Wie schon in seinem ersten Buch An den Grenzen des Wissens unternimmt John Horgan einen Streifzug durch verschiedene Wissenschaften: Diesmal durch jene Disziplinen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geist und Psyche des Menschen beschäftigen. Der Streifzug führt von der Psychologie über die Neurologie, die Pharmakologie, die Evolutionsbiologie bis zur Genetik. Die Ansätze und Methoden dieser Disziplinen werden bündig vorgestellt, die in ihnen gewonnenen Kenntnisse zentralen Fragen gegenüber gestellt, die um die immer noch ungelösten Rätsel des menschlichen Geistes und des psychischen Innenlebens kreisen. John Horgan ist Wissenschaftsjournalist des Scientific American. Im Fischer Taschenbuch Verlag liegt vor: ›An den Grenzen des Wissens. Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften‹ (Bd. 14364). Unsere Adresse im Internet: www. fischer-tb.de

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John Horgan

Der menschliche Geist
Wie die Wissenschaften versuchen, die Psyche zu verstehen
Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

Fischer Taschenbuch Verlag

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Ungekürzte Ausgabe Veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, November 2001 Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Luchterhand Literaturverlages, München Die amerikanische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel ›The Undiscovered Mind: How the Human Brain Defies Replication, Medication, and Explanation‹ bei The Free Press, New York © 1999 John Horgan Für die deutsche Ausgabe: © 2000 Luchterhand Literaturverlag GmbH, München Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany
ISBN 3-596-15139-2

Ungekürzte eBook-Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des Autors Erscheint in der Reihe: Eine Welt des Wissens - Eine Welt des Friedens © 2003 E.V.C. Elaboraziones, Vatican City Diese Ausgabe ist unverkäuflich.

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Für meinen Vater

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Inhalt

EINLEITUNG: »ICH-ZEUGE« 11

Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist 17 Wo bleibt das Positive? 24
1. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT 30

Das Dilemma des Reduktionismus 34 Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke 41 Emotionen erkunden 48 Gagesche Neurowissenschaft 53 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden 58 Psychoanalyse und Seehasen 63 Freud als Neurowissenschaftler 70
2. WARUM FREUD NICHT TOT IST 73

Ziegen, Schafe und der Ödipuskomplex 78 »Crews Missiles«» 87 Der Skeptiker Steven Hyman 96 Freud als Erzähler 102 Freuds versöhnender Pessimismus 108
3. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 110

Psychoanalytiker bewerten sich selbst 117 Die Dodo-Hypothese - Teil I 120 Psychotherapie als Placebo 125
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Therapien im Hier und Jetzt 131 Der Mythos von der Sachkompetenz 134 Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum 137
4. FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 146

Fieber, Koma und andere Therapien 149 Peter Kramer lauschen 158 Die Dodo-Hypothese - Teil II 167 Vom Placebo zum Allheilmittel 172 Placebos zur Behandlung von Depressionen 177 Die Renaissance der Elektroschocktherapie 181 In der EST-Abteilung 186 Zur Verteidigung der EST und anderem 190
5. GEN-MAGIE 194

Die Minnesota-Zwillinge 200 Die Fahndung nach Psychosegenen 207 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? 211 Die Alkoholspur 214 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt 217 Auf der Suche nach Intelligenzgenen 225 Das Temperament von Jerome Kagan 229 Das andere genetische Paradigma 233
6. DARWIN, RETTE UNS! 236

Steven Pinkers Umgang mit Wörtern 245 Was Noam Chomsky wirklich denkt 250 Ist Altruismus ein Instinkt? 252 Das Syndrom vom bösen Vater 258

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Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden 261 Darwinistische Kulturalisten 264 Die Hypothese der Geburtenfolge 266 Darwin und Freud 270 Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft 273 7. KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 279 Herbert Simons Prophezeiungen 283 Die Revanche des Philosophen 293 Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand 298 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier 304 KI und Psychoanalyse 310 Die Bedeutung des Turing-Tests 313 8.wegerklärt 337 Der Aufstieg der »Hysteriker« 343 Der mystische Weg zur Erkenntnis 347 Brian Josephsons »Tunnelkontakt« 352 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES 357 Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser 359 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit 361 Die Sehnsucht nach einer Offenbarung 367 -9 . DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN 319 Christof Kochs Bewußtsein 337 Roger Penroses Quantensprung 331 Thermostate mit Bewußtsein 335 Bewußtsein .

10 .ANHANG 373 Anmerkungen 375 Literaturhinweise 412 Danksagung 414 Register 415 .

und Pflanzenreich. daß jeglicher Anspruch auf Objektivität naiv. ein größeres Vertrauen beim Leser zu gewinnen. nach und nach. anschließend der menschliche Körper und zu guter Letzt (und bis jetzt äußerst unvollkommen) der menschBERTRAND RUSSELL1 liche Geist.mehr als beispielsweise die Elementarteilchenphysik oder die Chaostheorie .Fragen hinsichtlich der Grenzen der Objektivität aufwirft. Anthropologe am Institute for Advanced Study in Princeton. dann die Erde. als man es hätte erwarten sollen. hat ihn »IchZeuge-Sein« (»I-witnessing«) genannt.2 Indem Ich-Zeugen ihre subjektiven Vorlieben offenbaren und dadurch implizit zu verstehen geben. Clifford Geertz.EINLEITUNG »ICH-ZEUGE« Die Naturwissenschaften entwickelten sich in genau umgekehrter Reihenfolge. daß der Leser . intellektuellen und emotionalen Präferenzen offenlegen.11 I . weil sein Gegenstand . wenn nicht unlauter ist. der uns am fernsten lag. die ihre Beobachtungen verzerren könnten. als ich bereits zehn Jahre .oder auch für Wissenschaftsjournalisten. m Verlauf der letzten Jahrzehnte haben Anthropologen eine Dokumentationsmethode entwickelt. Anfang der neunziger Jahre. alles Näherliegende: zuerst der Himmel. sondern geradezu angefacht wird. bei der sie die kulturellen. Allerdings führt dies häufig dazu. dieses Buch mit einem Ich-Zeugnis zu beginnen.gelangweilt ist und vor allem. Bekenntnisse sind für Wissenschaftler genauso gefährlich wie für Politiker und Liebende . wurde als erstes der Herrschaft des Gesetzes unterworfen. dann. daß sein Argwohn hinsichtlich der Absichten des Erzählers nicht zerstreut. Der Bereich. Dennoch fühle ich mich genötigt.der sich vermutlich mehr für das Sexualleben der Fidschianer als für das Heimweh des Harvard-Doktoranden interessiert . der zu den Begründern dieses Ansatzes gehörte. dann das Tier. hoffen sie.

die zusammen sämtliche Kräfte und Teilchen der Natur beschreiben. All die Wissenschaftsgebiete.12 .echten oder vermeintlichen . Ich behauptete.entweder weil die Hauptprobleme bereits gelöst wurden und keine fundamentalen Fragen mehr geblieben sind oder weil die Probleme allen Angriffen widerstanden haben -. Diese Konzentration führt jedoch zu einer Überzeichnung der Leistungsfähigkeit und der positiven Ergebnisse in den Wissenschaften. hinausgelangen. dauerhaften Wahrheiten hervorbringen. weil alle Theorien nur vorläufig gültig seien und sich ständig wandelten.Fortschritte gemacht werden. das 1997 erschien. diese Disziplinen würden zu Opfern ihrer phänomenalen Erfolge. Aus verständlichen Gründen konzentrieren sich sowohl Forscher als auch Journalisten auf die Grenzgebiete der wissenschaftlichen Forschung. In meinen Beiträgen für den Scientific American (dt. die Kosmologen würden nie mehr etwas so Tiefsinniges zustande bringen wie das vereinheitli. Dort untersuchte ich die Kerngebiete der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. in denen nur langsame oder gar keine Fortschritte gemacht werden . Mein Interesse an den Grenzen der Wissenschaft gipfelte in dem Buch An den Grenzen des Wissens. Paradoxerweise bestätigt sie auch die postmoderne Kritik. Kosmologie und Evolutionsbiologie. Die Physiker würden niemals über die allgemeingültigen Theorien der Quantenmechanik und die Relativitätstheorie. befaßte ich mich immer weniger mit den Errungenschaften der Wissenschaft und zunehmend mit ihren Beschränkungen.lang als Wissenschaftsjournalist arbeitete. werden übersehen. wie etwa Elementarteilchenphysik. in der die meisten Naturwissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten einschließlich meiner selbst die Wissenschaft präsentierten. störte mich die Art und Weise zunehmend. Spektrum der Wissenschaft). auf denen die meisten . meinen ehemaligen Arbeitgeber. die Wissenschaft könne keine absoluten.

gelegentlich aber auch mit »Psyche« und »Gehirn«. sind womöglich von dessen schierer Komplexität überfordert. in den siebziger Jahren von der Molekularbiologie auf dieses Fachgebiet umzusatteln.Ü. jemals die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-basierte Genetik zu übertreffen. meine Analyse der Hirnforschung fanden sie indes – gelinde gesagt – nicht überzeugend. * Der englische Begriff mind wird im folgenden meist mit »Geist« wiedergegeben.5 Als ich ihm bei einer Wissenschaftskonferenz in London im Jahr 1997 vorgestellt wurde. Dies veranlaßte ihn sogar dazu. die Elementarteilchenphysik. fühlte sich durch meine Darstellung der Neurowissenschaft persönlich angegriffen.chende Modell der Urknalltheorie. und später fungierte er als Leiter der Abteilung Neurobiologie der National Academy of Sciences.3 In seinen zukunftsweisenden Büchern The Coming of the Golden Age und Paradoxes of Progress behauptete Stent. ein Opfer sowohl ihres Erfolgs als auch ihrer Grenzen zu werden. Doch Stent schätzte die Fähigkeit der Neurowissenschaft. (A.13 . die Naturwissenschaft sei dazu verdammt. daß »das Gehirn letzten Endes nicht in der Lage sein wird. In den Kapiteln »Das Ende der Sozialwissenschaften« und »Das Ende der Neurowissenschaften« erörterte ich eine andere These: Wissenschaftler. Stent erkannte die Bedeutung der Neurowissenschaft. eine Erklärung von sich selbst zu liefern. die das menschliche Bewußtsein erklären wollen. Bewußtsein und andere ungelöste Fragen des menschlichen Geistes* zu erklären. die Kosmologie und die Evolutionsbiologie hätten möglicherweise in der Tat ihren Zenit überschritten. eine Säule der britischen Biologie.d.) .«4 Einige Kritiker meines Buchs An den Grenzen des Wissens räumten zwar ein. Lewis Wolpert. Hierbei wie bei anderen Überlegungen ließ ich mich von Günther Stent von der Universität von Kalifornien in Berkeley anregen. Er vermutete. die Biologen könnten nicht hoffen. pessimistisch ein. geriet er so in Rage.

Tatsächlich war ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt. einen ausgebildeten Immunologen. wie Gerald Edelman. das die größte philosophische Tragweite hat. daß sein Einwand gegen mein Buch nicht völlig unberechtigt sei. Wenn wir unser Gespräch hätten fortsetzen können. Es befasse sich nicht überwiegend mit Neurowissenschaftlern. An den Grenzen des Wissens konzentrierte sich in erster Linie auf Versuche. Bewußtsein ist wohl das Problem des Geistes. konkreteren Fragestellungen: Was geschieht im Gehirn. Willensentschlüsse fassen oder handeln? Weshalb leiden so viele Menschen an psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie ? Wie wirksam sind die Medikamente. wo sie doch offenkundig gerade erst beginne? Wolpert stolzierte davon. das unmittelbarste und unbestimmteste aller mentalen Phänomene. daß meine Behandlung der Wissenschaft vom menschlichen Geist in Anbetracht der enormen Breite und Bedeutung des Themas unzureichend war. lernen. die erst spät auf dieses Gebiet umgesattelt hätten. er würde gleich auf mich einprügeln.daß ich für einen spannungsgeladenen Augenblick fürchtete. die ihr Metier von der Pike auf gelernt hätten.14 . Emotionen empfinden. hören. das Kapitel über Neurowissenschaft in An den Grenzen des Wissens sei »entsetzlich! absolut entsetzlich!«. zu erklären. bevor ich antworten konnte. nämlich das Bewußtsein. hätte ich versucht. aber es ist auch das am schwersten zu packende Problem. sondern mit Wissenschaftlern. der gelernter Physiker sei! Und wie könne ich überhaupt schreiben. Mit knallrotem Gesicht fauchte er. und Francis Crick. Die meisten Hirnforscher beschäftigen sich mit anderen. die Neurowissenschaft gehe ihrem Ende zu. logisch denken. wenn wir sehen. Psychotherapien und andere Heilverfahren. ihn mit der Bemerkung zu besänftigen. die zur Behandlung dieser verheerenden Leiden eingesetzt werden? Auf welche Weise wird die Persönlichkeit des einzelnen durch das Zusammenwirken von Erbanlage und Umwelt geformt ? Wel.

für das gesamte Universum gelten. die Wissenschaft habe ihren Zenit überschritten. gibt es kein Thema. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. nicht die Struktur des Kosmos..che Rolle spielt die natürliche Selektion bei der Prägung unseres Gehirns und unserer Psyche? In welchem Ausmaß werden wir durch unser biologisches Erbe bestimmt? Lassen sich die Funktionen des menschlichen Geistes durch einen Computer kopieren? Mein Argument. Die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie sind die fundamentalsten Theorien. Andererseits sind diese Disziplinen. unseren Geist und unser Verhalten zu verstehen. das uns mehr interessierte als wir selbst.. für die meisten von uns bedeutungsvoller als Physik oder Kosmologie. der erst seit ein paar hunderttausend Jahren auf der Erde lebt. weil sie . Psychiatrie und Verhaltensgenetik befassen sich dagegen mit einem einzigen Organismus. Innerhalb der Biologie sind die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-gestützte Genetik die fundamentalsten Theorien. abwertet und Physik und Kosmologie überbewertet. Wie schrieb doch der Arzt Sherwin Nuland in seiner Betrachtung über die Sterblichkeit Wie wir sterben: »Mir ist der Mikrokosmos wichtiger als der Makrokosmos. die ich von den Elementarteilchenphysikern Steven Weinberg und Murray Gell-Mann übernommen habe. weil sie. mich interessiert das Leben eines Menschen mehr als das Verlöschen eines Sterns oder das Vorüberziehen eines Kometen. [. basierte auch auf einer Definition der Wissenschaft. die jemals auf der Erde gelebt haben. Gebiete wie Psychologie. ist die Conditio humana. lassen sich wissenschaftliche Theorien nach dem Umfang ihres Gültigkeitsbereichs in Raum und Zeit in eine Rangfolge einordnen.«6 So narzißtisch. wie wir nun einmal sind. soweit wir wissen.] Was mich fasziniert. die uns helfen.15 . .wiederum soweit wir wissen . die implizit Gebiete.für alle Organismen gelten. Nach dieser Definition.

Verbrechen.2 Milliarden Menschen an neuropsychiatrischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. den Lauf der Geschichte zu verändern. Krieg. Wir werden vielleicht genug über unsere Natur wissen. Psychologen. deren Theologien ebenfalls implizite Theorien über die menschliche Natur enthalten -. Buddha und Mohammed. die von Karl Marx und Sigmund Freud ins Leben gerufen wurden . Auch in einem streng praktischen Sinne besitzt die Erforschung des Homo sapiens von allen wissenschaftlichen Unternehmungen die größte Tragweite. werden wir eines Tages vielleicht in einer Kultur leben. die von wahren Theorien der menschlichen Natur geprägt sein wird. Selbst pseudowissenschaftliche Erklärungen der menschlichen Natur haben die Macht. Laut Auskunft der Weltgesundheitsorganisation leiden über 1. Wir werden vielleicht über . Wenn Neurowissenschaftler.Die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ist jedoch nicht nur bedeutungsvoll. Auch die Lösungen für diese Probleme werden vielleicht aus dem menschlichen Geist hervorgehen.7 Die neuropsychiatrischen Erkrankungen verursachen allein in den Vereinigten Staaten jährliche Kosten von über dreihundert Milliarden Dollar. weil sie zu jedermanns Zufriedenheit gelöst sein werden. ja praktisch alle gesellschaftlichen Übel haben ihren Ursprung zumindest teilweise in unserem Gehirn. Umweltverschmutzung. Armut. haben dies gezeigt. Das gleiche gilt für Depression. Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und andere Erforscher der Psyche ihre Träume verwirklichen.8 das sind mehr als die geschätzten Ausgaben für Krebsund Herzerkrankungen sowie AIDS zusammengenommen. Schizophrenie und Alkoholismus.16 . Rassismus. um ein politisches System zu konzipieren. das Elend minimiert und Glück maximiert.oder auch von Jesus. Die Bewegungen. Wir werden uns nicht länger an der Anlage-Umwelt-Kontroverse oder dem Geist-Körper-Problem aufreiben. Angststörungen.

Das Buch sollte sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Ansätzen zur Erklärung der Eigenschaften des Geistes einschließlich des Bewußtseins befassen. Wir werden vielleicht zu Robotern werden. (Ein unverkennbares Beispiel für ironische Wissen. Die ironische Wissenschaft stellt keine präzisen Tatsachenbehauptungen über die Welt auf. die empirisch bestätigt oder widerlegt werden können. die Psyche von Personen. Sie ist daher näher mit der Philosophie und der Literaturtheorie oder gar der Literatur verwandt als mit der echten Naturwissenschaft. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data aus der Serie Star Trek sind. wie etwa der Physik.Medikamente verfügen. ein weiteres Buch zu schreiben. taucht sie plötzlich auf. über Gentherapien. medikamentös zu behandeln und die Eigenschaften des Gehirns in Maschinen zu kopieren. Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist In An den Grenzen des Wissens prägte ich den Ausdruck »ironische Wissenschaft« für eine Wissenschaft. die an seelischen Störungen leiden. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data sind. als ich dies in An den Grenzen des Wissens getan hatte.17 . der Astronomie und der Chemie. das die wissenschaftliche Erforschung des Geistes sehr viel eingehender untersuchen sollte. die Hoffnungslosigkeit vertreiben und das Erinnerungsvermögen verbessern. die manisch-depressive Erkrankungen heilen und die Intelligenz optimieren. Aus all diesen Gründen beschloß ich. Wir werden vielleicht von Robotern bedient werden. die die Wirklichkeit niemals richtig durch Erkenntnis erfaßt und sich folglich nicht der Wahrheit annähert. es sollte auch Versuche. einer kritischen Würdigung unterziehen. In den sogenannten exakten Wissenschaften.

9 Doch die Unterschiede zwischen beispielsweise zwei Bakterien der Art Escherichia coli oder zwei Blattschneiderameisen sind belanglos im Vergleich zu den Unterschieden zwischen zwei beliebigen Menschen. Antibiotika. sich scheiden läßt. Die Erforschung des Gehirns hat bislang auch nicht jene Arten von praktischen Nutzanwendungen hervorgebracht. Die Variabilität und die Formbarkeit des Gehirns erschweren die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien der menschlichen Natur enorm. IQ-Tests und Schachcomputer. Die wissenschaftliche Erkundung des menschlichen Geistes stellt Forscher. Fluctin. sich verliebt. anders als etwa Elektronen und Neutronen. Biologen können mit Impfstoffen. vor eine Herausforderung ganz eigener Art.18 . dauerhaften Wahrheiten suchen. Elektroschocktherapie. eine jungianische Traumtherapie absolviert oder einen Schlaganfall erleidet. daß kein Zweig der Biologie es mit der Genauigkeit und Allgemeingültigkeit der Physik aufnehmen könne.) Doch sie dominiert vor allem in den Gebieten. Die Nebenprodukte der wissenschaftlichen Erforschung des Gehirns nehmen sich dagegen viel bescheidener aus: kognitive Verhaltenstherapie. . Und auch jedes einzelne Gehirn macht möglicherweise drastische Veränderungen durch. welche die Existenz weiterer Welten neben dem bekannten Universum postuliert.schaft ist eine Theorie. Also sprach Zarathustra liest. Düsenflugzeugen. je nachdem. ob sein Besitzer verprügelt wird. weil sämtliche Lebewesen. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. der Klonierung und anderen Wundern auftrumpfen. Der Evolutionsbiologe Ernst Mayr von der Harvard-Universität hat darauf hingewiesen. seien sie auch genetisch identisch. einzigartig seien. Physiker können mit Lasern. vermeintliche genetische Marker für Homosexualität. LSD nimmt. Transistoren. die nach exakten. Radar. die zweifelsfrei für ein bestimmtes Paradigma sprächen. Atombomben prahlen. das Alphabet lernt.

es ist die richtige Sichtweise. sie kommen nur in und aus der Mode.. erkannten die Astronomen. Gaswolken in unserer Galaxie. sondern alle zehn Jahre. sie änderten sich im monatlichen Abstand. Die von ihren anstößigen politischen Implikationen (weitgehend) gereinigte Eugenik schlüpft ins Gewand der Verhaltensgenetik.«11 Theorien der menschlichen Natur sterben niemals völlig aus. die als Nebel bezeichnet wurden. zu welchem Zweck sie gewinnen soll -. Im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert glaubten die Astronomen. Als sich dann das Auflösungsvermögen der Teleskope verbesserte. seien.10 Kuhns These trifft auf bestimmte wissenschaftliche Fachgebiete wie etwa die Astronomie einfach nicht zu.. der Milchstraße. völlig neue Herangehensweisen an die Welt der Dinge. entstehen nicht alle hundert. sich in grundverschiedene Richtungen entwickelt hat. Auch ältere Behandlungstechniken bestehen fort. moderne wissenschaftliche Theorien seien nicht wahrer als die Theorien. daß die Lichtflekken im Himmel. die in den letzten Jahrzehnten weitgehend durch Fluctin . Oftmals werden alte Ideen einfach in schmackhafteren Formen neu verpackt. manchmal hat man fast den Eindruck. Schockbehandlungen und Lobotomien. daß jeder Nebel eine eigene Galaxie ist. ja. daß die Psychologie »durch grundverschiedene Vorstellungen dessen. über welche Wirklichkeit.] Paradigmen. sondern bloß anders. Das ist nicht bloß eine andere Sichtweise. ›worum‹ es ihr geht . Die Soziobiologie wandelt sich zur Evolutionspsychologie. Die Phrenologie wird als Modularitätstheorie der kognitiven Psychologie wiedergeboren. Clifford Geertz wies unlängst darauf hin.welche Erkenntnisse. die weit jenseits der Grenzen der Milchstraße liegt.Der Philosoph Thomas Kuhn behauptete. Doch Kuhns Modell des wissenschaftlichen Nicht-Fortschritts paßt recht gut auf die wissenschaftliche Erforschung des Gehirns. [.19 . die sie abgelöst hätten.

der Stoff. dennoch intuitiv plausibel erscheinen. KI-Forscher und andere. auf der Lehre Freuds basiert. die es vermeintlich besser wissen sollten . die Sigmund Freud vor einhundert Jahren erfand. Doch die Physiker erörtern heute die Phlogiston-Hypothese deshalb nicht mehr. eine zweifelsfrei überlegene Erklärung für die Psyche und ihre Störungen zu liefern. indem sie Freud als Sektenführer anprangern. Weshalb ist die Psychoanalyse noch immer so einflußreich? Freud-Gegner beantworten diese Frage. er würde bei allen Verbrennungsvorgängen freigesetzt. doch beide übersehen auch den entscheidenden Faktor.20 . ist die Psychoanalyse. Obgleich das Ansehen der Psychoanalyse in den letzten Jahrzehnten gesunken ist. obgleich empirisch nur schwer zu überprüfen. die. von dem die Physiker im achtzehnten Jahrhundert glaubten.und Lithium verdrängt worden waren. dessen Erkenntnisse über die Psyche. FreudAnhänger huldigen ihm als Genie. die Psychoanalyse stehe wissenschaftlich auf ebenso tönernen Füßen wie das Phlogiston. weil sie dank der Entdeckung des Sauerstoffs und weiterer Fortschritte in der Chemie und der Thermodynamik als gänzlich überholt gilt. machen nach wie vor Millionen von Menschen eine Psychotherapie. Ein Paradigma. doch das gleiche gilt für die Verfechter modernerer Paradigmen. . werden bei schweren Psychosen noch immer verordnet. sondern auch Neurowissenschaftler.ihre Bewunderung für die Psychoanalyse zum Ausdruck. Die Freudianer können keine eindeutigen Beweise für die Überlegenheit ihres Paradigmas vorlegen. das ein unglaubliches Beharrungsvermögen bewiesen hat.darunter nicht nur französische Philosophen. Die Antifreudianer behaupten in der Tat. der dem Überdauern der Psychoanalyse zugrunde liegt: die Unfähigkeit der Wissenschaft. der sich auf nichts so gut verstanden habe wie auf die Werbung in eigener Sache. Beide Auffassungen sind vertretbar. zumindest indirekt. Zudem brachten viele Intellektuelle .

als wenn sie die Paradigmen anderer heruntermachen. ein Anhänger der Elektroschocktherapie stellt die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin heraus. Einige Leser mögen es unfair und widersprüchlich finden. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. der Genetik. wenn sie das von ihnen bevorzugte Paradigma anpreisen. sondern einfach anders. unterscheidet diese Wissenschaften von anderen. Doch bei Theorien über die menschliche Natur sollten die umgekehrten Beweisanforderungen gelten als vor Gericht.21 . häufig mit weniger Ernsthaftigkeit und Begeisterung bei der Sache. Selbst unter Forschern. um die Evolutionspsychologie in Frage zu stellen.angesehen werden. gegensätzliche Standpunkte zu vertreten. die sich für ein und dasselbe Paradigma einsetzen.das heißt falsch oder zweifelhaft . Theorien sollten so lange als schuldig . der Neurowissenschaft und den angrenzenden Gebieten kein so allgemeingültiges Paradigma hervorgebracht. Um mit Thomas Kuhn zu sprechen: Diese Alternativen sind nicht wahrer oder besser. Die Forscher sind. Doch die Zerstrittenheit unter den Wissenschaftlern.Dagegen haben hundertjährige Forschungsanstrengungen in der Psychiatrie. So verhöhnt ein Neurowissenschaftler die Evolutionspsychologie als ein Sammelsurium von kasuistischen Fallgeschichten. dann gilt dies auch für ihre selbsternannten Nachfolgerinnen. ist in der Wissenschaft genauso unentbehrlich wie in der Rechtsprechung. Wenn die Psychoanalyse dem Phlogiston entspricht. Die Freiheit. kann das Kreuzfeuer tödlich sein. Ich habe diesen internen Konflikt für meine Zwecke ausgeschlachtet. ein Verhaltensgenetiker verspottet die Roboterphantasien von Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. bis ihre Richtigkeit über jeden . daß ich beispielsweise die Verhaltensgenetik in einem Kapitel kritisiere und mich dann im nächsten Kapitel auf sie berufe. daß Freud ein für allemal erledigt wäre. wie die Antifreudianer behaupten.

daß sie »noch am Anfang stehe«. die durch Hirnschäden verursacht werden. Und Freud begann wenig später mit der Darlegung seiner psychoanalytischen Theorie. indem sie eine entgegengesetzte Hypothese aufstellen. daß Nerven elektrische Ströme aussenden und darauf ansprechen.22 . Zudem ist die Tatsache. die ebenso zweifelhaft sein mag. Wissenschaftler verteidigen die Neurowissenschaft und verwandte Gebiete vielfach mit der Bemerkung. nachdem er bereits eine solide Monographie über Sprachstörungen. die Vorläuferin der Modularitätstheorie des Geistes. Grund für Skepsis gegenüber allen Paradigmen. Im fünften Jahrhundert vor Christus stellte Hippokrates die Hypothese auf. Ramon y Cajal und andere Aufbau und Funktion der Nervenzellen. das Gehirn sei beim Menschen Sitz der Wahrnehmung und des Denkens.berechtigten Zweifel hinaus erwiesen ist. die heute von Kognitionswissenschaftlern und anderen gepriesen wird. Wolpert räumte dies in seinem 1993 erschienenen Buch The Unnatural Nature of . Deshalb sollte es Kritikern erlaubt sein. Tatsächlich hat die Neurowissenschaft eine Geschichte. eine Theorie in Zweifel zu ziehen. die mit der anderer wissenschaftlicher Disziplinen vergleichbar ist. Die Behauptung. wie etwa mein britischer Gegner Lewis Wolpert. daß sachkundige Wissenschaftler so unterschiedliche. geschrieben hatte.12 und Galen bestätigte diese Annahme sechs Jahrhunderte später. fußt nicht auf dem tatsächlichen Alter der Disziplin. das AnlageUmwelt-Problem durch Untersuchung eineiiger Zwillinge zu lösen. Francis Galton versuchte im neunzehnten Jahrhundert. die Neurowissenschaft »stehe an ihrem Anfang«. William James schrieb 1890 die Principles of Psychology. Unterdessen enträtselten Camillo Golgi. sich widersprechende Paradigmen vertreten. Etwa zur selben Zeit erfand Franz Joseph Gall die Phrenologie. sondern auf ihrer Produktivität. Luigi Galvani zeigte im späten achtzehnten Jahrhundert.

die sie bislang erzielt hat. wie weit es die Wissenschaft vom menschlichen Geist. Die Frage ist. Den Wissenschaftlern wird .das heißt der Ebene der Hirnfunktion oder der Neurophysiologie durchzuführen. die sich mit der Erforschung der Psyche befassen. Anders gesagt. das bisherige Ausbleiben von Fortschritten bei der Erforschung des Geistes bedeute. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. möglicherweise an fundamentale wissenschaftliche Grenzen stoßen. Er schrieb.« Dennoch lehnte Wolpert die pessimistische Auffassung entschieden ab. Wie die meisten anderen Wissenschaftler ist Wolpert ein Optimist. der Mißerfolg in der Vergangenheit läßt auf künftige Erfolge schließen. Dies ist allerdings weniger ein Argument als eine Glaubensaussage. ein Experiment auf einer niedrigen Organisationsebene .«13 Ich stimme mit Wolpert überein. und folglich. was wir nicht wissen. was den gegenwärtigen »primitiven« Zustand der Neurowissenschaft und anderer Disziplinen.23 . was die Zukunft bringen wird. daß um so wichtigere Entdeckungen vor uns lägen. daß »menschliches Verhalten und Denken niemals jener Art von Erklärungen zugänglich sein werden. Im Grunde genommen behauptet er.Science auch ein. in Zukunft bringen wird. das die psychoanalytische Theorie widerlegen würde. anbelangt. daß Neurowissenschaft. Psychiatrie und andere Fachgebiete. Er behauptete: »Wir wissen einfach nicht. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes befinde sich im Vergleich zu ausgereiften wissenschaftlichen Disziplinen wie der Kernphysik und der Molekularbiologie noch immer in einem »primitiven« Zustand. die Grundkonzepte der Psychoanalyse zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen: »Es ist gegenwärtig unmöglich. Psychologie. die in den physikalischen und biologischen Wissenschaften so erfolgreich sind«. angesichts der geringen Fortschritte. In Anbetracht ihrer dürftigen Erfolgsbilanz bis heute fürchte ich. Als Beleg führte er die Unfähigkeit der Neurowissenschaftler an.

Obgleich der Agent nicht überzeugt zu sein schien. Doch ich empfand ein starkes Bedürfnis. bat ich einen auf Naturwissenschaft spezialisierten Verlagsagenten. die einer Elektroschocktherapie unterzogen wurden. bohrte er nicht weiter. durchgegangen war. Womöglich wird der menschliche Geist bis zu einem gewissen Grad immer ein Rätsel bleiben. Zu Beginn meiner Recherchen beobachtete ich am New York State Psychiatrie Institute Patienten. Was sagen Sie den Lesern am Ende Ihres Buches. Als ein Techniker die . änderte sich meine pessimistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage der wissenschaftlichen Erforschung des Geistes nicht. die ich kritisieren wollte. meine kritische Einstellung zu begründen und etwas Positives zu finden.es vielleicht niemals endgültig gelingen. Als ich mich dann an die Arbeit machte. ich verstehe«. damit sie das Buch nach Lektüre nicht in gedrückter Stimmung weglegen?« Auf diese Frage war ich nicht gefaßt. mir zu sagen. Im Gegenteil. was er von der Idee halte. sagte ich und faselte etwas von der Befriedigung. sie auf Rechnern zu simulieren oder zu erklären. die Psyche zu heilen. Sie lag auf einer Untersuchungsliege und wartete auf ihre Behandlung. Wo bleibt das Positive? Bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches begann. sagte er. während ich ein paar Schritte von ihr weg stand und Notizen auf einen Block mit gelbem Papier kritzelte. nachdem ich alle Disziplinen. die dem Streben nach Wahrheit als solchem innewohne. Aber welchen hoffnungsvollen Ausblick setzen Sie dem entgegen?« . zierliche Frau mit kurzem braunem Haar.»Hoffnungsvoll?« fragte ich zurück. »Ich bringe nichts Optimistisches«. »Sie legen uns all die negativen Punkte auseinander. die positive Botschaft. »Ja.24 . »Ja. Eine der Patientinnen war eine schlanke.

wie ich leide ? Ähnliche Gedanken überkamen mich. Ob ich der Ansicht sei. drehte sie plötzlich den Kopf und starrte mich unvermittelt an. daß er an Selbstmord dachte. das ich erörtern wollte. worauf ich eigentlich hinauswolle. erschrocken und zornig zu sein. die Depression zu überwinden. um mit dem Verlagsagenten zu reden: Was war das Positive daran? .25 . und was steht er da herum und gafft. meine geplante Kritik an Medikamenten wie Fluctin als Beispiel wählte. hinterfragte. meine Sichtweise der Erforschung des menschlichen Geistes war richtig. was versprach ich mir davon. wobei ich. Sie schien gleichzeitig verwirrt. was ich mache. was ich mir davon verspräche. als ich in einem Vortrag an einer kalifornischen Universität einige Themen dieses Buches angeschnitten hatte. Vor ein paar Jahren war Harry einer so tiefen Depression verfallen. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. oder.Schläfen der Frau mit elektrisch leitendem Gel einrieb. ein Medikament anzuprangern. den ich Harry nennen will. das ihm und vielen anderen das Leben gerettet habe? Eine weitere Unsicherheit kam auf.14 Während der anschließenden Diskussion fragte mich ein Genetiker empört. um so verlegener blickte Harry drein. daß ich zunehmend meine persönliche Einstellung zu dem Thema. warum. Fluctin hatte ihm geholfen. Weshalb war ich so negativ eingestellt? Was war mein Motiv? Wollte ich im Grunde genommen. er und seine Kollegen sollten einfach mit ihrer Arbeit aufhören? Solle der US-Kongreß seine finanzielle Förderung einstellen? Diese Begegnungen führten dazu. Er fragte. daß diese Forschungen scheitern? Angenommen. Ohne das Medikament wäre er möglicherweise tot. und er sagte mir schließlich. und ich erzählte ihm von meinem Buchprojekt. Er fragte mich freundlich. als dächte sie: Wer zum Teufel ist der da. sie öffentlich kundzutun ? Wozu sollte es gut sein. als ich auf einer Party zufällig einem Bekannten aus Kindertagen begegnete. Je länger ich sprach. wie ich es häufig gegenüber Laien tat.

aber er hat auch Unwissenheit und Intoleranz gefördert. wenn ein Journalist bewußt die Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens übertriebe. Religiöser Glaube ist wohl die erfolgreichste psychologische Therapie. daß Kritik an Fluctin. Dann könnten Journalisten genausogut die Heilkräfte von Blutegeln. Es macht mich betroffen. Der Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse muß den Nutzen des Glaubens übertreffen. Weshalb sollte man andernfalls überhaupt Wissenschaft betreiben? Eindringliche Hinweise auf die Grenzen von Neurowissenschaft. Doch zweifellos wäre es unverantwortlich. Tatsachen zu ignorieren oder falsch darzustellen. und Politiker abschrecken. Gerade weil diese Forschungen so wichtig sind.26 . daß ich eine Unausgewogenheit beheben möchte: Die meisten Bücher zum Thema menschlicher . Kristallen oder der Homöopathie anpreisen. Meine Kritik mag sich manchmal schroff anhören. Der Glaube ist nicht allmächtig und auch nicht immer nützlich. diese Art von Forschung fortzusetzen. Ich möchte in diesem Buch konstruktive Kritik an den Disziplinen üben. Fördermittel für weitere Studien zu bewilligen.Ich befasse mich zunächst mit dem Einwand meines Bekannten aus Kindertagen. bedürfen sie einer sorgfältigen Überprüfung. an der Psychotherapie und an anderen Behandlungsverfahren möglicherweise den Glauben daran untergräbt und so deren Wirksamkeit bei Menschen wie Harry beeinträchtigt. nur damit irgend jemand eventuell größeren Nutzen daraus zöge. Doch diese Möglichkeiten rechtfertigen nicht. daß der Glaube an eine bestimmte Therapie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann. die je erfunden wurde. Harry. schließlich hat die Wissenschaft gezeigt. Das liegt daran. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. Verhaltensgenetik und verwandten Disziplinen könnten vermutlich auch Wissenschaftler davon abhalten. mit der vielleicht wichtigsten wissenschaftlichen Fragestellung überhaupt. ja sogar grausam.

entziehen sich möglicherweise dem wissenschaftlichen Zugriff. In der Vergangenheit brachte die Überbewertung der Macht von Wissenschaft und Vernunft pseudowissenschaftliche Ideologien hervor wie den Sozialdarwinismus. doch ich sehe zu viele gegenteilige Anzeichen.mittlerweile gelernt haben. daß Wissenschaftler . daß diese Prognose zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. wonach wir Menschen nur ein Haufen Neurone oder nur Vehikel für die Fortpflanzung von Genen oder nur Maschinen sind. die Eugenik und den totalitären Kommunismus. Ich bin beunruhigt über die Ausbreitung der erinnerungsaufdeckenden Therapie. mit denen sich die Forscher herumschlagen.und andere Menschen . Evolutionspsychologie. in einem allzu verklärenden Ton geschrieben. die Wissenschaftler brauchen. Psychiatrie. gleich ob sie von Forschern oder Journalisten stammen. Sie haben uns wichtige Erkenntnisse über unser Wesen verschafft. können sie auch in Schwierigkeiten bringen. um ihre Suche durchzuhalten. die menschliche Natur zu verstehen. Zudem werden die Wissenschaftler vielleicht eines Tages wirklich damit anfangen. Jede dieser Disziplinen kann zumindest als ein Gegengewicht zu den anderen dienen und sorgt dafür. keiner Theorie zuviel Glauben zu schenken. sie zu verbessern. das Weiterbestehen rassistischer Intelligenztheorien. Einige Probleme. Künstliche Intelligenz und sogar die Psychoanalyse keineswegs wertlos. Ich würde gern glauben. die immer weiter um sich greifende Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka. die Veröffentlichung karikaturistischer Darstellungen der männlichen und weiblichen Sexualität. wenn auch problematische und widersprüchliche. Subtilere Schäden können die Behauptungen prominenter Forscher anrichten. Doch der feste innere Glaube und die Zuversicht. Verhaltensgenetik. Solcher .Geist sind. und Methoden finden. doch ich möchte keinesfalls. Trotz ihrer Fehltritte und Grenzen sind Neurowissenschaft. Psychologie.27 . daß keine zu mächtig wird.

sondern dauerhaft und absolut. sind nicht vorläufig. wir könnten nicht beweisen. Der Philosoph Karl Popper verkörperte diese Einstellung.gemischt mit dem richtigen Maß an Hoffnung . Alle unsere Erkenntnisse seien nur vorläufig gültig. wenn man es auf die gesamte Wissenschaft beziehe. Er behauptete.28 . sondern die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt bestreitet.kann uns vor unserer Gier nach Antworten schützen und uns gleichzeitig so aufgeschlossen sein lassen. sehr plausibel. wie etwa die Tatsache. Ich ziehe den Begriff optimistischer Skeptizismus vor. daß die Erde rund und nicht flach ist. zur Freude des wissenschaftsliebenden Popper. bezogen auf die Erforschung des menschlichen Geistes.15 Ein Großteil der Erkenntnisse. der Astronomie und der Biologie gewonnen haben. zu einem endlosen Unternehmen. zu einer radikalen postmodernen Anschauung. das Poppersche Modell lasse sich nicht aufrechterhalten. In bezug auf die menschliche Natur kann unsere Gier nach absoluten Wahrheiten. Der Schlüssel liegt darin. wenn sie . Zuviel Skepsis kann zum Solipsismus führen. der wissenschaftlich so schwer zu bezwingen ist. So wird die Wissenschaft. die wir in der Physik. wir könnten Theorien lediglich widerlegen beziehungsweise falsifizieren.Reduktionismus erweist sowohl der Menschheit als auch der Wissenschaft einen schlechten Dienst. den Ergebnissen der Wissenschaft skeptisch gegenüberzustehen und gleichzeitig die Wissenschaft als solche zu fördern. Die Poppersche Philosophie ist allerdings. In An den Grenzen des Wissens behauptete ich. daß wir echte Wahrheiten erkennen. die nicht nur die Möglichkeit vollkommener menschlicher Selbsterkenntnis. Zuwenig Skepsis läßt uns wissenschaftlichen Quacksalbern auf den Leim gehen. Popper nannte seine Philosophie kritischen Rationalismus. Nur das richtige Maß an Skepsis . nach vereinheitlichten Theorien und nach Allheilmitteln gefährliche Konsequenzen haben. daß unsere Theorien wahr seien.

unerforschte Grenzgebiet der Wissenschaft. zu therapieren und zu simulieren. Doch selbst wenn der Geist weiterhin den Bemühungen von Wissenschaftlern. dieses Streben finanziell zu unterstützen. ihn zu erklären. Das ist ein positiver Aspekt. sie zu verfolgen.selbst wenn er ein Rätsel bleiben sollte -. wird es den Leser dazu bringen. Die Tatsache. Falls dieses Buch auch nur annähernd sein Ziel erreicht. Könnten wir anders? Die Innenwelt ist vielleicht das letzte . Solange wir uns selbst ein Rätsel bleiben. widersteht .29 . die wissenschaftliche Erforschung des Geistes mit optimistischem Skeptizismus zu betrachten. daß die Wissenschaft vom menschlichen Geist vielleicht nie zu einem Ende kommen wird.auftauchen. gibt es einen weiteren positiven Aspekt. daß die Wissenschaftler zweifellos niemals aufhören werden. noch werden Regierungen. wenn dieses Streben nach Erkenntnis enden sollte. Unternehmen und Philanthropen jemals aufhören. Die Wissenschaft hat der Menschheit eine gewaltige. werden wir weiterhin mit den Instrumenten der Wissenschaft unseren Geist analysieren und ihm auf den Grund gehen. . bedeutet paradoxerweise. solange wir leiden. Die Ziele der Erforschung des Geistes sind so verlockend. solange wir nicht in eine utopische Apathie verfallen. werden wir etwas Wertvolles verlieren.ewig . edle Aufgabe gegeben. daß diese Ziele möglicherweise nie ganz erreicht werden.

wenn ich sie nachlasse und anziehe. ad absurdum. ähnlich Mesmers »animali1 schem Magnetismus«. sein Verhalten lasse sich rein physisch erklären. die sich im Gefängnis versammelt hatten. deshalb es auch mir besser geschienen hat. Sokrates erklärte seinen Freunden. ganz vernachlässigend. weil es den Athenern besser gefallen hat. Jemand.30 . der dies glaube. sage im Grunde folgendes über ihn aus: Da nun die Knochen in ihren Gelenken schweben. und gerechter. Ebenso. In Our Time Im Phaidon beschrieb Platon die letzten Stunden des Sokrates.. und sie projizieren ihre Dias und betrachten Freuds theoretische Konstrukte. so bewirkten die Sehnen.] Heute sind die neuen Gelehrten eifrig dabei.. Im Verlauf seiner Rede führt Sokrates die Vorstellung. mich zu verdammen. als kuriose Scharlatanerien der Vergangenheit. der von der Athener Regierung ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt worden war. die Strafe geduldig auszustehen. die Töne nämlich und die Luft und das Gehör und tausenderlei dergleichen herbeibringen.1. das Gehirn von allen Seiten zu sondieren und in hauchdünne Scheibchen zu zerlegen. daß nämlich. [. und aus diesem Grund säße ich jetzt hier mit gebogenen Knien. seine »Libido«. seinen »Ödipuskomplex« und alles weitere. daß ich jetzt imstande sei. hier sitzenzubleiben. weshalb er die Todesstrafe angenommen habe und nicht geflohen sei. meine Glieder zu bewegen. welche sie angeordnet haben.2 . wenn er von unserm Gespräch andere solche Ursachen anführen wollte. Die neueste wissenschaftliche Mode war die klinische Erforschung des Zentralnervensystems. argumentierte Sokrates. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT Im Jahr 1979 behandelte man die freudianische Psychologie nur noch als eine interessante historische Fußnote. die wahren Ursachen anzuführen. TOM WOLFE.

daß das Gehirn der Sitz der mentalen Funktionen ist. einem Philosophen an der Staatsuniversität von North Carolina. psychische Phänomene zu erklären. Sie können mit Mikroelektroden die extrem schwachen elektrischen Impulse registrieren. die zwischen einzelnen Nervenzellen weitergeleitet werden.und der Kernspinresonanztomographie die Aktivität sämtlicher Hirnareale messen. nämlich sie auf eine feste empirische Grundlage zu stellen. ist die Neurowissenschaft. die . die Erklärungslücke zu schließen.31 . logisches Denken und Emotion sowie auf das menschliche Verhalten beziehen. Doch die Erklärungslücke kann sich auch auf mentale Funktionen wie Wahrnehmung. daß Hühner nach ihrer Enthauptung oftmals noch eine Zeitlang umherlaufen.) Heute erkunden die Neurowissenschaftler die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Geist mit einer Reihe immer leistungsfähigerer Instrumente. daß die Neurowissenschaft schließlich für die Wissenschaft vom menschlichen Geist das leisten wird. was zeitgenössische Philosophen die »Erklärungslücke« nennen. also unsere subjektiven Empfindungen von der Welt. Die Forscher hoffen. die am ehesten imstande sein dürfte. daß das Gehirn keinesfalls die Steuerungszentrale des Körpers sein könne. Die Disziplin. Gedächtnis. was die Molekularbiologie für die Evolutionsbiologie leistete. Sie können mit Hilfe der Positronenemissions. wußte man nicht einmal. In seinem Aufsatz »Materialism and Qualia: The Explanatory Gap«3 befaßte sich Levine mit der rätselhaften Unfähigkeit physiologischer Theorien. die Wissenschaft vom Gehirn. brachte ihn zu der Überzeugung. Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf das Bewußtsein beziehungsweise »Qualia«. (Aristoteles' Beobachtung. Als Platon seinen Phaidon schrieb. Sie können die Wirkungen spezifischer Gene und Neurotransmitter auf die Funktionsweise des Gehirns verfolgen.Dies ist die meines Wissens älteste Anspielung auf das. Der Begriff wurde von Joseph Levine geprägt.

Die Neurowissenschaft ist zweifellos eine Wachstumsbranche. eine bestimmte Erkenntnis oder auch eine Reihe von Erkenntnissen herauszustellen.. C. auf den Markt brachte. ebenso die Behandlung des Themas in renommierten Wissenschaftsmagazinen wie Science und Nature. betonte er. Die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns ist nicht nur eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. den Direktor der Abteilung Neurowissenschaft an der Harvard-Universität und ehemaligen Präsidenten der Society for Neuroscience. Die Anzahl der Mitglieder der Society for Neuroscience4 die ihren Sitz in Washington. Nature Neuroscience.zu weitreichenden neuen Erkenntnissen und Nutzanwendungen führt. mir die seines Erachtens bedeutendste Errungenschaft seines Fachgebiets zu nennen. Die Zahl neurowissenschaftlicher Fachzeitschriften hat stark zugenommen.32 . bis zur bildlichen Darstellung der Aktivität des gesamten Gehirns mit Hilfe der Kernspinresonanztomographie reiche. die die neuronale Impulsübertragung beschleunigen. stieg drastisch von fünfhundert in ihrem Gründungsjahr 1970 auf über fünfundzwanzigtausend im Jahr 1998 an. Aber in welcher Richtung schreitet sie voran ? Ich bat einmal Gerald Fischbach. D.«5 Die Neurowissenschaft macht zweifelsohne Fortschritte. . hieß es in der Presseverlautbarung. der Persönlichkeit und sogar des Bewußtseins selbst. das von der Erforschung von Molekülen. Es sei unmöglich. sondern sie hat auch tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen. Als Nature 1998 eine neue Fachzeitschrift.6 Er lächelte über die Naivität der Frage. hat. Die Neurowissenschaft sei ein weites Feld. die aus der neurowissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien. die Neurowissenschaft sei »eines der dynamischsten und sich am schnellsten entwickelnden Gebiete der Biologie. reichen ihre Fragestellungen doch von der Grundlage des Gedächtnisses über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bis hin zur Entstehung von Emotionen.

»Wir sind von einer einheitlichen Theorie des menschlichen Bewußtseins noch weit entfernt«.«7 . von Neurotransmittern. der die Aktivität der Muskeln steuert. daß neurotrope Faktoren das Gehirn nicht nur in der Pränatalphase und im Säuglingsalter formen. in welche die Neurotransmitter paßten. so Fischbach. sondern während der gesamten Lebensspanne. Die Forscher entdeckten ständig neue Typen von Hirnzellen beziehungsweise Neuronen. also den Proteinstrukturen auf der Oberfläche von Nervenzellen. Er warf damit ein Schlaglicht auf eines der paradoxesten Merkmale seines Fachgebiets. Forscher hätten herausgefunden. Auslassungen sind gerade ein Merkmal für erfolgreiche Erklärungen. also chemischen Substanzen. Obgleich das Adjektiv reduktionistisch oftmals in einem abwertenden Sinne gebraucht wird. ist die Naturwissenschaft definitionsgemäß reduktionistisch. Der Philosoph Daniel Dennett formulierte dies einmal folgendermaßen: »Aber natürlich muß etwas ›ausgelassen‹ werden andernfalls hätten wir nicht zu erklären begonnen.bis ins Erwachsenenstadium steuerten. wie sie all diese Erkenntnisse in ein kohärentes Rahmenmodell einordnen könnten. Die Erforschung neurotroper Faktoren nehme ebenfalls »explosionsartig« zu. die das Wachstum des Gehirns vom Embryonal. mit denen Neuronen miteinander kommunizierten. so Fischbach weiter. von neuronalen Rezeptoren. der die Aktivität von Nervenzellen hemmt. also Substanzen. hätten die Forscher geglaubt. es gebe nur einen Rezeptor für den Neurotransmitter Acetylcholin.Das charakteristischste Kennzeichen der Disziplin sei vielmehr ihre Produktion einer gewaltigen und wachsenden Zahl von Erkenntnissen. Leider wüßten die Neurowissenschaftler bislang nicht. mittlerweile seien mindestens zehn verschiedene Rezeptoren identifiziert worden. Und Experimente hätten mindestens fünfzehn Rezeptoren für den Neurotransmitter Gammaaminobuttersäure (GABA) nachgewiesen. und von neurotropen Faktoren. Vor nicht allzu langer Zeit.33 .

Isaac Newton fand heraus. daß alle Materie sich letztlich aus zwei Teilchenarten zusammensetzt. Je mehr Erkenntnisse die Forscher über das Gehirn gewinnen. der Gravitation oder Massenanziehung. Quarks und Elektronen. Charles Darwin zeigte. zu Boden zu fallen. Der Zweck dieser Proklamation bestand darin. Den Neurowissenschaftlern dagegen steht ihr reduktionistisches Offenbarungserlebnis noch bevor. die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Gehirns zu erklären. kohärenten Gesamtmodell zusammenzufügen. daß die mannigfaltigen Arten von Lebewesen auf der Erde durch einen einzigen Prozeß entstanden sind. sowohl die Errungenschaften der Neurowissenschaft ins allgemeine Bewußtsein zu heben als auch Forschungsanstrengungen zur Aufklärung der Ursachen von Psychosen wie Schi. daß sich die Neigung von Körpern. all die verschiedenen Daten zu einem in sich widerspruchsfreien. Der Fortschritt der Neurowissenschaft ist in Wirklichkeit ein Gegen-Fortschritt. James Watson und andere Molekularbiologen. die Evolution. die Gezeiten der Meere sowie die Bewegung des Mondes und der Planeten durch den Weltraum alle mit einer einzigen Kraft erklären lassen. In den letzten fünfzig Jahren enthüllten Francis Crick.Im günstigsten Fall isoliert die Wissenschaft ein gemeinsames Element. um so schwieriger wird es für sie. Das Dilemma des Reduktionismus Im Jahr 1990 brachte die Society for Neuroscience den USKongreß dazu. Im zwanzigsten Jahrhundert haben Physiker nachgewiesen. das vielen scheinbar ungleichartigen Phänomenen zugrunde liegt.34 . Statt eine große vereinheitlichte Theorie zu finden. daß alle Organismen weitgehend dieselbe DNA-gestützte Methode zur Übertragung genetischer Information an ihre Nachkommen benutzen. dekken sie weiterhin immer komplexere Zusammenhänge auf.

das im Jahr 2000 beginnt.« (Dennoch begannen Verhaltenswissenschaftler . sich dafür stark zu machen.8 geriet er bei der Erwähnung des Ausdrucks »Dekade des Gehirns« in Rage. ruhiger Mann. »Wir stehen ganz am Anfang der Gehirnforschung.und Zellbiologen als Versuchstier dient. um sich wieder der Forschung zu widmen. fuhr er fort. David Hubel.)9 Wiesel selbst war an einer der mustergültigen Entdeckungen der Neurowissenschaft beteiligt. der diese Idee ablehnte.) Wiesel ist ein freundlicher. Wie viele andere wissenschaftliche Triumphe verdankte sich auch dieser einer Kombination von harter Arbeit und Findigkeit. wie das Gehirn altere und wie das Gedächtnis funktioniere.10 Nachdem sie eine Elektrode in den visuellen Kortex der Katze implantiert . fensterlosen Kellerlabor« der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität Experimente am visuellen Kortex einer Katze durch. in einem »kleinen. wie sich das Gehirn in der Embryonalphase und den anschließenden Lebensstadien entwickle.zophrenie und manisch-depressive Erkrankung (auch bipolare affektive Störung genannt) zu unterstützen. »Wir begreifen noch nicht einmal. daß das Jahrzehnt. Im Jahr 1958 führten Wiesel und ein anderer junger Neurowissenschaftler. murrte er. Die Idee sei »töricht«. der 1981 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde und später Präsident der Rockefeller-Universität in New York wurde. »Wir brauchen mindestens hundert. zur »Dekade des Verhaltens« gekürt wird. Ein Neurowissenschaftler. vielleicht tausend Jahre«. war der in Schweden geborene und aufgewachsene Torsten Wiesel.dazu gehören Psychologen.35 . elegans funktioniert«. Wissenschaftler hätten im Gehirn einige »einfache Mechanismen« entdeckt. womit ein winziger Wurm gemeint ist. Genetiker. doch sie wüßten im Grunde immer noch nicht.im Jahr 1998 damit. wie C. (Ende 1998 legte er dieses Amt nieder. um das Gehirn zu verstehen. der Molekular. Anthropologen und andere . doch als ich ihn 1997 interviewte. schäbigen.

Solche Entdeckungen sind bezeichnend für einen allgemeinen Trend in der Neurowissenschaft. der mit einem Ophthalmoskop verbunden war. Wenn die Elektrode eine elektrische Entladung eines Neurons registrierte. Im Jahr 1981 wurden Wiesel und Hubel für ihre Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. wie eine winzige Hand. Noch in den fünfziger Jahren glaubten viele Wissenschaft. Plötzlich begann der Elektrodendetektor »wie ein Maschinengewehr« zu feuern. kontinuierlich. das einem Geigerzähler glich. ist die Tatsache. daß verschiedene Hirnregionen je spezifische Funktionen ausführen. änderte sich die Ausrichtung der Linien. Als die Forscher die Elektrode durch den visuellen Kortex bewegten. Doch moderne Wissenschaftler zerschneiden das Gehirn in immer dünnere Scheiben. Bilder auf die Netzhaut der Katze. Die wohl bedeutendste Erkenntnis. mit der der Charakter eines Menschen aus der Form seines Schädels abgeleitet wurde). die nur auf Linien ansprachen. Wiesel und Hubel erkannten schließlich. als er die Phrenologie erfand (die zu einer pseudowissenschaftlichen Lehre verkam.hatten. daß das Neuron auf die Bewegung der Kante des Dias durch das Gesichtsfeld der Katze reagierte. bis eines ihrer Dias im Projektor hängenblieb. Wiesel und Hubel erhielten unschlüssige Ergebnisse. schoben sie es langsam zurück in den Schlitz.Franz Gall behauptete dies schon vor zweihundert Jahren. auf welche die Neuronen reagierten. Sie boten der Katze zwei einfache Reize dar: einen hellen Fleck auf dunklem Hintergrund und einen dunklen Fleck auf hellem Hintergrund. die aus dieser Disziplin hervorging.36 . die in bestimmter Weise bezüglich der Netzhaut ausgerichtet waren. projizierten sie mit einem Diaprojektor. Nachdem sie das Dia gelöst hatten. gab ein Gerät. und es ist kein Ende dieses Prozesses in Sicht. die einen Kreis um eine Uhr beschreibt. Bei nachfolgenden Experimenten wiesen sie Neuronen nach. ein Klickgeräusch von sich. Das ist zwar nicht gerade neu .

Erinnerungen würden nicht an einer bestimmten Stelle des Gehirns. sich an visuelle Anhaltspunkte zu erinnern. Die zwei Hauptkategorien des Gedächtnisses sind das explizite oder deklarative Gedächtnis.11 Er behauptete. beeinträchtigt ist. das Blindschreiben oder das Tennisspielen erwerben und ausführen. bei denen Verletzungen im Gehirn von Ratten keine wesentliche Auswirkung auf ihre Fähigkeit hatten. einen flüchtigen Blick auf eine Telefonnummer zu werfen und sie uns gerade lange genug zu merken. um sie ein paar Sekunden später zu wählen. Das Gedächtnis wurde noch in weitere Kategorien eingeteilt. den Weg durch ein Labyrinth zu finden. in dem das bewußte Erinnern abläuft. Was Lashley nicht erkannte. Das Kurzzeitgedächtnis. sich den Weg durch ein Labyrinth zu merken. so daß sie jederzeit abgerufen werden kann.wenn auch sehr vielseitige .Funktion. Das Langzeitgedächtnis speichert dieselbe Telefonnummer dauerhaft. Das prozedurale Gedächtnis läßt uns solche unwillkürlichen Fertigkeiten wie das Autofahren. das Gedächtnis sei eine einheitliche .ler. gelegentlich auch Arbeitsgedächtnis genannt. die jeweils mit spezifischen Hirnregionen assoziiert sind. sondern überall im Gehirn verarbeitet und gespeichert.37 . das unterhalb der Bewußtseinsschwelle liegt. Der Forscher Karl Lashley war ein prominenter Verfechter dieser Auffassung. Das episodische Gedächtnis ermöglicht uns die Erinnerung an bestimmte Ereignisse. von denen sich einige überschneiden. Zum Beweis führte er Experimente an. Anschließende Experimente sowohl mit Menschen als auch mit anderen Tieren erbrachten den Nachweis. weicht sie auf olfaktorische oder taktile Stimuli aus. ermöglicht uns. war die Tatsache. daß es viele verschiedene Gedächtnistypen gibt. und das implizite oder unbewußte Gedächtnis. sich aber dennoch auf das Verhalten und die mentale Aktivität auswirkt. . daß Ratten viele redundante Methoden besitzen. wenn die Fähigkeit der Ratte.

etwa »O-t-p-s«. wie das vollständige Wort lautet. so kurzzeitig dargeboten. ob die Liste auch Octopus enthielt. zu spielen. daß sich bestimmte Atome in einer bestimmten Richtung anordnen. denen zuvor eine Liste mit Wörtern dargeboten wurde. etwa ein Ton oder ein Bild. die bestimmte Aufgaben ausfüh. Wenn das magnetische Spannungsfeld abgeschaltet wird. Versuchspersonen.38 . Versuchspersonen wird ein Reiz. auch wenn sie sich nicht bewußt daran erinnern können. daß sie ihn nicht bewußt wahrnehmen und sich später nicht daran erinnern können. haben dabei eine viel höhere Trefferquote. Bei einer Serie von Experimenten werden den Versuchspersonen Listen mit Wörtern für so kurze Zeit dargeboten. Studien mit bildgebenden Verfahren konzentrieren sich oftmals auf Versuchspersonen. Technologien wie die Positronenemissionstomographie (PET) und die Kernspinresonanztomographie (MRT) haben die Zergliederung von Gehirn und Geist weiter beschleunigt. Ein starker elektromagnetischer Impuls bewirkt. Hohe Konzentrationen des Isotops deuten auf eine erhöhte Durchblutung und damit eine verstärkte neuronale Aktivität hin. Bei der PET wird die Strahlung gemessen. daß der Reiz sich auf irgendeiner Ebene dem Gehirn eingeprägt hat. und müssen raten. ähnlich wie Eisenspäne um einen Magneten. ähnlich dem Fernsehspiel Glücksrad. das einen ähnlichen Sachverhalt bezeichnet wie der ältere Begriff der unterschwelligen Beeinflussung. die in die Blutbahn injiziert wurden. die Octopus enthält.Experimente haben zudem ein priming (»Bahnung«) genanntes Phänomen aufgedeckt. die von kurzlebigen radioaktiven Sauerstoffisotopen. Sie bekommen eine bestimmte Buchstabenfolge. ausgeht. Dennoch zeigen Tests. Anschließend bittet man die Versuchspersonen ein Spiel. Die MRT kommt ohne Injektion einer radioaktiven Substanz aus. daß sie diese nicht im Kurzzeitgedächtnis speichern können. senden die Atome Strahlung von charakteristischen Frequenzen aus.

»Die Betrachtung der Korrelationen zwischen verschiedenen Regionen ist arg vernachlässigt worden. Zu viele Studien begnügten sich damit. für die jeweilige Aufgabe von entscheidender Bedeutung sind. »ohne dies in ein theoretisches Rahmenmodell einzufügen und ohne ein angemessenes oder tieferes Verständnis der funktionalen Architektur des Gehirns«. Verschiedene Teile des Gehirns seien offensichtlich miteinander verbunden.ren. die die stärkste Aktivität zeigen. »Ohne diesen Katalog der funktionalen Spezialisierung«. wie etwa knifflige mathematische Probleme lösen. stand der Art und Weise. einfach eine bestimmte Region mit einer bestimmten Funktion in Zusammenhang zu bringen. »Da kommt jemand mit einem bestimmten Problem. Karl Friston. Man nimmt dabei an. in dem eine Funktion an einer einzigen Stelle lokalisiert ist!«13 Llinas verglich diese Studien mit der Phrenologie. verglich diese Katalogisierung von neuralen hot spots. sagte er. ein MRT-Spezialist am Institut für Neurologie in London. noch kritischer gegenüber. daß jene Hirnregionen. und man sieht einen roten Fleck auf der Vorderseite des Kortex. Bilder nach Kategorien ordnen oder Wörterlisten auswendig lernen. »wird man meines Erachtens bei der Erarbeitung einer nützlichen und konsistenten Theorie der Organisation des Gehirns nicht weit kommen. mit Darwins beharrlicher Sammlung von Daten über Tiere aus allen Regionen der Erde.39 . Stellen hoher neuronaler Aktivität.‹ Es ist absolut unglaublich! Das Gehirn ist kein Organ. wie bildgebende Verfahren insbesondere in der Psychiatrie verwendet werden. und man sagt zu der Person: ›Diese Stelle auf dem Kortex ist der Sitz ihrer negativen Gedanken.« Rodolfo Llinas. und die Aufklärung dieser neuralen Verbindungen sei für das Verständnis des Gehirns von entscheidender Bedeutung. das Streben nach Lokalisierung sei zu weit getrieben worden. jener pseudowissenschaft.«12 Allerdings war er der Ansicht. ein Neurowissenschaftler an der New York University.

Wir haben keine Ahnung. wirft sogleich die Frage auf. um so dringlicher wird die Antwort auf die Frage: Wie koordiniert und integriert das Gehirn die Aktivitäten seiner hochspezialisierten Regionen. und es zeigt sich. daß es ein Trugbild war. die das Gehirn in diskrete Bezirke einteilte. die angeblich spezifische Funktionen ausführten.‹ [. Mit den neuen bildgebenden Technologien seien wir fast wieder auf diese Stufe zurückgefallen. in der die Forscher Affen beziehungsweise Ratten Drogen injizierten und dann die Ergebnisse publizierten. Doch] dann geht man in die Einzelheiten. ein paar Fälle zu publizieren und zu sagen: ›So funktioniert das. die den Geist ausmacht? Der an Harvard lehrende Neurowissenschaftler David Hubel. »Man hat einen Patienten und schiebt ihn ins Meßgerät. Das ist reinste Phrenologie!« Llinas erinnerte daran. wie all diese Informationen letztlich zusammengeführt werden. behauptete Llinas. wo und wie sie zusammengeführt werden. dessen Experimente mit Torsten Wiesel mit zu der gegenwärtigen Krise in der Neurowissenschaft beitrugen..14 .. so daß wir beispielsweise einen hüpfenden roten Ball wahrnehmen. Brain and Vision: Diese überraschende Feststellung. daß Attribute wie Form. dann schreibt man einen Aufsatz. Sie müssen offenkundig irgendwo verknüpft werden.40 . weil man es auf den Aufnahmen klar sehen kann. Farbe und Bewegung weitgehend von getrennten Strukturen im Gehirn verarbeitet werden. »Wir neigen dazu. schrieb am Ende seines Buches Eye. welche die Handlung des Fangens steuern.« Je weiter die Neurowissenschaftler das Gehirn unterteilen. und sei es auch nur auf der Ebene der motorischen Nerven. schau dir nur das schöne Bild an.lichen Lehre aus dem achtzehnten Jahrhundert. so daß jene scheinbare Einheit der Wahrnehmung und des Denkens entsteht. egal ob diese aussagekräftig waren oder nicht. daß die Neurowissenschaft eine Phase durchlaufen habe.

Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke Eine Neurowissenschaftlerin. der an einem Radio herumbastelt. Wie ein frühreifer achtjähriger Junge. Ich möchte eine andere Bezeichnung vorschlagen: das reduktionistische Dilemma. die sich bemüht. Es betrifft nicht nur die Neurowissenschaft.41 . zusammengeführt werden können. Professorin an der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität.Diese ungelöste Frage wird gelegentlich auch Bindungsproblem genannt. sondern das eines engen Verwandten des Menschen. die Kognitionswissenschaft. das reduktionistische Dilemma zu überwinden. Psychiatrie und andere Disziplinen. Goldman-Rakic nennt sich selbst eine »systemorientierte Neurowissenschaftlerin«. der als Sitz von Denken. die Künstliche Intelligenz. die sich auf neurale. der In. die den Geist in eine Sammlung weitgehend unverbundener »Module«. die einem der modernsten neurowissenschaftlichen Forschungslabors der Welt vorsteht. die den menschlichen Geist auf hohen Organisationsebenen erforschen. ist Patricia Goldman-Rakic. das Gehirn zu zerlegen. Sie hofft. genetische und molekulare Prozesse konzentrieren. leisten die Hirnforscher Vorzügliches. zu zeigen.15 Goldman-Rakic. ja sämtliche Disziplinen. wie Psychologie. sondern auch die Evolutionspsychologie. aber sie haben keinen blassen Schimmer. des Makaken. Wie der Direktzugriffsspeicher eines Computers. wie sie die Teile wieder zu einem Gesamtbild zusammenfügen können. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist das Arbeitsgedächtnis. wenn es darum geht. mit reduktionistischeren Modellen. »Intelligenzen« beziehungsweise »Rechenmaschinen« aufteilen. erforscht nicht das menschliche Gehirn. Entscheidungsfindung und anderen höheren kognitiven Funktionen gilt. durch ihre Untersuchungen am frontalen Kortex.

ungelöste Fragen wie die der Bindung. Besucher müssen sich an der Eingangspforte der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität bei einem bewaffneten Sicherheitsbeamten anmelden. Mikroskope. um dreidimensionale Karten der neuronalen Verschaltungen mit hoher Auflösung zu erhalten. ein Buch zu lesen. Der Radikalismus der Tierschutzbewegung hat dazu geführt. In einem Zimmer schnitt eine junge Frau mit einem Apparat. das gefrorene walnußgroße Gehirn eines Affen in durchsichtige dünne Scheiben. und dennoch habe ich diese Lücke nie lebhafter .formationen zur sofortigen Abrufung bereithält. der Willensfreiheit. erlaubt uns das Arbeitsgedächtnis. In einem benachbarten Arbeitszimmer untersuchte ein junger Mann Querschnitte unter einem Mikroskop und zeichnete auf Papier die unglaublich verschlungenen Verbindungen zwischen den Neuronen nach.ja geradezu körperlich . die dieselben Informationen wie eine PET-Auf.empfunden als bei meinem Besuch in ihrem Labor. des Bewußtseins und der Schizophrenie aufzuklären. die jeweils mit einem kleinen Fenster versehen sind und die nur mit einem Magnetschlüssel geöffnet werden können. ein Kartenspiel zu spielen oder einfache arithmetische Berechnungen im Kopf auszuführen. Dahinter erstreckt sich eine lange Flucht von Räumen. Anschließend speiste er diese Zeichnungen in einen Computer ein. sie werden durch zwei Stahltüren geleitet. Kein Neurowissenschaftler könnte die Erklärungslücke besser schließen als GoldmanRakic. der einer Wurstschneidemaschine im Kleinformat glich. Goldman-Rakic und ihre Kollegen haben eine Technik vervollkommnet. daß Labors wie das von Goldman-Rakic in regelrechte Festungen verwandelt wurden. Viele Neurowissenschaftler glauben. die Affen. daß uns ein besseres Verständnis des Arbeitsgedächtnisses dabei helfen wird. den Faden eines Gesprächs zu behalten. chirurgische Instrumente und all die neuesten Geräte der biotechnologischen Revolution beherbergen.42 .

In einem anderen Raum befindet sich ein Apparat zur Untersuchung des Arbeitsgedächtnisses von Affen. können die Forscher die Augenbewegungen verfolgen. Als wir uns hinsetzten. führen sie bestimmte Aufgaben aus. auf den die Forscher Signale und Bilder projizieren.43 . Die Herrscherin über dieses recht abstoßende Reich ist eine zierliche Frau mit eleganter Frisur.nahme liefert. höhere Kortexfunktionen wie Gedächtnis. Durch Messung der Stärke der Radioaktivität in verschiedenen Regionen des Gehirns können die Forscher ermitteln. die die Verstoffwechslung von Glukose beschleunigen. Über einen Sensor. Der Affe sitzt auf einem Stuhl in einem kastenförmigen Stahlgestell gegenüber einem Bildschirm. war Goldman-Rakic die meiste Zeit zurückhaltend und reserviert. allerdings mit sehr viel höherer Auflösung. die höhere Kortexfunktionen erforschen wollten. ihre Forschungen intendierten. die weitgehend mit denen des Menschen übereinstimm. Nachdem den Affen radioaktive Chemikalien injiziert wurden. um über ihre Arbeit zu sprechen. um einem Argument Nachdruck zu verleihen. Sein Kopf ist mit Schrauben fixiert. die in seinen Schädel geschraubt und an dem Gestell befestigt sind. welche Regionen am stärksten an der Ausführung der Aufgabe beteiligt waren. Sie sagte. In den frontalen Kortex des Affen eingepflanzte Elektroden registrieren die Entladungen einzelner Neurone. der in das Auge des Affen implantiert ist und dessen Draht durch einen Stöpsel im Schädel des Affen zu einem Aufzeichungsgerät geleitet wird -. Für diejenigen. Affen seien zu kognitiven Leistungen fähig. die am Tag meines Besuchs einen weißen Kaschmirpullover und goldene Ohrringe trug. nur hin und wieder neigte sie sich in meine Richtung und umfaßte meinen Unterarm. Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zu verstehen. Unmittelbar danach werden die Affen getötet und ihre Gehirne eingefroren. sei der Makak ein »unübertroffenes« Modell.

»und machen Entdeckungen. Serotonin und andere Neurotransmitter die Funktionsweise des Kortex hemmten oder förderten. Schizophrene verlieren ständig den Faden ihrer Gedanken. in denen Subjekt und Verb durch eingeschobene Satzglieder getrennt sind. Sie und ihre Mitarbeiter untersuchten. Fluctin »führt zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei . zeigten sie sogar Verhaltensweisen. auch wenn sie offensichtlich nicht so komplex seien. aus diesem Grund reagieren sie überempfindlich auf äußere Wahrnehmungen und werden leicht von diesen überwältigt. Ihre Forschungen könnten Erkenntnisse über normale und gestörte kognitive Prozesse beim Menschen liefern und so den Weg zu besseren pharmakologischen und Verhaltenstherapien weisen. der mit für die Kontinuität des Denkens verantwortlich sei. der Parkinson-Krankheit und vermutlich auch bei kindlichen Störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. die denen schizophrener Menschen glichen. Auch Schizophrenie wird möglicherweise durch ein Defizit im Arbeitsgedächtnis verursacht. Wenn man Affen Amphetamine spritze.« Medikamente wie Fluctin legten die Vermutung nahe. »Wir arbeiten an der vordersten Front«. komplexe Sätze zu verstehen. daß sich Serotonin nachhaltig auf die Stimmung auswirke. die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses zu erhellen.ten. die von großer Bedeutung für das Verständnis des Menschen sind.« Experimente an Affen haben dazu beigetragen. Ein Leitsymptom der Schizophrenie sei die »kognitive Entgleisung«. aufweiche Weise Dopamin.44 . sagte Goldman-Rakic. erklärte GoldmanRakic. Menschen mit einem schwachen Arbeitsgedächtnis fällt es schwerer. »Bei vielen Erkrankungen spielt Dopamin eine Rolle: bei der Schizophrenie. Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses korreliert in hohem Grade mit der allgemeinen Intelligenz und der Lesefähigkeit. das GoldmanRakic als einen »mentalen Skizzenblock« oder »Leim« beschrieb.

« Sie betonte. daß bestimmte Kortexzellen je nach Serotoninkonzentration unterschiedlich auf eintreffende Signale reagieren. indem sie den Nachweis erbrachte. »wenn ich wirklich enthemmt wäre. die dies tun. daß ihre Gruppe die Entwicklung solcher Medikamente nicht als Selbstzweck betrachte. die Pharmaindustrie zu unterstützen. antwortete Goldman-Rakic. »Es gibt bereits Medikamente. »Der Zweck meiner Forschungen besteht keineswegs darin. Die Frage ist. wie das Gehirn funktioniert und insbesondere wie jene Teile des Gehirns beziehungsweise jene Systeme funktionieren. wenn die Ampel rot ist. eine bestimmte Reaktion in einem bestimmten Augenblick zu steuern. die Gedächtnisleistung und Intelligenz steigern? »Absolut! Ohne Frage!« versetzte sie mit Nachdruck. wobei sie leiser wurde und in einem Flüsterton konspirativer Vertraulichkeit sprach. wie etwa ein Fahrer. ihre Fähigkeit.« Sprach sie etwa von der Willensfreiheit? »Ich könnte diesen Begriff benutzen«. In dem . Vielmehr möchte ich herausfinden. der anhält. unwillkürlichen Reaktionen und reflektorischen Reaktionen. Das spezifisch Menschliche ist vielmehr die Flexibilität ihrer Reaktionen. was sie als Menschen auszeichnet. ihre Fähigkeit zu reflektieren und ihre Fähigkeit. wenn sie auf Grün umschaltet.Depressiven. sich auf ihre Erfahrung zu beziehen.« Sie holte eine Veröffentlichung. nicht zu reagieren. »Menschen verfügen über ein breites Repertoire an habituellen Reaktionen. und der anfährt. die eines ihrer Experimente beschrieb.45 . aber ihre Wirksamkeit läßt zu wünschen übrig. die an der Kognition beteiligt sind. Könnte ihre Forschung zu Medikamenten führen. weshalb?« Ihre Arbeitsgruppe war der Antwort gerade einen Schritt näher gekommen. oder sie haben Nebenwirkungen. Doch das ist nicht das.« Die Kognition umfasse viel mehr als die unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz. und schlug sie auf dem Tisch vor uns auf.

diese neuronale Aktivität korreliere nicht mit einem realen Bild. wo das Licht gewesen war. nachdem das Licht erloschen war. während die Forscher für kurze Zeit einen Lichtstrahl auf einen der Ränder oder eine der Ecken der Leinwand projizierten. »Dies«. Der Affe hatte gelernt. sobald der Lichtreiz erschien. »ist etwas ganz anderes. die sich zu entladen begannen.« Es gab einen langen Moment des Schweigens. Von all den Themen. Goldman-Rakic gluckste und rief einer jungen Frau. Ich gestand. über die ich als Journalist berichtet hätte. daß sich Torsten Wiesel und David Rubel und die meisten anderen Neurowissenschaftler auf Neuronen konzentrierten. ein paar Sekunden.« Die Neuronen entluden sich in Abwesenheit eines äußeren Reizes. sondern mit der Erinnerung beziehungsweise inneren Repräsentation eines Bildes. »Dies«.46 . Goldman-Rakic begann zu lachen: »Sie blicken so finster!« sagte sie. sagte ich. die Bedeutung ihrer Forschungen zu verstehen. bevor er direkt an die Stelle schaute.« Sie ließ ihre Worte einen Augenblick lang wirken und fügte dann hinzu: »Sie sehen hier also die neurophysiologischen Grundlagen der Kognition. noch schwieriger als die Elementarteilchenphysik.Experiment wurde einem Affen beigebracht. seine Augen starr auf den Mittelpunkt einer Leinwand zu richten. sagte Goldman-Rakic. daß es mir schwerfiel. zu warten. »ist das zelluläre Korrelat des Mechanismus für die Speicherung von Online-Information. die durchs Zimmer ging. in dem wir beide auf das Schaubild starrten. Goldman-Rakic deutete auf eines der Schaubilder in dem Artikel. die direkt auf äußere Reize ansprechen. fuhr sie in theatralischem Tonfall fort. Während dieser wenigen Sekunden mußte der Affe die Position des Lichts in seinem Arbeitsgedächtnis speichern. und sich nach dessen Verschwinden weiterhin entluden. . das die Aktivität von Neuronen darstellte. Sie wies darauf hin. sei die Neurowissenschaft das schwierigste. mit einem Finger auf das Diagramm tippend.

sagte Goldman-Rakic bestimmt. sagte sie. und vielleicht werden wir es nie wissen. die Erklärungslücke. »sind wir auf dem Weg. »Ich gebe mir alle Mühe.zu: »Er sagt.« Ich sei doch gewiß nicht die einzige Person. erwiderte ich. die in dieser Weise auf ihre Erklärungen reagiert hätte. werde ich Ihnen heute nicht erklären können. und Sie sagen. daß ihm noch nie Forschungsarbeiten un.« Andere haben ebenfalls eine Erklärungslücke in den neurowissenschaftlichen Forschungen von Goldman-Rakic und Mitarbeitern entdeckt. mir falle es schwer. daß es in Ihrem Kopf eine Erklärungslücke gibt«.« Die Wissenschaftler könnten auch den Ursprung des Universums nicht verstehen. es Ihnen begreiflich zu machen!« Ich sagte. die Kognition beim Menschen zu verstehen. »Ich glaube. zu allgemeinen Begriffen wie Gedächtnis und Kognition und Willensfreiheit nachzuvollziehen. Timothy Beardsley. die Neurowissenschaft sei schwieriger als die Elementarteilchenphysik!« Sich wieder zu mir umdrehend. in dem Goldman-Rakic groß herausgestellt wurde. doch beim menschlichen Geist habe ich das Gefühl. »Die exakte Abfolge der Veränderungen in den Zellen und im Gehirn und so weiter ist gewiß noch nicht aufgeklärt. Und das. Ihnen dies zu erklären. die Philosophen hätten sogar einen Begriff für diese Reaktion. sagte sie: »Ich versuche. Im Verlauf der redaktionellen Bearbeitung gestand Beardsley. daß etwas fehle. die die Entladungsraten von Neuronen zeigten. Ich könne den Reduktionismus in der Teilchenphysik verstehen. Dennoch.47 . den Übergang von diesen Diagrammen. Kurz bevor ich 1997 die Redaktion des Scientific American verließ. was uns zu unverwechselbaren Individuen macht.0 Der Aufsatz stammte von einem anderen Redakteur des Scientific American. so versicherte sie mir. »Ich könnte Sie umbringen«. redigierte ich einen Aufsatz über das Arbeitsgedächtnis »The Machinery of Thought«. es sei zu schwierig. einem erfahrenen Wissenschaftsjournalisten mit einem Doktortitel in Ethologie von der Universität Oxford.

Und das ist natürlich das. ein Neurowissenschaftler von der Universität New York. Die Kognitionswissenschaft sei . die sich am leichtesten auf Computern nachbilden lassen. die so schwer verständlich seien und sich so mühsam in einer befriedigenden.48 . müssen sie sich noch einem anderen Problem stellen: Wie fügen sich die Gefühle ins Gesamtbild ein? Bis in die jüngste Vergangenheit versuchten viele Neurowissenschaftler. wo im Gehirn etwas geschieht. und sie behandelten sie als einen ärgerlichen Störfaktor. daß etwas fehlte. was uns eigentlich interessiert. der das Problem betraf. die sich bemühten. die dem Arbeitsgedächtnis und anderen kognitiven Funktionen zugrunde liegen. nicht darüber. kohärenten Form darstellen ließen. Erinnerns und so weiter sind. und nicht als einen grundlegenden Teil der menschlichen Natur.tergekommen seien. meinte Joseph LeDoux.und Kognitionswissenschaftler ein eindimensionales Bild des Geistes gezeichnet. Er hatte das Gefühl.« Emotionen erkunden Selbst wenn die Neurowissenschaftler die Mechanismen aufklären. Mehrere Monate nach der Veröffentlichung von Beardsleys Artikel druckte der Scientific American einen Leserbrief ab. Durch das Ausblenden des Gefühls hätten Neuro. was die eigentlichen Mechanismen des Erkennens. Erinnern. zu verstehen. daß die in Beardsleys Artikel beschriebenen Forschungen »uns lediglich Auskunft darüber geben. bei ihren Experimenten Emotionen auszuweichen. wie Sehen. jene informationsverarbeitenden Funktionen. der Ergebnisse verfälscht. Neurowissenschaftler sind dem Beispiel der Kognitionswissenschaftler gefolgt. Spracherkennung und logisches Denken. Der Autor des Briefes beklagte sich darüber. das auch Beardsley und mich beschäftigt hatte.

die der Furcht zugrunde lägen. weder Kummer noch Leid. sondern auch bei Ratten. Logik und Verstand zu tun hat«. weil die Experimente zu komplex gewesen seien.»in Wahrheit jedoch nur eine Wissenschaft von einem Teil des Geistes. Die Amygdala (Mandelkern). so LeDoux. etwa einen musikalischen Ton. die nur dem Menschen eigen seien. finde sich nicht nur beim Menschen und bei Primaten.49 . die weder Begierden noch Ängste.«17 LeDoux selbst.« Frühere Studien über Furchtreaktionen hätten widersprüchliche Ergebnisse gebracht. dessen Wurzeln weit in die Geschichte des Lebens zurückreichten. hat bewiesen. Ein Geist ohne Emotionen ist aber überhaupt kein Geist.« LeDoux hat Experimente durchgeführt. einen bestimmten akustischen Reiz. seien während der Evolution größtenteils erhalten geblieben. jenem Teil. noch Freuden kennen. bei denen Ratten darauf konditioniert wurden. der mit Denken. Die neuronalen Verschaltungen und Prozesse. kontrollierter Mann mit tiefliegenden Augen und sorgfältig gestutztem Bart. »Die Emotionen übergeht sie. mit einer unlustvollen . Es handelt sich um Seelen auf Eis . bemängelte er in seinem 1998 erschienenen Buch Das Netz der Gefühle. Bei der Aufklärung der Funktionsweise des Furchtsystems kommt es also darauf an. leblose Geschöpfe. daher könnten uns Experimente an Ratten und anderen Säugetieren wichtige Aufschlüsse über den Menschen geben. die bei Furchtreaktionen eine zentrale Rolle spiele. daß zumindest eine Emotion empirisch untersucht werden kann. ein kühler. »Ein Reiz wird über die normalen Inputbahnen zur Amygdala geleitet und von dort über die Outputbahnen abgeleitet. sagte LeDoux.18 Anders als das Sprachverständnis oder andere kognitive Funktionen. dieses durch ein einfacheres Modell abzubilden. wie das Gehirn die Aufgabe ausführt. sei Furcht ein biologisches Phänomen.kalte. »Bei jeder Änderung am Experiment verändert man die Art und Weise. »Das Furchtsystem ist äußerst einfach«.

so LeDoux. das für ein Tier. zunächst träten physiologische Symptome auf.20 LeDoux meinte. probiert sie es mit Vermeidung. die subjektive Empfindung von Furcht sei die erste Komponente der Furchtreaktion. in jüngster Zeit sei dem Bewußtsein zuviel Aufmerksamkeit gewidmet worden. in Reaktion auf den Ton. daß Schädigungen einer winzigen Struktur innerhalb der Amygdala. erforderlich ist. bei Ratten dazu führen. das auch instrumentelles Lernen genannt wird. der einen Elektroschock ankündigt. Dieses reglose Verharren ist eine angeborene reflektorische Funktion. das für komplexeres. Unsere bewußten. die ins Abseits führen«. subjektiven Gefühle seien »für die wissenschaftliche Erforschung der Emotionen falsche Spuren. die anschließend die subjektive Empfindung der Furcht auslösten. »Wer das Phänomen .Empfindung. einen Elektroschock zu bekommen. Schweißabsonderung und andere physiologische Symptome würden durch die subjektive Empfindung ausgelöst.50 . LeDoux versuchte das neuronale Schaltmuster zu enträtseln. erhöhter Herzschlag. LeDoux und seine Mitarbeiter zeigten nun. eine angemessene Schutzreaktion darstellt. Wenn eine Ratte beispielsweise lernt. daß sie nicht lernen. LeDoux behauptete. reglos zu verharren. der Entscheidungen treffe und verschiedene Strategien ausprobiere.19 Die anfängliche Reaktion von Ratten und vielen anderen Säugetieren auf einen solchen Reiz ist regloses Verharren. Die kognitive Fähigkeit der Ratten war in anderer Hinsicht nicht beeinträchtigt. zu assoziieren. des sogenannten Nucleus lateralis corporis amygdaloidei. wie etwa einem Elektroschock. das von einem Freßfeind bedroht wird. daß regloses Verharren sie nicht davor schützt. daß das Gegenteil der Fall sei. An diesem Punkt vollziehe die Ratte den Übergang von einem emotionalen Reakteur zu einem Akteur. Früher glaubten die Psychologen. indem sie sich in einen anderen Teil des Käfigs begibt oder an den Seiten hochklettert. furchtinduziertes Verhalten.

« Obgleich Bewußtsein häufig mit Geist gleichgesetzt werde. Bewußtsein sei zudem eine relativ junge Erfindung der Evolution. ist. »Es gibt eine evolutionäre Komponente. Verhaltenstheorien unterstrichen die Rolle der um. egal ob sie von den Genen oder der Erfahrung ausgehen. eine personale Identität erzeuge. liefen die meisten mentalen Prozesse unterhalb der Bewußtseinsschwelle ab. sagte er mir. denn diese hätten viele Aspekte.« Die Erklärung des Bewußtseins sei nicht so wichtig wie die Beantwortung der Frage. die Sprache der Synapsen«. wie das Gehirn auf der Grundlage von Genen und Erfahrungen in jedem Individuum ein Selbst. Letztlich manifestierten sich sämtliche Einflüsse auf die Persönlichkeit.« Kognitive Theorien konzentrierten sich meist auf bewußte emotionale Prozesse.51 . daß es uns Aufschluß über das gäbe. Irgendwann im Verlauf der Evolution bildete sich das Bewußtsein als ein Modul heraus. Es ist nur die Frage. die wir sind? Die Erklärung des Bewußtseins würde dies nicht erklären. »aber ich glaube nicht. LeDoux bezweifelte. evolutionäre Theorien betonten angeborene emotionale Reaktionen. daß Anlage und Umwelt dieselbe Sprache sprechen. nicht aber mit allen übrigen Teilen des Gehirns in Verbindung. auf der Ebene der Verbindungen zwischen Neuronen. »Das ist für mich die große Frage: Wie macht unser Gehirn uns zu der Person. eine kognitive Komponente und eine verhaltensbezogene Komponente. Es steht mit einigen anderen.Bewußtsein erklären könnte. »Was oft übersehen wird. was wir über den Geist wissen müssen. in welchem Verhältnis die einzelnen Komponenten in einer konkreten Situation zueinander stehen. »Die meisten Prozesse im Gehirn laufen unbewußt ab.« Der Schlüssel zu diesem Problem sei die Beantwortung der Frage. erhielte dafür zweifellos den Nobelpreis«. wie sich Anlage und Umwelt auf die neuronale »Verdrahtung« des Gehirns auswirkten. sagte LeDoux. daß eine Theorie allein die Emotionen erklären könne.

Wir haben noch keinen Darwin. Er wies vorsichtig darauf hin.fast zu begeistert. Wir haben wenige Erkenntnisse darüber. »Wir haben keine Ahnung davon. Ich habe lediglich einige Ideen vorgestellt. »In jeder konkreten emotionalen Episode geht es nicht darum. daß Psychiater seine Rattenexperimente als irrelevant für ihre Arbeit abtäten. Kurz. die Mechanismen. bestens! Das ist die Antwort!‹ Sie scheinen so verzweifelt zu sein. daß die neurobiologische Erforschung der Furcht irgendwann einmal wirkungsvollere Behandlungsmethoden für menschliche Angstneurosen hervorbringen könne. wir müssen erst noch eine Theorie erarbeiten. daß ich in meinem Buch Antworten präsentierte. in seinem Buch Das Netz der Gefühle zusammen. »Es stieß fast auf einhellige Zustimmung«.«21 LeDoux deutete an. Einstein oder Newton gehabt. Doch zu seiner Überraschung hätten Psychiater sein Buch begeistert aufgenommen .weltbedingten Konditionierung. welche Theorie richtig ist. Ich glaube nicht. unterschieden sich vermutlich stark von denjenigen. erklärte er. die Lust oder Haß zugrunde liegen. die wir sind. er habe erwartet.« Wie Gerald Fischbach. insbesondere über Furcht. die all dies integriert. sondern welche welchen Teil der Episode erklärt.52 .« Zudem erfordere jedes Gefühl vermutlich eine eigene Erklärung. Er erzählte. wie das Gehirn Kunstwerke und geschichtliche Ereignisse erlebt. daß die Neurowissenschaft vielleicht gar keine vereinheitlichte Theorie brauche: . »›Ja. die er und andere durchgeführt haben. die der Furcht zugrunde liegen. LeDoux faßte die Forschungen über Emotionen. Torsten Wiesel und andere führende Neurowissenschaftler räumt LeDoux bereitwillig die Unzulänglichkeiten seines Fachgebiets ein. wie uns unser Gehirn zu der Person macht. Es gibt bislang noch keine Neurowissenschaft der Persönlichkeit. Die geistige Zerrüttung bei der Psychose ist noch immer ein Rätsel.

zu wissen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befaßt . als bei einer Explosion eine knapp ein Meter lange Eisenstange seine Wange durchbohrte und an der Oberseite seines Schädels wieder heraustrat. zu wissen. auch wenn wir noch keine Theorie der Wahrnehmung hätten. Gage überlebte diesen Unfall nicht nur. Gagesche Neurowissenschaft nennen. was wir am meisten brauchen. Furcht und Liebe verstünden. ohne über eine allgemeine Theorie der Emotion zu verfügen. Dieses Problem zeigt sich schon seit geraumer Zeit in Studien an hirngeschädigten Patienten. Phineas Gage.Vielleicht sind viele kleine Theorien genau das.ist die enorme Variabilität von Gehirn und Geist. Der fünfundzwanzigjährige Gage beaufsichtigte im Jahr 1848 den Bau einer Eisenbahnlinie in Vermont. auch wenn sie keine Theorie von Geist und Gehirn formulieren kann.wie in jeder anderen Disziplin. wenn wir. wie wir ein wunderschönes Musikstück (sei es Rock oder Bach) erleben. Und wäre es nicht wunderbar. Williams erinnerte sich. Ein grundlegendes Hindernis für den Fortschritt in der Neurowissenschaft . auch nur die »kleinen Theorien«. Gagesche Neurowissenschaft Der Neurowissenschaft wird es möglicherweise schwerfallen. selbst wenn wir keine Theorie der Psychose besitzen. er blieb auch bei klarem Verstand. von denen LeDoux sprach. hervorzubringen. Es wäre sehr viel wert. die uns Hinweise auf die Verbindung zwischen Gehirn und Geist liefern. Die Neurowissenschaft kann zur Lösung dieser Fragen beitragen. Lassen Sie uns diese Forschungen zu Ehren ihres berühmtesten Probanden. daß Gage während dieser Untersuchung »sich so vernünftig äußerte und so bereitwillig antwortete. daß ich meine Fragen an ihn richtete . Es wäre auch nicht schlecht. Etwa eine Stunde später wurde er von dem Arzt Edward Williams untersucht.53 . was genau bei Angst beziehungsweise Depression geschieht.

wie etwa Sprache. sondern eine undifferenzierte Masse ist. die auf verschiedene Auf gaben spezialisiert seien. wenn sie seinen Wünschen zuwiderlaufen.54 . wonach das Gehirn in Teilsysteme untergliedert sei. Anfängliche Untersuchungen von Gage deuteten darauf hin . und doch blieben diese Funktionen unversehrt.«24 Allmählich wurde der Fall Gage als eine Bestätigung und nicht mehr als Widerlegung der Modularitäts-Hypothese angesehen. der Gage im Lauf der Jahre viele Male untersucht hatte. Zwanzig Jahre nach dem Unfall legte der Arzt John Harlow eine andere Deutung des Falles Gage vor. Mehrere Jahrzehnte lang galt dieser Fall als eine Widerlegung der Hypothese des Phrenologen Franz Gall und anderer. [. erweist seinen Mitmenschen wenig Achtung. daß ihn Freunde und Bekannte kaum wiedererkannten.statt an die Männer. der zuvor ein gewissenhafter. respektlos. daß das Gehirn nicht modular (um den modernen Ausdruck zu verwenden) aufgebaut. was früher nicht zu seinen Gewohnheiten gehörte.23 Auf Gages Verletzung wurden erhabene theoretische Lehrgebäude errichtet. wenn auch nicht seine funktionellen Fähigkeiten. die heute all. Die Teile von Gages Gehirn. Harlow. Gage. nach dem Unfall tiefgreifend verändert hatte.] Die Wandlung. die dem Unfall beigewohnt hatten und noch zugegen waren«. besonnener und verantwortungsbewußter Mensch gewesen war. flucht manchmal auf abscheulichste Weise. sei jetzt »launisch. die angeblich für Sprache und motorische Steuerung zuständig waren. waren die Stirnlappen.. Bewegung und Sehen. die am stärksten beschädigt worden waren. wie sich herausstellen sollte -. Das legte den Schluß nahe. die ganzheitlich funktioniert. die er erfuhr.. daß sich Gages Persönlichkeit. reagiert ungeduldig auf Einschränkungen und Ratschläge. daß sein Gehirn in Regionen beschädigt worden war.22 Ein Jahr später erklärte ein anderer Arzt Gage für »völlig genesen«. war so tiefgreifend.zu Unrecht. deckte auf.

) Durch Untersuchungen an solchen Patienten haben der Nobelpreisträger Roger Sperry und andere in den sechziger Jahren und später herausgefunden. sich an die Namen von Menschen und Tieren oder auch Gegenständen zu erinnern. daß man zwanghaft an erlesene Speisen denkt. daß jede Großhirnhälfte unterschiedliche Funktionen . die als »Feinschmeckersyndrom« bezeichnet wird und bei Schädigungen im rechten Stirnlappen dazu führt. faßt man unter dem Oberbegriff der Aphasie zusammen.gemein als Sitz hoher kognitiver Funktionen wie sittliche Urteilskraft und Entscheidungsfindung angesehen werden. die durch Hirnschäden verursacht werden. Manche Aphasiker verlieren die Fähigkeit.55 . Einige Aphasiker können zwar ein Gespräch führen. die mit außerordentlich spezifischen Funktionen und Merkmalen verknüpft sind. eine kulinarische Kolumne zu schreib e n. untermauert. 2 5 Eine wichtige Datenquelle für Gagesche Neurowissenschaftler sind Patienten mit einer so schweren Epilepsie. die durch Ausbreitung über das gesamte Gehirn zu epileptischen Anfällen führen. Verbindungen zu entschlüsseln. (Die Operation verhindert die unkontrollierten neuronalen Entladungen. Hirnschäden können nicht nur zu Beeinträchtigungen. sondern auch zu drastischen Steigerungen der psychischen Fähigkeiten einer Person führen. aber nicht mehr lesen und schreiben oder umgekehrt. nachdem er von einem Hirnschlag genesen war. begann er. Andere sind nicht mehr in der Lage. Ärzte haben über mehr als dreißig Fälle einer Erkrankung berichtet. das die beiden Großhirnhälften miteinander verbindet. Die Gagesche Neurowissenschaft hat die Auffassung vom Gehirn als einer Zusammenstellung von Modulen. jenes Nervenfaserbündels. daß die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Durchtrennung des Balkens (Corpus callosum) besteht. Sprachstörungen. Ein ursprünglich als politischer Journalist arbeitender Schweizer hat das Beste aus seiner Erkrankung gemacht.

einem Historiker zufolge sei Stalin ein »linkshemisphärischer Führer« gewesen. der 1998 im Scientific American erschien. Historiker deuteten die Geschichte neu durch die Linse der Split-brain-Forschung.bot Ratschläge an.26 Zeitungen veröffentlichten Werbeanzeigen für Tonbänder mit unterschwelligen Botschaften. Das florierende Feld der Split-brain-Forschung brachte schon bald die mittlerweile zum Gemeinplatz gewordene Klischeevorstellung hervor: unsere linke Großhirnhälfte verkörpere unser »rationales« Selbst und unsere rechte Großhirnhälfte unser spontanes. Eine große Zahl von Selbsthilfebüchern .56 . In einem Aufsatz. um die »rechte Hälfte« des Gehirns ihrer Studenten anzusprechen. In seinem 1985 erschienenen Buch The Social Brain formulierte Gazzaniga eine Kritik am Wohlfahrtsstaat. bei denen das Sehvermögen und motorische Fertigkeiten eine Rolle spielen. wie etwa Michael Gazzaniga von der Dartmouth-Universität. »kreatives« Selbst. kurbelten die allgemeine Euphorie noch an. ein Wegbereiter der Gageschen Neurowissenschaft. während die rechte Hemisphäre bei Aufgaben dominiert. Die linke Hemisphäre steuert weitgehend das Sprachverständnis und die Sprachproduktion. die angeblich die geistigen Fähigkeiten erweitern. Selbst jene. Pädagogen schickten sich an. indem sie gleichzeitig unterschiedliche motivierende Nachrichten an jede Hemisphäre übermitteln.wie etwa Drawing on the Right Side of the Brain und Right Brain Sex . die Lehrpläne zu modernisieren. während Hitler ein »rechtshemisphärisches Naturell« besessen habe. die es besser hätten wissen müssen.wahrnimmt. betonte Gazzaniga die . wie man den Beschränkungen unserer pedantischen linken Hemisphäre entkommen und zu einem frei denkenden Rechtshemisphäriker werden könne.27 Über zehn Jahre später zog Gazzaniga sogar einige seiner vorsichtigsten Aussagen über die rechte und linke Großhirnhälfte in Zweifel. die auf seiner Interpretation der Split-brain-Experimente basierte.

entfernten Chirurgen seine linke Großhirnhälfte. Dies läßt sich nach Ansicht von Jack Pressman. Experimente und damit Befunde zu reproduzieren.57 .Gefahren. und im Alter von sechzehn Jahren sprach er flüssig. Die Gagesche Neurowissenschaft verdeutlicht ein Haupthindernis für das Verständnis des menschlichen Gehirns.29 Er kam mit einer so starken Mißbildung der linken Hemisphäre zur Welt. auf der Grundlage von relativ wenigen Fällen allgemeingültige Aussagen über das Gehirn zu machen. nach einem chirurgischen Eingriff in der linken Hemisphäre stumm war. Schwere Läsionen in der linken Hemisphäre führen im allgemeinen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sprachvermögens . erlangte er mit Hilfe seiner rechten Hemisphäre dreizehn Jahre nach der Operation das Sprachvermögen zurück. Obgleich J. benannt wurde. Außerdem war er völlig stumm. Obschon die Ärzte seine Eltern warnten. begann Alex zehn Monate später zu sprechen. W. um seine Epilepsie zu lindern.nicht aber bei einem Patienten. einem Medizinhistoriker an der Universität von Kalifornien in San Fran.28 Menschen mit denselben Formen von Hirnschädigungen könnten völlig verschiedene Symptome zeigen. zuverlässige Aussagen über die Folgen von Hirnschädigungen für dieselbe Person zu machen. Als Alex acht Jahre alt war. daß er unter ständigen epileptischen Anfällen litt. Doch das Kriterium der Reproduzierbarkeit stellt für die Wissenschaft vom menschlichen Geist eine extreme Herausforderung dar. Zudem erschwere es die Plastizität des Gehirns sogar. der mit den Initialen J. Ein vermeintlicher Grundpfeiler der Naturwissenschaft ist ihre Fähigkeit. die damit verbunden seien. keine Besserung seiner sonstigen Symptome zu erwarten. weil sich alle Gehirne und alle psychischen Erkrankungen in relevanten Aspekten voneinander unterscheiden. Ein britischer Junge namens Alex stellt einen noch bemerkenswerteren Fall dar. W. schließlich veränderten sich Individuen mit der Zeit.

zuverlässige Aussagen über den Nutzen der Lobotomie zu machen – eines Verfahrens zur Behandlung schwerer Psychosen. Pressmans Fazit lautete: »Da jeder Mensch aus einer einmaligen Kombination von physiologischen Gegebenheiten. wie Phineas Gage. ob der frontale Kortex als Einheit funktioniert oder seine Aufgaben aufteilt«. noch immer nicht beantwortet hätten.31 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden Die Skepsis des Sokrates gegenüber der Anwendung physikalischer Überlegungen auf das menschliche Denken und Verhalten hat sich als außerordentlich weitsichtig erwiesen. die erstmals durch Gages Fall aufgeworfen worden waren. wie schwierig es sei. die Wissenschaftler »streiten sich weiterhin über die Frage. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort: Psychosurgery and the Limits of Medicine wies er darauf hin. stellt jeder Patient praktisch ein einzigartiges Experiment dar.58 . um des hundertfünfzigsten Jahrestages des Unfalls von Phineas Gage zu gedenken. eindeutig der Geschichte der Lobotomie entnehmen. Ein Konferenzteilnehmer erklärte tapfer. sozialer Identität und persönlichen Werten besteht. «30 Im September 1998 versammelten sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Cavendish. Einige Patienten schienen von dem Eingriff zu profitieren. bei dem die präfrontalen Faserverbindungen durchtrennt werden. Vermont. andere in einen geradezu katatonen Stupor.cisco. die . daß »die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen liegt«. daß die Forscher die Fragen. In einem Bericht über die Konferenz in Science wurde hervorgehoben. Einige Patienten verfielen in einen Zustand ungehemmter motorischer Erregung. anderen ging es schlechter als vorher. So besteht zwischen der Neurowissenschaft und Disziplinen.

Den Ärzten wird manchmal angelastet.mentale Phänomene auf höherer Organisationsebene betrachten. schrieb einmal: »Im Medizinstudium und in der ärztlichen Praxis klafft eine enorme Lücke zwischen dem Gebiet der Neurologie und der Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. Die Physiologie hat nicht genügend Erkenntnisse über das Verhältnis von Gehirn und Geist anzubieten. sahen die Psychiater in der Schizophrenie eine dopaminabhängige Störung und nicht mehr die Folge eines psychischen Traumas. psychische Krankheiten könnten biochemisch erklärt werden. der 1932 für seine Arbeiten über das Nervensystem mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. der sogenannten Monoaminoxidasehemmer und der trizyklischen Antidepressiva. Das stimmt zwar. Weil Neuroleptika wie Chlorpromazin und Reserpin die Konzentration des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn erhöhen. die eine oder die andere Seite zu kurz kommen zu lassen.«32 Der Aufstieg der Psychopharmakologie in den sechziger Jahren weckte die Hoffnung. daß Serotonin allein als Schlüssel zur Depression angesehen wird.) Doch selbst die Urheber dieser Neurotransmitter-Hypothese räumen ihre Schwachpunkte ein. Es gibt einen guten Grund dafür. ist aber auch nicht so wichtig. nährten Spekulationen. wie etwa der Psychiatrie. Die Entwicklung spezieller Antidepressiva. die die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin steigern. daß depressiven Erkrankungen ein Mangel an diesen Neurotransmittern zugrunde liege. um dem Psychiater eine echte Hilfe zu sein.59 . Der britische Neurophysiologe Charles Sherrington. (Bislang gibt es keine allgemein anerkannte Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit von Lithium bei manisch-depressiven Erkrankungen. eine eigentümliche Diskrepanz. der Psychiatrie. Angesichts der Allgegenwart eines Neurotrans. Die wachsende Beliebtheit der sogenannten Selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI) wie etwa Fluctin hat dazu geführt.

Lewis Judd. auf welche diese einzelnen Entdeckungen zutreffen. »Aber die beobachtbaren Verhaltensereignisse. Bis auf einen hatten alle Schizophrenen größere Hirnkammern . Neurowissenschaftler haben sich bemüht. Die Forscher verglichen die Gehirne von fünfzehn Schizophrenen mit den Gehirnen ihrer nichtschizophrenen eineiigen Zwillingsgeschwister. Neurowissenschaftler »machen grundlegende Entdeckungen von weitreichender Bedeutung«. Bislang haben diese Bemühungen entmutigend mehrdeutige Ergebnisse erbracht.mitters wie Serotonin und der Vielfalt seiner Funktionen ist sein Erklärungswert als Kausalfaktor für die Entstehung von Depressionen genauso gering wie etwa der von Blut.beziehungsweise der Medikamente. schrieb der an Harvard lehrende Psychologe Jerome Kagan einmal. daß auch viele normale Menschen relativ große Hirnkammern besitzen und daß dies andererseits bei vielen Schizophrenen nicht der Fall ist. daß die Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns ist«. Zudem sind Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen nicht so wirksam.flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Zentrum des Gehirns . der »unwiderlegbare Beweise dafür erbracht hat. sind viel. ob die vergrößerten Hirnkammern eine Ursache oder eine Folge der Schizophrenie waren . Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang eine vielzitierte MRT-Studie. Folgestudien ergaben. Auch zwischen der Neurowissenschaft und der Psychologie gibt es eine beunruhigende Spaltung. der damalige Direktor des National Institute of Mental Health. die 1990 am National Institute of Mental Health durchgeführt wurde. pries die Studie als einen »Markstein«.60 .als ihre nichtschizophrenen Geschwister. wie oft behauptet wird. die zu ihrer Behandlung eingesetzt wurden. indem sie das Gehirn von psychisch Kranken mit der PET und anderen bildgebenden Verfahren untersuchten. physiologische Entsprechungen für die Schizophrenie und andere Erkrankungen zu finden.33 Leider konnten die Forscher jedoch nicht feststellen.

. der Mutationen. Der Fortschritt in der Biologie war durch wegweisende Entdeckungen gekennzeichnet.«34 Mit diesem Aspekt der »Erklärungslücke« befaßte sich ein 1998 im American Scientist erschienener Aufsatz mit dem Titel »Psychological Science at the Crossroads«35. Sie fanden heraus. der Mendelschen Gesetze der Vererbung. Die Psychologie hingegen zeichnete sich durch eine peinlich lange Folge von »Theorien« aus. ausnahmslos Psychologen. der sich für Ideengeschichte interessiert.] von entscheidender Bedeutung ist die Aufklärung des Zusammenhangs zwischen molekularen und Verhaltensereignissen.. dürfte über die folgenden bemerkenswerten Unterschiede zwischen Fortschritten in der Biologie und Fortschritten in der Psychologie verwundert sein. der DNA und des genetischen Codes. in der Psychologie wahrgenommen zu werden. Die drei Verfasser. der Chromosomen.61 . während sie den Fortschritt im Bereich der Biologie gekennzeichnet hat.die Entdeckung der Zellen. Jeder Bereich besitzt eine gewisse Unabhängigkeit. suchten in den vier einflußreichsten psychologischen Fachzeitschriften .fach unklar [. Smythies von der Universität von Kalifornien in San Diego haben unlängst in einem Aufsatz in Nature auf diesen Punkt hingewiesen: Jeder.neurowissenschaftliche Quellenangaben. allerdings nach unseren Erhebungen nicht in der Hauptströmung der Psychologie. Annual Review of Psychology. die im Grunde nichts anderes waren als flüchti.« Bislang ist es der Neurowissenschaft nicht gelungen. Die Neurowissenschaftler V. »Der Stellenwert der Neurowissenschaft nimmt zweifelsfrei zu. Psychological Bulletin und Psychological Review .American Psychologist. S. daß sich die enorme Zunahme der neurowissenschaftlichen Forschung nicht in den Zitaten in psychologischen Aufsätzen widerspiegelte.J. die jeweils zu einem Quantensprung in unserem Wissen führten . Ramachandran und J.

ist die Psychoanalyse. die ihren Erfinder überlebt hat. vielleicht unabhängig von seinen spezifischen Theorien. daß die Neurowissenschaft möglicherweise eines Tages die Psychoanalyse bestätigen würde. erhellen könne. Als ich ihn fragte. ob er glaube. das manchmal während einer Psychoanalyse auftrete. ist die Tatsache. Bloom erwog sogar. er sei vor zwanzig Jahren zu der Überzeugung gelangt. wohl eher eine Ausnahme unter den Neurowissenschaftlern. weshalb ich Freud. daß die Neurowissenschaft vielleicht den plötzlichen Perspektivwechsel beziehungsweise das plötzliche »Umschalten in einen anderen intellektuellen Gang«.36 Eine psychologische Mode beziehungsweise »Theorie«. Susan Greenfield von der Universität Oxford ist Direktorin der britischen Royal Institution und eine der bekanntesten Neurowissenschaftlerinnen Großbritanniens.62 . in ein psychoanalytisches Institut einzutreten. um Stoff für sein Projekt zu sammeln. die nur selten die Personen überlebten.«37 Greenfields Sympathie für Freud wird von Floyd Bloom geteilt. dem Leiter der Abteilung Neuropharmakologie am Scripps-Forschungsinstitut und Autor mehrerer Bücher über Neurowissenschaft sowie Herausgeber des Wissenschaftsmagazins Science. durch die Gene in beliebig . finden einige der führenden Neurowissenschaftler Freuds Ideen noch immer höchst plausibel. äußerte sie 1997 gegenüber einem britischen Journalisten. er entschied sich nur deshalb dagegen. antwortete er: »Ich schließe dies nicht aus. die sie erfunden hatten.ge Modeerscheinungen. Obgleich die Psychoanalyse in gewissen naturwissenschaftlichen Kreisen zum Inbegriff der Pseudowissenschaft geworden ist. daß er ein Pionier war«. »Allerdings bin ich mit meiner Ansicht. daß Freud eine wichtige Inspirationsquelle war. weil eine unerwartete Innovation in der Molekularbiologie.« 38 Er sagte mir. bewundere. »Einer der Gründe.

stritt sich oft heftig mit mir über Freud. gilt für mich und nichts davon für dich. was Freud sagt. Freud sei unwissenschaftlich und womöglich ein Scharlatan gewesen.« Er schrieb über das Unbewußte: Mein Freund Jacques Monod. Ich vertrat die Meinung. antwortete: ›Ich kenne meine Beweggründe vollständig und bin für meine Handlungen voll verantwortlich. Kalifornien. Edelman widmete sein Buch Göttliche Luft. wenn auch vielleicht nicht in unserem Sinn ein Wissenschaftler. ein Molekularbiologe. sieh es doch mal so: Alles. eine populärwissenschaftliche Darstellung seiner Theorie des Geistes. der für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Monod. der Direktor des Zentrums für Neurobiologie und Verhalten an der ColumbiaUniversität. lieber Freund. Kandel ist durch die Kombination von scharfem Verstand und einschüchterndem Auftreten seit Jahrzehnten die beherrschende Gestalt der Neurowissenschaft. Nachfahre strenger Hugenotten.‹ Er antwortete: ›Genau. In viel Weisheit viel Traurigkeit. wobei er darauf bestand.‹39 Psychoanalyse und Seehasen Angetan von Freud ist auch Eric Kandel. vernichtendes Feuer.‹ Verzweifelt sagte ich einmal: ›Jacques. ihn wieder ins Labor lockte. daß Freud. später auf Neurowissenschaft umsattelte und heute das Institut für Neurowissenschaft in La Jolla.63 . so doch besonders in seiner Sicht des Unbewußten und dessen Rolle für das Verhalten ein großer intellektueller Wegbereiter gewesen sei. Charles Darwin und Sigmund Freud.großen Zahlen vervielfältigt werden konnten. 40 Er ist . leitet. Sie sind alle bewußt. zwei »intellektuellen Bahnbrechern. Ein anderer hochkarätiger Freudophiler ist Gerald Edelman.

41 und hat darüber hinaus viele populärwissenschaftliche Darstellungen der Neurowissenschaft maßgeblich beeinflußt. um sich zu beschweren und ihnen Ratschläge zu erteilen. Principles of Neural Science und Essentials of Neural Science and Behavior. sondern das der Aplysia californica zu erforschen. Je öfter man diese Stimulation wiederholt. zieht sie sich ruckartig in einen Mantel zurück. man kann sie mit bloßem Auge sehen. Wenn sie an einer bestimmten Stelle mit einem Wasserstrahl bespritzt wird. wie sie die Berichterstattung verbessern könnten. Die Aplysia war ein vollkommenes Versuchsobjekt für Kandels Untersuchungen über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses und des Lernens.Mitautor von zwei herausragenden neurowissenschaftlichen Lehrbüchern. bis sie den Reiz schließlich völlig ignoriert. dem Scientific American oder anderen Publikationen mißfällt. um so lustloser zieht sie sich zurück. der Sensibilisierung genannt wird -. sich schon bei der leichtesten Berührung zurückzu. nicht das Nervensystem vom Homo sapiens. Er beschloß. ruft er Herausgeber und Reporter an. Kandel und seine Mitarbeiter erzeugten das Gegenteil der Habituation .einen Effekt. den Wasserstrahl nicht mit Gefahr zu assoziieren. Der in Wien geborene Kandel studierte an der New-York Universität und der Harvard-Universität Psychiatrie.42 Wenn ihm die Berichterstattung über die Neurowissenschaft in der New York Times. die einmal plastisch als eine »purpurrot-grüne Folienkartoffel mit Ohren« beschrieben wurde. indem sie die Aplysia wiederholt bespritzten und ihr gleichzeitig einen Elektroschock verabreichten.64 . Das Tier lernte rasch. einer Seehase genannten Meeresschnecke. doch zu Beginn der sechziger Jahre spezialisierte er sich auf Neurowissenschaft. die bislang wissenschaftlich beschrieben wurden. Durch diesen Habituation (Gewöhnung) genannten Prozeß lernt die Meeresschnecke. 43 Die Nervenzellen dieses Geschöpfs sind die größten.

umgekehrt schütteten sensibilisierte Neuronen mehr Neurotransmitter aus. Kandels Arbeitsgruppe zeigte. daß dieses Protein. das CREB (cyclic-AMP-responsive element binding protein] genannt wird. das Feld jüngeren Kollegen zu überlassen. Diese Experimente lieferten empirische Belege für eine Hypothese. Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses ins Langzeitgedächtnis zu überführen. In einem Alter. der als ein potentielles »E = mc2 des Geistes« hochgejubelt wurde 44 . Der Verfasser . die den Rückzugsreflex der Aplysia steuern.65 . wird das Protein chemisch neutralisiert. der Aplysia dabei hilft. die sie mit benachbarten Neuronen verbinden. ist Kandel noch immer sehr aktiv. das offenbar als ein Schlüsselschalter bei der Bildung von Erinnerungen fungiert.ziehen. In den neunziger Jahren führten Kandel und seine Mitarbeiter Experimente mit einem Stoff durch. Ein im Februar 1998 im New York Times Magazine erschienener Artikel über Gedächtnisforschung enthält ein ganzseitiges Foto von Kandel. kann die Meeresschnecke die Langzeiterinnerungen.ein Protein. Bei der Habituation schütteten die Neuronen weniger Neurotransmittermoleküle in die synaptischen Spalte aus. die charakteristisch für Sensibilisierung und Habituation sind. daß sowohl Habituation als auch Sensibilisierung molekulare Veränderungen in den Neuronen auslösen. Zusammen mit anderen Gruppen zeigte Kandels Team. daß Lernprozesse die Stärke der Verbindungen zwischen Neuronen verändern. die erstmals in den fünfziger Jahren von Donald Hebb formuliert wurde und die besagt. Mäusen und anderen Lebewesen durchgeführt. auf dem er ein blaugestreiftes Hemd und eine rote Fliege trägt und eine schleimig glänzende Aplysia in der Hand hält. Dieser Hebbsche Mechanismus dient als Grundlage für ein Modell der Künstlichen Intelligenz. in dem die meisten Wissenschaftler bereit sind. das sich auf sogenannte neuronale Netze stützt (die ich im siebten Kapitel behandeln werde). Andere Forscher haben ähnliche Experimente an Taufliegen. nicht bilden.

Kandel äußerte diese Hoffnung in seinem Beitrag »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. Psychoanalytiker zu werden. daß sich Kandel für die Psychoanalyse interessiert habe. 45 Kandel versuchte. wie etwa traumatische Ereignisse in der Kindheit. . Aus diesen Befunden folge. In gleicher Weise könnten die Psychoanalyse und andere Psychotherapien langfristig heilsame Wirkungen auf genetischer Grundlage herbeiführen. daß seine Experimente und die Experimente von anderen gezeigt hätten. das Medikamente vermarktet.des Artikels weist darauf hin. an das theoretische und therapeutische Potential der Psychoanalyse zu glauben.und ausschalten oder ihre Ausprägung anderweitig beeinflussen. daß Kandel sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere einer Psychoanalyse unterzogen und sogar erwogen hatte. bevor er sich der Neurowissenschaft zuwandte. hörte er nie auf. indem er ein Unternehmen mit dem Namen Memory Pharmaceuticals gründete. Was der Artikel nicht erwähnte. durch neurochemische und genetische Wirkungen Neurosen verursachen können. Der Artikel erwähnte. kommerzielles Kapital aus seinen wissenschaftlichen Errungenschaften zu schlagen. der im April 1998 im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. war. Er hat die Hoffnung. die angeblich den Gedächtnisverlust verlangsamen.66 . Konkreter ausgedrückt heißt das: Habituation und Sensibilisierung von Neuronen können Gene ein. aufhalten oder sogar umkehren. 47 Er wies darauf hin. Obgleich ihn »die Neurobiologie auf fruchtbare Weise abgelenkt hat«46 (wie es die Times formulierte). daß Erfahrungen physikalische Veränderungen in den Neuronen herbeiführten. daß Kandel »einen Großteil der bahnbrechenden Forschungsarbeiten über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses durchgeführt hat« und weiterhin zu den Spitzenforschern auf seinem Gebiet zähle. daß Freuds Theorien über die Psyche eines Tages durch die Neurowissenschaft erhärtet werden. daß Erfahrungen.

schnitt Kandel eine Grimasse und schüttelte den Kopf. befinden sich Psychiatrie und Neurowissenschaft heute in einer neuen und besseren Lage. das Bemühen um ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen des Verhaltens zu bereichern. Wie andere Neurowissenschaftler. Doch das Gedächtnisproblem sei »noch weit von einer Lösung entfernt«. ob er glaube. als er ein Resümee der Errungenschaften seiner Disziplin zog. die an ihrer Lösung arbeiteten. höchstens die Wissenschaftler. sagte er nachdenklich. der große Neurowissenschaftler Ramon y Cajal habe einmal gesagt. Speicherung und Abrufung einer Erinnerung zusammenwirkten. schwankte auch Kandel zwischen Stolz und Demut. versank die blutrote Sonne hinter der Silhouette der Hochhäuser von New Jersey. 48 Von seinem Büro aus hat man einen malerischen Ausblick auf den Hudson River.67 .»Aufgrund von Fortschritten. die die Neurowissenschaft in den letzten Jahren gemacht hat. daß das CERB-Protein und andere Entdeckungen die gemeinsame Grundlage vieler unterschiedlicher Typen von Gedächtnis enthüllen könnten. so Kandel weiter. Probleme seien niemals erschöpft.« Die meisten wissenschaftlichen Disziplinen. um sich einander anzunähern . »Wir haben keinen blassen Schimmer von alldem. wechselten zwischen Phasen wachsender Komplexität und Phasen zunehmender Vereinheitlichung. auf welche Weise die verschiedenen Regionen des Gehirns bei der Codierung. Konsolidierung. das Gedächtnis werde bald ein »gelöstes« Problem sein. so wie die Aufklärung der Struktur der DNA ein einheitliches Modell der Vererbung geliefert habe. und als wir uns die Hand gaben. »Wir befinden uns heute in einem Zeitalter der Aufspaltung. Es sei möglich. Die Forscher müßten erst noch klären. die ich interviewt hatte. Als ich ihn fragte. Er erklärte.« Ich traf Kandel Ende 1997 in seinem Büro im sechsten Stock des Instituts für Psychiatrie in Manhattan. die den Einsichten der psychoanalytischen Betrachtungsweise erlauben würde.« Er habe .eine Annäherung.

»Die Psychoanalyse machte eine Phase durch. Jetzt wenden wir uns den kniffligsten zu. daß sie ihre Interessen auf sämtliche psychiatrischen Erkrankungen und alle Gebiete der Medizin ausdehnte.das Dilemma des Reduktionismus. »Das ist meines Erachtens eine sehr fruchtbare Methode«. »es zerlegt das Bild. daß das Problem des binding . Kandel sagte. um die Flut neuer Erkenntnisse einzubringen. Doch wie Torsten Wiesel und Gerald Fischbach betonte auch er. tut sie es vermutlich nur in einer begrenzten Reihe von Umständen. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Neurowissenschaftler dachte Kandel. die die Psychiatrie in den fünfziger und sechziger Jahren beherrschten. da sie ihre eigenen Methoden nicht hinterfragt und nicht auf den Prüfstand gestellt hätten. Forschungen an lebenden Primaten. es zerlegt alle Empfindungen und setzt sie dann wieder zusammen«. Soweit sie funktioniert.noch immer weitgehend ungelöst sei. . in der sie so sehr von ihrer Macht überzeugt war. eine Mitschuld an diesem Stillstand treffe. daß die Psychoanalytiker. um meinen Begriff zu gebrauchen . wie das Gehirn sein Bild der Wirklichkeit erzeugt. wie sie von Patricia Goldman-Rakic und anderen durchgeführt würden. Das Gehirn bilde die Welt nicht in der gleichen Weise wie eine Kamera ab. »Die einfachen Probleme sind gelöst. könnten Anhaltspunkte dafür liefern. Das trug mit zu ihrem Niedergang bei. so Kandel.sein zum Klassiker avanciertes Lehrbuch Principles of Neural Science seit der Erstveröffentlichung 1981 dreimal aktualisieren müssen. wie das Gehirn aus vielen verschiedenartigen Elementen Bilder der Wirklichkeit zusammensetze.« Die Psychoanalytiker seien zudem »pflichtvergessen« gewesen.68 . Offensichtlich fand diese Synthese nicht statt. sei die Frage. meinte Kandel. es würde zu einer »raschen Verschmelzung« zwischen Neurowissenschaft und Psychiatrie kommen.« Ein zentrales Problem der Neurowissenschaft.

was es zweifellos tue. »weshalb dies weniger wert sein soll als die Einnahme von Fluctin?« Selbst wenn Studien die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nicht nachweisen könnten.« Zu Beginn dieses Jahrhunderts diente die Psychoanalyse als ein Gegengewicht zu den Auswüchsen des Behaviorismus.seine eigene Analyse habe ihn zu einem glücklicheren Menschen gemacht. doch ihre therapeutische Wirksamkeit zu beweisen sei eine ganz andere Sache. versicherte mir Kandel -. daß Psychotherapien günstige Veränderungen im Gehirn herbeiführten. wonach das Gehirn die Wirklichkeit kon.Viele der grundlegenden Ideen Freuds .« Wenn das Gespräch mit einem Freund. Forschungen könnten zeigen. fruchtbare Betrachtungsweise der menschlichen Psyche.seien längst Gemeingut geworden. »Halten sie einer empirischen Überprüfung stand und unter welchen Umständen? Sind sie universell? Und was noch wichtiger ist: Hat die Psychoanalyse eine therapeutische Wirkung. Das wäre hervorragend.« Doch blieben Fragen zu spezifischeren Aspekten der Freudschen Theorie. offen. wie etwa der genauen Art und Weise. die »so spezifisch sind wie die Wirkungen von Medikamenten . bleibe sie eine »sehr humane.69 . der ein »sehr flaches« Bild der psychischen Repräsentation entworfen habe. in der Kindheitserfahrungen verschiedene Persönlichkeitszüge und -Störungen hervorbrächten. unter welchen Umständen?« Er sei »intuitiv« von der Wirksamkeit der Psychoanalyse überzeugt .vielleicht sogar spezifischer. einem Seelsorger oder einem Therapeuten Veränderungen im Gehirn auslöse. stelle sich die Frage. Die Psychoanalyse habe auch die Entdeckung der modernen Neurowissenschaft und kognitiven Psychologie vorweggenommen. so Kandel. und wenn ja.wie etwa seine Behauptung. »Meiner Meinung nach werden sie heute praktisch von jedermann akzeptiert. daß Konflikte in der Kindheit unsere Persönlichkeit formten und daß ein Großteil unseres psychischen Lebens unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufe .

Man würde sich wünschen. aber das könnte das ganze Geheimnis sein. die man heute zur Neurowissenschaft zählt. darunter auch eine Monographie über Aphasie und andere . Die Psychoanalyse »kann uns daher schlimmstenfalls eine Weltanschauung [dt. 49 Er erforschte das Nervensystem von Neunaugen und Flußkrebsen.« Freud als Neurowissenschaftler Ironischerweise schien Freud selbst gegen Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn zu bezweifeln. die recht fruchtbar ist. Gesundbeter seien viel öfter Scharlatane und Betrüger als Psychoanalytiker. daß uns die Neurowissenschaft tiefe Erkenntnisse über die menschliche Psyche verschaffen könne.« Kandel widersprach der Behauptung. die der anerkannten Wissenschaft näherstünden.« Es sei möglich. daß sie eine wirklich nützliche Therapie ist. sondern nur. Bevor Freud die Psychoanalyse begründete. »Das soll nicht heißen. ein solcher Befund stelle die Psychoanalyse auf eine Stufe mit dem Gesundbeten. daß man unter gut ausgebildeten Ärzten keine Scharlatane findet. so Kandel.struiere und nicht bloß abbilde. daß mehr dahintersteckt. um das Vertrauen des Patienten für therapeutische Zwecke einzuspannen. Bestenfalls mag sich herausstellen. auf den Placebo-Effekt. und von 1882 bis 1885 arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien intensiv mit hirngeschädigten Patienten.70 . im Original] liefern. Psychiater und andere. Er veröffentlichte über dreihundert Aufsätze und fünf Bücher über Neurobiologie. »Vielleicht ist die Psychoanalyse lediglich eine sehr wirkungsvolle Methode. daß der Erfolg einer psychoanalytischen Behandlung auf die Erwartungen des Patienten zurückzuführen sei – anders gesagt. verbrachte er über zehn Jahre mit Forschungen. daß die statistische Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ist.

als Q aufzufassen. schien er die Möglichkeit. An seinen Freund Wilhelm Fliess schrieb er: »In einer fleißigen Nacht der verflossenen Woche [. ein rein psychologisches Modell der Psyche zu entwerfen. das Ding sei jetzt wirklich eine Maschine und werde nächstens auch von selber gehen. das heißt psychische Vorgänge darzustellen als quantitativ bestimmte Zustände aufzeigbarer materieller Teile [und sie] damit anschaulich und widerspruchsfrei zu machen. Enthalten [sind] zwei Hauptideen: [1. was Tätigkeit und Ruhe unterscheidet. kurz vor seinem Tod. eine naturwissenschaftliche Psychologie zu liefern. man bekam den Eindruck. November 1895 schrieb er wieder an Fliess: »Den Geisteszustand. die Psychoanalyse. und man konnte durchschauen vom Neurosendetail bis zu den Bedingungen des Bewußtseins. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Karriere bezweifelte Freud immer stärker. 2. und am 29.] haben sich plötzlich die Schranken gehoben. die Hüllen gesenkt. etwa unter Bezugnahme auf die unlängst entdeckten Neurone.71 .) als materielle Teilchen die Neurose zu nehmen. in dem ich die Psychologie ausgebrütet. Es schien alles ineinanderzugreifen. die dem allgemeinen Bewegungsgesetz unterworfen [ist].. das Räderwerk paßte zusammen.« 50 Im selben Jahr umriß Freud seine Vision einer physiologisch begründeten Theorie der Psyche in einem Manuskript.)] das. das später Entwurf einer Psychologie genannt wurde: »Es ist die Absicht. die durch Schädigungen am zentralen Nervensystem verursacht werden. .« 51 Freud hat dieses Manuskript nie veröffentlicht.. daß man die Psyche und ihre Störungen rein physiologisch erklären könne.52 Unmittelbar im Anschluß an diese Periode begann er.Krankheitsbilder. Im Jahr 1938. daß die menschliche Psyche und ihre Erkrankungen auf rein physiologischer Grundlage erklärt werden könnten. Im Jahr 1895 war Freud für kurze Zeit davon überzeugt. verstehe ich nicht mehr«.

auszuschließen: Von dem. Alles dazwischen ist uns unbekannt. Wenn sie bestünde. ist diese Prophezeiung bislang in Erfüllung gegangen. andererseits unsere Bewußtseinsakte.72 . Aufgrund des Unvermögens der Neurowissenschaft. . was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen. daß die Erklärungslücke möglicherweise nie geschlossen werde. erstens das körperliche Organ und Schauplatz desselben. ist uns zweierlei bekannt. das Gehirn (Nervensystem). die unmittelbar gegeben sind und uns durch keinerlei Beschreibung nähergebracht werden können.daß die Psychologie jemals mit der Neurowissenschaft vereinigt würde. Wie Sokrates über zweitausend Jahre vor ihm schien Freud sagen zu wollen. würde sie höchstens eine genaue Lokalisation der Bewußt53 seinsvorgänge liefern und für deren Verständnis nichts leisten. Freuds Theorien zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen. eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens ist nicht gegeben.

WARUM FREUD NICHT TOT IST So ist es durchaus möglich. der Vorsitzende der Fachgruppe 39 und ein bekannter New Yorker Psychoanalytiker.73 . hatten fünf Tage lang im opulenten Waldorf-Astoria in New York City getagt. Doch ich war wegen Diskussionsforen gekommen.2 Etwa vierhundert Mitglieder dieser Gruppe. mit dem sie gegenwärtig konfrontiert seien: »dem Überleben der Psychoanalyse im besonderen und der langfristigen psychodynamischen Behandlung beliebiger Art unter den Rahmenbedingungen der neuen integrierten Gesundheitsfürsorge (managed health care). unverhohlen zum Ausdruck. Morris Eagle. Probleme sprachlichen Wissens 1 einem regnerischen Frühlingstag des ich Anim Ballsaal eines Hotels und lauschteJahres 1996 saßZahl einer großen von Freuds intellektuellen Nachfahren. in überwältigender Weise wahrscheinlich. eröffnete die Sitzung mit der Empfehlung. Die Befürchtungen kamen bei einer »offenen Diskussionsrunde«.« . eines Refugiums treuer Anhänger der Psychoanalyse. die Teilnehmer sollten sich mit dem »Hauptproblem« befassen. Das offizielle Thema des Treffens klang beschwingt: »Psychoanalysis: A Creative Journey«. Selbstmord oder stark übertriebenes Gerücht?« »Psychoanalytische Technik: Hat sie eine Zukunft?« und »Psychoanalyse auf dem Rückzug«. daß wir über das menschliche Leben und die menschliche Persönlichkeit aus Romanen immer mehr erfahren werden als durch wissenschaftliche Psychologie.2. in denen unerfreulichere Themen behandelt wurden: »Der Tod der Psychoanalyse: Mord. die ihre Befürchtungen und Wünsche enthüllten. und wie man vermuten könnte. Der Anlaß war ein Treffen der Fachgruppe 39 der American Psychological Association. NOAM CHOMSKY. bei der Mitglieder der Fachgruppe 39 jedes beliebige Thema ansprechen konnten.

daß wir auf empirischer Basis gewinnen können«. und leider beginnt die Öffentlichkeit dies zu begreifen«. in der neuerdings so wettbewerbsintensiven Atmosphäre. Ein anderer bekundete seine Verwunderung darüber. die durch die integrierte Gesundheitsfürsorge erzeugt worden sei. Jedesmal wenn jemand die Psychoanalyse in der Öffentlichkeit »heruntermacht«. Ein Psychoanalytiker beklagte sich. ihren Gegnern in die Hände spielen könnten. »Ich glaube nicht. der Vorsitzende. so der Vorschlag einer Frau. daß es der Psychoanalyse »in so kurzer Zeit gelungen ist.74 . daß das Vorlesungsverzeichnis des Colleges seiner Tochter keinen einzigen Kurs über Freud anbiete. daß die Psychoanalyse die medizinischen Kosten. die die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nachweisen sollten. Der einzige Weg. Andere äußerten ihre Zweifel. daß Studien. sei der empirische Nachweis ihrer Überlegenheit im Vergleich zu anderen Behandlungsverfahren. die Arbeitsausfallzeiten und den Alkoholismus verringern könne. wies warnend darauf hin. Ein anderer bestätigte. stimmte ein anderer zu. solle. Gegner der Psychoanalyse fänden sich sogar innerhalb der Dachorganisation der Fachgruppe 39. Eagle. die Psychoanalyse zu stützen. daß wir ein besseres Produkt haben«.Teilnehmer der Diskussionsrunde schlugen verschiedene Gegenmaßnahmen vor. »müssen wir nachweisen. Im Verlauf des Treffens wurde die Stimmung immer gedrückter. existentiellen Basis« beurteilt werden. der Nutzen der Psychoanalyse könne lediglich auf einer »subjektiven. daß »man mit statistischen Daten alles beweisen kann. meinte ein Mann. die Psychoanalytiker müßten Studien durchführen. so viele Menschen gegen sich aufzubringen und sich selbst in eine derartige Außenseiterposition zu manövrieren«. ein Mitglied der Fachgruppe 39 darauf mit einem Aufsatz oder Leitartikel entgegnen. Ein ehemaliger Mathematiker stand auf und erklärte. der Ame. die bewiesen.

. daß ich in den Ruhestand trete«. Sie beklagte bitterlich.6 Der russische Romancier Vladimir Nabokov nannte Freud einen »Schamanen« und »Wiener Quacksalber«. da Freud seine Theorien öffentlich vorzustellen begann. die von ihren natürlichen Verstecken aus das Liebesleben ihrer Eltern ausspionieren«7.4 Im Jahr 1916 monierte die Zeitschrift Nation. seufzte sie.. er erregte sich über »die vulgäre. meinte er in mürrischem Tonfall. daß sie ihre Praxis weiterhin rentabel führen könnten. daß sie und andere Psychoanalytiker in ihrer Region wachsende Schwierigkeiten hätten.. Viele ihrer Kollegen nickten und murmelten in düsterer Zustimmung. wenn sie kranken Patienten keine Medikamente verschreibe.rican Psychological Association. Von dem Augenblick an vor hundert Jahren. daß sie aufgrund neuer Gerichtsurteile wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht verklagt werden könne. Im Jahr 1896 wurde Freuds brandneue Theorie über die sexuellen Ursachen der Hysterie als »ein wissenschaftliches Märchen« verhöhnt. 3 Eine im Jahr 1913 erschienene Rezension der Traumdeutung. daß manche Paranoiker tatsächlich Feinde haben.] ihren bösen kleinen Embryos. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren überleben werde. so viele Patienten zu halten. schäbige und im Grunde mittelalterliche Welt Freuds mit [.75 . Ein anderer wies darauf hin. daß die Psychoanalyse »weder theoretisch noch empirisch wohlbegründet ist«5. findet darin »ein völliges Fehlen der Merkmale. daß Freud selbst gegen Ende seines Lebens bezweifelt habe. Ein altes Bonmot besagt. die zum wissenschaftlichen Fortschritt führen«. wonach der Mond aus Molkenkäse besteht«. die viele für Freuds bedeutendstes Werk halten. Eine Frau aus La Jolla in Kalifornien erklärte. »Vielleicht ist es Zeit. wurden sie unerbittlich angegriffen. und im selben Jahr verglich die Zeitschrift Current Opinion Freuds »Sexualtheorie« mit der »Hypothese.

die spezifische Probleme angehen und nicht tief in der Vergangenheit eines Patienten graben. ein Historiker an der Stanford-Universität. sie verherrliche den Begründer der Psychoanalyse zu sehr. Freud Evaluated und Unauthorized Freud 8 versuchten. Nur wenige Menschen haben die Zeit und das Geld für eine Behandlung.Die Attacken auf Freud wurden in den letzten Jahren heftiger.9 Die Kräfte des freien Marktes haben der Psychoanalyse schweren Schaden zugefügt.darüber beschwert hatte. als Autoren von Büchern wie Freudian Fraud. »Sie . kommt ein anderes. enthielt der zugehörige Katalog Beiträge von mehreren führenden Freud-Kritikern. Unterdessen verschreiben Psychiater und andere Ärzte für weitverbreitete Leiden wie Depression und Angst in zunehmendem Maße Medikamente statt Gesprächstherapien. das Partei für ihn ergreift. in Freud and His Critics. prophezeite Paul Robinson. weshalb verwendeten dann so viele Kritiker noch immer so viel Energie auf den Versuch.76 . einen Pfahl durch Freuds Herz zu treiben. die bis zu fünf einstündige Sitzungen pro Woche für jeweils hundert Dollar erfordert und in der Regel mehrere Jahre dauert. Wäre Freud tatsächlich tot. Why Freud Was Wrong. wie das Magazin Time die Frage zu stellen: »Ist Freud tot?«10 Wohl kaum. Als die Ausstellung schließlich im Herbst 1998 eröffnet wurde. Angesichts all dieser Trends ist es nur recht und billig. Im Jahr 1995 verschob die Library of Congress eine lange geplante Ausstellung über Freud. daß Freud nach wie vor unzählige Verteidiger hat. auf jedes Buch. ihn zu töten? Die Antwort lautet natürlich. nachdem sich ein Bündnis von Protestierenden .darunter Freuds Enkelin Sophie . »Freuds jüngste Kritiker werden ihm keinen bleibenden Schaden zufügen«. das Freud angreift. Einer davon war der britische Historiker Frank Cioffi. der den Glauben an die Psychoanalyse mit dem Glauben an das Ungeheuer von Loch Ness verglich. Viele Patienten und alle Krankenversicherungen bevorzugen Kurztherapien.

Eine Auswertung des Schrifttums auf diesen Gebieten ergab.haben allenfalls den unvermeidlichen Prozeß hinausgezögert. und die Zahl der Kandidaten an den Ausbildungsinstituten nimmt zu. 14 Die Zahl der Mitglieder in der American Psychoanalytic Association. daß nur Lenin.und Sozialwissenschaften besonders stark. 15 Die International Psychoanalytic Association hat mehr als neuntau. benutzen ihn als einen Bezugspunkt für die Beurteilung und Erklärung neuerer Ideen. daß sich seine Präsenz indirekter bemerkbar macht. Shakespeare.etwa daß unbewußte Prozesse unser Verhalten beeinflussen und daß sich frühkindliche Erfahrungen auf die Entwicklung von Erwachsenen auswirken . Freud skeptisch oder gleichgültig gegenüberzustehen. sondern nur.77 . ist in den letzten zehn Jahren mit etwa dreitausend erstaunlich konstant geblieben. Tatsächlich gehören viele von Freuds Grundideen . die es eigentlich besser wissen sollten.« 11 Freuds Einfluß ist in den Geistes. Zwar ist die Zahl der Zitate aus psychoanalytischen Werken laut der schon erwähnten Erhebung aus dem Jahr 1998 in den wichtigsten psychologischen Fachzeitschriften im Verlauf der letzten Jahrzehnte rückläufig. 12 Die Freudophilie hat auch jene Wissenschaftler angesteckt.mittlerweile zum Gemeingut der wissenschaftlichen Psychologie. Wie das Denken im Kopf entsteht von dem Kognitionswissenschaftler Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology und Searching for Memory des in Harvard lehrenden Psychologen Daniel Schacter sind gespickt mit Verweisen auf Schriften Freuds. der ihm eines Tages den ihm gebührenden Platz in der Geistesgeschichte als Denker ersten Ranges zuweisen wird. Platon und die Bibel häufiger zitiert werden als Freud.« 13 Selbst Wissenschaftler. die erklären. Doch die drei Autoren beteuerten: »Dies bedeutet nicht. der größten psychoanalytischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten. daß ›Freud tot ist‹. Bücher wie Im Netz der Gefühle von Joseph LeDoux.

die seinen Theorien widersprachen. mutete mitunter geradezu komisch an. Ziegen. Einer der frühesten und noch immer triftigsten Einwände gegen die Psychoanalyse lautet. 18 Während des Ersten Weltkriegs. gab in seinem 1995 erschienenen Buch Why Freud Was Wrong eine Antwort: »Keine noch so überzeugende ablehnende Kritik der Psychoanalyse wird die von Freud aufgestellten Theorien jemals bündig widerlegen können. den Status einer gesetzlich anerkannten psychiatrischen Behandlungsmethode einräumte. sie könne praktisch jede Beobachtung erklären.) Die Psychoanalyse besteht fort. und nach ihren Angaben steigt die Zahl ihrer Mitglieder in Südamerika.send Mitglieder. die auf die Kindheit zurückgingen. So behauptete er immer wieder. weil es der Wissenschaft bislang nicht gelungen ist. 16 Die eigentliche Frage lautet daher: Weshalb ist Freud nicht tot? Richard Webster. Denn in der wissenschaftlichen Realität können schlechte Theorien nur von guten Theorien verdrängt werden.78 . die Stalin im Jahr 1930 zusammen mit sämtlichen Schriften Freuds verboten hatte. sie besitze eine nahezu grenzenlose Elastizität. in . von der Freudschen Psychologie befreien werde. wegzuinterpretieren. Im Jahr 1996 unterzeichnete der damalige russische Präsident Boris Jelzin ein Dekret. das der Psychoanalyse. Europa und in anderen Ländern. daß uns die darwinistische Psychologie. ein führender Freud-Kritiker. Neurosen seien »ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen«. empirische Befunde. die ich im sechsten Kapitel behandeln werde. daß man an Freud und seinen Nachfolgern keine berechtigte Kritik üben könne.« 17 (Webster prophezeite. eine eindeutig überlegene Theorie und Therapie der menschlichen Psyche aufzustellen. Freuds Fähigkeit. Schafe und der Ödipuskomplex Das soll nicht heißen.

Freud zufolge ist die Wahrscheinlichkeit. Kritiker behaupteten. Die Aufgabe des Psychoanalytikers bestehe darin. Ein zentrales Dogma der Psychoanalyse lautet. Freud und seine Anhänger benutz. »klinische Beweise« zu sammeln. diese Ereignisse durch seine Interpretation der Träume des Patienten. um so höher. er wolle den Vater töten und mit seiner Mutter schlafen. Erst wenn sich der Patient diesen Erinnerungen stelle. könne der Heilungsprozeß beginnen. Freud entkräftete dieses seines Erachtens »leichtfertige und voreilige« Argument in seiner Selbstdarstellung. gelinde gesagt.79 . seien Narzißten. daß die Psyche Erinnerungen an traumatische Kindheitsereignisse verdränge. 19 Er beteuerte. je traumatischer und bedeutsamer ein Erlebnis war. Freuds Methoden. ein Psychoanalytiker behaupte. drohe. der Junge zeige ein klassisches Ödipussyndrom. daß sich der Patient der Deutung des Psychoanalytikers widersetzt.schön! Wenn er sie verwirft. sie würden im Krieg durch die Gefahr. die 1924 veröffentlicht wurde. sämtliche Neurosen hätten eine sexuelle Ursache. die an einer Kriegsneurose litten. die eindeutig durch traumatische Kampfeinsätze ausgelöst wurden. die aus dessen Unbewußtem aufstiegen. die ihrem ursprünglichen Liebesobjekt. Wenn der Junge die Deutung annimmt . Soldaten. ausgehend von seiner Deutung der Träume eines jugendlichen Patienten. seelisch zerrüttet. egal ob diese real oder imaginär seien. aufzudecken. »Die vom Arzt erforderte Anstrengung war verschieden groß für verschiedene Fälle. waren ebenfalls. wurde diese dogmatische Sichtweise ernsthaft in Frage gestellt. widerlegten Freuds These. diese psychischen Störungen.dessen Verlauf Tausende von Soldaten an einer sogenannten »Kriegsneurose« oder »Granatenneurose« erkrankten. sie wuchs im geraden Verhältnis zur Schwere des zu Erinnernden.« 20 Nehmen wir an. ist diese Leugnung ein noch stärkerer Beweis dafür. fragwürdig. Wortassoziationen und andere »Daten«. nämlich ihrer eigenen Person. daß er ödipale Triebregungen verdrängt.

weshalb Freud so viele Feministinnen in Wut versetzt hat. 21 Kritiker der Psychoanalyse zeigten offenkundig Symptome von Verdrängung und Verleugnung.eine »Immunisierungsstrategie« . die ihren Kindern keine emotionale Zuwendung geben.. wenn auch nicht Freud selbst. er lebt in der Charaktereigenschaft der Eifersucht mit leichter Verschiebung fort. sexuelle Lust bereitet. hätten den Penisneid nicht überwunden und folglich nicht ihre wahre weibliche Natur erreicht. »weiß. daß sie es [das männliche Genitale] nicht hat. Um zu verstehen. Zugleich wiesen die Psychoanalytiker jedoch warnend darauf hin. wenn es zum ersten Mal den Penis eines Jungen sieht. (Ironischerweise wurde dieser Vortrag nicht von dem kränkelnden Freud gehalten. der Bedenken gegen die Psychoanalyse anmeldete.«23 Frauen. für Autismus und Schizophrenie verantwortlich. denen die Stimulation der Klitoris. und will es haben [. daß ein Mädchen. schrieb der Journalist Edward Dolnick in Madness on the Couch.ten dieselbe Strategie . daß auch allzu liebevolle Mütter ihren Kindern schaden könnten. »daß die Entfaltung der Weiblichkeit die Wegschaffung der Klitorissexualität zur Bedingung habe«24..) Freud behauptete. einer neueren Kritik an der freudianischen Psychiatrie. Freud verkündete. sondern von seiner Tochter Anna. gleich ob durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr. hört er nicht auf zu existieren. die die Mütter dämonisierten.80 . 25 . Noch in den siebziger Jahren machten viele psychoanalytisch ausgerichtete Psychiater »gefühlskalte« Mütter. muß man nur seine Schrift »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«22 lesen.als Verteidigungsmechanismus gegen jeden. »Frauen sind bei den Freudiänern niemals gut weggekommen«. haben Theorien über die Entstehung von Geisteskrankheiten verbreitet.] Auch wenn der Penisneid auf sein eigentliches Objekt verzichtet hat. Nachfolger Freuds.

26 Vaughan hat vom National Institute of Mental Health den Auftrag erhalten. integriert. Aus diesen und an. daß Lernvorgänge chemische Veränderungen in den Neuronen von Meeresschnecken erzeugen. dessen Entdeckungen »heute aufgrund unserer Erkenntnisse über das Gehirn an Plausibilität gewonnen haben«. daß sie »Psycho-Block« genannt wird. Freud aus wissenschaftlichen Gründen zu verteidigen. daß die kognitive Verhaltenstherapie und Fluctin ähnliche Änderungen im Gehirn von Zwangsneurotikern herbeiführten. Einen noch stärkeren Eindruck auf Vaughan machte der von Eric Kandel erbrachte Nachweis.27 Dennoch sei Freud »ein Genie« gewesen.« Zur Untermauerung ihrer These führte Vaughan mehrere Experimente an. so Vaughan weiter. Insbesondere seine Vorstellungen über die weibliche Sexualität seien »kulturabhängig und veraltet«. ist sonderlich überzeugend. daß es nicht allen Ideen Freuds gut ergangen sei. wie sich Psychotherapie auf das Gehirn auswirkt.Keiner der Versuche. Bei einem dieser Experimente hätten Aufnahmen mit einem Kernspinresonanztomographen gezeigt. Vaughans Argumentation stützt sich auf einen ziemlich augenfälligen Fehlschluß. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist das 1997 erschienene Buch The Talking Cure. Seine Autorin. ist Psychiaterin am New York State Psychiatrie Center und praktizierende Psychoanalytikerin. in der so viele Psychoanalytiker tätig sind.81 . zu erforschen. sie behandelt Patienten in einer Gegend von Manhattan. erlebt und deutet. Die Neurowissenschaft habe »zuverlässige naturwissenschaftliche Beweise« dafür geliefert. Weder die MRI-Studie an Zwangsneurotikern noch Kandels Forschungen an Schnecken sagen das geringste über die Psychoanalyse aus. Diese Umschaltung führt dazu. daß sowohl frühkindliche Erfahrungen als auch die Psychoanalyse »die Verschaltung der Neuronen im Gehirn ändert. In The Talking Cure räumte sie ein. Susan Vaughan. daß man Informationen und Emotionen auf andere Weise verarbeitet.

Eines Tages werde die Neurowissenschaft vielleicht zeigen. Man muß es nachweisen. doch dieser Zusammenhang sei bislang noch keineswegs bewiesen. und die Aussage bliebe genauso gültig. aber wohl kaum eine zündende Untermauerung der Psychoanalyse. Das gilt für jegliche Erfahrung! Es handelt sich um eine Binsenwahrheit. weisen eindeutig nicht die Gültigkeit der Psychoanalyse als Theorie oder ihre Wirksamkeit als Psychotherapie nach. daß Freud ein geradezu unheimliches Geschick besaß. daß die Psychoanalyse therapeutisch wirksam sei.82 . Seine Studien an Meeresschnecken seien zwar anregend. beanstandete Kandel während meines Interviews mit ihm. daß Kindheitserlebnisse und die Psychoanalyse die »Verschärfung der Neuronen im Gehirn« ändern können. Aber was heißt das schon? Man könnte »Kindheitserlebnisse« und »Psychoanalyse« durch »Besuch eines chinesischen Kochkurses« oder »das Betrachten des Europacup-Endspiels« ersetzen.deren Experimenten folgt zwar in der Tat. die empirisch weder ein für allemal bestätigt noch widerlegt werden können. und sie benutze seine Arbeiten dann dazu. . Theorien auszuhecken. ihre Überzeugung zu rechtfertigen. die in kindlichen Erfahrungen wurzeln. die niemand bestreitet. Viele Bewunderer Freuds halten die Traumdeutung für seine größte literarische und wissenschaftliche Leistung. Vaughan unterstelle einfach. Selbstverständlich verursachen Kindheitserlebnisse und eine Psychoanalyse Änderungen im Gehirn. »Man darf nicht unterstellen. die Vaughan anführte.« Nachgewiesen haben Wissenschaftler allerdings. Freud selbst sagte in seinem Vorwort zur dritten (englischen) Auflage des Buches das gleiche: »Derartige Einsichten sind einem nur einmal im Leben vergönnt. auf welche Weise eine Psychoanalyse heilsame Wirkungen im Gehirn erzeuge. daß während des Schlafs verstörende Wünsche und Ängste. daß dies geschieht.«28 Freud stellte die Hypothese auf. fuhr er fort. Sogar Eric Kandel fand Vaughans Buch nicht überzeugend. Doch die Studien.

Im Jahr 1998 berichteten Wissenschaftler der National Institutes of Health und des Walter Reed Army Institute of Research in Science.83 . behaupteten die Forscher. »Freud hat sich geirrt«. daß die Präfrontallappen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit Sitz der Freudschen Ich-Instanz seien. der Sitz der höchsten kognitiven Funktionen. wenn auch verschleiert durch das immer wachsame Ich. meinte. Mit dem Hinweis darauf. . Howard Shevrin. Die Aufnahmen zeigten. Dieser Befund »rückt die Neurowissenschaft näher an die Freudschen Theorien heran«. Vielmehr seien Träume vermutlich nur das Resultat von Signalen. ein Psychologe an der Universität von Michigan. die durch schnelle Augenbewegungen und lebhaftes Träumen gekennzeichnet ist. der Bericht in Science habe bestätigt. inaktiv sind. die dem Gehirn dabei helfen. daß in Träumen die Emotionen und Langzeiterinnerungen der Träumenden eine wichtige Rolle spielten. wann es genügend Schlaf hat. während der sogenannten REM-Phase des Schlafs. Die New York Times brachte einen Artikel über diese Experimente unter der Schlagzeile »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?« (»Irrte sich Freud? Sind Träume der Anlauftest des Gehirns?«). meinte ein Psychoanalytiker beifällig.aus dem Unbewußten aufsteigen. ihre Studie widerlege die Freudsche Hypothese. daß die Präfrontallappen des Gehirns. Die Behauptung der Forscher. Freuds Traumtheorie widerlegt zu haben. Durch Entschlüsselung dieser Bilder könne der Psychoanalytiker einen direkteren Zugang zum Unbewußten erlangen. herauszufinden. Mehrere Forscher behaupten. daß Träume primitive libidinöse Regungen abbildeten. sie hätten mit der PET Aufnahmen vom Gehirn schlafender Versuchspersonen gemacht.29 Sechs Tage später veröffentlichte die Times Briefe von Kritikern der Kritiker. die durch das Ich gefiltert und in rätselhafte Symbole umgewandelt würden. »ist Ausdruck ihrer Voreingenommenheit. nicht wissenschaftlicher Genauigkeit«.

zogen sie darüber hinaus die Gesellschaft von Weibchen vor . lautete das Fazit der Autoren. Sie .nicht aber die Weibchen . die Ziegenmännchen wollten sich mit Schafweibchen paaren und die Schafmännchen mit Ziegenweibchen. Nach Ansicht von Evolutionsbiologen ist diese Abneigung kein Ausdruck von Verdrängung.Empirische Studien über den Ödipuskomplex erbrachten ebenfalls keine schlüssigen Ergebnisse. Freuds Leistungen wissenschaftlich zu würdigen. daß Jungen keineswegs mit ihren Müttern kopulieren wollen. ist das 1996 erschienene Buch Freud Scientifically Reappraised. Sobald die männlichen Tiere geschlechtsreif waren. Die Studie »stützt indirekt Freuds Konzept des Ödipuskomplexes«. vielmehr sei sie unseren Vorfahren von der natürlichen Selektion eingeflößt worden. Einer der ehrgeizigsten Versuche. daß die jungen Männchen . Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher von der Staatsuniversität von New York in Syracuse bewerteten Freuds Werk auf der Basis ihrer Auswertung von über 1800 Studien.und mit ihnen zu kopulieren -. wie Freud meinte. Die Forscher fanden heraus. Was soll man dann von einer Aussage halten wie »Mütter legen die sexuellen Präferenzen fest«.dazu neigen. mit der sie in enger räumlicher Nähe aufwachsen. die in einem Zeitraum von mehr als sechzig Jahren veröffentlicht wurden. mit der ein 1998 in Nature erschienener Artikel überschrieben war? 31 In dem Aufsatz beschrieb eine Gruppe britischer und südafrikanischer Wissenschaftler Experimente. die eher ihren Pflegemüttern als ihren biologischen Müttern glichen.30 Kulturvergleichende Studien deuteten darauf hin. das Spiel.84 . ja im allgemeinen kein weibliches Mitglied ihrer Familie sexuell begehren und auch keine andere weibliche Person. Denn aus Inzest gehen oftmals Nachkommen mit defekten Erbanlagen hervor. bei denen neugeborene Ziegen von weiblichen Schafen aufgezogen wurden. Anders gesagt.und Putzverhalten ihrer »Pflegemütter« zu imitieren.

daß es schwierig sei. Fisher und er hätten Beweise sowohl für als auch gegen den Mechanismus der Verdrängung gefunden. Forschungen über das implizite Gedächtnis und verwandte Phänomene hätten bewiesen. die er [Freud] mit ihnen in Verbindung brachte. tatsächlich existieren.32 (Fisher war Ende 1996 gestorben.hätten gezeigt. Dagegen würden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. die nicht unbedingt voneinander abhängig waren. Forschungen zahlreicher Psychologen . daß die Freudsche Psychologie oft als eine monolithische Einheit betrachtet werde. Dies war das explizite Fazit von Freud Scientifically Reappraised. erklärte er. falsche Erinnerungen in Patienten einzupflanzen. Geiz und Ordnungsliebe »scheinen in denselben Personen zusam. sagte Greenberg. einige haben einer genaueren Prüfung standgehalten. »Es gibt einige recht passable Studien. andere nicht.« Ein empirisch gut abgesicherter Aspekt von Freuds Werk sei die Einteilung von Menschen in anale und orale Persönlichkeitstypen.85 . Das implizite Fazit lautete.) So sagte mir Greenberg. daß diese Persönlichkeitstypen und die Merkmale. die unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen und sich auf die Reaktionen und das Verhalten von Menschen auswirken«. Zudem »versuchen Menschen einige ihrer unerwünschten Gefühle abzuspalten« . daß es für Therapeuten äußerst leicht sei. wenn man die Forschungsergebnisse betrachtet«. »In psychotherapeutischen Situationen sind Menschen sehr leicht beeinflußbar. Anale Charakterzüge wie Eigensinn.etwa homosexuelle Impulse. anders als Freud behauptet habe.wiesen darauf hin.insbesondere von Elizabeth Loftus von der Universität von Washington . nur selten völlig verdrängt. irgendeine Freudsche Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen. daß »es Dinge gibt. die darauf hindeuten. Tatsächlich stellte Freud zahlreiche Hypothesen auf. als ich 1998 mit Greenberg sprach. die man als Ganzes annehmen oder ablehnen müsse. Dies zeigte sich.

und sie scheinen mit analen Ängsten in Zusammenhang zu stehen«. einer kritischen Prüfung. mit dem er herausfinden wollte.86 . daß Eltern diese Merkmale bei ihren Kindern förderten. die die Reinlichkeitserziehung mit analen Charakterzügen bei Erwachsenen in Verbindung bringen? In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud unterzog der Psychiater E. darunter einige. indem sie sie einer übermäßig frühen oder strengen Reinlichkeitserziehung unterwürfen. die psychoanalytisch sehr bedeutungsgeladen sind. vor allem Psychologiestudenten. der in Situationen gezeigt wird. Die Schwächen wurden auf beispielhafte Weise durch eine Studie verdeutlicht. Die Studenten unterzogen sich auch dem sogenannten Blacky-Persönlichkeitstest. Füller Torrey Studien zu Freuds Analitäts-Hypothese. welche Antworten von ihnen erwartet wurden. die auch von Greenberg und Fisher angeführt werden. welche Teile ihres Körpers den Studenten bewußtseinsmäßig am präsentesten sind. und die anderen stellten meist keine Korrelation zwischen der Strenge der Reinlichkeitserziehung und analen Charakterzügen fest. Fisher gab Studenten mehrere Fragebogen einschließlich einem »Body Focus Questionnaire«. daß Studenten mit einem hohen »Rükken-Bewußtsein« (das vermutlich den Hintern einschloß) »eine stärkere Empfindlichkeit für Reize mit analen Konnotationen. dieser besteht aus Bildern eines Hundes namens Blacky.33 Die meisten Studien machten keine Angaben über die Reinlichkeitserziehung der Probanden. waren mit Freudianischen Konzepten vertraut und ahnten vielleicht. in einer anderen kotet Blacky zwischen den Hundehütten seiner Eltern. die Seymour Fisher 1970 selbst durchführte. dessen Schwanz abgehackt wird.men vorzukommen. In einer Szene sieht Blacky einen anderen Hund. Freud hatte behauptet. Viele der Probanden. mehr negative Einstellungen zu Schmutz [und] eine . Doch wie aussagekräftig sind Studien. Fisher berichtete.

Füller Torrey meinte dazu trocken: »Es wurden keine Daten über die Reinlichkeitserziehung erhoben. so gewiß nicht wegen der unzureichenden Bemühungen Frederick Crews'. Freud riet Frink. Professor für Englisch an der Universität von Kalifornien in Berkeley. auf allgemeines öffentliches Interesse. daß Fisher lediglich einen Cluster von Persönlichkeitsmerkmalen nachgewiesen hat. und daß CollegeStudenten mit diesen Merkmalen ein höheres ›Rücken-Bewußtsein‹ besaßen. ihn unter die Erde zu bringen. Crews.87 .stärkere Selbstbeherrschung« zeigten. Seine Ansichten stießen jedoch erst in den Jahren 1993 und 1994. äußerte schon in den frühen siebziger Jahren erstmals seine Skepsis gegenüber der Psychoanalyse. indem er sich von seiner .« »Crews Missiles« Wenn Freud noch nicht tot ist. latente Homosexualität diagnostiziert habe. daß Freud in den zwanziger Jahren bei einem seiner amerikanischen Anhänger. Er behauptete. vermutlich weil sie sich der Freudschen Theorie bewußt waren. die als eine Bastion psychoanalytischen Gedankenguts galt.) Crews begnügte sich nicht damit. E. als sie in der New York Review of Books erschien.35 Crews enthüllte. einem Psychoanalytiker namens Horace Frink. als er Freud in zwei Aufsätzen scharf angriff (»The Unknown Freud« und »The Revenge of the Repressed«). gegen diese Regungen anzukämpfen. Hieraus folgt. das abgedroschene Argument zu wiederholen. daß die Psychoanalyse keinerlei wissenschaftlichen oder therapeutischen Wert besitze. Freud habe sich der »Unaufrichtigkeit und Feigheit« und schlimmerer Dinge schuldig gemacht. (Freud-Karikaturen schmücken noch immer die Bestellkarten der Zeitschrift. die mit dem ›analen Charakter‹ konsistent sind.34 Crews' Polemik erregte um so größeres Aufsehen.

die von Kritikern auch »Therapie zur Aufdeckung falscher Erinnerungen« genannt werde. Einige dieser Fälle führten zur Anklage und zur Verurteilung der mutmaß. sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen und Frink zu heiraten. Gleichzeitig habe Freud Bijur gedrängt. kurz nachdem sie verlassen worden waren. daß es nicht zu ihm gepaßt hätte. Frink und Bijur folgten Freuds Weisungen. Bijur Spenden zu entlocken. »Wir besitzen keine Dokumente darüber. dies zu tun. bemerkte Crews.37 Therapeuten. Freud sei der geistige Urvater der »erinnerungsaufdeckenden Therapie«. bestand darin.Frau scheiden lasse und eine wohlhabende Erbin namens Angelika Bijur heirate.88 . die nach dieser Methode arbeiten. indem sie diese verdrängten Mißbrauchserlebnisse der Vergessenheit entreißen. was katastrophale Folgen nach sich zog. sehr viele Kinder würden von Eltern und anderen Erwachsenen körperlich und sexuell mißbraucht. mit der Frink eine Affäre hatte. Die Therapeuten helfen den Patienten. behaupten. Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Patienten in den Vereinigten Staaten irgendeiner Form dieser Therapie unterzogen. Die geschiedenen Ehegatten starben. »aber wir wissen. Anschließend ließ sich Bijur von Frink scheiden. überwiegend Frauen. ob Freud jemals sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte. daß er das Leben dieser vier Menschen zerstört hatte«. sie ließen sich von ihren Ehegatten scheiden und heirateten. beschuldigten Tausende von Patienten. Als die »erinnerungsaufdeckende Therapie« in den achtziger Jahren einen regelrechten Boom erlebte. litten sie als Erwachsene oft unter psychischen Störungen. Freuds eigentliches Motiv.«36 Crews' schwerwiegendster Vorwurf lautete. ihre Eltern und andere Erwachsene sie mißbraucht zu haben. obgleich diese Kinder Erinnerungen an den Mißbrauch verdrängten. sich gleichsam kathartisch von ihren Schwierigkeiten zu befreien. der in eine psychotische Depression verfiel. das er in seinen Briefen offenlegte.

lichen Mißbrauchstäter. ihre Hysterie war angeblich auf die Verdrängung dieser traumatischen Erinnerungen zurückzuführen. so Crews. Viele Patienten widerriefen ihre Beschuldigungen und beklagten. seine Patientinnen hätten sich lediglich eingebildet. Freud die Schuld an diesem verstörenden modernen Phänomen zu geben. Crews räumte ein. daß sich die erinnerungsaufdeckende Therapie auf mehrere Freudsche Konzepte stütze. Einige verklagten ihre Therapeuten erfolgreich auf Schadensersatz wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht. in ihrer Kindheit mißbraucht worden zu sein. Psychologen. die sich auf die Erforschung des Gedächtnisses spezialisiert hatten. wonach Frauen. daß Erinnerungen jahrzehntelang verdrängt und dann in unverfälschter Form wieder ausgegraben werden könnten.89 . daß es auf den ersten Blick unfair erscheinen mag. die an Hysterie litten. Die ganze Bewegung fiel schließlich in sich zusammen. in ihrer Kindheit von ihren Vätern oder anderen Erwachsenen sexuell mißbraucht worden seien. als Patienten immer aberwitzigere und unglaublichere Beschuldigungen erhoben (die sich um satanische Rituale. Menschenopfer und sogar Außerirdische drehten). selbst wenn es keine Beweise gab. Wenn Freud ausdrücklich sexuellen Mißbrauch als Hauptursache psychischer Störungen verwarf. wie konnte Crews ihm dann die Urheberschaft an der zeitgenössischen erinnerungsauf deckenden Therapie anlasten? Die Antwort lautet. Orgien. Sowohl Freuds ursprüng. Freud nahm diese Hypothese jedoch bald darauf wieder zurück und behauptete nunmehr. Im Jahr 1896 postulierte Freud für kurze Zeit die sogenannte Verführungstheorie. daß keineswegs gesichert sei. daß ihre Therapeuten die Mißbrauchserinnerungen in sie eingepflanzt hätten. die die aufgedeckten Erinnerungen bestätigt hätten. So wurde die Psychoanalyse geboren. bezeugten. ihre psychische Störung sei auf die Verdrängung dieser unsittlichen ödipalen Phantasien zurückzuführen.

liche Verführungstheorie als auch seine Theorie des Ödipuskomplexes fußten auf derselben Annahme: Viele Patienten verdrängten Erinnerungen an entweder phantasierte oder reale sexuelle Ereignisse in der Kindheit. ist er der eigentliche historische Taufpate des ›Syndroms der falschen Erinnerungen‹..] sie können nur durch den stärksten Zwang der Behandlung bewogen werden..«40 Crews Doppelattacke auf Freud in der New York Review of Books provozierte mehr Leserbriefe als jeder frühere Artikel in der Geschichte der Zeitschrift. Einschüchterung durch Freud getan.«38 An anderer Stelle schrieb Freud. Vielmehr hätten sie dies erst nach entsprechender Suggestion und. Crews folgerte daraus: »Weil Freud sowohl vor als auch nach der Ausarbeitung der psychoanalytischen Theorie seine Patienten dazu anstachelte. in manchen Fällen. Was wirklich weh tat. war die Tatsache. daß ich das Geheimnis errate und es dem Kranken ins Gesicht zu sage«39. sich an nichtreale sexuelle Ereignisse zu erinnern. »es handelt sich ja wesentlich darum. Crews untermauerte seine Behauptung mit einer erdrükkenden Fülle von Zitaten aus Werken von Freud. daß Frederick Crews' Kritik an Freud dort so groß herausgebracht wurde. Doch Crews zufolge hat keiner von Freuds Patienten Freud von sich aus derartige Erinnerungen erzählt. Bei der Erörterung der Erinnerungen seiner Patientinnen an sexuelle Erlebnisse erklärte Freud 1896: »Die Kranken wissen vor Anwendung der Analyse nichts von diesen Szenen [. die der Psychoanalyse sehr wohlwollend gegenüberstand. Ein Beobachter bemerkte: Die New York Review of Books galt vielen als das offizielle Organ einer bestimmten Gruppe der liberalen Intelligenzija Amerikas. Wenn Tom Paine zu einer Predigt in der Kathedrale von Canterbury eingeladen worden wäre oder wenn der Papst Voltaire aufgefor- . sich in deren Reproduktion einzulassen.90 .

indem sie die Existenz eines unbewußten beziehungsweise impliziten Gedächtnisses bewiesen hätten. tue dies mehr oder minder ohne bewußtes Nachdenken. ergebe eine genauere Prüfung der Zitate in Wissenschaftsmagazinen und anderen Publikationen. Wenn sie nicht so einflußreich wäre.« Dennoch. so Crews. Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft hätten Freud bestätigt.91 .dert hätte. Crews unterschätze die Stärke des Einflusses. wo er tags darauf an einem öffentlichen Symposion über Freud teilnehmen sollte. eine Messe im Vatikan zu zelebrieren.und stichfest durchdachten Antwort. den die Psychoanalyse noch immer auf die Wissenschaft und die übrige Kultur ausübe. räumte Crews ein. das Drahtgestell seiner Brille verlieh ihm ein asketisches Aussehen. ich bin mir dessen wohl bewußt. Egal welche Einwände ich vorbrachte. monotoner Stimme. Doch hinter seiner oberflächlich zurückhaltenden. könnte ich schlicht den Mund halten. »Im selben Sinne läuft unser psychisches Leben größtenteils unterhalb der Oberfläche des . schwarze Schuhe. Crews parierte sie mit einer hieb. daß sie Kritik verdient.42 Er war groß und schlank. Als ich bemängelte. sprach er meist mit ruhiger. Als wir beim Abendessen im Hotelrestaurant miteinander plauderten. ja sogar schüchternen Art verbarg sich eine erbitterte Entschlossenheit und Selbstsicherheit. und aus diesem Grund bin ich nach wie vor der Ansicht. hätte das Gefühl der Entweihung unter den Gläubigen kaum größer sein kön41 nen. daß die Psychoanalyse einen »steilen Abwärtstrend« erlebe. schwarze Hose. Er war gekleidet wie ein Henker: schwarzer Regenmantel über einem schwarzen kragenlosen Hemd. Wer ein Auto fahre. Ich begegnete Crews erstmals in der Lobby eines Hotels nahe dem Campus der Yale-Universität. Crews widersprach aufs entschiedenste der Vorstellung. erwiderte er: »Ganz im Gegenteil.

Timpanaro nannte diesen Prozeß »Banalisierung«. in dem es angeblich von verdrängten Begierden und Ängsten und traumatischen Erinnerungen wimmelt.« Die Beweislage für das freudianische Unbewußte sei bestenfalls dürftig. sagte Crews.43 »Wenn ein Wort im Original etwas ungewöhnlich ist«. die sich auf die wenigsten Annahmen stützen. Freuds eigene Beispiele sprachlicher Fehlleistungen ließen sich ohne weiteres mit der Banalisierung erklären. »In all seinen Schriften gibt es keinen Fall. Im Fall der Freudschen Fehlleistung beispielsweise »hat Freud schlichtweg unterstellt. die Abschriften von antiken Texten anfertigten. so Crews. daß sie den Tiefen des Unbewußten entspringe und entweder aggressiver oder sexueller Natur sei«. Timpanaro habe durch akribische Forschungen nachgewiesen. daß keine wissenschaftliche Theorie den Anforderungen gerecht werden könne. die er an die Psychoanalyse stelle.Bewußtseins ab. habe er gegen »Ockhams Rasiermesserprinzip« verstoßen. bis man einen stark verfälschten Text erhält. wonach die einfachsten Erklärungen. Doch dies ist keinesfalls ein Beweis für die Existenz eines dynamischen Unbewußten im Freudschen Sinne. der eine Autorität auf dem Gebiet der Verfälschung antiker Texte sei. oft unabsichtlich Fehler in ihre Kopien einfügten. so Crews. erläuterte Crews. »Freud hat dies nie getan«. indem sie exotische Wörter durch geläufige ersetzten.92 .« Das Argument. ließ Crews kalt. daß Schreiber. die besten seien. vertrauter gemacht und näher an die Welt des Übersetzers herangeführt. Eine sehr viel plausiblere Erklärung für solche Fehlleistungen sei von dem italienischen Geisteswissenschaftler Sebastiano Timpanaro vorgeschlagen worden. Indem Freud diese naheliegende Alternative außer acht gelassen habe. in dem er sich um die naheliegendste Erklärung bemüht hätte. »Meine Einwände gegen die Psy.« Timpanaro behauptete. Eine Banalisierung kann zur nächsten führen. »wird es durch den Fehler banalisiert.

zu »fanatischen Kreuzzügen und Pogromen« geführt habe.« So richtig in Fahrt kam Crews. Offenkundig ist alles. Er räumte ein. und wenn sie gar keine Mythen mehr hat. nach eigenem Bekunden ein Atheist. »Jede Gesellschaft lebt von Mythen.« Am nächsten Tag fand ich mich mit mehreren hundert anderen in einem großen holzgetäfelten Hörsaal der Yale-Uni. die er »einen Kunstfehler kriminellen Stils«.93 .choanalyse sind trivial«. Dennoch.« Er sagte leise. wie etwa die Innenstädte. ein Vorteil. ohne anderen Völkern größeren Schaden zuzufügen. werden wir immer wieder das gleiche erleben. seinen Zorn gegen die Psychoanalyse und nicht die Religion richte. Wenn er und andere diese therapeutische Bewegung nicht kritisieren und nicht ihren Freudschen Ursprung aufdecken würden. wie zu sich selbst: »Ich persönlich habe keine Mythen mehr. als wir auf die »erinnerungsauf deckende Therapie« zu sprechen kamen. »würde ich nicht behaupten. »Wenn wir die Grundannahmen nicht in Frage stellen. könne sie immer wieder aufleben. Es gibt keine allgemein anerkannte Wissenschaft auf der Welt. so fügte er hinzu. »Ich hoffe es zumindest.« Die Religion könne den sozialen Zusammenhalt und die sittliche Gesinnung in Gemeinschaften heben. daß Religion immer und überall ein negativer Einfluß war. weshalb er. Wenn sie die Hypothese der Ich-Instanz rechtfertigen will.« Ich fragte Crews. sagte er. tut sie dies. fürchtete Crews. was den inneren Zusammenhalt einer menschlichen Gesellschaft fördert. Die Psychoanalyse »rechtfertigt ihre Hypothesen unter Rückgriff auf ihre eigenen Deutungen. ist sie in großen Schwierigkeiten. die so verfährt. »reinsten Schamanismus« und »völlige Scharlatanerie« nannte. indem sie die Äußerungen eines Patienten im Licht der Ich-Theorie interpretiert. die diese Eigenschaften dringend benötigten.« Er hielt inne. die im Verlauf der Geschichte wohl viel mehr Schaden angerichtet habe. daß religiöser Glaube oft zu Intoleranz.

den fanatischen. einen mimischen Kommentar. erklärte Crews. bitte! Aber wollen Sie ihn wirklich. Michels wußte aus persönlicher Erfahrung. Als Michels das Wort erteilt wurde.versität ein. erklärte er. daß Theorien über die menschliche Erfahrung andere Methoden der wissenschaftlichen Überprüfung erforderten als Theorien über nicht. der von unabhängigen Forschern der letzten Generation ausgegraben wurde. Butler behauptete. rücksichtslosen. Die beiden anderen Redner in Crews' Sitzung. bekundeten ihr Unbehagen an Crews' Ansatz. Nehmen Sie meinen Freud. die Augen rollte und den Kopf schüttelte. um Crews dabei zu beobachten. Robert Michels. die Augenbrauen hob. ob die Wahrheit der Psychoanalyse wissenschaftlich erwiesen sei. ein Psychoanalytiker und Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität. wie er sich mit Freud-Anhängern stritt. »Auf die im Titel dieser Konferenz gestellte Frage«. indem er den Titel der Konferenz aufgriff: »Wessen Freud? Der Platz der Psychoanalyse in der zeitgenössischen Kultur«44. daß es ihm als Psychiater egal sei. seine einzige Sorge gelte dem Wohlergehen seiner Patienten. »kann ich eine einfache Antwort geben: Das hängt ganz und gar von Ihnen ab. aufgeblasenen. dessen Name noch immer die Illusion heraufbeschwören kann. aber auch mit einigen Lachern. Psychoanalytikerin und Dozentin an der Universität Cambridge. kurzsichtigen und doch subtil verschlagenen Freud.94 . und das genügte ihm. und Juliet Mitchell. Crews begann seinen Vortrag. Unterdessen lieferte ein anderes Mitglied der Diskussionsrunde. oder ziehen Sie den Freud der selbstgeschaffenen Legende vor. Judith Butler. indem er grinste. daß die Psychoanalyse Patienten half. reagierten die Zuhörer mit Zischlauten und einem leisen Pfiff. die ›Wahrheit der Psychoanalyse‹ werde durch das bloße Genie ihres Entdeckers beglaubigt?« Als Crews weitere zwanzig Minuten in dieser Weise fortfuhr. Professorin für Literatur an der Universität von Kalifornien in Berkeley.

95 .beide sprachen in einem beinahe parodistisch unverständlichen Fach chinesisch. die Normen der mutmaßlich heterosexuellen Verwandtschaft einzusetzen und zu steuern. die jedes Kind besetzt oder mit dem Erlernen der Sprache erwirbt.einschließlich inzestuöser . Crews' beharrliche Forderung. wo Positionen wie Mutter und Vater differentielle Effekte des Inzesttabus sind.« Weshalb nicht »Ihren Freud«? Damit wollte sie offenkundig zu verstehen geben. die nicht in ebenjener Idealisierung und Verknöcherung kontingenter kultureller Normen besteht. Damit wird meines Erachtens die Tatsache übersehen. ein breiteres Spektrum möglicher . Durch seine Wortwahl habe er unabsichtlich die verdrängte ödipale Bindung an Freud enthüllt. dienen auch dazu. daß Verwandtschaft eine kontingente soziale Praxis ist und daß es keine symbolische Position von Mutter und Vater gibt. wissenschaftliche Theorien müßten durch empirische Befunde bestätigt werden. nichtnormative soziale Interaktionen zu untersagen. die moderne Psychoanalyse solle der Gesellschaft dabei helfen. würden zu einer »Verarmung« der Wissenschaft führen. Crews antwortete Butler seinerseits mit einem verschmitzten Lächeln. die dazu dienen. Zumindest verstand ich sie in diesem Sinne . als ob sie zeitlose und notwendige Positionen sind. daß Crews eine Freudsche Fehlleistung unterlaufen sei. weshalb er in seinen einleitenden Worten gesagt hatte: »Nehmen Sie meinen Freud. Eigentlich habe er lediglich Henny Youngman. die hinter seiner bewußten Feindseligkeit stehe.psychologische Phänomene. psychische Platzhalter. Sowohl Butler als auch Mitchell schienen dafür zu plädieren.Beziehungen zwischen Eltern und Kindern tolerieren zu lernen. So sagte Butler einmal: »Die Verbote.« Während der anschließenden Diskussion wandte sich Butler zu Crews und fragte ihn mit einem verschmitzten Lächeln. der erst wenige Wochen zuvor gestorben war und zu Crews' Lieb. Manche Psychoanalytiker behandeln diese Positionen so.

Jedenfalls hat keiner der Freud-Anhänger unter den Diskussionsteilnehmern bei der Yale-Konferenz Crews glaubhaft wiederlegt. verfolgten offensichtlich »hinter dem dünnen Schleier der Wissenschaft politische Ziele«. In einem überfüllten Seminar diskutierten fünf Therapeutinnen über »individuelle und paarbezogene Behandlung eines Inzestopfers«. als die Sprecherin diese Vorwürfe »reaktionär« und »misogyn« nannte. welche diese Behauptungen aufstellten. manche Therapeuten würden »falsche Erinnerungen« an schreckliche Mißbrauchserlebnisse im Kindesalter in Patienten »einpflanzen«.96 . insbesondere solche.45 Eine Sprecherin ging auf die in jüngster Zeit erhobenen Vorwürfe ein. Die Zuhörer spendeten Beifall. erhärtete die von Crews postulierte Verbindung zwischen Psychoanalyse und erinnerungsaufdeckender Therapie. an der ich im Frühjahr 1996 teilnahm und die ich am Anfang dieses Kapitels beschrieb. die sich um rituelle . die auf seine Artikel in der New York Review of Books mit Leserbriefen antworteten. diejenigen. daß Freud die »klinischen Beweise«. und das gleiche gilt für diejenigen. erfunden habe. den Ödipuskomplex und andere Schlüsselelemente der Psychoanalyse zu postulieren. die ihn dazu veranlaßten. Youngmans »Markenzeichenwitz« habe gelautet: »Nehmen Sie meine Frau.lingskomikern gehört hatte. Ich warte noch immer auf eine überzeugende Widerlegung der meines Erachtens schwerwiegendsten Beschuldigung Crews'. Sie räumte ein.« Der Skeptiker Steven Hyman Crews' Sicht von Freud und von der Psychoanalyse ist weitgehend schlüssig. Bitte. seine Hochachtung bezeigen wollen. Auch die Tagung im Waldorf-Astoria. daß sie die recht abstrusen Erinnerungen mancher Patienten.

daß er einen Patienten niemals hundertprozentig verstehen könne.Menschenopfer und andere Greuel drehten. Beweise für seine Theorien zu sammeln – seine »Immunisierungsstrategie« -. für die es keinerlei physische Beweise gebe.46 Der Psychoanalytiker »arbeitet in einem komplexen Feld veränderlicher Gegebenheiten«. in dem es. sondern »nichtlinear«.« Es könne »gefährlich und beschränkend sein«. beunruhigten. soweit ich verstanden habe. während ihr die wirkliche Natur der Dinge außer uns unzugänglich bleibt«. Wie solle man mit diesen Behauptungen umgehen. Ein Sprecher hielt einen Vortrag. Das Schaffen eines »emotional sicheren Umfeldes« habe »Vorrang vor allem anderen«.97 . darum ging. fragte die Sprecherin. ein »kohärentes Gesamtbild« der Geschichte eines Patienten entwerfen zu wollen. es sei nicht Aufgabe des Therapeuten. daß die Psychoanalytiker erkennen müßten. »daß sie [die wissenschaftliche Bemühung] nichts anderes als subjektive Ergebnisse liefern kann. Wenn der Analytiker sich damit abfinde. ob der Mißbrauch. festzustellen. daß sie ihre Patienten niemals richtig verstehen könnten. wie die emotionale Wahrheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt aussieht. da die menschliche Psyche kein »einheitliches Phänomen« sei.47 Selbstverständlich untergrub Freuds Methode. . »Wir können lediglich wissen. In Die Zukunft einer Illusion widersprach Freud der »radikalen« Behauptung. seine eigenen Objektivitätsansprüche. und folglich sei seine Einstellung gegenüber einem Patienten zu jedem beliebigen Zeitpunkt »immer per se sowohl richtig als auch falsch«. tatsächlich stattgefunden habe. Ironischerweise lehnte Freud selbst diese postmoderne Einstellung zur Wahrheit (was immer sie ist) entschieden ab. Eine andere Teilnehmerin der Diskussionsrunde antwortete. Das gleiche Desinteresse an der Wahrheit kennzeichnete auch andere Veranstaltungen. »legt er das Entwicklungspotential des Patienten zurück in dessen eigene Hände«. an den sich ein Patient erinnere.

»Wer eine freudianische Therapie abschließt. Und er stellt die Psychoanalyse auch nicht in ihren umfassenderen wissenschaftlichen Kontext.48 Namentlich die Verfechter eines biologischen Erklärungsmodells für psychische Erkrankungen. sie seien bei ihren Psychoanalysen einer Gehirnwäsche unterzogen worden. die von den Schriften Freuds ausgeht (auf die ich in Kürze eingehen werde). Er verglich die Psychoanalyse mit einer religiösen Sekte. daß er sich weigert. »Er wird nicht etwa geheilt. daß er an einem »Tunnelsehen« leidet. den geringsten Nutzen in ihr zu sehen. Zweitens läßt sie die Unzulänglichkeiten sämtlicher Alternativen zur Psychoanalyse außer Betracht. so Greenberg und Fisher. Erstens verkennt sie die außerordentliche Faszination. weshalb bringen Eric Kandel. Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher äußerten dieses Argument in Freud Scientifically Reappraised. äußerte er die Vermutung. wo er zu erklären versucht. Sie geben zu. Gerald Edelman und andere prominente Neurowissenschaftler der Psychoanalyse noch immer eine hohe Wertschätzung entgegen? Als ich Crews diese Frage stellte. die zu den schärfsten Kritikern .98 . die sich auf nichts so gut verstehe wie auf ihre Selbsterhaltung. Doch wer immer eine solche »überperfektionistische Sichtweise« vertrete. Vielmehr zieht er hinaus in die Welt wie ein Seelenjäger und bekehrt andere zum Freudianismus. daß »keine psychologische Theorie hinreichend empirisch überprüft worden ist«. daß die Psychoanalyse nicht den von einigen Kritikern aufgestellten Beweisanforderungen genüge. wird selbst zum Freudianer«. Er ist so auf die Schwächen der Psychoanalyse fixiert. müsse zugeben. weshalb die Psychoanalyse trotz ihrer offenkundigen Mängel weiterhin selbst eingefleischte Naturwissenschaftler nachhaltig beeinflußt.Mein Haupteinwand gegen Frederick Crews ist die Tatsache. Genauer gesagt. sagte Crews.« Diese Antwort ist in zweifacher Hinsicht ungenügend. Die Grenzen seiner Kritik zeigen sich dort am deutlichsten.

er ist kein Freudianer.99 . »Ihre Schriften waren echte Glanzleistungen. die nach Erklärungen verlangten. hätten die Überlegenheit ihres Ansatzes keineswegs nachgewiesen. zum Direktor des National Institute of Mental Health ernannt. die diesen Standpunkt einnehmen. Kurz nach seiner Ernennung traf ich ihn bei der Jahrestagung der American Psychiatrie Association in New York. Steven Hyman. welche die Kon. wenn die Psychoanalyse eine unvollkommene und unbewiesene Spielart der Wissenschaft vom menschlichen Geist ist. der als Psychiater und Neurowissenschaftler an der Harvard-Universität lehrte. die sich mit Medikamenten wie Fluctin behandeln lasse. Anhänger solcher Modelle beschrieben die Depression oft als eine chemische Störung. »Ich bin ein Skeptiker gegenüber allen Seiten«. Im Jahr 1996 wurde Hyman. »Es wäre verfrüht. Sie gaben Erklärungen für Phänomene. das psychodynamische Schemata verbietet. sagte er. fand er die psychoanalytischen Erklärungen der Seele letztlich unbefriedigend. Auch einer der herausragendsten Vertreter der modernen biologischen Psychiatrie.« Anders gesagt.49 Mit seinem fein säuberlich gestutzten Bart und seinem mächtigen Unterkiefer ähnelt er etwas dem jungen Freud.« Andererseits kamen Hyman einige »einfache pharmakologische Modelle« psychischer Erkrankungen ebenfalls wie bloße »Geschichten« vor. ist weitgehend dieser Ansicht. Obgleich ihn einige psychoanalytische Schriften beeindruckten.oder Journalisten wie ich -. die gegenwärtigen glorreichen Wunschträume einer biologischen Psychiatrie in ein Programm zu übersetzen. wo er für ein Forschungsbudget von achthundert Millionen Dollar verantwortlich ist. Doch es hat mich immer gestört. Es sind nicht bloß Psychologen wie Greenberg und Fisher .Freuds gehörten. Doch der Schein trügt. Sie klangen plausibel. daß sie möglicherweise nichts anderes als gute Geschichten waren. gilt dies auch für all ihre selbsternannten Nachfolger.

»Wir leben in einem Zeitalter. »werden wir nach der Klonierung des nächsten Serotoninrezeptors. »Dabei drängt sich mir die Frage auf: Was bedeutet das? Ist das eine Antwort?« Die reduktionistischen Methoden der Molekularbiologie und der Neurowissenschaft hätten sich in den letzten Jahrzehnten als äußerst fruchtbar erwiesen. fuhr er fort.‹« Hyman vertrat eine ähnliche Einstellung gegenüber der Verhaltensgenetik. faszinierend.« Was die Evolutionspsychologie anbelangt. wie das Gehirn funktioniert. welcher Prozentsatz eines bestimmten Merkmals durch Gene und welcher Prozentsatz durch die Umwelt festgelegt wird. die eine Anfälligkeit für Schizophrenie und andere Erkrankungen erzeugen. denn die gegebene Umwelt könnte die relativen Beiträge verändern. »Es ist eine viel zu grobe Vereinfachung. den wir entdekken. Evolutions. Dennoch«. miteinander und mit der Umwelt stehen. die die Psyche mit Hilfe der Darwinschen Theorie der natürlichen Selektion zu erklären versucht. sagte Hyman. Doch er gab zu bedenken. sagte Hyman.« Die Identifikation der Gene. Durch Studien an eineiigen Zwillingen und andere Forschungen versuchten Verhaltensgenetiker den relativen Beitrag der Gene und der Umwelt zu verschiedenen menschlichen Merkmalen und Erkrankungen abzuschätzen. aber auch frustrierend. so fand Hyman sie. daß sich dies nicht leicht lösen lassen wird. würde einen gewaltigen Fortschritt darstellen. in dem diese Fortschritte in der molekularen und zellulären Neurobiologie eine allgemeine Euphorie auslösen. daß die Forscher noch immer herausfinden müßten.zentration des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn steigern. nicht sagen können: ›Jetzt verstehen wir. in was für einer Wechselwirkung solche Gene bei der Entwicklung eines Gehirns. wenn man für eine Person angeben will. »Und ich nehme an.100 . ähnlich wie die Psychoanalyse. das an Schizophrenie erkrankt.

daß »die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns und der möglichen Störungen das schwierigste Unternehmen ist. daß wir die Psyche und ihre Erkrankungen eines Tages vollkommen verstehen würden? Er verzog das Gesicht. »Wenn man Patienten begegnet«. oftmals in einer Weise herunter. was man wollte. daß Psychologie. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. so Hyman weiter. Die anhaltende Debatte über die Ideen Freuds deute darauf hin. die älter seien als fünf Jahre. Als empirisch ausgerichteten Biologen erstaune es ihn. wie »behelfsmäßig zusammengebastelt« Organismen seien. »wünscht man sich aus Mitleid. festgelegt hat«. schließlich sei das Gebiet der Infektionskrankheiten nicht mehr durch Kontroversen zwischen Anhängern und Gegnern Pasteurs gespalten. die Psyche in erster Linie als ein von der natürlichen Selektion gestaltetes Instrument zur Förderung der Verbreitung unserer Gene anzusehen. man könnte alles tun. Es sei nicht verwunderlich. Psychiatrie. noch nicht ausgereift seien. sagte er vorsichtig. Es liege eine »schwerwiegende Gefahr« darin. das selektiert werden konnte. sagte Hyman. sich an »schlechten Modellen der Funktionsweise des Gehirns festzuklammern. prüften Forscher nur selten Befunde. . ihre Behauptungen experimentell zu überprüfen. während er über die Frage nachsann.Psychologen »spielen ihre Unfähigkeit. Evolutionspsychologen »unterschätzen die Tatsache. War Hyman überzeugt davon. das die Menschheit in Angriff genommen hat«.101 . gleich ob sie freudianisch sind oder einem einfachen pharmakologischen Reduktionismus frönen«. In ausgereiften Wissenschaften. die sich der Erforschung des Geistes widmeten. wenn man bedenke. daß die Frühgeschichte der Entstehung unseres Gehirns möglicherweise Randbedingungen für die Anpassung beziehungsweise für das Material.« Andererseits müßten Forscher vermeiden. daß all diese Ansätze ihre gesteckten Ziele nicht erreichten. die an die Psychoanalyse erinnert«.

die er überzeugend und ungewöhnlich gut formulierte. läßt man sich wahrscheinlich von ästhetischen Faktoren beeinflussen. Mitentdecker der DNA-Doppelhelix.«52 . Wenn es eine Quintessenz des Freudschen Denkens gibt. »Nach modernen Maßstäben«. James Joyce und Franz Kafka ein zentraler Schriftsteller des modernen »chaotischen Zeitalters«. Er steht nicht. vielmehr war er ein Arzt. sondern mit Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm.«51 Nach dem Urteil des Literaturtheoretikers Harold Bloom von der Yale-Universität dagegen war Freud nicht bloß ein guter Schriftsteller. Freuds rhetorische Begabung wurde von Freund und Feind anerkannt. »kann Freud kaum als Wissenschaftler betrachtet werden. stimmte dem zu. In seinem Buch The Western Canon schloß Bloom Freud in seine Liste der sechsundzwanzig bedeutendsten Schriftsteller aller Zeiten ein. sondern der Überzeugung. Freud »ein Genie nicht der Wissenschaft. die »am Sterben oder schon tot ist«. ein erbitterter Gegner der Psychoanalyse. sondern der Literatur. schrieb Crick. muß sie in seiner Vision eines Bürgerkriegs innerhalb der Psyche liegen. nicht des stringenten Beweises. Doch Freuds Arbeit. wie er behauptete. Märchenerzählern. Freud sei zusammen mit Marcel Proust. fuhr Bloom fort.Freud als Erzähler Wenn man wissenschaftliche »Erzählungen« nicht nach ihrer empirischen Gültigkeit auseinanderhalten kann. Bloom machte sich keine Illusionen über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse.«50 Der Molekularbiologe und Neurowissenschaftler Francis Crick. der viele neue Ideen hatte.102 . die er eine Form des »Schamanismus« nannte. Im Jahr 1985 nannte der Psychologe Hans Eysenck. geht weit über die Freudsche Therapie hinaus. in einer Reihe mit Kopernikus und Darwin. »die die Gesamtheit der menschlichen Natur beschreibt. sondern der Propaganda. nicht der Planung von Experimenten.

als er in den fünfziger Jahren in Princeton studierte. In der 1966 erschienenen Studie The Sins of the Fathers: Hawthorne's Psychological Themes behauptete Crews. denen auch Freud größte Bedeutung beimaß«. Zu Beginn seiner akademischen Laufbahn benutzte er die Psychoanalyse als Instrument der literarischen Analyse in seinen Lehrveranstaltungen und Schriften. Nach wohl einhelliger Auffassung hat Freud. ein Theoriegebäude zu errichten. ungeachtet aller vorsätzlichen Sünden. »Ungeachtet seines Machtwillens und seines Buhlens um Einfluß. der Literaturkritiker der Time. The Scarlet Letter und andere Werke von Nathaniel Hawthorne »nehmen die Befunde der Psychoanalyse vorweg.54 Crews begann mit der Lektüre der Freudschen Werke. wenn schon keine wissenschaftlichen.103 . daß Freud sowohl als Wissenschaftler wie auch als Mensch gravierende Schwächen gehabt habe. daß Freud als Schriftsteller überdauern würde. die frühere und heutige Kritiker auf seine Couch packen. die gegenwärtig zur Diskussion stehen. daß in Anbetracht der bisher sehr dürftigen wissenschaftlichen Erfolgsbilanz tiefe Einblik.Paul Gray. und nur die hohen Ausbildungskosten hielten ihn davon ab. ungeachtet auch seines rücksichtslosen Hinweggehens über Kollegen und Patienten.und damit Leidenserfahrung des einzelnen näher zu stehen scheint als alle anderen Systeme. Crews' Buch gilt noch immer als ein Klassiker der freudianischen Literaturwissenschaft. kam in seiner berühmten Titelgeschichte »Ist Freud tot?« zum selben Schluß. so doch bedeutende literarische Erkenntnisse zutage gefördert. Mehrere prominente Wissenschaftler sind der Auffassung. gelang es ihm. und die geheimsten Belange seines künstlerischen Schaffens stimmen ausnahmslos mit denjenigen überein. das der subjektiven Lebens.«53 Selbst Frederick Crews geriet eine Zeitlang in Freuds Bann. Dennoch sagte er voraus. Er pflichtete der Behauptung von Crews und anderen Kritikern bei. selbst Psychoanalytiker zu werden.

) Ähnliches vertrat Howard Gardner. seine innerseelischen Vorgänge aufzudecken. Für Furore sorgte seine 1983 in Frames of Mind postulierte Hypothese. halb wissenschaftliches Projekt und werde dies vielleicht immer bleiben. der sich hervorragend darauf versteht. der praktisch von Grund auf eine neue wissenschaftliche Disziplin erfand. würden sie allerdings nicht einmal als »Faktion« gelten können. den er als »imaginatives Schreiben über reale Menschen an realen Orten zu realen Zeitpunkten« definiert. Mozart war ein »Meister«. Freud sei weder ein schlechter Beeinflusser noch ein Introspektor gewesen.ke in die menschliche Psyche möglicherweise immer eher literarischen als wissenschaftlichen Charakter haben werden. das die psychischen Grundlagen von künstlerischer Produktivität. der über eine geradezu unheimliche Führungsfähigkeit verfügte. bemerkte Gardner. Psychologe und Pädagogikprofessor an der Harvard-Universität. Seines Erachtens ist sein Fachgebiet. ein halb literarisches. Freud war ein »Macher«. der einem bereits bestehenden Gebiet künstlerischer Kreativität sein Gepräge gab. Gandhi war demnach ein »Beeinflusser«. daß Kontroversen über die menschliche Natur . Er ist Kodirektor des Harvard-Projektes Zero. Clifford Geertz meint sogar. . Virginia Woolf gehörte zum Typus des »Introspektors«.anders als Probleme in der Kernphysik oder der Molekularbiologie oder in »sachlicheren« wissenschaftlichen Disziplinen . daß der Mensch keine homogene. (Falls Freud diese Fallgeschichten größtenteils selbst erfunden hat. Der von Geertz geprägte Begriff Faktion. multifunktionale Intelligenz besitze.55 ist eine passende Beschreibung für Freuds Fallgeschichten.niemals eindeutig durch Rückgriff auf empirische Daten gelöst werden könnten. die auf verschiedene Aufgaben zugeschnitten seien.104 . die Anthropologie. Kreativität und Lernen erforscht.56 In Extraordinary Minds legte er Fallstudien über vier archetypische Genien vor. sondern »vielfache Intelligenzen«.

« Kognitionswissenschaft. sage ich noch immer: Psychologe. Das Leitprinzip seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schien zu lauten. »Ich hielt es für einen guten symbolischen Akt«.57 Seine Schriften über vielfache Intelligenzen atmeten diese Eigenschaften ebenso wie einen altmodischen. aber als »Denkhilfen« genutzt werden könnten. sondern das gesamte Gebiet der Psychologie. »sich nicht selbst dazu zu verleiten«. die bedeutendsten Errungenschaften der Psychologie anzuführen. romantischen Liberalismus. Die Psychologie. »Aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. die nicht in einem IQ-Wert erfaßt werden können. welche dauerhaften Wahrheiten hat die Psychologie im Verlauf der letzten hundert Jahre zusammengetragen. »In begrifflicher und methodologischer Hinsicht hat die Psychologie einiges erreicht. Doch wenn Sie fragen. eröffnete er mir. indem sie Begriffe und Wörter präge . lautet meine Antwort: nicht sonderlich viele. die sich der Erforschung der Psyche widmen. nein. stehe nicht etwa im Begriff zu sterben. sagte er.Vor unserer ersten Begegnung hatte ich mir Gardner als einen ernsten. Die Sozialpsychologie stelle weiterhin Spekulationen über die menschliche Natur an. Experten auf dem Gebiet der ange. Gardner in Person war dagegen genauso scharfzüngig wie Frederick Crews. sie sei bereits tot. Alltagswissen oder auch erlernte Hilflosigkeit–. ungesicherte Schlußfolgerungen zu ziehen. Gardner hat jedoch nicht nur die Psychoanalyse im Visier. liebenswürdigen Mann vorgestellt. die zwar keine strengen wissenschaftlichen Theoreme seien. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. die Psychologen hätten gelernt. daß die Pädagogik jede Person als ein einzigartiges Individuum mit spezifischen Charakterzügen. Er habe aufgehört. seine Mitgliedsbeiträge an die American Psychological Association zu überweisen. behandeln sollte. könnten unser psychologisches Wissen nachhaltig bereichern. antwortete er.wie etwa Identitätskrise.« Auf die Bitte.105 . räumte Gardner ein.

James' Vorbehalte gegenüber seiner Disziplin »haben sich als allzu berechtigt erwiesen«. daß »es keine wissenschaftliche Psychologie gibt«. Doch keines dieser Gebiete sei der Lösung des Rätsels der menschlichen Psyche auch nur nahe gekommen. gelegentlich seine Kritik am »vorwissenschaftlichen Stand« und »der Begriffsverwirrung und Unvollkommenheit« der Psychologie zum Ausdruck gebracht habe. der den Titel »Scientific Psychology: Should We Bury It or Praise It?« trug. daß »die Jahre am Ende unseres Jahrhunderts durchaus als das Mündigwerden der Hirnforschung beziehungsweise Neurowissenschaft beschrieben werden können. Fortschritte gemacht hätten und dies auch weiterhin tun würden. erklärte Gardner in seinem Vortrag. Er wies darauf hin. daß er mit seinem 1985 erschienenen Buch The Mind's New Science60 selbst zu ihrer . Gardner hatte seine Kritik erstmals 1992 in einem Vortrag geäußert.«59 Gardner räumte ein. daß gewisse Disziplinen.wandten Psychologie entwickelten weiterhin IQ-Tests und andere Instrumente. James habe einmal beklagt. von der einzelnen Synapse bis zu den Durchblutungsmustern des gesamten Kortex.58 Er erinnerte daran. wenn man bedenkt. die sich der Erforschung der Psyche widmeten.« Doch »die Phänomene der Empfindung und Wahrnehmung oder auch andere physiologische Zustände werden sich nie auf eine rein neurale Theorie zurückführen lassen«. Gardner steht der Kognitionswissenschaft erstaunlich kritisch gegenüber. »Die Psychologie hat sich nicht zu einer integrierten Wissenschaft entwickelt. daß William James.106 . Auf jeder Ebene des Nervensystems. und sie wird dieses Ziel wahrscheinlich nie erreichen. nimmt unser Wissen mit einer phänomenalen Geschwindigkeit ständig zu. die Unternehmen bei der Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern einsetzen könnten. obschon er im Grunde genommen ein Wissenschaftsoptimist gewesen sei. insbesondere die Neurowissenschaft.

Doch die Herangehensweise der Kognitionswissenschaftler an die Phänomene Wahrnehmung. Diese Konzepte »scheinen sich der Zerlegung in elementare Bestandteile und anderen Formen des Reduktionismus besonders nachhaltig zu widersetzen«. Willensfreiheit und Persönlichkeit. so Gardner weiter. daß die Kognitionswissenschaft zum vorherrschenden Paradigma der Psychologie werden würde. Sein zentraler Kritikpunkt war die Tatsache. Aufmerksamkeit und logisches Denken stelle keine deutliche Verbesserung gegenüber den älteren psychologischen Ansätzen dar. um die tiefsten Geheimnisse der Psyche zu erkunden. etwa William James. Psychologen könnten vielleicht mit Hilfe eines »literarischeren« Untersuchungsstils und Diskurses weiterkommen.107 . Freud habe sich in seinen Schriften immer wieder auf Beispiele aus der Literatur und der Mytho. statt aus Silizium. schien alles darauf hinzudeuten. Als der Behaviorismus Ende der fünfziger Jahre an Ansehen verlor. Schließlich vermittelten uns Shakespeare und Dostojewski viel tiefere Aufschlüsse über das menschliche Wesen. das Selbst. Zudem. einen Rechner. »übersehen [Kognitionswissenschaftler] möglicherweise jene Aspekte des logischen Denkens oder Problemlösens. daß streng wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Psyche unser Verständnis der Kernthemen der Psychologie nicht vorangebracht hätten: Bewußtsein. als es Psychologen vermochten.Popularisierung beigetragen hat. Und einige der bedeutendsten Psychologen hätten herausragende literarische Fähigkeiten und Kenntnisse besessen. die eher charakteristisch für Menschen als für mechanische Gegenstände sind«. Gedächtnis. aus Fleisch und Blut bestehe. Kognitionswissenschaftler betrachteten die Psyche als eine informationsverarbeitende Maschine. die man benötige. daß auch Freud ein Meister jener Form literarischer Psychologie gewesen sei. Gardner behauptete. der. Während unseres Gesprächs wies Gardner darauf hin.

die Grenzen der Wissenschaft einschließlich seiner eigenen Beiträge ausdrücklich anzuerkennen.108 . »Sie satteln von Chemie auf Psychologie um.logie gestützt. daß sie die Vorherrschaft dieser vermeintlich neuen und verbesserten Paradigmen in Frage stellen. Der britische Psychoanalytiker Adam Phillips schrieb 1998. Die beiden anderen. daß unsere Heilerfolge es mit denen von Lourdes .der Psychologen« sich nicht tief in andere Menschen einfühlen. um die DNA. um Darwin oder um den Computer. denen Gardner begegnet sei. wir sollten dankbar dafür sein. sind das Erziehen und das Regieren. Neofreudianer erfüllen dadurch. einer seiner versöhnlichsten Wesenszüge.«62 Im Jahr 1933 klang er noch sarkastischer: »Da möchte ich sagen. noch immer einen nützlichen Zweck. weil sie in Chemie nicht gut genug waren. In dem 1937 erschienenen Werk Die endliche und die unendliche Analyse schrieb Freud: »Es hat doch beinahe den Anschein. ich glaube nicht. die Psychoanalyse »zeigt uns bestenfalls sowohl die Grenzen unserer vielgerühmten Erkenntnisfähigkeit als auch. in denen man des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann. was wir mit dieser sogenannten Erkenntnisfähigkeit tun können«. daß ihr einst beherrschender Einfluß gebrochen ist. und er habe ein gutes intuitives Gespür für Menschen besessen. Andererseits stellt der Kult um Freud heute eine geringere Gefahr dar als der Kult um Fluctin.Sie können mich mit dieser Zahl zitieren .61 Meines Erachtens war Freuds Bereitschaft. »Übrigens können fünfundneunzig Prozent .« Freuds versöhnender Pessimismus Die Psychoanalyse ist ein Paradigma mit schwerwiegenden Fehlern. als wäre das Analysieren der dritte jener ›unmöglichen‹ Berufe. hätten diese intuitive Fähigkeit gehabt. Alle »großen« Psychologen. weit länger bekannten.

«63 Freuds Sorgen waren wohlbegründet. Andererseits gibt es auch keine schlüssigen Beweise dafür. die an die Wunder der heiligen Jungfrau.109 . Mehr als fünfzig Jahre nachdem er diese Äußerung gemacht hat. Es gibt so viel mehr Menschen. daß irgendeine von den Hunderten von »Redekuren«. . als die an die Existenz des Unbewußten glauben.aufnehmen können. gibt es noch immer keine schlüssigen Beweise dafür. die auf alternativen Theorien der menschlichen Natur basieren und die im Verlauf der letzten hundert Jahre entstanden sind. im geringsten erfolgreicher wären. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren dem Gesundbeten überlegen wäre.

aber konkurrierender psychologischer Theorien hervor. I'm Okay – You're Okay des Psychiaters Thomas Harris. deren berühmteste Anhänger John Lennon und Yoko Ono waren. Sie brachte schließlich eine Vielzahl ähnlicher. das ultravioletter Strahlung ausgesetzt wird. Daneben bildeten sich eigenständige Theorien der menschlichen Psyche heraus. Skinner. eines Begründers des Behaviorismus. F. Wie ein Bakterium. JAMES HILLMAN UND MICHAEL VENTURA1 einem nicht lange zurückliegenden Anverkauftenoch Bücherei meiner Heimatstadt Sommertag die gespendete Bücher. darunter jene. Allein schon die Titel dieser Bücher zeigen.110 . PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE Es gibt seit hundert Jahren Psychotherapie. D. Laing. der die Urschreitherapie erfand. Mitte der achtziger Jahre umfaßte die Angebotspalette über 450 verschiede.3. Praktisch alle diese Theorien haben ihre eigenen Psychotherapien hervorgebracht. die Soziobiologie und die Kognitionswissenschaft. Zwischen den hoch mit broschierten und gebundenen alten Büchern beladenen Tischen stieß ich auf ein fossiles Lager populärwissenschaftlicher Psychologiebestseller: Phänomenologie der Erfahrung des britischen Psychiaters und Dichters R. und trotzdem geht's mit der Welt bergab. der die Transaktionsanalyse popularisierte. daß sich die Psychologie im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreiche divergierende Richtungen entwickelte. wie etwa der Behaviorismus. und Der Urschrei des klinischen Psychologen Arthur Janov. die von so bekannten freudianischen Apostaten wie Carl Jung und Wilhelm Reich begründet wurden. Jugend und Krise des Psychoanalytikers Erik Erikson. jenseits von Freiheit und Würde des Psychologen B. begann die Psychoanalyse unmittelbar nach ihrer Begründung rasch zu mutieren und sich zu teilen.

2 Die Psychotherapien lassen sich in drei allgemeine Kategorien einteilen: . die Ursache für psychische Störungen im Erwachsenenalter. doch viele Analytiker einschließlich Freud haben gegen diese Regel verstoßen. ihr Leben mit Sinn zu erfüllen.ne Arten von Psychotherapien. Watson. zu denen die Psychoanalyse und ihre Abkömmlinge zählen.Erlebnisorientierte Therapien haben eine philosophischere Ausrichtung als psychodynamische und Verhaltenstherapien. In der klassischen Psychoanalyse sollte es der Analytiker vermeiden.B.3 Selbst innerhalb einer bestimmten psychotherapeutischen Richtung kann es eine enorme Bandbreite geben. .111 . in einen Topf geworfen. Die Therapeuten versuchen den Patienten zu helfen. die jedoch vor allem auf die Änderung schädigender Denkgewohnheiten abzielen. indem sie ihre Fähigkeit erkennen. Depression und Angst werden als legitime Reaktionen auf die Sinnlosigkeit des Daseins gewertet. Skinner und anderen Behavioristen streben Verhaltenstherapien danach. von der aktiven analytischen Therapie bis hin zur psychoenergetischen Technik nach Zaraleya. Auf der Grundlage der Arbeiten von Iwan Pawlow. J. mitunter nehmen sie sogar eine ausgesprochen spirituelle Dimension an.Psychodynamische Therapien. dem Patienten Ratschläge zu geben. durch Konditionierungsübungen dysfunktionale Verhaltensmuster zu ändern.Verhaltenstherapien verfolgen einen gegenwartsbezogeneren Ansatz. Verhaltenstherapien werden oft mit kognitiven Therapien. .F. B. sich ihrer Verzweiflung und Entfremdung zu stellen und sie zu überwinden. insbesondere solchen sexueller Natur. Tatsäch. sehen in Kindheitserfahrungen.

ist es schwerer. Nach der gegenwärtig vorherrschenden Meinung sinkt der Stellenwert von Psychotherapien infolge des (in den USA) neu eingeführten Systems der integrierten Gesundheitsfürsorge und der sprunghaft zunehmenden Beliebtheit von Medikamenten wie Fluctin immer weiter. bilden noch immer eine einflußreiche politische Interessengruppe. daß diese Ende der neunziger Jahre weniger Psychotherapien durchführten als im vorausgehenden Jahrzehnt.6 Eine Studie aus dem Jahr 1992 zählte hundert Millionen psychotherapeutische Sitzungen. daß viele Psychotherapeuten gegenüber verschiedenen Patienten unterschiedliche therapeutische Strategien einschlagen. aber diese Zahl enthielt auch Patienten in Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen. wie es Psychotherapeuten gibt.112 . exakte Daten zu bekommen. Diese Zahl schließt vierzigtausend Psychiater. wurde festgestellt. konzentrierte.5 Die Anzahl der ambulanten psychotherapeutischen Visiten belief sich auf insgesamt achtzig Millionen und die Gesamtkosten auf über vier Milliarden Dollar. Obgleich es eine Fülle von anekdotischen Indizien für den Bedeutungsverlust von Psychotherapien gibt.1 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine psychotherapeutische Sitzung pro Jahr auf ambulanter Basis. stellt die Psychotherapie noch immer eine wichtige Form der Behandlung von psychischen Problemen dar.4 Laut einer statistischen Erhebung erhielten im Jahr 1987 7. wenn man bedenkt.8 Selbst wenn die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungen rückläufig ist. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es fast dreihunderttausend Psychotherapeuten. die sich auf Ärzte. doch werde dieser Rückgang möglicherweise durch eine Zunahme von Besuchen bei nichtärztlichen Therapeuten kompensiert.lieh gibt es wohl genauso viele Arten von Psychotherapie. einschließlich Psychiatern. und diejenigen.7 Bei einer statistischen Erhebung.3 Millionen Amerikaner oder 3. ja sogar mehr. die sie verabreichen. .

als Beweise vorlegen. Die Frage. Drogenberater und andere eklektische Praktiker steuern weitere fünfzigtausend Therapeuten zu der Mischung bei. sie funktioniert. Mitte der neunziger Jahre bedrängten diese Gruppen den US-amerikanischen Kongreß. Die Frage lautet dann nicht mehr »Ist sie wahr?«. Freud wollte mit seinen Fallberichten über einzelne Patienten . was sie bewirken. Später konnten sie Kernspaltungsreaktoren. Der Mental Health Parity Act (Gesetz zur Gleichstellung der psychischen Gesundheit mit der körperlichen Gesundheit) trat mit den unvermeidlichen Lücken im Januar 1998 in Kraft. die den Lauf der Geschichte veränderten . indem man die Wirksamkeit ihrer zugehörigen Therapien mißt.insbesondere solche mit medizinischen Ansprüchen . wäre dies ein starker Indizienbeweis für die Wahrheit der ihr zugrunde liegenden Theorie. Transistoren. Unternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten. Die frühen Anhänger der Quantenmechanik konnten nur die Ergebnisse rätselhafter Experimente beschreiben.achtzigtausend klinische Psychologen und hundertzwanzigtausend Sozialarbeiter ein.Technologien.9 Seelsorger. sondern danach. Man kann die relativen Vorteile verschiedener psychologischer Lehren bewerten. was sie sagen. für psychische Erkrankungen denselben Versicherungsschutz zu gewähren wie für körperliche Leiden wie Krebs oder Herzerkrankungen. Wie Politiker sollten vielleicht auch wissenschaftliche Theorien . Wenn sich eine Psychotherapie anderen Verfahren bei der Behandlung seelischer Leiden als überlegen erwiese. Laser und thermonukleare Bomben .10 Die Psychotherapiebranche stellt einen beständigen umfassenden Test der zahllosen psychologischen Lehren dar.darunter so berühmte . nahezu belanglos. läßt sich nicht leicht beantworten. Für viele Physiker ist die Frage. Hauptsache ist.nicht danach beurteilt werden. ob die Quantenmechanik wahr ist. sondern »Ist sie wirksam?«. ob eine bestimmte Psychotherapie wirksam ist. die im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt wurden.113 .

. die in Studien über Tumortherapien oder andere.114 .Personen wie der Rattenmann. die psychischen Ursachen seiner Symptome zu verstehen. bestätigten sie den Nutzen einer psychoanalytischen Behandlung. Toksoz Karasu. kann man Wirksamkeitsnachweise für jede beliebige Behandlungsform beibringen. Psychiater am Albert Einstein College of Medicine und eine . Wie mehrere Kritiker gezeigt haben. einfachere Therapien nicht auftreten. Fallberichte bleiben ein zentrales Element moderner Bücher über die Psyche.den Nachweis für die Wirksamkeit der Psychoanalyse erbringen. im Rahmen einer kontrollierten Studie seine Wirksamkeit bei einer großen Zahl von Probanden zu messen. Mit Hilfe des brillanten Analytikers gelinge es dem Patienten. werden durch Faktoren erschwert. die die Wirksamkeit psychologischer Behandlungsformen nachweisen sollen. ob für die Jungsche Psychotherapie bei Depression oder Haiknorpel bei Krebs. was ihm Erleichterung verschaffe. Die beste Methode zur Bewertung eines bestimmten Heilverfahrens besteht darin. der Wolfsmann und Anna O. Doch Studien. die den Begriff »Redekur« prägte und nicht von Freud selbst. egal ob sie Psychotherapien (The Talking Cure von Susan Vaughan). So wie Freud diese Fallstudien erzählte. sondern von einem seiner Kollegen analysiert wurde . bestand allerdings oftmals eine erhebliche Diskrepanz zwischen Freuds Erzählungen und der Wirklichkeit. Medikamente (Glück auf Rezept von Peter Kramer) oder die Verhaltensgenetik (Twins von Lawrence Wright) anpreisen.11 Auch wenn Fallgeschichten oftmals eine faszinierende Lektüre sind. Zudem könnten die nachweislichen Verbesserungen bei manchen (nicht allen) Patienten von Freud und seinen Kollegen trotz und nicht wegen der Behandlung zustande gekommen sein. werden sie nicht mehr als zuverlässige Belege für die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen anerkannt. Wenn man sich allein auf kasuistische Einzelfallschilderungen bezieht.

daß sie sich nicht nur in ihrem beruflichen Rollen. in deren Beurteilungen sich der Konsens der Fachwelt widerspiegeln soll.Zahl von Patienten-.und Interaktionsvariablen berücksichtigen. die trügerisch einfache Frage ›Ist eine Psychotherapie wirksam?‹ zu beantworten.] politische. was ein Psychiater als Schizophrenie klassifiziert. die Verschiedenartigkeit der Kontexte. muß man die Vielfalt theoretischer und klinischer Ansätze in der Psychotherapie. hat allenfalls das subjektive Moment bei psychiatrischen Diagnosen verdeutlicht. die Beschreibung der Schizophrenie »läuft auf folgendes hinaus: Ein Schizophrener ist eine Person. sie als eine gleichförmige Praktik zu beschreiben und zu messen. Ein Rezensent des DSM-IV (der in Deutschland 1996 erschienenen vierten Auflage) meinte etwa. wirtschaftliche und narzißtische Interessen..13 Doch das DSM. manisch-depressive Erkrankung oder normale Melancholie diagnostiziert. wie eine bestimmte Störung definiert werden sollte. Die Therapeuten sind sich. die sehr eigenartige Gedanken hat. schrieb einmal: Wenn man versucht. wird von einem anderen vielleicht als Schizophrenie. dessen erste Ausgabe 1952 erschien. sondern auch in ihrer ideologischen Einstellung unterscheiden.und Identitätsverständnis. und selbst darüber. die dazu führen.115 .Autorität auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Zudem haben Therapeuten [. die Schwierigkeiten..scheinbar endlose . Die American Psychiatrie Association hat sich bemüht.12 Die Diagnose psychischer Störungen ist ein problematisches Unterfangen. sich sonderbar benimmt . was überhaupt als Störung anzusehen ist. das Spektrum der Störungen. gelinde gesagt. das von Gruppen von Psychiatern erarbeitet wird. dieses Problem mit dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM . die große . dieses aber keinesfalls ausgeschaltet. uneinig darüber.dt. Therapeuten. Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) zu lösen.

Doch selbst wenn die Diagnose eindeutig wäre. bestünde noch immer Uneinigkeit darüber. als verstehe man Phänomene schon. wie man den Erfolg einer psychologischen Behandlung messen soll. und auch die Homosexualität taucht nicht mehr auf. dies deutet darauf hin. die beiden zentralen Themen der freudianischen Psychologie. heißt es in dem 1998 erschienenen Buch Making Us Crazy. oder sich sprachlich nicht richtig ausdrükken können. die im DSM aufgeführt sind. Das DSM-IV spiegelt »die zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft [wider]. dissoziative Fugue (der unwiderstehliche Drang.und unter bizarren Wahnideen leidet.116 . Während die meisten (wenn auch nicht alle) Beobachter darin über. Kann der Therapeut oder der Patient selbst die Störung eines Patienten besser beurteilen? Und worin besteht ein erfolgreicher Abschluß? Die letztgenannte Frage ist stark mit Werturteilen behaftet. nichtmedizinischen Problemen eine medizinische Bedeutung beizulegen. Gefühlsüberschwang mit Psychopathologie zu verwechseln und so zu tun. daß die Verfasser des DSM-IV entweder nicht wissen. antisoziale Persönlichkeitsstörung (»Impulsivität beziehungsweise Unfähigkeit vorauszuplanen«). Dennoch stieg die Zahl der anerkannten Störungen von 106 im DSM-III (1980) auf über 300 im DSM-IV an. aber in späteren Ausgaben auf Druck schwuler Aktivisten und anderer gestrichen wurde.15 Zu den neuen Kategorien gehören Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (»Kann sich nicht auf Details konzentrieren und begeht Flüchtigkeitsfehler«). was Schizophrenie ist. »seinen Wohnort und seinen gewohnten Arbeitsplatz zu verlassen«). wenn man ihnen ein Etikett und eine Codenummer anhängt «16. die noch im DSM-I und im DSM-II als psychische Störung gewertet wurde. einer Geschichte des DSM.«14 Das DSM-IV erwähnt nicht einmal Hysterie und Neurose. Außerdem bezahlen die meisten Versicherungsgesellschaften nur die Behandlung von Störungen.

einstimmen würden. wer die wirksame Substanz und wer das Placebo erhält. so meinte . daß ein Selbstmord auf einen Fehlschlag der Therapie hindeutet. Weder die Studienteilnehmer noch die Studienleiter wissen. die Placebo genannt wird. Wie aber führt man eine Doppelblindstudie über ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren durch? Psychoanalytiker bewerten sich selbst Freud griff all jene heftig an. sofern dieser Begriff überhaupt anwendbar ist? Ist es sinnvoll. eigenständiger zu werden oder sich konventionellen sozialen Normen anzupassen? Wie lange muß ein Patient symptomfrei sein. der erprobt wird. Selbsterkenntnis. Statistische Auswertungen. Die ideale klinische Studie ist ein Doppelblindversuch. was einen Erfolg ausmachte. Zufriedenheit oder beides zu fördern? Sollten Therapeuten Patienten helfen. von einer »Heilung« der Melancholie oder Angst zu sprechen. und die Kontrollgruppe erhält eine pharmakologisch unwirksame Substanz. aber ansonsten mit der ersten soweit wie möglich übereinstimmt.117 . wenn beide möglicherweise angemessene Reaktionen auf das menschliche Dasein sind? Auf einem weniger philosophischen Niveau stellt sich die Frage. Jeder Unterschied zwischen den beiden Gruppen läßt sich dann mit hoher Plausibilität auf die Behandlung zurückführen. eine Gruppe erhält den Wirkstoff. als er von Fallstudien erbracht wird. bis er als geheilt gelten kann. die nicht behandelt wird. wie man eine Kontrollgruppe für eine Psychotherapiestudie zusammenstellen soll. In einer kontrollierten Studie vergleicht man die behandelte Gruppe mit einer zweiten. Und welchen Zeitraum müßte man dabei betrachten? Besteht das Ziel der Therapie darin. stellt sich die Frage. die auf einem stringenteren empirischen Wirksamkeitsnachweis bestanden.

erwarten und behaupten. daß er sich nicht objektiv messen läßt. seien »überhaupt nicht lehrreich. Im Jahr 1948 riefen leitende Funktionäre der American Psychoanalytic Association (APA) einen Evaluationsausschuß ins Leben.118 . zum Ausdruck brachten.«17 In Freuds Widerstand gegen statistische Studien mag sich seine Befürchtung widerspiegeln. . als dem Patienten bloß ein angenehmes Lebensgefühl zu vermitteln. Die Journalistin Janet Malcolm machte in ihrem 1982 erschienenen Buch Psychoanalysis: The Impossible Profession darauf aufmerksam: »Es ist eine der ältesten und tiefverwurzeltesten Überzeugungen der Psychoanalyse. daß der Unterschied zwischen dem nicht Analysierten und dem späteren Verhalten des Analysierten doch nicht so durchgreifend ist.. wenn sich am Ende herausstellt.] zu machen. die »nichts anderes [anstreben]. daß die Ergebnisse der Psychoanalyse möglicherweise nicht zum Vorteil gereichten. seine Einzelerfahrungen zu befragen. das verarbeitete Material so heterogen. daß man nicht überrascht sein dürfte.. ihn für das Leben stärker [. der von Mitgliedern Wirksamkeitsbelege sammeln sollte. Freud selbst tadelte einst Analytiker.«20 In Anbetracht dieser Faktoren ist es nicht verwunderlich.«19 Ihrer Auffassung nach kann die Minderung des Leidensdrucks die persönliche Weiterentwicklung aber behindern. als es dem Kranken möglichst angenehm zu machen. doch der Ausschuß löste sich bald wieder auf. daß der Analytiker mehr will.Freud. Man tut besser. daß viele Analytiker ihre Zwiespältigkeit beziehungsweise ihren offenen Widerstand gegenüber jedem Versuch. daß nur sehr große Zahlen etwas besagen würden. Dabei verzichten sie darauf. die Wirksamkeit ihres Produktes zu quantifizieren. Gegen Ende seines Lebens schrieb er: »Man hat den Eindruck. wie wir es erstreben.«18 Die Psychoanalytiker definieren den therapeutischen Erfolg oftmals so. damit er sich dort wohl fühle und gerne wieder aus den Schwierigkeiten des Lebens seine Zuflucht dorthin nehme.

gebildeter. die Ergebnisse unter Verschluß zu halten.119 . einem Professor für Psychiatrie am New York Medical College im Saint Vincent's Hospital. daß die psychoanalytische Behandlung bei sechzig bis neunzig Prozent der untersuchten Patienten zu einer »erheblichen« Verbesserung ihres Zustands geführt habe. erörtert. die keine Therapie erhielt. Boston. San Francisco und in anderen Orten Daten über den Therapieerfolg zusammenzutragen. Als die Ausschußmitglieder im Jahr 1957 die Informationen dem Vorstand des Berufsverbandes vorlegten. Ungeachtet dessen begannen psychoanalytische Institute in Chicago. Zweitens wurden die Patienten nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen. Diese Studien weisen jedoch so gravierende Mängel auf. die sich auf über sechshundert Patienten bezogen. ließ das Thema dann aber erneut fallen. Die APA schickte die Rohdaten zur Auswertung an IBM.da die Mitglieder nicht miteinander kooperierten. empfahlen sie. Berichte über den therapeutischen Erfolg von Tausenden von Analytikern zu sammeln. »Geeignete« Patienten sind tendenziell wohlhabender. positive Resultate festzustellen. die sie als »geeignet« für eine Psychoanalyse einstuften.23 Die Autoren kamen zu dem Schluß. wurden 1991 im Journal of the American Psychoanalytic Association von einer Gruppe um Henry Bachrach. doch dabei gingen offenbar viele der Daten verloren. die aus naheliegenden Gründen dazu neigen dürften. Die Ergebnisse. Im Jahr 1967 versuchte die APA. Drittens nahmen die Analytiker nur solche Patienten an. indem sie einen Teil der Ergebnisse veröffentlichte .21 Einem 1953 gegründeten Ausschuß gelang es.ein Kritiker bezeichnete sie als eine Sammlung »angeblicher Fakten«22 -. New York. funktional weniger stark beeinträchtigt und . daß sie von unabhängigen Beobachtern und sogar von vielen Psychoanalytikern selbst als wertlos erachtet werden. Erstens wurde der Fortschritt der Patienten in der Regel von ihren Analytikern beurteilt. das Projekt zu retten.

Im Jahr 1948 gab es keinen Unterschied in den Strafregistern der beiden Gruppen. Anders gesagt. deren Durchschnittsalter bei Studienbeginn zehn Jahre betrug und bei denen man ein erhöhtes Straffälligkeitsrisiko vermutete.24 Die 1937 begonnene Untersuchung verfolgte die Entwicklung von über sechshundert Jungen aus dem Raum Boston. hatten . räumte er ein. Doch die Schwächen »waren nicht größer als bei vergleichbaren Untersuchungen über andere Formen von Psychotherapie«. Doch zu diesem Zeitpunkt kamen einige bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zum Vorschein. Das gleiche wurde in den fünfziger Jahren und 1975 festgestellt. waren zugleich diejenigen.motivierter für eine Therapie als »ungeeignete«.120 . die sie am wenigsten brauchten. diese Studien seien nicht ideal. gemacht hatten. Die andere Gruppe wurde nicht betreut. diejenigen. Diejenigen. die eine Fortbildung in Psychoanalyse oder in der damals populären »humanistischen Gesprächstherapie«. haben Forscher durchaus aussagekräftigere Studien zur Wirksamkeit anderer Psychotherapien durchgeführt. die betreut und im weiteren Verlauf ihres Lebens straffällig geworden waren. Eine der längsten Studien war das sogenannte Cambridge-Somerville Delinquency Prevention Project (Delinquenz-Präventionsprojekt). Als Bachrach diese Daten 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago vorstellte. die am meisten von einer Psychoanalyse profitierten.Teil I Anders als von Bachrach behauptet. entwickelt von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers. Die Dodo-Hypothese . Eine Gruppe von ihnen wurde während eines Zeitraums von durchschnittlich fünfeinhalb Jahren zweimal pro Monat von Sozialarbeitern beraten.

im Gegenteil. der die Auffassung vertrat.mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr als eine Straftat begangen. als daß es wissenschaftlich genannt werden könnte«. förderten ernüchternde Ergebnisse zutage. sondern »eine mittelalterliche Moralität«. Eysenck zog daraus den Schluß. die mit anderen Therapien behandelt worden waren. Eysencks offen ablehnende Einstellung zu Freud und sein Eintreten für alternative Theorien der menschlichen Psyche trugen ihm den Vorwurf ein.25 Im Jahr 1952 legte Eysenck die Befunde einer Studie über die Psychoanalyse und andere »eklektische« Psychotherapien vor. Eysenck bevorzugte genetische Theorien des Temperaments und der Intelligenz.121 . daß Psychotherapien bestenfalls wirkungslos seien. das Risiko noch erhöht. Auch die Forschungen von Hans Eysenck. Er behauptete. sondern. Die Forscher fanden darüber hinaus auch eine positive Korrelation zwischen der Behandlungsdauer und dem Ausmaß straffälligen Verhaltens. einem in Deutschland geborenen Psychologen. daß es vierundvierzig Prozent der Analysanden nach Abschluß ihrer Analyse besser gehe. . die Psychoanalyse habe sogar eine nachteilige Wirkung. der den größten Teil seiner wissenschaftlichen Laufbahn am Institute of Psychiatry der Universität London verbrachte. seine Schlußfolgerungen seien tendenziös. Die Studie deutete darauf hin. Freuds Modell der Psyche sei »zu absurd. die relativ niedrigen IQ-Werte von Schwarzen hätten eine genetische Grundlage.26 Er erklärte einmal. daß eine therapeutische Behandlung Jugendliche keineswegs vor einem Abdriften in die Kriminalität schützt. dem Es und dem Über-ich« bestünden. im Vergleich zu vierundsechzig Prozent der Patienten. er war einer der ersten. Es sei keine Theorie. Doch bei zwei Dritteln einer Gruppe unbehandelter neurotischer Patienten sei nach zwei Jahren ebenfalls eine Besserung eingetreten. deren Charaktere aus so »mythischen Figuren wie dem Ich.

. Sie kamen zu dem Schluß. wo sie tropfnaß an Land gingen. daß sich eine Psychotherapie auszahle. die Wirksamkeit der Psychoanalyse zu evaluieren. der über einen Gesetzentwurf beriet.Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte gelangten Forscher. zu einer positiveren Bilanz als Eysenck: Personen. Um die Tragweite dieses Befundes sinnfällig zu veranschaulichen. in der Alice und andere Figuren. In dem Aufsatz werteten Lester Luborsky. die die positive Wirkung einer psychotherapeutischen Behandlung feststellen. die versuchten. der Versicherungsgesellschaften zur Übernahme der Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung verpflichten sollte. zitierten Luborsky und seine Mitarbeiter eine Episode aus Alice im Wunderland. die nicht therapiert wurden. die psychotherapeutisch behandelt wurden. Andererseits stach keine Therapie heraus. Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania. die Wirksamkeit der Psychoanalyse und anderer Psychotherapien zu evaluieren. und zwei Kollegen Studien über verschiedene Therapien aus. denjenigen. (Die Mitglieder der Kontrollgruppe wurden in der Regel auf eine »Therapie-Warteliste« gesetzt. das mittlerweile aufgelöste Amt für Technologiebewertung an. ging es im allgemeinen besser als Mitgliedern der unbehandelten Kontrollgruppe. die eine Therapie erhielten. »enthält die aktuelle Literatur mehrere hervorragende Forschungsstudien.) Ende der siebziger Jahre wies der US-Kongreß.«27 Eine der einflußreichsten Evaluationsstudien über Psychotherapien trug den Titel »Comparative Studies of Psychotherapy: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«28 und erschien 1975 in den Archives of General Psychiatry. ging es im allgemeinen besser als denjenigen. ans Ufer einer Insel schwammen. »Obgleich die Beweislage nicht völlig schlüssig ist«. den das Amt für Technologiebewertung 1980 an seine Auftraggeber im Kongreß sandte. die in einem Meer aus Tränen trieben. heißt es in dem Bericht. alle waren annähernd gleich wirksam.122 .

und jeder muß einen Preis bekommen!‹29 Luborsky erkannte dem Psychologen Saul Rosenzweig das Verdienst zu. wann der Wettlauf eigentlich zu Ende war. während ringsum alles schwieg und wartete. in der ihr gewöhnlich Shakespeare auf Bildern von ihm seht). so daß gar nicht so leicht zu entscheiden war. und so saß er längere Zeit hindurch da und legte die Zeigefinger an die Stirn (eine Haltung. sondern jeder begann zu laufen. sagte er). der meinte.30 Luborsky hat seine Befunde im Lauf der Jahre immer wieder aktualisiert und ist mittlerweile mehr denn je davon überzeugt.drei – los! <. Ü.123 . eine Art Kreis (›auf die genaue Form kommt es nicht an‹.zwei . alle Psychotherapien seien vermutlich gleich wirksam. Endlich sagte der Dodo: ›Alle sind Sieger. d.der Nei* Ein ausgestorbener schwanengroßer Vogel. daß die Dodo-Hypothese richtig ist. wieder trocken zu werden. und hörte auf. Die Episode entwickelte sich folgendermaßen: Er [der Dodo] legte zuerst die Rennbahn fest. ein Wettlauf um die Insel sei der beste Weg. wie es sich gerade traf.Dort begegneten sie einem Dodo. Rosenzweig hatte postuliert. und die Mitspieler mußten sich irgendwo auf der Bahn aufstellen. welche auf die Überlegenheit einer bestimmten Therapie hindeuteten. aber keine Beweise für seine Behauptung vorgelegt.) . so Luborsky . rief der Dodo plötzlich: ›Ende des Wettlaufs!‹. wie es ihm einfiel. Es gab kein ›Eins . Studien. krankten an einem »Präferenzeffekt«. den Ausdruck »Dodo-Hypothese« in einem Aufsatz aus dem Jahr 1936 geprägt zu haben. noch ganz außer Atem. der auf Mauritius lebte (A. um ihn und fragten: ›Aber wer ist Sieger?‹ Diese Frage konnte der Dodo nicht ohne tieferes Nachdenken beantworten. und alle drängten sich. wann er wollte. Nachdem sie indessen ungefähr eine halbe Stunde gelaufen und wieder ganz trocken geworden waren.

die sie selbst praktizieren oder favorisieren. bemühte er sich. das er mit Koautoren für Psycho dynamic Treatment Research: A Handbook for Clinical Practice schrieb. die beweisen. die noch nicht erkannt wurden? Antwort: Ich bin froh. der eine bestimmte Therapie bevorzuge. Ein Wortwechsel in dem Dialog lautete folgendermaßen: Frage: Glauben Sie nicht. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja. Gegen Ende des Kapitels versuchten Luborsky und seine Mitarbeiter mit einem »imaginären Dialog« einige Fragen zu beantworten. »Es gibt eine Fülle von empirischen Daten. um die Ergebnisse seiner Studien mit ihm zu besprechen. daß Sie mich das fragen. Und sie haben .31 Anderseits hat auch Luborsky seine Präferenzen. Ich fragte ihn. Luborsky antwortete. ob diese Belege vielleicht das Produkt eines »Metapräferenzeffekts« sein könnten. die Behauptung von Hans Eysenck und anderen zu widerlegen. daß sie stimme. die eine Art »Psychoanalyse light« sei. er habe diese Möglichkeit nicht geprüft. denn schließlich sei ein Forscher. sagte er. Die Studien haben sich bislang noch nicht mit den möglichen langfristigen Vorteilen befaßt. Belege für die Wirksamkeit jener Therapie zu finden. Hauptthema des Kapitels war die DodoHypothese. Als ich ihn anrief.124 . daß eine psychotherapeutische Behandlung positive Veränderungen bewirkt«. Psychotherapien seien gänzlich wirkungslos. einige besondere Vorzüge aufweisen. daß die [psychodynamischen] Therapien ungeachtet aller Belege. aber er bezweifle. vermutlich auch vom Nutzen der Psychotherapie im allgemeinen überzeugt. die für einen nicht signifikanten Differenzeffekt sprechen.gung von Forschern. die durch ihre Version der Dodo-Hypothese aufgeworfen wurden. ja nicht einmal in Erwägung gezogen. Zudem hat Luborsky unter allen Gesprächstherapien eine eindeutige Vorliebe für die psychodynamische Therapie. Luborsky enthüllte diese Präferenz 1993 in einem Kapitel.

Die Psychoanalyse sei »vermutlich mindestens ebenso wirksam wie andere Formen der Psychotherapie. die Psychoanalyse sei »eine nicht sonderlich erfolgreiche und äußerst ineffiziente Methode zur Behebung neurotischer Symptome«. der auch eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert hat.« Crews konterte mit der Frage. daß er nach wie vor viel von psychoanalytischen Theorien der Psyche halte.125 . daß »ein Bündnis geschmiedet wird und daß beide neue Erkenntnisse gewinnen.34 Luborsky wies Crews' Behauptung zurück. gestand mir. der auf Frederick Crews' Artikel »The Unknown Freud« in der New York Review of Books reagierte.« Psychotherapie als Placebo Im Jahr 1993 enthüllte Luborsky in einem Leserbrief. seine fortbestehende Präferenz für die Psychoanalyse.33 Die Quintessenz dieser Hypothese. daß bei weiteren Forschungen die nützlichen Komponenten psychodynamischer Therapien identifiziert würden. die sich in einer erfolgreichen Therapie zwischen Patient und Therapeut entwickelt. Das ist die einfachste Formel dafür. der halbwegs bei Verstand .auch den Unterschied zwischen Änderungen bei den Symptomen und Änderungen in der allgemeinen Anpassung noch nicht gründlich genug erforscht. Er hoffe. lautet. Dies wird dadurch bewiesen. wenn alle Psychotherapien gleichwertig seien. weshalb. daß bei allen vergleichenden Studien über verschiedene Formen von Psychotherapien der überwältigende Trend dahin geht. daß es keine signifikanten Unterschiede im therapeutischen Erfolg gibt. aufgestellt. so daß man sie wirkungsvoller gestalten könne. Er hat eine ausgeklügelte Hypothese über die Beziehung. jemand. die sich stark an den Freudschen Begriff der Übertragung anlehnt.32 Luborsky.

In einem Aufsatz. deute darauf hin. die Psychoanalyse. daß »die Geschichte der Medizin bis in die jüngste Vergangenheit hinein im wesentlichen die Geschichte des Placebo-Effekts war«36.37 . sich ausgerechnet für die teuerste und zeitraubendste Psychotherapie von allen. Arthur Shapiro. daß »abgesehen von einigen wenigen möglichen.sei. Später bezeichnete der Begriff Speichellecker und Schmeichler und. betonte er. die Seelenandachten zu singen. daß Psychotherapien (wenn überhaupt) aufgrund von Faktoren wirken. den er gemeinsam mit einem Koautor kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 schrieb. »Die eigentliche Botschaft von Luborskys Arbeit«. »lautet. desgleichen die Angehörigen des Berufsstandes der Kantoren. her. Erstmals vor eintausendachthundert Jahren von dem griechischen Arzt Galen beschrieben.35 Auch die Abendgottesdienste selbst wurden gelegentlich Placebos genannt.« Der Placebo-Effekt war lange Zeit ein Schreckgespenst der modernen Medizin. so Crews weiter. »ich werde gefallen«. mit der die römisch-katholische Seelenandacht für Verstorbene beginnt. Professor für Psychiatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York.126 . schließlich. entscheiden solle. um ihren Patienten eine Gefälligkeit zu erweisen. die ihnen allen gemeinsam sind – und dies sind Placebo-Faktoren. die man beauftragte. Die kritische Sichtung der vielen tausend Heilmittel. aber unwahrscheinlichen Ausnahmen. das aus Dutzenden von Ingredienzien bestand. Scheinmedikamente. alle Placebos waren«. Der Begriff Placebo leitet sich von der lateinischen Verbform placebo. die Ärzte verordneten. war eine Kapazität auf dem Gebiet des Placebo-Effekts. Ein weitverbreitetes Allheilmittel war Theriak. der man eine stärkende Wirkung zuschrieb. die vor dem Aufkommen der modernen Medizin eingesetzt wurden. wurde Theriak von europäischen Ärzten bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts verordnet. unter anderem Schlangenhaut.

Dieses Syndrom komme in einer alten ärztlichen Maxime plastisch zum Ausdruck: »Schnell. Bluthochdruck und Warzen führen. die in Erfüllung gehen können. läßt seine Wirksamkeit nach.127 . daß die wichtigste Zutat dieser Scheinarzneien vermutlich der Glaube der Patienten an ihre Wirksamkeit war. ergab. in den die Menschen das größte Vertrauen setzen. bevor sie ihre Wirkung verliert. bewegte sich laut Beecher zwischen dreißig bis vierzig Prozent.Heilkundige erkannten schon vor langer Zeit.40 Der Prozentsatz der Patienten. Die Wirksamkeit des Scheinpräparats »übertrifft mitunter diejenige. die durch eine Mangeldurchblutung des Herzens hervorgerufen werden.Erwartungen. Der Placebo-Effekt beruht jedoch keineswegs nur auf Einbildung. daß Patienten auf neue Medikamente besser ansprächen als auf ältere. es sei lange Zeit ein unumstößliches Dogma der überkommenen medizinischen Lehre gewesen. die einem potenten Pharmakon zugeschrieben wird«. die bei verschiedenen Erkrankungen auf ein Placebo ansprachen. die mit dem . schnell. Galen schrieb einmal: »Der hat den größten Heilerfolg. bewährte. einer chirurgischen Behandlung für Brustschmerzen. vielmehr kann er verblüffende physiologische Wirkungen auslösen. Eine wegweisende Studie. Bei manchen Verfahren ist das Placebo sogar deutlich überlegen. die 1955 von Henry Beecher veröffentlicht wurde. daß Placebos zu einer meßbaren Linderung solcher Leiden wie Asthma.«38 Arthur Shapiro wies darauf hin.«39 Die Einführung eines neuartigen Medikaments erzeugt bei Ärzten und Patienten oft überzogene Erwartungen . Wenn dann im Lauf der Zeit der innovative Charakter des Medikaments verblaßt und seine Nebenwirkungen und Grenzen deutlicher werden. In den fünfziger Jahren führten Forscher eine klinische Studie über die Wirksamkeit der sogenannten arteriellen Ligatur durch. benutze die neue Arznei.41 Man verglich die Patienten.

und viele gingen ein. Änderungen des Lebensstils oder Methoden der Selbsthilfe.der Scheinoperation . die durch den vorangehenden Kontakt konditioniert worden waren.128 . wurden krank. bei denen eine arterielle Ligatur vorgenommen wurde. bei dem negative Erwartungen in Erfüllung gehen. um das Wachs. Der Psychologe Robert Ader von der Universität Rochester gab Ratten mit Saccharin gesüßtes Wasser.eine Branche mit einem Jahresumsatz von dreißig Milliarden Dollar). Ökodiät.Verfahren behandelt wurden. wie Ökotherapie. eine chemische Verbindung. einige gingen sogar ein. Unglaublicherweise zeigt sich dieser vermeintlich »psychische« Effekt selbst bei Säugetieren. übermäßiges Jogging.Behandelten eine subjektive Besserung spürten. Dies ist eine recht beachtliche Erfolgsquote. daß hundert Prozent der mit dem Placebo-Verfahren . Ader gab den Überlebenden nun mit Saccharin gesüßtes Wasser. Sechsundsiebzig Prozent der Patienten. Der Psychiater Arthur Shapiro meinte: Die Macht des Placebos spiegelt sich in der Allgegenwart von Betrügereien (Quacksalberei .) Das Gegenstück des Placebo-Effekts ist der Nocebo-Effekt. wäre da nicht die Tatsache gewesen. bei denen lediglich oberflächliche Einschnitte in die Brust gemacht wurden. wie Experimente in den siebziger Jahren ergaben. das nicht mit Cyclophosphamid versetzt war. Autosuggestionen (Vitamine. die Übelkeit hervorruft und stark immunsuppressiv wirkt. Auch diese Ratten. um eine tödliche Immunsuppression auszulösen. ging es anschließend besser. das Cyclophosphamid enthielt.42 Alle Ratten wurden krank. (Heute werden keine arteriellen Ligaturen mehr vorgenommen.9-Milliarden-Dollar schwere Branche) und Modetrends (New Age. ganzheitliche und alternative Behandlungen – eine 13. naturnahe Lebensführung und meditative Immuntherapie. Spiritualität (religiöse und parapsychologische Heilverfahren). mit einer Kontrollgruppe. Das süß schmekkende Wasser allein genügte.

in leicht abgewandelter Gestalt wieder auf. tauchen diese Therapien wie in einem brodelnden Hexenkessel kaum. wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmen.turn und die Vitalität von guten weißen Blutkörperchen zu fördern und bösartige Zellen zu zerstören). bleibt die verzwickte Frage: Steckt hinter einer Psychotherapie mehr als bloß der Placebo-Effekt?«44 Vielleicht nicht. meinte Shapiro. daß »die Linderung von Angst .129 . die man in der Hoffnung miteinander mischte.was übrigens auch für viele bemerkenswerte Placebo-Behandlungen gilt -. erinnerte sich Frank. daß sie verschwunden sind. heilsam und wirkungsvoll ist . einige davon würden schon wirksam sein«. der Einsatz dieser Therapien würde in dem Maße zurückgehen.43 Der Placebo-Effekt könne durchaus auch der bestimmende Wirkfaktor von Psychotherapien seien. Er fuhr fort: »Obgleich allgemeines Einvernehmen darüber besteht.45 Auf der Grundlage dieser und anderer Untersuchungen gelangte Frank zu dem Schluß. meinte zumindest Jerome Frank. Frank wurde durch das Resultat seiner eigenen Forschungen widerwillig zu dieser Schlußfolgerung gedrängt. die aus lediglich einer halbstündigen Sitzung alle zwei Wochen bestand. Er verglich die Psychotherapie mit dem mittelalterlichen TheriakTrank. einem »planlos zusammengestellten Gebräu aus zahllosen unspezifischen Bestandteilen. Ende der fünfziger Jahre behandelten er und seine Mitarbeiter depressive Patienten mit einer von drei Therapieformen: wöchentliche Einzeltherapie. wöchentliche Gruppentherapie und minimale Einzeltherapie. emeritierter Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität. daß Psychotherapie für viele Patienten nützlich. Ungeachtet der berechtigten Erwartung. »Zu unserem Erstaunen und unserem Verdruß zeigten die Patienten in allen drei Gruppen die gleiche durchschnittliche Besserung ihrer Symptome«.

daß sich die Wirksamkeit – oder Wirkungslosigkeit – einer beliebigen Form von Psychotherapie wissenschaftlich nachweisen lasse. der Kunst der Überzeugung. schrieb Frank. der Wahrheit nahezukommen. keine Gewißheiten. bei einem bestimmten Patienten einen Placebo-Effekt auszulösen. »Man hat Freud zum Vorwurf gemacht. nicht mit wissenschaftlichen Methoden präzise erfassen und messen ließen. »Ich denke. Er war ein großer Mythenschöpfer.« Frank legte seine Sichtweise in dem Buch Persuasion and Healing dar. die psychotherapeutisch behandelt wurden. betrachtet werden: »Die Methoden des Psychotherapeuten und des Rhetorikers sind zugegebenermaßen lediglich dazu gut. seine Patienten davon zu überzeugen. In Anbetracht dessen zeigte sich Frank verwundert über die Heftigkeit der Angriffe auf Freud. er sei kein Wissenschaftler gewesen. Er bezweifelte. Howard Gardners Auffassung von der Psychologie vorwegnehmend. habe wenig oder gar nichts mit ihrer Fähigkeit zu tun. sagte mir Frank. Das bedeutet. versicherte Frank. daß sich ihr Zustand bessern werde.und depressiver Verstimmung bei ambulanten psychiatrischen Patienten. Der wichtigste Faktor sei die Fähigkeit des Therapeuten. die Wahrheiten in diesen Disziplinen sind Wahrscheinlichkeiten. dessen erste Ausgabe 1961 erschein und das seither zahlreiche Neuauflagen erlebte (die jüngste besorgte Frank zusammen mit seiner Tochter. der Placebo-Wirkung sehr ähnelt.130 . als ich ihn 1996 anrief. da sich die Eigenschaften. doch das geht am Wesentlichen vorbei. die Psychotherapie solle nicht als ein Zweig der Wissenschaft. Julia Frank. Der spezifische theoretische Bezugsrahmen. was darauf hindeutet. die einem bestimmten Therapeuten ermöglichten. sondern der Rhetorik. daß meine Auffassung bestätigt worden ist«. die als Psychiaterin in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist). Patienten zu »heilen«. sie zu erreichen. daß möglicherweise dieselben Faktoren beteiligt sind«46.«47 Frank verglich die . nicht. innerhalb dessen Therapeuten arbeiten.

Die klinische Geschichte eines Patienten »gleicht einem Text und die Psychotherapie einer gemeinsamen Anstrengung von Patient und Therapeut. Der erbitterte Freud-Kritiker Frederick Crews beharrte mir gegenüber darauf. Verschiedene Leser fänden im selben Text unterschiedliche Bedeutungen. Patienten zu helfen. Selbstverständlich sprächen verschiedene Patienten auf unterschiedliche Therapeuten an. der gefühlvoll und einfühlsam. der autoritär und kühl sei. Bei ihnen könnten Schamanen und Gesundbeter vermutlich mehr ausrichten als Psychiater und klinische Psychologen. und verschiedene Psychotherapeuten legten die Äußerungen und die klinische Geschichte ein und desselben Patienten in unterschiedlicher Weise aus. dem anderen einer. Crews bevorzugte Behandlungen wie die . alle Psychotherapien seien mehr oder minder gleichwertig hinsichtlich ihrer Fähigkeit. Allerdings zögen auch viele Patienten Heiler vor. die sich unwissenschaftlichen Mythen verschrieben.Psychotherapie auch mit der Literaturwissenschaft.48 Es gebe nicht die eine richtige Methode für die Behandlung eines Patienten. Bei einigen Patienten »scheint der Glaube an die Wissenschaft noch immer die vorherrschende Quelle symbolischer Heilkraft zu sein«. daß die Psychoanalyse bestenfalls wertlos sei. seinen Sinn herauszufinden«.131 . sowenig wie es die eine richtige Form der Lektüre eines Buches gibt. indem sie »Symbole der Wissenschaft« wie etwa Diplome oder einen Arztkittel oder ein Stethoskop zur Schau stellten.50 Therapien im Hier und Jetzt Viele Experten widersprechen entschieden der Behauptung. während die erinnerungsaufdeckende Therapie sogar verheerende Folgen haben könne. Dem einen liege ein Therapeut.49 Psychotherapeuten könnten daher möglicherweise ihren Erfolg verbessern.

die den Patienten belasten . welche Ressourcen sie hat. Crews ist nicht der einzige. sollte der Therapeut »dies wörtlich nehmen und herausfinden. worauf er ihn wiederholt mit einem lauten »Halt!« unterbricht.51 Wenn sich der Patient über seinen Arbeitsplatz.kognitive Therapie. Der pragmatische. die kognitive Verhaltenstherapie könne schon nach relativ kurzer Zeit zu langfristigen Verbesserungen des psychischen Befindens führen. Brody leitete ihre Kolumne mit der obligatorischen Anekdote über eine Frau . und sie bei der Problembewältigung unterstützen«. Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania. der kognitiven Verhaltenstherapie . behauptete. angstauslösende Situationen zu beschreiben. Jane Brady. konkrete Ansatz gefällt vielen Patienten und praktisch allen Krankenversicherungen.Rauchen. Trunksucht. jüngste Studien bescheinigten der kognitiven Therapie eine gewisse Überlegenheit.52 Die American Psychological Association empfiehlt die kognitive Therapie zur Behandlung von Panikstörungen und anderen Problemen. Ein Grund für die Beliebtheit der kognitiven Therapie – und einer engverwandten Abart. welche die Probleme eines Patienten nicht weiter hinterfrage und eine »hilfreiche Einstellung im Hier und Jetzt« fördere. (Bei einer Variante der kognitiven Therapie fordert der Therapeut den Patienten mehrfach auf. Bulimie. Patient und Therapeut konzentrieren sich auf exakt die Symptome oder Krankheiten. sein Sexualleben oder seine soziale Kontakthemmung beklagt. wo die Stärken dieser Person liegen.ist ihre spezifische Ausrichtung. der sich in diesem Sinne für die kognitive Therapie ausspricht. Reizbarkeit gegenüber dem Ehepartner oder Kindern.)53 Im Jahr 1996 berichtete die Gesundheitskolumnistin der New York Times. obsessives Händewaschen. der ehemalige Präsident der American Psychological Association und ein bekannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung.132 .

die den Panikattacken entgegenwirken sollten.mittleren Alters ein. und drei Kollegen durchgeführt worden war. der kognitiven Verhaltenstherapie. die die vermeintliche Überlegenheit der kognitiven Therapie beziehungsweise ihrer Variante. die von M. Sein skeptisches Urteil wurde durch eine Studie über die kognitive Verhaltenstherapie.] Jahrelange Psychotherapien einschließlich einer Psychoanalyse brachten keinerlei Linderung ihres seelischen Leidens . die an Panikstörungen litten. durchgängig durch den Präferenzeffekt beeinträchtigt. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als passende Behandlung für Panikstörungen. Die Forscher teilten ihre Probanden in zwei Gruppen ein.133 . als sie regelmäßig zu einem kognitiven Therapeuten in Behandlung ging. einer Psychiaterin an der Universität Pittsburgh. Diese Daten. einer Erkrankung. daß die Erfolge einer kognitiven Therapie lange anhalten und daß die Rückfallraten viel niedriger sind als bei anderen psychotherapeutischen Verfahren«. Die andere Gruppe erhielt eine PlaceboTherapie. Eine Gruppe wurde in zwölf Sitzungen mit der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie behandelt. die durch das plötzliche Einsetzen extremer. so das Fazit von Shear und Mitarbeitern in den Archives . ohne ihnen jedoch spezifische Ratschläge zu geben. ›Er hat mir das Leben gerettet‹«. Der Therapieerfolg war bei beiden Gruppen von Patienten gleich.. zu der auch mentale und körperliche Übungen gehörten. zitierte Brody die Frau und behauptete im weiteren. die »reflektierendes Zuhören« genannt wird und bei der die Therapeuten den Patienten verständnisvoll zuhörten. Die Forscher untersuchten Patienten. belegen.. Studien hätten »gezeigt. bestätigt. Katherine Shear.54 Nach Lester Luborsky wird die Aussagekraft der Studien. »die sich fast ihr ganzes Leben lang mit den lähmenden Folgen einer depressiven Erkrankung herumschlug [.das änderte sich erst. unbegründeter Furcht gekennzeichnet ist.

55 Der Mythos von der Sachkompetenz Die Dodo-Hypothese hat mindestens zwei wichtige Konsequenzen.of General Psychiatry vom Mai 1994. den der Patient daraus zog. Und die Fähigkeit von Therapeuten. verbessert sich auch nicht mit zunehmender Erfahrung. durch Zufallsauswahl auf zwei verschiedene Gruppen von »Therapeuten« verteilt: eine Gruppe bestand .56 Nach der Auswertung von 375 Psychotherapiestudien zogen Smith und Glass mehrere Schlüsse. die an Störungen wie Angstneurose und Depression litten. Bei einem Experiment wurden Patienten. Psychologen mit einem Universitätsdiplom und Sozialarbeiter mit einem Fachhochschuldiplom sind alle gleich effizient beziehungsweise ineffizient. die ein Medizinstudium absolviert haben. die von den Psychologen Mary Smith und Gene Glass in einem 1977 im American Psychologist veröffentlichten Artikel beschrieben wurden. Anders ausgedrückt. es gab auch keine Korrelation zwischen der Effizienz der Therapeuten und ihrer Qualifikation und Erfahrung. Wie Luborskys Gruppe stellten auch sie fest. die Ergebnisse von Smith und Glass zu widerlegen. daß Psychotherapien wirksam sind: behandelten Patienten ging es besser als unbehandelten. Patienten zu helfen.134 . »werfen Fragen hinsichtlich der spezifischen Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie auf« . es gab keine Korrelation zwischen dem Zeitaufwand für eine Therapie und dem Nutzen. Psychiater. Zweitens. Erstens. Andere Forscher bemühten sich vergeblich. doch zwei weitere Befunde von Smith und Glass trafen sie ziemlich unvorbereitet. Smith und Glass bestätigten auch die Dodo-Hypothese: sämtliche Therapien waren hinsichtlich des Behandlungserfolgs annähernd gleichwertig. Die Psychotherapeuten konnten mit diesen Feststellungen leben.

ihre ›Erfahrung‹ erlaube es ihnen. die starke Zunahme von Psychotherapeuten. als es Laien möglich sei. war Robyn Dawes. Ein anderer Beobachter. um mit den unvorhersehbaren Schwierigkeiten fertig zu werden. Dawes dagegen schrieb in seinem 1994 erschienenen Buch House of Cards: Psychology and Psychotherapy Built on Myth: »Diejenigen. »Fachlich geschulte Psychologen«. waren über ihre Ergebnisse nicht unglücklich. Studienergebnisse zeigen dagegen klar. Experten für die Behandlung psychischer Erkrankungen zu sein . Beide Vereinigungen erklärten. behaupten oftmals.aus echten.«57 In Anbetracht der Daten der Forscher war dieses Fazit Ausdruck schieren Wunschdenkens. die für sich selbst in Anspruch nehmen.135 . werde den Patienten schaden. so beteuerten sie. daß selbst eine Person mit einer psychologischen Schmalspurausbildung unwillkürlich diese . die bei der Interaktion mit den meisten Patienten auftreten. die keinerlei psychologische Ausbildung hatten. Wie sich herausstellte.darunter zahlreiche Psychiater -. Professor am Fachbereich Sozial. die kein Medizinstudium oder keine einschlägige Hochschulausbildung absolviert haben. Dawes wurde daraufhin zu einem Kritiker von Standesorganisationen wie der American Psychological Association und der American Psychiatrie Association. Ende der siebziger Jahre werteten Dawes (damals an der Universität von Oregon) und ein Kollege die von Smith und Glass analysierten Studien nochmals neu aus und gelangten zum selben Schluß. der den Ergebnissen von Smith und Glass zunächst skeptisch gegenüberstand. war das Ausmaß der Besserung des subjektiven Befindens der Patienten in beiden Gruppen gleich. »sind aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer klinischen Erfahrung sehr viel besser gerüstet. Die Forscher. psychologische Prinzipien effizienter anzuwenden. die dieses Experiment ausführten.und Entscheidungswissenschaften der Carnegie-Mellon-Universität. fachkompetenten Psychologen und die andere aus Hochschulprofessoren.

die von Versicherungsgesellschaften und anderen Unternehmen eingesetzt werden. Versicherungsmathematische Methoden. die wegen Mordes vor Gericht steht.59 Nachdem ein Psychologe (gespielt von Theodore Bikel) die Frau einem Rorschachtest unterzogen hat. in dem Susan Hayward eine Frau spielt. die eine Tintenklecksfigur in ihm auslösen. sie sei unschuldig. die ihm in demographischer Hinsicht ähneln. der wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zweimal zu einer . / Want to Live!). die Psychologen bei der Befragung von Patienten einsetzten. bei dem der Proband die Gedanken und Gefühle äußern soll. Dawes stellte die gängige Auffassung in Frage. So kalkuliert eine Versicherungsgesellschaft beispielsweise das Unfallrisiko eines ledigen fünfundzwanzigjährigen Mannes.Prinzipien mindestens genauso effizient einsetzt. Ein Rorschachtest spielte eine wichtige Rolle in dem 1958 gedrehten Melodrama Laßt mich Leben! (Orig.«58 Er sprach sich dafür aus. Sogenannte versicherungsmathematische Methoden sagen Dawes zufolge das künftige Verhalten von Menschen weit zuverlässiger voraus als die klinischen Verfahren der Psychologen. prophezeien das Verhalten eines Individuums auf der Basis von Daten anderer Menschen.136 . viel stärker als bisher auf wissenschaftlich wohlfundierte gemeindenahe Programme und auf ›Hilfskräfte‹ zurückgreifen sollten«. (Sie wird dennoch in der Gaskammer hingerichtet.) Es gebe keine Beweise dafür. daß »wir bei dem Versuch. daß Rorschachtests oder ähnliche Verfahren. das ihnen erlaube. die Vergangenheit eines Patienten besser zu verstehen und seine Zukunft treffsicherer vorherzusagen. Ein vielbenutztes psychologisches Testverfahren ist der Rorschachtest. erklärt er. seelisches Leiden zu lindern.und Methodenwissen. als es Laien könnten. klinische Psychologen verfügten über ein spezielles Fach. irgendeinen diagnostischen oder prädiktiven Wert besäßen. betonte Dawes.

Familienstand und Verkehrsstrafenregister identisch ist. die sie dringend benötigten. Im Dezember 1995 schickte der Vorsitzende des Fachbereichs Psychologie der Rutgers-Universität Mitgliedern des Fachbereichs ein Memorandum. nämlich an schweren psychotischen Störungen Leidenden. deren Alter. die ziemlich schlüssig nachweisen. Es habe sich gezeigt. Er stellte fest. die Psychoanalyse und andere Psychotherapien leiteten wertvolle Ressourcen an Personen. (Bislang wurde das Programm nicht eingestellt. In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud kritisierte er. so Dawes. vorbei. Füller Torrey sprach sich für solche Maßnahmen aus. auf der Grundlage der Unfallhäufigkeit von Männern. daß versicherungsmathematische Methoden bei der Prognose des künftigen Verhaltens psychiatrischer Patienten und Straftäter durchgängig den sogenannten klinischen Verfahren überlegen seien. daß einige Fachleute für seelische Gesundheit auf der Grundlage der bisherigen Erfolgsbilanz von Psychotherapien den Schluß gezogen haben.137 . in dem es heißt: »Ich sehe keinen Grund. Psychologen und Sozialarbeiter . Robyn Dawes' House of Cards). weshalb die Universität überhaupt ein spezielles Lehrprogramm für Psychotherapie anbieten soll. Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum Es ist nicht verwunderlich. Rutgers solle sein Ausbildungsprogramm in angewandter Psychologie und Psychotherapie abschaffen.«60 Der Vorsitzende plädierte im folgenden dafür. daß eine solche Weiterbildung völlig unnötig ist (vgl. daß alle Verliererinnen seien und keine einen Preis verdiene. daß die überwiegende Mehrheit der Psychiater.Geldbuße verurteilt wurde. ernsthaft in Frage gestellt worden.) Auch der Psychiater E. Der Wert einer Weiterbildung in Gesprächspsychotherapie ist durch jüngste Daten.

Das Hauptgebäude des Hudson River Psychiatrie Center sah genauso aus. im viktorianischen Gotikstil erbaute Nervenheilanstalt aus roten Ziegeln«.61 Menschen mit schweren psychotischen Störungen wie Schizophrenie und manischdepressiver Erkrankung »benötigen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen statt Gespräche über frühkindliche Erfahrungen«. Er sagte dies mit so ausdrucksloser Stimme. dessen Schwester an Schizophrenie leidet. Torrey. die einst Patienten beherbergt hatten. die nicht behandelt werden. wie es Christenfeld beschrieben hatte: eine »klassische. daß ich erst nach einigen Augenblicken begriff. verwitterte Sperrholzplatten verschlossen die Fenster zweier Flügel.138 . laßt alle Hoffnung fahren« orientieren. der dort als Forschungsleiter arbeitete. als ich einen Rundgang durch ein Museum machte. behauptete er.63 Nachdem ich im Herbst 1997 von dem Museum gehört hatte. einem klinischen Psychologen. sagte er mir. ich solle mich an Schildern mit der Aufschrift »Ihr. daß es unter den Obdachlosen in den Vereinigten Staaten 200000 psychisch Kranke gibt. das vom Hudson River Psychiatrie Center unterhalten wird. Ich bekam einen etwas anderen Eindruck von dem Problem der Menschen mit schweren Psychosen. man könne das Museum nur nach Voranmeldung besuchen. aber . diese Tatsache ist ein weiteres Erbe der Freudschen Theorie«62. Nachdem er mir den Weg zum Zentrum beschrieben hatte. er würde mich gern auf einem Rundgang begleiten. das nördlich von Poughkeepsie im Bundesstaat New York liegt. rief ich das Zentrum an und wurde zu Roger Christenfeld durchgestellt. Er sagte mir. die Ihr hier eintretet. obwohl Amerika mehr Fachleute für seelische Gesundheit hat als jedes andere Land der Welt. die direkt oder indirekt auf der Freudschen Theorie fußen«. und dies. bedauerte »die traurige Tatsache.in den Vereinigten Staaten »ihre Zeit mit Beratungsgesprächen und Psychotherapien verbringt. daß er gescherzt hatte. Es wirkte zugleich abstoßend und verlassen.

schlugen ein Mann und eine Frau. die mit Windjacken und Hüten bekleidet waren. auf dem laufenden zu bleiben. Es ist schwer. Patienten oder Angestellte? (Zweifelsfrei Angestellte. Und kürzlich hörte ich. schlug er die Absätze seiner Schuhe zusammen und nahm eine steife Haltung ein. schilderte mir Christenfeld seine ziemlich desillusionierte Sicht der psychiatrisch-psychologischen Heilberufe. daß Patienten künftig Überlebende des Sy. Als wir das Verwaltungsgebäude verließen und Richtung Museum gingen. die sich für die Interessen psychisch Kranker einsetzten. betrat ich das Verwaltungsgebäude und ging weiter in Christenfelds Büro. das sei die amerikanische Bezeichnung par excellence . denn stationäre Patienten dürfen nicht in der Parkanlage umherstreifen. einige Gruppen. Doch hinter seinem förmlichen. als stünde er für ein Porträtbild Modell. hätten den Ausdruck Patient als entwürdigend abgelehnt und ihn durch andere Ausdrücke ersetzen wollen. nämlich zu Konsumenten psychiatrischpsychologischer Dienstleistungen. Er sagte. Obgleich es ein verregneter. Ich wurde von einem mittelgroßen Mann mittleren Alters begrüßt. daß sich verschiedene Interessengruppen dafür einsetzen.dann zu Konsumenten.) Nachdem ich durch ein Tor in einem ungestrichenen Lattenzaun gegangen war. wie ich später erfuhr. Die Klienten wurden . »Es gab mehrere Änderungen.139 . Aus Patienten wurden zunächst Klienten. der mit Rasen überzogen war und als kleiner Golfplatz diente.obwohl man meinen sollte. ja pedantischen Auftreten verbarg sich ein sardonischer Humor. Die Heilanstalt stand auf einem sanft abfallenden Hügel.jetzt leer standen. Golfbälle in Richtung einer Flagge. wo sich die Patienten mit Anbietern von Therapien austauschen konnten. Wir richteten sogar ein regelrechtes Kaufhaus für Behandlungen ein. der ein Sportsakko und eine Freizeithose trug und eine seltsam förmliche Ausstrahlung hatte. stürmischer Tag war. wenn er sprach.

sagte er. glaubten alle. und jedesmal. Wir brauchten also nur die Art und Weise. seien allerdings ebenso modeanfällig.« Der Glaube an die Psychoanalyse ähnele dem Glauben an die Wandlung der Seele. Es verwundere nicht. um zu wissen. sagte Christenfeld. durch die erstere verdrängt worden sei. in dem knappe Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden müssen. daß psychische Störungen auf Desintegration. fuhr er fort. Es gibt einige Indizien. wie Eltern ihre Kinder erziehen und wie sie leben. Wenn aber die Psychoanalyse einen »religionsähnlichen« Charakter habe. Als ich zu arbeiten begann. Sie sei »nicht bewiesen«. wenn man versucht [sie zu evaluieren]. insbesondere was die Ätiologie der wichtigsten psychischen Erkrankungen betrifft«.« Diejenigen. Ich bin jedoch lange genug im Geschäft. schlechte Kindererziehung und sozialen Streß zurückzuführen seien. daß sie eigentlich keine meßbare Wirkung hat. gelte das gleiche auch für die biologisch ausgerichtete Psychiatrie. daß diese ideologischen Ansichten im Zeitablauf mit dem politischen Klima einer Kultur kovariieren.140 . »und aus diesem Grund ist sie in einem Umfeld. »Die Psychiater nahmen immer eine schmerz. daß die Psychiater unserer Tage so biologistisch seien. daß die wichtigsten psychischen Erkrankungen biochemische. zu verändern. physiologische oder genetische Ursachen haben.stems der psychiatrischen Gesundheitsfürsorge genannt werden. und schon wäre viel erreicht. die psychisch Kranke behandeln.« Christenfeld war kein Anhänger der Psychoanalyse. das manche als ein ihnen feindlich gesinntes ansehen. zeigt sich. daß es da ein zyklisches Muster gibt. die dafür sprechen. »Zu jedem beliebigen Zeitpunkt besteht unter den Psychiatern ein mehr oder minder breiter Konsens hinsichtlich ihrer Ideologie und ihrer Lehrmeinung. »Sie entzieht sich weitgehend einer empirischen Überprüfung. eher eine luxuriöse Randerscheinung«. »Im Moment sind die meisten Psychiater davon überzeugt.

eine nicht bestandene Prüfung in Integralrechnung -. die ihre Patienten nicht operierten und ihnen auch keine Medikamente verabreichten. das einem übergroßen verfallenen Mausoleum gleicht.« Schließlich gelangten wir zum Museum. Diese Theorie besagt im wesentlichen. Um sich von diesem Image zu befreien. Farbspäne.« Wir standen in einem großen schwach erleuchteten höhlenartigen Raum. um eine Schizophrenie zu entwickeln.« Andere »haben eine sehr hohe Streßschwelle. und sie brechen erst nach einem dreimonatigen Kampf an der Front psychisch zusammen. Wir wollen nichts von diesem ganzen Erlebniszeug hören. etwa ein Holzstuhl mit hoher Rückenlehne. verkündete Christenfeld: »Hier sehen Sie in objektiver Form die Geschichte der Psychiatrie. zumindest seit der Gründung dieses Krankenhauses im Jahr 1871. daß jeder Mensch eine spezifische Höchstbelastungsgrenze hat. gesehen. Unmittelbar hinter der Eingangstür standen mehrere alte Ruhigstellungsapparate.141 .« Insbesondere während der Blütezeit der Psychoanalyse seien Psychiater als Ärzte betrachtet worden. »Die genetische Komponente legt schlicht die Streßschwelle fest. die von der Decke gefallen waren. Sie hätten darauf beharrt.liehe Außenseiterposition unter den Ärzten ein. daß »der Schlüssel zu allem in den Neurotransmittern und den Rezeptoren liegt. daß die Schizophrenie sowohl durch genetische Faktoren als auch durch Erfahrungsfaktoren verursacht werde. seien zahlreiche Psychiater ins entgegengesetzte Extrem verfallen und hätten in psychischen Erkrankungen nur noch rein physiologische Störungen. die rein physiologische Behandlungen erforderten. sprenkelten den gefirnißten Holzboden. Als wir das Gebäude betraten. Einige Menschen brauchen nur ein geringes Maß an Streß . an dessen Basis und Armlehnen .ein Strafzettel.« Doch dieser Ansatz sei nicht viel erfolgreicher gewesen als die Psychoanalyse. sondern »einfach dasaßen und plauderten«. Christenfeld neigte zu der Auffassung.

Ventilatoren. Die Anstalt sei eine autarke »totale Gemeinschaft« gewesen. Die Kiste wurde an Ketten aufgehängt und vor. Als wir weiter durch das Museum schlenderten. der oft als der Vater der amerikanischen Psychiatrie bezeichnet wird. der Uniform von Auszubildenden einer Krankenpflegeschule. Die gängigsten physischen Zwangsmittel sind Handfesseln. Die Patienten hätten einen Bau. offenbar um den Eingesperrten zu beruhigen. die an einem Gürtel um die Taille des Patienten befestigt werden. sagte Christenfeld. Heute können Patienten bei ihrer Aufnahme in eine Klinik angeben. scharfe Rasiermesser. Flaschen. In Kopfhöhe befand sich eine mit Leinwand bezogene Kiste. auf die Kiste starrend. Neben dem Beruhigungsstuhl stand die »Utica-Kiste«. An der Wand hinter der Kiste hing eine Zwangsjacke. stießen wir auf etwas angenehmere Artefakte. falls oder wenn sie die Kontrolle über sich verlieren. der oben und an den Seiten Querstangen aufwies. so sagte er mir. Staubige Vitrinen enthielten Stoffballen. meinte Christenfeld. sich gegenseitig zu beißen oder zu bespucken. welche Form der Ruhigstellung sie wünschen. mit denen ein Patient an ein Bett gebunden wird. die die Patienten davon abhielt. wie man sich da drin gefühlt haben muß«. und Riemen. zu meiner Überraschung.Gurte befestigt waren und der ein Loch im Sitz hatte. »Sie können sich bestimmt gut vorstellen. Dieser »Beruhigungsstuhl nach Rush« war zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von Benjamin Rush entworfen worden. die einem Sarg glich. heute nur noch selten in psychiatrischen Kliniken verwendet werde. Kämme und. wie sie. ein altes Schreibpult und einen Schaukelstuhl. eine weibliche Schaufensterpuppe mit einem blauen Kleid und weißer Schürze. eine große Trommel mit dem Aufdruck »HRSH [Hudson River State Hospital]-Band«. die einst der Nervenheilanstalt angeschlossen war.und zurückgeschaukelt. eine Schusterbank mit Werkzeugen und Lederstücken.142 .

so Christenfeld. ihre eigenen Kleider. von denen die meisten an schwerer Schizophrenie litten. »Hier befindet sich niemand. schien ebenfalls ein Schritt nach vorn zu sein. daß man ihn hierbehält«. die meisten davon aus New York. scharenweise Patienten zu entlassen. Die Zahl der Insassen des Hudson River Psychiatrie Center habe in den fünfziger Jahren mit etwa sechstausend Patienten ihren Höchststand erreicht. konnte man sich nur schwerlich dem Gedanken entziehen. Aber war es mehr als ein nur oberflächlicher Fortschritt? Die »Utica-Kiste« und der »Rush-Stuhl« waren durch Gummizellen. Vieh gezüchtet und geschlachtet. Das Zentrum diene heute hauptsächlich als Tagesklinik. bei dem nicht ein sehr guter Grund dafür vorliegt. Elektroschock und Lobotomien ersetzt worden. Wenn man die altmodische »Utica-Kiste« und den »Beruhigungsstuhl nach Rush« gesehen hatte. Der vorgebliche Zweck der Anstalt sei es gewesen. Schuhe und Möbel hergestellt.143 . Doch nachdem die Patienten erst einmal in die Klinik aufgenommen worden seien. Mein Rundgang mit Christenfeld löste gemischte Gefühle in mir aus. sagte Christenfeld. daß das Hudson River Psychiatrie Center im Vergleich zu seiner Blütezeit so wenige Patienten beherbergte. einfach wegzusperren. »eine schöne Aussicht und Landluft« zu bieten. Während der sechziger und siebziger Jahre habe es wie andere staatlich finanzierte Nervenheilanstalten im ganzen Land begonnen. Die Tatsache.ernhof betrieben. die den Verstand verloren hatten. sagte Christenfeld. damit sich ihr Zustand bessere und sie in die Gesellschaft zurückkehren könnten. verließen sie diese nur selten. Patienten. Damals sei es der Daseinszweck von Nervenheilanstalten gewesen. es beherberge nur noch dreihundertundfünfzig stationäre Patienten. daß die Psychiatrie in den letzten hundert Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hatte. Waren diese Behandlungen besser oder nur anders? . Menschen.

144 .64 Doch die Bilanz der Gemeindepsychiatrie. die in staatlichen Nervenheilanstalten untergebracht waren. in denen sie einst oftmals ihr gesamtes Leben verbringen mußten. »Gefängnisse nehmen den Platz von Nervenheilanstalten bei der Unterbringung von psychisch Kranken ein« lautete eine Schlagzeile in der New York Times vom 5. die bei ihrer Einführung in den sechziger Jahren als eine humane Reform der Behandlung psychisch Kranker dargestellt wurde. Geisteskranke in Gefängnisse zu sperren. Freud und andere Wegbereiter psychotherapeutischer Behandlung seien an dieser Situation schuld. Füller Torrey hat sich in seinem Buch Freudian Fraud völlig zurecht über die Misere von Menschen mit schweren psychischen Störungen empört. daß vermutlich zehn Prozent der Strafgefangenen in den Vereinigten Staaten an einer schweren psychischen Störung litten. Torrey selbst stellte in einem 1997 in der Zeitschrift Chronicle for Higher Education erschienenen Artikel die Gemeindepsychiatrie etwas .Die Einführung wirkungsvoller Neuroleptika in den fünfziger Jahren bewirkte die mit Abstand größte Veränderung in der Versorgung psychisch Kranker. viele andere sind obdachlos oder noch schlimmer dran. »Gruppen. In dem Artikel heißt es. Doch seine Behauptung. bei ihrer Familie oder in einer eigenen Wohnung. und in gemeindenahen betreuten Einrichtungen oder sogar ihren eigenen vier Wänden wohnen. die Uhr werde ins neunzehnte Jahrhundert zurückgestellt. die sich für die Interessen der psychisch Kranken einsetzen. fällt zwiespältig aus. leben in Wohngemeinschaften. sagen. sank dramatisch von 559000 im Jahr 1955 auf weniger als 70000 Mitte der neunziger Jahre. Dank dieser Medikamente konnten viele psychotische Patienten Krankenhäuser wie das Hudson River Psychiatrie Center verlassen. März 1998. die früher in Nervenheilanstalten untergebracht worden wären. Die Zahl der Patienten. als es in den Vereinigten Staaten noch üblich war.« E. Viele der Kranken. ist nicht fair.

differenzierter dar. ein wichtiger Faktor sei die Überzeugung von Bürgerrechtsaktivisten. daß die neuen Medikamente die Kranken heilen würden«. schrieb Torrey.0 Er räumte ein. In der Tat war die Verlagerung der psychisch Kranken aus Kliniken in Gefängnisse und auf die Straßen wohl das Resultat allzu überzogener Erwartungen nicht in die Psychoanalyse und andere Gesprächstherapien. . sei »die weitverbreitete Hoffnung. sondern in ein neues Allheilmittel. Doch ein anderer wichtiger Faktor. die Psychopharmakologie. diese Aktivisten überredeten den Gesetzgeber dazu.145 . die psychisch Kranken seien eine genauso unterdrückte Minderheit wie etwa die Schwarzen oder die Frauen. die Möglichkeiten der Einweisung von Patienten in psychiatrische Kliniken stark einzuschränken.

146 . die in der Versorgung psychisch Kranker tätig sind.4. das von »Kinder. war verblüffend. erklärte Sabshin. »In Strafvollzugsanstalten befinden sich mehr Menschen mit psychiatrischen Störungen als in Krankenhäusern«. an der ich zwei Monate zuvor teilgenommen hatte. An der Tagung im Waldorf-Astoria hatten nur etwa vierhundert Personen teilgenommen. Ein Gebiet mit großer Zukunft. Das Treffen der American Psychiatrie Association dagegen lockte um die sechzehntausend Psychiater und andere Fachleute. Das Schlagwort lautete Parität. daß die moderne Psychopharmakologie wie damals Freud zu seiner Zeit eine ganz neue Lebenseinstellung einleitete. wonach Versicherungsgesellschaften für psychische Störungen denselben Versicherungsschutz gewähren sollten wie . augurierte Melvin Sabshin. werden wir auch entdecken. meine ich. Was Psychiatrieexperten wie E. Das Vortragsprogramm deckte ein breites Themenspektrum ab. Fuller Torrey als Tragödie erschien. Der Gegensatz zwischen dieser Konferenz und der Tagung der USamerikanischen Psychoanalytiker im Waldorf-Astoria.das Prinzip. die sich unter anderem mit der Untersuchung und Behandlung psychisch kranker Straftäter befaßt. wie wir unser 2 eigenes Leben sehen. PETER KRAMER. sei die forensische Psychiatrie. die töten« und »Die Psychobiologie der Eßsucht« bis zu aufstrebenden Märkten für psychiatrische Dienstleistungen reichte. sah Sabshin als Chance. FLUCTIN1 UND ANDERE PLACEBOS Mit der Zeit. in das höhlenartige Jacob Javits Convention Center auf der schmuddeligen West Side von New York City und ins Marriott Hotel im Herzen Manhattans. Glück auf Rezept A nfang Mai 1996 fand in New York City die 149ste Jahrestagung der American Psychiatrie Association statt. Gleichstellung . der ärztliche Direktor der American Psychiatrie Association.

die Mitglieder könnten ihren Namen und ihre Adresse in den Computer eingeben. Psychiater dürfen allerdings anders als Psychologen und Sozialarbeiter Medikamente verschreiben. SmithKline Beecham und an. für die Psychiatrie darstellten. Andere Redner bekundeten ihre Sorge über die ökonomische Bedrohung. wie sie in den Filmen von Woody Allen zu sehen seien. die in der Regel niedrigere Honorare verlangten als Psychiater. um die Mitglieder aufzufordern. ergriff das Wort. die Psychologen und Sozialarbeiter. der die Gleichstellung der Behandlung psychisch Kranker forderte. die im Konferenzgebäude aufgestellt worden sei. war zwar im April nach starken lobbyistischen Anstrengungen der American Psychiatrie Association vom US-Senat verabschiedet worden. eine computergestützte Lobbying-Vorrichtung zu benutzen. verkündete: »Das ist eine Frage der Gerechtigkeit.« Die große Mehrzahl der Menschen. in dem die Gleichstellung der psychiatrischen Versorgung gefordert wurde. worauf dieser einen Formbrief. die dringend Hilfe benötigten. besprochen werden. das Publikum brach in stürmischen Beifall aus. Bei einem Diskussionsforum sollten politische Fragen.für körperliche Leiden. eine republikanische Abgeordnete aus New Jersey und eine glühende Befürworterin des Paritätsprinzips. die billiger als eine langwierige Gesprächstherapie und daher für Krankenversicherungen attraktiver sind. Jay Cutler. Die bestbesuchten Veranstaltungen bei der Konferenz waren Frühstücke und Abendessen. doch seine Ratifizierung durch das Repräsentantenhaus war weiterhin ungewiß. verantwortlich für die Beziehung zu staatlichen Stellen der American Psychiatrie Association.147 . die für die Psychiatrie von Bedeutung waren. die von Pfizer. Ein Gesetzentwurf. die in psychotherapeutischer Behandlung seien. behauptete Roukema (die bekannte. sondern Menschen. seien keine mit sich selbst beschäftigten Neurotiker. mit einem Psychoanalytiker verheiratet zu sein). an maßgebliche Abgeordnete sandte. als Marge Roukema.

deren Pharmaunternehmen gesponsert wurden. Verlage und andere Vertreter psychiatrischer Produkte hatten eine regelrechte Kleinstadt geschaffen. Effexor (Venlafaxin). Die . Bei einer Veranstaltung mit dem Titel »Die Zukunft der Psychotherapie« machte Gene Usdin.148 . Zwangsstörung und Depression. Die Vertreter und Vertreterinnen waren jung. in der es sogar Straßenschilder mit Namen wie »Noradrenalin-Weg« (Noradrenalin ist ein Neurotransmitter) gab.« Dies sei in erster Linie darauf zurückzuführen. der als Psychiater an der Ochsner Clinic in New Orleans arbeitete. Kaum weniger eindrucksvolle Schreine für Seroxat (Wirkstoff Paroxetin). Nicht alle Teilnehmer der Konferenz machten sich die »Besser-leben-durch-Chemie«-Philosophie zu eigen. Pharmafirmen. Etwa ein Dutzend interaktive Fernsehgeräte und Firmenvertreter. an dessen Spitze das Wort »Prozac« (dt. In der Mitte des Pavillons ragte ein knapp sieben Meter hoher goldfarbener Obelisk empor. von tadellos gepflegtem Äußeren. noch augenfälliger. das verkündete: »Wissen ist eine starke Medizin«. Entsprechung Fluctin) in schillerndem Rot prangte. auf den Besucher beim Betreten der Ausstellunghalle trafen . gutaussehend. aus seinem Ärger keinen Hehl: »Im Augenblick sieht die Zukunft nicht sonderlich rosig aus. Der größte Pavillon . die Informationsmaterial über dieses umsatzstärkste Psychopharmakon aller Zeiten verteilten. standen im Kreis um die Basis des Obelisken. Zoloft (Sertralin) und andere Stimmungsaufhellende Medikamente standen in der Nähe. sie trugen schicke Anzüge und Kostüme sowie ein strahlendes Lächeln.und der erste. die sich über fast ein ganzes Stockwerk des Javits Center erstreckte. Der Obelisk war mit einem Banner drapiert. daß »wir unsere Seelen an die Pharmaunternehmen verkaufen«.war der von Eli Lilly. Die Dominanz der Pharmaunternehmen war in der Ausstellungshalle. Bei Omelett und Hühnchenbrust lauschten Hunderte von Psychiatern den Lobreden der Pharmavertreter auf ihre Medikamente gegen Schlaflosigkeit.

. die kleinere ist eigens für Frauen konstruiert.Tatsache. teilte mir der Vertreter von Somatics mit. Sein Unternehmen. und zwar nicht nur bei gewöhnlichen Depressionen. aber auch Patienten begännen zu erkennen. Psychiater. insbesondere der Psychoanalyse. ein Unternehmen mit Sitz in Lake Bluff. vornehmlich Medikamenten. behauptete er. die eine viel wirksamere Behandlung schwerkranker Patienten ermöglichen. die Elektrokrampftherapie. ist Somatics auch das erste Unternehmen. ließ seine Klage berechtigt erscheinen.gegenüber den Hunderten. auch Elektroschocktherapie genannt. »Viele Patienten haben mit Medikamenten große Probleme«. Illinois. so der Vertreter. die den Vorträgen beiwohnten. die von den Pharmaunternehmen gesponsert wurden -. sondern auch bei manisch-depressiver Psychose und Schizophrenie. Die Elektroschocktherapie werde im allgemeinen nur als Mittel letzter Wahl eingesetzt. das im Schatten des Prozac-Pavilions einen bescheidenen Stand aufgeschlagen hatte. Koma und andere Therapien Die Geschichte der modernen Psychiatrie läßt sich als ein Wettstreit zwischen psychologischen Therapien. daß die Elektroschocktherapie sehr gute Erfolge erziele.149 . Ein anderer Abweichler war ein Vertreter der Somatics Inc. das wiederverwendbare Gummikeile in zwei Größen anbietet. das solche Ausstattungsmerkmale wie einen »Postikussuppressionsindex« und eine »Chronaxie-Leuchtanzeige« aufweist. und physiologischen Therapien. um »das Risiko von Zahnfrakturen und -Verlusten so niedrig wie möglich zu halten«. betrachten. produziere Geräte. daß ihm nur zwanzig Leute zuhörten . doch dies ändere sich. Viele Beobachter sehen in der . Fieber. Neben ihrem Schockverabreichungssystem der Marke Thymatron.

Wenn man Shorters Beschreibungen dieser biologischen Heilmittel liest. doch nun schwindet ihre Bedeutung dahin wie die letzten Schneeflecken in der Sonne. bei der die Dosis hoch genug sein muß. die Psychoanalyse höre sich im Vergleich zu den von Shorter beschriebenen Behandlungsmethoden »relativ harmlos« an. um Krampfanfälle auszulösen. daß Psychiater in zunehmendem Maße Psychopharmaka und andere physiologische Behandlungen einsetzen. die sich im zwanzigsten Jahr. versteht man.Tatsache.5 (Die Elektrokrampftherapie.150 . Ein Rezensent der Geschichte der Psychiatrie bemerkte. einen Sieg der Vernunft über die Irrationalität. Freud selbst benutzte die Elektrotherapie. weshalb die Psychoanalyse ein so populäres Behandlungsverfahren nicht nur für gewöhnliche emotionale Störungen. sondern einige der entsetzlichsten Behandlungsmethoden in der Geschichte der modernen Psychiatrie hervorgebracht hat. hat sich als überwältigender Erfolg erwiesen. Das ist das Thema der Geschichte der Psychiatrie des Historikers Edward Shorter von der Universität Toronto. sondern auch. daß die biologische Psychiatrie keineswegs ein »überwältigender Erfolg« gewesen ist. kam erst später auf. für Psychosen wurde.4 Einige der frühen physikalischen Behandlungen schienen recht unschädlich zu sein. in geringerem Umfang.) Eine andere Behandlungsmethode aus dem neunzehnten Jahrhundert. bei der Patienten schwachen elektrischen Strömen ausgesetzt werden. Shorter legte im Vorwort seinen persönlichen Standpunkt dar: »Wenn es am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine intellektuelle Realität gibt.«3 Frederick Crews hatte in seinem Freud-kritischen Vortrag an der Yale-Universität aus diesem Absatz zitiert. Ironischerweise belegte Shorters eigene Darstellung. der psychische Krankheit als eine genetisch beeinflußte Störung der Hirnchemie betrachtet. dann diese: Der biologische Denkansatz in der Psychiatrie. Freuds Ideen haben die Geschicke der Psychiatrie im vergangenen halben Jahrhundert gelenkt.

Als sich herausstellte. die der österreichische Psychiater Julius Wagner von Jauregg begründete. indem sie psychisch Kranke mit den Erregern von Malaria. daß hohes Fieber möglicherweise zu einer Linderung psychotischer Symptome führen könnte. mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Die Infektionstherapie wurde schon bald von der Insulinkomabehandlung abgelöst. Nachdem der psychotische Patient aus dem Koma erwacht war. Aus der Beobachtung. auch Wasserkur genannt.151 . machte er einen weniger verwirrten Eindruck. Typhus und anderen Krankheiten infizierten. Eine Überdosis Insulin löst ein potentiell tödliches Koma aus. nachdem sie sich eine schwere Bakterieninfektion zugezogen haben. sondern der gesamten Medizin« bezeichnete. Tuberkulose. die der österreichische Psychiater Manfred Sakel in den dreißiger Jahren einführte.hundert durchsetzte. abgeduscht oder mit starken Wasserstrahlen bespritzt werden. ist die Hydrotherapie. daß psychotische Patienten. und so begann Sakel gezielt Schizophrenen Über. griffen die Psychiater zu radikaleren Maßnahmen. kurze Phasen geistiger Klarheit erleben. eine Überdosis. daß diese Verfahren ziemlich wertlos sind. folgerte Wagner von Jauregg. der psychotisch war. bei der die Patienten in sehr heißes oder sehr kaltes Wasser eingetaucht. einmal verabreichte er versehentlich einem Süchtigen.7 Andere Historiker sind freilich zu dem Ergebnis gekommen. daß die Beweise für die Wirksamkeit der Infektionstherapie bestenfalls dürftig waren.6 Im Jahr 1927 wurde Wagner von Jauregg für seine Forschungen. Eine zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitete Therapie war die Infektionstherapie beziehungsweise Heilfieberbehandlung. die Edward Shorter in seiner Geschichte der Psychiatrie als »ein epochales Ereignis in der Geschichte nicht nur der Psychiatrie. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte überprüften er und andere Forscher diese Hypothese.8 Sakel erprobte Insulin zur Behandlung der Morphinsucht.

152 . Forscher erprobten weitere Medikamente.« Bei der »Tiefschlaftherapie« wurden die Patienten mit Hilfe von Bromiden und anderen Beruhigungsmitteln in wochenlange Schlafphasen versetzt.)11 Der kanadische Psychiater Ewen Cameron entwickelte eine Variante der Schlafkur. Eine kampferähnliche Substanz mit dem Handelsnamen Cardiazol löste Erbrechen und Krämpfe aus. daß ich. Er berichtete von außergewöhnlichen Erfolgsquoten: fünfunddreißig von fünfzig Patienten wurden vollständig geheilt. oftmals verabreichte er ihnen auch eine Elektroschockbehandlung. 1952 und 1953 amtierte er als Präsident der American Psychiatrie Association. . Er war Professor an der McGillUniversität und von 1943 bis 1962 Direktor des angesehenen Allan Memorial Institute.12 Cameron versetzte Patienten mit Hilfe von Barbituraten für längere Zeiträume in einen Zustand der Bewußtlosigkeit oder Dämmerzustand. »und vor allem der verzerrten blauen Gesichter. das Behandlungszimmer verließ.10 (Sonderbarerweise wird auch dem Schlafentzug eine antidepressive Wirkung zugeschrieben. Die Insulinschockbehandlung breitete sich daraufhin rasch über Europa und die Vereinigten Staaten aus.9 Sogar einige Psychiater schreckten vor dieser Behandlung zurück. und es bei den Patienten ebensolche Ängste auslöste wie Kampfer. die kein Koma. Unterdessen ertönte aus einem Lautsprecher im Zimmer des Patienten eine ununterbrochene Folge von Ermahnungen. ob es zu Anfällen führen würde. sooft ich konnte. die den durch Epilepsie verursachten glichen. erinnerte sich einer. war für mich so furchtbar. sollte es kein großer Erfolg werden«. »Der Anblick des künstlich erzeugten Epilepsieanfalls«. schrieb Shorter. und neun zeigten eine partielle Besserung.dosen Insulin zu injizieren. sondern Krämpfe auslösten. die er depatterning beziehungsweise »Gehirnwäsche« nannte. Cameron war keine Randfigur. »Weil man jedoch auch bei Cardiazol nicht sicher sein konnte.

14 Andere Behandlungsmethoden waren die Verabreichung großer Mengen Abführmittel.153 . daß mit dieser Behandlungsmethode Mißbrauch getrieben worden sei. Keimdrüsen.ja sogar Wirbel . einst die größte Nervenheilanstalt der Welt. der einem epileptischen Anfall ähnelt. einem Gift. In der Anfangszeit warfen sich viele Patienten so heftig hin und her. Nach Aussage eines Beobachters laufen Patienten. Schwefel und andere Giftstoffe.brachen. Dieser Nachteil wurde durch den Einsatz von Riemen und Gummikeilen ausgeglichen.17 Selbst entschiedene Befürworter der Elektroschocktherapie haben eingeräumt. Das beruhigte sie und brachte sie endlich in die Lage. daß elektrischer Strom hinreichender Stärke. Infolge dieser Verbesserungen wurde die Elektroschocktherapie rasch zur »Standardbehandlung« (wie es ein Psychiater im Jahr 1959 formulierte) für schwere Depressionen und andere Erkrankungen. sechs Stunden des so dringend nötigen Schlafs zu bekommen. »grün an und übergeben sich bis zu einer Stunde lang. denen Apomorphin verabreicht wurde. Schilddrüsen und anderen Drüsen. Später benutzten die Ärzte ungefährlichere Lähmungsmittel und kurz wirkende Narkosemittel. Er fand heraus. anfänglich auch Kurare.15 das Ziehen von Zähnen und die chirurgische Entfernung von Dickdarm. diese Anfälle linderten bei manchen Patienten die Symptome.16 Die Elektroschocktherapie wurde 1938 von dem italienischen Psychiater Ugo Cerletti eingeführt. das aus der Rinde südamerikanischer Lianen gewonnen wird und in kleinen Mengen zu einer kurzfristigen Lähmung (in größeren Mengen zum Tod) führt. be. ein synthetisches Morphinderivat. daß sie sich dabei Zähne und Knochen .«13 Ein Psychiater am Verdun Protestant Hospital in Montreal spritzte Patienten Terpentin. einen Krampfanfall auslöst. der durch den Schädel geleitet wird. Im Milledgeville State Hospital in Georgia.Bei der sogenannten Brechtherapie wurde Apomorphin verwendet. Eierstock.

Im Jahr 1980 wurde kein einziger nichtweißer Amerikaner in einer staatlichen Nervenheilanstalt mit der Elektrokrampftherapie behandelt. bei dem ein aggressiver. Laing und die Scientology-Bewegung setzten sich für die Abschaffung der Elektroschocktherapie ein. in den die Therapie geriet. R. teilweise oder völlig zerstört werden.18 Die Elektroschockbehandlung wurde im Verlauf der sechziger Jahre immer seltener eingesetzt. Er berichtete. hatte merkwürdige demographische Konsequenzen. Die berüchtigtste sogenannte biologische Behandlung war die Lobotomie (auch Leukotomie genannt). Im Jahr 1935 wohnte Moniz einem Vortrag bei. . die als Sitz der Kognition gelten.bei dem ein Skalpell durch Löcher. Kritiker der Psychiatrie wie Thomas Szasz. es führe bei behandelten Patienten zu dauerhaftem Gedächtnisverlust und anderen schweren Nebenwirkungen. unbezähmbarer Affe durch »Abtragung« beziehungsweise Entfernung seiner Stirnlappen ruhiggestellt wurde. in dem ein Forscher ein Experiment beschrieb. Moniz erprobte das Verfahren . die beidseitig in der Schläfenregion in die Schädeldecke gebohrt werden. in gewissen Gerichtsbezirken ein zeitweiliges Verbot zu erwirken. daß sich der Zustand der meisten danach gebessert habe.an psychiatrischen Patienten in Portugal. D. Für seine Forschungsarbeit wurde Moniz 1949 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. bei der die Stirnlappen. Die New York Times würdigte Moniz und andere Psychochirurgen. Die Gegner des Verfahrens behaupteten. und es gelang ihnen. insbesondere seitdem Ken Kesey sie in seinem 1962 erschienenen Roman Einer flog übers Kuckucksnest als eine Form der Folter dargestellt hatte.154 . eingeführt wird .19 Hingegen wurde das Verfahren immer öfter bei wohlhabenden weißen Akademikern eingesetzt. Dieses Verfahren geht auf den portugiesischen Neurologen Antonio Caetano Moniz zurück. Der zunehmende Mißkredit.straften Krankenpfleger unbotmäßige Insassen mit dem sogenannten Georgia Power Cocktail.

chirurgischen Instrumenten und einem Elektroschockgerät vollgestopft war.23 Lobotomien wurden nicht nur an psychisch Kranken vorgenommen.)27 Gegen Ende seiner Karriere hatte er seinen Ruf so gründlich ruiniert. Freeman war ein unermüdlicher Werber in eigener Sache. bis er ins Stirnhirn eindringt. starb an Gehirnblutungen. mit missionarischem Eifer engagierte er sich für die Psychochirurgie. Es ist einfach ein großes Organ.25 bis zu fünfundzwanzig an einem einzigen Tag. die sogenannte transorbitale Lobotomie. Freeman entwickelte eine Variante der Lobotomie. und stochert dann mit dem Pickel hin und her. die er mit einem medizinischen Eispickel durchführte. klopft leicht mit einem Hammer darauf.26 Er praktizierte seine Lobotomie-Technik bis 1967. das hochkomplexe Funktionen ausführt. sondern auch an unverbesserlichen Strafgefangenen. wie er es nannte. daß »sie uns gelehrt haben. daß ihm . Er fuhr in einem Kombiwagen. dafür. und nicht heiliger als die Leber«.155 . führte er die Lobotomie .die mit der Lobotomie experimentiert hatten. Der Chirurg setzt das Gerät unter dem Lid an. (Freemans letzter Patient. durch die gesamten Vereinigten Staaten und Kanada. der mit Notizbüchern. doch zu diesem Zeitpunkt war ihr Stern bereits im Sinken.24 Freeman selbst soll insgesamt fünftausend Operationen durchgeführt haben. den er gemeinsam mit seinem Kollegen James Watts prägte . zwischen Ende der dreißiger und Mitte der sechziger Jahre wurden allein in den Vereinigten Staaten etwa vierzigtausend Lobotomien durchgeführt. das Gehirn weniger ehrfurchtsvoll zu betrachten. Das Verfahren setzte sich rasch durch.in den Vereinigten Staaten ein.einen Begriff. um seine transorbitale Lobotomie in Krankenhäusern vorzuführen. 17 ooo Kilometer zurück. den er bereits zweimal operiert hatte. Im Jahr 1951 legte er einmal innerhalb von fünf Wochen21 bei einer »Kopfjagd«22.20 Als der amerikanische Neurologe Walter Freeman von den Behandlungserfolgen Moniz' hörte.

der vermutete.und Bewegungsfähigkeit zurück. die Barbiturate hatten den katatonen Zustand höchstens noch vertieft. Allerdings wurden seelische Leiden schon seit langem mit Medikamenten behandelt. Doch die »Revolution in der Psychopharmakologie«. antipsychotischen Substanzen wie Reserpin und Chlorpromazin (letzteres wird unter dem Handelsnamen Propaphenin vermarktet).mehrere Institutionen. Angesichts der starken Aversion. als in den fünfziger Jahren Medikamente entwikkelt wurden. die die Symptome einiger psychischer Erkrankungen und insbesondere der Schizophrenie zu lindern schienen. daß Lithium die Symptome psychotischer Erkrankungen unterdrücken kann. daß Geisteskrankheiten durch ein im Urin ausgeschiedenes Toxin verursacht würden. geht auf die späten vierziger Jahre zurück und verdankt sich John Cade. Chloralhydrat und Bromid. wurden die Meerschweinchen ungewöhnlich lethargisch. sondern auch bei Fachleuten hervorrief. sondern sie schienen auch einige schwerere Symptome. in denen er einst praktiziert hatte. wie etwa Halluzinationen. waren die Psychiater enorm erleichtert. Die Entdeckung. um psychotische Patienten zu sedieren. so verschrieben die Ärzte im neunzehnten Jahrhundert unter anderem Morphium. Als Cade die Lithiumsalze psychiatrischen Patienten .156 . isolierte aus dem Urin seiner Patienten mehrere Verbindungen und injizierte sie Meerschweinchen. seine ärztlichen Sonderrechte aberkannten. Nachdem er den Verbindungen Lithium beigemischt hatte. Anders als die Barbiturate und andere Beruhigungsmittel versetzten diese neuen Medikamente Schizophrene nicht bloß in einen Zustand der Benommenheit. Einige katatone Patienten gewannen sogar ihre Sprach. dem Direktor einer Nervenheilanstalt in Australien. zu lindern. Cade. begann in den frühen fünfziger Jahren mit der Einführung von Neuroleptika. wie es oftmals heißt. die dieses Behandlungsverfahren nicht nur bei Patienten und deren Familien.

ob [der Patient] Konflikte über seine inzestuösen Triebe im Unbewußten austrägt oder sich aus der Welt zurückgezogen hat. daß Lithium die Stimmungsschwankungen dämpft. daß Chlorpromazin und ähnliche Wirkstoffe den Triumph der »Backsteinpragmatiker« (der Ausdruck bezog sich auf die roten Backsteine. weil er im Alter von fünf Jahren einmal etwas aus dem Sparschwein seines Bruders geklaut hat. zeigte sich die gleiche sedierende Wirkung. wie sie für manisch-depressive Erkrankungen typisch sind. All diese Medikamente wurden.«29 Freud selbst hatte kurz vor seinem Tod vorhergesagt. daß die Pragmatiker in ihren Backsteinhäusern nie an die ›zugrunde liegende Psychopathologie‹ des Patienten herankämen und ihn deshalb auch nicht heilen könnten.spritzte. daß die Psychoanalyse womöglich eines Tages von der Psychopharmakologie abgelöst würde: »Die Zukunft mag uns lehren. Spätere Studien haben gezeigt. Die [Analytiker] interessiert nur. die häufig beim Bau von Nervenheilanstalten verwendet wurden) in der Psychiatrie über die Psychoanalytiker in ihren Elfenbeintürmen darstellten: »Die Kritiker in ihren Elfenbeintürmen behaupten. daß er entlassen werden konnte. als eine Infragestellung der Freudschen Theorie und Therapie angesehen. Für die Backsteinwelt ist das wie ein Streit über die Zahl der Engel. euphorisch. mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilungen im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen.157 . weitgehend zu Recht.«30 . die auf einer Nadelspitze Platz haben. der seit Jahrzehnten an einer Manie litt – Cade beschrieb ihn als »geschwätzig. Einem fünfzigjährigen Patienten. Im Jahr 1955 verkündete Time. ruhelos und verwahrlost«28 – und zu einer dauerhaften Hospitalisierung verdammt zu sein schien. ging es bald so gut.

die von Freudiänern und anderen Psychotherapeuten behandelt wurden. die in bestimmten Käsesorten. Leider haben Monoaminoxidasehemmer eine gefährliche Nebenwirkung: Wenn sie mit Tyramin reagieren. aber nicht mit Tyramin reagieren.Peter Kramer lauschen Die Einführung der Antidepressiva in den fünfziger Jahren stellte die Psychoanalyse und andere Psychotherapien vor ihre mit Abstand schwerste Bewährungsprobe. die als echte Antidepressiva angekündigt wurden. . Diese Substanzen hemmen die Produktion des Enzyms Monoaminoxidase und blockieren dadurch den Abbau der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin. insbesondere Depressionen. war die der sogenannten Monoaminoxidasehemmer (MAOH). Obgleich einige Psychoanalytiker. Die überwiegende Mehrheit der Patienten. die eine hohe Noradrenalin. Während manisch-depressive Erkrankung und Schizophrenie jeweils etwa ein Prozent der Bevölkerung betreffen. Die erste Klasse von Wirkstoffen.und Serotoninkonzentration aufrechterhalten. einer Substanz.158 . hatten Freud und viele seiner Anhänger diese Leiden als nicht therapierbar angesehen. können sie eine tödliche Hirnblutung verursachen. Forscher haben wenig später eine weitere Klasse von Antidepressiva entdeckt. vornehmlich in den Vereinigten Staaten. Patienten mit Schizophrenie und manisch-depressiver Erkrankung behandelten. in Wein und anderen gängigen Lebensmitteln und Getränken enthalten ist. litten an leichteren und häufigeren Erkrankungen. deren Mangel nach heute herrschender Auffassung einer depressiven Erkrankung zugrunde liegen soll. durchleben bis zu fünfzig Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Depression.31 Zu jedem beliebigen Zeitpunkt leiden möglicherweise bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen. die sogenannten tricyclischen Antidepressiva.

die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente. besser bekannt unter seinem Handelsnamen Fluctin (beziehungsweise Prozac in den USA). auf den Markt. Man nimmt an. verklagten seine Hinterbliebenen und die seiner Opfer Lilly auf Schadensersatz.33 Im Jahr 1989 tötete ein Angestellter einer Druckerei in Kentucky acht seiner Kollegen und verwundete zwölf weitere durch Schüsse aus einem Sturmgewehr. März 1990 war auf der Titelseite von Newsweek eine grünweiße Fluctin-Kapsel abgebildet mit der Schlagzeile »Ein Quantensprung in der Behandlung der Depression«.Die Revolution in der Psychopharmakologie erreichte ihren Höhepunkt Ende der achtziger Jahre mit der Einführung der selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI).anders als ihre relativ unspezifisch wirkenden Vorläufer . Nachdem bekannt geworden war. Nachdem eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ausgeschüttet hat.angeblich nur auf Serotonin und nicht auf andere Neurotransmitter einwirken. Eli Lilly brachte das Medikament im Jahr 1988 unmittelbar im Anschluß an seine Zulassung durch die Food and Drug Administration (FDA). Im Jahr 1991 gab die Witwe des Rocksängers Del Shannon Fluctin die Schuld daran. daß sie die Rückaufnahme des Neurotransmitters hemmen. Am 26. in denen Patienten angeblich nach der Einnahme von . weil sie . daß die SSRI die Serotoninkonzentration dadurch hoch halten. bevor er sich erschoß.und des modernen Marketings.32 Als der unvermeidliche Rückschlag einsetzte. Die SSRI werden »selektiv« genannt. Der bekannteste SSRI ist das Fluoxetin. absorbiert sie ihn in der Regel wieder in einem als »Rückaufnahme« bezeichneten Prozeß. daß der Mann Fluctin eingenommen hatte. Fluctin ist eine der großen Erfolgsgeschichten der modernen Pharmakologie . daß ihr Ehemann Selbstmord verübt hatte.159 . wie es die positive Berichterstattung gewesen war. Fernsehshows berichteten in sensationeller Aufmachung über diese Fälle und weitere. war er genauso übertrieben.

wenn ein Medikament einer sehr großen Zahl psychisch kranker Menschen verabreicht werde. Ende des Jahres 1991 hielt die FDA Anhörungen zu dem Thema ab. Die meisten Zivilprozesse gegen Lilly sind außergerichtlich beigelegt worden. einige derartige Zwischenfälle seien nach den statistischen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unvermeidlich.Ein Medikament.35 Unglaublicherweise nahm der Umsatzerlös weiterhin zu. die Lilly vertraten. daß sie die Schreckensberichte nicht glaubten. Psychiater und Verbraucher hatten bereits bewiesen. das Sie morden läßt«. Donahue gab einer Sendung den Titel »Fluctin . Die Anwälte.160 .Fluctin Gewalttätigkeiten gegen sich oder andere begangen hatten. daß es nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Fluctin und diesen relativ seltenen Gewalttaten geben müsse. Der Markt für SSRI wächst einer Schätzung zufolge jährlich um über fünfzig Prozent. und der damit erzielte Umsatz belief sich auf insgesamt zweieinhalb Milliarden Dollar. denn die Absatzzahlen von Fluctin gingen weiterhin steil in die Höhe. Im Jahr 1998 rangierte Fluctin auf der Liste der meistverkauften Medikamente hinter dem Ulcus-Präparat Antra (Omeprazol) auf Platz zwei (auch wenn der rasant wachsende Absatz des Impotenzmittels Viagra dieses vermutlich auf den ersten Platz katapultieren würde). und die Kontroverse über die potentiell aggressionsauslösende Wirkung von Fluctin verschwand allmählich von der Bildfläche. und andere Experten behaupteten völlig zu Recht.36 Das am schnellsten wachsende Segment des US-amerikanischen Marktes für SSRI betrifft Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren37 – obwohl einer Untersuchung zufolge »keine einzige . obwohl Lilly einen wachsenden Anteil seines Marktes an die SSRI von Wettbewerbern. wie etwa Fevarin und Seroxat. abgeben mußte.34 Weltweit nahmen über vierunddreißig Millionen Menschen Fluctin ein. Die FDA schloß sich dieser Auffassung an.

begann Kramer den Stellenwert des neuen Präparats in einer Kolumne in der Fachzeitschrift Psychiatrie Times zu erörtern. Glück auf Rezept). schwarz gewandeten Studentinnen bis hin zu vornehmen älteren Damen von der Upper East Side. habe nicht bloß die Depressions. sondern ihnen auch neue Lebensfreude und Tatkraft geschenkt. die erlesene Schals von Hermes trugen. aus der hervorginge. so schrieb er.39 Der geschickteste Lobsänger von Fluctin ist Peter Kramer. eine Privatpraxis führt.und Angstsymptome bei seinen Patienten gelindert. daß Frauen doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer.Doppelblindstudie mit einer Placebo-Kontrollgruppe publiziert wurde. das einundzwanzig Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand. außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der BrownUniversität. das Medikament könne eine Ära der »kosmetischen Psychopharmakologie«40 einleiten. Er meinte. als ich ihn bei einem Symposion über die relative Wirksamkeit von Psychotherapien und Psychopharmaka an der New School in New York City erlebte. schon eine richtige Berühmtheit. sondern »einen psychischen Zusatznutzen über das bloße Wohlbefinden hinaus« erlangen könnten.161 .42 Das Publikum bestand überwiegend aus Frauen . . in der Patienten nicht nur von ihren Erkrankungen geheilt.von bleichgesichtigen. Dieses demographische Profil des Publikums war nicht weiter verwunderlich. Kurz nachdem Lilly Ende der achtziger Jahre Fluctin auf den Markt gebracht hatte. Rhode Island. wenn man bedenkt.«38 1997 hat Eli Lilly eine eigens auf Kinder zugeschnittene Fluctin-Variante mit Pfefferminzgeschmack auf den Markt gebracht. Kramer führte in seinem 1993 erschienenen Buch Listening to Prozac (dt. der in Providence. Fluctin. daß Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen im Kindes.und Jugendalter wirksamer wären als Placebos.41 diese Ansichten näher aus. Kramer war im Herbst 1995.

Er sann etwa über die Bedeutung der heftigen Angstanfälle nach. gewissermaßen. ihre Unzulänglichkeiten zu erkennen. ein hochgewachsener. schlanker und jungenhafter Mann mit saloppem. erwiderte Kramer achselzukkend. selbstsicherem Auftreten. daß das Dasein sinnlos sei. auch Freud habe dazu beigetragen. verwies Kramer auf . und weil niemand nachgewiesen habe. Ambiguität und Unscharfe. er sei ein »großer Fan« der Psychotherapie und hätte eine »lange Liebesaffäre« mit ihr gehabt. Eine der aufschlußreichsten Bemerkungen Kramers war: »Ich halte sehr viel von Ambivalenz. weshalb sie funktioniere. Fragen aufzuwerfen und mit ihnen herumzujonglieren.« Auch in Glück auf Rezept legte sich Kramer nicht fest. so Kramer. eine »Epidemie« psychoanalytischer Behandlungen auszulösen. aber eigentlich doch nicht. Selbst wenn sich medikamentöse Behandlungen als nicht so wirksam herausgestellt hätten. oder seien sie auf ein chemisches Ungleichgewicht zurückzuführen? Kramer vermochte es nicht zu sagen. verstand es hervorragend. er habe eine zu günstige Meinung von Fluctin und eine zu schlechte von der Psychotherapie. weil bislang niemand aufgeklärt habe. Als man ihm vorhielt. die den Psychologen William James gequält hätten. War er ein Gegner von Psychotherapie? Gewissermaßen. Seien diese Angstanfälle angemessene Reaktionen auf James' Erkenntnis. ohne sich auf bestimmte Antworten festzulegen. Doch diese innige Beziehung zur Psychotherapie habe ihm auch geholfen. Als ein Sprecher Kramer vorwarf.162 . daß Medikamente eines Tages aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen die Gesprächstherapie »auslöschen« könnten.Kramer. wäre die Gesprächstherapie in Bedrängnis geraten. das komme nun mal vor. Er räumte ein. daß eine Methode der anderen überlegen sei. Kramer beteuerte. War Kramer ein Befürworter von Psychopharmaka? Nun ja. er leiste einer »Fluctin-Epidemie« Vorschub.

163 . Eifersucht. . ›Drei Verabredungen habe ich jetzt jedes Wochenende‹. mit ihrem Berufs. als ich sie vorher gesehen hatte. plötzlich an die Oberfläche gekommen. Mit ihrem neuen Verhalten entwickelte sich auch ein neues soziales Leben. Nehmen wir Tess . Ein geringes Selbstwertgefühl.‹ 43 Kramer resümierte: »Ich hatte vorher noch nie beobachtet. sondern das sich ziemlich spontan und voller Energie seine Bahn brach. so als sei die Person. wenig Mut. Sie lachte viel öfter und auch ganz anders. das sich nicht langsam entfaltete als Folge vieler Kämpfe. Zwei Wochen nachdem Kramer ihr Fluctin verordnet hatte. wenn sich überhaupt daran etwas ändert. Schüchternheit.eine Frau.« Kramer wies allerdings auch darauf hin. in denen er seine Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka zum Ausdruck gebracht und die Vorteile von Gesprächstherapien gerühmt habe. Wie Freud stützte auch Kramer seine Polemik auf geschickte Beschreibungen einzelner Patienten.sind in einer Person so tief verwurzelt und so schwer zu beeinflussen. bei denen sie die verschiedenen Teile ihrer Person integrieren mußte. Aber Tess war wie umgewandelt.Kommentare. Angst vor Intimität .die meisten Gründe für mangelnde soziale Kontakte . ›Ich glaube. fiel ihm eine »bemerkenswerte« Wandlung auf: Sie sah ganz anders aus. die an chronischer Depression leidet. sondern einfach sehr charmant.und Liebesleben unzufrieden ist und die jahrelang erfolglos mit Gesprächstherapien und Antidepressiva behandelt wurde. Unentschlossenheit. die sich hinter ihrem Äußeren verborgen hatte. daß sich hier etwas nur sehr langsam verändern kann. ich habe ein bestimmtes Zeichen auf der Stirn. nicht mehr so bewußt gezwungen. daß sich das Sozialleben eines Patienten so schnell und so grundlegend verändert hatte. viel aufnahmefähiger. viel entspannter und viel energiegeladener. erzählte mir Tess.

mir ging es nicht schlecht. während seine Schilderungen von Patienten wie Tess sie fesselten. begann ich mich zu fragen. Gewiß. einfach glücklich zu sein ? Ich vermute. hätten mit ihren Patienten die gleichen Erfahrungen gemacht. die Kramer in Glück auf Rezept darlegt. Was sage die Tatsache. ob ich nicht auch von diesen Pillen profitieren könne. deren Leben sich durch Fluctin auf wundersame Weise geändert hatte. Wer sei die »wirkliche« Tess – die unglückliche.daß nicht alle Patienten in dieser Weise auf Fluctin ansprechen. doch wenn es mir mit Fluctin noch . daß wir durch unsere Erfahrungen geprägt worden seien.164 . was getan werden muß. wenn wir Verzweiflung und Angst auf chemischem Weg statt durch Selbsterkenntnis beseitigten? Genüge es. Fluctin verleiht diesen Patienten den Mut. Ich halte mich für einen einigermaßen glücklichen Menschen oder doch zumindest für einen nicht übermäßig unglücklichen. unsichere Frau. verändert sich die ganze Persönlichkeit. »Bei einigen schlägt dieses Medikament überhaupt nicht an. Mir zumindest erging es so bei der ersten Lektüre von Glück auf Rezept. die eine ganze Reihe von demütigenden Affären mit verheirateten Männern durchlitten hatte. das zu tun. daß eine chemische Substanz uns von Grund auf verändern könne. nur mäßig interessierten. so versicherte Kramer den Lesern. daß die meisten Leser die philosophischen Dilemmas. und das Medikament wirkt so wie jedes andere Antidepressivum. über uns aus? Was sage sie über den eventuellen Nutzen herkömmlicher Psychotherapien aus? Verlören wir etwas von unserem innersten Wesen. Kramer zerbrach sich den Kopf über die philosophische Bedeutung dieses neuen Medikaments. oder dieses neugeborene Energiebündel voller Selbstsicherheit? Wir nähmen an. der wichtigen Minderheit. Nachdem ich jedoch Dutzende von Kramers Fallbeschreibungen über Tess und andere verschlungen hatte. einige erholen sich von ihrer Depression.«44 Andere Psychiater. Aber bei einigen Patienten.

wie etwa den tricyclischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin. Im Jahr 1996 publizierte das Journal of the American Medical Association die Ergebnisse einer Studie an 536 depressiven Erwachsenen. einen geringen. Tatsächlich ergaben die Tests. wenn auch statistisch ebenfalls nicht signifikanten Vorteil für Desipramin.warum nicht? Als die Presse 1994 berichtete. aber der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Erstens ist Fluctin älteren Antidepressiva wie etwa den tricyclischen Antidepressiva bei der Behandlung affektiver Störungen keineswegs überlegen. Dabei wies die Studie allenfalls eine Voreingenommenheit zugunsten von Fluctin auf. daß jeder von dem Medikament profitieren könne.165 . verglichen wurde. James Goodwin.47 Die Probanden. der Vorschlag gemacht wurde. zeigten nach einem Monat eine leichte Besserung. die Fluctin erhielten. der warnend darauf hinwies.45 dachte ich ein weiteres Mal: »Warum nicht?« Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Fluctin könne das Gefalle zwischen den Begüterten und den Habenichtsen vergrößern. in der Fluctin mit älteren Antidepressiva.besser gehen könnte. wenn es meine Selbstsicherheit in Redaktionskonferenzen stärken. die zu einer Schreibblockade führen.Fluctin für alle! Erst später erkannte ich. da sie von der Herstellerfirma Eli Lilly finanziert wurde. ein Psychologe in Wenatchee in Oregon habe über sechshundert seiner Klienten Fluctin empfohlen und in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung erklärt. Fluctin solle im Rahmen eines nationalen Versicherungsprogramms auch den Armen zur Verfügung gestellt werden. die nach drei und sechs Monaten durchgeführt wurden. und mir mehr Schwung beim Nahen des Redaktionsschlusses geben könnte . . die Zweifel zerstreuen. und selbst dieser geringfügige Unterschied war nach drei Monaten wieder verschwunden. in welchem Ausmaß die Befürworter von Fluctin dessen Wirksamkeit übertrieben hatten. Großartig . als in einem Artikel im New Republic46.

166 . Fluctin habe weniger Nebenwirkungen als ältere Antidepressiva. es zur Behandlung von Pädophilen und anderen Menschen mit abweichendem Sexualverhalten in Erwägung zu ziehen.und Eizellen ausstießen. daß bis zu drei von vier Personen. daß die SSRI besser verträglich sind als die [tricyclischen Antidepressiva] .48 »Die Literatur erhärtet den klinischen Eindruck. entweder eine Verminderung ihres sexuellen Verlangens oder eine verminderte Orgasmusfähigkeit oder beides erleben. einem Psychiater an der Case-Western-Universität. Britische Forscher. weniger als zwei Prozent der Teilnehmer an klinischen Studien mit Fluctin hätten von sexuellen Funktionsstörungen berichtet. Nach Aussage von Robert Segraves. wie es manche Kliniker erwartet haben mochten«.Diese und andere Studien haben gewisse Belege für die weitverbreitete Annahme gefunden. daß die Abbruchsrate infolge von Nebenwirkungen 14. und mindestens ein Psychiater hat vorgeschlagen. die 1994 eine Metaanalyse an zweiundvierzig Einzelstudien durchführten. die Fluctin einnehmen.«49 Erste Erfahrungsberichte über die SSRI erwähnten nur selten ihre wohl gravierendste Nebenwirkung: sexuelle Funktionsstörungen. sprechen Patienten ihre sexuellen Probleme allerdings nur selten von sich aus an.50 Eli Lilly behauptet. »Die Gesamtzahl der Patienten. die die Behandlung mit diesen beiden Wirkstoffklassen abschlössen. die in mit dem Wirkstoff versetztes Wasser gelegt wurden.)52 . Tatsächlich wurde Fluctin zur Behandlung von Ejaculatio praecox verschrieben. war annähernd gleich. lautete das Fazit eines Kommentars in den Psychiatric Annals.9 Prozent bei Fluctin und 19 Prozent bei den tricyclischen Antidepressiva betrug. Im Jahr 1998 berichteten Forscher vom Gettysburg College in Pennsylvania. doch der Unterschied ist gering. mehr Samen. doch die Ergebnisse sind nicht so deutlich.51 (Auf Muscheln übt Fluctin offenbar die gegenteilige Wirkung aus. stellten fest. Segraves und andere haben herausgefunden. daß Muscheln.

Die Dodo-Hypothese . mit bemerkenswerter Konsistenz die Annahme untermauern. die meist über Anhedonie [Unfähigkeit. er und andere Psychiater hätten bei Patienten. hinnähmen. wie sie durch Fluctin verursacht wird. die Fluctin einnahmen. Er schrieb nachdenklich: »Hier herrschen seltsame Verhältnisse: Wird ein Medikament relativ gesunden Patienten verschrieben.Peter Kramer kannte das Problem der sexuellen Funktionsstörungen durchaus.167 . Lust zu empfinden] klagen. Antidepressiva stellten gegenüber nur Psychotherapie einen enormen Fortschritt in der Behandlung von Depressionen dar. »die Vielfalt der Freuden im alltäglichen Leben besser zu erleben« . daß die Patienten »eine entmutigende und sogar besorgniserregende Form der Impotenz«. In einer Anmerkung räumte er ein.« Er vermutete. anders als in der von Aldous Huxley.53 In Kramers schöner neuer Welt kann man wohl. tolerieren sie bereitwillig das Medikament trotz der Nebenwirkung sexueller Beeinträchtigungen. doch verbannte er es ins Kleingedruckte im Anhang seines Buches. die sowohl in psychiatrischen als auch in psychologischen Fachzeitschriften publiziert wurden und die zahlreiche Studien mit Tausenden von Patienten berücksichtigten. auf Sex verzichten.Teil II Die wohl größte Legende in der Biopsychiatrie ist die Behauptung. »recht häufig« sexuelle Probleme beobachtet.54 Die Forscher fanden heraus. daß »mehrere Metaanalysen. weil ihnen das Medikament erlaube. In Wirklichkeit haben Psychotherapien und Psychopharmaka laut einem 1995 in Professional Psychology erschienenen Bericht von David Antonuccio und Mitarbeitern von der Medizinischen Fakultät der Universität von Nevada in etwa die gleiche Wirksamkeit. daß Psychotherapien zur Behandlung von Depressionen mindestens genauso wirksam sind wie Medika.

mente.interpersonelle Therapie.168 . bestätigt. die Aussage des Dodo in Alice im Wunderland . diese erziele die besten Langzeitergebnisse und Imipramin langfristig die schlechtesten. . Das NIMH-Depressionsprogramm hält für praktisch jeden positive wie negative Nachrichten bereit. daß Psychotherapien wirksam seien. der als eine Placebo-Psychotherapie dient. .Imipramin. die jemals durchgeführt wurden. behaupteten Psychologen. die sechzehn Wochen lang mit einer der vier folgenden Methoden in drei verschiedenen Kliniken behandelt wurden: . und jeder muß einen Preis bekommen« . Interpersonelle Therapeuten wiederum waren hoch erfreut darüber. .gilt nicht nur für die Psychotherapie. das Ende der siebziger Jahre vom National Institute of Mental Health (NIMH) initiiert wurde. ein kurzer wöchentlicher Besuch bei dem verschreibenden Arzt.eine Placebo-Tablette plus klinische Betreuung. Dieses Fazit wird durch eine der methodisch sorgfältigsten Studien über Depression. ein tricyclisches Antidepressivum.»Alle sind Sieger. laut einer Studie sei Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen genauso wirkungsvoll wie Medikamente. daß ihr Verfahren bei schwerkranken Patienten . Im Jahr 1986 verkündete eine Schlagzeile auf der Titelseite der New York Times.« Anders gesagt. die die Beziehungen eines Patienten zu anderen Menschen in den Mittelpunkt stellt. sondern auch für die Psychopharmakologie. An der Studie nahmen 239 depressive Patienten teil. das sogenannte Treatment of Depression Collaborative Research Programm. Noch bevor die Ergebnisse 1989 veröffentlicht wurden. das Programm habe bestätigt.55 In anderen Publikationen beteuerten Anhänger der kognitiven Verhaltenstherapie. plus »klinische Betreuung«.kognitive Verhaltenstherapie.

daß alle vier Behandlungsprotokolle annähernd gleich wirksam beziehungsweise wirkungslos waren. »Obgleich bei allen Therapieschemata signifikante Besserungen im Zustand [der Probanden] vor und nach der Behandlung vorkamen. Ein »verblüffender« Befund. daß »derartige minimal unterstützende Therapien. insbesondere diejenigen. möglicherweise ausreichen. vollständig genesen und während der gesamten achtzehn. um eine erhebliche Verringerung der depressiven Symptomatik zu erreichen«. die als »funktional gestört« bezeichnet wurden. sei der »relativ geringe Prozentsatz von Patienten. die die Therapie durchhalten. Auf der Grundlage dieses Befundes empfahl die American Psychiatrie Association im Jahr 1993. Depressionen sollten zunächst mit Psychopharmaka behandelt werden.«57 Sie wies darauf hin. so Elkin. wenn sie von einem erfahrenen Therapeuten verabreicht werden. daß eine Gruppe von Patienten mit schwerer Depression. anfänglich besser auf Imipramin als auf beide Psychotherapieformen anzusprechen schienen.56 Tatsächlich war das wichtigste Ergebnis des NIMH-Projektes. waren bei Beendigung der Studie erstaunlich wenige signifikante Unterschiede zwischen den Schemata nachzuweisen.58 Die Ergebnisse ließen den Schluß zu. daß sich die vier Behandlungsschemata einschließlich des PLA-KB [Placebo plus klinische Betreuung] in ihrer Wirksamkeit unterscheiden«. Befürworter von Antidepressiva griffen die Tatsache auf. daß es bei Patienten mit leichter Depression »keine Anhaltspunkte dafür gibt. Nach gewissen Ergebnissen sprachen die Patienten sogar auf das Placebo plus klinische Betreuung am besten an. Die Psychologin Irene Elkin von der Universität Chicago. unterzog dessen Ergebnisse für das Handbook of Psychotherapy and Behavior Change einer kritischen Würdigung.169 . die wichtigste Mitarbeiterin des NIMH-Projekts.der kognitiven Verhaltenstherapie überlegen war (wenn es auch nicht so gut wirkte wie Imipramin).

belief sich auf dreißig Prozent bei der kognitiven Therapie. deren Zustandsbesserung anhielt. und die Psychopharmakologie in sich einschließen wird. daß Psychotherapie plus Medikamente wirksamer sei als entweder Medikamente oder Psychotherapie allein. zwanzig Prozent bei Placebo plus klinischer Betreuung und neunzehn Prozent bei Imipramin. auf die viertausend Leser geantwortet hatten. die das Magazin Consumer Reports. ist empirisch nicht bestätigt. sich bis zu zehn Tage vor Beginn der Therapie ständig mit Alkohol zu berauschen. Psychotherapie und Psychopharmaka wirkten in Kombination am besten.62 Bei dieser Erhebung wurden Leser nach ihren Erfahrungen mit Fachleuten für seelische Gesundheit gefragt.60 In der Zukunft. die die Psychotherapie. im Herbst desselben Jahres. daß Medikamente die Wirksamkeit von Gesprächstherapien verbessern könnten und umgekehrt. wie sie gegenwärtig praktiziert wird.61 Doch die Annahme. der glaube. In den zwanziger Jahren bedrängte der prominente amerikanische Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan seine Patienten. Der Autor von Glück auf Rezept sagte mir einmal.« Dieser kombinierte Ansatz ist nicht neu. daß er sich selbst »im Innersten als Psychotherapeut« fühle. so Kramer. Viele psychiatrische Experten einschließlich Peter Kramer behaupten.170 . Der Prozentsatz der Patienten in den einzelnen Protokollen. Tatsächlich wurde sie durch eine großangelegte Meinungsumfrage widerlegt. »wird es eine Art Psychotherapie geben. sechsundzwanzig Prozent bei der interpersonellen Therapie. im Jahr 1995 durchführte. . das von der gemeinnützigen Verbraucherorganisation Consumers Union publiziert wird.59 Nur vierundzwanzig Prozent der Patienten waren am Ende des sechzehnwöchigen Behandlungszeitraums von ihrer Depression geheilt und blieben in den folgenden achtzehnten Monaten frei von stärkeren Symptomen. Das Magazin veröffentlichte die Ergebnisse seiner Umfrage.monatigen Nachuntersuchungsphase völlig symptomfrei bleiben«.

unabhängig davon.Die Umfrage war Balsam für die Seele der Gesprächstherapeuten. diese Unzulänglichkeiten seien nicht gravierender als diejenigen von streng wissenschaftlichen Vergleichsstudien. so versicherte er. um so besser hätten sie sich gefühlt. Dennoch griff die American Psychological Association sogleich die Ergebnisse der Umfrage von Consumer Reports auf. und je länger sie in therapeutischer Behandlung geblieben seien. Psychologe an der Universität von Pennsylvania und ehemaliger Präsident der American Psychological Association. daß sie mit den Anonymen . Die Umfragebeantworter gaben auch annähernd das gleiche Maß an Zufriedenheit an. die nur psychotherapeutisch behandelt worden waren. im Dezember 1995 in der Zeitschrift American Psychologist. Einige Kritiker wandten ein. Psychologen oder Psychiatern behandelt wurden. Doch. daß es Lesern. daß die Umfrage einige methodische Schwächen habe. Die Umfrage von Consumer Reports »hat die Wirksamkeit der Psychotherapie empirisch bestätigt«. um die Leistungsausschlüsse der Krankenversicherer für Gesprächstherapien zu kritisieren. Andererseits bestätigte die Umfrage auch die Dodo-Hypothese und die sich daraus ergebende Konsequenz. die mit Gesprächstherapie und Psychopharmaka wie Fluctin behandelt worden waren. die den Fragebogen beantwortet hätten. Auch die Psychologen freuten sich. dieses Ergebnis spiegele eventuell die »Therapiesucht« gewisser Patienten.63 Seligman räumte ein. besser zu gehen schien als denjenigen. Nur Eheberater schnitten unterdurchschnittlich ab. daß sämtliche Therapien gleich effizient beziehungsweise ineffizient sind. zudem habe es keine Kontrollgruppe gegeben. ihre Psychotherapie habe ihnen geholfen. und dies gelte noch mehr für diejenigen. Abonnenten des Consumer Reports seien möglicherweise nicht repräsentativ. ob sie von Sozialarbeitern.171 . erklärte Martin Seligman. Doch die Leser gaben auch an. Die meisten Leser schrieben.

Forscher der Duke-Universität haben die therapeutische Wirksamkeit von Religiosität in einer neueren Studie an siehenundachtzig depressiven Männern und Frauen im Alter von mindestens sechzig Jahren bestätigt. Die Forscher berichteten. daß sie ihre Mitglieder ermahnen.65 (Greenberg und Fisher sind auch die Autoren des Buches Freud Scientifically Reappraised. Antidepressiva oder eine Kombinationstherapie eine nennenswerte Besserung des psychischen Zustands der Patienten herbeigeführt hätten. die Wirksamkeit von Antidepressiva übersteige die . beide Psychologen am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Staatsuniversität von New York in Syracuse.Alkoholikern zufriedener waren als mit sämtlichen Fachleuten für seelische Gesundheit oder mit Medikamenten. gehören zu den hartnäckigsten Kritikern der Psychopharmakologie.172 . sich einer »höheren Macht« zu unterwerfen. daß eine psychotherapeutische Behandlung. Vom Placebo zum Allheilmittel Roger Greenberg und Seymour Fisher. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür. das ich im zweiten Kapitel erörterte.64 Etwa die Hälfte der Patienten wurde mit Psychotherapie. daß »intrinsische Religiosität« der zuverlässigste Prognosefaktor für die Genesung von Depression sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Gruppe sei.) Sie erklären in The Limits of Biological Treatments for Psychological Distress und From Placebo to Panacea sowie in zahlreichen Artikeln. Antidepressiva oder einer Kombination von beidem behandelt. Der Erfolg der Anonymen Alkoholiker mag darauf zurückzuführen sein. daß die Wirksamkeit von Psychopharmaka weit überschätzt werde. Nach Auswertung von Doppelblindstudien über Antidepressiva aus den letzten dreißig Jahren sind sie zu dem Schluß gelangt.

daß Antidepressiva keinen über den Placebo-Effekt hinausgehenden Nutzen zeigen. stellten sie fest. sich an das Studienprotokoll zu halten. dies entsprach dem Betrag. so Greenberg und Fisher. Verstopfung und sexuelle Funktionsstörungen.173 . oder wegen sonstiger Probleme. die die Ergebnisse verzerren können. Doch selbst diese Zahl ist laut Greenberg und Fisher mit Vorsicht zu genießen. daß »die gängigen Behauptungen. die klinische Studien abschließen.66 Aus all diesen Befunden folge. um den die Besserungsrate von Patienten. die Probanden für eine Studie rekrutieren. da viele scheinbare Doppelblindstudien über Medikamente in Wirklichkeit mit einem systematischen Fehler zugunsten eines positiven Wirksamkeitsnachweises behaftet seien.von Placebo-Tabletten nur um einundzwanzig Prozent. Deshalb könnten sowohl Patienten als auch Ärzte oftmals herausfinden. über der Besserungsrate von Patienten lag. stark . letztere schätzen die Wirksamkeit im allgemeinen niedriger ein. Antidepressiva seien wirksamer. die Antidepressiva einnahmen. gesteigerte Schweißabsonderung. Daher sind die Probanden. Als Greenberg und Fisher bei der Auswertung von zweiundzwanzig Studien allein die Patientenbeurteilungen heranzogen. So scheiden beispielsweise viele Patienten im Lauf einer Studie aus. die von selbst in Erfüllung gehe. nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. wer die wirksame Substanz bekomme. Alle Antidepressiva haben normalerweise Nebenwirkungen wie etwa Mundtrockenheit. die sprachlich unbeholfen oder unklar sind oder deren Depression mit anderen organischen oder psychischen Leiden einhergeht. sei es wegen unangenehmer Nebenwirkungen. dies löse eine Besserungserwartung aus. Außerdem basieren die meisten Bewertungen der therapeutischen Wirksamkeit in erster Linie auf dem Urteil der Kliniker und nicht auf dem der Patienten. die Placebos einnahmen. oftmals solche Personen aus. wegen ihrer mangelnden Bereitschaft. Zudem schließen Studienleiter. Es gibt weitere Faktoren.

Neuere Untersuchungen über Lithium zeigten eine gegenüber einem Placebo geringfügig oder auch gar nicht erhöhte .überzogen sind [. über die in der Fachliteratur berichtet wird.68 Doch der Psychiater Frederick Goodwin und die Psychologin Kay Jamison gaben in einer kritischen Bestandsaufnahme im Jahr 1990 bescheidenere Zahlen an: Sechsundsechzig Prozent der Probanden.)70 Laut Greenberg und Fisher sind einige der von Goodwin und Jamison ausgewerteten Studien methodisch fehlerhaft. die die Wirksamkeit von Lithium nachweisen sollten. führten Heilungsraten von bis zu neunzig Prozent an. daß Jamison selbst an manisch-depressiver Krankheit leidet. deren Erkrankung zuvor mit Lithium »stabilisiert« worden war. Andere Untersuchungen schlössen nur Patienten ein.] selbst die geringfügig höhere Wirksamkeit von Antidepressiva im Vergleich zum Placebo-Effekt. Ironischerweise enthüllte ihr persönlicher Erfahrungsbericht An Unquiet Mind ihre Sehnsucht nach den manischen Phasen und ihren Kampf. wer Lithium erhielt und wer ein Placebo. das als »Wundermittel« und »magische Pille« gegen manischdepressive Psychosen angepriesen wurde..«67 Greenberg und Fisher bezweifelten auch die Wirksamkeit von Medikamenten zur Behandlung schwerwiegenderer psychischer Erkrankungen.. Leseschwierigkeiten und gestörter motorischer Koordinierung. Anfängliche Berichte über Lithium. die Lithium einnahmen. wie etwa emotionaler Verflachung. die Studien. sich mit den Nebenwirkungen von Lithium. ist nicht zweifelsfrei erwiesen. die leitenden Ärzte wußten. hatten keine manischen oder depressiven Anfälle im Vergleich zu neunzehn Prozent der Personen in der Kontrollgruppe. bezogen nur Patienten ein.69 (Die Tatsache. das heißt.71 Einige waren nicht doppelblind. die bereits positiv auf den Wirkstoff angesprochen hatten. gab dieser Bestätigung eine besondere Bedeutung. abzufinden.174 .

73 Wie Lithium wurden auch Chlorpromazin und verwandte Präparate zur Behandlung von Schizophrenie oft zunächst als Heilmittel angepriesen. mit den Nebenwirkungen von Lithium zurechtzukommen. die das ausgleichen sollen. der mit überzogenen ersten Erfolgen beginnt (die durch Enthusiasmus und Schwachstellen in der Doppelblindkonzeption gefördert werden).Wirksamkeit. insbesondere solchen. was die vormalige Wunderpille nicht mehr leistet. daß es Patienten schwerfällt. die zur Behandlung von Schizophrenie und Epilepsie eingesetzt werden. worauf verstärkte Anstrengungen unternommen werden. Daher sollten die Psychiater den gegenwärtigen Konsens hinsichtlich der Langzeitbehandlung der manisch-depressiven Krankheit neu bewerten. schließlich wächst die Unzufriedenheit der Kliniker mit den Ergebnissen im medizinischen Alltag. Auch hier gibt es einen Kreislauf. Greenberg und Fisher kommentierten: Die Geschichte der Erforschung des Lithiums folgt einem vertrauten Muster. die Medikamente einnehmen. das man sich erhofft hatte.175 . Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten leiden weiter. dann folgen Berichte. etwa zwei Drittel brechen die Einnahme ab. alternative Behandlungsmethoden zu finden. die die Größe des Unterschieds zwischen aktivem Wirkstoff und Placebo immer vorsichtiger einschätzen. Ein 1995 im British Journal of Psychiatry erschienener Übersichtsartikel zog folgendes Fazit: »Nach eingehender Prüfung der vorliegenden empirischen Daten deutet leider vieles darauf hin. ein relativ normales Leben führen. Aus Langzeitstudien geht hervor. daß Lithium nicht das erfolgreiche prophylaktische Mittel ist. Doch einem führenden Lehrbuch der Psychiatrie zufolge »können nach einer plausiblen Schätzung zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Schizophrenen.«72 Tatsächlich versuchen Psychiater in zunehmendem Maße manisch-depressive Psychosen mit alternativen Medikamenten zu behandeln.

sind . erkannte ich. und es war ihr unverkennbar peinlich . und sie strich wiederholt mit ihren Fingerspitzen über ihre Handinnenflächen. was wörtlich »Hirnkrampfanfall« bedeutet. die wegen »Nervenzusammenbrüchen« mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Sie schien sich ihres Verhaltens deutlich bewußt zu sein. und sie schien unentwegt etwas zu kauen. Doch die langfristige Einnahme von Neuroleptika kann eine schwerwiegendere Nebenwirkung auslösen.75 Behauptungen. Die Bewegungsabläufe und der Gesichtsausdruck der Parkinson-Kranken wirken steif und rigide. die den Symptomen des Parkinson-Syndroms gleichen.vielleicht war dies der Grund dafür. wenn der Patient das Medikament absetzt. die sogenannte Dyskinesia tarda (Spätdyskinesie). Ich beobachtete dieses Syndrom erstmals Mitte der siebziger Jahre.«74 Zudem haben Chlorpromazin und andere Antipsychotika oftmals extrapyramidale Nebenwirkungen. Laut Auskunft des National Institute of Mental Health entwickelt sich bei bis zu vierzig Prozent der Patienten. und vierzig bis sechzig Prozent müssen lebenslang erhebliche Störungen in Kauf nehmen. sich wiederholendes Zucken und Zittern. die im allgemeinen nicht reversibel ist. als ich eine Frau mittleren Alters kennenlernte . daß sie soviel Zeit in ihrem Schlafzimmer verbrachte. antipsychotische Medikamente Neuroleptika zu nennen. Erst als ich über zehn Jahre später vom Krankheitsbild der Spätdyskinesie hörte. Ihre Hände waren klauenartig gekrümmt. die Psychiater dazu veranlaßten. eine Spätdyskinesie. Es waren unter anderem diese Nebenwirkungen.176 . wonach neuere Neuroleptika weder extrapyramidale Wirkungen noch Spätdyskinesien auslösen.die Mutter eines Freundes -. Extrapyramidale Wirkungen verschwinden in der Regel.hin an milden Symptomen. sie verfallen in unwillkürliches. die Neuroleptika einnehmen. Ihre Lippen waren ständig geschürzt. daß diese Symptome vermutlich eine Nebenwirkung ihrer Medikamente waren.

sondern auch Krampfanfälle und eine potentiell tödliche Erkrankung namens Agranulozytose (starke Verminderung der Granulozyten). das angeblich genauso wirksam sei wie Clozapin. daß psychotrope Substanzen wirkungslos sind? Nein. Auch 1996 brachte Eli Lilly Olanzapin auf den (US-amerikanischen) Markt. es habe nicht mehr extrapyramidale Effekte als die Placebos ausgelöst.77 Doch binnen eines Jahres tauchten erste Berichte über Nebenwirkungen . Der komplexe Zusammenhang zwischen der Einnahme einer Substanz. das ist nicht unsere Botschaft. das nicht bloß extrapyramidale Nebenwirkungen und Spätdyskinesie verursacht . aber keine Agranulozytose verursache. daß man von kompetenter Seite in der Hoffnung bestätigt wird. hieß es in den Werbeanzeigen.möglicherweise überzogen. Dennoch war Risperidon bereits im Jahr 1996 das meistverschriebene Antipsychotikum in den Vereinigten Staaten. ob es sich um einen wirklichen Fortschritt oder bloß einen weiteren trügerischen Hoffnungsschimmer handelt. die offenkundig ›arzneiähnliche‹ physiologische Wirkungen auslöst.in der medizinischen Fachliteratur auf.76 Als Johnson & Johnson 1994 das Antipsychotikum Risperdal (Risperidon) auf den Markt brachte.177 . Dazu meinte ein führender Neuroleptikaexperte: »Wir können heute noch nicht sagen.«78 Placebos zur Behandlung von Depressionen Am Ende ihres Buches From Placebo to Panacea faßten Greenberg und Fisher ihre Einstellung zu Psychopharmaka folgendermaßen zusammen: »Behaupten wir.wenn auch mit geringerer Häufigkeit als Neuroleptika wie Chlorpromazin -. dem persönlichen Bedürfnis nach Wandel oder Besserung und dem zusätzlichen Element.darunter auch Spätdyskinesie . Etwas Ähnliches geschah bei dem Präparat Leponex (Clozapin). .

so Brown. Als man den Patienten sagte. es enthalte eine Asthmamedikament. In ihrem Buch Freud Scientifically Reappraised und andernorts schienen sie von der Psychoanalyse und Psychotherapien nicht die gleichen hohen Wirksamkeitsnachweise zu fordern wie von Medikamenten. einem Psychiater an der Brown-Universität und anerkannten Experten auf dem Gebiet der Placebo-Effekt-Forschung. Brown. die Krankheit sei wohl nur eingebildet gewesen.178 . verengten sich ihre Atemwege. die keine Medikamente verschreiben dürfen. der Placebo-Effekt erkläre möglicherweise einen Großteil der therapeutischen Wirksamkeit von Medikamenten für psychische Störungen.«80 Doch Forschungen hätten immer wieder gezeigt. Behauptete man dagegen. die ihr Asthma verschlimmern könnten. heißt es gewöhnlich. möglicherweise eine implizite Präferenz für Psychotherapien und Psychoanalyse und waren gegenüber einer medikamentösen Behandlung negativ voreingenommen. das Aerosol enthalte Allergene.daß es jetzt eine gute Chance für Veränderungen gibt . wenn nicht die Gesamtheit der vorteilhaften Wirkungen von Psychopharmaka.all dies bietet einen Anknüpfungspunkt für die Ingangsetzung eines therapeutischen Prozesses. bei der Asthmatiker lediglich fein zerstäubte Salzlösung inhalierten. der PlaceboEffekt erklärt möglicherweise einen Großteil. Natürlich hatten Greenberg und Fisher als Psychologen.«79 Anders gesagt. meßbare Wirkungen hätten. und ihre Atembeschwerden verstärkten sich. bestätigt. daß die Erwartungen der Patienten sehr reale. Wenn ein Placebo Besserung bringt. wurde von Walter A. Er zitierte eine Studie. Brown räumte in einem Beitrag in Spektrum der Wissenschaft vom März 1998 ein: »Die Assoziation [des Wortes Placebo] mit Täuschung und Unechtsein spiegelt das Stigma nur zu gut. atmeten die Patienten leichter. . Doch ihre Behauptung.

Greenberg und anderen überzeugten ihn davon. Vier der vierzehn Patienten hätten den Forschern gesagt. müßten Ärzte ihren Patienten nicht einmal über dessen eigentliche pharmakologische Wirkungslosigkeit täuschen. die Pillen enthielten in Wahrheit einen aktiven Wirkstoff. die geglaubt hatten. Es gebe gewisse Hinweise dafür. das Placebo sei das wirksamste Präparat. daß Scheinpräparate bei vielen Depressiven genauso wirksam sein könnten wie Antidepressiva oder Psychotherapie.Im Jahr 1994 machte Brown in Neuropharmacology einen verblüffenden Vorschlag: Ärzte sollten erwägen. Obgleich allen Probanden gesagt wurde. daß es sich um ein Leerpräparat handle. der einem Patienten eine Placebo-Behandlung empfiehlt. Unglaublicherweise hätten alle vierzehn Probanden . In einer 1965 durchgeführten Studie an vierzehn depressiven Patienten hätten alle eine Woche lang Placebo-Pillen erhalten. die Pillen seien Placebos . ihre Verordnung erfordere auch kein so umfassendes Fachwissen. so Brown. daß sechs von ihnen überzeugt davon gewesen seien. daß sie billiger seien als pharmakologisch aktive Substanzen oder Psychotherapie. doch die Forschungen von Fisher. hätten die Befrager festgestellt.81 Brown meinte. liege darin.82 Brown stellte sich die Vorgehensweise eines Arztes. behauptete Brown. daß Patienten auch auf ein Placebo ansprächen. das ihnen je verordnet worden sei. als Erstbehandlung für viele Fälle von Depression Placebos zu verschreiben. die Pillen bestünden aus einer pharmakologisch wirkungslosen Substanz. bei schwerer Depression sollten weiterhin Antidepressiva verordnet werden. fünf hatten das Scheinmittel nach Abschluß der Studien weiterhin einnehmen wollen.179 .sogar diejenigen.während der einwöchigen »Behandlung« positiv darauf angesprochen. Der Hauptvorteil von Placebos. wenn sie wüßten. Damit ein Placebo Wirkung zeige. folgendermaßen vor: .

daß sich der Körper selbst heilen kann. Diese beiden Behandlungsmethoden sind noch immer weithin üblich und stellen Optionen für Sie dar.180 . wenn der erste mit Placebo behandelte Patient aus dem Fenster springt und sein Bruder. deren pharmakologische Wirkung nicht erwiesen sei. ist in der Vergangenheit entweder mit Antidepressiva oder mit Psychotherapie. zieht sich wie ein roter Faden durch die alternative Medizin. daß sich Ihr Zustand mit dieser Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit bessern wird.84 Ein anderer Psychiater fragte: »Werden sich Kollegen erheben. die Psychiater als gerissene. daß der Vorschlag »denen in die Hände arbeitet. die die Leichtgläubigkeit ihrer Patienten ausnutzen«. »Die Überzeugung. dessen Wirkungsmechanismus im dunkeln liegt. monierte. Donald Klein. die Form von Depression. Auch sie hilft vielen Menschen mit Ihrer Erkrankung. behandelt worden. an der Sie leiden. wie es Ihnen geht. Diese Pillen enthalten keinen pharmakologischen Wirkstoff. Sie nehmen dabei eine dieser Pillen zweimal täglich ein. und zwar einer Gesprächstherapie. viele Menschen suchten sich bereits ihre Placebo-Behandlungen in Form von homöopathischen Präparaten und alternativen Heilmitteln. möglicherweise regen sie die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Wenn Sie sich nach sechs Wochen nicht besser fühlen. berechnende Manipulatoren ansehen. um praktische Ärzte zu verteidigen. ein Rechtsanwalt. selbst aus. Wir wissen nicht genau. können wir eine der anderen Therapien ausprobieren. und außerdem kommen Sie alle zwei Wochen in die Praxis. Psychiater an der Columbia-Universität. Dieser Glaube wird durch die Verordnung einer Placebo-Behandlung bestätigt. die billiger für Sie ist und zudem weniger Nebenwirkungen erwarten läßt. antwortete Brown. Klage einreicht?«85 Ob es einem gefalle oder nicht. Wir wissen jedoch. Und obgleich ein Heilverfahren. Es gibt jedoch noch eine dritte Form der Behandlung.83 Einige Psychiater reagierten entsetzt auf Browns Vorschlag. um uns zu sagen. wie sie wirken.Herr Jones. all jenen ein .

manisch-depressive Erkrankungen.«86 Schon Jerome Frank hatte in Persuasion and Healing darauf hingewiesen. Bei den Patienten müssen andere Behandlungsmethoden versagt haben. sondern sogar verlockend sein. die Lobotomie sei lange nicht so übel wie ihr Ruf. .Greuel sein mag. der sogenannte Gyrus cinguli. Die Renaissance der Elektroschocktherapie Ein vielsagendes Symbol für die Grenzen der Wirksamkeit von Psychopharmaka ist das Fortbestehen zweier berüchtigter Behandlungsmethoden. um Zwangsstörungen. Depressionen und sogar die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen zu behandeln.87 Tatsächlich wird die Psychochirurgie gelegentlich noch immer bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen eingesetzt. die rationale Therapien anstreben. Am Massachusetts General Hospital.für viele unserer Patienten nicht nur tolerierbar. durchtrennt. mit dem limbischen System verbindet. die auf andere Therapien nicht ansprechen. die sogenannte bilaterale stereotaktische Zingulotomie. benutzen Chirurgen eine Variante der Lobotomie. das emotionale Reaktionen steuert. Bei der Zingulotomie wird ein murmelgroßes Nervenbündel. Panikstörungen. wenn man die begrenzte Wirksamkeit sämtlicher psychiatrischer Behandlungsverfahren bedenke. daß bei manchen Patienten wissenschaftlich nicht gesicherte Therapien die besten Erfolge erzielten.181 . mag gerade dieses Geheimnis – und diese Magie . der das Stirnhirn. das der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität angeschlossen ist und das eine der renommiertesten Kliniken der Welt ist. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort behauptete der Wissenschaftshistoriker Jack Pressman. Die eine ist die Lobotomie. den Sitz der höheren kognitiven Funktionen. und sie müssen ihr Einverständnis mit der Zingulotomie erklärt haben.

In jüngster Zeit hat die Gruppe am Massachusetts General Hospital dieses Gerät durch Gammastrahlenbündel ersetzt. Der Einsatz der Zingulotomie. der 1997 in Discover erschien. das sich . brachte der Neurochirurg Frank Vertosick seine zwiespältige Haltung zum Programm des Massachusetts General Hospital zum Ausdruck. »behaupten manche. wie wir gegenwärtig psychotrope Arzneimittel einsetzen. »ist wissenschaftlich ebenso unzureichend abgesichert« wie die primitiveren Lobotomien. Vertosick äußerte auch die Sorge. ebenso kritikwürdig ist. fügte er hinzu. Das zweite umstrittene Behandlungsverfahren. daß die Psychochirurgie »nicht die Krankheit. die sie in den Schädel gebohrt hatten. so Vertosick. daß in die Bewertung der Wirksamkeit des Verfahrens ausschließlich das Urteil der Forscher und nicht das der Patienten eingeflossen sei.182 . insofern wir den Zustand der Patienten nicht bessern. so daß keine Löcher mehr in den Schädel gebohrt werden müssen. keine öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn mehrere Gammastrahlenbündel an einer Stelle innerhalb des Gehirns zusammentreffen. daß sich bei einem Drittel von vierunddreißig Patienten nach einer Zingulotomie die Symptome gebessert hätten. die Walter Freeman vor Jahrzehnten durchgeführt hatte. Andererseits. daß die Art und Weise. die Elektroden verkochen das Gewebe in ihrer unmittelbaren Nähe durch Stromstöße. zerstören sie das Gewebe sehr viel schonender als bei älteren Methoden. Er nahm Anstoß daran. sondern den Patienten in den Griff kriegen möchte«. uns zu belästigen«.88 Die Psychochirurgen am Massachusetts General Hospital haben versucht. was ihnen weitgehend gelungen ist (obgleich sie eine Web-site haben).Anfangs führten die Psychochirurgen computergelenkte Elektroden durch Löcher. sondern sie lediglich davon abhalten. ins Gehirn ein. Doch in seinem Beitrag »Lobotomy's Back«. Im Jahr 1996 berichtete die Gruppe in Neurosurgery. Die Chirurgen verfolgten das Vordringen der Sonden an einem Kernspintomographen.

ist die Elektroschocktherapie. schien er ständig meine Reaktion auf seine Worte abzuschätzen .183 . die von einer unsichtbaren Person innerhalb des Gebäudes stammte. das die Aufschrift trug »Institut zur Erforschung von emotionalem Streß«. der mit dazu beigetragen hat. sagte er. war ihr Ruf an einem Tiefpunkt angelangt. daß nicht viel gefehlt hätte.89 Als er mir eine Einführung in die Elektroschocktherapie (E ST) gab.« Sackheim ist ein schlanker. Als er Ende der siebziger Jahre mit der Erforschung der EST begann. »schrecklich« fänden. ist Harold Sackheim. daß die meisten Menschen die EST. Ein Forscher. Ein Mann im Arztkittel war aus einem Fenster geworfen worden und stürzte in den Tod. das mit dem Einsatz kurzwirkender Anästhetika verbunden ist«.ungeachtet der vermeintlichen Revolution in der Psychopharmakologie behauptet und sogar an Einfluß gewonnen hat. Sackheim arbeitet am New York Psychiatrie Institute. ein Psychologe an der Columbia-Universität. daß eine andere Behandlungsform der EST im kurzfristigen Eingreifen bei schwerer Depression überlegen sei. daß keine einzige kontrollierte Studie nachgewiesen habe. wie er sich immer wieder ausdrückte. Unmittelbar vor Sackhe. In einer Wortblase. um ihr den Todesstoß zu versetzen. »Soziologisch gesehen«. »war die EST in Amerika so sehr in Verruf geraten.ims Büro fiel mir eine Karikatur auf. an dem auch der Neurowissenschaftler Eric Kandel tätig ist. Die Karikatur zeigte ein großes Gebäude. elegant gekleideter Mann mit graumeliertem Schnurrbart und wachsamem Blick.90 Im Jahr 1990 befürwortete die American . die an einer Anschlagtafel neben der Tür hing. den Ruf der Elektroschocktherapie wiederherzustellen.« Im Jahr 1985 veranstalteten die National Institutes of Health jedoch eine Konferenz zum Thema »EST« und gelangten zu dem Fazit. Das Risiko des Verfahrens »unterscheidet sich nicht von demjenigen.zweifellos weil ihm bewußt war. stand: »Jetzt geht's mir schon besser.

daß jährlich etwa 100000 Patienten in den Vereinigten Staaten und eine Million Patienten weltweit mit dem Verfahren behandelt würden. am Broadway auftraten«. meinte Sackheim. beginnt Sackheims Gruppe mit schwachem Strom. Großbritannien und Skandinavien erfreute sich die Elektroschocktherapie in den letzten zehn Jahren wachsender Beliebtheit. So wie die Entwicklung von Psychopharmaka einst zum Niedergang der Schocktherapie beigetragen habe. von Mensch zu Mensch stark – um den Faktor fünfzig . ausgedehntem Gedächtnisverlust. sehr viel niedriger. meinte Sackheim. daß die Stromstärke. dessen Stärke allmählich gesteigert wird. der Jahre zurückreicht. führen kann«.Psychiatric Association den Einsatz der Elektroschocktherapie zur Behandlung von Depression. daß man in zunehmendem Maße die negativen Nebenwirkungen von Medikamenten erkannt habe. die unter anderem von Sackheims Gruppe entwickelt wurden. Zu seinen Patienten gehörten auch »Fernsehstars«. erholen sich Patienten zudem schneller von einer EST-Behandlung und leiden unter weniger Nebenwirkungen. Sackheim schätzte. so sei ihre Renaissance durch die Tatsache gefördert worden. sei die Zahl der Patienten.schwankt. die am Abend des Tages. die erforderlich ist. als die Gegner der EST behauptet hätten. wie man am Beispiel der Spätdyskinesie sehe. um einen Krampfanfall auszulösen. fügte er hinzu. manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie. Schließlich könnten Antipsychotika wie etwa Chlorpromazin Hirnschäden und bleibende Entstellungen verursachen. an dem sie behandelt wurden.91 Er und seine Kollegen haben gezeigt. Aufgrund von Verbesserungen.« Obgleich die EST »zu schwerem. Um die optimale Dosis für jeden Patienten festzulegen. »Ich hatte Patienten.184 . die von dieser Nebenwirkung betroffen seien. sagte Sackheim. »Aber das löst keinen öffentlichen Aufschrei der Empörung aus. Insbesondere in den Vereinigten Staaten. Die Anordnung der Elektroden kann von entscheidender Be.

Sackheim verglich die Schockbehandlung mit dem Treten des Gaspedals eines Autos. um das Gehirn dazu zu bringen.92 Dann trug er mir das aktuelle »Kredo der Columbia-Universität« vor. anderen Tieren gespritzt. sagte Sackheim. Wird Gehirn-RückenmarkFlüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) eines Säugetiers. daß der Krampfanfall. die Schockbehandlung befriedige den unbewußten Wunsch von Patienten nach strenger Bestrafung. Die durchschnittliche Dauer einer Elektroschocktherapie umfaßt acht bis neun Behandlungssitzungen. innere Krampfschutzmechanismen des Gehirns aktiviere. Die EST übe eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn aus. antwortete er. nach der Behandlung nimmt die Aktivität der Nervenzellen ab. wodurch der im Leerlauf arbeitende Motoren zu schnell auf Touren gebracht werde. wenn beide Hälften unter Strom gesetzt werden. Seiner Auffassung nach sei die Depression ein milder Daueranfall. »Gott weiß. die auf ungefähr drei Wochen verteilt werden. Als ich Sackheim fragte.« Diese Erklärung sei »vermutlich gegenwärtig die herrschende Theorie«. ob es eine Theorie über den Wirkungsmechanismus der EST gebe. erhöht sich deren Anfallschwelle. andere. der durch Schockbehandlungen ausgelöst wird. die erforderlich sei. »Wir lösen einen Krampfanfall aus. fuhr Sackheim fort. Außerdem nehme die Stromstärke.deutung sein. der durch einen starken akuten Anfall gelindert werden könne. Einige Psychoanalytiker hätten behauptet. von Sitzung zu Sitzung enorm zu.185 .« . einige Patienten sprechen am besten an. ob sie richtig ist. grinste er breit. wenn der Strom nur auf eine Hälfte des Gehirns geleitet wird. Die paradox anmutende Erklärung lautet. einen Krampfanfall einzustellen. um bei einem Menschen Krampfanfälle auszulösen. Es gebe mindestens hundert solcher Theorien. dem eine EST verabreicht wurde. Die Therapie habe »nachhaltig krampfverhindernde Wirkungen«. ebenso der Glukosestoffwechsel und die Durchblutung.

In der EST-Abteilung Einige Wochen nach meinem ersten Interview mit Sackheim hatte ich eine weitere Verabredung mit ihm.93 Als wir in einem Aufzug von seinem Büro nach unten in die Klinik fuhren. anderen elektronischen Geräten und Menschen: Pflegepersonal. der von Jack Nicholson gespielt wird.»Nicht wie in Einer flog übers Kuckucksnest?« fragte ich. einem adretten jungen Mann. In dem Film aus dem Jahr 1975 stellt sich Randall P. die sich hier über die EST informieren wollten. Der erste Patient. Nachdem wir durch eine Tür mit der Aufschrift »ESTAbteilung« gegangen waren. gelangten wir in einen kleinen L-förmigen Raum. Technikern. Mitch Nobler. »Nein«. einem Anästhesisten. befestigen Elektroden an seinen Schläfen und verpassen ihm bei vollem Bewußtsein eine Schockbehandlung. schnallen dessen Kollegen den um sich schlagenden. er wird statt dessen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. schreienden McMurphy auf einen Untersuchungstisch. Sackheim sah den Film als Student bei seinem ersten Rendezvous mit seiner späteren Frau. . der einen weißen Arztkittel trug. diesmal. erwiderte er amüsiert.186 . Obgleich McMurphy diese Behandlung ohne Beeinträchtigung seiner mentalen Fähigkeiten übersteht. um der Behandlung von Patienten im Psychiatrie Institute beizuwohnen. Nachdem er einen sadistischen Pfleger angegriffen hat.« . ein älterer Herr. der vollgestopft war mit Computermonitoren. um nicht ins Gefängnis zu kommen. meinte Sackman: »Das wird vermutlich ziemlich enttäuschend für Sie werden. wird er später durch eine Lobotomie in einen frechen Zombie mit ausdruckslosen Augen verwandelt. McMurphy. geisteskrank. stand neben einer Untersuchungsliege und sprach leise mit dem Psychiater. einem Psychiater und zwei Medizinstudenten. der einen blaßgrünen OP-Kittel trug.

wie es bei älteren Betäubungsmitteln üblich war. Die Pieptöne eines Elektrokardiographen beschleunigten sich. nicht mehr. der ein ambulanter Patient sei und bald nach Hause gehen könne. Sie sei ins Institute aufgenommen wor. wie ihm jemand Fragen stellte. der aus einem Elektroenzephalographen herauskam.legte sich auf die Liege. undeutlicher Stimme antwortete. erst nach Stunden. wie mir Sackheim mitteilte . Innerhalb von Sekunden schloß er die Augen. während ein Techniker sie auf die Behandlung vorbereitete. die in spitze Zackenkurven übergingen. und er zitterte.187 . und seine Muskulatur erschlaffte. Eine Krankenschwester breitete eine weiße Decke über ihn und schob einen Gummikeil in seinen Mund. Der Papierstreifen. sein Rücken krümmte sich leicht. ihm folgte eine kleine Frau mit kurzem braunem Haar. der Psychiater. daß die Frau. worauf dieser nickte. sagte er mir. die mit einem intravenösen Arzneimittelzuführsystem verbunden war. ergriff ein Gerät. Eine Pflegerin schob den Mann auf der Liege in einen angrenzenden Raum. Innerhalb von Minuten stöhnte und bewegte sich der Mann auf der Untersuchungsliege. Der Anästhesist stach eine Nadel. Ich hörte. Als Sackheim zu mir zurückkam. Unterdessen schob ein anderer Pfleger eine weitere Liege in den Behandlungsraum.Der Patient . auf die er mit leiser. die Patienten wachten heute binnen Minuten aus der Narkose auf. zeigte sanfte Wellen. Sie legte sich auf die Liege. die ebenfalls einen OP-Kittel trug. Der Körper des Patienten wurde starr. Der Krampfanfall dauerte achtunddreißig Sekunden und endete dann abrupt. Nobler. anders als der ältere Mann. in eine Armvene des Mannes. das einem Fahrradlenker glich und an einem Ende eine Metallscheibe aufwies. Sackheim redete ihr freundlich zu. Sackheim erklärte mir. Man hörte ein kurzes Brummen. Sackheim ging zu dem Patienten und begrüßte ihn herzlich. in dem sich die Patienten erholen. stationär behandelt werde. und hielt sie an die Schläfe des Patienten.ein Naturwissenschaftler.

hielt der Psychiater zwei Elektroden an ihre Schläfen. mit dem seine kognitiven Funktionen überprüft werden sollten. doch anders als der Patient vor ihr schien die Frau reglos dazuliegen. nachdem sie mehrfach »schwere impulsive Suizidtendenzen« gezeigt habe. der bereits behandelt worden war. flüsterte er mir zu. bevor Sackheim und ich eingetroffen waren. Der große Zeh der Frau.) Nachdem die Frau in Narkose versetzt worden war. Hinter einem Vorhang lag ein Patient. Sackheim nahm mich mit in den Aufwachraum. Ein paar Minuten später ging Sackheim zu ihr und sagte mit lauter Stimme: »Guten Morgen!« Sie reagierte nicht. Der erste Patient. stammelte der Patient hinter dem Vorhang unzusammenhängende . (Für den älteren Herrn war es das sechste Mal gewesen. Sie drehte sich auf die Seite. Die Frau. der neben mir stand. Als ihn ein Techniker fragte. Sackheim. Die Schwester schob sie aus dem Zimmer. vibrierte so schnell. die gerade behandelt worden war. Wieder hörte ich ein Brummen. Eine Krankenschwester fragte die Patientin: »Können Sie mir Ihren Familiennamen sagen?« Die Frau murmelte ihren Vornamen. Ihre Augen blieben geschlossen. während eine Krankenschwester mit sanfter Stimme zu ihr sprach. doch ihre Furcht lege sich mit der Zeit. der ältere Herr. ob die Behandlung schon begonnen habe.188 . der aus dem Leintuch hervorschaute. Ihre Zunge hing leicht aus ihrem halb geöffneten Mund heraus. lag in einer halbfötalen Haltung auf der Seite. saß auf seiner Liege und füllte einen Fragebogen aus. nahm ihr Gesicht einen immer angsterfüllteren Ausdruck an. sagte mir. Dies war die zweite Behandlung für die Frau. Der Krampfanfall dauerte zweiundvierzig Sekunden. Als der Assistent die Schläfen der Frau mit einem elektrisch leitenden Gel einrieb. daß man ihn nur verschwommen sehen konnte. wo er sich befinde. ob er wisse. Als ich Sackheim fragte. deutete er auf das untere Ende der Liege. daß sich viele Patienten vor den ersten Behandlungen fürchteten.den.

antwortete er. »Einerseits ist die Wahrscheinlichkeit. wie sie verabreicht wird. »Wenn ich selbst an einer schweren Depression erkrankte. hätten eine anfängliche Besserungsrate von nur fünfzig bis sechzig Prozent. die an Depression leide.94 Als ich Sackheim nach seinen Erfolgen fragte.« Es gibt auch große Unterschiede in den Erfolgen. die EST einer ihm nahestehenden Person.Worte. zu verordnen. sagte Sackheim.189 . um sich von einer Behandlung zu erholen. erlitten innerhalb eines Jahres. sagte er. »andererseits ist die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden geringer. sagte er. wenn sich Psychopharmaka bei ihnen als wirkungslos erwiesen haben. die verschiedene Gruppen erzielen. die Patienten benötigten. Es gebe eine enorme Bandbreite in der Zeit. fügte er hinzu. Natürlich entschließen sich die meisten Patienten erst dann zu Schockbehandlungen. »Überhaupt nicht«.« Er zündete sich eine Pfeife an und paffte nachdenklich daran. den er behandele. Diese Patienten. von meinem Team behandelt zu werden«. sagte Sackheim. ob er Bedenken hätte. eine Besserungsrate von sechsundachtzig Prozent erreicht. antwortete er auf der Stelle. »denn wie bei allen medizinischen Behandlungen gibt es auch hier große Unterschiede in der Art und Weise. In Fachzeitschriften wurde über Erfolgsraten berichtet. die immer auf Antidepressiva ansprachen. höher als bei sämtlichen anderen Behandlungsmethoden«. die von über fünfundachtzig bis zu unter vierzig Prozent reichten. daß es zu einer Besserung kommt. Ein entscheidender prognostischer Faktor für den Erfolg seien die zurückliegenden Erfahrungen eines Patienten mit Antidepressiva. den Kopf schüttelnd. Sackheim hat bei Patienten. fragte ich Sackheim. Als wir später vor dem Eingang des Psychiatrie Institute standen. meistens . dies schwanke mit dem Typus von Patienten. und siebenundachtzig Prozent derjenigen. »Ich würde mir wünschen. entschiede ich mich für die EST«. die sich besser fühlten.

haben die Psychopharmaka und die Elektroschocktherapie als Übel dargestellt. daß die Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder nicht zu rechtfertigende Ausmaße angenommen hat. Zur Verteidigung der EST und anderem Mehrere Kritiker . ohne daß ein erneuter Eingriff erforderlich war . daß biologische Therapien manchen Menschen zu gewissen Zeitpunkten helfen können. einen Rückfall – es sei denn.selbst wenn sie in der wohl fortschrittlichsten Schocktherapieklinik der Welt behandelt wurden. die es zu beseitigen gelte.sogar binnen vier Monaten.95 Doch anders als Breggin glaube ich. insbesondere wenn man bedenkt. In meinem letzten Jahr auf . besser dran. Ich stimme ihm auch darin zu. was übrigens in gleicher Weise für die Gesprächstherapie gilt (auch wenn sich die Wirksamkeit weitgehend mit dem Placebo-Effekt erklären läßt). sie unterzögen sich weiteren Schockbehandlungen oder sprächen doch noch auf Antidepressiva an. Dieser Ansicht bin ich nicht. Wie viele andere Menschen habe ich auch schon einmal eine depressive Phase durchlebt. Ich teile Breggins Bedenken.keine dieser Alternativen vollkommen ist. wenn sie Alternativen in der Behandlungsmethode haben. daß ihr Nutzen empirisch nicht belegt ist und wir nichts über die negativen Langzeitwirkungen wissen. daß der Nutzen von Medikamenten und.am prononciertesten der Psychiater Peter Breggin. der Bücher wie Toxic Psychiatry und Talking Back to Prozac geschrieben hat . der Elektroschocktherapie übertrieben angepriesen werde. die sich eine Linderung ihrer Beschwerden wünschen. in viel geringerem Maße. Mit anderen Worten.190 .oder gerade wenn . Zudem sind Menschen. bei weniger als acht von hundert typischen EST-Patienten besserte sich der psychische Zustand dauerhaft. selbst wenn .

als ich meine künftige Frau kennenlernte und mich in sie verliebte. Meine Gesichtsmuskeln sind schlaff. sehe ich anders aus als sonst. In dieser Zeit fragte ich mich bereits bangevoll. Gespräche vermochten mich nicht aus meiner morbiden Selbstversunkenheit herauszureißen. Ich . mit der ich ein Verhältnis gehabt hatte. Wenn sie nicht anschlügen und mein Zustand sich verschlechterte. setzte ich alles daran.Essen.dem College beendete eine Frau. unsere Beziehung. Aber ich weiß genau.191 . Ich würde es vermutlich zunächst mit einer Psychotherapie und dann mit Antidepressiva probieren. Bücher. daß Hoffnung allein heilen kann. Was als eine gewöhnliche Niedergeschlagenheit und Selbstkritik begann. was ich nach Abschluß des Colleges aus meinem Leben machen solle.in meinem Fall reichliche Mengen an Alkohol und Medikamenten. Er begann nach dem Scheitern einer Liebesbeziehung und hörte auf. daß irgend jemand die Depression einmal als einen Zustand »übersteigerter Aufmerksamkeit« beschrieb. was vermutlich besser gewesen wäre. wenn ich jemals wieder in eine Depression verfallen sollte. daß ich Hilfe suchen würde. für die ich sorgen muß. Sekunde um trübselige Sekunde. Ich war mir auf qualvolle Weise des Verstreichens der Zeit bewußt. und mein Blick wirkt zerstreut. Auf Fotos. Dies trifft auf meine Erfahrung zu. Aber er war nicht rein körperlicher Natur. Kino. nahm schon bald einen pathologischen Charakter an. riefe ich vielleicht den Elektroschockspezialisten Harold Sackheim an. Ich erinnere mich daran. ähnlich wie eine Grippe. Mein Zustand manifestierte sich körperlich. Sport. Während dieser Depression suchte ich keine ärztliche Hilfe. ich habe heute eine Familie. All die kleinen Freuden des Alltags . Meine Schwermut schien buchstäblich und unablässig auf meiner Brust zu lasten. die in dieser Zeit entstanden sind. und er schien physiologische Abhilfsmaßnahmen zu erfordern . Da ich überzeugt davon bin. hoffnungsvoll zu sein.

geprägt sei. wie meine. »Wenn wir lachen. Wie aber läßt sich angesichts der Grenzen physiologischer Behandlungsmethoden deren weite Verbreitung erklären? Ausschlaggebend ist wohl die Tatsache. daß die Gene für die Wahrnehmung von schmutzigen Tellern. ohne medizinischen Eingriff vorübergehen. innerhalb von vier Monaten einen Rückfall erleiden. Mindestens dreimal wurden in den vergangenen Jahren die Gene für diese Krankheiten verantwortlich gemacht.und nicht durch Erfahrungen . und die Sichtung der Originaldaten ergab. Peter Kramer behauptete in Glück auf Rezept. daß die meisten Menschen.hielte mir immer wieder vor Augen. wissenschaftlich gesehen. Ich würde versuchen zu vergessen. daß viele Fälle gewöhnlicher Depression.«97 Kramer wies darauf hin. Jedesmal war es unmöglich.192 . die Herleitungen der Studien nachzuvollziehen. die sich wegen ihrer Depression einer Schockbehandlung unterziehen. weil unser Glaube daran einfach unverrückbar geprägt ist. daß dieser neue genetische Determinismus. nach denen die menschliche Psyche vor allem durch Gene . das Fragen nach dem Weg und für Verpflichtungen in Beziehungen auf dem Y-Chromosom fehlen oder daß das Gen für das ständige Umschalten von einem Programm zum anderen mit der TV-Fernbedienung nur dort existiert. die Genforschung habe einen »neuen biologischen Materialismus«96 geschürt. daß sie billiger als eine Psychotherapie sind (auch wenn dies von einigen Psychologen bestritten wird) und daß mächtige Pharmakonzerne unentwegt die Werbetrommel für sie rühren. Doch der Übergang von psychologischen Therapien seelischer Störungen zu physiologischen Ansätzen wurde auch durch eine Flut von Berichten gefördert. die Geschichte der wissenschaftlichen Ansichten über die Vererbbarkeit von solchen Störungen wie manisch-depressiven Krankheiten und Alkoholismus zu verfolgen. auf schwachen Füßen stehe: Es ist sehr aufschlußreich. dann unter der Voraussetzung. daß bei den Analysen un.

. Meiner Ansicht nach führte jeder dieser vergeblichen Versuche. dazu. wenn man Kramers eigene Übertreibungen der Vorteile von Fluctin bedenkt. Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung der menschlichen Psyche.98 Dies ist ein ziemlich unverfrorenes Beispiel für das Sprichwort »Ein Esel schilt den anderen Langohr«.193 . daß sich paradoxerweise sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der öffentlichen Meinung die Überzeugung verstärkt. diese Störungen seien vererbbar. die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse rechtfertigen in keiner Weise die wachsende Überzeugung von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. nachzuweisen. daß Störungen auf genetische Ursachen zurückzuführen seien.genau und oberflächlich gearbeitet worden war. Andererseits hat Kramer vollkommen recht.

Als ich gegenüber einem Freund. daß das Tay-Sachs-Syn. die sich während der Schwangerschaft nachweisen lassen. haben würden. Das Vererbungsmuster deutet darauf hin. Der Fehler. daß ein pränataler Test sein Leben nachhaltig verändert habe. das Ungeborene auf genetische Defekte untersuchen zu lassen.5. liegt vermutlich in unseren Genen. sagte er mir. die spezifischen Gene aufzuspüren. GEN-MAGIE Ödipus. sexueller Orientierung und hoher Intelligenz. mit unserem ersten Kind schwanger. den relativen Beitrag von Anlage und Umwelt zur menschlichen Persönlichkeit zu ermitteln. Wir waren froh darüber. wie etwa Schizophrenie. Ich sammelte damals Informationen für einen Artikel über die aufstrebende Verhaltensgenetik. wurde meine Frau Suzie. die damals Mitte Dreißig war. Spina bifida oder anderen Erkrankungen. in jüngster Zeit haben Forscher versucht.stammen von aschkenasischen Juden ab. die von jeher ein erhöhtes Risiko tragen. daß wir dank der Wissenschaft kein Kind mit Down-Syndrom. ebenfalls ein Wissenschaftsjournalist. erwähnte. Durch Studien an Zwillingen und sonstigen verwandten Individuen bemühten sich Verhaltensgenetiker seit langem. daß sich meine Frau einer Amniozentese unterziehen werde. die komplexen Merkmalen und Erkrankungen. zugrunde liegen. Ihr Gynäkologe hatte ihr geraten. Als ich mich in die Verhaltensgenetik einzuarbeiten begann. Er und seine Frau . am Tay-Sachs-Syndrom zu erkranken. Schlagzeile in der Time1 I m Winter 1993 verschränkten sich meine privaten und beruflichen Interessen auf beunruhigende Weise.194 .ich nenne sie Larry und Joan . lieber Sigmund.2 Diese erbliche neurologische Erkrankung führt bei den davon betroffenen Kindern zu Lähmungen und nach meist furchtbaren Leiden zum Tod vor Vollendung des fünften Lebensjahres. Schnödipus.

wenn die Nachkommen es sowohl vom Vater als auch von der Mutter erben. daß der Fötus beide Gene geerbt hatte. In den siebziger Jahren entwickelten Wissenschaftler Tests. mit denen Träger des Tay-Sachs-Gens identifiziert werden konnten. sich auf die Erkrankung testen zu lassen. ergab. daß irgend jemand. Das gleiche gilt für Tausende anderer Familien. Das Gen wird nur dann ausgeprägt. Muskeldystrophie und Mukoviszidose verantwortlich sind. in deren Familien das Tay-SachsSyndrom in der Vergangenheit bereits aufgetreten war. daß sie beide Träger des rezessiven Gens sind. Bei ihrer nächsten Schwangerschaft war das Testergebnis negativ. andernfalls bleibt es wirkungslos. ließen sie sich testen und erfuhren. Ich kann mir nicht vorstellen. Larry und Joan haben heute zwei gesunde Kinder. Jüdische Organisationen ermunterten jüdische Ehepaare. Der Test. einmal abgesehen vielleicht von den erbittertsten Gegnern der Abtreibung. die nicht nur für relativ einfache Erbkrankheiten wie Tay-SachsSyndrom. insbesondere solche. Forscher behaupteten. sondern auch für komplexere und verbreitetere Leiden wie Schizophrenie. jedes ihrer Kinder würde das Tay-Sachs-Gen mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent von beiden Elternteilen erben und die Krankheit entwickeln. als sie schwanger wurde. manisch-depres. Der Test auf das Tay-Sachs-Syndrom ist meines Erachtens ein uneingeschränkter wissenschaftlicher Erfolg. an diesem wissenschaftlichen Fortschritt etwas Nachteiliges finden kann.drom durch ein rezessives Gen verursacht wird. er wurde abgetrieben. Als meine Frau schwanger wurde. Als bei Larry und Joan der Kinderwunsch konkrete Formen annahm. sie könnten die Gene aufspüren. Chorea Huntington. den Joan machte.195 . schien die Verhaltensgenetik noch viel weitergehende Segnungen zu verheißen.sowie ihrem ungeborenen Kind .unsägliches Leid. Die Anwendung genetischer Erkenntnisse ersparte meinem Freund und seiner Frau .

Donahue faßte in feierlichem Ton die Bedeutung dieses Falles zusammen: »Es ist weder hysterisch noch übertrieben. er habe mindestens elf Frauen und zwei Kinder sexuell mißbraucht und erwürgt. an dem wir nicht nur die genetischen Anlagen für zahlreiche organische Erkrankungen identifizieren beziehungsweise diagnostizieren können. zu behaupten. die von ihren Vätern zwei Y-Chromosomen erbten (statt. daß Männer. Fernsehen schaute. gewalttätiges Verhalten« trügen. ob Ihr Kind ein Massenmörder wird!« verkündete der Ansager. nur eines) »ein besonders hohes Risiko für asoziales.196 . daß wir uns dem Zeitpunkt nähern. Mich störte besonders die Diskrepanz zwischen den bescheidenen Ergebnissen dieser Disziplin und der prahlerischen Rhetorik. gerade einen Psychiater vor. sondern auch die entsprechenden Anlagen für psychische Störungen. würden diese genetischen Erkenntnisse nicht nur die Pränataldiagnostik erweitern. »Wie Sie herausfinden. der sich als Experte für Genetik ausgab. mit der sie gerühmt wurde. Phil Donahue.sive Erkrankung und sogar Alkoholismus. Letzten Endes. stellte der Gastgeber. bevor er gefaßt werden konnte. so hofften die Wissenschaftler. an.« Donahues Aussagen waren hysterisch und überzogen. Doch bald verlor die Verhaltensgenetik für mich ihren Nimbus. Kurz vor der Ausstrahlung seiner Show hatte die National . Dieser wies warnend darauf hin. asoziales Verhalten und potentielle schwere Straffälligkeit im späteren Leben gehören.3 Als ich die Sendung einschaltete. New York. kurz vor der ersten Ultraschalluntersuchung meiner Frau. wie im Normalfall. der trotz einer normalen Kindheit später zu einem Massenmörder geworden sei. zu denen Aggressivität. sondern auch zu besseren und sogar kurativen Behandlungen führen. Als ich eines Morgens. Als Beweis führte er den Fall eines Mannes mit doppeltem Y-Chromosom in Rochester. hörte ich mit Bestürzung die Vorankündigung für die nächste Folge der Talkshow Donahue.

daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom unter den Insassen von Gefängnissen und Nervenheilanstalten überrepräsentiert seien. Die Forscher stellten die These auf. unser Schicksal stehe in den Gestirnen. aus denen das Erbgut des Menschen besteht. Anschließende Studien an Nichtgefangenen ergaben jedoch. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom zwar überdurchschnittlich groß und leicht unterdurchschnittlich intelligent seien. soll dieses Projekt sämtliche etwa hunderttausend Gene. Es wird sowohl von der US-amerikanischen Regierung als auch von der Privatwirtschaft finanziert. sagte einem Reporter der Time: »Einst glaubten wir.4 Die vorgebliche Korrelation ging auf britische Studien zurück. aber keine besondere Neigung zur Gewalttätigkeit zeigten. daß es keine signifikante Korrelation zwischen dem Doppel-Y-Syndrom und Gewalttätigkeit gebe. Beim Gastgeber einer Talkshow ist man auf Sensationslust gefaßt. bezeichnete das Projekt als »endgültige Antwort auf das Gebot ›Erkenne dich selbst‹«5. Walter Gilbert. Jungen mit einem überzähligen Y-Chromosom würden später zu ungewöhnlich aggressiven »Supermännern«. .Academy of Science einen Bericht über Gewalttätigkeit veröffentlicht.«6 Der Biologe Daniel Koshland erklärte während seiner Zeit als Herausgeber der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Science. Eine Quelle solcher Grandiositätsphantasien ist das Humangenomprojekt. der zu dem Schluß kam. daß unser Schicksal weitgehend in unseren Genen liegt. Ende der achtziger Jahre ins Leben gerufen. Heute wissen wir. Genetiker und Nobelpreisträger von der Harvard-Universität. doch während der letzten zehn Jahre haben sich einige führende Naturwissenschaftler einer ähnlich verstiegenen Rhetorik bedient.197 . kartieren. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und ehemalige Direktor des Humangenomprojekts. die in den sechziger Jahren durchgeführt worden waren und zu dem Ergebnis kamen. James Watson.

Doch die Verhaltensgenetik wird nunmehr von Interessenvertretern der psychisch Kranken unterstützt. saisonaler affektiver Psychose. Daher nehmen die Ankündigungen auch kein Ende. Dies ist es bis zu einem gewissen Grad noch immer. Zwangsstörung. Impulsivität. hoher Intelligenz. der Eugenik und anderen abstoßenden Ideologien verbunden. Schizophrenie. Magersucht und mit praktisch allen erdenklichen anderen menschlichen Merkmalen und Leiden in Verbindung gebracht. die wissenschaftlichen Hintergründe sind relativ leicht zu verstehen. Heroinabhängigkeit. männlicher Homosexualität. Extraversion. gewalttätiger Aggressivität. Introversion. Autismus und andere Krankheiten ihrer Kinder verantwortlich machten . dem Nazismus.die im allgemeinen die Eltern und insbesondere die Mütter für Schizophrenie. Zudem hat sich die politische Basis der Verhaltensgenetik verbreitert. Neugierverhalten. Melancholie. Das Bestreben. daß freudianische Theorien der Psychose . Einige Kritiker haben hinter der Gier. daß diese Befunde klassische Beispiele für die von Wissenschaftspublizisten so genannte Super-Story sind.das Humangenomprojekt könne uns vielleicht bei der Lösung offenbar so schwer in den Griff zu bekommender gesellschaftlicher Probleme wie Drogenmißbrauch. Angst. mit der sich die Medien auf Entdeckungen nach dem Muster »ein Gen für was auch immer« stürzten. und die damit verbundenen philosophischen und gesellschaftlichen Fragen sind spannend. Autismus.unnötigerweise .8 Doch Tatsache ist. war einst mit dem Sozialdarwinismus. pathologischer Spielsucht. einen besorgniserregenden Ruck nach rechts gewittert. die genetische Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen zu erforschen. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. sozialer Kompetenz.7 In den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler spezifische Gene mit manisch-depressiver Erkrankung. Alkoholismus.198 . Obdachlosigkeit und Gewaltkriminalität helfen. Sie weisen darauf hin.

die Psychoanalyse könne uns dabei helfen. wenn sie nachweislich genetisch bedingt sei und nicht länger als Produkt eines willentlichen Entschlusses angesehen werde. der 1996 in der New York Times erschien. sie hoffen. unsere Ängste vor der Genforschung zu bewältigen. Aber sie kann die emotionalen Auswirkungen der ›Akte‹ der Genetik auf das Individuum beurteilen. daß die behaupteten Verknüpfungen zwischen einzelnen Genen und spezifischen.das Leid von Eltern mit psychisch gestörten Kindern noch verschlimmert haben. Genetische Erklärungen für psychische Erkrankungen beseitigen dieses Problem. . und sie stellen bessere Diagnosen und Behandlungen in Aussicht. Andere. wie Phillips seinen unglücklichen. Obgleich Phillips einräumte. wenn er darauf verwiese. Einige schwule Aktivisten unterstützen ebenfalls die Erforschung der genetischen Grundlagen der Homosexualität. Der Psychoanalyse »steht es nicht an. versuchte der Kinderpsychoanalytiker Adam Phillips Berichten über ein Gen für Neurose und andere Merkmale etwas Positives abzugewinnen. die an stärker psychologisch ausgerichteten Modellen der Psyche festhalten. apathischen Patienten fragt: »Welches Gefühl hat dieser Artikel über das Neurose-Gen in Ihnen ausgelöst?« Phillips würde seinem ängstlichen Patienten vermutlich mehr helfen.«9 Als ich diesen Aufsatz las. die Genetik zu verwerfen. stellte ich mir vor. die Gesellschaft werde der Homosexualität toleranter gegenüberstehen. möchten sich mit dem bestimmenden Einfluß des genetischen Paradigmas arrangieren. komplexen Verhaltensmerkmalen und Erkrankungen in keinem einzigen Fall zweifelsfrei bestätigt worden sind. daß diese Berichte vermutlich stimmten. In einem Essay. beteuerte er.199 .

die Erblichkeit nicht nur der Augen-. durchgeführt wurden. sondern auch von Delinquenz. nach dem griechischen Wort für »wohlgeboren«. In zahlreichen Publikationen nahm Davenport für sich in Anspruch. einem britischen Universalgelehrten und entfernten Verwandten von Charles Darwin. die im neunzehnten Jahrhundert von Francis Galton. Die geringe Zahl weiblicher Marineoffiziere erklärte Davenport damit. um die Vererbung von Merkmalen zu verfolgen. Er bezeichnete dieses Programm später als Eugenik. ihre Rasse durch ein Programm der Auslesezüchtung zu verbessern. In einem Artikel mit dem Titel »Hereditary Talent and Breeding« forderte er die Menschheit auf. daß »die Natur einen ungleich stärkeren Einfluß ausübt als die Umwelt«. Haut.und das Eugenics Record Office. daß dieses Merkmal nur Männern eigne. gelangte er zu dem Schluß.noch immer eine hervorragende biologische Forschungsanstalt . »Schwachsinn« und »Armut« nachgewiesen zu haben.Die Minnesota-Zwillinge Die Verhaltensgenetik geht auf Zwillingsstudien zurück. sei ein ererbtes Merkmal.200 . das Informationen über Tausende von Familien sammelte. ein Marineoffizier zu werden. In einer 1919 erschienenen Monographie behauptete er. die Fähigkeit. das sich aus den Untermerkmalen Thalassophilie (Liebe zum Meer) und Hyperkinese (Fernweh) zusammensetze.und Haarfarbe. Einer der ersten und energischsten Befürworter der Eugenik war der amerikanische Genetiker Charles Davenport. Nachdem Galton sowohl eineiige als auch zweieiige Zwillinge untersucht hatte. Ab den zwanziger Jahren förderte die von Davenport und anderen gegründete American Eugenics Society sogenannte »Tauglichkeitswettbewerbe für Familien« auf Landwirtschafts.10 Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gründete er das Cold Spring Harbor Laboratory .

Weniger amüsant war die Tatsache. Kanada und mehreren skandinavischen Ländern Frauen und Männer. daß in über zwanzig US-amerikanischen Bundesstaaten die Sterilisation von Männern und Frauen in Gefängnissen und Nervenheilanstalten zugelassen wurde. zwangssterilisiert. Tatsächlich haben die Medien keinen anderen Forschungen in der Verhaltensgenetik .11 Auch wurden weitere Zwillingsstudien und andere Untersuchungen der genetischen Grundlagen des menschlichen Temperaments und Verhaltens durchgeführt. die unerwünschten Personen zu sterilisieren. allein in Schweden waren zwischen 1935 und 1976 sechzigtausend Frauen von dieser Maßnahme betroffen. die Einwanderung von Angehörigen genetisch »unerwünschter« Rassen zu beschränken.da man mit ihnen nicht herausfinden kann. schwand die Unterstützung für Eugenikprogramme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern. daß Eugeniker entscheidenden Anteil daran hatten.schauen in allen amerikanischen Bundesstaaten.201 . Obgleich Zwillingsstudien nicht mehr dem Stand der Wissenschaft in der Verhaltensgenetik entsprechen . während gleichzeitig nichtgenetische Paradigmen wie etwa die Psychoanalyse Auftrieb erhielten. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nazi-Greuel allgemein bekannt wurden. und sie bedrängten die Bundesregierung. Ähnliche Maßnahmen wurden in Kanada und Europa beschlossen. Doch bis Ende der siebziger Jahre wurden in den Vereinigten Staaten. bei denen man einen genetischen Defekt vermutete. Die Nazi-Eugeniker begnügten sich nicht damit. vielmehr praktizierten sie bei geistig und körperlich Behinderten auch Euthanasie (»schöner Tod«). welche Gene welche Verhaltensweise beeinflussen -. stoßen sie noch immer auf eine unverhältnismäßig starke Resonanz in der Öffentlichkeit. Dabei kürten Preisrichter menschliche Wettkampfteilnehmer nach den gleichen Kriterien wie Zuchtvieh. Keine andere Nation betrieb die Eugenik jedoch mit solch unerbittlicher Konsequenz wie Nazi-Deutschland.

sich von ihm untersuchen zu lassen. weil sie von derselben befruchteten Eizelle [Zygote] abstammen. unter denen auch zusammen aufgewachsene eineiige und zweieiige Zwillinge sind. daß Unterschiede zwischen erbgleichen Zwillingen durch die Umwelt verursacht werden. Sie erklärten sich einverstanden und gaben damit den Anstoß zum Minnesota-Zwillingsprojekt. James Springer hatte eine Frau namens Linda geheiratet. Der Erblichkeitsgrad bezieht sich nicht auf Individuen. Bouchard erstellte im Lauf der Zeit eine Datenbank über mehr als achttausend Zwillingspaare. die unmittelbar nach ihrer Geburt getrennt worden waren und sich vor kurzem erstmals wiedergesehen hatten. Der Artikel beeindruckte Bouchard so nachhaltig.202 . die sozusagen ein natürliches Experiment über die relativen Beiträge von Anlage und Umwelt zur Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Jeder besaß einen Hund names Toy.mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Studien an eineiigen Zwillingen. sich von ihr scheiden lassen und anschließend eine Frau namens Betty geheiratet. Die Übereinstimmungen zwischen den beiden Männern waren verblüffend. James Lewis hatte das gleiche getan. Sie hatten ihre erstgeborenen Söhne auf den Namen James Alan beziehungsweise James Allen getauft. als der Psychologe Thomas Bouchard von der Universität von Minnesota einen Zeitungsartikel über eineiige männliche Zwillinge las. die an der Universität von Minnesota durchgeführt wurden. Die Forscher nahmen an. Beide Männer waren von ihren Adoptiveltern James genannt worden.) Die Studien begannen im Jahr 1979. Den Schwerpunkt des Projektes bildeten jedoch getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge. .12 (Eineiige Zwillinge werden deshalb so genannt. ob sie bereit seien. Die genetische Komponente eines bestimmten Merkmals wird mit dem Begriff Erblichkeitsgrad (Heritabilität) bezeichnet. Ähnlichkeiten schrieben sie hingegen den Genen zu. daß er sich mit Springer und Lewis in Verbindung setzte und sie fragte.

Berufs.sondern auf Populationen. daß die Körpergröße zu neunzig Prozent erblich determiniert wird. Die Umwelt spielt . Die Gruppe um Bouchard sagte im Grunde genommen. sind die Übereinstimmungen zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen etwa genauso groß wie die zwischen zusammen aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. eher genetische als umweltbedingte Faktoren widerspiegeln. die sie untersuchten.«13 Dies ist eine der beunruhigendsten Behauptungen. wie sie etwa in den Vereinigten Staaten anzutreffen ist. Die Tatsache. die ich jemals in einem sachverständig begutachteten Fachaufsatz gelesen habe. als daß sich in der sozialen Schichtung. Im Jahr 1990 hatte die Gruppe um Bouchard über fünfzig eineiige Zwillingspaare untersucht. gelangten Bouchard und seine Kollegen zu einem Grad über siebzig Prozent. bedeutet. die Persönlichkeit und Temperament. die unmittelbar nach der Geburt getrennt worden waren und in verschiedenen Elternhäusern aufwuchsen. daß neunzig Prozent der Varianz der Körpergröße in einer bestimmten Population durch die genetische Varianz bedingt ist.und Freizeitinteressen sowie soziale Einstellungen messen.203 . Die Gruppe faßte ihre Ergebnisse 1990 in einem Aufsatz in Science zusammen: »Bei zahlreichen Testskalen. daß sich elterliche und schulische Erziehung sowie andere Umweltfaktoren nur geringfügig auf unsere Persönlichkeitsmerkmale auswirkten. Daraus folgte aber nichts Geringeres. Die Forscher fanden bei praktisch allen Merkmalen. Freizeitinteressen und Scheidungsneigung stießen sie auf einen hohen Beitrag der Gene. Während die meisten anderen Forscher den Erblichkeitsgrad der Intelligenz mit fünfzig Prozent veranschlagten. eine starke genetische Komponente. berufliche Zufriedenheit. Die übrigen zehn Prozent werden durch Ernährung und andere Umweltfaktoren erklärt. Auch bei ausgesprochen kulturell definierten Merkmalen wie Religiosität. politische Einstellung (konservativ oder liberal).

schon vor der Benutzung der Toilette die Spülung zu betätigen. »Die Wissenschaft der Verhaltensgenetik hat. Beide hatten die Angewohnheit. daß unsere Identität bereits im Augenblick der Befruchtung festgelegt wird. als sie sich 1979 auf Initiative der Bouchard-Gruppe erstmals wiedersahen. Leute in Aufzügen und an anderen Orten. der in der Tschechoslowakei als Nazi erzogen worden war. die eine hatte ihren Sohn Richard Andrew genannt und die andere den ihren Andrew Richard. und beide machten sich einen Spaß daraus. die Hypothese. Beide trugen angeblich Hemden mit Schulterklappen.eigentlich keine Rolle. ihnen kommt in diesem Sinne . durch absichtliches Niesen zu erschrecken. weitgehend anhand von Zwillingsstudien. Diese Schlußfolgerung wurde in dem 1997 erschienenen Buch Twins des Journalisten Lawrence Wright (der zuvor ein ausgezeichnetes Buch über die erinnerungsaufdeckende Therapie geschrieben hatte) gezogen. der auf Trinidad eine jüdische Erziehung erhalten hatte.wir brauchen lediglich das in unseren Genen niedergeschriebene Drehbuch in Handlung umzusetzen. empirisch glaubhaft untermauert. insofern scheint unser Leben prädeterminiert zu sein . an denen dichtes Gedränge herrscht. haben sie sich weniger auf die nüchternen Schätzwerte des Erblichkeitsgrades in der Studie von Bouchard bezogen als vielmehr auf die bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Neben den James-Brüdern waren da noch die »kichernden« Schwestern. Beide Schwestern kicherten unentwegt und trugen sieben Ringe.204 . Der vielleicht spektakulärste Fall betraf Oskar. Wie die Fallgeschichten Freuds dienen diese Berichte über getrennt aufgewachsene Zwillinge als Instrumente suggestiver rhetorischer Überzeugung. und Jack.«14 Als Wrigt und andere Journalisten diese Behauptung aufstellten. Auf die Gene kommt es an. Die Zwillinge Jerry Levey und Mark Newman waren beide Feuerwehrmänner geworden und liebten Budweiser-Bier.

stärker von den Medien beachtet werden oder auch Geld verdienen. Die Zwillinge kamen zur weiteren Untersuchung. In einer Studie untersuchte die Psychologin Susan Farber 121 Fälle (die nicht in die Minnesota-Studie einbezogen worden waren). bei denen unmittelbar nach der Geburt getrennte Zwillinge angeblich erst durch Wissenschaftler zu Studienzwecken wieder zusammengebracht worden waren. Während es in einigen Zeitungsberichten hieß. die Zwillinge der MinnesotaStudie hätten vielfältige Motive. Andere Studien.17 Sie wollten womöglich den Forschern einen Gefallen tun. um neue Zwillinge anzuwerben.205 . Die Gruppe von Bouchard stützte sich auf die Medien. die gleich aussehen. wenn diese beiden Personen nicht miteinander verwandt seien. die die Privatsphäre der Zwillinge wahrten. die Kamins Vermutungen bestätigen. Oskar und Jack (der Nazi und der Jude) sowie die beiden »kichernden« Schwestern hät. haben die Heritabilität von Merkmalen niedriger veranschlagt. Es gibt Indizien.16 Zudem sind die Zwillinge in der Minnesota-Studie möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder auch nur die Gesamtpopulation der eineiigen Zwillinge. um frühere Kontakte herunterzuspielen und ihre Ähnlichkeiten herauszustreichen. Anderer Kritiker haben behauptet. Der Psychologe Leon Kamin von der Northeastern Universität in Boston gab zu bedenken. in denen die Zwillinge vor den Studien keinerlei Kontakt gehabt hatten. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann auf Übereinstimmungen stieße.15 Sie fand nur drei Fälle. die oftmals mit weiterer Publizität verbunden war.viel mehr Gewicht zu als den statistischen Analysen und den Erblichkeitsgraden. Kritiker monierten. die Bedeutung dieser Übereinstimmungen sei maßlos übertrieben worden. für eine Woche nach Minnesota. daß man bei der Suche nach Ähnlichkeiten zwischen zwei Menschen. am selben Tag geboren wurden und im selben Land aufwuchsen.

Eine Ausnahme ist der Psychologe David Lykken.206 . daß er nur Frauen. die schwanger würden. die bestimmte Kriterien erfüllten. der Staat solle den Intelligenzquotienten seiner Bürger dadurch heben. ein Überbleibsel der US-amerikanischen Eugenik-Bewegung. nachdem sie von Thomas Bouchard aufgespürt worden waren. in der Johnny Carson Show und in der Sendung People auf.19 (Der Film wurde nie gedreht.20 Der Name dieser Vermögensverwaltungsgesellschaft spielt auf ihr ursprüngliches Ziel an. zu fördern. Einige Zwillinge legten sich Agenten zu und wurden für ihre Auftritte im Fernsehen bezahlt. Nachdem die Washington Post einen längeren biographischen Artikel über Oskar und Jack gebracht hatte. Die große öffentliche Resonanz auf die Berichterstattung über Oskar und Jack. sollten zur Abtreibung gezwungen werden. Die meisten Wissenschaftler der Minnesota-Gruppe haben sich von eugenischen Maßnahmen distanziert.ten sich in Minnesota zum ersten Mal wiedergesehen. 18 James Springer und James Lewis traten. waren beide Paare in Wirklichkeit bereits früher zusammengetroffen. der den Vorschlag gemacht hat. Der Pioneer Fund unterstützt zahlreiche Gruppen und Wissenschaftler. Ihr großzügigster Geldgeber ist der Pioneer Fund. die die Rassentrennung befürworten.) Auch die Motive der Forscher um Bouchard wurden in Frage gestellt. daß sie mich für einen Faschisten halten. die Fortpflanzung von Nachkommen der »Pioniergeneration« Amerikas. verkauften sie ihre Lebensgeschichte an einen Filmproduzenten in Los Angeles. Lykken klagte gegenüber dem Reporter Lawrence Wright: »Viele Sozialwissenschaftler sind über meine Vorschläge so empört. Frauen ohne »Gebärzulassung«. Kinder zu gebären.«21 Eine Rezensentin von Twins meinte sarkastisch: »Wie kann man nur auf diese Idee kommen?«22 . das heißt der Angelsachsen. die James-Brüder und die »kichernden« Schwestern in den achtziger Jahren brachte der Minnesota-Gruppe eine kräftige Kapitalspritze. erlaube.

welches Gen oder welche Gene dabei eine Rolle spielen. denen dieses Merkmal fehlt. mit den Genen anderer Individuen. Wenn eine Genvariante .Die Fahndung nach Psychosegenen Studien an Zwillingen und anderen Verwandten können starke Indizienbeweise dafür liefern. die zur Ausbildung von Merkmalen beitragen.oftmals Großfamilien oder ethnische Inzuchtpopulationen -. die alle ein bestimmtes Merkmal aufweisen. das dies bewirkt. daß ein Merkmal eine genetische Komponente hat.gekoppelt ist. die normalerweise im mittleren Lebensalter ausbricht und innerhalb von zehn Jahren zum Tod führt.auch Allel genannt . Fortschritte in der Biotechnologie in den achtziger Jahren versetzten Verhaltensgenetiker in die Lage. Im Jahr 1993 identifizierten Forscher mit der Kopplungsmethode ein Allel für Chorea Huntington. nehmen die Genetiker an. eine neurologische Erkrankung.207 . dessen Verer. bei denen ein bestimmtes Merkmal ungewöhnlich häufig auftritt. die Allele ausfindig zu machen. Es gibt zwei grundlegende Methoden. die einem bestimmten Merkmal zugrunde liegen könnten. Muskeldystrophie und andere Krankheiten aufgepürt.etwa blauen Augen . um die Allele aufzuspüren. Bei Kopplungsstudien untersuchen die Forscher verwandte Individuen . die durchgängig mit dem Merkmal vererbt werden. aber sie geben uns keinen Aufschluß darüber. Mit demselben Verfahren wurden auch Gene für Mukoviszidose. daß das Allel an der Ausprägung blauer Augen mitwirkt oder seinerseits mit einem Gen verbunden ist. In beiden Fällen geht es darum. die Gene von Individuen nach verräterischen Varianten zu durchmustern. Diese Krankheiten sind wie das Tay-Sachs-Syndrom auf die Mutation nur eines Gens zurückzuführen.im Ablauf der Generationen durchgängig mit einem bestimmten Merkmal . Bei Assoziationsstudien vergleichen die Forscher die Gene nichtverwandter Individuen.

beträgt deren Erkrankungsrisiko fünf bis zehn Prozent. eine Kopplung zwischen einem Gen auf Chromosom elf und der manisch-depressiven Erkrankung bei den Amish nachgewiesen zu haben. Wenn der eine eineiige Zwilling erkrankt ist.208 . zeigt ein ähnliches statistisches Profil.bungsmuster sich leicht innerhalb eines Stammbaums nachvollziehen läßt. Das Vererbungsmuster der meisten übrigen Merkmale und Erkrankungen .25 Im selben Jahr stellte eine . Die Schizophrenie. dann wird der andere mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent ebenfalls erkranken. werden ihre Nachkommen die Krankheit mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent entwickeln.ist sehr viel weniger eindeutig. Andererseits haben die meisten Schizophrenen keine schizophrenen Verwandten ersten Grades. daß Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung aus der komplexen Wechselwirkung zahlreicher Gene und Umweltfaktoren hervorgehen.24 Der potentielle Nutzen von Gentests und -therapien für psychische Erkrankungen wäre enorm. Im Jahr 1987 behaupteten Genetiker. die für die Verhaltensgenetiker von Interesse sind . Dennoch begannen in den achtziger Jahren die Forscher. von der ebenfalls ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Wenn beide Eltern Träger eines rezessiven Exemplars des Gens sind.23 Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister einer Person schizophren ist. die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. wird auch der andere erkranken. Auf der Grundlage dieser familiären Daten haben die meisten Genetiker den Schluß gezogen. Die manisch-depressive Erkrankung. Ist der eine eineiige Zwilling schizophren. die durch Mutationen in einem Gen verursacht werden. ermuntert von den erfolgreichen Angriffen auf genetische Krankheiten. nach Genen zu fahnden. Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung betreffen jeweils Millionen von Menschen. an der etwa ein Prozent der Bevölkerung erkrankt. ist ein typisches Beispiel dafür.insbesondere derjenigen.

209 . ist nach wie vor davon überzeugt. während sie den späteren Fehlschlägen bei dem Versuch. Eine eingehendere Analyse der Amish-Familien im Jahr 1989 brachte keine Verbindung zwischen Chromosom elf und manisch-depressiver Erkrankung zum Vorschein.«31 . stützt sich auf genetische Faktoren. »Die plausibelste Erklärung für das. In derselben Ausgabe von Nature berichteten andere Forscher. daß sich diese Forschungen eines Tages auszahlen werden.andere Forschergruppe bei drei israelischen Familien einen Zusammenhang zwischen einem anderen Gen und der manischdepressiven Psychose fest. kaum Beachtung schenkten. doch sie erklärt nur etwa ein Fünftel der Varianz.26 Die Medien rühmten diese Ergebnisse als bahnbrechende Entdeckungen in der Psychiatrie.27 Und 1993 wurden auch die an den israelischen Familien gewonnenen Ergebnisse zurückgenommen. sagte mir McGuffin. sie hätten bei einer schwedischen Familie keinen Zusammenhang zwischen demselben Marker und Schizophrenie festgestellt. der an mehreren internationalen Projekten zur Identifikation potentieller Gene für psychische Erkrankungen mitwirkt. daß ein bestimmter DNA-Abschnitt auf Chromosom fünf mit Schizophrenie gekoppelt sei. sie habe bei isländischen und britischen Familien nachgewiesen.28 Studien über Schizophrenie folgten einem ähnlichen Muster. »Die Umwelt mag eine gewisse Rolle spielen. die anfänglichen Ergebnisse zu reproduzieren. Das ist einfach nicht zu widerlegen«.30 Peter McGuffin von der Medizinischen Akademie der Universität Wales.29 Nachdem bei einer erweiterten Studie an den isländischen und britischen Familien keinerlei Zusammenhang gefunden wurde. was bei der bipolaren affektiven Störung und der Schizophrenie geschieht. Im Jahr 1988 verkündete eine britische Forschergruppe in Nature. nachdem weitere Daten erhoben worden waren. zog die britische Gruppe 1993 ihre Hypothese still und heimlich zurück.

entspricht dies einem Risiko von anderthalb Prozent. Einige der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie. die Bedeutung des D3-Markers und anderer aktueller Befunde nicht zu übertreiben – und das mit gutem Grund: Nicht alle Studien haben einen Zusammenhang zwischen diesen Genen und manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie festgestellt. daß Träger des 5HT2a-Allels ein gegenüber der Norm um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko haben. aber signifikante« Verknüpfung mit Schizophrenie vorliege.« Er war sorgsam darauf bedacht. Und selbst wenn sich die Verbindungen bestätigen sollten.Bei jüngsten Kopplungsstudien seien mehrere neue Gene aufgespürt worden. McMuffin und zwei Kollegen führten eine Metaanalyse an fünfzehn Studien durch. eine Schizophrenie zu entwickeln. so McGuffin. Die Analyse ergab. wie McGuffin einräumte. veränderten die Dopaminkonzentration im Gehirn. daß eine »geringe. »Ich halte es nicht für einen Zufall. . Er meinte. Da das normale Risiko ein Prozent beträgt. »Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läßt sich mit solchen Informationen wenig für die Risikoprognose anfangen«. das bei der Schizophrenie eine Rolle spiele.210 . die einen Zusammenhang mit dem 5HT2a-Allel teils bestätigten. teils widerlegten. der Angriffspunkt für Antidepressiva vom Fluctintyp sei. Ein potentielles Gen für die manisch-depressive Psychose sei an der Konstruktion eines Rezeptors für den Neurotransmitter Serotonin beteiligt. einer der vielversprechendsten Kandidaten für ein »Schizophrenie-Gen« sei das sogenannte 5HT2a-Allel. codiere einen Dopaminrezeptor. und kamen zu dem Ergebnis. die möglicherweise an der Entstehung der manisch-depressiven Erkrankung und der Schizophrenie beteiligt seien. sagte McGuffin. daß die genetischen Befunde mehr oder minder in die gleiche Richtung weisen wie die pharmakologischen Untersuchungsergebnisse. wäre die praktische Bedeutung dieser Entdeckung möglicherweise gering. Das sogenannte Ü3-Gen.

] Aus diesem Grund empfehlen wir. D. der auch McGuffin angehörte. Füller Torrey ist Psychiater am Saint Elizabeths' Hospital in Washington. mehren sich rasch«. einen Bericht. Tests auf genetische Anfälligkeiten. die psychische Erkrankungen auf die Erziehung und andere Umweltfaktoren zurückführen.Tatsächlich hat nach McGuffins eigenen Berechnungen eine Person. daß die Freudschen Theorien der Persönlichkeit und Geisteskrankheit Makulatur würden.. behauptete Torrey. In The Death of Psychiatry. Im Jahr 1998 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe. als ein Träger des 5HT2a-Allels. wenn sie für den Patienten einen eindeutigen medizinischen Nutzen haben. Freudian Fraud und anderen Büchern lies Torrey kein gutes Haar an Theorien. in dem es heißt. sorge endlich dafür.33 Die Verhaltensgenetik hätte sogar schon viel früher die Oberhand über die . beteuerte Torrey. schizophren zu werden. des bedeutendsten Gremiums in England für die Bewertung der ethischen Fragen.. daß »Gentests zur Diagnose der wichtigsten Psychosen mit komplexeren Ursachen in der nahen Zukunft nicht besonders nützlich sein werden [. ein mehr als doppelt so hohes Risiko. nur anzuwenden. Die Verhaltensgenetik.. und eine Kapazität auf dem Gebiet der Schizophrenieforschung. C. die eine relativ geringe prognostische beziehungsweise diagnostische Aussagekraft besitzen.«32 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? E. die durch biologische Forschungsvorhaben aufgeworfen werden.211 . McGuffin ist Mitglied des Nuffield Council on Bioethics. Die Indizien für die Annahme. Surviving Schizophrenia. die nur einen schizophrenen Verwandten hat. daß »genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung zahlreicher Persönlichkeitszüge spielen.

auf die Bedeutung genetischer Faktoren hin. was uns niemals eingefallen war«. wäre da nicht ihre bedauerliche Verknüpfung mit der Eugenik und dem Nazismus gewesen. »mußten wir hören.34 Zweitens ziehen viele Forscher .Psychoanalyse gewonnen. in einen Topf werfen. klagte er 1935. Torreys Haltung ist mindestens in zweierlei Hinsicht fragwürdig. Mit Hilfe einer privaten Stiftung versuchen Torrey und andere Forscher an der John-HopkinsUniversität Beweise für die Virus-Hypothese zusammenzutragen. daß die Psychoanalyse die Faktoren der Konstitution und der Heredität verleugne. dann lediglich insoweit. die Schizophrenie könne durch ein Virus hervorgerufen werden. als sie ihren Träger für eine Virusinfektion anfällig machten. wie etwa Kinderlähmung. obwohl Torrey und andere Wissenschaftler ihn vielfach mit eingefleischten Behavioristen und anderen. wonach sowohl die manisch-depressive Erkrankung als auch die gewöhnliche Depression möglicherweise durch das sogenannte Borna-Virus verursacht werden. daß es eine neurologische Erkrankung bei Pferden. vielleicht eines.. die Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung psychischer Krankheiten. von dem man schon länger weiß. »[. zeigten.bemerkenswerterweise auch Torrey selbst . die den Geist als ein zunächst unbeschriebenes Blatt auffassen. wenn Gene eine Rolle spielten. Erstens wies Freud selbst. Rindern und anderen Säugetieren hervorruft. Torrey äußerte die Vermutung.36 Mindestens eine . Unterdessen haben die deutschen Virologen Liv Bode und Hanns Ludwig Untersuchungsergebnisse vorgelegt.in zunehmendem Maße die Annahme in Zweifel.] wenn wir die bisher übersehene Rolle akzidenteller Eindrücke der frühen Jugendzeit betonten«. das andere Viruserkrankungen..212 . das den Fetus in der Gebärmutter infiziere und das Gehirn dann progressiv schädige.35 Das Muster des Auftretens von Schizophrenie in Familien stimme Torrey zufolge häufig mit dem Muster überein.

sie hätten Belege für einen Zusammenhang zwischen Prionen und Schizophrenie gefunden. Die Tatsache. zeigt.Forschergruppe hat Psychosen einem anderen infektiösen Agens angelastet. Dies hielt eine brasilianische Forschergruppe jedoch nicht davon ab. daß Prionen auch die Erreger des sogenannten »Rinderwahnsinns« (Bovine spongioforme Enzephalopathie . die das Gehirn des Fetus schädigten. bezweifeln viele Mikrobiologen. wie etwa mangelhafter Ernährung der Mutter oder eine Unverträglichkeit zwischen dem Immunsystem der Mutter und ihrem Fetus. . sind Eiweißpartikel. Obgleich Prusiner 1997 für seine Arbeiten über Prionen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.BSE) und ähnlicher Krankheitsbilder beim Menschen seien. im Jahr 1997 in Nature zu verkünden. dem sogenannten Prion. daß das genetische Paradigma die anfänglich in es gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Man vermutet. daß Prionen tatsächlich existieren. deren Existenz erstmals von Stanley Prusiner von der Universität von Kalifornien in Berkeley postuliert wurde. daß diese Alternativen überhaupt in Erwägung gezogen werden.38 Die nichtgenetischen Erklärungen von Psychosen vermögen noch weniger zu überzeugen als die genetischen Erklärungansätze.37 Andere nichtgenetische Erklärungen der Schizophrenie sehen die Ursache der Erkrankung in pränatalen Traumata.213 . die sich ohne Hilfe der Nukleinsäuren DNA und RNA replizieren sollen. Die Prionen. bei denen das Gehirn degeneriert und eine schwammige Konsistenz annimmt.

Seine Bemühungen. der an der Regulation des Lustempfindens und einer Vielzahl weiterer mentaler Funktionen beteiligt sein soll. Doch es gibt auch Studien. Eltern herausfinden könnten. die andere Genetiker an dem Zusammenhang zwischen dem D2-Gen und Alkoholismus hegten. Im Jahr 1993 erschien im Journal of the American Medical Association ein Übersichtsartikel. wurden zweifellos durch einen Artikel auf der Titelseite der New York Times gefördert. diese zu reproduzieren. daß »kein phy. daß Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. mit dem.214 . Dennoch berichtete eine Forschergruppe um Kenneth Blum vom Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Texas in San Antonio im Journal of the American Medical Association. die früh in ihrem Leben mit gewohnheitsmäßigem starkem Trinken beginnen. Blum beantragte sogleich ein Patent auf einen Alkoholismustest. Dennoch nahmen zahlreiche Forscher die von Blum und seinen Mitarbeitern publizierten Studienergebnisse so ernst.39 Das D2-Gen codiert für einen Rezeptor des Neurotransmitters Dopamin.40 Der Artikel verschwieg allerdings die erheblichen Zweifel. ob ihre Kinder trunksuchtgefährdet seien. an der fünfunddreißig Alkoholiker beteiligt waren. wie er meinte. in dem die bisherigen Forschungsergebnisse neu bewertet wurden.Die Alkoholspur Ist Alkoholismus eine Erbkrankheit? Studien an Zwillingen und anderen Verwandten haben Anhaltspunkte für eine genetische Komponente geliefert. daß sie versuchten. in dem seine Studie. als möglicher Wendepunkt bei der Diagnose und Behandlung des Alkoholismus gerühmt wurde. insbesondere bei Männern. die darauf hindeuten. das Interesse von Wagniskapitalgesellschaften an einem solchen Test zu wecken. sie habe einen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und einem DNA-Abschnitt (Marker) nahe dem D2-Gen gefunden. Dort wurde konstatiert.

Kokainsucht. die mit Alkoholismus. multiplem Suchtstoffgebrauch (einschließlich Rauchen). Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und Spielsucht einhergehen. Andere Verhaltensgenetiker sehen in der D2-Affäre eine peinliche Angelegenheit. in Verbindung gebracht. Forschungen hätten gezeigt. das angeblich mit Homosexualität assoziiert ist .siologisch bedeutsamer Zusammenhang« zwischen dem D2Marker und Alkoholismus nachgewiesen worden sei. Blum und seine Kollegen halten jedoch an ihrer Auffassung fest. daß er irgendeine funktionale Bedeutung hatte«. von dem nicht bekannt war. war die Tatsache. das nichts bewirkte. die man am besten vergessen sollte. In dem 1998 erschienenen Buch Das unausweichliche Erbe.41 Einer der Autoren des Beitrags sagte mir später. der D2-Marker verursache etwas. daß sich das von Blum aufgespürte Allel »auf einem Abschnitt des Chromosoms befand. Eßsucht. worin dieses »etwas« besteht. selbst wenn sie sich nicht darüber einig sind. daß seine eigene »Ruhmestat« . Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. sie hatten ein Gen entdeckt.44 Blums Gruppe und andere haben das D2-Allel mit Lebererkrankungen und anderen medizinischen Komplikationen.die Entdekkung eines Gens. das Hamer zusammen mit einem Journalisten schrieb. doch die von Blum postulierte Verbindung zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus sei im wesentlichen widerlegt.sich auf noch dürftigere Indizien stützt als die Behauptung.215 . einem der tatkräftigsten Verfechter genetischer Theorien des menschlichen Verhaltens. »Mit anderen Worten. Der prominente Genetiker Irving Gottesman von der Universität von Virginia nannte Blums Hypothese »Unfug«43. bestritten. erklärte er. . Der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus wurde sogar von Dean Hamer. «45 Was Hamer in seinem Buch verschwieg. bemerkte Hamer. Blums D2-Hypothese sei »erledigt«42. Alkoholismus sei genetisch verankert. möglicherweise würden eines Tages Alkoholismusgene identifiziert.

doch die neuen Ergebnisse waren. Hamer trat in den Sendungen Nightline und MacNeil/Lehrer News Hour auf und unterschrieb den Vertrag für ein Buch.46 Die Gruppe untersuchte vierzig Paare homosexueller Brüder mit Gentests. was siebenundsechzig Prozent der Gesamtheit entspricht (gegenüber fünfzig Prozent.48 Erstens nahmen an der zweiten Studie lediglich zweiunddreißig Brüderpaare teil. Doch nicht einmal diese dürftige Korrelation wurde von anderen Forschern bestätigt. das Hamer ent. nicht annähernd so aussagekräftig.216 . Bei einem reinen Zufallsbefund sollten nur bei fünfzig Prozent der Paare beide Brüder den genetischen Marker geerbt haben. was ein statistisch signifikantes Ergebnis ist. statistisch gesehen. Die vorangehende Studie hatte eine Trefferquote von zweiundachtzig Prozent erzielt. Und zweitens ließ sich der genetische Marker nur bei zweiundzwanzig Paaren nachweisen. Im Jahr 1995 untersuchte George Ebers von der Universität von West-Ontario zweiundfünfzig Paare homosexueller Brüder und fand keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Genen auf dem X-Chromosom oder anderen Chromosomen. das 1994 erschien. Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Schlagzeilen. Statt dessen waren bei dreiunddreißig Paaren beide Geschwister Träger desselben DNA-Fragments auf dem X-Chromosom. sie hätten den X-Chromosomen-Befund reproduziert. The Science of Desire.49 Ebers und sein Kollege George Rice fanden in ihrer Studien an 182 Familien mit einem oder mehr männlichen Homosexuellen auch keine Belege für das Vererbungsmuster. denen zufolge ein genetischer Marker auf dem X-Chromosom an der Entstehung der männlichen Homosexualität beteiligt sei. die nach dem Zufallsgesetz zu erwarten gewesen wären).Im Jahr 1993 berichteten Hamer und vier Kollegen vom National Cancer Institute in Science über Untersuchungsergebnisse.47 Im Jahr 1995 berichteten Hamer und seine Mitarbeiter.

daß es irgendein Gen oder Gene [auf dem X-Chromosom] gibt.deckt hatte.54 Als lei. der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn der einflußreichste Psychologe Englands war. der von Hamers Gruppe herausgegriffen worden war. die zu seinem Ruf als führender Genjäger beitrugen: ein Gen für »Neugierverhalten« (beziehungsweise »das Streben nach Nervenkitzel«.52 In Das unausweichliche Erbe verschwieg Hamer allerdings geflissentlich.50 In Das unausweichliche Erbe deutete Hamer die Daten von Ebers und Rice um und behauptete. daß wenigstens zwei andere Forschergruppen im Jahr 1996 berichtet hatten.53 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt Kein Thema in der Verhaltensgenetik ist so strittig wie die Intelligenz. die mit der sexuellen Orientierung in Zusammenhang stehen«. jedoch keine statistisch bedeutsame« seiner ursprünglichen Befunde. ihre Studie an vierundfünfzig Paaren homosexueller Geschwister habe keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Homosexualität und zweiunddreißig verschiedenen Markern auf dem X-Chromosom einschließlich des Markers. Im Jahr 1998 berichtete eine Gruppe um Alan Sanders vom National Institute of Mental Health. wie es von vielen Journalisten genannt wird) und ein Gen für Angst oder »Neurose«. Der ursprüngliche Anstoß zu dieser Kontroverse ging von Cyril Burt aus. lautete Hamers Fazit. sie hätten keine Belege für die Existenz eines Gens für »Neugierverhalten« gefunden.217 . bei deren Studien handele es sich »praktisch um eine indirekte Bestätigung. erbracht. als Hamer sein Buch schrieb.51 In seinem Buch stellte Hamer zwei weitere Entdeckungen heraus.) »Die Befunde ergeben zwingend. Ebers und Rice bestritten dies. (Die Studie von Sanders war noch nicht veröffentlicht worden. Hamer und seine Mitarbeiter veröffentlichten beide Studienergebnisse 1996.

Burt zu rehabilitieren. er sei bei der Dokumentation der erhobenen Daten zwar recht nachlässig gewesen.55 Devlin behauptete. Dennoch wurde Burts These. wenn man diesen Faktor berücksichtige. seine wichtigsten Untersuchungsergebnisse seien jedoch fundiert. Im Jahr 1966 veröffentlichte er die verblüffenden Ergebnisse seiner Studie. Andere Genetiker hingegen neigen einer Zahl von höchstens fünfzig Prozent zu. so fand er heraus. zu suchen. daß die hohe Korrelation der IQ-Werte von Zwillingen zum Teil auf ihre gemeinsame pränatale Umwelt zurückzuführen sei. Forscher. in dem 1994 erschienenen Buch The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) wiederaufgegriffen (das Wort Glockenkurve bezieht sich auf die Form der Verteilung. nachdem der Psychologe Leon Kamin und andere Ungereimtheiten und Hinweise auf Datenmanipulationen aufgedeckt hatten.tender Psychologe der Londoner Schulbehörde beaufsichtigte er die Prüfungen sämtlicher Schüler. die Intelligenz sei ein relativ unveränderliches Merkmal. daß Intelligenz zu achtzig Prozent erblich sei. Er spürte insgesamt dreiundfünfzig Paare auf und verfolgte ihren Lebensweg bis ins Erwachsenenalter. hätten für Intelligenz einen Erblichkeitsgrad ermittelt. indem sie behaupteten.56 Der Politikwissenschaftler Charles Murray und der . wenn man die IQ-Werte einer großen Population graphisch darstellt).218 . die an der Minnesota-Zwillingsstudie mitwirken. das robust gegen Umwelteinflüsse sei. die dafür sprechen. die bei der Geburt getrennt worden waren. wirke sich kaum auf die Intelligenz aus. Burt schätzte. In den zwanziger Jahren begann Burt nach eineiigen Zwillingen. Seither haben andere Wissenschaftler den Versuch gemacht. sinke die Erblichkeit auf vierunddreißig Prozent. Die Erziehung. der nur geringfügig unter dem Schätzwert von Burt liege. die man erhält. In den siebziger Jahren gerieten Burts Schlußfolgerungen in Verruf. Bernie Devlin von der Universität Pittsburgh hat Ergebnisse vorgelegt.

IQ-Tests würden lediglich die Fähigkeit messen. daß Verbesserungen im Bildungswesen. in der sozioökonomischen Schichtung der amerikanischen Gesellschaft spiegelten sich unveränderliche Unterschiede in der Intelligenz wider. die den Status von Schwarzen heben sollen. doch ihre Polemik zielte in diese Richtung. Murray und Herrnstein enthielten sich zwar bewußt einer Antwort auf die Frage. insbesondere dem Psychologen Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley und zuvor von Eugenikern und Sozialdarwinisten. der Begriff Intelligenz sei äußerst unbestimmt und allgemein. genauer gesagt. Tabellen und Diagrammen. Sie behaupteten. Dennoch erregte The Bell Curve großes Aufsehen. ob dieser Unterschied auf genetische Faktoren zurückzuführen sei. Das Buch wurde im Fernsehen und in der Presse diskutiert. und es erschien auf der Bestsellerliste der New York Times – eine bemerkenswerte Leistung für ein Buch voller statistischer Daten. Die kognitive Leistungsfähigkeit äußere sich in vielfältigen Formen. Murray und Herrnstein wiederholten dabei lediglich Argumente. die Korrelation zwischen IQ-Werten und Erfolg in der akademischen Welt. Kritiker erhoben zahlreiche Einwände gegen The Bell Curve. die bereits von anderen vorgebracht worden waren. wie etwa .Psychologe Richard Herrnstein behaupteten. im Geschäftsleben und in anderen Bereichen sei lange nicht so deutlich.57 Sie wiesen darauf hin. der konstant niedrige soziale Status von Schwarzen gegenüber Weißen sei in erster Linie auf die niedrigere Intelligenz der Schwarzen zurückzuführen und nicht auf Diskriminierung oder andere gesellschaftliche Faktoren. einen IQ-Test abzulegen. allenfalls geringfügige Auswirkungen haben könnten und im allgemeinen vergeudete Mühe seien. Schwarze schneiden bei IQ-Tests im Schnitt fünfzehn Punkte schlechter ab als Weiße. aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten und andere Programme. wie The Bell Curve behaupte.219 .

außer für Rassisten. ist grauenhaft. Wie kommen Wissenschaftler angesichts all der drängenden Probleme und Bedürfnisse auf der Erde überhaupt auf die Idee.zumindest nicht so vernichtend.der sprachlichen. Obgleich ich der Ansicht bin. Im Gegenteil.legte Noam Chomsky in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens dar: Natürlich unterscheiden sich Menschen in ihrer biologischen Ausstattung voneinander. In ähnlicher Weise seien Rassenkategorien wie schwarz und weiß keine echten biologischen Phänomene.daß Theorien. schien mir die Art von Wissenschaft. in der das nicht der Fall wäre. wie ich es mir gewünscht hätte.mochten sich ihre konkreten Behauptungen nun als wahr oder falsch erweisen . Das Gefalle zwischen den IQ-Werten von Schwarzen und Weißen spiegele die anhaltenden Wirkungen rassischer Vorurteile in den Vereinigten Staaten wider und nicht etwa angeborene Unterschiede in der intellektuellen Leistungsfähigkeit. wie sie The Bell Curve darstellte . daß die Freiheit des wissenschaftlichen Diskurses grundsätzlich nicht eingeschränkt werden sollte. indem sie schwarzen Kindern sowie deren Eltern und Lehrern suggerierten. die einen Zusammenhang zwischen Rassenzugehörigkeit und IQ postulieren. Diejeni. die Thesen von Murray und Herrnstein könnten sehr leicht zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden.220 . Keine dieser Kritiken war wirklich vernichtend . daß diese Kinder »von Natur aus« und unabänderlich minderbegabt seien. Aber die Entdeckung einer Korrelation zwischen einigen dieser Qualitäten ist nicht von wissenschaftlichem Interesse und ohne soziale Bedeutung. ignoriert und nicht diskutiert werden sollten . Schon die bloße Vorstellung einer Welt.keinerlei versöhnlichen Wert zu besitzen. sondern kulturelle Konstrukte. mathematischen und sozialen Kompetenz sowie im räumlichen Vorstellungsvermögen. Sexisten und ähnliche Leute. Fragen wie diese zu erwägen? Welchen Nutzen versprechen sie sich davon? Diesen Standpunkt .

59 Zu Beginn der achtziger Jahre stieß dieser zufällig auf den Effekt. Überspitzt formuliert. wie sie vom IQ gemessen wird. erschienen im Vergleich zu denen älterer Rekruten überdurchschnittlich. Soldaten.gen. Der Mittelwert des IQ beträgt definitionsgemäß hundert. daß jedes Individuum für sich betrachtet werden solle und nicht unter Rückgriff auf die soziale Kategorie. benannt ist. einem Politologen an der Universität von Otago in Neuseeland. deren Leistungen. nur durchschnittlich waren. der es zugeordnet werden kann. weil das. daß eine Korrelation zwischen Rasse und IQ besteht. als er die Geschichte von Intelligenztests im Militär erforschte. die diese Behauptung bestreiten. auf der Voraussetzung basiert. auswirkten . das eine der Hauptprämissen von The Bell Curve . daß das Militär seine Bewertungsmethoden immer wieder neu festlegte beziehungsweise neue Tests einführte.daß sich nämlich kulturelle Einflüsse kaum auf die Intelligenz. Daher war ich erleichtert. Bei der Ermittlung des Intelligenzquotienten vergleicht man in der Regel die Leistung eines Individuums mit der Leistung von anderen in derselben Altersgruppe. die behaupten. das tut sie aber nicht. tragen zum Rassismus und anderen Verirrungen bei.widerlegte. der nach James Flynn.58 Chomsky will offenbar damit sagen. als sie sich gegen aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten aussprachen. daß die Antwort auf die Frage einen Unterschied macht. was sie sagen.221 . um eine merkwürdige Tatsache zu korrigieren: Jede neue Generation von Rekruten schnitt bei demselben Test besser ab als frühere Generationen. verglichen mit denen ihrer Altersgenossen. Sexisten und andere derartige Leute. als ich 1995 von einem Untersuchungsergebnis hörte. Flynn fand jedoch heraus. Leider beriefen sich Murray und Herrnstein in The Bell Curve auf das gleiche Argument. und diejenigen. Es handelt sich um den sogenannten Flynn-Effekt. außer für Rassisten. war jede nachfolgende Ge.

Wenn der durchschnittliche Siebzigjährige dagegen einen Test ablegt.222 . daß die Ergebnisse von praktisch allen Arten von IQ-Tests. wie der durchschnittliche Zwanzigjährige sie damals bei demselben Test erreichte. Der Anstieg war im Schnitt bei den Tests am größten. Beispielsweise waren viele Forscher zu der Überzeugung gelangt. seit dem Zeitpunkt der Einführung der Tests um etwa drei Punkte pro Jahrzehnt gestiegen waren. die kulturelle oder bildungsbedingte Vorteile dadurch zu minimieren versuchten. sondern auch an Studenten und anderen Gruppen aller Altersklassen in mindestens zwanzig verschiedenen Ländern erhoben worden waren. Einer der angesehensten Tests ist der Progressive Matrizentest nach Raven.C. Raven erfunden wurde und seither an einer Vielzahl von Probanden aus sämtlichen Altersgruppen erprobt wurde. erzielt er in der Regel die gleichen Ergebnisse. weil sie heutzutage bei modernen IQ-Tests schlechter abschneiden als Zwanzigjährige. Die Zunahme reichte von zehn Punkten pro Generation (dreißig Jahre) in Schweden und Dänemark bis zu zwanzig Punkten pro Generation in Israel und Belgien. Bei seinen weiteren Nachforschungen stellte Flynn fest. daß sie die Fähigkeit zum Erkennen abstrakter Muster oder zur Lösung anderer nonverbaler Probleme abfragten. der akademische Erfolg chinesischstämmiger Amerikaner im Vergleich zu ihren europiden Altersgenossen . der 1942 von dem britischen Psychologen J. die 1992 getestet wurden. Entsprechend behaupteten einige Experten. Menschen. Flynns Daten widerlegten einige vermeintlich gut fundierte Annahmen von Wissenschaftlern. hatten ein im Schnitt um siebenundzwanzig Punkte besseres Ergebnis als gleichaltrige Personen im Jahr 1942. daß ältere Menschen an einem unvermeidlich fortschreitenden Schwund ihrer Intelligenz litten.neration scheinbar intelligenter als ihre Vorgänger. die nicht nur an Soldaten. der vor fünfzig Jahren verwendet wurde. die sich mit Intelligenztests befassen.

Er kann entweder annehmen. der darauf aufmerksam machte. weil solche Tests immer häufiger angewendet würden. Dies gilt insbesondere für die hochabstrakten. daß chinesischstämrnige Amerikaner bei IQ-Tests höhere Punktwerte erzielten als andere rassische Gruppen. Jede Hypothese. was die nichtgenetische Ursache sein könnte. doch das Fortpflanzungsverhalten war tendenziell allenfalls dysgenisch. der Flynn-Effekt habe genetische Ursachen und sei nicht etwa umweit. daß sich die berichtete Diskrepanz im Intelligenzquotienten zum Teil dadurch erklärt. Flynn war der erste.« Er stellt sich die Frage.oder kulturbedingt. daß die jungen chinesischstämmigen Amerikaner alten IQ-Tests unterzogen worden waren. die den stärksten Flynn-Effekt zeigen. Flynn fand heraus. eine Korrelation zwischen der Zunahme des IQ und der Dauer des Schul.« Niemand hat behauptet. vor folgender Alternative. blieben . zudem haben Studien gezeigt. daß sich Übung nur geringfügig oder gar nicht in den IQ-Werten niederschlägt. schließlich hätten Tests gezeigt. Eine Theorie besagt. In Wirklichkeit werden IQ-Tests jedoch seltener durchgeführt. Flynn erläuterte: »Im Verlauf von ein bis zwei Generationen hätte nur ein fanatisches Eugenikprogramm einen erheblichen Beitrag zum IQZuwachs leisten können. die bislang zur Diskussion gestellt wurde. daß der durchschnittliche Mensch heute normal intelligent ist und vor dreißig bis fünfzig Jahren geistig zurückgeblieben war oder daß der durchschnittliche Mensch damals normal intelligent war und heute fast schon ein Genie ist. nonverbalen Tests. hat Schwachstellen.korreliere mit höherer Intelligenz. Versuche.und Hochschulbesuchs zu finden.223 . daß Kinder mittlerweile mehr Übung im Ablegen von Tests hätten. Beide Annahmen sind meines Erachtens absurd. In einer E-Mail an mich legte Flynn die merkwürdigen Konsequenzen seiner Ergebnisse dar: »Angesichts dieser massiven IQ-Zunahme steht jeder. der sie als wirklichen Intelligenzzuwachs deuten will.

der die These aufstellte. zum Stillstand kommen beziehungsweise dort hätte sogar eine Trendumkehr einsetzen müssen. einer der ersten prominenten Forscher. Der Flynn-Effekt unterstreicht den wesentlichen (wenn auch bislang unerklärlichen) Beitrag nichtgenetischer Faktoren zur Intelligenz.224 .was interessanterweise auch für die »geistige Abstumpfung« der heutigen Jugend verantwortlich gemacht wird. Einige Forscher schreiben die Zunahme des IQ der Tatsache zu. hätte der Anstieg der IQ-Werte in Ländern. die in The Bell Curve aufgestellt wurden.61 Schließlich ist der Intelligenzquotient in einigen Ländern binnen einer Generation um über fünfzehn Punkte gestiegen. Schwarze seien von Natur aus nicht so intelligent wie Weiße. daß die Differenz von fünfzehn Punkten zwischen den mittleren IQ-Werten von Schwarzen und Weißen entgegen der Ansicht von Murray und Herrnstein keineswegs unabänderlich ist. zudem haben Hochschulzugangsprüfungen und andere akademische Leistungstests in den Vereinigten Staaten nicht zu-. zumindest wie sie von IQ-Tests gemessen werden. Jedenfalls begannen die IQ-Werte schon lange vor der Verbreitung des Fernsehens zu Beginn der fünfziger Jahre anzusteigen. Flynn und andere Psychologen sehen in seinen Daten eine Widerlegung der Thesen. obwohl die IQ-Werte angestiegen sind. der Anstieg des IQ stehe mit Verbesserungen in der Ernährung in Zusammenhang. Der Flynn-Effekt deutet darüber hinaus darauf hin. sondern vermutlich ausgeglichen werden kann. sondern eher abgenommen. mutmaßte.60 Wenn dies zuträfe.ohne schlüssiges Ergebnis. widerlegte ihn Flynn. daß Kinder immer mehr Zeit mit Fernsehen und mit anderen Medien verbringen . die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs von einer Hungersnot heimgesucht worden waren. Der Psychologe Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley. .

daß »Genies geboren und nicht gemacht werden«. unveränderliches Merkmal. daß sich die Kontroverse über den jeweiligen Einfluß von Anlage und Umwelt zu sehr in Richtung Anlage verschoben habe. daß der Flynn-Effekt Intelligenzforscher. Intelligenz sei ein weitgehend angeborenes. die bei Kindern mit hohem IQ häufiger sind als bei Kindern mit niedrigem IQ. Als ich ihn 1998 in London anrief. »Ich fühle mich mittlerweile gezwungen.Auf der Suche nach Intelligenzgenen Allerwenigstens sollte man erwarten. suchte er nach Allelen. die behaupten. für eine stärkere Gewichtung der Umwelt zu plädieren«. Plomins Methodik ist einfach. Im Jahr 1993 berichtete Plomin. zeigte er sich beunruhigt darüber. Nachdem er Schüler entsprechend ihrem Intelligenzquotienten in Kategorien eingestuft hatte. Schließlich habe die Verhaltensgenetik mehrfach nachgewiesen. Plomin habe bewiesen. der immer wieder die Grenzen seiner Arbeit und der Verhaltensgenetik im allgemeinen betont. Dennoch verfolgt Plomin eines der ehrgeizigsten und umstrittensten Ziele in der Verhaltensgenetik: Er fahndet nach Genen für hohe Intelligenz. die meisten waren bereits mit Neurorezeptoren und anderen neuronalen Komponenten in Verbindung gebracht worden. (Unterdessen hatte der Londoner Sunday Telegraph bereits gemeldet. der oftmals die Übertreibungen seiner Kollegen bedauert. insbesondere jene.)62 . zu Vorsicht und Bescheidenheit anhielte. daß auch nichtgenetische Faktoren bei der Prägung der Persönlichkeit eine Rolle spielten. Plomin ist eine der wenigen Stimmen der Vernunft und Mäßigung innerhalb der Verhaltensgenetik. er habe bei hochintelligenten Kindern ein überzähliges Exemplar eines bestimmten Allels gefunden.225 . Die Allele wurden nicht aufs Geratewohl ausgewählt. doch der Zusammenhang ließ sich in nachfolgenden Studien nicht reproduzieren. sagte er. ist Robert Plomin vom Institut für Psychiatrie in London. Ein Forscher.

wenn es keine praktische Konsequenzen hätte. würden als »Behinderte« bezeichnet. ein Fenster zu finden. könne den Beitrag der Erbanlagen zur Intelligenz und zu anderen kognitiven Funktionen abschätzen helfen. und anscheinend sei die Wirkung des Gens sehr schwach. daß solche Sze. Das Aufspüren von Genen. antwortete Plomin.63 In einem Artikel in der New York Times kommentierte ein Psychologe Plomins Befunde: »Ich bin absolut sicher. sondern auch Intelligenz und sportliche Leistungsfähigkeit optimieren könne. wozu sein Forschungsprojekt gedient habe. wie etwa Tests auf einen hohen IQ oder intelligenzsteigernde Gentherapien. daß innerhalb von zwei Monaten kommerzielle Genzentren gegründet werden. sie auf dieses Gen zu testen. in der die Gentechnik nicht nur körperliche und psychische Erkrankungen heilen.Im Mai 1998 präsentierten er und zwei Kollegen in der Zeitschrift Psychological Science Befunde. die nicht in den Genuß einer gentechnischen Optimierung gekommen seien. die Eltern anbieten. die armen Kerle.« Plomin sagte mir. Plomin bezweifelte.«64 In seinem Gespräch mit mir bezweifelte Polmin. er habe gerade auf einem Transatlantikflug den Film Gattaca gesehen. daß es eindeutig weniger als zwei Prozent der Varianz ausmacht und vermutlich sogar eher nur ein Prozent. nach denen in einer Gruppe von 217 Kindern ein Gen auf Chromosom sechs mit hoher Intelligenz gekoppelt war. Nur etwa die Hälfte der hochintelligenten Kinder seien Träger des Gens.226 . In dem Film werde eine nicht allzu ferne Zukunft geschildert. »Es ist eine Fragestellung der Grundlagenforschung. daß aus seinen Untersuchungen jemals konkrete Nutzanwendungen hervorgehen würden. Ich fragte Plomin.« Eine Varianz von einem Prozent entspricht zwei IQ-Punkten. wobei man hofft. Die Welt werde von den gentechnisch aufgemöbelten Herren regiert. die mit hoher Intelligenz korrelierten. durch das man auf Verbindungen zwischen Genen und Verhalten blicken kann. »Wir schätzen.

wir werden bald die Fähigkeit besitzen.vielleicht sogar von Plomin selbst . »Ich glaube nicht. die miteinander und mit der Umwelt in Wechselwirkung stehen. Psychische Erkrankungen sowie Schüchternheit und Hyperaktivität würden verschwinden. »Ob man das nun für eine gute Idee hält oder nicht. das menschliche Verhalten mit Hilfe der Genetik zu verändern und zu manipulieren«. daß die Gentherapie überhaupt eine Erfolgschance hat. die durch Mutationen in nur einem Gen verursacht würden. bescheiden zu sein. Meines Erachtens ist die Gentherapie ein aussichtsloses Unterfangen. fußballerisches Können und Optimismus immer breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich würden. Doch wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. in immer höheren Tönen zu preisen.genau so.227 . wie etwa die Mukoviszidose.65 Der an Princeton lehrende Genetiker Lee Silver verstieg sich in seinem 1998 erschienenen Buch Das geklonte Paradies . daß künftige Forschungen Eltern schon bald erlauben würden. während musikalische Begabung. Wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt.« Es habe sich schon als außerordentlich schwierig erwiesen. noch vor der Empfängnis erwünschte komplexe Merkmale ihrer Nachkommen auszuwählen und unerwünschte Merkmale beseitigen zu lassen . wie es in Gattaca prophezeit worden war. so wie auch all die anderen Hypothesen über spezifische Gene für spezifische Verhaltensmerkmale nicht bestätigt wurden. »Stellen Sie sich eine Krankheit vor. an der einhundert Gene beteiligt sind.« Plomin tut gut daran.narien jemals Wirklichkeit würden. werden diese Fehlschläge andere Wissenschaftler und Journalisten nicht davon abhalten. werden nachfolgende Experimente . Behandlungen für Erkrankungen zu entwickeln. die Chancen.seine Entdeckung eines Gens für hohe Intelligenz nicht bestätigen. verkündete Hamer. die die Verhaltensgenetik bietet. In Das unausweichliche Erbe sagte Dean Hamer voraus.

in einer endlosen positiven Rückkopplungsschleife. »›Intelligenz‹ wird ihren kognitiven Fähigkeiten nicht gerecht«. welche durch eine einzige Genmutation verursacht werden. manchmal sehr hohen Wahrscheinlichkeit ausbrechen wird. therapeutische Ansätze zu entwickeln. . Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben Forscher damit begonnen. amyotrophische Lateralsklerose und embryonale Tumore. und die Klasse der »Naturbelassenen«. die die Träger dieser Gene aufspüren. echte Fortschritte gemacht worden. Silver prophezeite. wenn sie von führenden Genetikern kommen. Bis zum heutigen Tag hat kein einziges seine Bewährungsprobe bestanden. die schädliche Gene in Zellen vernichten oder deren Ausprägung verhindern sollen. weder an körperlichen noch an psychischen Krankheiten leiden und möglicherweise unsterblich sein. um so stärker könnten sie mit neuen Technologien ihre mentalen Fähigkeiten optimieren . die bei Erkrankungen. Die Klasse der Gen-Reichen werde intellektuell und sportlich hoch begabt sein. bei denen die entsprechende Erkrankung mit einer gewissen. der dies nicht zur Verfügung stehe.228 . Weltweit sind mehr als dreihundert klinische Studien über gentherapeutische Verfahren an über dreitausend Patienten erprobt worden.«66 Diese utopischen Vorhersagen sind angesichts der bislang so dürftigen Erfolgsbilanz der Verhaltensgenetik absurd und. als auch in bezug auf ihr eigenes Bewußtsein. die sich gentechnologische Eingriffe leisten könne. »›Wissen‹ erfaßt nicht die Tiefe ihres Verständnisses – sowohl was das Universum betrifft. Je intelligenter diese Übermenschen würden. Wir verfügen heute über Tests. wie etwa Chorea Huntington. unverantwortlich. schrieb Silver über diese biotechnologisch frisierten Turbomenschen. Mukoviszidose. die Menschheit werde sich durch die Gentechnologie eines Tages sogar in zwei eigenständige Spezies aufspalten: die Klasse der »Gen-Reichen«. Natürlich sind bei der Identifizierung von Genen.zu noch phantastischeren Spekulationen.

die spezifische Erkrankungen verursachen. Außerdem kann ich mich nicht damit abfinden. hohe Intelligenz und Schüchternheit. Doch andererseits ist beider Charakter auch in ständigem Wandel begriffen. daß das Temperament bis zu einem gewissen Grade angeboren ist. die durch eine einzige Genmutation hervorgerufen werden. Einer der klügsten Erforscher der menschlichen Psyche. French Anderson. erklärte 1997: »Bei einer Reihe von genetischen Krankheiten wird die Kenntnis der sie verursachenden Gene den Patienten vermutlich kein bißchen helfen. 1998 in einem Beitrag in Nature.«68 Wenn dies schon für Krankheiten gilt. eine Kapazität auf dem Gebiet der Tumorgenetik. wie einige Genetiker behauptet haben (auch wenn es Zeiten gibt. Robert Weinberg vom MIT. daß sich die Identifikation der Gene. liegen noch immer keine schlüssigen Beweise dafür vor. ein Vorkämpfer der gentherapeutischen Forschung.67 Einige führende Genetiker bezweifeln sogar. den ich kennengelernt habe. daß mein Einfluß auf ihr Schicksal so geringfügig ist.»Abgesehen von anekdotischen Berichten über die Wirksamkeit bei einzelnen Patienten. Professor für . Ich akzeptiere .ich weiß -. schrieb W.229 . ist Jerome Kagan. wo ich mir wünschte. dann natürlich in noch viel höherem Maße für Schizophrenie. zwangsläufig in besseren Behandlungsmethoden niederschlagen werde. Das Temperament von Jerome Kagan Meine Frau und ich haben mittlerweile zwei Kinder. dem wäre so). einen Jungen und ein Mädchen. Unser Sohn hatte von Anfang an seine eigene markante Wesensart und unsere Tochter die ihre. immer wieder überraschen sie meine Frau und mich. daß ein gentherapeutisches Protokoll bei der Behandlung einer menschlichen Erkrankung erfolgreich gewesen ist«.

den ich im Herbst 1997 an der Harvard-Universität traf. Zudem seien einige Theorien. daß Gehemmtheit beziehungsweise Schüchternheit und Ungehemmtheit beziehungsweise Extraversion bis zu einem gewissen Grad angeborene Merkmale seien.230 . Geradezu entsetzt sei er über die Behauptung. Als er zu Beginn der fünfziger Jahre an der Yale-Universität studierte. genauso »wertlos wie jeder genetische Determinismus«. Einige der jüngsten Hypothesen von Verhaltensgenetikern beunruhigten Kagan jedoch. warmherzige Eltern gehabt hätten. die liebevolle. während andere. seien sie dazu verpflichtet. die Ausbildung. Doch dann hätten ihn seine Daten »wie der Teufel gekniffen und gesagt: ›Du irrst dich!‹« Erklärungen. Wenn Wissenschaftler ein derart »hirnrissiges« Ergebnis vorlegten. die eine traumatische Kindheit erlebt hätten. die sich bei Psychoanalytikern großer Beliebtheit erfreuten . die auf Umweltfaktoren abstellten. hätten zweifellos ihre Schwächen. Er gab zu. meinte Kagan. glückliche. ist selbst hemmungslos extravertiert und nach eigenem Bekunden ein Liberaler. weshalb manche Menschen. waren er und die meisten seiner Kollegen fest davon überzeugt. die in den fünfziger Jahren begannen.Psychologie an der Harvard-Universität. so Kagan. gesunde Erwachsene wären. zu Depressionen und anderen psychichen Erkrankungen neigten. Sie könnten nicht erklären. Autismus werde durch »gefühlskalte Mütter« gefördert -. daß »alles von der Umwelt abhängt« und der Einfluß des biologischen Erbes auf die Ausbildung von Unterschieden zwischen Individuen »belanglos« sei. daß er über seine Befunde gelegentlich noch immer betrübt sei. nach .wie die Annahme. der Vermögensstatus und das Verhalten der Eltern habe praktisch keinen Einfluß auf die Intelligenz eines Kindes.69 In einer Reihe penibel durchdachter Studien. Kagan. trug er eine überwältigende Fülle von Belegen für die Hypothese zusammen. die Forscher an der Universität von Minnesota und an anderen Forschungseinrichtungen aufgestellt hätten.

alternativen Erklärungen zu suchen. Wissenschaftler. Jeder sachkundige Biologe. daß Erbanlage und Umwelt oftmals so eng miteinander verzahnt seien.231 . sämtliche Nachkommen hatten Flügel. die das menschliche Denken und Verhalten steuerten. aber nur. die Psychologie und andere Fachgebiete. das bei Mäusen Bluthochdruck erzeuge. wisse. die. »das ist doch ein undurchdringliches Gestrüpp!« Kagan glaubt an die Fähigkeit der Wissenschaft. »Das sagt alles!« versetzte Kagan triumphierend.und sogar Gesetze . die sich mit der menschlichen Natur befaßten. »Also wirklich«. niemals die Präzision und Allgemeingültigkeit der wirklich exakten Naturwissenschaften wie der Astrophysik und der Kernphysik erreichen. wenn die neugeborenen Mäuse von nichtverwandten Weibchen gesäugt würden. wenn sie von Mutter und Vater vererbt würden. das Gen werde nicht ausgeprägt. so sagte er. »Es bedarf keiner weiteren Beispiele!« Darauf beschrieb er mir ein weiteres Beispiel. Diesen Punkt formulierte Kagan in seinem 1994 erschienenen Buch Galen's Prophecy mit unmißverständlicher Klarheit: »Ich glaube nicht. selbst bei Organismen. ungeflügelte Nachkommen hervorbrächten. hätten jüngst ein Paar von Genen entdeckt. daß sie sich nicht leicht entwirren ließen.zu entdecken. Andernfalls. entfuhr es Kagan. Wissenschaftler hätten ein Gen aufgespürt. Doch als die Forscher die Temperatur im Labor um zehn Grad erhöhten. statt das Ergebnis für bare Münze zu nehmen. Andererseits würden die Verhaltensgenetik. die die Taufliege (Drosophila) erforschten. Tempera. wurden die Gene nicht mehr ausgeprägt. würde er sein Labor dichtmachen und sich eine andere Arbeit suchen. daß wir das Phänomen eines schüchternen oder neugierigen Kindes jemals allein mit physiologischen Erkenntnissen erklären oder vorhersagen können. wenn sie von ihren biologischen Müttern gesäugt würden. Regelmäßigkeiten . die viel primitiver seien als der Mensch. sagte Kagan.

introvertierten Teenagern. wie etwa Weinen und heftigen Arm. die übliche. »die ihr hochreaktives Kleinkind konsequent selbst vor geringsten Stressoren schützte. altersangemessene Forderungen nach Reinlichkeit und Anpassung stellten. . und einige lebhafte Säuglinge würden zu trägen.232 . das angeborene Bedürfnis. vielmehr zwangen ihn seine Forschungen dazu. wenn sie gereizt würden.«70 Dies war kein bloßes Wunschdenken von Kagan. sie blieben entspannt und lebhaft. Etwa zwei von fünf Kindern seien vergleichsweise kaum gehemmt. Einige extrem gehemmte Säuglinge würden später extravertierte Jugendliche. Eine Mutter. sie zeigten eine Mischung aus Verhaltenheit und Extraversion.«71 Anders gesagt.und Beinbewegungen. zu kontrollieren. sie reagierten auf Stimulation mit offenkundigen Streßsymptomen. halfen ihren hochreaktiven Kindern. die mit dem Alter und mit der Umgebung schwanke. sich mit dieser Grenze der Wissenschaft abzufinden. Kagan betonte. daß die Umwelt ein Merkmal entweder verstärken oder abschwächen könne. Die in gleicher Weise betroffenen Mütter. erschwerte es dem Kind.menteigenschaften können nicht auf rein biologische Gegebenheiten zurückgeführt werden. die Umwelt spielt eine Rolle. ihre Ängstlichkeit zu bändigen. sich von Fremden und unvertrauten Ereignissen zurückzuziehen. Etwa eines von fünf Kindern zeige bei der Geburt Symptome von Gehemmtheit. Doch nur etwa die Hälfte dieser gehemmten und ungehemmten Kinder behalte diese Merkmale während der Kindheit und Adoleszenz. Die meisten Kinder ließen sich nicht leicht klassifizieren.

da sie sich ganz auf das Rauschen statt auf das Signal konzentriere. daß die Evolutionspsychologen und die Verhaltensgenetiker Verbündete seien. Nach einem Aufenthalt bei den Ureinwohnern Feuerlands an der Südspitze Südamerikas erinnerte er sich daran. Zudem konzentrieren sich Verhaltensgenetiker auf Merkmale.Das andere genetische Paradigma Die Verhaltensgenetik ist nicht das einzige Paradigma auf genetischer Grundlage. und ebenso er.233 . die die natürliche Auslese bei der Formung der menschlichen Psyche spielte. Verhaltensgenetiker interessieren sich im allgemeinen nicht für die Rolle. ist die Evolutionspsychologie. das in jüngster Zeit starke Beachtung gefunden hat. die allen Menschen gemeinsam sind. das die Psychoanalyse als vorherrschendes Erklärungsmodell der menschlichen Psyche zu entthronen versuchte. die in der Urzeit unserer fernen Vorfahren von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. Man könnte meinen.der Menschheit hervorgehe. Evolutionspsychologen lassen immer wieder durchblicken. Zu einer Zeit. die die menschliche Psyche durch die Linse des Darwinismus betrachten. betonte Darwin die Einheit des Homo sapiens. Unsere Gemeinsamkeiten seien viel wichtiger als unsere Unterschiede. Die Evolutionspsychologen folgen hierin Darwin. doch in Wirklichkeit haben die beiden Gruppen grundverschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Ziele. wie ähnlich ihr Geist dem unseren ist. daß sie die Verhaltensgenetik für trivial halten. Ein Konkurrenzmodell. während Evolutionspsychologen an den Merkmalen interessiert sind. Evolutionspsychologen. die Individuen voneinander unterscheiden. das aus der Symphonie .oder Kakophonie . sehen eine Fülle von Anpassungen. da viele europäische Geistesgrößen Angehörige nichtweißer Rassen als Untermenschen ansahen. während dies das zentrale Anliegen der Evolutionspsychologen ist. daß es ihn »unablässig zutiefst erstaunte.

] den Konkurrenzkampf ausschalten werden. Webster gab zu.ging es mir mit einem reinblütigen Neger. Spencer prangerte immer wieder Sozialprogramme an.73 Selbst der heilige Darwin verwechselte gelegentlich ist mit sollte sein. der Mensch »muß sich immer wieder in schwerem Ringen bewähren. der das Schlagwort vom »Überleben der Tauglichsten« prägte und es zu einem grundlegenden ethischen Prinzip erhob. In Why Freud Was Wrong sagte der britische Autor Richard Webster vorher.überwiegend erfolgreich . weil sie den Schwachen helfen würden und die Starken daran hinderten.234 . Als Begründer des Sozialdarwinismus gilt gemeinhin Darwins Zeitgenosse Herbert Spencer. Doch so wie die moderne Verhaltensgenetik noch immer vom Gespenst der Eugenik verfolgt wird.. [. schrieb er in seinem 1874 erschienenen Buch Study of Sociology. und die begabteren Menschen wären im Kampf ums Dasein nicht erfolgreicher als die weniger begabten. unsere Nachkommen in heimtückischer Weise mit einer Horde von Feinden zu versorgen«.. daß Gewerkschaften. daß das neue und verbesserte darwinistische Paradigma eines Tages die Psychoanalyse als allgemeine Theorie der menschlichen Psyche ablösen werde. die im wesentlichen das Recht des Stärkeren predigte. »die von vielen als die große Hoffnung der Zukunft angesehen werden. an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie zu gelangen.von den inhumanen Auswüchsen der Darwinschen Theorie zu distanzieren bemüht. So schrieb er einmal in einem Brief. trägt die Evolutionspsychologie die Bürde des sozialdarwinistischen Erbes. Darin sehe ich ein schlimmes Übel für den künftigen Fortschritt der Menschheit.«74 Evolutionspsychologen haben sich . daß evolutionsbiologische . »Den Schwachen bei der Fortpflanzung zu helfen läuft praktisch darauf hinaus. einer politischen Ideologie. mit dem ich einst vertrauten Umgang hatte«72.« Er äußerte seine Sorge darüber. Andernfalls verfiele er in Trägheit.

vermag sie die Entwicklung der menschlichen Kultur und die Komplexität des menschlichen Geistes noch immer nicht angemessen. die Theorie auf den menschlichen Geist anzuwenden.Erklärungen der menschlichen Psyche bislang viel zu wünschen übrigließen. .235 . keineswegs immer überzeugend. das heißt umfassend. sind die zahllosen Versuche. Obgleich die Darwinsche Theorie eine Fülle von Einzelerkenntnissen enthält.«75 Tatsächlich unterscheiden sich die Schwächen der Evolutionspsychologie nicht allzusehr von den Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse. Obgleich Darwins Theorie »eine Lösung für das Problem der Spezies und eine Erklärung für die Entstehung der Organformen liefert. zu erklären.

6. daß die darwinistische Psychologie in ferner Zukunft entstehen werde. Charles Darwins Prophezeiung zu erfüllen (die zusammen mit dem Foto einer barbusigen Buschschönheit aus Amazonien auf der Titelseite des Programmhefts abgedruckt war). wenn er solche großartigen Schlußfolgerungen zieht? CHARLES DARWIN1 T agsüber beteiligten sich ausgewählte Mitglieder des Stammes an rituellen Darbietungen rhetorischer Gewandtheit. der so gering ist wie der des niedrigsten Tieres. recht mit der Behauptung. deren Mitglieder sich auf dem an der Pazifikküste gelegenen Campus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara.3 Darwin hatte.es war die Jahrestagung der Human Behavior and Evolution Society (HBES). Abends versammelten sie sich um große Lagerfeuer und tranken vergorene Säfte. aus einem Geist entwickelt hat. einer Hochburg der Evolutionsbiologie. RETTE UNS! Aber dann kommen Zweifel auf: Kann man dem menschlichen Geist trauen. Doch in den neunziger Jahren begann die Evolutionstheorie. mit denen sie ihren Status erhöhen und so .zumindest was die Männchen anbelangte . daß nämlich die Psychologie in einer fernen Zukunft auf eine neue Grundlage gestellt werde . eingefunden hatten. Eine Versammlung von Ureinwohnern in einem tropischen Regenwald ? Weit gefehlt . davon bin ich fest überzeugt. die Sozialwissenschaften zu infizieren.2 Mehrere hundert Teilnehmer bemühten sich. DARWIN. wie ein plötzlich virulent gewordenes Virus.236 . während sie sich angeregt über den neuesten Klatsch und alte Stammesüberlieferungen austauschten.ihre Chancen zu sexuellen Interaktionen mehren wollten.auf Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion. wie gewöhnlich. der sich. Seit der Gründung der HBES im Jahr 1988 hat sie eine wachsende Zahl von Psycho.

Musiker und andere Kulturschaffende oftmals größere sexuelle Kontaktchancen hätten. Einige Vorträge hatten eine amüsant selbstreferentielle Dimension. wie wir verstehen. daß wir uns hier versammelt hätten. daß männliche Künstler. unterdessen warfen mehrere junge Damen in der vordersten Reihe Miller verzückte Blicke zu. Sexualität war das beherrschende Thema innerhalb und außerhalb der Hörsäle.237 . unter anderem Diesseits von Gut und Böse des Journalisten Robert Wright. romanti. Historikern und anderen Wissenschaftlern angelockt. es sei doch sehr kurios. ob zärtliche. Geoffrey Miller. ein junger langhaariger Psychologe. Die Tagung der HBES in Santa Barbara hat auf alle Fälle eines deutlich gezeigt: die unglaublich vielseitige Verwendbarkeit dessen. um ihm zuzuhören. die Evolutionspsychologie könne uns helfen. Bei einer abendlichen Strandparty erörterte eine Gruppe dicht beisammenstehender Wissenschaftler mit Biergläsern in der Hand die Frage. Verlage haben eine Unmenge von Büchern von Wissenschaftlern und Journalisten auf den Markt gebracht. Anthropologen. Der Psychiater Randolph Nesse von der Universität Michigan behauptete. Die Evolution des Begehrens des Psychologen David Buss. zu verstehen. die sich mit der Erforschung der menschlichen Angelegenheiten (im weitesten Sinne des Wortes) befassen. The Red Queen des Journalisten Matt Ridley und Wie das Denken im Kopf entsteht des Psycholinguisten Steven Pinker. berichtete. Das Spektrum der Themen reichte von der Evolution der christlichen Symbolik bis zum Wiederaufleben des Partnertauschs in der amerikanischen Mittelschicht. was der Philosoph Daniel Dennett einmal bewundernd »Darwins gefährliche Idee« genannt hat.logen. wie er unartikulierte Laute ausstoße. die das »neue« darwinistische Paradigma vorstellten. Wirtschaftswissenschaftlern. Steven Pinker begann seinen Vortrag über die genetische Verankerung der Sprachfähigkeit mit der Bemerkung.

daß man die sexuellen Bräuche von Jägern und Sammlern beobachte. die noch immer behaupteten. Nachdem der Anthropologe herbeigeholt worden war. hätten im allgemeinen flüchtige. »militaristische« Sexualkontakte gehabt. Zeigten Männer vor. jene verirrten Seelen zu geißeln. bei dem er gelebt habe.4 Beim Anblick der Teilnehmer der HBES-Tagung. brachen seine Zuhörer in schallendes Gelächter aus. was geschehe. der kulturelle Determinismus sei eine »Religion« und keine rationale Einstellung. Erlangte er einen Selektionsvorteil? Der Anthropologe grinste schelmisch. Die einfachste Methode. Die Tagung erweckte manchmal weniger den Eindruck einer wissenschaftlichen Konferenz und mehr den einer politischen Wahlkampfveranstaltung. oder sei es einfach »rein-raus-ab-die-Maus«? Jemand schlug vor. bei der er stärker auf die Bedürfnisse der weiblichen Partnerinnen einginge. die Angehörigen des Stammes.sche Liebe bis zu einem gewissen Grad ein evolutionär entstandenes. die längere Zeit unter Jägern und Sammlern lebten. angeborenes Phänomen oder eine moderne. rein kulturelle Erfindung sei. während oder nach dem Geschlechtsakt irgendeine Form von Fürsorglichkeit und Zärtlichkeit gegenüber ihren Sexualpartnerinnen. Als der Anthropologe Lee Cronk von der Texas-A&M-Universität höhnte. teilte er seinen Zuhörern mit.238 . man könne diese Streitfrage möglicherweise dadurch lösen. Anthropologen. wie sie . der sich bei Jägern und Sammlern in Ostafrika aufgehalten habe. die Teilnehmer in Begeisterung zu versetzen. diese Frage einem Anthropologen zu stellen. bestand darin. Ein Biologe meinte. die menschliche Persönlichkeit und die Gesellschaft würden in erster Linie von der Kultur (beziehungsweise der Umwelt oder den Erfahrungen) geprägt. Er wurde gefragt. erfreuten sich bei den Damen des Stammes wachsender Beliebtheit. wenn ein Mann im Dorf eine differenziertere Sexualpraxis entwickelte.

ja hunderttausend Jahre zuvor. mußte ich ihrer Grundannahme beipflichten: In der Tat. um herauszufinden. sich herausputzten. alle Männer aber Frauen mit einem Taille-zu-Hüfte.5 Doch selbst wenn man sich mit dieser Erkenntnis abgefunden hat. Vieles von dem. ob Männer bestimmte universelle und somit angeborene sexuelle Präferenzen aufweisen. was diese Neodarwinisten äußerten. zeigt Männern »aufreizende« Bilder von Frauen . die mit wissenschaftlichem Fachjargon drapiert waren. Singh fand heraus.einschließlich Karikaturen und Fotos von bikinitragenden Modells -. schien lediglich Spekulationen oder Binsenwahrheiten zu sein. diese versucht. wie es ein Redner formulierte. Unser stark gewundenes Großhirn wurde nicht in der im Vergleich zur gesamten Erdgeschichte sehr kurzen Zeit der Kulturentstehung geformt. was uns die Darwinsche Theorie über unseren modernen. Nehmen wir die Arbeiten von Devendra Singh.ihren Gruppenzusammenhalt stärkten. komplexen und so tief von der Kultur durchdrungenen Geist sagen kann. Singh reist seit Jahren durch die Welt und. sondern während der mehreren zehntausend. Gesichts. Nachfahren einer weit zurückreichenden Ahnenreihe von Organismen. die dem Urschlamm entstiegen. die seit ihrer frühen Kindheit in reinen Männerlagern gelebt und angeblich noch nie eine echte Frau oder auch nur ein Bild von einer Frau gesehen hatten. sich stritten.und sonstigen Körpermerkmalen zwischen und sogar innerhalb von Kulturen schwanken. die evolutionäre Logik. einem Psychologen an der Universität von Texas in Austin und führenden Forscher auf dem prosperierenden Gebiet der »darwinistischen Ästhetik«.239 . die unserem Sinn für das Schöne zugrunde liegt. daß die Präferenzen der Männer zwar hinsichtlich Brustgröße. Wir sind »Steinzeitmenschen auf der Überholspur«. bleibt die Frage. aufzuklären. Zu Singhs Probanden gehörten auch indische Hilfsarbeiter. wir alle sind Tiere. miteinander flirteten und sich gegenseitig rhetorische Streicheleinheiten verpaßten.

des Anthropologen John Tooby.6 Die natürliche Auslese begünstige diese Präferenz.so die entschiedene Meinung der Psychologin Leda Cosmides und ihres Gatten. die Cosmides . behauptete Singh in einem Vortrag auf der Tagung der HBES.« Nach Ansicht von Cosmides und Tooby könne die Darwinsche Theorie ein dringend benötigtes Rahmenmodell für die Psychologie. die 1994 das Zentrum für Evolutionspsychologie an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara gründeten. einer Sammlung von Aufsätzen. die meisten Sozialwissenschaftler glaubten noch immer. um uns dies zu sagen? Aber selbstverständlich! . Die beiden sagten mir. noch von keinem anderen Mann geschwängert wurden und deren Hüften breit genug sind.7 Cosmides und Tooby. der menschliche Schönheitsbegriff sei kulturell determiniert. sind zwei führende Vorkämpfer der neodarwinistischen Sozialwissenschaften.7 sexuell anziehend finden (man berechnet den Quotienten.240 . der im Verlauf der Evolutionsgeschichte bis zu einem gewissen Grad die weibliche Fruchtbarkeit vorhersagte«. die sich heute in einem Zustand der Orientierungslosigkeit befänden. gesunden Frauen. läuft Singhs Befund jedoch auf eine Binsenwahrheit hinaus. um ein Kind zu gebären. Brauchen wir wirklich die »Evolutionspsychologie«. »Der Taille-zu-Hüfte-Quotient war ein zuverlässiger Indikator. »Dies hatte noch niemand kulturvergleichend untersucht. meinte Tooby.7 ausgezeichnet mit der Fruchtbarkeit beziehungsweise dem »Vermehrungspotential« korreliere. In der Einleitung zu dem Buch The Adapted Mind. die weder rappeldürr noch fett sind. indem man den Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte dividiert). Männer wollen Sex mit jungen. In Alltagssprache übersetzt.Quotienten von 0. die Anthropologie und andere Sozialwissenschaften abgeben. die darwinistische Ästhetik versuche als einzige unseren Sinn für Schönheit auf seine biologischen Wurzeln zurückzuführen. weil ein Taille-zu-Hüfte-Quotient von 0.

die. so beteuerten sie. die Jäger und Sammler waren. das mit verschiedenen Instrumenten ausgestattet sei.und Tooby zusammen mit Jerome Barkow von der DalhousieUniversität herausgaben. neigten sie viel stärker zu sexueller Promiskuität als Frauen. Cosmides und Tooby prägten für ihren Ansatz den Begriff Evolutionspsychologie. eine genetische Grundlage hätten. Der Geist sei keine computerähnliche Allzweckmaschine. Da Männer . Diese Module seien von der natürlichen Auslese für die Lösung der Probleme passend ausgebildet worden. daß der Geist aus zahlreichen »Modulen« bestehe. die. Die natürliche Auslese habe nach Ansicht von Cosmides und Tooby das Gehirn von Männern und Frauen aufgrund ihrer unterschiedlichen reproduktiven Rollen auf sehr unterschiedliche Weise gestaltet. Eines ihrer grundlegenden Dogmen lautet. daß alle Menschen mit weitgehend derselben genetischen Ausstattung geboren würden. Das Geschlecht sei die entscheidende Ausnahme von der evolutionspsychologischen Regel.«8 Allein die Evolutionstheorie. weil sie höchstens ein Kind pro Jahr zur Welt bringen können. bewältigen mußten: die Suche nach Nahrung und Unterkunft.241 . die unsere Vorfahren. sondern ein Schweizer Armeemesser. wie das Sprachvermögen. eine beträchtliche Menge empirischer Verallgemeinerungen und ein widersprüchliches Sammelsurium unbegründeter Teiltheorien. Da Männer im Prinzip eine praktisch unbegrenzte Zahl von Kindern zeugen könnten. das Finden eines Geschlechtspartners. schrieben sie: »Nach über einhundert Jahren fehlt es den Sozialwissenschaften noch immer an einem klaren Ordnungsmodell: Es gibt eine Fülle halbverdauter Beobachtungen. das Aufziehen von Kindern und der Umgang mit Rivalen. die in einem Gewirr unvereinbarer Terminologien formuliert sind. die für verschiedene Funktionen maßgeschneidert seien. könne die Sozialwissenschaften aus diesem Chaos herausführen. bei der Auswahl ihres Geschlechtspartners wählerischer seien. so Cosmides und Tooby.

Sie gehörten zu den Mitorganisatoren der HBES-Tagung in Santa Barbara und waren dort nachgerade allgegenwärtig. Frauen dagegen bedrücke der Gedanke. wird ihre Eifersucht durch Befürchtungen. schlichtes Oxfordhemd und Khakihosen. wenn der andere zugegen ist.ihre Fähigkeit. ihre Geschlechtspartnerin könnte ihnen sexuell untreu sein. Während eines gemeinsamen Interviews vor der HBES-Tagung unterbrachen. sehr viel stärker. Beide sprechen außerordentlich schnell und noch schneller.niemals sicher sein könnten. die mit Fruchtbarkeit korrelierten. Bei der Auswahl einer Sexualpartnerin legten Männer besonderen Wert auf Jugendlichkeit. Ihr vierschrötiger Gatte dagegen wirkte wie der typische Intellektuelle: Drahtgestellbrille. und Mädchen mögen Jungs mit viel Geld. sah so aus. zum ersten Mal begegnete. daß sie der Vater des Kindes seien. Sie hielten nicht nur Vorträge. angestachelt. um Fragen zu stellen und selbst kurze Statements zu geben. sie könnten die emotionale Bindung eines Geschlechtspartners und damit seine Ressourcen verlieren. war ich verblüfft über dieses ungleiche Gespann. die am liebsten Miniröcke und Cowboystiefel trug.242 . Taille-zu-Hüfte-Quotient und andere körperliche Merkmale. waren sich Cosmides und Tooby unglaublich ähnlich. kommentierten und widersprachen sie sich gegenseitig in einem fort. Als ich Cosmides und Tooby. die seit 1979 verheiratet sind. Doch was die intellektuelle Energie und die Debattierlust betraf. Als ich nach der Beziehung zwischen der Evolutionspsy. für eine Familie zu sorgen. Cosmides. Wie formulierte es doch einer der Gelehrten auf der Tagung der HBES: Jungs mögen hübsche Mädchen. eine kleinwüchsige Frau mit langem schwarzem Haar. als wollte sie sich in einer Country und Western-Bar die Nacht um die Ohren schlagen. sondern kündigten auch Redner an und meldeten sich unverhofft aus dem Publikum zu Wort. Frauen dagegen komme es weniger auf die körperlichen Merkmale möglicher Geschlechtspartner an als vielmehr auf ihre »Ressourcen« .

und Wirtschaftswissenschaftler angehören.« Cosmides wies darauf hin. Aber damit muß man sich abfinden. »Die Verhaltensgenetiker stellen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Mitglieder der HBES. Geld auf zutreiben. die auf der Konferenz gehalten worden seien. die man dafür in Kauf nehmen muß.. und außerdem hat sie ein sehr breites Themenspektrum. betonte Tooby. Viele Intellektuelle hielten jede Diskussion über die genetische Grundlage der menschlichen Natur noch immer für ein »gewissermaßen unmoralisches Unterfangen. wenn man auf diesem Gebiet arbeitet. Doch andererseits wiegt die intellektuelle Horizonterweiterung durch diese Sichtweise allemal die Unannehmlichkeiten auf.« »Es gibt einige Dinge«. antwortete Tooby unwirsch.« »Aber John. hätten sich nur zwei mit Verhaltensgenetik befaßt. John«. Es gibt . die von politischen Regimen begangen würden.« Ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten glauben Cosmides und Tooby inbrünstig an die Zukunft der Evolutionspsychologie. Es macht alles schwieriger. warf Tooby dazwischen. aber immerhin sind sie vertreten. »Da ist zum einen die Tatsache. daß einem als Evolutionspsychologen die wissenschaftliche Karriere leichtgemacht werde. Dies solle nicht heißen.chologie und der Verhaltensgenetik fragte. eine Anstellung zu bekommen. »Ich hab's begriffen«.243 . Es ist schwerer. Von den hundertzwanzig Referaten.. daß die [Human Behavior and Evolution Society] extrem tolerant ist. die die menschliche Natur als beliebig formbar ansähen.. sagte Cosmides: »Die Evolutionspsychologie hat sehr wenig mit der Verhaltensgenetik zu tun. Es ist schwerer. ich kann mir den Geist nicht als einen äquipotentialen Universal.. daß Kritiker der Evolutionspsychologie 0 oftmals die Verbrechen übersähen. Daher gehören der Gesellschaft auch einige Verhaltensgenetiker an . »Sie sagen nicht: ›Bei Gott. sagte Cosmides. so daß ihr beispielsweise auch Literatur.

daß ihnen die Evolutionspsychologie erhellende Aufschlüsse über das Verhältnis zwischen Mann und Frau geben kann. so Cosmides. die ich kenne.« Die Evolutionspsychologie behaupte keineswegs. Aber ich sehe bestens.‹ Es ist heuchlerisch. und dies ist teilweise auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. Aber wir wissen auch. »Ich bin zum Beispiel kurzsichtig. fünfzig Millionen Menschen umgebracht haben.« »Diese Hindernisse. Kindesmißbrauch.rechner vorstellen. die intelligenten modernen evolutionstheoretischen Ansätzen zur Erforschung des Geistes in .« »Wir stehen am Beginn einer neuen Wissenschaft«.244 . »Einige der Evolutionspsychologinnen. der die Evolutionspsychologie wirklich versteht. bis jeder mit dem Gedanken losstürmen möchte: ›Mann. »Es ist so. Wir nehmen seine Umrisse verschwommen wahr. fuhr Cosmides fort. weil Stalin und Mao und Pol Pot im Namen einer Weltanschauung. Krieg und andere unerwünschte Verhaltensweisen zu verstehen.‹« »Und nicht nur das«. daß verschiedene menschliche Merkmale nicht verändert werden könnten. sagte Tooby. fügte Cosmides hinzu. Und trotzdem sind sie der Meinung. aber es wird lange dauern.diese vielen wichtigen Geistesblitze. Mißbrauch in der Ehe. mit diesem einen neuen Blickpunkt können wir jetzt jede Frage beantworten und politische Richtlinien mit vollkommener Gewißheit festlegen. die ich kenne. die auf dieser Sicht des Geistes basiert.« Indem uns die Evolutionspsychologie dabei helfe. sie richtig kennt und etwas Bedrohliches an ihr findet«. könne sie ihre Häufigkeit verringern helfen. »doch sozialpolitische Richtlinien basieren sehr viel stärker auf dem bestimmenden Wertesystem als jede wissenschaftliche Erkenntnis. als würde man Nuggets schürfen . daß dort draußen ein riesiges unbesiedeltes Gebiet liegt. Ich muß lediglich eine Brille aufsetzen. »Ich kenne niemanden. gehören zu den radikalsten Feministinnen. warf Cosmides ein.

Informationen über Werkzeugherstellung. Jagd und andere erlernte Fähigkeiten auszutauschen. daß sie Steven Pinker für die darwinistische Gemeinschaft anwarben. »Sie werden das menschliche Leid verstärken. und das heiße. Bündnisse schmieden und sich weitere Vorteile verschaffen können. Seine Ausbildung in Kognitionswissenschaft. Außerdem hätten die Menschen mit der höchsten Sprachfertigkeit Geschlechtspartner anlocken. er resümierte dort die Kernthesen seines 1996 erschienenen Bestsellers Der Sprachinstinkt. pflichtete Tooby bei.« Es war klar. Zudem versteht er sich hervorragend auf die allgemeinverständliche Aufbereitung seiner Themen. Direktor des Zentrums für kognitive Neurowissenschaft am Massachusetts Institute of Technology. Vorteile verschafft und ihnen erlaubt. gibt seinen evolutionstheoretischen Erklärungen Stringenz oder zumindest den Anschein davon.10 Die Sprache. würde uns ihre Anerkennung möglicherweise retten.245 . Steven Pinkers Umgang mit Wörtern Die vielleicht bedeutendste Leistung von Cosmides und Tooby bestand darin. Pinker. sie habe unseren Vorfahren. sind langfristig völlig kontraproduktiv«. so daß seine Werke sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Laien großen Anklang finden. behauptete Pinker. was Tooby damit sagen wollte: Da uns die Ablehnung der Evolutionspsychologie schade. die sich auch in zahlreicheren Nachkommen niedergeschlagen .den Weg gelegt werden. bringt für seine Rolle als Befürworter der darwinistischen Psychologie zwei besondere Stärken mit. die den Geist als ein Bündel informationsverarbeitender Maschinen betrachtet. sei höchstwahrscheinlich eine evolutionsgeschichtliche Anpassungsleistung. Ich lernte Pinker auf der HBES-Tagung in Santa Barbara kennen. die Jäger und Sammler gewesen seien.

Dr.« Der Sprachinstinkt war das erste große Produkt von Pinkers .« »Heute abend spricht Dr. Dawkins. mußte klein beigeben. Ruth mit Dick Cavett über Sex. fast engelhaftem Gesicht glich. was eine ungemein viel schwierigere Aufgabe sei. In einer Rede nach dem Abendessen verglich Dawkins' den visuellen Kortex mit einem Rechner.hätten. mit Dick Cavett Sex zu haben.246 . als er 1988 auf die Arbeiten von Cosmides und Tooby stieß. »Ich war förmlich überwältigt«. Aber Pinker kann auch harte Saiten aufziehen. Es war vermutlich nicht von Nachteil. daß Pinker einem Rockstar mit zartem.«) Zu seinem Vortrag fanden sich so viele Hörer ein. Pinker. Ruth discusses sex with Dick Cavett. das von einer dürerartigen Lockenpracht umsäumt wurde. Später am selben Tag knüpfte er sich niemand geringeren als Richard Dawkins von der Universität Oxford vor. einer der schärfsten Polemiker unter den heutigen Naturwissenschaftlern. erinnerte sich Pinker. indem er aus begrenzten Informationen »Simulationen« generiert. (Um die Mehrdeutigkeit der Sprache zu veranschaulichen. der visuelle Kortex dagegen tue genau das Gegenteil. der eine virtuelle Realität erzeuge. bestimmt und geistreich. der virtuelle Realitäten entwirft. führte er den Satz an: »Tonight. als ich ihn in seiner Wohnung in Cambridge interviewte. »Das Niveau der Analyse und Erklärung beeindruckte mich sehr. Pinker war mehr oder weniger ein herkömmlicher Kognitionswissenschaftler. wandle lediglich dreidimensionale Informationen in ein zweidimensionales Bild um.« oder: »Heute abend spricht Dr. sprang von seinem Stuhl in der vordersten Reihe auf. um Dawkins' Vergleich zu kritisieren: Ein Rechner. der sich in seiner Dissertation an der Harvard-Universität mit dem Sehvermögen befaßt hatte. Ruth darüber. der den Begriff des »egoistischen Gens« geprägt hatte und das »Alpha-Männchen« des Neodarwinismus ist. daß sie dichtgedrängt stehen mußten. der sich auf die Sprache spezialisiert hatte. Pinker war kühl.

wie unsere Augen. in seinem Vorwort räumte Pinker ein.«11 Sobald wir einmal eingesehen hätten. die Gene unserer Vorfahren weiterzugeben. Als er auf die Vergänglichkeit des Glücks zu sprechen kam. die uns undurchschaubar erscheint. sondern den menschlichen Geist als Ganzes zum Thema haben sollte. wenn wir herausfänden. Pinker beschrieb dieses Konzept der »analytischen Technik« (reverse engineering) folgendermaßen: »Beim Stöbern im Antiquitätengeschäft finden wir vielleicht eine Konstruktion. wir könnten den Geist nur verstehen. daß er sich weitgehend auf Erkenntnisse anderer stütze.«13 Und als Beispiel . als ich es liebe zu gewinnen.247 . Emotionen und Motivationen gewinnen. worin sein ursprünglicher Zweck bestehe.so sei etwa die Größe der Hoden bei verschiedenen Primatenarten proportional zur Promiskuität der Weibchen12 – und mit Beispielen aus der Massenkultur. Sobald wir erkennen. so daß der Kern auf der anderen Seite herauskommt. Daraufhin beschloß er ein Buch zu schreiben. Dort schrieb Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht. Pinker spickte sein Buch mit amüsanten wissenschaftlichen Fakten . daß es sich um einen Kirschenentsteiner handelt. könnten wir ähnliche Erkenntnisse über unsere Gedanken. daß der Metallring die Halterung für die Kirsche ist und daß der Kolben ein x-förmiges Messer durch die Frucht treibt. bezog er sich auf ein Zitat des Tennisstars Jimmy Connors: »Ich hasse es mehr zu verlieren. Hände und andere Merkmale unseres Körpers .darauf angelegt sei. daß unser Geist . bis wir wissen. verstehen wir plötzlich. wozu sie gut ist. Dennoch repräsentierte Wie das Denken im Kopf entsteht den neuesten Stand der darwinistischen Rhetorik. das nicht nur die Sprache. Cosmides und Tooby arrangierten für ihn einen einjährigen Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. so Pinker. das 1998 erschien.Bekehrung zum Darwinismus. Pinker beteuerte. Das Buch war nicht besonders originell.

wenn sie richtig betrieben werde.für die tiefe Verwurzelung der männlichen Aggressionsbereitschaft führte er die Tatsache an. Zu Beginn seines Buches kritisierte er: »An schlechten ›entwicklungsgeschichtlichen‹ Erklärungen besteht kein Mangel.und das Sprachvermögen sowie andere universelle menschliche Attribute analysierte. zu dem man Zuflucht nimmt. wenn sie sich einem Fremden näherten. Theorien hervorbringen. Gegen Ende von Wie das Denken im Kopf entsteht. wenn der Einsatz hoch ist und die üblichen Techniken zum Erringen eines Erfolgs erschöpft sind«18) und Literatur (»Fiktive . Warum fragen Männer nicht gern nach dem Weg? Weil unsere männlichen Vorfahren unter Umständen getötet wurden. Einige seiner Hypothesen wirkten jedoch leider trivial. Pinker meinte jedoch. »erklärte« Pinker praktisch alle Aspekte der modernen Kultur einschließlich Musik (»ein exquisites Konfekt.«15 Doch manchmal schien sich Pinker mit allzu oberflächlicher Rhetorik zu begnügen. die Männer sehen nur auf die Fotos. gern Bücher über Kriege lese.14 Um die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen von Männern und Frauen zu verdeutlichen. Welchen Zweck hat Musik? Sie führt die Gemeinschaft zusammen. um die sensitiven Punkte von mindestens sechs unserer geistigen Kapazitäten zu reizen«17).248 . zitierte er die Bemerkung des Besitzers einer Partnervermittlung: »Die Frauen lesen unsere Kurzbiographien wirklich durch. Als Pinker das Seh-. das den Titel »Der Sinn der Lebens« trägt. Religion (das »letzte Mittel. die genauso bündig seien wie alle anderen wissenschaftlichen Theorien. das Erinnerungs. erwies sich seine Methode der »analytischen Technik« in der Tat als recht überzeugend. das komponiert wurde. die Evolutionsbiologie als eine »leere Übung im nachträglichen Erfinden von Geschichten« zu diskreditieren. in einem Kapitel. daß selbst der Dalai Lama. ein erklärter Pazifist.«16 Diese nichtssagenden Erklärungen ermöglichten es Kritikern. die Evolutionspsychologie könne.

wenn ich befürchten müßte. denen wir eines Tages möglicherweise gegenüberstehen. daß mein Onkel meinen Vater umgebracht. seine Stellung eingenommen und meine Mutter geheiratet hat?«19 Anders gesagt.Geschichten bieten uns einen mentalen Katalog der tödlichen Probleme. könne eine »paradoxe Taktik« darstellen. Rasiermessern. Pinkers Neigung zu vorschnellen Spekulationen zeigte sich auch während unseres Interviews. Er hatte gerade einen Artikel gelesen über Mädchen im Teenageralter . sowie die Ergebnisse von Strategien. fehlangepaßte Verhalten.überwiegend aus wohlhabenden Familien -. der eine Geisel nimmt. Als Pinker mir diese Theorie erstmals mitteilte. Das Mädchen dürfe sich seiner Motivation nicht bewußt sein. um beachtet zu werden. was seine späteren Fortpflanzungschancen verbessere. Erst später erkannte ich. die wir dann anwenden könnten. was die Kolumnistin Ann Landers vielleicht folgendermaßen gesagt hätte: Einige Kinder tun alles. »gleicht einem Terroristen. das sich seine Unterarme zerschneide. Ein Mädchen. an der dem erpreßten Dritten viel liegt«. führte er weiter aus. meinte Pinker.20 Dieses scheinbar selbstzerstörerische. mehr Zeit und mehr Ressourcen auf es zu verwenden. Fingernägeln oder anderen scharfen Gegenständen selbst verstümmelt hatten. Hamlet sei eigentlich nichts anderes als ein Leitfaden zur Selbsterhaltung). »außer daß es selbst in diesem Fall die Geisel ist«. daß sie lediglich eine andere Formulierung für das war. .249 . so daß es nicht durch gutes Zureden oder durch Bestrafung davon abgebracht werden könne. Das Mädchen zwinge seine Eltern dazu. Welche Möglichkeiten hätte ich. war ich beeindruckt. die sich mit Messern.

Die Evolutionspsychologen lehnen sich stark an dieses Argument an (wenn sie auch nicht den Terminus verwenden). die Chomsky zusammenfassend als »Tiefengrammatik« bezeichnete. Chomsky. Evolutionspsychologen wie Tooby und Cosmides meinen. viele unserer Eigentümlichkeiten und Fähigkeiten seien zumindest teilweise angeboren.wie der der beiden anderen berühmten .die gesamte Evolutionspsychologie wird von einer ziemlich starken Ironie überschattet. Chomskys Standpunkt sei . selbst wenn ihnen nur minimale verbale Stimuli von außen dargeboten wurden. der wie Pinker am MIT lehrt. das uns am stärksten von anderen Säugetieren unterscheidet . Chomsky stützte sich dabei im wesentlichen auf das »Reizmangelargument«: Alle körperlich gesunden Kinder lernen fließend zu sprechen. Skinner und anderen Behavioristen aufgegriffen worden war. F. modulare Theorie des Geistes. die von den Evolutionspsychologen weiterentwickelt wurde. In den fünfziger Jahren begann Chomsky Einwände gegen die induktive Theorie des Lernens (der zufolge der Geist zunächst ein »unbeschriebenes Blatt« ist) vorzubringen. so Chomsky. Dennoch hat Chomsky darwinistische Erklärungen der Sprache und anderer Aspekte des Geistes scharf kritisiert. Nach Meinung von Chomsky ist die Sprache . Darüber hinaus wiesen alle Sprachen gemeinsame Strukturmerkmale auf. wenn sie behaupten. die John Locke im siebzehnten Jahrhundert begründet hatte und die von B.eine teilweise angeborene und keine völlig erlernte Fähigkeit. wie etwa Verben und Substantive.250 . entwarf die genetische.wohl das Merkmal. sei die gesprochene Sprache allen bekannten Kulturen gemeinsam. Pinker im besonderen und die Evolutionspsychologen im allgemeinen stehen tief in der Schuld des Linguisten Noam Chomsky. Anders als Lesen und Schreiben.Was Noam Chomsky wirklich denkt Steven Pinkers Karriere .

Doch als ich Chomsky auf diesen Punkt ansprach. Die Biologen könnten Fortschritte bei der Rekonstruktion des Ursprungs menschlicher Merkmale machen. der nicht an einen »göttlichen Eingriff« glaube. seine Einwände gegen den Neodarwinismus seien rein wissenschaftlicher Natur. daß es »eine naturalistische Erklärung für sämtliche Phänomene gibt«. was die richtige naturalistische Erklärung sei. Man kennt homologe Strukturen bei anderen Orga. daß die natürliche Auslese in der Evolution der Sprache und anderer menschlicher Attribute vermutlich eine Rolle spiele. der die Verteilung der Merkmale und Eigenschaften innerhalb dieser Randbedingungen festlegt . Die Schwierigkeit liege darin. wie oder weshalb diese Fähigkeiten entstanden seien. beteuerte er. die den Merkmalen der Tiere ähnelten. die zeigten. Die Darwinsche Theorie besage im Kern. nicht der Faktor. der an Harvard lehrenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin .21 Er räumte ein. Man weiß etwas über die physikalischen und physiologischen Hintergründe. »Man findet Belege für Zwischenstufen. So hätten etwa Richard Dawkins und andere Theoretiker plausible Computermodelle entworfen. daß wir etwas über die physikalischen und physiologischen Grundlagen wissen. Aber das hängt damit zusammen. wie »sich eine flache lichtempfindliche Oberfläche in einer nicht allzu großen Anzahl von Generationen in ein Auge verwandeln kann.251 . daß während der Evolution auch nichtadaptive Veränderungen vorkämen.« Das gleiche gelte für den menschlichen Arm.Kritiker der darwinistischen Sozialwissenschaft. Jeder. Die natürliche Selektion sei »ein Faktor. führte Chomsky weiter aus. herauszufinden.durch seine linke politische Einstellung motiviert.« Darwin selbst habe betont.ein Faktor. würde das unterschreiben. Doch angesichts der gewaltigen Diskrepanz zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und denen der Tiere könne diese Wissenschaft seines Erachtens kaum etwas darüber aussagen.

nismen. »Die Tatsache. versetzte Chomsky. eine Lautfolge durch den Mund und eine andere durch die Nase auszustoßen. zwei getrennte Lautfolgen durch Mund und Nase auszustoßen. daß wir ein Wort nach dem ändern äußerten. dies trage zur Erhaltung ihrer Gene bei. wird damit erklärt. so Chomsky. »Sie sagt nichts vorher!«. Die Beobachtung. so Chomsky. Chomsky nannte die Evolutionspsychologie eine »Philosophie des Geistes.« Ist Altruismus ein Instinkt? Dasselbe Problem. In diese Logik kann man praktisch alles pressen. Die Schwäche der Evolutionstheorie liege nicht darin.252 . daß sie zuviel erklären könne. hätten die Evolutionspsychologen sie zweifellos als ein Produkt der natürlichen Selektion »erklärt«. die Soziobiologie. »haben wir nichts von alldem«. die in den siebziger Jahren von dem an der . daß sie zuwenig. daß Menschen kooperieren. In Wahrheit werde die Sprache durch die Darwinsche Theorie weder verboten noch gefordert. Wir wären nicht durch die zeitliche Linearität gebunden. wird mit dem Hinweis erklärt. uns also in einer linearen Weise artikulierten. Die Fähigkeit.« Im Fall der Sprache und anderer spezifisch menschlicher Attribute.« Wenn die Menschen eine solche Fähigkeit entwickelt hätten. daß der eine seine Gene auf Kosten des anderen weitergeben will. daß Menschen miteinander kämpfen. Wir hätten jedoch vermutlich auch die Fähigkeit erwerben können. und diese lege auch keine Randbedingungen für die Ausgestaltung der Sprachfähigkeit fest. die mit einer Prise Wissenschaft gewürzt ist«. Chomsky wies darauf hin. merkte Chomsky an. betreffe auch den bedeutendsten Vorgänger der Evolutionspsychologie. sondern darin. Viele Evolutionspsychologen distanzieren sich von der Soziobiologie. hätte uns eine »sehr viel komplexere und reichhaltigere Kommunikation ermöglicht.

Sexismus und Imperialismus dadurch zu rechtfertigen suchte. jene Ideologie aus dem neunzehnten Jahrhundert. Die Verantwortlichen der HBES übernahmen eine bereits existierende Vierteljahresschrift. die auch das Verhalten von Ameisen und Pavianen steuerten. verzichteten sie bewußt darauf. doch 1996 benannten sie sie in Evolution and Human Behavior um. Die Bezeichnung »war für viele ein rotes Tuch und hat uns viele Unannehmlichkeiten bereitet«. auf ihrer Jahrestagung die Grundsatzrede zu halten. sie sei eine »rassistische. den Ausdruck Soziobiologie in den Namen der Gesellschaft aufzunehmen. Als eine Gruppe von Darwinisten 1988 die Human Behavior and Evolution Society gründete. hätten sie stillschweigend der Beschuldigung zugestimmt. und machten sie zu ihrem Aushängeschild. die Rassismus. das menschliche Sozialverhalten unterliege. sie hätten gehofft. Ethology and Sociobiology. Indem sie den Begriff Soziobiologie verworfen hätten. denselben Evolutionsprinzipien. die 1981 gegründet worden war. den Sozialdarwinismus wiederzubeleben. Obgleich die Angriffe auf Wilson oft unfair waren. deterministische« Ideologie. monierte Wilson. um die Führer der HBES für ihren »mangelnden Mut« zu tadeln. wenn auch nur näherungsweise.Harvard-Universität lehrenden Biologen Edward Wilson populär gemacht wurde. Ironischerweise bat die HBES im selben Jahr Edward O. Wilson ergriff die Gelegenheit. die der Soziobiologie wohlwollend gegenüberstanden. Wilson. daß sie das Überleben der Tauglichsten zu einem moralischen Prinzip erhob. sagte . mieden den Ausdruck in Zukunft. Stephen Jay Gould und Richard Lewontin etwa warfen Wilson und anderen Soziobiologen vor. sie versuchten. zeitigten sie Wirkung. auf diese Weise die negativen politischen Konnotationen der Soziobiologie zu umgehen. In Sociobiology und Biologie als Schicksal sowie anderen Werken verfocht Wilson die These. Einige führende Mitglieder der HBES räumten ein.253 . Selbst Wissenschaftler.

254 . wenn man erst einen Popanz aufbauen muß. »Was mich auf die Palme bringt. Wie läßt sich erklären. derartige Verhaltensweisen begünstigte? Darwin selbst vermutete. sofern die. daß die Evolutionspsychologen davon ausgingen. daß »Verhalten überall adaptiv ist. daß die natürliche Selektion. auch in modernen Umwelten«. sagte Alexander über Cosmides und Tooby. Er und andere Soziobiologen hätten niemals behauptet. daß sie sich Evolutionspsychologen nennen«.ein Herausgeber der Zeitschrift Evolution and Human Behavior einem Reporter von Science. daß man ihn ersetzen will. um dann sagen zu können. »Ich habe nichts dagegen. die doch rücksichtslos die egoistischsten Gene bevorzugte.22 Einige Evolutionspsychologen beteuerten beharrlich. sondern an die Umstände angepaßt. «24 Tatsache ist. ist. bei denen der Altruist Artgenossen auf Kosten seiner Tauglichkeit beziehungsweise seines Vermehrungspotentials hilft. daß die Evolutionspsychologie auf denselben theoretischen Grundannahmen basiert wie die Soziobiologie. der menschliche Geist sei nicht an das moderne Leben. Laut Cosmides und Tooby besteht ein Unterschied darin. so Cosmides und Tooby. »insbesondere an die Lebensräume von Jägern und Sammlern«. daß Menschen danach strebten. Eine bemerkenswerte Leistung der Soziobiologie war ihre Erklärung des Altruismus. in jeder Umwelt ihre Fortpflanzungschancen zu maximieren.23 Einige Soziobiologen hätten ebenfalls diese Hypothese geäußert. die natürliche Selektion erlaube möglicherweise die Entstehung von altruistischem Verhalten. daß sich ihr Ansatz zur Erforschung des menschlichen Geistes in wesentlichen Aspekten von der Soziobiologie unterscheide. doch andere hätten angenommen. Derartige Abgrenzungen erzürnen altgediente Soziobiologen wie Richard Alexander von der Universität von Michigan. unter denen sich seine Evolution vollzogen habe. als altruistisch werden alle Verhaltensweisen definiert.

Doch die sogenannte Gruppenselektion kam in den sechziger Jahren außer Mode. von Nutzen sei.ses für die gesamte Gruppe. anschließend belohnte der Fremde den Samariter. ob er sein Leben für seinen Bruder hingäbe. .25 Kurz darauf stellte der britische Biologe William Hamilton die Theorie der Verwandtenselektion auf. die ihr Leben für völlig fremde Menschen aufs Spiel setzen? Robert Trivers von der Rutgers-Universität. um einen Fremden vor Räubern zu schützen. Auch wenn der Samariter aus echtem Mitgefühl und wirklicher Hochherzigkeit gehandelt habe. wenn dieses Verhalten die Fortpflanzungschancen der Verwandten des altruistischen Organismus verbessere. Es könne auch die außerordentlichen Risiken und Opfer erklären. aber für zwei Brüder oder acht Cousins. daß sie mathematisch nicht schlüssig sei. die natürliche Auslese hätte möglicherweise die Entstehung altruistischer Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Nichtverwandten begünstigt. der zufolge die natürliche Auslese die Entstehung altruistischen Verhaltens dann begünstige. Trivers behauptete. Der barmherzige Samariter riskierte sein Leben. indem er ihm Vieh und Gold schenkte. B.«27) Wie steht es mit den barmherzigen Samaritern.26 Das Konzept der Verwandtenselektion enthülle die evolutionäre Logik. die menschliche Mütter und Väter auf sich nähmen. als der Evolutionstheoretiker George Williams und andere zeigten. der das Individuum angehöre.255 . um das Überleben ihrer Kinder und anderer enger Verwandter zu sichern. ein weiterer Evolutionstheoretiker. schlug in den siebziger Jahren eine Lösung für dieses Rätsel vor. denn Gene für Altruismus verschwänden unter dem Druck der natürlichen Selektion. S Haldane einmal schlagfertig: »Nein. (Auf die Frage. dem die Evolutionspsychologen viel verdanken. die dem Verhalten so hochsozialer Tiere wie Ameisen. antwortete der britische Biologe J. wenn solche Verhaltensweisen Altruisten unter dem Strich einen Vorteil brächten. Termiten und Nacktmulle zugrunde liege.

zog Cosmides den Schluß.29 Trivers Hypothese von reziprokem Altruismus nimmt in der Evolutionspsychologie dennoch eine Schlüsselfunktion ein. weshalb der Altruismus gegenüber Nichtverwandten. daß Menschen Probleme sehr viel besser lösten. was sich in der menschlichen Gesellschaft bewährt hat. Er vertrat die Auffassung. bei denen die Betreffenden argwöhnten. Rabbiner. Richter.setze er doch nur eine egoistische Strategie auf Wechselseitigkeit um. wenn diese Probleme in den Kontext sozialer Tauschhandlungen . altruistisches beziehungsweise »tugendhaftes« Verhalten sei möglicherweise »eines jener abiologischen. sondern auf schwer erkämpfte Erfahrungen dessen. die auf die Weitergabe seiner Gene abziele. . wenn er tatsächlich in unseren Genen verankert sei. den Bürgern den Wert von Mitleid und Freigebigkeit einzubleuen? »Weshalb gibt es so viele Kirchen. daß sie hintergangen würden .256 . als daß wir es allein durch Erfahrung hätten erwerben können. Und weshalb müßten so viele kulturelle Institutionen so viel Mühe darauf verwenden. Bewährungshelfer und Auszeichnungen für soziales Engagement?« fragte der Biologe H. ein so zerbrechliches Merkmal der menschlichen Psyche und Geschichte sei. Priester. Cosmides behauptete. Allen Orr von der Universität von Rochester in einem kürzlich erschienenen Aufsatz über Altruismus. Trivers nannte diesen Mechanismus »reziproken Altruismus«. nicht von der Natur selektierten Merkmale.gestellt und nicht als rein logische Übungen präsentiert wurden.28 Skeptiker haben sich gefragt. die nicht auf Gene. die uns bei reziproken Tauschhandlungen hintergingen. also für diejenigen.und insbesondere solcher. zurückgehen«. Sich auf Chomskys Reizmangelargument stützend. die natürliche Selektion habe uns womöglich ein intuitives Gespür für »Betrüger« vermacht.30 In einer Reihe von Experimenten wies Cosmides nach. daß unser Gespür für potentielle Betrüger zu empfindlich sei.

die gelegentlich zusammenfassend als die Umwelt der evolutionären Anpassung bezeichnet würden.33 Doch Buss räumte selbst ein. die Entstehung einer flexiblen Problemlösungsfähigkeit begünstigt. Evolutionspsychologen wie David Buss von der Universität von Michigan behaupten. daß viele Evolutionspsychologen behaupteten.257 . Selbst das Sexualverhalten.oder Lernprogramm herrühren. sei vielleicht oftmals rationaler.neben vielen weiteren Aspekten der menschlichen Kultur – von der Fähigkeit des Menschen.31 Diese und viele andere menschliche Fähigkeiten. als die Evolutionspsychologen meinten. so Mithen. als logische Probleme zu lösen. der wohl instinktgesteuertste Aspekt der menschlichen Natur. extrem veränderlich und unbeständig gewesen. könnten von einem universellen Intelligenz. wann uns jemand hintergehe. unterschiedlichste Probleme zu lösen. Frauen seien instinktiv scheuer als Männer und mäßen instinktiv den Ressourcen ihrer Geschlechtspartner mehr Wert bei als rein körperlichen Merkmalen. das sich stark auf Heuristiken beziehungsweise Versuch und Irrtum stütze. die spezifische Aufgaben übernommen hätten. In Anbetracht dieser Tatsache habe die natürliche Auslese möglicherweise neben Modulen. daß es uns vielleicht einfach deshalb leichter falle. daß das menschliche Sexualverhalten ex. statt von angeborenen funktionsspezifischen »Modulen«.32 Er kritisierte. die Evolution unserer Vorfahren habe sich unter mehr oder minder stabilen Umständen vollzogen. Der Philosoph James Fetzer von der Universität von Minnesota meinte. in der sich unsere Vorfahren entwickelten.Doch selbst auf der HBES-Konferenz wurden Zweifel an der Hypothese vom Gespür für Betrüger laut. sei die Umwelt. weil wir mehr Situationen erster Art erlebten. so Fetzers These. Der britische Anthropologe Steven Mithen vertrat bei der HBES-Tagung weitgehend das gleiche Argument. In Wirklichkeit aber. zu erspüren. Tatsächlich zeuge die Wissenschaft selbst .

die Evolutionspsychologen hätten mit ihren Annahmen über die weiblichen Sexualpräferenzen recht.258 . daß Frauen flüchtige sexuelle Kontakte stärker meiden. Das Syndrom vom bösen Vater Die größten Schwächen zeigt die Evolutionspsychologie. wie etwa die Ermordung von Kindern durch ihre Eltern. Ebenso mag sich in der weiblichen Präferenz für ressourcenreiche Männer schlicht die rationale Erkenntnis der Frauen widerspiegeln. daß Kinder mit einer um den Faktor sechzig höheren Wahrscheinlichkeit von einem Stiefelternteil – in der Regel einem Stiefvater . bei jedem sexuellen Kontakt das Risiko eingehen.ist die Annahme. ist dies das widernatürlichste aller Verbrechen. diese Präferenzen seien das Ergebnis rationaler. einige weibliche Individuen seien hoch promiskuitiv. geschwängert zu werden. als es Männer tun. von der McMaster-Universität in Kanada mit dem Problem zu befassen. Martin Daly. daß sie. Sind diese Präferenzen wirklich instinktgesteuert? Genauso plausibel . Nach der Auswertung von Mordstatistiken aus den Vereinigten Staaten und Kanada kamen sie zu dem Ergebnis.umgebracht werden als von einem natürlichen Elternteil. Sie wiesen darauf hin.34 Für Darwinisten. bewußter Überlegung. die in der Fortpflanzung den höchsten Daseinszweck sehen. . daß ihr gegenwärtiger und künftiger soziokönomischer Status relativ unsicher ist. ungeachtet von Verhütungsmaßnahmen. daher ist es völlig rational. und nicht alle zögen wohlhabende Männer gutaussehenden vor.wenn nicht plausibler . In den achtziger Jahren begannen sich Margot Wilson und ihr Gatte. ungewöhnliche menschliche Verhaltensweisen zu erklären. In der Pubertät erkennen die meisten Mädchen. Nehmen wir einstweilen an.trem veränderlich sei. wenn sie versucht.

das sie zweimal gelesen hätten. Vielleicht sind sie ungewöhnlich starkem finanziellem und emotionalem Streß ausgesetzt. Wilson und Daly sagten selbst. ein Buch.den Boden entzog. ihre Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert und ausgewogen beurteilt werden.nicht irgendein instinktiver Drang.36 Man kann auf keinen Fall davon sprechen. Dennoch werden die Studien von Wilson und Daly oft als ein Musterbeispiel darwinistischer sozialwissenschaftlicher Forschungen angeführt. in dem Wilson und Daly eine evolutionstheoretische Deutung der menschlichen Gewalttätigkeit vorlegten.ja der darwinistischen Psychologie insgesamt . sind ebenfalls atypisch. die gewisse Männer dazu veranlassen. Dies sind die Faktoren. Männchen zahlreicher Arten. weil die große Mehrheit der Stiefväter ihre Kinder weder tötet noch mißbraucht. die Kinder einer Partnerin zu töten oder zu schädigen .aber genau das ist der Punkt. Als die New York Times 1997 führende Intellektuelle bat.259 . Männer hätten eine angeborene Disposition. Natürlich sind Männer. von Mäusen bis zu Affen.daß diese Form der Tötung nichtverwandter Kinder in der Natur weit verbreitet sei. in dem er unabsichtlich den Forschungen von Daly und Wilson . das letzte Buch zu nennen. die ihre Paarungspartnerinnen mit einem anderen Männchen zeugten. töten die Nachkommen. weil sie auf ihre emotionale und finanzielle Stabilität geprüft werden . weil sie eine wichtige Frage aufgreifen und sich auf eine breite empirische Datenbasis stützen. die Kinder adoptieren. gab Steven Pinker Homicide an.37 Ironischerweise schrieb Pinker später einen Beitrag für das New York Times Magazine. die Stiefkinder mißbrauchen. Vielleicht haben sie nur widerwillig Verantwortung für die Kinder ihrer Ehefrau übernommen. den sie mit Mäusen oder Affen gemein hätten. eher atypisch. wenn diese von anderen Männern gezeugt worden sind. die Kinder ihrer Sexualpartnerinnen zu töten.38 . Männer.35 Dieser Befund schien die Theorie von dem egoistischen Gen zu bestätigen.

tötete es und ging dann wieder in den Tanzsaal zurück. Wenn Mütter ihre Neugeborenen beschützen (was fast alle tun).Er befaßte sich in seinem Beitrag mit einer Serie von Vorfällen. Dieses angeborene psychische Modul werde möglicherweise bei heutigen Müttern durch starken Streß aktiviert. [.260 ..) Obgleich Kindestötung durch die Mutter auf den ersten Blick als die Verletzung darwinistischer Prinzipien schlechthin erscheine. als knappe Ressourcen darauf zu verwenden. (In einem Fall brachte ein Mädchen bei einem HighSchool-Tanzabend in einer Toilettenkabine ein Kind zur Welt. bei denen biologische Mütter ihre Neugeborenen getötet hatten. daß dieses Verhalten evolutionär adaptiv ist. daß unsere mütterlichen Vorfahren in bestimmten Streßsituationen besser beraten gewesen seien.. Pinkers Beitrag. Jedwedes Verhalten und sein Gegenteil werden mit der evolutionären Auslese ›erklärt‹. Wenn nun einige Mütter ihre Neugeborenen töten.] Auf diese Weise aber wird gar nichts erklärt. so soll dies darauf zurückzuführen sein. Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung von Pinkers Aufsatz druckte die New York Times einen Leserbrief des Soziologen Claude Fischer von der Universität von Kalifornien in Berkeley ab. die für die Selbsterhaltung der Mutter und ihrer älteren Nachkommen dringend benötigt wurden. ein Neugeborenes zu töten. »verdeutlicht. sei sie möglicherweise das Ergebnis natürlicher Selektion. Er verwies darauf. Ressourcen. ist dies angeblich auch evolutionär adaptiv. wie nichtssagend evolutionsbiologische Erklärungen des menschlichen Verhaltens geworden sind. so Fischers Kritik. schrieb Pinker.«39 .

um diese Annahme zu machen. die Individuen auszeichnen. Doch wie ich bereits am Ende des letzten Kapitels erwähnte. Auf die Frage »Weshalb hat diese Frau ihr Kind getötet?« antwortet sie: »Alle Frauen sind aufgrund einer angeborenen Disposition imstande. die genetische Variation habe sich im Verlauf der Evolution als Schutzmechanismus gegen Parasiten herausgebildet. wenn sie vorhersagen könnte. die meisten psychischen und verhaltensbezogenen Unterschiede. Erstens ist es sehr viel einfacher. daß bestimmte Mütter eine genetische Veranlagung für eine schwere Wochenbettdepression haben. Das würde vielleicht ein Verhaltensgenetiker anführen. seien auf Umweltfaktoren zurückzuführen. Eine mögliche Erklärung für Kindestötungen liegt darin. doch hilft sie uns in dieser Frage kaum weiter. distanzieren sich Evolutionspsychologen oftmals von derartigen Erklärungen. Die Evolutionsbiologen haben zwei Beweggründe.261 .«40 In ähnlicher Weise haben Cosmides und Tooby die Vermutung geäußert. so behaupteten sie. welcher Vater oder Stiefvater oder welche Mutter oder Stiefmutter ein Kind mißbrauchen beziehungsweise töten wird. Zweitens er. ist sie diskussionswürdig. wenn die meisten Gemeinsamkeiten auf Gene zurückgeführt werden können und die meisten Unterschiede auf die Umwelt. Diese Variationen. »Die Annahme einer erblichen Variabilität des menschlichen Verhaltens wird im allgemeinen von adaptionistischen Theorien weder vorhergesagt noch untermauert.Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden Die Evolutionspsychologie wäre äußerst nützlich. weil die meisten Frauen in Streßsituationen ihre Kinder nicht töten. in bestimmten Streßsituationen ihre Säuglinge zu töten.« Selbst wenn diese Vermutung zutrifft. hätten unter Umständen geringfügige psychische oder verhaltensbezogene Auswirkungen. Modelle der menschlichen Natur zu entwerfen.

Die Schizophrenie beispielsweise steigere möglicherweise die Kreativität oder schärfe das Gespür einer Person für die Gedanken anderer Menschen. es könnte keine Evolution stattfinden. Depression. Panikattacken und andere Erkrankungen hätten überdauert. rassischen Gruppen eher durch Umwelt. In Wie das Denken im Kopf entsteht klammerte Steven Pinker psychische Erkrankungen (bis auf Autismus) aus. In ihrem 1994 erschienenen Buch Warum wir krank werden stellten der Evolutionsbiologe George Williams und der Psychiater Randolph Nesse. zwei herausragende Vertreter des Neodarwinismus. Zudem können die Gene. weil sie unseren Vorfahren gewisse Vorteile gebracht hätten. die die Erkenntnisse der Verhaltensgenetik als belanglos abtun. die Hypothese auf. das klassische Prinzip des Liberalismus zu vertreten. Die Evolutionspsychologen können auf diese Weise die Kritik vermeiden. Nicht so die Evolutionspsychologie.laubt diese Annahme Evolutionspsychologen. um ihren Zauber zu entfalten.als durch genetische Unterschiede erklärt werden können.262 . wenn sie unsere Gemeinsamkeiten erklären können. wie die Evolutionspsychologen behaupten. daß sie klinisch verwertbare Informationen über Verhaltensund kognitive Störungen zutage fördern wird. zweifellos auch unsere Unterschiede erklären. läßt er sich auch nicht ausschließen. Doch Evolutionspsychologen. die Werke wie The Bell Curve auf sich zogen. Ungeachtet all ihrer Unzulänglichkeiten sind mit der Verhaltensgenetik immerhin gewisse Hoffnungen verbunden. wonach viele der beobachteten Unterschiede zwischen Individuen und. das sie benötigt.42 .41 Ohne genetische Variation zwischen Individuen fehlte der natürlichen Auslese das Material. Schizophrenie. Obgleich der Zusammenhang zwischen spezifischen genetischen Unterschieden und spezifischen Verhaltensunterschieden keineswegs erwiesen ist (wie ich in dem vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). was noch wichtiger ist. widersprechen ihren eigenen Prämissen.

Beispiele von noch geringerer Überzeugungskraft legten der jungianische Psychoanalytiker Anthony Stevens und der Psychiater John Price in ihrem 1996 erschienenen Buch Evolutionary Psychiatry: A New Beginning vor.43 Frauen seien anfälliger für Agoraphobic (Angst vor offenen Räumen), mutmaßten Stevens und Price, weil bei unseren urzeitlichen Vorfahren die Mütter mit den Kindern zu Hause geblieben seien, während die Männer auf die Jagd gingen. Zwangsstörungen seien möglicherweise ein Überbleibsel der Gewohnheit unserer Ahnen, ständig den Zustand von Zäunen und anderen Schutzmaßnahmen gegen Raubtiere und feindliche Sippen zu überprüfen. Die Homosexualität sei möglicherweise deshalb nicht ausgestorben, weil Homosexuelle ihren Verwandten bei der Aufzucht von Kindern geholfen und so die »inklusive Fitneß« (Gesamteignung) ihrer Familie erhöht hätten. Als Beleg für diese Hypothese führten Stevens und Price an, daß wohlhabende Homosexuelle heutzutage »manchmal ihre Freunde schockieren, indem sie den Großteil ihres Vermögens [...] einem Neffen oder einer Nichte vermachen, zu denen sie möglicherweise seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten«. »Armer Darwin!« schrieb der britische Biologe Steven Rose in seiner Rezension der Evolutionary Psychiatry in Nature mitleidsvoll. »In den letzten zwanzig Jahren sind in deinem Namen mehr inhaltsleere Spekulationen und dogmatische Behauptungen veröffentlicht worden als in den ganzen hundert Jahren davor, und der Strom reißt noch immer nicht ab.« Er fügte hinzu: »In einer Zeit, in der sowohl die Evolutionstheorie als auch die Psychiatrie von eingefleischten Verfechtern des kulturellen Determinismus angegriffen werden, verdienten sie von ihren Anhängern bessere Dienste.«44

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Darwinistische Kulturalisten Ironischerweise sind einige prominente Neodarwinisten aufgrund ihres Bestrebens, nicht als genetische Deterministen gebrandmarkt zu werden, praktisch nicht mehr von ihren vermeintlichen Erzgegnern, den kulturellen Deterministen, die den Einfluß der Kultur auf die menschliche Natur hervorheben, zu unterscheiden. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Anthropologe Napoleon Chagnon45, der wie Cosmides und Tooby an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara lehrt. Chagnon, einer der Mitbegründer der HBES und eine Zeitlang deren Präsident, ist ein echter Bramarbas, der mit großem Vergnügen immer wieder seine zahlreichen wagemutigen Großtaten unter den Yanomamö erzählt, einem Volksstamm im Amazonien, den er in den sechziger Jahren zu erforschen begann. In dieser polygynen Gesellschaft - einer der wenigen, die noch an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten - überfallen die Männer eines Dorfes gelegentlich andere Dörfer, wobei sie deren männliche Bewohner töten und die weiblichen entführen. Männer aus demselben Dorf kämpfen auch gegeneinander, wobei sich diese Streitigkeiten oftmals an Frauen entzünden. Bei einem Duell versuchen die Gegner, sich gegenseitig mit riesigen Knüppeln auf den Kopf zu schlagen, bis einer bewußtlos zusammenbricht oder kampfunfähig wird. Die Männer tragen die Beulen und Narben, die sie sich bei diesen Duellen zuziehen, wie Auszeichnungen zur Schau. Der aufsehenerregendste Befund, der aus Chagnons mehrjährigen Feldforschungen im Dschungel hervorging, war, daß Männer, die die meisten Gegner getötet hatten, auch die meisten Nachkommen hätten. Umgekehrt hätten die Männer, die gewalttätige Auseinandersetzungen scheuten - Chagnon nannte sie einmal »Schwächlinge« -, relativ wenige Kinder oder gar keine.
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Chagnons Entdeckung hat bedrückende Implikationen. Wenn die Neigung zur Gewalttätigkeit bei bestimmten Männern genetisch verankert ist, könnte die natürliche Auslese diese Gene in Kulturen vom Yanomamö-Typ, in denen Gewalttätigkeit hoch mit Fortpflanzungserfolg korreliert, begünstigen. Doch Chagnon wehrte sich gegen diese Deutung, zumindest im Gespräch mit mir. Er betonte, er glaube nicht, daß Yanomamö-Männer oder andere ein »Kampfgen« in sich trügen, was ihm von einigen Kritikern und Journalisten unterstellt worden sei. Die Yanomamö-Männer, so Chagnon, zeigten nicht deshalb aggressives Verhalten, weil sie von Natur aus gewalttätig seien, sondern weil gewalttätiges Verhalten in ihrer Kultur hoch geschätzt werde. Die Anführer der Yanomamö-Dörfer würden Gewalttätigkeit in einer kontrollierten Weise einsetzen; Männer, die ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle hätten, lebten nicht lange genug, um Kinder zu zeugen. Wenn Yanomamö-Männer in einer Gesellschaft aufwüchsen, in der nicht die Kampffähigkeit, sondern die Tüchtigkeit bei der Feldbestellung in hohem Ansehen stünde, meinte Chagnon, würden sie sich schnell an dieses System anpassen. Ich sagte zu Chagnon, diese Erklärung könnte auch von dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould stammen; schließlich habe auch Gould die Formbarkeit der menschlichen Natur betont (weshalb er von den meisten Evolutionspsychologen als ihr Erzfeind angesehen wird). Ich wollte Chagnon mit dem Vergleich provozieren, doch zu meiner Überraschung widersprach er nicht. »Steve Gould und ich sind vermutlich in vielen Punkten einer Meinung«, antwortete Chagnon. Evolutionspsychologen (oder Anthropologen wie im Fall Chagnons) tun gut daran, die Neigung von Menschen, sich an ihre Kultur anzupassen, zuzugeben. Wie könnten sie die enorme Variabilität des Sozialverhaltens zwischen und selbst innerhalb von Kulturen sonst erklären? Japan war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine extrem aggressive,
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kriegslüsterne Gesellschaft, doch seit dem Zweiten Weltkrieg ist es eine Nation von Pazifisten. Leider stellt die kulturelle Anpassung auch ein Problem für die Evolutionspsychologie dar. Um zu beweisen, daß ein Merkmal angeboren ist, versuchen Evolutionspsychologen zu zeigen, daß es in allen Kulturen vorkommt. So haben Evolutionspsychologen beispielsweise durch kulturvergleichende Studien den Nachweis erbringen wollen, daß Männer von Natur aus stärker zu promiskuitivem Sexualverhalten neigen als Frauen. Doch angesichts der engen wechselseitigen Beziehungen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen nahezu allen Kulturen, selbst den sogenannten primitiven, bestehen, sind einige der universellen »instinktiven« Einstellungen und Handlungen, die von darwinistischen Forschern dokumentiert wurden, möglicherweise auf soziale Anpassung zurückzuführen. Das behaupteten die kulturellen Deterministen von jeher. Nach Ansicht von Evolutionspsychologen wie Cosmides und Tooby bestimmen Gene unsere Gemeinsamkeiten und Umweltfaktoren unsere Unterschiede. Doch auch das Gegenteil könnte zutreffen, zumindest zum Teil; die Kultur könnte viele unserer Gemeinsamkeiten erklären und die genetische Variation viele unserer Unterschiede.

Die Hypothese der Geburtenfolge Die Abneigung der Evolutionspsychologen gegen die Verhaltensgenetik mag erklären, weshalb sich so viele von ihnen die Hypothese der »Geburtenfolge«, die der Historiker Frank Sulloway vom Massachusetts Institute of Technology aufstellte, zu eigen gemacht haben. Auf der Grundlage der Darwinschen Theorie behauptete Sulloway, daß ein rein empirisches Phänomen - der Rangplatz eines Kindes in der Geburtenfolge seiner Geschwister - zu tiefgreifenden, dauerhaften Unterschieden
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in der Persönlichkeit zwischen Geschwistern führen könne.46 Sulloway zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß erstgeborene Kinder konservativ seien, den Status quo unterstützten und sich neuen wissenschaftlichen und politischen Ideen widersetzten, sehr viel größer als bei ihren spätergeborenen Geschwistern. Spätergeborene Kinder seien im allgemeinen abenteuerlustiger, radikaler, aufgeschlossener und risikobereiter. (Sulloway ist selbstverständlich der jüngste von drei Brüdern.) Sulloway behauptete, eine von Robert Trivers aufgestellte Theorie erkläre diese Befunde. Trivers weise darauf hin, daß, mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen, Geschwister lediglich in fünfzig Prozent ihrer Erbanlagen miteinander übereinstimmten. Obgleich Geschwister untereinander freigebiger sein sollten als gegenüber Nichtverwandten, sollten sie gleichzeitig um die Zuneigung der Eltern und um andere »Ressourcen« konkurrieren. Je länger Kinder die Risiken des frühen Kindesalters überlebten, um so höher sei die Wahrscheinlichkeit, daß sie (unter ansonsten gleichen Bedingungen) sich fortpflanzten und die Gene ihrer Eltern weitergäben. Daher brächten Eltern älteren Kindern mehr Zuneigung entgegen und investierten mehr Ressourcen in sie. Aus dieser Tatsache, so Sulloway, folge, daß Kinder, die zu verschiedenen Zeitpunkten geboren worden seien, unterschiedliche Strategien verfolgen müßten. Erstgeborene sollten eine enge Beziehung zu ihren Eltern aufrechterhalten und ihre Autorität nicht in Frage stellen. Da Spätergeborene weniger zu verlieren hätten, sei bei ihnen der Anreiz größer, sich Veränderungen und Unbotmäßigkeit um ihrer selbst willen zu eigen zu machen. »Aus darwinistischer Sicht ist es schlechterdings unmöglich, daß der Rang in der Geburtenfolge keine Auswirkungen haben sollte«, postulierte Sulloway in einer Rede auf der Konferenz der HBES. Sulloway sagte, diese Schlußfolgerungen seien durch zahllose Studien belegt. Er behauptete zudem, »erdrückende« Beweise
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dafür zusammengetragen zu haben, daß die meisten großen - wissenschaftlichen und politischen - Revolutionen in der Geschichte der Neuzeit von Spätergeborenen initiiert und unterstützt worden seien, während die »konservativen« Erstgeborenen sie bekämpft hätten. Darwin beispielsweise war das siebte von acht Kindern, und die Anhänger seiner Theorie seien nach Sulloways Analyse ebenfalls häufig Spätergeborene gewesen. Die Reformation und die kopernikanische Wende seien weitere grundlegende historische Umwälzungen, die hauptsächlich von Spätergeborenen angezettelt worden seien. Sulloway hatte Erklärungen für alle Ausnahmen von dieser Regel parat. Martin Luther, ein Erstgeborener, sei ein einfacher Kleriker von der untersten Stufe der kirchlichen Hierarchie gewesen und habe daher seinen Konservatismus überwinden können. Newton war ein Erstgeborener, doch sein Vater starb vor seiner Geburt; außerdem haßte er seinen Stiefvater, daher habe er die enge Bindung an die Eltern, die typisch für die meisten Erstgeborenen sei, nicht entwickelt. Freud war ein Erstgeborener, doch als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft habe er viele Merkmale eines Spätergeborenen besessen. Die Französische Revolution wurde weitgehend von Erstgeborenen, wie etwa Robespierre, getragen, doch sie habe sich durch eine außergewöhnliche Blutrünstigkeit und Grausamkeit ausgezeichnet, und dies seien Merkmale von Spätergeborenen. Der Rebell der Familie, in dem Sulloway seine Theorie darlegte, stieß nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1996 auf eine weithin positive Resonanz. Sulloways einstiger Lehrer Edward Wilson nannte es »eines der maßgebenden und bedeutendsten Werke in der Geschichte der Sozialwissenschaften«. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy sagte voraus, daß Sulloways Werk »genauso einflußreich sein wird wie die Schriften von Freud und Darwin«. Man rechnet zwar damit, daß der Text auf der Rückseite eines Buches übertriebene Anpreisun- 268

gen enthält, doch die Berichterstattung im New Yorker, in Newsweek und in anderen Publikationen war genauso hymnisch. Selbst Jay Gould, der die Evolutionspsychologie ansonsten vernichtend kritisiert, lobte Sulloways Arbeit, die letztlich der Umwelt (wenn auch in darwinistischer Verkleidung) bei der Prägung der Persönlichkeit genausoviel Bedeutung beimesse wie der Anlage.47 Doch nur weil Sulloways These Wissenschaftlern jeglicher politischer Couleur gefällt, bedeutet das nicht, daß sie richtig ist. Sulloways Schlußfolgerungen widersprechen denjenigen in dem Buch Birth Order: Its Influence on Personality von 1983.48 Die Autoren, die Schweizer Psychiater Cecile Ernst und Jules Angst, werteten Hunderte von älteren Studien aus, die einen Zusammenhang zwischen der Geburtenfolge und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen herzustellen versuchten, und führten dann eine eigene Erhebung an 7582 Einwohnern Zürichs im Schulabschlußalter durch. Sie gelangten zu dem Schluß, daß sich die Geburtenfolge nicht auf die Persönlichkeit auswirke und daß fortgesetzte Versuche, derartige Auswirkungen zu finden, »eine reine Zeit- und Geldverschwendung« seien.49 Sulloways Projekt war bereits weit vorangeschritten, als er auf das Buch von Ernst und Angst stieß. Er behauptete, er habe ihre Daten nochmals ausgewertet und dabei festgestellt, daß diese in Wirklichkeit seine These stützten. Er kam nicht zuletzt deshalb zu diesem Ergebnis, weil er gewisse Studien über die Effekte der Geburtenfolge ausklammerte, in denen die Probanden ihre Persönlichkeit selbst beurteilten, wozu auch die große Untersuchung gehörte, die Ernst und Angst in Zürich durchgeführt hatten. Die »Selbsteinschätzungsstudien« seien praktisch wertlos, so Sulloway, weil die Selbstbeurteilungen von Personen extrem subjektiv verzerrt seien. Nachdem ich Angst in Zürich ausfindig gemacht hatte, teilte er mir per E-Mail mit, er könne »weder nachvollziehen
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noch verstehen«, weshalb Sulloway die von ihm und Ernst für ihr 1983 erschienenes Buch erhobenen Daten nochmals ausgewertet habe. Sulloway habe »eine eindrucksvolle Serie von Fallgeschichten und -beispielen« angeführt, sagte Angst. »Aber meines Erachtens spielt er auf einem anderen Register: Historische Untersuchungen sind naturgemäß retrospektiv, nicht repräsentativ und nicht verallgemeinerungsfähig, und sie können daher die Befunde sorgfältig geplanter empirischer Untersuchungen nicht widerlegen.« Auch die Psychologin Judith Harris hat Sulloways Methode beanstandet. In ihrem 1998 erschienenen Buch The Nurture Assumption wies Harris daraufhin, Sulloway habe sich bei seinen Schlußfolgerungen stark auf Studien gestützt, in denen die Persönlichkeit der Probanden von Verwandten - nämlich Geschwistern und Eltern - bewertet worden sei. Doch diese Methode sei besonders schlecht geeignet, um Sulloways These von der Bedeutung des Geburtenfolge zu überprüfen. Sie führte aus, die These besage im wesentlichen, daß die Konkurrenzstrategien, die Geschwister während der Kindheit innerhalb ihrer Familie benutzten, sich in ihren Beziehungen außerhalb des Elternhauses fortsetzten und sich bis ins Erwachsenenalter hielten. »Einflüsse der Geburtenfolge lassen sich häufig in Beurteilungen durch Eltern und Geschwister nachweisen; sie fehlen jedoch meistens in Erhebungen, die außerhalb des familiären Kontextes vorgenommen werden.«50

Darwin und Freud Eine ähnliche Kritik an Der Rebell der Familie hörte ich von Steven Pinker, einem Kollegen Sulloways am MIT und wie dieser Darwinist. Obgleich er in Wie das Denken im Kopf entsteht Sulloways Der Rebell der Familie lobte, sagte er mir, er hege Zweifel an Sulloways These; sie mute ihn allzu freudia- 270

angefangen von Darwin und Lamarck bis hin zu Wilhelm Fliess. wie wir mit unserer Familie interagieren. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. wie wir mit der Außenwelt interagieren.51 Sulloway gehe wie Freud davon aus. die uns in der Regel nicht bewußt wird.52 In Wahrheit gibt es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Evolutionspsychologen und Freudiänern. der überzeugt davon war.nisch an. Vor der Publikation von Der Rebell der Familie hatte sich Frank Sulloway vor allem als Freud-Kritiker hervorgetan. Die egoistischen Gene der Darwinisten motivieren uns wie das Es der Freudianer in einer Weise. Das ist nicht offenkundig so.« Die Ironie von Pinkers Bemerkung war verblüffend. und alles Glück sei vergänglich. darüber entscheidet. Freud sei alles andere als ein origineller Denker gewesen und habe hemmungslos Anleihen bei anderen Wissenschaftlern gemacht. Wie viele andere Ideen in der Evolutionspsychologe läßt sich auch diese auf eine Hypothese zurückführen. daß »die Art und Weise. Biologe der Seele vertrat Sulloway die Auffassung.271 . die Robert . sofern es überhaupt erreichbar sei. Beide Theorien besitzen eine nahezu unbegrenzte Flexibilität. Beide sehen Männer und Frauen als grundverschieden und in manchen Aspekten sogar als nicht zusammenpassend an. Beiden ist eine grundlegende tragische Sicht der menschlichen Natur gemein: Das Leben sei ein Kampf.53 Für beide ist die Sexualität der Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Psyche. einem Neurologen. Das Unbewußte nimmt in der Evolutionspsychologie einen ebenso großen Raum ein wie in der Psychoanalyse. In seinem 1982 erschienenen Buch Freud. als diese normalerweise zuzugeben bereit sind. sie können praktisch jeden Aspekt des menschlichen Seelenlebens und Verhaltens erklären und lassen sich somit nicht widerlegen. daß die Nase im Zentrum vieler psychischer Störungen stehe. Beide sind sich der Grenzen unserer Vernunft und der Macht unserer Instinkte deutlich bewußt.

Uneigennützigkeit und Stärke zu übertreiben und unseren Egoismus. daß ihre Eltern zu erschöpft seien. mit Hilfe ihrer theoretischen Instrumente ihre Kritiker zu analysieren. Der Evolutionspsychologe David Buss . der stärker motiviert sei als die Mutter. die ihre eigenen Lügen glaubten und somit den Anschein der Aufrichtigkeit erweckten. Ein besonders angespanntes Verhältnis müsse zwischen den Kindern und dem Vater bestehen. von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. aus unseren Fehlern nicht zu lernen.54 Andererseits sollten wir nicht so selbstverblendet sein. um unsere eigene Vertrauenswürdigkeit.57 Nach Ansicht von Wilson und Daly müsse der Neid auf das sexuelle Verhältnis der Eltern bei Jungen und Mädchen gleich stark sein. Er erklärte. haben Margot Wilson und Martin Daly (die Entdecker des Syndroms des »bösen Stiefeiters«) eine darwinistische Deutung des Ödipuskomplexes vorgeschlagen. Die Kinder forderten daher so viel Aufmerksamkeit.272 .Trivers in den achtziger Jahren formulierte. Die erfolgreichsten Lügner seien nach Ansicht von Trivers diejenigen. sondern auch zwischen Eltern und ihren Nachkommen erzeugen. Wie sagte George Orwell doch einmal: »Das Geheimnis der Herrschaft besteht darin. unsere Unzuverlässigkeit und andere Unzulänglichkeiten herunterzuspielen. das heißt. Letztlich scheuen sich die Darwinisten ebensowenig wie die Freudianer.56 Die divergierenden genetischen Interessen von Familienangehörigen könnten Spannungen nicht nur zwischen Geschwistern. weitere Nachkommen zu zeugen. Aufbauend auf diesen Ideen. was den Anteil jedes Kindes an den elterlichen Ressourcen verringerte. den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit mit der Gabe zu verbinden. denn aus diesem Verhältnis könnten weitere Nachkommen hervorgehen. um an Sex zu denken. Sex zu haben.«55 Wie die Freudianer hat auch Trivers die Familie als einen »Konfliktherd« dargestellt. wir hätten gute evolutionäre Gründe.

der Quantenmechanik befaßt. Evolutionsforscher können jede beliebige Menge psychologischer und sozialer Daten heranziehen und zeigen. daß jede Interpretation die verfügbaren Daten erklärt und daß es keine Möglichkeit gibt. Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft Die Evolutionspsychologie zeichnet sich in vielerlei Hinsicht durch eine seltsame Folgenlosigkeit aus. Er erhob im Psychological Inquiry den Vorwurf. die »traditionellen Psychologen« befürchteten einen Status.das heißt der Erschließung der metaphysischen Bedeutung . unter anderem die Kopenhagener Interpretation.und Prestigeverlust (und. die den Nachweis erbrächten. Dieses Dilemma erinnert mich an jenes Teilgebiet der Physik. die Viele-Welten-Interpretation und die Pilotwellentheorie.273 . welche Interpretation die richtige ist. Daher ist .verfolgte diese Taktik. sich vor einem tatkräftigen Neuanfang zu schützen. ob Kritiker der Evolutionspsychologie im allgemeinen Erstgeborene seien.59 Das Problem besteht darin. so würde ich vermuten. einen Rückgang sexueller Kontaktchancen). durch Studien herauszufinden. vor allem angesichts des glühenden Eifers. mit dem sie von ihren Anhängern angepriesen wird. auf empirische Weise herauszufinden. daß ihre Auffassung richtig und die alternative Sichtweise falsch ist und umgekehrt. Aber sie können keine Experimente durchführen. die nach Frank Sulloway anlagebedingt jegliche Veränderung ablehnten. Es wurden viele unterschiedliche Interpretationen vorgeschlagen.58 Buss plädierte dafür. daß sie sich in darwinistischen Kategorien erklären läßt. das sich mit der »Interpretation« . der Widerstand gegen die Evolutionspsychologie sei weniger auf berechtigte wissenschaftliche Einwände zurückzuführen als vielmehr auf den Wunsch der alten Garde von Psychologen.

Mechanismus und physikalischem Gesetz vereinigt«. Sinn und Zweck mit dem Bereich von Raum und Zeit. daß viele unerfreuliche Phänomene des modernen Lebens – rücksichtsloser Kapitalismus. obwohl er es bestreitet). Wenn wir adaptionistische Erklärungen der Natur anerkennen würden. ihren Reiz zu preisen? Weshalb wird der Darwinismus als Theorie der gesamten Natur (nicht bloß der Spezies Mensch) von religiösen Fundamentalisten. Doch dies wirft sogleich eine Frage auf. politische oder philosophische Wertmaßstäbe zurückgreifen. Nationalismus und der. Ebensowenig läßt sich allein anhand empirischer Daten entscheiden. Wenn die Evolutionstheorie empirisch so gut abgesichert ist. sie sei eine Tatsache. insbesondere die eher linksstehenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin (und vermutlich auch Noam Chomsky. Dennett schrieb in Darwins gefährliches Erbe. müßten wir uns wohl damit abfinden. Man muß auf ästhetische. Rassismus. die genauso zweifelsfrei erwiesen sei wie jede andere wissenschaftliche Tatsache. aber auch von äußerst kenntnisreichen Wissenschaftlern abgelehnt? Einige Kritiker. haben eindeutig politisch motivierte Vorbehalte gegen die Darwinschen Theorien. Obgleich sich die Darwinsche Theorie der Evolution durch natürliche Selektion meines Erachtens für das Verständnis der menschlichen Natur nicht sonderlich bewährt hat. daß diese Theorie »die beste Einzelidee aller Zeiten« ist. ob die Evolutionspsychologie richtig und der Kulturdeterminismus falsch ist. Darwins Idee habe »mit einem Schlag den Bereich von Leben. so ihre Befürchtung. sich bei seiner Wahl auf ästhetische Präferenzen zu stützen. Sexismus. Ursache und Wirkung.60 Die Evolution durch natürliche Selektion solle nicht länger eine Theorie genannt werden. bin ich mit dem Philosophen Daniel Dennett einer Meinung.man gezwungen. weshalb müssen dann Wissenschaftler wie Daniel Dennett. Richard Dawkins und andere so viel Energie darauf verwenden.274 .

die Gaia-Hypothese und die Komplexitätstheorie.61 Der Elementarteilchenphysiker Steven Weinberg schrieb einmal: »Je begreiflicher uns das Universum wird. weshalb überhaupt Leben entstanden sei beziehungsweise weshalb das Leben nach seiner Entstehung den Weg eingeschlagen habe. Wissenschaftler haben verschiedene Zusatzmechanismen vorgeschlagen. Wie weit kann die Evolution gehen? Werden die Menschen immer intelligenter werden? Wird aus dem Homo sapiens eines Tages eine intelligentere Spezies hervorgehen.275 . Der absolut unwahrscheinlichste Organismus von allen ist derjenige. etwa die Gruppenselektion. wozu genetische Theorien in der Vergangenheit benutzt wurden.gleichen . daß die Evolutionstheorie. Sie befürchten.«62 Die Geschichte der Biologie legt einen daraus folgenden Aphorismus nahe: Je begreiflicher uns das Leben wird. um so unwahrscheinlicher erscheint es auch. Einige behaupten. so wie wir aus den Affen hervorgingen ? Wie nicht anders zu erwarten. beantworten Evolutionsforscher diese Frage nicht einhellig. selbst wenn sie von der modernen Genetik und Molekularbiologie gestützt werde. um so sinnloser erscheint es auch. Andere erheben aus dem entgegengesetzten Grund Einwände gegen den Darwinismus. der sich über seine Unwahrscheinlichkeit den Kopf zerbrechen kann. die natürliche Auslese sei durch die moderne Medizin und andere Produkte der Zivilisation so abgeschwächt worden. daß tiefgreifende körperliche oder geistige Veränderungen beim Men. den wir heute rekonstruieren können. Der Darwinismus könne uns nicht erklären. die Wirklichkeit nicht hinlänglich wahrscheinlich mache. Die Evolutionstheorie wirft Fragen über unsere Zukunft und unsere Vergangenheit auf.bis zu einem gewissen Grad wahrscheinliche und sogar unvermeidliche Produkte der Evolution seien und sich nicht leicht ändern ließen. sind derartige Vorbehalte nicht unbegründet. die das Phänomen Leben wahrscheinlicher und gesicherter machen sollten. Wenn man bedenkt.

die um ein vielfaches intelligenter seien als ein Mensch. daß Samuel Butler sie in seinem Science-fiction-Roman Erewhon aus dem Jahr 1872 satirisch aufs Korn nahm. sondern sozusagen der letzten fünf Minuten.63 Falls es keine bahnbrechenden Fortschritte in der Verhaltensgenetik oder breitangelegte Eugenikprogramme gebe. sondern das gesamte Weltall von superintelligenten Maschinen regiert wird. wird noch heute von leidenschaftlichen Anhängern der Künstlichen Intelligenz wie Marvin Minsky vom Massachusetts Institute of Technology und Hans Moravec von der Carnegie-Mellon-Universität benutzt. abzüglich der Ironie..] Die komplexeren Maschinen sind. daß eines Tages nicht doch einmal Maschinen mit Bewußtsein entwickelt werden.. bietet keine Garantie dafür. daß Maschinen heute kaum Bewußtsein besitzen.276 . würden wir weitgehend auf dem heutigen Entwicklungsstand verharren.66 Einige Neodarwinisten verdrehen die Augen.64 Nach dem phantastischsten Szenario werde die nächste Phase der Evolution von Maschinen getragen. keine Geschöpfe von gestern. Nehmen wir einmal hypothetisch an. Sie sind überzeugt davon. [. wenn sie das hören.sehen unwahrscheinlich seien. »Weshalb gibt es in Romanen so viele Roboter. Andere Theoretiker mutmaßen. daß der Tag kommen wird. an dem nicht nur die Erde. gemessen an der Vergangenheit. daß Geschöpfe mit Bewußtsein seit etwa zwanzig Millionen Jahren existieren: Welche großen Fortschritte haben die Maschinen in den letzten tausend Jahren gemacht? Wird die Welt nicht weitere zwanzig Millionen Jahre bestehen? Und was wird am Ende wohl aus ihnen werden?«65 Dieselbe Rhetorik. daß unsere Nachfahren möglicherweise tiefgreifende Veränderungen durchmachen würden. in der Wirklichkeit aber nicht?« fragte Steven Pinker in Wie das Denken im Kopf ent. Selbst zur Zeit Darwins waren solche Phantasien bereits derart verbreitet. Darin verkündet ein verrückter Wissenschaftler: »Die Tatsache.

Planen und in unserem ganzen Tagesablauf lösen. die spezifische Aufgaben wahrnähmen. sondern in Module eingeteilt. Gehen.69 Um dieses Problem zu verdeutlichen. Nach Ansicht des Philosophen und Kognitionswissenschaftlers Jerry Fodor von der Rutgers-Universität stehen Evolutionspsychologie und Künstliche Intelligenz bei der Beschreibung des menschlichen Geisteslebens vor demselben Problem. daß konstruktive Eigentümlichkeiten unseres Sehmoduls vielfältige Sinnestäuschungen erzeugten. könnten in der Tat auf Rechenprozesse zurückgeführt werden. so Pinker. daß »die technischen Probleme. wies Fodor darauf hin. Fodor gehörte einst zu den führenden Verfechtern der »Computertheorie des menschlichen Geistes« und der Hypothese.steht. die »sich dem Integrationsproblem nicht stellt«. doch die Untergliederung des Geistes in viele kleine anwendungsspezifische Rechner oder Module beantworte noch immer nicht die Frage. lautete sein Fazit. schrieb Fodor in einer Besprechung von Wie das Denken im Kopf entsteht. die wir Menschen beim Sehen. »steckt noch immer in den Kinderschuhen«. der Geist sei kein lernender Allzweckrechner. Aber in diesem Jahrhundert wird sich das nicht mehr einrichten lassen. »Ich würde viel Geld für eine Maschine ausgeben. HAL aus 2001 und RaÜ2 aus Krieg der Sterne werden vielleicht für immer Produkte der Sciencefiction bleiben. Im Jahr 1998 räumte Fodor jedoch die Grenzen dieser Annahmen ein.68 Anders gesagt. so wirke der Mond . weitaus schwieriger [sind] als die Landung auf dem Mond oder die Sequenzierung des menschlichen Genoms«.«67 Dies liege daran. wie etwa die Fähigkeit. Eine Psychologie. und im nächsten vermutlich auch nicht. die das Geschirr wegräumt oder einfache Aufträge erledigt. ja stellte sie sogar nachdrücklich heraus.277 . Bestimmte kognitive Aufgaben. Farben zu erkennen oder einen Satz grammatisch zu analysieren. wie die Ergebnisse all dieser modularen Berechnungen integriert würden.

.278 . In ähnlicher Weise ist der Alltagsverstand in herausragender Weise genau das. Sie können den Geist zwar in Stücke zerlegen. was man »Alltagsverstand« nenne. wie sie diese wieder zusammensetzen sollen. daß sie einer Sinnestäuschung erliegen. Doch die meisten von uns wüßten. Ein fehlender Bestandteil von entscheidender Bedeutung ist der altbewährte Alltagsverstand. was die Computer. »So wie die Dinge heute stehen«. als wenn er hoch am Himmel stehe.in der Nähe des Horizonts größer. meinte Fodor. »besitzen wir keine Theorie der Psychologie des Alltagsverstands. um das zu erzeugen. die wir bauen können. aber sie haben keine Ahnung. der Output unseres Sehmoduls müsse auf irgendeine Weise mit dem Output anderer Module verrechnet werden.« Wie die Neurowissenschaftler rennen auch die Forscher der Evolutionspsychologie und der Künstlichen Intelligenz gegen das Dilemma des Reduktionismus an. nicht besitzen. die einer sorgfältigen Prüfung durch einen intelligenten Fünfjährigen standhielte.

den die Autorin Pamela McCorduck an der ColumbiaUniversität hielt. darüber nachzudenken. . KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND Meine Expertensysteme konnten nicht als intelligent bezeichnet werden. eines Tages seien Computer vielleicht genauso gute oder sogar noch bessere Autoren als Menschen. Sie ergötzte uns mit Anekdoten über Herbert Simon. der Monatsschrift des Institute of Electrical and Electronics Engineers. was Er1 kenntnis sei. In Machines Who Think hatte sie ein noch apokalyptischeres Szenario vorgestellt: Nach Ansicht einiger KI-Visionäre würden intelligente Maschinen die nächste Etappe in der Evolution bewußtseinsbegabten Lebens darstellen und bald die Menschen weit hinter sich lassen. ] Nachdem ich mir lange den Kopf zerbrochen hatte. Sie hatte bereits ein Buch über Künstliche Intelligenz (KI) geschrieben. Marvin Minsky. und arbeitete intensiv an einem zweiten. die mit dem bekannten Informatiker Joseph Traub verheiratet ist. [ .279 . Ich sann lange Zeit über die Frage nach. dessen Ziel es war. . als ich die kommerziellen Interessen bereits fallengelassen hatte. Ihr neues Buch handelte vom japanischen Fifth Generation Project.2 I m Jahr 1982 besuchte ich einen Kurs in Wissenschaftspublizistik. Mit einer Mitgliederzahl über drei. Machines Who Think2 (man beachte das hintersinnige »who«!). John McCarthy und andere Wegbereiter der Künstlichen Intelligenz. binnen zehn Jahren intelligente Maschinen zu konstruieren. Aber sie brachten mich dazu. als ich eine Stelle beim IEEE Spectrum antrat. RICHARD POWERS. McCorduck. daß ich keinen blassen Schimmer davon hatte. auch dann noch. Ein Jahr später erhielt ich einen nur geringfügig objektiveren Einblick in die KI-Kultur.7. kam ich zu dem Schluß. neckte die angehenden Publizisten in ihrem Kurs mit ihrer Prophezeiung. Galatea 2. was man sich darunter vorzustellen hätte. Ihre Begeisterung für die Künstliche Intelligenz übertrug sich auf ihre Studenten.

und ehemaliger Direktor des KI-Programms der Rand Corporation. Der Leitartikel. fast ebenso ausdruckslosen Frau dargestellt. Andere werden sich grundlegend wandeln. Unter dem Titel »Nach 1984: Technologie und Individuum« waren auf dem Titelblatt Kopf und Schulter eines silbernen. Die KI bildete einen Schwerpunkt der Berichterstattung im Spectrum. Einige Berufe werden dadurch überflüssig und verschwinden. war Vizepräsident von Teknowledge. ebenso Industriegiganten wie IBM. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium steckte gewaltige Summen in dieses Forschungsfeld. Er war selbstverständlich ein glühender Anhänger der Künstlichen Intelligenz. aber den provozierenden Untertitel »Die heutigen Instrumente liefern mehr Daten. als das Gehirn verarbeiten kann. Die Botschaft war klar: das halsbrecherische Tempo des technologischen Fortschritts verwische die Grenzen zwischen Künstlichem und Biologischem. trug den langweiligen Titel »Die Maschine als Partner des neuen Fachmanns«.hundertausend ist die IEEE eine der größten berufsständischen Organisationen in der Welt. einem Hersteller von Expertensystemen. die die Fähigkeit menschlicher Experten nachahmen. gesichtslosen Roboters neben einer kahlköpfigen. Frederick Hayes-Roth. Expertensysteme greifen uns unter die Arme. könnten jedoch schon bald menschliche Aufgaben an sich reißen«3 (Expertensysteme sind Softwareprogramme. Der Autor. Im Jahr 1984 stellten die Redakteure anläßlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der IEEE ein Sonderheft über »die Auswirkungen der Hochtechnologie auf die Gesellschaft insgesamt und den Berufsstand der Ingenieure im besonderen« zusammen. In seinem Spectrum-Beitrag sagte er voraus. die Elektrotechnik werde »die Natur der Arbeitswelt tiefgreifend verändern. den ich redigierte. Informationen aufzunehmen und auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen). Viele neue Berufe werden entstehen.280 . um neue An.

ihre intellektuellen Kompetenzen zu übernehmen. der Stellenwert von Kreativität. Im Jahr 1998. »Die Anzahl der Experten.« Eine Nische. Die größte Herausforderung für künftige Fachleute wird allerdings auftauchen. Altern und Tod -. verkündete Hayes-Roth. Anpassung an das Leben im Weltraum. wenn Maschinen beginnen. zu dessen Mitbegründern er in den glorreichen Tagen der KI gehört hatte. den Anbieter von Expertensystemen. die sich schwerer automatisieren ließen. sportlicher Leistungsfähigkeit. in der sich den Menschen neue Entfaltungsmöglichkeiten eröffneten. verlören Experten an gesellschaftlichem Ansehen.281 .wendungsfelder der Elektronik zu nutzen und zu unterstützen. sei die Psychotherapie. Er begann zu lachen. während die ökonomischen zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. wird zunehmen«. sagte er und gab bereitwillig zu. sich neue Herausforderungen zu suchen und ihr Selbstverständnis neu zu definieren. nehme dagegen zu. daß Expertensysteme schon im Jahr zweitausend Fluglotsen ersetzen würden und binnen fünfzig Jahren Ärzte und Wissenschaftler.4 Er arbeitete noch immer für Teknowledge. da die meisten Erwerbstätigkeiten von Maschinen übernommen werden. besteht die wohl größte Aufgabe der Menschheit darin. spürte ich ihn im kalifornischen Palo Alto auf.« Hayes-Roth sagte voraus.traumatischen Ereignissen in der Adoleszenz. Die Menschen »gehen fast nur noch persönlichen und sozialen Interessen nach. die sich mit menschlichen Problemen befassen . daß ich seinen Beitrag für Spectrum im Jahr 1984 redigiert hatte. vierzehn Jahre nach meinem letzten Gespräch mit ihm. Scheidung. inwiefern seine Vorhersagen seiner Auffassung nach eingetroffen seien. sagte ich ihm. Wenn weiterhin Frieden herrscht. wie die Sachkompetenz der Automaten die des Menschen überträfe. Einfühlungsvermögen und Intuition. daß ich ihn jetzt fragen wolle. daß die . Nachdem ich ihn daran erinnert hatte. In dem Maße. »Sie sind doch wirklich ein gemeiner Schuft«.

die sowohl durch die Evolution als auch durch lerngestützte Anpassungsleistungen hervorragend dafür gerüstet sind. versage. Die Vorkämpfer der KI hätten auch unterschätzt. seien eher politischer und ökonomischer als wissenschaftlicher Natur.282 . Dennoch blieb Hayes-Roth optimistisch. wie schwierig es sei. hätten die KI-Forscher viel erreicht. ersehen könne. Ungeachtet dieser Probleme. S. das für ein Projekt zusammengetragen wurde. gleichzeitig Dutzende von Variablen effizient und spezifisch zu bearbeiten«. die menschliche Kognition in all ihrer Komplexität nachzubilden. wie er es vorhergesagt habe. was man maßgeschneiderten Entwurf nennt«. Zahlreiche vielversprechende KI-Projekte seien eingestellt worden. weil ihre Geldgeber im öffentlichen oder privaten Sektor allzu ungeduldig geworden seien. Das Wissen. sagte Hayes-Roth. war für das nächste kaum oder gar nicht brauchbar. so Hayes-Roth. Jener Reduktionismus. Air Force die Luftangriffe gegen den Irak mit Hilfe eines Expertensystems . erwies sich als äußerst mühsame. So hätte beispielsweise das US-amerikanische Bundesaufsichtsamt für die Sicherheit des Flugverkehrs sein veraltetes Flugsicherungssystem bis zum Jahr 2000 automatisieren können. sehr komplexe Systeme. wenn es um den menschlichen Geist gehe. Die Konstrukteure von Expertensystemen waren auf zwei Probleme gestoßen. doch bürokratische Trägheit habe dies verhindert. die andere Softwareprogramme schrieben. Während des Golfkriegs habe die U.Entwicklung auf dem Gebiet der Expertensysteme und die KI im allgemeinen seit Beginn der achtziger Jahre stagniere. wie man aus den Spracherkennungssystemen und den Softwareprogrammen. »Es ist ein Beispiel für etwas. der in der Physik oder der Molekularbiologie erfolgreich angewendet werde. Die Menschen seien »sehr. Die Codierung von menschlichem Expertenwissen in Software. Die größten Hindernisse für die KI. die reale Probleme bearbeiten konnte. sagte er. zeitaufwendige Aufgabe.

« Herbert Simons Prophezeiungen Hayes-Roth ist ein erbärmlicher Schwarzseher im Vergleich zu Herbert Simon von der Carnegie-Mellon-Universität. dieses Expertensystem habe die gesamten Investitionen des Verteidigungsministeriums in die KI mehr als gerechtfertigt«. »Es zeigte sich.283 . einen Computer wie HAL. den Hayes-Roth und andere im Jahr 1984 vorhergesagt hatten. »Die Air Force schrieb. ein Manhattan-Projekt für den Bau von HAL. nicht stattgefunden habe. »Es ist lediglich eine Frage der Zeit. Nicht in diesem konkreten Ausmaß und in der vorhergesehenen Richtung. erwiderte er: »Er hat stattgefunden. sagte Hayes-Roth. die Konstruktion intelligenter Maschinen sei in mancher Hinsicht schwieriger gewesen als erwartet. den lippenlesenden Cyber-Schurken aus dem Film 2001. daß die KI eine relativ einfache und eine relativ schwierige Seite hat. sagte Hayes-Roth.geplant. die KI habe in jeglicher Hinsicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. warum dieser gewaltige Sprung in der Intelligenz von Maschinen. aber der Erfolg wäre absehbar. zu bauen.« Simon räumte ein. Es dauerte vielleicht zehn oder auch zwanzig Jahre. »Andererseits.« Er sah keinen Grund. der Finanzierung und der Organisation. aber er hat stattgefunden. Als ich Simon fragte. daß der Traum vom Bau einer wirklich intelligenten Maschine eines Tages in Erfüllung gehen werde. weshalb Ingenieure nicht in der Lage sein sollten. »Ich kenne die Hürden auf dem Weg dorthin so gut wie jeder andere«.5 Anders als viele KI-Forscher bestreitet Simon entschieden die Behauptung. einem der Gründungsväter der KI und der Kognitionswissenschaft. Er war noch immer zuversichtlich. wenn man ein Team zusammenstellte. Die relativ einfache Seite bezog sich auf die . wäre dieses Team zweifellos erfolgreich.

die zeigten. Roboter stellten in einer Klinik in Pittsburgh und in anderen Orten die Post zu.« Es sei außerordentlich schwierig.und motorischen Organe mit der Umwelt interagieren. die Veränderungen in der Umwelt einfach zu verfolgen. welche Fortschritte die KI in jüngster Zeit gemacht habe. Das eine sei ein Auto namens Navlab. Jeder Roboter müsse mit seinen Teamkollegen kooperieren und die Pläne seiner Gegenspieler vorwegnehmen und vereiteln. wie etwa ein Programm. »das Gefährt auf schrägen Autobahnauffahrten und -ausfahrten unter Kontrolle zu halten«. um die Bildverarbeitung zu beschleunigen. Menschliche Eingriffe seien vor allem dazu nötig gewesen. Doch dies ändere sich rasch.284 . »Die Schnittstelle zur Umwelt. Er zählte verschiedene Projekte auf. bei denen Gruppen fußballspielender Roboter gegeneinander antraten. diese Aufgaben mit der gleichen Gewandtheit auszuführen wie der Mensch«. das ist die wirklich komplizierte Sache. symbolische Repräsentationen der Welt zu bilden und zu benutzen. »Erst vor vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren verfügten wir über Computer.Frage. Die schwierige Seite sei die Simulation der Art und Weise. daß sie beispielsweise bewegte statt bloß statische Bilder verarbeiten konnten. Besonders beeindruckt zeigte sich Simon von den Spielen. das mit minimaler menschlicher Unterstützung quer durch die Vereinigten Staaten gefahren sei. .« KIForscher hätten große Fortschritte bei der Simulation der menschlichen Fähigkeit gemacht. das die Bewegung von Objekten sehr schnell erfasse. indem es jedes aktuelle Bild von dem vorangehenden subtrahiere. die so schnell und so groß waren. wie Menschen durch ihre Sinnes. sagte Simon. wie Menschen tiefschürfende Gedanken denken.« Die Forscher hätten auch Tricks ersonnen. Roboter und Computer seien »noch immer sehr weit davon entfernt. insbesondere angesichts der begrenzten Leistungsfähigkeit der Computer in der Frühzeit der KI.

Es sei noch immer schwierig herauszufinden. ob er die KI in erster Linie als eine Naturwissenschaft oder eine Ingenieurwissenschaft ansehe. erklärte er. weil die Kernspinresonanztomographie und andere Technologien die neuralen Prozesse nicht in hinlänglicher Detailgenauigkeit erfaßten. sondern auch dessen innere Abläufe. »Die meisten finden die Vorstellung.« Ein anderes Dogma der starken KI besagt. es wird noch eine Zeitlang dauern. die eine kognitive Aufgabe ausführt. aber das sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiten. ob ein Computermodell die Funktionsweise des Gehirns getreulich widerspiegele.« Jedesmal wenn er einen Vortrag über KI halte.285 . »Ein Computer ist hinsichtlich Schnelligkeit und Speicherkapazität und so weiter einfach eine andere Maschine als eine Person«. schlicht abstoßend.« Im Idealfall sollten KI-Modelle nicht nur den Output des menschlichen Gehirns simulieren. Simon glaubt fest an das »starke KI-Programm«. spiegelten sich in den Fragen aus dem Publikum . teilte mir Simon mit. bis wir diese Lücke überbrücken werden. daß eine Maschine definitionsgemäß denke. Sie ist die Erforschung der Konstruktion intelligenter Maschinen und ebenso die Wissenschaft von der Intelligenz. die ich kenne. daß ein Computer denkt.Gefragt.« Fortschritte in der Computertechnologie einerseits und bei bildgebenden Verfahren andererseits würden bald die Kluft zwischen KI und Neurowissenschaft schließen. etwa Schach spielt oder ein Gesicht erkennt oder Fußball spielt. Nach Ansicht von Simon ist die Kritik an der KI größtenteils emotional motiviert und basiert auf keiner sachlichen Bewertung der Fakten. »Dieses Fachgebiet wird mit anderen Maßstäben gemessen als alle anderen Disziplinen. antwortete Simon: »Sie ist beides. wonach es keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Rechner und dem menschlichen Gehirn gebe.« Intelligente Maschinen stellten eine schwere Kränkung für die Eitelkeit des Menschen dar. »Ich denke. »Aber ich denke fast nur in diesen beiden Kategorien.

Erkenntnisfortschritte zum Nutzen statt zum Schaden der Gattung Mensch einzusetzen.286 . wird er vielleicht lernen. Wenn wir unsere Skepsis gegenüber der KI zum Ausdruck brächten. wir fühlten uns durch sie bedroht. dem uralten Gebot zu gehorchen: Erkenne dich selbst. Und mit dieser Selbsterkenntnis gewappnet.Ein Computer werde Schachweltmeister sein.Ein Computer werde Musik komponieren.die »Angst und Sorge« der Menschen wider. indem er zu hohe Anforderungen stellte. Viele KI-Forscher beklagen sich über diesen Zustand. daß die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht und daß der Mensch vom Affen abstammt. . . Daher stellten die Menschen »in dem Maße. so wie wir uns durch die Entdeckungen bedroht gefühlt hätten. ständig höhere Anforderungen. damit sie nicht zugeben müssen. die KI verteidigte. etwas Besonderes zu sein. daß die KI innerhalb von zehn Jahren . wie die Künstliche Intelligenz Fortschritte macht. Im Jahr 1998 veröffentlichte die New York Times einen Beitrag.6 Wenn aber irgend jemand die KI zu fortwährendem Versagen verurteilt hat. behauptete Teller. die nach An. Sie »wird dem Menschen helfen. Er prognostizierte.Ein Computer werde ein wichtiges neues mathematisches Theorem entdecken und beweisen. dann sind das begeisterte KI-Anhänger wie Simon.«7 Im selben Vortrag machte Simon vier etwas konkretere Vorhersagen. der wie Simon als KI-Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität tätig ist. in dem Astro Teller. Im Jahr 1957 referierte er in überschwenglichen Tönen über die Künstliche Intelligenz. daß Maschinen kreativ oder intelligent sein können«. Intelligente Computer untergrüben unser Gefühl. lehnten wir sie in Wirklichkeit völlig ab. sie könnten durch Maschinen ersetzt werden.im Jahr 1967 .die folgenden Meilensteine erreicht haben werde: .

Simon selbst beschrieb eine der Kompositionen des Programms . Was die computergenerierte Mathematik anbelangt.sicht von Kritikern eine beachtliche ästhetische Qualität besitzen werde.8 Computergenerierte Musik entpuppte sich ebenso wie computergenerierte Kunst und Lyrik als eine vergängliche Modeerscheinung. so haben mehrere Informatiker. hatten die Informatiker L. Als Simon 1957 seine Rede hielt. Doch wie ein Journalist in einem Beitrag über computergenerierte Musik und Kunst im Jahr 1997 schrieb: »Menschen sehen in verbrannten Tortillas auch Bilder von Jesus und schreiben ihren Autos Gefühle zu. Die Melodien. Simon sagte mir 1998. A. der bei IBM arbeitete. die in der Tat mathematische Theoreme aufstellen und beweisen.«9 Nicht einmal der glühendste KI-Verehrer behauptet. Hiller und L.Die meisten Theorien in der Psychologie würden die Form von Computerprogrammen oder von qualitativen Aussagen über die Merkmale von Computerprogrammen annehmen. Isaacson bereits ein Programm geschrieben. benannt nach einem der ersten Digitalrechner . darunter Simon selbst. Die Schach-Prognose habe zwar um dreißig Jahre danebengelegen.als »nicht trivial und nicht uninteressant«.10 Ende der fünfziger Jahre schrieb der Physiker Herbert Gelernter.die llliac Suite. ein . bildende Künstler und Dichter darstellten. daß diese Programme eine ernsthafte Herausforderung für Komponisten. sprechen Menschen oftmals auf eindringliche Weise an. Programme entwickelt. Doch inwieweit waren Simons Prognosen wirklich in Erfüllung gegangen? Simons sicherste Wette war das künstliche Komponieren von Musik. die von Computern produziert werden. aber die anderen drei seien »in Reichweite«. M. .287 . das Musik erzeugte. Zeichnungen und Gedichte. seine Vorhersagen seien weitgehend eingetroffen.

die höhere Theoreme ausstoßen konnten. seien in ihnen angelegt gewesen. er dient lediglich als Handlanger für seinen menschlichen Herrn.12 Grundsätzlich könnte ein Computer die Folgen jedes möglichen Zuges berechnen. nicht in hundert Jahren«. daß Computer die nächste Etappe in der Evolution der Intelligenz darstellten. Aber der Computer entwirft den Beweis nicht selbst. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte der Informatiker und Unternehmer Edward Fredkin das nachlassende Interesse an der computergestützten Mathematik wiederzubeleben. (Fredkin gehörte zu den KI-Forschern. welches einen »tiefgreifenden Einfluß« auf die Mathematik ausübt. um aufwendige Berechnungen durchzuführen. antwortete er. das einige der elementaren Lehrsätze der euklidischen Geometrie »entdeckte«. die für die Vervollständigung bestimmter Beweise erforderlich sind. indem er den sogenannten Leibniz-Preis stiftete. Schach basiert auf einfachen.) Der von der Carnegie-Mellon-Universität verwaltete Preis setzt hunderttausend Dollar auf das erste Computerprogramm aus. Seit Ende der siebziger Jahre bedienen sich die Mathematiker zunehmend des Computers. In der Praxis ist diese Strategie jedoch unmöglich. wann der Preis seines Erachtens eingefordert werde: »Nicht heute. alle möglichen Gegenzüge. eindeutigen Regeln und wird auf einem kleinen kartesischen Spielfeld gespielt. bis er eine Siegesstrategie findet. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehen jedem .11 Simons Schach-Prognose nahm sich vermutlich für viele Beobachter relativ bescheiden aus. Gegen-Gegenzüge und so weiter prüfen. das ein Theorem aufstellt.288 . die Ergebnisse. die diese Programme errechnet hätten. die zu Pamela McCorduck in Machines Who Think gesagt hatten. Ich fragte Mumford.Programm. Doch selbst innerhalb der KI-Gemeinde monierten Kritiker. Einer der ersten Juroren für den Preis war der Mathematiker David Mumford von der Brown-Universität. Andere Informatiker erfanden Algorithmen.

welche die Schachregeln erzeugen können. Jeder dieser möglichen Züge erzeugt achtunddreißig mögliche Gegenzüge des anderen Spielers. verlor jedoch schließlich das Spiel. ist 10120. Und sie klommen die Stufenleiter unaufhörlich nach oben. »Dieses Schachprojekt hat nichts mit KI zu tun«. als ich ihn und seine Kollegen im Jahr 1996. als Simon vorhergesagt hatte. Seine zweiunddreißig unabhängigen Mikroprozessoren konnten zweihundert Millionen Figurenpositionen pro Sekunde prüfen. der nur zwei Züge und Gegenzüge vorwegzunehmen versuchte.) Der Erfolg von Deep Blue sei nicht darauf zurückzuführen. Ein Schachspieler. Die Gesamtzahl der Spiele. müßte 2 085 135 Möglichkeiten prüfen. aber stetige Fortschritte. sagte Tan.Schachspieler in der Regel achtunddreißig verschiedene Züge offen. Deep Blue war ein enorm leistungsfähiger Rechner. Ironischerweise hegten die Entwickler von Deep Blue selbst Zweifel daran. sagte Chung-jen Tan. Mit dieser Kapazität plus einigen Regeln zum Ausschluß recht aussichtsloser Taktiken konnte Deep Blue fünfunddreißig Züge in die Zukunft »sehen«. eine Maschine zu konstruieren. als der IBM-Computer Deep Blue schließlich 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte. die Gesamtzahl beläuft sich entsprechend auf 1444 Züge.13 (Bei diesem Wettstreit gewann Deep Blue die erste Runde. war er selbstverständlich hocherfreut. »Solange . der Manager der Deep-BlueForschergruppe. Den Ingenieuren gelang es erst 1958. ob ihr Erfolg eine Bestätigung der Künstlichen Intelligenz darstelle. Danach machten Schachcomputer langsame. Mitte der sechziger Jahre spielten sie so gut wie durchschnittliche Turnierspieler. also mehr als die Zahl der Atome im Universum. daß er das Problem auf rein rechnerische Prozesse reduziere. sondern darauf. interviewte. die die Grundregeln des Schachs ausführen konnte. direkt nach ihrem ersten Spiel gegen Kasparow.289 . Obgleich es dreißig Jahre länger dauerte. daß er das menschliche Urteilsvermögen nachahme.

sagte er. fuhr er fort. hatte Simon im Jahr 1996 in der New York Times verkündet14). nennt man es KI«. »Das reicht nicht«. was Deep Blue leistet. Es umfaßt auch die gesamte Software und alles andere. wie wir das überhaupt angehen sollen.man das Problem nicht versteht. »Wir wissen immer noch nicht.« Das Team bezweifelte auch. »Nur weil ein Computer Schach spielen kann. daß er denken kann. »Das Gehirn ist mehr als nur Hardware. »Doch das wird noch Jahrhunderte dauern«. Campbell wies darauf hin. eher amüsant als schmeichelhaft zu finden (»Ich würde das. »Doch sobald man es verstanden hat. kann man es auf einen rechnerischen Algorithmus zurückführen. ›Denken‹ ist ein sehr schwer zu definierendes Wort. wie es Simon und andere KI-Pioniere einmal gehofft hatten. indem man jede Nervenzelle durch einen elektronischen Kippschalter ersetze. ein künstliches Gehirn zu konstruieren. als ›Denken‹ bezeichnen«. als ich ihm von Tans Äußerung berichtete.290 . daß sie diese Probleme ebenfalls nicht verstehen.« »Er hat keine Ahnung!« antwortete Simon.»Die Techniken. . Weshalb konsultiere das IBM-Team Schachgroßmeister. fügte Tan mit Nachdruck hinzu. Deep Blue habe »nichts mit KI zu tun«. einen wirklich menschenähnlichen Computer zu bauen. pflichtete ihm sein Kollege Joseph Hoane bei.« Das Deep-Blue-Team schien Herbert Simons Aussage. daß Ingenieure in der nahen Zukunft in der Lage seien. aber ich bin mir sicher. »Meines Erachtens hat die Fähigkeit zum Schachspielen nicht mit der Frage zu tun. sagte der IBM-Wissenschaftler Murray Campbell in brüskem Ton. um dem Programm den letzten Schliff zu geben. Deep Blue könne »denken«.« . Ich bin kein Psychologe oder Neurowissenschaftler. bedeutet dies noch lange nicht. die das menschliche Urteilsvermögen nachzuahmen versuchten. daß es möglich sei. wenn Deep Blue ausschließlich Zahlenakrobatik betreibe? Er behauptete. ob Computer denken können«. sind erbärmlich gescheitert«.

so Simon. daß jemand auf die Idee kommen könnte. Der Aufstieg der Kognitionswissenschaft hat in der Tat dazu geführt. Im Jahr 1957. Diese Modelle lassen sich in zwei allgemeine Kategorien einteilen.«) Ein typisches neuronales Netz besteht aus mehreren Ebenen von Knoten (Neuronen).15 Am bedeutsamsten und weitsichtigsten war vielleicht Simons Prognose. in die entgegengesetzte Richtung. »IBM hat panische Angst davor. dann lauf. die vorherrschende Richtung in der Psychologie. als Simon seine Vorhersage machte. die den Geist als eine informationsverarbeitende Maschine betrachtet und die rechnerischen Grundlagen von Mustererkennung und anderen Komponenten der Kognition aufzuklären sucht. war der Behaviorismus. Bei der regelbasierten Methode ist das Wissen von Anfang an im Modell enthalten. daß Computermodelle des menschlichen Denkens starken Auftrieb erhielten. (»Wenn das Objekt in deinem Gesichtsfeld orange ist und schwarze Streifen hat und einen langen Schwanz und große Zähne. daß Computerprogramme in der Psychologie eine immer wichtigere Rolle spielen würden. Seit den späten fünfziger Jahren habe IBM seinen Mitarbeitern untersagt. der den Geist als eine black box behandelt. meist in der Form von »Wenn-Dann-Befehlen«.das Deep-Blue-Team plappere lediglich den offiziellen Standpunkt von IBM nach. regelbasierte Algorithmen und neuronale Netze. dessen innere Struktur unbekannt und sogar bedeutungslos ist und daher ignoriert werden kann.291 . die jede Situation vorwegzunehmen versuchen. die durch Verknüpfungen (Syn. Doch der Behaviorismus wich schon bald der Kognitionswissenschaft (auch kognitive Psychologie oder kognitive Neurowissenschaft genannt). so schnell du kannst. IBM-Produkte mit KI in Verbindung zu bringen oder auch nur den Begriff zu erwähnen. die menschliche Arbeitskräfte ersetzen werden«. daß sie denkende Computer herstellen. das heißt als ein Objekt.

wenn das eintreffende Signal eine hinreichende Intensität besitzt. Ein Grund.Wissen durch einen Vorgang.zumindest im Prinzip .292 . wie etwa der Kurveninterpolation. sofern der Reiz eine gewisse Stärke erreicht. sucht das neuronale Netz nach einer Kurve beziehungsweise mathematischen Funktion. Daten werden in die erste neuronale Ebene eingespeist. Anders als regelbasierte Algorithmen. »feuert« das Neuron. scheinen neuronale Netze nachgerade mystische Fähigkeiten zu besitzen. zumindest oberflächlich betrachtet. Nach der Beschreibung von manchen Journalisten und auch Wissenschaftlern zu urteilen. Muster mit größerer Treffsicherheit zu erkennen.16 Die Methode funktioniert. die dazu dienen. erwerben neuronale Netze . es sendet ein Signal an sämtliche Neuronen der nächsten Netzebene. weshalb viele Forscher so gern mit neuronalen Netzen arbeiten. die jeweils einen x. In Wirklichkeit sind neuronale Netze eine neumodische Anwendungsform altmodischer statistischer Verfahren. die so genau wie möglich mit den Koordinaten übereinstimmt.apsen) unterschiedlicher Stärke miteinander verbunden sind. Durch mehrere Rückkopplungsmechanismen kann man das Netz darauf »trainieren«. Wenn ein Neuron wiederholt Signale an ein anderes Neuron sendet. grob vereinfacht. liegt darin. Jede dieser Funktionen entspricht einem spezifischen Output »Tiger« oder »Hauskatze«.und einen y-Wert besitzen. so daß künftig Signale leichter weitergeleitet werden. dem menschlichen Gehirn ähneln. aus unvollständigen oder uneindeutigen Datensätzen zuverlässige Schlüsse abzuleiten. daß sie. wird die Verbindung zwischen ihnen verstärkt. folgendermaßen: Ein Input wie etwa ein zweidimensionales Bild eines Gesichts wird in eine Menge von Punkten oder Koordinaten umgewandelt. das heißt. Jedes dieser Neurone überträgt nun seinerseits ein Signal an die nächste Netzebene. der näherungswei. in die das gesamte Wissen von Anfang an eingespeist wird. Nachdem diese Daten eingespeist wurden.

17 Dreyfus. Überdies führen neuronale Netze Berechnungen nicht seriell (nacheinander) aus. Er begann sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre. KI-Forscher behaupteten.se dem menschlichen Lernen entspricht. Können sie bedeutsame wissenschaftliche oder mathematische Probleme lösen. ob Computer jemals Bewußtsein besitzen können. veröffentlicht wurde. der an der Universität von Kalifornien in Berkeley Philosophie lehrt. einer bedeutenden »Denkfabrik«. Diese Behauptungen hätten seine Neugierde geweckt. Goethe ins Englische übersetzen. Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen habe ihn die metaphysische Frage. In der Praxis aber hat sich gezeigt. Die Revanche des Philosophen Hubert Dreyfus bezweifelt. Dinge wie Wahrnehmung und Gedächtnis. als er am MIT arbeitete. Sprache und Denken und so fort zu verstehen. Eine stark erweiterte Fassung dieses Beitrags erschien dann 1972 unter . daß neuronale Netze genauso begrenzt und inflexibel sind wie regelbasierte Methoden. daß Philosophen »sich zweitausend Jahre lang vergeblich darum bemüht hätten.293 . Man muß während und sogar noch nach der Trainingsphase weiterhin Wissen von außen zuführen. ein Gespräch führen oder ein bekanntes Gesicht in einem überfüllten Raum erkennen? Dreyfus hatte seine Zweifel. er habe sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Computern konzentriert. der 1967 von der Rand Corporation. gehört zu den frühesten und beharrlichsten Kritikern der KI. erinnerte er sich. die er erstmals in einem Beitrag formulierte. und daß [die KI-Forscher] die Sache in die Hand genommen hätten und große Fortschritte machten«. kaum interessiert. daß neuronale Netze oder der regelbasierte Ansatz wirklich intelligente Maschinen hervorbringen werden. für die KI zu interessieren. sondern parallel.

Dreyfus zitierte mehrere Philosophen. daß die KI vermutlich keine so schnellen Fortschritte machen würde. die menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis mit einem formalen. die es für äußerst schwierig gehalten hätten. wie Wittgenstein sie nannte). wenn wir eine prominente Person im Fernsehen erkennen oder uns daran erinnern. Dreyfus erklärte: »Man kann immer sagen: ›Wir bekom. den Beweis dafür erbracht zu haben.überwiegend als ein regelbasierter Prozeß betrachtet.dem Titel What Computers Can't Do. er bezweifelte sogar. wie ihre Anhänger erhofften. KI-Theoretiker behaupteten. so daß ein unendlicher Regreß von Regeln auftrete. um festzustellen. ja. wo wir unsere Schlüssel hingelegt haben. eine riesige Menge an Wenn-Dann-Befehlen aus. so wie Quarks und Elektronen die elementaren Einheiten der Physik bildeten. indem man die schwer faßbaren kognitiven »Urelemente« identifiziere oder hinlänglich kluge Regeln beziehungsweise Axiome einführe. regelbasierten Modell nachzubilden. Wittgenstein habe gemeint. die als Grundlage der Erkenntnis dienten.294 . jede Tatsachenbehauptung über die Welt müsse durch andere Tatsachenbehauptungen erklärt werden. Nach dieser Auffassung führt unser Gehirn. vor allem Wittgenstein und Heidegger. In ähnlicher Weise habe Heidegger darauf hingewiesen. seien Zusatzregeln erforderlich. Doch er führte zahlreiche Argumente dafür an. Dreyfus behauptete klugerweise nicht. schließlich bringe auch das menschliche Gehirn in irgendeiner Weise diesen Trick zustande. ob die Anfangsregel für eine bestimmte Situation von Belang sei. es gebe keine Grundtatsachen (»Urelemente«. Damals wurde die Kognition innerhalb der KI .auch in der aufstrebenden und sich teilweise mit ihr überschneidenden Kognitionswissenschaft . daß KI unmöglich sei. die jedoch unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen. man könne diese Hindernisse überwinden. daß ein solcher Beweis der Unmöglichkeit überhaupt erbracht werden könne. daß Regeln nur selten für alle Situationen gelten.

weil diese Kompetenz nicht ohne weiteres auf Regeln zurückgeführt werden könne. Die Regeln der Grammatik und Syntax seien zahlreich. wenn es darum gehe. komplex und voller Ausnahmen. Wenn es schon schwierig sei.« Doch in der Praxis sei es außerordentlich schwierig. eine Reihe von Regeln zu finden. kontextfreien Elementen möglich?« fragte Dreyfus gegen Ende von What Compu. Ein einziges Wort könne viele verschiedene Bedeutungen und Konnotationen haben.men so gute Relevanzaxiome und so gute Metaaxiome zur Reduktion der Relevanzaxiome. »Ist eine erschöpfende Analyse der menschlichen Vernunft in regelgeleitete Operationen an diskreten. den man gesunden Menschenverstand nennen könne. daß es funktionieren wird. die einem Computer sagten. nähmen die Schwierigkeiten exponentiell zu. in dem die Wörter vorkommen. sondern auf ihre Erinnerungen an das. die nicht nur je nach dem Satz. mehrdeutige. was in der Vergangenheit erfolgreich war. sei ihre Fähigkeit. Schach sei deshalb ein so faszinierendes Spiel. So stützten sich etwa Schachexperten nicht auf reine Berechnungen. diese Aufgabe auszuführen. unvollständige Daten rasch zu verarbeiten und Schlüsse daraus zu ziehen. falle es einem Computer möglicherweise immer noch schwer.295 . so Dreyfus. Unsere Fähigkeit. so Dreyfus. auf Faustregeln über die besten Strategien und auf ihre Intuition. so Dreyfus. bestimmten. wie man ein alltägliches Gespräch führe. einen Satz zu verstehen . Selbst wenn eine kognitive Aufgabe mit Regeln definiert werden könne. eine kognitive Aufgabe auf eine regelbasierte Prozedur zurückzuführen. Das Bemerkenswerteste an der menschlichen Intelligenz. Regeln für das Schachspiel auf Großmeisterniveau niederzuschreiben. sondern auch nach dem Kontext des Gesprächs schwanken könnten.oder ein Gesicht zu erkennen oder eine dichtbevölkerte Straße entlangzugehen hänge größtenteils von unserer Fähigkeit ab. auf einen riesigen Speicher mit Weltwissen zurückzugreifen.

gesprochene Wörter zu erkennen. daß Computer eines Tages hervorragend Schach spielen würden. »Computer können nicht Schach spielen. anzutreten. aber es funktioniert. die dann im weiteren Verlauf des Artikels ignoriert wurden. »enthielt dieser immer ein oder zwei Absätze über mich und meine Ansichten. Er sei vielmehr der Ansicht gewesen. »Wenn jemand einen begeisterten Aufsatz über die Wunder des Computers schrieb«. Dreyfus ebensowenig«. ihnen fehlten noch immer die gewöhnlichen Fähigkeiten.« Die KI-Gemeinde erzielte wenigstens einen bedeutsamen PR-Sieg gegen Dreyfus. erinnerte er sich.ters Can't Do. Zudem sei er »sehr überrascht« über die zunehmende Fähigkeit von Computern.19 Dreyfus bestritt.296 . den MacHack. auf formale Regeln zurückgeführt werden könne. daß er gesagt habe. daß Deep Blue 1997 Gary Kasparow besiegen würde. Dreyfus wies immer wieder hämisch darauf hin. daß 1960 ein zehnjähriger Junge eine von Herbert Simon entworfene Maschine besiegt hatte. stärker als andere kognitive Fähigkeiten.«18 Dreyfus wurde auf Konferenzen und in populärwissenschaftlichen Artikeln zum Kritiker der KI par excellence aufgebaut. die »uns ermögli. wie es einige KI-Forscher kolportierten. »Es bedarf einer enormen Schnelligkeit und [Speicherkapazität]. Der Computer gewann. daß er nicht erwartet habe. hieß es in einem Rundschreiben für Informatiker schadenfroh. Computer würden niemals besser spielen als ein zehnjähriger Junge. Aber er räumte ein. gegen einen anderen Schachcomputer. er erinnerte die KIForscher daran. »Ist eine Annäherung an dieses Ziel der Künstlichen Intelligenz überhaupt wahrscheinlich? Die Antwort auf beide Fragen scheint ›nein‹ zu lauten. Im Jahr 1966 nahm Dreyfus die Herausforderung an. weil Schach.« Andererseits könnten sich Computer noch immer nicht über Politik unterhalten oder ein Märchen verstehen. daß Schachprogramme weit hinter den Zielen ihrer Entwickler zurückblieben.

Nach fünfzigjährigen Anstrengungen »ist heute allen. die sich beharrlich den neuen Techniken widersetzen. aber gewichtige Phänomene stoßen. wie ein vielverspre22 chender alternativer Ansatz verfügbar wird. Die Forscher möchten daraufhin den Ansatz fast immer auf anderen Gebieten anwenden. expandiert es weiter und lockt immer neue Anhänger an.297 . gescheitert ist«. »Man braucht eine lernfähige Maschine. nannte Dreyfus die Künstliche Intelligenz ein »im Niedergang begriffenes Forschungsprogramm«. auf künstliche Weise eine allgemeine Intelligenz zu erzeugen. wobei sie mit Problemen beginnen. uns in der Welt zurechtzufinden und zu erkennen. den der Wissenschaftstheoretiker Imre Lakatos prägte. In der Einleitung verkündete Dreyfus den Sieg über das. Aber er wies darauf hin. Im Jahr 1992 veröffentlichte MIT Press eine Neuausgabe von What Computers Can't Do unter dem Titel What Computers Still Can't Do. die ihm als ein plausibleres Modell der menschlichen Kognition erschienen. der in einem begrenzten Bereich zu eindrucksvollen Ergebnissen führt. Kurz. stagniert das Programm.«21 In Anlehnung an einen Ausdruck. Solange das Forschungsprogramm erfolgreich ist. außer einigen wenigen Unverbesserlichen. der Alltagsverstand fehle ihnen. Wenn die Forscher jedoch auf unerwartete. klar. den Alltagsverstand nachzubilden. was er »die gute altmodische KI« nannte. daß dieses Bemühen.chen. was wichtig ist«. wie es ein Mensch tut. . daß neuronale Netze in der Praxis auf dasselbe Problem stießen wie die gute altmodische KI: das Unvermögen. [Ein solches Programm] beginnt mit großen Erwartungen. daß sie lernen kann. die in irgendeiner Hinsicht den ursprünglichen gleichen. die so viele menschliche Interessen und so viel menschliche Struktur besitzt.20 Dreyfus begrüßte die Tatsache. daß viele KI-Forscher die regelbasierte Methode aufgegeben und sich neuronalen Netzen zugewandt hätten. so zu generalisieren. indem es einen Ansatz einführt. und die Forscher werden sich in dem Maß davon abwenden.

»Wir haben einen Haufen kleiner Paradigmen. in dem Film 2001 war HALs Geburtsjahr 1992. »einsatzfähig wurde«. das aufgrund seiner umfassenden Gültigkeit die Zustimmung der meisten Forscher gefunden hätte. die einst an die Computertheorie des menschlichen Geistes glaubten. Es scheint nirgendwohin zu führen. Während der letzten hundert Jahre sei es der Psychologie nicht gelungen. einer Sammlung von Aufsätzen führender KI-Forscher. und damit ist der Behaviorismus erledigt. den Geist zu verstehen. daß irgendeine wundersame Zunahme der Forschungsgelder oder unserer Erkenntnisse die KI auf das Niveau anheben wird.Das Unvermögen der KI. die allein wahren zu sein.« Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand Viele Forscher.. Die Behavioristen scheinen die richtige Antwort gefunden zu haben. sagte mir Dreyfus. Dies war jedenfalls der Tenor von HAL's Legacy. Und heute sind [die neuronalen Netze] groß im Kommen [. die 1997 erschien. Illinois. spiegele das umfassendere Unvermögen der Psychologie wider. erklärte David Stork. doch darauf schreibt Chomsky eine Rezension über Skinner. in dem HAL in dem Roman 2001 in einer Fabrik in Urbana. (1997 war das Jahr. das in HAL im Jahr 2001 dargestellt ist«. haben sich widerstrebend Dreyfus' Urteil zu eigen gemacht. und es ist ausgeschlossen.) »Sprechen wir das Offenkundige aus: HAL existiert nicht.. als ob Regeln und der Kognitivismus die richtige Antwort wären. den Geist zu simulieren. die jeweils für sich in Anspruch nehmen. ein Rahmenmodell oder Paradigma aufzustellen. Wir haben beim Verständnis des Geistes keine Fortschritte gemacht. auch wenn sie selbstverständlich nur selten Dreyfus das Verdienst daran zusprechen. Und dann sieht es so aus.] Wir haben es mit einem Haufen von Modetrends zu tun.298 . der .

was sie wissen sollen. wonach der Alltagsverstand der Schlüssel zum Erfolg . da das Jahr 2001 vor der Tür steht«.Herausgeber des Buches.25 Roger Shank von der Northwestern-Universität erklärte kategorisch. in der Einleitung. In Bereichen wie dem Sprachverständnis und dem Alltagsverstand dagegen. »Wir sind heute in der Lage.26 Dieser Pessimismus wurde von einem der Autoren von HAL's Legacy.. und erbärmlich wenig über alles andere«. Die Gründe dafür sind aufschlußreich.299 . weshalb wir den Traum von HAL nicht verwirklicht haben. »die eine Menge über das wissen. Speise Millionen von Alltagsausdrücken.und Mißerfolg der KI sei.] war die KI bislang ein Mißerfolg«. Er wies darauf hin. Planung.«24 »Nach jeder allgemeinen Definition [. doch kein gegenwärtiges System reiche auch nur annähernd an HALs Können beim Lippenlesen heran. »Jetzt. die Schritte zu spezifizieren. Fakten und Faustregeln. verkündete er: 1. Lenat schloß sich der Auffassung anderer Autoren an. daß er mittelmäßig treffsichere Programme zum Lippenlesen entwickelt habe. »könnten wir uns fragen. Kursorisch betrachtet. -begriffen. die erforderlich sind. fuhr Stork fort. Douglas Lenat. energisch zurückgewiesen. die sich exakt definieren und leicht spezifizieren lassen. Schachspiel erreicht und übertroffen. bleiben wir weit hinter der Vision zurück. die den menschlichen Konsens hinsichtlich der . die Informatiker könnten bestenfalls Maschinen entwickeln..Sprache. die in ihren Möglichkeiten grundsätzlich grenzenlos sind und sich nur schwer spezifizieren lassen. stimmte der erfahrene Informatiker David Kuck zu.23 Stork ist Informatiker und arbeitet an der Stanford-Universität und am Ricoh California Research Center. HAL sei »eine unrealistische Konzeption einer intelligenten Maschine«. Hardware. haben wir die Vision von HAL in jenen Bereichen . die niemals in die Tat umgesetzt werden könne. um ein HAL-ähnliches Geschöpf zu bauen«.

so daß er selbst Experimente ausführen muß. wie es praktisch jeder Mensch besitze. es sei der konkrete Plan. wird es niemanden mehr geben. ein Computerprogramm zu entwerfen.also den Alltagsverstand -. Cycorp.300 . das in Gang gesetzt werden sollte. in einer natürlichen Sprache. Selbst der einfachste Eintrag in einer Enzyklopädie beinhaltet . Sie alle stießen »gegen dieselbe Mauer . Schon 1984 hatte er erkannt. das das gleiche Wissen enthalte. Lenat erklärte. mit dem er sich darüber unterhalten kann.nämlich die Notwendigkeit. wie Englisch. in eine Datenbank ein. wenn die Menschheit eine höhere Stufe utopischer Zusammenarbeit erreicht habe. zu kommunizieren. Lenat ist einer der wenigen KI-Forscher in der Welt. Wenn er schließlich die Grenze des Wissens in einem Gebiet erreicht. Im Jahr 1994 schied Lenat aus dem MCC aus und gründete eine eigene Firma.Wirklichkeit repräsentieren . 3. 2. 27 um neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu gewinnen. der sich bemühte. Konstruiere über dieser Basis die Fähigkeit. daß spezialisierte Programme eine Sackgasse für die KI darstellten. daß dies kein phantastischer Plan für ein gewaltiges künftiges Projekt sei. daß unsere Programme dieselbe Breite und Tiefe des Alltagswissens besitzen müssen wie Menschen«. um seine Wissensbasis stark zu erweitern. der ursprünglichen KI-Vision vom Bau eines Computers mit universeller statt hochspezialisierter Intelligenz treu zu bleiben. finanziell gefördert.28 Im selben Jahr setzte er sich das kühne Ziel. Texas. Laß den werdenden HAL diese Fähigkeit nutzen. Dieses »Cyc« genannte Projekt wurde zunächst von einem Konsortium von Hochtechnologiefirmen mit Namen Microelectronics and Computer Consortium (MCC) mit Sitz in Austin. den er und sein Team in den letzten zehn Jahren verfolgt hätten. Nein. Lenat und seine Mitarbeiter konnten nicht einfach Wissen aus Wörterbüchern und Enzyklopädien zusammentragen.

Wenn man ihn fragt. Cyc besitze bereits »Selbstbewußtsein«. daß Cyc niemals »Gefühle« haben könne. weiß er. nur weil die Input-/Output-Schnittstelle Englisch benutzt. die internen logischen Operationen eines Computers würden in Englisch ausgeführt. Doch Lenat behauptete.«29 Sie setzen voraus. Er besitzt das gleiche Zeitgefühl wie Sie und ich. haben mittlerweile mehr als eine Million Regeln beziehungsweise Behauptungen des Alltagsverstandes zusammengestellt. um eine ansprechende Benutzerschnittstelle zu erzeugen.«30 Und doch beteuerte Lenat in HAL's Legacy. was er ist. Er weiß. daß Napoleon und Wellington Menschen sind. Ein Computer mag Emotionen fingieren. Betrachten wir die folgenden beiden Sätze: »Napoleon starb auf Sankt Helena. Cyc und andere Maschinen dieses Typs werden niemals Emotionen verspüren.301 . solche simulierten Emotionen als real anzusehen. aber es wäre absurd. daß Sankt Helena ein Ort ist. »HAL. daß gestorbene Menschen für immer tot sind und daß ein mit Milch gefülltes Glas mit der offenen Seite nach oben und nicht nach unten zeigt. weiß er. daß er ein Computer ist. Cyc »weiß«. zu glauben.weitreichende Annahmen. daß ein Gespräch stattfindet oder auch daß ein Anwendungsprogramm abläuft. Er weiß. So erklärte er in einem Interview. Er weiß. die Entscheidungsfindung auf der Basis dieser Informationen und so weiter nicht von Nutzen sind.«31 . Lenat und seine Programmierer. daß er auf einer bestimmten Maschine an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in Gang ist. so wie es absurd wäre. die er manchmal scherzhaft »Ontologisierer« nennt. »Wenn man ihn fragt. Wellington war zutiefst betrübt. weil diese für die Integration von Informationen. daß wir Benutzer sind. daß Cyc einige noch eindrucksvollere Fähigkeiten besitze. wer mit ihm spricht. daß Wellington länger lebte als Napoleon und so weiter. daß der Leser weiß. daß sich Bäume in der Regel im Freien befinden. wer wir sind.

dessen Arbeit ich im ersten Kapitel behandelte) ist der Ansicht. um Informationen aus dem World Wide Web oder anderen Datenbanken herauszuholen.«32 Bislang sind die kommerziellen Anwendungen von Cyc nicht gerade weltbewegend. So könne beispielsweise ein Artdirector mit Hilfe von Cyc Bilder suchen. das heißt als Wahrheitssucher. der beobachtet. Cyc könne Suchbefehle nicht da. die in einem Thesaurus gespeichert sind. In gleicher Weise könne eine Suchanfrage für ein Bild »einer starken und abenteuerlustigen Person« ein Foto eines »Mannes. eines Ausdrucks oder eines Satzes basierten. KI-Forschem und Neurowissenschaftlern (insbesondere Joseph LeDoux. der Maschinen zusammenbaut. Vielmehr bauen wir nicht mehr und nicht weniger als ein Artefakt. wie seine Tochter ihre ersten Schritte macht« hinweisen. Indem Cyc die Legenden von Bildern in einer Datenbank prüft. der eine Steilwand erklimmt« zutage fördern. die solche vagen Kriterien wie »eine glückliche Person« erfüllten. die auf der weiteren Bedeutung eines Wortes. lehnte er sich gegen einen der jüngsten Trends in der Erforschung des menschlichen Geistes auf. Cyc eigne sich besonders gut als Suchmaschine. könne er den Art-director auf ein Foto eines »Mannes. wie der menschliche Geist funktioniert. Dem Cyc-Team. oder auch eine konkrete Theorie der Intelligenz zu überprüfen. denn als Ingenieur.302 . Eine wachsende Zahl von Kognitionswissenschaftlern. Tatsächlich versteht sich Lenat nach eigenem Bekunden weniger als Wissenschaftler. »besser zu verstehen. gehe es nicht darum.Indem Lenat die Bedeutung von Emotionen herunterspielte. Lenat hat betont. Cyc dagegen könne auch Übereinstimmungen suchen. wobei wir mit einer äußerst pragmatischen technischen Einstellung an das Projekt herangehen. so sagte er. daß Emotionen für die menschliche Erkenntnis und Kreativität von zentraler Bedeutung sind. Die meisten Suchmaschinen suchen nach exakten Übereinstimmungen mit Schlüsselwörtern oder auch nach Synonymen.

Cyc werde binnen zehn Jahren die Fähigkeit zu autodidaktischem Lernen besitzen. die nichts mit dem Alltagsverstand zu tun haben. wie es ein Reporter formulierte. daß Cyc über hinreichend Intelligenz verfüge. wie es ein menschlicher Sucher täte. das als Prädikatenkalkül zweiter Ordnung bezeichnet wird.34 Im . die gewöhnliche Computer niemals entdeckten. Bücher und andere Informationsquellen durchforste. »sich neues Wissen leichter durch Lesen anzueignen als dadurch. Als er 1984 mit dem Projekt begann. daß es vermutlich einen Fehler in den Daten gibt. Doch in den meisten Fällen kann er nur Informationen verarbeiten. immer wieder hinaus. Cyc besitzt eine begrenzte Fähigkeit. weiß er. »Ohne daß man Cyc eigens für die Aufgabe programmieren müßte.33 (Lenat übersah. um sich von selbst neues Wissen anzueignen. an dem Cyc diese Fähigkeit besitzen soll.durch erfüllen. so Lenat. Lenats Ehrgeiz war von Anfang an. daß er sich von Wissensingenieuren füttern läßt«. Befehle in gewöhnlichem Englisch zu interpretieren und auszuführen. die den Bildern beigefügt sind.) Ironischerweise sind für die Bedienung dieser »Alltagsverstandmaschine« sehr spezielle Kenntnisse erforderlich. sagte er voraus. Im Jahr 1991 war Lenat noch immer optimistisch. daß gewisse Verwaltungsbezirke. vielmehr stütze er sich auf Übereinstimmungen zwischen seinem Suchbefehl und den sprachlichen Beschreibungen. Im allgemeinen liefert er auch Informationen in diesem Format. So enthielten beispielsweise Finanzdatenbanken oftmals Informationen über die Geschlechtszugehörigkeit eines Individuums und dessen Gatten oder Gattin. wie etwa San Francisco. sagte Lenat. übersetzt wurden. daß er Bilder direkt prüfe. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlauben. Cyc könne zudem jene Art von Fehlern und Inkonsistenzen aufspüren. daß Cyc 1994 oder 1995 in der Lage sei. Doch Lenat schiebt das Datum. wenn X und X' Gatte dasselbe Geschlecht haben«.303 . indem er Zeitungen. die zuvor in ein komplexes Logiksystem.

Lenat »ist es gelungen. könne Cyc nicht nur lernen. »nicht nachdenken zu müssen«. Doch bislang sei Lenat weit hinter seinem ehrgeizigsten Ziel zurückgeblieben.«35 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier Hubert Dreyfus bewunderte Lenat dafür.«36 Brooks nannte Cyc »ein bequemes Arbeitsbeschaffungsprojekt«. Nur leider ist er völlig auf dem Holzweg. und das übersieht er [Lenat] meines Erachtens. so meinte Lenat. das Lenat erlaube. der in Australien geboren wurde und aufwuchs und noch immer mit einem leicht näselnden australischen Akzent . »Letzten Endes muß man die Grundelemente in Cyc einspeisen. und das hat nichts mit menschlichem Denken zu tun.304 . Man muß ihn mit einer anderen sensorimotorischen Erfahrung verknüpfen.Jahr 1997 verschob er den Termin auf das Jahr 2001. Erstaunliche Entdeckungen. die neue Entdeckungen präsentieren wird. daß er das ursprüngliche Ziel der KI verfolgt. Cyc ist nicht in der Lage. Der KI-Forscher Rodney Brooks fällte ein ähnliches Urteil über Lenat: »Doug ist ein netter Kerl. so Brooks. Ich bewundere seinen Ehrgeiz.« Brooks. bemerkte Dreyfus. eine CD mit einer Enzyklopädie des Alltagswissens zu entwikkeln«. eine Maschine mit universellen Fähigkeiten zu schaffen. Cyc werde zu einem »vollentwickelten kreativen Mitglied einer Gruppe. Cyc sei im wesentlichen ein Thesaurus. sich durch Lektüre von Zeitungen und anderen Publikationen eigenständig Wissen anzueignen. der niemals durch einen Sinnesapparat in direkten Kontakt mit der Außenwelt trete. sagte Dreyfus. höchst originelle. Dann. »Ich respektiere ihn dafür«. sondern auch schöpferisch tätig sein. »Eigentlich handelt es sich bloß um ein Lexikon.« Lenats Version des Alltagsverstandes habe nichts mit der menschlichen Spielart gemein.

Ich glaube das noch immer. sagte er. da er ein renommiertes Labor mit einem großen Etat und zweihundert Mitarbeitern leite. ist eine der faszinierendsten Gestalten der KI. Für seine Doktorarbeit entwarf er ein hochkomplexes . Kurz nach seiner Ernennung sagte er mir. »Wir haben weder HAL noch Commander Data gebaut«. »Jetzt muß ich ein alter. wenn er so richtig in Fahrt kommt (was häufig geschieht). die KI sei gescheitert.spricht. aber sie glauben jetzt. »kenne ich den richtigen Weg.« Steuerprogramme. die hervortreten. Er ist ein auf gewinnende Weise streitsüchtiger Mensch mit längerem Kraushaar und Augen. daß er jetzt. »Mitte bis Ende der achtziger Jahre lief ich herum und sagte allen. Doch Brooks räumte ein. und ich werde es verwirklichen!« Brooks begann seine Laufbahn als gewöhnlicher KI-Forscher. fügte er mit selbstironischer Gravität hinzu. sagte er in Anspielung auf den gleichnamigen Androiden in der Fernsehserie Star Trek. Er verwandelte sich von einem lästigen Kritiker zu einer Säule des Establishments.305 . computergestützte Haushaltsgeräte.« Wie Herbert Simon ärgerte sich auch Brooks über einen Großteil der Kritik an der KI. so daß sie nicht mehr so ärgerlich auf mich sind. seine Aufsässigkeit zu bändigen versuche. Doch jetzt«. »Es ist Mode geworden. ich würde das eigentlich nicht glauben. nicht erreicht worden sei. nämlich intelligente Maschinen zu bauen. daß das Ziel. im Jahr 1997 wurde er zum Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz des MIT ernannt. Sein Charme rührt daher. daß er nicht nur alle anderen. zu sagen. Computerspiele und eine Vielzahl weiterer kommerzieller Produkte seien alle Anwendungsbeispiele der KI-Vision. »Meines Erachtens haben wir die Sache falsch angepackt. wie die Leute behaupten. sondern auch sich selbst heruntermacht. doch meines Erachtens war es kein solcher Fehlschlag. was sie natürlich verärgerte. verknöcherter Spießer sein«. wobei er wie ein Prediger den Finger in die Luft streckte. sie lägen völlig daneben.

daß es nicht die Art und Weise abbilde.« Seit den achtziger Jahren hat Brooks eine Reihe von Aufsätzen – mit Titeln wie »Elefanten spielen nicht Schach« und »Intelligenz ohne Repräsentation« . was ihre Erfinder bereits in sie hineingesteckt hätten. daß eine Verhaltensweise nur deshalb. nicht unbedingt auf diese Weise zustande gekommen sein muß. Er erlebte eine Glaubenskrise.37 Das Problem des logikorientierten Ansatzes in der KI-Forschung. die diese Projekte verfolgten. »Selbst als ich noch ein traditioneller KI-Forscher war. »Menschen sind in der Lage. Wie andere Skeptiker wandte er ein. daß derartige Programme lediglich das »entdeckten«. Es machte mich richtig wütend. daß Insekten sich bei der Entscheidungsfindung auf Vernunft und Logik stützten. Im Bemühen. Brooks ärgerte sich über die Behauptungen von Herbert Gelernter. wenn überhaupt.regelbasiertes Programm für dreidimensionales Sehen. und doch zeig.« Schließlich verwarf Brooks die gesamte Richtung der KIForschung. in Frage stellten. machte er sein Programm noch komplexer und schwerfälliger. Roboter auf der Grundlage dieses Programmes zu bauen. in Ketten logischer Schlußfolgerungen zu denken.« Wenn wir gebeten würden. Vernunft und Logik seien der Schlüssel zur Intelligenz. als er versuchte. sagte Brooks. bestehe darin. Herbert Simon und anderen. daß sie.306 . »reimen wir uns etwas zusammen«. die die Annahme. die physikalische Gesetze und mathematische Theoreme entdecken könnten. »Allmählich dämmerte es mir. nur schlecht funktionierten. konnte ich das nicht ausstehen. und feststellen mußte. so Brooks. doch meistens handelt es sich dabei um nachträgliche Rationalisierungen. diese Probleme zu lösen.geschrieben. weil sie sich mit einer Menge komplexer Regeln beschreiben läßt. Niemand behaupte. sie hätten Computerprogramme entwikkelt. unsere Handlungen zu rechtfertigen. jedes Wort betonend. wie Menschen in ihrem Alltagsleben Probleme lösen.

sondern von ihren Interaktionen mit einer komplexen Umwelt.307 . Cheap and Out of Control vorgestellt. wenn er berührt wird. das zum Vorschein kam. es gleicht dem Roboterskelett. komplexes Verhalten und die Fähigkeit zur Problemlösung. so lange andere Richtungen auszuprobieren. er zieht seinen Arm zurück. Er kann Objekte »sehen«. Cogs Siliziumgehirn verfügt über einige wenige Grundreflexe beziehungsweise Instinkte. nachdem Arnold Schwarzeneggers Leib im Terminator verbrannt war. seine Arme danach ausstrecken und sie berühren oder ergreifen. die ihm einprogrammiert wurden. der seine Annahmen einer noch strengeren Bewährungsprobe unterziehen sollte. daß die Komplexität von biologischem Verhalten nicht nur von den Organismen selbst herrühre. Brooks und seine Insektoid-Roboter wurden (neben einem Löwendompteur. Mitte der neunziger Jahre begann eine Gruppe unter Leitung von Brooks mit dem Bau eines humanoiden Roboters.ten diese Tiere offenkundig differenziertes. Armen und einem Torso. Wie Säuglinge hat er einen Wegziehreflex. insektenartige Verhaltensweisen. wenn es gegen ein Hindernis stieß. Die Insektoiden zeigten eindrucksvoll komplexe. Cog kann sich bewegende Objekte mit den Augen oder durch zusätzliche Bewegung des Kopfes verfolgen. indem er Dutzende von insektenartigen Robotern baute. deren Verhalten von relativ einfachen Sensoren und Chips. einem Nacken. Er bewies seine Ideen. gesteuert wurde. Brooks gelangte zu der Überzeugung. Eine Grundregel wies das Insektoid an. einem Experten für Nacktmulle und einem Ziergartengestalter) in Errol Morris' Dokumentarfilm Fast. die mit einfachen Regeln programmiert worden waren. bis es sich wieder vorwärts bewegen konnte. sowie eine gewisse Lernfähigkeit.38 Morris hatte den Titel des Films einem der bekanntesten Aufsätze von Brooks entlehnt. wenn sie im Labor losgelassen wurden. Dieses Cog genannte Geschöpf besteht aus einem Kopf mit Augen und Ohren. .

»Genau das gleiche tun Mütter mit ihren Säuglingen«. Nicht jeder ist von Cog beeindruckt. so daß man nicht mehr so viel Wissen von vornherein in die Maschinen einfüttern müsse. aus der ein Geräusch kommt. Daraus folge. auf dem zu sehen ist. Eine Mutter verwandelt eine einfache Reaktion des Säuglings in ein Spiel. das wir nicht verstehen.Cog und Fell heben abwechselnd einen Radiergummi auf und lassen ihn wieder fallen. ob es etwas mit Wissenschaft zu tun hat. der wie Brooks am MIT lehrt. als verstünde er das Gesprochene. »Diese wechselweise Interaktion geht allein von ihr aus. sagte Brooks. Cog habe bereits zu einigen aufschlußreichen Befunden geführt. wies Brooks darauf hin. »aber es ist fraglich. die Richtung festzustellen. wenn sie keine Geräusche von sich geben. »Wenn sich zwei Menschen miteinander unterhalten. jährlich Hunderttausende von Dollar für die Simulation eines Phänomens aufzuwenden. sagte Steven Pinker. mit dem Roboter interagiert . sagte Brooks.« Fell habe rein zufällig ein gewisses Verhalten bei Cog ausgelöst und dieses dann in ein Spiel verwandelt. KI sollte disziplinierter. Obgleich Cog Fell zu imitieren schien.308 .«39 . einem Reporter. eine der Entwicklerinnen von Cog. daß Cog über kein Imitationsprogramm verfügt. der Kopf wendet sich dann dem Geräusch zu.« Der Kognitionswissenschaftler Thomas Bever von der Universität Rochester meinte kritisch: »Wir wissen so wenig über die frühen Entwicklungsstadien der Kognition. schaut er abwechselnd einen der beiden an«. »Einen Roboter zu bauen ist eine spektakuläre Sache«. so Brooks. sagte Brooks. wie Cynthia Fell.Cogs »Ohren« erlauben ihm. daß die Umwelt Lernprozesse anregen und fördern könne. problemorientierter und geduldiger sein. Es ist reine Zeitvergeudung.« Cog kann auch menschliche Gesichter erkennen und sich ihnen zuwenden. »Es sieht so aus. daß es ziemlich unsinnig ist. das dann den Säugling zu komplexerem Verhalten und Lernen anregt. Er zeigte mir ein Video.

wie er bei einem Workshop in der Schweiz im Jahr 1995 erstmals von einem »Lebenselixier« gesprochen habe.Brooks selbst schien sich keine Illusionen über den möglichen Ertrag seiner Forschungen zu machen. das da ist.« Tatsächlich vermutete Brooks mittlerweile. die wir bauen. »Möglicherweise gibt es ein theoretisches Maximum der Fitneß. daß er und andere Wissenschaftler. genetischer Algorithmen und anderer Alternativen zu dem alten regelbasierten Ansatz in der KI-Forschung. die biologische Systeme erforschten und deren Eigenschaften zu simulieren versuchten. funktionieren nicht einmal annähernd so gut wie biologische Systeme«. Dies sei die Hoffnung von Konstrukteuren neuronaler Netze. das man nie auch nur annähernd erreichen kann.« Brooks würzte diese Enthüllung wie gewöhnlich mit einer Prise Selbstironie. eine zentrale Komponente übersähen. Wir übersehen etwas.309 . wie wir Imitationen lebensnäher gestalten könnten. die sie nicht zu überwinden vermöchten. sagte er. »Wenn wir diese Sprache besäßen. Er bezweifelte. und es gäbe uns einen Anhaltspunkt. Es ist ein Lebenselixier. »Ich wünsche mir zutiefst«.« Brooks dachte dabei weniger an eine neue Kraft. »Die Apparate. könnten wir all diese biologischen Vorgänge in einer geringfügig anderen Weise beschreiben. Er wies darauf hin. Ich glaube. daß Computerprogramme sich von selbst entwickelten und wirklich intelligente Versionen von sich erzeugen könnten. die der Erforschung des menschlichen Geistes im nächsten Jahrhundert neuen Schwung geben könnte. solche Gedanken sind bei . war sehr interessant. daß sämtliche Lernprogramme schließlich an eine Wand stießen. ein neues Elementarteilchen oder eine Essenz des Lebens als an ein Organisationsprinzip. Er erinnerte sich. daß »uns etwas entgeht. ein Konzept oder eine Sprache. sagte er bedauernd. so wie es die Computertheorie im zwanzigsten Jahrhundert getan hatte. worauf ein zweiundzwanzigjähriger Student aus Oxford geantwortet habe: »Was Sie gesagt haben.

ziemlich verbreitet. Fraktale. wurde er später zu einem der schärfsten Kritiker dieser Technologie. mit Ausnahmen zurechtzukommen. waren zwei derartige Metatheorien. die Kybernetik und die Informationstheorie. KI und Psychoanalyse Könnte die Psychoanalyse die Lösung darstellen.Wissenschaftlern. Auf sie folgten die Katastrophentheorie. der Erzfeind der KI. daß die Definition eines Vogels als eines Federtieres. wenn der Vogel ein Strauß oder ein Pinguin. Auch Minsky hat praktisch jeden anderen Ansatz in der KIForschung in Frage gestellt.310 . die als Lösungen der KI vorgeschlagen worden waren. nicht zutreffe. einem der legendären Überväter der Künstlichen Intelligenz. . ließ er kein gutes Haar. wenn er gestutzte Flügel oder in Beton steckende Füße oder wenn er eine traumatische Erfahrung durchgemacht habe. An mehreren hochmathematischen »Metatheorien«. als die KI-Forschung noch in den Kinderschuhen steckte. Er ist einer der Begründer des Artificial Intelligence Laboratory am MIT. und wie dessen gegenwärtiger Direktor ist er ein erbitterter Kritiker des logischen. Regelbasierte Systeme hätten große Schwierigkeiten. Minsky verwies gern darauf. die dem Ende ihrer Laufbahn entgegengehen. das fliegt. regelbasierten Ansatzes in der KI-Forschung. die Hubert Dreyfus. besonders populär. wenn er tot oder in einem Käfig eingesperrt sei. In den fünfziger Jahren.40 Diese Argumente decken sich mit denen. vorbrachte. die Brooks und andere KI-Forscher so verzweifelt suchten? Die Möglichkeit wurde von niemand geringerem als Marvin Minsky.« Brooks war damals einundvierzig Jahre alt. so daß er an einer »psychischen« Flughemmung leide. zur Sprache gebracht. Obgleich er in den fünfziger Jahren eines der ersten neuronalen Netze konstruierte.

bezögen sich auf solche Bedürfnisse wie Nahrung.« Die primitivsten Instinkte beziehungsweise »Maschinen«. Und dazwischen läuft das Denken ab. daß Freud entgegen der Behauptung einiger moderner Kritiker ein erstrangiger Wissenschaftler gewesen sei. »Vielleicht würden Sie ihn nicht als Wissenschaftler bezeichnen. sagte mir Minsky einmal. daß die Ansätze von Erzbehavioristen wie Iwan Pawlow. wie das Gehirn wirklich funktioniere. »Es gibt zahlreiche Schichten von Netzwerken aus lernenden Maschinen. der diesen Aspekt des Geistes wirklich ernst genommen habe. vielleicht auch viele. der Komplexität des Geistes nicht gerecht würden. für mich aber war er einer«.41 Doch um zu verstehen. bislang unbekannte Weise von der Kultur und den Eltern vermittelt werden. fuhr Minsky fort.« Freud habe »erkannt. wie er sie nannte. um Fehler zu korrigieren oder die anderen Agenturen an die Probleme des Denkens anzupassen. daß der Geist aus vielen Komponenten besteht«. Unterkunft und Flucht vor Feinden. daß es viele unterschiedliche Strategien zur Problemlösung verwende. . Freud habe schon frühzeitig erkannt.« Er kenne. die evolvierten. und es gibt eine Reihe essentieller Ziele. die es als unangemessen betrachte. nur noch einen Theoretiker. die den Geist auf eine Menge einfacher Regeln zurückzuführen versuchten. »muß man über diese Metatheorien hinausgelangen«. außer ihm selbst. Minsky tat die Kritik.« Minsky betonte nachdrücklich. »Diese Ansätze erzeugen immer wieder Wogen der Begeisterung. Sie funktionieren unter gewissen Bedingungen«. »Freud schrieb dem Geist also einen Sandwich-Aufbau zu.Chaos und Komplexität.311 . die auf irgendeine spezielle. »Es gibt einige Grundtriebe. Es gibt eine Reihe ursprünglicher Zielvorgaben. die von der Genetik festgelegt sind. Das Über-ich unterdrücke Triebregungen. Der Schlüssel für den Erfolg des Gehirns liege darin. »Freud hat bislang die nach meinen besten Theorien über den Geist aufgestellt. sagte er.

ein in Frankreich geborener Wissenschaftler.« Minsky teilte auch Freuds Glauben an den therapeutischen Nutzen der Introspektion. »könnten sie sich selbst verändern. daß wir uns weiterentwickeln und nicht in unserem gegenwärtigen Zustand der Dummheit verharren. ist der Ansicht. als unbegründet ab. Zrehen ging 1998 auf einer Tagung der American Association for Artificial Intelligence näher auf seine Vorstellungen ein. psychoanalytische Annahmen könnten in künstlichen Denkmaschinen erkundet und überprüft werden.Freud habe seine Theorien nicht hinlänglich überprüft. .312 . In einem Vortrag mit dem Titel »Psychoanalytische Konzepte für die Steuerung von Emotionen in Robotern«42 schlug Zrehen vor. Stephane Zrehen. wie ihr Geist funktioniert«. Der »Geist« des Hundes sollte aus mehreren Instinkten . unser mangelhaftes Selbst aus Fleisch und Blut zu überwinden und uns in sehr viel leistungsfähigere Maschinen zu verwandeln. sagte er. das Buch werde Menschen helfen. »Wenn Menschen wüßten.« Doch anders als Freud hoffe er. Als ich Minsky interviewte.und einem »Ich« bestehen. sagte er über den Titel.« Mindestens ein junger KI-Forscher teilt Minskys Sympathien für die Freudsche Theorie. »Bei solchen Experimenten führt man Elektroden ins Gehirn ein. Das Buch gebe seine Ansichten über den »Alltagsverstand und die ihm zugrunde liegenden Prozesse« wieder.« Doch zu Zeiten Freuds habe man nicht über derartige Instrumente verfügt. »Meines Erachtens ist es für uns wichtig. zu essen und zu defäkieren. sowie dem Wunsch nach Zuwendung . »Er wäre der erste gewesen. »Damit ist der Mensch gemeint«. der die richtigen Experimente durchgeführt hätte. arbeitete er gerade an einem Buch mit dem Titel The Emotion Machine. ihre Gedanken und Handlungen besser zu verstehen und dadurch mehr Kontrolle über sie zu gewinnen. Er hoffe. daß unsere Selbsterkenntnis uns eines Tages die Macht gebe. der am California Institute of Technology arbeitet. einen RoboterHund zu bauen.dem Bedürfnis.

»wenn ich aufs Sofa springe. die eine Ausbildung als Psychoanalytikerin absolviert hat. werde ich ausgeschimpft«. das mit einer Psyche ausgestattet ist. um ein künstliches Geschöpf zu entwickeln. »wenn ich mein Geschäft draußen verrichte. wie es sich anhört. oberflächlich betrachtet. Turkle.das Ziehen als »eine Geistesagentur. »nachdem mein Herrchen nach Hause gekommen ist und seinen Hut und Mantel abgelegt hat. der das Gehirn als eine black box . die dafür zuständig ist. werde ich ausgeschimpft«. wie sie etwa dem Ich zugeschrieben werden. »auch wenn ich noch so laut belle. Das »Ich« könne dem Hund helfen. so das Fazit von Zrehen. Kompromisse zwischen inneren Trieben und den Forderungen der Außenwelt zu finden«. »wenn ich mein Geschäft im Wohnzimmer verrichte. definierte.313 . »sollten weitere psychoanalytische Schlüsselbegriffe in das gegenwärtige Modell des Ich einbeziehen. um sämtliche Elemente zu simulieren. grundverschieden anmutenden Ansätzen zur Erforschung des Geistes hin. den Behaviorismus. In einem Aufsatz mit dem Titel »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance« wies sie 1988 auf mehrere Gemeinsamkeiten zwischen. Zrehen behauptete. sehr leicht mit neuronalen Netzen simulieren lassen«. Künstliche Intelligenz und Psychoanalyse hätten einen gemeinsamen Feind. »Künftige Forschungen«. mehrere wichtige Lektionen zu lernen: »nach dem Essen werde ich Gassi geführt«. werde ich morgens nicht gefüttert«.« Die Bedeutung des Turing-Tests Die Vereinigung von Künstlicher Intelligenz und Psychoanalyse ist nach Ansicht der Soziologin Sherry Turkle nicht so weit hergeholt. füttert es mich«. ist zu einer Psychiaterin der Cybergeneration geworden. werde ich am Kopf getätschelt«. daß »sich komplexe Fähigkeiten. die notwendig sind.

Wenn ich Rodney Brooks früher von seinen robotischen ›Geschöpfen‹ sprechen hörte.«43 In ihrem 1998 erschienenen Buch Leben im Netz beantwortete Turkle die Frage. sondern auch. Cog hätte meinen Blick ›aufgefangen‹ und beantwortet. ›bemerkte‹ mich Cog kurz nach dem Betreten des Raumes.seinen Kopf. Das freudianische Unbewußte »stellt ein dezentriertes Selbst dar«. die Psychoanalyse. Einmal war ich sicher. Beide Disziplinen stellten überkommene Vorstellungen von Willensfreiheit und Selbst in Frage.nicht etwa wegen Cogs Leistungen. sondern wegen meiner Reaktion auf ›ihn‹.behandele. Dieser Besuch erschütterte mich . ich fühlte mich dadurch geschmeichelt: Mit einem anderen Besucher wetteiferte ich um Cogs Beachtung. indem sie die Kognition auf Rechenprozesse zurückführe. Sie beschrieb ihre Begegnung folgendermaßen: Da ihm beigebracht worden war. ob das Selbst frei ist. wo bleibt dann das Selbst? Sie stellt nicht nur in Frage. »Das Projekt ist umstritten: Einige sehen darin ein hervorragendes Experiment. ein wenig anders. dem humanoiden Roboter. für andere ist es nichts als ein verstiegenes Hirngespinst.mir folgend . »Der KI wohnt sogar eine noch bedrohlichere Herausforderung inne: Wenn der Geist ein Programm ist. den ihr MIT-Kollege Rodney Brooks gebaut hatte. war ich immer . das größte sich bewegende Objekt in seinem Wahrnehmungsfeld zu verfolgen (weil es sich dabei in der Regel um einen Menschen handelt). was hinter dem ganzen Wirbel um ihn stecke.« Sie beschloß. indem sie die Rolle unbewußter Vorgänge betone. und ich muß gestehen. Er drehte . und die Künstliche Intelligenz. ob es überhaupt so etwas wie ein Selbst gibt. Cog selbst in Augenschein zu nehmen und in Erfahrung zu bringen. so Turkle weiter. ob eine Maschine ein Selbst besitzen könne. deren interne Prozesse nur durch Erforschung ihrer Inputs und Outputs rekonstruiert werden könne. das die Idee einer mit einem Körper versehenen emergenten Intelligenz ernst nimmt.314 . Sie hatte faszinierende Berichte von Cog gehört.

dieses Wort im Geist in Anführungszeichen zu setzen. Wenn es dem Programm nicht gelang. erzielte ähnliche Wirkungen. Diese Prophezeiung wirkte angesichts der Fähigkeit von ELIZA. das ihm erlaubte. das in den sechziger Jahren entwickelt wurde und den Namen ELIZA trug. griff es auf allgemeine Bemerkungen zurück. sondern auch einige Psychiater und Psychoanalytiker behaupteten. Gegen meinen Willen und trotz meiner fortbestehenden Skepsis gegenüber diesem Forschungsprojekt hatte ich mich verhalten. Ein Expertensystem. Sein raffiniertester Trick bestand darin.sorgsam darauf bedacht gewesen. bestimmte Ausdrücke aus den Botschaften des Patienten herauszugreifen und sie in eine seiner stereotypen Antworten einzubauen. ein Muster zu erkennen. eine so spezifische Antwort zu erzeugen. nicht . antwortete ELIZA: »Weshalb spüren Sie Ihrer Meinung nach gegenwärtig eine gewisse Angst?« Sobald ein Schlüsselwort wie »Mutter« (oder »Vater« oder »Träumen« oder »Familie« oder wie das Schlüsselwort sonst lautete) erwähnt wurde. Doch jetzt.44 Cog ist wohl kaum das einzige Produkt der KI. Wenn die Person beispielsweise eingab: »Ich spüre gegenwärtig eine gewisse Angst«. fahren Sie fort« oder »Das ist sehr interessant«. mit Kommentaren. die Nachfahren von ELIZA würden menschliche Therapeuten ersetzen. wie: »Erzählen Sie mir mehr darüber«. nach meiner Bekanntschaft mit Cog. das bei einem Menschen solche Reaktionen auslöst. die von einem menschlichen Patienten in einen Computer eingegeben wurden. löste dies unverzüglich die Antwort aus: »Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Mutter«.315 . sah ich diese Anführungszeichen dahinschwinden. selbst hochintelligente Gesprächspartner in seinen Bann zu ziehen. ELIZA reagierte auf Nachrichten. »Bitte. als wäre Cog eine andere Person. die die Äußerungen eines Psychotherapeuten nachahmten. Nicht nur KI-Forscher.

das ist alles. McCorduck beschrieb. In Machines Who Think schilderte Pamela McCorduck eine Interaktion zwischen ELIZA und einem russischen Informatiker. auf der anderen Seite befinden sich ein Computer und ein Mensch. ein einfaches empirisches Verfahren zur Beantwortung dieser Frage vor. Wenn uns eine Maschine davon überzeugt. der den Turing-Test besteht. Wenn der Schiedsrichter nicht herausfindet. Ich fühle mich etwas erschöpft. Wir beobachteten dies peinlich berührt. lautet: Denken und empfinden Maschinen genauso wie wir. ein international renommierter Informatiker. Nach der starken KI-Hypothese besitzt ein Computer. die die KI aufwirft. Der Schiedsrichter gibt über ein Datenendgerät Fragen an den Computer und den Menschen weiter. seiner Kinder und der großen . ein Pionier der Informatik. nicht hinzusehen. Bewußtsein. was nun folgte: »Unser Gast. und waren gleichwohl wie gebannt. ist der Computer definitionsgemäß denkfähig. dem Rechner seine Sorgen wegen seiner Frau.einmal sonderlich verstiegen.« .Entfernung von ihnen anzuvertrauen. der genau wußte.316 . begann dennoch. welche Antworten vom Computer stammen und welche vom Menschen. besitzen sie ein Selbst.«45 Die tiefgreifendste Frage. nichts besonderes.»Weshalb fühlen Sie sich Ihrer Meinung nach etwas erschöpft?« erwiderte ELIZA. Doch die Reaktion des an Heimweh leidenden russischen Wissenschaftlers auf ELIZA und der Soziologin Sherry Turkle auf Cog offenbart den Fehler im Turing-Test. um mit Turkle zu sprechen? Im Jahr 1950 schlug der britische Mathematiker Alan Turing.geographischen und emotionalen . die an der Universität Stanford stattfand. daß sie empfin. Der Dialog begann mit einer einfachen Bemerkung. daß er es mit einem Computer und nicht etwa einer Person zu tun hatte. gaben uns alle Mühe. Auf der einen Seite einer Leinwand sitzt ein Schiedsrichter. ELIZA fragte den russischen Wissenschaftler: »Was hat Sie heute zu mir geführt?« Der Russe antwortete: »Ach.

Autisten scheinen oftmals keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Menschen und unbelebten Objekten. So schreiben wir nicht nur anderen Menschen und Tieren. besitzen alle normalen Menschen ein angeborenes »Psychologiemodul«. die offenkundig durch bloßen Zufall ausgelöst wurden. als die Werke eines zornigen oder liebenden Gottes.317 .46 Schädigungen des »Psychologiemoduls« verursachen möglicherweise Autismus. den psychischen Zustand anderer Menschen intuitiv zu erfassen und auf diese Weise ihre Handlungen vorherzusagen. wie etwa Tischen und Stühlen.dungsfähig sei. Hirnforscher und Philosophen können sich nicht einmal auf eine gemeinsame Definition von Bewußtsein verständigen. sagt dies möglicherweise viel weniger über die Maschine aus als über uns. ob Maschinen denken und fühlen können. komplexe psychische Zustände zu. bezog er sich damit auf das Geheimnisvollste aller Nebenprodukte des Gehirns. die aus diesem Gebiet hervorgingen. Die Evolutionspsychologie liefert uns vielleicht einige Aufschlüsse über dieses Phänomen. geschweige denn auf eine gemeinsame Erklärung. Als der Philosoph Joseph Levine den Begriff »Erklärungslücke« prägte. Viele von uns sind jedoch mit dem umgekehrten Problem konfrontiert. Die Kontroverse über die Frage. das uns ermöglicht. vorzunehmen. daß sie kein Bewußtsein besitzen. sondern auch Unwettern. . Nach einer der faszinierendsten Hypothesen. Das »Psychologiemodul« gab uns einst die Religion. und heute gibt es uns die starke KIHypothese. Wir deuten selbst die Phänomene. einem überaktiven »Psychologiemodul« . Ich persönlich ziehe die Definition von Bewußtsein vor. Auch der scharfsinnigste menschliche Beobachter schreibt unwillkürlich selbst Objekten. ist jedoch nur eine Facette der umfassenderen Kontroverse über das Phänomen Bewußtsein. von denen er weiß. Dürren und Sternschnuppen Empfindungsfähigkeit und komplexe psychische Zustände zu.

wurde darüber geschrieben. was es ist. Bewußtsein liegt jedoch schon dann vor.318 . deren Sinn sich nur begreifen läßt. wenn man weiß.«47 . Der Ausdruck läßt sich nicht definieren . Oft wird irrigerweise Bewußtsein mit Selbstbewußtsein gleichgesetzt. wenn Bewußtsein von der Außenwelt vorliegt. was Bewußtsein bedeutet.außer durch Ausdrücke. Bewußtsein ist ein faszinierendes Phänomen. Gedanken und Empfindungen haben. Nichts. das sich dem Zugriff aber entzieht. Es ist unmöglich anzugeben. was es tut und warum es entstanden ist.die der britische Psychologe Stuart Sutherland in The International Dictionary of Psychology aufstellte: »Wahrnehmungen. was sich zu lesen lohnt.

so daß man sie wie eine Mühle betreten könnte. GÜNTHER STENT. etwas außerordentlich Wichtiges entdeckt zu haben: eine Theorie. da sich zeigen wird. kann man das Bewußtsein in Verbindung bringen? Rund oder eckig. deren Struktur das Denken. die nicht interessanter oder uninteressanter sind als die Prozesse. die behaupten. aber was würde man dort beobachten? Nichts anderes als Teile. die alle dem Wesen der Wahrnehmung gleichermaßen fremd sind.319 . die etwa in der Leber ab1 laufen. normale Reaktionen. 18. sind Arten der materiellen Existenz. DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Nehmen wir eine Maschine an. das die Wahrnehmung erklären könnte. sich langsam oder schnell in diese oder jene Richtung zu bewegen. fest oder flüssig. groß oder klein zu sein. Gefühle und die Wahrnehmung erzeugt. nehmen wir an. in welcher Abwandlung und Kombination auch immer. die einander stoßen und bewegen. 20. . 1/14 Materie kann sich von Materie nur in Form. Jahrhundert Die Suche nach einer ›molekularen‹ Erklärung des Bewußtseins ist Zeitverschwendung. Ausdehnung. wenn Aladin die Wunderlampe reibt. aber niemals etwas. Bewegung und Bewegungsrichtung unterscheiden: Mit welchem davon.8. diese Maschine werde vergrößert. JULIAN HUXLEY. 19. ist geradeso unerklärlich wie das Erscheinen des Dschinn. daß die physiologischen Prozesse. Dichte. Jahrhundert 1 I m Verlauf seines beruflichen Lebens erhält jeder Wissenschaftsjournalist Briefe von Menschen. nichts anderes sind als scheinbar gewöhnliche. behalte aber dieselben Proportionen. Unter dieser Annahme könnte man also das Innere der Maschine aufsuchen. GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ. SAMUEL JOHNSON. Monadologie. die dieser vollkommen subjektiven Erfahrung zugrunde liegen. Jahrhundert Daß etwas so Eigenartiges wie ein Bewußtseinszustand der Reizung von Nervengewebe entspringen kann.

ironischerweise.ein Verfahren zum überlichtschnellen Transport beschrieben wurde (der Briefkopf wies den Schreiber als Vorsitzenden der Transluminal Industries. Amüsiert von einem Schreiben. Nicht etwa. -Darwins und -Einsteins einfach zu ignorieren.. Und dennoch wirkten sie irgendwie . Die Erfahrung hat mich gelehrt. Das Manuskript umfaßt manchmal Dutzende oder auch Hunderte von handgeschriebenen Seiten.in ironischem Tonfall. in dem . schrieb ich dem Autor . mit Großbuchstaben und Ausrufungszeichen. zitieren anerkannte Quellen. aus). all diese Möchtegern-Newtons. ein auf einer Seite niedergeschriebener Beweis von Fermats letztem Satz oder auch schlicht die Weltformel. Die Autoren benutzen gewöhnliche Schriftarten. schief. setzen Formeln wohlüberlegt ein. daß Einsteins Konzeption von Raum und Zeit falsch sei.320 . schlimmer noch. Faxschreiben und Anrufen war die Folge. einer von ihnen hätte vielleicht tatsächlich die allumfassende Erklärung gefunden. Gott (oder.. wie ich glaubte . Dennoch fällt es mir noch immer nicht leicht. Am verstörendsten sind die Briefe.die beweise. eine Neuformulierung der Quantenmechanik. die vollgepackt sind mit unverständlichen Wörtern und mathematischen Symbolen. . Wittgenstein) erhebt immer wieder sein Haupt. und sie sehnen sich nach Anerkennung.. Einige Schreiben sind offensichtlich Produkte klinischer Geistesstörung. ob ich Aktien an seinem Unternehmen erwerben könne. Vielmehr rührt der Gedanke. Inc. wie ich glaubte -. bauen ihre Argumentation sorgfältig auf und berufen sich nur ganz selten auf Gott oder Wittgenstein. solche Briefe am besten nicht zu beantworten. Oft wechselt auch ständig die Farbe des Kugelschreibers oder Bleistifts. Ein wochenlanges Hin und Her von Briefen. intelligentesten und gelehrtesten sind. Die Briefschreiber stehen im allgemeinen in keiner Beziehung zu staatlichen Institutionen (ausgenommen Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken). daß ich dächte. die am klarsten.

Physik und natürlich die Philosophie.daß sich diese einsamen Wahrheitssucher nach Bestätigung oder zumindest einer Reaktion von dieser gleichgültigen Welt sehnen. wurde (fälschlicherweise. mein abgestumpftes Herz. wie etwa der Universität Oxford und dem California Institute of Technology. die die Welterklärung gefunden zu haben glaubt. daß das Treffen langweilig gewesen wäre. Ihre Vorträge wiesen alle Kennzeichen eines ernstzunehmenden wissenschaftlichen Diskurses auf .der Erkenntnisse aller wissenschaftlichen Fachgebiete.321 . Künstliche Intelligenz. experimentelle Daten. Psychiatrie. »Toward a Scientific Basis of Consciousness«. mit all den anderen. in Kontakt zu bringen. Praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen (und nicht wenige pseudowissenschaftliche und sogar wissenschaftsfeindliche) waren vertreten: Psychologie. wie sich zeigen sollte) als die »erste interdisziplinäre Wissenschaftskonferenz zum Thema Bewußtsein in den Vereinigten Staaten« angekündigt. Neurologie.auch wenn ein solcher Beschluß äußerst unwahrscheinlich wäre. . Dennoch wirkten sie alle irgendwie . so ihre Überschrift.2 Die Tagung lieferte eine Quintessenz um nicht zu sagen Karikatur . Neurowissenschaft. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen.. wobei die ganze Zersplitterung und Begriffsverwirrung in diesen Bereichen gleichsam tausendfach vergrößert zum Vorschein kam. Chaostheorie. Eine solche Konferenz liefe vermutlich ähnlich ab wie eine Tagung an der Universität von Arizona in Tucson..Fachtermini. jede Person. Manchmal wünschte ich mir. Mathematik. Nicht. Viele der Teilnehmer waren berühmte Professoren an bedeutenden Hochschulen. die eine letzte Wahrheit entdeckt haben. Gleichungen. Die Stimmung wurde gleich zu Beginn von einem der Organisatoren. schief. welche Erklärung die beste sei . Im Idealfall träfen sie sich auf einer Konferenz zu einem Meinungsaustausch und stimmten darüber ab. an der ich im April 1994 teilnahm.

Es zeigte einen Mann mit langen dünnen Haaren und brutalem Gesicht. der zur Clique der Quantenbewußtseinstheoretiker gehörte.also nicht vorhersagbare. die bei relativ hohen Temperaturen auftrete. Jeder vorstellbare Erklärungsansatz für das Phänomen Bewußtsein hatte in Tucson seine Anhänger. Bewußtsein sei womöglich eine »emergente« . Ein langes Stück Stahl ragte aus beiden Schläfen hervor. während seiner Begrüßungsanprache den Blick über die bunt zusammengewürfelte Menge schweifen ließ. ja ihm nicht einmal das Bewußtsein geraubt. so Rasmussen weiter. Wissenschaftliche Erklärungen. so wie die Supraleitfähigkeit eine emergente Eigenschaft gewisser keramischer Verbindungen sei. versetzte ihn in Bewußtlosigkeit. wie robust Bewußtsein sein könne. behauptete. ein dänischer Physiker. so Hameroff. der Mann sei ein Strafgefangener. entfuhr ihm ein begeistertes: »Mann! Das ist ja hier wie in Woodstock!« Später führte er das beste Dia der Konferenz vor. ein HippieTyp mittleren Alters mit Spitzbart und Pferdeschwanz. das ihm in einer örtlichen Klinik verabreicht wurde. Steen Rasmussen. dem die Stange bei einem Streit um Drogen in den Kopf gerammt worden sei. Doch die Stange hatte diesen modernen Phineas Gage nicht getötet. setzten meist stillschweigend voraus. und er biß vor Wut und Schmerz die Zähne zusammen. daß »Thiopental [ein Injektionsnarkotikum] mächtiger ist als das Schwert«. Als Hameroff.Eigenschaft des komplexen Verhaltens des Gehirns. Eine andere Lektion sei. der Hochburg der modischen Komplexitätsforschung.322 .3 Er meinte. Hameroff berichtete. der Begriff der Willensfreiheit lasse sich möglicherweise durch »Verursachung von oben nach unten« erklären. der am Santa-Fe-Institut arbeitet. Dieser Vorfall.dem Anästhesisten Stuart Hameroff von der Universität von Arizona. der frontal in die Kamera schaute: seine Augen quollen hervor. zeige. daß der Ursachenzusammen. irreduzible und ganzheitliche . auf den Punkt gebracht. Erst ein Narkotikum.

Nach Ansicht von Pribram können in gleicher Weise aus kleinsten Gedächtnisspuren vollständige Erinnerungen hervorgehen. Der erfahrene Neurowissenschaftler Karl Pribram.oftmals wiederholt synchron und in derselben Frequenz entladen.4 Pribram hatte die Hypothese formuliert.hang nur »von unten nach oben« verlaufen könne. Doch die Verursachung könne auch von oben nach unten erfolgen. daß das Gesamtverhalten eines Systems durch das Verhalten seiner kleinsten Elemente festgelegt werde. diese oszillierenden Neuronen erzeugten sehr schwache elektrische Felder. daß jeder beliebige Ausschnitt des Bildes das gesamte Bild. die Hologramme erzeugen. man kann daher das gesamte Bild aus einem winzigen Element rekonstruieren. Eines der bemerkenswertesten Merkmale eines Hologramms besteht darin. ein emergentes Phänomen wie der menschliche Geist sei bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den kleinen Prozessen. daß das Gedächtnis in einer ähnlichen Weise wie die Holographie funktioniere. die den Lichtwellen in einem Hologramm entsprächen. bei der ein dreidimensionales Bild durch Überlagerung zweier Laserstrahlen erzeugt wird. So lasse sich die Willensfreiheit erklären. stellte eine aktualisierte Version einer einstmals populären Theorie. die er in den sechziger Jahren aufgestellt hatte. und könne sogar eine gewisse Kontrolle über diese ausüben. Überlagerung und Resonanz zwischen den sich überlagernden Feldern könnten so Erinnerung. in sich trägt. der dreißig Jahre lang in Stanford lehrte und dann 1989 an die Radford-Universität wechselte. Pribram behauptete. Später fanden Forscher jedoch heraus. das bedeute.323 .ähnlich wie Lichtwellen in einem Laser . wenn auch in geringerer Auflösung. aus denen es hervorgehe. . zur Debatte. daß sich große Verbände von Neuronen . Eine Schwäche von Pribrams ursprünglichem holographischem Modell lag darin. daß es offenbar kein neurales Korrelat zu den Laserstrahlen gab.

daß das Gehirn der Versuchspersonen im Schnitt 0. »Es gibt kein schwarzes Loch in unserem Gehirn«. die »in Wirklichkeit Gott ist«. Daten von Sensoren an den Fingern zeigten. . in meinem Gehirn gibt es ein schwarzes Loch!« fiel ihm ein vermutlich überforderter Zuhörer ins Wort. dem »Quant«. fügte er hinzu.324 . während sie den Augenblick ihres Entschlusses mit einer Uhr festhielten. « .»Ich glaube. zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl einen Finger abzubiegen. seien quantenphysikalische Fluktuationen der Vakuumenergie des Universums. . Der Psychologe Benjamin Libet6 von der Universität von Kalifornien in San Francisco beschrieb ein Experiment. daß die Physiker tiefreichende Zusammenhänge zwischen der Quantenmechanik. einen Aktivitätsgipfel generierte. Diese Befunde förderten vielleicht auch Erhellendes über das Rätsel Bewußtsein zutage. die zunächst am MIT Physik und anschließend bei dem Psychoanalytiker Erik Erikson an der HarvardUniversität Philosophie und Religion studierte. Die menschlichen Gedanken. aber nur wenige erbrachten eindeutige Ergebnisse. daß Materie und Geist aus einer tieferen Quelle. den Dualismus zu überwinden und zu erkennen. zeigte.3 Sekunden bevor sie bewußt den Entschluß trafen. Doch ein Elektroenzephalograph. so versicherte sie. Sie sagte. der Informationstheorie. Auf der Konferenz mangelte es nicht an empirischen Studien. bei dem die Versuchspersonen gebeten wurden. ihre Finger abbogen. Nach ihrem Vortrag wies einer der Zuhörer darauf hin. »aber .Wahrnehmung und andere mentale Funktionen hervorbringen. daß die Versuchspersonen im Schnitt 0. wiederholte die Kernthese ihres 1990 erschienenen Buches The Quantum Seif 5. . Danah Zohar.2 Sekunden nachdem sie den Entschluß gefaßt hatten. hervorgingen. der Thermodynamik und schwarzen Löchern entdeckt hätten. der die Hirnwellen aufzeichnete. den Knopf zu drücken. es sei Zeit.

Diese Patienten sind zwar subjektiv blind. ob seine Befunde etwas mit der Frage der Willensfreiheit zu tun hätten. die an einem seltsamen Syndrom litten. wissen sie dann immer weniger um ihren Gedächtnisverlust. »wie man glücklich wird«) fragte Libet. nichts zu sehen. Mehrere Forscher sprachen über hirngeschädigte Patienten. daß Alzheimer-Patienten im Frühstadium der Erkrankung eine Phase durchlaufen. In dem Maße. Ein Forscher zeigte.und somit auch mentalen Fähigkeiten .durch Krankheiten oder Verletzungen geschädigt worden waren. deren Aktivität wir nicht ableiteten«. antwortete Libet. Das Phänomen der Blindsichtigkeit deutet darauf hin. Absichten zu initiieren. Andere Vorträge bezogen sich auf Menschen. in der sie sich ihres Gedächtnisverlustes in qualvoller Weise bewußt sind. wie sich ihre Erinnerungsfähigkeit weiterverschlechtert. in dem er Ratschläge darüber gab. . Legt man einem Menschen. deren Gehirne . wird er in vielen Fällen die richtige Antwort liefern. nachdem sie aus dem Unbewußten aufgestiegen seien. was das Bild zeige. beispielsweise ein Bild eines Löwen vor. daß Wahrnehmung und Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad getrennte Phänomene sind. Ein Arzt aus Kalifornien (der zuvor Exemplare eines selbstverlegten Buches verteilt hatte. das Gesicht verziehend. zu raten. meinte Libet.325 . Er wies vorsichtig auf eine mögliche Konsequenz seiner Studien hin: Vielleicht bestehe die Willensfreiheit nicht darin. die in verschiedenen Regionen des Zentralnervensystems angesiedelt sind. Fordert man ihn dann auf. behauptet er. »Ich konnte dieser Frage immer aus dem Weg gehen«. doch ihr Gehirn empfängt und verarbeitet auf einer bestimmten Ebene weiterhin visuelle Informationen. das Blindsichtigkeit genannt wird. sondern sie zu verwerfen.»Der eigentliche Beginn der Willensbildung fand möglicherweise noch früher in einer Region des Gehirns statt. gutzuheißen oder anderweitig auf sie zu reagieren. der an Blindsichtigkeit leidet.

man könne die beiden »Selbste« der Frau durch Konfliktbewältigungsstrategien darin schulen. daß nahezu alle Konferenzteilnehmer Bewußtsein so eng definierten. die die beiden Hemisphären des Gehirns miteinander verbinden. daß Chirurgen die Nervenfasern durchtrennt hatten. Ein anderer machte den Vorschlag. Einmal ließ ich mich in der Halle auf eine Diskussion mit einem großen glatzköpfigen Mann ein. auf dem die Wörter ja und nein standen.Ein Neurologe von der Universität von North Dakota führte ein Video über eine junge Frau vor. »Dort spielt die Musik«. auf die richtige Antwort zu deuten. wie Wanzen. verzweifelt um eine Antwort ringend: »Ja! Moment mal! Nein! Ja! Nein. der einen Nasenring und einen fünfzehn Zentimeter langen geflochtenen Kinnbart trug und für ein unbekanntes Internetmagazin über die Tagung berichtete. nein! Moment mal. ja. schrie sie. Als sie gefragt wurde. Pflanzen und Steinen. sagte ein Journalist. Er war enttäuscht. besaß sie anschließend zwei Bewußtseinszentren. Dann tippte ihr linker Zeigefinger auf »Ja« und ihr rechter Zeigefinger auf »Nein«. Ein Psychotherapeut unter den Zuhörern meinte im Anschluß. Bewußtsein war seines Erachtens offensichtlich nicht nur eine Eigenschaft von Menschen und anderen höheren Lebewesen.326 . eine Empfindung spüre. der eine Art Leinenpyjama trug. die an einer so schweren Epilepsie litt. die um die Vorherrschaft konkurrierten. die über Nervenbahnen mit nur einer Hemisphäre in Verbindung stand. ja aufgebracht. Ich gab zu be. ob sie in ihrer linken Hand. und baten sie. Wem die offiziellen Vorträge zu fad waren. sondern von sämtlichen Erscheinungen der Natur.« Anschließend legten die Forscher der Frau ein Blatt Papier vor. besser miteinander auszukommen. der konnte in der Halle vor dem Hörsaal noch exotischere Kost genießen. Obgleich die Operation ihre Epilepsie gelindert hatte. Die Frau starrte das Blatt einen Augenblick lang an. daß selbst gesunde Menschen eine gewisse Fragmentierung ihres Selbst erlebten.

er habe einst wie ich an einem äußerst engen materialistischen Paradigma festgehalten. »ohne dessen Energie und Enthusiasmus dieses Buch nie geschrieben worden wäre«.denken. Der Mann im Pyjama erwiderte erregt. und wenn ich nicht so engstirnig bliebe. wenn sie es derart weit definierte. daß es die Wissenschaft bei der Erklärung von Bewußtsein nicht sonderlich weit brächte. . der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler dieses Jahrhunderts. die die Vererbung auf der Basis der DNA erklärten. vergleichbar jenen. in einem gemeinsam verfaßten Aufsatz. die wissenschaftlichen Anforderungen genügten.327 .7 Im Gegensatz zu den Annahmen von Psychologen. Koch dürfte maßgeblich für das stark gewachsene wissenschaftliche Interesse am Bewußtsein verantwortlich sein. Im Jahr 1990 verkündeten er und Francis Crick. Crick führte diese Ideen in seinem 1994 erschienenen Buch Was die Seele wirklich ist8 weiter aus. könnte ich das vielleicht auch. Philosophen und anderen Wissenschaftlern könne man Bewußtsein und andere mentale Phänomene niemals richtig verstehen. einen deutschstämmigen Neurowissenschaftler vom California Institute of Technology. es sei an der Zeit. Christof Kochs Bewußtsein Wenn man die verschiedenen Konkurrenten in diesem wissenschaftlichen Wettstreit plazieren müßte. Er habe es jedoch überwunden. wenn man das Gehirn als eine black box behandele. ginge die Spitzenposition vermutlich an Christof Koch. Er widmete dieses Buch Koch. Bewußtsein zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Erforschung zu machen. Nur durch gründliche Erforschung der Nervenzellen und der Wechselwirkungen zwischen diesen könnten Wissenschaftler Modelle entwickeln.

Kochs Energie und Enthusiasmus waren in seinem Vortrag in Tucson geradezu körperlich zu spüren. Dieser hochgewachsene, schlanke Mann, der mit deutschem Akzent sprach und seine Worte stakkatoartig herunterrasselte, ging während seines Vortrags mit federnden Schritten auf dem Podium hin und her und hielt nur inne, um schnell ein Dia zu zeigen oder einen Witz zu machen. Er erinnerte die Zuhörer daran, daß er und Crick Bewußtsein als die Fähigkeit des Gehirns definiert hätten, sich auf eine bestimmte Anzahl von all den Phänomenen, die auf es einwirken, zu konzentrieren. Dann werde die entscheidende Frage zu einer scheinbar einfachen: Auf welche Weise werde sich das Gehirn zum Beispiel eines Gesichts in einem Raum voller Menschen bewußt? In Wahrheit aber sei das Problem ziemlich kompliziert, erklärte Koch, weil selbst eine einzige visuelle Szene in vielen verschiedenen Regionen des Gehirns verarbeitet werde. »Es gibt nicht einen Ort, an dem alles zusammenläuft.« Er fügte hinzu, diese scheinbar verteilte Struktur des Bewußtseins sei, evolutionsbiologisch gesehen, sinnvoll, da das Gehirn dann nicht so leicht durch eine einzelne, örtlich begrenzte Verletzung außer Betrieb gesetzt werden könnte. Welche Mechanismen aber verwandeln das Entladen von Neuronen in zahlreichen Regionen des Gehirns zu einer einheitlichen Wahrnehmung? »Dies ist das Bindungsproblem«, erklärte Koch. Wenn es den Neurowissenschaftlern gelänge, das Bindungsproblem zu lösen - das ich das Dilemma des Reduktionismus genannt habe -, so Koch, hätten sie einen großen Schritt in Richtung einer Lösung des Bewußtseinsproblems getan. Auf eine mögliche Lösung des Bindungsproblems hätten Experimente hingedeutet, die zeigten, daß sich Neuronen in verschiedenen Teilen des Gehirns gelegentlich mit derselben Frequenz entladen - etwa vierzigmal pro Sekunde. Koch bat die Zuhörer, sich das Gehirn als einen Weihnachtsbaum mit Milliarden von Lichtern vorzustellen, die scheinbar rein zufäl- 328

lig aufleuchteten. Dieses Blinken stelle die Antwort unseres visuellen Kortex auf ein Zimmer voller Menschen dar. Plötzlich beginne eine Teilmenge dieser Lichter mit derselben Frequenz zu blinken, nämlich vierzigmal pro Sekunde, wenn sich der Geist auf ein bestimmtes Gesicht konzentriere beziehungsweise sich dessen bewußt werde. Koch räumte ein, daß die empirischen Beweise für 40-Hertz-Oszillationen recht dürftig seien; sie seien am deutlichsten bei narkotisierten also bewußtlosen – Katzen nachgewiesen worden. Eine andere Form der Bindung könnte schlichte Gleichzeitigkeit sein; die Neuronen entladen sich lediglich zur selben Zeit und nicht unbedingt mit derselben Frequenz. Spärliche Belege für diese Gleichzeitigkeit hätten ebenfalls Tierexperimente geliefert, so Koch. Ein Zuhörer, der Widerspruch gegen Kochs Ausführungen erhob, war Walter Freeman, ein großer, schlanker Neurowissenschaftler mit weißem Bart, der an der Universität von Kalifornien in Berkeley lehrt. (Freemans Vater war der Neurochirurg, der in den fünfziger Jahren die Lobotomien in den Vereinigten Staaten populär gemacht hatte.) Freemans Kritik hat Gewicht, weil er als einer der ersten die neuronalen 40Hertz-Oszillationen untersuchte. Diese Oszillationen mögen zwar in einem gewissen Zusammenhang mit dem Phänomen Bewußtsein stehen, doch seien sie wohl kaum der Schlüssel zur Erklärung des Problems, ebensowenig wie die Sauerstoffaufnahme oder die Durchblutung oder andere ubiquitäre Phänomene. 40-Hertz-Oszillationen seien »eine Sackgasse, ein Holzweg«, sagte er. »Die gegenwärtige Woge der Begeisterung ist durch nichts gerechtfertigt.« Freeman befürwortete ein komplexeres Modell des Bewußtseins, das auf der Chaostheorie aufbaut. Chaotische Systeme scheinen zufallsgesteuert zu sein, während sie in Wahrheit eine verborgene Ordnung aufweisen, die mit mathematischen Objekten, die als Attraktoren bezeichnet werden, beschrieben
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werden kann. Chaotische Systeme zeigen eine sogenannte empfindliche Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen; man spricht bildhaft vom Schmetterlingseffekt. Grundsätzlich kann das Flattern eines Schmetterlings etwa in Iowa eine Kaskadenwirkung auslösen, die in einem Monsun in Indien gipfelt. Indem Freeman die Entladungsmuster großer Verbände von Neuronen graphisch darstellte, konnte er zeigen, daß sie chaotische Muster erzeugen. Dieses Verhalten könne die Fähigkeit des Gehirns erklären, mit erstaunlicher Schnelligkeit auf komplexe Sinnesdaten zu reagieren, so seine Hypothese. Der Anblick eines vertrauten Gesichts etwa löse möglicherweise eine nahezu sofortige Verschiebung im chaotischen Entladungsmuster einer Gruppe von Neuronen im visuellen Kortex aus, die zum Erkennen der Person führe. Doch er räumte ein, daß seine Theorie nur - bestenfalls - ein Steinchen des Puzzles sei.9 Der Philosoph Owen Flanagan von der Duke-Universität meinte ebenfalls, daß das Rätsel Bewußtsein höchstwahrscheinlich nicht mit einem Mechanismus allein - egal ob mit Freemans chaotischen neuronalen Entladungsmustern oder Kochs 4O-Hertz-Oszillationen - gelöst werden könne. Möglicherweise gebe es ebenso viele Formen von Bewußtsein wie von Erinnerung und Wahrnehmung. Unsere bewußte Wahrnehmung des Geruchs einer Katze sei möglicherweise das Produkt einer ganz anderen Menge von Neuronen und neuralen Prozessen als unser visueller Eindruck derselben Katze. Flanagan ist Anhänger einer philosophischen Richtung, die konstruktiver Naturalismus genannt wird und die besagt, daß Bewußtsein ein weitverbreitetes biologisches Phänomen sei, das nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei höheren Primaten - vorkomme. Eine umfassende Erklärung des Bewußtseins werde, so Flanagan, aus einem Prozeß der »Triangulierung« hervorgehen, wobei Berichte von Versuchs- 330

personen über ihre subjektiven Erfahrungen und objektive Daten aus Psychologie und Neurowissenschaft miteinander verbunden würden. »Wir müssen sehr sorgfältig auf das hören, was uns die Menschen über ihre subjektiven Erfahrungen sagen«, meinte Flanagan weiter.
Auch die Psychologen und Kognitionswissenschaftler sollten ein Mitspracherecht haben. Man achte sorgfältig auf ihre Beschreibungen mentaler Vorgänge und darauf, welche Funktionen Bewußtsein gegebenenfalls in der Gesamtorganisation übernimmt. Drittens sollte man sehr sorgfältig auf das hören, was die Neurowissenschaftler dazu zu sagen haben, wie bewußte mentale Ereignisse unterschiedlichster Art zustande kommen, und die Übereinstimmung zwischen ihren Berichten und den phänomenologischen und psychologischen Berichten prüfen. Meines Erachtens ist diese Triangulierung die einzige erfolgversprechende Methode zur Erklärung von Bewußtsein. 10

Roger Penroses Quantensprung Flanagans Ansatz war vielen Rednern in Tucson zu konventionell; sie bevorzugten radikalere Modelle in Anlehnung an die Quantenmechanik. Physiker und Philosophen begannen schon kurz nach der Begründung der Quantenmechanik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts darüber zu spekulieren, ob Bewußtsein möglicherweise auf irgendeine rätselhafte Weise mit quantenphysikalischen Phänomenen in Zusammenhang stehe. Nach gewissen Interpretationen der Heisenbergschen Unschärferelation wirkt sich der Akt der Messung - der letztlich einen bewußtseinsbegabten Beobachter voraussetzt - auf das Ergebnis von Quantenereignissen aus; so verhalten sich Elektronen in einem Experiment wie Wellen und in einem anderen wie Teilchen. Aus der Quantentheorie folgt, daß Teilchen gei- 331

sterähnlich Wände durchdringen und sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufhalten können. Die Quantenmechanik erlaubt auch sogenannte nichtlokale Wirkungen, bei denen sich zwei Teilchen, die sich mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten, auf subtile Weise wechselseitig beeinflussen. Einstein, der die Existenz nichtlokaler Wirkungen niemals uneingeschränkt anerkannte, verspottete sie einmal als »gespenstische Fernwirkungen«. Quantentheorien des Bewußtseins waren jedoch kaum mehr als Spekulationen, bevor Roger Penrose sich Ende der achtziger Jahre ernsthaft dafür zu interessieren begann.11 Penrose, ein mathematischer Physiker an der Universität Oxford, ist ein Star der Naturwissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts. Er machte sich zunächst einen Namen als Kapazität für schwarze Löcher und andere Gravitationsphänomene. In den siebziger Jahren lieferten er und sein Student Stephen Hawking (der später den Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit schrieb) einen mathematischen Beweis für die Annahme, daß alle schwarzen Löcher eine Singularität enthielten - einen Punkt, an dem die Dichte der Materie gegen unendlich strebt und die herkömmlichen physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Im Jahr 1989 verkündete Penrose in Computerdenken, daß praktisch alle gängigen Ansätze zur Erklärung des Geistes einschließlich derer, die aus der Künstlichen Intelligenz, der Kognitionswissenschaft und der Neurowissenschaft hervorgingen - fehlerhaft seien. Dreh- und Angelpunkt von Penroses Argumentation war der Unvollständigkeitssatz, den der Mathematiker Kurt Gödel in den dreißiger Jahren aufgestellt hatte. Gödel bewies, daß jedes Axiomensystem, das so komplex ist, daß es Rechenanweisungen erzeugt, unvollständig ist; das bedeutet, daß das System »nichtentscheidbare« Aussagen liefert, deren Wahrheit oder Unwahrheit nicht allein mit diesen Axiomen nachgewiesen werden kann. Diese nichtent- 332

scheidbaren Aussagen sind oftmals mathematische Versionen solcher wohlbekannten selbstbezüglichen Paradoxa wie der Behauptung »Ich lüge«. Nichtentscheidbare Aussagen lassen sich dadurch lösen, daß man neue Axiome in das System einführt, aber diese neuen Axiome erzeugen ihrerseits eine neue Menge nichtentscheidbarer Aussagen und so endlos weiter. Die Bedeutung des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes liegt nach Penrose darin, daß die Mathematik nie auf einen Algorithmus beziehungsweise einen Satz von Regeln zurückgeführt werden könne, der am laufenden Band Theoreme und Beweise produziere. Penrose zog seine subjektiven Erfahrungen als Mathematiker als Beleg für diese Aussage heran; seine besten Arbeiten seien nicht aus deduktiven, logischen Ableitungen hervorgegangen, sondern aus plötzlichen Eingebungen und Einblicken in ein unbeschreiblich schönes Reich platonischer Ideen. Penrose gelangte zu dem Schluß, kein mechanisches, regelbasiertes System - also weder die klassische Physik noch die Informatik, noch die Neurowissenschaft nach ihrer gegenwärtigen Konzeption - könne die schöpferische Fähigkeit des Geistes erklären. Die menschliche Kognition müsse das Produkt subtilerer Wirkungen sein, die vermutlich mit der Quantenmechanik zusammenhingen und die sich bislang dem Blick der herkömmlichen Naturwissenschaft entzogen hätten. In seinem Vortrag in Tucson faßte Penrose die zentralen Argumente seines neuen Buches Schatten des Geistes zusammen, das die Ideen, die er in Computerdenken dargelegt hatte, weiterentwickelte. Er leitete seine Ausführungen mit dem Hinweis ein, daß Deep Thought, ein Computer, der einige der größten Schachspieler der Welt besiegt habe, noch immer nicht mit Problemen fertig werde, die selbst ein Amateurspieler lösen könne. »Computer sind nicht in der Lage zu verstehen«, behauptete Penrose. (Deep Thought war ein Vorläufer von Deep Blue, der 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte.) Er erklärte, die Fähigkeiten ließen sich nur mit einer – noch
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ausstehenden - physikalischen Theorie erklären, welche die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie in sich vereine. Die Formulierung einer solchen Theorie, die Quantengravitationstheorie, Große Vereinheitlichte Theorie oder kurz »die Weltformel« genannt werde, sei das oberste Ziel der theoretischen Physik. In Computerdenken hatte Penrose nicht näher erläutert, wo und wie diese Quasiquanteneffekte wirken sollen. Jetzt postulierte er, daß die quantenphysikalische Nichtlokalität (die Fähigkeit eines Teils eines Quantensystems, augenblicklich andere Teile zu beeinflussen) die Lösung des Bindungsproblems darstellen könne. Diese geisterhaften Quanteneffekte könnten auf der Ebene der Mikrotubuli (winzige Proteinkanäle, die als eine Art Zellskelett fungieren) zum Tragen kommen. Penroses Vortrag entzückte Stuart Hameroff, den Anästhesisten, der die Tagung in Tucson organisiert hatte. Hameroff hatte in den achtziger Jahren als erster die Vermutung geäußert, daß Mikrotubuli die Orte der Entstehung von Bewußtsein sein könnten; seine Aufsätze veranlaßten Penrose dazu, sich dieser Hypothese anzuschließen. Hameroff behauptete, Hinweise darauf gefunden zu haben, daß eine Narkose das Bewußtsein dadurch lahmlege, daß sie die Bewegung von Elektronen in den Mikrotubuli hemme. Daraus folgerte er, daß Mikrotubuli dadurch Bewußtsein erzeugen, daß sie nichtdeterministische, quantenphysikalische Berechnungen ausführen. Jedes Neuron sei daher nicht bloß ein Kippschalter, sondern auch ein leistungsfähiger Computer. »Die meisten Menschen glauben, daß das Gehirn aus vierzig Milliarden Schaltern besteht«, sagte Hameroff einmal zu mir, wobei er sich auf die Neuronen im Gehirn bezog. »Wir dagegen sind der Meinung, daß es aus vierzig Milliarden winzigen Computern besteht.« Er spickte seinen Vortrag über das Quantenbewußtsein mit allen erdenklichen wissenschaftlichen Schlagwörtern: emergent, fraktal, selbstorganisierend, dynamisch. Neben anderen
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Anhängern der Quantentheorie des Bewußtseins nahm er sich wie ein Muster an wissenschaftlicher Exaktheit aus. Eine Gruppe britischer Forscher behauptete, Indizien dafür gefunden zu haben, daß sich die Kognition tatsächlich Quanteneffekte zunutze mache. Die Gruppe hatte die Fähigkeit von Versuchspersonen überprüft, einfache Tests auszuführen, während ihre Gehirnwellen mit einem Elektroenzephalographen (EEG) gemessen wurden. Nach Auskunft der Forscher schwankte die Leistung einiger Probanden, je nachdem ob das EEG ein- oder ausgeschaltet war. Sie folgerten, wenn die Maschine eingeschaltet sei, »beobachte« sie das Gehirn und beeinflusse dadurch den Gedankenfluß, so wie die Beobachtung eines Elektrons, das ein Interferometer durchlaufe, dessen Eigenschaften verändere.

Thermostate mit Bewußtsein Obgleich in Tucson viele Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins versammelt waren, herrschte auch kein Mangel an Kritikern. Christof Koch faßte die Quantentheorie des Bewußtseins in einem Syllogismus zusammen: Die Quantenmechanik sei rätselhaft, und das Bewußtsein sei rätselhaft, folglich müsse zwischen beiden ein Zusammenhang bestehen. Der Physiker John Taylor, der sich am King's College in London mit der Erforschung neuronaler Netze beschäftigt, monierte, daß Penrose und andere Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins die elementarsten Tatsachen der Quantenmechanik außer acht ließen. So würden etwa Nichtlokalität und andere seltsame Quanteneffekte, die angeblich von entscheidender Bedeutung für das Phänomen Bewußtsein seien, im allgemeinen nur bei Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunktes beobachtet, jedenfalls weit unterhalb der Umgebungstemperatur von den Gehirnen der meisten Lebewesen.
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So wie die Physik die Existenz fundamentaler Eigenschaften der Natur wie Raum. Zeit. wie etwa Wahrnehmung. Doch keine physikalische Theorie könne erklären.12 Er erklärte in seinem Vortrag.Taylor widersprach den Quantenhypothesen auch aus pragmatischen Gründen. die von manchen Philosophen qualia genannt werden. verwarf in Tucson sowohl die Quantentheorie als auch die neuralen Theorien des Bewußtseins. ein junger australischer Philosoph und Mathematiker. Er nannte Bewußtsein »das schwierige Problem«. der ungefähr soviel bedeutet wie subjektiv oder erfahrungsgemäß). »Erst wenn dies mißlingt. Die Kernphysik habe bislang für die Biologie keinerlei Bedeutung gehabt. sie habe auch einen »phänomenalen« Aspekt (phänomenal ist ein philosophischer Fachterminus. Chalmers war jedoch überzeugt davon. Bevor Penrose und andere Anhänger quantentheoretischer Erklärungen auf den extrem reduktionistischen. sollten Forscher die Möglichkeiten erkunden. so müsse eine Theorie des Bewußtseins die Existenz einer fundamentalen Eigenschaft postulieren. Energie und Masse annehme.336 . . nämlich Information. meinte Taylor. erläutern. subnuklearen Ansatz zurückgriffen. Gedächtnis und Willensbildung. physikalische Theorien könnten lediglich die verschiedenen Funktionen des Gehirns. einhergingen. die plausibler und experimentell leichter zu überprüfen seien und die sich bei der Erklärung gewisser Merkmale von Gedächtnis und Wahrnehmung bereits bis zu einem gewissen Grad bewährt hätten. wie etwa die Anordnung von Tintepunkten auf einem Stück Papier oder von Elektronen in einem Computer. so führte er seine Idee weiter aus. Information. eine potentielle philosophische Lösung für dieses schwierige Problem gefunden zu haben. David Chalmers. weshalb diese kognitiven Funktionen mit bewußten Empfindungen. habe immer ein physikalisches Substrat. Doch die Information sei nicht rein physikalisch. sollten wir uns vielleicht nach etwas anderem umsehen«.

und wo es komplexe Informationsverarbeitung gibt. daß ein Thermostat Bewußtsein besitzt.337 . eine höchst einfache Erfahrung besitzt?« In späteren Publikationen beantwortete er diese Frage mit einem kühnen Ja. muß man in der Tat annehmen. eine höchst einfache Informationsverarbeitungsstruktur.wegerklärt Auch wenn alle Spekulationen über Bewußtsein ein wenig abwegig anmuten. sind einige abwegiger als andere. Chalmers vertrat die gleiche Philosophie wie der kahlköpfige Mann im weißen Pyjama. daß ein Thermostat.Nach dieser Theorie. das Information verarbeite. Für die Anhänger des New Age. Wenn man diese informationsgestützte Hypothese anerkennt. äußerst komplexe Proble. bedeutet Bewußtsein Selbstbewußtsein oder sogar ein mystisches Überbewußtsein. Eine Maus hat eine einfachere Informationsverarbeitungsstruktur als ein Mensch und demgemäß eine einfachere Erfahrung. Ist es dann vorstellbar. wie etwa Danah Zohar. der in der Halle mit flammenden Worten auf mich eingeredet hatte: Fast alles im Weltall besitze bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein. Bewußtsein . Eine Ursache für Mißverständnisse in dieser Debatte ist die Tatsache. daß verschiedene Personen Bewußtsein auf unterschiedliche Weise definieren. müsse jedes Objekt. gibt es komplexe Erfahrung. irgendeine Form bewußter Erfahrung besitzen. »Wo es einfache Informationsverarbeitung gibt. Doch diese Fähigkeit manifestiert sich nur in wenigen Menschen und bei diesen auch nur gelegentlich. meint er damit im allgemeinen die Fähigkeit. zudem ist Selbstbewußtsein lediglich ein Sonderfall von Bewußtsein. so Chalmers. Wenn Roger Penrose von Bewußtsein spricht. bei dem das Selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit ist. gibt es einfache Erfahrung.

338 . der jede Anschauung verwirft. und es sei ein Phänomen. Bewußtsein sei zudem ein Nebenprodukt spezifischer physikalischer Prozesse. sondern auch von Schach und anderen Spielen -. Und erst im letzten Augenblick der Erdge. Es vergingen weitere Jahrmilliarden. und ein Computer besiegte 1997 den Schachweltmeister. aber nur Mystiker. Nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens existierte das Universum bereits seit Milliarden von Jahren. Ironischerweise sind Computer. nennen. Um es überspitzt zu sagen: Wir alle haben schon Körper ohne Geist gesehen. die Geist und Materie einander gleichstellt oder dem Geist eine Vorrangstellung gibt. Medien und Psychotiker haben Geister ohne Körper gesehen. als auf unserem kleinen Planeten Leben entstand. sondern höchstwahrscheinlich auch bei vielen höheren Tieren vorkomme. die in spezifischen Typen von Materie abliefe. insbesondere solche mathematischer Natur. daß Computer in ihrer gegenwärtigen Konstruktion diesen Typus hoher logischer Intelligenz nicht replizieren könnten. die Theoreme aufstellen und beweisen können. Die sinnvollste Definition von Bewußtsein ist die von Christof Koch und anderen Forschern: Bewußtsein sei schlicht Empfindungsfähigkeit beziehungsweise Aufmerksamkeit. bis sich Algen und andere einzellige Organismen zu Vielzellern wie Schleimpilzen und Tyrannosaurus rex weiterentwickelten. und zwar eine seltene Intelligenz.die Grundlage nicht nur der Mathematik. Penrose behauptet in seinem Buch. Diese Auffassung von Bewußtsein führt zwangsläufig zu einem recht radikalen Materialismus. dem menschlichen Alltagsverstand weit überlegen (wie ich im vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). ohne diese spezifischen Typen von Materie könne Bewußtsein nicht existieren. Schließlich hatten KI-Forscher bescheidene Erfolge mit Programmen. das vermutlich nicht nur beim Menschen.me. zu lösen. was präzise logische Operationen anbelangt . Die meisten Menschen würden dieses Merkmal Intelligenz.

Gefühl. vielleicht werden sie sogar KI-Forschern zeigen. Doch auch er räumte ein.schichte besaß das Leben genügend Bewußtsein. vielleicht werden sie uns wirksamere Narkose. Wenn ein Asteroid morgen alles Leben auf der Erde vernichten sollte. es bringt erneut Lebewesen mit Bewußtsein hervor. Anästhesie und anderen Phänomenen werden Wissenschaftler vielleicht die neuralen Ereignisse isolieren. Crick und andere einsetzen. Doch das Universum wird auch ohne uns gut zurechtkommen.und Schmerzmittel bescheren. Wahrnehmung und Intelligenz. Diese Erkenntnisse könnten praktische Folgen haben. daß die Antwort vermutlich viel komplizierter und folglich viel weniger zufriedenstellend ausfallen werde. die jeweils aus verschiedenen neuralen Prozessen hervorgehen.339 . die Koch rein hypothetisch vorschlug. Vielleicht werden sie uns Aufschlüsse über Schizophrenie und andere kognitive Störungen geben. es sei denn. Dies für unmöglich zu halten wäre jedenfalls narzißtisch. wird vielleicht eines Tages durch Experimente an Menschen und Tieren bestätigt werden. . Durch die Erforschung von Blindsichtigkeit. um über das Phänomen Bewußtsein nachzudenken. gibt es viele verschiedene Formen von Gedächtnis. und vielleicht gibt es auch viele Formen von menschlichem Bewußtsein. die notwendig und hinreichend für das menschliche Bewußtsein sind. für die sich Koch. als er gehofft habe. Wie der Philosoph Owen Flanagan betonte. wie sie ihre Maschinen menschenähnlicher gestalten können. wie etwa den 4O-Hertz-Oszillationen. Bislang haben Wissenschaftler keine Hinweise auf außerirdisches Leben entdeckt. würden möglicherweise Leben und folglich auch Bewußtsein im gesamten Universum ausgelöscht. Der Schlüssel zur Erklärung von Bewußtsein mag in einem relativ einfachen neuralen Mechanismus liegen. Die neurale Theorie des Bewußtseins. Es wird ziellos auf seiner Bahn weiterrasen bis ans Ende der physikalischen Zeit.

daß uns das Solipsismus-Problem daran hindert. wie der Harvard-Psychologe Howard Gardner behauptete. der von der Erkenntnis ausgeht. daß einige sehr intelligente Menschen. was nach Ansicht vieler Wissenschaftler bedeutet. Der Solipsismus ist ein radikaler Skeptizismus. Mein Wörterbuch definiert »Solipsismus« recht unbeholfen als »eine Theorie. die behauptet. Niemand von uns kann absolut sicher sein. daß ein jeder von uns in einem nahtlosen Gefängnis der Subjektivität eingeschlossen ist. wenn man sich Lebewesen zuwendet. weil es vernünftig ist . weil sie zu viele Fragen offenlassen wird. überzeugt davon waren.und vielleicht weil wir durch unser angeborenes »Psychologiemodul« dazu gebracht werden. daß alle Tiere empfindungsunfähige Automaten seien. Die meisten vernünftigen Menschen und sogar viele Neurowissenschaftler und Philosophen gehen davon aus. Entscheidend ist. es im Grunde überhaupt nicht zu verstehen. daß auch Affen und andere Säugetiere mit relativ großen Gehirnen bewußte Erlebnisse haben. daß Bewußtsein nicht nur beim Menschen. Empfindungsfähigkeit oder ein Innenleben besitzt. sondern in jeder beliebigen Ansammlung von Materie vorkommt? Hier stoßen wir auf eines der ältesten Rätsel der Philosophie. Bewußtsein nur in einem intuitiven.340 . Wir alle machen diese Annahme. daß das Selbst nur die eigenen Modifikationen erkennen kann und daß nur das Selbst wahrhaft existiert«. die Streitfrage so oder so empirisch zu lösen. literarischen Sinn verstehen. der bekannteste war Descartes. .Vielleicht werden wir. Eine nicht zu beantwortende Frage lautet: Welche Bedingungen sind notwendig und hinreichend dafür. Eine wissenschaftliche Erklärung des menschlichen Bewußtseins wird zweifellos unseren endlosen Debatten über Bewußtsein kein Ende bereiten. Doch sollte man nicht vergessen. daß ein anderer Mensch Bewußtsein. Die Uneinigkeit wird noch größer. das Problem des Solipsismus. die uns stammesgeschichtlich ferner stehen.

ihnen Bewußtsein zuzuschreiben. Erwachsene eher als fünfjährige Kinder und fünfjährige Kinder eher als Säuglinge. daß die Willensfreiheit . ihre Intentionen in Handlungen . Die Existenz der Willensfreiheit liegt in gewisser Hinsicht auf der Hand. Menschen besitzen diese Fähigkeit in höherem Maße als Katzen und Hunde.jemals wissenschaftlich »erklärt« werden kann. oder aus Silizium wie ein Computerchip? Falls Computer jemals in der Lage sein sollten. wie es die von Eric Kandel erforschten Meeresschnecken besitzen? Müssen die informationsverarbeitenden Schaltkreise aus organischen Stoffen bestehen. Hirnschäden können unser Gefühl der Willensfreiheit ebenfalls auslöschen.341 . die zeitweilig ihre Fähigkeit eingebüßt hatte. psychisch gesunde Menschen sind eher dazu in der Lage als Schizophrene oder Menschen mit Zwangsstörungen. Barsche und Rankenfußkrebse. weil es keine Möglichkeit gibt. Wie sagte doch Koch zu David Chalmers auf einem Cocktailempfang in Tucson: »Woher weiß ich überhaupt. die Streitfrage empirisch zu beantworten. ob Sie Bewußtsein besitzen?« Es ist auch unwahrscheinlich. Einige Lebewesen sind eher in der Lage als andere. In einem Postskriptum zu Was die Seele wirklich ist erinnerte sich Francis Crick daran. Natürlich muß die Willensfreiheit existieren. wenn einige Organismen sie in höherem Maße besitzen als andere. werden viele von uns versucht sein. wie etwa Proteinen und Nukleinsäuren und Neurotransmittern? Oder lassen sie sich aus Kupfer und Quecksilber fertigen.wie Bienen. Setzt Empfindungsfähigkeit eine Großhirnrinde oder nur ein Gehirn voraus? Oder genügt auch ein einfaches Nervensystem. verschiedene Optionen zu erkennen und unter ihnen auszuwählen.das ungelöste Problem im Rätsel Bewußtsein . wie David Chalmers' Thermostat. daß er einen Artikel über eine hirngeschädigte Frau gelesen hat. sich wie alte Freunde mit uns zu unterhalten. Doch vernünftige Menschen werden dies immer ablehnen.

daß die . in unserem Entschluß frei gewesen zu sein. sagte sie. Doch wie frei wird dieser Entschluß tatsächlich sein? Jeder vermeintliche freie Willensakt ist Produkt einer unendlichen Folge von unmittelbaren und mittelbaren Ursachen. daß die Willensfreiheit möglicherweise eine Illusion sei. Sie habe verstanden. wird uns nicht bewußt. um mit meinen beiden Kindern einen Spaziergang im Wald zu machen. doch das bedeutet nicht. habe aber selbst nichts darauf erwidern können. deren wir uns nicht bewußt sind. daß die präzise Identifikation der Ursachen möglicherweise außerordentlich schwierig. »Wir sind uns zwar des Willensentschlusses bewußt. sie habe äußere Reize zwar wahrgenommen. wenn nicht gar unmöglich ist. die sich unterhalb der Bewußtseinsschwelle abspiele.13 Und dennoch behauptete Crick. der nach den Ergebnissen anderer Experimente »viele Inputs von den höheren sensorischen Bereichen empfängt und sich bei den höheren Ebenen des motorischen Systems befindet«. was andere zu ihr gesagt hätten. sie habe sich damals »leer« gefühlt. doch in Wirklichkeit ist er das Ergebnis von Vorgängen. Wir meinen. die durch unsere unvollkommene Selbsterkenntnis erzeugt werde. schrieb Crick.342 .) Crick sagte zu mir. aber das. daß das Gehirn der Frau im Bereich des anterioren Sulcus cinguli geschädigt worden sei. die ich weiter vorn in diesem Kapitel beschrieben habe. Nachdem sie sich erholt hatte. was uns den Entschluß fassen läßt. Heute nachmittag beschließe ich vielleicht.umzusetzen beziehungsweise überhaupt Willensentschlüsse zu fassen. einem Bereich. als Indizienbeweis für diesen Standpunkt an. Er habe »mit Vergnügen« gehört. aber nicht darauf reagieren können. (Er führte die Experimente von Benjamin Libet.« Ich finde diese Betrachtungsweise äußerst einleuchtend. daß noch die einfachste Handlung das Produkt einer neuralen Aktivität enormen Ausmaßes sei. früher als gewöhnlich mit der Arbeit aufzuhören. Aus der Quantenmechanik und der Chaostheorie folgt.

In seinem 1991 erschienenen Buch The Science of the Mind schrieb der Philosoph Owen Flanagan.) Zur Untermauerung ihres Standpunktes berufen sich die Mysteriker häufig auf eine begriffliche Unterscheidung. Flanagan nannte diese modernen Zweifler »die neuen Mysteriker« nach der Rockgruppe Question Mark and the Mysterians. (Der Ausdruck geht allerdings nicht auf diese Band zurück. das vermutlich alles in Bewegung setzte. Die Rekonstruktion der Schritte. führt uns über die Kindheit und die pränatale Lebensphase hinaus in die Geschichte des Homo sapiens und des gesamten Lebens auf der Erde und schließlich bis zum Urknall zurück. sondern auf den japanischen Low-budget-Film The Mysterians. Für keinen dieser Schritte habe ich mich bewußt entschieden. dem Schöpfungsereignis. doch der Begriff wurde erst in jüngster Zeit geprägt. einige neuzeitliche Naturwissenschaftler und Philosophen hätten behauptet.Ursachen nicht existieren. der die Invasion von Außerirdischen zum Thema hat und 1959 produziert wurde. Bewußtsein lasse sich wohl niemals vollständig auf herkömmliche wissenschaftliche oder sonstige Weise erklären. ist sie jedenfalls eine absolut unverzichtbare. die in den sechziger Jahren bekannt war.«14 Der Aufstieg der »Hysteriker« Meine Einstellung zu den Problemen Bewußtsein und Willensfreiheit wurde Mysterianismus genannt. Die mysterische Sichtweise hat eine ehrwürdige Tradition. wie die Zitate am Anfang dieses Kapitels zeigen. die . William James schrieb einmal: »Mein erster freier Willensakt soll der Glaube an den freien Willen sein.343 . die eine bestimmte Handlung auslösen. noch unverzichtbarer als Gott. Wie frei kann ich demnach sein ? Wenn die Willensfreiheit sich als eine Illusion herausstellt.

Diese Anforderung übersteige ihre kognitiven Fähigkeiten. materialistischen Weltanschauung. die einer Primzahl entspreche.von Noam Chomsky eingeführt wurde. So könne eine Ratte lernen. Chomsky hat in verschiedenen Schriften dargelegt. den wir hatten. die auf ihre spezifische biologische Ausstattung zurückzuführen seien. für heute und vermutlich für immer. In gleicher Weise mögen auch bestimmte Probleme. so fuhr Chomsky fort. »Es gibt kein Geist-Körper-Problem«. sich an jeder Abzweigung.344 . mit denen sich die Wissenschaft befaßt. sich an jeder Abzweigung nach rechts zu wenden oder zwischen rechts und links abzuwechseln. . »Voraussetzung für die Existenz des Geist-Körper-Problems ist eine bestimmte Definition von Körper. aber eine Ratte werde niemals lernen. das von ihr verlange. Dies seien Mysterien. Er wies darauf hin. Dennoch kritisierte Chomsky einmal im persönlichen Gespräch mit mir ein Grunddogma der mysterischen Auffassung. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. und unlösbaren Problemen.«15 Newton. Willensfreiheit und andere Aspekte des menschlichen Geistes seiner Auffassung nach unlösbare Probleme seien. das von ihr verlange. die zumindest grundsätzlich mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden beantwortbar seien. habe die materialistische Weltanschauung letztlich zerstört. sei nach gängiger Auffassung der Vater der mechanistischen. für immer unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigen. und Newton vernichtete den letzten Körperbegriff. daß alle Organismen bestimmte Fähigkeiten und Leistungsgrenzen besitzen. nach links zu wenden. Doch Newtons eigene Theorie der Schwerkraft. der zufolge sich Objekte gegenseitig in nichtmechanischer Weise beeinflussen könnten. Der am MIT lehrende Linguist unterschied zwischen lösbaren Problemen. die das Geist-Körper-Problem überhaupt erst hervorbrachte. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. daß Bewußtsein. behauptete er.

So wie der Vitalismus verschwunden sei. Doch Newton habe durch die Entdeckung der Schwerkraft . das Kurzzeitgedächtnis und andere mentale Grundfunktionen erklären könnten. fügte er hinzu. so Chomsky weiter. nicht funktioniere. »Es ist ein interessantes Element in der Geschichte der menschlichen Irrationalität. Das Bewußtsein sei lediglich die Summe dieser kognitiven Funktionen. die durch direkten Kontakt miteinander in Wechselwirkung stünden.345 . daß Bewußtsein eine von vielen rätselhaften Eigenschaften der Natur sei. Dennett warf den Mysterikern vor. daß der Materialismus selbst für ein so einfaches Phänomen wie einen Ball. Zu diesen Eigenschaften gehörten Schwerkraft. meinte Chomsky.einer Fernwirkung – gezeigt. die sich gegenseitig durch direkten Kontakt beeinflußten.Der Materialismus. daß ich nicht sonderlich viele Menschen von meinen Ideen überzeugen konnte«.16 . so wie das Leben die Summe von Replikation. daß die Welt aus Objekten bestehe. Einen anderen Einwand gegen den Mysterianismus erhob der Philosoph Daniel Dennett von der Tufts-Universität. sobald die Neurowissenschaftler die Aufmerksamkeit. behauptete Dennett. Natürlich hatte er das Rätsel des Bewußtseins mit diesem Argument nicht wirklich gelöst. nachdem Biologen die DNA-gestützte Replikation und andere fundamentale biologische Mechanismen entdeckt hätten. »Ich sollte dazusagen. sondern aus einem unbeschreiblichen elan vital hervorgehe. Stoffwechsel und anderen biologischen Prozessen sei. setze voraus. Die Welt bestehe nicht aus Objekten. Elektromagnetismus und auch Bewußtsein. jener uralten Lehre. so würde die Lehre der Mysteriker zu einer bloßen historischen Fußnote. sondern aus immateriellen Eigenschaften. vielmehr behauptete er lediglich. daß wir weiterhin von dem GeistKörper-Problem sprechen«. wonach Leben nicht aus rein physikalischen Prozessen. eine dem Vitalismus ähnliche Anschauung zu vertreten. der eine Ebene hinunterrollt.

um Probleme zu lösen. gehört auch Steven Pinker. All unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse können uns keinen Aufschluß darüber geben . wie es einmal in aller Ewigkeit eintritt. ist noch unfaßbarer. die der Geist aufwerfe. daß das Leben ein tiefes Geheimnis bleibt.Doch wie Patienten zeigen. weshalb ausgerechnet auf der Erde Leben entstanden ist und weshalb es Organismen wie uns hervorbrachte. Willensfreiheit. die für unsere Urahnen über Leben und Tod entschieden haben. ist Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad ein autonomes kognitives Phänomen. Wir wissen nicht. Am Ende des Buches Wie das Denken im Kopf entsteht. daß Bewußtsein. das Selbst und andere unergründliche Geheimnisse. auch wenn es von der Evolutionsbiologie. und nicht. das ansonsten einem grenzenlosen Wissenschaftsoptimismus frönte. Der Mysterianismus wird allmählich zu einer allgemein anerkannten Anschauung. das in solchem Maß Bewußtsein besitzt. ob irgendwo in den Tiefen des Weltalls ebenfalls Leben existiert oder ob es auf unseren einsamen kleinen Planeten beschränkt ist. Zu den Wissenschaftlern. um Zwiesprache mit . vermutlich unlösbar seien: Sie [unsere Gehirne] haben sich über die natürliche Selektion entwickelt. Das Rätsel bewußtseinsbegabten Lebens und insbesondere von Leben. Ein anderer Fehler in Dennetts Argumentation ist seine implizite Annahme. zog Pinker das Fazit. die an Blindsichtigkeit leiden. die Wissenschaft habe das Leben wirklich erklärt. daß es über sich selbst nachdenken kann.nicht heute und vermutlich niemals -. ob Leben eine höchstwahrscheinliche und vielleicht sogar zwangsläufige Folge der Gesetze von Physik und Chemie ist oder ein Zufallsereignis. die sich öffentlich zum Mysterianismus bekannt haben. Am Ende des sechsten Kapitels habe ich jedoch darauf hingewiesen. der Mendelschen Genetik und der Molekularbiologie »erklärt« wurde. Die Wissenschaft kann uns die Frage letztlich nicht beantworten. ihm also jegliche Rätselhaftigkeit genommen.346 . der am MIT lehrende Psycholinguist und Evolutionspsychologe.

Wir können ein Obj ekt nicht in der vierten Dimension im Geiste drehen. neurales Modell höchstwahrscheinlich genügen. Wir können nicht zehntausend Wörter im Kurzzeitgedächtnis speichern. Wir können kein ultraviolettes Licht sehen. sondern auch dem Begriff Erklärung unterschiedliche Bedeutungen beimessen. darüber müsse man schweigen. der von dem Schauspieler Clint Eastwood verkörpert wurde: Ein Wissenschaftler müsse seine Grenzen kennen. genauer gesagt. diese Rätsel überstiegen vielleicht schlicht die Erklärungskraft der Wissenschaft.dem Sittenkodex zu halten oder alle nur denkbaren Fragen beantworten zu können. bringt . Nüchternen Köpfen wie Daniel Dennett wird ein physiologisches. daß eine neurale Theorie des Bewußtseins möglicherweise uralte philosophische Aporien wie das Geist-Körper-Problem und die Frage der Willensfreiheit nicht lösen werde.18 Bei seinem Vortrag in Tucson räumte er ein.17 Selbst der Neurowissenschaftler Christof Koch gab zu. Einen noch größeren Lacherfolg bei seinem Publikum landete er.347 . ob sich Bewußtsein erklären läßt. daß sich langfristig herausstellen könnte. Als Beleg für diese Auffassung zitierte er einen Aphorismus aus Ludwig Wittgensteins Orakelbuch Tractatus logico-phüosophicus: Wovon man nicht sprechen könne. daß diejenigen. den brutalen Filmpolizisten. Der mystische Weg zur Erkenntnis Mittlerweile sollte deutlich geworden sein. Wenn diese Regionen des Gehirns diese Funktionen ausführen. die darüber diskutieren. daß die Mysteriker recht hätten. als er »einen anderen Giganten des zwanzigsten Jahrhunderts« paraphrasierte – Dirty Harry. nicht nur dem Begriff Bewußtsein. Und vielleicht können wir auch nicht Rätsel wie das des freien Willens und der Empfindungsfähigkeit lösen.

Optimisten hoffen. »daß man eine Maschine konstruieren könnte. daß unsere Cyber-Nachkommen in der Lage sein würden. selbst wenn es KIForschem gelänge. diese möglicherweise Erkenntnisse über Bewußtsein gewinnen könnten. schrieb er. »sollten wir nicht überrascht sein. die unsere kognitiven Fähigkeiten nicht nur nachbilden. daß das Phänomen Bewußtsein quasi sofort jegliche Rätselhaftigkeit verliert.348 .«19 Ironischerweise hat ausgerechnet der KI-Visionär Marvin Minsky bezweifelt. »Wenn wir einmal intelligente Maschinen bauen«. daß sie. wenn wir feststellen müssen. was ihre Ansichten über Geist-Materie. Bewußtsein. Sie wünschen sich nicht bloß eine Erklärung. sondern sie übertreffen -. Und wer weiß.« Anders gesagt. Willensfreiheit und so weiter betrifft. sondern eine Offenbarung. was sie leisten könnte. die so umfassend und einleuchtend ist. die nach ganz anderen Prinzipien funktioniert als wir und die in der Lage wäre. Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Selbst einige eingefleischte Mysteriker wie etwa der Philosoph Colin McGinn von der Rutgers-Universität schließen die Möglichkeit einer solchen Offenbarung nicht aus. das Rätsel ihres Geistes zu lösen. »Es erscheint mir keineswegs ausgeschlossen«. die dem Menschen nicht zugänglich seien. genauso begriffsstutzig und beschränkt sind wie wir. wirklich intelligente Maschinen zu entwickeln. falls es den KI-Forschern gelinge. Sie sehnen sich nach einer Erklärung. Andere erwarten mehr als 40-HertzOszillationen im anterioren Sulcus cinguli. so wie die Sonne den morgendlichen Nebel auflöst. wird der Geist möglicherweise noch immer ein Rätsel bleiben. daß. den Geist zu replizieren – also Maschinen zu entwickeln. daß selbst wir gewöhnlichen Menschen durch solche bewußtseinserweiternden Methoden wie Meditation. Fasten und bewußtseinsverändernde Drogen zu einem .das Bewußtsein hervor. McGinn äußerte mir gegenüber einmal die Vermutung. sagte McGinn.

der von »einem Gefühl [berichtet hatte]. so seine Erklärung. durchlebten ihre frühe Kindheit noch einmal. Er räumte ein. Bufo alvarius. könnten uns jene Erkenntnisse über das Bewußtsein vermitteln. er selbst habe nie derartige Erlebnisse gehabt. die erforderlich seien. war Andrew Weil. mystische Erfahrungen könnten empirische Untersuchungen ergänzen. Diese sonderbaren mystischen Erlebnisse. ihre Erfahrung habe sie in direkten Kontakt mit einer höheren Macht gebracht. Er berichtete den Zuhörern von einer Gruppe peruanischer Schamanen. Er und ein Freund hätten eine ähnliche Erfahrung der »Bewußtseinsverschmelzung« gemacht. in der sie noch nicht zwischen sich und der Außenwelt hätten unterscheiden können. so Weil. die mystische Erlebnisse hätten. In bezug auf die Überzeugung vieler religiöser Menschen. Menschen. gleichsam ›Ozeanischem‹«.349 . sie bekämen ein gemeinsames Bewußtsein.tieferen Verständnis unseres Geistes gelangen könnten. daß sie brauchbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit lieferten. um aus der gegenwärtigen theoretischen Sackgasse herauszukommen. Ein Redner.21 Freud räumte ein. Schrankenlosem. die nach der Einnahme einer bewußtseinsverändernden Droge angeblich dieselben Visionen hätten. der dieses Argument in Tucson vertrat. doch er bezweifelte. ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem. nicht neu.20 Wie die meisten anderen Standpunkte in der Kontroverse um das Phänomen Bewußtsein ist die Idee. als sie das getrocknete Gift der Colorado-River-Kröte. das er die Empfindung der ›Ewigkeit‹ nennen möchte.«22 William James entwickelte in seinem Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung eine einfühlsamere Betrachtungsweise. In Das Unbehagen in der Kultur beschrieb Freud einen Freund. der Guru der Alternativmedizin und Bestsellerautor. daß mystische Erfahrungen häufig bei Personen . meinte Freud nur trocken: »Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben. geraucht hätten.

mystische Zustände könnten auch auf künstliche Weise durch pharmakologische Wirkstoffe wie Äther oder Lachgas ausgelöst werden. Danach »dürfte keiner unserer Gedanken und [keines unserer] Gefühle. Keine Betrachtung des Universums kann abschließend sein.24 Mystische Erfahrungen sollten uns zumindest zu der Einsicht bewegen.. wie wir es nennen. irgendeinen Wahrheitswert beanspruchen. was wir für wahr halten. mögliche Bewußtseinsformen liegen.23 James betonte. meinte der Begründer des Pragmatismus.. die diese anderen Bewußtseinsformen ganz außer Betracht läßt [. Doch nur weil eine mystische Erfahrung eine physiologische oder auch pathologische Grundlage habe. denn sie alle entströmen ausnahmslos der jeweiligen körperlichen Verfassung ihres Besitzers«. daß die dabei gewonnenen Einsichten wertlos seien. nicht einmal unsere wissenschaftlichen Lehren. nicht einmal unser Unglaube. Wir können durchs Leben gehen. daß unser normales Wachbewußtsein.350 . daß alle mystischen Offenbarungserlebnisse als wahr angesehen werden sollten.vorkommen. aber man setze sie nur einem entsprechenden Reiz aus. die in einer seelischen Notlage seien oder an einer neurologischen Erkrankung litten. damit wolle er nicht sagen. Seine eigenen Experimente mit Lachgas festigten in ihm die Überzeugung.und Erprobungsbereiche gibt. ohne etwas von ihrer Existenz zu ahnen. bestätigen können«. und schlagartig sind sie in ihrer ganzen Vollständigkeit da: genau umrissene Geistesarten.] Auf jeden Fall verbieten sie einen voreiligen Abschluß unserer Rech. nur ein besonderer Typ von Bewußtsein ist. das rationale Bewußtsein. bedeute dies noch lange nicht. für die es wahrscheinlich irgendwo auch Anwendungs. »was wir aufgrund ihres Erfahrungszusammenhangs mit unseren moralischen Bedürfnissen und allem anderen. die ganz andersartig sind. von ihm durch den dünnsten Schirm getrennt. daß wir sehr wenig über unseren Geist wissen. Vielmehr sollten sie danach beurteilt werden. während um ihn herum.

Hypnose. über das sich Freud so abfällig äußerte.«26 Der Erzähler wachte daraufhin »jeden Morgen mit einer entsetzlichen Angst in der Magengrube auf und mit einem Gefühl von Unsicherheit.. Er versuchte diese »morbiden Empfindungen« mit Elektrotherapie. erst nachdem das Buch erschienen war. Einige Erzähler beschrieben das »ozeanische« Rauschgefühl. die sich die Macht positiven Denkens zunutze machen wollten... Christian science. zu bezwingen . gab er zu. Medikamenten. andere durchlebten einen Zustand panischer Angst und Entfremdung. Er untermauerte diese Behauptung mit einer Fülle von Erfahrungsberichten Betroffener. wie er sich allein im Ankleideraum aufhielt. Gewichtheben und verschiedenen »Geisteskuren«. den er einmal in einer psychiatrischen Anstalt gesehen hatte.] er bewegte nur seine schwarzen Augen und war absolut unmenschlich anzusehen [.25 Eine der Kernthesen von James' Buch lautet.351 .nung mit der Realität. der völlig verwirrt war [. selbst dieses schreckliche Erlebnis gehabt zu haben. daß mystische Erfahrungen in grundverschiedenen Formen auftreten könnten.28 Sein ganzes Leben hindurch kämpfte er gegen die Angst und Schwermut an. die dieser Blick in den Abgrund in ihm erweckt hatten.. als er sich plötzlich an einen Epileptiker erinnerte. Wasserkuren.offenbar war alles vergebens.] Diese Gestalt bin ich. . dachte ich. Der Patient war »ein schwarzhaariger junger Mann mit grünlicher Haut [gewesen]. In einem der bedrückendsten Berichte des Buchs schildert der Erzähler.27 James schrieb diesen Bericht einem anonymen Franzosen zu. jedenfalls potentiell. das ich vorher nicht gekannt hatte und seither nie mehr so empfunden habe«.

die heute als Josephson-Effekt beschrieben wird.352 .3° Er behauptete auch. besonders sinnfällig. (Leserbriefschreiber entgegneten prompt. Im Jahr 1962 sagte er als zweiundzwanzigjähriger Student an der Universität Cambridge voraus. Seine Beiträge in anerkannten Fachzeitschriften bestanden überwiegend aus Briefen. religiöse Bräuche seien auf »Gene [zurückzuführen].Brian Josephsons »Tunnelkontakt« Die Gefahren mystischer Erfahrung werden in der Lebensgeschichte von Brian Josephson. das religiöse Bedürfnis könne Gesellschaften helfen. Josephson-Kontakte bilden die Grundlage von supraleitenden Quanteninterferenzvorrichtungen (Squids). die mit potentieller Güte in Verbindung stehen«. eine scheinbar magische Quanteneigenschaft zeigen sollte. Die nächste Große Vereinheitlichung?«29. »harmonischer und effizienter zu funktionieren« . Im Jahr 1993 behauptete er in einem Leserbrief an Nature. Er schrieb Aufsätze mit Titeln wie »Physik und Spiritualität. von der konventionellen Physik und wandte sich der Erforschung parapsychischer und mystischer Erfahrungen sowie anderer exotischer Phänomene zu. der heute als Josephson-Kontakt (oder Tunnelkontakt) bezeichnet wird. Josephson wurde 1973 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und gehörte damit zu den jüngsten Trägern in der Geschichte dieses Preises. die vom Flüstern der Neuronen im menschlichen Gehirn bis zum seismischen Gemurmel der Erde reichen.) . einer der bedeutendsten und faszinierendsten Gestalten in der Physik des zwanzigsten Jahrhunderts. daß Religionen mindestens genausooft Intoleranz und Grausamkeit förderten wie Güte. daß ein besonderer Typ von supraleitendem Schaltkreis. diese extrem empfindlichen Instrumente messen Phänomene. Kurz darauf verabschiedete sich Josephson. in denen er die bornierte Einstellung der Wissenschaft zur außersinnlichen Wahrnehmung und Religion geißelte. der damals bereits ordentlicher Professor in Cambridge war.

daß seine Wandlung auch auf Veränderungen »im Innern« zurückzuführen sei. Nach einigem Herumdrucksen bekannte Josephson schließlich.31 Es hatte fast den Anschein. Er verschlang die Schriften von Weisen wie etwa Krischnamurti. dessen Verhältnis zum wissenschaftlichen Establishment seinerzeit gespannt war (wenn auch aus anderen Gründen). einem anderen britischen Genie.umgeben von lauten Einheimischen. Ich fragte nach. als versuche Josephson seine Identität zu verschleiern. Was war geschehen? Wie konnte ein so überragender Wissenschaftler auf die »andere« Seite überlaufen? Am zweiten Tag der Konferenz in Tucson erklärte sich Josephson bereit. Im Jahr 1966 lernte er auf einem Besuch in den Vereinigten Staaten einen Mathematiker kennen. gebräunt und blond vorkamen. einer breiten dunklen Brille. mit mir zu Mittag zu essen. leiser Stimme von seiner Vergangenheit.353 . in gewisser . dessen Bücher in den sechziger Jahren viele westliche Wissenschaftler und Intellektuelle in ihren Bann zogen. die mir alle jung. Sein Gesicht war fast vollständig von seinem weißen Schlapphut. wie sich Physiker in Spekulationen über die Ursache von Josephsons Wandlung ergingen. Er habe sich Mitte der sechziger Jahre von der konventionellen Physik abzuwenden begonnen. erzählte mir Josephson mit stockender. Während wir in einem Taco-Bell-Restaurant Burritos verzehrten .Jahrelang verfolgte ich. Er trug ein schwarzes T-Shirt. insbesondere im Vergleich zu Josephson und mir -. struppigem Haar und Koteletten verdeckt. Hatte er selbst mystische oder übersinnliche Erfahrungen gehabt? »Nun. auf dem ein digitalisiertes Porträt von Alan Turing prangte. der ein ausgeprägtes Interesse an paranormalen Phänomenen hatte. einem indischen Mystiker. dies herauszufinden. wodurch ich die Gelegenheit bekam. Wie viele andere Physiker faszinierte auch ihn die scheinbar zentrale Rolle des Beobachters in der Quantenmechanik und die seltsamen nichtlokalen Korrelationen zwischen Teilchen in der Quantenwelt.

Es gelang ihm. Als Josephson von seiner Tochter sprach. »Ich hatte einige seltsame Erlebnisse. aber nicht . das Phänomen der außersinnlichen Wahrnehmung zu erklären. »Die Meditation gab mir soviel Halt. daß er 1973 die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises mit relativer Gelassenheit aufgenommen habe. daß sie sich nicht mit parapsychischen oder »Psi-Phänomenen« befassen wolle. Er beteuerte. wenn ihr Anwendungsfeld erweitert werde.« Andererseits gab ihm die Auszeichnung das Selbstvertrauen und die Gelegenheit. die eine Folge seiner allzu intensiven Beschäftigung mit physikalischen Problemen gewesen seien. Seine Heirat im Jahr 1976 verschaffte ihm einen weiteren Halt.. war vor allem eine Last.« Mehrere Jahre lang habe er »starke Tranquilizer« eingenommen. Er erinnerte sich.Weise. daß ich keine Tranquilizer mehr brauchte. sagte er. daß Telekinese und außersinnliche Wahrnehmung durch »recht überzeugende« Daten belegt seien.« Er meditiere noch immer bis zu mehreren Stunden pro Tag. doch nur. In seinen Vorträgen und Aufsätzen schalt er die Fachwelt dafür. »Die öffentliche Beachtung. Schließlich sagte er mir. »Ich bin ein eher nüchterner Mensch«. gestattete er sich ein seltenes Lächeln. Die gegenwärtige Theorie »läßt die Sprache von Prozeß . seine innere Unruhe durch transzendentale Meditation zu bezwingen. die mir zuteil wurde. daß ich über einen längeren Zeitraum sehr wenig Schlaf hatte. versicherte Josephson.« Er stocherte mit der Fingerspitze in seinem Burrito. daß er Ende der sechziger Jahre »halluzinatorische Bewußtseinszustände« erlebt habe. »Meine Erlebnisse waren hauptsächlich darauf zurückzuführen. sein Interesse an den rätselhaften Aspekten des Geistes öffentlich zu diskutieren. diese Übungen hätten ihm »so etwas wie inneren Frieden« gegeben. Er und seine Frau hatten eine Tochter.. die bereits schriftstellerisches Talent zeige.« Er hielt inne. um mit seiner angeschlagenen seelischen Verfassung zurechtzukommen. Die Quantenmechanik könne dazu beitragen.354 .

der konventionellen Physik den Rücken gekehrt zu haben. daß die Ämter.« Er habe sich daran gewöhnt. gegenwärtig wohl nicht angemessen wissenschaftlich untersucht wird«. für wichtiger. mit den Anfeindungen anderer Physiker und Amtsinhaber in Cambridge zurechtzukommen. der ebenfalls einen ganzheitlichen wissenschaftlichen Ansatz befürwortete. Die heute üblichen reduktionistischen Methoden »schließen die Möglichkeiten aus. damit wir auch dies berücksichtigen können. »Ich halte das. einem Physiker. von denen . was ich gegenwärtig tue. eine Forschungsgruppe für Parapsychologie in Cambridge ins Leben zu rufen. er teile Josephsons Glaube beziehungsweise Interesse an paranormalen Phänomenen nicht. Er wünsche sich nur. Das gewöhnliche Bewußtsein sei »egozentrisch«. wie sich Teile zu Gesamtheiten verbinden. so aufgeschlossen wären. die einem »präegozentrischen« Kind zugänglich seien. bei dem »man die Vorteile der Prozesse erlangen kann. »und die Zuhörer sind insgesamt ziemlich beeindruckt gewesen«. die jenseits des Gültigkeitsbereichs einer derartigen Beschreibung liegen«. Josephson war überzeugt davon.« Er fügte hinzu.355 . daß Meditation Wissenschaftlern helfen könne. und man sei nicht mehr offen für die Einflüsse und Intuitionen. Daher müssen wir meines Erachtens die Quantentheorie erweitern. unterstützten. »Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Das Ich »beherrscht alles«.und Intention und so weiter nicht zu. die über die Vergabe von Forschungsgeldern verfügten. (In einem Interview kurz vor seinem Tod im Jahr 1992 sagte mir Bohm. ihre Fähigkeiten zu optimieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. Josephson empfand eine gewisse Geistesverwandtschaft zu David Bohm.)32 Josephson bedauerte es nicht. Durch Meditation könne man ein »transegozentrisches« Stadium erreichen.« Gelegentlich veranstalte er Vorlesungen über parapsychische Phänomene in Cambridge. daß sie sein Projekt. daß »die Art und Weise.

« Das brachte uns schließlich auf seine Musiktheorie. daß dies für unser Verständnis des Geistes von großer Bedeutung sein könnte. Der Andrang der Gäste im Taco Bell war abgeebbt. Er möge »Bridge over Troubled Water« von Simon und Garfunkel. stellten unsere Tabletts auf einen Stapel und gingen hinaus in den strahlend sonnigen Tag. bevor das Ich dominant wurde.33 »Durch meine Meditationen entwickelte ich ein feineres Gespür für Musik und erkannte.. was sich zunächst wie chaotischer Lärm anhört. Er schürzte einen Moment lang die Lippen. während man etwas von der strukturierenden Fähigkeit des Ich behalten kann.. aber . daß mehr dahintersteckte.356 .« Ob er persönliche Lieblingsstücke habe.man beeinflußt wurde. »Etwas. aber auch Rock and Roll sprach ihn an.« Josephson hatte eine Vorliebe für klassische Musik. den ein jugoslawischer Wissenschaftler im Rahmen der Konferenz hielt. ob es besonders tiefsinnig ist. Josephson aß sein Burrito und sein Taco auf. neuromolekulares Rechnen und Bewußtsein« hören. die er in seinem Vortrag in Tucson vorstellen wollte. »Einiges davon ist von hohem künstlerischem Wert«. er wolle unbedingt den Vortrag über »Informationsphysik. »Ich weiß nicht. Wir warfen unseren Abfall in einen Müllbehälter. offenbart mitunter eine unerwartete Tiefendimension. fragte ich ihn. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr. daß Musik bis zu einem gewissen Grad das Produkt nicht von oberflächlichen kulturellen Einflüssen.« Er glaube mittlerweile. indem sie die menschlichen Reaktionen auf Musik erforschten. sagte er über den Rock.« Im Hintergrund kreischte die Popdiva Whitney Houston »I'll always love youuuuuuuuu!«. Wissenschaftler könnten etwas über diese universellen geistigen Strukturen herausfinden. »Ich bin intuitiv davon überzeugt. universellen »Strukturen« des Geistes sei. . die er als »ziemlich gut« beurteilte. sondern von zeitlosen.

. Zugleich hat sich jedoch die Neurowissenschaft bislang als seltsam unbefriedigend erwiesen. aber durchaus unentbehrlicher Wegweiser steht: 1 der vorwärtsschauende Glaube. Die Erklärung des Geistes auf neuronaler Grundlage hat uns nicht viel mehr Erkenntnisse beziehungsweise Vorteile gebracht als die Erklärung des Geistes auf der Grundlage von Quarks und Elektronen. MAX PLANCK. die sich verschiedenen Aufgaben widmen.‹«2 In gewissem Sinn hat Crick recht. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Anpassungsleistungen. Ihre Ziele. Francis Crick legte seine reduktionistische Weltsicht zu Beginn seines Buches Was die Seele wirklich ist dar: »›Sie‹. Wir sind nichts weiter als ein Haufen Neurone.bei alledem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. Ihre Erinnerungen. Wir seien nichts weiter als ein Haufen idiosynkratischer Gene. aber sie sind alle unzureichend. Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit . Wir seien nichts weiter als ein Haufen Sexualneurosen. Es gibt viele alternative Reduktionismen. die von der natürlichen Selektion gestaltet wurden.EPILOG DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES Wer jemals an dem Aufbau irgendeiner Wissenschaft wirklich mitgearbeitet hat. daß an der Eingangspforte der Wissenschaft ein äußerlich unscheinbarer.357 . der weiß aus eigener innerer Erfahrung. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Rechenmaschinen. Lewis Carrolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: ›Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neurone. Diese Erklärungen sind wie die von Crick vertretbar. D ie Wissenschaftler. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. haben genauso tiefsitzende Überzeugungen wie religiöse Menschen. Ihre Freuden und Leiden.

In »More is Different«. hat uns Erkenntnisse über Sterne. Begriffe und Ver. gebe uns kaum Aufschluß über viele andere Phänomene. Galaxien und die Entstehung des Universums verschafft. Die Teilchenphysik sei nicht in der Lage. »Wir gehen davon aus. Embryonalentwicklung und anderen Aspekten des Lebens. »Auf jeder Ebene bedarf es vollkommen neuer Gesetze. das Verhalten von Wasser vorherzusagen. daß sämtliche Prozesse in unserem Geist und unserem Körper sowie in der gesamten belebten und unbelebten Materie. Die Molekularbiologie. alle anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen befaßten sich lediglich mit »Einzelheiten« oder. Vererbung. einem 1972 in Science erschienenen Aufsatz. Anderson erkannte die außerordentlichen Erfolge des Reduktionismus ausdrücklich an. erwies sich als ein außerordentlich erfolgreicher Ansatz zum Verständnis von Evolution. Doch die Kenntnis der Grundgesetze. geschweige denn das von Menschen. Der Reduktionismus werde vorbehaltlos von der großen Mehrheit der aktiven Naturwissenschaftler anerkannt. über die wir detaillierte Kenntnisse besitzen. die das Gebiet der Physik beherrschen. der 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. über die Grenzen des wissenschaftlichen Reduktionismus. Die Wirklichkeit sei hierarchisch aufgebaut. die mit der Entdeckung der Doppelhelix begann. sie führten die fundamentalsten und daher bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungen durch. denselben fundamentalen Gesetzen unterliegen. zu dem Beitrag angeregt worden. so Anderson. Anderson war durch die Behauptung von Teilchenphysikern. ein an der PrincetonUniversität lehrender Experte für die Physik der kondensierten Materie. »Technik«.«3 Die Kernphysik.358 . schlimmer noch. reflektierte Philip Anderson. wobei jede Ebene bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den Ebenen über und unter ihr sei. deren Objekte auf der kleinsten Skala der Natur liegen.

die in der Philosophie und Religion des Fernen Ostens enthalten seien. daß jemand grundlegende und fruchtbare Gemeinsamkeiten zwischen abendländischen Sichtweisen des menschlichen Geistes und den entsprechenden Anschauungen. »Das wird es wieder geben. »Das gab es«. und die Biologie ist nicht angewandte Chemie.« Er habe während seines eigenen Lebens das Aufkommen so bedeutender Wissenschaftler wie Noam Chomsky und Jean Piaget miterlebt. die den menschlichen Geist erforschen. das nachweislich mehr sei als die Summe seiner Teile. schrieb Anderson.«4 Eine Möglichkeit bestehe darin.allgemeinerungen. sagte der an Harvard lehrende Psychologe Howard Gardner zu mir. prophezeien aber gleichzeitig das Kommen eines Genies. Doch er wies auch darauf hin. »Die Psychologie ist nicht angewandte Biologie. daß »wir das Kommen dieses einzigartigen Genies nicht voraussehen können. Er wies darauf hin. mit der niemand gerechnet hätte«. Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser Einige Wissenschaftler. die all seine Vorgänger übersehen hätten. Eine ähnliche Prognose hörte ich von Eric Kandel. dann sei das der menschliche Geist.« Wenn es ein Phänomen der Natur gebe. das Muster und Lösungen erkennen werde. weil es völlig unerwartet auftritt und eine Synthese erstellt. daß einige von ihm hochgeschätzte Philo. »Wir verdanken ihnen tiefschürfende Einsichten über den menschlichen Geist Sie hatten nicht unbedingt recht. gestehen zwar die Beschränktheit aller gegenwärtigen Forschungsansätze ein. die genausoviel Inspiration und Kreativität erfordern wie die auf der vorangehenden Ebene«. aber sie haben die Sache gewiß vorangebracht. so Gardner. feststelle. dem an der Columbia-Universität lehrenden Neurowissenschaftler.359 .

sophen. Leben und Werk des genialen Physikers befaßte sich der Wissenschaftsautor James Gleick mit dem weitverbreiteten Eindruck.360 . Ich habe mich in jüngster Zeit mit Picasso beschäftigt. wie etwa Thomas Nagel von der New-York-Universität. daß ein Genie heute keinen nachhaltigen Einfluß mehr ausüben könnte. allerdings würde ich eine wichtige Konsequenz hinzufügen: Für die genialen Wissenschaftler unserer Zeit gibt es weniger zu entdecken als für ihre Vorgänger. daß sich der menschliche Geist niemals vollständig ergründen lasse.«5 Doch wie realistisch ist dieser Mythos von einem wissenschaftlichen Erlöser? In Richard Feynman. Doch Kandel glaubte an die Fähigkeit des menschlichen Intellekts. daß sie die leichten Probleme lösten. die natürliche Selektion oder die Allgemeine Relativitätstheorie entdecken. Das soll nicht heißen. deren bemerkenswerte Einsichten uns erlauben. wer seine Zeitgenossen waren: Freud und Einstein. weil ihm Newton. daß es für den einzelnen schwerer geworden sei. sich hervorzutun.«6 Nach Ansicht von Gleick ist Mailers Eindruck falsch. der geklagt habe: »Es gibt keine großen Menschen mehr. Die übriggebliebenen gewichtigen Probleme sind außerordentlich schwierig. Darwin und Einstein zuvorkamen. daß die zeitgenössische Kultur keine so überragenden Genies wie Newton. Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen. insbesondere in einer völlig aussichtslos anmutenden Lage bahnbrechende neue Erkenntnisse zu gewinnen. »Hin und wieder tritt eine Person auf. Mozart oder Michelangelo mehr hervorbringe. In den fünfziger Jahren . so viele herausragende Wissenschaftler. Kein Wissenschaftler kann heute die Gravitation. und dies bringt dann die entsprechende Wissenschaft in unerwarteter Weise voran. mutmaßten. Gleick zitierte den Romancier Norman Mailer. In Wirklichkeit gebe es heute so viele Einsteins und Freuds. Ich finde seine Erklärung überzeugend. Grob vereinfacht könnte man sagen. und schauen Sie.

wie . und sie sollten es auch gar nicht. den sogenannten Quarks. daß sie psychische Erkrankungen nicht nur besser therapieren. die das Chaos in eine Ordnung verwandeln könnte. verdankte sich größtenteils dem Stand beziehungsweise der Unkenntnis der Wissenschaft zu seiner Zeit. Wer heutzutage eine einheitliche Theorie des menschlichen Geistes aufstellen wollte. in der sich heute die Neurowissenschaft befindet.steckte die Elementarteilchenphysik in einer Krise. Später zeigten Gell-Mann und ein anderer Physiker unabhängig voneinander. aufgebaut sind. müßte eine astronomische Zahl an empirischen Befunden . Doch dann schuf ein brillanter junger Theoretiker namens Murray Gell-Mann ein Rahmenmodell – er nannte es scherzhaft nach der buddhistischen Anleitung zur Erleuchtung den »Achtfachen Weg« –. sondern sogar heilen können werden. Sie werden herausfinden. das die Teilchen nach ihren gemeinsamen Eigenschaften ordnete. Doch was die Komplexität betrifft.361 .mit vielfach gegensätzlichen Implikationen aufarbeiten. daß viele dieser verschiedenen Teilchen aus fundamentaleren Partikeln. daß der menschliche Geist nicht bezwungen werden kann. Es ist immer möglich. Was das menschliche Gehirn betrifft. Freuds Fähigkeit. Teilchenbeschleuniger schienen fast täglich ein exotisches neues Teilchen hervorzubringen. gibt es vielleicht gar keine einheitsstiftende Erkenntnis. ist die Teilchenphysik im Vergleich zur Neurowissenschaft ein Kinderspiel. wie sie das Wirrwarr der Entdekkungen zu einer kohärenten Theorie zusammenfassen sollten.7 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit Die Wissenschaftler werden sich niemals damit abfinden. die Theoretiker wußten nicht. die in gewisser Hinsicht an die Sackgasse erinnert. eine einheitliche Theorie der menschliche Psyche zu entwerfen.

Optimisten glauben. die der Nutzung der Fusionsenergie im Weg stehen. den Prozeß der Kernfusion. wie man Fusionsreaktoren baue. Der Versuch.Anlage und Umwelt bei der Formung des menschlichen Geistes und der individuellen Persönlichkeit zusammenwirken. Stünde den Physikern nur hinlänglich viel Zeit und Geld zur Verfügung. die Energie kostengünstiger und sauberer erzeugten als die umweltgefährdenden. Die Krebsforschung ist vielleicht ein Beispiel. Sie werden das Geist-Körper-Problem und das Dilemma des Reduktionismus lösen.zweifellos heraus. Sie werden in allen Einzelheiten verstehen. Doch manchmal reichen Zeit. ausreichender Fördermittel und einer Portion Zuversicht. der Künstlichen Intelligenz und anderen Gebieten unvermeidlich seien.so die optimistische Einschätzung . um selbst offenkundig vernünftige wissenschaftliche Ziele zu erreichen. die uns an Intelligenz ebenbürtig sind und uns schließlich übertreffen. auf deren Grundlage entwickelten Physiker Ende der vierziger Jahre die Wasserstoffbombe. der die Sonne und andere Sterne zum Leuchten bringt. Sie werden Maschinen bauen. das sich besser mit der Erforschung des Geistes vergleichen läßt. sind einfach unüberwindlich hoch. die technischen. Diese Vision ist nie Wirklichkeit geworden. Anders als der Fusionsreaktor ist die Heilung von Krebserkrankungen . ökonomischen und politischen Hürden. dazu bedürfe es lediglich beharrlicher Anstrengungen. ist ein Paradebeispiel hierfür. wie die natürliche Selektion unser Gehirn gestaltet hat und wie sie es weiterhin prägt. Selbst eingefleischten Befürwortern des Fusionsreaktors dämmert es mittlerweile. teuren Spaltungsreaktoren. technisch nutzbar zu machen. fänden sie . daß diese Ergebnisse angesichts des stetigen und rasanten Tempos der Entdeckungen und Neuerungen in der Neurowissenschaft.362 . der Psychiatrie. daß ihre Träume vermutlich nie in Erfüllung gehen werden. Geld und Zuversicht nicht aus. 8 Die Grundprinzipien der Kernverschmelzung wurden bereits in den dreißiger Jahren aufgeklärt.

Seit Präsident Richard Nixon 1971 dem Krebs offiziell »den Krieg« erklärte. Doch trotz eines unlängst von den Medien hochgespielten angeblichen Rückganges der Krebssterblichkeit. wo die Auswahl der Patienten . daß wir es vermutlich nie aufgeben werden. selbst wenn man die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt. etwas Erhabenes. haben die Vereinigten Staaten über fünfunddreißig Milliarden Dollar für die Krebsforschung aufgewendet. Bestimmte seltene Krebsarten bei Kindern lassen sich heute effizienter behandeln. hat etwas Edles. Herzerkrankungen. ja sogar heilen. wo Wissenschaftler und die Medien klinisch nicht erprobte Therapien für AIDS. Doch bislang liegt die Heilung von Krebs in genauso weiter Ferne wie die technische Nutzung der Fusionsenergie. mit diesem Thema. einer Geschichte der Lobotomie in der amerikanischen Psychiatrie. bemerkte Valenstein. Die unkritische allgemeine Anwendung der Lobotomie sei keineswegs eine auf die Psychiatrie beschränkte Fehlentwicklung. Wissenschaftler haben gewaltige Fortschritte bei der Aufklärung der Entstehungsmechanismen verschiedener Krebsformen gemacht. die Wissenschaftler auch nach wiederholten Mißerfolgen nicht aufgeben läßt. sind die Sterberaten in Wirklichkeit heute höher als im Jahr 1971.363 . Doch diese Gläubigkeit ist auch mit Gefahren verbunden. Er führte aktuelle Beispiele an. sondern ein weitverbreitetes Phänomen in der modernen Medizin.9 Die ungebrochene Zuversicht. AlzheimerKrankheit und andere Erkrankungen hochgejubelt hatten: In der großen Mehrzahl der Fälle . und sie haben ausgeklügelte Verfahren zur Früherkennung der Erkrankung und zur Beurteilung ihres Verlaufs entwickelt.bei denen vorschnell Ergebnisse präsentiert werden. Elliott Valenstein befaßte sich am Ende seines Buches Great and Desperate Cures.ein so vordringliches Ziel. in denen die Erfolge überschätzt und die Gefahren unterschätzt werden.

wenn hemmungsloser Ehrgeiz im 10 Spiel ist. den »großen despotischen Organisatoren« und »Männern mit einer allumfassenden Vision« in acht nehmen. Verständnis und Menschlichkeit abgemildert werden. daß die Anwendung der wissenschaftlichen Rationalität auf menschliche Angelegenheiten häufig in Totalitarismus münde. sich gegen Selbsttäuschung zu feien . »Ein Gespür für Symmetrie und Regelhaftigkeit und die Fähigkeit zu stringenter Deduktion. sondern eine endgültige Erklärung dafür. Wir müssen uns daran erinnern. wir sollten uns vor den »schrecklichen Vereinfachern«. führen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Organisation zwangsläufig zu entsetzlichen Drangsalierungen auf der einen und zu unsäglichem Leid auf der anderen Seite.364 .« Berlin mahnte uns eindringlich. wie oft uns die einschlägigen Disziplinen in der Vergangenheit in die Irre geführt haben und wie dürftig ihre Erfolgsbilanz ausfällt. der den schrecklichen Vereinfachern ihre Macht verleiht. Um uns selbst vor unserer Leichtgläubigkeit zu schützen.und nahezu unmöglich. wer wir sind oder.11 Natürlich ist es unser Wunsch nach Antworten und Allheilmitteln. Die Gefahren wissenschaftlicher Selbstüberschätzung sind am größten. Gleichzeitig müssen wir offen bleiben für die Möglichkeit echter Fortschritte.waren die verantwortlichen Ärzte von der Gültigkeit ihrer Schlußfolgerungen überzeugt. die Befähigungsvoraussetzungen für einige Naturwissenschaften sind.mit systematischen Fehlern behaftet ist und wo therapeutische Mißerfolge als Ausnahmen wegerklärt werden . müssen wir die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes anders bewerten. Der verstorbene Philosoph Isaiah Berlin wies einmal warnend darauf hin. Dies meinte ich in der . sofern sie nicht durch sehr viel Sensibilität. wenn Wissenschaftler nicht bloß ein Heilmittel für Krebs oder psychische Krankheiten suchen. Es ist sehr schwer. schlimmer noch. wer wir sein sollten.

In seinen Büchern und Aufsätzen hat er außerordentlich lebendige. wo ist ihre allgemeine Theorie?‹ Doch ich bin eigentlich recht zufrieden damit. Er sagte mir einmal. Während die meisten Neurowissenschaftler die Einzigartigkeit jedes Individuums wegzuerklären versuchen. die unter den Folgen von Autismus. Ein Musterbeispiel für diesen literarischen Ansatz ist der Neurologe und Buchautor Oliver Sacks. »Ich bekomme immer wieder zu hören: ›Sacks.365 . daß ein Buch eher aus »Beispielen« als aus Verallgemeinerungen bestehen sollte. In Der Mann. Sacks' Philosophie könnte man vielleicht mit den Worten »keine Ideen außer in Menschen« umschreiben. wobei er diese Regel durch seine Aussage verletzte. der seine Frau mit einem Hut verwechselte schrieb Sacks: »Um die Person – den leidenden. müssen wir die Krankengeschichte zu einer wirklichen Geschichte ausweiten. eine Fallgeschichte nach der anderen zu schreiben und die Theoriebildung anderen zu überlassen. Tumoren. er versuche Wittgensteins Diktum zu befolgen. einfühlsame biographische Skizzen von Menschen gezeichnet. wir sollten die Erforschung des Geistes eher als ein quasiliterarisches denn als ein streng wissenschaftliches Unternehmen betreiben. Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und anderen neurologischen Störungen leiden. nur . Schlaganfällen. antireduktionistisches Kredo ist in all seinen Schriften implizit spürbar. Der Dichter William Carlos Williams verkündete einmal »keine Ideen außer in Dingen«. Howard Gardner.Einleitung zu diesem Buch mit der Formulierung »hoffnungsvoller Skeptizismus«. kranken und gegen die Krankheit ankämpfenden Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Sacks ist der moderne Meister dessen. doch gelegentlich macht er es explizit. Clifford Geertz und andere haben uns geraten.«12 Sacks' mitfühlendes. hat Sacks sie zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht. was ich im ersten Kapitel als »Gagesche Neurowissenschaft« bezeichnet habe.

ihre Untersuchungsergebnisse in literarischer Weise darzustellen. Fallgeschichten lieferten auch verzerrte Vorstellungen von Fluctin und anderen Psychopharmaka.also von außen . Der Meister der Fallgeschichte war Sigmund Freud. Zudem hat die große Mehrzahl der Wissenschaftler. der die Psychoanalyse auf der Basis von Einzelfällen wie denen von Anna O. Zusätzlich zum objektiven Ansatz des Wissenschaftlers und Naturforschers müssen wir uns einer intersubjektiven Vorgehensweise bedienen. daß sie sich zwar häufig sehr plausibel anhören. die den menschlichen Geist erforschen. einen Patienten. dem Rattenmann. der .366 . Schaltkreiskonstrukteure und Autohersteller.. daß Freuds Erzählungen oftmals erheblich von der Wahrheit abwichen.«13 In Ein Anthropologe auf dem Mars führte er aus: Aber die Realitäten der Patienten. wie Foucault schreibt. ›in das Innere des kranken Bewußtseins vorzudringen‹ und ›die pathologische Welt mit den Augen des Patienten zu sehen‹. weder die Begabung noch die Lust.nicht vollständig erschließen. dem Wolfsmann und anderen entwickelte. genauso wie Brückenbauer. aber die Wahrheit verschleiern und untergraben können. lassen sich über Verhaltensbeobachtungen . der in seiner Beziehung zur Krankheit. Techniker suchen nicht nach der Antwort. wie sie und ihre Gehirne ihre eigenen Welten konstruieren. eine wirkliche Person. die die natürliche Selektion als Triebfeder menschlichen Verhaltens spielt. von den Zusammenhängen zwischen Genen und Persönlichkeit und auch von der Rolle.belegt dies. um so. die Arten.dann haben wir sowohl ein ›wer‹ als auch ein ›was‹.14 Das Problematische an Fallgeschichten liegt darin. Vielleicht sollten sie sich als Techniker betrachten. Wissenschaftler haben gezeigt. in seiner Beziehung zum Körperlichen faßbar wird. Der Fall Phineas Gage der im neunzehnten Jahrhundert lebte und dessen Gehirn von einer Eisenstange durchbohrt wurde .

bei einem studentischen Aufsatzwettbewerb als Gutachter zu fungieren. »Ich glaube fest an eine kurz bevorstehende kognitive Revolution«. daß die Forscher durch eine zu enge und zu mechanistische Sicht des menschlichen Geistes behindert werden könnten.das Streben danach kann sogar ein Hemmnis für den Fortschritt sein. Die Studenten sollten zwei Bücher lesen – Science: The Endless Frontier. unumstößlichen Wahrheit . nach irgend etwas. könnte sie dieselben Vorzüge erwerben. ein 1945 von dem Physiker Vannevar Bush geschriebener Lobgesang auf den unerschöpflichen Schatz der Wissenschaft. Viele Studenten stellten die Wissenschaft vom menschlichen Geist als ein besonders vielversprechendes Forschungsgebiet heraus. Ein anderer Schreiber befürchtete. Die Aufsätze waren größtenteils geradezu unheimlich sachkundig. der Fortschritt auf dem Gebiet . Wenn sich die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes derart bescheidene Ziele setzte. wies aber auch warnend darauf hin. und mein pessimistischer Traktat An den Grenzen des Wissens – und dann ihre eigenen Ansichten über die Zukunft der Wissenschaft darlegen. und wer weiß schon. stringent und ideenreich. die Fluctin (fälschlicherweise) zugeschrieben wurden: stark verbesserte Wirksamkeit und minimale Nebenwirkungen.absoluten. ein anstehendes Problem zu lösen oder abzumildern. das ihnen hilft. Die Sehnsucht nach einer Offenbarung Letztlich hängt die Zukunft der Wissenschaft vom menschlichen Geist von der jungen Generation ab. welche Richtung sie unter ihrem Einfluß einschlagen wird? Im Jahr 1998 bat mich die Verwaltung des Massachusetts Institute of Technology. ohne jedoch potentielle Schwierigkeiten unerwähnt zu lassen. sagte ein Aufsatzschreiber.367 . Vielmehr suchen Techniker nach einer Antwort. endgültigen.

und ich verzehrte mit einem halben Dutzend anderer Konferenzteilnehmer.egal ob durch Drogen oder durch Meditation oder durch Gentechnik oder durch Künstliche Intelligenz -. Künstlichen Intelligenz. Der Autor beschloß seinen Aufsatz mit der Vorhersage. daß sie das Rätsel Bewußtsein nicht lösen können. Er berief sich dabei auf den britischen Autor Aldous Huxley. aber egoistische frühere Freundin des Verfassers.der Künstlichen Intelligenz könne sowohl durch die Grenzen der Siliziumchip-Technologie als auch durch eine zunehmende Technologiefeindlichkeit in der Gesellschaft blockiert werden. Weit gefehlt. Theologie mit Erinnerungen an die schöne. ist das Mystische. das mit einem Schlag alles erklärt. zu verstehen«15. je mehr wir an Intelligenz. Burritos . die Welt. solche »Erfahrungen können von niemandem ignoriert werden. Der meines Erachtens beste Aufsatz verknüpfte Betrachtungen zur Kosmologie. der ernsthaft versucht. Es war mein letzter Abend auf der Konferenz.368 . der Mitte der fünfziger Jahre nach Einnahme der psychedelischen Substanz Meskalin erklärte. sondern daß sie ist.«16 Das soll nicht heißen. Bewußtsein und Einsichtsfähigkeit gewinnen . die meisten davon Wissenschaftsjournalisten wie ich.) Meine Erfahrungen mit veränderten Bewußtseinszuständen haben mich davon überzeugt. (Ich schlug diesen Aufsatz für eine Auszeichnung vor. wurde jedoch von den anderen Juroren überstimmt. um so mehr werden wir Bewußtsein. in der er lebt. daß ich mich nicht noch immer nach dem Offenbarungserlebnis sehne. daß »die Zukunft der Wissenschaft in bewußtseinsverändernden Substanzen liegt«. Wittgenstein hat diesen Gedanken prägnant zum Ausdruck gebracht: »Nicht wie die Welt ist. Leben und das Universum als Ganzes – unabhängig von der Macht unserer wissenschaftlichen Erklärungen in sprachloser Ehrfurcht bestaunen. Auf der Konferenz in Tucson im Jahr 1994 bewegte ich mich für kurze Zeit am Rand einer solchen Offenbarung.

daß Ketamin. wovon er/sie eigentlich gesprochen hatte. Wir redeten über die Konferenz und waren uns darin einig. die unsere Wirklichkeit beherrschen. der aus einer Videobrille und Kopfhörern bestand.für Visuelle/Auditive Entspannung und Beruhigung. daß Bewußtsein niemals von außen.LSD. Ketamin war die Droge. Meskalin und Peyote. sondern nur von innen. der ein ärmelloses. war der Abend kühl. das manchmal auch Vitamin K genannt wird. Wir begannen Anekdoten über unsere eigenen Erlebnisse mit exotischen bewußtseinserweiternden Substanzen auszutauschen . Meine Tischgenossen schienen dem Guru der Alternativmedizin darin beizupflichten. daß keine(r) der Redner(innen) wußte. Lilly beschrieb die Wesen als Feststoffmaschinen. Ein Journalist mit gezwirbeltem Kinnbart und Nasenring versicherte uns. Obwohl den ganzen Tag glühende Hitze geherrscht hatte.und Bier im Garten eines Restaurants. . sondern nur durch Erfahrung erklärt werden könne. Ein Höhepunkt war Andrew Weils Bericht über seine unglaublichen Heldentaten. näherte sich ein großer Mann mit Schnurrbart. nicht durch Wissenschaft. Er trug einen Apparat. die stärksten bewußtseinsverändernden Rauscherlebnisse überhaupt auslöse. einige Vorträge waren interessanter gewesen als andere. Er sagte uns. die einen dimensionslosen Hyperraum aus reinem Bewußtsein bewohnten und beunruhigt seien wegen der Mißhandlung von Delphinen und anderen Tieren durch den Menschen.17 Als sich unser Gespräch dem Ende zuneigte. einem Pionier der Delphinforschung und Entdecker von Methoden der sensorischen Deprivation. mit blauen Blumen gesprenkeltes Hemd trug. Gewiß. unserem Tisch. Er nannte ihn VAEB . er sei Arzt am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Arizona. die Wissenschaftler und Philosophen hatten einen ratlosen und unschlüssigen Eindruck gemacht. Rauschpilze. die außerirdischen Wesen zu erkennen. die es dem Neurowissenschaftler John Lilly. ermöglicht hatte.369 .

nicht bloß meines Bewußtseins. drückte er auf einen Schalter. die ich später sah.. und auch die Farben änderten sich unaufhörlich. sie wurden in gewissem Sinne ununterscheidbar. zwei Seiten derselben inneren Empfindung. Die Töne schwollen an und ab. Ich spürte das Nahen eines Offenbarungserlebnisses. Ich hörte Stimmen. ob es jemand von uns ausprobieren wolle. unbeschreiblich schön. wenn ich nur genau genug hinsähe. Dem Patienten werden synchronisierte visuelle und auditive Reize (Lichtblitze und beschwingte Töne) wechselnder Frequenz dargeboten. Patienten in körperlichen oder psychischen Streßsituationen zu beruhigen. sondern des Bewußtseins schlechthin. der Signale an einen Kopfhörer und ein LED-Okular sendet.Er hatte das Gerät zusammen mit einer Gruppe von Kollegen entwickelt und erprobte seine Fähigkeit. ein mattes Gelächter. entdeckt zu werden.] VAEB benutzt einen programmierbaren Impulsgenerator. einer anderen Dimension. Hier lag der Schlüssel zu allem. Ich konzentrierte mich nur auf diese elementaren Empfindungen in meinem Kopf. von Rot zu Blau zu Purpurrot zu Gelb und wieder zurück zu Rot. »Machen Sie ein Foto von ihm und schicken Sie es an seinen Chef beim Scientific American]« rief . wie aus unterirdischen Tiefen aufsteigend. sich ständig verändernd und doch immer gleich bleibend. den Kopfhörer und die Brille anzuziehen. darauf wartend. beschrieben das Gerät als ein »nichtinvasives. Reklamebroschüren. die allem mit einem Mal Sinn gäbe.370 . Klang. nichtpharmakologisches Mittel zur Erzeugung von Entspannungs. wie das Juwel der Schöpfung.und/oder hypnogogen Zuständen [.. eine große Enthüllung.und Farbreize stürzten auf mich ein. aber sie schienen von weit weg zu kommen. Nachdem mir der Mann geholfen hatte. meldete ich mich freiwillig. Die Klänge und Farben verschmolzen. die pulsierten und sich wandelten. aus einer anderen Welt.« Als er fragte. Ich blickte ins Innerste des Bewußtseins .

Langsam. daß mein Mund offenstand.371 . Ich bemerkte. worauf ein allgemeines Gejohle und schallendes Gelächter einsetzte. und machte ihn schleunigst zu. widerstrebend legte ich Brille und Kopfhörer ab und kehrte zurück in die Wirklichkeit.jemand. .

[leere Seite] .372 .

ANHANG .373 .

374 .[leere Seite] .

Dann meinte er. Der Anthropologe als Schriftsteller. München 1991. weshalb sich einige Leute derart über mein Buch aufregten. 23. kam ein bärtiger Hüne. 1993. veröffentlichte die Londoner Zeitung Evening Standard eine Rezension. Garden City. M. 23-34. 81 f. The Corning of the Golden Age. der ein T-Shirt und Bluejeans trug. 8 Unlocking the Secrets of the Brain. 4 Stent. Pressemitteilung. 2 Clifford Geertz. und Paradoxes of Progress. Vgl. auf mich zu. S. wie weit der Weg ist. S. S. August 1996. veröffentlicht von der American Psychiatrie Association anläßlich ihrer Jahrestagung 1996. doch die Erörterung der tatsächlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung fällt oberflächlich aus und zudem sind die befragten Wissenschaftler völlig unterschiedlicher Meinung. . 24. den Abschnitt über Stent in meinem Buch An den Grenzen des Wissens. Er sagte. Die künstlichen Wilden. S. Ein Ende in Würde?. Frankfurt a. Am 19. Frank nennt als Quelle Russells 1935 erschienenes Buch Religion and Science. 3 Stent schrieb zwei Bücher über die Grenzen der Wissenschaft: The Corning of the Golden Age. Horgan interviewt ein paar führende Wissenschaftler wie Edelman. Dies verdeutlicht. von Leonard Frank.375 . Mai. München 1994. München 1997. nachdem ich aus England abgereist war. New York 1999. Wie wir sterben. Selbst wenn die Wissenschaft an ihr Ende komme. 5 Ich traf Lewis Wolpert am 8.Anmerkungen EINLEITUNG 1 Zitiert nach Quotationary. Crick und Penrose. der noch vor uns liegt. er könne nicht verstehen. San Francisco 1978. in der Wolpert seine Einwände gegen An den Grenzen des Wissens auf eine etwas sachlichere Weise formulierte. hg.386. er heiße Geoff Carr und sei Wissenschaftsredakteur beim Economist. New York 1969. Mai 1997 an der London School of Economics bei einem Empfang im Anschluß an einen Vortrag des Evolutionsbiologen John Maynard Smith. 756. blieben uns immer noch Sex und Bier. Nachdem Wolpert mich ausgescholten hatte. 9 Mayr erörterte die Grenzen der Biologie in Eine neue Philosophie der Biologie. S. Er schrieb: »Schon der Titel des Kapitels ›Das Ende der Neurowissenschaften‹ stellt eine so törichte Behauptung auf. Druckschrift. daß es nachgerade komisch ist. 7 Weltgesundheitsorganisation.« 6 Sherwin Nuland.

August 1997. Geoffrey Montgomery. Memory: Tales in the History of Neuroscience. Phaidon. April 1998 an der New-York-Universität. 12.134. 1973. April 1998 per E-mail an Journalisten geschickt wurde. S. September 1992. »Learning with Bruner«. New York 1992. 354-361.S. 111-117. Cambridge 1993. Brain. S. S. in: Search (ein Magazin der Rockefeller-Universität). S. Januar 1998. 15 Vgl. 12 Ich interviewte Karl Friston telefonisch am 20. New York 1996. S.376 . New York 1988. 3 In: Pacific Philosophical Quarterly 64. 13 Lewis Wolpert. 7 Daniel Dennett. 9-11. Der Leserbrief zu diesem Artikel wurde im Dezemberheft desselben Jahrgangs. die am 14.1983. S. Frühjahr 1992. »President Torsten Wiesel«. Mai 1998 am California Institute of Technology.10 Thomas Kuhn legte seine Anschauung von der Wissenschaft dar in Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Brain and Vision. 9 »Next. In: Scientific American. 14 Am 18. KAPITEL 1: DIE ERKLÄRUNGSLÜCKE DER NEUROWISSENSCHAFT 1 Tom Wolfe. 571. S. S. Einen Überblick über ihre Forschungen gibt sie in ihrem Beitrag »Working Memory and the Mind«. 8.org. 22. 11 Clifford Geertz. Dezember 1997 an der Yale-Universität. Eye. 8 Interview vom 12. 66. November 1997 an der Rockefeller-Universität. April 1998. 311. November 1997 an der Harvard-Universität. S. 16. 78-83. 15 Ich interviewte Patricia Goldman-Rakic am 19. April 1997. The Unnatural Nature of Science. Cambridge 1998. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. 11 Ein Bericht über die Forschungsarbeiten von Karl Lashley und anderen über das Gedächtnis findet sich in In the Palaces of Memory von George Johnson. M. Einen ausgezeichneten Überblick über die Gedächtnisforschung gibt auch Daniel Schacter in seinem Buch Searching for Memory.sfn. Vision. 6 Interview vom 18. S. 4 Informationen über die Society for Neuroscience erhält man auf ihrer Web-site: www. 12 Charles Gross. 14 David Hubel. 59-73. 10 Vgl. 21. S. in: Science. New York 1980. S. übersetzt von Friedrich Schleiermacher. 5 Das Zitat stammt aus einer Pressemitteilung. Stuttgart 1992. 220. In Our Time. the Decade of Behavior?«. ver- . Hamburg 1994. Frankfurt a. 13 Interview vom 28. in: New York Review of Books. 2 Platon. 10. An den Grenzen des Wissens. S. in: Scientific American.

die ich auf einer Webs-site namens »The Edge« veröffentlichte: www. Last Resort. S. S. New York 1988. Wie Emotionen entstehen. 90 f. meinte er: »Jeder. »Psychological Science at the Crossroads«. Antwort von LeDoux auf eine Nachricht. S. LeDoux. Galen's Prophecy. Michael Gazzaniga. Escher. in: Science. 2. New York 1985. S. hg. B 15. 434. V. Sharon Begley. 52. von Isaac Asimov und Jason Shulman. Bach in sehr ausführlicher Weise. in: New York Times. März 1990. 22. New York 1994. »Is Everybody Crazy?«. Das Netz der Gefühle. daß diese Erklärungslücke exakt dem Unterschied zwischen Maschinencode (Einsen und Nullen) und den tatsächlichen Programmen entspricht. Descartes' Irrtum. S.« Joseph LeDoux. in: Newsweek. »Removing Half of Brain Improves Young Epileptics' Life«. ein bekannter Informatiker aus San Francisco. 39. der auch nur entfernt etwas mit Programmierung zu tun hat. 228. Schacter. Jeder kann ein Oszilloskop an den Speicher des Computers anschließen. Abigail Zuger.edge. New York 1997. Veröffentlichung der MRT-Studie: Richard Suddath u.17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 öffentlicht. 28. Ebenda. Jerome Kagan. doch ohne die Programmkonstrukte auf höherer Ebene zu kennen (beziehungsweise abzuleiten). 22..377 . Douglas Hofstadter erörtert diesen Punkt in Gödel. 31. Robert Ornstein. »Cerebral Anatomical Abnormalities in Monozygotic Twins Discordant for Schizophrenia«. in: New York Times. Antonio R. S. »Penetrating Insight into the Brain«. »The Split Brain Revisited«. 20. März 1990. New York 1998. 31 f. The Right Mind. S. Januar 1998. diesen Abschnitt des Kapitels in der Rohfassung las. München 1997. Juli 1998. S. Vgl. The Social Brain. Isaac Asimov's Book of Science and Nature Quotations. in: American Scientist. 50-55. 26. Smythies. Daniel Goleman »Brain Structure Differences Linked to Schizophrenia in Study of Twins«. in: New England Journal of Medicine. Richard Robins. J. S. S. 19. 87-96. Ich interviewte LeDoux am 6. wird erkennen. August 1997. Damasio. Das Netz der Gefühle. S. 274. Michael Gazzaniga. S. Samuel Gosling und Kenneth Craik. München 1998. wird er nichts herausfinden. Ramachandran und J. in: Scientific American. »Shrinking Minds and Swollen . S.310-313. Searching for Memory.org. S. S. S. Ebenda. Ebenda. 214. Februar 1998 an der New-York-Universität. Jack Pressman. Oktober 1998. S.a. Als Chris Bremser. Vgl. Juli/August 1998. 24.

Frankfurt a. Briefe an Wilhelm Fliess 1887-1904. München 1993. 50 Sigmund Freud. von Eric Kandel.378 . 1994. London 1998. 208f. New York 1998. 1986. 47 Eric Kandel. S. S. Connecticut. S. Essentials of Neural Science and Behavior. Bd. 38 Telefonisches Interview am 11. S. S. von Jeffrey Moussaieff Masson. 51 Ders. Wie der Geist im Gehirn entsteht. 45 Ebenda. 30.-W. M. Stamford. . November 1979. 149. April 1997. 221-234.1996. 43 Stephen Hall. 49 Vgl. M. Göttliche Luft.Heads«. hg. März 1998. Abriß der Psychoanalyse. ungekürzte Ausgabe. James Schwartz und Thomas Jessell.. von Michael Roth. 59–63. 387. »Our Memories. Februar 1998. Einführende Darstellungen. M. Briefe an Wilhelm Fliess. Einleitung von F. Gesammelte Werke. S. »Entwurf einer Psychologie« (1895). Dieses Buch diente als Katalog zur FreudAusstellung der U. Nr. 3. in: American Journal of Psychiatry. 1028-1037. hg. 5. S. 52 Ders. 158.. S. »Psychoanalysis and Neuroscience«. vernichtendes Feuer. »The Other Road: Freud As Neurologist«. in: New England Journal of Medicine. Sonderheft des Journal of Clinical Psychoanalysis. S. in: New York Times Magazine. Nachtragsband. S. 40 Vgl. 41 Principles of Neural Science. 1995. »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. S. S. S. Our Selves«. hg.. von Eric Kandel und James Schwartz. 53 Ders. hg. S. 46 Ebenda. 37 Melvyn Bragg. von Herbert Wyman und Stephen Rittenberg. 235 f. hg. 41. In the Palaces of Memory. Vgl. 667f. in: Freud: Conflict and Culture. ders. und Oliver Sacks. On Giants' Shoulders. 15. 39 Gerald Edelman. 48 Interview am 15. Dezember 1997 im New York Psychiatrie Institute. Frankfurt a. Frankfurt a. S. in: Nature. »Psychotherapy and the Single Synapse«. Johnson. er habe die Art der Berichterstattung über die Neurowissenschaft im Scientific American und in der New York Times beeinflußt. April 1998.. 30. 17. 28. New York 1981. 457-469. 44 Ebenda. in: ders. 1987. Library of Congress. 42 Kandel sagte selbst zu mir.. 8. Eickhoff.

11 Paul Robinson. 18 Sigmund Freud. Ladd Franklin in: Nation. April 1996 in New York statt. 59. hg. Freud and His Critics.181. New York 1992. 34f. Selbstdarstellung. 373 f. New York 1996. 13 Richard Robins. »Return to the Couch: A Revival for Analysis«. in Freud: Culture and Conflict. 11. 12. 666.311. S. M. S. Peter Gay (Hg. Why Freud Was Wrong. 7 Zit. 12 Vgl. New York 1995. S. S. in: Current Opinion.S. S. 47-51. Cambridge 1997. Im Netz der Gefühle. »Freud in Russia: Return of the Repressed«. C 1. 455. Daniel Schacter. Dezember 1996. 20 Ebenda. in: New York Times. S. Samuel Gosling und Kenneth Craik. Probleme sprachlichen Wissens. 216. The Freud Reader. 15 Die American Psychoanalytic Association veröffentlichte diese Daten über die Zahl der Ausbildungskandidaten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. S. September 1916. S. . Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. S. in: New York Times. 10 Paul Gray. 21 Vgl. 200. Januar 1999. Wie das Denken im Kopf entsteht. Unauthorized Freud.154. New York 1989. Juli/August 1998. November 1993. 82. 8 Richard Webster. »Psychological Science at the Crossroads«. »Is Freud Dead?«. Oktober 1916. 3 E. 17 Webster. Frederick Crews (Hg. 1999. 4 Besprechung ohne Namensangabe des Rezensenten in: Nation. Berkeley 1993. S. Freud Evaluated. 6 Artikel ohne Namensangabe des Autors mit dem Titel »An American Expert's Indictment of American Dream Analysis as a Psychological Humbug«.379 . Why Freud Was Wrong. S. Steven Pinker. A 1. 9 Frank Cioffi. Malcolm Macmilan. 2 Die Tagung der Fachgruppe 39 der American Psychological Association fand am 18. S.KAPITEL 2: WARUM FREUD NICHT TOT IST 1 Noam Chomsky. 269. S. 19 Ebenda. 5 C. nach Torrey. S. Ein optimistischer Bericht über die Lage der Psychoanalyse: Erica Goode. Searching for Memory. Seymour Fisher und Roger Greenberg. von Michael Roth. New York 1998. S. 29. S. Freud Scientifically Reappraised. Freudian Fraud.503-505.). Mai 1913. Freudian Fraud. hg. 16 Alessandra Stanley. Weinheim 1996. New York 1998. von Ilse Grubrich-Simitis. 8. 14 Joseph LeDoux. Frankfurt a. Fuller Torrey. S. 56.). in: American Scientist. in: Time. »The Freud Controversy«.

Juni 1998. »Error's Reign«. Frankfurt a. S. die sie provoziert hatten. Wie das Denken im Kopf entsteht. Bd.. Steven Pinker. New York 1995. 261 f. zusammengefaßt. Madness on the Couch. hg. S. S. von Alexander Mitscherlich u. Bd. 1982. 39 Sigmund Freud. New York 1995. 36 Ebenda. 159. New York 1997. Bd. 94-105. S. als Buch veröffentlicht: Frederick Crews.a. 41 Richard Webster. »The Bewildered Visionary«. S.. The Memory Wars.. S. S. 1983. S. 28. Frankfurt a. 27 Susan Vaughan. 37 Ebenda. S. 23 Ebenda. »Preface to the third (revised) English Edition« (1931). 5. Dezember 1994.22 Sigmund Freud.. »Mothers Determine Sexual Preferences«.a. 42 Ich interviewte Crews am 2. 10. 16. hg. 29 Nicholas Wade. Mai 1997. 38 Sigmund Freud. Sie wurden später zusammen mit Briefen. 30 Zur Diskussion des Ödipuskomplexes aus einer evolutionsbiologischen Perspektive vgl. »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?«. . 263. 65. 276 f. 35 Ebenda. 1. Connecticut. 33 Seymour Fishers Studie über die Analitäts-Hypothese wird auf S. Gesammelte Werke. in: Nature. 4 f. München 1997.. 24 Ebenda. M.a. S. 32 Telefonisches Interview am 11. von Alexander Mitscherlich u. 552 f. in: ders..a. 34 Die beiden Aufsätze von Crews erschienen am 18. Englisch im Original. »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«.. Die Leserbriefe auf diesen Bericht wurden am 12. Sexualleben. Januar 1998 abgedruckt. »Zur Ätiologie der Hysterie«. Studienausgabe. April 1998 an der Yale-Universität. und 4. S. Studienausgabe.M. September 1998. 39. 44 Konferenz am 3. 43 Vgl. Hysterie und Angst. 40 Frederick Crews. in: ders. S. 28 Sigmund Freud. 1987. 25 Edward Dolnick. »Studien über Hysterie« (1895). in: ders. 26 Der »Psycho-Block« in Manhattan erstreckt sich entlang der West 81st Street zwischen Central Park und Amsterdam Avenue. in: Times Literary Supplement. 59. in: Unauthorized Freud. in: New York Times. The Memory Wars. von Alexander Mitscherlich u. 17. 6. 283. hg. 229f. M. 1982. Sebastiane Timpanaro. Frankfurt a. New York 1998. April 1998 in New Haven. 2. S. Studienausgabe. S. Die Traumdeutung. 284. 253-272. S. Frankfurt a. M. 72. Januar 1998. Bd. F 6. The Talking Cure. 6. November 1993 und 1. S. 31 KeithKendrick u.380 . S.

S. von R. 53 Gray. daß der angekündigte Titel auf einem Druckfehler basiere. Er wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin.. Bd. den Vortrag besser als der ursprünglich beabsichtigte. New York 1994. New York 1983. ders. 47 Sigmund Freud. Ursprünge der Religion. u f. in: Studienausgabe. Mai 1996 in New York. ders. in: Science of the Mind: 2001 and Beyond. November 1997 an der Harvard-Universität zu einem Interview. 48 Fisher und Greenberg. Die Zukunft einer Illusion (1927). 49 Interview am 7.] Nach Ansicht von manchen ist dieser Wettstreit zwischen den Schulen unvermeidlich . »Perennial Antinomies and Perpetual Redrawings: Is There Progress in the Study of Mind?«. von Alexander Mitscherlich u. 188. 51. eigentlich hätte er »Staying the Same While Changing« lauten sollen. 65-78: »Eine sachliche historische Bestandsaufnahme der letzten hundert Jahre zeigt. das hervorragende Crews-Kurzporträt von Adam Begley »Terminating Analysis«. Frames of Mind. 180. Freud Scientifically Reappraised. S. 59 Ebenda. Strukturalismus. [. 50 Torrey. The Western Canon. 9. Reinbek bei Hamburg 1997.. hg. S. »Is Freud Dead?«. daß die Geschichte der Psychologie aus einer Abfolge mehrerer miteinander rivalisierender Richtungen und Paradigmen bestand: Funktionalismus. Juli/August 1994. Extraordinary Minds. Die künstlichen Wilden. die Teilnehmerinnen waren Lynn Passey. 56 Vgl.45 Das Seminar fand am 18. Sue Grand. Marylou Lionells. S. New York 1995. Doch Bromberg sagte. Nr. April 1996 im Waldorf-Astoria statt. S. Solso und D. vgl. 54 Vgl. Psychoanalyse. der versehentliche Titel beschreibe. M. Fragen der Gesellschaft.a.1992. Frankfurt a. 137. Freudian Fraud. S. 179-190. 32.. 51 Francis Crick.. 1982. Der Anthropologe als Schriftsteller. 58 In: New Ideas in Psychology 10. 2. Was die Seele wirklich ist. 52 Harold Bloom. 55 Clifford Geertz. konnektionistische und soziobiologische Ansätze. M. Darlene Bregman Ehrenberg und Jody Messler Davies. Behaviorismus. und sein Vortrag firmierte im Veranstaltungsprogramm unter dem Titel »Staying Sane While Changing: Reflections on Clinical Judgement«. Howard Gardner. S.. 376 f. hg. 218. S. ähnlich einem Freudschen Versprecher. in: Lingua Franca. 28. 1993. S. 57 Ich traf Howard Gardner am 19.381 . S. das sich stetig weiterentwickelt hat. daß es praktisch kein Gebiet gab. Gestaltpsychologie und in jüngster Zeit informationstheoretische. New York 1997. Massaro. S. Frankfurt a. Mit mindestens ebenso triftigen Gründen läßt sich behaupten. 46 Der Sprecher hieß Philip Bromberg.

8. 24. Vgl. We 've Had a Hundred years of Psychotherapy and the World's Getting Worse. Allerdings war diesen Schulen in den meisten Fällen kein sonderlicher Erfolg beschieden. 1. M.. Beutler und seine Kollegen stellten eine eigenständige Kategorie der interpersonellen Therapien auf. S. The Mind's New Science. Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. 7. Adam Phillips. Sigmund Freud. Juli 1986. S. S. weitreichende Fortschritte gemacht worden sind. von Alexander Mitscherlich u. in: American Journal of Psychotherapy 40. 3 Vgl.. Howard Gardner. New York 1998. S. Frankfurt a.388. Der Artikel berichtet über das Buch Escaping the Advice Trap von Wendy Williams und Stephen Ceci. August 1977. Fast täglich kommen neue Psychotherapien auf den Markt. auch »You Are Getting Very Confused: Psychologists' Split Decisions«. in: Schriften zur Behandlungstechnik. Sigmund Freud. daß.M.. 67). »Paging Dr. die Karasu als einen Typus psychodynamischer Therapien klassifiziert hatte. korrigierte Aufl. 1. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«.581. in: New York Times Week in Review. Studienausgabe. Ergänzungsbd. Nr. 99. 7. Joe Sharkey. in: American Journal of Psychiatry.60 61 62 63 und das Kennzeichen einer jungen und dynamischen Wissenschaft. 324-341. Kansas . Toksoz Karasu. Frankfurt a. ders. vielmehr war ihre Energie irgendwann erschöpft: Die Namen verschwinden. Freud«. S. Studienausgabe. von Alexander Mitscherlich u. in: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. »Psychotherapies: An Overview«. 1997. Der Psychoanalytiker Hillman und der Dichter und Journalist Ventura plädierten mit ihrem Buch für eine Erneuerung von Psychologie und Psychotherapie auf der Grundlage jungianischer Prinzipien.« (S. S. doch der Wettstreit geht unter neuen Bannern weiter.. 5. In dem Artikel wird berichtet. 2 Vgl. in: New York Times Book Review. 851-863. 34. S. hg. Philosophen begännen ihre Dienstleistungen als Therapeuten anzubieten. Bd. in: New York Times Week in Review.. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«..a. 3. unter der Oberfläche. und sie würden dennoch behaupten.382 . »Philosophers Ponder a Therapy Gold Mine«. 1982. or Is It My Shrink?. S. Vorlesung.a. 14. hg.. San Francisco 1993. Juni 1998. Am I Crazy. KAPITEL 3: PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 1 Buchtitel von James Hillman und Michael Ventura. Juni 1998. März 1998. a. New York 1985. »Die endliche und die unendliche Analyse«. Vgl. ferner Larry Beutler u. Vgl.

20. »Insurance Plans Skirt Requirement on Mental Health«. »The Final Analysis«. September 1994. Psychotherapien oder sonstige Beratungen durchzuführen. der American Psychological Association und der National Association of Social Workers zusammengestellt. David Woodwell von der Abteilung Gesundheitsstatistik lieferte diese Daten. in: New York Times. S. in: Nature. die von den Centers for Disease Control and Prevention. Stuart Sutherland. gelangten zu dem Fazit. durchgeführt wird. S. 1281. der an manisch-depressiver Erkrankung litt und 1998 verstarb. Ebenda. Quebec. in: New York Times. a. National Center for Health Statistics. Costs and User Characteristics«. sondern mehr als einen zu konsultieren. Vgl. C 1. 26-33. in: American Journal of Psychiatry. »Price Tag: Psychotherapy«. Dezember 1997. Dezember 1998. denen identische Fälle zur Begutachtung vorgelegt würden. James Kaplan. Vgl. 1996. Oktober 1997. »Outpatient Psychotherapy in the United States. Demnach würden verschiedene Therapeuten. ein britischer Journalist und Psychologe. Diese Zahlen über verschiedene Typen von Psychotherapeuten sind aus Interviews mit der American Psychiatrie Association. S. 10 Informationen über den Mental Health Parity Act gibt Robert Pear. Tana Dineen. auf Psychotherapeuten zu verzichten. Die Autoren. S. die einen »Spezialisten für seelische Gesundheit« konsultiert haben. fiel von über zweiundzwanzig Millionen im Jahr 1989 auf weniger als sechzehn Millionen im Jahr 1996. von vierzehn Prozent Mitte der sechziger Jahre auf sechsundvierzig Prozent im Jahr 1995 angestiegen ist. schrieb: »Fallgeschichten können zweifellos eine Quelle für Hypothesen sein. I: Volume.4 5 6 7 8 9 City 1998. die Zahl der staatlich zugelassenen Psychologen pro Einwohner verdoppelte sich nahezu von 1975 bis 1995. Diese Daten stammen aus der jährlichen National Ambulatory Medical Care Survey. daß der Prozentsatz der Amerikaner. u. 459. die von Ärzten verabreicht wurden. Die Times nennt keine Quelle für diese Statistik. die zumindest potentiell qualifiziert sind. »Emotional Displays«. Manufacturing Victims. A 1. 11 Vgl. völlig unterschiedliche Diagnosen stellen und den Patienten völlig unterschiedliche Ratschläge geben. 1284.383 . eine kanadische Psychologin. ist sehr viel höher. Mark Olfson und Harold Alan Pincus. 4. Sutherland. S. in: New York Magazine. Die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungssitzungen. Die Zahl der Sozialarbeiter. die Lösung des Problems bestehe nicht darin. berichtete. 4. Februar 1993. beide Psychologen an der Cornell-Universität. doch diese Hypothesen müssen durch Experimente konkretisiert und . Dineen. 26. S.

16 Herb Kutchins und Stuart Kirk. in: New York Times Week in Review. 10. New York 1991. hg. Göttingen u. Bachrach und seine Mitarbeiter veröffentlichten ihre Ergebnisse auch im Journal of the American Psychoanalytic Association 39. Edward Shorter. 19 Janet Malcolm. und den Nachruf auf Eysenck in der New York Times.. You're Sick. wenn sie als gültig anerkannt werden sollen. stütze ich mich auf ein Interview mit Bachrach von 1996 und auf Material. Berlin 1999. 20 Sigmund Freud. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«. der sich ausschließlich auf Fallgeschichten stützte.« 12 Karasu. 123. 465. 15 Vgl. S. 1982. 18 Ders. S. Frankfurt a. Geschichte der Psychiatrie. It's in the Book«. S. 1997. S. Schließlich stellte Freud. Aufl. 5. DSM-IV. »Wege der psychoanalytischen Therapie«. 871-916. 4. 246. das er am 7. i. »The Encyclopedia of Insanity«. 13 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen. in: Schriften zur Behandlungstechnik. Davies. korrigierte Aufl. 23 In der Beschreibung der Studie von Bachrach u. die nicht aufgrund fehlerhafter oder verzerrter Daten als unbrauchbar verworfen werden kann«. Fuller Torrey.. 335. Geschichte der Psychiatrie. Freudian Fraud. 14 L. Februar 1997. 25 Shorter. Making Us Crazy. A 27... Februar 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago verteilte. Freudian Fraud. New York 1982. in: Harper's..1991. S. Hans-Ulrich Wittchen und Michael Zaudig. S. Torrey. Nr.a. New York 1998. 28. 201. S. 218. New York 1992.a. daß »es keine Studie über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse gibt. S. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. S.384 . 466. S. S. S. 10. September 1997. 17 Sigmund Freud. 464 f. 368. 580f. 26 Vgl. die falsche Theorie des Jahrhunderts par excellence auf..M. 4. Studienausgabe. Toxic Psychiatry. 24 E. »You're Not Bad.überprüft werden. 22 Ebenda. 27 Peter Breggin. 21 Vgl. Bd. J. Joe Sharkey.a. Psychoanalysis: The Impossible Profession. . S. S. Deutsche Bearbeitung und Einleitung von Henning Saß.a. in: Schriften zur Behandlungstechnik. von Alexander Mitscherlich u. September 1997. M. Ergänzungsbd. in: Studienausgabe.. von Alexander Mitscherlich u. Frankfurt a. hg. 168 f. In Freud Scientifically Reappraised schreiben Fisher und Greenberg auf S. »Die endliche und die unendliche Analyse«.65. 404. S.

Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. Alice im Wunderland.a. 508 f.. Washington. in: The Placebo Effect. Dezember 1998. daß neuere Medikamente einen stärkeren Placebo-Effekt auslösen. in: Archives of General Psychiatry 32. Understanding Transference. deutsch von Christian Enzensberger. 38 Ebenda. S.511. 33 Lester Luborsky und Paul Crits-Christoph. 34 Luborskys Brief an die New York Review of Books in: Frederick Crews. »The Efficacy of Dynamic Therapies«. S. Die Ergebnisse deuteten darauf hin. mit leichten Abänderungen. »Scientific Myths That Are Too Good to Die«. in: Spektrum der Wissenschaft.. Der Hawthorne-Effekt wurde bei einer Studie entdeckt. 2 f. 13. 1975. 102-104. Frankfurt a. die in einem Betrieb von Western Electric in Hawthorne. . 69. D. The Placebo Effect. S. Harrington. hg. Einleitung zu The Placebo Effect. 42 Vgl. 14. 30. 31 Lester Luborsky u. New York 1993. »Comparative Studies of Psychotherapies: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«. 36 Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. »Some Implicit Common Factors in Diverse Methods of Psychotherapy«. Einrichtung der Cafeteria und andere Arbeitsbedingungen auf die Produktivität auswirkten. Baltimore 1997. The Powerful Placebo. Ich interviewte Luborsky mehrfach telefonisch über seine Forschungen.1936. 39 Leon Hoffman von der American Psychoanalytic Association meinte mir gegenüber. The Placebo Effect. 995-1008. 30 Saul Rosenzweig. »The Placebo: Is It Much Ado About Nothing?«. S. S. auf nur drei Versuchspersonen. 37 Ebenda. ob sich Änderungen an der Ausstattung des Werks. S.385 . in: American Journal of Orthopsychiatry 6. März 1998. 129 f. Memory Wars. M. New York 1995. 40 Harrington. zit. S. in: Psychodynamic Treatment Research. 29 Lewis Carroll. von Anne Harrington. daß Änderungen als solche die Stimmung und Produktivität der Arbeiter positiv beeinflußten. In der Studie ging es darum. 1998. 32 Ebenda. C. 5. S. 2. herauszufinden. Crews' Erwiderung S. Harrington schrieb die Einleitung.412-415. in: New York Times Week in Review. zwischen 1927 und 1933 durchgeführt wurde. 41 Vgl. 1973. S. Cambridge 1997.28 Lester Luborsky u. 6. dieses Phänomen. »Der Placebo-Effekt«. a. S. hg. von Harrington. Diese »vielzitierte« Studie basierte laut Gina Kolata. Walter Brown. S. könnte mit dem berüchtigten Hawthorne-Effekt zusammenhängen. Vgl. Illinois. S. 13. S. 35 Vgl.

Vgl. »Meta-analysis of Psychotherapy Outcome Studies«. »Prisons Replace Mental Hospitals for the Nation's Mentally 111«. 5. S. 46 Ebenda. daß sie mich auf das Museum des Zentrums aufmerksam machten. B 4-5. »Psychotherapies: An Overview«. 64 Vgl. 52 Martin Seligman teilte mir seine Ansichten über die kognitive Therapie 1996 während eines telefonischen Interviews mit.a. in: Archives of General Psychiatry 36. Zu dieser Studie vgl. 1125-1136. 63 Ich besuchte das Hudson River Psychiatrie Center am 29. S. Persuasion and Healing. S. Freudian Fraud.386 . zitiert nach Dawes. 1979. 300. S. Ich führte mehrere telefonische Interviews mit Robyn Dawes. S. Robyn Dawes. S. 146. 66. 49 Ebenda. 53 Karasu. März 1998. S. 57 »Specific Versus Non-specific Factors in Psychotherapy«. »Cognitive Behavioral Treatment Compared with Nonprescriptive Treatment of Panic Disorder«. E. House of Cards. Füller Torrey. in: American Psychologist 32. S. S. 87-112. August 1996.42. nachdem Schizophrene mehrere in den Medien weidlich behandelte Morde begangen hatten. S. 13. 47 Ebenda. 59 Ebenda. S. Juni 1997. S. 54 Jane Brody. »The Release of the Mentally 111 from Institutions: A Well-intentioned Disaster«. 44 Ebenda. Wray . 858. S.1977. 152. Aufl. 51 Frederick Crews sagte dies während unseres Interviews am 2. 5. Fox Butterfield. die sich für die Belange von psychisch Kranken einsetzen. 61 Torrey. 251. ihre Kritik an der Gemeindepsychiatrie. Torrey und andere. S. A i. 55 M. 752-760. S. 395-401. S. in: New York Times. S. 50 Ebenda. 50. in: Archives of General Psychiatry 51. 48 Ebenda. New York 1999. Ich danke meinen Freunden Jan und Alan Peterson dafür. 3. 45 Jerome Frank und Julia Frank.1994. 21. 58 Dawes.. September 1997. 23. House of Cards. »Changing Thinking to Change Emotions«. in: Chronicle of Higher Education. 62 Ebenda.. April 1998.43 Ebenda. 56 Mary Smith und Gene Glass. The Case for Pragmatic Psychology. S. Baltimore 1993. House of Cards. New York 1994. in: New York Times. C 9. verschärften im Sommer 1998. 298. 56. 24. S. Katherine Shear u. S. 60 Abgedruckt im Vorwort zu Daniel Fishman.

August 1998. 16. d. 10. S. News & World Report. 8 Ebenda. Berlin 1999. Geschichte der Psychiatrie. The Three-Pound Universe. 292 und 371. 302. 13 Ebenda. 1123. in: Wall Street Journal. S. in: U. KAPITEL 4: FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 1 Das Antidepressivum Fluctin (Wirkstoff Fluoxetin) wird auf dem USamerikanischen Markt unter der Bezeichnung »Prozac« vertrieben und hat in Amerika Furore gemacht.a. S. »Fearsome Madness«.S. von Floyd Bloom und David Kupfer. 7 Ebenda. New York 1995. hg. B i. 9 Ebenda. S. Great and Desperate Cures. S. 312. 10 Ebenda. 5 The Freud Reader. von Peter Gay. November 1997. . New York 1986. Für eine wirklich vernichtende Besprechung von Shorter vgl. März 1997. »Chlorpromazine Is No Penicillin«. in: Times Literary Supplement.. 6 Shorter. S. S. 297. 324. 27. S. S. S. 40. S. 27. Thomas Burton. 313-322. S. hg. »das alte Konzept der Nervenheilanstalt aus der Schublade hervorzuholen. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. »Psychosurgery Redux«.) 2 Peter D. 335.Herbert. es sei vielleicht an der Zeit. 7. 63. 3 71 f. S. Andrew Scull. um die psychisch Kranken und die Gesellschaft zu schützen«. Geschichte der Psychiatrie. »Drug Makers' Goal: Prozac Without the Lag«. S. April 1998. 4 John Marchall. Kramer. S. News & World Report. 346. 16 Ebenda. S. 8 f. 12 Shorter. 322. New York 1989. 3 Edward Shorter. In diesem Bericht wird Laurie Flynn von der National Alliance for the Mentally 111 mit der Aussage zitiert. 11 Vgl. 20 Zitiert nach Judith Hooper und Dick Teresi. 21 Elliot Valenstein. in: Nature. in: U. München 1995. S.387 . 19 Harold Sackheim u. 294. Geschichte der Psychiatrie. 53 f. »A Shrinking Discipline«. 268. S. S. 17 Ebenda. 22 Wray Herbert. S. S. 15 Ebenda. 229. 303-313. Mai 1997. 9. S. 3. S. (A. 422. S. 18 Ebenda. »Electroconvulsive Therapy«. 14 Ebenda. Glück auf Rezept. Ü. New York 1986.

41 Breggin und Breggin. A 15. 26 Valenstein. 34 Lucette Lagnado. »Drug Sales Can Leave Elderly a Grim Choice: Pills or Other Needs«. S. März 1990. August 1997. August 1998 telefonisch diese Information über den weltweiten Umsatz von Fluctin. 77. 35 Die PR-Abteilung von Eli Lilly gab mir am 12. 1. Peter Breggin. Dezember 1997. S. und die anschließenden Anhörungen vor der FDA bieten Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. »A Breakthrough Drug for Depression«. Abriß der Psychoanalyse. S. »The Coverage of Happiness«. 38 John Sommers-Flanagan und Rita Sommers-Flanagan. S. 32 Geoffrey Cowley. 30 Sigmund Freud. 406. in: U. Frankfurt a. in: New York Times. Talking Back to Prozac. 382 f. 231. 10. Oktober 1995 statt. 274. 39 Arianna Huffington. Last Resort. Freeman habe ihm gegenüber diese Schätzung in einem Telefongespräch geäußert. S. »Efficacy of Antidepressant Medication with Depressed Youth: What Psychologist Should Know«. 17. »Peppermint Prozac«. S. S. 27 Ebenda. S. 28 Shorter. New York 1997. Glück auf Rezept.23 Ebenda. 26. S.388 . M. S. S. 31 f. 46 Robert Wright. 18. 14. 44 Ebenda. »The New You«. August 1997. »Blooming Business for Happy Pills«. November 1998. »Use of Antidepression Medicine for Young Patients Has Soared«. 42 Das Symposion an der New School fand am 5. From Placebo to Panacea. Breggin und Breggin. 386. Talking Back to Prozac. in: Newsweek. März 1994. S. 6 f. New York 1994. 45 f. 40 Peter Kramer. 24 Jack Pressman. Great and Desperate Cures. Geschichte der Psychiatrie. 33 Einen ausführlichen Bericht über die negativen Schlagzeilen. S. .2. New York 1998.). in: Psychiatric Times. New York 1991. S. 29 Ebenda. Laut eines Artikels stieg der Umsatz von Fluctin für Kinder von 1995 bis 1996 um 298 Prozent. 36 Susan Aldridge. 116. 37 Barbara Strauch.S. 28. 3. A 1. 1994. 45 Vgl.S. S. Toxic Psychiatry. Breggin erklärte.1996.145-153. 43 Kramer. in: New Republic. März 1990. News and World Report. in: Chemistry and Industry. S. in: Wall Street Journal. 27. 31 Seymour Fisher und Roger Greenberg (Hg. Talking Back to Prozac. S. 24-29. in: Professional Psychology: Research and Practice 27. 31. die Fluctin machte.

631. 1897-1902. 56 Irene Elkin u. »Religiosity and Remission of Depression in Medically 111 Older Patients«.. »Sex and the Depressed Patient«. S. November 1995. Garfield. 14.. S. S.. S. April . in: Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. Sexual Pharmacology: Drugs That Affect Sexual Function. 57 Irene Elkin. 124. 47-53. Mai 1996. Bergin und S. S. »The NIMH Treatment of Depression Collaborative Research Program: Where We Began and Where We Are«. 52 »Prozac Works on Clams and Mussels«. 50 Daten über die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin und anderen Medikamenten bietet Jane Brody. 4. 64 Vgl. 59 Ebenda. L. Nr. 63. in: American Psychologist. 6. 55 Philip Boffey. von A. ferner Robert Segraves. 15. 48 S. Geschichte der Psychiatrie. Nelson. in: Journal of the American Medical Association. S. S. 130. 24. in: New York Times. From Placebo to Panacea. »Psychotherapy Is As Good As Drug in Curing Depression.a. 734-739. New York 1996. Montgomery u. Juni 1996. Glück auf Rezept. 311. Study Finds«. a. zitiert nach Fisher und Greenberg. »Psychotherapy Versus Medication for Depression: Challenging the Conventional Wisdom with Data«. Januar 1998. S. 58 Ebenda. 1994. 63 Martin Seligman. C 7. 53 Kramer. »The Effectiveness of Psychotherapy«. S.A. Aufl. 61 Shorter. »Selective Serotonin Reuptake Inhibitors: Meta-analysis of Discontinuation Rates«. Nr.1995. 60 Telefonisches Interview mit Kramer im Juli 1996. 51 Theresa Crenshaw und James Goldberg. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 64. 4. 92. in: Consumer Reports. S.. S. S. in: Science News. in: International Clinical Psychopharmacology 9. Mai 1986.a. Harold Koenig u. New York 1994. in: Psychiatric Annals 24. in: New York Times. »Initial Antidepressant Choice in Primary Care«. 131. S. 49 J. S. S. 7-13. »Science Is Not a Trial (But It Can Sometimes Be a Tribulation)«. 62 »Mental Health: Does Therapy Help?«. Mai 1995. 360. 54 David Antonuccio u.1995. 125. in: Professional Psychology: Research and Practice 26. hg. 286.a. S.47 Gregory Simon u. D.C. in: Current Canadian Psychiatry and Neurology. 574-585.1996. 26. in: American Journal of Psychiatry. »Are the SSRIs Really Better Tolerated Than the TCAs for Treatment of Depression?«. 965-974.a.. S.389 . Dezember 1995.. »When Depression Lifts But Sex Suffers«. S. A i.

Walter Brown. Park und L. auf die Brown wiederum antwortete. S. in: Fisher und Greenberg. From Placebo to Panacea. 213.apa. 157. S. Ebenda.C. zitiert nach Fisher und Greenberg. S. Kay Jamison.66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 1998. in: Prevention and Treatment 1. Ebenda. National Institute of Mental Health.1994. Roger Greenberg u. 156. Ich danke Walter Brown von der Brown-Universität dafür. Die American Psychological Association hat diesen Artikel im World Wide Web unter http://journals. An Unquiet Mind. S. daß er mir den Unterschied zwischen extrapyramidalen Wirkungen und Spätdyskinesie erklärt hat. in: Spektrum der Wissenschaft. Nr. 5. Nr.173-228. 9. 4. Psychotherapy and Placebo Solutions« und anderen Abschnitten ihres Buches From Placebo to Panacea. S. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 60.a.1992. S. »Nonblind Placebo Trial: An Exploration of Neurotic Patients' Responses to . in: Neuropsychopharmacology 10. 371. 70. S. S. »A Critique of the Use of Neuroleptic Drugs in Psychiatry«. Moncrieff. von Deborah Dauphinais. Die Schlußfolgerungen der Autoren werden bestätigt in Irving Kirsch und Guy Sapirstein. 1995. »Placebo as a Treatment for Depression«. Fisher und Greenberg. Fisher und Greenberg. »Listening to Prozac But Hearing Placebo«. From Placebo to Panacea. 1992. Walter Brown. 362. Vgl. Der Beitrag von Brown löste zahlreiche Leserzuschriften aus. in: British Journal of Psychiatry 167. »A Re-examination of the Placebo-Controlled Trials of Lithium Prophylaxis in Manie-Depressive Disorder«. (ADM) 92-1950. hg. »Der Placebo-Effekt«. From Placebo to Panacea. 5. Artikel 0002a. Scull »Chlorpromazine Is No Penicillin«. DHHS Publication No. S. 267. 664-669. Ebenda. »A Meta-analysis of Antidepressant Outcome Under ›Blinder‹ Conditions«. Fisher und Greenberg. New York 1995. 572. S. S. J. 157. From Placebo to Panacea. Bethesda. Maryland. Fisher und Greenberg erörtern die Antidepressiva-Forschung ausführlich in dem Kapitel »Mood-Mending Medicines: Probing Drug. S. S. S. Ebenda. From Placebo to Panacea.org/ prevention/volume1/preoo1ooosa. Covi. Ebenda. S.390 . Ebenda. März 1998. 150. 536-542. 265-288. S. Die von Brown zitierte Studie: L.html verfügbar gemacht. S. 176.. 150. S. David Cohen.

i.a. Ebenda. Brown. Eine Persönlichkeit des Showgeschäfts. »Oedipus. November 1997. S. 74. 3. S. August 1992 in People erschien. S. Ich beobachtete am 10. In diesem Artikel wird über die Entdeckung eines Neurosegens berichtet.1965. New York 1995. Informationen über das Tay-Sachs-Syndrom kann man auf der Website der March of Dimes Foundation abrufen: http://www. Vgl. 14. 280. »Psychosurgery Redux«. 95. hg. New York 1994.harvard. die öffentlich die Wirksamkeit der Elektrokrampftherapie zur Behandlung ihrer Depression gepriesen hat. KAPITEL 5: GEN-MAGIE James Collins. Schmoedipus. Glück auf Rezept. Oktober 1997. die am New York State Psychiatrie Institute mit der Elektroschocktherapie behandelt wurden. 13. Geschichte der Psychiatrie. S. In einem Interview. Oktober 1997 Patienten. Ebenda.htm. 1134. »Electroconvulsive Therapy«. Shorter. S. Dear Sigmund. 272. S. in: Time. 63 f. in: Discover. Vgl. S. Last Resort. 66-72.83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 Placebo When Its Inert Content Is Disclosed«. Jack Pressman.. Ebenda. Sackheim u.391 .mgh. in: Psychiatrie Times. ferner Wray Herbert. in: U. bezeichnete der ehemalige Gastgeber einer Talkshow die Elektroschockherapie als »wunderwirkend wie ein Zauberstab«. 9. in: Archives of General Psychiatry 12. »Placebo as a Treatment for Depression«. New York 1998. S. ist Dick Cavett.cuny. S. Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. The War Against Children. das am 3.html. S. May Be in Our Genes«.noah. Ich interviewte Harold Sackheim am 1. Frank Vertosick. Oktober 1997 am New York State Psychiatrie Institute. Sackheim und zwei Mitautoren verfaßten einen ausgezeichneten Übersichtsartikel über die Elektroschocktherapie in »Electroconvulsive Therapy«. 336-345. »Lobotomy's Back«. News and World Report. 288. »Setting the ECT Stimulus«. 14. Dezember 1996. S. Ebenda. Juni 1995. S. S. 1 2 . von Floyd Bloom und David Kupfer. Ebenda. Kramer. S. Kap. edu/pregnancy/march_of_dimes/birth_defects/taysachs. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. 267. Die Arbeitsgruppe Zingulotomie am Massachusetts General Hospital beschreibt ihre Arbeit auf der Web-site http://brain. The Fault. Vgl.edu:100/cingulot. S. 427.

Daniel Koshland schrieb unter anderem folgende Leitartikel über Verhaltensgenetik in Science: »Nature. of All Places«. Der falsch vermessene Mensch. and Behavior«. C. Nr. Oktober 1990. Oktober 1990. 13. New York 1997. die fälschlicherweise angaben. 227-238. S. S. S. die Geschichte des Doppel-YSyndroms in Stephen Jay Gould. S.178. 36. Forbidden Knowledge.. M. S. New York 1996. Vgl. S. in: New York Times. Twins. Das Verblüffende an Wrights weitreichender Schlußfolgerung war die Tatsache. In the Name of Eugenics. die einen derart radikalen genetischen Determinismus entkräfteten. März 1987. 1999. daß er in seinem Buch eine Vielzahl von Befunden präsentierte.a. Dezember 1996. 223. »Bewitching Science«. Double Helix«. Februar 1993. The DNA Mystique. in: Time. 12 Einen hervorragenden Überblick über Zwillingsstudien gibt Lawrence Wright. »Happy Birthday. 14 Wright.a. von Albert Reiss und Jeffrey Roth. in: Science for the People. Susan Lindee. Davenport und andere frühe Anhänger dieser Lehre enthält. 30. die auch Informationen über Galton. New York 1985. S. Vgl. 15 Wright. 143. 20. Twins. und »The Rational Approach to the Irrational«. New York 1995. »The Genetic Analysis of Human Behavior: A New Era?«. Me Not Worry?«. 69 f. daß sich die beiden kichernden britischen Schwestern und die beiden Brüder. 17 Ich interviewte Leon Kamin mehrfach telefonisch und 1993 persönlich. Leon Jaroff. November/Dezember 1987. von denen der eine als Nazi und der andere als Jude aufgezogen worden war. D. 18 Zu den Berichten.392 . 16 Kritische Stellungnahmen zur Zwillingsforschung wie an der Universität von Minnesota bieten Paul Billings u. 19-22. März 1993. Adam Phillips. Twins. Zitiert nach Roger Shattuck. 12. »Here. 13 Thomas Bouchard u. 12.3 4 5 6 7 8 9 »How to Tell If Your Child 's a Serial Killer«. Washington. »What. S.. 153-156. zum ersten . 13. S. und Val Dusek. in Economist. in: Social Science and Medicine 35. ausgestrahlt am 25.57. in: Science. ist Daniel Kevles. Understanding and Preventing Violence. 1993. A 39. Frankfurt a. 3. hg. S. Nurture. Donahue. August 1997. 10 Eine vorzügliche Geschichte der Eugenik.1992. Oktober 1989. 15. zum Beispiel Dorothy Nelkin und M. »Sources of Human Psychological Differences: The Minnesota Study of Twins Reared Apart«. »Sequences and Consequences of the Human Genome«. 11 Vgl.

Die zwei zu gegensätzlichen Ergebnissen kommenden Beiträge über Schizophrenie. Miron Baron u. September 1995. September 1988. S. S. 16. »Bipolar Affective Disorders Linked to DNA Markers on Chromosome 11«. S. in: Nature. John Kelsoe u. Hugh Curling vom University College und der Middlesex School of Medicine in London. ferner Gail Golden. in: Washington Post. die beide am 10. S. a. in: Nature Genetics.a. 21.19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Mal in Minneapolis begegnet seien. er habe eine Option auf die Rechte an der Lebensgeschichte von Oskar und Jack erworben und diese an Hearst Entertainment weiterverkauft.. daß sich die kichernden Schwestern sowie der nationalsozialistisch und der jüdisch erzogene Bruder bereits vor ihrer Zusammenführung in Minnesota begegnet waren und miteinander korrespondiert hatten (was ich durch telefonische Interviews bestätigen konnte). 167-170. Wright. S. Leon Kamin behauptete. »Evidence Against Linkage of Schizophrenia to Markers on Chromosome 5 in a Northern Swedish Pedigree«.. 164-167. C 1. New York 1990. Twins. November 1988 in Nature erschienen. geben Jerry Bishop und Michael Waldholz in Genome. S. 9. Einen ausgezeichneten Überblick über die Methoden. Ein Produzent aus Los Angeles namens Anthony Mason sagte mir 1993.. Janice Egeland u. S. »Diminished Support for Linkage Between Manic Depressive Illness and X-Chromosome Markers in Three Israeli Pedigrees«. sind R. S. »The Twins«. 289-292. in: London Review of Books.. 10. S. Ebenda. »Scientists Split over Twins as Lab Subjects«. 6.1993. und James Kennedy u. März 1980. 131 f. Dezember 1979. »Genetic Linkage Between X-Chromosome Markers and Bipolar Affective Illness«.393 . 57. Miron Baron u. einer der Autoren der 1988 in Nature publizierten . »What Did They Name the Dog?«.a. S. 26. Sherrington u. in: Science. März 1998.. »Re-evaluation of the Linkage Relationship Between Chromosome up Loci and the Gene for Bipolar Affective Disorder in the Old Order Amish«. Die statistischen Daten über die Erblichkeit der Schizophrenie stammen aus Peter McGuffin u. S. in: Nature. 238-243. die zum Aufspüren einzelner Gene eingesetzt werden.a.a. 678-682. Chicago Tribune. a. 783-787. 32. in: Lancet. Februar 1987. »Localization of a Susceptibility Locus for Schizophrenia on Chromosome 5«. und Cynthia Gorney.. »Genetic Basis of Schizophrenia«.. Vgl. Bezüglich der Rolle der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Forschungen der Minnesota-Gruppe vgl. 49-55. 19. November 1989. Wendy Doniger. »Identical Twins Reared Apart«. Januar 1993. a. gehören Constance Holden. 1323-1328. in: Nature 326. S.

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Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Chromosom fünf feststellte, sagte mir bei einem telefonischen Interview im Jahr 1993, die neuen Daten rechtfertigten die Annahme eines solchen Zusammenhangs nicht länger. Telefonisches Interview mit Peter McGuffin am 3. März 1998. David Dickson, »Panel Urges Caution on Genetic Testing for Mental Disorders«, in: Nature, 24. September 1998, S. 309. E. Fuller Torrey, Freudian Fraud, New York 1992, S. 227. Sigmund Freud, »Ergänzungen zur Selbstdarstellung« (1935), in: ders., Gesammelte Werke, Nachtragsband, Frankfurt a. M. 1987, S. 764. Vgl. Michael Winerip, »Schizophrenia's Most Zealous Foe«, in: New York Times Magazine, 22. Februar 1998, S. 26-29. Vgl. Robert Kunzig, »It Kills Horses, Doesn't It?«, in: Discover, Oktober 1997, S. 97-105. Helena Samaia u. a., »A Prion-Based Psychiatric Disorder«, in: Nature, 20. November 1997, S. 241. Bruce Bower, »New Culprits Cited for Schizophrenia«, in: Science News, 3. Februar 1996, S. 68. Kenneth Blum u.a., »Allelic Association of Human Dopamine D2 Receptor Gene in Alcoholism«, in: Journal of the American Medical Association, 18. April 1990, S. 2055-2060. Lawrence Altman, »Scientists See a Link Between Alcoholism and a Specific Gene«, in: New York Times, 18. April 1990, S. A 1. Joel Gelernter, David Goldman und Neil Risch, »The A1 Allele at the D2 Dopamine Receptor Gene and Alcoholism: A Reappraisal«, in: Journal of the American Medical Association 269,1993, S. 1673-1677. Ich sprach 1993 telefonisch mit Neil Risch, der damals an der Yale-Universität tätig war. Telefonisches Interview mit Gottesman im Jahr 1993. Eine Liste der Erkrankungen, die mit dem D2-Marker in Verbindung gebracht werden, stellt Kenneth Blum u.a. auf in »Reward Deficiency Syndrome«, in: American Scientist, März/April 1996, S. 132-145. Dean Hamer und Peter Copeland, Das unausweichliche Erbe, Bern u. a. 1998, S. 172. Dean Hamer u.a., »A Linkage Between DNA Markers on the X Chromosome and Male Sexual Orientation«, in: Science 261, 1993, S.321-327. Dean Hammer und Peter Copeland, The Science of Desire, New York 1994. S. Hu u.a., »Linkage Between Sexual Orientation and Chromosome Xq28 in Males But Not in Females«, in: Nature Genetics 11, 1995, S. 248-256.
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49 Über diese Befunde von Ebers und Rice wurde erstmals von Eliot Marshall berichtet, »NIH's ›Gay Gene‹ Study Questioned«, in: Science, 30. Juni 1995, S. 1841. In dem Beitrag heißt es auch, daß das Office of Research Integrity des Department of Health and Human Services ein Ermittlungsverfahren gegen Hamer eingeleitet habe. Das Verfahren wurde erstmals von John Crewdson in »Study on ›Gay Gene‹ Challenged«, Chicago Tribune vom 25. Juni 1995, S. C l, öffentlich bekanntgemacht. Crewdson berichtete, daß ein Mitautor des 1993 erschienenen Aufsatzes von Hamer über männliche Homosexualität ihm eine fehlerhafte Auswertung der Daten vorgeworfen habe. Das Verfahren wurde später eingestellt. 50 Alan Sanders u.a., »Genetic Linkage Study of Male Homosexual Orientation«, wurde auf der Jahrestagung 1998 der American Psychiatrie Association in Toronto als Poster präsentiert. Sanders wechselte Anfang 1999 vom National Institute of Mental Health an die Universität Chicago. 51 Hamer und Copeland, Das unausweichliche Erbe, S. 234. 52 Der Aufsatz über Neugierverhalten, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: J. Benjamin u. a., »Population and Familial Association Between D4 Dopamine Receptor Gene and Measures of Novelty Seeking«, in: Nature Genetics 12,1996, S. 81-84. Im selben Heft erschien ein weiterer Beitrag, in dem eine ähnliche Behauptung erhoben wurde: R. Ebstein u.a., »Dopamine D4 Receptor (D4Dr) Exon III Polymorphism Associated with the Human Personality Trait of Novelty Seeking«, S. 78-80. Der Beitrag über Angst, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: Klaus-Peter Lesch u.a., »Association of Anxiety-Related Traits with a Polymorphism in the Serotonin Transporter Gene-Regulatory Region«, in: Science 274,1996, S. 1527-1531. 53 Vgl. Anil Malhotra u.a., »The Association Between the Dopamine D 4 Receptor (D4DR) 16 Amino Acid Repeat Polymorphism and Novelty Seeking«, in: Molecular Psychiatry i, 1996, S. 388-391, und Michael Pogue-Geile u. a., »Human Novelty-Seeking Personality Traits and Dopamine D4 Receptor Polymorphisms: A Twin and Genetic Association Study«, in: American Journal of Medical Genetics 81,1998, S. 44-48. Über die Studie von Pogue-Geile berichtete erstmals Sharon Begley, »Born Happy?«, in: Newsweek, 14. Oktober 1996, S. 79. 54 Hintergrundinformationen über Cyril Burt findet man bei Kevles, In the Name of Eugenics. 55 Bernie Devlin u.a., »The Heritability of IQ«, in: Nature, 31. Juli 1997, S. 468-471; vgl. Sharon Begley, »Wombs with a View«, in: Newsweek, 11. August 1997, S. 61. 56 Charles Murray und Richard Herrnstein, The Bell Curve, New York
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1994. 57 Vgl. Stephen Jay Gould, »Curveball«, in: New Yorker, 28. November 1994, S- 139-149, und das Sonderheft von The New Republic, 31. Oktober 1994. 58 Noam Chomsky, Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996, S. 159 f., Hervorhebung J. H. 59 In »Intelligence: Knowns and Unknowns«, einem Bericht der American Psychological Association, der im August 1995 veröffentlicht wurde, stieß ich erstmals auf eine Beschreibung des Flynn-Effekts. Später erfuhr ich, daß Murray und Herrnstein den Flynn-Effekt in The Bell Curve kurz erwähnt und beiläufig als unerheblich für ihre Argumentation abgetan hatten. Flynn legte seine Daten vor in »Massive IQ Gains in 14 Nations: What IQ Tests Really Measure«, in: Psychological Bulletin 101, 1987, S. 171-191. Vgl. meinen Beitrag, »Get Smart, Take a Test«, in: Scientific American, November 1995, S. 12 f. Ich interviewte Flynn 1995 per E-mail und Fax. 60 Telefonisches Interview mit Arthur Jensen 1995. 61 Vgl. Christopher Jencks und Meredith Phillips, »The Black-White Test Score Gap: Why It Must Be Closed. Why It Can Be«, in: The American Prospect, September/Oktober 1998, S. 44-53. 62 Robert Matthews, »Genning Up on Genius Genes«, in: Sunday Telegraph, 24. Januar 1993, S. 9. Der Artikel berichtete über eine Konferenz in London, auf der Plomin seine Ergebnisse vorgestellt hatte. 63 Robert Plomin u.a., »A Quantitative Trait Locus Associated with Cognitive Ability in Children«, in: Psychological Science 9, 1998, S. 159-166. Vgl. Robert Plomin und John Defries, »The Genetics of Cognitive Abilities and Disabilities«, in: Scientific American, Mai 1998, S.62-69. 64 Diese Äußerung stammt von John Kihlstrom, einem Psychologen von der Universität von Kalifornien in Berkeley, zitiert nach Nicholas Wade, »First Gene to Be Linked with High Intelligence Is Reported Found«, in: New York Times, 14. Mai 1998. 65 Hamer, Das unausweichliche Erbe, S. 352. 66 Lee Silver, Das geklonte Paradies, München 1998, S. 330. 67 W. French Anderson, »Human Gene Therapy«, in: Nature, Beilage zu Bd. 392, 30. April 1998, S. 25. 68 Robert Weinberg wurde zitiert in »Hype Surrounds Genomics Inc.«, in: Science, 7. Februar 1997, S. 770. 69 Interview mit Jerome Kagan am 18. November 1997 an der HarvardUniversität. 70 Jerome Kagan, Galen's Prophecy, New York 1994, S. XXI. 71 Ebenda, S. 263.
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Zitiert nach Carl Degler, In Search of Human Nature, New York 1991, S. 15. Deglers Buch ist eine Fundgrube an Informationen über die Geschichte des genetischen Determinismus in Wissenschaft und Gesellschaft. 73 Ebenda, S. 11. 74 Darwins Brief ist abgedruckt in Richard Weikart, »A Recently Discovered Darwin Letter on Social Darwinism«, in: Isis 86,1995, S. 609-611. 75 Richard Webster, Why Freud Was Wrong, New York 1995, S. 457.

KAPITEL 6: DARWIN, RETTE UNS! 1 Gerald Edelman, Göttliche Luft, vernichtendes Feuer. Wie der Geist im Gehirn entsteht, München 1995, S. 70. [Quelle unklar, Anm.d.Lektors] 2 Die Konferenz der Human Behavior and Evolution Society fand vom 28. Juni bis 2. Juli 1995 an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara statt. 3 Vgl. Charles Darwin, Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, Stuttgart 1998, S. 676. 4 In seinem Vortrag zum Thema »Das Badewasser und das Baby: Stellenwert und Grenzen des Kulturbegriffs in der Human-Verhaltensökologie« zog Crank insbesondere den Anthropologen Clifford Geertz vom Institute for Advanced Study ins Lächerliche. 5 Die Formulierung stammt von Boyd Eaton von der Emory-Universität. 6 Singh publizierte seine Ergebnisse erstmals in »Adaptive Significance of Female Physical Attractiveness«, in: Journal of Personality and Social Psychology 65, 1993, S. 293-307. Daten, die im Widerspruch zu Singhs These stehen, wurden veröffentlicht von Douglas Yu und Glenn Shepard, »Is Beauty in the Eye of the Beholder?«, in: Nature, 26. November 1998, S. 321 f. 7 Telefonisches Interview mit Cosmides und Tooby im Mai 1995. Ich sprach außerdem mit ihnen auf der HBE S-Konferenz im Juni und kommunizierte mit ihnen per Fax. 8 The Adapted Mind, hg. von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby, New York 1992, S. 23. Einer der bekanntesten Kritiker der Evolutionspsychologie ist Stephen Jay Gould von der Harvard-Universität. Vgl. seinen Aufsatz »Let's Leave Darwin Out of It«, in: New York Times, 29. Mai 1998. Gould griff die Evolutionspsychologie auch in zwei aufeinanderfolgenden Artikeln in der New York Review of Books an: »Darwinian Fundamentalism«, 12. Juni 1997, und »Evolution: The Pleasures of Pluralism«, 26. Juni 1997. Vgl. den Briefwechsel, der in den Heften vom 14. August und 9. Oktober veröffentlicht wurde. Gould räumte ein, daß Menschen

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»Tiere sind und der Geist das Produkt der Evolution ist, daher müssen alle wißbegierigen Menschen das Streben nach einer Evolutionspsychologie unterstützen. Doch die Bewegung, die diesen Namen für sich in Anspruch nimmt, hat ein verhängnisvoll beschränktes Verständnis von der Bedeutung und dem Anwendungsbereich evolutionsbiologischer Erklärungen.« Wenn die Evolutionspsychologen weiterhin nachdrücklich auf ihren verstiegensten Behauptungen bestünden, so die Prognose von Gould, »werden sie eines Tages das Schicksal der Freudianer erleiden, die auch einige wertvolle Erkenntnisse zutage förderten, aber dann spektakulär scheiterten und Leid über Millionen von Menschen brachten (unter anderem Frauen, die als frigide abgestempelt wurden, wenn sie aus physiologischen Gründen nicht in der Lage waren, den Übergang vom klitoralen zum vaginalen Orgasmus zu vollziehen), weil sie eine Theorie von begrenzter Gültigkeit in den Rang einer unumstößlichen Weltanschauung erhoben, die eher einer nicht überprüfbaren und unwandelbaren Religion als einer Wissenschaft glich.« Leider hat Goulds Polemik - und die Erwiderungen darauf - mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Es ging ihm weniger um eine sachliche Würdigung der Evolutionspsychologie als vielmehr um das Begleichen alter Rechnungen und um die Förderung seiner äußerst eigenwilligen Beiträge zur Evolutionstheorie. Dazu gehören die Theorie vom durchbrochenen Gleichgewicht, die Kontingenztheorie, wonach die Evolution nicht nur von der natürlichen Selektion, sondern auch von Asteroideneinschlägen und anderen unvorhersehbaren Zufallsereignissen gestaltet wird, und die Theorie der »Zwickel«, bei denen es sich um nichtadaptive Nebenprodukte der Evolution handelt (Zwickel ist eigentlich ein architektonischer Terminus, der den dreieckigen Raum zwischen einem Bogen und dem Bauwerk, in das er integriert ist, bezeichnet). Goulds Rhetorik sorgt für weitere Unscharfen. Einmal verspottete er zwei seiner Gegner (den Journalisten Robert Wright und den Philosophen Daniel Dennett): »Unmittelbar nach König Heinrichs aufwühlender Rede am Sankt-Crispins-Tag auf dem Schlachtfeld von Agincourt sorgt Shakespeare für komische Entspannung, als Falstaffs früherer Diener Pistol durch lautes Bluffen und Posieren ein Lösegeld herausholt. Pistols eigener Diener macht daraufhin die berühmte Bemerkung: ›Das Sprichwort stimmt: Das hohle Gefäß macht den größten Lärm.‹« Gould schmückte seine Schmähungen mit einer ähnlich schlagfertigen Antwort: »Doch wie sagte doch T. H. Huxley über Richard Owen in einer Parodie auf Drydens Vers über Alexander den Großen, der, betrunken, in einem Monolog all seine Schlachten noch einmal kämpft – ›Und dreimal schlug er all seine Feinde in die Flucht, und dreimal erschlug er die
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Erschlagenen‹–: Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mehr als zweimal mit dem Erschlagen der Erschlagenen zu befassen.« Gould wollte offenbar die Leser der New York Review mit seiner Bildung beeindrukken, doch ihm unterlief eine Selbstparodie. Steven Pinker, Der Sprachinstinkt, München 1996. Interview mit Pinker am 6. August 1997 in Cambridge, Massachusetts. Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 34. Ebenda, S. 577. Ebenda, S. 485. Ebenda, S. 644. Ebenda, S. 597. Ebenda, S. 54. Ebenda, S. 663. Ebenda, S. 688 f. Ebenda, S. 673. Jennifer Egan, »The Thin Red Line«, in: New York Times Magazine, 27. Juli 1997. Ich sprach 1995 mit Noam Chomsky telefonisch über die Evolutionspsychologie. Chomsky erörterte die Evolutionstheorie und menschliches Verhalten in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996. Vgl. den Abschnitt über Chomsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 241-248. Vgl. »›Sociobiology‹ to History's Dustbin?«, in: Science, 19. Juli 1996, S.315. Randolph Nesse von der Universität von Michigan, einer der Begründer der HBES, sagte mir 1995 auch, er und die anderen Mitbegründer hätten den Begriff Soziobiologie wegen seiner negativen Konnotationen bewußt verworfen. Cosmides und Tooby legten die Unterschiede zwischen der Evolutionsbiologie und der Soziobiologie in einem Fax dar, das sie mir 1995 schickten. Vgl. den Abschnitt »Why I Am Not a Sociobiologist«, in David Buss, »Evolutionary Psychology: A New Paradigm for Psychological Science«, in: Psychological Inquiry 1995, S. 1-30. Telefonisches Interview mit Richard Alexander 1995. Vgl. George Williams, Adaptation and Natural Selection: A Critique of Some Current Evolutionary Thought, Princeton 1996. In jüngster Zeit haben mehrere Evolutionstheoretiker versucht, das Modell der Gruppenselektion mit neuem Leben zu erfüllen; vgl. Elliott Sober und David Sloan Wilson, Unot Others, Cambridge 1998. Vgl. William Hamilton, »The Evolution of Altruistic Behavior«, in: American Naturalist 97,1963, S. 354-356. Zitiert nach Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 494.
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28 Robert Trivers, »The Evolution of Reciprocal Altruism«, in: Quarterly Review of Biology 46,1971, S. 35-57. 29 H. Allen Orr, »The Softer Side of Sociobiology«, in: Boston Review of Books Oktober/November 1997, S. 44. 30 Leda Cosmides, »The Logic of Social Exchange: Has Natural Selection Shaped How Humans Reason?«, in: Cognition 31,1989, S. 187-276. 31 Ich interviewte James Fetzer auf der Konferenz der HBES 1995 in Santa Barbara. 32 Steven Mithen faßte seine Einwände gegen die Evolutionspsychologie in einem Vortrag auf der HBES-Konferenz zusammen. In seinem Buch The Prehistory of Mind, London 1996, entwickelte er diese Ideen weiter. Eine weitere Kritik an der Evolutionspsychologie haben Peggy La Cerra und Roger Bingham, »The Adaptive Nature of the Human Neurocognitive Architecture«, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 95,1998, S. 11290-11294. 33 David Buss, Die Evolution des Begehrens, Hamburg 1994. Meine Kritik an Buss' Annahmen über die weibliche und männliche Sexualität basiert auf Kommentaren, die die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der Universität von Kalifornien im Jahr 1995 mir gegenüber machte. 34 Vgl. Martin Daly und Margot Wilson, Homicide, New York 1988, sowie dies., »Evolutionary Social Psychology and Family Homicide«, in: Science, 28. Oktober 1988, S. 519-524. 35 Vgl. »Evolutionists Take the Long View on Sex and Violence«, in: Science, 20. August 1993, S. 987. 36 Ich interviewte Wilson und Daly 1995 mehrmals telefonisch. 37 Vgl. »Tales Twice, Indeed Thrice«, in: New York Times, 6. Dezember 1997, S. B 9. 38 Steven Pinker, »Why They Kill Their Newborns«, in: New York Times Magazine, 2. November 1997, S. 52-54. 39 In: New York Times Magazine, 23. November 1997. 40 Unveröffentlichtes Manuskript, »Evolutionary Adaptationism: Another Biological Approach to Criminal and Antisocial Behavior«, das Martin Daly mir 1996 zuschickte. 41 Eine Gegenüberstellung von Evolutionspsychologie und Verhaltensgenetik entwickeln die Kommentare von David Lykken, einem Verhaltensgenetiker von der Universität von Minnesota, auf der Web-site von Edge: www.edge.org. Lykken kritisierte, daß die Evolutionspsychologen den »merkwürdigen Fehler« begingen, »einfach zu unterstellen, daß die gesamte genetische Vielfalt, die es der natürlichen Selektion erlaubte, das menschliche Gehirn hervorzubringen, mittlerweile erschöpft sei und daß psychische Unterschiede zwischen den Individuen, wie wir sie heute beobachten, ausschließlich umweltbedingt seien [...] Anders gesagt,
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alle menschlichen Säuglinge sollen heute, anders als in der Altsteinzeit, Gehirne besitzen, die, ähnlich wie nagelneue Mac-Computer, darauf warten, programmiert zu werden. Dies ist aus evolutionsbiologischen Gründen extrem unwahrscheinlich. Wenn es eine enorme genetisch bedingte Vielfalt in der Psychologie der Haustiere gibt, wie Darwin selbst bemerkte, aber auch im Körperbau und in der Physiologie des Menschen, wie jedes Kind sehen kann, stellt sich die Frage, wieso das menschliche Gehirn die einzige Ausnahme sein soll.« Randolph Nesse und George Williams, Warum wir krank werden. Die Antworten der Evolutionsmedizin, München 1997, S. 260. Anthony Stevens und John Price, Evolutionary Psychiatry: A New Beginning, London 1996. Steven Rose, »Darwin on the Brain«, in: Nature, 3. April 1997, S. 454f. Napoleon Chagnon, »Life Histories, Blood Revenge, and Warfare in a Tribal Population«, in: Science, 26. Februar 1988, S. 985-992. Vgl. sein klassisches Werk Yanomamo: The Fierce People, New York 1968. Chag-non und ich sprachen 1995 in einem telefonischen Interview über die Ähnlichkeit zwischen seinen Auffassungen und denen Stephen Jay Goulds. Frank Sulloway, Der Rebell der Familie, New York 1996. Ich hörte Sulloway seine Theorie über die Bedeutung der Position in der Geschwisterfolge erstmals am 30. Juni 1995 auf der HBES-Konferenz in Santa Barbara vortragen. Zu den positiven Besprechungen von Der Rebell der Familie gehörten Robert Boynton, »The Birth of an Idea«, in: New Yorker, j. Oktober 1996, S. 72, und Geoffrey Cowley, »First Born, Later Born«, in: Newsweek, 7. Oktober 1996, S. 68-74. Kritische Rezensionen schrieben unter anderem John Modell, »Family Niche and Intellectual Bent«, in: Science, 31. Januar 1997, S. 624 f., und Alan Wolfe, »Birth Order, Schmirth Order«, in: New Republic, 23. Dezember 1996, S.29-35. Sulloway behauptete in einem Interview auf der Web-site »Edge« (www.edge.org.), Gould habe sich in dem Fernsehprogramm Nightline positiv zu der Hypothese, daß sich die Position in der Geburtsfolge auf Persönlichkeitszüge auswirke, geäußert. Cecile Ernst und Jules Angst, Birth Order: Its Influence on Personality, Berlin 1983. Das Zitat von Ernst und Angst findet sich in einem Kommentar von Judith Harris auf der Web-site »Edge«, www.edge.org. Judith Harris, The Nurture Assumption, New York 1998, S. 375. Vgl. die Kontroverse zwischen Sulloway und Harris auf »Edge«, www.edge. org. Ich fand die Kritik von Harris an Sulloway überzeugender als die Kernthese ihres Buches, daß die Persönlichkeit von Kindern hauptsächlich
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von ihren Genen und von Gleichaltrigen geformt werde und weniger von ihren Eltern. Interview mit Steven Pinker am 6. August 1997. Frank Sulloway, Freud. Biologe der Seele, Köln 1982. Einen faszinierenden Vergleich zwischen Evolutionspsychologie und Psychoanalyse zieht Robert Wright, Diesseits von Gut und Böse – The moral animal, München 1996, S. 501-522. Der britische Autor Christopher Badcock versuchte (nicht sehr überzeugend), Psychoanalyse und Evolutionstheorie in Oedipus in Evolution, Oxford 1990, miteinander in Einklang zu bringen; eine amüsante Rezension von Badcocks Buch schrieb V. Reynolds, »Translation from the Greek«, in: Nature, 24. Mai 1990, S. 301. Vgl. Robert Trivers, Social Evolution, Reading 1985. George Orwell, Neunzehnhundertvierundachtzig, Frankfurt a.M. u.a. 1976, S. 198. Robert Trivers, »Parent-Offspring Conflict«, in: American Zoologist 14,1974, S. 249-264. Martin Daly und Margot Wilson, »Is Parent-Offspring Conflict SexLinked?«, in: Journal of Personality 58,1990, S. 163-189. David Buss, »The Future of Evolutionary Psychology«, in: Psychological Inquiry 6,1995, S. 86. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997. Daniel Dennett, Darwins gefährliches Erbe, Hamburg 1997, S. 23. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens. Steven Weinberg, Die ersten drei Minuten, München 1992, S. 212. Vgl. William Stevens, »Evolution of Humans May at Last Be Faltering«, in: New York Times, 14. März 1995, S. C 1. Vgl. Christopher Mills, Children of Prometheus, Reading 1998. Zitiert nach Martin Gardner, »Computers Near the Threshold?«, in: Journal of Conscious Studies 3, i, 1996, S. 89-94. Der Aufsatz wurde in Gardners Buch The Night Is Large, New York 1996, nachgedruckt. Darin äußerte der bekannte Wissenschaftsjournalist Gardner seine Zweifel, ob die Künstliche Intelligenz jemals Maschinen mit echtem Bewußtsein und echter Intelligenz hervorbringen könne. Als ich Gardner im Januar 1999 anrief, um mir diese Aussage bestätigen zu lassen, sagte er mir, er betrachte sich selbst als einen »Mysteriker«, also als jemanden, der glaube, daß Willensfreiheit, Bewußtsein und andere Aspekte des Geistes Geheimnisse seien, die sich wissenschaftlich nicht ergründen ließen. Der Standpunkt eines solchen »Mysterikers« wird im folgenden Kapitel erörtert. Vgl. meine Interviews mit Marvin Minsky und Hans Moravec in An den Grenzen des Wissens, S. 294-302 und S. 394-399.
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67 Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 13. 68 Ebenda, S. 14. 69 Jerry Fodor, »The Trouble with Psychological Darwinism«, in: London Review of Books, 22. Januar 1998, S. 11-13.

KAPITEL 7: KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 1 Richard Powers, Galatea 2.2, New York 1995, S. 28. Powers' Roman schildert die Bemühungen eines Schriftstellers und Kognitionswissenschaftlers, einen Computer zu bauen, der in der Lage sein soll, Literatur genausogut zu »lesen« wie ein durchschnittlicher Student. 2 Pamela McCorduck, Machines Who Think, San Francisco 1979. Vgl. McCorducks Buch The Fifth Generation, Reading 1983, das sie zusammen mit Edward Feigenbaum geschrieben hat. 3 Frederick Hayes-Roth, »The Machine As Partner of the New Professional«, in: IEEE Spectrum, Juni 1984, S. 28-31. 4 Telefonisches Interview am 22. Januar 1998 mit Hayes-Roth. 5 Ich interviewte Herbert Simon am 25. September 1998 telefonisch. Weitere Informationen in seinen Büchern Die Wissenschaften vom Künstlichen, Berlin 1990, und Modells of My Life, New York 1991. 6 Astro Teller, »Smart Machines, and Why We Fear Them«, in: New York Times, 21. März 1998. 7 Simon sprach am 14. November 1957 bei der Jahrestagung der Operations Research Society of America in Pittsburgh. Der Vortrag basierte auf einem Beitrag, den Simon zusammen mit seinem Kollegen Allen Newell geschrieben hatte: »Heuristic Problem Solving: The Next Advance in Operations Research«, in: Operations Research 6, l, Januar/Februar 1958, S. 1-10. 8 McCorduck, Machines Who Think, S. 188. 9 George Johnson, »The Artist's Angst Is All in Your Head«, in: New York Times Week in Review, 16. November 1997, S. 16. 10 Vgl. meinen Beitrag »The Death of Proof«, in: Scientific American, Oktober 1993, S. 92-103. 11 Mumford äußerte diese Meinung mir gegenüber erstmals im Jahr 1993; im Dezember 1998 teilte er mir per E-mail mit, daß er noch immer zu dieser Aussage stehe. 12 Eine hervorragende Darstellung von Schachcomputern bieten FengHsiung Hsu, Thomas Anatharaman, Murray Campbell und Andreas Nowatzyk, »A Grandmaster Chess Machine«, in: Scientific American, Oktober 1990, S. 44-50. Die Autoren konstruierten Deep Thought, den

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Vorgänger von Deep Blue. 13 Interview mit der Deep-Blue-Forschergruppe im Mai 1996 am Thomas J. Watson Research Center von IBM in Yorktown Heights. 14 Simon, zitiert von Bruce Weber, »A Mean Chess-Playing Computer Tears at the Meaning of Thought«, in: New York Times, 19. Februar 1996, S. A 1. 15 Zu IBMs angeblichem Bestreben, nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht zu werden, vgl. McCorduck, Machines Who Think, S. 159. 16 Für die Hintergrundinformationen über neuronale Netze danke ich Tomaso Poggio, Professor am Fachbereich »Brain Sciences« des MIT und eine Kapazität für neuronale Netze und lernfähige Maschinen. Ich interviewte Poggio am 17. November 1997. 17 Telefonisches Interview mit Hubert Dreyfus am 3. Februar 1998. Eine kritische Haltung zu Dreyfus hat McCorduck, Machines Who Think, S. 180-205. 18 Hubert Dreyfus, What Computers Still Can't Do, Cambridge 1992, S.303. 19 McCorduck, Machines Who Think, S. 200. 20 Dreyfus, What Computers Still Can't Do, S. IX. 21 Ebenda, S. XIV. 22 Ebenda, S. IX. 23 David Stork (Hg.), Hal's Legacy, Cambridge 1997, S. 5. 24 Ebenda, S. 11. 25 Ebenda, S. 49 f. 26 Ebenda, S. 188 f. 27 Ebenda, S. 201 f. 28 Ebenda, S. 371. 29 Ebenda, S. 203. 30 Simson Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, in: Wired, Januar 1997, S. 188. 31 Stork, Hal's Legacy, S. 207. 32 Ebenda, S. 203. 33 Ebenda, S. 206. 34 Paul Wallich, »Silicon Babies«, in: Scientific American, Dezember 1991, S. 134. 35 Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, S. 188. Weitere Informationen über Cyc auf der Web-site, die von Lenats Firma Cycorp unterhalten wird, www.cyc.com. 36 Brooks machte diese Äußerungen, als ich ihn am 17. November 1997 am MIT interviewte. Vgl. das Interview mit Rodney Brooks auf der Web-site »Edge«, www.edge.org.
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Rodney Brooks und Anita Flynn, »Fast, Cheap and Out of Control«, in: Journal of the Interplanetary System 42,1989; »Elephants Don't Play Chess«, in: Robotics and Autonomous Systems 6,1990; »New Approaches to Robotics«, in: Science 253, 1991; »Intelligence Without Representation«, in: Artificial Intelligence 47,1991. Der Philosoph David Rothenberg führte für die von ihm gegründete und herausgegebene Vierteljahresschrift Terra Nova ein fesselndes Interview mit Errol Morris: »Outside the Cage Is the Cage«, in: Terra Nova 3, 2,1998, S. 56-73. Brooks Arbeiten gaben auch den Anstoß zu dem Buch von Kevin Kelly, Out of Control, Reading 1994. Pinker und Bever, zitiert nach John Travis, »Building a Baby Brain in a Robot«, in: Science, 20. Mai 1994, S. 1082. Vgl. Marvin Minsky, Mentopolis, Stuttgart 1990, S. 127. Ich interviewte Minsky 1993 mehrmals persönlich und telefonisch; vgl. das Interview mit Minsky auf der Web-site »Edge«, www.edge.org., und den Abschnitt zu Minsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 294-302. Stephane Zrehen hielt diesen Vortrag im Rahmen des Herbst-Symposions der American Association for Artificial Intelligence im Oktober 1998 in Orlando, Florida, das unter dem Motto stand »Emotional and Intelligent: The Tangled Knot of Cognition«. Sherry Turkle, »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance«, in: Daedalus, Winter 1988, S. 245. Turkle hat bereits in ihrem Buch Die Wunschmaschine. Vom Entstehen der Computerkultur, Reinbek bei Hamburg 1984, Parallelen zwischen der Psychoanalyse und der KI erörtert. Sherry Turkle, Leben im Netz, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 434. McCorduck, Machines Who Think, S. 254. Vgl. Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 407 ff. Dieses Zitat Sutherlands verwendete Francis Crick als Motto für sein Buch Was die Seele wirklich ist. Die naturwissenschaftliche Erforschung des menschlichen Bewußtseins, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 6. KAPITEL 8: DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Die vier Motti stammen der Reihenfolge nach aus folgenden Werken: Daniel Dennett, Philosophie des menschlichen Bewußtseins, Hamburg 1994, S. 531; Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 167; ebenda, S. 167; Günther Stent, The Corning of the Golden Age, Garden City 1969, S. 74. Der Tagungsbericht über die Konferenz zum Thema Bewußtsein, die

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vom 12. bis 17. April 1994 in Tucson stattfand, wurde veröffentlicht unter dem Titel Toward a Science of Consciousness: The FirstTucson Discussions and Debates, hg. von Stuart Hameroff u. a., Cambridge 1996. David Freedman porträtierte Steen Rasmussen in »Playing God«, in: Discover, August 1992, S. 35-45. Vgl. Karl Pribram, Brain and Perception, Hillsdale 1991. Danah Zohar, The Quantum Self, New York 1990. Einen kenntnisreichen Überblick über die Forschungen von Benjamin Libet gibt Tor Norretranders in The User Illusion, New York 1998, S. 216-220 und S. 227-238. Francis Crick und Christof Koch, »Toward a Neurobiological Theory of Consciousness«, in: Seminars in Neurosciences 2,1990, S. 263-275. Francis Crick, Was die Seele wirklich ist, Reinbek bei Hamburg 1997. Vgl. die Diskussion der Hypothesen von Crick und Koch in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 257-265. Walter Freeman präsentierte sein Modell über Chaos und Gehirn in »The Physiology of Perception«, in: Scientific American, Februar 1991, S. 78-85, und in Societies of Brains, Hillsdale 1995.

10 Das Zitat stammt aus Flanagans Beitrag zu Toward a Science of Consciousness. Vgl. Flanagans Bücher The Science of the Mind, 2. Aufl., Cambridge 1991, und Consciousness Reconsidered, Cambridge 1992. 11 Roger Penrose stellte seine quantenmechanische Theorie des Geistes in folgenden Werken vor: Computerdenken, Heidelberg 1991; Schatten des Geistes, Heidelberg 1995, und The Large, the Small and the Human Mind (das auch Beiträge anderer Autoren enthält), New York 1997. Scharfe Kritik an Penroses Erklärungsansatz übten unter anderem Philip Anderson, »Shadows of Doubt«, in: Nature, 17. November 1994, S. 288 f., und Hilary Putnam, »The Best of All Possible Brains«, in: New York Times Book Review, 20. November 1994, S. 7; vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, S. 280-285. 12 Vgl. David Chalmers, »The Puzzle of Conscious Experience«, in: Scientific American, Dezember 1995, S. 80-87 (Der Aufsatz wird von einem Kommentar von Francis Crick und Christof Koch begleitet), und The Conscious Mind, New York 1996. Für eine kritische Rezension von Chalmers Buch vgl. John Searle, »Consciousness and the Philosophers«, in: New York Review of Books, 6. März 1997, S. 43-50. Searle lehrt als Philosoph an der Universität von Kalifornien in Berkeley und ist ein führender Kritiker der starken KI-Hypothese. Am bekanntesten ist vielleicht sein außerordentlich einflußreiches Gedankenexperiment »Chinesisches Zimmer«, das er in »Is The Brain's Mind a Computer Programm?«, in: Scientific American, Januar 1999, S. 26-31, ausführte. (Auf Searles Beitrag
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) Searle verglich einen Computer. die. Bd. daß er wirklich Chinesisch versteht? Crick. der einen Turing-Test absolviert.a.Christof Koch. 4-6. der kein Chinesisch versteht. S.13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 folgte eine gewundene Widerlegung der Philosophen Paul und Patricia Churchland. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. S. In derselben Weise. S. Ebenda. Ebenda. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. wäre nahezu unendlich lang. 183.. mit dessen Hilfe er Fragen und Anweisungen auf chinesisch in chinesische Antworten überträgt. daher könnten Computer nicht in dem Sinne »denken«. 131-165. Weils Beitrag in Toward a Science of Consciousness. S. Dezember 1998. 1997. Interview mit Colin McGinn im August 1994 in New York City. Frankfurt a. Frankfurt a. mit einem Menschen in einem Zimmer. so Searle. um die Personen außerhalb des Raumes davon zu überzeugen. S. »Facing Backwards on the Problem of Consciousness«. ebd. S.1. Vgl. Ebenda. die kognitiven Grenzen der Wissenschaft. »Hard-HeadedDualism«.S. 51. S. »Das Unbehagen in der Kultur«. M. Wie das Denken im Kopf entsteht. das alle möglichen Fragen. . Er erörterte das Geist-Körper-Problem. »Could a Machine Think?«. S. Sigmund Freud. wie schwer es für einen Computer sei. 19. was er ebenfalls nicht weiß. Wie soll der Mensch auf alle eingehenden Fragen schnell genug antworten. ohne ihre Bedeutung zu verstehen. 390 f. 1982. hg. Zitiert nach Louis Menand. 17. von Alexander Mitscherlich u. verwendeten Computer Symbole. Mai 1996.48. Meines Erachtens hat Searle die starke KI-Annahme damit jedoch keineswegs widerlegt. wie wir es täten. Pinker. aber ein Handbuch besitzt. S. 197. die bedeutet »Was ist Ihre Lieblingsfarbe?«. in: Studienausgabe. in: New York Review of Books. lösbare versus unlösbare Probleme und ähnliche Ideen in Probleme sprachlichen Wissens. Was die Seele wirklich ist. in: Nature. in: Journal of Consciousness Studies 3. William James. Vgl. 695 f. sowie alle plausibel klingenden Antworten auf jede Frage auflisten könnte. 327.. Er empfängt eine ihm unverständliche Folge von chinesischen Buchstaben. S. 124. 9. den Turing-Test zu bestehen. Vielmehr hat er lediglich daraufhingewiesen. 32-37. Sein Handbuch sagt ihm. Telefonisches Interview mit Noam Chomsky im Jahr 1995. Ebenda. 82. 204. Weinheim 1996. Daniel Dennett. S. daß er diese Symbole mit einer anderen Folge von Symbolen beantworten solle. S. M. die auf chinesisch geäußert werden können.407 . »blau« bedeutet. Ein Handbuch.

Vorträge und Erinnerungen. das meine Sicht der Wissenschaft im allgemeinen und der Disziplinen. den Beitrag von Josephson u. 594. James Gleick.zu einem widerspruchsfreien System zu vereinheitlichen. Francis Crick. 29 Brian Josephson. Wilson definierte »Konziliation«. 15. S. stieß ich auf ein Buch. und »Consciously Avoiding the X-factor«. 247. es sei an der Zeit. 15. in: ders. Juli 1992. 472. »Wissenschaft und Glaube« (1930).4. 30 Brian Josephson. »Has Psychokinesis Met Science's Measure?«.408 . S.a.1987.also nicht nur die Naturwissenschaften. in: Nature. 4.1987. Theologie und andere Geisteswissenschaften . Interview mit Eric Kandel am 15. in: Science. 17. Geschichtswissenschaft. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. S.. München 1993. S. den er von dem im neunzehnten Jahrhundert lebenden Philosophen William Whewell . Er erklärte. 33 Vgl. in: Behavioral and Brain Sciences 10. 28 Vgl. Richard Feynman. Dezember 1996. Was die Seele wirklich ist. Menand. das er bereits über zwanzig Jahre früher in Sociobiology (Cambridge 1975) angeschnitten hatte.27 Ebenda. November 1997 an der HarvardUniversität. sondern auch Philosophie. 32 Ich interviewte David Bohm im August 1992. August 1972. in: Physics Today. S. Dezember 1997 am New York Psychiatric Institute. alle Zweige des Wissens . »Religion in the Genes«. S. Interview mit Howard Gardner am 19. 31 Interview mit Josephson am 14. 1 2 3 4 5 6 7 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES GEISTES Max Planck. im besonderen in Frage stellte. Reinbek bei Hamburg 1997.. S. das Ziel der Aufklärung. Toward a Science of Consciousness. Philip Anderson. 183. S. 583. Als ich das Manuskript dieses Buches bereits weitgehend abgeschlossen hatte. April 1993. Weitere Publikationen von Josephson sind »Skepticism and Psi: A Personal View«. in: Physics World. S. »More Is Different«. in: Physics Education 22. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. S. einen Begriff. Darmstadt 1970. April 1994 in Tucson. In Die Einheit des Wissens (Berlin 1998) kehrte der Evolutionsbiologe Edward Wilson von der Harvard-Universität zu einem Thema zurück. 15-19. 393. »Physics and Spirituality: The Next Grand Unification?«. 45. Leben und Werk des genialen Physikers.

die Einzelteile doch eines Tages zu einer kohärenten Theorie zusammengefaßt würden.« (S. 31 f. daß Jahrzehnte die pessimistische Schätzung ist. Selbst wenn wir einstweilen annehmen.409 . Wenn die Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften vereinigt werden können. daß wir durch Selbsterkenntnis dazu veranlaßt würden.vor allem im gegenwärtigen Winter unserer kulturellen Unzufriedenheit -. 147) Man beachte. der Künstlichen Intelligenz und der Neurowissenschaft durch. Er kam zu dem Schluß. Seine große Hoffnung schien darin zu bestehen. wie groß die Aussichten auf eine Vereinheitlichung etwa von Elementarteilchenphysik und Literaturwissenschaft sind.der Erhaltung der Natur . Wilsons Vorschlag warf zwei Fragen auf: erstens diejenige. welchen Nutzen haben wir davon? Wilson scheute sich nicht zu erklären: »Es lohnt sich .durch die Entdeckung und Anerkennung einer einheitlichen Theorie aller . Doch angesichts der erbitterten Kontroversen zwischen so nahe verwandten Disziplinen wie der Soziobiologie und der Evolutionspsychologie stellt sich die Frage. stellt sich die Frage. ob der ursprüngliche Geist der Aufklärung (Zuversicht. Mindestens ebenso lohnend aber ist die logische Gegenfrage. um so ärmer wird unsere Spezies fürderhin sein. welcher den furchtbaren Alptraum des totalitären Staates ankündigte?« (S. daß gerade der aufklärerische Idealismus zu jenem Terror beigetragen hat. der Evolutionspsychologie. wenn bereits über den ersten Aufklärungskonzepten der Todesengel schwebte. 398) Es ist nicht zu ersehen. Eingedenk dieser Tatsache führte Wilson eine Bestandsaufnahme der Verhaltensgenetik. »Es wäre möglich. daß. Je mehr Leben wir von dieser Erde verbannen. die Frage zu stellen. daß sie mit quälender Langsamkeit noch Jahrzehnte auf sich warten läßt. Anders gesagt. daß die große Synthese sehr bald kommt. Könnte es sein. aber ebenso. wie so manche behauptet haben.«(S. 15). daß die von Wilson ins Auge gefaßte Vereinigung möglich sei. eine für ihn besonders vordringliche Erkenntnis anzunehmen: »Je mehr wir uns von Ersatzmechanismen zum Erhalt unseres Lebens und unserer Biosphäre abhängig machen. ob dies auch wünschenswert ist. eine allgemeine Erklärungsgrundlage zu schaffen«(S.) Doch Wilson beantwortete die von ihm aufgeworfenen Fragen nicht. wird dies zweifellos über jene Disziplinen erfolgen.übernahm. Augen auf den Horizont gerichtet) zurückerobert werden kann. als »buchstäblichen ›Zusammensprung‹ des Wissens durch die interdisziplinäre Verkettung von Fakten und den darauf basierenden Theorien mit dem Zweck. ob er zurückerobert werden sollte. ob das Vorhaben machbar ist. Optimismus. um so fragiler werden wir uns und unsere Umwelt gestalten. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. obgleich das Wissen über unseren Geist fragmentarisch bleibe. wie man diesem achtbaren Ziel .

nicht mit Wilson übereinstimmen. Sie erklärten: »Im Fall der Kernspaltung ermöglichte eine Reihe außergewöhnlich glücklicher technischer Umstände die heutige Kernkraftindustrie. 249. fällt die Zunahme noch viel alarmierender aus. ja deterministischen Sicht der menschlichen Natur verknüpft.8 9 10 11 12 Wissenschaften auf der Basis von Evolutionsbiologie. machen sich seine Vorstellungen vom Umweltschutz bereitwillig zu eigen. New York 1995. Great and Desperate Cures. als ich ihn 1994 interviewte. S. S. der gemeinsam von drei herausragenden Fusionsforschern verfaßt wurde: William Parkins. Umgekehrt geht vielen. S. jener Disziplin. daß er das Postulat aufstellte. 1569-1574. Werden die Sterblichkeitsziffern nicht altersbereinigt. die altersbereinigte Krebssterblichkeit in den Vereinigten Staaten habe seit 1970 um sechs Prozent und seit 1950 um mehr als acht Prozent zugenommen. dessen Erkundung nie an ein Ende kommen würde. Genen und Kultur stellten »einen riesigen unerschlossenen Bereich der Wissenschaft und der menschlichen Geschichte [dar].« Vgl.410 . Die Debatte ging im Maiheft mit einem Brief zu Ende. Im Fall der Kernfusion scheint eine Reihe sehr unglücklicher Randbedingungen die künftige Energiegewinnung auf der Basis des Fusionsprinzips zu verhindern. Genetik und Neurowissenschaft näher kommen könnte. New York 1986. Elliot Valenstein. Er befürchtete. 29. S. die sich seiner reduktionistischen Sicht des Menschen anschließen. die Wechselwirkung zwischen Natur und Umwelt. sie bedeute vielleicht auch das Ende der Biologie. Mai 1997. Ironischerweise schien Wilson. in: New England Journal of Medicine. die. James Krumhansl und Chauncey Starr. die sein Leben mit Sinn erfüllt habe. sondern niemals. John Bailar und Heather Gornik. Ich sprach im Herbst 1997 kurz telefonisch mit Sacks. seine Umweltschutzethik zu weit. was die Realisierbarkeit und Erwünschtheit einer solchen Theorie anbelangt. »Cancer Undefeated«. Trotz seiner antireduktionistischen Sympathien hat Sacks immer wieder seine Bewun. der Geist könne niemals vollständig verstanden werden. indem er sie so vehement mit seiner reduktionistischen. daß eine endgültige Theorie der menschlichen Natur womöglich weder wünschenswert noch realisierbar sei (vgl. An den Grenzen des Wissens. Das Für und Wider der Fusionsenergie wurde in der Rubrik »Leserbriefe« von Physics Today im März und Mai 1997 kontrovers diskutiert. 231-241). Zitiert nach Richard Webster. In dem Artikel wird berichtet. Viele Personen. 444 f. Wilson hatte dieses Dilemma dadurch gelöst. mein Buch.« Nicht in Jahrzehnten. zu glauben. In der Tat schadet Wilson der Sache des Umweltschutzes vielleicht sogar. eine solche Theorie untergrabe »unser aufgeblasenes Selbstbild und unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum in der Zukunft«. Why Freud Was Wrong.

S.. Oliver Sacks.13 14 15 16 17 derung für eine umstrittene Theorie der Kognition. II. M. Ludwig Wittgenstein. S. Vgl. Kalifornien. Ders. aus denen das Buch besteht. zu Edelman mein Buch An den Grenzen des Wissens. Aldous Huxley. Ein Anthropologe auf dem Mars. Der Mann. S. S. in den fünfziger Jahren. Frankfurt a. Berkeley 1988. 1990. dem Direktor des Neurosciences Institute in La Jolla. New York 1973. und The Scientist. Reinbek bei Hamburg 1990. Aufl. seine beiden Autobiographien The Center of the Cyclone. 16. zum Ausdruck gebracht. die von dem Nobelpreisträger Gerald Edelman. vertreten wird. . Reinbek bei Hamburg 1997. S. The Doors of Perception and Heaven and Hell.411 . 266-278. Zu John Lilly vgl. Tractatus logico-philosophicus. Huxley schrieb die beiden Essays.. 84. New York 1990. der seine Frau mit einem Hut verwechselte. 7. 84.

Heidelberg 1991. Chomsky. Eine neue Philosophie der Biologie. Stuttgart 1989. 1993. vernichtendes Feuer. Frankfurt a. Edelman./Leipzig 1997Kramer. Wie Emotionen entstehen. Randolph. Dennett. Der Sprachinstinkt. Computerdenken. Bewußtsein und die Gesetze der Physik. Marvin. Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen. Gardner. James. und Peter Copeland. Weinheim 1996. Der Weg der Kognitionswissenschaft. Ernst. München 1995. Heidelberg 1995. Was die Seele wirklich ist. Mayr. Nuland. Howard. Abschied vom IQ. Noam. Die künstlichen Wilden. Roger. Die Antworten der Evolutionsmedizin. Stuttgart 1991. Bern/München/Wien 1998. Penrose. Hamburg 1997. München 1991. Warum wir krank werden. Crick. Schatten des Geistes. Penrose. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Hamer. Dreyfus. Gerald. Frankfurt a. Reinbek bei Hamburg 1997. Steven. Damasio. Descartes' Irrtum. Probleme sprachlichen Wissens. Der unheimliche Erfolg der Glückspille Fluctin. München 1994. München 1998. M. What Computers Still Can't Do. Göttliche Luft. Gardner. Antonio. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. Denken und das menschliche Gehirn. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins. Dean. Daniel. München 1995. Minsky. Joseph. Geheimnisse der Partnerwahl. John. Stuttgart 1994. Dennett. Das unausweichliche Erbe. Hubert. Hamburg 1994. Darwins Gefährliches Erbe. Hamburg 1994. Daniel. Glück auf Rezept. Ein Ende in Würde?. . Wie der Geist im Gehirn entsteht. Der Anthropologe als Schriftsteller. Wie wir sterben. Sherwin. An den Grenzen des Wissens. William. Peter. David. Roger. Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins. Dem Denken auf der Spur.412 . Clifford. Horgan. München 1997. Howard. Das Netz der Gefühle. Pinker. München 1992. M. München 1997. Mentopolis.Literaturhinweise Buss. Die Evolution des Begehrens. Geertz. Die Debatte um Künstliche Intelligenz. und George Williams. Fühlen. LeDoux. Wie unser Verhalten von unseren Genen bestimmt ist. Nesse. München 1997. Cambridge 1992. Francis.

Reinbek bei Hamburg 1990. Frank. Reinbek bei Hamburg 1997. The Moral Animal. Die Einheit des Wissens. 1980. Der Rebell der Familie. Edward O. Berlin 1998. Die biologischen Grundlagen unserer Ethik. Sacks. Edward. Sacks. Reinbek bei Hamburg 1999.413 . Edward O. München 1996. Frankfurt a. Leben im Netz. Die Wissenschaften vom Künstlichen. Wie das Denken im Kopf entsteht. Künstliche Zeugung und Lebensdesign im neuen Jahrtausend. Wright.. Sherry. Identität in Zeiten des Internet. Biologie als Schicksal.. Biologe der Seele. Steven. Berlin 1990. Reinbek bei Hamburg 1984. Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Turkle. Herbert. der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Sulloway. Wilson. Geschichte der Psychiatrie. Ein Anthropologe auf dem Mars. kreatives Denken und Geschichte. Frank. Das geklonte Paradies. München 1998. Edward O. München 1998. M. Simon. Wilson. Berlin 1999. Jenseits der psychoanalytischen Legende. Oliver. Oliver. Robert. Geschwisterrivalität. Cambridge 1975. Berlin 1999.. Turkle. Freud. Sulloway.Pinker. Sherry. Vom Entstehen der Computerkultur. Shorter. Die Wunschmaschine. Silver. Der Mann. Köln 1982. Wilson. . Lee. Sociobiology. Diesseits von Gut und Böse.

Stephen Morrow. die mir durch ihre Kritik an diesem Buch wichtige Anregungen gegeben haben. Walter Brown. Eric Kramer. Hubert Dreyfus. Jerome Kagan. Robyn Dawes. und meinem Agenten. für ihre persönliche und fachliche Unterstützung. Gary Stix. Phil Ross. Robert Plomin. David Rothenberg. Ellen Shell. Und ein besonderes Dankeschön an Suzie. Judith Harris. Mindy Kornhaber. Roger Greenberg. Christof Koch. und für alle Fehler trage ich die alleinige Verantwortung. Fred Guterl.Danksagung Ich danke allen. Ich danke auch meinem Lektor.]ohn Brockman. Selbstverständlich stehen sie nicht unbedingt hinter den Aussagen des Buches.414 . . Karen Wright und Robert Wright. die mich so gut kennt. Dazu gehören Chris Bremser.

276.169. American Psychoanalytic Association 77.316-356.107..16. 215 Außerirdische 89. Antidepressiva 59.133 f.186 f. 42. 264 f. W.368f. American Psychological Association 73-75. Fluctin. 152. 250. Bever. Angstneurose 52 f.115. Timothy 47 f.118 f. 312.110.158-173. in. Monoaminoxodasehemmer. 298. 116. 117.134. Panikstörungen Angst. 366 Annual Review of Psychologie 6l Anonyme Alkoholiker 171 f.135. French 229 Angst 16.180. 329‹ 334.105. 230. Jerome 240 mit Cosmides und Tooby: Adapted Mind 240f.104.192. 70 Archives of General Psychiatry 122. 72. 363 American Association for the Advancement of Science 120 American Journal of Psychiatrie 66 American Psychiatric Association 99.179f.129. 313 Berlin. 171 American Scientist 61 anale Persönlichkeit 85-87 Anästhetika 153. Woody 147 Alltagsverstand 278.415 . Beardsley. 238. Thomas 308 Bewußtsein 14.107. Anna o.132.135. Allen. Henry 127 Begriffe. Furcht. 214 f. 317. 291.146 f... 31 f.183. 311. 325. 74. SSRIs.293. 189-191. 76. Jules 269 f. 369 Autismus 80. 161-164. siehe auch Angstneurose. Barkow. 339. Beecher. siehe auch Psychopharmaka. 346. Geburtenfolge 269 f. Henry 119 f. 363 Alexander Richard 254 Alkoholismus 16..217. kulturell geprägte 105 Behaviorismus 52.198. David 167 Aphasie 55. Isaiah 363 f. 70. 184 f.Register Ader. Philip 358 Anderson.134.198.339 Anderson. . 295-304.. 198.196. 365 Bachrach. 50 f. 322. 369 Altruismus 254-256 Alzheimer-Krankheit 32. 338 alternative Medizin 128. 349. Aristoteles 31 Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom 44. tricyclische Antidepressiva Antonuccio.. 114. 368-370 bewußtseinsverändernde Drogen 349f. Anthropologie 11.171 American Psychologist 61.198. Robert 128 AIDS 16.

256. 63. Bode. Walter 178-180 Burt. Noam 73.. 333 f. 250. Crews. Vannevar 367 Science: The Endless Frontier 367 Buss.. Cyril 217 Bush. Francis 14. 227 Christenfeld. 334f. Meinungsumfrage 170f. Jimmy 247 Consumer Reports. 150 Unauthorized Freud 76 Crick.. Murray 290 Carroll. Frank 76 Cog 307 f. 254... Frederick 87-96.. Samuel 276 Erewhon 276 Cade. 314 Brown..348. 39.. Rodney 304-310. 34. 271.. 254. 220f. 38 f. Ewen 152 Campbell. 341. 207. David 355 Bouchard..125 f.. Charles 200 Dawes. 339. 357 Was die Seele wirklich ist 327. 227 Science of Desire 216 Cosmides. Roger 138-143 Cioffi. Dick 246 Cerletti. John 156 Cameron. Charles 13.103.. 336. 105. 250-252.108. David 237. Martin 258 f. 52. 339. 220f. Kenneth 214 f. 257. Floyd 62 Bloom.34. Robyn 135-137 .359 Probleme sprachlichen Wissens 73. 256. 338. 236f. 264. Judith 94 f. Harold 102 The Western Canon 102 Blum. 131 f. 263. 233 f. 60. 34^357 Cronk. 314-316 Commander Data 17. 251. Ugo 153 Chagnon. 266 mit Tooby und Barkow: Adapted Mind 240f. Napoleon 264 f. 346 Bloom. Lee 238 Current Opinion 75 Cyc 300-304 Dalai Lama 248 Daly. 246.bildgebende Verfahren 31 f. Liv 212 Bohm. 360 Davenport. Blindsichtigkeit 325. 305 Computer 14f. 276-318. 327f.107 f. siehe auch Künstliche Intelligenz Connors.. Lewis 357 Alice im Wunderland 122 f. 268. Chorea Huntington 195. 247 f.. 276. Peter 190 Talking Back to Prozac 190 Toxic Psychiatry 190 Brody. 217.. 272 f.102. Thomas 202-206 Breggin. 200.. 274. Die Evolution des Begehrens 237 Butler. Copeland. 41. 261. 251.156 f.357 Cavett. 298. 83 Blickfeld 36 f. 43. 81.100.. 168. 341 Chlorpromazin 59.102... 345. Chalmers. 320. 175-177 Chomsky. Peter und Hamer: Das unausweichliche Erbe 215.15.48. Jane 132-134 Brooks. Leda 240-245. 98. Butler. 272 und Wilson: Homicide 259 Darwin. David 336 f.416 . 341 f.

219.167. 21.198. 183-191 Elektrotherapie 150. 317 erlebnisorientierte Therapie 111 Ernst. 270.. 332. 210. vernichtendes Feuer 63 Effexor 148 Einheitliche Theorie des menschlichen Bewußtseins 33.. 215 Eagle.131. Daniel 33. Descartes. Edelman. 80.324 Jugend und Krise 110 erinnerungsaufdeckende Therapie 27. 345-347 Darwins Gefährliches Erbe 274 Depression 14.. 317 Expertensysteme 279-283 extrapyramidale Nebenwirkungen 176 f. 117.121 f..137 Dawkins. Edward 80 Madness on the Couch 80 Donahue 160. 148 f. 202 f. Elkin. Clint 347 Ebers.113 f.111.. 88f.152. 59!".16.. 133 f.. Bernie 218 Dignostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) 115 f. 310 What Computer Can't Do 294-297 Drogenmißbrauch 181.. 98 Göttliche Luft. 304. Albert 52. Erik 110. Ethology and Soziobiology 253 Eugenik 19.. 362 Erikson. Eastwood. 153.114 f..417 . 100. Geburtenfolge 269 f.. 179-185. 134. Cheap and Out of Control 307 Feinschmeckersyndrom 55 . 261 f. 189-192. 85. 346 Evolutionspsychologie 19.. Hans 102. Irene 169 Emotion 14. 333 Deep Thought 333 Dennett.. 214 Doppelblindstudie 117. 230 f.165. 59.. 204 Erklärungslücke 31. 235. 335 Elektroschocktherapie 18 f. 223.181. 83. 234. Evolutionsbiologie 12 f.194. Hubert 293-298. 212. 296. 93. 237. 163 f. 42. 31. 351 Erbanlage und Umwelt 14. 274 Deep Blue 289-291. Gerald 14. 251. 27.16. 206. 171 Dolnick.. 1291. 51 f. 76. 100 f.. Cecile 269 f.320.158 f. Rene 340 Devlin. Dodo-Hypothese 123 f. 233-278.175.53.198. 269. 360 Elektroenzephalograph 324. 124 Fallgeschichten 104. 63. 25. 200.48-53..152-155.161.143.47. 204. 41. 351 Eli Lilly 148. 99. 67.. 225. 72. 340 Epilepsie 55. 31. 22.149f. 276 Evolution and Human Behavior 253 f. Richard 246.House of Cards 135. 326. 361 Einstein.177 ELIZA 315 f. 274. 172-175 Dreyfus. Eysenck.159-161. Susan 205 Fast. 301 f. 230. 200f.. George 216 f. 365 f.. 247. 96.196 Dopamin 44. 57. 21. 78. Falscherinnerung siehe erinnerungsaufdeckende Therapie Farber. 61. Morris 73 f. 27. 24. 52.

271 Fluctin 18f. siehe auch Psycho243. Gazzaniga. 171. Fetzer... 162 f. 52. Feynman. Karl 39 Frontaler Kortex 41 Furcht 49f. 25. James 257 121. 349. Freeman. 81. Sigmund 16. Phineas 53 f. 29. Panikstörungen Gage.111. Das Unbehagen in der Kultur 177 Flanagan. literarisches Schaffen 98. 21. Gall. 322.117f. 95 Friston. James 221-224 Flynn-Effekt 221-224 Fodor. 298. Owen 330f.. Cynthia 308 Freud. 211 f. Walter (Junior) 329f. 200 Galvani. 343 The Science of the Mind 343 Fliess. 181 Persuasion and Healing 130.193... Feminismus 80. 98. Erinnerungsvermögen .108. liche Analyse 108 172-178 Entwurf einer Psychologie 70 Limits of Biological Treatments Selbstdarstellung 79 for Psychological Distress 172 Traumdeutung 75. Wilhelm 70. Seymour 84-87. 194.126 f.148.. 244 62-109. 210..182. 300 analyse Fischbach. 366 Gagesche Neurowissenschaft 53-58. 36. siehe auch Angst.. 366f. 366. Claude 260 Einfluß 20 Fisher. 30.130. 68 Ausstellung über 76 Fischer. Anna 80 349 Die Zukunft einer Illusion 97 Freudsche Fehlleistung 92. Howard 104-108. 282. 272 Gedächtnis. Julia 130 Frank. 271. Fevarin 160 157f. 329 Freud. Foucault. 334 Frank. 99.418 . 181 Fredkin. 82 From Placebo to Panacea 172. Flynn.113f. Edward 288 Freeman.. Michael 56 The Social Brain 56 Geburtenfolge 266-270. 20-22.. 339. 52. 172-174. 359. 204. 280.Fell. Walter (Senior) 155.. Francis 22. 365 Gaia-Hypothese 275 Galen 22.146. 69.158-167.. Jerome 129f. 340. 44.138. Gerald 32f. Michel 366 Fraktale 310. Richard 360 268. 58.. 365 Extraordinary Minds 104 Frames of Mind 104 Mind's New Science. 360. 54 Galton.144.177-179 102-108 und Greenberg: Freud ScientiDie endliche und die unendfically Reappraised 84 f.197.. 311 f. The 106 f.112. 59.130. Luigi 22 Gardner. Food and Drug Administration (FDA)159f. Franz Joseph 22. 351. 98 f. Gattaca 226 f..150. Jerry 277 f. finanzielle Förderung 25 f.

siehe auch Krankenversicherung Gewalttätigkeit 160.339.361 genetische Algorithmen 309 Gentest 18. Gentechnologie 17. 199. 172-174. Roger 84-86. James 360 Richard Feynman. siehe auch Lernen Geertz. 362. Lehen und Werk eines genialen Physikers 360 Gödel. 253.224. Paul 103 Greenberg.107. 258-261.19.152 Geist-Körper-Problem 16. Irving 215 Gould. William 255 Harris. 41-43. 64. S 255 Hamer. Thomas no I'm Okay -You're Okay no Hawking. 265.. 208. 46f. Krieg. 305 Haldane. Murray 15. Judith 270 The Nurture Assumption 270 Harris. Donald 65 Heidegger.197 f. 298-301.177-179 und Fisher: Freud Scientifically Reappraised 84f. Kriminalität.132.17. 177 Greenfield. 306 Gell-Mann. 269. 344-347.. 178 Limits of Biological Treatments for Psychological Distress 172 From Placebo to Panacea 172.104. Gentherapie. 227 und Copeland: Science of Desire 216 Das unausweichliche Erbe 215. 334 Hamilton. 226-229 Gesprächstherapie 120 Gesundheitsfürsorge 73. Herbert 287. 79. 228f. 211. Glaube an die Wissenschaft 23. 209. 224 und Murray: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221.199.345. 98. 275 HAL 277. 248. 85. 68 Golgi Camillo 22 Goodwin. Susan 62 Gruppenselektion 255.112. 283. Frederick 174 Goodwin. siehe auch Kinder. 98 f. 31 f. Dean 215-217. 262 . 83. 91. Frederick 280-283 Hebb. 45-47. 26.194-197. Stephen Jay 251.325. 147. sexueller Mißbrauch Gilbert. J.. Richard 219-221.293. 357 Gleick.172.227 Hameroff. Patricia 41-44.323. Stuart 322. 214.419 .330. 274 Gray. 264 f. Stephen 332 Eine kurze Geschichte der Zeit 332 Hayes-Roth. 226. Kindestötung. 336. 66.285. Kurt 332 Gödelscher Unvollständigkeitssatz 333 Goldman-Rakic. James 165 Gottesman. siehe auch Bewußtsein Gelernter... 36-38. Walter 197 Glass. 365 Gehirnwäsche 98.217. B. Martin 294 Heilfieberbehandlung 151 Heisenbergsche Unschärferelation 331 Herrnstein. Gene 134 f. Clifford n..

367 Houston. International Psychoanalytic Association 77 interpersonelle Therapie 168. John An den Grenzen des Wissens 12-17. Thomas 319 Hydrotherapie 151.420 . Arthur 110 Der Urschrei 110 Jelzin. David 35 f. 368 Schöne neue Welt 167 Huxley. 215-217.343. ironische Wissenschaft 17 f.217-229 vielfache 41. James. 28. 306. 245.194. 287 Hippokrates 22 Hitler.. Brain and Vision 40 Hudson River Psychiatrie Center 138-144 Human Behavior and Evolution Society (HBES) 236-243. William 22. M 287 Jäger und Sammler 238. 349 f. siehe auch Künstliche Intelli genz. Samuel 319 Josephson. 44f. L. 198. 223 f. 275. IQ genetisch bedingte 121.104f.116. 220 Intelligenztheorien.203. Brian 352-356 Journal of the American Medical Association 165. 40.. 351 Jamison. 121. 263 Horgan. 324 Ingenieurwissenschaft 285. Arthur 219. 280. 338 f.. 287. siehe auch tricyclische Antidepressiva Informationstheorie 310. 87.. 257. Adolf 56 Hoane. 245. 295.116 IBM 119. Lewis 60 Jung. rassistische 27. 198. Whitney 356 Hrdy.. 223 f.170 Inzest 84. Steven 99-101 Hysterie 75. 285.. Carl 110 Jungianische Therapie 18. 197. 291 Illiac Suite 287 Imipramin 165.. Sarah Blaffer 268 Hubel. 46 Eye.106f.114 . 289. Isaacson. 254. 302. Insulinkomabehandlung 151 f. 366 f. 162. siehe auch Volksstämme Jahrzehnt des Gehirns 34 f. 95 f. siehe auch Intelligenz Rasse und 121. A. 219f. L. Boris 78 Jensen. 217-227. Principles of Psychology 22 Die Vielfalt religiöser Erfahrung 349. 206. 89. 253. 214 Journal of the American Psychoanalytic Association 119 Judd. Huxley.168-170.Killer. 157 IQ 18. 264. 224 Johnny Carson Show 206 Johnson & Johnson 177 Johnson.. Alltagsverstand. 351 Hyman. Aldous 167. Kay 174 An Unquiet Mind 175 Janov. 257. 267 Humangenomprojekt 197 f. 297-302.105 f. 85. Intelligenz 17. Joseph 290 holographisches Gedächtnismodell 323 Homosexualität 18. 219-221.

170. 78 f. 274.160. 110. 353 Kuck. Daniel 197 Kramer. 137. 277. 238-240.. 164..293.192 Glück auf Rezept 114. 265 f. 244. 64f. 167. 276-318. 68 f. 283.105. Christof 327-329. 222 f. 81. Jean 271 Landers. Ann 249 Lashley. 91. siehe auch Gewalttätigkeit Krischnamurti. 146. 229-232 Galens Prophecy 231 Kamin. John 110 Leponex (Clozapin) 177 Lernen 14.186 Ketamin 369 Kinder 27. Gary 289.120 f. 21 Kultur 220. 81.362. 321.69.111. 302. Thomas 19.303f. Douglas 299-304 Lenin. 244. 218 Kandel. 136f.170. Donald 180 Koch. siehe auch Künstliche Intelligenz kognitive Verhaltenstherapie 18 f. 79. 47-49. Joseph 48-53. 359 f. 27.112. 50. 294. R.. 298. Karl 37 LeDoux.421 . Gedächtnis. 65.258-260 Kindestötung 258-261 Kirk und Kutchins: Making Us Crazy 116 Klein. 41. 356 Künstliche Intelligenz (KI) 16. Ken 154 Einer flog über das Kuckucksnest 154. 247..190.52.. 338f. 245.... 60. Leon 205. 282 Krieg der Sterne 277 Kriminalität 16.146 f. 341. 77 Leibniz.132f... 161 f. 21. siehe auch Unterricht. 362-364 Krieg 16. Erinnerungsvermögen . 38.348. 250. Essentials of Neural Science and Behavior 64 und Schwartz: Principles of Neural Science 64. 200.. Eric 63-70. Erziehung. HO.51.182. 228. 291. Peter 114. 154 Phänomenologie der Erfahrung 110 Lakatos. 96. 81. J. 264-266.. 77.171. 88-90. 168-170 Komplexitätstheorie 275.167. 332. 196-198.192 Krankenversicherung 76.146. 248. siehe auch Gesundheitsfürsorge Krebs 16.368 Kutchins und Kirk: Making Us Crazy 116 Kybernetik 310 Laing. 335. 244.183. 333 Katastrophentheorie 310 Kernfusion 362 f. Imre 297 Lamarck. 338f. Wladimir 77 Lennon. 41.116. 296.114. 257. 311 Koshland.161-164. 302 Das Netz der Gefühle 49.105-107. D. David 299 Kuhn.. 347 Kognitionswissenschaft 22.Kagan. 341. 248. 81. Jerome 60.297. Gottfried 319 Leibniz-Preis 288 Lenat.146. 285 Kesey. Toksoz 114 Kasparow. Karasu.309.. 332. 235. Kernspinresonanztomographie (MRT) 31 f. 98.

133 f.Levine. 348 f. Künstliche Intelligenz Mathematik 39.115. 207 Mystiker 343-347 The Mystiker 343 Mystizismus 337f.130. Steven 257 Modularitätstheorie 19. Norman 360 Malcolm. 368 Memory Pharmaceuticals 66 Mendel. 365 f.1541. 227 f. Ludwig. 321. Monoaminoxodasehemmer 59. Hans 276 Morris. 358 Moniz. Juliet 94 f. 241. 22. Peter 209-211 Meditation 128. Mesmer. 348. 354-356. 224 und Herrnstein: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. 62 f.143. Llinas. 310-312. 58.131 Lithium 20. Robert 94 Mikrotubili 334 Miller. 260. 286 f. 104. 346.184. 293. Mithen. David 206 Macmillan Freud Evaluated 76 MacNeil/Lehrer News Hour 216 Magersucht 198 Mailer. Geoffrey 237 Minnesota-Zwillinge 200-206. 174 f.422 . Marvin 276. 195 f. 250.138. 54 f. 277 Molekularbiologie 13.156f. 370 . 257. 174f.. 329. 248. Franz 30 Michelangelo 360 Michels. John 250 Loftus. 212 Mao Tse-tung 243 Marx. 342 Lilly. 23. 198.. 288. 34.35.. Benjamin 324f. Lobotomie 19. 158 Monod. 2O8-21O. 346 Mental Health Parity Act 113. 369 Luborsky. 279. 224.. 368. 186.107. 56 Mukoviszidose 195. Charles 219-221. 317 Lewontin. 338 Mayr. 157f. Ernst 18 McCarthy.41.51. 340.147 Meskalin 368f. Joseph 31. 181 f.192...103. David 288 Murray.149. Richard 251.59. Jacques 63 Moravec. 207.. Antonio Caetano 154 f. 274 Libet. 59. 282. 181. 316 Machines Who Think 279. Rodolfo 39f. Roboter. John 369 Literatur 17. 218 Minsky. Pamela 279. The Emotion Machine 312 Mitchell. Lester 122-126. 288.. 287 Geisteswissenschaft als 73. Mumford. 316 McGinn. Karl 16 Maschinen siehe Computer. Hanns 212 Lykken. 332 f. 306. Gregor 61. 31. Janet 118 Psychoanalysis: The Impossible Profession 118 manisch-depressive Erkrankungen 17. 349-356. 100. 102-105. 248. 286-288. Elizabeth 85 LSD 18. 237. Colin 347 McGuffin. 275. Errol 307 motorische Steuerung 54. John 279 McCorduck.. 262 Musik 53.. 253. 363 Locke.. 356 Muskeldystrophie 195. Literaturtheorie 17..

. 209. 99. 259f.199 Philosophie 17..192 Phillips. 254-257. 217 Neurosurgery 182 Neurotransmitter 31. 59f. 52. 39f. 274f. Risperdal (Risperidon) neuronale Netze 65. 217 Neuroleptika 144. 320. 36. 183 Nationalsozialismus 198. siehe auch Chlorpromazin. 344f.158 Nuland. 309 f.144. 321. Yoko 110 optimistischer Skeptizismus 28 f. Iwan 111. 154. H. Olanzapin. 91. 81. Richard 363 Nobler. 269 Newton.158 f. 194.153 f. 34. 346. 54 Physik 12.352 natürliche Selektion 15..340. 211.125 New York Times 64f. 201 Nesse. 89f.132. 313 Neuropharmacology 179 Neurosen 66.336. 337 New Republic 165 New York Review of Books 87. 233.285.321. 269. 186.. Friedrich Also sprach Zarathustra 18 Nightline 216 Nixon. 33.359 Phrenologie 19.100f. 251 f. 282.168. 361 f.148. 90f. 96.. Roger 332-334. 229.357. 236. 262. 22. 311 Penrose.198 Ockhams Rasiermesser-Prinzip 92 Ödipuskomplex 30.. Reserpin. 78 f. 116.47.164. 262 und Williams: Warum wir krank werden 262 Neugierverhalten 198.44. 14f. Neurowissenschaft 13 f. Leponex (Clozapin). 81-83. Adam 108. 219. 61. 212 Nature 32. 321. 229. 47. 100f. 201... 21-23. 366 Pharmaunternehmen 148. Allen 256 Orwell.362. National Institutes of Health 83.199. 226. 317. 65.194. Isaac 34. 365 New Age 128. Noradrenalin 59. 26.. 214.144. 213. 231.. 262 Paranoia 75 Parkinson-Krankheit 44. 278.423 ... 105f. 31-72. 240f.176 Pawlow. 365 Orr. 28. 297f. 104. 286. Mitch 186 f. 262.156 f. 272 Olanzapin 177 Ono..199.. 217 Depressionsstudie 168 f. Sherwin 15 How We Die 15 Obdachlosigkeit 138....Nabokov..176. 175-177. 95 f. . Thomas 360 The Nation 75 National Institute of Mental Health 60. 17. 268. 260. 84..302. 291-293.. 345. 156 f. 266. 79.327-333.331. 360 Nietzsche. 273. 184. 336-338 Computerdenken 332-334 Schatten des Geistes 333 People 206 Persönlichkeit 107... Randolph 237. 293.. 84. 84. 83...366 Nervenheilanstalt 138-145.141. 181. Vladimir 75 Nagel. 290 New Yorker 269 Newsweek 159.. George 272 Panikstörungen 132 f. 22f.

245-250. 168-170. 20. 212. i36f. 110-145.. 367. 192. 23. 346 Wie das Denken im Kopf entsteht 77.. siehe auch Depression.133.. 60 f. 346. 352-356 Psychoanalyse 20. Jack 57 f. 291. 111. 259f. 144-192. 112.. 361. 130. i34f. 331-359 Psychopharmaka 14. 140. 60. 101. Robert 225-227 Popper. 52. 97 Powers. 237. Richard 279 Galatea 2. 59 f. Spätdyskinesie. 201. 162. 328f.332f. 115. 185. 286.. 27. 231. 42 f. 27. 113... manisch-depressive Erkrankungen. 180. 99. siehe auch Antidepressiva. 98. 117-120. 308. 355. 99. 270. 178. 350. 114..115... 138-145. Plomin. 146-192. Fluctin. 184. Stanley 213 Psychiatrie Annals 166 Psychiatrie Times 161 Psychiatrie 15. 166. 233-235. 181 Last Resort 58. 157f. 271. 298.126-131. 26. 41. 364. 23. 321.172-181. 276f. 352f. Piaget.181 Pribram. 62-109.... 19. 124 f. 76. extrapyramidale Nebenwirkungen. 199.424 . 110-113. 75 f. 69. 21. SSRIs Psychotherapie 14. 27. 77. 362 f. Steven 77.2 279 Präferenzeffekt 123. 64..... 105-107. Karl 323 Price. 270f. 147. 69 f. 334. siehe auch Reduktionistisches Dilemma Professional Psychology 167 Prusiner. 27. 276f. 247f. 134. psychische Erkrankung 14.. Psychological Bulletin 61 Psychological Inquiry 273 Psychological Review 61 Psychological Science 226 Psychologie 15.346 Der Sprachinstinkt 245 Pioneer Fund 206 Placebo 70. Pablo 360 Pinker.. 40. 262. und Gentechnik 226 f. 38. 366 Nebenwirkungen 158-160. 44. 80.. Jean 359 Picasso. 101. 59. 229 psychische Phänomene 349. 59f.41.. 108.117. 310-314.. 72 f. 359. 277.190 Planck. 117. 321. 83 Postmoderne 12. 52. Max 357 Platon 30f. 335 f.. 263. 67 f. 126 f... 315. . Schizophrenie Diagnose 115 f. 262. Karl 28 Positronenemission (PET) 31. 175-177. John 263 Prion 213 Problem der Zusammenführung von neurologischen Informationen (Bindungsproblem) 40f.177 Pressman.361 f. 78. 316. 28. 237. 230. 262.. 189. 366 psychodynamische Behandlung 73. 173. 16. 22 f. 77 Phaidon 30 f. 138-144. 17. 66. 80 f..

Searching for Memory 77 107. 61 Der Mann. 288-298.156 Science 32. 282.141. Reich.109..138. Schamanismus 102.158 f. 341 Robinson...191 f. Paul 76 Segraves. Steven 263 Rosenzweig. 248. 47 f. 47. 359. 306-310.352-354 Quantentheorie des Bewußtseins 322.167f. Martin 132. 93. 56. Oliver 365 f.16.. Alan 217 253. 280.. Schwartz und Kandel: 352. 62.341 Religion 16. George 216 f. siehe auch EuSanta Fe Institut 322 genik Schachcomputer 18. Schizophrenie 14. 349 reduktionistisches Dilemma 41. 315 f. 317. 219-221. 227. 184. Rice. siehe auch MystizisPrinciples of Neural Science mus 64.178-180.115. 59 f. 332 f.328.156. 273. Rattenmann 114. 100. Roboter 17.151.324. Risperdal (Risperidon) 177 178.172. Sanders.C. 285-291. 278. 216.254.362 59f. Saul 123 Rush. Wilhelm 110 262.175.229.100. 222 Schacter.370 Robespierre 268 Seehasen 64f. 164. 42. 248... 306. 268.194f. Ein Anthropologe auf dem Mars 364 Ramachandran. 83. 26. 201.158. 284.197. 320. 100f. Bertrand 11 Sabshin. Robert 166 Freud and His Critics 76 Sehvermögen 48. Melvin 146 Sackheim. 98.310. 67 einem Hut verwechselte 365 Rasmussen. 246. 56. V.. 203... 276.158. Matt 237 Scientific American (Spektrum der The Red Queen 237 Wissenschaft) 12. 262. Reserpin 59. 80.131. 58.331-336 Question Mark and the Mystiker 343 Rogers. 210 .358 Ridley.44. 68 f. 54. 238. regelbasierte Algorithmen 143. 335. 64. 208-213.. 357 f. 34 f.. Santiago 22. 68. 170-172. 366 295 f.338 Raven.171 auch Künstliche Intelligenz Serotonin 44 f. Steen 322 Sakel. der seine Frau mit Ramon y Cajal. Manfred 151 Rassismus 16. Benjamin 142 Russell. J.425 ... 274. 161f. Schüchternheit 163.342. Carl 120 Rorschach-Test 136 Rose. 274. 198. 326 Qualia 31. 312-314.15. S. Daniel 77 Reduktionismus 28.333. 33.113. Harold 183-191 Sacks.. 229-231 203. 328 f.339.149. 27. siehe Seligmam.336 Quantenmechanik 12. 299. 331 f.. 81 f.

F. 271 f. Lee 227 f. Smythies.J. 257 f. 237-242. 61 Society for Neuroscience 32.123 Hamlet 249 Shank. 171 Sozialdarwinismus 27. William 77. Sutherland. 110 f. 2 70 f. 88. 266. Anthony 263 und Price: Evolutionary Psychiatry 263 Stork. Tay-Sachs-Syndrom 194f. 84f.. Shakespeare. 58. 305 f. 293. 78. 245-248. 305 Stent. Skinner. HALs Legacy 298 f. 173 sexueller Mißbrauch 88-90.159-167. 90. Devendra 239 f. 268 Soziobiologie 19.117. B.299-301. 283-291.. 296.. 241.Seroxat 148. Das geklonte Paradies 227 Simon. Edward 150-152 Geschichte der Psychiatrie 150 f.. Singh.147. 237.110. 245 f. 234' 253 Sozialwissenschaft 240 f.303 SSRIs 59. 250. 295 f. Howard 83 Shorter. Sprachverständnis 22. 78-81.426 .159 Sullivan. Del 159 Shapiro. 75. Joseph 56. Chung-jen 289 f. 250-252. David 298 f. John 335 f. Arthur 126-129 Shear.160 Sexualität 27. Harry Stack 170 Sulloway. Biologie der Seele 271 Der Rebell der Familie 268. 184 Spectrum... 301 Suizid 24. 194... Frank 266-270 Freud. 243 Star Trek 17.. J.198. 58. siehe auch Fluctin Stalin. 298 Jenseits von Freiheit und Würde 110 Smith. 219. siehe auch Evolutionspsychologie Spätdyskinesie 176 f.134. 326 Sprachvermögen. Astro 286 Theorie des Psychologiemoduls 317-340 Tiefschlaftherapie 152 Tierschutzbewegung 42 Time 76. 207 Teilchenphysik siehe Physik Teller. Mary 134 f. Charles 59 Shevrin. Herbert 279. 279-281 Spencer..107.. Taylor. 319 The Corning of the Golden Age 13 Paradoxes of Progress 13 Stevens. M. Thomas 154 Taille-zu-Hüfte-Quotient 240. 56 f. Herbert 234 Study of Sociology 234 Sperry. 54. Roger 55 Split-brain-Forschung 56.103. 252-254. Roger 299 Shannon.194. 242 Tan.137. 72 Solipsismus 28. 34 Sokrates 30.197 .. 340 Sozialarbeiter 113. 248. IEEE 201. 95 f. Günther 13. 96 f. 259. Katherine 133 Sherrington. Stuart 318 The International Dictionary of Psychology 318 Szasz. Sexuelle Funktionsstörungen und Psychopharmaka 166 f. Silver.

Elliot 363 Great and Desperate Cures 363 Vaughan. 40. 47. 100. Füller 86 f. 325. James 155 Webster. Robert 255 f. Ludwig 294.122.. 90 Vererbung 193. 203. 272 Wittgenstein. Sherry 313-316 Lehen im Netz 314 das Unbewußte 63. 261-263. 111 Watson. 78. 234 Why Freud Was Wrong 76. Gene 148 US-Kongreß 25. 320.325 Unterricht.158. 91 f.. Joseph 279 Träume 79. siehe auch Jäger und Sammler Wagner von Jauregg. 253. Sebastiane 92 Tooby.197 Watts. J. Tom 30 Wolfsmann 114. 221 f. 52.276 Vertosick. 262 und Nesse: Warum wir krank werden 262 Williams.368-371 Turing. Frank 182 Vertrauen in Therapien 25 f.114.. 264.James 34. Tucson.B. 349. 77. George 255.194-235.. 22 f.. 347. William Carlos 365 Wilson. 114 Verdrängung 79..45. Erziehung 56.314. 234 Weil.199f. Alan 316. 109. 137 f. 271 f. 83.155 Wiesel. 353 Turing-Test 316 f.108.105. Death of Psychiatry 211 Freudian Fraud 76.107.. 266. 346 f.19.172 Verwandtenselektion 255 Viagra 160 Volksstämme 238. 34. 84f. 247f.266 mit Barkow und Cosmides: Adapted Mind 240f. 144. Richard 78. Steven 15. 230 Usdin. 271. 202f. 85. 165 f. 218 Verhaltensgenetik 15. Torrey. 224. 109. 250. Torsten 35 f. 86.46. Turkle. 268 Biologie als Schicksal 253 Soziobiology 253 und Daly: Homicide 259 Wilson. 322f. 261.. 205.125-131... .. 211 Surviving Schizophrenia 211 Traub. Edward O. 69.. 218. 69f. 168... 88. 366 Wolpert. tricyclische Antidepressiva 59. 254. Robert 229 Weinberg.Timpanaro. 341-344. 314. Lewis 13 f. Susan 81 f. 357 Williams. John 240-245. 211 f.. 26. Julius 151 Washington Post 206 Watson. 144-146. Andrew 349.170 Trivers.. The Unnatural Nature of Science 22 f.. Margo 258 f. E.365. Bewußtseintagung in 321-356. 114 The Talking Cure 81 f. 267.137. 21.427 ..264.368 Tractatus logico-philosophicus 347 Wolfe..147 Valenstein. 82 f. 68 Willensfreiheit 42.243. 369 Weinberg.

181 Zwangsstörungen 198. 204. 267 . Zohar. 206 Diesseits von Gut und Böse 237 Twins 114. 283. 200-207. Lawrence 114.100.148.337 The Quantum Self 324 Zoloft 148 Zrehen. 214. 204.Wright. 341 2001 277. 206 Wright. 60. Danah 324. Robert 237 Yanomamö 264 f. 218. Stephane 312 f. Zwangsneurotiker 81. 263. 194. 298 Zwillingsforschung 22.428 .

.429 .