Wie schon in seinem ersten Buch An den Grenzen des Wissens unternimmt John Horgan einen Streifzug durch verschiedene Wissenschaften: Diesmal durch jene Disziplinen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geist und Psyche des Menschen beschäftigen. Der Streifzug führt von der Psychologie über die Neurologie, die Pharmakologie, die Evolutionsbiologie bis zur Genetik. Die Ansätze und Methoden dieser Disziplinen werden bündig vorgestellt, die in ihnen gewonnenen Kenntnisse zentralen Fragen gegenüber gestellt, die um die immer noch ungelösten Rätsel des menschlichen Geistes und des psychischen Innenlebens kreisen. John Horgan ist Wissenschaftsjournalist des Scientific American. Im Fischer Taschenbuch Verlag liegt vor: ›An den Grenzen des Wissens. Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften‹ (Bd. 14364). Unsere Adresse im Internet: www. fischer-tb.de

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John Horgan

Der menschliche Geist
Wie die Wissenschaften versuchen, die Psyche zu verstehen
Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

Fischer Taschenbuch Verlag

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Ungekürzte Ausgabe Veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, November 2001 Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Luchterhand Literaturverlages, München Die amerikanische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel ›The Undiscovered Mind: How the Human Brain Defies Replication, Medication, and Explanation‹ bei The Free Press, New York © 1999 John Horgan Für die deutsche Ausgabe: © 2000 Luchterhand Literaturverlag GmbH, München Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany
ISBN 3-596-15139-2

Ungekürzte eBook-Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des Autors Erscheint in der Reihe: Eine Welt des Wissens - Eine Welt des Friedens © 2003 E.V.C. Elaboraziones, Vatican City Diese Ausgabe ist unverkäuflich.

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Für meinen Vater

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Inhalt

EINLEITUNG: »ICH-ZEUGE« 11

Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist 17 Wo bleibt das Positive? 24
1. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT 30

Das Dilemma des Reduktionismus 34 Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke 41 Emotionen erkunden 48 Gagesche Neurowissenschaft 53 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden 58 Psychoanalyse und Seehasen 63 Freud als Neurowissenschaftler 70
2. WARUM FREUD NICHT TOT IST 73

Ziegen, Schafe und der Ödipuskomplex 78 »Crews Missiles«» 87 Der Skeptiker Steven Hyman 96 Freud als Erzähler 102 Freuds versöhnender Pessimismus 108
3. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 110

Psychoanalytiker bewerten sich selbst 117 Die Dodo-Hypothese - Teil I 120 Psychotherapie als Placebo 125
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Therapien im Hier und Jetzt 131 Der Mythos von der Sachkompetenz 134 Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum 137
4. FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 146

Fieber, Koma und andere Therapien 149 Peter Kramer lauschen 158 Die Dodo-Hypothese - Teil II 167 Vom Placebo zum Allheilmittel 172 Placebos zur Behandlung von Depressionen 177 Die Renaissance der Elektroschocktherapie 181 In der EST-Abteilung 186 Zur Verteidigung der EST und anderem 190
5. GEN-MAGIE 194

Die Minnesota-Zwillinge 200 Die Fahndung nach Psychosegenen 207 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? 211 Die Alkoholspur 214 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt 217 Auf der Suche nach Intelligenzgenen 225 Das Temperament von Jerome Kagan 229 Das andere genetische Paradigma 233
6. DARWIN, RETTE UNS! 236

Steven Pinkers Umgang mit Wörtern 245 Was Noam Chomsky wirklich denkt 250 Ist Altruismus ein Instinkt? 252 Das Syndrom vom bösen Vater 258

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wegerklärt 337 Der Aufstieg der »Hysteriker« 343 Der mystische Weg zur Erkenntnis 347 Brian Josephsons »Tunnelkontakt« 352 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES 357 Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser 359 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit 361 Die Sehnsucht nach einer Offenbarung 367 -9 . DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN 319 Christof Kochs Bewußtsein 337 Roger Penroses Quantensprung 331 Thermostate mit Bewußtsein 335 Bewußtsein . KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 279 Herbert Simons Prophezeiungen 283 Die Revanche des Philosophen 293 Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand 298 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier 304 KI und Psychoanalyse 310 Die Bedeutung des Turing-Tests 313 8.Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden 261 Darwinistische Kulturalisten 264 Die Hypothese der Geburtenfolge 266 Darwin und Freud 270 Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft 273 7.

ANHANG 373 Anmerkungen 375 Literaturhinweise 412 Danksagung 414 Register 415 .10 .

weil sein Gegenstand . daß jeglicher Anspruch auf Objektivität naiv. der uns am fernsten lag.mehr als beispielsweise die Elementarteilchenphysik oder die Chaostheorie . Der Bereich. Anthropologe am Institute for Advanced Study in Princeton. die ihre Beobachtungen verzerren könnten. dieses Buch mit einem Ich-Zeugnis zu beginnen. dann die Erde. bei der sie die kulturellen.gelangweilt ist und vor allem. der zu den Begründern dieses Ansatzes gehörte. nach und nach. daß der Leser . dann. dann das Tier.und Pflanzenreich. hoffen sie. Allerdings führt dies häufig dazu. Anfang der neunziger Jahre.der sich vermutlich mehr für das Sexualleben der Fidschianer als für das Heimweh des Harvard-Doktoranden interessiert . wenn nicht unlauter ist. Dennoch fühle ich mich genötigt. alles Näherliegende: zuerst der Himmel. intellektuellen und emotionalen Präferenzen offenlegen. Clifford Geertz. als ich bereits zehn Jahre . hat ihn »IchZeuge-Sein« (»I-witnessing«) genannt.2 Indem Ich-Zeugen ihre subjektiven Vorlieben offenbaren und dadurch implizit zu verstehen geben. daß sein Argwohn hinsichtlich der Absichten des Erzählers nicht zerstreut.Fragen hinsichtlich der Grenzen der Objektivität aufwirft.11 I . ein größeres Vertrauen beim Leser zu gewinnen. Bekenntnisse sind für Wissenschaftler genauso gefährlich wie für Politiker und Liebende . sondern geradezu angefacht wird.oder auch für Wissenschaftsjournalisten. als man es hätte erwarten sollen.EINLEITUNG »ICH-ZEUGE« Die Naturwissenschaften entwickelten sich in genau umgekehrter Reihenfolge. wurde als erstes der Herrschaft des Gesetzes unterworfen. anschließend der menschliche Körper und zu guter Letzt (und bis jetzt äußerst unvollkommen) der menschBERTRAND RUSSELL1 liche Geist. m Verlauf der letzten Jahrzehnte haben Anthropologen eine Dokumentationsmethode entwickelt.

Mein Interesse an den Grenzen der Wissenschaft gipfelte in dem Buch An den Grenzen des Wissens.lang als Wissenschaftsjournalist arbeitete. Kosmologie und Evolutionsbiologie. Paradoxerweise bestätigt sie auch die postmoderne Kritik. meinen ehemaligen Arbeitgeber. störte mich die Art und Weise zunehmend. die Wissenschaft könne keine absoluten.12 . Die Physiker würden niemals über die allgemeingültigen Theorien der Quantenmechanik und die Relativitätstheorie. das 1997 erschien. Diese Konzentration führt jedoch zu einer Überzeichnung der Leistungsfähigkeit und der positiven Ergebnisse in den Wissenschaften. Ich behauptete. hinausgelangen. werden übersehen. All die Wissenschaftsgebiete. befaßte ich mich immer weniger mit den Errungenschaften der Wissenschaft und zunehmend mit ihren Beschränkungen. Spektrum der Wissenschaft). die zusammen sämtliche Kräfte und Teilchen der Natur beschreiben. diese Disziplinen würden zu Opfern ihrer phänomenalen Erfolge. in denen nur langsame oder gar keine Fortschritte gemacht werden . in der die meisten Naturwissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten einschließlich meiner selbst die Wissenschaft präsentierten. die Kosmologen würden nie mehr etwas so Tiefsinniges zustande bringen wie das vereinheitli. auf denen die meisten .echten oder vermeintlichen . In meinen Beiträgen für den Scientific American (dt. wie etwa Elementarteilchenphysik. Dort untersuchte ich die Kerngebiete der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. weil alle Theorien nur vorläufig gültig seien und sich ständig wandelten. Aus verständlichen Gründen konzentrieren sich sowohl Forscher als auch Journalisten auf die Grenzgebiete der wissenschaftlichen Forschung.Fortschritte gemacht werden.entweder weil die Hauptprobleme bereits gelöst wurden und keine fundamentalen Fragen mehr geblieben sind oder weil die Probleme allen Angriffen widerstanden haben -. dauerhaften Wahrheiten hervorbringen.

in den siebziger Jahren von der Molekularbiologie auf dieses Fachgebiet umzusatteln. * Der englische Begriff mind wird im folgenden meist mit »Geist« wiedergegeben. fühlte sich durch meine Darstellung der Neurowissenschaft persönlich angegriffen. pessimistisch ein. jemals die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-basierte Genetik zu übertreffen. Doch Stent schätzte die Fähigkeit der Neurowissenschaft. Dies veranlaßte ihn sogar dazu. eine Erklärung von sich selbst zu liefern.3 In seinen zukunftsweisenden Büchern The Coming of the Golden Age und Paradoxes of Progress behauptete Stent. die Elementarteilchenphysik. geriet er so in Rage.) . Lewis Wolpert. In den Kapiteln »Das Ende der Sozialwissenschaften« und »Das Ende der Neurowissenschaften« erörterte ich eine andere These: Wissenschaftler. ein Opfer sowohl ihres Erfolgs als auch ihrer Grenzen zu werden.d. die Kosmologie und die Evolutionsbiologie hätten möglicherweise in der Tat ihren Zenit überschritten. (A.Ü.«4 Einige Kritiker meines Buchs An den Grenzen des Wissens räumten zwar ein. daß »das Gehirn letzten Endes nicht in der Lage sein wird. sind womöglich von dessen schierer Komplexität überfordert. gelegentlich aber auch mit »Psyche« und »Gehirn«. eine Säule der britischen Biologie. die Naturwissenschaft sei dazu verdammt. Hierbei wie bei anderen Überlegungen ließ ich mich von Günther Stent von der Universität von Kalifornien in Berkeley anregen. und später fungierte er als Leiter der Abteilung Neurobiologie der National Academy of Sciences.chende Modell der Urknalltheorie. Stent erkannte die Bedeutung der Neurowissenschaft. Er vermutete.13 . die Biologen könnten nicht hoffen. meine Analyse der Hirnforschung fanden sie indes – gelinde gesagt – nicht überzeugend. die das menschliche Bewußtsein erklären wollen.5 Als ich ihm bei einer Wissenschaftskonferenz in London im Jahr 1997 vorgestellt wurde. Bewußtsein und andere ungelöste Fragen des menschlichen Geistes* zu erklären.

wie Gerald Edelman. wenn wir sehen. konkreteren Fragestellungen: Was geschieht im Gehirn. die ihr Metier von der Pike auf gelernt hätten. daß meine Behandlung der Wissenschaft vom menschlichen Geist in Anbetracht der enormen Breite und Bedeutung des Themas unzureichend war. sondern mit Wissenschaftlern. Bewußtsein ist wohl das Problem des Geistes. Mit knallrotem Gesicht fauchte er. das Kapitel über Neurowissenschaft in An den Grenzen des Wissens sei »entsetzlich! absolut entsetzlich!«. Tatsächlich war ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt. der gelernter Physiker sei! Und wie könne ich überhaupt schreiben. Die meisten Hirnforscher beschäftigen sich mit anderen. das unmittelbarste und unbestimmteste aller mentalen Phänomene.daß ich für einen spannungsgeladenen Augenblick fürchtete.14 . hätte ich versucht. und Francis Crick. Es befasse sich nicht überwiegend mit Neurowissenschaftlern. die zur Behandlung dieser verheerenden Leiden eingesetzt werden? Auf welche Weise wird die Persönlichkeit des einzelnen durch das Zusammenwirken von Erbanlage und Umwelt geformt ? Wel. Wenn wir unser Gespräch hätten fortsetzen können. lernen. nämlich das Bewußtsein. Emotionen empfinden. ihn mit der Bemerkung zu besänftigen. daß sein Einwand gegen mein Buch nicht völlig unberechtigt sei. einen ausgebildeten Immunologen. das die größte philosophische Tragweite hat. er würde gleich auf mich einprügeln. zu erklären. die Neurowissenschaft gehe ihrem Ende zu. hören. logisch denken. Willensentschlüsse fassen oder handeln? Weshalb leiden so viele Menschen an psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie ? Wie wirksam sind die Medikamente. bevor ich antworten konnte. Psychotherapien und andere Heilverfahren. die erst spät auf dieses Gebiet umgesattelt hätten. An den Grenzen des Wissens konzentrierte sich in erster Linie auf Versuche. aber es ist auch das am schwersten zu packende Problem. wo sie doch offenkundig gerade erst beginne? Wolpert stolzierte davon.

Wie schrieb doch der Arzt Sherwin Nuland in seiner Betrachtung über die Sterblichkeit Wie wir sterben: »Mir ist der Mikrokosmos wichtiger als der Makrokosmos. die Wissenschaft habe ihren Zenit überschritten. basierte auch auf einer Definition der Wissenschaft. . nicht die Struktur des Kosmos. wie wir nun einmal sind.] Was mich fasziniert.15 . für die meisten von uns bedeutungsvoller als Physik oder Kosmologie.wiederum soweit wir wissen . der erst seit ein paar hunderttausend Jahren auf der Erde lebt. für das gesamte Universum gelten. soweit wir wissen. Innerhalb der Biologie sind die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-gestützte Genetik die fundamentalsten Theorien. Die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie sind die fundamentalsten Theorien. lassen sich wissenschaftliche Theorien nach dem Umfang ihres Gültigkeitsbereichs in Raum und Zeit in eine Rangfolge einordnen. Andererseits sind diese Disziplinen.. die jemals auf der Erde gelebt haben. Psychiatrie und Verhaltensgenetik befassen sich dagegen mit einem einzigen Organismus. weil sie. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen.che Rolle spielt die natürliche Selektion bei der Prägung unseres Gehirns und unserer Psyche? In welchem Ausmaß werden wir durch unser biologisches Erbe bestimmt? Lassen sich die Funktionen des menschlichen Geistes durch einen Computer kopieren? Mein Argument. [. weil sie . mich interessiert das Leben eines Menschen mehr als das Verlöschen eines Sterns oder das Vorüberziehen eines Kometen. ist die Conditio humana. abwertet und Physik und Kosmologie überbewertet. unseren Geist und unser Verhalten zu verstehen. die implizit Gebiete..für alle Organismen gelten. gibt es kein Thema.«6 So narzißtisch. die ich von den Elementarteilchenphysikern Steven Weinberg und Murray Gell-Mann übernommen habe. Gebiete wie Psychologie. Nach dieser Definition. das uns mehr interessierte als wir selbst. die uns helfen.

werden wir eines Tages vielleicht in einer Kultur leben. Wenn Neurowissenschaftler. weil sie zu jedermanns Zufriedenheit gelöst sein werden.2 Milliarden Menschen an neuropsychiatrischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. um ein politisches System zu konzipieren. haben dies gezeigt. Die Bewegungen.oder auch von Jesus. Das gleiche gilt für Depression. Armut.8 das sind mehr als die geschätzten Ausgaben für Krebsund Herzerkrankungen sowie AIDS zusammengenommen. die von wahren Theorien der menschlichen Natur geprägt sein wird. den Lauf der Geschichte zu verändern. Wir werden vielleicht genug über unsere Natur wissen. die von Karl Marx und Sigmund Freud ins Leben gerufen wurden . Angststörungen. Wir werden uns nicht länger an der Anlage-Umwelt-Kontroverse oder dem Geist-Körper-Problem aufreiben. ja praktisch alle gesellschaftlichen Übel haben ihren Ursprung zumindest teilweise in unserem Gehirn. Rassismus.7 Die neuropsychiatrischen Erkrankungen verursachen allein in den Vereinigten Staaten jährliche Kosten von über dreihundert Milliarden Dollar. Auch in einem streng praktischen Sinne besitzt die Erforschung des Homo sapiens von allen wissenschaftlichen Unternehmungen die größte Tragweite. deren Theologien ebenfalls implizite Theorien über die menschliche Natur enthalten -. Verbrechen.16 . Laut Auskunft der Weltgesundheitsorganisation leiden über 1. Schizophrenie und Alkoholismus. Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und andere Erforscher der Psyche ihre Träume verwirklichen.Die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ist jedoch nicht nur bedeutungsvoll. Psychologen. Wir werden vielleicht über . Buddha und Mohammed. Auch die Lösungen für diese Probleme werden vielleicht aus dem menschlichen Geist hervorgehen. Selbst pseudowissenschaftliche Erklärungen der menschlichen Natur haben die Macht. das Elend minimiert und Glück maximiert. Krieg. Umweltverschmutzung.

die empirisch bestätigt oder widerlegt werden können. wie etwa der Physik. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data sind. einer kritischen Würdigung unterziehen. über Gentherapien. Die ironische Wissenschaft stellt keine präzisen Tatsachenbehauptungen über die Welt auf. Wir werden vielleicht von Robotern bedient werden. es sollte auch Versuche. die Psyche von Personen. In den sogenannten exakten Wissenschaften.17 .Medikamente verfügen. der Astronomie und der Chemie. Wir werden vielleicht zu Robotern werden. medikamentös zu behandeln und die Eigenschaften des Gehirns in Maschinen zu kopieren. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data aus der Serie Star Trek sind. als ich dies in An den Grenzen des Wissens getan hatte. (Ein unverkennbares Beispiel für ironische Wissen. das die wissenschaftliche Erforschung des Geistes sehr viel eingehender untersuchen sollte. Das Buch sollte sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Ansätzen zur Erklärung der Eigenschaften des Geistes einschließlich des Bewußtseins befassen. ein weiteres Buch zu schreiben. Aus all diesen Gründen beschloß ich. die manisch-depressive Erkrankungen heilen und die Intelligenz optimieren. taucht sie plötzlich auf. die an seelischen Störungen leiden. Sie ist daher näher mit der Philosophie und der Literaturtheorie oder gar der Literatur verwandt als mit der echten Naturwissenschaft. die Hoffnungslosigkeit vertreiben und das Erinnerungsvermögen verbessern. Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist In An den Grenzen des Wissens prägte ich den Ausdruck »ironische Wissenschaft« für eine Wissenschaft. die die Wirklichkeit niemals richtig durch Erkenntnis erfaßt und sich folglich nicht der Wahrheit annähert.

ob sein Besitzer verprügelt wird. Radar. Atombomben prahlen. Düsenflugzeugen. Also sprach Zarathustra liest. dauerhaften Wahrheiten suchen. die nach exakten. Und auch jedes einzelne Gehirn macht möglicherweise drastische Veränderungen durch. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. Biologen können mit Impfstoffen. einzigartig seien. Der Evolutionsbiologe Ernst Mayr von der Harvard-Universität hat darauf hingewiesen. eine jungianische Traumtherapie absolviert oder einen Schlaganfall erleidet. je nachdem. weil sämtliche Lebewesen. Fluctin.18 . Antibiotika.schaft ist eine Theorie. vor eine Herausforderung ganz eigener Art. Die Variabilität und die Formbarkeit des Gehirns erschweren die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien der menschlichen Natur enorm. Die wissenschaftliche Erkundung des menschlichen Geistes stellt Forscher. die zweifelsfrei für ein bestimmtes Paradigma sprächen. Transistoren.9 Doch die Unterschiede zwischen beispielsweise zwei Bakterien der Art Escherichia coli oder zwei Blattschneiderameisen sind belanglos im Vergleich zu den Unterschieden zwischen zwei beliebigen Menschen. Elektroschocktherapie. sich scheiden läßt. Die Nebenprodukte der wissenschaftlichen Erforschung des Gehirns nehmen sich dagegen viel bescheidener aus: kognitive Verhaltenstherapie. Die Erforschung des Gehirns hat bislang auch nicht jene Arten von praktischen Nutzanwendungen hervorgebracht. LSD nimmt. daß kein Zweig der Biologie es mit der Genauigkeit und Allgemeingültigkeit der Physik aufnehmen könne.) Doch sie dominiert vor allem in den Gebieten. . seien sie auch genetisch identisch. der Klonierung und anderen Wundern auftrumpfen. das Alphabet lernt. Physiker können mit Lasern. welche die Existenz weiterer Welten neben dem bekannten Universum postuliert. IQ-Tests und Schachcomputer. anders als etwa Elektronen und Neutronen. sich verliebt. vermeintliche genetische Marker für Homosexualität.

zu welchem Zweck sie gewinnen soll -. Die Phrenologie wird als Modularitätstheorie der kognitiven Psychologie wiedergeboren. Auch ältere Behandlungstechniken bestehen fort. sondern alle zehn Jahre. moderne wissenschaftliche Theorien seien nicht wahrer als die Theorien. Schockbehandlungen und Lobotomien. sie änderten sich im monatlichen Abstand. Als sich dann das Auflösungsvermögen der Teleskope verbesserte. die sie abgelöst hätten.] Paradigmen. sie kommen nur in und aus der Mode. über welche Wirklichkeit. völlig neue Herangehensweisen an die Welt der Dinge. erkannten die Astronomen. manchmal hat man fast den Eindruck. es ist die richtige Sichtweise.. daß die Lichtflekken im Himmel. Im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert glaubten die Astronomen. die in den letzten Jahrzehnten weitgehend durch Fluctin . Das ist nicht bloß eine andere Sichtweise. Die Soziobiologie wandelt sich zur Evolutionspsychologie. die weit jenseits der Grenzen der Milchstraße liegt. entstehen nicht alle hundert. sondern bloß anders.19 . sich in grundverschiedene Richtungen entwickelt hat.Der Philosoph Thomas Kuhn behauptete. daß die Psychologie »durch grundverschiedene Vorstellungen dessen. Doch Kuhns Modell des wissenschaftlichen Nicht-Fortschritts paßt recht gut auf die wissenschaftliche Erforschung des Gehirns.10 Kuhns These trifft auf bestimmte wissenschaftliche Fachgebiete wie etwa die Astronomie einfach nicht zu. Clifford Geertz wies unlängst darauf hin. ja. Gaswolken in unserer Galaxie.welche Erkenntnisse. daß jeder Nebel eine eigene Galaxie ist. ›worum‹ es ihr geht . der Milchstraße.. seien. Oftmals werden alte Ideen einfach in schmackhafteren Formen neu verpackt. [. die als Nebel bezeichnet wurden. Die von ihren anstößigen politischen Implikationen (weitgehend) gereinigte Eugenik schlüpft ins Gewand der Verhaltensgenetik.«11 Theorien der menschlichen Natur sterben niemals völlig aus.

Die Antifreudianer behaupten in der Tat. Beide Auffassungen sind vertretbar.20 . er würde bei allen Verbrennungsvorgängen freigesetzt. werden bei schweren Psychosen noch immer verordnet. doch beide übersehen auch den entscheidenden Faktor. das ein unglaubliches Beharrungsvermögen bewiesen hat. von dem die Physiker im achtzehnten Jahrhundert glaubten. zumindest indirekt.und Lithium verdrängt worden waren. dessen Erkenntnisse über die Psyche. Zudem brachten viele Intellektuelle . eine zweifelsfrei überlegene Erklärung für die Psyche und ihre Störungen zu liefern. ist die Psychoanalyse. obgleich empirisch nur schwer zu überprüfen. Weshalb ist die Psychoanalyse noch immer so einflußreich? Freud-Gegner beantworten diese Frage. der Stoff. der sich auf nichts so gut verstanden habe wie auf die Werbung in eigener Sache. die Sigmund Freud vor einhundert Jahren erfand. FreudAnhänger huldigen ihm als Genie. indem sie Freud als Sektenführer anprangern.darunter nicht nur französische Philosophen. doch das gleiche gilt für die Verfechter modernerer Paradigmen. Doch die Physiker erörtern heute die Phlogiston-Hypothese deshalb nicht mehr. weil sie dank der Entdeckung des Sauerstoffs und weiterer Fortschritte in der Chemie und der Thermodynamik als gänzlich überholt gilt. KI-Forscher und andere. die. Obgleich das Ansehen der Psychoanalyse in den letzten Jahrzehnten gesunken ist. sondern auch Neurowissenschaftler. Die Freudianer können keine eindeutigen Beweise für die Überlegenheit ihres Paradigmas vorlegen. der dem Überdauern der Psychoanalyse zugrunde liegt: die Unfähigkeit der Wissenschaft. auf der Lehre Freuds basiert. die Psychoanalyse stehe wissenschaftlich auf ebenso tönernen Füßen wie das Phlogiston. machen nach wie vor Millionen von Menschen eine Psychotherapie. die es vermeintlich besser wissen sollten . dennoch intuitiv plausibel erscheinen. . Ein Paradigma.ihre Bewunderung für die Psychoanalyse zum Ausdruck.

ist in der Wissenschaft genauso unentbehrlich wie in der Rechtsprechung. der Neurowissenschaft und den angrenzenden Gebieten kein so allgemeingültiges Paradigma hervorgebracht. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. wie die Antifreudianer behaupten. So verhöhnt ein Neurowissenschaftler die Evolutionspsychologie als ein Sammelsurium von kasuistischen Fallgeschichten. unterscheidet diese Wissenschaften von anderen. Um mit Thomas Kuhn zu sprechen: Diese Alternativen sind nicht wahrer oder besser. um die Evolutionspsychologie in Frage zu stellen.Dagegen haben hundertjährige Forschungsanstrengungen in der Psychiatrie. Doch bei Theorien über die menschliche Natur sollten die umgekehrten Beweisanforderungen gelten als vor Gericht. als wenn sie die Paradigmen anderer heruntermachen. wenn sie das von ihnen bevorzugte Paradigma anpreisen. dann gilt dies auch für ihre selbsternannten Nachfolgerinnen. daß Freud ein für allemal erledigt wäre. Die Forscher sind. Einige Leser mögen es unfair und widersprüchlich finden. Wenn die Psychoanalyse dem Phlogiston entspricht.das heißt falsch oder zweifelhaft . Selbst unter Forschern. die sich für ein und dasselbe Paradigma einsetzen.21 . daß ich beispielsweise die Verhaltensgenetik in einem Kapitel kritisiere und mich dann im nächsten Kapitel auf sie berufe. Ich habe diesen internen Konflikt für meine Zwecke ausgeschlachtet. sondern einfach anders. gegensätzliche Standpunkte zu vertreten. bis ihre Richtigkeit über jeden . ein Verhaltensgenetiker verspottet die Roboterphantasien von Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz. Die Freiheit. häufig mit weniger Ernsthaftigkeit und Begeisterung bei der Sache.angesehen werden. Theorien sollten so lange als schuldig . kann das Kreuzfeuer tödlich sein. ein Anhänger der Elektroschocktherapie stellt die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin heraus. der Genetik. Doch die Zerstrittenheit unter den Wissenschaftlern.

die heute von Kognitionswissenschaftlern und anderen gepriesen wird.berechtigten Zweifel hinaus erwiesen ist.22 . Etwa zur selben Zeit erfand Franz Joseph Gall die Phrenologie. Wolpert räumte dies in seinem 1993 erschienenen Buch The Unnatural Nature of . Unterdessen enträtselten Camillo Golgi. eine Theorie in Zweifel zu ziehen. Grund für Skepsis gegenüber allen Paradigmen. das AnlageUmwelt-Problem durch Untersuchung eineiiger Zwillinge zu lösen.12 und Galen bestätigte diese Annahme sechs Jahrhunderte später. daß sachkundige Wissenschaftler so unterschiedliche. die Neurowissenschaft »stehe an ihrem Anfang«. sich widersprechende Paradigmen vertreten. das Gehirn sei beim Menschen Sitz der Wahrnehmung und des Denkens. sondern auf ihrer Produktivität. indem sie eine entgegengesetzte Hypothese aufstellen. fußt nicht auf dem tatsächlichen Alter der Disziplin. Wissenschaftler verteidigen die Neurowissenschaft und verwandte Gebiete vielfach mit der Bemerkung. Deshalb sollte es Kritikern erlaubt sein. Die Behauptung. die mit der anderer wissenschaftlicher Disziplinen vergleichbar ist. daß Nerven elektrische Ströme aussenden und darauf ansprechen. Francis Galton versuchte im neunzehnten Jahrhundert. die Vorläuferin der Modularitätstheorie des Geistes. geschrieben hatte. Im fünften Jahrhundert vor Christus stellte Hippokrates die Hypothese auf. daß sie »noch am Anfang stehe«. wie etwa mein britischer Gegner Lewis Wolpert. Ramon y Cajal und andere Aufbau und Funktion der Nervenzellen. nachdem er bereits eine solide Monographie über Sprachstörungen. Und Freud begann wenig später mit der Darlegung seiner psychoanalytischen Theorie. Zudem ist die Tatsache. Luigi Galvani zeigte im späten achtzehnten Jahrhundert. die ebenso zweifelhaft sein mag. William James schrieb 1890 die Principles of Psychology. die durch Hirnschäden verursacht werden. Tatsächlich hat die Neurowissenschaft eine Geschichte.

In Anbetracht ihrer dürftigen Erfolgsbilanz bis heute fürchte ich. Die Frage ist. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes befinde sich im Vergleich zu ausgereiften wissenschaftlichen Disziplinen wie der Kernphysik und der Molekularbiologie noch immer in einem »primitiven« Zustand. Er behauptete: »Wir wissen einfach nicht. die in den physikalischen und biologischen Wissenschaften so erfolgreich sind«. daß um so wichtigere Entdeckungen vor uns lägen. ein Experiment auf einer niedrigen Organisationsebene . Als Beleg führte er die Unfähigkeit der Neurowissenschaftler an. das die psychoanalytische Theorie widerlegen würde. Im Grunde genommen behauptet er. die sie bislang erzielt hat. Psychiatrie und andere Fachgebiete.«13 Ich stimme mit Wolpert überein. was den gegenwärtigen »primitiven« Zustand der Neurowissenschaft und anderer Disziplinen. Psychologie. wie weit es die Wissenschaft vom menschlichen Geist. daß Neurowissenschaft.« Dennoch lehnte Wolpert die pessimistische Auffassung entschieden ab. in Zukunft bringen wird. Den Wissenschaftlern wird . die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. die sich mit der Erforschung der Psyche befassen. möglicherweise an fundamentale wissenschaftliche Grenzen stoßen. angesichts der geringen Fortschritte.das heißt der Ebene der Hirnfunktion oder der Neurophysiologie durchzuführen. Er schrieb. die Grundkonzepte der Psychoanalyse zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen: »Es ist gegenwärtig unmöglich. der Mißerfolg in der Vergangenheit läßt auf künftige Erfolge schließen. Wie die meisten anderen Wissenschaftler ist Wolpert ein Optimist. das bisherige Ausbleiben von Fortschritten bei der Erforschung des Geistes bedeute. Anders gesagt. Dies ist allerdings weniger ein Argument als eine Glaubensaussage. daß »menschliches Verhalten und Denken niemals jener Art von Erklärungen zugänglich sein werden. was wir nicht wissen. was die Zukunft bringen wird.23 .Science auch ein. anbelangt. und folglich.

»Ich bringe nichts Optimistisches«.24 . nachdem ich alle Disziplinen. zierliche Frau mit kurzem braunem Haar. bohrte er nicht weiter. Womöglich wird der menschliche Geist bis zu einem gewissen Grad immer ein Rätsel bleiben. Als ich mich dann an die Arbeit machte. »Ja. während ich ein paar Schritte von ihr weg stand und Notizen auf einen Block mit gelbem Papier kritzelte. »Ja. Als ein Techniker die . die einer Elektroschocktherapie unterzogen wurden. durchgegangen war. Doch ich empfand ein starkes Bedürfnis. »Sie legen uns all die negativen Punkte auseinander. bat ich einen auf Naturwissenschaft spezialisierten Verlagsagenten.»Hoffnungsvoll?« fragte ich zurück. Was sagen Sie den Lesern am Ende Ihres Buches. die ich kritisieren wollte. meine kritische Einstellung zu begründen und etwas Positives zu finden. mir zu sagen. damit sie das Buch nach Lektüre nicht in gedrückter Stimmung weglegen?« Auf diese Frage war ich nicht gefaßt. die positive Botschaft. sagte er. Im Gegenteil. sagte ich und faselte etwas von der Befriedigung. was er von der Idee halte.es vielleicht niemals endgültig gelingen. die dem Streben nach Wahrheit als solchem innewohne. Eine der Patientinnen war eine schlanke. die Psyche zu heilen. Obgleich der Agent nicht überzeugt zu sein schien. Wo bleibt das Positive? Bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches begann. Zu Beginn meiner Recherchen beobachtete ich am New York State Psychiatrie Institute Patienten. Aber welchen hoffnungsvollen Ausblick setzen Sie dem entgegen?« . sie auf Rechnern zu simulieren oder zu erklären. ich verstehe«. Sie lag auf einer Untersuchungsliege und wartete auf ihre Behandlung. änderte sich meine pessimistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage der wissenschaftlichen Erforschung des Geistes nicht.

was versprach ich mir davon.25 . Sie schien gleichzeitig verwirrt. um so verlegener blickte Harry drein. Fluctin hatte ihm geholfen. um mit dem Verlagsagenten zu reden: Was war das Positive daran? . und er sagte mir schließlich. ein Medikament anzuprangern. Vor ein paar Jahren war Harry einer so tiefen Depression verfallen. und ich erzählte ihm von meinem Buchprojekt. er und seine Kollegen sollten einfach mit ihrer Arbeit aufhören? Solle der US-Kongreß seine finanzielle Förderung einstellen? Diese Begegnungen führten dazu. meine geplante Kritik an Medikamenten wie Fluctin als Beispiel wählte. meine Sichtweise der Erforschung des menschlichen Geistes war richtig. daß er an Selbstmord dachte. als dächte sie: Wer zum Teufel ist der da. die Depression zu überwinden. hinterfragte. als ich in einem Vortrag an einer kalifornischen Universität einige Themen dieses Buches angeschnitten hatte. Je länger ich sprach. wie ich es häufig gegenüber Laien tat. worauf ich eigentlich hinauswolle. Ob ich der Ansicht sei. wobei ich. wie ich leide ? Ähnliche Gedanken überkamen mich. Er fragte mich freundlich. daß ich zunehmend meine persönliche Einstellung zu dem Thema. oder. drehte sie plötzlich den Kopf und starrte mich unvermittelt an. was ich mir davon verspräche. erschrocken und zornig zu sein. was ich mache. Weshalb war ich so negativ eingestellt? Was war mein Motiv? Wollte ich im Grunde genommen. sie öffentlich kundzutun ? Wozu sollte es gut sein. und was steht er da herum und gafft.14 Während der anschließenden Diskussion fragte mich ein Genetiker empört. Er fragte. den ich Harry nennen will.Schläfen der Frau mit elektrisch leitendem Gel einrieb. als ich auf einer Party zufällig einem Bekannten aus Kindertagen begegnete. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. warum. das ich erörtern wollte. daß diese Forschungen scheitern? Angenommen. das ihm und vielen anderen das Leben gerettet habe? Eine weitere Unsicherheit kam auf. Ohne das Medikament wäre er möglicherweise tot.

ja sogar grausam. Verhaltensgenetik und verwandten Disziplinen könnten vermutlich auch Wissenschaftler davon abhalten. aber er hat auch Unwissenheit und Intoleranz gefördert. Doch diese Möglichkeiten rechtfertigen nicht. Tatsachen zu ignorieren oder falsch darzustellen. Der Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse muß den Nutzen des Glaubens übertreffen. Dann könnten Journalisten genausogut die Heilkräfte von Blutegeln. mit der vielleicht wichtigsten wissenschaftlichen Fragestellung überhaupt. bedürfen sie einer sorgfältigen Überprüfung. Doch zweifellos wäre es unverantwortlich. die je erfunden wurde. Gerade weil diese Forschungen so wichtig sind. Das liegt daran. Kristallen oder der Homöopathie anpreisen. Meine Kritik mag sich manchmal schroff anhören. Weshalb sollte man andernfalls überhaupt Wissenschaft betreiben? Eindringliche Hinweise auf die Grenzen von Neurowissenschaft. an der Psychotherapie und an anderen Behandlungsverfahren möglicherweise den Glauben daran untergräbt und so deren Wirksamkeit bei Menschen wie Harry beeinträchtigt. schließlich hat die Wissenschaft gezeigt. daß Kritik an Fluctin. Religiöser Glaube ist wohl die erfolgreichste psychologische Therapie. wenn ein Journalist bewußt die Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens übertriebe. und Politiker abschrecken. Fördermittel für weitere Studien zu bewilligen. Es macht mich betroffen. daß der Glaube an eine bestimmte Therapie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann.26 . Harry. Der Glaube ist nicht allmächtig und auch nicht immer nützlich. Ich möchte in diesem Buch konstruktive Kritik an den Disziplinen üben. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. diese Art von Forschung fortzusetzen. nur damit irgend jemand eventuell größeren Nutzen daraus zöge.Ich befasse mich zunächst mit dem Einwand meines Bekannten aus Kindertagen. daß ich eine Unausgewogenheit beheben möchte: Die meisten Bücher zum Thema menschlicher .

wenn auch problematische und widersprüchliche.Geist sind. daß Wissenschaftler . die Wissenschaftler brauchen. entziehen sich möglicherweise dem wissenschaftlichen Zugriff. Solcher . sie zu verbessern. Trotz ihrer Fehltritte und Grenzen sind Neurowissenschaft. keiner Theorie zuviel Glauben zu schenken. Ich würde gern glauben. doch ich sehe zu viele gegenteilige Anzeichen. Ich bin beunruhigt über die Ausbreitung der erinnerungsaufdeckenden Therapie. In der Vergangenheit brachte die Überbewertung der Macht von Wissenschaft und Vernunft pseudowissenschaftliche Ideologien hervor wie den Sozialdarwinismus.mittlerweile gelernt haben.27 . die Eugenik und den totalitären Kommunismus. gleich ob sie von Forschern oder Journalisten stammen. doch ich möchte keinesfalls. Jede dieser Disziplinen kann zumindest als ein Gegengewicht zu den anderen dienen und sorgt dafür. die immer weiter um sich greifende Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka. daß diese Prognose zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. und Methoden finden. Zudem werden die Wissenschaftler vielleicht eines Tages wirklich damit anfangen. Psychiatrie.und andere Menschen . die menschliche Natur zu verstehen. Einige Probleme. Künstliche Intelligenz und sogar die Psychoanalyse keineswegs wertlos. die Veröffentlichung karikaturistischer Darstellungen der männlichen und weiblichen Sexualität. mit denen sich die Forscher herumschlagen. Psychologie. Sie haben uns wichtige Erkenntnisse über unser Wesen verschafft. das Weiterbestehen rassistischer Intelligenztheorien. Subtilere Schäden können die Behauptungen prominenter Forscher anrichten. Verhaltensgenetik. wonach wir Menschen nur ein Haufen Neurone oder nur Vehikel für die Fortpflanzung von Genen oder nur Maschinen sind. um ihre Suche durchzuhalten. können sie auch in Schwierigkeiten bringen. daß keine zu mächtig wird. Evolutionspsychologie. Doch der feste innere Glaube und die Zuversicht. in einem allzu verklärenden Ton geschrieben.

gemischt mit dem richtigen Maß an Hoffnung . der Astronomie und der Biologie gewonnen haben. In An den Grenzen des Wissens behauptete ich. der wissenschaftlich so schwer zu bezwingen ist. Der Schlüssel liegt darin. daß die Erde rund und nicht flach ist. sehr plausibel.kann uns vor unserer Gier nach Antworten schützen und uns gleichzeitig so aufgeschlossen sein lassen. sondern die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt bestreitet. zu einer radikalen postmodernen Anschauung. Ich ziehe den Begriff optimistischer Skeptizismus vor. daß wir echte Wahrheiten erkennen. Zuwenig Skepsis läßt uns wissenschaftlichen Quacksalbern auf den Leim gehen. Er behauptete. Der Philosoph Karl Popper verkörperte diese Einstellung. In bezug auf die menschliche Natur kann unsere Gier nach absoluten Wahrheiten. Nur das richtige Maß an Skepsis . Die Poppersche Philosophie ist allerdings. wie etwa die Tatsache. bezogen auf die Erforschung des menschlichen Geistes. wir könnten Theorien lediglich widerlegen beziehungsweise falsifizieren. sind nicht vorläufig. So wird die Wissenschaft. zu einem endlosen Unternehmen. daß unsere Theorien wahr seien. die wir in der Physik. die nicht nur die Möglichkeit vollkommener menschlicher Selbsterkenntnis. Popper nannte seine Philosophie kritischen Rationalismus. wenn man es auf die gesamte Wissenschaft beziehe. wir könnten nicht beweisen. den Ergebnissen der Wissenschaft skeptisch gegenüberzustehen und gleichzeitig die Wissenschaft als solche zu fördern. das Poppersche Modell lasse sich nicht aufrechterhalten. zur Freude des wissenschaftsliebenden Popper. Zuviel Skepsis kann zum Solipsismus führen. Alle unsere Erkenntnisse seien nur vorläufig gültig.28 . nach vereinheitlichten Theorien und nach Allheilmitteln gefährliche Konsequenzen haben. sondern dauerhaft und absolut.15 Ein Großteil der Erkenntnisse. wenn sie .Reduktionismus erweist sowohl der Menschheit als auch der Wissenschaft einen schlechten Dienst.

Solange wir uns selbst ein Rätsel bleiben. werden wir etwas Wertvolles verlieren.auftauchen.selbst wenn er ein Rätsel bleiben sollte -. wenn dieses Streben nach Erkenntnis enden sollte. Die Ziele der Erforschung des Geistes sind so verlockend. Die Wissenschaft hat der Menschheit eine gewaltige. werden wir weiterhin mit den Instrumenten der Wissenschaft unseren Geist analysieren und ihm auf den Grund gehen. Falls dieses Buch auch nur annähernd sein Ziel erreicht. daß die Wissenschaftler zweifellos niemals aufhören werden. Könnten wir anders? Die Innenwelt ist vielleicht das letzte . dieses Streben finanziell zu unterstützen.unerforschte Grenzgebiet der Wissenschaft. Die Tatsache. . die wissenschaftliche Erforschung des Geistes mit optimistischem Skeptizismus zu betrachten. gibt es einen weiteren positiven Aspekt. sie zu verfolgen.ewig . wird es den Leser dazu bringen.29 . daß diese Ziele möglicherweise nie ganz erreicht werden. Das ist ein positiver Aspekt. daß die Wissenschaft vom menschlichen Geist vielleicht nie zu einem Ende kommen wird. noch werden Regierungen. solange wir nicht in eine utopische Apathie verfallen. bedeutet paradoxerweise. zu therapieren und zu simulieren. solange wir leiden. Doch selbst wenn der Geist weiterhin den Bemühungen von Wissenschaftlern. edle Aufgabe gegeben. ihn zu erklären. widersteht . Unternehmen und Philanthropen jemals aufhören.

mich zu verdammen.] Heute sind die neuen Gelehrten eifrig dabei. das Gehirn von allen Seiten zu sondieren und in hauchdünne Scheibchen zu zerlegen.. der von der Athener Regierung ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt worden war. argumentierte Sokrates. Jemand. seinen »Ödipuskomplex« und alles weitere.. daß nämlich. die wahren Ursachen anzuführen. die Strafe geduldig auszustehen. ad absurdum. sage im Grunde folgendes über ihn aus: Da nun die Knochen in ihren Gelenken schweben. der dies glaube. In Our Time Im Phaidon beschrieb Platon die letzten Stunden des Sokrates. hier sitzenzubleiben. Sokrates erklärte seinen Freunden. und gerechter. ganz vernachlässigend. daß ich jetzt imstande sei. und aus diesem Grund säße ich jetzt hier mit gebogenen Knien. als kuriose Scharlatanerien der Vergangenheit. deshalb es auch mir besser geschienen hat.30 .1. Ebenso. ähnlich Mesmers »animali1 schem Magnetismus«. meine Glieder zu bewegen. wenn ich sie nachlasse und anziehe. die Töne nämlich und die Luft und das Gehör und tausenderlei dergleichen herbeibringen. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT Im Jahr 1979 behandelte man die freudianische Psychologie nur noch als eine interessante historische Fußnote. weil es den Athenern besser gefallen hat. Die neueste wissenschaftliche Mode war die klinische Erforschung des Zentralnervensystems. die sich im Gefängnis versammelt hatten. so bewirkten die Sehnen. wenn er von unserm Gespräch andere solche Ursachen anführen wollte. TOM WOLFE. und sie projizieren ihre Dias und betrachten Freuds theoretische Konstrukte. [. seine »Libido«. weshalb er die Todesstrafe angenommen habe und nicht geflohen sei. Im Verlauf seiner Rede führt Sokrates die Vorstellung. sein Verhalten lasse sich rein physisch erklären.2 . welche sie angeordnet haben.

brachte ihn zu der Überzeugung.und der Kernspinresonanztomographie die Aktivität sämtlicher Hirnareale messen. daß die Neurowissenschaft schließlich für die Wissenschaft vom menschlichen Geist das leisten wird. was zeitgenössische Philosophen die »Erklärungslücke« nennen. die . Sie können die Wirkungen spezifischer Gene und Neurotransmitter auf die Funktionsweise des Gehirns verfolgen. ist die Neurowissenschaft. nämlich sie auf eine feste empirische Grundlage zu stellen. In seinem Aufsatz »Materialism and Qualia: The Explanatory Gap«3 befaßte sich Levine mit der rätselhaften Unfähigkeit physiologischer Theorien. daß das Gehirn keinesfalls die Steuerungszentrale des Körpers sein könne. die zwischen einzelnen Nervenzellen weitergeleitet werden. also unsere subjektiven Empfindungen von der Welt. Die Disziplin. Als Platon seinen Phaidon schrieb.) Heute erkunden die Neurowissenschaftler die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Geist mit einer Reihe immer leistungsfähigerer Instrumente. (Aristoteles' Beobachtung. Sie können mit Mikroelektroden die extrem schwachen elektrischen Impulse registrieren. Gedächtnis. psychische Phänomene zu erklären. die am ehesten imstande sein dürfte. die Erklärungslücke zu schließen. logisches Denken und Emotion sowie auf das menschliche Verhalten beziehen. wußte man nicht einmal.31 . Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf das Bewußtsein beziehungsweise »Qualia«. daß Hühner nach ihrer Enthauptung oftmals noch eine Zeitlang umherlaufen. was die Molekularbiologie für die Evolutionsbiologie leistete. daß das Gehirn der Sitz der mentalen Funktionen ist. Doch die Erklärungslücke kann sich auch auf mentale Funktionen wie Wahrnehmung.Dies ist die meines Wissens älteste Anspielung auf das. Die Forscher hoffen. Sie können mit Hilfe der Positronenemissions. Der Begriff wurde von Joseph Levine geprägt. einem Philosophen an der Staatsuniversität von North Carolina. die Wissenschaft vom Gehirn.

die aus der neurowissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien.32 .6 Er lächelte über die Naivität der Frage. Aber in welcher Richtung schreitet sie voran ? Ich bat einmal Gerald Fischbach. den Direktor der Abteilung Neurowissenschaft an der Harvard-Universität und ehemaligen Präsidenten der Society for Neuroscience.zu weitreichenden neuen Erkenntnissen und Nutzanwendungen führt. Als Nature 1998 eine neue Fachzeitschrift.. sondern sie hat auch tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen. Die Neurowissenschaft ist zweifellos eine Wachstumsbranche. Nature Neuroscience. die die neuronale Impulsübertragung beschleunigen. Die Zahl neurowissenschaftlicher Fachzeitschriften hat stark zugenommen. bis zur bildlichen Darstellung der Aktivität des gesamten Gehirns mit Hilfe der Kernspinresonanztomographie reiche. Die Neurowissenschaft sei ein weites Feld. das von der Erforschung von Molekülen. . Die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns ist nicht nur eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit.«5 Die Neurowissenschaft macht zweifelsohne Fortschritte. der Persönlichkeit und sogar des Bewußtseins selbst. Es sei unmöglich. hieß es in der Presseverlautbarung. auf den Markt brachte. hat. mir die seines Erachtens bedeutendste Errungenschaft seines Fachgebiets zu nennen. eine bestimmte Erkenntnis oder auch eine Reihe von Erkenntnissen herauszustellen. reichen ihre Fragestellungen doch von der Grundlage des Gedächtnisses über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bis hin zur Entstehung von Emotionen. betonte er. D. ebenso die Behandlung des Themas in renommierten Wissenschaftsmagazinen wie Science und Nature. C. Die Anzahl der Mitglieder der Society for Neuroscience4 die ihren Sitz in Washington. stieg drastisch von fünfhundert in ihrem Gründungsjahr 1970 auf über fünfundzwanzigtausend im Jahr 1998 an. die Neurowissenschaft sei »eines der dynamischsten und sich am schnellsten entwickelnden Gebiete der Biologie.

»Wir sind von einer einheitlichen Theorie des menschlichen Bewußtseins noch weit entfernt«.Das charakteristischste Kennzeichen der Disziplin sei vielmehr ihre Produktion einer gewaltigen und wachsenden Zahl von Erkenntnissen. von Neurotransmittern. von neuronalen Rezeptoren. die das Wachstum des Gehirns vom Embryonal. es gebe nur einen Rezeptor für den Neurotransmitter Acetylcholin. ist die Naturwissenschaft definitionsgemäß reduktionistisch. Auslassungen sind gerade ein Merkmal für erfolgreiche Erklärungen. also den Proteinstrukturen auf der Oberfläche von Nervenzellen. Vor nicht allzu langer Zeit. also Substanzen. mit denen Neuronen miteinander kommunizierten. sondern während der gesamten Lebensspanne. hätten die Forscher geglaubt. so Fischbach weiter. Forscher hätten herausgefunden. also chemischen Substanzen. wie sie all diese Erkenntnisse in ein kohärentes Rahmenmodell einordnen könnten. Obgleich das Adjektiv reduktionistisch oftmals in einem abwertenden Sinne gebraucht wird. Er warf damit ein Schlaglicht auf eines der paradoxesten Merkmale seines Fachgebiets. Die Erforschung neurotroper Faktoren nehme ebenfalls »explosionsartig« zu.«7 . Und Experimente hätten mindestens fünfzehn Rezeptoren für den Neurotransmitter Gammaaminobuttersäure (GABA) nachgewiesen. daß neurotrope Faktoren das Gehirn nicht nur in der Pränatalphase und im Säuglingsalter formen. Die Forscher entdeckten ständig neue Typen von Hirnzellen beziehungsweise Neuronen. Der Philosoph Daniel Dennett formulierte dies einmal folgendermaßen: »Aber natürlich muß etwas ›ausgelassen‹ werden andernfalls hätten wir nicht zu erklären begonnen. in welche die Neurotransmitter paßten.bis ins Erwachsenenstadium steuerten. der die Aktivität von Nervenzellen hemmt. so Fischbach.33 . und von neurotropen Faktoren. mittlerweile seien mindestens zehn verschiedene Rezeptoren identifiziert worden. Leider wüßten die Neurowissenschaftler bislang nicht. der die Aktivität der Muskeln steuert.

die Gezeiten der Meere sowie die Bewegung des Mondes und der Planeten durch den Weltraum alle mit einer einzigen Kraft erklären lassen. daß sich die Neigung von Körpern. kohärenten Gesamtmodell zusammenzufügen. James Watson und andere Molekularbiologen. Der Fortschritt der Neurowissenschaft ist in Wirklichkeit ein Gegen-Fortschritt. daß alle Organismen weitgehend dieselbe DNA-gestützte Methode zur Übertragung genetischer Information an ihre Nachkommen benutzen.34 . um so schwieriger wird es für sie. In den letzten fünfzig Jahren enthüllten Francis Crick. Das Dilemma des Reduktionismus Im Jahr 1990 brachte die Society for Neuroscience den USKongreß dazu. der Gravitation oder Massenanziehung. all die verschiedenen Daten zu einem in sich widerspruchsfreien. die Evolution. Der Zweck dieser Proklamation bestand darin. Quarks und Elektronen.Im günstigsten Fall isoliert die Wissenschaft ein gemeinsames Element. Charles Darwin zeigte. Im zwanzigsten Jahrhundert haben Physiker nachgewiesen. Je mehr Erkenntnisse die Forscher über das Gehirn gewinnen. dekken sie weiterhin immer komplexere Zusammenhänge auf. die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Gehirns zu erklären. Isaac Newton fand heraus. daß die mannigfaltigen Arten von Lebewesen auf der Erde durch einen einzigen Prozeß entstanden sind. zu Boden zu fallen. das vielen scheinbar ungleichartigen Phänomenen zugrunde liegt. sowohl die Errungenschaften der Neurowissenschaft ins allgemeine Bewußtsein zu heben als auch Forschungsanstrengungen zur Aufklärung der Ursachen von Psychosen wie Schi. Den Neurowissenschaftlern dagegen steht ihr reduktionistisches Offenbarungserlebnis noch bevor. Statt eine große vereinheitlichte Theorie zu finden. daß alle Materie sich letztlich aus zwei Teilchenarten zusammensetzt.

David Hubel. in einem »kleinen.im Jahr 1998 damit.dazu gehören Psychologen. daß das Jahrzehnt. fuhr er fort. Wie viele andere wissenschaftliche Triumphe verdankte sich auch dieser einer Kombination von harter Arbeit und Findigkeit. der Molekular. Anthropologen und andere . wie C. um das Gehirn zu verstehen. wie das Gehirn altere und wie das Gedächtnis funktioniere.35 . »Wir brauchen mindestens hundert. wie sich das Gehirn in der Embryonalphase und den anschließenden Lebensstadien entwickle.« (Dennoch begannen Verhaltenswissenschaftler .10 Nachdem sie eine Elektrode in den visuellen Kortex der Katze implantiert . Genetiker. doch sie wüßten im Grunde immer noch nicht. womit ein winziger Wurm gemeint ist. ruhiger Mann.)9 Wiesel selbst war an einer der mustergültigen Entdeckungen der Neurowissenschaft beteiligt.zophrenie und manisch-depressive Erkrankung (auch bipolare affektive Störung genannt) zu unterstützen. fensterlosen Kellerlabor« der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität Experimente am visuellen Kortex einer Katze durch. vielleicht tausend Jahre«.8 geriet er bei der Erwähnung des Ausdrucks »Dekade des Gehirns« in Rage. schäbigen. der 1981 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde und später Präsident der Rockefeller-Universität in New York wurde. zur »Dekade des Verhaltens« gekürt wird. »Wir begreifen noch nicht einmal. sich dafür stark zu machen. »Wir stehen ganz am Anfang der Gehirnforschung. der diese Idee ablehnte. das im Jahr 2000 beginnt. Im Jahr 1958 führten Wiesel und ein anderer junger Neurowissenschaftler. elegans funktioniert«. murrte er. um sich wieder der Forschung zu widmen. (Ende 1998 legte er dieses Amt nieder. doch als ich ihn 1997 interviewte.) Wiesel ist ein freundlicher. Die Idee sei »töricht«. war der in Schweden geborene und aufgewachsene Torsten Wiesel. Wissenschaftler hätten im Gehirn einige »einfache Mechanismen« entdeckt. Ein Neurowissenschaftler.und Zellbiologen als Versuchstier dient.

schoben sie es langsam zurück in den Schlitz. Wiesel und Hubel erhielten unschlüssige Ergebnisse. die nur auf Linien ansprachen. Noch in den fünfziger Jahren glaubten viele Wissenschaft. Solche Entdeckungen sind bezeichnend für einen allgemeinen Trend in der Neurowissenschaft. die in bestimmter Weise bezüglich der Netzhaut ausgerichtet waren. das einem Geigerzähler glich. die einen Kreis um eine Uhr beschreibt. Nachdem sie das Dia gelöst hatten. Als die Forscher die Elektrode durch den visuellen Kortex bewegten. wie eine winzige Hand. Bilder auf die Netzhaut der Katze.Franz Gall behauptete dies schon vor zweihundert Jahren. mit der der Charakter eines Menschen aus der Form seines Schädels abgeleitet wurde). der mit einem Ophthalmoskop verbunden war. daß verschiedene Hirnregionen je spezifische Funktionen ausführen. auf welche die Neuronen reagierten. kontinuierlich. ist die Tatsache. Das ist zwar nicht gerade neu . Wenn die Elektrode eine elektrische Entladung eines Neurons registrierte. Plötzlich begann der Elektrodendetektor »wie ein Maschinengewehr« zu feuern. Bei nachfolgenden Experimenten wiesen sie Neuronen nach. als er die Phrenologie erfand (die zu einer pseudowissenschaftlichen Lehre verkam. bis eines ihrer Dias im Projektor hängenblieb. und es ist kein Ende dieses Prozesses in Sicht. gab ein Gerät. die aus dieser Disziplin hervorging.hatten. ein Klickgeräusch von sich. Sie boten der Katze zwei einfache Reize dar: einen hellen Fleck auf dunklem Hintergrund und einen dunklen Fleck auf hellem Hintergrund. projizierten sie mit einem Diaprojektor.36 . Wiesel und Hubel erkannten schließlich. änderte sich die Ausrichtung der Linien. daß das Neuron auf die Bewegung der Kante des Dias durch das Gesichtsfeld der Katze reagierte. Die wohl bedeutendste Erkenntnis. Im Jahr 1981 wurden Wiesel und Hubel für ihre Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Doch moderne Wissenschaftler zerschneiden das Gehirn in immer dünnere Scheiben.

beeinträchtigt ist. daß Ratten viele redundante Methoden besitzen. so daß sie jederzeit abgerufen werden kann. und das implizite oder unbewußte Gedächtnis. von denen sich einige überschneiden. gelegentlich auch Arbeitsgedächtnis genannt. Was Lashley nicht erkannte. sich an visuelle Anhaltspunkte zu erinnern.11 Er behauptete. war die Tatsache. weicht sie auf olfaktorische oder taktile Stimuli aus.wenn auch sehr vielseitige . Das prozedurale Gedächtnis läßt uns solche unwillkürlichen Fertigkeiten wie das Autofahren. sondern überall im Gehirn verarbeitet und gespeichert. Das Gedächtnis wurde noch in weitere Kategorien eingeteilt. einen flüchtigen Blick auf eine Telefonnummer zu werfen und sie uns gerade lange genug zu merken. Die zwei Hauptkategorien des Gedächtnisses sind das explizite oder deklarative Gedächtnis. Anschließende Experimente sowohl mit Menschen als auch mit anderen Tieren erbrachten den Nachweis. daß es viele verschiedene Gedächtnistypen gibt. in dem das bewußte Erinnern abläuft.Funktion. ermöglicht uns. wenn die Fähigkeit der Ratte. Das episodische Gedächtnis ermöglicht uns die Erinnerung an bestimmte Ereignisse. sich den Weg durch ein Labyrinth zu merken. um sie ein paar Sekunden später zu wählen. Der Forscher Karl Lashley war ein prominenter Verfechter dieser Auffassung. Das Langzeitgedächtnis speichert dieselbe Telefonnummer dauerhaft. das unterhalb der Bewußtseinsschwelle liegt. die jeweils mit spezifischen Hirnregionen assoziiert sind. den Weg durch ein Labyrinth zu finden. das Gedächtnis sei eine einheitliche . Zum Beweis führte er Experimente an. . bei denen Verletzungen im Gehirn von Ratten keine wesentliche Auswirkung auf ihre Fähigkeit hatten. Das Kurzzeitgedächtnis.37 . Erinnerungen würden nicht an einer bestimmten Stelle des Gehirns. sich aber dennoch auf das Verhalten und die mentale Aktivität auswirkt.ler. das Blindschreiben oder das Tennisspielen erwerben und ausführen.

Hohe Konzentrationen des Isotops deuten auf eine erhöhte Durchblutung und damit eine verstärkte neuronale Aktivität hin.38 . ausgeht. Versuchspersonen. daß sich bestimmte Atome in einer bestimmten Richtung anordnen. Anschließend bittet man die Versuchspersonen ein Spiel. ähnlich dem Fernsehspiel Glücksrad. auch wenn sie sich nicht bewußt daran erinnern können. ob die Liste auch Octopus enthielt. Sie bekommen eine bestimmte Buchstabenfolge. denen zuvor eine Liste mit Wörtern dargeboten wurde. die Octopus enthält. ähnlich wie Eisenspäne um einen Magneten. Studien mit bildgebenden Verfahren konzentrieren sich oftmals auf Versuchspersonen. Versuchspersonen wird ein Reiz.Experimente haben zudem ein priming (»Bahnung«) genanntes Phänomen aufgedeckt. haben dabei eine viel höhere Trefferquote. Die MRT kommt ohne Injektion einer radioaktiven Substanz aus. und müssen raten. daß sie diese nicht im Kurzzeitgedächtnis speichern können. Ein starker elektromagnetischer Impuls bewirkt. Technologien wie die Positronenemissionstomographie (PET) und die Kernspinresonanztomographie (MRT) haben die Zergliederung von Gehirn und Geist weiter beschleunigt. die bestimmte Aufgaben ausfüh. daß sie ihn nicht bewußt wahrnehmen und sich später nicht daran erinnern können. senden die Atome Strahlung von charakteristischen Frequenzen aus. daß der Reiz sich auf irgendeiner Ebene dem Gehirn eingeprägt hat. etwa ein Ton oder ein Bild. die in die Blutbahn injiziert wurden. Bei einer Serie von Experimenten werden den Versuchspersonen Listen mit Wörtern für so kurze Zeit dargeboten. etwa »O-t-p-s«. so kurzzeitig dargeboten. Dennoch zeigen Tests. Bei der PET wird die Strahlung gemessen. die von kurzlebigen radioaktiven Sauerstoffisotopen. Wenn das magnetische Spannungsfeld abgeschaltet wird. zu spielen. das einen ähnlichen Sachverhalt bezeichnet wie der ältere Begriff der unterschwelligen Beeinflussung. wie das vollständige Wort lautet.

mit Darwins beharrlicher Sammlung von Daten über Tiere aus allen Regionen der Erde. daß jene Hirnregionen.ren. noch kritischer gegenüber. verglich diese Katalogisierung von neuralen hot spots. Stellen hoher neuronaler Aktivität. Karl Friston. und man sieht einen roten Fleck auf der Vorderseite des Kortex. »Ohne diesen Katalog der funktionalen Spezialisierung«. stand der Art und Weise. wie bildgebende Verfahren insbesondere in der Psychiatrie verwendet werden.«12 Allerdings war er der Ansicht. Verschiedene Teile des Gehirns seien offensichtlich miteinander verbunden. ein MRT-Spezialist am Institut für Neurologie in London. die die stärkste Aktivität zeigen. »wird man meines Erachtens bei der Erarbeitung einer nützlichen und konsistenten Theorie der Organisation des Gehirns nicht weit kommen. in dem eine Funktion an einer einzigen Stelle lokalisiert ist!«13 Llinas verglich diese Studien mit der Phrenologie. für die jeweilige Aufgabe von entscheidender Bedeutung sind. wie etwa knifflige mathematische Probleme lösen. Zu viele Studien begnügten sich damit. »Da kommt jemand mit einem bestimmten Problem. ein Neurowissenschaftler an der New York University. einfach eine bestimmte Region mit einer bestimmten Funktion in Zusammenhang zu bringen. jener pseudowissenschaft. und man sagt zu der Person: ›Diese Stelle auf dem Kortex ist der Sitz ihrer negativen Gedanken. Man nimmt dabei an. sagte er. »Die Betrachtung der Korrelationen zwischen verschiedenen Regionen ist arg vernachlässigt worden.39 . das Streben nach Lokalisierung sei zu weit getrieben worden. und die Aufklärung dieser neuralen Verbindungen sei für das Verständnis des Gehirns von entscheidender Bedeutung.« Rodolfo Llinas.‹ Es ist absolut unglaublich! Das Gehirn ist kein Organ. Bilder nach Kategorien ordnen oder Wörterlisten auswendig lernen. »ohne dies in ein theoretisches Rahmenmodell einzufügen und ohne ein angemessenes oder tieferes Verständnis der funktionalen Architektur des Gehirns«.

daß es ein Trugbild war. weil man es auf den Aufnahmen klar sehen kann. um so dringlicher wird die Antwort auf die Frage: Wie koordiniert und integriert das Gehirn die Aktivitäten seiner hochspezialisierten Regionen. und es zeigt sich.lichen Lehre aus dem achtzehnten Jahrhundert. Mit den neuen bildgebenden Technologien seien wir fast wieder auf diese Stufe zurückgefallen.40 .‹ [. welche die Handlung des Fangens steuern. schrieb am Ende seines Buches Eye. so daß jene scheinbare Einheit der Wahrnehmung und des Denkens entsteht. wirft sogleich die Frage auf. so daß wir beispielsweise einen hüpfenden roten Ball wahrnehmen. »Man hat einen Patienten und schiebt ihn ins Meßgerät. daß Attribute wie Form. die das Gehirn in diskrete Bezirke einteilte. »Wir neigen dazu.« Je weiter die Neurowissenschaftler das Gehirn unterteilen..14 . wie all diese Informationen letztlich zusammengeführt werden. Doch] dann geht man in die Einzelheiten. wo und wie sie zusammengeführt werden. schau dir nur das schöne Bild an. Farbe und Bewegung weitgehend von getrennten Strukturen im Gehirn verarbeitet werden. Wir haben keine Ahnung. Sie müssen offenkundig irgendwo verknüpft werden. in der die Forscher Affen beziehungsweise Ratten Drogen injizierten und dann die Ergebnisse publizierten. egal ob diese aussagekräftig waren oder nicht. daß die Neurowissenschaft eine Phase durchlaufen habe. behauptete Llinas. die den Geist ausmacht? Der an Harvard lehrende Neurowissenschaftler David Hubel. Brain and Vision: Diese überraschende Feststellung. ein paar Fälle zu publizieren und zu sagen: ›So funktioniert das.. dessen Experimente mit Torsten Wiesel mit zu der gegenwärtigen Krise in der Neurowissenschaft beitrugen. die angeblich spezifische Funktionen ausführten. und sei es auch nur auf der Ebene der motorischen Nerven. dann schreibt man einen Aufsatz. Das ist reinste Phrenologie!« Llinas erinnerte daran.

die den menschlichen Geist auf hohen Organisationsebenen erforschen. die einem der modernsten neurowissenschaftlichen Forschungslabors der Welt vorsteht. Wie ein frühreifer achtjähriger Junge. mit reduktionistischeren Modellen. wie sie die Teile wieder zu einem Gesamtbild zusammenfügen können. Es betrifft nicht nur die Neurowissenschaft. des Makaken. Goldman-Rakic nennt sich selbst eine »systemorientierte Neurowissenschaftlerin«. der an einem Radio herumbastelt. wie Psychologie. die den Geist in eine Sammlung weitgehend unverbundener »Module«. ist Patricia Goldman-Rakic. das Gehirn zu zerlegen. Psychiatrie und andere Disziplinen. die sich auf neurale. Ich möchte eine andere Bezeichnung vorschlagen: das reduktionistische Dilemma.Diese ungelöste Frage wird gelegentlich auch Bindungsproblem genannt. Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke Eine Neurowissenschaftlerin. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist das Arbeitsgedächtnis.15 Goldman-Rakic. »Intelligenzen« beziehungsweise »Rechenmaschinen« aufteilen. die Kognitionswissenschaft. sondern auch die Evolutionspsychologie. durch ihre Untersuchungen am frontalen Kortex. der In.41 . erforscht nicht das menschliche Gehirn. aber sie haben keinen blassen Schimmer. zu zeigen. der als Sitz von Denken. Professorin an der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität. das reduktionistische Dilemma zu überwinden. die sich bemüht. Entscheidungsfindung und anderen höheren kognitiven Funktionen gilt. wenn es darum geht. genetische und molekulare Prozesse konzentrieren. leisten die Hirnforscher Vorzügliches. Wie der Direktzugriffsspeicher eines Computers. die Künstliche Intelligenz. sondern das eines engen Verwandten des Menschen. ja sämtliche Disziplinen. Sie hofft. zusammengeführt werden können.

Der Radikalismus der Tierschutzbewegung hat dazu geführt. Mikroskope. Kein Neurowissenschaftler könnte die Erklärungslücke besser schließen als GoldmanRakic. das gefrorene walnußgroße Gehirn eines Affen in durchsichtige dünne Scheiben.42 .empfunden als bei meinem Besuch in ihrem Labor. des Bewußtseins und der Schizophrenie aufzuklären.ja geradezu körperlich . Viele Neurowissenschaftler glauben. chirurgische Instrumente und all die neuesten Geräte der biotechnologischen Revolution beherbergen. um dreidimensionale Karten der neuronalen Verschaltungen mit hoher Auflösung zu erhalten. In einem benachbarten Arbeitszimmer untersuchte ein junger Mann Querschnitte unter einem Mikroskop und zeichnete auf Papier die unglaublich verschlungenen Verbindungen zwischen den Neuronen nach. In einem Zimmer schnitt eine junge Frau mit einem Apparat. der einer Wurstschneidemaschine im Kleinformat glich. Dahinter erstreckt sich eine lange Flucht von Räumen.formationen zur sofortigen Abrufung bereithält. den Faden eines Gesprächs zu behalten. und dennoch habe ich diese Lücke nie lebhafter . die Affen. daß uns ein besseres Verständnis des Arbeitsgedächtnisses dabei helfen wird. Besucher müssen sich an der Eingangspforte der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität bei einem bewaffneten Sicherheitsbeamten anmelden. sie werden durch zwei Stahltüren geleitet. ein Kartenspiel zu spielen oder einfache arithmetische Berechnungen im Kopf auszuführen. Goldman-Rakic und ihre Kollegen haben eine Technik vervollkommnet. der Willensfreiheit. die jeweils mit einem kleinen Fenster versehen sind und die nur mit einem Magnetschlüssel geöffnet werden können. die dieselben Informationen wie eine PET-Auf. ein Buch zu lesen. daß Labors wie das von Goldman-Rakic in regelrechte Festungen verwandelt wurden. erlaubt uns das Arbeitsgedächtnis. ungelöste Fragen wie die der Bindung. Anschließend speiste er diese Zeichnungen in einen Computer ein.

ihre Forschungen intendierten. welche Regionen am stärksten an der Ausführung der Aufgabe beteiligt waren. Für diejenigen. Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zu verstehen. Der Affe sitzt auf einem Stuhl in einem kastenförmigen Stahlgestell gegenüber einem Bildschirm.43 .nahme liefert. auf den die Forscher Signale und Bilder projizieren. In den frontalen Kortex des Affen eingepflanzte Elektroden registrieren die Entladungen einzelner Neurone. um einem Argument Nachdruck zu verleihen. die am Tag meines Besuchs einen weißen Kaschmirpullover und goldene Ohrringe trug. war Goldman-Rakic die meiste Zeit zurückhaltend und reserviert. Über einen Sensor. In einem anderen Raum befindet sich ein Apparat zur Untersuchung des Arbeitsgedächtnisses von Affen. Sie sagte. nur hin und wieder neigte sie sich in meine Richtung und umfaßte meinen Unterarm. Nachdem den Affen radioaktive Chemikalien injiziert wurden. Affen seien zu kognitiven Leistungen fähig. sei der Makak ein »unübertroffenes« Modell. Durch Messung der Stärke der Radioaktivität in verschiedenen Regionen des Gehirns können die Forscher ermitteln. höhere Kortexfunktionen wie Gedächtnis. Die Herrscherin über dieses recht abstoßende Reich ist eine zierliche Frau mit eleganter Frisur. allerdings mit sehr viel höherer Auflösung. um über ihre Arbeit zu sprechen. führen sie bestimmte Aufgaben aus. können die Forscher die Augenbewegungen verfolgen. Sein Kopf ist mit Schrauben fixiert. die die Verstoffwechslung von Glukose beschleunigen. Unmittelbar danach werden die Affen getötet und ihre Gehirne eingefroren. die höhere Kortexfunktionen erforschen wollten. die in seinen Schädel geschraubt und an dem Gestell befestigt sind. Als wir uns hinsetzten. die weitgehend mit denen des Menschen übereinstimm. der in das Auge des Affen implantiert ist und dessen Draht durch einen Stöpsel im Schädel des Affen zu einem Aufzeichungsgerät geleitet wird -.

Ein Leitsymptom der Schizophrenie sei die »kognitive Entgleisung«.« Experimente an Affen haben dazu beigetragen.44 . das GoldmanRakic als einen »mentalen Skizzenblock« oder »Leim« beschrieb. aufweiche Weise Dopamin. »und machen Entdeckungen. in denen Subjekt und Verb durch eingeschobene Satzglieder getrennt sind. Schizophrene verlieren ständig den Faden ihrer Gedanken. Wenn man Affen Amphetamine spritze. Fluctin »führt zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei . der Parkinson-Krankheit und vermutlich auch bei kindlichen Störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. erklärte GoldmanRakic. der mit für die Kontinuität des Denkens verantwortlich sei. auch wenn sie offensichtlich nicht so komplex seien. aus diesem Grund reagieren sie überempfindlich auf äußere Wahrnehmungen und werden leicht von diesen überwältigt. Serotonin und andere Neurotransmitter die Funktionsweise des Kortex hemmten oder förderten. Sie und ihre Mitarbeiter untersuchten. »Bei vielen Erkrankungen spielt Dopamin eine Rolle: bei der Schizophrenie. Menschen mit einem schwachen Arbeitsgedächtnis fällt es schwerer. komplexe Sätze zu verstehen. Ihre Forschungen könnten Erkenntnisse über normale und gestörte kognitive Prozesse beim Menschen liefern und so den Weg zu besseren pharmakologischen und Verhaltenstherapien weisen. Auch Schizophrenie wird möglicherweise durch ein Defizit im Arbeitsgedächtnis verursacht. die von großer Bedeutung für das Verständnis des Menschen sind. die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses zu erhellen. daß sich Serotonin nachhaltig auf die Stimmung auswirke. die denen schizophrener Menschen glichen. »Wir arbeiten an der vordersten Front«. zeigten sie sogar Verhaltensweisen.ten. sagte Goldman-Rakic.« Medikamente wie Fluctin legten die Vermutung nahe. Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses korreliert in hohem Grade mit der allgemeinen Intelligenz und der Lesefähigkeit.

45 .« Die Kognition umfasse viel mehr als die unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz. daß ihre Gruppe die Entwicklung solcher Medikamente nicht als Selbstzweck betrachte. sich auf ihre Erfahrung zu beziehen. eine bestimmte Reaktion in einem bestimmten Augenblick zu steuern. weshalb?« Ihre Arbeitsgruppe war der Antwort gerade einen Schritt näher gekommen. was sie als Menschen auszeichnet.« Sie holte eine Veröffentlichung. wobei sie leiser wurde und in einem Flüsterton konspirativer Vertraulichkeit sprach. »Der Zweck meiner Forschungen besteht keineswegs darin. antwortete Goldman-Rakic. ihre Fähigkeit. die an der Kognition beteiligt sind. ihre Fähigkeit zu reflektieren und ihre Fähigkeit. wenn die Ampel rot ist. Doch das ist nicht das. nicht zu reagieren.« Sie betonte. Könnte ihre Forschung zu Medikamenten führen. Vielmehr möchte ich herausfinden. wie das Gehirn funktioniert und insbesondere wie jene Teile des Gehirns beziehungsweise jene Systeme funktionieren. unwillkürlichen Reaktionen und reflektorischen Reaktionen. und schlug sie auf dem Tisch vor uns auf. aber ihre Wirksamkeit läßt zu wünschen übrig. daß bestimmte Kortexzellen je nach Serotoninkonzentration unterschiedlich auf eintreffende Signale reagieren. oder sie haben Nebenwirkungen. »Menschen verfügen über ein breites Repertoire an habituellen Reaktionen. Die Frage ist. »wenn ich wirklich enthemmt wäre. wie etwa ein Fahrer. Das spezifisch Menschliche ist vielmehr die Flexibilität ihrer Reaktionen. die eines ihrer Experimente beschrieb. die dies tun.Depressiven. In dem . wenn sie auf Grün umschaltet. und der anfährt. indem sie den Nachweis erbrachte.« Sprach sie etwa von der Willensfreiheit? »Ich könnte diesen Begriff benutzen«. die Gedächtnisleistung und Intelligenz steigern? »Absolut! Ohne Frage!« versetzte sie mit Nachdruck. »Es gibt bereits Medikamente. der anhält. die Pharmaindustrie zu unterstützen.

die sich zu entladen begannen. fuhr sie in theatralischem Tonfall fort. sobald der Lichtreiz erschien. die Bedeutung ihrer Forschungen zu verstehen.« Die Neuronen entluden sich in Abwesenheit eines äußeren Reizes.« Es gab einen langen Moment des Schweigens. bevor er direkt an die Stelle schaute. die durchs Zimmer ging. sondern mit der Erinnerung beziehungsweise inneren Repräsentation eines Bildes. Sie wies darauf hin. zu warten. daß sich Torsten Wiesel und David Rubel und die meisten anderen Neurowissenschaftler auf Neuronen konzentrierten. Goldman-Rakic deutete auf eines der Schaubilder in dem Artikel. Goldman-Rakic begann zu lachen: »Sie blicken so finster!« sagte sie. während die Forscher für kurze Zeit einen Lichtstrahl auf einen der Ränder oder eine der Ecken der Leinwand projizierten. nachdem das Licht erloschen war. »ist das zelluläre Korrelat des Mechanismus für die Speicherung von Online-Information. Von all den Themen. mit einem Finger auf das Diagramm tippend.Experiment wurde einem Affen beigebracht. »Dies«. über die ich als Journalist berichtet hätte. wo das Licht gewesen war.46 . das die Aktivität von Neuronen darstellte. in dem wir beide auf das Schaubild starrten. sagte Goldman-Rakic. . noch schwieriger als die Elementarteilchenphysik. die direkt auf äußere Reize ansprechen. sei die Neurowissenschaft das schwierigste. daß es mir schwerfiel. ein paar Sekunden. und sich nach dessen Verschwinden weiterhin entluden. Goldman-Rakic gluckste und rief einer jungen Frau. sagte ich. »Dies«. diese neuronale Aktivität korreliere nicht mit einem realen Bild. Während dieser wenigen Sekunden mußte der Affe die Position des Lichts in seinem Arbeitsgedächtnis speichern. Ich gestand. »ist etwas ganz anderes. Der Affe hatte gelernt.« Sie ließ ihre Worte einen Augenblick lang wirken und fügte dann hinzu: »Sie sehen hier also die neurophysiologischen Grundlagen der Kognition. seine Augen starr auf den Mittelpunkt einer Leinwand zu richten.

die Kognition beim Menschen zu verstehen. Dennoch. zu allgemeinen Begriffen wie Gedächtnis und Kognition und Willensfreiheit nachzuvollziehen.« Andere haben ebenfalls eine Erklärungslücke in den neurowissenschaftlichen Forschungen von Goldman-Rakic und Mitarbeitern entdeckt. die die Entladungsraten von Neuronen zeigten. »Ich gebe mir alle Mühe.« Die Wissenschaftler könnten auch den Ursprung des Universums nicht verstehen. »sind wir auf dem Weg. und Sie sagen. die Erklärungslücke. mir falle es schwer. was uns zu unverwechselbaren Individuen macht. Kurz bevor ich 1997 die Redaktion des Scientific American verließ. daß es in Ihrem Kopf eine Erklärungslücke gibt«. und vielleicht werden wir es nie wissen. daß etwas fehle. es sei zu schwierig.« Ich sei doch gewiß nicht die einzige Person. Ihnen dies zu erklären. Und das.47 . Im Verlauf der redaktionellen Bearbeitung gestand Beardsley. daß ihm noch nie Forschungsarbeiten un. sagte sie. »Die exakte Abfolge der Veränderungen in den Zellen und im Gehirn und so weiter ist gewiß noch nicht aufgeklärt. »Ich glaube. Ich könne den Reduktionismus in der Teilchenphysik verstehen. »Ich könnte Sie umbringen«. es Ihnen begreiflich zu machen!« Ich sagte.zu: »Er sagt. Timothy Beardsley. sagte Goldman-Rakic bestimmt. sagte sie: »Ich versuche. redigierte ich einen Aufsatz über das Arbeitsgedächtnis »The Machinery of Thought«. die Neurowissenschaft sei schwieriger als die Elementarteilchenphysik!« Sich wieder zu mir umdrehend. doch beim menschlichen Geist habe ich das Gefühl. so versicherte sie mir. erwiderte ich. den Übergang von diesen Diagrammen. die Philosophen hätten sogar einen Begriff für diese Reaktion. werde ich Ihnen heute nicht erklären können.0 Der Aufsatz stammte von einem anderen Redakteur des Scientific American. in dem Goldman-Rakic groß herausgestellt wurde. einem erfahrenen Wissenschaftsjournalisten mit einem Doktortitel in Ethologie von der Universität Oxford. die in dieser Weise auf ihre Erklärungen reagiert hätte.

Neurowissenschaftler sind dem Beispiel der Kognitionswissenschaftler gefolgt. ein Neurowissenschaftler von der Universität New York. Die Kognitionswissenschaft sei . Mehrere Monate nach der Veröffentlichung von Beardsleys Artikel druckte der Scientific American einen Leserbrief ab. die dem Arbeitsgedächtnis und anderen kognitiven Funktionen zugrunde liegen. und nicht als einen grundlegenden Teil der menschlichen Natur. das auch Beardsley und mich beschäftigt hatte.« Emotionen erkunden Selbst wenn die Neurowissenschaftler die Mechanismen aufklären. zu verstehen. Er hatte das Gefühl. jene informationsverarbeitenden Funktionen. die sich am leichtesten auf Computern nachbilden lassen.und Kognitionswissenschaftler ein eindimensionales Bild des Geistes gezeichnet.48 . daß die in Beardsleys Artikel beschriebenen Forschungen »uns lediglich Auskunft darüber geben. daß etwas fehlte. Durch das Ausblenden des Gefühls hätten Neuro. die so schwer verständlich seien und sich so mühsam in einer befriedigenden. wie Sehen. der Ergebnisse verfälscht. Spracherkennung und logisches Denken. der das Problem betraf. müssen sie sich noch einem anderen Problem stellen: Wie fügen sich die Gefühle ins Gesamtbild ein? Bis in die jüngste Vergangenheit versuchten viele Neurowissenschaftler. meinte Joseph LeDoux. Erinnerns und so weiter sind. Der Autor des Briefes beklagte sich darüber. Erinnern. die sich bemühten. und sie behandelten sie als einen ärgerlichen Störfaktor. Und das ist natürlich das. nicht darüber. bei ihren Experimenten Emotionen auszuweichen. was die eigentlichen Mechanismen des Erkennens.tergekommen seien. kohärenten Form darstellen ließen. wo im Gehirn etwas geschieht. was uns eigentlich interessiert.

die bei Furchtreaktionen eine zentrale Rolle spiele. Die neuronalen Verschaltungen und Prozesse.49 . weder Kummer noch Leid. die der Furcht zugrunde lägen. kontrollierter Mann mit tiefliegenden Augen und sorgfältig gestutztem Bart. daß zumindest eine Emotion empirisch untersucht werden kann. sagte LeDoux. »Bei jeder Änderung am Experiment verändert man die Art und Weise. hat bewiesen. bemängelte er in seinem 1998 erschienenen Buch Das Netz der Gefühle. seien während der Evolution größtenteils erhalten geblieben. wie das Gehirn die Aufgabe ausführt. leblose Geschöpfe. finde sich nicht nur beim Menschen und bei Primaten.kalte.«17 LeDoux selbst. dieses durch ein einfacheres Modell abzubilden. daher könnten uns Experimente an Ratten und anderen Säugetieren wichtige Aufschlüsse über den Menschen geben. noch Freuden kennen. »Die Emotionen übergeht sie. der mit Denken. ein kühler.»in Wahrheit jedoch nur eine Wissenschaft von einem Teil des Geistes. so LeDoux.18 Anders als das Sprachverständnis oder andere kognitive Funktionen. jenem Teil. Ein Geist ohne Emotionen ist aber überhaupt kein Geist. bei denen Ratten darauf konditioniert wurden. weil die Experimente zu komplex gewesen seien.« Frühere Studien über Furchtreaktionen hätten widersprüchliche Ergebnisse gebracht.« LeDoux hat Experimente durchgeführt. Es handelt sich um Seelen auf Eis . etwa einen musikalischen Ton. Die Amygdala (Mandelkern). dessen Wurzeln weit in die Geschichte des Lebens zurückreichten. mit einer unlustvollen . Bei der Aufklärung der Funktionsweise des Furchtsystems kommt es also darauf an. sei Furcht ein biologisches Phänomen. die nur dem Menschen eigen seien. »Ein Reiz wird über die normalen Inputbahnen zur Amygdala geleitet und von dort über die Outputbahnen abgeleitet. einen bestimmten akustischen Reiz. sondern auch bei Ratten. »Das Furchtsystem ist äußerst einfach«. die weder Begierden noch Ängste. Logik und Verstand zu tun hat«.

die subjektive Empfindung von Furcht sei die erste Komponente der Furchtreaktion.50 . in Reaktion auf den Ton. LeDoux versuchte das neuronale Schaltmuster zu enträtseln. Schweißabsonderung und andere physiologische Symptome würden durch die subjektive Empfindung ausgelöst. eine angemessene Schutzreaktion darstellt. Wenn eine Ratte beispielsweise lernt. daß regloses Verharren sie nicht davor schützt. erforderlich ist. furchtinduziertes Verhalten.19 Die anfängliche Reaktion von Ratten und vielen anderen Säugetieren auf einen solchen Reiz ist regloses Verharren. daß sie nicht lernen. bei Ratten dazu führen. Die kognitive Fähigkeit der Ratten war in anderer Hinsicht nicht beeinträchtigt. LeDoux und seine Mitarbeiter zeigten nun.Empfindung. der Entscheidungen treffe und verschiedene Strategien ausprobiere. zunächst träten physiologische Symptome auf. erhöhter Herzschlag. probiert sie es mit Vermeidung. subjektiven Gefühle seien »für die wissenschaftliche Erforschung der Emotionen falsche Spuren. Früher glaubten die Psychologen.20 LeDoux meinte. in jüngster Zeit sei dem Bewußtsein zuviel Aufmerksamkeit gewidmet worden. der einen Elektroschock ankündigt. die anschließend die subjektive Empfindung der Furcht auslösten. »Wer das Phänomen . Unsere bewußten. des sogenannten Nucleus lateralis corporis amygdaloidei. das auch instrumentelles Lernen genannt wird. das für komplexeres. An diesem Punkt vollziehe die Ratte den Übergang von einem emotionalen Reakteur zu einem Akteur. LeDoux behauptete. zu assoziieren. das für ein Tier. so LeDoux. Dieses reglose Verharren ist eine angeborene reflektorische Funktion. indem sie sich in einen anderen Teil des Käfigs begibt oder an den Seiten hochklettert. reglos zu verharren. das von einem Freßfeind bedroht wird. einen Elektroschock zu bekommen. die ins Abseits führen«. daß Schädigungen einer winzigen Struktur innerhalb der Amygdala. daß das Gegenteil der Fall sei. wie etwa einem Elektroschock.

auf der Ebene der Verbindungen zwischen Neuronen. Es steht mit einigen anderen. sagte LeDoux. in welchem Verhältnis die einzelnen Komponenten in einer konkreten Situation zueinander stehen. erhielte dafür zweifellos den Nobelpreis«. egal ob sie von den Genen oder der Erfahrung ausgehen. liefen die meisten mentalen Prozesse unterhalb der Bewußtseinsschwelle ab.« Die Erklärung des Bewußtseins sei nicht so wichtig wie die Beantwortung der Frage. »Die meisten Prozesse im Gehirn laufen unbewußt ab. ist. die Sprache der Synapsen«. nicht aber mit allen übrigen Teilen des Gehirns in Verbindung. Es ist nur die Frage. denn diese hätten viele Aspekte. Bewußtsein sei zudem eine relativ junge Erfindung der Evolution. »Was oft übersehen wird. daß eine Theorie allein die Emotionen erklären könne. Irgendwann im Verlauf der Evolution bildete sich das Bewußtsein als ein Modul heraus. wie das Gehirn auf der Grundlage von Genen und Erfahrungen in jedem Individuum ein Selbst. daß Anlage und Umwelt dieselbe Sprache sprechen.51 . die wir sind? Die Erklärung des Bewußtseins würde dies nicht erklären.« Kognitive Theorien konzentrierten sich meist auf bewußte emotionale Prozesse.« Der Schlüssel zu diesem Problem sei die Beantwortung der Frage.« Obgleich Bewußtsein häufig mit Geist gleichgesetzt werde. LeDoux bezweifelte. »aber ich glaube nicht. »Das ist für mich die große Frage: Wie macht unser Gehirn uns zu der Person. »Es gibt eine evolutionäre Komponente. was wir über den Geist wissen müssen. Verhaltenstheorien unterstrichen die Rolle der um. eine personale Identität erzeuge. evolutionäre Theorien betonten angeborene emotionale Reaktionen. wie sich Anlage und Umwelt auf die neuronale »Verdrahtung« des Gehirns auswirkten. Letztlich manifestierten sich sämtliche Einflüsse auf die Persönlichkeit. daß es uns Aufschluß über das gäbe.Bewußtsein erklären könnte. sagte er mir. eine kognitive Komponente und eine verhaltensbezogene Komponente.

sondern welche welchen Teil der Episode erklärt. die all dies integriert. Einstein oder Newton gehabt. die Lust oder Haß zugrunde liegen. die Mechanismen. die wir sind. insbesondere über Furcht. Wir haben noch keinen Darwin. Kurz.fast zu begeistert. er habe erwartet. daß ich in meinem Buch Antworten präsentierte. unterschieden sich vermutlich stark von denjenigen. Ich glaube nicht. wie das Gehirn Kunstwerke und geschichtliche Ereignisse erlebt. die er und andere durchgeführt haben. wie uns unser Gehirn zu der Person macht. Ich habe lediglich einige Ideen vorgestellt. »In jeder konkreten emotionalen Episode geht es nicht darum. in seinem Buch Das Netz der Gefühle zusammen.« Wie Gerald Fischbach. welche Theorie richtig ist. »Es stieß fast auf einhellige Zustimmung«. bestens! Das ist die Antwort!‹ Sie scheinen so verzweifelt zu sein. Doch zu seiner Überraschung hätten Psychiater sein Buch begeistert aufgenommen . Es gibt bislang noch keine Neurowissenschaft der Persönlichkeit. Wir haben wenige Erkenntnisse darüber.«21 LeDoux deutete an. Torsten Wiesel und andere führende Neurowissenschaftler räumt LeDoux bereitwillig die Unzulänglichkeiten seines Fachgebiets ein. die der Furcht zugrunde liegen. Er erzählte. daß Psychiater seine Rattenexperimente als irrelevant für ihre Arbeit abtäten. »›Ja.« Zudem erfordere jedes Gefühl vermutlich eine eigene Erklärung. LeDoux faßte die Forschungen über Emotionen. Er wies vorsichtig darauf hin. erklärte er. daß die Neurowissenschaft vielleicht gar keine vereinheitlichte Theorie brauche: .52 . daß die neurobiologische Erforschung der Furcht irgendwann einmal wirkungsvollere Behandlungsmethoden für menschliche Angstneurosen hervorbringen könne. Die geistige Zerrüttung bei der Psychose ist noch immer ein Rätsel. wir müssen erst noch eine Theorie erarbeiten.weltbedingten Konditionierung. »Wir haben keine Ahnung davon.

Williams erinnerte sich. daß Gage während dieser Untersuchung »sich so vernünftig äußerte und so bereitwillig antwortete. selbst wenn wir keine Theorie der Psychose besitzen. was genau bei Angst beziehungsweise Depression geschieht. Die Neurowissenschaft kann zur Lösung dieser Fragen beitragen. ohne über eine allgemeine Theorie der Emotion zu verfügen.53 . die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befaßt . er blieb auch bei klarem Verstand. Gage überlebte diesen Unfall nicht nur. als bei einer Explosion eine knapp ein Meter lange Eisenstange seine Wange durchbohrte und an der Oberseite seines Schädels wieder heraustrat. auch wenn wir noch keine Theorie der Wahrnehmung hätten. Etwa eine Stunde später wurde er von dem Arzt Edward Williams untersucht. zu wissen. Furcht und Liebe verstünden. hervorzubringen. wie wir ein wunderschönes Musikstück (sei es Rock oder Bach) erleben. zu wissen. von denen LeDoux sprach. Lassen Sie uns diese Forschungen zu Ehren ihres berühmtesten Probanden.Vielleicht sind viele kleine Theorien genau das.wie in jeder anderen Disziplin. Der fünfundzwanzigjährige Gage beaufsichtigte im Jahr 1848 den Bau einer Eisenbahnlinie in Vermont. Phineas Gage. die uns Hinweise auf die Verbindung zwischen Gehirn und Geist liefern. Es wäre auch nicht schlecht. auch nur die »kleinen Theorien«. Gagesche Neurowissenschaft nennen. Dieses Problem zeigt sich schon seit geraumer Zeit in Studien an hirngeschädigten Patienten. Ein grundlegendes Hindernis für den Fortschritt in der Neurowissenschaft . Und wäre es nicht wunderbar. Gagesche Neurowissenschaft Der Neurowissenschaft wird es möglicherweise schwerfallen. was wir am meisten brauchen. auch wenn sie keine Theorie von Geist und Gehirn formulieren kann. wenn wir. daß ich meine Fragen an ihn richtete .ist die enorme Variabilität von Gehirn und Geist. Es wäre sehr viel wert.

besonnener und verantwortungsbewußter Mensch gewesen war. die er erfuhr.23 Auf Gages Verletzung wurden erhabene theoretische Lehrgebäude errichtet. die heute all.zu Unrecht. was früher nicht zu seinen Gewohnheiten gehörte. flucht manchmal auf abscheulichste Weise.«24 Allmählich wurde der Fall Gage als eine Bestätigung und nicht mehr als Widerlegung der Modularitäts-Hypothese angesehen. Zwanzig Jahre nach dem Unfall legte der Arzt John Harlow eine andere Deutung des Falles Gage vor. nach dem Unfall tiefgreifend verändert hatte. daß ihn Freunde und Bekannte kaum wiedererkannten. daß sein Gehirn in Regionen beschädigt worden war. Anfängliche Untersuchungen von Gage deuteten darauf hin . [. Die Teile von Gages Gehirn. wenn sie seinen Wünschen zuwiderlaufen.. deckte auf. die ganzheitlich funktioniert. Gage. Mehrere Jahrzehnte lang galt dieser Fall als eine Widerlegung der Hypothese des Phrenologen Franz Gall und anderer. wonach das Gehirn in Teilsysteme untergliedert sei. die am stärksten beschädigt worden waren. daß das Gehirn nicht modular (um den modernen Ausdruck zu verwenden) aufgebaut. waren die Stirnlappen.statt an die Männer. daß sich Gages Persönlichkeit. wie etwa Sprache. wie sich herausstellen sollte -. die auf verschiedene Auf gaben spezialisiert seien.22 Ein Jahr später erklärte ein anderer Arzt Gage für »völlig genesen«.] Die Wandlung. Harlow. der Gage im Lauf der Jahre viele Male untersucht hatte. war so tiefgreifend. respektlos. die dem Unfall beigewohnt hatten und noch zugegen waren«. erweist seinen Mitmenschen wenig Achtung. Das legte den Schluß nahe. sondern eine undifferenzierte Masse ist..54 . Bewegung und Sehen. wenn auch nicht seine funktionellen Fähigkeiten. reagiert ungeduldig auf Einschränkungen und Ratschläge. sei jetzt »launisch. der zuvor ein gewissenhafter. und doch blieben diese Funktionen unversehrt. die angeblich für Sprache und motorische Steuerung zuständig waren.

das die beiden Großhirnhälften miteinander verbindet. Andere sind nicht mehr in der Lage. aber nicht mehr lesen und schreiben oder umgekehrt.gemein als Sitz hoher kognitiver Funktionen wie sittliche Urteilskraft und Entscheidungsfindung angesehen werden. Einige Aphasiker können zwar ein Gespräch führen. die als »Feinschmeckersyndrom« bezeichnet wird und bei Schädigungen im rechten Stirnlappen dazu führt. Ein ursprünglich als politischer Journalist arbeitender Schweizer hat das Beste aus seiner Erkrankung gemacht. Ärzte haben über mehr als dreißig Fälle einer Erkrankung berichtet. untermauert. nachdem er von einem Hirnschlag genesen war. begann er. Verbindungen zu entschlüsseln. Die Gagesche Neurowissenschaft hat die Auffassung vom Gehirn als einer Zusammenstellung von Modulen. 2 5 Eine wichtige Datenquelle für Gagesche Neurowissenschaftler sind Patienten mit einer so schweren Epilepsie. daß man zwanghaft an erlesene Speisen denkt. daß jede Großhirnhälfte unterschiedliche Funktionen . sich an die Namen von Menschen und Tieren oder auch Gegenständen zu erinnern. eine kulinarische Kolumne zu schreib e n.) Durch Untersuchungen an solchen Patienten haben der Nobelpreisträger Roger Sperry und andere in den sechziger Jahren und später herausgefunden. jenes Nervenfaserbündels. die durch Ausbreitung über das gesamte Gehirn zu epileptischen Anfällen führen. die durch Hirnschäden verursacht werden. Manche Aphasiker verlieren die Fähigkeit. Hirnschäden können nicht nur zu Beeinträchtigungen.55 . sondern auch zu drastischen Steigerungen der psychischen Fähigkeiten einer Person führen. Sprachstörungen. daß die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Durchtrennung des Balkens (Corpus callosum) besteht. die mit außerordentlich spezifischen Funktionen und Merkmalen verknüpft sind. faßt man unter dem Oberbegriff der Aphasie zusammen. (Die Operation verhindert die unkontrollierten neuronalen Entladungen.

die angeblich die geistigen Fähigkeiten erweitern.wie etwa Drawing on the Right Side of the Brain und Right Brain Sex . ein Wegbereiter der Gageschen Neurowissenschaft. die Lehrpläne zu modernisieren. Das florierende Feld der Split-brain-Forschung brachte schon bald die mittlerweile zum Gemeinplatz gewordene Klischeevorstellung hervor: unsere linke Großhirnhälfte verkörpere unser »rationales« Selbst und unsere rechte Großhirnhälfte unser spontanes. die es besser hätten wissen müssen.wahrnimmt. indem sie gleichzeitig unterschiedliche motivierende Nachrichten an jede Hemisphäre übermitteln. bei denen das Sehvermögen und motorische Fertigkeiten eine Rolle spielen. In einem Aufsatz. einem Historiker zufolge sei Stalin ein »linkshemisphärischer Führer« gewesen. wie man den Beschränkungen unserer pedantischen linken Hemisphäre entkommen und zu einem frei denkenden Rechtshemisphäriker werden könne. kurbelten die allgemeine Euphorie noch an. betonte Gazzaniga die . Eine große Zahl von Selbsthilfebüchern . wie etwa Michael Gazzaniga von der Dartmouth-Universität. »kreatives« Selbst. während die rechte Hemisphäre bei Aufgaben dominiert.56 . Selbst jene.26 Zeitungen veröffentlichten Werbeanzeigen für Tonbänder mit unterschwelligen Botschaften. Die linke Hemisphäre steuert weitgehend das Sprachverständnis und die Sprachproduktion. Pädagogen schickten sich an.27 Über zehn Jahre später zog Gazzaniga sogar einige seiner vorsichtigsten Aussagen über die rechte und linke Großhirnhälfte in Zweifel.bot Ratschläge an. um die »rechte Hälfte« des Gehirns ihrer Studenten anzusprechen. die auf seiner Interpretation der Split-brain-Experimente basierte. Historiker deuteten die Geschichte neu durch die Linse der Split-brain-Forschung. während Hitler ein »rechtshemisphärisches Naturell« besessen habe. In seinem 1985 erschienenen Buch The Social Brain formulierte Gazzaniga eine Kritik am Wohlfahrtsstaat. der 1998 im Scientific American erschien.

nicht aber bei einem Patienten. entfernten Chirurgen seine linke Großhirnhälfte. Doch das Kriterium der Reproduzierbarkeit stellt für die Wissenschaft vom menschlichen Geist eine extreme Herausforderung dar. Dies läßt sich nach Ansicht von Jack Pressman. benannt wurde. Obschon die Ärzte seine Eltern warnten.28 Menschen mit denselben Formen von Hirnschädigungen könnten völlig verschiedene Symptome zeigen. einem Medizinhistoriker an der Universität von Kalifornien in San Fran. W. begann Alex zehn Monate später zu sprechen. erlangte er mit Hilfe seiner rechten Hemisphäre dreizehn Jahre nach der Operation das Sprachvermögen zurück. Ein vermeintlicher Grundpfeiler der Naturwissenschaft ist ihre Fähigkeit. auf der Grundlage von relativ wenigen Fällen allgemeingültige Aussagen über das Gehirn zu machen. zuverlässige Aussagen über die Folgen von Hirnschädigungen für dieselbe Person zu machen. Außerdem war er völlig stumm. keine Besserung seiner sonstigen Symptome zu erwarten. Als Alex acht Jahre alt war. Zudem erschwere es die Plastizität des Gehirns sogar. und im Alter von sechzehn Jahren sprach er flüssig. die damit verbunden seien. der mit den Initialen J. nach einem chirurgischen Eingriff in der linken Hemisphäre stumm war. schließlich veränderten sich Individuen mit der Zeit. um seine Epilepsie zu lindern. Schwere Läsionen in der linken Hemisphäre führen im allgemeinen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sprachvermögens . Ein britischer Junge namens Alex stellt einen noch bemerkenswerteren Fall dar.57 . daß er unter ständigen epileptischen Anfällen litt. weil sich alle Gehirne und alle psychischen Erkrankungen in relevanten Aspekten voneinander unterscheiden. Die Gagesche Neurowissenschaft verdeutlicht ein Haupthindernis für das Verständnis des menschlichen Gehirns. Experimente und damit Befunde zu reproduzieren.Gefahren.29 Er kam mit einer so starken Mißbildung der linken Hemisphäre zur Welt. W. Obgleich J.

bei dem die präfrontalen Faserverbindungen durchtrennt werden. wie Phineas Gage. daß »die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen liegt«. Pressmans Fazit lautete: »Da jeder Mensch aus einer einmaligen Kombination von physiologischen Gegebenheiten. Einige Patienten schienen von dem Eingriff zu profitieren. um des hundertfünfzigsten Jahrestages des Unfalls von Phineas Gage zu gedenken. sozialer Identität und persönlichen Werten besteht. noch immer nicht beantwortet hätten.cisco. Ein Konferenzteilnehmer erklärte tapfer. stellt jeder Patient praktisch ein einzigartiges Experiment dar. Vermont. die Wissenschaftler »streiten sich weiterhin über die Frage.31 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden Die Skepsis des Sokrates gegenüber der Anwendung physikalischer Überlegungen auf das menschliche Denken und Verhalten hat sich als außerordentlich weitsichtig erwiesen. So besteht zwischen der Neurowissenschaft und Disziplinen. In einem Bericht über die Konferenz in Science wurde hervorgehoben. die . anderen ging es schlechter als vorher. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort: Psychosurgery and the Limits of Medicine wies er darauf hin.58 . ob der frontale Kortex als Einheit funktioniert oder seine Aufgaben aufteilt«. daß die Forscher die Fragen. eindeutig der Geschichte der Lobotomie entnehmen. die erstmals durch Gages Fall aufgeworfen worden waren. andere in einen geradezu katatonen Stupor. «30 Im September 1998 versammelten sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Cavendish. zuverlässige Aussagen über den Nutzen der Lobotomie zu machen – eines Verfahrens zur Behandlung schwerer Psychosen. wie schwierig es sei. Einige Patienten verfielen in einen Zustand ungehemmter motorischer Erregung.

nährten Spekulationen. der sogenannten Monoaminoxidasehemmer und der trizyklischen Antidepressiva. Die Entwicklung spezieller Antidepressiva. Angesichts der Allgegenwart eines Neurotrans. (Bislang gibt es keine allgemein anerkannte Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit von Lithium bei manisch-depressiven Erkrankungen. wie etwa der Psychiatrie. sahen die Psychiater in der Schizophrenie eine dopaminabhängige Störung und nicht mehr die Folge eines psychischen Traumas. Das stimmt zwar. der 1932 für seine Arbeiten über das Nervensystem mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. der Psychiatrie. Die Physiologie hat nicht genügend Erkenntnisse über das Verhältnis von Gehirn und Geist anzubieten. ist aber auch nicht so wichtig.mentale Phänomene auf höherer Organisationsebene betrachten. eine eigentümliche Diskrepanz. daß depressiven Erkrankungen ein Mangel an diesen Neurotransmittern zugrunde liege. daß Serotonin allein als Schlüssel zur Depression angesehen wird. Die wachsende Beliebtheit der sogenannten Selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI) wie etwa Fluctin hat dazu geführt. Der britische Neurophysiologe Charles Sherrington.«32 Der Aufstieg der Psychopharmakologie in den sechziger Jahren weckte die Hoffnung. die die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin steigern. die eine oder die andere Seite zu kurz kommen zu lassen. Den Ärzten wird manchmal angelastet.59 . psychische Krankheiten könnten biochemisch erklärt werden. Es gibt einen guten Grund dafür. schrieb einmal: »Im Medizinstudium und in der ärztlichen Praxis klafft eine enorme Lücke zwischen dem Gebiet der Neurologie und der Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. um dem Psychiater eine echte Hilfe zu sein.) Doch selbst die Urheber dieser Neurotransmitter-Hypothese räumen ihre Schwachpunkte ein. Weil Neuroleptika wie Chlorpromazin und Reserpin die Konzentration des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn erhöhen.

ob die vergrößerten Hirnkammern eine Ursache oder eine Folge der Schizophrenie waren . daß die Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns ist«. der damalige Direktor des National Institute of Mental Health.flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Zentrum des Gehirns . Neurowissenschaftler »machen grundlegende Entdeckungen von weitreichender Bedeutung«. sind viel. Neurowissenschaftler haben sich bemüht. Die Forscher verglichen die Gehirne von fünfzehn Schizophrenen mit den Gehirnen ihrer nichtschizophrenen eineiigen Zwillingsgeschwister. Zudem sind Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen nicht so wirksam. daß auch viele normale Menschen relativ große Hirnkammern besitzen und daß dies andererseits bei vielen Schizophrenen nicht der Fall ist. indem sie das Gehirn von psychisch Kranken mit der PET und anderen bildgebenden Verfahren untersuchten. die 1990 am National Institute of Mental Health durchgeführt wurde. Auch zwischen der Neurowissenschaft und der Psychologie gibt es eine beunruhigende Spaltung. der »unwiderlegbare Beweise dafür erbracht hat. auf welche diese einzelnen Entdeckungen zutreffen. schrieb der an Harvard lehrende Psychologe Jerome Kagan einmal. die zu ihrer Behandlung eingesetzt wurden. physiologische Entsprechungen für die Schizophrenie und andere Erkrankungen zu finden.60 . wie oft behauptet wird.mitters wie Serotonin und der Vielfalt seiner Funktionen ist sein Erklärungswert als Kausalfaktor für die Entstehung von Depressionen genauso gering wie etwa der von Blut.als ihre nichtschizophrenen Geschwister. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang eine vielzitierte MRT-Studie. Bislang haben diese Bemühungen entmutigend mehrdeutige Ergebnisse erbracht. »Aber die beobachtbaren Verhaltensereignisse. Folgestudien ergaben.beziehungsweise der Medikamente. Lewis Judd. Bis auf einen hatten alle Schizophrenen größere Hirnkammern .33 Leider konnten die Forscher jedoch nicht feststellen. pries die Studie als einen »Markstein«.

Annual Review of Psychology. Die Neurowissenschaftler V. Die Psychologie hingegen zeichnete sich durch eine peinlich lange Folge von »Theorien« aus. suchten in den vier einflußreichsten psychologischen Fachzeitschriften . Jeder Bereich besitzt eine gewisse Unabhängigkeit. der sich für Ideengeschichte interessiert. Psychological Bulletin und Psychological Review .« Bislang ist es der Neurowissenschaft nicht gelungen.J. Smythies von der Universität von Kalifornien in San Diego haben unlängst in einem Aufsatz in Nature auf diesen Punkt hingewiesen: Jeder.. der Chromosomen.61 . »Der Stellenwert der Neurowissenschaft nimmt zweifelsfrei zu. in der Psychologie wahrgenommen zu werden. Sie fanden heraus. allerdings nach unseren Erhebungen nicht in der Hauptströmung der Psychologie.American Psychologist.] von entscheidender Bedeutung ist die Aufklärung des Zusammenhangs zwischen molekularen und Verhaltensereignissen. der Mendelschen Gesetze der Vererbung. Der Fortschritt in der Biologie war durch wegweisende Entdeckungen gekennzeichnet. der DNA und des genetischen Codes.die Entdeckung der Zellen. S. die jeweils zu einem Quantensprung in unserem Wissen führten . ausnahmslos Psychologen.. daß sich die enorme Zunahme der neurowissenschaftlichen Forschung nicht in den Zitaten in psychologischen Aufsätzen widerspiegelte. die im Grunde nichts anderes waren als flüchti.fach unklar [. Ramachandran und J. während sie den Fortschritt im Bereich der Biologie gekennzeichnet hat.«34 Mit diesem Aspekt der »Erklärungslücke« befaßte sich ein 1998 im American Scientist erschienener Aufsatz mit dem Titel »Psychological Science at the Crossroads«35.neurowissenschaftliche Quellenangaben. der Mutationen. dürfte über die folgenden bemerkenswerten Unterschiede zwischen Fortschritten in der Biologie und Fortschritten in der Psychologie verwundert sein. Die drei Verfasser.

weshalb ich Freud. äußerte sie 1997 gegenüber einem britischen Journalisten. finden einige der führenden Neurowissenschaftler Freuds Ideen noch immer höchst plausibel. erhellen könne. daß die Neurowissenschaft möglicherweise eines Tages die Psychoanalyse bestätigen würde. ist die Psychoanalyse. dem Leiter der Abteilung Neuropharmakologie am Scripps-Forschungsinstitut und Autor mehrerer Bücher über Neurowissenschaft sowie Herausgeber des Wissenschaftsmagazins Science. Bloom erwog sogar. Susan Greenfield von der Universität Oxford ist Direktorin der britischen Royal Institution und eine der bekanntesten Neurowissenschaftlerinnen Großbritanniens. antwortete er: »Ich schließe dies nicht aus. daß Freud eine wichtige Inspirationsquelle war. ist die Tatsache. weil eine unerwartete Innovation in der Molekularbiologie.« 38 Er sagte mir. Als ich ihn fragte.ge Modeerscheinungen. »Allerdings bin ich mit meiner Ansicht. ob er glaube. wohl eher eine Ausnahme unter den Neurowissenschaftlern. vielleicht unabhängig von seinen spezifischen Theorien. die sie erfunden hatten. bewundere. in ein psychoanalytisches Institut einzutreten. daß er ein Pionier war«. um Stoff für sein Projekt zu sammeln. daß die Neurowissenschaft vielleicht den plötzlichen Perspektivwechsel beziehungsweise das plötzliche »Umschalten in einen anderen intellektuellen Gang«. das manchmal während einer Psychoanalyse auftrete. »Einer der Gründe. durch die Gene in beliebig . die nur selten die Personen überlebten.62 .«37 Greenfields Sympathie für Freud wird von Floyd Bloom geteilt. Obgleich die Psychoanalyse in gewissen naturwissenschaftlichen Kreisen zum Inbegriff der Pseudowissenschaft geworden ist. er sei vor zwanzig Jahren zu der Überzeugung gelangt. die ihren Erfinder überlebt hat. er entschied sich nur deshalb dagegen.36 Eine psychologische Mode beziehungsweise »Theorie«.

lieber Freund. ein Molekularbiologe. der für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Charles Darwin und Sigmund Freud. sieh es doch mal so: Alles. Kalifornien.großen Zahlen vervielfältigt werden konnten.‹ Verzweifelt sagte ich einmal: ›Jacques. Edelman widmete sein Buch Göttliche Luft. Freud sei unwissenschaftlich und womöglich ein Scharlatan gewesen. vernichtendes Feuer. wobei er darauf bestand.‹39 Psychoanalyse und Seehasen Angetan von Freud ist auch Eric Kandel. daß Freud. eine populärwissenschaftliche Darstellung seiner Theorie des Geistes. Kandel ist durch die Kombination von scharfem Verstand und einschüchterndem Auftreten seit Jahrzehnten die beherrschende Gestalt der Neurowissenschaft. später auf Neurowissenschaft umsattelte und heute das Institut für Neurowissenschaft in La Jolla. In viel Weisheit viel Traurigkeit. so doch besonders in seiner Sicht des Unbewußten und dessen Rolle für das Verhalten ein großer intellektueller Wegbereiter gewesen sei. ihn wieder ins Labor lockte. Monod.« Er schrieb über das Unbewußte: Mein Freund Jacques Monod. antwortete: ›Ich kenne meine Beweggründe vollständig und bin für meine Handlungen voll verantwortlich. leitet.‹ Er antwortete: ›Genau. zwei »intellektuellen Bahnbrechern. 40 Er ist . Nachfahre strenger Hugenotten. Sie sind alle bewußt. Ein anderer hochkarätiger Freudophiler ist Gerald Edelman. der Direktor des Zentrums für Neurobiologie und Verhalten an der ColumbiaUniversität.63 . wenn auch vielleicht nicht in unserem Sinn ein Wissenschaftler. stritt sich oft heftig mit mir über Freud. was Freud sagt. gilt für mich und nichts davon für dich. Ich vertrat die Meinung.

Das Tier lernte rasch. Principles of Neural Science und Essentials of Neural Science and Behavior. 43 Die Nervenzellen dieses Geschöpfs sind die größten. einer Seehase genannten Meeresschnecke. die einmal plastisch als eine »purpurrot-grüne Folienkartoffel mit Ohren« beschrieben wurde.64 . bis sie den Reiz schließlich völlig ignoriert. sondern das der Aplysia californica zu erforschen.41 und hat darüber hinaus viele populärwissenschaftliche Darstellungen der Neurowissenschaft maßgeblich beeinflußt. die bislang wissenschaftlich beschrieben wurden. doch zu Beginn der sechziger Jahre spezialisierte er sich auf Neurowissenschaft. der Sensibilisierung genannt wird -. zieht sie sich ruckartig in einen Mantel zurück. ruft er Herausgeber und Reporter an. Durch diesen Habituation (Gewöhnung) genannten Prozeß lernt die Meeresschnecke. Der in Wien geborene Kandel studierte an der New-York Universität und der Harvard-Universität Psychiatrie.Mitautor von zwei herausragenden neurowissenschaftlichen Lehrbüchern. Die Aplysia war ein vollkommenes Versuchsobjekt für Kandels Untersuchungen über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses und des Lernens. den Wasserstrahl nicht mit Gefahr zu assoziieren. um so lustloser zieht sie sich zurück. dem Scientific American oder anderen Publikationen mißfällt. Er beschloß. Je öfter man diese Stimulation wiederholt.einen Effekt. Kandel und seine Mitarbeiter erzeugten das Gegenteil der Habituation . indem sie die Aplysia wiederholt bespritzten und ihr gleichzeitig einen Elektroschock verabreichten. sich schon bei der leichtesten Berührung zurückzu. um sich zu beschweren und ihnen Ratschläge zu erteilen. nicht das Nervensystem vom Homo sapiens.42 Wenn ihm die Berichterstattung über die Neurowissenschaft in der New York Times. wie sie die Berichterstattung verbessern könnten. Wenn sie an einer bestimmten Stelle mit einem Wasserstrahl bespritzt wird. man kann sie mit bloßem Auge sehen.

wird das Protein chemisch neutralisiert. In den neunziger Jahren führten Kandel und seine Mitarbeiter Experimente mit einem Stoff durch. daß dieses Protein. Zusammen mit anderen Gruppen zeigte Kandels Team. Ein im Februar 1998 im New York Times Magazine erschienener Artikel über Gedächtnisforschung enthält ein ganzseitiges Foto von Kandel. nicht bilden. der Aplysia dabei hilft. kann die Meeresschnecke die Langzeiterinnerungen. die sie mit benachbarten Neuronen verbinden. das offenbar als ein Schlüsselschalter bei der Bildung von Erinnerungen fungiert. Diese Experimente lieferten empirische Belege für eine Hypothese. daß Lernprozesse die Stärke der Verbindungen zwischen Neuronen verändern. Andere Forscher haben ähnliche Experimente an Taufliegen. umgekehrt schütteten sensibilisierte Neuronen mehr Neurotransmitter aus. Bei der Habituation schütteten die Neuronen weniger Neurotransmittermoleküle in die synaptischen Spalte aus. In einem Alter. daß sowohl Habituation als auch Sensibilisierung molekulare Veränderungen in den Neuronen auslösen. das sich auf sogenannte neuronale Netze stützt (die ich im siebten Kapitel behandeln werde). in dem die meisten Wissenschaftler bereit sind. Dieser Hebbsche Mechanismus dient als Grundlage für ein Modell der Künstlichen Intelligenz. die charakteristisch für Sensibilisierung und Habituation sind. Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses ins Langzeitgedächtnis zu überführen. das Feld jüngeren Kollegen zu überlassen. die erstmals in den fünfziger Jahren von Donald Hebb formuliert wurde und die besagt. das CREB (cyclic-AMP-responsive element binding protein] genannt wird. Mäusen und anderen Lebewesen durchgeführt.ein Protein. die den Rückzugsreflex der Aplysia steuern.65 . ist Kandel noch immer sehr aktiv. auf dem er ein blaugestreiftes Hemd und eine rote Fliege trägt und eine schleimig glänzende Aplysia in der Hand hält.ziehen. Kandels Arbeitsgruppe zeigte. Der Verfasser . der als ein potentielles »E = mc2 des Geistes« hochgejubelt wurde 44 .

wie etwa traumatische Ereignisse in der Kindheit. aufhalten oder sogar umkehren. Konkreter ausgedrückt heißt das: Habituation und Sensibilisierung von Neuronen können Gene ein. daß Freuds Theorien über die Psyche eines Tages durch die Neurowissenschaft erhärtet werden. das Medikamente vermarktet. In gleicher Weise könnten die Psychoanalyse und andere Psychotherapien langfristig heilsame Wirkungen auf genetischer Grundlage herbeiführen. die angeblich den Gedächtnisverlust verlangsamen. daß seine Experimente und die Experimente von anderen gezeigt hätten. daß sich Kandel für die Psychoanalyse interessiert habe. 47 Er wies darauf hin.66 . Kandel äußerte diese Hoffnung in seinem Beitrag »A New Intellectual Framework for Psychiatry«.und ausschalten oder ihre Ausprägung anderweitig beeinflussen. indem er ein Unternehmen mit dem Namen Memory Pharmaceuticals gründete. . war. daß Kandel »einen Großteil der bahnbrechenden Forschungsarbeiten über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses durchgeführt hat« und weiterhin zu den Spitzenforschern auf seinem Gebiet zähle. Psychoanalytiker zu werden. kommerzielles Kapital aus seinen wissenschaftlichen Errungenschaften zu schlagen. 45 Kandel versuchte. der im April 1998 im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. Obgleich ihn »die Neurobiologie auf fruchtbare Weise abgelenkt hat«46 (wie es die Times formulierte). Der Artikel erwähnte. Er hat die Hoffnung.des Artikels weist darauf hin. an das theoretische und therapeutische Potential der Psychoanalyse zu glauben. daß Kandel sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere einer Psychoanalyse unterzogen und sogar erwogen hatte. hörte er nie auf. bevor er sich der Neurowissenschaft zuwandte. Was der Artikel nicht erwähnte. daß Erfahrungen. durch neurochemische und genetische Wirkungen Neurosen verursachen können. daß Erfahrungen physikalische Veränderungen in den Neuronen herbeiführten. Aus diesen Befunden folge.

« Die meisten wissenschaftlichen Disziplinen. so Kandel weiter. befinden sich Psychiatrie und Neurowissenschaft heute in einer neuen und besseren Lage. Als ich ihn fragte. als er ein Resümee der Errungenschaften seiner Disziplin zog. 48 Von seinem Büro aus hat man einen malerischen Ausblick auf den Hudson River. Speicherung und Abrufung einer Erinnerung zusammenwirkten. und als wir uns die Hand gaben. auf welche Weise die verschiedenen Regionen des Gehirns bei der Codierung. Er erklärte. das Gedächtnis werde bald ein »gelöstes« Problem sein. daß das CERB-Protein und andere Entdeckungen die gemeinsame Grundlage vieler unterschiedlicher Typen von Gedächtnis enthüllen könnten.»Aufgrund von Fortschritten.eine Annäherung.« Ich traf Kandel Ende 1997 in seinem Büro im sechsten Stock des Instituts für Psychiatrie in Manhattan. Probleme seien niemals erschöpft. die den Einsichten der psychoanalytischen Betrachtungsweise erlauben würde. der große Neurowissenschaftler Ramon y Cajal habe einmal gesagt. Doch das Gedächtnisproblem sei »noch weit von einer Lösung entfernt«. das Bemühen um ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen des Verhaltens zu bereichern. die die Neurowissenschaft in den letzten Jahren gemacht hat. wechselten zwischen Phasen wachsender Komplexität und Phasen zunehmender Vereinheitlichung. ob er glaube. schnitt Kandel eine Grimasse und schüttelte den Kopf. Es sei möglich. Die Forscher müßten erst noch klären.« Er habe . die ich interviewt hatte. schwankte auch Kandel zwischen Stolz und Demut. Konsolidierung. Wie andere Neurowissenschaftler. versank die blutrote Sonne hinter der Silhouette der Hochhäuser von New Jersey.67 . höchstens die Wissenschaftler. um sich einander anzunähern . so wie die Aufklärung der Struktur der DNA ein einheitliches Modell der Vererbung geliefert habe. »Wir befinden uns heute in einem Zeitalter der Aufspaltung. »Wir haben keinen blassen Schimmer von alldem. die an ihrer Lösung arbeiteten. sagte er nachdenklich.

so Kandel. tut sie es vermutlich nur in einer begrenzten Reihe von Umständen.das Dilemma des Reduktionismus. meinte Kandel. es würde zu einer »raschen Verschmelzung« zwischen Neurowissenschaft und Psychiatrie kommen. Forschungen an lebenden Primaten.sein zum Klassiker avanciertes Lehrbuch Principles of Neural Science seit der Erstveröffentlichung 1981 dreimal aktualisieren müssen. in der sie so sehr von ihrer Macht überzeugt war. könnten Anhaltspunkte dafür liefern. sei die Frage. »Das ist meines Erachtens eine sehr fruchtbare Methode«. Soweit sie funktioniert. Das Gehirn bilde die Welt nicht in der gleichen Weise wie eine Kamera ab.noch immer weitgehend ungelöst sei. daß die Psychoanalytiker. . »es zerlegt das Bild.68 . daß sie ihre Interessen auf sämtliche psychiatrischen Erkrankungen und alle Gebiete der Medizin ausdehnte. da sie ihre eigenen Methoden nicht hinterfragt und nicht auf den Prüfstand gestellt hätten. wie das Gehirn aus vielen verschiedenartigen Elementen Bilder der Wirklichkeit zusammensetze. um die Flut neuer Erkenntnisse einzubringen. wie sie von Patricia Goldman-Rakic und anderen durchgeführt würden. eine Mitschuld an diesem Stillstand treffe. »Die einfachen Probleme sind gelöst. Das trug mit zu ihrem Niedergang bei. Doch wie Torsten Wiesel und Gerald Fischbach betonte auch er.« Die Psychoanalytiker seien zudem »pflichtvergessen« gewesen. es zerlegt alle Empfindungen und setzt sie dann wieder zusammen«. »Die Psychoanalyse machte eine Phase durch. wie das Gehirn sein Bild der Wirklichkeit erzeugt. Offensichtlich fand diese Synthese nicht statt. die die Psychiatrie in den fünfziger und sechziger Jahren beherrschten. daß das Problem des binding . um meinen Begriff zu gebrauchen . Jetzt wenden wir uns den kniffligsten zu. Kandel sagte.« Ein zentrales Problem der Neurowissenschaft. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Neurowissenschaftler dachte Kandel.

der ein »sehr flaches« Bild der psychischen Repräsentation entworfen habe. Forschungen könnten zeigen. wie etwa der genauen Art und Weise.69 .vielleicht sogar spezifischer. offen. unter welchen Umständen?« Er sei »intuitiv« von der Wirksamkeit der Psychoanalyse überzeugt .« Doch blieben Fragen zu spezifischeren Aspekten der Freudschen Theorie. in der Kindheitserfahrungen verschiedene Persönlichkeitszüge und -Störungen hervorbrächten. »Halten sie einer empirischen Überprüfung stand und unter welchen Umständen? Sind sie universell? Und was noch wichtiger ist: Hat die Psychoanalyse eine therapeutische Wirkung. »Meiner Meinung nach werden sie heute praktisch von jedermann akzeptiert. was es zweifellos tue. »weshalb dies weniger wert sein soll als die Einnahme von Fluctin?« Selbst wenn Studien die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nicht nachweisen könnten. fruchtbare Betrachtungsweise der menschlichen Psyche. versicherte mir Kandel -.« Zu Beginn dieses Jahrhunderts diente die Psychoanalyse als ein Gegengewicht zu den Auswüchsen des Behaviorismus. daß Konflikte in der Kindheit unsere Persönlichkeit formten und daß ein Großteil unseres psychischen Lebens unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufe .Viele der grundlegenden Ideen Freuds . stelle sich die Frage.« Wenn das Gespräch mit einem Freund. Die Psychoanalyse habe auch die Entdeckung der modernen Neurowissenschaft und kognitiven Psychologie vorweggenommen. einem Seelsorger oder einem Therapeuten Veränderungen im Gehirn auslöse.wie etwa seine Behauptung. so Kandel. und wenn ja. doch ihre therapeutische Wirksamkeit zu beweisen sei eine ganz andere Sache. Das wäre hervorragend.seien längst Gemeingut geworden.seine eigene Analyse habe ihn zu einem glücklicheren Menschen gemacht. bleibe sie eine »sehr humane. wonach das Gehirn die Wirklichkeit kon. die »so spezifisch sind wie die Wirkungen von Medikamenten . daß Psychotherapien günstige Veränderungen im Gehirn herbeiführten.

»Das soll nicht heißen. verbrachte er über zehn Jahre mit Forschungen.struiere und nicht bloß abbilde.« Es sei möglich. Bevor Freud die Psychoanalyse begründete. daß uns die Neurowissenschaft tiefe Erkenntnisse über die menschliche Psyche verschaffen könne. daß die statistische Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ist.70 . daß man unter gut ausgebildeten Ärzten keine Scharlatane findet.« Freud als Neurowissenschaftler Ironischerweise schien Freud selbst gegen Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn zu bezweifeln. Gesundbeter seien viel öfter Scharlatane und Betrüger als Psychoanalytiker. »Vielleicht ist die Psychoanalyse lediglich eine sehr wirkungsvolle Methode. ein solcher Befund stelle die Psychoanalyse auf eine Stufe mit dem Gesundbeten. um das Vertrauen des Patienten für therapeutische Zwecke einzuspannen. so Kandel. daß mehr dahintersteckt. sondern nur. die man heute zur Neurowissenschaft zählt. darunter auch eine Monographie über Aphasie und andere . die recht fruchtbar ist. daß sie eine wirklich nützliche Therapie ist. Die Psychoanalyse »kann uns daher schlimmstenfalls eine Weltanschauung [dt. Er veröffentlichte über dreihundert Aufsätze und fünf Bücher über Neurobiologie. die der anerkannten Wissenschaft näherstünden. Man würde sich wünschen.« Kandel widersprach der Behauptung. daß der Erfolg einer psychoanalytischen Behandlung auf die Erwartungen des Patienten zurückzuführen sei – anders gesagt. im Original] liefern. Psychiater und andere. und von 1882 bis 1885 arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien intensiv mit hirngeschädigten Patienten. 49 Er erforschte das Nervensystem von Neunaugen und Flußkrebsen. Bestenfalls mag sich herausstellen. auf den Placebo-Effekt. aber das könnte das ganze Geheimnis sein.

) als materielle Teilchen die Neurose zu nehmen.« 50 Im selben Jahr umriß Freud seine Vision einer physiologisch begründeten Theorie der Psyche in einem Manuskript. als Q aufzufassen.71 . kurz vor seinem Tod. die Psychoanalyse. verstehe ich nicht mehr«. und man konnte durchschauen vom Neurosendetail bis zu den Bedingungen des Bewußtseins. das später Entwurf einer Psychologie genannt wurde: »Es ist die Absicht. Im Jahr 1895 war Freud für kurze Zeit davon überzeugt.« 51 Freud hat dieses Manuskript nie veröffentlicht.Krankheitsbilder. das heißt psychische Vorgänge darzustellen als quantitativ bestimmte Zustände aufzeigbarer materieller Teile [und sie] damit anschaulich und widerspruchsfrei zu machen. was Tätigkeit und Ruhe unterscheidet. Es schien alles ineinanderzugreifen. die dem allgemeinen Bewegungsgesetz unterworfen [ist]. man bekam den Eindruck. . Enthalten [sind] zwei Hauptideen: [1. das Ding sei jetzt wirklich eine Maschine und werde nächstens auch von selber gehen.)] das. 2. eine naturwissenschaftliche Psychologie zu liefern.. in dem ich die Psychologie ausgebrütet.. das Räderwerk paßte zusammen. daß die menschliche Psyche und ihre Erkrankungen auf rein physiologischer Grundlage erklärt werden könnten. daß man die Psyche und ihre Störungen rein physiologisch erklären könne. November 1895 schrieb er wieder an Fliess: »Den Geisteszustand. An seinen Freund Wilhelm Fliess schrieb er: »In einer fleißigen Nacht der verflossenen Woche [. und am 29. Im Jahr 1938. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Karriere bezweifelte Freud immer stärker. schien er die Möglichkeit. etwa unter Bezugnahme auf die unlängst entdeckten Neurone.52 Unmittelbar im Anschluß an diese Periode begann er. ein rein psychologisches Modell der Psyche zu entwerfen.] haben sich plötzlich die Schranken gehoben. die Hüllen gesenkt. die durch Schädigungen am zentralen Nervensystem verursacht werden.

Wenn sie bestünde. Alles dazwischen ist uns unbekannt. auszuschließen: Von dem. daß die Erklärungslücke möglicherweise nie geschlossen werde.daß die Psychologie jemals mit der Neurowissenschaft vereinigt würde. . das Gehirn (Nervensystem). was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen. würde sie höchstens eine genaue Lokalisation der Bewußt53 seinsvorgänge liefern und für deren Verständnis nichts leisten. Wie Sokrates über zweitausend Jahre vor ihm schien Freud sagen zu wollen. eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens ist nicht gegeben. andererseits unsere Bewußtseinsakte.72 . ist diese Prophezeiung bislang in Erfüllung gegangen. erstens das körperliche Organ und Schauplatz desselben. Freuds Theorien zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen. ist uns zweierlei bekannt. Aufgrund des Unvermögens der Neurowissenschaft. die unmittelbar gegeben sind und uns durch keinerlei Beschreibung nähergebracht werden können.

eröffnete die Sitzung mit der Empfehlung. in denen unerfreulichere Themen behandelt wurden: »Der Tod der Psychoanalyse: Mord. hatten fünf Tage lang im opulenten Waldorf-Astoria in New York City getagt.« . Der Anlaß war ein Treffen der Fachgruppe 39 der American Psychological Association. WARUM FREUD NICHT TOT IST So ist es durchaus möglich. Probleme sprachlichen Wissens 1 einem regnerischen Frühlingstag des ich Anim Ballsaal eines Hotels und lauschteJahres 1996 saßZahl einer großen von Freuds intellektuellen Nachfahren. bei der Mitglieder der Fachgruppe 39 jedes beliebige Thema ansprechen konnten. die Teilnehmer sollten sich mit dem »Hauptproblem« befassen. in überwältigender Weise wahrscheinlich. Morris Eagle. daß wir über das menschliche Leben und die menschliche Persönlichkeit aus Romanen immer mehr erfahren werden als durch wissenschaftliche Psychologie. Die Befürchtungen kamen bei einer »offenen Diskussionsrunde«. eines Refugiums treuer Anhänger der Psychoanalyse. und wie man vermuten könnte. NOAM CHOMSKY. Selbstmord oder stark übertriebenes Gerücht?« »Psychoanalytische Technik: Hat sie eine Zukunft?« und »Psychoanalyse auf dem Rückzug«.2. der Vorsitzende der Fachgruppe 39 und ein bekannter New Yorker Psychoanalytiker.2 Etwa vierhundert Mitglieder dieser Gruppe. Doch ich war wegen Diskussionsforen gekommen. mit dem sie gegenwärtig konfrontiert seien: »dem Überleben der Psychoanalyse im besonderen und der langfristigen psychodynamischen Behandlung beliebiger Art unter den Rahmenbedingungen der neuen integrierten Gesundheitsfürsorge (managed health care).73 . die ihre Befürchtungen und Wünsche enthüllten. unverhohlen zum Ausdruck. Das offizielle Thema des Treffens klang beschwingt: »Psychoanalysis: A Creative Journey«.

meinte ein Mann. die bewiesen. daß die Psychoanalyse die medizinischen Kosten. daß »man mit statistischen Daten alles beweisen kann. daß das Vorlesungsverzeichnis des Colleges seiner Tochter keinen einzigen Kurs über Freud anbiete. Der einzige Weg. der Ame. der Vorsitzende. Andere äußerten ihre Zweifel. die Psychoanalyse zu stützen. der Nutzen der Psychoanalyse könne lediglich auf einer »subjektiven. daß Studien. die Arbeitsausfallzeiten und den Alkoholismus verringern könne. solle.Teilnehmer der Diskussionsrunde schlugen verschiedene Gegenmaßnahmen vor. Gegner der Psychoanalyse fänden sich sogar innerhalb der Dachorganisation der Fachgruppe 39. in der neuerdings so wettbewerbsintensiven Atmosphäre. ihren Gegnern in die Hände spielen könnten. Ein ehemaliger Mathematiker stand auf und erklärte. stimmte ein anderer zu. Ein anderer bekundete seine Verwunderung darüber. so der Vorschlag einer Frau. und leider beginnt die Öffentlichkeit dies zu begreifen«. die die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nachweisen sollten. Im Verlauf des Treffens wurde die Stimmung immer gedrückter. Eagle. die durch die integrierte Gesundheitsfürsorge erzeugt worden sei. Ein anderer bestätigte. existentiellen Basis« beurteilt werden. sei der empirische Nachweis ihrer Überlegenheit im Vergleich zu anderen Behandlungsverfahren. wies warnend darauf hin. daß es der Psychoanalyse »in so kurzer Zeit gelungen ist. so viele Menschen gegen sich aufzubringen und sich selbst in eine derartige Außenseiterposition zu manövrieren«. daß wir ein besseres Produkt haben«.74 . »müssen wir nachweisen. ein Mitglied der Fachgruppe 39 darauf mit einem Aufsatz oder Leitartikel entgegnen. die Psychoanalytiker müßten Studien durchführen. Jedesmal wenn jemand die Psychoanalyse in der Öffentlichkeit »heruntermacht«. daß wir auf empirischer Basis gewinnen können«. Ein Psychoanalytiker beklagte sich. »Ich glaube nicht.

Ein altes Bonmot besagt. und im selben Jahr verglich die Zeitschrift Current Opinion Freuds »Sexualtheorie« mit der »Hypothese. Sie beklagte bitterlich. .. seufzte sie. findet darin »ein völliges Fehlen der Merkmale. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren überleben werde. daß sie ihre Praxis weiterhin rentabel führen könnten. Ein anderer wies darauf hin.75 . daß ich in den Ruhestand trete«. da Freud seine Theorien öffentlich vorzustellen begann. Von dem Augenblick an vor hundert Jahren. Viele ihrer Kollegen nickten und murmelten in düsterer Zustimmung. daß die Psychoanalyse »weder theoretisch noch empirisch wohlbegründet ist«5. schäbige und im Grunde mittelalterliche Welt Freuds mit [.rican Psychological Association.] ihren bösen kleinen Embryos. Eine Frau aus La Jolla in Kalifornien erklärte. so viele Patienten zu halten. er erregte sich über »die vulgäre. daß sie und andere Psychoanalytiker in ihrer Region wachsende Schwierigkeiten hätten. wenn sie kranken Patienten keine Medikamente verschreibe. 3 Eine im Jahr 1913 erschienene Rezension der Traumdeutung. die viele für Freuds bedeutendstes Werk halten. meinte er in mürrischem Tonfall. daß manche Paranoiker tatsächlich Feinde haben.. daß sie aufgrund neuer Gerichtsurteile wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht verklagt werden könne. die zum wissenschaftlichen Fortschritt führen«.4 Im Jahr 1916 monierte die Zeitschrift Nation. wurden sie unerbittlich angegriffen. wonach der Mond aus Molkenkäse besteht«.6 Der russische Romancier Vladimir Nabokov nannte Freud einen »Schamanen« und »Wiener Quacksalber«. die von ihren natürlichen Verstecken aus das Liebesleben ihrer Eltern ausspionieren«7. daß Freud selbst gegen Ende seines Lebens bezweifelt habe. Im Jahr 1896 wurde Freuds brandneue Theorie über die sexuellen Ursachen der Hysterie als »ein wissenschaftliches Märchen« verhöhnt. »Vielleicht ist es Zeit.

Wäre Freud tatsächlich tot. ein Historiker an der Stanford-Universität. das Freud angreift.76 .9 Die Kräfte des freien Marktes haben der Psychoanalyse schweren Schaden zugefügt. Unterdessen verschreiben Psychiater und andere Ärzte für weitverbreitete Leiden wie Depression und Angst in zunehmendem Maße Medikamente statt Gesprächstherapien. wie das Magazin Time die Frage zu stellen: »Ist Freud tot?«10 Wohl kaum. Viele Patienten und alle Krankenversicherungen bevorzugen Kurztherapien. in Freud and His Critics. enthielt der zugehörige Katalog Beiträge von mehreren führenden Freud-Kritikern. der den Glauben an die Psychoanalyse mit dem Glauben an das Ungeheuer von Loch Ness verglich. Freud Evaluated und Unauthorized Freud 8 versuchten. Nur wenige Menschen haben die Zeit und das Geld für eine Behandlung. prophezeite Paul Robinson. kommt ein anderes. die spezifische Probleme angehen und nicht tief in der Vergangenheit eines Patienten graben.darunter Freuds Enkelin Sophie . nachdem sich ein Bündnis von Protestierenden . Angesichts all dieser Trends ist es nur recht und billig. Im Jahr 1995 verschob die Library of Congress eine lange geplante Ausstellung über Freud. Als die Ausstellung schließlich im Herbst 1998 eröffnet wurde. einen Pfahl durch Freuds Herz zu treiben. sie verherrliche den Begründer der Psychoanalyse zu sehr. daß Freud nach wie vor unzählige Verteidiger hat.darüber beschwert hatte. »Freuds jüngste Kritiker werden ihm keinen bleibenden Schaden zufügen«. als Autoren von Büchern wie Freudian Fraud. das Partei für ihn ergreift. weshalb verwendeten dann so viele Kritiker noch immer so viel Energie auf den Versuch. »Sie . die bis zu fünf einstündige Sitzungen pro Woche für jeweils hundert Dollar erfordert und in der Regel mehrere Jahre dauert. ihn zu töten? Die Antwort lautet natürlich. auf jedes Buch. Einer davon war der britische Historiker Frank Cioffi. Why Freud Was Wrong.Die Attacken auf Freud wurden in den letzten Jahren heftiger.

ist in den letzten zehn Jahren mit etwa dreitausend erstaunlich konstant geblieben. sondern nur. Doch die drei Autoren beteuerten: »Dies bedeutet nicht. daß nur Lenin. der ihm eines Tages den ihm gebührenden Platz in der Geistesgeschichte als Denker ersten Ranges zuweisen wird. 15 Die International Psychoanalytic Association hat mehr als neuntau. Bücher wie Im Netz der Gefühle von Joseph LeDoux. 12 Die Freudophilie hat auch jene Wissenschaftler angesteckt.und Sozialwissenschaften besonders stark. Freud skeptisch oder gleichgültig gegenüberzustehen. Wie das Denken im Kopf entsteht von dem Kognitionswissenschaftler Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology und Searching for Memory des in Harvard lehrenden Psychologen Daniel Schacter sind gespickt mit Verweisen auf Schriften Freuds. 14 Die Zahl der Mitglieder in der American Psychoanalytic Association.mittlerweile zum Gemeingut der wissenschaftlichen Psychologie.« 13 Selbst Wissenschaftler. benutzen ihn als einen Bezugspunkt für die Beurteilung und Erklärung neuerer Ideen. daß sich seine Präsenz indirekter bemerkbar macht. und die Zahl der Kandidaten an den Ausbildungsinstituten nimmt zu. die es eigentlich besser wissen sollten. Tatsächlich gehören viele von Freuds Grundideen .« 11 Freuds Einfluß ist in den Geistes.haben allenfalls den unvermeidlichen Prozeß hinausgezögert. daß ›Freud tot ist‹. die erklären.etwa daß unbewußte Prozesse unser Verhalten beeinflussen und daß sich frühkindliche Erfahrungen auf die Entwicklung von Erwachsenen auswirken . Platon und die Bibel häufiger zitiert werden als Freud. Eine Auswertung des Schrifttums auf diesen Gebieten ergab. Shakespeare. Zwar ist die Zahl der Zitate aus psychoanalytischen Werken laut der schon erwähnten Erhebung aus dem Jahr 1998 in den wichtigsten psychologischen Fachzeitschriften im Verlauf der letzten Jahrzehnte rückläufig. der größten psychoanalytischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten.77 .

78 . 18 Während des Ersten Weltkriegs. sie besitze eine nahezu grenzenlose Elastizität. eine eindeutig überlegene Theorie und Therapie der menschlichen Psyche aufzustellen. weil es der Wissenschaft bislang nicht gelungen ist. Einer der frühesten und noch immer triftigsten Einwände gegen die Psychoanalyse lautet.) Die Psychoanalyse besteht fort. die Stalin im Jahr 1930 zusammen mit sämtlichen Schriften Freuds verboten hatte. Im Jahr 1996 unterzeichnete der damalige russische Präsident Boris Jelzin ein Dekret. sie könne praktisch jede Beobachtung erklären. 16 Die eigentliche Frage lautet daher: Weshalb ist Freud nicht tot? Richard Webster. von der Freudschen Psychologie befreien werde. Ziegen. in . und nach ihren Angaben steigt die Zahl ihrer Mitglieder in Südamerika. So behauptete er immer wieder. wegzuinterpretieren. das der Psychoanalyse. Schafe und der Ödipuskomplex Das soll nicht heißen. Freuds Fähigkeit. daß man an Freud und seinen Nachfolgern keine berechtigte Kritik üben könne. Denn in der wissenschaftlichen Realität können schlechte Theorien nur von guten Theorien verdrängt werden. gab in seinem 1995 erschienenen Buch Why Freud Was Wrong eine Antwort: »Keine noch so überzeugende ablehnende Kritik der Psychoanalyse wird die von Freud aufgestellten Theorien jemals bündig widerlegen können. die ich im sechsten Kapitel behandeln werde. die seinen Theorien widersprachen. daß uns die darwinistische Psychologie. Neurosen seien »ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen«. mutete mitunter geradezu komisch an.« 17 (Webster prophezeite. ein führender Freud-Kritiker. empirische Befunde.send Mitglieder. Europa und in anderen Ländern. den Status einer gesetzlich anerkannten psychiatrischen Behandlungsmethode einräumte. die auf die Kindheit zurückgingen.

daß sich der Patient der Deutung des Psychoanalytikers widersetzt.schön! Wenn er sie verwirft. seelisch zerrüttet. die an einer Kriegsneurose litten.« 20 Nehmen wir an. diese psychischen Störungen. sie würden im Krieg durch die Gefahr. 19 Er beteuerte. waren ebenfalls. nämlich ihrer eigenen Person. »klinische Beweise« zu sammeln. die ihrem ursprünglichen Liebesobjekt. Freud und seine Anhänger benutz. daß die Psyche Erinnerungen an traumatische Kindheitsereignisse verdränge. Wortassoziationen und andere »Daten«.dessen Verlauf Tausende von Soldaten an einer sogenannten »Kriegsneurose« oder »Granatenneurose« erkrankten.79 . die 1924 veröffentlicht wurde. daß er ödipale Triebregungen verdrängt. ist diese Leugnung ein noch stärkerer Beweis dafür. ausgehend von seiner Deutung der Träume eines jugendlichen Patienten. Freud zufolge ist die Wahrscheinlichkeit. Ein zentrales Dogma der Psychoanalyse lautet. Freuds Methoden. Freud entkräftete dieses seines Erachtens »leichtfertige und voreilige« Argument in seiner Selbstdarstellung. wurde diese dogmatische Sichtweise ernsthaft in Frage gestellt. fragwürdig. widerlegten Freuds These. drohe. »Die vom Arzt erforderte Anstrengung war verschieden groß für verschiedene Fälle. je traumatischer und bedeutsamer ein Erlebnis war. um so höher. die aus dessen Unbewußtem aufstiegen. sämtliche Neurosen hätten eine sexuelle Ursache. diese Ereignisse durch seine Interpretation der Träume des Patienten. egal ob diese real oder imaginär seien. Kritiker behaupteten. Die Aufgabe des Psychoanalytikers bestehe darin. Erst wenn sich der Patient diesen Erinnerungen stelle. sie wuchs im geraden Verhältnis zur Schwere des zu Erinnernden. er wolle den Vater töten und mit seiner Mutter schlafen. die eindeutig durch traumatische Kampfeinsätze ausgelöst wurden. Soldaten. der Junge zeige ein klassisches Ödipussyndrom. ein Psychoanalytiker behaupte. gelinde gesagt. seien Narzißten. könne der Heilungsprozeß beginnen. Wenn der Junge die Deutung annimmt . aufzudecken.

die die Mütter dämonisierten. er lebt in der Charaktereigenschaft der Eifersucht mit leichter Verschiebung fort. weshalb Freud so viele Feministinnen in Wut versetzt hat.als Verteidigungsmechanismus gegen jeden. gleich ob durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr. wenn auch nicht Freud selbst. einer neueren Kritik an der freudianischen Psychiatrie. hört er nicht auf zu existieren.«23 Frauen.eine »Immunisierungsstrategie« . hätten den Penisneid nicht überwunden und folglich nicht ihre wahre weibliche Natur erreicht. 25 . sexuelle Lust bereitet. daß sie es [das männliche Genitale] nicht hat. »weiß. sondern von seiner Tochter Anna. schrieb der Journalist Edward Dolnick in Madness on the Couch. wenn es zum ersten Mal den Penis eines Jungen sieht. denen die Stimulation der Klitoris. daß ein Mädchen.] Auch wenn der Penisneid auf sein eigentliches Objekt verzichtet hat.80 . für Autismus und Schizophrenie verantwortlich. muß man nur seine Schrift »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«22 lesen.. Um zu verstehen. daß auch allzu liebevolle Mütter ihren Kindern schaden könnten. Noch in den siebziger Jahren machten viele psychoanalytisch ausgerichtete Psychiater »gefühlskalte« Mütter. Nachfolger Freuds. der Bedenken gegen die Psychoanalyse anmeldete. »Frauen sind bei den Freudiänern niemals gut weggekommen«.) Freud behauptete. haben Theorien über die Entstehung von Geisteskrankheiten verbreitet.ten dieselbe Strategie . die ihren Kindern keine emotionale Zuwendung geben. 21 Kritiker der Psychoanalyse zeigten offenkundig Symptome von Verdrängung und Verleugnung. und will es haben [. »daß die Entfaltung der Weiblichkeit die Wegschaffung der Klitorissexualität zur Bedingung habe«24. Freud verkündete. Zugleich wiesen die Psychoanalytiker jedoch warnend darauf hin. (Ironischerweise wurde dieser Vortrag nicht von dem kränkelnden Freud gehalten..

ist sonderlich überzeugend.26 Vaughan hat vom National Institute of Mental Health den Auftrag erhalten. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist das 1997 erschienene Buch The Talking Cure.« Zur Untermauerung ihrer These führte Vaughan mehrere Experimente an. Einen noch stärkeren Eindruck auf Vaughan machte der von Eric Kandel erbrachte Nachweis.Keiner der Versuche. erlebt und deutet. Vaughans Argumentation stützt sich auf einen ziemlich augenfälligen Fehlschluß. wie sich Psychotherapie auf das Gehirn auswirkt. integriert. Weder die MRI-Studie an Zwangsneurotikern noch Kandels Forschungen an Schnecken sagen das geringste über die Psychoanalyse aus. daß es nicht allen Ideen Freuds gut ergangen sei. daß die kognitive Verhaltenstherapie und Fluctin ähnliche Änderungen im Gehirn von Zwangsneurotikern herbeiführten. ist Psychiaterin am New York State Psychiatrie Center und praktizierende Psychoanalytikerin. In The Talking Cure räumte sie ein.81 . Diese Umschaltung führt dazu. Seine Autorin. daß sowohl frühkindliche Erfahrungen als auch die Psychoanalyse »die Verschaltung der Neuronen im Gehirn ändert. daß sie »Psycho-Block« genannt wird.27 Dennoch sei Freud »ein Genie« gewesen. daß Lernvorgänge chemische Veränderungen in den Neuronen von Meeresschnecken erzeugen. Susan Vaughan. Bei einem dieser Experimente hätten Aufnahmen mit einem Kernspinresonanztomographen gezeigt. daß man Informationen und Emotionen auf andere Weise verarbeitet. Die Neurowissenschaft habe »zuverlässige naturwissenschaftliche Beweise« dafür geliefert. sie behandelt Patienten in einer Gegend von Manhattan. zu erforschen. in der so viele Psychoanalytiker tätig sind. dessen Entdeckungen »heute aufgrund unserer Erkenntnisse über das Gehirn an Plausibilität gewonnen haben«. so Vaughan weiter. Aus diesen und an. Insbesondere seine Vorstellungen über die weibliche Sexualität seien »kulturabhängig und veraltet«. Freud aus wissenschaftlichen Gründen zu verteidigen.

die empirisch weder ein für allemal bestätigt noch widerlegt werden können. Vaughan unterstelle einfach. Man muß es nachweisen. und sie benutze seine Arbeiten dann dazu. weisen eindeutig nicht die Gültigkeit der Psychoanalyse als Theorie oder ihre Wirksamkeit als Psychotherapie nach. daß Freud ein geradezu unheimliches Geschick besaß. ihre Überzeugung zu rechtfertigen. beanstandete Kandel während meines Interviews mit ihm. Viele Bewunderer Freuds halten die Traumdeutung für seine größte literarische und wissenschaftliche Leistung. doch dieser Zusammenhang sei bislang noch keineswegs bewiesen. . daß die Psychoanalyse therapeutisch wirksam sei. Theorien auszuhecken. die Vaughan anführte. daß Kindheitserlebnisse und die Psychoanalyse die »Verschärfung der Neuronen im Gehirn« ändern können. Sogar Eric Kandel fand Vaughans Buch nicht überzeugend. daß dies geschieht.« Nachgewiesen haben Wissenschaftler allerdings.deren Experimenten folgt zwar in der Tat.«28 Freud stellte die Hypothese auf. Freud selbst sagte in seinem Vorwort zur dritten (englischen) Auflage des Buches das gleiche: »Derartige Einsichten sind einem nur einmal im Leben vergönnt. Eines Tages werde die Neurowissenschaft vielleicht zeigen. die niemand bestreitet. Aber was heißt das schon? Man könnte »Kindheitserlebnisse« und »Psychoanalyse« durch »Besuch eines chinesischen Kochkurses« oder »das Betrachten des Europacup-Endspiels« ersetzen. aber wohl kaum eine zündende Untermauerung der Psychoanalyse. die in kindlichen Erfahrungen wurzeln. daß während des Schlafs verstörende Wünsche und Ängste. »Man darf nicht unterstellen. und die Aussage bliebe genauso gültig. fuhr er fort. Das gilt für jegliche Erfahrung! Es handelt sich um eine Binsenwahrheit. Seine Studien an Meeresschnecken seien zwar anregend. auf welche Weise eine Psychoanalyse heilsame Wirkungen im Gehirn erzeuge. Selbstverständlich verursachen Kindheitserlebnisse und eine Psychoanalyse Änderungen im Gehirn.82 . Doch die Studien.

daß in Träumen die Emotionen und Langzeiterinnerungen der Träumenden eine wichtige Rolle spielten. herauszufinden. ihre Studie widerlege die Freudsche Hypothese. die durch das Ich gefiltert und in rätselhafte Symbole umgewandelt würden. der Sitz der höchsten kognitiven Funktionen. wann es genügend Schlaf hat. Durch Entschlüsselung dieser Bilder könne der Psychoanalytiker einen direkteren Zugang zum Unbewußten erlangen. meinte. Mehrere Forscher behaupten. daß die Präfrontallappen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit Sitz der Freudschen Ich-Instanz seien. während der sogenannten REM-Phase des Schlafs. meinte ein Psychoanalytiker beifällig. ein Psychologe an der Universität von Michigan. daß die Präfrontallappen des Gehirns. die dem Gehirn dabei helfen.29 Sechs Tage später veröffentlichte die Times Briefe von Kritikern der Kritiker. »ist Ausdruck ihrer Voreingenommenheit. Im Jahr 1998 berichteten Wissenschaftler der National Institutes of Health und des Walter Reed Army Institute of Research in Science. . »Freud hat sich geirrt«. sie hätten mit der PET Aufnahmen vom Gehirn schlafender Versuchspersonen gemacht. Die New York Times brachte einen Artikel über diese Experimente unter der Schlagzeile »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?« (»Irrte sich Freud? Sind Träume der Anlauftest des Gehirns?«). Vielmehr seien Träume vermutlich nur das Resultat von Signalen. die durch schnelle Augenbewegungen und lebhaftes Träumen gekennzeichnet ist. der Bericht in Science habe bestätigt. nicht wissenschaftlicher Genauigkeit«. daß Träume primitive libidinöse Regungen abbildeten. Howard Shevrin.aus dem Unbewußten aufsteigen. Die Behauptung der Forscher. Dieser Befund »rückt die Neurowissenschaft näher an die Freudschen Theorien heran«. Die Aufnahmen zeigten. Mit dem Hinweis darauf. Freuds Traumtheorie widerlegt zu haben. behaupteten die Forscher. wenn auch verschleiert durch das immer wachsame Ich. inaktiv sind.83 .

nicht aber die Weibchen .Empirische Studien über den Ödipuskomplex erbrachten ebenfalls keine schlüssigen Ergebnisse. die eher ihren Pflegemüttern als ihren biologischen Müttern glichen. lautete das Fazit der Autoren. die in einem Zeitraum von mehr als sechzig Jahren veröffentlicht wurden. vielmehr sei sie unseren Vorfahren von der natürlichen Selektion eingeflößt worden. Nach Ansicht von Evolutionsbiologen ist diese Abneigung kein Ausdruck von Verdrängung.dazu neigen. ja im allgemeinen kein weibliches Mitglied ihrer Familie sexuell begehren und auch keine andere weibliche Person. Sobald die männlichen Tiere geschlechtsreif waren. Freuds Leistungen wissenschaftlich zu würdigen. Sie . Denn aus Inzest gehen oftmals Nachkommen mit defekten Erbanlagen hervor. Anders gesagt.30 Kulturvergleichende Studien deuteten darauf hin. Was soll man dann von einer Aussage halten wie »Mütter legen die sexuellen Präferenzen fest«. mit der sie in enger räumlicher Nähe aufwachsen. daß die jungen Männchen . das Spiel. wie Freud meinte.und Putzverhalten ihrer »Pflegemütter« zu imitieren. ist das 1996 erschienene Buch Freud Scientifically Reappraised. Die Forscher fanden heraus. mit der ein 1998 in Nature erschienener Artikel überschrieben war? 31 In dem Aufsatz beschrieb eine Gruppe britischer und südafrikanischer Wissenschaftler Experimente. zogen sie darüber hinaus die Gesellschaft von Weibchen vor .und mit ihnen zu kopulieren -. Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher von der Staatsuniversität von New York in Syracuse bewerteten Freuds Werk auf der Basis ihrer Auswertung von über 1800 Studien. daß Jungen keineswegs mit ihren Müttern kopulieren wollen. Einer der ehrgeizigsten Versuche. die Ziegenmännchen wollten sich mit Schafweibchen paaren und die Schafmännchen mit Ziegenweibchen.84 . bei denen neugeborene Ziegen von weiblichen Schafen aufgezogen wurden. Die Studie »stützt indirekt Freuds Konzept des Ödipuskomplexes«.

Fisher und er hätten Beweise sowohl für als auch gegen den Mechanismus der Verdrängung gefunden. andere nicht. als ich 1998 mit Greenberg sprach. falsche Erinnerungen in Patienten einzupflanzen. Forschungen über das implizite Gedächtnis und verwandte Phänomene hätten bewiesen. die er [Freud] mit ihnen in Verbindung brachte. daß die Freudsche Psychologie oft als eine monolithische Einheit betrachtet werde.insbesondere von Elizabeth Loftus von der Universität von Washington . »Es gibt einige recht passable Studien. einige haben einer genaueren Prüfung standgehalten. die man als Ganzes annehmen oder ablehnen müsse. die unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen und sich auf die Reaktionen und das Verhalten von Menschen auswirken«. Zudem »versuchen Menschen einige ihrer unerwünschten Gefühle abzuspalten« . daß diese Persönlichkeitstypen und die Merkmale. erklärte er.32 (Fisher war Ende 1996 gestorben. »In psychotherapeutischen Situationen sind Menschen sehr leicht beeinflußbar.etwa homosexuelle Impulse. Das implizite Fazit lautete. daß es schwierig sei. Dies war das explizite Fazit von Freud Scientifically Reappraised. tatsächlich existieren. Anale Charakterzüge wie Eigensinn.« Ein empirisch gut abgesicherter Aspekt von Freuds Werk sei die Einteilung von Menschen in anale und orale Persönlichkeitstypen. nur selten völlig verdrängt. Geiz und Ordnungsliebe »scheinen in denselben Personen zusam.85 . Dies zeigte sich.wiesen darauf hin. wenn man die Forschungsergebnisse betrachtet«.hätten gezeigt. die nicht unbedingt voneinander abhängig waren. anders als Freud behauptet habe. irgendeine Freudsche Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen. daß es für Therapeuten äußerst leicht sei. die darauf hindeuten. Tatsächlich stellte Freud zahlreiche Hypothesen auf. daß »es Dinge gibt. Dagegen würden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse. sagte Greenberg.) So sagte mir Greenberg. Forschungen zahlreicher Psychologen .

In einer Szene sieht Blacky einen anderen Hund.33 Die meisten Studien machten keine Angaben über die Reinlichkeitserziehung der Probanden. daß Eltern diese Merkmale bei ihren Kindern förderten. die auch von Greenberg und Fisher angeführt werden. die die Reinlichkeitserziehung mit analen Charakterzügen bei Erwachsenen in Verbindung bringen? In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud unterzog der Psychiater E. Viele der Probanden. daß Studenten mit einem hohen »Rükken-Bewußtsein« (das vermutlich den Hintern einschloß) »eine stärkere Empfindlichkeit für Reize mit analen Konnotationen. und sie scheinen mit analen Ängsten in Zusammenhang zu stehen«. Fisher gab Studenten mehrere Fragebogen einschließlich einem »Body Focus Questionnaire«. mehr negative Einstellungen zu Schmutz [und] eine .86 . Die Schwächen wurden auf beispielhafte Weise durch eine Studie verdeutlicht. indem sie sie einer übermäßig frühen oder strengen Reinlichkeitserziehung unterwürfen. darunter einige. dieser besteht aus Bildern eines Hundes namens Blacky. und die anderen stellten meist keine Korrelation zwischen der Strenge der Reinlichkeitserziehung und analen Charakterzügen fest.men vorzukommen. mit dem er herausfinden wollte. welche Antworten von ihnen erwartet wurden. in einer anderen kotet Blacky zwischen den Hundehütten seiner Eltern. waren mit Freudianischen Konzepten vertraut und ahnten vielleicht. welche Teile ihres Körpers den Studenten bewußtseinsmäßig am präsentesten sind. die psychoanalytisch sehr bedeutungsgeladen sind. Freud hatte behauptet. Die Studenten unterzogen sich auch dem sogenannten Blacky-Persönlichkeitstest. der in Situationen gezeigt wird. einer kritischen Prüfung. vor allem Psychologiestudenten. die Seymour Fisher 1970 selbst durchführte. Fisher berichtete. Doch wie aussagekräftig sind Studien. Füller Torrey Studien zu Freuds Analitäts-Hypothese. dessen Schwanz abgehackt wird.

Professor für Englisch an der Universität von Kalifornien in Berkeley.34 Crews' Polemik erregte um so größeres Aufsehen. E. als er Freud in zwei Aufsätzen scharf angriff (»The Unknown Freud« und »The Revenge of the Repressed«). Er behauptete. äußerte schon in den frühen siebziger Jahren erstmals seine Skepsis gegenüber der Psychoanalyse. einem Psychoanalytiker namens Horace Frink. so gewiß nicht wegen der unzureichenden Bemühungen Frederick Crews'. vermutlich weil sie sich der Freudschen Theorie bewußt waren. indem er sich von seiner . als sie in der New York Review of Books erschien.stärkere Selbstbeherrschung« zeigten.) Crews begnügte sich nicht damit. Freud riet Frink. Füller Torrey meinte dazu trocken: »Es wurden keine Daten über die Reinlichkeitserziehung erhoben. daß Fisher lediglich einen Cluster von Persönlichkeitsmerkmalen nachgewiesen hat. (Freud-Karikaturen schmücken noch immer die Bestellkarten der Zeitschrift. die als eine Bastion psychoanalytischen Gedankenguts galt. auf allgemeines öffentliches Interesse. gegen diese Regungen anzukämpfen. die mit dem ›analen Charakter‹ konsistent sind. Seine Ansichten stießen jedoch erst in den Jahren 1993 und 1994.« »Crews Missiles« Wenn Freud noch nicht tot ist. daß Freud in den zwanziger Jahren bei einem seiner amerikanischen Anhänger. latente Homosexualität diagnostiziert habe. das abgedroschene Argument zu wiederholen. und daß CollegeStudenten mit diesen Merkmalen ein höheres ›Rücken-Bewußtsein‹ besaßen.35 Crews enthüllte. Crews. ihn unter die Erde zu bringen.87 . Freud habe sich der »Unaufrichtigkeit und Feigheit« und schlimmerer Dinge schuldig gemacht. daß die Psychoanalyse keinerlei wissenschaftlichen oder therapeutischen Wert besitze. Hieraus folgt.

mit der Frink eine Affäre hatte. Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Patienten in den Vereinigten Staaten irgendeiner Form dieser Therapie unterzogen. Frink und Bijur folgten Freuds Weisungen. Als die »erinnerungsaufdeckende Therapie« in den achtziger Jahren einen regelrechten Boom erlebte. Bijur Spenden zu entlocken. daß es nicht zu ihm gepaßt hätte. sie ließen sich von ihren Ehegatten scheiden und heirateten. Freuds eigentliches Motiv. Einige dieser Fälle führten zur Anklage und zur Verurteilung der mutmaß. dies zu tun. obgleich diese Kinder Erinnerungen an den Mißbrauch verdrängten. Anschließend ließ sich Bijur von Frink scheiden. die von Kritikern auch »Therapie zur Aufdeckung falscher Erinnerungen« genannt werde. ob Freud jemals sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte. litten sie als Erwachsene oft unter psychischen Störungen. sehr viele Kinder würden von Eltern und anderen Erwachsenen körperlich und sexuell mißbraucht. bestand darin. Gleichzeitig habe Freud Bijur gedrängt. überwiegend Frauen. indem sie diese verdrängten Mißbrauchserlebnisse der Vergessenheit entreißen.37 Therapeuten. behaupten. beschuldigten Tausende von Patienten. kurz nachdem sie verlassen worden waren. das er in seinen Briefen offenlegte. der in eine psychotische Depression verfiel. Freud sei der geistige Urvater der »erinnerungsaufdeckenden Therapie«.88 . die nach dieser Methode arbeiten.Frau scheiden lasse und eine wohlhabende Erbin namens Angelika Bijur heirate. was katastrophale Folgen nach sich zog. »Wir besitzen keine Dokumente darüber. Die Therapeuten helfen den Patienten. sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen und Frink zu heiraten. daß er das Leben dieser vier Menschen zerstört hatte«. ihre Eltern und andere Erwachsene sie mißbraucht zu haben. bemerkte Crews. Die geschiedenen Ehegatten starben. »aber wir wissen.«36 Crews' schwerwiegendster Vorwurf lautete. sich gleichsam kathartisch von ihren Schwierigkeiten zu befreien.

daß keineswegs gesichert sei. Viele Patienten widerriefen ihre Beschuldigungen und beklagten.lichen Mißbrauchstäter. daß Erinnerungen jahrzehntelang verdrängt und dann in unverfälschter Form wieder ausgegraben werden könnten. die die aufgedeckten Erinnerungen bestätigt hätten. ihre Hysterie war angeblich auf die Verdrängung dieser traumatischen Erinnerungen zurückzuführen. ihre psychische Störung sei auf die Verdrängung dieser unsittlichen ödipalen Phantasien zurückzuführen. so Crews. die an Hysterie litten. Einige verklagten ihre Therapeuten erfolgreich auf Schadensersatz wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht. Wenn Freud ausdrücklich sexuellen Mißbrauch als Hauptursache psychischer Störungen verwarf. daß sich die erinnerungsaufdeckende Therapie auf mehrere Freudsche Konzepte stütze. bezeugten. Sowohl Freuds ursprüng. So wurde die Psychoanalyse geboren. Menschenopfer und sogar Außerirdische drehten). Freud nahm diese Hypothese jedoch bald darauf wieder zurück und behauptete nunmehr. wie konnte Crews ihm dann die Urheberschaft an der zeitgenössischen erinnerungsauf deckenden Therapie anlasten? Die Antwort lautet. Psychologen.89 . als Patienten immer aberwitzigere und unglaublichere Beschuldigungen erhoben (die sich um satanische Rituale. Die ganze Bewegung fiel schließlich in sich zusammen. die sich auf die Erforschung des Gedächtnisses spezialisiert hatten. seine Patientinnen hätten sich lediglich eingebildet. Orgien. daß es auf den ersten Blick unfair erscheinen mag. wonach Frauen. Crews räumte ein. Freud die Schuld an diesem verstörenden modernen Phänomen zu geben. in ihrer Kindheit mißbraucht worden zu sein. daß ihre Therapeuten die Mißbrauchserinnerungen in sie eingepflanzt hätten. Im Jahr 1896 postulierte Freud für kurze Zeit die sogenannte Verführungstheorie. selbst wenn es keine Beweise gab. in ihrer Kindheit von ihren Vätern oder anderen Erwachsenen sexuell mißbraucht worden seien.

Einschüchterung durch Freud getan.«38 An anderer Stelle schrieb Freud.90 . sich in deren Reproduktion einzulassen. Crews untermauerte seine Behauptung mit einer erdrükkenden Fülle von Zitaten aus Werken von Freud. Was wirklich weh tat. Vielmehr hätten sie dies erst nach entsprechender Suggestion und.] sie können nur durch den stärksten Zwang der Behandlung bewogen werden. daß ich das Geheimnis errate und es dem Kranken ins Gesicht zu sage«39. »es handelt sich ja wesentlich darum. Doch Crews zufolge hat keiner von Freuds Patienten Freud von sich aus derartige Erinnerungen erzählt. Ein Beobachter bemerkte: Die New York Review of Books galt vielen als das offizielle Organ einer bestimmten Gruppe der liberalen Intelligenzija Amerikas. daß Frederick Crews' Kritik an Freud dort so groß herausgebracht wurde. ist er der eigentliche historische Taufpate des ›Syndroms der falschen Erinnerungen‹. Crews folgerte daraus: »Weil Freud sowohl vor als auch nach der Ausarbeitung der psychoanalytischen Theorie seine Patienten dazu anstachelte.«40 Crews Doppelattacke auf Freud in der New York Review of Books provozierte mehr Leserbriefe als jeder frühere Artikel in der Geschichte der Zeitschrift.. war die Tatsache. sich an nichtreale sexuelle Ereignisse zu erinnern. Bei der Erörterung der Erinnerungen seiner Patientinnen an sexuelle Erlebnisse erklärte Freud 1896: »Die Kranken wissen vor Anwendung der Analyse nichts von diesen Szenen [. die der Psychoanalyse sehr wohlwollend gegenüberstand.liche Verführungstheorie als auch seine Theorie des Ödipuskomplexes fußten auf derselben Annahme: Viele Patienten verdrängten Erinnerungen an entweder phantasierte oder reale sexuelle Ereignisse in der Kindheit. Wenn Tom Paine zu einer Predigt in der Kathedrale von Canterbury eingeladen worden wäre oder wenn der Papst Voltaire aufgefor- .. in manchen Fällen.

räumte Crews ein. Crews unterschätze die Stärke des Einflusses. so Crews. schwarze Schuhe. indem sie die Existenz eines unbewußten beziehungsweise impliziten Gedächtnisses bewiesen hätten. schwarze Hose. daß die Psychoanalyse einen »steilen Abwärtstrend« erlebe. tue dies mehr oder minder ohne bewußtes Nachdenken. Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft hätten Freud bestätigt. monotoner Stimme. ja sogar schüchternen Art verbarg sich eine erbitterte Entschlossenheit und Selbstsicherheit.dert hätte. Als ich bemängelte. wo er tags darauf an einem öffentlichen Symposion über Freud teilnehmen sollte.« Dennoch.42 Er war groß und schlank. Crews widersprach aufs entschiedenste der Vorstellung. könnte ich schlicht den Mund halten. das Drahtgestell seiner Brille verlieh ihm ein asketisches Aussehen. Egal welche Einwände ich vorbrachte. erwiderte er: »Ganz im Gegenteil. sprach er meist mit ruhiger. Doch hinter seiner oberflächlich zurückhaltenden. daß sie Kritik verdient. ich bin mir dessen wohl bewußt. Crews parierte sie mit einer hieb. den die Psychoanalyse noch immer auf die Wissenschaft und die übrige Kultur ausübe. eine Messe im Vatikan zu zelebrieren. Als wir beim Abendessen im Hotelrestaurant miteinander plauderten.und stichfest durchdachten Antwort. »Im selben Sinne läuft unser psychisches Leben größtenteils unterhalb der Oberfläche des . Ich begegnete Crews erstmals in der Lobby eines Hotels nahe dem Campus der Yale-Universität. ergebe eine genauere Prüfung der Zitate in Wissenschaftsmagazinen und anderen Publikationen. Er war gekleidet wie ein Henker: schwarzer Regenmantel über einem schwarzen kragenlosen Hemd. hätte das Gefühl der Entweihung unter den Gläubigen kaum größer sein kön41 nen. Wer ein Auto fahre.91 . Wenn sie nicht so einflußreich wäre. und aus diesem Grund bin ich nach wie vor der Ansicht.

« Timpanaro behauptete. bis man einen stark verfälschten Text erhält. die sich auf die wenigsten Annahmen stützen. »In all seinen Schriften gibt es keinen Fall. Indem Freud diese naheliegende Alternative außer acht gelassen habe.« Die Beweislage für das freudianische Unbewußte sei bestenfalls dürftig. »wird es durch den Fehler banalisiert. der eine Autorität auf dem Gebiet der Verfälschung antiker Texte sei. Im Fall der Freudschen Fehlleistung beispielsweise »hat Freud schlichtweg unterstellt. habe er gegen »Ockhams Rasiermesserprinzip« verstoßen. ließ Crews kalt. »Freud hat dies nie getan«. in dem es angeblich von verdrängten Begierden und Ängsten und traumatischen Erinnerungen wimmelt.92 . sagte Crews. die besten seien. die Abschriften von antiken Texten anfertigten. Doch dies ist keinesfalls ein Beweis für die Existenz eines dynamischen Unbewußten im Freudschen Sinne. indem sie exotische Wörter durch geläufige ersetzten.« Das Argument. so Crews. Timpanaro nannte diesen Prozeß »Banalisierung«.43 »Wenn ein Wort im Original etwas ungewöhnlich ist«. oft unabsichtlich Fehler in ihre Kopien einfügten. daß keine wissenschaftliche Theorie den Anforderungen gerecht werden könne. so Crews. Freuds eigene Beispiele sprachlicher Fehlleistungen ließen sich ohne weiteres mit der Banalisierung erklären. erläuterte Crews. Eine Banalisierung kann zur nächsten führen. wonach die einfachsten Erklärungen. vertrauter gemacht und näher an die Welt des Übersetzers herangeführt.Bewußtseins ab. die er an die Psychoanalyse stelle. in dem er sich um die naheliegendste Erklärung bemüht hätte. »Meine Einwände gegen die Psy. Eine sehr viel plausiblere Erklärung für solche Fehlleistungen sei von dem italienischen Geisteswissenschaftler Sebastiano Timpanaro vorgeschlagen worden. Timpanaro habe durch akribische Forschungen nachgewiesen. daß sie den Tiefen des Unbewußten entspringe und entweder aggressiver oder sexueller Natur sei«. daß Schreiber.

ohne anderen Völkern größeren Schaden zuzufügen. »Wenn wir die Grundannahmen nicht in Frage stellen. die im Verlauf der Geschichte wohl viel mehr Schaden angerichtet habe. indem sie die Äußerungen eines Patienten im Licht der Ich-Theorie interpretiert. und wenn sie gar keine Mythen mehr hat. Er räumte ein. die diese Eigenschaften dringend benötigten. »Ich hoffe es zumindest. nach eigenem Bekunden ein Atheist. was den inneren Zusammenhalt einer menschlichen Gesellschaft fördert.« Am nächsten Tag fand ich mich mit mehreren hundert anderen in einem großen holzgetäfelten Hörsaal der Yale-Uni. wie zu sich selbst: »Ich persönlich habe keine Mythen mehr. Offenkundig ist alles.93 .« Er hielt inne. Wenn sie die Hypothese der Ich-Instanz rechtfertigen will. Die Psychoanalyse »rechtfertigt ihre Hypothesen unter Rückgriff auf ihre eigenen Deutungen.« Die Religion könne den sozialen Zusammenhalt und die sittliche Gesinnung in Gemeinschaften heben. wie etwa die Innenstädte. weshalb er. daß religiöser Glaube oft zu Intoleranz. fürchtete Crews. Dennoch. die so verfährt.« Er sagte leise. »würde ich nicht behaupten. könne sie immer wieder aufleben. zu »fanatischen Kreuzzügen und Pogromen« geführt habe. werden wir immer wieder das gleiche erleben. tut sie dies. ist sie in großen Schwierigkeiten. daß Religion immer und überall ein negativer Einfluß war. Wenn er und andere diese therapeutische Bewegung nicht kritisieren und nicht ihren Freudschen Ursprung aufdecken würden. »reinsten Schamanismus« und »völlige Scharlatanerie« nannte. seinen Zorn gegen die Psychoanalyse und nicht die Religion richte. als wir auf die »erinnerungsauf deckende Therapie« zu sprechen kamen. die er »einen Kunstfehler kriminellen Stils«. so fügte er hinzu.« Ich fragte Crews. sagte er. ein Vorteil. Es gibt keine allgemein anerkannte Wissenschaft auf der Welt.« So richtig in Fahrt kam Crews. »Jede Gesellschaft lebt von Mythen.choanalyse sind trivial«.

wie er sich mit Freud-Anhängern stritt. den fanatischen. bitte! Aber wollen Sie ihn wirklich. Als Michels das Wort erteilt wurde. kurzsichtigen und doch subtil verschlagenen Freud. ob die Wahrheit der Psychoanalyse wissenschaftlich erwiesen sei. indem er den Titel der Konferenz aufgriff: »Wessen Freud? Der Platz der Psychoanalyse in der zeitgenössischen Kultur«44. Unterdessen lieferte ein anderes Mitglied der Diskussionsrunde. Michels wußte aus persönlicher Erfahrung. Butler behauptete.94 . rücksichtslosen. seine einzige Sorge gelte dem Wohlergehen seiner Patienten. einen mimischen Kommentar. bekundeten ihr Unbehagen an Crews' Ansatz. erklärte Crews. Judith Butler. daß es ihm als Psychiater egal sei. die Augen rollte und den Kopf schüttelte. »Auf die im Titel dieser Konferenz gestellte Frage«. und Juliet Mitchell. um Crews dabei zu beobachten. Psychoanalytikerin und Dozentin an der Universität Cambridge. daß die Psychoanalyse Patienten half. aber auch mit einigen Lachern. oder ziehen Sie den Freud der selbstgeschaffenen Legende vor. Professorin für Literatur an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Nehmen Sie meinen Freud. daß Theorien über die menschliche Erfahrung andere Methoden der wissenschaftlichen Überprüfung erforderten als Theorien über nicht. dessen Name noch immer die Illusion heraufbeschwören kann. und das genügte ihm. der von unabhängigen Forschern der letzten Generation ausgegraben wurde. aufgeblasenen. Crews begann seinen Vortrag. die Augenbrauen hob. Robert Michels. erklärte er. ein Psychoanalytiker und Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität.versität ein. »kann ich eine einfache Antwort geben: Das hängt ganz und gar von Ihnen ab. die ›Wahrheit der Psychoanalyse‹ werde durch das bloße Genie ihres Entdeckers beglaubigt?« Als Crews weitere zwanzig Minuten in dieser Weise fortfuhr. indem er grinste. reagierten die Zuhörer mit Zischlauten und einem leisen Pfiff. Die beiden anderen Redner in Crews' Sitzung.

beide sprachen in einem beinahe parodistisch unverständlichen Fach chinesisch.95 . die jedes Kind besetzt oder mit dem Erlernen der Sprache erwirbt. würden zu einer »Verarmung« der Wissenschaft führen. Damit wird meines Erachtens die Tatsache übersehen. weshalb er in seinen einleitenden Worten gesagt hatte: »Nehmen Sie meinen Freud.einschließlich inzestuöser . daß Verwandtschaft eine kontingente soziale Praxis ist und daß es keine symbolische Position von Mutter und Vater gibt.Beziehungen zwischen Eltern und Kindern tolerieren zu lernen. Crews' beharrliche Forderung. als ob sie zeitlose und notwendige Positionen sind. wissenschaftliche Theorien müßten durch empirische Befunde bestätigt werden. psychische Platzhalter. So sagte Butler einmal: »Die Verbote. die moderne Psychoanalyse solle der Gesellschaft dabei helfen. Eigentlich habe er lediglich Henny Youngman. die Normen der mutmaßlich heterosexuellen Verwandtschaft einzusetzen und zu steuern. die nicht in ebenjener Idealisierung und Verknöcherung kontingenter kultureller Normen besteht.« Während der anschließenden Diskussion wandte sich Butler zu Crews und fragte ihn mit einem verschmitzten Lächeln. nichtnormative soziale Interaktionen zu untersagen. wo Positionen wie Mutter und Vater differentielle Effekte des Inzesttabus sind. die hinter seiner bewußten Feindseligkeit stehe. die dazu dienen. Zumindest verstand ich sie in diesem Sinne . Durch seine Wortwahl habe er unabsichtlich die verdrängte ödipale Bindung an Freud enthüllt. daß Crews eine Freudsche Fehlleistung unterlaufen sei. Sowohl Butler als auch Mitchell schienen dafür zu plädieren. Manche Psychoanalytiker behandeln diese Positionen so. der erst wenige Wochen zuvor gestorben war und zu Crews' Lieb.« Weshalb nicht »Ihren Freud«? Damit wollte sie offenkundig zu verstehen geben.psychologische Phänomene. Crews antwortete Butler seinerseits mit einem verschmitzten Lächeln. ein breiteres Spektrum möglicher . dienen auch dazu.

Bitte. Sie räumte ein. erhärtete die von Crews postulierte Verbindung zwischen Psychoanalyse und erinnerungsaufdeckender Therapie. erfunden habe. In einem überfüllten Seminar diskutierten fünf Therapeutinnen über »individuelle und paarbezogene Behandlung eines Inzestopfers«. diejenigen.96 . verfolgten offensichtlich »hinter dem dünnen Schleier der Wissenschaft politische Ziele«. Die Zuhörer spendeten Beifall. die sich um rituelle . Ich warte noch immer auf eine überzeugende Widerlegung der meines Erachtens schwerwiegendsten Beschuldigung Crews'. daß sie die recht abstrusen Erinnerungen mancher Patienten.lingskomikern gehört hatte. welche diese Behauptungen aufstellten.« Der Skeptiker Steven Hyman Crews' Sicht von Freud und von der Psychoanalyse ist weitgehend schlüssig. manche Therapeuten würden »falsche Erinnerungen« an schreckliche Mißbrauchserlebnisse im Kindesalter in Patienten »einpflanzen«. die ihn dazu veranlaßten. seine Hochachtung bezeigen wollen. Jedenfalls hat keiner der Freud-Anhänger unter den Diskussionsteilnehmern bei der Yale-Konferenz Crews glaubhaft wiederlegt. insbesondere solche. Auch die Tagung im Waldorf-Astoria. daß Freud die »klinischen Beweise«. die auf seine Artikel in der New York Review of Books mit Leserbriefen antworteten. den Ödipuskomplex und andere Schlüsselelemente der Psychoanalyse zu postulieren. an der ich im Frühjahr 1996 teilnahm und die ich am Anfang dieses Kapitels beschrieb. Youngmans »Markenzeichenwitz« habe gelautet: »Nehmen Sie meine Frau. und das gleiche gilt für diejenigen. als die Sprecherin diese Vorwürfe »reaktionär« und »misogyn« nannte.45 Eine Sprecherin ging auf die in jüngster Zeit erhobenen Vorwürfe ein.

»Wir können lediglich wissen. darum ging. »daß sie [die wissenschaftliche Bemühung] nichts anderes als subjektive Ergebnisse liefern kann. in dem es. während ihr die wirkliche Natur der Dinge außer uns unzugänglich bleibt«. daß sie ihre Patienten niemals richtig verstehen könnten. Das Schaffen eines »emotional sicheren Umfeldes« habe »Vorrang vor allem anderen«. fragte die Sprecherin. . da die menschliche Psyche kein »einheitliches Phänomen« sei.46 Der Psychoanalytiker »arbeitet in einem komplexen Feld veränderlicher Gegebenheiten«. »legt er das Entwicklungspotential des Patienten zurück in dessen eigene Hände«. Wie solle man mit diesen Behauptungen umgehen.Menschenopfer und andere Greuel drehten. soweit ich verstanden habe. sondern »nichtlinear«. Beweise für seine Theorien zu sammeln – seine »Immunisierungsstrategie« -. wie die emotionale Wahrheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt aussieht. In Die Zukunft einer Illusion widersprach Freud der »radikalen« Behauptung. daß er einen Patienten niemals hundertprozentig verstehen könne.« Es könne »gefährlich und beschränkend sein«. Ironischerweise lehnte Freud selbst diese postmoderne Einstellung zur Wahrheit (was immer sie ist) entschieden ab. es sei nicht Aufgabe des Therapeuten. Wenn der Analytiker sich damit abfinde. seine eigenen Objektivitätsansprüche. an den sich ein Patient erinnere. Ein Sprecher hielt einen Vortrag.47 Selbstverständlich untergrub Freuds Methode. für die es keinerlei physische Beweise gebe. daß die Psychoanalytiker erkennen müßten. ein »kohärentes Gesamtbild« der Geschichte eines Patienten entwerfen zu wollen. Eine andere Teilnehmerin der Diskussionsrunde antwortete. Das gleiche Desinteresse an der Wahrheit kennzeichnete auch andere Veranstaltungen. beunruhigten. tatsächlich stattgefunden habe.97 . festzustellen. und folglich sei seine Einstellung gegenüber einem Patienten zu jedem beliebigen Zeitpunkt »immer per se sowohl richtig als auch falsch«. ob der Mißbrauch.

Zweitens läßt sie die Unzulänglichkeiten sämtlicher Alternativen zur Psychoanalyse außer Betracht. weshalb die Psychoanalyse trotz ihrer offenkundigen Mängel weiterhin selbst eingefleischte Naturwissenschaftler nachhaltig beeinflußt. müsse zugeben. »Wer eine freudianische Therapie abschließt. daß er an einem »Tunnelsehen« leidet. Sie geben zu. wo er zu erklären versucht. wird selbst zum Freudianer«. die zu den schärfsten Kritikern . die sich auf nichts so gut verstehe wie auf ihre Selbsterhaltung.Mein Haupteinwand gegen Frederick Crews ist die Tatsache. Er verglich die Psychoanalyse mit einer religiösen Sekte. die von den Schriften Freuds ausgeht (auf die ich in Kürze eingehen werde). Erstens verkennt sie die außerordentliche Faszination.98 . Doch wer immer eine solche »überperfektionistische Sichtweise« vertrete. »Er wird nicht etwa geheilt. Vielmehr zieht er hinaus in die Welt wie ein Seelenjäger und bekehrt andere zum Freudianismus. Die Grenzen seiner Kritik zeigen sich dort am deutlichsten. so Greenberg und Fisher.« Diese Antwort ist in zweifacher Hinsicht ungenügend. Gerald Edelman und andere prominente Neurowissenschaftler der Psychoanalyse noch immer eine hohe Wertschätzung entgegen? Als ich Crews diese Frage stellte. Und er stellt die Psychoanalyse auch nicht in ihren umfassenderen wissenschaftlichen Kontext. Genauer gesagt. Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher äußerten dieses Argument in Freud Scientifically Reappraised. den geringsten Nutzen in ihr zu sehen. daß »keine psychologische Theorie hinreichend empirisch überprüft worden ist«. äußerte er die Vermutung. weshalb bringen Eric Kandel. sie seien bei ihren Psychoanalysen einer Gehirnwäsche unterzogen worden. daß die Psychoanalyse nicht den von einigen Kritikern aufgestellten Beweisanforderungen genüge. sagte Crews.48 Namentlich die Verfechter eines biologischen Erklärungsmodells für psychische Erkrankungen. Er ist so auf die Schwächen der Psychoanalyse fixiert. daß er sich weigert.

»Es wäre verfrüht. daß sie möglicherweise nichts anderes als gute Geschichten waren. fand er die psychoanalytischen Erklärungen der Seele letztlich unbefriedigend. zum Direktor des National Institute of Mental Health ernannt. die sich mit Medikamenten wie Fluctin behandeln lasse. »Ich bin ein Skeptiker gegenüber allen Seiten«. Anhänger solcher Modelle beschrieben die Depression oft als eine chemische Störung. gilt dies auch für all ihre selbsternannten Nachfolger. Doch der Schein trügt. Auch einer der herausragendsten Vertreter der modernen biologischen Psychiatrie.« Anders gesagt.49 Mit seinem fein säuberlich gestutzten Bart und seinem mächtigen Unterkiefer ähnelt er etwas dem jungen Freud. Sie gaben Erklärungen für Phänomene. er ist kein Freudianer. die diesen Standpunkt einnehmen. Im Jahr 1996 wurde Hyman. Obgleich ihn einige psychoanalytische Schriften beeindruckten.« Andererseits kamen Hyman einige »einfache pharmakologische Modelle« psychischer Erkrankungen ebenfalls wie bloße »Geschichten« vor. Doch es hat mich immer gestört.Freuds gehörten. das psychodynamische Schemata verbietet. der als Psychiater und Neurowissenschaftler an der Harvard-Universität lehrte. wo er für ein Forschungsbudget von achthundert Millionen Dollar verantwortlich ist. »Ihre Schriften waren echte Glanzleistungen.99 . Kurz nach seiner Ernennung traf ich ihn bei der Jahrestagung der American Psychiatrie Association in New York. Es sind nicht bloß Psychologen wie Greenberg und Fisher . sagte er. die gegenwärtigen glorreichen Wunschträume einer biologischen Psychiatrie in ein Programm zu übersetzen. Steven Hyman. Sie klangen plausibel. ist weitgehend dieser Ansicht. die nach Erklärungen verlangten. wenn die Psychoanalyse eine unvollkommene und unbewiesene Spielart der Wissenschaft vom menschlichen Geist ist. hätten die Überlegenheit ihres Ansatzes keineswegs nachgewiesen. welche die Kon.oder Journalisten wie ich -.

wie das Gehirn funktioniert. die die Psyche mit Hilfe der Darwinschen Theorie der natürlichen Selektion zu erklären versucht. in dem diese Fortschritte in der molekularen und zellulären Neurobiologie eine allgemeine Euphorie auslösen. »Und ich nehme an. die eine Anfälligkeit für Schizophrenie und andere Erkrankungen erzeugen. fuhr er fort. »Wir leben in einem Zeitalter.‹« Hyman vertrat eine ähnliche Einstellung gegenüber der Verhaltensgenetik. daß sich dies nicht leicht lösen lassen wird. den wir entdekken. nicht sagen können: ›Jetzt verstehen wir. Doch er gab zu bedenken. Durch Studien an eineiigen Zwillingen und andere Forschungen versuchten Verhaltensgenetiker den relativen Beitrag der Gene und der Umwelt zu verschiedenen menschlichen Merkmalen und Erkrankungen abzuschätzen. »Es ist eine viel zu grobe Vereinfachung. sagte Hyman. welcher Prozentsatz eines bestimmten Merkmals durch Gene und welcher Prozentsatz durch die Umwelt festgelegt wird. aber auch frustrierend.« Was die Evolutionspsychologie anbelangt. daß die Forscher noch immer herausfinden müßten.zentration des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn steigern. Evolutions. faszinierend. wenn man für eine Person angeben will. so fand Hyman sie. »werden wir nach der Klonierung des nächsten Serotoninrezeptors. »Dabei drängt sich mir die Frage auf: Was bedeutet das? Ist das eine Antwort?« Die reduktionistischen Methoden der Molekularbiologie und der Neurowissenschaft hätten sich in den letzten Jahrzehnten als äußerst fruchtbar erwiesen. miteinander und mit der Umwelt stehen. in was für einer Wechselwirkung solche Gene bei der Entwicklung eines Gehirns. ähnlich wie die Psychoanalyse. denn die gegebene Umwelt könnte die relativen Beiträge verändern. sagte Hyman. würde einen gewaltigen Fortschritt darstellen.100 .« Die Identifikation der Gene. das an Schizophrenie erkrankt. Dennoch«.

oftmals in einer Weise herunter. Es liege eine »schwerwiegende Gefahr« darin. wie »behelfsmäßig zusammengebastelt« Organismen seien. während er über die Frage nachsann. so Hyman weiter. . die älter seien als fünf Jahre. die sich der Erforschung des Geistes widmeten. »wünscht man sich aus Mitleid. prüften Forscher nur selten Befunde. daß all diese Ansätze ihre gesteckten Ziele nicht erreichten. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. daß die Frühgeschichte der Entstehung unseres Gehirns möglicherweise Randbedingungen für die Anpassung beziehungsweise für das Material. In ausgereiften Wissenschaften. sich an »schlechten Modellen der Funktionsweise des Gehirns festzuklammern. wenn man bedenke. man könnte alles tun. War Hyman überzeugt davon.« Andererseits müßten Forscher vermeiden. festgelegt hat«. noch nicht ausgereift seien. das selektiert werden konnte. Psychiatrie. Die anhaltende Debatte über die Ideen Freuds deute darauf hin. sagte Hyman. Es sei nicht verwunderlich. ihre Behauptungen experimentell zu überprüfen. sagte er vorsichtig. gleich ob sie freudianisch sind oder einem einfachen pharmakologischen Reduktionismus frönen«. das die Menschheit in Angriff genommen hat«. Evolutionspsychologen »unterschätzen die Tatsache. daß wir die Psyche und ihre Erkrankungen eines Tages vollkommen verstehen würden? Er verzog das Gesicht. was man wollte. die an die Psychoanalyse erinnert«.Psychologen »spielen ihre Unfähigkeit. daß »die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns und der möglichen Störungen das schwierigste Unternehmen ist. daß Psychologie. »Wenn man Patienten begegnet«. Als empirisch ausgerichteten Biologen erstaune es ihn. die Psyche in erster Linie als ein von der natürlichen Selektion gestaltetes Instrument zur Förderung der Verbreitung unserer Gene anzusehen. schließlich sei das Gebiet der Infektionskrankheiten nicht mehr durch Kontroversen zwischen Anhängern und Gegnern Pasteurs gespalten.101 .

nicht des stringenten Beweises. ein erbitterter Gegner der Psychoanalyse. sondern der Literatur. der viele neue Ideen hatte. stimmte dem zu. Freuds rhetorische Begabung wurde von Freund und Feind anerkannt. Freud sei zusammen mit Marcel Proust. die er überzeugend und ungewöhnlich gut formulierte.«52 . Mitentdecker der DNA-Doppelhelix.102 . in einer Reihe mit Kopernikus und Darwin. vielmehr war er ein Arzt. »kann Freud kaum als Wissenschaftler betrachtet werden. James Joyce und Franz Kafka ein zentraler Schriftsteller des modernen »chaotischen Zeitalters«. Freud »ein Genie nicht der Wissenschaft. läßt man sich wahrscheinlich von ästhetischen Faktoren beeinflussen. fuhr Bloom fort.Freud als Erzähler Wenn man wissenschaftliche »Erzählungen« nicht nach ihrer empirischen Gültigkeit auseinanderhalten kann. nicht der Planung von Experimenten. Doch Freuds Arbeit. Im Jahr 1985 nannte der Psychologe Hans Eysenck. die er eine Form des »Schamanismus« nannte.«50 Der Molekularbiologe und Neurowissenschaftler Francis Crick. schrieb Crick. »die die Gesamtheit der menschlichen Natur beschreibt. Bloom machte sich keine Illusionen über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse.«51 Nach dem Urteil des Literaturtheoretikers Harold Bloom von der Yale-Universität dagegen war Freud nicht bloß ein guter Schriftsteller. die »am Sterben oder schon tot ist«. »Nach modernen Maßstäben«. geht weit über die Freudsche Therapie hinaus. wie er behauptete. Märchenerzählern. muß sie in seiner Vision eines Bürgerkriegs innerhalb der Psyche liegen. sondern mit Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm. sondern der Überzeugung. In seinem Buch The Western Canon schloß Bloom Freud in seine Liste der sechsundzwanzig bedeutendsten Schriftsteller aller Zeiten ein. Er steht nicht. Wenn es eine Quintessenz des Freudschen Denkens gibt. sondern der Propaganda.

The Scarlet Letter und andere Werke von Nathaniel Hawthorne »nehmen die Befunde der Psychoanalyse vorweg. denen auch Freud größte Bedeutung beimaß«. In der 1966 erschienenen Studie The Sins of the Fathers: Hawthorne's Psychological Themes behauptete Crews. selbst Psychoanalytiker zu werden. Zu Beginn seiner akademischen Laufbahn benutzte er die Psychoanalyse als Instrument der literarischen Analyse in seinen Lehrveranstaltungen und Schriften. und nur die hohen Ausbildungskosten hielten ihn davon ab. daß in Anbetracht der bisher sehr dürftigen wissenschaftlichen Erfolgsbilanz tiefe Einblik. Dennoch sagte er voraus. die frühere und heutige Kritiker auf seine Couch packen. gelang es ihm.54 Crews begann mit der Lektüre der Freudschen Werke. daß Freud als Schriftsteller überdauern würde. die gegenwärtig zur Diskussion stehen. Nach wohl einhelliger Auffassung hat Freud.und damit Leidenserfahrung des einzelnen näher zu stehen scheint als alle anderen Systeme. Crews' Buch gilt noch immer als ein Klassiker der freudianischen Literaturwissenschaft. als er in den fünfziger Jahren in Princeton studierte. daß Freud sowohl als Wissenschaftler wie auch als Mensch gravierende Schwächen gehabt habe. der Literaturkritiker der Time. Er pflichtete der Behauptung von Crews und anderen Kritikern bei. ungeachtet aller vorsätzlichen Sünden. kam in seiner berühmten Titelgeschichte »Ist Freud tot?« zum selben Schluß. ungeachtet auch seines rücksichtslosen Hinweggehens über Kollegen und Patienten.Paul Gray. so doch bedeutende literarische Erkenntnisse zutage gefördert.«53 Selbst Frederick Crews geriet eine Zeitlang in Freuds Bann. ein Theoriegebäude zu errichten. Mehrere prominente Wissenschaftler sind der Auffassung. und die geheimsten Belange seines künstlerischen Schaffens stimmen ausnahmslos mit denjenigen überein.103 . wenn schon keine wissenschaftlichen. »Ungeachtet seines Machtwillens und seines Buhlens um Einfluß. das der subjektiven Lebens.

Gandhi war demnach ein »Beeinflusser«. ein halb literarisches. der einem bereits bestehenden Gebiet künstlerischer Kreativität sein Gepräge gab.) Ähnliches vertrat Howard Gardner. halb wissenschaftliches Projekt und werde dies vielleicht immer bleiben. der sich hervorragend darauf versteht.niemals eindeutig durch Rückgriff auf empirische Daten gelöst werden könnten. Virginia Woolf gehörte zum Typus des »Introspektors«. bemerkte Gardner. das die psychischen Grundlagen von künstlerischer Produktivität. die auf verschiedene Aufgaben zugeschnitten seien.anders als Probleme in der Kernphysik oder der Molekularbiologie oder in »sachlicheren« wissenschaftlichen Disziplinen .55 ist eine passende Beschreibung für Freuds Fallgeschichten. Seines Erachtens ist sein Fachgebiet. (Falls Freud diese Fallgeschichten größtenteils selbst erfunden hat. würden sie allerdings nicht einmal als »Faktion« gelten können. die Anthropologie. Der von Geertz geprägte Begriff Faktion. Kreativität und Lernen erforscht. Er ist Kodirektor des Harvard-Projektes Zero. Psychologe und Pädagogikprofessor an der Harvard-Universität. Clifford Geertz meint sogar. der über eine geradezu unheimliche Führungsfähigkeit verfügte. den er als »imaginatives Schreiben über reale Menschen an realen Orten zu realen Zeitpunkten« definiert.104 . daß der Mensch keine homogene. seine innerseelischen Vorgänge aufzudecken. . multifunktionale Intelligenz besitze. der praktisch von Grund auf eine neue wissenschaftliche Disziplin erfand. Freud war ein »Macher«.ke in die menschliche Psyche möglicherweise immer eher literarischen als wissenschaftlichen Charakter haben werden. Mozart war ein »Meister«. sondern »vielfache Intelligenzen«. Freud sei weder ein schlechter Beeinflusser noch ein Introspektor gewesen. daß Kontroversen über die menschliche Natur . Für Furore sorgte seine 1983 in Frames of Mind postulierte Hypothese.56 In Extraordinary Minds legte er Fallstudien über vier archetypische Genien vor.

»Aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. indem sie Begriffe und Wörter präge . seine Mitgliedsbeiträge an die American Psychological Association zu überweisen.57 Seine Schriften über vielfache Intelligenzen atmeten diese Eigenschaften ebenso wie einen altmodischen. antwortete er. nein.« Kognitionswissenschaft. behandeln sollte. »Ich hielt es für einen guten symbolischen Akt«. die bedeutendsten Errungenschaften der Psychologie anzuführen. Die Psychologie.105 . daß die Pädagogik jede Person als ein einzigartiges Individuum mit spezifischen Charakterzügen.« Auf die Bitte. »sich nicht selbst dazu zu verleiten«. welche dauerhaften Wahrheiten hat die Psychologie im Verlauf der letzten hundert Jahre zusammengetragen. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. die zwar keine strengen wissenschaftlichen Theoreme seien. Das Leitprinzip seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schien zu lauten. aber als »Denkhilfen« genutzt werden könnten. Die Sozialpsychologie stelle weiterhin Spekulationen über die menschliche Natur an. Er habe aufgehört. ungesicherte Schlußfolgerungen zu ziehen. liebenswürdigen Mann vorgestellt. sage ich noch immer: Psychologe. räumte Gardner ein. sondern das gesamte Gebiet der Psychologie. sagte er. Experten auf dem Gebiet der ange. romantischen Liberalismus. Doch wenn Sie fragen. lautet meine Antwort: nicht sonderlich viele. Gardner in Person war dagegen genauso scharfzüngig wie Frederick Crews. die sich der Erforschung der Psyche widmen. eröffnete er mir. die Psychologen hätten gelernt. stehe nicht etwa im Begriff zu sterben.Vor unserer ersten Begegnung hatte ich mir Gardner als einen ernsten. sie sei bereits tot.wie etwa Identitätskrise. Gardner hat jedoch nicht nur die Psychoanalyse im Visier. Alltagswissen oder auch erlernte Hilflosigkeit–. die nicht in einem IQ-Wert erfaßt werden können. »In begrifflicher und methodologischer Hinsicht hat die Psychologie einiges erreicht. könnten unser psychologisches Wissen nachhaltig bereichern.

von der einzelnen Synapse bis zu den Durchblutungsmustern des gesamten Kortex. wenn man bedenkt. die sich der Erforschung der Psyche widmeten. der den Titel »Scientific Psychology: Should We Bury It or Praise It?« trug.106 . James habe einmal beklagt. »Die Psychologie hat sich nicht zu einer integrierten Wissenschaft entwickelt.wandten Psychologie entwickelten weiterhin IQ-Tests und andere Instrumente. die Unternehmen bei der Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern einsetzen könnten. daß »es keine wissenschaftliche Psychologie gibt«. nimmt unser Wissen mit einer phänomenalen Geschwindigkeit ständig zu. James' Vorbehalte gegenüber seiner Disziplin »haben sich als allzu berechtigt erwiesen«. daß gewisse Disziplinen. daß »die Jahre am Ende unseres Jahrhunderts durchaus als das Mündigwerden der Hirnforschung beziehungsweise Neurowissenschaft beschrieben werden können. Gardner steht der Kognitionswissenschaft erstaunlich kritisch gegenüber. insbesondere die Neurowissenschaft. daß William James. obschon er im Grunde genommen ein Wissenschaftsoptimist gewesen sei. Auf jeder Ebene des Nervensystems. erklärte Gardner in seinem Vortrag.«59 Gardner räumte ein. Gardner hatte seine Kritik erstmals 1992 in einem Vortrag geäußert. gelegentlich seine Kritik am »vorwissenschaftlichen Stand« und »der Begriffsverwirrung und Unvollkommenheit« der Psychologie zum Ausdruck gebracht habe. daß er mit seinem 1985 erschienenen Buch The Mind's New Science60 selbst zu ihrer .58 Er erinnerte daran. Er wies darauf hin.« Doch »die Phänomene der Empfindung und Wahrnehmung oder auch andere physiologische Zustände werden sich nie auf eine rein neurale Theorie zurückführen lassen«. Fortschritte gemacht hätten und dies auch weiterhin tun würden. und sie wird dieses Ziel wahrscheinlich nie erreichen. Doch keines dieser Gebiete sei der Lösung des Rätsels der menschlichen Psyche auch nur nahe gekommen.

Schließlich vermittelten uns Shakespeare und Dostojewski viel tiefere Aufschlüsse über das menschliche Wesen. Sein zentraler Kritikpunkt war die Tatsache. schien alles darauf hinzudeuten. um die tiefsten Geheimnisse der Psyche zu erkunden. etwa William James. Während unseres Gesprächs wies Gardner darauf hin. Gedächtnis. statt aus Silizium. daß auch Freud ein Meister jener Form literarischer Psychologie gewesen sei. Zudem. Und einige der bedeutendsten Psychologen hätten herausragende literarische Fähigkeiten und Kenntnisse besessen. Psychologen könnten vielleicht mit Hilfe eines »literarischeren« Untersuchungsstils und Diskurses weiterkommen. daß streng wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Psyche unser Verständnis der Kernthemen der Psychologie nicht vorangebracht hätten: Bewußtsein. einen Rechner. Willensfreiheit und Persönlichkeit. Aufmerksamkeit und logisches Denken stelle keine deutliche Verbesserung gegenüber den älteren psychologischen Ansätzen dar. Diese Konzepte »scheinen sich der Zerlegung in elementare Bestandteile und anderen Formen des Reduktionismus besonders nachhaltig zu widersetzen«. Gardner behauptete. Freud habe sich in seinen Schriften immer wieder auf Beispiele aus der Literatur und der Mytho. Doch die Herangehensweise der Kognitionswissenschaftler an die Phänomene Wahrnehmung. so Gardner weiter. Als der Behaviorismus Ende der fünfziger Jahre an Ansehen verlor. »übersehen [Kognitionswissenschaftler] möglicherweise jene Aspekte des logischen Denkens oder Problemlösens. als es Psychologen vermochten. die man benötige. das Selbst.107 .Popularisierung beigetragen hat. die eher charakteristisch für Menschen als für mechanische Gegenstände sind«. Kognitionswissenschaftler betrachteten die Psyche als eine informationsverarbeitende Maschine. aus Fleisch und Blut bestehe. der. daß die Kognitionswissenschaft zum vorherrschenden Paradigma der Psychologie werden würde.

daß sie die Vorherrschaft dieser vermeintlich neuen und verbesserten Paradigmen in Frage stellen.108 . »Übrigens können fünfundneunzig Prozent . Der britische Psychoanalytiker Adam Phillips schrieb 1998. wir sollten dankbar dafür sein. Die beiden anderen. daß unsere Heilerfolge es mit denen von Lourdes . daß ihr einst beherrschender Einfluß gebrochen ist. was wir mit dieser sogenannten Erkenntnisfähigkeit tun können«.der Psychologen« sich nicht tief in andere Menschen einfühlen. ich glaube nicht. die Psychoanalyse »zeigt uns bestenfalls sowohl die Grenzen unserer vielgerühmten Erkenntnisfähigkeit als auch. denen Gardner begegnet sei. und er habe ein gutes intuitives Gespür für Menschen besessen.Sie können mich mit dieser Zahl zitieren . hätten diese intuitive Fähigkeit gehabt. um Darwin oder um den Computer. sind das Erziehen und das Regieren. weit länger bekannten. noch immer einen nützlichen Zweck.«62 Im Jahr 1933 klang er noch sarkastischer: »Da möchte ich sagen. in denen man des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann. weil sie in Chemie nicht gut genug waren. In dem 1937 erschienenen Werk Die endliche und die unendliche Analyse schrieb Freud: »Es hat doch beinahe den Anschein.« Freuds versöhnender Pessimismus Die Psychoanalyse ist ein Paradigma mit schwerwiegenden Fehlern.61 Meines Erachtens war Freuds Bereitschaft. die Grenzen der Wissenschaft einschließlich seiner eigenen Beiträge ausdrücklich anzuerkennen. Neofreudianer erfüllen dadurch. »Sie satteln von Chemie auf Psychologie um. als wäre das Analysieren der dritte jener ›unmöglichen‹ Berufe. einer seiner versöhnlichsten Wesenszüge. um die DNA. Andererseits stellt der Kult um Freud heute eine geringere Gefahr dar als der Kult um Fluctin. Alle »großen« Psychologen.logie gestützt.

im geringsten erfolgreicher wären. Andererseits gibt es auch keine schlüssigen Beweise dafür. die an die Wunder der heiligen Jungfrau.«63 Freuds Sorgen waren wohlbegründet. Es gibt so viel mehr Menschen. die auf alternativen Theorien der menschlichen Natur basieren und die im Verlauf der letzten hundert Jahre entstanden sind. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren dem Gesundbeten überlegen wäre.aufnehmen können. Mehr als fünfzig Jahre nachdem er diese Äußerung gemacht hat. daß irgendeine von den Hunderten von »Redekuren«. als die an die Existenz des Unbewußten glauben. gibt es noch immer keine schlüssigen Beweise dafür. .109 .

die Soziobiologie und die Kognitionswissenschaft. jenseits von Freiheit und Würde des Psychologen B. Allein schon die Titel dieser Bücher zeigen.3. und Der Urschrei des klinischen Psychologen Arthur Janov. der die Urschreitherapie erfand. aber konkurrierender psychologischer Theorien hervor. F. und trotzdem geht's mit der Welt bergab. Skinner. Mitte der achtziger Jahre umfaßte die Angebotspalette über 450 verschiede. der die Transaktionsanalyse popularisierte. das ultravioletter Strahlung ausgesetzt wird. Sie brachte schließlich eine Vielzahl ähnlicher. Zwischen den hoch mit broschierten und gebundenen alten Büchern beladenen Tischen stieß ich auf ein fossiles Lager populärwissenschaftlicher Psychologiebestseller: Phänomenologie der Erfahrung des britischen Psychiaters und Dichters R. eines Begründers des Behaviorismus. deren berühmteste Anhänger John Lennon und Yoko Ono waren. Daneben bildeten sich eigenständige Theorien der menschlichen Psyche heraus. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE Es gibt seit hundert Jahren Psychotherapie. I'm Okay – You're Okay des Psychiaters Thomas Harris. die von so bekannten freudianischen Apostaten wie Carl Jung und Wilhelm Reich begründet wurden. Praktisch alle diese Theorien haben ihre eigenen Psychotherapien hervorgebracht. Jugend und Krise des Psychoanalytikers Erik Erikson. darunter jene. Wie ein Bakterium. daß sich die Psychologie im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreiche divergierende Richtungen entwickelte. Laing.110 . D. wie etwa der Behaviorismus. begann die Psychoanalyse unmittelbar nach ihrer Begründung rasch zu mutieren und sich zu teilen. JAMES HILLMAN UND MICHAEL VENTURA1 einem nicht lange zurückliegenden Anverkauftenoch Bücherei meiner Heimatstadt Sommertag die gespendete Bücher.

von der aktiven analytischen Therapie bis hin zur psychoenergetischen Technik nach Zaraleya. durch Konditionierungsübungen dysfunktionale Verhaltensmuster zu ändern. in einen Topf geworfen. B. Tatsäch. .2 Die Psychotherapien lassen sich in drei allgemeine Kategorien einteilen: . die jedoch vor allem auf die Änderung schädigender Denkgewohnheiten abzielen. dem Patienten Ratschläge zu geben. .F. In der klassischen Psychoanalyse sollte es der Analytiker vermeiden.111 .B. Skinner und anderen Behavioristen streben Verhaltenstherapien danach.Psychodynamische Therapien.3 Selbst innerhalb einer bestimmten psychotherapeutischen Richtung kann es eine enorme Bandbreite geben. Die Therapeuten versuchen den Patienten zu helfen. ihr Leben mit Sinn zu erfüllen. Watson. insbesondere solchen sexueller Natur. indem sie ihre Fähigkeit erkennen. mitunter nehmen sie sogar eine ausgesprochen spirituelle Dimension an. J. Auf der Grundlage der Arbeiten von Iwan Pawlow. zu denen die Psychoanalyse und ihre Abkömmlinge zählen.Verhaltenstherapien verfolgen einen gegenwartsbezogeneren Ansatz. sehen in Kindheitserfahrungen. doch viele Analytiker einschließlich Freud haben gegen diese Regel verstoßen. Verhaltenstherapien werden oft mit kognitiven Therapien. sich ihrer Verzweiflung und Entfremdung zu stellen und sie zu überwinden.Erlebnisorientierte Therapien haben eine philosophischere Ausrichtung als psychodynamische und Verhaltenstherapien. Depression und Angst werden als legitime Reaktionen auf die Sinnlosigkeit des Daseins gewertet. die Ursache für psychische Störungen im Erwachsenenalter.ne Arten von Psychotherapien.

3 Millionen Amerikaner oder 3. Diese Zahl schließt vierzigtausend Psychiater. aber diese Zahl enthielt auch Patienten in Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen.lieh gibt es wohl genauso viele Arten von Psychotherapie. die sie verabreichen. Obgleich es eine Fülle von anekdotischen Indizien für den Bedeutungsverlust von Psychotherapien gibt. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es fast dreihunderttausend Psychotherapeuten.5 Die Anzahl der ambulanten psychotherapeutischen Visiten belief sich auf insgesamt achtzig Millionen und die Gesamtkosten auf über vier Milliarden Dollar.6 Eine Studie aus dem Jahr 1992 zählte hundert Millionen psychotherapeutische Sitzungen. daß diese Ende der neunziger Jahre weniger Psychotherapien durchführten als im vorausgehenden Jahrzehnt. daß viele Psychotherapeuten gegenüber verschiedenen Patienten unterschiedliche therapeutische Strategien einschlagen. ist es schwerer. exakte Daten zu bekommen. wurde festgestellt.1 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine psychotherapeutische Sitzung pro Jahr auf ambulanter Basis. stellt die Psychotherapie noch immer eine wichtige Form der Behandlung von psychischen Problemen dar. und diejenigen. . die sich auf Ärzte. bilden noch immer eine einflußreiche politische Interessengruppe.7 Bei einer statistischen Erhebung. Nach der gegenwärtig vorherrschenden Meinung sinkt der Stellenwert von Psychotherapien infolge des (in den USA) neu eingeführten Systems der integrierten Gesundheitsfürsorge und der sprunghaft zunehmenden Beliebtheit von Medikamenten wie Fluctin immer weiter. doch werde dieser Rückgang möglicherweise durch eine Zunahme von Besuchen bei nichtärztlichen Therapeuten kompensiert. wie es Psychotherapeuten gibt. wenn man bedenkt. einschließlich Psychiatern.8 Selbst wenn die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungen rückläufig ist.112 .4 Laut einer statistischen Erhebung erhielten im Jahr 1987 7. ja sogar mehr. konzentrierte.

Wenn sich eine Psychotherapie anderen Verfahren bei der Behandlung seelischer Leiden als überlegen erwiese. Die Frage lautet dann nicht mehr »Ist sie wahr?«.nicht danach beurteilt werden. Die Frage. Die frühen Anhänger der Quantenmechanik konnten nur die Ergebnisse rätselhafter Experimente beschreiben. was sie bewirken. Mitte der neunziger Jahre bedrängten diese Gruppen den US-amerikanischen Kongreß. Wie Politiker sollten vielleicht auch wissenschaftliche Theorien .113 . ob die Quantenmechanik wahr ist. Freud wollte mit seinen Fallberichten über einzelne Patienten .insbesondere solche mit medizinischen Ansprüchen .achtzigtausend klinische Psychologen und hundertzwanzigtausend Sozialarbeiter ein. sie funktioniert. die den Lauf der Geschichte veränderten . sondern danach. die im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt wurden.9 Seelsorger. Unternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten. Transistoren.10 Die Psychotherapiebranche stellt einen beständigen umfassenden Test der zahllosen psychologischen Lehren dar. sondern »Ist sie wirksam?«. Später konnten sie Kernspaltungsreaktoren. Für viele Physiker ist die Frage. Man kann die relativen Vorteile verschiedener psychologischer Lehren bewerten.darunter so berühmte .als Beweise vorlegen. läßt sich nicht leicht beantworten. wäre dies ein starker Indizienbeweis für die Wahrheit der ihr zugrunde liegenden Theorie. was sie sagen. Drogenberater und andere eklektische Praktiker steuern weitere fünfzigtausend Therapeuten zu der Mischung bei. ob eine bestimmte Psychotherapie wirksam ist. Hauptsache ist. für psychische Erkrankungen denselben Versicherungsschutz zu gewähren wie für körperliche Leiden wie Krebs oder Herzerkrankungen.Technologien. Laser und thermonukleare Bomben . nahezu belanglos. indem man die Wirksamkeit ihrer zugehörigen Therapien mißt. Der Mental Health Parity Act (Gesetz zur Gleichstellung der psychischen Gesundheit mit der körperlichen Gesundheit) trat mit den unvermeidlichen Lücken im Januar 1998 in Kraft.

im Rahmen einer kontrollierten Studie seine Wirksamkeit bei einer großen Zahl von Probanden zu messen. ob für die Jungsche Psychotherapie bei Depression oder Haiknorpel bei Krebs. Die beste Methode zur Bewertung eines bestimmten Heilverfahrens besteht darin. Fallberichte bleiben ein zentrales Element moderner Bücher über die Psyche. Doch Studien. der Wolfsmann und Anna O. egal ob sie Psychotherapien (The Talking Cure von Susan Vaughan).. So wie Freud diese Fallstudien erzählte. Wenn man sich allein auf kasuistische Einzelfallschilderungen bezieht. die in Studien über Tumortherapien oder andere. die den Begriff »Redekur« prägte und nicht von Freud selbst.11 Auch wenn Fallgeschichten oftmals eine faszinierende Lektüre sind. werden durch Faktoren erschwert. die psychischen Ursachen seiner Symptome zu verstehen. sondern von einem seiner Kollegen analysiert wurde . Toksoz Karasu. was ihm Erleichterung verschaffe. die die Wirksamkeit psychologischer Behandlungsformen nachweisen sollen. einfachere Therapien nicht auftreten. Mit Hilfe des brillanten Analytikers gelinge es dem Patienten.den Nachweis für die Wirksamkeit der Psychoanalyse erbringen. Wie mehrere Kritiker gezeigt haben. Psychiater am Albert Einstein College of Medicine und eine . bestand allerdings oftmals eine erhebliche Diskrepanz zwischen Freuds Erzählungen und der Wirklichkeit.114 . Medikamente (Glück auf Rezept von Peter Kramer) oder die Verhaltensgenetik (Twins von Lawrence Wright) anpreisen. Zudem könnten die nachweislichen Verbesserungen bei manchen (nicht allen) Patienten von Freud und seinen Kollegen trotz und nicht wegen der Behandlung zustande gekommen sein. kann man Wirksamkeitsnachweise für jede beliebige Behandlungsform beibringen. bestätigten sie den Nutzen einer psychoanalytischen Behandlung. werden sie nicht mehr als zuverlässige Belege für die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen anerkannt.Personen wie der Rattenmann.

.. wirtschaftliche und narzißtische Interessen. und selbst darüber. wie eine bestimmte Störung definiert werden sollte. Zudem haben Therapeuten [. die Schwierigkeiten. manisch-depressive Erkrankung oder normale Melancholie diagnostiziert.dt. Therapeuten. uneinig darüber. was ein Psychiater als Schizophrenie klassifiziert. dieses aber keinesfalls ausgeschaltet.und Identitätsverständnis. daß sie sich nicht nur in ihrem beruflichen Rollen.scheinbar endlose . die große . die Verschiedenartigkeit der Kontexte. wird von einem anderen vielleicht als Schizophrenie. die Beschreibung der Schizophrenie »läuft auf folgendes hinaus: Ein Schizophrener ist eine Person. dieses Problem mit dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM .und Interaktionsvariablen berücksichtigen.12 Die Diagnose psychischer Störungen ist ein problematisches Unterfangen. muß man die Vielfalt theoretischer und klinischer Ansätze in der Psychotherapie.] politische. sondern auch in ihrer ideologischen Einstellung unterscheiden. die dazu führen. hat allenfalls das subjektive Moment bei psychiatrischen Diagnosen verdeutlicht. die trügerisch einfache Frage ›Ist eine Psychotherapie wirksam?‹ zu beantworten.Zahl von Patienten-. sich sonderbar benimmt . in deren Beurteilungen sich der Konsens der Fachwelt widerspiegeln soll. das Spektrum der Störungen. Ein Rezensent des DSM-IV (der in Deutschland 1996 erschienenen vierten Auflage) meinte etwa. schrieb einmal: Wenn man versucht. das von Gruppen von Psychiatern erarbeitet wird. Die American Psychiatrie Association hat sich bemüht. Die Therapeuten sind sich. sie als eine gleichförmige Praktik zu beschreiben und zu messen.115 .Autorität auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. was überhaupt als Störung anzusehen ist. gelinde gesagt. Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) zu lösen. dessen erste Ausgabe 1952 erschien. die sehr eigenartige Gedanken hat.13 Doch das DSM.

Außerdem bezahlen die meisten Versicherungsgesellschaften nur die Behandlung von Störungen. Gefühlsüberschwang mit Psychopathologie zu verwechseln und so zu tun. oder sich sprachlich nicht richtig ausdrükken können. Kann der Therapeut oder der Patient selbst die Störung eines Patienten besser beurteilen? Und worin besteht ein erfolgreicher Abschluß? Die letztgenannte Frage ist stark mit Werturteilen behaftet. heißt es in dem 1998 erschienenen Buch Making Us Crazy. »seinen Wohnort und seinen gewohnten Arbeitsplatz zu verlassen«). bestünde noch immer Uneinigkeit darüber. Dennoch stieg die Zahl der anerkannten Störungen von 106 im DSM-III (1980) auf über 300 im DSM-IV an. aber in späteren Ausgaben auf Druck schwuler Aktivisten und anderer gestrichen wurde. dissoziative Fugue (der unwiderstehliche Drang. daß die Verfasser des DSM-IV entweder nicht wissen.116 . Das DSM-IV spiegelt »die zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft [wider]. was Schizophrenie ist. dies deutet darauf hin. wie man den Erfolg einer psychologischen Behandlung messen soll. die beiden zentralen Themen der freudianischen Psychologie. antisoziale Persönlichkeitsstörung (»Impulsivität beziehungsweise Unfähigkeit vorauszuplanen«). die im DSM aufgeführt sind.und unter bizarren Wahnideen leidet.«14 Das DSM-IV erwähnt nicht einmal Hysterie und Neurose. einer Geschichte des DSM.15 Zu den neuen Kategorien gehören Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (»Kann sich nicht auf Details konzentrieren und begeht Flüchtigkeitsfehler«). und auch die Homosexualität taucht nicht mehr auf. nichtmedizinischen Problemen eine medizinische Bedeutung beizulegen. wenn man ihnen ein Etikett und eine Codenummer anhängt «16. Während die meisten (wenn auch nicht alle) Beobachter darin über. als verstehe man Phänomene schon. die noch im DSM-I und im DSM-II als psychische Störung gewertet wurde. Doch selbst wenn die Diagnose eindeutig wäre.

die nicht behandelt wird. Weder die Studienteilnehmer noch die Studienleiter wissen. was einen Erfolg ausmachte.einstimmen würden. daß ein Selbstmord auf einen Fehlschlag der Therapie hindeutet. und die Kontrollgruppe erhält eine pharmakologisch unwirksame Substanz. In einer kontrollierten Studie vergleicht man die behandelte Gruppe mit einer zweiten. bis er als geheilt gelten kann. Jeder Unterschied zwischen den beiden Gruppen läßt sich dann mit hoher Plausibilität auf die Behandlung zurückführen. stellt sich die Frage. wenn beide möglicherweise angemessene Reaktionen auf das menschliche Dasein sind? Auf einem weniger philosophischen Niveau stellt sich die Frage. Zufriedenheit oder beides zu fördern? Sollten Therapeuten Patienten helfen. Wie aber führt man eine Doppelblindstudie über ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren durch? Psychoanalytiker bewerten sich selbst Freud griff all jene heftig an. der erprobt wird. eine Gruppe erhält den Wirkstoff. eigenständiger zu werden oder sich konventionellen sozialen Normen anzupassen? Wie lange muß ein Patient symptomfrei sein. die Placebo genannt wird. sofern dieser Begriff überhaupt anwendbar ist? Ist es sinnvoll. so meinte . wie man eine Kontrollgruppe für eine Psychotherapiestudie zusammenstellen soll. als er von Fallstudien erbracht wird.117 . die auf einem stringenteren empirischen Wirksamkeitsnachweis bestanden. wer die wirksame Substanz und wer das Placebo erhält. von einer »Heilung« der Melancholie oder Angst zu sprechen. Und welchen Zeitraum müßte man dabei betrachten? Besteht das Ziel der Therapie darin. Statistische Auswertungen. Selbsterkenntnis. aber ansonsten mit der ersten soweit wie möglich übereinstimmt. Die ideale klinische Studie ist ein Doppelblindversuch.

als es dem Kranken möglichst angenehm zu machen. Freud selbst tadelte einst Analytiker. daß der Analytiker mehr will. zum Ausdruck brachten. Dabei verzichten sie darauf. das verarbeitete Material so heterogen. die »nichts anderes [anstreben].«19 Ihrer Auffassung nach kann die Minderung des Leidensdrucks die persönliche Weiterentwicklung aber behindern. daß er sich nicht objektiv messen läßt. Man tut besser. doch der Ausschuß löste sich bald wieder auf. Im Jahr 1948 riefen leitende Funktionäre der American Psychoanalytic Association (APA) einen Evaluationsausschuß ins Leben. Die Journalistin Janet Malcolm machte in ihrem 1982 erschienenen Buch Psychoanalysis: The Impossible Profession darauf aufmerksam: »Es ist eine der ältesten und tiefverwurzeltesten Überzeugungen der Psychoanalyse.«18 Die Psychoanalytiker definieren den therapeutischen Erfolg oftmals so. daß viele Analytiker ihre Zwiespältigkeit beziehungsweise ihren offenen Widerstand gegenüber jedem Versuch.] zu machen. Gegen Ende seines Lebens schrieb er: »Man hat den Eindruck. daß nur sehr große Zahlen etwas besagen würden. daß der Unterschied zwischen dem nicht Analysierten und dem späteren Verhalten des Analysierten doch nicht so durchgreifend ist. seien »überhaupt nicht lehrreich. daß die Ergebnisse der Psychoanalyse möglicherweise nicht zum Vorteil gereichten.«20 In Anbetracht dieser Faktoren ist es nicht verwunderlich. daß man nicht überrascht sein dürfte. der von Mitgliedern Wirksamkeitsbelege sammeln sollte.Freud. als dem Patienten bloß ein angenehmes Lebensgefühl zu vermitteln.118 . seine Einzelerfahrungen zu befragen. die Wirksamkeit ihres Produktes zu quantifizieren. wie wir es erstreben. wenn sich am Ende herausstellt.«17 In Freuds Widerstand gegen statistische Studien mag sich seine Befürchtung widerspiegeln. . ihn für das Leben stärker [.. damit er sich dort wohl fühle und gerne wieder aus den Schwierigkeiten des Lebens seine Zuflucht dorthin nehme. erwarten und behaupten..

Im Jahr 1967 versuchte die APA. empfahlen sie. Berichte über den therapeutischen Erfolg von Tausenden von Analytikern zu sammeln. gebildeter. indem sie einen Teil der Ergebnisse veröffentlichte . Zweitens wurden die Patienten nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen.23 Die Autoren kamen zu dem Schluß. daß sie von unabhängigen Beobachtern und sogar von vielen Psychoanalytikern selbst als wertlos erachtet werden. Als die Ausschußmitglieder im Jahr 1957 die Informationen dem Vorstand des Berufsverbandes vorlegten. das Projekt zu retten. funktional weniger stark beeinträchtigt und . die sie als »geeignet« für eine Psychoanalyse einstuften. Die Ergebnisse. einem Professor für Psychiatrie am New York Medical College im Saint Vincent's Hospital.21 Einem 1953 gegründeten Ausschuß gelang es. ließ das Thema dann aber erneut fallen. Erstens wurde der Fortschritt der Patienten in der Regel von ihren Analytikern beurteilt. die keine Therapie erhielt. Ungeachtet dessen begannen psychoanalytische Institute in Chicago. erörtert. Diese Studien weisen jedoch so gravierende Mängel auf.ein Kritiker bezeichnete sie als eine Sammlung »angeblicher Fakten«22 -. die Ergebnisse unter Verschluß zu halten. Drittens nahmen die Analytiker nur solche Patienten an. positive Resultate festzustellen. »Geeignete« Patienten sind tendenziell wohlhabender.119 . San Francisco und in anderen Orten Daten über den Therapieerfolg zusammenzutragen. Die APA schickte die Rohdaten zur Auswertung an IBM. die sich auf über sechshundert Patienten bezogen. Boston. doch dabei gingen offenbar viele der Daten verloren. daß die psychoanalytische Behandlung bei sechzig bis neunzig Prozent der untersuchten Patienten zu einer »erheblichen« Verbesserung ihres Zustands geführt habe.da die Mitglieder nicht miteinander kooperierten. New York. die aus naheliegenden Gründen dazu neigen dürften. wurden 1991 im Journal of the American Psychoanalytic Association von einer Gruppe um Henry Bachrach.

die sie am wenigsten brauchten. waren zugleich diejenigen. gemacht hatten. Als Bachrach diese Daten 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago vorstellte. Die Dodo-Hypothese . hatten . die am meisten von einer Psychoanalyse profitierten. haben Forscher durchaus aussagekräftigere Studien zur Wirksamkeit anderer Psychotherapien durchgeführt. Anders gesagt. diese Studien seien nicht ideal. Doch die Schwächen »waren nicht größer als bei vergleichbaren Untersuchungen über andere Formen von Psychotherapie«. räumte er ein. entwickelt von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers. Eine der längsten Studien war das sogenannte Cambridge-Somerville Delinquency Prevention Project (Delinquenz-Präventionsprojekt). diejenigen.24 Die 1937 begonnene Untersuchung verfolgte die Entwicklung von über sechshundert Jungen aus dem Raum Boston. Im Jahr 1948 gab es keinen Unterschied in den Strafregistern der beiden Gruppen. Diejenigen. deren Durchschnittsalter bei Studienbeginn zehn Jahre betrug und bei denen man ein erhöhtes Straffälligkeitsrisiko vermutete. Das gleiche wurde in den fünfziger Jahren und 1975 festgestellt. die betreut und im weiteren Verlauf ihres Lebens straffällig geworden waren.120 .motivierter für eine Therapie als »ungeeignete«. Eine Gruppe von ihnen wurde während eines Zeitraums von durchschnittlich fünfeinhalb Jahren zweimal pro Monat von Sozialarbeitern beraten.Teil I Anders als von Bachrach behauptet. die eine Fortbildung in Psychoanalyse oder in der damals populären »humanistischen Gesprächstherapie«. Doch zu diesem Zeitpunkt kamen einige bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zum Vorschein. Die andere Gruppe wurde nicht betreut.

Eysenck bevorzugte genetische Theorien des Temperaments und der Intelligenz. Freuds Modell der Psyche sei »zu absurd.25 Im Jahr 1952 legte Eysenck die Befunde einer Studie über die Psychoanalyse und andere »eklektische« Psychotherapien vor. daß es vierundvierzig Prozent der Analysanden nach Abschluß ihrer Analyse besser gehe. sondern »eine mittelalterliche Moralität«. er war einer der ersten. im Vergleich zu vierundsechzig Prozent der Patienten. Auch die Forschungen von Hans Eysenck. förderten ernüchternde Ergebnisse zutage.mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr als eine Straftat begangen. das Risiko noch erhöht. der den größten Teil seiner wissenschaftlichen Laufbahn am Institute of Psychiatry der Universität London verbrachte. Doch bei zwei Dritteln einer Gruppe unbehandelter neurotischer Patienten sei nach zwei Jahren ebenfalls eine Besserung eingetreten. die relativ niedrigen IQ-Werte von Schwarzen hätten eine genetische Grundlage.26 Er erklärte einmal. im Gegenteil. Die Forscher fanden darüber hinaus auch eine positive Korrelation zwischen der Behandlungsdauer und dem Ausmaß straffälligen Verhaltens. Eysenck zog daraus den Schluß. Er behauptete. deren Charaktere aus so »mythischen Figuren wie dem Ich. seine Schlußfolgerungen seien tendenziös. als daß es wissenschaftlich genannt werden könnte«. die Psychoanalyse habe sogar eine nachteilige Wirkung. daß Psychotherapien bestenfalls wirkungslos seien. daß eine therapeutische Behandlung Jugendliche keineswegs vor einem Abdriften in die Kriminalität schützt. . dem Es und dem Über-ich« bestünden. sondern. Die Studie deutete darauf hin.121 . der die Auffassung vertrat. einem in Deutschland geborenen Psychologen. Es sei keine Theorie. die mit anderen Therapien behandelt worden waren. Eysencks offen ablehnende Einstellung zu Freud und sein Eintreten für alternative Theorien der menschlichen Psyche trugen ihm den Vorwurf ein.

ans Ufer einer Insel schwammen. heißt es in dem Bericht. »Obgleich die Beweislage nicht völlig schlüssig ist«. Andererseits stach keine Therapie heraus. und zwei Kollegen Studien über verschiedene Therapien aus. »enthält die aktuelle Literatur mehrere hervorragende Forschungsstudien. alle waren annähernd gleich wirksam. ging es im allgemeinen besser als denjenigen. In dem Aufsatz werteten Lester Luborsky.Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte gelangten Forscher. der Versicherungsgesellschaften zur Übernahme der Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung verpflichten sollte.) Ende der siebziger Jahre wies der US-Kongreß.122 . die nicht therapiert wurden. zu einer positiveren Bilanz als Eysenck: Personen.«27 Eine der einflußreichsten Evaluationsstudien über Psychotherapien trug den Titel »Comparative Studies of Psychotherapy: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«28 und erschien 1975 in den Archives of General Psychiatry. Sie kamen zu dem Schluß. die die positive Wirkung einer psychotherapeutischen Behandlung feststellen. der über einen Gesetzentwurf beriet. die eine Therapie erhielten. den das Amt für Technologiebewertung 1980 an seine Auftraggeber im Kongreß sandte. die in einem Meer aus Tränen trieben. (Die Mitglieder der Kontrollgruppe wurden in der Regel auf eine »Therapie-Warteliste« gesetzt. denjenigen. die psychotherapeutisch behandelt wurden. die Wirksamkeit der Psychoanalyse zu evaluieren. in der Alice und andere Figuren. wo sie tropfnaß an Land gingen. die Wirksamkeit der Psychoanalyse und anderer Psychotherapien zu evaluieren. zitierten Luborsky und seine Mitarbeiter eine Episode aus Alice im Wunderland. Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania. . ging es im allgemeinen besser als Mitgliedern der unbehandelten Kontrollgruppe. die versuchten. Um die Tragweite dieses Befundes sinnfällig zu veranschaulichen. das mittlerweile aufgelöste Amt für Technologiebewertung an. daß sich eine Psychotherapie auszahle.

der auf Mauritius lebte (A. d.zwei . wie es ihm einfiel. Die Episode entwickelte sich folgendermaßen: Er [der Dodo] legte zuerst die Rennbahn fest. noch ganz außer Atem. um ihn und fragten: ›Aber wer ist Sieger?‹ Diese Frage konnte der Dodo nicht ohne tieferes Nachdenken beantworten. und jeder muß einen Preis bekommen!‹29 Luborsky erkannte dem Psychologen Saul Rosenzweig das Verdienst zu. krankten an einem »Präferenzeffekt«.) . so daß gar nicht so leicht zu entscheiden war. sagte er). Ü. ein Wettlauf um die Insel sei der beste Weg. und die Mitspieler mußten sich irgendwo auf der Bahn aufstellen. welche auf die Überlegenheit einer bestimmten Therapie hindeuteten. Endlich sagte der Dodo: ›Alle sind Sieger. der meinte. wann er wollte. und hörte auf. aber keine Beweise für seine Behauptung vorgelegt. den Ausdruck »Dodo-Hypothese« in einem Aufsatz aus dem Jahr 1936 geprägt zu haben. Studien. wann der Wettlauf eigentlich zu Ende war. und alle drängten sich.30 Luborsky hat seine Befunde im Lauf der Jahre immer wieder aktualisiert und ist mittlerweile mehr denn je davon überzeugt. und so saß er längere Zeit hindurch da und legte die Zeigefinger an die Stirn (eine Haltung.Dort begegneten sie einem Dodo. Nachdem sie indessen ungefähr eine halbe Stunde gelaufen und wieder ganz trocken geworden waren. Rosenzweig hatte postuliert.drei – los! <.123 . sondern jeder begann zu laufen. daß die Dodo-Hypothese richtig ist. wie es sich gerade traf. eine Art Kreis (›auf die genaue Form kommt es nicht an‹.der Nei* Ein ausgestorbener schwanengroßer Vogel. während ringsum alles schwieg und wartete. alle Psychotherapien seien vermutlich gleich wirksam. so Luborsky . wieder trocken zu werden. Es gab kein ›Eins . in der ihr gewöhnlich Shakespeare auf Bildern von ihm seht). rief der Dodo plötzlich: ›Ende des Wettlaufs!‹.

ja nicht einmal in Erwägung gezogen. vermutlich auch vom Nutzen der Psychotherapie im allgemeinen überzeugt. die sie selbst praktizieren oder favorisieren.gung von Forschern. daß Sie mich das fragen.31 Anderseits hat auch Luborsky seine Präferenzen. Zudem hat Luborsky unter allen Gesprächstherapien eine eindeutige Vorliebe für die psychodynamische Therapie. Hauptthema des Kapitels war die DodoHypothese. sagte er. Ein Wortwechsel in dem Dialog lautete folgendermaßen: Frage: Glauben Sie nicht. die durch ihre Version der Dodo-Hypothese aufgeworfen wurden. die eine Art »Psychoanalyse light« sei. aber er bezweifle. das er mit Koautoren für Psycho dynamic Treatment Research: A Handbook for Clinical Practice schrieb. bemühte er sich. Luborsky enthüllte diese Präferenz 1993 in einem Kapitel. er habe diese Möglichkeit nicht geprüft. Gegen Ende des Kapitels versuchten Luborsky und seine Mitarbeiter mit einem »imaginären Dialog« einige Fragen zu beantworten. der eine bestimmte Therapie bevorzuge. Ich fragte ihn. Und sie haben . einige besondere Vorzüge aufweisen. Als ich ihn anrief. denn schließlich sei ein Forscher. Luborsky antwortete. Die Studien haben sich bislang noch nicht mit den möglichen langfristigen Vorteilen befaßt. daß sie stimme. die für einen nicht signifikanten Differenzeffekt sprechen.124 . daß die [psychodynamischen] Therapien ungeachtet aller Belege. um die Ergebnisse seiner Studien mit ihm zu besprechen. die Behauptung von Hans Eysenck und anderen zu widerlegen. ob diese Belege vielleicht das Produkt eines »Metapräferenzeffekts« sein könnten. die noch nicht erkannt wurden? Antwort: Ich bin froh. daß eine psychotherapeutische Behandlung positive Veränderungen bewirkt«. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja. »Es gibt eine Fülle von empirischen Daten. die beweisen. Belege für die Wirksamkeit jener Therapie zu finden. Psychotherapien seien gänzlich wirkungslos.

34 Luborsky wies Crews' Behauptung zurück. Die Psychoanalyse sei »vermutlich mindestens ebenso wirksam wie andere Formen der Psychotherapie.32 Luborsky. so daß man sie wirkungsvoller gestalten könne.« Psychotherapie als Placebo Im Jahr 1993 enthüllte Luborsky in einem Leserbrief.125 . jemand. Das ist die einfachste Formel dafür. Dies wird dadurch bewiesen. Er hat eine ausgeklügelte Hypothese über die Beziehung. der auch eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert hat. daß es keine signifikanten Unterschiede im therapeutischen Erfolg gibt. daß »ein Bündnis geschmiedet wird und daß beide neue Erkenntnisse gewinnen. seine fortbestehende Präferenz für die Psychoanalyse. der auf Frederick Crews' Artikel »The Unknown Freud« in der New York Review of Books reagierte. die sich in einer erfolgreichen Therapie zwischen Patient und Therapeut entwickelt. lautet. daß er nach wie vor viel von psychoanalytischen Theorien der Psyche halte.« Crews konterte mit der Frage.auch den Unterschied zwischen Änderungen bei den Symptomen und Änderungen in der allgemeinen Anpassung noch nicht gründlich genug erforscht. Er hoffe. weshalb. daß bei allen vergleichenden Studien über verschiedene Formen von Psychotherapien der überwältigende Trend dahin geht. wenn alle Psychotherapien gleichwertig seien.33 Die Quintessenz dieser Hypothese. aufgestellt. die sich stark an den Freudschen Begriff der Übertragung anlehnt. gestand mir. der halbwegs bei Verstand . daß bei weiteren Forschungen die nützlichen Komponenten psychodynamischer Therapien identifiziert würden. die Psychoanalyse sei »eine nicht sonderlich erfolgreiche und äußerst ineffiziente Methode zur Behebung neurotischer Symptome«.

die ihnen allen gemeinsam sind – und dies sind Placebo-Faktoren. wurde Theriak von europäischen Ärzten bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts verordnet. mit der die römisch-katholische Seelenandacht für Verstorbene beginnt. Die kritische Sichtung der vielen tausend Heilmittel. die vor dem Aufkommen der modernen Medizin eingesetzt wurden. der man eine stärkende Wirkung zuschrieb. »Die eigentliche Botschaft von Luborskys Arbeit«. Arthur Shapiro. Später bezeichnete der Begriff Speichellecker und Schmeichler und. um ihren Patienten eine Gefälligkeit zu erweisen. Erstmals vor eintausendachthundert Jahren von dem griechischen Arzt Galen beschrieben. Ein weitverbreitetes Allheilmittel war Theriak. Scheinmedikamente.35 Auch die Abendgottesdienste selbst wurden gelegentlich Placebos genannt.126 .sei. aber unwahrscheinlichen Ausnahmen. daß Psychotherapien (wenn überhaupt) aufgrund von Faktoren wirken. deute darauf hin.« Der Placebo-Effekt war lange Zeit ein Schreckgespenst der modernen Medizin. die Psychoanalyse. her. so Crews weiter. schließlich. unter anderem Schlangenhaut. war eine Kapazität auf dem Gebiet des Placebo-Effekts. In einem Aufsatz. alle Placebos waren«. den er gemeinsam mit einem Koautor kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 schrieb. Professor für Psychiatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York. die Seelenandachten zu singen.37 . sich ausgerechnet für die teuerste und zeitraubendste Psychotherapie von allen. »ich werde gefallen«. die man beauftragte. »lautet. betonte er. daß »die Geschichte der Medizin bis in die jüngste Vergangenheit hinein im wesentlichen die Geschichte des Placebo-Effekts war«36. Der Begriff Placebo leitet sich von der lateinischen Verbform placebo. die Ärzte verordneten. daß »abgesehen von einigen wenigen möglichen. das aus Dutzenden von Ingredienzien bestand. entscheiden solle. desgleichen die Angehörigen des Berufsstandes der Kantoren.

die 1955 von Henry Beecher veröffentlicht wurde.«39 Die Einführung eines neuartigen Medikaments erzeugt bei Ärzten und Patienten oft überzogene Erwartungen . es sei lange Zeit ein unumstößliches Dogma der überkommenen medizinischen Lehre gewesen. daß die wichtigste Zutat dieser Scheinarzneien vermutlich der Glaube der Patienten an ihre Wirksamkeit war.41 Man verglich die Patienten. Wenn dann im Lauf der Zeit der innovative Charakter des Medikaments verblaßt und seine Nebenwirkungen und Grenzen deutlicher werden.Erwartungen. läßt seine Wirksamkeit nach. in den die Menschen das größte Vertrauen setzen. die durch eine Mangeldurchblutung des Herzens hervorgerufen werden. Bluthochdruck und Warzen führen. die in Erfüllung gehen können. bewegte sich laut Beecher zwischen dreißig bis vierzig Prozent. vielmehr kann er verblüffende physiologische Wirkungen auslösen. In den fünfziger Jahren führten Forscher eine klinische Studie über die Wirksamkeit der sogenannten arteriellen Ligatur durch. benutze die neue Arznei. Galen schrieb einmal: »Der hat den größten Heilerfolg. Eine wegweisende Studie. Der Placebo-Effekt beruht jedoch keineswegs nur auf Einbildung.127 . daß Placebos zu einer meßbaren Linderung solcher Leiden wie Asthma. Dieses Syndrom komme in einer alten ärztlichen Maxime plastisch zum Ausdruck: »Schnell. einer chirurgischen Behandlung für Brustschmerzen. die einem potenten Pharmakon zugeschrieben wird«. Bei manchen Verfahren ist das Placebo sogar deutlich überlegen. bewährte. Die Wirksamkeit des Scheinpräparats »übertrifft mitunter diejenige. bevor sie ihre Wirkung verliert. schnell. die bei verschiedenen Erkrankungen auf ein Placebo ansprachen. ergab. die mit dem . daß Patienten auf neue Medikamente besser ansprächen als auf ältere.Heilkundige erkannten schon vor langer Zeit.«38 Arthur Shapiro wies darauf hin.40 Der Prozentsatz der Patienten.

Auch diese Ratten. daß hundert Prozent der mit dem Placebo-Verfahren . eine chemische Verbindung.eine Branche mit einem Jahresumsatz von dreißig Milliarden Dollar). die Übelkeit hervorruft und stark immunsuppressiv wirkt.128 . wie Experimente in den siebziger Jahren ergaben. Änderungen des Lebensstils oder Methoden der Selbsthilfe. Ader gab den Überlebenden nun mit Saccharin gesüßtes Wasser. mit einer Kontrollgruppe. Sechsundsiebzig Prozent der Patienten. Ökodiät. bei denen eine arterielle Ligatur vorgenommen wurde. Der Psychologe Robert Ader von der Universität Rochester gab Ratten mit Saccharin gesüßtes Wasser.) Das Gegenstück des Placebo-Effekts ist der Nocebo-Effekt. wäre da nicht die Tatsache gewesen. Spiritualität (religiöse und parapsychologische Heilverfahren). das nicht mit Cyclophosphamid versetzt war. wie Ökotherapie. um das Wachs. das Cyclophosphamid enthielt.der Scheinoperation . Das süß schmekkende Wasser allein genügte. einige gingen sogar ein. übermäßiges Jogging. die durch den vorangehenden Kontakt konditioniert worden waren. und viele gingen ein. naturnahe Lebensführung und meditative Immuntherapie. ging es anschließend besser. ganzheitliche und alternative Behandlungen – eine 13.Behandelten eine subjektive Besserung spürten. um eine tödliche Immunsuppression auszulösen. wurden krank.42 Alle Ratten wurden krank. bei dem negative Erwartungen in Erfüllung gehen. Der Psychiater Arthur Shapiro meinte: Die Macht des Placebos spiegelt sich in der Allgegenwart von Betrügereien (Quacksalberei . Unglaublicherweise zeigt sich dieser vermeintlich »psychische« Effekt selbst bei Säugetieren.Verfahren behandelt wurden.9-Milliarden-Dollar schwere Branche) und Modetrends (New Age. bei denen lediglich oberflächliche Einschnitte in die Brust gemacht wurden. Autosuggestionen (Vitamine. (Heute werden keine arteriellen Ligaturen mehr vorgenommen. Dies ist eine recht beachtliche Erfolgsquote.

Frank wurde durch das Resultat seiner eigenen Forschungen widerwillig zu dieser Schlußfolgerung gedrängt. Er verglich die Psychotherapie mit dem mittelalterlichen TheriakTrank. »Zu unserem Erstaunen und unserem Verdruß zeigten die Patienten in allen drei Gruppen die gleiche durchschnittliche Besserung ihrer Symptome«. tauchen diese Therapien wie in einem brodelnden Hexenkessel kaum. die man in der Hoffnung miteinander mischte. wöchentliche Gruppentherapie und minimale Einzeltherapie. bleibt die verzwickte Frage: Steckt hinter einer Psychotherapie mehr als bloß der Placebo-Effekt?«44 Vielleicht nicht. die aus lediglich einer halbstündigen Sitzung alle zwei Wochen bestand. daß Psychotherapie für viele Patienten nützlich. Er fuhr fort: »Obgleich allgemeines Einvernehmen darüber besteht. Ende der fünfziger Jahre behandelten er und seine Mitarbeiter depressive Patienten mit einer von drei Therapieformen: wöchentliche Einzeltherapie. emeritierter Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität. meinte Shapiro. heilsam und wirkungsvoll ist . daß sie verschwunden sind. der Einsatz dieser Therapien würde in dem Maße zurückgehen.129 .45 Auf der Grundlage dieser und anderer Untersuchungen gelangte Frank zu dem Schluß. einige davon würden schon wirksam sein«. einem »planlos zusammengestellten Gebräu aus zahllosen unspezifischen Bestandteilen. in leicht abgewandelter Gestalt wieder auf.turn und die Vitalität von guten weißen Blutkörperchen zu fördern und bösartige Zellen zu zerstören). meinte zumindest Jerome Frank.was übrigens auch für viele bemerkenswerte Placebo-Behandlungen gilt -. Ungeachtet der berechtigten Erwartung.43 Der Placebo-Effekt könne durchaus auch der bestimmende Wirkfaktor von Psychotherapien seien. erinnerte sich Frank. daß »die Linderung von Angst . wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmen.

sagte mir Frank. daß sich ihr Zustand bessern werde. der Placebo-Wirkung sehr ähnelt. was darauf hindeutet. der Wahrheit nahezukommen. Der spezifische theoretische Bezugsrahmen.«47 Frank verglich die . Patienten zu »heilen«. sie zu erreichen. innerhalb dessen Therapeuten arbeiten. bei einem bestimmten Patienten einen Placebo-Effekt auszulösen. Julia Frank. sondern der Rhetorik. Er bezweifelte. der Kunst der Überzeugung. die Psychotherapie solle nicht als ein Zweig der Wissenschaft. keine Gewißheiten. daß meine Auffassung bestätigt worden ist«. »Man hat Freud zum Vorwurf gemacht.und depressiver Verstimmung bei ambulanten psychiatrischen Patienten. schrieb Frank. die als Psychiaterin in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist). die einem bestimmten Therapeuten ermöglichten. In Anbetracht dessen zeigte sich Frank verwundert über die Heftigkeit der Angriffe auf Freud. nicht mit wissenschaftlichen Methoden präzise erfassen und messen ließen. daß möglicherweise dieselben Faktoren beteiligt sind«46. habe wenig oder gar nichts mit ihrer Fähigkeit zu tun. »Ich denke. betrachtet werden: »Die Methoden des Psychotherapeuten und des Rhetorikers sind zugegebenermaßen lediglich dazu gut. Howard Gardners Auffassung von der Psychologie vorwegnehmend. da sich die Eigenschaften. als ich ihn 1996 anrief. Der wichtigste Faktor sei die Fähigkeit des Therapeuten.« Frank legte seine Sichtweise in dem Buch Persuasion and Healing dar. nicht. seine Patienten davon zu überzeugen. dessen erste Ausgabe 1961 erschein und das seither zahlreiche Neuauflagen erlebte (die jüngste besorgte Frank zusammen mit seiner Tochter. Er war ein großer Mythenschöpfer. die Wahrheiten in diesen Disziplinen sind Wahrscheinlichkeiten. er sei kein Wissenschaftler gewesen. Das bedeutet. versicherte Frank.130 . die psychotherapeutisch behandelt wurden. doch das geht am Wesentlichen vorbei. daß sich die Wirksamkeit – oder Wirkungslosigkeit – einer beliebigen Form von Psychotherapie wissenschaftlich nachweisen lasse.

Crews bevorzugte Behandlungen wie die . der autoritär und kühl sei. Dem einen liege ein Therapeut.48 Es gebe nicht die eine richtige Methode für die Behandlung eines Patienten. während die erinnerungsaufdeckende Therapie sogar verheerende Folgen haben könne. Bei einigen Patienten »scheint der Glaube an die Wissenschaft noch immer die vorherrschende Quelle symbolischer Heilkraft zu sein«. Die klinische Geschichte eines Patienten »gleicht einem Text und die Psychotherapie einer gemeinsamen Anstrengung von Patient und Therapeut. Verschiedene Leser fänden im selben Text unterschiedliche Bedeutungen. seinen Sinn herauszufinden«. die sich unwissenschaftlichen Mythen verschrieben. dem anderen einer. daß die Psychoanalyse bestenfalls wertlos sei.131 . Bei ihnen könnten Schamanen und Gesundbeter vermutlich mehr ausrichten als Psychiater und klinische Psychologen.49 Psychotherapeuten könnten daher möglicherweise ihren Erfolg verbessern. Patienten zu helfen.Psychotherapie auch mit der Literaturwissenschaft.50 Therapien im Hier und Jetzt Viele Experten widersprechen entschieden der Behauptung. indem sie »Symbole der Wissenschaft« wie etwa Diplome oder einen Arztkittel oder ein Stethoskop zur Schau stellten. Allerdings zögen auch viele Patienten Heiler vor. und verschiedene Psychotherapeuten legten die Äußerungen und die klinische Geschichte ein und desselben Patienten in unterschiedlicher Weise aus. Der erbitterte Freud-Kritiker Frederick Crews beharrte mir gegenüber darauf. Selbstverständlich sprächen verschiedene Patienten auf unterschiedliche Therapeuten an. alle Psychotherapien seien mehr oder minder gleichwertig hinsichtlich ihrer Fähigkeit. der gefühlvoll und einfühlsam. sowenig wie es die eine richtige Form der Lektüre eines Buches gibt.

Brody leitete ihre Kolumne mit der obligatorischen Anekdote über eine Frau .52 Die American Psychological Association empfiehlt die kognitive Therapie zur Behandlung von Panikstörungen und anderen Problemen. konkrete Ansatz gefällt vielen Patienten und praktisch allen Krankenversicherungen. (Bei einer Variante der kognitiven Therapie fordert der Therapeut den Patienten mehrfach auf. Trunksucht. welche die Probleme eines Patienten nicht weiter hinterfrage und eine »hilfreiche Einstellung im Hier und Jetzt« fördere. Bulimie.kognitive Therapie. Crews ist nicht der einzige.Rauchen. Reizbarkeit gegenüber dem Ehepartner oder Kindern. obsessives Händewaschen. der sich in diesem Sinne für die kognitive Therapie ausspricht. Patient und Therapeut konzentrieren sich auf exakt die Symptome oder Krankheiten. die den Patienten belasten . der ehemalige Präsident der American Psychological Association und ein bekannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung.132 .ist ihre spezifische Ausrichtung.)53 Im Jahr 1996 berichtete die Gesundheitskolumnistin der New York Times.51 Wenn sich der Patient über seinen Arbeitsplatz. jüngste Studien bescheinigten der kognitiven Therapie eine gewisse Überlegenheit. die kognitive Verhaltenstherapie könne schon nach relativ kurzer Zeit zu langfristigen Verbesserungen des psychischen Befindens führen. wo die Stärken dieser Person liegen. Ein Grund für die Beliebtheit der kognitiven Therapie – und einer engverwandten Abart. angstauslösende Situationen zu beschreiben. behauptete. und sie bei der Problembewältigung unterstützen«. Der pragmatische. welche Ressourcen sie hat. der kognitiven Verhaltenstherapie . sollte der Therapeut »dies wörtlich nehmen und herausfinden. sein Sexualleben oder seine soziale Kontakthemmung beklagt. worauf er ihn wiederholt mit einem lauten »Halt!« unterbricht. Jane Brady. Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania.

Katherine Shear. einer Erkrankung. zu der auch mentale und körperliche Übungen gehörten. bestätigt.das änderte sich erst. Sein skeptisches Urteil wurde durch eine Studie über die kognitive Verhaltenstherapie. Der Therapieerfolg war bei beiden Gruppen von Patienten gleich. die »reflektierendes Zuhören« genannt wird und bei der die Therapeuten den Patienten verständnisvoll zuhörten.54 Nach Lester Luborsky wird die Aussagekraft der Studien.. der kognitiven Verhaltenstherapie. »die sich fast ihr ganzes Leben lang mit den lähmenden Folgen einer depressiven Erkrankung herumschlug [. Die andere Gruppe erhielt eine PlaceboTherapie..] Jahrelange Psychotherapien einschließlich einer Psychoanalyse brachten keinerlei Linderung ihres seelischen Leidens . Eine Gruppe wurde in zwölf Sitzungen mit der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie behandelt. Die Forscher untersuchten Patienten. die durch das plötzliche Einsetzen extremer. belegen. ›Er hat mir das Leben gerettet‹«. einer Psychiaterin an der Universität Pittsburgh. Studien hätten »gezeigt. die den Panikattacken entgegenwirken sollten.mittleren Alters ein. die die vermeintliche Überlegenheit der kognitiven Therapie beziehungsweise ihrer Variante. durchgängig durch den Präferenzeffekt beeinträchtigt. die an Panikstörungen litten. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als passende Behandlung für Panikstörungen. so das Fazit von Shear und Mitarbeitern in den Archives . ohne ihnen jedoch spezifische Ratschläge zu geben. Die Forscher teilten ihre Probanden in zwei Gruppen ein. Diese Daten. zitierte Brody die Frau und behauptete im weiteren. daß die Erfolge einer kognitiven Therapie lange anhalten und daß die Rückfallraten viel niedriger sind als bei anderen psychotherapeutischen Verfahren«.133 . unbegründeter Furcht gekennzeichnet ist. als sie regelmäßig zu einem kognitiven Therapeuten in Behandlung ging. und drei Kollegen durchgeführt worden war. die von M.

Zweitens. Wie Luborskys Gruppe stellten auch sie fest. Andere Forscher bemühten sich vergeblich. Psychiater. den der Patient daraus zog. verbessert sich auch nicht mit zunehmender Erfahrung. daß Psychotherapien wirksam sind: behandelten Patienten ging es besser als unbehandelten. Psychologen mit einem Universitätsdiplom und Sozialarbeiter mit einem Fachhochschuldiplom sind alle gleich effizient beziehungsweise ineffizient. Anders ausgedrückt. Und die Fähigkeit von Therapeuten.56 Nach der Auswertung von 375 Psychotherapiestudien zogen Smith und Glass mehrere Schlüsse. Die Psychotherapeuten konnten mit diesen Feststellungen leben. Smith und Glass bestätigten auch die Dodo-Hypothese: sämtliche Therapien waren hinsichtlich des Behandlungserfolgs annähernd gleichwertig. es gab auch keine Korrelation zwischen der Effizienz der Therapeuten und ihrer Qualifikation und Erfahrung. durch Zufallsauswahl auf zwei verschiedene Gruppen von »Therapeuten« verteilt: eine Gruppe bestand . die von den Psychologen Mary Smith und Gene Glass in einem 1977 im American Psychologist veröffentlichten Artikel beschrieben wurden. doch zwei weitere Befunde von Smith und Glass trafen sie ziemlich unvorbereitet. die ein Medizinstudium absolviert haben. Erstens.of General Psychiatry vom Mai 1994.55 Der Mythos von der Sachkompetenz Die Dodo-Hypothese hat mindestens zwei wichtige Konsequenzen. Patienten zu helfen. die an Störungen wie Angstneurose und Depression litten.134 . »werfen Fragen hinsichtlich der spezifischen Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie auf« . die Ergebnisse von Smith und Glass zu widerlegen. es gab keine Korrelation zwischen dem Zeitaufwand für eine Therapie und dem Nutzen. Bei einem Experiment wurden Patienten.

135 . Experten für die Behandlung psychischer Erkrankungen zu sein . Dawes wurde daraufhin zu einem Kritiker von Standesorganisationen wie der American Psychological Association und der American Psychiatrie Association. die kein Medizinstudium oder keine einschlägige Hochschulausbildung absolviert haben. Wie sich herausstellte. waren über ihre Ergebnisse nicht unglücklich. Ende der siebziger Jahre werteten Dawes (damals an der Universität von Oregon) und ein Kollege die von Smith und Glass analysierten Studien nochmals neu aus und gelangten zum selben Schluß. war das Ausmaß der Besserung des subjektiven Befindens der Patienten in beiden Gruppen gleich. behaupten oftmals.und Entscheidungswissenschaften der Carnegie-Mellon-Universität. die bei der Interaktion mit den meisten Patienten auftreten.«57 In Anbetracht der Daten der Forscher war dieses Fazit Ausdruck schieren Wunschdenkens. war Robyn Dawes. daß selbst eine Person mit einer psychologischen Schmalspurausbildung unwillkürlich diese . Beide Vereinigungen erklärten. Professor am Fachbereich Sozial. werde den Patienten schaden.aus echten. Ein anderer Beobachter. die dieses Experiment ausführten. psychologische Prinzipien effizienter anzuwenden. Dawes dagegen schrieb in seinem 1994 erschienenen Buch House of Cards: Psychology and Psychotherapy Built on Myth: »Diejenigen. die keinerlei psychologische Ausbildung hatten. »Fachlich geschulte Psychologen«. »sind aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer klinischen Erfahrung sehr viel besser gerüstet. der den Ergebnissen von Smith und Glass zunächst skeptisch gegenüberstand. Studienergebnisse zeigen dagegen klar. so beteuerten sie. die für sich selbst in Anspruch nehmen.darunter zahlreiche Psychiater -. die starke Zunahme von Psychotherapeuten. um mit den unvorhersehbaren Schwierigkeiten fertig zu werden. ihre ›Erfahrung‹ erlaube es ihnen. Die Forscher. fachkompetenten Psychologen und die andere aus Hochschulprofessoren. als es Laien möglich sei.

die Vergangenheit eines Patienten besser zu verstehen und seine Zukunft treffsicherer vorherzusagen.59 Nachdem ein Psychologe (gespielt von Theodore Bikel) die Frau einem Rorschachtest unterzogen hat. Versicherungsmathematische Methoden. die wegen Mordes vor Gericht steht. als es Laien könnten. daß »wir bei dem Versuch. der wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zweimal zu einer . viel stärker als bisher auf wissenschaftlich wohlfundierte gemeindenahe Programme und auf ›Hilfskräfte‹ zurückgreifen sollten«.«58 Er sprach sich dafür aus. erklärt er. in dem Susan Hayward eine Frau spielt. das ihnen erlaube. (Sie wird dennoch in der Gaskammer hingerichtet.136 . die eine Tintenklecksfigur in ihm auslösen. daß Rorschachtests oder ähnliche Verfahren. Ein Rorschachtest spielte eine wichtige Rolle in dem 1958 gedrehten Melodrama Laßt mich Leben! (Orig. Sogenannte versicherungsmathematische Methoden sagen Dawes zufolge das künftige Verhalten von Menschen weit zuverlässiger voraus als die klinischen Verfahren der Psychologen. betonte Dawes. / Want to Live!). seelisches Leiden zu lindern. Ein vielbenutztes psychologisches Testverfahren ist der Rorschachtest. die ihm in demographischer Hinsicht ähneln. Dawes stellte die gängige Auffassung in Frage. sie sei unschuldig. die von Versicherungsgesellschaften und anderen Unternehmen eingesetzt werden. prophezeien das Verhalten eines Individuums auf der Basis von Daten anderer Menschen. So kalkuliert eine Versicherungsgesellschaft beispielsweise das Unfallrisiko eines ledigen fünfundzwanzigjährigen Mannes. klinische Psychologen verfügten über ein spezielles Fach. bei dem der Proband die Gedanken und Gefühle äußern soll. die Psychologen bei der Befragung von Patienten einsetzten.) Es gebe keine Beweise dafür.Prinzipien mindestens genauso effizient einsetzt.und Methodenwissen. irgendeinen diagnostischen oder prädiktiven Wert besäßen.

Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum Es ist nicht verwunderlich. daß versicherungsmathematische Methoden bei der Prognose des künftigen Verhaltens psychiatrischer Patienten und Straftäter durchgängig den sogenannten klinischen Verfahren überlegen seien. Er stellte fest. daß eine solche Weiterbildung völlig unnötig ist (vgl. auf der Grundlage der Unfallhäufigkeit von Männern. Füller Torrey sprach sich für solche Maßnahmen aus. Robyn Dawes' House of Cards). die sie dringend benötigten.«60 Der Vorsitzende plädierte im folgenden dafür. so Dawes. deren Alter. daß die überwiegende Mehrheit der Psychiater. Es habe sich gezeigt. In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud kritisierte er. die Psychoanalyse und andere Psychotherapien leiteten wertvolle Ressourcen an Personen.Geldbuße verurteilt wurde. (Bislang wurde das Programm nicht eingestellt.) Auch der Psychiater E. in dem es heißt: »Ich sehe keinen Grund. Der Wert einer Weiterbildung in Gesprächspsychotherapie ist durch jüngste Daten. ernsthaft in Frage gestellt worden. daß einige Fachleute für seelische Gesundheit auf der Grundlage der bisherigen Erfolgsbilanz von Psychotherapien den Schluß gezogen haben. Familienstand und Verkehrsstrafenregister identisch ist. die ziemlich schlüssig nachweisen. weshalb die Universität überhaupt ein spezielles Lehrprogramm für Psychotherapie anbieten soll. Rutgers solle sein Ausbildungsprogramm in angewandter Psychologie und Psychotherapie abschaffen. nämlich an schweren psychotischen Störungen Leidenden.137 . vorbei. Im Dezember 1995 schickte der Vorsitzende des Fachbereichs Psychologie der Rutgers-Universität Mitgliedern des Fachbereichs ein Memorandum. Psychologen und Sozialarbeiter . daß alle Verliererinnen seien und keine einen Preis verdiene.

Nachdem er mir den Weg zum Zentrum beschrieben hatte. behauptete er. diese Tatsache ist ein weiteres Erbe der Freudschen Theorie«62. man könne das Museum nur nach Voranmeldung besuchen. die nicht behandelt werden. er würde mich gern auf einem Rundgang begleiten. Das Hauptgebäude des Hudson River Psychiatrie Center sah genauso aus.63 Nachdem ich im Herbst 1997 von dem Museum gehört hatte. Ich bekam einen etwas anderen Eindruck von dem Problem der Menschen mit schweren Psychosen. das nördlich von Poughkeepsie im Bundesstaat New York liegt.138 . daß ich erst nach einigen Augenblicken begriff. Torrey.in den Vereinigten Staaten »ihre Zeit mit Beratungsgesprächen und Psychotherapien verbringt. daß es unter den Obdachlosen in den Vereinigten Staaten 200000 psychisch Kranke gibt. obwohl Amerika mehr Fachleute für seelische Gesundheit hat als jedes andere Land der Welt. wie es Christenfeld beschrieben hatte: eine »klassische. aber . rief ich das Zentrum an und wurde zu Roger Christenfeld durchgestellt. Es wirkte zugleich abstoßend und verlassen. sagte er mir. dessen Schwester an Schizophrenie leidet. einem klinischen Psychologen.61 Menschen mit schweren psychotischen Störungen wie Schizophrenie und manischdepressiver Erkrankung »benötigen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen statt Gespräche über frühkindliche Erfahrungen«. daß er gescherzt hatte. Er sagte dies mit so ausdrucksloser Stimme. bedauerte »die traurige Tatsache. die Ihr hier eintretet. die direkt oder indirekt auf der Freudschen Theorie fußen«. und dies. das vom Hudson River Psychiatrie Center unterhalten wird. die einst Patienten beherbergt hatten. ich solle mich an Schildern mit der Aufschrift »Ihr. verwitterte Sperrholzplatten verschlossen die Fenster zweier Flügel. Er sagte mir. der dort als Forschungsleiter arbeitete. als ich einen Rundgang durch ein Museum machte. im viktorianischen Gotikstil erbaute Nervenheilanstalt aus roten Ziegeln«. laßt alle Hoffnung fahren« orientieren.

jetzt leer standen. nämlich zu Konsumenten psychiatrischpsychologischer Dienstleistungen. daß sich verschiedene Interessengruppen dafür einsetzen.dann zu Konsumenten. Obgleich es ein verregneter. schlug er die Absätze seiner Schuhe zusammen und nahm eine steife Haltung ein.139 .obwohl man meinen sollte. schilderte mir Christenfeld seine ziemlich desillusionierte Sicht der psychiatrisch-psychologischen Heilberufe. betrat ich das Verwaltungsgebäude und ging weiter in Christenfelds Büro. denn stationäre Patienten dürfen nicht in der Parkanlage umherstreifen. wo sich die Patienten mit Anbietern von Therapien austauschen konnten. der ein Sportsakko und eine Freizeithose trug und eine seltsam förmliche Ausstrahlung hatte. der mit Rasen überzogen war und als kleiner Golfplatz diente. Wir richteten sogar ein regelrechtes Kaufhaus für Behandlungen ein. Als wir das Verwaltungsgebäude verließen und Richtung Museum gingen. Ich wurde von einem mittelgroßen Mann mittleren Alters begrüßt. wie ich später erfuhr. Aus Patienten wurden zunächst Klienten. daß Patienten künftig Überlebende des Sy. das sei die amerikanische Bezeichnung par excellence . Patienten oder Angestellte? (Zweifelsfrei Angestellte. wenn er sprach. die mit Windjacken und Hüten bekleidet waren. auf dem laufenden zu bleiben. Die Heilanstalt stand auf einem sanft abfallenden Hügel. als stünde er für ein Porträtbild Modell. einige Gruppen. Die Klienten wurden . hätten den Ausdruck Patient als entwürdigend abgelehnt und ihn durch andere Ausdrücke ersetzen wollen. die sich für die Interessen psychisch Kranker einsetzten. stürmischer Tag war. »Es gab mehrere Änderungen. schlugen ein Mann und eine Frau.) Nachdem ich durch ein Tor in einem ungestrichenen Lattenzaun gegangen war. ja pedantischen Auftreten verbarg sich ein sardonischer Humor. Es ist schwer. Und kürzlich hörte ich. Golfbälle in Richtung einer Flagge. Er sagte. Doch hinter seinem förmlichen.

»Zu jedem beliebigen Zeitpunkt besteht unter den Psychiatern ein mehr oder minder breiter Konsens hinsichtlich ihrer Ideologie und ihrer Lehrmeinung. physiologische oder genetische Ursachen haben. sagte Christenfeld. insbesondere was die Ätiologie der wichtigsten psychischen Erkrankungen betrifft«. sagte er. die psychisch Kranke behandeln. Sie sei »nicht bewiesen«. Es gibt einige Indizien. um zu wissen. in dem knappe Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden müssen. die dafür sprechen.« Christenfeld war kein Anhänger der Psychoanalyse. »und aus diesem Grund ist sie in einem Umfeld. Es verwundere nicht. Als ich zu arbeiten begann. daß die wichtigsten psychischen Erkrankungen biochemische. glaubten alle. »Sie entzieht sich weitgehend einer empirischen Überprüfung. fuhr er fort. daß die Psychiater unserer Tage so biologistisch seien. zeigt sich. seien allerdings ebenso modeanfällig. zu verändern.« Der Glaube an die Psychoanalyse ähnele dem Glauben an die Wandlung der Seele. wie Eltern ihre Kinder erziehen und wie sie leben.140 . gelte das gleiche auch für die biologisch ausgerichtete Psychiatrie. und jedesmal.stems der psychiatrischen Gesundheitsfürsorge genannt werden. daß sie eigentlich keine meßbare Wirkung hat. schlechte Kindererziehung und sozialen Streß zurückzuführen seien. »Die Psychiater nahmen immer eine schmerz. das manche als ein ihnen feindlich gesinntes ansehen. Wenn aber die Psychoanalyse einen »religionsähnlichen« Charakter habe. Wir brauchten also nur die Art und Weise. und schon wäre viel erreicht. »Im Moment sind die meisten Psychiater davon überzeugt. Ich bin jedoch lange genug im Geschäft. eher eine luxuriöse Randerscheinung«. daß diese ideologischen Ansichten im Zeitablauf mit dem politischen Klima einer Kultur kovariieren. durch die erstere verdrängt worden sei.« Diejenigen. daß es da ein zyklisches Muster gibt. daß psychische Störungen auf Desintegration. wenn man versucht [sie zu evaluieren].

verkündete Christenfeld: »Hier sehen Sie in objektiver Form die Geschichte der Psychiatrie. sondern »einfach dasaßen und plauderten«. eine nicht bestandene Prüfung in Integralrechnung -. und sie brechen erst nach einem dreimonatigen Kampf an der Front psychisch zusammen. Diese Theorie besagt im wesentlichen. Sie hätten darauf beharrt. Wir wollen nichts von diesem ganzen Erlebniszeug hören. »Die genetische Komponente legt schlicht die Streßschwelle fest. das einem übergroßen verfallenen Mausoleum gleicht. daß jeder Mensch eine spezifische Höchstbelastungsgrenze hat. etwa ein Holzstuhl mit hoher Rückenlehne.« Doch dieser Ansatz sei nicht viel erfolgreicher gewesen als die Psychoanalyse. die von der Decke gefallen waren. daß die Schizophrenie sowohl durch genetische Faktoren als auch durch Erfahrungsfaktoren verursacht werde. Farbspäne. zumindest seit der Gründung dieses Krankenhauses im Jahr 1871.« Andere »haben eine sehr hohe Streßschwelle. Um sich von diesem Image zu befreien. an dessen Basis und Armlehnen . die ihre Patienten nicht operierten und ihnen auch keine Medikamente verabreichten. die rein physiologische Behandlungen erforderten. daß »der Schlüssel zu allem in den Neurotransmittern und den Rezeptoren liegt.liehe Außenseiterposition unter den Ärzten ein.141 . Unmittelbar hinter der Eingangstür standen mehrere alte Ruhigstellungsapparate. seien zahlreiche Psychiater ins entgegengesetzte Extrem verfallen und hätten in psychischen Erkrankungen nur noch rein physiologische Störungen.ein Strafzettel. Christenfeld neigte zu der Auffassung. um eine Schizophrenie zu entwickeln.« Wir standen in einem großen schwach erleuchteten höhlenartigen Raum.« Schließlich gelangten wir zum Museum. Einige Menschen brauchen nur ein geringes Maß an Streß .« Insbesondere während der Blütezeit der Psychoanalyse seien Psychiater als Ärzte betrachtet worden. gesehen. Als wir das Gebäude betraten. sprenkelten den gefirnißten Holzboden.

Gurte befestigt waren und der ein Loch im Sitz hatte. heute nur noch selten in psychiatrischen Kliniken verwendet werde. Die gängigsten physischen Zwangsmittel sind Handfesseln. ein altes Schreibpult und einen Schaukelstuhl. stießen wir auf etwas angenehmere Artefakte. der Uniform von Auszubildenden einer Krankenpflegeschule. Die Anstalt sei eine autarke »totale Gemeinschaft« gewesen. zu meiner Überraschung. so sagte er mir. sagte Christenfeld. die die Patienten davon abhielt. Kämme und. meinte Christenfeld. Neben dem Beruhigungsstuhl stand die »Utica-Kiste«. die an einem Gürtel um die Taille des Patienten befestigt werden. auf die Kiste starrend. die einem Sarg glich. mit denen ein Patient an ein Bett gebunden wird. Als wir weiter durch das Museum schlenderten. Staubige Vitrinen enthielten Stoffballen. An der Wand hinter der Kiste hing eine Zwangsjacke. Dieser »Beruhigungsstuhl nach Rush« war zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von Benjamin Rush entworfen worden. Heute können Patienten bei ihrer Aufnahme in eine Klinik angeben. wie sie. eine Schusterbank mit Werkzeugen und Lederstücken. falls oder wenn sie die Kontrolle über sich verlieren. In Kopfhöhe befand sich eine mit Leinwand bezogene Kiste. offenbar um den Eingesperrten zu beruhigen. der oft als der Vater der amerikanischen Psychiatrie bezeichnet wird. eine weibliche Schaufensterpuppe mit einem blauen Kleid und weißer Schürze.und zurückgeschaukelt. die einst der Nervenheilanstalt angeschlossen war. Flaschen. welche Form der Ruhigstellung sie wünschen. eine große Trommel mit dem Aufdruck »HRSH [Hudson River State Hospital]-Band«. Die Patienten hätten einen Bau.142 . »Sie können sich bestimmt gut vorstellen. Ventilatoren. wie man sich da drin gefühlt haben muß«. und Riemen. der oben und an den Seiten Querstangen aufwies. Die Kiste wurde an Ketten aufgehängt und vor. scharfe Rasiermesser. sich gegenseitig zu beißen oder zu bespucken.

von denen die meisten an schwerer Schizophrenie litten. damit sich ihr Zustand bessere und sie in die Gesellschaft zurückkehren könnten. sagte Christenfeld. scharenweise Patienten zu entlassen. Elektroschock und Lobotomien ersetzt worden. Die Tatsache. Die Zahl der Insassen des Hudson River Psychiatrie Center habe in den fünfziger Jahren mit etwa sechstausend Patienten ihren Höchststand erreicht. daß man ihn hierbehält«. »eine schöne Aussicht und Landluft« zu bieten. es beherberge nur noch dreihundertundfünfzig stationäre Patienten. Wenn man die altmodische »Utica-Kiste« und den »Beruhigungsstuhl nach Rush« gesehen hatte. schien ebenfalls ein Schritt nach vorn zu sein. konnte man sich nur schwerlich dem Gedanken entziehen. verließen sie diese nur selten. die meisten davon aus New York. die den Verstand verloren hatten. Das Zentrum diene heute hauptsächlich als Tagesklinik. daß die Psychiatrie in den letzten hundert Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hatte. bei dem nicht ein sehr guter Grund dafür vorliegt. Waren diese Behandlungen besser oder nur anders? .ernhof betrieben. Aber war es mehr als ein nur oberflächlicher Fortschritt? Die »Utica-Kiste« und der »Rush-Stuhl« waren durch Gummizellen. ihre eigenen Kleider. Der vorgebliche Zweck der Anstalt sei es gewesen. »Hier befindet sich niemand. Mein Rundgang mit Christenfeld löste gemischte Gefühle in mir aus. Während der sechziger und siebziger Jahre habe es wie andere staatlich finanzierte Nervenheilanstalten im ganzen Land begonnen. Schuhe und Möbel hergestellt. Patienten. sagte Christenfeld. daß das Hudson River Psychiatrie Center im Vergleich zu seiner Blütezeit so wenige Patienten beherbergte. Damals sei es der Daseinszweck von Nervenheilanstalten gewesen. einfach wegzusperren. Doch nachdem die Patienten erst einmal in die Klinik aufgenommen worden seien. so Christenfeld. Vieh gezüchtet und geschlachtet.143 . Menschen.

fällt zwiespältig aus.64 Doch die Bilanz der Gemeindepsychiatrie. Freud und andere Wegbereiter psychotherapeutischer Behandlung seien an dieser Situation schuld.144 . März 1998. In dem Artikel heißt es. ist nicht fair. viele andere sind obdachlos oder noch schlimmer dran. sagen. die bei ihrer Einführung in den sechziger Jahren als eine humane Reform der Behandlung psychisch Kranker dargestellt wurde. Viele der Kranken. Füller Torrey hat sich in seinem Buch Freudian Fraud völlig zurecht über die Misere von Menschen mit schweren psychischen Störungen empört. daß vermutlich zehn Prozent der Strafgefangenen in den Vereinigten Staaten an einer schweren psychischen Störung litten. als es in den Vereinigten Staaten noch üblich war.Die Einführung wirkungsvoller Neuroleptika in den fünfziger Jahren bewirkte die mit Abstand größte Veränderung in der Versorgung psychisch Kranker. Dank dieser Medikamente konnten viele psychotische Patienten Krankenhäuser wie das Hudson River Psychiatrie Center verlassen. die früher in Nervenheilanstalten untergebracht worden wären. die Uhr werde ins neunzehnte Jahrhundert zurückgestellt. Torrey selbst stellte in einem 1997 in der Zeitschrift Chronicle for Higher Education erschienenen Artikel die Gemeindepsychiatrie etwas . und in gemeindenahen betreuten Einrichtungen oder sogar ihren eigenen vier Wänden wohnen. leben in Wohngemeinschaften. die sich für die Interessen der psychisch Kranken einsetzen. sank dramatisch von 559000 im Jahr 1955 auf weniger als 70000 Mitte der neunziger Jahre.« E. die in staatlichen Nervenheilanstalten untergebracht waren. Geisteskranke in Gefängnisse zu sperren. »Gruppen. in denen sie einst oftmals ihr gesamtes Leben verbringen mußten. »Gefängnisse nehmen den Platz von Nervenheilanstalten bei der Unterbringung von psychisch Kranken ein« lautete eine Schlagzeile in der New York Times vom 5. Die Zahl der Patienten. Doch seine Behauptung. bei ihrer Familie oder in einer eigenen Wohnung.

diese Aktivisten überredeten den Gesetzgeber dazu. . In der Tat war die Verlagerung der psychisch Kranken aus Kliniken in Gefängnisse und auf die Straßen wohl das Resultat allzu überzogener Erwartungen nicht in die Psychoanalyse und andere Gesprächstherapien. die Möglichkeiten der Einweisung von Patienten in psychiatrische Kliniken stark einzuschränken. ein wichtiger Faktor sei die Überzeugung von Bürgerrechtsaktivisten. sei »die weitverbreitete Hoffnung.145 . die psychisch Kranken seien eine genauso unterdrückte Minderheit wie etwa die Schwarzen oder die Frauen. daß die neuen Medikamente die Kranken heilen würden«.differenzierter dar. die Psychopharmakologie. sondern in ein neues Allheilmittel. schrieb Torrey.0 Er räumte ein. Doch ein anderer wichtiger Faktor.

Das Schlagwort lautete Parität. Das Vortragsprogramm deckte ein breites Themenspektrum ab. »In Strafvollzugsanstalten befinden sich mehr Menschen mit psychiatrischen Störungen als in Krankenhäusern«. Fuller Torrey als Tragödie erschien.das Prinzip. wie wir unser 2 eigenes Leben sehen. An der Tagung im Waldorf-Astoria hatten nur etwa vierhundert Personen teilgenommen. die töten« und »Die Psychobiologie der Eßsucht« bis zu aufstrebenden Märkten für psychiatrische Dienstleistungen reichte. erklärte Sabshin. daß die moderne Psychopharmakologie wie damals Freud zu seiner Zeit eine ganz neue Lebenseinstellung einleitete. Gleichstellung .4.146 . FLUCTIN1 UND ANDERE PLACEBOS Mit der Zeit. der ärztliche Direktor der American Psychiatrie Association. das von »Kinder. sei die forensische Psychiatrie. Das Treffen der American Psychiatrie Association dagegen lockte um die sechzehntausend Psychiater und andere Fachleute. Glück auf Rezept A nfang Mai 1996 fand in New York City die 149ste Jahrestagung der American Psychiatrie Association statt. Der Gegensatz zwischen dieser Konferenz und der Tagung der USamerikanischen Psychoanalytiker im Waldorf-Astoria. die in der Versorgung psychisch Kranker tätig sind. augurierte Melvin Sabshin. Ein Gebiet mit großer Zukunft. meine ich. war verblüffend. PETER KRAMER. in das höhlenartige Jacob Javits Convention Center auf der schmuddeligen West Side von New York City und ins Marriott Hotel im Herzen Manhattans. die sich unter anderem mit der Untersuchung und Behandlung psychisch kranker Straftäter befaßt. wonach Versicherungsgesellschaften für psychische Störungen denselben Versicherungsschutz gewähren sollten wie . an der ich zwei Monate zuvor teilgenommen hatte. werden wir auch entdecken. sah Sabshin als Chance. Was Psychiatrieexperten wie E.

für körperliche Leiden. SmithKline Beecham und an. worauf dieser einen Formbrief. seien keine mit sich selbst beschäftigten Neurotiker. das Publikum brach in stürmischen Beifall aus.147 . Andere Redner bekundeten ihre Sorge über die ökonomische Bedrohung. die in psychotherapeutischer Behandlung seien. die für die Psychiatrie von Bedeutung waren. besprochen werden. war zwar im April nach starken lobbyistischen Anstrengungen der American Psychiatrie Association vom US-Senat verabschiedet worden. die dringend Hilfe benötigten. in dem die Gleichstellung der psychiatrischen Versorgung gefordert wurde. verkündete: »Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. die billiger als eine langwierige Gesprächstherapie und daher für Krankenversicherungen attraktiver sind. Bei einem Diskussionsforum sollten politische Fragen. verantwortlich für die Beziehung zu staatlichen Stellen der American Psychiatrie Association. sondern Menschen. für die Psychiatrie darstellten. mit einem Psychoanalytiker verheiratet zu sein). doch seine Ratifizierung durch das Repräsentantenhaus war weiterhin ungewiß. Ein Gesetzentwurf. die Psychologen und Sozialarbeiter. behauptete Roukema (die bekannte. eine republikanische Abgeordnete aus New Jersey und eine glühende Befürworterin des Paritätsprinzips. Jay Cutler.« Die große Mehrzahl der Menschen. eine computergestützte Lobbying-Vorrichtung zu benutzen. die Mitglieder könnten ihren Namen und ihre Adresse in den Computer eingeben. wie sie in den Filmen von Woody Allen zu sehen seien. der die Gleichstellung der Behandlung psychisch Kranker forderte. ergriff das Wort. um die Mitglieder aufzufordern. an maßgebliche Abgeordnete sandte. als Marge Roukema. die im Konferenzgebäude aufgestellt worden sei. Psychiater dürfen allerdings anders als Psychologen und Sozialarbeiter Medikamente verschreiben. Die bestbesuchten Veranstaltungen bei der Konferenz waren Frühstücke und Abendessen. die von Pfizer. die in der Regel niedrigere Honorare verlangten als Psychiater.

an dessen Spitze das Wort »Prozac« (dt. Pharmafirmen. standen im Kreis um die Basis des Obelisken. Bei einer Veranstaltung mit dem Titel »Die Zukunft der Psychotherapie« machte Gene Usdin. Kaum weniger eindrucksvolle Schreine für Seroxat (Wirkstoff Paroxetin). die Informationsmaterial über dieses umsatzstärkste Psychopharmakon aller Zeiten verteilten. Die Dominanz der Pharmaunternehmen war in der Ausstellungshalle.deren Pharmaunternehmen gesponsert wurden. auf den Besucher beim Betreten der Ausstellunghalle trafen .und der erste. sie trugen schicke Anzüge und Kostüme sowie ein strahlendes Lächeln.« Dies sei in erster Linie darauf zurückzuführen. Die Vertreter und Vertreterinnen waren jung. Zwangsstörung und Depression. Der größte Pavillon . die sich über fast ein ganzes Stockwerk des Javits Center erstreckte. von tadellos gepflegtem Äußeren. gutaussehend. Entsprechung Fluctin) in schillerndem Rot prangte. das verkündete: »Wissen ist eine starke Medizin«. Der Obelisk war mit einem Banner drapiert. Verlage und andere Vertreter psychiatrischer Produkte hatten eine regelrechte Kleinstadt geschaffen.war der von Eli Lilly. Etwa ein Dutzend interaktive Fernsehgeräte und Firmenvertreter. Zoloft (Sertralin) und andere Stimmungsaufhellende Medikamente standen in der Nähe. In der Mitte des Pavillons ragte ein knapp sieben Meter hoher goldfarbener Obelisk empor. der als Psychiater an der Ochsner Clinic in New Orleans arbeitete.148 . Bei Omelett und Hühnchenbrust lauschten Hunderte von Psychiatern den Lobreden der Pharmavertreter auf ihre Medikamente gegen Schlaflosigkeit. Nicht alle Teilnehmer der Konferenz machten sich die »Besser-leben-durch-Chemie«-Philosophie zu eigen. Effexor (Venlafaxin). Die . noch augenfälliger. in der es sogar Straßenschilder mit Namen wie »Noradrenalin-Weg« (Noradrenalin ist ein Neurotransmitter) gab. aus seinem Ärger keinen Hehl: »Im Augenblick sieht die Zukunft nicht sonderlich rosig aus. daß »wir unsere Seelen an die Pharmaunternehmen verkaufen«.

ist Somatics auch das erste Unternehmen. Neben ihrem Schockverabreichungssystem der Marke Thymatron.gegenüber den Hunderten. Illinois. das solche Ausstattungsmerkmale wie einen »Postikussuppressionsindex« und eine »Chronaxie-Leuchtanzeige« aufweist.Tatsache. aber auch Patienten begännen zu erkennen.. so der Vertreter. Die Elektroschocktherapie werde im allgemeinen nur als Mittel letzter Wahl eingesetzt. die Elektrokrampftherapie. um »das Risiko von Zahnfrakturen und -Verlusten so niedrig wie möglich zu halten«. auch Elektroschocktherapie genannt. die eine viel wirksamere Behandlung schwerkranker Patienten ermöglichen. ein Unternehmen mit Sitz in Lake Bluff. »Viele Patienten haben mit Medikamenten große Probleme«. das im Schatten des Prozac-Pavilions einen bescheidenen Stand aufgeschlagen hatte. behauptete er. ließ seine Klage berechtigt erscheinen. Viele Beobachter sehen in der . teilte mir der Vertreter von Somatics mit. daß ihm nur zwanzig Leute zuhörten . insbesondere der Psychoanalyse. und zwar nicht nur bei gewöhnlichen Depressionen. Ein anderer Abweichler war ein Vertreter der Somatics Inc. vornehmlich Medikamenten. betrachten. daß die Elektroschocktherapie sehr gute Erfolge erziele. doch dies ändere sich. sondern auch bei manisch-depressiver Psychose und Schizophrenie.149 . und physiologischen Therapien. Fieber. die von den Pharmaunternehmen gesponsert wurden -. Sein Unternehmen. die den Vorträgen beiwohnten. Koma und andere Therapien Die Geschichte der modernen Psychiatrie läßt sich als ein Wettstreit zwischen psychologischen Therapien. produziere Geräte. die kleinere ist eigens für Frauen konstruiert. das wiederverwendbare Gummikeile in zwei Größen anbietet. Psychiater.

versteht man. die Psychoanalyse höre sich im Vergleich zu den von Shorter beschriebenen Behandlungsmethoden »relativ harmlos« an.4 Einige der frühen physikalischen Behandlungen schienen recht unschädlich zu sein. Wenn man Shorters Beschreibungen dieser biologischen Heilmittel liest.5 (Die Elektrokrampftherapie. Ein Rezensent der Geschichte der Psychiatrie bemerkte. sondern auch. Shorter legte im Vorwort seinen persönlichen Standpunkt dar: »Wenn es am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine intellektuelle Realität gibt. Das ist das Thema der Geschichte der Psychiatrie des Historikers Edward Shorter von der Universität Toronto. sondern einige der entsetzlichsten Behandlungsmethoden in der Geschichte der modernen Psychiatrie hervorgebracht hat. weshalb die Psychoanalyse ein so populäres Behandlungsverfahren nicht nur für gewöhnliche emotionale Störungen. die sich im zwanzigsten Jahr. bei der Patienten schwachen elektrischen Strömen ausgesetzt werden. kam erst später auf. um Krampfanfälle auszulösen. doch nun schwindet ihre Bedeutung dahin wie die letzten Schneeflecken in der Sonne. daß die biologische Psychiatrie keineswegs ein »überwältigender Erfolg« gewesen ist. daß Psychiater in zunehmendem Maße Psychopharmaka und andere physiologische Behandlungen einsetzen.«3 Frederick Crews hatte in seinem Freud-kritischen Vortrag an der Yale-Universität aus diesem Absatz zitiert. Freud selbst benutzte die Elektrotherapie. dann diese: Der biologische Denkansatz in der Psychiatrie.) Eine andere Behandlungsmethode aus dem neunzehnten Jahrhundert. bei der die Dosis hoch genug sein muß. für Psychosen wurde. einen Sieg der Vernunft über die Irrationalität. in geringerem Umfang.150 . der psychische Krankheit als eine genetisch beeinflußte Störung der Hirnchemie betrachtet. Freuds Ideen haben die Geschicke der Psychiatrie im vergangenen halben Jahrhundert gelenkt. hat sich als überwältigender Erfolg erwiesen.Tatsache. Ironischerweise belegte Shorters eigene Darstellung.

und so begann Sakel gezielt Schizophrenen Über. Tuberkulose. auch Wasserkur genannt. eine Überdosis. Die Infektionstherapie wurde schon bald von der Insulinkomabehandlung abgelöst. daß die Beweise für die Wirksamkeit der Infektionstherapie bestenfalls dürftig waren. machte er einen weniger verwirrten Eindruck. sondern der gesamten Medizin« bezeichnete. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte überprüften er und andere Forscher diese Hypothese. folgerte Wagner von Jauregg. griffen die Psychiater zu radikaleren Maßnahmen.hundert durchsetzte. die Edward Shorter in seiner Geschichte der Psychiatrie als »ein epochales Ereignis in der Geschichte nicht nur der Psychiatrie. daß hohes Fieber möglicherweise zu einer Linderung psychotischer Symptome führen könnte.8 Sakel erprobte Insulin zur Behandlung der Morphinsucht.6 Im Jahr 1927 wurde Wagner von Jauregg für seine Forschungen. Aus der Beobachtung. Nachdem der psychotische Patient aus dem Koma erwacht war. indem sie psychisch Kranke mit den Erregern von Malaria. daß diese Verfahren ziemlich wertlos sind. kurze Phasen geistiger Klarheit erleben. Eine Überdosis Insulin löst ein potentiell tödliches Koma aus. Als sich herausstellte. der psychotisch war. einmal verabreichte er versehentlich einem Süchtigen. Typhus und anderen Krankheiten infizierten. mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.151 . daß psychotische Patienten. abgeduscht oder mit starken Wasserstrahlen bespritzt werden. bei der die Patienten in sehr heißes oder sehr kaltes Wasser eingetaucht. die der österreichische Psychiater Julius Wagner von Jauregg begründete. Eine zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitete Therapie war die Infektionstherapie beziehungsweise Heilfieberbehandlung. ist die Hydrotherapie. die der österreichische Psychiater Manfred Sakel in den dreißiger Jahren einführte. nachdem sie sich eine schwere Bakterieninfektion zugezogen haben.7 Andere Historiker sind freilich zu dem Ergebnis gekommen.

Unterdessen ertönte aus einem Lautsprecher im Zimmer des Patienten eine ununterbrochene Folge von Ermahnungen. Forscher erprobten weitere Medikamente. die er depatterning beziehungsweise »Gehirnwäsche« nannte. schrieb Shorter.dosen Insulin zu injizieren.12 Cameron versetzte Patienten mit Hilfe von Barbituraten für längere Zeiträume in einen Zustand der Bewußtlosigkeit oder Dämmerzustand.152 . war für mich so furchtbar. Die Insulinschockbehandlung breitete sich daraufhin rasch über Europa und die Vereinigten Staaten aus. oftmals verabreichte er ihnen auch eine Elektroschockbehandlung. erinnerte sich einer.« Bei der »Tiefschlaftherapie« wurden die Patienten mit Hilfe von Bromiden und anderen Beruhigungsmitteln in wochenlange Schlafphasen versetzt. sollte es kein großer Erfolg werden«. Cameron war keine Randfigur. Er berichtete von außergewöhnlichen Erfolgsquoten: fünfunddreißig von fünfzig Patienten wurden vollständig geheilt. die kein Koma. daß ich. sooft ich konnte. 1952 und 1953 amtierte er als Präsident der American Psychiatrie Association. und es bei den Patienten ebensolche Ängste auslöste wie Kampfer. sondern Krämpfe auslösten. .9 Sogar einige Psychiater schreckten vor dieser Behandlung zurück.10 (Sonderbarerweise wird auch dem Schlafentzug eine antidepressive Wirkung zugeschrieben. und neun zeigten eine partielle Besserung.)11 Der kanadische Psychiater Ewen Cameron entwickelte eine Variante der Schlafkur. »Der Anblick des künstlich erzeugten Epilepsieanfalls«. ob es zu Anfällen führen würde. »und vor allem der verzerrten blauen Gesichter. Er war Professor an der McGillUniversität und von 1943 bis 1962 Direktor des angesehenen Allan Memorial Institute. das Behandlungszimmer verließ. »Weil man jedoch auch bei Cardiazol nicht sicher sein konnte. Eine kampferähnliche Substanz mit dem Handelsnamen Cardiazol löste Erbrechen und Krämpfe aus. die den durch Epilepsie verursachten glichen.

ja sogar Wirbel .brachen. der einem epileptischen Anfall ähnelt. daß mit dieser Behandlungsmethode Mißbrauch getrieben worden sei.15 das Ziehen von Zähnen und die chirurgische Entfernung von Dickdarm. ein synthetisches Morphinderivat. Dieser Nachteil wurde durch den Einsatz von Riemen und Gummikeilen ausgeglichen. sechs Stunden des so dringend nötigen Schlafs zu bekommen. Schwefel und andere Giftstoffe.16 Die Elektroschocktherapie wurde 1938 von dem italienischen Psychiater Ugo Cerletti eingeführt. daß elektrischer Strom hinreichender Stärke.153 . Eierstock. »grün an und übergeben sich bis zu einer Stunde lang. Im Milledgeville State Hospital in Georgia. be. Keimdrüsen. der durch den Schädel geleitet wird.14 Andere Behandlungsmethoden waren die Verabreichung großer Mengen Abführmittel. daß sie sich dabei Zähne und Knochen . denen Apomorphin verabreicht wurde. einen Krampfanfall auslöst.Bei der sogenannten Brechtherapie wurde Apomorphin verwendet. Er fand heraus. Das beruhigte sie und brachte sie endlich in die Lage.«13 Ein Psychiater am Verdun Protestant Hospital in Montreal spritzte Patienten Terpentin. anfänglich auch Kurare. Infolge dieser Verbesserungen wurde die Elektroschocktherapie rasch zur »Standardbehandlung« (wie es ein Psychiater im Jahr 1959 formulierte) für schwere Depressionen und andere Erkrankungen. einst die größte Nervenheilanstalt der Welt. Nach Aussage eines Beobachters laufen Patienten. das aus der Rinde südamerikanischer Lianen gewonnen wird und in kleinen Mengen zu einer kurzfristigen Lähmung (in größeren Mengen zum Tod) führt.17 Selbst entschiedene Befürworter der Elektroschocktherapie haben eingeräumt. In der Anfangszeit warfen sich viele Patienten so heftig hin und her. diese Anfälle linderten bei manchen Patienten die Symptome. einem Gift. Schilddrüsen und anderen Drüsen. Später benutzten die Ärzte ungefährlichere Lähmungsmittel und kurz wirkende Narkosemittel.

teilweise oder völlig zerstört werden. insbesondere seitdem Ken Kesey sie in seinem 1962 erschienenen Roman Einer flog übers Kuckucksnest als eine Form der Folter dargestellt hatte.an psychiatrischen Patienten in Portugal. D. bei der die Stirnlappen. Er berichtete. die beidseitig in der Schläfenregion in die Schädeldecke gebohrt werden. Für seine Forschungsarbeit wurde Moniz 1949 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. die als Sitz der Kognition gelten. in dem ein Forscher ein Experiment beschrieb. Die berüchtigtste sogenannte biologische Behandlung war die Lobotomie (auch Leukotomie genannt).19 Hingegen wurde das Verfahren immer öfter bei wohlhabenden weißen Akademikern eingesetzt.18 Die Elektroschockbehandlung wurde im Verlauf der sechziger Jahre immer seltener eingesetzt. Laing und die Scientology-Bewegung setzten sich für die Abschaffung der Elektroschocktherapie ein. Die New York Times würdigte Moniz und andere Psychochirurgen. . Im Jahr 1935 wohnte Moniz einem Vortrag bei. Dieses Verfahren geht auf den portugiesischen Neurologen Antonio Caetano Moniz zurück. Der zunehmende Mißkredit. unbezähmbarer Affe durch »Abtragung« beziehungsweise Entfernung seiner Stirnlappen ruhiggestellt wurde. hatte merkwürdige demographische Konsequenzen.straften Krankenpfleger unbotmäßige Insassen mit dem sogenannten Georgia Power Cocktail.bei dem ein Skalpell durch Löcher. in den die Therapie geriet. Im Jahr 1980 wurde kein einziger nichtweißer Amerikaner in einer staatlichen Nervenheilanstalt mit der Elektrokrampftherapie behandelt. Die Gegner des Verfahrens behaupteten. es führe bei behandelten Patienten zu dauerhaftem Gedächtnisverlust und anderen schweren Nebenwirkungen. daß sich der Zustand der meisten danach gebessert habe. eingeführt wird . Kritiker der Psychiatrie wie Thomas Szasz. Moniz erprobte das Verfahren .154 . bei dem ein aggressiver. R. und es gelang ihnen. in gewissen Gerichtsbezirken ein zeitweiliges Verbot zu erwirken.

die mit der Lobotomie experimentiert hatten.einen Begriff. das Gehirn weniger ehrfurchtsvoll zu betrachten.20 Als der amerikanische Neurologe Walter Freeman von den Behandlungserfolgen Moniz' hörte. den er gemeinsam mit seinem Kollegen James Watts prägte . doch zu diesem Zeitpunkt war ihr Stern bereits im Sinken. die er mit einem medizinischen Eispickel durchführte. sondern auch an unverbesserlichen Strafgefangenen.25 bis zu fünfundzwanzig an einem einzigen Tag. dafür. und stochert dann mit dem Pickel hin und her. 17 ooo Kilometer zurück. starb an Gehirnblutungen. zwischen Ende der dreißiger und Mitte der sechziger Jahre wurden allein in den Vereinigten Staaten etwa vierzigtausend Lobotomien durchgeführt. Das Verfahren setzte sich rasch durch. Es ist einfach ein großes Organ. Der Chirurg setzt das Gerät unter dem Lid an. mit missionarischem Eifer engagierte er sich für die Psychochirurgie. (Freemans letzter Patient. Freeman war ein unermüdlicher Werber in eigener Sache. das hochkomplexe Funktionen ausführt.23 Lobotomien wurden nicht nur an psychisch Kranken vorgenommen.24 Freeman selbst soll insgesamt fünftausend Operationen durchgeführt haben. chirurgischen Instrumenten und einem Elektroschockgerät vollgestopft war.in den Vereinigten Staaten ein. wie er es nannte. Er fuhr in einem Kombiwagen.)27 Gegen Ende seiner Karriere hatte er seinen Ruf so gründlich ruiniert. um seine transorbitale Lobotomie in Krankenhäusern vorzuführen. führte er die Lobotomie . klopft leicht mit einem Hammer darauf. den er bereits zweimal operiert hatte. daß ihm .26 Er praktizierte seine Lobotomie-Technik bis 1967. und nicht heiliger als die Leber«. die sogenannte transorbitale Lobotomie. daß »sie uns gelehrt haben. bis er ins Stirnhirn eindringt. der mit Notizbüchern. durch die gesamten Vereinigten Staaten und Kanada. Im Jahr 1951 legte er einmal innerhalb von fünf Wochen21 bei einer »Kopfjagd«22.155 . Freeman entwickelte eine Variante der Lobotomie.

dem Direktor einer Nervenheilanstalt in Australien. Als Cade die Lithiumsalze psychiatrischen Patienten . als in den fünfziger Jahren Medikamente entwikkelt wurden. Allerdings wurden seelische Leiden schon seit langem mit Medikamenten behandelt. sondern auch bei Fachleuten hervorrief. Cade. so verschrieben die Ärzte im neunzehnten Jahrhundert unter anderem Morphium. Die Entdeckung. in denen er einst praktiziert hatte. daß Geisteskrankheiten durch ein im Urin ausgeschiedenes Toxin verursacht würden.156 . wie etwa Halluzinationen. der vermutete. Doch die »Revolution in der Psychopharmakologie«. die dieses Behandlungsverfahren nicht nur bei Patienten und deren Familien. Anders als die Barbiturate und andere Beruhigungsmittel versetzten diese neuen Medikamente Schizophrene nicht bloß in einen Zustand der Benommenheit. Angesichts der starken Aversion. seine ärztlichen Sonderrechte aberkannten. zu lindern.und Bewegungsfähigkeit zurück. Einige katatone Patienten gewannen sogar ihre Sprach. geht auf die späten vierziger Jahre zurück und verdankt sich John Cade. begann in den frühen fünfziger Jahren mit der Einführung von Neuroleptika. wurden die Meerschweinchen ungewöhnlich lethargisch. sondern sie schienen auch einige schwerere Symptome.mehrere Institutionen. die die Symptome einiger psychischer Erkrankungen und insbesondere der Schizophrenie zu lindern schienen. isolierte aus dem Urin seiner Patienten mehrere Verbindungen und injizierte sie Meerschweinchen. wie es oftmals heißt. waren die Psychiater enorm erleichtert. daß Lithium die Symptome psychotischer Erkrankungen unterdrücken kann. die Barbiturate hatten den katatonen Zustand höchstens noch vertieft. Chloralhydrat und Bromid. Nachdem er den Verbindungen Lithium beigemischt hatte. antipsychotischen Substanzen wie Reserpin und Chlorpromazin (letzteres wird unter dem Handelsnamen Propaphenin vermarktet). um psychotische Patienten zu sedieren.

«29 Freud selbst hatte kurz vor seinem Tod vorhergesagt. ging es bald so gut. Einem fünfzigjährigen Patienten. zeigte sich die gleiche sedierende Wirkung. daß die Pragmatiker in ihren Backsteinhäusern nie an die ›zugrunde liegende Psychopathologie‹ des Patienten herankämen und ihn deshalb auch nicht heilen könnten. mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilungen im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen. ruhelos und verwahrlost«28 – und zu einer dauerhaften Hospitalisierung verdammt zu sein schien.«30 . Im Jahr 1955 verkündete Time. ob [der Patient] Konflikte über seine inzestuösen Triebe im Unbewußten austrägt oder sich aus der Welt zurückgezogen hat.spritzte. daß er entlassen werden konnte. die häufig beim Bau von Nervenheilanstalten verwendet wurden) in der Psychiatrie über die Psychoanalytiker in ihren Elfenbeintürmen darstellten: »Die Kritiker in ihren Elfenbeintürmen behaupten. Für die Backsteinwelt ist das wie ein Streit über die Zahl der Engel. als eine Infragestellung der Freudschen Theorie und Therapie angesehen. Die [Analytiker] interessiert nur. daß die Psychoanalyse womöglich eines Tages von der Psychopharmakologie abgelöst würde: »Die Zukunft mag uns lehren. All diese Medikamente wurden. Spätere Studien haben gezeigt. weil er im Alter von fünf Jahren einmal etwas aus dem Sparschwein seines Bruders geklaut hat. daß Lithium die Stimmungsschwankungen dämpft. wie sie für manisch-depressive Erkrankungen typisch sind. weitgehend zu Recht. euphorisch. die auf einer Nadelspitze Platz haben. der seit Jahrzehnten an einer Manie litt – Cade beschrieb ihn als »geschwätzig. daß Chlorpromazin und ähnliche Wirkstoffe den Triumph der »Backsteinpragmatiker« (der Ausdruck bezog sich auf die roten Backsteine.157 .

Diese Substanzen hemmen die Produktion des Enzyms Monoaminoxidase und blockieren dadurch den Abbau der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin. in Wein und anderen gängigen Lebensmitteln und Getränken enthalten ist.und Serotoninkonzentration aufrechterhalten. vornehmlich in den Vereinigten Staaten. Die erste Klasse von Wirkstoffen. durchleben bis zu fünfzig Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Depression. die als echte Antidepressiva angekündigt wurden. die von Freudiänern und anderen Psychotherapeuten behandelt wurden.31 Zu jedem beliebigen Zeitpunkt leiden möglicherweise bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen. insbesondere Depressionen. hatten Freud und viele seiner Anhänger diese Leiden als nicht therapierbar angesehen. Leider haben Monoaminoxidasehemmer eine gefährliche Nebenwirkung: Wenn sie mit Tyramin reagieren. die in bestimmten Käsesorten. können sie eine tödliche Hirnblutung verursachen. einer Substanz. litten an leichteren und häufigeren Erkrankungen. . Forscher haben wenig später eine weitere Klasse von Antidepressiva entdeckt. die sogenannten tricyclischen Antidepressiva. Die überwiegende Mehrheit der Patienten. die eine hohe Noradrenalin. aber nicht mit Tyramin reagieren.158 . Obgleich einige Psychoanalytiker. deren Mangel nach heute herrschender Auffassung einer depressiven Erkrankung zugrunde liegen soll. Patienten mit Schizophrenie und manisch-depressiver Erkrankung behandelten. Während manisch-depressive Erkrankung und Schizophrenie jeweils etwa ein Prozent der Bevölkerung betreffen.Peter Kramer lauschen Die Einführung der Antidepressiva in den fünfziger Jahren stellte die Psychoanalyse und andere Psychotherapien vor ihre mit Abstand schwerste Bewährungsprobe. war die der sogenannten Monoaminoxidasehemmer (MAOH).

angeblich nur auf Serotonin und nicht auf andere Neurotransmitter einwirken. wie es die positive Berichterstattung gewesen war. daß sie die Rückaufnahme des Neurotransmitters hemmen.32 Als der unvermeidliche Rückschlag einsetzte. Nachdem bekannt geworden war. war er genauso übertrieben. daß der Mann Fluctin eingenommen hatte. Der bekannteste SSRI ist das Fluoxetin. Eli Lilly brachte das Medikament im Jahr 1988 unmittelbar im Anschluß an seine Zulassung durch die Food and Drug Administration (FDA).Die Revolution in der Psychopharmakologie erreichte ihren Höhepunkt Ende der achtziger Jahre mit der Einführung der selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI). absorbiert sie ihn in der Regel wieder in einem als »Rückaufnahme« bezeichneten Prozeß. März 1990 war auf der Titelseite von Newsweek eine grünweiße Fluctin-Kapsel abgebildet mit der Schlagzeile »Ein Quantensprung in der Behandlung der Depression«.159 . die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente. Nachdem eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ausgeschüttet hat. verklagten seine Hinterbliebenen und die seiner Opfer Lilly auf Schadensersatz. Die SSRI werden »selektiv« genannt.anders als ihre relativ unspezifisch wirkenden Vorläufer .33 Im Jahr 1989 tötete ein Angestellter einer Druckerei in Kentucky acht seiner Kollegen und verwundete zwölf weitere durch Schüsse aus einem Sturmgewehr. besser bekannt unter seinem Handelsnamen Fluctin (beziehungsweise Prozac in den USA). Fernsehshows berichteten in sensationeller Aufmachung über diese Fälle und weitere. weil sie . in denen Patienten angeblich nach der Einnahme von . bevor er sich erschoß. Im Jahr 1991 gab die Witwe des Rocksängers Del Shannon Fluctin die Schuld daran. Fluctin ist eine der großen Erfolgsgeschichten der modernen Pharmakologie . daß ihr Ehemann Selbstmord verübt hatte.und des modernen Marketings. auf den Markt. Am 26. Man nimmt an. daß die SSRI die Serotoninkonzentration dadurch hoch halten.

Die FDA schloß sich dieser Auffassung an. Die Anwälte. einige derartige Zwischenfälle seien nach den statistischen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unvermeidlich. Im Jahr 1998 rangierte Fluctin auf der Liste der meistverkauften Medikamente hinter dem Ulcus-Präparat Antra (Omeprazol) auf Platz zwei (auch wenn der rasant wachsende Absatz des Impotenzmittels Viagra dieses vermutlich auf den ersten Platz katapultieren würde). und die Kontroverse über die potentiell aggressionsauslösende Wirkung von Fluctin verschwand allmählich von der Bildfläche. und der damit erzielte Umsatz belief sich auf insgesamt zweieinhalb Milliarden Dollar. das Sie morden läßt«.160 . Psychiater und Verbraucher hatten bereits bewiesen. obwohl Lilly einen wachsenden Anteil seines Marktes an die SSRI von Wettbewerbern. abgeben mußte.35 Unglaublicherweise nahm der Umsatzerlös weiterhin zu. Ende des Jahres 1991 hielt die FDA Anhörungen zu dem Thema ab. daß es nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Fluctin und diesen relativ seltenen Gewalttaten geben müsse. die Lilly vertraten. und andere Experten behaupteten völlig zu Recht.Ein Medikament.36 Das am schnellsten wachsende Segment des US-amerikanischen Marktes für SSRI betrifft Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren37 – obwohl einer Untersuchung zufolge »keine einzige . wie etwa Fevarin und Seroxat. wenn ein Medikament einer sehr großen Zahl psychisch kranker Menschen verabreicht werde. denn die Absatzzahlen von Fluctin gingen weiterhin steil in die Höhe. Die meisten Zivilprozesse gegen Lilly sind außergerichtlich beigelegt worden. Donahue gab einer Sendung den Titel »Fluctin .Fluctin Gewalttätigkeiten gegen sich oder andere begangen hatten.34 Weltweit nahmen über vierunddreißig Millionen Menschen Fluctin ein. daß sie die Schreckensberichte nicht glaubten. Der Markt für SSRI wächst einer Schätzung zufolge jährlich um über fünfzig Prozent.

Er meinte. Fluctin. Rhode Island. daß Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen im Kindes. in der Patienten nicht nur von ihren Erkrankungen geheilt. aus der hervorginge.«38 1997 hat Eli Lilly eine eigens auf Kinder zugeschnittene Fluctin-Variante mit Pfefferminzgeschmack auf den Markt gebracht. so schrieb er. der in Providence. daß Frauen doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer. Kurz nachdem Lilly Ende der achtziger Jahre Fluctin auf den Markt gebracht hatte.Doppelblindstudie mit einer Placebo-Kontrollgruppe publiziert wurde. Kramer war im Herbst 1995.von bleichgesichtigen.39 Der geschickteste Lobsänger von Fluctin ist Peter Kramer. Kramer führte in seinem 1993 erschienenen Buch Listening to Prozac (dt. als ich ihn bei einem Symposion über die relative Wirksamkeit von Psychotherapien und Psychopharmaka an der New School in New York City erlebte. Glück auf Rezept). das einundzwanzig Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand. sondern »einen psychischen Zusatznutzen über das bloße Wohlbefinden hinaus« erlangen könnten. . eine Privatpraxis führt. die erlesene Schals von Hermes trugen. Dieses demographische Profil des Publikums war nicht weiter verwunderlich.und Jugendalter wirksamer wären als Placebos.und Angstsymptome bei seinen Patienten gelindert.42 Das Publikum bestand überwiegend aus Frauen . begann Kramer den Stellenwert des neuen Präparats in einer Kolumne in der Fachzeitschrift Psychiatrie Times zu erörtern. wenn man bedenkt. sondern ihnen auch neue Lebensfreude und Tatkraft geschenkt. außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der BrownUniversität.41 diese Ansichten näher aus. habe nicht bloß die Depressions. das Medikament könne eine Ära der »kosmetischen Psychopharmakologie«40 einleiten.161 . schon eine richtige Berühmtheit. schwarz gewandeten Studentinnen bis hin zu vornehmen älteren Damen von der Upper East Side.

oder seien sie auf ein chemisches Ungleichgewicht zurückzuführen? Kramer vermochte es nicht zu sagen. Ambiguität und Unscharfe. Eine der aufschlußreichsten Bemerkungen Kramers war: »Ich halte sehr viel von Ambivalenz. die den Psychologen William James gequält hätten. selbstsicherem Auftreten. und weil niemand nachgewiesen habe. Er sann etwa über die Bedeutung der heftigen Angstanfälle nach. Kramer beteuerte. schlanker und jungenhafter Mann mit saloppem. War Kramer ein Befürworter von Psychopharmaka? Nun ja. ihre Unzulänglichkeiten zu erkennen. daß das Dasein sinnlos sei. weil bislang niemand aufgeklärt habe. er habe eine zu günstige Meinung von Fluctin und eine zu schlechte von der Psychotherapie. eine »Epidemie« psychoanalytischer Behandlungen auszulösen. wäre die Gesprächstherapie in Bedrängnis geraten. auch Freud habe dazu beigetragen. aber eigentlich doch nicht. so Kramer. daß eine Methode der anderen überlegen sei. ein hochgewachsener. verstand es hervorragend. Selbst wenn sich medikamentöse Behandlungen als nicht so wirksam herausgestellt hätten. Als man ihm vorhielt. gewissermaßen. daß Medikamente eines Tages aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen die Gesprächstherapie »auslöschen« könnten. er sei ein »großer Fan« der Psychotherapie und hätte eine »lange Liebesaffäre« mit ihr gehabt. das komme nun mal vor. er leiste einer »Fluctin-Epidemie« Vorschub.Kramer.« Auch in Glück auf Rezept legte sich Kramer nicht fest. Er räumte ein. weshalb sie funktioniere. ohne sich auf bestimmte Antworten festzulegen.162 . Doch diese innige Beziehung zur Psychotherapie habe ihm auch geholfen. Fragen aufzuwerfen und mit ihnen herumzujonglieren. War er ein Gegner von Psychotherapie? Gewissermaßen. erwiderte Kramer achselzukkend. Seien diese Angstanfälle angemessene Reaktionen auf James' Erkenntnis. verwies Kramer auf . Als ein Sprecher Kramer vorwarf.

‹ 43 Kramer resümierte: »Ich hatte vorher noch nie beobachtet. Zwei Wochen nachdem Kramer ihr Fluctin verordnet hatte. daß sich das Sozialleben eines Patienten so schnell und so grundlegend verändert hatte.und Liebesleben unzufrieden ist und die jahrelang erfolglos mit Gesprächstherapien und Antidepressiva behandelt wurde. daß sich hier etwas nur sehr langsam verändern kann. bei denen sie die verschiedenen Teile ihrer Person integrieren mußte. Schüchternheit.sind in einer Person so tief verwurzelt und so schwer zu beeinflussen. erzählte mir Tess. wenig Mut. ›Drei Verabredungen habe ich jetzt jedes Wochenende‹. Mit ihrem neuen Verhalten entwickelte sich auch ein neues soziales Leben. ich habe ein bestimmtes Zeichen auf der Stirn. in denen er seine Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka zum Ausdruck gebracht und die Vorteile von Gesprächstherapien gerühmt habe. als ich sie vorher gesehen hatte. ›Ich glaube.Kommentare. sondern einfach sehr charmant.163 .« Kramer wies allerdings auch darauf hin. die sich hinter ihrem Äußeren verborgen hatte. wenn sich überhaupt daran etwas ändert.die meisten Gründe für mangelnde soziale Kontakte . viel entspannter und viel energiegeladener.eine Frau. das sich nicht langsam entfaltete als Folge vieler Kämpfe. die an chronischer Depression leidet. fiel ihm eine »bemerkenswerte« Wandlung auf: Sie sah ganz anders aus. Wie Freud stützte auch Kramer seine Polemik auf geschickte Beschreibungen einzelner Patienten. Nehmen wir Tess . Aber Tess war wie umgewandelt. . Angst vor Intimität . Ein geringes Selbstwertgefühl. sondern das sich ziemlich spontan und voller Energie seine Bahn brach. nicht mehr so bewußt gezwungen. mit ihrem Berufs. plötzlich an die Oberfläche gekommen. Unentschlossenheit. Sie lachte viel öfter und auch ganz anders. viel aufnahmefähiger. so als sei die Person. Eifersucht.

die Kramer in Glück auf Rezept darlegt. daß wir durch unsere Erfahrungen geprägt worden seien. über uns aus? Was sage sie über den eventuellen Nutzen herkömmlicher Psychotherapien aus? Verlören wir etwas von unserem innersten Wesen. Wer sei die »wirkliche« Tess – die unglückliche.daß nicht alle Patienten in dieser Weise auf Fluctin ansprechen. Ich halte mich für einen einigermaßen glücklichen Menschen oder doch zumindest für einen nicht übermäßig unglücklichen.«44 Andere Psychiater. Was sage die Tatsache. das zu tun. was getan werden muß. und das Medikament wirkt so wie jedes andere Antidepressivum. einfach glücklich zu sein ? Ich vermute. einige erholen sich von ihrer Depression. ob ich nicht auch von diesen Pillen profitieren könne. verändert sich die ganze Persönlichkeit. hätten mit ihren Patienten die gleichen Erfahrungen gemacht. daß die meisten Leser die philosophischen Dilemmas. wenn wir Verzweiflung und Angst auf chemischem Weg statt durch Selbsterkenntnis beseitigten? Genüge es.164 . unsichere Frau. während seine Schilderungen von Patienten wie Tess sie fesselten. Kramer zerbrach sich den Kopf über die philosophische Bedeutung dieses neuen Medikaments. so versicherte Kramer den Lesern. die eine ganze Reihe von demütigenden Affären mit verheirateten Männern durchlitten hatte. oder dieses neugeborene Energiebündel voller Selbstsicherheit? Wir nähmen an. Nachdem ich jedoch Dutzende von Kramers Fallbeschreibungen über Tess und andere verschlungen hatte. Fluctin verleiht diesen Patienten den Mut. Mir zumindest erging es so bei der ersten Lektüre von Glück auf Rezept. Aber bei einigen Patienten. der wichtigen Minderheit. doch wenn es mir mit Fluctin noch . deren Leben sich durch Fluctin auf wundersame Weise geändert hatte. Gewiß. »Bei einigen schlägt dieses Medikament überhaupt nicht an. nur mäßig interessierten. daß eine chemische Substanz uns von Grund auf verändern könne. begann ich mich zu fragen. mir ging es nicht schlecht.

Erstens ist Fluctin älteren Antidepressiva wie etwa den tricyclischen Antidepressiva bei der Behandlung affektiver Störungen keineswegs überlegen. der warnend darauf hinwies. wenn es meine Selbstsicherheit in Redaktionskonferenzen stärken.warum nicht? Als die Presse 1994 berichtete. einen geringen. wenn auch statistisch ebenfalls nicht signifikanten Vorteil für Desipramin.Fluctin für alle! Erst später erkannte ich. Fluctin solle im Rahmen eines nationalen Versicherungsprogramms auch den Armen zur Verfügung gestellt werden. James Goodwin. Im Jahr 1996 publizierte das Journal of the American Medical Association die Ergebnisse einer Studie an 536 depressiven Erwachsenen. da sie von der Herstellerfirma Eli Lilly finanziert wurde. daß jeder von dem Medikament profitieren könne.47 Die Probanden. die Fluctin erhielten. wie etwa den tricyclischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin. Dabei wies die Studie allenfalls eine Voreingenommenheit zugunsten von Fluctin auf. die zu einer Schreibblockade führen. verglichen wurde. . die Zweifel zerstreuen. in der Fluctin mit älteren Antidepressiva.165 . als in einem Artikel im New Republic46. ein Psychologe in Wenatchee in Oregon habe über sechshundert seiner Klienten Fluctin empfohlen und in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung erklärt. und mir mehr Schwung beim Nahen des Redaktionsschlusses geben könnte .besser gehen könnte. Tatsächlich ergaben die Tests. Fluctin könne das Gefalle zwischen den Begüterten und den Habenichtsen vergrößern. die nach drei und sechs Monaten durchgeführt wurden. in welchem Ausmaß die Befürworter von Fluctin dessen Wirksamkeit übertrieben hatten. und selbst dieser geringfügige Unterschied war nach drei Monaten wieder verschwunden. aber der Unterschied war statistisch nicht signifikant. der Vorschlag gemacht wurde. zeigten nach einem Monat eine leichte Besserung.45 dachte ich ein weiteres Mal: »Warum nicht?« Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. Großartig .

9 Prozent bei Fluctin und 19 Prozent bei den tricyclischen Antidepressiva betrug. es zur Behandlung von Pädophilen und anderen Menschen mit abweichendem Sexualverhalten in Erwägung zu ziehen. war annähernd gleich. stellten fest. die die Behandlung mit diesen beiden Wirkstoffklassen abschlössen. doch der Unterschied ist gering.«49 Erste Erfahrungsberichte über die SSRI erwähnten nur selten ihre wohl gravierendste Nebenwirkung: sexuelle Funktionsstörungen. Nach Aussage von Robert Segraves. die Fluctin einnehmen. Im Jahr 1998 berichteten Forscher vom Gettysburg College in Pennsylvania.)52 .51 (Auf Muscheln übt Fluctin offenbar die gegenteilige Wirkung aus. sprechen Patienten ihre sexuellen Probleme allerdings nur selten von sich aus an. daß Muscheln. und mindestens ein Psychiater hat vorgeschlagen. daß die SSRI besser verträglich sind als die [tricyclischen Antidepressiva] . lautete das Fazit eines Kommentars in den Psychiatric Annals. einem Psychiater an der Case-Western-Universität. doch die Ergebnisse sind nicht so deutlich. daß die Abbruchsrate infolge von Nebenwirkungen 14. die in mit dem Wirkstoff versetztes Wasser gelegt wurden. daß bis zu drei von vier Personen.und Eizellen ausstießen. »Die Gesamtzahl der Patienten. wie es manche Kliniker erwartet haben mochten«. Tatsächlich wurde Fluctin zur Behandlung von Ejaculatio praecox verschrieben. mehr Samen.48 »Die Literatur erhärtet den klinischen Eindruck.166 . Fluctin habe weniger Nebenwirkungen als ältere Antidepressiva. entweder eine Verminderung ihres sexuellen Verlangens oder eine verminderte Orgasmusfähigkeit oder beides erleben. weniger als zwei Prozent der Teilnehmer an klinischen Studien mit Fluctin hätten von sexuellen Funktionsstörungen berichtet.50 Eli Lilly behauptet. Britische Forscher. Segraves und andere haben herausgefunden.Diese und andere Studien haben gewisse Belege für die weitverbreitete Annahme gefunden. die 1994 eine Metaanalyse an zweiundvierzig Einzelstudien durchführten.

167 . »recht häufig« sexuelle Probleme beobachtet. Die Dodo-Hypothese . weil ihnen das Medikament erlaube. daß »mehrere Metaanalysen. doch verbannte er es ins Kleingedruckte im Anhang seines Buches. Er schrieb nachdenklich: »Hier herrschen seltsame Verhältnisse: Wird ein Medikament relativ gesunden Patienten verschrieben.54 Die Forscher fanden heraus. er und andere Psychiater hätten bei Patienten. die Fluctin einnahmen. In einer Anmerkung räumte er ein. die meist über Anhedonie [Unfähigkeit. wie sie durch Fluctin verursacht wird. In Wirklichkeit haben Psychotherapien und Psychopharmaka laut einem 1995 in Professional Psychology erschienenen Bericht von David Antonuccio und Mitarbeitern von der Medizinischen Fakultät der Universität von Nevada in etwa die gleiche Wirksamkeit. daß die Patienten »eine entmutigende und sogar besorgniserregende Form der Impotenz«. daß Psychotherapien zur Behandlung von Depressionen mindestens genauso wirksam sind wie Medika. Antidepressiva stellten gegenüber nur Psychotherapie einen enormen Fortschritt in der Behandlung von Depressionen dar. mit bemerkenswerter Konsistenz die Annahme untermauern. tolerieren sie bereitwillig das Medikament trotz der Nebenwirkung sexueller Beeinträchtigungen.Peter Kramer kannte das Problem der sexuellen Funktionsstörungen durchaus.53 In Kramers schöner neuer Welt kann man wohl.Teil II Die wohl größte Legende in der Biopsychiatrie ist die Behauptung. anders als in der von Aldous Huxley. Lust zu empfinden] klagen.« Er vermutete. die sowohl in psychiatrischen als auch in psychologischen Fachzeitschriften publiziert wurden und die zahlreiche Studien mit Tausenden von Patienten berücksichtigten. hinnähmen. »die Vielfalt der Freuden im alltäglichen Leben besser zu erleben« . auf Sex verzichten.

168 . . laut einer Studie sei Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen genauso wirkungsvoll wie Medikamente. die sechzehn Wochen lang mit einer der vier folgenden Methoden in drei verschiedenen Kliniken behandelt wurden: . das sogenannte Treatment of Depression Collaborative Research Programm. Noch bevor die Ergebnisse 1989 veröffentlicht wurden. daß ihr Verfahren bei schwerkranken Patienten .« Anders gesagt. Dieses Fazit wird durch eine der methodisch sorgfältigsten Studien über Depression.interpersonelle Therapie.55 In anderen Publikationen beteuerten Anhänger der kognitiven Verhaltenstherapie.kognitive Verhaltenstherapie.»Alle sind Sieger. die jemals durchgeführt wurden. An der Studie nahmen 239 depressive Patienten teil. ein kurzer wöchentlicher Besuch bei dem verschreibenden Arzt. die die Beziehungen eines Patienten zu anderen Menschen in den Mittelpunkt stellt. die Aussage des Dodo in Alice im Wunderland .gilt nicht nur für die Psychotherapie. Das NIMH-Depressionsprogramm hält für praktisch jeden positive wie negative Nachrichten bereit. der als eine Placebo-Psychotherapie dient. ein tricyclisches Antidepressivum. . und jeder muß einen Preis bekommen« .eine Placebo-Tablette plus klinische Betreuung. das Ende der siebziger Jahre vom National Institute of Mental Health (NIMH) initiiert wurde.Imipramin. diese erziele die besten Langzeitergebnisse und Imipramin langfristig die schlechtesten. behaupteten Psychologen. plus »klinische Betreuung«. Im Jahr 1986 verkündete eine Schlagzeile auf der Titelseite der New York Times. sondern auch für die Psychopharmakologie. Interpersonelle Therapeuten wiederum waren hoch erfreut darüber. bestätigt. daß Psychotherapien wirksam seien. das Programm habe bestätigt. .mente.

»Obgleich bei allen Therapieschemata signifikante Besserungen im Zustand [der Probanden] vor und nach der Behandlung vorkamen. unterzog dessen Ergebnisse für das Handbook of Psychotherapy and Behavior Change einer kritischen Würdigung. daß es bei Patienten mit leichter Depression »keine Anhaltspunkte dafür gibt. daß »derartige minimal unterstützende Therapien. daß sich die vier Behandlungsschemata einschließlich des PLA-KB [Placebo plus klinische Betreuung] in ihrer Wirksamkeit unterscheiden«.der kognitiven Verhaltenstherapie überlegen war (wenn es auch nicht so gut wirkte wie Imipramin). Befürworter von Antidepressiva griffen die Tatsache auf. so Elkin.56 Tatsächlich war das wichtigste Ergebnis des NIMH-Projektes.58 Die Ergebnisse ließen den Schluß zu. anfänglich besser auf Imipramin als auf beide Psychotherapieformen anzusprechen schienen. sei der »relativ geringe Prozentsatz von Patienten.169 . insbesondere diejenigen. Ein »verblüffender« Befund.«57 Sie wies darauf hin. möglicherweise ausreichen. Nach gewissen Ergebnissen sprachen die Patienten sogar auf das Placebo plus klinische Betreuung am besten an. die die Therapie durchhalten. die wichtigste Mitarbeiterin des NIMH-Projekts. wenn sie von einem erfahrenen Therapeuten verabreicht werden. Die Psychologin Irene Elkin von der Universität Chicago. Depressionen sollten zunächst mit Psychopharmaka behandelt werden. die als »funktional gestört« bezeichnet wurden. Auf der Grundlage dieses Befundes empfahl die American Psychiatrie Association im Jahr 1993. vollständig genesen und während der gesamten achtzehn. daß alle vier Behandlungsprotokolle annähernd gleich wirksam beziehungsweise wirkungslos waren. um eine erhebliche Verringerung der depressiven Symptomatik zu erreichen«. daß eine Gruppe von Patienten mit schwerer Depression. waren bei Beendigung der Studie erstaunlich wenige signifikante Unterschiede zwischen den Schemata nachzuweisen.

»wird es eine Art Psychotherapie geben.60 In der Zukunft. daß Psychotherapie plus Medikamente wirksamer sei als entweder Medikamente oder Psychotherapie allein. In den zwanziger Jahren bedrängte der prominente amerikanische Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan seine Patienten. . daß Medikamente die Wirksamkeit von Gesprächstherapien verbessern könnten und umgekehrt. die das Magazin Consumer Reports. Das Magazin veröffentlichte die Ergebnisse seiner Umfrage. Viele psychiatrische Experten einschließlich Peter Kramer behaupten.« Dieser kombinierte Ansatz ist nicht neu. ist empirisch nicht bestätigt. so Kramer. Psychotherapie und Psychopharmaka wirkten in Kombination am besten.62 Bei dieser Erhebung wurden Leser nach ihren Erfahrungen mit Fachleuten für seelische Gesundheit gefragt.170 . im Herbst desselben Jahres. das von der gemeinnützigen Verbraucherorganisation Consumers Union publiziert wird.59 Nur vierundzwanzig Prozent der Patienten waren am Ende des sechzehnwöchigen Behandlungszeitraums von ihrer Depression geheilt und blieben in den folgenden achtzehnten Monaten frei von stärkeren Symptomen. Der Prozentsatz der Patienten in den einzelnen Protokollen. Tatsächlich wurde sie durch eine großangelegte Meinungsumfrage widerlegt. sich bis zu zehn Tage vor Beginn der Therapie ständig mit Alkohol zu berauschen. Der Autor von Glück auf Rezept sagte mir einmal. deren Zustandsbesserung anhielt. sechsundzwanzig Prozent bei der interpersonellen Therapie.monatigen Nachuntersuchungsphase völlig symptomfrei bleiben«. die die Psychotherapie. zwanzig Prozent bei Placebo plus klinischer Betreuung und neunzehn Prozent bei Imipramin. belief sich auf dreißig Prozent bei der kognitiven Therapie.61 Doch die Annahme. im Jahr 1995 durchführte. wie sie gegenwärtig praktiziert wird. auf die viertausend Leser geantwortet hatten. und die Psychopharmakologie in sich einschließen wird. daß er sich selbst »im Innersten als Psychotherapeut« fühle. der glaube.

ob sie von Sozialarbeitern. und dies gelte noch mehr für diejenigen. ihre Psychotherapie habe ihnen geholfen. Die Umfragebeantworter gaben auch annähernd das gleiche Maß an Zufriedenheit an. daß es Lesern. Die meisten Leser schrieben. um so besser hätten sie sich gefühlt. dieses Ergebnis spiegele eventuell die »Therapiesucht« gewisser Patienten.63 Seligman räumte ein. Nur Eheberater schnitten unterdurchschnittlich ab.171 . Dennoch griff die American Psychological Association sogleich die Ergebnisse der Umfrage von Consumer Reports auf. Psychologen oder Psychiatern behandelt wurden. um die Leistungsausschlüsse der Krankenversicherer für Gesprächstherapien zu kritisieren. daß die Umfrage einige methodische Schwächen habe.Die Umfrage war Balsam für die Seele der Gesprächstherapeuten. die mit Gesprächstherapie und Psychopharmaka wie Fluctin behandelt worden waren. Abonnenten des Consumer Reports seien möglicherweise nicht repräsentativ. erklärte Martin Seligman. Psychologe an der Universität von Pennsylvania und ehemaliger Präsident der American Psychological Association. Andererseits bestätigte die Umfrage auch die Dodo-Hypothese und die sich daraus ergebende Konsequenz. im Dezember 1995 in der Zeitschrift American Psychologist. die den Fragebogen beantwortet hätten. Doch. Doch die Leser gaben auch an. daß sämtliche Therapien gleich effizient beziehungsweise ineffizient sind. zudem habe es keine Kontrollgruppe gegeben. die nur psychotherapeutisch behandelt worden waren. Die Umfrage von Consumer Reports »hat die Wirksamkeit der Psychotherapie empirisch bestätigt«. Einige Kritiker wandten ein. besser zu gehen schien als denjenigen. unabhängig davon. daß sie mit den Anonymen . Auch die Psychologen freuten sich. diese Unzulänglichkeiten seien nicht gravierender als diejenigen von streng wissenschaftlichen Vergleichsstudien. so versicherte er. und je länger sie in therapeutischer Behandlung geblieben seien.

Alkoholikern zufriedener waren als mit sämtlichen Fachleuten für seelische Gesundheit oder mit Medikamenten.) Sie erklären in The Limits of Biological Treatments for Psychological Distress und From Placebo to Panacea sowie in zahlreichen Artikeln. Antidepressiva oder eine Kombinationstherapie eine nennenswerte Besserung des psychischen Zustands der Patienten herbeigeführt hätten. sich einer »höheren Macht« zu unterwerfen. Vom Placebo zum Allheilmittel Roger Greenberg und Seymour Fisher. daß eine psychotherapeutische Behandlung. daß sie ihre Mitglieder ermahnen. Der Erfolg der Anonymen Alkoholiker mag darauf zurückzuführen sein. gehören zu den hartnäckigsten Kritikern der Psychopharmakologie. Antidepressiva oder einer Kombination von beidem behandelt. das ich im zweiten Kapitel erörterte. die Wirksamkeit von Antidepressiva übersteige die . beide Psychologen am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Staatsuniversität von New York in Syracuse. daß die Wirksamkeit von Psychopharmaka weit überschätzt werde. Die Forscher berichteten. Forscher der Duke-Universität haben die therapeutische Wirksamkeit von Religiosität in einer neueren Studie an siehenundachtzig depressiven Männern und Frauen im Alter von mindestens sechzig Jahren bestätigt. Nach Auswertung von Doppelblindstudien über Antidepressiva aus den letzten dreißig Jahren sind sie zu dem Schluß gelangt.65 (Greenberg und Fisher sind auch die Autoren des Buches Freud Scientifically Reappraised.64 Etwa die Hälfte der Patienten wurde mit Psychotherapie.172 . daß »intrinsische Religiosität« der zuverlässigste Prognosefaktor für die Genesung von Depression sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Gruppe sei. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür.

66 Aus all diesen Befunden folge. oder wegen sonstiger Probleme. Als Greenberg und Fisher bei der Auswertung von zweiundzwanzig Studien allein die Patientenbeurteilungen heranzogen. Deshalb könnten sowohl Patienten als auch Ärzte oftmals herausfinden. So scheiden beispielsweise viele Patienten im Lauf einer Studie aus.173 . da viele scheinbare Doppelblindstudien über Medikamente in Wirklichkeit mit einem systematischen Fehler zugunsten eines positiven Wirksamkeitsnachweises behaftet seien. oftmals solche Personen aus. die Probanden für eine Studie rekrutieren. die die Ergebnisse verzerren können. Verstopfung und sexuelle Funktionsstörungen. dies löse eine Besserungserwartung aus. die sprachlich unbeholfen oder unklar sind oder deren Depression mit anderen organischen oder psychischen Leiden einhergeht. sich an das Studienprotokoll zu halten. die Placebos einnahmen. Alle Antidepressiva haben normalerweise Nebenwirkungen wie etwa Mundtrockenheit. Doch selbst diese Zahl ist laut Greenberg und Fisher mit Vorsicht zu genießen. die klinische Studien abschließen. sei es wegen unangenehmer Nebenwirkungen. Antidepressiva seien wirksamer. stellten sie fest. über der Besserungsrate von Patienten lag. wer die wirksame Substanz bekomme. Es gibt weitere Faktoren. gesteigerte Schweißabsonderung.von Placebo-Tabletten nur um einundzwanzig Prozent. dies entsprach dem Betrag. stark . Zudem schließen Studienleiter. die von selbst in Erfüllung gehe. daß Antidepressiva keinen über den Placebo-Effekt hinausgehenden Nutzen zeigen. die Antidepressiva einnahmen. Daher sind die Probanden. um den die Besserungsrate von Patienten. daß »die gängigen Behauptungen. nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. wegen ihrer mangelnden Bereitschaft. letztere schätzen die Wirksamkeit im allgemeinen niedriger ein. Außerdem basieren die meisten Bewertungen der therapeutischen Wirksamkeit in erster Linie auf dem Urteil der Kliniker und nicht auf dem der Patienten. so Greenberg und Fisher.

. das heißt. Leseschwierigkeiten und gestörter motorischer Koordinierung..174 .68 Doch der Psychiater Frederick Goodwin und die Psychologin Kay Jamison gaben in einer kritischen Bestandsaufnahme im Jahr 1990 bescheidenere Zahlen an: Sechsundsechzig Prozent der Probanden. gab dieser Bestätigung eine besondere Bedeutung. sich mit den Nebenwirkungen von Lithium. wer Lithium erhielt und wer ein Placebo.] selbst die geringfügig höhere Wirksamkeit von Antidepressiva im Vergleich zum Placebo-Effekt.überzogen sind [.«67 Greenberg und Fisher bezweifelten auch die Wirksamkeit von Medikamenten zur Behandlung schwerwiegenderer psychischer Erkrankungen. die Lithium einnahmen. Anfängliche Berichte über Lithium. die leitenden Ärzte wußten. Andere Untersuchungen schlössen nur Patienten ein. hatten keine manischen oder depressiven Anfälle im Vergleich zu neunzehn Prozent der Personen in der Kontrollgruppe. die die Wirksamkeit von Lithium nachweisen sollten.71 Einige waren nicht doppelblind. das als »Wundermittel« und »magische Pille« gegen manischdepressive Psychosen angepriesen wurde. über die in der Fachliteratur berichtet wird. bezogen nur Patienten ein. Neuere Untersuchungen über Lithium zeigten eine gegenüber einem Placebo geringfügig oder auch gar nicht erhöhte . daß Jamison selbst an manisch-depressiver Krankheit leidet. Ironischerweise enthüllte ihr persönlicher Erfahrungsbericht An Unquiet Mind ihre Sehnsucht nach den manischen Phasen und ihren Kampf. führten Heilungsraten von bis zu neunzig Prozent an. abzufinden. wie etwa emotionaler Verflachung. deren Erkrankung zuvor mit Lithium »stabilisiert« worden war. die Studien.69 (Die Tatsache.)70 Laut Greenberg und Fisher sind einige der von Goodwin und Jamison ausgewerteten Studien methodisch fehlerhaft. die bereits positiv auf den Wirkstoff angesprochen hatten. ist nicht zweifelsfrei erwiesen.

dann folgen Berichte. Greenberg und Fisher kommentierten: Die Geschichte der Erforschung des Lithiums folgt einem vertrauten Muster. das man sich erhofft hatte. Doch einem führenden Lehrbuch der Psychiatrie zufolge »können nach einer plausiblen Schätzung zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Schizophrenen. schließlich wächst die Unzufriedenheit der Kliniker mit den Ergebnissen im medizinischen Alltag. die die Größe des Unterschieds zwischen aktivem Wirkstoff und Placebo immer vorsichtiger einschätzen. die Medikamente einnehmen. was die vormalige Wunderpille nicht mehr leistet. daß es Patienten schwerfällt. der mit überzogenen ersten Erfolgen beginnt (die durch Enthusiasmus und Schwachstellen in der Doppelblindkonzeption gefördert werden).175 . insbesondere solchen. daß Lithium nicht das erfolgreiche prophylaktische Mittel ist. die zur Behandlung von Schizophrenie und Epilepsie eingesetzt werden. Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten leiden weiter. mit den Nebenwirkungen von Lithium zurechtzukommen. die das ausgleichen sollen. worauf verstärkte Anstrengungen unternommen werden.«72 Tatsächlich versuchen Psychiater in zunehmendem Maße manisch-depressive Psychosen mit alternativen Medikamenten zu behandeln. Ein 1995 im British Journal of Psychiatry erschienener Übersichtsartikel zog folgendes Fazit: »Nach eingehender Prüfung der vorliegenden empirischen Daten deutet leider vieles darauf hin. Aus Langzeitstudien geht hervor. alternative Behandlungsmethoden zu finden.73 Wie Lithium wurden auch Chlorpromazin und verwandte Präparate zur Behandlung von Schizophrenie oft zunächst als Heilmittel angepriesen. Auch hier gibt es einen Kreislauf. etwa zwei Drittel brechen die Einnahme ab. Daher sollten die Psychiater den gegenwärtigen Konsens hinsichtlich der Langzeitbehandlung der manisch-depressiven Krankheit neu bewerten. ein relativ normales Leben führen.Wirksamkeit.

was wörtlich »Hirnkrampfanfall« bedeutet. wonach neuere Neuroleptika weder extrapyramidale Wirkungen noch Spätdyskinesien auslösen. die im allgemeinen nicht reversibel ist. Es waren unter anderem diese Nebenwirkungen. die den Symptomen des Parkinson-Syndroms gleichen. Ich beobachtete dieses Syndrom erstmals Mitte der siebziger Jahre. und sie schien unentwegt etwas zu kauen. daß sie soviel Zeit in ihrem Schlafzimmer verbrachte. sie verfallen in unwillkürliches. Extrapyramidale Wirkungen verschwinden in der Regel. Ihre Lippen waren ständig geschürzt. die wegen »Nervenzusammenbrüchen« mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert worden war. Doch die langfristige Einnahme von Neuroleptika kann eine schwerwiegendere Nebenwirkung auslösen. die Psychiater dazu veranlaßten. wenn der Patient das Medikament absetzt. erkannte ich. die sogenannte Dyskinesia tarda (Spätdyskinesie). als ich eine Frau mittleren Alters kennenlernte .«74 Zudem haben Chlorpromazin und andere Antipsychotika oftmals extrapyramidale Nebenwirkungen.die Mutter eines Freundes -. Ihre Hände waren klauenartig gekrümmt. Die Bewegungsabläufe und der Gesichtsausdruck der Parkinson-Kranken wirken steif und rigide.176 . Erst als ich über zehn Jahre später vom Krankheitsbild der Spätdyskinesie hörte. sind . sich wiederholendes Zucken und Zittern. die Neuroleptika einnehmen.vielleicht war dies der Grund dafür. und es war ihr unverkennbar peinlich .75 Behauptungen. antipsychotische Medikamente Neuroleptika zu nennen. und vierzig bis sechzig Prozent müssen lebenslang erhebliche Störungen in Kauf nehmen. Laut Auskunft des National Institute of Mental Health entwickelt sich bei bis zu vierzig Prozent der Patienten.hin an milden Symptomen. und sie strich wiederholt mit ihren Fingerspitzen über ihre Handinnenflächen. Sie schien sich ihres Verhaltens deutlich bewußt zu sein. eine Spätdyskinesie. daß diese Symptome vermutlich eine Nebenwirkung ihrer Medikamente waren.

daß man von kompetenter Seite in der Hoffnung bestätigt wird. Der komplexe Zusammenhang zwischen der Einnahme einer Substanz.möglicherweise überzogen. Auch 1996 brachte Eli Lilly Olanzapin auf den (US-amerikanischen) Markt.177 . Dennoch war Risperidon bereits im Jahr 1996 das meistverschriebene Antipsychotikum in den Vereinigten Staaten.wenn auch mit geringerer Häufigkeit als Neuroleptika wie Chlorpromazin -. die offenkundig ›arzneiähnliche‹ physiologische Wirkungen auslöst. das angeblich genauso wirksam sei wie Clozapin. aber keine Agranulozytose verursache. dem persönlichen Bedürfnis nach Wandel oder Besserung und dem zusätzlichen Element. das ist nicht unsere Botschaft. hieß es in den Werbeanzeigen.«78 Placebos zur Behandlung von Depressionen Am Ende ihres Buches From Placebo to Panacea faßten Greenberg und Fisher ihre Einstellung zu Psychopharmaka folgendermaßen zusammen: »Behaupten wir. ob es sich um einen wirklichen Fortschritt oder bloß einen weiteren trügerischen Hoffnungsschimmer handelt. das nicht bloß extrapyramidale Nebenwirkungen und Spätdyskinesie verursacht . . Etwas Ähnliches geschah bei dem Präparat Leponex (Clozapin). Dazu meinte ein führender Neuroleptikaexperte: »Wir können heute noch nicht sagen. daß psychotrope Substanzen wirkungslos sind? Nein.darunter auch Spätdyskinesie . es habe nicht mehr extrapyramidale Effekte als die Placebos ausgelöst. sondern auch Krampfanfälle und eine potentiell tödliche Erkrankung namens Agranulozytose (starke Verminderung der Granulozyten).77 Doch binnen eines Jahres tauchten erste Berichte über Nebenwirkungen .in der medizinischen Fachliteratur auf.76 Als Johnson & Johnson 1994 das Antipsychotikum Risperdal (Risperidon) auf den Markt brachte.

und ihre Atembeschwerden verstärkten sich. wurde von Walter A. heißt es gewöhnlich. es enthalte eine Asthmamedikament.«79 Anders gesagt. Wenn ein Placebo Besserung bringt. Brown. Er zitierte eine Studie. einem Psychiater an der Brown-Universität und anerkannten Experten auf dem Gebiet der Placebo-Effekt-Forschung.«80 Doch Forschungen hätten immer wieder gezeigt. möglicherweise eine implizite Präferenz für Psychotherapien und Psychoanalyse und waren gegenüber einer medikamentösen Behandlung negativ voreingenommen. bestätigt. Behauptete man dagegen.all dies bietet einen Anknüpfungspunkt für die Ingangsetzung eines therapeutischen Prozesses. Natürlich hatten Greenberg und Fisher als Psychologen. der PlaceboEffekt erklärt möglicherweise einen Großteil. In ihrem Buch Freud Scientifically Reappraised und andernorts schienen sie von der Psychoanalyse und Psychotherapien nicht die gleichen hohen Wirksamkeitsnachweise zu fordern wie von Medikamenten.daß es jetzt eine gute Chance für Veränderungen gibt . . wenn nicht die Gesamtheit der vorteilhaften Wirkungen von Psychopharmaka.178 . verengten sich ihre Atemwege. so Brown. Als man den Patienten sagte. daß die Erwartungen der Patienten sehr reale. das Aerosol enthalte Allergene. atmeten die Patienten leichter. meßbare Wirkungen hätten. der Placebo-Effekt erkläre möglicherweise einen Großteil der therapeutischen Wirksamkeit von Medikamenten für psychische Störungen. Brown räumte in einem Beitrag in Spektrum der Wissenschaft vom März 1998 ein: »Die Assoziation [des Wortes Placebo] mit Täuschung und Unechtsein spiegelt das Stigma nur zu gut. bei der Asthmatiker lediglich fein zerstäubte Salzlösung inhalierten. Doch ihre Behauptung. die keine Medikamente verschreiben dürfen. die ihr Asthma verschlimmern könnten. die Krankheit sei wohl nur eingebildet gewesen.

179 . Obgleich allen Probanden gesagt wurde. Der Hauptvorteil von Placebos. hätten die Befrager festgestellt. ihre Verordnung erfordere auch kein so umfassendes Fachwissen. In einer 1965 durchgeführten Studie an vierzehn depressiven Patienten hätten alle eine Woche lang Placebo-Pillen erhalten. Greenberg und anderen überzeugten ihn davon. die Pillen enthielten in Wahrheit einen aktiven Wirkstoff. doch die Forschungen von Fisher. Vier der vierzehn Patienten hätten den Forschern gesagt. behauptete Brown. so Brown. daß Patienten auch auf ein Placebo ansprächen. das ihnen je verordnet worden sei. daß sechs von ihnen überzeugt davon gewesen seien. Es gebe gewisse Hinweise dafür. müßten Ärzte ihren Patienten nicht einmal über dessen eigentliche pharmakologische Wirkungslosigkeit täuschen. bei schwerer Depression sollten weiterhin Antidepressiva verordnet werden.82 Brown stellte sich die Vorgehensweise eines Arztes.während der einwöchigen »Behandlung« positiv darauf angesprochen. als Erstbehandlung für viele Fälle von Depression Placebos zu verschreiben. liege darin.81 Brown meinte. die Pillen bestünden aus einer pharmakologisch wirkungslosen Substanz. die geglaubt hatten. daß es sich um ein Leerpräparat handle. daß sie billiger seien als pharmakologisch aktive Substanzen oder Psychotherapie. der einem Patienten eine Placebo-Behandlung empfiehlt. das Placebo sei das wirksamste Präparat. daß Scheinpräparate bei vielen Depressiven genauso wirksam sein könnten wie Antidepressiva oder Psychotherapie. Unglaublicherweise hätten alle vierzehn Probanden .Im Jahr 1994 machte Brown in Neuropharmacology einen verblüffenden Vorschlag: Ärzte sollten erwägen. wenn sie wüßten. folgendermaßen vor: . Damit ein Placebo Wirkung zeige. die Pillen seien Placebos . fünf hatten das Scheinmittel nach Abschluß der Studien weiterhin einnehmen wollen.sogar diejenigen.

die Psychiater als gerissene. selbst aus. die die Leichtgläubigkeit ihrer Patienten ausnutzen«. wie sie wirken. Und obgleich ein Heilverfahren. daß sich Ihr Zustand mit dieser Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit bessern wird. die Form von Depression. Sie nehmen dabei eine dieser Pillen zweimal täglich ein. Diese Pillen enthalten keinen pharmakologischen Wirkstoff. ist in der Vergangenheit entweder mit Antidepressiva oder mit Psychotherapie. »Die Überzeugung. Psychiater an der Columbia-Universität. Wir wissen nicht genau. daß sich der Körper selbst heilen kann. Es gibt jedoch noch eine dritte Form der Behandlung. Diese beiden Behandlungsmethoden sind noch immer weithin üblich und stellen Optionen für Sie dar. um praktische Ärzte zu verteidigen. dessen Wirkungsmechanismus im dunkeln liegt. deren pharmakologische Wirkung nicht erwiesen sei. berechnende Manipulatoren ansehen. Auch sie hilft vielen Menschen mit Ihrer Erkrankung.180 .83 Einige Psychiater reagierten entsetzt auf Browns Vorschlag.Herr Jones. möglicherweise regen sie die Selbstheilungskräfte des Körpers an. behandelt worden. an der Sie leiden. Klage einreicht?«85 Ob es einem gefalle oder nicht. viele Menschen suchten sich bereits ihre Placebo-Behandlungen in Form von homöopathischen Präparaten und alternativen Heilmitteln. Wenn Sie sich nach sechs Wochen nicht besser fühlen. Donald Klein. monierte. die billiger für Sie ist und zudem weniger Nebenwirkungen erwarten läßt. Dieser Glaube wird durch die Verordnung einer Placebo-Behandlung bestätigt.84 Ein anderer Psychiater fragte: »Werden sich Kollegen erheben. können wir eine der anderen Therapien ausprobieren. zieht sich wie ein roter Faden durch die alternative Medizin. daß der Vorschlag »denen in die Hände arbeitet. wenn der erste mit Placebo behandelte Patient aus dem Fenster springt und sein Bruder. Wir wissen jedoch. antwortete Brown. all jenen ein . wie es Ihnen geht. um uns zu sagen. und zwar einer Gesprächstherapie. und außerdem kommen Sie alle zwei Wochen in die Praxis. ein Rechtsanwalt.

mag gerade dieses Geheimnis – und diese Magie . der sogenannte Gyrus cinguli. die auf andere Therapien nicht ansprechen. und sie müssen ihr Einverständnis mit der Zingulotomie erklärt haben. . Depressionen und sogar die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen zu behandeln. durchtrennt. Bei den Patienten müssen andere Behandlungsmethoden versagt haben.181 . wenn man die begrenzte Wirksamkeit sämtlicher psychiatrischer Behandlungsverfahren bedenke. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort behauptete der Wissenschaftshistoriker Jack Pressman. der das Stirnhirn. die rationale Therapien anstreben. um Zwangsstörungen.«86 Schon Jerome Frank hatte in Persuasion and Healing darauf hingewiesen. die Lobotomie sei lange nicht so übel wie ihr Ruf. Panikstörungen. das emotionale Reaktionen steuert. den Sitz der höheren kognitiven Funktionen.Greuel sein mag.für viele unserer Patienten nicht nur tolerierbar. benutzen Chirurgen eine Variante der Lobotomie. mit dem limbischen System verbindet. Die eine ist die Lobotomie. das der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität angeschlossen ist und das eine der renommiertesten Kliniken der Welt ist. Am Massachusetts General Hospital. daß bei manchen Patienten wissenschaftlich nicht gesicherte Therapien die besten Erfolge erzielten. Bei der Zingulotomie wird ein murmelgroßes Nervenbündel. manisch-depressive Erkrankungen. die sogenannte bilaterale stereotaktische Zingulotomie. Die Renaissance der Elektroschocktherapie Ein vielsagendes Symbol für die Grenzen der Wirksamkeit von Psychopharmaka ist das Fortbestehen zweier berüchtigter Behandlungsmethoden.87 Tatsächlich wird die Psychochirurgie gelegentlich noch immer bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen eingesetzt. sondern sogar verlockend sein.

»ist wissenschaftlich ebenso unzureichend abgesichert« wie die primitiveren Lobotomien. so Vertosick. Er nahm Anstoß daran. keine öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. so daß keine Löcher mehr in den Schädel gebohrt werden müssen. die sie in den Schädel gebohrt hatten. »behaupten manche. der 1997 in Discover erschien. Vertosick äußerte auch die Sorge. fügte er hinzu. Das zweite umstrittene Behandlungsverfahren. Der Einsatz der Zingulotomie. daß in die Bewertung der Wirksamkeit des Verfahrens ausschließlich das Urteil der Forscher und nicht das der Patienten eingeflossen sei. die Walter Freeman vor Jahrzehnten durchgeführt hatte. ebenso kritikwürdig ist. zerstören sie das Gewebe sehr viel schonender als bei älteren Methoden. insofern wir den Zustand der Patienten nicht bessern. sondern sie lediglich davon abhalten. daß die Art und Weise. Andererseits. Die Chirurgen verfolgten das Vordringen der Sonden an einem Kernspintomographen. Wenn mehrere Gammastrahlenbündel an einer Stelle innerhalb des Gehirns zusammentreffen. brachte der Neurochirurg Frank Vertosick seine zwiespältige Haltung zum Programm des Massachusetts General Hospital zum Ausdruck. daß sich bei einem Drittel von vierunddreißig Patienten nach einer Zingulotomie die Symptome gebessert hätten.88 Die Psychochirurgen am Massachusetts General Hospital haben versucht. was ihnen weitgehend gelungen ist (obgleich sie eine Web-site haben). daß die Psychochirurgie »nicht die Krankheit.Anfangs führten die Psychochirurgen computergelenkte Elektroden durch Löcher. ins Gehirn ein.182 . Doch in seinem Beitrag »Lobotomy's Back«. die Elektroden verkochen das Gewebe in ihrer unmittelbaren Nähe durch Stromstöße. sondern den Patienten in den Griff kriegen möchte«. wie wir gegenwärtig psychotrope Arzneimittel einsetzen. das sich . In jüngster Zeit hat die Gruppe am Massachusetts General Hospital dieses Gerät durch Gammastrahlenbündel ersetzt. Im Jahr 1996 berichtete die Gruppe in Neurosurgery. uns zu belästigen«.

daß keine einzige kontrollierte Studie nachgewiesen habe. den Ruf der Elektroschocktherapie wiederherzustellen. Als er Ende der siebziger Jahre mit der Erforschung der EST begann. stand: »Jetzt geht's mir schon besser. die an einer Anschlagtafel neben der Tür hing.90 Im Jahr 1990 befürwortete die American . Sackheim arbeitet am New York Psychiatrie Institute. der mit dazu beigetragen hat. elegant gekleideter Mann mit graumeliertem Schnurrbart und wachsamem Blick.ungeachtet der vermeintlichen Revolution in der Psychopharmakologie behauptet und sogar an Einfluß gewonnen hat. um ihr den Todesstoß zu versetzen. ist die Elektroschocktherapie. ein Psychologe an der Columbia-Universität. das mit dem Einsatz kurzwirkender Anästhetika verbunden ist«. Ein Mann im Arztkittel war aus einem Fenster geworfen worden und stürzte in den Tod.89 Als er mir eine Einführung in die Elektroschocktherapie (E ST) gab. »war die EST in Amerika so sehr in Verruf geraten. schien er ständig meine Reaktion auf seine Worte abzuschätzen . daß die meisten Menschen die EST. die von einer unsichtbaren Person innerhalb des Gebäudes stammte. »Soziologisch gesehen«.ims Büro fiel mir eine Karikatur auf. Das Risiko des Verfahrens »unterscheidet sich nicht von demjenigen. ist Harold Sackheim. daß eine andere Behandlungsform der EST im kurzfristigen Eingreifen bei schwerer Depression überlegen sei. »schrecklich« fänden. Unmittelbar vor Sackhe. wie er sich immer wieder ausdrückte. sagte er. Die Karikatur zeigte ein großes Gebäude. In einer Wortblase. Ein Forscher.zweifellos weil ihm bewußt war.« Sackheim ist ein schlanker.183 . daß nicht viel gefehlt hätte. an dem auch der Neurowissenschaftler Eric Kandel tätig ist.« Im Jahr 1985 veranstalteten die National Institutes of Health jedoch eine Konferenz zum Thema »EST« und gelangten zu dem Fazit. war ihr Ruf an einem Tiefpunkt angelangt. das die Aufschrift trug »Institut zur Erforschung von emotionalem Streß«.

Insbesondere in den Vereinigten Staaten.« Obgleich die EST »zu schwerem. von Mensch zu Mensch stark – um den Faktor fünfzig . daß man in zunehmendem Maße die negativen Nebenwirkungen von Medikamenten erkannt habe. Sackheim schätzte. die erforderlich ist. dessen Stärke allmählich gesteigert wird. um einen Krampfanfall auszulösen. die unter anderem von Sackheims Gruppe entwickelt wurden. sehr viel niedriger. wie man am Beispiel der Spätdyskinesie sehe. beginnt Sackheims Gruppe mit schwachem Strom. manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie. Großbritannien und Skandinavien erfreute sich die Elektroschocktherapie in den letzten zehn Jahren wachsender Beliebtheit. Aufgrund von Verbesserungen. daß jährlich etwa 100000 Patienten in den Vereinigten Staaten und eine Million Patienten weltweit mit dem Verfahren behandelt würden. So wie die Entwicklung von Psychopharmaka einst zum Niedergang der Schocktherapie beigetragen habe. führen kann«. fügte er hinzu. ausgedehntem Gedächtnisverlust. »Aber das löst keinen öffentlichen Aufschrei der Empörung aus. erholen sich Patienten zudem schneller von einer EST-Behandlung und leiden unter weniger Nebenwirkungen. so sei ihre Renaissance durch die Tatsache gefördert worden.91 Er und seine Kollegen haben gezeigt. als die Gegner der EST behauptet hätten. sagte Sackheim. der Jahre zurückreicht. Schließlich könnten Antipsychotika wie etwa Chlorpromazin Hirnschäden und bleibende Entstellungen verursachen. Zu seinen Patienten gehörten auch »Fernsehstars«. Um die optimale Dosis für jeden Patienten festzulegen.Psychiatric Association den Einsatz der Elektroschocktherapie zur Behandlung von Depression. meinte Sackheim. daß die Stromstärke. sei die Zahl der Patienten. die am Abend des Tages. meinte Sackheim. Die Anordnung der Elektroden kann von entscheidender Be.184 .schwankt. an dem sie behandelt wurden. am Broadway auftraten«. die von dieser Nebenwirkung betroffen seien. »Ich hatte Patienten.

« Diese Erklärung sei »vermutlich gegenwärtig die herrschende Theorie«.« . antwortete er. erhöht sich deren Anfallschwelle. die erforderlich sei. grinste er breit. Als ich Sackheim fragte. dem eine EST verabreicht wurde.185 . Sackheim verglich die Schockbehandlung mit dem Treten des Gaspedals eines Autos. Die EST übe eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn aus.92 Dann trug er mir das aktuelle »Kredo der Columbia-Universität« vor. nach der Behandlung nimmt die Aktivität der Nervenzellen ab. um bei einem Menschen Krampfanfälle auszulösen. Die paradox anmutende Erklärung lautet. die Schockbehandlung befriedige den unbewußten Wunsch von Patienten nach strenger Bestrafung. ebenso der Glukosestoffwechsel und die Durchblutung. der durch Schockbehandlungen ausgelöst wird. Wird Gehirn-RückenmarkFlüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) eines Säugetiers. »Gott weiß. wenn beide Hälften unter Strom gesetzt werden. der durch einen starken akuten Anfall gelindert werden könne. die auf ungefähr drei Wochen verteilt werden. Einige Psychoanalytiker hätten behauptet. Es gebe mindestens hundert solcher Theorien. einen Krampfanfall einzustellen. Seiner Auffassung nach sei die Depression ein milder Daueranfall. wodurch der im Leerlauf arbeitende Motoren zu schnell auf Touren gebracht werde. einige Patienten sprechen am besten an. sagte Sackheim. Außerdem nehme die Stromstärke.deutung sein. daß der Krampfanfall. andere. Die durchschnittliche Dauer einer Elektroschocktherapie umfaßt acht bis neun Behandlungssitzungen. innere Krampfschutzmechanismen des Gehirns aktiviere. »Wir lösen einen Krampfanfall aus. wenn der Strom nur auf eine Hälfte des Gehirns geleitet wird. um das Gehirn dazu zu bringen. ob sie richtig ist. fuhr Sackheim fort. von Sitzung zu Sitzung enorm zu. anderen Tieren gespritzt. ob es eine Theorie über den Wirkungsmechanismus der EST gebe. Die Therapie habe »nachhaltig krampfverhindernde Wirkungen«.

Technikern. einem Psychiater und zwei Medizinstudenten. der einen blaßgrünen OP-Kittel trug. In dem Film aus dem Jahr 1975 stellt sich Randall P. der einen weißen Arztkittel trug. einem Anästhesisten. meinte Sackman: »Das wird vermutlich ziemlich enttäuschend für Sie werden. um der Behandlung von Patienten im Psychiatrie Institute beizuwohnen. diesmal. . Mitch Nobler. geisteskrank.In der EST-Abteilung Einige Wochen nach meinem ersten Interview mit Sackheim hatte ich eine weitere Verabredung mit ihm. der von Jack Nicholson gespielt wird. McMurphy. die sich hier über die EST informieren wollten. einem adretten jungen Mann. schnallen dessen Kollegen den um sich schlagenden. Nachdem wir durch eine Tür mit der Aufschrift »ESTAbteilung« gegangen waren.186 . Nachdem er einen sadistischen Pfleger angegriffen hat. erwiderte er amüsiert. der vollgestopft war mit Computermonitoren.93 Als wir in einem Aufzug von seinem Büro nach unten in die Klinik fuhren. Sackheim sah den Film als Student bei seinem ersten Rendezvous mit seiner späteren Frau. um nicht ins Gefängnis zu kommen. anderen elektronischen Geräten und Menschen: Pflegepersonal. schreienden McMurphy auf einen Untersuchungstisch. ein älterer Herr.»Nicht wie in Einer flog übers Kuckucksnest?« fragte ich. wird er später durch eine Lobotomie in einen frechen Zombie mit ausdruckslosen Augen verwandelt. stand neben einer Untersuchungsliege und sprach leise mit dem Psychiater. gelangten wir in einen kleinen L-förmigen Raum. Der erste Patient. befestigen Elektroden an seinen Schläfen und verpassen ihm bei vollem Bewußtsein eine Schockbehandlung. Obgleich McMurphy diese Behandlung ohne Beeinträchtigung seiner mentalen Fähigkeiten übersteht. er wird statt dessen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. »Nein«.« .

Man hörte ein kurzes Brummen. sein Rücken krümmte sich leicht. Der Körper des Patienten wurde starr. wie ihm jemand Fragen stellte. Als Sackheim zu mir zurückkam. die Patienten wachten heute binnen Minuten aus der Narkose auf. Ich hörte. Sie sei ins Institute aufgenommen wor. in eine Armvene des Mannes. Innerhalb von Sekunden schloß er die Augen. wie mir Sackheim mitteilte . Sackheim erklärte mir.legte sich auf die Liege. und er zitterte. und seine Muskulatur erschlaffte. Nobler. ergriff ein Gerät. daß die Frau. Sackheim ging zu dem Patienten und begrüßte ihn herzlich. undeutlicher Stimme antwortete. stationär behandelt werde. worauf dieser nickte. zeigte sanfte Wellen. Eine Pflegerin schob den Mann auf der Liege in einen angrenzenden Raum. Eine Krankenschwester breitete eine weiße Decke über ihn und schob einen Gummikeil in seinen Mund. wie es bei älteren Betäubungsmitteln üblich war. Der Anästhesist stach eine Nadel. die ebenfalls einen OP-Kittel trug. Der Krampfanfall dauerte achtunddreißig Sekunden und endete dann abrupt. der Psychiater. Innerhalb von Minuten stöhnte und bewegte sich der Mann auf der Untersuchungsliege. Unterdessen schob ein anderer Pfleger eine weitere Liege in den Behandlungsraum. anders als der ältere Mann. der ein ambulanter Patient sei und bald nach Hause gehen könne. ihm folgte eine kleine Frau mit kurzem braunem Haar. das einem Fahrradlenker glich und an einem Ende eine Metallscheibe aufwies. Sie legte sich auf die Liege.Der Patient . nicht mehr. der aus einem Elektroenzephalographen herauskam. erst nach Stunden. Sackheim redete ihr freundlich zu. Die Pieptöne eines Elektrokardiographen beschleunigten sich. auf die er mit leiser. die mit einem intravenösen Arzneimittelzuführsystem verbunden war. die in spitze Zackenkurven übergingen.ein Naturwissenschaftler. und hielt sie an die Schläfe des Patienten. während ein Techniker sie auf die Behandlung vorbereitete. Der Papierstreifen. in dem sich die Patienten erholen.187 . sagte er mir.

daß sich viele Patienten vor den ersten Behandlungen fürchteten. nahm ihr Gesicht einen immer angsterfüllteren Ausdruck an. bevor Sackheim und ich eingetroffen waren. Als der Assistent die Schläfen der Frau mit einem elektrisch leitenden Gel einrieb. ob er wisse. saß auf seiner Liege und füllte einen Fragebogen aus. Ihre Zunge hing leicht aus ihrem halb geöffneten Mund heraus. Hinter einem Vorhang lag ein Patient. mit dem seine kognitiven Funktionen überprüft werden sollten. die gerade behandelt worden war. der ältere Herr. Sackheim. der aus dem Leintuch hervorschaute. lag in einer halbfötalen Haltung auf der Seite. Sie drehte sich auf die Seite. Ein paar Minuten später ging Sackheim zu ihr und sagte mit lauter Stimme: »Guten Morgen!« Sie reagierte nicht. Wieder hörte ich ein Brummen. flüsterte er mir zu. Eine Krankenschwester fragte die Patientin: »Können Sie mir Ihren Familiennamen sagen?« Die Frau murmelte ihren Vornamen.188 . ob die Behandlung schon begonnen habe. Die Frau. der neben mir stand. deutete er auf das untere Ende der Liege. während eine Krankenschwester mit sanfter Stimme zu ihr sprach.) Nachdem die Frau in Narkose versetzt worden war. Sackheim nahm mich mit in den Aufwachraum. doch anders als der Patient vor ihr schien die Frau reglos dazuliegen. Der große Zeh der Frau. doch ihre Furcht lege sich mit der Zeit. sagte mir. Ihre Augen blieben geschlossen.den. hielt der Psychiater zwei Elektroden an ihre Schläfen. daß man ihn nur verschwommen sehen konnte. Als ich Sackheim fragte. der bereits behandelt worden war. Dies war die zweite Behandlung für die Frau. Die Schwester schob sie aus dem Zimmer. Als ihn ein Techniker fragte. stammelte der Patient hinter dem Vorhang unzusammenhängende . Der erste Patient. (Für den älteren Herrn war es das sechste Mal gewesen. vibrierte so schnell. Der Krampfanfall dauerte zweiundvierzig Sekunden. wo er sich befinde. nachdem sie mehrfach »schwere impulsive Suizidtendenzen« gezeigt habe.

den er behandele.« Es gibt auch große Unterschiede in den Erfolgen. höher als bei sämtlichen anderen Behandlungsmethoden«. entschiede ich mich für die EST«.Worte. antwortete er. die Patienten benötigten. und siebenundachtzig Prozent derjenigen. die an Depression leide. hätten eine anfängliche Besserungsrate von nur fünfzig bis sechzig Prozent. fragte ich Sackheim. »Überhaupt nicht«. Ein entscheidender prognostischer Faktor für den Erfolg seien die zurückliegenden Erfahrungen eines Patienten mit Antidepressiva. den Kopf schüttelnd. von meinem Team behandelt zu werden«. die EST einer ihm nahestehenden Person. sagte er. die immer auf Antidepressiva ansprachen. wie sie verabreicht wird. zu verordnen. daß es zu einer Besserung kommt. um sich von einer Behandlung zu erholen. »Einerseits ist die Wahrscheinlichkeit. »andererseits ist die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden geringer. erlitten innerhalb eines Jahres. sagte Sackheim. ob er Bedenken hätte.« Er zündete sich eine Pfeife an und paffte nachdenklich daran. »Wenn ich selbst an einer schweren Depression erkrankte. fügte er hinzu. Als wir später vor dem Eingang des Psychiatrie Institute standen. Es gebe eine enorme Bandbreite in der Zeit. Natürlich entschließen sich die meisten Patienten erst dann zu Schockbehandlungen. »denn wie bei allen medizinischen Behandlungen gibt es auch hier große Unterschiede in der Art und Weise. die verschiedene Gruppen erzielen. antwortete er auf der Stelle. Diese Patienten. die von über fünfundachtzig bis zu unter vierzig Prozent reichten. wenn sich Psychopharmaka bei ihnen als wirkungslos erwiesen haben. In Fachzeitschriften wurde über Erfolgsraten berichtet. eine Besserungsrate von sechsundachtzig Prozent erreicht. sagte er.94 Als ich Sackheim nach seinen Erfolgen fragte.189 . dies schwanke mit dem Typus von Patienten. »Ich würde mir wünschen. die sich besser fühlten. meistens . sagte Sackheim. Sackheim hat bei Patienten.

der Elektroschocktherapie übertrieben angepriesen werde. Mit anderen Worten. daß biologische Therapien manchen Menschen zu gewissen Zeitpunkten helfen können. sie unterzögen sich weiteren Schockbehandlungen oder sprächen doch noch auf Antidepressiva an. die sich eine Linderung ihrer Beschwerden wünschen. wenn sie Alternativen in der Behandlungsmethode haben. in viel geringerem Maße. bei weniger als acht von hundert typischen EST-Patienten besserte sich der psychische Zustand dauerhaft. die es zu beseitigen gelte. besser dran. Wie viele andere Menschen habe ich auch schon einmal eine depressive Phase durchlebt.190 . der Bücher wie Toxic Psychiatry und Talking Back to Prozac geschrieben hat . Ich teile Breggins Bedenken. Zudem sind Menschen.keine dieser Alternativen vollkommen ist.am prononciertesten der Psychiater Peter Breggin. daß ihr Nutzen empirisch nicht belegt ist und wir nichts über die negativen Langzeitwirkungen wissen. daß der Nutzen von Medikamenten und. daß die Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder nicht zu rechtfertigende Ausmaße angenommen hat.oder gerade wenn . einen Rückfall – es sei denn. selbst wenn .selbst wenn sie in der wohl fortschrittlichsten Schocktherapieklinik der Welt behandelt wurden.sogar binnen vier Monaten. was übrigens in gleicher Weise für die Gesprächstherapie gilt (auch wenn sich die Wirksamkeit weitgehend mit dem Placebo-Effekt erklären läßt). insbesondere wenn man bedenkt. Dieser Ansicht bin ich nicht. In meinem letzten Jahr auf .haben die Psychopharmaka und die Elektroschocktherapie als Übel dargestellt. ohne daß ein erneuter Eingriff erforderlich war . Zur Verteidigung der EST und anderem Mehrere Kritiker .95 Doch anders als Breggin glaube ich. Ich stimme ihm auch darin zu.

sehe ich anders aus als sonst. Ich war mir auf qualvolle Weise des Verstreichens der Zeit bewußt. für die ich sorgen muß. was vermutlich besser gewesen wäre. Während dieser Depression suchte ich keine ärztliche Hilfe. Wenn sie nicht anschlügen und mein Zustand sich verschlechterte. Meine Schwermut schien buchstäblich und unablässig auf meiner Brust zu lasten.Essen.in meinem Fall reichliche Mengen an Alkohol und Medikamenten. riefe ich vielleicht den Elektroschockspezialisten Harold Sackheim an. Sekunde um trübselige Sekunde. mit der ich ein Verhältnis gehabt hatte. Aber ich weiß genau.dem College beendete eine Frau. Ich . wenn ich jemals wieder in eine Depression verfallen sollte. und er schien physiologische Abhilfsmaßnahmen zu erfordern . ich habe heute eine Familie. und mein Blick wirkt zerstreut. was ich nach Abschluß des Colleges aus meinem Leben machen solle. Er begann nach dem Scheitern einer Liebesbeziehung und hörte auf. Da ich überzeugt davon bin. unsere Beziehung. In dieser Zeit fragte ich mich bereits bangevoll. als ich meine künftige Frau kennenlernte und mich in sie verliebte. nahm schon bald einen pathologischen Charakter an. Aber er war nicht rein körperlicher Natur. ähnlich wie eine Grippe. hoffnungsvoll zu sein. Auf Fotos. All die kleinen Freuden des Alltags . Bücher. Mein Zustand manifestierte sich körperlich. Meine Gesichtsmuskeln sind schlaff. Ich würde es vermutlich zunächst mit einer Psychotherapie und dann mit Antidepressiva probieren. Gespräche vermochten mich nicht aus meiner morbiden Selbstversunkenheit herauszureißen. Dies trifft auf meine Erfahrung zu. setzte ich alles daran. die in dieser Zeit entstanden sind. daß ich Hilfe suchen würde.191 . Was als eine gewöhnliche Niedergeschlagenheit und Selbstkritik begann. daß irgend jemand die Depression einmal als einen Zustand »übersteigerter Aufmerksamkeit« beschrieb. Sport. Ich erinnere mich daran. Kino. daß Hoffnung allein heilen kann.

und die Sichtung der Originaldaten ergab. daß die Gene für die Wahrnehmung von schmutzigen Tellern. die Genforschung habe einen »neuen biologischen Materialismus«96 geschürt. weil unser Glaube daran einfach unverrückbar geprägt ist.und nicht durch Erfahrungen . daß sie billiger als eine Psychotherapie sind (auch wenn dies von einigen Psychologen bestritten wird) und daß mächtige Pharmakonzerne unentwegt die Werbetrommel für sie rühren. »Wenn wir lachen. Ich würde versuchen zu vergessen. ohne medizinischen Eingriff vorübergehen. daß bei den Analysen un. Doch der Übergang von psychologischen Therapien seelischer Störungen zu physiologischen Ansätzen wurde auch durch eine Flut von Berichten gefördert. daß die meisten Menschen. innerhalb von vier Monaten einen Rückfall erleiden. daß viele Fälle gewöhnlicher Depression. Mindestens dreimal wurden in den vergangenen Jahren die Gene für diese Krankheiten verantwortlich gemacht. das Fragen nach dem Weg und für Verpflichtungen in Beziehungen auf dem Y-Chromosom fehlen oder daß das Gen für das ständige Umschalten von einem Programm zum anderen mit der TV-Fernbedienung nur dort existiert. wie meine. dann unter der Voraussetzung. Wie aber läßt sich angesichts der Grenzen physiologischer Behandlungsmethoden deren weite Verbreitung erklären? Ausschlaggebend ist wohl die Tatsache.hielte mir immer wieder vor Augen. Peter Kramer behauptete in Glück auf Rezept.geprägt sei. Jedesmal war es unmöglich. daß dieser neue genetische Determinismus. auf schwachen Füßen stehe: Es ist sehr aufschlußreich. die sich wegen ihrer Depression einer Schockbehandlung unterziehen.«97 Kramer wies darauf hin. die Herleitungen der Studien nachzuvollziehen.192 . die Geschichte der wissenschaftlichen Ansichten über die Vererbbarkeit von solchen Störungen wie manisch-depressiven Krankheiten und Alkoholismus zu verfolgen. nach denen die menschliche Psyche vor allem durch Gene . wissenschaftlich gesehen.

diese Störungen seien vererbbar.genau und oberflächlich gearbeitet worden war.193 . Meiner Ansicht nach führte jeder dieser vergeblichen Versuche. nachzuweisen. . dazu. wenn man Kramers eigene Übertreibungen der Vorteile von Fluctin bedenkt. Andererseits hat Kramer vollkommen recht. daß Störungen auf genetische Ursachen zurückzuführen seien. die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse rechtfertigen in keiner Weise die wachsende Überzeugung von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit. daß sich paradoxerweise sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der öffentlichen Meinung die Überzeugung verstärkt.98 Dies ist ein ziemlich unverfrorenes Beispiel für das Sprichwort »Ein Esel schilt den anderen Langohr«. Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung der menschlichen Psyche.

Schnödipus. erwähnte. Er und seine Frau . GEN-MAGIE Ödipus. Ihr Gynäkologe hatte ihr geraten. in jüngster Zeit haben Forscher versucht. die spezifischen Gene aufzuspüren.194 . daß sich meine Frau einer Amniozentese unterziehen werde. den relativen Beitrag von Anlage und Umwelt zur menschlichen Persönlichkeit zu ermitteln. daß wir dank der Wissenschaft kein Kind mit Down-Syndrom. Spina bifida oder anderen Erkrankungen. die von jeher ein erhöhtes Risiko tragen. wurde meine Frau Suzie. das Ungeborene auf genetische Defekte untersuchen zu lassen. Der Fehler.2 Diese erbliche neurologische Erkrankung führt bei den davon betroffenen Kindern zu Lähmungen und nach meist furchtbaren Leiden zum Tod vor Vollendung des fünften Lebensjahres. mit unserem ersten Kind schwanger. die komplexen Merkmalen und Erkrankungen. Als ich mich in die Verhaltensgenetik einzuarbeiten begann. wie etwa Schizophrenie. sagte er mir. am Tay-Sachs-Syndrom zu erkranken. daß das Tay-Sachs-Syn. Als ich gegenüber einem Freund. daß ein pränataler Test sein Leben nachhaltig verändert habe. lieber Sigmund. Wir waren froh darüber. Das Vererbungsmuster deutet darauf hin. die sich während der Schwangerschaft nachweisen lassen. Ich sammelte damals Informationen für einen Artikel über die aufstrebende Verhaltensgenetik. zugrunde liegen.stammen von aschkenasischen Juden ab. ebenfalls ein Wissenschaftsjournalist. Schlagzeile in der Time1 I m Winter 1993 verschränkten sich meine privaten und beruflichen Interessen auf beunruhigende Weise. haben würden. sexueller Orientierung und hoher Intelligenz.ich nenne sie Larry und Joan .5. liegt vermutlich in unseren Genen. Durch Studien an Zwillingen und sonstigen verwandten Individuen bemühten sich Verhaltensgenetiker seit langem. die damals Mitte Dreißig war.

Die Anwendung genetischer Erkenntnisse ersparte meinem Freund und seiner Frau . andernfalls bleibt es wirkungslos. als sie schwanger wurde. ließen sie sich testen und erfuhren. Bei ihrer nächsten Schwangerschaft war das Testergebnis negativ. sie könnten die Gene aufspüren. die nicht nur für relativ einfache Erbkrankheiten wie Tay-SachsSyndrom. mit denen Träger des Tay-Sachs-Gens identifiziert werden konnten. schien die Verhaltensgenetik noch viel weitergehende Segnungen zu verheißen. sich auf die Erkrankung testen zu lassen. Muskeldystrophie und Mukoviszidose verantwortlich sind. ergab. den Joan machte.195 . Forscher behaupteten. Der Test. In den siebziger Jahren entwickelten Wissenschaftler Tests.unsägliches Leid. Chorea Huntington. Larry und Joan haben heute zwei gesunde Kinder. Als meine Frau schwanger wurde. daß irgend jemand.drom durch ein rezessives Gen verursacht wird. sondern auch für komplexere und verbreitetere Leiden wie Schizophrenie. Als bei Larry und Joan der Kinderwunsch konkrete Formen annahm.sowie ihrem ungeborenen Kind . Ich kann mir nicht vorstellen. manisch-depres. an diesem wissenschaftlichen Fortschritt etwas Nachteiliges finden kann. jedes ihrer Kinder würde das Tay-Sachs-Gen mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent von beiden Elternteilen erben und die Krankheit entwickeln. einmal abgesehen vielleicht von den erbittertsten Gegnern der Abtreibung. Der Test auf das Tay-Sachs-Syndrom ist meines Erachtens ein uneingeschränkter wissenschaftlicher Erfolg. Jüdische Organisationen ermunterten jüdische Ehepaare. er wurde abgetrieben. wenn die Nachkommen es sowohl vom Vater als auch von der Mutter erben. Das Gen wird nur dann ausgeprägt. Das gleiche gilt für Tausende anderer Familien. daß sie beide Träger des rezessiven Gens sind. daß der Fötus beide Gene geerbt hatte. in deren Familien das Tay-SachsSyndrom in der Vergangenheit bereits aufgetreten war. insbesondere solche.

Letzten Endes. sondern auch zu besseren und sogar kurativen Behandlungen führen. würden diese genetischen Erkenntnisse nicht nur die Pränataldiagnostik erweitern. an. nur eines) »ein besonders hohes Risiko für asoziales. Als Beweis führte er den Fall eines Mannes mit doppeltem Y-Chromosom in Rochester. Doch bald verlor die Verhaltensgenetik für mich ihren Nimbus. ob Ihr Kind ein Massenmörder wird!« verkündete der Ansager. daß Männer. Mich störte besonders die Diskrepanz zwischen den bescheidenen Ergebnissen dieser Disziplin und der prahlerischen Rhetorik. der trotz einer normalen Kindheit später zu einem Massenmörder geworden sei. mit der sie gerühmt wurde.196 . kurz vor der ersten Ultraschalluntersuchung meiner Frau. Phil Donahue. Donahue faßte in feierlichem Ton die Bedeutung dieses Falles zusammen: »Es ist weder hysterisch noch übertrieben. gerade einen Psychiater vor. stellte der Gastgeber. hörte ich mit Bestürzung die Vorankündigung für die nächste Folge der Talkshow Donahue. Als ich eines Morgens. Dieser wies warnend darauf hin.sive Erkrankung und sogar Alkoholismus. New York. zu denen Aggressivität. Kurz vor der Ausstrahlung seiner Show hatte die National . der sich als Experte für Genetik ausgab. so hofften die Wissenschaftler. daß wir uns dem Zeitpunkt nähern. »Wie Sie herausfinden.« Donahues Aussagen waren hysterisch und überzogen.3 Als ich die Sendung einschaltete. Fernsehen schaute. die von ihren Vätern zwei Y-Chromosomen erbten (statt. zu behaupten. sondern auch die entsprechenden Anlagen für psychische Störungen. bevor er gefaßt werden konnte. gewalttätiges Verhalten« trügen. an dem wir nicht nur die genetischen Anlagen für zahlreiche organische Erkrankungen identifizieren beziehungsweise diagnostizieren können. wie im Normalfall. asoziales Verhalten und potentielle schwere Straffälligkeit im späteren Leben gehören. er habe mindestens elf Frauen und zwei Kinder sexuell mißbraucht und erwürgt.

sagte einem Reporter der Time: »Einst glaubten wir. Beim Gastgeber einer Talkshow ist man auf Sensationslust gefaßt. Eine Quelle solcher Grandiositätsphantasien ist das Humangenomprojekt. Die Forscher stellten die These auf. bezeichnete das Projekt als »endgültige Antwort auf das Gebot ›Erkenne dich selbst‹«5. unser Schicksal stehe in den Gestirnen. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und ehemalige Direktor des Humangenomprojekts. .197 . doch während der letzten zehn Jahre haben sich einige führende Naturwissenschaftler einer ähnlich verstiegenen Rhetorik bedient. Es wird sowohl von der US-amerikanischen Regierung als auch von der Privatwirtschaft finanziert. der zu dem Schluß kam. die in den sechziger Jahren durchgeführt worden waren und zu dem Ergebnis kamen. Anschließende Studien an Nichtgefangenen ergaben jedoch. aber keine besondere Neigung zur Gewalttätigkeit zeigten.«6 Der Biologe Daniel Koshland erklärte während seiner Zeit als Herausgeber der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Science. daß es keine signifikante Korrelation zwischen dem Doppel-Y-Syndrom und Gewalttätigkeit gebe. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom unter den Insassen von Gefängnissen und Nervenheilanstalten überrepräsentiert seien. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom zwar überdurchschnittlich groß und leicht unterdurchschnittlich intelligent seien. James Watson. Heute wissen wir. daß unser Schicksal weitgehend in unseren Genen liegt. Jungen mit einem überzähligen Y-Chromosom würden später zu ungewöhnlich aggressiven »Supermännern«.4 Die vorgebliche Korrelation ging auf britische Studien zurück. Ende der achtziger Jahre ins Leben gerufen. Walter Gilbert. Genetiker und Nobelpreisträger von der Harvard-Universität.Academy of Science einen Bericht über Gewalttätigkeit veröffentlicht. kartieren. soll dieses Projekt sämtliche etwa hunderttausend Gene. aus denen das Erbgut des Menschen besteht.

gewalttätiger Aggressivität. mit der sich die Medien auf Entdeckungen nach dem Muster »ein Gen für was auch immer« stürzten. und die damit verbundenen philosophischen und gesellschaftlichen Fragen sind spannend. Autismus und andere Krankheiten ihrer Kinder verantwortlich machten . Autismus. Neugierverhalten.die im allgemeinen die Eltern und insbesondere die Mütter für Schizophrenie. Impulsivität. saisonaler affektiver Psychose. Einige Kritiker haben hinter der Gier.7 In den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler spezifische Gene mit manisch-depressiver Erkrankung. daß freudianische Theorien der Psychose .unnötigerweise . die wissenschaftlichen Hintergründe sind relativ leicht zu verstehen. Sie weisen darauf hin. Alkoholismus. Schizophrenie. der Eugenik und anderen abstoßenden Ideologien verbunden. einen besorgniserregenden Ruck nach rechts gewittert.8 Doch Tatsache ist. Extraversion. war einst mit dem Sozialdarwinismus. hoher Intelligenz.198 . Obdachlosigkeit und Gewaltkriminalität helfen. Daher nehmen die Ankündigungen auch kein Ende. männlicher Homosexualität. die genetische Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen zu erforschen. Introversion.das Humangenomprojekt könne uns vielleicht bei der Lösung offenbar so schwer in den Griff zu bekommender gesellschaftlicher Probleme wie Drogenmißbrauch. Dies ist es bis zu einem gewissen Grad noch immer. Zwangsstörung. pathologischer Spielsucht. Magersucht und mit praktisch allen erdenklichen anderen menschlichen Merkmalen und Leiden in Verbindung gebracht. daß diese Befunde klassische Beispiele für die von Wissenschaftspublizisten so genannte Super-Story sind. Angst. dem Nazismus. Heroinabhängigkeit. Zudem hat sich die politische Basis der Verhaltensgenetik verbreitert. Melancholie. sozialer Kompetenz. Das Bestreben. Doch die Verhaltensgenetik wird nunmehr von Interessenvertretern der psychisch Kranken unterstützt. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

Obgleich Phillips einräumte. In einem Essay. wenn sie nachweislich genetisch bedingt sei und nicht länger als Produkt eines willentlichen Entschlusses angesehen werde. beteuerte er. Der Psychoanalyse »steht es nicht an. daß die behaupteten Verknüpfungen zwischen einzelnen Genen und spezifischen. Genetische Erklärungen für psychische Erkrankungen beseitigen dieses Problem. Einige schwule Aktivisten unterstützen ebenfalls die Erforschung der genetischen Grundlagen der Homosexualität. daß diese Berichte vermutlich stimmten. komplexen Verhaltensmerkmalen und Erkrankungen in keinem einzigen Fall zweifelsfrei bestätigt worden sind. wenn er darauf verwiese. die an stärker psychologisch ausgerichteten Modellen der Psyche festhalten. und sie stellen bessere Diagnosen und Behandlungen in Aussicht. die Gesellschaft werde der Homosexualität toleranter gegenüberstehen. Aber sie kann die emotionalen Auswirkungen der ›Akte‹ der Genetik auf das Individuum beurteilen. der 1996 in der New York Times erschien. unsere Ängste vor der Genforschung zu bewältigen. Andere. die Genetik zu verwerfen.das Leid von Eltern mit psychisch gestörten Kindern noch verschlimmert haben. die Psychoanalyse könne uns dabei helfen. sie hoffen. .199 . apathischen Patienten fragt: »Welches Gefühl hat dieser Artikel über das Neurose-Gen in Ihnen ausgelöst?« Phillips würde seinem ängstlichen Patienten vermutlich mehr helfen. möchten sich mit dem bestimmenden Einfluß des genetischen Paradigmas arrangieren. stellte ich mir vor. versuchte der Kinderpsychoanalytiker Adam Phillips Berichten über ein Gen für Neurose und andere Merkmale etwas Positives abzugewinnen. wie Phillips seinen unglücklichen.«9 Als ich diesen Aufsatz las.

Er bezeichnete dieses Programm später als Eugenik. In einem Artikel mit dem Titel »Hereditary Talent and Breeding« forderte er die Menschheit auf. »Schwachsinn« und »Armut« nachgewiesen zu haben. Haut.noch immer eine hervorragende biologische Forschungsanstalt .200 . sei ein ererbtes Merkmal. die im neunzehnten Jahrhundert von Francis Galton.Die Minnesota-Zwillinge Die Verhaltensgenetik geht auf Zwillingsstudien zurück. Nachdem Galton sowohl eineiige als auch zweieiige Zwillinge untersucht hatte. das sich aus den Untermerkmalen Thalassophilie (Liebe zum Meer) und Hyperkinese (Fernweh) zusammensetze. In zahlreichen Publikationen nahm Davenport für sich in Anspruch. nach dem griechischen Wort für »wohlgeboren«. einem britischen Universalgelehrten und entfernten Verwandten von Charles Darwin.und das Eugenics Record Office. Ab den zwanziger Jahren förderte die von Davenport und anderen gegründete American Eugenics Society sogenannte »Tauglichkeitswettbewerbe für Familien« auf Landwirtschafts. die Fähigkeit. daß »die Natur einen ungleich stärkeren Einfluß ausübt als die Umwelt«. die Erblichkeit nicht nur der Augen-. ein Marineoffizier zu werden. durchgeführt wurden. ihre Rasse durch ein Programm der Auslesezüchtung zu verbessern. sondern auch von Delinquenz. daß dieses Merkmal nur Männern eigne. Die geringe Zahl weiblicher Marineoffiziere erklärte Davenport damit. das Informationen über Tausende von Familien sammelte.und Haarfarbe. gelangte er zu dem Schluß.10 Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gründete er das Cold Spring Harbor Laboratory . In einer 1919 erschienenen Monographie behauptete er. Einer der ersten und energischsten Befürworter der Eugenik war der amerikanische Genetiker Charles Davenport. um die Vererbung von Merkmalen zu verfolgen.

201 . Weniger amüsant war die Tatsache. Ähnliche Maßnahmen wurden in Kanada und Europa beschlossen. während gleichzeitig nichtgenetische Paradigmen wie etwa die Psychoanalyse Auftrieb erhielten. allein in Schweden waren zwischen 1935 und 1976 sechzigtausend Frauen von dieser Maßnahme betroffen.11 Auch wurden weitere Zwillingsstudien und andere Untersuchungen der genetischen Grundlagen des menschlichen Temperaments und Verhaltens durchgeführt. Doch bis Ende der siebziger Jahre wurden in den Vereinigten Staaten. Tatsächlich haben die Medien keinen anderen Forschungen in der Verhaltensgenetik . Kanada und mehreren skandinavischen Ländern Frauen und Männer.schauen in allen amerikanischen Bundesstaaten. die unerwünschten Personen zu sterilisieren. Obgleich Zwillingsstudien nicht mehr dem Stand der Wissenschaft in der Verhaltensgenetik entsprechen . die Einwanderung von Angehörigen genetisch »unerwünschter« Rassen zu beschränken. daß Eugeniker entscheidenden Anteil daran hatten. bei denen man einen genetischen Defekt vermutete. welche Gene welche Verhaltensweise beeinflussen -. stoßen sie noch immer auf eine unverhältnismäßig starke Resonanz in der Öffentlichkeit. schwand die Unterstützung für Eugenikprogramme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern. Die Nazi-Eugeniker begnügten sich nicht damit.da man mit ihnen nicht herausfinden kann. Keine andere Nation betrieb die Eugenik jedoch mit solch unerbittlicher Konsequenz wie Nazi-Deutschland. Dabei kürten Preisrichter menschliche Wettkampfteilnehmer nach den gleichen Kriterien wie Zuchtvieh. daß in über zwanzig US-amerikanischen Bundesstaaten die Sterilisation von Männern und Frauen in Gefängnissen und Nervenheilanstalten zugelassen wurde. zwangssterilisiert. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nazi-Greuel allgemein bekannt wurden. und sie bedrängten die Bundesregierung. vielmehr praktizierten sie bei geistig und körperlich Behinderten auch Euthanasie (»schöner Tod«).

Die Forscher nahmen an. als der Psychologe Thomas Bouchard von der Universität von Minnesota einen Zeitungsartikel über eineiige männliche Zwillinge las. Sie hatten ihre erstgeborenen Söhne auf den Namen James Alan beziehungsweise James Allen getauft. James Springer hatte eine Frau namens Linda geheiratet. Jeder besaß einen Hund names Toy. ob sie bereit seien. Beide Männer waren von ihren Adoptiveltern James genannt worden. daß er sich mit Springer und Lewis in Verbindung setzte und sie fragte. weil sie von derselben befruchteten Eizelle [Zygote] abstammen.) Die Studien begannen im Jahr 1979.12 (Eineiige Zwillinge werden deshalb so genannt. sich von ihm untersuchen zu lassen. Ähnlichkeiten schrieben sie hingegen den Genen zu. die sozusagen ein natürliches Experiment über die relativen Beiträge von Anlage und Umwelt zur Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Sie erklärten sich einverstanden und gaben damit den Anstoß zum Minnesota-Zwillingsprojekt. James Lewis hatte das gleiche getan.mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Studien an eineiigen Zwillingen. Den Schwerpunkt des Projektes bildeten jedoch getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge. Die genetische Komponente eines bestimmten Merkmals wird mit dem Begriff Erblichkeitsgrad (Heritabilität) bezeichnet. Der Erblichkeitsgrad bezieht sich nicht auf Individuen. sich von ihr scheiden lassen und anschließend eine Frau namens Betty geheiratet. unter denen auch zusammen aufgewachsene eineiige und zweieiige Zwillinge sind. Bouchard erstellte im Lauf der Zeit eine Datenbank über mehr als achttausend Zwillingspaare. daß Unterschiede zwischen erbgleichen Zwillingen durch die Umwelt verursacht werden.202 . Die Übereinstimmungen zwischen den beiden Männern waren verblüffend. Der Artikel beeindruckte Bouchard so nachhaltig. die an der Universität von Minnesota durchgeführt wurden. . die unmittelbar nach ihrer Geburt getrennt worden waren und sich vor kurzem erstmals wiedergesehen hatten.

Berufs.und Freizeitinteressen sowie soziale Einstellungen messen. Die übrigen zehn Prozent werden durch Ernährung und andere Umweltfaktoren erklärt. Die Gruppe um Bouchard sagte im Grunde genommen. Die Umwelt spielt . gelangten Bouchard und seine Kollegen zu einem Grad über siebzig Prozent. Die Gruppe faßte ihre Ergebnisse 1990 in einem Aufsatz in Science zusammen: »Bei zahlreichen Testskalen. daß neunzig Prozent der Varianz der Körpergröße in einer bestimmten Population durch die genetische Varianz bedingt ist. Auch bei ausgesprochen kulturell definierten Merkmalen wie Religiosität. die Persönlichkeit und Temperament. daß sich elterliche und schulische Erziehung sowie andere Umweltfaktoren nur geringfügig auf unsere Persönlichkeitsmerkmale auswirkten. als daß sich in der sozialen Schichtung. eher genetische als umweltbedingte Faktoren widerspiegeln. eine starke genetische Komponente. bedeutet. Die Tatsache. sind die Übereinstimmungen zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen etwa genauso groß wie die zwischen zusammen aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Die Forscher fanden bei praktisch allen Merkmalen. daß die Körpergröße zu neunzig Prozent erblich determiniert wird.«13 Dies ist eine der beunruhigendsten Behauptungen.sondern auf Populationen. die sie untersuchten. Während die meisten anderen Forscher den Erblichkeitsgrad der Intelligenz mit fünfzig Prozent veranschlagten.203 . politische Einstellung (konservativ oder liberal). Im Jahr 1990 hatte die Gruppe um Bouchard über fünfzig eineiige Zwillingspaare untersucht. wie sie etwa in den Vereinigten Staaten anzutreffen ist. berufliche Zufriedenheit. Freizeitinteressen und Scheidungsneigung stießen sie auf einen hohen Beitrag der Gene. die unmittelbar nach der Geburt getrennt worden waren und in verschiedenen Elternhäusern aufwuchsen. die ich jemals in einem sachverständig begutachteten Fachaufsatz gelesen habe. Daraus folgte aber nichts Geringeres.

Beide trugen angeblich Hemden mit Schulterklappen.eigentlich keine Rolle. der in der Tschechoslowakei als Nazi erzogen worden war. empirisch glaubhaft untermauert. Leute in Aufzügen und an anderen Orten. Auf die Gene kommt es an. weitgehend anhand von Zwillingsstudien. Die Zwillinge Jerry Levey und Mark Newman waren beide Feuerwehrmänner geworden und liebten Budweiser-Bier. haben sie sich weniger auf die nüchternen Schätzwerte des Erblichkeitsgrades in der Studie von Bouchard bezogen als vielmehr auf die bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Diese Schlußfolgerung wurde in dem 1997 erschienenen Buch Twins des Journalisten Lawrence Wright (der zuvor ein ausgezeichnetes Buch über die erinnerungsaufdeckende Therapie geschrieben hatte) gezogen. Wie die Fallgeschichten Freuds dienen diese Berichte über getrennt aufgewachsene Zwillinge als Instrumente suggestiver rhetorischer Überzeugung.204 . die Hypothese. Neben den James-Brüdern waren da noch die »kichernden« Schwestern. insofern scheint unser Leben prädeterminiert zu sein . »Die Wissenschaft der Verhaltensgenetik hat. ihnen kommt in diesem Sinne .«14 Als Wrigt und andere Journalisten diese Behauptung aufstellten. Beide Schwestern kicherten unentwegt und trugen sieben Ringe. schon vor der Benutzung der Toilette die Spülung zu betätigen. durch absichtliches Niesen zu erschrecken. Der vielleicht spektakulärste Fall betraf Oskar. und Jack. als sie sich 1979 auf Initiative der Bouchard-Gruppe erstmals wiedersahen. und beide machten sich einen Spaß daraus. daß unsere Identität bereits im Augenblick der Befruchtung festgelegt wird. an denen dichtes Gedränge herrscht. der auf Trinidad eine jüdische Erziehung erhalten hatte.wir brauchen lediglich das in unseren Genen niedergeschriebene Drehbuch in Handlung umzusetzen. die eine hatte ihren Sohn Richard Andrew genannt und die andere den ihren Andrew Richard. Beide hatten die Angewohnheit.

Andere Studien. die die Privatsphäre der Zwillinge wahrten. die gleich aussehen. bei denen unmittelbar nach der Geburt getrennte Zwillinge angeblich erst durch Wissenschaftler zu Studienzwecken wieder zusammengebracht worden waren. Oskar und Jack (der Nazi und der Jude) sowie die beiden »kichernden« Schwestern hät. In einer Studie untersuchte die Psychologin Susan Farber 121 Fälle (die nicht in die Minnesota-Studie einbezogen worden waren). in denen die Zwillinge vor den Studien keinerlei Kontakt gehabt hatten. stärker von den Medien beachtet werden oder auch Geld verdienen. Die Zwillinge kamen zur weiteren Untersuchung. Die Gruppe von Bouchard stützte sich auf die Medien.17 Sie wollten womöglich den Forschern einen Gefallen tun. die oftmals mit weiterer Publizität verbunden war. Kritiker monierten. Es gibt Indizien. daß man bei der Suche nach Ähnlichkeiten zwischen zwei Menschen. Während es in einigen Zeitungsberichten hieß. Der Psychologe Leon Kamin von der Northeastern Universität in Boston gab zu bedenken. am selben Tag geboren wurden und im selben Land aufwuchsen. wenn diese beiden Personen nicht miteinander verwandt seien. die Zwillinge der MinnesotaStudie hätten vielfältige Motive. die Kamins Vermutungen bestätigen.viel mehr Gewicht zu als den statistischen Analysen und den Erblichkeitsgraden.205 . für eine Woche nach Minnesota. Anderer Kritiker haben behauptet. um frühere Kontakte herunterzuspielen und ihre Ähnlichkeiten herauszustreichen. die Bedeutung dieser Übereinstimmungen sei maßlos übertrieben worden. um neue Zwillinge anzuwerben.16 Zudem sind die Zwillinge in der Minnesota-Studie möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder auch nur die Gesamtpopulation der eineiigen Zwillinge.15 Sie fand nur drei Fälle. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann auf Übereinstimmungen stieße. haben die Heritabilität von Merkmalen niedriger veranschlagt.

Der Pioneer Fund unterstützt zahlreiche Gruppen und Wissenschaftler. die Fortpflanzung von Nachkommen der »Pioniergeneration« Amerikas. der Staat solle den Intelligenzquotienten seiner Bürger dadurch heben. Lykken klagte gegenüber dem Reporter Lawrence Wright: »Viele Sozialwissenschaftler sind über meine Vorschläge so empört. Eine Ausnahme ist der Psychologe David Lykken. die schwanger würden. zu fördern.ten sich in Minnesota zum ersten Mal wiedergesehen. ein Überbleibsel der US-amerikanischen Eugenik-Bewegung. daß er nur Frauen. Kinder zu gebären. Nachdem die Washington Post einen längeren biographischen Artikel über Oskar und Jack gebracht hatte. in der Johnny Carson Show und in der Sendung People auf.) Auch die Motive der Forscher um Bouchard wurden in Frage gestellt. die James-Brüder und die »kichernden« Schwestern in den achtziger Jahren brachte der Minnesota-Gruppe eine kräftige Kapitalspritze. verkauften sie ihre Lebensgeschichte an einen Filmproduzenten in Los Angeles. der den Vorschlag gemacht hat.19 (Der Film wurde nie gedreht. nachdem sie von Thomas Bouchard aufgespürt worden waren. Frauen ohne »Gebärzulassung«. waren beide Paare in Wirklichkeit bereits früher zusammengetroffen. 18 James Springer und James Lewis traten.«21 Eine Rezensentin von Twins meinte sarkastisch: »Wie kann man nur auf diese Idee kommen?«22 .206 . die die Rassentrennung befürworten. Die große öffentliche Resonanz auf die Berichterstattung über Oskar und Jack. Einige Zwillinge legten sich Agenten zu und wurden für ihre Auftritte im Fernsehen bezahlt. daß sie mich für einen Faschisten halten. die bestimmte Kriterien erfüllten. sollten zur Abtreibung gezwungen werden. das heißt der Angelsachsen. Die meisten Wissenschaftler der Minnesota-Gruppe haben sich von eugenischen Maßnahmen distanziert. erlaube.20 Der Name dieser Vermögensverwaltungsgesellschaft spielt auf ihr ursprüngliches Ziel an. Ihr großzügigster Geldgeber ist der Pioneer Fund.

Bei Kopplungsstudien untersuchen die Forscher verwandte Individuen . das dies bewirkt.auch Allel genannt . Mit demselben Verfahren wurden auch Gene für Mukoviszidose. die normalerweise im mittleren Lebensalter ausbricht und innerhalb von zehn Jahren zum Tod führt. Im Jahr 1993 identifizierten Forscher mit der Kopplungsmethode ein Allel für Chorea Huntington.im Ablauf der Generationen durchgängig mit einem bestimmten Merkmal . Muskeldystrophie und andere Krankheiten aufgepürt. eine neurologische Erkrankung.207 . die alle ein bestimmtes Merkmal aufweisen.Die Fahndung nach Psychosegenen Studien an Zwillingen und anderen Verwandten können starke Indizienbeweise dafür liefern. aber sie geben uns keinen Aufschluß darüber. nehmen die Genetiker an. Bei Assoziationsstudien vergleichen die Forscher die Gene nichtverwandter Individuen.gekoppelt ist. welches Gen oder welche Gene dabei eine Rolle spielen. Es gibt zwei grundlegende Methoden. Fortschritte in der Biotechnologie in den achtziger Jahren versetzten Verhaltensgenetiker in die Lage. daß ein Merkmal eine genetische Komponente hat. In beiden Fällen geht es darum. Wenn eine Genvariante . bei denen ein bestimmtes Merkmal ungewöhnlich häufig auftritt. denen dieses Merkmal fehlt. die Allele ausfindig zu machen. die durchgängig mit dem Merkmal vererbt werden. Diese Krankheiten sind wie das Tay-Sachs-Syndrom auf die Mutation nur eines Gens zurückzuführen.etwa blauen Augen . die einem bestimmten Merkmal zugrunde liegen könnten. die Gene von Individuen nach verräterischen Varianten zu durchmustern. daß das Allel an der Ausprägung blauer Augen mitwirkt oder seinerseits mit einem Gen verbunden ist. dessen Verer.oftmals Großfamilien oder ethnische Inzuchtpopulationen -. mit den Genen anderer Individuen. die zur Ausbildung von Merkmalen beitragen. um die Allele aufzuspüren.

bungsmuster sich leicht innerhalb eines Stammbaums nachvollziehen läßt. die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. daß Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung aus der komplexen Wechselwirkung zahlreicher Gene und Umweltfaktoren hervorgehen. Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung betreffen jeweils Millionen von Menschen. zeigt ein ähnliches statistisches Profil. ist ein typisches Beispiel dafür. Ist der eine eineiige Zwilling schizophren.24 Der potentielle Nutzen von Gentests und -therapien für psychische Erkrankungen wäre enorm. nach Genen zu fahnden.insbesondere derjenigen. wird auch der andere erkranken. Andererseits haben die meisten Schizophrenen keine schizophrenen Verwandten ersten Grades. die durch Mutationen in einem Gen verursacht werden. Im Jahr 1987 behaupteten Genetiker. beträgt deren Erkrankungsrisiko fünf bis zehn Prozent. Die manisch-depressive Erkrankung.208 .ist sehr viel weniger eindeutig. eine Kopplung zwischen einem Gen auf Chromosom elf und der manisch-depressiven Erkrankung bei den Amish nachgewiesen zu haben. Das Vererbungsmuster der meisten übrigen Merkmale und Erkrankungen . von der ebenfalls ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist. dann wird der andere mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent ebenfalls erkranken. Die Schizophrenie. Auf der Grundlage dieser familiären Daten haben die meisten Genetiker den Schluß gezogen. die für die Verhaltensgenetiker von Interesse sind . werden ihre Nachkommen die Krankheit mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent entwickeln.23 Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister einer Person schizophren ist. an der etwa ein Prozent der Bevölkerung erkrankt. Dennoch begannen in den achtziger Jahren die Forscher.25 Im selben Jahr stellte eine . Wenn beide Eltern Träger eines rezessiven Exemplars des Gens sind. ermuntert von den erfolgreichen Angriffen auf genetische Krankheiten. Wenn der eine eineiige Zwilling erkrankt ist.

27 Und 1993 wurden auch die an den israelischen Familien gewonnenen Ergebnisse zurückgenommen.26 Die Medien rühmten diese Ergebnisse als bahnbrechende Entdeckungen in der Psychiatrie. sie hätten bei einer schwedischen Familie keinen Zusammenhang zwischen demselben Marker und Schizophrenie festgestellt. nachdem weitere Daten erhoben worden waren. »Die Umwelt mag eine gewisse Rolle spielen. sagte mir McGuffin. daß sich diese Forschungen eines Tages auszahlen werden. doch sie erklärt nur etwa ein Fünftel der Varianz.209 .«31 . Eine eingehendere Analyse der Amish-Familien im Jahr 1989 brachte keine Verbindung zwischen Chromosom elf und manisch-depressiver Erkrankung zum Vorschein. daß ein bestimmter DNA-Abschnitt auf Chromosom fünf mit Schizophrenie gekoppelt sei.28 Studien über Schizophrenie folgten einem ähnlichen Muster. Im Jahr 1988 verkündete eine britische Forschergruppe in Nature. sie habe bei isländischen und britischen Familien nachgewiesen. die anfänglichen Ergebnisse zu reproduzieren. zog die britische Gruppe 1993 ihre Hypothese still und heimlich zurück.30 Peter McGuffin von der Medizinischen Akademie der Universität Wales. kaum Beachtung schenkten.andere Forschergruppe bei drei israelischen Familien einen Zusammenhang zwischen einem anderen Gen und der manischdepressiven Psychose fest. während sie den späteren Fehlschlägen bei dem Versuch. »Die plausibelste Erklärung für das. Das ist einfach nicht zu widerlegen«. stützt sich auf genetische Faktoren. In derselben Ausgabe von Nature berichteten andere Forscher. was bei der bipolaren affektiven Störung und der Schizophrenie geschieht. der an mehreren internationalen Projekten zur Identifikation potentieller Gene für psychische Erkrankungen mitwirkt.29 Nachdem bei einer erweiterten Studie an den isländischen und britischen Familien keinerlei Zusammenhang gefunden wurde. ist nach wie vor davon überzeugt.

daß eine »geringe. Da das normale Risiko ein Prozent beträgt. das bei der Schizophrenie eine Rolle spiele. der Angriffspunkt für Antidepressiva vom Fluctintyp sei. . die einen Zusammenhang mit dem 5HT2a-Allel teils bestätigten. McMuffin und zwei Kollegen führten eine Metaanalyse an fünfzehn Studien durch. codiere einen Dopaminrezeptor. daß die genetischen Befunde mehr oder minder in die gleiche Richtung weisen wie die pharmakologischen Untersuchungsergebnisse. Er meinte. daß Träger des 5HT2a-Allels ein gegenüber der Norm um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko haben. wäre die praktische Bedeutung dieser Entdeckung möglicherweise gering. teils widerlegten. eine Schizophrenie zu entwickeln. veränderten die Dopaminkonzentration im Gehirn. und kamen zu dem Ergebnis. Die Analyse ergab.210 .« Er war sorgsam darauf bedacht. so McGuffin. einer der vielversprechendsten Kandidaten für ein »Schizophrenie-Gen« sei das sogenannte 5HT2a-Allel.Bei jüngsten Kopplungsstudien seien mehrere neue Gene aufgespürt worden. aber signifikante« Verknüpfung mit Schizophrenie vorliege. die möglicherweise an der Entstehung der manisch-depressiven Erkrankung und der Schizophrenie beteiligt seien. die Bedeutung des D3-Markers und anderer aktueller Befunde nicht zu übertreiben – und das mit gutem Grund: Nicht alle Studien haben einen Zusammenhang zwischen diesen Genen und manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie festgestellt. Einige der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie. »Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läßt sich mit solchen Informationen wenig für die Risikoprognose anfangen«. Und selbst wenn sich die Verbindungen bestätigen sollten. »Ich halte es nicht für einen Zufall. Ein potentielles Gen für die manisch-depressive Psychose sei an der Konstruktion eines Rezeptors für den Neurotransmitter Serotonin beteiligt. wie McGuffin einräumte. Das sogenannte Ü3-Gen. sagte McGuffin. entspricht dies einem Risiko von anderthalb Prozent.

die nur einen schizophrenen Verwandten hat. und eine Kapazität auf dem Gebiet der Schizophrenieforschung.«32 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? E. Freudian Fraud und anderen Büchern lies Torrey kein gutes Haar an Theorien. Füller Torrey ist Psychiater am Saint Elizabeths' Hospital in Washington. mehren sich rasch«. wenn sie für den Patienten einen eindeutigen medizinischen Nutzen haben. nur anzuwenden. Im Jahr 1998 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe. Surviving Schizophrenia. daß »Gentests zur Diagnose der wichtigsten Psychosen mit komplexeren Ursachen in der nahen Zukunft nicht besonders nützlich sein werden [. daß die Freudschen Theorien der Persönlichkeit und Geisteskrankheit Makulatur würden.211 . behauptete Torrey. schizophren zu werden. Die Indizien für die Annahme. C.. als ein Träger des 5HT2a-Allels. Tests auf genetische Anfälligkeiten. sorge endlich dafür. einen Bericht.33 Die Verhaltensgenetik hätte sogar schon viel früher die Oberhand über die . ein mehr als doppelt so hohes Risiko. in dem es heißt. die psychische Erkrankungen auf die Erziehung und andere Umweltfaktoren zurückführen. D.. die eine relativ geringe prognostische beziehungsweise diagnostische Aussagekraft besitzen. Die Verhaltensgenetik. daß »genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung zahlreicher Persönlichkeitszüge spielen. McGuffin ist Mitglied des Nuffield Council on Bioethics.Tatsächlich hat nach McGuffins eigenen Berechnungen eine Person. des bedeutendsten Gremiums in England für die Bewertung der ethischen Fragen. der auch McGuffin angehörte.. die durch biologische Forschungsvorhaben aufgeworfen werden. In The Death of Psychiatry.] Aus diesem Grund empfehlen wir. beteuerte Torrey.

obwohl Torrey und andere Wissenschaftler ihn vielfach mit eingefleischten Behavioristen und anderen. Erstens wies Freud selbst.. »mußten wir hören. das den Fetus in der Gebärmutter infiziere und das Gehirn dann progressiv schädige.] wenn wir die bisher übersehene Rolle akzidenteller Eindrücke der frühen Jugendzeit betonten«. Torreys Haltung ist mindestens in zweierlei Hinsicht fragwürdig. daß die Psychoanalyse die Faktoren der Konstitution und der Heredität verleugne.212 . Rindern und anderen Säugetieren hervorruft. das andere Viruserkrankungen. die Schizophrenie könne durch ein Virus hervorgerufen werden. auf die Bedeutung genetischer Faktoren hin. die den Geist als ein zunächst unbeschriebenes Blatt auffassen. von dem man schon länger weiß. wäre da nicht ihre bedauerliche Verknüpfung mit der Eugenik und dem Nazismus gewesen.35 Das Muster des Auftretens von Schizophrenie in Familien stimme Torrey zufolge häufig mit dem Muster überein. die Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung psychischer Krankheiten. Torrey äußerte die Vermutung. daß es eine neurologische Erkrankung bei Pferden.. dann lediglich insoweit. wonach sowohl die manisch-depressive Erkrankung als auch die gewöhnliche Depression möglicherweise durch das sogenannte Borna-Virus verursacht werden.36 Mindestens eine . zeigten. Mit Hilfe einer privaten Stiftung versuchen Torrey und andere Forscher an der John-HopkinsUniversität Beweise für die Virus-Hypothese zusammenzutragen. »[. wie etwa Kinderlähmung. was uns niemals eingefallen war«. Unterdessen haben die deutschen Virologen Liv Bode und Hanns Ludwig Untersuchungsergebnisse vorgelegt.bemerkenswerterweise auch Torrey selbst .in zunehmendem Maße die Annahme in Zweifel.Psychoanalyse gewonnen. in einen Topf werfen. klagte er 1935.34 Zweitens ziehen viele Forscher . wenn Gene eine Rolle spielten. vielleicht eines. als sie ihren Träger für eine Virusinfektion anfällig machten.

daß diese Alternativen überhaupt in Erwägung gezogen werden. Die Prionen. die das Gehirn des Fetus schädigten. bezweifeln viele Mikrobiologen. Obgleich Prusiner 1997 für seine Arbeiten über Prionen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Tatsache. zeigt.38 Die nichtgenetischen Erklärungen von Psychosen vermögen noch weniger zu überzeugen als die genetischen Erklärungansätze. dem sogenannten Prion. bei denen das Gehirn degeneriert und eine schwammige Konsistenz annimmt. wie etwa mangelhafter Ernährung der Mutter oder eine Unverträglichkeit zwischen dem Immunsystem der Mutter und ihrem Fetus. daß Prionen auch die Erreger des sogenannten »Rinderwahnsinns« (Bovine spongioforme Enzephalopathie . daß das genetische Paradigma die anfänglich in es gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat.Forschergruppe hat Psychosen einem anderen infektiösen Agens angelastet. deren Existenz erstmals von Stanley Prusiner von der Universität von Kalifornien in Berkeley postuliert wurde. .37 Andere nichtgenetische Erklärungen der Schizophrenie sehen die Ursache der Erkrankung in pränatalen Traumata. daß Prionen tatsächlich existieren. sie hätten Belege für einen Zusammenhang zwischen Prionen und Schizophrenie gefunden. Dies hielt eine brasilianische Forschergruppe jedoch nicht davon ab. im Jahr 1997 in Nature zu verkünden.BSE) und ähnlicher Krankheitsbilder beim Menschen seien. die sich ohne Hilfe der Nukleinsäuren DNA und RNA replizieren sollen. Man vermutet.213 . sind Eiweißpartikel.

wie er meinte. das Interesse von Wagniskapitalgesellschaften an einem solchen Test zu wecken. die früh in ihrem Leben mit gewohnheitsmäßigem starkem Trinken beginnen. Dort wurde konstatiert. daß »kein phy. als möglicher Wendepunkt bei der Diagnose und Behandlung des Alkoholismus gerühmt wurde. der an der Regulation des Lustempfindens und einer Vielzahl weiterer mentaler Funktionen beteiligt sein soll. Seine Bemühungen. insbesondere bei Männern. Blum beantragte sogleich ein Patent auf einen Alkoholismustest. an der fünfunddreißig Alkoholiker beteiligt waren. ob ihre Kinder trunksuchtgefährdet seien. daß Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. in dem die bisherigen Forschungsergebnisse neu bewertet wurden. Doch es gibt auch Studien.39 Das D2-Gen codiert für einen Rezeptor des Neurotransmitters Dopamin.214 . Dennoch berichtete eine Forschergruppe um Kenneth Blum vom Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Texas in San Antonio im Journal of the American Medical Association. Eltern herausfinden könnten. Im Jahr 1993 erschien im Journal of the American Medical Association ein Übersichtsartikel. wurden zweifellos durch einen Artikel auf der Titelseite der New York Times gefördert. sie habe einen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und einem DNA-Abschnitt (Marker) nahe dem D2-Gen gefunden.40 Der Artikel verschwieg allerdings die erheblichen Zweifel. daß sie versuchten. die darauf hindeuten.Die Alkoholspur Ist Alkoholismus eine Erbkrankheit? Studien an Zwillingen und anderen Verwandten haben Anhaltspunkte für eine genetische Komponente geliefert. Dennoch nahmen zahlreiche Forscher die von Blum und seinen Mitarbeitern publizierten Studienergebnisse so ernst. mit dem. in dem seine Studie. die andere Genetiker an dem Zusammenhang zwischen dem D2-Gen und Alkoholismus hegten. diese zu reproduzieren.

von dem nicht bekannt war.siologisch bedeutsamer Zusammenhang« zwischen dem D2Marker und Alkoholismus nachgewiesen worden sei. multiplem Suchtstoffgebrauch (einschließlich Rauchen). Blum und seine Kollegen halten jedoch an ihrer Auffassung fest. daß seine eigene »Ruhmestat« . Der prominente Genetiker Irving Gottesman von der Universität von Virginia nannte Blums Hypothese »Unfug«43. Der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus wurde sogar von Dean Hamer.die Entdekkung eines Gens. worin dieses »etwas« besteht.44 Blums Gruppe und andere haben das D2-Allel mit Lebererkrankungen und anderen medizinischen Komplikationen. bestritten.215 . Blums D2-Hypothese sei »erledigt«42. Forschungen hätten gezeigt. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. daß sich das von Blum aufgespürte Allel »auf einem Abschnitt des Chromosoms befand.sich auf noch dürftigere Indizien stützt als die Behauptung. die man am besten vergessen sollte.41 Einer der Autoren des Beitrags sagte mir später. in Verbindung gebracht. erklärte er. In dem 1998 erschienenen Buch Das unausweichliche Erbe. das nichts bewirkte. das Hamer zusammen mit einem Journalisten schrieb. Andere Verhaltensgenetiker sehen in der D2-Affäre eine peinliche Angelegenheit. das angeblich mit Homosexualität assoziiert ist . Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und Spielsucht einhergehen. die mit Alkoholismus. Eßsucht. doch die von Blum postulierte Verbindung zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus sei im wesentlichen widerlegt. bemerkte Hamer. »Mit anderen Worten. sie hatten ein Gen entdeckt. war die Tatsache. Kokainsucht. der D2-Marker verursache etwas. einem der tatkräftigsten Verfechter genetischer Theorien des menschlichen Verhaltens. «45 Was Hamer in seinem Buch verschwieg. möglicherweise würden eines Tages Alkoholismusgene identifiziert. . Alkoholismus sei genetisch verankert. selbst wenn sie sich nicht darüber einig sind. daß er irgendeine funktionale Bedeutung hatte«.

das Hamer ent. Statt dessen waren bei dreiunddreißig Paaren beide Geschwister Träger desselben DNA-Fragments auf dem X-Chromosom. das 1994 erschien. Die vorangehende Studie hatte eine Trefferquote von zweiundachtzig Prozent erzielt.49 Ebers und sein Kollege George Rice fanden in ihrer Studien an 182 Familien mit einem oder mehr männlichen Homosexuellen auch keine Belege für das Vererbungsmuster. doch die neuen Ergebnisse waren.216 . Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Schlagzeilen. nicht annähernd so aussagekräftig.Im Jahr 1993 berichteten Hamer und vier Kollegen vom National Cancer Institute in Science über Untersuchungsergebnisse. was siebenundsechzig Prozent der Gesamtheit entspricht (gegenüber fünfzig Prozent. Im Jahr 1995 untersuchte George Ebers von der Universität von West-Ontario zweiundfünfzig Paare homosexueller Brüder und fand keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Genen auf dem X-Chromosom oder anderen Chromosomen.46 Die Gruppe untersuchte vierzig Paare homosexueller Brüder mit Gentests. statistisch gesehen. Bei einem reinen Zufallsbefund sollten nur bei fünfzig Prozent der Paare beide Brüder den genetischen Marker geerbt haben.47 Im Jahr 1995 berichteten Hamer und seine Mitarbeiter. denen zufolge ein genetischer Marker auf dem X-Chromosom an der Entstehung der männlichen Homosexualität beteiligt sei. Doch nicht einmal diese dürftige Korrelation wurde von anderen Forschern bestätigt. was ein statistisch signifikantes Ergebnis ist. The Science of Desire. die nach dem Zufallsgesetz zu erwarten gewesen wären). Und zweitens ließ sich der genetische Marker nur bei zweiundzwanzig Paaren nachweisen. Hamer trat in den Sendungen Nightline und MacNeil/Lehrer News Hour auf und unterschrieb den Vertrag für ein Buch. sie hätten den X-Chromosomen-Befund reproduziert.48 Erstens nahmen an der zweiten Studie lediglich zweiunddreißig Brüderpaare teil.

) »Die Befunde ergeben zwingend. Hamer und seine Mitarbeiter veröffentlichten beide Studienergebnisse 1996. der von Hamers Gruppe herausgegriffen worden war. daß wenigstens zwei andere Forschergruppen im Jahr 1996 berichtet hatten.217 . Der ursprüngliche Anstoß zu dieser Kontroverse ging von Cyril Burt aus. Im Jahr 1998 berichtete eine Gruppe um Alan Sanders vom National Institute of Mental Health. die mit der sexuellen Orientierung in Zusammenhang stehen«. ihre Studie an vierundfünfzig Paaren homosexueller Geschwister habe keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Homosexualität und zweiunddreißig verschiedenen Markern auf dem X-Chromosom einschließlich des Markers. sie hätten keine Belege für die Existenz eines Gens für »Neugierverhalten« gefunden. bei deren Studien handele es sich »praktisch um eine indirekte Bestätigung. wie es von vielen Journalisten genannt wird) und ein Gen für Angst oder »Neurose«. erbracht. lautete Hamers Fazit. der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn der einflußreichste Psychologe Englands war. (Die Studie von Sanders war noch nicht veröffentlicht worden.51 In seinem Buch stellte Hamer zwei weitere Entdeckungen heraus.50 In Das unausweichliche Erbe deutete Hamer die Daten von Ebers und Rice um und behauptete.54 Als lei. Ebers und Rice bestritten dies. als Hamer sein Buch schrieb. daß es irgendein Gen oder Gene [auf dem X-Chromosom] gibt.52 In Das unausweichliche Erbe verschwieg Hamer allerdings geflissentlich.deckt hatte. die zu seinem Ruf als führender Genjäger beitrugen: ein Gen für »Neugierverhalten« (beziehungsweise »das Streben nach Nervenkitzel«. jedoch keine statistisch bedeutsame« seiner ursprünglichen Befunde.53 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt Kein Thema in der Verhaltensgenetik ist so strittig wie die Intelligenz.

56 Der Politikwissenschaftler Charles Murray und der . das robust gegen Umwelteinflüsse sei. in dem 1994 erschienenen Buch The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) wiederaufgegriffen (das Wort Glockenkurve bezieht sich auf die Form der Verteilung. die an der Minnesota-Zwillingsstudie mitwirken. daß die hohe Korrelation der IQ-Werte von Zwillingen zum Teil auf ihre gemeinsame pränatale Umwelt zurückzuführen sei. Forscher. die dafür sprechen. wirke sich kaum auf die Intelligenz aus. er sei bei der Dokumentation der erhobenen Daten zwar recht nachlässig gewesen. nachdem der Psychologe Leon Kamin und andere Ungereimtheiten und Hinweise auf Datenmanipulationen aufgedeckt hatten. Burt schätzte. Andere Genetiker hingegen neigen einer Zahl von höchstens fünfzig Prozent zu. sinke die Erblichkeit auf vierunddreißig Prozent. wenn man die IQ-Werte einer großen Population graphisch darstellt). Bernie Devlin von der Universität Pittsburgh hat Ergebnisse vorgelegt. so fand er heraus. In den zwanziger Jahren begann Burt nach eineiigen Zwillingen. wenn man diesen Faktor berücksichtige. seine wichtigsten Untersuchungsergebnisse seien jedoch fundiert. Im Jahr 1966 veröffentlichte er die verblüffenden Ergebnisse seiner Studie. Er spürte insgesamt dreiundfünfzig Paare auf und verfolgte ihren Lebensweg bis ins Erwachsenenalter. zu suchen. Seither haben andere Wissenschaftler den Versuch gemacht. daß Intelligenz zu achtzig Prozent erblich sei. der nur geringfügig unter dem Schätzwert von Burt liege. Die Erziehung. In den siebziger Jahren gerieten Burts Schlußfolgerungen in Verruf.218 .55 Devlin behauptete. hätten für Intelligenz einen Erblichkeitsgrad ermittelt. Dennoch wurde Burts These. die man erhält. die Intelligenz sei ein relativ unveränderliches Merkmal.tender Psychologe der Londoner Schulbehörde beaufsichtigte er die Prüfungen sämtlicher Schüler. die bei der Geburt getrennt worden waren. indem sie behaupteten. Burt zu rehabilitieren.

insbesondere dem Psychologen Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley und zuvor von Eugenikern und Sozialdarwinisten. die bereits von anderen vorgebracht worden waren. allenfalls geringfügige Auswirkungen haben könnten und im allgemeinen vergeudete Mühe seien.Psychologe Richard Herrnstein behaupteten. Murray und Herrnstein enthielten sich zwar bewußt einer Antwort auf die Frage. einen IQ-Test abzulegen. Schwarze schneiden bei IQ-Tests im Schnitt fünfzehn Punkte schlechter ab als Weiße. wie etwa . doch ihre Polemik zielte in diese Richtung. genauer gesagt. der Begriff Intelligenz sei äußerst unbestimmt und allgemein. aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten und andere Programme. Die kognitive Leistungsfähigkeit äußere sich in vielfältigen Formen.219 . ob dieser Unterschied auf genetische Faktoren zurückzuführen sei. Murray und Herrnstein wiederholten dabei lediglich Argumente. im Geschäftsleben und in anderen Bereichen sei lange nicht so deutlich. die Korrelation zwischen IQ-Werten und Erfolg in der akademischen Welt. und es erschien auf der Bestsellerliste der New York Times – eine bemerkenswerte Leistung für ein Buch voller statistischer Daten. wie The Bell Curve behaupte. Das Buch wurde im Fernsehen und in der Presse diskutiert. der konstant niedrige soziale Status von Schwarzen gegenüber Weißen sei in erster Linie auf die niedrigere Intelligenz der Schwarzen zurückzuführen und nicht auf Diskriminierung oder andere gesellschaftliche Faktoren. daß Verbesserungen im Bildungswesen. Tabellen und Diagrammen. in der sozioökonomischen Schichtung der amerikanischen Gesellschaft spiegelten sich unveränderliche Unterschiede in der Intelligenz wider. Sie behaupteten. Kritiker erhoben zahlreiche Einwände gegen The Bell Curve.57 Sie wiesen darauf hin. die den Status von Schwarzen heben sollen. Dennoch erregte The Bell Curve großes Aufsehen. IQ-Tests würden lediglich die Fähigkeit messen.

sondern kulturelle Konstrukte. Diejeni. wie sie The Bell Curve darstellte . ignoriert und nicht diskutiert werden sollten .220 . schien mir die Art von Wissenschaft. indem sie schwarzen Kindern sowie deren Eltern und Lehrern suggerierten. In ähnlicher Weise seien Rassenkategorien wie schwarz und weiß keine echten biologischen Phänomene. ist grauenhaft. Das Gefalle zwischen den IQ-Werten von Schwarzen und Weißen spiegele die anhaltenden Wirkungen rassischer Vorurteile in den Vereinigten Staaten wider und nicht etwa angeborene Unterschiede in der intellektuellen Leistungsfähigkeit.daß Theorien. außer für Rassisten. Im Gegenteil. die einen Zusammenhang zwischen Rassenzugehörigkeit und IQ postulieren.mochten sich ihre konkreten Behauptungen nun als wahr oder falsch erweisen .legte Noam Chomsky in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens dar: Natürlich unterscheiden sich Menschen in ihrer biologischen Ausstattung voneinander. Sexisten und ähnliche Leute. Aber die Entdeckung einer Korrelation zwischen einigen dieser Qualitäten ist nicht von wissenschaftlichem Interesse und ohne soziale Bedeutung. Keine dieser Kritiken war wirklich vernichtend . wie ich es mir gewünscht hätte. Wie kommen Wissenschaftler angesichts all der drängenden Probleme und Bedürfnisse auf der Erde überhaupt auf die Idee. Schon die bloße Vorstellung einer Welt.zumindest nicht so vernichtend. daß diese Kinder »von Natur aus« und unabänderlich minderbegabt seien.keinerlei versöhnlichen Wert zu besitzen. mathematischen und sozialen Kompetenz sowie im räumlichen Vorstellungsvermögen. in der das nicht der Fall wäre. daß die Freiheit des wissenschaftlichen Diskurses grundsätzlich nicht eingeschränkt werden sollte. Obgleich ich der Ansicht bin.der sprachlichen. Fragen wie diese zu erwägen? Welchen Nutzen versprechen sie sich davon? Diesen Standpunkt . die Thesen von Murray und Herrnstein könnten sehr leicht zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden.

als ich 1995 von einem Untersuchungsergebnis hörte. außer für Rassisten. wie sie vom IQ gemessen wird. Daher war ich erleichtert.58 Chomsky will offenbar damit sagen. daß die Antwort auf die Frage einen Unterschied macht. deren Leistungen. benannt ist. Flynn fand jedoch heraus.gen.daß sich nämlich kulturelle Einflüsse kaum auf die Intelligenz. der nach James Flynn. um eine merkwürdige Tatsache zu korrigieren: Jede neue Generation von Rekruten schnitt bei demselben Test besser ab als frühere Generationen. einem Politologen an der Universität von Otago in Neuseeland. das tut sie aber nicht. Leider beriefen sich Murray und Herrnstein in The Bell Curve auf das gleiche Argument. Sexisten und andere derartige Leute. Der Mittelwert des IQ beträgt definitionsgemäß hundert. daß das Militär seine Bewertungsmethoden immer wieder neu festlegte beziehungsweise neue Tests einführte. die behaupten. der es zugeordnet werden kann. Überspitzt formuliert. erschienen im Vergleich zu denen älterer Rekruten überdurchschnittlich. daß eine Korrelation zwischen Rasse und IQ besteht. Bei der Ermittlung des Intelligenzquotienten vergleicht man in der Regel die Leistung eines Individuums mit der Leistung von anderen in derselben Altersgruppe. auswirkten . nur durchschnittlich waren. Soldaten.widerlegte. tragen zum Rassismus und anderen Verirrungen bei. war jede nachfolgende Ge. als sie sich gegen aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten aussprachen. weil das. die diese Behauptung bestreiten. auf der Voraussetzung basiert. und diejenigen. das eine der Hauptprämissen von The Bell Curve .221 . daß jedes Individuum für sich betrachtet werden solle und nicht unter Rückgriff auf die soziale Kategorie. verglichen mit denen ihrer Altersgenossen. was sie sagen. Es handelt sich um den sogenannten Flynn-Effekt.59 Zu Beginn der achtziger Jahre stieß dieser zufällig auf den Effekt. als er die Geschichte von Intelligenztests im Militär erforschte.

der 1942 von dem britischen Psychologen J. Bei seinen weiteren Nachforschungen stellte Flynn fest. Flynns Daten widerlegten einige vermeintlich gut fundierte Annahmen von Wissenschaftlern.C. die sich mit Intelligenztests befassen. die kulturelle oder bildungsbedingte Vorteile dadurch zu minimieren versuchten. Menschen. Raven erfunden wurde und seither an einer Vielzahl von Probanden aus sämtlichen Altersgruppen erprobt wurde.222 . hatten ein im Schnitt um siebenundzwanzig Punkte besseres Ergebnis als gleichaltrige Personen im Jahr 1942. Beispielsweise waren viele Forscher zu der Überzeugung gelangt. weil sie heutzutage bei modernen IQ-Tests schlechter abschneiden als Zwanzigjährige. der akademische Erfolg chinesischstämmiger Amerikaner im Vergleich zu ihren europiden Altersgenossen . Einer der angesehensten Tests ist der Progressive Matrizentest nach Raven. der vor fünfzig Jahren verwendet wurde. Wenn der durchschnittliche Siebzigjährige dagegen einen Test ablegt. daß sie die Fähigkeit zum Erkennen abstrakter Muster oder zur Lösung anderer nonverbaler Probleme abfragten. Entsprechend behaupteten einige Experten. die nicht nur an Soldaten.neration scheinbar intelligenter als ihre Vorgänger. seit dem Zeitpunkt der Einführung der Tests um etwa drei Punkte pro Jahrzehnt gestiegen waren. Die Zunahme reichte von zehn Punkten pro Generation (dreißig Jahre) in Schweden und Dänemark bis zu zwanzig Punkten pro Generation in Israel und Belgien. die 1992 getestet wurden. sondern auch an Studenten und anderen Gruppen aller Altersklassen in mindestens zwanzig verschiedenen Ländern erhoben worden waren. erzielt er in der Regel die gleichen Ergebnisse. Der Anstieg war im Schnitt bei den Tests am größten. daß die Ergebnisse von praktisch allen Arten von IQ-Tests. wie der durchschnittliche Zwanzigjährige sie damals bei demselben Test erreichte. daß ältere Menschen an einem unvermeidlich fortschreitenden Schwund ihrer Intelligenz litten.

eine Korrelation zwischen der Zunahme des IQ und der Dauer des Schul. Dies gilt insbesondere für die hochabstrakten. Flynn war der erste. weil solche Tests immer häufiger angewendet würden. daß der durchschnittliche Mensch heute normal intelligent ist und vor dreißig bis fünfzig Jahren geistig zurückgeblieben war oder daß der durchschnittliche Mensch damals normal intelligent war und heute fast schon ein Genie ist.« Er stellt sich die Frage. daß sich die berichtete Diskrepanz im Intelligenzquotienten zum Teil dadurch erklärt. die den stärksten Flynn-Effekt zeigen. Jede Hypothese.oder kulturbedingt. der darauf aufmerksam machte.223 . In einer E-Mail an mich legte Flynn die merkwürdigen Konsequenzen seiner Ergebnisse dar: »Angesichts dieser massiven IQ-Zunahme steht jeder. Eine Theorie besagt. Flynn fand heraus. die bislang zur Diskussion gestellt wurde. der Flynn-Effekt habe genetische Ursachen und sei nicht etwa umweit. daß chinesischstämrnige Amerikaner bei IQ-Tests höhere Punktwerte erzielten als andere rassische Gruppen. schließlich hätten Tests gezeigt. Versuche. vor folgender Alternative.und Hochschulbesuchs zu finden. hat Schwachstellen. was die nichtgenetische Ursache sein könnte.« Niemand hat behauptet. der sie als wirklichen Intelligenzzuwachs deuten will. zudem haben Studien gezeigt. nonverbalen Tests. Flynn erläuterte: »Im Verlauf von ein bis zwei Generationen hätte nur ein fanatisches Eugenikprogramm einen erheblichen Beitrag zum IQZuwachs leisten können. blieben . daß die jungen chinesischstämmigen Amerikaner alten IQ-Tests unterzogen worden waren. In Wirklichkeit werden IQ-Tests jedoch seltener durchgeführt. Beide Annahmen sind meines Erachtens absurd. daß Kinder mittlerweile mehr Übung im Ablegen von Tests hätten. doch das Fortpflanzungsverhalten war tendenziell allenfalls dysgenisch. daß sich Übung nur geringfügig oder gar nicht in den IQ-Werten niederschlägt.korreliere mit höherer Intelligenz. Er kann entweder annehmen.

Jedenfalls begannen die IQ-Werte schon lange vor der Verbreitung des Fernsehens zu Beginn der fünfziger Jahre anzusteigen. zudem haben Hochschulzugangsprüfungen und andere akademische Leistungstests in den Vereinigten Staaten nicht zu-. widerlegte ihn Flynn. Der Flynn-Effekt unterstreicht den wesentlichen (wenn auch bislang unerklärlichen) Beitrag nichtgenetischer Faktoren zur Intelligenz.was interessanterweise auch für die »geistige Abstumpfung« der heutigen Jugend verantwortlich gemacht wird. . der die These aufstellte. obwohl die IQ-Werte angestiegen sind. sondern eher abgenommen.224 . mutmaßte. hätte der Anstieg der IQ-Werte in Ländern.60 Wenn dies zuträfe.ohne schlüssiges Ergebnis.61 Schließlich ist der Intelligenzquotient in einigen Ländern binnen einer Generation um über fünfzehn Punkte gestiegen. einer der ersten prominenten Forscher. die in The Bell Curve aufgestellt wurden. Flynn und andere Psychologen sehen in seinen Daten eine Widerlegung der Thesen. daß die Differenz von fünfzehn Punkten zwischen den mittleren IQ-Werten von Schwarzen und Weißen entgegen der Ansicht von Murray und Herrnstein keineswegs unabänderlich ist. der Anstieg des IQ stehe mit Verbesserungen in der Ernährung in Zusammenhang. daß Kinder immer mehr Zeit mit Fernsehen und mit anderen Medien verbringen . die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs von einer Hungersnot heimgesucht worden waren. zumindest wie sie von IQ-Tests gemessen werden. sondern vermutlich ausgeglichen werden kann. Schwarze seien von Natur aus nicht so intelligent wie Weiße. Der Flynn-Effekt deutet darüber hinaus darauf hin. zum Stillstand kommen beziehungsweise dort hätte sogar eine Trendumkehr einsetzen müssen. Einige Forscher schreiben die Zunahme des IQ der Tatsache zu. Der Psychologe Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley.

suchte er nach Allelen. Plomin habe bewiesen. Als ich ihn 1998 in London anrief. daß sich die Kontroverse über den jeweiligen Einfluß von Anlage und Umwelt zu sehr in Richtung Anlage verschoben habe. »Ich fühle mich mittlerweile gezwungen. daß der Flynn-Effekt Intelligenzforscher. sagte er. die bei Kindern mit hohem IQ häufiger sind als bei Kindern mit niedrigem IQ. zeigte er sich beunruhigt darüber. der immer wieder die Grenzen seiner Arbeit und der Verhaltensgenetik im allgemeinen betont. (Unterdessen hatte der Londoner Sunday Telegraph bereits gemeldet. Die Allele wurden nicht aufs Geratewohl ausgewählt. die behaupten. Intelligenz sei ein weitgehend angeborenes. Dennoch verfolgt Plomin eines der ehrgeizigsten und umstrittensten Ziele in der Verhaltensgenetik: Er fahndet nach Genen für hohe Intelligenz. Schließlich habe die Verhaltensgenetik mehrfach nachgewiesen. zu Vorsicht und Bescheidenheit anhielte. der oftmals die Übertreibungen seiner Kollegen bedauert. ist Robert Plomin vom Institut für Psychiatrie in London. unveränderliches Merkmal. Ein Forscher. doch der Zusammenhang ließ sich in nachfolgenden Studien nicht reproduzieren.225 . die meisten waren bereits mit Neurorezeptoren und anderen neuronalen Komponenten in Verbindung gebracht worden. für eine stärkere Gewichtung der Umwelt zu plädieren«. daß »Genies geboren und nicht gemacht werden«.)62 . insbesondere jene.Auf der Suche nach Intelligenzgenen Allerwenigstens sollte man erwarten. daß auch nichtgenetische Faktoren bei der Prägung der Persönlichkeit eine Rolle spielten. Nachdem er Schüler entsprechend ihrem Intelligenzquotienten in Kategorien eingestuft hatte. Im Jahr 1993 berichtete Plomin. Plomin ist eine der wenigen Stimmen der Vernunft und Mäßigung innerhalb der Verhaltensgenetik. Plomins Methodik ist einfach. er habe bei hochintelligenten Kindern ein überzähliges Exemplar eines bestimmten Allels gefunden.

nach denen in einer Gruppe von 217 Kindern ein Gen auf Chromosom sechs mit hoher Intelligenz gekoppelt war. würden als »Behinderte« bezeichnet. die mit hoher Intelligenz korrelierten. »Wir schätzen. Ich fragte Plomin.«64 In seinem Gespräch mit mir bezweifelte Polmin. in der die Gentechnik nicht nur körperliche und psychische Erkrankungen heilen. antwortete Plomin. ein Fenster zu finden. sondern auch Intelligenz und sportliche Leistungsfähigkeit optimieren könne. sie auf dieses Gen zu testen. daß innerhalb von zwei Monaten kommerzielle Genzentren gegründet werden. daß es eindeutig weniger als zwei Prozent der Varianz ausmacht und vermutlich sogar eher nur ein Prozent. Nur etwa die Hälfte der hochintelligenten Kinder seien Träger des Gens. durch das man auf Verbindungen zwischen Genen und Verhalten blicken kann. Plomin bezweifelte. die nicht in den Genuß einer gentechnischen Optimierung gekommen seien. Das Aufspüren von Genen.226 . und anscheinend sei die Wirkung des Gens sehr schwach. wie etwa Tests auf einen hohen IQ oder intelligenzsteigernde Gentherapien.« Eine Varianz von einem Prozent entspricht zwei IQ-Punkten.« Plomin sagte mir. »Es ist eine Fragestellung der Grundlagenforschung. wenn es keine praktische Konsequenzen hätte. er habe gerade auf einem Transatlantikflug den Film Gattaca gesehen. Die Welt werde von den gentechnisch aufgemöbelten Herren regiert. wozu sein Forschungsprojekt gedient habe. daß solche Sze. In dem Film werde eine nicht allzu ferne Zukunft geschildert. die armen Kerle. könne den Beitrag der Erbanlagen zur Intelligenz und zu anderen kognitiven Funktionen abschätzen helfen.63 In einem Artikel in der New York Times kommentierte ein Psychologe Plomins Befunde: »Ich bin absolut sicher. daß aus seinen Untersuchungen jemals konkrete Nutzanwendungen hervorgehen würden. wobei man hofft. die Eltern anbieten.Im Mai 1998 präsentierten er und zwei Kollegen in der Zeitschrift Psychological Science Befunde.

Doch wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. die die Verhaltensgenetik bietet. die durch Mutationen in nur einem Gen verursacht würden.« Es habe sich schon als außerordentlich schwierig erwiesen. bescheiden zu sein.« Plomin tut gut daran. während musikalische Begabung. wie etwa die Mukoviszidose. werden diese Fehlschläge andere Wissenschaftler und Journalisten nicht davon abhalten. Behandlungen für Erkrankungen zu entwickeln.genau so. Wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. in immer höheren Tönen zu preisen. die Chancen. daß die Gentherapie überhaupt eine Erfolgschance hat.narien jemals Wirklichkeit würden. wie es in Gattaca prophezeit worden war.vielleicht sogar von Plomin selbst . das menschliche Verhalten mit Hilfe der Genetik zu verändern und zu manipulieren«. verkündete Hamer. »Ich glaube nicht.227 . daß künftige Forschungen Eltern schon bald erlauben würden. In Das unausweichliche Erbe sagte Dean Hamer voraus. so wie auch all die anderen Hypothesen über spezifische Gene für spezifische Verhaltensmerkmale nicht bestätigt wurden. Meines Erachtens ist die Gentherapie ein aussichtsloses Unterfangen. an der einhundert Gene beteiligt sind.seine Entdeckung eines Gens für hohe Intelligenz nicht bestätigen. »Stellen Sie sich eine Krankheit vor. noch vor der Empfängnis erwünschte komplexe Merkmale ihrer Nachkommen auszuwählen und unerwünschte Merkmale beseitigen zu lassen . Psychische Erkrankungen sowie Schüchternheit und Hyperaktivität würden verschwinden. wir werden bald die Fähigkeit besitzen. »Ob man das nun für eine gute Idee hält oder nicht. fußballerisches Können und Optimismus immer breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich würden. die miteinander und mit der Umwelt in Wechselwirkung stehen.65 Der an Princeton lehrende Genetiker Lee Silver verstieg sich in seinem 1998 erschienenen Buch Das geklonte Paradies . werden nachfolgende Experimente .

manchmal sehr hohen Wahrscheinlichkeit ausbrechen wird. Die Klasse der Gen-Reichen werde intellektuell und sportlich hoch begabt sein. »›Wissen‹ erfaßt nicht die Tiefe ihres Verständnisses – sowohl was das Universum betrifft. amyotrophische Lateralsklerose und embryonale Tumore. Natürlich sind bei der Identifizierung von Genen. therapeutische Ansätze zu entwickeln. schrieb Silver über diese biotechnologisch frisierten Turbomenschen. um so stärker könnten sie mit neuen Technologien ihre mentalen Fähigkeiten optimieren . die schädliche Gene in Zellen vernichten oder deren Ausprägung verhindern sollen. »›Intelligenz‹ wird ihren kognitiven Fähigkeiten nicht gerecht«. weder an körperlichen noch an psychischen Krankheiten leiden und möglicherweise unsterblich sein. Mukoviszidose. als auch in bezug auf ihr eigenes Bewußtsein. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben Forscher damit begonnen. Silver prophezeite. Bis zum heutigen Tag hat kein einziges seine Bewährungsprobe bestanden. welche durch eine einzige Genmutation verursacht werden. Wir verfügen heute über Tests.in einer endlosen positiven Rückkopplungsschleife.228 . echte Fortschritte gemacht worden. unverantwortlich. die die Träger dieser Gene aufspüren.«66 Diese utopischen Vorhersagen sind angesichts der bislang so dürftigen Erfolgsbilanz der Verhaltensgenetik absurd und. die sich gentechnologische Eingriffe leisten könne. die bei Erkrankungen. die Menschheit werde sich durch die Gentechnologie eines Tages sogar in zwei eigenständige Spezies aufspalten: die Klasse der »Gen-Reichen«. und die Klasse der »Naturbelassenen«.zu noch phantastischeren Spekulationen. Je intelligenter diese Übermenschen würden. der dies nicht zur Verfügung stehe. wenn sie von führenden Genetikern kommen. . wie etwa Chorea Huntington. bei denen die entsprechende Erkrankung mit einer gewissen. Weltweit sind mehr als dreihundert klinische Studien über gentherapeutische Verfahren an über dreitausend Patienten erprobt worden.

die durch eine einzige Genmutation hervorgerufen werden. Professor für . wie einige Genetiker behauptet haben (auch wenn es Zeiten gibt. immer wieder überraschen sie meine Frau und mich. wo ich mir wünschte. den ich kennengelernt habe. Doch andererseits ist beider Charakter auch in ständigem Wandel begriffen.ich weiß -. daß mein Einfluß auf ihr Schicksal so geringfügig ist. daß sich die Identifikation der Gene. daß das Temperament bis zu einem gewissen Grade angeboren ist.»Abgesehen von anekdotischen Berichten über die Wirksamkeit bei einzelnen Patienten. eine Kapazität auf dem Gebiet der Tumorgenetik. erklärte 1997: »Bei einer Reihe von genetischen Krankheiten wird die Kenntnis der sie verursachenden Gene den Patienten vermutlich kein bißchen helfen. French Anderson. 1998 in einem Beitrag in Nature. zwangsläufig in besseren Behandlungsmethoden niederschlagen werde. dem wäre so). Außerdem kann ich mich nicht damit abfinden. die spezifische Erkrankungen verursachen.«68 Wenn dies schon für Krankheiten gilt. ein Vorkämpfer der gentherapeutischen Forschung. hohe Intelligenz und Schüchternheit.229 . einen Jungen und ein Mädchen. ist Jerome Kagan. Unser Sohn hatte von Anfang an seine eigene markante Wesensart und unsere Tochter die ihre. Robert Weinberg vom MIT. dann natürlich in noch viel höherem Maße für Schizophrenie.67 Einige führende Genetiker bezweifeln sogar. Das Temperament von Jerome Kagan Meine Frau und ich haben mittlerweile zwei Kinder. liegen noch immer keine schlüssigen Beweise dafür vor. daß ein gentherapeutisches Protokoll bei der Behandlung einer menschlichen Erkrankung erfolgreich gewesen ist«. Ich akzeptiere . schrieb W. Einer der klügsten Erforscher der menschlichen Psyche.

daß Gehemmtheit beziehungsweise Schüchternheit und Ungehemmtheit beziehungsweise Extraversion bis zu einem gewissen Grad angeborene Merkmale seien. seien sie dazu verpflichtet. meinte Kagan. Wenn Wissenschaftler ein derart »hirnrissiges« Ergebnis vorlegten. Er gab zu. die liebevolle. daß »alles von der Umwelt abhängt« und der Einfluß des biologischen Erbes auf die Ausbildung von Unterschieden zwischen Individuen »belanglos« sei. Zudem seien einige Theorien. zu Depressionen und anderen psychichen Erkrankungen neigten. während andere.Psychologie an der Harvard-Universität. die in den fünfziger Jahren begannen. glückliche. Doch dann hätten ihn seine Daten »wie der Teufel gekniffen und gesagt: ›Du irrst dich!‹« Erklärungen.230 . daß er über seine Befunde gelegentlich noch immer betrübt sei. so Kagan. Einige der jüngsten Hypothesen von Verhaltensgenetikern beunruhigten Kagan jedoch. der Vermögensstatus und das Verhalten der Eltern habe praktisch keinen Einfluß auf die Intelligenz eines Kindes. gesunde Erwachsene wären. die sich bei Psychoanalytikern großer Beliebtheit erfreuten . die Ausbildung. Als er zu Beginn der fünfziger Jahre an der Yale-Universität studierte. trug er eine überwältigende Fülle von Belegen für die Hypothese zusammen. Sie könnten nicht erklären. weshalb manche Menschen.69 In einer Reihe penibel durchdachter Studien. warmherzige Eltern gehabt hätten. nach . waren er und die meisten seiner Kollegen fest davon überzeugt. die eine traumatische Kindheit erlebt hätten. die auf Umweltfaktoren abstellten. Autismus werde durch »gefühlskalte Mütter« gefördert -. Geradezu entsetzt sei er über die Behauptung. die Forscher an der Universität von Minnesota und an anderen Forschungseinrichtungen aufgestellt hätten. genauso »wertlos wie jeder genetische Determinismus«. ist selbst hemmungslos extravertiert und nach eigenem Bekunden ein Liberaler. hätten zweifellos ihre Schwächen. Kagan. den ich im Herbst 1997 an der Harvard-Universität traf.wie die Annahme.

die Psychologie und andere Fachgebiete. Jeder sachkundige Biologe.231 . entfuhr es Kagan. wurden die Gene nicht mehr ausgeprägt. so sagte er. ungeflügelte Nachkommen hervorbrächten. das bei Mäusen Bluthochdruck erzeuge. Wissenschaftler hätten ein Gen aufgespürt. würde er sein Labor dichtmachen und sich eine andere Arbeit suchen. die das menschliche Denken und Verhalten steuerten. sagte Kagan. Diesen Punkt formulierte Kagan in seinem 1994 erschienenen Buch Galen's Prophecy mit unmißverständlicher Klarheit: »Ich glaube nicht. die sich mit der menschlichen Natur befaßten. die die Taufliege (Drosophila) erforschten. »Also wirklich«. daß sie sich nicht leicht entwirren ließen. wisse. aber nur. Andererseits würden die Verhaltensgenetik. wenn sie von Mutter und Vater vererbt würden.zu entdecken. selbst bei Organismen. Wissenschaftler. »Es bedarf keiner weiteren Beispiele!« Darauf beschrieb er mir ein weiteres Beispiel. wenn die neugeborenen Mäuse von nichtverwandten Weibchen gesäugt würden. statt das Ergebnis für bare Münze zu nehmen. Doch als die Forscher die Temperatur im Labor um zehn Grad erhöhten. das Gen werde nicht ausgeprägt. daß wir das Phänomen eines schüchternen oder neugierigen Kindes jemals allein mit physiologischen Erkenntnissen erklären oder vorhersagen können. Regelmäßigkeiten . Tempera. wenn sie von ihren biologischen Müttern gesäugt würden. sämtliche Nachkommen hatten Flügel. niemals die Präzision und Allgemeingültigkeit der wirklich exakten Naturwissenschaften wie der Astrophysik und der Kernphysik erreichen. »das ist doch ein undurchdringliches Gestrüpp!« Kagan glaubt an die Fähigkeit der Wissenschaft. hätten jüngst ein Paar von Genen entdeckt.und sogar Gesetze . Andernfalls. die viel primitiver seien als der Mensch. »Das sagt alles!« versetzte Kagan triumphierend. die. daß Erbanlage und Umwelt oftmals so eng miteinander verzahnt seien.alternativen Erklärungen zu suchen.

sie reagierten auf Stimulation mit offenkundigen Streßsymptomen.«71 Anders gesagt. . »die ihr hochreaktives Kleinkind konsequent selbst vor geringsten Stressoren schützte. introvertierten Teenagern. sich von Fremden und unvertrauten Ereignissen zurückzuziehen. wie etwa Weinen und heftigen Arm. Eine Mutter. Kagan betonte.232 . die übliche.«70 Dies war kein bloßes Wunschdenken von Kagan. sie zeigten eine Mischung aus Verhaltenheit und Extraversion. das angeborene Bedürfnis. wenn sie gereizt würden. Die meisten Kinder ließen sich nicht leicht klassifizieren.und Beinbewegungen. Die in gleicher Weise betroffenen Mütter. sie blieben entspannt und lebhaft. die Umwelt spielt eine Rolle. Doch nur etwa die Hälfte dieser gehemmten und ungehemmten Kinder behalte diese Merkmale während der Kindheit und Adoleszenz. Etwa zwei von fünf Kindern seien vergleichsweise kaum gehemmt. daß die Umwelt ein Merkmal entweder verstärken oder abschwächen könne. ihre Ängstlichkeit zu bändigen. altersangemessene Forderungen nach Reinlichkeit und Anpassung stellten. Einige extrem gehemmte Säuglinge würden später extravertierte Jugendliche. die mit dem Alter und mit der Umgebung schwanke. erschwerte es dem Kind. sich mit dieser Grenze der Wissenschaft abzufinden.menteigenschaften können nicht auf rein biologische Gegebenheiten zurückgeführt werden. zu kontrollieren. vielmehr zwangen ihn seine Forschungen dazu. und einige lebhafte Säuglinge würden zu trägen. halfen ihren hochreaktiven Kindern. Etwa eines von fünf Kindern zeige bei der Geburt Symptome von Gehemmtheit.

Das andere genetische Paradigma Die Verhaltensgenetik ist nicht das einzige Paradigma auf genetischer Grundlage. die in der Urzeit unserer fernen Vorfahren von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. Zu einer Zeit. und ebenso er. betonte Darwin die Einheit des Homo sapiens. Ein Konkurrenzmodell. ist die Evolutionspsychologie.der Menschheit hervorgehe. Man könnte meinen. sehen eine Fülle von Anpassungen. die die natürliche Auslese bei der Formung der menschlichen Psyche spielte.233 . während dies das zentrale Anliegen der Evolutionspsychologen ist. das in jüngster Zeit starke Beachtung gefunden hat. das aus der Symphonie . daß die Evolutionspsychologen und die Verhaltensgenetiker Verbündete seien. die die menschliche Psyche durch die Linse des Darwinismus betrachten. wie ähnlich ihr Geist dem unseren ist. während Evolutionspsychologen an den Merkmalen interessiert sind. Zudem konzentrieren sich Verhaltensgenetiker auf Merkmale. daß es ihn »unablässig zutiefst erstaunte. Evolutionspsychologen. da sie sich ganz auf das Rauschen statt auf das Signal konzentriere. Verhaltensgenetiker interessieren sich im allgemeinen nicht für die Rolle. doch in Wirklichkeit haben die beiden Gruppen grundverschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Ziele. die allen Menschen gemeinsam sind. Die Evolutionspsychologen folgen hierin Darwin. Nach einem Aufenthalt bei den Ureinwohnern Feuerlands an der Südspitze Südamerikas erinnerte er sich daran. die Individuen voneinander unterscheiden. Evolutionspsychologen lassen immer wieder durchblicken. Unsere Gemeinsamkeiten seien viel wichtiger als unsere Unterschiede. das die Psychoanalyse als vorherrschendes Erklärungsmodell der menschlichen Psyche zu entthronen versuchte. da viele europäische Geistesgrößen Angehörige nichtweißer Rassen als Untermenschen ansahen. daß sie die Verhaltensgenetik für trivial halten.oder Kakophonie .

weil sie den Schwachen helfen würden und die Starken daran hinderten.« Er äußerte seine Sorge darüber. So schrieb er einmal in einem Brief. »Den Schwachen bei der Fortpflanzung zu helfen läuft praktisch darauf hinaus. Darin sehe ich ein schlimmes Übel für den künftigen Fortschritt der Menschheit. [. Doch so wie die moderne Verhaltensgenetik noch immer vom Gespenst der Eugenik verfolgt wird. und die begabteren Menschen wären im Kampf ums Dasein nicht erfolgreicher als die weniger begabten.] den Konkurrenzkampf ausschalten werden.ging es mir mit einem reinblütigen Neger.234 . daß das neue und verbesserte darwinistische Paradigma eines Tages die Psychoanalyse als allgemeine Theorie der menschlichen Psyche ablösen werde. Webster gab zu.überwiegend erfolgreich . der Mensch »muß sich immer wieder in schwerem Ringen bewähren. die im wesentlichen das Recht des Stärkeren predigte. der das Schlagwort vom »Überleben der Tauglichsten« prägte und es zu einem grundlegenden ethischen Prinzip erhob. mit dem ich einst vertrauten Umgang hatte«72. In Why Freud Was Wrong sagte der britische Autor Richard Webster vorher. Als Begründer des Sozialdarwinismus gilt gemeinhin Darwins Zeitgenosse Herbert Spencer. »die von vielen als die große Hoffnung der Zukunft angesehen werden. Spencer prangerte immer wieder Sozialprogramme an. daß evolutionsbiologische . einer politischen Ideologie. trägt die Evolutionspsychologie die Bürde des sozialdarwinistischen Erbes. schrieb er in seinem 1874 erschienenen Buch Study of Sociology.«74 Evolutionspsychologen haben sich .von den inhumanen Auswüchsen der Darwinschen Theorie zu distanzieren bemüht.73 Selbst der heilige Darwin verwechselte gelegentlich ist mit sollte sein. unsere Nachkommen in heimtückischer Weise mit einer Horde von Feinden zu versorgen«... daß Gewerkschaften. Andernfalls verfiele er in Trägheit. an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie zu gelangen.

keineswegs immer überzeugend. zu erklären. die Theorie auf den menschlichen Geist anzuwenden. sind die zahllosen Versuche. Obgleich Darwins Theorie »eine Lösung für das Problem der Spezies und eine Erklärung für die Entstehung der Organformen liefert. das heißt umfassend. .Erklärungen der menschlichen Psyche bislang viel zu wünschen übrigließen. vermag sie die Entwicklung der menschlichen Kultur und die Komplexität des menschlichen Geistes noch immer nicht angemessen.235 .«75 Tatsächlich unterscheiden sich die Schwächen der Evolutionspsychologie nicht allzusehr von den Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse. Obgleich die Darwinsche Theorie eine Fülle von Einzelerkenntnissen enthält.

3 Darwin hatte.es war die Jahrestagung der Human Behavior and Evolution Society (HBES).6. RETTE UNS! Aber dann kommen Zweifel auf: Kann man dem menschlichen Geist trauen. während sie sich angeregt über den neuesten Klatsch und alte Stammesüberlieferungen austauschten. Abends versammelten sie sich um große Lagerfeuer und tranken vergorene Säfte.zumindest was die Männchen anbelangte . der sich. DARWIN. der so gering ist wie der des niedrigsten Tieres. eingefunden hatten. wie ein plötzlich virulent gewordenes Virus. wenn er solche großartigen Schlußfolgerungen zieht? CHARLES DARWIN1 T agsüber beteiligten sich ausgewählte Mitglieder des Stammes an rituellen Darbietungen rhetorischer Gewandtheit.236 . wie gewöhnlich. daß die darwinistische Psychologie in ferner Zukunft entstehen werde. die Sozialwissenschaften zu infizieren. Charles Darwins Prophezeiung zu erfüllen (die zusammen mit dem Foto einer barbusigen Buschschönheit aus Amazonien auf der Titelseite des Programmhefts abgedruckt war). deren Mitglieder sich auf dem an der Pazifikküste gelegenen Campus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. recht mit der Behauptung. davon bin ich fest überzeugt. daß nämlich die Psychologie in einer fernen Zukunft auf eine neue Grundlage gestellt werde . Eine Versammlung von Ureinwohnern in einem tropischen Regenwald ? Weit gefehlt . Doch in den neunziger Jahren begann die Evolutionstheorie. einer Hochburg der Evolutionsbiologie. mit denen sie ihren Status erhöhen und so .auf Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion.2 Mehrere hundert Teilnehmer bemühten sich. Seit der Gründung der HBES im Jahr 1988 hat sie eine wachsende Zahl von Psycho.ihre Chancen zu sexuellen Interaktionen mehren wollten. aus einem Geist entwickelt hat.

logen. daß wir uns hier versammelt hätten. Die Tagung der HBES in Santa Barbara hat auf alle Fälle eines deutlich gezeigt: die unglaublich vielseitige Verwendbarkeit dessen. Musiker und andere Kulturschaffende oftmals größere sexuelle Kontaktchancen hätten. ob zärtliche. The Red Queen des Journalisten Matt Ridley und Wie das Denken im Kopf entsteht des Psycholinguisten Steven Pinker. die sich mit der Erforschung der menschlichen Angelegenheiten (im weitesten Sinne des Wortes) befassen. die Evolutionspsychologie könne uns helfen. unterdessen warfen mehrere junge Damen in der vordersten Reihe Miller verzückte Blicke zu. um ihm zuzuhören. Einige Vorträge hatten eine amüsant selbstreferentielle Dimension. Anthropologen. Verlage haben eine Unmenge von Büchern von Wissenschaftlern und Journalisten auf den Markt gebracht. romanti.237 . wie er unartikulierte Laute ausstoße. Sexualität war das beherrschende Thema innerhalb und außerhalb der Hörsäle. wie wir verstehen. Das Spektrum der Themen reichte von der Evolution der christlichen Symbolik bis zum Wiederaufleben des Partnertauschs in der amerikanischen Mittelschicht. zu verstehen. daß männliche Künstler. berichtete. die das »neue« darwinistische Paradigma vorstellten. was der Philosoph Daniel Dennett einmal bewundernd »Darwins gefährliche Idee« genannt hat. Die Evolution des Begehrens des Psychologen David Buss. ein junger langhaariger Psychologe. unter anderem Diesseits von Gut und Böse des Journalisten Robert Wright. Bei einer abendlichen Strandparty erörterte eine Gruppe dicht beisammenstehender Wissenschaftler mit Biergläsern in der Hand die Frage. Wirtschaftswissenschaftlern. Historikern und anderen Wissenschaftlern angelockt. Der Psychiater Randolph Nesse von der Universität Michigan behauptete. Steven Pinker begann seinen Vortrag über die genetische Verankerung der Sprachfähigkeit mit der Bemerkung. es sei doch sehr kurios. Geoffrey Miller.

Die Tagung erweckte manchmal weniger den Eindruck einer wissenschaftlichen Konferenz und mehr den einer politischen Wahlkampfveranstaltung. Zeigten Männer vor. angeborenes Phänomen oder eine moderne. diese Frage einem Anthropologen zu stellen. Er wurde gefragt. bestand darin. Die einfachste Methode. bei der er stärker auf die Bedürfnisse der weiblichen Partnerinnen einginge. daß man die sexuellen Bräuche von Jägern und Sammlern beobachte. der sich bei Jägern und Sammlern in Ostafrika aufgehalten habe. erfreuten sich bei den Damen des Stammes wachsender Beliebtheit. teilte er seinen Zuhörern mit. Anthropologen. jene verirrten Seelen zu geißeln. die längere Zeit unter Jägern und Sammlern lebten. während oder nach dem Geschlechtsakt irgendeine Form von Fürsorglichkeit und Zärtlichkeit gegenüber ihren Sexualpartnerinnen. wenn ein Mann im Dorf eine differenziertere Sexualpraxis entwickelte. Nachdem der Anthropologe herbeigeholt worden war.4 Beim Anblick der Teilnehmer der HBES-Tagung. wie sie . der kulturelle Determinismus sei eine »Religion« und keine rationale Einstellung. oder sei es einfach »rein-raus-ab-die-Maus«? Jemand schlug vor. hätten im allgemeinen flüchtige. was geschehe. bei dem er gelebt habe. die Angehörigen des Stammes. brachen seine Zuhörer in schallendes Gelächter aus. die Teilnehmer in Begeisterung zu versetzen. rein kulturelle Erfindung sei. die menschliche Persönlichkeit und die Gesellschaft würden in erster Linie von der Kultur (beziehungsweise der Umwelt oder den Erfahrungen) geprägt. Als der Anthropologe Lee Cronk von der Texas-A&M-Universität höhnte.sche Liebe bis zu einem gewissen Grad ein evolutionär entstandenes. die noch immer behaupteten. Ein Biologe meinte. Erlangte er einen Selektionsvorteil? Der Anthropologe grinste schelmisch.238 . man könne diese Streitfrage möglicherweise dadurch lösen. »militaristische« Sexualkontakte gehabt.

Gesichts. Singh reist seit Jahren durch die Welt und. aufzuklären. einem Psychologen an der Universität von Texas in Austin und führenden Forscher auf dem prosperierenden Gebiet der »darwinistischen Ästhetik«. die mit wissenschaftlichem Fachjargon drapiert waren.239 . Nachfahren einer weit zurückreichenden Ahnenreihe von Organismen. Wir sind »Steinzeitmenschen auf der Überholspur«. komplexen und so tief von der Kultur durchdrungenen Geist sagen kann. sich herausputzten. Singh fand heraus. zeigt Männern »aufreizende« Bilder von Frauen .ihren Gruppenzusammenhalt stärkten. Nehmen wir die Arbeiten von Devendra Singh. Vieles von dem. die dem Urschlamm entstiegen.und sonstigen Körpermerkmalen zwischen und sogar innerhalb von Kulturen schwanken. sondern während der mehreren zehntausend. Zu Singhs Probanden gehörten auch indische Hilfsarbeiter. schien lediglich Spekulationen oder Binsenwahrheiten zu sein. um herauszufinden. was diese Neodarwinisten äußerten. mußte ich ihrer Grundannahme beipflichten: In der Tat. miteinander flirteten und sich gegenseitig rhetorische Streicheleinheiten verpaßten. ob Männer bestimmte universelle und somit angeborene sexuelle Präferenzen aufweisen.5 Doch selbst wenn man sich mit dieser Erkenntnis abgefunden hat. alle Männer aber Frauen mit einem Taille-zu-Hüfte. daß die Präferenzen der Männer zwar hinsichtlich Brustgröße. was uns die Darwinsche Theorie über unseren modernen. die evolutionäre Logik. wir alle sind Tiere. diese versucht.einschließlich Karikaturen und Fotos von bikinitragenden Modells -. Unser stark gewundenes Großhirn wurde nicht in der im Vergleich zur gesamten Erdgeschichte sehr kurzen Zeit der Kulturentstehung geformt. bleibt die Frage. wie es ein Redner formulierte. sich stritten. ja hunderttausend Jahre zuvor. die seit ihrer frühen Kindheit in reinen Männerlagern gelebt und angeblich noch nie eine echte Frau oder auch nur ein Bild von einer Frau gesehen hatten. die unserem Sinn für das Schöne zugrunde liegt.

7 Cosmides und Tooby. »Der Taille-zu-Hüfte-Quotient war ein zuverlässiger Indikator. um uns dies zu sagen? Aber selbstverständlich! . die meisten Sozialwissenschaftler glaubten noch immer. die Cosmides . »Dies hatte noch niemand kulturvergleichend untersucht. In der Einleitung zu dem Buch The Adapted Mind. des Anthropologen John Tooby. die Anthropologie und andere Sozialwissenschaften abgeben. behauptete Singh in einem Vortrag auf der Tagung der HBES. weil ein Taille-zu-Hüfte-Quotient von 0. indem man den Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte dividiert). meinte Tooby.240 . die darwinistische Ästhetik versuche als einzige unseren Sinn für Schönheit auf seine biologischen Wurzeln zurückzuführen.7 ausgezeichnet mit der Fruchtbarkeit beziehungsweise dem »Vermehrungspotential« korreliere.7 sexuell anziehend finden (man berechnet den Quotienten.« Nach Ansicht von Cosmides und Tooby könne die Darwinsche Theorie ein dringend benötigtes Rahmenmodell für die Psychologie.Quotienten von 0. läuft Singhs Befund jedoch auf eine Binsenwahrheit hinaus. die sich heute in einem Zustand der Orientierungslosigkeit befänden. Die beiden sagten mir. der im Verlauf der Evolutionsgeschichte bis zu einem gewissen Grad die weibliche Fruchtbarkeit vorhersagte«. die weder rappeldürr noch fett sind. noch von keinem anderen Mann geschwängert wurden und deren Hüften breit genug sind. die 1994 das Zentrum für Evolutionspsychologie an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara gründeten. der menschliche Schönheitsbegriff sei kulturell determiniert. In Alltagssprache übersetzt. gesunden Frauen. einer Sammlung von Aufsätzen. Brauchen wir wirklich die »Evolutionspsychologie«. sind zwei führende Vorkämpfer der neodarwinistischen Sozialwissenschaften.6 Die natürliche Auslese begünstige diese Präferenz.so die entschiedene Meinung der Psychologin Leda Cosmides und ihres Gatten. Männer wollen Sex mit jungen. um ein Kind zu gebären.

so beteuerten sie. Die natürliche Auslese habe nach Ansicht von Cosmides und Tooby das Gehirn von Männern und Frauen aufgrund ihrer unterschiedlichen reproduktiven Rollen auf sehr unterschiedliche Weise gestaltet.241 . das mit verschiedenen Instrumenten ausgestattet sei. die Jäger und Sammler waren. die. bewältigen mußten: die Suche nach Nahrung und Unterkunft. das Finden eines Geschlechtspartners. Da Männer im Prinzip eine praktisch unbegrenzte Zahl von Kindern zeugen könnten. Cosmides und Tooby prägten für ihren Ansatz den Begriff Evolutionspsychologie. Da Männer . bei der Auswahl ihres Geschlechtspartners wählerischer seien. die für verschiedene Funktionen maßgeschneidert seien. die unsere Vorfahren. könne die Sozialwissenschaften aus diesem Chaos herausführen. weil sie höchstens ein Kind pro Jahr zur Welt bringen können. die in einem Gewirr unvereinbarer Terminologien formuliert sind. so Cosmides und Tooby. Diese Module seien von der natürlichen Auslese für die Lösung der Probleme passend ausgebildet worden. eine beträchtliche Menge empirischer Verallgemeinerungen und ein widersprüchliches Sammelsurium unbegründeter Teiltheorien. daß der Geist aus zahlreichen »Modulen« bestehe. eine genetische Grundlage hätten. Das Geschlecht sei die entscheidende Ausnahme von der evolutionspsychologischen Regel. das Aufziehen von Kindern und der Umgang mit Rivalen. daß alle Menschen mit weitgehend derselben genetischen Ausstattung geboren würden. Der Geist sei keine computerähnliche Allzweckmaschine.«8 Allein die Evolutionstheorie. schrieben sie: »Nach über einhundert Jahren fehlt es den Sozialwissenschaften noch immer an einem klaren Ordnungsmodell: Es gibt eine Fülle halbverdauter Beobachtungen. sondern ein Schweizer Armeemesser. Eines ihrer grundlegenden Dogmen lautet. neigten sie viel stärker zu sexueller Promiskuität als Frauen.und Tooby zusammen mit Jerome Barkow von der DalhousieUniversität herausgaben. wie das Sprachvermögen. die.

eine kleinwüchsige Frau mit langem schwarzem Haar. Frauen dagegen komme es weniger auf die körperlichen Merkmale möglicher Geschlechtspartner an als vielmehr auf ihre »Ressourcen« . sah so aus. Cosmides. die mit Fruchtbarkeit korrelierten. Beide sprechen außerordentlich schnell und noch schneller.242 . Als ich nach der Beziehung zwischen der Evolutionspsy. die seit 1979 verheiratet sind. Doch was die intellektuelle Energie und die Debattierlust betraf. und Mädchen mögen Jungs mit viel Geld. ihre Geschlechtspartnerin könnte ihnen sexuell untreu sein. wenn der andere zugegen ist.niemals sicher sein könnten. Bei der Auswahl einer Sexualpartnerin legten Männer besonderen Wert auf Jugendlichkeit. angestachelt. Als ich Cosmides und Tooby. daß sie der Vater des Kindes seien. als wollte sie sich in einer Country und Western-Bar die Nacht um die Ohren schlagen. Ihr vierschrötiger Gatte dagegen wirkte wie der typische Intellektuelle: Drahtgestellbrille. die am liebsten Miniröcke und Cowboystiefel trug. zum ersten Mal begegnete. schlichtes Oxfordhemd und Khakihosen. sehr viel stärker. für eine Familie zu sorgen. Sie gehörten zu den Mitorganisatoren der HBES-Tagung in Santa Barbara und waren dort nachgerade allgegenwärtig. Frauen dagegen bedrücke der Gedanke. kommentierten und widersprachen sie sich gegenseitig in einem fort. um Fragen zu stellen und selbst kurze Statements zu geben. Sie hielten nicht nur Vorträge.ihre Fähigkeit. Wie formulierte es doch einer der Gelehrten auf der Tagung der HBES: Jungs mögen hübsche Mädchen. sie könnten die emotionale Bindung eines Geschlechtspartners und damit seine Ressourcen verlieren. Während eines gemeinsamen Interviews vor der HBES-Tagung unterbrachen. wird ihre Eifersucht durch Befürchtungen. war ich verblüfft über dieses ungleiche Gespann. Taille-zu-Hüfte-Quotient und andere körperliche Merkmale. waren sich Cosmides und Tooby unglaublich ähnlich. sondern kündigten auch Redner an und meldeten sich unverhofft aus dem Publikum zu Wort.

. eine Anstellung zu bekommen. antwortete Tooby unwirsch.« Cosmides wies darauf hin. Dies solle nicht heißen. Es gibt . »Ich hab's begriffen«. die von politischen Regimen begangen würden. Es macht alles schwieriger.. Doch andererseits wiegt die intellektuelle Horizonterweiterung durch diese Sichtweise allemal die Unannehmlichkeiten auf. und außerdem hat sie ein sehr breites Themenspektrum. hätten sich nur zwei mit Verhaltensgenetik befaßt. Daher gehören der Gesellschaft auch einige Verhaltensgenetiker an . die man dafür in Kauf nehmen muß. »Die Verhaltensgenetiker stellen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Mitglieder der HBES. warf Tooby dazwischen. betonte Tooby. die die menschliche Natur als beliebig formbar ansähen. Es ist schwerer. Es ist schwerer. Viele Intellektuelle hielten jede Diskussion über die genetische Grundlage der menschlichen Natur noch immer für ein »gewissermaßen unmoralisches Unterfangen. sagte Cosmides: »Die Evolutionspsychologie hat sehr wenig mit der Verhaltensgenetik zu tun. die auf der Konferenz gehalten worden seien. daß Kritiker der Evolutionspsychologie 0 oftmals die Verbrechen übersähen. sagte Cosmides. daß die [Human Behavior and Evolution Society] extrem tolerant ist.« Ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten glauben Cosmides und Tooby inbrünstig an die Zukunft der Evolutionspsychologie.243 ..« »Aber John. »Da ist zum einen die Tatsache. aber immerhin sind sie vertreten. wenn man auf diesem Gebiet arbeitet. ich kann mir den Geist nicht als einen äquipotentialen Universal.und Wirtschaftswissenschaftler angehören.. so daß ihr beispielsweise auch Literatur. Aber damit muß man sich abfinden. »Sie sagen nicht: ›Bei Gott. Geld auf zutreiben.chologie und der Verhaltensgenetik fragte. daß einem als Evolutionspsychologen die wissenschaftliche Karriere leichtgemacht werde. John«. Von den hundertzwanzig Referaten.« »Es gibt einige Dinge«.

als würde man Nuggets schürfen . Wir nehmen seine Umrisse verschwommen wahr.rechner vorstellen. »Ich kenne niemanden. aber es wird lange dauern. »Ich bin zum Beispiel kurzsichtig.« Indem uns die Evolutionspsychologie dabei helfe. die ich kenne. könne sie ihre Häufigkeit verringern helfen. »doch sozialpolitische Richtlinien basieren sehr viel stärker auf dem bestimmenden Wertesystem als jede wissenschaftliche Erkenntnis.244 . Und trotzdem sind sie der Meinung. der die Evolutionspsychologie wirklich versteht. Kindesmißbrauch. »Es ist so. »Einige der Evolutionspsychologinnen. Krieg und andere unerwünschte Verhaltensweisen zu verstehen. sie richtig kennt und etwas Bedrohliches an ihr findet«.‹ Es ist heuchlerisch. und dies ist teilweise auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. fünfzig Millionen Menschen umgebracht haben. die intelligenten modernen evolutionstheoretischen Ansätzen zur Erforschung des Geistes in . Mißbrauch in der Ehe. die auf dieser Sicht des Geistes basiert. so Cosmides.« »Diese Hindernisse. bis jeder mit dem Gedanken losstürmen möchte: ›Mann.‹« »Und nicht nur das«. daß dort draußen ein riesiges unbesiedeltes Gebiet liegt. warf Cosmides ein.diese vielen wichtigen Geistesblitze. fügte Cosmides hinzu. sagte Tooby. daß verschiedene menschliche Merkmale nicht verändert werden könnten.« »Wir stehen am Beginn einer neuen Wissenschaft«. gehören zu den radikalsten Feministinnen. Aber ich sehe bestens. mit diesem einen neuen Blickpunkt können wir jetzt jede Frage beantworten und politische Richtlinien mit vollkommener Gewißheit festlegen. die ich kenne. Ich muß lediglich eine Brille aufsetzen.« Die Evolutionspsychologie behaupte keineswegs. Aber wir wissen auch. fuhr Cosmides fort. daß ihnen die Evolutionspsychologie erhellende Aufschlüsse über das Verhältnis zwischen Mann und Frau geben kann. weil Stalin und Mao und Pol Pot im Namen einer Weltanschauung.

gibt seinen evolutionstheoretischen Erklärungen Stringenz oder zumindest den Anschein davon. und das heiße. Außerdem hätten die Menschen mit der höchsten Sprachfertigkeit Geschlechtspartner anlocken. pflichtete Tooby bei. sind langfristig völlig kontraproduktiv«.« Es war klar. Bündnisse schmieden und sich weitere Vorteile verschaffen können.den Weg gelegt werden. die sich auch in zahlreicheren Nachkommen niedergeschlagen . sei höchstwahrscheinlich eine evolutionsgeschichtliche Anpassungsleistung. Jagd und andere erlernte Fähigkeiten auszutauschen. er resümierte dort die Kernthesen seines 1996 erschienenen Bestsellers Der Sprachinstinkt. daß sie Steven Pinker für die darwinistische Gemeinschaft anwarben. Ich lernte Pinker auf der HBES-Tagung in Santa Barbara kennen. sie habe unseren Vorfahren. Direktor des Zentrums für kognitive Neurowissenschaft am Massachusetts Institute of Technology. so daß seine Werke sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Laien großen Anklang finden. würde uns ihre Anerkennung möglicherweise retten.245 . Steven Pinkers Umgang mit Wörtern Die vielleicht bedeutendste Leistung von Cosmides und Tooby bestand darin. behauptete Pinker. Informationen über Werkzeugherstellung. die den Geist als ein Bündel informationsverarbeitender Maschinen betrachtet. was Tooby damit sagen wollte: Da uns die Ablehnung der Evolutionspsychologie schade.10 Die Sprache. bringt für seine Rolle als Befürworter der darwinistischen Psychologie zwei besondere Stärken mit. Vorteile verschafft und ihnen erlaubt. Pinker. Seine Ausbildung in Kognitionswissenschaft. Zudem versteht er sich hervorragend auf die allgemeinverständliche Aufbereitung seiner Themen. »Sie werden das menschliche Leid verstärken. die Jäger und Sammler gewesen seien.

um Dawkins' Vergleich zu kritisieren: Ein Rechner. der visuelle Kortex dagegen tue genau das Gegenteil.246 . fast engelhaftem Gesicht glich. mit Dick Cavett Sex zu haben. Ruth mit Dick Cavett über Sex. Dawkins. In einer Rede nach dem Abendessen verglich Dawkins' den visuellen Kortex mit einem Rechner. mußte klein beigeben. Dr. als ich ihn in seiner Wohnung in Cambridge interviewte. als er 1988 auf die Arbeiten von Cosmides und Tooby stieß. Es war vermutlich nicht von Nachteil. Pinker war mehr oder weniger ein herkömmlicher Kognitionswissenschaftler. Pinker. bestimmt und geistreich. Aber Pinker kann auch harte Saiten aufziehen. »Ich war förmlich überwältigt«. der eine virtuelle Realität erzeuge.hätten. wandle lediglich dreidimensionale Informationen in ein zweidimensionales Bild um. Pinker war kühl. der sich auf die Sprache spezialisiert hatte. Ruth darüber. einer der schärfsten Polemiker unter den heutigen Naturwissenschaftlern.« oder: »Heute abend spricht Dr. (Um die Mehrdeutigkeit der Sprache zu veranschaulichen. »Das Niveau der Analyse und Erklärung beeindruckte mich sehr. der virtuelle Realitäten entwirft. daß Pinker einem Rockstar mit zartem. der den Begriff des »egoistischen Gens« geprägt hatte und das »Alpha-Männchen« des Neodarwinismus ist.« »Heute abend spricht Dr. erinnerte sich Pinker. das von einer dürerartigen Lockenpracht umsäumt wurde. sprang von seinem Stuhl in der vordersten Reihe auf. führte er den Satz an: »Tonight. Ruth discusses sex with Dick Cavett.«) Zu seinem Vortrag fanden sich so viele Hörer ein.« Der Sprachinstinkt war das erste große Produkt von Pinkers . was eine ungemein viel schwierigere Aufgabe sei. daß sie dichtgedrängt stehen mußten. indem er aus begrenzten Informationen »Simulationen« generiert. der sich in seiner Dissertation an der Harvard-Universität mit dem Sehvermögen befaßt hatte. Später am selben Tag knüpfte er sich niemand geringeren als Richard Dawkins von der Universität Oxford vor.

die uns undurchschaubar erscheint.247 . verstehen wir plötzlich. wenn wir herausfänden. sondern den menschlichen Geist als Ganzes zum Thema haben sollte. Pinker spickte sein Buch mit amüsanten wissenschaftlichen Fakten . das 1998 erschien. die Gene unserer Vorfahren weiterzugeben.wie unsere Augen. worin sein ursprünglicher Zweck bestehe. wozu sie gut ist. als ich es liebe zu gewinnen.«11 Sobald wir einmal eingesehen hätten.so sei etwa die Größe der Hoden bei verschiedenen Primatenarten proportional zur Promiskuität der Weibchen12 – und mit Beispielen aus der Massenkultur. das nicht nur die Sprache.darauf angelegt sei. Sobald wir erkennen. bis wir wissen. Dort schrieb Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht. Hände und andere Merkmale unseres Körpers .«13 Und als Beispiel . Dennoch repräsentierte Wie das Denken im Kopf entsteht den neuesten Stand der darwinistischen Rhetorik. könnten wir ähnliche Erkenntnisse über unsere Gedanken. daß der Metallring die Halterung für die Kirsche ist und daß der Kolben ein x-förmiges Messer durch die Frucht treibt. so Pinker. Pinker beschrieb dieses Konzept der »analytischen Technik« (reverse engineering) folgendermaßen: »Beim Stöbern im Antiquitätengeschäft finden wir vielleicht eine Konstruktion. Daraufhin beschloß er ein Buch zu schreiben. daß es sich um einen Kirschenentsteiner handelt. in seinem Vorwort räumte Pinker ein. Cosmides und Tooby arrangierten für ihn einen einjährigen Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. Emotionen und Motivationen gewinnen. daß unser Geist . Pinker beteuerte. so daß der Kern auf der anderen Seite herauskommt. daß er sich weitgehend auf Erkenntnisse anderer stütze. bezog er sich auf ein Zitat des Tennisstars Jimmy Connors: »Ich hasse es mehr zu verlieren. Das Buch war nicht besonders originell.Bekehrung zum Darwinismus. Als er auf die Vergänglichkeit des Glücks zu sprechen kam. wir könnten den Geist nur verstehen.

14 Um die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen von Männern und Frauen zu verdeutlichen. das den Titel »Der Sinn der Lebens« trägt. zitierte er die Bemerkung des Besitzers einer Partnervermittlung: »Die Frauen lesen unsere Kurzbiographien wirklich durch. Einige seiner Hypothesen wirkten jedoch leider trivial. zu dem man Zuflucht nimmt. Theorien hervorbringen.«16 Diese nichtssagenden Erklärungen ermöglichten es Kritikern.und das Sprachvermögen sowie andere universelle menschliche Attribute analysierte. erwies sich seine Methode der »analytischen Technik« in der Tat als recht überzeugend. Pinker meinte jedoch. wenn sie richtig betrieben werde. »erklärte« Pinker praktisch alle Aspekte der modernen Kultur einschließlich Musik (»ein exquisites Konfekt. die Evolutionsbiologie als eine »leere Übung im nachträglichen Erfinden von Geschichten« zu diskreditieren. Welchen Zweck hat Musik? Sie führt die Gemeinschaft zusammen.248 . wenn der Einsatz hoch ist und die üblichen Techniken zum Erringen eines Erfolgs erschöpft sind«18) und Literatur (»Fiktive . Warum fragen Männer nicht gern nach dem Weg? Weil unsere männlichen Vorfahren unter Umständen getötet wurden. um die sensitiven Punkte von mindestens sechs unserer geistigen Kapazitäten zu reizen«17).«15 Doch manchmal schien sich Pinker mit allzu oberflächlicher Rhetorik zu begnügen. das Erinnerungs. Religion (das »letzte Mittel. Zu Beginn seines Buches kritisierte er: »An schlechten ›entwicklungsgeschichtlichen‹ Erklärungen besteht kein Mangel. ein erklärter Pazifist. gern Bücher über Kriege lese. Als Pinker das Seh-. die Männer sehen nur auf die Fotos. daß selbst der Dalai Lama.für die tiefe Verwurzelung der männlichen Aggressionsbereitschaft führte er die Tatsache an. wenn sie sich einem Fremden näherten. das komponiert wurde. die Evolutionspsychologie könne. in einem Kapitel. die genauso bündig seien wie alle anderen wissenschaftlichen Theorien. Gegen Ende von Wie das Denken im Kopf entsteht.

der eine Geisel nimmt. sowie die Ergebnisse von Strategien.249 . führte er weiter aus. Als Pinker mir diese Theorie erstmals mitteilte. meinte Pinker. Pinkers Neigung zu vorschnellen Spekulationen zeigte sich auch während unseres Interviews. »gleicht einem Terroristen. seine Stellung eingenommen und meine Mutter geheiratet hat?«19 Anders gesagt. Er hatte gerade einen Artikel gelesen über Mädchen im Teenageralter . »außer daß es selbst in diesem Fall die Geisel ist«. was die Kolumnistin Ann Landers vielleicht folgendermaßen gesagt hätte: Einige Kinder tun alles. daß sie lediglich eine andere Formulierung für das war. was seine späteren Fortpflanzungschancen verbessere.Geschichten bieten uns einen mentalen Katalog der tödlichen Probleme. die sich mit Messern. denen wir eines Tages möglicherweise gegenüberstehen. Hamlet sei eigentlich nichts anderes als ein Leitfaden zur Selbsterhaltung). die wir dann anwenden könnten. . Fingernägeln oder anderen scharfen Gegenständen selbst verstümmelt hatten. Das Mädchen dürfe sich seiner Motivation nicht bewußt sein. Erst später erkannte ich. Ein Mädchen. mehr Zeit und mehr Ressourcen auf es zu verwenden. wenn ich befürchten müßte. Das Mädchen zwinge seine Eltern dazu. fehlangepaßte Verhalten. Welche Möglichkeiten hätte ich.überwiegend aus wohlhabenden Familien -.20 Dieses scheinbar selbstzerstörerische. war ich beeindruckt. das sich seine Unterarme zerschneide. daß mein Onkel meinen Vater umgebracht. so daß es nicht durch gutes Zureden oder durch Bestrafung davon abgebracht werden könne. um beachtet zu werden. könne eine »paradoxe Taktik« darstellen. Rasiermessern. an der dem erpreßten Dritten viel liegt«.

so Chomsky.Was Noam Chomsky wirklich denkt Steven Pinkers Karriere . entwarf die genetische. wie etwa Verben und Substantive. Die Evolutionspsychologen lehnen sich stark an dieses Argument an (wenn sie auch nicht den Terminus verwenden). Skinner und anderen Behavioristen aufgegriffen worden war.die gesamte Evolutionspsychologie wird von einer ziemlich starken Ironie überschattet. Anders als Lesen und Schreiben.wie der der beiden anderen berühmten .250 . F. Evolutionspsychologen wie Tooby und Cosmides meinen.eine teilweise angeborene und keine völlig erlernte Fähigkeit. die John Locke im siebzehnten Jahrhundert begründet hatte und die von B. Chomskys Standpunkt sei . Chomsky. Dennoch hat Chomsky darwinistische Erklärungen der Sprache und anderer Aspekte des Geistes scharf kritisiert. wenn sie behaupten. In den fünfziger Jahren begann Chomsky Einwände gegen die induktive Theorie des Lernens (der zufolge der Geist zunächst ein »unbeschriebenes Blatt« ist) vorzubringen. das uns am stärksten von anderen Säugetieren unterscheidet . selbst wenn ihnen nur minimale verbale Stimuli von außen dargeboten wurden. die von den Evolutionspsychologen weiterentwickelt wurde. modulare Theorie des Geistes. sei die gesprochene Sprache allen bekannten Kulturen gemeinsam. Darüber hinaus wiesen alle Sprachen gemeinsame Strukturmerkmale auf. Chomsky stützte sich dabei im wesentlichen auf das »Reizmangelargument«: Alle körperlich gesunden Kinder lernen fließend zu sprechen. Pinker im besonderen und die Evolutionspsychologen im allgemeinen stehen tief in der Schuld des Linguisten Noam Chomsky.wohl das Merkmal. viele unserer Eigentümlichkeiten und Fähigkeiten seien zumindest teilweise angeboren. der wie Pinker am MIT lehrt. Nach Meinung von Chomsky ist die Sprache . die Chomsky zusammenfassend als »Tiefengrammatik« bezeichnete.

daß wir etwas über die physikalischen und physiologischen Grundlagen wissen. Jeder. beteuerte er. Aber das hängt damit zusammen. daß während der Evolution auch nichtadaptive Veränderungen vorkämen. wie oder weshalb diese Fähigkeiten entstanden seien. der an Harvard lehrenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin . führte Chomsky weiter aus. was die richtige naturalistische Erklärung sei. herauszufinden. seine Einwände gegen den Neodarwinismus seien rein wissenschaftlicher Natur. daß die natürliche Auslese in der Evolution der Sprache und anderer menschlicher Attribute vermutlich eine Rolle spiele. nicht der Faktor. »Man findet Belege für Zwischenstufen. der nicht an einen »göttlichen Eingriff« glaube. Man kennt homologe Strukturen bei anderen Orga. die den Merkmalen der Tiere ähnelten. So hätten etwa Richard Dawkins und andere Theoretiker plausible Computermodelle entworfen. Doch angesichts der gewaltigen Diskrepanz zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und denen der Tiere könne diese Wissenschaft seines Erachtens kaum etwas darüber aussagen. Doch als ich Chomsky auf diesen Punkt ansprach. Die Biologen könnten Fortschritte bei der Rekonstruktion des Ursprungs menschlicher Merkmale machen. Die Darwinsche Theorie besage im Kern. Die natürliche Selektion sei »ein Faktor.ein Faktor.durch seine linke politische Einstellung motiviert. Die Schwierigkeit liege darin. wie »sich eine flache lichtempfindliche Oberfläche in einer nicht allzu großen Anzahl von Generationen in ein Auge verwandeln kann. die zeigten. daß es »eine naturalistische Erklärung für sämtliche Phänomene gibt«.Kritiker der darwinistischen Sozialwissenschaft.21 Er räumte ein.« Darwin selbst habe betont.251 . Man weiß etwas über die physikalischen und physiologischen Hintergründe. würde das unterschreiben. der die Verteilung der Merkmale und Eigenschaften innerhalb dieser Randbedingungen festlegt .« Das gleiche gelte für den menschlichen Arm.

»haben wir nichts von alldem«. daß Menschen kooperieren. daß Menschen miteinander kämpfen. so Chomsky. Die Beobachtung. Viele Evolutionspsychologen distanzieren sich von der Soziobiologie. »Die Tatsache. betreffe auch den bedeutendsten Vorgänger der Evolutionspsychologie. hätten die Evolutionspsychologen sie zweifellos als ein Produkt der natürlichen Selektion »erklärt«. die Soziobiologie. Wir wären nicht durch die zeitliche Linearität gebunden. hätte uns eine »sehr viel komplexere und reichhaltigere Kommunikation ermöglicht. daß wir ein Wort nach dem ändern äußerten. und diese lege auch keine Randbedingungen für die Ausgestaltung der Sprachfähigkeit fest. eine Lautfolge durch den Mund und eine andere durch die Nase auszustoßen. wird mit dem Hinweis erklärt. merkte Chomsky an. Wir hätten jedoch vermutlich auch die Fähigkeit erwerben können. daß sie zuviel erklären könne. Chomsky nannte die Evolutionspsychologie eine »Philosophie des Geistes. uns also in einer linearen Weise artikulierten. zwei getrennte Lautfolgen durch Mund und Nase auszustoßen. dies trage zur Erhaltung ihrer Gene bei. »Sie sagt nichts vorher!«. Chomsky wies darauf hin. die mit einer Prise Wissenschaft gewürzt ist«. daß der eine seine Gene auf Kosten des anderen weitergeben will. versetzte Chomsky.« Im Fall der Sprache und anderer spezifisch menschlicher Attribute. wird damit erklärt. sondern darin. Die Fähigkeit. so Chomsky. In diese Logik kann man praktisch alles pressen. In Wahrheit werde die Sprache durch die Darwinsche Theorie weder verboten noch gefordert. Die Schwäche der Evolutionstheorie liege nicht darin. die in den siebziger Jahren von dem an der .« Wenn die Menschen eine solche Fähigkeit entwickelt hätten.252 . daß sie zuwenig.nismen.« Ist Altruismus ein Instinkt? Dasselbe Problem.

die auch das Verhalten von Ameisen und Pavianen steuerten. Wilson. doch 1996 benannten sie sie in Evolution and Human Behavior um. auf diese Weise die negativen politischen Konnotationen der Soziobiologie zu umgehen. hätten sie stillschweigend der Beschuldigung zugestimmt. auf ihrer Jahrestagung die Grundsatzrede zu halten. sie versuchten. sie sei eine »rassistische. und machten sie zu ihrem Aushängeschild. Einige führende Mitglieder der HBES räumten ein. Die Bezeichnung »war für viele ein rotes Tuch und hat uns viele Unannehmlichkeiten bereitet«. zeitigten sie Wirkung. die Rassismus. den Ausdruck Soziobiologie in den Namen der Gesellschaft aufzunehmen. Sexismus und Imperialismus dadurch zu rechtfertigen suchte. monierte Wilson. Die Verantwortlichen der HBES übernahmen eine bereits existierende Vierteljahresschrift. Als eine Gruppe von Darwinisten 1988 die Human Behavior and Evolution Society gründete. Ironischerweise bat die HBES im selben Jahr Edward O.Harvard-Universität lehrenden Biologen Edward Wilson populär gemacht wurde. sagte . Wilson ergriff die Gelegenheit. wenn auch nur näherungsweise.253 . In Sociobiology und Biologie als Schicksal sowie anderen Werken verfocht Wilson die These. mieden den Ausdruck in Zukunft. Indem sie den Begriff Soziobiologie verworfen hätten. deterministische« Ideologie. das menschliche Sozialverhalten unterliege. die der Soziobiologie wohlwollend gegenüberstanden. die 1981 gegründet worden war. den Sozialdarwinismus wiederzubeleben. jene Ideologie aus dem neunzehnten Jahrhundert. denselben Evolutionsprinzipien. daß sie das Überleben der Tauglichsten zu einem moralischen Prinzip erhob. sie hätten gehofft. Selbst Wissenschaftler. Ethology and Sociobiology. verzichteten sie bewußt darauf. um die Führer der HBES für ihren »mangelnden Mut« zu tadeln. Stephen Jay Gould und Richard Lewontin etwa warfen Wilson und anderen Soziobiologen vor. Obgleich die Angriffe auf Wilson oft unfair waren.

daß die Evolutionspsychologen davon ausgingen. daß sich ihr Ansatz zur Erforschung des menschlichen Geistes in wesentlichen Aspekten von der Soziobiologie unterscheide. Wie läßt sich erklären. Eine bemerkenswerte Leistung der Soziobiologie war ihre Erklärung des Altruismus. sagte Alexander über Cosmides und Tooby.23 Einige Soziobiologen hätten ebenfalls diese Hypothese geäußert. doch andere hätten angenommen. »insbesondere an die Lebensräume von Jägern und Sammlern«. «24 Tatsache ist. »Was mich auf die Palme bringt. der menschliche Geist sei nicht an das moderne Leben. daß man ihn ersetzen will.254 . daß die natürliche Selektion. als altruistisch werden alle Verhaltensweisen definiert. auch in modernen Umwelten«.22 Einige Evolutionspsychologen beteuerten beharrlich. Laut Cosmides und Tooby besteht ein Unterschied darin. um dann sagen zu können. Er und andere Soziobiologen hätten niemals behauptet. so Cosmides und Tooby. derartige Verhaltensweisen begünstigte? Darwin selbst vermutete. »Ich habe nichts dagegen. die doch rücksichtslos die egoistischsten Gene bevorzugte.ein Herausgeber der Zeitschrift Evolution and Human Behavior einem Reporter von Science. sondern an die Umstände angepaßt. daß sie sich Evolutionspsychologen nennen«. bei denen der Altruist Artgenossen auf Kosten seiner Tauglichkeit beziehungsweise seines Vermehrungspotentials hilft. daß »Verhalten überall adaptiv ist. in jeder Umwelt ihre Fortpflanzungschancen zu maximieren. daß Menschen danach strebten. die natürliche Selektion erlaube möglicherweise die Entstehung von altruistischem Verhalten. sofern die. wenn man erst einen Popanz aufbauen muß. unter denen sich seine Evolution vollzogen habe. daß die Evolutionspsychologie auf denselben theoretischen Grundannahmen basiert wie die Soziobiologie. ist. Derartige Abgrenzungen erzürnen altgediente Soziobiologen wie Richard Alexander von der Universität von Michigan.

B. ein weiterer Evolutionstheoretiker. der das Individuum angehöre. von Nutzen sei. Termiten und Nacktmulle zugrunde liege. um einen Fremden vor Räubern zu schützen. um das Überleben ihrer Kinder und anderer enger Verwandter zu sichern. dem die Evolutionspsychologen viel verdanken. . der zufolge die natürliche Auslese die Entstehung altruistischen Verhaltens dann begünstige. antwortete der britische Biologe J. Der barmherzige Samariter riskierte sein Leben. anschließend belohnte der Fremde den Samariter.25 Kurz darauf stellte der britische Biologe William Hamilton die Theorie der Verwandtenselektion auf. daß sie mathematisch nicht schlüssig sei. Doch die sogenannte Gruppenselektion kam in den sechziger Jahren außer Mode. S Haldane einmal schlagfertig: »Nein. ob er sein Leben für seinen Bruder hingäbe. schlug in den siebziger Jahren eine Lösung für dieses Rätsel vor. Auch wenn der Samariter aus echtem Mitgefühl und wirklicher Hochherzigkeit gehandelt habe. denn Gene für Altruismus verschwänden unter dem Druck der natürlichen Selektion.26 Das Konzept der Verwandtenselektion enthülle die evolutionäre Logik. Es könne auch die außerordentlichen Risiken und Opfer erklären. als der Evolutionstheoretiker George Williams und andere zeigten. die natürliche Auslese hätte möglicherweise die Entstehung altruistischer Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Nichtverwandten begünstigt.255 . Trivers behauptete.«27) Wie steht es mit den barmherzigen Samaritern. die dem Verhalten so hochsozialer Tiere wie Ameisen. indem er ihm Vieh und Gold schenkte. wenn dieses Verhalten die Fortpflanzungschancen der Verwandten des altruistischen Organismus verbessere.ses für die gesamte Gruppe. die menschliche Mütter und Väter auf sich nähmen. aber für zwei Brüder oder acht Cousins. (Auf die Frage. die ihr Leben für völlig fremde Menschen aufs Spiel setzen? Robert Trivers von der Rutgers-Universität. wenn solche Verhaltensweisen Altruisten unter dem Strich einen Vorteil brächten.

Sich auf Chomskys Reizmangelargument stützend.setze er doch nur eine egoistische Strategie auf Wechselseitigkeit um. weshalb der Altruismus gegenüber Nichtverwandten. Bewährungshelfer und Auszeichnungen für soziales Engagement?« fragte der Biologe H. den Bürgern den Wert von Mitleid und Freigebigkeit einzubleuen? »Weshalb gibt es so viele Kirchen. Allen Orr von der Universität von Rochester in einem kürzlich erschienenen Aufsatz über Altruismus. Cosmides behauptete. Rabbiner. zog Cosmides den Schluß.30 In einer Reihe von Experimenten wies Cosmides nach. also für diejenigen. altruistisches beziehungsweise »tugendhaftes« Verhalten sei möglicherweise »eines jener abiologischen. Richter. wenn diese Probleme in den Kontext sozialer Tauschhandlungen . die natürliche Selektion habe uns womöglich ein intuitives Gespür für »Betrüger« vermacht. Priester. als daß wir es allein durch Erfahrung hätten erwerben können. bei denen die Betreffenden argwöhnten. die uns bei reziproken Tauschhandlungen hintergingen.28 Skeptiker haben sich gefragt.256 . zurückgehen«.gestellt und nicht als rein logische Übungen präsentiert wurden. Und weshalb müßten so viele kulturelle Institutionen so viel Mühe darauf verwenden. wenn er tatsächlich in unseren Genen verankert sei. sondern auf schwer erkämpfte Erfahrungen dessen. . daß sie hintergangen würden . Trivers nannte diesen Mechanismus »reziproken Altruismus«. nicht von der Natur selektierten Merkmale. was sich in der menschlichen Gesellschaft bewährt hat. die nicht auf Gene. Er vertrat die Auffassung. daß unser Gespür für potentielle Betrüger zu empfindlich sei.und insbesondere solcher. die auf die Weitergabe seiner Gene abziele. daß Menschen Probleme sehr viel besser lösten. ein so zerbrechliches Merkmal der menschlichen Psyche und Geschichte sei.29 Trivers Hypothese von reziprokem Altruismus nimmt in der Evolutionspsychologie dennoch eine Schlüsselfunktion ein.

Evolutionspsychologen wie David Buss von der Universität von Michigan behaupten.neben vielen weiteren Aspekten der menschlichen Kultur – von der Fähigkeit des Menschen. die Entstehung einer flexiblen Problemlösungsfähigkeit begünstigt. Der Philosoph James Fetzer von der Universität von Minnesota meinte. wann uns jemand hintergehe. statt von angeborenen funktionsspezifischen »Modulen«. der wohl instinktgesteuertste Aspekt der menschlichen Natur. daß das menschliche Sexualverhalten ex. In Anbetracht dieser Tatsache habe die natürliche Auslese möglicherweise neben Modulen. die spezifische Aufgaben übernommen hätten. in der sich unsere Vorfahren entwickelten. Der britische Anthropologe Steven Mithen vertrat bei der HBES-Tagung weitgehend das gleiche Argument.31 Diese und viele andere menschliche Fähigkeiten.32 Er kritisierte. zu erspüren. daß viele Evolutionspsychologen behaupteten. so Mithen. unterschiedlichste Probleme zu lösen.33 Doch Buss räumte selbst ein. so Fetzers These. sei die Umwelt. weil wir mehr Situationen erster Art erlebten.oder Lernprogramm herrühren. sei vielleicht oftmals rationaler. könnten von einem universellen Intelligenz. die Evolution unserer Vorfahren habe sich unter mehr oder minder stabilen Umständen vollzogen. extrem veränderlich und unbeständig gewesen.257 . das sich stark auf Heuristiken beziehungsweise Versuch und Irrtum stütze. die gelegentlich zusammenfassend als die Umwelt der evolutionären Anpassung bezeichnet würden. als logische Probleme zu lösen. Selbst das Sexualverhalten.Doch selbst auf der HBES-Konferenz wurden Zweifel an der Hypothese vom Gespür für Betrüger laut. daß es uns vielleicht einfach deshalb leichter falle. Frauen seien instinktiv scheuer als Männer und mäßen instinktiv den Ressourcen ihrer Geschlechtspartner mehr Wert bei als rein körperlichen Merkmalen. Tatsächlich zeuge die Wissenschaft selbst . In Wirklichkeit aber. als die Evolutionspsychologen meinten.

daß Kinder mit einer um den Faktor sechzig höheren Wahrscheinlichkeit von einem Stiefelternteil – in der Regel einem Stiefvater . Nach der Auswertung von Mordstatistiken aus den Vereinigten Staaten und Kanada kamen sie zu dem Ergebnis. bei jedem sexuellen Kontakt das Risiko eingehen. ungeachtet von Verhütungsmaßnahmen. einige weibliche Individuen seien hoch promiskuitiv. daß ihr gegenwärtiger und künftiger soziokönomischer Status relativ unsicher ist. wenn sie versucht.ist die Annahme. geschwängert zu werden. daß Frauen flüchtige sexuelle Kontakte stärker meiden.wenn nicht plausibler . ist dies das widernatürlichste aller Verbrechen.258 . Nehmen wir einstweilen an. Sie wiesen darauf hin. diese Präferenzen seien das Ergebnis rationaler. die in der Fortpflanzung den höchsten Daseinszweck sehen. Martin Daly. und nicht alle zögen wohlhabende Männer gutaussehenden vor. ungewöhnliche menschliche Verhaltensweisen zu erklären.trem veränderlich sei.34 Für Darwinisten. Ebenso mag sich in der weiblichen Präferenz für ressourcenreiche Männer schlicht die rationale Erkenntnis der Frauen widerspiegeln. bewußter Überlegung. wie etwa die Ermordung von Kindern durch ihre Eltern. In den achtziger Jahren begannen sich Margot Wilson und ihr Gatte. . daß sie. daher ist es völlig rational. In der Pubertät erkennen die meisten Mädchen. die Evolutionspsychologen hätten mit ihren Annahmen über die weiblichen Sexualpräferenzen recht. Das Syndrom vom bösen Vater Die größten Schwächen zeigt die Evolutionspsychologie. Sind diese Präferenzen wirklich instinktgesteuert? Genauso plausibel .umgebracht werden als von einem natürlichen Elternteil. von der McMaster-Universität in Kanada mit dem Problem zu befassen. als es Männer tun.

die Kinder einer Partnerin zu töten oder zu schädigen . ein Buch. Dennoch werden die Studien von Wilson und Daly oft als ein Musterbeispiel darwinistischer sozialwissenschaftlicher Forschungen angeführt.35 Dieser Befund schien die Theorie von dem egoistischen Gen zu bestätigen. Männer. die Kinder ihrer Sexualpartnerinnen zu töten. die gewisse Männer dazu veranlassen. ihre Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert und ausgewogen beurteilt werden.38 . weil die große Mehrheit der Stiefväter ihre Kinder weder tötet noch mißbraucht.36 Man kann auf keinen Fall davon sprechen. die Kinder adoptieren. den sie mit Mäusen oder Affen gemein hätten. Männer hätten eine angeborene Disposition. wenn diese von anderen Männern gezeugt worden sind. das letzte Buch zu nennen. gab Steven Pinker Homicide an. die ihre Paarungspartnerinnen mit einem anderen Männchen zeugten. Als die New York Times 1997 führende Intellektuelle bat. Vielleicht haben sie nur widerwillig Verantwortung für die Kinder ihrer Ehefrau übernommen. sind ebenfalls atypisch. das sie zweimal gelesen hätten. Männchen zahlreicher Arten. töten die Nachkommen. Vielleicht sind sie ungewöhnlich starkem finanziellem und emotionalem Streß ausgesetzt. Wilson und Daly sagten selbst.aber genau das ist der Punkt. weil sie auf ihre emotionale und finanzielle Stabilität geprüft werden .37 Ironischerweise schrieb Pinker später einen Beitrag für das New York Times Magazine. Natürlich sind Männer. eher atypisch. die Stiefkinder mißbrauchen.den Boden entzog.ja der darwinistischen Psychologie insgesamt . von Mäusen bis zu Affen.daß diese Form der Tötung nichtverwandter Kinder in der Natur weit verbreitet sei. in dem Wilson und Daly eine evolutionstheoretische Deutung der menschlichen Gewalttätigkeit vorlegten. in dem er unabsichtlich den Forschungen von Daly und Wilson . Dies sind die Faktoren.259 .nicht irgendein instinktiver Drang. weil sie eine wichtige Frage aufgreifen und sich auf eine breite empirische Datenbasis stützen.

als knappe Ressourcen darauf zu verwenden.. Wenn Mütter ihre Neugeborenen beschützen (was fast alle tun). Jedwedes Verhalten und sein Gegenteil werden mit der evolutionären Auslese ›erklärt‹. Pinkers Beitrag.«39 . Wenn nun einige Mütter ihre Neugeborenen töten. so Fischers Kritik.Er befaßte sich in seinem Beitrag mit einer Serie von Vorfällen. sei sie möglicherweise das Ergebnis natürlicher Selektion. tötete es und ging dann wieder in den Tanzsaal zurück. so soll dies darauf zurückzuführen sein. daß unsere mütterlichen Vorfahren in bestimmten Streßsituationen besser beraten gewesen seien. [. schrieb Pinker. Ressourcen. ein Neugeborenes zu töten.) Obgleich Kindestötung durch die Mutter auf den ersten Blick als die Verletzung darwinistischer Prinzipien schlechthin erscheine. Dieses angeborene psychische Modul werde möglicherweise bei heutigen Müttern durch starken Streß aktiviert. »verdeutlicht. bei denen biologische Mütter ihre Neugeborenen getötet hatten. ist dies angeblich auch evolutionär adaptiv. die für die Selbsterhaltung der Mutter und ihrer älteren Nachkommen dringend benötigt wurden. Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung von Pinkers Aufsatz druckte die New York Times einen Leserbrief des Soziologen Claude Fischer von der Universität von Kalifornien in Berkeley ab. (In einem Fall brachte ein Mädchen bei einem HighSchool-Tanzabend in einer Toilettenkabine ein Kind zur Welt. daß dieses Verhalten evolutionär adaptiv ist. wie nichtssagend evolutionsbiologische Erklärungen des menschlichen Verhaltens geworden sind..260 .] Auf diese Weise aber wird gar nichts erklärt. Er verwies darauf.

die meisten psychischen und verhaltensbezogenen Unterschiede.« Selbst wenn diese Vermutung zutrifft. seien auf Umweltfaktoren zurückzuführen. Die Evolutionsbiologen haben zwei Beweggründe. doch hilft sie uns in dieser Frage kaum weiter. Modelle der menschlichen Natur zu entwerfen. distanzieren sich Evolutionspsychologen oftmals von derartigen Erklärungen.261 . welcher Vater oder Stiefvater oder welche Mutter oder Stiefmutter ein Kind mißbrauchen beziehungsweise töten wird. weil die meisten Frauen in Streßsituationen ihre Kinder nicht töten. Zweitens er. daß bestimmte Mütter eine genetische Veranlagung für eine schwere Wochenbettdepression haben. »Die Annahme einer erblichen Variabilität des menschlichen Verhaltens wird im allgemeinen von adaptionistischen Theorien weder vorhergesagt noch untermauert. so behaupteten sie. die genetische Variation habe sich im Verlauf der Evolution als Schutzmechanismus gegen Parasiten herausgebildet. in bestimmten Streßsituationen ihre Säuglinge zu töten.Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden Die Evolutionspsychologie wäre äußerst nützlich. Das würde vielleicht ein Verhaltensgenetiker anführen. wenn die meisten Gemeinsamkeiten auf Gene zurückgeführt werden können und die meisten Unterschiede auf die Umwelt. Doch wie ich bereits am Ende des letzten Kapitels erwähnte. Auf die Frage »Weshalb hat diese Frau ihr Kind getötet?« antwortet sie: »Alle Frauen sind aufgrund einer angeborenen Disposition imstande. die Individuen auszeichnen. Diese Variationen. um diese Annahme zu machen. wenn sie vorhersagen könnte. ist sie diskussionswürdig. Erstens ist es sehr viel einfacher. hätten unter Umständen geringfügige psychische oder verhaltensbezogene Auswirkungen. Eine mögliche Erklärung für Kindestötungen liegt darin.«40 In ähnlicher Weise haben Cosmides und Tooby die Vermutung geäußert.

als durch genetische Unterschiede erklärt werden können. Die Evolutionspsychologen können auf diese Weise die Kritik vermeiden. Ungeachtet all ihrer Unzulänglichkeiten sind mit der Verhaltensgenetik immerhin gewisse Hoffnungen verbunden.laubt diese Annahme Evolutionspsychologen. In Wie das Denken im Kopf entsteht klammerte Steven Pinker psychische Erkrankungen (bis auf Autismus) aus. läßt er sich auch nicht ausschließen. zwei herausragende Vertreter des Neodarwinismus. um ihren Zauber zu entfalten. weil sie unseren Vorfahren gewisse Vorteile gebracht hätten. Schizophrenie. wonach viele der beobachteten Unterschiede zwischen Individuen und. rassischen Gruppen eher durch Umwelt.262 . das sie benötigt. Nicht so die Evolutionspsychologie. wie die Evolutionspsychologen behaupten. Panikattacken und andere Erkrankungen hätten überdauert. wenn sie unsere Gemeinsamkeiten erklären können. die Werke wie The Bell Curve auf sich zogen. In ihrem 1994 erschienenen Buch Warum wir krank werden stellten der Evolutionsbiologe George Williams und der Psychiater Randolph Nesse. daß sie klinisch verwertbare Informationen über Verhaltensund kognitive Störungen zutage fördern wird. die Hypothese auf. Zudem können die Gene. zweifellos auch unsere Unterschiede erklären. Die Schizophrenie beispielsweise steigere möglicherweise die Kreativität oder schärfe das Gespür einer Person für die Gedanken anderer Menschen. Depression. Obgleich der Zusammenhang zwischen spezifischen genetischen Unterschieden und spezifischen Verhaltensunterschieden keineswegs erwiesen ist (wie ich in dem vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte).42 .41 Ohne genetische Variation zwischen Individuen fehlte der natürlichen Auslese das Material. widersprechen ihren eigenen Prämissen. das klassische Prinzip des Liberalismus zu vertreten. es könnte keine Evolution stattfinden. die die Erkenntnisse der Verhaltensgenetik als belanglos abtun. was noch wichtiger ist. Doch Evolutionspsychologen.

Beispiele von noch geringerer Überzeugungskraft legten der jungianische Psychoanalytiker Anthony Stevens und der Psychiater John Price in ihrem 1996 erschienenen Buch Evolutionary Psychiatry: A New Beginning vor.43 Frauen seien anfälliger für Agoraphobic (Angst vor offenen Räumen), mutmaßten Stevens und Price, weil bei unseren urzeitlichen Vorfahren die Mütter mit den Kindern zu Hause geblieben seien, während die Männer auf die Jagd gingen. Zwangsstörungen seien möglicherweise ein Überbleibsel der Gewohnheit unserer Ahnen, ständig den Zustand von Zäunen und anderen Schutzmaßnahmen gegen Raubtiere und feindliche Sippen zu überprüfen. Die Homosexualität sei möglicherweise deshalb nicht ausgestorben, weil Homosexuelle ihren Verwandten bei der Aufzucht von Kindern geholfen und so die »inklusive Fitneß« (Gesamteignung) ihrer Familie erhöht hätten. Als Beleg für diese Hypothese führten Stevens und Price an, daß wohlhabende Homosexuelle heutzutage »manchmal ihre Freunde schockieren, indem sie den Großteil ihres Vermögens [...] einem Neffen oder einer Nichte vermachen, zu denen sie möglicherweise seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten«. »Armer Darwin!« schrieb der britische Biologe Steven Rose in seiner Rezension der Evolutionary Psychiatry in Nature mitleidsvoll. »In den letzten zwanzig Jahren sind in deinem Namen mehr inhaltsleere Spekulationen und dogmatische Behauptungen veröffentlicht worden als in den ganzen hundert Jahren davor, und der Strom reißt noch immer nicht ab.« Er fügte hinzu: »In einer Zeit, in der sowohl die Evolutionstheorie als auch die Psychiatrie von eingefleischten Verfechtern des kulturellen Determinismus angegriffen werden, verdienten sie von ihren Anhängern bessere Dienste.«44

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Darwinistische Kulturalisten Ironischerweise sind einige prominente Neodarwinisten aufgrund ihres Bestrebens, nicht als genetische Deterministen gebrandmarkt zu werden, praktisch nicht mehr von ihren vermeintlichen Erzgegnern, den kulturellen Deterministen, die den Einfluß der Kultur auf die menschliche Natur hervorheben, zu unterscheiden. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Anthropologe Napoleon Chagnon45, der wie Cosmides und Tooby an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara lehrt. Chagnon, einer der Mitbegründer der HBES und eine Zeitlang deren Präsident, ist ein echter Bramarbas, der mit großem Vergnügen immer wieder seine zahlreichen wagemutigen Großtaten unter den Yanomamö erzählt, einem Volksstamm im Amazonien, den er in den sechziger Jahren zu erforschen begann. In dieser polygynen Gesellschaft - einer der wenigen, die noch an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten - überfallen die Männer eines Dorfes gelegentlich andere Dörfer, wobei sie deren männliche Bewohner töten und die weiblichen entführen. Männer aus demselben Dorf kämpfen auch gegeneinander, wobei sich diese Streitigkeiten oftmals an Frauen entzünden. Bei einem Duell versuchen die Gegner, sich gegenseitig mit riesigen Knüppeln auf den Kopf zu schlagen, bis einer bewußtlos zusammenbricht oder kampfunfähig wird. Die Männer tragen die Beulen und Narben, die sie sich bei diesen Duellen zuziehen, wie Auszeichnungen zur Schau. Der aufsehenerregendste Befund, der aus Chagnons mehrjährigen Feldforschungen im Dschungel hervorging, war, daß Männer, die die meisten Gegner getötet hatten, auch die meisten Nachkommen hätten. Umgekehrt hätten die Männer, die gewalttätige Auseinandersetzungen scheuten - Chagnon nannte sie einmal »Schwächlinge« -, relativ wenige Kinder oder gar keine.
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Chagnons Entdeckung hat bedrückende Implikationen. Wenn die Neigung zur Gewalttätigkeit bei bestimmten Männern genetisch verankert ist, könnte die natürliche Auslese diese Gene in Kulturen vom Yanomamö-Typ, in denen Gewalttätigkeit hoch mit Fortpflanzungserfolg korreliert, begünstigen. Doch Chagnon wehrte sich gegen diese Deutung, zumindest im Gespräch mit mir. Er betonte, er glaube nicht, daß Yanomamö-Männer oder andere ein »Kampfgen« in sich trügen, was ihm von einigen Kritikern und Journalisten unterstellt worden sei. Die Yanomamö-Männer, so Chagnon, zeigten nicht deshalb aggressives Verhalten, weil sie von Natur aus gewalttätig seien, sondern weil gewalttätiges Verhalten in ihrer Kultur hoch geschätzt werde. Die Anführer der Yanomamö-Dörfer würden Gewalttätigkeit in einer kontrollierten Weise einsetzen; Männer, die ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle hätten, lebten nicht lange genug, um Kinder zu zeugen. Wenn Yanomamö-Männer in einer Gesellschaft aufwüchsen, in der nicht die Kampffähigkeit, sondern die Tüchtigkeit bei der Feldbestellung in hohem Ansehen stünde, meinte Chagnon, würden sie sich schnell an dieses System anpassen. Ich sagte zu Chagnon, diese Erklärung könnte auch von dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould stammen; schließlich habe auch Gould die Formbarkeit der menschlichen Natur betont (weshalb er von den meisten Evolutionspsychologen als ihr Erzfeind angesehen wird). Ich wollte Chagnon mit dem Vergleich provozieren, doch zu meiner Überraschung widersprach er nicht. »Steve Gould und ich sind vermutlich in vielen Punkten einer Meinung«, antwortete Chagnon. Evolutionspsychologen (oder Anthropologen wie im Fall Chagnons) tun gut daran, die Neigung von Menschen, sich an ihre Kultur anzupassen, zuzugeben. Wie könnten sie die enorme Variabilität des Sozialverhaltens zwischen und selbst innerhalb von Kulturen sonst erklären? Japan war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine extrem aggressive,
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kriegslüsterne Gesellschaft, doch seit dem Zweiten Weltkrieg ist es eine Nation von Pazifisten. Leider stellt die kulturelle Anpassung auch ein Problem für die Evolutionspsychologie dar. Um zu beweisen, daß ein Merkmal angeboren ist, versuchen Evolutionspsychologen zu zeigen, daß es in allen Kulturen vorkommt. So haben Evolutionspsychologen beispielsweise durch kulturvergleichende Studien den Nachweis erbringen wollen, daß Männer von Natur aus stärker zu promiskuitivem Sexualverhalten neigen als Frauen. Doch angesichts der engen wechselseitigen Beziehungen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen nahezu allen Kulturen, selbst den sogenannten primitiven, bestehen, sind einige der universellen »instinktiven« Einstellungen und Handlungen, die von darwinistischen Forschern dokumentiert wurden, möglicherweise auf soziale Anpassung zurückzuführen. Das behaupteten die kulturellen Deterministen von jeher. Nach Ansicht von Evolutionspsychologen wie Cosmides und Tooby bestimmen Gene unsere Gemeinsamkeiten und Umweltfaktoren unsere Unterschiede. Doch auch das Gegenteil könnte zutreffen, zumindest zum Teil; die Kultur könnte viele unserer Gemeinsamkeiten erklären und die genetische Variation viele unserer Unterschiede.

Die Hypothese der Geburtenfolge Die Abneigung der Evolutionspsychologen gegen die Verhaltensgenetik mag erklären, weshalb sich so viele von ihnen die Hypothese der »Geburtenfolge«, die der Historiker Frank Sulloway vom Massachusetts Institute of Technology aufstellte, zu eigen gemacht haben. Auf der Grundlage der Darwinschen Theorie behauptete Sulloway, daß ein rein empirisches Phänomen - der Rangplatz eines Kindes in der Geburtenfolge seiner Geschwister - zu tiefgreifenden, dauerhaften Unterschieden
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in der Persönlichkeit zwischen Geschwistern führen könne.46 Sulloway zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß erstgeborene Kinder konservativ seien, den Status quo unterstützten und sich neuen wissenschaftlichen und politischen Ideen widersetzten, sehr viel größer als bei ihren spätergeborenen Geschwistern. Spätergeborene Kinder seien im allgemeinen abenteuerlustiger, radikaler, aufgeschlossener und risikobereiter. (Sulloway ist selbstverständlich der jüngste von drei Brüdern.) Sulloway behauptete, eine von Robert Trivers aufgestellte Theorie erkläre diese Befunde. Trivers weise darauf hin, daß, mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen, Geschwister lediglich in fünfzig Prozent ihrer Erbanlagen miteinander übereinstimmten. Obgleich Geschwister untereinander freigebiger sein sollten als gegenüber Nichtverwandten, sollten sie gleichzeitig um die Zuneigung der Eltern und um andere »Ressourcen« konkurrieren. Je länger Kinder die Risiken des frühen Kindesalters überlebten, um so höher sei die Wahrscheinlichkeit, daß sie (unter ansonsten gleichen Bedingungen) sich fortpflanzten und die Gene ihrer Eltern weitergäben. Daher brächten Eltern älteren Kindern mehr Zuneigung entgegen und investierten mehr Ressourcen in sie. Aus dieser Tatsache, so Sulloway, folge, daß Kinder, die zu verschiedenen Zeitpunkten geboren worden seien, unterschiedliche Strategien verfolgen müßten. Erstgeborene sollten eine enge Beziehung zu ihren Eltern aufrechterhalten und ihre Autorität nicht in Frage stellen. Da Spätergeborene weniger zu verlieren hätten, sei bei ihnen der Anreiz größer, sich Veränderungen und Unbotmäßigkeit um ihrer selbst willen zu eigen zu machen. »Aus darwinistischer Sicht ist es schlechterdings unmöglich, daß der Rang in der Geburtenfolge keine Auswirkungen haben sollte«, postulierte Sulloway in einer Rede auf der Konferenz der HBES. Sulloway sagte, diese Schlußfolgerungen seien durch zahllose Studien belegt. Er behauptete zudem, »erdrückende« Beweise
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dafür zusammengetragen zu haben, daß die meisten großen - wissenschaftlichen und politischen - Revolutionen in der Geschichte der Neuzeit von Spätergeborenen initiiert und unterstützt worden seien, während die »konservativen« Erstgeborenen sie bekämpft hätten. Darwin beispielsweise war das siebte von acht Kindern, und die Anhänger seiner Theorie seien nach Sulloways Analyse ebenfalls häufig Spätergeborene gewesen. Die Reformation und die kopernikanische Wende seien weitere grundlegende historische Umwälzungen, die hauptsächlich von Spätergeborenen angezettelt worden seien. Sulloway hatte Erklärungen für alle Ausnahmen von dieser Regel parat. Martin Luther, ein Erstgeborener, sei ein einfacher Kleriker von der untersten Stufe der kirchlichen Hierarchie gewesen und habe daher seinen Konservatismus überwinden können. Newton war ein Erstgeborener, doch sein Vater starb vor seiner Geburt; außerdem haßte er seinen Stiefvater, daher habe er die enge Bindung an die Eltern, die typisch für die meisten Erstgeborenen sei, nicht entwickelt. Freud war ein Erstgeborener, doch als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft habe er viele Merkmale eines Spätergeborenen besessen. Die Französische Revolution wurde weitgehend von Erstgeborenen, wie etwa Robespierre, getragen, doch sie habe sich durch eine außergewöhnliche Blutrünstigkeit und Grausamkeit ausgezeichnet, und dies seien Merkmale von Spätergeborenen. Der Rebell der Familie, in dem Sulloway seine Theorie darlegte, stieß nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1996 auf eine weithin positive Resonanz. Sulloways einstiger Lehrer Edward Wilson nannte es »eines der maßgebenden und bedeutendsten Werke in der Geschichte der Sozialwissenschaften«. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy sagte voraus, daß Sulloways Werk »genauso einflußreich sein wird wie die Schriften von Freud und Darwin«. Man rechnet zwar damit, daß der Text auf der Rückseite eines Buches übertriebene Anpreisun- 268

gen enthält, doch die Berichterstattung im New Yorker, in Newsweek und in anderen Publikationen war genauso hymnisch. Selbst Jay Gould, der die Evolutionspsychologie ansonsten vernichtend kritisiert, lobte Sulloways Arbeit, die letztlich der Umwelt (wenn auch in darwinistischer Verkleidung) bei der Prägung der Persönlichkeit genausoviel Bedeutung beimesse wie der Anlage.47 Doch nur weil Sulloways These Wissenschaftlern jeglicher politischer Couleur gefällt, bedeutet das nicht, daß sie richtig ist. Sulloways Schlußfolgerungen widersprechen denjenigen in dem Buch Birth Order: Its Influence on Personality von 1983.48 Die Autoren, die Schweizer Psychiater Cecile Ernst und Jules Angst, werteten Hunderte von älteren Studien aus, die einen Zusammenhang zwischen der Geburtenfolge und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen herzustellen versuchten, und führten dann eine eigene Erhebung an 7582 Einwohnern Zürichs im Schulabschlußalter durch. Sie gelangten zu dem Schluß, daß sich die Geburtenfolge nicht auf die Persönlichkeit auswirke und daß fortgesetzte Versuche, derartige Auswirkungen zu finden, »eine reine Zeit- und Geldverschwendung« seien.49 Sulloways Projekt war bereits weit vorangeschritten, als er auf das Buch von Ernst und Angst stieß. Er behauptete, er habe ihre Daten nochmals ausgewertet und dabei festgestellt, daß diese in Wirklichkeit seine These stützten. Er kam nicht zuletzt deshalb zu diesem Ergebnis, weil er gewisse Studien über die Effekte der Geburtenfolge ausklammerte, in denen die Probanden ihre Persönlichkeit selbst beurteilten, wozu auch die große Untersuchung gehörte, die Ernst und Angst in Zürich durchgeführt hatten. Die »Selbsteinschätzungsstudien« seien praktisch wertlos, so Sulloway, weil die Selbstbeurteilungen von Personen extrem subjektiv verzerrt seien. Nachdem ich Angst in Zürich ausfindig gemacht hatte, teilte er mir per E-Mail mit, er könne »weder nachvollziehen
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noch verstehen«, weshalb Sulloway die von ihm und Ernst für ihr 1983 erschienenes Buch erhobenen Daten nochmals ausgewertet habe. Sulloway habe »eine eindrucksvolle Serie von Fallgeschichten und -beispielen« angeführt, sagte Angst. »Aber meines Erachtens spielt er auf einem anderen Register: Historische Untersuchungen sind naturgemäß retrospektiv, nicht repräsentativ und nicht verallgemeinerungsfähig, und sie können daher die Befunde sorgfältig geplanter empirischer Untersuchungen nicht widerlegen.« Auch die Psychologin Judith Harris hat Sulloways Methode beanstandet. In ihrem 1998 erschienenen Buch The Nurture Assumption wies Harris daraufhin, Sulloway habe sich bei seinen Schlußfolgerungen stark auf Studien gestützt, in denen die Persönlichkeit der Probanden von Verwandten - nämlich Geschwistern und Eltern - bewertet worden sei. Doch diese Methode sei besonders schlecht geeignet, um Sulloways These von der Bedeutung des Geburtenfolge zu überprüfen. Sie führte aus, die These besage im wesentlichen, daß die Konkurrenzstrategien, die Geschwister während der Kindheit innerhalb ihrer Familie benutzten, sich in ihren Beziehungen außerhalb des Elternhauses fortsetzten und sich bis ins Erwachsenenalter hielten. »Einflüsse der Geburtenfolge lassen sich häufig in Beurteilungen durch Eltern und Geschwister nachweisen; sie fehlen jedoch meistens in Erhebungen, die außerhalb des familiären Kontextes vorgenommen werden.«50

Darwin und Freud Eine ähnliche Kritik an Der Rebell der Familie hörte ich von Steven Pinker, einem Kollegen Sulloways am MIT und wie dieser Darwinist. Obgleich er in Wie das Denken im Kopf entsteht Sulloways Der Rebell der Familie lobte, sagte er mir, er hege Zweifel an Sulloways These; sie mute ihn allzu freudia- 270

der überzeugt davon war. darüber entscheidet. die uns in der Regel nicht bewußt wird. wie wir mit der Außenwelt interagieren. daß »die Art und Weise. einem Neurologen. Vor der Publikation von Der Rebell der Familie hatte sich Frank Sulloway vor allem als Freud-Kritiker hervorgetan. sofern es überhaupt erreichbar sei.51 Sulloway gehe wie Freud davon aus. wie wir mit unserer Familie interagieren. angefangen von Darwin und Lamarck bis hin zu Wilhelm Fliess.271 . Beide sind sich der Grenzen unserer Vernunft und der Macht unserer Instinkte deutlich bewußt. Wie viele andere Ideen in der Evolutionspsychologe läßt sich auch diese auf eine Hypothese zurückführen. Biologe der Seele vertrat Sulloway die Auffassung. und alles Glück sei vergänglich. Beide sehen Männer und Frauen als grundverschieden und in manchen Aspekten sogar als nicht zusammenpassend an. Beiden ist eine grundlegende tragische Sicht der menschlichen Natur gemein: Das Leben sei ein Kampf. die Robert . als diese normalerweise zuzugeben bereit sind.« Die Ironie von Pinkers Bemerkung war verblüffend. Das Unbewußte nimmt in der Evolutionspsychologie einen ebenso großen Raum ein wie in der Psychoanalyse.52 In Wahrheit gibt es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Evolutionspsychologen und Freudiänern. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. Freud sei alles andere als ein origineller Denker gewesen und habe hemmungslos Anleihen bei anderen Wissenschaftlern gemacht. sie können praktisch jeden Aspekt des menschlichen Seelenlebens und Verhaltens erklären und lassen sich somit nicht widerlegen. Beide Theorien besitzen eine nahezu unbegrenzte Flexibilität. Die egoistischen Gene der Darwinisten motivieren uns wie das Es der Freudianer in einer Weise. In seinem 1982 erschienenen Buch Freud.nisch an. daß die Nase im Zentrum vieler psychischer Störungen stehe. Das ist nicht offenkundig so.53 Für beide ist die Sexualität der Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Psyche.

272 . Ein besonders angespanntes Verhältnis müsse zwischen den Kindern und dem Vater bestehen. Wie sagte George Orwell doch einmal: »Das Geheimnis der Herrschaft besteht darin. wir hätten gute evolutionäre Gründe. daß ihre Eltern zu erschöpft seien. der stärker motiviert sei als die Mutter. Der Evolutionspsychologe David Buss .56 Die divergierenden genetischen Interessen von Familienangehörigen könnten Spannungen nicht nur zwischen Geschwistern. was den Anteil jedes Kindes an den elterlichen Ressourcen verringerte. Sex zu haben. um an Sex zu denken. denn aus diesem Verhältnis könnten weitere Nachkommen hervorgehen. aus unseren Fehlern nicht zu lernen.54 Andererseits sollten wir nicht so selbstverblendet sein.«55 Wie die Freudianer hat auch Trivers die Familie als einen »Konfliktherd« dargestellt. Die Kinder forderten daher so viel Aufmerksamkeit. Uneigennützigkeit und Stärke zu übertreiben und unseren Egoismus. Er erklärte.57 Nach Ansicht von Wilson und Daly müsse der Neid auf das sexuelle Verhältnis der Eltern bei Jungen und Mädchen gleich stark sein.Trivers in den achtziger Jahren formulierte. haben Margot Wilson und Martin Daly (die Entdecker des Syndroms des »bösen Stiefeiters«) eine darwinistische Deutung des Ödipuskomplexes vorgeschlagen. von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. unsere Unzuverlässigkeit und andere Unzulänglichkeiten herunterzuspielen. den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit mit der Gabe zu verbinden. die ihre eigenen Lügen glaubten und somit den Anschein der Aufrichtigkeit erweckten. Aufbauend auf diesen Ideen. sondern auch zwischen Eltern und ihren Nachkommen erzeugen. das heißt. um unsere eigene Vertrauenswürdigkeit. Die erfolgreichsten Lügner seien nach Ansicht von Trivers diejenigen. Letztlich scheuen sich die Darwinisten ebensowenig wie die Freudianer. mit Hilfe ihrer theoretischen Instrumente ihre Kritiker zu analysieren. weitere Nachkommen zu zeugen.

die den Nachweis erbrächten. der Widerstand gegen die Evolutionspsychologie sei weniger auf berechtigte wissenschaftliche Einwände zurückzuführen als vielmehr auf den Wunsch der alten Garde von Psychologen. daß ihre Auffassung richtig und die alternative Sichtweise falsch ist und umgekehrt. unter anderem die Kopenhagener Interpretation. Daher ist . daß jede Interpretation die verfügbaren Daten erklärt und daß es keine Möglichkeit gibt. vor allem angesichts des glühenden Eifers. Aber sie können keine Experimente durchführen. auf empirische Weise herauszufinden. das sich mit der »Interpretation« . so würde ich vermuten. Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft Die Evolutionspsychologie zeichnet sich in vielerlei Hinsicht durch eine seltsame Folgenlosigkeit aus. Er erhob im Psychological Inquiry den Vorwurf.verfolgte diese Taktik. Dieses Dilemma erinnert mich an jenes Teilgebiet der Physik. die Viele-Welten-Interpretation und die Pilotwellentheorie.und Prestigeverlust (und. mit dem sie von ihren Anhängern angepriesen wird. einen Rückgang sexueller Kontaktchancen). daß sie sich in darwinistischen Kategorien erklären läßt. welche Interpretation die richtige ist.58 Buss plädierte dafür.273 . die »traditionellen Psychologen« befürchteten einen Status. sich vor einem tatkräftigen Neuanfang zu schützen. ob Kritiker der Evolutionspsychologie im allgemeinen Erstgeborene seien.das heißt der Erschließung der metaphysischen Bedeutung .der Quantenmechanik befaßt. die nach Frank Sulloway anlagebedingt jegliche Veränderung ablehnten. Es wurden viele unterschiedliche Interpretationen vorgeschlagen.59 Das Problem besteht darin. durch Studien herauszufinden. Evolutionsforscher können jede beliebige Menge psychologischer und sozialer Daten heranziehen und zeigen.

Doch dies wirft sogleich eine Frage auf. Wenn die Evolutionstheorie empirisch so gut abgesichert ist. Ebensowenig läßt sich allein anhand empirischer Daten entscheiden. daß diese Theorie »die beste Einzelidee aller Zeiten« ist. Sinn und Zweck mit dem Bereich von Raum und Zeit. sich bei seiner Wahl auf ästhetische Präferenzen zu stützen. Wenn wir adaptionistische Erklärungen der Natur anerkennen würden. aber auch von äußerst kenntnisreichen Wissenschaftlern abgelehnt? Einige Kritiker. Darwins Idee habe »mit einem Schlag den Bereich von Leben. müßten wir uns wohl damit abfinden.man gezwungen. daß viele unerfreuliche Phänomene des modernen Lebens – rücksichtsloser Kapitalismus. die genauso zweifelsfrei erwiesen sei wie jede andere wissenschaftliche Tatsache. ob die Evolutionspsychologie richtig und der Kulturdeterminismus falsch ist. haben eindeutig politisch motivierte Vorbehalte gegen die Darwinschen Theorien.60 Die Evolution durch natürliche Selektion solle nicht länger eine Theorie genannt werden. Obgleich sich die Darwinsche Theorie der Evolution durch natürliche Selektion meines Erachtens für das Verständnis der menschlichen Natur nicht sonderlich bewährt hat. Rassismus. Ursache und Wirkung. so ihre Befürchtung. Richard Dawkins und andere so viel Energie darauf verwenden. bin ich mit dem Philosophen Daniel Dennett einer Meinung. Nationalismus und der. politische oder philosophische Wertmaßstäbe zurückgreifen. insbesondere die eher linksstehenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin (und vermutlich auch Noam Chomsky. ihren Reiz zu preisen? Weshalb wird der Darwinismus als Theorie der gesamten Natur (nicht bloß der Spezies Mensch) von religiösen Fundamentalisten.274 . Sexismus. Mechanismus und physikalischem Gesetz vereinigt«. Man muß auf ästhetische. sie sei eine Tatsache. obwohl er es bestreitet). Dennett schrieb in Darwins gefährliches Erbe. weshalb müssen dann Wissenschaftler wie Daniel Dennett.

beantworten Evolutionsforscher diese Frage nicht einhellig.61 Der Elementarteilchenphysiker Steven Weinberg schrieb einmal: »Je begreiflicher uns das Universum wird. die natürliche Auslese sei durch die moderne Medizin und andere Produkte der Zivilisation so abgeschwächt worden. Wie weit kann die Evolution gehen? Werden die Menschen immer intelligenter werden? Wird aus dem Homo sapiens eines Tages eine intelligentere Spezies hervorgehen. weshalb überhaupt Leben entstanden sei beziehungsweise weshalb das Leben nach seiner Entstehung den Weg eingeschlagen habe. etwa die Gruppenselektion. daß die Evolutionstheorie. Wenn man bedenkt. so wie wir aus den Affen hervorgingen ? Wie nicht anders zu erwarten. der sich über seine Unwahrscheinlichkeit den Kopf zerbrechen kann. wozu genetische Theorien in der Vergangenheit benutzt wurden.«62 Die Geschichte der Biologie legt einen daraus folgenden Aphorismus nahe: Je begreiflicher uns das Leben wird.275 . Die Evolutionstheorie wirft Fragen über unsere Zukunft und unsere Vergangenheit auf. Wissenschaftler haben verschiedene Zusatzmechanismen vorgeschlagen. daß tiefgreifende körperliche oder geistige Veränderungen beim Men. Der absolut unwahrscheinlichste Organismus von allen ist derjenige.gleichen . die das Phänomen Leben wahrscheinlicher und gesicherter machen sollten. um so unwahrscheinlicher erscheint es auch.bis zu einem gewissen Grad wahrscheinliche und sogar unvermeidliche Produkte der Evolution seien und sich nicht leicht ändern ließen. um so sinnloser erscheint es auch. Sie befürchten. den wir heute rekonstruieren können. selbst wenn sie von der modernen Genetik und Molekularbiologie gestützt werde. die Gaia-Hypothese und die Komplexitätstheorie. die Wirklichkeit nicht hinlänglich wahrscheinlich mache. sind derartige Vorbehalte nicht unbegründet. Der Darwinismus könne uns nicht erklären. Andere erheben aus dem entgegengesetzten Grund Einwände gegen den Darwinismus. Einige behaupten.

276 . daß Geschöpfe mit Bewußtsein seit etwa zwanzig Millionen Jahren existieren: Welche großen Fortschritte haben die Maschinen in den letzten tausend Jahren gemacht? Wird die Welt nicht weitere zwanzig Millionen Jahre bestehen? Und was wird am Ende wohl aus ihnen werden?«65 Dieselbe Rhetorik. sondern sozusagen der letzten fünf Minuten.sehen unwahrscheinlich seien. daß Samuel Butler sie in seinem Science-fiction-Roman Erewhon aus dem Jahr 1872 satirisch aufs Korn nahm.63 Falls es keine bahnbrechenden Fortschritte in der Verhaltensgenetik oder breitangelegte Eugenikprogramme gebe.] Die komplexeren Maschinen sind. sondern das gesamte Weltall von superintelligenten Maschinen regiert wird.64 Nach dem phantastischsten Szenario werde die nächste Phase der Evolution von Maschinen getragen. die um ein vielfaches intelligenter seien als ein Mensch. Selbst zur Zeit Darwins waren solche Phantasien bereits derart verbreitet. bietet keine Garantie dafür. [. wenn sie das hören. an dem nicht nur die Erde.. abzüglich der Ironie. »Weshalb gibt es in Romanen so viele Roboter. Sie sind überzeugt davon. daß unsere Nachfahren möglicherweise tiefgreifende Veränderungen durchmachen würden.. gemessen an der Vergangenheit. Andere Theoretiker mutmaßen. würden wir weitgehend auf dem heutigen Entwicklungsstand verharren. keine Geschöpfe von gestern. in der Wirklichkeit aber nicht?« fragte Steven Pinker in Wie das Denken im Kopf ent. daß der Tag kommen wird. Nehmen wir einmal hypothetisch an. daß eines Tages nicht doch einmal Maschinen mit Bewußtsein entwickelt werden. daß Maschinen heute kaum Bewußtsein besitzen. wird noch heute von leidenschaftlichen Anhängern der Künstlichen Intelligenz wie Marvin Minsky vom Massachusetts Institute of Technology und Hans Moravec von der Carnegie-Mellon-Universität benutzt. Darin verkündet ein verrückter Wissenschaftler: »Die Tatsache.66 Einige Neodarwinisten verdrehen die Augen.

die spezifische Aufgaben wahrnähmen. Planen und in unserem ganzen Tagesablauf lösen. Im Jahr 1998 räumte Fodor jedoch die Grenzen dieser Annahmen ein. daß »die technischen Probleme. so Pinker. die »sich dem Integrationsproblem nicht stellt«. und im nächsten vermutlich auch nicht. ja stellte sie sogar nachdrücklich heraus. daß konstruktive Eigentümlichkeiten unseres Sehmoduls vielfältige Sinnestäuschungen erzeugten. Farben zu erkennen oder einen Satz grammatisch zu analysieren.steht. Bestimmte kognitive Aufgaben. doch die Untergliederung des Geistes in viele kleine anwendungsspezifische Rechner oder Module beantworte noch immer nicht die Frage. »Ich würde viel Geld für eine Maschine ausgeben. wie die Ergebnisse all dieser modularen Berechnungen integriert würden. sondern in Module eingeteilt. wies Fodor darauf hin. »steckt noch immer in den Kinderschuhen«. Eine Psychologie.«67 Dies liege daran. schrieb Fodor in einer Besprechung von Wie das Denken im Kopf entsteht. HAL aus 2001 und RaÜ2 aus Krieg der Sterne werden vielleicht für immer Produkte der Sciencefiction bleiben. der Geist sei kein lernender Allzweckrechner. wie etwa die Fähigkeit. so wirke der Mond . Aber in diesem Jahrhundert wird sich das nicht mehr einrichten lassen. Fodor gehörte einst zu den führenden Verfechtern der »Computertheorie des menschlichen Geistes« und der Hypothese. die wir Menschen beim Sehen.277 . könnten in der Tat auf Rechenprozesse zurückgeführt werden. lautete sein Fazit. Nach Ansicht des Philosophen und Kognitionswissenschaftlers Jerry Fodor von der Rutgers-Universität stehen Evolutionspsychologie und Künstliche Intelligenz bei der Beschreibung des menschlichen Geisteslebens vor demselben Problem. weitaus schwieriger [sind] als die Landung auf dem Mond oder die Sequenzierung des menschlichen Genoms«. Gehen. die das Geschirr wegräumt oder einfache Aufträge erledigt.69 Um dieses Problem zu verdeutlichen.68 Anders gesagt.

Sie können den Geist zwar in Stücke zerlegen. In ähnlicher Weise ist der Alltagsverstand in herausragender Weise genau das. die wir bauen können. aber sie haben keine Ahnung. wie sie diese wieder zusammensetzen sollen. die einer sorgfältigen Prüfung durch einen intelligenten Fünfjährigen standhielte. Doch die meisten von uns wüßten. der Output unseres Sehmoduls müsse auf irgendeine Weise mit dem Output anderer Module verrechnet werden. was die Computer. Ein fehlender Bestandteil von entscheidender Bedeutung ist der altbewährte Alltagsverstand. »So wie die Dinge heute stehen«. nicht besitzen. .« Wie die Neurowissenschaftler rennen auch die Forscher der Evolutionspsychologie und der Künstlichen Intelligenz gegen das Dilemma des Reduktionismus an. was man »Alltagsverstand« nenne. um das zu erzeugen.278 . »besitzen wir keine Theorie der Psychologie des Alltagsverstands. meinte Fodor. daß sie einer Sinnestäuschung erliegen.in der Nähe des Horizonts größer. als wenn er hoch am Himmel stehe.

als ich die kommerziellen Interessen bereits fallengelassen hatte. John McCarthy und andere Wegbereiter der Künstlichen Intelligenz. was Er1 kenntnis sei. der Monatsschrift des Institute of Electrical and Electronics Engineers. Sie ergötzte uns mit Anekdoten über Herbert Simon.279 . als ich eine Stelle beim IEEE Spectrum antrat. Machines Who Think2 (man beachte das hintersinnige »who«!). Aber sie brachten mich dazu. neckte die angehenden Publizisten in ihrem Kurs mit ihrer Prophezeiung. Marvin Minsky. kam ich zu dem Schluß. .2 I m Jahr 1982 besuchte ich einen Kurs in Wissenschaftspublizistik. . McCorduck. und arbeitete intensiv an einem zweiten. eines Tages seien Computer vielleicht genauso gute oder sogar noch bessere Autoren als Menschen. darüber nachzudenken. die mit dem bekannten Informatiker Joseph Traub verheiratet ist. Ihre Begeisterung für die Künstliche Intelligenz übertrug sich auf ihre Studenten. auch dann noch. dessen Ziel es war. binnen zehn Jahren intelligente Maschinen zu konstruieren.7. Ich sann lange Zeit über die Frage nach. RICHARD POWERS. Ein Jahr später erhielt ich einen nur geringfügig objektiveren Einblick in die KI-Kultur. daß ich keinen blassen Schimmer davon hatte. Mit einer Mitgliederzahl über drei. [ . ] Nachdem ich mir lange den Kopf zerbrochen hatte. KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND Meine Expertensysteme konnten nicht als intelligent bezeichnet werden. Galatea 2. den die Autorin Pamela McCorduck an der ColumbiaUniversität hielt. In Machines Who Think hatte sie ein noch apokalyptischeres Szenario vorgestellt: Nach Ansicht einiger KI-Visionäre würden intelligente Maschinen die nächste Etappe in der Evolution bewußtseinsbegabten Lebens darstellen und bald die Menschen weit hinter sich lassen. Ihr neues Buch handelte vom japanischen Fifth Generation Project. Sie hatte bereits ein Buch über Künstliche Intelligenz (KI) geschrieben. was man sich darunter vorzustellen hätte.

280 .hundertausend ist die IEEE eine der größten berufsständischen Organisationen in der Welt. aber den provozierenden Untertitel »Die heutigen Instrumente liefern mehr Daten. Er war selbstverständlich ein glühender Anhänger der Künstlichen Intelligenz. einem Hersteller von Expertensystemen. Die KI bildete einen Schwerpunkt der Berichterstattung im Spectrum. Der Leitartikel. ebenso Industriegiganten wie IBM. Viele neue Berufe werden entstehen. Im Jahr 1984 stellten die Redakteure anläßlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der IEEE ein Sonderheft über »die Auswirkungen der Hochtechnologie auf die Gesellschaft insgesamt und den Berufsstand der Ingenieure im besonderen« zusammen. fast ebenso ausdruckslosen Frau dargestellt. Einige Berufe werden dadurch überflüssig und verschwinden. Der Autor. Informationen aufzunehmen und auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen). und ehemaliger Direktor des KI-Programms der Rand Corporation. die die Fähigkeit menschlicher Experten nachahmen. Andere werden sich grundlegend wandeln. Die Botschaft war klar: das halsbrecherische Tempo des technologischen Fortschritts verwische die Grenzen zwischen Künstlichem und Biologischem. In seinem Spectrum-Beitrag sagte er voraus. war Vizepräsident von Teknowledge. Unter dem Titel »Nach 1984: Technologie und Individuum« waren auf dem Titelblatt Kopf und Schulter eines silbernen. die Elektrotechnik werde »die Natur der Arbeitswelt tiefgreifend verändern. Expertensysteme greifen uns unter die Arme. Frederick Hayes-Roth. gesichtslosen Roboters neben einer kahlköpfigen. um neue An. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium steckte gewaltige Summen in dieses Forschungsfeld. könnten jedoch schon bald menschliche Aufgaben an sich reißen«3 (Expertensysteme sind Softwareprogramme. als das Gehirn verarbeiten kann. trug den langweiligen Titel »Die Maschine als Partner des neuen Fachmanns«. den ich redigierte.

Nachdem ich ihn daran erinnert hatte. ihre intellektuellen Kompetenzen zu übernehmen. spürte ich ihn im kalifornischen Palo Alto auf. sei die Psychotherapie. Wenn weiterhin Frieden herrscht. nehme dagegen zu.« Eine Nische. da die meisten Erwerbstätigkeiten von Maschinen übernommen werden. daß Expertensysteme schon im Jahr zweitausend Fluglotsen ersetzen würden und binnen fünfzig Jahren Ärzte und Wissenschaftler. »Die Anzahl der Experten.« Hayes-Roth sagte voraus. in der sich den Menschen neue Entfaltungsmöglichkeiten eröffneten.wendungsfelder der Elektronik zu nutzen und zu unterstützen. besteht die wohl größte Aufgabe der Menschheit darin. Er begann zu lachen. Scheidung. wird zunehmen«. sagte ich ihm. Einfühlungsvermögen und Intuition. »Sie sind doch wirklich ein gemeiner Schuft«.traumatischen Ereignissen in der Adoleszenz. der Stellenwert von Kreativität. Die Menschen »gehen fast nur noch persönlichen und sozialen Interessen nach. wie die Sachkompetenz der Automaten die des Menschen überträfe. Die größte Herausforderung für künftige Fachleute wird allerdings auftauchen. die sich schwerer automatisieren ließen.4 Er arbeitete noch immer für Teknowledge. den Anbieter von Expertensystemen. daß ich seinen Beitrag für Spectrum im Jahr 1984 redigiert hatte. In dem Maße. daß ich ihn jetzt fragen wolle. verlören Experten an gesellschaftlichem Ansehen. inwiefern seine Vorhersagen seiner Auffassung nach eingetroffen seien. wenn Maschinen beginnen. Im Jahr 1998. daß die .281 . während die ökonomischen zur Bedeutungslosigkeit herabsinken. sich neue Herausforderungen zu suchen und ihr Selbstverständnis neu zu definieren. verkündete Hayes-Roth. Altern und Tod -. Anpassung an das Leben im Weltraum. die sich mit menschlichen Problemen befassen . zu dessen Mitbegründern er in den glorreichen Tagen der KI gehört hatte. sportlicher Leistungsfähigkeit. sagte er und gab bereitwillig zu. vierzehn Jahre nach meinem letzten Gespräch mit ihm.

hätten die KI-Forscher viel erreicht. sehr komplexe Systeme. Die Menschen seien »sehr. wenn es um den menschlichen Geist gehe. doch bürokratische Trägheit habe dies verhindert. S. die andere Softwareprogramme schrieben. die sowohl durch die Evolution als auch durch lerngestützte Anpassungsleistungen hervorragend dafür gerüstet sind. Während des Golfkriegs habe die U. weil ihre Geldgeber im öffentlichen oder privaten Sektor allzu ungeduldig geworden seien. seien eher politischer und ökonomischer als wissenschaftlicher Natur. Die größten Hindernisse für die KI. So hätte beispielsweise das US-amerikanische Bundesaufsichtsamt für die Sicherheit des Flugverkehrs sein veraltetes Flugsicherungssystem bis zum Jahr 2000 automatisieren können. sagte er.Entwicklung auf dem Gebiet der Expertensysteme und die KI im allgemeinen seit Beginn der achtziger Jahre stagniere. Die Codierung von menschlichem Expertenwissen in Software. der in der Physik oder der Molekularbiologie erfolgreich angewendet werde. so Hayes-Roth.282 . Die Konstrukteure von Expertensystemen waren auf zwei Probleme gestoßen. wie er es vorhergesagt habe. die reale Probleme bearbeiten konnte. das für ein Projekt zusammengetragen wurde. wie man aus den Spracherkennungssystemen und den Softwareprogrammen. »Es ist ein Beispiel für etwas. wie schwierig es sei. versage. was man maßgeschneiderten Entwurf nennt«. Zahlreiche vielversprechende KI-Projekte seien eingestellt worden. gleichzeitig Dutzende von Variablen effizient und spezifisch zu bearbeiten«. Das Wissen. Ungeachtet dieser Probleme. Air Force die Luftangriffe gegen den Irak mit Hilfe eines Expertensystems . ersehen könne. sagte Hayes-Roth. war für das nächste kaum oder gar nicht brauchbar. Jener Reduktionismus. zeitaufwendige Aufgabe. die menschliche Kognition in all ihrer Komplexität nachzubilden. erwies sich als äußerst mühsame. Die Vorkämpfer der KI hätten auch unterschätzt. Dennoch blieb Hayes-Roth optimistisch.

sagte Hayes-Roth. »Die Air Force schrieb. aber er hat stattgefunden. einem der Gründungsväter der KI und der Kognitionswissenschaft. ein Manhattan-Projekt für den Bau von HAL. Als ich Simon fragte.« Herbert Simons Prophezeiungen Hayes-Roth ist ein erbärmlicher Schwarzseher im Vergleich zu Herbert Simon von der Carnegie-Mellon-Universität. die Konstruktion intelligenter Maschinen sei in mancher Hinsicht schwieriger gewesen als erwartet. Die relativ einfache Seite bezog sich auf die . Es dauerte vielleicht zehn oder auch zwanzig Jahre. die KI habe in jeglicher Hinsicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. den lippenlesenden Cyber-Schurken aus dem Film 2001.283 . erwiderte er: »Er hat stattgefunden. »Ich kenne die Hürden auf dem Weg dorthin so gut wie jeder andere«.5 Anders als viele KI-Forscher bestreitet Simon entschieden die Behauptung. der Finanzierung und der Organisation.« Simon räumte ein. den Hayes-Roth und andere im Jahr 1984 vorhergesagt hatten. »Andererseits. nicht stattgefunden habe. einen Computer wie HAL. sagte Hayes-Roth. daß die KI eine relativ einfache und eine relativ schwierige Seite hat. wenn man ein Team zusammenstellte. daß der Traum vom Bau einer wirklich intelligenten Maschine eines Tages in Erfüllung gehen werde. Er war noch immer zuversichtlich.geplant. aber der Erfolg wäre absehbar. »Es zeigte sich. Nicht in diesem konkreten Ausmaß und in der vorhergesehenen Richtung. wäre dieses Team zweifellos erfolgreich. »Es ist lediglich eine Frage der Zeit. warum dieser gewaltige Sprung in der Intelligenz von Maschinen. weshalb Ingenieure nicht in der Lage sein sollten. zu bauen.« Er sah keinen Grund. dieses Expertensystem habe die gesamten Investitionen des Verteidigungsministeriums in die KI mehr als gerechtfertigt«.

die zeigten. diese Aufgaben mit der gleichen Gewandtheit auszuführen wie der Mensch«. Die schwierige Seite sei die Simulation der Art und Weise. wie Menschen tiefschürfende Gedanken denken.284 .« KIForscher hätten große Fortschritte bei der Simulation der menschlichen Fähigkeit gemacht. Roboter stellten in einer Klinik in Pittsburgh und in anderen Orten die Post zu. bei denen Gruppen fußballspielender Roboter gegeneinander antraten. wie etwa ein Programm. Menschliche Eingriffe seien vor allem dazu nötig gewesen. Besonders beeindruckt zeigte sich Simon von den Spielen. »Erst vor vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren verfügten wir über Computer. daß sie beispielsweise bewegte statt bloß statische Bilder verarbeiten konnten. um die Bildverarbeitung zu beschleunigen. »Die Schnittstelle zur Umwelt.« Es sei außerordentlich schwierig. welche Fortschritte die KI in jüngster Zeit gemacht habe. »das Gefährt auf schrägen Autobahnauffahrten und -ausfahrten unter Kontrolle zu halten«. Er zählte verschiedene Projekte auf. insbesondere angesichts der begrenzten Leistungsfähigkeit der Computer in der Frühzeit der KI.Frage. das ist die wirklich komplizierte Sache. . die so schnell und so groß waren. Roboter und Computer seien »noch immer sehr weit davon entfernt. symbolische Repräsentationen der Welt zu bilden und zu benutzen. indem es jedes aktuelle Bild von dem vorangehenden subtrahiere. das mit minimaler menschlicher Unterstützung quer durch die Vereinigten Staaten gefahren sei. das die Bewegung von Objekten sehr schnell erfasse. die Veränderungen in der Umwelt einfach zu verfolgen. Jeder Roboter müsse mit seinen Teamkollegen kooperieren und die Pläne seiner Gegenspieler vorwegnehmen und vereiteln. sagte Simon. Das eine sei ein Auto namens Navlab.« Die Forscher hätten auch Tricks ersonnen.und motorischen Organe mit der Umwelt interagieren. Doch dies ändere sich rasch. wie Menschen durch ihre Sinnes.

die eine kognitive Aufgabe ausführt. teilte mir Simon mit. sondern auch dessen innere Abläufe.285 . »Aber ich denke fast nur in diesen beiden Kategorien. »Die meisten finden die Vorstellung. Es sei noch immer schwierig herauszufinden. die ich kenne.Gefragt. weil die Kernspinresonanztomographie und andere Technologien die neuralen Prozesse nicht in hinlänglicher Detailgenauigkeit erfaßten.« Intelligente Maschinen stellten eine schwere Kränkung für die Eitelkeit des Menschen dar. ob ein Computermodell die Funktionsweise des Gehirns getreulich widerspiegele. »Ein Computer ist hinsichtlich Schnelligkeit und Speicherkapazität und so weiter einfach eine andere Maschine als eine Person«. es wird noch eine Zeitlang dauern. ob er die KI in erster Linie als eine Naturwissenschaft oder eine Ingenieurwissenschaft ansehe. daß eine Maschine definitionsgemäß denke. daß ein Computer denkt. Simon glaubt fest an das »starke KI-Programm«. bis wir diese Lücke überbrücken werden.« Jedesmal wenn er einen Vortrag über KI halte. schlicht abstoßend.« Fortschritte in der Computertechnologie einerseits und bei bildgebenden Verfahren andererseits würden bald die Kluft zwischen KI und Neurowissenschaft schließen. »Dieses Fachgebiet wird mit anderen Maßstäben gemessen als alle anderen Disziplinen. antwortete Simon: »Sie ist beides. erklärte er. Nach Ansicht von Simon ist die Kritik an der KI größtenteils emotional motiviert und basiert auf keiner sachlichen Bewertung der Fakten. »Ich denke.« Ein anderes Dogma der starken KI besagt. etwa Schach spielt oder ein Gesicht erkennt oder Fußball spielt. aber das sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiten. spiegelten sich in den Fragen aus dem Publikum .« Im Idealfall sollten KI-Modelle nicht nur den Output des menschlichen Gehirns simulieren. wonach es keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Rechner und dem menschlichen Gehirn gebe. Sie ist die Erforschung der Konstruktion intelligenter Maschinen und ebenso die Wissenschaft von der Intelligenz.

Daher stellten die Menschen »in dem Maße. die nach An. indem er zu hohe Anforderungen stellte. sie könnten durch Maschinen ersetzt werden. behauptete Teller. .«7 Im selben Vortrag machte Simon vier etwas konkretere Vorhersagen. wir fühlten uns durch sie bedroht. Wenn wir unsere Skepsis gegenüber der KI zum Ausdruck brächten. Erkenntnisfortschritte zum Nutzen statt zum Schaden der Gattung Mensch einzusetzen. Sie »wird dem Menschen helfen. damit sie nicht zugeben müssen. Im Jahr 1957 referierte er in überschwenglichen Tönen über die Künstliche Intelligenz. so wie wir uns durch die Entdeckungen bedroht gefühlt hätten. .Ein Computer werde Musik komponieren. wie die Künstliche Intelligenz Fortschritte macht. lehnten wir sie in Wirklichkeit völlig ab. Und mit dieser Selbsterkenntnis gewappnet. Viele KI-Forscher beklagen sich über diesen Zustand.im Jahr 1967 . etwas Besonderes zu sein. Intelligente Computer untergrüben unser Gefühl. Im Jahr 1998 veröffentlichte die New York Times einen Beitrag. Er prognostizierte.286 .die »Angst und Sorge« der Menschen wider.Ein Computer werde Schachweltmeister sein. daß die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht und daß der Mensch vom Affen abstammt. in dem Astro Teller. dann sind das begeisterte KI-Anhänger wie Simon. daß Maschinen kreativ oder intelligent sein können«. die KI verteidigte.die folgenden Meilensteine erreicht haben werde: . daß die KI innerhalb von zehn Jahren . dem uralten Gebot zu gehorchen: Erkenne dich selbst. ständig höhere Anforderungen.Ein Computer werde ein wichtiges neues mathematisches Theorem entdecken und beweisen.6 Wenn aber irgend jemand die KI zu fortwährendem Versagen verurteilt hat. der wie Simon als KI-Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität tätig ist. wird er vielleicht lernen.

die in der Tat mathematische Theoreme aufstellen und beweisen. benannt nach einem der ersten Digitalrechner . Simon sagte mir 1998. Die Melodien. ein . Als Simon 1957 seine Rede hielt.die llliac Suite. Isaacson bereits ein Programm geschrieben. sprechen Menschen oftmals auf eindringliche Weise an. so haben mehrere Informatiker. Die Schach-Prognose habe zwar um dreißig Jahre danebengelegen. daß diese Programme eine ernsthafte Herausforderung für Komponisten. das Musik erzeugte. Programme entwickelt.sicht von Kritikern eine beachtliche ästhetische Qualität besitzen werde. M. aber die anderen drei seien »in Reichweite«. Doch inwieweit waren Simons Prognosen wirklich in Erfüllung gegangen? Simons sicherste Wette war das künstliche Komponieren von Musik. hatten die Informatiker L. der bei IBM arbeitete. A.als »nicht trivial und nicht uninteressant«. Hiller und L. Zeichnungen und Gedichte. darunter Simon selbst. seine Vorhersagen seien weitgehend eingetroffen.10 Ende der fünfziger Jahre schrieb der Physiker Herbert Gelernter.«9 Nicht einmal der glühendste KI-Verehrer behauptet.Die meisten Theorien in der Psychologie würden die Form von Computerprogrammen oder von qualitativen Aussagen über die Merkmale von Computerprogrammen annehmen. Was die computergenerierte Mathematik anbelangt.287 . Simon selbst beschrieb eine der Kompositionen des Programms . . Doch wie ein Journalist in einem Beitrag über computergenerierte Musik und Kunst im Jahr 1997 schrieb: »Menschen sehen in verbrannten Tortillas auch Bilder von Jesus und schreiben ihren Autos Gefühle zu. die von Computern produziert werden.8 Computergenerierte Musik entpuppte sich ebenso wie computergenerierte Kunst und Lyrik als eine vergängliche Modeerscheinung. bildende Künstler und Dichter darstellten.

(Fredkin gehörte zu den KI-Forschern. die höhere Theoreme ausstoßen konnten. seien in ihnen angelegt gewesen. die für die Vervollständigung bestimmter Beweise erforderlich sind.12 Grundsätzlich könnte ein Computer die Folgen jedes möglichen Zuges berechnen. Ich fragte Mumford. welches einen »tiefgreifenden Einfluß« auf die Mathematik ausübt. um aufwendige Berechnungen durchzuführen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehen jedem . wann der Preis seines Erachtens eingefordert werde: »Nicht heute. das ein Theorem aufstellt. alle möglichen Gegenzüge. Einer der ersten Juroren für den Preis war der Mathematiker David Mumford von der Brown-Universität. Doch selbst innerhalb der KI-Gemeinde monierten Kritiker. Gegen-Gegenzüge und so weiter prüfen. Andere Informatiker erfanden Algorithmen. das einige der elementaren Lehrsätze der euklidischen Geometrie »entdeckte«.11 Simons Schach-Prognose nahm sich vermutlich für viele Beobachter relativ bescheiden aus. er dient lediglich als Handlanger für seinen menschlichen Herrn. eindeutigen Regeln und wird auf einem kleinen kartesischen Spielfeld gespielt. indem er den sogenannten Leibniz-Preis stiftete. Schach basiert auf einfachen. Aber der Computer entwirft den Beweis nicht selbst. In der Praxis ist diese Strategie jedoch unmöglich. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte der Informatiker und Unternehmer Edward Fredkin das nachlassende Interesse an der computergestützten Mathematik wiederzubeleben. die zu Pamela McCorduck in Machines Who Think gesagt hatten. antwortete er. die diese Programme errechnet hätten. Seit Ende der siebziger Jahre bedienen sich die Mathematiker zunehmend des Computers.Programm. nicht in hundert Jahren«. daß Computer die nächste Etappe in der Evolution der Intelligenz darstellten.288 . bis er eine Siegesstrategie findet. die Ergebnisse.) Der von der Carnegie-Mellon-Universität verwaltete Preis setzt hunderttausend Dollar auf das erste Computerprogramm aus.

daß er das Problem auf rein rechnerische Prozesse reduziere. Die Gesamtzahl der Spiele.Schachspieler in der Regel achtunddreißig verschiedene Züge offen. Ironischerweise hegten die Entwickler von Deep Blue selbst Zweifel daran. also mehr als die Zahl der Atome im Universum. Seine zweiunddreißig unabhängigen Mikroprozessoren konnten zweihundert Millionen Figurenpositionen pro Sekunde prüfen. verlor jedoch schließlich das Spiel.) Der Erfolg von Deep Blue sei nicht darauf zurückzuführen. »Solange . Obgleich es dreißig Jahre länger dauerte.289 . Mit dieser Kapazität plus einigen Regeln zum Ausschluß recht aussichtsloser Taktiken konnte Deep Blue fünfunddreißig Züge in die Zukunft »sehen«. Deep Blue war ein enorm leistungsfähiger Rechner. der Manager der Deep-BlueForschergruppe. war er selbstverständlich hocherfreut. sondern darauf.13 (Bei diesem Wettstreit gewann Deep Blue die erste Runde. Ein Schachspieler. müßte 2 085 135 Möglichkeiten prüfen. sagte Tan. ob ihr Erfolg eine Bestätigung der Künstlichen Intelligenz darstelle. welche die Schachregeln erzeugen können. aber stetige Fortschritte. daß er das menschliche Urteilsvermögen nachahme. »Dieses Schachprojekt hat nichts mit KI zu tun«. Jeder dieser möglichen Züge erzeugt achtunddreißig mögliche Gegenzüge des anderen Spielers. die die Grundregeln des Schachs ausführen konnte. sagte Chung-jen Tan. interviewte. als der IBM-Computer Deep Blue schließlich 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte. eine Maschine zu konstruieren. direkt nach ihrem ersten Spiel gegen Kasparow. als Simon vorhergesagt hatte. der nur zwei Züge und Gegenzüge vorwegzunehmen versuchte. Danach machten Schachcomputer langsame. Und sie klommen die Stufenleiter unaufhörlich nach oben. ist 10120. als ich ihn und seine Kollegen im Jahr 1996. Mitte der sechziger Jahre spielten sie so gut wie durchschnittliche Turnierspieler. Den Ingenieuren gelang es erst 1958. die Gesamtzahl beläuft sich entsprechend auf 1444 Züge.

wie es Simon und andere KI-Pioniere einmal gehofft hatten. ein künstliches Gehirn zu konstruieren.290 . »Doch das wird noch Jahrhunderte dauern«. sagte er. fügte Tan mit Nachdruck hinzu. »Doch sobald man es verstanden hat.« Das Deep-Blue-Team schien Herbert Simons Aussage. die das menschliche Urteilsvermögen nachzuahmen versuchten.man das Problem nicht versteht. »Wir wissen immer noch nicht. daß es möglich sei. ›Denken‹ ist ein sehr schwer zu definierendes Wort. wie wir das überhaupt angehen sollen. fuhr er fort. Deep Blue habe »nichts mit KI zu tun«. sind erbärmlich gescheitert«. daß er denken kann. Ich bin kein Psychologe oder Neurowissenschaftler. eher amüsant als schmeichelhaft zu finden (»Ich würde das. Es umfaßt auch die gesamte Software und alles andere. »Das reicht nicht«. »Meines Erachtens hat die Fähigkeit zum Schachspielen nicht mit der Frage zu tun. . kann man es auf einen rechnerischen Algorithmus zurückführen.« Das Team bezweifelte auch. »Das Gehirn ist mehr als nur Hardware.« . wenn Deep Blue ausschließlich Zahlenakrobatik betreibe? Er behauptete. was Deep Blue leistet. indem man jede Nervenzelle durch einen elektronischen Kippschalter ersetze. nennt man es KI«. Weshalb konsultiere das IBM-Team Schachgroßmeister. bedeutet dies noch lange nicht. sagte der IBM-Wissenschaftler Murray Campbell in brüskem Ton. daß Ingenieure in der nahen Zukunft in der Lage seien. aber ich bin mir sicher. um dem Programm den letzten Schliff zu geben.»Die Techniken. einen wirklich menschenähnlichen Computer zu bauen. hatte Simon im Jahr 1996 in der New York Times verkündet14). als ich ihm von Tans Äußerung berichtete. Deep Blue könne »denken«. »Nur weil ein Computer Schach spielen kann.« »Er hat keine Ahnung!« antwortete Simon. daß sie diese Probleme ebenfalls nicht verstehen. Campbell wies darauf hin. pflichtete ihm sein Kollege Joseph Hoane bei. als ›Denken‹ bezeichnen«. ob Computer denken können«.

die menschliche Arbeitskräfte ersetzen werden«. Im Jahr 1957.«) Ein typisches neuronales Netz besteht aus mehreren Ebenen von Knoten (Neuronen). Bei der regelbasierten Methode ist das Wissen von Anfang an im Modell enthalten. Doch der Behaviorismus wich schon bald der Kognitionswissenschaft (auch kognitive Psychologie oder kognitive Neurowissenschaft genannt). daß Computermodelle des menschlichen Denkens starken Auftrieb erhielten. Seit den späten fünfziger Jahren habe IBM seinen Mitarbeitern untersagt. so schnell du kannst. der den Geist als eine black box behandelt. die vorherrschende Richtung in der Psychologie.291 . dessen innere Struktur unbekannt und sogar bedeutungslos ist und daher ignoriert werden kann. IBM-Produkte mit KI in Verbindung zu bringen oder auch nur den Begriff zu erwähnen. daß sie denkende Computer herstellen. in die entgegengesetzte Richtung. meist in der Form von »Wenn-Dann-Befehlen«. »IBM hat panische Angst davor. daß jemand auf die Idee kommen könnte.15 Am bedeutsamsten und weitsichtigsten war vielleicht Simons Prognose. (»Wenn das Objekt in deinem Gesichtsfeld orange ist und schwarze Streifen hat und einen langen Schwanz und große Zähne. dann lauf.das Deep-Blue-Team plappere lediglich den offiziellen Standpunkt von IBM nach. daß Computerprogramme in der Psychologie eine immer wichtigere Rolle spielen würden. die durch Verknüpfungen (Syn. die jede Situation vorwegzunehmen versuchen. Der Aufstieg der Kognitionswissenschaft hat in der Tat dazu geführt. die den Geist als eine informationsverarbeitende Maschine betrachtet und die rechnerischen Grundlagen von Mustererkennung und anderen Komponenten der Kognition aufzuklären sucht. regelbasierte Algorithmen und neuronale Netze. so Simon. Diese Modelle lassen sich in zwei allgemeine Kategorien einteilen. das heißt als ein Objekt. war der Behaviorismus. als Simon seine Vorhersage machte.

und einen y-Wert besitzen. so daß künftig Signale leichter weitergeleitet werden.16 Die Methode funktioniert. weshalb viele Forscher so gern mit neuronalen Netzen arbeiten. Nach der Beschreibung von manchen Journalisten und auch Wissenschaftlern zu urteilen. grob vereinfacht. daß sie. wenn das eintreffende Signal eine hinreichende Intensität besitzt. aus unvollständigen oder uneindeutigen Datensätzen zuverlässige Schlüsse abzuleiten. dem menschlichen Gehirn ähneln.Wissen durch einen Vorgang. Jedes dieser Neurone überträgt nun seinerseits ein Signal an die nächste Netzebene. das heißt. wie etwa der Kurveninterpolation. Wenn ein Neuron wiederholt Signale an ein anderes Neuron sendet. »feuert« das Neuron. es sendet ein Signal an sämtliche Neuronen der nächsten Netzebene. sucht das neuronale Netz nach einer Kurve beziehungsweise mathematischen Funktion.apsen) unterschiedlicher Stärke miteinander verbunden sind. In Wirklichkeit sind neuronale Netze eine neumodische Anwendungsform altmodischer statistischer Verfahren. scheinen neuronale Netze nachgerade mystische Fähigkeiten zu besitzen. zumindest oberflächlich betrachtet. Nachdem diese Daten eingespeist wurden. erwerben neuronale Netze . Anders als regelbasierte Algorithmen. die so genau wie möglich mit den Koordinaten übereinstimmt. die jeweils einen x.292 . sofern der Reiz eine gewisse Stärke erreicht. der näherungswei. Daten werden in die erste neuronale Ebene eingespeist.zumindest im Prinzip . wird die Verbindung zwischen ihnen verstärkt. folgendermaßen: Ein Input wie etwa ein zweidimensionales Bild eines Gesichts wird in eine Menge von Punkten oder Koordinaten umgewandelt. in die das gesamte Wissen von Anfang an eingespeist wird. Jede dieser Funktionen entspricht einem spezifischen Output »Tiger« oder »Hauskatze«. Ein Grund. Muster mit größerer Treffsicherheit zu erkennen. Durch mehrere Rückkopplungsmechanismen kann man das Netz darauf »trainieren«. die dazu dienen. liegt darin.

ein Gespräch führen oder ein bekanntes Gesicht in einem überfüllten Raum erkennen? Dreyfus hatte seine Zweifel. erinnerte er sich. der 1967 von der Rand Corporation. daß neuronale Netze oder der regelbasierte Ansatz wirklich intelligente Maschinen hervorbringen werden. Sprache und Denken und so fort zu verstehen. für die KI zu interessieren. daß neuronale Netze genauso begrenzt und inflexibel sind wie regelbasierte Methoden. Goethe ins Englische übersetzen. In der Praxis aber hat sich gezeigt.se dem menschlichen Lernen entspricht. Können sie bedeutsame wissenschaftliche oder mathematische Probleme lösen. Überdies führen neuronale Netze Berechnungen nicht seriell (nacheinander) aus. Diese Behauptungen hätten seine Neugierde geweckt. Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen habe ihn die metaphysische Frage. daß Philosophen »sich zweitausend Jahre lang vergeblich darum bemüht hätten. Man muß während und sogar noch nach der Trainingsphase weiterhin Wissen von außen zuführen. kaum interessiert. Er begann sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre. als er am MIT arbeitete.17 Dreyfus. er habe sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Computern konzentriert. ob Computer jemals Bewußtsein besitzen können. die er erstmals in einem Beitrag formulierte.293 . KI-Forscher behaupteten. Dinge wie Wahrnehmung und Gedächtnis. und daß [die KI-Forscher] die Sache in die Hand genommen hätten und große Fortschritte machten«. einer bedeutenden »Denkfabrik«. Eine stark erweiterte Fassung dieses Beitrags erschien dann 1972 unter . Die Revanche des Philosophen Hubert Dreyfus bezweifelt. sondern parallel. veröffentlicht wurde. gehört zu den frühesten und beharrlichsten Kritikern der KI. der an der Universität von Kalifornien in Berkeley Philosophie lehrt.

daß Regeln nur selten für alle Situationen gelten. die es für äußerst schwierig gehalten hätten. regelbasierten Modell nachzubilden. es gebe keine Grundtatsachen (»Urelemente«. man könne diese Hindernisse überwinden. indem man die schwer faßbaren kognitiven »Urelemente« identifiziere oder hinlänglich kluge Regeln beziehungsweise Axiome einführe. wo wir unsere Schlüssel hingelegt haben. Dreyfus zitierte mehrere Philosophen. Damals wurde die Kognition innerhalb der KI . Dreyfus erklärte: »Man kann immer sagen: ›Wir bekom.dem Titel What Computers Can't Do. wenn wir eine prominente Person im Fernsehen erkennen oder uns daran erinnern.auch in der aufstrebenden und sich teilweise mit ihr überschneidenden Kognitionswissenschaft . daß KI unmöglich sei. daß die KI vermutlich keine so schnellen Fortschritte machen würde. die als Grundlage der Erkenntnis dienten. seien Zusatzregeln erforderlich.294 . er bezweifelte sogar. wie Wittgenstein sie nannte). wie ihre Anhänger erhofften. so wie Quarks und Elektronen die elementaren Einheiten der Physik bildeten. vor allem Wittgenstein und Heidegger. eine riesige Menge an Wenn-Dann-Befehlen aus. ja. jede Tatsachenbehauptung über die Welt müsse durch andere Tatsachenbehauptungen erklärt werden. Doch er führte zahlreiche Argumente dafür an. In ähnlicher Weise habe Heidegger darauf hingewiesen. die jedoch unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen. Dreyfus behauptete klugerweise nicht. so daß ein unendlicher Regreß von Regeln auftrete. schließlich bringe auch das menschliche Gehirn in irgendeiner Weise diesen Trick zustande. ob die Anfangsregel für eine bestimmte Situation von Belang sei. den Beweis dafür erbracht zu haben. die menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis mit einem formalen. daß ein solcher Beweis der Unmöglichkeit überhaupt erbracht werden könne. KI-Theoretiker behaupteten.überwiegend als ein regelbasierter Prozeß betrachtet. Wittgenstein habe gemeint. um festzustellen. Nach dieser Auffassung führt unser Gehirn.

nähmen die Schwierigkeiten exponentiell zu. so Dreyfus. diese Aufgabe auszuführen.295 . unvollständige Daten rasch zu verarbeiten und Schlüsse daraus zu ziehen. was in der Vergangenheit erfolgreich war. komplex und voller Ausnahmen. mehrdeutige. eine Reihe von Regeln zu finden. den man gesunden Menschenverstand nennen könne. wie man ein alltägliches Gespräch führe. eine kognitive Aufgabe auf eine regelbasierte Prozedur zurückzuführen. kontextfreien Elementen möglich?« fragte Dreyfus gegen Ende von What Compu. daß es funktionieren wird. So stützten sich etwa Schachexperten nicht auf reine Berechnungen.oder ein Gesicht zu erkennen oder eine dichtbevölkerte Straße entlangzugehen hänge größtenteils von unserer Fähigkeit ab. Regeln für das Schachspiel auf Großmeisterniveau niederzuschreiben.men so gute Relevanzaxiome und so gute Metaaxiome zur Reduktion der Relevanzaxiome. wenn es darum gehe. sei ihre Fähigkeit. Wenn es schon schwierig sei. Ein einziges Wort könne viele verschiedene Bedeutungen und Konnotationen haben. Unsere Fähigkeit. Selbst wenn eine kognitive Aufgabe mit Regeln definiert werden könne. Schach sei deshalb ein so faszinierendes Spiel. einen Satz zu verstehen . »Ist eine erschöpfende Analyse der menschlichen Vernunft in regelgeleitete Operationen an diskreten. Das Bemerkenswerteste an der menschlichen Intelligenz. weil diese Kompetenz nicht ohne weiteres auf Regeln zurückgeführt werden könne. auf Faustregeln über die besten Strategien und auf ihre Intuition. bestimmten. so Dreyfus. die nicht nur je nach dem Satz.« Doch in der Praxis sei es außerordentlich schwierig. sondern auf ihre Erinnerungen an das. so Dreyfus. Die Regeln der Grammatik und Syntax seien zahlreich. falle es einem Computer möglicherweise immer noch schwer. in dem die Wörter vorkommen. sondern auch nach dem Kontext des Gesprächs schwanken könnten. auf einen riesigen Speicher mit Weltwissen zurückzugreifen. die einem Computer sagten.

hieß es in einem Rundschreiben für Informatiker schadenfroh. »Computer können nicht Schach spielen. wie es einige KI-Forscher kolportierten. erinnerte er sich.19 Dreyfus bestritt. die dann im weiteren Verlauf des Artikels ignoriert wurden. ihnen fehlten noch immer die gewöhnlichen Fähigkeiten. Aber er räumte ein. daß Computer eines Tages hervorragend Schach spielen würden. gesprochene Wörter zu erkennen. »Es bedarf einer enormen Schnelligkeit und [Speicherkapazität]. »Wenn jemand einen begeisterten Aufsatz über die Wunder des Computers schrieb«. daß 1960 ein zehnjähriger Junge eine von Herbert Simon entworfene Maschine besiegt hatte.«18 Dreyfus wurde auf Konferenzen und in populärwissenschaftlichen Artikeln zum Kritiker der KI par excellence aufgebaut. stärker als andere kognitive Fähigkeiten. Dreyfus ebensowenig«. daß er gesagt habe. den MacHack. Im Jahr 1966 nahm Dreyfus die Herausforderung an. Er sei vielmehr der Ansicht gewesen. Dreyfus wies immer wieder hämisch darauf hin. anzutreten. »enthielt dieser immer ein oder zwei Absätze über mich und meine Ansichten. er erinnerte die KIForscher daran.« Andererseits könnten sich Computer noch immer nicht über Politik unterhalten oder ein Märchen verstehen.« Die KI-Gemeinde erzielte wenigstens einen bedeutsamen PR-Sieg gegen Dreyfus. daß Schachprogramme weit hinter den Zielen ihrer Entwickler zurückblieben. Zudem sei er »sehr überrascht« über die zunehmende Fähigkeit von Computern. die »uns ermögli. auf formale Regeln zurückgeführt werden könne. »Ist eine Annäherung an dieses Ziel der Künstlichen Intelligenz überhaupt wahrscheinlich? Die Antwort auf beide Fragen scheint ›nein‹ zu lauten. Computer würden niemals besser spielen als ein zehnjähriger Junge. Der Computer gewann. aber es funktioniert. gegen einen anderen Schachcomputer. weil Schach.ters Can't Do. daß Deep Blue 1997 Gary Kasparow besiegen würde.296 . daß er nicht erwartet habe.

Die Forscher möchten daraufhin den Ansatz fast immer auf anderen Gebieten anwenden. der Alltagsverstand fehle ihnen. daß viele KI-Forscher die regelbasierte Methode aufgegeben und sich neuronalen Netzen zugewandt hätten.297 .«21 In Anlehnung an einen Ausdruck. außer einigen wenigen Unverbesserlichen. was wichtig ist«. die sich beharrlich den neuen Techniken widersetzen.chen. wie ein vielverspre22 chender alternativer Ansatz verfügbar wird. daß sie lernen kann. die ihm als ein plausibleres Modell der menschlichen Kognition erschienen. der in einem begrenzten Bereich zu eindrucksvollen Ergebnissen führt. indem es einen Ansatz einführt. den Alltagsverstand nachzubilden. uns in der Welt zurechtzufinden und zu erkennen.20 Dreyfus begrüßte die Tatsache. daß dieses Bemühen. Wenn die Forscher jedoch auf unerwartete. gescheitert ist«. [Ein solches Programm] beginnt mit großen Erwartungen. was er »die gute altmodische KI« nannte. so zu generalisieren. wie es ein Mensch tut. den der Wissenschaftstheoretiker Imre Lakatos prägte. . Solange das Forschungsprogramm erfolgreich ist. die in irgendeiner Hinsicht den ursprünglichen gleichen. »Man braucht eine lernfähige Maschine. In der Einleitung verkündete Dreyfus den Sieg über das. klar. Kurz. und die Forscher werden sich in dem Maß davon abwenden. die so viele menschliche Interessen und so viel menschliche Struktur besitzt. Im Jahr 1992 veröffentlichte MIT Press eine Neuausgabe von What Computers Can't Do unter dem Titel What Computers Still Can't Do. Aber er wies darauf hin. Nach fünfzigjährigen Anstrengungen »ist heute allen. daß neuronale Netze in der Praxis auf dasselbe Problem stießen wie die gute altmodische KI: das Unvermögen. aber gewichtige Phänomene stoßen. nannte Dreyfus die Künstliche Intelligenz ein »im Niedergang begriffenes Forschungsprogramm«. auf künstliche Weise eine allgemeine Intelligenz zu erzeugen. stagniert das Programm. expandiert es weiter und lockt immer neue Anhänger an. wobei sie mit Problemen beginnen.

Das Unvermögen der KI. und es ist ausgeschlossen. die jeweils für sich in Anspruch nehmen. einer Sammlung von Aufsätzen führender KI-Forscher.. in dem Film 2001 war HALs Geburtsjahr 1992. in dem HAL in dem Roman 2001 in einer Fabrik in Urbana. der . und damit ist der Behaviorismus erledigt. die 1997 erschien. Während der letzten hundert Jahre sei es der Psychologie nicht gelungen.298 . »einsatzfähig wurde«.) »Sprechen wir das Offenkundige aus: HAL existiert nicht. als ob Regeln und der Kognitivismus die richtige Antwort wären. Es scheint nirgendwohin zu führen. erklärte David Stork. daß irgendeine wundersame Zunahme der Forschungsgelder oder unserer Erkenntnisse die KI auf das Niveau anheben wird. die einst an die Computertheorie des menschlichen Geistes glaubten. das in HAL im Jahr 2001 dargestellt ist«. spiegele das umfassendere Unvermögen der Psychologie wider. den Geist zu simulieren. Dies war jedenfalls der Tenor von HAL's Legacy. (1997 war das Jahr.] Wir haben es mit einem Haufen von Modetrends zu tun. den Geist zu verstehen. doch darauf schreibt Chomsky eine Rezension über Skinner. haben sich widerstrebend Dreyfus' Urteil zu eigen gemacht. Und heute sind [die neuronalen Netze] groß im Kommen [.. Wir haben beim Verständnis des Geistes keine Fortschritte gemacht. auch wenn sie selbstverständlich nur selten Dreyfus das Verdienst daran zusprechen. ein Rahmenmodell oder Paradigma aufzustellen. Illinois. Und dann sieht es so aus. »Wir haben einen Haufen kleiner Paradigmen. die allein wahren zu sein.« Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand Viele Forscher. sagte mir Dreyfus. das aufgrund seiner umfassenden Gültigkeit die Zustimmung der meisten Forscher gefunden hätte. Die Behavioristen scheinen die richtige Antwort gefunden zu haben.

»Wir sind heute in der Lage. die erforderlich sind. was sie wissen sollen. Er wies darauf hin. energisch zurückgewiesen. Planung.. »die eine Menge über das wissen. »könnten wir uns fragen. die den menschlichen Konsens hinsichtlich der . die in ihren Möglichkeiten grundsätzlich grenzenlos sind und sich nur schwer spezifizieren lassen. fuhr Stork fort. bleiben wir weit hinter der Vision zurück.25 Roger Shank von der Northwestern-Universität erklärte kategorisch. Schachspiel erreicht und übertroffen. und erbärmlich wenig über alles andere«.] war die KI bislang ein Mißerfolg«.und Mißerfolg der KI sei. verkündete er: 1. um ein HAL-ähnliches Geschöpf zu bauen«. die sich exakt definieren und leicht spezifizieren lassen. Lenat schloß sich der Auffassung anderer Autoren an.23 Stork ist Informatiker und arbeitet an der Stanford-Universität und am Ricoh California Research Center. doch kein gegenwärtiges System reiche auch nur annähernd an HALs Können beim Lippenlesen heran. Fakten und Faustregeln. die Schritte zu spezifizieren. Kursorisch betrachtet. die niemals in die Tat umgesetzt werden könne.299 . Douglas Lenat.26 Dieser Pessimismus wurde von einem der Autoren von HAL's Legacy. stimmte der erfahrene Informatiker David Kuck zu. weshalb wir den Traum von HAL nicht verwirklicht haben. »Jetzt.. daß er mittelmäßig treffsichere Programme zum Lippenlesen entwickelt habe. HAL sei »eine unrealistische Konzeption einer intelligenten Maschine«.Sprache. die Informatiker könnten bestenfalls Maschinen entwickeln.Herausgeber des Buches. wonach der Alltagsverstand der Schlüssel zum Erfolg . da das Jahr 2001 vor der Tür steht«. haben wir die Vision von HAL in jenen Bereichen .«24 »Nach jeder allgemeinen Definition [. In Bereichen wie dem Sprachverständnis und dem Alltagsverstand dagegen. Die Gründe dafür sind aufschlußreich. Speise Millionen von Alltagsausdrücken. -begriffen. in der Einleitung. Hardware.

Schon 1984 hatte er erkannt.300 . Lenat und seine Mitarbeiter konnten nicht einfach Wissen aus Wörterbüchern und Enzyklopädien zusammentragen. Nein. Lenat erklärte. um seine Wissensbasis stark zu erweitern. so daß er selbst Experimente ausführen muß. Selbst der einfachste Eintrag in einer Enzyklopädie beinhaltet .nämlich die Notwendigkeit. wenn die Menschheit eine höhere Stufe utopischer Zusammenarbeit erreicht habe. wird es niemanden mehr geben. daß spezialisierte Programme eine Sackgasse für die KI darstellten. den er und sein Team in den letzten zehn Jahren verfolgt hätten. Dieses »Cyc« genannte Projekt wurde zunächst von einem Konsortium von Hochtechnologiefirmen mit Namen Microelectronics and Computer Consortium (MCC) mit Sitz in Austin. daß dies kein phantastischer Plan für ein gewaltiges künftiges Projekt sei. Im Jahr 1994 schied Lenat aus dem MCC aus und gründete eine eigene Firma. 3. der ursprünglichen KI-Vision vom Bau eines Computers mit universeller statt hochspezialisierter Intelligenz treu zu bleiben. ein Computerprogramm zu entwerfen. wie es praktisch jeder Mensch besitze. das das gleiche Wissen enthalte. Konstruiere über dieser Basis die Fähigkeit. wie Englisch. Wenn er schließlich die Grenze des Wissens in einem Gebiet erreicht.Wirklichkeit repräsentieren . es sei der konkrete Plan. der sich bemühte. Texas.also den Alltagsverstand -. finanziell gefördert. Cycorp. 2. mit dem er sich darüber unterhalten kann. Lenat ist einer der wenigen KI-Forscher in der Welt. Laß den werdenden HAL diese Fähigkeit nutzen. zu kommunizieren. das in Gang gesetzt werden sollte. daß unsere Programme dieselbe Breite und Tiefe des Alltagswissens besitzen müssen wie Menschen«. 27 um neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu gewinnen. in eine Datenbank ein.28 Im selben Jahr setzte er sich das kühne Ziel. Sie alle stießen »gegen dieselbe Mauer . in einer natürlichen Sprache.

daß Cyc einige noch eindrucksvollere Fähigkeiten besitze. Lenat und seine Programmierer. Er weiß. daß Cyc niemals »Gefühle« haben könne. die er manchmal scherzhaft »Ontologisierer« nennt. Doch Lenat behauptete. daß ein Gespräch stattfindet oder auch daß ein Anwendungsprogramm abläuft. was er ist.weitreichende Annahmen. daß Wellington länger lebte als Napoleon und so weiter. wer mit ihm spricht. Cyc besitze bereits »Selbstbewußtsein«. Cyc »weiß«. Er besitzt das gleiche Zeitgefühl wie Sie und ich. Er weiß. die Entscheidungsfindung auf der Basis dieser Informationen und so weiter nicht von Nutzen sind. haben mittlerweile mehr als eine Million Regeln beziehungsweise Behauptungen des Alltagsverstandes zusammengestellt. die internen logischen Operationen eines Computers würden in Englisch ausgeführt. daß Sankt Helena ein Ort ist. weiß er. So erklärte er in einem Interview. so wie es absurd wäre. aber es wäre absurd. um eine ansprechende Benutzerschnittstelle zu erzeugen. daß wir Benutzer sind. daß gestorbene Menschen für immer tot sind und daß ein mit Milch gefülltes Glas mit der offenen Seite nach oben und nicht nach unten zeigt.«30 Und doch beteuerte Lenat in HAL's Legacy. Betrachten wir die folgenden beiden Sätze: »Napoleon starb auf Sankt Helena. »Wenn man ihn fragt. weil diese für die Integration von Informationen. weiß er. daß er auf einer bestimmten Maschine an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in Gang ist. daß der Leser weiß. Cyc und andere Maschinen dieses Typs werden niemals Emotionen verspüren. daß sich Bäume in der Regel im Freien befinden. daß Napoleon und Wellington Menschen sind.«29 Sie setzen voraus. daß er ein Computer ist. »HAL. Wenn man ihn fragt.301 . wer wir sind. solche simulierten Emotionen als real anzusehen. Ein Computer mag Emotionen fingieren. zu glauben. Wellington war zutiefst betrübt. nur weil die Input-/Output-Schnittstelle Englisch benutzt.«31 . Er weiß.

gehe es nicht darum. denn als Ingenieur. In gleicher Weise könne eine Suchanfrage für ein Bild »einer starken und abenteuerlustigen Person« ein Foto eines »Mannes. der beobachtet. oder auch eine konkrete Theorie der Intelligenz zu überprüfen. Dem Cyc-Team. Tatsächlich versteht sich Lenat nach eigenem Bekunden weniger als Wissenschaftler. die in einem Thesaurus gespeichert sind. wie der menschliche Geist funktioniert. Lenat hat betont. der Maschinen zusammenbaut. daß Emotionen für die menschliche Erkenntnis und Kreativität von zentraler Bedeutung sind. Cyc könne Suchbefehle nicht da. Cyc dagegen könne auch Übereinstimmungen suchen. Cyc eigne sich besonders gut als Suchmaschine. wobei wir mit einer äußerst pragmatischen technischen Einstellung an das Projekt herangehen. so sagte er. das heißt als Wahrheitssucher. wie seine Tochter ihre ersten Schritte macht« hinweisen. lehnte er sich gegen einen der jüngsten Trends in der Erforschung des menschlichen Geistes auf.302 . KI-Forschem und Neurowissenschaftlern (insbesondere Joseph LeDoux. um Informationen aus dem World Wide Web oder anderen Datenbanken herauszuholen. So könne beispielsweise ein Artdirector mit Hilfe von Cyc Bilder suchen. Vielmehr bauen wir nicht mehr und nicht weniger als ein Artefakt.Indem Lenat die Bedeutung von Emotionen herunterspielte. die solche vagen Kriterien wie »eine glückliche Person« erfüllten. dessen Arbeit ich im ersten Kapitel behandelte) ist der Ansicht. eines Ausdrucks oder eines Satzes basierten.«32 Bislang sind die kommerziellen Anwendungen von Cyc nicht gerade weltbewegend. Indem Cyc die Legenden von Bildern in einer Datenbank prüft. könne er den Art-director auf ein Foto eines »Mannes. Die meisten Suchmaschinen suchen nach exakten Übereinstimmungen mit Schlüsselwörtern oder auch nach Synonymen. »besser zu verstehen. die auf der weiteren Bedeutung eines Wortes. der eine Steilwand erklimmt« zutage fördern. Eine wachsende Zahl von Kognitionswissenschaftlern.

Als er 1984 mit dem Projekt begann. Im Jahr 1991 war Lenat noch immer optimistisch. die den Bildern beigefügt sind. so Lenat. Cyc werde binnen zehn Jahren die Fähigkeit zu autodidaktischem Lernen besitzen.) Ironischerweise sind für die Bedienung dieser »Alltagsverstandmaschine« sehr spezielle Kenntnisse erforderlich. wie etwa San Francisco.durch erfüllen. wenn X und X' Gatte dasselbe Geschlecht haben«. immer wieder hinaus. die nichts mit dem Alltagsverstand zu tun haben. daß Cyc 1994 oder 1995 in der Lage sei. daß gewisse Verwaltungsbezirke. an dem Cyc diese Fähigkeit besitzen soll. Bücher und andere Informationsquellen durchforste. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlauben. wie es ein menschlicher Sucher täte. »sich neues Wissen leichter durch Lesen anzueignen als dadurch. wie es ein Reporter formulierte. So enthielten beispielsweise Finanzdatenbanken oftmals Informationen über die Geschlechtszugehörigkeit eines Individuums und dessen Gatten oder Gattin. Cyc könne zudem jene Art von Fehlern und Inkonsistenzen aufspüren.303 . weiß er. daß er sich von Wissensingenieuren füttern läßt«. Cyc besitzt eine begrenzte Fähigkeit. daß Cyc über hinreichend Intelligenz verfüge.34 Im . Befehle in gewöhnlichem Englisch zu interpretieren und auszuführen.33 (Lenat übersah. Lenats Ehrgeiz war von Anfang an. daß es vermutlich einen Fehler in den Daten gibt. daß er Bilder direkt prüfe. übersetzt wurden. sagte Lenat. die gewöhnliche Computer niemals entdeckten. Im allgemeinen liefert er auch Informationen in diesem Format. Doch in den meisten Fällen kann er nur Informationen verarbeiten. das als Prädikatenkalkül zweiter Ordnung bezeichnet wird. um sich von selbst neues Wissen anzueignen. vielmehr stütze er sich auf Übereinstimmungen zwischen seinem Suchbefehl und den sprachlichen Beschreibungen. Doch Lenat schiebt das Datum. sagte er voraus. »Ohne daß man Cyc eigens für die Aufgabe programmieren müßte. indem er Zeitungen. die zuvor in ein komplexes Logiksystem.

304 . eine CD mit einer Enzyklopädie des Alltagswissens zu entwikkeln«.«35 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier Hubert Dreyfus bewunderte Lenat dafür. »Letzten Endes muß man die Grundelemente in Cyc einspeisen. »Ich respektiere ihn dafür«.« Lenats Version des Alltagsverstandes habe nichts mit der menschlichen Spielart gemein. Der KI-Forscher Rodney Brooks fällte ein ähnliches Urteil über Lenat: »Doug ist ein netter Kerl. Dann. und das übersieht er [Lenat] meines Erachtens. könne Cyc nicht nur lernen. sondern auch schöpferisch tätig sein. Cyc ist nicht in der Lage.« Brooks. Erstaunliche Entdeckungen. höchst originelle. »nicht nachdenken zu müssen«. Cyc werde zu einem »vollentwickelten kreativen Mitglied einer Gruppe. eine Maschine mit universellen Fähigkeiten zu schaffen. sagte Dreyfus. daß er das ursprüngliche Ziel der KI verfolgt. Doch bislang sei Lenat weit hinter seinem ehrgeizigsten Ziel zurückgeblieben. Nur leider ist er völlig auf dem Holzweg. die neue Entdeckungen präsentieren wird. und das hat nichts mit menschlichem Denken zu tun. das Lenat erlaube. bemerkte Dreyfus. so meinte Lenat.«36 Brooks nannte Cyc »ein bequemes Arbeitsbeschaffungsprojekt«. »Eigentlich handelt es sich bloß um ein Lexikon. sich durch Lektüre von Zeitungen und anderen Publikationen eigenständig Wissen anzueignen. so Brooks. Lenat »ist es gelungen. der niemals durch einen Sinnesapparat in direkten Kontakt mit der Außenwelt trete. der in Australien geboren wurde und aufwuchs und noch immer mit einem leicht näselnden australischen Akzent . Man muß ihn mit einer anderen sensorimotorischen Erfahrung verknüpfen.Jahr 1997 verschob er den Termin auf das Jahr 2001. Ich bewundere seinen Ehrgeiz. Cyc sei im wesentlichen ein Thesaurus.

im Jahr 1997 wurde er zum Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz des MIT ernannt.« Steuerprogramme. da er ein renommiertes Labor mit einem großen Etat und zweihundert Mitarbeitern leite. so daß sie nicht mehr so ärgerlich auf mich sind. Er verwandelte sich von einem lästigen Kritiker zu einer Säule des Establishments. zu sagen. aber sie glauben jetzt. »Meines Erachtens haben wir die Sache falsch angepackt. nicht erreicht worden sei. verknöcherter Spießer sein«. seine Aufsässigkeit zu bändigen versuche. Doch Brooks räumte ein. ist eine der faszinierendsten Gestalten der KI. »Es ist Mode geworden. Für seine Doktorarbeit entwarf er ein hochkomplexes . daß er nicht nur alle anderen. Computerspiele und eine Vielzahl weiterer kommerzieller Produkte seien alle Anwendungsbeispiele der KI-Vision.« Wie Herbert Simon ärgerte sich auch Brooks über einen Großteil der Kritik an der KI. die KI sei gescheitert. computergestützte Haushaltsgeräte.spricht. nämlich intelligente Maschinen zu bauen. sondern auch sich selbst heruntermacht. »kenne ich den richtigen Weg. was sie natürlich verärgerte. ich würde das eigentlich nicht glauben. Sein Charme rührt daher. Er ist ein auf gewinnende Weise streitsüchtiger Mensch mit längerem Kraushaar und Augen. daß das Ziel. sagte er. sie lägen völlig daneben. wenn er so richtig in Fahrt kommt (was häufig geschieht). wie die Leute behaupten. »Mitte bis Ende der achtziger Jahre lief ich herum und sagte allen. fügte er mit selbstironischer Gravität hinzu. die hervortreten. Doch jetzt«. und ich werde es verwirklichen!« Brooks begann seine Laufbahn als gewöhnlicher KI-Forscher. Ich glaube das noch immer. wobei er wie ein Prediger den Finger in die Luft streckte. daß er jetzt. »Wir haben weder HAL noch Commander Data gebaut«. »Jetzt muß ich ein alter. Kurz nach seiner Ernennung sagte er mir.305 . doch meines Erachtens war es kein solcher Fehlschlag. sagte er in Anspielung auf den gleichnamigen Androiden in der Fernsehserie Star Trek.

die die Annahme. die physikalische Gesetze und mathematische Theoreme entdecken könnten. nicht unbedingt auf diese Weise zustande gekommen sein muß. »Menschen sind in der Lage. diese Probleme zu lösen. sie hätten Computerprogramme entwikkelt. nur schlecht funktionierten.306 . daß eine Verhaltensweise nur deshalb. machte er sein Programm noch komplexer und schwerfälliger. »Allmählich dämmerte es mir. Es machte mich richtig wütend. wie Menschen in ihrem Alltagsleben Probleme lösen. so Brooks. Roboter auf der Grundlage dieses Programmes zu bauen. Im Bemühen. was ihre Erfinder bereits in sie hineingesteckt hätten. unsere Handlungen zu rechtfertigen. daß Insekten sich bei der Entscheidungsfindung auf Vernunft und Logik stützten. daß es nicht die Art und Weise abbilde. daß sie. bestehe darin. weil sie sich mit einer Menge komplexer Regeln beschreiben läßt. die diese Projekte verfolgten. und feststellen mußte. Brooks ärgerte sich über die Behauptungen von Herbert Gelernter. daß derartige Programme lediglich das »entdeckten«.« Seit den achtziger Jahren hat Brooks eine Reihe von Aufsätzen – mit Titeln wie »Elefanten spielen nicht Schach« und »Intelligenz ohne Repräsentation« . Wie andere Skeptiker wandte er ein. »Selbst als ich noch ein traditioneller KI-Forscher war. konnte ich das nicht ausstehen.geschrieben. in Ketten logischer Schlußfolgerungen zu denken. als er versuchte. doch meistens handelt es sich dabei um nachträgliche Rationalisierungen.regelbasiertes Programm für dreidimensionales Sehen. und doch zeig. Vernunft und Logik seien der Schlüssel zur Intelligenz.« Wenn wir gebeten würden. Er erlebte eine Glaubenskrise. jedes Wort betonend. Niemand behaupte. in Frage stellten.37 Das Problem des logikorientierten Ansatzes in der KI-Forschung. »reimen wir uns etwas zusammen«. wenn überhaupt. sagte Brooks.« Schließlich verwarf Brooks die gesamte Richtung der KIForschung. Herbert Simon und anderen.

307 . wenn es gegen ein Hindernis stieß. wenn sie im Labor losgelassen wurden. daß die Komplexität von biologischem Verhalten nicht nur von den Organismen selbst herrühre. gesteuert wurde. nachdem Arnold Schwarzeneggers Leib im Terminator verbrannt war. es gleicht dem Roboterskelett. so lange andere Richtungen auszuprobieren.38 Morris hatte den Titel des Films einem der bekanntesten Aufsätze von Brooks entlehnt. sowie eine gewisse Lernfähigkeit. Cheap and Out of Control vorgestellt. deren Verhalten von relativ einfachen Sensoren und Chips. Brooks und seine Insektoid-Roboter wurden (neben einem Löwendompteur. die ihm einprogrammiert wurden.ten diese Tiere offenkundig differenziertes. Dieses Cog genannte Geschöpf besteht aus einem Kopf mit Augen und Ohren. sondern von ihren Interaktionen mit einer komplexen Umwelt. Cog kann sich bewegende Objekte mit den Augen oder durch zusätzliche Bewegung des Kopfes verfolgen. seine Arme danach ausstrecken und sie berühren oder ergreifen. das zum Vorschein kam. insektenartige Verhaltensweisen. der seine Annahmen einer noch strengeren Bewährungsprobe unterziehen sollte. komplexes Verhalten und die Fähigkeit zur Problemlösung. einem Nacken. die mit einfachen Regeln programmiert worden waren. wenn er berührt wird. Er bewies seine Ideen. er zieht seinen Arm zurück. Brooks gelangte zu der Überzeugung. indem er Dutzende von insektenartigen Robotern baute. Cogs Siliziumgehirn verfügt über einige wenige Grundreflexe beziehungsweise Instinkte. bis es sich wieder vorwärts bewegen konnte. einem Experten für Nacktmulle und einem Ziergartengestalter) in Errol Morris' Dokumentarfilm Fast. Die Insektoiden zeigten eindrucksvoll komplexe. Eine Grundregel wies das Insektoid an. Wie Säuglinge hat er einen Wegziehreflex. Er kann Objekte »sehen«. Mitte der neunziger Jahre begann eine Gruppe unter Leitung von Brooks mit dem Bau eines humanoiden Roboters. . Armen und einem Torso.

« Der Kognitionswissenschaftler Thomas Bever von der Universität Rochester meinte kritisch: »Wir wissen so wenig über die frühen Entwicklungsstadien der Kognition. Daraus folge. auf dem zu sehen ist. KI sollte disziplinierter. sagte Brooks. das wir nicht verstehen. »Diese wechselweise Interaktion geht allein von ihr aus. mit dem Roboter interagiert . das dann den Säugling zu komplexerem Verhalten und Lernen anregt. der Kopf wendet sich dann dem Geräusch zu.« Cog kann auch menschliche Gesichter erkennen und sich ihnen zuwenden.Cogs »Ohren« erlauben ihm. aus der ein Geräusch kommt. problemorientierter und geduldiger sein. »Genau das gleiche tun Mütter mit ihren Säuglingen«.«39 . ob es etwas mit Wissenschaft zu tun hat. Eine Mutter verwandelt eine einfache Reaktion des Säuglings in ein Spiel. daß Cog über kein Imitationsprogramm verfügt.« Fell habe rein zufällig ein gewisses Verhalten bei Cog ausgelöst und dieses dann in ein Spiel verwandelt. »Wenn sich zwei Menschen miteinander unterhalten. Cog habe bereits zu einigen aufschlußreichen Befunden geführt. sagte Brooks. die Richtung festzustellen. als verstünde er das Gesprochene. wie Cynthia Fell. daß die Umwelt Lernprozesse anregen und fördern könne. Obgleich Cog Fell zu imitieren schien. eine der Entwicklerinnen von Cog. so Brooks. wies Brooks darauf hin.Cog und Fell heben abwechselnd einen Radiergummi auf und lassen ihn wieder fallen. wenn sie keine Geräusche von sich geben. jährlich Hunderttausende von Dollar für die Simulation eines Phänomens aufzuwenden. einem Reporter. Es ist reine Zeitvergeudung.308 . Nicht jeder ist von Cog beeindruckt. »Einen Roboter zu bauen ist eine spektakuläre Sache«. schaut er abwechselnd einen der beiden an«. »aber es ist fraglich. daß es ziemlich unsinnig ist. sagte Brooks. Er zeigte mir ein Video. der wie Brooks am MIT lehrt. so daß man nicht mehr so viel Wissen von vornherein in die Maschinen einfüttern müsse. »Es sieht so aus. sagte Steven Pinker.

wie wir Imitationen lebensnäher gestalten könnten. »Möglicherweise gibt es ein theoretisches Maximum der Fitneß. die wir bauen. eine zentrale Komponente übersähen. »Ich wünsche mir zutiefst«. funktionieren nicht einmal annähernd so gut wie biologische Systeme«. daß er und andere Wissenschaftler. Ich glaube. ein Konzept oder eine Sprache. daß sämtliche Lernprogramme schließlich an eine Wand stießen. die biologische Systeme erforschten und deren Eigenschaften zu simulieren versuchten. die sie nicht zu überwinden vermöchten. und es gäbe uns einen Anhaltspunkt. daß Computerprogramme sich von selbst entwickelten und wirklich intelligente Versionen von sich erzeugen könnten. war sehr interessant. sagte er bedauernd. Er erinnerte sich. »Wenn wir diese Sprache besäßen. worauf ein zweiundzwanzigjähriger Student aus Oxford geantwortet habe: »Was Sie gesagt haben. das man nie auch nur annähernd erreichen kann.Brooks selbst schien sich keine Illusionen über den möglichen Ertrag seiner Forschungen zu machen. wie er bei einem Workshop in der Schweiz im Jahr 1995 erstmals von einem »Lebenselixier« gesprochen habe. ein neues Elementarteilchen oder eine Essenz des Lebens als an ein Organisationsprinzip. solche Gedanken sind bei . die der Erforschung des menschlichen Geistes im nächsten Jahrhundert neuen Schwung geben könnte. daß »uns etwas entgeht. Wir übersehen etwas. genetischer Algorithmen und anderer Alternativen zu dem alten regelbasierten Ansatz in der KI-Forschung. »Die Apparate. Er wies darauf hin.« Brooks dachte dabei weniger an eine neue Kraft. sagte er. Es ist ein Lebenselixier. Dies sei die Hoffnung von Konstrukteuren neuronaler Netze.« Brooks würzte diese Enthüllung wie gewöhnlich mit einer Prise Selbstironie. so wie es die Computertheorie im zwanzigsten Jahrhundert getan hatte. Er bezweifelte.« Tatsächlich vermutete Brooks mittlerweile. das da ist. könnten wir all diese biologischen Vorgänge in einer geringfügig anderen Weise beschreiben.309 .

und wie dessen gegenwärtiger Direktor ist er ein erbitterter Kritiker des logischen. einem der legendären Überväter der Künstlichen Intelligenz. ließ er kein gutes Haar. waren zwei derartige Metatheorien. KI und Psychoanalyse Könnte die Psychoanalyse die Lösung darstellen. Obgleich er in den fünfziger Jahren eines der ersten neuronalen Netze konstruierte.310 . In den fünfziger Jahren.Wissenschaftlern. zur Sprache gebracht. so daß er an einer »psychischen« Flughemmung leide. die Kybernetik und die Informationstheorie.« Brooks war damals einundvierzig Jahre alt. An mehreren hochmathematischen »Metatheorien«. regelbasierten Ansatzes in der KI-Forschung. die Hubert Dreyfus.40 Diese Argumente decken sich mit denen. besonders populär. nicht zutreffe. mit Ausnahmen zurechtzukommen. der Erzfeind der KI. das fliegt. als die KI-Forschung noch in den Kinderschuhen steckte. daß die Definition eines Vogels als eines Federtieres. vorbrachte. . Regelbasierte Systeme hätten große Schwierigkeiten. Er ist einer der Begründer des Artificial Intelligence Laboratory am MIT. die als Lösungen der KI vorgeschlagen worden waren. ziemlich verbreitet. Fraktale. Auch Minsky hat praktisch jeden anderen Ansatz in der KIForschung in Frage gestellt. wenn er tot oder in einem Käfig eingesperrt sei. wenn der Vogel ein Strauß oder ein Pinguin. die Brooks und andere KI-Forscher so verzweifelt suchten? Die Möglichkeit wurde von niemand geringerem als Marvin Minsky. Auf sie folgten die Katastrophentheorie. die dem Ende ihrer Laufbahn entgegengehen. wenn er gestutzte Flügel oder in Beton steckende Füße oder wenn er eine traumatische Erfahrung durchgemacht habe. wurde er später zu einem der schärfsten Kritiker dieser Technologie. Minsky verwies gern darauf.

die den Geist auf eine Menge einfacher Regeln zurückzuführen versuchten. der Komplexität des Geistes nicht gerecht würden. Und dazwischen läuft das Denken ab. Sie funktionieren unter gewissen Bedingungen«. Minsky tat die Kritik. »Freud schrieb dem Geist also einen Sandwich-Aufbau zu.« Die primitivsten Instinkte beziehungsweise »Maschinen«. die von der Genetik festgelegt sind. Es gibt eine Reihe ursprünglicher Zielvorgaben. Der Schlüssel für den Erfolg des Gehirns liege darin.311 . »Diese Ansätze erzeugen immer wieder Wogen der Begeisterung. . außer ihm selbst. »Es gibt einige Grundtriebe.41 Doch um zu verstehen. daß Freud entgegen der Behauptung einiger moderner Kritiker ein erstrangiger Wissenschaftler gewesen sei. die auf irgendeine spezielle.Chaos und Komplexität. nur noch einen Theoretiker. »Es gibt zahlreiche Schichten von Netzwerken aus lernenden Maschinen. daß die Ansätze von Erzbehavioristen wie Iwan Pawlow. sagte er.« Er kenne. »muß man über diese Metatheorien hinausgelangen«. wie das Gehirn wirklich funktioniere. daß es viele unterschiedliche Strategien zur Problemlösung verwende. »Freud hat bislang die nach meinen besten Theorien über den Geist aufgestellt. für mich aber war er einer«. Das Über-ich unterdrücke Triebregungen. »Vielleicht würden Sie ihn nicht als Wissenschaftler bezeichnen. wie er sie nannte. fuhr Minsky fort.« Minsky betonte nachdrücklich. die es als unangemessen betrachte. Freud habe schon frühzeitig erkannt. daß der Geist aus vielen Komponenten besteht«. vielleicht auch viele. und es gibt eine Reihe essentieller Ziele. bislang unbekannte Weise von der Kultur und den Eltern vermittelt werden. sagte mir Minsky einmal. bezögen sich auf solche Bedürfnisse wie Nahrung.« Freud habe »erkannt. der diesen Aspekt des Geistes wirklich ernst genommen habe. Unterkunft und Flucht vor Feinden. die evolvierten. um Fehler zu korrigieren oder die anderen Agenturen an die Probleme des Denkens anzupassen.

312 .« Doch anders als Freud hoffe er. ein in Frankreich geborener Wissenschaftler. zu essen und zu defäkieren. Er hoffe.Freud habe seine Theorien nicht hinlänglich überprüft. »Damit ist der Mensch gemeint«. daß wir uns weiterentwickeln und nicht in unserem gegenwärtigen Zustand der Dummheit verharren. ihre Gedanken und Handlungen besser zu verstehen und dadurch mehr Kontrolle über sie zu gewinnen. Zrehen ging 1998 auf einer Tagung der American Association for Artificial Intelligence näher auf seine Vorstellungen ein. unser mangelhaftes Selbst aus Fleisch und Blut zu überwinden und uns in sehr viel leistungsfähigere Maschinen zu verwandeln. sagte er über den Titel. das Buch werde Menschen helfen. »Meines Erachtens ist es für uns wichtig. sowie dem Wunsch nach Zuwendung . psychoanalytische Annahmen könnten in künstlichen Denkmaschinen erkundet und überprüft werden. Der »Geist« des Hundes sollte aus mehreren Instinkten .dem Bedürfnis. »könnten sie sich selbst verändern. der am California Institute of Technology arbeitet. Das Buch gebe seine Ansichten über den »Alltagsverstand und die ihm zugrunde liegenden Prozesse« wieder.« Doch zu Zeiten Freuds habe man nicht über derartige Instrumente verfügt. sagte er. wie ihr Geist funktioniert«. daß unsere Selbsterkenntnis uns eines Tages die Macht gebe. Stephane Zrehen.« Minsky teilte auch Freuds Glauben an den therapeutischen Nutzen der Introspektion. »Bei solchen Experimenten führt man Elektroden ins Gehirn ein. . Als ich Minsky interviewte. arbeitete er gerade an einem Buch mit dem Titel The Emotion Machine. In einem Vortrag mit dem Titel »Psychoanalytische Konzepte für die Steuerung von Emotionen in Robotern«42 schlug Zrehen vor.« Mindestens ein junger KI-Forscher teilt Minskys Sympathien für die Freudsche Theorie. ist der Ansicht. als unbegründet ab. einen RoboterHund zu bauen. »Er wäre der erste gewesen. der die richtigen Experimente durchgeführt hätte. »Wenn Menschen wüßten.und einem »Ich« bestehen.

»auch wenn ich noch so laut belle. »wenn ich mein Geschäft draußen verrichte. grundverschieden anmutenden Ansätzen zur Erforschung des Geistes hin. mehrere wichtige Lektionen zu lernen: »nach dem Essen werde ich Gassi geführt«.das Ziehen als »eine Geistesagentur. um sämtliche Elemente zu simulieren. so das Fazit von Zrehen. die dafür zuständig ist. »wenn ich aufs Sofa springe. »wenn ich mein Geschäft im Wohnzimmer verrichte. füttert es mich«. »sollten weitere psychoanalytische Schlüsselbegriffe in das gegenwärtige Modell des Ich einbeziehen. werde ich am Kopf getätschelt«. wie sie etwa dem Ich zugeschrieben werden. werde ich morgens nicht gefüttert«. Zrehen behauptete. um ein künstliches Geschöpf zu entwickeln. der das Gehirn als eine black box . ist zu einer Psychiaterin der Cybergeneration geworden. sehr leicht mit neuronalen Netzen simulieren lassen«. Künstliche Intelligenz und Psychoanalyse hätten einen gemeinsamen Feind. daß »sich komplexe Fähigkeiten. »nachdem mein Herrchen nach Hause gekommen ist und seinen Hut und Mantel abgelegt hat. den Behaviorismus. das mit einer Psyche ausgestattet ist. wie es sich anhört.313 . Turkle. Kompromisse zwischen inneren Trieben und den Forderungen der Außenwelt zu finden«. Das »Ich« könne dem Hund helfen.« Die Bedeutung des Turing-Tests Die Vereinigung von Künstlicher Intelligenz und Psychoanalyse ist nach Ansicht der Soziologin Sherry Turkle nicht so weit hergeholt. oberflächlich betrachtet. »Künftige Forschungen«. werde ich ausgeschimpft«. die notwendig sind. werde ich ausgeschimpft«. die eine Ausbildung als Psychoanalytikerin absolviert hat. In einem Aufsatz mit dem Titel »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance« wies sie 1988 auf mehrere Gemeinsamkeiten zwischen. definierte.

wo bleibt dann das Selbst? Sie stellt nicht nur in Frage. Dieser Besuch erschütterte mich . Sie beschrieb ihre Begegnung folgendermaßen: Da ihm beigebracht worden war. Einmal war ich sicher.314 . Cog hätte meinen Blick ›aufgefangen‹ und beantwortet. das größte sich bewegende Objekt in seinem Wahrnehmungsfeld zu verfolgen (weil es sich dabei in der Regel um einen Menschen handelt). für andere ist es nichts als ein verstiegenes Hirngespinst. und ich muß gestehen. indem sie die Rolle unbewußter Vorgänge betone.nicht etwa wegen Cogs Leistungen. sondern wegen meiner Reaktion auf ›ihn‹. ob das Selbst frei ist. »Das Projekt ist umstritten: Einige sehen darin ein hervorragendes Experiment. Er drehte . was hinter dem ganzen Wirbel um ihn stecke.seinen Kopf. den ihr MIT-Kollege Rodney Brooks gebaut hatte. »Der KI wohnt sogar eine noch bedrohlichere Herausforderung inne: Wenn der Geist ein Programm ist. ›bemerkte‹ mich Cog kurz nach dem Betreten des Raumes. ob es überhaupt so etwas wie ein Selbst gibt. die Psychoanalyse. Das freudianische Unbewußte »stellt ein dezentriertes Selbst dar«. dem humanoiden Roboter. ich fühlte mich dadurch geschmeichelt: Mit einem anderen Besucher wetteiferte ich um Cogs Beachtung. indem sie die Kognition auf Rechenprozesse zurückführe. so Turkle weiter. ein wenig anders.«43 In ihrem 1998 erschienenen Buch Leben im Netz beantwortete Turkle die Frage. sondern auch. das die Idee einer mit einem Körper versehenen emergenten Intelligenz ernst nimmt. deren interne Prozesse nur durch Erforschung ihrer Inputs und Outputs rekonstruiert werden könne. ob eine Maschine ein Selbst besitzen könne. und die Künstliche Intelligenz. Cog selbst in Augenschein zu nehmen und in Erfahrung zu bringen.mir folgend .« Sie beschloß. Sie hatte faszinierende Berichte von Cog gehört. Wenn ich Rodney Brooks früher von seinen robotischen ›Geschöpfen‹ sprechen hörte.behandele. war ich immer . Beide Disziplinen stellten überkommene Vorstellungen von Willensfreiheit und Selbst in Frage.

Wenn es dem Programm nicht gelang. mit Kommentaren. Diese Prophezeiung wirkte angesichts der Fähigkeit von ELIZA. erzielte ähnliche Wirkungen. antwortete ELIZA: »Weshalb spüren Sie Ihrer Meinung nach gegenwärtig eine gewisse Angst?« Sobald ein Schlüsselwort wie »Mutter« (oder »Vater« oder »Träumen« oder »Familie« oder wie das Schlüsselwort sonst lautete) erwähnt wurde. das bei einem Menschen solche Reaktionen auslöst. dieses Wort im Geist in Anführungszeichen zu setzen. die Nachfahren von ELIZA würden menschliche Therapeuten ersetzen. die von einem menschlichen Patienten in einen Computer eingegeben wurden. als wäre Cog eine andere Person. bestimmte Ausdrücke aus den Botschaften des Patienten herauszugreifen und sie in eine seiner stereotypen Antworten einzubauen. Doch jetzt. Sein raffiniertester Trick bestand darin. nicht .315 . das ihm erlaubte. ELIZA reagierte auf Nachrichten. selbst hochintelligente Gesprächspartner in seinen Bann zu ziehen. Ein Expertensystem. »Bitte. nach meiner Bekanntschaft mit Cog. griff es auf allgemeine Bemerkungen zurück. sah ich diese Anführungszeichen dahinschwinden. wie: »Erzählen Sie mir mehr darüber«.sorgsam darauf bedacht gewesen. die die Äußerungen eines Psychotherapeuten nachahmten. das in den sechziger Jahren entwickelt wurde und den Namen ELIZA trug. Wenn die Person beispielsweise eingab: »Ich spüre gegenwärtig eine gewisse Angst«. löste dies unverzüglich die Antwort aus: »Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Mutter«. sondern auch einige Psychiater und Psychoanalytiker behaupteten. Nicht nur KI-Forscher.44 Cog ist wohl kaum das einzige Produkt der KI. ein Muster zu erkennen. fahren Sie fort« oder »Das ist sehr interessant«. Gegen meinen Willen und trotz meiner fortbestehenden Skepsis gegenüber diesem Forschungsprojekt hatte ich mich verhalten. eine so spezifische Antwort zu erzeugen.

316 . In Machines Who Think schilderte Pamela McCorduck eine Interaktion zwischen ELIZA und einem russischen Informatiker. daß sie empfin.»Weshalb fühlen Sie sich Ihrer Meinung nach etwas erschöpft?« erwiderte ELIZA. das ist alles.« . Wenn uns eine Maschine davon überzeugt. besitzen sie ein Selbst. die die KI aufwirft. gaben uns alle Mühe.«45 Die tiefgreifendste Frage. was nun folgte: »Unser Gast. seiner Kinder und der großen . dem Rechner seine Sorgen wegen seiner Frau. Nach der starken KI-Hypothese besitzt ein Computer. Der Schiedsrichter gibt über ein Datenendgerät Fragen an den Computer und den Menschen weiter. ein einfaches empirisches Verfahren zur Beantwortung dieser Frage vor. ein Pionier der Informatik. daß er es mit einem Computer und nicht etwa einer Person zu tun hatte.geographischen und emotionalen . ist der Computer definitionsgemäß denkfähig. der den Turing-Test besteht. McCorduck beschrieb. nichts besonderes. der genau wußte. Wir beobachteten dies peinlich berührt.einmal sonderlich verstiegen.Entfernung von ihnen anzuvertrauen. auf der anderen Seite befinden sich ein Computer und ein Mensch. die an der Universität Stanford stattfand. Bewußtsein. Doch die Reaktion des an Heimweh leidenden russischen Wissenschaftlers auf ELIZA und der Soziologin Sherry Turkle auf Cog offenbart den Fehler im Turing-Test. welche Antworten vom Computer stammen und welche vom Menschen. ELIZA fragte den russischen Wissenschaftler: »Was hat Sie heute zu mir geführt?« Der Russe antwortete: »Ach. Ich fühle mich etwas erschöpft. Auf der einen Seite einer Leinwand sitzt ein Schiedsrichter. begann dennoch. lautet: Denken und empfinden Maschinen genauso wie wir. um mit Turkle zu sprechen? Im Jahr 1950 schlug der britische Mathematiker Alan Turing. und waren gleichwohl wie gebannt. nicht hinzusehen. Der Dialog begann mit einer einfachen Bemerkung. Wenn der Schiedsrichter nicht herausfindet. ein international renommierter Informatiker.

Dürren und Sternschnuppen Empfindungsfähigkeit und komplexe psychische Zustände zu. das uns ermöglicht. vorzunehmen. . einem überaktiven »Psychologiemodul« . wie etwa Tischen und Stühlen. die offenkundig durch bloßen Zufall ausgelöst wurden. besitzen alle normalen Menschen ein angeborenes »Psychologiemodul«. So schreiben wir nicht nur anderen Menschen und Tieren. bezog er sich damit auf das Geheimnisvollste aller Nebenprodukte des Gehirns. sondern auch Unwettern. Das »Psychologiemodul« gab uns einst die Religion. die aus diesem Gebiet hervorgingen. Autisten scheinen oftmals keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Menschen und unbelebten Objekten. Auch der scharfsinnigste menschliche Beobachter schreibt unwillkürlich selbst Objekten. Hirnforscher und Philosophen können sich nicht einmal auf eine gemeinsame Definition von Bewußtsein verständigen. daß sie kein Bewußtsein besitzen. und heute gibt es uns die starke KIHypothese. als die Werke eines zornigen oder liebenden Gottes. Ich persönlich ziehe die Definition von Bewußtsein vor. den psychischen Zustand anderer Menschen intuitiv zu erfassen und auf diese Weise ihre Handlungen vorherzusagen. Nach einer der faszinierendsten Hypothesen. geschweige denn auf eine gemeinsame Erklärung. komplexe psychische Zustände zu. ist jedoch nur eine Facette der umfassenderen Kontroverse über das Phänomen Bewußtsein.dungsfähig sei.317 . sagt dies möglicherweise viel weniger über die Maschine aus als über uns. Als der Philosoph Joseph Levine den Begriff »Erklärungslücke« prägte. Viele von uns sind jedoch mit dem umgekehrten Problem konfrontiert. Die Kontroverse über die Frage. ob Maschinen denken und fühlen können.46 Schädigungen des »Psychologiemoduls« verursachen möglicherweise Autismus. von denen er weiß. Wir deuten selbst die Phänomene. Die Evolutionspsychologie liefert uns vielleicht einige Aufschlüsse über dieses Phänomen.

wurde darüber geschrieben. Oft wird irrigerweise Bewußtsein mit Selbstbewußtsein gleichgesetzt.die der britische Psychologe Stuart Sutherland in The International Dictionary of Psychology aufstellte: »Wahrnehmungen. wenn man weiß. was sich zu lesen lohnt. deren Sinn sich nur begreifen läßt. Gedanken und Empfindungen haben.318 .«47 . Bewußtsein liegt jedoch schon dann vor. das sich dem Zugriff aber entzieht. Nichts. wenn Bewußtsein von der Außenwelt vorliegt. was Bewußtsein bedeutet. was es tut und warum es entstanden ist. Der Ausdruck läßt sich nicht definieren . Es ist unmöglich anzugeben. Bewußtsein ist ein faszinierendes Phänomen. was es ist.außer durch Ausdrücke.

DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Nehmen wir eine Maschine an. Jahrhundert Die Suche nach einer ›molekularen‹ Erklärung des Bewußtseins ist Zeitverschwendung. GÜNTHER STENT. sich langsam oder schnell in diese oder jene Richtung zu bewegen. in welcher Abwandlung und Kombination auch immer. so daß man sie wie eine Mühle betreten könnte. aber was würde man dort beobachten? Nichts anderes als Teile. SAMUEL JOHNSON. deren Struktur das Denken. 18. Ausdehnung. die behaupten. JULIAN HUXLEY. diese Maschine werde vergrößert. daß die physiologischen Prozesse. Jahrhundert 1 I m Verlauf seines beruflichen Lebens erhält jeder Wissenschaftsjournalist Briefe von Menschen. nehmen wir an. 1/14 Materie kann sich von Materie nur in Form. ist geradeso unerklärlich wie das Erscheinen des Dschinn. GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ. Dichte. die einander stoßen und bewegen. normale Reaktionen. Gefühle und die Wahrnehmung erzeugt. Unter dieser Annahme könnte man also das Innere der Maschine aufsuchen. die nicht interessanter oder uninteressanter sind als die Prozesse. groß oder klein zu sein.8. fest oder flüssig. Monadologie. Jahrhundert Daß etwas so Eigenartiges wie ein Bewußtseinszustand der Reizung von Nervengewebe entspringen kann. 19. die dieser vollkommen subjektiven Erfahrung zugrunde liegen. aber niemals etwas. wenn Aladin die Wunderlampe reibt. . behalte aber dieselben Proportionen. nichts anderes sind als scheinbar gewöhnliche. sind Arten der materiellen Existenz. die alle dem Wesen der Wahrnehmung gleichermaßen fremd sind.319 . die etwa in der Leber ab1 laufen. kann man das Bewußtsein in Verbindung bringen? Rund oder eckig. etwas außerordentlich Wichtiges entdeckt zu haben: eine Theorie. das die Wahrnehmung erklären könnte. da sich zeigen wird. Bewegung und Bewegungsrichtung unterscheiden: Mit welchem davon. 20.

320 . ob ich Aktien an seinem Unternehmen erwerben könne. ein auf einer Seite niedergeschriebener Beweis von Fermats letztem Satz oder auch schlicht die Weltformel. setzen Formeln wohlüberlegt ein. Wittgenstein) erhebt immer wieder sein Haupt.ein Verfahren zum überlichtschnellen Transport beschrieben wurde (der Briefkopf wies den Schreiber als Vorsitzenden der Transluminal Industries. die am klarsten. -Darwins und -Einsteins einfach zu ignorieren. eine Neuformulierung der Quantenmechanik. schief. Am verstörendsten sind die Briefe. Inc. Vielmehr rührt der Gedanke. aus). einer von ihnen hätte vielleicht tatsächlich die allumfassende Erklärung gefunden. wie ich glaubte . daß Einsteins Konzeption von Raum und Zeit falsch sei. Einige Schreiben sind offensichtlich Produkte klinischer Geistesstörung.. Dennoch fällt es mir noch immer nicht leicht. Und dennoch wirkten sie irgendwie . wie ich glaubte -. Oft wechselt auch ständig die Farbe des Kugelschreibers oder Bleistifts.. Nicht etwa.ironischerweise. die vollgepackt sind mit unverständlichen Wörtern und mathematischen Symbolen.in ironischem Tonfall. intelligentesten und gelehrtesten sind.. schlimmer noch. Die Briefschreiber stehen im allgemeinen in keiner Beziehung zu staatlichen Institutionen (ausgenommen Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken). zitieren anerkannte Quellen. Ein wochenlanges Hin und Her von Briefen. schrieb ich dem Autor . all diese Möchtegern-Newtons. Faxschreiben und Anrufen war die Folge.die beweise. . in dem . Gott (oder. Das Manuskript umfaßt manchmal Dutzende oder auch Hunderte von handgeschriebenen Seiten. daß ich dächte. Amüsiert von einem Schreiben. bauen ihre Argumentation sorgfältig auf und berufen sich nur ganz selten auf Gott oder Wittgenstein. und sie sehnen sich nach Anerkennung. solche Briefe am besten nicht zu beantworten. Die Autoren benutzen gewöhnliche Schriftarten. mit Großbuchstaben und Ausrufungszeichen. Die Erfahrung hat mich gelehrt.

mit all den anderen.Fachtermini. wobei die ganze Zersplitterung und Begriffsverwirrung in diesen Bereichen gleichsam tausendfach vergrößert zum Vorschein kam. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. . Chaostheorie. Gleichungen. Manchmal wünschte ich mir.daß sich diese einsamen Wahrheitssucher nach Bestätigung oder zumindest einer Reaktion von dieser gleichgültigen Welt sehnen. schief. jede Person. so ihre Überschrift. Praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen (und nicht wenige pseudowissenschaftliche und sogar wissenschaftsfeindliche) waren vertreten: Psychologie. die die Welterklärung gefunden zu haben glaubt.321 . Die Stimmung wurde gleich zu Beginn von einem der Organisatoren..auch wenn ein solcher Beschluß äußerst unwahrscheinlich wäre. Ihre Vorträge wiesen alle Kennzeichen eines ernstzunehmenden wissenschaftlichen Diskurses auf . an der ich im April 1994 teilnahm. Physik und natürlich die Philosophie.. Künstliche Intelligenz. Im Idealfall träfen sie sich auf einer Konferenz zu einem Meinungsaustausch und stimmten darüber ab. daß das Treffen langweilig gewesen wäre. Neurologie. Viele der Teilnehmer waren berühmte Professoren an bedeutenden Hochschulen. Nicht. Dennoch wirkten sie alle irgendwie . experimentelle Daten. Mathematik. in Kontakt zu bringen.der Erkenntnisse aller wissenschaftlichen Fachgebiete. Neurowissenschaft. wie etwa der Universität Oxford und dem California Institute of Technology. welche Erklärung die beste sei . mein abgestumpftes Herz.2 Die Tagung lieferte eine Quintessenz um nicht zu sagen Karikatur . Psychiatrie. Eine solche Konferenz liefe vermutlich ähnlich ab wie eine Tagung an der Universität von Arizona in Tucson. die eine letzte Wahrheit entdeckt haben. »Toward a Scientific Basis of Consciousness«. wurde (fälschlicherweise. wie sich zeigen sollte) als die »erste interdisziplinäre Wissenschaftskonferenz zum Thema Bewußtsein in den Vereinigten Staaten« angekündigt.

ein dänischer Physiker. zeige. während seiner Begrüßungsanprache den Blick über die bunt zusammengewürfelte Menge schweifen ließ.also nicht vorhersagbare. ein HippieTyp mittleren Alters mit Spitzbart und Pferdeschwanz. behauptete. so Rasmussen weiter. Wissenschaftliche Erklärungen. der Begriff der Willensfreiheit lasse sich möglicherweise durch »Verursachung von oben nach unten« erklären. auf den Punkt gebracht. so Hameroff. versetzte ihn in Bewußtlosigkeit. daß der Ursachenzusammen. Bewußtsein sei womöglich eine »emergente« . dem die Stange bei einem Streit um Drogen in den Kopf gerammt worden sei. so wie die Supraleitfähigkeit eine emergente Eigenschaft gewisser keramischer Verbindungen sei. Jeder vorstellbare Erklärungsansatz für das Phänomen Bewußtsein hatte in Tucson seine Anhänger. irreduzible und ganzheitliche .dem Anästhesisten Stuart Hameroff von der Universität von Arizona. Doch die Stange hatte diesen modernen Phineas Gage nicht getötet. daß »Thiopental [ein Injektionsnarkotikum] mächtiger ist als das Schwert«. die bei relativ hohen Temperaturen auftrete. der zur Clique der Quantenbewußtseinstheoretiker gehörte. wie robust Bewußtsein sein könne. setzten meist stillschweigend voraus. Es zeigte einen Mann mit langen dünnen Haaren und brutalem Gesicht. Dieser Vorfall.Eigenschaft des komplexen Verhaltens des Gehirns. der frontal in die Kamera schaute: seine Augen quollen hervor. das ihm in einer örtlichen Klinik verabreicht wurde. und er biß vor Wut und Schmerz die Zähne zusammen. ja ihm nicht einmal das Bewußtsein geraubt. Hameroff berichtete. Erst ein Narkotikum. der am Santa-Fe-Institut arbeitet. Steen Rasmussen. Als Hameroff.3 Er meinte. Ein langes Stück Stahl ragte aus beiden Schläfen hervor. der Hochburg der modischen Komplexitätsforschung. Eine andere Lektion sei.322 . der Mann sei ein Strafgefangener. entfuhr ihm ein begeistertes: »Mann! Das ist ja hier wie in Woodstock!« Später führte er das beste Dia der Konferenz vor.

zur Debatte. daß es offenbar kein neurales Korrelat zu den Laserstrahlen gab. und könne sogar eine gewisse Kontrolle über diese ausüben. wenn auch in geringerer Auflösung. die Hologramme erzeugen. Pribram behauptete. Später fanden Forscher jedoch heraus. ein emergentes Phänomen wie der menschliche Geist sei bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den kleinen Prozessen. daß das Gesamtverhalten eines Systems durch das Verhalten seiner kleinsten Elemente festgelegt werde. Nach Ansicht von Pribram können in gleicher Weise aus kleinsten Gedächtnisspuren vollständige Erinnerungen hervorgehen.ähnlich wie Lichtwellen in einem Laser . Überlagerung und Resonanz zwischen den sich überlagernden Feldern könnten so Erinnerung. Der erfahrene Neurowissenschaftler Karl Pribram. bei der ein dreidimensionales Bild durch Überlagerung zweier Laserstrahlen erzeugt wird. aus denen es hervorgehe. Eine Schwäche von Pribrams ursprünglichem holographischem Modell lag darin.323 . die er in den sechziger Jahren aufgestellt hatte.oftmals wiederholt synchron und in derselben Frequenz entladen. daß das Gedächtnis in einer ähnlichen Weise wie die Holographie funktioniere. Eines der bemerkenswertesten Merkmale eines Hologramms besteht darin. Doch die Verursachung könne auch von oben nach unten erfolgen. daß jeder beliebige Ausschnitt des Bildes das gesamte Bild. . in sich trägt. daß sich große Verbände von Neuronen . das bedeute. der dreißig Jahre lang in Stanford lehrte und dann 1989 an die Radford-Universität wechselte.4 Pribram hatte die Hypothese formuliert. man kann daher das gesamte Bild aus einem winzigen Element rekonstruieren. diese oszillierenden Neuronen erzeugten sehr schwache elektrische Felder. So lasse sich die Willensfreiheit erklären. die den Lichtwellen in einem Hologramm entsprächen. stellte eine aktualisierte Version einer einstmals populären Theorie.hang nur »von unten nach oben« verlaufen könne.

. Diese Befunde förderten vielleicht auch Erhellendes über das Rätsel Bewußtsein zutage. . in meinem Gehirn gibt es ein schwarzes Loch!« fiel ihm ein vermutlich überforderter Zuhörer ins Wort. Sie sagte. der die Hirnwellen aufzeichnete.»Ich glaube. ihre Finger abbogen. Der Psychologe Benjamin Libet6 von der Universität von Kalifornien in San Francisco beschrieb ein Experiment. der Thermodynamik und schwarzen Löchern entdeckt hätten. während sie den Augenblick ihres Entschlusses mit einer Uhr festhielten. daß Materie und Geist aus einer tieferen Quelle. Nach ihrem Vortrag wies einer der Zuhörer darauf hin. den Dualismus zu überwinden und zu erkennen.2 Sekunden nachdem sie den Entschluß gefaßt hatten.324 . wiederholte die Kernthese ihres 1990 erschienenen Buches The Quantum Seif 5. Doch ein Elektroenzephalograph. daß die Versuchspersonen im Schnitt 0. Die menschlichen Gedanken. die »in Wirklichkeit Gott ist«. zeigte. »aber . so versicherte sie. Danah Zohar. dem »Quant«. Daten von Sensoren an den Fingern zeigten. hervorgingen. . seien quantenphysikalische Fluktuationen der Vakuumenergie des Universums. es sei Zeit. fügte er hinzu. « . die zunächst am MIT Physik und anschließend bei dem Psychoanalytiker Erik Erikson an der HarvardUniversität Philosophie und Religion studierte.Wahrnehmung und andere mentale Funktionen hervorbringen. der Informationstheorie. daß die Physiker tiefreichende Zusammenhänge zwischen der Quantenmechanik. Auf der Konferenz mangelte es nicht an empirischen Studien.3 Sekunden bevor sie bewußt den Entschluß trafen. zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl einen Finger abzubiegen. einen Aktivitätsgipfel generierte. daß das Gehirn der Versuchspersonen im Schnitt 0. »Es gibt kein schwarzes Loch in unserem Gehirn«. aber nur wenige erbrachten eindeutige Ergebnisse. den Knopf zu drücken. bei dem die Versuchspersonen gebeten wurden.

nichts zu sehen. Ein Arzt aus Kalifornien (der zuvor Exemplare eines selbstverlegten Buches verteilt hatte. zu raten. Absichten zu initiieren. gutzuheißen oder anderweitig auf sie zu reagieren. . deren Aktivität wir nicht ableiteten«. wie sich ihre Erinnerungsfähigkeit weiterverschlechtert. das Gesicht verziehend. die in verschiedenen Regionen des Zentralnervensystems angesiedelt sind. nachdem sie aus dem Unbewußten aufgestiegen seien. Ein Forscher zeigte. was das Bild zeige. in der sie sich ihres Gedächtnisverlustes in qualvoller Weise bewußt sind.und somit auch mentalen Fähigkeiten . In dem Maße. das Blindsichtigkeit genannt wird. doch ihr Gehirn empfängt und verarbeitet auf einer bestimmten Ebene weiterhin visuelle Informationen. wissen sie dann immer weniger um ihren Gedächtnisverlust. Er wies vorsichtig auf eine mögliche Konsequenz seiner Studien hin: Vielleicht bestehe die Willensfreiheit nicht darin. meinte Libet. deren Gehirne . Das Phänomen der Blindsichtigkeit deutet darauf hin. sondern sie zu verwerfen.»Der eigentliche Beginn der Willensbildung fand möglicherweise noch früher in einer Region des Gehirns statt. »wie man glücklich wird«) fragte Libet. antwortete Libet. daß Wahrnehmung und Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad getrennte Phänomene sind.325 . daß Alzheimer-Patienten im Frühstadium der Erkrankung eine Phase durchlaufen. die an einem seltsamen Syndrom litten. behauptet er. ob seine Befunde etwas mit der Frage der Willensfreiheit zu tun hätten. Diese Patienten sind zwar subjektiv blind. wird er in vielen Fällen die richtige Antwort liefern. der an Blindsichtigkeit leidet. »Ich konnte dieser Frage immer aus dem Weg gehen«. Fordert man ihn dann auf. beispielsweise ein Bild eines Löwen vor.durch Krankheiten oder Verletzungen geschädigt worden waren. Mehrere Forscher sprachen über hirngeschädigte Patienten. Legt man einem Menschen. Andere Vorträge bezogen sich auf Menschen. in dem er Ratschläge darüber gab.

Ein anderer machte den Vorschlag. und baten sie. ob sie in ihrer linken Hand. Bewußtsein war seines Erachtens offensichtlich nicht nur eine Eigenschaft von Menschen und anderen höheren Lebewesen. daß selbst gesunde Menschen eine gewisse Fragmentierung ihres Selbst erlebten. die die beiden Hemisphären des Gehirns miteinander verbinden. man könne die beiden »Selbste« der Frau durch Konfliktbewältigungsstrategien darin schulen.Ein Neurologe von der Universität von North Dakota führte ein Video über eine junge Frau vor. »Dort spielt die Musik«. Ein Psychotherapeut unter den Zuhörern meinte im Anschluß. Pflanzen und Steinen. der konnte in der Halle vor dem Hörsaal noch exotischere Kost genießen. Wem die offiziellen Vorträge zu fad waren. besaß sie anschließend zwei Bewußtseinszentren. verzweifelt um eine Antwort ringend: »Ja! Moment mal! Nein! Ja! Nein. der einen Nasenring und einen fünfzehn Zentimeter langen geflochtenen Kinnbart trug und für ein unbekanntes Internetmagazin über die Tagung berichtete. Dann tippte ihr linker Zeigefinger auf »Ja« und ihr rechter Zeigefinger auf »Nein«. eine Empfindung spüre. Obgleich die Operation ihre Epilepsie gelindert hatte. Die Frau starrte das Blatt einen Augenblick lang an. ja aufgebracht. Einmal ließ ich mich in der Halle auf eine Diskussion mit einem großen glatzköpfigen Mann ein. Er war enttäuscht. daß nahezu alle Konferenzteilnehmer Bewußtsein so eng definierten. besser miteinander auszukommen. der eine Art Leinenpyjama trug. daß Chirurgen die Nervenfasern durchtrennt hatten.326 . nein! Moment mal. die an einer so schweren Epilepsie litt. schrie sie. ja. die um die Vorherrschaft konkurrierten. auf die richtige Antwort zu deuten. die über Nervenbahnen mit nur einer Hemisphäre in Verbindung stand. sagte ein Journalist. wie Wanzen. Als sie gefragt wurde.« Anschließend legten die Forscher der Frau ein Blatt Papier vor. auf dem die Wörter ja und nein standen. Ich gab zu be. sondern von sämtlichen Erscheinungen der Natur.

Christof Kochs Bewußtsein Wenn man die verschiedenen Konkurrenten in diesem wissenschaftlichen Wettstreit plazieren müßte. und wenn ich nicht so engstirnig bliebe. vergleichbar jenen. Nur durch gründliche Erforschung der Nervenzellen und der Wechselwirkungen zwischen diesen könnten Wissenschaftler Modelle entwickeln. Crick führte diese Ideen in seinem 1994 erschienenen Buch Was die Seele wirklich ist8 weiter aus. . es sei an der Zeit. Der Mann im Pyjama erwiderte erregt. Er habe es jedoch überwunden. er habe einst wie ich an einem äußerst engen materialistischen Paradigma festgehalten. wenn man das Gehirn als eine black box behandele. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler dieses Jahrhunderts. ginge die Spitzenposition vermutlich an Christof Koch. Bewußtsein zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Erforschung zu machen. »ohne dessen Energie und Enthusiasmus dieses Buch nie geschrieben worden wäre«. Koch dürfte maßgeblich für das stark gewachsene wissenschaftliche Interesse am Bewußtsein verantwortlich sein. die die Vererbung auf der Basis der DNA erklärten. Er widmete dieses Buch Koch.7 Im Gegensatz zu den Annahmen von Psychologen. die wissenschaftlichen Anforderungen genügten. in einem gemeinsam verfaßten Aufsatz. Im Jahr 1990 verkündeten er und Francis Crick.denken. Philosophen und anderen Wissenschaftlern könne man Bewußtsein und andere mentale Phänomene niemals richtig verstehen. einen deutschstämmigen Neurowissenschaftler vom California Institute of Technology. daß es die Wissenschaft bei der Erklärung von Bewußtsein nicht sonderlich weit brächte.327 . könnte ich das vielleicht auch. wenn sie es derart weit definierte.

Kochs Energie und Enthusiasmus waren in seinem Vortrag in Tucson geradezu körperlich zu spüren. Dieser hochgewachsene, schlanke Mann, der mit deutschem Akzent sprach und seine Worte stakkatoartig herunterrasselte, ging während seines Vortrags mit federnden Schritten auf dem Podium hin und her und hielt nur inne, um schnell ein Dia zu zeigen oder einen Witz zu machen. Er erinnerte die Zuhörer daran, daß er und Crick Bewußtsein als die Fähigkeit des Gehirns definiert hätten, sich auf eine bestimmte Anzahl von all den Phänomenen, die auf es einwirken, zu konzentrieren. Dann werde die entscheidende Frage zu einer scheinbar einfachen: Auf welche Weise werde sich das Gehirn zum Beispiel eines Gesichts in einem Raum voller Menschen bewußt? In Wahrheit aber sei das Problem ziemlich kompliziert, erklärte Koch, weil selbst eine einzige visuelle Szene in vielen verschiedenen Regionen des Gehirns verarbeitet werde. »Es gibt nicht einen Ort, an dem alles zusammenläuft.« Er fügte hinzu, diese scheinbar verteilte Struktur des Bewußtseins sei, evolutionsbiologisch gesehen, sinnvoll, da das Gehirn dann nicht so leicht durch eine einzelne, örtlich begrenzte Verletzung außer Betrieb gesetzt werden könnte. Welche Mechanismen aber verwandeln das Entladen von Neuronen in zahlreichen Regionen des Gehirns zu einer einheitlichen Wahrnehmung? »Dies ist das Bindungsproblem«, erklärte Koch. Wenn es den Neurowissenschaftlern gelänge, das Bindungsproblem zu lösen - das ich das Dilemma des Reduktionismus genannt habe -, so Koch, hätten sie einen großen Schritt in Richtung einer Lösung des Bewußtseinsproblems getan. Auf eine mögliche Lösung des Bindungsproblems hätten Experimente hingedeutet, die zeigten, daß sich Neuronen in verschiedenen Teilen des Gehirns gelegentlich mit derselben Frequenz entladen - etwa vierzigmal pro Sekunde. Koch bat die Zuhörer, sich das Gehirn als einen Weihnachtsbaum mit Milliarden von Lichtern vorzustellen, die scheinbar rein zufäl- 328

lig aufleuchteten. Dieses Blinken stelle die Antwort unseres visuellen Kortex auf ein Zimmer voller Menschen dar. Plötzlich beginne eine Teilmenge dieser Lichter mit derselben Frequenz zu blinken, nämlich vierzigmal pro Sekunde, wenn sich der Geist auf ein bestimmtes Gesicht konzentriere beziehungsweise sich dessen bewußt werde. Koch räumte ein, daß die empirischen Beweise für 40-Hertz-Oszillationen recht dürftig seien; sie seien am deutlichsten bei narkotisierten also bewußtlosen – Katzen nachgewiesen worden. Eine andere Form der Bindung könnte schlichte Gleichzeitigkeit sein; die Neuronen entladen sich lediglich zur selben Zeit und nicht unbedingt mit derselben Frequenz. Spärliche Belege für diese Gleichzeitigkeit hätten ebenfalls Tierexperimente geliefert, so Koch. Ein Zuhörer, der Widerspruch gegen Kochs Ausführungen erhob, war Walter Freeman, ein großer, schlanker Neurowissenschaftler mit weißem Bart, der an der Universität von Kalifornien in Berkeley lehrt. (Freemans Vater war der Neurochirurg, der in den fünfziger Jahren die Lobotomien in den Vereinigten Staaten populär gemacht hatte.) Freemans Kritik hat Gewicht, weil er als einer der ersten die neuronalen 40Hertz-Oszillationen untersuchte. Diese Oszillationen mögen zwar in einem gewissen Zusammenhang mit dem Phänomen Bewußtsein stehen, doch seien sie wohl kaum der Schlüssel zur Erklärung des Problems, ebensowenig wie die Sauerstoffaufnahme oder die Durchblutung oder andere ubiquitäre Phänomene. 40-Hertz-Oszillationen seien »eine Sackgasse, ein Holzweg«, sagte er. »Die gegenwärtige Woge der Begeisterung ist durch nichts gerechtfertigt.« Freeman befürwortete ein komplexeres Modell des Bewußtseins, das auf der Chaostheorie aufbaut. Chaotische Systeme scheinen zufallsgesteuert zu sein, während sie in Wahrheit eine verborgene Ordnung aufweisen, die mit mathematischen Objekten, die als Attraktoren bezeichnet werden, beschrieben
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werden kann. Chaotische Systeme zeigen eine sogenannte empfindliche Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen; man spricht bildhaft vom Schmetterlingseffekt. Grundsätzlich kann das Flattern eines Schmetterlings etwa in Iowa eine Kaskadenwirkung auslösen, die in einem Monsun in Indien gipfelt. Indem Freeman die Entladungsmuster großer Verbände von Neuronen graphisch darstellte, konnte er zeigen, daß sie chaotische Muster erzeugen. Dieses Verhalten könne die Fähigkeit des Gehirns erklären, mit erstaunlicher Schnelligkeit auf komplexe Sinnesdaten zu reagieren, so seine Hypothese. Der Anblick eines vertrauten Gesichts etwa löse möglicherweise eine nahezu sofortige Verschiebung im chaotischen Entladungsmuster einer Gruppe von Neuronen im visuellen Kortex aus, die zum Erkennen der Person führe. Doch er räumte ein, daß seine Theorie nur - bestenfalls - ein Steinchen des Puzzles sei.9 Der Philosoph Owen Flanagan von der Duke-Universität meinte ebenfalls, daß das Rätsel Bewußtsein höchstwahrscheinlich nicht mit einem Mechanismus allein - egal ob mit Freemans chaotischen neuronalen Entladungsmustern oder Kochs 4O-Hertz-Oszillationen - gelöst werden könne. Möglicherweise gebe es ebenso viele Formen von Bewußtsein wie von Erinnerung und Wahrnehmung. Unsere bewußte Wahrnehmung des Geruchs einer Katze sei möglicherweise das Produkt einer ganz anderen Menge von Neuronen und neuralen Prozessen als unser visueller Eindruck derselben Katze. Flanagan ist Anhänger einer philosophischen Richtung, die konstruktiver Naturalismus genannt wird und die besagt, daß Bewußtsein ein weitverbreitetes biologisches Phänomen sei, das nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei höheren Primaten - vorkomme. Eine umfassende Erklärung des Bewußtseins werde, so Flanagan, aus einem Prozeß der »Triangulierung« hervorgehen, wobei Berichte von Versuchs- 330

personen über ihre subjektiven Erfahrungen und objektive Daten aus Psychologie und Neurowissenschaft miteinander verbunden würden. »Wir müssen sehr sorgfältig auf das hören, was uns die Menschen über ihre subjektiven Erfahrungen sagen«, meinte Flanagan weiter.
Auch die Psychologen und Kognitionswissenschaftler sollten ein Mitspracherecht haben. Man achte sorgfältig auf ihre Beschreibungen mentaler Vorgänge und darauf, welche Funktionen Bewußtsein gegebenenfalls in der Gesamtorganisation übernimmt. Drittens sollte man sehr sorgfältig auf das hören, was die Neurowissenschaftler dazu zu sagen haben, wie bewußte mentale Ereignisse unterschiedlichster Art zustande kommen, und die Übereinstimmung zwischen ihren Berichten und den phänomenologischen und psychologischen Berichten prüfen. Meines Erachtens ist diese Triangulierung die einzige erfolgversprechende Methode zur Erklärung von Bewußtsein. 10

Roger Penroses Quantensprung Flanagans Ansatz war vielen Rednern in Tucson zu konventionell; sie bevorzugten radikalere Modelle in Anlehnung an die Quantenmechanik. Physiker und Philosophen begannen schon kurz nach der Begründung der Quantenmechanik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts darüber zu spekulieren, ob Bewußtsein möglicherweise auf irgendeine rätselhafte Weise mit quantenphysikalischen Phänomenen in Zusammenhang stehe. Nach gewissen Interpretationen der Heisenbergschen Unschärferelation wirkt sich der Akt der Messung - der letztlich einen bewußtseinsbegabten Beobachter voraussetzt - auf das Ergebnis von Quantenereignissen aus; so verhalten sich Elektronen in einem Experiment wie Wellen und in einem anderen wie Teilchen. Aus der Quantentheorie folgt, daß Teilchen gei- 331

sterähnlich Wände durchdringen und sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufhalten können. Die Quantenmechanik erlaubt auch sogenannte nichtlokale Wirkungen, bei denen sich zwei Teilchen, die sich mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten, auf subtile Weise wechselseitig beeinflussen. Einstein, der die Existenz nichtlokaler Wirkungen niemals uneingeschränkt anerkannte, verspottete sie einmal als »gespenstische Fernwirkungen«. Quantentheorien des Bewußtseins waren jedoch kaum mehr als Spekulationen, bevor Roger Penrose sich Ende der achtziger Jahre ernsthaft dafür zu interessieren begann.11 Penrose, ein mathematischer Physiker an der Universität Oxford, ist ein Star der Naturwissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts. Er machte sich zunächst einen Namen als Kapazität für schwarze Löcher und andere Gravitationsphänomene. In den siebziger Jahren lieferten er und sein Student Stephen Hawking (der später den Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit schrieb) einen mathematischen Beweis für die Annahme, daß alle schwarzen Löcher eine Singularität enthielten - einen Punkt, an dem die Dichte der Materie gegen unendlich strebt und die herkömmlichen physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Im Jahr 1989 verkündete Penrose in Computerdenken, daß praktisch alle gängigen Ansätze zur Erklärung des Geistes einschließlich derer, die aus der Künstlichen Intelligenz, der Kognitionswissenschaft und der Neurowissenschaft hervorgingen - fehlerhaft seien. Dreh- und Angelpunkt von Penroses Argumentation war der Unvollständigkeitssatz, den der Mathematiker Kurt Gödel in den dreißiger Jahren aufgestellt hatte. Gödel bewies, daß jedes Axiomensystem, das so komplex ist, daß es Rechenanweisungen erzeugt, unvollständig ist; das bedeutet, daß das System »nichtentscheidbare« Aussagen liefert, deren Wahrheit oder Unwahrheit nicht allein mit diesen Axiomen nachgewiesen werden kann. Diese nichtent- 332

scheidbaren Aussagen sind oftmals mathematische Versionen solcher wohlbekannten selbstbezüglichen Paradoxa wie der Behauptung »Ich lüge«. Nichtentscheidbare Aussagen lassen sich dadurch lösen, daß man neue Axiome in das System einführt, aber diese neuen Axiome erzeugen ihrerseits eine neue Menge nichtentscheidbarer Aussagen und so endlos weiter. Die Bedeutung des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes liegt nach Penrose darin, daß die Mathematik nie auf einen Algorithmus beziehungsweise einen Satz von Regeln zurückgeführt werden könne, der am laufenden Band Theoreme und Beweise produziere. Penrose zog seine subjektiven Erfahrungen als Mathematiker als Beleg für diese Aussage heran; seine besten Arbeiten seien nicht aus deduktiven, logischen Ableitungen hervorgegangen, sondern aus plötzlichen Eingebungen und Einblicken in ein unbeschreiblich schönes Reich platonischer Ideen. Penrose gelangte zu dem Schluß, kein mechanisches, regelbasiertes System - also weder die klassische Physik noch die Informatik, noch die Neurowissenschaft nach ihrer gegenwärtigen Konzeption - könne die schöpferische Fähigkeit des Geistes erklären. Die menschliche Kognition müsse das Produkt subtilerer Wirkungen sein, die vermutlich mit der Quantenmechanik zusammenhingen und die sich bislang dem Blick der herkömmlichen Naturwissenschaft entzogen hätten. In seinem Vortrag in Tucson faßte Penrose die zentralen Argumente seines neuen Buches Schatten des Geistes zusammen, das die Ideen, die er in Computerdenken dargelegt hatte, weiterentwickelte. Er leitete seine Ausführungen mit dem Hinweis ein, daß Deep Thought, ein Computer, der einige der größten Schachspieler der Welt besiegt habe, noch immer nicht mit Problemen fertig werde, die selbst ein Amateurspieler lösen könne. »Computer sind nicht in der Lage zu verstehen«, behauptete Penrose. (Deep Thought war ein Vorläufer von Deep Blue, der 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte.) Er erklärte, die Fähigkeiten ließen sich nur mit einer – noch
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ausstehenden - physikalischen Theorie erklären, welche die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie in sich vereine. Die Formulierung einer solchen Theorie, die Quantengravitationstheorie, Große Vereinheitlichte Theorie oder kurz »die Weltformel« genannt werde, sei das oberste Ziel der theoretischen Physik. In Computerdenken hatte Penrose nicht näher erläutert, wo und wie diese Quasiquanteneffekte wirken sollen. Jetzt postulierte er, daß die quantenphysikalische Nichtlokalität (die Fähigkeit eines Teils eines Quantensystems, augenblicklich andere Teile zu beeinflussen) die Lösung des Bindungsproblems darstellen könne. Diese geisterhaften Quanteneffekte könnten auf der Ebene der Mikrotubuli (winzige Proteinkanäle, die als eine Art Zellskelett fungieren) zum Tragen kommen. Penroses Vortrag entzückte Stuart Hameroff, den Anästhesisten, der die Tagung in Tucson organisiert hatte. Hameroff hatte in den achtziger Jahren als erster die Vermutung geäußert, daß Mikrotubuli die Orte der Entstehung von Bewußtsein sein könnten; seine Aufsätze veranlaßten Penrose dazu, sich dieser Hypothese anzuschließen. Hameroff behauptete, Hinweise darauf gefunden zu haben, daß eine Narkose das Bewußtsein dadurch lahmlege, daß sie die Bewegung von Elektronen in den Mikrotubuli hemme. Daraus folgerte er, daß Mikrotubuli dadurch Bewußtsein erzeugen, daß sie nichtdeterministische, quantenphysikalische Berechnungen ausführen. Jedes Neuron sei daher nicht bloß ein Kippschalter, sondern auch ein leistungsfähiger Computer. »Die meisten Menschen glauben, daß das Gehirn aus vierzig Milliarden Schaltern besteht«, sagte Hameroff einmal zu mir, wobei er sich auf die Neuronen im Gehirn bezog. »Wir dagegen sind der Meinung, daß es aus vierzig Milliarden winzigen Computern besteht.« Er spickte seinen Vortrag über das Quantenbewußtsein mit allen erdenklichen wissenschaftlichen Schlagwörtern: emergent, fraktal, selbstorganisierend, dynamisch. Neben anderen
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Anhängern der Quantentheorie des Bewußtseins nahm er sich wie ein Muster an wissenschaftlicher Exaktheit aus. Eine Gruppe britischer Forscher behauptete, Indizien dafür gefunden zu haben, daß sich die Kognition tatsächlich Quanteneffekte zunutze mache. Die Gruppe hatte die Fähigkeit von Versuchspersonen überprüft, einfache Tests auszuführen, während ihre Gehirnwellen mit einem Elektroenzephalographen (EEG) gemessen wurden. Nach Auskunft der Forscher schwankte die Leistung einiger Probanden, je nachdem ob das EEG ein- oder ausgeschaltet war. Sie folgerten, wenn die Maschine eingeschaltet sei, »beobachte« sie das Gehirn und beeinflusse dadurch den Gedankenfluß, so wie die Beobachtung eines Elektrons, das ein Interferometer durchlaufe, dessen Eigenschaften verändere.

Thermostate mit Bewußtsein Obgleich in Tucson viele Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins versammelt waren, herrschte auch kein Mangel an Kritikern. Christof Koch faßte die Quantentheorie des Bewußtseins in einem Syllogismus zusammen: Die Quantenmechanik sei rätselhaft, und das Bewußtsein sei rätselhaft, folglich müsse zwischen beiden ein Zusammenhang bestehen. Der Physiker John Taylor, der sich am King's College in London mit der Erforschung neuronaler Netze beschäftigt, monierte, daß Penrose und andere Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins die elementarsten Tatsachen der Quantenmechanik außer acht ließen. So würden etwa Nichtlokalität und andere seltsame Quanteneffekte, die angeblich von entscheidender Bedeutung für das Phänomen Bewußtsein seien, im allgemeinen nur bei Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunktes beobachtet, jedenfalls weit unterhalb der Umgebungstemperatur von den Gehirnen der meisten Lebewesen.
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Information. erläutern. ein junger australischer Philosoph und Mathematiker. Gedächtnis und Willensbildung. der ungefähr soviel bedeutet wie subjektiv oder erfahrungsgemäß). weshalb diese kognitiven Funktionen mit bewußten Empfindungen. David Chalmers. Bevor Penrose und andere Anhänger quantentheoretischer Erklärungen auf den extrem reduktionistischen. Chalmers war jedoch überzeugt davon. einhergingen. Er nannte Bewußtsein »das schwierige Problem«. Doch keine physikalische Theorie könne erklären. meinte Taylor. die von manchen Philosophen qualia genannt werden. nämlich Information.336 . eine potentielle philosophische Lösung für dieses schwierige Problem gefunden zu haben. sollten Forscher die Möglichkeiten erkunden. . verwarf in Tucson sowohl die Quantentheorie als auch die neuralen Theorien des Bewußtseins. Doch die Information sei nicht rein physikalisch. So wie die Physik die Existenz fundamentaler Eigenschaften der Natur wie Raum. so führte er seine Idee weiter aus. subnuklearen Ansatz zurückgriffen. »Erst wenn dies mißlingt. wie etwa Wahrnehmung. so müsse eine Theorie des Bewußtseins die Existenz einer fundamentalen Eigenschaft postulieren. wie etwa die Anordnung von Tintepunkten auf einem Stück Papier oder von Elektronen in einem Computer. die plausibler und experimentell leichter zu überprüfen seien und die sich bei der Erklärung gewisser Merkmale von Gedächtnis und Wahrnehmung bereits bis zu einem gewissen Grad bewährt hätten. sie habe auch einen »phänomenalen« Aspekt (phänomenal ist ein philosophischer Fachterminus. sollten wir uns vielleicht nach etwas anderem umsehen«. Zeit. physikalische Theorien könnten lediglich die verschiedenen Funktionen des Gehirns.Taylor widersprach den Quantenhypothesen auch aus pragmatischen Gründen. Energie und Masse annehme. Die Kernphysik habe bislang für die Biologie keinerlei Bedeutung gehabt.12 Er erklärte in seinem Vortrag. habe immer ein physikalisches Substrat.

wegerklärt Auch wenn alle Spekulationen über Bewußtsein ein wenig abwegig anmuten. zudem ist Selbstbewußtsein lediglich ein Sonderfall von Bewußtsein.Nach dieser Theorie. so Chalmers. daß verschiedene Personen Bewußtsein auf unterschiedliche Weise definieren. gibt es komplexe Erfahrung. sind einige abwegiger als andere. bei dem das Selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit ist. gibt es einfache Erfahrung. äußerst komplexe Proble. das Information verarbeite. Doch diese Fähigkeit manifestiert sich nur in wenigen Menschen und bei diesen auch nur gelegentlich. Chalmers vertrat die gleiche Philosophie wie der kahlköpfige Mann im weißen Pyjama. meint er damit im allgemeinen die Fähigkeit. irgendeine Form bewußter Erfahrung besitzen. daß ein Thermostat. Eine Maus hat eine einfachere Informationsverarbeitungsstruktur als ein Mensch und demgemäß eine einfachere Erfahrung. muß man in der Tat annehmen. der in der Halle mit flammenden Worten auf mich eingeredet hatte: Fast alles im Weltall besitze bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein. »Wo es einfache Informationsverarbeitung gibt. Wenn man diese informationsgestützte Hypothese anerkennt. eine höchst einfache Informationsverarbeitungsstruktur. daß ein Thermostat Bewußtsein besitzt. eine höchst einfache Erfahrung besitzt?« In späteren Publikationen beantwortete er diese Frage mit einem kühnen Ja. bedeutet Bewußtsein Selbstbewußtsein oder sogar ein mystisches Überbewußtsein. wie etwa Danah Zohar. müsse jedes Objekt. Eine Ursache für Mißverständnisse in dieser Debatte ist die Tatsache.337 . Wenn Roger Penrose von Bewußtsein spricht. und wo es komplexe Informationsverarbeitung gibt. Bewußtsein . Für die Anhänger des New Age. Ist es dann vorstellbar.

338 . Medien und Psychotiker haben Geister ohne Körper gesehen. Die sinnvollste Definition von Bewußtsein ist die von Christof Koch und anderen Forschern: Bewußtsein sei schlicht Empfindungsfähigkeit beziehungsweise Aufmerksamkeit. Penrose behauptet in seinem Buch. sondern höchstwahrscheinlich auch bei vielen höheren Tieren vorkomme. Die meisten Menschen würden dieses Merkmal Intelligenz.die Grundlage nicht nur der Mathematik. die Geist und Materie einander gleichstellt oder dem Geist eine Vorrangstellung gibt. was präzise logische Operationen anbelangt . die in spezifischen Typen von Materie abliefe. insbesondere solche mathematischer Natur. Diese Auffassung von Bewußtsein führt zwangsläufig zu einem recht radikalen Materialismus. Es vergingen weitere Jahrmilliarden. der jede Anschauung verwirft.me. Bewußtsein sei zudem ein Nebenprodukt spezifischer physikalischer Prozesse. Ironischerweise sind Computer. Um es überspitzt zu sagen: Wir alle haben schon Körper ohne Geist gesehen. und es sei ein Phänomen. Nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens existierte das Universum bereits seit Milliarden von Jahren. Und erst im letzten Augenblick der Erdge. aber nur Mystiker. sondern auch von Schach und anderen Spielen -. daß Computer in ihrer gegenwärtigen Konstruktion diesen Typus hoher logischer Intelligenz nicht replizieren könnten. das vermutlich nicht nur beim Menschen. als auf unserem kleinen Planeten Leben entstand. Schließlich hatten KI-Forscher bescheidene Erfolge mit Programmen. und ein Computer besiegte 1997 den Schachweltmeister. dem menschlichen Alltagsverstand weit überlegen (wie ich im vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). ohne diese spezifischen Typen von Materie könne Bewußtsein nicht existieren. nennen. zu lösen. und zwar eine seltene Intelligenz. die Theoreme aufstellen und beweisen können. bis sich Algen und andere einzellige Organismen zu Vielzellern wie Schleimpilzen und Tyrannosaurus rex weiterentwickelten.

Doch das Universum wird auch ohne uns gut zurechtkommen. wie etwa den 4O-Hertz-Oszillationen. . vielleicht werden sie sogar KI-Forschern zeigen. Es wird ziellos auf seiner Bahn weiterrasen bis ans Ende der physikalischen Zeit. die jeweils aus verschiedenen neuralen Prozessen hervorgehen. daß die Antwort vermutlich viel komplizierter und folglich viel weniger zufriedenstellend ausfallen werde. die notwendig und hinreichend für das menschliche Bewußtsein sind. Durch die Erforschung von Blindsichtigkeit. Anästhesie und anderen Phänomenen werden Wissenschaftler vielleicht die neuralen Ereignisse isolieren. Gefühl. Bislang haben Wissenschaftler keine Hinweise auf außerirdisches Leben entdeckt.und Schmerzmittel bescheren. wie sie ihre Maschinen menschenähnlicher gestalten können.schichte besaß das Leben genügend Bewußtsein. Die neurale Theorie des Bewußtseins.339 . Vielleicht werden sie uns Aufschlüsse über Schizophrenie und andere kognitive Störungen geben. Diese Erkenntnisse könnten praktische Folgen haben. würden möglicherweise Leben und folglich auch Bewußtsein im gesamten Universum ausgelöscht. Doch auch er räumte ein. Der Schlüssel zur Erklärung von Bewußtsein mag in einem relativ einfachen neuralen Mechanismus liegen. Wie der Philosoph Owen Flanagan betonte. um über das Phänomen Bewußtsein nachzudenken. für die sich Koch. Wahrnehmung und Intelligenz. vielleicht werden sie uns wirksamere Narkose. Crick und andere einsetzen. und vielleicht gibt es auch viele Formen von menschlichem Bewußtsein. gibt es viele verschiedene Formen von Gedächtnis. es sei denn. Dies für unmöglich zu halten wäre jedenfalls narzißtisch. Wenn ein Asteroid morgen alles Leben auf der Erde vernichten sollte. die Koch rein hypothetisch vorschlug. es bringt erneut Lebewesen mit Bewußtsein hervor. wird vielleicht eines Tages durch Experimente an Menschen und Tieren bestätigt werden. als er gehofft habe.

der bekannteste war Descartes. daß ein anderer Mensch Bewußtsein. weil es vernünftig ist . wie der Harvard-Psychologe Howard Gardner behauptete. Die Uneinigkeit wird noch größer. Eine nicht zu beantwortende Frage lautet: Welche Bedingungen sind notwendig und hinreichend dafür. daß alle Tiere empfindungsunfähige Automaten seien. daß das Selbst nur die eigenen Modifikationen erkennen kann und daß nur das Selbst wahrhaft existiert«.und vielleicht weil wir durch unser angeborenes »Psychologiemodul« dazu gebracht werden. die behauptet. sondern in jeder beliebigen Ansammlung von Materie vorkommt? Hier stoßen wir auf eines der ältesten Rätsel der Philosophie.340 . die Streitfrage so oder so empirisch zu lösen. die uns stammesgeschichtlich ferner stehen. Niemand von uns kann absolut sicher sein. literarischen Sinn verstehen. daß einige sehr intelligente Menschen. daß Bewußtsein nicht nur beim Menschen. Bewußtsein nur in einem intuitiven.Vielleicht werden wir. Eine wissenschaftliche Erklärung des menschlichen Bewußtseins wird zweifellos unseren endlosen Debatten über Bewußtsein kein Ende bereiten. wenn man sich Lebewesen zuwendet. der von der Erkenntnis ausgeht. Die meisten vernünftigen Menschen und sogar viele Neurowissenschaftler und Philosophen gehen davon aus. Wir alle machen diese Annahme. daß ein jeder von uns in einem nahtlosen Gefängnis der Subjektivität eingeschlossen ist. Entscheidend ist. Mein Wörterbuch definiert »Solipsismus« recht unbeholfen als »eine Theorie. was nach Ansicht vieler Wissenschaftler bedeutet. . daß auch Affen und andere Säugetiere mit relativ großen Gehirnen bewußte Erlebnisse haben. Empfindungsfähigkeit oder ein Innenleben besitzt. Der Solipsismus ist ein radikaler Skeptizismus. es im Grunde überhaupt nicht zu verstehen. daß uns das Solipsismus-Problem daran hindert. weil sie zu viele Fragen offenlassen wird. das Problem des Solipsismus. überzeugt davon waren. Doch sollte man nicht vergessen.

ihnen Bewußtsein zuzuschreiben. Setzt Empfindungsfähigkeit eine Großhirnrinde oder nur ein Gehirn voraus? Oder genügt auch ein einfaches Nervensystem. Barsche und Rankenfußkrebse.das ungelöste Problem im Rätsel Bewußtsein . wie es die von Eric Kandel erforschten Meeresschnecken besitzen? Müssen die informationsverarbeitenden Schaltkreise aus organischen Stoffen bestehen. Hirnschäden können unser Gefühl der Willensfreiheit ebenfalls auslöschen. die Streitfrage empirisch zu beantworten. ihre Intentionen in Handlungen .wie Bienen. daß die Willensfreiheit . Menschen besitzen diese Fähigkeit in höherem Maße als Katzen und Hunde. In einem Postskriptum zu Was die Seele wirklich ist erinnerte sich Francis Crick daran. verschiedene Optionen zu erkennen und unter ihnen auszuwählen. wie etwa Proteinen und Nukleinsäuren und Neurotransmittern? Oder lassen sie sich aus Kupfer und Quecksilber fertigen. Erwachsene eher als fünfjährige Kinder und fünfjährige Kinder eher als Säuglinge. Einige Lebewesen sind eher in der Lage als andere. Natürlich muß die Willensfreiheit existieren. Wie sagte doch Koch zu David Chalmers auf einem Cocktailempfang in Tucson: »Woher weiß ich überhaupt.jemals wissenschaftlich »erklärt« werden kann. wenn einige Organismen sie in höherem Maße besitzen als andere. Doch vernünftige Menschen werden dies immer ablehnen. die zeitweilig ihre Fähigkeit eingebüßt hatte. weil es keine Möglichkeit gibt. oder aus Silizium wie ein Computerchip? Falls Computer jemals in der Lage sein sollten. sich wie alte Freunde mit uns zu unterhalten. psychisch gesunde Menschen sind eher dazu in der Lage als Schizophrene oder Menschen mit Zwangsstörungen. ob Sie Bewußtsein besitzen?« Es ist auch unwahrscheinlich. Die Existenz der Willensfreiheit liegt in gewisser Hinsicht auf der Hand. werden viele von uns versucht sein.341 . wie David Chalmers' Thermostat. daß er einen Artikel über eine hirngeschädigte Frau gelesen hat.

Aus der Quantenmechanik und der Chaostheorie folgt.« Ich finde diese Betrachtungsweise äußerst einleuchtend. sie habe sich damals »leer« gefühlt. Wir meinen. Heute nachmittag beschließe ich vielleicht. einem Bereich.342 . früher als gewöhnlich mit der Arbeit aufzuhören. Doch wie frei wird dieser Entschluß tatsächlich sein? Jeder vermeintliche freie Willensakt ist Produkt einer unendlichen Folge von unmittelbaren und mittelbaren Ursachen. der nach den Ergebnissen anderer Experimente »viele Inputs von den höheren sensorischen Bereichen empfängt und sich bei den höheren Ebenen des motorischen Systems befindet«. daß die präzise Identifikation der Ursachen möglicherweise außerordentlich schwierig. als Indizienbeweis für diesen Standpunkt an. (Er führte die Experimente von Benjamin Libet. Nachdem sie sich erholt hatte. daß die . was andere zu ihr gesagt hätten. »Wir sind uns zwar des Willensentschlusses bewußt. wird uns nicht bewußt. habe aber selbst nichts darauf erwidern können. die durch unsere unvollkommene Selbsterkenntnis erzeugt werde.umzusetzen beziehungsweise überhaupt Willensentschlüsse zu fassen.13 Und dennoch behauptete Crick. aber nicht darauf reagieren können. sagte sie. doch in Wirklichkeit ist er das Ergebnis von Vorgängen. die ich weiter vorn in diesem Kapitel beschrieben habe. doch das bedeutet nicht. schrieb Crick. was uns den Entschluß fassen läßt. sie habe äußere Reize zwar wahrgenommen. Er habe »mit Vergnügen« gehört. Sie habe verstanden. wenn nicht gar unmöglich ist. daß das Gehirn der Frau im Bereich des anterioren Sulcus cinguli geschädigt worden sei.) Crick sagte zu mir. deren wir uns nicht bewußt sind. um mit meinen beiden Kindern einen Spaziergang im Wald zu machen. in unserem Entschluß frei gewesen zu sein. aber das. daß noch die einfachste Handlung das Produkt einer neuralen Aktivität enormen Ausmaßes sei. daß die Willensfreiheit möglicherweise eine Illusion sei. die sich unterhalb der Bewußtseinsschwelle abspiele.

ist sie jedenfalls eine absolut unverzichtbare. Für keinen dieser Schritte habe ich mich bewußt entschieden. (Der Ausdruck geht allerdings nicht auf diese Band zurück.) Zur Untermauerung ihres Standpunktes berufen sich die Mysteriker häufig auf eine begriffliche Unterscheidung. Die Rekonstruktion der Schritte. William James schrieb einmal: »Mein erster freier Willensakt soll der Glaube an den freien Willen sein. die eine bestimmte Handlung auslösen. doch der Begriff wurde erst in jüngster Zeit geprägt.«14 Der Aufstieg der »Hysteriker« Meine Einstellung zu den Problemen Bewußtsein und Willensfreiheit wurde Mysterianismus genannt. Wie frei kann ich demnach sein ? Wenn die Willensfreiheit sich als eine Illusion herausstellt. einige neuzeitliche Naturwissenschaftler und Philosophen hätten behauptet. wie die Zitate am Anfang dieses Kapitels zeigen. Flanagan nannte diese modernen Zweifler »die neuen Mysteriker« nach der Rockgruppe Question Mark and the Mysterians. die in den sechziger Jahren bekannt war. noch unverzichtbarer als Gott.343 .Ursachen nicht existieren. die . Die mysterische Sichtweise hat eine ehrwürdige Tradition. In seinem 1991 erschienenen Buch The Science of the Mind schrieb der Philosoph Owen Flanagan. führt uns über die Kindheit und die pränatale Lebensphase hinaus in die Geschichte des Homo sapiens und des gesamten Lebens auf der Erde und schließlich bis zum Urknall zurück. der die Invasion von Außerirdischen zum Thema hat und 1959 produziert wurde. das vermutlich alles in Bewegung setzte. Bewußtsein lasse sich wohl niemals vollständig auf herkömmliche wissenschaftliche oder sonstige Weise erklären. dem Schöpfungsereignis. sondern auf den japanischen Low-budget-Film The Mysterians.

. den wir hatten.344 . aber eine Ratte werde niemals lernen. So könne eine Ratte lernen. so fuhr Chomsky fort.«15 Newton. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. Dies seien Mysterien. Doch Newtons eigene Theorie der Schwerkraft. und unlösbaren Problemen. für immer unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigen. behauptete er. daß alle Organismen bestimmte Fähigkeiten und Leistungsgrenzen besitzen. In gleicher Weise mögen auch bestimmte Probleme. der zufolge sich Objekte gegenseitig in nichtmechanischer Weise beeinflussen könnten. habe die materialistische Weltanschauung letztlich zerstört. für heute und vermutlich für immer. »Es gibt kein Geist-Körper-Problem«. das von ihr verlange. Dennoch kritisierte Chomsky einmal im persönlichen Gespräch mit mir ein Grunddogma der mysterischen Auffassung. die einer Primzahl entspreche. mit denen sich die Wissenschaft befaßt. Willensfreiheit und andere Aspekte des menschlichen Geistes seiner Auffassung nach unlösbare Probleme seien. »Voraussetzung für die Existenz des Geist-Körper-Problems ist eine bestimmte Definition von Körper. Er wies darauf hin. nach links zu wenden. materialistischen Weltanschauung. Diese Anforderung übersteige ihre kognitiven Fähigkeiten. daß Bewußtsein. die das Geist-Körper-Problem überhaupt erst hervorbrachte. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. Der am MIT lehrende Linguist unterschied zwischen lösbaren Problemen. sich an jeder Abzweigung nach rechts zu wenden oder zwischen rechts und links abzuwechseln. sich an jeder Abzweigung. sei nach gängiger Auffassung der Vater der mechanistischen.von Noam Chomsky eingeführt wurde. Chomsky hat in verschiedenen Schriften dargelegt. die zumindest grundsätzlich mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden beantwortbar seien. und Newton vernichtete den letzten Körperbegriff. die auf ihre spezifische biologische Ausstattung zurückzuführen seien. das von ihr verlange.

So wie der Vitalismus verschwunden sei. jener uralten Lehre. nachdem Biologen die DNA-gestützte Replikation und andere fundamentale biologische Mechanismen entdeckt hätten. Die Welt bestehe nicht aus Objekten. Zu diesen Eigenschaften gehörten Schwerkraft. die sich gegenseitig durch direkten Kontakt beeinflußten. daß Bewußtsein eine von vielen rätselhaften Eigenschaften der Natur sei. eine dem Vitalismus ähnliche Anschauung zu vertreten.Der Materialismus. vielmehr behauptete er lediglich. Das Bewußtsein sei lediglich die Summe dieser kognitiven Funktionen. wonach Leben nicht aus rein physikalischen Prozessen. der eine Ebene hinunterrollt. daß wir weiterhin von dem GeistKörper-Problem sprechen«. Stoffwechsel und anderen biologischen Prozessen sei. »Es ist ein interessantes Element in der Geschichte der menschlichen Irrationalität. meinte Chomsky.16 . daß der Materialismus selbst für ein so einfaches Phänomen wie einen Ball. »Ich sollte dazusagen. daß die Welt aus Objekten bestehe. daß ich nicht sonderlich viele Menschen von meinen Ideen überzeugen konnte«. setze voraus. sondern aus immateriellen Eigenschaften. Natürlich hatte er das Rätsel des Bewußtseins mit diesem Argument nicht wirklich gelöst. nicht funktioniere. die durch direkten Kontakt miteinander in Wechselwirkung stünden. Doch Newton habe durch die Entdeckung der Schwerkraft .345 . Einen anderen Einwand gegen den Mysterianismus erhob der Philosoph Daniel Dennett von der Tufts-Universität. fügte er hinzu. Dennett warf den Mysterikern vor. sondern aus einem unbeschreiblichen elan vital hervorgehe. sobald die Neurowissenschaftler die Aufmerksamkeit. so wie das Leben die Summe von Replikation. so würde die Lehre der Mysteriker zu einer bloßen historischen Fußnote.einer Fernwirkung – gezeigt. so Chomsky weiter. Elektromagnetismus und auch Bewußtsein. das Kurzzeitgedächtnis und andere mentale Grundfunktionen erklären könnten. behauptete Dennett.

ist noch unfaßbarer. Zu den Wissenschaftlern.nicht heute und vermutlich niemals -. ob irgendwo in den Tiefen des Weltalls ebenfalls Leben existiert oder ob es auf unseren einsamen kleinen Planeten beschränkt ist. und nicht. daß es über sich selbst nachdenken kann. zog Pinker das Fazit. ist Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad ein autonomes kognitives Phänomen. vermutlich unlösbar seien: Sie [unsere Gehirne] haben sich über die natürliche Selektion entwickelt. ob Leben eine höchstwahrscheinliche und vielleicht sogar zwangsläufige Folge der Gesetze von Physik und Chemie ist oder ein Zufallsereignis. All unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse können uns keinen Aufschluß darüber geben . die Wissenschaft habe das Leben wirklich erklärt. die der Geist aufwerfe.Doch wie Patienten zeigen. auch wenn es von der Evolutionsbiologie. Wir wissen nicht. Der Mysterianismus wird allmählich zu einer allgemein anerkannten Anschauung. Die Wissenschaft kann uns die Frage letztlich nicht beantworten. Ein anderer Fehler in Dennetts Argumentation ist seine implizite Annahme.346 . die für unsere Urahnen über Leben und Tod entschieden haben. gehört auch Steven Pinker. Am Ende des Buches Wie das Denken im Kopf entsteht. der am MIT lehrende Psycholinguist und Evolutionspsychologe. weshalb ausgerechnet auf der Erde Leben entstanden ist und weshalb es Organismen wie uns hervorbrachte. das in solchem Maß Bewußtsein besitzt. um Zwiesprache mit . Am Ende des sechsten Kapitels habe ich jedoch darauf hingewiesen. Willensfreiheit. ihm also jegliche Rätselhaftigkeit genommen. die sich öffentlich zum Mysterianismus bekannt haben. Das Rätsel bewußtseinsbegabten Lebens und insbesondere von Leben. daß Bewußtsein. das ansonsten einem grenzenlosen Wissenschaftsoptimismus frönte. wie es einmal in aller Ewigkeit eintritt. daß das Leben ein tiefes Geheimnis bleibt. die an Blindsichtigkeit leiden. um Probleme zu lösen. das Selbst und andere unergründliche Geheimnisse. der Mendelschen Genetik und der Molekularbiologie »erklärt« wurde.

die darüber diskutieren. nicht nur dem Begriff Bewußtsein. daß die Mysteriker recht hätten.347 . der von dem Schauspieler Clint Eastwood verkörpert wurde: Ein Wissenschaftler müsse seine Grenzen kennen. als er »einen anderen Giganten des zwanzigsten Jahrhunderts« paraphrasierte – Dirty Harry. genauer gesagt. bringt . daß sich langfristig herausstellen könnte. Wir können kein ultraviolettes Licht sehen. Einen noch größeren Lacherfolg bei seinem Publikum landete er. diese Rätsel überstiegen vielleicht schlicht die Erklärungskraft der Wissenschaft. daß diejenigen.17 Selbst der Neurowissenschaftler Christof Koch gab zu.18 Bei seinem Vortrag in Tucson räumte er ein. Wir können ein Obj ekt nicht in der vierten Dimension im Geiste drehen. Wir können nicht zehntausend Wörter im Kurzzeitgedächtnis speichern. ob sich Bewußtsein erklären läßt. Der mystische Weg zur Erkenntnis Mittlerweile sollte deutlich geworden sein.dem Sittenkodex zu halten oder alle nur denkbaren Fragen beantworten zu können. Als Beleg für diese Auffassung zitierte er einen Aphorismus aus Ludwig Wittgensteins Orakelbuch Tractatus logico-phüosophicus: Wovon man nicht sprechen könne. neurales Modell höchstwahrscheinlich genügen. Wenn diese Regionen des Gehirns diese Funktionen ausführen. darüber müsse man schweigen. den brutalen Filmpolizisten. Nüchternen Köpfen wie Daniel Dennett wird ein physiologisches. daß eine neurale Theorie des Bewußtseins möglicherweise uralte philosophische Aporien wie das Geist-Körper-Problem und die Frage der Willensfreiheit nicht lösen werde. sondern auch dem Begriff Erklärung unterschiedliche Bedeutungen beimessen. Und vielleicht können wir auch nicht Rätsel wie das des freien Willens und der Empfindungsfähigkeit lösen.

die so umfassend und einleuchtend ist. was sie leisten könnte. wird der Geist möglicherweise noch immer ein Rätsel bleiben. daß unsere Cyber-Nachkommen in der Lage sein würden.« Anders gesagt.348 . so wie die Sonne den morgendlichen Nebel auflöst. Fasten und bewußtseinsverändernde Drogen zu einem . McGinn äußerte mir gegenüber einmal die Vermutung. die nach ganz anderen Prinzipien funktioniert als wir und die in der Lage wäre. Andere erwarten mehr als 40-HertzOszillationen im anterioren Sulcus cinguli. sagte McGinn. den Geist zu replizieren – also Maschinen zu entwickeln. daß sie. genauso begriffsstutzig und beschränkt sind wie wir. Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. »daß man eine Maschine konstruieren könnte. selbst wenn es KIForschem gelänge. falls es den KI-Forschern gelinge. sondern eine Offenbarung. daß. was ihre Ansichten über Geist-Materie. »sollten wir nicht überrascht sein. Optimisten hoffen. sondern sie übertreffen -. das Rätsel ihres Geistes zu lösen. Sie sehnen sich nach einer Erklärung. »Es erscheint mir keineswegs ausgeschlossen«. Bewußtsein. Sie wünschen sich nicht bloß eine Erklärung. Und wer weiß. Selbst einige eingefleischte Mysteriker wie etwa der Philosoph Colin McGinn von der Rutgers-Universität schließen die Möglichkeit einer solchen Offenbarung nicht aus. daß das Phänomen Bewußtsein quasi sofort jegliche Rätselhaftigkeit verliert. »Wenn wir einmal intelligente Maschinen bauen«. diese möglicherweise Erkenntnisse über Bewußtsein gewinnen könnten. daß selbst wir gewöhnlichen Menschen durch solche bewußtseinserweiternden Methoden wie Meditation. die dem Menschen nicht zugänglich seien. Willensfreiheit und so weiter betrifft. schrieb er. wenn wir feststellen müssen. wirklich intelligente Maschinen zu entwickeln.das Bewußtsein hervor. die unsere kognitiven Fähigkeiten nicht nur nachbilden.«19 Ironischerweise hat ausgerechnet der KI-Visionär Marvin Minsky bezweifelt.

durchlebten ihre frühe Kindheit noch einmal.20 Wie die meisten anderen Standpunkte in der Kontroverse um das Phänomen Bewußtsein ist die Idee.21 Freud räumte ein. um aus der gegenwärtigen theoretischen Sackgasse herauszukommen. doch er bezweifelte. die nach der Einnahme einer bewußtseinsverändernden Droge angeblich dieselben Visionen hätten. der Guru der Alternativmedizin und Bestsellerautor. so Weil. Er räumte ein. in der sie noch nicht zwischen sich und der Außenwelt hätten unterscheiden können. Schrankenlosem.«22 William James entwickelte in seinem Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung eine einfühlsamere Betrachtungsweise. nicht neu. Bufo alvarius. die mystische Erlebnisse hätten. In Das Unbehagen in der Kultur beschrieb Freud einen Freund. war Andrew Weil. geraucht hätten. Diese sonderbaren mystischen Erlebnisse. er selbst habe nie derartige Erlebnisse gehabt. als sie das getrocknete Gift der Colorado-River-Kröte. gleichsam ›Ozeanischem‹«. der von »einem Gefühl [berichtet hatte]. sie bekämen ein gemeinsames Bewußtsein. so seine Erklärung. Menschen.tieferen Verständnis unseres Geistes gelangen könnten. Ein Redner. Er berichtete den Zuhörern von einer Gruppe peruanischer Schamanen. die erforderlich seien. In bezug auf die Überzeugung vieler religiöser Menschen. ihre Erfahrung habe sie in direkten Kontakt mit einer höheren Macht gebracht. das er die Empfindung der ›Ewigkeit‹ nennen möchte.349 . daß sie brauchbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit lieferten. meinte Freud nur trocken: »Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben. ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem. der dieses Argument in Tucson vertrat. Er und ein Freund hätten eine ähnliche Erfahrung der »Bewußtseinsverschmelzung« gemacht. könnten uns jene Erkenntnisse über das Bewußtsein vermitteln. mystische Erfahrungen könnten empirische Untersuchungen ergänzen. daß mystische Erfahrungen häufig bei Personen .

damit wolle er nicht sagen. für die es wahrscheinlich irgendwo auch Anwendungs. aber man setze sie nur einem entsprechenden Reiz aus.350 . nicht einmal unsere wissenschaftlichen Lehren. bestätigen können«. ohne etwas von ihrer Existenz zu ahnen. das rationale Bewußtsein. mögliche Bewußtseinsformen liegen. Seine eigenen Experimente mit Lachgas festigten in ihm die Überzeugung. von ihm durch den dünnsten Schirm getrennt. nicht einmal unser Unglaube. mystische Zustände könnten auch auf künstliche Weise durch pharmakologische Wirkstoffe wie Äther oder Lachgas ausgelöst werden. bedeute dies noch lange nicht. die in einer seelischen Notlage seien oder an einer neurologischen Erkrankung litten. daß alle mystischen Offenbarungserlebnisse als wahr angesehen werden sollten. nur ein besonderer Typ von Bewußtsein ist. was wir für wahr halten. daß wir sehr wenig über unseren Geist wissen. Keine Betrachtung des Universums kann abschließend sein.23 James betonte. irgendeinen Wahrheitswert beanspruchen. wie wir es nennen.. Wir können durchs Leben gehen. denn sie alle entströmen ausnahmslos der jeweiligen körperlichen Verfassung ihres Besitzers«. daß unser normales Wachbewußtsein. Vielmehr sollten sie danach beurteilt werden.] Auf jeden Fall verbieten sie einen voreiligen Abschluß unserer Rech.24 Mystische Erfahrungen sollten uns zumindest zu der Einsicht bewegen.und Erprobungsbereiche gibt. Doch nur weil eine mystische Erfahrung eine physiologische oder auch pathologische Grundlage habe. meinte der Begründer des Pragmatismus.. »was wir aufgrund ihres Erfahrungszusammenhangs mit unseren moralischen Bedürfnissen und allem anderen.vorkommen. während um ihn herum. die ganz andersartig sind. und schlagartig sind sie in ihrer ganzen Vollständigkeit da: genau umrissene Geistesarten. daß die dabei gewonnenen Einsichten wertlos seien. Danach »dürfte keiner unserer Gedanken und [keines unserer] Gefühle. die diese anderen Bewußtseinsformen ganz außer Betracht läßt [.

gab er zu. die dieser Blick in den Abgrund in ihm erweckt hatten. Er versuchte diese »morbiden Empfindungen« mit Elektrotherapie. wie er sich allein im Ankleideraum aufhielt. der völlig verwirrt war [.] Diese Gestalt bin ich. den er einmal in einer psychiatrischen Anstalt gesehen hatte. als er sich plötzlich an einen Epileptiker erinnerte. die sich die Macht positiven Denkens zunutze machen wollten..offenbar war alles vergebens.nung mit der Realität. erst nachdem das Buch erschienen war. über das sich Freud so abfällig äußerte. In einem der bedrückendsten Berichte des Buchs schildert der Erzähler.] er bewegte nur seine schwarzen Augen und war absolut unmenschlich anzusehen [. Gewichtheben und verschiedenen »Geisteskuren«. jedenfalls potentiell.«26 Der Erzähler wachte daraufhin »jeden Morgen mit einer entsetzlichen Angst in der Magengrube auf und mit einem Gefühl von Unsicherheit. Er untermauerte diese Behauptung mit einer Fülle von Erfahrungsberichten Betroffener. andere durchlebten einen Zustand panischer Angst und Entfremdung.351 . Wasserkuren. Der Patient war »ein schwarzhaariger junger Mann mit grünlicher Haut [gewesen].. selbst dieses schreckliche Erlebnis gehabt zu haben.. Hypnose. Medikamenten.27 James schrieb diesen Bericht einem anonymen Franzosen zu.. daß mystische Erfahrungen in grundverschiedenen Formen auftreten könnten.28 Sein ganzes Leben hindurch kämpfte er gegen die Angst und Schwermut an. zu bezwingen . . dachte ich. das ich vorher nicht gekannt hatte und seither nie mehr so empfunden habe«. Christian science.25 Eine der Kernthesen von James' Buch lautet. Einige Erzähler beschrieben das »ozeanische« Rauschgefühl.

Die nächste Große Vereinheitlichung?«29. Er schrieb Aufsätze mit Titeln wie »Physik und Spiritualität.) . Kurz darauf verabschiedete sich Josephson. diese extrem empfindlichen Instrumente messen Phänomene. religiöse Bräuche seien auf »Gene [zurückzuführen]. »harmonischer und effizienter zu funktionieren« . Im Jahr 1993 behauptete er in einem Leserbrief an Nature. eine scheinbar magische Quanteneigenschaft zeigen sollte. (Leserbriefschreiber entgegneten prompt. in denen er die bornierte Einstellung der Wissenschaft zur außersinnlichen Wahrnehmung und Religion geißelte. die vom Flüstern der Neuronen im menschlichen Gehirn bis zum seismischen Gemurmel der Erde reichen. Seine Beiträge in anerkannten Fachzeitschriften bestanden überwiegend aus Briefen. Josephson-Kontakte bilden die Grundlage von supraleitenden Quanteninterferenzvorrichtungen (Squids). Josephson wurde 1973 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und gehörte damit zu den jüngsten Trägern in der Geschichte dieses Preises. der heute als Josephson-Kontakt (oder Tunnelkontakt) bezeichnet wird.352 . das religiöse Bedürfnis könne Gesellschaften helfen. daß Religionen mindestens genausooft Intoleranz und Grausamkeit förderten wie Güte. besonders sinnfällig. von der konventionellen Physik und wandte sich der Erforschung parapsychischer und mystischer Erfahrungen sowie anderer exotischer Phänomene zu. die heute als Josephson-Effekt beschrieben wird. einer der bedeutendsten und faszinierendsten Gestalten in der Physik des zwanzigsten Jahrhunderts. daß ein besonderer Typ von supraleitendem Schaltkreis. der damals bereits ordentlicher Professor in Cambridge war.3° Er behauptete auch.Brian Josephsons »Tunnelkontakt« Die Gefahren mystischer Erfahrung werden in der Lebensgeschichte von Brian Josephson. die mit potentieller Güte in Verbindung stehen«. Im Jahr 1962 sagte er als zweiundzwanzigjähriger Student an der Universität Cambridge voraus.

wie sich Physiker in Spekulationen über die Ursache von Josephsons Wandlung ergingen. in gewisser . Sein Gesicht war fast vollständig von seinem weißen Schlapphut. Er trug ein schwarzes T-Shirt.31 Es hatte fast den Anschein. Nach einigem Herumdrucksen bekannte Josephson schließlich. Ich fragte nach. der ein ausgeprägtes Interesse an paranormalen Phänomenen hatte. einem indischen Mystiker. gebräunt und blond vorkamen. Im Jahr 1966 lernte er auf einem Besuch in den Vereinigten Staaten einen Mathematiker kennen. leiser Stimme von seiner Vergangenheit. Er verschlang die Schriften von Weisen wie etwa Krischnamurti. insbesondere im Vergleich zu Josephson und mir -. dessen Bücher in den sechziger Jahren viele westliche Wissenschaftler und Intellektuelle in ihren Bann zogen. Wie viele andere Physiker faszinierte auch ihn die scheinbar zentrale Rolle des Beobachters in der Quantenmechanik und die seltsamen nichtlokalen Korrelationen zwischen Teilchen in der Quantenwelt. daß seine Wandlung auch auf Veränderungen »im Innern« zurückzuführen sei. einer breiten dunklen Brille. wodurch ich die Gelegenheit bekam. als versuche Josephson seine Identität zu verschleiern. struppigem Haar und Koteletten verdeckt. Was war geschehen? Wie konnte ein so überragender Wissenschaftler auf die »andere« Seite überlaufen? Am zweiten Tag der Konferenz in Tucson erklärte sich Josephson bereit. Hatte er selbst mystische oder übersinnliche Erfahrungen gehabt? »Nun. dessen Verhältnis zum wissenschaftlichen Establishment seinerzeit gespannt war (wenn auch aus anderen Gründen). mit mir zu Mittag zu essen.Jahrelang verfolgte ich. einem anderen britischen Genie. Er habe sich Mitte der sechziger Jahre von der konventionellen Physik abzuwenden begonnen. dies herauszufinden.umgeben von lauten Einheimischen.353 . die mir alle jung. Während wir in einem Taco-Bell-Restaurant Burritos verzehrten . erzählte mir Josephson mit stockender. auf dem ein digitalisiertes Porträt von Alan Turing prangte.

sagte er. gestattete er sich ein seltenes Lächeln.« Er stocherte mit der Fingerspitze in seinem Burrito. daß er 1973 die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises mit relativer Gelassenheit aufgenommen habe. diese Übungen hätten ihm »so etwas wie inneren Frieden« gegeben. daß ich keine Tranquilizer mehr brauchte. »Die Meditation gab mir soviel Halt. Es gelang ihm.« Er hielt inne..« Andererseits gab ihm die Auszeichnung das Selbstvertrauen und die Gelegenheit. daß er Ende der sechziger Jahre »halluzinatorische Bewußtseinszustände« erlebt habe. »Meine Erlebnisse waren hauptsächlich darauf zurückzuführen. »Ich hatte einige seltsame Erlebnisse.354 . die mir zuteil wurde. Als Josephson von seiner Tochter sprach. In seinen Vorträgen und Aufsätzen schalt er die Fachwelt dafür. »Ich bin ein eher nüchterner Mensch«. aber nicht . Er erinnerte sich. war vor allem eine Last. daß Telekinese und außersinnliche Wahrnehmung durch »recht überzeugende« Daten belegt seien. seine innere Unruhe durch transzendentale Meditation zu bezwingen. doch nur. daß ich über einen längeren Zeitraum sehr wenig Schlaf hatte. die eine Folge seiner allzu intensiven Beschäftigung mit physikalischen Problemen gewesen seien.« Mehrere Jahre lang habe er »starke Tranquilizer« eingenommen. daß sie sich nicht mit parapsychischen oder »Psi-Phänomenen« befassen wolle. Er und seine Frau hatten eine Tochter.. wenn ihr Anwendungsfeld erweitert werde. das Phänomen der außersinnlichen Wahrnehmung zu erklären. Die gegenwärtige Theorie »läßt die Sprache von Prozeß . Seine Heirat im Jahr 1976 verschaffte ihm einen weiteren Halt. Die Quantenmechanik könne dazu beitragen. »Die öffentliche Beachtung. Er beteuerte.« Er meditiere noch immer bis zu mehreren Stunden pro Tag. um mit seiner angeschlagenen seelischen Verfassung zurechtzukommen. sein Interesse an den rätselhaften Aspekten des Geistes öffentlich zu diskutieren. versicherte Josephson. die bereits schriftstellerisches Talent zeige. Schließlich sagte er mir.Weise.

und man sei nicht mehr offen für die Einflüsse und Intuitionen. Das gewöhnliche Bewußtsein sei »egozentrisch«. wie sich Teile zu Gesamtheiten verbinden. bei dem »man die Vorteile der Prozesse erlangen kann. ihre Fähigkeiten zu optimieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen. die einem »präegozentrischen« Kind zugänglich seien. für wichtiger.und Intention und so weiter nicht zu. die jenseits des Gültigkeitsbereichs einer derartigen Beschreibung liegen«. daß »die Art und Weise. daß die Ämter. was ich gegenwärtig tue. mit den Anfeindungen anderer Physiker und Amtsinhaber in Cambridge zurechtzukommen. einem Physiker. der konventionellen Physik den Rücken gekehrt zu haben. »und die Zuhörer sind insgesamt ziemlich beeindruckt gewesen«. »Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. Das Ich »beherrscht alles«. eine Forschungsgruppe für Parapsychologie in Cambridge ins Leben zu rufen.)32 Josephson bedauerte es nicht. Er wünsche sich nur. Josephson empfand eine gewisse Geistesverwandtschaft zu David Bohm. daß sie sein Projekt. unterstützten. der ebenfalls einen ganzheitlichen wissenschaftlichen Ansatz befürwortete. »Ich halte das. die über die Vergabe von Forschungsgeldern verfügten. Josephson war überzeugt davon. Daher müssen wir meines Erachtens die Quantentheorie erweitern. er teile Josephsons Glaube beziehungsweise Interesse an paranormalen Phänomenen nicht.355 . daß Meditation Wissenschaftlern helfen könne.« Gelegentlich veranstalte er Vorlesungen über parapsychische Phänomene in Cambridge. Durch Meditation könne man ein »transegozentrisches« Stadium erreichen. von denen . gegenwärtig wohl nicht angemessen wissenschaftlich untersucht wird«. Die heute üblichen reduktionistischen Methoden »schließen die Möglichkeiten aus. damit wir auch dies berücksichtigen können. (In einem Interview kurz vor seinem Tod im Jahr 1992 sagte mir Bohm. so aufgeschlossen wären.« Er habe sich daran gewöhnt.« Er fügte hinzu.

Wissenschaftler könnten etwas über diese universellen geistigen Strukturen herausfinden. fragte ich ihn. Er möge »Bridge over Troubled Water« von Simon und Garfunkel.. er wolle unbedingt den Vortrag über »Informationsphysik. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr. sagte er über den Rock.man beeinflußt wurde. »Etwas. »Einiges davon ist von hohem künstlerischem Wert«. während man etwas von der strukturierenden Fähigkeit des Ich behalten kann.« Ob er persönliche Lieblingsstücke habe.« Das brachte uns schließlich auf seine Musiktheorie. stellten unsere Tabletts auf einen Stapel und gingen hinaus in den strahlend sonnigen Tag. offenbart mitunter eine unerwartete Tiefendimension.356 . Wir warfen unseren Abfall in einen Müllbehälter.« Er glaube mittlerweile. was sich zunächst wie chaotischer Lärm anhört. aber . bevor das Ich dominant wurde. . indem sie die menschlichen Reaktionen auf Musik erforschten. Der Andrang der Gäste im Taco Bell war abgeebbt.33 »Durch meine Meditationen entwickelte ich ein feineres Gespür für Musik und erkannte. »Ich bin intuitiv davon überzeugt.« Josephson hatte eine Vorliebe für klassische Musik. neuromolekulares Rechnen und Bewußtsein« hören. sondern von zeitlosen. daß Musik bis zu einem gewissen Grad das Produkt nicht von oberflächlichen kulturellen Einflüssen. universellen »Strukturen« des Geistes sei. ob es besonders tiefsinnig ist. die er in seinem Vortrag in Tucson vorstellen wollte. Josephson aß sein Burrito und sein Taco auf. daß dies für unser Verständnis des Geistes von großer Bedeutung sein könnte.. den ein jugoslawischer Wissenschaftler im Rahmen der Konferenz hielt. daß mehr dahintersteckte. die er als »ziemlich gut« beurteilte. »Ich weiß nicht. aber auch Rock and Roll sprach ihn an.« Im Hintergrund kreischte die Popdiva Whitney Houston »I'll always love youuuuuuuuu!«. Er schürzte einen Moment lang die Lippen.

Ihre Erinnerungen. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Rechenmaschinen. der weiß aus eigener innerer Erfahrung. die von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. Zugleich hat sich jedoch die Neurowissenschaft bislang als seltsam unbefriedigend erwiesen. haben genauso tiefsitzende Überzeugungen wie religiöse Menschen. D ie Wissenschaftler. MAX PLANCK. aber durchaus unentbehrlicher Wegweiser steht: 1 der vorwärtsschauende Glaube. Die Erklärung des Geistes auf neuronaler Grundlage hat uns nicht viel mehr Erkenntnisse beziehungsweise Vorteile gebracht als die Erklärung des Geistes auf der Grundlage von Quarks und Elektronen.bei alledem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. die sich verschiedenen Aufgaben widmen. Ihre Ziele. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Anpassungsleistungen. aber sie sind alle unzureichend. Wir sind nichts weiter als ein Haufen Neurone.EPILOG DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES Wer jemals an dem Aufbau irgendeiner Wissenschaft wirklich mitgearbeitet hat.‹«2 In gewissem Sinn hat Crick recht. Francis Crick legte seine reduktionistische Weltsicht zu Beginn seines Buches Was die Seele wirklich ist dar: »›Sie‹. daß an der Eingangspforte der Wissenschaft ein äußerlich unscheinbarer.357 . Wir seien nichts weiter als ein Haufen idiosynkratischer Gene. Wir seien nichts weiter als ein Haufen Sexualneurosen. . Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit . die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. Lewis Carrolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: ›Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neurone. Ihre Freuden und Leiden. Es gibt viele alternative Reduktionismen. Diese Erklärungen sind wie die von Crick vertretbar.

geschweige denn das von Menschen. die das Gebiet der Physik beherrschen.358 . Doch die Kenntnis der Grundgesetze. Anderson war durch die Behauptung von Teilchenphysikern. schlimmer noch.«3 Die Kernphysik. Embryonalentwicklung und anderen Aspekten des Lebens. »Wir gehen davon aus. denselben fundamentalen Gesetzen unterliegen. erwies sich als ein außerordentlich erfolgreicher Ansatz zum Verständnis von Evolution. hat uns Erkenntnisse über Sterne. das Verhalten von Wasser vorherzusagen. reflektierte Philip Anderson. Die Teilchenphysik sei nicht in der Lage. ein an der PrincetonUniversität lehrender Experte für die Physik der kondensierten Materie. so Anderson. deren Objekte auf der kleinsten Skala der Natur liegen. zu dem Beitrag angeregt worden. über die wir detaillierte Kenntnisse besitzen. über die Grenzen des wissenschaftlichen Reduktionismus. wobei jede Ebene bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den Ebenen über und unter ihr sei. Galaxien und die Entstehung des Universums verschafft. Begriffe und Ver. Der Reduktionismus werde vorbehaltlos von der großen Mehrheit der aktiven Naturwissenschaftler anerkannt. »Technik«. Die Molekularbiologie.In »More is Different«. sie führten die fundamentalsten und daher bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungen durch. daß sämtliche Prozesse in unserem Geist und unserem Körper sowie in der gesamten belebten und unbelebten Materie. die mit der Entdeckung der Doppelhelix begann. Anderson erkannte die außerordentlichen Erfolge des Reduktionismus ausdrücklich an. »Auf jeder Ebene bedarf es vollkommen neuer Gesetze. einem 1972 in Science erschienenen Aufsatz. Die Wirklichkeit sei hierarchisch aufgebaut. alle anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen befaßten sich lediglich mit »Einzelheiten« oder. Vererbung. der 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. gebe uns kaum Aufschluß über viele andere Phänomene.

sagte der an Harvard lehrende Psychologe Howard Gardner zu mir. das Muster und Lösungen erkennen werde. das nachweislich mehr sei als die Summe seiner Teile. »Das gab es«. aber sie haben die Sache gewiß vorangebracht. »Wir verdanken ihnen tiefschürfende Einsichten über den menschlichen Geist Sie hatten nicht unbedingt recht. daß jemand grundlegende und fruchtbare Gemeinsamkeiten zwischen abendländischen Sichtweisen des menschlichen Geistes und den entsprechenden Anschauungen.« Er habe während seines eigenen Lebens das Aufkommen so bedeutender Wissenschaftler wie Noam Chomsky und Jean Piaget miterlebt. prophezeien aber gleichzeitig das Kommen eines Genies. »Die Psychologie ist nicht angewandte Biologie. so Gardner. Eine ähnliche Prognose hörte ich von Eric Kandel. Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser Einige Wissenschaftler.« Wenn es ein Phänomen der Natur gebe. die den menschlichen Geist erforschen. gestehen zwar die Beschränktheit aller gegenwärtigen Forschungsansätze ein. die genausoviel Inspiration und Kreativität erfordern wie die auf der vorangehenden Ebene«.«4 Eine Möglichkeit bestehe darin. mit der niemand gerechnet hätte«. die all seine Vorgänger übersehen hätten. Er wies darauf hin. Doch er wies auch darauf hin. daß »wir das Kommen dieses einzigartigen Genies nicht voraussehen können. dann sei das der menschliche Geist. dem an der Columbia-Universität lehrenden Neurowissenschaftler. schrieb Anderson.allgemeinerungen. weil es völlig unerwartet auftritt und eine Synthese erstellt. die in der Philosophie und Religion des Fernen Ostens enthalten seien. »Das wird es wieder geben. feststelle.359 . und die Biologie ist nicht angewandte Chemie. daß einige von ihm hochgeschätzte Philo.

Ich finde seine Erklärung überzeugend. Gleick zitierte den Romancier Norman Mailer. Grob vereinfacht könnte man sagen. In den fünfziger Jahren . Kein Wissenschaftler kann heute die Gravitation. daß sie die leichten Probleme lösten. insbesondere in einer völlig aussichtslos anmutenden Lage bahnbrechende neue Erkenntnisse zu gewinnen. allerdings würde ich eine wichtige Konsequenz hinzufügen: Für die genialen Wissenschaftler unserer Zeit gibt es weniger zu entdecken als für ihre Vorgänger. wer seine Zeitgenossen waren: Freud und Einstein. weil ihm Newton. und dies bringt dann die entsprechende Wissenschaft in unerwarteter Weise voran. Ich habe mich in jüngster Zeit mit Picasso beschäftigt. Die übriggebliebenen gewichtigen Probleme sind außerordentlich schwierig. Das soll nicht heißen. sich hervorzutun. die natürliche Selektion oder die Allgemeine Relativitätstheorie entdecken.360 . »Hin und wieder tritt eine Person auf. daß sich der menschliche Geist niemals vollständig ergründen lasse. der geklagt habe: »Es gibt keine großen Menschen mehr. daß die zeitgenössische Kultur keine so überragenden Genies wie Newton. Mozart oder Michelangelo mehr hervorbringe. Darwin und Einstein zuvorkamen. daß ein Genie heute keinen nachhaltigen Einfluß mehr ausüben könnte. Leben und Werk des genialen Physikers befaßte sich der Wissenschaftsautor James Gleick mit dem weitverbreiteten Eindruck. deren bemerkenswerte Einsichten uns erlauben. und schauen Sie. wie etwa Thomas Nagel von der New-York-Universität. In Wirklichkeit gebe es heute so viele Einsteins und Freuds. Doch Kandel glaubte an die Fähigkeit des menschlichen Intellekts. so viele herausragende Wissenschaftler. daß es für den einzelnen schwerer geworden sei.«6 Nach Ansicht von Gleick ist Mailers Eindruck falsch. mutmaßten.sophen. Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen.«5 Doch wie realistisch ist dieser Mythos von einem wissenschaftlichen Erlöser? In Richard Feynman.

eine einheitliche Theorie der menschliche Psyche zu entwerfen.361 . Teilchenbeschleuniger schienen fast täglich ein exotisches neues Teilchen hervorzubringen. verdankte sich größtenteils dem Stand beziehungsweise der Unkenntnis der Wissenschaft zu seiner Zeit. wie . die Theoretiker wußten nicht. sondern sogar heilen können werden. und sie sollten es auch gar nicht. gibt es vielleicht gar keine einheitsstiftende Erkenntnis. die in gewisser Hinsicht an die Sackgasse erinnert. den sogenannten Quarks. daß sie psychische Erkrankungen nicht nur besser therapieren. müßte eine astronomische Zahl an empirischen Befunden . Doch dann schuf ein brillanter junger Theoretiker namens Murray Gell-Mann ein Rahmenmodell – er nannte es scherzhaft nach der buddhistischen Anleitung zur Erleuchtung den »Achtfachen Weg« –. ist die Teilchenphysik im Vergleich zur Neurowissenschaft ein Kinderspiel. Freuds Fähigkeit.steckte die Elementarteilchenphysik in einer Krise. Sie werden herausfinden.mit vielfach gegensätzlichen Implikationen aufarbeiten. die das Chaos in eine Ordnung verwandeln könnte. Später zeigten Gell-Mann und ein anderer Physiker unabhängig voneinander.7 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit Die Wissenschaftler werden sich niemals damit abfinden. wie sie das Wirrwarr der Entdekkungen zu einer kohärenten Theorie zusammenfassen sollten. daß der menschliche Geist nicht bezwungen werden kann. Wer heutzutage eine einheitliche Theorie des menschlichen Geistes aufstellen wollte. aufgebaut sind. daß viele dieser verschiedenen Teilchen aus fundamentaleren Partikeln. Was das menschliche Gehirn betrifft. Doch was die Komplexität betrifft. Es ist immer möglich. in der sich heute die Neurowissenschaft befindet. das die Teilchen nach ihren gemeinsamen Eigenschaften ordnete.

teuren Spaltungsreaktoren. der Künstlichen Intelligenz und anderen Gebieten unvermeidlich seien. Geld und Zuversicht nicht aus. der die Sonne und andere Sterne zum Leuchten bringt. auf deren Grundlage entwickelten Physiker Ende der vierziger Jahre die Wasserstoffbombe.362 . Selbst eingefleischten Befürwortern des Fusionsreaktors dämmert es mittlerweile. die technischen. Doch manchmal reichen Zeit. die der Nutzung der Fusionsenergie im Weg stehen. wie man Fusionsreaktoren baue. dazu bedürfe es lediglich beharrlicher Anstrengungen. um selbst offenkundig vernünftige wissenschaftliche Ziele zu erreichen. fänden sie . Optimisten glauben. ökonomischen und politischen Hürden. die uns an Intelligenz ebenbürtig sind und uns schließlich übertreffen.Anlage und Umwelt bei der Formung des menschlichen Geistes und der individuellen Persönlichkeit zusammenwirken. Die Krebsforschung ist vielleicht ein Beispiel. der Psychiatrie. Anders als der Fusionsreaktor ist die Heilung von Krebserkrankungen . wie die natürliche Selektion unser Gehirn gestaltet hat und wie sie es weiterhin prägt. sind einfach unüberwindlich hoch. Sie werden das Geist-Körper-Problem und das Dilemma des Reduktionismus lösen. 8 Die Grundprinzipien der Kernverschmelzung wurden bereits in den dreißiger Jahren aufgeklärt. ausreichender Fördermittel und einer Portion Zuversicht. Stünde den Physikern nur hinlänglich viel Zeit und Geld zur Verfügung. Der Versuch. Sie werden in allen Einzelheiten verstehen. daß ihre Träume vermutlich nie in Erfüllung gehen werden. daß diese Ergebnisse angesichts des stetigen und rasanten Tempos der Entdeckungen und Neuerungen in der Neurowissenschaft. technisch nutzbar zu machen. das sich besser mit der Erforschung des Geistes vergleichen läßt. ist ein Paradebeispiel hierfür.so die optimistische Einschätzung .zweifellos heraus. Diese Vision ist nie Wirklichkeit geworden. den Prozeß der Kernfusion. Sie werden Maschinen bauen. die Energie kostengünstiger und sauberer erzeugten als die umweltgefährdenden.

hat etwas Edles. die Wissenschaftler auch nach wiederholten Mißerfolgen nicht aufgeben läßt. wo die Auswahl der Patienten . etwas Erhabenes. und sie haben ausgeklügelte Verfahren zur Früherkennung der Erkrankung und zur Beurteilung ihres Verlaufs entwickelt. Elliott Valenstein befaßte sich am Ende seines Buches Great and Desperate Cures. haben die Vereinigten Staaten über fünfunddreißig Milliarden Dollar für die Krebsforschung aufgewendet. wo Wissenschaftler und die Medien klinisch nicht erprobte Therapien für AIDS.bei denen vorschnell Ergebnisse präsentiert werden. in denen die Erfolge überschätzt und die Gefahren unterschätzt werden. bemerkte Valenstein. sind die Sterberaten in Wirklichkeit heute höher als im Jahr 1971. Die unkritische allgemeine Anwendung der Lobotomie sei keineswegs eine auf die Psychiatrie beschränkte Fehlentwicklung. Seit Präsident Richard Nixon 1971 dem Krebs offiziell »den Krieg« erklärte. selbst wenn man die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt. Doch trotz eines unlängst von den Medien hochgespielten angeblichen Rückganges der Krebssterblichkeit. mit diesem Thema. sondern ein weitverbreitetes Phänomen in der modernen Medizin. Wissenschaftler haben gewaltige Fortschritte bei der Aufklärung der Entstehungsmechanismen verschiedener Krebsformen gemacht. Herzerkrankungen. Er führte aktuelle Beispiele an.9 Die ungebrochene Zuversicht. ja sogar heilen. Bestimmte seltene Krebsarten bei Kindern lassen sich heute effizienter behandeln. daß wir es vermutlich nie aufgeben werden.ein so vordringliches Ziel. AlzheimerKrankheit und andere Erkrankungen hochgejubelt hatten: In der großen Mehrzahl der Fälle . einer Geschichte der Lobotomie in der amerikanischen Psychiatrie.363 . Doch diese Gläubigkeit ist auch mit Gefahren verbunden. Doch bislang liegt die Heilung von Krebs in genauso weiter Ferne wie die technische Nutzung der Fusionsenergie.

wer wir sind oder. der den schrecklichen Vereinfachern ihre Macht verleiht. wenn hemmungsloser Ehrgeiz im 10 Spiel ist. wie oft uns die einschlägigen Disziplinen in der Vergangenheit in die Irre geführt haben und wie dürftig ihre Erfolgsbilanz ausfällt. führen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Organisation zwangsläufig zu entsetzlichen Drangsalierungen auf der einen und zu unsäglichem Leid auf der anderen Seite. müssen wir die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes anders bewerten. Gleichzeitig müssen wir offen bleiben für die Möglichkeit echter Fortschritte. sich gegen Selbsttäuschung zu feien . sondern eine endgültige Erklärung dafür.364 . Es ist sehr schwer. »Ein Gespür für Symmetrie und Regelhaftigkeit und die Fähigkeit zu stringenter Deduktion. Die Gefahren wissenschaftlicher Selbstüberschätzung sind am größten. Dies meinte ich in der .waren die verantwortlichen Ärzte von der Gültigkeit ihrer Schlußfolgerungen überzeugt. Der verstorbene Philosoph Isaiah Berlin wies einmal warnend darauf hin. sofern sie nicht durch sehr viel Sensibilität.« Berlin mahnte uns eindringlich.11 Natürlich ist es unser Wunsch nach Antworten und Allheilmitteln. den »großen despotischen Organisatoren« und »Männern mit einer allumfassenden Vision« in acht nehmen. schlimmer noch.und nahezu unmöglich. wenn Wissenschaftler nicht bloß ein Heilmittel für Krebs oder psychische Krankheiten suchen. daß die Anwendung der wissenschaftlichen Rationalität auf menschliche Angelegenheiten häufig in Totalitarismus münde. wer wir sein sollten.mit systematischen Fehlern behaftet ist und wo therapeutische Mißerfolge als Ausnahmen wegerklärt werden . die Befähigungsvoraussetzungen für einige Naturwissenschaften sind. wir sollten uns vor den »schrecklichen Vereinfachern«. Um uns selbst vor unserer Leichtgläubigkeit zu schützen. Wir müssen uns daran erinnern. Verständnis und Menschlichkeit abgemildert werden.

wo ist ihre allgemeine Theorie?‹ Doch ich bin eigentlich recht zufrieden damit. wobei er diese Regel durch seine Aussage verletzte. was ich im ersten Kapitel als »Gagesche Neurowissenschaft« bezeichnet habe. nur . In Der Mann. Sacks ist der moderne Meister dessen. Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und anderen neurologischen Störungen leiden.365 . kranken und gegen die Krankheit ankämpfenden Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. eine Fallgeschichte nach der anderen zu schreiben und die Theoriebildung anderen zu überlassen. einfühlsame biographische Skizzen von Menschen gezeichnet. Howard Gardner. Tumoren. »Ich bekomme immer wieder zu hören: ›Sacks. müssen wir die Krankengeschichte zu einer wirklichen Geschichte ausweiten.Einleitung zu diesem Buch mit der Formulierung »hoffnungsvoller Skeptizismus«. Er sagte mir einmal. daß ein Buch eher aus »Beispielen« als aus Verallgemeinerungen bestehen sollte. In seinen Büchern und Aufsätzen hat er außerordentlich lebendige. Clifford Geertz und andere haben uns geraten. Der Dichter William Carlos Williams verkündete einmal »keine Ideen außer in Dingen«.«12 Sacks' mitfühlendes. er versuche Wittgensteins Diktum zu befolgen. Sacks' Philosophie könnte man vielleicht mit den Worten »keine Ideen außer in Menschen« umschreiben. antireduktionistisches Kredo ist in all seinen Schriften implizit spürbar. Schlaganfällen. doch gelegentlich macht er es explizit. der seine Frau mit einem Hut verwechselte schrieb Sacks: »Um die Person – den leidenden. wir sollten die Erforschung des Geistes eher als ein quasiliterarisches denn als ein streng wissenschaftliches Unternehmen betreiben. Ein Musterbeispiel für diesen literarischen Ansatz ist der Neurologe und Buchautor Oliver Sacks. die unter den Folgen von Autismus. hat Sacks sie zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht. Während die meisten Neurowissenschaftler die Einzigartigkeit jedes Individuums wegzuerklären versuchen.

belegt dies. in seiner Beziehung zum Körperlichen faßbar wird. Der Fall Phineas Gage der im neunzehnten Jahrhundert lebte und dessen Gehirn von einer Eisenstange durchbohrt wurde . von den Zusammenhängen zwischen Genen und Persönlichkeit und auch von der Rolle. Techniker suchen nicht nach der Antwort. Vielleicht sollten sie sich als Techniker betrachten. wie sie und ihre Gehirne ihre eigenen Welten konstruieren. der in seiner Beziehung zur Krankheit. lassen sich über Verhaltensbeobachtungen .«13 In Ein Anthropologe auf dem Mars führte er aus: Aber die Realitäten der Patienten.14 Das Problematische an Fallgeschichten liegt darin. dem Wolfsmann und anderen entwickelte. Zudem hat die große Mehrzahl der Wissenschaftler. Wissenschaftler haben gezeigt. der . dem Rattenmann. die Arten. genauso wie Brückenbauer. Zusätzlich zum objektiven Ansatz des Wissenschaftlers und Naturforschers müssen wir uns einer intersubjektiven Vorgehensweise bedienen. die die natürliche Selektion als Triebfeder menschlichen Verhaltens spielt. Fallgeschichten lieferten auch verzerrte Vorstellungen von Fluctin und anderen Psychopharmaka. Schaltkreiskonstrukteure und Autohersteller. daß sie sich zwar häufig sehr plausibel anhören.366 . um so. der die Psychoanalyse auf der Basis von Einzelfällen wie denen von Anna O. Der Meister der Fallgeschichte war Sigmund Freud. weder die Begabung noch die Lust. einen Patienten.. wie Foucault schreibt.nicht vollständig erschließen. die den menschlichen Geist erforschen.also von außen . ›in das Innere des kranken Bewußtseins vorzudringen‹ und ›die pathologische Welt mit den Augen des Patienten zu sehen‹. aber die Wahrheit verschleiern und untergraben können.dann haben wir sowohl ein ›wer‹ als auch ein ›was‹. daß Freuds Erzählungen oftmals erheblich von der Wahrheit abwichen. ihre Untersuchungsergebnisse in literarischer Weise darzustellen. eine wirkliche Person.

Die Studenten sollten zwei Bücher lesen – Science: The Endless Frontier. Vielmehr suchen Techniker nach einer Antwort. stringent und ideenreich.absoluten. unumstößlichen Wahrheit . sagte ein Aufsatzschreiber. Die Aufsätze waren größtenteils geradezu unheimlich sachkundig. Die Sehnsucht nach einer Offenbarung Letztlich hängt die Zukunft der Wissenschaft vom menschlichen Geist von der jungen Generation ab. und wer weiß schon. endgültigen. nach irgend etwas. Ein anderer Schreiber befürchtete. ohne jedoch potentielle Schwierigkeiten unerwähnt zu lassen. ein anstehendes Problem zu lösen oder abzumildern. welche Richtung sie unter ihrem Einfluß einschlagen wird? Im Jahr 1998 bat mich die Verwaltung des Massachusetts Institute of Technology. könnte sie dieselben Vorzüge erwerben. bei einem studentischen Aufsatzwettbewerb als Gutachter zu fungieren. Viele Studenten stellten die Wissenschaft vom menschlichen Geist als ein besonders vielversprechendes Forschungsgebiet heraus.367 . das ihnen hilft. »Ich glaube fest an eine kurz bevorstehende kognitive Revolution«.das Streben danach kann sogar ein Hemmnis für den Fortschritt sein. und mein pessimistischer Traktat An den Grenzen des Wissens – und dann ihre eigenen Ansichten über die Zukunft der Wissenschaft darlegen. der Fortschritt auf dem Gebiet . die Fluctin (fälschlicherweise) zugeschrieben wurden: stark verbesserte Wirksamkeit und minimale Nebenwirkungen. ein 1945 von dem Physiker Vannevar Bush geschriebener Lobgesang auf den unerschöpflichen Schatz der Wissenschaft. wies aber auch warnend darauf hin. daß die Forscher durch eine zu enge und zu mechanistische Sicht des menschlichen Geistes behindert werden könnten. Wenn sich die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes derart bescheidene Ziele setzte.

Es war mein letzter Abend auf der Konferenz. Der Autor beschloß seinen Aufsatz mit der Vorhersage. Auf der Konferenz in Tucson im Jahr 1994 bewegte ich mich für kurze Zeit am Rand einer solchen Offenbarung. ist das Mystische. Theologie mit Erinnerungen an die schöne.egal ob durch Drogen oder durch Meditation oder durch Gentechnik oder durch Künstliche Intelligenz -. je mehr wir an Intelligenz. Wittgenstein hat diesen Gedanken prägnant zum Ausdruck gebracht: »Nicht wie die Welt ist. (Ich schlug diesen Aufsatz für eine Auszeichnung vor. das mit einem Schlag alles erklärt. der Mitte der fünfziger Jahre nach Einnahme der psychedelischen Substanz Meskalin erklärte. in der er lebt. zu verstehen«15. aber egoistische frühere Freundin des Verfassers. daß »die Zukunft der Wissenschaft in bewußtseinsverändernden Substanzen liegt«. Er berief sich dabei auf den britischen Autor Aldous Huxley. sondern daß sie ist. daß sie das Rätsel Bewußtsein nicht lösen können. daß ich mich nicht noch immer nach dem Offenbarungserlebnis sehne. der ernsthaft versucht. Künstlichen Intelligenz. und ich verzehrte mit einem halben Dutzend anderer Konferenzteilnehmer. um so mehr werden wir Bewußtsein. Leben und das Universum als Ganzes – unabhängig von der Macht unserer wissenschaftlichen Erklärungen in sprachloser Ehrfurcht bestaunen. Weit gefehlt. solche »Erfahrungen können von niemandem ignoriert werden. wurde jedoch von den anderen Juroren überstimmt.«16 Das soll nicht heißen. die meisten davon Wissenschaftsjournalisten wie ich. Bewußtsein und Einsichtsfähigkeit gewinnen .der Künstlichen Intelligenz könne sowohl durch die Grenzen der Siliziumchip-Technologie als auch durch eine zunehmende Technologiefeindlichkeit in der Gesellschaft blockiert werden.) Meine Erfahrungen mit veränderten Bewußtseinszuständen haben mich davon überzeugt. Burritos . Der meines Erachtens beste Aufsatz verknüpfte Betrachtungen zur Kosmologie.368 . die Welt.

Obwohl den ganzen Tag glühende Hitze geherrscht hatte. der aus einer Videobrille und Kopfhörern bestand. Lilly beschrieb die Wesen als Feststoffmaschinen.369 . Er nannte ihn VAEB . die unsere Wirklichkeit beherrschen. unserem Tisch. einem Pionier der Delphinforschung und Entdecker von Methoden der sensorischen Deprivation. wovon er/sie eigentlich gesprochen hatte. daß keine(r) der Redner(innen) wußte. Ein Höhepunkt war Andrew Weils Bericht über seine unglaublichen Heldentaten. Ketamin war die Droge. daß Bewußtsein niemals von außen. Wir redeten über die Konferenz und waren uns darin einig. der ein ärmelloses.17 Als sich unser Gespräch dem Ende zuneigte. .für Visuelle/Auditive Entspannung und Beruhigung.und Bier im Garten eines Restaurants. mit blauen Blumen gesprenkeltes Hemd trug. Wir begannen Anekdoten über unsere eigenen Erlebnisse mit exotischen bewußtseinserweiternden Substanzen auszutauschen . Gewiß. das manchmal auch Vitamin K genannt wird. die es dem Neurowissenschaftler John Lilly. er sei Arzt am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Arizona. die einen dimensionslosen Hyperraum aus reinem Bewußtsein bewohnten und beunruhigt seien wegen der Mißhandlung von Delphinen und anderen Tieren durch den Menschen. Rauschpilze. nicht durch Wissenschaft. näherte sich ein großer Mann mit Schnurrbart.LSD. die außerirdischen Wesen zu erkennen. Er trug einen Apparat. daß Ketamin. die Wissenschaftler und Philosophen hatten einen ratlosen und unschlüssigen Eindruck gemacht. sondern nur von innen. war der Abend kühl. sondern nur durch Erfahrung erklärt werden könne. Er sagte uns. die stärksten bewußtseinsverändernden Rauscherlebnisse überhaupt auslöse. Meine Tischgenossen schienen dem Guru der Alternativmedizin darin beizupflichten. Meskalin und Peyote. Ein Journalist mit gezwirbeltem Kinnbart und Nasenring versicherte uns. ermöglicht hatte. einige Vorträge waren interessanter gewesen als andere.

eine große Enthüllung. sich ständig verändernd und doch immer gleich bleibend. nichtpharmakologisches Mittel zur Erzeugung von Entspannungs. meldete ich mich freiwillig.und Farbreize stürzten auf mich ein. von Rot zu Blau zu Purpurrot zu Gelb und wieder zurück zu Rot. und auch die Farben änderten sich unaufhörlich. »Machen Sie ein Foto von ihm und schicken Sie es an seinen Chef beim Scientific American]« rief . Dem Patienten werden synchronisierte visuelle und auditive Reize (Lichtblitze und beschwingte Töne) wechselnder Frequenz dargeboten. entdeckt zu werden. Reklamebroschüren. zwei Seiten derselben inneren Empfindung. aber sie schienen von weit weg zu kommen.Er hatte das Gerät zusammen mit einer Gruppe von Kollegen entwickelt und erprobte seine Fähigkeit.. darauf wartend. sondern des Bewußtseins schlechthin.nicht bloß meines Bewußtseins. wie das Juwel der Schöpfung. Die Klänge und Farben verschmolzen.« Als er fragte. Patienten in körperlichen oder psychischen Streßsituationen zu beruhigen. Die Töne schwollen an und ab. aus einer anderen Welt.und/oder hypnogogen Zuständen [. beschrieben das Gerät als ein »nichtinvasives. den Kopfhörer und die Brille anzuziehen. sie wurden in gewissem Sinne ununterscheidbar.] VAEB benutzt einen programmierbaren Impulsgenerator. Klang. Ich hörte Stimmen. drückte er auf einen Schalter. Hier lag der Schlüssel zu allem. unbeschreiblich schön. ob es jemand von uns ausprobieren wolle. wenn ich nur genau genug hinsähe. die ich später sah. einer anderen Dimension. die allem mit einem Mal Sinn gäbe.370 . der Signale an einen Kopfhörer und ein LED-Okular sendet. Ich blickte ins Innerste des Bewußtseins .. Nachdem mir der Mann geholfen hatte. ein mattes Gelächter. die pulsierten und sich wandelten. wie aus unterirdischen Tiefen aufsteigend. Ich spürte das Nahen eines Offenbarungserlebnisses. Ich konzentrierte mich nur auf diese elementaren Empfindungen in meinem Kopf.

Langsam. Ich bemerkte.371 . daß mein Mund offenstand.jemand. und machte ihn schleunigst zu. . widerstrebend legte ich Brille und Kopfhörer ab und kehrte zurück in die Wirklichkeit. worauf ein allgemeines Gejohle und schallendes Gelächter einsetzte.

372 .[leere Seite] .

373 .ANHANG .

374 .[leere Seite] .

Mai 1997 an der London School of Economics bei einem Empfang im Anschluß an einen Vortrag des Evolutionsbiologen John Maynard Smith. Ein Ende in Würde?. von Leonard Frank. blieben uns immer noch Sex und Bier. August 1996.« 6 Sherwin Nuland. San Francisco 1978. 5 Ich traf Lewis Wolpert am 8. S. 7 Weltgesundheitsorganisation. veröffentlicht von der American Psychiatrie Association anläßlich ihrer Jahrestagung 1996. den Abschnitt über Stent in meinem Buch An den Grenzen des Wissens. 8 Unlocking the Secrets of the Brain.386. 4 Stent. Wie wir sterben. Der Anthropologe als Schriftsteller. 81 f. München 1991. Garden City. 756. 24. 9 Mayr erörterte die Grenzen der Biologie in Eine neue Philosophie der Biologie. doch die Erörterung der tatsächlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung fällt oberflächlich aus und zudem sind die befragten Wissenschaftler völlig unterschiedlicher Meinung. S. 3 Stent schrieb zwei Bücher über die Grenzen der Wissenschaft: The Corning of the Golden Age. Nachdem Wolpert mich ausgescholten hatte. 23. hg. Selbst wenn die Wissenschaft an ihr Ende komme. M. Frankfurt a. Er schrieb: »Schon der Titel des Kapitels ›Das Ende der Neurowissenschaften‹ stellt eine so törichte Behauptung auf. daß es nachgerade komisch ist. auf mich zu. München 1994. The Corning of the Golden Age.375 . veröffentlichte die Londoner Zeitung Evening Standard eine Rezension. Die künstlichen Wilden. . 2 Clifford Geertz. Pressemitteilung. S. er heiße Geoff Carr und sei Wissenschaftsredakteur beim Economist. nachdem ich aus England abgereist war. der ein T-Shirt und Bluejeans trug. Crick und Penrose. weshalb sich einige Leute derart über mein Buch aufregten. der noch vor uns liegt. Dann meinte er. Dies verdeutlicht. S. und Paradoxes of Progress. New York 1969. Er sagte. wie weit der Weg ist. Mai.Anmerkungen EINLEITUNG 1 Zitiert nach Quotationary. 1993. Am 19. Horgan interviewt ein paar führende Wissenschaftler wie Edelman. 23-34. S. kam ein bärtiger Hüne. Vgl. er könne nicht verstehen. Druckschrift. New York 1999. München 1997. in der Wolpert seine Einwände gegen An den Grenzen des Wissens auf eine etwas sachlichere Weise formulierte. Frank nennt als Quelle Russells 1935 erschienenes Buch Religion and Science.

S. 78-83. »Learning with Bruner«. die am 14.S. Cambridge 1993. 571. S.134. S. übersetzt von Friedrich Schleiermacher. 3 In: Pacific Philosophical Quarterly 64. 11 Ein Bericht über die Forschungsarbeiten von Karl Lashley und anderen über das Gedächtnis findet sich in In the Palaces of Memory von George Johnson.376 . 22. Vision. ver- . 16. 59-73. in: Search (ein Magazin der Rockefeller-Universität). in: New York Review of Books. 66. Einen ausgezeichneten Überblick über die Gedächtnisforschung gibt auch Daniel Schacter in seinem Buch Searching for Memory. Brain. 220. Hamburg 1994. KAPITEL 1: DIE ERKLÄRUNGSLÜCKE DER NEUROWISSENSCHAFT 1 Tom Wolfe. 12. 2 Platon. 354-361. 21. Frankfurt a. Einen Überblick über ihre Forschungen gibt sie in ihrem Beitrag »Working Memory and the Mind«. An den Grenzen des Wissens. The Unnatural Nature of Science. 5 Das Zitat stammt aus einer Pressemitteilung. in: Scientific American. April 1997. November 1997 an der Rockefeller-Universität. 14 David Hubel. S. Memory: Tales in the History of Neuroscience. Brain and Vision. In Our Time. 6 Interview vom 18. 10 Vgl. New York 1996. 111-117. »President Torsten Wiesel«. Mai 1998 am California Institute of Technology. August 1997. September 1992. S. April 1998. New York 1988. Geoffrey Montgomery. New York 1992. the Decade of Behavior?«. Phaidon. 4 Informationen über die Society for Neuroscience erhält man auf ihrer Web-site: www. Frühjahr 1992. Cambridge 1998. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. S. Eye. 12 Ich interviewte Karl Friston telefonisch am 20. S. 13 Lewis Wolpert. 1973. 8 Interview vom 12. April 1998 per E-mail an Journalisten geschickt wurde. 9 »Next. Stuttgart 1992. November 1997 an der Harvard-Universität. S. 7 Daniel Dennett. 10. S. In: Scientific American.1983. 311. M. 12 Charles Gross. 14 Am 18. 11 Clifford Geertz. Dezember 1997 an der Yale-Universität. 13 Interview vom 28. New York 1980.10 Thomas Kuhn legte seine Anschauung von der Wissenschaft dar in Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. S. April 1998 an der New-York-Universität. 9-11.org. S. Januar 1998. S. 15 Vgl. S. 15 Ich interviewte Patricia Goldman-Rakic am 19. in: Science. Der Leserbrief zu diesem Artikel wurde im Dezemberheft desselben Jahrgangs.sfn. 8.

Als Chris Bremser. meinte er: »Jeder. 87-96. 31 f. 274. 20. S. der auch nur entfernt etwas mit Programmierung zu tun hat. V.edge. in: Science. S. S. daß diese Erklärungslücke exakt dem Unterschied zwischen Maschinencode (Einsen und Nullen) und den tatsächlichen Programmen entspricht. München 1997. 50-55. S.org. Das Netz der Gefühle. New York 1997. Daniel Goleman »Brain Structure Differences Linked to Schizophrenia in Study of Twins«. S. J. Wie Emotionen entstehen.a. 24. Vgl. New York 1994. in: New England Journal of Medicine. The Right Mind. S. hg. in: Scientific American. 28. München 1998. Juli 1998. März 1990. New York 1985. S. The Social Brain. Galen's Prophecy. S. S. Damasio. »Is Everybody Crazy?«. Bach in sehr ausführlicher Weise. S. B 15. die ich auf einer Webs-site namens »The Edge« veröffentlichte: www. Richard Robins. S. New York 1998. Jack Pressman. 214. Douglas Hofstadter erörtert diesen Punkt in Gödel. Michael Gazzaniga. Vgl. Ebenda. »Psychological Science at the Crossroads«. von Isaac Asimov und Jason Shulman. diesen Abschnitt des Kapitels in der Rohfassung las. Sharon Begley.17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 öffentlicht. 434. 22. Februar 1998 an der New-York-Universität. LeDoux. S. New York 1988.. S.« Joseph LeDoux. in: Newsweek. Robert Ornstein. Antwort von LeDoux auf eine Nachricht. 19. Smythies. Ebenda. S. 2. S. 39. »Penetrating Insight into the Brain«. S. Descartes' Irrtum. 90 f. 228. 26. wird er nichts herausfinden. doch ohne die Programmkonstrukte auf höherer Ebene zu kennen (beziehungsweise abzuleiten). Oktober 1998. Schacter. Jerome Kagan. Michael Gazzaniga. Januar 1998. Antonio R. 22. »The Split Brain Revisited«. März 1990. Last Resort. »Shrinking Minds and Swollen . Searching for Memory. Abigail Zuger. August 1997. in: New York Times. 31. Escher. Veröffentlichung der MRT-Studie: Richard Suddath u. Samuel Gosling und Kenneth Craik. in: American Scientist.310-313. Das Netz der Gefühle. ein bekannter Informatiker aus San Francisco. in: New York Times. Jeder kann ein Oszilloskop an den Speicher des Computers anschließen. wird erkennen.377 . »Removing Half of Brain Improves Young Epileptics' Life«. 52. »Cerebral Anatomical Abnormalities in Monozygotic Twins Discordant for Schizophrenia«. Juli/August 1998. Ebenda. Isaac Asimov's Book of Science and Nature Quotations. S. Ramachandran und J. Ich interviewte LeDoux am 6.

ders. Frankfurt a. Essentials of Neural Science and Behavior. Bd. 149. »The Other Road: Freud As Neurologist«. S. 1994. von Herbert Wyman und Stephen Rittenberg. 42 Kandel sagte selbst zu mir. Frankfurt a. 41 Principles of Neural Science. er habe die Art der Berichterstattung über die Neurowissenschaft im Scientific American und in der New York Times beeinflußt. 457-469. 44 Ebenda. vernichtendes Feuer. von Eric Kandel und James Schwartz. 17.. 1995. Our Selves«. S. Stamford. In the Palaces of Memory. Dieses Buch diente als Katalog zur FreudAusstellung der U. 50 Sigmund Freud. 158. 40 Vgl. S. S.. London 1998. 37 Melvyn Bragg.1996. April 1997. 41. in: New York Times Magazine. ungekürzte Ausgabe. 38 Telefonisches Interview am 11. S. in: Nature. Einführende Darstellungen. 49 Vgl. 15. 5.378 . New York 1998. Briefe an Wilhelm Fliess.Heads«. M. »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. 39 Gerald Edelman. in: New England Journal of Medicine. 8. in: ders. von Eric Kandel. »Entwurf einer Psychologie« (1895). Sonderheft des Journal of Clinical Psychoanalysis. 45 Ebenda. On Giants' Shoulders. 235 f. Vgl. Dezember 1997 im New York Psychiatrie Institute. »Psychotherapy and the Single Synapse«. 43 Stephen Hall. 387. in: American Journal of Psychiatry. Eickhoff. James Schwartz und Thomas Jessell. »Our Memories. 667f. 48 Interview am 15. New York 1981. Briefe an Wilhelm Fliess 1887-1904. . 59–63. S. S. 52 Ders. Wie der Geist im Gehirn entsteht. 46 Ebenda. hg. M. 53 Ders. S. 1028-1037. und Oliver Sacks. Nachtragsband. S. M. S.. November 1979. München 1993. 221-234. »Psychoanalysis and Neuroscience«. hg. 30. hg. 51 Ders. in: Freud: Conflict and Culture. Februar 1998. 1986. 47 Eric Kandel. Connecticut. Johnson. Einleitung von F. S.. 208f. 30. von Michael Roth. April 1998. S.-W. März 1998. S.. 28. hg. S. Göttliche Luft. von Jeffrey Moussaieff Masson. hg. Library of Congress. Gesammelte Werke. S. Abriß der Psychoanalyse. 3. Nr. 1987. Frankfurt a.

).311. 216. New York 1996. Probleme sprachlichen Wissens. S. Wie das Denken im Kopf entsteht. S. von Ilse Grubrich-Simitis. S. »Return to the Couch: A Revival for Analysis«. »Freud in Russia: Return of the Repressed«. 34f.379 . »The Freud Controversy«. 82. New York 1995. Oktober 1916. 18 Sigmund Freud. Januar 1999. April 1996 in New York statt. 9 Frank Cioffi. New York 1998.503-505. Unauthorized Freud. 15 Die American Psychoanalytic Association veröffentlichte diese Daten über die Zahl der Ausbildungskandidaten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. C 1. 8. Fuller Torrey. Juli/August 1998. S. September 1916.). S. in: Current Opinion. 3 E. 1999. 200. in: New York Times. Peter Gay (Hg. Mai 1913. in Freud: Culture and Conflict. 56. nach Torrey.181. in: Time.154. Why Freud Was Wrong. Samuel Gosling und Kenneth Craik. S. 2 Die Tagung der Fachgruppe 39 der American Psychological Association fand am 18. S. Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. 29. S. 20 Ebenda. in: American Scientist. 5 C. M. S. 14 Joseph LeDoux. Frankfurt a. Ein optimistischer Bericht über die Lage der Psychoanalyse: Erica Goode. 6 Artikel ohne Namensangabe des Autors mit dem Titel »An American Expert's Indictment of American Dream Analysis as a Psychological Humbug«. 16 Alessandra Stanley. 13 Richard Robins. 11 Paul Robinson. 59. 7 Zit. 666. Freudian Fraud. 19 Ebenda. . 11. 373 f. von Michael Roth. Berkeley 1993. hg. S. 455. in: New York Times. New York 1992. A 1. Frederick Crews (Hg. Searching for Memory. Malcolm Macmilan. Freud Scientifically Reappraised. Selbstdarstellung. Freudian Fraud. S. Dezember 1996. S. 47-51. Daniel Schacter. 8 Richard Webster. »Is Freud Dead?«. Steven Pinker. 21 Vgl. Ladd Franklin in: Nation. 12 Vgl. S. 4 Besprechung ohne Namensangabe des Rezensenten in: Nation. Why Freud Was Wrong.KAPITEL 2: WARUM FREUD NICHT TOT IST 1 Noam Chomsky. S. 10 Paul Gray. 269. New York 1998. S. Seymour Fisher und Roger Greenberg. Freud and His Critics. S. The Freud Reader. 12. »Psychological Science at the Crossroads«. Cambridge 1997.S. Freud Evaluated. 17 Webster. New York 1989. Weinheim 1996. S. hg. November 1993. Im Netz der Gefühle.

»Mothers Determine Sexual Preferences«. »The Bewildered Visionary«. 30 Zur Diskussion des Ödipuskomplexes aus einer evolutionsbiologischen Perspektive vgl. New York 1995. .380 . 253-272. 552 f.a. hg. in: ders. 34 Die beiden Aufsätze von Crews erschienen am 18. 35 Ebenda. 37 Ebenda. 59. 25 Edward Dolnick. Frankfurt a. »Preface to the third (revised) English Edition« (1931). S. S. S. November 1993 und 1. 41 Richard Webster. Englisch im Original. M. April 1998 in New Haven.. Wie das Denken im Kopf entsteht. in: Nature. M. Hysterie und Angst. 4 f. S. Bd. Dezember 1994. Bd. F 6. in: ders. 42 Ich interviewte Crews am 2. Steven Pinker.. Madness on the Couch. von Alexander Mitscherlich u. Die Traumdeutung. Januar 1998 abgedruckt. S.22 Sigmund Freud. 26 Der »Psycho-Block« in Manhattan erstreckt sich entlang der West 81st Street zwischen Central Park und Amsterdam Avenue. 28 Sigmund Freud. 229f. 72. S. 27 Susan Vaughan. S. und 4. S. als Buch veröffentlicht: Frederick Crews. 10. April 1998 an der Yale-Universität. Studienausgabe. »Error's Reign«. The Talking Cure. Bd.a.. Die Leserbriefe auf diesen Bericht wurden am 12. New York 1995.a. Sebastiane Timpanaro. 1983. München 1997. Januar 1998. Sie wurden später zusammen mit Briefen. zusammengefaßt. Frankfurt a. 1987. »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«. 284. S. hg. von Alexander Mitscherlich u. 276 f. 23 Ebenda. »Studien über Hysterie« (1895). 16. 6. New York 1997. in: ders. die sie provoziert hatten. New York 1998. S. in: Unauthorized Freud. S. 39. Gesammelte Werke. 43 Vgl. 32 Telefonisches Interview am 11. in: Times Literary Supplement. 44 Konferenz am 3. S. 1982. S. The Memory Wars. 263. 29 Nicholas Wade. hg. 1982. S.. 94-105. Bd.M. Juni 1998. Connecticut. 2. »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?«. Frankfurt a. Sexualleben. 31 KeithKendrick u. Studienausgabe. 38 Sigmund Freud. 40 Frederick Crews.. 159. 24 Ebenda. 65. The Memory Wars. S. »Zur Ätiologie der Hysterie«. S... 17. 6. 33 Seymour Fishers Studie über die Analitäts-Hypothese wird auf S. 1. 28. M. 5. von Alexander Mitscherlich u. 39 Sigmund Freud.a. Frankfurt a. Studienausgabe. September 1998. 261 f. 36 Ebenda. Mai 1997. in: New York Times. S. 283.

S. Sue Grand. New York 1997. daß der angekündigte Titel auf einem Druckfehler basiere. Freudian Fraud. daß die Geschichte der Psychologie aus einer Abfolge mehrerer miteinander rivalisierender Richtungen und Paradigmen bestand: Funktionalismus.. Fragen der Gesellschaft. 59 Ebenda. u f. 180. Reinbek bei Hamburg 1997. S. [. daß es praktisch kein Gebiet gab. S. Doch Bromberg sagte. das sich stetig weiterentwickelt hat. 1982.. S. ders. 48 Fisher und Greenberg. 51 Francis Crick. ähnlich einem Freudschen Versprecher. vgl. S. die Teilnehmerinnen waren Lynn Passey. 54 Vgl.a. The Western Canon. Die künstlichen Wilden. 1993. Solso und D. 137. New York 1994. Frames of Mind. 9. S. ders. 56 Vgl. 52 Harold Bloom. 28. Extraordinary Minds. 58 In: New Ideas in Psychology 10. Massaro. hg. 46 Der Sprecher hieß Philip Bromberg. das hervorragende Crews-Kurzporträt von Adam Begley »Terminating Analysis«. 218.. S. 53 Gray. 49 Interview am 7. den Vortrag besser als der ursprünglich beabsichtigte. Frankfurt a. Ursprünge der Religion. 65-78: »Eine sachliche historische Bestandsaufnahme der letzten hundert Jahre zeigt. Er wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin. S.381 .45 Das Seminar fand am 18.. Die Zukunft einer Illusion (1927).. New York 1995. Darlene Bregman Ehrenberg und Jody Messler Davies. April 1996 im Waldorf-Astoria statt. S. von R. eigentlich hätte er »Staying the Same While Changing« lauten sollen. S. von Alexander Mitscherlich u. 55 Clifford Geertz. New York 1983. 179-190. Marylou Lionells. in: Science of the Mind: 2001 and Beyond.1992. 376 f. hg. Mit mindestens ebenso triftigen Gründen läßt sich behaupten. Bd. 47 Sigmund Freud.] Nach Ansicht von manchen ist dieser Wettstreit zwischen den Schulen unvermeidlich . der versehentliche Titel beschreibe. Howard Gardner. Nr. Mai 1996 in New York. Freud Scientifically Reappraised. 50 Torrey. »Perennial Antinomies and Perpetual Redrawings: Is There Progress in the Study of Mind?«. Strukturalismus. M. Juli/August 1994. Gestaltpsychologie und in jüngster Zeit informationstheoretische. Der Anthropologe als Schriftsteller. M. in: Lingua Franca. S. 32. November 1997 an der Harvard-Universität zu einem Interview. in: Studienausgabe. Frankfurt a. Was die Seele wirklich ist. 2. 188. 57 Ich traf Howard Gardner am 19. Psychoanalyse. und sein Vortrag firmierte im Veranstaltungsprogramm unter dem Titel »Staying Sane While Changing: Reflections on Clinical Judgement«. Behaviorismus. konnektionistische und soziobiologische Ansätze. 51. »Is Freud Dead?«.

or Is It My Shrink?. und sie würden dennoch behaupten. The Mind's New Science. in: New York Times Week in Review. Joe Sharkey. »Philosophers Ponder a Therapy Gold Mine«. »Paging Dr. in: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Juni 1998. Fast täglich kommen neue Psychotherapien auf den Markt. Vgl. 324-341. hg. Der Psychoanalytiker Hillman und der Dichter und Journalist Ventura plädierten mit ihrem Buch für eine Erneuerung von Psychologie und Psychotherapie auf der Grundlage jungianischer Prinzipien. S. unter der Oberfläche. »Psychotherapies: An Overview«. Bd. Allerdings war diesen Schulen in den meisten Fällen kein sonderlicher Erfolg beschieden. Howard Gardner. S. 851-863. 3. Studienausgabe. 1.. von Alexander Mitscherlich u. weitreichende Fortschritte gemacht worden sind. Sigmund Freud. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«. New York 1998. auch »You Are Getting Very Confused: Psychologists' Split Decisions«. in: American Journal of Psychiatry. 1982.. a. We 've Had a Hundred years of Psychotherapy and the World's Getting Worse.. 34. Nr. Kansas . in: Schriften zur Behandlungstechnik. Vgl. doch der Wettstreit geht unter neuen Bannern weiter. daß. die Karasu als einen Typus psychodynamischer Therapien klassifiziert hatte. S. In dem Artikel wird berichtet. August 1977. Philosophen begännen ihre Dienstleistungen als Therapeuten anzubieten. 67).a. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. Frankfurt a. 7.60 61 62 63 und das Kennzeichen einer jungen und dynamischen Wissenschaft. New York 1985. S. Toksoz Karasu. S. S.a. vielmehr war ihre Energie irgendwann erschöpft: Die Namen verschwinden. Juni 1998. 1. M.« (S. Vorlesung. Sigmund Freud. Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. in: American Journal of Psychotherapy 40. Beutler und seine Kollegen stellten eine eigenständige Kategorie der interpersonellen Therapien auf. in: New York Times Book Review. »Die endliche und die unendliche Analyse«. Vgl. 14. 8.M.. San Francisco 1993. korrigierte Aufl. KAPITEL 3: PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 1 Buchtitel von James Hillman und Michael Ventura. von Alexander Mitscherlich u. ders.. Der Artikel berichtet über das Buch Escaping the Advice Trap von Wendy Williams und Stephen Ceci. Juli 1986. 3 Vgl. März 1998. 99. 1997. 7. 2 Vgl. Freud«. Ergänzungsbd. 5. Adam Phillips. hg.581. in: New York Times Week in Review. 24.. ferner Larry Beutler u. Am I Crazy.388. Studienausgabe. S. S. Frankfurt a.382 ..

die von Ärzten verabreicht wurden. die einen »Spezialisten für seelische Gesundheit« konsultiert haben. Die Autoren. Tana Dineen. I: Volume. Die Times nennt keine Quelle für diese Statistik. A 1. Dezember 1997. 1284. a. 26. Die Zahl der Sozialarbeiter. 11 Vgl. u. National Center for Health Statistics. Vgl. Dineen. S. Costs and User Characteristics«. Manufacturing Victims. Ebenda. Sutherland. schrieb: »Fallgeschichten können zweifellos eine Quelle für Hypothesen sein. Die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungssitzungen. völlig unterschiedliche Diagnosen stellen und den Patienten völlig unterschiedliche Ratschläge geben. gelangten zu dem Fazit. »Emotional Displays«. »The Final Analysis«. in: New York Magazine. »Outpatient Psychotherapy in the United States. Demnach würden verschiedene Therapeuten. 10 Informationen über den Mental Health Parity Act gibt Robert Pear. ein britischer Journalist und Psychologe. Diese Zahlen über verschiedene Typen von Psychotherapeuten sind aus Interviews mit der American Psychiatrie Association. sondern mehr als einen zu konsultieren. auf Psychotherapeuten zu verzichten. Diese Daten stammen aus der jährlichen National Ambulatory Medical Care Survey. der an manisch-depressiver Erkrankung litt und 1998 verstarb. die Lösung des Problems bestehe nicht darin. David Woodwell von der Abteilung Gesundheitsstatistik lieferte diese Daten. »Price Tag: Psychotherapy«. S. ist sehr viel höher. Stuart Sutherland. Psychotherapien oder sonstige Beratungen durchzuführen. September 1994.383 . 26-33. 20. die Zahl der staatlich zugelassenen Psychologen pro Einwohner verdoppelte sich nahezu von 1975 bis 1995. S. Oktober 1997. doch diese Hypothesen müssen durch Experimente konkretisiert und . Vgl. in: New York Times.4 5 6 7 8 9 City 1998. denen identische Fälle zur Begutachtung vorgelegt würden. in: Nature. durchgeführt wird. eine kanadische Psychologin. Quebec. der American Psychological Association und der National Association of Social Workers zusammengestellt. S. 4. von vierzehn Prozent Mitte der sechziger Jahre auf sechsundvierzig Prozent im Jahr 1995 angestiegen ist. Mark Olfson und Harold Alan Pincus. S. »Insurance Plans Skirt Requirement on Mental Health«. in: New York Times. S. Dezember 1998. 4. fiel von über zweiundzwanzig Millionen im Jahr 1989 auf weniger als sechzehn Millionen im Jahr 1996. James Kaplan. die zumindest potentiell qualifiziert sind. die von den Centers for Disease Control and Prevention. berichtete. daß der Prozentsatz der Amerikaner. C 1. beide Psychologen an der Cornell-Universität. 1996. in: American Journal of Psychiatry. 459. 1281. Februar 1993.

der sich ausschließlich auf Fallgeschichten stützte. September 1997.. Schließlich stellte Freud. Nr.überprüft werden. Joe Sharkey. und den Nachruf auf Eysenck in der New York Times. S. Studienausgabe. You're Sick. 20 Sigmund Freud.. hg. S. 22 Ebenda. S. S. Ergänzungsbd. Berlin 1999. 871-916. 13 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen. »The Encyclopedia of Insanity«. September 1997. in: New York Times Week in Review.1991. 4. Bd. Deutsche Bearbeitung und Einleitung von Henning Saß. 10. 466. 23 In der Beschreibung der Studie von Bachrach u. S. A 27. 580f. S. J. »Die endliche und die unendliche Analyse«. 28. Aufl. Davies. in: Harper's. von Alexander Mitscherlich u. von Alexander Mitscherlich u. S. . New York 1992. In Freud Scientifically Reappraised schreiben Fisher und Greenberg auf S. Geschichte der Psychiatrie. 464 f. 21 Vgl... 335.384 . 465.a. die falsche Theorie des Jahrhunderts par excellence auf. S. 201. 26 Vgl..« 12 Karasu.a. It's in the Book«. 25 Shorter. 168 f. 24 E. Psychoanalysis: The Impossible Profession. wenn sie als gültig anerkannt werden sollen. hg. 18 Ders. 14 L. Toxic Psychiatry. S. Freudian Fraud. das er am 7. S.. Hans-Ulrich Wittchen und Michael Zaudig. M. 246. New York 1998. 5. stütze ich mich auf ein Interview mit Bachrach von 1996 und auf Material. 16 Herb Kutchins und Stuart Kirk. S. die nicht aufgrund fehlerhafter oder verzerrter Daten als unbrauchbar verworfen werden kann«.M. 404. in: Studienausgabe. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«.a. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. 17 Sigmund Freud. Fuller Torrey. »Wege der psychoanalytischen Therapie«. 10. 218. S. 1982. Edward Shorter. S. Frankfurt a. Februar 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago verteilte. 368. Freudian Fraud.65. in: Schriften zur Behandlungstechnik. Frankfurt a. daß »es keine Studie über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse gibt. Februar 1997. 15 Vgl. 1997. New York 1982. Geschichte der Psychiatrie. S. New York 1991. Bachrach und seine Mitarbeiter veröffentlichten ihre Ergebnisse auch im Journal of the American Psychoanalytic Association 39. Göttingen u. Making Us Crazy. 19 Janet Malcolm. 27 Peter Breggin. in: Schriften zur Behandlungstechnik. DSM-IV.a. 123. Torrey. »You're Not Bad. korrigierte Aufl.. S. i. 4.

40 Harrington. mit leichten Abänderungen. Einrichtung der Cafeteria und andere Arbeitsbedingungen auf die Produktivität auswirkten. in: Archives of General Psychiatry 32.28 Lester Luborsky u. S. hg. »The Efficacy of Dynamic Therapies«. 29 Lewis Carroll. S. S. Einleitung zu The Placebo Effect. Walter Brown. hg. The Placebo Effect. »Comparative Studies of Psychotherapies: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«. Understanding Transference. S. S. 33 Lester Luborsky und Paul Crits-Christoph. »Scientific Myths That Are Too Good to Die«. 30 Saul Rosenzweig. 69. könnte mit dem berüchtigten Hawthorne-Effekt zusammenhängen. Die Ergebnisse deuteten darauf hin. 36 Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. 13. 5. Dezember 1998.385 . New York 1993.a. in: Psychodynamic Treatment Research. 1998. S. in: New York Times Week in Review. Illinois. 129 f. »Der Placebo-Effekt«.. deutsch von Christian Enzensberger. 30. Der Hawthorne-Effekt wurde bei einer Studie entdeckt. daß neuere Medikamente einen stärkeren Placebo-Effekt auslösen. New York 1995. S. D. in: Spektrum der Wissenschaft. 508 f. dieses Phänomen. S. Cambridge 1997. S. Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. 39 Leon Hoffman von der American Psychoanalytic Association meinte mir gegenüber. S. zwischen 1927 und 1933 durchgeführt wurde. ob sich Änderungen an der Ausstattung des Werks. daß Änderungen als solche die Stimmung und Produktivität der Arbeiter positiv beeinflußten. 2. die in einem Betrieb von Western Electric in Hawthorne. »Some Implicit Common Factors in Diverse Methods of Psychotherapy«. Ich interviewte Luborsky mehrfach telefonisch über seine Forschungen. 6.. »The Placebo: Is It Much Ado About Nothing?«. The Powerful Placebo. Vgl. auf nur drei Versuchspersonen. 102-104. S. 13. 42 Vgl. S. S. Harrington. C. in: American Journal of Orthopsychiatry 6. 38 Ebenda. Baltimore 1997. 2 f.412-415. in: The Placebo Effect. Harrington schrieb die Einleitung. herauszufinden. 995-1008. 1973. Washington. 34 Luborskys Brief an die New York Review of Books in: Frederick Crews. 14. zit. 31 Lester Luborsky u. 1975. In der Studie ging es darum. . 37 Ebenda. Diese »vielzitierte« Studie basierte laut Gina Kolata. 41 Vgl. 32 Ebenda. 35 Vgl. a. M. Frankfurt a. März 1998. von Harrington.511. Crews' Erwiderung S. The Placebo Effect. Alice im Wunderland. von Anne Harrington.1936. Memory Wars.

S. Katherine Shear u. 13. in: Archives of General Psychiatry 51. 56. die sich für die Belange von psychisch Kranken einsetzen. 5. Robyn Dawes. 57 »Specific Versus Non-specific Factors in Psychotherapy«. 47 Ebenda. 58 Dawes. 55 M. S. 300. 3. 1125-1136. 752-760. C 9. S. in: New York Times.1977. Juni 1997. verschärften im Sommer 1998. 395-401. August 1996. S. New York 1994. S. 64 Vgl. 44 Ebenda. »Prisons Replace Mental Hospitals for the Nation's Mentally 111«. S. 24. E. House of Cards. B 4-5.. 49 Ebenda. S. »Psychotherapies: An Overview«. Persuasion and Healing. Vgl. 5. House of Cards. »Cognitive Behavioral Treatment Compared with Nonprescriptive Treatment of Panic Disorder«. 60 Abgedruckt im Vorwort zu Daniel Fishman. Torrey und andere. S.386 . 87-112. 63 Ich besuchte das Hudson River Psychiatrie Center am 29. in: Archives of General Psychiatry 36. 298. S. Aufl. New York 1999.42. 59 Ebenda. S. 51 Frederick Crews sagte dies während unseres Interviews am 2. 56 Mary Smith und Gene Glass. »The Release of the Mentally 111 from Institutions: A Well-intentioned Disaster«. S. S. Ich führte mehrere telefonische Interviews mit Robyn Dawes. März 1998. »Changing Thinking to Change Emotions«. S. S. September 1997.43 Ebenda. 52 Martin Seligman teilte mir seine Ansichten über die kognitive Therapie 1996 während eines telefonischen Interviews mit. 1979.a. Wray . nachdem Schizophrene mehrere in den Medien weidlich behandelte Morde begangen hatten. »Meta-analysis of Psychotherapy Outcome Studies«. 62 Ebenda. 858. A i. 54 Jane Brody. S. 61 Torrey. April 1998. 146. 50. 152. Baltimore 1993. 45 Jerome Frank und Julia Frank. S. S. S. 23. Zu dieser Studie vgl.1994. Füller Torrey. 21.. 53 Karasu. 46 Ebenda. 48 Ebenda. in: Chronicle of Higher Education. zitiert nach Dawes. Ich danke meinen Freunden Jan und Alan Peterson dafür. The Case for Pragmatic Psychology. 251. daß sie mich auf das Museum des Zentrums aufmerksam machten. S. House of Cards. Freudian Fraud. in: American Psychologist 32. 66. Fox Butterfield. 50 Ebenda. S. ihre Kritik an der Gemeindepsychiatrie. in: New York Times.

»Electroconvulsive Therapy«. 13 Ebenda. 6 Shorter. News & World Report. 19 Harold Sackheim u. S. 16. 10. 312. 40. Great and Desperate Cures. 292 und 371. 17 Ebenda. 3. 303-313. The Three-Pound Universe. 1123. »Chlorpromazine Is No Penicillin«. August 1998. 14 Ebenda. B i. News & World Report. 302. Kramer. S. 21 Elliot Valenstein. 8 f. S. In diesem Bericht wird Laurie Flynn von der National Alliance for the Mentally 111 mit der Aussage zitiert. S. S. 322.. 7.S. April 1998. S.) 2 Peter D. Geschichte der Psychiatrie. »Psychosurgery Redux«. um die psychisch Kranken und die Gesellschaft zu schützen«. S. »Fearsome Madness«. von Floyd Bloom und David Kupfer. S. 229.Herbert. Glück auf Rezept. »A Shrinking Discipline«. 16 Ebenda. Mai 1997. New York 1995. 9. S. d. hg. S. S. S. 11 Vgl. S. 63. 22 Wray Herbert. 422. 8 Ebenda. Geschichte der Psychiatrie. »das alte Konzept der Nervenheilanstalt aus der Schublade hervorzuholen. S. S. 335. in: Times Literary Supplement. »Drug Makers' Goal: Prozac Without the Lag«. S. 10 Ebenda. (A. 294. 12 Shorter.a. S. in: U. 7 Ebenda. S. New York 1989. 297. 15 Ebenda. München 1995. in: Wall Street Journal. S. 20 Zitiert nach Judith Hooper und Dick Teresi. . 27. New York 1986. 18 Ebenda. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. Berlin 1999. in: Nature. 3 Edward Shorter. 4 John Marchall. 27. 9 Ebenda. 268. Andrew Scull. 3 71 f. S.387 . Ü. hg. März 1997. 313-322. es sei vielleicht an der Zeit. KAPITEL 4: FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 1 Das Antidepressivum Fluctin (Wirkstoff Fluoxetin) wird auf dem USamerikanischen Markt unter der Bezeichnung »Prozac« vertrieben und hat in Amerika Furore gemacht. Geschichte der Psychiatrie. November 1997. Für eine wirklich vernichtende Besprechung von Shorter vgl. 5 The Freud Reader. in: U. S. S. von Peter Gay. 53 f. S. 346. Thomas Burton. New York 1986. 324. S.

). »A Breakthrough Drug for Depression«.1996. Breggin und Breggin. Peter Breggin. 6 f. 1. »The New You«. 1994.2. Oktober 1995 statt. S. 45 Vgl. S. 10. S. S. August 1998 telefonisch diese Information über den weltweiten Umsatz von Fluctin. Breggin erklärte. 46 Robert Wright. 41 Breggin und Breggin. »The Coverage of Happiness«. Talking Back to Prozac. in: Wall Street Journal. die Fluctin machte. 116. 45 f. S. 14. Glück auf Rezept. 34 Lucette Lagnado. März 1994. November 1998. 33 Einen ausführlichen Bericht über die negativen Schlagzeilen. 77. Last Resort. 38 John Sommers-Flanagan und Rita Sommers-Flanagan. August 1997. S. 274. »Blooming Business for Happy Pills«. »Efficacy of Antidepressant Medication with Depressed Youth: What Psychologist Should Know«. 31. Dezember 1997. 31 Seymour Fisher und Roger Greenberg (Hg. New York 1991. S. August 1997. Freeman habe ihm gegenüber diese Schätzung in einem Telefongespräch geäußert. S. Geschichte der Psychiatrie. in: Newsweek. in: Psychiatric Times. Talking Back to Prozac. 28. M. und die anschließenden Anhörungen vor der FDA bieten Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. 26. Toxic Psychiatry. New York 1997. 231. 386. S.S. in: New Republic. S. Great and Desperate Cures. 24 Jack Pressman. A 1. 35 Die PR-Abteilung von Eli Lilly gab mir am 12. »Use of Antidepression Medicine for Young Patients Has Soared«. 32 Geoffrey Cowley. 26 Valenstein. New York 1994. S. in: U. 406. Frankfurt a. »Peppermint Prozac«. 27. Talking Back to Prozac. S. New York 1998. S. »Drug Sales Can Leave Elderly a Grim Choice: Pills or Other Needs«. 3. 24-29. 36 Susan Aldridge. 31 f.388 . Laut eines Artikels stieg der Umsatz von Fluctin für Kinder von 1995 bis 1996 um 298 Prozent. S. 28 Shorter. S. From Placebo to Panacea. in: Professional Psychology: Research and Practice 27. in: New York Times. 40 Peter Kramer. 43 Kramer. . 17. 18. in: Chemistry and Industry.S. März 1990.145-153. 27 Ebenda. S.23 Ebenda. 39 Arianna Huffington. News and World Report. 30 Sigmund Freud. S. 29 Ebenda. 37 Barbara Strauch. A 15. 382 f. 42 Das Symposion an der New School fand am 5. März 1990. Abriß der Psychoanalyse. 44 Ebenda.

286. 63. Nelson. »Science Is Not a Trial (But It Can Sometimes Be a Tribulation)«. S. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 64. 26..a. Glück auf Rezept. 57 Irene Elkin. S. in: Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. in: Psychiatric Annals 24. »Initial Antidepressant Choice in Primary Care«. A i. »Religiosity and Remission of Depression in Medically 111 Older Patients«. in: International Clinical Psychopharmacology 9. 48 S. »Psychotherapy Versus Medication for Depression: Challenging the Conventional Wisdom with Data«. 47-53. S. C 7. zitiert nach Fisher und Greenberg. »The NIMH Treatment of Depression Collaborative Research Program: Where We Began and Where We Are«. S. in: American Journal of Psychiatry. 130. 92. S. »The Effectiveness of Psychotherapy«. 62 »Mental Health: Does Therapy Help?«.a. S. 7-13. »Selective Serotonin Reuptake Inhibitors: Meta-analysis of Discontinuation Rates«. 4. 56 Irene Elkin u. 58 Ebenda. Mai 1986. hg. S. 63 Martin Seligman. S. in: Consumer Reports. 51 Theresa Crenshaw und James Goldberg. New York 1994. L. 55 Philip Boffey. in: Current Canadian Psychiatry and Neurology. »Psychotherapy Is As Good As Drug in Curing Depression. »Are the SSRIs Really Better Tolerated Than the TCAs for Treatment of Depression?«. 14. »When Depression Lifts But Sex Suffers«. 54 David Antonuccio u. 64 Vgl.1995. 1897-1902. 1994. Montgomery u. 59 Ebenda. 311. 734-739.a. Januar 1998. 50 Daten über die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin und anderen Medikamenten bietet Jane Brody. in: Science News. 53 Kramer. 574-585. S. von A.1995.. 965-974. 15. Aufl. April . New York 1996.a. Geschichte der Psychiatrie. November 1995. Dezember 1995. Harold Koenig u. S. 52 »Prozac Works on Clams and Mussels«. S. 61 Shorter. 125.. From Placebo to Panacea. a.1996.C.. Mai 1995. Study Finds«. S. in: New York Times.389 . 60 Telefonisches Interview mit Kramer im Juli 1996.47 Gregory Simon u. Nr. Juni 1996.A. in: Professional Psychology: Research and Practice 26. S. 4. »Sex and the Depressed Patient«. 131. 360. Mai 1996. 49 J. in: New York Times. ferner Robert Segraves. S. in: Journal of the American Medical Association. S.. 124. S. in: American Psychologist. Garfield. 6.. Nr. 631. S. Sexual Pharmacology: Drugs That Affect Sexual Function. Bergin und S. 24. S. D.

auf die Brown wiederum antwortete. S. in: Prevention and Treatment 1. S. Fisher und Greenberg erörtern die Antidepressiva-Forschung ausführlich in dem Kapitel »Mood-Mending Medicines: Probing Drug. 362.C. Covi. 1992. Die von Brown zitierte Studie: L. Moncrieff. David Cohen. 371. 70. From Placebo to Panacea. S.66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 1998. Maryland. »Listening to Prozac But Hearing Placebo«. New York 1995. 156. »A Meta-analysis of Antidepressant Outcome Under ›Blinder‹ Conditions«. in: Spektrum der Wissenschaft. S. Scull »Chlorpromazine Is No Penicillin«.apa. Walter Brown. »Placebo as a Treatment for Depression«. From Placebo to Panacea. Bethesda. S. hg. in: British Journal of Psychiatry 167. Roger Greenberg u. 1995. Park und L. 9. S. 150. Nr. S. Psychotherapy and Placebo Solutions« und anderen Abschnitten ihres Buches From Placebo to Panacea. S. Artikel 0002a. Der Beitrag von Brown löste zahlreiche Leserzuschriften aus. »A Re-examination of the Placebo-Controlled Trials of Lithium Prophylaxis in Manie-Depressive Disorder«. S.a. in: Neuropsychopharmacology 10.1992. 176. in: Fisher und Greenberg.1994. Fisher und Greenberg. von Deborah Dauphinais. zitiert nach Fisher und Greenberg.. »Nonblind Placebo Trial: An Exploration of Neurotic Patients' Responses to . An Unquiet Mind. S. 150. Walter Brown. Vgl. S. Ich danke Walter Brown von der Brown-Universität dafür. S. Die American Psychological Association hat diesen Artikel im World Wide Web unter http://journals. 213. From Placebo to Panacea. Ebenda. 265-288. 536-542.html verfügbar gemacht. »A Critique of the Use of Neuroleptic Drugs in Psychiatry«. Kay Jamison. From Placebo to Panacea. DHHS Publication No. 5. Ebenda. S. 157. From Placebo to Panacea. 267. S. März 1998. National Institute of Mental Health.390 . Ebenda. 572. Ebenda. Fisher und Greenberg. (ADM) 92-1950. S. Nr. Die Schlußfolgerungen der Autoren werden bestätigt in Irving Kirsch und Guy Sapirstein. Ebenda.173-228. J. 4. S. 5.org/ prevention/volume1/preoo1ooosa. S. 664-669. S. Ebenda. Fisher und Greenberg. »Der Placebo-Effekt«. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 60. daß er mir den Unterschied zwischen extrapyramidalen Wirkungen und Spätdyskinesie erklärt hat. 157.

Last Resort. Informationen über das Tay-Sachs-Syndrom kann man auf der Website der March of Dimes Foundation abrufen: http://www. 66-72. Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. 280. 336-345. August 1992 in People erschien. Oktober 1997 Patienten. S. Ebenda. Die Arbeitsgruppe Zingulotomie am Massachusetts General Hospital beschreibt ihre Arbeit auf der Web-site http://brain. 13. Ich interviewte Harold Sackheim am 1. 1 2 . Sackheim u. Ebenda.noah. i. Brown. edu/pregnancy/march_of_dimes/birth_defects/taysachs. Dear Sigmund. 3. Kap. S.edu:100/cingulot. S.html. Schmoedipus. S. S. 267. S. In diesem Artikel wird über die Entdeckung eines Neurosegens berichtet. »Electroconvulsive Therapy«. 14. Ich beobachtete am 10. S. 272. »Placebo as a Treatment for Depression«. New York 1995. KAPITEL 5: GEN-MAGIE James Collins. 1134. Dezember 1996.cuny. in: U. die am New York State Psychiatrie Institute mit der Elektroschocktherapie behandelt wurden. Kramer. 427. Vgl. S. Frank Vertosick. »Lobotomy's Back«. hg. Vgl.391 . The War Against Children. von Floyd Bloom und David Kupfer. in: Archives of General Psychiatry 12. ferner Wray Herbert. 63 f. ist Dick Cavett. Jack Pressman.htm. S.1965. Ebenda.83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 Placebo When Its Inert Content Is Disclosed«. 14.. The Fault. Ebenda. Oktober 1997 am New York State Psychiatrie Institute. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. Sackheim und zwei Mitautoren verfaßten einen ausgezeichneten Übersichtsartikel über die Elektroschocktherapie in »Electroconvulsive Therapy«. S. News and World Report. Oktober 1997. »Oedipus. In einem Interview. »Psychosurgery Redux«. Juni 1995. in: Psychiatrie Times. November 1997.mgh. 288. Vgl. S. 95. S. »Setting the ECT Stimulus«. in: Time. bezeichnete der ehemalige Gastgeber einer Talkshow die Elektroschockherapie als »wunderwirkend wie ein Zauberstab«. Ebenda. S. Shorter. Glück auf Rezept. 74. May Be in Our Genes«. S. New York 1994. New York 1998.a. die öffentlich die Wirksamkeit der Elektrokrampftherapie zur Behandlung ihrer Depression gepriesen hat. 9. S. Geschichte der Psychiatrie. das am 3. in: Discover. Eine Persönlichkeit des Showgeschäfts.harvard.

In the Name of Eugenics. »The Genetic Analysis of Human Behavior: A New Era?«. of All Places«. Forbidden Knowledge. und »The Rational Approach to the Irrational«. New York 1997. Donahue.1992. New York 1996. 17 Ich interviewte Leon Kamin mehrfach telefonisch und 1993 persönlich. Vgl. die auch Informationen über Galton. 20. Understanding and Preventing Violence. 143. 13. »What. The DNA Mystique. New York 1995. 153-156. in: Time. 15. Oktober 1990. 30.a. Dezember 1996. März 1987. Nr. 1993. »Happy Birthday. daß sich die beiden kichernden britischen Schwestern und die beiden Brüder. M. Oktober 1989. S. S. Double Helix«. ist Daniel Kevles. 19-22. S. 14 Wright. D. 36. C. ausgestrahlt am 25. 69 f. 15 Wright. 1999. daß er in seinem Buch eine Vielzahl von Befunden präsentierte. 223.. New York 1985.. August 1997. Frankfurt a. Davenport und andere frühe Anhänger dieser Lehre enthält. die fälschlicherweise angaben. 12 Einen hervorragenden Überblick über Zwillingsstudien gibt Lawrence Wright.178.a. in: New York Times.392 . Twins. Zitiert nach Roger Shattuck. März 1993. Der falsch vermessene Mensch. 3. 16 Kritische Stellungnahmen zur Zwillingsforschung wie an der Universität von Minnesota bieten Paul Billings u. 18 Zu den Berichten. »Sequences and Consequences of the Human Genome«. 10 Eine vorzügliche Geschichte der Eugenik. »Sources of Human Psychological Differences: The Minnesota Study of Twins Reared Apart«. in: Science. and Behavior«. Das Verblüffende an Wrights weitreichender Schlußfolgerung war die Tatsache. 11 Vgl. S. 227-238.57. S. S. die einen derart radikalen genetischen Determinismus entkräfteten. »Bewitching Science«. Washington. S. Susan Lindee. Me Not Worry?«. Oktober 1990. zum ersten . 13 Thomas Bouchard u. Leon Jaroff. »Here. Twins. S. Nurture. 13. Vgl. S. Adam Phillips. und Val Dusek. hg. zum Beispiel Dorothy Nelkin und M. die Geschichte des Doppel-YSyndroms in Stephen Jay Gould. von denen der eine als Nazi und der andere als Jude aufgezogen worden war. 12. in: Science for the People. 12. von Albert Reiss und Jeffrey Roth. in Economist. November/Dezember 1987. Twins. Daniel Koshland schrieb unter anderem folgende Leitartikel über Verhaltensgenetik in Science: »Nature.3 4 5 6 7 8 9 »How to Tell If Your Child 's a Serial Killer«. A 39. in: Social Science and Medicine 35. Februar 1993. S.

»Scientists Split over Twins as Lab Subjects«.393 .. einer der Autoren der 1988 in Nature publizierten . S. in: Nature. 164-167. Bezüglich der Rolle der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Forschungen der Minnesota-Gruppe vgl.. New York 1990. S. Januar 1993. in: Washington Post. März 1980. 1323-1328.a. 167-170. gehören Constance Holden. Februar 1987. in: Nature 326. und Cynthia Gorney. 26. November 1989. 9. »Re-evaluation of the Linkage Relationship Between Chromosome up Loci and the Gene for Bipolar Affective Disorder in the Old Order Amish«. 238-243. »Evidence Against Linkage of Schizophrenia to Markers on Chromosome 5 in a Northern Swedish Pedigree«. September 1995.. a. S. S.1993. Janice Egeland u. S.. 783-787. 32. März 1998. in: Nature Genetics. Die zwei zu gegensätzlichen Ergebnissen kommenden Beiträge über Schizophrenie. Vgl. 49-55. 16. Leon Kamin behauptete. a. 57. S. S. »Identical Twins Reared Apart«. 131 f. ferner Gail Golden. Sherrington u. geben Jerry Bishop und Michael Waldholz in Genome. 10. Miron Baron u. John Kelsoe u. S. in: Lancet. S. Ebenda. »Localization of a Susceptibility Locus for Schizophrenia on Chromosome 5«... »What Did They Name the Dog?«. 19.a.19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Mal in Minneapolis begegnet seien.a. S. in: London Review of Books. »Genetic Basis of Schizophrenia«. Die statistischen Daten über die Erblichkeit der Schizophrenie stammen aus Peter McGuffin u. in: Nature. die beide am 10. sind R. S. Dezember 1979. die zum Aufspüren einzelner Gene eingesetzt werden. daß sich die kichernden Schwestern sowie der nationalsozialistisch und der jüdisch erzogene Bruder bereits vor ihrer Zusammenführung in Minnesota begegnet waren und miteinander korrespondiert hatten (was ich durch telefonische Interviews bestätigen konnte). und James Kennedy u. er habe eine Option auf die Rechte an der Lebensgeschichte von Oskar und Jack erworben und diese an Hearst Entertainment weiterverkauft. 21. »Genetic Linkage Between X-Chromosome Markers and Bipolar Affective Illness«. Einen ausgezeichneten Überblick über die Methoden. 678-682. in: Science.a. Wright. 289-292. Chicago Tribune. Ein Produzent aus Los Angeles namens Anthony Mason sagte mir 1993. »Bipolar Affective Disorders Linked to DNA Markers on Chromosome 11«. »Diminished Support for Linkage Between Manic Depressive Illness and X-Chromosome Markers in Three Israeli Pedigrees«. Wendy Doniger. »The Twins«. 6. C 1. Hugh Curling vom University College und der Middlesex School of Medicine in London. September 1988. November 1988 in Nature erschienen. S. Twins.. a. Miron Baron u.

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Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Chromosom fünf feststellte, sagte mir bei einem telefonischen Interview im Jahr 1993, die neuen Daten rechtfertigten die Annahme eines solchen Zusammenhangs nicht länger. Telefonisches Interview mit Peter McGuffin am 3. März 1998. David Dickson, »Panel Urges Caution on Genetic Testing for Mental Disorders«, in: Nature, 24. September 1998, S. 309. E. Fuller Torrey, Freudian Fraud, New York 1992, S. 227. Sigmund Freud, »Ergänzungen zur Selbstdarstellung« (1935), in: ders., Gesammelte Werke, Nachtragsband, Frankfurt a. M. 1987, S. 764. Vgl. Michael Winerip, »Schizophrenia's Most Zealous Foe«, in: New York Times Magazine, 22. Februar 1998, S. 26-29. Vgl. Robert Kunzig, »It Kills Horses, Doesn't It?«, in: Discover, Oktober 1997, S. 97-105. Helena Samaia u. a., »A Prion-Based Psychiatric Disorder«, in: Nature, 20. November 1997, S. 241. Bruce Bower, »New Culprits Cited for Schizophrenia«, in: Science News, 3. Februar 1996, S. 68. Kenneth Blum u.a., »Allelic Association of Human Dopamine D2 Receptor Gene in Alcoholism«, in: Journal of the American Medical Association, 18. April 1990, S. 2055-2060. Lawrence Altman, »Scientists See a Link Between Alcoholism and a Specific Gene«, in: New York Times, 18. April 1990, S. A 1. Joel Gelernter, David Goldman und Neil Risch, »The A1 Allele at the D2 Dopamine Receptor Gene and Alcoholism: A Reappraisal«, in: Journal of the American Medical Association 269,1993, S. 1673-1677. Ich sprach 1993 telefonisch mit Neil Risch, der damals an der Yale-Universität tätig war. Telefonisches Interview mit Gottesman im Jahr 1993. Eine Liste der Erkrankungen, die mit dem D2-Marker in Verbindung gebracht werden, stellt Kenneth Blum u.a. auf in »Reward Deficiency Syndrome«, in: American Scientist, März/April 1996, S. 132-145. Dean Hamer und Peter Copeland, Das unausweichliche Erbe, Bern u. a. 1998, S. 172. Dean Hamer u.a., »A Linkage Between DNA Markers on the X Chromosome and Male Sexual Orientation«, in: Science 261, 1993, S.321-327. Dean Hammer und Peter Copeland, The Science of Desire, New York 1994. S. Hu u.a., »Linkage Between Sexual Orientation and Chromosome Xq28 in Males But Not in Females«, in: Nature Genetics 11, 1995, S. 248-256.
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49 Über diese Befunde von Ebers und Rice wurde erstmals von Eliot Marshall berichtet, »NIH's ›Gay Gene‹ Study Questioned«, in: Science, 30. Juni 1995, S. 1841. In dem Beitrag heißt es auch, daß das Office of Research Integrity des Department of Health and Human Services ein Ermittlungsverfahren gegen Hamer eingeleitet habe. Das Verfahren wurde erstmals von John Crewdson in »Study on ›Gay Gene‹ Challenged«, Chicago Tribune vom 25. Juni 1995, S. C l, öffentlich bekanntgemacht. Crewdson berichtete, daß ein Mitautor des 1993 erschienenen Aufsatzes von Hamer über männliche Homosexualität ihm eine fehlerhafte Auswertung der Daten vorgeworfen habe. Das Verfahren wurde später eingestellt. 50 Alan Sanders u.a., »Genetic Linkage Study of Male Homosexual Orientation«, wurde auf der Jahrestagung 1998 der American Psychiatrie Association in Toronto als Poster präsentiert. Sanders wechselte Anfang 1999 vom National Institute of Mental Health an die Universität Chicago. 51 Hamer und Copeland, Das unausweichliche Erbe, S. 234. 52 Der Aufsatz über Neugierverhalten, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: J. Benjamin u. a., »Population and Familial Association Between D4 Dopamine Receptor Gene and Measures of Novelty Seeking«, in: Nature Genetics 12,1996, S. 81-84. Im selben Heft erschien ein weiterer Beitrag, in dem eine ähnliche Behauptung erhoben wurde: R. Ebstein u.a., »Dopamine D4 Receptor (D4Dr) Exon III Polymorphism Associated with the Human Personality Trait of Novelty Seeking«, S. 78-80. Der Beitrag über Angst, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: Klaus-Peter Lesch u.a., »Association of Anxiety-Related Traits with a Polymorphism in the Serotonin Transporter Gene-Regulatory Region«, in: Science 274,1996, S. 1527-1531. 53 Vgl. Anil Malhotra u.a., »The Association Between the Dopamine D 4 Receptor (D4DR) 16 Amino Acid Repeat Polymorphism and Novelty Seeking«, in: Molecular Psychiatry i, 1996, S. 388-391, und Michael Pogue-Geile u. a., »Human Novelty-Seeking Personality Traits and Dopamine D4 Receptor Polymorphisms: A Twin and Genetic Association Study«, in: American Journal of Medical Genetics 81,1998, S. 44-48. Über die Studie von Pogue-Geile berichtete erstmals Sharon Begley, »Born Happy?«, in: Newsweek, 14. Oktober 1996, S. 79. 54 Hintergrundinformationen über Cyril Burt findet man bei Kevles, In the Name of Eugenics. 55 Bernie Devlin u.a., »The Heritability of IQ«, in: Nature, 31. Juli 1997, S. 468-471; vgl. Sharon Begley, »Wombs with a View«, in: Newsweek, 11. August 1997, S. 61. 56 Charles Murray und Richard Herrnstein, The Bell Curve, New York
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1994. 57 Vgl. Stephen Jay Gould, »Curveball«, in: New Yorker, 28. November 1994, S- 139-149, und das Sonderheft von The New Republic, 31. Oktober 1994. 58 Noam Chomsky, Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996, S. 159 f., Hervorhebung J. H. 59 In »Intelligence: Knowns and Unknowns«, einem Bericht der American Psychological Association, der im August 1995 veröffentlicht wurde, stieß ich erstmals auf eine Beschreibung des Flynn-Effekts. Später erfuhr ich, daß Murray und Herrnstein den Flynn-Effekt in The Bell Curve kurz erwähnt und beiläufig als unerheblich für ihre Argumentation abgetan hatten. Flynn legte seine Daten vor in »Massive IQ Gains in 14 Nations: What IQ Tests Really Measure«, in: Psychological Bulletin 101, 1987, S. 171-191. Vgl. meinen Beitrag, »Get Smart, Take a Test«, in: Scientific American, November 1995, S. 12 f. Ich interviewte Flynn 1995 per E-mail und Fax. 60 Telefonisches Interview mit Arthur Jensen 1995. 61 Vgl. Christopher Jencks und Meredith Phillips, »The Black-White Test Score Gap: Why It Must Be Closed. Why It Can Be«, in: The American Prospect, September/Oktober 1998, S. 44-53. 62 Robert Matthews, »Genning Up on Genius Genes«, in: Sunday Telegraph, 24. Januar 1993, S. 9. Der Artikel berichtete über eine Konferenz in London, auf der Plomin seine Ergebnisse vorgestellt hatte. 63 Robert Plomin u.a., »A Quantitative Trait Locus Associated with Cognitive Ability in Children«, in: Psychological Science 9, 1998, S. 159-166. Vgl. Robert Plomin und John Defries, »The Genetics of Cognitive Abilities and Disabilities«, in: Scientific American, Mai 1998, S.62-69. 64 Diese Äußerung stammt von John Kihlstrom, einem Psychologen von der Universität von Kalifornien in Berkeley, zitiert nach Nicholas Wade, »First Gene to Be Linked with High Intelligence Is Reported Found«, in: New York Times, 14. Mai 1998. 65 Hamer, Das unausweichliche Erbe, S. 352. 66 Lee Silver, Das geklonte Paradies, München 1998, S. 330. 67 W. French Anderson, »Human Gene Therapy«, in: Nature, Beilage zu Bd. 392, 30. April 1998, S. 25. 68 Robert Weinberg wurde zitiert in »Hype Surrounds Genomics Inc.«, in: Science, 7. Februar 1997, S. 770. 69 Interview mit Jerome Kagan am 18. November 1997 an der HarvardUniversität. 70 Jerome Kagan, Galen's Prophecy, New York 1994, S. XXI. 71 Ebenda, S. 263.
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Zitiert nach Carl Degler, In Search of Human Nature, New York 1991, S. 15. Deglers Buch ist eine Fundgrube an Informationen über die Geschichte des genetischen Determinismus in Wissenschaft und Gesellschaft. 73 Ebenda, S. 11. 74 Darwins Brief ist abgedruckt in Richard Weikart, »A Recently Discovered Darwin Letter on Social Darwinism«, in: Isis 86,1995, S. 609-611. 75 Richard Webster, Why Freud Was Wrong, New York 1995, S. 457.

KAPITEL 6: DARWIN, RETTE UNS! 1 Gerald Edelman, Göttliche Luft, vernichtendes Feuer. Wie der Geist im Gehirn entsteht, München 1995, S. 70. [Quelle unklar, Anm.d.Lektors] 2 Die Konferenz der Human Behavior and Evolution Society fand vom 28. Juni bis 2. Juli 1995 an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara statt. 3 Vgl. Charles Darwin, Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, Stuttgart 1998, S. 676. 4 In seinem Vortrag zum Thema »Das Badewasser und das Baby: Stellenwert und Grenzen des Kulturbegriffs in der Human-Verhaltensökologie« zog Crank insbesondere den Anthropologen Clifford Geertz vom Institute for Advanced Study ins Lächerliche. 5 Die Formulierung stammt von Boyd Eaton von der Emory-Universität. 6 Singh publizierte seine Ergebnisse erstmals in »Adaptive Significance of Female Physical Attractiveness«, in: Journal of Personality and Social Psychology 65, 1993, S. 293-307. Daten, die im Widerspruch zu Singhs These stehen, wurden veröffentlicht von Douglas Yu und Glenn Shepard, »Is Beauty in the Eye of the Beholder?«, in: Nature, 26. November 1998, S. 321 f. 7 Telefonisches Interview mit Cosmides und Tooby im Mai 1995. Ich sprach außerdem mit ihnen auf der HBE S-Konferenz im Juni und kommunizierte mit ihnen per Fax. 8 The Adapted Mind, hg. von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby, New York 1992, S. 23. Einer der bekanntesten Kritiker der Evolutionspsychologie ist Stephen Jay Gould von der Harvard-Universität. Vgl. seinen Aufsatz »Let's Leave Darwin Out of It«, in: New York Times, 29. Mai 1998. Gould griff die Evolutionspsychologie auch in zwei aufeinanderfolgenden Artikeln in der New York Review of Books an: »Darwinian Fundamentalism«, 12. Juni 1997, und »Evolution: The Pleasures of Pluralism«, 26. Juni 1997. Vgl. den Briefwechsel, der in den Heften vom 14. August und 9. Oktober veröffentlicht wurde. Gould räumte ein, daß Menschen

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»Tiere sind und der Geist das Produkt der Evolution ist, daher müssen alle wißbegierigen Menschen das Streben nach einer Evolutionspsychologie unterstützen. Doch die Bewegung, die diesen Namen für sich in Anspruch nimmt, hat ein verhängnisvoll beschränktes Verständnis von der Bedeutung und dem Anwendungsbereich evolutionsbiologischer Erklärungen.« Wenn die Evolutionspsychologen weiterhin nachdrücklich auf ihren verstiegensten Behauptungen bestünden, so die Prognose von Gould, »werden sie eines Tages das Schicksal der Freudianer erleiden, die auch einige wertvolle Erkenntnisse zutage förderten, aber dann spektakulär scheiterten und Leid über Millionen von Menschen brachten (unter anderem Frauen, die als frigide abgestempelt wurden, wenn sie aus physiologischen Gründen nicht in der Lage waren, den Übergang vom klitoralen zum vaginalen Orgasmus zu vollziehen), weil sie eine Theorie von begrenzter Gültigkeit in den Rang einer unumstößlichen Weltanschauung erhoben, die eher einer nicht überprüfbaren und unwandelbaren Religion als einer Wissenschaft glich.« Leider hat Goulds Polemik - und die Erwiderungen darauf - mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Es ging ihm weniger um eine sachliche Würdigung der Evolutionspsychologie als vielmehr um das Begleichen alter Rechnungen und um die Förderung seiner äußerst eigenwilligen Beiträge zur Evolutionstheorie. Dazu gehören die Theorie vom durchbrochenen Gleichgewicht, die Kontingenztheorie, wonach die Evolution nicht nur von der natürlichen Selektion, sondern auch von Asteroideneinschlägen und anderen unvorhersehbaren Zufallsereignissen gestaltet wird, und die Theorie der »Zwickel«, bei denen es sich um nichtadaptive Nebenprodukte der Evolution handelt (Zwickel ist eigentlich ein architektonischer Terminus, der den dreieckigen Raum zwischen einem Bogen und dem Bauwerk, in das er integriert ist, bezeichnet). Goulds Rhetorik sorgt für weitere Unscharfen. Einmal verspottete er zwei seiner Gegner (den Journalisten Robert Wright und den Philosophen Daniel Dennett): »Unmittelbar nach König Heinrichs aufwühlender Rede am Sankt-Crispins-Tag auf dem Schlachtfeld von Agincourt sorgt Shakespeare für komische Entspannung, als Falstaffs früherer Diener Pistol durch lautes Bluffen und Posieren ein Lösegeld herausholt. Pistols eigener Diener macht daraufhin die berühmte Bemerkung: ›Das Sprichwort stimmt: Das hohle Gefäß macht den größten Lärm.‹« Gould schmückte seine Schmähungen mit einer ähnlich schlagfertigen Antwort: »Doch wie sagte doch T. H. Huxley über Richard Owen in einer Parodie auf Drydens Vers über Alexander den Großen, der, betrunken, in einem Monolog all seine Schlachten noch einmal kämpft – ›Und dreimal schlug er all seine Feinde in die Flucht, und dreimal erschlug er die
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Erschlagenen‹–: Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mehr als zweimal mit dem Erschlagen der Erschlagenen zu befassen.« Gould wollte offenbar die Leser der New York Review mit seiner Bildung beeindrukken, doch ihm unterlief eine Selbstparodie. Steven Pinker, Der Sprachinstinkt, München 1996. Interview mit Pinker am 6. August 1997 in Cambridge, Massachusetts. Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 34. Ebenda, S. 577. Ebenda, S. 485. Ebenda, S. 644. Ebenda, S. 597. Ebenda, S. 54. Ebenda, S. 663. Ebenda, S. 688 f. Ebenda, S. 673. Jennifer Egan, »The Thin Red Line«, in: New York Times Magazine, 27. Juli 1997. Ich sprach 1995 mit Noam Chomsky telefonisch über die Evolutionspsychologie. Chomsky erörterte die Evolutionstheorie und menschliches Verhalten in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996. Vgl. den Abschnitt über Chomsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 241-248. Vgl. »›Sociobiology‹ to History's Dustbin?«, in: Science, 19. Juli 1996, S.315. Randolph Nesse von der Universität von Michigan, einer der Begründer der HBES, sagte mir 1995 auch, er und die anderen Mitbegründer hätten den Begriff Soziobiologie wegen seiner negativen Konnotationen bewußt verworfen. Cosmides und Tooby legten die Unterschiede zwischen der Evolutionsbiologie und der Soziobiologie in einem Fax dar, das sie mir 1995 schickten. Vgl. den Abschnitt »Why I Am Not a Sociobiologist«, in David Buss, »Evolutionary Psychology: A New Paradigm for Psychological Science«, in: Psychological Inquiry 1995, S. 1-30. Telefonisches Interview mit Richard Alexander 1995. Vgl. George Williams, Adaptation and Natural Selection: A Critique of Some Current Evolutionary Thought, Princeton 1996. In jüngster Zeit haben mehrere Evolutionstheoretiker versucht, das Modell der Gruppenselektion mit neuem Leben zu erfüllen; vgl. Elliott Sober und David Sloan Wilson, Unot Others, Cambridge 1998. Vgl. William Hamilton, »The Evolution of Altruistic Behavior«, in: American Naturalist 97,1963, S. 354-356. Zitiert nach Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 494.
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28 Robert Trivers, »The Evolution of Reciprocal Altruism«, in: Quarterly Review of Biology 46,1971, S. 35-57. 29 H. Allen Orr, »The Softer Side of Sociobiology«, in: Boston Review of Books Oktober/November 1997, S. 44. 30 Leda Cosmides, »The Logic of Social Exchange: Has Natural Selection Shaped How Humans Reason?«, in: Cognition 31,1989, S. 187-276. 31 Ich interviewte James Fetzer auf der Konferenz der HBES 1995 in Santa Barbara. 32 Steven Mithen faßte seine Einwände gegen die Evolutionspsychologie in einem Vortrag auf der HBES-Konferenz zusammen. In seinem Buch The Prehistory of Mind, London 1996, entwickelte er diese Ideen weiter. Eine weitere Kritik an der Evolutionspsychologie haben Peggy La Cerra und Roger Bingham, »The Adaptive Nature of the Human Neurocognitive Architecture«, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 95,1998, S. 11290-11294. 33 David Buss, Die Evolution des Begehrens, Hamburg 1994. Meine Kritik an Buss' Annahmen über die weibliche und männliche Sexualität basiert auf Kommentaren, die die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der Universität von Kalifornien im Jahr 1995 mir gegenüber machte. 34 Vgl. Martin Daly und Margot Wilson, Homicide, New York 1988, sowie dies., »Evolutionary Social Psychology and Family Homicide«, in: Science, 28. Oktober 1988, S. 519-524. 35 Vgl. »Evolutionists Take the Long View on Sex and Violence«, in: Science, 20. August 1993, S. 987. 36 Ich interviewte Wilson und Daly 1995 mehrmals telefonisch. 37 Vgl. »Tales Twice, Indeed Thrice«, in: New York Times, 6. Dezember 1997, S. B 9. 38 Steven Pinker, »Why They Kill Their Newborns«, in: New York Times Magazine, 2. November 1997, S. 52-54. 39 In: New York Times Magazine, 23. November 1997. 40 Unveröffentlichtes Manuskript, »Evolutionary Adaptationism: Another Biological Approach to Criminal and Antisocial Behavior«, das Martin Daly mir 1996 zuschickte. 41 Eine Gegenüberstellung von Evolutionspsychologie und Verhaltensgenetik entwickeln die Kommentare von David Lykken, einem Verhaltensgenetiker von der Universität von Minnesota, auf der Web-site von Edge: www.edge.org. Lykken kritisierte, daß die Evolutionspsychologen den »merkwürdigen Fehler« begingen, »einfach zu unterstellen, daß die gesamte genetische Vielfalt, die es der natürlichen Selektion erlaubte, das menschliche Gehirn hervorzubringen, mittlerweile erschöpft sei und daß psychische Unterschiede zwischen den Individuen, wie wir sie heute beobachten, ausschließlich umweltbedingt seien [...] Anders gesagt,
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alle menschlichen Säuglinge sollen heute, anders als in der Altsteinzeit, Gehirne besitzen, die, ähnlich wie nagelneue Mac-Computer, darauf warten, programmiert zu werden. Dies ist aus evolutionsbiologischen Gründen extrem unwahrscheinlich. Wenn es eine enorme genetisch bedingte Vielfalt in der Psychologie der Haustiere gibt, wie Darwin selbst bemerkte, aber auch im Körperbau und in der Physiologie des Menschen, wie jedes Kind sehen kann, stellt sich die Frage, wieso das menschliche Gehirn die einzige Ausnahme sein soll.« Randolph Nesse und George Williams, Warum wir krank werden. Die Antworten der Evolutionsmedizin, München 1997, S. 260. Anthony Stevens und John Price, Evolutionary Psychiatry: A New Beginning, London 1996. Steven Rose, »Darwin on the Brain«, in: Nature, 3. April 1997, S. 454f. Napoleon Chagnon, »Life Histories, Blood Revenge, and Warfare in a Tribal Population«, in: Science, 26. Februar 1988, S. 985-992. Vgl. sein klassisches Werk Yanomamo: The Fierce People, New York 1968. Chag-non und ich sprachen 1995 in einem telefonischen Interview über die Ähnlichkeit zwischen seinen Auffassungen und denen Stephen Jay Goulds. Frank Sulloway, Der Rebell der Familie, New York 1996. Ich hörte Sulloway seine Theorie über die Bedeutung der Position in der Geschwisterfolge erstmals am 30. Juni 1995 auf der HBES-Konferenz in Santa Barbara vortragen. Zu den positiven Besprechungen von Der Rebell der Familie gehörten Robert Boynton, »The Birth of an Idea«, in: New Yorker, j. Oktober 1996, S. 72, und Geoffrey Cowley, »First Born, Later Born«, in: Newsweek, 7. Oktober 1996, S. 68-74. Kritische Rezensionen schrieben unter anderem John Modell, »Family Niche and Intellectual Bent«, in: Science, 31. Januar 1997, S. 624 f., und Alan Wolfe, »Birth Order, Schmirth Order«, in: New Republic, 23. Dezember 1996, S.29-35. Sulloway behauptete in einem Interview auf der Web-site »Edge« (www.edge.org.), Gould habe sich in dem Fernsehprogramm Nightline positiv zu der Hypothese, daß sich die Position in der Geburtsfolge auf Persönlichkeitszüge auswirke, geäußert. Cecile Ernst und Jules Angst, Birth Order: Its Influence on Personality, Berlin 1983. Das Zitat von Ernst und Angst findet sich in einem Kommentar von Judith Harris auf der Web-site »Edge«, www.edge.org. Judith Harris, The Nurture Assumption, New York 1998, S. 375. Vgl. die Kontroverse zwischen Sulloway und Harris auf »Edge«, www.edge. org. Ich fand die Kritik von Harris an Sulloway überzeugender als die Kernthese ihres Buches, daß die Persönlichkeit von Kindern hauptsächlich
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von ihren Genen und von Gleichaltrigen geformt werde und weniger von ihren Eltern. Interview mit Steven Pinker am 6. August 1997. Frank Sulloway, Freud. Biologe der Seele, Köln 1982. Einen faszinierenden Vergleich zwischen Evolutionspsychologie und Psychoanalyse zieht Robert Wright, Diesseits von Gut und Böse – The moral animal, München 1996, S. 501-522. Der britische Autor Christopher Badcock versuchte (nicht sehr überzeugend), Psychoanalyse und Evolutionstheorie in Oedipus in Evolution, Oxford 1990, miteinander in Einklang zu bringen; eine amüsante Rezension von Badcocks Buch schrieb V. Reynolds, »Translation from the Greek«, in: Nature, 24. Mai 1990, S. 301. Vgl. Robert Trivers, Social Evolution, Reading 1985. George Orwell, Neunzehnhundertvierundachtzig, Frankfurt a.M. u.a. 1976, S. 198. Robert Trivers, »Parent-Offspring Conflict«, in: American Zoologist 14,1974, S. 249-264. Martin Daly und Margot Wilson, »Is Parent-Offspring Conflict SexLinked?«, in: Journal of Personality 58,1990, S. 163-189. David Buss, »The Future of Evolutionary Psychology«, in: Psychological Inquiry 6,1995, S. 86. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997. Daniel Dennett, Darwins gefährliches Erbe, Hamburg 1997, S. 23. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens. Steven Weinberg, Die ersten drei Minuten, München 1992, S. 212. Vgl. William Stevens, »Evolution of Humans May at Last Be Faltering«, in: New York Times, 14. März 1995, S. C 1. Vgl. Christopher Mills, Children of Prometheus, Reading 1998. Zitiert nach Martin Gardner, »Computers Near the Threshold?«, in: Journal of Conscious Studies 3, i, 1996, S. 89-94. Der Aufsatz wurde in Gardners Buch The Night Is Large, New York 1996, nachgedruckt. Darin äußerte der bekannte Wissenschaftsjournalist Gardner seine Zweifel, ob die Künstliche Intelligenz jemals Maschinen mit echtem Bewußtsein und echter Intelligenz hervorbringen könne. Als ich Gardner im Januar 1999 anrief, um mir diese Aussage bestätigen zu lassen, sagte er mir, er betrachte sich selbst als einen »Mysteriker«, also als jemanden, der glaube, daß Willensfreiheit, Bewußtsein und andere Aspekte des Geistes Geheimnisse seien, die sich wissenschaftlich nicht ergründen ließen. Der Standpunkt eines solchen »Mysterikers« wird im folgenden Kapitel erörtert. Vgl. meine Interviews mit Marvin Minsky und Hans Moravec in An den Grenzen des Wissens, S. 294-302 und S. 394-399.
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67 Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 13. 68 Ebenda, S. 14. 69 Jerry Fodor, »The Trouble with Psychological Darwinism«, in: London Review of Books, 22. Januar 1998, S. 11-13.

KAPITEL 7: KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 1 Richard Powers, Galatea 2.2, New York 1995, S. 28. Powers' Roman schildert die Bemühungen eines Schriftstellers und Kognitionswissenschaftlers, einen Computer zu bauen, der in der Lage sein soll, Literatur genausogut zu »lesen« wie ein durchschnittlicher Student. 2 Pamela McCorduck, Machines Who Think, San Francisco 1979. Vgl. McCorducks Buch The Fifth Generation, Reading 1983, das sie zusammen mit Edward Feigenbaum geschrieben hat. 3 Frederick Hayes-Roth, »The Machine As Partner of the New Professional«, in: IEEE Spectrum, Juni 1984, S. 28-31. 4 Telefonisches Interview am 22. Januar 1998 mit Hayes-Roth. 5 Ich interviewte Herbert Simon am 25. September 1998 telefonisch. Weitere Informationen in seinen Büchern Die Wissenschaften vom Künstlichen, Berlin 1990, und Modells of My Life, New York 1991. 6 Astro Teller, »Smart Machines, and Why We Fear Them«, in: New York Times, 21. März 1998. 7 Simon sprach am 14. November 1957 bei der Jahrestagung der Operations Research Society of America in Pittsburgh. Der Vortrag basierte auf einem Beitrag, den Simon zusammen mit seinem Kollegen Allen Newell geschrieben hatte: »Heuristic Problem Solving: The Next Advance in Operations Research«, in: Operations Research 6, l, Januar/Februar 1958, S. 1-10. 8 McCorduck, Machines Who Think, S. 188. 9 George Johnson, »The Artist's Angst Is All in Your Head«, in: New York Times Week in Review, 16. November 1997, S. 16. 10 Vgl. meinen Beitrag »The Death of Proof«, in: Scientific American, Oktober 1993, S. 92-103. 11 Mumford äußerte diese Meinung mir gegenüber erstmals im Jahr 1993; im Dezember 1998 teilte er mir per E-mail mit, daß er noch immer zu dieser Aussage stehe. 12 Eine hervorragende Darstellung von Schachcomputern bieten FengHsiung Hsu, Thomas Anatharaman, Murray Campbell und Andreas Nowatzyk, »A Grandmaster Chess Machine«, in: Scientific American, Oktober 1990, S. 44-50. Die Autoren konstruierten Deep Thought, den

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Vorgänger von Deep Blue. 13 Interview mit der Deep-Blue-Forschergruppe im Mai 1996 am Thomas J. Watson Research Center von IBM in Yorktown Heights. 14 Simon, zitiert von Bruce Weber, »A Mean Chess-Playing Computer Tears at the Meaning of Thought«, in: New York Times, 19. Februar 1996, S. A 1. 15 Zu IBMs angeblichem Bestreben, nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht zu werden, vgl. McCorduck, Machines Who Think, S. 159. 16 Für die Hintergrundinformationen über neuronale Netze danke ich Tomaso Poggio, Professor am Fachbereich »Brain Sciences« des MIT und eine Kapazität für neuronale Netze und lernfähige Maschinen. Ich interviewte Poggio am 17. November 1997. 17 Telefonisches Interview mit Hubert Dreyfus am 3. Februar 1998. Eine kritische Haltung zu Dreyfus hat McCorduck, Machines Who Think, S. 180-205. 18 Hubert Dreyfus, What Computers Still Can't Do, Cambridge 1992, S.303. 19 McCorduck, Machines Who Think, S. 200. 20 Dreyfus, What Computers Still Can't Do, S. IX. 21 Ebenda, S. XIV. 22 Ebenda, S. IX. 23 David Stork (Hg.), Hal's Legacy, Cambridge 1997, S. 5. 24 Ebenda, S. 11. 25 Ebenda, S. 49 f. 26 Ebenda, S. 188 f. 27 Ebenda, S. 201 f. 28 Ebenda, S. 371. 29 Ebenda, S. 203. 30 Simson Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, in: Wired, Januar 1997, S. 188. 31 Stork, Hal's Legacy, S. 207. 32 Ebenda, S. 203. 33 Ebenda, S. 206. 34 Paul Wallich, »Silicon Babies«, in: Scientific American, Dezember 1991, S. 134. 35 Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, S. 188. Weitere Informationen über Cyc auf der Web-site, die von Lenats Firma Cycorp unterhalten wird, www.cyc.com. 36 Brooks machte diese Äußerungen, als ich ihn am 17. November 1997 am MIT interviewte. Vgl. das Interview mit Rodney Brooks auf der Web-site »Edge«, www.edge.org.
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Rodney Brooks und Anita Flynn, »Fast, Cheap and Out of Control«, in: Journal of the Interplanetary System 42,1989; »Elephants Don't Play Chess«, in: Robotics and Autonomous Systems 6,1990; »New Approaches to Robotics«, in: Science 253, 1991; »Intelligence Without Representation«, in: Artificial Intelligence 47,1991. Der Philosoph David Rothenberg führte für die von ihm gegründete und herausgegebene Vierteljahresschrift Terra Nova ein fesselndes Interview mit Errol Morris: »Outside the Cage Is the Cage«, in: Terra Nova 3, 2,1998, S. 56-73. Brooks Arbeiten gaben auch den Anstoß zu dem Buch von Kevin Kelly, Out of Control, Reading 1994. Pinker und Bever, zitiert nach John Travis, »Building a Baby Brain in a Robot«, in: Science, 20. Mai 1994, S. 1082. Vgl. Marvin Minsky, Mentopolis, Stuttgart 1990, S. 127. Ich interviewte Minsky 1993 mehrmals persönlich und telefonisch; vgl. das Interview mit Minsky auf der Web-site »Edge«, www.edge.org., und den Abschnitt zu Minsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 294-302. Stephane Zrehen hielt diesen Vortrag im Rahmen des Herbst-Symposions der American Association for Artificial Intelligence im Oktober 1998 in Orlando, Florida, das unter dem Motto stand »Emotional and Intelligent: The Tangled Knot of Cognition«. Sherry Turkle, »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance«, in: Daedalus, Winter 1988, S. 245. Turkle hat bereits in ihrem Buch Die Wunschmaschine. Vom Entstehen der Computerkultur, Reinbek bei Hamburg 1984, Parallelen zwischen der Psychoanalyse und der KI erörtert. Sherry Turkle, Leben im Netz, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 434. McCorduck, Machines Who Think, S. 254. Vgl. Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 407 ff. Dieses Zitat Sutherlands verwendete Francis Crick als Motto für sein Buch Was die Seele wirklich ist. Die naturwissenschaftliche Erforschung des menschlichen Bewußtseins, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 6. KAPITEL 8: DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Die vier Motti stammen der Reihenfolge nach aus folgenden Werken: Daniel Dennett, Philosophie des menschlichen Bewußtseins, Hamburg 1994, S. 531; Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 167; ebenda, S. 167; Günther Stent, The Corning of the Golden Age, Garden City 1969, S. 74. Der Tagungsbericht über die Konferenz zum Thema Bewußtsein, die

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vom 12. bis 17. April 1994 in Tucson stattfand, wurde veröffentlicht unter dem Titel Toward a Science of Consciousness: The FirstTucson Discussions and Debates, hg. von Stuart Hameroff u. a., Cambridge 1996. David Freedman porträtierte Steen Rasmussen in »Playing God«, in: Discover, August 1992, S. 35-45. Vgl. Karl Pribram, Brain and Perception, Hillsdale 1991. Danah Zohar, The Quantum Self, New York 1990. Einen kenntnisreichen Überblick über die Forschungen von Benjamin Libet gibt Tor Norretranders in The User Illusion, New York 1998, S. 216-220 und S. 227-238. Francis Crick und Christof Koch, »Toward a Neurobiological Theory of Consciousness«, in: Seminars in Neurosciences 2,1990, S. 263-275. Francis Crick, Was die Seele wirklich ist, Reinbek bei Hamburg 1997. Vgl. die Diskussion der Hypothesen von Crick und Koch in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 257-265. Walter Freeman präsentierte sein Modell über Chaos und Gehirn in »The Physiology of Perception«, in: Scientific American, Februar 1991, S. 78-85, und in Societies of Brains, Hillsdale 1995.

10 Das Zitat stammt aus Flanagans Beitrag zu Toward a Science of Consciousness. Vgl. Flanagans Bücher The Science of the Mind, 2. Aufl., Cambridge 1991, und Consciousness Reconsidered, Cambridge 1992. 11 Roger Penrose stellte seine quantenmechanische Theorie des Geistes in folgenden Werken vor: Computerdenken, Heidelberg 1991; Schatten des Geistes, Heidelberg 1995, und The Large, the Small and the Human Mind (das auch Beiträge anderer Autoren enthält), New York 1997. Scharfe Kritik an Penroses Erklärungsansatz übten unter anderem Philip Anderson, »Shadows of Doubt«, in: Nature, 17. November 1994, S. 288 f., und Hilary Putnam, »The Best of All Possible Brains«, in: New York Times Book Review, 20. November 1994, S. 7; vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, S. 280-285. 12 Vgl. David Chalmers, »The Puzzle of Conscious Experience«, in: Scientific American, Dezember 1995, S. 80-87 (Der Aufsatz wird von einem Kommentar von Francis Crick und Christof Koch begleitet), und The Conscious Mind, New York 1996. Für eine kritische Rezension von Chalmers Buch vgl. John Searle, »Consciousness and the Philosophers«, in: New York Review of Books, 6. März 1997, S. 43-50. Searle lehrt als Philosoph an der Universität von Kalifornien in Berkeley und ist ein führender Kritiker der starken KI-Hypothese. Am bekanntesten ist vielleicht sein außerordentlich einflußreiches Gedankenexperiment »Chinesisches Zimmer«, das er in »Is The Brain's Mind a Computer Programm?«, in: Scientific American, Januar 1999, S. 26-31, ausführte. (Auf Searles Beitrag
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) Searle verglich einen Computer. hg. S. daß er wirklich Chinesisch versteht? Crick. mit dessen Hilfe er Fragen und Anweisungen auf chinesisch in chinesische Antworten überträgt. Frankfurt a. 183.a. Wie das Denken im Kopf entsteht. Er erörterte das Geist-Körper-Problem.48. was er ebenfalls nicht weiß. 19. 9. Dezember 1998. Frankfurt a. S.. so Searle. die bedeutet »Was ist Ihre Lieblingsfarbe?«. »blau« bedeutet. Ein Handbuch. Weinheim 1996. Sein Handbuch sagt ihm. 82. Vgl. 1997. mit einem Menschen in einem Zimmer. Ebenda.1. Pinker. wie schwer es für einen Computer sei. von Alexander Mitscherlich u. Zitiert nach Louis Menand. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. in: Journal of Consciousness Studies 3. Er empfängt eine ihm unverständliche Folge von chinesischen Buchstaben. 131-165. das alle möglichen Fragen. ebd. 124. Was die Seele wirklich ist. wäre nahezu unendlich lang. 197. Meines Erachtens hat Searle die starke KI-Annahme damit jedoch keineswegs widerlegt. die. in: Nature.407 . ohne ihre Bedeutung zu verstehen. S. aber ein Handbuch besitzt. M. S. der kein Chinesisch versteht. 32-37. verwendeten Computer Symbole. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. M. um die Personen außerhalb des Raumes davon zu überzeugen. 1982.13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 folgte eine gewundene Widerlegung der Philosophen Paul und Patricia Churchland. 51. »Could a Machine Think?«. S. der einen Turing-Test absolviert. Daniel Dennett. In derselben Weise. S.Christof Koch. Telefonisches Interview mit Noam Chomsky im Jahr 1995. S. »Hard-HeadedDualism«. 390 f. Vielmehr hat er lediglich daraufhingewiesen. William James. S. Wie soll der Mensch auf alle eingehenden Fragen schnell genug antworten. 327. Vgl. Weils Beitrag in Toward a Science of Consciousness. daß er diese Symbole mit einer anderen Folge von Symbolen beantworten solle. . S. Ebenda. in: New York Review of Books. S. die kognitiven Grenzen der Wissenschaft. S. »Das Unbehagen in der Kultur«. Ebenda. in: Studienausgabe. Sigmund Freud. 17. 695 f. Interview mit Colin McGinn im August 1994 in New York City. den Turing-Test zu bestehen. Mai 1996.. S. Ebenda. Bd. wie wir es täten. sowie alle plausibel klingenden Antworten auf jede Frage auflisten könnte. 204. daher könnten Computer nicht in dem Sinne »denken«.S. 4-6. lösbare versus unlösbare Probleme und ähnliche Ideen in Probleme sprachlichen Wissens. die auf chinesisch geäußert werden können. »Facing Backwards on the Problem of Consciousness«.

in: Behavioral and Brain Sciences 10. Theologie und andere Geisteswissenschaften .1987. S. S. »Physics and Spirituality: The Next Grand Unification?«. Weitere Publikationen von Josephson sind »Skepticism and Psi: A Personal View«. Reinbek bei Hamburg 1997. S. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. einen Begriff.27 Ebenda. in: ders. 17. Leben und Werk des genialen Physikers. alle Zweige des Wissens . stieß ich auf ein Buch. 15-19.. 583. das Ziel der Aufklärung. 29 Brian Josephson. 183..1987. 33 Vgl. Als ich das Manuskript dieses Buches bereits weitgehend abgeschlossen hatte.zu einem widerspruchsfreien System zu vereinheitlichen.408 . November 1997 an der HarvardUniversität. das meine Sicht der Wissenschaft im allgemeinen und der Disziplinen. 393. S. 4. 15. 45. Toward a Science of Consciousness. Richard Feynman. S. 472. 1 2 3 4 5 6 7 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES GEISTES Max Planck. Philip Anderson. 15. Francis Crick. »More Is Different«. August 1972. Interview mit Howard Gardner am 19. »Wissenschaft und Glaube« (1930). in: Physics Today. Vorträge und Erinnerungen. Wilson definierte »Konziliation«. Dezember 1996. München 1993. Juli 1992. Geschichtswissenschaft. S. und »Consciously Avoiding the X-factor«. S. im besonderen in Frage stellte. S. in: Physics Education 22. Darmstadt 1970. »Has Psychokinesis Met Science's Measure?«. in: Nature. 28 Vgl. James Gleick. in: Physics World. 247. April 1993. S. »Religion in the Genes«. Er erklärte. sondern auch Philosophie. Interview mit Eric Kandel am 15. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. In Die Einheit des Wissens (Berlin 1998) kehrte der Evolutionsbiologe Edward Wilson von der Harvard-Universität zu einem Thema zurück. den Beitrag von Josephson u. 30 Brian Josephson. es sei an der Zeit.also nicht nur die Naturwissenschaften. S. April 1994 in Tucson. das er bereits über zwanzig Jahre früher in Sociobiology (Cambridge 1975) angeschnitten hatte. 32 Ich interviewte David Bohm im August 1992. 31 Interview mit Josephson am 14. in: Science. den er von dem im neunzehnten Jahrhundert lebenden Philosophen William Whewell . Menand.a. Was die Seele wirklich ist. 594. Dezember 1997 am New York Psychiatric Institute.4.

daß die große Synthese sehr bald kommt. die Frage zu stellen. stellt sich die Frage. daß wir durch Selbsterkenntnis dazu veranlaßt würden. 31 f. wie so manche behauptet haben. 15). Doch angesichts der erbitterten Kontroversen zwischen so nahe verwandten Disziplinen wie der Soziobiologie und der Evolutionspsychologie stellt sich die Frage.) Doch Wilson beantwortete die von ihm aufgeworfenen Fragen nicht.der Erhaltung der Natur . um so fragiler werden wir uns und unsere Umwelt gestalten. um so ärmer wird unsere Spezies fürderhin sein. 398) Es ist nicht zu ersehen.durch die Entdeckung und Anerkennung einer einheitlichen Theorie aller . ob der ursprüngliche Geist der Aufklärung (Zuversicht. welchen Nutzen haben wir davon? Wilson scheute sich nicht zu erklären: »Es lohnt sich . wie groß die Aussichten auf eine Vereinheitlichung etwa von Elementarteilchenphysik und Literaturwissenschaft sind. wie man diesem achtbaren Ziel . obgleich das Wissen über unseren Geist fragmentarisch bleibe. wird dies zweifellos über jene Disziplinen erfolgen. aber ebenso. Seine große Hoffnung schien darin zu bestehen. Eingedenk dieser Tatsache führte Wilson eine Bestandsaufnahme der Verhaltensgenetik.übernahm. ob er zurückerobert werden sollte. daß. die Einzelteile doch eines Tages zu einer kohärenten Theorie zusammengefaßt würden.« (S. Augen auf den Horizont gerichtet) zurückerobert werden kann. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. daß sie mit quälender Langsamkeit noch Jahrzehnte auf sich warten läßt. eine allgemeine Erklärungsgrundlage zu schaffen«(S. daß Jahrzehnte die pessimistische Schätzung ist. Optimismus. Anders gesagt. wenn bereits über den ersten Aufklärungskonzepten der Todesengel schwebte. Mindestens ebenso lohnend aber ist die logische Gegenfrage. Er kam zu dem Schluß. 147) Man beachte.409 . Wenn die Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften vereinigt werden können. »Es wäre möglich. daß die von Wilson ins Auge gefaßte Vereinigung möglich sei. ob dies auch wünschenswert ist. der Evolutionspsychologie. Selbst wenn wir einstweilen annehmen. als »buchstäblichen ›Zusammensprung‹ des Wissens durch die interdisziplinäre Verkettung von Fakten und den darauf basierenden Theorien mit dem Zweck. Könnte es sein. daß gerade der aufklärerische Idealismus zu jenem Terror beigetragen hat. welcher den furchtbaren Alptraum des totalitären Staates ankündigte?« (S. Je mehr Leben wir von dieser Erde verbannen. Wilsons Vorschlag warf zwei Fragen auf: erstens diejenige. eine für ihn besonders vordringliche Erkenntnis anzunehmen: »Je mehr wir uns von Ersatzmechanismen zum Erhalt unseres Lebens und unserer Biosphäre abhängig machen.«(S. ob das Vorhaben machbar ist.vor allem im gegenwärtigen Winter unserer kulturellen Unzufriedenheit -. der Künstlichen Intelligenz und der Neurowissenschaft durch.

« Vgl. Die Debatte ging im Maiheft mit einem Brief zu Ende. S. ja deterministischen Sicht der menschlichen Natur verknüpft.8 9 10 11 12 Wissenschaften auf der Basis von Evolutionsbiologie. machen sich seine Vorstellungen vom Umweltschutz bereitwillig zu eigen. 249. als ich ihn 1994 interviewte. Ich sprach im Herbst 1997 kurz telefonisch mit Sacks. Elliot Valenstein. Wilson hatte dieses Dilemma dadurch gelöst. In dem Artikel wird berichtet. An den Grenzen des Wissens. New York 1986. Das Für und Wider der Fusionsenergie wurde in der Rubrik »Leserbriefe« von Physics Today im März und Mai 1997 kontrovers diskutiert. sondern niemals. James Krumhansl und Chauncey Starr. sie bedeute vielleicht auch das Ende der Biologie. die sich seiner reduktionistischen Sicht des Menschen anschließen. jener Disziplin. Sie erklärten: »Im Fall der Kernspaltung ermöglichte eine Reihe außergewöhnlich glücklicher technischer Umstände die heutige Kernkraftindustrie.410 . Viele Personen. die. der Geist könne niemals vollständig verstanden werden. »Cancer Undefeated«. die sein Leben mit Sinn erfüllt habe. fällt die Zunahme noch viel alarmierender aus. S. nicht mit Wilson übereinstimmen. Er befürchtete. 444 f. eine solche Theorie untergrabe »unser aufgeblasenes Selbstbild und unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum in der Zukunft«. der gemeinsam von drei herausragenden Fusionsforschern verfaßt wurde: William Parkins. dessen Erkundung nie an ein Ende kommen würde. Zitiert nach Richard Webster.« Nicht in Jahrzehnten. Why Freud Was Wrong. 231-241). Trotz seiner antireduktionistischen Sympathien hat Sacks immer wieder seine Bewun. in: New England Journal of Medicine. In der Tat schadet Wilson der Sache des Umweltschutzes vielleicht sogar. New York 1995. was die Realisierbarkeit und Erwünschtheit einer solchen Theorie anbelangt. zu glauben. daß eine endgültige Theorie der menschlichen Natur womöglich weder wünschenswert noch realisierbar sei (vgl. die altersbereinigte Krebssterblichkeit in den Vereinigten Staaten habe seit 1970 um sechs Prozent und seit 1950 um mehr als acht Prozent zugenommen. 29. die Wechselwirkung zwischen Natur und Umwelt. Im Fall der Kernfusion scheint eine Reihe sehr unglücklicher Randbedingungen die künftige Energiegewinnung auf der Basis des Fusionsprinzips zu verhindern. John Bailar und Heather Gornik. indem er sie so vehement mit seiner reduktionistischen. mein Buch. Mai 1997. seine Umweltschutzethik zu weit. S. Werden die Sterblichkeitsziffern nicht altersbereinigt. Umgekehrt geht vielen. Genen und Kultur stellten »einen riesigen unerschlossenen Bereich der Wissenschaft und der menschlichen Geschichte [dar]. Ironischerweise schien Wilson. Genetik und Neurowissenschaft näher kommen könnte. 1569-1574. Great and Desperate Cures. S. daß er das Postulat aufstellte.

der seine Frau mit einem Hut verwechselte.. Aldous Huxley. Kalifornien. Ders. vertreten wird. in den fünfziger Jahren. Oliver Sacks. II. die von dem Nobelpreisträger Gerald Edelman. zu Edelman mein Buch An den Grenzen des Wissens.13 14 15 16 17 derung für eine umstrittene Theorie der Kognition. Tractatus logico-philosophicus. Berkeley 1988. seine beiden Autobiographien The Center of the Cyclone. Frankfurt a. New York 1990. S. und The Scientist. Aufl. 84. Ein Anthropologe auf dem Mars. Huxley schrieb die beiden Essays. 266-278. dem Direktor des Neurosciences Institute in La Jolla. S. aus denen das Buch besteht. Der Mann. 16. M. 84.411 . S. Ludwig Wittgenstein. S. 7. 1990. Reinbek bei Hamburg 1997. The Doors of Perception and Heaven and Hell. . New York 1973. Reinbek bei Hamburg 1990. zum Ausdruck gebracht.. Vgl. Zu John Lilly vgl. S.

Reinbek bei Hamburg 1997. William. Heidelberg 1991. München 1997. München 1997. Dean. Fühlen. Peter. München 1995. Dreyfus. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. München 1997. Mentopolis. Wie wir sterben. Francis. John. und George Williams. München 1992. Daniel. Die Antworten der Evolutionsmedizin. Wie unser Verhalten von unseren Genen bestimmt ist. Der unheimliche Erfolg der Glückspille Fluctin. Dem Denken auf der Spur. Steven. Frankfurt a. Glück auf Rezept. Clifford. Der Anthropologe als Schriftsteller. Hamburg 1997. Ein Ende in Würde?. Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins. Darwins Gefährliches Erbe. Edelman. Gardner. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins. Damasio. An den Grenzen des Wissens. München 1994. Hamburg 1994. Probleme sprachlichen Wissens. Roger. Marvin. Das unausweichliche Erbe. Minsky. Daniel. Penrose. München 1998. Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen. Stuttgart 1994. Noam. Pinker./Leipzig 1997Kramer. Sherwin. James. . Cambridge 1992. M. Dennett. Nuland. Hamer. 1993. Gardner. Gerald. Hubert.412 . Was die Seele wirklich ist. München 1995. München 1991. Nesse. Göttliche Luft. Dennett. Wie Emotionen entstehen. Howard. Hamburg 1994. LeDoux. Joseph. Der Weg der Kognitionswissenschaft. Wie der Geist im Gehirn entsteht. Warum wir krank werden. Die Debatte um Künstliche Intelligenz. Mayr. Penrose. Geheimnisse der Partnerwahl. Howard. Antonio.Literaturhinweise Buss. Descartes' Irrtum. Bern/München/Wien 1998. Abschied vom IQ. Denken und das menschliche Gehirn. Geertz. David. M. Bewußtsein und die Gesetze der Physik. Stuttgart 1991. Die Evolution des Begehrens. Randolph. und Peter Copeland. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Computerdenken. Frankfurt a. Schatten des Geistes. Crick. Horgan. Der Sprachinstinkt. Heidelberg 1995. vernichtendes Feuer. Eine neue Philosophie der Biologie. Roger. Stuttgart 1989. Ernst. What Computers Still Can't Do. Chomsky. Die künstlichen Wilden. Das Netz der Gefühle. Weinheim 1996.

Köln 1982. Sulloway. Wright. Herbert. Wie das Denken im Kopf entsteht. Wilson. Oliver. The Moral Animal.. Sherry. München 1998. Das geklonte Paradies. Geschwisterrivalität. Die Einheit des Wissens. Frankfurt a. Edward. Reinbek bei Hamburg 1999. Sacks. Sulloway. Sacks. Künstliche Zeugung und Lebensdesign im neuen Jahrtausend. Reinbek bei Hamburg 1997. Berlin 1990. Jenseits der psychoanalytischen Legende. M. .. Sociobiology.Pinker. Sherry. Die Wunschmaschine. Frank. Leben im Netz. Frank. 1980. Die Wissenschaften vom Künstlichen. Lee. Die biologischen Grundlagen unserer Ethik. Edward O. der seine Frau mit einem Hut verwechselte.. Steven. Cambridge 1975. Der Rebell der Familie. Edward O. München 1998.413 . Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Diesseits von Gut und Böse. Biologie als Schicksal. Berlin 1999. Shorter. Ein Anthropologe auf dem Mars. kreatives Denken und Geschichte. Edward O. Oliver. München 1996. Robert. Freud. Reinbek bei Hamburg 1990. Vom Entstehen der Computerkultur. Silver. Geschichte der Psychiatrie. Turkle. Der Mann. Biologe der Seele. Berlin 1998. Reinbek bei Hamburg 1984. Berlin 1999. Simon. Turkle. Identität in Zeiten des Internet. Wilson. Wilson.

Eric Kramer. für ihre persönliche und fachliche Unterstützung. . die mir durch ihre Kritik an diesem Buch wichtige Anregungen gegeben haben. und für alle Fehler trage ich die alleinige Verantwortung.]ohn Brockman. Jerome Kagan. und meinem Agenten. Robert Plomin. Phil Ross. Ich danke auch meinem Lektor. Judith Harris. Stephen Morrow.414 . Hubert Dreyfus. Walter Brown. Karen Wright und Robert Wright. Gary Stix. David Rothenberg. die mich so gut kennt.Danksagung Ich danke allen. Selbstverständlich stehen sie nicht unbedingt hinter den Aussagen des Buches. Mindy Kornhaber. Robyn Dawes. Roger Greenberg. Ellen Shell. Fred Guterl. Christof Koch. Dazu gehören Chris Bremser. Und ein besonderes Dankeschön an Suzie.

198.118 f.339 Anderson..110. Panikstörungen Angst. Beardsley. 117. 369 Altruismus 254-256 Alzheimer-Krankheit 32. Furcht. Fluctin. Philip 358 Anderson. in. French 229 Angst 16. 338 alternative Medizin 128. siehe auch Psychopharmaka.105.169.135. Barkow..276. 238. 70.. Jules 269 f. Aristoteles 31 Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom 44.293. Antidepressiva 59. 311. 295-304. Henry 127 Begriffe. 31 f. 366 Annual Review of Psychologie 6l Anonyme Alkoholiker 171 f. Geburtenfolge 269 f. Robert 128 AIDS 16.. 264 f. 72.135.217. SSRIs. kulturell geprägte 105 Behaviorismus 52. Allen.Register Ader. 313 Berlin. 365 Bachrach. 50 f.. Anna o.16.134. 369 Autismus 80.146 f.186 f. Thomas 308 Bewußtsein 14.107.180. Jerome 240 mit Cosmides und Tooby: Adapted Mind 240f. 189-191. 171 American Scientist 61 anale Persönlichkeit 85-87 Anästhetika 153.196. 70 Archives of General Psychiatry 122.133 f.198. American Psychological Association 73-75. 74. 152.179f.198. siehe auch Angstneurose. David 167 Aphasie 55. 184 f. 339. Isaiah 363 f.415 .368f.129. 230. 368-370 bewußtseinsverändernde Drogen 349f. 346. tricyclische Antidepressiva Antonuccio. Monoaminoxodasehemmer. 214 f. Bever. Timothy 47 f. 161-164.171 American Psychologist 61.134.316-356. 42.192. Woody 147 Alltagsverstand 278. 291. Anthropologie 11.132.. 317. American Psychoanalytic Association 77.104. Angstneurose 52 f.107. 322.183. Henry 119 f. 116. Beecher. 363 American Association for the Advancement of Science 120 American Journal of Psychiatrie 66 American Psychiatric Association 99. 215 Außerirdische 89. 325. 198. 349. 363 Alexander Richard 254 Alkoholismus 16.115.158-173. 298. 312. W. 329‹ 334. . 250. 114. 76.

320.. 34. 220f. 220f. Harold 102 The Western Canon 102 Blum. 257.357 Cavett. Martin 258 f. 52. 105. 250. 227 Science of Desire 216 Cosmides. 314 Brown. Kenneth 214 f. 327f. Frank 76 Cog 307 f. Judith 94 f. 276-318. 339. 314-316 Commander Data 17. 60.108. 207. Meinungsumfrage 170f. 251.125 f.48. John 156 Cameron. Peter 190 Talking Back to Prozac 190 Toxic Psychiatry 190 Brody. Roger 138-143 Cioffi. 83 Blickfeld 36 f. 345. 339. 346 Bloom. Floyd 62 Bloom. 150 Unauthorized Freud 76 Crick. 34^357 Cronk. 341 f. Liv 212 Bohm. 254. 98. 341.. 336. 236f. 274. Francis 14. Noam 73.. 272 und Wilson: Homicide 259 Darwin.102.15. Die Evolution des Begehrens 237 Butler. Rodney 304-310.. 254.348. 305 Computer 14f. David 237. Leda 240-245. 39.. Lee 238 Current Opinion 75 Cyc 300-304 Dalai Lama 248 Daly. 247 f.. Jane 132-134 Brooks..107 f... Butler. 360 Davenport.. 256. 63. 81. Thomas 202-206 Breggin. Chalmers. 341 Chlorpromazin 59..359 Probleme sprachlichen Wissens 73. 256..156 f.. 334f.34. Napoleon 264 f. Blindsichtigkeit 325. 333 f. 271.416 . Peter und Hamer: Das unausweichliche Erbe 215. Frederick 87-96. Crews. 261. 276. 38 f. 168. Copeland. Jimmy 247 Consumer Reports. 41. Charles 200 Dawes.103. 251. 200.bildgebende Verfahren 31 f. 338. 217.. Murray 290 Carroll. 246. Cyril 217 Bush. Lewis 357 Alice im Wunderland 122 f. 298. David 336 f. Samuel 276 Erewhon 276 Cade. Robyn 135-137 . 357 Was die Seele wirklich ist 327. Walter 178-180 Burt. Chorea Huntington 195. 272 f.100. 264. 175-177 Chomsky. 268. 263. 233 f. siehe auch Künstliche Intelligenz Connors. Dick 246 Cerletti. Vannevar 367 Science: The Endless Frontier 367 Buss.. 131 f. Ugo 153 Chagnon. Bode.102.. 43. 250-252. Charles 13. 266 mit Tooby und Barkow: Adapted Mind 240f.. Ewen 152 Campbell.. David 355 Bouchard. 227 Christenfeld..

Susan 205 Fast. 237.. 361 Einstein. 88f. 310 What Computer Can't Do 294-297 Drogenmißbrauch 181. 78. 233-278. Evolutionsbiologie 12 f. Erik 110. 351 Eli Lilly 148. 333 Deep Thought 333 Dennett. 21.198. 100 f. 99. 301 f.48-53. Eysenck. 27. 98 Göttliche Luft.. Geburtenfolge 269 f. Gerald 14. 317 erlebnisorientierte Therapie 111 Ernst. Clint 347 Ebers.121 f. 148 f.324 Jugend und Krise 110 erinnerungsaufdeckende Therapie 27. 270. Rene 340 Devlin.149f. 204. 346 Evolutionspsychologie 19. Eastwood. Hans 102. Hubert 293-298. George 216 f.. 22. 225. 365 f. 133 f. Daniel 33. Irene 169 Emotion 14.181. 200f. Edward 80 Madness on the Couch 80 Donahue 160. 153. 59. 42. 172-175 Dreyfus. 362 Erikson. 41..177 ELIZA 315 f. 63. 80. 234. 93. Cheap and Out of Control 307 Feinschmeckersyndrom 55 .165..137 Dawkins.. 206. 72. Edelman.320.175.. 27. 247. 52. 117. 345-347 Darwins Gefährliches Erbe 274 Depression 14. Dodo-Hypothese 123 f.111. Bernie 218 Dignostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) 115 f.152.194. 296. 274 Deep Blue 289-291.. 351 Erbanlage und Umwelt 14. 96.. 76. 85.113 f. 215 Eagle. 235.. 317 Expertensysteme 279-283 extrapyramidale Nebenwirkungen 176 f. 171 Dolnick. 83. 134. 31. Richard 246. 210. 31.152-155. 251. 223.. 100.158 f. 189-192. 276 Evolution and Human Behavior 253 f. Descartes. 269.196 Dopamin 44. 57. 219.. 212. 274. Cecile 269 f. Ethology and Soziobiology 253 Eugenik 19. Falscherinnerung siehe erinnerungsaufdeckende Therapie Farber. 200.167. 261 f.198.114 f.16.. Elkin.. 67. 59!". 25. 230 f.16. 179-185. 163 f. 124 Fallgeschichten 104.. 304. 61..159-161. 340 Epilepsie 55.53. 21. 51 f.47. 1291. 230. 214 Doppelblindstudie 117... 332..417 . vernichtendes Feuer 63 Effexor 148 Einheitliche Theorie des menschlichen Bewußtseins 33. 204 Erklärungslücke 31.143.161. 183-191 Elektrotherapie 150. Morris 73 f. 24.131. Albert 52.. 335 Elektroschocktherapie 18 f. 202 f.House of Cards 135. 360 Elektroenzephalograph 324. 326.

99. Walter (Junior) 329f. Gattaca 226 f..112.144.130. Gerald 32f. 181 Persuasion and Healing 130.148. Panikstörungen Gage. Claude 260 Einfluß 20 Fisher. Jerry 277 f. Luigi 22 Gardner. 339. liche Analyse 108 172-178 Entwurf einer Psychologie 70 Limits of Biological Treatments Selbstdarstellung 79 for Psychological Distress 172 Traumdeutung 75. James 221-224 Flynn-Effekt 221-224 Fodor. 322.177-179 102-108 und Greenberg: Freud ScientiDie endliche und die unendfically Reappraised 84 f. 349.126 f. 334 Frank. Feminismus 80. 81. Anna 80 349 Die Zukunft einer Illusion 97 Freudsche Fehlleistung 92.197. Karl 39 Frontaler Kortex 41 Furcht 49f. 340... 211 f. literarisches Schaffen 98. 58. Howard 104-108. 366 Gagesche Neurowissenschaft 53-58. Fetzer. James 257 121. 68 Ausstellung über 76 Fischer.117f. Edward 288 Freeman. Feynman.. Food and Drug Administration (FDA)159f.. Francis 22.150. 359. Flynn. 300 analyse Fischbach. The 106 f.111.158-167.. Erinnerungsvermögen .. 21. Freeman. 95 Friston... 272 Gedächtnis. 194. 52. Michael 56 The Social Brain 56 Geburtenfolge 266-270. 366. Franz Joseph 22. Sigmund 16. 52.. 200 Galvani.182. 365 Extraordinary Minds 104 Frames of Mind 104 Mind's New Science. Foucault. 44. 30. 162 f.. 36. 69. Walter (Senior) 155. 29. 54 Galton. 59.108. 98 f. siehe auch Psycho243. Owen 330f. 343 The Science of the Mind 343 Fliess. Fevarin 160 157f. Das Unbehagen in der Kultur 177 Flanagan. Richard 360 268. 244 62-109. Gall. 82 From Placebo to Panacea 172.146. 282. 366f. 311 f. 271 Fluctin 18f.. siehe auch Angst. 171. 181 Fredkin. Jerome 129f. 20-22.. 360. 298. 210. 329 Freud.113f. 280. 365 Gaia-Hypothese 275 Galen 22. 351. Julia 130 Frank. Cynthia 308 Freud. finanzielle Förderung 25 f. Michel 366 Fraktale 310.138.418 . 271. 25.130.193. Seymour 84-87. 204.. 98. Gazzaniga. Wilhelm 70. Phineas 53 f..Fell. 172-174.

Paul 103 Greenberg. 226-229 Gesprächstherapie 120 Gesundheitsfürsorge 73. Murray 15.345. Thomas no I'm Okay -You're Okay no Hawking.104.17. S 255 Hamer. Judith 270 The Nurture Assumption 270 Harris. 226. 357 Gleick. Herbert 287.194-197.. 36-38. siehe auch Kinder. Roger 84-86. Susan 62 Gruppenselektion 255. 344-347. Frederick 280-283 Hebb. 334 Hamilton. 26.325. 64..361 genetische Algorithmen 309 Gentest 18. Gene 134 f. 31 f. Gentherapie. Gentechnologie 17. 98. 264 f. 228f. 274 Gray. James 360 Richard Feynman.197 f. Walter 197 Glass. Irving 215 Gould. 265.. Richard 219-221. Patricia 41-44. 258-261. Frederick 174 Goodwin. 269.132. 91. 248. Kriminalität. Stephen 332 Eine kurze Geschichte der Zeit 332 Hayes-Roth.172. 365 Gehirnwäsche 98.. 66.293. 172-174. Martin 294 Heilfieberbehandlung 151 Heisenbergsche Unschärferelation 331 Herrnstein. Donald 65 Heidegger. Dean 215-217.227 Hameroff. Lehen und Werk eines genialen Physikers 360 Gödel.107. Clifford n. 177 Greenfield. 208. 262 . 199. sexueller Mißbrauch Gilbert. 211. 362. B. William 255 Harris. 83. 227 und Copeland: Science of Desire 216 Das unausweichliche Erbe 215.19. 46f. 68 Golgi Camillo 22 Goodwin. J. 336.112. 214. 147.339. 306 Gell-Mann. 79. 85. Stephen Jay 251.217. 178 Limits of Biological Treatments for Psychological Distress 172 From Placebo to Panacea 172. Stuart 322. 224 und Murray: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. Glaube an die Wissenschaft 23. 209. siehe auch Bewußtsein Gelernter. 45-47. Kindestötung.419 .323. 275 HAL 277. Krieg. 305 Haldane. 98 f.330. Kurt 332 Gödelscher Unvollständigkeitssatz 333 Goldman-Rakic.177-179 und Fisher: Freud Scientifically Reappraised 84f.152 Geist-Körper-Problem 16. siehe auch Lernen Geertz.. 298-301. 283.199. James 165 Gottesman.224.. siehe auch Krankenversicherung Gewalttätigkeit 160. 41-43. 253.285.

206. Sarah Blaffer 268 Hubel. 302. 253.105 f. Brain and Vision 40 Hudson River Psychiatrie Center 138-144 Human Behavior and Evolution Society (HBES) 236-243.217-229 vielfache 41. Alltagsverstand. 40. A. 245.Killer. 85. 351 Hyman. L. 157 IQ 18. 224 Johnny Carson Show 206 Johnson & Johnson 177 Johnson. ironische Wissenschaft 17 f. 217-227. siehe auch Volksstämme Jahrzehnt des Gehirns 34 f..116. siehe auch Künstliche Intelli genz. 306. Principles of Psychology 22 Die Vielfalt religiöser Erfahrung 349. Isaacson. 287 Hippokrates 22 Hitler. rassistische 27.. 263 Horgan.343. 367 Houston. Boris 78 Jensen. 46 Eye. 349 f. Carl 110 Jungianische Therapie 18. 289. 89. 264. Brian 352-356 Journal of the American Medical Association 165. 197. 338 f.116 IBM 119. Aldous 167. David 35 f. James. International Psychoanalytic Association 77 interpersonelle Therapie 168. 324 Ingenieurwissenschaft 285. Joseph 290 holographisches Gedächtnismodell 323 Homosexualität 18.420 . 291 Illiac Suite 287 Imipramin 165. 254. 215-217.106f. 351 Jamison..194. 366 f. 257. 275.. 198... 223 f. Intelligenz 17. 280. 220 Intelligenztheorien. Whitney 356 Hrdy. Steven 99-101 Hysterie 75.203. Thomas 319 Hydrotherapie 151. 285. siehe auch Intelligenz Rasse und 121. 219f. 267 Humangenomprojekt 197 f. 245. 162.104f. 87. 198. 95 f. L. 223 f.168-170. siehe auch tricyclische Antidepressiva Informationstheorie 310. Huxley. Adolf 56 Hoane. William 22. 44f. Arthur 110 Der Urschrei 110 Jelzin.. Samuel 319 Josephson.114 . M 287 Jäger und Sammler 238. IQ genetisch bedingte 121. John An den Grenzen des Wissens 12-17.. 287. Lewis 60 Jung. 257. Kay 174 An Unquiet Mind 175 Janov. 121. 368 Schöne neue Welt 167 Huxley. 214 Journal of the American Psychoanalytic Association 119 Judd. 219-221. 28. 295. Insulinkomabehandlung 151 f. 297-302. Arthur 219.170 Inzest 84.

51. 38. 81.170.52.132f. 248.. Gedächtnis.146 f. 88-90. 79. Karasu. D.146.. 68 f. Ken 154 Einer flog über das Kuckucksnest 154.303f.. 167. 274.421 .105-107. 47-49.Kagan. HO... 276-318.297.171. David 299 Kuhn. 218 Kandel. 283. 296. 228. 353 Kuck. Eric 63-70. siehe auch Künstliche Intelligenz kognitive Verhaltenstherapie 18 f. 137. 247. 333 Katastrophentheorie 310 Kernfusion 362 f.69.146. 229-232 Galens Prophecy 231 Kamin. 64f. 362-364 Krieg 16. 244. 81.167. 77 Leibniz. 341. 302 Das Netz der Gefühle 49. 164. 78 f. Imre 297 Lamarck. siehe auch Gewalttätigkeit Krischnamurti. Erziehung. 291.190. Essentials of Neural Science and Behavior 64 und Schwartz: Principles of Neural Science 64. John 110 Leponex (Clozapin) 177 Lernen 14. 359 f.170.161-164. 21. Thomas 19. Jerome 60. 341.192 Glück auf Rezept 114.183.. Donald 180 Koch. 41. 200. 250. Gary 289. 168-170 Komplexitätstheorie 275. siehe auch Gesundheitsfürsorge Krebs 16. 282 Krieg der Sterne 277 Kriminalität 16.114. 110. siehe auch Unterricht. 238-240. 248. Toksoz 114 Kasparow.368 Kutchins und Kirk: Making Us Crazy 116 Kybernetik 310 Laing. 222 f. Karl 37 LeDoux. 332. 27. 96.182. Ann 249 Lashley. 77. Peter 114. 294. 245. 244. Douglas 299-304 Lenin.120 f.. 356 Künstliche Intelligenz (KI) 16. 338f.160. 311 Koshland. 154 Phänomenologie der Erfahrung 110 Lakatos.309.362. 332.. 21 Kultur 220. 60. 265 f.258-260 Kindestötung 258-261 Kirk und Kutchins: Making Us Crazy 116 Klein.192 Krankenversicherung 76. 321.. Gottfried 319 Leibniz-Preis 288 Lenat.293. Leon 205.. Erinnerungsvermögen . 41.186 Ketamin 369 Kinder 27. Wladimir 77 Lennon. 161 f. R.105. 298. 65. 146.348. 235. Daniel 197 Kramer. 91. 136f. Jean 271 Landers. 335. 338f. 302.. 347 Kognitionswissenschaft 22. 98. 277. 81. 196-198. Christof 327-329. 244. 285 Kesey.. Kernspinresonanztomographie (MRT) 31 f.112. 264-266. 50..116. 257. J.111. 81.. Joseph 48-53.

130.115. 370 . 316 McGinn. 346 Mental Health Parity Act 113. Hanns 212 Lykken. Jacques 63 Moravec. 207. 286-288.. Lester 122-126. Mesmer. 250. Geoffrey 237 Minnesota-Zwillinge 200-206. 288. Lobotomie 19. 181.. Errol 307 motorische Steuerung 54.156f. 253. 279. 274 Libet. Monoaminoxodasehemmer 59. 368 Memory Pharmaceuticals 66 Mendel. Robert 94 Mikrotubili 334 Miller. 195 f.. 186. 365 f. Mithen. 174 f. 262 Musik 53. 198. Janet 118 Psychoanalysis: The Impossible Profession 118 manisch-depressive Erkrankungen 17.59. Pamela 279. 275. 62 f. 31. 104. 321.Levine.1541. 340. John 279 McCorduck. David 288 Murray. 237. Steven 257 Modularitätstheorie 19. 317 Lewontin. David 206 Macmillan Freud Evaluated 76 MacNeil/Lehrer News Hour 216 Magersucht 198 Mailer. Elizabeth 85 LSD 18.. Mumford. 363 Locke. Ernst 18 McCarthy. 286 f. Rodolfo 39f. 369 Luborsky. 293. 349-356.41. 332 f. The Emotion Machine 312 Mitchell.422 .133 f.192. Joseph 31.. 277 Molekularbiologie 13. 260. 102-105.143. Künstliche Intelligenz Mathematik 39. John 250 Loftus. Norman 360 Malcolm. 158 Monod. Colin 347 McGuffin.. 338 Mayr. 212 Mao Tse-tung 243 Marx. 342 Lilly. 227 f. 368. 306. 181 f. Benjamin 324f. 22. 54 f.. 257.131 Lithium 20. Ludwig. 59. Gregor 61. Marvin 276.51. 58. 218 Minsky.. 356 Muskeldystrophie 195. 241. 358 Moniz.149. Literaturtheorie 17. 288. Antonio Caetano 154 f.. 56 Mukoviszidose 195. 224 und Herrnstein: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. Karl 16 Maschinen siehe Computer. 34.103. 310-312.35. 316 Machines Who Think 279.. Llinas.107. John 369 Literatur 17. 282. Peter 209-211 Meditation 128. 346. 348. 224. 287 Geisteswissenschaft als 73. 157f.138. 354-356. Hans 276 Morris. 248. 248. 23. Franz 30 Michelangelo 360 Michels... Richard 251.147 Meskalin 368f. Roboter. Charles 219-221. 348 f. 329. 207 Mystiker 343-347 The Mystiker 343 Mystizismus 337f. 100.184. 174f. Juliet 94 f. 2O8-21O.

344f. 321.357.336. 34.. 336-338 Computerdenken 332-334 Schatten des Geistes 333 People 206 Persönlichkeit 107. Adam 108. 282. 21-23. 273. 79. 262 Paranoia 75 Parkinson-Krankheit 44. 254-257. 337 New Republic 165 New York Review of Books 87.359 Phrenologie 19. Thomas 360 The Nation 75 National Institute of Mental Health 60.362.. 262. Friedrich Also sprach Zarathustra 18 Nightline 216 Nixon.366 Nervenheilanstalt 138-145.. siehe auch Chlorpromazin.285.153 f. Noradrenalin 59. 229. 229. 17. 22. H. 61. 317. 290 New Yorker 269 Newsweek 159. 365 New Age 128.. 39f. 262 und Williams: Warum wir krank werden 262 Neugierverhalten 198. 213. 26.352 natürliche Selektion 15. Olanzapin. 83. 233. 31-72. 81-83. 95 f.321..194. Leponex (Clozapin).168. 236. 54 Physik 12. 36.. 201. 33. George 272 Panikstörungen 132 f..44. 217 Neuroleptika 144... Vladimir 75 Nagel.132. Richard 363 Nobler..302. Roger 332-334. 346.. 345... 268. Mitch 186 f.144. 175-177. Yoko 110 optimistischer Skeptizismus 28 f.141. 154.47. 226. 84. 96. 22f. Reserpin.176 Pawlow. 313 Neuropharmacology 179 Neurosen 66. 240f. 259f. 291-293. 105f. 181. 65.. 28.Nabokov. 78 f. 219. 91. 156 f. 52. 214.144. 262. 297f.. 217 Neurosurgery 182 Neurotransmitter 31. 81..176. 84. 209.158 f. 231. National Institutes of Health 83. 266. 272 Olanzapin 177 Ono. 286. 321. 274f. 104. 183 Nationalsozialismus 198. Iwan 111. 100f.. .199. Risperdal (Risperidon) neuronale Netze 65. 365 Orr.. Sherwin 15 How We Die 15 Obdachlosigkeit 138. Isaac 34. 186.199 Philosophie 17. 84. 116.423 . 251 f. Neurowissenschaft 13 f.327-333. 269 Newton.156 f..199.. 217 Depressionsstudie 168 f.192 Phillips. 360 Nietzsche.. 201 Nesse.100f. 184. 47.340. 89f. 260. 269. 366 Pharmaunternehmen 148. 194. 320. 212 Nature 32. 59f.125 New York Times 64f. 361 f..164. 311 Penrose. Randolph 237. 99. 278...158 Nuland..148.198 Ockhams Rasiermesser-Prinzip 92 Ödipuskomplex 30. 309 f. Allen 256 Orwell. 14f.331.. 293. 211. 90f.

97 Powers. Psychological Bulletin 61 Psychological Inquiry 273 Psychological Review 61 Psychological Science 226 Psychologie 15. 67 f. 181 Last Resort 58. 277. 101. 138-145. 355. 138-144. 77. 59f. 72 f. 286. Max 357 Platon 30f. 52. John 263 Prion 213 Problem der Zusammenführung von neurologischen Informationen (Bindungsproblem) 40f.177 Pressman. Richard 279 Galatea 2. 117. 69.117.115. 298. 276f. 157f. 359. 59...126-131.. 80 f. 98. 346.190 Planck. 189. i34f. Plomin. 40. 130.. 110-113. 276f. 126 f.. 144-192.361 f. psychische Erkrankung 14.172-181. 331-359 Psychopharmaka 14. 168-170. 110-145. 44. 262.41. 180... 101. 173. 21. 59 f. 27. Fluctin..2 279 Präferenzeffekt 123. 291. 364. i36f. 263.. 162. 237. .. 23. 99. 27. siehe auch Antidepressiva. 334. 111.. 52. 26. 105-107. 259f. 27.332f. 262. 366 Nebenwirkungen 158-160. 75 f.. 134. 27. 270f. 66. 212. 270.346 Der Sprachinstinkt 245 Pioneer Fund 206 Placebo 70. 367.. 124 f. 346 Wie das Denken im Kopf entsteht 77. 178. 166. 192. 117-120. 60 f. 146-192. Karl 28 Positronenemission (PET) 31. 352f. 315.. 20. 201. 64..424 . 108.181 Pribram. 262. Karl 323 Price. 114. Stanley 213 Psychiatrie Annals 166 Psychiatrie Times 161 Psychiatrie 15. 310-314.. 78. SSRIs Psychotherapie 14. 147. 335 f. 321. Jean 359 Picasso.. 140. 76.. 247f. 69 f. 19. 41.133. 199. 362 f. Piaget. Pablo 360 Pinker. siehe auch Reduktionistisches Dilemma Professional Psychology 167 Prusiner. 316. 184. 271. 366 psychodynamische Behandlung 73... 38.. 77 Phaidon 30 f. 233-235. 28. 231. Robert 225-227 Popper. 22 f. 83 Postmoderne 12. 112. 175-177. und Gentechnik 226 f. 308.. 23.. 113. 229 psychische Phänomene 349. 42 f. extrapyramidale Nebenwirkungen. 17.. 62-109. 237. 99. 80. 361. Steven 77. Schizophrenie Diagnose 115 f.. 185. 245-250. 328f. 321. Jack 57 f. Spätdyskinesie. manisch-depressive Erkrankungen.. 230.. 16. 115. 352-356 Psychoanalyse 20. 350. 60. siehe auch Depression.

83. 326 Qualia 31. Wilhelm 110 262.16. 219-221. Schizophrenie 14. 229-231 203. 64. 54. 208-213.167f. 27. 306-310.339.191 f. Carl 120 Rorschach-Test 136 Rose.149. 47 f. 184.131. 81 f.. 282. 100.. Steen 322 Sakel. 56.151. Robert 166 Freud and His Critics 76 Sehvermögen 48.113. Bertrand 11 Sabshin. J. 312-314. siehe auch EuSanta Fe Institut 322 genik Schachcomputer 18. 33.178-180. siehe Seligmam. 61 Der Mann. 359. Saul 123 Rush.141.. Risperdal (Risperidon) 177 178. Searching for Memory 77 107. 276. 288-298. Sanders.. 68 f.254.15. 268.115. 280. 58. 262. 274. 278.158. 98. 67 einem Hut verwechselte 365 Rasmussen. Harold 183-191 Sacks.. 335.C. Alan 217 253. 34 f. V.171 auch Künstliche Intelligenz Serotonin 44 f.324. 331 f. Schamanismus 102.. 317.336 Quantenmechanik 12. 161f. 274.358 Ridley. 238. 248. 341 Robinson. Melvin 146 Sackheim. 62.. Benjamin 142 Russell. 246.425 .331-336 Question Mark and the Mystiker 343 Rogers. 248. 320. 203.341 Religion 16.328. Roboter 17. Santiago 22. 198. 100f.109. 42.. 328 f.362 59f.. Martin 132. Paul 76 Segraves.338 Raven. 222 Schacter.100. 285-291. George 216 f. 315 f.. 170-172. Steven 263 Rosenzweig. 366 295 f. 26.197.352-354 Quantentheorie des Bewußtseins 322. 47.44.156. der seine Frau mit Ramon y Cajal. Daniel 77 Reduktionismus 28. 93. 216. Oliver 365 f.175. Matt 237 Scientific American (Spektrum der The Red Queen 237 Wissenschaft) 12. regelbasierte Algorithmen 143. 284. Reich. Manfred 151 Rassismus 16.342.370 Robespierre 268 Seehasen 64f.156 Science 32. siehe auch MystizisPrinciples of Neural Science mus 64.138.158. 349 reduktionistisches Dilemma 41..158 f. 201. 164.. 306.. Rice.. 299. 332 f.310. 68. Schüchternheit 163. Reserpin 59. Rattenmann 114. 59 f.229. Schwartz und Kandel: 352. 80.172. 210 . 273.333.. 56. 227. S.194f. Ein Anthropologe auf dem Mars 364 Ramachandran.. 357 f.

95 f.. 250. David 298 f. 296. M.197 . Joseph 56.J. 84f.Seroxat 148. 248.. 78-81. Das geklonte Paradies 227 Simon. Biologie der Seele 271 Der Rebell der Familie 268. 194.117. Thomas 154 Taille-zu-Hüfte-Quotient 240. 293. 271 f. Anthony 263 und Price: Evolutionary Psychiatry 263 Stork. 88. 245-248. Herbert 234 Study of Sociology 234 Sperry. 298 Jenseits von Freiheit und Würde 110 Smith. 237-242. Silver.. J. 237.137.159 Sullivan. 219. Singh.. 72 Solipsismus 28. 234' 253 Sozialwissenschaft 240 f.303 SSRIs 59. HALs Legacy 298 f. 305 Stent. Stuart 318 The International Dictionary of Psychology 318 Szasz. 279-281 Spencer. F. Roger 55 Split-brain-Forschung 56. 326 Sprachvermögen. 171 Sozialdarwinismus 27. siehe auch Fluctin Stalin. 54. 184 Spectrum. Roger 299 Shannon. Howard 83 Shorter. 259. Katherine 133 Sherrington. 58. Sutherland.. 78. Sprachverständnis 22. 295 f. 173 sexueller Mißbrauch 88-90. 75. Taylor. 340 Sozialarbeiter 113.110.. Del 159 Shapiro. 58. 242 Tan.. 34 Sokrates 30.159-167. Astro 286 Theorie des Psychologiemoduls 317-340 Tiefschlaftherapie 152 Tierschutzbewegung 42 Time 76.194. Frank 266-270 Freud. Shakespeare. Herbert 279. Devendra 239 f. 305 f. B. William 77. 266. Skinner...107. Chung-jen 289 f..147. Lee 227 f. 90. 268 Soziobiologie 19. 207 Teilchenphysik siehe Physik Teller. Harry Stack 170 Sulloway.134.299-301. 301 Suizid 24. 61 Society for Neuroscience 32. 110 f. 252-254.103. 250-252. Mary 134 f. 56 f.426 . IEEE 201. 245 f. 319 The Corning of the Golden Age 13 Paradoxes of Progress 13 Stevens. Charles 59 Shevrin. 283-291. siehe auch Evolutionspsychologie Spätdyskinesie 176 f. Tay-Sachs-Syndrom 194f. 96 f. 241.. John 335 f. Smythies. 257 f. 2 70 f. Arthur 126-129 Shear.123 Hamlet 249 Shank.160 Sexualität 27. 243 Star Trek 17..198. Edward 150-152 Geschichte der Psychiatrie 150 f. Sexuelle Funktionsstörungen und Psychopharmaka 166 f. Günther 13.

314. 272 Wittgenstein.Timpanaro.. 77. .. 26.. Frank 182 Vertrauen in Therapien 25 f. James 155 Webster. 211 Surviving Schizophrenia 211 Traub.172 Verwandtenselektion 255 Viagra 160 Volksstämme 238.. 34. 267.. 85. 264. 230 Usdin. 271. 357 Williams. 109. 83. 47.. Margo 258 f.147 Valenstein.125-131. 266. 21. 91 f.. 111 Watson. 165 f. 254.243.368-371 Turing. 69. 144-146. 314. 137 f. Bewußtseintagung in 321-356.170 Trivers.. 205. 261-263. 168. 320.194-235. Sebastiane 92 Tooby. Joseph 279 Träume 79. 346 f. 82 f. 262 und Nesse: Warum wir krank werden 262 Williams. 353 Turing-Test 316 f.368 Tractatus logico-philosophicus 347 Wolfe.45. E. Richard 78. 40.114. J... John 240-245.199f. 234 Why Freud Was Wrong 76.137. 271 f. 221 f. 218 Verhaltensgenetik 15. Ludwig 294. 90 Vererbung 193. 234 Weil. tricyclische Antidepressiva 59. 84f. Steven 15. 224.. 52. Edward O. 69f. Gene 148 US-Kongreß 25..122. 68 Willensfreiheit 42.James 34.46.. Erziehung 56. 268 Biologie als Schicksal 253 Soziobiology 253 und Daly: Homicide 259 Wilson...158. 247f. 202f. Alan 316. 78. George 255. 366 Wolpert..264.266 mit Barkow und Cosmides: Adapted Mind 240f. The Unnatural Nature of Science 22 f. 114 Verdrängung 79. 322f. William Carlos 365 Wilson.365. 261. Sherry 313-316 Lehen im Netz 314 das Unbewußte 63.155 Wiesel.107.108. 144.427 . 218. 341-344. Andrew 349. Elliot 363 Great and Desperate Cures 363 Vaughan.B. Julius 151 Washington Post 206 Watson. 114 The Talking Cure 81 f.276 Vertosick. 349. Torsten 35 f.325 Unterricht. 325. Tom 30 Wolfsmann 114. Lewis 13 f. siehe auch Jäger und Sammler Wagner von Jauregg. Susan 81 f. Robert 255 f. 250. Turkle.. 88. Death of Psychiatry 211 Freudian Fraud 76. 203. 109..105. 100. Torrey.. 86. Tucson. 369 Weinberg. 211 f. 253. 347. Robert 229 Weinberg.197 Watts.19. 22 f. Füller 86 f.

181 Zwangsstörungen 198. 206 Diesseits von Gut und Böse 237 Twins 114. 218. 214. 204. Lawrence 114. 194. 200-207. Zohar. Zwangsneurotiker 81.Wright.428 . 267 . Robert 237 Yanomamö 264 f. 60. 206 Wright. 341 2001 277. Danah 324.100.337 The Quantum Self 324 Zoloft 148 Zrehen. 298 Zwillingsforschung 22.148. Stephane 312 f. 204. 283. 263.

.429 .

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