. Das Langzeitgedächtnis speichert dieselbe Telefonnummer dauerhaft. Das Kurzzeitgedächtnis. um sie ein paar Sekunden später zu wählen. Was Lashley nicht erkannte. sich den Weg durch ein Labyrinth zu merken. sich an visuelle Anhaltspunkte zu erinnern.

ob die Liste auch Octopus enthielt. Technologien wie die Positronenemissionstomographie (PET) und die Kernspinresonanztomographie (MRT) haben die Zergliederung von Gehirn und Geist weiter beschleunigt. Dennoch zeigen Tests. etwa ein Ton oder ein Bild. wie das vollständige Wort lautet. die von kurzlebigen radioaktiven Sauerstoffisotopen. daß sie ihn nicht bewußt wahrnehmen und sich später nicht daran erinnern können. Bei der PET wird die Strahlung gemessen. etwa »O-t-p-s«. und müssen raten. die in die Blutbahn injiziert wurden. Sie bekommen eine bestimmte Buchstabenfolge. ähnlich wie Eisenspäne um einen Magneten. daß der Reiz sich auf irgendeiner Ebene dem Gehirn eingeprägt hat.38 . Hohe Konzentrationen des Isotops deuten auf eine erhöhte Durchblutung und damit eine verstärkte neuronale Aktivität hin. Versuchspersonen wird ein Reiz. auch wenn sie sich nicht bewußt daran erinnern können. haben dabei eine viel höhere Trefferquote. Wenn das magnetische Spannungsfeld abgeschaltet wird. Studien mit bildgebenden Verfahren konzentrieren sich oftmals auf Versuchspersonen. Die MRT kommt ohne Injektion einer radioaktiven Substanz aus. die Octopus enthält. denen zuvor eine Liste mit Wörtern dargeboten wurde. senden die Atome Strahlung von charakteristischen Frequenzen aus. Anschließend bittet man die Versuchspersonen ein Spiel. Versuchspersonen. zu spielen. Bei einer Serie von Experimenten werden den Versuchspersonen Listen mit Wörtern für so kurze Zeit dargeboten.Experimente haben zudem ein priming (»Bahnung«) genanntes Phänomen aufgedeckt. ausgeht. daß sich bestimmte Atome in einer bestimmten Richtung anordnen. die bestimmte Aufgaben ausfüh. ähnlich dem Fernsehspiel Glücksrad. das einen ähnlichen Sachverhalt bezeichnet wie der ältere Begriff der unterschwelligen Beeinflussung. Ein starker elektromagnetischer Impuls bewirkt. daß sie diese nicht im Kurzzeitgedächtnis speichern können. so kurzzeitig dargeboten.

«12 Allerdings war er der Ansicht. noch kritischer gegenüber. daß jene Hirnregionen. »Die Betrachtung der Korrelationen zwischen verschiedenen Regionen ist arg vernachlässigt worden. »wird man meines Erachtens bei der Erarbeitung einer nützlichen und konsistenten Theorie der Organisation des Gehirns nicht weit kommen. ein MRT-Spezialist am Institut für Neurologie in London. die die stärkste Aktivität zeigen. Stellen hoher neuronaler Aktivität. verglich diese Katalogisierung von neuralen hot spots. wie etwa knifflige mathematische Probleme lösen. »Ohne diesen Katalog der funktionalen Spezialisierung«. und man sagt zu der Person: ›Diese Stelle auf dem Kortex ist der Sitz ihrer negativen Gedanken. jener pseudowissenschaft. Verschiedene Teile des Gehirns seien offensichtlich miteinander verbunden.« Rodolfo Llinas.39 . Karl Friston. wie bildgebende Verfahren insbesondere in der Psychiatrie verwendet werden. mit Darwins beharrlicher Sammlung von Daten über Tiere aus allen Regionen der Erde. ein Neurowissenschaftler an der New York University. »ohne dies in ein theoretisches Rahmenmodell einzufügen und ohne ein angemessenes oder tieferes Verständnis der funktionalen Architektur des Gehirns«. für die jeweilige Aufgabe von entscheidender Bedeutung sind.‹ Es ist absolut unglaublich! Das Gehirn ist kein Organ. sagte er. Man nimmt dabei an. Zu viele Studien begnügten sich damit. Bilder nach Kategorien ordnen oder Wörterlisten auswendig lernen. »Da kommt jemand mit einem bestimmten Problem. und die Aufklärung dieser neuralen Verbindungen sei für das Verständnis des Gehirns von entscheidender Bedeutung.ren. stand der Art und Weise. das Streben nach Lokalisierung sei zu weit getrieben worden. in dem eine Funktion an einer einzigen Stelle lokalisiert ist!«13 Llinas verglich diese Studien mit der Phrenologie. und man sieht einen roten Fleck auf der Vorderseite des Kortex. einfach eine bestimmte Region mit einer bestimmten Funktion in Zusammenhang zu bringen.

»Man hat einen Patienten und schiebt ihn ins Meßgerät.40 . Sie müssen offenkundig irgendwo verknüpft werden. so daß wir beispielsweise einen hüpfenden roten Ball wahrnehmen.14 . schrieb am Ende seines Buches Eye. und es zeigt sich.« Je weiter die Neurowissenschaftler das Gehirn unterteilen. schau dir nur das schöne Bild an. dessen Experimente mit Torsten Wiesel mit zu der gegenwärtigen Krise in der Neurowissenschaft beitrugen.‹ [. die das Gehirn in diskrete Bezirke einteilte. daß die Neurowissenschaft eine Phase durchlaufen habe. weil man es auf den Aufnahmen klar sehen kann. wirft sogleich die Frage auf. dann schreibt man einen Aufsatz. wie all diese Informationen letztlich zusammengeführt werden. daß es ein Trugbild war.. in der die Forscher Affen beziehungsweise Ratten Drogen injizierten und dann die Ergebnisse publizierten. die angeblich spezifische Funktionen ausführten. Brain and Vision: Diese überraschende Feststellung. »Wir neigen dazu. wo und wie sie zusammengeführt werden. daß Attribute wie Form. Das ist reinste Phrenologie!« Llinas erinnerte daran. Wir haben keine Ahnung. ein paar Fälle zu publizieren und zu sagen: ›So funktioniert das. die den Geist ausmacht? Der an Harvard lehrende Neurowissenschaftler David Hubel. welche die Handlung des Fangens steuern..lichen Lehre aus dem achtzehnten Jahrhundert. egal ob diese aussagekräftig waren oder nicht. Mit den neuen bildgebenden Technologien seien wir fast wieder auf diese Stufe zurückgefallen. behauptete Llinas. Doch] dann geht man in die Einzelheiten. Farbe und Bewegung weitgehend von getrennten Strukturen im Gehirn verarbeitet werden. so daß jene scheinbare Einheit der Wahrnehmung und des Denkens entsteht. und sei es auch nur auf der Ebene der motorischen Nerven. um so dringlicher wird die Antwort auf die Frage: Wie koordiniert und integriert das Gehirn die Aktivitäten seiner hochspezialisierten Regionen.

wie Psychologie. Wie ein frühreifer achtjähriger Junge. Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke Eine Neurowissenschaftlerin. Sie hofft. Professorin an der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität. zusammengeführt werden können. Entscheidungsfindung und anderen höheren kognitiven Funktionen gilt. mit reduktionistischeren Modellen. Es betrifft nicht nur die Neurowissenschaft. das reduktionistische Dilemma zu überwinden.15 Goldman-Rakic. der als Sitz von Denken. sondern das eines engen Verwandten des Menschen. Psychiatrie und andere Disziplinen. ja sämtliche Disziplinen. die den Geist in eine Sammlung weitgehend unverbundener »Module«. die den menschlichen Geist auf hohen Organisationsebenen erforschen. die Künstliche Intelligenz. die sich auf neurale. genetische und molekulare Prozesse konzentrieren. erforscht nicht das menschliche Gehirn. Wie der Direktzugriffsspeicher eines Computers. Ich möchte eine andere Bezeichnung vorschlagen: das reduktionistische Dilemma.41 . Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist das Arbeitsgedächtnis. aber sie haben keinen blassen Schimmer. wenn es darum geht. ist Patricia Goldman-Rakic. »Intelligenzen« beziehungsweise »Rechenmaschinen« aufteilen. der In. die sich bemüht. die Kognitionswissenschaft. wie sie die Teile wieder zu einem Gesamtbild zusammenfügen können.Diese ungelöste Frage wird gelegentlich auch Bindungsproblem genannt. sondern auch die Evolutionspsychologie. die einem der modernsten neurowissenschaftlichen Forschungslabors der Welt vorsteht. leisten die Hirnforscher Vorzügliches. der an einem Radio herumbastelt. zu zeigen. das Gehirn zu zerlegen. des Makaken. durch ihre Untersuchungen am frontalen Kortex. Goldman-Rakic nennt sich selbst eine »systemorientierte Neurowissenschaftlerin«.

42 . des Bewußtseins und der Schizophrenie aufzuklären. den Faden eines Gesprächs zu behalten. Besucher müssen sich an der Eingangspforte der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität bei einem bewaffneten Sicherheitsbeamten anmelden. Dahinter erstreckt sich eine lange Flucht von Räumen. Mikroskope. Anschließend speiste er diese Zeichnungen in einen Computer ein. daß uns ein besseres Verständnis des Arbeitsgedächtnisses dabei helfen wird. der Willensfreiheit. Viele Neurowissenschaftler glauben. und dennoch habe ich diese Lücke nie lebhafter . ein Buch zu lesen.empfunden als bei meinem Besuch in ihrem Labor.ja geradezu körperlich . chirurgische Instrumente und all die neuesten Geräte der biotechnologischen Revolution beherbergen. In einem benachbarten Arbeitszimmer untersuchte ein junger Mann Querschnitte unter einem Mikroskop und zeichnete auf Papier die unglaublich verschlungenen Verbindungen zwischen den Neuronen nach. Der Radikalismus der Tierschutzbewegung hat dazu geführt. die dieselben Informationen wie eine PET-Auf. ungelöste Fragen wie die der Bindung. die Affen. Kein Neurowissenschaftler könnte die Erklärungslücke besser schließen als GoldmanRakic. erlaubt uns das Arbeitsgedächtnis. um dreidimensionale Karten der neuronalen Verschaltungen mit hoher Auflösung zu erhalten. daß Labors wie das von Goldman-Rakic in regelrechte Festungen verwandelt wurden. Goldman-Rakic und ihre Kollegen haben eine Technik vervollkommnet. das gefrorene walnußgroße Gehirn eines Affen in durchsichtige dünne Scheiben.formationen zur sofortigen Abrufung bereithält. sie werden durch zwei Stahltüren geleitet. ein Kartenspiel zu spielen oder einfache arithmetische Berechnungen im Kopf auszuführen. In einem Zimmer schnitt eine junge Frau mit einem Apparat. die jeweils mit einem kleinen Fenster versehen sind und die nur mit einem Magnetschlüssel geöffnet werden können. der einer Wurstschneidemaschine im Kleinformat glich.

höhere Kortexfunktionen wie Gedächtnis. der in das Auge des Affen implantiert ist und dessen Draht durch einen Stöpsel im Schädel des Affen zu einem Aufzeichungsgerät geleitet wird -. welche Regionen am stärksten an der Ausführung der Aufgabe beteiligt waren. In einem anderen Raum befindet sich ein Apparat zur Untersuchung des Arbeitsgedächtnisses von Affen. allerdings mit sehr viel höherer Auflösung. sei der Makak ein »unübertroffenes« Modell. Für diejenigen. führen sie bestimmte Aufgaben aus. auf den die Forscher Signale und Bilder projizieren. Nachdem den Affen radioaktive Chemikalien injiziert wurden.43 . Durch Messung der Stärke der Radioaktivität in verschiedenen Regionen des Gehirns können die Forscher ermitteln. können die Forscher die Augenbewegungen verfolgen. nur hin und wieder neigte sie sich in meine Richtung und umfaßte meinen Unterarm. die höhere Kortexfunktionen erforschen wollten. In den frontalen Kortex des Affen eingepflanzte Elektroden registrieren die Entladungen einzelner Neurone. Der Affe sitzt auf einem Stuhl in einem kastenförmigen Stahlgestell gegenüber einem Bildschirm. Die Herrscherin über dieses recht abstoßende Reich ist eine zierliche Frau mit eleganter Frisur. die in seinen Schädel geschraubt und an dem Gestell befestigt sind. die am Tag meines Besuchs einen weißen Kaschmirpullover und goldene Ohrringe trug. Als wir uns hinsetzten. um einem Argument Nachdruck zu verleihen. Sein Kopf ist mit Schrauben fixiert. um über ihre Arbeit zu sprechen. Unmittelbar danach werden die Affen getötet und ihre Gehirne eingefroren. ihre Forschungen intendierten. Affen seien zu kognitiven Leistungen fähig.nahme liefert. Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zu verstehen. die weitgehend mit denen des Menschen übereinstimm. die die Verstoffwechslung von Glukose beschleunigen. Sie sagte. Über einen Sensor. war Goldman-Rakic die meiste Zeit zurückhaltend und reserviert.

die von großer Bedeutung für das Verständnis des Menschen sind. Sie und ihre Mitarbeiter untersuchten. »Wir arbeiten an der vordersten Front«. der mit für die Kontinuität des Denkens verantwortlich sei. Fluctin »führt zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei . Ihre Forschungen könnten Erkenntnisse über normale und gestörte kognitive Prozesse beim Menschen liefern und so den Weg zu besseren pharmakologischen und Verhaltenstherapien weisen. Wenn man Affen Amphetamine spritze.44 . Schizophrene verlieren ständig den Faden ihrer Gedanken. aus diesem Grund reagieren sie überempfindlich auf äußere Wahrnehmungen und werden leicht von diesen überwältigt. zeigten sie sogar Verhaltensweisen. Ein Leitsymptom der Schizophrenie sei die »kognitive Entgleisung«.« Experimente an Affen haben dazu beigetragen. in denen Subjekt und Verb durch eingeschobene Satzglieder getrennt sind. die denen schizophrener Menschen glichen. die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses zu erhellen. erklärte GoldmanRakic.« Medikamente wie Fluctin legten die Vermutung nahe. sagte Goldman-Rakic. »und machen Entdeckungen. der Parkinson-Krankheit und vermutlich auch bei kindlichen Störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. daß sich Serotonin nachhaltig auf die Stimmung auswirke. aufweiche Weise Dopamin. Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses korreliert in hohem Grade mit der allgemeinen Intelligenz und der Lesefähigkeit.ten. komplexe Sätze zu verstehen. das GoldmanRakic als einen »mentalen Skizzenblock« oder »Leim« beschrieb. Serotonin und andere Neurotransmitter die Funktionsweise des Kortex hemmten oder förderten. »Bei vielen Erkrankungen spielt Dopamin eine Rolle: bei der Schizophrenie. Menschen mit einem schwachen Arbeitsgedächtnis fällt es schwerer. Auch Schizophrenie wird möglicherweise durch ein Defizit im Arbeitsgedächtnis verursacht. auch wenn sie offensichtlich nicht so komplex seien.

Doch das ist nicht das. »Es gibt bereits Medikamente.Depressiven.« Sie betonte. ihre Fähigkeit. »Menschen verfügen über ein breites Repertoire an habituellen Reaktionen. aber ihre Wirksamkeit läßt zu wünschen übrig. wie etwa ein Fahrer.« Sprach sie etwa von der Willensfreiheit? »Ich könnte diesen Begriff benutzen«.« Sie holte eine Veröffentlichung. nicht zu reagieren. Die Frage ist. Vielmehr möchte ich herausfinden.45 . die an der Kognition beteiligt sind. daß bestimmte Kortexzellen je nach Serotoninkonzentration unterschiedlich auf eintreffende Signale reagieren. Könnte ihre Forschung zu Medikamenten führen. oder sie haben Nebenwirkungen. der anhält. weshalb?« Ihre Arbeitsgruppe war der Antwort gerade einen Schritt näher gekommen. Das spezifisch Menschliche ist vielmehr die Flexibilität ihrer Reaktionen. sich auf ihre Erfahrung zu beziehen. die eines ihrer Experimente beschrieb. und schlug sie auf dem Tisch vor uns auf.« Die Kognition umfasse viel mehr als die unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz. In dem . wenn die Ampel rot ist. daß ihre Gruppe die Entwicklung solcher Medikamente nicht als Selbstzweck betrachte. ihre Fähigkeit zu reflektieren und ihre Fähigkeit. unwillkürlichen Reaktionen und reflektorischen Reaktionen. wie das Gehirn funktioniert und insbesondere wie jene Teile des Gehirns beziehungsweise jene Systeme funktionieren. »Der Zweck meiner Forschungen besteht keineswegs darin. die Pharmaindustrie zu unterstützen. antwortete Goldman-Rakic. und der anfährt. wobei sie leiser wurde und in einem Flüsterton konspirativer Vertraulichkeit sprach. indem sie den Nachweis erbrachte. was sie als Menschen auszeichnet. »wenn ich wirklich enthemmt wäre. die Gedächtnisleistung und Intelligenz steigern? »Absolut! Ohne Frage!« versetzte sie mit Nachdruck. eine bestimmte Reaktion in einem bestimmten Augenblick zu steuern. die dies tun. wenn sie auf Grün umschaltet.

Goldman-Rakic begann zu lachen: »Sie blicken so finster!« sagte sie. sagte ich. »Dies«. während die Forscher für kurze Zeit einen Lichtstrahl auf einen der Ränder oder eine der Ecken der Leinwand projizierten. Der Affe hatte gelernt. nachdem das Licht erloschen war. zu warten. die Bedeutung ihrer Forschungen zu verstehen. wo das Licht gewesen war. noch schwieriger als die Elementarteilchenphysik.« Es gab einen langen Moment des Schweigens. über die ich als Journalist berichtet hätte. die sich zu entladen begannen.Experiment wurde einem Affen beigebracht. Goldman-Rakic deutete auf eines der Schaubilder in dem Artikel. Sie wies darauf hin. fuhr sie in theatralischem Tonfall fort. Ich gestand. Während dieser wenigen Sekunden mußte der Affe die Position des Lichts in seinem Arbeitsgedächtnis speichern. »ist das zelluläre Korrelat des Mechanismus für die Speicherung von Online-Information. Von all den Themen. Goldman-Rakic gluckste und rief einer jungen Frau. sei die Neurowissenschaft das schwierigste. mit einem Finger auf das Diagramm tippend. bevor er direkt an die Stelle schaute. die durchs Zimmer ging. in dem wir beide auf das Schaubild starrten.« Sie ließ ihre Worte einen Augenblick lang wirken und fügte dann hinzu: »Sie sehen hier also die neurophysiologischen Grundlagen der Kognition. daß sich Torsten Wiesel und David Rubel und die meisten anderen Neurowissenschaftler auf Neuronen konzentrierten. die direkt auf äußere Reize ansprechen. daß es mir schwerfiel. und sich nach dessen Verschwinden weiterhin entluden.46 . ein paar Sekunden. »ist etwas ganz anderes. sobald der Lichtreiz erschien. das die Aktivität von Neuronen darstellte. diese neuronale Aktivität korreliere nicht mit einem realen Bild. sagte Goldman-Rakic. . sondern mit der Erinnerung beziehungsweise inneren Repräsentation eines Bildes. »Dies«.« Die Neuronen entluden sich in Abwesenheit eines äußeren Reizes. seine Augen starr auf den Mittelpunkt einer Leinwand zu richten.

»Ich gebe mir alle Mühe.zu: »Er sagt. Ich könne den Reduktionismus in der Teilchenphysik verstehen. es sei zu schwierig. in dem Goldman-Rakic groß herausgestellt wurde. Im Verlauf der redaktionellen Bearbeitung gestand Beardsley. Kurz bevor ich 1997 die Redaktion des Scientific American verließ.0 Der Aufsatz stammte von einem anderen Redakteur des Scientific American. »Ich könnte Sie umbringen«. doch beim menschlichen Geist habe ich das Gefühl. so versicherte sie mir. daß etwas fehle. erwiderte ich. »Die exakte Abfolge der Veränderungen in den Zellen und im Gehirn und so weiter ist gewiß noch nicht aufgeklärt. »Ich glaube. die in dieser Weise auf ihre Erklärungen reagiert hätte. die Kognition beim Menschen zu verstehen. daß ihm noch nie Forschungsarbeiten un. sagte sie: »Ich versuche. den Übergang von diesen Diagrammen. Ihnen dies zu erklären. Und das. Dennoch. daß es in Ihrem Kopf eine Erklärungslücke gibt«. und Sie sagen. Timothy Beardsley. werde ich Ihnen heute nicht erklären können.« Die Wissenschaftler könnten auch den Ursprung des Universums nicht verstehen. redigierte ich einen Aufsatz über das Arbeitsgedächtnis »The Machinery of Thought«. einem erfahrenen Wissenschaftsjournalisten mit einem Doktortitel in Ethologie von der Universität Oxford.47 .« Andere haben ebenfalls eine Erklärungslücke in den neurowissenschaftlichen Forschungen von Goldman-Rakic und Mitarbeitern entdeckt. und vielleicht werden wir es nie wissen. die die Entladungsraten von Neuronen zeigten. die Neurowissenschaft sei schwieriger als die Elementarteilchenphysik!« Sich wieder zu mir umdrehend. die Philosophen hätten sogar einen Begriff für diese Reaktion. die Erklärungslücke.« Ich sei doch gewiß nicht die einzige Person. mir falle es schwer. sagte sie. was uns zu unverwechselbaren Individuen macht. es Ihnen begreiflich zu machen!« Ich sagte. »sind wir auf dem Weg. zu allgemeinen Begriffen wie Gedächtnis und Kognition und Willensfreiheit nachzuvollziehen. sagte Goldman-Rakic bestimmt.

tergekommen seien.« Emotionen erkunden Selbst wenn die Neurowissenschaftler die Mechanismen aufklären. wie Sehen. die sich bemühten. Und das ist natürlich das. Der Autor des Briefes beklagte sich darüber. was uns eigentlich interessiert. Durch das Ausblenden des Gefühls hätten Neuro. daß die in Beardsleys Artikel beschriebenen Forschungen »uns lediglich Auskunft darüber geben. Erinnerns und so weiter sind. Spracherkennung und logisches Denken. daß etwas fehlte. Er hatte das Gefühl. Mehrere Monate nach der Veröffentlichung von Beardsleys Artikel druckte der Scientific American einen Leserbrief ab. jene informationsverarbeitenden Funktionen.und Kognitionswissenschaftler ein eindimensionales Bild des Geistes gezeichnet. die sich am leichtesten auf Computern nachbilden lassen. der das Problem betraf. müssen sie sich noch einem anderen Problem stellen: Wie fügen sich die Gefühle ins Gesamtbild ein? Bis in die jüngste Vergangenheit versuchten viele Neurowissenschaftler. wo im Gehirn etwas geschieht. und nicht als einen grundlegenden Teil der menschlichen Natur. die dem Arbeitsgedächtnis und anderen kognitiven Funktionen zugrunde liegen. meinte Joseph LeDoux. das auch Beardsley und mich beschäftigt hatte.48 . nicht darüber. bei ihren Experimenten Emotionen auszuweichen. die so schwer verständlich seien und sich so mühsam in einer befriedigenden. Neurowissenschaftler sind dem Beispiel der Kognitionswissenschaftler gefolgt. zu verstehen. der Ergebnisse verfälscht. was die eigentlichen Mechanismen des Erkennens. ein Neurowissenschaftler von der Universität New York. und sie behandelten sie als einen ärgerlichen Störfaktor. Die Kognitionswissenschaft sei . kohärenten Form darstellen ließen. Erinnern.

die weder Begierden noch Ängste. wie das Gehirn die Aufgabe ausführt. weder Kummer noch Leid. hat bewiesen. Die neuronalen Verschaltungen und Prozesse. noch Freuden kennen. die nur dem Menschen eigen seien. Ein Geist ohne Emotionen ist aber überhaupt kein Geist. dieses durch ein einfacheres Modell abzubilden. »Die Emotionen übergeht sie. daß zumindest eine Emotion empirisch untersucht werden kann. etwa einen musikalischen Ton. mit einer unlustvollen .»in Wahrheit jedoch nur eine Wissenschaft von einem Teil des Geistes. sei Furcht ein biologisches Phänomen. der mit Denken. »Bei jeder Änderung am Experiment verändert man die Art und Weise.« LeDoux hat Experimente durchgeführt.« Frühere Studien über Furchtreaktionen hätten widersprüchliche Ergebnisse gebracht. »Das Furchtsystem ist äußerst einfach«. weil die Experimente zu komplex gewesen seien. bei denen Ratten darauf konditioniert wurden. Bei der Aufklärung der Funktionsweise des Furchtsystems kommt es also darauf an. einen bestimmten akustischen Reiz. leblose Geschöpfe. daher könnten uns Experimente an Ratten und anderen Säugetieren wichtige Aufschlüsse über den Menschen geben.«17 LeDoux selbst. Logik und Verstand zu tun hat«. dessen Wurzeln weit in die Geschichte des Lebens zurückreichten. Es handelt sich um Seelen auf Eis . so LeDoux.kalte. ein kühler. sondern auch bei Ratten. die der Furcht zugrunde lägen. die bei Furchtreaktionen eine zentrale Rolle spiele.18 Anders als das Sprachverständnis oder andere kognitive Funktionen. kontrollierter Mann mit tiefliegenden Augen und sorgfältig gestutztem Bart. jenem Teil. Die Amygdala (Mandelkern). »Ein Reiz wird über die normalen Inputbahnen zur Amygdala geleitet und von dort über die Outputbahnen abgeleitet. seien während der Evolution größtenteils erhalten geblieben. bemängelte er in seinem 1998 erschienenen Buch Das Netz der Gefühle. sagte LeDoux. finde sich nicht nur beim Menschen und bei Primaten.49 .

der einen Elektroschock ankündigt. so LeDoux. »Wer das Phänomen . daß Schädigungen einer winzigen Struktur innerhalb der Amygdala. Früher glaubten die Psychologen.Empfindung. An diesem Punkt vollziehe die Ratte den Übergang von einem emotionalen Reakteur zu einem Akteur. erhöhter Herzschlag. subjektiven Gefühle seien »für die wissenschaftliche Erforschung der Emotionen falsche Spuren. der Entscheidungen treffe und verschiedene Strategien ausprobiere. das für ein Tier. indem sie sich in einen anderen Teil des Käfigs begibt oder an den Seiten hochklettert. die anschließend die subjektive Empfindung der Furcht auslösten. LeDoux und seine Mitarbeiter zeigten nun. die subjektive Empfindung von Furcht sei die erste Komponente der Furchtreaktion. in jüngster Zeit sei dem Bewußtsein zuviel Aufmerksamkeit gewidmet worden. furchtinduziertes Verhalten. das auch instrumentelles Lernen genannt wird. das von einem Freßfeind bedroht wird. zu assoziieren. bei Ratten dazu führen. LeDoux behauptete.50 . in Reaktion auf den Ton. reglos zu verharren. Schweißabsonderung und andere physiologische Symptome würden durch die subjektive Empfindung ausgelöst.19 Die anfängliche Reaktion von Ratten und vielen anderen Säugetieren auf einen solchen Reiz ist regloses Verharren. probiert sie es mit Vermeidung. daß das Gegenteil der Fall sei.20 LeDoux meinte. daß sie nicht lernen. LeDoux versuchte das neuronale Schaltmuster zu enträtseln. eine angemessene Schutzreaktion darstellt. die ins Abseits führen«. einen Elektroschock zu bekommen. zunächst träten physiologische Symptome auf. des sogenannten Nucleus lateralis corporis amygdaloidei. erforderlich ist. wie etwa einem Elektroschock. das für komplexeres. Dieses reglose Verharren ist eine angeborene reflektorische Funktion. Die kognitive Fähigkeit der Ratten war in anderer Hinsicht nicht beeinträchtigt. Unsere bewußten. Wenn eine Ratte beispielsweise lernt. daß regloses Verharren sie nicht davor schützt.

erhielte dafür zweifellos den Nobelpreis«. sagte LeDoux. wie sich Anlage und Umwelt auf die neuronale »Verdrahtung« des Gehirns auswirkten. »aber ich glaube nicht. Bewußtsein sei zudem eine relativ junge Erfindung der Evolution. die wir sind? Die Erklärung des Bewußtseins würde dies nicht erklären. ist.« Kognitive Theorien konzentrierten sich meist auf bewußte emotionale Prozesse. in welchem Verhältnis die einzelnen Komponenten in einer konkreten Situation zueinander stehen. »Das ist für mich die große Frage: Wie macht unser Gehirn uns zu der Person. daß Anlage und Umwelt dieselbe Sprache sprechen. Es steht mit einigen anderen. Irgendwann im Verlauf der Evolution bildete sich das Bewußtsein als ein Modul heraus.« Der Schlüssel zu diesem Problem sei die Beantwortung der Frage. »Es gibt eine evolutionäre Komponente.« Die Erklärung des Bewußtseins sei nicht so wichtig wie die Beantwortung der Frage. Verhaltenstheorien unterstrichen die Rolle der um. Letztlich manifestierten sich sämtliche Einflüsse auf die Persönlichkeit. denn diese hätten viele Aspekte. nicht aber mit allen übrigen Teilen des Gehirns in Verbindung. wie das Gehirn auf der Grundlage von Genen und Erfahrungen in jedem Individuum ein Selbst. »Was oft übersehen wird. die Sprache der Synapsen«.51 . daß es uns Aufschluß über das gäbe.« Obgleich Bewußtsein häufig mit Geist gleichgesetzt werde. egal ob sie von den Genen oder der Erfahrung ausgehen. eine kognitive Komponente und eine verhaltensbezogene Komponente. »Die meisten Prozesse im Gehirn laufen unbewußt ab. evolutionäre Theorien betonten angeborene emotionale Reaktionen. daß eine Theorie allein die Emotionen erklären könne. LeDoux bezweifelte. sagte er mir. liefen die meisten mentalen Prozesse unterhalb der Bewußtseinsschwelle ab.Bewußtsein erklären könnte. auf der Ebene der Verbindungen zwischen Neuronen. was wir über den Geist wissen müssen. eine personale Identität erzeuge. Es ist nur die Frage.

daß die Neurowissenschaft vielleicht gar keine vereinheitlichte Theorie brauche: . Es gibt bislang noch keine Neurowissenschaft der Persönlichkeit. Die geistige Zerrüttung bei der Psychose ist noch immer ein Rätsel. »Wir haben keine Ahnung davon. Ich habe lediglich einige Ideen vorgestellt. erklärte er. LeDoux faßte die Forschungen über Emotionen. unterschieden sich vermutlich stark von denjenigen. daß die neurobiologische Erforschung der Furcht irgendwann einmal wirkungsvollere Behandlungsmethoden für menschliche Angstneurosen hervorbringen könne. er habe erwartet. die Mechanismen.weltbedingten Konditionierung. in seinem Buch Das Netz der Gefühle zusammen. Er erzählte. Kurz. »Es stieß fast auf einhellige Zustimmung«. Ich glaube nicht. »›Ja. die Lust oder Haß zugrunde liegen.fast zu begeistert. wir müssen erst noch eine Theorie erarbeiten. wie uns unser Gehirn zu der Person macht. die der Furcht zugrunde liegen. daß Psychiater seine Rattenexperimente als irrelevant für ihre Arbeit abtäten. die wir sind. bestens! Das ist die Antwort!‹ Sie scheinen so verzweifelt zu sein. wie das Gehirn Kunstwerke und geschichtliche Ereignisse erlebt.«21 LeDoux deutete an. »In jeder konkreten emotionalen Episode geht es nicht darum. welche Theorie richtig ist. die er und andere durchgeführt haben. insbesondere über Furcht. Wir haben wenige Erkenntnisse darüber. Einstein oder Newton gehabt. daß ich in meinem Buch Antworten präsentierte.52 . Doch zu seiner Überraschung hätten Psychiater sein Buch begeistert aufgenommen . Er wies vorsichtig darauf hin. Torsten Wiesel und andere führende Neurowissenschaftler räumt LeDoux bereitwillig die Unzulänglichkeiten seines Fachgebiets ein.« Wie Gerald Fischbach. die all dies integriert. sondern welche welchen Teil der Episode erklärt.« Zudem erfordere jedes Gefühl vermutlich eine eigene Erklärung. Wir haben noch keinen Darwin.

Der fünfundzwanzigjährige Gage beaufsichtigte im Jahr 1848 den Bau einer Eisenbahnlinie in Vermont.53 . auch nur die »kleinen Theorien«. Gagesche Neurowissenschaft Der Neurowissenschaft wird es möglicherweise schwerfallen.Vielleicht sind viele kleine Theorien genau das. Etwa eine Stunde später wurde er von dem Arzt Edward Williams untersucht. Furcht und Liebe verstünden. Und wäre es nicht wunderbar. Williams erinnerte sich. daß ich meine Fragen an ihn richtete .wie in jeder anderen Disziplin. Dieses Problem zeigt sich schon seit geraumer Zeit in Studien an hirngeschädigten Patienten. die uns Hinweise auf die Verbindung zwischen Gehirn und Geist liefern. Lassen Sie uns diese Forschungen zu Ehren ihres berühmtesten Probanden. von denen LeDoux sprach. Die Neurowissenschaft kann zur Lösung dieser Fragen beitragen. selbst wenn wir keine Theorie der Psychose besitzen. Gage überlebte diesen Unfall nicht nur. wenn wir.ist die enorme Variabilität von Gehirn und Geist. auch wenn wir noch keine Theorie der Wahrnehmung hätten. Es wäre sehr viel wert. auch wenn sie keine Theorie von Geist und Gehirn formulieren kann. wie wir ein wunderschönes Musikstück (sei es Rock oder Bach) erleben. was genau bei Angst beziehungsweise Depression geschieht. ohne über eine allgemeine Theorie der Emotion zu verfügen. daß Gage während dieser Untersuchung »sich so vernünftig äußerte und so bereitwillig antwortete. zu wissen. Phineas Gage. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befaßt . hervorzubringen. als bei einer Explosion eine knapp ein Meter lange Eisenstange seine Wange durchbohrte und an der Oberseite seines Schädels wieder heraustrat. Ein grundlegendes Hindernis für den Fortschritt in der Neurowissenschaft . er blieb auch bei klarem Verstand. Gagesche Neurowissenschaft nennen. Es wäre auch nicht schlecht. was wir am meisten brauchen. zu wissen.

daß das Gehirn nicht modular (um den modernen Ausdruck zu verwenden) aufgebaut. der zuvor ein gewissenhafter.«24 Allmählich wurde der Fall Gage als eine Bestätigung und nicht mehr als Widerlegung der Modularitäts-Hypothese angesehen. Mehrere Jahrzehnte lang galt dieser Fall als eine Widerlegung der Hypothese des Phrenologen Franz Gall und anderer. erweist seinen Mitmenschen wenig Achtung. sondern eine undifferenzierte Masse ist. wonach das Gehirn in Teilsysteme untergliedert sei.statt an die Männer. nach dem Unfall tiefgreifend verändert hatte. Bewegung und Sehen. daß sein Gehirn in Regionen beschädigt worden war. deckte auf. die am stärksten beschädigt worden waren. die angeblich für Sprache und motorische Steuerung zuständig waren.23 Auf Gages Verletzung wurden erhabene theoretische Lehrgebäude errichtet. daß sich Gages Persönlichkeit. die heute all. Die Teile von Gages Gehirn. Das legte den Schluß nahe. wenn sie seinen Wünschen zuwiderlaufen. Harlow. die ganzheitlich funktioniert. Zwanzig Jahre nach dem Unfall legte der Arzt John Harlow eine andere Deutung des Falles Gage vor.zu Unrecht.22 Ein Jahr später erklärte ein anderer Arzt Gage für »völlig genesen«. flucht manchmal auf abscheulichste Weise. die auf verschiedene Auf gaben spezialisiert seien. und doch blieben diese Funktionen unversehrt. daß ihn Freunde und Bekannte kaum wiedererkannten. was früher nicht zu seinen Gewohnheiten gehörte.. wie sich herausstellen sollte -. der Gage im Lauf der Jahre viele Male untersucht hatte. wie etwa Sprache.54 .. [. die er erfuhr. besonnener und verantwortungsbewußter Mensch gewesen war. reagiert ungeduldig auf Einschränkungen und Ratschläge. waren die Stirnlappen. wenn auch nicht seine funktionellen Fähigkeiten.] Die Wandlung. Gage. die dem Unfall beigewohnt hatten und noch zugegen waren«. war so tiefgreifend. sei jetzt »launisch. respektlos. Anfängliche Untersuchungen von Gage deuteten darauf hin .

sich an die Namen von Menschen und Tieren oder auch Gegenständen zu erinnern.55 . Sprachstörungen. sondern auch zu drastischen Steigerungen der psychischen Fähigkeiten einer Person führen. begann er. die durch Hirnschäden verursacht werden. Ein ursprünglich als politischer Journalist arbeitender Schweizer hat das Beste aus seiner Erkrankung gemacht. Manche Aphasiker verlieren die Fähigkeit. das die beiden Großhirnhälften miteinander verbindet. untermauert. Andere sind nicht mehr in der Lage. die als »Feinschmeckersyndrom« bezeichnet wird und bei Schädigungen im rechten Stirnlappen dazu führt. aber nicht mehr lesen und schreiben oder umgekehrt. nachdem er von einem Hirnschlag genesen war. eine kulinarische Kolumne zu schreib e n. Die Gagesche Neurowissenschaft hat die Auffassung vom Gehirn als einer Zusammenstellung von Modulen. daß jede Großhirnhälfte unterschiedliche Funktionen . Einige Aphasiker können zwar ein Gespräch führen. daß man zwanghaft an erlesene Speisen denkt.gemein als Sitz hoher kognitiver Funktionen wie sittliche Urteilskraft und Entscheidungsfindung angesehen werden. Hirnschäden können nicht nur zu Beeinträchtigungen.) Durch Untersuchungen an solchen Patienten haben der Nobelpreisträger Roger Sperry und andere in den sechziger Jahren und später herausgefunden. faßt man unter dem Oberbegriff der Aphasie zusammen. die durch Ausbreitung über das gesamte Gehirn zu epileptischen Anfällen führen. daß die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Durchtrennung des Balkens (Corpus callosum) besteht. Ärzte haben über mehr als dreißig Fälle einer Erkrankung berichtet. 2 5 Eine wichtige Datenquelle für Gagesche Neurowissenschaftler sind Patienten mit einer so schweren Epilepsie. (Die Operation verhindert die unkontrollierten neuronalen Entladungen. die mit außerordentlich spezifischen Funktionen und Merkmalen verknüpft sind. jenes Nervenfaserbündels. Verbindungen zu entschlüsseln.

Historiker deuteten die Geschichte neu durch die Linse der Split-brain-Forschung. wie etwa Michael Gazzaniga von der Dartmouth-Universität. In einem Aufsatz. Selbst jene.26 Zeitungen veröffentlichten Werbeanzeigen für Tonbänder mit unterschwelligen Botschaften. die es besser hätten wissen müssen. während die rechte Hemisphäre bei Aufgaben dominiert. die Lehrpläne zu modernisieren. Pädagogen schickten sich an.bot Ratschläge an. In seinem 1985 erschienenen Buch The Social Brain formulierte Gazzaniga eine Kritik am Wohlfahrtsstaat. um die »rechte Hälfte« des Gehirns ihrer Studenten anzusprechen. wie man den Beschränkungen unserer pedantischen linken Hemisphäre entkommen und zu einem frei denkenden Rechtshemisphäriker werden könne. Das florierende Feld der Split-brain-Forschung brachte schon bald die mittlerweile zum Gemeinplatz gewordene Klischeevorstellung hervor: unsere linke Großhirnhälfte verkörpere unser »rationales« Selbst und unsere rechte Großhirnhälfte unser spontanes. Eine große Zahl von Selbsthilfebüchern . die auf seiner Interpretation der Split-brain-Experimente basierte. indem sie gleichzeitig unterschiedliche motivierende Nachrichten an jede Hemisphäre übermitteln. betonte Gazzaniga die .wie etwa Drawing on the Right Side of the Brain und Right Brain Sex . der 1998 im Scientific American erschien. einem Historiker zufolge sei Stalin ein »linkshemisphärischer Führer« gewesen. kurbelten die allgemeine Euphorie noch an. »kreatives« Selbst. bei denen das Sehvermögen und motorische Fertigkeiten eine Rolle spielen. Die linke Hemisphäre steuert weitgehend das Sprachverständnis und die Sprachproduktion.56 . ein Wegbereiter der Gageschen Neurowissenschaft. während Hitler ein »rechtshemisphärisches Naturell« besessen habe.27 Über zehn Jahre später zog Gazzaniga sogar einige seiner vorsichtigsten Aussagen über die rechte und linke Großhirnhälfte in Zweifel.wahrnimmt. die angeblich die geistigen Fähigkeiten erweitern.

Experimente und damit Befunde zu reproduzieren.28 Menschen mit denselben Formen von Hirnschädigungen könnten völlig verschiedene Symptome zeigen. schließlich veränderten sich Individuen mit der Zeit. erlangte er mit Hilfe seiner rechten Hemisphäre dreizehn Jahre nach der Operation das Sprachvermögen zurück. entfernten Chirurgen seine linke Großhirnhälfte. der mit den Initialen J. Doch das Kriterium der Reproduzierbarkeit stellt für die Wissenschaft vom menschlichen Geist eine extreme Herausforderung dar.29 Er kam mit einer so starken Mißbildung der linken Hemisphäre zur Welt.Gefahren. auf der Grundlage von relativ wenigen Fällen allgemeingültige Aussagen über das Gehirn zu machen. daß er unter ständigen epileptischen Anfällen litt. benannt wurde. Ein vermeintlicher Grundpfeiler der Naturwissenschaft ist ihre Fähigkeit. Zudem erschwere es die Plastizität des Gehirns sogar. einem Medizinhistoriker an der Universität von Kalifornien in San Fran. Dies läßt sich nach Ansicht von Jack Pressman. Ein britischer Junge namens Alex stellt einen noch bemerkenswerteren Fall dar. Außerdem war er völlig stumm. nach einem chirurgischen Eingriff in der linken Hemisphäre stumm war. Als Alex acht Jahre alt war. um seine Epilepsie zu lindern.57 . W. weil sich alle Gehirne und alle psychischen Erkrankungen in relevanten Aspekten voneinander unterscheiden.nicht aber bei einem Patienten. W. und im Alter von sechzehn Jahren sprach er flüssig. begann Alex zehn Monate später zu sprechen. Die Gagesche Neurowissenschaft verdeutlicht ein Haupthindernis für das Verständnis des menschlichen Gehirns. Schwere Läsionen in der linken Hemisphäre führen im allgemeinen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sprachvermögens . Obgleich J. keine Besserung seiner sonstigen Symptome zu erwarten. Obschon die Ärzte seine Eltern warnten. die damit verbunden seien. zuverlässige Aussagen über die Folgen von Hirnschädigungen für dieselbe Person zu machen.

58 . In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort: Psychosurgery and the Limits of Medicine wies er darauf hin. So besteht zwischen der Neurowissenschaft und Disziplinen. wie Phineas Gage. andere in einen geradezu katatonen Stupor. Einige Patienten schienen von dem Eingriff zu profitieren. daß die Forscher die Fragen. Einige Patienten verfielen in einen Zustand ungehemmter motorischer Erregung. anderen ging es schlechter als vorher. eindeutig der Geschichte der Lobotomie entnehmen. zuverlässige Aussagen über den Nutzen der Lobotomie zu machen – eines Verfahrens zur Behandlung schwerer Psychosen. stellt jeder Patient praktisch ein einzigartiges Experiment dar. «30 Im September 1998 versammelten sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Cavendish. sozialer Identität und persönlichen Werten besteht. die erstmals durch Gages Fall aufgeworfen worden waren. In einem Bericht über die Konferenz in Science wurde hervorgehoben.cisco. die . Ein Konferenzteilnehmer erklärte tapfer. bei dem die präfrontalen Faserverbindungen durchtrennt werden. ob der frontale Kortex als Einheit funktioniert oder seine Aufgaben aufteilt«. wie schwierig es sei. die Wissenschaftler »streiten sich weiterhin über die Frage. noch immer nicht beantwortet hätten. Pressmans Fazit lautete: »Da jeder Mensch aus einer einmaligen Kombination von physiologischen Gegebenheiten. daß »die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen liegt«. Vermont. um des hundertfünfzigsten Jahrestages des Unfalls von Phineas Gage zu gedenken.31 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden Die Skepsis des Sokrates gegenüber der Anwendung physikalischer Überlegungen auf das menschliche Denken und Verhalten hat sich als außerordentlich weitsichtig erwiesen.

nährten Spekulationen. die eine oder die andere Seite zu kurz kommen zu lassen.59 . sahen die Psychiater in der Schizophrenie eine dopaminabhängige Störung und nicht mehr die Folge eines psychischen Traumas. der Psychiatrie. schrieb einmal: »Im Medizinstudium und in der ärztlichen Praxis klafft eine enorme Lücke zwischen dem Gebiet der Neurologie und der Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. ist aber auch nicht so wichtig. eine eigentümliche Diskrepanz. Angesichts der Allgegenwart eines Neurotrans.mentale Phänomene auf höherer Organisationsebene betrachten.«32 Der Aufstieg der Psychopharmakologie in den sechziger Jahren weckte die Hoffnung. Den Ärzten wird manchmal angelastet. um dem Psychiater eine echte Hilfe zu sein. daß Serotonin allein als Schlüssel zur Depression angesehen wird.) Doch selbst die Urheber dieser Neurotransmitter-Hypothese räumen ihre Schwachpunkte ein. Weil Neuroleptika wie Chlorpromazin und Reserpin die Konzentration des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn erhöhen. Der britische Neurophysiologe Charles Sherrington. (Bislang gibt es keine allgemein anerkannte Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit von Lithium bei manisch-depressiven Erkrankungen. Die Entwicklung spezieller Antidepressiva. Die Physiologie hat nicht genügend Erkenntnisse über das Verhältnis von Gehirn und Geist anzubieten. Es gibt einen guten Grund dafür. die die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin steigern. Die wachsende Beliebtheit der sogenannten Selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI) wie etwa Fluctin hat dazu geführt. Das stimmt zwar. daß depressiven Erkrankungen ein Mangel an diesen Neurotransmittern zugrunde liege. psychische Krankheiten könnten biochemisch erklärt werden. der sogenannten Monoaminoxidasehemmer und der trizyklischen Antidepressiva. der 1932 für seine Arbeiten über das Nervensystem mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. wie etwa der Psychiatrie.

als ihre nichtschizophrenen Geschwister. Auch zwischen der Neurowissenschaft und der Psychologie gibt es eine beunruhigende Spaltung. Lewis Judd. die zu ihrer Behandlung eingesetzt wurden. daß die Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns ist«. Neurowissenschaftler »machen grundlegende Entdeckungen von weitreichender Bedeutung«. Folgestudien ergaben.60 . schrieb der an Harvard lehrende Psychologe Jerome Kagan einmal. physiologische Entsprechungen für die Schizophrenie und andere Erkrankungen zu finden. Bis auf einen hatten alle Schizophrenen größere Hirnkammern . pries die Studie als einen »Markstein«. sind viel. Die Forscher verglichen die Gehirne von fünfzehn Schizophrenen mit den Gehirnen ihrer nichtschizophrenen eineiigen Zwillingsgeschwister. Bislang haben diese Bemühungen entmutigend mehrdeutige Ergebnisse erbracht. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang eine vielzitierte MRT-Studie. daß auch viele normale Menschen relativ große Hirnkammern besitzen und daß dies andererseits bei vielen Schizophrenen nicht der Fall ist. Zudem sind Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen nicht so wirksam. »Aber die beobachtbaren Verhaltensereignisse. ob die vergrößerten Hirnkammern eine Ursache oder eine Folge der Schizophrenie waren .flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Zentrum des Gehirns . der damalige Direktor des National Institute of Mental Health.33 Leider konnten die Forscher jedoch nicht feststellen. die 1990 am National Institute of Mental Health durchgeführt wurde. wie oft behauptet wird. Neurowissenschaftler haben sich bemüht. indem sie das Gehirn von psychisch Kranken mit der PET und anderen bildgebenden Verfahren untersuchten. auf welche diese einzelnen Entdeckungen zutreffen.beziehungsweise der Medikamente.mitters wie Serotonin und der Vielfalt seiner Funktionen ist sein Erklärungswert als Kausalfaktor für die Entstehung von Depressionen genauso gering wie etwa der von Blut. der »unwiderlegbare Beweise dafür erbracht hat.

suchten in den vier einflußreichsten psychologischen Fachzeitschriften . Die Neurowissenschaftler V. Annual Review of Psychology.J. Smythies von der Universität von Kalifornien in San Diego haben unlängst in einem Aufsatz in Nature auf diesen Punkt hingewiesen: Jeder. der Mendelschen Gesetze der Vererbung.«34 Mit diesem Aspekt der »Erklärungslücke« befaßte sich ein 1998 im American Scientist erschienener Aufsatz mit dem Titel »Psychological Science at the Crossroads«35. während sie den Fortschritt im Bereich der Biologie gekennzeichnet hat.61 .fach unklar [. allerdings nach unseren Erhebungen nicht in der Hauptströmung der Psychologie..die Entdeckung der Zellen.American Psychologist. Die drei Verfasser. die jeweils zu einem Quantensprung in unserem Wissen führten . in der Psychologie wahrgenommen zu werden. Sie fanden heraus. die im Grunde nichts anderes waren als flüchti. S. Die Psychologie hingegen zeichnete sich durch eine peinlich lange Folge von »Theorien« aus. der Mutationen.. Ramachandran und J. der Chromosomen.neurowissenschaftliche Quellenangaben.] von entscheidender Bedeutung ist die Aufklärung des Zusammenhangs zwischen molekularen und Verhaltensereignissen. »Der Stellenwert der Neurowissenschaft nimmt zweifelsfrei zu. ausnahmslos Psychologen. daß sich die enorme Zunahme der neurowissenschaftlichen Forschung nicht in den Zitaten in psychologischen Aufsätzen widerspiegelte.« Bislang ist es der Neurowissenschaft nicht gelungen. Jeder Bereich besitzt eine gewisse Unabhängigkeit. Der Fortschritt in der Biologie war durch wegweisende Entdeckungen gekennzeichnet. der sich für Ideengeschichte interessiert. der DNA und des genetischen Codes. dürfte über die folgenden bemerkenswerten Unterschiede zwischen Fortschritten in der Biologie und Fortschritten in der Psychologie verwundert sein. Psychological Bulletin und Psychological Review .

äußerte sie 1997 gegenüber einem britischen Journalisten. erhellen könne. finden einige der führenden Neurowissenschaftler Freuds Ideen noch immer höchst plausibel. vielleicht unabhängig von seinen spezifischen Theorien.ge Modeerscheinungen. ist die Tatsache. weshalb ich Freud. in ein psychoanalytisches Institut einzutreten. er entschied sich nur deshalb dagegen. Bloom erwog sogar.36 Eine psychologische Mode beziehungsweise »Theorie«. daß Freud eine wichtige Inspirationsquelle war. wohl eher eine Ausnahme unter den Neurowissenschaftlern. die sie erfunden hatten. Als ich ihn fragte.62 .« 38 Er sagte mir. ob er glaube.«37 Greenfields Sympathie für Freud wird von Floyd Bloom geteilt. Susan Greenfield von der Universität Oxford ist Direktorin der britischen Royal Institution und eine der bekanntesten Neurowissenschaftlerinnen Großbritanniens. »Einer der Gründe. bewundere. durch die Gene in beliebig . daß die Neurowissenschaft vielleicht den plötzlichen Perspektivwechsel beziehungsweise das plötzliche »Umschalten in einen anderen intellektuellen Gang«. weil eine unerwartete Innovation in der Molekularbiologie. daß er ein Pionier war«. antwortete er: »Ich schließe dies nicht aus. um Stoff für sein Projekt zu sammeln. er sei vor zwanzig Jahren zu der Überzeugung gelangt. »Allerdings bin ich mit meiner Ansicht. die nur selten die Personen überlebten. Obgleich die Psychoanalyse in gewissen naturwissenschaftlichen Kreisen zum Inbegriff der Pseudowissenschaft geworden ist. ist die Psychoanalyse. dem Leiter der Abteilung Neuropharmakologie am Scripps-Forschungsinstitut und Autor mehrerer Bücher über Neurowissenschaft sowie Herausgeber des Wissenschaftsmagazins Science. daß die Neurowissenschaft möglicherweise eines Tages die Psychoanalyse bestätigen würde. die ihren Erfinder überlebt hat. das manchmal während einer Psychoanalyse auftrete.

In viel Weisheit viel Traurigkeit. leitet. Monod. sieh es doch mal so: Alles.« Er schrieb über das Unbewußte: Mein Freund Jacques Monod. zwei »intellektuellen Bahnbrechern. wenn auch vielleicht nicht in unserem Sinn ein Wissenschaftler. der Direktor des Zentrums für Neurobiologie und Verhalten an der ColumbiaUniversität.‹ Verzweifelt sagte ich einmal: ›Jacques. ihn wieder ins Labor lockte. 40 Er ist . lieber Freund. Edelman widmete sein Buch Göttliche Luft. so doch besonders in seiner Sicht des Unbewußten und dessen Rolle für das Verhalten ein großer intellektueller Wegbereiter gewesen sei.großen Zahlen vervielfältigt werden konnten. Kandel ist durch die Kombination von scharfem Verstand und einschüchterndem Auftreten seit Jahrzehnten die beherrschende Gestalt der Neurowissenschaft. wobei er darauf bestand. gilt für mich und nichts davon für dich. was Freud sagt. später auf Neurowissenschaft umsattelte und heute das Institut für Neurowissenschaft in La Jolla. daß Freud.‹39 Psychoanalyse und Seehasen Angetan von Freud ist auch Eric Kandel. antwortete: ›Ich kenne meine Beweggründe vollständig und bin für meine Handlungen voll verantwortlich. Nachfahre strenger Hugenotten. vernichtendes Feuer. Ich vertrat die Meinung. Ein anderer hochkarätiger Freudophiler ist Gerald Edelman.‹ Er antwortete: ›Genau. Kalifornien. stritt sich oft heftig mit mir über Freud. eine populärwissenschaftliche Darstellung seiner Theorie des Geistes.63 . Freud sei unwissenschaftlich und womöglich ein Scharlatan gewesen. ein Molekularbiologe. Sie sind alle bewußt. Charles Darwin und Sigmund Freud. der für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Das Tier lernte rasch. Durch diesen Habituation (Gewöhnung) genannten Prozeß lernt die Meeresschnecke. man kann sie mit bloßem Auge sehen. Er beschloß. die einmal plastisch als eine »purpurrot-grüne Folienkartoffel mit Ohren« beschrieben wurde. 43 Die Nervenzellen dieses Geschöpfs sind die größten.Mitautor von zwei herausragenden neurowissenschaftlichen Lehrbüchern. wie sie die Berichterstattung verbessern könnten. der Sensibilisierung genannt wird -. nicht das Nervensystem vom Homo sapiens. Die Aplysia war ein vollkommenes Versuchsobjekt für Kandels Untersuchungen über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses und des Lernens. sondern das der Aplysia californica zu erforschen. indem sie die Aplysia wiederholt bespritzten und ihr gleichzeitig einen Elektroschock verabreichten. Der in Wien geborene Kandel studierte an der New-York Universität und der Harvard-Universität Psychiatrie. doch zu Beginn der sechziger Jahre spezialisierte er sich auf Neurowissenschaft. bis sie den Reiz schließlich völlig ignoriert. zieht sie sich ruckartig in einen Mantel zurück. Je öfter man diese Stimulation wiederholt. Wenn sie an einer bestimmten Stelle mit einem Wasserstrahl bespritzt wird. die bislang wissenschaftlich beschrieben wurden. Kandel und seine Mitarbeiter erzeugten das Gegenteil der Habituation .41 und hat darüber hinaus viele populärwissenschaftliche Darstellungen der Neurowissenschaft maßgeblich beeinflußt.42 Wenn ihm die Berichterstattung über die Neurowissenschaft in der New York Times. dem Scientific American oder anderen Publikationen mißfällt. einer Seehase genannten Meeresschnecke.einen Effekt. ruft er Herausgeber und Reporter an. Principles of Neural Science und Essentials of Neural Science and Behavior. den Wasserstrahl nicht mit Gefahr zu assoziieren. um so lustloser zieht sie sich zurück.64 . um sich zu beschweren und ihnen Ratschläge zu erteilen. sich schon bei der leichtesten Berührung zurückzu.

in dem die meisten Wissenschaftler bereit sind. die charakteristisch für Sensibilisierung und Habituation sind. nicht bilden. Dieser Hebbsche Mechanismus dient als Grundlage für ein Modell der Künstlichen Intelligenz. ist Kandel noch immer sehr aktiv. wird das Protein chemisch neutralisiert. das Feld jüngeren Kollegen zu überlassen. der als ein potentielles »E = mc2 des Geistes« hochgejubelt wurde 44 . die den Rückzugsreflex der Aplysia steuern. Der Verfasser . daß dieses Protein. Diese Experimente lieferten empirische Belege für eine Hypothese. umgekehrt schütteten sensibilisierte Neuronen mehr Neurotransmitter aus. Mäusen und anderen Lebewesen durchgeführt. der Aplysia dabei hilft.65 . Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses ins Langzeitgedächtnis zu überführen. Zusammen mit anderen Gruppen zeigte Kandels Team. Andere Forscher haben ähnliche Experimente an Taufliegen.ziehen.ein Protein. das sich auf sogenannte neuronale Netze stützt (die ich im siebten Kapitel behandeln werde). Kandels Arbeitsgruppe zeigte. das offenbar als ein Schlüsselschalter bei der Bildung von Erinnerungen fungiert. das CREB (cyclic-AMP-responsive element binding protein] genannt wird. daß Lernprozesse die Stärke der Verbindungen zwischen Neuronen verändern. daß sowohl Habituation als auch Sensibilisierung molekulare Veränderungen in den Neuronen auslösen. auf dem er ein blaugestreiftes Hemd und eine rote Fliege trägt und eine schleimig glänzende Aplysia in der Hand hält. die sie mit benachbarten Neuronen verbinden. Ein im Februar 1998 im New York Times Magazine erschienener Artikel über Gedächtnisforschung enthält ein ganzseitiges Foto von Kandel. kann die Meeresschnecke die Langzeiterinnerungen. die erstmals in den fünfziger Jahren von Donald Hebb formuliert wurde und die besagt. In den neunziger Jahren führten Kandel und seine Mitarbeiter Experimente mit einem Stoff durch. In einem Alter. Bei der Habituation schütteten die Neuronen weniger Neurotransmittermoleküle in die synaptischen Spalte aus.

. daß Freuds Theorien über die Psyche eines Tages durch die Neurowissenschaft erhärtet werden. hörte er nie auf. Kandel äußerte diese Hoffnung in seinem Beitrag »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. aufhalten oder sogar umkehren.66 . die angeblich den Gedächtnisverlust verlangsamen. durch neurochemische und genetische Wirkungen Neurosen verursachen können. daß seine Experimente und die Experimente von anderen gezeigt hätten. 45 Kandel versuchte. daß Erfahrungen physikalische Veränderungen in den Neuronen herbeiführten. Was der Artikel nicht erwähnte.des Artikels weist darauf hin. daß Kandel »einen Großteil der bahnbrechenden Forschungsarbeiten über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses durchgeführt hat« und weiterhin zu den Spitzenforschern auf seinem Gebiet zähle. In gleicher Weise könnten die Psychoanalyse und andere Psychotherapien langfristig heilsame Wirkungen auf genetischer Grundlage herbeiführen. Aus diesen Befunden folge. indem er ein Unternehmen mit dem Namen Memory Pharmaceuticals gründete. wie etwa traumatische Ereignisse in der Kindheit. bevor er sich der Neurowissenschaft zuwandte.und ausschalten oder ihre Ausprägung anderweitig beeinflussen. kommerzielles Kapital aus seinen wissenschaftlichen Errungenschaften zu schlagen. das Medikamente vermarktet. 47 Er wies darauf hin. daß sich Kandel für die Psychoanalyse interessiert habe. Der Artikel erwähnte. Psychoanalytiker zu werden. Konkreter ausgedrückt heißt das: Habituation und Sensibilisierung von Neuronen können Gene ein. daß Kandel sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere einer Psychoanalyse unterzogen und sogar erwogen hatte. war. daß Erfahrungen. Er hat die Hoffnung. der im April 1998 im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. Obgleich ihn »die Neurobiologie auf fruchtbare Weise abgelenkt hat«46 (wie es die Times formulierte). an das theoretische und therapeutische Potential der Psychoanalyse zu glauben.

das Gedächtnis werde bald ein »gelöstes« Problem sein. Er erklärte. als er ein Resümee der Errungenschaften seiner Disziplin zog. Speicherung und Abrufung einer Erinnerung zusammenwirkten. Als ich ihn fragte.eine Annäherung.« Die meisten wissenschaftlichen Disziplinen. Konsolidierung. ob er glaube. Es sei möglich.« Er habe . höchstens die Wissenschaftler. schwankte auch Kandel zwischen Stolz und Demut. um sich einander anzunähern . Probleme seien niemals erschöpft. die die Neurowissenschaft in den letzten Jahren gemacht hat. das Bemühen um ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen des Verhaltens zu bereichern.»Aufgrund von Fortschritten. die an ihrer Lösung arbeiteten. Wie andere Neurowissenschaftler. die den Einsichten der psychoanalytischen Betrachtungsweise erlauben würde. versank die blutrote Sonne hinter der Silhouette der Hochhäuser von New Jersey. wechselten zwischen Phasen wachsender Komplexität und Phasen zunehmender Vereinheitlichung.67 . die ich interviewt hatte. sagte er nachdenklich. der große Neurowissenschaftler Ramon y Cajal habe einmal gesagt. daß das CERB-Protein und andere Entdeckungen die gemeinsame Grundlage vieler unterschiedlicher Typen von Gedächtnis enthüllen könnten. schnitt Kandel eine Grimasse und schüttelte den Kopf.« Ich traf Kandel Ende 1997 in seinem Büro im sechsten Stock des Instituts für Psychiatrie in Manhattan. 48 Von seinem Büro aus hat man einen malerischen Ausblick auf den Hudson River. befinden sich Psychiatrie und Neurowissenschaft heute in einer neuen und besseren Lage. auf welche Weise die verschiedenen Regionen des Gehirns bei der Codierung. Die Forscher müßten erst noch klären. so wie die Aufklärung der Struktur der DNA ein einheitliches Modell der Vererbung geliefert habe. »Wir befinden uns heute in einem Zeitalter der Aufspaltung. so Kandel weiter. und als wir uns die Hand gaben. »Wir haben keinen blassen Schimmer von alldem. Doch das Gedächtnisproblem sei »noch weit von einer Lösung entfernt«.

sei die Frage. . daß sie ihre Interessen auf sämtliche psychiatrischen Erkrankungen und alle Gebiete der Medizin ausdehnte. Soweit sie funktioniert. Offensichtlich fand diese Synthese nicht statt. Jetzt wenden wir uns den kniffligsten zu. eine Mitschuld an diesem Stillstand treffe. Kandel sagte. Forschungen an lebenden Primaten.68 . es zerlegt alle Empfindungen und setzt sie dann wieder zusammen«. tut sie es vermutlich nur in einer begrenzten Reihe von Umständen. wie das Gehirn aus vielen verschiedenartigen Elementen Bilder der Wirklichkeit zusammensetze. die die Psychiatrie in den fünfziger und sechziger Jahren beherrschten. »es zerlegt das Bild. daß die Psychoanalytiker. da sie ihre eigenen Methoden nicht hinterfragt und nicht auf den Prüfstand gestellt hätten. Das trug mit zu ihrem Niedergang bei. »Das ist meines Erachtens eine sehr fruchtbare Methode«. Doch wie Torsten Wiesel und Gerald Fischbach betonte auch er. meinte Kandel.das Dilemma des Reduktionismus. wie sie von Patricia Goldman-Rakic und anderen durchgeführt würden. »Die einfachen Probleme sind gelöst. wie das Gehirn sein Bild der Wirklichkeit erzeugt. in der sie so sehr von ihrer Macht überzeugt war. »Die Psychoanalyse machte eine Phase durch. so Kandel. daß das Problem des binding .« Ein zentrales Problem der Neurowissenschaft. um meinen Begriff zu gebrauchen . es würde zu einer »raschen Verschmelzung« zwischen Neurowissenschaft und Psychiatrie kommen. um die Flut neuer Erkenntnisse einzubringen. Das Gehirn bilde die Welt nicht in der gleichen Weise wie eine Kamera ab.noch immer weitgehend ungelöst sei. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Neurowissenschaftler dachte Kandel.« Die Psychoanalytiker seien zudem »pflichtvergessen« gewesen.sein zum Klassiker avanciertes Lehrbuch Principles of Neural Science seit der Erstveröffentlichung 1981 dreimal aktualisieren müssen. könnten Anhaltspunkte dafür liefern.

bleibe sie eine »sehr humane. doch ihre therapeutische Wirksamkeit zu beweisen sei eine ganz andere Sache.« Wenn das Gespräch mit einem Freund.« Zu Beginn dieses Jahrhunderts diente die Psychoanalyse als ein Gegengewicht zu den Auswüchsen des Behaviorismus. in der Kindheitserfahrungen verschiedene Persönlichkeitszüge und -Störungen hervorbrächten. unter welchen Umständen?« Er sei »intuitiv« von der Wirksamkeit der Psychoanalyse überzeugt . stelle sich die Frage.wie etwa seine Behauptung. Das wäre hervorragend. und wenn ja. wonach das Gehirn die Wirklichkeit kon.seine eigene Analyse habe ihn zu einem glücklicheren Menschen gemacht. der ein »sehr flaches« Bild der psychischen Repräsentation entworfen habe. fruchtbare Betrachtungsweise der menschlichen Psyche.« Doch blieben Fragen zu spezifischeren Aspekten der Freudschen Theorie.Viele der grundlegenden Ideen Freuds . »Halten sie einer empirischen Überprüfung stand und unter welchen Umständen? Sind sie universell? Und was noch wichtiger ist: Hat die Psychoanalyse eine therapeutische Wirkung. »weshalb dies weniger wert sein soll als die Einnahme von Fluctin?« Selbst wenn Studien die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nicht nachweisen könnten. wie etwa der genauen Art und Weise. »Meiner Meinung nach werden sie heute praktisch von jedermann akzeptiert. was es zweifellos tue. versicherte mir Kandel -. einem Seelsorger oder einem Therapeuten Veränderungen im Gehirn auslöse.69 . Forschungen könnten zeigen. so Kandel. offen. daß Konflikte in der Kindheit unsere Persönlichkeit formten und daß ein Großteil unseres psychischen Lebens unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufe .vielleicht sogar spezifischer.seien längst Gemeingut geworden. die »so spezifisch sind wie die Wirkungen von Medikamenten . daß Psychotherapien günstige Veränderungen im Gehirn herbeiführten. Die Psychoanalyse habe auch die Entdeckung der modernen Neurowissenschaft und kognitiven Psychologie vorweggenommen.

« Es sei möglich. Er veröffentlichte über dreihundert Aufsätze und fünf Bücher über Neurobiologie. so Kandel. im Original] liefern.struiere und nicht bloß abbilde.« Freud als Neurowissenschaftler Ironischerweise schien Freud selbst gegen Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn zu bezweifeln. die recht fruchtbar ist. die man heute zur Neurowissenschaft zählt. ein solcher Befund stelle die Psychoanalyse auf eine Stufe mit dem Gesundbeten. daß die statistische Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ist. 49 Er erforschte das Nervensystem von Neunaugen und Flußkrebsen. daß uns die Neurowissenschaft tiefe Erkenntnisse über die menschliche Psyche verschaffen könne. daß man unter gut ausgebildeten Ärzten keine Scharlatane findet. um das Vertrauen des Patienten für therapeutische Zwecke einzuspannen. darunter auch eine Monographie über Aphasie und andere . daß mehr dahintersteckt. Gesundbeter seien viel öfter Scharlatane und Betrüger als Psychoanalytiker. verbrachte er über zehn Jahre mit Forschungen. und von 1882 bis 1885 arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien intensiv mit hirngeschädigten Patienten. daß der Erfolg einer psychoanalytischen Behandlung auf die Erwartungen des Patienten zurückzuführen sei – anders gesagt. Bevor Freud die Psychoanalyse begründete. »Das soll nicht heißen. Man würde sich wünschen. daß sie eine wirklich nützliche Therapie ist.« Kandel widersprach der Behauptung. sondern nur. die der anerkannten Wissenschaft näherstünden. Psychiater und andere. »Vielleicht ist die Psychoanalyse lediglich eine sehr wirkungsvolle Methode. aber das könnte das ganze Geheimnis sein.70 . Die Psychoanalyse »kann uns daher schlimmstenfalls eine Weltanschauung [dt. auf den Placebo-Effekt. Bestenfalls mag sich herausstellen.

und am 29.« 51 Freud hat dieses Manuskript nie veröffentlicht.52 Unmittelbar im Anschluß an diese Periode begann er. in dem ich die Psychologie ausgebrütet. als Q aufzufassen. daß man die Psyche und ihre Störungen rein physiologisch erklären könne. November 1895 schrieb er wieder an Fliess: »Den Geisteszustand.« 50 Im selben Jahr umriß Freud seine Vision einer physiologisch begründeten Theorie der Psyche in einem Manuskript. Im Jahr 1938.Krankheitsbilder. daß die menschliche Psyche und ihre Erkrankungen auf rein physiologischer Grundlage erklärt werden könnten. eine naturwissenschaftliche Psychologie zu liefern. die Psychoanalyse. ein rein psychologisches Modell der Psyche zu entwerfen.71 . das Ding sei jetzt wirklich eine Maschine und werde nächstens auch von selber gehen.. etwa unter Bezugnahme auf die unlängst entdeckten Neurone. An seinen Freund Wilhelm Fliess schrieb er: »In einer fleißigen Nacht der verflossenen Woche [.) als materielle Teilchen die Neurose zu nehmen. man bekam den Eindruck. Es schien alles ineinanderzugreifen. was Tätigkeit und Ruhe unterscheidet.. Im Jahr 1895 war Freud für kurze Zeit davon überzeugt.] haben sich plötzlich die Schranken gehoben. kurz vor seinem Tod. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Karriere bezweifelte Freud immer stärker. und man konnte durchschauen vom Neurosendetail bis zu den Bedingungen des Bewußtseins. die Hüllen gesenkt. die dem allgemeinen Bewegungsgesetz unterworfen [ist]. Enthalten [sind] zwei Hauptideen: [1. das Räderwerk paßte zusammen. . schien er die Möglichkeit. 2.)] das. verstehe ich nicht mehr«. das später Entwurf einer Psychologie genannt wurde: »Es ist die Absicht. das heißt psychische Vorgänge darzustellen als quantitativ bestimmte Zustände aufzeigbarer materieller Teile [und sie] damit anschaulich und widerspruchsfrei zu machen. die durch Schädigungen am zentralen Nervensystem verursacht werden.

Aufgrund des Unvermögens der Neurowissenschaft. was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen. Wie Sokrates über zweitausend Jahre vor ihm schien Freud sagen zu wollen. daß die Erklärungslücke möglicherweise nie geschlossen werde. würde sie höchstens eine genaue Lokalisation der Bewußt53 seinsvorgänge liefern und für deren Verständnis nichts leisten.daß die Psychologie jemals mit der Neurowissenschaft vereinigt würde. ist diese Prophezeiung bislang in Erfüllung gegangen. auszuschließen: Von dem. Freuds Theorien zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen. Alles dazwischen ist uns unbekannt. erstens das körperliche Organ und Schauplatz desselben. andererseits unsere Bewußtseinsakte. ist uns zweierlei bekannt. die unmittelbar gegeben sind und uns durch keinerlei Beschreibung nähergebracht werden können.72 . das Gehirn (Nervensystem). Wenn sie bestünde. . eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens ist nicht gegeben.

eines Refugiums treuer Anhänger der Psychoanalyse. Die Befürchtungen kamen bei einer »offenen Diskussionsrunde«. daß wir über das menschliche Leben und die menschliche Persönlichkeit aus Romanen immer mehr erfahren werden als durch wissenschaftliche Psychologie. der Vorsitzende der Fachgruppe 39 und ein bekannter New Yorker Psychoanalytiker. unverhohlen zum Ausdruck.« . eröffnete die Sitzung mit der Empfehlung. Der Anlaß war ein Treffen der Fachgruppe 39 der American Psychological Association. Probleme sprachlichen Wissens 1 einem regnerischen Frühlingstag des ich Anim Ballsaal eines Hotels und lauschteJahres 1996 saßZahl einer großen von Freuds intellektuellen Nachfahren. hatten fünf Tage lang im opulenten Waldorf-Astoria in New York City getagt. in überwältigender Weise wahrscheinlich. Morris Eagle.2. Selbstmord oder stark übertriebenes Gerücht?« »Psychoanalytische Technik: Hat sie eine Zukunft?« und »Psychoanalyse auf dem Rückzug«. bei der Mitglieder der Fachgruppe 39 jedes beliebige Thema ansprechen konnten. die Teilnehmer sollten sich mit dem »Hauptproblem« befassen. Doch ich war wegen Diskussionsforen gekommen. Das offizielle Thema des Treffens klang beschwingt: »Psychoanalysis: A Creative Journey«.73 . in denen unerfreulichere Themen behandelt wurden: »Der Tod der Psychoanalyse: Mord. NOAM CHOMSKY. und wie man vermuten könnte. mit dem sie gegenwärtig konfrontiert seien: »dem Überleben der Psychoanalyse im besonderen und der langfristigen psychodynamischen Behandlung beliebiger Art unter den Rahmenbedingungen der neuen integrierten Gesundheitsfürsorge (managed health care). die ihre Befürchtungen und Wünsche enthüllten. WARUM FREUD NICHT TOT IST So ist es durchaus möglich.2 Etwa vierhundert Mitglieder dieser Gruppe.

Der einzige Weg. daß wir auf empirischer Basis gewinnen können«. und leider beginnt die Öffentlichkeit dies zu begreifen«. solle. »Ich glaube nicht. der Nutzen der Psychoanalyse könne lediglich auf einer »subjektiven. so viele Menschen gegen sich aufzubringen und sich selbst in eine derartige Außenseiterposition zu manövrieren«. Andere äußerten ihre Zweifel. stimmte ein anderer zu. sei der empirische Nachweis ihrer Überlegenheit im Vergleich zu anderen Behandlungsverfahren.74 . Ein ehemaliger Mathematiker stand auf und erklärte. ein Mitglied der Fachgruppe 39 darauf mit einem Aufsatz oder Leitartikel entgegnen. daß wir ein besseres Produkt haben«. daß Studien. die bewiesen. die die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nachweisen sollten. meinte ein Mann. die durch die integrierte Gesundheitsfürsorge erzeugt worden sei. Eagle. in der neuerdings so wettbewerbsintensiven Atmosphäre. existentiellen Basis« beurteilt werden. daß es der Psychoanalyse »in so kurzer Zeit gelungen ist. die Arbeitsausfallzeiten und den Alkoholismus verringern könne. Im Verlauf des Treffens wurde die Stimmung immer gedrückter. »müssen wir nachweisen. daß »man mit statistischen Daten alles beweisen kann. der Ame.Teilnehmer der Diskussionsrunde schlugen verschiedene Gegenmaßnahmen vor. so der Vorschlag einer Frau. Ein anderer bestätigte. daß die Psychoanalyse die medizinischen Kosten. Gegner der Psychoanalyse fänden sich sogar innerhalb der Dachorganisation der Fachgruppe 39. daß das Vorlesungsverzeichnis des Colleges seiner Tochter keinen einzigen Kurs über Freud anbiete. ihren Gegnern in die Hände spielen könnten. Ein Psychoanalytiker beklagte sich. die Psychoanalytiker müßten Studien durchführen. wies warnend darauf hin. der Vorsitzende. Jedesmal wenn jemand die Psychoanalyse in der Öffentlichkeit »heruntermacht«. Ein anderer bekundete seine Verwunderung darüber. die Psychoanalyse zu stützen.

75 .rican Psychological Association. daß sie aufgrund neuer Gerichtsurteile wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht verklagt werden könne. er erregte sich über »die vulgäre. so viele Patienten zu halten. Im Jahr 1896 wurde Freuds brandneue Theorie über die sexuellen Ursachen der Hysterie als »ein wissenschaftliches Märchen« verhöhnt. 3 Eine im Jahr 1913 erschienene Rezension der Traumdeutung. »Vielleicht ist es Zeit. die viele für Freuds bedeutendstes Werk halten. Eine Frau aus La Jolla in Kalifornien erklärte. Ein anderer wies darauf hin. findet darin »ein völliges Fehlen der Merkmale.. daß sie ihre Praxis weiterhin rentabel führen könnten.6 Der russische Romancier Vladimir Nabokov nannte Freud einen »Schamanen« und »Wiener Quacksalber«. wenn sie kranken Patienten keine Medikamente verschreibe.] ihren bösen kleinen Embryos. daß die Psychoanalyse »weder theoretisch noch empirisch wohlbegründet ist«5. . die von ihren natürlichen Verstecken aus das Liebesleben ihrer Eltern ausspionieren«7. schäbige und im Grunde mittelalterliche Welt Freuds mit [. Sie beklagte bitterlich. daß manche Paranoiker tatsächlich Feinde haben.. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren überleben werde. Ein altes Bonmot besagt. wonach der Mond aus Molkenkäse besteht«. daß Freud selbst gegen Ende seines Lebens bezweifelt habe. da Freud seine Theorien öffentlich vorzustellen begann. daß ich in den Ruhestand trete«. und im selben Jahr verglich die Zeitschrift Current Opinion Freuds »Sexualtheorie« mit der »Hypothese. die zum wissenschaftlichen Fortschritt führen«. meinte er in mürrischem Tonfall. wurden sie unerbittlich angegriffen. Von dem Augenblick an vor hundert Jahren. Viele ihrer Kollegen nickten und murmelten in düsterer Zustimmung. daß sie und andere Psychoanalytiker in ihrer Region wachsende Schwierigkeiten hätten.4 Im Jahr 1916 monierte die Zeitschrift Nation. seufzte sie.

darunter Freuds Enkelin Sophie . auf jedes Buch.darüber beschwert hatte. Unterdessen verschreiben Psychiater und andere Ärzte für weitverbreitete Leiden wie Depression und Angst in zunehmendem Maße Medikamente statt Gesprächstherapien. Why Freud Was Wrong. einen Pfahl durch Freuds Herz zu treiben. weshalb verwendeten dann so viele Kritiker noch immer so viel Energie auf den Versuch. ihn zu töten? Die Antwort lautet natürlich. nachdem sich ein Bündnis von Protestierenden . wie das Magazin Time die Frage zu stellen: »Ist Freud tot?«10 Wohl kaum. Wäre Freud tatsächlich tot. die bis zu fünf einstündige Sitzungen pro Woche für jeweils hundert Dollar erfordert und in der Regel mehrere Jahre dauert. in Freud and His Critics. der den Glauben an die Psychoanalyse mit dem Glauben an das Ungeheuer von Loch Ness verglich. daß Freud nach wie vor unzählige Verteidiger hat.Die Attacken auf Freud wurden in den letzten Jahren heftiger. Einer davon war der britische Historiker Frank Cioffi. Freud Evaluated und Unauthorized Freud 8 versuchten. Viele Patienten und alle Krankenversicherungen bevorzugen Kurztherapien. prophezeite Paul Robinson. kommt ein anderes. Als die Ausstellung schließlich im Herbst 1998 eröffnet wurde. Im Jahr 1995 verschob die Library of Congress eine lange geplante Ausstellung über Freud.76 . enthielt der zugehörige Katalog Beiträge von mehreren führenden Freud-Kritikern. sie verherrliche den Begründer der Psychoanalyse zu sehr. ein Historiker an der Stanford-Universität. »Sie . das Partei für ihn ergreift. »Freuds jüngste Kritiker werden ihm keinen bleibenden Schaden zufügen«. das Freud angreift.9 Die Kräfte des freien Marktes haben der Psychoanalyse schweren Schaden zugefügt. Angesichts all dieser Trends ist es nur recht und billig. Nur wenige Menschen haben die Zeit und das Geld für eine Behandlung. als Autoren von Büchern wie Freudian Fraud. die spezifische Probleme angehen und nicht tief in der Vergangenheit eines Patienten graben.

daß nur Lenin.« 13 Selbst Wissenschaftler. ist in den letzten zehn Jahren mit etwa dreitausend erstaunlich konstant geblieben. Wie das Denken im Kopf entsteht von dem Kognitionswissenschaftler Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology und Searching for Memory des in Harvard lehrenden Psychologen Daniel Schacter sind gespickt mit Verweisen auf Schriften Freuds. Shakespeare.mittlerweile zum Gemeingut der wissenschaftlichen Psychologie. die erklären. Doch die drei Autoren beteuerten: »Dies bedeutet nicht.77 . 12 Die Freudophilie hat auch jene Wissenschaftler angesteckt. daß ›Freud tot ist‹. der ihm eines Tages den ihm gebührenden Platz in der Geistesgeschichte als Denker ersten Ranges zuweisen wird. 15 Die International Psychoanalytic Association hat mehr als neuntau. Tatsächlich gehören viele von Freuds Grundideen . Eine Auswertung des Schrifttums auf diesen Gebieten ergab.und Sozialwissenschaften besonders stark. Platon und die Bibel häufiger zitiert werden als Freud. der größten psychoanalytischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten. benutzen ihn als einen Bezugspunkt für die Beurteilung und Erklärung neuerer Ideen. die es eigentlich besser wissen sollten.haben allenfalls den unvermeidlichen Prozeß hinausgezögert.« 11 Freuds Einfluß ist in den Geistes. sondern nur. 14 Die Zahl der Mitglieder in der American Psychoanalytic Association. Zwar ist die Zahl der Zitate aus psychoanalytischen Werken laut der schon erwähnten Erhebung aus dem Jahr 1998 in den wichtigsten psychologischen Fachzeitschriften im Verlauf der letzten Jahrzehnte rückläufig. Bücher wie Im Netz der Gefühle von Joseph LeDoux.etwa daß unbewußte Prozesse unser Verhalten beeinflussen und daß sich frühkindliche Erfahrungen auf die Entwicklung von Erwachsenen auswirken . Freud skeptisch oder gleichgültig gegenüberzustehen. und die Zahl der Kandidaten an den Ausbildungsinstituten nimmt zu. daß sich seine Präsenz indirekter bemerkbar macht.

weil es der Wissenschaft bislang nicht gelungen ist. daß man an Freud und seinen Nachfolgern keine berechtigte Kritik üben könne. in . den Status einer gesetzlich anerkannten psychiatrischen Behandlungsmethode einräumte. Neurosen seien »ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen«. 18 Während des Ersten Weltkriegs. Europa und in anderen Ländern.send Mitglieder. Schafe und der Ödipuskomplex Das soll nicht heißen.« 17 (Webster prophezeite. Einer der frühesten und noch immer triftigsten Einwände gegen die Psychoanalyse lautet. von der Freudschen Psychologie befreien werde. die Stalin im Jahr 1930 zusammen mit sämtlichen Schriften Freuds verboten hatte. Ziegen. das der Psychoanalyse. 16 Die eigentliche Frage lautet daher: Weshalb ist Freud nicht tot? Richard Webster. sie besitze eine nahezu grenzenlose Elastizität. mutete mitunter geradezu komisch an.78 . sie könne praktisch jede Beobachtung erklären. die ich im sechsten Kapitel behandeln werde. Denn in der wissenschaftlichen Realität können schlechte Theorien nur von guten Theorien verdrängt werden. Freuds Fähigkeit. empirische Befunde. ein führender Freud-Kritiker. So behauptete er immer wieder.) Die Psychoanalyse besteht fort. eine eindeutig überlegene Theorie und Therapie der menschlichen Psyche aufzustellen. Im Jahr 1996 unterzeichnete der damalige russische Präsident Boris Jelzin ein Dekret. und nach ihren Angaben steigt die Zahl ihrer Mitglieder in Südamerika. die auf die Kindheit zurückgingen. wegzuinterpretieren. gab in seinem 1995 erschienenen Buch Why Freud Was Wrong eine Antwort: »Keine noch so überzeugende ablehnende Kritik der Psychoanalyse wird die von Freud aufgestellten Theorien jemals bündig widerlegen können. die seinen Theorien widersprachen. daß uns die darwinistische Psychologie.

gelinde gesagt. drohe. könne der Heilungsprozeß beginnen. nämlich ihrer eigenen Person. ausgehend von seiner Deutung der Träume eines jugendlichen Patienten. Ein zentrales Dogma der Psychoanalyse lautet.79 . widerlegten Freuds These. fragwürdig. Soldaten. die ihrem ursprünglichen Liebesobjekt.dessen Verlauf Tausende von Soldaten an einer sogenannten »Kriegsneurose« oder »Granatenneurose« erkrankten. sie würden im Krieg durch die Gefahr. sämtliche Neurosen hätten eine sexuelle Ursache. »klinische Beweise« zu sammeln. je traumatischer und bedeutsamer ein Erlebnis war. die 1924 veröffentlicht wurde. Freud zufolge ist die Wahrscheinlichkeit. daß die Psyche Erinnerungen an traumatische Kindheitsereignisse verdränge. um so höher.« 20 Nehmen wir an. ist diese Leugnung ein noch stärkerer Beweis dafür. wurde diese dogmatische Sichtweise ernsthaft in Frage gestellt. daß er ödipale Triebregungen verdrängt. 19 Er beteuerte. der Junge zeige ein klassisches Ödipussyndrom. die eindeutig durch traumatische Kampfeinsätze ausgelöst wurden. Erst wenn sich der Patient diesen Erinnerungen stelle. seelisch zerrüttet. seien Narzißten. Freud und seine Anhänger benutz. egal ob diese real oder imaginär seien. er wolle den Vater töten und mit seiner Mutter schlafen. Wenn der Junge die Deutung annimmt . daß sich der Patient der Deutung des Psychoanalytikers widersetzt. Wortassoziationen und andere »Daten«. ein Psychoanalytiker behaupte. diese Ereignisse durch seine Interpretation der Träume des Patienten. »Die vom Arzt erforderte Anstrengung war verschieden groß für verschiedene Fälle. die an einer Kriegsneurose litten. Freud entkräftete dieses seines Erachtens »leichtfertige und voreilige« Argument in seiner Selbstdarstellung. Kritiker behaupteten. sie wuchs im geraden Verhältnis zur Schwere des zu Erinnernden.schön! Wenn er sie verwirft. aufzudecken. diese psychischen Störungen. Die Aufgabe des Psychoanalytikers bestehe darin. die aus dessen Unbewußtem aufstiegen. waren ebenfalls. Freuds Methoden.

die ihren Kindern keine emotionale Zuwendung geben. er lebt in der Charaktereigenschaft der Eifersucht mit leichter Verschiebung fort. Freud verkündete. der Bedenken gegen die Psychoanalyse anmeldete. die die Mütter dämonisierten. einer neueren Kritik an der freudianischen Psychiatrie. für Autismus und Schizophrenie verantwortlich. schrieb der Journalist Edward Dolnick in Madness on the Couch. daß ein Mädchen. Um zu verstehen.eine »Immunisierungsstrategie« . hätten den Penisneid nicht überwunden und folglich nicht ihre wahre weibliche Natur erreicht.. »weiß. »Frauen sind bei den Freudiänern niemals gut weggekommen«. sondern von seiner Tochter Anna.als Verteidigungsmechanismus gegen jeden. Nachfolger Freuds. 25 . wenn es zum ersten Mal den Penis eines Jungen sieht. daß auch allzu liebevolle Mütter ihren Kindern schaden könnten. und will es haben [.. sexuelle Lust bereitet. haben Theorien über die Entstehung von Geisteskrankheiten verbreitet. wenn auch nicht Freud selbst. gleich ob durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr. daß sie es [das männliche Genitale] nicht hat. muß man nur seine Schrift »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«22 lesen. Zugleich wiesen die Psychoanalytiker jedoch warnend darauf hin.«23 Frauen. 21 Kritiker der Psychoanalyse zeigten offenkundig Symptome von Verdrängung und Verleugnung. denen die Stimulation der Klitoris.) Freud behauptete. Noch in den siebziger Jahren machten viele psychoanalytisch ausgerichtete Psychiater »gefühlskalte« Mütter.] Auch wenn der Penisneid auf sein eigentliches Objekt verzichtet hat. (Ironischerweise wurde dieser Vortrag nicht von dem kränkelnden Freud gehalten. hört er nicht auf zu existieren. weshalb Freud so viele Feministinnen in Wut versetzt hat.80 .ten dieselbe Strategie . »daß die Entfaltung der Weiblichkeit die Wegschaffung der Klitorissexualität zur Bedingung habe«24.

« Zur Untermauerung ihrer These führte Vaughan mehrere Experimente an. so Vaughan weiter. ist sonderlich überzeugend. daß es nicht allen Ideen Freuds gut ergangen sei. Weder die MRI-Studie an Zwangsneurotikern noch Kandels Forschungen an Schnecken sagen das geringste über die Psychoanalyse aus. Die Neurowissenschaft habe »zuverlässige naturwissenschaftliche Beweise« dafür geliefert.26 Vaughan hat vom National Institute of Mental Health den Auftrag erhalten. Diese Umschaltung führt dazu. Freud aus wissenschaftlichen Gründen zu verteidigen. Insbesondere seine Vorstellungen über die weibliche Sexualität seien »kulturabhängig und veraltet«. sie behandelt Patienten in einer Gegend von Manhattan. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist das 1997 erschienene Buch The Talking Cure. Aus diesen und an. In The Talking Cure räumte sie ein. zu erforschen. integriert.81 . erlebt und deutet. daß sowohl frühkindliche Erfahrungen als auch die Psychoanalyse »die Verschaltung der Neuronen im Gehirn ändert.27 Dennoch sei Freud »ein Genie« gewesen. Vaughans Argumentation stützt sich auf einen ziemlich augenfälligen Fehlschluß. Susan Vaughan. wie sich Psychotherapie auf das Gehirn auswirkt. ist Psychiaterin am New York State Psychiatrie Center und praktizierende Psychoanalytikerin. daß sie »Psycho-Block« genannt wird. Einen noch stärkeren Eindruck auf Vaughan machte der von Eric Kandel erbrachte Nachweis. dessen Entdeckungen »heute aufgrund unserer Erkenntnisse über das Gehirn an Plausibilität gewonnen haben«. daß die kognitive Verhaltenstherapie und Fluctin ähnliche Änderungen im Gehirn von Zwangsneurotikern herbeiführten.Keiner der Versuche. Bei einem dieser Experimente hätten Aufnahmen mit einem Kernspinresonanztomographen gezeigt. daß man Informationen und Emotionen auf andere Weise verarbeitet. in der so viele Psychoanalytiker tätig sind. Seine Autorin. daß Lernvorgänge chemische Veränderungen in den Neuronen von Meeresschnecken erzeugen.

Das gilt für jegliche Erfahrung! Es handelt sich um eine Binsenwahrheit. Seine Studien an Meeresschnecken seien zwar anregend. fuhr er fort. ihre Überzeugung zu rechtfertigen. daß Kindheitserlebnisse und die Psychoanalyse die »Verschärfung der Neuronen im Gehirn« ändern können. Vaughan unterstelle einfach. Eines Tages werde die Neurowissenschaft vielleicht zeigen. Man muß es nachweisen. Selbstverständlich verursachen Kindheitserlebnisse und eine Psychoanalyse Änderungen im Gehirn. die empirisch weder ein für allemal bestätigt noch widerlegt werden können. daß die Psychoanalyse therapeutisch wirksam sei. daß dies geschieht. die in kindlichen Erfahrungen wurzeln. doch dieser Zusammenhang sei bislang noch keineswegs bewiesen. und sie benutze seine Arbeiten dann dazu. . die Vaughan anführte. daß während des Schlafs verstörende Wünsche und Ängste. aber wohl kaum eine zündende Untermauerung der Psychoanalyse. Doch die Studien. Aber was heißt das schon? Man könnte »Kindheitserlebnisse« und »Psychoanalyse« durch »Besuch eines chinesischen Kochkurses« oder »das Betrachten des Europacup-Endspiels« ersetzen. Theorien auszuhecken.deren Experimenten folgt zwar in der Tat. Freud selbst sagte in seinem Vorwort zur dritten (englischen) Auflage des Buches das gleiche: »Derartige Einsichten sind einem nur einmal im Leben vergönnt. auf welche Weise eine Psychoanalyse heilsame Wirkungen im Gehirn erzeuge. Viele Bewunderer Freuds halten die Traumdeutung für seine größte literarische und wissenschaftliche Leistung. Sogar Eric Kandel fand Vaughans Buch nicht überzeugend. die niemand bestreitet. weisen eindeutig nicht die Gültigkeit der Psychoanalyse als Theorie oder ihre Wirksamkeit als Psychotherapie nach.« Nachgewiesen haben Wissenschaftler allerdings. daß Freud ein geradezu unheimliches Geschick besaß.«28 Freud stellte die Hypothese auf. »Man darf nicht unterstellen. und die Aussage bliebe genauso gültig. beanstandete Kandel während meines Interviews mit ihm.82 .

wenn auch verschleiert durch das immer wachsame Ich. ein Psychologe an der Universität von Michigan. Mit dem Hinweis darauf. »Freud hat sich geirrt«. die dem Gehirn dabei helfen. Howard Shevrin. nicht wissenschaftlicher Genauigkeit«. der Bericht in Science habe bestätigt. herauszufinden. daß die Präfrontallappen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit Sitz der Freudschen Ich-Instanz seien. sie hätten mit der PET Aufnahmen vom Gehirn schlafender Versuchspersonen gemacht. Dieser Befund »rückt die Neurowissenschaft näher an die Freudschen Theorien heran«. . meinte ein Psychoanalytiker beifällig. behaupteten die Forscher. daß die Präfrontallappen des Gehirns. meinte.29 Sechs Tage später veröffentlichte die Times Briefe von Kritikern der Kritiker. »ist Ausdruck ihrer Voreingenommenheit. Durch Entschlüsselung dieser Bilder könne der Psychoanalytiker einen direkteren Zugang zum Unbewußten erlangen. Mehrere Forscher behaupten.aus dem Unbewußten aufsteigen. Vielmehr seien Träume vermutlich nur das Resultat von Signalen. daß in Träumen die Emotionen und Langzeiterinnerungen der Träumenden eine wichtige Rolle spielten. ihre Studie widerlege die Freudsche Hypothese. die durch das Ich gefiltert und in rätselhafte Symbole umgewandelt würden. der Sitz der höchsten kognitiven Funktionen. Im Jahr 1998 berichteten Wissenschaftler der National Institutes of Health und des Walter Reed Army Institute of Research in Science. Die New York Times brachte einen Artikel über diese Experimente unter der Schlagzeile »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?« (»Irrte sich Freud? Sind Träume der Anlauftest des Gehirns?«). inaktiv sind. wann es genügend Schlaf hat. Die Behauptung der Forscher. daß Träume primitive libidinöse Regungen abbildeten. während der sogenannten REM-Phase des Schlafs. die durch schnelle Augenbewegungen und lebhaftes Träumen gekennzeichnet ist.83 . Freuds Traumtheorie widerlegt zu haben. Die Aufnahmen zeigten.

wie Freud meinte.30 Kulturvergleichende Studien deuteten darauf hin. Freuds Leistungen wissenschaftlich zu würdigen. das Spiel. mit der ein 1998 in Nature erschienener Artikel überschrieben war? 31 In dem Aufsatz beschrieb eine Gruppe britischer und südafrikanischer Wissenschaftler Experimente. Was soll man dann von einer Aussage halten wie »Mütter legen die sexuellen Präferenzen fest«. vielmehr sei sie unseren Vorfahren von der natürlichen Selektion eingeflößt worden. Sobald die männlichen Tiere geschlechtsreif waren. die in einem Zeitraum von mehr als sechzig Jahren veröffentlicht wurden. die eher ihren Pflegemüttern als ihren biologischen Müttern glichen. Denn aus Inzest gehen oftmals Nachkommen mit defekten Erbanlagen hervor. bei denen neugeborene Ziegen von weiblichen Schafen aufgezogen wurden. ja im allgemeinen kein weibliches Mitglied ihrer Familie sexuell begehren und auch keine andere weibliche Person.Empirische Studien über den Ödipuskomplex erbrachten ebenfalls keine schlüssigen Ergebnisse. daß die jungen Männchen . Anders gesagt. Die Studie »stützt indirekt Freuds Konzept des Ödipuskomplexes«. die Ziegenmännchen wollten sich mit Schafweibchen paaren und die Schafmännchen mit Ziegenweibchen. lautete das Fazit der Autoren. Die Forscher fanden heraus. daß Jungen keineswegs mit ihren Müttern kopulieren wollen.und mit ihnen zu kopulieren -. Sie .und Putzverhalten ihrer »Pflegemütter« zu imitieren. ist das 1996 erschienene Buch Freud Scientifically Reappraised.84 . Einer der ehrgeizigsten Versuche. zogen sie darüber hinaus die Gesellschaft von Weibchen vor . Nach Ansicht von Evolutionsbiologen ist diese Abneigung kein Ausdruck von Verdrängung.nicht aber die Weibchen .dazu neigen. mit der sie in enger räumlicher Nähe aufwachsen. Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher von der Staatsuniversität von New York in Syracuse bewerteten Freuds Werk auf der Basis ihrer Auswertung von über 1800 Studien.

daß es schwierig sei. »In psychotherapeutischen Situationen sind Menschen sehr leicht beeinflußbar. die man als Ganzes annehmen oder ablehnen müsse. Zudem »versuchen Menschen einige ihrer unerwünschten Gefühle abzuspalten« . Dies zeigte sich.etwa homosexuelle Impulse. die nicht unbedingt voneinander abhängig waren. nur selten völlig verdrängt. die unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen und sich auf die Reaktionen und das Verhalten von Menschen auswirken«. anders als Freud behauptet habe. Anale Charakterzüge wie Eigensinn. Dies war das explizite Fazit von Freud Scientifically Reappraised.hätten gezeigt. Fisher und er hätten Beweise sowohl für als auch gegen den Mechanismus der Verdrängung gefunden.insbesondere von Elizabeth Loftus von der Universität von Washington . sagte Greenberg. daß es für Therapeuten äußerst leicht sei. tatsächlich existieren. daß »es Dinge gibt. daß die Freudsche Psychologie oft als eine monolithische Einheit betrachtet werde. erklärte er. die darauf hindeuten. Geiz und Ordnungsliebe »scheinen in denselben Personen zusam. daß diese Persönlichkeitstypen und die Merkmale. Forschungen über das implizite Gedächtnis und verwandte Phänomene hätten bewiesen. Tatsächlich stellte Freud zahlreiche Hypothesen auf. irgendeine Freudsche Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen.) So sagte mir Greenberg.wiesen darauf hin. als ich 1998 mit Greenberg sprach. die er [Freud] mit ihnen in Verbindung brachte. andere nicht. Das implizite Fazit lautete. Forschungen zahlreicher Psychologen .85 .32 (Fisher war Ende 1996 gestorben. Dagegen würden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. wenn man die Forschungsergebnisse betrachtet«. »Es gibt einige recht passable Studien. falsche Erinnerungen in Patienten einzupflanzen. einige haben einer genaueren Prüfung standgehalten.« Ein empirisch gut abgesicherter Aspekt von Freuds Werk sei die Einteilung von Menschen in anale und orale Persönlichkeitstypen.

waren mit Freudianischen Konzepten vertraut und ahnten vielleicht. und sie scheinen mit analen Ängsten in Zusammenhang zu stehen«. Die Schwächen wurden auf beispielhafte Weise durch eine Studie verdeutlicht. und die anderen stellten meist keine Korrelation zwischen der Strenge der Reinlichkeitserziehung und analen Charakterzügen fest. Fisher berichtete. In einer Szene sieht Blacky einen anderen Hund.86 . mehr negative Einstellungen zu Schmutz [und] eine .33 Die meisten Studien machten keine Angaben über die Reinlichkeitserziehung der Probanden. indem sie sie einer übermäßig frühen oder strengen Reinlichkeitserziehung unterwürfen. vor allem Psychologiestudenten. daß Eltern diese Merkmale bei ihren Kindern förderten. die auch von Greenberg und Fisher angeführt werden. in einer anderen kotet Blacky zwischen den Hundehütten seiner Eltern. mit dem er herausfinden wollte. Doch wie aussagekräftig sind Studien. Viele der Probanden. der in Situationen gezeigt wird. welche Teile ihres Körpers den Studenten bewußtseinsmäßig am präsentesten sind. darunter einige. daß Studenten mit einem hohen »Rükken-Bewußtsein« (das vermutlich den Hintern einschloß) »eine stärkere Empfindlichkeit für Reize mit analen Konnotationen. dessen Schwanz abgehackt wird. welche Antworten von ihnen erwartet wurden. die die Reinlichkeitserziehung mit analen Charakterzügen bei Erwachsenen in Verbindung bringen? In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud unterzog der Psychiater E.men vorzukommen. Füller Torrey Studien zu Freuds Analitäts-Hypothese. einer kritischen Prüfung. die psychoanalytisch sehr bedeutungsgeladen sind. Fisher gab Studenten mehrere Fragebogen einschließlich einem »Body Focus Questionnaire«. dieser besteht aus Bildern eines Hundes namens Blacky. die Seymour Fisher 1970 selbst durchführte. Freud hatte behauptet. Die Studenten unterzogen sich auch dem sogenannten Blacky-Persönlichkeitstest.

ihn unter die Erde zu bringen.34 Crews' Polemik erregte um so größeres Aufsehen. Seine Ansichten stießen jedoch erst in den Jahren 1993 und 1994. einem Psychoanalytiker namens Horace Frink. E. Crews.87 . latente Homosexualität diagnostiziert habe. und daß CollegeStudenten mit diesen Merkmalen ein höheres ›Rücken-Bewußtsein‹ besaßen. Freud riet Frink. daß die Psychoanalyse keinerlei wissenschaftlichen oder therapeutischen Wert besitze. die als eine Bastion psychoanalytischen Gedankenguts galt. (Freud-Karikaturen schmücken noch immer die Bestellkarten der Zeitschrift.stärkere Selbstbeherrschung« zeigten. indem er sich von seiner .) Crews begnügte sich nicht damit. Hieraus folgt. äußerte schon in den frühen siebziger Jahren erstmals seine Skepsis gegenüber der Psychoanalyse. die mit dem ›analen Charakter‹ konsistent sind.« »Crews Missiles« Wenn Freud noch nicht tot ist. auf allgemeines öffentliches Interesse. das abgedroschene Argument zu wiederholen. vermutlich weil sie sich der Freudschen Theorie bewußt waren. gegen diese Regungen anzukämpfen. Professor für Englisch an der Universität von Kalifornien in Berkeley. als sie in der New York Review of Books erschien.35 Crews enthüllte. Freud habe sich der »Unaufrichtigkeit und Feigheit« und schlimmerer Dinge schuldig gemacht. Er behauptete. als er Freud in zwei Aufsätzen scharf angriff (»The Unknown Freud« und »The Revenge of the Repressed«). Füller Torrey meinte dazu trocken: »Es wurden keine Daten über die Reinlichkeitserziehung erhoben. daß Freud in den zwanziger Jahren bei einem seiner amerikanischen Anhänger. so gewiß nicht wegen der unzureichenden Bemühungen Frederick Crews'. daß Fisher lediglich einen Cluster von Persönlichkeitsmerkmalen nachgewiesen hat.

bemerkte Crews.88 . die von Kritikern auch »Therapie zur Aufdeckung falscher Erinnerungen« genannt werde. daß er das Leben dieser vier Menschen zerstört hatte«. sich gleichsam kathartisch von ihren Schwierigkeiten zu befreien. indem sie diese verdrängten Mißbrauchserlebnisse der Vergessenheit entreißen. Frink und Bijur folgten Freuds Weisungen. Die Therapeuten helfen den Patienten. Gleichzeitig habe Freud Bijur gedrängt. sie ließen sich von ihren Ehegatten scheiden und heirateten. Einige dieser Fälle führten zur Anklage und zur Verurteilung der mutmaß. beschuldigten Tausende von Patienten. obgleich diese Kinder Erinnerungen an den Mißbrauch verdrängten.37 Therapeuten. Freuds eigentliches Motiv. behaupten.Frau scheiden lasse und eine wohlhabende Erbin namens Angelika Bijur heirate. mit der Frink eine Affäre hatte. sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen und Frink zu heiraten. daß es nicht zu ihm gepaßt hätte. »Wir besitzen keine Dokumente darüber. bestand darin. ihre Eltern und andere Erwachsene sie mißbraucht zu haben. was katastrophale Folgen nach sich zog. die nach dieser Methode arbeiten. Die geschiedenen Ehegatten starben. Freud sei der geistige Urvater der »erinnerungsaufdeckenden Therapie«. sehr viele Kinder würden von Eltern und anderen Erwachsenen körperlich und sexuell mißbraucht. überwiegend Frauen. der in eine psychotische Depression verfiel. Anschließend ließ sich Bijur von Frink scheiden. litten sie als Erwachsene oft unter psychischen Störungen. kurz nachdem sie verlassen worden waren.«36 Crews' schwerwiegendster Vorwurf lautete. »aber wir wissen. ob Freud jemals sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte. Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Patienten in den Vereinigten Staaten irgendeiner Form dieser Therapie unterzogen. das er in seinen Briefen offenlegte. Als die »erinnerungsaufdeckende Therapie« in den achtziger Jahren einen regelrechten Boom erlebte. Bijur Spenden zu entlocken. dies zu tun.

Wenn Freud ausdrücklich sexuellen Mißbrauch als Hauptursache psychischer Störungen verwarf. daß ihre Therapeuten die Mißbrauchserinnerungen in sie eingepflanzt hätten. in ihrer Kindheit mißbraucht worden zu sein.89 . ihre psychische Störung sei auf die Verdrängung dieser unsittlichen ödipalen Phantasien zurückzuführen. Sowohl Freuds ursprüng. seine Patientinnen hätten sich lediglich eingebildet. Psychologen. Orgien. Einige verklagten ihre Therapeuten erfolgreich auf Schadensersatz wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht. ihre Hysterie war angeblich auf die Verdrängung dieser traumatischen Erinnerungen zurückzuführen. in ihrer Kindheit von ihren Vätern oder anderen Erwachsenen sexuell mißbraucht worden seien. Im Jahr 1896 postulierte Freud für kurze Zeit die sogenannte Verführungstheorie. wonach Frauen. die die aufgedeckten Erinnerungen bestätigt hätten. Freud die Schuld an diesem verstörenden modernen Phänomen zu geben. so Crews. Die ganze Bewegung fiel schließlich in sich zusammen. Viele Patienten widerriefen ihre Beschuldigungen und beklagten. Freud nahm diese Hypothese jedoch bald darauf wieder zurück und behauptete nunmehr. daß es auf den ersten Blick unfair erscheinen mag. wie konnte Crews ihm dann die Urheberschaft an der zeitgenössischen erinnerungsauf deckenden Therapie anlasten? Die Antwort lautet.lichen Mißbrauchstäter. als Patienten immer aberwitzigere und unglaublichere Beschuldigungen erhoben (die sich um satanische Rituale. Crews räumte ein. die an Hysterie litten. daß Erinnerungen jahrzehntelang verdrängt und dann in unverfälschter Form wieder ausgegraben werden könnten. die sich auf die Erforschung des Gedächtnisses spezialisiert hatten. daß keineswegs gesichert sei. So wurde die Psychoanalyse geboren. Menschenopfer und sogar Außerirdische drehten). selbst wenn es keine Beweise gab. daß sich die erinnerungsaufdeckende Therapie auf mehrere Freudsche Konzepte stütze. bezeugten.

90 . Wenn Tom Paine zu einer Predigt in der Kathedrale von Canterbury eingeladen worden wäre oder wenn der Papst Voltaire aufgefor- .«38 An anderer Stelle schrieb Freud. daß Frederick Crews' Kritik an Freud dort so groß herausgebracht wurde.. Bei der Erörterung der Erinnerungen seiner Patientinnen an sexuelle Erlebnisse erklärte Freud 1896: »Die Kranken wissen vor Anwendung der Analyse nichts von diesen Szenen [. die der Psychoanalyse sehr wohlwollend gegenüberstand. in manchen Fällen. Ein Beobachter bemerkte: Die New York Review of Books galt vielen als das offizielle Organ einer bestimmten Gruppe der liberalen Intelligenzija Amerikas.] sie können nur durch den stärksten Zwang der Behandlung bewogen werden. Crews folgerte daraus: »Weil Freud sowohl vor als auch nach der Ausarbeitung der psychoanalytischen Theorie seine Patienten dazu anstachelte. sich an nichtreale sexuelle Ereignisse zu erinnern. Was wirklich weh tat.. Crews untermauerte seine Behauptung mit einer erdrükkenden Fülle von Zitaten aus Werken von Freud. war die Tatsache. sich in deren Reproduktion einzulassen.«40 Crews Doppelattacke auf Freud in der New York Review of Books provozierte mehr Leserbriefe als jeder frühere Artikel in der Geschichte der Zeitschrift. »es handelt sich ja wesentlich darum. daß ich das Geheimnis errate und es dem Kranken ins Gesicht zu sage«39. Doch Crews zufolge hat keiner von Freuds Patienten Freud von sich aus derartige Erinnerungen erzählt. Einschüchterung durch Freud getan. ist er der eigentliche historische Taufpate des ›Syndroms der falschen Erinnerungen‹. Vielmehr hätten sie dies erst nach entsprechender Suggestion und.liche Verführungstheorie als auch seine Theorie des Ödipuskomplexes fußten auf derselben Annahme: Viele Patienten verdrängten Erinnerungen an entweder phantasierte oder reale sexuelle Ereignisse in der Kindheit.

Crews parierte sie mit einer hieb.42 Er war groß und schlank. Wer ein Auto fahre. wo er tags darauf an einem öffentlichen Symposion über Freud teilnehmen sollte. und aus diesem Grund bin ich nach wie vor der Ansicht. ja sogar schüchternen Art verbarg sich eine erbitterte Entschlossenheit und Selbstsicherheit. Wenn sie nicht so einflußreich wäre. ergebe eine genauere Prüfung der Zitate in Wissenschaftsmagazinen und anderen Publikationen. ich bin mir dessen wohl bewußt. tue dies mehr oder minder ohne bewußtes Nachdenken.91 . Ich begegnete Crews erstmals in der Lobby eines Hotels nahe dem Campus der Yale-Universität. daß die Psychoanalyse einen »steilen Abwärtstrend« erlebe. indem sie die Existenz eines unbewußten beziehungsweise impliziten Gedächtnisses bewiesen hätten.« Dennoch. Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft hätten Freud bestätigt. räumte Crews ein. Doch hinter seiner oberflächlich zurückhaltenden. daß sie Kritik verdient.und stichfest durchdachten Antwort. den die Psychoanalyse noch immer auf die Wissenschaft und die übrige Kultur ausübe. Egal welche Einwände ich vorbrachte. das Drahtgestell seiner Brille verlieh ihm ein asketisches Aussehen. Als ich bemängelte. Crews widersprach aufs entschiedenste der Vorstellung. erwiderte er: »Ganz im Gegenteil. Als wir beim Abendessen im Hotelrestaurant miteinander plauderten. sprach er meist mit ruhiger. schwarze Schuhe. schwarze Hose. könnte ich schlicht den Mund halten. hätte das Gefühl der Entweihung unter den Gläubigen kaum größer sein kön41 nen. eine Messe im Vatikan zu zelebrieren. Crews unterschätze die Stärke des Einflusses.dert hätte. so Crews. Er war gekleidet wie ein Henker: schwarzer Regenmantel über einem schwarzen kragenlosen Hemd. »Im selben Sinne läuft unser psychisches Leben größtenteils unterhalb der Oberfläche des . monotoner Stimme.

die sich auf die wenigsten Annahmen stützen. oft unabsichtlich Fehler in ihre Kopien einfügten.Bewußtseins ab.43 »Wenn ein Wort im Original etwas ungewöhnlich ist«. sagte Crews. »Freud hat dies nie getan«. die Abschriften von antiken Texten anfertigten.« Timpanaro behauptete. Eine sehr viel plausiblere Erklärung für solche Fehlleistungen sei von dem italienischen Geisteswissenschaftler Sebastiano Timpanaro vorgeschlagen worden. erläuterte Crews. Timpanaro nannte diesen Prozeß »Banalisierung«. vertrauter gemacht und näher an die Welt des Übersetzers herangeführt.92 . Doch dies ist keinesfalls ein Beweis für die Existenz eines dynamischen Unbewußten im Freudschen Sinne. daß keine wissenschaftliche Theorie den Anforderungen gerecht werden könne.« Die Beweislage für das freudianische Unbewußte sei bestenfalls dürftig. in dem er sich um die naheliegendste Erklärung bemüht hätte. in dem es angeblich von verdrängten Begierden und Ängsten und traumatischen Erinnerungen wimmelt. Indem Freud diese naheliegende Alternative außer acht gelassen habe. daß Schreiber. indem sie exotische Wörter durch geläufige ersetzten. Freuds eigene Beispiele sprachlicher Fehlleistungen ließen sich ohne weiteres mit der Banalisierung erklären. bis man einen stark verfälschten Text erhält. »In all seinen Schriften gibt es keinen Fall. »Meine Einwände gegen die Psy. ließ Crews kalt. Im Fall der Freudschen Fehlleistung beispielsweise »hat Freud schlichtweg unterstellt. Eine Banalisierung kann zur nächsten führen. die besten seien. »wird es durch den Fehler banalisiert. der eine Autorität auf dem Gebiet der Verfälschung antiker Texte sei. habe er gegen »Ockhams Rasiermesserprinzip« verstoßen. die er an die Psychoanalyse stelle. wonach die einfachsten Erklärungen.« Das Argument. so Crews. daß sie den Tiefen des Unbewußten entspringe und entweder aggressiver oder sexueller Natur sei«. so Crews. Timpanaro habe durch akribische Forschungen nachgewiesen.

die im Verlauf der Geschichte wohl viel mehr Schaden angerichtet habe. werden wir immer wieder das gleiche erleben. könne sie immer wieder aufleben. »Jede Gesellschaft lebt von Mythen.choanalyse sind trivial«. »reinsten Schamanismus« und »völlige Scharlatanerie« nannte. Dennoch. nach eigenem Bekunden ein Atheist.« So richtig in Fahrt kam Crews. als wir auf die »erinnerungsauf deckende Therapie« zu sprechen kamen. »Ich hoffe es zumindest. und wenn sie gar keine Mythen mehr hat. Wenn sie die Hypothese der Ich-Instanz rechtfertigen will. die er »einen Kunstfehler kriminellen Stils«. ein Vorteil. seinen Zorn gegen die Psychoanalyse und nicht die Religion richte. fürchtete Crews. »Wenn wir die Grundannahmen nicht in Frage stellen. tut sie dies. ohne anderen Völkern größeren Schaden zuzufügen. sagte er. weshalb er. Offenkundig ist alles.« Ich fragte Crews. Es gibt keine allgemein anerkannte Wissenschaft auf der Welt. »würde ich nicht behaupten. zu »fanatischen Kreuzzügen und Pogromen« geführt habe.« Er sagte leise. wie etwa die Innenstädte.« Am nächsten Tag fand ich mich mit mehreren hundert anderen in einem großen holzgetäfelten Hörsaal der Yale-Uni. die diese Eigenschaften dringend benötigten. die so verfährt. wie zu sich selbst: »Ich persönlich habe keine Mythen mehr. was den inneren Zusammenhalt einer menschlichen Gesellschaft fördert.« Er hielt inne. Die Psychoanalyse »rechtfertigt ihre Hypothesen unter Rückgriff auf ihre eigenen Deutungen. so fügte er hinzu.« Die Religion könne den sozialen Zusammenhalt und die sittliche Gesinnung in Gemeinschaften heben. daß religiöser Glaube oft zu Intoleranz. daß Religion immer und überall ein negativer Einfluß war. indem sie die Äußerungen eines Patienten im Licht der Ich-Theorie interpretiert.93 . Wenn er und andere diese therapeutische Bewegung nicht kritisieren und nicht ihren Freudschen Ursprung aufdecken würden. ist sie in großen Schwierigkeiten. Er räumte ein.

bekundeten ihr Unbehagen an Crews' Ansatz. daß es ihm als Psychiater egal sei. der von unabhängigen Forschern der letzten Generation ausgegraben wurde. die ›Wahrheit der Psychoanalyse‹ werde durch das bloße Genie ihres Entdeckers beglaubigt?« Als Crews weitere zwanzig Minuten in dieser Weise fortfuhr. aufgeblasenen. indem er den Titel der Konferenz aufgriff: »Wessen Freud? Der Platz der Psychoanalyse in der zeitgenössischen Kultur«44. einen mimischen Kommentar. daß die Psychoanalyse Patienten half. oder ziehen Sie den Freud der selbstgeschaffenen Legende vor. indem er grinste.94 . ob die Wahrheit der Psychoanalyse wissenschaftlich erwiesen sei. bitte! Aber wollen Sie ihn wirklich. erklärte Crews. Nehmen Sie meinen Freud. ein Psychoanalytiker und Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität. Die beiden anderen Redner in Crews' Sitzung. Butler behauptete. Michels wußte aus persönlicher Erfahrung. Unterdessen lieferte ein anderes Mitglied der Diskussionsrunde. dessen Name noch immer die Illusion heraufbeschwören kann. Professorin für Literatur an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Robert Michels. reagierten die Zuhörer mit Zischlauten und einem leisen Pfiff. die Augenbrauen hob. »kann ich eine einfache Antwort geben: Das hängt ganz und gar von Ihnen ab. den fanatischen. aber auch mit einigen Lachern. Psychoanalytikerin und Dozentin an der Universität Cambridge. daß Theorien über die menschliche Erfahrung andere Methoden der wissenschaftlichen Überprüfung erforderten als Theorien über nicht. Als Michels das Wort erteilt wurde. und das genügte ihm. und Juliet Mitchell. die Augen rollte und den Kopf schüttelte. rücksichtslosen. wie er sich mit Freud-Anhängern stritt. um Crews dabei zu beobachten. »Auf die im Titel dieser Konferenz gestellte Frage«. Crews begann seinen Vortrag. erklärte er.versität ein. kurzsichtigen und doch subtil verschlagenen Freud. seine einzige Sorge gelte dem Wohlergehen seiner Patienten. Judith Butler.

Durch seine Wortwahl habe er unabsichtlich die verdrängte ödipale Bindung an Freud enthüllt. die dazu dienen. Sowohl Butler als auch Mitchell schienen dafür zu plädieren. Crews' beharrliche Forderung. Manche Psychoanalytiker behandeln diese Positionen so. dienen auch dazu. daß Verwandtschaft eine kontingente soziale Praxis ist und daß es keine symbolische Position von Mutter und Vater gibt. Crews antwortete Butler seinerseits mit einem verschmitzten Lächeln.einschließlich inzestuöser . der erst wenige Wochen zuvor gestorben war und zu Crews' Lieb. wo Positionen wie Mutter und Vater differentielle Effekte des Inzesttabus sind. als ob sie zeitlose und notwendige Positionen sind. die hinter seiner bewußten Feindseligkeit stehe. würden zu einer »Verarmung« der Wissenschaft führen. die jedes Kind besetzt oder mit dem Erlernen der Sprache erwirbt. die moderne Psychoanalyse solle der Gesellschaft dabei helfen. daß Crews eine Freudsche Fehlleistung unterlaufen sei. psychische Platzhalter.95 . die nicht in ebenjener Idealisierung und Verknöcherung kontingenter kultureller Normen besteht. Eigentlich habe er lediglich Henny Youngman.« Weshalb nicht »Ihren Freud«? Damit wollte sie offenkundig zu verstehen geben. Zumindest verstand ich sie in diesem Sinne .beide sprachen in einem beinahe parodistisch unverständlichen Fach chinesisch. ein breiteres Spektrum möglicher . nichtnormative soziale Interaktionen zu untersagen. Damit wird meines Erachtens die Tatsache übersehen. die Normen der mutmaßlich heterosexuellen Verwandtschaft einzusetzen und zu steuern.« Während der anschließenden Diskussion wandte sich Butler zu Crews und fragte ihn mit einem verschmitzten Lächeln. So sagte Butler einmal: »Die Verbote.Beziehungen zwischen Eltern und Kindern tolerieren zu lernen.psychologische Phänomene. weshalb er in seinen einleitenden Worten gesagt hatte: »Nehmen Sie meinen Freud. wissenschaftliche Theorien müßten durch empirische Befunde bestätigt werden.

In einem überfüllten Seminar diskutierten fünf Therapeutinnen über »individuelle und paarbezogene Behandlung eines Inzestopfers«.45 Eine Sprecherin ging auf die in jüngster Zeit erhobenen Vorwürfe ein. manche Therapeuten würden »falsche Erinnerungen« an schreckliche Mißbrauchserlebnisse im Kindesalter in Patienten »einpflanzen«.« Der Skeptiker Steven Hyman Crews' Sicht von Freud und von der Psychoanalyse ist weitgehend schlüssig. Auch die Tagung im Waldorf-Astoria. insbesondere solche. daß sie die recht abstrusen Erinnerungen mancher Patienten. Ich warte noch immer auf eine überzeugende Widerlegung der meines Erachtens schwerwiegendsten Beschuldigung Crews'. an der ich im Frühjahr 1996 teilnahm und die ich am Anfang dieses Kapitels beschrieb. diejenigen. Die Zuhörer spendeten Beifall. Sie räumte ein.lingskomikern gehört hatte. die ihn dazu veranlaßten. Jedenfalls hat keiner der Freud-Anhänger unter den Diskussionsteilnehmern bei der Yale-Konferenz Crews glaubhaft wiederlegt. die sich um rituelle . seine Hochachtung bezeigen wollen.96 . Bitte. die auf seine Artikel in der New York Review of Books mit Leserbriefen antworteten. Youngmans »Markenzeichenwitz« habe gelautet: »Nehmen Sie meine Frau. daß Freud die »klinischen Beweise«. den Ödipuskomplex und andere Schlüsselelemente der Psychoanalyse zu postulieren. erhärtete die von Crews postulierte Verbindung zwischen Psychoanalyse und erinnerungsaufdeckender Therapie. erfunden habe. welche diese Behauptungen aufstellten. und das gleiche gilt für diejenigen. als die Sprecherin diese Vorwürfe »reaktionär« und »misogyn« nannte. verfolgten offensichtlich »hinter dem dünnen Schleier der Wissenschaft politische Ziele«.

sondern »nichtlinear«. seine eigenen Objektivitätsansprüche. es sei nicht Aufgabe des Therapeuten. da die menschliche Psyche kein »einheitliches Phänomen« sei. »legt er das Entwicklungspotential des Patienten zurück in dessen eigene Hände«. Beweise für seine Theorien zu sammeln – seine »Immunisierungsstrategie« -. an den sich ein Patient erinnere. Ein Sprecher hielt einen Vortrag. Ironischerweise lehnte Freud selbst diese postmoderne Einstellung zur Wahrheit (was immer sie ist) entschieden ab.46 Der Psychoanalytiker »arbeitet in einem komplexen Feld veränderlicher Gegebenheiten«. daß er einen Patienten niemals hundertprozentig verstehen könne. in dem es. »Wir können lediglich wissen. .« Es könne »gefährlich und beschränkend sein«. »daß sie [die wissenschaftliche Bemühung] nichts anderes als subjektive Ergebnisse liefern kann. ob der Mißbrauch. daß sie ihre Patienten niemals richtig verstehen könnten. Das Schaffen eines »emotional sicheren Umfeldes« habe »Vorrang vor allem anderen«. wie die emotionale Wahrheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt aussieht. Eine andere Teilnehmerin der Diskussionsrunde antwortete. beunruhigten.47 Selbstverständlich untergrub Freuds Methode. und folglich sei seine Einstellung gegenüber einem Patienten zu jedem beliebigen Zeitpunkt »immer per se sowohl richtig als auch falsch«. Wie solle man mit diesen Behauptungen umgehen. daß die Psychoanalytiker erkennen müßten. soweit ich verstanden habe. festzustellen. darum ging. In Die Zukunft einer Illusion widersprach Freud der »radikalen« Behauptung. tatsächlich stattgefunden habe. für die es keinerlei physische Beweise gebe. während ihr die wirkliche Natur der Dinge außer uns unzugänglich bleibt«. Wenn der Analytiker sich damit abfinde.97 .Menschenopfer und andere Greuel drehten. ein »kohärentes Gesamtbild« der Geschichte eines Patienten entwerfen zu wollen. fragte die Sprecherin. Das gleiche Desinteresse an der Wahrheit kennzeichnete auch andere Veranstaltungen.

48 Namentlich die Verfechter eines biologischen Erklärungsmodells für psychische Erkrankungen. Er verglich die Psychoanalyse mit einer religiösen Sekte. sie seien bei ihren Psychoanalysen einer Gehirnwäsche unterzogen worden. so Greenberg und Fisher. Genauer gesagt. Vielmehr zieht er hinaus in die Welt wie ein Seelenjäger und bekehrt andere zum Freudianismus. daß er an einem »Tunnelsehen« leidet. Die Grenzen seiner Kritik zeigen sich dort am deutlichsten. die zu den schärfsten Kritikern . Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher äußerten dieses Argument in Freud Scientifically Reappraised. wird selbst zum Freudianer«. daß die Psychoanalyse nicht den von einigen Kritikern aufgestellten Beweisanforderungen genüge. den geringsten Nutzen in ihr zu sehen.98 . Sie geben zu. sagte Crews.Mein Haupteinwand gegen Frederick Crews ist die Tatsache. Zweitens läßt sie die Unzulänglichkeiten sämtlicher Alternativen zur Psychoanalyse außer Betracht. Gerald Edelman und andere prominente Neurowissenschaftler der Psychoanalyse noch immer eine hohe Wertschätzung entgegen? Als ich Crews diese Frage stellte. müsse zugeben. Doch wer immer eine solche »überperfektionistische Sichtweise« vertrete. »Er wird nicht etwa geheilt.« Diese Antwort ist in zweifacher Hinsicht ungenügend. weshalb bringen Eric Kandel. die von den Schriften Freuds ausgeht (auf die ich in Kürze eingehen werde). äußerte er die Vermutung. wo er zu erklären versucht. daß er sich weigert. daß »keine psychologische Theorie hinreichend empirisch überprüft worden ist«. Erstens verkennt sie die außerordentliche Faszination. die sich auf nichts so gut verstehe wie auf ihre Selbsterhaltung. »Wer eine freudianische Therapie abschließt. weshalb die Psychoanalyse trotz ihrer offenkundigen Mängel weiterhin selbst eingefleischte Naturwissenschaftler nachhaltig beeinflußt. Und er stellt die Psychoanalyse auch nicht in ihren umfassenderen wissenschaftlichen Kontext. Er ist so auf die Schwächen der Psychoanalyse fixiert.

« Andererseits kamen Hyman einige »einfache pharmakologische Modelle« psychischer Erkrankungen ebenfalls wie bloße »Geschichten« vor. hätten die Überlegenheit ihres Ansatzes keineswegs nachgewiesen. welche die Kon. Es sind nicht bloß Psychologen wie Greenberg und Fisher . Doch der Schein trügt. »Es wäre verfrüht. daß sie möglicherweise nichts anderes als gute Geschichten waren. er ist kein Freudianer. sagte er. Obgleich ihn einige psychoanalytische Schriften beeindruckten. Doch es hat mich immer gestört. ist weitgehend dieser Ansicht.99 . die nach Erklärungen verlangten. zum Direktor des National Institute of Mental Health ernannt. der als Psychiater und Neurowissenschaftler an der Harvard-Universität lehrte. die sich mit Medikamenten wie Fluctin behandeln lasse. gilt dies auch für all ihre selbsternannten Nachfolger. fand er die psychoanalytischen Erklärungen der Seele letztlich unbefriedigend. Auch einer der herausragendsten Vertreter der modernen biologischen Psychiatrie. Anhänger solcher Modelle beschrieben die Depression oft als eine chemische Störung. die diesen Standpunkt einnehmen. Steven Hyman.49 Mit seinem fein säuberlich gestutzten Bart und seinem mächtigen Unterkiefer ähnelt er etwas dem jungen Freud.oder Journalisten wie ich -. wo er für ein Forschungsbudget von achthundert Millionen Dollar verantwortlich ist. Kurz nach seiner Ernennung traf ich ihn bei der Jahrestagung der American Psychiatrie Association in New York. Sie klangen plausibel. Im Jahr 1996 wurde Hyman. das psychodynamische Schemata verbietet. »Ihre Schriften waren echte Glanzleistungen.« Anders gesagt. wenn die Psychoanalyse eine unvollkommene und unbewiesene Spielart der Wissenschaft vom menschlichen Geist ist. »Ich bin ein Skeptiker gegenüber allen Seiten«. die gegenwärtigen glorreichen Wunschträume einer biologischen Psychiatrie in ein Programm zu übersetzen.Freuds gehörten. Sie gaben Erklärungen für Phänomene.

Doch er gab zu bedenken. würde einen gewaltigen Fortschritt darstellen.« Was die Evolutionspsychologie anbelangt. Dennoch«. wie das Gehirn funktioniert. ähnlich wie die Psychoanalyse. die die Psyche mit Hilfe der Darwinschen Theorie der natürlichen Selektion zu erklären versucht. sagte Hyman. den wir entdekken. in was für einer Wechselwirkung solche Gene bei der Entwicklung eines Gehirns. »werden wir nach der Klonierung des nächsten Serotoninrezeptors. daß sich dies nicht leicht lösen lassen wird. nicht sagen können: ›Jetzt verstehen wir. »Dabei drängt sich mir die Frage auf: Was bedeutet das? Ist das eine Antwort?« Die reduktionistischen Methoden der Molekularbiologie und der Neurowissenschaft hätten sich in den letzten Jahrzehnten als äußerst fruchtbar erwiesen. denn die gegebene Umwelt könnte die relativen Beiträge verändern. faszinierend.‹« Hyman vertrat eine ähnliche Einstellung gegenüber der Verhaltensgenetik. aber auch frustrierend. die eine Anfälligkeit für Schizophrenie und andere Erkrankungen erzeugen. miteinander und mit der Umwelt stehen. in dem diese Fortschritte in der molekularen und zellulären Neurobiologie eine allgemeine Euphorie auslösen. »Und ich nehme an. »Es ist eine viel zu grobe Vereinfachung. fuhr er fort.100 . sagte Hyman. welcher Prozentsatz eines bestimmten Merkmals durch Gene und welcher Prozentsatz durch die Umwelt festgelegt wird. daß die Forscher noch immer herausfinden müßten. Evolutions.« Die Identifikation der Gene. so fand Hyman sie. »Wir leben in einem Zeitalter. wenn man für eine Person angeben will. das an Schizophrenie erkrankt.zentration des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn steigern. Durch Studien an eineiigen Zwillingen und andere Forschungen versuchten Verhaltensgenetiker den relativen Beitrag der Gene und der Umwelt zu verschiedenen menschlichen Merkmalen und Erkrankungen abzuschätzen.

Es sei nicht verwunderlich. schließlich sei das Gebiet der Infektionskrankheiten nicht mehr durch Kontroversen zwischen Anhängern und Gegnern Pasteurs gespalten.Psychologen »spielen ihre Unfähigkeit. gleich ob sie freudianisch sind oder einem einfachen pharmakologischen Reduktionismus frönen«. sagte Hyman. festgelegt hat«. »wünscht man sich aus Mitleid. das selektiert werden konnte. noch nicht ausgereift seien. daß »die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns und der möglichen Störungen das schwierigste Unternehmen ist. sagte er vorsichtig. daß all diese Ansätze ihre gesteckten Ziele nicht erreichten. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. prüften Forscher nur selten Befunde. War Hyman überzeugt davon. oftmals in einer Weise herunter. »Wenn man Patienten begegnet«.« Andererseits müßten Forscher vermeiden. daß die Frühgeschichte der Entstehung unseres Gehirns möglicherweise Randbedingungen für die Anpassung beziehungsweise für das Material. Psychiatrie. daß wir die Psyche und ihre Erkrankungen eines Tages vollkommen verstehen würden? Er verzog das Gesicht. das die Menschheit in Angriff genommen hat«. was man wollte. während er über die Frage nachsann. daß Psychologie. so Hyman weiter. Als empirisch ausgerichteten Biologen erstaune es ihn. Evolutionspsychologen »unterschätzen die Tatsache.101 . In ausgereiften Wissenschaften. Die anhaltende Debatte über die Ideen Freuds deute darauf hin. die älter seien als fünf Jahre. ihre Behauptungen experimentell zu überprüfen. die sich der Erforschung des Geistes widmeten. wie »behelfsmäßig zusammengebastelt« Organismen seien. wenn man bedenke. sich an »schlechten Modellen der Funktionsweise des Gehirns festzuklammern. Es liege eine »schwerwiegende Gefahr« darin. die Psyche in erster Linie als ein von der natürlichen Selektion gestaltetes Instrument zur Förderung der Verbreitung unserer Gene anzusehen. man könnte alles tun. die an die Psychoanalyse erinnert«. .

Freud sei zusammen mit Marcel Proust. sondern der Literatur.102 . der viele neue Ideen hatte. Freuds rhetorische Begabung wurde von Freund und Feind anerkannt. geht weit über die Freudsche Therapie hinaus. in einer Reihe mit Kopernikus und Darwin. stimmte dem zu. sondern mit Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm. sondern der Propaganda.«51 Nach dem Urteil des Literaturtheoretikers Harold Bloom von der Yale-Universität dagegen war Freud nicht bloß ein guter Schriftsteller.«50 Der Molekularbiologe und Neurowissenschaftler Francis Crick.Freud als Erzähler Wenn man wissenschaftliche »Erzählungen« nicht nach ihrer empirischen Gültigkeit auseinanderhalten kann. Im Jahr 1985 nannte der Psychologe Hans Eysenck. James Joyce und Franz Kafka ein zentraler Schriftsteller des modernen »chaotischen Zeitalters«. Märchenerzählern. Bloom machte sich keine Illusionen über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse. In seinem Buch The Western Canon schloß Bloom Freud in seine Liste der sechsundzwanzig bedeutendsten Schriftsteller aller Zeiten ein. Mitentdecker der DNA-Doppelhelix. Wenn es eine Quintessenz des Freudschen Denkens gibt. Doch Freuds Arbeit. »die die Gesamtheit der menschlichen Natur beschreibt. läßt man sich wahrscheinlich von ästhetischen Faktoren beeinflussen. die er überzeugend und ungewöhnlich gut formulierte. Er steht nicht. schrieb Crick. Freud »ein Genie nicht der Wissenschaft. nicht des stringenten Beweises. vielmehr war er ein Arzt. fuhr Bloom fort. die »am Sterben oder schon tot ist«. nicht der Planung von Experimenten. muß sie in seiner Vision eines Bürgerkriegs innerhalb der Psyche liegen. die er eine Form des »Schamanismus« nannte.«52 . »Nach modernen Maßstäben«. »kann Freud kaum als Wissenschaftler betrachtet werden. sondern der Überzeugung. ein erbitterter Gegner der Psychoanalyse. wie er behauptete.

die frühere und heutige Kritiker auf seine Couch packen. Mehrere prominente Wissenschaftler sind der Auffassung. und die geheimsten Belange seines künstlerischen Schaffens stimmen ausnahmslos mit denjenigen überein. wenn schon keine wissenschaftlichen. ungeachtet auch seines rücksichtslosen Hinweggehens über Kollegen und Patienten. die gegenwärtig zur Diskussion stehen. als er in den fünfziger Jahren in Princeton studierte. selbst Psychoanalytiker zu werden. kam in seiner berühmten Titelgeschichte »Ist Freud tot?« zum selben Schluß. daß in Anbetracht der bisher sehr dürftigen wissenschaftlichen Erfolgsbilanz tiefe Einblik.und damit Leidenserfahrung des einzelnen näher zu stehen scheint als alle anderen Systeme. so doch bedeutende literarische Erkenntnisse zutage gefördert. »Ungeachtet seines Machtwillens und seines Buhlens um Einfluß. Zu Beginn seiner akademischen Laufbahn benutzte er die Psychoanalyse als Instrument der literarischen Analyse in seinen Lehrveranstaltungen und Schriften. ein Theoriegebäude zu errichten. denen auch Freud größte Bedeutung beimaß«. der Literaturkritiker der Time.54 Crews begann mit der Lektüre der Freudschen Werke. gelang es ihm. daß Freud sowohl als Wissenschaftler wie auch als Mensch gravierende Schwächen gehabt habe. und nur die hohen Ausbildungskosten hielten ihn davon ab. Dennoch sagte er voraus. The Scarlet Letter und andere Werke von Nathaniel Hawthorne »nehmen die Befunde der Psychoanalyse vorweg. Er pflichtete der Behauptung von Crews und anderen Kritikern bei. das der subjektiven Lebens. Crews' Buch gilt noch immer als ein Klassiker der freudianischen Literaturwissenschaft. ungeachtet aller vorsätzlichen Sünden.103 . daß Freud als Schriftsteller überdauern würde.Paul Gray.«53 Selbst Frederick Crews geriet eine Zeitlang in Freuds Bann. In der 1966 erschienenen Studie The Sins of the Fathers: Hawthorne's Psychological Themes behauptete Crews. Nach wohl einhelliger Auffassung hat Freud.

bemerkte Gardner. der über eine geradezu unheimliche Führungsfähigkeit verfügte. Mozart war ein »Meister«. Freud war ein »Macher«. Seines Erachtens ist sein Fachgebiet.ke in die menschliche Psyche möglicherweise immer eher literarischen als wissenschaftlichen Charakter haben werden. Der von Geertz geprägte Begriff Faktion. seine innerseelischen Vorgänge aufzudecken.104 . Gandhi war demnach ein »Beeinflusser«. halb wissenschaftliches Projekt und werde dies vielleicht immer bleiben. sondern »vielfache Intelligenzen«. Für Furore sorgte seine 1983 in Frames of Mind postulierte Hypothese. Kreativität und Lernen erforscht. der praktisch von Grund auf eine neue wissenschaftliche Disziplin erfand. Psychologe und Pädagogikprofessor an der Harvard-Universität.56 In Extraordinary Minds legte er Fallstudien über vier archetypische Genien vor. Clifford Geertz meint sogar. multifunktionale Intelligenz besitze. (Falls Freud diese Fallgeschichten größtenteils selbst erfunden hat. ein halb literarisches. die auf verschiedene Aufgaben zugeschnitten seien. würden sie allerdings nicht einmal als »Faktion« gelten können. Er ist Kodirektor des Harvard-Projektes Zero.niemals eindeutig durch Rückgriff auf empirische Daten gelöst werden könnten. . Freud sei weder ein schlechter Beeinflusser noch ein Introspektor gewesen. daß Kontroversen über die menschliche Natur . der einem bereits bestehenden Gebiet künstlerischer Kreativität sein Gepräge gab.55 ist eine passende Beschreibung für Freuds Fallgeschichten. der sich hervorragend darauf versteht. die Anthropologie. das die psychischen Grundlagen von künstlerischer Produktivität. den er als »imaginatives Schreiben über reale Menschen an realen Orten zu realen Zeitpunkten« definiert.) Ähnliches vertrat Howard Gardner. daß der Mensch keine homogene. Virginia Woolf gehörte zum Typus des »Introspektors«.anders als Probleme in der Kernphysik oder der Molekularbiologie oder in »sachlicheren« wissenschaftlichen Disziplinen .

Gardner hat jedoch nicht nur die Psychoanalyse im Visier. die zwar keine strengen wissenschaftlichen Theoreme seien. eröffnete er mir. »sich nicht selbst dazu zu verleiten«. die Psychologen hätten gelernt. Alltagswissen oder auch erlernte Hilflosigkeit–. die sich der Erforschung der Psyche widmen. sage ich noch immer: Psychologe.57 Seine Schriften über vielfache Intelligenzen atmeten diese Eigenschaften ebenso wie einen altmodischen.Vor unserer ersten Begegnung hatte ich mir Gardner als einen ernsten. sondern das gesamte Gebiet der Psychologie. Doch wenn Sie fragen. lautet meine Antwort: nicht sonderlich viele.« Auf die Bitte. romantischen Liberalismus. Experten auf dem Gebiet der ange. »Aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. daß die Pädagogik jede Person als ein einzigartiges Individuum mit spezifischen Charakterzügen. Gardner in Person war dagegen genauso scharfzüngig wie Frederick Crews. sie sei bereits tot. indem sie Begriffe und Wörter präge . räumte Gardner ein. Die Sozialpsychologie stelle weiterhin Spekulationen über die menschliche Natur an.« Kognitionswissenschaft. »In begrifflicher und methodologischer Hinsicht hat die Psychologie einiges erreicht. Er habe aufgehört. nein. Die Psychologie. welche dauerhaften Wahrheiten hat die Psychologie im Verlauf der letzten hundert Jahre zusammengetragen.105 . behandeln sollte. ungesicherte Schlußfolgerungen zu ziehen. stehe nicht etwa im Begriff zu sterben. die nicht in einem IQ-Wert erfaßt werden können. sagte er. aber als »Denkhilfen« genutzt werden könnten. seine Mitgliedsbeiträge an die American Psychological Association zu überweisen. die bedeutendsten Errungenschaften der Psychologie anzuführen. »Ich hielt es für einen guten symbolischen Akt«. könnten unser psychologisches Wissen nachhaltig bereichern. liebenswürdigen Mann vorgestellt. Neurowissenschaft und andere Disziplinen.wie etwa Identitätskrise. antwortete er. Das Leitprinzip seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schien zu lauten.

die sich der Erforschung der Psyche widmeten. Er wies darauf hin. daß »die Jahre am Ende unseres Jahrhunderts durchaus als das Mündigwerden der Hirnforschung beziehungsweise Neurowissenschaft beschrieben werden können.wandten Psychologie entwickelten weiterhin IQ-Tests und andere Instrumente. Gardner hatte seine Kritik erstmals 1992 in einem Vortrag geäußert. »Die Psychologie hat sich nicht zu einer integrierten Wissenschaft entwickelt. Auf jeder Ebene des Nervensystems. daß »es keine wissenschaftliche Psychologie gibt«. daß William James. Fortschritte gemacht hätten und dies auch weiterhin tun würden.« Doch »die Phänomene der Empfindung und Wahrnehmung oder auch andere physiologische Zustände werden sich nie auf eine rein neurale Theorie zurückführen lassen«. nimmt unser Wissen mit einer phänomenalen Geschwindigkeit ständig zu. Doch keines dieser Gebiete sei der Lösung des Rätsels der menschlichen Psyche auch nur nahe gekommen.58 Er erinnerte daran. James' Vorbehalte gegenüber seiner Disziplin »haben sich als allzu berechtigt erwiesen«. erklärte Gardner in seinem Vortrag. insbesondere die Neurowissenschaft.106 . James habe einmal beklagt. von der einzelnen Synapse bis zu den Durchblutungsmustern des gesamten Kortex. und sie wird dieses Ziel wahrscheinlich nie erreichen. daß gewisse Disziplinen. wenn man bedenkt. die Unternehmen bei der Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern einsetzen könnten. Gardner steht der Kognitionswissenschaft erstaunlich kritisch gegenüber. daß er mit seinem 1985 erschienenen Buch The Mind's New Science60 selbst zu ihrer .«59 Gardner räumte ein. gelegentlich seine Kritik am »vorwissenschaftlichen Stand« und »der Begriffsverwirrung und Unvollkommenheit« der Psychologie zum Ausdruck gebracht habe. obschon er im Grunde genommen ein Wissenschaftsoptimist gewesen sei. der den Titel »Scientific Psychology: Should We Bury It or Praise It?« trug.

Aufmerksamkeit und logisches Denken stelle keine deutliche Verbesserung gegenüber den älteren psychologischen Ansätzen dar. Kognitionswissenschaftler betrachteten die Psyche als eine informationsverarbeitende Maschine. Gedächtnis. »übersehen [Kognitionswissenschaftler] möglicherweise jene Aspekte des logischen Denkens oder Problemlösens. die eher charakteristisch für Menschen als für mechanische Gegenstände sind«. um die tiefsten Geheimnisse der Psyche zu erkunden.107 . Gardner behauptete. Zudem. Während unseres Gesprächs wies Gardner darauf hin. der. Sein zentraler Kritikpunkt war die Tatsache. statt aus Silizium. Und einige der bedeutendsten Psychologen hätten herausragende literarische Fähigkeiten und Kenntnisse besessen. die man benötige. so Gardner weiter. einen Rechner. Diese Konzepte »scheinen sich der Zerlegung in elementare Bestandteile und anderen Formen des Reduktionismus besonders nachhaltig zu widersetzen«. Als der Behaviorismus Ende der fünfziger Jahre an Ansehen verlor. Willensfreiheit und Persönlichkeit. Freud habe sich in seinen Schriften immer wieder auf Beispiele aus der Literatur und der Mytho. daß auch Freud ein Meister jener Form literarischer Psychologie gewesen sei. Psychologen könnten vielleicht mit Hilfe eines »literarischeren« Untersuchungsstils und Diskurses weiterkommen. etwa William James. daß streng wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Psyche unser Verständnis der Kernthemen der Psychologie nicht vorangebracht hätten: Bewußtsein. Doch die Herangehensweise der Kognitionswissenschaftler an die Phänomene Wahrnehmung. aus Fleisch und Blut bestehe. das Selbst. als es Psychologen vermochten. daß die Kognitionswissenschaft zum vorherrschenden Paradigma der Psychologie werden würde. Schließlich vermittelten uns Shakespeare und Dostojewski viel tiefere Aufschlüsse über das menschliche Wesen. schien alles darauf hinzudeuten.Popularisierung beigetragen hat.

»Übrigens können fünfundneunzig Prozent . Der britische Psychoanalytiker Adam Phillips schrieb 1998. Andererseits stellt der Kult um Freud heute eine geringere Gefahr dar als der Kult um Fluctin. als wäre das Analysieren der dritte jener ›unmöglichen‹ Berufe. in denen man des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann.108 . weit länger bekannten.«62 Im Jahr 1933 klang er noch sarkastischer: »Da möchte ich sagen. sind das Erziehen und das Regieren. die Psychoanalyse »zeigt uns bestenfalls sowohl die Grenzen unserer vielgerühmten Erkenntnisfähigkeit als auch. Alle »großen« Psychologen. weil sie in Chemie nicht gut genug waren.Sie können mich mit dieser Zahl zitieren . einer seiner versöhnlichsten Wesenszüge.61 Meines Erachtens war Freuds Bereitschaft. und er habe ein gutes intuitives Gespür für Menschen besessen.« Freuds versöhnender Pessimismus Die Psychoanalyse ist ein Paradigma mit schwerwiegenden Fehlern. denen Gardner begegnet sei.logie gestützt. was wir mit dieser sogenannten Erkenntnisfähigkeit tun können«. wir sollten dankbar dafür sein. um die DNA. daß ihr einst beherrschender Einfluß gebrochen ist. daß sie die Vorherrschaft dieser vermeintlich neuen und verbesserten Paradigmen in Frage stellen. »Sie satteln von Chemie auf Psychologie um. Die beiden anderen. hätten diese intuitive Fähigkeit gehabt. Neofreudianer erfüllen dadurch.der Psychologen« sich nicht tief in andere Menschen einfühlen. die Grenzen der Wissenschaft einschließlich seiner eigenen Beiträge ausdrücklich anzuerkennen. In dem 1937 erschienenen Werk Die endliche und die unendliche Analyse schrieb Freud: »Es hat doch beinahe den Anschein. ich glaube nicht. noch immer einen nützlichen Zweck. um Darwin oder um den Computer. daß unsere Heilerfolge es mit denen von Lourdes .

die auf alternativen Theorien der menschlichen Natur basieren und die im Verlauf der letzten hundert Jahre entstanden sind. Andererseits gibt es auch keine schlüssigen Beweise dafür. Mehr als fünfzig Jahre nachdem er diese Äußerung gemacht hat.«63 Freuds Sorgen waren wohlbegründet. die an die Wunder der heiligen Jungfrau. . als die an die Existenz des Unbewußten glauben. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren dem Gesundbeten überlegen wäre.109 .aufnehmen können. daß irgendeine von den Hunderten von »Redekuren«. im geringsten erfolgreicher wären. Es gibt so viel mehr Menschen. gibt es noch immer keine schlüssigen Beweise dafür.

der die Urschreitherapie erfand. I'm Okay – You're Okay des Psychiaters Thomas Harris. jenseits von Freiheit und Würde des Psychologen B. deren berühmteste Anhänger John Lennon und Yoko Ono waren. Praktisch alle diese Theorien haben ihre eigenen Psychotherapien hervorgebracht. daß sich die Psychologie im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreiche divergierende Richtungen entwickelte. Zwischen den hoch mit broschierten und gebundenen alten Büchern beladenen Tischen stieß ich auf ein fossiles Lager populärwissenschaftlicher Psychologiebestseller: Phänomenologie der Erfahrung des britischen Psychiaters und Dichters R.110 .3. Mitte der achtziger Jahre umfaßte die Angebotspalette über 450 verschiede. die von so bekannten freudianischen Apostaten wie Carl Jung und Wilhelm Reich begründet wurden. und trotzdem geht's mit der Welt bergab. Allein schon die Titel dieser Bücher zeigen. Skinner. Laing. das ultravioletter Strahlung ausgesetzt wird. Sie brachte schließlich eine Vielzahl ähnlicher. darunter jene. und Der Urschrei des klinischen Psychologen Arthur Janov. Wie ein Bakterium. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE Es gibt seit hundert Jahren Psychotherapie. F. eines Begründers des Behaviorismus. D. der die Transaktionsanalyse popularisierte. Jugend und Krise des Psychoanalytikers Erik Erikson. aber konkurrierender psychologischer Theorien hervor. wie etwa der Behaviorismus. die Soziobiologie und die Kognitionswissenschaft. JAMES HILLMAN UND MICHAEL VENTURA1 einem nicht lange zurückliegenden Anverkauftenoch Bücherei meiner Heimatstadt Sommertag die gespendete Bücher. begann die Psychoanalyse unmittelbar nach ihrer Begründung rasch zu mutieren und sich zu teilen. Daneben bildeten sich eigenständige Theorien der menschlichen Psyche heraus.

in einen Topf geworfen. Watson. sich ihrer Verzweiflung und Entfremdung zu stellen und sie zu überwinden. Verhaltenstherapien werden oft mit kognitiven Therapien. Tatsäch. .111 . insbesondere solchen sexueller Natur. die jedoch vor allem auf die Änderung schädigender Denkgewohnheiten abzielen. dem Patienten Ratschläge zu geben. die Ursache für psychische Störungen im Erwachsenenalter.ne Arten von Psychotherapien. zu denen die Psychoanalyse und ihre Abkömmlinge zählen. von der aktiven analytischen Therapie bis hin zur psychoenergetischen Technik nach Zaraleya.B. Skinner und anderen Behavioristen streben Verhaltenstherapien danach. mitunter nehmen sie sogar eine ausgesprochen spirituelle Dimension an. durch Konditionierungsübungen dysfunktionale Verhaltensmuster zu ändern. indem sie ihre Fähigkeit erkennen. Depression und Angst werden als legitime Reaktionen auf die Sinnlosigkeit des Daseins gewertet.3 Selbst innerhalb einer bestimmten psychotherapeutischen Richtung kann es eine enorme Bandbreite geben. B. doch viele Analytiker einschließlich Freud haben gegen diese Regel verstoßen. . Die Therapeuten versuchen den Patienten zu helfen. Auf der Grundlage der Arbeiten von Iwan Pawlow.Psychodynamische Therapien. J.F. In der klassischen Psychoanalyse sollte es der Analytiker vermeiden.2 Die Psychotherapien lassen sich in drei allgemeine Kategorien einteilen: . sehen in Kindheitserfahrungen.Erlebnisorientierte Therapien haben eine philosophischere Ausrichtung als psychodynamische und Verhaltenstherapien.Verhaltenstherapien verfolgen einen gegenwartsbezogeneren Ansatz. ihr Leben mit Sinn zu erfüllen.

stellt die Psychotherapie noch immer eine wichtige Form der Behandlung von psychischen Problemen dar.6 Eine Studie aus dem Jahr 1992 zählte hundert Millionen psychotherapeutische Sitzungen. ja sogar mehr. wurde festgestellt. und diejenigen.8 Selbst wenn die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungen rückläufig ist. daß diese Ende der neunziger Jahre weniger Psychotherapien durchführten als im vorausgehenden Jahrzehnt. die sie verabreichen.lieh gibt es wohl genauso viele Arten von Psychotherapie. Diese Zahl schließt vierzigtausend Psychiater. einschließlich Psychiatern. Nach der gegenwärtig vorherrschenden Meinung sinkt der Stellenwert von Psychotherapien infolge des (in den USA) neu eingeführten Systems der integrierten Gesundheitsfürsorge und der sprunghaft zunehmenden Beliebtheit von Medikamenten wie Fluctin immer weiter. daß viele Psychotherapeuten gegenüber verschiedenen Patienten unterschiedliche therapeutische Strategien einschlagen.3 Millionen Amerikaner oder 3. doch werde dieser Rückgang möglicherweise durch eine Zunahme von Besuchen bei nichtärztlichen Therapeuten kompensiert.5 Die Anzahl der ambulanten psychotherapeutischen Visiten belief sich auf insgesamt achtzig Millionen und die Gesamtkosten auf über vier Milliarden Dollar.1 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine psychotherapeutische Sitzung pro Jahr auf ambulanter Basis. . konzentrierte. exakte Daten zu bekommen. wie es Psychotherapeuten gibt. aber diese Zahl enthielt auch Patienten in Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen. wenn man bedenkt. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es fast dreihunderttausend Psychotherapeuten.4 Laut einer statistischen Erhebung erhielten im Jahr 1987 7.112 .7 Bei einer statistischen Erhebung. die sich auf Ärzte. ist es schwerer. bilden noch immer eine einflußreiche politische Interessengruppe. Obgleich es eine Fülle von anekdotischen Indizien für den Bedeutungsverlust von Psychotherapien gibt.

Unternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten. läßt sich nicht leicht beantworten. sie funktioniert. Laser und thermonukleare Bomben . ob eine bestimmte Psychotherapie wirksam ist. Hauptsache ist. Mitte der neunziger Jahre bedrängten diese Gruppen den US-amerikanischen Kongreß.insbesondere solche mit medizinischen Ansprüchen . Man kann die relativen Vorteile verschiedener psychologischer Lehren bewerten. ob die Quantenmechanik wahr ist. Freud wollte mit seinen Fallberichten über einzelne Patienten . Die Frage.achtzigtausend klinische Psychologen und hundertzwanzigtausend Sozialarbeiter ein. Die frühen Anhänger der Quantenmechanik konnten nur die Ergebnisse rätselhafter Experimente beschreiben. die im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt wurden. Die Frage lautet dann nicht mehr »Ist sie wahr?«.Technologien.darunter so berühmte . für psychische Erkrankungen denselben Versicherungsschutz zu gewähren wie für körperliche Leiden wie Krebs oder Herzerkrankungen.nicht danach beurteilt werden. Für viele Physiker ist die Frage.als Beweise vorlegen. Wie Politiker sollten vielleicht auch wissenschaftliche Theorien . die den Lauf der Geschichte veränderten . sondern danach. wäre dies ein starker Indizienbeweis für die Wahrheit der ihr zugrunde liegenden Theorie. nahezu belanglos. was sie bewirken. sondern »Ist sie wirksam?«.10 Die Psychotherapiebranche stellt einen beständigen umfassenden Test der zahllosen psychologischen Lehren dar. indem man die Wirksamkeit ihrer zugehörigen Therapien mißt.9 Seelsorger.113 . Transistoren. Der Mental Health Parity Act (Gesetz zur Gleichstellung der psychischen Gesundheit mit der körperlichen Gesundheit) trat mit den unvermeidlichen Lücken im Januar 1998 in Kraft. was sie sagen. Drogenberater und andere eklektische Praktiker steuern weitere fünfzigtausend Therapeuten zu der Mischung bei. Wenn sich eine Psychotherapie anderen Verfahren bei der Behandlung seelischer Leiden als überlegen erwiese. Später konnten sie Kernspaltungsreaktoren.

der Wolfsmann und Anna O. was ihm Erleichterung verschaffe. werden sie nicht mehr als zuverlässige Belege für die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen anerkannt. ob für die Jungsche Psychotherapie bei Depression oder Haiknorpel bei Krebs. Wie mehrere Kritiker gezeigt haben. die die Wirksamkeit psychologischer Behandlungsformen nachweisen sollen. egal ob sie Psychotherapien (The Talking Cure von Susan Vaughan). bestand allerdings oftmals eine erhebliche Diskrepanz zwischen Freuds Erzählungen und der Wirklichkeit. Die beste Methode zur Bewertung eines bestimmten Heilverfahrens besteht darin. die psychischen Ursachen seiner Symptome zu verstehen.114 . Psychiater am Albert Einstein College of Medicine und eine . kann man Wirksamkeitsnachweise für jede beliebige Behandlungsform beibringen. So wie Freud diese Fallstudien erzählte. Toksoz Karasu. sondern von einem seiner Kollegen analysiert wurde . bestätigten sie den Nutzen einer psychoanalytischen Behandlung. Doch Studien..den Nachweis für die Wirksamkeit der Psychoanalyse erbringen.Personen wie der Rattenmann. Medikamente (Glück auf Rezept von Peter Kramer) oder die Verhaltensgenetik (Twins von Lawrence Wright) anpreisen. die den Begriff »Redekur« prägte und nicht von Freud selbst. Mit Hilfe des brillanten Analytikers gelinge es dem Patienten. die in Studien über Tumortherapien oder andere. im Rahmen einer kontrollierten Studie seine Wirksamkeit bei einer großen Zahl von Probanden zu messen. Wenn man sich allein auf kasuistische Einzelfallschilderungen bezieht.11 Auch wenn Fallgeschichten oftmals eine faszinierende Lektüre sind. einfachere Therapien nicht auftreten. werden durch Faktoren erschwert. Zudem könnten die nachweislichen Verbesserungen bei manchen (nicht allen) Patienten von Freud und seinen Kollegen trotz und nicht wegen der Behandlung zustande gekommen sein. Fallberichte bleiben ein zentrales Element moderner Bücher über die Psyche.

. die Beschreibung der Schizophrenie »läuft auf folgendes hinaus: Ein Schizophrener ist eine Person.und Interaktionsvariablen berücksichtigen. die dazu führen.Zahl von Patienten-. schrieb einmal: Wenn man versucht. was ein Psychiater als Schizophrenie klassifiziert..] politische.dt. Die American Psychiatrie Association hat sich bemüht. was überhaupt als Störung anzusehen ist. wirtschaftliche und narzißtische Interessen. wie eine bestimmte Störung definiert werden sollte. die trügerisch einfache Frage ›Ist eine Psychotherapie wirksam?‹ zu beantworten.scheinbar endlose . gelinde gesagt.12 Die Diagnose psychischer Störungen ist ein problematisches Unterfangen. die Verschiedenartigkeit der Kontexte. Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) zu lösen. dieses aber keinesfalls ausgeschaltet. das Spektrum der Störungen.13 Doch das DSM.Autorität auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Ein Rezensent des DSM-IV (der in Deutschland 1996 erschienenen vierten Auflage) meinte etwa. manisch-depressive Erkrankung oder normale Melancholie diagnostiziert. sie als eine gleichförmige Praktik zu beschreiben und zu messen. Zudem haben Therapeuten [. muß man die Vielfalt theoretischer und klinischer Ansätze in der Psychotherapie. dessen erste Ausgabe 1952 erschien. Die Therapeuten sind sich.115 . die große .und Identitätsverständnis. daß sie sich nicht nur in ihrem beruflichen Rollen. sich sonderbar benimmt . hat allenfalls das subjektive Moment bei psychiatrischen Diagnosen verdeutlicht. wird von einem anderen vielleicht als Schizophrenie. Therapeuten. und selbst darüber. uneinig darüber. sondern auch in ihrer ideologischen Einstellung unterscheiden. dieses Problem mit dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM . die Schwierigkeiten. die sehr eigenartige Gedanken hat. in deren Beurteilungen sich der Konsens der Fachwelt widerspiegeln soll. das von Gruppen von Psychiatern erarbeitet wird.

Dennoch stieg die Zahl der anerkannten Störungen von 106 im DSM-III (1980) auf über 300 im DSM-IV an. die noch im DSM-I und im DSM-II als psychische Störung gewertet wurde. Gefühlsüberschwang mit Psychopathologie zu verwechseln und so zu tun. heißt es in dem 1998 erschienenen Buch Making Us Crazy. einer Geschichte des DSM.und unter bizarren Wahnideen leidet. als verstehe man Phänomene schon. aber in späteren Ausgaben auf Druck schwuler Aktivisten und anderer gestrichen wurde. Außerdem bezahlen die meisten Versicherungsgesellschaften nur die Behandlung von Störungen. wenn man ihnen ein Etikett und eine Codenummer anhängt «16. bestünde noch immer Uneinigkeit darüber. daß die Verfasser des DSM-IV entweder nicht wissen. die im DSM aufgeführt sind. dies deutet darauf hin. Während die meisten (wenn auch nicht alle) Beobachter darin über. wie man den Erfolg einer psychologischen Behandlung messen soll. dissoziative Fugue (der unwiderstehliche Drang. Kann der Therapeut oder der Patient selbst die Störung eines Patienten besser beurteilen? Und worin besteht ein erfolgreicher Abschluß? Die letztgenannte Frage ist stark mit Werturteilen behaftet. Doch selbst wenn die Diagnose eindeutig wäre. Das DSM-IV spiegelt »die zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft [wider]. »seinen Wohnort und seinen gewohnten Arbeitsplatz zu verlassen«).15 Zu den neuen Kategorien gehören Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (»Kann sich nicht auf Details konzentrieren und begeht Flüchtigkeitsfehler«). die beiden zentralen Themen der freudianischen Psychologie. nichtmedizinischen Problemen eine medizinische Bedeutung beizulegen.116 .«14 Das DSM-IV erwähnt nicht einmal Hysterie und Neurose. antisoziale Persönlichkeitsstörung (»Impulsivität beziehungsweise Unfähigkeit vorauszuplanen«). was Schizophrenie ist. oder sich sprachlich nicht richtig ausdrükken können. und auch die Homosexualität taucht nicht mehr auf.

Wie aber führt man eine Doppelblindstudie über ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren durch? Psychoanalytiker bewerten sich selbst Freud griff all jene heftig an. bis er als geheilt gelten kann.einstimmen würden. wie man eine Kontrollgruppe für eine Psychotherapiestudie zusammenstellen soll. Jeder Unterschied zwischen den beiden Gruppen läßt sich dann mit hoher Plausibilität auf die Behandlung zurückführen. In einer kontrollierten Studie vergleicht man die behandelte Gruppe mit einer zweiten. Zufriedenheit oder beides zu fördern? Sollten Therapeuten Patienten helfen. aber ansonsten mit der ersten soweit wie möglich übereinstimmt. die auf einem stringenteren empirischen Wirksamkeitsnachweis bestanden. was einen Erfolg ausmachte. daß ein Selbstmord auf einen Fehlschlag der Therapie hindeutet. der erprobt wird. von einer »Heilung« der Melancholie oder Angst zu sprechen. wenn beide möglicherweise angemessene Reaktionen auf das menschliche Dasein sind? Auf einem weniger philosophischen Niveau stellt sich die Frage. Weder die Studienteilnehmer noch die Studienleiter wissen. Die ideale klinische Studie ist ein Doppelblindversuch. wer die wirksame Substanz und wer das Placebo erhält. Und welchen Zeitraum müßte man dabei betrachten? Besteht das Ziel der Therapie darin. eine Gruppe erhält den Wirkstoff. Statistische Auswertungen. Selbsterkenntnis.117 . so meinte . die Placebo genannt wird. sofern dieser Begriff überhaupt anwendbar ist? Ist es sinnvoll. und die Kontrollgruppe erhält eine pharmakologisch unwirksame Substanz. als er von Fallstudien erbracht wird. stellt sich die Frage. eigenständiger zu werden oder sich konventionellen sozialen Normen anzupassen? Wie lange muß ein Patient symptomfrei sein. die nicht behandelt wird.

damit er sich dort wohl fühle und gerne wieder aus den Schwierigkeiten des Lebens seine Zuflucht dorthin nehme. daß er sich nicht objektiv messen läßt. als es dem Kranken möglichst angenehm zu machen. daß der Unterschied zwischen dem nicht Analysierten und dem späteren Verhalten des Analysierten doch nicht so durchgreifend ist. Man tut besser. wenn sich am Ende herausstellt. wie wir es erstreben. Gegen Ende seines Lebens schrieb er: »Man hat den Eindruck.118 . seien »überhaupt nicht lehrreich. das verarbeitete Material so heterogen..«19 Ihrer Auffassung nach kann die Minderung des Leidensdrucks die persönliche Weiterentwicklung aber behindern. der von Mitgliedern Wirksamkeitsbelege sammeln sollte. die Wirksamkeit ihres Produktes zu quantifizieren. ihn für das Leben stärker [. Freud selbst tadelte einst Analytiker. Die Journalistin Janet Malcolm machte in ihrem 1982 erschienenen Buch Psychoanalysis: The Impossible Profession darauf aufmerksam: »Es ist eine der ältesten und tiefverwurzeltesten Überzeugungen der Psychoanalyse. erwarten und behaupten. Dabei verzichten sie darauf. .«17 In Freuds Widerstand gegen statistische Studien mag sich seine Befürchtung widerspiegeln.. zum Ausdruck brachten.«18 Die Psychoanalytiker definieren den therapeutischen Erfolg oftmals so. doch der Ausschuß löste sich bald wieder auf. daß viele Analytiker ihre Zwiespältigkeit beziehungsweise ihren offenen Widerstand gegenüber jedem Versuch. daß nur sehr große Zahlen etwas besagen würden. daß man nicht überrascht sein dürfte.] zu machen. als dem Patienten bloß ein angenehmes Lebensgefühl zu vermitteln. daß der Analytiker mehr will. daß die Ergebnisse der Psychoanalyse möglicherweise nicht zum Vorteil gereichten.«20 In Anbetracht dieser Faktoren ist es nicht verwunderlich. Im Jahr 1948 riefen leitende Funktionäre der American Psychoanalytic Association (APA) einen Evaluationsausschuß ins Leben.Freud. die »nichts anderes [anstreben]. seine Einzelerfahrungen zu befragen.

Erstens wurde der Fortschritt der Patienten in der Regel von ihren Analytikern beurteilt. »Geeignete« Patienten sind tendenziell wohlhabender. wurden 1991 im Journal of the American Psychoanalytic Association von einer Gruppe um Henry Bachrach. empfahlen sie. Die APA schickte die Rohdaten zur Auswertung an IBM. Boston. New York.23 Die Autoren kamen zu dem Schluß. funktional weniger stark beeinträchtigt und . die Ergebnisse unter Verschluß zu halten. doch dabei gingen offenbar viele der Daten verloren. Ungeachtet dessen begannen psychoanalytische Institute in Chicago. gebildeter. positive Resultate festzustellen. San Francisco und in anderen Orten Daten über den Therapieerfolg zusammenzutragen. Im Jahr 1967 versuchte die APA. die sie als »geeignet« für eine Psychoanalyse einstuften. Berichte über den therapeutischen Erfolg von Tausenden von Analytikern zu sammeln. erörtert. einem Professor für Psychiatrie am New York Medical College im Saint Vincent's Hospital.ein Kritiker bezeichnete sie als eine Sammlung »angeblicher Fakten«22 -. die aus naheliegenden Gründen dazu neigen dürften. Drittens nahmen die Analytiker nur solche Patienten an. daß sie von unabhängigen Beobachtern und sogar von vielen Psychoanalytikern selbst als wertlos erachtet werden. daß die psychoanalytische Behandlung bei sechzig bis neunzig Prozent der untersuchten Patienten zu einer »erheblichen« Verbesserung ihres Zustands geführt habe. Diese Studien weisen jedoch so gravierende Mängel auf. indem sie einen Teil der Ergebnisse veröffentlichte . ließ das Thema dann aber erneut fallen. die keine Therapie erhielt. Die Ergebnisse.119 . Als die Ausschußmitglieder im Jahr 1957 die Informationen dem Vorstand des Berufsverbandes vorlegten. das Projekt zu retten.da die Mitglieder nicht miteinander kooperierten.21 Einem 1953 gegründeten Ausschuß gelang es. die sich auf über sechshundert Patienten bezogen. Zweitens wurden die Patienten nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen.

hatten . Das gleiche wurde in den fünfziger Jahren und 1975 festgestellt. die sie am wenigsten brauchten. haben Forscher durchaus aussagekräftigere Studien zur Wirksamkeit anderer Psychotherapien durchgeführt. die am meisten von einer Psychoanalyse profitierten. Eine Gruppe von ihnen wurde während eines Zeitraums von durchschnittlich fünfeinhalb Jahren zweimal pro Monat von Sozialarbeitern beraten. diejenigen. Die Dodo-Hypothese . die eine Fortbildung in Psychoanalyse oder in der damals populären »humanistischen Gesprächstherapie«. waren zugleich diejenigen. gemacht hatten. Anders gesagt. Doch zu diesem Zeitpunkt kamen einige bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zum Vorschein.120 . Im Jahr 1948 gab es keinen Unterschied in den Strafregistern der beiden Gruppen.Teil I Anders als von Bachrach behauptet. Als Bachrach diese Daten 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago vorstellte. deren Durchschnittsalter bei Studienbeginn zehn Jahre betrug und bei denen man ein erhöhtes Straffälligkeitsrisiko vermutete. Doch die Schwächen »waren nicht größer als bei vergleichbaren Untersuchungen über andere Formen von Psychotherapie«. Diejenigen. entwickelt von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers. Die andere Gruppe wurde nicht betreut. räumte er ein. die betreut und im weiteren Verlauf ihres Lebens straffällig geworden waren. Eine der längsten Studien war das sogenannte Cambridge-Somerville Delinquency Prevention Project (Delinquenz-Präventionsprojekt). diese Studien seien nicht ideal.motivierter für eine Therapie als »ungeeignete«.24 Die 1937 begonnene Untersuchung verfolgte die Entwicklung von über sechshundert Jungen aus dem Raum Boston.

Die Forscher fanden darüber hinaus auch eine positive Korrelation zwischen der Behandlungsdauer und dem Ausmaß straffälligen Verhaltens. das Risiko noch erhöht.26 Er erklärte einmal. Die Studie deutete darauf hin. Eysencks offen ablehnende Einstellung zu Freud und sein Eintreten für alternative Theorien der menschlichen Psyche trugen ihm den Vorwurf ein. Doch bei zwei Dritteln einer Gruppe unbehandelter neurotischer Patienten sei nach zwei Jahren ebenfalls eine Besserung eingetreten. daß eine therapeutische Behandlung Jugendliche keineswegs vor einem Abdriften in die Kriminalität schützt. der die Auffassung vertrat. im Vergleich zu vierundsechzig Prozent der Patienten. Es sei keine Theorie.121 . einem in Deutschland geborenen Psychologen. seine Schlußfolgerungen seien tendenziös. dem Es und dem Über-ich« bestünden. Eysenck bevorzugte genetische Theorien des Temperaments und der Intelligenz. daß es vierundvierzig Prozent der Analysanden nach Abschluß ihrer Analyse besser gehe. im Gegenteil. deren Charaktere aus so »mythischen Figuren wie dem Ich.25 Im Jahr 1952 legte Eysenck die Befunde einer Studie über die Psychoanalyse und andere »eklektische« Psychotherapien vor. sondern »eine mittelalterliche Moralität«. Auch die Forschungen von Hans Eysenck. Eysenck zog daraus den Schluß.mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr als eine Straftat begangen. sondern. . die Psychoanalyse habe sogar eine nachteilige Wirkung. Er behauptete. die relativ niedrigen IQ-Werte von Schwarzen hätten eine genetische Grundlage. der den größten Teil seiner wissenschaftlichen Laufbahn am Institute of Psychiatry der Universität London verbrachte. Freuds Modell der Psyche sei »zu absurd. daß Psychotherapien bestenfalls wirkungslos seien. er war einer der ersten. die mit anderen Therapien behandelt worden waren. förderten ernüchternde Ergebnisse zutage. als daß es wissenschaftlich genannt werden könnte«.

Andererseits stach keine Therapie heraus. (Die Mitglieder der Kontrollgruppe wurden in der Regel auf eine »Therapie-Warteliste« gesetzt.Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte gelangten Forscher. den das Amt für Technologiebewertung 1980 an seine Auftraggeber im Kongreß sandte. die Wirksamkeit der Psychoanalyse und anderer Psychotherapien zu evaluieren. die nicht therapiert wurden. ging es im allgemeinen besser als Mitgliedern der unbehandelten Kontrollgruppe. denjenigen. zitierten Luborsky und seine Mitarbeiter eine Episode aus Alice im Wunderland. Um die Tragweite dieses Befundes sinnfällig zu veranschaulichen. die die positive Wirkung einer psychotherapeutischen Behandlung feststellen.«27 Eine der einflußreichsten Evaluationsstudien über Psychotherapien trug den Titel »Comparative Studies of Psychotherapy: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«28 und erschien 1975 in den Archives of General Psychiatry. alle waren annähernd gleich wirksam. Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania. ging es im allgemeinen besser als denjenigen. die Wirksamkeit der Psychoanalyse zu evaluieren. Sie kamen zu dem Schluß. In dem Aufsatz werteten Lester Luborsky. die eine Therapie erhielten. daß sich eine Psychotherapie auszahle. der über einen Gesetzentwurf beriet. »Obgleich die Beweislage nicht völlig schlüssig ist«. heißt es in dem Bericht.) Ende der siebziger Jahre wies der US-Kongreß. der Versicherungsgesellschaften zur Übernahme der Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung verpflichten sollte. ans Ufer einer Insel schwammen. das mittlerweile aufgelöste Amt für Technologiebewertung an. in der Alice und andere Figuren. .122 . die in einem Meer aus Tränen trieben. zu einer positiveren Bilanz als Eysenck: Personen. die psychotherapeutisch behandelt wurden. »enthält die aktuelle Literatur mehrere hervorragende Forschungsstudien. die versuchten. wo sie tropfnaß an Land gingen. und zwei Kollegen Studien über verschiedene Therapien aus.

daß die Dodo-Hypothese richtig ist. der auf Mauritius lebte (A. noch ganz außer Atem. rief der Dodo plötzlich: ›Ende des Wettlaufs!‹. Rosenzweig hatte postuliert. wie es sich gerade traf. wann der Wettlauf eigentlich zu Ende war.30 Luborsky hat seine Befunde im Lauf der Jahre immer wieder aktualisiert und ist mittlerweile mehr denn je davon überzeugt.zwei . Die Episode entwickelte sich folgendermaßen: Er [der Dodo] legte zuerst die Rennbahn fest. aber keine Beweise für seine Behauptung vorgelegt. Nachdem sie indessen ungefähr eine halbe Stunde gelaufen und wieder ganz trocken geworden waren. und alle drängten sich. um ihn und fragten: ›Aber wer ist Sieger?‹ Diese Frage konnte der Dodo nicht ohne tieferes Nachdenken beantworten. wieder trocken zu werden. d. wann er wollte. und hörte auf. und jeder muß einen Preis bekommen!‹29 Luborsky erkannte dem Psychologen Saul Rosenzweig das Verdienst zu. eine Art Kreis (›auf die genaue Form kommt es nicht an‹. so Luborsky .Dort begegneten sie einem Dodo.der Nei* Ein ausgestorbener schwanengroßer Vogel. Ü. krankten an einem »Präferenzeffekt«. und so saß er längere Zeit hindurch da und legte die Zeigefinger an die Stirn (eine Haltung. der meinte. alle Psychotherapien seien vermutlich gleich wirksam.) . Endlich sagte der Dodo: ›Alle sind Sieger. den Ausdruck »Dodo-Hypothese« in einem Aufsatz aus dem Jahr 1936 geprägt zu haben. in der ihr gewöhnlich Shakespeare auf Bildern von ihm seht). während ringsum alles schwieg und wartete. ein Wettlauf um die Insel sei der beste Weg. Es gab kein ›Eins . wie es ihm einfiel. sagte er). so daß gar nicht so leicht zu entscheiden war. und die Mitspieler mußten sich irgendwo auf der Bahn aufstellen.drei – los! <.123 . sondern jeder begann zu laufen. welche auf die Überlegenheit einer bestimmten Therapie hindeuteten. Studien.

Luborsky enthüllte diese Präferenz 1993 in einem Kapitel. Die Studien haben sich bislang noch nicht mit den möglichen langfristigen Vorteilen befaßt. Als ich ihn anrief. Und sie haben . die für einen nicht signifikanten Differenzeffekt sprechen. Ich fragte ihn. die sie selbst praktizieren oder favorisieren. daß die [psychodynamischen] Therapien ungeachtet aller Belege. daß sie stimme.31 Anderseits hat auch Luborsky seine Präferenzen. um die Ergebnisse seiner Studien mit ihm zu besprechen. daß Sie mich das fragen. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja. die eine Art »Psychoanalyse light« sei. die beweisen. ob diese Belege vielleicht das Produkt eines »Metapräferenzeffekts« sein könnten. daß eine psychotherapeutische Behandlung positive Veränderungen bewirkt«. Psychotherapien seien gänzlich wirkungslos. Gegen Ende des Kapitels versuchten Luborsky und seine Mitarbeiter mit einem »imaginären Dialog« einige Fragen zu beantworten. Belege für die Wirksamkeit jener Therapie zu finden. ja nicht einmal in Erwägung gezogen. Hauptthema des Kapitels war die DodoHypothese. Zudem hat Luborsky unter allen Gesprächstherapien eine eindeutige Vorliebe für die psychodynamische Therapie. Ein Wortwechsel in dem Dialog lautete folgendermaßen: Frage: Glauben Sie nicht. sagte er. der eine bestimmte Therapie bevorzuge.gung von Forschern. aber er bezweifle. die Behauptung von Hans Eysenck und anderen zu widerlegen. »Es gibt eine Fülle von empirischen Daten.124 . denn schließlich sei ein Forscher. Luborsky antwortete. die noch nicht erkannt wurden? Antwort: Ich bin froh. die durch ihre Version der Dodo-Hypothese aufgeworfen wurden. einige besondere Vorzüge aufweisen. das er mit Koautoren für Psycho dynamic Treatment Research: A Handbook for Clinical Practice schrieb. er habe diese Möglichkeit nicht geprüft. bemühte er sich. vermutlich auch vom Nutzen der Psychotherapie im allgemeinen überzeugt.

32 Luborsky. der auf Frederick Crews' Artikel »The Unknown Freud« in der New York Review of Books reagierte.34 Luborsky wies Crews' Behauptung zurück. Er hat eine ausgeklügelte Hypothese über die Beziehung. die sich in einer erfolgreichen Therapie zwischen Patient und Therapeut entwickelt. die sich stark an den Freudschen Begriff der Übertragung anlehnt. Er hoffe.« Psychotherapie als Placebo Im Jahr 1993 enthüllte Luborsky in einem Leserbrief. jemand. die Psychoanalyse sei »eine nicht sonderlich erfolgreiche und äußerst ineffiziente Methode zur Behebung neurotischer Symptome«. daß bei allen vergleichenden Studien über verschiedene Formen von Psychotherapien der überwältigende Trend dahin geht. seine fortbestehende Präferenz für die Psychoanalyse. lautet.auch den Unterschied zwischen Änderungen bei den Symptomen und Änderungen in der allgemeinen Anpassung noch nicht gründlich genug erforscht.33 Die Quintessenz dieser Hypothese.125 . daß »ein Bündnis geschmiedet wird und daß beide neue Erkenntnisse gewinnen. weshalb. daß es keine signifikanten Unterschiede im therapeutischen Erfolg gibt. Dies wird dadurch bewiesen. der halbwegs bei Verstand . wenn alle Psychotherapien gleichwertig seien. aufgestellt. gestand mir. daß er nach wie vor viel von psychoanalytischen Theorien der Psyche halte. daß bei weiteren Forschungen die nützlichen Komponenten psychodynamischer Therapien identifiziert würden. Die Psychoanalyse sei »vermutlich mindestens ebenso wirksam wie andere Formen der Psychotherapie. so daß man sie wirkungsvoller gestalten könne. der auch eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert hat.« Crews konterte mit der Frage. Das ist die einfachste Formel dafür.

betonte er. deute darauf hin.sei. sich ausgerechnet für die teuerste und zeitraubendste Psychotherapie von allen. Arthur Shapiro. »lautet. daß Psychotherapien (wenn überhaupt) aufgrund von Faktoren wirken. so Crews weiter. Scheinmedikamente. In einem Aufsatz. Der Begriff Placebo leitet sich von der lateinischen Verbform placebo. unter anderem Schlangenhaut. alle Placebos waren«. die Seelenandachten zu singen. war eine Kapazität auf dem Gebiet des Placebo-Effekts.126 . daß »die Geschichte der Medizin bis in die jüngste Vergangenheit hinein im wesentlichen die Geschichte des Placebo-Effekts war«36. die Ärzte verordneten. den er gemeinsam mit einem Koautor kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 schrieb. der man eine stärkende Wirkung zuschrieb. schließlich. Ein weitverbreitetes Allheilmittel war Theriak.35 Auch die Abendgottesdienste selbst wurden gelegentlich Placebos genannt. die Psychoanalyse. her. mit der die römisch-katholische Seelenandacht für Verstorbene beginnt. desgleichen die Angehörigen des Berufsstandes der Kantoren. die ihnen allen gemeinsam sind – und dies sind Placebo-Faktoren. »ich werde gefallen«. aber unwahrscheinlichen Ausnahmen. wurde Theriak von europäischen Ärzten bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts verordnet.« Der Placebo-Effekt war lange Zeit ein Schreckgespenst der modernen Medizin.37 . Später bezeichnete der Begriff Speichellecker und Schmeichler und. Professor für Psychiatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York. die vor dem Aufkommen der modernen Medizin eingesetzt wurden. daß »abgesehen von einigen wenigen möglichen. um ihren Patienten eine Gefälligkeit zu erweisen. Erstmals vor eintausendachthundert Jahren von dem griechischen Arzt Galen beschrieben. »Die eigentliche Botschaft von Luborskys Arbeit«. Die kritische Sichtung der vielen tausend Heilmittel. entscheiden solle. das aus Dutzenden von Ingredienzien bestand. die man beauftragte.

die in Erfüllung gehen können. Galen schrieb einmal: »Der hat den größten Heilerfolg. die mit dem . läßt seine Wirksamkeit nach. Bluthochdruck und Warzen führen. in den die Menschen das größte Vertrauen setzen. daß Patienten auf neue Medikamente besser ansprächen als auf ältere.40 Der Prozentsatz der Patienten. daß Placebos zu einer meßbaren Linderung solcher Leiden wie Asthma. bevor sie ihre Wirkung verliert.41 Man verglich die Patienten. Wenn dann im Lauf der Zeit der innovative Charakter des Medikaments verblaßt und seine Nebenwirkungen und Grenzen deutlicher werden. es sei lange Zeit ein unumstößliches Dogma der überkommenen medizinischen Lehre gewesen. die 1955 von Henry Beecher veröffentlicht wurde.Erwartungen. die einem potenten Pharmakon zugeschrieben wird«. daß die wichtigste Zutat dieser Scheinarzneien vermutlich der Glaube der Patienten an ihre Wirksamkeit war. vielmehr kann er verblüffende physiologische Wirkungen auslösen. die durch eine Mangeldurchblutung des Herzens hervorgerufen werden. einer chirurgischen Behandlung für Brustschmerzen.127 . die bei verschiedenen Erkrankungen auf ein Placebo ansprachen. Eine wegweisende Studie. ergab. Der Placebo-Effekt beruht jedoch keineswegs nur auf Einbildung. Die Wirksamkeit des Scheinpräparats »übertrifft mitunter diejenige. benutze die neue Arznei. bewährte. Bei manchen Verfahren ist das Placebo sogar deutlich überlegen. schnell.«39 Die Einführung eines neuartigen Medikaments erzeugt bei Ärzten und Patienten oft überzogene Erwartungen . Dieses Syndrom komme in einer alten ärztlichen Maxime plastisch zum Ausdruck: »Schnell.«38 Arthur Shapiro wies darauf hin. In den fünfziger Jahren führten Forscher eine klinische Studie über die Wirksamkeit der sogenannten arteriellen Ligatur durch. bewegte sich laut Beecher zwischen dreißig bis vierzig Prozent.Heilkundige erkannten schon vor langer Zeit.

Autosuggestionen (Vitamine. Ader gab den Überlebenden nun mit Saccharin gesüßtes Wasser. und viele gingen ein.eine Branche mit einem Jahresumsatz von dreißig Milliarden Dollar). Auch diese Ratten. das nicht mit Cyclophosphamid versetzt war. daß hundert Prozent der mit dem Placebo-Verfahren . Der Psychiater Arthur Shapiro meinte: Die Macht des Placebos spiegelt sich in der Allgegenwart von Betrügereien (Quacksalberei . das Cyclophosphamid enthielt. bei denen lediglich oberflächliche Einschnitte in die Brust gemacht wurden. ganzheitliche und alternative Behandlungen – eine 13. übermäßiges Jogging. die durch den vorangehenden Kontakt konditioniert worden waren. die Übelkeit hervorruft und stark immunsuppressiv wirkt. (Heute werden keine arteriellen Ligaturen mehr vorgenommen. ging es anschließend besser.der Scheinoperation . Das süß schmekkende Wasser allein genügte.Verfahren behandelt wurden. wie Experimente in den siebziger Jahren ergaben.42 Alle Ratten wurden krank. Der Psychologe Robert Ader von der Universität Rochester gab Ratten mit Saccharin gesüßtes Wasser. einige gingen sogar ein.128 . Dies ist eine recht beachtliche Erfolgsquote. Änderungen des Lebensstils oder Methoden der Selbsthilfe. wie Ökotherapie. bei denen eine arterielle Ligatur vorgenommen wurde. bei dem negative Erwartungen in Erfüllung gehen. naturnahe Lebensführung und meditative Immuntherapie.) Das Gegenstück des Placebo-Effekts ist der Nocebo-Effekt. um das Wachs. Spiritualität (religiöse und parapsychologische Heilverfahren). Ökodiät.9-Milliarden-Dollar schwere Branche) und Modetrends (New Age.Behandelten eine subjektive Besserung spürten. mit einer Kontrollgruppe. wurden krank. Sechsundsiebzig Prozent der Patienten. Unglaublicherweise zeigt sich dieser vermeintlich »psychische« Effekt selbst bei Säugetieren. wäre da nicht die Tatsache gewesen. um eine tödliche Immunsuppression auszulösen. eine chemische Verbindung.

wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmen. heilsam und wirkungsvoll ist .was übrigens auch für viele bemerkenswerte Placebo-Behandlungen gilt -. »Zu unserem Erstaunen und unserem Verdruß zeigten die Patienten in allen drei Gruppen die gleiche durchschnittliche Besserung ihrer Symptome«. die aus lediglich einer halbstündigen Sitzung alle zwei Wochen bestand. tauchen diese Therapien wie in einem brodelnden Hexenkessel kaum. wöchentliche Gruppentherapie und minimale Einzeltherapie. daß Psychotherapie für viele Patienten nützlich. die man in der Hoffnung miteinander mischte. meinte Shapiro. emeritierter Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität. einige davon würden schon wirksam sein«.43 Der Placebo-Effekt könne durchaus auch der bestimmende Wirkfaktor von Psychotherapien seien. bleibt die verzwickte Frage: Steckt hinter einer Psychotherapie mehr als bloß der Placebo-Effekt?«44 Vielleicht nicht. einem »planlos zusammengestellten Gebräu aus zahllosen unspezifischen Bestandteilen. Frank wurde durch das Resultat seiner eigenen Forschungen widerwillig zu dieser Schlußfolgerung gedrängt. der Einsatz dieser Therapien würde in dem Maße zurückgehen. daß »die Linderung von Angst . daß sie verschwunden sind.45 Auf der Grundlage dieser und anderer Untersuchungen gelangte Frank zu dem Schluß. in leicht abgewandelter Gestalt wieder auf. Er fuhr fort: »Obgleich allgemeines Einvernehmen darüber besteht. erinnerte sich Frank. Ungeachtet der berechtigten Erwartung.turn und die Vitalität von guten weißen Blutkörperchen zu fördern und bösartige Zellen zu zerstören). meinte zumindest Jerome Frank.129 . Er verglich die Psychotherapie mit dem mittelalterlichen TheriakTrank. Ende der fünfziger Jahre behandelten er und seine Mitarbeiter depressive Patienten mit einer von drei Therapieformen: wöchentliche Einzeltherapie.

Patienten zu »heilen«. Der spezifische theoretische Bezugsrahmen. Julia Frank. die Wahrheiten in diesen Disziplinen sind Wahrscheinlichkeiten. betrachtet werden: »Die Methoden des Psychotherapeuten und des Rhetorikers sind zugegebenermaßen lediglich dazu gut. »Ich denke. die psychotherapeutisch behandelt wurden. als ich ihn 1996 anrief. sie zu erreichen. nicht mit wissenschaftlichen Methoden präzise erfassen und messen ließen.«47 Frank verglich die . In Anbetracht dessen zeigte sich Frank verwundert über die Heftigkeit der Angriffe auf Freud. er sei kein Wissenschaftler gewesen. bei einem bestimmten Patienten einen Placebo-Effekt auszulösen. Er bezweifelte. nicht. daß möglicherweise dieselben Faktoren beteiligt sind«46.130 . »Man hat Freud zum Vorwurf gemacht. da sich die Eigenschaften. innerhalb dessen Therapeuten arbeiten. die einem bestimmten Therapeuten ermöglichten. der Kunst der Überzeugung.« Frank legte seine Sichtweise in dem Buch Persuasion and Healing dar. Das bedeutet. seine Patienten davon zu überzeugen. habe wenig oder gar nichts mit ihrer Fähigkeit zu tun. versicherte Frank. die Psychotherapie solle nicht als ein Zweig der Wissenschaft. der Wahrheit nahezukommen. Er war ein großer Mythenschöpfer. Howard Gardners Auffassung von der Psychologie vorwegnehmend. was darauf hindeutet. Der wichtigste Faktor sei die Fähigkeit des Therapeuten. sagte mir Frank. dessen erste Ausgabe 1961 erschein und das seither zahlreiche Neuauflagen erlebte (die jüngste besorgte Frank zusammen mit seiner Tochter. die als Psychiaterin in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist). doch das geht am Wesentlichen vorbei. daß meine Auffassung bestätigt worden ist«. daß sich die Wirksamkeit – oder Wirkungslosigkeit – einer beliebigen Form von Psychotherapie wissenschaftlich nachweisen lasse. sondern der Rhetorik. der Placebo-Wirkung sehr ähnelt. schrieb Frank. daß sich ihr Zustand bessern werde. keine Gewißheiten.und depressiver Verstimmung bei ambulanten psychiatrischen Patienten.

dem anderen einer.131 . Crews bevorzugte Behandlungen wie die . Allerdings zögen auch viele Patienten Heiler vor. alle Psychotherapien seien mehr oder minder gleichwertig hinsichtlich ihrer Fähigkeit. indem sie »Symbole der Wissenschaft« wie etwa Diplome oder einen Arztkittel oder ein Stethoskop zur Schau stellten. Selbstverständlich sprächen verschiedene Patienten auf unterschiedliche Therapeuten an. Bei einigen Patienten »scheint der Glaube an die Wissenschaft noch immer die vorherrschende Quelle symbolischer Heilkraft zu sein«. Die klinische Geschichte eines Patienten »gleicht einem Text und die Psychotherapie einer gemeinsamen Anstrengung von Patient und Therapeut. seinen Sinn herauszufinden«. Dem einen liege ein Therapeut. daß die Psychoanalyse bestenfalls wertlos sei.Psychotherapie auch mit der Literaturwissenschaft. der gefühlvoll und einfühlsam. Der erbitterte Freud-Kritiker Frederick Crews beharrte mir gegenüber darauf. Bei ihnen könnten Schamanen und Gesundbeter vermutlich mehr ausrichten als Psychiater und klinische Psychologen. sowenig wie es die eine richtige Form der Lektüre eines Buches gibt. und verschiedene Psychotherapeuten legten die Äußerungen und die klinische Geschichte ein und desselben Patienten in unterschiedlicher Weise aus. Verschiedene Leser fänden im selben Text unterschiedliche Bedeutungen. die sich unwissenschaftlichen Mythen verschrieben.48 Es gebe nicht die eine richtige Methode für die Behandlung eines Patienten. Patienten zu helfen.49 Psychotherapeuten könnten daher möglicherweise ihren Erfolg verbessern. der autoritär und kühl sei.50 Therapien im Hier und Jetzt Viele Experten widersprechen entschieden der Behauptung. während die erinnerungsaufdeckende Therapie sogar verheerende Folgen haben könne.

Crews ist nicht der einzige. die kognitive Verhaltenstherapie könne schon nach relativ kurzer Zeit zu langfristigen Verbesserungen des psychischen Befindens führen. behauptete. (Bei einer Variante der kognitiven Therapie fordert der Therapeut den Patienten mehrfach auf. welche die Probleme eines Patienten nicht weiter hinterfrage und eine »hilfreiche Einstellung im Hier und Jetzt« fördere. die den Patienten belasten .ist ihre spezifische Ausrichtung. Brody leitete ihre Kolumne mit der obligatorischen Anekdote über eine Frau . sein Sexualleben oder seine soziale Kontakthemmung beklagt. Bulimie. sollte der Therapeut »dies wörtlich nehmen und herausfinden.kognitive Therapie. Trunksucht. der ehemalige Präsident der American Psychological Association und ein bekannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Ein Grund für die Beliebtheit der kognitiven Therapie – und einer engverwandten Abart.51 Wenn sich der Patient über seinen Arbeitsplatz. Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania.)53 Im Jahr 1996 berichtete die Gesundheitskolumnistin der New York Times. Jane Brady. wo die Stärken dieser Person liegen. der sich in diesem Sinne für die kognitive Therapie ausspricht. Reizbarkeit gegenüber dem Ehepartner oder Kindern. welche Ressourcen sie hat. der kognitiven Verhaltenstherapie . jüngste Studien bescheinigten der kognitiven Therapie eine gewisse Überlegenheit.52 Die American Psychological Association empfiehlt die kognitive Therapie zur Behandlung von Panikstörungen und anderen Problemen.132 . Patient und Therapeut konzentrieren sich auf exakt die Symptome oder Krankheiten. und sie bei der Problembewältigung unterstützen«. Der pragmatische. konkrete Ansatz gefällt vielen Patienten und praktisch allen Krankenversicherungen. angstauslösende Situationen zu beschreiben.Rauchen. obsessives Händewaschen. worauf er ihn wiederholt mit einem lauten »Halt!« unterbricht.

unbegründeter Furcht gekennzeichnet ist. Der Therapieerfolg war bei beiden Gruppen von Patienten gleich. Die Forscher untersuchten Patienten. so das Fazit von Shear und Mitarbeitern in den Archives . die »reflektierendes Zuhören« genannt wird und bei der die Therapeuten den Patienten verständnisvoll zuhörten. die die vermeintliche Überlegenheit der kognitiven Therapie beziehungsweise ihrer Variante. ohne ihnen jedoch spezifische Ratschläge zu geben. ›Er hat mir das Leben gerettet‹«. Studien hätten »gezeigt. die von M. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als passende Behandlung für Panikstörungen. einer Psychiaterin an der Universität Pittsburgh.das änderte sich erst. »die sich fast ihr ganzes Leben lang mit den lähmenden Folgen einer depressiven Erkrankung herumschlug [..133 . Die andere Gruppe erhielt eine PlaceboTherapie. die durch das plötzliche Einsetzen extremer. daß die Erfolge einer kognitiven Therapie lange anhalten und daß die Rückfallraten viel niedriger sind als bei anderen psychotherapeutischen Verfahren«. belegen. Katherine Shear..] Jahrelange Psychotherapien einschließlich einer Psychoanalyse brachten keinerlei Linderung ihres seelischen Leidens . als sie regelmäßig zu einem kognitiven Therapeuten in Behandlung ging. bestätigt. zu der auch mentale und körperliche Übungen gehörten. zitierte Brody die Frau und behauptete im weiteren. der kognitiven Verhaltenstherapie. Sein skeptisches Urteil wurde durch eine Studie über die kognitive Verhaltenstherapie. Diese Daten. durchgängig durch den Präferenzeffekt beeinträchtigt.54 Nach Lester Luborsky wird die Aussagekraft der Studien.mittleren Alters ein. Die Forscher teilten ihre Probanden in zwei Gruppen ein. einer Erkrankung. Eine Gruppe wurde in zwölf Sitzungen mit der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie behandelt. die an Panikstörungen litten. die den Panikattacken entgegenwirken sollten. und drei Kollegen durchgeführt worden war.

Andere Forscher bemühten sich vergeblich. Smith und Glass bestätigten auch die Dodo-Hypothese: sämtliche Therapien waren hinsichtlich des Behandlungserfolgs annähernd gleichwertig. die an Störungen wie Angstneurose und Depression litten. Zweitens.134 . verbessert sich auch nicht mit zunehmender Erfahrung.55 Der Mythos von der Sachkompetenz Die Dodo-Hypothese hat mindestens zwei wichtige Konsequenzen. Bei einem Experiment wurden Patienten. die Ergebnisse von Smith und Glass zu widerlegen. Und die Fähigkeit von Therapeuten. die von den Psychologen Mary Smith und Gene Glass in einem 1977 im American Psychologist veröffentlichten Artikel beschrieben wurden. Patienten zu helfen. »werfen Fragen hinsichtlich der spezifischen Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie auf« . Psychiater.of General Psychiatry vom Mai 1994. es gab auch keine Korrelation zwischen der Effizienz der Therapeuten und ihrer Qualifikation und Erfahrung. es gab keine Korrelation zwischen dem Zeitaufwand für eine Therapie und dem Nutzen. den der Patient daraus zog. Anders ausgedrückt. Psychologen mit einem Universitätsdiplom und Sozialarbeiter mit einem Fachhochschuldiplom sind alle gleich effizient beziehungsweise ineffizient. Erstens. daß Psychotherapien wirksam sind: behandelten Patienten ging es besser als unbehandelten. durch Zufallsauswahl auf zwei verschiedene Gruppen von »Therapeuten« verteilt: eine Gruppe bestand .56 Nach der Auswertung von 375 Psychotherapiestudien zogen Smith und Glass mehrere Schlüsse. Die Psychotherapeuten konnten mit diesen Feststellungen leben. die ein Medizinstudium absolviert haben. doch zwei weitere Befunde von Smith und Glass trafen sie ziemlich unvorbereitet. Wie Luborskys Gruppe stellten auch sie fest.

werde den Patienten schaden. Die Forscher. Dawes wurde daraufhin zu einem Kritiker von Standesorganisationen wie der American Psychological Association und der American Psychiatrie Association. die dieses Experiment ausführten.135 . Studienergebnisse zeigen dagegen klar. Beide Vereinigungen erklärten. die keinerlei psychologische Ausbildung hatten. Ende der siebziger Jahre werteten Dawes (damals an der Universität von Oregon) und ein Kollege die von Smith und Glass analysierten Studien nochmals neu aus und gelangten zum selben Schluß. um mit den unvorhersehbaren Schwierigkeiten fertig zu werden. Professor am Fachbereich Sozial. Wie sich herausstellte.darunter zahlreiche Psychiater -. daß selbst eine Person mit einer psychologischen Schmalspurausbildung unwillkürlich diese . die für sich selbst in Anspruch nehmen. »sind aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer klinischen Erfahrung sehr viel besser gerüstet. Dawes dagegen schrieb in seinem 1994 erschienenen Buch House of Cards: Psychology and Psychotherapy Built on Myth: »Diejenigen. so beteuerten sie. psychologische Prinzipien effizienter anzuwenden. ihre ›Erfahrung‹ erlaube es ihnen.aus echten. behaupten oftmals. der den Ergebnissen von Smith und Glass zunächst skeptisch gegenüberstand. Experten für die Behandlung psychischer Erkrankungen zu sein .«57 In Anbetracht der Daten der Forscher war dieses Fazit Ausdruck schieren Wunschdenkens. die bei der Interaktion mit den meisten Patienten auftreten. fachkompetenten Psychologen und die andere aus Hochschulprofessoren. waren über ihre Ergebnisse nicht unglücklich. die kein Medizinstudium oder keine einschlägige Hochschulausbildung absolviert haben. als es Laien möglich sei. war das Ausmaß der Besserung des subjektiven Befindens der Patienten in beiden Gruppen gleich. die starke Zunahme von Psychotherapeuten.und Entscheidungswissenschaften der Carnegie-Mellon-Universität. »Fachlich geschulte Psychologen«. Ein anderer Beobachter. war Robyn Dawes.

/ Want to Live!). So kalkuliert eine Versicherungsgesellschaft beispielsweise das Unfallrisiko eines ledigen fünfundzwanzigjährigen Mannes. die Psychologen bei der Befragung von Patienten einsetzten. prophezeien das Verhalten eines Individuums auf der Basis von Daten anderer Menschen.und Methodenwissen. irgendeinen diagnostischen oder prädiktiven Wert besäßen. die von Versicherungsgesellschaften und anderen Unternehmen eingesetzt werden. bei dem der Proband die Gedanken und Gefühle äußern soll. sie sei unschuldig. als es Laien könnten. klinische Psychologen verfügten über ein spezielles Fach. Ein Rorschachtest spielte eine wichtige Rolle in dem 1958 gedrehten Melodrama Laßt mich Leben! (Orig. Dawes stellte die gängige Auffassung in Frage. die wegen Mordes vor Gericht steht. die ihm in demographischer Hinsicht ähneln. Ein vielbenutztes psychologisches Testverfahren ist der Rorschachtest.) Es gebe keine Beweise dafür. erklärt er.136 . das ihnen erlaube. Sogenannte versicherungsmathematische Methoden sagen Dawes zufolge das künftige Verhalten von Menschen weit zuverlässiger voraus als die klinischen Verfahren der Psychologen. (Sie wird dennoch in der Gaskammer hingerichtet. der wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zweimal zu einer . die Vergangenheit eines Patienten besser zu verstehen und seine Zukunft treffsicherer vorherzusagen. daß Rorschachtests oder ähnliche Verfahren. betonte Dawes. die eine Tintenklecksfigur in ihm auslösen. daß »wir bei dem Versuch. in dem Susan Hayward eine Frau spielt. viel stärker als bisher auf wissenschaftlich wohlfundierte gemeindenahe Programme und auf ›Hilfskräfte‹ zurückgreifen sollten«. seelisches Leiden zu lindern.Prinzipien mindestens genauso effizient einsetzt.«58 Er sprach sich dafür aus. Versicherungsmathematische Methoden.59 Nachdem ein Psychologe (gespielt von Theodore Bikel) die Frau einem Rorschachtest unterzogen hat.

die sie dringend benötigten.) Auch der Psychiater E. deren Alter. Familienstand und Verkehrsstrafenregister identisch ist. In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud kritisierte er. so Dawes. Psychologen und Sozialarbeiter . Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum Es ist nicht verwunderlich. daß versicherungsmathematische Methoden bei der Prognose des künftigen Verhaltens psychiatrischer Patienten und Straftäter durchgängig den sogenannten klinischen Verfahren überlegen seien.Geldbuße verurteilt wurde. Im Dezember 1995 schickte der Vorsitzende des Fachbereichs Psychologie der Rutgers-Universität Mitgliedern des Fachbereichs ein Memorandum. daß einige Fachleute für seelische Gesundheit auf der Grundlage der bisherigen Erfolgsbilanz von Psychotherapien den Schluß gezogen haben.137 . daß alle Verliererinnen seien und keine einen Preis verdiene. Der Wert einer Weiterbildung in Gesprächspsychotherapie ist durch jüngste Daten. Es habe sich gezeigt. ernsthaft in Frage gestellt worden. (Bislang wurde das Programm nicht eingestellt. Füller Torrey sprach sich für solche Maßnahmen aus. in dem es heißt: »Ich sehe keinen Grund. nämlich an schweren psychotischen Störungen Leidenden. vorbei.«60 Der Vorsitzende plädierte im folgenden dafür. weshalb die Universität überhaupt ein spezielles Lehrprogramm für Psychotherapie anbieten soll. auf der Grundlage der Unfallhäufigkeit von Männern. daß eine solche Weiterbildung völlig unnötig ist (vgl. Rutgers solle sein Ausbildungsprogramm in angewandter Psychologie und Psychotherapie abschaffen. Er stellte fest. daß die überwiegende Mehrheit der Psychiater. die ziemlich schlüssig nachweisen. die Psychoanalyse und andere Psychotherapien leiteten wertvolle Ressourcen an Personen. Robyn Dawes' House of Cards).

bedauerte »die traurige Tatsache. diese Tatsache ist ein weiteres Erbe der Freudschen Theorie«62. Nachdem er mir den Weg zum Zentrum beschrieben hatte. und dies. ich solle mich an Schildern mit der Aufschrift »Ihr. die direkt oder indirekt auf der Freudschen Theorie fußen«. daß ich erst nach einigen Augenblicken begriff. das vom Hudson River Psychiatrie Center unterhalten wird. das nördlich von Poughkeepsie im Bundesstaat New York liegt.138 .63 Nachdem ich im Herbst 1997 von dem Museum gehört hatte. daß es unter den Obdachlosen in den Vereinigten Staaten 200000 psychisch Kranke gibt. der dort als Forschungsleiter arbeitete. die einst Patienten beherbergt hatten. Er sagte dies mit so ausdrucksloser Stimme. sagte er mir. man könne das Museum nur nach Voranmeldung besuchen. daß er gescherzt hatte. einem klinischen Psychologen. verwitterte Sperrholzplatten verschlossen die Fenster zweier Flügel. laßt alle Hoffnung fahren« orientieren. Es wirkte zugleich abstoßend und verlassen. Torrey.61 Menschen mit schweren psychotischen Störungen wie Schizophrenie und manischdepressiver Erkrankung »benötigen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen statt Gespräche über frühkindliche Erfahrungen«. wie es Christenfeld beschrieben hatte: eine »klassische. die Ihr hier eintretet. er würde mich gern auf einem Rundgang begleiten. Er sagte mir.in den Vereinigten Staaten »ihre Zeit mit Beratungsgesprächen und Psychotherapien verbringt. Das Hauptgebäude des Hudson River Psychiatrie Center sah genauso aus. obwohl Amerika mehr Fachleute für seelische Gesundheit hat als jedes andere Land der Welt. aber . im viktorianischen Gotikstil erbaute Nervenheilanstalt aus roten Ziegeln«. Ich bekam einen etwas anderen Eindruck von dem Problem der Menschen mit schweren Psychosen. als ich einen Rundgang durch ein Museum machte. die nicht behandelt werden. rief ich das Zentrum an und wurde zu Roger Christenfeld durchgestellt. dessen Schwester an Schizophrenie leidet. behauptete er.

daß Patienten künftig Überlebende des Sy. die mit Windjacken und Hüten bekleidet waren. Obgleich es ein verregneter. »Es gab mehrere Änderungen. schlugen ein Mann und eine Frau. die sich für die Interessen psychisch Kranker einsetzten. hätten den Ausdruck Patient als entwürdigend abgelehnt und ihn durch andere Ausdrücke ersetzen wollen. ja pedantischen Auftreten verbarg sich ein sardonischer Humor.dann zu Konsumenten. daß sich verschiedene Interessengruppen dafür einsetzen. Wir richteten sogar ein regelrechtes Kaufhaus für Behandlungen ein. betrat ich das Verwaltungsgebäude und ging weiter in Christenfelds Büro. Doch hinter seinem förmlichen. Die Heilanstalt stand auf einem sanft abfallenden Hügel. denn stationäre Patienten dürfen nicht in der Parkanlage umherstreifen. das sei die amerikanische Bezeichnung par excellence . Es ist schwer.) Nachdem ich durch ein Tor in einem ungestrichenen Lattenzaun gegangen war. wo sich die Patienten mit Anbietern von Therapien austauschen konnten. als stünde er für ein Porträtbild Modell. Als wir das Verwaltungsgebäude verließen und Richtung Museum gingen. Patienten oder Angestellte? (Zweifelsfrei Angestellte.obwohl man meinen sollte. Die Klienten wurden .139 . Ich wurde von einem mittelgroßen Mann mittleren Alters begrüßt. Er sagte. Aus Patienten wurden zunächst Klienten. der ein Sportsakko und eine Freizeithose trug und eine seltsam förmliche Ausstrahlung hatte. Und kürzlich hörte ich. einige Gruppen. wie ich später erfuhr. nämlich zu Konsumenten psychiatrischpsychologischer Dienstleistungen.jetzt leer standen. auf dem laufenden zu bleiben. stürmischer Tag war. schlug er die Absätze seiner Schuhe zusammen und nahm eine steife Haltung ein. der mit Rasen überzogen war und als kleiner Golfplatz diente. wenn er sprach. Golfbälle in Richtung einer Flagge. schilderte mir Christenfeld seine ziemlich desillusionierte Sicht der psychiatrisch-psychologischen Heilberufe.

in dem knappe Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden müssen. wie Eltern ihre Kinder erziehen und wie sie leben. um zu wissen. »Im Moment sind die meisten Psychiater davon überzeugt. schlechte Kindererziehung und sozialen Streß zurückzuführen seien. Es verwundere nicht. und schon wäre viel erreicht. die psychisch Kranke behandeln. durch die erstere verdrängt worden sei. eher eine luxuriöse Randerscheinung«. »Die Psychiater nahmen immer eine schmerz.« Der Glaube an die Psychoanalyse ähnele dem Glauben an die Wandlung der Seele. daß psychische Störungen auf Desintegration. insbesondere was die Ätiologie der wichtigsten psychischen Erkrankungen betrifft«. daß es da ein zyklisches Muster gibt. Sie sei »nicht bewiesen«. daß die Psychiater unserer Tage so biologistisch seien. Als ich zu arbeiten begann.« Diejenigen. zu verändern. sagte er. »Zu jedem beliebigen Zeitpunkt besteht unter den Psychiatern ein mehr oder minder breiter Konsens hinsichtlich ihrer Ideologie und ihrer Lehrmeinung. das manche als ein ihnen feindlich gesinntes ansehen. »und aus diesem Grund ist sie in einem Umfeld. Ich bin jedoch lange genug im Geschäft.140 . die dafür sprechen. Es gibt einige Indizien. Wir brauchten also nur die Art und Weise. daß diese ideologischen Ansichten im Zeitablauf mit dem politischen Klima einer Kultur kovariieren. daß sie eigentlich keine meßbare Wirkung hat.« Christenfeld war kein Anhänger der Psychoanalyse.stems der psychiatrischen Gesundheitsfürsorge genannt werden. glaubten alle. »Sie entzieht sich weitgehend einer empirischen Überprüfung. wenn man versucht [sie zu evaluieren]. zeigt sich. und jedesmal. sagte Christenfeld. physiologische oder genetische Ursachen haben. seien allerdings ebenso modeanfällig. fuhr er fort. Wenn aber die Psychoanalyse einen »religionsähnlichen« Charakter habe. gelte das gleiche auch für die biologisch ausgerichtete Psychiatrie. daß die wichtigsten psychischen Erkrankungen biochemische.

Um sich von diesem Image zu befreien.« Andere »haben eine sehr hohe Streßschwelle. eine nicht bestandene Prüfung in Integralrechnung -.« Insbesondere während der Blütezeit der Psychoanalyse seien Psychiater als Ärzte betrachtet worden. die von der Decke gefallen waren. Wir wollen nichts von diesem ganzen Erlebniszeug hören. daß »der Schlüssel zu allem in den Neurotransmittern und den Rezeptoren liegt.ein Strafzettel. die rein physiologische Behandlungen erforderten. gesehen. zumindest seit der Gründung dieses Krankenhauses im Jahr 1871. daß jeder Mensch eine spezifische Höchstbelastungsgrenze hat. sprenkelten den gefirnißten Holzboden. Als wir das Gebäude betraten. Diese Theorie besagt im wesentlichen.« Doch dieser Ansatz sei nicht viel erfolgreicher gewesen als die Psychoanalyse.141 . Sie hätten darauf beharrt.liehe Außenseiterposition unter den Ärzten ein.« Schließlich gelangten wir zum Museum. an dessen Basis und Armlehnen . um eine Schizophrenie zu entwickeln. verkündete Christenfeld: »Hier sehen Sie in objektiver Form die Geschichte der Psychiatrie. Unmittelbar hinter der Eingangstür standen mehrere alte Ruhigstellungsapparate. etwa ein Holzstuhl mit hoher Rückenlehne. seien zahlreiche Psychiater ins entgegengesetzte Extrem verfallen und hätten in psychischen Erkrankungen nur noch rein physiologische Störungen. Christenfeld neigte zu der Auffassung. Farbspäne. Einige Menschen brauchen nur ein geringes Maß an Streß . die ihre Patienten nicht operierten und ihnen auch keine Medikamente verabreichten. »Die genetische Komponente legt schlicht die Streßschwelle fest. daß die Schizophrenie sowohl durch genetische Faktoren als auch durch Erfahrungsfaktoren verursacht werde. und sie brechen erst nach einem dreimonatigen Kampf an der Front psychisch zusammen.« Wir standen in einem großen schwach erleuchteten höhlenartigen Raum. das einem übergroßen verfallenen Mausoleum gleicht. sondern »einfach dasaßen und plauderten«.

Die gängigsten physischen Zwangsmittel sind Handfesseln. ein altes Schreibpult und einen Schaukelstuhl. welche Form der Ruhigstellung sie wünschen. Als wir weiter durch das Museum schlenderten. heute nur noch selten in psychiatrischen Kliniken verwendet werde. Heute können Patienten bei ihrer Aufnahme in eine Klinik angeben. Die Patienten hätten einen Bau. mit denen ein Patient an ein Bett gebunden wird. Neben dem Beruhigungsstuhl stand die »Utica-Kiste«. Ventilatoren. An der Wand hinter der Kiste hing eine Zwangsjacke. eine weibliche Schaufensterpuppe mit einem blauen Kleid und weißer Schürze. stießen wir auf etwas angenehmere Artefakte. Die Kiste wurde an Ketten aufgehängt und vor. Kämme und. auf die Kiste starrend.und zurückgeschaukelt. die die Patienten davon abhielt. In Kopfhöhe befand sich eine mit Leinwand bezogene Kiste. der oben und an den Seiten Querstangen aufwies.Gurte befestigt waren und der ein Loch im Sitz hatte. meinte Christenfeld. falls oder wenn sie die Kontrolle über sich verlieren. eine Schusterbank mit Werkzeugen und Lederstücken. die an einem Gürtel um die Taille des Patienten befestigt werden. »Sie können sich bestimmt gut vorstellen. der Uniform von Auszubildenden einer Krankenpflegeschule. die einem Sarg glich. Flaschen. zu meiner Überraschung. Die Anstalt sei eine autarke »totale Gemeinschaft« gewesen. eine große Trommel mit dem Aufdruck »HRSH [Hudson River State Hospital]-Band«. die einst der Nervenheilanstalt angeschlossen war. Dieser »Beruhigungsstuhl nach Rush« war zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von Benjamin Rush entworfen worden. sich gegenseitig zu beißen oder zu bespucken. wie man sich da drin gefühlt haben muß«. und Riemen. Staubige Vitrinen enthielten Stoffballen. sagte Christenfeld. scharfe Rasiermesser. offenbar um den Eingesperrten zu beruhigen.142 . der oft als der Vater der amerikanischen Psychiatrie bezeichnet wird. wie sie. so sagte er mir.

sagte Christenfeld. daß man ihn hierbehält«. Das Zentrum diene heute hauptsächlich als Tagesklinik. Schuhe und Möbel hergestellt. es beherberge nur noch dreihundertundfünfzig stationäre Patienten. von denen die meisten an schwerer Schizophrenie litten. sagte Christenfeld. Während der sechziger und siebziger Jahre habe es wie andere staatlich finanzierte Nervenheilanstalten im ganzen Land begonnen. »Hier befindet sich niemand.143 . Mein Rundgang mit Christenfeld löste gemischte Gefühle in mir aus. Vieh gezüchtet und geschlachtet. Waren diese Behandlungen besser oder nur anders? . verließen sie diese nur selten. die den Verstand verloren hatten. Wenn man die altmodische »Utica-Kiste« und den »Beruhigungsstuhl nach Rush« gesehen hatte. Menschen. daß das Hudson River Psychiatrie Center im Vergleich zu seiner Blütezeit so wenige Patienten beherbergte. Elektroschock und Lobotomien ersetzt worden. Die Tatsache. Doch nachdem die Patienten erst einmal in die Klinik aufgenommen worden seien.ernhof betrieben. bei dem nicht ein sehr guter Grund dafür vorliegt. so Christenfeld. Der vorgebliche Zweck der Anstalt sei es gewesen. Die Zahl der Insassen des Hudson River Psychiatrie Center habe in den fünfziger Jahren mit etwa sechstausend Patienten ihren Höchststand erreicht. damit sich ihr Zustand bessere und sie in die Gesellschaft zurückkehren könnten. scharenweise Patienten zu entlassen. »eine schöne Aussicht und Landluft« zu bieten. die meisten davon aus New York. daß die Psychiatrie in den letzten hundert Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hatte. konnte man sich nur schwerlich dem Gedanken entziehen. Patienten. einfach wegzusperren. schien ebenfalls ein Schritt nach vorn zu sein. Damals sei es der Daseinszweck von Nervenheilanstalten gewesen. Aber war es mehr als ein nur oberflächlicher Fortschritt? Die »Utica-Kiste« und der »Rush-Stuhl« waren durch Gummizellen. ihre eigenen Kleider.

die sich für die Interessen der psychisch Kranken einsetzen. Füller Torrey hat sich in seinem Buch Freudian Fraud völlig zurecht über die Misere von Menschen mit schweren psychischen Störungen empört. Viele der Kranken. Doch seine Behauptung. in denen sie einst oftmals ihr gesamtes Leben verbringen mußten. Geisteskranke in Gefängnisse zu sperren. die Uhr werde ins neunzehnte Jahrhundert zurückgestellt. bei ihrer Familie oder in einer eigenen Wohnung. sank dramatisch von 559000 im Jahr 1955 auf weniger als 70000 Mitte der neunziger Jahre. ist nicht fair. sagen.Die Einführung wirkungsvoller Neuroleptika in den fünfziger Jahren bewirkte die mit Abstand größte Veränderung in der Versorgung psychisch Kranker. leben in Wohngemeinschaften. und in gemeindenahen betreuten Einrichtungen oder sogar ihren eigenen vier Wänden wohnen. Die Zahl der Patienten. März 1998. als es in den Vereinigten Staaten noch üblich war. »Gruppen. Torrey selbst stellte in einem 1997 in der Zeitschrift Chronicle for Higher Education erschienenen Artikel die Gemeindepsychiatrie etwas .« E. »Gefängnisse nehmen den Platz von Nervenheilanstalten bei der Unterbringung von psychisch Kranken ein« lautete eine Schlagzeile in der New York Times vom 5. Dank dieser Medikamente konnten viele psychotische Patienten Krankenhäuser wie das Hudson River Psychiatrie Center verlassen. die früher in Nervenheilanstalten untergebracht worden wären. Freud und andere Wegbereiter psychotherapeutischer Behandlung seien an dieser Situation schuld. In dem Artikel heißt es. fällt zwiespältig aus. viele andere sind obdachlos oder noch schlimmer dran. daß vermutlich zehn Prozent der Strafgefangenen in den Vereinigten Staaten an einer schweren psychischen Störung litten.64 Doch die Bilanz der Gemeindepsychiatrie. die bei ihrer Einführung in den sechziger Jahren als eine humane Reform der Behandlung psychisch Kranker dargestellt wurde.144 . die in staatlichen Nervenheilanstalten untergebracht waren.

daß die neuen Medikamente die Kranken heilen würden«.differenzierter dar.0 Er räumte ein. die Psychopharmakologie. sondern in ein neues Allheilmittel. die psychisch Kranken seien eine genauso unterdrückte Minderheit wie etwa die Schwarzen oder die Frauen. . schrieb Torrey. diese Aktivisten überredeten den Gesetzgeber dazu. Doch ein anderer wichtiger Faktor. die Möglichkeiten der Einweisung von Patienten in psychiatrische Kliniken stark einzuschränken. sei »die weitverbreitete Hoffnung. ein wichtiger Faktor sei die Überzeugung von Bürgerrechtsaktivisten. In der Tat war die Verlagerung der psychisch Kranken aus Kliniken in Gefängnisse und auf die Straßen wohl das Resultat allzu überzogener Erwartungen nicht in die Psychoanalyse und andere Gesprächstherapien.145 .

FLUCTIN1 UND ANDERE PLACEBOS Mit der Zeit. Das Vortragsprogramm deckte ein breites Themenspektrum ab. Ein Gebiet mit großer Zukunft. »In Strafvollzugsanstalten befinden sich mehr Menschen mit psychiatrischen Störungen als in Krankenhäusern«. Das Treffen der American Psychiatrie Association dagegen lockte um die sechzehntausend Psychiater und andere Fachleute. war verblüffend. die in der Versorgung psychisch Kranker tätig sind. Gleichstellung .146 . sei die forensische Psychiatrie. sah Sabshin als Chance. Was Psychiatrieexperten wie E.4. werden wir auch entdecken. das von »Kinder. die töten« und »Die Psychobiologie der Eßsucht« bis zu aufstrebenden Märkten für psychiatrische Dienstleistungen reichte. meine ich. die sich unter anderem mit der Untersuchung und Behandlung psychisch kranker Straftäter befaßt. Fuller Torrey als Tragödie erschien. Der Gegensatz zwischen dieser Konferenz und der Tagung der USamerikanischen Psychoanalytiker im Waldorf-Astoria. augurierte Melvin Sabshin. PETER KRAMER. erklärte Sabshin. der ärztliche Direktor der American Psychiatrie Association. wonach Versicherungsgesellschaften für psychische Störungen denselben Versicherungsschutz gewähren sollten wie . Glück auf Rezept A nfang Mai 1996 fand in New York City die 149ste Jahrestagung der American Psychiatrie Association statt. an der ich zwei Monate zuvor teilgenommen hatte. in das höhlenartige Jacob Javits Convention Center auf der schmuddeligen West Side von New York City und ins Marriott Hotel im Herzen Manhattans. wie wir unser 2 eigenes Leben sehen. An der Tagung im Waldorf-Astoria hatten nur etwa vierhundert Personen teilgenommen. Das Schlagwort lautete Parität.das Prinzip. daß die moderne Psychopharmakologie wie damals Freud zu seiner Zeit eine ganz neue Lebenseinstellung einleitete.

seien keine mit sich selbst beschäftigten Neurotiker. worauf dieser einen Formbrief. SmithKline Beecham und an. verantwortlich für die Beziehung zu staatlichen Stellen der American Psychiatrie Association. mit einem Psychoanalytiker verheiratet zu sein). Die bestbesuchten Veranstaltungen bei der Konferenz waren Frühstücke und Abendessen.« Die große Mehrzahl der Menschen. ergriff das Wort. besprochen werden. für die Psychiatrie darstellten. um die Mitglieder aufzufordern. die in psychotherapeutischer Behandlung seien. die in der Regel niedrigere Honorare verlangten als Psychiater. die für die Psychiatrie von Bedeutung waren. die Mitglieder könnten ihren Namen und ihre Adresse in den Computer eingeben. war zwar im April nach starken lobbyistischen Anstrengungen der American Psychiatrie Association vom US-Senat verabschiedet worden. Psychiater dürfen allerdings anders als Psychologen und Sozialarbeiter Medikamente verschreiben. der die Gleichstellung der Behandlung psychisch Kranker forderte. die im Konferenzgebäude aufgestellt worden sei. eine republikanische Abgeordnete aus New Jersey und eine glühende Befürworterin des Paritätsprinzips.147 . doch seine Ratifizierung durch das Repräsentantenhaus war weiterhin ungewiß. die billiger als eine langwierige Gesprächstherapie und daher für Krankenversicherungen attraktiver sind. sondern Menschen. das Publikum brach in stürmischen Beifall aus. an maßgebliche Abgeordnete sandte. Jay Cutler. Bei einem Diskussionsforum sollten politische Fragen. verkündete: »Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. Ein Gesetzentwurf. behauptete Roukema (die bekannte. wie sie in den Filmen von Woody Allen zu sehen seien. die dringend Hilfe benötigten. die von Pfizer.für körperliche Leiden. in dem die Gleichstellung der psychiatrischen Versorgung gefordert wurde. die Psychologen und Sozialarbeiter. eine computergestützte Lobbying-Vorrichtung zu benutzen. Andere Redner bekundeten ihre Sorge über die ökonomische Bedrohung. als Marge Roukema.

von tadellos gepflegtem Äußeren. Der größte Pavillon . an dessen Spitze das Wort »Prozac« (dt. die sich über fast ein ganzes Stockwerk des Javits Center erstreckte. Verlage und andere Vertreter psychiatrischer Produkte hatten eine regelrechte Kleinstadt geschaffen. Nicht alle Teilnehmer der Konferenz machten sich die »Besser-leben-durch-Chemie«-Philosophie zu eigen. Zwangsstörung und Depression.und der erste. standen im Kreis um die Basis des Obelisken.deren Pharmaunternehmen gesponsert wurden. Kaum weniger eindrucksvolle Schreine für Seroxat (Wirkstoff Paroxetin). Die Vertreter und Vertreterinnen waren jung. auf den Besucher beim Betreten der Ausstellunghalle trafen . Etwa ein Dutzend interaktive Fernsehgeräte und Firmenvertreter.war der von Eli Lilly. Bei einer Veranstaltung mit dem Titel »Die Zukunft der Psychotherapie« machte Gene Usdin.« Dies sei in erster Linie darauf zurückzuführen. das verkündete: »Wissen ist eine starke Medizin«. aus seinem Ärger keinen Hehl: »Im Augenblick sieht die Zukunft nicht sonderlich rosig aus. Effexor (Venlafaxin). Pharmafirmen. Die . Die Dominanz der Pharmaunternehmen war in der Ausstellungshalle. sie trugen schicke Anzüge und Kostüme sowie ein strahlendes Lächeln. noch augenfälliger. Der Obelisk war mit einem Banner drapiert. die Informationsmaterial über dieses umsatzstärkste Psychopharmakon aller Zeiten verteilten. Bei Omelett und Hühnchenbrust lauschten Hunderte von Psychiatern den Lobreden der Pharmavertreter auf ihre Medikamente gegen Schlaflosigkeit. gutaussehend. Zoloft (Sertralin) und andere Stimmungsaufhellende Medikamente standen in der Nähe. in der es sogar Straßenschilder mit Namen wie »Noradrenalin-Weg« (Noradrenalin ist ein Neurotransmitter) gab. In der Mitte des Pavillons ragte ein knapp sieben Meter hoher goldfarbener Obelisk empor. daß »wir unsere Seelen an die Pharmaunternehmen verkaufen«. Entsprechung Fluctin) in schillerndem Rot prangte. der als Psychiater an der Ochsner Clinic in New Orleans arbeitete.148 .

das solche Ausstattungsmerkmale wie einen »Postikussuppressionsindex« und eine »Chronaxie-Leuchtanzeige« aufweist. die Elektrokrampftherapie. doch dies ändere sich.gegenüber den Hunderten. aber auch Patienten begännen zu erkennen. produziere Geräte. Viele Beobachter sehen in der . so der Vertreter. teilte mir der Vertreter von Somatics mit. die kleinere ist eigens für Frauen konstruiert. Die Elektroschocktherapie werde im allgemeinen nur als Mittel letzter Wahl eingesetzt. »Viele Patienten haben mit Medikamenten große Probleme«. und zwar nicht nur bei gewöhnlichen Depressionen. die von den Pharmaunternehmen gesponsert wurden -.. die eine viel wirksamere Behandlung schwerkranker Patienten ermöglichen. ein Unternehmen mit Sitz in Lake Bluff. die den Vorträgen beiwohnten. das im Schatten des Prozac-Pavilions einen bescheidenen Stand aufgeschlagen hatte.Tatsache. Koma und andere Therapien Die Geschichte der modernen Psychiatrie läßt sich als ein Wettstreit zwischen psychologischen Therapien. Sein Unternehmen. und physiologischen Therapien. daß ihm nur zwanzig Leute zuhörten . Psychiater. um »das Risiko von Zahnfrakturen und -Verlusten so niedrig wie möglich zu halten«. daß die Elektroschocktherapie sehr gute Erfolge erziele. Neben ihrem Schockverabreichungssystem der Marke Thymatron. vornehmlich Medikamenten. betrachten. insbesondere der Psychoanalyse. sondern auch bei manisch-depressiver Psychose und Schizophrenie. auch Elektroschocktherapie genannt. Fieber. ließ seine Klage berechtigt erscheinen. Ein anderer Abweichler war ein Vertreter der Somatics Inc. das wiederverwendbare Gummikeile in zwei Größen anbietet. behauptete er. ist Somatics auch das erste Unternehmen.149 . Illinois.

Shorter legte im Vorwort seinen persönlichen Standpunkt dar: »Wenn es am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine intellektuelle Realität gibt. sondern einige der entsetzlichsten Behandlungsmethoden in der Geschichte der modernen Psychiatrie hervorgebracht hat. versteht man. daß Psychiater in zunehmendem Maße Psychopharmaka und andere physiologische Behandlungen einsetzen. der psychische Krankheit als eine genetisch beeinflußte Störung der Hirnchemie betrachtet. sondern auch.Tatsache. Ein Rezensent der Geschichte der Psychiatrie bemerkte.4 Einige der frühen physikalischen Behandlungen schienen recht unschädlich zu sein. Ironischerweise belegte Shorters eigene Darstellung. weshalb die Psychoanalyse ein so populäres Behandlungsverfahren nicht nur für gewöhnliche emotionale Störungen.5 (Die Elektrokrampftherapie. kam erst später auf.«3 Frederick Crews hatte in seinem Freud-kritischen Vortrag an der Yale-Universität aus diesem Absatz zitiert. Freuds Ideen haben die Geschicke der Psychiatrie im vergangenen halben Jahrhundert gelenkt. die Psychoanalyse höre sich im Vergleich zu den von Shorter beschriebenen Behandlungsmethoden »relativ harmlos« an. daß die biologische Psychiatrie keineswegs ein »überwältigender Erfolg« gewesen ist. bei der die Dosis hoch genug sein muß. doch nun schwindet ihre Bedeutung dahin wie die letzten Schneeflecken in der Sonne. für Psychosen wurde. Das ist das Thema der Geschichte der Psychiatrie des Historikers Edward Shorter von der Universität Toronto.) Eine andere Behandlungsmethode aus dem neunzehnten Jahrhundert. in geringerem Umfang. hat sich als überwältigender Erfolg erwiesen. dann diese: Der biologische Denkansatz in der Psychiatrie. die sich im zwanzigsten Jahr. Freud selbst benutzte die Elektrotherapie.150 . um Krampfanfälle auszulösen. bei der Patienten schwachen elektrischen Strömen ausgesetzt werden. einen Sieg der Vernunft über die Irrationalität. Wenn man Shorters Beschreibungen dieser biologischen Heilmittel liest.

die der österreichische Psychiater Manfred Sakel in den dreißiger Jahren einführte. indem sie psychisch Kranke mit den Erregern von Malaria. daß hohes Fieber möglicherweise zu einer Linderung psychotischer Symptome führen könnte. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte überprüften er und andere Forscher diese Hypothese. daß die Beweise für die Wirksamkeit der Infektionstherapie bestenfalls dürftig waren.8 Sakel erprobte Insulin zur Behandlung der Morphinsucht.hundert durchsetzte. daß psychotische Patienten. Typhus und anderen Krankheiten infizierten. Als sich herausstellte. einmal verabreichte er versehentlich einem Süchtigen. der psychotisch war. nachdem sie sich eine schwere Bakterieninfektion zugezogen haben. folgerte Wagner von Jauregg. bei der die Patienten in sehr heißes oder sehr kaltes Wasser eingetaucht. machte er einen weniger verwirrten Eindruck.7 Andere Historiker sind freilich zu dem Ergebnis gekommen. mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. kurze Phasen geistiger Klarheit erleben. Die Infektionstherapie wurde schon bald von der Insulinkomabehandlung abgelöst. eine Überdosis. sondern der gesamten Medizin« bezeichnete.6 Im Jahr 1927 wurde Wagner von Jauregg für seine Forschungen. griffen die Psychiater zu radikaleren Maßnahmen. und so begann Sakel gezielt Schizophrenen Über. die Edward Shorter in seiner Geschichte der Psychiatrie als »ein epochales Ereignis in der Geschichte nicht nur der Psychiatrie. auch Wasserkur genannt. ist die Hydrotherapie. die der österreichische Psychiater Julius Wagner von Jauregg begründete. Eine zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitete Therapie war die Infektionstherapie beziehungsweise Heilfieberbehandlung. Nachdem der psychotische Patient aus dem Koma erwacht war. Eine Überdosis Insulin löst ein potentiell tödliches Koma aus. Tuberkulose.151 . daß diese Verfahren ziemlich wertlos sind. abgeduscht oder mit starken Wasserstrahlen bespritzt werden. Aus der Beobachtung.

Die Insulinschockbehandlung breitete sich daraufhin rasch über Europa und die Vereinigten Staaten aus. Cameron war keine Randfigur.« Bei der »Tiefschlaftherapie« wurden die Patienten mit Hilfe von Bromiden und anderen Beruhigungsmitteln in wochenlange Schlafphasen versetzt. Er war Professor an der McGillUniversität und von 1943 bis 1962 Direktor des angesehenen Allan Memorial Institute. schrieb Shorter. Forscher erprobten weitere Medikamente. Er berichtete von außergewöhnlichen Erfolgsquoten: fünfunddreißig von fünfzig Patienten wurden vollständig geheilt. daß ich. die er depatterning beziehungsweise »Gehirnwäsche« nannte. ob es zu Anfällen führen würde. »Der Anblick des künstlich erzeugten Epilepsieanfalls«. und es bei den Patienten ebensolche Ängste auslöste wie Kampfer. das Behandlungszimmer verließ. erinnerte sich einer. sondern Krämpfe auslösten. und neun zeigten eine partielle Besserung. »Weil man jedoch auch bei Cardiazol nicht sicher sein konnte. sooft ich konnte.152 . Eine kampferähnliche Substanz mit dem Handelsnamen Cardiazol löste Erbrechen und Krämpfe aus.12 Cameron versetzte Patienten mit Hilfe von Barbituraten für längere Zeiträume in einen Zustand der Bewußtlosigkeit oder Dämmerzustand. »und vor allem der verzerrten blauen Gesichter. die den durch Epilepsie verursachten glichen.10 (Sonderbarerweise wird auch dem Schlafentzug eine antidepressive Wirkung zugeschrieben. sollte es kein großer Erfolg werden«.)11 Der kanadische Psychiater Ewen Cameron entwickelte eine Variante der Schlafkur. 1952 und 1953 amtierte er als Präsident der American Psychiatrie Association. .9 Sogar einige Psychiater schreckten vor dieser Behandlung zurück. war für mich so furchtbar. Unterdessen ertönte aus einem Lautsprecher im Zimmer des Patienten eine ununterbrochene Folge von Ermahnungen. oftmals verabreichte er ihnen auch eine Elektroschockbehandlung.dosen Insulin zu injizieren. die kein Koma.

14 Andere Behandlungsmethoden waren die Verabreichung großer Mengen Abführmittel. das aus der Rinde südamerikanischer Lianen gewonnen wird und in kleinen Mengen zu einer kurzfristigen Lähmung (in größeren Mengen zum Tod) führt. Schwefel und andere Giftstoffe. daß elektrischer Strom hinreichender Stärke. Dieser Nachteil wurde durch den Einsatz von Riemen und Gummikeilen ausgeglichen.brachen. In der Anfangszeit warfen sich viele Patienten so heftig hin und her. Infolge dieser Verbesserungen wurde die Elektroschocktherapie rasch zur »Standardbehandlung« (wie es ein Psychiater im Jahr 1959 formulierte) für schwere Depressionen und andere Erkrankungen. daß mit dieser Behandlungsmethode Mißbrauch getrieben worden sei. Das beruhigte sie und brachte sie endlich in die Lage. ein synthetisches Morphinderivat.153 . Eierstock. denen Apomorphin verabreicht wurde. anfänglich auch Kurare.15 das Ziehen von Zähnen und die chirurgische Entfernung von Dickdarm.16 Die Elektroschocktherapie wurde 1938 von dem italienischen Psychiater Ugo Cerletti eingeführt.«13 Ein Psychiater am Verdun Protestant Hospital in Montreal spritzte Patienten Terpentin. »grün an und übergeben sich bis zu einer Stunde lang. be. der einem epileptischen Anfall ähnelt. Schilddrüsen und anderen Drüsen. einst die größte Nervenheilanstalt der Welt. diese Anfälle linderten bei manchen Patienten die Symptome. Nach Aussage eines Beobachters laufen Patienten. daß sie sich dabei Zähne und Knochen . sechs Stunden des so dringend nötigen Schlafs zu bekommen. Er fand heraus. der durch den Schädel geleitet wird.ja sogar Wirbel . Im Milledgeville State Hospital in Georgia.17 Selbst entschiedene Befürworter der Elektroschocktherapie haben eingeräumt. einen Krampfanfall auslöst. Keimdrüsen. Später benutzten die Ärzte ungefährlichere Lähmungsmittel und kurz wirkende Narkosemittel.Bei der sogenannten Brechtherapie wurde Apomorphin verwendet. einem Gift.

Im Jahr 1935 wohnte Moniz einem Vortrag bei. es führe bei behandelten Patienten zu dauerhaftem Gedächtnisverlust und anderen schweren Nebenwirkungen. Laing und die Scientology-Bewegung setzten sich für die Abschaffung der Elektroschocktherapie ein. Der zunehmende Mißkredit.154 . daß sich der Zustand der meisten danach gebessert habe.straften Krankenpfleger unbotmäßige Insassen mit dem sogenannten Georgia Power Cocktail. teilweise oder völlig zerstört werden. bei dem ein aggressiver. Moniz erprobte das Verfahren . bei der die Stirnlappen. Er berichtete. . die beidseitig in der Schläfenregion in die Schädeldecke gebohrt werden.19 Hingegen wurde das Verfahren immer öfter bei wohlhabenden weißen Akademikern eingesetzt. die als Sitz der Kognition gelten. insbesondere seitdem Ken Kesey sie in seinem 1962 erschienenen Roman Einer flog übers Kuckucksnest als eine Form der Folter dargestellt hatte.an psychiatrischen Patienten in Portugal.bei dem ein Skalpell durch Löcher. Dieses Verfahren geht auf den portugiesischen Neurologen Antonio Caetano Moniz zurück. in dem ein Forscher ein Experiment beschrieb. Die berüchtigtste sogenannte biologische Behandlung war die Lobotomie (auch Leukotomie genannt). hatte merkwürdige demographische Konsequenzen. Die New York Times würdigte Moniz und andere Psychochirurgen. und es gelang ihnen. D. R. in gewissen Gerichtsbezirken ein zeitweiliges Verbot zu erwirken. Im Jahr 1980 wurde kein einziger nichtweißer Amerikaner in einer staatlichen Nervenheilanstalt mit der Elektrokrampftherapie behandelt. in den die Therapie geriet. Kritiker der Psychiatrie wie Thomas Szasz. eingeführt wird .18 Die Elektroschockbehandlung wurde im Verlauf der sechziger Jahre immer seltener eingesetzt. Die Gegner des Verfahrens behaupteten. unbezähmbarer Affe durch »Abtragung« beziehungsweise Entfernung seiner Stirnlappen ruhiggestellt wurde. Für seine Forschungsarbeit wurde Moniz 1949 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet.

das hochkomplexe Funktionen ausführt. die er mit einem medizinischen Eispickel durchführte.25 bis zu fünfundzwanzig an einem einzigen Tag. den er bereits zweimal operiert hatte. Es ist einfach ein großes Organ. um seine transorbitale Lobotomie in Krankenhäusern vorzuführen. Freeman war ein unermüdlicher Werber in eigener Sache. Er fuhr in einem Kombiwagen. den er gemeinsam mit seinem Kollegen James Watts prägte . mit missionarischem Eifer engagierte er sich für die Psychochirurgie. daß »sie uns gelehrt haben. Freeman entwickelte eine Variante der Lobotomie. die sogenannte transorbitale Lobotomie. zwischen Ende der dreißiger und Mitte der sechziger Jahre wurden allein in den Vereinigten Staaten etwa vierzigtausend Lobotomien durchgeführt. bis er ins Stirnhirn eindringt. sondern auch an unverbesserlichen Strafgefangenen.einen Begriff.23 Lobotomien wurden nicht nur an psychisch Kranken vorgenommen. führte er die Lobotomie . klopft leicht mit einem Hammer darauf.155 . dafür. Der Chirurg setzt das Gerät unter dem Lid an.)27 Gegen Ende seiner Karriere hatte er seinen Ruf so gründlich ruiniert. wie er es nannte. der mit Notizbüchern. Das Verfahren setzte sich rasch durch. das Gehirn weniger ehrfurchtsvoll zu betrachten.die mit der Lobotomie experimentiert hatten. und nicht heiliger als die Leber«. durch die gesamten Vereinigten Staaten und Kanada. chirurgischen Instrumenten und einem Elektroschockgerät vollgestopft war. (Freemans letzter Patient. starb an Gehirnblutungen.20 Als der amerikanische Neurologe Walter Freeman von den Behandlungserfolgen Moniz' hörte. 17 ooo Kilometer zurück. daß ihm . Im Jahr 1951 legte er einmal innerhalb von fünf Wochen21 bei einer »Kopfjagd«22.26 Er praktizierte seine Lobotomie-Technik bis 1967.24 Freeman selbst soll insgesamt fünftausend Operationen durchgeführt haben. und stochert dann mit dem Pickel hin und her.in den Vereinigten Staaten ein. doch zu diesem Zeitpunkt war ihr Stern bereits im Sinken.

die die Symptome einiger psychischer Erkrankungen und insbesondere der Schizophrenie zu lindern schienen.mehrere Institutionen. isolierte aus dem Urin seiner Patienten mehrere Verbindungen und injizierte sie Meerschweinchen. Einige katatone Patienten gewannen sogar ihre Sprach. zu lindern. waren die Psychiater enorm erleichtert. sondern sie schienen auch einige schwerere Symptome. so verschrieben die Ärzte im neunzehnten Jahrhundert unter anderem Morphium. wie etwa Halluzinationen. wurden die Meerschweinchen ungewöhnlich lethargisch. Chloralhydrat und Bromid. Doch die »Revolution in der Psychopharmakologie«. daß Lithium die Symptome psychotischer Erkrankungen unterdrücken kann. wie es oftmals heißt.156 . geht auf die späten vierziger Jahre zurück und verdankt sich John Cade. seine ärztlichen Sonderrechte aberkannten. Cade. sondern auch bei Fachleuten hervorrief. Anders als die Barbiturate und andere Beruhigungsmittel versetzten diese neuen Medikamente Schizophrene nicht bloß in einen Zustand der Benommenheit.und Bewegungsfähigkeit zurück. Allerdings wurden seelische Leiden schon seit langem mit Medikamenten behandelt. als in den fünfziger Jahren Medikamente entwikkelt wurden. begann in den frühen fünfziger Jahren mit der Einführung von Neuroleptika. die dieses Behandlungsverfahren nicht nur bei Patienten und deren Familien. Als Cade die Lithiumsalze psychiatrischen Patienten . antipsychotischen Substanzen wie Reserpin und Chlorpromazin (letzteres wird unter dem Handelsnamen Propaphenin vermarktet). der vermutete. Angesichts der starken Aversion. Nachdem er den Verbindungen Lithium beigemischt hatte. dem Direktor einer Nervenheilanstalt in Australien. um psychotische Patienten zu sedieren. in denen er einst praktiziert hatte. daß Geisteskrankheiten durch ein im Urin ausgeschiedenes Toxin verursacht würden. Die Entdeckung. die Barbiturate hatten den katatonen Zustand höchstens noch vertieft.

All diese Medikamente wurden.«29 Freud selbst hatte kurz vor seinem Tod vorhergesagt. daß er entlassen werden konnte. ob [der Patient] Konflikte über seine inzestuösen Triebe im Unbewußten austrägt oder sich aus der Welt zurückgezogen hat. Spätere Studien haben gezeigt. Für die Backsteinwelt ist das wie ein Streit über die Zahl der Engel. daß Lithium die Stimmungsschwankungen dämpft. daß die Psychoanalyse womöglich eines Tages von der Psychopharmakologie abgelöst würde: »Die Zukunft mag uns lehren.spritzte. mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilungen im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen. weitgehend zu Recht. zeigte sich die gleiche sedierende Wirkung.«30 . euphorisch. die auf einer Nadelspitze Platz haben. als eine Infragestellung der Freudschen Theorie und Therapie angesehen. Die [Analytiker] interessiert nur. ruhelos und verwahrlost«28 – und zu einer dauerhaften Hospitalisierung verdammt zu sein schien. daß Chlorpromazin und ähnliche Wirkstoffe den Triumph der »Backsteinpragmatiker« (der Ausdruck bezog sich auf die roten Backsteine. die häufig beim Bau von Nervenheilanstalten verwendet wurden) in der Psychiatrie über die Psychoanalytiker in ihren Elfenbeintürmen darstellten: »Die Kritiker in ihren Elfenbeintürmen behaupten. Im Jahr 1955 verkündete Time. ging es bald so gut.157 . weil er im Alter von fünf Jahren einmal etwas aus dem Sparschwein seines Bruders geklaut hat. der seit Jahrzehnten an einer Manie litt – Cade beschrieb ihn als »geschwätzig. wie sie für manisch-depressive Erkrankungen typisch sind. daß die Pragmatiker in ihren Backsteinhäusern nie an die ›zugrunde liegende Psychopathologie‹ des Patienten herankämen und ihn deshalb auch nicht heilen könnten. Einem fünfzigjährigen Patienten.

die als echte Antidepressiva angekündigt wurden. Die erste Klasse von Wirkstoffen. deren Mangel nach heute herrschender Auffassung einer depressiven Erkrankung zugrunde liegen soll. vornehmlich in den Vereinigten Staaten. die von Freudiänern und anderen Psychotherapeuten behandelt wurden. Die überwiegende Mehrheit der Patienten. Patienten mit Schizophrenie und manisch-depressiver Erkrankung behandelten. Forscher haben wenig später eine weitere Klasse von Antidepressiva entdeckt. in Wein und anderen gängigen Lebensmitteln und Getränken enthalten ist. einer Substanz. war die der sogenannten Monoaminoxidasehemmer (MAOH). aber nicht mit Tyramin reagieren.31 Zu jedem beliebigen Zeitpunkt leiden möglicherweise bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen. . Diese Substanzen hemmen die Produktion des Enzyms Monoaminoxidase und blockieren dadurch den Abbau der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin. hatten Freud und viele seiner Anhänger diese Leiden als nicht therapierbar angesehen. durchleben bis zu fünfzig Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Depression. insbesondere Depressionen. Leider haben Monoaminoxidasehemmer eine gefährliche Nebenwirkung: Wenn sie mit Tyramin reagieren. können sie eine tödliche Hirnblutung verursachen. litten an leichteren und häufigeren Erkrankungen. die sogenannten tricyclischen Antidepressiva. Während manisch-depressive Erkrankung und Schizophrenie jeweils etwa ein Prozent der Bevölkerung betreffen.Peter Kramer lauschen Die Einführung der Antidepressiva in den fünfziger Jahren stellte die Psychoanalyse und andere Psychotherapien vor ihre mit Abstand schwerste Bewährungsprobe. Obgleich einige Psychoanalytiker. die in bestimmten Käsesorten.und Serotoninkonzentration aufrechterhalten. die eine hohe Noradrenalin.158 .

Die Revolution in der Psychopharmakologie erreichte ihren Höhepunkt Ende der achtziger Jahre mit der Einführung der selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI).159 .angeblich nur auf Serotonin und nicht auf andere Neurotransmitter einwirken.32 Als der unvermeidliche Rückschlag einsetzte. weil sie .33 Im Jahr 1989 tötete ein Angestellter einer Druckerei in Kentucky acht seiner Kollegen und verwundete zwölf weitere durch Schüsse aus einem Sturmgewehr.und des modernen Marketings. März 1990 war auf der Titelseite von Newsweek eine grünweiße Fluctin-Kapsel abgebildet mit der Schlagzeile »Ein Quantensprung in der Behandlung der Depression«. besser bekannt unter seinem Handelsnamen Fluctin (beziehungsweise Prozac in den USA). Fernsehshows berichteten in sensationeller Aufmachung über diese Fälle und weitere. Fluctin ist eine der großen Erfolgsgeschichten der modernen Pharmakologie . daß die SSRI die Serotoninkonzentration dadurch hoch halten. auf den Markt. wie es die positive Berichterstattung gewesen war. verklagten seine Hinterbliebenen und die seiner Opfer Lilly auf Schadensersatz. Nachdem eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ausgeschüttet hat. daß ihr Ehemann Selbstmord verübt hatte.anders als ihre relativ unspezifisch wirkenden Vorläufer . Im Jahr 1991 gab die Witwe des Rocksängers Del Shannon Fluctin die Schuld daran. Der bekannteste SSRI ist das Fluoxetin. Eli Lilly brachte das Medikament im Jahr 1988 unmittelbar im Anschluß an seine Zulassung durch die Food and Drug Administration (FDA). Die SSRI werden »selektiv« genannt. bevor er sich erschoß. Nachdem bekannt geworden war. die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente. absorbiert sie ihn in der Regel wieder in einem als »Rückaufnahme« bezeichneten Prozeß. war er genauso übertrieben. daß der Mann Fluctin eingenommen hatte. Am 26. in denen Patienten angeblich nach der Einnahme von . Man nimmt an. daß sie die Rückaufnahme des Neurotransmitters hemmen.

wenn ein Medikament einer sehr großen Zahl psychisch kranker Menschen verabreicht werde. und der damit erzielte Umsatz belief sich auf insgesamt zweieinhalb Milliarden Dollar. Die FDA schloß sich dieser Auffassung an. einige derartige Zwischenfälle seien nach den statistischen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unvermeidlich. denn die Absatzzahlen von Fluctin gingen weiterhin steil in die Höhe.160 . daß sie die Schreckensberichte nicht glaubten. die Lilly vertraten.35 Unglaublicherweise nahm der Umsatzerlös weiterhin zu.36 Das am schnellsten wachsende Segment des US-amerikanischen Marktes für SSRI betrifft Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren37 – obwohl einer Untersuchung zufolge »keine einzige . Die meisten Zivilprozesse gegen Lilly sind außergerichtlich beigelegt worden.Ein Medikament. obwohl Lilly einen wachsenden Anteil seines Marktes an die SSRI von Wettbewerbern. und die Kontroverse über die potentiell aggressionsauslösende Wirkung von Fluctin verschwand allmählich von der Bildfläche.34 Weltweit nahmen über vierunddreißig Millionen Menschen Fluctin ein. das Sie morden läßt«. daß es nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Fluctin und diesen relativ seltenen Gewalttaten geben müsse. Im Jahr 1998 rangierte Fluctin auf der Liste der meistverkauften Medikamente hinter dem Ulcus-Präparat Antra (Omeprazol) auf Platz zwei (auch wenn der rasant wachsende Absatz des Impotenzmittels Viagra dieses vermutlich auf den ersten Platz katapultieren würde). Die Anwälte. Psychiater und Verbraucher hatten bereits bewiesen. Donahue gab einer Sendung den Titel »Fluctin . Ende des Jahres 1991 hielt die FDA Anhörungen zu dem Thema ab.Fluctin Gewalttätigkeiten gegen sich oder andere begangen hatten. wie etwa Fevarin und Seroxat. abgeben mußte. Der Markt für SSRI wächst einer Schätzung zufolge jährlich um über fünfzig Prozent. und andere Experten behaupteten völlig zu Recht.

schon eine richtige Berühmtheit. aus der hervorginge.Doppelblindstudie mit einer Placebo-Kontrollgruppe publiziert wurde. sondern ihnen auch neue Lebensfreude und Tatkraft geschenkt.39 Der geschickteste Lobsänger von Fluctin ist Peter Kramer. das Medikament könne eine Ära der »kosmetischen Psychopharmakologie«40 einleiten. wenn man bedenkt. Kramer führte in seinem 1993 erschienenen Buch Listening to Prozac (dt. habe nicht bloß die Depressions. . daß Frauen doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer. in der Patienten nicht nur von ihren Erkrankungen geheilt.von bleichgesichtigen. Dieses demographische Profil des Publikums war nicht weiter verwunderlich. schwarz gewandeten Studentinnen bis hin zu vornehmen älteren Damen von der Upper East Side. Rhode Island. sondern »einen psychischen Zusatznutzen über das bloße Wohlbefinden hinaus« erlangen könnten. das einundzwanzig Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand.und Angstsymptome bei seinen Patienten gelindert. eine Privatpraxis führt. der in Providence. begann Kramer den Stellenwert des neuen Präparats in einer Kolumne in der Fachzeitschrift Psychiatrie Times zu erörtern. die erlesene Schals von Hermes trugen. Fluctin. daß Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen im Kindes. als ich ihn bei einem Symposion über die relative Wirksamkeit von Psychotherapien und Psychopharmaka an der New School in New York City erlebte. Kramer war im Herbst 1995. Kurz nachdem Lilly Ende der achtziger Jahre Fluctin auf den Markt gebracht hatte. Glück auf Rezept).und Jugendalter wirksamer wären als Placebos.42 Das Publikum bestand überwiegend aus Frauen .«38 1997 hat Eli Lilly eine eigens auf Kinder zugeschnittene Fluctin-Variante mit Pfefferminzgeschmack auf den Markt gebracht.41 diese Ansichten näher aus.161 . außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der BrownUniversität. so schrieb er. Er meinte.

Fragen aufzuwerfen und mit ihnen herumzujonglieren. Ambiguität und Unscharfe. und weil niemand nachgewiesen habe. weil bislang niemand aufgeklärt habe. aber eigentlich doch nicht. das komme nun mal vor. er habe eine zu günstige Meinung von Fluctin und eine zu schlechte von der Psychotherapie.« Auch in Glück auf Rezept legte sich Kramer nicht fest. selbstsicherem Auftreten. so Kramer. Er sann etwa über die Bedeutung der heftigen Angstanfälle nach. ein hochgewachsener. daß Medikamente eines Tages aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen die Gesprächstherapie »auslöschen« könnten. auch Freud habe dazu beigetragen. schlanker und jungenhafter Mann mit saloppem. Als ein Sprecher Kramer vorwarf. erwiderte Kramer achselzukkend. Doch diese innige Beziehung zur Psychotherapie habe ihm auch geholfen. Selbst wenn sich medikamentöse Behandlungen als nicht so wirksam herausgestellt hätten. daß das Dasein sinnlos sei. War er ein Gegner von Psychotherapie? Gewissermaßen.Kramer. Als man ihm vorhielt.162 . verstand es hervorragend. ihre Unzulänglichkeiten zu erkennen. Kramer beteuerte. ohne sich auf bestimmte Antworten festzulegen. wäre die Gesprächstherapie in Bedrängnis geraten. War Kramer ein Befürworter von Psychopharmaka? Nun ja. gewissermaßen. Seien diese Angstanfälle angemessene Reaktionen auf James' Erkenntnis. verwies Kramer auf . daß eine Methode der anderen überlegen sei. Er räumte ein. er sei ein »großer Fan« der Psychotherapie und hätte eine »lange Liebesaffäre« mit ihr gehabt. weshalb sie funktioniere. die den Psychologen William James gequält hätten. oder seien sie auf ein chemisches Ungleichgewicht zurückzuführen? Kramer vermochte es nicht zu sagen. er leiste einer »Fluctin-Epidemie« Vorschub. Eine der aufschlußreichsten Bemerkungen Kramers war: »Ich halte sehr viel von Ambivalenz. eine »Epidemie« psychoanalytischer Behandlungen auszulösen.

erzählte mir Tess. bei denen sie die verschiedenen Teile ihrer Person integrieren mußte. viel entspannter und viel energiegeladener. plötzlich an die Oberfläche gekommen. nicht mehr so bewußt gezwungen. Angst vor Intimität . Wie Freud stützte auch Kramer seine Polemik auf geschickte Beschreibungen einzelner Patienten. Eifersucht.die meisten Gründe für mangelnde soziale Kontakte . viel aufnahmefähiger. ›Ich glaube. die sich hinter ihrem Äußeren verborgen hatte. wenn sich überhaupt daran etwas ändert. .‹ 43 Kramer resümierte: »Ich hatte vorher noch nie beobachtet. daß sich das Sozialleben eines Patienten so schnell und so grundlegend verändert hatte. sondern das sich ziemlich spontan und voller Energie seine Bahn brach. Mit ihrem neuen Verhalten entwickelte sich auch ein neues soziales Leben. ›Drei Verabredungen habe ich jetzt jedes Wochenende‹. Ein geringes Selbstwertgefühl. Nehmen wir Tess .sind in einer Person so tief verwurzelt und so schwer zu beeinflussen. als ich sie vorher gesehen hatte. so als sei die Person. sondern einfach sehr charmant. Sie lachte viel öfter und auch ganz anders. fiel ihm eine »bemerkenswerte« Wandlung auf: Sie sah ganz anders aus. ich habe ein bestimmtes Zeichen auf der Stirn. das sich nicht langsam entfaltete als Folge vieler Kämpfe. die an chronischer Depression leidet.163 . Aber Tess war wie umgewandelt. Zwei Wochen nachdem Kramer ihr Fluctin verordnet hatte. Unentschlossenheit. Schüchternheit. mit ihrem Berufs.und Liebesleben unzufrieden ist und die jahrelang erfolglos mit Gesprächstherapien und Antidepressiva behandelt wurde.eine Frau. daß sich hier etwas nur sehr langsam verändern kann. wenig Mut.Kommentare.« Kramer wies allerdings auch darauf hin. in denen er seine Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka zum Ausdruck gebracht und die Vorteile von Gesprächstherapien gerühmt habe.

daß wir durch unsere Erfahrungen geprägt worden seien. einfach glücklich zu sein ? Ich vermute. was getan werden muß.164 . daß die meisten Leser die philosophischen Dilemmas. der wichtigen Minderheit. Nachdem ich jedoch Dutzende von Kramers Fallbeschreibungen über Tess und andere verschlungen hatte. die Kramer in Glück auf Rezept darlegt. nur mäßig interessierten. »Bei einigen schlägt dieses Medikament überhaupt nicht an. Gewiß. mir ging es nicht schlecht. Ich halte mich für einen einigermaßen glücklichen Menschen oder doch zumindest für einen nicht übermäßig unglücklichen. die eine ganze Reihe von demütigenden Affären mit verheirateten Männern durchlitten hatte. Kramer zerbrach sich den Kopf über die philosophische Bedeutung dieses neuen Medikaments. begann ich mich zu fragen. daß eine chemische Substanz uns von Grund auf verändern könne. unsichere Frau. Mir zumindest erging es so bei der ersten Lektüre von Glück auf Rezept. deren Leben sich durch Fluctin auf wundersame Weise geändert hatte. und das Medikament wirkt so wie jedes andere Antidepressivum. hätten mit ihren Patienten die gleichen Erfahrungen gemacht. verändert sich die ganze Persönlichkeit. doch wenn es mir mit Fluctin noch . wenn wir Verzweiflung und Angst auf chemischem Weg statt durch Selbsterkenntnis beseitigten? Genüge es.«44 Andere Psychiater. Wer sei die »wirkliche« Tess – die unglückliche. einige erholen sich von ihrer Depression.daß nicht alle Patienten in dieser Weise auf Fluctin ansprechen. über uns aus? Was sage sie über den eventuellen Nutzen herkömmlicher Psychotherapien aus? Verlören wir etwas von unserem innersten Wesen. oder dieses neugeborene Energiebündel voller Selbstsicherheit? Wir nähmen an. so versicherte Kramer den Lesern. Aber bei einigen Patienten. während seine Schilderungen von Patienten wie Tess sie fesselten. Was sage die Tatsache. ob ich nicht auch von diesen Pillen profitieren könne. Fluctin verleiht diesen Patienten den Mut. das zu tun.

und mir mehr Schwung beim Nahen des Redaktionsschlusses geben könnte . Großartig . Dabei wies die Studie allenfalls eine Voreingenommenheit zugunsten von Fluctin auf. verglichen wurde. in welchem Ausmaß die Befürworter von Fluctin dessen Wirksamkeit übertrieben hatten.warum nicht? Als die Presse 1994 berichtete. in der Fluctin mit älteren Antidepressiva.47 Die Probanden.besser gehen könnte. die Zweifel zerstreuen.45 dachte ich ein weiteres Mal: »Warum nicht?« Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. und selbst dieser geringfügige Unterschied war nach drei Monaten wieder verschwunden.Fluctin für alle! Erst später erkannte ich. Im Jahr 1996 publizierte das Journal of the American Medical Association die Ergebnisse einer Studie an 536 depressiven Erwachsenen. als in einem Artikel im New Republic46. die nach drei und sechs Monaten durchgeführt wurden. aber der Unterschied war statistisch nicht signifikant. . wenn es meine Selbstsicherheit in Redaktionskonferenzen stärken. Tatsächlich ergaben die Tests. Erstens ist Fluctin älteren Antidepressiva wie etwa den tricyclischen Antidepressiva bei der Behandlung affektiver Störungen keineswegs überlegen. Fluctin solle im Rahmen eines nationalen Versicherungsprogramms auch den Armen zur Verfügung gestellt werden. James Goodwin. daß jeder von dem Medikament profitieren könne. der warnend darauf hinwies. da sie von der Herstellerfirma Eli Lilly finanziert wurde. einen geringen. zeigten nach einem Monat eine leichte Besserung.165 . wie etwa den tricyclischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin. die zu einer Schreibblockade führen. Fluctin könne das Gefalle zwischen den Begüterten und den Habenichtsen vergrößern. wenn auch statistisch ebenfalls nicht signifikanten Vorteil für Desipramin. der Vorschlag gemacht wurde. ein Psychologe in Wenatchee in Oregon habe über sechshundert seiner Klienten Fluctin empfohlen und in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung erklärt. die Fluctin erhielten.

48 »Die Literatur erhärtet den klinischen Eindruck.50 Eli Lilly behauptet. Nach Aussage von Robert Segraves. Im Jahr 1998 berichteten Forscher vom Gettysburg College in Pennsylvania.«49 Erste Erfahrungsberichte über die SSRI erwähnten nur selten ihre wohl gravierendste Nebenwirkung: sexuelle Funktionsstörungen. die Fluctin einnehmen. daß Muscheln.und Eizellen ausstießen.166 . die die Behandlung mit diesen beiden Wirkstoffklassen abschlössen.)52 . die in mit dem Wirkstoff versetztes Wasser gelegt wurden. doch der Unterschied ist gering. Britische Forscher. mehr Samen.Diese und andere Studien haben gewisse Belege für die weitverbreitete Annahme gefunden. war annähernd gleich. sprechen Patienten ihre sexuellen Probleme allerdings nur selten von sich aus an. lautete das Fazit eines Kommentars in den Psychiatric Annals. die 1994 eine Metaanalyse an zweiundvierzig Einzelstudien durchführten.51 (Auf Muscheln übt Fluctin offenbar die gegenteilige Wirkung aus. doch die Ergebnisse sind nicht so deutlich. Fluctin habe weniger Nebenwirkungen als ältere Antidepressiva. wie es manche Kliniker erwartet haben mochten«. es zur Behandlung von Pädophilen und anderen Menschen mit abweichendem Sexualverhalten in Erwägung zu ziehen. daß bis zu drei von vier Personen. einem Psychiater an der Case-Western-Universität. und mindestens ein Psychiater hat vorgeschlagen. entweder eine Verminderung ihres sexuellen Verlangens oder eine verminderte Orgasmusfähigkeit oder beides erleben.9 Prozent bei Fluctin und 19 Prozent bei den tricyclischen Antidepressiva betrug. daß die Abbruchsrate infolge von Nebenwirkungen 14. Segraves und andere haben herausgefunden. Tatsächlich wurde Fluctin zur Behandlung von Ejaculatio praecox verschrieben. stellten fest. weniger als zwei Prozent der Teilnehmer an klinischen Studien mit Fluctin hätten von sexuellen Funktionsstörungen berichtet. »Die Gesamtzahl der Patienten. daß die SSRI besser verträglich sind als die [tricyclischen Antidepressiva] .

»recht häufig« sexuelle Probleme beobachtet. doch verbannte er es ins Kleingedruckte im Anhang seines Buches.Teil II Die wohl größte Legende in der Biopsychiatrie ist die Behauptung. auf Sex verzichten. mit bemerkenswerter Konsistenz die Annahme untermauern. In Wirklichkeit haben Psychotherapien und Psychopharmaka laut einem 1995 in Professional Psychology erschienenen Bericht von David Antonuccio und Mitarbeitern von der Medizinischen Fakultät der Universität von Nevada in etwa die gleiche Wirksamkeit. hinnähmen. Die Dodo-Hypothese . In einer Anmerkung räumte er ein. Lust zu empfinden] klagen. daß »mehrere Metaanalysen. Antidepressiva stellten gegenüber nur Psychotherapie einen enormen Fortschritt in der Behandlung von Depressionen dar. tolerieren sie bereitwillig das Medikament trotz der Nebenwirkung sexueller Beeinträchtigungen. Er schrieb nachdenklich: »Hier herrschen seltsame Verhältnisse: Wird ein Medikament relativ gesunden Patienten verschrieben. »die Vielfalt der Freuden im alltäglichen Leben besser zu erleben« . wie sie durch Fluctin verursacht wird. die meist über Anhedonie [Unfähigkeit. die sowohl in psychiatrischen als auch in psychologischen Fachzeitschriften publiziert wurden und die zahlreiche Studien mit Tausenden von Patienten berücksichtigten. daß die Patienten »eine entmutigende und sogar besorgniserregende Form der Impotenz«. die Fluctin einnahmen.54 Die Forscher fanden heraus.Peter Kramer kannte das Problem der sexuellen Funktionsstörungen durchaus.« Er vermutete.53 In Kramers schöner neuer Welt kann man wohl. anders als in der von Aldous Huxley. er und andere Psychiater hätten bei Patienten.167 . daß Psychotherapien zur Behandlung von Depressionen mindestens genauso wirksam sind wie Medika. weil ihnen das Medikament erlaube.

« Anders gesagt. . die die Beziehungen eines Patienten zu anderen Menschen in den Mittelpunkt stellt. die Aussage des Dodo in Alice im Wunderland .55 In anderen Publikationen beteuerten Anhänger der kognitiven Verhaltenstherapie. laut einer Studie sei Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen genauso wirkungsvoll wie Medikamente.interpersonelle Therapie. der als eine Placebo-Psychotherapie dient. Im Jahr 1986 verkündete eine Schlagzeile auf der Titelseite der New York Times. ein kurzer wöchentlicher Besuch bei dem verschreibenden Arzt. diese erziele die besten Langzeitergebnisse und Imipramin langfristig die schlechtesten. und jeder muß einen Preis bekommen« . Das NIMH-Depressionsprogramm hält für praktisch jeden positive wie negative Nachrichten bereit. An der Studie nahmen 239 depressive Patienten teil.»Alle sind Sieger. . ein tricyclisches Antidepressivum. Dieses Fazit wird durch eine der methodisch sorgfältigsten Studien über Depression. das sogenannte Treatment of Depression Collaborative Research Programm. behaupteten Psychologen.Imipramin. . die sechzehn Wochen lang mit einer der vier folgenden Methoden in drei verschiedenen Kliniken behandelt wurden: . sondern auch für die Psychopharmakologie. Noch bevor die Ergebnisse 1989 veröffentlicht wurden. plus »klinische Betreuung«. die jemals durchgeführt wurden.eine Placebo-Tablette plus klinische Betreuung. das Programm habe bestätigt. Interpersonelle Therapeuten wiederum waren hoch erfreut darüber.168 . bestätigt.gilt nicht nur für die Psychotherapie. daß ihr Verfahren bei schwerkranken Patienten .kognitive Verhaltenstherapie. das Ende der siebziger Jahre vom National Institute of Mental Health (NIMH) initiiert wurde.mente. daß Psychotherapien wirksam seien.

daß alle vier Behandlungsprotokolle annähernd gleich wirksam beziehungsweise wirkungslos waren. daß »derartige minimal unterstützende Therapien. Befürworter von Antidepressiva griffen die Tatsache auf. sei der »relativ geringe Prozentsatz von Patienten. Auf der Grundlage dieses Befundes empfahl die American Psychiatrie Association im Jahr 1993. Nach gewissen Ergebnissen sprachen die Patienten sogar auf das Placebo plus klinische Betreuung am besten an. um eine erhebliche Verringerung der depressiven Symptomatik zu erreichen«. vollständig genesen und während der gesamten achtzehn. unterzog dessen Ergebnisse für das Handbook of Psychotherapy and Behavior Change einer kritischen Würdigung. insbesondere diejenigen.der kognitiven Verhaltenstherapie überlegen war (wenn es auch nicht so gut wirkte wie Imipramin). wenn sie von einem erfahrenen Therapeuten verabreicht werden.56 Tatsächlich war das wichtigste Ergebnis des NIMH-Projektes. daß sich die vier Behandlungsschemata einschließlich des PLA-KB [Placebo plus klinische Betreuung] in ihrer Wirksamkeit unterscheiden«. Depressionen sollten zunächst mit Psychopharmaka behandelt werden. waren bei Beendigung der Studie erstaunlich wenige signifikante Unterschiede zwischen den Schemata nachzuweisen. die die Therapie durchhalten. »Obgleich bei allen Therapieschemata signifikante Besserungen im Zustand [der Probanden] vor und nach der Behandlung vorkamen. möglicherweise ausreichen. Die Psychologin Irene Elkin von der Universität Chicago.«57 Sie wies darauf hin.58 Die Ergebnisse ließen den Schluß zu. daß eine Gruppe von Patienten mit schwerer Depression. anfänglich besser auf Imipramin als auf beide Psychotherapieformen anzusprechen schienen.169 . die als »funktional gestört« bezeichnet wurden. daß es bei Patienten mit leichter Depression »keine Anhaltspunkte dafür gibt. so Elkin. Ein »verblüffender« Befund. die wichtigste Mitarbeiterin des NIMH-Projekts.

62 Bei dieser Erhebung wurden Leser nach ihren Erfahrungen mit Fachleuten für seelische Gesundheit gefragt. belief sich auf dreißig Prozent bei der kognitiven Therapie.170 .60 In der Zukunft. zwanzig Prozent bei Placebo plus klinischer Betreuung und neunzehn Prozent bei Imipramin. auf die viertausend Leser geantwortet hatten.« Dieser kombinierte Ansatz ist nicht neu. »wird es eine Art Psychotherapie geben. im Jahr 1995 durchführte. sechsundzwanzig Prozent bei der interpersonellen Therapie. . das von der gemeinnützigen Verbraucherorganisation Consumers Union publiziert wird. Psychotherapie und Psychopharmaka wirkten in Kombination am besten. wie sie gegenwärtig praktiziert wird. Tatsächlich wurde sie durch eine großangelegte Meinungsumfrage widerlegt. Viele psychiatrische Experten einschließlich Peter Kramer behaupten. In den zwanziger Jahren bedrängte der prominente amerikanische Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan seine Patienten. Der Prozentsatz der Patienten in den einzelnen Protokollen. daß Psychotherapie plus Medikamente wirksamer sei als entweder Medikamente oder Psychotherapie allein. der glaube. daß er sich selbst »im Innersten als Psychotherapeut« fühle. die die Psychotherapie. so Kramer. im Herbst desselben Jahres. und die Psychopharmakologie in sich einschließen wird. daß Medikamente die Wirksamkeit von Gesprächstherapien verbessern könnten und umgekehrt. ist empirisch nicht bestätigt.59 Nur vierundzwanzig Prozent der Patienten waren am Ende des sechzehnwöchigen Behandlungszeitraums von ihrer Depression geheilt und blieben in den folgenden achtzehnten Monaten frei von stärkeren Symptomen. Der Autor von Glück auf Rezept sagte mir einmal. sich bis zu zehn Tage vor Beginn der Therapie ständig mit Alkohol zu berauschen. deren Zustandsbesserung anhielt.monatigen Nachuntersuchungsphase völlig symptomfrei bleiben«.61 Doch die Annahme. die das Magazin Consumer Reports. Das Magazin veröffentlichte die Ergebnisse seiner Umfrage.

Auch die Psychologen freuten sich. und je länger sie in therapeutischer Behandlung geblieben seien. die den Fragebogen beantwortet hätten. Die Umfragebeantworter gaben auch annähernd das gleiche Maß an Zufriedenheit an. dieses Ergebnis spiegele eventuell die »Therapiesucht« gewisser Patienten. erklärte Martin Seligman. die mit Gesprächstherapie und Psychopharmaka wie Fluctin behandelt worden waren. unabhängig davon. Nur Eheberater schnitten unterdurchschnittlich ab. diese Unzulänglichkeiten seien nicht gravierender als diejenigen von streng wissenschaftlichen Vergleichsstudien. zudem habe es keine Kontrollgruppe gegeben.171 . daß sämtliche Therapien gleich effizient beziehungsweise ineffizient sind. Psychologe an der Universität von Pennsylvania und ehemaliger Präsident der American Psychological Association. Doch die Leser gaben auch an. daß die Umfrage einige methodische Schwächen habe. Die Umfrage von Consumer Reports »hat die Wirksamkeit der Psychotherapie empirisch bestätigt«.63 Seligman räumte ein. Einige Kritiker wandten ein. besser zu gehen schien als denjenigen. um die Leistungsausschlüsse der Krankenversicherer für Gesprächstherapien zu kritisieren. daß sie mit den Anonymen . Doch. daß es Lesern. ob sie von Sozialarbeitern. im Dezember 1995 in der Zeitschrift American Psychologist. Psychologen oder Psychiatern behandelt wurden. Abonnenten des Consumer Reports seien möglicherweise nicht repräsentativ. ihre Psychotherapie habe ihnen geholfen.Die Umfrage war Balsam für die Seele der Gesprächstherapeuten. die nur psychotherapeutisch behandelt worden waren. und dies gelte noch mehr für diejenigen. um so besser hätten sie sich gefühlt. so versicherte er. Dennoch griff die American Psychological Association sogleich die Ergebnisse der Umfrage von Consumer Reports auf. Andererseits bestätigte die Umfrage auch die Dodo-Hypothese und die sich daraus ergebende Konsequenz. Die meisten Leser schrieben.

) Sie erklären in The Limits of Biological Treatments for Psychological Distress und From Placebo to Panacea sowie in zahlreichen Artikeln. Der Erfolg der Anonymen Alkoholiker mag darauf zurückzuführen sein. Forscher der Duke-Universität haben die therapeutische Wirksamkeit von Religiosität in einer neueren Studie an siehenundachtzig depressiven Männern und Frauen im Alter von mindestens sechzig Jahren bestätigt. daß die Wirksamkeit von Psychopharmaka weit überschätzt werde.65 (Greenberg und Fisher sind auch die Autoren des Buches Freud Scientifically Reappraised. sich einer »höheren Macht« zu unterwerfen.Alkoholikern zufriedener waren als mit sämtlichen Fachleuten für seelische Gesundheit oder mit Medikamenten. die Wirksamkeit von Antidepressiva übersteige die . Nach Auswertung von Doppelblindstudien über Antidepressiva aus den letzten dreißig Jahren sind sie zu dem Schluß gelangt. Antidepressiva oder einer Kombination von beidem behandelt. Vom Placebo zum Allheilmittel Roger Greenberg und Seymour Fisher. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür. Die Forscher berichteten. daß »intrinsische Religiosität« der zuverlässigste Prognosefaktor für die Genesung von Depression sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Gruppe sei. beide Psychologen am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Staatsuniversität von New York in Syracuse.172 . Antidepressiva oder eine Kombinationstherapie eine nennenswerte Besserung des psychischen Zustands der Patienten herbeigeführt hätten. daß eine psychotherapeutische Behandlung. gehören zu den hartnäckigsten Kritikern der Psychopharmakologie. daß sie ihre Mitglieder ermahnen.64 Etwa die Hälfte der Patienten wurde mit Psychotherapie. das ich im zweiten Kapitel erörterte.

66 Aus all diesen Befunden folge. die von selbst in Erfüllung gehe. daß Antidepressiva keinen über den Placebo-Effekt hinausgehenden Nutzen zeigen. die die Ergebnisse verzerren können. Antidepressiva seien wirksamer. um den die Besserungsrate von Patienten. wegen ihrer mangelnden Bereitschaft. dies löse eine Besserungserwartung aus. Es gibt weitere Faktoren. gesteigerte Schweißabsonderung. dies entsprach dem Betrag. sich an das Studienprotokoll zu halten. Als Greenberg und Fisher bei der Auswertung von zweiundzwanzig Studien allein die Patientenbeurteilungen heranzogen. die Antidepressiva einnahmen. letztere schätzen die Wirksamkeit im allgemeinen niedriger ein. die Probanden für eine Studie rekrutieren. Verstopfung und sexuelle Funktionsstörungen. oder wegen sonstiger Probleme. Außerdem basieren die meisten Bewertungen der therapeutischen Wirksamkeit in erster Linie auf dem Urteil der Kliniker und nicht auf dem der Patienten. so Greenberg und Fisher. die sprachlich unbeholfen oder unklar sind oder deren Depression mit anderen organischen oder psychischen Leiden einhergeht.173 . Daher sind die Probanden. die Placebos einnahmen. Zudem schließen Studienleiter. Alle Antidepressiva haben normalerweise Nebenwirkungen wie etwa Mundtrockenheit. stark . über der Besserungsrate von Patienten lag. sei es wegen unangenehmer Nebenwirkungen. wer die wirksame Substanz bekomme. nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. stellten sie fest. So scheiden beispielsweise viele Patienten im Lauf einer Studie aus.von Placebo-Tabletten nur um einundzwanzig Prozent. Doch selbst diese Zahl ist laut Greenberg und Fisher mit Vorsicht zu genießen. Deshalb könnten sowohl Patienten als auch Ärzte oftmals herausfinden. da viele scheinbare Doppelblindstudien über Medikamente in Wirklichkeit mit einem systematischen Fehler zugunsten eines positiven Wirksamkeitsnachweises behaftet seien. daß »die gängigen Behauptungen. oftmals solche Personen aus. die klinische Studien abschließen.

wie etwa emotionaler Verflachung. bezogen nur Patienten ein. führten Heilungsraten von bis zu neunzig Prozent an. die leitenden Ärzte wußten. ist nicht zweifelsfrei erwiesen. hatten keine manischen oder depressiven Anfälle im Vergleich zu neunzehn Prozent der Personen in der Kontrollgruppe. die bereits positiv auf den Wirkstoff angesprochen hatten..] selbst die geringfügig höhere Wirksamkeit von Antidepressiva im Vergleich zum Placebo-Effekt. Anfängliche Berichte über Lithium. das heißt. deren Erkrankung zuvor mit Lithium »stabilisiert« worden war. die Lithium einnahmen. die die Wirksamkeit von Lithium nachweisen sollten.68 Doch der Psychiater Frederick Goodwin und die Psychologin Kay Jamison gaben in einer kritischen Bestandsaufnahme im Jahr 1990 bescheidenere Zahlen an: Sechsundsechzig Prozent der Probanden. über die in der Fachliteratur berichtet wird. Leseschwierigkeiten und gestörter motorischer Koordinierung. daß Jamison selbst an manisch-depressiver Krankheit leidet. gab dieser Bestätigung eine besondere Bedeutung.71 Einige waren nicht doppelblind. sich mit den Nebenwirkungen von Lithium. die Studien. wer Lithium erhielt und wer ein Placebo. Andere Untersuchungen schlössen nur Patienten ein. das als »Wundermittel« und »magische Pille« gegen manischdepressive Psychosen angepriesen wurde. abzufinden.«67 Greenberg und Fisher bezweifelten auch die Wirksamkeit von Medikamenten zur Behandlung schwerwiegenderer psychischer Erkrankungen..69 (Die Tatsache. Neuere Untersuchungen über Lithium zeigten eine gegenüber einem Placebo geringfügig oder auch gar nicht erhöhte .)70 Laut Greenberg und Fisher sind einige der von Goodwin und Jamison ausgewerteten Studien methodisch fehlerhaft. Ironischerweise enthüllte ihr persönlicher Erfahrungsbericht An Unquiet Mind ihre Sehnsucht nach den manischen Phasen und ihren Kampf.174 .überzogen sind [.

die das ausgleichen sollen. Doch einem führenden Lehrbuch der Psychiatrie zufolge »können nach einer plausiblen Schätzung zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Schizophrenen. die zur Behandlung von Schizophrenie und Epilepsie eingesetzt werden. worauf verstärkte Anstrengungen unternommen werden. mit den Nebenwirkungen von Lithium zurechtzukommen.175 . Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten leiden weiter. was die vormalige Wunderpille nicht mehr leistet. dann folgen Berichte. ein relativ normales Leben führen. Daher sollten die Psychiater den gegenwärtigen Konsens hinsichtlich der Langzeitbehandlung der manisch-depressiven Krankheit neu bewerten. etwa zwei Drittel brechen die Einnahme ab.Wirksamkeit. das man sich erhofft hatte. die die Größe des Unterschieds zwischen aktivem Wirkstoff und Placebo immer vorsichtiger einschätzen. Aus Langzeitstudien geht hervor. daß Lithium nicht das erfolgreiche prophylaktische Mittel ist. der mit überzogenen ersten Erfolgen beginnt (die durch Enthusiasmus und Schwachstellen in der Doppelblindkonzeption gefördert werden). Ein 1995 im British Journal of Psychiatry erschienener Übersichtsartikel zog folgendes Fazit: »Nach eingehender Prüfung der vorliegenden empirischen Daten deutet leider vieles darauf hin. alternative Behandlungsmethoden zu finden. Auch hier gibt es einen Kreislauf. daß es Patienten schwerfällt. Greenberg und Fisher kommentierten: Die Geschichte der Erforschung des Lithiums folgt einem vertrauten Muster.«72 Tatsächlich versuchen Psychiater in zunehmendem Maße manisch-depressive Psychosen mit alternativen Medikamenten zu behandeln. schließlich wächst die Unzufriedenheit der Kliniker mit den Ergebnissen im medizinischen Alltag. die Medikamente einnehmen. insbesondere solchen.73 Wie Lithium wurden auch Chlorpromazin und verwandte Präparate zur Behandlung von Schizophrenie oft zunächst als Heilmittel angepriesen.

Sie schien sich ihres Verhaltens deutlich bewußt zu sein. Laut Auskunft des National Institute of Mental Health entwickelt sich bei bis zu vierzig Prozent der Patienten. Die Bewegungsabläufe und der Gesichtsausdruck der Parkinson-Kranken wirken steif und rigide. Es waren unter anderem diese Nebenwirkungen. die Neuroleptika einnehmen.vielleicht war dies der Grund dafür. daß sie soviel Zeit in ihrem Schlafzimmer verbrachte. sind .176 .die Mutter eines Freundes -. und sie schien unentwegt etwas zu kauen. erkannte ich. Doch die langfristige Einnahme von Neuroleptika kann eine schwerwiegendere Nebenwirkung auslösen. Ihre Lippen waren ständig geschürzt. Ihre Hände waren klauenartig gekrümmt. antipsychotische Medikamente Neuroleptika zu nennen. Erst als ich über zehn Jahre später vom Krankheitsbild der Spätdyskinesie hörte.75 Behauptungen. eine Spätdyskinesie. und es war ihr unverkennbar peinlich .hin an milden Symptomen. und vierzig bis sechzig Prozent müssen lebenslang erhebliche Störungen in Kauf nehmen. und sie strich wiederholt mit ihren Fingerspitzen über ihre Handinnenflächen.«74 Zudem haben Chlorpromazin und andere Antipsychotika oftmals extrapyramidale Nebenwirkungen. Ich beobachtete dieses Syndrom erstmals Mitte der siebziger Jahre. die sogenannte Dyskinesia tarda (Spätdyskinesie). sich wiederholendes Zucken und Zittern. die Psychiater dazu veranlaßten. die wegen »Nervenzusammenbrüchen« mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert worden war. daß diese Symptome vermutlich eine Nebenwirkung ihrer Medikamente waren. als ich eine Frau mittleren Alters kennenlernte . wenn der Patient das Medikament absetzt. die den Symptomen des Parkinson-Syndroms gleichen. die im allgemeinen nicht reversibel ist. wonach neuere Neuroleptika weder extrapyramidale Wirkungen noch Spätdyskinesien auslösen. sie verfallen in unwillkürliches. Extrapyramidale Wirkungen verschwinden in der Regel. was wörtlich »Hirnkrampfanfall« bedeutet.

dem persönlichen Bedürfnis nach Wandel oder Besserung und dem zusätzlichen Element. .77 Doch binnen eines Jahres tauchten erste Berichte über Nebenwirkungen . daß psychotrope Substanzen wirkungslos sind? Nein.76 Als Johnson & Johnson 1994 das Antipsychotikum Risperdal (Risperidon) auf den Markt brachte. Der komplexe Zusammenhang zwischen der Einnahme einer Substanz. Auch 1996 brachte Eli Lilly Olanzapin auf den (US-amerikanischen) Markt.darunter auch Spätdyskinesie .möglicherweise überzogen. es habe nicht mehr extrapyramidale Effekte als die Placebos ausgelöst. Etwas Ähnliches geschah bei dem Präparat Leponex (Clozapin). die offenkundig ›arzneiähnliche‹ physiologische Wirkungen auslöst. das ist nicht unsere Botschaft.177 . aber keine Agranulozytose verursache. Dennoch war Risperidon bereits im Jahr 1996 das meistverschriebene Antipsychotikum in den Vereinigten Staaten. hieß es in den Werbeanzeigen. das nicht bloß extrapyramidale Nebenwirkungen und Spätdyskinesie verursacht . daß man von kompetenter Seite in der Hoffnung bestätigt wird.in der medizinischen Fachliteratur auf. sondern auch Krampfanfälle und eine potentiell tödliche Erkrankung namens Agranulozytose (starke Verminderung der Granulozyten).wenn auch mit geringerer Häufigkeit als Neuroleptika wie Chlorpromazin -. ob es sich um einen wirklichen Fortschritt oder bloß einen weiteren trügerischen Hoffnungsschimmer handelt.«78 Placebos zur Behandlung von Depressionen Am Ende ihres Buches From Placebo to Panacea faßten Greenberg und Fisher ihre Einstellung zu Psychopharmaka folgendermaßen zusammen: »Behaupten wir. das angeblich genauso wirksam sei wie Clozapin. Dazu meinte ein führender Neuroleptikaexperte: »Wir können heute noch nicht sagen.

der PlaceboEffekt erklärt möglicherweise einen Großteil. verengten sich ihre Atemwege. wurde von Walter A. die Krankheit sei wohl nur eingebildet gewesen. Brown. Wenn ein Placebo Besserung bringt. meßbare Wirkungen hätten. heißt es gewöhnlich. der Placebo-Effekt erkläre möglicherweise einen Großteil der therapeutischen Wirksamkeit von Medikamenten für psychische Störungen. möglicherweise eine implizite Präferenz für Psychotherapien und Psychoanalyse und waren gegenüber einer medikamentösen Behandlung negativ voreingenommen. Behauptete man dagegen. daß die Erwartungen der Patienten sehr reale. bestätigt. wenn nicht die Gesamtheit der vorteilhaften Wirkungen von Psychopharmaka. und ihre Atembeschwerden verstärkten sich. Er zitierte eine Studie. In ihrem Buch Freud Scientifically Reappraised und andernorts schienen sie von der Psychoanalyse und Psychotherapien nicht die gleichen hohen Wirksamkeitsnachweise zu fordern wie von Medikamenten. das Aerosol enthalte Allergene. bei der Asthmatiker lediglich fein zerstäubte Salzlösung inhalierten. .all dies bietet einen Anknüpfungspunkt für die Ingangsetzung eines therapeutischen Prozesses. die keine Medikamente verschreiben dürfen. Brown räumte in einem Beitrag in Spektrum der Wissenschaft vom März 1998 ein: »Die Assoziation [des Wortes Placebo] mit Täuschung und Unechtsein spiegelt das Stigma nur zu gut. atmeten die Patienten leichter.«79 Anders gesagt. Natürlich hatten Greenberg und Fisher als Psychologen.178 . Doch ihre Behauptung. Als man den Patienten sagte. die ihr Asthma verschlimmern könnten.«80 Doch Forschungen hätten immer wieder gezeigt. so Brown. es enthalte eine Asthmamedikament. einem Psychiater an der Brown-Universität und anerkannten Experten auf dem Gebiet der Placebo-Effekt-Forschung.daß es jetzt eine gute Chance für Veränderungen gibt .

als Erstbehandlung für viele Fälle von Depression Placebos zu verschreiben. so Brown. fünf hatten das Scheinmittel nach Abschluß der Studien weiterhin einnehmen wollen.81 Brown meinte.Im Jahr 1994 machte Brown in Neuropharmacology einen verblüffenden Vorschlag: Ärzte sollten erwägen. doch die Forschungen von Fisher. daß Scheinpräparate bei vielen Depressiven genauso wirksam sein könnten wie Antidepressiva oder Psychotherapie. daß es sich um ein Leerpräparat handle. das ihnen je verordnet worden sei. die Pillen seien Placebos .179 . das Placebo sei das wirksamste Präparat. die Pillen bestünden aus einer pharmakologisch wirkungslosen Substanz.sogar diejenigen. folgendermaßen vor: . daß Patienten auch auf ein Placebo ansprächen. hätten die Befrager festgestellt. die Pillen enthielten in Wahrheit einen aktiven Wirkstoff. Damit ein Placebo Wirkung zeige. Greenberg und anderen überzeugten ihn davon. der einem Patienten eine Placebo-Behandlung empfiehlt. wenn sie wüßten. bei schwerer Depression sollten weiterhin Antidepressiva verordnet werden. ihre Verordnung erfordere auch kein so umfassendes Fachwissen. Es gebe gewisse Hinweise dafür. Der Hauptvorteil von Placebos. Vier der vierzehn Patienten hätten den Forschern gesagt. die geglaubt hatten.während der einwöchigen »Behandlung« positiv darauf angesprochen. Unglaublicherweise hätten alle vierzehn Probanden . Obgleich allen Probanden gesagt wurde. daß sechs von ihnen überzeugt davon gewesen seien. daß sie billiger seien als pharmakologisch aktive Substanzen oder Psychotherapie.82 Brown stellte sich die Vorgehensweise eines Arztes. müßten Ärzte ihren Patienten nicht einmal über dessen eigentliche pharmakologische Wirkungslosigkeit täuschen. behauptete Brown. liege darin. In einer 1965 durchgeführten Studie an vierzehn depressiven Patienten hätten alle eine Woche lang Placebo-Pillen erhalten.

viele Menschen suchten sich bereits ihre Placebo-Behandlungen in Form von homöopathischen Präparaten und alternativen Heilmitteln. die die Leichtgläubigkeit ihrer Patienten ausnutzen«. Und obgleich ein Heilverfahren.83 Einige Psychiater reagierten entsetzt auf Browns Vorschlag. Diese Pillen enthalten keinen pharmakologischen Wirkstoff. möglicherweise regen sie die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Dieser Glaube wird durch die Verordnung einer Placebo-Behandlung bestätigt. Donald Klein.180 . Wenn Sie sich nach sechs Wochen nicht besser fühlen.Herr Jones. daß sich Ihr Zustand mit dieser Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit bessern wird. die Form von Depression. zieht sich wie ein roter Faden durch die alternative Medizin. um uns zu sagen. all jenen ein . die Psychiater als gerissene. deren pharmakologische Wirkung nicht erwiesen sei. wenn der erste mit Placebo behandelte Patient aus dem Fenster springt und sein Bruder. daß der Vorschlag »denen in die Hände arbeitet. die billiger für Sie ist und zudem weniger Nebenwirkungen erwarten läßt. Sie nehmen dabei eine dieser Pillen zweimal täglich ein. monierte. »Die Überzeugung. Es gibt jedoch noch eine dritte Form der Behandlung. wie es Ihnen geht. daß sich der Körper selbst heilen kann. Klage einreicht?«85 Ob es einem gefalle oder nicht. Wir wissen jedoch. wie sie wirken. an der Sie leiden. können wir eine der anderen Therapien ausprobieren. um praktische Ärzte zu verteidigen. ist in der Vergangenheit entweder mit Antidepressiva oder mit Psychotherapie. ein Rechtsanwalt. Diese beiden Behandlungsmethoden sind noch immer weithin üblich und stellen Optionen für Sie dar. berechnende Manipulatoren ansehen. und zwar einer Gesprächstherapie. Auch sie hilft vielen Menschen mit Ihrer Erkrankung. dessen Wirkungsmechanismus im dunkeln liegt. Wir wissen nicht genau. behandelt worden. Psychiater an der Columbia-Universität. und außerdem kommen Sie alle zwei Wochen in die Praxis.84 Ein anderer Psychiater fragte: »Werden sich Kollegen erheben. antwortete Brown. selbst aus.

Die Renaissance der Elektroschocktherapie Ein vielsagendes Symbol für die Grenzen der Wirksamkeit von Psychopharmaka ist das Fortbestehen zweier berüchtigter Behandlungsmethoden. die Lobotomie sei lange nicht so übel wie ihr Ruf. sondern sogar verlockend sein. die rationale Therapien anstreben. .Greuel sein mag. die sogenannte bilaterale stereotaktische Zingulotomie.87 Tatsächlich wird die Psychochirurgie gelegentlich noch immer bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen eingesetzt. daß bei manchen Patienten wissenschaftlich nicht gesicherte Therapien die besten Erfolge erzielten. Bei der Zingulotomie wird ein murmelgroßes Nervenbündel. das emotionale Reaktionen steuert.181 . Am Massachusetts General Hospital.«86 Schon Jerome Frank hatte in Persuasion and Healing darauf hingewiesen. Die eine ist die Lobotomie. das der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität angeschlossen ist und das eine der renommiertesten Kliniken der Welt ist. der sogenannte Gyrus cinguli. und sie müssen ihr Einverständnis mit der Zingulotomie erklärt haben. die auf andere Therapien nicht ansprechen. um Zwangsstörungen. Bei den Patienten müssen andere Behandlungsmethoden versagt haben. Panikstörungen. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort behauptete der Wissenschaftshistoriker Jack Pressman. wenn man die begrenzte Wirksamkeit sämtlicher psychiatrischer Behandlungsverfahren bedenke. mit dem limbischen System verbindet. manisch-depressive Erkrankungen. durchtrennt. mag gerade dieses Geheimnis – und diese Magie . der das Stirnhirn.für viele unserer Patienten nicht nur tolerierbar. benutzen Chirurgen eine Variante der Lobotomie. den Sitz der höheren kognitiven Funktionen. Depressionen und sogar die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen zu behandeln.

ins Gehirn ein. Der Einsatz der Zingulotomie. Im Jahr 1996 berichtete die Gruppe in Neurosurgery. so Vertosick. sondern sie lediglich davon abhalten. fügte er hinzu. Andererseits.Anfangs führten die Psychochirurgen computergelenkte Elektroden durch Löcher. zerstören sie das Gewebe sehr viel schonender als bei älteren Methoden. wie wir gegenwärtig psychotrope Arzneimittel einsetzen. das sich . insofern wir den Zustand der Patienten nicht bessern. daß sich bei einem Drittel von vierunddreißig Patienten nach einer Zingulotomie die Symptome gebessert hätten.88 Die Psychochirurgen am Massachusetts General Hospital haben versucht. In jüngster Zeit hat die Gruppe am Massachusetts General Hospital dieses Gerät durch Gammastrahlenbündel ersetzt. daß in die Bewertung der Wirksamkeit des Verfahrens ausschließlich das Urteil der Forscher und nicht das der Patienten eingeflossen sei. Das zweite umstrittene Behandlungsverfahren. die sie in den Schädel gebohrt hatten. »ist wissenschaftlich ebenso unzureichend abgesichert« wie die primitiveren Lobotomien. so daß keine Löcher mehr in den Schädel gebohrt werden müssen. die Walter Freeman vor Jahrzehnten durchgeführt hatte. uns zu belästigen«. keine öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. daß die Art und Weise. »behaupten manche. Er nahm Anstoß daran. Die Chirurgen verfolgten das Vordringen der Sonden an einem Kernspintomographen. Doch in seinem Beitrag »Lobotomy's Back«. die Elektroden verkochen das Gewebe in ihrer unmittelbaren Nähe durch Stromstöße. was ihnen weitgehend gelungen ist (obgleich sie eine Web-site haben). brachte der Neurochirurg Frank Vertosick seine zwiespältige Haltung zum Programm des Massachusetts General Hospital zum Ausdruck. sondern den Patienten in den Griff kriegen möchte«. ebenso kritikwürdig ist.182 . Wenn mehrere Gammastrahlenbündel an einer Stelle innerhalb des Gehirns zusammentreffen. der 1997 in Discover erschien. Vertosick äußerte auch die Sorge. daß die Psychochirurgie »nicht die Krankheit.

elegant gekleideter Mann mit graumeliertem Schnurrbart und wachsamem Blick. das mit dem Einsatz kurzwirkender Anästhetika verbunden ist«. »Soziologisch gesehen«. sagte er. der mit dazu beigetragen hat.183 .zweifellos weil ihm bewußt war. Unmittelbar vor Sackhe. die an einer Anschlagtafel neben der Tür hing. das die Aufschrift trug »Institut zur Erforschung von emotionalem Streß«. Sackheim arbeitet am New York Psychiatrie Institute. wie er sich immer wieder ausdrückte.« Im Jahr 1985 veranstalteten die National Institutes of Health jedoch eine Konferenz zum Thema »EST« und gelangten zu dem Fazit. Als er Ende der siebziger Jahre mit der Erforschung der EST begann. Ein Forscher. stand: »Jetzt geht's mir schon besser. daß die meisten Menschen die EST. In einer Wortblase. Das Risiko des Verfahrens »unterscheidet sich nicht von demjenigen. daß keine einzige kontrollierte Studie nachgewiesen habe.90 Im Jahr 1990 befürwortete die American . war ihr Ruf an einem Tiefpunkt angelangt. ist Harold Sackheim.89 Als er mir eine Einführung in die Elektroschocktherapie (E ST) gab. um ihr den Todesstoß zu versetzen.« Sackheim ist ein schlanker. ein Psychologe an der Columbia-Universität. daß nicht viel gefehlt hätte.ims Büro fiel mir eine Karikatur auf.ungeachtet der vermeintlichen Revolution in der Psychopharmakologie behauptet und sogar an Einfluß gewonnen hat. »schrecklich« fänden. »war die EST in Amerika so sehr in Verruf geraten. an dem auch der Neurowissenschaftler Eric Kandel tätig ist. daß eine andere Behandlungsform der EST im kurzfristigen Eingreifen bei schwerer Depression überlegen sei. Die Karikatur zeigte ein großes Gebäude. die von einer unsichtbaren Person innerhalb des Gebäudes stammte. schien er ständig meine Reaktion auf seine Worte abzuschätzen . Ein Mann im Arztkittel war aus einem Fenster geworfen worden und stürzte in den Tod. ist die Elektroschocktherapie. den Ruf der Elektroschocktherapie wiederherzustellen.

von Mensch zu Mensch stark – um den Faktor fünfzig .« Obgleich die EST »zu schwerem. beginnt Sackheims Gruppe mit schwachem Strom. »Aber das löst keinen öffentlichen Aufschrei der Empörung aus. daß die Stromstärke. Um die optimale Dosis für jeden Patienten festzulegen.91 Er und seine Kollegen haben gezeigt. die unter anderem von Sackheims Gruppe entwickelt wurden. manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie. meinte Sackheim.184 .schwankt. Die Anordnung der Elektroden kann von entscheidender Be. die von dieser Nebenwirkung betroffen seien. führen kann«. sei die Zahl der Patienten.Psychiatric Association den Einsatz der Elektroschocktherapie zur Behandlung von Depression. daß man in zunehmendem Maße die negativen Nebenwirkungen von Medikamenten erkannt habe. Zu seinen Patienten gehörten auch »Fernsehstars«. um einen Krampfanfall auszulösen. wie man am Beispiel der Spätdyskinesie sehe. so sei ihre Renaissance durch die Tatsache gefördert worden. dessen Stärke allmählich gesteigert wird. sehr viel niedriger. die am Abend des Tages. die erforderlich ist. Aufgrund von Verbesserungen. am Broadway auftraten«. »Ich hatte Patienten. daß jährlich etwa 100000 Patienten in den Vereinigten Staaten und eine Million Patienten weltweit mit dem Verfahren behandelt würden. Insbesondere in den Vereinigten Staaten. So wie die Entwicklung von Psychopharmaka einst zum Niedergang der Schocktherapie beigetragen habe. als die Gegner der EST behauptet hätten. fügte er hinzu. ausgedehntem Gedächtnisverlust. an dem sie behandelt wurden. Schließlich könnten Antipsychotika wie etwa Chlorpromazin Hirnschäden und bleibende Entstellungen verursachen. meinte Sackheim. erholen sich Patienten zudem schneller von einer EST-Behandlung und leiden unter weniger Nebenwirkungen. der Jahre zurückreicht. sagte Sackheim. Sackheim schätzte. Großbritannien und Skandinavien erfreute sich die Elektroschocktherapie in den letzten zehn Jahren wachsender Beliebtheit.

Sackheim verglich die Schockbehandlung mit dem Treten des Gaspedals eines Autos.185 . wenn der Strom nur auf eine Hälfte des Gehirns geleitet wird. der durch einen starken akuten Anfall gelindert werden könne. sagte Sackheim. »Gott weiß. Seiner Auffassung nach sei die Depression ein milder Daueranfall. Es gebe mindestens hundert solcher Theorien. Wird Gehirn-RückenmarkFlüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) eines Säugetiers. einen Krampfanfall einzustellen. um bei einem Menschen Krampfanfälle auszulösen. ob es eine Theorie über den Wirkungsmechanismus der EST gebe. Die durchschnittliche Dauer einer Elektroschocktherapie umfaßt acht bis neun Behandlungssitzungen. nach der Behandlung nimmt die Aktivität der Nervenzellen ab. ebenso der Glukosestoffwechsel und die Durchblutung. der durch Schockbehandlungen ausgelöst wird. wenn beide Hälften unter Strom gesetzt werden. »Wir lösen einen Krampfanfall aus.« Diese Erklärung sei »vermutlich gegenwärtig die herrschende Theorie«. anderen Tieren gespritzt. innere Krampfschutzmechanismen des Gehirns aktiviere. Die paradox anmutende Erklärung lautet.« . die auf ungefähr drei Wochen verteilt werden. andere.deutung sein. daß der Krampfanfall. grinste er breit. Die EST übe eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn aus. ob sie richtig ist. erhöht sich deren Anfallschwelle. wodurch der im Leerlauf arbeitende Motoren zu schnell auf Touren gebracht werde. fuhr Sackheim fort.92 Dann trug er mir das aktuelle »Kredo der Columbia-Universität« vor. dem eine EST verabreicht wurde. die erforderlich sei. antwortete er. Die Therapie habe »nachhaltig krampfverhindernde Wirkungen«. Einige Psychoanalytiker hätten behauptet. die Schockbehandlung befriedige den unbewußten Wunsch von Patienten nach strenger Bestrafung. um das Gehirn dazu zu bringen. Als ich Sackheim fragte. von Sitzung zu Sitzung enorm zu. einige Patienten sprechen am besten an. Außerdem nehme die Stromstärke.

einem Psychiater und zwei Medizinstudenten. der einen weißen Arztkittel trug. gelangten wir in einen kleinen L-förmigen Raum. der einen blaßgrünen OP-Kittel trug. meinte Sackman: »Das wird vermutlich ziemlich enttäuschend für Sie werden.93 Als wir in einem Aufzug von seinem Büro nach unten in die Klinik fuhren. In dem Film aus dem Jahr 1975 stellt sich Randall P.186 . der vollgestopft war mit Computermonitoren. ein älterer Herr. Sackheim sah den Film als Student bei seinem ersten Rendezvous mit seiner späteren Frau. einem Anästhesisten. er wird statt dessen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. Obgleich McMurphy diese Behandlung ohne Beeinträchtigung seiner mentalen Fähigkeiten übersteht. befestigen Elektroden an seinen Schläfen und verpassen ihm bei vollem Bewußtsein eine Schockbehandlung. stand neben einer Untersuchungsliege und sprach leise mit dem Psychiater. erwiderte er amüsiert. diesmal. um nicht ins Gefängnis zu kommen. die sich hier über die EST informieren wollten. Nachdem wir durch eine Tür mit der Aufschrift »ESTAbteilung« gegangen waren. Technikern. der von Jack Nicholson gespielt wird. anderen elektronischen Geräten und Menschen: Pflegepersonal. Mitch Nobler. um der Behandlung von Patienten im Psychiatrie Institute beizuwohnen. wird er später durch eine Lobotomie in einen frechen Zombie mit ausdruckslosen Augen verwandelt. McMurphy.« . schreienden McMurphy auf einen Untersuchungstisch. Der erste Patient.In der EST-Abteilung Einige Wochen nach meinem ersten Interview mit Sackheim hatte ich eine weitere Verabredung mit ihm. . »Nein«. geisteskrank. einem adretten jungen Mann. schnallen dessen Kollegen den um sich schlagenden.»Nicht wie in Einer flog übers Kuckucksnest?« fragte ich. Nachdem er einen sadistischen Pfleger angegriffen hat.

daß die Frau. worauf dieser nickte. die mit einem intravenösen Arzneimittelzuführsystem verbunden war. das einem Fahrradlenker glich und an einem Ende eine Metallscheibe aufwies. Die Pieptöne eines Elektrokardiographen beschleunigten sich. nicht mehr. Der Papierstreifen.Der Patient . der ein ambulanter Patient sei und bald nach Hause gehen könne. während ein Techniker sie auf die Behandlung vorbereitete. wie mir Sackheim mitteilte . Sie legte sich auf die Liege. undeutlicher Stimme antwortete. Eine Krankenschwester breitete eine weiße Decke über ihn und schob einen Gummikeil in seinen Mund. erst nach Stunden. in dem sich die Patienten erholen. stationär behandelt werde. Ich hörte.ein Naturwissenschaftler. Der Anästhesist stach eine Nadel. die ebenfalls einen OP-Kittel trug. Der Körper des Patienten wurde starr. und hielt sie an die Schläfe des Patienten. ihm folgte eine kleine Frau mit kurzem braunem Haar. Eine Pflegerin schob den Mann auf der Liege in einen angrenzenden Raum. Innerhalb von Minuten stöhnte und bewegte sich der Mann auf der Untersuchungsliege. auf die er mit leiser.legte sich auf die Liege. in eine Armvene des Mannes. und seine Muskulatur erschlaffte. Sackheim ging zu dem Patienten und begrüßte ihn herzlich. sein Rücken krümmte sich leicht. der Psychiater. Innerhalb von Sekunden schloß er die Augen. anders als der ältere Mann. sagte er mir. wie es bei älteren Betäubungsmitteln üblich war. und er zitterte. Sackheim redete ihr freundlich zu. Man hörte ein kurzes Brummen. Nobler. Der Krampfanfall dauerte achtunddreißig Sekunden und endete dann abrupt. Als Sackheim zu mir zurückkam. Sackheim erklärte mir.187 . Unterdessen schob ein anderer Pfleger eine weitere Liege in den Behandlungsraum. Sie sei ins Institute aufgenommen wor. wie ihm jemand Fragen stellte. die Patienten wachten heute binnen Minuten aus der Narkose auf. die in spitze Zackenkurven übergingen. der aus einem Elektroenzephalographen herauskam. zeigte sanfte Wellen. ergriff ein Gerät.

deutete er auf das untere Ende der Liege. der bereits behandelt worden war. (Für den älteren Herrn war es das sechste Mal gewesen. Sackheim. Als ihn ein Techniker fragte. doch anders als der Patient vor ihr schien die Frau reglos dazuliegen. Eine Krankenschwester fragte die Patientin: »Können Sie mir Ihren Familiennamen sagen?« Die Frau murmelte ihren Vornamen. Hinter einem Vorhang lag ein Patient. doch ihre Furcht lege sich mit der Zeit. der ältere Herr. daß sich viele Patienten vor den ersten Behandlungen fürchteten. der aus dem Leintuch hervorschaute. Die Frau. Ihre Augen blieben geschlossen. mit dem seine kognitiven Funktionen überprüft werden sollten. daß man ihn nur verschwommen sehen konnte. wo er sich befinde. nachdem sie mehrfach »schwere impulsive Suizidtendenzen« gezeigt habe. die gerade behandelt worden war. vibrierte so schnell. Sie drehte sich auf die Seite. stammelte der Patient hinter dem Vorhang unzusammenhängende . flüsterte er mir zu. ob er wisse. Als ich Sackheim fragte. Als der Assistent die Schläfen der Frau mit einem elektrisch leitenden Gel einrieb. bevor Sackheim und ich eingetroffen waren.den. ob die Behandlung schon begonnen habe. Wieder hörte ich ein Brummen. Sackheim nahm mich mit in den Aufwachraum.188 . Der erste Patient. Der große Zeh der Frau. lag in einer halbfötalen Haltung auf der Seite. während eine Krankenschwester mit sanfter Stimme zu ihr sprach. Ein paar Minuten später ging Sackheim zu ihr und sagte mit lauter Stimme: »Guten Morgen!« Sie reagierte nicht. Der Krampfanfall dauerte zweiundvierzig Sekunden. saß auf seiner Liege und füllte einen Fragebogen aus. der neben mir stand. sagte mir. Die Schwester schob sie aus dem Zimmer. Ihre Zunge hing leicht aus ihrem halb geöffneten Mund heraus. nahm ihr Gesicht einen immer angsterfüllteren Ausdruck an. hielt der Psychiater zwei Elektroden an ihre Schläfen. Dies war die zweite Behandlung für die Frau.) Nachdem die Frau in Narkose versetzt worden war.

94 Als ich Sackheim nach seinen Erfolgen fragte. die Patienten benötigten. wenn sich Psychopharmaka bei ihnen als wirkungslos erwiesen haben. In Fachzeitschriften wurde über Erfolgsraten berichtet. zu verordnen. hätten eine anfängliche Besserungsrate von nur fünfzig bis sechzig Prozent.189 . sagte Sackheim. Natürlich entschließen sich die meisten Patienten erst dann zu Schockbehandlungen. »Überhaupt nicht«. wie sie verabreicht wird. Diese Patienten. die immer auf Antidepressiva ansprachen. »denn wie bei allen medizinischen Behandlungen gibt es auch hier große Unterschiede in der Art und Weise.« Es gibt auch große Unterschiede in den Erfolgen. erlitten innerhalb eines Jahres. um sich von einer Behandlung zu erholen. sagte Sackheim. Ein entscheidender prognostischer Faktor für den Erfolg seien die zurückliegenden Erfahrungen eines Patienten mit Antidepressiva. sagte er. dies schwanke mit dem Typus von Patienten. entschiede ich mich für die EST«. die an Depression leide. den er behandele. und siebenundachtzig Prozent derjenigen.« Er zündete sich eine Pfeife an und paffte nachdenklich daran. Sackheim hat bei Patienten. eine Besserungsrate von sechsundachtzig Prozent erreicht. fügte er hinzu. meistens . die EST einer ihm nahestehenden Person. antwortete er auf der Stelle. Als wir später vor dem Eingang des Psychiatrie Institute standen. den Kopf schüttelnd. ob er Bedenken hätte. »Einerseits ist die Wahrscheinlichkeit. die verschiedene Gruppen erzielen. von meinem Team behandelt zu werden«. daß es zu einer Besserung kommt. fragte ich Sackheim. »Wenn ich selbst an einer schweren Depression erkrankte. die sich besser fühlten.Worte. Es gebe eine enorme Bandbreite in der Zeit. höher als bei sämtlichen anderen Behandlungsmethoden«. die von über fünfundachtzig bis zu unter vierzig Prozent reichten. antwortete er. »Ich würde mir wünschen. sagte er. »andererseits ist die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden geringer.

Wie viele andere Menschen habe ich auch schon einmal eine depressive Phase durchlebt. Mit anderen Worten. besser dran. Zur Verteidigung der EST und anderem Mehrere Kritiker . daß biologische Therapien manchen Menschen zu gewissen Zeitpunkten helfen können. daß die Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder nicht zu rechtfertigende Ausmaße angenommen hat. Ich stimme ihm auch darin zu.95 Doch anders als Breggin glaube ich. selbst wenn . sie unterzögen sich weiteren Schockbehandlungen oder sprächen doch noch auf Antidepressiva an. In meinem letzten Jahr auf . einen Rückfall – es sei denn. bei weniger als acht von hundert typischen EST-Patienten besserte sich der psychische Zustand dauerhaft. ohne daß ein erneuter Eingriff erforderlich war .keine dieser Alternativen vollkommen ist. die es zu beseitigen gelte. insbesondere wenn man bedenkt. die sich eine Linderung ihrer Beschwerden wünschen. daß der Nutzen von Medikamenten und. in viel geringerem Maße. der Bücher wie Toxic Psychiatry und Talking Back to Prozac geschrieben hat . der Elektroschocktherapie übertrieben angepriesen werde.selbst wenn sie in der wohl fortschrittlichsten Schocktherapieklinik der Welt behandelt wurden. wenn sie Alternativen in der Behandlungsmethode haben. Ich teile Breggins Bedenken. daß ihr Nutzen empirisch nicht belegt ist und wir nichts über die negativen Langzeitwirkungen wissen.190 . was übrigens in gleicher Weise für die Gesprächstherapie gilt (auch wenn sich die Wirksamkeit weitgehend mit dem Placebo-Effekt erklären läßt). Dieser Ansicht bin ich nicht.haben die Psychopharmaka und die Elektroschocktherapie als Übel dargestellt.sogar binnen vier Monaten.am prononciertesten der Psychiater Peter Breggin. Zudem sind Menschen.oder gerade wenn .

Er begann nach dem Scheitern einer Liebesbeziehung und hörte auf. Meine Gesichtsmuskeln sind schlaff. ähnlich wie eine Grippe. Dies trifft auf meine Erfahrung zu. riefe ich vielleicht den Elektroschockspezialisten Harold Sackheim an. wenn ich jemals wieder in eine Depression verfallen sollte.191 . Ich war mir auf qualvolle Weise des Verstreichens der Zeit bewußt. Sekunde um trübselige Sekunde. unsere Beziehung. setzte ich alles daran. für die ich sorgen muß. nahm schon bald einen pathologischen Charakter an. Ich erinnere mich daran. daß irgend jemand die Depression einmal als einen Zustand »übersteigerter Aufmerksamkeit« beschrieb. All die kleinen Freuden des Alltags . was vermutlich besser gewesen wäre. In dieser Zeit fragte ich mich bereits bangevoll. mit der ich ein Verhältnis gehabt hatte. Meine Schwermut schien buchstäblich und unablässig auf meiner Brust zu lasten. Was als eine gewöhnliche Niedergeschlagenheit und Selbstkritik begann. daß Hoffnung allein heilen kann. Wenn sie nicht anschlügen und mein Zustand sich verschlechterte. Gespräche vermochten mich nicht aus meiner morbiden Selbstversunkenheit herauszureißen. Da ich überzeugt davon bin.Essen. was ich nach Abschluß des Colleges aus meinem Leben machen solle. Sport. die in dieser Zeit entstanden sind. ich habe heute eine Familie. als ich meine künftige Frau kennenlernte und mich in sie verliebte. Mein Zustand manifestierte sich körperlich. hoffnungsvoll zu sein. und er schien physiologische Abhilfsmaßnahmen zu erfordern . Während dieser Depression suchte ich keine ärztliche Hilfe. Aber ich weiß genau. Auf Fotos. Ich . und mein Blick wirkt zerstreut. daß ich Hilfe suchen würde. Bücher. Kino. Aber er war nicht rein körperlicher Natur.dem College beendete eine Frau.in meinem Fall reichliche Mengen an Alkohol und Medikamenten. Ich würde es vermutlich zunächst mit einer Psychotherapie und dann mit Antidepressiva probieren. sehe ich anders aus als sonst.

geprägt sei. das Fragen nach dem Weg und für Verpflichtungen in Beziehungen auf dem Y-Chromosom fehlen oder daß das Gen für das ständige Umschalten von einem Programm zum anderen mit der TV-Fernbedienung nur dort existiert. daß bei den Analysen un. dann unter der Voraussetzung.192 . die Geschichte der wissenschaftlichen Ansichten über die Vererbbarkeit von solchen Störungen wie manisch-depressiven Krankheiten und Alkoholismus zu verfolgen.hielte mir immer wieder vor Augen. Jedesmal war es unmöglich. Ich würde versuchen zu vergessen. Doch der Übergang von psychologischen Therapien seelischer Störungen zu physiologischen Ansätzen wurde auch durch eine Flut von Berichten gefördert. »Wenn wir lachen. Peter Kramer behauptete in Glück auf Rezept. wissenschaftlich gesehen. daß dieser neue genetische Determinismus. weil unser Glaube daran einfach unverrückbar geprägt ist. ohne medizinischen Eingriff vorübergehen. die Genforschung habe einen »neuen biologischen Materialismus«96 geschürt.und nicht durch Erfahrungen . nach denen die menschliche Psyche vor allem durch Gene . wie meine. daß die meisten Menschen. daß die Gene für die Wahrnehmung von schmutzigen Tellern. daß sie billiger als eine Psychotherapie sind (auch wenn dies von einigen Psychologen bestritten wird) und daß mächtige Pharmakonzerne unentwegt die Werbetrommel für sie rühren. und die Sichtung der Originaldaten ergab. die sich wegen ihrer Depression einer Schockbehandlung unterziehen. auf schwachen Füßen stehe: Es ist sehr aufschlußreich. Mindestens dreimal wurden in den vergangenen Jahren die Gene für diese Krankheiten verantwortlich gemacht. daß viele Fälle gewöhnlicher Depression. Wie aber läßt sich angesichts der Grenzen physiologischer Behandlungsmethoden deren weite Verbreitung erklären? Ausschlaggebend ist wohl die Tatsache.«97 Kramer wies darauf hin. innerhalb von vier Monaten einen Rückfall erleiden. die Herleitungen der Studien nachzuvollziehen.

daß sich paradoxerweise sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der öffentlichen Meinung die Überzeugung verstärkt. Andererseits hat Kramer vollkommen recht. die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse rechtfertigen in keiner Weise die wachsende Überzeugung von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung der menschlichen Psyche.genau und oberflächlich gearbeitet worden war. .193 . dazu.98 Dies ist ein ziemlich unverfrorenes Beispiel für das Sprichwort »Ein Esel schilt den anderen Langohr«. daß Störungen auf genetische Ursachen zurückzuführen seien. wenn man Kramers eigene Übertreibungen der Vorteile von Fluctin bedenkt. diese Störungen seien vererbbar. Meiner Ansicht nach führte jeder dieser vergeblichen Versuche. nachzuweisen.

GEN-MAGIE Ödipus. Ich sammelte damals Informationen für einen Artikel über die aufstrebende Verhaltensgenetik. Als ich mich in die Verhaltensgenetik einzuarbeiten begann. erwähnte. daß wir dank der Wissenschaft kein Kind mit Down-Syndrom. das Ungeborene auf genetische Defekte untersuchen zu lassen. ebenfalls ein Wissenschaftsjournalist. Als ich gegenüber einem Freund. Spina bifida oder anderen Erkrankungen. die spezifischen Gene aufzuspüren. Schnödipus. die von jeher ein erhöhtes Risiko tragen. am Tay-Sachs-Syndrom zu erkranken. Wir waren froh darüber. liegt vermutlich in unseren Genen.5. sagte er mir.ich nenne sie Larry und Joan . Der Fehler. Durch Studien an Zwillingen und sonstigen verwandten Individuen bemühten sich Verhaltensgenetiker seit langem. daß ein pränataler Test sein Leben nachhaltig verändert habe. daß das Tay-Sachs-Syn. Er und seine Frau . wurde meine Frau Suzie. zugrunde liegen. die sich während der Schwangerschaft nachweisen lassen. wie etwa Schizophrenie.2 Diese erbliche neurologische Erkrankung führt bei den davon betroffenen Kindern zu Lähmungen und nach meist furchtbaren Leiden zum Tod vor Vollendung des fünften Lebensjahres. Ihr Gynäkologe hatte ihr geraten. mit unserem ersten Kind schwanger.194 . den relativen Beitrag von Anlage und Umwelt zur menschlichen Persönlichkeit zu ermitteln. sexueller Orientierung und hoher Intelligenz. die damals Mitte Dreißig war. lieber Sigmund. in jüngster Zeit haben Forscher versucht. haben würden. Schlagzeile in der Time1 I m Winter 1993 verschränkten sich meine privaten und beruflichen Interessen auf beunruhigende Weise. Das Vererbungsmuster deutet darauf hin. die komplexen Merkmalen und Erkrankungen.stammen von aschkenasischen Juden ab. daß sich meine Frau einer Amniozentese unterziehen werde.

den Joan machte. daß irgend jemand. Larry und Joan haben heute zwei gesunde Kinder.195 . Das gleiche gilt für Tausende anderer Familien.unsägliches Leid. Chorea Huntington. wenn die Nachkommen es sowohl vom Vater als auch von der Mutter erben. Bei ihrer nächsten Schwangerschaft war das Testergebnis negativ. Als bei Larry und Joan der Kinderwunsch konkrete Formen annahm. er wurde abgetrieben. einmal abgesehen vielleicht von den erbittertsten Gegnern der Abtreibung. mit denen Träger des Tay-Sachs-Gens identifiziert werden konnten.drom durch ein rezessives Gen verursacht wird. Das Gen wird nur dann ausgeprägt. insbesondere solche. sie könnten die Gene aufspüren. Die Anwendung genetischer Erkenntnisse ersparte meinem Freund und seiner Frau . Muskeldystrophie und Mukoviszidose verantwortlich sind. In den siebziger Jahren entwickelten Wissenschaftler Tests. an diesem wissenschaftlichen Fortschritt etwas Nachteiliges finden kann. sich auf die Erkrankung testen zu lassen. als sie schwanger wurde. ließen sie sich testen und erfuhren.sowie ihrem ungeborenen Kind . andernfalls bleibt es wirkungslos. Als meine Frau schwanger wurde. daß sie beide Träger des rezessiven Gens sind. in deren Familien das Tay-SachsSyndrom in der Vergangenheit bereits aufgetreten war. daß der Fötus beide Gene geerbt hatte. Der Test. die nicht nur für relativ einfache Erbkrankheiten wie Tay-SachsSyndrom. Ich kann mir nicht vorstellen. sondern auch für komplexere und verbreitetere Leiden wie Schizophrenie. schien die Verhaltensgenetik noch viel weitergehende Segnungen zu verheißen. jedes ihrer Kinder würde das Tay-Sachs-Gen mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent von beiden Elternteilen erben und die Krankheit entwickeln. Der Test auf das Tay-Sachs-Syndrom ist meines Erachtens ein uneingeschränkter wissenschaftlicher Erfolg. Forscher behaupteten. Jüdische Organisationen ermunterten jüdische Ehepaare. ergab. manisch-depres.

sive Erkrankung und sogar Alkoholismus. Mich störte besonders die Diskrepanz zwischen den bescheidenen Ergebnissen dieser Disziplin und der prahlerischen Rhetorik. an dem wir nicht nur die genetischen Anlagen für zahlreiche organische Erkrankungen identifizieren beziehungsweise diagnostizieren können. zu denen Aggressivität. er habe mindestens elf Frauen und zwei Kinder sexuell mißbraucht und erwürgt. mit der sie gerühmt wurde. New York. daß Männer. gewalttätiges Verhalten« trügen. die von ihren Vätern zwei Y-Chromosomen erbten (statt. gerade einen Psychiater vor. Letzten Endes. Dieser wies warnend darauf hin.3 Als ich die Sendung einschaltete. bevor er gefaßt werden konnte. zu behaupten. der trotz einer normalen Kindheit später zu einem Massenmörder geworden sei.196 . Phil Donahue. Als ich eines Morgens. der sich als Experte für Genetik ausgab. stellte der Gastgeber. kurz vor der ersten Ultraschalluntersuchung meiner Frau. sondern auch die entsprechenden Anlagen für psychische Störungen. an. sondern auch zu besseren und sogar kurativen Behandlungen führen. so hofften die Wissenschaftler. Donahue faßte in feierlichem Ton die Bedeutung dieses Falles zusammen: »Es ist weder hysterisch noch übertrieben. Kurz vor der Ausstrahlung seiner Show hatte die National . Fernsehen schaute. daß wir uns dem Zeitpunkt nähern. würden diese genetischen Erkenntnisse nicht nur die Pränataldiagnostik erweitern. Als Beweis führte er den Fall eines Mannes mit doppeltem Y-Chromosom in Rochester.« Donahues Aussagen waren hysterisch und überzogen. nur eines) »ein besonders hohes Risiko für asoziales. hörte ich mit Bestürzung die Vorankündigung für die nächste Folge der Talkshow Donahue. ob Ihr Kind ein Massenmörder wird!« verkündete der Ansager. asoziales Verhalten und potentielle schwere Straffälligkeit im späteren Leben gehören. »Wie Sie herausfinden. Doch bald verlor die Verhaltensgenetik für mich ihren Nimbus. wie im Normalfall.

unser Schicksal stehe in den Gestirnen.197 . aber keine besondere Neigung zur Gewalttätigkeit zeigten. sagte einem Reporter der Time: »Einst glaubten wir. Heute wissen wir. Genetiker und Nobelpreisträger von der Harvard-Universität. der zu dem Schluß kam. Beim Gastgeber einer Talkshow ist man auf Sensationslust gefaßt. aus denen das Erbgut des Menschen besteht. daß es keine signifikante Korrelation zwischen dem Doppel-Y-Syndrom und Gewalttätigkeit gebe. die in den sechziger Jahren durchgeführt worden waren und zu dem Ergebnis kamen.«6 Der Biologe Daniel Koshland erklärte während seiner Zeit als Herausgeber der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Science. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom unter den Insassen von Gefängnissen und Nervenheilanstalten überrepräsentiert seien. Die Forscher stellten die These auf.Academy of Science einen Bericht über Gewalttätigkeit veröffentlicht. Anschließende Studien an Nichtgefangenen ergaben jedoch. Es wird sowohl von der US-amerikanischen Regierung als auch von der Privatwirtschaft finanziert. James Watson. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und ehemalige Direktor des Humangenomprojekts. soll dieses Projekt sämtliche etwa hunderttausend Gene. Eine Quelle solcher Grandiositätsphantasien ist das Humangenomprojekt. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom zwar überdurchschnittlich groß und leicht unterdurchschnittlich intelligent seien. Jungen mit einem überzähligen Y-Chromosom würden später zu ungewöhnlich aggressiven »Supermännern«. doch während der letzten zehn Jahre haben sich einige führende Naturwissenschaftler einer ähnlich verstiegenen Rhetorik bedient. . kartieren. Walter Gilbert. Ende der achtziger Jahre ins Leben gerufen. bezeichnete das Projekt als »endgültige Antwort auf das Gebot ›Erkenne dich selbst‹«5. daß unser Schicksal weitgehend in unseren Genen liegt.4 Die vorgebliche Korrelation ging auf britische Studien zurück.

die wissenschaftlichen Hintergründe sind relativ leicht zu verstehen. daß freudianische Theorien der Psychose .unnötigerweise . Alkoholismus.8 Doch Tatsache ist. mit der sich die Medien auf Entdeckungen nach dem Muster »ein Gen für was auch immer« stürzten. pathologischer Spielsucht. der Eugenik und anderen abstoßenden Ideologien verbunden. Daher nehmen die Ankündigungen auch kein Ende. dem Nazismus. Impulsivität.198 .7 In den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler spezifische Gene mit manisch-depressiver Erkrankung. Autismus. Heroinabhängigkeit. hoher Intelligenz. Doch die Verhaltensgenetik wird nunmehr von Interessenvertretern der psychisch Kranken unterstützt. Zwangsstörung. einen besorgniserregenden Ruck nach rechts gewittert. Sie weisen darauf hin.das Humangenomprojekt könne uns vielleicht bei der Lösung offenbar so schwer in den Griff zu bekommender gesellschaftlicher Probleme wie Drogenmißbrauch. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. war einst mit dem Sozialdarwinismus. Einige Kritiker haben hinter der Gier. Angst. Das Bestreben. Dies ist es bis zu einem gewissen Grad noch immer. Extraversion. gewalttätiger Aggressivität. Melancholie. Obdachlosigkeit und Gewaltkriminalität helfen. und die damit verbundenen philosophischen und gesellschaftlichen Fragen sind spannend. männlicher Homosexualität. Neugierverhalten. daß diese Befunde klassische Beispiele für die von Wissenschaftspublizisten so genannte Super-Story sind. Autismus und andere Krankheiten ihrer Kinder verantwortlich machten . sozialer Kompetenz. saisonaler affektiver Psychose. Magersucht und mit praktisch allen erdenklichen anderen menschlichen Merkmalen und Leiden in Verbindung gebracht. Zudem hat sich die politische Basis der Verhaltensgenetik verbreitert. Schizophrenie.die im allgemeinen die Eltern und insbesondere die Mütter für Schizophrenie. die genetische Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen zu erforschen. Introversion.

wenn er darauf verwiese. die Psychoanalyse könne uns dabei helfen. Obgleich Phillips einräumte. wenn sie nachweislich genetisch bedingt sei und nicht länger als Produkt eines willentlichen Entschlusses angesehen werde. die Gesellschaft werde der Homosexualität toleranter gegenüberstehen.«9 Als ich diesen Aufsatz las. die an stärker psychologisch ausgerichteten Modellen der Psyche festhalten. apathischen Patienten fragt: »Welches Gefühl hat dieser Artikel über das Neurose-Gen in Ihnen ausgelöst?« Phillips würde seinem ängstlichen Patienten vermutlich mehr helfen.das Leid von Eltern mit psychisch gestörten Kindern noch verschlimmert haben. In einem Essay. sie hoffen. daß die behaupteten Verknüpfungen zwischen einzelnen Genen und spezifischen. . Aber sie kann die emotionalen Auswirkungen der ›Akte‹ der Genetik auf das Individuum beurteilen. beteuerte er. möchten sich mit dem bestimmenden Einfluß des genetischen Paradigmas arrangieren. und sie stellen bessere Diagnosen und Behandlungen in Aussicht. die Genetik zu verwerfen.199 . unsere Ängste vor der Genforschung zu bewältigen. daß diese Berichte vermutlich stimmten. stellte ich mir vor. Einige schwule Aktivisten unterstützen ebenfalls die Erforschung der genetischen Grundlagen der Homosexualität. der 1996 in der New York Times erschien. Andere. wie Phillips seinen unglücklichen. Genetische Erklärungen für psychische Erkrankungen beseitigen dieses Problem. versuchte der Kinderpsychoanalytiker Adam Phillips Berichten über ein Gen für Neurose und andere Merkmale etwas Positives abzugewinnen. komplexen Verhaltensmerkmalen und Erkrankungen in keinem einzigen Fall zweifelsfrei bestätigt worden sind. Der Psychoanalyse »steht es nicht an.

die Fähigkeit. das sich aus den Untermerkmalen Thalassophilie (Liebe zum Meer) und Hyperkinese (Fernweh) zusammensetze. um die Vererbung von Merkmalen zu verfolgen. Er bezeichnete dieses Programm später als Eugenik. Haut. die im neunzehnten Jahrhundert von Francis Galton. daß »die Natur einen ungleich stärkeren Einfluß ausübt als die Umwelt«.10 Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gründete er das Cold Spring Harbor Laboratory . die Erblichkeit nicht nur der Augen-. Ab den zwanziger Jahren förderte die von Davenport und anderen gegründete American Eugenics Society sogenannte »Tauglichkeitswettbewerbe für Familien« auf Landwirtschafts. einem britischen Universalgelehrten und entfernten Verwandten von Charles Darwin. »Schwachsinn« und »Armut« nachgewiesen zu haben.Die Minnesota-Zwillinge Die Verhaltensgenetik geht auf Zwillingsstudien zurück. das Informationen über Tausende von Familien sammelte. ein Marineoffizier zu werden. durchgeführt wurden. Die geringe Zahl weiblicher Marineoffiziere erklärte Davenport damit. Nachdem Galton sowohl eineiige als auch zweieiige Zwillinge untersucht hatte.noch immer eine hervorragende biologische Forschungsanstalt . daß dieses Merkmal nur Männern eigne. sondern auch von Delinquenz. gelangte er zu dem Schluß. In zahlreichen Publikationen nahm Davenport für sich in Anspruch. ihre Rasse durch ein Programm der Auslesezüchtung zu verbessern. In einem Artikel mit dem Titel »Hereditary Talent and Breeding« forderte er die Menschheit auf. sei ein ererbtes Merkmal.und das Eugenics Record Office. nach dem griechischen Wort für »wohlgeboren«. In einer 1919 erschienenen Monographie behauptete er. Einer der ersten und energischsten Befürworter der Eugenik war der amerikanische Genetiker Charles Davenport.und Haarfarbe.200 .

während gleichzeitig nichtgenetische Paradigmen wie etwa die Psychoanalyse Auftrieb erhielten. Kanada und mehreren skandinavischen Ländern Frauen und Männer.schauen in allen amerikanischen Bundesstaaten. stoßen sie noch immer auf eine unverhältnismäßig starke Resonanz in der Öffentlichkeit. die Einwanderung von Angehörigen genetisch »unerwünschter« Rassen zu beschränken. Die Nazi-Eugeniker begnügten sich nicht damit. Dabei kürten Preisrichter menschliche Wettkampfteilnehmer nach den gleichen Kriterien wie Zuchtvieh. Ähnliche Maßnahmen wurden in Kanada und Europa beschlossen. Doch bis Ende der siebziger Jahre wurden in den Vereinigten Staaten. und sie bedrängten die Bundesregierung. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nazi-Greuel allgemein bekannt wurden. zwangssterilisiert. schwand die Unterstützung für Eugenikprogramme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern. die unerwünschten Personen zu sterilisieren. vielmehr praktizierten sie bei geistig und körperlich Behinderten auch Euthanasie (»schöner Tod«). Keine andere Nation betrieb die Eugenik jedoch mit solch unerbittlicher Konsequenz wie Nazi-Deutschland.11 Auch wurden weitere Zwillingsstudien und andere Untersuchungen der genetischen Grundlagen des menschlichen Temperaments und Verhaltens durchgeführt. Tatsächlich haben die Medien keinen anderen Forschungen in der Verhaltensgenetik . Obgleich Zwillingsstudien nicht mehr dem Stand der Wissenschaft in der Verhaltensgenetik entsprechen . Weniger amüsant war die Tatsache. welche Gene welche Verhaltensweise beeinflussen -. daß Eugeniker entscheidenden Anteil daran hatten. daß in über zwanzig US-amerikanischen Bundesstaaten die Sterilisation von Männern und Frauen in Gefängnissen und Nervenheilanstalten zugelassen wurde. bei denen man einen genetischen Defekt vermutete.201 .da man mit ihnen nicht herausfinden kann. allein in Schweden waren zwischen 1935 und 1976 sechzigtausend Frauen von dieser Maßnahme betroffen.

mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Studien an eineiigen Zwillingen.12 (Eineiige Zwillinge werden deshalb so genannt. James Springer hatte eine Frau namens Linda geheiratet. Der Artikel beeindruckte Bouchard so nachhaltig. unter denen auch zusammen aufgewachsene eineiige und zweieiige Zwillinge sind. Sie erklärten sich einverstanden und gaben damit den Anstoß zum Minnesota-Zwillingsprojekt. . Der Erblichkeitsgrad bezieht sich nicht auf Individuen. Den Schwerpunkt des Projektes bildeten jedoch getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge. Ähnlichkeiten schrieben sie hingegen den Genen zu. weil sie von derselben befruchteten Eizelle [Zygote] abstammen. ob sie bereit seien.) Die Studien begannen im Jahr 1979. als der Psychologe Thomas Bouchard von der Universität von Minnesota einen Zeitungsartikel über eineiige männliche Zwillinge las. Sie hatten ihre erstgeborenen Söhne auf den Namen James Alan beziehungsweise James Allen getauft. daß er sich mit Springer und Lewis in Verbindung setzte und sie fragte. Beide Männer waren von ihren Adoptiveltern James genannt worden. Die Forscher nahmen an. Bouchard erstellte im Lauf der Zeit eine Datenbank über mehr als achttausend Zwillingspaare. die sozusagen ein natürliches Experiment über die relativen Beiträge von Anlage und Umwelt zur Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Die Übereinstimmungen zwischen den beiden Männern waren verblüffend. sich von ihr scheiden lassen und anschließend eine Frau namens Betty geheiratet.202 . Jeder besaß einen Hund names Toy. James Lewis hatte das gleiche getan. sich von ihm untersuchen zu lassen. daß Unterschiede zwischen erbgleichen Zwillingen durch die Umwelt verursacht werden. die an der Universität von Minnesota durchgeführt wurden. die unmittelbar nach ihrer Geburt getrennt worden waren und sich vor kurzem erstmals wiedergesehen hatten. Die genetische Komponente eines bestimmten Merkmals wird mit dem Begriff Erblichkeitsgrad (Heritabilität) bezeichnet.

daß sich elterliche und schulische Erziehung sowie andere Umweltfaktoren nur geringfügig auf unsere Persönlichkeitsmerkmale auswirkten. Die Forscher fanden bei praktisch allen Merkmalen. die ich jemals in einem sachverständig begutachteten Fachaufsatz gelesen habe. politische Einstellung (konservativ oder liberal). Im Jahr 1990 hatte die Gruppe um Bouchard über fünfzig eineiige Zwillingspaare untersucht. Während die meisten anderen Forscher den Erblichkeitsgrad der Intelligenz mit fünfzig Prozent veranschlagten. Berufs.«13 Dies ist eine der beunruhigendsten Behauptungen. bedeutet. Die Umwelt spielt . als daß sich in der sozialen Schichtung. Die Tatsache. die sie untersuchten.sondern auf Populationen. Daraus folgte aber nichts Geringeres. sind die Übereinstimmungen zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen etwa genauso groß wie die zwischen zusammen aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Die Gruppe faßte ihre Ergebnisse 1990 in einem Aufsatz in Science zusammen: »Bei zahlreichen Testskalen. eher genetische als umweltbedingte Faktoren widerspiegeln. Die Gruppe um Bouchard sagte im Grunde genommen. die Persönlichkeit und Temperament. berufliche Zufriedenheit. Die übrigen zehn Prozent werden durch Ernährung und andere Umweltfaktoren erklärt. wie sie etwa in den Vereinigten Staaten anzutreffen ist. daß die Körpergröße zu neunzig Prozent erblich determiniert wird. Freizeitinteressen und Scheidungsneigung stießen sie auf einen hohen Beitrag der Gene. gelangten Bouchard und seine Kollegen zu einem Grad über siebzig Prozent. eine starke genetische Komponente.203 . Auch bei ausgesprochen kulturell definierten Merkmalen wie Religiosität.und Freizeitinteressen sowie soziale Einstellungen messen. daß neunzig Prozent der Varianz der Körpergröße in einer bestimmten Population durch die genetische Varianz bedingt ist. die unmittelbar nach der Geburt getrennt worden waren und in verschiedenen Elternhäusern aufwuchsen.

204 .wir brauchen lediglich das in unseren Genen niedergeschriebene Drehbuch in Handlung umzusetzen. Leute in Aufzügen und an anderen Orten. empirisch glaubhaft untermauert. Beide Schwestern kicherten unentwegt und trugen sieben Ringe. und Jack. Die Zwillinge Jerry Levey und Mark Newman waren beide Feuerwehrmänner geworden und liebten Budweiser-Bier. der in der Tschechoslowakei als Nazi erzogen worden war. daß unsere Identität bereits im Augenblick der Befruchtung festgelegt wird. Diese Schlußfolgerung wurde in dem 1997 erschienenen Buch Twins des Journalisten Lawrence Wright (der zuvor ein ausgezeichnetes Buch über die erinnerungsaufdeckende Therapie geschrieben hatte) gezogen. weitgehend anhand von Zwillingsstudien. die Hypothese. haben sie sich weniger auf die nüchternen Schätzwerte des Erblichkeitsgrades in der Studie von Bouchard bezogen als vielmehr auf die bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen.eigentlich keine Rolle.«14 Als Wrigt und andere Journalisten diese Behauptung aufstellten. durch absichtliches Niesen zu erschrecken. ihnen kommt in diesem Sinne . »Die Wissenschaft der Verhaltensgenetik hat. die eine hatte ihren Sohn Richard Andrew genannt und die andere den ihren Andrew Richard. der auf Trinidad eine jüdische Erziehung erhalten hatte. Auf die Gene kommt es an. Neben den James-Brüdern waren da noch die »kichernden« Schwestern. Beide trugen angeblich Hemden mit Schulterklappen. Beide hatten die Angewohnheit. an denen dichtes Gedränge herrscht. Der vielleicht spektakulärste Fall betraf Oskar. insofern scheint unser Leben prädeterminiert zu sein . und beide machten sich einen Spaß daraus. Wie die Fallgeschichten Freuds dienen diese Berichte über getrennt aufgewachsene Zwillinge als Instrumente suggestiver rhetorischer Überzeugung. schon vor der Benutzung der Toilette die Spülung zu betätigen. als sie sich 1979 auf Initiative der Bouchard-Gruppe erstmals wiedersahen.

für eine Woche nach Minnesota. stärker von den Medien beachtet werden oder auch Geld verdienen. die oftmals mit weiterer Publizität verbunden war. haben die Heritabilität von Merkmalen niedriger veranschlagt. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann auf Übereinstimmungen stieße. Kritiker monierten. die Kamins Vermutungen bestätigen. In einer Studie untersuchte die Psychologin Susan Farber 121 Fälle (die nicht in die Minnesota-Studie einbezogen worden waren).205 . am selben Tag geboren wurden und im selben Land aufwuchsen. die die Privatsphäre der Zwillinge wahrten. Der Psychologe Leon Kamin von der Northeastern Universität in Boston gab zu bedenken.15 Sie fand nur drei Fälle.viel mehr Gewicht zu als den statistischen Analysen und den Erblichkeitsgraden. Oskar und Jack (der Nazi und der Jude) sowie die beiden »kichernden« Schwestern hät. Anderer Kritiker haben behauptet. Die Gruppe von Bouchard stützte sich auf die Medien.16 Zudem sind die Zwillinge in der Minnesota-Studie möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder auch nur die Gesamtpopulation der eineiigen Zwillinge. um neue Zwillinge anzuwerben. Die Zwillinge kamen zur weiteren Untersuchung. wenn diese beiden Personen nicht miteinander verwandt seien. um frühere Kontakte herunterzuspielen und ihre Ähnlichkeiten herauszustreichen. daß man bei der Suche nach Ähnlichkeiten zwischen zwei Menschen. Während es in einigen Zeitungsberichten hieß.17 Sie wollten womöglich den Forschern einen Gefallen tun. Es gibt Indizien. die Zwillinge der MinnesotaStudie hätten vielfältige Motive. in denen die Zwillinge vor den Studien keinerlei Kontakt gehabt hatten. Andere Studien. die gleich aussehen. die Bedeutung dieser Übereinstimmungen sei maßlos übertrieben worden. bei denen unmittelbar nach der Geburt getrennte Zwillinge angeblich erst durch Wissenschaftler zu Studienzwecken wieder zusammengebracht worden waren.

das heißt der Angelsachsen. nachdem sie von Thomas Bouchard aufgespürt worden waren. Einige Zwillinge legten sich Agenten zu und wurden für ihre Auftritte im Fernsehen bezahlt. Kinder zu gebären. der den Vorschlag gemacht hat. sollten zur Abtreibung gezwungen werden.«21 Eine Rezensentin von Twins meinte sarkastisch: »Wie kann man nur auf diese Idee kommen?«22 . verkauften sie ihre Lebensgeschichte an einen Filmproduzenten in Los Angeles. die schwanger würden.19 (Der Film wurde nie gedreht. der Staat solle den Intelligenzquotienten seiner Bürger dadurch heben. Die große öffentliche Resonanz auf die Berichterstattung über Oskar und Jack. die bestimmte Kriterien erfüllten. 18 James Springer und James Lewis traten. waren beide Paare in Wirklichkeit bereits früher zusammengetroffen. daß sie mich für einen Faschisten halten. Eine Ausnahme ist der Psychologe David Lykken. daß er nur Frauen. Ihr großzügigster Geldgeber ist der Pioneer Fund. Lykken klagte gegenüber dem Reporter Lawrence Wright: »Viele Sozialwissenschaftler sind über meine Vorschläge so empört.) Auch die Motive der Forscher um Bouchard wurden in Frage gestellt.206 .ten sich in Minnesota zum ersten Mal wiedergesehen. Frauen ohne »Gebärzulassung«.20 Der Name dieser Vermögensverwaltungsgesellschaft spielt auf ihr ursprüngliches Ziel an. die James-Brüder und die »kichernden« Schwestern in den achtziger Jahren brachte der Minnesota-Gruppe eine kräftige Kapitalspritze. die Fortpflanzung von Nachkommen der »Pioniergeneration« Amerikas. Der Pioneer Fund unterstützt zahlreiche Gruppen und Wissenschaftler. ein Überbleibsel der US-amerikanischen Eugenik-Bewegung. erlaube. in der Johnny Carson Show und in der Sendung People auf. zu fördern. Die meisten Wissenschaftler der Minnesota-Gruppe haben sich von eugenischen Maßnahmen distanziert. die die Rassentrennung befürworten. Nachdem die Washington Post einen längeren biographischen Artikel über Oskar und Jack gebracht hatte.

etwa blauen Augen . Mit demselben Verfahren wurden auch Gene für Mukoviszidose. die alle ein bestimmtes Merkmal aufweisen. Bei Assoziationsstudien vergleichen die Forscher die Gene nichtverwandter Individuen. nehmen die Genetiker an. dessen Verer.oftmals Großfamilien oder ethnische Inzuchtpopulationen -.207 . Fortschritte in der Biotechnologie in den achtziger Jahren versetzten Verhaltensgenetiker in die Lage.auch Allel genannt . daß das Allel an der Ausprägung blauer Augen mitwirkt oder seinerseits mit einem Gen verbunden ist. um die Allele aufzuspüren. die zur Ausbildung von Merkmalen beitragen. Diese Krankheiten sind wie das Tay-Sachs-Syndrom auf die Mutation nur eines Gens zurückzuführen. Wenn eine Genvariante . aber sie geben uns keinen Aufschluß darüber. Muskeldystrophie und andere Krankheiten aufgepürt. eine neurologische Erkrankung. die einem bestimmten Merkmal zugrunde liegen könnten. die Allele ausfindig zu machen.Die Fahndung nach Psychosegenen Studien an Zwillingen und anderen Verwandten können starke Indizienbeweise dafür liefern. die Gene von Individuen nach verräterischen Varianten zu durchmustern.im Ablauf der Generationen durchgängig mit einem bestimmten Merkmal . denen dieses Merkmal fehlt. Im Jahr 1993 identifizierten Forscher mit der Kopplungsmethode ein Allel für Chorea Huntington. Bei Kopplungsstudien untersuchen die Forscher verwandte Individuen . die durchgängig mit dem Merkmal vererbt werden.gekoppelt ist. die normalerweise im mittleren Lebensalter ausbricht und innerhalb von zehn Jahren zum Tod führt. welches Gen oder welche Gene dabei eine Rolle spielen. In beiden Fällen geht es darum. Es gibt zwei grundlegende Methoden. das dies bewirkt. daß ein Merkmal eine genetische Komponente hat. mit den Genen anderer Individuen. bei denen ein bestimmtes Merkmal ungewöhnlich häufig auftritt.

ist sehr viel weniger eindeutig. zeigt ein ähnliches statistisches Profil. Wenn beide Eltern Träger eines rezessiven Exemplars des Gens sind.bungsmuster sich leicht innerhalb eines Stammbaums nachvollziehen läßt. Im Jahr 1987 behaupteten Genetiker.208 . eine Kopplung zwischen einem Gen auf Chromosom elf und der manisch-depressiven Erkrankung bei den Amish nachgewiesen zu haben. von der ebenfalls ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Ist der eine eineiige Zwilling schizophren. beträgt deren Erkrankungsrisiko fünf bis zehn Prozent.23 Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister einer Person schizophren ist. Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung betreffen jeweils Millionen von Menschen. nach Genen zu fahnden. wird auch der andere erkranken. an der etwa ein Prozent der Bevölkerung erkrankt. Das Vererbungsmuster der meisten übrigen Merkmale und Erkrankungen . Die manisch-depressive Erkrankung.24 Der potentielle Nutzen von Gentests und -therapien für psychische Erkrankungen wäre enorm. Wenn der eine eineiige Zwilling erkrankt ist. Die Schizophrenie. Dennoch begannen in den achtziger Jahren die Forscher. die durch Mutationen in einem Gen verursacht werden.25 Im selben Jahr stellte eine . daß Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung aus der komplexen Wechselwirkung zahlreicher Gene und Umweltfaktoren hervorgehen. werden ihre Nachkommen die Krankheit mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent entwickeln. ermuntert von den erfolgreichen Angriffen auf genetische Krankheiten. die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen.insbesondere derjenigen. ist ein typisches Beispiel dafür. die für die Verhaltensgenetiker von Interesse sind . dann wird der andere mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent ebenfalls erkranken. Andererseits haben die meisten Schizophrenen keine schizophrenen Verwandten ersten Grades. Auf der Grundlage dieser familiären Daten haben die meisten Genetiker den Schluß gezogen.

26 Die Medien rühmten diese Ergebnisse als bahnbrechende Entdeckungen in der Psychiatrie. daß sich diese Forschungen eines Tages auszahlen werden. nachdem weitere Daten erhoben worden waren. sie habe bei isländischen und britischen Familien nachgewiesen. In derselben Ausgabe von Nature berichteten andere Forscher. sie hätten bei einer schwedischen Familie keinen Zusammenhang zwischen demselben Marker und Schizophrenie festgestellt.«31 .andere Forschergruppe bei drei israelischen Familien einen Zusammenhang zwischen einem anderen Gen und der manischdepressiven Psychose fest. während sie den späteren Fehlschlägen bei dem Versuch. doch sie erklärt nur etwa ein Fünftel der Varianz. »Die Umwelt mag eine gewisse Rolle spielen. daß ein bestimmter DNA-Abschnitt auf Chromosom fünf mit Schizophrenie gekoppelt sei. was bei der bipolaren affektiven Störung und der Schizophrenie geschieht. die anfänglichen Ergebnisse zu reproduzieren. Im Jahr 1988 verkündete eine britische Forschergruppe in Nature.209 . kaum Beachtung schenkten. zog die britische Gruppe 1993 ihre Hypothese still und heimlich zurück.28 Studien über Schizophrenie folgten einem ähnlichen Muster. sagte mir McGuffin.27 Und 1993 wurden auch die an den israelischen Familien gewonnenen Ergebnisse zurückgenommen. stützt sich auf genetische Faktoren.29 Nachdem bei einer erweiterten Studie an den isländischen und britischen Familien keinerlei Zusammenhang gefunden wurde. »Die plausibelste Erklärung für das. Eine eingehendere Analyse der Amish-Familien im Jahr 1989 brachte keine Verbindung zwischen Chromosom elf und manisch-depressiver Erkrankung zum Vorschein. Das ist einfach nicht zu widerlegen«. der an mehreren internationalen Projekten zur Identifikation potentieller Gene für psychische Erkrankungen mitwirkt.30 Peter McGuffin von der Medizinischen Akademie der Universität Wales. ist nach wie vor davon überzeugt.

der Angriffspunkt für Antidepressiva vom Fluctintyp sei. Da das normale Risiko ein Prozent beträgt. McMuffin und zwei Kollegen führten eine Metaanalyse an fünfzehn Studien durch. die Bedeutung des D3-Markers und anderer aktueller Befunde nicht zu übertreiben – und das mit gutem Grund: Nicht alle Studien haben einen Zusammenhang zwischen diesen Genen und manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie festgestellt. die einen Zusammenhang mit dem 5HT2a-Allel teils bestätigten. Einige der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie. daß die genetischen Befunde mehr oder minder in die gleiche Richtung weisen wie die pharmakologischen Untersuchungsergebnisse. das bei der Schizophrenie eine Rolle spiele. Und selbst wenn sich die Verbindungen bestätigen sollten. daß Träger des 5HT2a-Allels ein gegenüber der Norm um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko haben. die möglicherweise an der Entstehung der manisch-depressiven Erkrankung und der Schizophrenie beteiligt seien. teils widerlegten. einer der vielversprechendsten Kandidaten für ein »Schizophrenie-Gen« sei das sogenannte 5HT2a-Allel. aber signifikante« Verknüpfung mit Schizophrenie vorliege. Er meinte. eine Schizophrenie zu entwickeln. daß eine »geringe.« Er war sorgsam darauf bedacht. sagte McGuffin. »Ich halte es nicht für einen Zufall. und kamen zu dem Ergebnis. so McGuffin. Das sogenannte Ü3-Gen. Ein potentielles Gen für die manisch-depressive Psychose sei an der Konstruktion eines Rezeptors für den Neurotransmitter Serotonin beteiligt. entspricht dies einem Risiko von anderthalb Prozent. codiere einen Dopaminrezeptor. . wäre die praktische Bedeutung dieser Entdeckung möglicherweise gering. Die Analyse ergab. wie McGuffin einräumte.Bei jüngsten Kopplungsstudien seien mehrere neue Gene aufgespürt worden. »Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läßt sich mit solchen Informationen wenig für die Risikoprognose anfangen«.210 . veränderten die Dopaminkonzentration im Gehirn.

die durch biologische Forschungsvorhaben aufgeworfen werden. einen Bericht.] Aus diesem Grund empfehlen wir. Füller Torrey ist Psychiater am Saint Elizabeths' Hospital in Washington. und eine Kapazität auf dem Gebiet der Schizophrenieforschung.. beteuerte Torrey.«32 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? E. Die Indizien für die Annahme. die eine relativ geringe prognostische beziehungsweise diagnostische Aussagekraft besitzen. sorge endlich dafür.. in dem es heißt. daß »genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung zahlreicher Persönlichkeitszüge spielen.33 Die Verhaltensgenetik hätte sogar schon viel früher die Oberhand über die . McGuffin ist Mitglied des Nuffield Council on Bioethics. Die Verhaltensgenetik.211 . schizophren zu werden. Im Jahr 1998 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe. Tests auf genetische Anfälligkeiten. des bedeutendsten Gremiums in England für die Bewertung der ethischen Fragen. die psychische Erkrankungen auf die Erziehung und andere Umweltfaktoren zurückführen. Surviving Schizophrenia. Freudian Fraud und anderen Büchern lies Torrey kein gutes Haar an Theorien. D. wenn sie für den Patienten einen eindeutigen medizinischen Nutzen haben. als ein Träger des 5HT2a-Allels. mehren sich rasch«. nur anzuwenden. ein mehr als doppelt so hohes Risiko. behauptete Torrey. daß die Freudschen Theorien der Persönlichkeit und Geisteskrankheit Makulatur würden. In The Death of Psychiatry. die nur einen schizophrenen Verwandten hat.Tatsächlich hat nach McGuffins eigenen Berechnungen eine Person. daß »Gentests zur Diagnose der wichtigsten Psychosen mit komplexeren Ursachen in der nahen Zukunft nicht besonders nützlich sein werden [. C.. der auch McGuffin angehörte.

»[.] wenn wir die bisher übersehene Rolle akzidenteller Eindrücke der frühen Jugendzeit betonten«.35 Das Muster des Auftretens von Schizophrenie in Familien stimme Torrey zufolge häufig mit dem Muster überein. klagte er 1935. die Schizophrenie könne durch ein Virus hervorgerufen werden. die den Geist als ein zunächst unbeschriebenes Blatt auffassen. Erstens wies Freud selbst. Unterdessen haben die deutschen Virologen Liv Bode und Hanns Ludwig Untersuchungsergebnisse vorgelegt. wenn Gene eine Rolle spielten. »mußten wir hören.212 .bemerkenswerterweise auch Torrey selbst . Torreys Haltung ist mindestens in zweierlei Hinsicht fragwürdig. daß es eine neurologische Erkrankung bei Pferden. auf die Bedeutung genetischer Faktoren hin. die Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung psychischer Krankheiten. was uns niemals eingefallen war«. als sie ihren Träger für eine Virusinfektion anfällig machten. zeigten. obwohl Torrey und andere Wissenschaftler ihn vielfach mit eingefleischten Behavioristen und anderen.Psychoanalyse gewonnen.34 Zweitens ziehen viele Forscher . daß die Psychoanalyse die Faktoren der Konstitution und der Heredität verleugne. wie etwa Kinderlähmung.36 Mindestens eine .in zunehmendem Maße die Annahme in Zweifel. Torrey äußerte die Vermutung.. Rindern und anderen Säugetieren hervorruft. Mit Hilfe einer privaten Stiftung versuchen Torrey und andere Forscher an der John-HopkinsUniversität Beweise für die Virus-Hypothese zusammenzutragen. vielleicht eines.. dann lediglich insoweit. das den Fetus in der Gebärmutter infiziere und das Gehirn dann progressiv schädige. von dem man schon länger weiß. wonach sowohl die manisch-depressive Erkrankung als auch die gewöhnliche Depression möglicherweise durch das sogenannte Borna-Virus verursacht werden. wäre da nicht ihre bedauerliche Verknüpfung mit der Eugenik und dem Nazismus gewesen. in einen Topf werfen. das andere Viruserkrankungen.

wie etwa mangelhafter Ernährung der Mutter oder eine Unverträglichkeit zwischen dem Immunsystem der Mutter und ihrem Fetus. zeigt. daß Prionen auch die Erreger des sogenannten »Rinderwahnsinns« (Bovine spongioforme Enzephalopathie . dem sogenannten Prion. daß das genetische Paradigma die anfänglich in es gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat.Forschergruppe hat Psychosen einem anderen infektiösen Agens angelastet. im Jahr 1997 in Nature zu verkünden. Dies hielt eine brasilianische Forschergruppe jedoch nicht davon ab.37 Andere nichtgenetische Erklärungen der Schizophrenie sehen die Ursache der Erkrankung in pränatalen Traumata.BSE) und ähnlicher Krankheitsbilder beim Menschen seien. sind Eiweißpartikel. .213 . die sich ohne Hilfe der Nukleinsäuren DNA und RNA replizieren sollen. bei denen das Gehirn degeneriert und eine schwammige Konsistenz annimmt. daß Prionen tatsächlich existieren. deren Existenz erstmals von Stanley Prusiner von der Universität von Kalifornien in Berkeley postuliert wurde. Obgleich Prusiner 1997 für seine Arbeiten über Prionen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Tatsache. Man vermutet. bezweifeln viele Mikrobiologen.38 Die nichtgenetischen Erklärungen von Psychosen vermögen noch weniger zu überzeugen als die genetischen Erklärungansätze. Die Prionen. die das Gehirn des Fetus schädigten. daß diese Alternativen überhaupt in Erwägung gezogen werden. sie hätten Belege für einen Zusammenhang zwischen Prionen und Schizophrenie gefunden.

39 Das D2-Gen codiert für einen Rezeptor des Neurotransmitters Dopamin. die früh in ihrem Leben mit gewohnheitsmäßigem starkem Trinken beginnen. das Interesse von Wagniskapitalgesellschaften an einem solchen Test zu wecken. Dennoch berichtete eine Forschergruppe um Kenneth Blum vom Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Texas in San Antonio im Journal of the American Medical Association. Dennoch nahmen zahlreiche Forscher die von Blum und seinen Mitarbeitern publizierten Studienergebnisse so ernst. daß Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. insbesondere bei Männern. in dem die bisherigen Forschungsergebnisse neu bewertet wurden. wie er meinte. Im Jahr 1993 erschien im Journal of the American Medical Association ein Übersichtsartikel. an der fünfunddreißig Alkoholiker beteiligt waren. sie habe einen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und einem DNA-Abschnitt (Marker) nahe dem D2-Gen gefunden.Die Alkoholspur Ist Alkoholismus eine Erbkrankheit? Studien an Zwillingen und anderen Verwandten haben Anhaltspunkte für eine genetische Komponente geliefert.214 . daß »kein phy. die darauf hindeuten. Blum beantragte sogleich ein Patent auf einen Alkoholismustest. mit dem. Doch es gibt auch Studien. die andere Genetiker an dem Zusammenhang zwischen dem D2-Gen und Alkoholismus hegten.40 Der Artikel verschwieg allerdings die erheblichen Zweifel. diese zu reproduzieren. der an der Regulation des Lustempfindens und einer Vielzahl weiterer mentaler Funktionen beteiligt sein soll. in dem seine Studie. wurden zweifellos durch einen Artikel auf der Titelseite der New York Times gefördert. Dort wurde konstatiert. ob ihre Kinder trunksuchtgefährdet seien. Seine Bemühungen. als möglicher Wendepunkt bei der Diagnose und Behandlung des Alkoholismus gerühmt wurde. Eltern herausfinden könnten. daß sie versuchten.

die mit Alkoholismus. Kokainsucht. Andere Verhaltensgenetiker sehen in der D2-Affäre eine peinliche Angelegenheit.44 Blums Gruppe und andere haben das D2-Allel mit Lebererkrankungen und anderen medizinischen Komplikationen.sich auf noch dürftigere Indizien stützt als die Behauptung. Forschungen hätten gezeigt. das nichts bewirkte. . von dem nicht bekannt war. daß seine eigene »Ruhmestat« . multiplem Suchtstoffgebrauch (einschließlich Rauchen). Der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus wurde sogar von Dean Hamer. doch die von Blum postulierte Verbindung zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus sei im wesentlichen widerlegt. Alkoholismus sei genetisch verankert. Blum und seine Kollegen halten jedoch an ihrer Auffassung fest. Eßsucht. das angeblich mit Homosexualität assoziiert ist .215 . Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. bemerkte Hamer. In dem 1998 erschienenen Buch Das unausweichliche Erbe. sie hatten ein Gen entdeckt. erklärte er.die Entdekkung eines Gens. daß sich das von Blum aufgespürte Allel »auf einem Abschnitt des Chromosoms befand. «45 Was Hamer in seinem Buch verschwieg. Blums D2-Hypothese sei »erledigt«42. das Hamer zusammen mit einem Journalisten schrieb. einem der tatkräftigsten Verfechter genetischer Theorien des menschlichen Verhaltens. die man am besten vergessen sollte. möglicherweise würden eines Tages Alkoholismusgene identifiziert. der D2-Marker verursache etwas.41 Einer der Autoren des Beitrags sagte mir später. in Verbindung gebracht. war die Tatsache. daß er irgendeine funktionale Bedeutung hatte«. Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und Spielsucht einhergehen. Der prominente Genetiker Irving Gottesman von der Universität von Virginia nannte Blums Hypothese »Unfug«43. worin dieses »etwas« besteht. bestritten. »Mit anderen Worten. selbst wenn sie sich nicht darüber einig sind.siologisch bedeutsamer Zusammenhang« zwischen dem D2Marker und Alkoholismus nachgewiesen worden sei.

Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Schlagzeilen. das Hamer ent. Hamer trat in den Sendungen Nightline und MacNeil/Lehrer News Hour auf und unterschrieb den Vertrag für ein Buch. was siebenundsechzig Prozent der Gesamtheit entspricht (gegenüber fünfzig Prozent. denen zufolge ein genetischer Marker auf dem X-Chromosom an der Entstehung der männlichen Homosexualität beteiligt sei. das 1994 erschien.46 Die Gruppe untersuchte vierzig Paare homosexueller Brüder mit Gentests.Im Jahr 1993 berichteten Hamer und vier Kollegen vom National Cancer Institute in Science über Untersuchungsergebnisse. Im Jahr 1995 untersuchte George Ebers von der Universität von West-Ontario zweiundfünfzig Paare homosexueller Brüder und fand keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Genen auf dem X-Chromosom oder anderen Chromosomen. sie hätten den X-Chromosomen-Befund reproduziert. Und zweitens ließ sich der genetische Marker nur bei zweiundzwanzig Paaren nachweisen.216 . Die vorangehende Studie hatte eine Trefferquote von zweiundachtzig Prozent erzielt. The Science of Desire. Statt dessen waren bei dreiunddreißig Paaren beide Geschwister Träger desselben DNA-Fragments auf dem X-Chromosom. Bei einem reinen Zufallsbefund sollten nur bei fünfzig Prozent der Paare beide Brüder den genetischen Marker geerbt haben.49 Ebers und sein Kollege George Rice fanden in ihrer Studien an 182 Familien mit einem oder mehr männlichen Homosexuellen auch keine Belege für das Vererbungsmuster. Doch nicht einmal diese dürftige Korrelation wurde von anderen Forschern bestätigt. die nach dem Zufallsgesetz zu erwarten gewesen wären). doch die neuen Ergebnisse waren.48 Erstens nahmen an der zweiten Studie lediglich zweiunddreißig Brüderpaare teil. nicht annähernd so aussagekräftig. statistisch gesehen.47 Im Jahr 1995 berichteten Hamer und seine Mitarbeiter. was ein statistisch signifikantes Ergebnis ist.

daß es irgendein Gen oder Gene [auf dem X-Chromosom] gibt. die mit der sexuellen Orientierung in Zusammenhang stehen«.deckt hatte. jedoch keine statistisch bedeutsame« seiner ursprünglichen Befunde.50 In Das unausweichliche Erbe deutete Hamer die Daten von Ebers und Rice um und behauptete. bei deren Studien handele es sich »praktisch um eine indirekte Bestätigung. als Hamer sein Buch schrieb. Im Jahr 1998 berichtete eine Gruppe um Alan Sanders vom National Institute of Mental Health. lautete Hamers Fazit. der von Hamers Gruppe herausgegriffen worden war. ihre Studie an vierundfünfzig Paaren homosexueller Geschwister habe keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Homosexualität und zweiunddreißig verschiedenen Markern auf dem X-Chromosom einschließlich des Markers.53 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt Kein Thema in der Verhaltensgenetik ist so strittig wie die Intelligenz. erbracht.217 . die zu seinem Ruf als führender Genjäger beitrugen: ein Gen für »Neugierverhalten« (beziehungsweise »das Streben nach Nervenkitzel«. Der ursprüngliche Anstoß zu dieser Kontroverse ging von Cyril Burt aus. sie hätten keine Belege für die Existenz eines Gens für »Neugierverhalten« gefunden. (Die Studie von Sanders war noch nicht veröffentlicht worden. Hamer und seine Mitarbeiter veröffentlichten beide Studienergebnisse 1996. daß wenigstens zwei andere Forschergruppen im Jahr 1996 berichtet hatten. Ebers und Rice bestritten dies. der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn der einflußreichste Psychologe Englands war.52 In Das unausweichliche Erbe verschwieg Hamer allerdings geflissentlich.51 In seinem Buch stellte Hamer zwei weitere Entdeckungen heraus.) »Die Befunde ergeben zwingend.54 Als lei. wie es von vielen Journalisten genannt wird) und ein Gen für Angst oder »Neurose«.

wenn man die IQ-Werte einer großen Population graphisch darstellt). Dennoch wurde Burts These. Andere Genetiker hingegen neigen einer Zahl von höchstens fünfzig Prozent zu. Seither haben andere Wissenschaftler den Versuch gemacht. der nur geringfügig unter dem Schätzwert von Burt liege. die Intelligenz sei ein relativ unveränderliches Merkmal. sinke die Erblichkeit auf vierunddreißig Prozent. Bernie Devlin von der Universität Pittsburgh hat Ergebnisse vorgelegt. In den zwanziger Jahren begann Burt nach eineiigen Zwillingen. nachdem der Psychologe Leon Kamin und andere Ungereimtheiten und Hinweise auf Datenmanipulationen aufgedeckt hatten. Forscher. in dem 1994 erschienenen Buch The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) wiederaufgegriffen (das Wort Glockenkurve bezieht sich auf die Form der Verteilung. Er spürte insgesamt dreiundfünfzig Paare auf und verfolgte ihren Lebensweg bis ins Erwachsenenalter.218 . zu suchen. In den siebziger Jahren gerieten Burts Schlußfolgerungen in Verruf.tender Psychologe der Londoner Schulbehörde beaufsichtigte er die Prüfungen sämtlicher Schüler. er sei bei der Dokumentation der erhobenen Daten zwar recht nachlässig gewesen. das robust gegen Umwelteinflüsse sei. so fand er heraus. Im Jahr 1966 veröffentlichte er die verblüffenden Ergebnisse seiner Studie. die man erhält. wirke sich kaum auf die Intelligenz aus. die dafür sprechen.56 Der Politikwissenschaftler Charles Murray und der . Die Erziehung. daß die hohe Korrelation der IQ-Werte von Zwillingen zum Teil auf ihre gemeinsame pränatale Umwelt zurückzuführen sei. Burt schätzte. daß Intelligenz zu achtzig Prozent erblich sei. die an der Minnesota-Zwillingsstudie mitwirken. indem sie behaupteten. Burt zu rehabilitieren. die bei der Geburt getrennt worden waren.55 Devlin behauptete. seine wichtigsten Untersuchungsergebnisse seien jedoch fundiert. wenn man diesen Faktor berücksichtige. hätten für Intelligenz einen Erblichkeitsgrad ermittelt.

die den Status von Schwarzen heben sollen. Murray und Herrnstein enthielten sich zwar bewußt einer Antwort auf die Frage. daß Verbesserungen im Bildungswesen. aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten und andere Programme. und es erschien auf der Bestsellerliste der New York Times – eine bemerkenswerte Leistung für ein Buch voller statistischer Daten. IQ-Tests würden lediglich die Fähigkeit messen. wie The Bell Curve behaupte. einen IQ-Test abzulegen. Kritiker erhoben zahlreiche Einwände gegen The Bell Curve.219 . die bereits von anderen vorgebracht worden waren. der Begriff Intelligenz sei äußerst unbestimmt und allgemein. in der sozioökonomischen Schichtung der amerikanischen Gesellschaft spiegelten sich unveränderliche Unterschiede in der Intelligenz wider.Psychologe Richard Herrnstein behaupteten. allenfalls geringfügige Auswirkungen haben könnten und im allgemeinen vergeudete Mühe seien. im Geschäftsleben und in anderen Bereichen sei lange nicht so deutlich. wie etwa . Das Buch wurde im Fernsehen und in der Presse diskutiert. Schwarze schneiden bei IQ-Tests im Schnitt fünfzehn Punkte schlechter ab als Weiße. Die kognitive Leistungsfähigkeit äußere sich in vielfältigen Formen. Tabellen und Diagrammen. genauer gesagt. ob dieser Unterschied auf genetische Faktoren zurückzuführen sei. Sie behaupteten. insbesondere dem Psychologen Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley und zuvor von Eugenikern und Sozialdarwinisten. doch ihre Polemik zielte in diese Richtung. die Korrelation zwischen IQ-Werten und Erfolg in der akademischen Welt.57 Sie wiesen darauf hin. Dennoch erregte The Bell Curve großes Aufsehen. der konstant niedrige soziale Status von Schwarzen gegenüber Weißen sei in erster Linie auf die niedrigere Intelligenz der Schwarzen zurückzuführen und nicht auf Diskriminierung oder andere gesellschaftliche Faktoren. Murray und Herrnstein wiederholten dabei lediglich Argumente.

Wie kommen Wissenschaftler angesichts all der drängenden Probleme und Bedürfnisse auf der Erde überhaupt auf die Idee. Im Gegenteil. die Thesen von Murray und Herrnstein könnten sehr leicht zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden. Aber die Entdeckung einer Korrelation zwischen einigen dieser Qualitäten ist nicht von wissenschaftlichem Interesse und ohne soziale Bedeutung. Das Gefalle zwischen den IQ-Werten von Schwarzen und Weißen spiegele die anhaltenden Wirkungen rassischer Vorurteile in den Vereinigten Staaten wider und nicht etwa angeborene Unterschiede in der intellektuellen Leistungsfähigkeit. ist grauenhaft.legte Noam Chomsky in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens dar: Natürlich unterscheiden sich Menschen in ihrer biologischen Ausstattung voneinander. daß diese Kinder »von Natur aus« und unabänderlich minderbegabt seien. außer für Rassisten. wie ich es mir gewünscht hätte. Diejeni. sondern kulturelle Konstrukte.keinerlei versöhnlichen Wert zu besitzen. indem sie schwarzen Kindern sowie deren Eltern und Lehrern suggerierten. In ähnlicher Weise seien Rassenkategorien wie schwarz und weiß keine echten biologischen Phänomene.220 . in der das nicht der Fall wäre. Obgleich ich der Ansicht bin. Keine dieser Kritiken war wirklich vernichtend . Sexisten und ähnliche Leute. schien mir die Art von Wissenschaft. ignoriert und nicht diskutiert werden sollten . wie sie The Bell Curve darstellte . Fragen wie diese zu erwägen? Welchen Nutzen versprechen sie sich davon? Diesen Standpunkt . daß die Freiheit des wissenschaftlichen Diskurses grundsätzlich nicht eingeschränkt werden sollte.daß Theorien.der sprachlichen. Schon die bloße Vorstellung einer Welt. mathematischen und sozialen Kompetenz sowie im räumlichen Vorstellungsvermögen.zumindest nicht so vernichtend. die einen Zusammenhang zwischen Rassenzugehörigkeit und IQ postulieren.mochten sich ihre konkreten Behauptungen nun als wahr oder falsch erweisen .

außer für Rassisten. auswirkten . Bei der Ermittlung des Intelligenzquotienten vergleicht man in der Regel die Leistung eines Individuums mit der Leistung von anderen in derselben Altersgruppe. der nach James Flynn. die diese Behauptung bestreiten. das tut sie aber nicht. wie sie vom IQ gemessen wird. einem Politologen an der Universität von Otago in Neuseeland. Der Mittelwert des IQ beträgt definitionsgemäß hundert. erschienen im Vergleich zu denen älterer Rekruten überdurchschnittlich. deren Leistungen. Leider beriefen sich Murray und Herrnstein in The Bell Curve auf das gleiche Argument. Daher war ich erleichtert. als sie sich gegen aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten aussprachen. was sie sagen. Flynn fand jedoch heraus. tragen zum Rassismus und anderen Verirrungen bei. daß das Militär seine Bewertungsmethoden immer wieder neu festlegte beziehungsweise neue Tests einführte.daß sich nämlich kulturelle Einflüsse kaum auf die Intelligenz. der es zugeordnet werden kann. als er die Geschichte von Intelligenztests im Militär erforschte. auf der Voraussetzung basiert. war jede nachfolgende Ge.58 Chomsky will offenbar damit sagen. um eine merkwürdige Tatsache zu korrigieren: Jede neue Generation von Rekruten schnitt bei demselben Test besser ab als frühere Generationen. verglichen mit denen ihrer Altersgenossen. weil das.gen. benannt ist. Überspitzt formuliert. Es handelt sich um den sogenannten Flynn-Effekt.widerlegte. Sexisten und andere derartige Leute. Soldaten. die behaupten. nur durchschnittlich waren.221 . und diejenigen. das eine der Hauptprämissen von The Bell Curve . daß eine Korrelation zwischen Rasse und IQ besteht.59 Zu Beginn der achtziger Jahre stieß dieser zufällig auf den Effekt. daß jedes Individuum für sich betrachtet werden solle und nicht unter Rückgriff auf die soziale Kategorie. als ich 1995 von einem Untersuchungsergebnis hörte. daß die Antwort auf die Frage einen Unterschied macht.

seit dem Zeitpunkt der Einführung der Tests um etwa drei Punkte pro Jahrzehnt gestiegen waren. Bei seinen weiteren Nachforschungen stellte Flynn fest. Die Zunahme reichte von zehn Punkten pro Generation (dreißig Jahre) in Schweden und Dänemark bis zu zwanzig Punkten pro Generation in Israel und Belgien. Der Anstieg war im Schnitt bei den Tests am größten. die sich mit Intelligenztests befassen. Raven erfunden wurde und seither an einer Vielzahl von Probanden aus sämtlichen Altersgruppen erprobt wurde.222 . Wenn der durchschnittliche Siebzigjährige dagegen einen Test ablegt. sondern auch an Studenten und anderen Gruppen aller Altersklassen in mindestens zwanzig verschiedenen Ländern erhoben worden waren.neration scheinbar intelligenter als ihre Vorgänger. die 1992 getestet wurden. der vor fünfzig Jahren verwendet wurde. erzielt er in der Regel die gleichen Ergebnisse. Menschen. der akademische Erfolg chinesischstämmiger Amerikaner im Vergleich zu ihren europiden Altersgenossen . die kulturelle oder bildungsbedingte Vorteile dadurch zu minimieren versuchten.C. Entsprechend behaupteten einige Experten. Beispielsweise waren viele Forscher zu der Überzeugung gelangt. die nicht nur an Soldaten. daß ältere Menschen an einem unvermeidlich fortschreitenden Schwund ihrer Intelligenz litten. der 1942 von dem britischen Psychologen J. daß die Ergebnisse von praktisch allen Arten von IQ-Tests. hatten ein im Schnitt um siebenundzwanzig Punkte besseres Ergebnis als gleichaltrige Personen im Jahr 1942. Flynns Daten widerlegten einige vermeintlich gut fundierte Annahmen von Wissenschaftlern. Einer der angesehensten Tests ist der Progressive Matrizentest nach Raven. daß sie die Fähigkeit zum Erkennen abstrakter Muster oder zur Lösung anderer nonverbaler Probleme abfragten. weil sie heutzutage bei modernen IQ-Tests schlechter abschneiden als Zwanzigjährige. wie der durchschnittliche Zwanzigjährige sie damals bei demselben Test erreichte.

die bislang zur Diskussion gestellt wurde. der sie als wirklichen Intelligenzzuwachs deuten will. doch das Fortpflanzungsverhalten war tendenziell allenfalls dysgenisch. der darauf aufmerksam machte. eine Korrelation zwischen der Zunahme des IQ und der Dauer des Schul. Flynn war der erste.« Er stellt sich die Frage. Versuche. daß die jungen chinesischstämmigen Amerikaner alten IQ-Tests unterzogen worden waren. Flynn fand heraus. schließlich hätten Tests gezeigt. Dies gilt insbesondere für die hochabstrakten. die den stärksten Flynn-Effekt zeigen. hat Schwachstellen. Flynn erläuterte: »Im Verlauf von ein bis zwei Generationen hätte nur ein fanatisches Eugenikprogramm einen erheblichen Beitrag zum IQZuwachs leisten können. Jede Hypothese.223 . daß sich die berichtete Diskrepanz im Intelligenzquotienten zum Teil dadurch erklärt. Eine Theorie besagt. daß chinesischstämrnige Amerikaner bei IQ-Tests höhere Punktwerte erzielten als andere rassische Gruppen. Beide Annahmen sind meines Erachtens absurd. nonverbalen Tests. der Flynn-Effekt habe genetische Ursachen und sei nicht etwa umweit.korreliere mit höherer Intelligenz. blieben . was die nichtgenetische Ursache sein könnte. weil solche Tests immer häufiger angewendet würden. Er kann entweder annehmen. In Wirklichkeit werden IQ-Tests jedoch seltener durchgeführt.und Hochschulbesuchs zu finden. daß der durchschnittliche Mensch heute normal intelligent ist und vor dreißig bis fünfzig Jahren geistig zurückgeblieben war oder daß der durchschnittliche Mensch damals normal intelligent war und heute fast schon ein Genie ist. vor folgender Alternative. In einer E-Mail an mich legte Flynn die merkwürdigen Konsequenzen seiner Ergebnisse dar: »Angesichts dieser massiven IQ-Zunahme steht jeder. daß sich Übung nur geringfügig oder gar nicht in den IQ-Werten niederschlägt.oder kulturbedingt.« Niemand hat behauptet. zudem haben Studien gezeigt. daß Kinder mittlerweile mehr Übung im Ablegen von Tests hätten.

60 Wenn dies zuträfe. zumindest wie sie von IQ-Tests gemessen werden. Schwarze seien von Natur aus nicht so intelligent wie Weiße. . daß die Differenz von fünfzehn Punkten zwischen den mittleren IQ-Werten von Schwarzen und Weißen entgegen der Ansicht von Murray und Herrnstein keineswegs unabänderlich ist. einer der ersten prominenten Forscher. sondern vermutlich ausgeglichen werden kann. die in The Bell Curve aufgestellt wurden. Der Flynn-Effekt unterstreicht den wesentlichen (wenn auch bislang unerklärlichen) Beitrag nichtgenetischer Faktoren zur Intelligenz. Einige Forscher schreiben die Zunahme des IQ der Tatsache zu. hätte der Anstieg der IQ-Werte in Ländern. obwohl die IQ-Werte angestiegen sind.was interessanterweise auch für die »geistige Abstumpfung« der heutigen Jugend verantwortlich gemacht wird.224 . Der Flynn-Effekt deutet darüber hinaus darauf hin. der die These aufstellte.61 Schließlich ist der Intelligenzquotient in einigen Ländern binnen einer Generation um über fünfzehn Punkte gestiegen. Jedenfalls begannen die IQ-Werte schon lange vor der Verbreitung des Fernsehens zu Beginn der fünfziger Jahre anzusteigen.ohne schlüssiges Ergebnis. daß Kinder immer mehr Zeit mit Fernsehen und mit anderen Medien verbringen . sondern eher abgenommen. die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs von einer Hungersnot heimgesucht worden waren. zudem haben Hochschulzugangsprüfungen und andere akademische Leistungstests in den Vereinigten Staaten nicht zu-. mutmaßte. zum Stillstand kommen beziehungsweise dort hätte sogar eine Trendumkehr einsetzen müssen. Der Psychologe Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley. widerlegte ihn Flynn. der Anstieg des IQ stehe mit Verbesserungen in der Ernährung in Zusammenhang. Flynn und andere Psychologen sehen in seinen Daten eine Widerlegung der Thesen.

doch der Zusammenhang ließ sich in nachfolgenden Studien nicht reproduzieren. »Ich fühle mich mittlerweile gezwungen. unveränderliches Merkmal. Plomins Methodik ist einfach. ist Robert Plomin vom Institut für Psychiatrie in London. Schließlich habe die Verhaltensgenetik mehrfach nachgewiesen. (Unterdessen hatte der Londoner Sunday Telegraph bereits gemeldet. suchte er nach Allelen.)62 .Auf der Suche nach Intelligenzgenen Allerwenigstens sollte man erwarten. daß sich die Kontroverse über den jeweiligen Einfluß von Anlage und Umwelt zu sehr in Richtung Anlage verschoben habe. für eine stärkere Gewichtung der Umwelt zu plädieren«. daß der Flynn-Effekt Intelligenzforscher. die behaupten. Im Jahr 1993 berichtete Plomin. er habe bei hochintelligenten Kindern ein überzähliges Exemplar eines bestimmten Allels gefunden. Plomin ist eine der wenigen Stimmen der Vernunft und Mäßigung innerhalb der Verhaltensgenetik. Ein Forscher. Die Allele wurden nicht aufs Geratewohl ausgewählt. zu Vorsicht und Bescheidenheit anhielte. der oftmals die Übertreibungen seiner Kollegen bedauert. Als ich ihn 1998 in London anrief.225 . Dennoch verfolgt Plomin eines der ehrgeizigsten und umstrittensten Ziele in der Verhaltensgenetik: Er fahndet nach Genen für hohe Intelligenz. die bei Kindern mit hohem IQ häufiger sind als bei Kindern mit niedrigem IQ. Intelligenz sei ein weitgehend angeborenes. Plomin habe bewiesen. Nachdem er Schüler entsprechend ihrem Intelligenzquotienten in Kategorien eingestuft hatte. daß auch nichtgenetische Faktoren bei der Prägung der Persönlichkeit eine Rolle spielten. der immer wieder die Grenzen seiner Arbeit und der Verhaltensgenetik im allgemeinen betont. daß »Genies geboren und nicht gemacht werden«. insbesondere jene. sagte er. die meisten waren bereits mit Neurorezeptoren und anderen neuronalen Komponenten in Verbindung gebracht worden. zeigte er sich beunruhigt darüber.

er habe gerade auf einem Transatlantikflug den Film Gattaca gesehen. sie auf dieses Gen zu testen. Nur etwa die Hälfte der hochintelligenten Kinder seien Träger des Gens.«64 In seinem Gespräch mit mir bezweifelte Polmin.« Plomin sagte mir. die mit hoher Intelligenz korrelierten. wie etwa Tests auf einen hohen IQ oder intelligenzsteigernde Gentherapien. und anscheinend sei die Wirkung des Gens sehr schwach. Das Aufspüren von Genen. die nicht in den Genuß einer gentechnischen Optimierung gekommen seien. Plomin bezweifelte. wobei man hofft. nach denen in einer Gruppe von 217 Kindern ein Gen auf Chromosom sechs mit hoher Intelligenz gekoppelt war. Ich fragte Plomin. die Eltern anbieten.63 In einem Artikel in der New York Times kommentierte ein Psychologe Plomins Befunde: »Ich bin absolut sicher. wenn es keine praktische Konsequenzen hätte. daß aus seinen Untersuchungen jemals konkrete Nutzanwendungen hervorgehen würden. antwortete Plomin. daß solche Sze.« Eine Varianz von einem Prozent entspricht zwei IQ-Punkten. Die Welt werde von den gentechnisch aufgemöbelten Herren regiert.226 . könne den Beitrag der Erbanlagen zur Intelligenz und zu anderen kognitiven Funktionen abschätzen helfen. ein Fenster zu finden. wozu sein Forschungsprojekt gedient habe. in der die Gentechnik nicht nur körperliche und psychische Erkrankungen heilen. durch das man auf Verbindungen zwischen Genen und Verhalten blicken kann. »Es ist eine Fragestellung der Grundlagenforschung. daß es eindeutig weniger als zwei Prozent der Varianz ausmacht und vermutlich sogar eher nur ein Prozent. die armen Kerle. würden als »Behinderte« bezeichnet. In dem Film werde eine nicht allzu ferne Zukunft geschildert. daß innerhalb von zwei Monaten kommerzielle Genzentren gegründet werden. sondern auch Intelligenz und sportliche Leistungsfähigkeit optimieren könne. »Wir schätzen.Im Mai 1998 präsentierten er und zwei Kollegen in der Zeitschrift Psychological Science Befunde.

« Es habe sich schon als außerordentlich schwierig erwiesen.227 . daß die Gentherapie überhaupt eine Erfolgschance hat.narien jemals Wirklichkeit würden. die die Verhaltensgenetik bietet. noch vor der Empfängnis erwünschte komplexe Merkmale ihrer Nachkommen auszuwählen und unerwünschte Merkmale beseitigen zu lassen . die durch Mutationen in nur einem Gen verursacht würden. Doch wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. an der einhundert Gene beteiligt sind. »Stellen Sie sich eine Krankheit vor. daß künftige Forschungen Eltern schon bald erlauben würden. werden diese Fehlschläge andere Wissenschaftler und Journalisten nicht davon abhalten. das menschliche Verhalten mit Hilfe der Genetik zu verändern und zu manipulieren«. die miteinander und mit der Umwelt in Wechselwirkung stehen. »Ich glaube nicht. wie etwa die Mukoviszidose. »Ob man das nun für eine gute Idee hält oder nicht. fußballerisches Können und Optimismus immer breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich würden. Behandlungen für Erkrankungen zu entwickeln. werden nachfolgende Experimente . so wie auch all die anderen Hypothesen über spezifische Gene für spezifische Verhaltensmerkmale nicht bestätigt wurden. wie es in Gattaca prophezeit worden war.65 Der an Princeton lehrende Genetiker Lee Silver verstieg sich in seinem 1998 erschienenen Buch Das geklonte Paradies . bescheiden zu sein.seine Entdeckung eines Gens für hohe Intelligenz nicht bestätigen. In Das unausweichliche Erbe sagte Dean Hamer voraus. Meines Erachtens ist die Gentherapie ein aussichtsloses Unterfangen. wir werden bald die Fähigkeit besitzen.genau so. Psychische Erkrankungen sowie Schüchternheit und Hyperaktivität würden verschwinden. während musikalische Begabung.« Plomin tut gut daran. verkündete Hamer. die Chancen. in immer höheren Tönen zu preisen.vielleicht sogar von Plomin selbst . Wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt.

wenn sie von führenden Genetikern kommen. wie etwa Chorea Huntington. der dies nicht zur Verfügung stehe. manchmal sehr hohen Wahrscheinlichkeit ausbrechen wird. amyotrophische Lateralsklerose und embryonale Tumore. echte Fortschritte gemacht worden. die bei Erkrankungen. Silver prophezeite. bei denen die entsprechende Erkrankung mit einer gewissen. Mukoviszidose. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben Forscher damit begonnen. als auch in bezug auf ihr eigenes Bewußtsein. um so stärker könnten sie mit neuen Technologien ihre mentalen Fähigkeiten optimieren . unverantwortlich. schrieb Silver über diese biotechnologisch frisierten Turbomenschen. und die Klasse der »Naturbelassenen«. .in einer endlosen positiven Rückkopplungsschleife. Natürlich sind bei der Identifizierung von Genen. die die Träger dieser Gene aufspüren. welche durch eine einzige Genmutation verursacht werden. »›Wissen‹ erfaßt nicht die Tiefe ihres Verständnisses – sowohl was das Universum betrifft. Weltweit sind mehr als dreihundert klinische Studien über gentherapeutische Verfahren an über dreitausend Patienten erprobt worden. Je intelligenter diese Übermenschen würden.«66 Diese utopischen Vorhersagen sind angesichts der bislang so dürftigen Erfolgsbilanz der Verhaltensgenetik absurd und. Bis zum heutigen Tag hat kein einziges seine Bewährungsprobe bestanden. die Menschheit werde sich durch die Gentechnologie eines Tages sogar in zwei eigenständige Spezies aufspalten: die Klasse der »Gen-Reichen«. Wir verfügen heute über Tests. »›Intelligenz‹ wird ihren kognitiven Fähigkeiten nicht gerecht«. die schädliche Gene in Zellen vernichten oder deren Ausprägung verhindern sollen.zu noch phantastischeren Spekulationen. weder an körperlichen noch an psychischen Krankheiten leiden und möglicherweise unsterblich sein. therapeutische Ansätze zu entwickeln. die sich gentechnologische Eingriffe leisten könne.228 . Die Klasse der Gen-Reichen werde intellektuell und sportlich hoch begabt sein.

wo ich mir wünschte. einen Jungen und ein Mädchen.67 Einige führende Genetiker bezweifeln sogar. eine Kapazität auf dem Gebiet der Tumorgenetik.«68 Wenn dies schon für Krankheiten gilt. schrieb W. daß sich die Identifikation der Gene. ist Jerome Kagan. ein Vorkämpfer der gentherapeutischen Forschung. 1998 in einem Beitrag in Nature. Unser Sohn hatte von Anfang an seine eigene markante Wesensart und unsere Tochter die ihre. Außerdem kann ich mich nicht damit abfinden. liegen noch immer keine schlüssigen Beweise dafür vor. daß mein Einfluß auf ihr Schicksal so geringfügig ist. Ich akzeptiere . wie einige Genetiker behauptet haben (auch wenn es Zeiten gibt. die spezifische Erkrankungen verursachen. dem wäre so).ich weiß -. daß das Temperament bis zu einem gewissen Grade angeboren ist. immer wieder überraschen sie meine Frau und mich. daß ein gentherapeutisches Protokoll bei der Behandlung einer menschlichen Erkrankung erfolgreich gewesen ist«. Robert Weinberg vom MIT. dann natürlich in noch viel höherem Maße für Schizophrenie. die durch eine einzige Genmutation hervorgerufen werden. den ich kennengelernt habe. Professor für . French Anderson.»Abgesehen von anekdotischen Berichten über die Wirksamkeit bei einzelnen Patienten. Doch andererseits ist beider Charakter auch in ständigem Wandel begriffen.229 . erklärte 1997: »Bei einer Reihe von genetischen Krankheiten wird die Kenntnis der sie verursachenden Gene den Patienten vermutlich kein bißchen helfen. hohe Intelligenz und Schüchternheit. Das Temperament von Jerome Kagan Meine Frau und ich haben mittlerweile zwei Kinder. Einer der klügsten Erforscher der menschlichen Psyche. zwangsläufig in besseren Behandlungsmethoden niederschlagen werde.

die Forscher an der Universität von Minnesota und an anderen Forschungseinrichtungen aufgestellt hätten. Doch dann hätten ihn seine Daten »wie der Teufel gekniffen und gesagt: ›Du irrst dich!‹« Erklärungen. ist selbst hemmungslos extravertiert und nach eigenem Bekunden ein Liberaler.Psychologie an der Harvard-Universität.69 In einer Reihe penibel durchdachter Studien. genauso »wertlos wie jeder genetische Determinismus«. die auf Umweltfaktoren abstellten. Sie könnten nicht erklären. die in den fünfziger Jahren begannen. hätten zweifellos ihre Schwächen. die sich bei Psychoanalytikern großer Beliebtheit erfreuten . warmherzige Eltern gehabt hätten. Als er zu Beginn der fünfziger Jahre an der Yale-Universität studierte. trug er eine überwältigende Fülle von Belegen für die Hypothese zusammen. seien sie dazu verpflichtet. waren er und die meisten seiner Kollegen fest davon überzeugt. daß Gehemmtheit beziehungsweise Schüchternheit und Ungehemmtheit beziehungsweise Extraversion bis zu einem gewissen Grad angeborene Merkmale seien. der Vermögensstatus und das Verhalten der Eltern habe praktisch keinen Einfluß auf die Intelligenz eines Kindes. die eine traumatische Kindheit erlebt hätten. so Kagan. Geradezu entsetzt sei er über die Behauptung. glückliche. den ich im Herbst 1997 an der Harvard-Universität traf. Kagan.230 . daß »alles von der Umwelt abhängt« und der Einfluß des biologischen Erbes auf die Ausbildung von Unterschieden zwischen Individuen »belanglos« sei. zu Depressionen und anderen psychichen Erkrankungen neigten. weshalb manche Menschen.wie die Annahme. nach . während andere. Er gab zu. gesunde Erwachsene wären. Wenn Wissenschaftler ein derart »hirnrissiges« Ergebnis vorlegten. die liebevolle. Zudem seien einige Theorien. daß er über seine Befunde gelegentlich noch immer betrübt sei. meinte Kagan. Einige der jüngsten Hypothesen von Verhaltensgenetikern beunruhigten Kagan jedoch. Autismus werde durch »gefühlskalte Mütter« gefördert -. die Ausbildung.

die Psychologie und andere Fachgebiete. »Also wirklich«. entfuhr es Kagan. wenn die neugeborenen Mäuse von nichtverwandten Weibchen gesäugt würden. aber nur. wenn sie von Mutter und Vater vererbt würden. sagte Kagan. das bei Mäusen Bluthochdruck erzeuge. die die Taufliege (Drosophila) erforschten. »Es bedarf keiner weiteren Beispiele!« Darauf beschrieb er mir ein weiteres Beispiel. niemals die Präzision und Allgemeingültigkeit der wirklich exakten Naturwissenschaften wie der Astrophysik und der Kernphysik erreichen. daß Erbanlage und Umwelt oftmals so eng miteinander verzahnt seien. würde er sein Labor dichtmachen und sich eine andere Arbeit suchen. Diesen Punkt formulierte Kagan in seinem 1994 erschienenen Buch Galen's Prophecy mit unmißverständlicher Klarheit: »Ich glaube nicht.und sogar Gesetze . Regelmäßigkeiten . statt das Ergebnis für bare Münze zu nehmen. daß wir das Phänomen eines schüchternen oder neugierigen Kindes jemals allein mit physiologischen Erkenntnissen erklären oder vorhersagen können. Doch als die Forscher die Temperatur im Labor um zehn Grad erhöhten. selbst bei Organismen. wurden die Gene nicht mehr ausgeprägt. Wissenschaftler hätten ein Gen aufgespürt. ungeflügelte Nachkommen hervorbrächten. Jeder sachkundige Biologe.alternativen Erklärungen zu suchen. »Das sagt alles!« versetzte Kagan triumphierend. daß sie sich nicht leicht entwirren ließen. »das ist doch ein undurchdringliches Gestrüpp!« Kagan glaubt an die Fähigkeit der Wissenschaft. Wissenschaftler. wenn sie von ihren biologischen Müttern gesäugt würden. Tempera. das Gen werde nicht ausgeprägt. die. sämtliche Nachkommen hatten Flügel. so sagte er. die sich mit der menschlichen Natur befaßten. wisse.231 . die viel primitiver seien als der Mensch.zu entdecken. hätten jüngst ein Paar von Genen entdeckt. Andererseits würden die Verhaltensgenetik. die das menschliche Denken und Verhalten steuerten. Andernfalls.

«71 Anders gesagt. wenn sie gereizt würden. sie blieben entspannt und lebhaft. Etwa eines von fünf Kindern zeige bei der Geburt Symptome von Gehemmtheit. wie etwa Weinen und heftigen Arm. zu kontrollieren. sich von Fremden und unvertrauten Ereignissen zurückzuziehen. die übliche. die mit dem Alter und mit der Umgebung schwanke. vielmehr zwangen ihn seine Forschungen dazu. Die meisten Kinder ließen sich nicht leicht klassifizieren. altersangemessene Forderungen nach Reinlichkeit und Anpassung stellten. Die in gleicher Weise betroffenen Mütter.«70 Dies war kein bloßes Wunschdenken von Kagan. daß die Umwelt ein Merkmal entweder verstärken oder abschwächen könne. Kagan betonte. halfen ihren hochreaktiven Kindern. erschwerte es dem Kind. Einige extrem gehemmte Säuglinge würden später extravertierte Jugendliche.232 . Eine Mutter. Doch nur etwa die Hälfte dieser gehemmten und ungehemmten Kinder behalte diese Merkmale während der Kindheit und Adoleszenz. sie zeigten eine Mischung aus Verhaltenheit und Extraversion. das angeborene Bedürfnis. Etwa zwei von fünf Kindern seien vergleichsweise kaum gehemmt.und Beinbewegungen. und einige lebhafte Säuglinge würden zu trägen. ihre Ängstlichkeit zu bändigen. die Umwelt spielt eine Rolle.menteigenschaften können nicht auf rein biologische Gegebenheiten zurückgeführt werden. . sie reagierten auf Stimulation mit offenkundigen Streßsymptomen. »die ihr hochreaktives Kleinkind konsequent selbst vor geringsten Stressoren schützte. introvertierten Teenagern. sich mit dieser Grenze der Wissenschaft abzufinden.

das in jüngster Zeit starke Beachtung gefunden hat. daß die Evolutionspsychologen und die Verhaltensgenetiker Verbündete seien. Nach einem Aufenthalt bei den Ureinwohnern Feuerlands an der Südspitze Südamerikas erinnerte er sich daran. die in der Urzeit unserer fernen Vorfahren von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. betonte Darwin die Einheit des Homo sapiens. die allen Menschen gemeinsam sind. die die natürliche Auslese bei der Formung der menschlichen Psyche spielte. da viele europäische Geistesgrößen Angehörige nichtweißer Rassen als Untermenschen ansahen.der Menschheit hervorgehe. Evolutionspsychologen. während dies das zentrale Anliegen der Evolutionspsychologen ist.oder Kakophonie . daß es ihn »unablässig zutiefst erstaunte. Zu einer Zeit. das aus der Symphonie . die die menschliche Psyche durch die Linse des Darwinismus betrachten. Die Evolutionspsychologen folgen hierin Darwin. Man könnte meinen. sehen eine Fülle von Anpassungen. und ebenso er. während Evolutionspsychologen an den Merkmalen interessiert sind. Ein Konkurrenzmodell. doch in Wirklichkeit haben die beiden Gruppen grundverschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Ziele.Das andere genetische Paradigma Die Verhaltensgenetik ist nicht das einzige Paradigma auf genetischer Grundlage. Unsere Gemeinsamkeiten seien viel wichtiger als unsere Unterschiede. da sie sich ganz auf das Rauschen statt auf das Signal konzentriere. Evolutionspsychologen lassen immer wieder durchblicken. Verhaltensgenetiker interessieren sich im allgemeinen nicht für die Rolle. das die Psychoanalyse als vorherrschendes Erklärungsmodell der menschlichen Psyche zu entthronen versuchte. die Individuen voneinander unterscheiden. ist die Evolutionspsychologie. Zudem konzentrieren sich Verhaltensgenetiker auf Merkmale. daß sie die Verhaltensgenetik für trivial halten. wie ähnlich ihr Geist dem unseren ist.233 .

und die begabteren Menschen wären im Kampf ums Dasein nicht erfolgreicher als die weniger begabten. Webster gab zu.73 Selbst der heilige Darwin verwechselte gelegentlich ist mit sollte sein.«74 Evolutionspsychologen haben sich .« Er äußerte seine Sorge darüber.] den Konkurrenzkampf ausschalten werden. Andernfalls verfiele er in Trägheit. mit dem ich einst vertrauten Umgang hatte«72. In Why Freud Was Wrong sagte der britische Autor Richard Webster vorher.überwiegend erfolgreich . So schrieb er einmal in einem Brief. trägt die Evolutionspsychologie die Bürde des sozialdarwinistischen Erbes.ging es mir mit einem reinblütigen Neger.234 . der das Schlagwort vom »Überleben der Tauglichsten« prägte und es zu einem grundlegenden ethischen Prinzip erhob. Spencer prangerte immer wieder Sozialprogramme an. »Den Schwachen bei der Fortpflanzung zu helfen läuft praktisch darauf hinaus. daß Gewerkschaften. schrieb er in seinem 1874 erschienenen Buch Study of Sociology. Als Begründer des Sozialdarwinismus gilt gemeinhin Darwins Zeitgenosse Herbert Spencer. [. einer politischen Ideologie. Darin sehe ich ein schlimmes Übel für den künftigen Fortschritt der Menschheit. die im wesentlichen das Recht des Stärkeren predigte.von den inhumanen Auswüchsen der Darwinschen Theorie zu distanzieren bemüht. Doch so wie die moderne Verhaltensgenetik noch immer vom Gespenst der Eugenik verfolgt wird.. weil sie den Schwachen helfen würden und die Starken daran hinderten. daß das neue und verbesserte darwinistische Paradigma eines Tages die Psychoanalyse als allgemeine Theorie der menschlichen Psyche ablösen werde. daß evolutionsbiologische . an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie zu gelangen. »die von vielen als die große Hoffnung der Zukunft angesehen werden. unsere Nachkommen in heimtückischer Weise mit einer Horde von Feinden zu versorgen«.. der Mensch »muß sich immer wieder in schwerem Ringen bewähren.

. Obgleich die Darwinsche Theorie eine Fülle von Einzelerkenntnissen enthält.Erklärungen der menschlichen Psyche bislang viel zu wünschen übrigließen. Obgleich Darwins Theorie »eine Lösung für das Problem der Spezies und eine Erklärung für die Entstehung der Organformen liefert. zu erklären.«75 Tatsächlich unterscheiden sich die Schwächen der Evolutionspsychologie nicht allzusehr von den Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse. die Theorie auf den menschlichen Geist anzuwenden. sind die zahllosen Versuche. keineswegs immer überzeugend. das heißt umfassend. vermag sie die Entwicklung der menschlichen Kultur und die Komplexität des menschlichen Geistes noch immer nicht angemessen.235 .

6. mit denen sie ihren Status erhöhen und so . Abends versammelten sie sich um große Lagerfeuer und tranken vergorene Säfte. wie gewöhnlich. der so gering ist wie der des niedrigsten Tieres. eingefunden hatten. davon bin ich fest überzeugt. Seit der Gründung der HBES im Jahr 1988 hat sie eine wachsende Zahl von Psycho. einer Hochburg der Evolutionsbiologie. Eine Versammlung von Ureinwohnern in einem tropischen Regenwald ? Weit gefehlt .3 Darwin hatte. daß nämlich die Psychologie in einer fernen Zukunft auf eine neue Grundlage gestellt werde .auf Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion.236 . DARWIN. RETTE UNS! Aber dann kommen Zweifel auf: Kann man dem menschlichen Geist trauen.ihre Chancen zu sexuellen Interaktionen mehren wollten. wenn er solche großartigen Schlußfolgerungen zieht? CHARLES DARWIN1 T agsüber beteiligten sich ausgewählte Mitglieder des Stammes an rituellen Darbietungen rhetorischer Gewandtheit. der sich. recht mit der Behauptung.2 Mehrere hundert Teilnehmer bemühten sich. die Sozialwissenschaften zu infizieren. während sie sich angeregt über den neuesten Klatsch und alte Stammesüberlieferungen austauschten. deren Mitglieder sich auf dem an der Pazifikküste gelegenen Campus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. Charles Darwins Prophezeiung zu erfüllen (die zusammen mit dem Foto einer barbusigen Buschschönheit aus Amazonien auf der Titelseite des Programmhefts abgedruckt war). aus einem Geist entwickelt hat.zumindest was die Männchen anbelangte . Doch in den neunziger Jahren begann die Evolutionstheorie. wie ein plötzlich virulent gewordenes Virus. daß die darwinistische Psychologie in ferner Zukunft entstehen werde.es war die Jahrestagung der Human Behavior and Evolution Society (HBES).

daß männliche Künstler. was der Philosoph Daniel Dennett einmal bewundernd »Darwins gefährliche Idee« genannt hat. unter anderem Diesseits von Gut und Böse des Journalisten Robert Wright. The Red Queen des Journalisten Matt Ridley und Wie das Denken im Kopf entsteht des Psycholinguisten Steven Pinker. ob zärtliche. wie er unartikulierte Laute ausstoße. ein junger langhaariger Psychologe. wie wir verstehen. es sei doch sehr kurios.237 . Wirtschaftswissenschaftlern. Bei einer abendlichen Strandparty erörterte eine Gruppe dicht beisammenstehender Wissenschaftler mit Biergläsern in der Hand die Frage. zu verstehen. Sexualität war das beherrschende Thema innerhalb und außerhalb der Hörsäle. unterdessen warfen mehrere junge Damen in der vordersten Reihe Miller verzückte Blicke zu. Musiker und andere Kulturschaffende oftmals größere sexuelle Kontaktchancen hätten. Die Tagung der HBES in Santa Barbara hat auf alle Fälle eines deutlich gezeigt: die unglaublich vielseitige Verwendbarkeit dessen. berichtete. Geoffrey Miller.logen. die sich mit der Erforschung der menschlichen Angelegenheiten (im weitesten Sinne des Wortes) befassen. Das Spektrum der Themen reichte von der Evolution der christlichen Symbolik bis zum Wiederaufleben des Partnertauschs in der amerikanischen Mittelschicht. Einige Vorträge hatten eine amüsant selbstreferentielle Dimension. Verlage haben eine Unmenge von Büchern von Wissenschaftlern und Journalisten auf den Markt gebracht. Historikern und anderen Wissenschaftlern angelockt. Steven Pinker begann seinen Vortrag über die genetische Verankerung der Sprachfähigkeit mit der Bemerkung. daß wir uns hier versammelt hätten. die Evolutionspsychologie könne uns helfen. romanti. Der Psychiater Randolph Nesse von der Universität Michigan behauptete. die das »neue« darwinistische Paradigma vorstellten. Anthropologen. Die Evolution des Begehrens des Psychologen David Buss. um ihm zuzuhören.

erfreuten sich bei den Damen des Stammes wachsender Beliebtheit. die längere Zeit unter Jägern und Sammlern lebten.sche Liebe bis zu einem gewissen Grad ein evolutionär entstandenes. wenn ein Mann im Dorf eine differenziertere Sexualpraxis entwickelte. Ein Biologe meinte. Nachdem der Anthropologe herbeigeholt worden war. der kulturelle Determinismus sei eine »Religion« und keine rationale Einstellung. teilte er seinen Zuhörern mit. die Teilnehmer in Begeisterung zu versetzen.238 . Erlangte er einen Selektionsvorteil? Der Anthropologe grinste schelmisch. bestand darin. bei dem er gelebt habe. angeborenes Phänomen oder eine moderne. rein kulturelle Erfindung sei. die Angehörigen des Stammes. man könne diese Streitfrage möglicherweise dadurch lösen. oder sei es einfach »rein-raus-ab-die-Maus«? Jemand schlug vor. wie sie . daß man die sexuellen Bräuche von Jägern und Sammlern beobachte. brachen seine Zuhörer in schallendes Gelächter aus. der sich bei Jägern und Sammlern in Ostafrika aufgehalten habe. »militaristische« Sexualkontakte gehabt. bei der er stärker auf die Bedürfnisse der weiblichen Partnerinnen einginge. Zeigten Männer vor. hätten im allgemeinen flüchtige. während oder nach dem Geschlechtsakt irgendeine Form von Fürsorglichkeit und Zärtlichkeit gegenüber ihren Sexualpartnerinnen. Er wurde gefragt. die menschliche Persönlichkeit und die Gesellschaft würden in erster Linie von der Kultur (beziehungsweise der Umwelt oder den Erfahrungen) geprägt. was geschehe. Als der Anthropologe Lee Cronk von der Texas-A&M-Universität höhnte. Anthropologen. die noch immer behaupteten. jene verirrten Seelen zu geißeln.4 Beim Anblick der Teilnehmer der HBES-Tagung. Die einfachste Methode. Die Tagung erweckte manchmal weniger den Eindruck einer wissenschaftlichen Konferenz und mehr den einer politischen Wahlkampfveranstaltung. diese Frage einem Anthropologen zu stellen.

Gesichts. sich stritten. die dem Urschlamm entstiegen. Nehmen wir die Arbeiten von Devendra Singh. einem Psychologen an der Universität von Texas in Austin und führenden Forscher auf dem prosperierenden Gebiet der »darwinistischen Ästhetik«.ihren Gruppenzusammenhalt stärkten. sich herausputzten. miteinander flirteten und sich gegenseitig rhetorische Streicheleinheiten verpaßten. ob Männer bestimmte universelle und somit angeborene sexuelle Präferenzen aufweisen. um herauszufinden.5 Doch selbst wenn man sich mit dieser Erkenntnis abgefunden hat. was diese Neodarwinisten äußerten. bleibt die Frage.einschließlich Karikaturen und Fotos von bikinitragenden Modells -. die unserem Sinn für das Schöne zugrunde liegt. die mit wissenschaftlichem Fachjargon drapiert waren. Unser stark gewundenes Großhirn wurde nicht in der im Vergleich zur gesamten Erdgeschichte sehr kurzen Zeit der Kulturentstehung geformt. die evolutionäre Logik.und sonstigen Körpermerkmalen zwischen und sogar innerhalb von Kulturen schwanken. Wir sind »Steinzeitmenschen auf der Überholspur«. daß die Präferenzen der Männer zwar hinsichtlich Brustgröße. mußte ich ihrer Grundannahme beipflichten: In der Tat. Vieles von dem. Nachfahren einer weit zurückreichenden Ahnenreihe von Organismen. wie es ein Redner formulierte. ja hunderttausend Jahre zuvor. Zu Singhs Probanden gehörten auch indische Hilfsarbeiter. alle Männer aber Frauen mit einem Taille-zu-Hüfte. schien lediglich Spekulationen oder Binsenwahrheiten zu sein. Singh reist seit Jahren durch die Welt und. zeigt Männern »aufreizende« Bilder von Frauen . komplexen und so tief von der Kultur durchdrungenen Geist sagen kann. Singh fand heraus. sondern während der mehreren zehntausend.239 . was uns die Darwinsche Theorie über unseren modernen. diese versucht. aufzuklären. wir alle sind Tiere. die seit ihrer frühen Kindheit in reinen Männerlagern gelebt und angeblich noch nie eine echte Frau oder auch nur ein Bild von einer Frau gesehen hatten.

meinte Tooby. weil ein Taille-zu-Hüfte-Quotient von 0. der im Verlauf der Evolutionsgeschichte bis zu einem gewissen Grad die weibliche Fruchtbarkeit vorhersagte«. die 1994 das Zentrum für Evolutionspsychologie an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara gründeten.7 Cosmides und Tooby.so die entschiedene Meinung der Psychologin Leda Cosmides und ihres Gatten. einer Sammlung von Aufsätzen.« Nach Ansicht von Cosmides und Tooby könne die Darwinsche Theorie ein dringend benötigtes Rahmenmodell für die Psychologie. die meisten Sozialwissenschaftler glaubten noch immer. »Dies hatte noch niemand kulturvergleichend untersucht. die sich heute in einem Zustand der Orientierungslosigkeit befänden. die Anthropologie und andere Sozialwissenschaften abgeben. des Anthropologen John Tooby.6 Die natürliche Auslese begünstige diese Präferenz. indem man den Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte dividiert). In der Einleitung zu dem Buch The Adapted Mind. noch von keinem anderen Mann geschwängert wurden und deren Hüften breit genug sind. die Cosmides . sind zwei führende Vorkämpfer der neodarwinistischen Sozialwissenschaften. die weder rappeldürr noch fett sind.Quotienten von 0. behauptete Singh in einem Vortrag auf der Tagung der HBES. um uns dies zu sagen? Aber selbstverständlich! . Die beiden sagten mir. die darwinistische Ästhetik versuche als einzige unseren Sinn für Schönheit auf seine biologischen Wurzeln zurückzuführen. »Der Taille-zu-Hüfte-Quotient war ein zuverlässiger Indikator. gesunden Frauen.7 ausgezeichnet mit der Fruchtbarkeit beziehungsweise dem »Vermehrungspotential« korreliere.240 . In Alltagssprache übersetzt.7 sexuell anziehend finden (man berechnet den Quotienten. Brauchen wir wirklich die »Evolutionspsychologie«. Männer wollen Sex mit jungen. der menschliche Schönheitsbegriff sei kulturell determiniert. läuft Singhs Befund jedoch auf eine Binsenwahrheit hinaus. um ein Kind zu gebären.

Eines ihrer grundlegenden Dogmen lautet. bewältigen mußten: die Suche nach Nahrung und Unterkunft. bei der Auswahl ihres Geschlechtspartners wählerischer seien.und Tooby zusammen mit Jerome Barkow von der DalhousieUniversität herausgaben. weil sie höchstens ein Kind pro Jahr zur Welt bringen können.«8 Allein die Evolutionstheorie. sondern ein Schweizer Armeemesser. Die natürliche Auslese habe nach Ansicht von Cosmides und Tooby das Gehirn von Männern und Frauen aufgrund ihrer unterschiedlichen reproduktiven Rollen auf sehr unterschiedliche Weise gestaltet. daß alle Menschen mit weitgehend derselben genetischen Ausstattung geboren würden. neigten sie viel stärker zu sexueller Promiskuität als Frauen. die in einem Gewirr unvereinbarer Terminologien formuliert sind. schrieben sie: »Nach über einhundert Jahren fehlt es den Sozialwissenschaften noch immer an einem klaren Ordnungsmodell: Es gibt eine Fülle halbverdauter Beobachtungen. Da Männer im Prinzip eine praktisch unbegrenzte Zahl von Kindern zeugen könnten. Cosmides und Tooby prägten für ihren Ansatz den Begriff Evolutionspsychologie. könne die Sozialwissenschaften aus diesem Chaos herausführen. so beteuerten sie. die unsere Vorfahren. die. wie das Sprachvermögen. eine genetische Grundlage hätten. das mit verschiedenen Instrumenten ausgestattet sei. Diese Module seien von der natürlichen Auslese für die Lösung der Probleme passend ausgebildet worden. Das Geschlecht sei die entscheidende Ausnahme von der evolutionspsychologischen Regel. eine beträchtliche Menge empirischer Verallgemeinerungen und ein widersprüchliches Sammelsurium unbegründeter Teiltheorien. das Aufziehen von Kindern und der Umgang mit Rivalen. die. die Jäger und Sammler waren. das Finden eines Geschlechtspartners. die für verschiedene Funktionen maßgeschneidert seien. daß der Geist aus zahlreichen »Modulen« bestehe. so Cosmides und Tooby. Der Geist sei keine computerähnliche Allzweckmaschine. Da Männer .241 .

angestachelt. Beide sprechen außerordentlich schnell und noch schneller. schlichtes Oxfordhemd und Khakihosen. Als ich Cosmides und Tooby.242 . Taille-zu-Hüfte-Quotient und andere körperliche Merkmale. Sie hielten nicht nur Vorträge. Doch was die intellektuelle Energie und die Debattierlust betraf. daß sie der Vater des Kindes seien. Als ich nach der Beziehung zwischen der Evolutionspsy. Bei der Auswahl einer Sexualpartnerin legten Männer besonderen Wert auf Jugendlichkeit. Frauen dagegen komme es weniger auf die körperlichen Merkmale möglicher Geschlechtspartner an als vielmehr auf ihre »Ressourcen« . eine kleinwüchsige Frau mit langem schwarzem Haar. zum ersten Mal begegnete. für eine Familie zu sorgen. die am liebsten Miniröcke und Cowboystiefel trug.ihre Fähigkeit. und Mädchen mögen Jungs mit viel Geld. Während eines gemeinsamen Interviews vor der HBES-Tagung unterbrachen. als wollte sie sich in einer Country und Western-Bar die Nacht um die Ohren schlagen. sie könnten die emotionale Bindung eines Geschlechtspartners und damit seine Ressourcen verlieren.niemals sicher sein könnten. um Fragen zu stellen und selbst kurze Statements zu geben. kommentierten und widersprachen sie sich gegenseitig in einem fort. die seit 1979 verheiratet sind. Ihr vierschrötiger Gatte dagegen wirkte wie der typische Intellektuelle: Drahtgestellbrille. die mit Fruchtbarkeit korrelierten. waren sich Cosmides und Tooby unglaublich ähnlich. wenn der andere zugegen ist. sah so aus. ihre Geschlechtspartnerin könnte ihnen sexuell untreu sein. Sie gehörten zu den Mitorganisatoren der HBES-Tagung in Santa Barbara und waren dort nachgerade allgegenwärtig. sondern kündigten auch Redner an und meldeten sich unverhofft aus dem Publikum zu Wort. Frauen dagegen bedrücke der Gedanke. war ich verblüfft über dieses ungleiche Gespann. Wie formulierte es doch einer der Gelehrten auf der Tagung der HBES: Jungs mögen hübsche Mädchen. Cosmides. wird ihre Eifersucht durch Befürchtungen. sehr viel stärker.

die auf der Konferenz gehalten worden seien.chologie und der Verhaltensgenetik fragte. wenn man auf diesem Gebiet arbeitet. Es ist schwerer.. Es macht alles schwieriger. »Die Verhaltensgenetiker stellen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Mitglieder der HBES. Aber damit muß man sich abfinden.« Ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten glauben Cosmides und Tooby inbrünstig an die Zukunft der Evolutionspsychologie. Daher gehören der Gesellschaft auch einige Verhaltensgenetiker an .« »Es gibt einige Dinge«.. daß einem als Evolutionspsychologen die wissenschaftliche Karriere leichtgemacht werde.. aber immerhin sind sie vertreten. ich kann mir den Geist nicht als einen äquipotentialen Universal.« »Aber John. »Sie sagen nicht: ›Bei Gott. Es ist schwerer. betonte Tooby. antwortete Tooby unwirsch. sagte Cosmides. warf Tooby dazwischen. »Da ist zum einen die Tatsache. eine Anstellung zu bekommen. hätten sich nur zwei mit Verhaltensgenetik befaßt. sagte Cosmides: »Die Evolutionspsychologie hat sehr wenig mit der Verhaltensgenetik zu tun. Dies solle nicht heißen.243 . daß die [Human Behavior and Evolution Society] extrem tolerant ist. die man dafür in Kauf nehmen muß. John«. Es gibt . Viele Intellektuelle hielten jede Diskussion über die genetische Grundlage der menschlichen Natur noch immer für ein »gewissermaßen unmoralisches Unterfangen.und Wirtschaftswissenschaftler angehören. »Ich hab's begriffen«. die die menschliche Natur als beliebig formbar ansähen. Doch andererseits wiegt die intellektuelle Horizonterweiterung durch diese Sichtweise allemal die Unannehmlichkeiten auf.. so daß ihr beispielsweise auch Literatur.« Cosmides wies darauf hin. Geld auf zutreiben. Von den hundertzwanzig Referaten. und außerdem hat sie ein sehr breites Themenspektrum. daß Kritiker der Evolutionspsychologie 0 oftmals die Verbrechen übersähen. die von politischen Regimen begangen würden.

« »Wir stehen am Beginn einer neuen Wissenschaft«.« »Diese Hindernisse. »Ich bin zum Beispiel kurzsichtig. Aber wir wissen auch. Aber ich sehe bestens. fuhr Cosmides fort. Kindesmißbrauch. der die Evolutionspsychologie wirklich versteht.rechner vorstellen. könne sie ihre Häufigkeit verringern helfen. fünfzig Millionen Menschen umgebracht haben. aber es wird lange dauern. »doch sozialpolitische Richtlinien basieren sehr viel stärker auf dem bestimmenden Wertesystem als jede wissenschaftliche Erkenntnis. »Ich kenne niemanden. gehören zu den radikalsten Feministinnen.« Die Evolutionspsychologie behaupte keineswegs. bis jeder mit dem Gedanken losstürmen möchte: ›Mann. daß verschiedene menschliche Merkmale nicht verändert werden könnten. mit diesem einen neuen Blickpunkt können wir jetzt jede Frage beantworten und politische Richtlinien mit vollkommener Gewißheit festlegen.« Indem uns die Evolutionspsychologie dabei helfe. als würde man Nuggets schürfen . sie richtig kennt und etwas Bedrohliches an ihr findet«. die ich kenne. Krieg und andere unerwünschte Verhaltensweisen zu verstehen. und dies ist teilweise auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. daß ihnen die Evolutionspsychologie erhellende Aufschlüsse über das Verhältnis zwischen Mann und Frau geben kann. die intelligenten modernen evolutionstheoretischen Ansätzen zur Erforschung des Geistes in . sagte Tooby. daß dort draußen ein riesiges unbesiedeltes Gebiet liegt. warf Cosmides ein. fügte Cosmides hinzu.diese vielen wichtigen Geistesblitze.244 .‹ Es ist heuchlerisch. Und trotzdem sind sie der Meinung. Mißbrauch in der Ehe. die ich kenne.‹« »Und nicht nur das«. Ich muß lediglich eine Brille aufsetzen. die auf dieser Sicht des Geistes basiert. »Es ist so. weil Stalin und Mao und Pol Pot im Namen einer Weltanschauung. »Einige der Evolutionspsychologinnen. so Cosmides. Wir nehmen seine Umrisse verschwommen wahr.

gibt seinen evolutionstheoretischen Erklärungen Stringenz oder zumindest den Anschein davon. pflichtete Tooby bei. Pinker. er resümierte dort die Kernthesen seines 1996 erschienenen Bestsellers Der Sprachinstinkt. daß sie Steven Pinker für die darwinistische Gemeinschaft anwarben. Seine Ausbildung in Kognitionswissenschaft.10 Die Sprache. was Tooby damit sagen wollte: Da uns die Ablehnung der Evolutionspsychologie schade. so daß seine Werke sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Laien großen Anklang finden. sind langfristig völlig kontraproduktiv«. Informationen über Werkzeugherstellung. Ich lernte Pinker auf der HBES-Tagung in Santa Barbara kennen. Steven Pinkers Umgang mit Wörtern Die vielleicht bedeutendste Leistung von Cosmides und Tooby bestand darin. die Jäger und Sammler gewesen seien. würde uns ihre Anerkennung möglicherweise retten. Jagd und andere erlernte Fähigkeiten auszutauschen. »Sie werden das menschliche Leid verstärken. Zudem versteht er sich hervorragend auf die allgemeinverständliche Aufbereitung seiner Themen.245 . die sich auch in zahlreicheren Nachkommen niedergeschlagen . behauptete Pinker. bringt für seine Rolle als Befürworter der darwinistischen Psychologie zwei besondere Stärken mit. Außerdem hätten die Menschen mit der höchsten Sprachfertigkeit Geschlechtspartner anlocken. Bündnisse schmieden und sich weitere Vorteile verschaffen können. sie habe unseren Vorfahren. und das heiße. Vorteile verschafft und ihnen erlaubt.den Weg gelegt werden. die den Geist als ein Bündel informationsverarbeitender Maschinen betrachtet. Direktor des Zentrums für kognitive Neurowissenschaft am Massachusetts Institute of Technology.« Es war klar. sei höchstwahrscheinlich eine evolutionsgeschichtliche Anpassungsleistung.

«) Zu seinem Vortrag fanden sich so viele Hörer ein. daß Pinker einem Rockstar mit zartem. »Ich war förmlich überwältigt«. erinnerte sich Pinker.« oder: »Heute abend spricht Dr. mit Dick Cavett Sex zu haben. »Das Niveau der Analyse und Erklärung beeindruckte mich sehr. Pinker war mehr oder weniger ein herkömmlicher Kognitionswissenschaftler. (Um die Mehrdeutigkeit der Sprache zu veranschaulichen. Aber Pinker kann auch harte Saiten aufziehen. der virtuelle Realitäten entwirft. der den Begriff des »egoistischen Gens« geprägt hatte und das »Alpha-Männchen« des Neodarwinismus ist. Ruth darüber. mußte klein beigeben. der visuelle Kortex dagegen tue genau das Gegenteil. bestimmt und geistreich. daß sie dichtgedrängt stehen mußten. Dr. der sich auf die Sprache spezialisiert hatte. der eine virtuelle Realität erzeuge. Pinker. das von einer dürerartigen Lockenpracht umsäumt wurde. Ruth discusses sex with Dick Cavett. Später am selben Tag knüpfte er sich niemand geringeren als Richard Dawkins von der Universität Oxford vor. Es war vermutlich nicht von Nachteil. In einer Rede nach dem Abendessen verglich Dawkins' den visuellen Kortex mit einem Rechner. der sich in seiner Dissertation an der Harvard-Universität mit dem Sehvermögen befaßt hatte. führte er den Satz an: »Tonight. sprang von seinem Stuhl in der vordersten Reihe auf.246 . Dawkins. um Dawkins' Vergleich zu kritisieren: Ein Rechner. als ich ihn in seiner Wohnung in Cambridge interviewte. fast engelhaftem Gesicht glich. was eine ungemein viel schwierigere Aufgabe sei. wandle lediglich dreidimensionale Informationen in ein zweidimensionales Bild um. einer der schärfsten Polemiker unter den heutigen Naturwissenschaftlern. Ruth mit Dick Cavett über Sex.« »Heute abend spricht Dr.hätten. Pinker war kühl. als er 1988 auf die Arbeiten von Cosmides und Tooby stieß.« Der Sprachinstinkt war das erste große Produkt von Pinkers . indem er aus begrenzten Informationen »Simulationen« generiert.

darauf angelegt sei. wir könnten den Geist nur verstehen. als ich es liebe zu gewinnen. daß der Metallring die Halterung für die Kirsche ist und daß der Kolben ein x-förmiges Messer durch die Frucht treibt. bezog er sich auf ein Zitat des Tennisstars Jimmy Connors: »Ich hasse es mehr zu verlieren. Pinker spickte sein Buch mit amüsanten wissenschaftlichen Fakten . das nicht nur die Sprache. die uns undurchschaubar erscheint. könnten wir ähnliche Erkenntnisse über unsere Gedanken. wozu sie gut ist. verstehen wir plötzlich. Daraufhin beschloß er ein Buch zu schreiben.247 . worin sein ursprünglicher Zweck bestehe. Hände und andere Merkmale unseres Körpers . bis wir wissen. die Gene unserer Vorfahren weiterzugeben.«13 Und als Beispiel .wie unsere Augen. in seinem Vorwort räumte Pinker ein. Pinker beschrieb dieses Konzept der »analytischen Technik« (reverse engineering) folgendermaßen: »Beim Stöbern im Antiquitätengeschäft finden wir vielleicht eine Konstruktion. Sobald wir erkennen. Pinker beteuerte. so daß der Kern auf der anderen Seite herauskommt. Als er auf die Vergänglichkeit des Glücks zu sprechen kam. so Pinker. Cosmides und Tooby arrangierten für ihn einen einjährigen Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. wenn wir herausfänden. daß unser Geist . sondern den menschlichen Geist als Ganzes zum Thema haben sollte.Bekehrung zum Darwinismus.«11 Sobald wir einmal eingesehen hätten. Dennoch repräsentierte Wie das Denken im Kopf entsteht den neuesten Stand der darwinistischen Rhetorik. das 1998 erschien.so sei etwa die Größe der Hoden bei verschiedenen Primatenarten proportional zur Promiskuität der Weibchen12 – und mit Beispielen aus der Massenkultur. daß es sich um einen Kirschenentsteiner handelt. daß er sich weitgehend auf Erkenntnisse anderer stütze. Dort schrieb Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht. Emotionen und Motivationen gewinnen. Das Buch war nicht besonders originell.

Theorien hervorbringen. wenn sie sich einem Fremden näherten. ein erklärter Pazifist. Zu Beginn seines Buches kritisierte er: »An schlechten ›entwicklungsgeschichtlichen‹ Erklärungen besteht kein Mangel. das den Titel »Der Sinn der Lebens« trägt.für die tiefe Verwurzelung der männlichen Aggressionsbereitschaft führte er die Tatsache an. Pinker meinte jedoch. die Männer sehen nur auf die Fotos.14 Um die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen von Männern und Frauen zu verdeutlichen. Gegen Ende von Wie das Denken im Kopf entsteht. gern Bücher über Kriege lese.«16 Diese nichtssagenden Erklärungen ermöglichten es Kritikern. daß selbst der Dalai Lama.248 .«15 Doch manchmal schien sich Pinker mit allzu oberflächlicher Rhetorik zu begnügen. erwies sich seine Methode der »analytischen Technik« in der Tat als recht überzeugend.und das Sprachvermögen sowie andere universelle menschliche Attribute analysierte. das Erinnerungs. um die sensitiven Punkte von mindestens sechs unserer geistigen Kapazitäten zu reizen«17). Einige seiner Hypothesen wirkten jedoch leider trivial. die Evolutionspsychologie könne. »erklärte« Pinker praktisch alle Aspekte der modernen Kultur einschließlich Musik (»ein exquisites Konfekt. Als Pinker das Seh-. wenn sie richtig betrieben werde. das komponiert wurde. Welchen Zweck hat Musik? Sie führt die Gemeinschaft zusammen. zitierte er die Bemerkung des Besitzers einer Partnervermittlung: »Die Frauen lesen unsere Kurzbiographien wirklich durch. die genauso bündig seien wie alle anderen wissenschaftlichen Theorien. in einem Kapitel. zu dem man Zuflucht nimmt. Religion (das »letzte Mittel. die Evolutionsbiologie als eine »leere Übung im nachträglichen Erfinden von Geschichten« zu diskreditieren. wenn der Einsatz hoch ist und die üblichen Techniken zum Erringen eines Erfolgs erschöpft sind«18) und Literatur (»Fiktive . Warum fragen Männer nicht gern nach dem Weg? Weil unsere männlichen Vorfahren unter Umständen getötet wurden.

Welche Möglichkeiten hätte ich. Das Mädchen zwinge seine Eltern dazu. an der dem erpreßten Dritten viel liegt«. . Erst später erkannte ich. Das Mädchen dürfe sich seiner Motivation nicht bewußt sein. Er hatte gerade einen Artikel gelesen über Mädchen im Teenageralter . fehlangepaßte Verhalten. Hamlet sei eigentlich nichts anderes als ein Leitfaden zur Selbsterhaltung). war ich beeindruckt. Als Pinker mir diese Theorie erstmals mitteilte. denen wir eines Tages möglicherweise gegenüberstehen. Rasiermessern. mehr Zeit und mehr Ressourcen auf es zu verwenden. Fingernägeln oder anderen scharfen Gegenständen selbst verstümmelt hatten. könne eine »paradoxe Taktik« darstellen. der eine Geisel nimmt. das sich seine Unterarme zerschneide. sowie die Ergebnisse von Strategien.Geschichten bieten uns einen mentalen Katalog der tödlichen Probleme. Ein Mädchen. so daß es nicht durch gutes Zureden oder durch Bestrafung davon abgebracht werden könne. wenn ich befürchten müßte. was seine späteren Fortpflanzungschancen verbessere. die wir dann anwenden könnten. daß mein Onkel meinen Vater umgebracht.249 .20 Dieses scheinbar selbstzerstörerische. daß sie lediglich eine andere Formulierung für das war. um beachtet zu werden. meinte Pinker. »gleicht einem Terroristen. »außer daß es selbst in diesem Fall die Geisel ist«.überwiegend aus wohlhabenden Familien -. Pinkers Neigung zu vorschnellen Spekulationen zeigte sich auch während unseres Interviews. die sich mit Messern. seine Stellung eingenommen und meine Mutter geheiratet hat?«19 Anders gesagt. führte er weiter aus. was die Kolumnistin Ann Landers vielleicht folgendermaßen gesagt hätte: Einige Kinder tun alles.

Skinner und anderen Behavioristen aufgegriffen worden war. die von den Evolutionspsychologen weiterentwickelt wurde. der wie Pinker am MIT lehrt. Darüber hinaus wiesen alle Sprachen gemeinsame Strukturmerkmale auf. sei die gesprochene Sprache allen bekannten Kulturen gemeinsam.eine teilweise angeborene und keine völlig erlernte Fähigkeit. entwarf die genetische. Dennoch hat Chomsky darwinistische Erklärungen der Sprache und anderer Aspekte des Geistes scharf kritisiert.Was Noam Chomsky wirklich denkt Steven Pinkers Karriere . Pinker im besonderen und die Evolutionspsychologen im allgemeinen stehen tief in der Schuld des Linguisten Noam Chomsky. Chomsky stützte sich dabei im wesentlichen auf das »Reizmangelargument«: Alle körperlich gesunden Kinder lernen fließend zu sprechen. wenn sie behaupten.250 .wohl das Merkmal. In den fünfziger Jahren begann Chomsky Einwände gegen die induktive Theorie des Lernens (der zufolge der Geist zunächst ein »unbeschriebenes Blatt« ist) vorzubringen. Evolutionspsychologen wie Tooby und Cosmides meinen.wie der der beiden anderen berühmten . Anders als Lesen und Schreiben. Die Evolutionspsychologen lehnen sich stark an dieses Argument an (wenn sie auch nicht den Terminus verwenden). Chomskys Standpunkt sei . die Chomsky zusammenfassend als »Tiefengrammatik« bezeichnete. wie etwa Verben und Substantive. F. Nach Meinung von Chomsky ist die Sprache . selbst wenn ihnen nur minimale verbale Stimuli von außen dargeboten wurden. die John Locke im siebzehnten Jahrhundert begründet hatte und die von B. Chomsky. modulare Theorie des Geistes. so Chomsky. viele unserer Eigentümlichkeiten und Fähigkeiten seien zumindest teilweise angeboren. das uns am stärksten von anderen Säugetieren unterscheidet .die gesamte Evolutionspsychologie wird von einer ziemlich starken Ironie überschattet.

Die Biologen könnten Fortschritte bei der Rekonstruktion des Ursprungs menschlicher Merkmale machen. Jeder. »Man findet Belege für Zwischenstufen.« Darwin selbst habe betont. Die natürliche Selektion sei »ein Faktor. Aber das hängt damit zusammen. die zeigten. daß während der Evolution auch nichtadaptive Veränderungen vorkämen.Kritiker der darwinistischen Sozialwissenschaft. würde das unterschreiben. Die Schwierigkeit liege darin. was die richtige naturalistische Erklärung sei. Doch als ich Chomsky auf diesen Punkt ansprach. So hätten etwa Richard Dawkins und andere Theoretiker plausible Computermodelle entworfen. der die Verteilung der Merkmale und Eigenschaften innerhalb dieser Randbedingungen festlegt . Die Darwinsche Theorie besage im Kern. seine Einwände gegen den Neodarwinismus seien rein wissenschaftlicher Natur.« Das gleiche gelte für den menschlichen Arm.ein Faktor.251 . daß wir etwas über die physikalischen und physiologischen Grundlagen wissen. daß die natürliche Auslese in der Evolution der Sprache und anderer menschlicher Attribute vermutlich eine Rolle spiele.21 Er räumte ein.durch seine linke politische Einstellung motiviert. Man weiß etwas über die physikalischen und physiologischen Hintergründe. die den Merkmalen der Tiere ähnelten. der nicht an einen »göttlichen Eingriff« glaube. nicht der Faktor. beteuerte er. der an Harvard lehrenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin . herauszufinden. führte Chomsky weiter aus. Doch angesichts der gewaltigen Diskrepanz zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und denen der Tiere könne diese Wissenschaft seines Erachtens kaum etwas darüber aussagen. Man kennt homologe Strukturen bei anderen Orga. wie oder weshalb diese Fähigkeiten entstanden seien. daß es »eine naturalistische Erklärung für sämtliche Phänomene gibt«. wie »sich eine flache lichtempfindliche Oberfläche in einer nicht allzu großen Anzahl von Generationen in ein Auge verwandeln kann.

Wir hätten jedoch vermutlich auch die Fähigkeit erwerben können. Die Schwäche der Evolutionstheorie liege nicht darin. zwei getrennte Lautfolgen durch Mund und Nase auszustoßen.« Ist Altruismus ein Instinkt? Dasselbe Problem. wird mit dem Hinweis erklärt. eine Lautfolge durch den Mund und eine andere durch die Nase auszustoßen. merkte Chomsky an. daß der eine seine Gene auf Kosten des anderen weitergeben will. so Chomsky. In Wahrheit werde die Sprache durch die Darwinsche Theorie weder verboten noch gefordert. die mit einer Prise Wissenschaft gewürzt ist«. »haben wir nichts von alldem«. In diese Logik kann man praktisch alles pressen. hätte uns eine »sehr viel komplexere und reichhaltigere Kommunikation ermöglicht. Wir wären nicht durch die zeitliche Linearität gebunden. »Die Tatsache. Die Fähigkeit.« Im Fall der Sprache und anderer spezifisch menschlicher Attribute. daß wir ein Wort nach dem ändern äußerten. die Soziobiologie. so Chomsky.nismen. wird damit erklärt. Chomsky nannte die Evolutionspsychologie eine »Philosophie des Geistes. und diese lege auch keine Randbedingungen für die Ausgestaltung der Sprachfähigkeit fest. daß Menschen kooperieren. daß sie zuviel erklären könne.252 . Viele Evolutionspsychologen distanzieren sich von der Soziobiologie. betreffe auch den bedeutendsten Vorgänger der Evolutionspsychologie. dies trage zur Erhaltung ihrer Gene bei. sondern darin. Chomsky wies darauf hin. daß sie zuwenig. hätten die Evolutionspsychologen sie zweifellos als ein Produkt der natürlichen Selektion »erklärt«. »Sie sagt nichts vorher!«. die in den siebziger Jahren von dem an der . uns also in einer linearen Weise artikulierten. daß Menschen miteinander kämpfen. versetzte Chomsky. Die Beobachtung.« Wenn die Menschen eine solche Fähigkeit entwickelt hätten.

In Sociobiology und Biologie als Schicksal sowie anderen Werken verfocht Wilson die These. Ironischerweise bat die HBES im selben Jahr Edward O. denselben Evolutionsprinzipien. Sexismus und Imperialismus dadurch zu rechtfertigen suchte. Die Bezeichnung »war für viele ein rotes Tuch und hat uns viele Unannehmlichkeiten bereitet«. monierte Wilson. daß sie das Überleben der Tauglichsten zu einem moralischen Prinzip erhob. sagte . die Rassismus. den Ausdruck Soziobiologie in den Namen der Gesellschaft aufzunehmen. auf diese Weise die negativen politischen Konnotationen der Soziobiologie zu umgehen. sie sei eine »rassistische. mieden den Ausdruck in Zukunft. Selbst Wissenschaftler. und machten sie zu ihrem Aushängeschild. zeitigten sie Wirkung. Als eine Gruppe von Darwinisten 1988 die Human Behavior and Evolution Society gründete. sie versuchten. die der Soziobiologie wohlwollend gegenüberstanden.253 . deterministische« Ideologie. Wilson. hätten sie stillschweigend der Beschuldigung zugestimmt. jene Ideologie aus dem neunzehnten Jahrhundert. Indem sie den Begriff Soziobiologie verworfen hätten. Stephen Jay Gould und Richard Lewontin etwa warfen Wilson und anderen Soziobiologen vor.Harvard-Universität lehrenden Biologen Edward Wilson populär gemacht wurde. sie hätten gehofft. um die Führer der HBES für ihren »mangelnden Mut« zu tadeln. Einige führende Mitglieder der HBES räumten ein. Die Verantwortlichen der HBES übernahmen eine bereits existierende Vierteljahresschrift. die 1981 gegründet worden war. die auch das Verhalten von Ameisen und Pavianen steuerten. das menschliche Sozialverhalten unterliege. Wilson ergriff die Gelegenheit. auf ihrer Jahrestagung die Grundsatzrede zu halten. wenn auch nur näherungsweise. den Sozialdarwinismus wiederzubeleben. verzichteten sie bewußt darauf. Ethology and Sociobiology. doch 1996 benannten sie sie in Evolution and Human Behavior um. Obgleich die Angriffe auf Wilson oft unfair waren.

Eine bemerkenswerte Leistung der Soziobiologie war ihre Erklärung des Altruismus. ist. daß man ihn ersetzen will. Derartige Abgrenzungen erzürnen altgediente Soziobiologen wie Richard Alexander von der Universität von Michigan. sagte Alexander über Cosmides und Tooby. daß »Verhalten überall adaptiv ist. auch in modernen Umwelten«. «24 Tatsache ist.23 Einige Soziobiologen hätten ebenfalls diese Hypothese geäußert. so Cosmides und Tooby. daß Menschen danach strebten. in jeder Umwelt ihre Fortpflanzungschancen zu maximieren. derartige Verhaltensweisen begünstigte? Darwin selbst vermutete.254 . Er und andere Soziobiologen hätten niemals behauptet. die doch rücksichtslos die egoistischsten Gene bevorzugte. die natürliche Selektion erlaube möglicherweise die Entstehung von altruistischem Verhalten. unter denen sich seine Evolution vollzogen habe. Laut Cosmides und Tooby besteht ein Unterschied darin. »Ich habe nichts dagegen. sondern an die Umstände angepaßt. bei denen der Altruist Artgenossen auf Kosten seiner Tauglichkeit beziehungsweise seines Vermehrungspotentials hilft. sofern die. »Was mich auf die Palme bringt. Wie läßt sich erklären. doch andere hätten angenommen.ein Herausgeber der Zeitschrift Evolution and Human Behavior einem Reporter von Science. »insbesondere an die Lebensräume von Jägern und Sammlern«. daß die natürliche Selektion. der menschliche Geist sei nicht an das moderne Leben. als altruistisch werden alle Verhaltensweisen definiert. wenn man erst einen Popanz aufbauen muß.22 Einige Evolutionspsychologen beteuerten beharrlich. daß die Evolutionspsychologen davon ausgingen. daß sie sich Evolutionspsychologen nennen«. um dann sagen zu können. daß sich ihr Ansatz zur Erforschung des menschlichen Geistes in wesentlichen Aspekten von der Soziobiologie unterscheide. daß die Evolutionspsychologie auf denselben theoretischen Grundannahmen basiert wie die Soziobiologie.

ses für die gesamte Gruppe. von Nutzen sei. daß sie mathematisch nicht schlüssig sei. Termiten und Nacktmulle zugrunde liege. um einen Fremden vor Räubern zu schützen. die menschliche Mütter und Väter auf sich nähmen. um das Überleben ihrer Kinder und anderer enger Verwandter zu sichern. als der Evolutionstheoretiker George Williams und andere zeigten. die ihr Leben für völlig fremde Menschen aufs Spiel setzen? Robert Trivers von der Rutgers-Universität. Es könne auch die außerordentlichen Risiken und Opfer erklären. dem die Evolutionspsychologen viel verdanken.«27) Wie steht es mit den barmherzigen Samaritern.25 Kurz darauf stellte der britische Biologe William Hamilton die Theorie der Verwandtenselektion auf. B. indem er ihm Vieh und Gold schenkte. anschließend belohnte der Fremde den Samariter. wenn solche Verhaltensweisen Altruisten unter dem Strich einen Vorteil brächten. der das Individuum angehöre. denn Gene für Altruismus verschwänden unter dem Druck der natürlichen Selektion. . S Haldane einmal schlagfertig: »Nein. schlug in den siebziger Jahren eine Lösung für dieses Rätsel vor. aber für zwei Brüder oder acht Cousins. ein weiterer Evolutionstheoretiker. Auch wenn der Samariter aus echtem Mitgefühl und wirklicher Hochherzigkeit gehandelt habe. Trivers behauptete. Doch die sogenannte Gruppenselektion kam in den sechziger Jahren außer Mode. Der barmherzige Samariter riskierte sein Leben. der zufolge die natürliche Auslese die Entstehung altruistischen Verhaltens dann begünstige. wenn dieses Verhalten die Fortpflanzungschancen der Verwandten des altruistischen Organismus verbessere.255 . ob er sein Leben für seinen Bruder hingäbe.26 Das Konzept der Verwandtenselektion enthülle die evolutionäre Logik. (Auf die Frage. antwortete der britische Biologe J. die natürliche Auslese hätte möglicherweise die Entstehung altruistischer Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Nichtverwandten begünstigt. die dem Verhalten so hochsozialer Tiere wie Ameisen.

den Bürgern den Wert von Mitleid und Freigebigkeit einzubleuen? »Weshalb gibt es so viele Kirchen.setze er doch nur eine egoistische Strategie auf Wechselseitigkeit um.256 . sondern auf schwer erkämpfte Erfahrungen dessen. Er vertrat die Auffassung. also für diejenigen. Sich auf Chomskys Reizmangelargument stützend. zog Cosmides den Schluß. bei denen die Betreffenden argwöhnten. nicht von der Natur selektierten Merkmale. daß unser Gespür für potentielle Betrüger zu empfindlich sei. Bewährungshelfer und Auszeichnungen für soziales Engagement?« fragte der Biologe H.29 Trivers Hypothese von reziprokem Altruismus nimmt in der Evolutionspsychologie dennoch eine Schlüsselfunktion ein. Priester. ein so zerbrechliches Merkmal der menschlichen Psyche und Geschichte sei. die natürliche Selektion habe uns womöglich ein intuitives Gespür für »Betrüger« vermacht. Und weshalb müßten so viele kulturelle Institutionen so viel Mühe darauf verwenden. zurückgehen«. weshalb der Altruismus gegenüber Nichtverwandten.und insbesondere solcher.gestellt und nicht als rein logische Übungen präsentiert wurden. Rabbiner. was sich in der menschlichen Gesellschaft bewährt hat. Cosmides behauptete. als daß wir es allein durch Erfahrung hätten erwerben können. daß sie hintergangen würden . die auf die Weitergabe seiner Gene abziele.28 Skeptiker haben sich gefragt. Allen Orr von der Universität von Rochester in einem kürzlich erschienenen Aufsatz über Altruismus.30 In einer Reihe von Experimenten wies Cosmides nach. daß Menschen Probleme sehr viel besser lösten. die nicht auf Gene. Richter. wenn er tatsächlich in unseren Genen verankert sei. . wenn diese Probleme in den Kontext sozialer Tauschhandlungen . Trivers nannte diesen Mechanismus »reziproken Altruismus«. altruistisches beziehungsweise »tugendhaftes« Verhalten sei möglicherweise »eines jener abiologischen. die uns bei reziproken Tauschhandlungen hintergingen.

als die Evolutionspsychologen meinten. Frauen seien instinktiv scheuer als Männer und mäßen instinktiv den Ressourcen ihrer Geschlechtspartner mehr Wert bei als rein körperlichen Merkmalen. der wohl instinktgesteuertste Aspekt der menschlichen Natur. daß das menschliche Sexualverhalten ex. die spezifische Aufgaben übernommen hätten. statt von angeborenen funktionsspezifischen »Modulen«. Tatsächlich zeuge die Wissenschaft selbst . könnten von einem universellen Intelligenz. so Mithen. die Entstehung einer flexiblen Problemlösungsfähigkeit begünstigt.oder Lernprogramm herrühren. Der britische Anthropologe Steven Mithen vertrat bei der HBES-Tagung weitgehend das gleiche Argument. in der sich unsere Vorfahren entwickelten. als logische Probleme zu lösen. unterschiedlichste Probleme zu lösen. Der Philosoph James Fetzer von der Universität von Minnesota meinte. daß es uns vielleicht einfach deshalb leichter falle. weil wir mehr Situationen erster Art erlebten.33 Doch Buss räumte selbst ein. so Fetzers These. wann uns jemand hintergehe. zu erspüren. Evolutionspsychologen wie David Buss von der Universität von Michigan behaupten.31 Diese und viele andere menschliche Fähigkeiten. sei die Umwelt. die gelegentlich zusammenfassend als die Umwelt der evolutionären Anpassung bezeichnet würden. sei vielleicht oftmals rationaler.neben vielen weiteren Aspekten der menschlichen Kultur – von der Fähigkeit des Menschen. die Evolution unserer Vorfahren habe sich unter mehr oder minder stabilen Umständen vollzogen. In Wirklichkeit aber.32 Er kritisierte. das sich stark auf Heuristiken beziehungsweise Versuch und Irrtum stütze.257 . extrem veränderlich und unbeständig gewesen.Doch selbst auf der HBES-Konferenz wurden Zweifel an der Hypothese vom Gespür für Betrüger laut. daß viele Evolutionspsychologen behaupteten. In Anbetracht dieser Tatsache habe die natürliche Auslese möglicherweise neben Modulen. Selbst das Sexualverhalten.

In den achtziger Jahren begannen sich Margot Wilson und ihr Gatte. Sind diese Präferenzen wirklich instinktgesteuert? Genauso plausibel . die Evolutionspsychologen hätten mit ihren Annahmen über die weiblichen Sexualpräferenzen recht. bei jedem sexuellen Kontakt das Risiko eingehen.ist die Annahme. ungewöhnliche menschliche Verhaltensweisen zu erklären. daß ihr gegenwärtiger und künftiger soziokönomischer Status relativ unsicher ist. daß sie.wenn nicht plausibler . geschwängert zu werden. In der Pubertät erkennen die meisten Mädchen. die in der Fortpflanzung den höchsten Daseinszweck sehen. bewußter Überlegung. Martin Daly. wenn sie versucht. und nicht alle zögen wohlhabende Männer gutaussehenden vor.258 . Nehmen wir einstweilen an. diese Präferenzen seien das Ergebnis rationaler. Ebenso mag sich in der weiblichen Präferenz für ressourcenreiche Männer schlicht die rationale Erkenntnis der Frauen widerspiegeln. daß Frauen flüchtige sexuelle Kontakte stärker meiden.trem veränderlich sei. von der McMaster-Universität in Kanada mit dem Problem zu befassen. Nach der Auswertung von Mordstatistiken aus den Vereinigten Staaten und Kanada kamen sie zu dem Ergebnis. Das Syndrom vom bösen Vater Die größten Schwächen zeigt die Evolutionspsychologie. als es Männer tun. Sie wiesen darauf hin. . wie etwa die Ermordung von Kindern durch ihre Eltern. ist dies das widernatürlichste aller Verbrechen. daher ist es völlig rational. ungeachtet von Verhütungsmaßnahmen.umgebracht werden als von einem natürlichen Elternteil. einige weibliche Individuen seien hoch promiskuitiv. daß Kinder mit einer um den Faktor sechzig höheren Wahrscheinlichkeit von einem Stiefelternteil – in der Regel einem Stiefvater .34 Für Darwinisten.

in dem er unabsichtlich den Forschungen von Daly und Wilson . ihre Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert und ausgewogen beurteilt werden. Vielleicht sind sie ungewöhnlich starkem finanziellem und emotionalem Streß ausgesetzt. weil sie eine wichtige Frage aufgreifen und sich auf eine breite empirische Datenbasis stützen.ja der darwinistischen Psychologie insgesamt .259 . Als die New York Times 1997 führende Intellektuelle bat. das sie zweimal gelesen hätten. die Kinder adoptieren. eher atypisch.aber genau das ist der Punkt. Dies sind die Faktoren. Männer.daß diese Form der Tötung nichtverwandter Kinder in der Natur weit verbreitet sei. die Kinder einer Partnerin zu töten oder zu schädigen .den Boden entzog. die Kinder ihrer Sexualpartnerinnen zu töten. sind ebenfalls atypisch. Dennoch werden die Studien von Wilson und Daly oft als ein Musterbeispiel darwinistischer sozialwissenschaftlicher Forschungen angeführt. töten die Nachkommen. in dem Wilson und Daly eine evolutionstheoretische Deutung der menschlichen Gewalttätigkeit vorlegten. die ihre Paarungspartnerinnen mit einem anderen Männchen zeugten. weil die große Mehrheit der Stiefväter ihre Kinder weder tötet noch mißbraucht. von Mäusen bis zu Affen.nicht irgendein instinktiver Drang. gab Steven Pinker Homicide an.36 Man kann auf keinen Fall davon sprechen. Vielleicht haben sie nur widerwillig Verantwortung für die Kinder ihrer Ehefrau übernommen. ein Buch.35 Dieser Befund schien die Theorie von dem egoistischen Gen zu bestätigen.37 Ironischerweise schrieb Pinker später einen Beitrag für das New York Times Magazine. das letzte Buch zu nennen. Wilson und Daly sagten selbst. Männchen zahlreicher Arten. die Stiefkinder mißbrauchen. Natürlich sind Männer. Männer hätten eine angeborene Disposition. den sie mit Mäusen oder Affen gemein hätten. die gewisse Männer dazu veranlassen.38 . wenn diese von anderen Männern gezeugt worden sind. weil sie auf ihre emotionale und finanzielle Stabilität geprüft werden .

«39 . »verdeutlicht.Er befaßte sich in seinem Beitrag mit einer Serie von Vorfällen.. ist dies angeblich auch evolutionär adaptiv. Er verwies darauf. schrieb Pinker.. die für die Selbsterhaltung der Mutter und ihrer älteren Nachkommen dringend benötigt wurden. Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung von Pinkers Aufsatz druckte die New York Times einen Leserbrief des Soziologen Claude Fischer von der Universität von Kalifornien in Berkeley ab. Wenn Mütter ihre Neugeborenen beschützen (was fast alle tun).260 . ein Neugeborenes zu töten. bei denen biologische Mütter ihre Neugeborenen getötet hatten. Jedwedes Verhalten und sein Gegenteil werden mit der evolutionären Auslese ›erklärt‹. Pinkers Beitrag. Ressourcen.) Obgleich Kindestötung durch die Mutter auf den ersten Blick als die Verletzung darwinistischer Prinzipien schlechthin erscheine. daß dieses Verhalten evolutionär adaptiv ist. [. Dieses angeborene psychische Modul werde möglicherweise bei heutigen Müttern durch starken Streß aktiviert. tötete es und ging dann wieder in den Tanzsaal zurück. wie nichtssagend evolutionsbiologische Erklärungen des menschlichen Verhaltens geworden sind. daß unsere mütterlichen Vorfahren in bestimmten Streßsituationen besser beraten gewesen seien. als knappe Ressourcen darauf zu verwenden. so soll dies darauf zurückzuführen sein. (In einem Fall brachte ein Mädchen bei einem HighSchool-Tanzabend in einer Toilettenkabine ein Kind zur Welt.] Auf diese Weise aber wird gar nichts erklärt. so Fischers Kritik. Wenn nun einige Mütter ihre Neugeborenen töten. sei sie möglicherweise das Ergebnis natürlicher Selektion.

in bestimmten Streßsituationen ihre Säuglinge zu töten. seien auf Umweltfaktoren zurückzuführen. Erstens ist es sehr viel einfacher. um diese Annahme zu machen.Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden Die Evolutionspsychologie wäre äußerst nützlich. distanzieren sich Evolutionspsychologen oftmals von derartigen Erklärungen. Diese Variationen. Doch wie ich bereits am Ende des letzten Kapitels erwähnte.« Selbst wenn diese Vermutung zutrifft. ist sie diskussionswürdig. so behaupteten sie. die Individuen auszeichnen. welcher Vater oder Stiefvater oder welche Mutter oder Stiefmutter ein Kind mißbrauchen beziehungsweise töten wird. daß bestimmte Mütter eine genetische Veranlagung für eine schwere Wochenbettdepression haben. wenn sie vorhersagen könnte. wenn die meisten Gemeinsamkeiten auf Gene zurückgeführt werden können und die meisten Unterschiede auf die Umwelt. die meisten psychischen und verhaltensbezogenen Unterschiede. Modelle der menschlichen Natur zu entwerfen. Auf die Frage »Weshalb hat diese Frau ihr Kind getötet?« antwortet sie: »Alle Frauen sind aufgrund einer angeborenen Disposition imstande.261 . »Die Annahme einer erblichen Variabilität des menschlichen Verhaltens wird im allgemeinen von adaptionistischen Theorien weder vorhergesagt noch untermauert. doch hilft sie uns in dieser Frage kaum weiter. Die Evolutionsbiologen haben zwei Beweggründe. die genetische Variation habe sich im Verlauf der Evolution als Schutzmechanismus gegen Parasiten herausgebildet. weil die meisten Frauen in Streßsituationen ihre Kinder nicht töten. Das würde vielleicht ein Verhaltensgenetiker anführen. Eine mögliche Erklärung für Kindestötungen liegt darin. Zweitens er.«40 In ähnlicher Weise haben Cosmides und Tooby die Vermutung geäußert. hätten unter Umständen geringfügige psychische oder verhaltensbezogene Auswirkungen.

zwei herausragende Vertreter des Neodarwinismus. Doch Evolutionspsychologen. Zudem können die Gene.laubt diese Annahme Evolutionspsychologen. Die Schizophrenie beispielsweise steigere möglicherweise die Kreativität oder schärfe das Gespür einer Person für die Gedanken anderer Menschen. Ungeachtet all ihrer Unzulänglichkeiten sind mit der Verhaltensgenetik immerhin gewisse Hoffnungen verbunden. die Hypothese auf. das sie benötigt. das klassische Prinzip des Liberalismus zu vertreten. was noch wichtiger ist. Depression. daß sie klinisch verwertbare Informationen über Verhaltensund kognitive Störungen zutage fördern wird. es könnte keine Evolution stattfinden. Panikattacken und andere Erkrankungen hätten überdauert. weil sie unseren Vorfahren gewisse Vorteile gebracht hätten. In Wie das Denken im Kopf entsteht klammerte Steven Pinker psychische Erkrankungen (bis auf Autismus) aus.262 . In ihrem 1994 erschienenen Buch Warum wir krank werden stellten der Evolutionsbiologe George Williams und der Psychiater Randolph Nesse. widersprechen ihren eigenen Prämissen. die die Erkenntnisse der Verhaltensgenetik als belanglos abtun. rassischen Gruppen eher durch Umwelt.42 . um ihren Zauber zu entfalten. Die Evolutionspsychologen können auf diese Weise die Kritik vermeiden. zweifellos auch unsere Unterschiede erklären. Obgleich der Zusammenhang zwischen spezifischen genetischen Unterschieden und spezifischen Verhaltensunterschieden keineswegs erwiesen ist (wie ich in dem vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). wie die Evolutionspsychologen behaupten.41 Ohne genetische Variation zwischen Individuen fehlte der natürlichen Auslese das Material. wenn sie unsere Gemeinsamkeiten erklären können. läßt er sich auch nicht ausschließen.als durch genetische Unterschiede erklärt werden können. die Werke wie The Bell Curve auf sich zogen. Nicht so die Evolutionspsychologie. wonach viele der beobachteten Unterschiede zwischen Individuen und. Schizophrenie.

Beispiele von noch geringerer Überzeugungskraft legten der jungianische Psychoanalytiker Anthony Stevens und der Psychiater John Price in ihrem 1996 erschienenen Buch Evolutionary Psychiatry: A New Beginning vor.43 Frauen seien anfälliger für Agoraphobic (Angst vor offenen Räumen), mutmaßten Stevens und Price, weil bei unseren urzeitlichen Vorfahren die Mütter mit den Kindern zu Hause geblieben seien, während die Männer auf die Jagd gingen. Zwangsstörungen seien möglicherweise ein Überbleibsel der Gewohnheit unserer Ahnen, ständig den Zustand von Zäunen und anderen Schutzmaßnahmen gegen Raubtiere und feindliche Sippen zu überprüfen. Die Homosexualität sei möglicherweise deshalb nicht ausgestorben, weil Homosexuelle ihren Verwandten bei der Aufzucht von Kindern geholfen und so die »inklusive Fitneß« (Gesamteignung) ihrer Familie erhöht hätten. Als Beleg für diese Hypothese führten Stevens und Price an, daß wohlhabende Homosexuelle heutzutage »manchmal ihre Freunde schockieren, indem sie den Großteil ihres Vermögens [...] einem Neffen oder einer Nichte vermachen, zu denen sie möglicherweise seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten«. »Armer Darwin!« schrieb der britische Biologe Steven Rose in seiner Rezension der Evolutionary Psychiatry in Nature mitleidsvoll. »In den letzten zwanzig Jahren sind in deinem Namen mehr inhaltsleere Spekulationen und dogmatische Behauptungen veröffentlicht worden als in den ganzen hundert Jahren davor, und der Strom reißt noch immer nicht ab.« Er fügte hinzu: »In einer Zeit, in der sowohl die Evolutionstheorie als auch die Psychiatrie von eingefleischten Verfechtern des kulturellen Determinismus angegriffen werden, verdienten sie von ihren Anhängern bessere Dienste.«44

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Darwinistische Kulturalisten Ironischerweise sind einige prominente Neodarwinisten aufgrund ihres Bestrebens, nicht als genetische Deterministen gebrandmarkt zu werden, praktisch nicht mehr von ihren vermeintlichen Erzgegnern, den kulturellen Deterministen, die den Einfluß der Kultur auf die menschliche Natur hervorheben, zu unterscheiden. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Anthropologe Napoleon Chagnon45, der wie Cosmides und Tooby an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara lehrt. Chagnon, einer der Mitbegründer der HBES und eine Zeitlang deren Präsident, ist ein echter Bramarbas, der mit großem Vergnügen immer wieder seine zahlreichen wagemutigen Großtaten unter den Yanomamö erzählt, einem Volksstamm im Amazonien, den er in den sechziger Jahren zu erforschen begann. In dieser polygynen Gesellschaft - einer der wenigen, die noch an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten - überfallen die Männer eines Dorfes gelegentlich andere Dörfer, wobei sie deren männliche Bewohner töten und die weiblichen entführen. Männer aus demselben Dorf kämpfen auch gegeneinander, wobei sich diese Streitigkeiten oftmals an Frauen entzünden. Bei einem Duell versuchen die Gegner, sich gegenseitig mit riesigen Knüppeln auf den Kopf zu schlagen, bis einer bewußtlos zusammenbricht oder kampfunfähig wird. Die Männer tragen die Beulen und Narben, die sie sich bei diesen Duellen zuziehen, wie Auszeichnungen zur Schau. Der aufsehenerregendste Befund, der aus Chagnons mehrjährigen Feldforschungen im Dschungel hervorging, war, daß Männer, die die meisten Gegner getötet hatten, auch die meisten Nachkommen hätten. Umgekehrt hätten die Männer, die gewalttätige Auseinandersetzungen scheuten - Chagnon nannte sie einmal »Schwächlinge« -, relativ wenige Kinder oder gar keine.
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Chagnons Entdeckung hat bedrückende Implikationen. Wenn die Neigung zur Gewalttätigkeit bei bestimmten Männern genetisch verankert ist, könnte die natürliche Auslese diese Gene in Kulturen vom Yanomamö-Typ, in denen Gewalttätigkeit hoch mit Fortpflanzungserfolg korreliert, begünstigen. Doch Chagnon wehrte sich gegen diese Deutung, zumindest im Gespräch mit mir. Er betonte, er glaube nicht, daß Yanomamö-Männer oder andere ein »Kampfgen« in sich trügen, was ihm von einigen Kritikern und Journalisten unterstellt worden sei. Die Yanomamö-Männer, so Chagnon, zeigten nicht deshalb aggressives Verhalten, weil sie von Natur aus gewalttätig seien, sondern weil gewalttätiges Verhalten in ihrer Kultur hoch geschätzt werde. Die Anführer der Yanomamö-Dörfer würden Gewalttätigkeit in einer kontrollierten Weise einsetzen; Männer, die ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle hätten, lebten nicht lange genug, um Kinder zu zeugen. Wenn Yanomamö-Männer in einer Gesellschaft aufwüchsen, in der nicht die Kampffähigkeit, sondern die Tüchtigkeit bei der Feldbestellung in hohem Ansehen stünde, meinte Chagnon, würden sie sich schnell an dieses System anpassen. Ich sagte zu Chagnon, diese Erklärung könnte auch von dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould stammen; schließlich habe auch Gould die Formbarkeit der menschlichen Natur betont (weshalb er von den meisten Evolutionspsychologen als ihr Erzfeind angesehen wird). Ich wollte Chagnon mit dem Vergleich provozieren, doch zu meiner Überraschung widersprach er nicht. »Steve Gould und ich sind vermutlich in vielen Punkten einer Meinung«, antwortete Chagnon. Evolutionspsychologen (oder Anthropologen wie im Fall Chagnons) tun gut daran, die Neigung von Menschen, sich an ihre Kultur anzupassen, zuzugeben. Wie könnten sie die enorme Variabilität des Sozialverhaltens zwischen und selbst innerhalb von Kulturen sonst erklären? Japan war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine extrem aggressive,
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kriegslüsterne Gesellschaft, doch seit dem Zweiten Weltkrieg ist es eine Nation von Pazifisten. Leider stellt die kulturelle Anpassung auch ein Problem für die Evolutionspsychologie dar. Um zu beweisen, daß ein Merkmal angeboren ist, versuchen Evolutionspsychologen zu zeigen, daß es in allen Kulturen vorkommt. So haben Evolutionspsychologen beispielsweise durch kulturvergleichende Studien den Nachweis erbringen wollen, daß Männer von Natur aus stärker zu promiskuitivem Sexualverhalten neigen als Frauen. Doch angesichts der engen wechselseitigen Beziehungen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen nahezu allen Kulturen, selbst den sogenannten primitiven, bestehen, sind einige der universellen »instinktiven« Einstellungen und Handlungen, die von darwinistischen Forschern dokumentiert wurden, möglicherweise auf soziale Anpassung zurückzuführen. Das behaupteten die kulturellen Deterministen von jeher. Nach Ansicht von Evolutionspsychologen wie Cosmides und Tooby bestimmen Gene unsere Gemeinsamkeiten und Umweltfaktoren unsere Unterschiede. Doch auch das Gegenteil könnte zutreffen, zumindest zum Teil; die Kultur könnte viele unserer Gemeinsamkeiten erklären und die genetische Variation viele unserer Unterschiede.

Die Hypothese der Geburtenfolge Die Abneigung der Evolutionspsychologen gegen die Verhaltensgenetik mag erklären, weshalb sich so viele von ihnen die Hypothese der »Geburtenfolge«, die der Historiker Frank Sulloway vom Massachusetts Institute of Technology aufstellte, zu eigen gemacht haben. Auf der Grundlage der Darwinschen Theorie behauptete Sulloway, daß ein rein empirisches Phänomen - der Rangplatz eines Kindes in der Geburtenfolge seiner Geschwister - zu tiefgreifenden, dauerhaften Unterschieden
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in der Persönlichkeit zwischen Geschwistern führen könne.46 Sulloway zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß erstgeborene Kinder konservativ seien, den Status quo unterstützten und sich neuen wissenschaftlichen und politischen Ideen widersetzten, sehr viel größer als bei ihren spätergeborenen Geschwistern. Spätergeborene Kinder seien im allgemeinen abenteuerlustiger, radikaler, aufgeschlossener und risikobereiter. (Sulloway ist selbstverständlich der jüngste von drei Brüdern.) Sulloway behauptete, eine von Robert Trivers aufgestellte Theorie erkläre diese Befunde. Trivers weise darauf hin, daß, mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen, Geschwister lediglich in fünfzig Prozent ihrer Erbanlagen miteinander übereinstimmten. Obgleich Geschwister untereinander freigebiger sein sollten als gegenüber Nichtverwandten, sollten sie gleichzeitig um die Zuneigung der Eltern und um andere »Ressourcen« konkurrieren. Je länger Kinder die Risiken des frühen Kindesalters überlebten, um so höher sei die Wahrscheinlichkeit, daß sie (unter ansonsten gleichen Bedingungen) sich fortpflanzten und die Gene ihrer Eltern weitergäben. Daher brächten Eltern älteren Kindern mehr Zuneigung entgegen und investierten mehr Ressourcen in sie. Aus dieser Tatsache, so Sulloway, folge, daß Kinder, die zu verschiedenen Zeitpunkten geboren worden seien, unterschiedliche Strategien verfolgen müßten. Erstgeborene sollten eine enge Beziehung zu ihren Eltern aufrechterhalten und ihre Autorität nicht in Frage stellen. Da Spätergeborene weniger zu verlieren hätten, sei bei ihnen der Anreiz größer, sich Veränderungen und Unbotmäßigkeit um ihrer selbst willen zu eigen zu machen. »Aus darwinistischer Sicht ist es schlechterdings unmöglich, daß der Rang in der Geburtenfolge keine Auswirkungen haben sollte«, postulierte Sulloway in einer Rede auf der Konferenz der HBES. Sulloway sagte, diese Schlußfolgerungen seien durch zahllose Studien belegt. Er behauptete zudem, »erdrückende« Beweise
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dafür zusammengetragen zu haben, daß die meisten großen - wissenschaftlichen und politischen - Revolutionen in der Geschichte der Neuzeit von Spätergeborenen initiiert und unterstützt worden seien, während die »konservativen« Erstgeborenen sie bekämpft hätten. Darwin beispielsweise war das siebte von acht Kindern, und die Anhänger seiner Theorie seien nach Sulloways Analyse ebenfalls häufig Spätergeborene gewesen. Die Reformation und die kopernikanische Wende seien weitere grundlegende historische Umwälzungen, die hauptsächlich von Spätergeborenen angezettelt worden seien. Sulloway hatte Erklärungen für alle Ausnahmen von dieser Regel parat. Martin Luther, ein Erstgeborener, sei ein einfacher Kleriker von der untersten Stufe der kirchlichen Hierarchie gewesen und habe daher seinen Konservatismus überwinden können. Newton war ein Erstgeborener, doch sein Vater starb vor seiner Geburt; außerdem haßte er seinen Stiefvater, daher habe er die enge Bindung an die Eltern, die typisch für die meisten Erstgeborenen sei, nicht entwickelt. Freud war ein Erstgeborener, doch als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft habe er viele Merkmale eines Spätergeborenen besessen. Die Französische Revolution wurde weitgehend von Erstgeborenen, wie etwa Robespierre, getragen, doch sie habe sich durch eine außergewöhnliche Blutrünstigkeit und Grausamkeit ausgezeichnet, und dies seien Merkmale von Spätergeborenen. Der Rebell der Familie, in dem Sulloway seine Theorie darlegte, stieß nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1996 auf eine weithin positive Resonanz. Sulloways einstiger Lehrer Edward Wilson nannte es »eines der maßgebenden und bedeutendsten Werke in der Geschichte der Sozialwissenschaften«. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy sagte voraus, daß Sulloways Werk »genauso einflußreich sein wird wie die Schriften von Freud und Darwin«. Man rechnet zwar damit, daß der Text auf der Rückseite eines Buches übertriebene Anpreisun- 268

gen enthält, doch die Berichterstattung im New Yorker, in Newsweek und in anderen Publikationen war genauso hymnisch. Selbst Jay Gould, der die Evolutionspsychologie ansonsten vernichtend kritisiert, lobte Sulloways Arbeit, die letztlich der Umwelt (wenn auch in darwinistischer Verkleidung) bei der Prägung der Persönlichkeit genausoviel Bedeutung beimesse wie der Anlage.47 Doch nur weil Sulloways These Wissenschaftlern jeglicher politischer Couleur gefällt, bedeutet das nicht, daß sie richtig ist. Sulloways Schlußfolgerungen widersprechen denjenigen in dem Buch Birth Order: Its Influence on Personality von 1983.48 Die Autoren, die Schweizer Psychiater Cecile Ernst und Jules Angst, werteten Hunderte von älteren Studien aus, die einen Zusammenhang zwischen der Geburtenfolge und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen herzustellen versuchten, und führten dann eine eigene Erhebung an 7582 Einwohnern Zürichs im Schulabschlußalter durch. Sie gelangten zu dem Schluß, daß sich die Geburtenfolge nicht auf die Persönlichkeit auswirke und daß fortgesetzte Versuche, derartige Auswirkungen zu finden, »eine reine Zeit- und Geldverschwendung« seien.49 Sulloways Projekt war bereits weit vorangeschritten, als er auf das Buch von Ernst und Angst stieß. Er behauptete, er habe ihre Daten nochmals ausgewertet und dabei festgestellt, daß diese in Wirklichkeit seine These stützten. Er kam nicht zuletzt deshalb zu diesem Ergebnis, weil er gewisse Studien über die Effekte der Geburtenfolge ausklammerte, in denen die Probanden ihre Persönlichkeit selbst beurteilten, wozu auch die große Untersuchung gehörte, die Ernst und Angst in Zürich durchgeführt hatten. Die »Selbsteinschätzungsstudien« seien praktisch wertlos, so Sulloway, weil die Selbstbeurteilungen von Personen extrem subjektiv verzerrt seien. Nachdem ich Angst in Zürich ausfindig gemacht hatte, teilte er mir per E-Mail mit, er könne »weder nachvollziehen
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noch verstehen«, weshalb Sulloway die von ihm und Ernst für ihr 1983 erschienenes Buch erhobenen Daten nochmals ausgewertet habe. Sulloway habe »eine eindrucksvolle Serie von Fallgeschichten und -beispielen« angeführt, sagte Angst. »Aber meines Erachtens spielt er auf einem anderen Register: Historische Untersuchungen sind naturgemäß retrospektiv, nicht repräsentativ und nicht verallgemeinerungsfähig, und sie können daher die Befunde sorgfältig geplanter empirischer Untersuchungen nicht widerlegen.« Auch die Psychologin Judith Harris hat Sulloways Methode beanstandet. In ihrem 1998 erschienenen Buch The Nurture Assumption wies Harris daraufhin, Sulloway habe sich bei seinen Schlußfolgerungen stark auf Studien gestützt, in denen die Persönlichkeit der Probanden von Verwandten - nämlich Geschwistern und Eltern - bewertet worden sei. Doch diese Methode sei besonders schlecht geeignet, um Sulloways These von der Bedeutung des Geburtenfolge zu überprüfen. Sie führte aus, die These besage im wesentlichen, daß die Konkurrenzstrategien, die Geschwister während der Kindheit innerhalb ihrer Familie benutzten, sich in ihren Beziehungen außerhalb des Elternhauses fortsetzten und sich bis ins Erwachsenenalter hielten. »Einflüsse der Geburtenfolge lassen sich häufig in Beurteilungen durch Eltern und Geschwister nachweisen; sie fehlen jedoch meistens in Erhebungen, die außerhalb des familiären Kontextes vorgenommen werden.«50

Darwin und Freud Eine ähnliche Kritik an Der Rebell der Familie hörte ich von Steven Pinker, einem Kollegen Sulloways am MIT und wie dieser Darwinist. Obgleich er in Wie das Denken im Kopf entsteht Sulloways Der Rebell der Familie lobte, sagte er mir, er hege Zweifel an Sulloways These; sie mute ihn allzu freudia- 270

51 Sulloway gehe wie Freud davon aus. die uns in der Regel nicht bewußt wird.53 Für beide ist die Sexualität der Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Psyche. Beiden ist eine grundlegende tragische Sicht der menschlichen Natur gemein: Das Leben sei ein Kampf. sie können praktisch jeden Aspekt des menschlichen Seelenlebens und Verhaltens erklären und lassen sich somit nicht widerlegen. die Robert . In seinem 1982 erschienenen Buch Freud. Beide sehen Männer und Frauen als grundverschieden und in manchen Aspekten sogar als nicht zusammenpassend an. und alles Glück sei vergänglich. daß »die Art und Weise.nisch an. Vor der Publikation von Der Rebell der Familie hatte sich Frank Sulloway vor allem als Freud-Kritiker hervorgetan.271 . daß die Nase im Zentrum vieler psychischer Störungen stehe. Beide sind sich der Grenzen unserer Vernunft und der Macht unserer Instinkte deutlich bewußt. Das ist nicht offenkundig so. Wie viele andere Ideen in der Evolutionspsychologe läßt sich auch diese auf eine Hypothese zurückführen. Freud sei alles andere als ein origineller Denker gewesen und habe hemmungslos Anleihen bei anderen Wissenschaftlern gemacht. wie wir mit unserer Familie interagieren. einem Neurologen. der überzeugt davon war. als diese normalerweise zuzugeben bereit sind. Das Unbewußte nimmt in der Evolutionspsychologie einen ebenso großen Raum ein wie in der Psychoanalyse. sofern es überhaupt erreichbar sei. Die egoistischen Gene der Darwinisten motivieren uns wie das Es der Freudianer in einer Weise. Biologe der Seele vertrat Sulloway die Auffassung.« Die Ironie von Pinkers Bemerkung war verblüffend. wie wir mit der Außenwelt interagieren. darüber entscheidet. angefangen von Darwin und Lamarck bis hin zu Wilhelm Fliess. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. Beide Theorien besitzen eine nahezu unbegrenzte Flexibilität.52 In Wahrheit gibt es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Evolutionspsychologen und Freudiänern.

Ein besonders angespanntes Verhältnis müsse zwischen den Kindern und dem Vater bestehen.«55 Wie die Freudianer hat auch Trivers die Familie als einen »Konfliktherd« dargestellt. Letztlich scheuen sich die Darwinisten ebensowenig wie die Freudianer. was den Anteil jedes Kindes an den elterlichen Ressourcen verringerte. wir hätten gute evolutionäre Gründe. die ihre eigenen Lügen glaubten und somit den Anschein der Aufrichtigkeit erweckten.Trivers in den achtziger Jahren formulierte. denn aus diesem Verhältnis könnten weitere Nachkommen hervorgehen. Die erfolgreichsten Lügner seien nach Ansicht von Trivers diejenigen.272 . Aufbauend auf diesen Ideen. unsere Unzuverlässigkeit und andere Unzulänglichkeiten herunterzuspielen. Er erklärte. den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit mit der Gabe zu verbinden. sondern auch zwischen Eltern und ihren Nachkommen erzeugen. der stärker motiviert sei als die Mutter.54 Andererseits sollten wir nicht so selbstverblendet sein. um unsere eigene Vertrauenswürdigkeit. haben Margot Wilson und Martin Daly (die Entdecker des Syndroms des »bösen Stiefeiters«) eine darwinistische Deutung des Ödipuskomplexes vorgeschlagen. das heißt. mit Hilfe ihrer theoretischen Instrumente ihre Kritiker zu analysieren. aus unseren Fehlern nicht zu lernen. um an Sex zu denken.57 Nach Ansicht von Wilson und Daly müsse der Neid auf das sexuelle Verhältnis der Eltern bei Jungen und Mädchen gleich stark sein. Die Kinder forderten daher so viel Aufmerksamkeit. weitere Nachkommen zu zeugen. von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. daß ihre Eltern zu erschöpft seien. Wie sagte George Orwell doch einmal: »Das Geheimnis der Herrschaft besteht darin.56 Die divergierenden genetischen Interessen von Familienangehörigen könnten Spannungen nicht nur zwischen Geschwistern. Der Evolutionspsychologe David Buss . Uneigennützigkeit und Stärke zu übertreiben und unseren Egoismus. Sex zu haben.

auf empirische Weise herauszufinden.das heißt der Erschließung der metaphysischen Bedeutung . unter anderem die Kopenhagener Interpretation.59 Das Problem besteht darin. sich vor einem tatkräftigen Neuanfang zu schützen. Er erhob im Psychological Inquiry den Vorwurf. vor allem angesichts des glühenden Eifers. ob Kritiker der Evolutionspsychologie im allgemeinen Erstgeborene seien.der Quantenmechanik befaßt. mit dem sie von ihren Anhängern angepriesen wird. die Viele-Welten-Interpretation und die Pilotwellentheorie. die nach Frank Sulloway anlagebedingt jegliche Veränderung ablehnten. Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft Die Evolutionspsychologie zeichnet sich in vielerlei Hinsicht durch eine seltsame Folgenlosigkeit aus. die den Nachweis erbrächten.58 Buss plädierte dafür. welche Interpretation die richtige ist. durch Studien herauszufinden. einen Rückgang sexueller Kontaktchancen). der Widerstand gegen die Evolutionspsychologie sei weniger auf berechtigte wissenschaftliche Einwände zurückzuführen als vielmehr auf den Wunsch der alten Garde von Psychologen. daß jede Interpretation die verfügbaren Daten erklärt und daß es keine Möglichkeit gibt. Aber sie können keine Experimente durchführen. Evolutionsforscher können jede beliebige Menge psychologischer und sozialer Daten heranziehen und zeigen.273 . Daher ist . die »traditionellen Psychologen« befürchteten einen Status. so würde ich vermuten.und Prestigeverlust (und. daß sie sich in darwinistischen Kategorien erklären läßt. das sich mit der »Interpretation« . Es wurden viele unterschiedliche Interpretationen vorgeschlagen. daß ihre Auffassung richtig und die alternative Sichtweise falsch ist und umgekehrt.verfolgte diese Taktik. Dieses Dilemma erinnert mich an jenes Teilgebiet der Physik.

politische oder philosophische Wertmaßstäbe zurückgreifen. Wenn wir adaptionistische Erklärungen der Natur anerkennen würden. bin ich mit dem Philosophen Daniel Dennett einer Meinung. Rassismus. die genauso zweifelsfrei erwiesen sei wie jede andere wissenschaftliche Tatsache. insbesondere die eher linksstehenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin (und vermutlich auch Noam Chomsky. Ursache und Wirkung. ihren Reiz zu preisen? Weshalb wird der Darwinismus als Theorie der gesamten Natur (nicht bloß der Spezies Mensch) von religiösen Fundamentalisten. Obgleich sich die Darwinsche Theorie der Evolution durch natürliche Selektion meines Erachtens für das Verständnis der menschlichen Natur nicht sonderlich bewährt hat. Ebensowenig läßt sich allein anhand empirischer Daten entscheiden.274 . obwohl er es bestreitet). so ihre Befürchtung. Richard Dawkins und andere so viel Energie darauf verwenden. sich bei seiner Wahl auf ästhetische Präferenzen zu stützen. Darwins Idee habe »mit einem Schlag den Bereich von Leben. Mechanismus und physikalischem Gesetz vereinigt«. Doch dies wirft sogleich eine Frage auf. haben eindeutig politisch motivierte Vorbehalte gegen die Darwinschen Theorien. sie sei eine Tatsache. müßten wir uns wohl damit abfinden. Dennett schrieb in Darwins gefährliches Erbe.man gezwungen. Sexismus. Nationalismus und der. daß viele unerfreuliche Phänomene des modernen Lebens – rücksichtsloser Kapitalismus. weshalb müssen dann Wissenschaftler wie Daniel Dennett. ob die Evolutionspsychologie richtig und der Kulturdeterminismus falsch ist. Wenn die Evolutionstheorie empirisch so gut abgesichert ist. Man muß auf ästhetische. aber auch von äußerst kenntnisreichen Wissenschaftlern abgelehnt? Einige Kritiker. daß diese Theorie »die beste Einzelidee aller Zeiten« ist. Sinn und Zweck mit dem Bereich von Raum und Zeit.60 Die Evolution durch natürliche Selektion solle nicht länger eine Theorie genannt werden.

daß die Evolutionstheorie. der sich über seine Unwahrscheinlichkeit den Kopf zerbrechen kann. Wissenschaftler haben verschiedene Zusatzmechanismen vorgeschlagen.61 Der Elementarteilchenphysiker Steven Weinberg schrieb einmal: »Je begreiflicher uns das Universum wird. wozu genetische Theorien in der Vergangenheit benutzt wurden. so wie wir aus den Affen hervorgingen ? Wie nicht anders zu erwarten. den wir heute rekonstruieren können. Wenn man bedenkt.«62 Die Geschichte der Biologie legt einen daraus folgenden Aphorismus nahe: Je begreiflicher uns das Leben wird. um so sinnloser erscheint es auch. Die Evolutionstheorie wirft Fragen über unsere Zukunft und unsere Vergangenheit auf. beantworten Evolutionsforscher diese Frage nicht einhellig. die Wirklichkeit nicht hinlänglich wahrscheinlich mache. die natürliche Auslese sei durch die moderne Medizin und andere Produkte der Zivilisation so abgeschwächt worden.gleichen . Wie weit kann die Evolution gehen? Werden die Menschen immer intelligenter werden? Wird aus dem Homo sapiens eines Tages eine intelligentere Spezies hervorgehen. selbst wenn sie von der modernen Genetik und Molekularbiologie gestützt werde. Sie befürchten. Andere erheben aus dem entgegengesetzten Grund Einwände gegen den Darwinismus. etwa die Gruppenselektion. weshalb überhaupt Leben entstanden sei beziehungsweise weshalb das Leben nach seiner Entstehung den Weg eingeschlagen habe. daß tiefgreifende körperliche oder geistige Veränderungen beim Men. sind derartige Vorbehalte nicht unbegründet. Einige behaupten. um so unwahrscheinlicher erscheint es auch.bis zu einem gewissen Grad wahrscheinliche und sogar unvermeidliche Produkte der Evolution seien und sich nicht leicht ändern ließen. Der Darwinismus könne uns nicht erklären. Der absolut unwahrscheinlichste Organismus von allen ist derjenige. die Gaia-Hypothese und die Komplexitätstheorie. die das Phänomen Leben wahrscheinlicher und gesicherter machen sollten.275 .

daß der Tag kommen wird.66 Einige Neodarwinisten verdrehen die Augen. in der Wirklichkeit aber nicht?« fragte Steven Pinker in Wie das Denken im Kopf ent. die um ein vielfaches intelligenter seien als ein Mensch. »Weshalb gibt es in Romanen so viele Roboter.sehen unwahrscheinlich seien. sondern sozusagen der letzten fünf Minuten. [.] Die komplexeren Maschinen sind. gemessen an der Vergangenheit. daß Samuel Butler sie in seinem Science-fiction-Roman Erewhon aus dem Jahr 1872 satirisch aufs Korn nahm.276 .. daß Geschöpfe mit Bewußtsein seit etwa zwanzig Millionen Jahren existieren: Welche großen Fortschritte haben die Maschinen in den letzten tausend Jahren gemacht? Wird die Welt nicht weitere zwanzig Millionen Jahre bestehen? Und was wird am Ende wohl aus ihnen werden?«65 Dieselbe Rhetorik. bietet keine Garantie dafür. würden wir weitgehend auf dem heutigen Entwicklungsstand verharren. Andere Theoretiker mutmaßen. sondern das gesamte Weltall von superintelligenten Maschinen regiert wird. keine Geschöpfe von gestern. wenn sie das hören. Sie sind überzeugt davon. Darin verkündet ein verrückter Wissenschaftler: »Die Tatsache.64 Nach dem phantastischsten Szenario werde die nächste Phase der Evolution von Maschinen getragen. daß eines Tages nicht doch einmal Maschinen mit Bewußtsein entwickelt werden. abzüglich der Ironie. daß Maschinen heute kaum Bewußtsein besitzen. daß unsere Nachfahren möglicherweise tiefgreifende Veränderungen durchmachen würden.63 Falls es keine bahnbrechenden Fortschritte in der Verhaltensgenetik oder breitangelegte Eugenikprogramme gebe. Nehmen wir einmal hypothetisch an. wird noch heute von leidenschaftlichen Anhängern der Künstlichen Intelligenz wie Marvin Minsky vom Massachusetts Institute of Technology und Hans Moravec von der Carnegie-Mellon-Universität benutzt. Selbst zur Zeit Darwins waren solche Phantasien bereits derart verbreitet. an dem nicht nur die Erde..

so Pinker. HAL aus 2001 und RaÜ2 aus Krieg der Sterne werden vielleicht für immer Produkte der Sciencefiction bleiben. schrieb Fodor in einer Besprechung von Wie das Denken im Kopf entsteht. »Ich würde viel Geld für eine Maschine ausgeben. Gehen. »steckt noch immer in den Kinderschuhen«. könnten in der Tat auf Rechenprozesse zurückgeführt werden.69 Um dieses Problem zu verdeutlichen. Farben zu erkennen oder einen Satz grammatisch zu analysieren. und im nächsten vermutlich auch nicht.«67 Dies liege daran. die »sich dem Integrationsproblem nicht stellt«. doch die Untergliederung des Geistes in viele kleine anwendungsspezifische Rechner oder Module beantworte noch immer nicht die Frage. wie die Ergebnisse all dieser modularen Berechnungen integriert würden.277 . wie etwa die Fähigkeit. so wirke der Mond . lautete sein Fazit. wies Fodor darauf hin. die spezifische Aufgaben wahrnähmen. weitaus schwieriger [sind] als die Landung auf dem Mond oder die Sequenzierung des menschlichen Genoms«. ja stellte sie sogar nachdrücklich heraus. die wir Menschen beim Sehen.68 Anders gesagt. Aber in diesem Jahrhundert wird sich das nicht mehr einrichten lassen. Planen und in unserem ganzen Tagesablauf lösen. die das Geschirr wegräumt oder einfache Aufträge erledigt. Fodor gehörte einst zu den führenden Verfechtern der »Computertheorie des menschlichen Geistes« und der Hypothese. sondern in Module eingeteilt. Im Jahr 1998 räumte Fodor jedoch die Grenzen dieser Annahmen ein. Bestimmte kognitive Aufgaben. Nach Ansicht des Philosophen und Kognitionswissenschaftlers Jerry Fodor von der Rutgers-Universität stehen Evolutionspsychologie und Künstliche Intelligenz bei der Beschreibung des menschlichen Geisteslebens vor demselben Problem. daß »die technischen Probleme. daß konstruktive Eigentümlichkeiten unseres Sehmoduls vielfältige Sinnestäuschungen erzeugten. der Geist sei kein lernender Allzweckrechner. Eine Psychologie.steht.

In ähnlicher Weise ist der Alltagsverstand in herausragender Weise genau das. die wir bauen können.278 . . daß sie einer Sinnestäuschung erliegen. um das zu erzeugen. als wenn er hoch am Himmel stehe.in der Nähe des Horizonts größer. nicht besitzen. »So wie die Dinge heute stehen«. der Output unseres Sehmoduls müsse auf irgendeine Weise mit dem Output anderer Module verrechnet werden. Doch die meisten von uns wüßten. was die Computer. die einer sorgfältigen Prüfung durch einen intelligenten Fünfjährigen standhielte. wie sie diese wieder zusammensetzen sollen.« Wie die Neurowissenschaftler rennen auch die Forscher der Evolutionspsychologie und der Künstlichen Intelligenz gegen das Dilemma des Reduktionismus an. was man »Alltagsverstand« nenne. »besitzen wir keine Theorie der Psychologie des Alltagsverstands. meinte Fodor. Ein fehlender Bestandteil von entscheidender Bedeutung ist der altbewährte Alltagsverstand. aber sie haben keine Ahnung. Sie können den Geist zwar in Stücke zerlegen.

Ich sann lange Zeit über die Frage nach. eines Tages seien Computer vielleicht genauso gute oder sogar noch bessere Autoren als Menschen. John McCarthy und andere Wegbereiter der Künstlichen Intelligenz. die mit dem bekannten Informatiker Joseph Traub verheiratet ist.7. Galatea 2. kam ich zu dem Schluß. ] Nachdem ich mir lange den Kopf zerbrochen hatte. binnen zehn Jahren intelligente Maschinen zu konstruieren. neckte die angehenden Publizisten in ihrem Kurs mit ihrer Prophezeiung. was Er1 kenntnis sei. den die Autorin Pamela McCorduck an der ColumbiaUniversität hielt. was man sich darunter vorzustellen hätte. daß ich keinen blassen Schimmer davon hatte. . Ein Jahr später erhielt ich einen nur geringfügig objektiveren Einblick in die KI-Kultur. auch dann noch. Sie ergötzte uns mit Anekdoten über Herbert Simon.279 . als ich eine Stelle beim IEEE Spectrum antrat. dessen Ziel es war. . Aber sie brachten mich dazu. Ihr neues Buch handelte vom japanischen Fifth Generation Project. Mit einer Mitgliederzahl über drei. KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND Meine Expertensysteme konnten nicht als intelligent bezeichnet werden. RICHARD POWERS. Machines Who Think2 (man beachte das hintersinnige »who«!).2 I m Jahr 1982 besuchte ich einen Kurs in Wissenschaftspublizistik. Ihre Begeisterung für die Künstliche Intelligenz übertrug sich auf ihre Studenten. und arbeitete intensiv an einem zweiten. der Monatsschrift des Institute of Electrical and Electronics Engineers. Marvin Minsky. Sie hatte bereits ein Buch über Künstliche Intelligenz (KI) geschrieben. McCorduck. darüber nachzudenken. [ . In Machines Who Think hatte sie ein noch apokalyptischeres Szenario vorgestellt: Nach Ansicht einiger KI-Visionäre würden intelligente Maschinen die nächste Etappe in der Evolution bewußtseinsbegabten Lebens darstellen und bald die Menschen weit hinter sich lassen. als ich die kommerziellen Interessen bereits fallengelassen hatte.

Expertensysteme greifen uns unter die Arme.hundertausend ist die IEEE eine der größten berufsständischen Organisationen in der Welt. könnten jedoch schon bald menschliche Aufgaben an sich reißen«3 (Expertensysteme sind Softwareprogramme. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium steckte gewaltige Summen in dieses Forschungsfeld. Informationen aufzunehmen und auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen). Die KI bildete einen Schwerpunkt der Berichterstattung im Spectrum. Andere werden sich grundlegend wandeln. Der Autor. war Vizepräsident von Teknowledge. die die Fähigkeit menschlicher Experten nachahmen. Einige Berufe werden dadurch überflüssig und verschwinden. trug den langweiligen Titel »Die Maschine als Partner des neuen Fachmanns«. und ehemaliger Direktor des KI-Programms der Rand Corporation. ebenso Industriegiganten wie IBM. aber den provozierenden Untertitel »Die heutigen Instrumente liefern mehr Daten. Im Jahr 1984 stellten die Redakteure anläßlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der IEEE ein Sonderheft über »die Auswirkungen der Hochtechnologie auf die Gesellschaft insgesamt und den Berufsstand der Ingenieure im besonderen« zusammen. Die Botschaft war klar: das halsbrecherische Tempo des technologischen Fortschritts verwische die Grenzen zwischen Künstlichem und Biologischem. einem Hersteller von Expertensystemen. Er war selbstverständlich ein glühender Anhänger der Künstlichen Intelligenz. als das Gehirn verarbeiten kann. Der Leitartikel. Viele neue Berufe werden entstehen. fast ebenso ausdruckslosen Frau dargestellt.280 . gesichtslosen Roboters neben einer kahlköpfigen. den ich redigierte. die Elektrotechnik werde »die Natur der Arbeitswelt tiefgreifend verändern. Frederick Hayes-Roth. um neue An. In seinem Spectrum-Beitrag sagte er voraus. Unter dem Titel »Nach 1984: Technologie und Individuum« waren auf dem Titelblatt Kopf und Schulter eines silbernen.

besteht die wohl größte Aufgabe der Menschheit darin. zu dessen Mitbegründern er in den glorreichen Tagen der KI gehört hatte. »Sie sind doch wirklich ein gemeiner Schuft«. In dem Maße. den Anbieter von Expertensystemen. daß ich ihn jetzt fragen wolle.traumatischen Ereignissen in der Adoleszenz. Einfühlungsvermögen und Intuition. daß Expertensysteme schon im Jahr zweitausend Fluglotsen ersetzen würden und binnen fünfzig Jahren Ärzte und Wissenschaftler. Scheidung. Die Menschen »gehen fast nur noch persönlichen und sozialen Interessen nach.« Hayes-Roth sagte voraus. die sich mit menschlichen Problemen befassen . Im Jahr 1998. ihre intellektuellen Kompetenzen zu übernehmen. sich neue Herausforderungen zu suchen und ihr Selbstverständnis neu zu definieren. verlören Experten an gesellschaftlichem Ansehen. Altern und Tod -. »Die Anzahl der Experten. in der sich den Menschen neue Entfaltungsmöglichkeiten eröffneten. daß ich seinen Beitrag für Spectrum im Jahr 1984 redigiert hatte. vierzehn Jahre nach meinem letzten Gespräch mit ihm. wie die Sachkompetenz der Automaten die des Menschen überträfe. Nachdem ich ihn daran erinnert hatte. sagte er und gab bereitwillig zu.wendungsfelder der Elektronik zu nutzen und zu unterstützen. Anpassung an das Leben im Weltraum. der Stellenwert von Kreativität. sportlicher Leistungsfähigkeit. sei die Psychotherapie. nehme dagegen zu.281 . Die größte Herausforderung für künftige Fachleute wird allerdings auftauchen. während die ökonomischen zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. da die meisten Erwerbstätigkeiten von Maschinen übernommen werden. Wenn weiterhin Frieden herrscht. wenn Maschinen beginnen. sagte ich ihm. daß die . verkündete Hayes-Roth.« Eine Nische. die sich schwerer automatisieren ließen. inwiefern seine Vorhersagen seiner Auffassung nach eingetroffen seien. wird zunehmen«.4 Er arbeitete noch immer für Teknowledge. Er begann zu lachen. spürte ich ihn im kalifornischen Palo Alto auf.

Die Codierung von menschlichem Expertenwissen in Software. die menschliche Kognition in all ihrer Komplexität nachzubilden. zeitaufwendige Aufgabe. so Hayes-Roth. was man maßgeschneiderten Entwurf nennt«. sagte er. wie er es vorhergesagt habe. war für das nächste kaum oder gar nicht brauchbar. Die Menschen seien »sehr. wie man aus den Spracherkennungssystemen und den Softwareprogrammen. Air Force die Luftangriffe gegen den Irak mit Hilfe eines Expertensystems . Zahlreiche vielversprechende KI-Projekte seien eingestellt worden. weil ihre Geldgeber im öffentlichen oder privaten Sektor allzu ungeduldig geworden seien. Die Konstrukteure von Expertensystemen waren auf zwei Probleme gestoßen. Die größten Hindernisse für die KI. hätten die KI-Forscher viel erreicht. Die Vorkämpfer der KI hätten auch unterschätzt. wenn es um den menschlichen Geist gehe. Während des Golfkriegs habe die U. sehr komplexe Systeme. erwies sich als äußerst mühsame. ersehen könne. wie schwierig es sei. sagte Hayes-Roth. Dennoch blieb Hayes-Roth optimistisch. Das Wissen. S.282 . So hätte beispielsweise das US-amerikanische Bundesaufsichtsamt für die Sicherheit des Flugverkehrs sein veraltetes Flugsicherungssystem bis zum Jahr 2000 automatisieren können. Jener Reduktionismus. die sowohl durch die Evolution als auch durch lerngestützte Anpassungsleistungen hervorragend dafür gerüstet sind. versage. das für ein Projekt zusammengetragen wurde. seien eher politischer und ökonomischer als wissenschaftlicher Natur. doch bürokratische Trägheit habe dies verhindert. Ungeachtet dieser Probleme. die andere Softwareprogramme schrieben.Entwicklung auf dem Gebiet der Expertensysteme und die KI im allgemeinen seit Beginn der achtziger Jahre stagniere. die reale Probleme bearbeiten konnte. gleichzeitig Dutzende von Variablen effizient und spezifisch zu bearbeiten«. »Es ist ein Beispiel für etwas. der in der Physik oder der Molekularbiologie erfolgreich angewendet werde.

Die relativ einfache Seite bezog sich auf die . warum dieser gewaltige Sprung in der Intelligenz von Maschinen. einem der Gründungsväter der KI und der Kognitionswissenschaft. daß der Traum vom Bau einer wirklich intelligenten Maschine eines Tages in Erfüllung gehen werde. sagte Hayes-Roth. »Es zeigte sich. sagte Hayes-Roth. erwiderte er: »Er hat stattgefunden. zu bauen.« Herbert Simons Prophezeiungen Hayes-Roth ist ein erbärmlicher Schwarzseher im Vergleich zu Herbert Simon von der Carnegie-Mellon-Universität. »Es ist lediglich eine Frage der Zeit.« Er sah keinen Grund. Nicht in diesem konkreten Ausmaß und in der vorhergesehenen Richtung. Es dauerte vielleicht zehn oder auch zwanzig Jahre. dieses Expertensystem habe die gesamten Investitionen des Verteidigungsministeriums in die KI mehr als gerechtfertigt«. daß die KI eine relativ einfache und eine relativ schwierige Seite hat. weshalb Ingenieure nicht in der Lage sein sollten. ein Manhattan-Projekt für den Bau von HAL. den Hayes-Roth und andere im Jahr 1984 vorhergesagt hatten. den lippenlesenden Cyber-Schurken aus dem Film 2001. die Konstruktion intelligenter Maschinen sei in mancher Hinsicht schwieriger gewesen als erwartet. »Ich kenne die Hürden auf dem Weg dorthin so gut wie jeder andere«. nicht stattgefunden habe. »Die Air Force schrieb.« Simon räumte ein.5 Anders als viele KI-Forscher bestreitet Simon entschieden die Behauptung.geplant. Er war noch immer zuversichtlich.283 . der Finanzierung und der Organisation. aber der Erfolg wäre absehbar. einen Computer wie HAL. »Andererseits. die KI habe in jeglicher Hinsicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Als ich Simon fragte. aber er hat stattgefunden. wäre dieses Team zweifellos erfolgreich. wenn man ein Team zusammenstellte.

sagte Simon.284 .Frage. das die Bewegung von Objekten sehr schnell erfasse. »Die Schnittstelle zur Umwelt. welche Fortschritte die KI in jüngster Zeit gemacht habe. bei denen Gruppen fußballspielender Roboter gegeneinander antraten. symbolische Repräsentationen der Welt zu bilden und zu benutzen. Er zählte verschiedene Projekte auf. insbesondere angesichts der begrenzten Leistungsfähigkeit der Computer in der Frühzeit der KI. indem es jedes aktuelle Bild von dem vorangehenden subtrahiere. Doch dies ändere sich rasch. die zeigten. . Roboter stellten in einer Klinik in Pittsburgh und in anderen Orten die Post zu. wie Menschen durch ihre Sinnes.« KIForscher hätten große Fortschritte bei der Simulation der menschlichen Fähigkeit gemacht. das mit minimaler menschlicher Unterstützung quer durch die Vereinigten Staaten gefahren sei. Roboter und Computer seien »noch immer sehr weit davon entfernt. Menschliche Eingriffe seien vor allem dazu nötig gewesen. Besonders beeindruckt zeigte sich Simon von den Spielen. wie Menschen tiefschürfende Gedanken denken. »Erst vor vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren verfügten wir über Computer.« Die Forscher hätten auch Tricks ersonnen. um die Bildverarbeitung zu beschleunigen. die so schnell und so groß waren. diese Aufgaben mit der gleichen Gewandtheit auszuführen wie der Mensch«. Das eine sei ein Auto namens Navlab. die Veränderungen in der Umwelt einfach zu verfolgen. Die schwierige Seite sei die Simulation der Art und Weise.« Es sei außerordentlich schwierig. das ist die wirklich komplizierte Sache. wie etwa ein Programm. Jeder Roboter müsse mit seinen Teamkollegen kooperieren und die Pläne seiner Gegenspieler vorwegnehmen und vereiteln.und motorischen Organe mit der Umwelt interagieren. daß sie beispielsweise bewegte statt bloß statische Bilder verarbeiten konnten. »das Gefährt auf schrägen Autobahnauffahrten und -ausfahrten unter Kontrolle zu halten«.

»Aber ich denke fast nur in diesen beiden Kategorien. Es sei noch immer schwierig herauszufinden. weil die Kernspinresonanztomographie und andere Technologien die neuralen Prozesse nicht in hinlänglicher Detailgenauigkeit erfaßten. »Ich denke. aber das sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiten. bis wir diese Lücke überbrücken werden. schlicht abstoßend.285 . spiegelten sich in den Fragen aus dem Publikum . ob ein Computermodell die Funktionsweise des Gehirns getreulich widerspiegele. es wird noch eine Zeitlang dauern. daß eine Maschine definitionsgemäß denke. die ich kenne. teilte mir Simon mit.« Intelligente Maschinen stellten eine schwere Kränkung für die Eitelkeit des Menschen dar. »Die meisten finden die Vorstellung.« Fortschritte in der Computertechnologie einerseits und bei bildgebenden Verfahren andererseits würden bald die Kluft zwischen KI und Neurowissenschaft schließen. Simon glaubt fest an das »starke KI-Programm«.« Jedesmal wenn er einen Vortrag über KI halte. erklärte er.Gefragt. wonach es keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Rechner und dem menschlichen Gehirn gebe. daß ein Computer denkt. sondern auch dessen innere Abläufe. antwortete Simon: »Sie ist beides.« Ein anderes Dogma der starken KI besagt. Nach Ansicht von Simon ist die Kritik an der KI größtenteils emotional motiviert und basiert auf keiner sachlichen Bewertung der Fakten. Sie ist die Erforschung der Konstruktion intelligenter Maschinen und ebenso die Wissenschaft von der Intelligenz. ob er die KI in erster Linie als eine Naturwissenschaft oder eine Ingenieurwissenschaft ansehe. »Ein Computer ist hinsichtlich Schnelligkeit und Speicherkapazität und so weiter einfach eine andere Maschine als eine Person«. etwa Schach spielt oder ein Gesicht erkennt oder Fußball spielt. »Dieses Fachgebiet wird mit anderen Maßstäben gemessen als alle anderen Disziplinen.« Im Idealfall sollten KI-Modelle nicht nur den Output des menschlichen Gehirns simulieren. die eine kognitive Aufgabe ausführt.

. wie die Künstliche Intelligenz Fortschritte macht. behauptete Teller. daß die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht und daß der Mensch vom Affen abstammt.im Jahr 1967 . Er prognostizierte. die KI verteidigte. daß Maschinen kreativ oder intelligent sein können«.die »Angst und Sorge« der Menschen wider. damit sie nicht zugeben müssen. Daher stellten die Menschen »in dem Maße. wir fühlten uns durch sie bedroht. Viele KI-Forscher beklagen sich über diesen Zustand. sie könnten durch Maschinen ersetzt werden. Intelligente Computer untergrüben unser Gefühl. Und mit dieser Selbsterkenntnis gewappnet. Im Jahr 1998 veröffentlichte die New York Times einen Beitrag.Ein Computer werde Musik komponieren. der wie Simon als KI-Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität tätig ist.die folgenden Meilensteine erreicht haben werde: . wird er vielleicht lernen.Ein Computer werde Schachweltmeister sein. Wenn wir unsere Skepsis gegenüber der KI zum Ausdruck brächten. so wie wir uns durch die Entdeckungen bedroht gefühlt hätten. etwas Besonderes zu sein. Sie »wird dem Menschen helfen.«7 Im selben Vortrag machte Simon vier etwas konkretere Vorhersagen. lehnten wir sie in Wirklichkeit völlig ab. dem uralten Gebot zu gehorchen: Erkenne dich selbst.Ein Computer werde ein wichtiges neues mathematisches Theorem entdecken und beweisen. . indem er zu hohe Anforderungen stellte. Im Jahr 1957 referierte er in überschwenglichen Tönen über die Künstliche Intelligenz. daß die KI innerhalb von zehn Jahren . Erkenntnisfortschritte zum Nutzen statt zum Schaden der Gattung Mensch einzusetzen.6 Wenn aber irgend jemand die KI zu fortwährendem Versagen verurteilt hat.286 . dann sind das begeisterte KI-Anhänger wie Simon. die nach An. ständig höhere Anforderungen. in dem Astro Teller.

der bei IBM arbeitete.10 Ende der fünfziger Jahre schrieb der Physiker Herbert Gelernter.«9 Nicht einmal der glühendste KI-Verehrer behauptet. . A. darunter Simon selbst. die in der Tat mathematische Theoreme aufstellen und beweisen. bildende Künstler und Dichter darstellten.als »nicht trivial und nicht uninteressant«. Doch wie ein Journalist in einem Beitrag über computergenerierte Musik und Kunst im Jahr 1997 schrieb: »Menschen sehen in verbrannten Tortillas auch Bilder von Jesus und schreiben ihren Autos Gefühle zu. Simon sagte mir 1998. Zeichnungen und Gedichte. Simon selbst beschrieb eine der Kompositionen des Programms . hatten die Informatiker L. Die Melodien.8 Computergenerierte Musik entpuppte sich ebenso wie computergenerierte Kunst und Lyrik als eine vergängliche Modeerscheinung. Isaacson bereits ein Programm geschrieben. ein . Als Simon 1957 seine Rede hielt. Programme entwickelt. benannt nach einem der ersten Digitalrechner . sprechen Menschen oftmals auf eindringliche Weise an. Was die computergenerierte Mathematik anbelangt.sicht von Kritikern eine beachtliche ästhetische Qualität besitzen werde.Die meisten Theorien in der Psychologie würden die Form von Computerprogrammen oder von qualitativen Aussagen über die Merkmale von Computerprogrammen annehmen. Hiller und L. aber die anderen drei seien »in Reichweite«.die llliac Suite. so haben mehrere Informatiker. das Musik erzeugte. die von Computern produziert werden. daß diese Programme eine ernsthafte Herausforderung für Komponisten. Die Schach-Prognose habe zwar um dreißig Jahre danebengelegen. seine Vorhersagen seien weitgehend eingetroffen.287 . M. Doch inwieweit waren Simons Prognosen wirklich in Erfüllung gegangen? Simons sicherste Wette war das künstliche Komponieren von Musik.

wann der Preis seines Erachtens eingefordert werde: »Nicht heute. Seit Ende der siebziger Jahre bedienen sich die Mathematiker zunehmend des Computers. die Ergebnisse. die höhere Theoreme ausstoßen konnten. Ich fragte Mumford. eindeutigen Regeln und wird auf einem kleinen kartesischen Spielfeld gespielt. die zu Pamela McCorduck in Machines Who Think gesagt hatten.12 Grundsätzlich könnte ein Computer die Folgen jedes möglichen Zuges berechnen. welches einen »tiefgreifenden Einfluß« auf die Mathematik ausübt. daß Computer die nächste Etappe in der Evolution der Intelligenz darstellten. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte der Informatiker und Unternehmer Edward Fredkin das nachlassende Interesse an der computergestützten Mathematik wiederzubeleben.288 .Programm. nicht in hundert Jahren«. Doch selbst innerhalb der KI-Gemeinde monierten Kritiker. er dient lediglich als Handlanger für seinen menschlichen Herrn. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehen jedem . In der Praxis ist diese Strategie jedoch unmöglich.) Der von der Carnegie-Mellon-Universität verwaltete Preis setzt hunderttausend Dollar auf das erste Computerprogramm aus. (Fredkin gehörte zu den KI-Forschern. die für die Vervollständigung bestimmter Beweise erforderlich sind. Gegen-Gegenzüge und so weiter prüfen. die diese Programme errechnet hätten. antwortete er.11 Simons Schach-Prognose nahm sich vermutlich für viele Beobachter relativ bescheiden aus. das ein Theorem aufstellt. um aufwendige Berechnungen durchzuführen. Aber der Computer entwirft den Beweis nicht selbst. indem er den sogenannten Leibniz-Preis stiftete. Schach basiert auf einfachen. bis er eine Siegesstrategie findet. alle möglichen Gegenzüge. Andere Informatiker erfanden Algorithmen. das einige der elementaren Lehrsätze der euklidischen Geometrie »entdeckte«. seien in ihnen angelegt gewesen. Einer der ersten Juroren für den Preis war der Mathematiker David Mumford von der Brown-Universität.

welche die Schachregeln erzeugen können. daß er das menschliche Urteilsvermögen nachahme. die die Grundregeln des Schachs ausführen konnte. Obgleich es dreißig Jahre länger dauerte. war er selbstverständlich hocherfreut. also mehr als die Zahl der Atome im Universum. Ironischerweise hegten die Entwickler von Deep Blue selbst Zweifel daran. als ich ihn und seine Kollegen im Jahr 1996. interviewte.) Der Erfolg von Deep Blue sei nicht darauf zurückzuführen. als Simon vorhergesagt hatte. Danach machten Schachcomputer langsame. Deep Blue war ein enorm leistungsfähiger Rechner. Die Gesamtzahl der Spiele. sagte Chung-jen Tan. »Dieses Schachprojekt hat nichts mit KI zu tun«. verlor jedoch schließlich das Spiel.13 (Bei diesem Wettstreit gewann Deep Blue die erste Runde. Und sie klommen die Stufenleiter unaufhörlich nach oben. sagte Tan. sondern darauf. direkt nach ihrem ersten Spiel gegen Kasparow. Mit dieser Kapazität plus einigen Regeln zum Ausschluß recht aussichtsloser Taktiken konnte Deep Blue fünfunddreißig Züge in die Zukunft »sehen«. »Solange .Schachspieler in der Regel achtunddreißig verschiedene Züge offen. Ein Schachspieler. der Manager der Deep-BlueForschergruppe. Mitte der sechziger Jahre spielten sie so gut wie durchschnittliche Turnierspieler.289 . eine Maschine zu konstruieren. Seine zweiunddreißig unabhängigen Mikroprozessoren konnten zweihundert Millionen Figurenpositionen pro Sekunde prüfen. Den Ingenieuren gelang es erst 1958. die Gesamtzahl beläuft sich entsprechend auf 1444 Züge. ist 10120. müßte 2 085 135 Möglichkeiten prüfen. daß er das Problem auf rein rechnerische Prozesse reduziere. Jeder dieser möglichen Züge erzeugt achtunddreißig mögliche Gegenzüge des anderen Spielers. als der IBM-Computer Deep Blue schließlich 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte. ob ihr Erfolg eine Bestätigung der Künstlichen Intelligenz darstelle. aber stetige Fortschritte. der nur zwei Züge und Gegenzüge vorwegzunehmen versuchte.

als ich ihm von Tans Äußerung berichtete. daß sie diese Probleme ebenfalls nicht verstehen. wie wir das überhaupt angehen sollen. Deep Blue könne »denken«. nennt man es KI«. was Deep Blue leistet.« Das Deep-Blue-Team schien Herbert Simons Aussage. die das menschliche Urteilsvermögen nachzuahmen versuchten. . eher amüsant als schmeichelhaft zu finden (»Ich würde das. fügte Tan mit Nachdruck hinzu. um dem Programm den letzten Schliff zu geben. aber ich bin mir sicher. »Das reicht nicht«. ob Computer denken können«. »Das Gehirn ist mehr als nur Hardware. »Meines Erachtens hat die Fähigkeit zum Schachspielen nicht mit der Frage zu tun. daß er denken kann.« »Er hat keine Ahnung!« antwortete Simon. einen wirklich menschenähnlichen Computer zu bauen. kann man es auf einen rechnerischen Algorithmus zurückführen. sagte der IBM-Wissenschaftler Murray Campbell in brüskem Ton.man das Problem nicht versteht. wie es Simon und andere KI-Pioniere einmal gehofft hatten. als ›Denken‹ bezeichnen«. »Wir wissen immer noch nicht. hatte Simon im Jahr 1996 in der New York Times verkündet14). ein künstliches Gehirn zu konstruieren.« Das Team bezweifelte auch. sind erbärmlich gescheitert«. Campbell wies darauf hin. »Doch das wird noch Jahrhunderte dauern«. Ich bin kein Psychologe oder Neurowissenschaftler. »Doch sobald man es verstanden hat. »Nur weil ein Computer Schach spielen kann. ›Denken‹ ist ein sehr schwer zu definierendes Wort. Deep Blue habe »nichts mit KI zu tun«.290 . fuhr er fort. bedeutet dies noch lange nicht. daß Ingenieure in der nahen Zukunft in der Lage seien. pflichtete ihm sein Kollege Joseph Hoane bei.« . sagte er. Es umfaßt auch die gesamte Software und alles andere.»Die Techniken. wenn Deep Blue ausschließlich Zahlenakrobatik betreibe? Er behauptete. daß es möglich sei. Weshalb konsultiere das IBM-Team Schachgroßmeister. indem man jede Nervenzelle durch einen elektronischen Kippschalter ersetze.

Diese Modelle lassen sich in zwei allgemeine Kategorien einteilen.«) Ein typisches neuronales Netz besteht aus mehreren Ebenen von Knoten (Neuronen). die vorherrschende Richtung in der Psychologie. daß Computermodelle des menschlichen Denkens starken Auftrieb erhielten. »IBM hat panische Angst davor. Bei der regelbasierten Methode ist das Wissen von Anfang an im Modell enthalten. als Simon seine Vorhersage machte. daß sie denkende Computer herstellen. die jede Situation vorwegzunehmen versuchen. der den Geist als eine black box behandelt. das heißt als ein Objekt. war der Behaviorismus. die menschliche Arbeitskräfte ersetzen werden«. in die entgegengesetzte Richtung. Im Jahr 1957. meist in der Form von »Wenn-Dann-Befehlen«. daß Computerprogramme in der Psychologie eine immer wichtigere Rolle spielen würden.291 . IBM-Produkte mit KI in Verbindung zu bringen oder auch nur den Begriff zu erwähnen.15 Am bedeutsamsten und weitsichtigsten war vielleicht Simons Prognose. daß jemand auf die Idee kommen könnte. Der Aufstieg der Kognitionswissenschaft hat in der Tat dazu geführt. regelbasierte Algorithmen und neuronale Netze. so schnell du kannst. Doch der Behaviorismus wich schon bald der Kognitionswissenschaft (auch kognitive Psychologie oder kognitive Neurowissenschaft genannt).das Deep-Blue-Team plappere lediglich den offiziellen Standpunkt von IBM nach. dann lauf. dessen innere Struktur unbekannt und sogar bedeutungslos ist und daher ignoriert werden kann. die durch Verknüpfungen (Syn. (»Wenn das Objekt in deinem Gesichtsfeld orange ist und schwarze Streifen hat und einen langen Schwanz und große Zähne. die den Geist als eine informationsverarbeitende Maschine betrachtet und die rechnerischen Grundlagen von Mustererkennung und anderen Komponenten der Kognition aufzuklären sucht. so Simon. Seit den späten fünfziger Jahren habe IBM seinen Mitarbeitern untersagt.

Durch mehrere Rückkopplungsmechanismen kann man das Netz darauf »trainieren«.292 . die dazu dienen. weshalb viele Forscher so gern mit neuronalen Netzen arbeiten. »feuert« das Neuron. zumindest oberflächlich betrachtet.Wissen durch einen Vorgang. daß sie. sucht das neuronale Netz nach einer Kurve beziehungsweise mathematischen Funktion. wie etwa der Kurveninterpolation. Ein Grund.zumindest im Prinzip . dem menschlichen Gehirn ähneln.apsen) unterschiedlicher Stärke miteinander verbunden sind. so daß künftig Signale leichter weitergeleitet werden. grob vereinfacht. sofern der Reiz eine gewisse Stärke erreicht. die so genau wie möglich mit den Koordinaten übereinstimmt. Nach der Beschreibung von manchen Journalisten und auch Wissenschaftlern zu urteilen. In Wirklichkeit sind neuronale Netze eine neumodische Anwendungsform altmodischer statistischer Verfahren.16 Die Methode funktioniert. Nachdem diese Daten eingespeist wurden. Anders als regelbasierte Algorithmen. scheinen neuronale Netze nachgerade mystische Fähigkeiten zu besitzen. aus unvollständigen oder uneindeutigen Datensätzen zuverlässige Schlüsse abzuleiten. die jeweils einen x.und einen y-Wert besitzen. folgendermaßen: Ein Input wie etwa ein zweidimensionales Bild eines Gesichts wird in eine Menge von Punkten oder Koordinaten umgewandelt. erwerben neuronale Netze . es sendet ein Signal an sämtliche Neuronen der nächsten Netzebene. Daten werden in die erste neuronale Ebene eingespeist. in die das gesamte Wissen von Anfang an eingespeist wird. liegt darin. Jedes dieser Neurone überträgt nun seinerseits ein Signal an die nächste Netzebene. Jede dieser Funktionen entspricht einem spezifischen Output »Tiger« oder »Hauskatze«. Muster mit größerer Treffsicherheit zu erkennen. der näherungswei. das heißt. wenn das eintreffende Signal eine hinreichende Intensität besitzt. Wenn ein Neuron wiederholt Signale an ein anderes Neuron sendet. wird die Verbindung zwischen ihnen verstärkt.

Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen habe ihn die metaphysische Frage. ein Gespräch führen oder ein bekanntes Gesicht in einem überfüllten Raum erkennen? Dreyfus hatte seine Zweifel. die er erstmals in einem Beitrag formulierte. KI-Forscher behaupteten. erinnerte er sich. sondern parallel. Diese Behauptungen hätten seine Neugierde geweckt. für die KI zu interessieren. In der Praxis aber hat sich gezeigt. Goethe ins Englische übersetzen. Er begann sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre.17 Dreyfus. Sprache und Denken und so fort zu verstehen. Eine stark erweiterte Fassung dieses Beitrags erschien dann 1972 unter . als er am MIT arbeitete. einer bedeutenden »Denkfabrik«. daß neuronale Netze oder der regelbasierte Ansatz wirklich intelligente Maschinen hervorbringen werden. Man muß während und sogar noch nach der Trainingsphase weiterhin Wissen von außen zuführen. und daß [die KI-Forscher] die Sache in die Hand genommen hätten und große Fortschritte machten«. er habe sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Computern konzentriert. daß neuronale Netze genauso begrenzt und inflexibel sind wie regelbasierte Methoden. Überdies führen neuronale Netze Berechnungen nicht seriell (nacheinander) aus. gehört zu den frühesten und beharrlichsten Kritikern der KI.293 . der 1967 von der Rand Corporation.se dem menschlichen Lernen entspricht. ob Computer jemals Bewußtsein besitzen können. Die Revanche des Philosophen Hubert Dreyfus bezweifelt. kaum interessiert. der an der Universität von Kalifornien in Berkeley Philosophie lehrt. veröffentlicht wurde. Können sie bedeutsame wissenschaftliche oder mathematische Probleme lösen. Dinge wie Wahrnehmung und Gedächtnis. daß Philosophen »sich zweitausend Jahre lang vergeblich darum bemüht hätten.

es gebe keine Grundtatsachen (»Urelemente«. Nach dieser Auffassung führt unser Gehirn. wie Wittgenstein sie nannte). die jedoch unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen. Wittgenstein habe gemeint. regelbasierten Modell nachzubilden. er bezweifelte sogar. eine riesige Menge an Wenn-Dann-Befehlen aus. vor allem Wittgenstein und Heidegger.überwiegend als ein regelbasierter Prozeß betrachtet. wie ihre Anhänger erhofften. man könne diese Hindernisse überwinden. daß ein solcher Beweis der Unmöglichkeit überhaupt erbracht werden könne. Dreyfus behauptete klugerweise nicht. die es für äußerst schwierig gehalten hätten. die als Grundlage der Erkenntnis dienten. KI-Theoretiker behaupteten. Dreyfus zitierte mehrere Philosophen. den Beweis dafür erbracht zu haben. wo wir unsere Schlüssel hingelegt haben. um festzustellen.auch in der aufstrebenden und sich teilweise mit ihr überschneidenden Kognitionswissenschaft .294 . die menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis mit einem formalen. ja. Damals wurde die Kognition innerhalb der KI . schließlich bringe auch das menschliche Gehirn in irgendeiner Weise diesen Trick zustande. daß die KI vermutlich keine so schnellen Fortschritte machen würde. daß Regeln nur selten für alle Situationen gelten. ob die Anfangsregel für eine bestimmte Situation von Belang sei. so daß ein unendlicher Regreß von Regeln auftrete. daß KI unmöglich sei.dem Titel What Computers Can't Do. indem man die schwer faßbaren kognitiven »Urelemente« identifiziere oder hinlänglich kluge Regeln beziehungsweise Axiome einführe. Dreyfus erklärte: »Man kann immer sagen: ›Wir bekom. In ähnlicher Weise habe Heidegger darauf hingewiesen. seien Zusatzregeln erforderlich. Doch er führte zahlreiche Argumente dafür an. wenn wir eine prominente Person im Fernsehen erkennen oder uns daran erinnern. jede Tatsachenbehauptung über die Welt müsse durch andere Tatsachenbehauptungen erklärt werden. so wie Quarks und Elektronen die elementaren Einheiten der Physik bildeten.

unvollständige Daten rasch zu verarbeiten und Schlüsse daraus zu ziehen.oder ein Gesicht zu erkennen oder eine dichtbevölkerte Straße entlangzugehen hänge größtenteils von unserer Fähigkeit ab.295 . so Dreyfus. eine Reihe von Regeln zu finden. auf Faustregeln über die besten Strategien und auf ihre Intuition.men so gute Relevanzaxiome und so gute Metaaxiome zur Reduktion der Relevanzaxiome. so Dreyfus. Wenn es schon schwierig sei. »Ist eine erschöpfende Analyse der menschlichen Vernunft in regelgeleitete Operationen an diskreten. Unsere Fähigkeit. bestimmten. den man gesunden Menschenverstand nennen könne. nähmen die Schwierigkeiten exponentiell zu. sondern auf ihre Erinnerungen an das.« Doch in der Praxis sei es außerordentlich schwierig. so Dreyfus. auf einen riesigen Speicher mit Weltwissen zurückzugreifen. eine kognitive Aufgabe auf eine regelbasierte Prozedur zurückzuführen. Selbst wenn eine kognitive Aufgabe mit Regeln definiert werden könne. daß es funktionieren wird. die einem Computer sagten. mehrdeutige. komplex und voller Ausnahmen. So stützten sich etwa Schachexperten nicht auf reine Berechnungen. weil diese Kompetenz nicht ohne weiteres auf Regeln zurückgeführt werden könne. einen Satz zu verstehen . falle es einem Computer möglicherweise immer noch schwer. die nicht nur je nach dem Satz. sei ihre Fähigkeit. Regeln für das Schachspiel auf Großmeisterniveau niederzuschreiben. Die Regeln der Grammatik und Syntax seien zahlreich. sondern auch nach dem Kontext des Gesprächs schwanken könnten. wie man ein alltägliches Gespräch führe. was in der Vergangenheit erfolgreich war. in dem die Wörter vorkommen. Schach sei deshalb ein so faszinierendes Spiel. diese Aufgabe auszuführen. wenn es darum gehe. Das Bemerkenswerteste an der menschlichen Intelligenz. Ein einziges Wort könne viele verschiedene Bedeutungen und Konnotationen haben. kontextfreien Elementen möglich?« fragte Dreyfus gegen Ende von What Compu.

»Computer können nicht Schach spielen.19 Dreyfus bestritt.296 . Zudem sei er »sehr überrascht« über die zunehmende Fähigkeit von Computern. Computer würden niemals besser spielen als ein zehnjähriger Junge. er erinnerte die KIForscher daran. Aber er räumte ein. aber es funktioniert. »Wenn jemand einen begeisterten Aufsatz über die Wunder des Computers schrieb«. Der Computer gewann. Dreyfus ebensowenig«. die »uns ermögli. erinnerte er sich. daß er gesagt habe.« Die KI-Gemeinde erzielte wenigstens einen bedeutsamen PR-Sieg gegen Dreyfus. auf formale Regeln zurückgeführt werden könne.«18 Dreyfus wurde auf Konferenzen und in populärwissenschaftlichen Artikeln zum Kritiker der KI par excellence aufgebaut. Im Jahr 1966 nahm Dreyfus die Herausforderung an.« Andererseits könnten sich Computer noch immer nicht über Politik unterhalten oder ein Märchen verstehen. ihnen fehlten noch immer die gewöhnlichen Fähigkeiten. »Es bedarf einer enormen Schnelligkeit und [Speicherkapazität]. Dreyfus wies immer wieder hämisch darauf hin.ters Can't Do. anzutreten. daß Deep Blue 1997 Gary Kasparow besiegen würde. Er sei vielmehr der Ansicht gewesen. weil Schach. gesprochene Wörter zu erkennen. stärker als andere kognitive Fähigkeiten. daß Schachprogramme weit hinter den Zielen ihrer Entwickler zurückblieben. daß 1960 ein zehnjähriger Junge eine von Herbert Simon entworfene Maschine besiegt hatte. den MacHack. daß er nicht erwartet habe. die dann im weiteren Verlauf des Artikels ignoriert wurden. »enthielt dieser immer ein oder zwei Absätze über mich und meine Ansichten. gegen einen anderen Schachcomputer. wie es einige KI-Forscher kolportierten. »Ist eine Annäherung an dieses Ziel der Künstlichen Intelligenz überhaupt wahrscheinlich? Die Antwort auf beide Fragen scheint ›nein‹ zu lauten. hieß es in einem Rundschreiben für Informatiker schadenfroh. daß Computer eines Tages hervorragend Schach spielen würden.

den Alltagsverstand nachzubilden. Nach fünfzigjährigen Anstrengungen »ist heute allen. nannte Dreyfus die Künstliche Intelligenz ein »im Niedergang begriffenes Forschungsprogramm«.20 Dreyfus begrüßte die Tatsache. was er »die gute altmodische KI« nannte.«21 In Anlehnung an einen Ausdruck. die so viele menschliche Interessen und so viel menschliche Struktur besitzt. der in einem begrenzten Bereich zu eindrucksvollen Ergebnissen führt. wie es ein Mensch tut. klar. expandiert es weiter und lockt immer neue Anhänger an. daß dieses Bemühen. Aber er wies darauf hin. die ihm als ein plausibleres Modell der menschlichen Kognition erschienen. die sich beharrlich den neuen Techniken widersetzen. uns in der Welt zurechtzufinden und zu erkennen. wobei sie mit Problemen beginnen. In der Einleitung verkündete Dreyfus den Sieg über das. außer einigen wenigen Unverbesserlichen. Wenn die Forscher jedoch auf unerwartete. und die Forscher werden sich in dem Maß davon abwenden. den der Wissenschaftstheoretiker Imre Lakatos prägte. Kurz. aber gewichtige Phänomene stoßen. .chen. »Man braucht eine lernfähige Maschine. [Ein solches Programm] beginnt mit großen Erwartungen.297 . der Alltagsverstand fehle ihnen. Solange das Forschungsprogramm erfolgreich ist. was wichtig ist«. auf künstliche Weise eine allgemeine Intelligenz zu erzeugen. gescheitert ist«. indem es einen Ansatz einführt. daß sie lernen kann. daß neuronale Netze in der Praxis auf dasselbe Problem stießen wie die gute altmodische KI: das Unvermögen. Im Jahr 1992 veröffentlichte MIT Press eine Neuausgabe von What Computers Can't Do unter dem Titel What Computers Still Can't Do. stagniert das Programm. die in irgendeiner Hinsicht den ursprünglichen gleichen. wie ein vielverspre22 chender alternativer Ansatz verfügbar wird. so zu generalisieren. Die Forscher möchten daraufhin den Ansatz fast immer auf anderen Gebieten anwenden. daß viele KI-Forscher die regelbasierte Methode aufgegeben und sich neuronalen Netzen zugewandt hätten.

und es ist ausgeschlossen. (1997 war das Jahr. in dem HAL in dem Roman 2001 in einer Fabrik in Urbana. Dies war jedenfalls der Tenor von HAL's Legacy. den Geist zu simulieren..) »Sprechen wir das Offenkundige aus: HAL existiert nicht. den Geist zu verstehen. einer Sammlung von Aufsätzen führender KI-Forscher. die allein wahren zu sein. doch darauf schreibt Chomsky eine Rezension über Skinner. spiegele das umfassendere Unvermögen der Psychologie wider. die 1997 erschien. das aufgrund seiner umfassenden Gültigkeit die Zustimmung der meisten Forscher gefunden hätte. als ob Regeln und der Kognitivismus die richtige Antwort wären. Während der letzten hundert Jahre sei es der Psychologie nicht gelungen.298 . das in HAL im Jahr 2001 dargestellt ist«. »einsatzfähig wurde«. Wir haben beim Verständnis des Geistes keine Fortschritte gemacht. Und dann sieht es so aus. die jeweils für sich in Anspruch nehmen.. »Wir haben einen Haufen kleiner Paradigmen. auch wenn sie selbstverständlich nur selten Dreyfus das Verdienst daran zusprechen.Das Unvermögen der KI. in dem Film 2001 war HALs Geburtsjahr 1992. und damit ist der Behaviorismus erledigt. haben sich widerstrebend Dreyfus' Urteil zu eigen gemacht. Es scheint nirgendwohin zu führen. Die Behavioristen scheinen die richtige Antwort gefunden zu haben. Und heute sind [die neuronalen Netze] groß im Kommen [. Illinois.] Wir haben es mit einem Haufen von Modetrends zu tun. erklärte David Stork. ein Rahmenmodell oder Paradigma aufzustellen. daß irgendeine wundersame Zunahme der Forschungsgelder oder unserer Erkenntnisse die KI auf das Niveau anheben wird.« Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand Viele Forscher. sagte mir Dreyfus. der . die einst an die Computertheorie des menschlichen Geistes glaubten.

Douglas Lenat. In Bereichen wie dem Sprachverständnis und dem Alltagsverstand dagegen.23 Stork ist Informatiker und arbeitet an der Stanford-Universität und am Ricoh California Research Center. da das Jahr 2001 vor der Tür steht«. »könnten wir uns fragen. Fakten und Faustregeln. Planung. wonach der Alltagsverstand der Schlüssel zum Erfolg .Herausgeber des Buches. -begriffen. weshalb wir den Traum von HAL nicht verwirklicht haben. die den menschlichen Konsens hinsichtlich der .26 Dieser Pessimismus wurde von einem der Autoren von HAL's Legacy. Die Gründe dafür sind aufschlußreich. die erforderlich sind. »die eine Menge über das wissen. HAL sei »eine unrealistische Konzeption einer intelligenten Maschine«. doch kein gegenwärtiges System reiche auch nur annähernd an HALs Können beim Lippenlesen heran. verkündete er: 1. Schachspiel erreicht und übertroffen. stimmte der erfahrene Informatiker David Kuck zu. die niemals in die Tat umgesetzt werden könne.] war die KI bislang ein Mißerfolg«. »Jetzt. Hardware. was sie wissen sollen. »Wir sind heute in der Lage. die Informatiker könnten bestenfalls Maschinen entwickeln. Kursorisch betrachtet. bleiben wir weit hinter der Vision zurück. Speise Millionen von Alltagsausdrücken. in der Einleitung.. haben wir die Vision von HAL in jenen Bereichen .«24 »Nach jeder allgemeinen Definition [. fuhr Stork fort. um ein HAL-ähnliches Geschöpf zu bauen«.299 . Lenat schloß sich der Auffassung anderer Autoren an. und erbärmlich wenig über alles andere«. daß er mittelmäßig treffsichere Programme zum Lippenlesen entwickelt habe. die in ihren Möglichkeiten grundsätzlich grenzenlos sind und sich nur schwer spezifizieren lassen. die sich exakt definieren und leicht spezifizieren lassen..Sprache. energisch zurückgewiesen. die Schritte zu spezifizieren.und Mißerfolg der KI sei.25 Roger Shank von der Northwestern-Universität erklärte kategorisch. Er wies darauf hin.

den er und sein Team in den letzten zehn Jahren verfolgt hätten.also den Alltagsverstand -. daß dies kein phantastischer Plan für ein gewaltiges künftiges Projekt sei. Schon 1984 hatte er erkannt. wie es praktisch jeder Mensch besitze. 2. Sie alle stießen »gegen dieselbe Mauer . wird es niemanden mehr geben.300 . ein Computerprogramm zu entwerfen. Konstruiere über dieser Basis die Fähigkeit. Wenn er schließlich die Grenze des Wissens in einem Gebiet erreicht. der sich bemühte. wenn die Menschheit eine höhere Stufe utopischer Zusammenarbeit erreicht habe. wie Englisch. Dieses »Cyc« genannte Projekt wurde zunächst von einem Konsortium von Hochtechnologiefirmen mit Namen Microelectronics and Computer Consortium (MCC) mit Sitz in Austin. so daß er selbst Experimente ausführen muß. es sei der konkrete Plan. Cycorp. daß spezialisierte Programme eine Sackgasse für die KI darstellten. Lenat und seine Mitarbeiter konnten nicht einfach Wissen aus Wörterbüchern und Enzyklopädien zusammentragen. mit dem er sich darüber unterhalten kann.nämlich die Notwendigkeit. in eine Datenbank ein. 3. das das gleiche Wissen enthalte. zu kommunizieren. 27 um neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu gewinnen. Selbst der einfachste Eintrag in einer Enzyklopädie beinhaltet . das in Gang gesetzt werden sollte. Texas. in einer natürlichen Sprache. daß unsere Programme dieselbe Breite und Tiefe des Alltagswissens besitzen müssen wie Menschen«. Lenat ist einer der wenigen KI-Forscher in der Welt. Nein. der ursprünglichen KI-Vision vom Bau eines Computers mit universeller statt hochspezialisierter Intelligenz treu zu bleiben. um seine Wissensbasis stark zu erweitern. Laß den werdenden HAL diese Fähigkeit nutzen. Im Jahr 1994 schied Lenat aus dem MCC aus und gründete eine eigene Firma.Wirklichkeit repräsentieren . Lenat erklärte.28 Im selben Jahr setzte er sich das kühne Ziel. finanziell gefördert.

solche simulierten Emotionen als real anzusehen. Lenat und seine Programmierer. nur weil die Input-/Output-Schnittstelle Englisch benutzt. so wie es absurd wäre. daß Cyc niemals »Gefühle« haben könne. weiß er. daß ein Gespräch stattfindet oder auch daß ein Anwendungsprogramm abläuft.301 . weil diese für die Integration von Informationen. daß er ein Computer ist. daß Napoleon und Wellington Menschen sind. Er weiß. zu glauben. Cyc besitze bereits »Selbstbewußtsein«. »Wenn man ihn fragt. die internen logischen Operationen eines Computers würden in Englisch ausgeführt. Wenn man ihn fragt. was er ist. daß er auf einer bestimmten Maschine an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in Gang ist. daß Cyc einige noch eindrucksvollere Fähigkeiten besitze. Ein Computer mag Emotionen fingieren. So erklärte er in einem Interview. Er besitzt das gleiche Zeitgefühl wie Sie und ich. Cyc und andere Maschinen dieses Typs werden niemals Emotionen verspüren. Er weiß. daß der Leser weiß. wer wir sind. Doch Lenat behauptete. die Entscheidungsfindung auf der Basis dieser Informationen und so weiter nicht von Nutzen sind.«30 Und doch beteuerte Lenat in HAL's Legacy. um eine ansprechende Benutzerschnittstelle zu erzeugen.«31 . daß wir Benutzer sind.weitreichende Annahmen. daß gestorbene Menschen für immer tot sind und daß ein mit Milch gefülltes Glas mit der offenen Seite nach oben und nicht nach unten zeigt. haben mittlerweile mehr als eine Million Regeln beziehungsweise Behauptungen des Alltagsverstandes zusammengestellt. Wellington war zutiefst betrübt. aber es wäre absurd. weiß er. die er manchmal scherzhaft »Ontologisierer« nennt. daß Wellington länger lebte als Napoleon und so weiter. Er weiß. »HAL. wer mit ihm spricht. Betrachten wir die folgenden beiden Sätze: »Napoleon starb auf Sankt Helena. daß Sankt Helena ein Ort ist. daß sich Bäume in der Regel im Freien befinden. Cyc »weiß«.«29 Sie setzen voraus.

wie seine Tochter ihre ersten Schritte macht« hinweisen. die in einem Thesaurus gespeichert sind. wie der menschliche Geist funktioniert. der eine Steilwand erklimmt« zutage fördern. »besser zu verstehen. Vielmehr bauen wir nicht mehr und nicht weniger als ein Artefakt. oder auch eine konkrete Theorie der Intelligenz zu überprüfen. um Informationen aus dem World Wide Web oder anderen Datenbanken herauszuholen. die solche vagen Kriterien wie »eine glückliche Person« erfüllten.Indem Lenat die Bedeutung von Emotionen herunterspielte. KI-Forschem und Neurowissenschaftlern (insbesondere Joseph LeDoux. In gleicher Weise könne eine Suchanfrage für ein Bild »einer starken und abenteuerlustigen Person« ein Foto eines »Mannes. Die meisten Suchmaschinen suchen nach exakten Übereinstimmungen mit Schlüsselwörtern oder auch nach Synonymen. dessen Arbeit ich im ersten Kapitel behandelte) ist der Ansicht. das heißt als Wahrheitssucher. Lenat hat betont. denn als Ingenieur. der Maschinen zusammenbaut. Indem Cyc die Legenden von Bildern in einer Datenbank prüft. so sagte er. So könne beispielsweise ein Artdirector mit Hilfe von Cyc Bilder suchen. der beobachtet. lehnte er sich gegen einen der jüngsten Trends in der Erforschung des menschlichen Geistes auf. Cyc dagegen könne auch Übereinstimmungen suchen. Dem Cyc-Team. wobei wir mit einer äußerst pragmatischen technischen Einstellung an das Projekt herangehen. Eine wachsende Zahl von Kognitionswissenschaftlern.«32 Bislang sind die kommerziellen Anwendungen von Cyc nicht gerade weltbewegend. Tatsächlich versteht sich Lenat nach eigenem Bekunden weniger als Wissenschaftler. könne er den Art-director auf ein Foto eines »Mannes. daß Emotionen für die menschliche Erkenntnis und Kreativität von zentraler Bedeutung sind. die auf der weiteren Bedeutung eines Wortes. eines Ausdrucks oder eines Satzes basierten. gehe es nicht darum. Cyc könne Suchbefehle nicht da. Cyc eigne sich besonders gut als Suchmaschine.302 .

Befehle in gewöhnlichem Englisch zu interpretieren und auszuführen. an dem Cyc diese Fähigkeit besitzen soll. daß er sich von Wissensingenieuren füttern läßt«. Doch in den meisten Fällen kann er nur Informationen verarbeiten.durch erfüllen. die zuvor in ein komplexes Logiksystem. »sich neues Wissen leichter durch Lesen anzueignen als dadurch. Cyc könne zudem jene Art von Fehlern und Inkonsistenzen aufspüren. das als Prädikatenkalkül zweiter Ordnung bezeichnet wird. wie es ein Reporter formulierte. daß Cyc 1994 oder 1995 in der Lage sei. Als er 1984 mit dem Projekt begann. Doch Lenat schiebt das Datum. wie es ein menschlicher Sucher täte. daß er Bilder direkt prüfe. daß es vermutlich einen Fehler in den Daten gibt. sagte er voraus. übersetzt wurden. Cyc besitzt eine begrenzte Fähigkeit. weiß er. vielmehr stütze er sich auf Übereinstimmungen zwischen seinem Suchbefehl und den sprachlichen Beschreibungen. um sich von selbst neues Wissen anzueignen. immer wieder hinaus. die gewöhnliche Computer niemals entdeckten. Cyc werde binnen zehn Jahren die Fähigkeit zu autodidaktischem Lernen besitzen.) Ironischerweise sind für die Bedienung dieser »Alltagsverstandmaschine« sehr spezielle Kenntnisse erforderlich. wie etwa San Francisco. sagte Lenat.303 . die den Bildern beigefügt sind. daß Cyc über hinreichend Intelligenz verfüge. indem er Zeitungen. So enthielten beispielsweise Finanzdatenbanken oftmals Informationen über die Geschlechtszugehörigkeit eines Individuums und dessen Gatten oder Gattin.34 Im . Bücher und andere Informationsquellen durchforste. Lenats Ehrgeiz war von Anfang an. »Ohne daß man Cyc eigens für die Aufgabe programmieren müßte.33 (Lenat übersah. die nichts mit dem Alltagsverstand zu tun haben. daß gewisse Verwaltungsbezirke. Im allgemeinen liefert er auch Informationen in diesem Format. Im Jahr 1991 war Lenat noch immer optimistisch. so Lenat. wenn X und X' Gatte dasselbe Geschlecht haben«. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlauben.

und das übersieht er [Lenat] meines Erachtens. Der KI-Forscher Rodney Brooks fällte ein ähnliches Urteil über Lenat: »Doug ist ein netter Kerl. Cyc ist nicht in der Lage. das Lenat erlaube. bemerkte Dreyfus. der in Australien geboren wurde und aufwuchs und noch immer mit einem leicht näselnden australischen Akzent . höchst originelle. der niemals durch einen Sinnesapparat in direkten Kontakt mit der Außenwelt trete. sondern auch schöpferisch tätig sein. Cyc werde zu einem »vollentwickelten kreativen Mitglied einer Gruppe. Erstaunliche Entdeckungen.«36 Brooks nannte Cyc »ein bequemes Arbeitsbeschaffungsprojekt«. könne Cyc nicht nur lernen.304 . so meinte Lenat. Man muß ihn mit einer anderen sensorimotorischen Erfahrung verknüpfen. »Letzten Endes muß man die Grundelemente in Cyc einspeisen. Doch bislang sei Lenat weit hinter seinem ehrgeizigsten Ziel zurückgeblieben. eine Maschine mit universellen Fähigkeiten zu schaffen. »nicht nachdenken zu müssen«. Lenat »ist es gelungen.Jahr 1997 verschob er den Termin auf das Jahr 2001. sagte Dreyfus. und das hat nichts mit menschlichem Denken zu tun. eine CD mit einer Enzyklopädie des Alltagswissens zu entwikkeln«.« Lenats Version des Alltagsverstandes habe nichts mit der menschlichen Spielart gemein.«35 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier Hubert Dreyfus bewunderte Lenat dafür. daß er das ursprüngliche Ziel der KI verfolgt. sich durch Lektüre von Zeitungen und anderen Publikationen eigenständig Wissen anzueignen. Ich bewundere seinen Ehrgeiz. Dann. »Eigentlich handelt es sich bloß um ein Lexikon. die neue Entdeckungen präsentieren wird.« Brooks. Nur leider ist er völlig auf dem Holzweg. »Ich respektiere ihn dafür«. Cyc sei im wesentlichen ein Thesaurus. so Brooks.

sie lägen völlig daneben. da er ein renommiertes Labor mit einem großen Etat und zweihundert Mitarbeitern leite. Doch jetzt«. nicht erreicht worden sei. sondern auch sich selbst heruntermacht. aber sie glauben jetzt. ist eine der faszinierendsten Gestalten der KI. computergestützte Haushaltsgeräte. seine Aufsässigkeit zu bändigen versuche.« Steuerprogramme. Computerspiele und eine Vielzahl weiterer kommerzieller Produkte seien alle Anwendungsbeispiele der KI-Vision. »Jetzt muß ich ein alter. wenn er so richtig in Fahrt kommt (was häufig geschieht). daß er nicht nur alle anderen. und ich werde es verwirklichen!« Brooks begann seine Laufbahn als gewöhnlicher KI-Forscher. Für seine Doktorarbeit entwarf er ein hochkomplexes . »kenne ich den richtigen Weg.305 . zu sagen. Er ist ein auf gewinnende Weise streitsüchtiger Mensch mit längerem Kraushaar und Augen. »Es ist Mode geworden. Sein Charme rührt daher. die hervortreten. so daß sie nicht mehr so ärgerlich auf mich sind. ich würde das eigentlich nicht glauben. was sie natürlich verärgerte.« Wie Herbert Simon ärgerte sich auch Brooks über einen Großteil der Kritik an der KI. doch meines Erachtens war es kein solcher Fehlschlag. fügte er mit selbstironischer Gravität hinzu. daß das Ziel. sagte er in Anspielung auf den gleichnamigen Androiden in der Fernsehserie Star Trek. wie die Leute behaupten.spricht. im Jahr 1997 wurde er zum Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz des MIT ernannt. Kurz nach seiner Ernennung sagte er mir. sagte er. daß er jetzt. Er verwandelte sich von einem lästigen Kritiker zu einer Säule des Establishments. »Mitte bis Ende der achtziger Jahre lief ich herum und sagte allen. die KI sei gescheitert. Doch Brooks räumte ein. Ich glaube das noch immer. wobei er wie ein Prediger den Finger in die Luft streckte. »Meines Erachtens haben wir die Sache falsch angepackt. »Wir haben weder HAL noch Commander Data gebaut«. verknöcherter Spießer sein«. nämlich intelligente Maschinen zu bauen.

daß sie. nur schlecht funktionierten. Roboter auf der Grundlage dieses Programmes zu bauen. doch meistens handelt es sich dabei um nachträgliche Rationalisierungen. sagte Brooks.306 . die die Annahme. unsere Handlungen zu rechtfertigen.« Schließlich verwarf Brooks die gesamte Richtung der KIForschung. und doch zeig. diese Probleme zu lösen. die physikalische Gesetze und mathematische Theoreme entdecken könnten. Herbert Simon und anderen. in Ketten logischer Schlußfolgerungen zu denken. Es machte mich richtig wütend. Er erlebte eine Glaubenskrise. nicht unbedingt auf diese Weise zustande gekommen sein muß. Vernunft und Logik seien der Schlüssel zur Intelligenz. konnte ich das nicht ausstehen. Niemand behaupte. jedes Wort betonend. »reimen wir uns etwas zusammen«. »Selbst als ich noch ein traditioneller KI-Forscher war.« Seit den achtziger Jahren hat Brooks eine Reihe von Aufsätzen – mit Titeln wie »Elefanten spielen nicht Schach« und »Intelligenz ohne Repräsentation« . so Brooks.« Wenn wir gebeten würden. daß eine Verhaltensweise nur deshalb. daß Insekten sich bei der Entscheidungsfindung auf Vernunft und Logik stützten. und feststellen mußte. Wie andere Skeptiker wandte er ein. wie Menschen in ihrem Alltagsleben Probleme lösen. daß es nicht die Art und Weise abbilde. was ihre Erfinder bereits in sie hineingesteckt hätten. Brooks ärgerte sich über die Behauptungen von Herbert Gelernter. wenn überhaupt. die diese Projekte verfolgten. in Frage stellten. sie hätten Computerprogramme entwikkelt. bestehe darin. als er versuchte. Im Bemühen.37 Das Problem des logikorientierten Ansatzes in der KI-Forschung.geschrieben. weil sie sich mit einer Menge komplexer Regeln beschreiben läßt. daß derartige Programme lediglich das »entdeckten«. »Allmählich dämmerte es mir. »Menschen sind in der Lage. machte er sein Programm noch komplexer und schwerfälliger.regelbasiertes Programm für dreidimensionales Sehen.

es gleicht dem Roboterskelett. Dieses Cog genannte Geschöpf besteht aus einem Kopf mit Augen und Ohren. Brooks gelangte zu der Überzeugung. deren Verhalten von relativ einfachen Sensoren und Chips. daß die Komplexität von biologischem Verhalten nicht nur von den Organismen selbst herrühre. so lange andere Richtungen auszuprobieren. gesteuert wurde. Armen und einem Torso. Er kann Objekte »sehen«. indem er Dutzende von insektenartigen Robotern baute. einem Experten für Nacktmulle und einem Ziergartengestalter) in Errol Morris' Dokumentarfilm Fast. nachdem Arnold Schwarzeneggers Leib im Terminator verbrannt war.38 Morris hatte den Titel des Films einem der bekanntesten Aufsätze von Brooks entlehnt.307 . wenn er berührt wird. die mit einfachen Regeln programmiert worden waren. Wie Säuglinge hat er einen Wegziehreflex. das zum Vorschein kam. die ihm einprogrammiert wurden. einem Nacken. bis es sich wieder vorwärts bewegen konnte. Mitte der neunziger Jahre begann eine Gruppe unter Leitung von Brooks mit dem Bau eines humanoiden Roboters. Die Insektoiden zeigten eindrucksvoll komplexe. insektenartige Verhaltensweisen. der seine Annahmen einer noch strengeren Bewährungsprobe unterziehen sollte. er zieht seinen Arm zurück. sowie eine gewisse Lernfähigkeit. Eine Grundregel wies das Insektoid an. seine Arme danach ausstrecken und sie berühren oder ergreifen. wenn es gegen ein Hindernis stieß. wenn sie im Labor losgelassen wurden. komplexes Verhalten und die Fähigkeit zur Problemlösung. Cogs Siliziumgehirn verfügt über einige wenige Grundreflexe beziehungsweise Instinkte. Cheap and Out of Control vorgestellt. Cog kann sich bewegende Objekte mit den Augen oder durch zusätzliche Bewegung des Kopfes verfolgen. Brooks und seine Insektoid-Roboter wurden (neben einem Löwendompteur. Er bewies seine Ideen. sondern von ihren Interaktionen mit einer komplexen Umwelt.ten diese Tiere offenkundig differenziertes. .

die Richtung festzustellen. »Es sieht so aus. der Kopf wendet sich dann dem Geräusch zu. daß es ziemlich unsinnig ist. schaut er abwechselnd einen der beiden an«. wenn sie keine Geräusche von sich geben. das dann den Säugling zu komplexerem Verhalten und Lernen anregt.« Fell habe rein zufällig ein gewisses Verhalten bei Cog ausgelöst und dieses dann in ein Spiel verwandelt. das wir nicht verstehen. Cog habe bereits zu einigen aufschlußreichen Befunden geführt. Es ist reine Zeitvergeudung. mit dem Roboter interagiert . eine der Entwicklerinnen von Cog. sagte Brooks. aus der ein Geräusch kommt. wies Brooks darauf hin. als verstünde er das Gesprochene.« Cog kann auch menschliche Gesichter erkennen und sich ihnen zuwenden.308 . Daraus folge. Er zeigte mir ein Video. Obgleich Cog Fell zu imitieren schien. wie Cynthia Fell. sagte Brooks. jährlich Hunderttausende von Dollar für die Simulation eines Phänomens aufzuwenden. »aber es ist fraglich. »Genau das gleiche tun Mütter mit ihren Säuglingen«.« Der Kognitionswissenschaftler Thomas Bever von der Universität Rochester meinte kritisch: »Wir wissen so wenig über die frühen Entwicklungsstadien der Kognition. ob es etwas mit Wissenschaft zu tun hat. so Brooks. problemorientierter und geduldiger sein. Nicht jeder ist von Cog beeindruckt. »Wenn sich zwei Menschen miteinander unterhalten. einem Reporter.Cogs »Ohren« erlauben ihm. Eine Mutter verwandelt eine einfache Reaktion des Säuglings in ein Spiel. sagte Steven Pinker. daß die Umwelt Lernprozesse anregen und fördern könne.«39 . sagte Brooks. daß Cog über kein Imitationsprogramm verfügt. »Einen Roboter zu bauen ist eine spektakuläre Sache«. KI sollte disziplinierter. auf dem zu sehen ist. »Diese wechselweise Interaktion geht allein von ihr aus.Cog und Fell heben abwechselnd einen Radiergummi auf und lassen ihn wieder fallen. so daß man nicht mehr so viel Wissen von vornherein in die Maschinen einfüttern müsse. der wie Brooks am MIT lehrt.

Er wies darauf hin. könnten wir all diese biologischen Vorgänge in einer geringfügig anderen Weise beschreiben.« Brooks dachte dabei weniger an eine neue Kraft. Es ist ein Lebenselixier. das man nie auch nur annähernd erreichen kann. daß er und andere Wissenschaftler. funktionieren nicht einmal annähernd so gut wie biologische Systeme«.« Brooks würzte diese Enthüllung wie gewöhnlich mit einer Prise Selbstironie. wie er bei einem Workshop in der Schweiz im Jahr 1995 erstmals von einem »Lebenselixier« gesprochen habe. die der Erforschung des menschlichen Geistes im nächsten Jahrhundert neuen Schwung geben könnte. so wie es die Computertheorie im zwanzigsten Jahrhundert getan hatte. Er bezweifelte. »Die Apparate. die wir bauen. die biologische Systeme erforschten und deren Eigenschaften zu simulieren versuchten. solche Gedanken sind bei . ein Konzept oder eine Sprache. worauf ein zweiundzwanzigjähriger Student aus Oxford geantwortet habe: »Was Sie gesagt haben. sagte er. Dies sei die Hoffnung von Konstrukteuren neuronaler Netze.« Tatsächlich vermutete Brooks mittlerweile. die sie nicht zu überwinden vermöchten. das da ist. genetischer Algorithmen und anderer Alternativen zu dem alten regelbasierten Ansatz in der KI-Forschung.309 . Ich glaube.Brooks selbst schien sich keine Illusionen über den möglichen Ertrag seiner Forschungen zu machen. daß »uns etwas entgeht. Er erinnerte sich. wie wir Imitationen lebensnäher gestalten könnten. und es gäbe uns einen Anhaltspunkt. »Ich wünsche mir zutiefst«. daß sämtliche Lernprogramme schließlich an eine Wand stießen. ein neues Elementarteilchen oder eine Essenz des Lebens als an ein Organisationsprinzip. »Möglicherweise gibt es ein theoretisches Maximum der Fitneß. »Wenn wir diese Sprache besäßen. daß Computerprogramme sich von selbst entwickelten und wirklich intelligente Versionen von sich erzeugen könnten. Wir übersehen etwas. war sehr interessant. eine zentrale Komponente übersähen. sagte er bedauernd.

40 Diese Argumente decken sich mit denen. die Kybernetik und die Informationstheorie. zur Sprache gebracht. Auch Minsky hat praktisch jeden anderen Ansatz in der KIForschung in Frage gestellt. Regelbasierte Systeme hätten große Schwierigkeiten. wurde er später zu einem der schärfsten Kritiker dieser Technologie. das fliegt. Obgleich er in den fünfziger Jahren eines der ersten neuronalen Netze konstruierte. wenn er gestutzte Flügel oder in Beton steckende Füße oder wenn er eine traumatische Erfahrung durchgemacht habe. wenn er tot oder in einem Käfig eingesperrt sei. . wenn der Vogel ein Strauß oder ein Pinguin. mit Ausnahmen zurechtzukommen.Wissenschaftlern. die Brooks und andere KI-Forscher so verzweifelt suchten? Die Möglichkeit wurde von niemand geringerem als Marvin Minsky. die als Lösungen der KI vorgeschlagen worden waren. nicht zutreffe. die Hubert Dreyfus. waren zwei derartige Metatheorien. der Erzfeind der KI. regelbasierten Ansatzes in der KI-Forschung. KI und Psychoanalyse Könnte die Psychoanalyse die Lösung darstellen.310 . vorbrachte. so daß er an einer »psychischen« Flughemmung leide. ziemlich verbreitet. die dem Ende ihrer Laufbahn entgegengehen. als die KI-Forschung noch in den Kinderschuhen steckte. einem der legendären Überväter der Künstlichen Intelligenz. besonders populär. Er ist einer der Begründer des Artificial Intelligence Laboratory am MIT. An mehreren hochmathematischen »Metatheorien«. und wie dessen gegenwärtiger Direktor ist er ein erbitterter Kritiker des logischen. Minsky verwies gern darauf.« Brooks war damals einundvierzig Jahre alt. ließ er kein gutes Haar. In den fünfziger Jahren. Fraktale. daß die Definition eines Vogels als eines Federtieres. Auf sie folgten die Katastrophentheorie.

sagte mir Minsky einmal. der diesen Aspekt des Geistes wirklich ernst genommen habe.Chaos und Komplexität.« Die primitivsten Instinkte beziehungsweise »Maschinen«. die von der Genetik festgelegt sind. vielleicht auch viele. Der Schlüssel für den Erfolg des Gehirns liege darin. für mich aber war er einer«. daß Freud entgegen der Behauptung einiger moderner Kritiker ein erstrangiger Wissenschaftler gewesen sei. »Freud schrieb dem Geist also einen Sandwich-Aufbau zu. die evolvierten.41 Doch um zu verstehen. der Komplexität des Geistes nicht gerecht würden. sagte er.« Minsky betonte nachdrücklich.« Er kenne. wie das Gehirn wirklich funktioniere. Es gibt eine Reihe ursprünglicher Zielvorgaben.311 . Minsky tat die Kritik. bislang unbekannte Weise von der Kultur und den Eltern vermittelt werden. »Es gibt zahlreiche Schichten von Netzwerken aus lernenden Maschinen. daß es viele unterschiedliche Strategien zur Problemlösung verwende. Freud habe schon frühzeitig erkannt. »Es gibt einige Grundtriebe. bezögen sich auf solche Bedürfnisse wie Nahrung. Unterkunft und Flucht vor Feinden.« Freud habe »erkannt. außer ihm selbst. die den Geist auf eine Menge einfacher Regeln zurückzuführen versuchten. nur noch einen Theoretiker. um Fehler zu korrigieren oder die anderen Agenturen an die Probleme des Denkens anzupassen. »Vielleicht würden Sie ihn nicht als Wissenschaftler bezeichnen. Sie funktionieren unter gewissen Bedingungen«. wie er sie nannte. »Freud hat bislang die nach meinen besten Theorien über den Geist aufgestellt. die es als unangemessen betrachte. fuhr Minsky fort. daß der Geist aus vielen Komponenten besteht«. daß die Ansätze von Erzbehavioristen wie Iwan Pawlow. und es gibt eine Reihe essentieller Ziele. Das Über-ich unterdrücke Triebregungen. . »Diese Ansätze erzeugen immer wieder Wogen der Begeisterung. »muß man über diese Metatheorien hinausgelangen«. Und dazwischen läuft das Denken ab. die auf irgendeine spezielle.

der die richtigen Experimente durchgeführt hätte. Stephane Zrehen. Der »Geist« des Hundes sollte aus mehreren Instinkten . ist der Ansicht. psychoanalytische Annahmen könnten in künstlichen Denkmaschinen erkundet und überprüft werden. »Wenn Menschen wüßten. unser mangelhaftes Selbst aus Fleisch und Blut zu überwinden und uns in sehr viel leistungsfähigere Maschinen zu verwandeln. »Er wäre der erste gewesen.und einem »Ich« bestehen. einen RoboterHund zu bauen.312 . daß unsere Selbsterkenntnis uns eines Tages die Macht gebe. arbeitete er gerade an einem Buch mit dem Titel The Emotion Machine.« Mindestens ein junger KI-Forscher teilt Minskys Sympathien für die Freudsche Theorie. In einem Vortrag mit dem Titel »Psychoanalytische Konzepte für die Steuerung von Emotionen in Robotern«42 schlug Zrehen vor. daß wir uns weiterentwickeln und nicht in unserem gegenwärtigen Zustand der Dummheit verharren. »Damit ist der Mensch gemeint«.« Doch zu Zeiten Freuds habe man nicht über derartige Instrumente verfügt.Freud habe seine Theorien nicht hinlänglich überprüft. wie ihr Geist funktioniert«. »könnten sie sich selbst verändern.dem Bedürfnis. Zrehen ging 1998 auf einer Tagung der American Association for Artificial Intelligence näher auf seine Vorstellungen ein. der am California Institute of Technology arbeitet. sagte er. Das Buch gebe seine Ansichten über den »Alltagsverstand und die ihm zugrunde liegenden Prozesse« wieder. »Meines Erachtens ist es für uns wichtig. das Buch werde Menschen helfen. ein in Frankreich geborener Wissenschaftler. Als ich Minsky interviewte. als unbegründet ab. »Bei solchen Experimenten führt man Elektroden ins Gehirn ein. sowie dem Wunsch nach Zuwendung .« Minsky teilte auch Freuds Glauben an den therapeutischen Nutzen der Introspektion. . zu essen und zu defäkieren. Er hoffe. sagte er über den Titel.« Doch anders als Freud hoffe er. ihre Gedanken und Handlungen besser zu verstehen und dadurch mehr Kontrolle über sie zu gewinnen.

sehr leicht mit neuronalen Netzen simulieren lassen«. die notwendig sind. werde ich ausgeschimpft«. »wenn ich mein Geschäft draußen verrichte.« Die Bedeutung des Turing-Tests Die Vereinigung von Künstlicher Intelligenz und Psychoanalyse ist nach Ansicht der Soziologin Sherry Turkle nicht so weit hergeholt. daß »sich komplexe Fähigkeiten. »auch wenn ich noch so laut belle. Das »Ich« könne dem Hund helfen. definierte. werde ich am Kopf getätschelt«. wie es sich anhört. wie sie etwa dem Ich zugeschrieben werden.das Ziehen als »eine Geistesagentur. das mit einer Psyche ausgestattet ist. den Behaviorismus. Kompromisse zwischen inneren Trieben und den Forderungen der Außenwelt zu finden«. oberflächlich betrachtet. füttert es mich«.313 . die eine Ausbildung als Psychoanalytikerin absolviert hat. »wenn ich aufs Sofa springe. Turkle. die dafür zuständig ist. ist zu einer Psychiaterin der Cybergeneration geworden. so das Fazit von Zrehen. grundverschieden anmutenden Ansätzen zur Erforschung des Geistes hin. »sollten weitere psychoanalytische Schlüsselbegriffe in das gegenwärtige Modell des Ich einbeziehen. mehrere wichtige Lektionen zu lernen: »nach dem Essen werde ich Gassi geführt«. »nachdem mein Herrchen nach Hause gekommen ist und seinen Hut und Mantel abgelegt hat. »wenn ich mein Geschäft im Wohnzimmer verrichte. Zrehen behauptete. um sämtliche Elemente zu simulieren. Künstliche Intelligenz und Psychoanalyse hätten einen gemeinsamen Feind. um ein künstliches Geschöpf zu entwickeln. werde ich ausgeschimpft«. »Künftige Forschungen«. In einem Aufsatz mit dem Titel »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance« wies sie 1988 auf mehrere Gemeinsamkeiten zwischen. werde ich morgens nicht gefüttert«. der das Gehirn als eine black box .

sondern wegen meiner Reaktion auf ›ihn‹. Cog selbst in Augenschein zu nehmen und in Erfahrung zu bringen. indem sie die Kognition auf Rechenprozesse zurückführe. ob es überhaupt so etwas wie ein Selbst gibt. Dieser Besuch erschütterte mich . so Turkle weiter. ein wenig anders. was hinter dem ganzen Wirbel um ihn stecke. ob das Selbst frei ist. »Das Projekt ist umstritten: Einige sehen darin ein hervorragendes Experiment. das die Idee einer mit einem Körper versehenen emergenten Intelligenz ernst nimmt. wo bleibt dann das Selbst? Sie stellt nicht nur in Frage. Das freudianische Unbewußte »stellt ein dezentriertes Selbst dar«. sondern auch.behandele. und ich muß gestehen.«43 In ihrem 1998 erschienenen Buch Leben im Netz beantwortete Turkle die Frage. Einmal war ich sicher. Sie beschrieb ihre Begegnung folgendermaßen: Da ihm beigebracht worden war. den ihr MIT-Kollege Rodney Brooks gebaut hatte. ›bemerkte‹ mich Cog kurz nach dem Betreten des Raumes.nicht etwa wegen Cogs Leistungen. dem humanoiden Roboter. die Psychoanalyse. indem sie die Rolle unbewußter Vorgänge betone. ob eine Maschine ein Selbst besitzen könne. »Der KI wohnt sogar eine noch bedrohlichere Herausforderung inne: Wenn der Geist ein Programm ist. Er drehte . Sie hatte faszinierende Berichte von Cog gehört. für andere ist es nichts als ein verstiegenes Hirngespinst. und die Künstliche Intelligenz. Wenn ich Rodney Brooks früher von seinen robotischen ›Geschöpfen‹ sprechen hörte. war ich immer . Beide Disziplinen stellten überkommene Vorstellungen von Willensfreiheit und Selbst in Frage. das größte sich bewegende Objekt in seinem Wahrnehmungsfeld zu verfolgen (weil es sich dabei in der Regel um einen Menschen handelt).seinen Kopf. Cog hätte meinen Blick ›aufgefangen‹ und beantwortet. deren interne Prozesse nur durch Erforschung ihrer Inputs und Outputs rekonstruiert werden könne. ich fühlte mich dadurch geschmeichelt: Mit einem anderen Besucher wetteiferte ich um Cogs Beachtung.mir folgend .314 .« Sie beschloß.

Wenn die Person beispielsweise eingab: »Ich spüre gegenwärtig eine gewisse Angst«.44 Cog ist wohl kaum das einzige Produkt der KI. die Nachfahren von ELIZA würden menschliche Therapeuten ersetzen. »Bitte. nicht . Gegen meinen Willen und trotz meiner fortbestehenden Skepsis gegenüber diesem Forschungsprojekt hatte ich mich verhalten. Wenn es dem Programm nicht gelang. nach meiner Bekanntschaft mit Cog. sondern auch einige Psychiater und Psychoanalytiker behaupteten. mit Kommentaren.sorgsam darauf bedacht gewesen. Nicht nur KI-Forscher. die die Äußerungen eines Psychotherapeuten nachahmten. selbst hochintelligente Gesprächspartner in seinen Bann zu ziehen. ein Muster zu erkennen. das in den sechziger Jahren entwickelt wurde und den Namen ELIZA trug. als wäre Cog eine andere Person. antwortete ELIZA: »Weshalb spüren Sie Ihrer Meinung nach gegenwärtig eine gewisse Angst?« Sobald ein Schlüsselwort wie »Mutter« (oder »Vater« oder »Träumen« oder »Familie« oder wie das Schlüsselwort sonst lautete) erwähnt wurde. griff es auf allgemeine Bemerkungen zurück. Doch jetzt. sah ich diese Anführungszeichen dahinschwinden. das bei einem Menschen solche Reaktionen auslöst.315 . fahren Sie fort« oder »Das ist sehr interessant«. das ihm erlaubte. erzielte ähnliche Wirkungen. ELIZA reagierte auf Nachrichten. dieses Wort im Geist in Anführungszeichen zu setzen. Ein Expertensystem. Sein raffiniertester Trick bestand darin. wie: »Erzählen Sie mir mehr darüber«. Diese Prophezeiung wirkte angesichts der Fähigkeit von ELIZA. eine so spezifische Antwort zu erzeugen. löste dies unverzüglich die Antwort aus: »Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Mutter«. die von einem menschlichen Patienten in einen Computer eingegeben wurden. bestimmte Ausdrücke aus den Botschaften des Patienten herauszugreifen und sie in eine seiner stereotypen Antworten einzubauen.

um mit Turkle zu sprechen? Im Jahr 1950 schlug der britische Mathematiker Alan Turing. begann dennoch.einmal sonderlich verstiegen. lautet: Denken und empfinden Maschinen genauso wie wir. Auf der einen Seite einer Leinwand sitzt ein Schiedsrichter. der den Turing-Test besteht. Nach der starken KI-Hypothese besitzt ein Computer. ELIZA fragte den russischen Wissenschaftler: »Was hat Sie heute zu mir geführt?« Der Russe antwortete: »Ach. und waren gleichwohl wie gebannt. dem Rechner seine Sorgen wegen seiner Frau.316 . gaben uns alle Mühe. welche Antworten vom Computer stammen und welche vom Menschen. besitzen sie ein Selbst. ein einfaches empirisches Verfahren zur Beantwortung dieser Frage vor. das ist alles.Entfernung von ihnen anzuvertrauen. nicht hinzusehen.«45 Die tiefgreifendste Frage. nichts besonderes. Wenn uns eine Maschine davon überzeugt.»Weshalb fühlen Sie sich Ihrer Meinung nach etwas erschöpft?« erwiderte ELIZA.geographischen und emotionalen . seiner Kinder und der großen . was nun folgte: »Unser Gast. die an der Universität Stanford stattfand. die die KI aufwirft. Bewußtsein. Ich fühle mich etwas erschöpft. ein Pionier der Informatik.« . daß sie empfin. In Machines Who Think schilderte Pamela McCorduck eine Interaktion zwischen ELIZA und einem russischen Informatiker. McCorduck beschrieb. Der Dialog begann mit einer einfachen Bemerkung. Wir beobachteten dies peinlich berührt. ein international renommierter Informatiker. Wenn der Schiedsrichter nicht herausfindet. der genau wußte. ist der Computer definitionsgemäß denkfähig. auf der anderen Seite befinden sich ein Computer und ein Mensch. daß er es mit einem Computer und nicht etwa einer Person zu tun hatte. Doch die Reaktion des an Heimweh leidenden russischen Wissenschaftlers auf ELIZA und der Soziologin Sherry Turkle auf Cog offenbart den Fehler im Turing-Test. Der Schiedsrichter gibt über ein Datenendgerät Fragen an den Computer und den Menschen weiter.

daß sie kein Bewußtsein besitzen. das uns ermöglicht. von denen er weiß. Als der Philosoph Joseph Levine den Begriff »Erklärungslücke« prägte.317 . sondern auch Unwettern. Die Kontroverse über die Frage. Nach einer der faszinierendsten Hypothesen. als die Werke eines zornigen oder liebenden Gottes.46 Schädigungen des »Psychologiemoduls« verursachen möglicherweise Autismus. Dürren und Sternschnuppen Empfindungsfähigkeit und komplexe psychische Zustände zu. So schreiben wir nicht nur anderen Menschen und Tieren. einem überaktiven »Psychologiemodul« . Ich persönlich ziehe die Definition von Bewußtsein vor. komplexe psychische Zustände zu. die aus diesem Gebiet hervorgingen. Die Evolutionspsychologie liefert uns vielleicht einige Aufschlüsse über dieses Phänomen. Viele von uns sind jedoch mit dem umgekehrten Problem konfrontiert. den psychischen Zustand anderer Menschen intuitiv zu erfassen und auf diese Weise ihre Handlungen vorherzusagen. Hirnforscher und Philosophen können sich nicht einmal auf eine gemeinsame Definition von Bewußtsein verständigen. vorzunehmen. sagt dies möglicherweise viel weniger über die Maschine aus als über uns. ist jedoch nur eine Facette der umfassenderen Kontroverse über das Phänomen Bewußtsein. Auch der scharfsinnigste menschliche Beobachter schreibt unwillkürlich selbst Objekten. bezog er sich damit auf das Geheimnisvollste aller Nebenprodukte des Gehirns. Das »Psychologiemodul« gab uns einst die Religion. . ob Maschinen denken und fühlen können. besitzen alle normalen Menschen ein angeborenes »Psychologiemodul«.dungsfähig sei. und heute gibt es uns die starke KIHypothese. Autisten scheinen oftmals keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Menschen und unbelebten Objekten. Wir deuten selbst die Phänomene. wie etwa Tischen und Stühlen. geschweige denn auf eine gemeinsame Erklärung. die offenkundig durch bloßen Zufall ausgelöst wurden.

deren Sinn sich nur begreifen läßt. das sich dem Zugriff aber entzieht. Der Ausdruck läßt sich nicht definieren . Gedanken und Empfindungen haben. wurde darüber geschrieben. Bewußtsein liegt jedoch schon dann vor. was es tut und warum es entstanden ist.«47 .außer durch Ausdrücke. wenn Bewußtsein von der Außenwelt vorliegt. wenn man weiß. was sich zu lesen lohnt. was Bewußtsein bedeutet. Es ist unmöglich anzugeben. Nichts.318 . Oft wird irrigerweise Bewußtsein mit Selbstbewußtsein gleichgesetzt.die der britische Psychologe Stuart Sutherland in The International Dictionary of Psychology aufstellte: »Wahrnehmungen. was es ist. Bewußtsein ist ein faszinierendes Phänomen.

Jahrhundert Daß etwas so Eigenartiges wie ein Bewußtseinszustand der Reizung von Nervengewebe entspringen kann. diese Maschine werde vergrößert. normale Reaktionen. GÜNTHER STENT. kann man das Bewußtsein in Verbindung bringen? Rund oder eckig. die einander stoßen und bewegen. so daß man sie wie eine Mühle betreten könnte. 1/14 Materie kann sich von Materie nur in Form. Gefühle und die Wahrnehmung erzeugt. in welcher Abwandlung und Kombination auch immer. JULIAN HUXLEY. groß oder klein zu sein. etwas außerordentlich Wichtiges entdeckt zu haben: eine Theorie. deren Struktur das Denken. daß die physiologischen Prozesse. nehmen wir an. Jahrhundert Die Suche nach einer ›molekularen‹ Erklärung des Bewußtseins ist Zeitverschwendung. Monadologie. DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Nehmen wir eine Maschine an. GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ. 19. Unter dieser Annahme könnte man also das Innere der Maschine aufsuchen. aber niemals etwas. fest oder flüssig. das die Wahrnehmung erklären könnte.319 . 20. die etwa in der Leber ab1 laufen.8. Bewegung und Bewegungsrichtung unterscheiden: Mit welchem davon. SAMUEL JOHNSON. die dieser vollkommen subjektiven Erfahrung zugrunde liegen. ist geradeso unerklärlich wie das Erscheinen des Dschinn. 18. die behaupten. da sich zeigen wird. sich langsam oder schnell in diese oder jene Richtung zu bewegen. Dichte. die nicht interessanter oder uninteressanter sind als die Prozesse. behalte aber dieselben Proportionen. nichts anderes sind als scheinbar gewöhnliche. . Jahrhundert 1 I m Verlauf seines beruflichen Lebens erhält jeder Wissenschaftsjournalist Briefe von Menschen. sind Arten der materiellen Existenz. die alle dem Wesen der Wahrnehmung gleichermaßen fremd sind. wenn Aladin die Wunderlampe reibt. aber was würde man dort beobachten? Nichts anderes als Teile. Ausdehnung.

die beweise. in dem . Das Manuskript umfaßt manchmal Dutzende oder auch Hunderte von handgeschriebenen Seiten. die vollgepackt sind mit unverständlichen Wörtern und mathematischen Symbolen. Oft wechselt auch ständig die Farbe des Kugelschreibers oder Bleistifts. Gott (oder. eine Neuformulierung der Quantenmechanik. Vielmehr rührt der Gedanke. ein auf einer Seite niedergeschriebener Beweis von Fermats letztem Satz oder auch schlicht die Weltformel. einer von ihnen hätte vielleicht tatsächlich die allumfassende Erklärung gefunden. -Darwins und -Einsteins einfach zu ignorieren. Die Autoren benutzen gewöhnliche Schriftarten. schlimmer noch. Wittgenstein) erhebt immer wieder sein Haupt. Die Briefschreiber stehen im allgemeinen in keiner Beziehung zu staatlichen Institutionen (ausgenommen Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken). wie ich glaubte -. Ein wochenlanges Hin und Her von Briefen. und sie sehnen sich nach Anerkennung. daß Einsteins Konzeption von Raum und Zeit falsch sei. bauen ihre Argumentation sorgfältig auf und berufen sich nur ganz selten auf Gott oder Wittgenstein.. . schrieb ich dem Autor . Am verstörendsten sind die Briefe. mit Großbuchstaben und Ausrufungszeichen.in ironischem Tonfall. die am klarsten. setzen Formeln wohlüberlegt ein.. Dennoch fällt es mir noch immer nicht leicht.ein Verfahren zum überlichtschnellen Transport beschrieben wurde (der Briefkopf wies den Schreiber als Vorsitzenden der Transluminal Industries. Die Erfahrung hat mich gelehrt. daß ich dächte. Amüsiert von einem Schreiben. wie ich glaubte . Faxschreiben und Anrufen war die Folge.320 . aus). all diese Möchtegern-Newtons. Inc. schief.ironischerweise. Nicht etwa.. Und dennoch wirkten sie irgendwie . ob ich Aktien an seinem Unternehmen erwerben könne. solche Briefe am besten nicht zu beantworten. Einige Schreiben sind offensichtlich Produkte klinischer Geistesstörung. intelligentesten und gelehrtesten sind. zitieren anerkannte Quellen.

wie etwa der Universität Oxford und dem California Institute of Technology. in Kontakt zu bringen.2 Die Tagung lieferte eine Quintessenz um nicht zu sagen Karikatur . die eine letzte Wahrheit entdeckt haben. . mein abgestumpftes Herz. Neurowissenschaft. experimentelle Daten. Eine solche Konferenz liefe vermutlich ähnlich ab wie eine Tagung an der Universität von Arizona in Tucson. jede Person. daß das Treffen langweilig gewesen wäre. »Toward a Scientific Basis of Consciousness«. an der ich im April 1994 teilnahm.der Erkenntnisse aller wissenschaftlichen Fachgebiete. die die Welterklärung gefunden zu haben glaubt. mit all den anderen. Neurologie. Manchmal wünschte ich mir.. Die Stimmung wurde gleich zu Beginn von einem der Organisatoren. schief.auch wenn ein solcher Beschluß äußerst unwahrscheinlich wäre. Psychiatrie. wobei die ganze Zersplitterung und Begriffsverwirrung in diesen Bereichen gleichsam tausendfach vergrößert zum Vorschein kam. Künstliche Intelligenz. Viele der Teilnehmer waren berühmte Professoren an bedeutenden Hochschulen. welche Erklärung die beste sei . Im Idealfall träfen sie sich auf einer Konferenz zu einem Meinungsaustausch und stimmten darüber ab.Fachtermini.321 .. Praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen (und nicht wenige pseudowissenschaftliche und sogar wissenschaftsfeindliche) waren vertreten: Psychologie. Gleichungen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. wie sich zeigen sollte) als die »erste interdisziplinäre Wissenschaftskonferenz zum Thema Bewußtsein in den Vereinigten Staaten« angekündigt.daß sich diese einsamen Wahrheitssucher nach Bestätigung oder zumindest einer Reaktion von dieser gleichgültigen Welt sehnen. Dennoch wirkten sie alle irgendwie . Chaostheorie. Physik und natürlich die Philosophie. Nicht. wurde (fälschlicherweise. Ihre Vorträge wiesen alle Kennzeichen eines ernstzunehmenden wissenschaftlichen Diskurses auf . Mathematik. so ihre Überschrift.

Doch die Stange hatte diesen modernen Phineas Gage nicht getötet. ein dänischer Physiker. der zur Clique der Quantenbewußtseinstheoretiker gehörte. das ihm in einer örtlichen Klinik verabreicht wurde. entfuhr ihm ein begeistertes: »Mann! Das ist ja hier wie in Woodstock!« Später führte er das beste Dia der Konferenz vor. versetzte ihn in Bewußtlosigkeit. die bei relativ hohen Temperaturen auftrete. Ein langes Stück Stahl ragte aus beiden Schläfen hervor. zeige. Hameroff berichtete.also nicht vorhersagbare. wie robust Bewußtsein sein könne. setzten meist stillschweigend voraus. der Hochburg der modischen Komplexitätsforschung. so Hameroff. ja ihm nicht einmal das Bewußtsein geraubt. während seiner Begrüßungsanprache den Blick über die bunt zusammengewürfelte Menge schweifen ließ. Erst ein Narkotikum. behauptete. Steen Rasmussen. irreduzible und ganzheitliche . Es zeigte einen Mann mit langen dünnen Haaren und brutalem Gesicht.322 .3 Er meinte. daß »Thiopental [ein Injektionsnarkotikum] mächtiger ist als das Schwert«. der Begriff der Willensfreiheit lasse sich möglicherweise durch »Verursachung von oben nach unten« erklären. Als Hameroff. so Rasmussen weiter. dem die Stange bei einem Streit um Drogen in den Kopf gerammt worden sei. Jeder vorstellbare Erklärungsansatz für das Phänomen Bewußtsein hatte in Tucson seine Anhänger. der frontal in die Kamera schaute: seine Augen quollen hervor. und er biß vor Wut und Schmerz die Zähne zusammen. Dieser Vorfall. ein HippieTyp mittleren Alters mit Spitzbart und Pferdeschwanz. so wie die Supraleitfähigkeit eine emergente Eigenschaft gewisser keramischer Verbindungen sei. der Mann sei ein Strafgefangener. auf den Punkt gebracht. Bewußtsein sei womöglich eine »emergente« .dem Anästhesisten Stuart Hameroff von der Universität von Arizona. Wissenschaftliche Erklärungen. Eine andere Lektion sei.Eigenschaft des komplexen Verhaltens des Gehirns. der am Santa-Fe-Institut arbeitet. daß der Ursachenzusammen.

daß es offenbar kein neurales Korrelat zu den Laserstrahlen gab. Eine Schwäche von Pribrams ursprünglichem holographischem Modell lag darin. Der erfahrene Neurowissenschaftler Karl Pribram. der dreißig Jahre lang in Stanford lehrte und dann 1989 an die Radford-Universität wechselte. man kann daher das gesamte Bild aus einem winzigen Element rekonstruieren. die er in den sechziger Jahren aufgestellt hatte.4 Pribram hatte die Hypothese formuliert. ein emergentes Phänomen wie der menschliche Geist sei bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den kleinen Prozessen. diese oszillierenden Neuronen erzeugten sehr schwache elektrische Felder. wenn auch in geringerer Auflösung.ähnlich wie Lichtwellen in einem Laser . daß das Gedächtnis in einer ähnlichen Weise wie die Holographie funktioniere. die Hologramme erzeugen. bei der ein dreidimensionales Bild durch Überlagerung zweier Laserstrahlen erzeugt wird.323 . und könne sogar eine gewisse Kontrolle über diese ausüben. Eines der bemerkenswertesten Merkmale eines Hologramms besteht darin. Doch die Verursachung könne auch von oben nach unten erfolgen. . Später fanden Forscher jedoch heraus. Nach Ansicht von Pribram können in gleicher Weise aus kleinsten Gedächtnisspuren vollständige Erinnerungen hervorgehen. in sich trägt. aus denen es hervorgehe. daß jeder beliebige Ausschnitt des Bildes das gesamte Bild. zur Debatte. die den Lichtwellen in einem Hologramm entsprächen. Pribram behauptete. So lasse sich die Willensfreiheit erklären. daß das Gesamtverhalten eines Systems durch das Verhalten seiner kleinsten Elemente festgelegt werde. Überlagerung und Resonanz zwischen den sich überlagernden Feldern könnten so Erinnerung.oftmals wiederholt synchron und in derselben Frequenz entladen. daß sich große Verbände von Neuronen . stellte eine aktualisierte Version einer einstmals populären Theorie. das bedeute.hang nur »von unten nach oben« verlaufen könne.

aber nur wenige erbrachten eindeutige Ergebnisse. seien quantenphysikalische Fluktuationen der Vakuumenergie des Universums. den Knopf zu drücken. Diese Befunde förderten vielleicht auch Erhellendes über das Rätsel Bewußtsein zutage. es sei Zeit. Daten von Sensoren an den Fingern zeigten. daß die Physiker tiefreichende Zusammenhänge zwischen der Quantenmechanik. daß Materie und Geist aus einer tieferen Quelle. der Thermodynamik und schwarzen Löchern entdeckt hätten. ihre Finger abbogen. in meinem Gehirn gibt es ein schwarzes Loch!« fiel ihm ein vermutlich überforderter Zuhörer ins Wort. hervorgingen. die »in Wirklichkeit Gott ist«. . so versicherte sie.324 . Doch ein Elektroenzephalograph.2 Sekunden nachdem sie den Entschluß gefaßt hatten.3 Sekunden bevor sie bewußt den Entschluß trafen. wiederholte die Kernthese ihres 1990 erschienenen Buches The Quantum Seif 5. fügte er hinzu. »aber . Auf der Konferenz mangelte es nicht an empirischen Studien. . dem »Quant«. . den Dualismus zu überwinden und zu erkennen. Danah Zohar.Wahrnehmung und andere mentale Funktionen hervorbringen. Sie sagte. einen Aktivitätsgipfel generierte. daß das Gehirn der Versuchspersonen im Schnitt 0. zeigte. Der Psychologe Benjamin Libet6 von der Universität von Kalifornien in San Francisco beschrieb ein Experiment. der Informationstheorie. zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl einen Finger abzubiegen. daß die Versuchspersonen im Schnitt 0. Nach ihrem Vortrag wies einer der Zuhörer darauf hin. während sie den Augenblick ihres Entschlusses mit einer Uhr festhielten. Die menschlichen Gedanken. « . der die Hirnwellen aufzeichnete.»Ich glaube. die zunächst am MIT Physik und anschließend bei dem Psychoanalytiker Erik Erikson an der HarvardUniversität Philosophie und Religion studierte. bei dem die Versuchspersonen gebeten wurden. »Es gibt kein schwarzes Loch in unserem Gehirn«.

nichts zu sehen. Er wies vorsichtig auf eine mögliche Konsequenz seiner Studien hin: Vielleicht bestehe die Willensfreiheit nicht darin. Absichten zu initiieren.»Der eigentliche Beginn der Willensbildung fand möglicherweise noch früher in einer Region des Gehirns statt. Ein Arzt aus Kalifornien (der zuvor Exemplare eines selbstverlegten Buches verteilt hatte. doch ihr Gehirn empfängt und verarbeitet auf einer bestimmten Ebene weiterhin visuelle Informationen. ob seine Befunde etwas mit der Frage der Willensfreiheit zu tun hätten.durch Krankheiten oder Verletzungen geschädigt worden waren. der an Blindsichtigkeit leidet.und somit auch mentalen Fähigkeiten . wissen sie dann immer weniger um ihren Gedächtnisverlust. das Blindsichtigkeit genannt wird. . zu raten. wird er in vielen Fällen die richtige Antwort liefern. was das Bild zeige. die in verschiedenen Regionen des Zentralnervensystems angesiedelt sind. behauptet er. sondern sie zu verwerfen. das Gesicht verziehend. in dem er Ratschläge darüber gab. Andere Vorträge bezogen sich auf Menschen. Mehrere Forscher sprachen über hirngeschädigte Patienten. nachdem sie aus dem Unbewußten aufgestiegen seien. daß Alzheimer-Patienten im Frühstadium der Erkrankung eine Phase durchlaufen. deren Aktivität wir nicht ableiteten«. gutzuheißen oder anderweitig auf sie zu reagieren. Ein Forscher zeigte. meinte Libet. »Ich konnte dieser Frage immer aus dem Weg gehen«. Das Phänomen der Blindsichtigkeit deutet darauf hin.325 . beispielsweise ein Bild eines Löwen vor. in der sie sich ihres Gedächtnisverlustes in qualvoller Weise bewußt sind. Fordert man ihn dann auf. wie sich ihre Erinnerungsfähigkeit weiterverschlechtert. Diese Patienten sind zwar subjektiv blind. die an einem seltsamen Syndrom litten. antwortete Libet. deren Gehirne . daß Wahrnehmung und Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad getrennte Phänomene sind. »wie man glücklich wird«) fragte Libet. In dem Maße. Legt man einem Menschen.

Er war enttäuscht. sondern von sämtlichen Erscheinungen der Natur. die um die Vorherrschaft konkurrierten.« Anschließend legten die Forscher der Frau ein Blatt Papier vor. die die beiden Hemisphären des Gehirns miteinander verbinden. daß Chirurgen die Nervenfasern durchtrennt hatten. verzweifelt um eine Antwort ringend: »Ja! Moment mal! Nein! Ja! Nein. Obgleich die Operation ihre Epilepsie gelindert hatte.326 . die an einer so schweren Epilepsie litt. ja. Ich gab zu be. Die Frau starrte das Blatt einen Augenblick lang an. nein! Moment mal. und baten sie. auf dem die Wörter ja und nein standen. auf die richtige Antwort zu deuten. besaß sie anschließend zwei Bewußtseinszentren. man könne die beiden »Selbste« der Frau durch Konfliktbewältigungsstrategien darin schulen. die über Nervenbahnen mit nur einer Hemisphäre in Verbindung stand. besser miteinander auszukommen. Als sie gefragt wurde. sagte ein Journalist. »Dort spielt die Musik«. Wem die offiziellen Vorträge zu fad waren. der eine Art Leinenpyjama trug.Ein Neurologe von der Universität von North Dakota führte ein Video über eine junge Frau vor. eine Empfindung spüre. Ein Psychotherapeut unter den Zuhörern meinte im Anschluß. Einmal ließ ich mich in der Halle auf eine Diskussion mit einem großen glatzköpfigen Mann ein. ob sie in ihrer linken Hand. Pflanzen und Steinen. daß selbst gesunde Menschen eine gewisse Fragmentierung ihres Selbst erlebten. daß nahezu alle Konferenzteilnehmer Bewußtsein so eng definierten. Ein anderer machte den Vorschlag. ja aufgebracht. Dann tippte ihr linker Zeigefinger auf »Ja« und ihr rechter Zeigefinger auf »Nein«. schrie sie. Bewußtsein war seines Erachtens offensichtlich nicht nur eine Eigenschaft von Menschen und anderen höheren Lebewesen. der einen Nasenring und einen fünfzehn Zentimeter langen geflochtenen Kinnbart trug und für ein unbekanntes Internetmagazin über die Tagung berichtete. der konnte in der Halle vor dem Hörsaal noch exotischere Kost genießen. wie Wanzen.

. und wenn ich nicht so engstirnig bliebe. die wissenschaftlichen Anforderungen genügten. Der Mann im Pyjama erwiderte erregt. er habe einst wie ich an einem äußerst engen materialistischen Paradigma festgehalten. Koch dürfte maßgeblich für das stark gewachsene wissenschaftliche Interesse am Bewußtsein verantwortlich sein. daß es die Wissenschaft bei der Erklärung von Bewußtsein nicht sonderlich weit brächte.denken. es sei an der Zeit. Er habe es jedoch überwunden. Er widmete dieses Buch Koch.7 Im Gegensatz zu den Annahmen von Psychologen. in einem gemeinsam verfaßten Aufsatz. »ohne dessen Energie und Enthusiasmus dieses Buch nie geschrieben worden wäre«.327 . vergleichbar jenen. Im Jahr 1990 verkündeten er und Francis Crick. wenn sie es derart weit definierte. die die Vererbung auf der Basis der DNA erklärten. Philosophen und anderen Wissenschaftlern könne man Bewußtsein und andere mentale Phänomene niemals richtig verstehen. wenn man das Gehirn als eine black box behandele. ginge die Spitzenposition vermutlich an Christof Koch. könnte ich das vielleicht auch. Crick führte diese Ideen in seinem 1994 erschienenen Buch Was die Seele wirklich ist8 weiter aus. Christof Kochs Bewußtsein Wenn man die verschiedenen Konkurrenten in diesem wissenschaftlichen Wettstreit plazieren müßte. Nur durch gründliche Erforschung der Nervenzellen und der Wechselwirkungen zwischen diesen könnten Wissenschaftler Modelle entwickeln. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler dieses Jahrhunderts. einen deutschstämmigen Neurowissenschaftler vom California Institute of Technology. Bewußtsein zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Erforschung zu machen.

Kochs Energie und Enthusiasmus waren in seinem Vortrag in Tucson geradezu körperlich zu spüren. Dieser hochgewachsene, schlanke Mann, der mit deutschem Akzent sprach und seine Worte stakkatoartig herunterrasselte, ging während seines Vortrags mit federnden Schritten auf dem Podium hin und her und hielt nur inne, um schnell ein Dia zu zeigen oder einen Witz zu machen. Er erinnerte die Zuhörer daran, daß er und Crick Bewußtsein als die Fähigkeit des Gehirns definiert hätten, sich auf eine bestimmte Anzahl von all den Phänomenen, die auf es einwirken, zu konzentrieren. Dann werde die entscheidende Frage zu einer scheinbar einfachen: Auf welche Weise werde sich das Gehirn zum Beispiel eines Gesichts in einem Raum voller Menschen bewußt? In Wahrheit aber sei das Problem ziemlich kompliziert, erklärte Koch, weil selbst eine einzige visuelle Szene in vielen verschiedenen Regionen des Gehirns verarbeitet werde. »Es gibt nicht einen Ort, an dem alles zusammenläuft.« Er fügte hinzu, diese scheinbar verteilte Struktur des Bewußtseins sei, evolutionsbiologisch gesehen, sinnvoll, da das Gehirn dann nicht so leicht durch eine einzelne, örtlich begrenzte Verletzung außer Betrieb gesetzt werden könnte. Welche Mechanismen aber verwandeln das Entladen von Neuronen in zahlreichen Regionen des Gehirns zu einer einheitlichen Wahrnehmung? »Dies ist das Bindungsproblem«, erklärte Koch. Wenn es den Neurowissenschaftlern gelänge, das Bindungsproblem zu lösen - das ich das Dilemma des Reduktionismus genannt habe -, so Koch, hätten sie einen großen Schritt in Richtung einer Lösung des Bewußtseinsproblems getan. Auf eine mögliche Lösung des Bindungsproblems hätten Experimente hingedeutet, die zeigten, daß sich Neuronen in verschiedenen Teilen des Gehirns gelegentlich mit derselben Frequenz entladen - etwa vierzigmal pro Sekunde. Koch bat die Zuhörer, sich das Gehirn als einen Weihnachtsbaum mit Milliarden von Lichtern vorzustellen, die scheinbar rein zufäl- 328

lig aufleuchteten. Dieses Blinken stelle die Antwort unseres visuellen Kortex auf ein Zimmer voller Menschen dar. Plötzlich beginne eine Teilmenge dieser Lichter mit derselben Frequenz zu blinken, nämlich vierzigmal pro Sekunde, wenn sich der Geist auf ein bestimmtes Gesicht konzentriere beziehungsweise sich dessen bewußt werde. Koch räumte ein, daß die empirischen Beweise für 40-Hertz-Oszillationen recht dürftig seien; sie seien am deutlichsten bei narkotisierten also bewußtlosen – Katzen nachgewiesen worden. Eine andere Form der Bindung könnte schlichte Gleichzeitigkeit sein; die Neuronen entladen sich lediglich zur selben Zeit und nicht unbedingt mit derselben Frequenz. Spärliche Belege für diese Gleichzeitigkeit hätten ebenfalls Tierexperimente geliefert, so Koch. Ein Zuhörer, der Widerspruch gegen Kochs Ausführungen erhob, war Walter Freeman, ein großer, schlanker Neurowissenschaftler mit weißem Bart, der an der Universität von Kalifornien in Berkeley lehrt. (Freemans Vater war der Neurochirurg, der in den fünfziger Jahren die Lobotomien in den Vereinigten Staaten populär gemacht hatte.) Freemans Kritik hat Gewicht, weil er als einer der ersten die neuronalen 40Hertz-Oszillationen untersuchte. Diese Oszillationen mögen zwar in einem gewissen Zusammenhang mit dem Phänomen Bewußtsein stehen, doch seien sie wohl kaum der Schlüssel zur Erklärung des Problems, ebensowenig wie die Sauerstoffaufnahme oder die Durchblutung oder andere ubiquitäre Phänomene. 40-Hertz-Oszillationen seien »eine Sackgasse, ein Holzweg«, sagte er. »Die gegenwärtige Woge der Begeisterung ist durch nichts gerechtfertigt.« Freeman befürwortete ein komplexeres Modell des Bewußtseins, das auf der Chaostheorie aufbaut. Chaotische Systeme scheinen zufallsgesteuert zu sein, während sie in Wahrheit eine verborgene Ordnung aufweisen, die mit mathematischen Objekten, die als Attraktoren bezeichnet werden, beschrieben
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werden kann. Chaotische Systeme zeigen eine sogenannte empfindliche Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen; man spricht bildhaft vom Schmetterlingseffekt. Grundsätzlich kann das Flattern eines Schmetterlings etwa in Iowa eine Kaskadenwirkung auslösen, die in einem Monsun in Indien gipfelt. Indem Freeman die Entladungsmuster großer Verbände von Neuronen graphisch darstellte, konnte er zeigen, daß sie chaotische Muster erzeugen. Dieses Verhalten könne die Fähigkeit des Gehirns erklären, mit erstaunlicher Schnelligkeit auf komplexe Sinnesdaten zu reagieren, so seine Hypothese. Der Anblick eines vertrauten Gesichts etwa löse möglicherweise eine nahezu sofortige Verschiebung im chaotischen Entladungsmuster einer Gruppe von Neuronen im visuellen Kortex aus, die zum Erkennen der Person führe. Doch er räumte ein, daß seine Theorie nur - bestenfalls - ein Steinchen des Puzzles sei.9 Der Philosoph Owen Flanagan von der Duke-Universität meinte ebenfalls, daß das Rätsel Bewußtsein höchstwahrscheinlich nicht mit einem Mechanismus allein - egal ob mit Freemans chaotischen neuronalen Entladungsmustern oder Kochs 4O-Hertz-Oszillationen - gelöst werden könne. Möglicherweise gebe es ebenso viele Formen von Bewußtsein wie von Erinnerung und Wahrnehmung. Unsere bewußte Wahrnehmung des Geruchs einer Katze sei möglicherweise das Produkt einer ganz anderen Menge von Neuronen und neuralen Prozessen als unser visueller Eindruck derselben Katze. Flanagan ist Anhänger einer philosophischen Richtung, die konstruktiver Naturalismus genannt wird und die besagt, daß Bewußtsein ein weitverbreitetes biologisches Phänomen sei, das nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei höheren Primaten - vorkomme. Eine umfassende Erklärung des Bewußtseins werde, so Flanagan, aus einem Prozeß der »Triangulierung« hervorgehen, wobei Berichte von Versuchs- 330

personen über ihre subjektiven Erfahrungen und objektive Daten aus Psychologie und Neurowissenschaft miteinander verbunden würden. »Wir müssen sehr sorgfältig auf das hören, was uns die Menschen über ihre subjektiven Erfahrungen sagen«, meinte Flanagan weiter.
Auch die Psychologen und Kognitionswissenschaftler sollten ein Mitspracherecht haben. Man achte sorgfältig auf ihre Beschreibungen mentaler Vorgänge und darauf, welche Funktionen Bewußtsein gegebenenfalls in der Gesamtorganisation übernimmt. Drittens sollte man sehr sorgfältig auf das hören, was die Neurowissenschaftler dazu zu sagen haben, wie bewußte mentale Ereignisse unterschiedlichster Art zustande kommen, und die Übereinstimmung zwischen ihren Berichten und den phänomenologischen und psychologischen Berichten prüfen. Meines Erachtens ist diese Triangulierung die einzige erfolgversprechende Methode zur Erklärung von Bewußtsein. 10

Roger Penroses Quantensprung Flanagans Ansatz war vielen Rednern in Tucson zu konventionell; sie bevorzugten radikalere Modelle in Anlehnung an die Quantenmechanik. Physiker und Philosophen begannen schon kurz nach der Begründung der Quantenmechanik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts darüber zu spekulieren, ob Bewußtsein möglicherweise auf irgendeine rätselhafte Weise mit quantenphysikalischen Phänomenen in Zusammenhang stehe. Nach gewissen Interpretationen der Heisenbergschen Unschärferelation wirkt sich der Akt der Messung - der letztlich einen bewußtseinsbegabten Beobachter voraussetzt - auf das Ergebnis von Quantenereignissen aus; so verhalten sich Elektronen in einem Experiment wie Wellen und in einem anderen wie Teilchen. Aus der Quantentheorie folgt, daß Teilchen gei- 331

sterähnlich Wände durchdringen und sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufhalten können. Die Quantenmechanik erlaubt auch sogenannte nichtlokale Wirkungen, bei denen sich zwei Teilchen, die sich mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten, auf subtile Weise wechselseitig beeinflussen. Einstein, der die Existenz nichtlokaler Wirkungen niemals uneingeschränkt anerkannte, verspottete sie einmal als »gespenstische Fernwirkungen«. Quantentheorien des Bewußtseins waren jedoch kaum mehr als Spekulationen, bevor Roger Penrose sich Ende der achtziger Jahre ernsthaft dafür zu interessieren begann.11 Penrose, ein mathematischer Physiker an der Universität Oxford, ist ein Star der Naturwissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts. Er machte sich zunächst einen Namen als Kapazität für schwarze Löcher und andere Gravitationsphänomene. In den siebziger Jahren lieferten er und sein Student Stephen Hawking (der später den Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit schrieb) einen mathematischen Beweis für die Annahme, daß alle schwarzen Löcher eine Singularität enthielten - einen Punkt, an dem die Dichte der Materie gegen unendlich strebt und die herkömmlichen physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Im Jahr 1989 verkündete Penrose in Computerdenken, daß praktisch alle gängigen Ansätze zur Erklärung des Geistes einschließlich derer, die aus der Künstlichen Intelligenz, der Kognitionswissenschaft und der Neurowissenschaft hervorgingen - fehlerhaft seien. Dreh- und Angelpunkt von Penroses Argumentation war der Unvollständigkeitssatz, den der Mathematiker Kurt Gödel in den dreißiger Jahren aufgestellt hatte. Gödel bewies, daß jedes Axiomensystem, das so komplex ist, daß es Rechenanweisungen erzeugt, unvollständig ist; das bedeutet, daß das System »nichtentscheidbare« Aussagen liefert, deren Wahrheit oder Unwahrheit nicht allein mit diesen Axiomen nachgewiesen werden kann. Diese nichtent- 332

scheidbaren Aussagen sind oftmals mathematische Versionen solcher wohlbekannten selbstbezüglichen Paradoxa wie der Behauptung »Ich lüge«. Nichtentscheidbare Aussagen lassen sich dadurch lösen, daß man neue Axiome in das System einführt, aber diese neuen Axiome erzeugen ihrerseits eine neue Menge nichtentscheidbarer Aussagen und so endlos weiter. Die Bedeutung des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes liegt nach Penrose darin, daß die Mathematik nie auf einen Algorithmus beziehungsweise einen Satz von Regeln zurückgeführt werden könne, der am laufenden Band Theoreme und Beweise produziere. Penrose zog seine subjektiven Erfahrungen als Mathematiker als Beleg für diese Aussage heran; seine besten Arbeiten seien nicht aus deduktiven, logischen Ableitungen hervorgegangen, sondern aus plötzlichen Eingebungen und Einblicken in ein unbeschreiblich schönes Reich platonischer Ideen. Penrose gelangte zu dem Schluß, kein mechanisches, regelbasiertes System - also weder die klassische Physik noch die Informatik, noch die Neurowissenschaft nach ihrer gegenwärtigen Konzeption - könne die schöpferische Fähigkeit des Geistes erklären. Die menschliche Kognition müsse das Produkt subtilerer Wirkungen sein, die vermutlich mit der Quantenmechanik zusammenhingen und die sich bislang dem Blick der herkömmlichen Naturwissenschaft entzogen hätten. In seinem Vortrag in Tucson faßte Penrose die zentralen Argumente seines neuen Buches Schatten des Geistes zusammen, das die Ideen, die er in Computerdenken dargelegt hatte, weiterentwickelte. Er leitete seine Ausführungen mit dem Hinweis ein, daß Deep Thought, ein Computer, der einige der größten Schachspieler der Welt besiegt habe, noch immer nicht mit Problemen fertig werde, die selbst ein Amateurspieler lösen könne. »Computer sind nicht in der Lage zu verstehen«, behauptete Penrose. (Deep Thought war ein Vorläufer von Deep Blue, der 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte.) Er erklärte, die Fähigkeiten ließen sich nur mit einer – noch
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ausstehenden - physikalischen Theorie erklären, welche die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie in sich vereine. Die Formulierung einer solchen Theorie, die Quantengravitationstheorie, Große Vereinheitlichte Theorie oder kurz »die Weltformel« genannt werde, sei das oberste Ziel der theoretischen Physik. In Computerdenken hatte Penrose nicht näher erläutert, wo und wie diese Quasiquanteneffekte wirken sollen. Jetzt postulierte er, daß die quantenphysikalische Nichtlokalität (die Fähigkeit eines Teils eines Quantensystems, augenblicklich andere Teile zu beeinflussen) die Lösung des Bindungsproblems darstellen könne. Diese geisterhaften Quanteneffekte könnten auf der Ebene der Mikrotubuli (winzige Proteinkanäle, die als eine Art Zellskelett fungieren) zum Tragen kommen. Penroses Vortrag entzückte Stuart Hameroff, den Anästhesisten, der die Tagung in Tucson organisiert hatte. Hameroff hatte in den achtziger Jahren als erster die Vermutung geäußert, daß Mikrotubuli die Orte der Entstehung von Bewußtsein sein könnten; seine Aufsätze veranlaßten Penrose dazu, sich dieser Hypothese anzuschließen. Hameroff behauptete, Hinweise darauf gefunden zu haben, daß eine Narkose das Bewußtsein dadurch lahmlege, daß sie die Bewegung von Elektronen in den Mikrotubuli hemme. Daraus folgerte er, daß Mikrotubuli dadurch Bewußtsein erzeugen, daß sie nichtdeterministische, quantenphysikalische Berechnungen ausführen. Jedes Neuron sei daher nicht bloß ein Kippschalter, sondern auch ein leistungsfähiger Computer. »Die meisten Menschen glauben, daß das Gehirn aus vierzig Milliarden Schaltern besteht«, sagte Hameroff einmal zu mir, wobei er sich auf die Neuronen im Gehirn bezog. »Wir dagegen sind der Meinung, daß es aus vierzig Milliarden winzigen Computern besteht.« Er spickte seinen Vortrag über das Quantenbewußtsein mit allen erdenklichen wissenschaftlichen Schlagwörtern: emergent, fraktal, selbstorganisierend, dynamisch. Neben anderen
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Anhängern der Quantentheorie des Bewußtseins nahm er sich wie ein Muster an wissenschaftlicher Exaktheit aus. Eine Gruppe britischer Forscher behauptete, Indizien dafür gefunden zu haben, daß sich die Kognition tatsächlich Quanteneffekte zunutze mache. Die Gruppe hatte die Fähigkeit von Versuchspersonen überprüft, einfache Tests auszuführen, während ihre Gehirnwellen mit einem Elektroenzephalographen (EEG) gemessen wurden. Nach Auskunft der Forscher schwankte die Leistung einiger Probanden, je nachdem ob das EEG ein- oder ausgeschaltet war. Sie folgerten, wenn die Maschine eingeschaltet sei, »beobachte« sie das Gehirn und beeinflusse dadurch den Gedankenfluß, so wie die Beobachtung eines Elektrons, das ein Interferometer durchlaufe, dessen Eigenschaften verändere.

Thermostate mit Bewußtsein Obgleich in Tucson viele Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins versammelt waren, herrschte auch kein Mangel an Kritikern. Christof Koch faßte die Quantentheorie des Bewußtseins in einem Syllogismus zusammen: Die Quantenmechanik sei rätselhaft, und das Bewußtsein sei rätselhaft, folglich müsse zwischen beiden ein Zusammenhang bestehen. Der Physiker John Taylor, der sich am King's College in London mit der Erforschung neuronaler Netze beschäftigt, monierte, daß Penrose und andere Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins die elementarsten Tatsachen der Quantenmechanik außer acht ließen. So würden etwa Nichtlokalität und andere seltsame Quanteneffekte, die angeblich von entscheidender Bedeutung für das Phänomen Bewußtsein seien, im allgemeinen nur bei Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunktes beobachtet, jedenfalls weit unterhalb der Umgebungstemperatur von den Gehirnen der meisten Lebewesen.
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die von manchen Philosophen qualia genannt werden. Zeit. Doch keine physikalische Theorie könne erklären. der ungefähr soviel bedeutet wie subjektiv oder erfahrungsgemäß).336 . Doch die Information sei nicht rein physikalisch. habe immer ein physikalisches Substrat. so führte er seine Idee weiter aus. Chalmers war jedoch überzeugt davon. einhergingen.12 Er erklärte in seinem Vortrag. subnuklearen Ansatz zurückgriffen. ein junger australischer Philosoph und Mathematiker. Die Kernphysik habe bislang für die Biologie keinerlei Bedeutung gehabt. Bevor Penrose und andere Anhänger quantentheoretischer Erklärungen auf den extrem reduktionistischen. So wie die Physik die Existenz fundamentaler Eigenschaften der Natur wie Raum. meinte Taylor. »Erst wenn dies mißlingt. die plausibler und experimentell leichter zu überprüfen seien und die sich bei der Erklärung gewisser Merkmale von Gedächtnis und Wahrnehmung bereits bis zu einem gewissen Grad bewährt hätten. verwarf in Tucson sowohl die Quantentheorie als auch die neuralen Theorien des Bewußtseins. erläutern. eine potentielle philosophische Lösung für dieses schwierige Problem gefunden zu haben. so müsse eine Theorie des Bewußtseins die Existenz einer fundamentalen Eigenschaft postulieren. sollten wir uns vielleicht nach etwas anderem umsehen«. David Chalmers. . wie etwa die Anordnung von Tintepunkten auf einem Stück Papier oder von Elektronen in einem Computer. Information. Energie und Masse annehme. nämlich Information.Taylor widersprach den Quantenhypothesen auch aus pragmatischen Gründen. wie etwa Wahrnehmung. sollten Forscher die Möglichkeiten erkunden. sie habe auch einen »phänomenalen« Aspekt (phänomenal ist ein philosophischer Fachterminus. Gedächtnis und Willensbildung. physikalische Theorien könnten lediglich die verschiedenen Funktionen des Gehirns. weshalb diese kognitiven Funktionen mit bewußten Empfindungen. Er nannte Bewußtsein »das schwierige Problem«.

Eine Maus hat eine einfachere Informationsverarbeitungsstruktur als ein Mensch und demgemäß eine einfachere Erfahrung.Nach dieser Theorie. gibt es einfache Erfahrung. zudem ist Selbstbewußtsein lediglich ein Sonderfall von Bewußtsein. daß ein Thermostat.wegerklärt Auch wenn alle Spekulationen über Bewußtsein ein wenig abwegig anmuten. irgendeine Form bewußter Erfahrung besitzen. Eine Ursache für Mißverständnisse in dieser Debatte ist die Tatsache. das Information verarbeite. Chalmers vertrat die gleiche Philosophie wie der kahlköpfige Mann im weißen Pyjama. Wenn Roger Penrose von Bewußtsein spricht. gibt es komplexe Erfahrung. Bewußtsein . eine höchst einfache Informationsverarbeitungsstruktur.337 . wie etwa Danah Zohar. sind einige abwegiger als andere. daß ein Thermostat Bewußtsein besitzt. eine höchst einfache Erfahrung besitzt?« In späteren Publikationen beantwortete er diese Frage mit einem kühnen Ja. und wo es komplexe Informationsverarbeitung gibt. Doch diese Fähigkeit manifestiert sich nur in wenigen Menschen und bei diesen auch nur gelegentlich. bedeutet Bewußtsein Selbstbewußtsein oder sogar ein mystisches Überbewußtsein. der in der Halle mit flammenden Worten auf mich eingeredet hatte: Fast alles im Weltall besitze bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein. so Chalmers. bei dem das Selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit ist. muß man in der Tat annehmen. Wenn man diese informationsgestützte Hypothese anerkennt. meint er damit im allgemeinen die Fähigkeit. »Wo es einfache Informationsverarbeitung gibt. Für die Anhänger des New Age. müsse jedes Objekt. daß verschiedene Personen Bewußtsein auf unterschiedliche Weise definieren. äußerst komplexe Proble. Ist es dann vorstellbar.

daß Computer in ihrer gegenwärtigen Konstruktion diesen Typus hoher logischer Intelligenz nicht replizieren könnten. Die sinnvollste Definition von Bewußtsein ist die von Christof Koch und anderen Forschern: Bewußtsein sei schlicht Empfindungsfähigkeit beziehungsweise Aufmerksamkeit. Bewußtsein sei zudem ein Nebenprodukt spezifischer physikalischer Prozesse.338 . und es sei ein Phänomen. Penrose behauptet in seinem Buch. Und erst im letzten Augenblick der Erdge. was präzise logische Operationen anbelangt . sondern auch von Schach und anderen Spielen -. dem menschlichen Alltagsverstand weit überlegen (wie ich im vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte).me. Es vergingen weitere Jahrmilliarden. nennen. Um es überspitzt zu sagen: Wir alle haben schon Körper ohne Geist gesehen. als auf unserem kleinen Planeten Leben entstand. und ein Computer besiegte 1997 den Schachweltmeister. Diese Auffassung von Bewußtsein führt zwangsläufig zu einem recht radikalen Materialismus. Medien und Psychotiker haben Geister ohne Körper gesehen. zu lösen. Ironischerweise sind Computer. insbesondere solche mathematischer Natur. und zwar eine seltene Intelligenz. die in spezifischen Typen von Materie abliefe. sondern höchstwahrscheinlich auch bei vielen höheren Tieren vorkomme. ohne diese spezifischen Typen von Materie könne Bewußtsein nicht existieren. die Theoreme aufstellen und beweisen können. der jede Anschauung verwirft. die Geist und Materie einander gleichstellt oder dem Geist eine Vorrangstellung gibt. Nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens existierte das Universum bereits seit Milliarden von Jahren. aber nur Mystiker.die Grundlage nicht nur der Mathematik. Die meisten Menschen würden dieses Merkmal Intelligenz. bis sich Algen und andere einzellige Organismen zu Vielzellern wie Schleimpilzen und Tyrannosaurus rex weiterentwickelten. Schließlich hatten KI-Forscher bescheidene Erfolge mit Programmen. das vermutlich nicht nur beim Menschen.

es sei denn.schichte besaß das Leben genügend Bewußtsein. es bringt erneut Lebewesen mit Bewußtsein hervor. Diese Erkenntnisse könnten praktische Folgen haben. daß die Antwort vermutlich viel komplizierter und folglich viel weniger zufriedenstellend ausfallen werde. die Koch rein hypothetisch vorschlug. Durch die Erforschung von Blindsichtigkeit. die notwendig und hinreichend für das menschliche Bewußtsein sind. Es wird ziellos auf seiner Bahn weiterrasen bis ans Ende der physikalischen Zeit. würden möglicherweise Leben und folglich auch Bewußtsein im gesamten Universum ausgelöscht. Die neurale Theorie des Bewußtseins. wird vielleicht eines Tages durch Experimente an Menschen und Tieren bestätigt werden. um über das Phänomen Bewußtsein nachzudenken. . Der Schlüssel zur Erklärung von Bewußtsein mag in einem relativ einfachen neuralen Mechanismus liegen. wie sie ihre Maschinen menschenähnlicher gestalten können. gibt es viele verschiedene Formen von Gedächtnis. die jeweils aus verschiedenen neuralen Prozessen hervorgehen. wie etwa den 4O-Hertz-Oszillationen. Dies für unmöglich zu halten wäre jedenfalls narzißtisch. Wie der Philosoph Owen Flanagan betonte.339 . und vielleicht gibt es auch viele Formen von menschlichem Bewußtsein. Wenn ein Asteroid morgen alles Leben auf der Erde vernichten sollte. Gefühl. Wahrnehmung und Intelligenz. Bislang haben Wissenschaftler keine Hinweise auf außerirdisches Leben entdeckt. vielleicht werden sie sogar KI-Forschern zeigen.und Schmerzmittel bescheren. Doch auch er räumte ein. für die sich Koch. als er gehofft habe. Crick und andere einsetzen. Vielleicht werden sie uns Aufschlüsse über Schizophrenie und andere kognitive Störungen geben. Doch das Universum wird auch ohne uns gut zurechtkommen. Anästhesie und anderen Phänomenen werden Wissenschaftler vielleicht die neuralen Ereignisse isolieren. vielleicht werden sie uns wirksamere Narkose.

Vielleicht werden wir. wenn man sich Lebewesen zuwendet. weil es vernünftig ist . daß einige sehr intelligente Menschen.340 . daß Bewußtsein nicht nur beim Menschen. Entscheidend ist. Mein Wörterbuch definiert »Solipsismus« recht unbeholfen als »eine Theorie. die uns stammesgeschichtlich ferner stehen. literarischen Sinn verstehen. die Streitfrage so oder so empirisch zu lösen. daß ein anderer Mensch Bewußtsein. Die meisten vernünftigen Menschen und sogar viele Neurowissenschaftler und Philosophen gehen davon aus. Eine wissenschaftliche Erklärung des menschlichen Bewußtseins wird zweifellos unseren endlosen Debatten über Bewußtsein kein Ende bereiten. . weil sie zu viele Fragen offenlassen wird.und vielleicht weil wir durch unser angeborenes »Psychologiemodul« dazu gebracht werden. Der Solipsismus ist ein radikaler Skeptizismus. der bekannteste war Descartes. die behauptet. daß ein jeder von uns in einem nahtlosen Gefängnis der Subjektivität eingeschlossen ist. das Problem des Solipsismus. daß uns das Solipsismus-Problem daran hindert. Die Uneinigkeit wird noch größer. daß das Selbst nur die eigenen Modifikationen erkennen kann und daß nur das Selbst wahrhaft existiert«. Bewußtsein nur in einem intuitiven. daß auch Affen und andere Säugetiere mit relativ großen Gehirnen bewußte Erlebnisse haben. was nach Ansicht vieler Wissenschaftler bedeutet. Niemand von uns kann absolut sicher sein. Empfindungsfähigkeit oder ein Innenleben besitzt. wie der Harvard-Psychologe Howard Gardner behauptete. Eine nicht zu beantwortende Frage lautet: Welche Bedingungen sind notwendig und hinreichend dafür. es im Grunde überhaupt nicht zu verstehen. überzeugt davon waren. sondern in jeder beliebigen Ansammlung von Materie vorkommt? Hier stoßen wir auf eines der ältesten Rätsel der Philosophie. daß alle Tiere empfindungsunfähige Automaten seien. der von der Erkenntnis ausgeht. Wir alle machen diese Annahme. Doch sollte man nicht vergessen.

jemals wissenschaftlich »erklärt« werden kann. Doch vernünftige Menschen werden dies immer ablehnen.341 . Hirnschäden können unser Gefühl der Willensfreiheit ebenfalls auslöschen. daß er einen Artikel über eine hirngeschädigte Frau gelesen hat. wie David Chalmers' Thermostat. werden viele von uns versucht sein. die zeitweilig ihre Fähigkeit eingebüßt hatte. verschiedene Optionen zu erkennen und unter ihnen auszuwählen. wie es die von Eric Kandel erforschten Meeresschnecken besitzen? Müssen die informationsverarbeitenden Schaltkreise aus organischen Stoffen bestehen. wenn einige Organismen sie in höherem Maße besitzen als andere. Einige Lebewesen sind eher in der Lage als andere. sich wie alte Freunde mit uns zu unterhalten. In einem Postskriptum zu Was die Seele wirklich ist erinnerte sich Francis Crick daran. Menschen besitzen diese Fähigkeit in höherem Maße als Katzen und Hunde. psychisch gesunde Menschen sind eher dazu in der Lage als Schizophrene oder Menschen mit Zwangsstörungen. Wie sagte doch Koch zu David Chalmers auf einem Cocktailempfang in Tucson: »Woher weiß ich überhaupt. wie etwa Proteinen und Nukleinsäuren und Neurotransmittern? Oder lassen sie sich aus Kupfer und Quecksilber fertigen. Die Existenz der Willensfreiheit liegt in gewisser Hinsicht auf der Hand. Natürlich muß die Willensfreiheit existieren. die Streitfrage empirisch zu beantworten.wie Bienen. ob Sie Bewußtsein besitzen?« Es ist auch unwahrscheinlich.das ungelöste Problem im Rätsel Bewußtsein . weil es keine Möglichkeit gibt. daß die Willensfreiheit . oder aus Silizium wie ein Computerchip? Falls Computer jemals in der Lage sein sollten. Erwachsene eher als fünfjährige Kinder und fünfjährige Kinder eher als Säuglinge. ihre Intentionen in Handlungen . Setzt Empfindungsfähigkeit eine Großhirnrinde oder nur ein Gehirn voraus? Oder genügt auch ein einfaches Nervensystem. Barsche und Rankenfußkrebse. ihnen Bewußtsein zuzuschreiben.

aber nicht darauf reagieren können.13 Und dennoch behauptete Crick. »Wir sind uns zwar des Willensentschlusses bewußt. daß die . deren wir uns nicht bewußt sind. der nach den Ergebnissen anderer Experimente »viele Inputs von den höheren sensorischen Bereichen empfängt und sich bei den höheren Ebenen des motorischen Systems befindet«. aber das. Sie habe verstanden. was uns den Entschluß fassen läßt. doch in Wirklichkeit ist er das Ergebnis von Vorgängen. sie habe äußere Reize zwar wahrgenommen. sie habe sich damals »leer« gefühlt. daß noch die einfachste Handlung das Produkt einer neuralen Aktivität enormen Ausmaßes sei. daß das Gehirn der Frau im Bereich des anterioren Sulcus cinguli geschädigt worden sei.) Crick sagte zu mir. schrieb Crick. habe aber selbst nichts darauf erwidern können. sagte sie. als Indizienbeweis für diesen Standpunkt an. Doch wie frei wird dieser Entschluß tatsächlich sein? Jeder vermeintliche freie Willensakt ist Produkt einer unendlichen Folge von unmittelbaren und mittelbaren Ursachen. Wir meinen. (Er führte die Experimente von Benjamin Libet. einem Bereich.« Ich finde diese Betrachtungsweise äußerst einleuchtend. in unserem Entschluß frei gewesen zu sein. um mit meinen beiden Kindern einen Spaziergang im Wald zu machen. wenn nicht gar unmöglich ist. Er habe »mit Vergnügen« gehört.umzusetzen beziehungsweise überhaupt Willensentschlüsse zu fassen. früher als gewöhnlich mit der Arbeit aufzuhören. daß die Willensfreiheit möglicherweise eine Illusion sei. doch das bedeutet nicht. die ich weiter vorn in diesem Kapitel beschrieben habe. die sich unterhalb der Bewußtseinsschwelle abspiele. wird uns nicht bewußt. daß die präzise Identifikation der Ursachen möglicherweise außerordentlich schwierig. Heute nachmittag beschließe ich vielleicht. die durch unsere unvollkommene Selbsterkenntnis erzeugt werde. Nachdem sie sich erholt hatte. Aus der Quantenmechanik und der Chaostheorie folgt.342 . was andere zu ihr gesagt hätten.

Die mysterische Sichtweise hat eine ehrwürdige Tradition.«14 Der Aufstieg der »Hysteriker« Meine Einstellung zu den Problemen Bewußtsein und Willensfreiheit wurde Mysterianismus genannt. William James schrieb einmal: »Mein erster freier Willensakt soll der Glaube an den freien Willen sein. dem Schöpfungsereignis. Wie frei kann ich demnach sein ? Wenn die Willensfreiheit sich als eine Illusion herausstellt. Die Rekonstruktion der Schritte. Für keinen dieser Schritte habe ich mich bewußt entschieden.) Zur Untermauerung ihres Standpunktes berufen sich die Mysteriker häufig auf eine begriffliche Unterscheidung. Bewußtsein lasse sich wohl niemals vollständig auf herkömmliche wissenschaftliche oder sonstige Weise erklären. noch unverzichtbarer als Gott. (Der Ausdruck geht allerdings nicht auf diese Band zurück. doch der Begriff wurde erst in jüngster Zeit geprägt. das vermutlich alles in Bewegung setzte. sondern auf den japanischen Low-budget-Film The Mysterians. die .343 . die in den sechziger Jahren bekannt war. ist sie jedenfalls eine absolut unverzichtbare. die eine bestimmte Handlung auslösen. In seinem 1991 erschienenen Buch The Science of the Mind schrieb der Philosoph Owen Flanagan. führt uns über die Kindheit und die pränatale Lebensphase hinaus in die Geschichte des Homo sapiens und des gesamten Lebens auf der Erde und schließlich bis zum Urknall zurück.Ursachen nicht existieren. einige neuzeitliche Naturwissenschaftler und Philosophen hätten behauptet. der die Invasion von Außerirdischen zum Thema hat und 1959 produziert wurde. wie die Zitate am Anfang dieses Kapitels zeigen. Flanagan nannte diese modernen Zweifler »die neuen Mysteriker« nach der Rockgruppe Question Mark and the Mysterians.

Dennoch kritisierte Chomsky einmal im persönlichen Gespräch mit mir ein Grunddogma der mysterischen Auffassung. Diese Anforderung übersteige ihre kognitiven Fähigkeiten. nach links zu wenden. Doch Newtons eigene Theorie der Schwerkraft. das von ihr verlange. sei nach gängiger Auffassung der Vater der mechanistischen. »Voraussetzung für die Existenz des Geist-Körper-Problems ist eine bestimmte Definition von Körper. Chomsky hat in verschiedenen Schriften dargelegt. mit denen sich die Wissenschaft befaßt. behauptete er. so fuhr Chomsky fort. habe die materialistische Weltanschauung letztlich zerstört.von Noam Chomsky eingeführt wurde. Er wies darauf hin. die einer Primzahl entspreche. In gleicher Weise mögen auch bestimmte Probleme. die das Geist-Körper-Problem überhaupt erst hervorbrachte. der zufolge sich Objekte gegenseitig in nichtmechanischer Weise beeinflussen könnten. Dies seien Mysterien. Willensfreiheit und andere Aspekte des menschlichen Geistes seiner Auffassung nach unlösbare Probleme seien. daß alle Organismen bestimmte Fähigkeiten und Leistungsgrenzen besitzen.«15 Newton. »Es gibt kein Geist-Körper-Problem«. sich an jeder Abzweigung. und Newton vernichtete den letzten Körperbegriff. materialistischen Weltanschauung. für heute und vermutlich für immer. daß Bewußtsein. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. die zumindest grundsätzlich mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden beantwortbar seien. das von ihr verlange. . sich an jeder Abzweigung nach rechts zu wenden oder zwischen rechts und links abzuwechseln. aber eine Ratte werde niemals lernen. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. für immer unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigen. Der am MIT lehrende Linguist unterschied zwischen lösbaren Problemen. So könne eine Ratte lernen.344 . den wir hatten. die auf ihre spezifische biologische Ausstattung zurückzuführen seien. und unlösbaren Problemen.

daß der Materialismus selbst für ein so einfaches Phänomen wie einen Ball. behauptete Dennett. nicht funktioniere. die sich gegenseitig durch direkten Kontakt beeinflußten. Das Bewußtsein sei lediglich die Summe dieser kognitiven Funktionen. so Chomsky weiter. fügte er hinzu. daß die Welt aus Objekten bestehe. das Kurzzeitgedächtnis und andere mentale Grundfunktionen erklären könnten. setze voraus. meinte Chomsky. eine dem Vitalismus ähnliche Anschauung zu vertreten. so wie das Leben die Summe von Replikation. »Es ist ein interessantes Element in der Geschichte der menschlichen Irrationalität. nachdem Biologen die DNA-gestützte Replikation und andere fundamentale biologische Mechanismen entdeckt hätten. Stoffwechsel und anderen biologischen Prozessen sei. Dennett warf den Mysterikern vor. Einen anderen Einwand gegen den Mysterianismus erhob der Philosoph Daniel Dennett von der Tufts-Universität. Die Welt bestehe nicht aus Objekten. daß Bewußtsein eine von vielen rätselhaften Eigenschaften der Natur sei. Elektromagnetismus und auch Bewußtsein.345 .16 . »Ich sollte dazusagen.Der Materialismus. sondern aus einem unbeschreiblichen elan vital hervorgehe. daß ich nicht sonderlich viele Menschen von meinen Ideen überzeugen konnte«. der eine Ebene hinunterrollt. vielmehr behauptete er lediglich. wonach Leben nicht aus rein physikalischen Prozessen. Natürlich hatte er das Rätsel des Bewußtseins mit diesem Argument nicht wirklich gelöst. sobald die Neurowissenschaftler die Aufmerksamkeit. die durch direkten Kontakt miteinander in Wechselwirkung stünden. so würde die Lehre der Mysteriker zu einer bloßen historischen Fußnote. daß wir weiterhin von dem GeistKörper-Problem sprechen«.einer Fernwirkung – gezeigt. sondern aus immateriellen Eigenschaften. Doch Newton habe durch die Entdeckung der Schwerkraft . Zu diesen Eigenschaften gehörten Schwerkraft. So wie der Vitalismus verschwunden sei. jener uralten Lehre.

der Mendelschen Genetik und der Molekularbiologie »erklärt« wurde. die Wissenschaft habe das Leben wirklich erklärt. Das Rätsel bewußtseinsbegabten Lebens und insbesondere von Leben. um Zwiesprache mit .nicht heute und vermutlich niemals -. daß es über sich selbst nachdenken kann. daß das Leben ein tiefes Geheimnis bleibt. die für unsere Urahnen über Leben und Tod entschieden haben. Die Wissenschaft kann uns die Frage letztlich nicht beantworten. Am Ende des sechsten Kapitels habe ich jedoch darauf hingewiesen. auch wenn es von der Evolutionsbiologie. ist noch unfaßbarer. das Selbst und andere unergründliche Geheimnisse. Ein anderer Fehler in Dennetts Argumentation ist seine implizite Annahme. das in solchem Maß Bewußtsein besitzt. Der Mysterianismus wird allmählich zu einer allgemein anerkannten Anschauung. ihm also jegliche Rätselhaftigkeit genommen. gehört auch Steven Pinker. ob irgendwo in den Tiefen des Weltalls ebenfalls Leben existiert oder ob es auf unseren einsamen kleinen Planeten beschränkt ist.Doch wie Patienten zeigen. Zu den Wissenschaftlern.346 . zog Pinker das Fazit. die sich öffentlich zum Mysterianismus bekannt haben. ist Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad ein autonomes kognitives Phänomen. das ansonsten einem grenzenlosen Wissenschaftsoptimismus frönte. und nicht. Am Ende des Buches Wie das Denken im Kopf entsteht. ob Leben eine höchstwahrscheinliche und vielleicht sogar zwangsläufige Folge der Gesetze von Physik und Chemie ist oder ein Zufallsereignis. weshalb ausgerechnet auf der Erde Leben entstanden ist und weshalb es Organismen wie uns hervorbrachte. vermutlich unlösbar seien: Sie [unsere Gehirne] haben sich über die natürliche Selektion entwickelt. Willensfreiheit. um Probleme zu lösen. Wir wissen nicht. die an Blindsichtigkeit leiden. der am MIT lehrende Psycholinguist und Evolutionspsychologe. die der Geist aufwerfe. All unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse können uns keinen Aufschluß darüber geben . daß Bewußtsein. wie es einmal in aller Ewigkeit eintritt.

diese Rätsel überstiegen vielleicht schlicht die Erklärungskraft der Wissenschaft. den brutalen Filmpolizisten. Wir können kein ultraviolettes Licht sehen. Nüchternen Köpfen wie Daniel Dennett wird ein physiologisches. ob sich Bewußtsein erklären läßt. Als Beleg für diese Auffassung zitierte er einen Aphorismus aus Ludwig Wittgensteins Orakelbuch Tractatus logico-phüosophicus: Wovon man nicht sprechen könne. daß die Mysteriker recht hätten.18 Bei seinem Vortrag in Tucson räumte er ein. sondern auch dem Begriff Erklärung unterschiedliche Bedeutungen beimessen. genauer gesagt. bringt .dem Sittenkodex zu halten oder alle nur denkbaren Fragen beantworten zu können. daß diejenigen. daß sich langfristig herausstellen könnte. Und vielleicht können wir auch nicht Rätsel wie das des freien Willens und der Empfindungsfähigkeit lösen. als er »einen anderen Giganten des zwanzigsten Jahrhunderts« paraphrasierte – Dirty Harry. nicht nur dem Begriff Bewußtsein. Wir können nicht zehntausend Wörter im Kurzzeitgedächtnis speichern. darüber müsse man schweigen. Einen noch größeren Lacherfolg bei seinem Publikum landete er.347 . Wir können ein Obj ekt nicht in der vierten Dimension im Geiste drehen.17 Selbst der Neurowissenschaftler Christof Koch gab zu. Der mystische Weg zur Erkenntnis Mittlerweile sollte deutlich geworden sein. Wenn diese Regionen des Gehirns diese Funktionen ausführen. der von dem Schauspieler Clint Eastwood verkörpert wurde: Ein Wissenschaftler müsse seine Grenzen kennen. die darüber diskutieren. neurales Modell höchstwahrscheinlich genügen. daß eine neurale Theorie des Bewußtseins möglicherweise uralte philosophische Aporien wie das Geist-Körper-Problem und die Frage der Willensfreiheit nicht lösen werde.

diese möglicherweise Erkenntnisse über Bewußtsein gewinnen könnten. »Es erscheint mir keineswegs ausgeschlossen«. Sie wünschen sich nicht bloß eine Erklärung. daß sie. sondern sie übertreffen -. selbst wenn es KIForschem gelänge.«19 Ironischerweise hat ausgerechnet der KI-Visionär Marvin Minsky bezweifelt.348 . schrieb er. wenn wir feststellen müssen. was sie leisten könnte. genauso begriffsstutzig und beschränkt sind wie wir. sondern eine Offenbarung. sagte McGinn. Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. falls es den KI-Forschern gelinge. Bewußtsein. Und wer weiß.« Anders gesagt. den Geist zu replizieren – also Maschinen zu entwickeln. die unsere kognitiven Fähigkeiten nicht nur nachbilden. die nach ganz anderen Prinzipien funktioniert als wir und die in der Lage wäre. daß selbst wir gewöhnlichen Menschen durch solche bewußtseinserweiternden Methoden wie Meditation. Fasten und bewußtseinsverändernde Drogen zu einem . die dem Menschen nicht zugänglich seien. so wie die Sonne den morgendlichen Nebel auflöst. wirklich intelligente Maschinen zu entwickeln. »sollten wir nicht überrascht sein. McGinn äußerte mir gegenüber einmal die Vermutung. Willensfreiheit und so weiter betrifft. »daß man eine Maschine konstruieren könnte. das Rätsel ihres Geistes zu lösen. daß. Andere erwarten mehr als 40-HertzOszillationen im anterioren Sulcus cinguli. Sie sehnen sich nach einer Erklärung. wird der Geist möglicherweise noch immer ein Rätsel bleiben. daß das Phänomen Bewußtsein quasi sofort jegliche Rätselhaftigkeit verliert. daß unsere Cyber-Nachkommen in der Lage sein würden. Optimisten hoffen. was ihre Ansichten über Geist-Materie.das Bewußtsein hervor. die so umfassend und einleuchtend ist. Selbst einige eingefleischte Mysteriker wie etwa der Philosoph Colin McGinn von der Rutgers-Universität schließen die Möglichkeit einer solchen Offenbarung nicht aus. »Wenn wir einmal intelligente Maschinen bauen«.

ihre Erfahrung habe sie in direkten Kontakt mit einer höheren Macht gebracht. In bezug auf die Überzeugung vieler religiöser Menschen. ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem. Diese sonderbaren mystischen Erlebnisse. durchlebten ihre frühe Kindheit noch einmal. der Guru der Alternativmedizin und Bestsellerautor. könnten uns jene Erkenntnisse über das Bewußtsein vermitteln. doch er bezweifelte. das er die Empfindung der ›Ewigkeit‹ nennen möchte. geraucht hätten. Er berichtete den Zuhörern von einer Gruppe peruanischer Schamanen. der von »einem Gefühl [berichtet hatte]. so seine Erklärung. die erforderlich seien. Er räumte ein. Ein Redner. Schrankenlosem. nicht neu.20 Wie die meisten anderen Standpunkte in der Kontroverse um das Phänomen Bewußtsein ist die Idee. so Weil.21 Freud räumte ein. daß mystische Erfahrungen häufig bei Personen . um aus der gegenwärtigen theoretischen Sackgasse herauszukommen. als sie das getrocknete Gift der Colorado-River-Kröte. gleichsam ›Ozeanischem‹«. er selbst habe nie derartige Erlebnisse gehabt. sie bekämen ein gemeinsames Bewußtsein. mystische Erfahrungen könnten empirische Untersuchungen ergänzen. Bufo alvarius. die mystische Erlebnisse hätten. In Das Unbehagen in der Kultur beschrieb Freud einen Freund. daß sie brauchbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit lieferten.«22 William James entwickelte in seinem Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung eine einfühlsamere Betrachtungsweise. die nach der Einnahme einer bewußtseinsverändernden Droge angeblich dieselben Visionen hätten.tieferen Verständnis unseres Geistes gelangen könnten. war Andrew Weil.349 . Er und ein Freund hätten eine ähnliche Erfahrung der »Bewußtseinsverschmelzung« gemacht. in der sie noch nicht zwischen sich und der Außenwelt hätten unterscheiden können. Menschen. der dieses Argument in Tucson vertrat. meinte Freud nur trocken: »Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben.

und schlagartig sind sie in ihrer ganzen Vollständigkeit da: genau umrissene Geistesarten. Wir können durchs Leben gehen. nur ein besonderer Typ von Bewußtsein ist. damit wolle er nicht sagen. wie wir es nennen. Danach »dürfte keiner unserer Gedanken und [keines unserer] Gefühle. bedeute dies noch lange nicht. »was wir aufgrund ihres Erfahrungszusammenhangs mit unseren moralischen Bedürfnissen und allem anderen. irgendeinen Wahrheitswert beanspruchen. daß die dabei gewonnenen Einsichten wertlos seien.. daß wir sehr wenig über unseren Geist wissen. ohne etwas von ihrer Existenz zu ahnen. denn sie alle entströmen ausnahmslos der jeweiligen körperlichen Verfassung ihres Besitzers«. Doch nur weil eine mystische Erfahrung eine physiologische oder auch pathologische Grundlage habe. daß unser normales Wachbewußtsein.und Erprobungsbereiche gibt. nicht einmal unser Unglaube. mystische Zustände könnten auch auf künstliche Weise durch pharmakologische Wirkstoffe wie Äther oder Lachgas ausgelöst werden. Keine Betrachtung des Universums kann abschließend sein. das rationale Bewußtsein. meinte der Begründer des Pragmatismus. die diese anderen Bewußtseinsformen ganz außer Betracht läßt [. die ganz andersartig sind. während um ihn herum.350 . daß alle mystischen Offenbarungserlebnisse als wahr angesehen werden sollten. bestätigen können«. Seine eigenen Experimente mit Lachgas festigten in ihm die Überzeugung.23 James betonte. für die es wahrscheinlich irgendwo auch Anwendungs. die in einer seelischen Notlage seien oder an einer neurologischen Erkrankung litten.24 Mystische Erfahrungen sollten uns zumindest zu der Einsicht bewegen. von ihm durch den dünnsten Schirm getrennt. mögliche Bewußtseinsformen liegen. was wir für wahr halten.vorkommen. Vielmehr sollten sie danach beurteilt werden.. nicht einmal unsere wissenschaftlichen Lehren.] Auf jeden Fall verbieten sie einen voreiligen Abschluß unserer Rech. aber man setze sie nur einem entsprechenden Reiz aus.

27 James schrieb diesen Bericht einem anonymen Franzosen zu. der völlig verwirrt war [. erst nachdem das Buch erschienen war. jedenfalls potentiell.351 .nung mit der Realität.] er bewegte nur seine schwarzen Augen und war absolut unmenschlich anzusehen [. Der Patient war »ein schwarzhaariger junger Mann mit grünlicher Haut [gewesen]. In einem der bedrückendsten Berichte des Buchs schildert der Erzähler.«26 Der Erzähler wachte daraufhin »jeden Morgen mit einer entsetzlichen Angst in der Magengrube auf und mit einem Gefühl von Unsicherheit. Christian science. daß mystische Erfahrungen in grundverschiedenen Formen auftreten könnten. die sich die Macht positiven Denkens zunutze machen wollten. Er versuchte diese »morbiden Empfindungen« mit Elektrotherapie. Hypnose. Er untermauerte diese Behauptung mit einer Fülle von Erfahrungsberichten Betroffener.25 Eine der Kernthesen von James' Buch lautet. selbst dieses schreckliche Erlebnis gehabt zu haben. Gewichtheben und verschiedenen »Geisteskuren«. Wasserkuren.. Medikamenten. . das ich vorher nicht gekannt hatte und seither nie mehr so empfunden habe«. Einige Erzähler beschrieben das »ozeanische« Rauschgefühl.. den er einmal in einer psychiatrischen Anstalt gesehen hatte. die dieser Blick in den Abgrund in ihm erweckt hatten..] Diese Gestalt bin ich.28 Sein ganzes Leben hindurch kämpfte er gegen die Angst und Schwermut an. andere durchlebten einen Zustand panischer Angst und Entfremdung. zu bezwingen . als er sich plötzlich an einen Epileptiker erinnerte. gab er zu. dachte ich. über das sich Freud so abfällig äußerte.. wie er sich allein im Ankleideraum aufhielt.offenbar war alles vergebens.

diese extrem empfindlichen Instrumente messen Phänomene. besonders sinnfällig. von der konventionellen Physik und wandte sich der Erforschung parapsychischer und mystischer Erfahrungen sowie anderer exotischer Phänomene zu. Josephson wurde 1973 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und gehörte damit zu den jüngsten Trägern in der Geschichte dieses Preises. Er schrieb Aufsätze mit Titeln wie »Physik und Spiritualität.3° Er behauptete auch. religiöse Bräuche seien auf »Gene [zurückzuführen]. die heute als Josephson-Effekt beschrieben wird. »harmonischer und effizienter zu funktionieren« . einer der bedeutendsten und faszinierendsten Gestalten in der Physik des zwanzigsten Jahrhunderts. der damals bereits ordentlicher Professor in Cambridge war. Kurz darauf verabschiedete sich Josephson. die mit potentieller Güte in Verbindung stehen«. Josephson-Kontakte bilden die Grundlage von supraleitenden Quanteninterferenzvorrichtungen (Squids). Seine Beiträge in anerkannten Fachzeitschriften bestanden überwiegend aus Briefen. die vom Flüstern der Neuronen im menschlichen Gehirn bis zum seismischen Gemurmel der Erde reichen. in denen er die bornierte Einstellung der Wissenschaft zur außersinnlichen Wahrnehmung und Religion geißelte. das religiöse Bedürfnis könne Gesellschaften helfen. daß ein besonderer Typ von supraleitendem Schaltkreis. der heute als Josephson-Kontakt (oder Tunnelkontakt) bezeichnet wird.352 .Brian Josephsons »Tunnelkontakt« Die Gefahren mystischer Erfahrung werden in der Lebensgeschichte von Brian Josephson. Im Jahr 1962 sagte er als zweiundzwanzigjähriger Student an der Universität Cambridge voraus. (Leserbriefschreiber entgegneten prompt. daß Religionen mindestens genausooft Intoleranz und Grausamkeit förderten wie Güte. eine scheinbar magische Quanteneigenschaft zeigen sollte.) . Die nächste Große Vereinheitlichung?«29. Im Jahr 1993 behauptete er in einem Leserbrief an Nature.

Hatte er selbst mystische oder übersinnliche Erfahrungen gehabt? »Nun.353 . Nach einigem Herumdrucksen bekannte Josephson schließlich. wie sich Physiker in Spekulationen über die Ursache von Josephsons Wandlung ergingen. einem indischen Mystiker. struppigem Haar und Koteletten verdeckt. daß seine Wandlung auch auf Veränderungen »im Innern« zurückzuführen sei. auf dem ein digitalisiertes Porträt von Alan Turing prangte.31 Es hatte fast den Anschein. Was war geschehen? Wie konnte ein so überragender Wissenschaftler auf die »andere« Seite überlaufen? Am zweiten Tag der Konferenz in Tucson erklärte sich Josephson bereit. einer breiten dunklen Brille. Sein Gesicht war fast vollständig von seinem weißen Schlapphut. leiser Stimme von seiner Vergangenheit. Im Jahr 1966 lernte er auf einem Besuch in den Vereinigten Staaten einen Mathematiker kennen. Er habe sich Mitte der sechziger Jahre von der konventionellen Physik abzuwenden begonnen. in gewisser . gebräunt und blond vorkamen. insbesondere im Vergleich zu Josephson und mir -.umgeben von lauten Einheimischen. Während wir in einem Taco-Bell-Restaurant Burritos verzehrten . Er verschlang die Schriften von Weisen wie etwa Krischnamurti. mit mir zu Mittag zu essen. die mir alle jung. dessen Bücher in den sechziger Jahren viele westliche Wissenschaftler und Intellektuelle in ihren Bann zogen. einem anderen britischen Genie. der ein ausgeprägtes Interesse an paranormalen Phänomenen hatte. Wie viele andere Physiker faszinierte auch ihn die scheinbar zentrale Rolle des Beobachters in der Quantenmechanik und die seltsamen nichtlokalen Korrelationen zwischen Teilchen in der Quantenwelt.Jahrelang verfolgte ich. wodurch ich die Gelegenheit bekam. als versuche Josephson seine Identität zu verschleiern. Ich fragte nach. Er trug ein schwarzes T-Shirt. dies herauszufinden. erzählte mir Josephson mit stockender. dessen Verhältnis zum wissenschaftlichen Establishment seinerzeit gespannt war (wenn auch aus anderen Gründen).

« Er stocherte mit der Fingerspitze in seinem Burrito.354 . Die Quantenmechanik könne dazu beitragen.« Mehrere Jahre lang habe er »starke Tranquilizer« eingenommen. die mir zuteil wurde.« Er meditiere noch immer bis zu mehreren Stunden pro Tag. gestattete er sich ein seltenes Lächeln. »Die öffentliche Beachtung. seine innere Unruhe durch transzendentale Meditation zu bezwingen.« Andererseits gab ihm die Auszeichnung das Selbstvertrauen und die Gelegenheit. die eine Folge seiner allzu intensiven Beschäftigung mit physikalischen Problemen gewesen seien. daß Telekinese und außersinnliche Wahrnehmung durch »recht überzeugende« Daten belegt seien. »Ich hatte einige seltsame Erlebnisse. Als Josephson von seiner Tochter sprach. »Ich bin ein eher nüchterner Mensch«. das Phänomen der außersinnlichen Wahrnehmung zu erklären.. Seine Heirat im Jahr 1976 verschaffte ihm einen weiteren Halt.« Er hielt inne. versicherte Josephson. Er erinnerte sich. wenn ihr Anwendungsfeld erweitert werde. Er und seine Frau hatten eine Tochter.. Er beteuerte. sagte er. um mit seiner angeschlagenen seelischen Verfassung zurechtzukommen. aber nicht . doch nur. daß er 1973 die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises mit relativer Gelassenheit aufgenommen habe. »Meine Erlebnisse waren hauptsächlich darauf zurückzuführen. die bereits schriftstellerisches Talent zeige. Die gegenwärtige Theorie »läßt die Sprache von Prozeß . daß ich keine Tranquilizer mehr brauchte. war vor allem eine Last. »Die Meditation gab mir soviel Halt. Es gelang ihm. daß er Ende der sechziger Jahre »halluzinatorische Bewußtseinszustände« erlebt habe. Schließlich sagte er mir. In seinen Vorträgen und Aufsätzen schalt er die Fachwelt dafür. daß ich über einen längeren Zeitraum sehr wenig Schlaf hatte. sein Interesse an den rätselhaften Aspekten des Geistes öffentlich zu diskutieren. diese Übungen hätten ihm »so etwas wie inneren Frieden« gegeben.Weise. daß sie sich nicht mit parapsychischen oder »Psi-Phänomenen« befassen wolle.

Durch Meditation könne man ein »transegozentrisches« Stadium erreichen. gegenwärtig wohl nicht angemessen wissenschaftlich untersucht wird«. Josephson war überzeugt davon. für wichtiger. »Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. daß »die Art und Weise. Das gewöhnliche Bewußtsein sei »egozentrisch«.« Er habe sich daran gewöhnt.« Gelegentlich veranstalte er Vorlesungen über parapsychische Phänomene in Cambridge.355 . Das Ich »beherrscht alles«. daß die Ämter. die über die Vergabe von Forschungsgeldern verfügten. Daher müssen wir meines Erachtens die Quantentheorie erweitern. eine Forschungsgruppe für Parapsychologie in Cambridge ins Leben zu rufen.)32 Josephson bedauerte es nicht. wie sich Teile zu Gesamtheiten verbinden. Er wünsche sich nur. damit wir auch dies berücksichtigen können. mit den Anfeindungen anderer Physiker und Amtsinhaber in Cambridge zurechtzukommen. von denen . ihre Fähigkeiten zu optimieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. daß Meditation Wissenschaftlern helfen könne. »und die Zuhörer sind insgesamt ziemlich beeindruckt gewesen«. was ich gegenwärtig tue. Josephson empfand eine gewisse Geistesverwandtschaft zu David Bohm. so aufgeschlossen wären. der konventionellen Physik den Rücken gekehrt zu haben. er teile Josephsons Glaube beziehungsweise Interesse an paranormalen Phänomenen nicht. einem Physiker. »Ich halte das. bei dem »man die Vorteile der Prozesse erlangen kann.« Er fügte hinzu. daß sie sein Projekt. unterstützten. der ebenfalls einen ganzheitlichen wissenschaftlichen Ansatz befürwortete.und Intention und so weiter nicht zu. die jenseits des Gültigkeitsbereichs einer derartigen Beschreibung liegen«. und man sei nicht mehr offen für die Einflüsse und Intuitionen. die einem »präegozentrischen« Kind zugänglich seien. (In einem Interview kurz vor seinem Tod im Jahr 1992 sagte mir Bohm. Die heute üblichen reduktionistischen Methoden »schließen die Möglichkeiten aus.

neuromolekulares Rechnen und Bewußtsein« hören. daß Musik bis zu einem gewissen Grad das Produkt nicht von oberflächlichen kulturellen Einflüssen.« Im Hintergrund kreischte die Popdiva Whitney Houston »I'll always love youuuuuuuuu!«. daß dies für unser Verständnis des Geistes von großer Bedeutung sein könnte. aber auch Rock and Roll sprach ihn an. Wir warfen unseren Abfall in einen Müllbehälter.33 »Durch meine Meditationen entwickelte ich ein feineres Gespür für Musik und erkannte. »Ich bin intuitiv davon überzeugt. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr. »Ich weiß nicht. universellen »Strukturen« des Geistes sei. Er schürzte einen Moment lang die Lippen. bevor das Ich dominant wurde.356 .« Josephson hatte eine Vorliebe für klassische Musik. »Einiges davon ist von hohem künstlerischem Wert«. daß mehr dahintersteckte. Wissenschaftler könnten etwas über diese universellen geistigen Strukturen herausfinden.« Er glaube mittlerweile. ob es besonders tiefsinnig ist. Der Andrang der Gäste im Taco Bell war abgeebbt. die er in seinem Vortrag in Tucson vorstellen wollte. offenbart mitunter eine unerwartete Tiefendimension. er wolle unbedingt den Vortrag über »Informationsphysik.« Ob er persönliche Lieblingsstücke habe.man beeinflußt wurde.. sagte er über den Rock. sondern von zeitlosen. »Etwas. . Josephson aß sein Burrito und sein Taco auf. die er als »ziemlich gut« beurteilte.« Das brachte uns schließlich auf seine Musiktheorie. aber . was sich zunächst wie chaotischer Lärm anhört.. fragte ich ihn. stellten unsere Tabletts auf einen Stapel und gingen hinaus in den strahlend sonnigen Tag. Er möge »Bridge over Troubled Water« von Simon und Garfunkel. indem sie die menschlichen Reaktionen auf Musik erforschten. während man etwas von der strukturierenden Fähigkeit des Ich behalten kann. den ein jugoslawischer Wissenschaftler im Rahmen der Konferenz hielt.

‹«2 In gewissem Sinn hat Crick recht. Wir sind nichts weiter als ein Haufen Neurone. Es gibt viele alternative Reduktionismen. D ie Wissenschaftler. Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit . die sich verschiedenen Aufgaben widmen. . MAX PLANCK. aber sie sind alle unzureichend.bei alledem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Rechenmaschinen. Diese Erklärungen sind wie die von Crick vertretbar. aber durchaus unentbehrlicher Wegweiser steht: 1 der vorwärtsschauende Glaube.EPILOG DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES Wer jemals an dem Aufbau irgendeiner Wissenschaft wirklich mitgearbeitet hat. Die Erklärung des Geistes auf neuronaler Grundlage hat uns nicht viel mehr Erkenntnisse beziehungsweise Vorteile gebracht als die Erklärung des Geistes auf der Grundlage von Quarks und Elektronen. Francis Crick legte seine reduktionistische Weltsicht zu Beginn seines Buches Was die Seele wirklich ist dar: »›Sie‹. Zugleich hat sich jedoch die Neurowissenschaft bislang als seltsam unbefriedigend erwiesen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. die von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. Ihre Freuden und Leiden.357 . Wir seien nichts weiter als ein Haufen Sexualneurosen. haben genauso tiefsitzende Überzeugungen wie religiöse Menschen. daß an der Eingangspforte der Wissenschaft ein äußerlich unscheinbarer. Wir seien nichts weiter als ein Haufen idiosynkratischer Gene. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Anpassungsleistungen. Ihre Ziele. Ihre Erinnerungen. Lewis Carrolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: ›Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neurone. der weiß aus eigener innerer Erfahrung.

denselben fundamentalen Gesetzen unterliegen. Galaxien und die Entstehung des Universums verschafft. zu dem Beitrag angeregt worden. Die Wirklichkeit sei hierarchisch aufgebaut. einem 1972 in Science erschienenen Aufsatz. über die Grenzen des wissenschaftlichen Reduktionismus. schlimmer noch. gebe uns kaum Aufschluß über viele andere Phänomene. Doch die Kenntnis der Grundgesetze. Anderson erkannte die außerordentlichen Erfolge des Reduktionismus ausdrücklich an. erwies sich als ein außerordentlich erfolgreicher Ansatz zum Verständnis von Evolution. daß sämtliche Prozesse in unserem Geist und unserem Körper sowie in der gesamten belebten und unbelebten Materie. Vererbung. deren Objekte auf der kleinsten Skala der Natur liegen. über die wir detaillierte Kenntnisse besitzen. Embryonalentwicklung und anderen Aspekten des Lebens. »Wir gehen davon aus. geschweige denn das von Menschen. alle anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen befaßten sich lediglich mit »Einzelheiten« oder. Der Reduktionismus werde vorbehaltlos von der großen Mehrheit der aktiven Naturwissenschaftler anerkannt. Begriffe und Ver. »Auf jeder Ebene bedarf es vollkommen neuer Gesetze.In »More is Different«. Die Teilchenphysik sei nicht in der Lage. die mit der Entdeckung der Doppelhelix begann. so Anderson. ein an der PrincetonUniversität lehrender Experte für die Physik der kondensierten Materie. »Technik«. Anderson war durch die Behauptung von Teilchenphysikern. wobei jede Ebene bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den Ebenen über und unter ihr sei. Die Molekularbiologie. sie führten die fundamentalsten und daher bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungen durch.358 . der 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. das Verhalten von Wasser vorherzusagen.«3 Die Kernphysik. reflektierte Philip Anderson. die das Gebiet der Physik beherrschen. hat uns Erkenntnisse über Sterne.

und die Biologie ist nicht angewandte Chemie. sagte der an Harvard lehrende Psychologe Howard Gardner zu mir. daß jemand grundlegende und fruchtbare Gemeinsamkeiten zwischen abendländischen Sichtweisen des menschlichen Geistes und den entsprechenden Anschauungen. Er wies darauf hin.allgemeinerungen. dann sei das der menschliche Geist. »Das gab es«. mit der niemand gerechnet hätte«. schrieb Anderson. dem an der Columbia-Universität lehrenden Neurowissenschaftler. daß einige von ihm hochgeschätzte Philo. Doch er wies auch darauf hin. aber sie haben die Sache gewiß vorangebracht. die den menschlichen Geist erforschen.«4 Eine Möglichkeit bestehe darin. daß »wir das Kommen dieses einzigartigen Genies nicht voraussehen können.« Er habe während seines eigenen Lebens das Aufkommen so bedeutender Wissenschaftler wie Noam Chomsky und Jean Piaget miterlebt. Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser Einige Wissenschaftler. die in der Philosophie und Religion des Fernen Ostens enthalten seien. gestehen zwar die Beschränktheit aller gegenwärtigen Forschungsansätze ein. die genausoviel Inspiration und Kreativität erfordern wie die auf der vorangehenden Ebene«. die all seine Vorgänger übersehen hätten. das nachweislich mehr sei als die Summe seiner Teile. weil es völlig unerwartet auftritt und eine Synthese erstellt. so Gardner. »Wir verdanken ihnen tiefschürfende Einsichten über den menschlichen Geist Sie hatten nicht unbedingt recht. feststelle.« Wenn es ein Phänomen der Natur gebe. das Muster und Lösungen erkennen werde.359 . prophezeien aber gleichzeitig das Kommen eines Genies. Eine ähnliche Prognose hörte ich von Eric Kandel. »Die Psychologie ist nicht angewandte Biologie. »Das wird es wieder geben.

allerdings würde ich eine wichtige Konsequenz hinzufügen: Für die genialen Wissenschaftler unserer Zeit gibt es weniger zu entdecken als für ihre Vorgänger. Grob vereinfacht könnte man sagen.sophen. wer seine Zeitgenossen waren: Freud und Einstein. Doch Kandel glaubte an die Fähigkeit des menschlichen Intellekts. mutmaßten. die natürliche Selektion oder die Allgemeine Relativitätstheorie entdecken. In Wirklichkeit gebe es heute so viele Einsteins und Freuds. weil ihm Newton.«6 Nach Ansicht von Gleick ist Mailers Eindruck falsch.360 . Ich finde seine Erklärung überzeugend. der geklagt habe: »Es gibt keine großen Menschen mehr. Leben und Werk des genialen Physikers befaßte sich der Wissenschaftsautor James Gleick mit dem weitverbreiteten Eindruck. daß sie die leichten Probleme lösten. Die übriggebliebenen gewichtigen Probleme sind außerordentlich schwierig. Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen.«5 Doch wie realistisch ist dieser Mythos von einem wissenschaftlichen Erlöser? In Richard Feynman. Kein Wissenschaftler kann heute die Gravitation. Mozart oder Michelangelo mehr hervorbringe. Das soll nicht heißen. daß es für den einzelnen schwerer geworden sei. und dies bringt dann die entsprechende Wissenschaft in unerwarteter Weise voran. deren bemerkenswerte Einsichten uns erlauben. wie etwa Thomas Nagel von der New-York-Universität. so viele herausragende Wissenschaftler. daß sich der menschliche Geist niemals vollständig ergründen lasse. insbesondere in einer völlig aussichtslos anmutenden Lage bahnbrechende neue Erkenntnisse zu gewinnen. In den fünfziger Jahren . und schauen Sie. Darwin und Einstein zuvorkamen. daß die zeitgenössische Kultur keine so überragenden Genies wie Newton. sich hervorzutun. daß ein Genie heute keinen nachhaltigen Einfluß mehr ausüben könnte. »Hin und wieder tritt eine Person auf. Ich habe mich in jüngster Zeit mit Picasso beschäftigt. Gleick zitierte den Romancier Norman Mailer.

den sogenannten Quarks. die das Chaos in eine Ordnung verwandeln könnte.steckte die Elementarteilchenphysik in einer Krise. eine einheitliche Theorie der menschliche Psyche zu entwerfen. und sie sollten es auch gar nicht. Wer heutzutage eine einheitliche Theorie des menschlichen Geistes aufstellen wollte. Teilchenbeschleuniger schienen fast täglich ein exotisches neues Teilchen hervorzubringen.7 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit Die Wissenschaftler werden sich niemals damit abfinden. Freuds Fähigkeit. die Theoretiker wußten nicht. Doch was die Komplexität betrifft. die in gewisser Hinsicht an die Sackgasse erinnert. aufgebaut sind. das die Teilchen nach ihren gemeinsamen Eigenschaften ordnete. in der sich heute die Neurowissenschaft befindet. daß der menschliche Geist nicht bezwungen werden kann. gibt es vielleicht gar keine einheitsstiftende Erkenntnis. sondern sogar heilen können werden. Was das menschliche Gehirn betrifft. wie .mit vielfach gegensätzlichen Implikationen aufarbeiten. Es ist immer möglich. Später zeigten Gell-Mann und ein anderer Physiker unabhängig voneinander. Sie werden herausfinden. müßte eine astronomische Zahl an empirischen Befunden . wie sie das Wirrwarr der Entdekkungen zu einer kohärenten Theorie zusammenfassen sollten.361 . Doch dann schuf ein brillanter junger Theoretiker namens Murray Gell-Mann ein Rahmenmodell – er nannte es scherzhaft nach der buddhistischen Anleitung zur Erleuchtung den »Achtfachen Weg« –. verdankte sich größtenteils dem Stand beziehungsweise der Unkenntnis der Wissenschaft zu seiner Zeit. ist die Teilchenphysik im Vergleich zur Neurowissenschaft ein Kinderspiel. daß viele dieser verschiedenen Teilchen aus fundamentaleren Partikeln. daß sie psychische Erkrankungen nicht nur besser therapieren.

die uns an Intelligenz ebenbürtig sind und uns schließlich übertreffen. 8 Die Grundprinzipien der Kernverschmelzung wurden bereits in den dreißiger Jahren aufgeklärt. Sie werden in allen Einzelheiten verstehen. daß diese Ergebnisse angesichts des stetigen und rasanten Tempos der Entdeckungen und Neuerungen in der Neurowissenschaft. Sie werden das Geist-Körper-Problem und das Dilemma des Reduktionismus lösen. Doch manchmal reichen Zeit. der die Sonne und andere Sterne zum Leuchten bringt. fänden sie . ausreichender Fördermittel und einer Portion Zuversicht. Optimisten glauben. teuren Spaltungsreaktoren. Die Krebsforschung ist vielleicht ein Beispiel.362 .zweifellos heraus.Anlage und Umwelt bei der Formung des menschlichen Geistes und der individuellen Persönlichkeit zusammenwirken. daß ihre Träume vermutlich nie in Erfüllung gehen werden. das sich besser mit der Erforschung des Geistes vergleichen läßt. Diese Vision ist nie Wirklichkeit geworden. Der Versuch. der Künstlichen Intelligenz und anderen Gebieten unvermeidlich seien. wie man Fusionsreaktoren baue. um selbst offenkundig vernünftige wissenschaftliche Ziele zu erreichen. der Psychiatrie. die Energie kostengünstiger und sauberer erzeugten als die umweltgefährdenden. wie die natürliche Selektion unser Gehirn gestaltet hat und wie sie es weiterhin prägt. dazu bedürfe es lediglich beharrlicher Anstrengungen. Geld und Zuversicht nicht aus. Stünde den Physikern nur hinlänglich viel Zeit und Geld zur Verfügung. Anders als der Fusionsreaktor ist die Heilung von Krebserkrankungen . ökonomischen und politischen Hürden. technisch nutzbar zu machen. ist ein Paradebeispiel hierfür.so die optimistische Einschätzung . Sie werden Maschinen bauen. den Prozeß der Kernfusion. auf deren Grundlage entwickelten Physiker Ende der vierziger Jahre die Wasserstoffbombe. die der Nutzung der Fusionsenergie im Weg stehen. Selbst eingefleischten Befürwortern des Fusionsreaktors dämmert es mittlerweile. die technischen. sind einfach unüberwindlich hoch.

in denen die Erfolge überschätzt und die Gefahren unterschätzt werden. sind die Sterberaten in Wirklichkeit heute höher als im Jahr 1971. die Wissenschaftler auch nach wiederholten Mißerfolgen nicht aufgeben läßt. sondern ein weitverbreitetes Phänomen in der modernen Medizin. Er führte aktuelle Beispiele an. mit diesem Thema. ja sogar heilen. Elliott Valenstein befaßte sich am Ende seines Buches Great and Desperate Cures. selbst wenn man die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt. Doch bislang liegt die Heilung von Krebs in genauso weiter Ferne wie die technische Nutzung der Fusionsenergie. Doch diese Gläubigkeit ist auch mit Gefahren verbunden. wo die Auswahl der Patienten .9 Die ungebrochene Zuversicht. hat etwas Edles. einer Geschichte der Lobotomie in der amerikanischen Psychiatrie. und sie haben ausgeklügelte Verfahren zur Früherkennung der Erkrankung und zur Beurteilung ihres Verlaufs entwickelt. etwas Erhabenes. Die unkritische allgemeine Anwendung der Lobotomie sei keineswegs eine auf die Psychiatrie beschränkte Fehlentwicklung.363 .bei denen vorschnell Ergebnisse präsentiert werden. AlzheimerKrankheit und andere Erkrankungen hochgejubelt hatten: In der großen Mehrzahl der Fälle . Herzerkrankungen. haben die Vereinigten Staaten über fünfunddreißig Milliarden Dollar für die Krebsforschung aufgewendet. Bestimmte seltene Krebsarten bei Kindern lassen sich heute effizienter behandeln. daß wir es vermutlich nie aufgeben werden. Wissenschaftler haben gewaltige Fortschritte bei der Aufklärung der Entstehungsmechanismen verschiedener Krebsformen gemacht. bemerkte Valenstein. wo Wissenschaftler und die Medien klinisch nicht erprobte Therapien für AIDS. Seit Präsident Richard Nixon 1971 dem Krebs offiziell »den Krieg« erklärte. Doch trotz eines unlängst von den Medien hochgespielten angeblichen Rückganges der Krebssterblichkeit.ein so vordringliches Ziel.

« Berlin mahnte uns eindringlich. wir sollten uns vor den »schrecklichen Vereinfachern«. Verständnis und Menschlichkeit abgemildert werden. der den schrecklichen Vereinfachern ihre Macht verleiht. wie oft uns die einschlägigen Disziplinen in der Vergangenheit in die Irre geführt haben und wie dürftig ihre Erfolgsbilanz ausfällt. wenn Wissenschaftler nicht bloß ein Heilmittel für Krebs oder psychische Krankheiten suchen. den »großen despotischen Organisatoren« und »Männern mit einer allumfassenden Vision« in acht nehmen. »Ein Gespür für Symmetrie und Regelhaftigkeit und die Fähigkeit zu stringenter Deduktion. sofern sie nicht durch sehr viel Sensibilität. Wir müssen uns daran erinnern. wer wir sein sollten. die Befähigungsvoraussetzungen für einige Naturwissenschaften sind.mit systematischen Fehlern behaftet ist und wo therapeutische Mißerfolge als Ausnahmen wegerklärt werden .waren die verantwortlichen Ärzte von der Gültigkeit ihrer Schlußfolgerungen überzeugt. schlimmer noch. daß die Anwendung der wissenschaftlichen Rationalität auf menschliche Angelegenheiten häufig in Totalitarismus münde. Es ist sehr schwer. Um uns selbst vor unserer Leichtgläubigkeit zu schützen. Gleichzeitig müssen wir offen bleiben für die Möglichkeit echter Fortschritte. sich gegen Selbsttäuschung zu feien .und nahezu unmöglich. führen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Organisation zwangsläufig zu entsetzlichen Drangsalierungen auf der einen und zu unsäglichem Leid auf der anderen Seite. Der verstorbene Philosoph Isaiah Berlin wies einmal warnend darauf hin. Dies meinte ich in der .364 . Die Gefahren wissenschaftlicher Selbstüberschätzung sind am größten. sondern eine endgültige Erklärung dafür. wenn hemmungsloser Ehrgeiz im 10 Spiel ist. müssen wir die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes anders bewerten.11 Natürlich ist es unser Wunsch nach Antworten und Allheilmitteln. wer wir sind oder.

«12 Sacks' mitfühlendes. Schlaganfällen. Sacks' Philosophie könnte man vielleicht mit den Worten »keine Ideen außer in Menschen« umschreiben. er versuche Wittgensteins Diktum zu befolgen. eine Fallgeschichte nach der anderen zu schreiben und die Theoriebildung anderen zu überlassen. Clifford Geertz und andere haben uns geraten. kranken und gegen die Krankheit ankämpfenden Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. wobei er diese Regel durch seine Aussage verletzte. wo ist ihre allgemeine Theorie?‹ Doch ich bin eigentlich recht zufrieden damit. Ein Musterbeispiel für diesen literarischen Ansatz ist der Neurologe und Buchautor Oliver Sacks. wir sollten die Erforschung des Geistes eher als ein quasiliterarisches denn als ein streng wissenschaftliches Unternehmen betreiben. In seinen Büchern und Aufsätzen hat er außerordentlich lebendige. daß ein Buch eher aus »Beispielen« als aus Verallgemeinerungen bestehen sollte. einfühlsame biographische Skizzen von Menschen gezeichnet. Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und anderen neurologischen Störungen leiden. der seine Frau mit einem Hut verwechselte schrieb Sacks: »Um die Person – den leidenden. Tumoren. hat Sacks sie zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht. In Der Mann. Er sagte mir einmal.365 . Der Dichter William Carlos Williams verkündete einmal »keine Ideen außer in Dingen«.Einleitung zu diesem Buch mit der Formulierung »hoffnungsvoller Skeptizismus«. nur . müssen wir die Krankengeschichte zu einer wirklichen Geschichte ausweiten. Howard Gardner. doch gelegentlich macht er es explizit. »Ich bekomme immer wieder zu hören: ›Sacks. antireduktionistisches Kredo ist in all seinen Schriften implizit spürbar. die unter den Folgen von Autismus. Während die meisten Neurowissenschaftler die Einzigartigkeit jedes Individuums wegzuerklären versuchen. was ich im ersten Kapitel als »Gagesche Neurowissenschaft« bezeichnet habe. Sacks ist der moderne Meister dessen.

weder die Begabung noch die Lust. die den menschlichen Geist erforschen. Vielleicht sollten sie sich als Techniker betrachten. ›in das Innere des kranken Bewußtseins vorzudringen‹ und ›die pathologische Welt mit den Augen des Patienten zu sehen‹. daß sie sich zwar häufig sehr plausibel anhören. dem Rattenmann. Schaltkreiskonstrukteure und Autohersteller. Der Meister der Fallgeschichte war Sigmund Freud. der die Psychoanalyse auf der Basis von Einzelfällen wie denen von Anna O.«13 In Ein Anthropologe auf dem Mars führte er aus: Aber die Realitäten der Patienten.dann haben wir sowohl ein ›wer‹ als auch ein ›was‹. lassen sich über Verhaltensbeobachtungen .14 Das Problematische an Fallgeschichten liegt darin. wie sie und ihre Gehirne ihre eigenen Welten konstruieren. Techniker suchen nicht nach der Antwort. ihre Untersuchungsergebnisse in literarischer Weise darzustellen.also von außen . die Arten. in seiner Beziehung zum Körperlichen faßbar wird. einen Patienten. wie Foucault schreibt. der . eine wirkliche Person. Zusätzlich zum objektiven Ansatz des Wissenschaftlers und Naturforschers müssen wir uns einer intersubjektiven Vorgehensweise bedienen. dem Wolfsmann und anderen entwickelte. um so.366 . von den Zusammenhängen zwischen Genen und Persönlichkeit und auch von der Rolle. Zudem hat die große Mehrzahl der Wissenschaftler.nicht vollständig erschließen. genauso wie Brückenbauer. Wissenschaftler haben gezeigt. aber die Wahrheit verschleiern und untergraben können. der in seiner Beziehung zur Krankheit. Der Fall Phineas Gage der im neunzehnten Jahrhundert lebte und dessen Gehirn von einer Eisenstange durchbohrt wurde . Fallgeschichten lieferten auch verzerrte Vorstellungen von Fluctin und anderen Psychopharmaka.belegt dies.. die die natürliche Selektion als Triebfeder menschlichen Verhaltens spielt. daß Freuds Erzählungen oftmals erheblich von der Wahrheit abwichen.

das ihnen hilft. ein 1945 von dem Physiker Vannevar Bush geschriebener Lobgesang auf den unerschöpflichen Schatz der Wissenschaft. ohne jedoch potentielle Schwierigkeiten unerwähnt zu lassen.absoluten. Wenn sich die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes derart bescheidene Ziele setzte. und mein pessimistischer Traktat An den Grenzen des Wissens – und dann ihre eigenen Ansichten über die Zukunft der Wissenschaft darlegen. Die Sehnsucht nach einer Offenbarung Letztlich hängt die Zukunft der Wissenschaft vom menschlichen Geist von der jungen Generation ab. sagte ein Aufsatzschreiber. und wer weiß schon. Die Studenten sollten zwei Bücher lesen – Science: The Endless Frontier. Viele Studenten stellten die Wissenschaft vom menschlichen Geist als ein besonders vielversprechendes Forschungsgebiet heraus. Vielmehr suchen Techniker nach einer Antwort. welche Richtung sie unter ihrem Einfluß einschlagen wird? Im Jahr 1998 bat mich die Verwaltung des Massachusetts Institute of Technology.das Streben danach kann sogar ein Hemmnis für den Fortschritt sein. unumstößlichen Wahrheit . die Fluctin (fälschlicherweise) zugeschrieben wurden: stark verbesserte Wirksamkeit und minimale Nebenwirkungen.367 . daß die Forscher durch eine zu enge und zu mechanistische Sicht des menschlichen Geistes behindert werden könnten. Die Aufsätze waren größtenteils geradezu unheimlich sachkundig. stringent und ideenreich. »Ich glaube fest an eine kurz bevorstehende kognitive Revolution«. Ein anderer Schreiber befürchtete. könnte sie dieselben Vorzüge erwerben. wies aber auch warnend darauf hin. endgültigen. ein anstehendes Problem zu lösen oder abzumildern. der Fortschritt auf dem Gebiet . bei einem studentischen Aufsatzwettbewerb als Gutachter zu fungieren. nach irgend etwas.

der ernsthaft versucht. in der er lebt. daß ich mich nicht noch immer nach dem Offenbarungserlebnis sehne.) Meine Erfahrungen mit veränderten Bewußtseinszuständen haben mich davon überzeugt. Der meines Erachtens beste Aufsatz verknüpfte Betrachtungen zur Kosmologie. sondern daß sie ist. und ich verzehrte mit einem halben Dutzend anderer Konferenzteilnehmer. Wittgenstein hat diesen Gedanken prägnant zum Ausdruck gebracht: »Nicht wie die Welt ist. Der Autor beschloß seinen Aufsatz mit der Vorhersage.egal ob durch Drogen oder durch Meditation oder durch Gentechnik oder durch Künstliche Intelligenz -. Theologie mit Erinnerungen an die schöne. das mit einem Schlag alles erklärt. Es war mein letzter Abend auf der Konferenz. je mehr wir an Intelligenz. (Ich schlug diesen Aufsatz für eine Auszeichnung vor. zu verstehen«15.der Künstlichen Intelligenz könne sowohl durch die Grenzen der Siliziumchip-Technologie als auch durch eine zunehmende Technologiefeindlichkeit in der Gesellschaft blockiert werden. Auf der Konferenz in Tucson im Jahr 1994 bewegte ich mich für kurze Zeit am Rand einer solchen Offenbarung.«16 Das soll nicht heißen. Weit gefehlt. Leben und das Universum als Ganzes – unabhängig von der Macht unserer wissenschaftlichen Erklärungen in sprachloser Ehrfurcht bestaunen. um so mehr werden wir Bewußtsein. daß »die Zukunft der Wissenschaft in bewußtseinsverändernden Substanzen liegt«. die meisten davon Wissenschaftsjournalisten wie ich. Künstlichen Intelligenz.368 . ist das Mystische. solche »Erfahrungen können von niemandem ignoriert werden. Bewußtsein und Einsichtsfähigkeit gewinnen . wurde jedoch von den anderen Juroren überstimmt. daß sie das Rätsel Bewußtsein nicht lösen können. die Welt. Er berief sich dabei auf den britischen Autor Aldous Huxley. Burritos . aber egoistische frühere Freundin des Verfassers. der Mitte der fünfziger Jahre nach Einnahme der psychedelischen Substanz Meskalin erklärte.

Gewiß. wovon er/sie eigentlich gesprochen hatte.369 . Meskalin und Peyote. Er trug einen Apparat. Ketamin war die Droge. Wir begannen Anekdoten über unsere eigenen Erlebnisse mit exotischen bewußtseinserweiternden Substanzen auszutauschen . daß Ketamin. die es dem Neurowissenschaftler John Lilly. ermöglicht hatte. einem Pionier der Delphinforschung und Entdecker von Methoden der sensorischen Deprivation. daß keine(r) der Redner(innen) wußte.für Visuelle/Auditive Entspannung und Beruhigung. Er sagte uns. daß Bewußtsein niemals von außen. sondern nur von innen. näherte sich ein großer Mann mit Schnurrbart.LSD. Rauschpilze. das manchmal auch Vitamin K genannt wird. der aus einer Videobrille und Kopfhörern bestand. Ein Journalist mit gezwirbeltem Kinnbart und Nasenring versicherte uns. die stärksten bewußtseinsverändernden Rauscherlebnisse überhaupt auslöse. einige Vorträge waren interessanter gewesen als andere. unserem Tisch. die Wissenschaftler und Philosophen hatten einen ratlosen und unschlüssigen Eindruck gemacht. Ein Höhepunkt war Andrew Weils Bericht über seine unglaublichen Heldentaten. war der Abend kühl.17 Als sich unser Gespräch dem Ende zuneigte. nicht durch Wissenschaft. der ein ärmelloses. Er nannte ihn VAEB . die außerirdischen Wesen zu erkennen. die einen dimensionslosen Hyperraum aus reinem Bewußtsein bewohnten und beunruhigt seien wegen der Mißhandlung von Delphinen und anderen Tieren durch den Menschen. Lilly beschrieb die Wesen als Feststoffmaschinen. die unsere Wirklichkeit beherrschen. mit blauen Blumen gesprenkeltes Hemd trug.und Bier im Garten eines Restaurants. Obwohl den ganzen Tag glühende Hitze geherrscht hatte. Wir redeten über die Konferenz und waren uns darin einig. sondern nur durch Erfahrung erklärt werden könne. . er sei Arzt am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Arizona. Meine Tischgenossen schienen dem Guru der Alternativmedizin darin beizupflichten.

darauf wartend. Die Klänge und Farben verschmolzen.Er hatte das Gerät zusammen mit einer Gruppe von Kollegen entwickelt und erprobte seine Fähigkeit.« Als er fragte.nicht bloß meines Bewußtseins. entdeckt zu werden. Reklamebroschüren. ob es jemand von uns ausprobieren wolle. beschrieben das Gerät als ein »nichtinvasives. Ich konzentrierte mich nur auf diese elementaren Empfindungen in meinem Kopf. wie aus unterirdischen Tiefen aufsteigend. Patienten in körperlichen oder psychischen Streßsituationen zu beruhigen. ein mattes Gelächter. sich ständig verändernd und doch immer gleich bleibend. die ich später sah. sondern des Bewußtseins schlechthin. nichtpharmakologisches Mittel zur Erzeugung von Entspannungs. zwei Seiten derselben inneren Empfindung. aber sie schienen von weit weg zu kommen. Ich blickte ins Innerste des Bewußtseins . »Machen Sie ein Foto von ihm und schicken Sie es an seinen Chef beim Scientific American]« rief . sie wurden in gewissem Sinne ununterscheidbar. Klang. die allem mit einem Mal Sinn gäbe. Hier lag der Schlüssel zu allem. aus einer anderen Welt. Die Töne schwollen an und ab..370 . Ich spürte das Nahen eines Offenbarungserlebnisses. unbeschreiblich schön.und Farbreize stürzten auf mich ein. wenn ich nur genau genug hinsähe. die pulsierten und sich wandelten.und/oder hypnogogen Zuständen [. wie das Juwel der Schöpfung.] VAEB benutzt einen programmierbaren Impulsgenerator. Dem Patienten werden synchronisierte visuelle und auditive Reize (Lichtblitze und beschwingte Töne) wechselnder Frequenz dargeboten. drückte er auf einen Schalter. meldete ich mich freiwillig. und auch die Farben änderten sich unaufhörlich. Nachdem mir der Mann geholfen hatte. einer anderen Dimension. Ich hörte Stimmen. von Rot zu Blau zu Purpurrot zu Gelb und wieder zurück zu Rot. eine große Enthüllung.. der Signale an einen Kopfhörer und ein LED-Okular sendet. den Kopfhörer und die Brille anzuziehen.

. widerstrebend legte ich Brille und Kopfhörer ab und kehrte zurück in die Wirklichkeit. und machte ihn schleunigst zu.jemand. Ich bemerkte. worauf ein allgemeines Gejohle und schallendes Gelächter einsetzte.371 . Langsam. daß mein Mund offenstand.

372 .[leere Seite] .

ANHANG .373 .

[leere Seite] .374 .

S. wie weit der Weg ist. Dann meinte er. 8 Unlocking the Secrets of the Brain. der noch vor uns liegt. daß es nachgerade komisch ist. San Francisco 1978. 9 Mayr erörterte die Grenzen der Biologie in Eine neue Philosophie der Biologie. auf mich zu. München 1997. veröffentlichte die Londoner Zeitung Evening Standard eine Rezension. Der Anthropologe als Schriftsteller. S. in der Wolpert seine Einwände gegen An den Grenzen des Wissens auf eine etwas sachlichere Weise formulierte. der ein T-Shirt und Bluejeans trug.386. Garden City. Er schrieb: »Schon der Titel des Kapitels ›Das Ende der Neurowissenschaften‹ stellt eine so törichte Behauptung auf. Frankfurt a. The Corning of the Golden Age. weshalb sich einige Leute derart über mein Buch aufregten. August 1996. 1993. Ein Ende in Würde?. doch die Erörterung der tatsächlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung fällt oberflächlich aus und zudem sind die befragten Wissenschaftler völlig unterschiedlicher Meinung. 4 Stent. hg. Horgan interviewt ein paar führende Wissenschaftler wie Edelman. 81 f. Crick und Penrose. Mai. S. . 756. 7 Weltgesundheitsorganisation. S. Die künstlichen Wilden. Er sagte. 5 Ich traf Lewis Wolpert am 8. Nachdem Wolpert mich ausgescholten hatte. den Abschnitt über Stent in meinem Buch An den Grenzen des Wissens. Am 19. Selbst wenn die Wissenschaft an ihr Ende komme. von Leonard Frank. Wie wir sterben. Frank nennt als Quelle Russells 1935 erschienenes Buch Religion and Science. er könne nicht verstehen.« 6 Sherwin Nuland. er heiße Geoff Carr und sei Wissenschaftsredakteur beim Economist. 2 Clifford Geertz.Anmerkungen EINLEITUNG 1 Zitiert nach Quotationary.375 . M. 23. Pressemitteilung. und Paradoxes of Progress. New York 1969. 24. New York 1999. München 1994. nachdem ich aus England abgereist war. 3 Stent schrieb zwei Bücher über die Grenzen der Wissenschaft: The Corning of the Golden Age. Druckschrift. München 1991. 23-34. veröffentlicht von der American Psychiatrie Association anläßlich ihrer Jahrestagung 1996. Mai 1997 an der London School of Economics bei einem Empfang im Anschluß an einen Vortrag des Evolutionsbiologen John Maynard Smith. Dies verdeutlicht. Vgl. blieben uns immer noch Sex und Bier. S. kam ein bärtiger Hüne.

New York 1992. In: Scientific American. Brain. 220. 3 In: Pacific Philosophical Quarterly 64. S. 1973. 571. The Unnatural Nature of Science. Frühjahr 1992. 14 Am 18. Einen ausgezeichneten Überblick über die Gedächtnisforschung gibt auch Daniel Schacter in seinem Buch Searching for Memory. 7 Daniel Dennett. November 1997 an der Harvard-Universität. 11 Clifford Geertz. 2 Platon. New York 1988. Mai 1998 am California Institute of Technology. ver- . 21. Stuttgart 1992. April 1998. the Decade of Behavior?«. Dezember 1997 an der Yale-Universität. S. 59-73. übersetzt von Friedrich Schleiermacher. Phaidon. 14 David Hubel. Januar 1998. 311. 13 Lewis Wolpert. November 1997 an der Rockefeller-Universität. Hamburg 1994. Vision. »Learning with Bruner«. in: New York Review of Books. New York 1980. S. 8 Interview vom 12. 12 Charles Gross. Der Leserbrief zu diesem Artikel wurde im Dezemberheft desselben Jahrgangs. 22.sfn. 10 Vgl. 10. Brain and Vision. S. die am 14. S. in: Science. In Our Time. Cambridge 1993. S. April 1997. 13 Interview vom 28. 4 Informationen über die Society for Neuroscience erhält man auf ihrer Web-site: www. 9-11. in: Search (ein Magazin der Rockefeller-Universität). Eye.10 Thomas Kuhn legte seine Anschauung von der Wissenschaft dar in Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. 78-83. 66. 15 Vgl. »President Torsten Wiesel«. 111-117. New York 1996.1983. An den Grenzen des Wissens. S. 8. S. S. 9 »Next. Cambridge 1998. S. S. 15 Ich interviewte Patricia Goldman-Rakic am 19.org. KAPITEL 1: DIE ERKLÄRUNGSLÜCKE DER NEUROWISSENSCHAFT 1 Tom Wolfe. 11 Ein Bericht über die Forschungsarbeiten von Karl Lashley und anderen über das Gedächtnis findet sich in In the Palaces of Memory von George Johnson. Frankfurt a. August 1997. 354-361. in: Scientific American. September 1992. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. S.134. 6 Interview vom 18. April 1998 per E-mail an Journalisten geschickt wurde.S. M. 12. 16. Einen Überblick über ihre Forschungen gibt sie in ihrem Beitrag »Working Memory and the Mind«. April 1998 an der New-York-Universität. Geoffrey Montgomery.376 . S. 5 Das Zitat stammt aus einer Pressemitteilung. Memory: Tales in the History of Neuroscience. 12 Ich interviewte Karl Friston telefonisch am 20.

« Joseph LeDoux. Richard Robins. Bach in sehr ausführlicher Weise. »Penetrating Insight into the Brain«. Descartes' Irrtum. Wie Emotionen entstehen. wird erkennen. Michael Gazzaniga.org. »Shrinking Minds and Swollen . S. Ich interviewte LeDoux am 6. Jerome Kagan. Jeder kann ein Oszilloskop an den Speicher des Computers anschließen. 39. 20. New York 1988. Ebenda. S. S. Februar 1998 an der New-York-Universität. Daniel Goleman »Brain Structure Differences Linked to Schizophrenia in Study of Twins«. 26. Ramachandran und J. in: American Scientist. Ebenda. 24. 31 f. diesen Abschnitt des Kapitels in der Rohfassung las. S. 22. »Is Everybody Crazy?«. Oktober 1998. März 1990. J. »The Split Brain Revisited«. Douglas Hofstadter erörtert diesen Punkt in Gödel. 2. von Isaac Asimov und Jason Shulman.. die ich auf einer Webs-site namens »The Edge« veröffentlichte: www. 28. Escher. in: Scientific American. in: New York Times. 214. Antonio R.17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 öffentlicht. 50-55. S. Isaac Asimov's Book of Science and Nature Quotations. »Psychological Science at the Crossroads«. Abigail Zuger. 274. S. LeDoux. S. Galen's Prophecy. in: Science. Veröffentlichung der MRT-Studie: Richard Suddath u. März 1990. 87-96. Vgl.377 . S. S. daß diese Erklärungslücke exakt dem Unterschied zwischen Maschinencode (Einsen und Nullen) und den tatsächlichen Programmen entspricht.a. S. New York 1997. 22. Jack Pressman. Last Resort. in: New York Times. »Removing Half of Brain Improves Young Epileptics' Life«. S. V. Sharon Begley. S. 52. S. München 1998. S. Januar 1998. S. The Social Brain. Searching for Memory. 90 f. Als Chris Bremser. 31. »Cerebral Anatomical Abnormalities in Monozygotic Twins Discordant for Schizophrenia«. 228.310-313. Schacter. The Right Mind. New York 1998. ein bekannter Informatiker aus San Francisco. Das Netz der Gefühle. hg. in: New England Journal of Medicine. New York 1994. Damasio.edge. doch ohne die Programmkonstrukte auf höherer Ebene zu kennen (beziehungsweise abzuleiten). Robert Ornstein. München 1997. 19. S. August 1997. Das Netz der Gefühle. Ebenda. Juli 1998. Vgl. Antwort von LeDoux auf eine Nachricht. der auch nur entfernt etwas mit Programmierung zu tun hat. 434. B 15. meinte er: »Jeder. New York 1985. in: Newsweek. Juli/August 1998. Smythies. Michael Gazzaniga. Samuel Gosling und Kenneth Craik. S. wird er nichts herausfinden.

Stamford. Johnson. vernichtendes Feuer. 158. April 1997. 38 Telefonisches Interview am 11.. 51 Ders. S. 40 Vgl. M. S. Nachtragsband. 457-469. Dezember 1997 im New York Psychiatrie Institute. S. hg. M. 42 Kandel sagte selbst zu mir. 41 Principles of Neural Science. Sonderheft des Journal of Clinical Psychoanalysis. 28. von Eric Kandel und James Schwartz. Abriß der Psychoanalyse. 15. von Eric Kandel. S. April 1998. in: Nature.1996. Frankfurt a. London 1998. 3. 30. hg. in: Freud: Conflict and Culture. Briefe an Wilhelm Fliess. S. S. 1028-1037. 44 Ebenda. »Our Memories.Heads«. Einleitung von F. 30. München 1993. 235 f. Nr. 49 Vgl. S. S. er habe die Art der Berichterstattung über die Neurowissenschaft im Scientific American und in der New York Times beeinflußt. New York 1998. Vgl. Our Selves«. 48 Interview am 15. hg. Einführende Darstellungen. 41. 52 Ders. S. S. Briefe an Wilhelm Fliess 1887-1904. hg. 208f. in: New York Times Magazine. 1987. »The Other Road: Freud As Neurologist«.. November 1979. S. M. 46 Ebenda. 47 Eric Kandel. ders. S. S. 5. Gesammelte Werke. 221-234. 1986. Bd. 8. 667f. »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. März 1998. ungekürzte Ausgabe. 43 Stephen Hall. Connecticut. in: ders. In the Palaces of Memory. James Schwartz und Thomas Jessell. 59–63. 39 Gerald Edelman.378 . und Oliver Sacks. 1995. On Giants' Shoulders.. . von Jeffrey Moussaieff Masson...-W. 17. »Psychotherapy and the Single Synapse«. 1994. 37 Melvyn Bragg. 45 Ebenda. von Michael Roth. in: American Journal of Psychiatry. S. Frankfurt a. New York 1981. Göttliche Luft. Wie der Geist im Gehirn entsteht. Dieses Buch diente als Katalog zur FreudAusstellung der U. S. Eickhoff. Februar 1998. Library of Congress. 53 Ders. in: New England Journal of Medicine. 387. von Herbert Wyman und Stephen Rittenberg. Frankfurt a. »Entwurf einer Psychologie« (1895). 149. »Psychoanalysis and Neuroscience«. hg. 50 Sigmund Freud. Essentials of Neural Science and Behavior.

Seymour Fisher und Roger Greenberg. Ladd Franklin in: Nation. A 1. 12. Samuel Gosling und Kenneth Craik. S. 13 Richard Robins. »Return to the Couch: A Revival for Analysis«. Malcolm Macmilan. 47-51. Wie das Denken im Kopf entsteht. . in Freud: Culture and Conflict. S. S. Frankfurt a.). 34f. 12 Vgl. 15 Die American Psychoanalytic Association veröffentlichte diese Daten über die Zahl der Ausbildungskandidaten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Freud Evaluated. 29. Why Freud Was Wrong. »Psychological Science at the Crossroads«. Frederick Crews (Hg.379 . »Freud in Russia: Return of the Repressed«. »The Freud Controversy«. in: Time. S. S.154. in: American Scientist. 14 Joseph LeDoux. 3 E. Januar 1999. 8. The Freud Reader. 11. Why Freud Was Wrong. S. C 1.S. New York 1998. hg. Im Netz der Gefühle. Dezember 1996. in: New York Times. 82. New York 1992. S. S. 7 Zit. Weinheim 1996. S. 18 Sigmund Freud. 4 Besprechung ohne Namensangabe des Rezensenten in: Nation. nach Torrey. von Michael Roth. New York 1995. 21 Vgl. 20 Ebenda. Freud Scientifically Reappraised. S. Peter Gay (Hg. Freudian Fraud. 9 Frank Cioffi. 2 Die Tagung der Fachgruppe 39 der American Psychological Association fand am 18. 269.311. 666. S. S. Mai 1913. S. Freud and His Critics. S. New York 1998.181. November 1993. September 1916. Probleme sprachlichen Wissens. Oktober 1916. 455. 200. M. hg. S. New York 1989. Fuller Torrey. Unauthorized Freud. 19 Ebenda. 11 Paul Robinson. Searching for Memory. 6 Artikel ohne Namensangabe des Autors mit dem Titel »An American Expert's Indictment of American Dream Analysis as a Psychological Humbug«. 216. Daniel Schacter. 17 Webster. 56. 373 f. Steven Pinker. Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Selbstdarstellung. in: Current Opinion. 1999. S.503-505. April 1996 in New York statt. Berkeley 1993. »Is Freud Dead?«.KAPITEL 2: WARUM FREUD NICHT TOT IST 1 Noam Chomsky. Juli/August 1998. von Ilse Grubrich-Simitis. New York 1996. 10 Paul Gray. Freudian Fraud. 59. S. Ein optimistischer Bericht über die Lage der Psychoanalyse: Erica Goode. 5 C. Cambridge 1997. 8 Richard Webster. in: New York Times.). 16 Alessandra Stanley.

59. 16. 1982. 26 Der »Psycho-Block« in Manhattan erstreckt sich entlang der West 81st Street zwischen Central Park und Amsterdam Avenue. 28 Sigmund Freud. zusammengefaßt. M.M.. New York 1998. 253-272. 23 Ebenda. »Zur Ätiologie der Hysterie«.a. München 1997. Frankfurt a. S. 261 f.. Sexualleben. von Alexander Mitscherlich u. in: Times Literary Supplement. 5. Bd. 30 Zur Diskussion des Ödipuskomplexes aus einer evolutionsbiologischen Perspektive vgl. S. 43 Vgl. 31 KeithKendrick u. Studienausgabe. in: ders. S. S. Studienausgabe. 34 Die beiden Aufsätze von Crews erschienen am 18. . 1983. 2. Gesammelte Werke. S. 276 f.. 25 Edward Dolnick. »Studien über Hysterie« (1895). in: Nature. »Mothers Determine Sexual Preferences«. Bd.a. Mai 1997. M. 229f. 33 Seymour Fishers Studie über die Analitäts-Hypothese wird auf S. S. hg. 159. April 1998 in New Haven. September 1998. S. 41 Richard Webster.. von Alexander Mitscherlich u. April 1998 an der Yale-Universität. »The Bewildered Visionary«.. 284. Madness on the Couch. Bd.. als Buch veröffentlicht: Frederick Crews. Hysterie und Angst. Frankfurt a. Englisch im Original. Steven Pinker.. 35 Ebenda. 4 f. S. 29 Nicholas Wade. November 1993 und 1. »Error's Reign«. New York 1995.a. und 4. 283. Januar 1998 abgedruckt. 28. S. 24 Ebenda. 1987. Juni 1998. 40 Frederick Crews. von Alexander Mitscherlich u. S. »Preface to the third (revised) English Edition« (1931). S. 39. Wie das Denken im Kopf entsteht. 17. New York 1997.380 . S. F 6. Dezember 1994. 32 Telefonisches Interview am 11. 37 Ebenda. 36 Ebenda. Frankfurt a. Die Traumdeutung. 1982. 94-105. 263. 6. 38 Sigmund Freud.22 Sigmund Freud. Die Leserbriefe auf diesen Bericht wurden am 12. Januar 1998. 65. 10. »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?«. Connecticut. 42 Ich interviewte Crews am 2. Bd. S. die sie provoziert hatten. S. in: Unauthorized Freud. hg. 72. Studienausgabe. 39 Sigmund Freud. S. Sie wurden später zusammen mit Briefen. in: ders. M. 1. Sebastiane Timpanaro. in: ders. S. 6. hg. Frankfurt a. The Memory Wars. The Talking Cure. S. New York 1995. 44 Konferenz am 3.a. The Memory Wars. in: New York Times. 552 f. 27 Susan Vaughan. »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«.

Doch Bromberg sagte. 51 Francis Crick. S. Psychoanalyse. Howard Gardner. 53 Gray.1992.. den Vortrag besser als der ursprünglich beabsichtigte. S. hg. 57 Ich traf Howard Gardner am 19. Ursprünge der Religion. Behaviorismus. Mit mindestens ebenso triftigen Gründen läßt sich behaupten. Mai 1996 in New York. konnektionistische und soziobiologische Ansätze. daß die Geschichte der Psychologie aus einer Abfolge mehrerer miteinander rivalisierender Richtungen und Paradigmen bestand: Funktionalismus. 51. 59 Ebenda. Freud Scientifically Reappraised.. 32. S. [. 50 Torrey. daß der angekündigte Titel auf einem Druckfehler basiere. daß es praktisch kein Gebiet gab. S. Bd. in: Studienausgabe. Reinbek bei Hamburg 1997. Darlene Bregman Ehrenberg und Jody Messler Davies. 47 Sigmund Freud. 180. Was die Seele wirklich ist. vgl. und sein Vortrag firmierte im Veranstaltungsprogramm unter dem Titel »Staying Sane While Changing: Reflections on Clinical Judgement«. April 1996 im Waldorf-Astoria statt. 56 Vgl. S.a. u f. 54 Vgl. S. Solso und D.. Sue Grand. S. Strukturalismus. von Alexander Mitscherlich u. New York 1994. Die Zukunft einer Illusion (1927). Der Anthropologe als Schriftsteller. die Teilnehmerinnen waren Lynn Passey. Fragen der Gesellschaft. Juli/August 1994. 58 In: New Ideas in Psychology 10. »Is Freud Dead?«.381 . Freudian Fraud. eigentlich hätte er »Staying the Same While Changing« lauten sollen.] Nach Ansicht von manchen ist dieser Wettstreit zwischen den Schulen unvermeidlich . 179-190. 1982. Die künstlichen Wilden. Massaro. 1993. der versehentliche Titel beschreibe. 376 f. 52 Harold Bloom. 28. Er wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin. Frankfurt a. »Perennial Antinomies and Perpetual Redrawings: Is There Progress in the Study of Mind?«. M. Extraordinary Minds. 46 Der Sprecher hieß Philip Bromberg. das hervorragende Crews-Kurzporträt von Adam Begley »Terminating Analysis«. 65-78: »Eine sachliche historische Bestandsaufnahme der letzten hundert Jahre zeigt. 218. New York 1997.45 Das Seminar fand am 18. ders. Frames of Mind. das sich stetig weiterentwickelt hat. Frankfurt a. Gestaltpsychologie und in jüngster Zeit informationstheoretische.. von R. S. in: Science of the Mind: 2001 and Beyond. 55 Clifford Geertz. November 1997 an der Harvard-Universität zu einem Interview. New York 1995. hg. 49 Interview am 7. M.. Nr. New York 1983. 137. Marylou Lionells. 188. S. ders. S. ähnlich einem Freudschen Versprecher. 9. 2. The Western Canon. 48 Fisher und Greenberg. in: Lingua Franca. S.

Juni 1998. KAPITEL 3: PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 1 Buchtitel von James Hillman und Michael Ventura. Toksoz Karasu. korrigierte Aufl. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. »Paging Dr. S. 2 Vgl. Howard Gardner. von Alexander Mitscherlich u. Allerdings war diesen Schulen in den meisten Fällen kein sonderlicher Erfolg beschieden. daß. 3.« (S. S. 1997. Bd. Nr.382 . Vgl. San Francisco 1993. hg. Philosophen begännen ihre Dienstleistungen als Therapeuten anzubieten.. S. In dem Artikel wird berichtet. 1.... New York 1998. S.M.. 14. Der Psychoanalytiker Hillman und der Dichter und Journalist Ventura plädierten mit ihrem Buch für eine Erneuerung von Psychologie und Psychotherapie auf der Grundlage jungianischer Prinzipien. We 've Had a Hundred years of Psychotherapy and the World's Getting Worse. 34. Frankfurt a. ders. Sigmund Freud. 24.a. Joe Sharkey. or Is It My Shrink?. Sigmund Freud. und sie würden dennoch behaupten. New York 1985. Studienausgabe. 67). S.. Frankfurt a. 1982. weitreichende Fortschritte gemacht worden sind. a. »Psychotherapies: An Overview«. doch der Wettstreit geht unter neuen Bannern weiter. von Alexander Mitscherlich u. ferner Larry Beutler u. The Mind's New Science. in: American Journal of Psychiatry. in: New York Times Week in Review. Vgl. Vorlesung. August 1977. »Die endliche und die unendliche Analyse«. Juni 1998. auch »You Are Getting Very Confused: Psychologists' Split Decisions«. Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse.. M. März 1998. die Karasu als einen Typus psychodynamischer Therapien klassifiziert hatte. in: Schriften zur Behandlungstechnik. in: American Journal of Psychotherapy 40. Der Artikel berichtet über das Buch Escaping the Advice Trap von Wendy Williams und Stephen Ceci. Juli 1986. Am I Crazy. Adam Phillips. 7. 3 Vgl. 99. 851-863. 5. Ergänzungsbd. hg. vielmehr war ihre Energie irgendwann erschöpft: Die Namen verschwinden. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«.388. S. 8. Freud«. in: New York Times Book Review. 1. in: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse.a. 7. Vgl. Fast täglich kommen neue Psychotherapien auf den Markt.581. Studienausgabe. S. in: New York Times Week in Review. 324-341. unter der Oberfläche. Kansas . S. »Philosophers Ponder a Therapy Gold Mine«. Beutler und seine Kollegen stellten eine eigenständige Kategorie der interpersonellen Therapien auf.60 61 62 63 und das Kennzeichen einer jungen und dynamischen Wissenschaft.

berichtete. Tana Dineen. daß der Prozentsatz der Amerikaner. Mark Olfson und Harold Alan Pincus. Dezember 1997. Februar 1993. eine kanadische Psychologin. 1284. ist sehr viel höher. der American Psychological Association und der National Association of Social Workers zusammengestellt. in: Nature. die von Ärzten verabreicht wurden. 1281. Diese Zahlen über verschiedene Typen von Psychotherapeuten sind aus Interviews mit der American Psychiatrie Association. S. S. Ebenda. 459. Stuart Sutherland. S. Dezember 1998. 26-33. doch diese Hypothesen müssen durch Experimente konkretisiert und . die zumindest potentiell qualifiziert sind. Manufacturing Victims. Quebec. 20. September 1994. denen identische Fälle zur Begutachtung vorgelegt würden. Oktober 1997. Die Autoren. in: New York Times. A 1. ein britischer Journalist und Psychologe. Die Times nennt keine Quelle für diese Statistik. »Price Tag: Psychotherapy«. a. in: American Journal of Psychiatry. National Center for Health Statistics. S. »The Final Analysis«. von vierzehn Prozent Mitte der sechziger Jahre auf sechsundvierzig Prozent im Jahr 1995 angestiegen ist. 1996. Costs and User Characteristics«. die einen »Spezialisten für seelische Gesundheit« konsultiert haben. Vgl. Die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungssitzungen. Sutherland. auf Psychotherapeuten zu verzichten. Die Zahl der Sozialarbeiter. Diese Daten stammen aus der jährlichen National Ambulatory Medical Care Survey. in: New York Times. 11 Vgl. die Lösung des Problems bestehe nicht darin. 26. S.383 . die von den Centers for Disease Control and Prevention. David Woodwell von der Abteilung Gesundheitsstatistik lieferte diese Daten. 4.4 5 6 7 8 9 City 1998. 10 Informationen über den Mental Health Parity Act gibt Robert Pear. »Insurance Plans Skirt Requirement on Mental Health«. Psychotherapien oder sonstige Beratungen durchzuführen. in: New York Magazine. die Zahl der staatlich zugelassenen Psychologen pro Einwohner verdoppelte sich nahezu von 1975 bis 1995. gelangten zu dem Fazit. fiel von über zweiundzwanzig Millionen im Jahr 1989 auf weniger als sechzehn Millionen im Jahr 1996. S. der an manisch-depressiver Erkrankung litt und 1998 verstarb. 4. schrieb: »Fallgeschichten können zweifellos eine Quelle für Hypothesen sein. u. James Kaplan. sondern mehr als einen zu konsultieren. C 1. »Outpatient Psychotherapy in the United States. Vgl. völlig unterschiedliche Diagnosen stellen und den Patienten völlig unterschiedliche Ratschläge geben. Dineen. beide Psychologen an der Cornell-Universität. durchgeführt wird. I: Volume. Demnach würden verschiedene Therapeuten. »Emotional Displays«.

a.. S. von Alexander Mitscherlich u. Geschichte der Psychiatrie. 19 Janet Malcolm. 580f. You're Sick. 201. New York 1992. S. Joe Sharkey. hg. 26 Vgl.. 25 Shorter. 10. hg. Toxic Psychiatry. Edward Shorter. S. 218. 1997. Hans-Ulrich Wittchen und Michael Zaudig. September 1997. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. New York 1991. S. 22 Ebenda.« 12 Karasu. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«. Göttingen u. 368. »The Encyclopedia of Insanity«. in: Schriften zur Behandlungstechnik. »You're Not Bad. »Wege der psychoanalytischen Therapie«.. Bd. 21 Vgl. »Die endliche und die unendliche Analyse«. Geschichte der Psychiatrie. 465. S. Torrey.384 .a. 23 In der Beschreibung der Studie von Bachrach u. S. It's in the Book«. 13 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen. 24 E. Aufl. Frankfurt a. 4. Freudian Fraud. S. Davies... 17 Sigmund Freud. Deutsche Bearbeitung und Einleitung von Henning Saß. In Freud Scientifically Reappraised schreiben Fisher und Greenberg auf S. S. korrigierte Aufl.. 14 L. Februar 1997. Psychoanalysis: The Impossible Profession.a. 28. i. Berlin 1999. Ergänzungsbd. die falsche Theorie des Jahrhunderts par excellence auf.65. New York 1982. S. 464 f. Studienausgabe. und den Nachruf auf Eysenck in der New York Times. New York 1998. 4. 20 Sigmund Freud. A 27. 123. 404. 246. S. wenn sie als gültig anerkannt werden sollen. 16 Herb Kutchins und Stuart Kirk. 5. Fuller Torrey. stütze ich mich auf ein Interview mit Bachrach von 1996 und auf Material. S. S. Making Us Crazy. S. in: Schriften zur Behandlungstechnik. Februar 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago verteilte. 27 Peter Breggin. DSM-IV. S. September 1997. S. von Alexander Mitscherlich u. der sich ausschließlich auf Fallgeschichten stützte. 15 Vgl. J.1991.. Schließlich stellte Freud.überprüft werden. 871-916. das er am 7. 335. Freudian Fraud.M. Frankfurt a. Nr. .a. 168 f. Bachrach und seine Mitarbeiter veröffentlichten ihre Ergebnisse auch im Journal of the American Psychoanalytic Association 39. daß »es keine Studie über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse gibt. in: Studienausgabe. in: Harper's. 1982. in: New York Times Week in Review. 18 Ders. 466. die nicht aufgrund fehlerhafter oder verzerrter Daten als unbrauchbar verworfen werden kann«. M. 10.

Einrichtung der Cafeteria und andere Arbeitsbedingungen auf die Produktivität auswirkten. in: Psychodynamic Treatment Research. Frankfurt a. 2. 1975. herauszufinden. 30. hg.511. The Placebo Effect. von Anne Harrington. in: Archives of General Psychiatry 32. in: Spektrum der Wissenschaft. Diese »vielzitierte« Studie basierte laut Gina Kolata. »Comparative Studies of Psychotherapies: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«. 33 Lester Luborsky und Paul Crits-Christoph. 14. 30 Saul Rosenzweig. S.28 Lester Luborsky u. daß neuere Medikamente einen stärkeren Placebo-Effekt auslösen. 2 f. »The Placebo: Is It Much Ado About Nothing?«. von Harrington. hg. Alice im Wunderland. The Powerful Placebo. 36 Arthur Shapiro und Elaine Shapiro..385 . S. Harrington schrieb die Einleitung. S. S. In der Studie ging es darum. ob sich Änderungen an der Ausstattung des Werks. S. Understanding Transference. zwischen 1927 und 1933 durchgeführt wurde.a. M. 31 Lester Luborsky u. Einleitung zu The Placebo Effect. März 1998. Die Ergebnisse deuteten darauf hin. S. 13. in: American Journal of Orthopsychiatry 6. 69. Walter Brown. Dezember 1998. 29 Lewis Carroll. Harrington. S. »Der Placebo-Effekt«. Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. »Some Implicit Common Factors in Diverse Methods of Psychotherapy«. 38 Ebenda. Washington. 40 Harrington. 39 Leon Hoffman von der American Psychoanalytic Association meinte mir gegenüber. S. zit. 995-1008. 34 Luborskys Brief an die New York Review of Books in: Frederick Crews. 42 Vgl. Cambridge 1997. Der Hawthorne-Effekt wurde bei einer Studie entdeckt. a. S. daß Änderungen als solche die Stimmung und Produktivität der Arbeiter positiv beeinflußten. dieses Phänomen. Baltimore 1997. deutsch von Christian Enzensberger. 508 f. Crews' Erwiderung S.412-415. C. 1998. 35 Vgl. 6. . auf nur drei Versuchspersonen. die in einem Betrieb von Western Electric in Hawthorne. »The Efficacy of Dynamic Therapies«. S. New York 1993. »Scientific Myths That Are Too Good to Die«. mit leichten Abänderungen. D. 5. in: The Placebo Effect.1936. Vgl. 37 Ebenda. Memory Wars. in: New York Times Week in Review. Ich interviewte Luborsky mehrfach telefonisch über seine Forschungen. S.. 129 f. 32 Ebenda. könnte mit dem berüchtigten Hawthorne-Effekt zusammenhängen. S. 13. The Placebo Effect. 102-104. 1973. 41 Vgl. New York 1995. Illinois. S.

5. Baltimore 1993. 1979. in: American Psychologist 32. A i. Torrey und andere. 63 Ich besuchte das Hudson River Psychiatrie Center am 29. House of Cards. 59 Ebenda. verschärften im Sommer 1998. 24. »Changing Thinking to Change Emotions«. 62 Ebenda. 58 Dawes. in: New York Times.a. Freudian Fraud. Juni 1997. S. »Cognitive Behavioral Treatment Compared with Nonprescriptive Treatment of Panic Disorder«. 53 Karasu. S. B 4-5. Persuasion and Healing. August 1996. Wray . 5. »Meta-analysis of Psychotherapy Outcome Studies«. 52 Martin Seligman teilte mir seine Ansichten über die kognitive Therapie 1996 während eines telefonischen Interviews mit. S. 1125-1136. E. 752-760. S. 13. 152. in: New York Times. in: Archives of General Psychiatry 51. New York 1994.43 Ebenda. »Psychotherapies: An Overview«. Ich führte mehrere telefonische Interviews mit Robyn Dawes. C 9. 61 Torrey. 46 Ebenda. April 1998. S. House of Cards. die sich für die Belange von psychisch Kranken einsetzen. zitiert nach Dawes.386 . 251. S. S. S. S. 858. S. »The Release of the Mentally 111 from Institutions: A Well-intentioned Disaster«. 3. Füller Torrey. 66. September 1997. 50 Ebenda. 146. S. Ich danke meinen Freunden Jan und Alan Peterson dafür. Katherine Shear u. 56. 57 »Specific Versus Non-specific Factors in Psychotherapy«.. S.1994. 49 Ebenda. S. 300.1977. 48 Ebenda. The Case for Pragmatic Psychology. 55 M. Aufl. 54 Jane Brody. nachdem Schizophrene mehrere in den Medien weidlich behandelte Morde begangen hatten. 298. 60 Abgedruckt im Vorwort zu Daniel Fishman. 51 Frederick Crews sagte dies während unseres Interviews am 2. S. S. S. House of Cards. 395-401. S. Vgl. daß sie mich auf das Museum des Zentrums aufmerksam machten. Robyn Dawes. 50. S.. 47 Ebenda.42. Fox Butterfield. S. New York 1999. 56 Mary Smith und Gene Glass. 45 Jerome Frank und Julia Frank. 44 Ebenda. März 1998. 21. ihre Kritik an der Gemeindepsychiatrie. S. 23. »Prisons Replace Mental Hospitals for the Nation's Mentally 111«. 64 Vgl. in: Archives of General Psychiatry 36. in: Chronicle of Higher Education. 87-112. Zu dieser Studie vgl.

9. »das alte Konzept der Nervenheilanstalt aus der Schublade hervorzuholen. New York 1995. Geschichte der Psychiatrie. 17 Ebenda. 10 Ebenda. S. in: Nature. 8 Ebenda. (A. hg. S. 229. Great and Desperate Cures. Berlin 1999. S. 422. von Peter Gay. 322. S. 297. München 1995. S. The Three-Pound Universe. 8 f. 312. S. in: Wall Street Journal. in: Times Literary Supplement.a. 27. S. »Drug Makers' Goal: Prozac Without the Lag«. August 1998. »Fearsome Madness«. S. November 1997. Andrew Scull. S. . News & World Report. 16 Ebenda. 5 The Freud Reader.) 2 Peter D. 1123.. April 1998. von Floyd Bloom und David Kupfer. 6 Shorter. 324. S. 292 und 371. es sei vielleicht an der Zeit. Geschichte der Psychiatrie. News & World Report. 302. S. 19 Harold Sackheim u. 10. 27. 63. 12 Shorter. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. hg. 4 John Marchall. 313-322. 3 Edward Shorter.387 . Kramer. 14 Ebenda. S. 13 Ebenda. S. New York 1986. März 1997. Glück auf Rezept. S. S. 18 Ebenda. S. S.S.Herbert. Für eine wirklich vernichtende Besprechung von Shorter vgl. 346. In diesem Bericht wird Laurie Flynn von der National Alliance for the Mentally 111 mit der Aussage zitiert. Thomas Burton. S. »A Shrinking Discipline«. Mai 1997. »Chlorpromazine Is No Penicillin«. S. 294. 3. 3 71 f. 16. »Psychosurgery Redux«. 22 Wray Herbert. S. in: U. New York 1989. Ü. 303-313. S. S. New York 1986. KAPITEL 4: FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 1 Das Antidepressivum Fluctin (Wirkstoff Fluoxetin) wird auf dem USamerikanischen Markt unter der Bezeichnung »Prozac« vertrieben und hat in Amerika Furore gemacht. B i. um die psychisch Kranken und die Gesellschaft zu schützen«. 335. S. Geschichte der Psychiatrie. 21 Elliot Valenstein. 268. 9 Ebenda. 11 Vgl. 40. d. 15 Ebenda. in: U. 53 f. 7 Ebenda. S. »Electroconvulsive Therapy«. 20 Zitiert nach Judith Hooper und Dick Teresi. 7.

Freeman habe ihm gegenüber diese Schätzung in einem Telefongespräch geäußert. Breggin erklärte. Oktober 1995 statt. »The New You«. New York 1991. New York 1998. 45 Vgl. 37 Barbara Strauch. 27 Ebenda. in: Newsweek. 31 f. 30 Sigmund Freud.145-153. 386. 28. S. 31 Seymour Fisher und Roger Greenberg (Hg. »The Coverage of Happiness«. in: Psychiatric Times. M. .2. Great and Desperate Cures. in: Wall Street Journal. »Efficacy of Antidepressant Medication with Depressed Youth: What Psychologist Should Know«.S. 29 Ebenda. in: Professional Psychology: Research and Practice 27. Glück auf Rezept. 3. S. Talking Back to Prozac. From Placebo to Panacea. Geschichte der Psychiatrie. Talking Back to Prozac. Last Resort. »A Breakthrough Drug for Depression«. S. Toxic Psychiatry. »Use of Antidepression Medicine for Young Patients Has Soared«. 32 Geoffrey Cowley. A 15. S. 1994. und die anschließenden Anhörungen vor der FDA bieten Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. August 1997. 274. »Drug Sales Can Leave Elderly a Grim Choice: Pills or Other Needs«. 40 Peter Kramer.S. »Peppermint Prozac«. März 1990. New York 1994. 406. 27. A 1. März 1990. S. Laut eines Artikels stieg der Umsatz von Fluctin für Kinder von 1995 bis 1996 um 298 Prozent. 42 Das Symposion an der New School fand am 5. März 1994. Breggin und Breggin. 31. in: New York Times. 39 Arianna Huffington. S. 34 Lucette Lagnado. S. S. Peter Breggin. S. S. Dezember 1997. 6 f. 1. News and World Report. 17. 26 Valenstein. 26. S. 41 Breggin und Breggin. in: U. New York 1997. 24-29.23 Ebenda.388 . August 1997. S. 231. 18. in: New Republic. Frankfurt a. 46 Robert Wright. 44 Ebenda. 116. 43 Kramer. 24 Jack Pressman.1996. S. Abriß der Psychoanalyse. »Blooming Business for Happy Pills«. November 1998. 38 John Sommers-Flanagan und Rita Sommers-Flanagan. S. S. in: Chemistry and Industry. S. Talking Back to Prozac. S. 33 Einen ausführlichen Bericht über die negativen Schlagzeilen. 45 f. 35 Die PR-Abteilung von Eli Lilly gab mir am 12. August 1998 telefonisch diese Information über den weltweiten Umsatz von Fluctin. 10. 36 Susan Aldridge. 382 f.). 28 Shorter. 14. die Fluctin machte. 77.

56 Irene Elkin u. 60 Telefonisches Interview mit Kramer im Juli 1996. »Sex and the Depressed Patient«. in: Psychiatric Annals 24. 63. S. Montgomery u. S. 54 David Antonuccio u. in: Journal of the American Medical Association. ferner Robert Segraves. Garfield. New York 1996. S. »Psychotherapy Versus Medication for Depression: Challenging the Conventional Wisdom with Data«. S. 51 Theresa Crenshaw und James Goldberg. »Initial Antidepressant Choice in Primary Care«. 631. S. L. 130. S. Mai 1995. in: American Journal of Psychiatry. 7-13. Dezember 1995.. in: International Clinical Psychopharmacology 9. 55 Philip Boffey. 125. Nelson. »Selective Serotonin Reuptake Inhibitors: Meta-analysis of Discontinuation Rates«.a. in: Consumer Reports. hg. zitiert nach Fisher und Greenberg. From Placebo to Panacea. New York 1994. 131. S. Aufl. 58 Ebenda. Bergin und S. S. S. 61 Shorter. in: New York Times.389 . in: Professional Psychology: Research and Practice 26. 124. 1994.a. 4. Mai 1986. 49 J. S. 47-53. 52 »Prozac Works on Clams and Mussels«. 50 Daten über die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin und anderen Medikamenten bietet Jane Brody. D.. A i. in: Science News. »When Depression Lifts But Sex Suffers«. Glück auf Rezept. »Psychotherapy Is As Good As Drug in Curing Depression. 734-739. Geschichte der Psychiatrie. 62 »Mental Health: Does Therapy Help?«.1995. 574-585.1995.. in: Current Canadian Psychiatry and Neurology. 1897-1902. S. Mai 1996. S. 24. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 64. in: Handbook of Psychotherapy and Behavior Change.a. S. Juni 1996.a.. C 7. »The Effectiveness of Psychotherapy«. 92. 53 Kramer. 26. April . 59 Ebenda. 286.1996. in: New York Times.C. von A. S. 63 Martin Seligman.. 57 Irene Elkin.. 360. »Religiosity and Remission of Depression in Medically 111 Older Patients«. 48 S. S. Nr. Harold Koenig u. Study Finds«. November 1995.A. 4. S. Sexual Pharmacology: Drugs That Affect Sexual Function. a.47 Gregory Simon u. »Science Is Not a Trial (But It Can Sometimes Be a Tribulation)«. 311. 6. Nr. 965-974. »Are the SSRIs Really Better Tolerated Than the TCAs for Treatment of Depression?«. 15. 14. S. 64 Vgl. Januar 1998. in: American Psychologist. »The NIMH Treatment of Depression Collaborative Research Program: Where We Began and Where We Are«. S.

(ADM) 92-1950. Der Beitrag von Brown löste zahlreiche Leserzuschriften aus. Kay Jamison. 157. auf die Brown wiederum antwortete. Fisher und Greenberg erörtern die Antidepressiva-Forschung ausführlich in dem Kapitel »Mood-Mending Medicines: Probing Drug. von Deborah Dauphinais. S. Nr. Scull »Chlorpromazine Is No Penicillin«. S. S. Ebenda. Psychotherapy and Placebo Solutions« und anderen Abschnitten ihres Buches From Placebo to Panacea. Vgl. From Placebo to Panacea. zitiert nach Fisher und Greenberg. David Cohen. S. S. Die Schlußfolgerungen der Autoren werden bestätigt in Irving Kirsch und Guy Sapirstein. S. Fisher und Greenberg. S. Fisher und Greenberg. Maryland. 156. 371. in: British Journal of Psychiatry 167. 362. 536-542. 1992. Nr. Park und L. Walter Brown. Roger Greenberg u.C. Moncrieff.66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 1998. S. Fisher und Greenberg. 664-669. Ebenda. From Placebo to Panacea. »Listening to Prozac But Hearing Placebo«. From Placebo to Panacea. Artikel 0002a. 4. 150.html verfügbar gemacht. S. Ebenda. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 60. S. 5. 70. 267. Covi. National Institute of Mental Health.390 . S. »Der Placebo-Effekt«. 572. »Placebo as a Treatment for Depression«. S.a. März 1998. in: Prevention and Treatment 1. 9. »A Critique of the Use of Neuroleptic Drugs in Psychiatry«. S. Walter Brown. 176. daß er mir den Unterschied zwischen extrapyramidalen Wirkungen und Spätdyskinesie erklärt hat. S.org/ prevention/volume1/preoo1ooosa.1992. in: Neuropsychopharmacology 10. 5. 157.. J. in: Spektrum der Wissenschaft. 150. Ebenda. Die American Psychological Association hat diesen Artikel im World Wide Web unter http://journals.1994. From Placebo to Panacea.apa. New York 1995. DHHS Publication No. »A Re-examination of the Placebo-Controlled Trials of Lithium Prophylaxis in Manie-Depressive Disorder«. Bethesda. in: Fisher und Greenberg. hg. Die von Brown zitierte Studie: L. 1995. Ich danke Walter Brown von der Brown-Universität dafür. Ebenda. »A Meta-analysis of Antidepressant Outcome Under ›Blinder‹ Conditions«. S. 213. An Unquiet Mind. »Nonblind Placebo Trial: An Exploration of Neurotic Patients' Responses to . From Placebo to Panacea. 265-288. S.173-228. S. Ebenda. S.

Kap. bezeichnete der ehemalige Gastgeber einer Talkshow die Elektroschockherapie als »wunderwirkend wie ein Zauberstab«. New York 1998. Eine Persönlichkeit des Showgeschäfts. Sackheim u. von Floyd Bloom und David Kupfer. 336-345. 74. S. In diesem Artikel wird über die Entdeckung eines Neurosegens berichtet. Dezember 1996. S. in: Psychiatrie Times. 427. 9. »Lobotomy's Back«. 267. die am New York State Psychiatrie Institute mit der Elektroschocktherapie behandelt wurden. Juni 1995. ist Dick Cavett. Ebenda.83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 Placebo When Its Inert Content Is Disclosed«. Schmoedipus. S. May Be in Our Genes«. hg. die öffentlich die Wirksamkeit der Elektrokrampftherapie zur Behandlung ihrer Depression gepriesen hat. Ebenda. 66-72. Informationen über das Tay-Sachs-Syndrom kann man auf der Website der March of Dimes Foundation abrufen: http://www.harvard. Dear Sigmund. Oktober 1997 Patienten.htm.mgh. S. Glück auf Rezept. »Placebo as a Treatment for Depression«. 3. News and World Report. The War Against Children. Ebenda. in: Time. Ebenda. S. 95. Ich interviewte Harold Sackheim am 1. Die Arbeitsgruppe Zingulotomie am Massachusetts General Hospital beschreibt ihre Arbeit auf der Web-site http://brain. November 1997. 1 2 . In einem Interview. KAPITEL 5: GEN-MAGIE James Collins. in: Discover. ferner Wray Herbert. S. Geschichte der Psychiatrie.edu:100/cingulot. S. S.1965. New York 1995. S.a. das am 3. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. »Setting the ECT Stimulus«. in: U. 63 f. Ebenda. »Psychosurgery Redux«. Last Resort. edu/pregnancy/march_of_dimes/birth_defects/taysachs. »Electroconvulsive Therapy«.html. 14. Kramer. Frank Vertosick. i. 288. 14. S. Vgl. Shorter. Oktober 1997 am New York State Psychiatrie Institute. The Fault. 272. S. S. Vgl.cuny. S. August 1992 in People erschien. New York 1994. Jack Pressman. 280. »Oedipus. Brown. S. S.391 . Vgl. in: Archives of General Psychiatry 12..noah. Sackheim und zwei Mitautoren verfaßten einen ausgezeichneten Übersichtsartikel über die Elektroschocktherapie in »Electroconvulsive Therapy«. 1134. Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. Ich beobachtete am 10. 13. Oktober 1997.

in: Science. Adam Phillips. Daniel Koshland schrieb unter anderem folgende Leitartikel über Verhaltensgenetik in Science: »Nature. of All Places«. Februar 1993. 19-22. 13 Thomas Bouchard u. in: Science for the People. 13. A 39. The DNA Mystique. von denen der eine als Nazi und der andere als Jude aufgezogen worden war. von Albert Reiss und Jeffrey Roth. S. ist Daniel Kevles. die auch Informationen über Galton. Davenport und andere frühe Anhänger dieser Lehre enthält. 69 f. Twins. hg. Susan Lindee. New York 1996. 223. Der falsch vermessene Mensch. and Behavior«. und Val Dusek. die fälschlicherweise angaben. S. die Geschichte des Doppel-YSyndroms in Stephen Jay Gould. M. daß er in seinem Buch eine Vielzahl von Befunden präsentierte.3 4 5 6 7 8 9 »How to Tell If Your Child 's a Serial Killer«. daß sich die beiden kichernden britischen Schwestern und die beiden Brüder. Zitiert nach Roger Shattuck. Oktober 1989.. Forbidden Knowledge. 11 Vgl. New York 1985. Twins. S. S. August 1997. 10 Eine vorzügliche Geschichte der Eugenik.a. 12. »Bewitching Science«. »Happy Birthday. Twins. Leon Jaroff. Frankfurt a. 14 Wright. Oktober 1990.a. Washington.57. S. D. »The Genetic Analysis of Human Behavior: A New Era?«. zum Beispiel Dorothy Nelkin und M. 3. 16 Kritische Stellungnahmen zur Zwillingsforschung wie an der Universität von Minnesota bieten Paul Billings u. Nr. 20. New York 1995. März 1993. 15 Wright. 12 Einen hervorragenden Überblick über Zwillingsstudien gibt Lawrence Wright.1992. 17 Ich interviewte Leon Kamin mehrfach telefonisch und 1993 persönlich. C. S. 36.178. S. S. »Sources of Human Psychological Differences: The Minnesota Study of Twins Reared Apart«. und »The Rational Approach to the Irrational«. Donahue. »Sequences and Consequences of the Human Genome«. S. Understanding and Preventing Violence. 15. Oktober 1990. die einen derart radikalen genetischen Determinismus entkräfteten. »What. Double Helix«. 1993. Me Not Worry?«. 13. März 1987. 30. 153-156.. Vgl. 18 Zu den Berichten. 143. Vgl. in Economist.392 . 12. in: Time. New York 1997. In the Name of Eugenics. Das Verblüffende an Wrights weitreichender Schlußfolgerung war die Tatsache. »Here. ausgestrahlt am 25. 1999. 227-238. Dezember 1996. in: Social Science and Medicine 35. in: New York Times. S. zum ersten . November/Dezember 1987. Nurture.

März 1980.a. 783-787. September 1988. 49-55. Chicago Tribune. in: London Review of Books. S. Hugh Curling vom University College und der Middlesex School of Medicine in London.1993. in: Nature Genetics. Die statistischen Daten über die Erblichkeit der Schizophrenie stammen aus Peter McGuffin u. und James Kennedy u. »Identical Twins Reared Apart«. Twins. a.. November 1989. geben Jerry Bishop und Michael Waldholz in Genome. »Re-evaluation of the Linkage Relationship Between Chromosome up Loci and the Gene for Bipolar Affective Disorder in the Old Order Amish«. S. und Cynthia Gorney. 1323-1328. Janice Egeland u. 678-682.393 . Ein Produzent aus Los Angeles namens Anthony Mason sagte mir 1993. 9. S. Wendy Doniger. Ebenda. S. C 1. die zum Aufspüren einzelner Gene eingesetzt werden. 167-170.. S. 26. S. 16. September 1995... November 1988 in Nature erschienen. Miron Baron u.19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Mal in Minneapolis begegnet seien. S. in: Nature. Miron Baron u. 32.a. Bezüglich der Rolle der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Forschungen der Minnesota-Gruppe vgl.. S. »Scientists Split over Twins as Lab Subjects«. 10. Sherrington u. 289-292. 57. Wright. in: Nature 326. a. in: Nature. S. »Diminished Support for Linkage Between Manic Depressive Illness and X-Chromosome Markers in Three Israeli Pedigrees«. die beide am 10. in: Washington Post.. daß sich die kichernden Schwestern sowie der nationalsozialistisch und der jüdisch erzogene Bruder bereits vor ihrer Zusammenführung in Minnesota begegnet waren und miteinander korrespondiert hatten (was ich durch telefonische Interviews bestätigen konnte). Dezember 1979. 164-167. »Genetic Linkage Between X-Chromosome Markers and Bipolar Affective Illness«. gehören Constance Holden.. »Genetic Basis of Schizophrenia«. 238-243. März 1998.a. Januar 1993. John Kelsoe u. »What Did They Name the Dog?«. 21. a. New York 1990. in: Science. Die zwei zu gegensätzlichen Ergebnissen kommenden Beiträge über Schizophrenie. Vgl. Einen ausgezeichneten Überblick über die Methoden. »Bipolar Affective Disorders Linked to DNA Markers on Chromosome 11«. S. »The Twins«. »Evidence Against Linkage of Schizophrenia to Markers on Chromosome 5 in a Northern Swedish Pedigree«. Februar 1987. ferner Gail Golden. einer der Autoren der 1988 in Nature publizierten .a. in: Lancet. Leon Kamin behauptete. er habe eine Option auf die Rechte an der Lebensgeschichte von Oskar und Jack erworben und diese an Hearst Entertainment weiterverkauft. 131 f. S. »Localization of a Susceptibility Locus for Schizophrenia on Chromosome 5«. 19. 6. S. sind R.

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Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Chromosom fünf feststellte, sagte mir bei einem telefonischen Interview im Jahr 1993, die neuen Daten rechtfertigten die Annahme eines solchen Zusammenhangs nicht länger. Telefonisches Interview mit Peter McGuffin am 3. März 1998. David Dickson, »Panel Urges Caution on Genetic Testing for Mental Disorders«, in: Nature, 24. September 1998, S. 309. E. Fuller Torrey, Freudian Fraud, New York 1992, S. 227. Sigmund Freud, »Ergänzungen zur Selbstdarstellung« (1935), in: ders., Gesammelte Werke, Nachtragsband, Frankfurt a. M. 1987, S. 764. Vgl. Michael Winerip, »Schizophrenia's Most Zealous Foe«, in: New York Times Magazine, 22. Februar 1998, S. 26-29. Vgl. Robert Kunzig, »It Kills Horses, Doesn't It?«, in: Discover, Oktober 1997, S. 97-105. Helena Samaia u. a., »A Prion-Based Psychiatric Disorder«, in: Nature, 20. November 1997, S. 241. Bruce Bower, »New Culprits Cited for Schizophrenia«, in: Science News, 3. Februar 1996, S. 68. Kenneth Blum u.a., »Allelic Association of Human Dopamine D2 Receptor Gene in Alcoholism«, in: Journal of the American Medical Association, 18. April 1990, S. 2055-2060. Lawrence Altman, »Scientists See a Link Between Alcoholism and a Specific Gene«, in: New York Times, 18. April 1990, S. A 1. Joel Gelernter, David Goldman und Neil Risch, »The A1 Allele at the D2 Dopamine Receptor Gene and Alcoholism: A Reappraisal«, in: Journal of the American Medical Association 269,1993, S. 1673-1677. Ich sprach 1993 telefonisch mit Neil Risch, der damals an der Yale-Universität tätig war. Telefonisches Interview mit Gottesman im Jahr 1993. Eine Liste der Erkrankungen, die mit dem D2-Marker in Verbindung gebracht werden, stellt Kenneth Blum u.a. auf in »Reward Deficiency Syndrome«, in: American Scientist, März/April 1996, S. 132-145. Dean Hamer und Peter Copeland, Das unausweichliche Erbe, Bern u. a. 1998, S. 172. Dean Hamer u.a., »A Linkage Between DNA Markers on the X Chromosome and Male Sexual Orientation«, in: Science 261, 1993, S.321-327. Dean Hammer und Peter Copeland, The Science of Desire, New York 1994. S. Hu u.a., »Linkage Between Sexual Orientation and Chromosome Xq28 in Males But Not in Females«, in: Nature Genetics 11, 1995, S. 248-256.
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49 Über diese Befunde von Ebers und Rice wurde erstmals von Eliot Marshall berichtet, »NIH's ›Gay Gene‹ Study Questioned«, in: Science, 30. Juni 1995, S. 1841. In dem Beitrag heißt es auch, daß das Office of Research Integrity des Department of Health and Human Services ein Ermittlungsverfahren gegen Hamer eingeleitet habe. Das Verfahren wurde erstmals von John Crewdson in »Study on ›Gay Gene‹ Challenged«, Chicago Tribune vom 25. Juni 1995, S. C l, öffentlich bekanntgemacht. Crewdson berichtete, daß ein Mitautor des 1993 erschienenen Aufsatzes von Hamer über männliche Homosexualität ihm eine fehlerhafte Auswertung der Daten vorgeworfen habe. Das Verfahren wurde später eingestellt. 50 Alan Sanders u.a., »Genetic Linkage Study of Male Homosexual Orientation«, wurde auf der Jahrestagung 1998 der American Psychiatrie Association in Toronto als Poster präsentiert. Sanders wechselte Anfang 1999 vom National Institute of Mental Health an die Universität Chicago. 51 Hamer und Copeland, Das unausweichliche Erbe, S. 234. 52 Der Aufsatz über Neugierverhalten, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: J. Benjamin u. a., »Population and Familial Association Between D4 Dopamine Receptor Gene and Measures of Novelty Seeking«, in: Nature Genetics 12,1996, S. 81-84. Im selben Heft erschien ein weiterer Beitrag, in dem eine ähnliche Behauptung erhoben wurde: R. Ebstein u.a., »Dopamine D4 Receptor (D4Dr) Exon III Polymorphism Associated with the Human Personality Trait of Novelty Seeking«, S. 78-80. Der Beitrag über Angst, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: Klaus-Peter Lesch u.a., »Association of Anxiety-Related Traits with a Polymorphism in the Serotonin Transporter Gene-Regulatory Region«, in: Science 274,1996, S. 1527-1531. 53 Vgl. Anil Malhotra u.a., »The Association Between the Dopamine D 4 Receptor (D4DR) 16 Amino Acid Repeat Polymorphism and Novelty Seeking«, in: Molecular Psychiatry i, 1996, S. 388-391, und Michael Pogue-Geile u. a., »Human Novelty-Seeking Personality Traits and Dopamine D4 Receptor Polymorphisms: A Twin and Genetic Association Study«, in: American Journal of Medical Genetics 81,1998, S. 44-48. Über die Studie von Pogue-Geile berichtete erstmals Sharon Begley, »Born Happy?«, in: Newsweek, 14. Oktober 1996, S. 79. 54 Hintergrundinformationen über Cyril Burt findet man bei Kevles, In the Name of Eugenics. 55 Bernie Devlin u.a., »The Heritability of IQ«, in: Nature, 31. Juli 1997, S. 468-471; vgl. Sharon Begley, »Wombs with a View«, in: Newsweek, 11. August 1997, S. 61. 56 Charles Murray und Richard Herrnstein, The Bell Curve, New York
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1994. 57 Vgl. Stephen Jay Gould, »Curveball«, in: New Yorker, 28. November 1994, S- 139-149, und das Sonderheft von The New Republic, 31. Oktober 1994. 58 Noam Chomsky, Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996, S. 159 f., Hervorhebung J. H. 59 In »Intelligence: Knowns and Unknowns«, einem Bericht der American Psychological Association, der im August 1995 veröffentlicht wurde, stieß ich erstmals auf eine Beschreibung des Flynn-Effekts. Später erfuhr ich, daß Murray und Herrnstein den Flynn-Effekt in The Bell Curve kurz erwähnt und beiläufig als unerheblich für ihre Argumentation abgetan hatten. Flynn legte seine Daten vor in »Massive IQ Gains in 14 Nations: What IQ Tests Really Measure«, in: Psychological Bulletin 101, 1987, S. 171-191. Vgl. meinen Beitrag, »Get Smart, Take a Test«, in: Scientific American, November 1995, S. 12 f. Ich interviewte Flynn 1995 per E-mail und Fax. 60 Telefonisches Interview mit Arthur Jensen 1995. 61 Vgl. Christopher Jencks und Meredith Phillips, »The Black-White Test Score Gap: Why It Must Be Closed. Why It Can Be«, in: The American Prospect, September/Oktober 1998, S. 44-53. 62 Robert Matthews, »Genning Up on Genius Genes«, in: Sunday Telegraph, 24. Januar 1993, S. 9. Der Artikel berichtete über eine Konferenz in London, auf der Plomin seine Ergebnisse vorgestellt hatte. 63 Robert Plomin u.a., »A Quantitative Trait Locus Associated with Cognitive Ability in Children«, in: Psychological Science 9, 1998, S. 159-166. Vgl. Robert Plomin und John Defries, »The Genetics of Cognitive Abilities and Disabilities«, in: Scientific American, Mai 1998, S.62-69. 64 Diese Äußerung stammt von John Kihlstrom, einem Psychologen von der Universität von Kalifornien in Berkeley, zitiert nach Nicholas Wade, »First Gene to Be Linked with High Intelligence Is Reported Found«, in: New York Times, 14. Mai 1998. 65 Hamer, Das unausweichliche Erbe, S. 352. 66 Lee Silver, Das geklonte Paradies, München 1998, S. 330. 67 W. French Anderson, »Human Gene Therapy«, in: Nature, Beilage zu Bd. 392, 30. April 1998, S. 25. 68 Robert Weinberg wurde zitiert in »Hype Surrounds Genomics Inc.«, in: Science, 7. Februar 1997, S. 770. 69 Interview mit Jerome Kagan am 18. November 1997 an der HarvardUniversität. 70 Jerome Kagan, Galen's Prophecy, New York 1994, S. XXI. 71 Ebenda, S. 263.
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Zitiert nach Carl Degler, In Search of Human Nature, New York 1991, S. 15. Deglers Buch ist eine Fundgrube an Informationen über die Geschichte des genetischen Determinismus in Wissenschaft und Gesellschaft. 73 Ebenda, S. 11. 74 Darwins Brief ist abgedruckt in Richard Weikart, »A Recently Discovered Darwin Letter on Social Darwinism«, in: Isis 86,1995, S. 609-611. 75 Richard Webster, Why Freud Was Wrong, New York 1995, S. 457.

KAPITEL 6: DARWIN, RETTE UNS! 1 Gerald Edelman, Göttliche Luft, vernichtendes Feuer. Wie der Geist im Gehirn entsteht, München 1995, S. 70. [Quelle unklar, Anm.d.Lektors] 2 Die Konferenz der Human Behavior and Evolution Society fand vom 28. Juni bis 2. Juli 1995 an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara statt. 3 Vgl. Charles Darwin, Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, Stuttgart 1998, S. 676. 4 In seinem Vortrag zum Thema »Das Badewasser und das Baby: Stellenwert und Grenzen des Kulturbegriffs in der Human-Verhaltensökologie« zog Crank insbesondere den Anthropologen Clifford Geertz vom Institute for Advanced Study ins Lächerliche. 5 Die Formulierung stammt von Boyd Eaton von der Emory-Universität. 6 Singh publizierte seine Ergebnisse erstmals in »Adaptive Significance of Female Physical Attractiveness«, in: Journal of Personality and Social Psychology 65, 1993, S. 293-307. Daten, die im Widerspruch zu Singhs These stehen, wurden veröffentlicht von Douglas Yu und Glenn Shepard, »Is Beauty in the Eye of the Beholder?«, in: Nature, 26. November 1998, S. 321 f. 7 Telefonisches Interview mit Cosmides und Tooby im Mai 1995. Ich sprach außerdem mit ihnen auf der HBE S-Konferenz im Juni und kommunizierte mit ihnen per Fax. 8 The Adapted Mind, hg. von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby, New York 1992, S. 23. Einer der bekanntesten Kritiker der Evolutionspsychologie ist Stephen Jay Gould von der Harvard-Universität. Vgl. seinen Aufsatz »Let's Leave Darwin Out of It«, in: New York Times, 29. Mai 1998. Gould griff die Evolutionspsychologie auch in zwei aufeinanderfolgenden Artikeln in der New York Review of Books an: »Darwinian Fundamentalism«, 12. Juni 1997, und »Evolution: The Pleasures of Pluralism«, 26. Juni 1997. Vgl. den Briefwechsel, der in den Heften vom 14. August und 9. Oktober veröffentlicht wurde. Gould räumte ein, daß Menschen

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»Tiere sind und der Geist das Produkt der Evolution ist, daher müssen alle wißbegierigen Menschen das Streben nach einer Evolutionspsychologie unterstützen. Doch die Bewegung, die diesen Namen für sich in Anspruch nimmt, hat ein verhängnisvoll beschränktes Verständnis von der Bedeutung und dem Anwendungsbereich evolutionsbiologischer Erklärungen.« Wenn die Evolutionspsychologen weiterhin nachdrücklich auf ihren verstiegensten Behauptungen bestünden, so die Prognose von Gould, »werden sie eines Tages das Schicksal der Freudianer erleiden, die auch einige wertvolle Erkenntnisse zutage förderten, aber dann spektakulär scheiterten und Leid über Millionen von Menschen brachten (unter anderem Frauen, die als frigide abgestempelt wurden, wenn sie aus physiologischen Gründen nicht in der Lage waren, den Übergang vom klitoralen zum vaginalen Orgasmus zu vollziehen), weil sie eine Theorie von begrenzter Gültigkeit in den Rang einer unumstößlichen Weltanschauung erhoben, die eher einer nicht überprüfbaren und unwandelbaren Religion als einer Wissenschaft glich.« Leider hat Goulds Polemik - und die Erwiderungen darauf - mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Es ging ihm weniger um eine sachliche Würdigung der Evolutionspsychologie als vielmehr um das Begleichen alter Rechnungen und um die Förderung seiner äußerst eigenwilligen Beiträge zur Evolutionstheorie. Dazu gehören die Theorie vom durchbrochenen Gleichgewicht, die Kontingenztheorie, wonach die Evolution nicht nur von der natürlichen Selektion, sondern auch von Asteroideneinschlägen und anderen unvorhersehbaren Zufallsereignissen gestaltet wird, und die Theorie der »Zwickel«, bei denen es sich um nichtadaptive Nebenprodukte der Evolution handelt (Zwickel ist eigentlich ein architektonischer Terminus, der den dreieckigen Raum zwischen einem Bogen und dem Bauwerk, in das er integriert ist, bezeichnet). Goulds Rhetorik sorgt für weitere Unscharfen. Einmal verspottete er zwei seiner Gegner (den Journalisten Robert Wright und den Philosophen Daniel Dennett): »Unmittelbar nach König Heinrichs aufwühlender Rede am Sankt-Crispins-Tag auf dem Schlachtfeld von Agincourt sorgt Shakespeare für komische Entspannung, als Falstaffs früherer Diener Pistol durch lautes Bluffen und Posieren ein Lösegeld herausholt. Pistols eigener Diener macht daraufhin die berühmte Bemerkung: ›Das Sprichwort stimmt: Das hohle Gefäß macht den größten Lärm.‹« Gould schmückte seine Schmähungen mit einer ähnlich schlagfertigen Antwort: »Doch wie sagte doch T. H. Huxley über Richard Owen in einer Parodie auf Drydens Vers über Alexander den Großen, der, betrunken, in einem Monolog all seine Schlachten noch einmal kämpft – ›Und dreimal schlug er all seine Feinde in die Flucht, und dreimal erschlug er die
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Erschlagenen‹–: Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mehr als zweimal mit dem Erschlagen der Erschlagenen zu befassen.« Gould wollte offenbar die Leser der New York Review mit seiner Bildung beeindrukken, doch ihm unterlief eine Selbstparodie. Steven Pinker, Der Sprachinstinkt, München 1996. Interview mit Pinker am 6. August 1997 in Cambridge, Massachusetts. Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 34. Ebenda, S. 577. Ebenda, S. 485. Ebenda, S. 644. Ebenda, S. 597. Ebenda, S. 54. Ebenda, S. 663. Ebenda, S. 688 f. Ebenda, S. 673. Jennifer Egan, »The Thin Red Line«, in: New York Times Magazine, 27. Juli 1997. Ich sprach 1995 mit Noam Chomsky telefonisch über die Evolutionspsychologie. Chomsky erörterte die Evolutionstheorie und menschliches Verhalten in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996. Vgl. den Abschnitt über Chomsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 241-248. Vgl. »›Sociobiology‹ to History's Dustbin?«, in: Science, 19. Juli 1996, S.315. Randolph Nesse von der Universität von Michigan, einer der Begründer der HBES, sagte mir 1995 auch, er und die anderen Mitbegründer hätten den Begriff Soziobiologie wegen seiner negativen Konnotationen bewußt verworfen. Cosmides und Tooby legten die Unterschiede zwischen der Evolutionsbiologie und der Soziobiologie in einem Fax dar, das sie mir 1995 schickten. Vgl. den Abschnitt »Why I Am Not a Sociobiologist«, in David Buss, »Evolutionary Psychology: A New Paradigm for Psychological Science«, in: Psychological Inquiry 1995, S. 1-30. Telefonisches Interview mit Richard Alexander 1995. Vgl. George Williams, Adaptation and Natural Selection: A Critique of Some Current Evolutionary Thought, Princeton 1996. In jüngster Zeit haben mehrere Evolutionstheoretiker versucht, das Modell der Gruppenselektion mit neuem Leben zu erfüllen; vgl. Elliott Sober und David Sloan Wilson, Unot Others, Cambridge 1998. Vgl. William Hamilton, »The Evolution of Altruistic Behavior«, in: American Naturalist 97,1963, S. 354-356. Zitiert nach Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 494.
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28 Robert Trivers, »The Evolution of Reciprocal Altruism«, in: Quarterly Review of Biology 46,1971, S. 35-57. 29 H. Allen Orr, »The Softer Side of Sociobiology«, in: Boston Review of Books Oktober/November 1997, S. 44. 30 Leda Cosmides, »The Logic of Social Exchange: Has Natural Selection Shaped How Humans Reason?«, in: Cognition 31,1989, S. 187-276. 31 Ich interviewte James Fetzer auf der Konferenz der HBES 1995 in Santa Barbara. 32 Steven Mithen faßte seine Einwände gegen die Evolutionspsychologie in einem Vortrag auf der HBES-Konferenz zusammen. In seinem Buch The Prehistory of Mind, London 1996, entwickelte er diese Ideen weiter. Eine weitere Kritik an der Evolutionspsychologie haben Peggy La Cerra und Roger Bingham, »The Adaptive Nature of the Human Neurocognitive Architecture«, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 95,1998, S. 11290-11294. 33 David Buss, Die Evolution des Begehrens, Hamburg 1994. Meine Kritik an Buss' Annahmen über die weibliche und männliche Sexualität basiert auf Kommentaren, die die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der Universität von Kalifornien im Jahr 1995 mir gegenüber machte. 34 Vgl. Martin Daly und Margot Wilson, Homicide, New York 1988, sowie dies., »Evolutionary Social Psychology and Family Homicide«, in: Science, 28. Oktober 1988, S. 519-524. 35 Vgl. »Evolutionists Take the Long View on Sex and Violence«, in: Science, 20. August 1993, S. 987. 36 Ich interviewte Wilson und Daly 1995 mehrmals telefonisch. 37 Vgl. »Tales Twice, Indeed Thrice«, in: New York Times, 6. Dezember 1997, S. B 9. 38 Steven Pinker, »Why They Kill Their Newborns«, in: New York Times Magazine, 2. November 1997, S. 52-54. 39 In: New York Times Magazine, 23. November 1997. 40 Unveröffentlichtes Manuskript, »Evolutionary Adaptationism: Another Biological Approach to Criminal and Antisocial Behavior«, das Martin Daly mir 1996 zuschickte. 41 Eine Gegenüberstellung von Evolutionspsychologie und Verhaltensgenetik entwickeln die Kommentare von David Lykken, einem Verhaltensgenetiker von der Universität von Minnesota, auf der Web-site von Edge: www.edge.org. Lykken kritisierte, daß die Evolutionspsychologen den »merkwürdigen Fehler« begingen, »einfach zu unterstellen, daß die gesamte genetische Vielfalt, die es der natürlichen Selektion erlaubte, das menschliche Gehirn hervorzubringen, mittlerweile erschöpft sei und daß psychische Unterschiede zwischen den Individuen, wie wir sie heute beobachten, ausschließlich umweltbedingt seien [...] Anders gesagt,
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alle menschlichen Säuglinge sollen heute, anders als in der Altsteinzeit, Gehirne besitzen, die, ähnlich wie nagelneue Mac-Computer, darauf warten, programmiert zu werden. Dies ist aus evolutionsbiologischen Gründen extrem unwahrscheinlich. Wenn es eine enorme genetisch bedingte Vielfalt in der Psychologie der Haustiere gibt, wie Darwin selbst bemerkte, aber auch im Körperbau und in der Physiologie des Menschen, wie jedes Kind sehen kann, stellt sich die Frage, wieso das menschliche Gehirn die einzige Ausnahme sein soll.« Randolph Nesse und George Williams, Warum wir krank werden. Die Antworten der Evolutionsmedizin, München 1997, S. 260. Anthony Stevens und John Price, Evolutionary Psychiatry: A New Beginning, London 1996. Steven Rose, »Darwin on the Brain«, in: Nature, 3. April 1997, S. 454f. Napoleon Chagnon, »Life Histories, Blood Revenge, and Warfare in a Tribal Population«, in: Science, 26. Februar 1988, S. 985-992. Vgl. sein klassisches Werk Yanomamo: The Fierce People, New York 1968. Chag-non und ich sprachen 1995 in einem telefonischen Interview über die Ähnlichkeit zwischen seinen Auffassungen und denen Stephen Jay Goulds. Frank Sulloway, Der Rebell der Familie, New York 1996. Ich hörte Sulloway seine Theorie über die Bedeutung der Position in der Geschwisterfolge erstmals am 30. Juni 1995 auf der HBES-Konferenz in Santa Barbara vortragen. Zu den positiven Besprechungen von Der Rebell der Familie gehörten Robert Boynton, »The Birth of an Idea«, in: New Yorker, j. Oktober 1996, S. 72, und Geoffrey Cowley, »First Born, Later Born«, in: Newsweek, 7. Oktober 1996, S. 68-74. Kritische Rezensionen schrieben unter anderem John Modell, »Family Niche and Intellectual Bent«, in: Science, 31. Januar 1997, S. 624 f., und Alan Wolfe, »Birth Order, Schmirth Order«, in: New Republic, 23. Dezember 1996, S.29-35. Sulloway behauptete in einem Interview auf der Web-site »Edge« (www.edge.org.), Gould habe sich in dem Fernsehprogramm Nightline positiv zu der Hypothese, daß sich die Position in der Geburtsfolge auf Persönlichkeitszüge auswirke, geäußert. Cecile Ernst und Jules Angst, Birth Order: Its Influence on Personality, Berlin 1983. Das Zitat von Ernst und Angst findet sich in einem Kommentar von Judith Harris auf der Web-site »Edge«, www.edge.org. Judith Harris, The Nurture Assumption, New York 1998, S. 375. Vgl. die Kontroverse zwischen Sulloway und Harris auf »Edge«, www.edge. org. Ich fand die Kritik von Harris an Sulloway überzeugender als die Kernthese ihres Buches, daß die Persönlichkeit von Kindern hauptsächlich
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von ihren Genen und von Gleichaltrigen geformt werde und weniger von ihren Eltern. Interview mit Steven Pinker am 6. August 1997. Frank Sulloway, Freud. Biologe der Seele, Köln 1982. Einen faszinierenden Vergleich zwischen Evolutionspsychologie und Psychoanalyse zieht Robert Wright, Diesseits von Gut und Böse – The moral animal, München 1996, S. 501-522. Der britische Autor Christopher Badcock versuchte (nicht sehr überzeugend), Psychoanalyse und Evolutionstheorie in Oedipus in Evolution, Oxford 1990, miteinander in Einklang zu bringen; eine amüsante Rezension von Badcocks Buch schrieb V. Reynolds, »Translation from the Greek«, in: Nature, 24. Mai 1990, S. 301. Vgl. Robert Trivers, Social Evolution, Reading 1985. George Orwell, Neunzehnhundertvierundachtzig, Frankfurt a.M. u.a. 1976, S. 198. Robert Trivers, »Parent-Offspring Conflict«, in: American Zoologist 14,1974, S. 249-264. Martin Daly und Margot Wilson, »Is Parent-Offspring Conflict SexLinked?«, in: Journal of Personality 58,1990, S. 163-189. David Buss, »The Future of Evolutionary Psychology«, in: Psychological Inquiry 6,1995, S. 86. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997. Daniel Dennett, Darwins gefährliches Erbe, Hamburg 1997, S. 23. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens. Steven Weinberg, Die ersten drei Minuten, München 1992, S. 212. Vgl. William Stevens, »Evolution of Humans May at Last Be Faltering«, in: New York Times, 14. März 1995, S. C 1. Vgl. Christopher Mills, Children of Prometheus, Reading 1998. Zitiert nach Martin Gardner, »Computers Near the Threshold?«, in: Journal of Conscious Studies 3, i, 1996, S. 89-94. Der Aufsatz wurde in Gardners Buch The Night Is Large, New York 1996, nachgedruckt. Darin äußerte der bekannte Wissenschaftsjournalist Gardner seine Zweifel, ob die Künstliche Intelligenz jemals Maschinen mit echtem Bewußtsein und echter Intelligenz hervorbringen könne. Als ich Gardner im Januar 1999 anrief, um mir diese Aussage bestätigen zu lassen, sagte er mir, er betrachte sich selbst als einen »Mysteriker«, also als jemanden, der glaube, daß Willensfreiheit, Bewußtsein und andere Aspekte des Geistes Geheimnisse seien, die sich wissenschaftlich nicht ergründen ließen. Der Standpunkt eines solchen »Mysterikers« wird im folgenden Kapitel erörtert. Vgl. meine Interviews mit Marvin Minsky und Hans Moravec in An den Grenzen des Wissens, S. 294-302 und S. 394-399.
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67 Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 13. 68 Ebenda, S. 14. 69 Jerry Fodor, »The Trouble with Psychological Darwinism«, in: London Review of Books, 22. Januar 1998, S. 11-13.

KAPITEL 7: KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 1 Richard Powers, Galatea 2.2, New York 1995, S. 28. Powers' Roman schildert die Bemühungen eines Schriftstellers und Kognitionswissenschaftlers, einen Computer zu bauen, der in der Lage sein soll, Literatur genausogut zu »lesen« wie ein durchschnittlicher Student. 2 Pamela McCorduck, Machines Who Think, San Francisco 1979. Vgl. McCorducks Buch The Fifth Generation, Reading 1983, das sie zusammen mit Edward Feigenbaum geschrieben hat. 3 Frederick Hayes-Roth, »The Machine As Partner of the New Professional«, in: IEEE Spectrum, Juni 1984, S. 28-31. 4 Telefonisches Interview am 22. Januar 1998 mit Hayes-Roth. 5 Ich interviewte Herbert Simon am 25. September 1998 telefonisch. Weitere Informationen in seinen Büchern Die Wissenschaften vom Künstlichen, Berlin 1990, und Modells of My Life, New York 1991. 6 Astro Teller, »Smart Machines, and Why We Fear Them«, in: New York Times, 21. März 1998. 7 Simon sprach am 14. November 1957 bei der Jahrestagung der Operations Research Society of America in Pittsburgh. Der Vortrag basierte auf einem Beitrag, den Simon zusammen mit seinem Kollegen Allen Newell geschrieben hatte: »Heuristic Problem Solving: The Next Advance in Operations Research«, in: Operations Research 6, l, Januar/Februar 1958, S. 1-10. 8 McCorduck, Machines Who Think, S. 188. 9 George Johnson, »The Artist's Angst Is All in Your Head«, in: New York Times Week in Review, 16. November 1997, S. 16. 10 Vgl. meinen Beitrag »The Death of Proof«, in: Scientific American, Oktober 1993, S. 92-103. 11 Mumford äußerte diese Meinung mir gegenüber erstmals im Jahr 1993; im Dezember 1998 teilte er mir per E-mail mit, daß er noch immer zu dieser Aussage stehe. 12 Eine hervorragende Darstellung von Schachcomputern bieten FengHsiung Hsu, Thomas Anatharaman, Murray Campbell und Andreas Nowatzyk, »A Grandmaster Chess Machine«, in: Scientific American, Oktober 1990, S. 44-50. Die Autoren konstruierten Deep Thought, den

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Vorgänger von Deep Blue. 13 Interview mit der Deep-Blue-Forschergruppe im Mai 1996 am Thomas J. Watson Research Center von IBM in Yorktown Heights. 14 Simon, zitiert von Bruce Weber, »A Mean Chess-Playing Computer Tears at the Meaning of Thought«, in: New York Times, 19. Februar 1996, S. A 1. 15 Zu IBMs angeblichem Bestreben, nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht zu werden, vgl. McCorduck, Machines Who Think, S. 159. 16 Für die Hintergrundinformationen über neuronale Netze danke ich Tomaso Poggio, Professor am Fachbereich »Brain Sciences« des MIT und eine Kapazität für neuronale Netze und lernfähige Maschinen. Ich interviewte Poggio am 17. November 1997. 17 Telefonisches Interview mit Hubert Dreyfus am 3. Februar 1998. Eine kritische Haltung zu Dreyfus hat McCorduck, Machines Who Think, S. 180-205. 18 Hubert Dreyfus, What Computers Still Can't Do, Cambridge 1992, S.303. 19 McCorduck, Machines Who Think, S. 200. 20 Dreyfus, What Computers Still Can't Do, S. IX. 21 Ebenda, S. XIV. 22 Ebenda, S. IX. 23 David Stork (Hg.), Hal's Legacy, Cambridge 1997, S. 5. 24 Ebenda, S. 11. 25 Ebenda, S. 49 f. 26 Ebenda, S. 188 f. 27 Ebenda, S. 201 f. 28 Ebenda, S. 371. 29 Ebenda, S. 203. 30 Simson Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, in: Wired, Januar 1997, S. 188. 31 Stork, Hal's Legacy, S. 207. 32 Ebenda, S. 203. 33 Ebenda, S. 206. 34 Paul Wallich, »Silicon Babies«, in: Scientific American, Dezember 1991, S. 134. 35 Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, S. 188. Weitere Informationen über Cyc auf der Web-site, die von Lenats Firma Cycorp unterhalten wird, www.cyc.com. 36 Brooks machte diese Äußerungen, als ich ihn am 17. November 1997 am MIT interviewte. Vgl. das Interview mit Rodney Brooks auf der Web-site »Edge«, www.edge.org.
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Rodney Brooks und Anita Flynn, »Fast, Cheap and Out of Control«, in: Journal of the Interplanetary System 42,1989; »Elephants Don't Play Chess«, in: Robotics and Autonomous Systems 6,1990; »New Approaches to Robotics«, in: Science 253, 1991; »Intelligence Without Representation«, in: Artificial Intelligence 47,1991. Der Philosoph David Rothenberg führte für die von ihm gegründete und herausgegebene Vierteljahresschrift Terra Nova ein fesselndes Interview mit Errol Morris: »Outside the Cage Is the Cage«, in: Terra Nova 3, 2,1998, S. 56-73. Brooks Arbeiten gaben auch den Anstoß zu dem Buch von Kevin Kelly, Out of Control, Reading 1994. Pinker und Bever, zitiert nach John Travis, »Building a Baby Brain in a Robot«, in: Science, 20. Mai 1994, S. 1082. Vgl. Marvin Minsky, Mentopolis, Stuttgart 1990, S. 127. Ich interviewte Minsky 1993 mehrmals persönlich und telefonisch; vgl. das Interview mit Minsky auf der Web-site »Edge«, www.edge.org., und den Abschnitt zu Minsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 294-302. Stephane Zrehen hielt diesen Vortrag im Rahmen des Herbst-Symposions der American Association for Artificial Intelligence im Oktober 1998 in Orlando, Florida, das unter dem Motto stand »Emotional and Intelligent: The Tangled Knot of Cognition«. Sherry Turkle, »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance«, in: Daedalus, Winter 1988, S. 245. Turkle hat bereits in ihrem Buch Die Wunschmaschine. Vom Entstehen der Computerkultur, Reinbek bei Hamburg 1984, Parallelen zwischen der Psychoanalyse und der KI erörtert. Sherry Turkle, Leben im Netz, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 434. McCorduck, Machines Who Think, S. 254. Vgl. Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 407 ff. Dieses Zitat Sutherlands verwendete Francis Crick als Motto für sein Buch Was die Seele wirklich ist. Die naturwissenschaftliche Erforschung des menschlichen Bewußtseins, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 6. KAPITEL 8: DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Die vier Motti stammen der Reihenfolge nach aus folgenden Werken: Daniel Dennett, Philosophie des menschlichen Bewußtseins, Hamburg 1994, S. 531; Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 167; ebenda, S. 167; Günther Stent, The Corning of the Golden Age, Garden City 1969, S. 74. Der Tagungsbericht über die Konferenz zum Thema Bewußtsein, die

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vom 12. bis 17. April 1994 in Tucson stattfand, wurde veröffentlicht unter dem Titel Toward a Science of Consciousness: The FirstTucson Discussions and Debates, hg. von Stuart Hameroff u. a., Cambridge 1996. David Freedman porträtierte Steen Rasmussen in »Playing God«, in: Discover, August 1992, S. 35-45. Vgl. Karl Pribram, Brain and Perception, Hillsdale 1991. Danah Zohar, The Quantum Self, New York 1990. Einen kenntnisreichen Überblick über die Forschungen von Benjamin Libet gibt Tor Norretranders in The User Illusion, New York 1998, S. 216-220 und S. 227-238. Francis Crick und Christof Koch, »Toward a Neurobiological Theory of Consciousness«, in: Seminars in Neurosciences 2,1990, S. 263-275. Francis Crick, Was die Seele wirklich ist, Reinbek bei Hamburg 1997. Vgl. die Diskussion der Hypothesen von Crick und Koch in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 257-265. Walter Freeman präsentierte sein Modell über Chaos und Gehirn in »The Physiology of Perception«, in: Scientific American, Februar 1991, S. 78-85, und in Societies of Brains, Hillsdale 1995.

10 Das Zitat stammt aus Flanagans Beitrag zu Toward a Science of Consciousness. Vgl. Flanagans Bücher The Science of the Mind, 2. Aufl., Cambridge 1991, und Consciousness Reconsidered, Cambridge 1992. 11 Roger Penrose stellte seine quantenmechanische Theorie des Geistes in folgenden Werken vor: Computerdenken, Heidelberg 1991; Schatten des Geistes, Heidelberg 1995, und The Large, the Small and the Human Mind (das auch Beiträge anderer Autoren enthält), New York 1997. Scharfe Kritik an Penroses Erklärungsansatz übten unter anderem Philip Anderson, »Shadows of Doubt«, in: Nature, 17. November 1994, S. 288 f., und Hilary Putnam, »The Best of All Possible Brains«, in: New York Times Book Review, 20. November 1994, S. 7; vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, S. 280-285. 12 Vgl. David Chalmers, »The Puzzle of Conscious Experience«, in: Scientific American, Dezember 1995, S. 80-87 (Der Aufsatz wird von einem Kommentar von Francis Crick und Christof Koch begleitet), und The Conscious Mind, New York 1996. Für eine kritische Rezension von Chalmers Buch vgl. John Searle, »Consciousness and the Philosophers«, in: New York Review of Books, 6. März 1997, S. 43-50. Searle lehrt als Philosoph an der Universität von Kalifornien in Berkeley und ist ein führender Kritiker der starken KI-Hypothese. Am bekanntesten ist vielleicht sein außerordentlich einflußreiches Gedankenexperiment »Chinesisches Zimmer«, das er in »Is The Brain's Mind a Computer Programm?«, in: Scientific American, Januar 1999, S. 26-31, ausführte. (Auf Searles Beitrag
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»Das Unbehagen in der Kultur«. S. Was die Seele wirklich ist. Ebenda. verwendeten Computer Symbole. S. 32-37. daß er diese Symbole mit einer anderen Folge von Symbolen beantworten solle. sowie alle plausibel klingenden Antworten auf jede Frage auflisten könnte. wie wir es täten. Weinheim 1996. in: Studienausgabe. »Could a Machine Think?«. Interview mit Colin McGinn im August 1994 in New York City. 390 f. Weils Beitrag in Toward a Science of Consciousness. S. Vgl. die auf chinesisch geäußert werden können. 327. aber ein Handbuch besitzt. um die Personen außerhalb des Raumes davon zu überzeugen. 19. S.48. ebd. so Searle. S. William James. mit dessen Hilfe er Fragen und Anweisungen auf chinesisch in chinesische Antworten überträgt. den Turing-Test zu bestehen. lösbare versus unlösbare Probleme und ähnliche Ideen in Probleme sprachlichen Wissens. Frankfurt a. Ebenda.S. 4-6. in: Journal of Consciousness Studies 3. 124. M.1. Dezember 1998. 51. S. S. S. wäre nahezu unendlich lang. Ebenda. S. Zitiert nach Louis Menand. 695 f. Er empfängt eine ihm unverständliche Folge von chinesischen Buchstaben. 1997. das alle möglichen Fragen. in: Nature. 183. die kognitiven Grenzen der Wissenschaft. wie schwer es für einen Computer sei. die bedeutet »Was ist Ihre Lieblingsfarbe?«. Wie das Denken im Kopf entsteht. 17.Christof Koch. der kein Chinesisch versteht. der einen Turing-Test absolviert. »blau« bedeutet. von Alexander Mitscherlich u. was er ebenfalls nicht weiß. die. Pinker. Sein Handbuch sagt ihm. »Facing Backwards on the Problem of Consciousness«. 204. S. daß er wirklich Chinesisch versteht? Crick. Vgl. in: New York Review of Books. 9.407 . Vielmehr hat er lediglich daraufhingewiesen. Ebenda. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. hg.. ohne ihre Bedeutung zu verstehen. S. Wie soll der Mensch auf alle eingehenden Fragen schnell genug antworten. Er erörterte das Geist-Körper-Problem. In derselben Weise. Meines Erachtens hat Searle die starke KI-Annahme damit jedoch keineswegs widerlegt. daher könnten Computer nicht in dem Sinne »denken«. Mai 1996. Bd.a.. Sigmund Freud. S.) Searle verglich einen Computer. 82.13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 folgte eine gewundene Widerlegung der Philosophen Paul und Patricia Churchland. 1982. 197. »Hard-HeadedDualism«. 131-165. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. M. Frankfurt a. Daniel Dennett. . mit einem Menschen in einem Zimmer. Telefonisches Interview mit Noam Chomsky im Jahr 1995. Ein Handbuch.

S.1987. 594. Juli 1992. Als ich das Manuskript dieses Buches bereits weitgehend abgeschlossen hatte..also nicht nur die Naturwissenschaften. S. in: Behavioral and Brain Sciences 10.27 Ebenda. Wilson definierte »Konziliation«. 1 2 3 4 5 6 7 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES GEISTES Max Planck. 4. das meine Sicht der Wissenschaft im allgemeinen und der Disziplinen. und »Consciously Avoiding the X-factor«. Interview mit Eric Kandel am 15. Francis Crick. 472. Dezember 1996. das er bereits über zwanzig Jahre früher in Sociobiology (Cambridge 1975) angeschnitten hatte. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. 32 Ich interviewte David Bohm im August 1992. November 1997 an der HarvardUniversität. 30 Brian Josephson. Weitere Publikationen von Josephson sind »Skepticism and Psi: A Personal View«. S. in: Nature. in: Physics World. 29 Brian Josephson. in: Physics Today. Vorträge und Erinnerungen. 15-19. In Die Einheit des Wissens (Berlin 1998) kehrte der Evolutionsbiologe Edward Wilson von der Harvard-Universität zu einem Thema zurück. S. »Wissenschaft und Glaube« (1930). Reinbek bei Hamburg 1997. »Physics and Spirituality: The Next Grand Unification?«. den Beitrag von Josephson u. einen Begriff. 183. S. Was die Seele wirklich ist. 45. stieß ich auf ein Buch.zu einem widerspruchsfreien System zu vereinheitlichen. »More Is Different«. 583. Geschichtswissenschaft. S. das Ziel der Aufklärung. S. S. April 1994 in Tucson. in: Science. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. April 1993. »Religion in the Genes«. 15.4. in: Physics Education 22. 393. Philip Anderson. Er erklärte. 33 Vgl.a. den er von dem im neunzehnten Jahrhundert lebenden Philosophen William Whewell . alle Zweige des Wissens . 31 Interview mit Josephson am 14. Leben und Werk des genialen Physikers.1987. 15. Darmstadt 1970. Richard Feynman. in: ders. 17. Toward a Science of Consciousness. S. im besonderen in Frage stellte. 28 Vgl. es sei an der Zeit. Theologie und andere Geisteswissenschaften . München 1993. 247. Interview mit Howard Gardner am 19. »Has Psychokinesis Met Science's Measure?«.. S. James Gleick. sondern auch Philosophie. Menand. August 1972. Dezember 1997 am New York Psychiatric Institute.408 .

Wilsons Vorschlag warf zwei Fragen auf: erstens diejenige.) Doch Wilson beantwortete die von ihm aufgeworfenen Fragen nicht. die Frage zu stellen. 398) Es ist nicht zu ersehen. eine für ihn besonders vordringliche Erkenntnis anzunehmen: »Je mehr wir uns von Ersatzmechanismen zum Erhalt unseres Lebens und unserer Biosphäre abhängig machen. wenn bereits über den ersten Aufklärungskonzepten der Todesengel schwebte. Er kam zu dem Schluß. der Künstlichen Intelligenz und der Neurowissenschaft durch. Augen auf den Horizont gerichtet) zurückerobert werden kann. daß die von Wilson ins Auge gefaßte Vereinigung möglich sei. als »buchstäblichen ›Zusammensprung‹ des Wissens durch die interdisziplinäre Verkettung von Fakten und den darauf basierenden Theorien mit dem Zweck.übernahm. daß. ob das Vorhaben machbar ist. 147) Man beachte. daß sie mit quälender Langsamkeit noch Jahrzehnte auf sich warten läßt. Seine große Hoffnung schien darin zu bestehen. daß gerade der aufklärerische Idealismus zu jenem Terror beigetragen hat.durch die Entdeckung und Anerkennung einer einheitlichen Theorie aller . daß wir durch Selbsterkenntnis dazu veranlaßt würden. Doch angesichts der erbitterten Kontroversen zwischen so nahe verwandten Disziplinen wie der Soziobiologie und der Evolutionspsychologie stellt sich die Frage. stellt sich die Frage. Könnte es sein. die Einzelteile doch eines Tages zu einer kohärenten Theorie zusammengefaßt würden. Wenn die Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften vereinigt werden können. 15). ob der ursprüngliche Geist der Aufklärung (Zuversicht. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. ob dies auch wünschenswert ist. Anders gesagt.der Erhaltung der Natur . um so ärmer wird unsere Spezies fürderhin sein. Eingedenk dieser Tatsache führte Wilson eine Bestandsaufnahme der Verhaltensgenetik. ob er zurückerobert werden sollte. wie so manche behauptet haben. der Evolutionspsychologie. Optimismus. 31 f. daß Jahrzehnte die pessimistische Schätzung ist. Je mehr Leben wir von dieser Erde verbannen. Mindestens ebenso lohnend aber ist die logische Gegenfrage. daß die große Synthese sehr bald kommt. eine allgemeine Erklärungsgrundlage zu schaffen«(S. um so fragiler werden wir uns und unsere Umwelt gestalten.vor allem im gegenwärtigen Winter unserer kulturellen Unzufriedenheit -. Selbst wenn wir einstweilen annehmen.«(S. welchen Nutzen haben wir davon? Wilson scheute sich nicht zu erklären: »Es lohnt sich . obgleich das Wissen über unseren Geist fragmentarisch bleibe. wird dies zweifellos über jene Disziplinen erfolgen.409 . welcher den furchtbaren Alptraum des totalitären Staates ankündigte?« (S. wie groß die Aussichten auf eine Vereinheitlichung etwa von Elementarteilchenphysik und Literaturwissenschaft sind.« (S. wie man diesem achtbaren Ziel . aber ebenso. »Es wäre möglich.

Ich sprach im Herbst 1997 kurz telefonisch mit Sacks. Ironischerweise schien Wilson. sondern niemals. Zitiert nach Richard Webster. in: New England Journal of Medicine. S. In dem Artikel wird berichtet. Das Für und Wider der Fusionsenergie wurde in der Rubrik »Leserbriefe« von Physics Today im März und Mai 1997 kontrovers diskutiert. 29. Werden die Sterblichkeitsziffern nicht altersbereinigt. Mai 1997. sie bedeute vielleicht auch das Ende der Biologie. Why Freud Was Wrong. S. indem er sie so vehement mit seiner reduktionistischen. die.410 . Im Fall der Kernfusion scheint eine Reihe sehr unglücklicher Randbedingungen die künftige Energiegewinnung auf der Basis des Fusionsprinzips zu verhindern. S. jener Disziplin. daß eine endgültige Theorie der menschlichen Natur womöglich weder wünschenswert noch realisierbar sei (vgl. der Geist könne niemals vollständig verstanden werden. S. In der Tat schadet Wilson der Sache des Umweltschutzes vielleicht sogar. John Bailar und Heather Gornik. die sich seiner reduktionistischen Sicht des Menschen anschließen. was die Realisierbarkeit und Erwünschtheit einer solchen Theorie anbelangt. Genen und Kultur stellten »einen riesigen unerschlossenen Bereich der Wissenschaft und der menschlichen Geschichte [dar]. mein Buch. die Wechselwirkung zwischen Natur und Umwelt. fällt die Zunahme noch viel alarmierender aus.« Nicht in Jahrzehnten. die sein Leben mit Sinn erfüllt habe. zu glauben.8 9 10 11 12 Wissenschaften auf der Basis von Evolutionsbiologie. nicht mit Wilson übereinstimmen. »Cancer Undefeated«. Er befürchtete. 249. Umgekehrt geht vielen. ja deterministischen Sicht der menschlichen Natur verknüpft. Trotz seiner antireduktionistischen Sympathien hat Sacks immer wieder seine Bewun. New York 1995. Viele Personen. 1569-1574. eine solche Theorie untergrabe »unser aufgeblasenes Selbstbild und unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum in der Zukunft«. Genetik und Neurowissenschaft näher kommen könnte. 231-241). New York 1986. Wilson hatte dieses Dilemma dadurch gelöst. Great and Desperate Cures. als ich ihn 1994 interviewte. Die Debatte ging im Maiheft mit einem Brief zu Ende. 444 f. die altersbereinigte Krebssterblichkeit in den Vereinigten Staaten habe seit 1970 um sechs Prozent und seit 1950 um mehr als acht Prozent zugenommen. Elliot Valenstein. James Krumhansl und Chauncey Starr. dessen Erkundung nie an ein Ende kommen würde. seine Umweltschutzethik zu weit. daß er das Postulat aufstellte. machen sich seine Vorstellungen vom Umweltschutz bereitwillig zu eigen. An den Grenzen des Wissens. Sie erklärten: »Im Fall der Kernspaltung ermöglichte eine Reihe außergewöhnlich glücklicher technischer Umstände die heutige Kernkraftindustrie. der gemeinsam von drei herausragenden Fusionsforschern verfaßt wurde: William Parkins.« Vgl.

84. New York 1990. dem Direktor des Neurosciences Institute in La Jolla. S. 16. der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Reinbek bei Hamburg 1997.. in den fünfziger Jahren. 1990. II. Huxley schrieb die beiden Essays. 7. Vgl. Aufl. aus denen das Buch besteht. 266-278. Ein Anthropologe auf dem Mars. Ludwig Wittgenstein. S. und The Scientist. die von dem Nobelpreisträger Gerald Edelman..411 .13 14 15 16 17 derung für eine umstrittene Theorie der Kognition. Berkeley 1988. 84. zu Edelman mein Buch An den Grenzen des Wissens. Aldous Huxley. New York 1973. Kalifornien. The Doors of Perception and Heaven and Hell. Reinbek bei Hamburg 1990. Der Mann. seine beiden Autobiographien The Center of the Cyclone. Frankfurt a. M. Ders. vertreten wird. Oliver Sacks. S. zum Ausdruck gebracht. Tractatus logico-philosophicus. S. S. Zu John Lilly vgl. .

Schatten des Geistes. und Peter Copeland. Wie wir sterben. Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen. München 1997. Hubert. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Ein Ende in Würde?. Bewußtsein und die Gesetze der Physik. 1993. Heidelberg 1995. Der Anthropologe als Schriftsteller. John. William. LeDoux. Ernst. Descartes' Irrtum. Was die Seele wirklich ist. Dennett. M. und George Williams. Randolph. Hamburg 1997. David. Marvin. Bern/München/Wien 1998. vernichtendes Feuer. Dem Denken auf der Spur. Warum wir krank werden. Daniel. Göttliche Luft. München 1998. Mayr. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. Daniel. Edelman. München 1997. Noam. Crick. Clifford. Stuttgart 1991. Probleme sprachlichen Wissens. Hamburg 1994. Damasio. München 1997. Abschied vom IQ. Wie unser Verhalten von unseren Genen bestimmt ist. Howard. An den Grenzen des Wissens. Penrose. Frankfurt a. Die Antworten der Evolutionsmedizin. Pinker. Fühlen. Der Weg der Kognitionswissenschaft. Penrose.412 . Das unausweichliche Erbe. Der Sprachinstinkt. Cambridge 1992. Joseph. Roger. Wie Emotionen entstehen. Die Evolution des Begehrens. Computerdenken. Nuland. Stuttgart 1994. München 1995. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins./Leipzig 1997Kramer. Das Netz der Gefühle. Denken und das menschliche Gehirn. Dreyfus. Minsky. . Chomsky. Antonio. What Computers Still Can't Do. Nesse. Francis. Gardner. Roger. Frankfurt a. Heidelberg 1991. Mentopolis. München 1994. Steven. Wie der Geist im Gehirn entsteht.Literaturhinweise Buss. Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins. Dean. Howard. Gerald. Eine neue Philosophie der Biologie. Weinheim 1996. Hamburg 1994. Peter. Glück auf Rezept. Dennett. Reinbek bei Hamburg 1997. M. Gardner. München 1991. Horgan. Die Debatte um Künstliche Intelligenz. Hamer. Darwins Gefährliches Erbe. James. Geheimnisse der Partnerwahl. Stuttgart 1989. Die künstlichen Wilden. München 1995. Der unheimliche Erfolg der Glückspille Fluctin. München 1992. Geertz. Sherwin.

Berlin 1999. Reinbek bei Hamburg 1984. The Moral Animal. Edward. Vom Entstehen der Computerkultur. Reinbek bei Hamburg 1999. Sherry.413 .. M. Geschwisterrivalität. Edward O. Oliver. Biologe der Seele. der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Künstliche Zeugung und Lebensdesign im neuen Jahrtausend. Die biologischen Grundlagen unserer Ethik. Cambridge 1975. Köln 1982. Wilson. Reinbek bei Hamburg 1990. Berlin 1999. Geschichte der Psychiatrie. . Sacks. Frank. Sherry. Reinbek bei Hamburg 1997. Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. 1980. Das geklonte Paradies. Shorter. kreatives Denken und Geschichte.. Turkle. München 1998. Freud. Silver. Sociobiology. Wilson. München 1996. Herbert. Turkle. Lee. Die Einheit des Wissens. Berlin 1998. Wilson. Berlin 1990. Steven. Die Wissenschaften vom Künstlichen. Robert. Edward O. Edward O. Wright. Der Rebell der Familie. Simon. Der Mann. Sulloway. Oliver. München 1998. Biologie als Schicksal. Sacks. Identität in Zeiten des Internet. Frank. Die Wunschmaschine.. Sulloway. Wie das Denken im Kopf entsteht. Leben im Netz. Ein Anthropologe auf dem Mars. Frankfurt a.Pinker. Diesseits von Gut und Böse. Jenseits der psychoanalytischen Legende.

Walter Brown. Christof Koch. Dazu gehören Chris Bremser. Gary Stix. David Rothenberg. Selbstverständlich stehen sie nicht unbedingt hinter den Aussagen des Buches. Und ein besonderes Dankeschön an Suzie. und meinem Agenten. Ellen Shell. Eric Kramer. Hubert Dreyfus. die mich so gut kennt. Stephen Morrow. und für alle Fehler trage ich die alleinige Verantwortung. Robyn Dawes. Mindy Kornhaber. .]ohn Brockman. Jerome Kagan. Roger Greenberg. Robert Plomin. Karen Wright und Robert Wright.414 . Judith Harris. Fred Guterl. für ihre persönliche und fachliche Unterstützung.Danksagung Ich danke allen. Ich danke auch meinem Lektor. Phil Ross. die mir durch ihre Kritik an diesem Buch wichtige Anregungen gegeben haben.

. 214 f. 349. Furcht. 322. Henry 127 Begriffe. 369 Altruismus 254-256 Alzheimer-Krankheit 32.107. 368-370 bewußtseinsverändernde Drogen 349f. 291.171 American Psychologist 61. 325.134.179f. French 229 Angst 16.198. Allen.110. 250. Beardsley. 298.316-356. 114. 313 Berlin.198.198. 50 f. Antidepressiva 59. 152. Bever. . 366 Annual Review of Psychologie 6l Anonyme Alkoholiker 171 f.104. 363 American Association for the Advancement of Science 120 American Journal of Psychiatrie 66 American Psychiatric Association 99. David 167 Aphasie 55. 161-164. 363 Alexander Richard 254 Alkoholismus 16. Robert 128 AIDS 16. Thomas 308 Bewußtsein 14. Geburtenfolge 269 f. 238. kulturell geprägte 105 Behaviorismus 52. 311. 184 f.. Henry 119 f.115. siehe auch Angstneurose. 117. W. 339.107.339 Anderson. siehe auch Psychopharmaka. 42. Fluctin. Woody 147 Alltagsverstand 278. 230. tricyclische Antidepressiva Antonuccio..Register Ader. 198. Angstneurose 52 f. Aristoteles 31 Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom 44.415 . 295-304.129. 76. in. 70 Archives of General Psychiatry 122.217. Philip 358 Anderson. 171 American Scientist 61 anale Persönlichkeit 85-87 Anästhetika 153. Barkow. 365 Bachrach. 70.. Beecher.196.186 f.118 f. Monoaminoxodasehemmer.. American Psychoanalytic Association 77.276. 346. 31 f. 369 Autismus 80. Isaiah 363 f. 116. Jules 269 f.169. SSRIs. 74. Anthropologie 11. 264 f. American Psychological Association 73-75.133 f.132. 317.293. Jerome 240 mit Cosmides und Tooby: Adapted Mind 240f.134. Anna o. 215 Außerirdische 89.135. 189-191.. 312. Timothy 47 f.135. Panikstörungen Angst.105.158-173.16. 72. 329‹ 334.183. 338 alternative Medizin 128.146 f.368f.180.192.

Martin 258 f.34. 207. 254. 339.348. Crews. Roger 138-143 Cioffi. 327f. 34^357 Cronk. 220f. Murray 290 Carroll. Kenneth 214 f. 105. 60. 339.416 . David 336 f. Charles 13. Blindsichtigkeit 325. Dick 246 Cerletti. Jane 132-134 Brooks. David 237.100. 338. Peter 190 Talking Back to Prozac 190 Toxic Psychiatry 190 Brody. 250. 305 Computer 14f. 220f. 38 f. 360 Davenport. 274. 336. 175-177 Chomsky. 333 f..125 f. siehe auch Künstliche Intelligenz Connors. 345. 341 f.15. Judith 94 f. 43. 233 f. 246. 217.. David 355 Bouchard...48. 272 f. Frank 76 Cog 307 f. 250-252. 314-316 Commander Data 17. Samuel 276 Erewhon 276 Cade.156 f. 271. 63. Chalmers. Harold 102 The Western Canon 102 Blum.. 98. Peter und Hamer: Das unausweichliche Erbe 215. 131 f. Noam 73. 236f. Chorea Huntington 195. 320. 264. Ewen 152 Campbell. Butler. 41. Lewis 357 Alice im Wunderland 122 f. 272 und Wilson: Homicide 259 Darwin.bildgebende Verfahren 31 f. 334f. 34.. Robyn 135-137 . Floyd 62 Bloom.359 Probleme sprachlichen Wissens 73. 251...107 f.. 266 mit Tooby und Barkow: Adapted Mind 240f. 247 f. Meinungsumfrage 170f. Jimmy 247 Consumer Reports. Rodney 304-310.108. 357 Was die Seele wirklich ist 327. 227 Christenfeld. 39.. Thomas 202-206 Breggin. 276-318. 257. Leda 240-245. 276. 268. 256. 150 Unauthorized Freud 76 Crick.. John 156 Cameron. 341. 227 Science of Desire 216 Cosmides. 341 Chlorpromazin 59. Napoleon 264 f. 81. Frederick 87-96. Lee 238 Current Opinion 75 Cyc 300-304 Dalai Lama 248 Daly. 298. 83 Blickfeld 36 f.102. Vannevar 367 Science: The Endless Frontier 367 Buss. 251. Ugo 153 Chagnon... 346 Bloom.. 168... 314 Brown. Die Evolution des Begehrens 237 Butler.. 52. Charles 200 Dawes. Cyril 217 Bush. 256. Liv 212 Bohm. 263. Bode. 254.357 Cavett. Copeland. Walter 178-180 Burt.103.102. 200.. 261.. Francis 14.

143. 163 f. 317 Expertensysteme 279-283 extrapyramidale Nebenwirkungen 176 f. 96. 27. 215 Eagle.. 237. 51 f. 1291. 310 What Computer Can't Do 294-297 Drogenmißbrauch 181. 365 f. 204. 52.158 f.161.198. 214 Doppelblindstudie 117. Richard 246. Evolutionsbiologie 12 f.53. Morris 73 f. 223. Cecile 269 f.137 Dawkins. 204 Erklärungslücke 31. 230 f. 31.. 317 erlebnisorientierte Therapie 111 Ernst. Descartes. 88f..165. 85.121 f. 202 f. 360 Elektroenzephalograph 324. 225. Albert 52.. 134. 247. 269. 270.. 42. 230...177 ELIZA 315 f. 31. 80. Geburtenfolge 269 f. 206. 346 Evolutionspsychologie 19. Elkin.152. 200. 63. 333 Deep Thought 333 Dennett.. 67. 61. 261 f. 27.198. vernichtendes Feuer 63 Effexor 148 Einheitliche Theorie des menschlichen Bewußtseins 33. 72.. 251.. 362 Erikson. 124 Fallgeschichten 104. Rene 340 Devlin. Daniel 33. Edward 80 Madness on the Couch 80 Donahue 160. Susan 205 Fast. 274 Deep Blue 289-291. 335 Elektroschocktherapie 18 f. 340 Epilepsie 55. Bernie 218 Dignostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) 115 f. 332.. 179-185. 351 Eli Lilly 148. 304. 172-175 Dreyfus. 235. 99.167.324 Jugend und Krise 110 erinnerungsaufdeckende Therapie 27. Hans 102. Hubert 293-298.. 133 f.175. 351 Erbanlage und Umwelt 14. 296. 21.114 f.47.131. Eysenck..159-161. 326. Dodo-Hypothese 123 f.113 f. Edelman. Cheap and Out of Control 307 Feinschmeckersyndrom 55 .196 Dopamin 44. 183-191 Elektrotherapie 150. 100 f. 361 Einstein. Ethology and Soziobiology 253 Eugenik 19. 83.111. 148 f.... 59!".320. 41.417 . 153. 212. 219. 117.16. 210. 57. 200f. Irene 169 Emotion 14.181. Falscherinnerung siehe erinnerungsaufdeckende Therapie Farber. 93.. Clint 347 Ebers. 78.. George 216 f. 24. 301 f. Gerald 14.16. 98 Göttliche Luft. 234.149f. 345-347 Darwins Gefährliches Erbe 274 Depression 14. Eastwood. 189-192. 59. 233-278. 76. 25. 274. 21. 276 Evolution and Human Behavior 253 f. 100. 22. Erik 110.152-155.. 171 Dolnick..48-53.194.House of Cards 135.

117f. James 221-224 Flynn-Effekt 221-224 Fodor.138. Howard 104-108.126 f.182.418 .. 282.113f. Gall. siehe auch Psycho243. James 257 121.. 211 f.Fell. 52...108. Karl 39 Frontaler Kortex 41 Furcht 49f. 300 analyse Fischbach. Sigmund 16. 349. Panikstörungen Gage. Phineas 53 f. 334 Frank. 365 Gaia-Hypothese 275 Galen 22. Food and Drug Administration (FDA)159f. 181 Fredkin. siehe auch Angst. Julia 130 Frank. Gattaca 226 f.144. 366f. 29. Seymour 84-87. Claude 260 Einfluß 20 Fisher. Walter (Senior) 155. Gazzaniga.150. 343 The Science of the Mind 343 Fliess. 359. Francis 22. Franz Joseph 22. Fevarin 160 157f. 200 Galvani. 98 f.. finanzielle Förderung 25 f..130. 366 Gagesche Neurowissenschaft 53-58. Flynn. 162 f. 99. 68 Ausstellung über 76 Fischer. Feynman. Freeman. 322..146. 82 From Placebo to Panacea 172. 329 Freud. 244 62-109. Wilhelm 70. Fetzer. 339. 30.197.177-179 102-108 und Greenberg: Freud ScientiDie endliche und die unendfically Reappraised 84 f. 95 Friston. 81. 366. Edward 288 Freeman.158-167. Anna 80 349 Die Zukunft einer Illusion 97 Freudsche Fehlleistung 92. Feminismus 80. 340. 172-174. 36.148. Luigi 22 Gardner. The 106 f. 194. 271..130. Walter (Junior) 329f. 52.. Cynthia 308 Freud. 360. 311 f. Gerald 32f. Michael 56 The Social Brain 56 Geburtenfolge 266-270. 54 Galton. 25.111. 272 Gedächtnis. Michel 366 Fraktale 310. 58. 271 Fluctin 18f. 21. 98.. 171. Owen 330f. 351. 44.112. Erinnerungsvermögen .. Jerry 277 f. literarisches Schaffen 98.. 365 Extraordinary Minds 104 Frames of Mind 104 Mind's New Science. 298. Foucault.193. 59. 181 Persuasion and Healing 130. 20-22. 210.. Richard 360 268. 204. Jerome 129f. 280.. liche Analyse 108 172-178 Entwurf einer Psychologie 70 Limits of Biological Treatments Selbstdarstellung 79 for Psychological Distress 172 Traumdeutung 75. Das Unbehagen in der Kultur 177 Flanagan.. 69.

79. Irving 215 Gould. 283. 98.217. 177 Greenfield. 68 Golgi Camillo 22 Goodwin. Gentherapie. 224 und Murray: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. siehe auch Kinder. 334 Hamilton. 248.152 Geist-Körper-Problem 16.17.227 Hameroff. 226. 208. J.. Stephen Jay 251.112.. 265.419 . 228f.. 262 . 365 Gehirnwäsche 98. Frederick 174 Goodwin. 46f. 226-229 Gesprächstherapie 120 Gesundheitsfürsorge 73.224. siehe auch Lernen Geertz.325. 357 Gleick. Stephen 332 Eine kurze Geschichte der Zeit 332 Hayes-Roth. 41-43.199. sexueller Mißbrauch Gilbert. Kurt 332 Gödelscher Unvollständigkeitssatz 333 Goldman-Rakic. Richard 219-221.330. 91.194-197.19. Lehen und Werk eines genialen Physikers 360 Gödel. Kindestötung. 362.293. Roger 84-86. James 165 Gottesman. Glaube an die Wissenschaft 23. 178 Limits of Biological Treatments for Psychological Distress 172 From Placebo to Panacea 172. 336. 344-347. William 255 Harris.. siehe auch Krankenversicherung Gewalttätigkeit 160.323. S 255 Hamer. 306 Gell-Mann.361 genetische Algorithmen 309 Gentest 18. Frederick 280-283 Hebb. Judith 270 The Nurture Assumption 270 Harris. 227 und Copeland: Science of Desire 216 Das unausweichliche Erbe 215. 64.197 f. Kriminalität.172. 269. 274 Gray. 45-47. 275 HAL 277. 211. Thomas no I'm Okay -You're Okay no Hawking. 98 f. Gentechnologie 17. 31 f. Stuart 322. 66. 305 Haldane.. 214..104. Donald 65 Heidegger.177-179 und Fisher: Freud Scientifically Reappraised 84f. 85.132.107.285. 298-301. Patricia 41-44. 83. Susan 62 Gruppenselektion 255. James 360 Richard Feynman. 264 f. Gene 134 f. 36-38. 199. 258-261. Paul 103 Greenberg.339. 209. B. 26. Dean 215-217. 172-174. Walter 197 Glass. Herbert 287. siehe auch Bewußtsein Gelernter. Krieg. 253.345. 147. Clifford n. Murray 15. Martin 294 Heilfieberbehandlung 151 Heisenbergsche Unschärferelation 331 Herrnstein.

263 Horgan.170 Inzest 84.. 206. 287 Hippokrates 22 Hitler.. 162. 197. Arthur 219. 306. 285. 291 Illiac Suite 287 Imipramin 165. 198. 368 Schöne neue Welt 167 Huxley. 253. L. Principles of Psychology 22 Die Vielfalt religiöser Erfahrung 349. Boris 78 Jensen.Killer. ironische Wissenschaft 17 f. Carl 110 Jungianische Therapie 18..116 IBM 119. 351 Hyman. 349 f. 289.203. 87. siehe auch tricyclische Antidepressiva Informationstheorie 310. 275. 219-221.217-229 vielfache 41. Sarah Blaffer 268 Hubel. Brian 352-356 Journal of the American Medical Association 165. 366 f.. siehe auch Intelligenz Rasse und 121.. 215-217. International Psychoanalytic Association 77 interpersonelle Therapie 168. Aldous 167. 85. IQ genetisch bedingte 121. 295. A. Isaacson.168-170. Whitney 356 Hrdy. 245. Kay 174 An Unquiet Mind 175 Janov. 267 Humangenomprojekt 197 f. 220 Intelligenztheorien.116.104f. Thomas 319 Hydrotherapie 151. Brain and Vision 40 Hudson River Psychiatrie Center 138-144 Human Behavior and Evolution Society (HBES) 236-243... 223 f. 338 f. 44f. 257. 367 Houston.420 . Arthur 110 Der Urschrei 110 Jelzin. 219f. M 287 Jäger und Sammler 238. 217-227.105 f. 198. Alltagsverstand.. 224 Johnny Carson Show 206 Johnson & Johnson 177 Johnson. 351 Jamison. 89. James. Intelligenz 17. 257. 223 f. 302. Adolf 56 Hoane. 324 Ingenieurwissenschaft 285. 264. 40. Joseph 290 holographisches Gedächtnismodell 323 Homosexualität 18.106f. Steven 99-101 Hysterie 75. Lewis 60 Jung. 254. 280. siehe auch Volksstämme Jahrzehnt des Gehirns 34 f. Samuel 319 Josephson. 157 IQ 18.194. 245. John An den Grenzen des Wissens 12-17. 287. David 35 f. siehe auch Künstliche Intelli genz.343. 28. Huxley. 46 Eye. 214 Journal of the American Psychoanalytic Association 119 Judd. 297-302. William 22.114 . L. Insulinkomabehandlung 151 f. 121. rassistische 27. 95 f.

. 96.368 Kutchins und Kirk: Making Us Crazy 116 Kybernetik 310 Laing. Gedächtnis. 277. 257..348. Imre 297 Lamarck. 88-90.146 f. 282 Krieg der Sterne 277 Kriminalität 16. 276-318. 294. Eric 63-70. 136f. Toksoz 114 Kasparow.52.146. siehe auch Gesundheitsfürsorge Krebs 16. 238-240. Wladimir 77 Lennon. 296.114. 341.. 50. 229-232 Galens Prophecy 231 Kamin. Thomas 19. Donald 180 Koch..362. 338f. 27. 81. 285 Kesey. 332. 222 f. 291.167. 137. 248. 341.116.171. Gary 289. Karasu. 250. 168-170 Komplexitätstheorie 275.. 146..421 .146.. 302. 321. 332.192 Krankenversicherung 76. D. 98. Karl 37 LeDoux.182. 196-198.120 f. 244.112. 335. 21 Kultur 220.. 167.105. 359 f. Daniel 197 Kramer. Jean 271 Landers. Christof 327-329. 245.303f.258-260 Kindestötung 258-261 Kirk und Kutchins: Making Us Crazy 116 Klein.Kagan. 164. 353 Kuck.. 274. Erziehung.105-107. 264-266. 77. John 110 Leponex (Clozapin) 177 Lernen 14. 21.297. 218 Kandel. siehe auch Künstliche Intelligenz kognitive Verhaltenstherapie 18 f. 265 f. Ken 154 Einer flog über das Kuckucksnest 154.161-164. 81. HO. 38. 110. 64f. Jerome 60. 47-49. 347 Kognitionswissenschaft 22. Leon 205. Joseph 48-53.. 298. 283.183.51. 41.293. 60. Gottfried 319 Leibniz-Preis 288 Lenat. 78 f. Kernspinresonanztomographie (MRT) 31 f.. 333 Katastrophentheorie 310 Kernfusion 362 f. 302 Das Netz der Gefühle 49. 91. Peter 114. 356 Künstliche Intelligenz (KI) 16. 68 f. J.192 Glück auf Rezept 114. 248.. 81..186 Ketamin 369 Kinder 27. Ann 249 Lashley. Essentials of Neural Science and Behavior 64 und Schwartz: Principles of Neural Science 64. 79. 65.. 154 Phänomenologie der Erfahrung 110 Lakatos. David 299 Kuhn. 247. siehe auch Unterricht. 235. 311 Koshland. 244.170. 338f. 161 f.170. Erinnerungsvermögen .132f.309.69. 200. R. 362-364 Krieg 16. siehe auch Gewalttätigkeit Krischnamurti. 77 Leibniz. Douglas 299-304 Lenin.190. 41.111. 244.160. 228. 81.

Steven 257 Modularitätstheorie 19. Peter 209-211 Meditation 128. 282. John 369 Literatur 17. 275. 321.Levine. 317 Lewontin. Hans 276 Morris. Lester 122-126. 248. Geoffrey 237 Minnesota-Zwillinge 200-206. The Emotion Machine 312 Mitchell. 174f..1541. 293. 365 f. 257. Norman 360 Malcolm.147 Meskalin 368f. Franz 30 Michelangelo 360 Michels. 286-288. Joseph 31. 340.149. Errol 307 motorische Steuerung 54. 277 Molekularbiologie 13. Charles 219-221.. 260. 274 Libet. 31. 338 Mayr. Gregor 61. Llinas. 237.. 56 Mukoviszidose 195.41. 356 Muskeldystrophie 195. Rodolfo 39f.184.. Hanns 212 Lykken.138. Jacques 63 Moravec.. 368.156f. Karl 16 Maschinen siehe Computer. 157f.. 186. 62 f. 342 Lilly. 2O8-21O. 310-312.35.51. John 250 Loftus. 279. Mesmer. 286 f. Marvin 276.. 346. 207. Künstliche Intelligenz Mathematik 39. 224 und Herrnstein: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. 316 Machines Who Think 279. Lobotomie 19.143. 23. 174 f. 198. 306.. 227 f. 59. 58.107. 354-356. Colin 347 McGuffin.103. 288. John 279 McCorduck. 370 . 54 f. Richard 251. Ludwig. 316 McGinn. 218 Minsky.130. Robert 94 Mikrotubili 334 Miller. 287 Geisteswissenschaft als 73. 332 f. 349-356. Elizabeth 85 LSD 18. Antonio Caetano 154 f. 348. 363 Locke. 34.. 248. David 288 Murray. 346 Mental Health Parity Act 113. 195 f. Ernst 18 McCarthy. Mumford.192. 262 Musik 53. David 206 Macmillan Freud Evaluated 76 MacNeil/Lehrer News Hour 216 Magersucht 198 Mailer.59. Roboter. 329. 100. 102-105. 369 Luborsky. Janet 118 Psychoanalysis: The Impossible Profession 118 manisch-depressive Erkrankungen 17. Literaturtheorie 17. 207 Mystiker 343-347 The Mystiker 343 Mystizismus 337f. 368 Memory Pharmaceuticals 66 Mendel. Pamela 279.133 f.. 250. 212 Mao Tse-tung 243 Marx. 181. 181 f.. 253. 358 Moniz.115.. Mithen.422 . 158 Monod. 104. 348 f. 224. 22. Monoaminoxodasehemmer 59. Benjamin 324f.131 Lithium 20. Juliet 94 f. 241. 288.

14f.132. 286.. 278. 313 Neuropharmacology 179 Neurosen 66. 272 Olanzapin 177 Ono. 95 f. 231. 321.285. Roger 332-334.144. 81.357. 181. 65. Iwan 111. 28. 105f. 47. 83. 219. 291-293.. George 272 Panikstörungen 132 f.. 311 Penrose. 229. 346. siehe auch Chlorpromazin. Reserpin. 360 Nietzsche.198 Ockhams Rasiermesser-Prinzip 92 Ödipuskomplex 30. 259f.. 61... 321.192 Phillips. 91. 293.156 f. 100f. 90f.176. .336.366 Nervenheilanstalt 138-145. 345. 17.141. 317.352 natürliche Selektion 15. 52. 84. 251 f. 262. 26. 320.327-333.. 365 New Age 128. 22f. 194..199. 217 Neurosurgery 182 Neurotransmitter 31. Vladimir 75 Nagel. 116.Nabokov. Adam 108. Noradrenalin 59. 282. 36. 84.168. 213. 290 New Yorker 269 Newsweek 159. 84. H.. 309 f.. Risperdal (Risperidon) neuronale Netze 65. 54 Physik 12. 201. 81-83. 79.153 f. 260. Sherwin 15 How We Die 15 Obdachlosigkeit 138.199 Philosophie 17.. 96. 104. 186. 183 Nationalsozialismus 198. Yoko 110 optimistischer Skeptizismus 28 f. 266.. 184. 33. Friedrich Also sprach Zarathustra 18 Nightline 216 Nixon..44. 89f. 99. 201 Nesse. 209.362. 226. 31-72.194. 262 Paranoia 75 Parkinson-Krankheit 44.423 . 344f..47. Allen 256 Orwell.164.331. 21-23. 269..148. 337 New Republic 165 New York Review of Books 87. 212 Nature 32. 361 f.. 59f.. 233.176 Pawlow. 175-177. 269 Newton. 34. 254-257.144.. Randolph 237. Olanzapin. 154.. 365 Orr. 22. Leponex (Clozapin).340... 297f. 336-338 Computerdenken 332-334 Schatten des Geistes 333 People 206 Persönlichkeit 107.359 Phrenologie 19. 217 Neuroleptika 144. 156 f. Thomas 360 The Nation 75 National Institute of Mental Health 60.100f.. 236.321. 78 f.302. 268.158 Nuland. Mitch 186 f.158 f. 240f. 262. 217 Depressionsstudie 168 f. 214. 273. Isaac 34. 262 und Williams: Warum wir krank werden 262 Neugierverhalten 198. 39f..125 New York Times 64f.. 211. Richard 363 Nobler.199. 274f. 366 Pharmaunternehmen 148. 229.. Neurowissenschaft 13 f. National Institutes of Health 83..

101. 52. 38. 98. 77 Phaidon 30 f. 271. 138-144. i34f. 77. 69. 62-109. 124 f. 101. 108. 286.. 346 Wie das Denken im Kopf entsteht 77. 66. 359. 44. 321. und Gentechnik 226 f.. 23.. Max 357 Platon 30f. 114. 185. 262. 67 f. 23. 173. Richard 279 Galatea 2. 276f. Stanley 213 Psychiatrie Annals 166 Psychiatrie Times 161 Psychiatrie 15.. 22 f. 75 f. 178. 140. siehe auch Antidepressiva. 27.. 117. 362 f. 83 Postmoderne 12. 146-192. 310-314. 237. Karl 323 Price.. 134. 184.41. 105-107.. 298.. 270.177 Pressman. 78. 276f.. 80. 229 psychische Phänomene 349. 247f. 40. 192. Jack 57 f. 59. Jean 359 Picasso. 355. 316. 277. 19. 364. siehe auch Reduktionistisches Dilemma Professional Psychology 167 Prusiner. 175-177. 328f. 27. 335 f... 366 Nebenwirkungen 158-160. i36f. Psychological Bulletin 61 Psychological Inquiry 273 Psychological Review 61 Psychological Science 226 Psychologie 15. 233-235. 113.2 279 Präferenzeffekt 123. 60 f. John 263 Prion 213 Problem der Zusammenführung von neurologischen Informationen (Bindungsproblem) 40f. 308. 99. 59 f.. 16. 168-170. 110-113. 263. 352f. 138-145.. 352-356 Psychoanalyse 20. 334.361 f. 231. 367. 69 f. 361. 99. 17. 157f. 366 psychodynamische Behandlung 73.. 117-120.. Plomin. 245-250. 331-359 Psychopharmaka 14. 180. 26. 321. 199. 59f. 259f. 350. 97 Powers. 28. Fluctin. 111.190 Planck. siehe auch Depression..346 Der Sprachinstinkt 245 Pioneer Fund 206 Placebo 70. 144-192. 115. SSRIs Psychotherapie 14. 80 f. 181 Last Resort 58.424 . 315. 52. 212. 130. 291. 270f.172-181. Pablo 360 Pinker. 237... Piaget. .133. 230.. 72 f. extrapyramidale Nebenwirkungen.117. psychische Erkrankung 14. Steven 77. 126 f. 262.181 Pribram.. Karl 28 Positronenemission (PET) 31.115. 41. 27.. 262. 42 f. Spätdyskinesie. 64. 147. 21.. Schizophrenie Diagnose 115 f. 189. 76. 110-145... 27. manisch-depressive Erkrankungen. 346. 60. 166. 20..332f.. 201.126-131.. Robert 225-227 Popper. 162. 112.

172. 27.109. George 216 f. Roboter 17. 248. Rice.339.158. Benjamin 142 Russell.44. 284.138. siehe auch EuSanta Fe Institut 322 genik Schachcomputer 18.131. Carl 120 Rorschach-Test 136 Rose.. 33. 246. 328 f. Martin 132. 184.. Sanders. 54. 227.. 201.194f. 359. 216. 203. siehe Seligmam. 219-221. 315 f. Robert 166 Freud and His Critics 76 Sehvermögen 48.197.333. Saul 123 Rush. 62. Melvin 146 Sackheim. 210 . 262.341 Religion 16. 320. Reserpin 59.342. 100.. Matt 237 Scientific American (Spektrum der The Red Queen 237 Wissenschaft) 12. Schamanismus 102. 349 reduktionistisches Dilemma 41. Reich. Schizophrenie 14. 306. 47.328. S.. Wilhelm 110 262. Daniel 77 Reduktionismus 28. Harold 183-191 Sacks. 331 f.178-180.310. 317. Steen 322 Sakel.141. 59 f. 170-172.175. 229-231 203. 80.336 Quantenmechanik 12. 26....324. 198.331-336 Question Mark and the Mystiker 343 Rogers. Searching for Memory 77 107. 341 Robinson. siehe auch MystizisPrinciples of Neural Science mus 64. Schwartz und Kandel: 352. 306-310. 238.. 357 f..113. 93. Manfred 151 Rassismus 16. Steven 263 Rosenzweig. 164..167f.. 273. Risperdal (Risperidon) 177 178. 274. 68.229.115.362 59f. 68 f.158 f. Ein Anthropologe auf dem Mars 364 Ramachandran. Bertrand 11 Sabshin.191 f.338 Raven. 312-314.. V.100. 268. 61 Der Mann. 208-213. 42. Alan 217 253. 280. 56. 56.171 auch Künstliche Intelligenz Serotonin 44 f.254. Rattenmann 114.15. 58.358 Ridley.156. 366 295 f. Oliver 365 f.156 Science 32.16. 276.425 . 83. 278.370 Robespierre 268 Seehasen 64f. 222 Schacter. 335. 81 f. 285-291. 34 f. 299. 326 Qualia 31.. 161f.151.149.. 274. Schüchternheit 163. 98. 332 f. J. Santiago 22. 282. Paul 76 Segraves. regelbasierte Algorithmen 143. 67 einem Hut verwechselte 365 Rasmussen. 64.352-354 Quantentheorie des Bewußtseins 322.158.. der seine Frau mit Ramon y Cajal. 47 f. 100f. 248.C. 288-298.

Biologie der Seele 271 Der Rebell der Familie 268.194. siehe auch Evolutionspsychologie Spätdyskinesie 176 f. 271 f. B. 34 Sokrates 30.426 . 110 f. 173 sexueller Mißbrauch 88-90. 237.Seroxat 148.. Lee 227 f. J. Astro 286 Theorie des Psychologiemoduls 317-340 Tiefschlaftherapie 152 Tierschutzbewegung 42 Time 76. 194.103. 78. 305 f. 326 Sprachvermögen. Howard 83 Shorter. 257 f. 58. Del 159 Shapiro. 88. 219. 234' 253 Sozialwissenschaft 240 f. 245 f. 243 Star Trek 17. 268 Soziobiologie 19. 293. Joseph 56.147. Skinner. 72 Solipsismus 28.107.. 250.198. 252-254. David 298 f.. 75. Harry Stack 170 Sulloway. 184 Spectrum. 56 f.. 283-291.. 78-81. 54. 58.299-301. Devendra 239 f. F. 207 Teilchenphysik siehe Physik Teller. William 77. Arthur 126-129 Shear. Roger 55 Split-brain-Forschung 56... 259. John 335 f. siehe auch Fluctin Stalin. 266. M. IEEE 201. 84f. 96 f. Tay-Sachs-Syndrom 194f. Charles 59 Shevrin.. Silver. HALs Legacy 298 f. Shakespeare. 295 f. Herbert 234 Study of Sociology 234 Sperry.. 298 Jenseits von Freiheit und Würde 110 Smith. Günther 13. 248.159-167. 61 Society for Neuroscience 32.134.303 SSRIs 59. 237-242. 340 Sozialarbeiter 113. 319 The Corning of the Golden Age 13 Paradoxes of Progress 13 Stevens.117. 250-252. 245-248. Sexuelle Funktionsstörungen und Psychopharmaka 166 f. Edward 150-152 Geschichte der Psychiatrie 150 f. Chung-jen 289 f. Herbert 279. Sprachverständnis 22. Taylor. 301 Suizid 24. 171 Sozialdarwinismus 27. 305 Stent. Smythies. 90. 279-281 Spencer. Mary 134 f.123 Hamlet 249 Shank.160 Sexualität 27.J.. Anthony 263 und Price: Evolutionary Psychiatry 263 Stork. Katherine 133 Sherrington.. Roger 299 Shannon. 241.137.. Thomas 154 Taille-zu-Hüfte-Quotient 240. 95 f. Singh. 2 70 f. Stuart 318 The International Dictionary of Psychology 318 Szasz. 296.197 .159 Sullivan. Sutherland. Frank 266-270 Freud.110. Das geklonte Paradies 227 Simon. 242 Tan.

109.194-235.264... The Unnatural Nature of Science 22 f. 322f.. John 240-245. 271 f.276 Vertosick. Andrew 349. siehe auch Jäger und Sammler Wagner von Jauregg.108. 254. 34. 261. Steven 15. 85. 205.. Sherry 313-316 Lehen im Netz 314 das Unbewußte 63. Ludwig 294. 86. 224.368-371 Turing. 22 f. 203. 353 Turing-Test 316 f. . Bewußtseintagung in 321-356.. 267. Gene 148 US-Kongreß 25. 366 Wolpert. 47.125-131.197 Watts. 211 f.Timpanaro. 83. J. 346 f.365.James 34.. E. 144-146. William Carlos 365 Wilson. 314. Erziehung 56. Robert 229 Weinberg. 247f. 202f. 90 Vererbung 193. Death of Psychiatry 211 Freudian Fraud 76. 250. 349. 230 Usdin.. Frank 182 Vertrauen in Therapien 25 f. 357 Williams. 68 Willensfreiheit 42. 69f.. 82 f. 84f.314. Tucson. 234 Weil. Robert 255 f. Tom 30 Wolfsmann 114.B.45. 211 Surviving Schizophrenia 211 Traub.172 Verwandtenselektion 255 Viagra 160 Volksstämme 238. 234 Why Freud Was Wrong 76. Alan 316. 114 Verdrängung 79. 111 Watson.368 Tractatus logico-philosophicus 347 Wolfe. 341-344. Margo 258 f. 271. James 155 Webster.. 144. Julius 151 Washington Post 206 Watson.. Susan 81 f..158. tricyclische Antidepressiva 59.266 mit Barkow und Cosmides: Adapted Mind 240f. Turkle. George 255. 109.147 Valenstein. 91 f.. Torsten 35 f. Joseph 279 Träume 79.199f..19.427 . 347. 78.243.122. Sebastiane 92 Tooby.137.. Füller 86 f. 369 Weinberg.325 Unterricht.. 100. 137 f. 253. 69. 320.170 Trivers. Edward O. 77. 272 Wittgenstein.. 221 f.114.. 268 Biologie als Schicksal 253 Soziobiology 253 und Daly: Homicide 259 Wilson. Lewis 13 f. Richard 78. 261-263.46.107.155 Wiesel.. 52. 21. 88. 264. 114 The Talking Cure 81 f. 168.. Elliot 363 Great and Desperate Cures 363 Vaughan. 165 f. 266. 262 und Nesse: Warum wir krank werden 262 Williams. 40. 26. Torrey. 218 Verhaltensgenetik 15. 218. 325.105.

Stephane 312 f.181 Zwangsstörungen 198. 204.100. 267 .337 The Quantum Self 324 Zoloft 148 Zrehen. 218. 298 Zwillingsforschung 22. Danah 324. 341 2001 277. 200-207. Zohar.Wright. 283. Robert 237 Yanomamö 264 f. Zwangsneurotiker 81. 204. 263.428 . 60. 194. 206 Diesseits von Gut und Böse 237 Twins 114. 214. Lawrence 114. 206 Wright.148.

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