Wie schon in seinem ersten Buch An den Grenzen des Wissens unternimmt John Horgan einen Streifzug durch verschiedene Wissenschaften: Diesmal durch jene Disziplinen, die sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Geist und Psyche des Menschen beschäftigen. Der Streifzug führt von der Psychologie über die Neurologie, die Pharmakologie, die Evolutionsbiologie bis zur Genetik. Die Ansätze und Methoden dieser Disziplinen werden bündig vorgestellt, die in ihnen gewonnenen Kenntnisse zentralen Fragen gegenüber gestellt, die um die immer noch ungelösten Rätsel des menschlichen Geistes und des psychischen Innenlebens kreisen. John Horgan ist Wissenschaftsjournalist des Scientific American. Im Fischer Taschenbuch Verlag liegt vor: ›An den Grenzen des Wissens. Siegeszug und Dilemma der Naturwissenschaften‹ (Bd. 14364). Unsere Adresse im Internet: www. fischer-tb.de

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John Horgan

Der menschliche Geist
Wie die Wissenschaften versuchen, die Psyche zu verstehen
Aus dem Amerikanischen von Thorsten Schmidt

Fischer Taschenbuch Verlag

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Ungekürzte Ausgabe Veröffentlicht im Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, November 2001 Lizenzausgabe mit freundlicher Genehmigung des Luchterhand Literaturverlages, München Die amerikanische Ausgabe erschien 1999 unter dem Titel ›The Undiscovered Mind: How the Human Brain Defies Replication, Medication, and Explanation‹ bei The Free Press, New York © 1999 John Horgan Für die deutsche Ausgabe: © 2000 Luchterhand Literaturverlag GmbH, München Druck und Bindung: Clausen & Bosse, Leck Printed in Germany
ISBN 3-596-15139-2

Ungekürzte eBook-Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des Autors Erscheint in der Reihe: Eine Welt des Wissens - Eine Welt des Friedens © 2003 E.V.C. Elaboraziones, Vatican City Diese Ausgabe ist unverkäuflich.

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Für meinen Vater

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Inhalt

EINLEITUNG: »ICH-ZEUGE« 11

Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist 17 Wo bleibt das Positive? 24
1. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT 30

Das Dilemma des Reduktionismus 34 Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke 41 Emotionen erkunden 48 Gagesche Neurowissenschaft 53 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden 58 Psychoanalyse und Seehasen 63 Freud als Neurowissenschaftler 70
2. WARUM FREUD NICHT TOT IST 73

Ziegen, Schafe und der Ödipuskomplex 78 »Crews Missiles«» 87 Der Skeptiker Steven Hyman 96 Freud als Erzähler 102 Freuds versöhnender Pessimismus 108
3. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 110

Psychoanalytiker bewerten sich selbst 117 Die Dodo-Hypothese - Teil I 120 Psychotherapie als Placebo 125
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Therapien im Hier und Jetzt 131 Der Mythos von der Sachkompetenz 134 Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum 137
4. FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 146

Fieber, Koma und andere Therapien 149 Peter Kramer lauschen 158 Die Dodo-Hypothese - Teil II 167 Vom Placebo zum Allheilmittel 172 Placebos zur Behandlung von Depressionen 177 Die Renaissance der Elektroschocktherapie 181 In der EST-Abteilung 186 Zur Verteidigung der EST und anderem 190
5. GEN-MAGIE 194

Die Minnesota-Zwillinge 200 Die Fahndung nach Psychosegenen 207 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? 211 Die Alkoholspur 214 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt 217 Auf der Suche nach Intelligenzgenen 225 Das Temperament von Jerome Kagan 229 Das andere genetische Paradigma 233
6. DARWIN, RETTE UNS! 236

Steven Pinkers Umgang mit Wörtern 245 Was Noam Chomsky wirklich denkt 250 Ist Altruismus ein Instinkt? 252 Das Syndrom vom bösen Vater 258

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DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN 319 Christof Kochs Bewußtsein 337 Roger Penroses Quantensprung 331 Thermostate mit Bewußtsein 335 Bewußtsein .wegerklärt 337 Der Aufstieg der »Hysteriker« 343 Der mystische Weg zur Erkenntnis 347 Brian Josephsons »Tunnelkontakt« 352 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES 357 Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser 359 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit 361 Die Sehnsucht nach einer Offenbarung 367 -9 .Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden 261 Darwinistische Kulturalisten 264 Die Hypothese der Geburtenfolge 266 Darwin und Freud 270 Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft 273 7. KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 279 Herbert Simons Prophezeiungen 283 Die Revanche des Philosophen 293 Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand 298 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier 304 KI und Psychoanalyse 310 Die Bedeutung des Turing-Tests 313 8.

10 .ANHANG 373 Anmerkungen 375 Literaturhinweise 412 Danksagung 414 Register 415 .

Fragen hinsichtlich der Grenzen der Objektivität aufwirft. Bekenntnisse sind für Wissenschaftler genauso gefährlich wie für Politiker und Liebende .2 Indem Ich-Zeugen ihre subjektiven Vorlieben offenbaren und dadurch implizit zu verstehen geben. bei der sie die kulturellen. Anthropologe am Institute for Advanced Study in Princeton.gelangweilt ist und vor allem. dann das Tier.EINLEITUNG »ICH-ZEUGE« Die Naturwissenschaften entwickelten sich in genau umgekehrter Reihenfolge. Dennoch fühle ich mich genötigt. dann die Erde. Der Bereich.und Pflanzenreich. hoffen sie.der sich vermutlich mehr für das Sexualleben der Fidschianer als für das Heimweh des Harvard-Doktoranden interessiert . alles Näherliegende: zuerst der Himmel. nach und nach. weil sein Gegenstand . Anfang der neunziger Jahre. als ich bereits zehn Jahre .oder auch für Wissenschaftsjournalisten. daß jeglicher Anspruch auf Objektivität naiv. der zu den Begründern dieses Ansatzes gehörte.mehr als beispielsweise die Elementarteilchenphysik oder die Chaostheorie . anschließend der menschliche Körper und zu guter Letzt (und bis jetzt äußerst unvollkommen) der menschBERTRAND RUSSELL1 liche Geist.11 I . wurde als erstes der Herrschaft des Gesetzes unterworfen. Allerdings führt dies häufig dazu. daß sein Argwohn hinsichtlich der Absichten des Erzählers nicht zerstreut. sondern geradezu angefacht wird. als man es hätte erwarten sollen. Clifford Geertz. daß der Leser . hat ihn »IchZeuge-Sein« (»I-witnessing«) genannt. intellektuellen und emotionalen Präferenzen offenlegen. m Verlauf der letzten Jahrzehnte haben Anthropologen eine Dokumentationsmethode entwickelt. dann. dieses Buch mit einem Ich-Zeugnis zu beginnen. der uns am fernsten lag. ein größeres Vertrauen beim Leser zu gewinnen. die ihre Beobachtungen verzerren könnten. wenn nicht unlauter ist.

Kosmologie und Evolutionsbiologie. die zusammen sämtliche Kräfte und Teilchen der Natur beschreiben. Paradoxerweise bestätigt sie auch die postmoderne Kritik. störte mich die Art und Weise zunehmend. Diese Konzentration führt jedoch zu einer Überzeichnung der Leistungsfähigkeit und der positiven Ergebnisse in den Wissenschaften.entweder weil die Hauptprobleme bereits gelöst wurden und keine fundamentalen Fragen mehr geblieben sind oder weil die Probleme allen Angriffen widerstanden haben -.Fortschritte gemacht werden. hinausgelangen. Ich behauptete. das 1997 erschien.12 . befaßte ich mich immer weniger mit den Errungenschaften der Wissenschaft und zunehmend mit ihren Beschränkungen.echten oder vermeintlichen . Die Physiker würden niemals über die allgemeingültigen Theorien der Quantenmechanik und die Relativitätstheorie. die Kosmologen würden nie mehr etwas so Tiefsinniges zustande bringen wie das vereinheitli. in der die meisten Naturwissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten einschließlich meiner selbst die Wissenschaft präsentierten. diese Disziplinen würden zu Opfern ihrer phänomenalen Erfolge. in denen nur langsame oder gar keine Fortschritte gemacht werden . meinen ehemaligen Arbeitgeber. auf denen die meisten . Mein Interesse an den Grenzen der Wissenschaft gipfelte in dem Buch An den Grenzen des Wissens. Dort untersuchte ich die Kerngebiete der naturwissenschaftlichen Grundlagenforschung. dauerhaften Wahrheiten hervorbringen. All die Wissenschaftsgebiete. werden übersehen.lang als Wissenschaftsjournalist arbeitete. wie etwa Elementarteilchenphysik. die Wissenschaft könne keine absoluten. weil alle Theorien nur vorläufig gültig seien und sich ständig wandelten. In meinen Beiträgen für den Scientific American (dt. Aus verständlichen Gründen konzentrieren sich sowohl Forscher als auch Journalisten auf die Grenzgebiete der wissenschaftlichen Forschung. Spektrum der Wissenschaft).

geriet er so in Rage.chende Modell der Urknalltheorie.5 Als ich ihm bei einer Wissenschaftskonferenz in London im Jahr 1997 vorgestellt wurde. ein Opfer sowohl ihres Erfolgs als auch ihrer Grenzen zu werden. pessimistisch ein. Lewis Wolpert. Stent erkannte die Bedeutung der Neurowissenschaft.«4 Einige Kritiker meines Buchs An den Grenzen des Wissens räumten zwar ein. eine Säule der britischen Biologie. die Kosmologie und die Evolutionsbiologie hätten möglicherweise in der Tat ihren Zenit überschritten. die Biologen könnten nicht hoffen. gelegentlich aber auch mit »Psyche« und »Gehirn«.3 In seinen zukunftsweisenden Büchern The Coming of the Golden Age und Paradoxes of Progress behauptete Stent.) . eine Erklärung von sich selbst zu liefern. jemals die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-basierte Genetik zu übertreffen. sind womöglich von dessen schierer Komplexität überfordert. Dies veranlaßte ihn sogar dazu.d. in den siebziger Jahren von der Molekularbiologie auf dieses Fachgebiet umzusatteln. daß »das Gehirn letzten Endes nicht in der Lage sein wird. Bewußtsein und andere ungelöste Fragen des menschlichen Geistes* zu erklären. Doch Stent schätzte die Fähigkeit der Neurowissenschaft. In den Kapiteln »Das Ende der Sozialwissenschaften« und »Das Ende der Neurowissenschaften« erörterte ich eine andere These: Wissenschaftler. (A. fühlte sich durch meine Darstellung der Neurowissenschaft persönlich angegriffen. Er vermutete. die Naturwissenschaft sei dazu verdammt. meine Analyse der Hirnforschung fanden sie indes – gelinde gesagt – nicht überzeugend. die Elementarteilchenphysik. die das menschliche Bewußtsein erklären wollen. und später fungierte er als Leiter der Abteilung Neurobiologie der National Academy of Sciences. * Der englische Begriff mind wird im folgenden meist mit »Geist« wiedergegeben.Ü.13 . Hierbei wie bei anderen Überlegungen ließ ich mich von Günther Stent von der Universität von Kalifornien in Berkeley anregen.

Wenn wir unser Gespräch hätten fortsetzen können. wie Gerald Edelman. daß sein Einwand gegen mein Buch nicht völlig unberechtigt sei. und Francis Crick. Tatsächlich war ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt. Bewußtsein ist wohl das Problem des Geistes. logisch denken.14 .daß ich für einen spannungsgeladenen Augenblick fürchtete. Es befasse sich nicht überwiegend mit Neurowissenschaftlern. sondern mit Wissenschaftlern. Willensentschlüsse fassen oder handeln? Weshalb leiden so viele Menschen an psychischen Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie ? Wie wirksam sind die Medikamente. ihn mit der Bemerkung zu besänftigen. das Kapitel über Neurowissenschaft in An den Grenzen des Wissens sei »entsetzlich! absolut entsetzlich!«. die ihr Metier von der Pike auf gelernt hätten. An den Grenzen des Wissens konzentrierte sich in erster Linie auf Versuche. Psychotherapien und andere Heilverfahren. das die größte philosophische Tragweite hat. zu erklären. wenn wir sehen. hätte ich versucht. Emotionen empfinden. der gelernter Physiker sei! Und wie könne ich überhaupt schreiben. Mit knallrotem Gesicht fauchte er. das unmittelbarste und unbestimmteste aller mentalen Phänomene. einen ausgebildeten Immunologen. er würde gleich auf mich einprügeln. Die meisten Hirnforscher beschäftigen sich mit anderen. daß meine Behandlung der Wissenschaft vom menschlichen Geist in Anbetracht der enormen Breite und Bedeutung des Themas unzureichend war. aber es ist auch das am schwersten zu packende Problem. lernen. hören. die erst spät auf dieses Gebiet umgesattelt hätten. konkreteren Fragestellungen: Was geschieht im Gehirn. wo sie doch offenkundig gerade erst beginne? Wolpert stolzierte davon. die zur Behandlung dieser verheerenden Leiden eingesetzt werden? Auf welche Weise wird die Persönlichkeit des einzelnen durch das Zusammenwirken von Erbanlage und Umwelt geformt ? Wel. nämlich das Bewußtsein. bevor ich antworten konnte. die Neurowissenschaft gehe ihrem Ende zu.

Innerhalb der Biologie sind die Darwinsche Evolutionstheorie und die DNA-gestützte Genetik die fundamentalsten Theorien. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. unseren Geist und unser Verhalten zu verstehen. [. Wie schrieb doch der Arzt Sherwin Nuland in seiner Betrachtung über die Sterblichkeit Wie wir sterben: »Mir ist der Mikrokosmos wichtiger als der Makrokosmos.. ist die Conditio humana.für alle Organismen gelten.wiederum soweit wir wissen .15 . die Wissenschaft habe ihren Zenit überschritten. die ich von den Elementarteilchenphysikern Steven Weinberg und Murray Gell-Mann übernommen habe. weil sie . die jemals auf der Erde gelebt haben. abwertet und Physik und Kosmologie überbewertet. der erst seit ein paar hunderttausend Jahren auf der Erde lebt. für das gesamte Universum gelten. Die Quantenmechanik und die Allgemeine Relativitätstheorie sind die fundamentalsten Theorien. Psychiatrie und Verhaltensgenetik befassen sich dagegen mit einem einzigen Organismus. lassen sich wissenschaftliche Theorien nach dem Umfang ihres Gültigkeitsbereichs in Raum und Zeit in eine Rangfolge einordnen. das uns mehr interessierte als wir selbst. soweit wir wissen. die uns helfen. für die meisten von uns bedeutungsvoller als Physik oder Kosmologie. Gebiete wie Psychologie. Andererseits sind diese Disziplinen.«6 So narzißtisch. weil sie.] Was mich fasziniert. gibt es kein Thema. . die implizit Gebiete.. nicht die Struktur des Kosmos.che Rolle spielt die natürliche Selektion bei der Prägung unseres Gehirns und unserer Psyche? In welchem Ausmaß werden wir durch unser biologisches Erbe bestimmt? Lassen sich die Funktionen des menschlichen Geistes durch einen Computer kopieren? Mein Argument. mich interessiert das Leben eines Menschen mehr als das Verlöschen eines Sterns oder das Vorüberziehen eines Kometen. wie wir nun einmal sind. basierte auch auf einer Definition der Wissenschaft. Nach dieser Definition.

Armut.Die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ist jedoch nicht nur bedeutungsvoll. Wir werden vielleicht genug über unsere Natur wissen. Psychologen. Selbst pseudowissenschaftliche Erklärungen der menschlichen Natur haben die Macht. den Lauf der Geschichte zu verändern. die von wahren Theorien der menschlichen Natur geprägt sein wird. Buddha und Mohammed. um ein politisches System zu konzipieren. Auch in einem streng praktischen Sinne besitzt die Erforschung des Homo sapiens von allen wissenschaftlichen Unternehmungen die größte Tragweite. Umweltverschmutzung. Rassismus. deren Theologien ebenfalls implizite Theorien über die menschliche Natur enthalten -. Forscher auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz (KI) und andere Erforscher der Psyche ihre Träume verwirklichen. Angststörungen. Wenn Neurowissenschaftler. Die Bewegungen. weil sie zu jedermanns Zufriedenheit gelöst sein werden. Auch die Lösungen für diese Probleme werden vielleicht aus dem menschlichen Geist hervorgehen. werden wir eines Tages vielleicht in einer Kultur leben.16 . Wir werden uns nicht länger an der Anlage-Umwelt-Kontroverse oder dem Geist-Körper-Problem aufreiben. Krieg. Wir werden vielleicht über . Verbrechen.2 Milliarden Menschen an neuropsychiatrischen Erkrankungen oder Verhaltensstörungen. haben dies gezeigt. Das gleiche gilt für Depression. das Elend minimiert und Glück maximiert. Schizophrenie und Alkoholismus. ja praktisch alle gesellschaftlichen Übel haben ihren Ursprung zumindest teilweise in unserem Gehirn.oder auch von Jesus.7 Die neuropsychiatrischen Erkrankungen verursachen allein in den Vereinigten Staaten jährliche Kosten von über dreihundert Milliarden Dollar. Laut Auskunft der Weltgesundheitsorganisation leiden über 1.8 das sind mehr als die geschätzten Ausgaben für Krebsund Herzerkrankungen sowie AIDS zusammengenommen. die von Karl Marx und Sigmund Freud ins Leben gerufen wurden .

über Gentherapien. Naturwissenschaft versus Wissenschaft vom menschlichen Geist In An den Grenzen des Wissens prägte ich den Ausdruck »ironische Wissenschaft« für eine Wissenschaft.Medikamente verfügen. die empirisch bestätigt oder widerlegt werden können. als ich dies in An den Grenzen des Wissens getan hatte. Sie ist daher näher mit der Philosophie und der Literaturtheorie oder gar der Literatur verwandt als mit der echten Naturwissenschaft.17 . Aus all diesen Gründen beschloß ich. es sollte auch Versuche. taucht sie plötzlich auf. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data aus der Serie Star Trek sind. medikamentös zu behandeln und die Eigenschaften des Gehirns in Maschinen zu kopieren. die an seelischen Störungen leiden. ein weiteres Buch zu schreiben. Die ironische Wissenschaft stellt keine präzisen Tatsachenbehauptungen über die Welt auf. die Hoffnungslosigkeit vertreiben und das Erinnerungsvermögen verbessern. der Astronomie und der Chemie. In den sogenannten exakten Wissenschaften. das die wissenschaftliche Erforschung des Geistes sehr viel eingehender untersuchen sollte. die so intelligent und liebenswürdig wie Commander Data sind. wie etwa der Physik. die Psyche von Personen. die manisch-depressive Erkrankungen heilen und die Intelligenz optimieren. Das Buch sollte sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Ansätzen zur Erklärung der Eigenschaften des Geistes einschließlich des Bewußtseins befassen. die die Wirklichkeit niemals richtig durch Erkenntnis erfaßt und sich folglich nicht der Wahrheit annähert. einer kritischen Würdigung unterziehen. (Ein unverkennbares Beispiel für ironische Wissen. Wir werden vielleicht zu Robotern werden. Wir werden vielleicht von Robotern bedient werden.

Biologen können mit Impfstoffen. dauerhaften Wahrheiten suchen. seien sie auch genetisch identisch.schaft ist eine Theorie. ob sein Besitzer verprügelt wird. Transistoren. Also sprach Zarathustra liest. Antibiotika. daß kein Zweig der Biologie es mit der Genauigkeit und Allgemeingültigkeit der Physik aufnehmen könne. die nach exakten. je nachdem. Physiker können mit Lasern. Und auch jedes einzelne Gehirn macht möglicherweise drastische Veränderungen durch. . Atombomben prahlen. Die wissenschaftliche Erkundung des menschlichen Geistes stellt Forscher. die zweifelsfrei für ein bestimmtes Paradigma sprächen. Die Nebenprodukte der wissenschaftlichen Erforschung des Gehirns nehmen sich dagegen viel bescheidener aus: kognitive Verhaltenstherapie. Elektroschocktherapie.18 . vermeintliche genetische Marker für Homosexualität.) Doch sie dominiert vor allem in den Gebieten. IQ-Tests und Schachcomputer. sich scheiden läßt. sich verliebt. vor eine Herausforderung ganz eigener Art.9 Doch die Unterschiede zwischen beispielsweise zwei Bakterien der Art Escherichia coli oder zwei Blattschneiderameisen sind belanglos im Vergleich zu den Unterschieden zwischen zwei beliebigen Menschen. weil sämtliche Lebewesen. Radar. anders als etwa Elektronen und Neutronen. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. welche die Existenz weiterer Welten neben dem bekannten Universum postuliert. der Klonierung und anderen Wundern auftrumpfen. eine jungianische Traumtherapie absolviert oder einen Schlaganfall erleidet. das Alphabet lernt. Die Variabilität und die Formbarkeit des Gehirns erschweren die Suche nach allgemeingültigen Prinzipien der menschlichen Natur enorm. Die Erforschung des Gehirns hat bislang auch nicht jene Arten von praktischen Nutzanwendungen hervorgebracht. einzigartig seien. Der Evolutionsbiologe Ernst Mayr von der Harvard-Universität hat darauf hingewiesen. Fluctin. Düsenflugzeugen. LSD nimmt.

Die Phrenologie wird als Modularitätstheorie der kognitiven Psychologie wiedergeboren.. Doch Kuhns Modell des wissenschaftlichen Nicht-Fortschritts paßt recht gut auf die wissenschaftliche Erforschung des Gehirns. Das ist nicht bloß eine andere Sichtweise. erkannten die Astronomen. die als Nebel bezeichnet wurden. ›worum‹ es ihr geht .Der Philosoph Thomas Kuhn behauptete. Auch ältere Behandlungstechniken bestehen fort. Gaswolken in unserer Galaxie. Clifford Geertz wies unlängst darauf hin.welche Erkenntnisse. Die von ihren anstößigen politischen Implikationen (weitgehend) gereinigte Eugenik schlüpft ins Gewand der Verhaltensgenetik. die weit jenseits der Grenzen der Milchstraße liegt. die in den letzten Jahrzehnten weitgehend durch Fluctin . daß die Psychologie »durch grundverschiedene Vorstellungen dessen.19 . Im ausgehenden neunzehnten Jahrhundert glaubten die Astronomen. daß die Lichtflekken im Himmel. seien. Schockbehandlungen und Lobotomien. entstehen nicht alle hundert. sondern alle zehn Jahre. über welche Wirklichkeit.«11 Theorien der menschlichen Natur sterben niemals völlig aus. es ist die richtige Sichtweise. manchmal hat man fast den Eindruck. ja. die sie abgelöst hätten. sie kommen nur in und aus der Mode.. Als sich dann das Auflösungsvermögen der Teleskope verbesserte. sie änderten sich im monatlichen Abstand. daß jeder Nebel eine eigene Galaxie ist. sondern bloß anders. sich in grundverschiedene Richtungen entwickelt hat. [. völlig neue Herangehensweisen an die Welt der Dinge.] Paradigmen. moderne wissenschaftliche Theorien seien nicht wahrer als die Theorien. Oftmals werden alte Ideen einfach in schmackhafteren Formen neu verpackt. zu welchem Zweck sie gewinnen soll -. der Milchstraße.10 Kuhns These trifft auf bestimmte wissenschaftliche Fachgebiete wie etwa die Astronomie einfach nicht zu. Die Soziobiologie wandelt sich zur Evolutionspsychologie.

auf der Lehre Freuds basiert. Zudem brachten viele Intellektuelle . die.darunter nicht nur französische Philosophen. KI-Forscher und andere. der Stoff. eine zweifelsfrei überlegene Erklärung für die Psyche und ihre Störungen zu liefern. machen nach wie vor Millionen von Menschen eine Psychotherapie. zumindest indirekt. doch beide übersehen auch den entscheidenden Faktor. Beide Auffassungen sind vertretbar. Weshalb ist die Psychoanalyse noch immer so einflußreich? Freud-Gegner beantworten diese Frage. werden bei schweren Psychosen noch immer verordnet. der dem Überdauern der Psychoanalyse zugrunde liegt: die Unfähigkeit der Wissenschaft. ist die Psychoanalyse. weil sie dank der Entdeckung des Sauerstoffs und weiterer Fortschritte in der Chemie und der Thermodynamik als gänzlich überholt gilt. er würde bei allen Verbrennungsvorgängen freigesetzt. die Sigmund Freud vor einhundert Jahren erfand. Doch die Physiker erörtern heute die Phlogiston-Hypothese deshalb nicht mehr. von dem die Physiker im achtzehnten Jahrhundert glaubten. dessen Erkenntnisse über die Psyche. . die Psychoanalyse stehe wissenschaftlich auf ebenso tönernen Füßen wie das Phlogiston. dennoch intuitiv plausibel erscheinen. das ein unglaubliches Beharrungsvermögen bewiesen hat. FreudAnhänger huldigen ihm als Genie. der sich auf nichts so gut verstanden habe wie auf die Werbung in eigener Sache. die es vermeintlich besser wissen sollten . Die Freudianer können keine eindeutigen Beweise für die Überlegenheit ihres Paradigmas vorlegen. indem sie Freud als Sektenführer anprangern. obgleich empirisch nur schwer zu überprüfen. Die Antifreudianer behaupten in der Tat.ihre Bewunderung für die Psychoanalyse zum Ausdruck. Ein Paradigma. sondern auch Neurowissenschaftler. doch das gleiche gilt für die Verfechter modernerer Paradigmen.20 . Obgleich das Ansehen der Psychoanalyse in den letzten Jahrzehnten gesunken ist.und Lithium verdrängt worden waren.

Dagegen haben hundertjährige Forschungsanstrengungen in der Psychiatrie. unterscheidet diese Wissenschaften von anderen.angesehen werden. der Neurowissenschaft und den angrenzenden Gebieten kein so allgemeingültiges Paradigma hervorgebracht. Die Forscher sind. Einige Leser mögen es unfair und widersprüchlich finden. ist in der Wissenschaft genauso unentbehrlich wie in der Rechtsprechung. Die Freiheit. die sich für ein und dasselbe Paradigma einsetzen. Doch bei Theorien über die menschliche Natur sollten die umgekehrten Beweisanforderungen gelten als vor Gericht. So verhöhnt ein Neurowissenschaftler die Evolutionspsychologie als ein Sammelsurium von kasuistischen Fallgeschichten. Ich habe diesen internen Konflikt für meine Zwecke ausgeschlachtet. ein Anhänger der Elektroschocktherapie stellt die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin heraus. dann gilt dies auch für ihre selbsternannten Nachfolgerinnen. der Genetik. daß ich beispielsweise die Verhaltensgenetik in einem Kapitel kritisiere und mich dann im nächsten Kapitel auf sie berufe. sondern einfach anders. gegensätzliche Standpunkte zu vertreten. Um mit Thomas Kuhn zu sprechen: Diese Alternativen sind nicht wahrer oder besser. häufig mit weniger Ernsthaftigkeit und Begeisterung bei der Sache. um die Evolutionspsychologie in Frage zu stellen. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. kann das Kreuzfeuer tödlich sein. Theorien sollten so lange als schuldig . wenn sie das von ihnen bevorzugte Paradigma anpreisen. Doch die Zerstrittenheit unter den Wissenschaftlern. Wenn die Psychoanalyse dem Phlogiston entspricht. bis ihre Richtigkeit über jeden . wie die Antifreudianer behaupten. daß Freud ein für allemal erledigt wäre. ein Verhaltensgenetiker verspottet die Roboterphantasien von Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz.das heißt falsch oder zweifelhaft .21 . Selbst unter Forschern. als wenn sie die Paradigmen anderer heruntermachen.

Grund für Skepsis gegenüber allen Paradigmen. Im fünften Jahrhundert vor Christus stellte Hippokrates die Hypothese auf. Die Behauptung. geschrieben hatte. Zudem ist die Tatsache. das AnlageUmwelt-Problem durch Untersuchung eineiiger Zwillinge zu lösen. Wolpert räumte dies in seinem 1993 erschienenen Buch The Unnatural Nature of . nachdem er bereits eine solide Monographie über Sprachstörungen. fußt nicht auf dem tatsächlichen Alter der Disziplin. Tatsächlich hat die Neurowissenschaft eine Geschichte. die heute von Kognitionswissenschaftlern und anderen gepriesen wird. Ramon y Cajal und andere Aufbau und Funktion der Nervenzellen. Unterdessen enträtselten Camillo Golgi.berechtigten Zweifel hinaus erwiesen ist. sondern auf ihrer Produktivität. eine Theorie in Zweifel zu ziehen. Francis Galton versuchte im neunzehnten Jahrhundert. indem sie eine entgegengesetzte Hypothese aufstellen. Luigi Galvani zeigte im späten achtzehnten Jahrhundert. die Vorläuferin der Modularitätstheorie des Geistes. die durch Hirnschäden verursacht werden.12 und Galen bestätigte diese Annahme sechs Jahrhunderte später.22 . Und Freud begann wenig später mit der Darlegung seiner psychoanalytischen Theorie. daß Nerven elektrische Ströme aussenden und darauf ansprechen. die Neurowissenschaft »stehe an ihrem Anfang«. wie etwa mein britischer Gegner Lewis Wolpert. daß sie »noch am Anfang stehe«. sich widersprechende Paradigmen vertreten. William James schrieb 1890 die Principles of Psychology. daß sachkundige Wissenschaftler so unterschiedliche. die ebenso zweifelhaft sein mag. Deshalb sollte es Kritikern erlaubt sein. Wissenschaftler verteidigen die Neurowissenschaft und verwandte Gebiete vielfach mit der Bemerkung. das Gehirn sei beim Menschen Sitz der Wahrnehmung und des Denkens. Etwa zur selben Zeit erfand Franz Joseph Gall die Phrenologie. die mit der anderer wissenschaftlicher Disziplinen vergleichbar ist.

die Grundkonzepte der Psychoanalyse zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen: »Es ist gegenwärtig unmöglich.23 . Er behauptete: »Wir wissen einfach nicht. der Mißerfolg in der Vergangenheit läßt auf künftige Erfolge schließen. Den Wissenschaftlern wird . daß Neurowissenschaft. was die Zukunft bringen wird. Psychiatrie und andere Fachgebiete. Psychologie. Dies ist allerdings weniger ein Argument als eine Glaubensaussage. ein Experiment auf einer niedrigen Organisationsebene . möglicherweise an fundamentale wissenschaftliche Grenzen stoßen. Anders gesagt. in Zukunft bringen wird. angesichts der geringen Fortschritte. das bisherige Ausbleiben von Fortschritten bei der Erforschung des Geistes bedeute. Die Frage ist. die in den physikalischen und biologischen Wissenschaften so erfolgreich sind«.« Dennoch lehnte Wolpert die pessimistische Auffassung entschieden ab. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. In Anbetracht ihrer dürftigen Erfolgsbilanz bis heute fürchte ich.Science auch ein.das heißt der Ebene der Hirnfunktion oder der Neurophysiologie durchzuführen. Wie die meisten anderen Wissenschaftler ist Wolpert ein Optimist. daß »menschliches Verhalten und Denken niemals jener Art von Erklärungen zugänglich sein werden. anbelangt.«13 Ich stimme mit Wolpert überein. Er schrieb. die sie bislang erzielt hat. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes befinde sich im Vergleich zu ausgereiften wissenschaftlichen Disziplinen wie der Kernphysik und der Molekularbiologie noch immer in einem »primitiven« Zustand. Im Grunde genommen behauptet er. Als Beleg führte er die Unfähigkeit der Neurowissenschaftler an. daß um so wichtigere Entdeckungen vor uns lägen. das die psychoanalytische Theorie widerlegen würde. wie weit es die Wissenschaft vom menschlichen Geist. was den gegenwärtigen »primitiven« Zustand der Neurowissenschaft und anderer Disziplinen. die sich mit der Erforschung der Psyche befassen. und folglich. was wir nicht wissen.

Als ich mich dann an die Arbeit machte. sagte ich und faselte etwas von der Befriedigung. Was sagen Sie den Lesern am Ende Ihres Buches. Doch ich empfand ein starkes Bedürfnis. mir zu sagen. was er von der Idee halte.»Hoffnungsvoll?« fragte ich zurück.24 . Zu Beginn meiner Recherchen beobachtete ich am New York State Psychiatrie Institute Patienten. Wo bleibt das Positive? Bevor ich mit dem Schreiben dieses Buches begann. die Psyche zu heilen. die dem Streben nach Wahrheit als solchem innewohne. Eine der Patientinnen war eine schlanke. zierliche Frau mit kurzem braunem Haar. damit sie das Buch nach Lektüre nicht in gedrückter Stimmung weglegen?« Auf diese Frage war ich nicht gefaßt.es vielleicht niemals endgültig gelingen. nachdem ich alle Disziplinen. Im Gegenteil. bohrte er nicht weiter. »Sie legen uns all die negativen Punkte auseinander. bat ich einen auf Naturwissenschaft spezialisierten Verlagsagenten. Sie lag auf einer Untersuchungsliege und wartete auf ihre Behandlung. die einer Elektroschocktherapie unterzogen wurden. »Ja. Aber welchen hoffnungsvollen Ausblick setzen Sie dem entgegen?« . sie auf Rechnern zu simulieren oder zu erklären. Womöglich wird der menschliche Geist bis zu einem gewissen Grad immer ein Rätsel bleiben. die positive Botschaft. durchgegangen war. »Ich bringe nichts Optimistisches«. ich verstehe«. änderte sich meine pessimistische Einschätzung der gegenwärtigen Lage der wissenschaftlichen Erforschung des Geistes nicht. die ich kritisieren wollte. Obgleich der Agent nicht überzeugt zu sein schien. »Ja. sagte er. meine kritische Einstellung zu begründen und etwas Positives zu finden. Als ein Techniker die . während ich ein paar Schritte von ihr weg stand und Notizen auf einen Block mit gelbem Papier kritzelte.

sie öffentlich kundzutun ? Wozu sollte es gut sein. Wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen. wobei ich. Vor ein paar Jahren war Harry einer so tiefen Depression verfallen. daß ich zunehmend meine persönliche Einstellung zu dem Thema. wie ich leide ? Ähnliche Gedanken überkamen mich. als ich in einem Vortrag an einer kalifornischen Universität einige Themen dieses Buches angeschnitten hatte. was ich mache. ein Medikament anzuprangern. Ob ich der Ansicht sei. Je länger ich sprach. Sie schien gleichzeitig verwirrt. erschrocken und zornig zu sein. oder. und ich erzählte ihm von meinem Buchprojekt. Weshalb war ich so negativ eingestellt? Was war mein Motiv? Wollte ich im Grunde genommen. daß er an Selbstmord dachte. hinterfragte.25 . das ich erörtern wollte. daß diese Forschungen scheitern? Angenommen. um so verlegener blickte Harry drein. was ich mir davon verspräche. warum. Er fragte. und was steht er da herum und gafft.14 Während der anschließenden Diskussion fragte mich ein Genetiker empört. er und seine Kollegen sollten einfach mit ihrer Arbeit aufhören? Solle der US-Kongreß seine finanzielle Förderung einstellen? Diese Begegnungen führten dazu. als dächte sie: Wer zum Teufel ist der da. als ich auf einer Party zufällig einem Bekannten aus Kindertagen begegnete. den ich Harry nennen will. meine Sichtweise der Erforschung des menschlichen Geistes war richtig. worauf ich eigentlich hinauswolle. wie ich es häufig gegenüber Laien tat. die Depression zu überwinden. drehte sie plötzlich den Kopf und starrte mich unvermittelt an. was versprach ich mir davon. Ohne das Medikament wäre er möglicherweise tot. Fluctin hatte ihm geholfen. das ihm und vielen anderen das Leben gerettet habe? Eine weitere Unsicherheit kam auf. und er sagte mir schließlich. Er fragte mich freundlich. um mit dem Verlagsagenten zu reden: Was war das Positive daran? . meine geplante Kritik an Medikamenten wie Fluctin als Beispiel wählte.Schläfen der Frau mit elektrisch leitendem Gel einrieb.

Dann könnten Journalisten genausogut die Heilkräfte von Blutegeln.26 . an der Psychotherapie und an anderen Behandlungsverfahren möglicherweise den Glauben daran untergräbt und so deren Wirksamkeit bei Menschen wie Harry beeinträchtigt. Es macht mich betroffen. daß Kritik an Fluctin. nur damit irgend jemand eventuell größeren Nutzen daraus zöge. Gerade weil diese Forschungen so wichtig sind. aber er hat auch Unwissenheit und Intoleranz gefördert. mit der vielleicht wichtigsten wissenschaftlichen Fragestellung überhaupt. Das liegt daran. daß der Glaube an eine bestimmte Therapie zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden kann. die je erfunden wurde. Meine Kritik mag sich manchmal schroff anhören. und Politiker abschrecken. Ich möchte in diesem Buch konstruktive Kritik an den Disziplinen üben. Der Nutzen wissenschaftlicher Erkenntnisse muß den Nutzen des Glaubens übertreffen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. Religiöser Glaube ist wohl die erfolgreichste psychologische Therapie. Weshalb sollte man andernfalls überhaupt Wissenschaft betreiben? Eindringliche Hinweise auf die Grenzen von Neurowissenschaft. bedürfen sie einer sorgfältigen Überprüfung. diese Art von Forschung fortzusetzen. Doch diese Möglichkeiten rechtfertigen nicht. Tatsachen zu ignorieren oder falsch darzustellen. Doch zweifellos wäre es unverantwortlich. Harry. wenn ein Journalist bewußt die Wirksamkeit eines Behandlungsverfahrens übertriebe.Ich befasse mich zunächst mit dem Einwand meines Bekannten aus Kindertagen. Fördermittel für weitere Studien zu bewilligen. schließlich hat die Wissenschaft gezeigt. Kristallen oder der Homöopathie anpreisen. daß ich eine Unausgewogenheit beheben möchte: Die meisten Bücher zum Thema menschlicher . ja sogar grausam. Verhaltensgenetik und verwandten Disziplinen könnten vermutlich auch Wissenschaftler davon abhalten. Der Glaube ist nicht allmächtig und auch nicht immer nützlich.

doch ich sehe zu viele gegenteilige Anzeichen.mittlerweile gelernt haben. mit denen sich die Forscher herumschlagen. in einem allzu verklärenden Ton geschrieben. die menschliche Natur zu verstehen. Subtilere Schäden können die Behauptungen prominenter Forscher anrichten. Verhaltensgenetik. Künstliche Intelligenz und sogar die Psychoanalyse keineswegs wertlos. und Methoden finden. die immer weiter um sich greifende Behandlung von Kindern mit Psychopharmaka. daß keine zu mächtig wird. Evolutionspsychologie. Trotz ihrer Fehltritte und Grenzen sind Neurowissenschaft. Jede dieser Disziplinen kann zumindest als ein Gegengewicht zu den anderen dienen und sorgt dafür. Psychologie. Sie haben uns wichtige Erkenntnisse über unser Wesen verschafft.Geist sind. können sie auch in Schwierigkeiten bringen. Solcher . wenn auch problematische und widersprüchliche. Doch der feste innere Glaube und die Zuversicht. Ich bin beunruhigt über die Ausbreitung der erinnerungsaufdeckenden Therapie. keiner Theorie zuviel Glauben zu schenken. Zudem werden die Wissenschaftler vielleicht eines Tages wirklich damit anfangen. daß Wissenschaftler . die Eugenik und den totalitären Kommunismus. das Weiterbestehen rassistischer Intelligenztheorien. gleich ob sie von Forschern oder Journalisten stammen. die Veröffentlichung karikaturistischer Darstellungen der männlichen und weiblichen Sexualität. Ich würde gern glauben.und andere Menschen . daß diese Prognose zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. um ihre Suche durchzuhalten. entziehen sich möglicherweise dem wissenschaftlichen Zugriff. wonach wir Menschen nur ein Haufen Neurone oder nur Vehikel für die Fortpflanzung von Genen oder nur Maschinen sind. die Wissenschaftler brauchen.27 . sie zu verbessern. Einige Probleme. In der Vergangenheit brachte die Überbewertung der Macht von Wissenschaft und Vernunft pseudowissenschaftliche Ideologien hervor wie den Sozialdarwinismus. doch ich möchte keinesfalls. Psychiatrie.

28 . zu einem endlosen Unternehmen. den Ergebnissen der Wissenschaft skeptisch gegenüberzustehen und gleichzeitig die Wissenschaft als solche zu fördern. Er behauptete. In An den Grenzen des Wissens behauptete ich. das Poppersche Modell lasse sich nicht aufrechterhalten. Zuviel Skepsis kann zum Solipsismus führen. bezogen auf die Erforschung des menschlichen Geistes. wir könnten nicht beweisen. Der Schlüssel liegt darin. sind nicht vorläufig. wir könnten Theorien lediglich widerlegen beziehungsweise falsifizieren. sehr plausibel. Der Philosoph Karl Popper verkörperte diese Einstellung. In bezug auf die menschliche Natur kann unsere Gier nach absoluten Wahrheiten. daß wir echte Wahrheiten erkennen. Popper nannte seine Philosophie kritischen Rationalismus. Ich ziehe den Begriff optimistischer Skeptizismus vor. zu einer radikalen postmodernen Anschauung.kann uns vor unserer Gier nach Antworten schützen und uns gleichzeitig so aufgeschlossen sein lassen. Die Poppersche Philosophie ist allerdings. daß die Erde rund und nicht flach ist. daß unsere Theorien wahr seien. wie etwa die Tatsache. die wir in der Physik. sondern dauerhaft und absolut. Nur das richtige Maß an Skepsis . der wissenschaftlich so schwer zu bezwingen ist. sondern die Möglichkeit von Erkenntnis überhaupt bestreitet. wenn sie .gemischt mit dem richtigen Maß an Hoffnung . Alle unsere Erkenntnisse seien nur vorläufig gültig. die nicht nur die Möglichkeit vollkommener menschlicher Selbsterkenntnis. der Astronomie und der Biologie gewonnen haben. zur Freude des wissenschaftsliebenden Popper.15 Ein Großteil der Erkenntnisse. So wird die Wissenschaft. Zuwenig Skepsis läßt uns wissenschaftlichen Quacksalbern auf den Leim gehen. nach vereinheitlichten Theorien und nach Allheilmitteln gefährliche Konsequenzen haben. wenn man es auf die gesamte Wissenschaft beziehe.Reduktionismus erweist sowohl der Menschheit als auch der Wissenschaft einen schlechten Dienst.

widersteht . dieses Streben finanziell zu unterstützen. Die Tatsache. die wissenschaftliche Erforschung des Geistes mit optimistischem Skeptizismus zu betrachten. werden wir etwas Wertvolles verlieren. sie zu verfolgen. solange wir nicht in eine utopische Apathie verfallen.unerforschte Grenzgebiet der Wissenschaft. Doch selbst wenn der Geist weiterhin den Bemühungen von Wissenschaftlern. Solange wir uns selbst ein Rätsel bleiben. wenn dieses Streben nach Erkenntnis enden sollte.ewig . bedeutet paradoxerweise. edle Aufgabe gegeben. Die Ziele der Erforschung des Geistes sind so verlockend. daß diese Ziele möglicherweise nie ganz erreicht werden. Das ist ein positiver Aspekt. daß die Wissenschaft vom menschlichen Geist vielleicht nie zu einem Ende kommen wird. gibt es einen weiteren positiven Aspekt. . Könnten wir anders? Die Innenwelt ist vielleicht das letzte .selbst wenn er ein Rätsel bleiben sollte -. ihn zu erklären. Falls dieses Buch auch nur annähernd sein Ziel erreicht. werden wir weiterhin mit den Instrumenten der Wissenschaft unseren Geist analysieren und ihm auf den Grund gehen. zu therapieren und zu simulieren. daß die Wissenschaftler zweifellos niemals aufhören werden.auftauchen. noch werden Regierungen. Unternehmen und Philanthropen jemals aufhören. Die Wissenschaft hat der Menschheit eine gewaltige.29 . wird es den Leser dazu bringen. solange wir leiden.

daß nämlich.. meine Glieder zu bewegen. weshalb er die Todesstrafe angenommen habe und nicht geflohen sei. sage im Grunde folgendes über ihn aus: Da nun die Knochen in ihren Gelenken schweben. wenn ich sie nachlasse und anziehe. als kuriose Scharlatanerien der Vergangenheit. TOM WOLFE.. der dies glaube. sein Verhalten lasse sich rein physisch erklären. ähnlich Mesmers »animali1 schem Magnetismus«. Die neueste wissenschaftliche Mode war die klinische Erforschung des Zentralnervensystems. die wahren Ursachen anzuführen.1. so bewirkten die Sehnen. DIE »ERKLÄRUNGSLÜCKE« DER NEUROWISSENSCHAFT Im Jahr 1979 behandelte man die freudianische Psychologie nur noch als eine interessante historische Fußnote.30 . die Strafe geduldig auszustehen.] Heute sind die neuen Gelehrten eifrig dabei. welche sie angeordnet haben. [. deshalb es auch mir besser geschienen hat. der von der Athener Regierung ins Gefängnis geworfen und zum Tode verurteilt worden war. wenn er von unserm Gespräch andere solche Ursachen anführen wollte. hier sitzenzubleiben.2 . und sie projizieren ihre Dias und betrachten Freuds theoretische Konstrukte. die sich im Gefängnis versammelt hatten. das Gehirn von allen Seiten zu sondieren und in hauchdünne Scheibchen zu zerlegen. In Our Time Im Phaidon beschrieb Platon die letzten Stunden des Sokrates. ganz vernachlässigend. Sokrates erklärte seinen Freunden. weil es den Athenern besser gefallen hat. mich zu verdammen. seinen »Ödipuskomplex« und alles weitere. seine »Libido«. argumentierte Sokrates. und aus diesem Grund säße ich jetzt hier mit gebogenen Knien. daß ich jetzt imstande sei. die Töne nämlich und die Luft und das Gehör und tausenderlei dergleichen herbeibringen. Im Verlauf seiner Rede führt Sokrates die Vorstellung. ad absurdum. Jemand. Ebenso. und gerechter.

daß die Neurowissenschaft schließlich für die Wissenschaft vom menschlichen Geist das leisten wird. Sie können mit Mikroelektroden die extrem schwachen elektrischen Impulse registrieren. die . (Aristoteles' Beobachtung. die zwischen einzelnen Nervenzellen weitergeleitet werden. Sie können die Wirkungen spezifischer Gene und Neurotransmitter auf die Funktionsweise des Gehirns verfolgen. also unsere subjektiven Empfindungen von der Welt. psychische Phänomene zu erklären. wußte man nicht einmal. was zeitgenössische Philosophen die »Erklärungslücke« nennen. Als Platon seinen Phaidon schrieb. was die Molekularbiologie für die Evolutionsbiologie leistete. Die Forscher hoffen. Der Begriff wurde von Joseph Levine geprägt. Er konzentrierte sich dabei hauptsächlich auf das Bewußtsein beziehungsweise »Qualia«. In seinem Aufsatz »Materialism and Qualia: The Explanatory Gap«3 befaßte sich Levine mit der rätselhaften Unfähigkeit physiologischer Theorien.) Heute erkunden die Neurowissenschaftler die Zusammenhänge zwischen Gehirn und Geist mit einer Reihe immer leistungsfähigerer Instrumente. die Erklärungslücke zu schließen.31 . brachte ihn zu der Überzeugung. nämlich sie auf eine feste empirische Grundlage zu stellen. daß das Gehirn keinesfalls die Steuerungszentrale des Körpers sein könne. die am ehesten imstande sein dürfte. Doch die Erklärungslücke kann sich auch auf mentale Funktionen wie Wahrnehmung. daß Hühner nach ihrer Enthauptung oftmals noch eine Zeitlang umherlaufen. Gedächtnis. die Wissenschaft vom Gehirn.Dies ist die meines Wissens älteste Anspielung auf das. ist die Neurowissenschaft. logisches Denken und Emotion sowie auf das menschliche Verhalten beziehen. Die Disziplin. daß das Gehirn der Sitz der mentalen Funktionen ist. einem Philosophen an der Staatsuniversität von North Carolina.und der Kernspinresonanztomographie die Aktivität sämtlicher Hirnareale messen. Sie können mit Hilfe der Positronenemissions.

Die Neurowissenschaft ist zweifellos eine Wachstumsbranche. Es sei unmöglich.32 . die Neurowissenschaft sei »eines der dynamischsten und sich am schnellsten entwickelnden Gebiete der Biologie. Die Zahl neurowissenschaftlicher Fachzeitschriften hat stark zugenommen. C.. reichen ihre Fragestellungen doch von der Grundlage des Gedächtnisses über die Ursachen der Alzheimer-Krankheit bis hin zur Entstehung von Emotionen. den Direktor der Abteilung Neurowissenschaft an der Harvard-Universität und ehemaligen Präsidenten der Society for Neuroscience. das von der Erforschung von Molekülen. bis zur bildlichen Darstellung der Aktivität des gesamten Gehirns mit Hilfe der Kernspinresonanztomographie reiche. Nature Neuroscience. Die Anzahl der Mitglieder der Society for Neuroscience4 die ihren Sitz in Washington. die die neuronale Impulsübertragung beschleunigen. auf den Markt brachte. Als Nature 1998 eine neue Fachzeitschrift. ebenso die Behandlung des Themas in renommierten Wissenschaftsmagazinen wie Science und Nature. stieg drastisch von fünfhundert in ihrem Gründungsjahr 1970 auf über fünfundzwanzigtausend im Jahr 1998 an. mir die seines Erachtens bedeutendste Errungenschaft seines Fachgebiets zu nennen. sondern sie hat auch tiefgreifende gesellschaftliche Auswirkungen. die aus der neurowissenschaftlichen Forschung hervorgegangen seien. hat. Die Neurowissenschaft sei ein weites Feld. hieß es in der Presseverlautbarung. Die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns ist nicht nur eine der größten wissenschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. eine bestimmte Erkenntnis oder auch eine Reihe von Erkenntnissen herauszustellen. D.6 Er lächelte über die Naivität der Frage. Aber in welcher Richtung schreitet sie voran ? Ich bat einmal Gerald Fischbach.«5 Die Neurowissenschaft macht zweifelsohne Fortschritte. betonte er. der Persönlichkeit und sogar des Bewußtseins selbst.zu weitreichenden neuen Erkenntnissen und Nutzanwendungen führt. .

«7 . und von neurotropen Faktoren. Die Erforschung neurotroper Faktoren nehme ebenfalls »explosionsartig« zu. Die Forscher entdeckten ständig neue Typen von Hirnzellen beziehungsweise Neuronen. mittlerweile seien mindestens zehn verschiedene Rezeptoren identifiziert worden.33 . Forscher hätten herausgefunden. so Fischbach. also Substanzen. von Neurotransmittern. »Wir sind von einer einheitlichen Theorie des menschlichen Bewußtseins noch weit entfernt«.Das charakteristischste Kennzeichen der Disziplin sei vielmehr ihre Produktion einer gewaltigen und wachsenden Zahl von Erkenntnissen. also chemischen Substanzen. von neuronalen Rezeptoren. der die Aktivität der Muskeln steuert. so Fischbach weiter. es gebe nur einen Rezeptor für den Neurotransmitter Acetylcholin. daß neurotrope Faktoren das Gehirn nicht nur in der Pränatalphase und im Säuglingsalter formen. sondern während der gesamten Lebensspanne. die das Wachstum des Gehirns vom Embryonal. also den Proteinstrukturen auf der Oberfläche von Nervenzellen. Vor nicht allzu langer Zeit. Er warf damit ein Schlaglicht auf eines der paradoxesten Merkmale seines Fachgebiets. mit denen Neuronen miteinander kommunizierten.bis ins Erwachsenenstadium steuerten. Auslassungen sind gerade ein Merkmal für erfolgreiche Erklärungen. Obgleich das Adjektiv reduktionistisch oftmals in einem abwertenden Sinne gebraucht wird. ist die Naturwissenschaft definitionsgemäß reduktionistisch. wie sie all diese Erkenntnisse in ein kohärentes Rahmenmodell einordnen könnten. Und Experimente hätten mindestens fünfzehn Rezeptoren für den Neurotransmitter Gammaaminobuttersäure (GABA) nachgewiesen. Leider wüßten die Neurowissenschaftler bislang nicht. Der Philosoph Daniel Dennett formulierte dies einmal folgendermaßen: »Aber natürlich muß etwas ›ausgelassen‹ werden andernfalls hätten wir nicht zu erklären begonnen. der die Aktivität von Nervenzellen hemmt. hätten die Forscher geglaubt. in welche die Neurotransmitter paßten.

Im zwanzigsten Jahrhundert haben Physiker nachgewiesen.Im günstigsten Fall isoliert die Wissenschaft ein gemeinsames Element. der Gravitation oder Massenanziehung. daß die mannigfaltigen Arten von Lebewesen auf der Erde durch einen einzigen Prozeß entstanden sind. daß alle Organismen weitgehend dieselbe DNA-gestützte Methode zur Übertragung genetischer Information an ihre Nachkommen benutzen. kohärenten Gesamtmodell zusammenzufügen. das vielen scheinbar ungleichartigen Phänomenen zugrunde liegt. Je mehr Erkenntnisse die Forscher über das Gehirn gewinnen. dekken sie weiterhin immer komplexere Zusammenhänge auf. all die verschiedenen Daten zu einem in sich widerspruchsfreien. Statt eine große vereinheitlichte Theorie zu finden. Der Zweck dieser Proklamation bestand darin. die neunziger Jahre zum Jahrzehnt des Gehirns zu erklären. Isaac Newton fand heraus.34 . James Watson und andere Molekularbiologen. um so schwieriger wird es für sie. daß alle Materie sich letztlich aus zwei Teilchenarten zusammensetzt. die Gezeiten der Meere sowie die Bewegung des Mondes und der Planeten durch den Weltraum alle mit einer einzigen Kraft erklären lassen. Charles Darwin zeigte. zu Boden zu fallen. Den Neurowissenschaftlern dagegen steht ihr reduktionistisches Offenbarungserlebnis noch bevor. sowohl die Errungenschaften der Neurowissenschaft ins allgemeine Bewußtsein zu heben als auch Forschungsanstrengungen zur Aufklärung der Ursachen von Psychosen wie Schi. daß sich die Neigung von Körpern. Das Dilemma des Reduktionismus Im Jahr 1990 brachte die Society for Neuroscience den USKongreß dazu. In den letzten fünfzig Jahren enthüllten Francis Crick. die Evolution. Der Fortschritt der Neurowissenschaft ist in Wirklichkeit ein Gegen-Fortschritt. Quarks und Elektronen.

doch sie wüßten im Grunde immer noch nicht.« (Dennoch begannen Verhaltenswissenschaftler . ruhiger Mann. doch als ich ihn 1997 interviewte. Anthropologen und andere . elegans funktioniert«. fensterlosen Kellerlabor« der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität Experimente am visuellen Kortex einer Katze durch. Genetiker. um das Gehirn zu verstehen. Wissenschaftler hätten im Gehirn einige »einfache Mechanismen« entdeckt. daß das Jahrzehnt. Die Idee sei »töricht«. der 1981 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet wurde und später Präsident der Rockefeller-Universität in New York wurde.dazu gehören Psychologen.) Wiesel ist ein freundlicher. (Ende 1998 legte er dieses Amt nieder. wie C. Ein Neurowissenschaftler. der diese Idee ablehnte.8 geriet er bei der Erwähnung des Ausdrucks »Dekade des Gehirns« in Rage. sich dafür stark zu machen. »Wir begreifen noch nicht einmal. »Wir brauchen mindestens hundert.und Zellbiologen als Versuchstier dient. zur »Dekade des Verhaltens« gekürt wird. das im Jahr 2000 beginnt.im Jahr 1998 damit. vielleicht tausend Jahre«. wie sich das Gehirn in der Embryonalphase und den anschließenden Lebensstadien entwickle. um sich wieder der Forschung zu widmen. schäbigen. Im Jahr 1958 führten Wiesel und ein anderer junger Neurowissenschaftler. womit ein winziger Wurm gemeint ist.10 Nachdem sie eine Elektrode in den visuellen Kortex der Katze implantiert . »Wir stehen ganz am Anfang der Gehirnforschung. wie das Gehirn altere und wie das Gedächtnis funktioniere. Wie viele andere wissenschaftliche Triumphe verdankte sich auch dieser einer Kombination von harter Arbeit und Findigkeit. murrte er.35 . in einem »kleinen.zophrenie und manisch-depressive Erkrankung (auch bipolare affektive Störung genannt) zu unterstützen. David Hubel.)9 Wiesel selbst war an einer der mustergültigen Entdeckungen der Neurowissenschaft beteiligt. fuhr er fort. war der in Schweden geborene und aufgewachsene Torsten Wiesel. der Molekular.

Franz Gall behauptete dies schon vor zweihundert Jahren. die einen Kreis um eine Uhr beschreibt. die in bestimmter Weise bezüglich der Netzhaut ausgerichtet waren. Die wohl bedeutendste Erkenntnis. mit der der Charakter eines Menschen aus der Form seines Schädels abgeleitet wurde). Nachdem sie das Dia gelöst hatten. ist die Tatsache. Noch in den fünfziger Jahren glaubten viele Wissenschaft. gab ein Gerät.36 . Solche Entdeckungen sind bezeichnend für einen allgemeinen Trend in der Neurowissenschaft. die nur auf Linien ansprachen. daß verschiedene Hirnregionen je spezifische Funktionen ausführen. Im Jahr 1981 wurden Wiesel und Hubel für ihre Forschungen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. der mit einem Ophthalmoskop verbunden war. Wiesel und Hubel erhielten unschlüssige Ergebnisse. kontinuierlich. Das ist zwar nicht gerade neu . Wiesel und Hubel erkannten schließlich. als er die Phrenologie erfand (die zu einer pseudowissenschaftlichen Lehre verkam. Wenn die Elektrode eine elektrische Entladung eines Neurons registrierte. Bilder auf die Netzhaut der Katze. die aus dieser Disziplin hervorging. daß das Neuron auf die Bewegung der Kante des Dias durch das Gesichtsfeld der Katze reagierte. Plötzlich begann der Elektrodendetektor »wie ein Maschinengewehr« zu feuern. projizierten sie mit einem Diaprojektor. ein Klickgeräusch von sich. und es ist kein Ende dieses Prozesses in Sicht.hatten. schoben sie es langsam zurück in den Schlitz. bis eines ihrer Dias im Projektor hängenblieb. Bei nachfolgenden Experimenten wiesen sie Neuronen nach. änderte sich die Ausrichtung der Linien. auf welche die Neuronen reagierten. Sie boten der Katze zwei einfache Reize dar: einen hellen Fleck auf dunklem Hintergrund und einen dunklen Fleck auf hellem Hintergrund. wie eine winzige Hand. Als die Forscher die Elektrode durch den visuellen Kortex bewegten. das einem Geigerzähler glich. Doch moderne Wissenschaftler zerschneiden das Gehirn in immer dünnere Scheiben.

Das episodische Gedächtnis ermöglicht uns die Erinnerung an bestimmte Ereignisse. sich den Weg durch ein Labyrinth zu merken. Erinnerungen würden nicht an einer bestimmten Stelle des Gehirns. daß Ratten viele redundante Methoden besitzen. Das Kurzzeitgedächtnis. gelegentlich auch Arbeitsgedächtnis genannt. um sie ein paar Sekunden später zu wählen. Was Lashley nicht erkannte. die jeweils mit spezifischen Hirnregionen assoziiert sind. . von denen sich einige überschneiden. so daß sie jederzeit abgerufen werden kann.ler. Die zwei Hauptkategorien des Gedächtnisses sind das explizite oder deklarative Gedächtnis. und das implizite oder unbewußte Gedächtnis. wenn die Fähigkeit der Ratte. Das prozedurale Gedächtnis läßt uns solche unwillkürlichen Fertigkeiten wie das Autofahren. das Gedächtnis sei eine einheitliche .wenn auch sehr vielseitige . Das Langzeitgedächtnis speichert dieselbe Telefonnummer dauerhaft. bei denen Verletzungen im Gehirn von Ratten keine wesentliche Auswirkung auf ihre Fähigkeit hatten. weicht sie auf olfaktorische oder taktile Stimuli aus. ermöglicht uns. in dem das bewußte Erinnern abläuft. war die Tatsache. sich aber dennoch auf das Verhalten und die mentale Aktivität auswirkt.11 Er behauptete. Zum Beweis führte er Experimente an. sich an visuelle Anhaltspunkte zu erinnern. sondern überall im Gehirn verarbeitet und gespeichert. beeinträchtigt ist.37 .Funktion. einen flüchtigen Blick auf eine Telefonnummer zu werfen und sie uns gerade lange genug zu merken. daß es viele verschiedene Gedächtnistypen gibt. den Weg durch ein Labyrinth zu finden. Anschließende Experimente sowohl mit Menschen als auch mit anderen Tieren erbrachten den Nachweis. Der Forscher Karl Lashley war ein prominenter Verfechter dieser Auffassung. das Blindschreiben oder das Tennisspielen erwerben und ausführen. Das Gedächtnis wurde noch in weitere Kategorien eingeteilt. das unterhalb der Bewußtseinsschwelle liegt.

Sie bekommen eine bestimmte Buchstabenfolge. etwa ein Ton oder ein Bild. haben dabei eine viel höhere Trefferquote. ob die Liste auch Octopus enthielt. das einen ähnlichen Sachverhalt bezeichnet wie der ältere Begriff der unterschwelligen Beeinflussung. Bei einer Serie von Experimenten werden den Versuchspersonen Listen mit Wörtern für so kurze Zeit dargeboten. Bei der PET wird die Strahlung gemessen. ausgeht. Hohe Konzentrationen des Isotops deuten auf eine erhöhte Durchblutung und damit eine verstärkte neuronale Aktivität hin. auch wenn sie sich nicht bewußt daran erinnern können. Ein starker elektromagnetischer Impuls bewirkt. Anschließend bittet man die Versuchspersonen ein Spiel. die von kurzlebigen radioaktiven Sauerstoffisotopen. die Octopus enthält. die in die Blutbahn injiziert wurden. etwa »O-t-p-s«. daß sich bestimmte Atome in einer bestimmten Richtung anordnen. Die MRT kommt ohne Injektion einer radioaktiven Substanz aus. die bestimmte Aufgaben ausfüh. Studien mit bildgebenden Verfahren konzentrieren sich oftmals auf Versuchspersonen. Technologien wie die Positronenemissionstomographie (PET) und die Kernspinresonanztomographie (MRT) haben die Zergliederung von Gehirn und Geist weiter beschleunigt. Wenn das magnetische Spannungsfeld abgeschaltet wird.Experimente haben zudem ein priming (»Bahnung«) genanntes Phänomen aufgedeckt. daß sie ihn nicht bewußt wahrnehmen und sich später nicht daran erinnern können. wie das vollständige Wort lautet. zu spielen. daß der Reiz sich auf irgendeiner Ebene dem Gehirn eingeprägt hat. Dennoch zeigen Tests. so kurzzeitig dargeboten. denen zuvor eine Liste mit Wörtern dargeboten wurde. Versuchspersonen. Versuchspersonen wird ein Reiz.38 . daß sie diese nicht im Kurzzeitgedächtnis speichern können. senden die Atome Strahlung von charakteristischen Frequenzen aus. ähnlich wie Eisenspäne um einen Magneten. und müssen raten. ähnlich dem Fernsehspiel Glücksrad.

mit Darwins beharrlicher Sammlung von Daten über Tiere aus allen Regionen der Erde.« Rodolfo Llinas.‹ Es ist absolut unglaublich! Das Gehirn ist kein Organ. und man sieht einen roten Fleck auf der Vorderseite des Kortex. und man sagt zu der Person: ›Diese Stelle auf dem Kortex ist der Sitz ihrer negativen Gedanken.39 . »Ohne diesen Katalog der funktionalen Spezialisierung«. und die Aufklärung dieser neuralen Verbindungen sei für das Verständnis des Gehirns von entscheidender Bedeutung. stand der Art und Weise.«12 Allerdings war er der Ansicht. wie etwa knifflige mathematische Probleme lösen. verglich diese Katalogisierung von neuralen hot spots. »ohne dies in ein theoretisches Rahmenmodell einzufügen und ohne ein angemessenes oder tieferes Verständnis der funktionalen Architektur des Gehirns«. die die stärkste Aktivität zeigen. sagte er. noch kritischer gegenüber. in dem eine Funktion an einer einzigen Stelle lokalisiert ist!«13 Llinas verglich diese Studien mit der Phrenologie. jener pseudowissenschaft. einfach eine bestimmte Region mit einer bestimmten Funktion in Zusammenhang zu bringen. Karl Friston. daß jene Hirnregionen. Bilder nach Kategorien ordnen oder Wörterlisten auswendig lernen. Man nimmt dabei an.ren. Zu viele Studien begnügten sich damit. das Streben nach Lokalisierung sei zu weit getrieben worden. Verschiedene Teile des Gehirns seien offensichtlich miteinander verbunden. für die jeweilige Aufgabe von entscheidender Bedeutung sind. wie bildgebende Verfahren insbesondere in der Psychiatrie verwendet werden. »Die Betrachtung der Korrelationen zwischen verschiedenen Regionen ist arg vernachlässigt worden. »wird man meines Erachtens bei der Erarbeitung einer nützlichen und konsistenten Theorie der Organisation des Gehirns nicht weit kommen. Stellen hoher neuronaler Aktivität. ein MRT-Spezialist am Institut für Neurologie in London. »Da kommt jemand mit einem bestimmten Problem. ein Neurowissenschaftler an der New York University.

so daß jene scheinbare Einheit der Wahrnehmung und des Denkens entsteht. in der die Forscher Affen beziehungsweise Ratten Drogen injizierten und dann die Ergebnisse publizierten. die den Geist ausmacht? Der an Harvard lehrende Neurowissenschaftler David Hubel.40 . Das ist reinste Phrenologie!« Llinas erinnerte daran. und es zeigt sich. weil man es auf den Aufnahmen klar sehen kann. so daß wir beispielsweise einen hüpfenden roten Ball wahrnehmen.. die das Gehirn in diskrete Bezirke einteilte. »Wir neigen dazu. und sei es auch nur auf der Ebene der motorischen Nerven. daß Attribute wie Form. schrieb am Ende seines Buches Eye. Farbe und Bewegung weitgehend von getrennten Strukturen im Gehirn verarbeitet werden. Sie müssen offenkundig irgendwo verknüpft werden. Wir haben keine Ahnung. daß die Neurowissenschaft eine Phase durchlaufen habe. Brain and Vision: Diese überraschende Feststellung.. wo und wie sie zusammengeführt werden. um so dringlicher wird die Antwort auf die Frage: Wie koordiniert und integriert das Gehirn die Aktivitäten seiner hochspezialisierten Regionen. »Man hat einen Patienten und schiebt ihn ins Meßgerät. Doch] dann geht man in die Einzelheiten. ein paar Fälle zu publizieren und zu sagen: ›So funktioniert das. daß es ein Trugbild war. schau dir nur das schöne Bild an. egal ob diese aussagekräftig waren oder nicht. wie all diese Informationen letztlich zusammengeführt werden. dessen Experimente mit Torsten Wiesel mit zu der gegenwärtigen Krise in der Neurowissenschaft beitrugen.lichen Lehre aus dem achtzehnten Jahrhundert. welche die Handlung des Fangens steuern.14 . behauptete Llinas. wirft sogleich die Frage auf. Mit den neuen bildgebenden Technologien seien wir fast wieder auf diese Stufe zurückgefallen.« Je weiter die Neurowissenschaftler das Gehirn unterteilen. die angeblich spezifische Funktionen ausführten.‹ [. dann schreibt man einen Aufsatz.

Psychiatrie und andere Disziplinen. Ich möchte eine andere Bezeichnung vorschlagen: das reduktionistische Dilemma. die sich auf neurale. zu zeigen. die den Geist in eine Sammlung weitgehend unverbundener »Module«. Wie der Direktzugriffsspeicher eines Computers. Professorin an der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität.15 Goldman-Rakic. des Makaken. der an einem Radio herumbastelt. Sie hofft. sondern das eines engen Verwandten des Menschen. wie sie die Teile wieder zu einem Gesamtbild zusammenfügen können. »Intelligenzen« beziehungsweise »Rechenmaschinen« aufteilen. leisten die Hirnforscher Vorzügliches. der als Sitz von Denken. Ein Schwerpunkt ihrer Forschung ist das Arbeitsgedächtnis. wie Psychologie. erforscht nicht das menschliche Gehirn. Es betrifft nicht nur die Neurowissenschaft. durch ihre Untersuchungen am frontalen Kortex. Entscheidungsfindung und anderen höheren kognitiven Funktionen gilt.Diese ungelöste Frage wird gelegentlich auch Bindungsproblem genannt. die sich bemüht. die einem der modernsten neurowissenschaftlichen Forschungslabors der Welt vorsteht. Wie ein frühreifer achtjähriger Junge. Goldman-Rakic nennt sich selbst eine »systemorientierte Neurowissenschaftlerin«. zusammengeführt werden können. das reduktionistische Dilemma zu überwinden. wenn es darum geht. die Künstliche Intelligenz. das Gehirn zu zerlegen. mit reduktionistischeren Modellen. die den menschlichen Geist auf hohen Organisationsebenen erforschen. der In.41 . ja sämtliche Disziplinen. aber sie haben keinen blassen Schimmer. die Kognitionswissenschaft. Patricia Goldman-Rakics Erklärungslücke Eine Neurowissenschaftlerin. ist Patricia Goldman-Rakic. sondern auch die Evolutionspsychologie. genetische und molekulare Prozesse konzentrieren.

Dahinter erstreckt sich eine lange Flucht von Räumen. der Willensfreiheit. Viele Neurowissenschaftler glauben. Mikroskope. ein Kartenspiel zu spielen oder einfache arithmetische Berechnungen im Kopf auszuführen. die dieselben Informationen wie eine PET-Auf. des Bewußtseins und der Schizophrenie aufzuklären. und dennoch habe ich diese Lücke nie lebhafter . Besucher müssen sich an der Eingangspforte der Medizinischen Fakultät der Yale-Universität bei einem bewaffneten Sicherheitsbeamten anmelden. In einem Zimmer schnitt eine junge Frau mit einem Apparat. chirurgische Instrumente und all die neuesten Geräte der biotechnologischen Revolution beherbergen. ein Buch zu lesen. Kein Neurowissenschaftler könnte die Erklärungslücke besser schließen als GoldmanRakic. die Affen.ja geradezu körperlich . Der Radikalismus der Tierschutzbewegung hat dazu geführt. ungelöste Fragen wie die der Bindung. um dreidimensionale Karten der neuronalen Verschaltungen mit hoher Auflösung zu erhalten. erlaubt uns das Arbeitsgedächtnis. den Faden eines Gesprächs zu behalten. Goldman-Rakic und ihre Kollegen haben eine Technik vervollkommnet. In einem benachbarten Arbeitszimmer untersuchte ein junger Mann Querschnitte unter einem Mikroskop und zeichnete auf Papier die unglaublich verschlungenen Verbindungen zwischen den Neuronen nach. der einer Wurstschneidemaschine im Kleinformat glich. daß Labors wie das von Goldman-Rakic in regelrechte Festungen verwandelt wurden. sie werden durch zwei Stahltüren geleitet. daß uns ein besseres Verständnis des Arbeitsgedächtnisses dabei helfen wird. das gefrorene walnußgroße Gehirn eines Affen in durchsichtige dünne Scheiben.42 . Anschließend speiste er diese Zeichnungen in einen Computer ein.formationen zur sofortigen Abrufung bereithält.empfunden als bei meinem Besuch in ihrem Labor. die jeweils mit einem kleinen Fenster versehen sind und die nur mit einem Magnetschlüssel geöffnet werden können.

Über einen Sensor. die weitgehend mit denen des Menschen übereinstimm.43 . auf den die Forscher Signale und Bilder projizieren. der in das Auge des Affen implantiert ist und dessen Draht durch einen Stöpsel im Schädel des Affen zu einem Aufzeichungsgerät geleitet wird -. In den frontalen Kortex des Affen eingepflanzte Elektroden registrieren die Entladungen einzelner Neurone. Der Affe sitzt auf einem Stuhl in einem kastenförmigen Stahlgestell gegenüber einem Bildschirm. führen sie bestimmte Aufgaben aus. Wahrnehmung und Entscheidungsfindung zu verstehen. die am Tag meines Besuchs einen weißen Kaschmirpullover und goldene Ohrringe trug. Sie sagte. Sein Kopf ist mit Schrauben fixiert.nahme liefert. war Goldman-Rakic die meiste Zeit zurückhaltend und reserviert. höhere Kortexfunktionen wie Gedächtnis. In einem anderen Raum befindet sich ein Apparat zur Untersuchung des Arbeitsgedächtnisses von Affen. Die Herrscherin über dieses recht abstoßende Reich ist eine zierliche Frau mit eleganter Frisur. Durch Messung der Stärke der Radioaktivität in verschiedenen Regionen des Gehirns können die Forscher ermitteln. um einem Argument Nachdruck zu verleihen. Nachdem den Affen radioaktive Chemikalien injiziert wurden. um über ihre Arbeit zu sprechen. Als wir uns hinsetzten. ihre Forschungen intendierten. Affen seien zu kognitiven Leistungen fähig. sei der Makak ein »unübertroffenes« Modell. allerdings mit sehr viel höherer Auflösung. nur hin und wieder neigte sie sich in meine Richtung und umfaßte meinen Unterarm. können die Forscher die Augenbewegungen verfolgen. welche Regionen am stärksten an der Ausführung der Aufgabe beteiligt waren. Für diejenigen. Unmittelbar danach werden die Affen getötet und ihre Gehirne eingefroren. die die Verstoffwechslung von Glukose beschleunigen. die in seinen Schädel geschraubt und an dem Gestell befestigt sind. die höhere Kortexfunktionen erforschen wollten.

das GoldmanRakic als einen »mentalen Skizzenblock« oder »Leim« beschrieb. aufweiche Weise Dopamin. Serotonin und andere Neurotransmitter die Funktionsweise des Kortex hemmten oder förderten. der Parkinson-Krankheit und vermutlich auch bei kindlichen Störungen wie dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Sie und ihre Mitarbeiter untersuchten.« Experimente an Affen haben dazu beigetragen.ten. Ein Leitsymptom der Schizophrenie sei die »kognitive Entgleisung«. erklärte GoldmanRakic. die von großer Bedeutung für das Verständnis des Menschen sind. Schizophrene verlieren ständig den Faden ihrer Gedanken. Auch Schizophrenie wird möglicherweise durch ein Defizit im Arbeitsgedächtnis verursacht. auch wenn sie offensichtlich nicht so komplex seien. sagte Goldman-Rakic. zeigten sie sogar Verhaltensweisen. komplexe Sätze zu verstehen. Die Leistungsfähigkeit des Arbeitsgedächtnisses korreliert in hohem Grade mit der allgemeinen Intelligenz und der Lesefähigkeit. Ihre Forschungen könnten Erkenntnisse über normale und gestörte kognitive Prozesse beim Menschen liefern und so den Weg zu besseren pharmakologischen und Verhaltenstherapien weisen.« Medikamente wie Fluctin legten die Vermutung nahe.44 . »Wir arbeiten an der vordersten Front«. daß sich Serotonin nachhaltig auf die Stimmung auswirke. Fluctin »führt zu einer deutlichen Stimmungsaufhellung bei . Menschen mit einem schwachen Arbeitsgedächtnis fällt es schwerer. die Funktionsweise des Arbeitsgedächtnisses zu erhellen. Wenn man Affen Amphetamine spritze. die denen schizophrener Menschen glichen. »und machen Entdeckungen. in denen Subjekt und Verb durch eingeschobene Satzglieder getrennt sind. »Bei vielen Erkrankungen spielt Dopamin eine Rolle: bei der Schizophrenie. aus diesem Grund reagieren sie überempfindlich auf äußere Wahrnehmungen und werden leicht von diesen überwältigt. der mit für die Kontinuität des Denkens verantwortlich sei.

und schlug sie auf dem Tisch vor uns auf. die eines ihrer Experimente beschrieb. die dies tun.Depressiven. daß bestimmte Kortexzellen je nach Serotoninkonzentration unterschiedlich auf eintreffende Signale reagieren. wenn die Ampel rot ist.45 . wenn sie auf Grün umschaltet. nicht zu reagieren. wie das Gehirn funktioniert und insbesondere wie jene Teile des Gehirns beziehungsweise jene Systeme funktionieren. »Es gibt bereits Medikamente. ihre Fähigkeit.« Sie betonte.« Sie holte eine Veröffentlichung. oder sie haben Nebenwirkungen. aber ihre Wirksamkeit läßt zu wünschen übrig. »Menschen verfügen über ein breites Repertoire an habituellen Reaktionen. indem sie den Nachweis erbrachte. sich auf ihre Erfahrung zu beziehen. der anhält. Die Frage ist. Das spezifisch Menschliche ist vielmehr die Flexibilität ihrer Reaktionen. daß ihre Gruppe die Entwicklung solcher Medikamente nicht als Selbstzweck betrachte. was sie als Menschen auszeichnet. »Der Zweck meiner Forschungen besteht keineswegs darin. Vielmehr möchte ich herausfinden.« Sprach sie etwa von der Willensfreiheit? »Ich könnte diesen Begriff benutzen«. weshalb?« Ihre Arbeitsgruppe war der Antwort gerade einen Schritt näher gekommen. ihre Fähigkeit zu reflektieren und ihre Fähigkeit. und der anfährt. Doch das ist nicht das. eine bestimmte Reaktion in einem bestimmten Augenblick zu steuern. die an der Kognition beteiligt sind. unwillkürlichen Reaktionen und reflektorischen Reaktionen. »wenn ich wirklich enthemmt wäre. die Pharmaindustrie zu unterstützen. Könnte ihre Forschung zu Medikamenten führen. antwortete Goldman-Rakic. In dem . die Gedächtnisleistung und Intelligenz steigern? »Absolut! Ohne Frage!« versetzte sie mit Nachdruck.« Die Kognition umfasse viel mehr als die unwillkürliche Reaktion auf einen Reiz. wobei sie leiser wurde und in einem Flüsterton konspirativer Vertraulichkeit sprach. wie etwa ein Fahrer.

diese neuronale Aktivität korreliere nicht mit einem realen Bild. Der Affe hatte gelernt. Während dieser wenigen Sekunden mußte der Affe die Position des Lichts in seinem Arbeitsgedächtnis speichern. die sich zu entladen begannen. Ich gestand. die durchs Zimmer ging. nachdem das Licht erloschen war. »Dies«.« Die Neuronen entluden sich in Abwesenheit eines äußeren Reizes. sagte Goldman-Rakic. die Bedeutung ihrer Forschungen zu verstehen. Goldman-Rakic deutete auf eines der Schaubilder in dem Artikel.Experiment wurde einem Affen beigebracht. sobald der Lichtreiz erschien. seine Augen starr auf den Mittelpunkt einer Leinwand zu richten. und sich nach dessen Verschwinden weiterhin entluden.« Sie ließ ihre Worte einen Augenblick lang wirken und fügte dann hinzu: »Sie sehen hier also die neurophysiologischen Grundlagen der Kognition.46 . wo das Licht gewesen war. während die Forscher für kurze Zeit einen Lichtstrahl auf einen der Ränder oder eine der Ecken der Leinwand projizierten. mit einem Finger auf das Diagramm tippend. Sie wies darauf hin. bevor er direkt an die Stelle schaute. die direkt auf äußere Reize ansprechen. daß sich Torsten Wiesel und David Rubel und die meisten anderen Neurowissenschaftler auf Neuronen konzentrierten. sondern mit der Erinnerung beziehungsweise inneren Repräsentation eines Bildes. sei die Neurowissenschaft das schwierigste. »Dies«. daß es mir schwerfiel. Goldman-Rakic begann zu lachen: »Sie blicken so finster!« sagte sie. Von all den Themen. zu warten. »ist etwas ganz anderes. fuhr sie in theatralischem Tonfall fort. . noch schwieriger als die Elementarteilchenphysik. das die Aktivität von Neuronen darstellte. in dem wir beide auf das Schaubild starrten.« Es gab einen langen Moment des Schweigens. über die ich als Journalist berichtet hätte. »ist das zelluläre Korrelat des Mechanismus für die Speicherung von Online-Information. Goldman-Rakic gluckste und rief einer jungen Frau. ein paar Sekunden. sagte ich.

« Die Wissenschaftler könnten auch den Ursprung des Universums nicht verstehen. Timothy Beardsley. Und das. die in dieser Weise auf ihre Erklärungen reagiert hätte. redigierte ich einen Aufsatz über das Arbeitsgedächtnis »The Machinery of Thought«. Dennoch. »Ich glaube.zu: »Er sagt. und vielleicht werden wir es nie wissen.« Ich sei doch gewiß nicht die einzige Person. die Kognition beim Menschen zu verstehen. daß ihm noch nie Forschungsarbeiten un. Ihnen dies zu erklären. werde ich Ihnen heute nicht erklären können. einem erfahrenen Wissenschaftsjournalisten mit einem Doktortitel in Ethologie von der Universität Oxford. die die Entladungsraten von Neuronen zeigten.47 . daß etwas fehle. was uns zu unverwechselbaren Individuen macht.0 Der Aufsatz stammte von einem anderen Redakteur des Scientific American. die Erklärungslücke. daß es in Ihrem Kopf eine Erklärungslücke gibt«. die Neurowissenschaft sei schwieriger als die Elementarteilchenphysik!« Sich wieder zu mir umdrehend. erwiderte ich. »Ich könnte Sie umbringen«. es Ihnen begreiflich zu machen!« Ich sagte. zu allgemeinen Begriffen wie Gedächtnis und Kognition und Willensfreiheit nachzuvollziehen. so versicherte sie mir. sagte sie: »Ich versuche. doch beim menschlichen Geist habe ich das Gefühl. »sind wir auf dem Weg. es sei zu schwierig.« Andere haben ebenfalls eine Erklärungslücke in den neurowissenschaftlichen Forschungen von Goldman-Rakic und Mitarbeitern entdeckt. »Die exakte Abfolge der Veränderungen in den Zellen und im Gehirn und so weiter ist gewiß noch nicht aufgeklärt. in dem Goldman-Rakic groß herausgestellt wurde. Ich könne den Reduktionismus in der Teilchenphysik verstehen. mir falle es schwer. Kurz bevor ich 1997 die Redaktion des Scientific American verließ. sagte sie. den Übergang von diesen Diagrammen. Im Verlauf der redaktionellen Bearbeitung gestand Beardsley. sagte Goldman-Rakic bestimmt. die Philosophen hätten sogar einen Begriff für diese Reaktion. und Sie sagen. »Ich gebe mir alle Mühe.

Erinnerns und so weiter sind. was die eigentlichen Mechanismen des Erkennens. jene informationsverarbeitenden Funktionen. die so schwer verständlich seien und sich so mühsam in einer befriedigenden. die sich bemühten. der Ergebnisse verfälscht.48 . meinte Joseph LeDoux. Neurowissenschaftler sind dem Beispiel der Kognitionswissenschaftler gefolgt. daß die in Beardsleys Artikel beschriebenen Forschungen »uns lediglich Auskunft darüber geben.und Kognitionswissenschaftler ein eindimensionales Bild des Geistes gezeichnet. was uns eigentlich interessiert. daß etwas fehlte. Der Autor des Briefes beklagte sich darüber. die dem Arbeitsgedächtnis und anderen kognitiven Funktionen zugrunde liegen. der das Problem betraf. wo im Gehirn etwas geschieht. das auch Beardsley und mich beschäftigt hatte. Durch das Ausblenden des Gefühls hätten Neuro. Mehrere Monate nach der Veröffentlichung von Beardsleys Artikel druckte der Scientific American einen Leserbrief ab. die sich am leichtesten auf Computern nachbilden lassen. ein Neurowissenschaftler von der Universität New York. Spracherkennung und logisches Denken.tergekommen seien.« Emotionen erkunden Selbst wenn die Neurowissenschaftler die Mechanismen aufklären. Erinnern. zu verstehen. kohärenten Form darstellen ließen. nicht darüber. bei ihren Experimenten Emotionen auszuweichen. und nicht als einen grundlegenden Teil der menschlichen Natur. Die Kognitionswissenschaft sei . und sie behandelten sie als einen ärgerlichen Störfaktor. wie Sehen. Und das ist natürlich das. Er hatte das Gefühl. müssen sie sich noch einem anderen Problem stellen: Wie fügen sich die Gefühle ins Gesamtbild ein? Bis in die jüngste Vergangenheit versuchten viele Neurowissenschaftler.

sondern auch bei Ratten. die der Furcht zugrunde lägen.18 Anders als das Sprachverständnis oder andere kognitive Funktionen. ein kühler. Die Amygdala (Mandelkern). jenem Teil. etwa einen musikalischen Ton. wie das Gehirn die Aufgabe ausführt. kontrollierter Mann mit tiefliegenden Augen und sorgfältig gestutztem Bart. Logik und Verstand zu tun hat«. »Die Emotionen übergeht sie.« Frühere Studien über Furchtreaktionen hätten widersprüchliche Ergebnisse gebracht. sei Furcht ein biologisches Phänomen. sagte LeDoux. dieses durch ein einfacheres Modell abzubilden.kalte. die bei Furchtreaktionen eine zentrale Rolle spiele. der mit Denken. daher könnten uns Experimente an Ratten und anderen Säugetieren wichtige Aufschlüsse über den Menschen geben.« LeDoux hat Experimente durchgeführt. »Bei jeder Änderung am Experiment verändert man die Art und Weise. Die neuronalen Verschaltungen und Prozesse. mit einer unlustvollen . bei denen Ratten darauf konditioniert wurden. weil die Experimente zu komplex gewesen seien. leblose Geschöpfe. so LeDoux. »Das Furchtsystem ist äußerst einfach«. noch Freuden kennen. die weder Begierden noch Ängste. hat bewiesen. Es handelt sich um Seelen auf Eis . seien während der Evolution größtenteils erhalten geblieben. finde sich nicht nur beim Menschen und bei Primaten. die nur dem Menschen eigen seien. »Ein Reiz wird über die normalen Inputbahnen zur Amygdala geleitet und von dort über die Outputbahnen abgeleitet. Bei der Aufklärung der Funktionsweise des Furchtsystems kommt es also darauf an. dessen Wurzeln weit in die Geschichte des Lebens zurückreichten.»in Wahrheit jedoch nur eine Wissenschaft von einem Teil des Geistes. bemängelte er in seinem 1998 erschienenen Buch Das Netz der Gefühle.«17 LeDoux selbst. weder Kummer noch Leid. Ein Geist ohne Emotionen ist aber überhaupt kein Geist. daß zumindest eine Emotion empirisch untersucht werden kann.49 . einen bestimmten akustischen Reiz.

Wenn eine Ratte beispielsweise lernt.20 LeDoux meinte. Dieses reglose Verharren ist eine angeborene reflektorische Funktion.19 Die anfängliche Reaktion von Ratten und vielen anderen Säugetieren auf einen solchen Reiz ist regloses Verharren.Empfindung. Früher glaubten die Psychologen. probiert sie es mit Vermeidung. furchtinduziertes Verhalten. Unsere bewußten. eine angemessene Schutzreaktion darstellt. daß sie nicht lernen. das auch instrumentelles Lernen genannt wird. in jüngster Zeit sei dem Bewußtsein zuviel Aufmerksamkeit gewidmet worden. indem sie sich in einen anderen Teil des Käfigs begibt oder an den Seiten hochklettert. »Wer das Phänomen . Schweißabsonderung und andere physiologische Symptome würden durch die subjektive Empfindung ausgelöst. so LeDoux. subjektiven Gefühle seien »für die wissenschaftliche Erforschung der Emotionen falsche Spuren. daß Schädigungen einer winzigen Struktur innerhalb der Amygdala. die subjektive Empfindung von Furcht sei die erste Komponente der Furchtreaktion. der Entscheidungen treffe und verschiedene Strategien ausprobiere. LeDoux und seine Mitarbeiter zeigten nun. daß regloses Verharren sie nicht davor schützt. LeDoux behauptete.50 . in Reaktion auf den Ton. Die kognitive Fähigkeit der Ratten war in anderer Hinsicht nicht beeinträchtigt. erhöhter Herzschlag. bei Ratten dazu führen. zunächst träten physiologische Symptome auf. wie etwa einem Elektroschock. der einen Elektroschock ankündigt. zu assoziieren. An diesem Punkt vollziehe die Ratte den Übergang von einem emotionalen Reakteur zu einem Akteur. die ins Abseits führen«. reglos zu verharren. LeDoux versuchte das neuronale Schaltmuster zu enträtseln. einen Elektroschock zu bekommen. das für ein Tier. das von einem Freßfeind bedroht wird. die anschließend die subjektive Empfindung der Furcht auslösten. erforderlich ist. des sogenannten Nucleus lateralis corporis amygdaloidei. das für komplexeres. daß das Gegenteil der Fall sei.

die wir sind? Die Erklärung des Bewußtseins würde dies nicht erklären. wie das Gehirn auf der Grundlage von Genen und Erfahrungen in jedem Individuum ein Selbst. was wir über den Geist wissen müssen. »Die meisten Prozesse im Gehirn laufen unbewußt ab. Irgendwann im Verlauf der Evolution bildete sich das Bewußtsein als ein Modul heraus. »Das ist für mich die große Frage: Wie macht unser Gehirn uns zu der Person.Bewußtsein erklären könnte. Letztlich manifestierten sich sämtliche Einflüsse auf die Persönlichkeit. die Sprache der Synapsen«. denn diese hätten viele Aspekte. »Was oft übersehen wird. eine personale Identität erzeuge. daß es uns Aufschluß über das gäbe. erhielte dafür zweifellos den Nobelpreis«. eine kognitive Komponente und eine verhaltensbezogene Komponente. sagte er mir.51 . evolutionäre Theorien betonten angeborene emotionale Reaktionen. auf der Ebene der Verbindungen zwischen Neuronen. in welchem Verhältnis die einzelnen Komponenten in einer konkreten Situation zueinander stehen. sagte LeDoux.« Obgleich Bewußtsein häufig mit Geist gleichgesetzt werde. liefen die meisten mentalen Prozesse unterhalb der Bewußtseinsschwelle ab.« Die Erklärung des Bewußtseins sei nicht so wichtig wie die Beantwortung der Frage. daß eine Theorie allein die Emotionen erklären könne. »Es gibt eine evolutionäre Komponente. »aber ich glaube nicht. Es steht mit einigen anderen. nicht aber mit allen übrigen Teilen des Gehirns in Verbindung. Bewußtsein sei zudem eine relativ junge Erfindung der Evolution. wie sich Anlage und Umwelt auf die neuronale »Verdrahtung« des Gehirns auswirkten. Es ist nur die Frage. daß Anlage und Umwelt dieselbe Sprache sprechen. LeDoux bezweifelte.« Der Schlüssel zu diesem Problem sei die Beantwortung der Frage. Verhaltenstheorien unterstrichen die Rolle der um.« Kognitive Theorien konzentrierten sich meist auf bewußte emotionale Prozesse. egal ob sie von den Genen oder der Erfahrung ausgehen. ist.

die er und andere durchgeführt haben. in seinem Buch Das Netz der Gefühle zusammen. »Wir haben keine Ahnung davon. unterschieden sich vermutlich stark von denjenigen. Ich habe lediglich einige Ideen vorgestellt. sondern welche welchen Teil der Episode erklärt. Die geistige Zerrüttung bei der Psychose ist noch immer ein Rätsel. daß die neurobiologische Erforschung der Furcht irgendwann einmal wirkungsvollere Behandlungsmethoden für menschliche Angstneurosen hervorbringen könne. bestens! Das ist die Antwort!‹ Sie scheinen so verzweifelt zu sein. die Lust oder Haß zugrunde liegen. Einstein oder Newton gehabt. Torsten Wiesel und andere führende Neurowissenschaftler räumt LeDoux bereitwillig die Unzulänglichkeiten seines Fachgebiets ein.weltbedingten Konditionierung. erklärte er. Wir haben wenige Erkenntnisse darüber. wie uns unser Gehirn zu der Person macht. »›Ja. Ich glaube nicht. daß Psychiater seine Rattenexperimente als irrelevant für ihre Arbeit abtäten. Kurz. insbesondere über Furcht. Er erzählte. die wir sind.« Zudem erfordere jedes Gefühl vermutlich eine eigene Erklärung. »In jeder konkreten emotionalen Episode geht es nicht darum. LeDoux faßte die Forschungen über Emotionen.«21 LeDoux deutete an. daß ich in meinem Buch Antworten präsentierte. wir müssen erst noch eine Theorie erarbeiten. wie das Gehirn Kunstwerke und geschichtliche Ereignisse erlebt. Es gibt bislang noch keine Neurowissenschaft der Persönlichkeit.« Wie Gerald Fischbach. »Es stieß fast auf einhellige Zustimmung«. Wir haben noch keinen Darwin. die all dies integriert.fast zu begeistert. welche Theorie richtig ist. die der Furcht zugrunde liegen. Doch zu seiner Überraschung hätten Psychiater sein Buch begeistert aufgenommen . er habe erwartet.52 . die Mechanismen. Er wies vorsichtig darauf hin. daß die Neurowissenschaft vielleicht gar keine vereinheitlichte Theorie brauche: .

Gage überlebte diesen Unfall nicht nur. Lassen Sie uns diese Forschungen zu Ehren ihres berühmtesten Probanden. hervorzubringen.53 . als bei einer Explosion eine knapp ein Meter lange Eisenstange seine Wange durchbohrte und an der Oberseite seines Schädels wieder heraustrat. er blieb auch bei klarem Verstand. daß Gage während dieser Untersuchung »sich so vernünftig äußerte und so bereitwillig antwortete. selbst wenn wir keine Theorie der Psychose besitzen. Furcht und Liebe verstünden. Ein grundlegendes Hindernis für den Fortschritt in der Neurowissenschaft . wenn wir.wie in jeder anderen Disziplin. Williams erinnerte sich.Vielleicht sind viele kleine Theorien genau das. Der fünfundzwanzigjährige Gage beaufsichtigte im Jahr 1848 den Bau einer Eisenbahnlinie in Vermont. daß ich meine Fragen an ihn richtete . auch nur die »kleinen Theorien«. Dieses Problem zeigt sich schon seit geraumer Zeit in Studien an hirngeschädigten Patienten. auch wenn sie keine Theorie von Geist und Gehirn formulieren kann. was genau bei Angst beziehungsweise Depression geschieht. die uns Hinweise auf die Verbindung zwischen Gehirn und Geist liefern. ohne über eine allgemeine Theorie der Emotion zu verfügen. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befaßt . Gagesche Neurowissenschaft nennen.ist die enorme Variabilität von Gehirn und Geist. Etwa eine Stunde später wurde er von dem Arzt Edward Williams untersucht. Es wäre auch nicht schlecht. auch wenn wir noch keine Theorie der Wahrnehmung hätten. Es wäre sehr viel wert. Die Neurowissenschaft kann zur Lösung dieser Fragen beitragen. von denen LeDoux sprach. Phineas Gage. Und wäre es nicht wunderbar. was wir am meisten brauchen. Gagesche Neurowissenschaft Der Neurowissenschaft wird es möglicherweise schwerfallen. zu wissen. wie wir ein wunderschönes Musikstück (sei es Rock oder Bach) erleben. zu wissen.

wenn sie seinen Wünschen zuwiderlaufen. daß ihn Freunde und Bekannte kaum wiedererkannten. die am stärksten beschädigt worden waren. reagiert ungeduldig auf Einschränkungen und Ratschläge. war so tiefgreifend. der Gage im Lauf der Jahre viele Male untersucht hatte. Die Teile von Gages Gehirn. der zuvor ein gewissenhafter. Zwanzig Jahre nach dem Unfall legte der Arzt John Harlow eine andere Deutung des Falles Gage vor. Bewegung und Sehen. flucht manchmal auf abscheulichste Weise. daß das Gehirn nicht modular (um den modernen Ausdruck zu verwenden) aufgebaut.23 Auf Gages Verletzung wurden erhabene theoretische Lehrgebäude errichtet.zu Unrecht.statt an die Männer. besonnener und verantwortungsbewußter Mensch gewesen war. waren die Stirnlappen. sondern eine undifferenzierte Masse ist. nach dem Unfall tiefgreifend verändert hatte.. Gage. daß sein Gehirn in Regionen beschädigt worden war. respektlos. was früher nicht zu seinen Gewohnheiten gehörte. wenn auch nicht seine funktionellen Fähigkeiten. wie sich herausstellen sollte -. die auf verschiedene Auf gaben spezialisiert seien. wie etwa Sprache. Anfängliche Untersuchungen von Gage deuteten darauf hin . die dem Unfall beigewohnt hatten und noch zugegen waren«. die ganzheitlich funktioniert. und doch blieben diese Funktionen unversehrt. wonach das Gehirn in Teilsysteme untergliedert sei.. sei jetzt »launisch.«24 Allmählich wurde der Fall Gage als eine Bestätigung und nicht mehr als Widerlegung der Modularitäts-Hypothese angesehen. die er erfuhr. [. Mehrere Jahrzehnte lang galt dieser Fall als eine Widerlegung der Hypothese des Phrenologen Franz Gall und anderer. die heute all. erweist seinen Mitmenschen wenig Achtung. deckte auf.22 Ein Jahr später erklärte ein anderer Arzt Gage für »völlig genesen«. daß sich Gages Persönlichkeit. die angeblich für Sprache und motorische Steuerung zuständig waren.] Die Wandlung.54 . Das legte den Schluß nahe. Harlow.

die durch Hirnschäden verursacht werden. das die beiden Großhirnhälften miteinander verbindet. die mit außerordentlich spezifischen Funktionen und Merkmalen verknüpft sind. aber nicht mehr lesen und schreiben oder umgekehrt. jenes Nervenfaserbündels. Die Gagesche Neurowissenschaft hat die Auffassung vom Gehirn als einer Zusammenstellung von Modulen. Verbindungen zu entschlüsseln.gemein als Sitz hoher kognitiver Funktionen wie sittliche Urteilskraft und Entscheidungsfindung angesehen werden. Einige Aphasiker können zwar ein Gespräch führen. daß jede Großhirnhälfte unterschiedliche Funktionen . Hirnschäden können nicht nur zu Beeinträchtigungen. Andere sind nicht mehr in der Lage. daß die einzige Behandlungsmöglichkeit in der Durchtrennung des Balkens (Corpus callosum) besteht. begann er. daß man zwanghaft an erlesene Speisen denkt. untermauert. Ärzte haben über mehr als dreißig Fälle einer Erkrankung berichtet. die als »Feinschmeckersyndrom« bezeichnet wird und bei Schädigungen im rechten Stirnlappen dazu führt. Manche Aphasiker verlieren die Fähigkeit. eine kulinarische Kolumne zu schreib e n. Sprachstörungen. Ein ursprünglich als politischer Journalist arbeitender Schweizer hat das Beste aus seiner Erkrankung gemacht.) Durch Untersuchungen an solchen Patienten haben der Nobelpreisträger Roger Sperry und andere in den sechziger Jahren und später herausgefunden. sich an die Namen von Menschen und Tieren oder auch Gegenständen zu erinnern. nachdem er von einem Hirnschlag genesen war.55 . 2 5 Eine wichtige Datenquelle für Gagesche Neurowissenschaftler sind Patienten mit einer so schweren Epilepsie. die durch Ausbreitung über das gesamte Gehirn zu epileptischen Anfällen führen. (Die Operation verhindert die unkontrollierten neuronalen Entladungen. faßt man unter dem Oberbegriff der Aphasie zusammen. sondern auch zu drastischen Steigerungen der psychischen Fähigkeiten einer Person führen.

während Hitler ein »rechtshemisphärisches Naturell« besessen habe. einem Historiker zufolge sei Stalin ein »linkshemisphärischer Führer« gewesen. kurbelten die allgemeine Euphorie noch an. Eine große Zahl von Selbsthilfebüchern .wahrnimmt. wie man den Beschränkungen unserer pedantischen linken Hemisphäre entkommen und zu einem frei denkenden Rechtshemisphäriker werden könne. In seinem 1985 erschienenen Buch The Social Brain formulierte Gazzaniga eine Kritik am Wohlfahrtsstaat. Historiker deuteten die Geschichte neu durch die Linse der Split-brain-Forschung. während die rechte Hemisphäre bei Aufgaben dominiert. die auf seiner Interpretation der Split-brain-Experimente basierte.56 . indem sie gleichzeitig unterschiedliche motivierende Nachrichten an jede Hemisphäre übermitteln. die Lehrpläne zu modernisieren. Selbst jene. der 1998 im Scientific American erschien. um die »rechte Hälfte« des Gehirns ihrer Studenten anzusprechen. ein Wegbereiter der Gageschen Neurowissenschaft. wie etwa Michael Gazzaniga von der Dartmouth-Universität. bei denen das Sehvermögen und motorische Fertigkeiten eine Rolle spielen.wie etwa Drawing on the Right Side of the Brain und Right Brain Sex . die angeblich die geistigen Fähigkeiten erweitern. Pädagogen schickten sich an. Das florierende Feld der Split-brain-Forschung brachte schon bald die mittlerweile zum Gemeinplatz gewordene Klischeevorstellung hervor: unsere linke Großhirnhälfte verkörpere unser »rationales« Selbst und unsere rechte Großhirnhälfte unser spontanes. die es besser hätten wissen müssen.27 Über zehn Jahre später zog Gazzaniga sogar einige seiner vorsichtigsten Aussagen über die rechte und linke Großhirnhälfte in Zweifel. In einem Aufsatz.26 Zeitungen veröffentlichten Werbeanzeigen für Tonbänder mit unterschwelligen Botschaften. »kreatives« Selbst. betonte Gazzaniga die .bot Ratschläge an. Die linke Hemisphäre steuert weitgehend das Sprachverständnis und die Sprachproduktion.

erlangte er mit Hilfe seiner rechten Hemisphäre dreizehn Jahre nach der Operation das Sprachvermögen zurück. begann Alex zehn Monate später zu sprechen. die damit verbunden seien. und im Alter von sechzehn Jahren sprach er flüssig.57 . benannt wurde. Zudem erschwere es die Plastizität des Gehirns sogar. Dies läßt sich nach Ansicht von Jack Pressman. Schwere Läsionen in der linken Hemisphäre führen im allgemeinen zu einer dauerhaften Beeinträchtigung des Sprachvermögens . Die Gagesche Neurowissenschaft verdeutlicht ein Haupthindernis für das Verständnis des menschlichen Gehirns. Ein vermeintlicher Grundpfeiler der Naturwissenschaft ist ihre Fähigkeit. einem Medizinhistoriker an der Universität von Kalifornien in San Fran. um seine Epilepsie zu lindern. entfernten Chirurgen seine linke Großhirnhälfte.nicht aber bei einem Patienten. Obgleich J. Ein britischer Junge namens Alex stellt einen noch bemerkenswerteren Fall dar. zuverlässige Aussagen über die Folgen von Hirnschädigungen für dieselbe Person zu machen. Doch das Kriterium der Reproduzierbarkeit stellt für die Wissenschaft vom menschlichen Geist eine extreme Herausforderung dar. weil sich alle Gehirne und alle psychischen Erkrankungen in relevanten Aspekten voneinander unterscheiden. der mit den Initialen J. keine Besserung seiner sonstigen Symptome zu erwarten.28 Menschen mit denselben Formen von Hirnschädigungen könnten völlig verschiedene Symptome zeigen. W. Als Alex acht Jahre alt war.Gefahren. Obschon die Ärzte seine Eltern warnten. auf der Grundlage von relativ wenigen Fällen allgemeingültige Aussagen über das Gehirn zu machen.29 Er kam mit einer so starken Mißbildung der linken Hemisphäre zur Welt. daß er unter ständigen epileptischen Anfällen litt. nach einem chirurgischen Eingriff in der linken Hemisphäre stumm war. schließlich veränderten sich Individuen mit der Zeit. W. Experimente und damit Befunde zu reproduzieren. Außerdem war er völlig stumm.

wie Phineas Gage.58 . zuverlässige Aussagen über den Nutzen der Lobotomie zu machen – eines Verfahrens zur Behandlung schwerer Psychosen. In einem Bericht über die Konferenz in Science wurde hervorgehoben. stellt jeder Patient praktisch ein einzigartiges Experiment dar. um des hundertfünfzigsten Jahrestages des Unfalls von Phineas Gage zu gedenken. noch immer nicht beantwortet hätten. Einige Patienten verfielen in einen Zustand ungehemmter motorischer Erregung. daß »die Wahrheit vermutlich irgendwo dazwischen liegt«. eindeutig der Geschichte der Lobotomie entnehmen. anderen ging es schlechter als vorher. die erstmals durch Gages Fall aufgeworfen worden waren. daß die Forscher die Fragen. wie schwierig es sei.cisco. die . «30 Im September 1998 versammelten sich Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Cavendish. In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort: Psychosurgery and the Limits of Medicine wies er darauf hin. bei dem die präfrontalen Faserverbindungen durchtrennt werden. Vermont. sozialer Identität und persönlichen Werten besteht. die Wissenschaftler »streiten sich weiterhin über die Frage. Ein Konferenzteilnehmer erklärte tapfer. Einige Patienten schienen von dem Eingriff zu profitieren. andere in einen geradezu katatonen Stupor.31 Die Anfälligkeit der Psychologie für Moden Die Skepsis des Sokrates gegenüber der Anwendung physikalischer Überlegungen auf das menschliche Denken und Verhalten hat sich als außerordentlich weitsichtig erwiesen. So besteht zwischen der Neurowissenschaft und Disziplinen. ob der frontale Kortex als Einheit funktioniert oder seine Aufgaben aufteilt«. Pressmans Fazit lautete: »Da jeder Mensch aus einer einmaligen Kombination von physiologischen Gegebenheiten.

sahen die Psychiater in der Schizophrenie eine dopaminabhängige Störung und nicht mehr die Folge eines psychischen Traumas. ist aber auch nicht so wichtig. psychische Krankheiten könnten biochemisch erklärt werden. um dem Psychiater eine echte Hilfe zu sein. der 1932 für seine Arbeiten über das Nervensystem mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. daß depressiven Erkrankungen ein Mangel an diesen Neurotransmittern zugrunde liege. (Bislang gibt es keine allgemein anerkannte Erklärung für die therapeutische Wirksamkeit von Lithium bei manisch-depressiven Erkrankungen. Angesichts der Allgegenwart eines Neurotrans.mentale Phänomene auf höherer Organisationsebene betrachten. Weil Neuroleptika wie Chlorpromazin und Reserpin die Konzentration des Neurotransmitters Dopamin im Gehirn erhöhen.59 . der sogenannten Monoaminoxidasehemmer und der trizyklischen Antidepressiva. Den Ärzten wird manchmal angelastet.) Doch selbst die Urheber dieser Neurotransmitter-Hypothese räumen ihre Schwachpunkte ein.«32 Der Aufstieg der Psychopharmakologie in den sechziger Jahren weckte die Hoffnung. der Psychiatrie. eine eigentümliche Diskrepanz. die die Konzentration der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin steigern. Es gibt einen guten Grund dafür. nährten Spekulationen. Die Entwicklung spezieller Antidepressiva. wie etwa der Psychiatrie. Das stimmt zwar. daß Serotonin allein als Schlüssel zur Depression angesehen wird. Der britische Neurophysiologe Charles Sherrington. schrieb einmal: »Im Medizinstudium und in der ärztlichen Praxis klafft eine enorme Lücke zwischen dem Gebiet der Neurologie und der Wissenschaft von der geistigen Gesundheit. Die Physiologie hat nicht genügend Erkenntnisse über das Verhältnis von Gehirn und Geist anzubieten. Die wachsende Beliebtheit der sogenannten Selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI) wie etwa Fluctin hat dazu geführt. die eine oder die andere Seite zu kurz kommen zu lassen.

Neurowissenschaftler »machen grundlegende Entdeckungen von weitreichender Bedeutung«. Neurowissenschaftler haben sich bemüht. die 1990 am National Institute of Mental Health durchgeführt wurde.33 Leider konnten die Forscher jedoch nicht feststellen. auf welche diese einzelnen Entdeckungen zutreffen. Auch zwischen der Neurowissenschaft und der Psychologie gibt es eine beunruhigende Spaltung. der damalige Direktor des National Institute of Mental Health. die zu ihrer Behandlung eingesetzt wurden.flüssigkeitsgefüllte Hohlräume im Zentrum des Gehirns . schrieb der an Harvard lehrende Psychologe Jerome Kagan einmal. wie oft behauptet wird. indem sie das Gehirn von psychisch Kranken mit der PET und anderen bildgebenden Verfahren untersuchten. physiologische Entsprechungen für die Schizophrenie und andere Erkrankungen zu finden. Symptomatisch ist in diesem Zusammenhang eine vielzitierte MRT-Studie. »Aber die beobachtbaren Verhaltensereignisse. Lewis Judd. daß auch viele normale Menschen relativ große Hirnkammern besitzen und daß dies andererseits bei vielen Schizophrenen nicht der Fall ist. daß die Schizophrenie eine Erkrankung des Gehirns ist«.beziehungsweise der Medikamente.mitters wie Serotonin und der Vielfalt seiner Funktionen ist sein Erklärungswert als Kausalfaktor für die Entstehung von Depressionen genauso gering wie etwa der von Blut. Folgestudien ergaben. Die Forscher verglichen die Gehirne von fünfzehn Schizophrenen mit den Gehirnen ihrer nichtschizophrenen eineiigen Zwillingsgeschwister. Bislang haben diese Bemühungen entmutigend mehrdeutige Ergebnisse erbracht. der »unwiderlegbare Beweise dafür erbracht hat.als ihre nichtschizophrenen Geschwister. ob die vergrößerten Hirnkammern eine Ursache oder eine Folge der Schizophrenie waren . sind viel. Bis auf einen hatten alle Schizophrenen größere Hirnkammern . pries die Studie als einen »Markstein«. Zudem sind Medikamente zur Behandlung von psychischen Erkrankungen nicht so wirksam.60 .

American Psychologist. während sie den Fortschritt im Bereich der Biologie gekennzeichnet hat.die Entdeckung der Zellen.« Bislang ist es der Neurowissenschaft nicht gelungen.] von entscheidender Bedeutung ist die Aufklärung des Zusammenhangs zwischen molekularen und Verhaltensereignissen. S. der Mutationen.61 .fach unklar [. daß sich die enorme Zunahme der neurowissenschaftlichen Forschung nicht in den Zitaten in psychologischen Aufsätzen widerspiegelte. allerdings nach unseren Erhebungen nicht in der Hauptströmung der Psychologie. Der Fortschritt in der Biologie war durch wegweisende Entdeckungen gekennzeichnet. die jeweils zu einem Quantensprung in unserem Wissen führten . der sich für Ideengeschichte interessiert. Die Psychologie hingegen zeichnete sich durch eine peinlich lange Folge von »Theorien« aus. in der Psychologie wahrgenommen zu werden. Annual Review of Psychology. der Mendelschen Gesetze der Vererbung. Jeder Bereich besitzt eine gewisse Unabhängigkeit. Psychological Bulletin und Psychological Review . Smythies von der Universität von Kalifornien in San Diego haben unlängst in einem Aufsatz in Nature auf diesen Punkt hingewiesen: Jeder. die im Grunde nichts anderes waren als flüchti.. Ramachandran und J. suchten in den vier einflußreichsten psychologischen Fachzeitschriften .«34 Mit diesem Aspekt der »Erklärungslücke« befaßte sich ein 1998 im American Scientist erschienener Aufsatz mit dem Titel »Psychological Science at the Crossroads«35. der Chromosomen. der DNA und des genetischen Codes. Sie fanden heraus..neurowissenschaftliche Quellenangaben. dürfte über die folgenden bemerkenswerten Unterschiede zwischen Fortschritten in der Biologie und Fortschritten in der Psychologie verwundert sein. Die Neurowissenschaftler V. »Der Stellenwert der Neurowissenschaft nimmt zweifelsfrei zu. ausnahmslos Psychologen. Die drei Verfasser.J.

er sei vor zwanzig Jahren zu der Überzeugung gelangt. weil eine unerwartete Innovation in der Molekularbiologie. äußerte sie 1997 gegenüber einem britischen Journalisten. vielleicht unabhängig von seinen spezifischen Theorien. »Einer der Gründe.ge Modeerscheinungen. antwortete er: »Ich schließe dies nicht aus. bewundere. finden einige der führenden Neurowissenschaftler Freuds Ideen noch immer höchst plausibel. weshalb ich Freud. wohl eher eine Ausnahme unter den Neurowissenschaftlern. er entschied sich nur deshalb dagegen. Bloom erwog sogar. um Stoff für sein Projekt zu sammeln.62 .« 38 Er sagte mir. »Allerdings bin ich mit meiner Ansicht. daß die Neurowissenschaft möglicherweise eines Tages die Psychoanalyse bestätigen würde. ob er glaube. daß die Neurowissenschaft vielleicht den plötzlichen Perspektivwechsel beziehungsweise das plötzliche »Umschalten in einen anderen intellektuellen Gang«. das manchmal während einer Psychoanalyse auftrete.«37 Greenfields Sympathie für Freud wird von Floyd Bloom geteilt. die ihren Erfinder überlebt hat. ist die Psychoanalyse. daß er ein Pionier war«. erhellen könne. daß Freud eine wichtige Inspirationsquelle war. dem Leiter der Abteilung Neuropharmakologie am Scripps-Forschungsinstitut und Autor mehrerer Bücher über Neurowissenschaft sowie Herausgeber des Wissenschaftsmagazins Science.36 Eine psychologische Mode beziehungsweise »Theorie«. ist die Tatsache. die nur selten die Personen überlebten. durch die Gene in beliebig . Susan Greenfield von der Universität Oxford ist Direktorin der britischen Royal Institution und eine der bekanntesten Neurowissenschaftlerinnen Großbritanniens. die sie erfunden hatten. Obgleich die Psychoanalyse in gewissen naturwissenschaftlichen Kreisen zum Inbegriff der Pseudowissenschaft geworden ist. Als ich ihn fragte. in ein psychoanalytisches Institut einzutreten.

Kalifornien. Kandel ist durch die Kombination von scharfem Verstand und einschüchterndem Auftreten seit Jahrzehnten die beherrschende Gestalt der Neurowissenschaft. Freud sei unwissenschaftlich und womöglich ein Scharlatan gewesen. daß Freud. lieber Freund. stritt sich oft heftig mit mir über Freud. der Direktor des Zentrums für Neurobiologie und Verhalten an der ColumbiaUniversität. wobei er darauf bestand.‹ Er antwortete: ›Genau. gilt für mich und nichts davon für dich. Edelman widmete sein Buch Göttliche Luft. eine populärwissenschaftliche Darstellung seiner Theorie des Geistes. antwortete: ›Ich kenne meine Beweggründe vollständig und bin für meine Handlungen voll verantwortlich. so doch besonders in seiner Sicht des Unbewußten und dessen Rolle für das Verhalten ein großer intellektueller Wegbereiter gewesen sei.großen Zahlen vervielfältigt werden konnten. In viel Weisheit viel Traurigkeit. vernichtendes Feuer. wenn auch vielleicht nicht in unserem Sinn ein Wissenschaftler. ein Molekularbiologe. Monod.« Er schrieb über das Unbewußte: Mein Freund Jacques Monod. 40 Er ist .‹ Verzweifelt sagte ich einmal: ›Jacques.‹39 Psychoanalyse und Seehasen Angetan von Freud ist auch Eric Kandel. ihn wieder ins Labor lockte. der für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Immunologie mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Sie sind alle bewußt. sieh es doch mal so: Alles.63 . was Freud sagt. Ich vertrat die Meinung. später auf Neurowissenschaft umsattelte und heute das Institut für Neurowissenschaft in La Jolla. Charles Darwin und Sigmund Freud. leitet. zwei »intellektuellen Bahnbrechern. Ein anderer hochkarätiger Freudophiler ist Gerald Edelman. Nachfahre strenger Hugenotten.

doch zu Beginn der sechziger Jahre spezialisierte er sich auf Neurowissenschaft.41 und hat darüber hinaus viele populärwissenschaftliche Darstellungen der Neurowissenschaft maßgeblich beeinflußt.64 .Mitautor von zwei herausragenden neurowissenschaftlichen Lehrbüchern. bis sie den Reiz schließlich völlig ignoriert. man kann sie mit bloßem Auge sehen. nicht das Nervensystem vom Homo sapiens. wie sie die Berichterstattung verbessern könnten. Principles of Neural Science und Essentials of Neural Science and Behavior. Er beschloß. um so lustloser zieht sie sich zurück. die einmal plastisch als eine »purpurrot-grüne Folienkartoffel mit Ohren« beschrieben wurde. Durch diesen Habituation (Gewöhnung) genannten Prozeß lernt die Meeresschnecke. einer Seehase genannten Meeresschnecke.einen Effekt. Das Tier lernte rasch. um sich zu beschweren und ihnen Ratschläge zu erteilen. 43 Die Nervenzellen dieses Geschöpfs sind die größten. dem Scientific American oder anderen Publikationen mißfällt. den Wasserstrahl nicht mit Gefahr zu assoziieren. Kandel und seine Mitarbeiter erzeugten das Gegenteil der Habituation . die bislang wissenschaftlich beschrieben wurden. Je öfter man diese Stimulation wiederholt. Der in Wien geborene Kandel studierte an der New-York Universität und der Harvard-Universität Psychiatrie. Die Aplysia war ein vollkommenes Versuchsobjekt für Kandels Untersuchungen über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses und des Lernens. indem sie die Aplysia wiederholt bespritzten und ihr gleichzeitig einen Elektroschock verabreichten. sich schon bei der leichtesten Berührung zurückzu. sondern das der Aplysia californica zu erforschen. der Sensibilisierung genannt wird -. zieht sie sich ruckartig in einen Mantel zurück. ruft er Herausgeber und Reporter an.42 Wenn ihm die Berichterstattung über die Neurowissenschaft in der New York Times. Wenn sie an einer bestimmten Stelle mit einem Wasserstrahl bespritzt wird.

Bei der Habituation schütteten die Neuronen weniger Neurotransmittermoleküle in die synaptischen Spalte aus. daß sowohl Habituation als auch Sensibilisierung molekulare Veränderungen in den Neuronen auslösen. umgekehrt schütteten sensibilisierte Neuronen mehr Neurotransmitter aus. Der Verfasser . das Feld jüngeren Kollegen zu überlassen. der Aplysia dabei hilft. In den neunziger Jahren führten Kandel und seine Mitarbeiter Experimente mit einem Stoff durch.ziehen. die den Rückzugsreflex der Aplysia steuern. Zusammen mit anderen Gruppen zeigte Kandels Team. Diese Experimente lieferten empirische Belege für eine Hypothese. daß Lernprozesse die Stärke der Verbindungen zwischen Neuronen verändern. das offenbar als ein Schlüsselschalter bei der Bildung von Erinnerungen fungiert. die erstmals in den fünfziger Jahren von Donald Hebb formuliert wurde und die besagt. In einem Alter. Mäusen und anderen Lebewesen durchgeführt. die charakteristisch für Sensibilisierung und Habituation sind. das sich auf sogenannte neuronale Netze stützt (die ich im siebten Kapitel behandeln werde). ist Kandel noch immer sehr aktiv. Kandels Arbeitsgruppe zeigte. daß dieses Protein. der als ein potentielles »E = mc2 des Geistes« hochgejubelt wurde 44 . Ein im Februar 1998 im New York Times Magazine erschienener Artikel über Gedächtnisforschung enthält ein ganzseitiges Foto von Kandel. in dem die meisten Wissenschaftler bereit sind. Andere Forscher haben ähnliche Experimente an Taufliegen. Inhalte des Kurzzeitgedächtnisses ins Langzeitgedächtnis zu überführen. kann die Meeresschnecke die Langzeiterinnerungen. das CREB (cyclic-AMP-responsive element binding protein] genannt wird. nicht bilden.ein Protein. Dieser Hebbsche Mechanismus dient als Grundlage für ein Modell der Künstlichen Intelligenz. wird das Protein chemisch neutralisiert. die sie mit benachbarten Neuronen verbinden.65 . auf dem er ein blaugestreiftes Hemd und eine rote Fliege trägt und eine schleimig glänzende Aplysia in der Hand hält.

In gleicher Weise könnten die Psychoanalyse und andere Psychotherapien langfristig heilsame Wirkungen auf genetischer Grundlage herbeiführen. bevor er sich der Neurowissenschaft zuwandte. der im April 1998 im American Journal of Psychiatry veröffentlicht wurde. daß Kandel »einen Großteil der bahnbrechenden Forschungsarbeiten über die molekularen Grundlagen des Gedächtnisses durchgeführt hat« und weiterhin zu den Spitzenforschern auf seinem Gebiet zähle. Kandel äußerte diese Hoffnung in seinem Beitrag »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. hörte er nie auf. Aus diesen Befunden folge. daß Kandel sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Karriere einer Psychoanalyse unterzogen und sogar erwogen hatte. 47 Er wies darauf hin.und ausschalten oder ihre Ausprägung anderweitig beeinflussen. 45 Kandel versuchte. die angeblich den Gedächtnisverlust verlangsamen. durch neurochemische und genetische Wirkungen Neurosen verursachen können. das Medikamente vermarktet. Obgleich ihn »die Neurobiologie auf fruchtbare Weise abgelenkt hat«46 (wie es die Times formulierte). indem er ein Unternehmen mit dem Namen Memory Pharmaceuticals gründete. Der Artikel erwähnte. Er hat die Hoffnung.des Artikels weist darauf hin. an das theoretische und therapeutische Potential der Psychoanalyse zu glauben. daß Freuds Theorien über die Psyche eines Tages durch die Neurowissenschaft erhärtet werden. daß Erfahrungen physikalische Veränderungen in den Neuronen herbeiführten. .66 . daß sich Kandel für die Psychoanalyse interessiert habe. daß seine Experimente und die Experimente von anderen gezeigt hätten. daß Erfahrungen. kommerzielles Kapital aus seinen wissenschaftlichen Errungenschaften zu schlagen. wie etwa traumatische Ereignisse in der Kindheit. war. aufhalten oder sogar umkehren. Konkreter ausgedrückt heißt das: Habituation und Sensibilisierung von Neuronen können Gene ein. Psychoanalytiker zu werden. Was der Artikel nicht erwähnte.

um sich einander anzunähern . Die Forscher müßten erst noch klären. Doch das Gedächtnisproblem sei »noch weit von einer Lösung entfernt«.« Ich traf Kandel Ende 1997 in seinem Büro im sechsten Stock des Instituts für Psychiatrie in Manhattan. höchstens die Wissenschaftler. das Bemühen um ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen des Verhaltens zu bereichern. »Wir befinden uns heute in einem Zeitalter der Aufspaltung. versank die blutrote Sonne hinter der Silhouette der Hochhäuser von New Jersey. das Gedächtnis werde bald ein »gelöstes« Problem sein.eine Annäherung. Wie andere Neurowissenschaftler. auf welche Weise die verschiedenen Regionen des Gehirns bei der Codierung. »Wir haben keinen blassen Schimmer von alldem. befinden sich Psychiatrie und Neurowissenschaft heute in einer neuen und besseren Lage.« Er habe . Als ich ihn fragte. die die Neurowissenschaft in den letzten Jahren gemacht hat. Es sei möglich.« Die meisten wissenschaftlichen Disziplinen. so wie die Aufklärung der Struktur der DNA ein einheitliches Modell der Vererbung geliefert habe. wechselten zwischen Phasen wachsender Komplexität und Phasen zunehmender Vereinheitlichung. 48 Von seinem Büro aus hat man einen malerischen Ausblick auf den Hudson River. Konsolidierung. als er ein Resümee der Errungenschaften seiner Disziplin zog. Speicherung und Abrufung einer Erinnerung zusammenwirkten.67 . daß das CERB-Protein und andere Entdeckungen die gemeinsame Grundlage vieler unterschiedlicher Typen von Gedächtnis enthüllen könnten. die an ihrer Lösung arbeiteten. die den Einsichten der psychoanalytischen Betrachtungsweise erlauben würde. schwankte auch Kandel zwischen Stolz und Demut. und als wir uns die Hand gaben.»Aufgrund von Fortschritten. sagte er nachdenklich. Er erklärte. schnitt Kandel eine Grimasse und schüttelte den Kopf. der große Neurowissenschaftler Ramon y Cajal habe einmal gesagt. ob er glaube. die ich interviewt hatte. Probleme seien niemals erschöpft. so Kandel weiter.

tut sie es vermutlich nur in einer begrenzten Reihe von Umständen. »es zerlegt das Bild. Jetzt wenden wir uns den kniffligsten zu. es würde zu einer »raschen Verschmelzung« zwischen Neurowissenschaft und Psychiatrie kommen. daß das Problem des binding .68 . daß die Psychoanalytiker. so Kandel. könnten Anhaltspunkte dafür liefern. Das Gehirn bilde die Welt nicht in der gleichen Weise wie eine Kamera ab.sein zum Klassiker avanciertes Lehrbuch Principles of Neural Science seit der Erstveröffentlichung 1981 dreimal aktualisieren müssen. Kandel sagte. Soweit sie funktioniert.« Ein zentrales Problem der Neurowissenschaft. Das trug mit zu ihrem Niedergang bei. »Das ist meines Erachtens eine sehr fruchtbare Methode«. »Die einfachen Probleme sind gelöst. die die Psychiatrie in den fünfziger und sechziger Jahren beherrschten. wie das Gehirn aus vielen verschiedenartigen Elementen Bilder der Wirklichkeit zusammensetze. in der sie so sehr von ihrer Macht überzeugt war. Forschungen an lebenden Primaten. Offensichtlich fand diese Synthese nicht statt. meinte Kandel. . Doch wie Torsten Wiesel und Gerald Fischbach betonte auch er. Zu Beginn seiner Tätigkeit als Neurowissenschaftler dachte Kandel. eine Mitschuld an diesem Stillstand treffe. wie das Gehirn sein Bild der Wirklichkeit erzeugt.noch immer weitgehend ungelöst sei.das Dilemma des Reduktionismus. »Die Psychoanalyse machte eine Phase durch. um meinen Begriff zu gebrauchen . es zerlegt alle Empfindungen und setzt sie dann wieder zusammen«. wie sie von Patricia Goldman-Rakic und anderen durchgeführt würden. daß sie ihre Interessen auf sämtliche psychiatrischen Erkrankungen und alle Gebiete der Medizin ausdehnte. da sie ihre eigenen Methoden nicht hinterfragt und nicht auf den Prüfstand gestellt hätten. sei die Frage. um die Flut neuer Erkenntnisse einzubringen.« Die Psychoanalytiker seien zudem »pflichtvergessen« gewesen.

Viele der grundlegenden Ideen Freuds .wie etwa seine Behauptung.seine eigene Analyse habe ihn zu einem glücklicheren Menschen gemacht. der ein »sehr flaches« Bild der psychischen Repräsentation entworfen habe. was es zweifellos tue. daß Konflikte in der Kindheit unsere Persönlichkeit formten und daß ein Großteil unseres psychischen Lebens unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufe .« Wenn das Gespräch mit einem Freund. doch ihre therapeutische Wirksamkeit zu beweisen sei eine ganz andere Sache.« Doch blieben Fragen zu spezifischeren Aspekten der Freudschen Theorie. »Meiner Meinung nach werden sie heute praktisch von jedermann akzeptiert. wonach das Gehirn die Wirklichkeit kon. und wenn ja. in der Kindheitserfahrungen verschiedene Persönlichkeitszüge und -Störungen hervorbrächten. unter welchen Umständen?« Er sei »intuitiv« von der Wirksamkeit der Psychoanalyse überzeugt . so Kandel. daß Psychotherapien günstige Veränderungen im Gehirn herbeiführten. »Halten sie einer empirischen Überprüfung stand und unter welchen Umständen? Sind sie universell? Und was noch wichtiger ist: Hat die Psychoanalyse eine therapeutische Wirkung. Die Psychoanalyse habe auch die Entdeckung der modernen Neurowissenschaft und kognitiven Psychologie vorweggenommen. offen.vielleicht sogar spezifischer. einem Seelsorger oder einem Therapeuten Veränderungen im Gehirn auslöse. bleibe sie eine »sehr humane.seien längst Gemeingut geworden. stelle sich die Frage.69 . fruchtbare Betrachtungsweise der menschlichen Psyche. Forschungen könnten zeigen. Das wäre hervorragend.« Zu Beginn dieses Jahrhunderts diente die Psychoanalyse als ein Gegengewicht zu den Auswüchsen des Behaviorismus. versicherte mir Kandel -. »weshalb dies weniger wert sein soll als die Einnahme von Fluctin?« Selbst wenn Studien die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nicht nachweisen könnten. wie etwa der genauen Art und Weise. die »so spezifisch sind wie die Wirkungen von Medikamenten .

sondern nur. »Das soll nicht heißen. 49 Er erforschte das Nervensystem von Neunaugen und Flußkrebsen. die man heute zur Neurowissenschaft zählt. daß uns die Neurowissenschaft tiefe Erkenntnisse über die menschliche Psyche verschaffen könne. verbrachte er über zehn Jahre mit Forschungen.70 . daß man unter gut ausgebildeten Ärzten keine Scharlatane findet. auf den Placebo-Effekt. Man würde sich wünschen. die der anerkannten Wissenschaft näherstünden. ein solcher Befund stelle die Psychoanalyse auf eine Stufe mit dem Gesundbeten. die recht fruchtbar ist. aber das könnte das ganze Geheimnis sein. daß mehr dahintersteckt. im Original] liefern.« Es sei möglich.struiere und nicht bloß abbilde. daß der Erfolg einer psychoanalytischen Behandlung auf die Erwartungen des Patienten zurückzuführen sei – anders gesagt. Psychiater und andere. Die Psychoanalyse »kann uns daher schlimmstenfalls eine Weltanschauung [dt. Bevor Freud die Psychoanalyse begründete. Er veröffentlichte über dreihundert Aufsätze und fünf Bücher über Neurobiologie. so Kandel.« Freud als Neurowissenschaftler Ironischerweise schien Freud selbst gegen Ende seiner wissenschaftlichen Laufbahn zu bezweifeln. darunter auch eine Monographie über Aphasie und andere .« Kandel widersprach der Behauptung. »Vielleicht ist die Psychoanalyse lediglich eine sehr wirkungsvolle Methode. Gesundbeter seien viel öfter Scharlatane und Betrüger als Psychoanalytiker. um das Vertrauen des Patienten für therapeutische Zwecke einzuspannen. daß sie eine wirklich nützliche Therapie ist. daß die statistische Wahrscheinlichkeit sehr viel geringer ist. Bestenfalls mag sich herausstellen. und von 1882 bis 1885 arbeitete er im Allgemeinen Krankenhaus in Wien intensiv mit hirngeschädigten Patienten.

daß man die Psyche und ihre Störungen rein physiologisch erklären könne.52 Unmittelbar im Anschluß an diese Periode begann er. Im Jahr 1938.] haben sich plötzlich die Schranken gehoben. was Tätigkeit und Ruhe unterscheidet. Im Jahr 1895 war Freud für kurze Zeit davon überzeugt. als Q aufzufassen.71 . das später Entwurf einer Psychologie genannt wurde: »Es ist die Absicht.) als materielle Teilchen die Neurose zu nehmen. daß die menschliche Psyche und ihre Erkrankungen auf rein physiologischer Grundlage erklärt werden könnten.Krankheitsbilder. Enthalten [sind] zwei Hauptideen: [1. Es schien alles ineinanderzugreifen. schien er die Möglichkeit. die dem allgemeinen Bewegungsgesetz unterworfen [ist]. das heißt psychische Vorgänge darzustellen als quantitativ bestimmte Zustände aufzeigbarer materieller Teile [und sie] damit anschaulich und widerspruchsfrei zu machen. in dem ich die Psychologie ausgebrütet. Im Verlauf seiner wissenschaftlichen Karriere bezweifelte Freud immer stärker. die Hüllen gesenkt. etwa unter Bezugnahme auf die unlängst entdeckten Neurone.)] das.« 51 Freud hat dieses Manuskript nie veröffentlicht. das Räderwerk paßte zusammen. 2. ein rein psychologisches Modell der Psyche zu entwerfen.« 50 Im selben Jahr umriß Freud seine Vision einer physiologisch begründeten Theorie der Psyche in einem Manuskript. und man konnte durchschauen vom Neurosendetail bis zu den Bedingungen des Bewußtseins. und am 29. die Psychoanalyse.. eine naturwissenschaftliche Psychologie zu liefern. An seinen Freund Wilhelm Fliess schrieb er: »In einer fleißigen Nacht der verflossenen Woche [. kurz vor seinem Tod. .. verstehe ich nicht mehr«. man bekam den Eindruck. November 1895 schrieb er wieder an Fliess: »Den Geisteszustand. das Ding sei jetzt wirklich eine Maschine und werde nächstens auch von selber gehen. die durch Schädigungen am zentralen Nervensystem verursacht werden.

würde sie höchstens eine genaue Lokalisation der Bewußt53 seinsvorgänge liefern und für deren Verständnis nichts leisten. Wenn sie bestünde. ist uns zweierlei bekannt.daß die Psychologie jemals mit der Neurowissenschaft vereinigt würde. Alles dazwischen ist uns unbekannt. was wir unsere Psyche (Seelenleben) nennen. auszuschließen: Von dem.72 . andererseits unsere Bewußtseinsakte. eine direkte Beziehung zwischen beiden Endpunkten unseres Wissens ist nicht gegeben. das Gehirn (Nervensystem). daß die Erklärungslücke möglicherweise nie geschlossen werde. ist diese Prophezeiung bislang in Erfüllung gegangen. Wie Sokrates über zweitausend Jahre vor ihm schien Freud sagen zu wollen. erstens das körperliche Organ und Schauplatz desselben. Freuds Theorien zu bestätigen beziehungsweise zu widerlegen. die unmittelbar gegeben sind und uns durch keinerlei Beschreibung nähergebracht werden können. . Aufgrund des Unvermögens der Neurowissenschaft.

mit dem sie gegenwärtig konfrontiert seien: »dem Überleben der Psychoanalyse im besonderen und der langfristigen psychodynamischen Behandlung beliebiger Art unter den Rahmenbedingungen der neuen integrierten Gesundheitsfürsorge (managed health care). in überwältigender Weise wahrscheinlich. daß wir über das menschliche Leben und die menschliche Persönlichkeit aus Romanen immer mehr erfahren werden als durch wissenschaftliche Psychologie. Selbstmord oder stark übertriebenes Gerücht?« »Psychoanalytische Technik: Hat sie eine Zukunft?« und »Psychoanalyse auf dem Rückzug«. Die Befürchtungen kamen bei einer »offenen Diskussionsrunde«. in denen unerfreulichere Themen behandelt wurden: »Der Tod der Psychoanalyse: Mord. die Teilnehmer sollten sich mit dem »Hauptproblem« befassen. der Vorsitzende der Fachgruppe 39 und ein bekannter New Yorker Psychoanalytiker.2 Etwa vierhundert Mitglieder dieser Gruppe. WARUM FREUD NICHT TOT IST So ist es durchaus möglich. hatten fünf Tage lang im opulenten Waldorf-Astoria in New York City getagt. und wie man vermuten könnte. Das offizielle Thema des Treffens klang beschwingt: »Psychoanalysis: A Creative Journey«. die ihre Befürchtungen und Wünsche enthüllten. Doch ich war wegen Diskussionsforen gekommen. unverhohlen zum Ausdruck. bei der Mitglieder der Fachgruppe 39 jedes beliebige Thema ansprechen konnten.73 . NOAM CHOMSKY. Probleme sprachlichen Wissens 1 einem regnerischen Frühlingstag des ich Anim Ballsaal eines Hotels und lauschteJahres 1996 saßZahl einer großen von Freuds intellektuellen Nachfahren.2. eines Refugiums treuer Anhänger der Psychoanalyse. Der Anlaß war ein Treffen der Fachgruppe 39 der American Psychological Association. Morris Eagle. eröffnete die Sitzung mit der Empfehlung.« .

ein Mitglied der Fachgruppe 39 darauf mit einem Aufsatz oder Leitartikel entgegnen. daß wir auf empirischer Basis gewinnen können«. die Arbeitsausfallzeiten und den Alkoholismus verringern könne. so viele Menschen gegen sich aufzubringen und sich selbst in eine derartige Außenseiterposition zu manövrieren«. Eagle. »Ich glaube nicht. solle. Im Verlauf des Treffens wurde die Stimmung immer gedrückter. die bewiesen. die Psychoanalytiker müßten Studien durchführen. daß das Vorlesungsverzeichnis des Colleges seiner Tochter keinen einzigen Kurs über Freud anbiete. Andere äußerten ihre Zweifel.74 . daß die Psychoanalyse die medizinischen Kosten. Jedesmal wenn jemand die Psychoanalyse in der Öffentlichkeit »heruntermacht«. der Vorsitzende. der Ame. in der neuerdings so wettbewerbsintensiven Atmosphäre. wies warnend darauf hin. Gegner der Psychoanalyse fänden sich sogar innerhalb der Dachorganisation der Fachgruppe 39. »müssen wir nachweisen. daß Studien.Teilnehmer der Diskussionsrunde schlugen verschiedene Gegenmaßnahmen vor. daß »man mit statistischen Daten alles beweisen kann. meinte ein Mann. Ein anderer bestätigte. und leider beginnt die Öffentlichkeit dies zu begreifen«. Ein anderer bekundete seine Verwunderung darüber. die Psychoanalyse zu stützen. der Nutzen der Psychoanalyse könne lediglich auf einer »subjektiven. Ein Psychoanalytiker beklagte sich. stimmte ein anderer zu. Der einzige Weg. Ein ehemaliger Mathematiker stand auf und erklärte. daß es der Psychoanalyse »in so kurzer Zeit gelungen ist. ihren Gegnern in die Hände spielen könnten. sei der empirische Nachweis ihrer Überlegenheit im Vergleich zu anderen Behandlungsverfahren. so der Vorschlag einer Frau. daß wir ein besseres Produkt haben«. existentiellen Basis« beurteilt werden. die die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse nachweisen sollten. die durch die integrierte Gesundheitsfürsorge erzeugt worden sei.

meinte er in mürrischem Tonfall. Viele ihrer Kollegen nickten und murmelten in düsterer Zustimmung. so viele Patienten zu halten.75 . Ein altes Bonmot besagt. schäbige und im Grunde mittelalterliche Welt Freuds mit [.] ihren bösen kleinen Embryos. . Im Jahr 1896 wurde Freuds brandneue Theorie über die sexuellen Ursachen der Hysterie als »ein wissenschaftliches Märchen« verhöhnt. daß sie aufgrund neuer Gerichtsurteile wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht verklagt werden könne. Ein anderer wies darauf hin. Sie beklagte bitterlich. daß sie und andere Psychoanalytiker in ihrer Region wachsende Schwierigkeiten hätten. die viele für Freuds bedeutendstes Werk halten. daß Freud selbst gegen Ende seines Lebens bezweifelt habe. die zum wissenschaftlichen Fortschritt führen«. daß sie ihre Praxis weiterhin rentabel führen könnten..4 Im Jahr 1916 monierte die Zeitschrift Nation. daß manche Paranoiker tatsächlich Feinde haben. er erregte sich über »die vulgäre. Von dem Augenblick an vor hundert Jahren. »Vielleicht ist es Zeit. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren überleben werde. Eine Frau aus La Jolla in Kalifornien erklärte.. daß die Psychoanalyse »weder theoretisch noch empirisch wohlbegründet ist«5. daß ich in den Ruhestand trete«. 3 Eine im Jahr 1913 erschienene Rezension der Traumdeutung.6 Der russische Romancier Vladimir Nabokov nannte Freud einen »Schamanen« und »Wiener Quacksalber«. die von ihren natürlichen Verstecken aus das Liebesleben ihrer Eltern ausspionieren«7. wonach der Mond aus Molkenkäse besteht«.rican Psychological Association. und im selben Jahr verglich die Zeitschrift Current Opinion Freuds »Sexualtheorie« mit der »Hypothese. da Freud seine Theorien öffentlich vorzustellen begann. seufzte sie. wurden sie unerbittlich angegriffen. wenn sie kranken Patienten keine Medikamente verschreibe. findet darin »ein völliges Fehlen der Merkmale.

in Freud and His Critics.darüber beschwert hatte. die bis zu fünf einstündige Sitzungen pro Woche für jeweils hundert Dollar erfordert und in der Regel mehrere Jahre dauert. Angesichts all dieser Trends ist es nur recht und billig.9 Die Kräfte des freien Marktes haben der Psychoanalyse schweren Schaden zugefügt. Freud Evaluated und Unauthorized Freud 8 versuchten. Unterdessen verschreiben Psychiater und andere Ärzte für weitverbreitete Leiden wie Depression und Angst in zunehmendem Maße Medikamente statt Gesprächstherapien. Im Jahr 1995 verschob die Library of Congress eine lange geplante Ausstellung über Freud. ihn zu töten? Die Antwort lautet natürlich. Wäre Freud tatsächlich tot. das Freud angreift. einen Pfahl durch Freuds Herz zu treiben. ein Historiker an der Stanford-Universität. nachdem sich ein Bündnis von Protestierenden . als Autoren von Büchern wie Freudian Fraud. enthielt der zugehörige Katalog Beiträge von mehreren führenden Freud-Kritikern. daß Freud nach wie vor unzählige Verteidiger hat. Einer davon war der britische Historiker Frank Cioffi. das Partei für ihn ergreift. »Sie . kommt ein anderes. die spezifische Probleme angehen und nicht tief in der Vergangenheit eines Patienten graben. weshalb verwendeten dann so viele Kritiker noch immer so viel Energie auf den Versuch. »Freuds jüngste Kritiker werden ihm keinen bleibenden Schaden zufügen«. der den Glauben an die Psychoanalyse mit dem Glauben an das Ungeheuer von Loch Ness verglich. Viele Patienten und alle Krankenversicherungen bevorzugen Kurztherapien. wie das Magazin Time die Frage zu stellen: »Ist Freud tot?«10 Wohl kaum.Die Attacken auf Freud wurden in den letzten Jahren heftiger. sie verherrliche den Begründer der Psychoanalyse zu sehr. Nur wenige Menschen haben die Zeit und das Geld für eine Behandlung.darunter Freuds Enkelin Sophie . auf jedes Buch. Why Freud Was Wrong. prophezeite Paul Robinson.76 . Als die Ausstellung schließlich im Herbst 1998 eröffnet wurde.

ist in den letzten zehn Jahren mit etwa dreitausend erstaunlich konstant geblieben. daß nur Lenin.etwa daß unbewußte Prozesse unser Verhalten beeinflussen und daß sich frühkindliche Erfahrungen auf die Entwicklung von Erwachsenen auswirken . daß ›Freud tot ist‹. Eine Auswertung des Schrifttums auf diesen Gebieten ergab.haben allenfalls den unvermeidlichen Prozeß hinausgezögert. sondern nur. und die Zahl der Kandidaten an den Ausbildungsinstituten nimmt zu. Doch die drei Autoren beteuerten: »Dies bedeutet nicht.mittlerweile zum Gemeingut der wissenschaftlichen Psychologie. die es eigentlich besser wissen sollten. Freud skeptisch oder gleichgültig gegenüberzustehen. 14 Die Zahl der Mitglieder in der American Psychoanalytic Association.und Sozialwissenschaften besonders stark.77 . 12 Die Freudophilie hat auch jene Wissenschaftler angesteckt. der ihm eines Tages den ihm gebührenden Platz in der Geistesgeschichte als Denker ersten Ranges zuweisen wird. Tatsächlich gehören viele von Freuds Grundideen . daß sich seine Präsenz indirekter bemerkbar macht. Bücher wie Im Netz der Gefühle von Joseph LeDoux. Platon und die Bibel häufiger zitiert werden als Freud. Wie das Denken im Kopf entsteht von dem Kognitionswissenschaftler Steven Pinker vom Massachusetts Institute of Technology und Searching for Memory des in Harvard lehrenden Psychologen Daniel Schacter sind gespickt mit Verweisen auf Schriften Freuds. Zwar ist die Zahl der Zitate aus psychoanalytischen Werken laut der schon erwähnten Erhebung aus dem Jahr 1998 in den wichtigsten psychologischen Fachzeitschriften im Verlauf der letzten Jahrzehnte rückläufig.« 13 Selbst Wissenschaftler. 15 Die International Psychoanalytic Association hat mehr als neuntau. die erklären. der größten psychoanalytischen Gesellschaft in den Vereinigten Staaten. benutzen ihn als einen Bezugspunkt für die Beurteilung und Erklärung neuerer Ideen. Shakespeare.« 11 Freuds Einfluß ist in den Geistes.

sie könne praktisch jede Beobachtung erklären. in . den Status einer gesetzlich anerkannten psychiatrischen Behandlungsmethode einräumte. weil es der Wissenschaft bislang nicht gelungen ist. sie besitze eine nahezu grenzenlose Elastizität. Neurosen seien »ganz allgemein als Störungen der Sexualfunktion zu erkennen«. So behauptete er immer wieder. daß uns die darwinistische Psychologie. Im Jahr 1996 unterzeichnete der damalige russische Präsident Boris Jelzin ein Dekret. von der Freudschen Psychologie befreien werde. die ich im sechsten Kapitel behandeln werde.« 17 (Webster prophezeite. wegzuinterpretieren. 18 Während des Ersten Weltkriegs.78 . eine eindeutig überlegene Theorie und Therapie der menschlichen Psyche aufzustellen. 16 Die eigentliche Frage lautet daher: Weshalb ist Freud nicht tot? Richard Webster. Europa und in anderen Ländern.send Mitglieder. Einer der frühesten und noch immer triftigsten Einwände gegen die Psychoanalyse lautet. ein führender Freud-Kritiker. Schafe und der Ödipuskomplex Das soll nicht heißen. Ziegen. mutete mitunter geradezu komisch an. und nach ihren Angaben steigt die Zahl ihrer Mitglieder in Südamerika. daß man an Freud und seinen Nachfolgern keine berechtigte Kritik üben könne. die seinen Theorien widersprachen. das der Psychoanalyse. die auf die Kindheit zurückgingen. die Stalin im Jahr 1930 zusammen mit sämtlichen Schriften Freuds verboten hatte. gab in seinem 1995 erschienenen Buch Why Freud Was Wrong eine Antwort: »Keine noch so überzeugende ablehnende Kritik der Psychoanalyse wird die von Freud aufgestellten Theorien jemals bündig widerlegen können. Freuds Fähigkeit. Denn in der wissenschaftlichen Realität können schlechte Theorien nur von guten Theorien verdrängt werden. empirische Befunde.) Die Psychoanalyse besteht fort.

die eindeutig durch traumatische Kampfeinsätze ausgelöst wurden. Die Aufgabe des Psychoanalytikers bestehe darin. um so höher.dessen Verlauf Tausende von Soldaten an einer sogenannten »Kriegsneurose« oder »Granatenneurose« erkrankten. sie würden im Krieg durch die Gefahr. die 1924 veröffentlicht wurde. die ihrem ursprünglichen Liebesobjekt. waren ebenfalls. Wortassoziationen und andere »Daten«. Erst wenn sich der Patient diesen Erinnerungen stelle. Kritiker behaupteten. daß sich der Patient der Deutung des Psychoanalytikers widersetzt. ein Psychoanalytiker behaupte. die an einer Kriegsneurose litten. könne der Heilungsprozeß beginnen. die aus dessen Unbewußtem aufstiegen. ist diese Leugnung ein noch stärkerer Beweis dafür. er wolle den Vater töten und mit seiner Mutter schlafen. diese psychischen Störungen. daß die Psyche Erinnerungen an traumatische Kindheitsereignisse verdränge. wurde diese dogmatische Sichtweise ernsthaft in Frage gestellt. seelisch zerrüttet. nämlich ihrer eigenen Person. der Junge zeige ein klassisches Ödipussyndrom.« 20 Nehmen wir an. fragwürdig. Freud zufolge ist die Wahrscheinlichkeit. »Die vom Arzt erforderte Anstrengung war verschieden groß für verschiedene Fälle. Freud und seine Anhänger benutz. egal ob diese real oder imaginär seien. Soldaten. diese Ereignisse durch seine Interpretation der Träume des Patienten. Freuds Methoden.schön! Wenn er sie verwirft. »klinische Beweise« zu sammeln. gelinde gesagt. 19 Er beteuerte. sämtliche Neurosen hätten eine sexuelle Ursache. seien Narzißten. widerlegten Freuds These. Freud entkräftete dieses seines Erachtens »leichtfertige und voreilige« Argument in seiner Selbstdarstellung. daß er ödipale Triebregungen verdrängt. ausgehend von seiner Deutung der Träume eines jugendlichen Patienten.79 . Wenn der Junge die Deutung annimmt . drohe. je traumatischer und bedeutsamer ein Erlebnis war. Ein zentrales Dogma der Psychoanalyse lautet. aufzudecken. sie wuchs im geraden Verhältnis zur Schwere des zu Erinnernden.

. hört er nicht auf zu existieren. denen die Stimulation der Klitoris.. wenn es zum ersten Mal den Penis eines Jungen sieht. gleich ob durch Masturbation oder beim Geschlechtsverkehr. wenn auch nicht Freud selbst. schrieb der Journalist Edward Dolnick in Madness on the Couch. weshalb Freud so viele Feministinnen in Wut versetzt hat.ten dieselbe Strategie . 21 Kritiker der Psychoanalyse zeigten offenkundig Symptome von Verdrängung und Verleugnung. einer neueren Kritik an der freudianischen Psychiatrie. daß auch allzu liebevolle Mütter ihren Kindern schaden könnten. Nachfolger Freuds. (Ironischerweise wurde dieser Vortrag nicht von dem kränkelnden Freud gehalten. muß man nur seine Schrift »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«22 lesen. sexuelle Lust bereitet. »weiß. Noch in den siebziger Jahren machten viele psychoanalytisch ausgerichtete Psychiater »gefühlskalte« Mütter. die die Mütter dämonisierten. »Frauen sind bei den Freudiänern niemals gut weggekommen«. sondern von seiner Tochter Anna.«23 Frauen. daß sie es [das männliche Genitale] nicht hat. der Bedenken gegen die Psychoanalyse anmeldete. 25 . für Autismus und Schizophrenie verantwortlich. daß ein Mädchen. und will es haben [. »daß die Entfaltung der Weiblichkeit die Wegschaffung der Klitorissexualität zur Bedingung habe«24.] Auch wenn der Penisneid auf sein eigentliches Objekt verzichtet hat. hätten den Penisneid nicht überwunden und folglich nicht ihre wahre weibliche Natur erreicht. Um zu verstehen.80 . die ihren Kindern keine emotionale Zuwendung geben. haben Theorien über die Entstehung von Geisteskrankheiten verbreitet. Freud verkündete. er lebt in der Charaktereigenschaft der Eifersucht mit leichter Verschiebung fort.als Verteidigungsmechanismus gegen jeden.eine »Immunisierungsstrategie« .) Freud behauptete. Zugleich wiesen die Psychoanalytiker jedoch warnend darauf hin.

In The Talking Cure räumte sie ein. daß Lernvorgänge chemische Veränderungen in den Neuronen von Meeresschnecken erzeugen. daß sie »Psycho-Block« genannt wird. Ein Beispiel aus jüngster Vergangenheit ist das 1997 erschienene Buch The Talking Cure.27 Dennoch sei Freud »ein Genie« gewesen. daß sowohl frühkindliche Erfahrungen als auch die Psychoanalyse »die Verschaltung der Neuronen im Gehirn ändert. Aus diesen und an. wie sich Psychotherapie auf das Gehirn auswirkt. daß man Informationen und Emotionen auf andere Weise verarbeitet. ist sonderlich überzeugend. so Vaughan weiter. Einen noch stärkeren Eindruck auf Vaughan machte der von Eric Kandel erbrachte Nachweis. Diese Umschaltung führt dazu. erlebt und deutet. Weder die MRI-Studie an Zwangsneurotikern noch Kandels Forschungen an Schnecken sagen das geringste über die Psychoanalyse aus. ist Psychiaterin am New York State Psychiatrie Center und praktizierende Psychoanalytikerin.« Zur Untermauerung ihrer These führte Vaughan mehrere Experimente an. in der so viele Psychoanalytiker tätig sind. dessen Entdeckungen »heute aufgrund unserer Erkenntnisse über das Gehirn an Plausibilität gewonnen haben«.26 Vaughan hat vom National Institute of Mental Health den Auftrag erhalten. zu erforschen. Bei einem dieser Experimente hätten Aufnahmen mit einem Kernspinresonanztomographen gezeigt. Insbesondere seine Vorstellungen über die weibliche Sexualität seien »kulturabhängig und veraltet«.81 . sie behandelt Patienten in einer Gegend von Manhattan. Susan Vaughan. Freud aus wissenschaftlichen Gründen zu verteidigen. Vaughans Argumentation stützt sich auf einen ziemlich augenfälligen Fehlschluß. integriert. daß es nicht allen Ideen Freuds gut ergangen sei. Seine Autorin. Die Neurowissenschaft habe »zuverlässige naturwissenschaftliche Beweise« dafür geliefert. daß die kognitive Verhaltenstherapie und Fluctin ähnliche Änderungen im Gehirn von Zwangsneurotikern herbeiführten.Keiner der Versuche.

Viele Bewunderer Freuds halten die Traumdeutung für seine größte literarische und wissenschaftliche Leistung. die in kindlichen Erfahrungen wurzeln. und sie benutze seine Arbeiten dann dazu. auf welche Weise eine Psychoanalyse heilsame Wirkungen im Gehirn erzeuge. Doch die Studien. »Man darf nicht unterstellen. daß dies geschieht. Freud selbst sagte in seinem Vorwort zur dritten (englischen) Auflage des Buches das gleiche: »Derartige Einsichten sind einem nur einmal im Leben vergönnt. aber wohl kaum eine zündende Untermauerung der Psychoanalyse. daß Kindheitserlebnisse und die Psychoanalyse die »Verschärfung der Neuronen im Gehirn« ändern können. die niemand bestreitet. die empirisch weder ein für allemal bestätigt noch widerlegt werden können. die Vaughan anführte.« Nachgewiesen haben Wissenschaftler allerdings. ihre Überzeugung zu rechtfertigen. Selbstverständlich verursachen Kindheitserlebnisse und eine Psychoanalyse Änderungen im Gehirn.82 . daß während des Schlafs verstörende Wünsche und Ängste.«28 Freud stellte die Hypothese auf. beanstandete Kandel während meines Interviews mit ihm. weisen eindeutig nicht die Gültigkeit der Psychoanalyse als Theorie oder ihre Wirksamkeit als Psychotherapie nach. daß Freud ein geradezu unheimliches Geschick besaß. Seine Studien an Meeresschnecken seien zwar anregend. Das gilt für jegliche Erfahrung! Es handelt sich um eine Binsenwahrheit. Eines Tages werde die Neurowissenschaft vielleicht zeigen. doch dieser Zusammenhang sei bislang noch keineswegs bewiesen. und die Aussage bliebe genauso gültig. Sogar Eric Kandel fand Vaughans Buch nicht überzeugend. fuhr er fort. daß die Psychoanalyse therapeutisch wirksam sei. Theorien auszuhecken. Man muß es nachweisen. .deren Experimenten folgt zwar in der Tat. Aber was heißt das schon? Man könnte »Kindheitserlebnisse« und »Psychoanalyse« durch »Besuch eines chinesischen Kochkurses« oder »das Betrachten des Europacup-Endspiels« ersetzen. Vaughan unterstelle einfach.

Vielmehr seien Träume vermutlich nur das Resultat von Signalen. meinte ein Psychoanalytiker beifällig. die durch das Ich gefiltert und in rätselhafte Symbole umgewandelt würden. der Bericht in Science habe bestätigt. die dem Gehirn dabei helfen. behaupteten die Forscher.83 . sie hätten mit der PET Aufnahmen vom Gehirn schlafender Versuchspersonen gemacht. Im Jahr 1998 berichteten Wissenschaftler der National Institutes of Health und des Walter Reed Army Institute of Research in Science. der Sitz der höchsten kognitiven Funktionen. . Die Aufnahmen zeigten. Mit dem Hinweis darauf. ihre Studie widerlege die Freudsche Hypothese. Mehrere Forscher behaupten. Die New York Times brachte einen Artikel über diese Experimente unter der Schlagzeile »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?« (»Irrte sich Freud? Sind Träume der Anlauftest des Gehirns?«). daß in Träumen die Emotionen und Langzeiterinnerungen der Träumenden eine wichtige Rolle spielten. nicht wissenschaftlicher Genauigkeit«.aus dem Unbewußten aufsteigen. Dieser Befund »rückt die Neurowissenschaft näher an die Freudschen Theorien heran«. »ist Ausdruck ihrer Voreingenommenheit. inaktiv sind. ein Psychologe an der Universität von Michigan. die durch schnelle Augenbewegungen und lebhaftes Träumen gekennzeichnet ist.29 Sechs Tage später veröffentlichte die Times Briefe von Kritikern der Kritiker. Howard Shevrin. Freuds Traumtheorie widerlegt zu haben. wenn auch verschleiert durch das immer wachsame Ich. »Freud hat sich geirrt«. daß die Präfrontallappen mit der höchsten Wahrscheinlichkeit Sitz der Freudschen Ich-Instanz seien. meinte. daß Träume primitive libidinöse Regungen abbildeten. während der sogenannten REM-Phase des Schlafs. daß die Präfrontallappen des Gehirns. wann es genügend Schlaf hat. Die Behauptung der Forscher. Durch Entschlüsselung dieser Bilder könne der Psychoanalytiker einen direkteren Zugang zum Unbewußten erlangen. herauszufinden.

Sobald die männlichen Tiere geschlechtsreif waren. Anders gesagt. zogen sie darüber hinaus die Gesellschaft von Weibchen vor . ja im allgemeinen kein weibliches Mitglied ihrer Familie sexuell begehren und auch keine andere weibliche Person.nicht aber die Weibchen .30 Kulturvergleichende Studien deuteten darauf hin. Einer der ehrgeizigsten Versuche. vielmehr sei sie unseren Vorfahren von der natürlichen Selektion eingeflößt worden.84 . Sie . die Ziegenmännchen wollten sich mit Schafweibchen paaren und die Schafmännchen mit Ziegenweibchen. ist das 1996 erschienene Buch Freud Scientifically Reappraised. Freuds Leistungen wissenschaftlich zu würdigen. die eher ihren Pflegemüttern als ihren biologischen Müttern glichen. Nach Ansicht von Evolutionsbiologen ist diese Abneigung kein Ausdruck von Verdrängung. Was soll man dann von einer Aussage halten wie »Mütter legen die sexuellen Präferenzen fest«. Die Forscher fanden heraus.Empirische Studien über den Ödipuskomplex erbrachten ebenfalls keine schlüssigen Ergebnisse.dazu neigen. daß die jungen Männchen . die in einem Zeitraum von mehr als sechzig Jahren veröffentlicht wurden. das Spiel. daß Jungen keineswegs mit ihren Müttern kopulieren wollen. wie Freud meinte.und mit ihnen zu kopulieren -. bei denen neugeborene Ziegen von weiblichen Schafen aufgezogen wurden. Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher von der Staatsuniversität von New York in Syracuse bewerteten Freuds Werk auf der Basis ihrer Auswertung von über 1800 Studien. Denn aus Inzest gehen oftmals Nachkommen mit defekten Erbanlagen hervor. mit der sie in enger räumlicher Nähe aufwachsen.und Putzverhalten ihrer »Pflegemütter« zu imitieren. Die Studie »stützt indirekt Freuds Konzept des Ödipuskomplexes«. lautete das Fazit der Autoren. mit der ein 1998 in Nature erschienener Artikel überschrieben war? 31 In dem Aufsatz beschrieb eine Gruppe britischer und südafrikanischer Wissenschaftler Experimente.

Tatsächlich stellte Freud zahlreiche Hypothesen auf.32 (Fisher war Ende 1996 gestorben. wenn man die Forschungsergebnisse betrachtet«. einige haben einer genaueren Prüfung standgehalten. sagte Greenberg. Anale Charakterzüge wie Eigensinn. tatsächlich existieren. daß es für Therapeuten äußerst leicht sei.85 . Fisher und er hätten Beweise sowohl für als auch gegen den Mechanismus der Verdrängung gefunden. »In psychotherapeutischen Situationen sind Menschen sehr leicht beeinflußbar. die darauf hindeuten.) So sagte mir Greenberg. die man als Ganzes annehmen oder ablehnen müsse.wiesen darauf hin. anders als Freud behauptet habe. die er [Freud] mit ihnen in Verbindung brachte. andere nicht. erklärte er. Dies war das explizite Fazit von Freud Scientifically Reappraised. als ich 1998 mit Greenberg sprach. Geiz und Ordnungsliebe »scheinen in denselben Personen zusam. Dies zeigte sich. daß diese Persönlichkeitstypen und die Merkmale. daß es schwierig sei.hätten gezeigt.« Ein empirisch gut abgesicherter Aspekt von Freuds Werk sei die Einteilung von Menschen in anale und orale Persönlichkeitstypen. Zudem »versuchen Menschen einige ihrer unerwünschten Gefühle abzuspalten« . »Es gibt einige recht passable Studien. Forschungen zahlreicher Psychologen .insbesondere von Elizabeth Loftus von der Universität von Washington . daß die Freudsche Psychologie oft als eine monolithische Einheit betrachtet werde. die nicht unbedingt voneinander abhängig waren. Dagegen würden Erinnerungen an traumatische Erlebnisse.etwa homosexuelle Impulse. nur selten völlig verdrängt. Forschungen über das implizite Gedächtnis und verwandte Phänomene hätten bewiesen. falsche Erinnerungen in Patienten einzupflanzen. daß »es Dinge gibt. die unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen und sich auf die Reaktionen und das Verhalten von Menschen auswirken«. irgendeine Freudsche Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen. Das implizite Fazit lautete.

Fisher berichtete. daß Studenten mit einem hohen »Rükken-Bewußtsein« (das vermutlich den Hintern einschloß) »eine stärkere Empfindlichkeit für Reize mit analen Konnotationen. Viele der Probanden. und sie scheinen mit analen Ängsten in Zusammenhang zu stehen«. welche Teile ihres Körpers den Studenten bewußtseinsmäßig am präsentesten sind. darunter einige.86 . Füller Torrey Studien zu Freuds Analitäts-Hypothese. in einer anderen kotet Blacky zwischen den Hundehütten seiner Eltern. und die anderen stellten meist keine Korrelation zwischen der Strenge der Reinlichkeitserziehung und analen Charakterzügen fest. die auch von Greenberg und Fisher angeführt werden. die Seymour Fisher 1970 selbst durchführte. Doch wie aussagekräftig sind Studien. Die Studenten unterzogen sich auch dem sogenannten Blacky-Persönlichkeitstest.men vorzukommen. dessen Schwanz abgehackt wird. einer kritischen Prüfung. Fisher gab Studenten mehrere Fragebogen einschließlich einem »Body Focus Questionnaire«. In einer Szene sieht Blacky einen anderen Hund. mit dem er herausfinden wollte. indem sie sie einer übermäßig frühen oder strengen Reinlichkeitserziehung unterwürfen.33 Die meisten Studien machten keine Angaben über die Reinlichkeitserziehung der Probanden. mehr negative Einstellungen zu Schmutz [und] eine . waren mit Freudianischen Konzepten vertraut und ahnten vielleicht. der in Situationen gezeigt wird. die die Reinlichkeitserziehung mit analen Charakterzügen bei Erwachsenen in Verbindung bringen? In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud unterzog der Psychiater E. die psychoanalytisch sehr bedeutungsgeladen sind. Die Schwächen wurden auf beispielhafte Weise durch eine Studie verdeutlicht. dieser besteht aus Bildern eines Hundes namens Blacky. welche Antworten von ihnen erwartet wurden. vor allem Psychologiestudenten. Freud hatte behauptet. daß Eltern diese Merkmale bei ihren Kindern förderten.

(Freud-Karikaturen schmücken noch immer die Bestellkarten der Zeitschrift. daß die Psychoanalyse keinerlei wissenschaftlichen oder therapeutischen Wert besitze. gegen diese Regungen anzukämpfen. latente Homosexualität diagnostiziert habe. vermutlich weil sie sich der Freudschen Theorie bewußt waren. ihn unter die Erde zu bringen.« »Crews Missiles« Wenn Freud noch nicht tot ist. die als eine Bastion psychoanalytischen Gedankenguts galt. als er Freud in zwei Aufsätzen scharf angriff (»The Unknown Freud« und »The Revenge of the Repressed«). E. auf allgemeines öffentliches Interesse. Professor für Englisch an der Universität von Kalifornien in Berkeley. Freud riet Frink.) Crews begnügte sich nicht damit. einem Psychoanalytiker namens Horace Frink. Seine Ansichten stießen jedoch erst in den Jahren 1993 und 1994. so gewiß nicht wegen der unzureichenden Bemühungen Frederick Crews'. die mit dem ›analen Charakter‹ konsistent sind. Er behauptete. daß Freud in den zwanziger Jahren bei einem seiner amerikanischen Anhänger. daß Fisher lediglich einen Cluster von Persönlichkeitsmerkmalen nachgewiesen hat. das abgedroschene Argument zu wiederholen.stärkere Selbstbeherrschung« zeigten.35 Crews enthüllte. Hieraus folgt. und daß CollegeStudenten mit diesen Merkmalen ein höheres ›Rücken-Bewußtsein‹ besaßen. indem er sich von seiner . als sie in der New York Review of Books erschien. Füller Torrey meinte dazu trocken: »Es wurden keine Daten über die Reinlichkeitserziehung erhoben. Freud habe sich der »Unaufrichtigkeit und Feigheit« und schlimmerer Dinge schuldig gemacht. äußerte schon in den frühen siebziger Jahren erstmals seine Skepsis gegenüber der Psychoanalyse. Crews.34 Crews' Polemik erregte um so größeres Aufsehen.87 .

daß er das Leben dieser vier Menschen zerstört hatte«. Als die »erinnerungsaufdeckende Therapie« in den achtziger Jahren einen regelrechten Boom erlebte. Gleichzeitig habe Freud Bijur gedrängt. mit der Frink eine Affäre hatte. sie ließen sich von ihren Ehegatten scheiden und heirateten. die von Kritikern auch »Therapie zur Aufdeckung falscher Erinnerungen« genannt werde. ob Freud jemals sein Bedauern darüber zum Ausdruck brachte. das er in seinen Briefen offenlegte. indem sie diese verdrängten Mißbrauchserlebnisse der Vergessenheit entreißen. sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen und Frink zu heiraten. bestand darin. was katastrophale Folgen nach sich zog. Die geschiedenen Ehegatten starben. litten sie als Erwachsene oft unter psychischen Störungen. bemerkte Crews. die nach dieser Methode arbeiten.«36 Crews' schwerwiegendster Vorwurf lautete. Freuds eigentliches Motiv. daß es nicht zu ihm gepaßt hätte. Anschließend ließ sich Bijur von Frink scheiden. Die Therapeuten helfen den Patienten. Freud sei der geistige Urvater der »erinnerungsaufdeckenden Therapie«. »aber wir wissen. Schätzungen zufolge haben sich etwa eine Million Patienten in den Vereinigten Staaten irgendeiner Form dieser Therapie unterzogen. sich gleichsam kathartisch von ihren Schwierigkeiten zu befreien. beschuldigten Tausende von Patienten. der in eine psychotische Depression verfiel.88 . Bijur Spenden zu entlocken. ihre Eltern und andere Erwachsene sie mißbraucht zu haben. behaupten. »Wir besitzen keine Dokumente darüber. dies zu tun. sehr viele Kinder würden von Eltern und anderen Erwachsenen körperlich und sexuell mißbraucht.Frau scheiden lasse und eine wohlhabende Erbin namens Angelika Bijur heirate. obgleich diese Kinder Erinnerungen an den Mißbrauch verdrängten. kurz nachdem sie verlassen worden waren. Einige dieser Fälle führten zur Anklage und zur Verurteilung der mutmaß. überwiegend Frauen. Frink und Bijur folgten Freuds Weisungen.37 Therapeuten.

die die aufgedeckten Erinnerungen bestätigt hätten.89 . Menschenopfer und sogar Außerirdische drehten). in ihrer Kindheit von ihren Vätern oder anderen Erwachsenen sexuell mißbraucht worden seien. daß keineswegs gesichert sei. daß ihre Therapeuten die Mißbrauchserinnerungen in sie eingepflanzt hätten. ihre psychische Störung sei auf die Verdrängung dieser unsittlichen ödipalen Phantasien zurückzuführen. daß Erinnerungen jahrzehntelang verdrängt und dann in unverfälschter Form wieder ausgegraben werden könnten. Sowohl Freuds ursprüng. selbst wenn es keine Beweise gab. die sich auf die Erforschung des Gedächtnisses spezialisiert hatten. Orgien. Viele Patienten widerriefen ihre Beschuldigungen und beklagten. seine Patientinnen hätten sich lediglich eingebildet. daß es auf den ersten Blick unfair erscheinen mag. als Patienten immer aberwitzigere und unglaublichere Beschuldigungen erhoben (die sich um satanische Rituale. Einige verklagten ihre Therapeuten erfolgreich auf Schadensersatz wegen Verletzung der beruflichen Sorgfaltspflicht. Die ganze Bewegung fiel schließlich in sich zusammen. Im Jahr 1896 postulierte Freud für kurze Zeit die sogenannte Verführungstheorie. wie konnte Crews ihm dann die Urheberschaft an der zeitgenössischen erinnerungsauf deckenden Therapie anlasten? Die Antwort lautet.lichen Mißbrauchstäter. ihre Hysterie war angeblich auf die Verdrängung dieser traumatischen Erinnerungen zurückzuführen. So wurde die Psychoanalyse geboren. bezeugten. in ihrer Kindheit mißbraucht worden zu sein. die an Hysterie litten. Wenn Freud ausdrücklich sexuellen Mißbrauch als Hauptursache psychischer Störungen verwarf. daß sich die erinnerungsaufdeckende Therapie auf mehrere Freudsche Konzepte stütze. so Crews. Psychologen. wonach Frauen. Freud die Schuld an diesem verstörenden modernen Phänomen zu geben. Crews räumte ein. Freud nahm diese Hypothese jedoch bald darauf wieder zurück und behauptete nunmehr.

. »es handelt sich ja wesentlich darum. die der Psychoanalyse sehr wohlwollend gegenüberstand. ist er der eigentliche historische Taufpate des ›Syndroms der falschen Erinnerungen‹. Einschüchterung durch Freud getan. Bei der Erörterung der Erinnerungen seiner Patientinnen an sexuelle Erlebnisse erklärte Freud 1896: »Die Kranken wissen vor Anwendung der Analyse nichts von diesen Szenen [. Crews folgerte daraus: »Weil Freud sowohl vor als auch nach der Ausarbeitung der psychoanalytischen Theorie seine Patienten dazu anstachelte. daß ich das Geheimnis errate und es dem Kranken ins Gesicht zu sage«39. Vielmehr hätten sie dies erst nach entsprechender Suggestion und. in manchen Fällen.«40 Crews Doppelattacke auf Freud in der New York Review of Books provozierte mehr Leserbriefe als jeder frühere Artikel in der Geschichte der Zeitschrift.liche Verführungstheorie als auch seine Theorie des Ödipuskomplexes fußten auf derselben Annahme: Viele Patienten verdrängten Erinnerungen an entweder phantasierte oder reale sexuelle Ereignisse in der Kindheit.90 . Crews untermauerte seine Behauptung mit einer erdrükkenden Fülle von Zitaten aus Werken von Freud. daß Frederick Crews' Kritik an Freud dort so groß herausgebracht wurde..«38 An anderer Stelle schrieb Freud. Doch Crews zufolge hat keiner von Freuds Patienten Freud von sich aus derartige Erinnerungen erzählt. Ein Beobachter bemerkte: Die New York Review of Books galt vielen als das offizielle Organ einer bestimmten Gruppe der liberalen Intelligenzija Amerikas. sich in deren Reproduktion einzulassen. Wenn Tom Paine zu einer Predigt in der Kathedrale von Canterbury eingeladen worden wäre oder wenn der Papst Voltaire aufgefor- . sich an nichtreale sexuelle Ereignisse zu erinnern.] sie können nur durch den stärksten Zwang der Behandlung bewogen werden. war die Tatsache. Was wirklich weh tat.

schwarze Hose.91 . Wer ein Auto fahre. ich bin mir dessen wohl bewußt. monotoner Stimme. eine Messe im Vatikan zu zelebrieren. daß die Psychoanalyse einen »steilen Abwärtstrend« erlebe. wo er tags darauf an einem öffentlichen Symposion über Freud teilnehmen sollte. und aus diesem Grund bin ich nach wie vor der Ansicht. den die Psychoanalyse noch immer auf die Wissenschaft und die übrige Kultur ausübe. schwarze Schuhe. »Im selben Sinne läuft unser psychisches Leben größtenteils unterhalb der Oberfläche des . indem sie die Existenz eines unbewußten beziehungsweise impliziten Gedächtnisses bewiesen hätten. Als wir beim Abendessen im Hotelrestaurant miteinander plauderten. Doch hinter seiner oberflächlich zurückhaltenden.42 Er war groß und schlank. Neurowissenschaft und Kognitionswissenschaft hätten Freud bestätigt. könnte ich schlicht den Mund halten. erwiderte er: »Ganz im Gegenteil. räumte Crews ein. das Drahtgestell seiner Brille verlieh ihm ein asketisches Aussehen. daß sie Kritik verdient.und stichfest durchdachten Antwort. sprach er meist mit ruhiger. ja sogar schüchternen Art verbarg sich eine erbitterte Entschlossenheit und Selbstsicherheit. tue dies mehr oder minder ohne bewußtes Nachdenken.dert hätte. Ich begegnete Crews erstmals in der Lobby eines Hotels nahe dem Campus der Yale-Universität. Crews parierte sie mit einer hieb.« Dennoch. so Crews. Egal welche Einwände ich vorbrachte. Crews unterschätze die Stärke des Einflusses. Crews widersprach aufs entschiedenste der Vorstellung. Er war gekleidet wie ein Henker: schwarzer Regenmantel über einem schwarzen kragenlosen Hemd. hätte das Gefühl der Entweihung unter den Gläubigen kaum größer sein kön41 nen. Wenn sie nicht so einflußreich wäre. Als ich bemängelte. ergebe eine genauere Prüfung der Zitate in Wissenschaftsmagazinen und anderen Publikationen.

die er an die Psychoanalyse stelle. daß keine wissenschaftliche Theorie den Anforderungen gerecht werden könne. Freuds eigene Beispiele sprachlicher Fehlleistungen ließen sich ohne weiteres mit der Banalisierung erklären. »wird es durch den Fehler banalisiert. die besten seien. »Freud hat dies nie getan«. Timpanaro nannte diesen Prozeß »Banalisierung«.« Timpanaro behauptete. die sich auf die wenigsten Annahmen stützen. sagte Crews. die Abschriften von antiken Texten anfertigten.« Die Beweislage für das freudianische Unbewußte sei bestenfalls dürftig. vertrauter gemacht und näher an die Welt des Übersetzers herangeführt. bis man einen stark verfälschten Text erhält. in dem er sich um die naheliegendste Erklärung bemüht hätte. habe er gegen »Ockhams Rasiermesserprinzip« verstoßen. »In all seinen Schriften gibt es keinen Fall. ließ Crews kalt.Bewußtseins ab. Doch dies ist keinesfalls ein Beweis für die Existenz eines dynamischen Unbewußten im Freudschen Sinne.« Das Argument. in dem es angeblich von verdrängten Begierden und Ängsten und traumatischen Erinnerungen wimmelt. so Crews. Eine Banalisierung kann zur nächsten führen. der eine Autorität auf dem Gebiet der Verfälschung antiker Texte sei. Im Fall der Freudschen Fehlleistung beispielsweise »hat Freud schlichtweg unterstellt. indem sie exotische Wörter durch geläufige ersetzten. erläuterte Crews. oft unabsichtlich Fehler in ihre Kopien einfügten. Timpanaro habe durch akribische Forschungen nachgewiesen. wonach die einfachsten Erklärungen. daß Schreiber.92 .43 »Wenn ein Wort im Original etwas ungewöhnlich ist«. daß sie den Tiefen des Unbewußten entspringe und entweder aggressiver oder sexueller Natur sei«. Eine sehr viel plausiblere Erklärung für solche Fehlleistungen sei von dem italienischen Geisteswissenschaftler Sebastiano Timpanaro vorgeschlagen worden. »Meine Einwände gegen die Psy. so Crews. Indem Freud diese naheliegende Alternative außer acht gelassen habe.

könne sie immer wieder aufleben.« Er hielt inne. sagte er. ist sie in großen Schwierigkeiten. die so verfährt. Dennoch. weshalb er. so fügte er hinzu. Offenkundig ist alles. was den inneren Zusammenhalt einer menschlichen Gesellschaft fördert. als wir auf die »erinnerungsauf deckende Therapie« zu sprechen kamen.« Die Religion könne den sozialen Zusammenhalt und die sittliche Gesinnung in Gemeinschaften heben. zu »fanatischen Kreuzzügen und Pogromen« geführt habe. »würde ich nicht behaupten. »reinsten Schamanismus« und »völlige Scharlatanerie« nannte. »Wenn wir die Grundannahmen nicht in Frage stellen. ohne anderen Völkern größeren Schaden zuzufügen. fürchtete Crews. seinen Zorn gegen die Psychoanalyse und nicht die Religion richte. indem sie die Äußerungen eines Patienten im Licht der Ich-Theorie interpretiert. wie zu sich selbst: »Ich persönlich habe keine Mythen mehr. die er »einen Kunstfehler kriminellen Stils«. wie etwa die Innenstädte.93 . Die Psychoanalyse »rechtfertigt ihre Hypothesen unter Rückgriff auf ihre eigenen Deutungen.« Ich fragte Crews. Es gibt keine allgemein anerkannte Wissenschaft auf der Welt. »Jede Gesellschaft lebt von Mythen. daß Religion immer und überall ein negativer Einfluß war. und wenn sie gar keine Mythen mehr hat. tut sie dies.« Er sagte leise. die diese Eigenschaften dringend benötigten. daß religiöser Glaube oft zu Intoleranz.« Am nächsten Tag fand ich mich mit mehreren hundert anderen in einem großen holzgetäfelten Hörsaal der Yale-Uni. werden wir immer wieder das gleiche erleben.« So richtig in Fahrt kam Crews. Wenn er und andere diese therapeutische Bewegung nicht kritisieren und nicht ihren Freudschen Ursprung aufdecken würden. nach eigenem Bekunden ein Atheist. Wenn sie die Hypothese der Ich-Instanz rechtfertigen will. ein Vorteil.choanalyse sind trivial«. Er räumte ein. »Ich hoffe es zumindest. die im Verlauf der Geschichte wohl viel mehr Schaden angerichtet habe.

erklärte Crews. erklärte er.94 . Unterdessen lieferte ein anderes Mitglied der Diskussionsrunde. Nehmen Sie meinen Freud. daß die Psychoanalyse Patienten half. bitte! Aber wollen Sie ihn wirklich. Judith Butler. »kann ich eine einfache Antwort geben: Das hängt ganz und gar von Ihnen ab. oder ziehen Sie den Freud der selbstgeschaffenen Legende vor.versität ein. der von unabhängigen Forschern der letzten Generation ausgegraben wurde. die Augen rollte und den Kopf schüttelte. wie er sich mit Freud-Anhängern stritt. Als Michels das Wort erteilt wurde. ob die Wahrheit der Psychoanalyse wissenschaftlich erwiesen sei. um Crews dabei zu beobachten. Michels wußte aus persönlicher Erfahrung. rücksichtslosen. aber auch mit einigen Lachern. dessen Name noch immer die Illusion heraufbeschwören kann. einen mimischen Kommentar. indem er grinste. Butler behauptete. aufgeblasenen. daß Theorien über die menschliche Erfahrung andere Methoden der wissenschaftlichen Überprüfung erforderten als Theorien über nicht. Psychoanalytikerin und Dozentin an der Universität Cambridge. »Auf die im Titel dieser Konferenz gestellte Frage«. indem er den Titel der Konferenz aufgriff: »Wessen Freud? Der Platz der Psychoanalyse in der zeitgenössischen Kultur«44. kurzsichtigen und doch subtil verschlagenen Freud. die Augenbrauen hob. und Juliet Mitchell. Die beiden anderen Redner in Crews' Sitzung. daß es ihm als Psychiater egal sei. und das genügte ihm. bekundeten ihr Unbehagen an Crews' Ansatz. die ›Wahrheit der Psychoanalyse‹ werde durch das bloße Genie ihres Entdeckers beglaubigt?« Als Crews weitere zwanzig Minuten in dieser Weise fortfuhr. den fanatischen. Robert Michels. Professorin für Literatur an der Universität von Kalifornien in Berkeley. reagierten die Zuhörer mit Zischlauten und einem leisen Pfiff. Crews begann seinen Vortrag. seine einzige Sorge gelte dem Wohlergehen seiner Patienten. ein Psychoanalytiker und Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der Cornell-Universität.

nichtnormative soziale Interaktionen zu untersagen. Crews antwortete Butler seinerseits mit einem verschmitzten Lächeln. Durch seine Wortwahl habe er unabsichtlich die verdrängte ödipale Bindung an Freud enthüllt.« Weshalb nicht »Ihren Freud«? Damit wollte sie offenkundig zu verstehen geben. würden zu einer »Verarmung« der Wissenschaft führen. die jedes Kind besetzt oder mit dem Erlernen der Sprache erwirbt.psychologische Phänomene.Beziehungen zwischen Eltern und Kindern tolerieren zu lernen. ein breiteres Spektrum möglicher . Eigentlich habe er lediglich Henny Youngman. der erst wenige Wochen zuvor gestorben war und zu Crews' Lieb.95 . daß Crews eine Freudsche Fehlleistung unterlaufen sei. Damit wird meines Erachtens die Tatsache übersehen.einschließlich inzestuöser . die nicht in ebenjener Idealisierung und Verknöcherung kontingenter kultureller Normen besteht. weshalb er in seinen einleitenden Worten gesagt hatte: »Nehmen Sie meinen Freud. Crews' beharrliche Forderung. als ob sie zeitlose und notwendige Positionen sind. So sagte Butler einmal: »Die Verbote. wissenschaftliche Theorien müßten durch empirische Befunde bestätigt werden. die hinter seiner bewußten Feindseligkeit stehe. die dazu dienen.beide sprachen in einem beinahe parodistisch unverständlichen Fach chinesisch. die Normen der mutmaßlich heterosexuellen Verwandtschaft einzusetzen und zu steuern.« Während der anschließenden Diskussion wandte sich Butler zu Crews und fragte ihn mit einem verschmitzten Lächeln. Zumindest verstand ich sie in diesem Sinne . dienen auch dazu. daß Verwandtschaft eine kontingente soziale Praxis ist und daß es keine symbolische Position von Mutter und Vater gibt. Manche Psychoanalytiker behandeln diese Positionen so. Sowohl Butler als auch Mitchell schienen dafür zu plädieren. psychische Platzhalter. die moderne Psychoanalyse solle der Gesellschaft dabei helfen. wo Positionen wie Mutter und Vater differentielle Effekte des Inzesttabus sind.

diejenigen. als die Sprecherin diese Vorwürfe »reaktionär« und »misogyn« nannte. Bitte. Jedenfalls hat keiner der Freud-Anhänger unter den Diskussionsteilnehmern bei der Yale-Konferenz Crews glaubhaft wiederlegt. die ihn dazu veranlaßten. Sie räumte ein. In einem überfüllten Seminar diskutierten fünf Therapeutinnen über »individuelle und paarbezogene Behandlung eines Inzestopfers«. manche Therapeuten würden »falsche Erinnerungen« an schreckliche Mißbrauchserlebnisse im Kindesalter in Patienten »einpflanzen«. daß Freud die »klinischen Beweise«. die auf seine Artikel in der New York Review of Books mit Leserbriefen antworteten. Auch die Tagung im Waldorf-Astoria. seine Hochachtung bezeigen wollen.96 . Ich warte noch immer auf eine überzeugende Widerlegung der meines Erachtens schwerwiegendsten Beschuldigung Crews'. erhärtete die von Crews postulierte Verbindung zwischen Psychoanalyse und erinnerungsaufdeckender Therapie.« Der Skeptiker Steven Hyman Crews' Sicht von Freud und von der Psychoanalyse ist weitgehend schlüssig. Youngmans »Markenzeichenwitz« habe gelautet: »Nehmen Sie meine Frau. welche diese Behauptungen aufstellten. den Ödipuskomplex und andere Schlüsselelemente der Psychoanalyse zu postulieren. verfolgten offensichtlich »hinter dem dünnen Schleier der Wissenschaft politische Ziele«. und das gleiche gilt für diejenigen.45 Eine Sprecherin ging auf die in jüngster Zeit erhobenen Vorwürfe ein.lingskomikern gehört hatte. Die Zuhörer spendeten Beifall. daß sie die recht abstrusen Erinnerungen mancher Patienten. insbesondere solche. an der ich im Frühjahr 1996 teilnahm und die ich am Anfang dieses Kapitels beschrieb. die sich um rituelle . erfunden habe.

für die es keinerlei physische Beweise gebe. Das gleiche Desinteresse an der Wahrheit kennzeichnete auch andere Veranstaltungen. daß er einen Patienten niemals hundertprozentig verstehen könne. Beweise für seine Theorien zu sammeln – seine »Immunisierungsstrategie« -. sondern »nichtlinear«. Das Schaffen eines »emotional sicheren Umfeldes« habe »Vorrang vor allem anderen«.47 Selbstverständlich untergrub Freuds Methode. Wie solle man mit diesen Behauptungen umgehen. in dem es. darum ging. Ein Sprecher hielt einen Vortrag. festzustellen. »Wir können lediglich wissen.Menschenopfer und andere Greuel drehten. wie die emotionale Wahrheit zum gegenwärtigen Zeitpunkt aussieht. soweit ich verstanden habe.97 . Eine andere Teilnehmerin der Diskussionsrunde antwortete.46 Der Psychoanalytiker »arbeitet in einem komplexen Feld veränderlicher Gegebenheiten«. fragte die Sprecherin. ob der Mißbrauch. beunruhigten. an den sich ein Patient erinnere. tatsächlich stattgefunden habe. daß die Psychoanalytiker erkennen müßten. »daß sie [die wissenschaftliche Bemühung] nichts anderes als subjektive Ergebnisse liefern kann. Wenn der Analytiker sich damit abfinde. während ihr die wirkliche Natur der Dinge außer uns unzugänglich bleibt«.« Es könne »gefährlich und beschränkend sein«. und folglich sei seine Einstellung gegenüber einem Patienten zu jedem beliebigen Zeitpunkt »immer per se sowohl richtig als auch falsch«. es sei nicht Aufgabe des Therapeuten. seine eigenen Objektivitätsansprüche. da die menschliche Psyche kein »einheitliches Phänomen« sei. . In Die Zukunft einer Illusion widersprach Freud der »radikalen« Behauptung. »legt er das Entwicklungspotential des Patienten zurück in dessen eigene Hände«. ein »kohärentes Gesamtbild« der Geschichte eines Patienten entwerfen zu wollen. Ironischerweise lehnte Freud selbst diese postmoderne Einstellung zur Wahrheit (was immer sie ist) entschieden ab. daß sie ihre Patienten niemals richtig verstehen könnten.

Und er stellt die Psychoanalyse auch nicht in ihren umfassenderen wissenschaftlichen Kontext. Erstens verkennt sie die außerordentliche Faszination. »Wer eine freudianische Therapie abschließt. daß die Psychoanalyse nicht den von einigen Kritikern aufgestellten Beweisanforderungen genüge. Doch wer immer eine solche »überperfektionistische Sichtweise« vertrete. äußerte er die Vermutung. Er verglich die Psychoanalyse mit einer religiösen Sekte. sie seien bei ihren Psychoanalysen einer Gehirnwäsche unterzogen worden. Vielmehr zieht er hinaus in die Welt wie ein Seelenjäger und bekehrt andere zum Freudianismus. Gerald Edelman und andere prominente Neurowissenschaftler der Psychoanalyse noch immer eine hohe Wertschätzung entgegen? Als ich Crews diese Frage stellte. wird selbst zum Freudianer«. wo er zu erklären versucht. daß »keine psychologische Theorie hinreichend empirisch überprüft worden ist«.98 . Die Psychologen Roger Greenberg und Seymour Fisher äußerten dieses Argument in Freud Scientifically Reappraised. sagte Crews.« Diese Antwort ist in zweifacher Hinsicht ungenügend.Mein Haupteinwand gegen Frederick Crews ist die Tatsache. Genauer gesagt. so Greenberg und Fisher. Er ist so auf die Schwächen der Psychoanalyse fixiert. Sie geben zu. die sich auf nichts so gut verstehe wie auf ihre Selbsterhaltung. müsse zugeben. daß er an einem »Tunnelsehen« leidet. die zu den schärfsten Kritikern . den geringsten Nutzen in ihr zu sehen. Die Grenzen seiner Kritik zeigen sich dort am deutlichsten. daß er sich weigert. »Er wird nicht etwa geheilt. Zweitens läßt sie die Unzulänglichkeiten sämtlicher Alternativen zur Psychoanalyse außer Betracht. die von den Schriften Freuds ausgeht (auf die ich in Kürze eingehen werde).48 Namentlich die Verfechter eines biologischen Erklärungsmodells für psychische Erkrankungen. weshalb die Psychoanalyse trotz ihrer offenkundigen Mängel weiterhin selbst eingefleischte Naturwissenschaftler nachhaltig beeinflußt. weshalb bringen Eric Kandel.

die diesen Standpunkt einnehmen. Doch es hat mich immer gestört. fand er die psychoanalytischen Erklärungen der Seele letztlich unbefriedigend. Auch einer der herausragendsten Vertreter der modernen biologischen Psychiatrie. ist weitgehend dieser Ansicht. Sie gaben Erklärungen für Phänomene. sagte er. hätten die Überlegenheit ihres Ansatzes keineswegs nachgewiesen. Sie klangen plausibel. Es sind nicht bloß Psychologen wie Greenberg und Fisher . Kurz nach seiner Ernennung traf ich ihn bei der Jahrestagung der American Psychiatrie Association in New York.oder Journalisten wie ich -. Anhänger solcher Modelle beschrieben die Depression oft als eine chemische Störung. wo er für ein Forschungsbudget von achthundert Millionen Dollar verantwortlich ist. der als Psychiater und Neurowissenschaftler an der Harvard-Universität lehrte. Im Jahr 1996 wurde Hyman. er ist kein Freudianer.49 Mit seinem fein säuberlich gestutzten Bart und seinem mächtigen Unterkiefer ähnelt er etwas dem jungen Freud.« Andererseits kamen Hyman einige »einfache pharmakologische Modelle« psychischer Erkrankungen ebenfalls wie bloße »Geschichten« vor. wenn die Psychoanalyse eine unvollkommene und unbewiesene Spielart der Wissenschaft vom menschlichen Geist ist. das psychodynamische Schemata verbietet. Doch der Schein trügt. Steven Hyman.Freuds gehörten. Obgleich ihn einige psychoanalytische Schriften beeindruckten. die nach Erklärungen verlangten. die gegenwärtigen glorreichen Wunschträume einer biologischen Psychiatrie in ein Programm zu übersetzen. daß sie möglicherweise nichts anderes als gute Geschichten waren.« Anders gesagt. welche die Kon. die sich mit Medikamenten wie Fluctin behandeln lasse. zum Direktor des National Institute of Mental Health ernannt. »Ihre Schriften waren echte Glanzleistungen. »Es wäre verfrüht. gilt dies auch für all ihre selbsternannten Nachfolger.99 . »Ich bin ein Skeptiker gegenüber allen Seiten«.

‹« Hyman vertrat eine ähnliche Einstellung gegenüber der Verhaltensgenetik. »Dabei drängt sich mir die Frage auf: Was bedeutet das? Ist das eine Antwort?« Die reduktionistischen Methoden der Molekularbiologie und der Neurowissenschaft hätten sich in den letzten Jahrzehnten als äußerst fruchtbar erwiesen. sagte Hyman. wie das Gehirn funktioniert. »Wir leben in einem Zeitalter. in dem diese Fortschritte in der molekularen und zellulären Neurobiologie eine allgemeine Euphorie auslösen. »werden wir nach der Klonierung des nächsten Serotoninrezeptors. den wir entdekken.« Was die Evolutionspsychologie anbelangt. miteinander und mit der Umwelt stehen. aber auch frustrierend. sagte Hyman. fuhr er fort. daß die Forscher noch immer herausfinden müßten. so fand Hyman sie. ähnlich wie die Psychoanalyse. welcher Prozentsatz eines bestimmten Merkmals durch Gene und welcher Prozentsatz durch die Umwelt festgelegt wird. faszinierend. Doch er gab zu bedenken. denn die gegebene Umwelt könnte die relativen Beiträge verändern. wenn man für eine Person angeben will. das an Schizophrenie erkrankt. »Es ist eine viel zu grobe Vereinfachung. »Und ich nehme an. Durch Studien an eineiigen Zwillingen und andere Forschungen versuchten Verhaltensgenetiker den relativen Beitrag der Gene und der Umwelt zu verschiedenen menschlichen Merkmalen und Erkrankungen abzuschätzen.« Die Identifikation der Gene. die eine Anfälligkeit für Schizophrenie und andere Erkrankungen erzeugen. in was für einer Wechselwirkung solche Gene bei der Entwicklung eines Gehirns. Evolutions. daß sich dies nicht leicht lösen lassen wird. würde einen gewaltigen Fortschritt darstellen.zentration des Neurotransmitters Serotonin im Gehirn steigern. nicht sagen können: ›Jetzt verstehen wir. die die Psyche mit Hilfe der Darwinschen Theorie der natürlichen Selektion zu erklären versucht. Dennoch«.100 .

die sich der Erforschung des Geistes widmeten. prüften Forscher nur selten Befunde. das selektiert werden konnte. noch nicht ausgereift seien. daß »die Aufklärung der Funktionsweise des Gehirns und der möglichen Störungen das schwierigste Unternehmen ist. ihre Behauptungen experimentell zu überprüfen. War Hyman überzeugt davon. daß Psychologie. sagte Hyman. In ausgereiften Wissenschaften. das die Menschheit in Angriff genommen hat«. schließlich sei das Gebiet der Infektionskrankheiten nicht mehr durch Kontroversen zwischen Anhängern und Gegnern Pasteurs gespalten. Evolutionspsychologen »unterschätzen die Tatsache.« Andererseits müßten Forscher vermeiden.101 . wie »behelfsmäßig zusammengebastelt« Organismen seien. Es sei nicht verwunderlich. . daß wir die Psyche und ihre Erkrankungen eines Tages vollkommen verstehen würden? Er verzog das Gesicht. die Psyche in erster Linie als ein von der natürlichen Selektion gestaltetes Instrument zur Förderung der Verbreitung unserer Gene anzusehen. festgelegt hat«. sagte er vorsichtig. daß all diese Ansätze ihre gesteckten Ziele nicht erreichten. was man wollte. die an die Psychoanalyse erinnert«. daß die Frühgeschichte der Entstehung unseres Gehirns möglicherweise Randbedingungen für die Anpassung beziehungsweise für das Material. Psychiatrie. die älter seien als fünf Jahre. Es liege eine »schwerwiegende Gefahr« darin. »wünscht man sich aus Mitleid. wenn man bedenke. sich an »schlechten Modellen der Funktionsweise des Gehirns festzuklammern. Die anhaltende Debatte über die Ideen Freuds deute darauf hin. während er über die Frage nachsann.Psychologen »spielen ihre Unfähigkeit. Als empirisch ausgerichteten Biologen erstaune es ihn. Neurowissenschaft und andere Disziplinen. oftmals in einer Weise herunter. »Wenn man Patienten begegnet«. so Hyman weiter. gleich ob sie freudianisch sind oder einem einfachen pharmakologischen Reduktionismus frönen«. man könnte alles tun.

ein erbitterter Gegner der Psychoanalyse. Im Jahr 1985 nannte der Psychologe Hans Eysenck. in einer Reihe mit Kopernikus und Darwin. Freud »ein Genie nicht der Wissenschaft. Freud sei zusammen mit Marcel Proust.«50 Der Molekularbiologe und Neurowissenschaftler Francis Crick. sondern der Propaganda. schrieb Crick. wie er behauptete. die »am Sterben oder schon tot ist«. vielmehr war er ein Arzt. sondern der Überzeugung. nicht der Planung von Experimenten. sondern der Literatur. sondern mit Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm. »kann Freud kaum als Wissenschaftler betrachtet werden. James Joyce und Franz Kafka ein zentraler Schriftsteller des modernen »chaotischen Zeitalters«. Mitentdecker der DNA-Doppelhelix. die er überzeugend und ungewöhnlich gut formulierte. der viele neue Ideen hatte. »die die Gesamtheit der menschlichen Natur beschreibt. die er eine Form des »Schamanismus« nannte. In seinem Buch The Western Canon schloß Bloom Freud in seine Liste der sechsundzwanzig bedeutendsten Schriftsteller aller Zeiten ein. läßt man sich wahrscheinlich von ästhetischen Faktoren beeinflussen. Märchenerzählern. muß sie in seiner Vision eines Bürgerkriegs innerhalb der Psyche liegen. »Nach modernen Maßstäben«.«52 . fuhr Bloom fort. Er steht nicht. Doch Freuds Arbeit. nicht des stringenten Beweises. geht weit über die Freudsche Therapie hinaus.102 . Bloom machte sich keine Illusionen über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse.Freud als Erzähler Wenn man wissenschaftliche »Erzählungen« nicht nach ihrer empirischen Gültigkeit auseinanderhalten kann. stimmte dem zu.«51 Nach dem Urteil des Literaturtheoretikers Harold Bloom von der Yale-Universität dagegen war Freud nicht bloß ein guter Schriftsteller. Freuds rhetorische Begabung wurde von Freund und Feind anerkannt. Wenn es eine Quintessenz des Freudschen Denkens gibt.

und die geheimsten Belange seines künstlerischen Schaffens stimmen ausnahmslos mit denjenigen überein. In der 1966 erschienenen Studie The Sins of the Fathers: Hawthorne's Psychological Themes behauptete Crews. Crews' Buch gilt noch immer als ein Klassiker der freudianischen Literaturwissenschaft.und damit Leidenserfahrung des einzelnen näher zu stehen scheint als alle anderen Systeme. selbst Psychoanalytiker zu werden. als er in den fünfziger Jahren in Princeton studierte.Paul Gray.«53 Selbst Frederick Crews geriet eine Zeitlang in Freuds Bann. daß Freud sowohl als Wissenschaftler wie auch als Mensch gravierende Schwächen gehabt habe. daß in Anbetracht der bisher sehr dürftigen wissenschaftlichen Erfolgsbilanz tiefe Einblik. Dennoch sagte er voraus. die gegenwärtig zur Diskussion stehen.103 .54 Crews begann mit der Lektüre der Freudschen Werke. Er pflichtete der Behauptung von Crews und anderen Kritikern bei. die frühere und heutige Kritiker auf seine Couch packen. daß Freud als Schriftsteller überdauern würde. das der subjektiven Lebens. ein Theoriegebäude zu errichten. und nur die hohen Ausbildungskosten hielten ihn davon ab. Zu Beginn seiner akademischen Laufbahn benutzte er die Psychoanalyse als Instrument der literarischen Analyse in seinen Lehrveranstaltungen und Schriften. Mehrere prominente Wissenschaftler sind der Auffassung. »Ungeachtet seines Machtwillens und seines Buhlens um Einfluß. wenn schon keine wissenschaftlichen. gelang es ihm. Nach wohl einhelliger Auffassung hat Freud. The Scarlet Letter und andere Werke von Nathaniel Hawthorne »nehmen die Befunde der Psychoanalyse vorweg. der Literaturkritiker der Time. so doch bedeutende literarische Erkenntnisse zutage gefördert. ungeachtet aller vorsätzlichen Sünden. ungeachtet auch seines rücksichtslosen Hinweggehens über Kollegen und Patienten. denen auch Freud größte Bedeutung beimaß«. kam in seiner berühmten Titelgeschichte »Ist Freud tot?« zum selben Schluß.

würden sie allerdings nicht einmal als »Faktion« gelten können. seine innerseelischen Vorgänge aufzudecken. Der von Geertz geprägte Begriff Faktion. (Falls Freud diese Fallgeschichten größtenteils selbst erfunden hat. die auf verschiedene Aufgaben zugeschnitten seien. Freud sei weder ein schlechter Beeinflusser noch ein Introspektor gewesen. die Anthropologie.anders als Probleme in der Kernphysik oder der Molekularbiologie oder in »sachlicheren« wissenschaftlichen Disziplinen . Virginia Woolf gehörte zum Typus des »Introspektors«. halb wissenschaftliches Projekt und werde dies vielleicht immer bleiben. der einem bereits bestehenden Gebiet künstlerischer Kreativität sein Gepräge gab.56 In Extraordinary Minds legte er Fallstudien über vier archetypische Genien vor. bemerkte Gardner. Freud war ein »Macher«. der sich hervorragend darauf versteht. das die psychischen Grundlagen von künstlerischer Produktivität. der über eine geradezu unheimliche Führungsfähigkeit verfügte. Gandhi war demnach ein »Beeinflusser«.) Ähnliches vertrat Howard Gardner. Mozart war ein »Meister«. Seines Erachtens ist sein Fachgebiet. daß Kontroversen über die menschliche Natur . den er als »imaginatives Schreiben über reale Menschen an realen Orten zu realen Zeitpunkten« definiert.104 . Kreativität und Lernen erforscht. sondern »vielfache Intelligenzen«. ein halb literarisches. der praktisch von Grund auf eine neue wissenschaftliche Disziplin erfand. . multifunktionale Intelligenz besitze. Für Furore sorgte seine 1983 in Frames of Mind postulierte Hypothese.ke in die menschliche Psyche möglicherweise immer eher literarischen als wissenschaftlichen Charakter haben werden.niemals eindeutig durch Rückgriff auf empirische Daten gelöst werden könnten. Er ist Kodirektor des Harvard-Projektes Zero. Clifford Geertz meint sogar. Psychologe und Pädagogikprofessor an der Harvard-Universität. daß der Mensch keine homogene.55 ist eine passende Beschreibung für Freuds Fallgeschichten.

Die Psychologie. stehe nicht etwa im Begriff zu sterben. Gardner hat jedoch nicht nur die Psychoanalyse im Visier. Die Sozialpsychologie stelle weiterhin Spekulationen über die menschliche Natur an. »Ich hielt es für einen guten symbolischen Akt«. behandeln sollte.wie etwa Identitätskrise. daß die Pädagogik jede Person als ein einzigartiges Individuum mit spezifischen Charakterzügen. Neurowissenschaft und andere Disziplinen.« Auf die Bitte. romantischen Liberalismus. Er habe aufgehört.57 Seine Schriften über vielfache Intelligenzen atmeten diese Eigenschaften ebenso wie einen altmodischen. lautet meine Antwort: nicht sonderlich viele. die nicht in einem IQ-Wert erfaßt werden können.Vor unserer ersten Begegnung hatte ich mir Gardner als einen ernsten. Gardner in Person war dagegen genauso scharfzüngig wie Frederick Crews. antwortete er. indem sie Begriffe und Wörter präge . Experten auf dem Gebiet der ange.« Kognitionswissenschaft.105 . »Aber wenn mich jemand nach meinem Beruf fragt. räumte Gardner ein. die bedeutendsten Errungenschaften der Psychologie anzuführen. welche dauerhaften Wahrheiten hat die Psychologie im Verlauf der letzten hundert Jahre zusammengetragen. Alltagswissen oder auch erlernte Hilflosigkeit–. eröffnete er mir. liebenswürdigen Mann vorgestellt. aber als »Denkhilfen« genutzt werden könnten. die zwar keine strengen wissenschaftlichen Theoreme seien. sie sei bereits tot. sage ich noch immer: Psychologe. sondern das gesamte Gebiet der Psychologie. die sich der Erforschung der Psyche widmen. die Psychologen hätten gelernt. Doch wenn Sie fragen. »sich nicht selbst dazu zu verleiten«. nein. sagte er. könnten unser psychologisches Wissen nachhaltig bereichern. seine Mitgliedsbeiträge an die American Psychological Association zu überweisen. »In begrifflicher und methodologischer Hinsicht hat die Psychologie einiges erreicht. ungesicherte Schlußfolgerungen zu ziehen. Das Leitprinzip seiner wissenschaftlichen Tätigkeit schien zu lauten.

« Doch »die Phänomene der Empfindung und Wahrnehmung oder auch andere physiologische Zustände werden sich nie auf eine rein neurale Theorie zurückführen lassen«. insbesondere die Neurowissenschaft. Doch keines dieser Gebiete sei der Lösung des Rätsels der menschlichen Psyche auch nur nahe gekommen. Er wies darauf hin. Auf jeder Ebene des Nervensystems. und sie wird dieses Ziel wahrscheinlich nie erreichen.58 Er erinnerte daran. die Unternehmen bei der Einstellung und Entlassung von Mitarbeitern einsetzen könnten. Gardner hatte seine Kritik erstmals 1992 in einem Vortrag geäußert. Fortschritte gemacht hätten und dies auch weiterhin tun würden. »Die Psychologie hat sich nicht zu einer integrierten Wissenschaft entwickelt. von der einzelnen Synapse bis zu den Durchblutungsmustern des gesamten Kortex. die sich der Erforschung der Psyche widmeten. daß er mit seinem 1985 erschienenen Buch The Mind's New Science60 selbst zu ihrer .106 .wandten Psychologie entwickelten weiterhin IQ-Tests und andere Instrumente. Gardner steht der Kognitionswissenschaft erstaunlich kritisch gegenüber. wenn man bedenkt. erklärte Gardner in seinem Vortrag. daß »es keine wissenschaftliche Psychologie gibt«. obschon er im Grunde genommen ein Wissenschaftsoptimist gewesen sei. daß William James. der den Titel »Scientific Psychology: Should We Bury It or Praise It?« trug. nimmt unser Wissen mit einer phänomenalen Geschwindigkeit ständig zu. James habe einmal beklagt. daß gewisse Disziplinen. gelegentlich seine Kritik am »vorwissenschaftlichen Stand« und »der Begriffsverwirrung und Unvollkommenheit« der Psychologie zum Ausdruck gebracht habe. daß »die Jahre am Ende unseres Jahrhunderts durchaus als das Mündigwerden der Hirnforschung beziehungsweise Neurowissenschaft beschrieben werden können. James' Vorbehalte gegenüber seiner Disziplin »haben sich als allzu berechtigt erwiesen«.«59 Gardner räumte ein.

daß die Kognitionswissenschaft zum vorherrschenden Paradigma der Psychologie werden würde. Diese Konzepte »scheinen sich der Zerlegung in elementare Bestandteile und anderen Formen des Reduktionismus besonders nachhaltig zu widersetzen«. so Gardner weiter. schien alles darauf hinzudeuten. Gedächtnis. Zudem. Schließlich vermittelten uns Shakespeare und Dostojewski viel tiefere Aufschlüsse über das menschliche Wesen. statt aus Silizium. um die tiefsten Geheimnisse der Psyche zu erkunden. die eher charakteristisch für Menschen als für mechanische Gegenstände sind«. daß auch Freud ein Meister jener Form literarischer Psychologie gewesen sei. Sein zentraler Kritikpunkt war die Tatsache.Popularisierung beigetragen hat. aus Fleisch und Blut bestehe. einen Rechner. Und einige der bedeutendsten Psychologen hätten herausragende literarische Fähigkeiten und Kenntnisse besessen. Als der Behaviorismus Ende der fünfziger Jahre an Ansehen verlor.107 . als es Psychologen vermochten. der. Aufmerksamkeit und logisches Denken stelle keine deutliche Verbesserung gegenüber den älteren psychologischen Ansätzen dar. Psychologen könnten vielleicht mit Hilfe eines »literarischeren« Untersuchungsstils und Diskurses weiterkommen. daß streng wissenschaftliche Methoden zur Erforschung der Psyche unser Verständnis der Kernthemen der Psychologie nicht vorangebracht hätten: Bewußtsein. »übersehen [Kognitionswissenschaftler] möglicherweise jene Aspekte des logischen Denkens oder Problemlösens. die man benötige. das Selbst. Doch die Herangehensweise der Kognitionswissenschaftler an die Phänomene Wahrnehmung. Willensfreiheit und Persönlichkeit. Freud habe sich in seinen Schriften immer wieder auf Beispiele aus der Literatur und der Mytho. Kognitionswissenschaftler betrachteten die Psyche als eine informationsverarbeitende Maschine. Gardner behauptete. etwa William James. Während unseres Gesprächs wies Gardner darauf hin.

in denen man des ungenügenden Erfolgs von vornherein sicher sein kann. was wir mit dieser sogenannten Erkenntnisfähigkeit tun können«. um Darwin oder um den Computer. hätten diese intuitive Fähigkeit gehabt.logie gestützt. daß unsere Heilerfolge es mit denen von Lourdes . und er habe ein gutes intuitives Gespür für Menschen besessen. Andererseits stellt der Kult um Freud heute eine geringere Gefahr dar als der Kult um Fluctin. um die DNA. als wäre das Analysieren der dritte jener ›unmöglichen‹ Berufe. Der britische Psychoanalytiker Adam Phillips schrieb 1998.Sie können mich mit dieser Zahl zitieren .108 . sind das Erziehen und das Regieren. daß sie die Vorherrschaft dieser vermeintlich neuen und verbesserten Paradigmen in Frage stellen.der Psychologen« sich nicht tief in andere Menschen einfühlen. weit länger bekannten. Die beiden anderen. Neofreudianer erfüllen dadurch. die Grenzen der Wissenschaft einschließlich seiner eigenen Beiträge ausdrücklich anzuerkennen. »Sie satteln von Chemie auf Psychologie um.«62 Im Jahr 1933 klang er noch sarkastischer: »Da möchte ich sagen. In dem 1937 erschienenen Werk Die endliche und die unendliche Analyse schrieb Freud: »Es hat doch beinahe den Anschein. weil sie in Chemie nicht gut genug waren. wir sollten dankbar dafür sein. »Übrigens können fünfundneunzig Prozent .61 Meines Erachtens war Freuds Bereitschaft. ich glaube nicht. daß ihr einst beherrschender Einfluß gebrochen ist. denen Gardner begegnet sei. die Psychoanalyse »zeigt uns bestenfalls sowohl die Grenzen unserer vielgerühmten Erkenntnisfähigkeit als auch. noch immer einen nützlichen Zweck. einer seiner versöhnlichsten Wesenszüge.« Freuds versöhnender Pessimismus Die Psychoanalyse ist ein Paradigma mit schwerwiegenden Fehlern. Alle »großen« Psychologen.

die auf alternativen Theorien der menschlichen Natur basieren und die im Verlauf der letzten hundert Jahre entstanden sind. die an die Wunder der heiligen Jungfrau.109 . Andererseits gibt es auch keine schlüssigen Beweise dafür. Mehr als fünfzig Jahre nachdem er diese Äußerung gemacht hat.aufnehmen können.«63 Freuds Sorgen waren wohlbegründet. daß die Psychoanalyse als therapeutisches Verfahren dem Gesundbeten überlegen wäre. im geringsten erfolgreicher wären. als die an die Existenz des Unbewußten glauben. gibt es noch immer keine schlüssigen Beweise dafür. daß irgendeine von den Hunderten von »Redekuren«. Es gibt so viel mehr Menschen. .

begann die Psychoanalyse unmittelbar nach ihrer Begründung rasch zu mutieren und sich zu teilen. PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE Es gibt seit hundert Jahren Psychotherapie. das ultravioletter Strahlung ausgesetzt wird. deren berühmteste Anhänger John Lennon und Yoko Ono waren. die Soziobiologie und die Kognitionswissenschaft. D. wie etwa der Behaviorismus.3. Sie brachte schließlich eine Vielzahl ähnlicher. Skinner. Jugend und Krise des Psychoanalytikers Erik Erikson. Allein schon die Titel dieser Bücher zeigen. Zwischen den hoch mit broschierten und gebundenen alten Büchern beladenen Tischen stieß ich auf ein fossiles Lager populärwissenschaftlicher Psychologiebestseller: Phänomenologie der Erfahrung des britischen Psychiaters und Dichters R.110 . Wie ein Bakterium. der die Urschreitherapie erfand. Laing. und Der Urschrei des klinischen Psychologen Arthur Janov. Mitte der achtziger Jahre umfaßte die Angebotspalette über 450 verschiede. F. Praktisch alle diese Theorien haben ihre eigenen Psychotherapien hervorgebracht. die von so bekannten freudianischen Apostaten wie Carl Jung und Wilhelm Reich begründet wurden. eines Begründers des Behaviorismus. jenseits von Freiheit und Würde des Psychologen B. I'm Okay – You're Okay des Psychiaters Thomas Harris. daß sich die Psychologie im Lauf des zwanzigsten Jahrhunderts in zahlreiche divergierende Richtungen entwickelte. und trotzdem geht's mit der Welt bergab. der die Transaktionsanalyse popularisierte. darunter jene. JAMES HILLMAN UND MICHAEL VENTURA1 einem nicht lange zurückliegenden Anverkauftenoch Bücherei meiner Heimatstadt Sommertag die gespendete Bücher. Daneben bildeten sich eigenständige Theorien der menschlichen Psyche heraus. aber konkurrierender psychologischer Theorien hervor.

ne Arten von Psychotherapien. sehen in Kindheitserfahrungen.3 Selbst innerhalb einer bestimmten psychotherapeutischen Richtung kann es eine enorme Bandbreite geben. dem Patienten Ratschläge zu geben. mitunter nehmen sie sogar eine ausgesprochen spirituelle Dimension an. insbesondere solchen sexueller Natur. J.111 .F. B. Depression und Angst werden als legitime Reaktionen auf die Sinnlosigkeit des Daseins gewertet. . sich ihrer Verzweiflung und Entfremdung zu stellen und sie zu überwinden. Tatsäch.Verhaltenstherapien verfolgen einen gegenwartsbezogeneren Ansatz. in einen Topf geworfen. zu denen die Psychoanalyse und ihre Abkömmlinge zählen.Psychodynamische Therapien. Verhaltenstherapien werden oft mit kognitiven Therapien. von der aktiven analytischen Therapie bis hin zur psychoenergetischen Technik nach Zaraleya. durch Konditionierungsübungen dysfunktionale Verhaltensmuster zu ändern. In der klassischen Psychoanalyse sollte es der Analytiker vermeiden. Die Therapeuten versuchen den Patienten zu helfen. ihr Leben mit Sinn zu erfüllen. die Ursache für psychische Störungen im Erwachsenenalter. indem sie ihre Fähigkeit erkennen. Skinner und anderen Behavioristen streben Verhaltenstherapien danach. die jedoch vor allem auf die Änderung schädigender Denkgewohnheiten abzielen. Watson.2 Die Psychotherapien lassen sich in drei allgemeine Kategorien einteilen: . doch viele Analytiker einschließlich Freud haben gegen diese Regel verstoßen.B. Auf der Grundlage der Arbeiten von Iwan Pawlow. .Erlebnisorientierte Therapien haben eine philosophischere Ausrichtung als psychodynamische und Verhaltenstherapien.

ja sogar mehr. einschließlich Psychiatern. und diejenigen. wenn man bedenkt. Diese Zahl schließt vierzigtausend Psychiater.1 Prozent der Gesamtbevölkerung mindestens eine psychotherapeutische Sitzung pro Jahr auf ambulanter Basis.5 Die Anzahl der ambulanten psychotherapeutischen Visiten belief sich auf insgesamt achtzig Millionen und die Gesamtkosten auf über vier Milliarden Dollar. daß viele Psychotherapeuten gegenüber verschiedenen Patienten unterschiedliche therapeutische Strategien einschlagen. die sie verabreichen. ist es schwerer. exakte Daten zu bekommen. bilden noch immer eine einflußreiche politische Interessengruppe.3 Millionen Amerikaner oder 3. Allein in den Vereinigten Staaten gibt es fast dreihunderttausend Psychotherapeuten. Nach der gegenwärtig vorherrschenden Meinung sinkt der Stellenwert von Psychotherapien infolge des (in den USA) neu eingeführten Systems der integrierten Gesundheitsfürsorge und der sprunghaft zunehmenden Beliebtheit von Medikamenten wie Fluctin immer weiter. . doch werde dieser Rückgang möglicherweise durch eine Zunahme von Besuchen bei nichtärztlichen Therapeuten kompensiert. konzentrierte.7 Bei einer statistischen Erhebung. daß diese Ende der neunziger Jahre weniger Psychotherapien durchführten als im vorausgehenden Jahrzehnt.lieh gibt es wohl genauso viele Arten von Psychotherapie.4 Laut einer statistischen Erhebung erhielten im Jahr 1987 7. wurde festgestellt. Obgleich es eine Fülle von anekdotischen Indizien für den Bedeutungsverlust von Psychotherapien gibt. die sich auf Ärzte. stellt die Psychotherapie noch immer eine wichtige Form der Behandlung von psychischen Problemen dar.112 .8 Selbst wenn die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungen rückläufig ist.6 Eine Studie aus dem Jahr 1992 zählte hundert Millionen psychotherapeutische Sitzungen. aber diese Zahl enthielt auch Patienten in Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen. wie es Psychotherapeuten gibt.

sondern »Ist sie wirksam?«.als Beweise vorlegen. Wie Politiker sollten vielleicht auch wissenschaftliche Theorien . nahezu belanglos. Für viele Physiker ist die Frage. indem man die Wirksamkeit ihrer zugehörigen Therapien mißt. sondern danach.nicht danach beurteilt werden.10 Die Psychotherapiebranche stellt einen beständigen umfassenden Test der zahllosen psychologischen Lehren dar. ob eine bestimmte Psychotherapie wirksam ist. Transistoren. Hauptsache ist. Die frühen Anhänger der Quantenmechanik konnten nur die Ergebnisse rätselhafter Experimente beschreiben. ob die Quantenmechanik wahr ist. Unternehmen gesetzlich dazu zu verpflichten.achtzigtausend klinische Psychologen und hundertzwanzigtausend Sozialarbeiter ein. Mitte der neunziger Jahre bedrängten diese Gruppen den US-amerikanischen Kongreß.9 Seelsorger. Laser und thermonukleare Bomben .113 . wäre dies ein starker Indizienbeweis für die Wahrheit der ihr zugrunde liegenden Theorie.darunter so berühmte . was sie sagen.insbesondere solche mit medizinischen Ansprüchen . Später konnten sie Kernspaltungsreaktoren. Die Frage lautet dann nicht mehr »Ist sie wahr?«. Wenn sich eine Psychotherapie anderen Verfahren bei der Behandlung seelischer Leiden als überlegen erwiese. für psychische Erkrankungen denselben Versicherungsschutz zu gewähren wie für körperliche Leiden wie Krebs oder Herzerkrankungen. läßt sich nicht leicht beantworten. Die Frage. was sie bewirken. sie funktioniert. Der Mental Health Parity Act (Gesetz zur Gleichstellung der psychischen Gesundheit mit der körperlichen Gesundheit) trat mit den unvermeidlichen Lücken im Januar 1998 in Kraft. Man kann die relativen Vorteile verschiedener psychologischer Lehren bewerten. Freud wollte mit seinen Fallberichten über einzelne Patienten . die im Verlauf des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt wurden. Drogenberater und andere eklektische Praktiker steuern weitere fünfzigtausend Therapeuten zu der Mischung bei.Technologien. die den Lauf der Geschichte veränderten .

im Rahmen einer kontrollierten Studie seine Wirksamkeit bei einer großen Zahl von Probanden zu messen..114 . werden sie nicht mehr als zuverlässige Belege für die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen anerkannt. die den Begriff »Redekur« prägte und nicht von Freud selbst. die psychischen Ursachen seiner Symptome zu verstehen.11 Auch wenn Fallgeschichten oftmals eine faszinierende Lektüre sind. ob für die Jungsche Psychotherapie bei Depression oder Haiknorpel bei Krebs. sondern von einem seiner Kollegen analysiert wurde . bestätigten sie den Nutzen einer psychoanalytischen Behandlung.Personen wie der Rattenmann. Medikamente (Glück auf Rezept von Peter Kramer) oder die Verhaltensgenetik (Twins von Lawrence Wright) anpreisen. einfachere Therapien nicht auftreten. Doch Studien. kann man Wirksamkeitsnachweise für jede beliebige Behandlungsform beibringen. Mit Hilfe des brillanten Analytikers gelinge es dem Patienten. der Wolfsmann und Anna O. Wie mehrere Kritiker gezeigt haben. die in Studien über Tumortherapien oder andere. Toksoz Karasu. die die Wirksamkeit psychologischer Behandlungsformen nachweisen sollen. was ihm Erleichterung verschaffe. Die beste Methode zur Bewertung eines bestimmten Heilverfahrens besteht darin. Fallberichte bleiben ein zentrales Element moderner Bücher über die Psyche. So wie Freud diese Fallstudien erzählte. bestand allerdings oftmals eine erhebliche Diskrepanz zwischen Freuds Erzählungen und der Wirklichkeit. werden durch Faktoren erschwert. egal ob sie Psychotherapien (The Talking Cure von Susan Vaughan). Zudem könnten die nachweislichen Verbesserungen bei manchen (nicht allen) Patienten von Freud und seinen Kollegen trotz und nicht wegen der Behandlung zustande gekommen sein.den Nachweis für die Wirksamkeit der Psychoanalyse erbringen. Wenn man sich allein auf kasuistische Einzelfallschilderungen bezieht. Psychiater am Albert Einstein College of Medicine und eine .

die Beschreibung der Schizophrenie »läuft auf folgendes hinaus: Ein Schizophrener ist eine Person. was ein Psychiater als Schizophrenie klassifiziert.dt. wie eine bestimmte Störung definiert werden sollte.scheinbar endlose . Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen) zu lösen. die Schwierigkeiten. daß sie sich nicht nur in ihrem beruflichen Rollen. die dazu führen. Die American Psychiatrie Association hat sich bemüht. in deren Beurteilungen sich der Konsens der Fachwelt widerspiegeln soll. die Verschiedenartigkeit der Kontexte. uneinig darüber.und Identitätsverständnis. Die Therapeuten sind sich. sondern auch in ihrer ideologischen Einstellung unterscheiden. schrieb einmal: Wenn man versucht. die große . gelinde gesagt.] politische. sich sonderbar benimmt . was überhaupt als Störung anzusehen ist. dieses aber keinesfalls ausgeschaltet.115 .Zahl von Patienten-.. hat allenfalls das subjektive Moment bei psychiatrischen Diagnosen verdeutlicht. dessen erste Ausgabe 1952 erschien. wird von einem anderen vielleicht als Schizophrenie.13 Doch das DSM. sie als eine gleichförmige Praktik zu beschreiben und zu messen.Autorität auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung. Zudem haben Therapeuten [. manisch-depressive Erkrankung oder normale Melancholie diagnostiziert.und Interaktionsvariablen berücksichtigen. Therapeuten. das von Gruppen von Psychiatern erarbeitet wird. wirtschaftliche und narzißtische Interessen.12 Die Diagnose psychischer Störungen ist ein problematisches Unterfangen. die trügerisch einfache Frage ›Ist eine Psychotherapie wirksam?‹ zu beantworten. muß man die Vielfalt theoretischer und klinischer Ansätze in der Psychotherapie. Ein Rezensent des DSM-IV (der in Deutschland 1996 erschienenen vierten Auflage) meinte etwa. dieses Problem mit dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM . das Spektrum der Störungen. die sehr eigenartige Gedanken hat. und selbst darüber..

dies deutet darauf hin. nichtmedizinischen Problemen eine medizinische Bedeutung beizulegen. Während die meisten (wenn auch nicht alle) Beobachter darin über.116 . die beiden zentralen Themen der freudianischen Psychologie. aber in späteren Ausgaben auf Druck schwuler Aktivisten und anderer gestrichen wurde. antisoziale Persönlichkeitsstörung (»Impulsivität beziehungsweise Unfähigkeit vorauszuplanen«). die im DSM aufgeführt sind. als verstehe man Phänomene schon. »seinen Wohnort und seinen gewohnten Arbeitsplatz zu verlassen«). Kann der Therapeut oder der Patient selbst die Störung eines Patienten besser beurteilen? Und worin besteht ein erfolgreicher Abschluß? Die letztgenannte Frage ist stark mit Werturteilen behaftet. Das DSM-IV spiegelt »die zunehmende Tendenz in unserer Gesellschaft [wider]. wenn man ihnen ein Etikett und eine Codenummer anhängt «16. einer Geschichte des DSM. was Schizophrenie ist.15 Zu den neuen Kategorien gehören Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (»Kann sich nicht auf Details konzentrieren und begeht Flüchtigkeitsfehler«). Gefühlsüberschwang mit Psychopathologie zu verwechseln und so zu tun. Doch selbst wenn die Diagnose eindeutig wäre.und unter bizarren Wahnideen leidet. wie man den Erfolg einer psychologischen Behandlung messen soll.«14 Das DSM-IV erwähnt nicht einmal Hysterie und Neurose. Außerdem bezahlen die meisten Versicherungsgesellschaften nur die Behandlung von Störungen. bestünde noch immer Uneinigkeit darüber. und auch die Homosexualität taucht nicht mehr auf. heißt es in dem 1998 erschienenen Buch Making Us Crazy. die noch im DSM-I und im DSM-II als psychische Störung gewertet wurde. oder sich sprachlich nicht richtig ausdrükken können. daß die Verfasser des DSM-IV entweder nicht wissen. Dennoch stieg die Zahl der anerkannten Störungen von 106 im DSM-III (1980) auf über 300 im DSM-IV an. dissoziative Fugue (der unwiderstehliche Drang.

Wie aber führt man eine Doppelblindstudie über ein psychotherapeutisches Behandlungsverfahren durch? Psychoanalytiker bewerten sich selbst Freud griff all jene heftig an. aber ansonsten mit der ersten soweit wie möglich übereinstimmt. Und welchen Zeitraum müßte man dabei betrachten? Besteht das Ziel der Therapie darin. und die Kontrollgruppe erhält eine pharmakologisch unwirksame Substanz. Die ideale klinische Studie ist ein Doppelblindversuch. wenn beide möglicherweise angemessene Reaktionen auf das menschliche Dasein sind? Auf einem weniger philosophischen Niveau stellt sich die Frage. von einer »Heilung« der Melancholie oder Angst zu sprechen. eine Gruppe erhält den Wirkstoff. als er von Fallstudien erbracht wird. Weder die Studienteilnehmer noch die Studienleiter wissen. Jeder Unterschied zwischen den beiden Gruppen läßt sich dann mit hoher Plausibilität auf die Behandlung zurückführen. bis er als geheilt gelten kann. Selbsterkenntnis. die Placebo genannt wird. eigenständiger zu werden oder sich konventionellen sozialen Normen anzupassen? Wie lange muß ein Patient symptomfrei sein. die nicht behandelt wird. Statistische Auswertungen. Zufriedenheit oder beides zu fördern? Sollten Therapeuten Patienten helfen. so meinte . sofern dieser Begriff überhaupt anwendbar ist? Ist es sinnvoll. wie man eine Kontrollgruppe für eine Psychotherapiestudie zusammenstellen soll. der erprobt wird. In einer kontrollierten Studie vergleicht man die behandelte Gruppe mit einer zweiten. die auf einem stringenteren empirischen Wirksamkeitsnachweis bestanden. wer die wirksame Substanz und wer das Placebo erhält. stellt sich die Frage. was einen Erfolg ausmachte.einstimmen würden.117 . daß ein Selbstmord auf einen Fehlschlag der Therapie hindeutet.

daß der Analytiker mehr will.«18 Die Psychoanalytiker definieren den therapeutischen Erfolg oftmals so. die »nichts anderes [anstreben].] zu machen. Man tut besser. Dabei verzichten sie darauf. das verarbeitete Material so heterogen. die Wirksamkeit ihres Produktes zu quantifizieren. erwarten und behaupten. wenn sich am Ende herausstellt. damit er sich dort wohl fühle und gerne wieder aus den Schwierigkeiten des Lebens seine Zuflucht dorthin nehme. der von Mitgliedern Wirksamkeitsbelege sammeln sollte. Freud selbst tadelte einst Analytiker.«17 In Freuds Widerstand gegen statistische Studien mag sich seine Befürchtung widerspiegeln. wie wir es erstreben. Im Jahr 1948 riefen leitende Funktionäre der American Psychoanalytic Association (APA) einen Evaluationsausschuß ins Leben. daß viele Analytiker ihre Zwiespältigkeit beziehungsweise ihren offenen Widerstand gegenüber jedem Versuch. daß nur sehr große Zahlen etwas besagen würden. ihn für das Leben stärker [.. doch der Ausschuß löste sich bald wieder auf. .«19 Ihrer Auffassung nach kann die Minderung des Leidensdrucks die persönliche Weiterentwicklung aber behindern.«20 In Anbetracht dieser Faktoren ist es nicht verwunderlich. seien »überhaupt nicht lehrreich. als es dem Kranken möglichst angenehm zu machen. daß die Ergebnisse der Psychoanalyse möglicherweise nicht zum Vorteil gereichten.118 . seine Einzelerfahrungen zu befragen. daß er sich nicht objektiv messen läßt.Freud.. Die Journalistin Janet Malcolm machte in ihrem 1982 erschienenen Buch Psychoanalysis: The Impossible Profession darauf aufmerksam: »Es ist eine der ältesten und tiefverwurzeltesten Überzeugungen der Psychoanalyse. daß der Unterschied zwischen dem nicht Analysierten und dem späteren Verhalten des Analysierten doch nicht so durchgreifend ist. zum Ausdruck brachten. als dem Patienten bloß ein angenehmes Lebensgefühl zu vermitteln. Gegen Ende seines Lebens schrieb er: »Man hat den Eindruck. daß man nicht überrascht sein dürfte.

Die APA schickte die Rohdaten zur Auswertung an IBM. Erstens wurde der Fortschritt der Patienten in der Regel von ihren Analytikern beurteilt. die sie als »geeignet« für eine Psychoanalyse einstuften. positive Resultate festzustellen.da die Mitglieder nicht miteinander kooperierten.23 Die Autoren kamen zu dem Schluß.21 Einem 1953 gegründeten Ausschuß gelang es. Die Ergebnisse. die keine Therapie erhielt. wurden 1991 im Journal of the American Psychoanalytic Association von einer Gruppe um Henry Bachrach. die aus naheliegenden Gründen dazu neigen dürften. Boston. erörtert. Ungeachtet dessen begannen psychoanalytische Institute in Chicago. das Projekt zu retten. gebildeter. die sich auf über sechshundert Patienten bezogen. doch dabei gingen offenbar viele der Daten verloren. Als die Ausschußmitglieder im Jahr 1957 die Informationen dem Vorstand des Berufsverbandes vorlegten. Drittens nahmen die Analytiker nur solche Patienten an. indem sie einen Teil der Ergebnisse veröffentlichte . funktional weniger stark beeinträchtigt und . »Geeignete« Patienten sind tendenziell wohlhabender. die Ergebnisse unter Verschluß zu halten. einem Professor für Psychiatrie am New York Medical College im Saint Vincent's Hospital. New York. Im Jahr 1967 versuchte die APA. Berichte über den therapeutischen Erfolg von Tausenden von Analytikern zu sammeln.ein Kritiker bezeichnete sie als eine Sammlung »angeblicher Fakten«22 -. daß sie von unabhängigen Beobachtern und sogar von vielen Psychoanalytikern selbst als wertlos erachtet werden. Zweitens wurden die Patienten nicht mit einer Kontrollgruppe verglichen. empfahlen sie.119 . San Francisco und in anderen Orten Daten über den Therapieerfolg zusammenzutragen. ließ das Thema dann aber erneut fallen. Diese Studien weisen jedoch so gravierende Mängel auf. daß die psychoanalytische Behandlung bei sechzig bis neunzig Prozent der untersuchten Patienten zu einer »erheblichen« Verbesserung ihres Zustands geführt habe.

hatten . Die andere Gruppe wurde nicht betreut. Als Bachrach diese Daten 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago vorstellte. diejenigen.24 Die 1937 begonnene Untersuchung verfolgte die Entwicklung von über sechshundert Jungen aus dem Raum Boston. die betreut und im weiteren Verlauf ihres Lebens straffällig geworden waren.120 . haben Forscher durchaus aussagekräftigere Studien zur Wirksamkeit anderer Psychotherapien durchgeführt. gemacht hatten.Teil I Anders als von Bachrach behauptet. deren Durchschnittsalter bei Studienbeginn zehn Jahre betrug und bei denen man ein erhöhtes Straffälligkeitsrisiko vermutete. Eine Gruppe von ihnen wurde während eines Zeitraums von durchschnittlich fünfeinhalb Jahren zweimal pro Monat von Sozialarbeitern beraten. Das gleiche wurde in den fünfziger Jahren und 1975 festgestellt. diese Studien seien nicht ideal. entwickelt von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers. die sie am wenigsten brauchten. waren zugleich diejenigen. Im Jahr 1948 gab es keinen Unterschied in den Strafregistern der beiden Gruppen.motivierter für eine Therapie als »ungeeignete«. die eine Fortbildung in Psychoanalyse oder in der damals populären »humanistischen Gesprächstherapie«. Diejenigen. Die Dodo-Hypothese . Anders gesagt. Doch zu diesem Zeitpunkt kamen einige bemerkenswerte Unterschiede zwischen den beiden Gruppen zum Vorschein. räumte er ein. Eine der längsten Studien war das sogenannte Cambridge-Somerville Delinquency Prevention Project (Delinquenz-Präventionsprojekt). Doch die Schwächen »waren nicht größer als bei vergleichbaren Untersuchungen über andere Formen von Psychotherapie«. die am meisten von einer Psychoanalyse profitierten.

Auch die Forschungen von Hans Eysenck. Freuds Modell der Psyche sei »zu absurd. als daß es wissenschaftlich genannt werden könnte«. sondern »eine mittelalterliche Moralität«. . im Gegenteil. die Psychoanalyse habe sogar eine nachteilige Wirkung.mit höherer Wahrscheinlichkeit mehr als eine Straftat begangen. Er behauptete. der den größten Teil seiner wissenschaftlichen Laufbahn am Institute of Psychiatry der Universität London verbrachte. förderten ernüchternde Ergebnisse zutage. daß eine therapeutische Behandlung Jugendliche keineswegs vor einem Abdriften in die Kriminalität schützt. Die Forscher fanden darüber hinaus auch eine positive Korrelation zwischen der Behandlungsdauer und dem Ausmaß straffälligen Verhaltens. Es sei keine Theorie. Eysenck zog daraus den Schluß. das Risiko noch erhöht. deren Charaktere aus so »mythischen Figuren wie dem Ich. die relativ niedrigen IQ-Werte von Schwarzen hätten eine genetische Grundlage.25 Im Jahr 1952 legte Eysenck die Befunde einer Studie über die Psychoanalyse und andere »eklektische« Psychotherapien vor. dem Es und dem Über-ich« bestünden. im Vergleich zu vierundsechzig Prozent der Patienten. die mit anderen Therapien behandelt worden waren. daß es vierundvierzig Prozent der Analysanden nach Abschluß ihrer Analyse besser gehe. der die Auffassung vertrat. Eysenck bevorzugte genetische Theorien des Temperaments und der Intelligenz. daß Psychotherapien bestenfalls wirkungslos seien. Die Studie deutete darauf hin. er war einer der ersten. sondern.121 . Doch bei zwei Dritteln einer Gruppe unbehandelter neurotischer Patienten sei nach zwei Jahren ebenfalls eine Besserung eingetreten. einem in Deutschland geborenen Psychologen. Eysencks offen ablehnende Einstellung zu Freud und sein Eintreten für alternative Theorien der menschlichen Psyche trugen ihm den Vorwurf ein.26 Er erklärte einmal. seine Schlußfolgerungen seien tendenziös.

und zwei Kollegen Studien über verschiedene Therapien aus. heißt es in dem Bericht. ging es im allgemeinen besser als Mitgliedern der unbehandelten Kontrollgruppe. Professor für Psychologie an der Universität von Pennsylvania. Andererseits stach keine Therapie heraus. »Obgleich die Beweislage nicht völlig schlüssig ist«. (Die Mitglieder der Kontrollgruppe wurden in der Regel auf eine »Therapie-Warteliste« gesetzt. »enthält die aktuelle Literatur mehrere hervorragende Forschungsstudien. die die positive Wirkung einer psychotherapeutischen Behandlung feststellen. die nicht therapiert wurden. der Versicherungsgesellschaften zur Übernahme der Kosten einer psychotherapeutischen Behandlung verpflichten sollte. den das Amt für Technologiebewertung 1980 an seine Auftraggeber im Kongreß sandte. denjenigen. die psychotherapeutisch behandelt wurden. das mittlerweile aufgelöste Amt für Technologiebewertung an. die Wirksamkeit der Psychoanalyse und anderer Psychotherapien zu evaluieren.) Ende der siebziger Jahre wies der US-Kongreß. In dem Aufsatz werteten Lester Luborsky. die in einem Meer aus Tränen trieben. die Wirksamkeit der Psychoanalyse zu evaluieren. in der Alice und andere Figuren. zu einer positiveren Bilanz als Eysenck: Personen. ans Ufer einer Insel schwammen. die versuchten. die eine Therapie erhielten.Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte gelangten Forscher. Um die Tragweite dieses Befundes sinnfällig zu veranschaulichen. zitierten Luborsky und seine Mitarbeiter eine Episode aus Alice im Wunderland. Sie kamen zu dem Schluß. daß sich eine Psychotherapie auszahle. alle waren annähernd gleich wirksam. der über einen Gesetzentwurf beriet. wo sie tropfnaß an Land gingen.«27 Eine der einflußreichsten Evaluationsstudien über Psychotherapien trug den Titel »Comparative Studies of Psychotherapy: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«28 und erschien 1975 in den Archives of General Psychiatry.122 . ging es im allgemeinen besser als denjenigen. .

und so saß er längere Zeit hindurch da und legte die Zeigefinger an die Stirn (eine Haltung. Ü. eine Art Kreis (›auf die genaue Form kommt es nicht an‹. welche auf die Überlegenheit einer bestimmten Therapie hindeuteten.drei – los! <. Es gab kein ›Eins . rief der Dodo plötzlich: ›Ende des Wettlaufs!‹. so daß gar nicht so leicht zu entscheiden war. wie es ihm einfiel. der auf Mauritius lebte (A. d. der meinte. sagte er). ein Wettlauf um die Insel sei der beste Weg.der Nei* Ein ausgestorbener schwanengroßer Vogel. in der ihr gewöhnlich Shakespeare auf Bildern von ihm seht). noch ganz außer Atem. Rosenzweig hatte postuliert. und jeder muß einen Preis bekommen!‹29 Luborsky erkannte dem Psychologen Saul Rosenzweig das Verdienst zu. und alle drängten sich. den Ausdruck »Dodo-Hypothese« in einem Aufsatz aus dem Jahr 1936 geprägt zu haben. daß die Dodo-Hypothese richtig ist. krankten an einem »Präferenzeffekt«. und hörte auf.123 . Endlich sagte der Dodo: ›Alle sind Sieger. und die Mitspieler mußten sich irgendwo auf der Bahn aufstellen. alle Psychotherapien seien vermutlich gleich wirksam. Die Episode entwickelte sich folgendermaßen: Er [der Dodo] legte zuerst die Rennbahn fest.30 Luborsky hat seine Befunde im Lauf der Jahre immer wieder aktualisiert und ist mittlerweile mehr denn je davon überzeugt. wie es sich gerade traf.) .zwei . Studien. sondern jeder begann zu laufen. so Luborsky .Dort begegneten sie einem Dodo. wann er wollte. aber keine Beweise für seine Behauptung vorgelegt. wann der Wettlauf eigentlich zu Ende war. wieder trocken zu werden. während ringsum alles schwieg und wartete. Nachdem sie indessen ungefähr eine halbe Stunde gelaufen und wieder ganz trocken geworden waren. um ihn und fragten: ›Aber wer ist Sieger?‹ Diese Frage konnte der Dodo nicht ohne tieferes Nachdenken beantworten.

Ein Wortwechsel in dem Dialog lautete folgendermaßen: Frage: Glauben Sie nicht. daß eine psychotherapeutische Behandlung positive Veränderungen bewirkt«. daß die [psychodynamischen] Therapien ungeachtet aller Belege.gung von Forschern. die Behauptung von Hans Eysenck und anderen zu widerlegen. aber er bezweifle. Gegen Ende des Kapitels versuchten Luborsky und seine Mitarbeiter mit einem »imaginären Dialog« einige Fragen zu beantworten. bemühte er sich. Und sie haben . Psychotherapien seien gänzlich wirkungslos. die durch ihre Version der Dodo-Hypothese aufgeworfen wurden. Hauptthema des Kapitels war die DodoHypothese. vermutlich auch vom Nutzen der Psychotherapie im allgemeinen überzeugt. Die Studien haben sich bislang noch nicht mit den möglichen langfristigen Vorteilen befaßt. Als ich ihn anrief. die sie selbst praktizieren oder favorisieren. ja nicht einmal in Erwägung gezogen. um die Ergebnisse seiner Studien mit ihm zu besprechen. denn schließlich sei ein Forscher. die beweisen. sagte er. das er mit Koautoren für Psycho dynamic Treatment Research: A Handbook for Clinical Practice schrieb. die noch nicht erkannt wurden? Antwort: Ich bin froh. Luborsky enthüllte diese Präferenz 1993 in einem Kapitel. daß Sie mich das fragen. Belege für die Wirksamkeit jener Therapie zu finden.31 Anderseits hat auch Luborsky seine Präferenzen. die für einen nicht signifikanten Differenzeffekt sprechen. daß sie stimme.124 . »Es gibt eine Fülle von empirischen Daten. Luborsky antwortete. Ich fragte ihn. Die Antwort ist ein entschiedenes Ja. ob diese Belege vielleicht das Produkt eines »Metapräferenzeffekts« sein könnten. die eine Art »Psychoanalyse light« sei. der eine bestimmte Therapie bevorzuge. er habe diese Möglichkeit nicht geprüft. einige besondere Vorzüge aufweisen. Zudem hat Luborsky unter allen Gesprächstherapien eine eindeutige Vorliebe für die psychodynamische Therapie.

der auf Frederick Crews' Artikel »The Unknown Freud« in der New York Review of Books reagierte. Das ist die einfachste Formel dafür.32 Luborsky.34 Luborsky wies Crews' Behauptung zurück. weshalb. seine fortbestehende Präferenz für die Psychoanalyse. Er hoffe. Dies wird dadurch bewiesen. so daß man sie wirkungsvoller gestalten könne.« Psychotherapie als Placebo Im Jahr 1993 enthüllte Luborsky in einem Leserbrief. Die Psychoanalyse sei »vermutlich mindestens ebenso wirksam wie andere Formen der Psychotherapie.« Crews konterte mit der Frage. die sich stark an den Freudschen Begriff der Übertragung anlehnt. daß es keine signifikanten Unterschiede im therapeutischen Erfolg gibt. die sich in einer erfolgreichen Therapie zwischen Patient und Therapeut entwickelt. daß bei allen vergleichenden Studien über verschiedene Formen von Psychotherapien der überwältigende Trend dahin geht. daß bei weiteren Forschungen die nützlichen Komponenten psychodynamischer Therapien identifiziert würden. die Psychoanalyse sei »eine nicht sonderlich erfolgreiche und äußerst ineffiziente Methode zur Behebung neurotischer Symptome«. gestand mir. wenn alle Psychotherapien gleichwertig seien.125 . daß »ein Bündnis geschmiedet wird und daß beide neue Erkenntnisse gewinnen. aufgestellt. daß er nach wie vor viel von psychoanalytischen Theorien der Psyche halte. der halbwegs bei Verstand .33 Die Quintessenz dieser Hypothese.auch den Unterschied zwischen Änderungen bei den Symptomen und Änderungen in der allgemeinen Anpassung noch nicht gründlich genug erforscht. lautet. jemand. der auch eine Ausbildung zum Psychoanalytiker absolviert hat. Er hat eine ausgeklügelte Hypothese über die Beziehung.

den er gemeinsam mit einem Koautor kurz vor seinem Tod im Jahr 1995 schrieb. desgleichen die Angehörigen des Berufsstandes der Kantoren. betonte er.35 Auch die Abendgottesdienste selbst wurden gelegentlich Placebos genannt. aber unwahrscheinlichen Ausnahmen. Professor für Psychiatrie an der Mount Sinai School of Medicine in New York. mit der die römisch-katholische Seelenandacht für Verstorbene beginnt.« Der Placebo-Effekt war lange Zeit ein Schreckgespenst der modernen Medizin. entscheiden solle. Der Begriff Placebo leitet sich von der lateinischen Verbform placebo.sei. um ihren Patienten eine Gefälligkeit zu erweisen. sich ausgerechnet für die teuerste und zeitraubendste Psychotherapie von allen. die ihnen allen gemeinsam sind – und dies sind Placebo-Faktoren. schließlich. unter anderem Schlangenhaut. die man beauftragte. das aus Dutzenden von Ingredienzien bestand. alle Placebos waren«. »lautet. der man eine stärkende Wirkung zuschrieb. wurde Theriak von europäischen Ärzten bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts verordnet. »Die eigentliche Botschaft von Luborskys Arbeit«. so Crews weiter. Die kritische Sichtung der vielen tausend Heilmittel. die Psychoanalyse. In einem Aufsatz.126 . daß »abgesehen von einigen wenigen möglichen. die Seelenandachten zu singen. war eine Kapazität auf dem Gebiet des Placebo-Effekts. Erstmals vor eintausendachthundert Jahren von dem griechischen Arzt Galen beschrieben. »ich werde gefallen«. daß Psychotherapien (wenn überhaupt) aufgrund von Faktoren wirken. her. Arthur Shapiro. Später bezeichnete der Begriff Speichellecker und Schmeichler und. Ein weitverbreitetes Allheilmittel war Theriak.37 . die vor dem Aufkommen der modernen Medizin eingesetzt wurden. die Ärzte verordneten. deute darauf hin. Scheinmedikamente. daß »die Geschichte der Medizin bis in die jüngste Vergangenheit hinein im wesentlichen die Geschichte des Placebo-Effekts war«36.

die einem potenten Pharmakon zugeschrieben wird«. die mit dem . Eine wegweisende Studie. bewährte. Bei manchen Verfahren ist das Placebo sogar deutlich überlegen.«39 Die Einführung eines neuartigen Medikaments erzeugt bei Ärzten und Patienten oft überzogene Erwartungen . Der Placebo-Effekt beruht jedoch keineswegs nur auf Einbildung.Heilkundige erkannten schon vor langer Zeit. die durch eine Mangeldurchblutung des Herzens hervorgerufen werden.40 Der Prozentsatz der Patienten.127 . einer chirurgischen Behandlung für Brustschmerzen. daß Placebos zu einer meßbaren Linderung solcher Leiden wie Asthma.Erwartungen. läßt seine Wirksamkeit nach. daß die wichtigste Zutat dieser Scheinarzneien vermutlich der Glaube der Patienten an ihre Wirksamkeit war.41 Man verglich die Patienten. Die Wirksamkeit des Scheinpräparats »übertrifft mitunter diejenige. es sei lange Zeit ein unumstößliches Dogma der überkommenen medizinischen Lehre gewesen.«38 Arthur Shapiro wies darauf hin. Dieses Syndrom komme in einer alten ärztlichen Maxime plastisch zum Ausdruck: »Schnell. die bei verschiedenen Erkrankungen auf ein Placebo ansprachen. daß Patienten auf neue Medikamente besser ansprächen als auf ältere. Wenn dann im Lauf der Zeit der innovative Charakter des Medikaments verblaßt und seine Nebenwirkungen und Grenzen deutlicher werden. in den die Menschen das größte Vertrauen setzen. Bluthochdruck und Warzen führen. vielmehr kann er verblüffende physiologische Wirkungen auslösen. Galen schrieb einmal: »Der hat den größten Heilerfolg. die in Erfüllung gehen können. bevor sie ihre Wirkung verliert. In den fünfziger Jahren führten Forscher eine klinische Studie über die Wirksamkeit der sogenannten arteriellen Ligatur durch. ergab. bewegte sich laut Beecher zwischen dreißig bis vierzig Prozent. die 1955 von Henry Beecher veröffentlicht wurde. schnell. benutze die neue Arznei.

wie Experimente in den siebziger Jahren ergaben.Behandelten eine subjektive Besserung spürten. Spiritualität (religiöse und parapsychologische Heilverfahren). wurden krank.9-Milliarden-Dollar schwere Branche) und Modetrends (New Age. Ökodiät. wäre da nicht die Tatsache gewesen. das Cyclophosphamid enthielt. Änderungen des Lebensstils oder Methoden der Selbsthilfe. Das süß schmekkende Wasser allein genügte. ging es anschließend besser. naturnahe Lebensführung und meditative Immuntherapie. (Heute werden keine arteriellen Ligaturen mehr vorgenommen. Sechsundsiebzig Prozent der Patienten. Der Psychiater Arthur Shapiro meinte: Die Macht des Placebos spiegelt sich in der Allgegenwart von Betrügereien (Quacksalberei . Ader gab den Überlebenden nun mit Saccharin gesüßtes Wasser. bei denen lediglich oberflächliche Einschnitte in die Brust gemacht wurden. die durch den vorangehenden Kontakt konditioniert worden waren. übermäßiges Jogging. ganzheitliche und alternative Behandlungen – eine 13. einige gingen sogar ein.Verfahren behandelt wurden. um das Wachs. und viele gingen ein. eine chemische Verbindung. um eine tödliche Immunsuppression auszulösen. bei dem negative Erwartungen in Erfüllung gehen.eine Branche mit einem Jahresumsatz von dreißig Milliarden Dollar). Auch diese Ratten. Der Psychologe Robert Ader von der Universität Rochester gab Ratten mit Saccharin gesüßtes Wasser.42 Alle Ratten wurden krank. Autosuggestionen (Vitamine.128 .) Das Gegenstück des Placebo-Effekts ist der Nocebo-Effekt. das nicht mit Cyclophosphamid versetzt war. daß hundert Prozent der mit dem Placebo-Verfahren . die Übelkeit hervorruft und stark immunsuppressiv wirkt. wie Ökotherapie. mit einer Kontrollgruppe.der Scheinoperation . bei denen eine arterielle Ligatur vorgenommen wurde. Unglaublicherweise zeigt sich dieser vermeintlich »psychische« Effekt selbst bei Säugetieren. Dies ist eine recht beachtliche Erfolgsquote.

45 Auf der Grundlage dieser und anderer Untersuchungen gelangte Frank zu dem Schluß. Er verglich die Psychotherapie mit dem mittelalterlichen TheriakTrank. »Zu unserem Erstaunen und unserem Verdruß zeigten die Patienten in allen drei Gruppen die gleiche durchschnittliche Besserung ihrer Symptome«. heilsam und wirkungsvoll ist . Ende der fünfziger Jahre behandelten er und seine Mitarbeiter depressive Patienten mit einer von drei Therapieformen: wöchentliche Einzeltherapie. meinte zumindest Jerome Frank. die aus lediglich einer halbstündigen Sitzung alle zwei Wochen bestand. bleibt die verzwickte Frage: Steckt hinter einer Psychotherapie mehr als bloß der Placebo-Effekt?«44 Vielleicht nicht.was übrigens auch für viele bemerkenswerte Placebo-Behandlungen gilt -.43 Der Placebo-Effekt könne durchaus auch der bestimmende Wirkfaktor von Psychotherapien seien. einem »planlos zusammengestellten Gebräu aus zahllosen unspezifischen Bestandteilen. der Einsatz dieser Therapien würde in dem Maße zurückgehen. tauchen diese Therapien wie in einem brodelnden Hexenkessel kaum.129 . daß sie verschwunden sind. meinte Shapiro. Er fuhr fort: »Obgleich allgemeines Einvernehmen darüber besteht. einige davon würden schon wirksam sein«. daß »die Linderung von Angst . emeritierter Professor für Psychiatrie an der Medizinischen Fakultät der John-Hopkins-Universität. erinnerte sich Frank. Ungeachtet der berechtigten Erwartung. daß Psychotherapie für viele Patienten nützlich. die man in der Hoffnung miteinander mischte. in leicht abgewandelter Gestalt wieder auf. wöchentliche Gruppentherapie und minimale Einzeltherapie.turn und die Vitalität von guten weißen Blutkörperchen zu fördern und bösartige Zellen zu zerstören). Frank wurde durch das Resultat seiner eigenen Forschungen widerwillig zu dieser Schlußfolgerung gedrängt. wie die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunehmen.

»Man hat Freud zum Vorwurf gemacht. Howard Gardners Auffassung von der Psychologie vorwegnehmend. daß meine Auffassung bestätigt worden ist«.«47 Frank verglich die . die Psychotherapie solle nicht als ein Zweig der Wissenschaft. der Placebo-Wirkung sehr ähnelt. betrachtet werden: »Die Methoden des Psychotherapeuten und des Rhetorikers sind zugegebenermaßen lediglich dazu gut. bei einem bestimmten Patienten einen Placebo-Effekt auszulösen. er sei kein Wissenschaftler gewesen. »Ich denke. nicht. Julia Frank. nicht mit wissenschaftlichen Methoden präzise erfassen und messen ließen. dessen erste Ausgabe 1961 erschein und das seither zahlreiche Neuauflagen erlebte (die jüngste besorgte Frank zusammen mit seiner Tochter. Der wichtigste Faktor sei die Fähigkeit des Therapeuten. Das bedeutet.« Frank legte seine Sichtweise in dem Buch Persuasion and Healing dar. daß sich die Wirksamkeit – oder Wirkungslosigkeit – einer beliebigen Form von Psychotherapie wissenschaftlich nachweisen lasse.und depressiver Verstimmung bei ambulanten psychiatrischen Patienten. die als Psychiaterin in die Fußstapfen ihres Vaters getreten ist). Patienten zu »heilen«. sie zu erreichen. Er war ein großer Mythenschöpfer. In Anbetracht dessen zeigte sich Frank verwundert über die Heftigkeit der Angriffe auf Freud.130 . daß möglicherweise dieselben Faktoren beteiligt sind«46. die Wahrheiten in diesen Disziplinen sind Wahrscheinlichkeiten. seine Patienten davon zu überzeugen. was darauf hindeutet. die psychotherapeutisch behandelt wurden. der Kunst der Überzeugung. schrieb Frank. Er bezweifelte. innerhalb dessen Therapeuten arbeiten. Der spezifische theoretische Bezugsrahmen. sagte mir Frank. sondern der Rhetorik. keine Gewißheiten. habe wenig oder gar nichts mit ihrer Fähigkeit zu tun. doch das geht am Wesentlichen vorbei. da sich die Eigenschaften. die einem bestimmten Therapeuten ermöglichten. versicherte Frank. daß sich ihr Zustand bessern werde. der Wahrheit nahezukommen. als ich ihn 1996 anrief.

49 Psychotherapeuten könnten daher möglicherweise ihren Erfolg verbessern.131 .50 Therapien im Hier und Jetzt Viele Experten widersprechen entschieden der Behauptung. und verschiedene Psychotherapeuten legten die Äußerungen und die klinische Geschichte ein und desselben Patienten in unterschiedlicher Weise aus. Die klinische Geschichte eines Patienten »gleicht einem Text und die Psychotherapie einer gemeinsamen Anstrengung von Patient und Therapeut. Dem einen liege ein Therapeut. Verschiedene Leser fänden im selben Text unterschiedliche Bedeutungen. seinen Sinn herauszufinden«.Psychotherapie auch mit der Literaturwissenschaft. die sich unwissenschaftlichen Mythen verschrieben. daß die Psychoanalyse bestenfalls wertlos sei. während die erinnerungsaufdeckende Therapie sogar verheerende Folgen haben könne. Crews bevorzugte Behandlungen wie die . Bei ihnen könnten Schamanen und Gesundbeter vermutlich mehr ausrichten als Psychiater und klinische Psychologen.48 Es gebe nicht die eine richtige Methode für die Behandlung eines Patienten. dem anderen einer. der gefühlvoll und einfühlsam. Allerdings zögen auch viele Patienten Heiler vor. Selbstverständlich sprächen verschiedene Patienten auf unterschiedliche Therapeuten an. indem sie »Symbole der Wissenschaft« wie etwa Diplome oder einen Arztkittel oder ein Stethoskop zur Schau stellten. Patienten zu helfen. sowenig wie es die eine richtige Form der Lektüre eines Buches gibt. Bei einigen Patienten »scheint der Glaube an die Wissenschaft noch immer die vorherrschende Quelle symbolischer Heilkraft zu sein«. Der erbitterte Freud-Kritiker Frederick Crews beharrte mir gegenüber darauf. der autoritär und kühl sei. alle Psychotherapien seien mehr oder minder gleichwertig hinsichtlich ihrer Fähigkeit.

wo die Stärken dieser Person liegen. welche Ressourcen sie hat. Bulimie.132 . obsessives Händewaschen. angstauslösende Situationen zu beschreiben.ist ihre spezifische Ausrichtung. behauptete. Reizbarkeit gegenüber dem Ehepartner oder Kindern.51 Wenn sich der Patient über seinen Arbeitsplatz. der kognitiven Verhaltenstherapie . Der pragmatische. sollte der Therapeut »dies wörtlich nehmen und herausfinden. Ein Grund für die Beliebtheit der kognitiven Therapie – und einer engverwandten Abart. und sie bei der Problembewältigung unterstützen«. Crews ist nicht der einzige.)53 Im Jahr 1996 berichtete die Gesundheitskolumnistin der New York Times. Martin Seligman von der Universität von Pennsylvania.Rauchen. sein Sexualleben oder seine soziale Kontakthemmung beklagt. die kognitive Verhaltenstherapie könne schon nach relativ kurzer Zeit zu langfristigen Verbesserungen des psychischen Befindens führen. Trunksucht.kognitive Therapie. welche die Probleme eines Patienten nicht weiter hinterfrage und eine »hilfreiche Einstellung im Hier und Jetzt« fördere. jüngste Studien bescheinigten der kognitiven Therapie eine gewisse Überlegenheit. Jane Brady. worauf er ihn wiederholt mit einem lauten »Halt!« unterbricht. (Bei einer Variante der kognitiven Therapie fordert der Therapeut den Patienten mehrfach auf.52 Die American Psychological Association empfiehlt die kognitive Therapie zur Behandlung von Panikstörungen und anderen Problemen. die den Patienten belasten . der sich in diesem Sinne für die kognitive Therapie ausspricht. Patient und Therapeut konzentrieren sich auf exakt die Symptome oder Krankheiten. konkrete Ansatz gefällt vielen Patienten und praktisch allen Krankenversicherungen. Brody leitete ihre Kolumne mit der obligatorischen Anekdote über eine Frau . der ehemalige Präsident der American Psychological Association und ein bekannter Wissenschaftler auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung.

belegen. die von M. ›Er hat mir das Leben gerettet‹«. die an Panikstörungen litten. und drei Kollegen durchgeführt worden war. einer Erkrankung. bestätigt. Die Forscher untersuchten Patienten. Studien hätten »gezeigt.. der kognitiven Verhaltenstherapie. »die sich fast ihr ganzes Leben lang mit den lähmenden Folgen einer depressiven Erkrankung herumschlug [.das änderte sich erst. als sie regelmäßig zu einem kognitiven Therapeuten in Behandlung ging.. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als passende Behandlung für Panikstörungen. durchgängig durch den Präferenzeffekt beeinträchtigt. Sein skeptisches Urteil wurde durch eine Studie über die kognitive Verhaltenstherapie. zu der auch mentale und körperliche Übungen gehörten.] Jahrelange Psychotherapien einschließlich einer Psychoanalyse brachten keinerlei Linderung ihres seelischen Leidens . zitierte Brody die Frau und behauptete im weiteren. die durch das plötzliche Einsetzen extremer. so das Fazit von Shear und Mitarbeitern in den Archives . Die Forscher teilten ihre Probanden in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe wurde in zwölf Sitzungen mit der klassischen kognitiven Verhaltenstherapie behandelt.mittleren Alters ein. Der Therapieerfolg war bei beiden Gruppen von Patienten gleich. unbegründeter Furcht gekennzeichnet ist. Diese Daten. daß die Erfolge einer kognitiven Therapie lange anhalten und daß die Rückfallraten viel niedriger sind als bei anderen psychotherapeutischen Verfahren«.133 . die den Panikattacken entgegenwirken sollten. Die andere Gruppe erhielt eine PlaceboTherapie. die »reflektierendes Zuhören« genannt wird und bei der die Therapeuten den Patienten verständnisvoll zuhörten. die die vermeintliche Überlegenheit der kognitiven Therapie beziehungsweise ihrer Variante. ohne ihnen jedoch spezifische Ratschläge zu geben.54 Nach Lester Luborsky wird die Aussagekraft der Studien. einer Psychiaterin an der Universität Pittsburgh. Katherine Shear.

Smith und Glass bestätigten auch die Dodo-Hypothese: sämtliche Therapien waren hinsichtlich des Behandlungserfolgs annähernd gleichwertig.of General Psychiatry vom Mai 1994. Psychiater. Anders ausgedrückt.56 Nach der Auswertung von 375 Psychotherapiestudien zogen Smith und Glass mehrere Schlüsse. die von den Psychologen Mary Smith und Gene Glass in einem 1977 im American Psychologist veröffentlichten Artikel beschrieben wurden. Andere Forscher bemühten sich vergeblich. Die Psychotherapeuten konnten mit diesen Feststellungen leben. Bei einem Experiment wurden Patienten.134 . die an Störungen wie Angstneurose und Depression litten. die ein Medizinstudium absolviert haben. Patienten zu helfen. daß Psychotherapien wirksam sind: behandelten Patienten ging es besser als unbehandelten. die Ergebnisse von Smith und Glass zu widerlegen. Wie Luborskys Gruppe stellten auch sie fest. Zweitens. Erstens. es gab auch keine Korrelation zwischen der Effizienz der Therapeuten und ihrer Qualifikation und Erfahrung.55 Der Mythos von der Sachkompetenz Die Dodo-Hypothese hat mindestens zwei wichtige Konsequenzen. doch zwei weitere Befunde von Smith und Glass trafen sie ziemlich unvorbereitet. verbessert sich auch nicht mit zunehmender Erfahrung. den der Patient daraus zog. es gab keine Korrelation zwischen dem Zeitaufwand für eine Therapie und dem Nutzen. »werfen Fragen hinsichtlich der spezifischen Wirksamkeit der kognitiven Verhaltenstherapie auf« . Psychologen mit einem Universitätsdiplom und Sozialarbeiter mit einem Fachhochschuldiplom sind alle gleich effizient beziehungsweise ineffizient. durch Zufallsauswahl auf zwei verschiedene Gruppen von »Therapeuten« verteilt: eine Gruppe bestand . Und die Fähigkeit von Therapeuten.

ihre ›Erfahrung‹ erlaube es ihnen. um mit den unvorhersehbaren Schwierigkeiten fertig zu werden. die keinerlei psychologische Ausbildung hatten. Dawes dagegen schrieb in seinem 1994 erschienenen Buch House of Cards: Psychology and Psychotherapy Built on Myth: »Diejenigen. die starke Zunahme von Psychotherapeuten. Beide Vereinigungen erklärten. Dawes wurde daraufhin zu einem Kritiker von Standesorganisationen wie der American Psychological Association und der American Psychiatrie Association. daß selbst eine Person mit einer psychologischen Schmalspurausbildung unwillkürlich diese . Ein anderer Beobachter. die für sich selbst in Anspruch nehmen. war Robyn Dawes. waren über ihre Ergebnisse nicht unglücklich. behaupten oftmals.und Entscheidungswissenschaften der Carnegie-Mellon-Universität. Wie sich herausstellte. »sind aufgrund ihrer Ausbildung und ihrer klinischen Erfahrung sehr viel besser gerüstet. fachkompetenten Psychologen und die andere aus Hochschulprofessoren.aus echten. die bei der Interaktion mit den meisten Patienten auftreten. Die Forscher. »Fachlich geschulte Psychologen«. Experten für die Behandlung psychischer Erkrankungen zu sein .«57 In Anbetracht der Daten der Forscher war dieses Fazit Ausdruck schieren Wunschdenkens. Professor am Fachbereich Sozial.135 . die dieses Experiment ausführten. die kein Medizinstudium oder keine einschlägige Hochschulausbildung absolviert haben. psychologische Prinzipien effizienter anzuwenden. Ende der siebziger Jahre werteten Dawes (damals an der Universität von Oregon) und ein Kollege die von Smith und Glass analysierten Studien nochmals neu aus und gelangten zum selben Schluß. war das Ausmaß der Besserung des subjektiven Befindens der Patienten in beiden Gruppen gleich.darunter zahlreiche Psychiater -. der den Ergebnissen von Smith und Glass zunächst skeptisch gegenüberstand. so beteuerten sie. als es Laien möglich sei. werde den Patienten schaden. Studienergebnisse zeigen dagegen klar.

das ihnen erlaube. Ein Rorschachtest spielte eine wichtige Rolle in dem 1958 gedrehten Melodrama Laßt mich Leben! (Orig. in dem Susan Hayward eine Frau spielt. die von Versicherungsgesellschaften und anderen Unternehmen eingesetzt werden. der wegen Geschwindigkeitsüberschreitung zweimal zu einer . prophezeien das Verhalten eines Individuums auf der Basis von Daten anderer Menschen.136 . / Want to Live!).) Es gebe keine Beweise dafür. sie sei unschuldig. seelisches Leiden zu lindern. klinische Psychologen verfügten über ein spezielles Fach.und Methodenwissen. viel stärker als bisher auf wissenschaftlich wohlfundierte gemeindenahe Programme und auf ›Hilfskräfte‹ zurückgreifen sollten«. Sogenannte versicherungsmathematische Methoden sagen Dawes zufolge das künftige Verhalten von Menschen weit zuverlässiger voraus als die klinischen Verfahren der Psychologen.«58 Er sprach sich dafür aus. daß »wir bei dem Versuch. erklärt er. die wegen Mordes vor Gericht steht. (Sie wird dennoch in der Gaskammer hingerichtet. bei dem der Proband die Gedanken und Gefühle äußern soll. Versicherungsmathematische Methoden. Dawes stellte die gängige Auffassung in Frage. betonte Dawes. daß Rorschachtests oder ähnliche Verfahren. als es Laien könnten.59 Nachdem ein Psychologe (gespielt von Theodore Bikel) die Frau einem Rorschachtest unterzogen hat. die Psychologen bei der Befragung von Patienten einsetzten. irgendeinen diagnostischen oder prädiktiven Wert besäßen. die ihm in demographischer Hinsicht ähneln.Prinzipien mindestens genauso effizient einsetzt. So kalkuliert eine Versicherungsgesellschaft beispielsweise das Unfallrisiko eines ledigen fünfundzwanzigjährigen Mannes. Ein vielbenutztes psychologisches Testverfahren ist der Rorschachtest. die eine Tintenklecksfigur in ihm auslösen. die Vergangenheit eines Patienten besser zu verstehen und seine Zukunft treffsicherer vorherzusagen.

daß alle Verliererinnen seien und keine einen Preis verdiene. in dem es heißt: »Ich sehe keinen Grund. Er stellte fest.Geldbuße verurteilt wurde. daß eine solche Weiterbildung völlig unnötig ist (vgl. Psychologen und Sozialarbeiter . deren Alter. In seinem 1992 erschienenen Buch Freudian Fraud kritisierte er. daß einige Fachleute für seelische Gesundheit auf der Grundlage der bisherigen Erfolgsbilanz von Psychotherapien den Schluß gezogen haben. Familienstand und Verkehrsstrafenregister identisch ist. vorbei. daß die überwiegende Mehrheit der Psychiater. (Bislang wurde das Programm nicht eingestellt. auf der Grundlage der Unfallhäufigkeit von Männern. die ziemlich schlüssig nachweisen. Ein Rundgang durchs Psychiatrische Museum Es ist nicht verwunderlich. so Dawes. Füller Torrey sprach sich für solche Maßnahmen aus.137 . die Psychoanalyse und andere Psychotherapien leiteten wertvolle Ressourcen an Personen. Der Wert einer Weiterbildung in Gesprächspsychotherapie ist durch jüngste Daten. Im Dezember 1995 schickte der Vorsitzende des Fachbereichs Psychologie der Rutgers-Universität Mitgliedern des Fachbereichs ein Memorandum. daß versicherungsmathematische Methoden bei der Prognose des künftigen Verhaltens psychiatrischer Patienten und Straftäter durchgängig den sogenannten klinischen Verfahren überlegen seien. Robyn Dawes' House of Cards). Es habe sich gezeigt.) Auch der Psychiater E. die sie dringend benötigten. ernsthaft in Frage gestellt worden. weshalb die Universität überhaupt ein spezielles Lehrprogramm für Psychotherapie anbieten soll. Rutgers solle sein Ausbildungsprogramm in angewandter Psychologie und Psychotherapie abschaffen. nämlich an schweren psychotischen Störungen Leidenden.«60 Der Vorsitzende plädierte im folgenden dafür.

63 Nachdem ich im Herbst 1997 von dem Museum gehört hatte. einem klinischen Psychologen.138 . die direkt oder indirekt auf der Freudschen Theorie fußen«.in den Vereinigten Staaten »ihre Zeit mit Beratungsgesprächen und Psychotherapien verbringt. die Ihr hier eintretet. daß er gescherzt hatte. er würde mich gern auf einem Rundgang begleiten. das vom Hudson River Psychiatrie Center unterhalten wird. aber . daß ich erst nach einigen Augenblicken begriff. das nördlich von Poughkeepsie im Bundesstaat New York liegt. man könne das Museum nur nach Voranmeldung besuchen. behauptete er. bedauerte »die traurige Tatsache. Er sagte mir. sagte er mir. als ich einen Rundgang durch ein Museum machte. Das Hauptgebäude des Hudson River Psychiatrie Center sah genauso aus. Er sagte dies mit so ausdrucksloser Stimme. ich solle mich an Schildern mit der Aufschrift »Ihr. wie es Christenfeld beschrieben hatte: eine »klassische. Nachdem er mir den Weg zum Zentrum beschrieben hatte. Es wirkte zugleich abstoßend und verlassen. daß es unter den Obdachlosen in den Vereinigten Staaten 200000 psychisch Kranke gibt. diese Tatsache ist ein weiteres Erbe der Freudschen Theorie«62. im viktorianischen Gotikstil erbaute Nervenheilanstalt aus roten Ziegeln«. der dort als Forschungsleiter arbeitete. dessen Schwester an Schizophrenie leidet.61 Menschen mit schweren psychotischen Störungen wie Schizophrenie und manischdepressiver Erkrankung »benötigen Medikamente und Rehabilitationsmaßnahmen statt Gespräche über frühkindliche Erfahrungen«. und dies. die nicht behandelt werden. die einst Patienten beherbergt hatten. obwohl Amerika mehr Fachleute für seelische Gesundheit hat als jedes andere Land der Welt. verwitterte Sperrholzplatten verschlossen die Fenster zweier Flügel. Torrey. Ich bekam einen etwas anderen Eindruck von dem Problem der Menschen mit schweren Psychosen. laßt alle Hoffnung fahren« orientieren. rief ich das Zentrum an und wurde zu Roger Christenfeld durchgestellt.

Und kürzlich hörte ich.139 . schlug er die Absätze seiner Schuhe zusammen und nahm eine steife Haltung ein.obwohl man meinen sollte. stürmischer Tag war.dann zu Konsumenten. Die Klienten wurden . Er sagte. Aus Patienten wurden zunächst Klienten. einige Gruppen. auf dem laufenden zu bleiben. Obgleich es ein verregneter. betrat ich das Verwaltungsgebäude und ging weiter in Christenfelds Büro. Als wir das Verwaltungsgebäude verließen und Richtung Museum gingen. hätten den Ausdruck Patient als entwürdigend abgelehnt und ihn durch andere Ausdrücke ersetzen wollen. nämlich zu Konsumenten psychiatrischpsychologischer Dienstleistungen. wo sich die Patienten mit Anbietern von Therapien austauschen konnten.jetzt leer standen. Golfbälle in Richtung einer Flagge. daß sich verschiedene Interessengruppen dafür einsetzen. daß Patienten künftig Überlebende des Sy. Patienten oder Angestellte? (Zweifelsfrei Angestellte. der mit Rasen überzogen war und als kleiner Golfplatz diente. ja pedantischen Auftreten verbarg sich ein sardonischer Humor. wie ich später erfuhr. Die Heilanstalt stand auf einem sanft abfallenden Hügel. denn stationäre Patienten dürfen nicht in der Parkanlage umherstreifen. Doch hinter seinem förmlichen. Ich wurde von einem mittelgroßen Mann mittleren Alters begrüßt. die mit Windjacken und Hüten bekleidet waren.) Nachdem ich durch ein Tor in einem ungestrichenen Lattenzaun gegangen war. Es ist schwer. »Es gab mehrere Änderungen. die sich für die Interessen psychisch Kranker einsetzten. schlugen ein Mann und eine Frau. als stünde er für ein Porträtbild Modell. schilderte mir Christenfeld seine ziemlich desillusionierte Sicht der psychiatrisch-psychologischen Heilberufe. Wir richteten sogar ein regelrechtes Kaufhaus für Behandlungen ein. der ein Sportsakko und eine Freizeithose trug und eine seltsam förmliche Ausstrahlung hatte. das sei die amerikanische Bezeichnung par excellence . wenn er sprach.

das manche als ein ihnen feindlich gesinntes ansehen. insbesondere was die Ätiologie der wichtigsten psychischen Erkrankungen betrifft«. die dafür sprechen. durch die erstere verdrängt worden sei. Es gibt einige Indizien. daß die wichtigsten psychischen Erkrankungen biochemische. und jedesmal.« Der Glaube an die Psychoanalyse ähnele dem Glauben an die Wandlung der Seele. Es verwundere nicht.« Christenfeld war kein Anhänger der Psychoanalyse. Als ich zu arbeiten begann. seien allerdings ebenso modeanfällig. die psychisch Kranke behandeln. Wenn aber die Psychoanalyse einen »religionsähnlichen« Charakter habe. sagte er. daß sie eigentlich keine meßbare Wirkung hat. und schon wäre viel erreicht. um zu wissen. fuhr er fort. in dem knappe Ressourcen möglichst effizient eingesetzt werden müssen. wenn man versucht [sie zu evaluieren]. »Die Psychiater nahmen immer eine schmerz. »Zu jedem beliebigen Zeitpunkt besteht unter den Psychiatern ein mehr oder minder breiter Konsens hinsichtlich ihrer Ideologie und ihrer Lehrmeinung. »Sie entzieht sich weitgehend einer empirischen Überprüfung. »und aus diesem Grund ist sie in einem Umfeld. Wir brauchten also nur die Art und Weise. zu verändern.140 . daß psychische Störungen auf Desintegration. gelte das gleiche auch für die biologisch ausgerichtete Psychiatrie. wie Eltern ihre Kinder erziehen und wie sie leben. daß die Psychiater unserer Tage so biologistisch seien.« Diejenigen. schlechte Kindererziehung und sozialen Streß zurückzuführen seien. zeigt sich. physiologische oder genetische Ursachen haben. Ich bin jedoch lange genug im Geschäft. eher eine luxuriöse Randerscheinung«. glaubten alle. »Im Moment sind die meisten Psychiater davon überzeugt. sagte Christenfeld. daß diese ideologischen Ansichten im Zeitablauf mit dem politischen Klima einer Kultur kovariieren. daß es da ein zyklisches Muster gibt. Sie sei »nicht bewiesen«.stems der psychiatrischen Gesundheitsfürsorge genannt werden.

eine nicht bestandene Prüfung in Integralrechnung -. zumindest seit der Gründung dieses Krankenhauses im Jahr 1871. um eine Schizophrenie zu entwickeln.« Schließlich gelangten wir zum Museum. daß »der Schlüssel zu allem in den Neurotransmittern und den Rezeptoren liegt. Christenfeld neigte zu der Auffassung. an dessen Basis und Armlehnen . sondern »einfach dasaßen und plauderten«. die rein physiologische Behandlungen erforderten. verkündete Christenfeld: »Hier sehen Sie in objektiver Form die Geschichte der Psychiatrie. Um sich von diesem Image zu befreien. Diese Theorie besagt im wesentlichen. Wir wollen nichts von diesem ganzen Erlebniszeug hören. Farbspäne. das einem übergroßen verfallenen Mausoleum gleicht. gesehen. Unmittelbar hinter der Eingangstür standen mehrere alte Ruhigstellungsapparate. »Die genetische Komponente legt schlicht die Streßschwelle fest. daß die Schizophrenie sowohl durch genetische Faktoren als auch durch Erfahrungsfaktoren verursacht werde. die von der Decke gefallen waren.« Wir standen in einem großen schwach erleuchteten höhlenartigen Raum. die ihre Patienten nicht operierten und ihnen auch keine Medikamente verabreichten.« Insbesondere während der Blütezeit der Psychoanalyse seien Psychiater als Ärzte betrachtet worden.ein Strafzettel. daß jeder Mensch eine spezifische Höchstbelastungsgrenze hat.141 . seien zahlreiche Psychiater ins entgegengesetzte Extrem verfallen und hätten in psychischen Erkrankungen nur noch rein physiologische Störungen. Einige Menschen brauchen nur ein geringes Maß an Streß .« Doch dieser Ansatz sei nicht viel erfolgreicher gewesen als die Psychoanalyse. Sie hätten darauf beharrt.liehe Außenseiterposition unter den Ärzten ein.« Andere »haben eine sehr hohe Streßschwelle. und sie brechen erst nach einem dreimonatigen Kampf an der Front psychisch zusammen. sprenkelten den gefirnißten Holzboden. Als wir das Gebäude betraten. etwa ein Holzstuhl mit hoher Rückenlehne.

Flaschen. »Sie können sich bestimmt gut vorstellen. stießen wir auf etwas angenehmere Artefakte. eine weibliche Schaufensterpuppe mit einem blauen Kleid und weißer Schürze.und zurückgeschaukelt. In Kopfhöhe befand sich eine mit Leinwand bezogene Kiste. Die Kiste wurde an Ketten aufgehängt und vor. Die Anstalt sei eine autarke »totale Gemeinschaft« gewesen.Gurte befestigt waren und der ein Loch im Sitz hatte. wie sie. sagte Christenfeld. Ventilatoren. so sagte er mir. die die Patienten davon abhielt. Als wir weiter durch das Museum schlenderten.142 . die einem Sarg glich. Kämme und. scharfe Rasiermesser. auf die Kiste starrend. der oben und an den Seiten Querstangen aufwies. wie man sich da drin gefühlt haben muß«. Heute können Patienten bei ihrer Aufnahme in eine Klinik angeben. offenbar um den Eingesperrten zu beruhigen. eine große Trommel mit dem Aufdruck »HRSH [Hudson River State Hospital]-Band«. die an einem Gürtel um die Taille des Patienten befestigt werden. ein altes Schreibpult und einen Schaukelstuhl. sich gegenseitig zu beißen oder zu bespucken. und Riemen. eine Schusterbank mit Werkzeugen und Lederstücken. mit denen ein Patient an ein Bett gebunden wird. der oft als der Vater der amerikanischen Psychiatrie bezeichnet wird. Neben dem Beruhigungsstuhl stand die »Utica-Kiste«. falls oder wenn sie die Kontrolle über sich verlieren. An der Wand hinter der Kiste hing eine Zwangsjacke. die einst der Nervenheilanstalt angeschlossen war. Die gängigsten physischen Zwangsmittel sind Handfesseln. welche Form der Ruhigstellung sie wünschen. zu meiner Überraschung. meinte Christenfeld. Dieser »Beruhigungsstuhl nach Rush« war zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts von Benjamin Rush entworfen worden. Staubige Vitrinen enthielten Stoffballen. Die Patienten hätten einen Bau. der Uniform von Auszubildenden einer Krankenpflegeschule. heute nur noch selten in psychiatrischen Kliniken verwendet werde.

Während der sechziger und siebziger Jahre habe es wie andere staatlich finanzierte Nervenheilanstalten im ganzen Land begonnen. Doch nachdem die Patienten erst einmal in die Klinik aufgenommen worden seien.143 . Der vorgebliche Zweck der Anstalt sei es gewesen. Waren diese Behandlungen besser oder nur anders? . Schuhe und Möbel hergestellt. bei dem nicht ein sehr guter Grund dafür vorliegt. Wenn man die altmodische »Utica-Kiste« und den »Beruhigungsstuhl nach Rush« gesehen hatte. konnte man sich nur schwerlich dem Gedanken entziehen. damit sich ihr Zustand bessere und sie in die Gesellschaft zurückkehren könnten. schien ebenfalls ein Schritt nach vorn zu sein. daß man ihn hierbehält«. verließen sie diese nur selten.ernhof betrieben. die den Verstand verloren hatten. Die Tatsache. scharenweise Patienten zu entlassen. Patienten. von denen die meisten an schwerer Schizophrenie litten. ihre eigenen Kleider. einfach wegzusperren. Menschen. sagte Christenfeld. Mein Rundgang mit Christenfeld löste gemischte Gefühle in mir aus. »Hier befindet sich niemand. »eine schöne Aussicht und Landluft« zu bieten. daß die Psychiatrie in den letzten hundert Jahren gewaltige Fortschritte gemacht hatte. Die Zahl der Insassen des Hudson River Psychiatrie Center habe in den fünfziger Jahren mit etwa sechstausend Patienten ihren Höchststand erreicht. Vieh gezüchtet und geschlachtet. Elektroschock und Lobotomien ersetzt worden. sagte Christenfeld. Aber war es mehr als ein nur oberflächlicher Fortschritt? Die »Utica-Kiste« und der »Rush-Stuhl« waren durch Gummizellen. so Christenfeld. es beherberge nur noch dreihundertundfünfzig stationäre Patienten. die meisten davon aus New York. daß das Hudson River Psychiatrie Center im Vergleich zu seiner Blütezeit so wenige Patienten beherbergte. Das Zentrum diene heute hauptsächlich als Tagesklinik. Damals sei es der Daseinszweck von Nervenheilanstalten gewesen.

viele andere sind obdachlos oder noch schlimmer dran. in denen sie einst oftmals ihr gesamtes Leben verbringen mußten. Geisteskranke in Gefängnisse zu sperren. ist nicht fair.« E. März 1998. als es in den Vereinigten Staaten noch üblich war.64 Doch die Bilanz der Gemeindepsychiatrie. leben in Wohngemeinschaften. Doch seine Behauptung. Torrey selbst stellte in einem 1997 in der Zeitschrift Chronicle for Higher Education erschienenen Artikel die Gemeindepsychiatrie etwas . bei ihrer Familie oder in einer eigenen Wohnung.Die Einführung wirkungsvoller Neuroleptika in den fünfziger Jahren bewirkte die mit Abstand größte Veränderung in der Versorgung psychisch Kranker. In dem Artikel heißt es. Füller Torrey hat sich in seinem Buch Freudian Fraud völlig zurecht über die Misere von Menschen mit schweren psychischen Störungen empört. die früher in Nervenheilanstalten untergebracht worden wären. »Gefängnisse nehmen den Platz von Nervenheilanstalten bei der Unterbringung von psychisch Kranken ein« lautete eine Schlagzeile in der New York Times vom 5. Freud und andere Wegbereiter psychotherapeutischer Behandlung seien an dieser Situation schuld. Die Zahl der Patienten.144 . daß vermutlich zehn Prozent der Strafgefangenen in den Vereinigten Staaten an einer schweren psychischen Störung litten. fällt zwiespältig aus. die sich für die Interessen der psychisch Kranken einsetzen. sagen. Dank dieser Medikamente konnten viele psychotische Patienten Krankenhäuser wie das Hudson River Psychiatrie Center verlassen. Viele der Kranken. die Uhr werde ins neunzehnte Jahrhundert zurückgestellt. die in staatlichen Nervenheilanstalten untergebracht waren. »Gruppen. und in gemeindenahen betreuten Einrichtungen oder sogar ihren eigenen vier Wänden wohnen. die bei ihrer Einführung in den sechziger Jahren als eine humane Reform der Behandlung psychisch Kranker dargestellt wurde. sank dramatisch von 559000 im Jahr 1955 auf weniger als 70000 Mitte der neunziger Jahre.

ein wichtiger Faktor sei die Überzeugung von Bürgerrechtsaktivisten. sei »die weitverbreitete Hoffnung. daß die neuen Medikamente die Kranken heilen würden«. Doch ein anderer wichtiger Faktor. die Möglichkeiten der Einweisung von Patienten in psychiatrische Kliniken stark einzuschränken. die Psychopharmakologie. . die psychisch Kranken seien eine genauso unterdrückte Minderheit wie etwa die Schwarzen oder die Frauen. diese Aktivisten überredeten den Gesetzgeber dazu. In der Tat war die Verlagerung der psychisch Kranken aus Kliniken in Gefängnisse und auf die Straßen wohl das Resultat allzu überzogener Erwartungen nicht in die Psychoanalyse und andere Gesprächstherapien. schrieb Torrey.0 Er räumte ein.differenzierter dar. sondern in ein neues Allheilmittel.145 .

Das Schlagwort lautete Parität. an der ich zwei Monate zuvor teilgenommen hatte. Der Gegensatz zwischen dieser Konferenz und der Tagung der USamerikanischen Psychoanalytiker im Waldorf-Astoria.4. der ärztliche Direktor der American Psychiatrie Association. die sich unter anderem mit der Untersuchung und Behandlung psychisch kranker Straftäter befaßt. An der Tagung im Waldorf-Astoria hatten nur etwa vierhundert Personen teilgenommen. Ein Gebiet mit großer Zukunft. die in der Versorgung psychisch Kranker tätig sind. Was Psychiatrieexperten wie E. daß die moderne Psychopharmakologie wie damals Freud zu seiner Zeit eine ganz neue Lebenseinstellung einleitete. FLUCTIN1 UND ANDERE PLACEBOS Mit der Zeit.das Prinzip. Das Vortragsprogramm deckte ein breites Themenspektrum ab. wie wir unser 2 eigenes Leben sehen. »In Strafvollzugsanstalten befinden sich mehr Menschen mit psychiatrischen Störungen als in Krankenhäusern«. erklärte Sabshin. Glück auf Rezept A nfang Mai 1996 fand in New York City die 149ste Jahrestagung der American Psychiatrie Association statt. das von »Kinder. Das Treffen der American Psychiatrie Association dagegen lockte um die sechzehntausend Psychiater und andere Fachleute. werden wir auch entdecken.146 . meine ich. sei die forensische Psychiatrie. augurierte Melvin Sabshin. Gleichstellung . war verblüffend. in das höhlenartige Jacob Javits Convention Center auf der schmuddeligen West Side von New York City und ins Marriott Hotel im Herzen Manhattans. die töten« und »Die Psychobiologie der Eßsucht« bis zu aufstrebenden Märkten für psychiatrische Dienstleistungen reichte. wonach Versicherungsgesellschaften für psychische Störungen denselben Versicherungsschutz gewähren sollten wie . sah Sabshin als Chance. PETER KRAMER. Fuller Torrey als Tragödie erschien.

behauptete Roukema (die bekannte. war zwar im April nach starken lobbyistischen Anstrengungen der American Psychiatrie Association vom US-Senat verabschiedet worden. die für die Psychiatrie von Bedeutung waren. Bei einem Diskussionsforum sollten politische Fragen. an maßgebliche Abgeordnete sandte.« Die große Mehrzahl der Menschen. eine computergestützte Lobbying-Vorrichtung zu benutzen. SmithKline Beecham und an. für die Psychiatrie darstellten. die im Konferenzgebäude aufgestellt worden sei. worauf dieser einen Formbrief. besprochen werden. verantwortlich für die Beziehung zu staatlichen Stellen der American Psychiatrie Association. um die Mitglieder aufzufordern. mit einem Psychoanalytiker verheiratet zu sein). verkündete: »Das ist eine Frage der Gerechtigkeit. die in der Regel niedrigere Honorare verlangten als Psychiater. Die bestbesuchten Veranstaltungen bei der Konferenz waren Frühstücke und Abendessen. die dringend Hilfe benötigten. eine republikanische Abgeordnete aus New Jersey und eine glühende Befürworterin des Paritätsprinzips. sondern Menschen. Ein Gesetzentwurf. die Mitglieder könnten ihren Namen und ihre Adresse in den Computer eingeben. wie sie in den Filmen von Woody Allen zu sehen seien. Andere Redner bekundeten ihre Sorge über die ökonomische Bedrohung. seien keine mit sich selbst beschäftigten Neurotiker. das Publikum brach in stürmischen Beifall aus. ergriff das Wort. doch seine Ratifizierung durch das Repräsentantenhaus war weiterhin ungewiß. die billiger als eine langwierige Gesprächstherapie und daher für Krankenversicherungen attraktiver sind. als Marge Roukema. die in psychotherapeutischer Behandlung seien.für körperliche Leiden. der die Gleichstellung der Behandlung psychisch Kranker forderte. Jay Cutler.147 . die Psychologen und Sozialarbeiter. Psychiater dürfen allerdings anders als Psychologen und Sozialarbeiter Medikamente verschreiben. die von Pfizer. in dem die Gleichstellung der psychiatrischen Versorgung gefordert wurde.

und der erste. aus seinem Ärger keinen Hehl: »Im Augenblick sieht die Zukunft nicht sonderlich rosig aus. Effexor (Venlafaxin). standen im Kreis um die Basis des Obelisken. Der größte Pavillon . Zwangsstörung und Depression. gutaussehend. Bei Omelett und Hühnchenbrust lauschten Hunderte von Psychiatern den Lobreden der Pharmavertreter auf ihre Medikamente gegen Schlaflosigkeit. Zoloft (Sertralin) und andere Stimmungsaufhellende Medikamente standen in der Nähe.« Dies sei in erster Linie darauf zurückzuführen. Verlage und andere Vertreter psychiatrischer Produkte hatten eine regelrechte Kleinstadt geschaffen. der als Psychiater an der Ochsner Clinic in New Orleans arbeitete. das verkündete: »Wissen ist eine starke Medizin«. Pharmafirmen. Bei einer Veranstaltung mit dem Titel »Die Zukunft der Psychotherapie« machte Gene Usdin. daß »wir unsere Seelen an die Pharmaunternehmen verkaufen«. Die Dominanz der Pharmaunternehmen war in der Ausstellungshalle. in der es sogar Straßenschilder mit Namen wie »Noradrenalin-Weg« (Noradrenalin ist ein Neurotransmitter) gab. In der Mitte des Pavillons ragte ein knapp sieben Meter hoher goldfarbener Obelisk empor. die Informationsmaterial über dieses umsatzstärkste Psychopharmakon aller Zeiten verteilten. Entsprechung Fluctin) in schillerndem Rot prangte. Kaum weniger eindrucksvolle Schreine für Seroxat (Wirkstoff Paroxetin). Die . an dessen Spitze das Wort »Prozac« (dt. sie trugen schicke Anzüge und Kostüme sowie ein strahlendes Lächeln. Etwa ein Dutzend interaktive Fernsehgeräte und Firmenvertreter.deren Pharmaunternehmen gesponsert wurden. Nicht alle Teilnehmer der Konferenz machten sich die »Besser-leben-durch-Chemie«-Philosophie zu eigen. Die Vertreter und Vertreterinnen waren jung. Der Obelisk war mit einem Banner drapiert. von tadellos gepflegtem Äußeren.war der von Eli Lilly. die sich über fast ein ganzes Stockwerk des Javits Center erstreckte. auf den Besucher beim Betreten der Ausstellunghalle trafen .148 . noch augenfälliger.

und zwar nicht nur bei gewöhnlichen Depressionen.. Sein Unternehmen. die von den Pharmaunternehmen gesponsert wurden -. Ein anderer Abweichler war ein Vertreter der Somatics Inc. sondern auch bei manisch-depressiver Psychose und Schizophrenie. Fieber. ein Unternehmen mit Sitz in Lake Bluff. Viele Beobachter sehen in der . die eine viel wirksamere Behandlung schwerkranker Patienten ermöglichen. teilte mir der Vertreter von Somatics mit. »Viele Patienten haben mit Medikamenten große Probleme«. behauptete er. die den Vorträgen beiwohnten. ist Somatics auch das erste Unternehmen. doch dies ändere sich. daß die Elektroschocktherapie sehr gute Erfolge erziele. daß ihm nur zwanzig Leute zuhörten . um »das Risiko von Zahnfrakturen und -Verlusten so niedrig wie möglich zu halten«. insbesondere der Psychoanalyse. die kleinere ist eigens für Frauen konstruiert.Tatsache. und physiologischen Therapien.gegenüber den Hunderten. vornehmlich Medikamenten. Neben ihrem Schockverabreichungssystem der Marke Thymatron. produziere Geräte. auch Elektroschocktherapie genannt. Illinois. Psychiater. betrachten. das wiederverwendbare Gummikeile in zwei Größen anbietet. das im Schatten des Prozac-Pavilions einen bescheidenen Stand aufgeschlagen hatte. die Elektrokrampftherapie. so der Vertreter.149 . Die Elektroschocktherapie werde im allgemeinen nur als Mittel letzter Wahl eingesetzt. aber auch Patienten begännen zu erkennen. Koma und andere Therapien Die Geschichte der modernen Psychiatrie läßt sich als ein Wettstreit zwischen psychologischen Therapien. das solche Ausstattungsmerkmale wie einen »Postikussuppressionsindex« und eine »Chronaxie-Leuchtanzeige« aufweist. ließ seine Klage berechtigt erscheinen.

versteht man. Wenn man Shorters Beschreibungen dieser biologischen Heilmittel liest. Shorter legte im Vorwort seinen persönlichen Standpunkt dar: »Wenn es am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts eine intellektuelle Realität gibt. der psychische Krankheit als eine genetisch beeinflußte Störung der Hirnchemie betrachtet. einen Sieg der Vernunft über die Irrationalität. weshalb die Psychoanalyse ein so populäres Behandlungsverfahren nicht nur für gewöhnliche emotionale Störungen. Ironischerweise belegte Shorters eigene Darstellung. kam erst später auf.«3 Frederick Crews hatte in seinem Freud-kritischen Vortrag an der Yale-Universität aus diesem Absatz zitiert. hat sich als überwältigender Erfolg erwiesen. Das ist das Thema der Geschichte der Psychiatrie des Historikers Edward Shorter von der Universität Toronto. dann diese: Der biologische Denkansatz in der Psychiatrie. Freud selbst benutzte die Elektrotherapie. die Psychoanalyse höre sich im Vergleich zu den von Shorter beschriebenen Behandlungsmethoden »relativ harmlos« an. bei der die Dosis hoch genug sein muß. um Krampfanfälle auszulösen. in geringerem Umfang. Ein Rezensent der Geschichte der Psychiatrie bemerkte. die sich im zwanzigsten Jahr.150 . für Psychosen wurde.5 (Die Elektrokrampftherapie. sondern auch. daß die biologische Psychiatrie keineswegs ein »überwältigender Erfolg« gewesen ist.) Eine andere Behandlungsmethode aus dem neunzehnten Jahrhundert. bei der Patienten schwachen elektrischen Strömen ausgesetzt werden. sondern einige der entsetzlichsten Behandlungsmethoden in der Geschichte der modernen Psychiatrie hervorgebracht hat. Freuds Ideen haben die Geschicke der Psychiatrie im vergangenen halben Jahrhundert gelenkt.Tatsache. daß Psychiater in zunehmendem Maße Psychopharmaka und andere physiologische Behandlungen einsetzen. doch nun schwindet ihre Bedeutung dahin wie die letzten Schneeflecken in der Sonne.4 Einige der frühen physikalischen Behandlungen schienen recht unschädlich zu sein.

einmal verabreichte er versehentlich einem Süchtigen.7 Andere Historiker sind freilich zu dem Ergebnis gekommen. mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.151 . der psychotisch war. Aus der Beobachtung. kurze Phasen geistiger Klarheit erleben.6 Im Jahr 1927 wurde Wagner von Jauregg für seine Forschungen. daß diese Verfahren ziemlich wertlos sind. die der österreichische Psychiater Julius Wagner von Jauregg begründete. ist die Hydrotherapie.8 Sakel erprobte Insulin zur Behandlung der Morphinsucht. Die Infektionstherapie wurde schon bald von der Insulinkomabehandlung abgelöst. Typhus und anderen Krankheiten infizierten. daß die Beweise für die Wirksamkeit der Infektionstherapie bestenfalls dürftig waren. abgeduscht oder mit starken Wasserstrahlen bespritzt werden. Nachdem der psychotische Patient aus dem Koma erwacht war. nachdem sie sich eine schwere Bakterieninfektion zugezogen haben. griffen die Psychiater zu radikaleren Maßnahmen. Eine Überdosis Insulin löst ein potentiell tödliches Koma aus. Tuberkulose. eine Überdosis. die der österreichische Psychiater Manfred Sakel in den dreißiger Jahren einführte. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte überprüften er und andere Forscher diese Hypothese. folgerte Wagner von Jauregg. die Edward Shorter in seiner Geschichte der Psychiatrie als »ein epochales Ereignis in der Geschichte nicht nur der Psychiatrie. Als sich herausstellte. indem sie psychisch Kranke mit den Erregern von Malaria. auch Wasserkur genannt. Eine zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitete Therapie war die Infektionstherapie beziehungsweise Heilfieberbehandlung. und so begann Sakel gezielt Schizophrenen Über. machte er einen weniger verwirrten Eindruck. daß psychotische Patienten. sondern der gesamten Medizin« bezeichnete. daß hohes Fieber möglicherweise zu einer Linderung psychotischer Symptome führen könnte. bei der die Patienten in sehr heißes oder sehr kaltes Wasser eingetaucht.hundert durchsetzte.

152 .dosen Insulin zu injizieren. oftmals verabreichte er ihnen auch eine Elektroschockbehandlung.12 Cameron versetzte Patienten mit Hilfe von Barbituraten für längere Zeiträume in einen Zustand der Bewußtlosigkeit oder Dämmerzustand.« Bei der »Tiefschlaftherapie« wurden die Patienten mit Hilfe von Bromiden und anderen Beruhigungsmitteln in wochenlange Schlafphasen versetzt. »und vor allem der verzerrten blauen Gesichter. sollte es kein großer Erfolg werden«. Cameron war keine Randfigur. und neun zeigten eine partielle Besserung. Die Insulinschockbehandlung breitete sich daraufhin rasch über Europa und die Vereinigten Staaten aus. erinnerte sich einer. 1952 und 1953 amtierte er als Präsident der American Psychiatrie Association. war für mich so furchtbar. . »Der Anblick des künstlich erzeugten Epilepsieanfalls«. »Weil man jedoch auch bei Cardiazol nicht sicher sein konnte. Eine kampferähnliche Substanz mit dem Handelsnamen Cardiazol löste Erbrechen und Krämpfe aus. ob es zu Anfällen führen würde. Forscher erprobten weitere Medikamente. sooft ich konnte. die den durch Epilepsie verursachten glichen. daß ich. die er depatterning beziehungsweise »Gehirnwäsche« nannte. und es bei den Patienten ebensolche Ängste auslöste wie Kampfer.10 (Sonderbarerweise wird auch dem Schlafentzug eine antidepressive Wirkung zugeschrieben. Er berichtete von außergewöhnlichen Erfolgsquoten: fünfunddreißig von fünfzig Patienten wurden vollständig geheilt. Er war Professor an der McGillUniversität und von 1943 bis 1962 Direktor des angesehenen Allan Memorial Institute. das Behandlungszimmer verließ.9 Sogar einige Psychiater schreckten vor dieser Behandlung zurück.)11 Der kanadische Psychiater Ewen Cameron entwickelte eine Variante der Schlafkur. sondern Krämpfe auslösten. schrieb Shorter. Unterdessen ertönte aus einem Lautsprecher im Zimmer des Patienten eine ununterbrochene Folge von Ermahnungen. die kein Koma.

denen Apomorphin verabreicht wurde. Infolge dieser Verbesserungen wurde die Elektroschocktherapie rasch zur »Standardbehandlung« (wie es ein Psychiater im Jahr 1959 formulierte) für schwere Depressionen und andere Erkrankungen. Er fand heraus. sechs Stunden des so dringend nötigen Schlafs zu bekommen. daß elektrischer Strom hinreichender Stärke. In der Anfangszeit warfen sich viele Patienten so heftig hin und her. der einem epileptischen Anfall ähnelt. einst die größte Nervenheilanstalt der Welt. Das beruhigte sie und brachte sie endlich in die Lage. anfänglich auch Kurare.Bei der sogenannten Brechtherapie wurde Apomorphin verwendet. Schwefel und andere Giftstoffe. be. das aus der Rinde südamerikanischer Lianen gewonnen wird und in kleinen Mengen zu einer kurzfristigen Lähmung (in größeren Mengen zum Tod) führt. Keimdrüsen. der durch den Schädel geleitet wird. Nach Aussage eines Beobachters laufen Patienten. Dieser Nachteil wurde durch den Einsatz von Riemen und Gummikeilen ausgeglichen. diese Anfälle linderten bei manchen Patienten die Symptome. einen Krampfanfall auslöst. »grün an und übergeben sich bis zu einer Stunde lang.153 . daß sie sich dabei Zähne und Knochen .16 Die Elektroschocktherapie wurde 1938 von dem italienischen Psychiater Ugo Cerletti eingeführt. ein synthetisches Morphinderivat. Später benutzten die Ärzte ungefährlichere Lähmungsmittel und kurz wirkende Narkosemittel.14 Andere Behandlungsmethoden waren die Verabreichung großer Mengen Abführmittel.brachen.15 das Ziehen von Zähnen und die chirurgische Entfernung von Dickdarm.ja sogar Wirbel . daß mit dieser Behandlungsmethode Mißbrauch getrieben worden sei. Im Milledgeville State Hospital in Georgia. Eierstock.17 Selbst entschiedene Befürworter der Elektroschocktherapie haben eingeräumt. einem Gift. Schilddrüsen und anderen Drüsen.«13 Ein Psychiater am Verdun Protestant Hospital in Montreal spritzte Patienten Terpentin.

18 Die Elektroschockbehandlung wurde im Verlauf der sechziger Jahre immer seltener eingesetzt. eingeführt wird . es führe bei behandelten Patienten zu dauerhaftem Gedächtnisverlust und anderen schweren Nebenwirkungen. in dem ein Forscher ein Experiment beschrieb. Der zunehmende Mißkredit. D.an psychiatrischen Patienten in Portugal. und es gelang ihnen. R. Die Gegner des Verfahrens behaupteten. Er berichtete. die als Sitz der Kognition gelten. die beidseitig in der Schläfenregion in die Schädeldecke gebohrt werden. insbesondere seitdem Ken Kesey sie in seinem 1962 erschienenen Roman Einer flog übers Kuckucksnest als eine Form der Folter dargestellt hatte. teilweise oder völlig zerstört werden. Die berüchtigtste sogenannte biologische Behandlung war die Lobotomie (auch Leukotomie genannt). bei der die Stirnlappen.bei dem ein Skalpell durch Löcher.154 . hatte merkwürdige demographische Konsequenzen. Im Jahr 1935 wohnte Moniz einem Vortrag bei. Dieses Verfahren geht auf den portugiesischen Neurologen Antonio Caetano Moniz zurück. bei dem ein aggressiver.straften Krankenpfleger unbotmäßige Insassen mit dem sogenannten Georgia Power Cocktail. Die New York Times würdigte Moniz und andere Psychochirurgen. . Für seine Forschungsarbeit wurde Moniz 1949 mit dem Nobelpreis für Physiologie oder Medizin ausgezeichnet. in den die Therapie geriet. unbezähmbarer Affe durch »Abtragung« beziehungsweise Entfernung seiner Stirnlappen ruhiggestellt wurde. Kritiker der Psychiatrie wie Thomas Szasz. daß sich der Zustand der meisten danach gebessert habe. Laing und die Scientology-Bewegung setzten sich für die Abschaffung der Elektroschocktherapie ein.19 Hingegen wurde das Verfahren immer öfter bei wohlhabenden weißen Akademikern eingesetzt. Moniz erprobte das Verfahren . in gewissen Gerichtsbezirken ein zeitweiliges Verbot zu erwirken. Im Jahr 1980 wurde kein einziger nichtweißer Amerikaner in einer staatlichen Nervenheilanstalt mit der Elektrokrampftherapie behandelt.

führte er die Lobotomie . mit missionarischem Eifer engagierte er sich für die Psychochirurgie. und stochert dann mit dem Pickel hin und her. wie er es nannte. (Freemans letzter Patient.)27 Gegen Ende seiner Karriere hatte er seinen Ruf so gründlich ruiniert. starb an Gehirnblutungen. die er mit einem medizinischen Eispickel durchführte. Das Verfahren setzte sich rasch durch. Er fuhr in einem Kombiwagen.20 Als der amerikanische Neurologe Walter Freeman von den Behandlungserfolgen Moniz' hörte. dafür.26 Er praktizierte seine Lobotomie-Technik bis 1967. das hochkomplexe Funktionen ausführt. klopft leicht mit einem Hammer darauf. und nicht heiliger als die Leber«. daß »sie uns gelehrt haben.die mit der Lobotomie experimentiert hatten. Freeman war ein unermüdlicher Werber in eigener Sache.in den Vereinigten Staaten ein. der mit Notizbüchern. bis er ins Stirnhirn eindringt. den er bereits zweimal operiert hatte. Es ist einfach ein großes Organ.25 bis zu fünfundzwanzig an einem einzigen Tag. zwischen Ende der dreißiger und Mitte der sechziger Jahre wurden allein in den Vereinigten Staaten etwa vierzigtausend Lobotomien durchgeführt. sondern auch an unverbesserlichen Strafgefangenen. die sogenannte transorbitale Lobotomie. Im Jahr 1951 legte er einmal innerhalb von fünf Wochen21 bei einer »Kopfjagd«22. den er gemeinsam mit seinem Kollegen James Watts prägte .155 .24 Freeman selbst soll insgesamt fünftausend Operationen durchgeführt haben. chirurgischen Instrumenten und einem Elektroschockgerät vollgestopft war. 17 ooo Kilometer zurück.einen Begriff. doch zu diesem Zeitpunkt war ihr Stern bereits im Sinken.23 Lobotomien wurden nicht nur an psychisch Kranken vorgenommen. daß ihm . um seine transorbitale Lobotomie in Krankenhäusern vorzuführen. das Gehirn weniger ehrfurchtsvoll zu betrachten. Der Chirurg setzt das Gerät unter dem Lid an. Freeman entwickelte eine Variante der Lobotomie. durch die gesamten Vereinigten Staaten und Kanada.

Angesichts der starken Aversion. sondern auch bei Fachleuten hervorrief. so verschrieben die Ärzte im neunzehnten Jahrhundert unter anderem Morphium. in denen er einst praktiziert hatte. Einige katatone Patienten gewannen sogar ihre Sprach. seine ärztlichen Sonderrechte aberkannten. dem Direktor einer Nervenheilanstalt in Australien. Anders als die Barbiturate und andere Beruhigungsmittel versetzten diese neuen Medikamente Schizophrene nicht bloß in einen Zustand der Benommenheit. zu lindern. Als Cade die Lithiumsalze psychiatrischen Patienten . isolierte aus dem Urin seiner Patienten mehrere Verbindungen und injizierte sie Meerschweinchen.und Bewegungsfähigkeit zurück. sondern sie schienen auch einige schwerere Symptome. Nachdem er den Verbindungen Lithium beigemischt hatte. Chloralhydrat und Bromid. als in den fünfziger Jahren Medikamente entwikkelt wurden. antipsychotischen Substanzen wie Reserpin und Chlorpromazin (letzteres wird unter dem Handelsnamen Propaphenin vermarktet). Cade. geht auf die späten vierziger Jahre zurück und verdankt sich John Cade.mehrere Institutionen. Die Entdeckung. daß Geisteskrankheiten durch ein im Urin ausgeschiedenes Toxin verursacht würden. die dieses Behandlungsverfahren nicht nur bei Patienten und deren Familien. wie etwa Halluzinationen. die Barbiturate hatten den katatonen Zustand höchstens noch vertieft. Doch die »Revolution in der Psychopharmakologie«. daß Lithium die Symptome psychotischer Erkrankungen unterdrücken kann. wurden die Meerschweinchen ungewöhnlich lethargisch. waren die Psychiater enorm erleichtert. begann in den frühen fünfziger Jahren mit der Einführung von Neuroleptika. der vermutete.156 . Allerdings wurden seelische Leiden schon seit langem mit Medikamenten behandelt. wie es oftmals heißt. um psychotische Patienten zu sedieren. die die Symptome einiger psychischer Erkrankungen und insbesondere der Schizophrenie zu lindern schienen.

daß Chlorpromazin und ähnliche Wirkstoffe den Triumph der »Backsteinpragmatiker« (der Ausdruck bezog sich auf die roten Backsteine.157 . weitgehend zu Recht. ruhelos und verwahrlost«28 – und zu einer dauerhaften Hospitalisierung verdammt zu sein schien. daß Lithium die Stimmungsschwankungen dämpft. Für die Backsteinwelt ist das wie ein Streit über die Zahl der Engel. die häufig beim Bau von Nervenheilanstalten verwendet wurden) in der Psychiatrie über die Psychoanalytiker in ihren Elfenbeintürmen darstellten: »Die Kritiker in ihren Elfenbeintürmen behaupten. mit besonderen chemischen Stoffen die Energiemengen und deren Verteilungen im seelischen Apparat direkt zu beeinflussen. zeigte sich die gleiche sedierende Wirkung.«30 . Im Jahr 1955 verkündete Time. daß die Pragmatiker in ihren Backsteinhäusern nie an die ›zugrunde liegende Psychopathologie‹ des Patienten herankämen und ihn deshalb auch nicht heilen könnten. ging es bald so gut. Die [Analytiker] interessiert nur. euphorisch. Einem fünfzigjährigen Patienten. als eine Infragestellung der Freudschen Theorie und Therapie angesehen. ob [der Patient] Konflikte über seine inzestuösen Triebe im Unbewußten austrägt oder sich aus der Welt zurückgezogen hat. daß er entlassen werden konnte.spritzte. weil er im Alter von fünf Jahren einmal etwas aus dem Sparschwein seines Bruders geklaut hat. die auf einer Nadelspitze Platz haben. All diese Medikamente wurden.«29 Freud selbst hatte kurz vor seinem Tod vorhergesagt. wie sie für manisch-depressive Erkrankungen typisch sind. der seit Jahrzehnten an einer Manie litt – Cade beschrieb ihn als »geschwätzig. Spätere Studien haben gezeigt. daß die Psychoanalyse womöglich eines Tages von der Psychopharmakologie abgelöst würde: »Die Zukunft mag uns lehren.

vornehmlich in den Vereinigten Staaten. . Die überwiegende Mehrheit der Patienten. war die der sogenannten Monoaminoxidasehemmer (MAOH). Die erste Klasse von Wirkstoffen. die eine hohe Noradrenalin. aber nicht mit Tyramin reagieren. insbesondere Depressionen.Peter Kramer lauschen Die Einführung der Antidepressiva in den fünfziger Jahren stellte die Psychoanalyse und andere Psychotherapien vor ihre mit Abstand schwerste Bewährungsprobe.158 .31 Zu jedem beliebigen Zeitpunkt leiden möglicherweise bis zu zwanzig Prozent der Bevölkerung an depressiven Symptomen. durchleben bis zu fünfzig Prozent aller Menschen irgendwann in ihrem Leben eine Depression. einer Substanz. Während manisch-depressive Erkrankung und Schizophrenie jeweils etwa ein Prozent der Bevölkerung betreffen. die von Freudiänern und anderen Psychotherapeuten behandelt wurden. die in bestimmten Käsesorten. die als echte Antidepressiva angekündigt wurden. deren Mangel nach heute herrschender Auffassung einer depressiven Erkrankung zugrunde liegen soll.und Serotoninkonzentration aufrechterhalten. Patienten mit Schizophrenie und manisch-depressiver Erkrankung behandelten. können sie eine tödliche Hirnblutung verursachen. Forscher haben wenig später eine weitere Klasse von Antidepressiva entdeckt. litten an leichteren und häufigeren Erkrankungen. in Wein und anderen gängigen Lebensmitteln und Getränken enthalten ist. hatten Freud und viele seiner Anhänger diese Leiden als nicht therapierbar angesehen. Diese Substanzen hemmen die Produktion des Enzyms Monoaminoxidase und blockieren dadurch den Abbau der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin. Obgleich einige Psychoanalytiker. die sogenannten tricyclischen Antidepressiva. Leider haben Monoaminoxidasehemmer eine gefährliche Nebenwirkung: Wenn sie mit Tyramin reagieren.

daß ihr Ehemann Selbstmord verübt hatte. Man nimmt an. Fluctin ist eine der großen Erfolgsgeschichten der modernen Pharmakologie . Im Jahr 1991 gab die Witwe des Rocksängers Del Shannon Fluctin die Schuld daran. auf den Markt. weil sie . daß der Mann Fluctin eingenommen hatte.anders als ihre relativ unspezifisch wirkenden Vorläufer .159 . in denen Patienten angeblich nach der Einnahme von . bevor er sich erschoß. Die SSRI werden »selektiv« genannt. Nachdem bekannt geworden war. Eli Lilly brachte das Medikament im Jahr 1988 unmittelbar im Anschluß an seine Zulassung durch die Food and Drug Administration (FDA). daß sie die Rückaufnahme des Neurotransmitters hemmen.angeblich nur auf Serotonin und nicht auf andere Neurotransmitter einwirken. wie es die positive Berichterstattung gewesen war.und des modernen Marketings. Fernsehshows berichteten in sensationeller Aufmachung über diese Fälle und weitere. März 1990 war auf der Titelseite von Newsweek eine grünweiße Fluctin-Kapsel abgebildet mit der Schlagzeile »Ein Quantensprung in der Behandlung der Depression«.33 Im Jahr 1989 tötete ein Angestellter einer Druckerei in Kentucky acht seiner Kollegen und verwundete zwölf weitere durch Schüsse aus einem Sturmgewehr. daß die SSRI die Serotoninkonzentration dadurch hoch halten. die US-amerikanische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente. verklagten seine Hinterbliebenen und die seiner Opfer Lilly auf Schadensersatz. besser bekannt unter seinem Handelsnamen Fluctin (beziehungsweise Prozac in den USA).32 Als der unvermeidliche Rückschlag einsetzte. war er genauso übertrieben. Der bekannteste SSRI ist das Fluoxetin. Nachdem eine Nervenzelle einen Neurotransmitter ausgeschüttet hat. absorbiert sie ihn in der Regel wieder in einem als »Rückaufnahme« bezeichneten Prozeß.Die Revolution in der Psychopharmakologie erreichte ihren Höhepunkt Ende der achtziger Jahre mit der Einführung der selektiven Serotoninrückaufnahme-Hemmer (SSRI). Am 26.

die Lilly vertraten. das Sie morden läßt«. denn die Absatzzahlen von Fluctin gingen weiterhin steil in die Höhe.35 Unglaublicherweise nahm der Umsatzerlös weiterhin zu. daß sie die Schreckensberichte nicht glaubten. Die meisten Zivilprozesse gegen Lilly sind außergerichtlich beigelegt worden.36 Das am schnellsten wachsende Segment des US-amerikanischen Marktes für SSRI betrifft Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren37 – obwohl einer Untersuchung zufolge »keine einzige . Der Markt für SSRI wächst einer Schätzung zufolge jährlich um über fünfzig Prozent. wenn ein Medikament einer sehr großen Zahl psychisch kranker Menschen verabreicht werde. abgeben mußte. und der damit erzielte Umsatz belief sich auf insgesamt zweieinhalb Milliarden Dollar.160 . wie etwa Fevarin und Seroxat. Im Jahr 1998 rangierte Fluctin auf der Liste der meistverkauften Medikamente hinter dem Ulcus-Präparat Antra (Omeprazol) auf Platz zwei (auch wenn der rasant wachsende Absatz des Impotenzmittels Viagra dieses vermutlich auf den ersten Platz katapultieren würde).34 Weltweit nahmen über vierunddreißig Millionen Menschen Fluctin ein. Die Anwälte. einige derartige Zwischenfälle seien nach den statistischen Gesetzen der Wahrscheinlichkeit unvermeidlich.Ein Medikament. Die FDA schloß sich dieser Auffassung an.Fluctin Gewalttätigkeiten gegen sich oder andere begangen hatten. Psychiater und Verbraucher hatten bereits bewiesen. daß es nicht unbedingt einen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Fluctin und diesen relativ seltenen Gewalttaten geben müsse. und die Kontroverse über die potentiell aggressionsauslösende Wirkung von Fluctin verschwand allmählich von der Bildfläche. obwohl Lilly einen wachsenden Anteil seines Marktes an die SSRI von Wettbewerbern. und andere Experten behaupteten völlig zu Recht. Ende des Jahres 1991 hielt die FDA Anhörungen zu dem Thema ab. Donahue gab einer Sendung den Titel »Fluctin .

das einundzwanzig Wochen lang auf der Bestsellerliste der New York Times stand. daß Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen im Kindes. Rhode Island. Glück auf Rezept). habe nicht bloß die Depressions. Kurz nachdem Lilly Ende der achtziger Jahre Fluctin auf den Markt gebracht hatte.161 . das Medikament könne eine Ära der »kosmetischen Psychopharmakologie«40 einleiten. eine Privatpraxis führt. Kramer war im Herbst 1995. in der Patienten nicht nur von ihren Erkrankungen geheilt.von bleichgesichtigen. außerordentlicher Professor für Psychiatrie an der BrownUniversität. aus der hervorginge. sondern »einen psychischen Zusatznutzen über das bloße Wohlbefinden hinaus« erlangen könnten. begann Kramer den Stellenwert des neuen Präparats in einer Kolumne in der Fachzeitschrift Psychiatrie Times zu erörtern. so schrieb er. schwarz gewandeten Studentinnen bis hin zu vornehmen älteren Damen von der Upper East Side. Kramer führte in seinem 1993 erschienenen Buch Listening to Prozac (dt.«38 1997 hat Eli Lilly eine eigens auf Kinder zugeschnittene Fluctin-Variante mit Pfefferminzgeschmack auf den Markt gebracht.39 Der geschickteste Lobsänger von Fluctin ist Peter Kramer. als ich ihn bei einem Symposion über die relative Wirksamkeit von Psychotherapien und Psychopharmaka an der New School in New York City erlebte. Er meinte. wenn man bedenkt. Dieses demographische Profil des Publikums war nicht weiter verwunderlich.Doppelblindstudie mit einer Placebo-Kontrollgruppe publiziert wurde. daß Frauen doppelt so häufig an Depressionen erkranken wie Männer.42 Das Publikum bestand überwiegend aus Frauen .und Angstsymptome bei seinen Patienten gelindert. . schon eine richtige Berühmtheit.41 diese Ansichten näher aus. sondern ihnen auch neue Lebensfreude und Tatkraft geschenkt. die erlesene Schals von Hermes trugen. der in Providence. Fluctin.und Jugendalter wirksamer wären als Placebos.

schlanker und jungenhafter Mann mit saloppem. Selbst wenn sich medikamentöse Behandlungen als nicht so wirksam herausgestellt hätten.« Auch in Glück auf Rezept legte sich Kramer nicht fest. eine »Epidemie« psychoanalytischer Behandlungen auszulösen. das komme nun mal vor. ein hochgewachsener. erwiderte Kramer achselzukkend. so Kramer. ohne sich auf bestimmte Antworten festzulegen. und weil niemand nachgewiesen habe. Er räumte ein. oder seien sie auf ein chemisches Ungleichgewicht zurückzuführen? Kramer vermochte es nicht zu sagen. War er ein Gegner von Psychotherapie? Gewissermaßen. Eine der aufschlußreichsten Bemerkungen Kramers war: »Ich halte sehr viel von Ambivalenz. Als man ihm vorhielt. daß das Dasein sinnlos sei. daß Medikamente eines Tages aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Gründen die Gesprächstherapie »auslöschen« könnten. War Kramer ein Befürworter von Psychopharmaka? Nun ja. Als ein Sprecher Kramer vorwarf. daß eine Methode der anderen überlegen sei.162 . selbstsicherem Auftreten.Kramer. weil bislang niemand aufgeklärt habe. verwies Kramer auf . aber eigentlich doch nicht. Seien diese Angstanfälle angemessene Reaktionen auf James' Erkenntnis. weshalb sie funktioniere. Er sann etwa über die Bedeutung der heftigen Angstanfälle nach. Ambiguität und Unscharfe. auch Freud habe dazu beigetragen. er habe eine zu günstige Meinung von Fluctin und eine zu schlechte von der Psychotherapie. gewissermaßen. Doch diese innige Beziehung zur Psychotherapie habe ihm auch geholfen. Fragen aufzuwerfen und mit ihnen herumzujonglieren. die den Psychologen William James gequält hätten. er leiste einer »Fluctin-Epidemie« Vorschub. verstand es hervorragend. Kramer beteuerte. wäre die Gesprächstherapie in Bedrängnis geraten. er sei ein »großer Fan« der Psychotherapie und hätte eine »lange Liebesaffäre« mit ihr gehabt. ihre Unzulänglichkeiten zu erkennen.

‹ 43 Kramer resümierte: »Ich hatte vorher noch nie beobachtet. Wie Freud stützte auch Kramer seine Polemik auf geschickte Beschreibungen einzelner Patienten. sondern das sich ziemlich spontan und voller Energie seine Bahn brach.Kommentare. viel aufnahmefähiger.163 . daß sich das Sozialleben eines Patienten so schnell und so grundlegend verändert hatte. ich habe ein bestimmtes Zeichen auf der Stirn. Nehmen wir Tess . erzählte mir Tess. die an chronischer Depression leidet. Angst vor Intimität . . nicht mehr so bewußt gezwungen.sind in einer Person so tief verwurzelt und so schwer zu beeinflussen. fiel ihm eine »bemerkenswerte« Wandlung auf: Sie sah ganz anders aus. Sie lachte viel öfter und auch ganz anders. Mit ihrem neuen Verhalten entwickelte sich auch ein neues soziales Leben.eine Frau. bei denen sie die verschiedenen Teile ihrer Person integrieren mußte. die sich hinter ihrem Äußeren verborgen hatte. daß sich hier etwas nur sehr langsam verändern kann. plötzlich an die Oberfläche gekommen. wenn sich überhaupt daran etwas ändert.die meisten Gründe für mangelnde soziale Kontakte .und Liebesleben unzufrieden ist und die jahrelang erfolglos mit Gesprächstherapien und Antidepressiva behandelt wurde. mit ihrem Berufs. ›Drei Verabredungen habe ich jetzt jedes Wochenende‹. ›Ich glaube. Zwei Wochen nachdem Kramer ihr Fluctin verordnet hatte. Eifersucht.« Kramer wies allerdings auch darauf hin. sondern einfach sehr charmant. in denen er seine Vorbehalte gegenüber Psychopharmaka zum Ausdruck gebracht und die Vorteile von Gesprächstherapien gerühmt habe. so als sei die Person. viel entspannter und viel energiegeladener. Ein geringes Selbstwertgefühl. Unentschlossenheit. wenig Mut. Aber Tess war wie umgewandelt. Schüchternheit. als ich sie vorher gesehen hatte. das sich nicht langsam entfaltete als Folge vieler Kämpfe.

ob ich nicht auch von diesen Pillen profitieren könne.daß nicht alle Patienten in dieser Weise auf Fluctin ansprechen. Mir zumindest erging es so bei der ersten Lektüre von Glück auf Rezept. Kramer zerbrach sich den Kopf über die philosophische Bedeutung dieses neuen Medikaments. deren Leben sich durch Fluctin auf wundersame Weise geändert hatte. Nachdem ich jedoch Dutzende von Kramers Fallbeschreibungen über Tess und andere verschlungen hatte. unsichere Frau. Was sage die Tatsache. der wichtigen Minderheit. Gewiß. wenn wir Verzweiflung und Angst auf chemischem Weg statt durch Selbsterkenntnis beseitigten? Genüge es. einfach glücklich zu sein ? Ich vermute. mir ging es nicht schlecht. daß eine chemische Substanz uns von Grund auf verändern könne.«44 Andere Psychiater. daß wir durch unsere Erfahrungen geprägt worden seien. hätten mit ihren Patienten die gleichen Erfahrungen gemacht. Wer sei die »wirkliche« Tess – die unglückliche.164 . und das Medikament wirkt so wie jedes andere Antidepressivum. über uns aus? Was sage sie über den eventuellen Nutzen herkömmlicher Psychotherapien aus? Verlören wir etwas von unserem innersten Wesen. doch wenn es mir mit Fluctin noch . Aber bei einigen Patienten. Fluctin verleiht diesen Patienten den Mut. begann ich mich zu fragen. Ich halte mich für einen einigermaßen glücklichen Menschen oder doch zumindest für einen nicht übermäßig unglücklichen. was getan werden muß. die eine ganze Reihe von demütigenden Affären mit verheirateten Männern durchlitten hatte. so versicherte Kramer den Lesern. nur mäßig interessierten. daß die meisten Leser die philosophischen Dilemmas. »Bei einigen schlägt dieses Medikament überhaupt nicht an. die Kramer in Glück auf Rezept darlegt. während seine Schilderungen von Patienten wie Tess sie fesselten. oder dieses neugeborene Energiebündel voller Selbstsicherheit? Wir nähmen an. einige erholen sich von ihrer Depression. verändert sich die ganze Persönlichkeit. das zu tun.

einen geringen.Fluctin für alle! Erst später erkannte ich.besser gehen könnte. . verglichen wurde. wenn es meine Selbstsicherheit in Redaktionskonferenzen stärken.165 . als in einem Artikel im New Republic46. die zu einer Schreibblockade führen. aber der Unterschied war statistisch nicht signifikant. daß jeder von dem Medikament profitieren könne. der Vorschlag gemacht wurde. die nach drei und sechs Monaten durchgeführt wurden. James Goodwin.warum nicht? Als die Presse 1994 berichtete.45 dachte ich ein weiteres Mal: »Warum nicht?« Ähnliche Gedanken gingen mir durch den Kopf. die Fluctin erhielten. wie etwa den tricyclischen Antidepressiva Desipramin und Imipramin. da sie von der Herstellerfirma Eli Lilly finanziert wurde. die Zweifel zerstreuen. Dabei wies die Studie allenfalls eine Voreingenommenheit zugunsten von Fluctin auf. Fluctin könne das Gefalle zwischen den Begüterten und den Habenichtsen vergrößern. und mir mehr Schwung beim Nahen des Redaktionsschlusses geben könnte . und selbst dieser geringfügige Unterschied war nach drei Monaten wieder verschwunden. zeigten nach einem Monat eine leichte Besserung. der warnend darauf hinwies. Im Jahr 1996 publizierte das Journal of the American Medical Association die Ergebnisse einer Studie an 536 depressiven Erwachsenen. Erstens ist Fluctin älteren Antidepressiva wie etwa den tricyclischen Antidepressiva bei der Behandlung affektiver Störungen keineswegs überlegen.47 Die Probanden. in welchem Ausmaß die Befürworter von Fluctin dessen Wirksamkeit übertrieben hatten. Großartig . ein Psychologe in Wenatchee in Oregon habe über sechshundert seiner Klienten Fluctin empfohlen und in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung erklärt. in der Fluctin mit älteren Antidepressiva. Tatsächlich ergaben die Tests. wenn auch statistisch ebenfalls nicht signifikanten Vorteil für Desipramin. Fluctin solle im Rahmen eines nationalen Versicherungsprogramms auch den Armen zur Verfügung gestellt werden.

«49 Erste Erfahrungsberichte über die SSRI erwähnten nur selten ihre wohl gravierendste Nebenwirkung: sexuelle Funktionsstörungen. lautete das Fazit eines Kommentars in den Psychiatric Annals.9 Prozent bei Fluctin und 19 Prozent bei den tricyclischen Antidepressiva betrug. stellten fest. entweder eine Verminderung ihres sexuellen Verlangens oder eine verminderte Orgasmusfähigkeit oder beides erleben. Tatsächlich wurde Fluctin zur Behandlung von Ejaculatio praecox verschrieben. die 1994 eine Metaanalyse an zweiundvierzig Einzelstudien durchführten. mehr Samen. war annähernd gleich. doch die Ergebnisse sind nicht so deutlich. sprechen Patienten ihre sexuellen Probleme allerdings nur selten von sich aus an. Nach Aussage von Robert Segraves. Segraves und andere haben herausgefunden. Fluctin habe weniger Nebenwirkungen als ältere Antidepressiva.166 . es zur Behandlung von Pädophilen und anderen Menschen mit abweichendem Sexualverhalten in Erwägung zu ziehen. weniger als zwei Prozent der Teilnehmer an klinischen Studien mit Fluctin hätten von sexuellen Funktionsstörungen berichtet. daß Muscheln.50 Eli Lilly behauptet. daß die Abbruchsrate infolge von Nebenwirkungen 14. doch der Unterschied ist gering. Britische Forscher. die die Behandlung mit diesen beiden Wirkstoffklassen abschlössen.51 (Auf Muscheln übt Fluctin offenbar die gegenteilige Wirkung aus. wie es manche Kliniker erwartet haben mochten«. Im Jahr 1998 berichteten Forscher vom Gettysburg College in Pennsylvania.und Eizellen ausstießen. daß bis zu drei von vier Personen.Diese und andere Studien haben gewisse Belege für die weitverbreitete Annahme gefunden. die in mit dem Wirkstoff versetztes Wasser gelegt wurden.48 »Die Literatur erhärtet den klinischen Eindruck.)52 . und mindestens ein Psychiater hat vorgeschlagen. »Die Gesamtzahl der Patienten. daß die SSRI besser verträglich sind als die [tricyclischen Antidepressiva] . die Fluctin einnehmen. einem Psychiater an der Case-Western-Universität.

Peter Kramer kannte das Problem der sexuellen Funktionsstörungen durchaus. In Wirklichkeit haben Psychotherapien und Psychopharmaka laut einem 1995 in Professional Psychology erschienenen Bericht von David Antonuccio und Mitarbeitern von der Medizinischen Fakultät der Universität von Nevada in etwa die gleiche Wirksamkeit. daß »mehrere Metaanalysen. die sowohl in psychiatrischen als auch in psychologischen Fachzeitschriften publiziert wurden und die zahlreiche Studien mit Tausenden von Patienten berücksichtigten. daß die Patienten »eine entmutigende und sogar besorgniserregende Form der Impotenz«. weil ihnen das Medikament erlaube. auf Sex verzichten. tolerieren sie bereitwillig das Medikament trotz der Nebenwirkung sexueller Beeinträchtigungen. Er schrieb nachdenklich: »Hier herrschen seltsame Verhältnisse: Wird ein Medikament relativ gesunden Patienten verschrieben. hinnähmen. Antidepressiva stellten gegenüber nur Psychotherapie einen enormen Fortschritt in der Behandlung von Depressionen dar. mit bemerkenswerter Konsistenz die Annahme untermauern. »recht häufig« sexuelle Probleme beobachtet. Die Dodo-Hypothese .54 Die Forscher fanden heraus. Lust zu empfinden] klagen. die Fluctin einnahmen.53 In Kramers schöner neuer Welt kann man wohl. »die Vielfalt der Freuden im alltäglichen Leben besser zu erleben« . doch verbannte er es ins Kleingedruckte im Anhang seines Buches.167 . er und andere Psychiater hätten bei Patienten.« Er vermutete. wie sie durch Fluctin verursacht wird. daß Psychotherapien zur Behandlung von Depressionen mindestens genauso wirksam sind wie Medika. die meist über Anhedonie [Unfähigkeit. In einer Anmerkung räumte er ein. anders als in der von Aldous Huxley.Teil II Die wohl größte Legende in der Biopsychiatrie ist die Behauptung.

Imipramin. und jeder muß einen Preis bekommen« . die jemals durchgeführt wurden. die die Beziehungen eines Patienten zu anderen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Interpersonelle Therapeuten wiederum waren hoch erfreut darüber.« Anders gesagt. das sogenannte Treatment of Depression Collaborative Research Programm.kognitive Verhaltenstherapie. Dieses Fazit wird durch eine der methodisch sorgfältigsten Studien über Depression. sondern auch für die Psychopharmakologie. das Programm habe bestätigt.55 In anderen Publikationen beteuerten Anhänger der kognitiven Verhaltenstherapie. laut einer Studie sei Psychotherapie zur Behandlung von Depressionen genauso wirkungsvoll wie Medikamente.»Alle sind Sieger. diese erziele die besten Langzeitergebnisse und Imipramin langfristig die schlechtesten. Im Jahr 1986 verkündete eine Schlagzeile auf der Titelseite der New York Times. Das NIMH-Depressionsprogramm hält für praktisch jeden positive wie negative Nachrichten bereit.interpersonelle Therapie. daß ihr Verfahren bei schwerkranken Patienten . . plus »klinische Betreuung«. . daß Psychotherapien wirksam seien. bestätigt. behaupteten Psychologen. die Aussage des Dodo in Alice im Wunderland . . das Ende der siebziger Jahre vom National Institute of Mental Health (NIMH) initiiert wurde. der als eine Placebo-Psychotherapie dient.168 . ein kurzer wöchentlicher Besuch bei dem verschreibenden Arzt.eine Placebo-Tablette plus klinische Betreuung. An der Studie nahmen 239 depressive Patienten teil.gilt nicht nur für die Psychotherapie. Noch bevor die Ergebnisse 1989 veröffentlicht wurden. ein tricyclisches Antidepressivum. die sechzehn Wochen lang mit einer der vier folgenden Methoden in drei verschiedenen Kliniken behandelt wurden: .mente.

insbesondere diejenigen. die wichtigste Mitarbeiterin des NIMH-Projekts.«57 Sie wies darauf hin. waren bei Beendigung der Studie erstaunlich wenige signifikante Unterschiede zwischen den Schemata nachzuweisen. vollständig genesen und während der gesamten achtzehn. wenn sie von einem erfahrenen Therapeuten verabreicht werden.169 . Nach gewissen Ergebnissen sprachen die Patienten sogar auf das Placebo plus klinische Betreuung am besten an.56 Tatsächlich war das wichtigste Ergebnis des NIMH-Projektes. Ein »verblüffender« Befund. Auf der Grundlage dieses Befundes empfahl die American Psychiatrie Association im Jahr 1993. daß sich die vier Behandlungsschemata einschließlich des PLA-KB [Placebo plus klinische Betreuung] in ihrer Wirksamkeit unterscheiden«. Depressionen sollten zunächst mit Psychopharmaka behandelt werden. daß »derartige minimal unterstützende Therapien. so Elkin. daß es bei Patienten mit leichter Depression »keine Anhaltspunkte dafür gibt.der kognitiven Verhaltenstherapie überlegen war (wenn es auch nicht so gut wirkte wie Imipramin). die als »funktional gestört« bezeichnet wurden. Befürworter von Antidepressiva griffen die Tatsache auf. daß alle vier Behandlungsprotokolle annähernd gleich wirksam beziehungsweise wirkungslos waren. möglicherweise ausreichen. sei der »relativ geringe Prozentsatz von Patienten. die die Therapie durchhalten. unterzog dessen Ergebnisse für das Handbook of Psychotherapy and Behavior Change einer kritischen Würdigung. um eine erhebliche Verringerung der depressiven Symptomatik zu erreichen«. anfänglich besser auf Imipramin als auf beide Psychotherapieformen anzusprechen schienen. »Obgleich bei allen Therapieschemata signifikante Besserungen im Zustand [der Probanden] vor und nach der Behandlung vorkamen.58 Die Ergebnisse ließen den Schluß zu. Die Psychologin Irene Elkin von der Universität Chicago. daß eine Gruppe von Patienten mit schwerer Depression.

In den zwanziger Jahren bedrängte der prominente amerikanische Psychoanalytiker Harry Stack Sullivan seine Patienten. daß Psychotherapie plus Medikamente wirksamer sei als entweder Medikamente oder Psychotherapie allein. zwanzig Prozent bei Placebo plus klinischer Betreuung und neunzehn Prozent bei Imipramin.« Dieser kombinierte Ansatz ist nicht neu. sich bis zu zehn Tage vor Beginn der Therapie ständig mit Alkohol zu berauschen. daß er sich selbst »im Innersten als Psychotherapeut« fühle. daß Medikamente die Wirksamkeit von Gesprächstherapien verbessern könnten und umgekehrt.60 In der Zukunft. das von der gemeinnützigen Verbraucherorganisation Consumers Union publiziert wird. und die Psychopharmakologie in sich einschließen wird.59 Nur vierundzwanzig Prozent der Patienten waren am Ende des sechzehnwöchigen Behandlungszeitraums von ihrer Depression geheilt und blieben in den folgenden achtzehnten Monaten frei von stärkeren Symptomen. Der Autor von Glück auf Rezept sagte mir einmal.62 Bei dieser Erhebung wurden Leser nach ihren Erfahrungen mit Fachleuten für seelische Gesundheit gefragt. Der Prozentsatz der Patienten in den einzelnen Protokollen. wie sie gegenwärtig praktiziert wird. . Psychotherapie und Psychopharmaka wirkten in Kombination am besten. Viele psychiatrische Experten einschließlich Peter Kramer behaupten. deren Zustandsbesserung anhielt. Tatsächlich wurde sie durch eine großangelegte Meinungsumfrage widerlegt. ist empirisch nicht bestätigt.monatigen Nachuntersuchungsphase völlig symptomfrei bleiben«. die das Magazin Consumer Reports. im Herbst desselben Jahres. auf die viertausend Leser geantwortet hatten.170 . so Kramer. sechsundzwanzig Prozent bei der interpersonellen Therapie. »wird es eine Art Psychotherapie geben.61 Doch die Annahme. die die Psychotherapie. im Jahr 1995 durchführte. belief sich auf dreißig Prozent bei der kognitiven Therapie. Das Magazin veröffentlichte die Ergebnisse seiner Umfrage. der glaube.

Die Umfragebeantworter gaben auch annähernd das gleiche Maß an Zufriedenheit an. die den Fragebogen beantwortet hätten. Doch die Leser gaben auch an.63 Seligman räumte ein. um die Leistungsausschlüsse der Krankenversicherer für Gesprächstherapien zu kritisieren. erklärte Martin Seligman. die mit Gesprächstherapie und Psychopharmaka wie Fluctin behandelt worden waren. Psychologe an der Universität von Pennsylvania und ehemaliger Präsident der American Psychological Association. unabhängig davon. daß es Lesern. Abonnenten des Consumer Reports seien möglicherweise nicht repräsentativ. Andererseits bestätigte die Umfrage auch die Dodo-Hypothese und die sich daraus ergebende Konsequenz. daß sämtliche Therapien gleich effizient beziehungsweise ineffizient sind. ihre Psychotherapie habe ihnen geholfen. daß sie mit den Anonymen . Auch die Psychologen freuten sich.Die Umfrage war Balsam für die Seele der Gesprächstherapeuten. dieses Ergebnis spiegele eventuell die »Therapiesucht« gewisser Patienten. um so besser hätten sie sich gefühlt. Psychologen oder Psychiatern behandelt wurden. diese Unzulänglichkeiten seien nicht gravierender als diejenigen von streng wissenschaftlichen Vergleichsstudien. ob sie von Sozialarbeitern. Einige Kritiker wandten ein. im Dezember 1995 in der Zeitschrift American Psychologist. so versicherte er. und dies gelte noch mehr für diejenigen. und je länger sie in therapeutischer Behandlung geblieben seien. Die meisten Leser schrieben.171 . Die Umfrage von Consumer Reports »hat die Wirksamkeit der Psychotherapie empirisch bestätigt«. besser zu gehen schien als denjenigen. Dennoch griff die American Psychological Association sogleich die Ergebnisse der Umfrage von Consumer Reports auf. Doch. daß die Umfrage einige methodische Schwächen habe. Nur Eheberater schnitten unterdurchschnittlich ab. die nur psychotherapeutisch behandelt worden waren. zudem habe es keine Kontrollgruppe gegeben.

sich einer »höheren Macht« zu unterwerfen. daß »intrinsische Religiosität« der zuverlässigste Prognosefaktor für die Genesung von Depression sowohl in der behandelten als auch in der unbehandelten Gruppe sei. beide Psychologen am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Staatsuniversität von New York in Syracuse. das ich im zweiten Kapitel erörterte. Antidepressiva oder einer Kombination von beidem behandelt. daß sie ihre Mitglieder ermahnen. gehören zu den hartnäckigsten Kritikern der Psychopharmakologie. daß eine psychotherapeutische Behandlung. Nach Auswertung von Doppelblindstudien über Antidepressiva aus den letzten dreißig Jahren sind sie zu dem Schluß gelangt.64 Etwa die Hälfte der Patienten wurde mit Psychotherapie. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür. die Wirksamkeit von Antidepressiva übersteige die . Antidepressiva oder eine Kombinationstherapie eine nennenswerte Besserung des psychischen Zustands der Patienten herbeigeführt hätten. Forscher der Duke-Universität haben die therapeutische Wirksamkeit von Religiosität in einer neueren Studie an siehenundachtzig depressiven Männern und Frauen im Alter von mindestens sechzig Jahren bestätigt.Alkoholikern zufriedener waren als mit sämtlichen Fachleuten für seelische Gesundheit oder mit Medikamenten. Der Erfolg der Anonymen Alkoholiker mag darauf zurückzuführen sein.65 (Greenberg und Fisher sind auch die Autoren des Buches Freud Scientifically Reappraised. daß die Wirksamkeit von Psychopharmaka weit überschätzt werde.172 .) Sie erklären in The Limits of Biological Treatments for Psychological Distress und From Placebo to Panacea sowie in zahlreichen Artikeln. Vom Placebo zum Allheilmittel Roger Greenberg und Seymour Fisher. Die Forscher berichteten.

Es gibt weitere Faktoren. die die Ergebnisse verzerren können. Daher sind die Probanden. gesteigerte Schweißabsonderung. letztere schätzen die Wirksamkeit im allgemeinen niedriger ein. dies löse eine Besserungserwartung aus. Antidepressiva seien wirksamer. Verstopfung und sexuelle Funktionsstörungen. die Probanden für eine Studie rekrutieren. dies entsprach dem Betrag. Zudem schließen Studienleiter.173 . die Placebos einnahmen. oftmals solche Personen aus. Doch selbst diese Zahl ist laut Greenberg und Fisher mit Vorsicht zu genießen. Alle Antidepressiva haben normalerweise Nebenwirkungen wie etwa Mundtrockenheit. daß »die gängigen Behauptungen. Deshalb könnten sowohl Patienten als auch Ärzte oftmals herausfinden. oder wegen sonstiger Probleme. die sprachlich unbeholfen oder unklar sind oder deren Depression mit anderen organischen oder psychischen Leiden einhergeht.66 Aus all diesen Befunden folge. stellten sie fest. um den die Besserungsrate von Patienten. so Greenberg und Fisher. da viele scheinbare Doppelblindstudien über Medikamente in Wirklichkeit mit einem systematischen Fehler zugunsten eines positiven Wirksamkeitsnachweises behaftet seien. wer die wirksame Substanz bekomme. wegen ihrer mangelnden Bereitschaft. stark . So scheiden beispielsweise viele Patienten im Lauf einer Studie aus. sei es wegen unangenehmer Nebenwirkungen. nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. die Antidepressiva einnahmen. daß Antidepressiva keinen über den Placebo-Effekt hinausgehenden Nutzen zeigen. Als Greenberg und Fisher bei der Auswertung von zweiundzwanzig Studien allein die Patientenbeurteilungen heranzogen. über der Besserungsrate von Patienten lag. Außerdem basieren die meisten Bewertungen der therapeutischen Wirksamkeit in erster Linie auf dem Urteil der Kliniker und nicht auf dem der Patienten.von Placebo-Tabletten nur um einundzwanzig Prozent. die von selbst in Erfüllung gehe. sich an das Studienprotokoll zu halten. die klinische Studien abschließen.

wer Lithium erhielt und wer ein Placebo. ist nicht zweifelsfrei erwiesen. die Lithium einnahmen.68 Doch der Psychiater Frederick Goodwin und die Psychologin Kay Jamison gaben in einer kritischen Bestandsaufnahme im Jahr 1990 bescheidenere Zahlen an: Sechsundsechzig Prozent der Probanden. das als »Wundermittel« und »magische Pille« gegen manischdepressive Psychosen angepriesen wurde. sich mit den Nebenwirkungen von Lithium. die bereits positiv auf den Wirkstoff angesprochen hatten. über die in der Fachliteratur berichtet wird.174 . wie etwa emotionaler Verflachung. bezogen nur Patienten ein. Anfängliche Berichte über Lithium. die leitenden Ärzte wußten. gab dieser Bestätigung eine besondere Bedeutung.)70 Laut Greenberg und Fisher sind einige der von Goodwin und Jamison ausgewerteten Studien methodisch fehlerhaft.überzogen sind [.. daß Jamison selbst an manisch-depressiver Krankheit leidet. hatten keine manischen oder depressiven Anfälle im Vergleich zu neunzehn Prozent der Personen in der Kontrollgruppe. Ironischerweise enthüllte ihr persönlicher Erfahrungsbericht An Unquiet Mind ihre Sehnsucht nach den manischen Phasen und ihren Kampf. Neuere Untersuchungen über Lithium zeigten eine gegenüber einem Placebo geringfügig oder auch gar nicht erhöhte . die Studien.71 Einige waren nicht doppelblind. Andere Untersuchungen schlössen nur Patienten ein.] selbst die geringfügig höhere Wirksamkeit von Antidepressiva im Vergleich zum Placebo-Effekt.69 (Die Tatsache.«67 Greenberg und Fisher bezweifelten auch die Wirksamkeit von Medikamenten zur Behandlung schwerwiegenderer psychischer Erkrankungen. deren Erkrankung zuvor mit Lithium »stabilisiert« worden war.. Leseschwierigkeiten und gestörter motorischer Koordinierung. das heißt. die die Wirksamkeit von Lithium nachweisen sollten. abzufinden. führten Heilungsraten von bis zu neunzig Prozent an.

Doch einem führenden Lehrbuch der Psychiatrie zufolge »können nach einer plausiblen Schätzung zwischen zwanzig und dreißig Prozent der Schizophrenen. Greenberg und Fisher kommentierten: Die Geschichte der Erforschung des Lithiums folgt einem vertrauten Muster. daß es Patienten schwerfällt. worauf verstärkte Anstrengungen unternommen werden. die die Größe des Unterschieds zwischen aktivem Wirkstoff und Placebo immer vorsichtiger einschätzen.73 Wie Lithium wurden auch Chlorpromazin und verwandte Präparate zur Behandlung von Schizophrenie oft zunächst als Heilmittel angepriesen. die zur Behandlung von Schizophrenie und Epilepsie eingesetzt werden. was die vormalige Wunderpille nicht mehr leistet. dann folgen Berichte. mit den Nebenwirkungen von Lithium zurechtzukommen. schließlich wächst die Unzufriedenheit der Kliniker mit den Ergebnissen im medizinischen Alltag.«72 Tatsächlich versuchen Psychiater in zunehmendem Maße manisch-depressive Psychosen mit alternativen Medikamenten zu behandeln.175 .Wirksamkeit. die Medikamente einnehmen. Ein 1995 im British Journal of Psychiatry erschienener Übersichtsartikel zog folgendes Fazit: »Nach eingehender Prüfung der vorliegenden empirischen Daten deutet leider vieles darauf hin. ein relativ normales Leben führen. das man sich erhofft hatte. der mit überzogenen ersten Erfolgen beginnt (die durch Enthusiasmus und Schwachstellen in der Doppelblindkonzeption gefördert werden). Auch hier gibt es einen Kreislauf. Aus Langzeitstudien geht hervor. die das ausgleichen sollen. alternative Behandlungsmethoden zu finden. insbesondere solchen. Etwa zwanzig bis dreißig Prozent der Patienten leiden weiter. daß Lithium nicht das erfolgreiche prophylaktische Mittel ist. Daher sollten die Psychiater den gegenwärtigen Konsens hinsichtlich der Langzeitbehandlung der manisch-depressiven Krankheit neu bewerten. etwa zwei Drittel brechen die Einnahme ab.

die wegen »Nervenzusammenbrüchen« mehrmals ins Krankenhaus eingeliefert worden war. antipsychotische Medikamente Neuroleptika zu nennen. die im allgemeinen nicht reversibel ist. sie verfallen in unwillkürliches. und sie schien unentwegt etwas zu kauen. Laut Auskunft des National Institute of Mental Health entwickelt sich bei bis zu vierzig Prozent der Patienten. sich wiederholendes Zucken und Zittern. Extrapyramidale Wirkungen verschwinden in der Regel. eine Spätdyskinesie. Es waren unter anderem diese Nebenwirkungen. wonach neuere Neuroleptika weder extrapyramidale Wirkungen noch Spätdyskinesien auslösen. Erst als ich über zehn Jahre später vom Krankheitsbild der Spätdyskinesie hörte.die Mutter eines Freundes -. was wörtlich »Hirnkrampfanfall« bedeutet. die Psychiater dazu veranlaßten. Ihre Hände waren klauenartig gekrümmt. Die Bewegungsabläufe und der Gesichtsausdruck der Parkinson-Kranken wirken steif und rigide. daß diese Symptome vermutlich eine Nebenwirkung ihrer Medikamente waren. Ich beobachtete dieses Syndrom erstmals Mitte der siebziger Jahre. erkannte ich. die sogenannte Dyskinesia tarda (Spätdyskinesie). die Neuroleptika einnehmen. Doch die langfristige Einnahme von Neuroleptika kann eine schwerwiegendere Nebenwirkung auslösen. Ihre Lippen waren ständig geschürzt. und vierzig bis sechzig Prozent müssen lebenslang erhebliche Störungen in Kauf nehmen. Sie schien sich ihres Verhaltens deutlich bewußt zu sein.176 . und es war ihr unverkennbar peinlich .vielleicht war dies der Grund dafür.hin an milden Symptomen.75 Behauptungen. wenn der Patient das Medikament absetzt. sind . und sie strich wiederholt mit ihren Fingerspitzen über ihre Handinnenflächen.«74 Zudem haben Chlorpromazin und andere Antipsychotika oftmals extrapyramidale Nebenwirkungen. daß sie soviel Zeit in ihrem Schlafzimmer verbrachte. als ich eine Frau mittleren Alters kennenlernte . die den Symptomen des Parkinson-Syndroms gleichen.

aber keine Agranulozytose verursache. Dennoch war Risperidon bereits im Jahr 1996 das meistverschriebene Antipsychotikum in den Vereinigten Staaten. Auch 1996 brachte Eli Lilly Olanzapin auf den (US-amerikanischen) Markt.77 Doch binnen eines Jahres tauchten erste Berichte über Nebenwirkungen . Etwas Ähnliches geschah bei dem Präparat Leponex (Clozapin).darunter auch Spätdyskinesie .möglicherweise überzogen. das nicht bloß extrapyramidale Nebenwirkungen und Spätdyskinesie verursacht . . sondern auch Krampfanfälle und eine potentiell tödliche Erkrankung namens Agranulozytose (starke Verminderung der Granulozyten). dem persönlichen Bedürfnis nach Wandel oder Besserung und dem zusätzlichen Element. es habe nicht mehr extrapyramidale Effekte als die Placebos ausgelöst.in der medizinischen Fachliteratur auf. daß man von kompetenter Seite in der Hoffnung bestätigt wird. daß psychotrope Substanzen wirkungslos sind? Nein. hieß es in den Werbeanzeigen. das angeblich genauso wirksam sei wie Clozapin.177 .76 Als Johnson & Johnson 1994 das Antipsychotikum Risperdal (Risperidon) auf den Markt brachte. das ist nicht unsere Botschaft.«78 Placebos zur Behandlung von Depressionen Am Ende ihres Buches From Placebo to Panacea faßten Greenberg und Fisher ihre Einstellung zu Psychopharmaka folgendermaßen zusammen: »Behaupten wir.wenn auch mit geringerer Häufigkeit als Neuroleptika wie Chlorpromazin -. Der komplexe Zusammenhang zwischen der Einnahme einer Substanz. ob es sich um einen wirklichen Fortschritt oder bloß einen weiteren trügerischen Hoffnungsschimmer handelt. die offenkundig ›arzneiähnliche‹ physiologische Wirkungen auslöst. Dazu meinte ein führender Neuroleptikaexperte: »Wir können heute noch nicht sagen.

so Brown. heißt es gewöhnlich. daß die Erwartungen der Patienten sehr reale. Doch ihre Behauptung. Er zitierte eine Studie. der Placebo-Effekt erkläre möglicherweise einen Großteil der therapeutischen Wirksamkeit von Medikamenten für psychische Störungen. Als man den Patienten sagte. die keine Medikamente verschreiben dürfen. verengten sich ihre Atemwege. und ihre Atembeschwerden verstärkten sich. die ihr Asthma verschlimmern könnten. der PlaceboEffekt erklärt möglicherweise einen Großteil. es enthalte eine Asthmamedikament. die Krankheit sei wohl nur eingebildet gewesen. wurde von Walter A. meßbare Wirkungen hätten.«80 Doch Forschungen hätten immer wieder gezeigt. atmeten die Patienten leichter. .daß es jetzt eine gute Chance für Veränderungen gibt . In ihrem Buch Freud Scientifically Reappraised und andernorts schienen sie von der Psychoanalyse und Psychotherapien nicht die gleichen hohen Wirksamkeitsnachweise zu fordern wie von Medikamenten. Natürlich hatten Greenberg und Fisher als Psychologen. bestätigt.178 .all dies bietet einen Anknüpfungspunkt für die Ingangsetzung eines therapeutischen Prozesses. Brown. einem Psychiater an der Brown-Universität und anerkannten Experten auf dem Gebiet der Placebo-Effekt-Forschung.«79 Anders gesagt. wenn nicht die Gesamtheit der vorteilhaften Wirkungen von Psychopharmaka. Behauptete man dagegen. möglicherweise eine implizite Präferenz für Psychotherapien und Psychoanalyse und waren gegenüber einer medikamentösen Behandlung negativ voreingenommen. Wenn ein Placebo Besserung bringt. bei der Asthmatiker lediglich fein zerstäubte Salzlösung inhalierten. Brown räumte in einem Beitrag in Spektrum der Wissenschaft vom März 1998 ein: »Die Assoziation [des Wortes Placebo] mit Täuschung und Unechtsein spiegelt das Stigma nur zu gut. das Aerosol enthalte Allergene.

82 Brown stellte sich die Vorgehensweise eines Arztes. die Pillen seien Placebos . doch die Forschungen von Fisher.179 . Vier der vierzehn Patienten hätten den Forschern gesagt. daß Patienten auch auf ein Placebo ansprächen. hätten die Befrager festgestellt. wenn sie wüßten. das Placebo sei das wirksamste Präparat. die geglaubt hatten. müßten Ärzte ihren Patienten nicht einmal über dessen eigentliche pharmakologische Wirkungslosigkeit täuschen. folgendermaßen vor: . die Pillen enthielten in Wahrheit einen aktiven Wirkstoff.81 Brown meinte. Es gebe gewisse Hinweise dafür. daß sechs von ihnen überzeugt davon gewesen seien.während der einwöchigen »Behandlung« positiv darauf angesprochen.Im Jahr 1994 machte Brown in Neuropharmacology einen verblüffenden Vorschlag: Ärzte sollten erwägen. ihre Verordnung erfordere auch kein so umfassendes Fachwissen. In einer 1965 durchgeführten Studie an vierzehn depressiven Patienten hätten alle eine Woche lang Placebo-Pillen erhalten. der einem Patienten eine Placebo-Behandlung empfiehlt. daß es sich um ein Leerpräparat handle. Der Hauptvorteil von Placebos. daß sie billiger seien als pharmakologisch aktive Substanzen oder Psychotherapie. die Pillen bestünden aus einer pharmakologisch wirkungslosen Substanz. Damit ein Placebo Wirkung zeige.sogar diejenigen. das ihnen je verordnet worden sei. Greenberg und anderen überzeugten ihn davon. daß Scheinpräparate bei vielen Depressiven genauso wirksam sein könnten wie Antidepressiva oder Psychotherapie. behauptete Brown. fünf hatten das Scheinmittel nach Abschluß der Studien weiterhin einnehmen wollen. als Erstbehandlung für viele Fälle von Depression Placebos zu verschreiben. bei schwerer Depression sollten weiterhin Antidepressiva verordnet werden. so Brown. Unglaublicherweise hätten alle vierzehn Probanden . liege darin. Obgleich allen Probanden gesagt wurde.

daß der Vorschlag »denen in die Hände arbeitet. Auch sie hilft vielen Menschen mit Ihrer Erkrankung.180 . Sie nehmen dabei eine dieser Pillen zweimal täglich ein. möglicherweise regen sie die Selbstheilungskräfte des Körpers an. daß sich der Körper selbst heilen kann. wie es Ihnen geht. Psychiater an der Columbia-Universität. selbst aus. zieht sich wie ein roter Faden durch die alternative Medizin. Wir wissen jedoch. wenn der erste mit Placebo behandelte Patient aus dem Fenster springt und sein Bruder. wie sie wirken. ist in der Vergangenheit entweder mit Antidepressiva oder mit Psychotherapie. berechnende Manipulatoren ansehen.84 Ein anderer Psychiater fragte: »Werden sich Kollegen erheben. Donald Klein. all jenen ein . ein Rechtsanwalt. monierte. und zwar einer Gesprächstherapie. Diese beiden Behandlungsmethoden sind noch immer weithin üblich und stellen Optionen für Sie dar. um praktische Ärzte zu verteidigen. die Form von Depression. behandelt worden. deren pharmakologische Wirkung nicht erwiesen sei. die Psychiater als gerissene. an der Sie leiden. um uns zu sagen. und außerdem kommen Sie alle zwei Wochen in die Praxis. antwortete Brown. die billiger für Sie ist und zudem weniger Nebenwirkungen erwarten läßt. Es gibt jedoch noch eine dritte Form der Behandlung. Dieser Glaube wird durch die Verordnung einer Placebo-Behandlung bestätigt. Wenn Sie sich nach sechs Wochen nicht besser fühlen.Herr Jones. Und obgleich ein Heilverfahren. Wir wissen nicht genau.83 Einige Psychiater reagierten entsetzt auf Browns Vorschlag. »Die Überzeugung. dessen Wirkungsmechanismus im dunkeln liegt. daß sich Ihr Zustand mit dieser Behandlung mit hoher Wahrscheinlichkeit bessern wird. Diese Pillen enthalten keinen pharmakologischen Wirkstoff. können wir eine der anderen Therapien ausprobieren. die die Leichtgläubigkeit ihrer Patienten ausnutzen«. viele Menschen suchten sich bereits ihre Placebo-Behandlungen in Form von homöopathischen Präparaten und alternativen Heilmitteln. Klage einreicht?«85 Ob es einem gefalle oder nicht.

Bei den Patienten müssen andere Behandlungsmethoden versagt haben. die auf andere Therapien nicht ansprechen. sondern sogar verlockend sein. benutzen Chirurgen eine Variante der Lobotomie. . der das Stirnhirn. Die eine ist die Lobotomie. manisch-depressive Erkrankungen. Am Massachusetts General Hospital. der sogenannte Gyrus cinguli. Depressionen und sogar die Abhängigkeit von psychotropen Substanzen zu behandeln. Panikstörungen. die Lobotomie sei lange nicht so übel wie ihr Ruf. den Sitz der höheren kognitiven Funktionen.181 . In seinem 1998 erschienenen Buch Last Resort behauptete der Wissenschaftshistoriker Jack Pressman.87 Tatsächlich wird die Psychochirurgie gelegentlich noch immer bei Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen eingesetzt. Die Renaissance der Elektroschocktherapie Ein vielsagendes Symbol für die Grenzen der Wirksamkeit von Psychopharmaka ist das Fortbestehen zweier berüchtigter Behandlungsmethoden. die rationale Therapien anstreben. mit dem limbischen System verbindet.für viele unserer Patienten nicht nur tolerierbar. Bei der Zingulotomie wird ein murmelgroßes Nervenbündel. durchtrennt. wenn man die begrenzte Wirksamkeit sämtlicher psychiatrischer Behandlungsverfahren bedenke. das der Medizinischen Fakultät der Harvard-Universität angeschlossen ist und das eine der renommiertesten Kliniken der Welt ist. daß bei manchen Patienten wissenschaftlich nicht gesicherte Therapien die besten Erfolge erzielten. um Zwangsstörungen. das emotionale Reaktionen steuert. mag gerade dieses Geheimnis – und diese Magie . und sie müssen ihr Einverständnis mit der Zingulotomie erklärt haben.«86 Schon Jerome Frank hatte in Persuasion and Healing darauf hingewiesen.Greuel sein mag. die sogenannte bilaterale stereotaktische Zingulotomie.

»behaupten manche. Der Einsatz der Zingulotomie. so Vertosick. Er nahm Anstoß daran.88 Die Psychochirurgen am Massachusetts General Hospital haben versucht. keine öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. daß sich bei einem Drittel von vierunddreißig Patienten nach einer Zingulotomie die Symptome gebessert hätten. ebenso kritikwürdig ist. »ist wissenschaftlich ebenso unzureichend abgesichert« wie die primitiveren Lobotomien. Im Jahr 1996 berichtete die Gruppe in Neurosurgery. die sie in den Schädel gebohrt hatten. sondern den Patienten in den Griff kriegen möchte«. brachte der Neurochirurg Frank Vertosick seine zwiespältige Haltung zum Programm des Massachusetts General Hospital zum Ausdruck. was ihnen weitgehend gelungen ist (obgleich sie eine Web-site haben). die Elektroden verkochen das Gewebe in ihrer unmittelbaren Nähe durch Stromstöße. zerstören sie das Gewebe sehr viel schonender als bei älteren Methoden. daß in die Bewertung der Wirksamkeit des Verfahrens ausschließlich das Urteil der Forscher und nicht das der Patienten eingeflossen sei. das sich . Doch in seinem Beitrag »Lobotomy's Back«. sondern sie lediglich davon abhalten. uns zu belästigen«. Andererseits. daß die Psychochirurgie »nicht die Krankheit. wie wir gegenwärtig psychotrope Arzneimittel einsetzen. so daß keine Löcher mehr in den Schädel gebohrt werden müssen.182 . fügte er hinzu.Anfangs führten die Psychochirurgen computergelenkte Elektroden durch Löcher. Vertosick äußerte auch die Sorge. Das zweite umstrittene Behandlungsverfahren. die Walter Freeman vor Jahrzehnten durchgeführt hatte. daß die Art und Weise. Wenn mehrere Gammastrahlenbündel an einer Stelle innerhalb des Gehirns zusammentreffen. ins Gehirn ein. Die Chirurgen verfolgten das Vordringen der Sonden an einem Kernspintomographen. der 1997 in Discover erschien. insofern wir den Zustand der Patienten nicht bessern. In jüngster Zeit hat die Gruppe am Massachusetts General Hospital dieses Gerät durch Gammastrahlenbündel ersetzt.

Ein Mann im Arztkittel war aus einem Fenster geworfen worden und stürzte in den Tod. den Ruf der Elektroschocktherapie wiederherzustellen. um ihr den Todesstoß zu versetzen. der mit dazu beigetragen hat. elegant gekleideter Mann mit graumeliertem Schnurrbart und wachsamem Blick. daß die meisten Menschen die EST.ungeachtet der vermeintlichen Revolution in der Psychopharmakologie behauptet und sogar an Einfluß gewonnen hat.ims Büro fiel mir eine Karikatur auf. ist die Elektroschocktherapie. ist Harold Sackheim. das die Aufschrift trug »Institut zur Erforschung von emotionalem Streß«. Ein Forscher. ein Psychologe an der Columbia-Universität. In einer Wortblase. Sackheim arbeitet am New York Psychiatrie Institute. war ihr Ruf an einem Tiefpunkt angelangt. an dem auch der Neurowissenschaftler Eric Kandel tätig ist. Unmittelbar vor Sackhe. die von einer unsichtbaren Person innerhalb des Gebäudes stammte. daß eine andere Behandlungsform der EST im kurzfristigen Eingreifen bei schwerer Depression überlegen sei. Als er Ende der siebziger Jahre mit der Erforschung der EST begann. wie er sich immer wieder ausdrückte. »schrecklich« fänden. schien er ständig meine Reaktion auf seine Worte abzuschätzen .« Sackheim ist ein schlanker.183 . daß nicht viel gefehlt hätte. Das Risiko des Verfahrens »unterscheidet sich nicht von demjenigen.90 Im Jahr 1990 befürwortete die American . »war die EST in Amerika so sehr in Verruf geraten. sagte er. Die Karikatur zeigte ein großes Gebäude. stand: »Jetzt geht's mir schon besser. »Soziologisch gesehen«. daß keine einzige kontrollierte Studie nachgewiesen habe. die an einer Anschlagtafel neben der Tür hing.89 Als er mir eine Einführung in die Elektroschocktherapie (E ST) gab.zweifellos weil ihm bewußt war. das mit dem Einsatz kurzwirkender Anästhetika verbunden ist«.« Im Jahr 1985 veranstalteten die National Institutes of Health jedoch eine Konferenz zum Thema »EST« und gelangten zu dem Fazit.

sehr viel niedriger. von Mensch zu Mensch stark – um den Faktor fünfzig . wie man am Beispiel der Spätdyskinesie sehe. »Aber das löst keinen öffentlichen Aufschrei der Empörung aus. die von dieser Nebenwirkung betroffen seien. manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie. daß jährlich etwa 100000 Patienten in den Vereinigten Staaten und eine Million Patienten weltweit mit dem Verfahren behandelt würden. Sackheim schätzte. Insbesondere in den Vereinigten Staaten. Um die optimale Dosis für jeden Patienten festzulegen.« Obgleich die EST »zu schwerem. beginnt Sackheims Gruppe mit schwachem Strom. der Jahre zurückreicht. die am Abend des Tages. die erforderlich ist. so sei ihre Renaissance durch die Tatsache gefördert worden.schwankt. die unter anderem von Sackheims Gruppe entwickelt wurden. sei die Zahl der Patienten. »Ich hatte Patienten. Großbritannien und Skandinavien erfreute sich die Elektroschocktherapie in den letzten zehn Jahren wachsender Beliebtheit. Aufgrund von Verbesserungen. meinte Sackheim. an dem sie behandelt wurden. Schließlich könnten Antipsychotika wie etwa Chlorpromazin Hirnschäden und bleibende Entstellungen verursachen. Zu seinen Patienten gehörten auch »Fernsehstars«.184 .Psychiatric Association den Einsatz der Elektroschocktherapie zur Behandlung von Depression. führen kann«. dessen Stärke allmählich gesteigert wird. daß man in zunehmendem Maße die negativen Nebenwirkungen von Medikamenten erkannt habe. So wie die Entwicklung von Psychopharmaka einst zum Niedergang der Schocktherapie beigetragen habe. daß die Stromstärke. sagte Sackheim. um einen Krampfanfall auszulösen. meinte Sackheim.91 Er und seine Kollegen haben gezeigt. erholen sich Patienten zudem schneller von einer EST-Behandlung und leiden unter weniger Nebenwirkungen. ausgedehntem Gedächtnisverlust. Die Anordnung der Elektroden kann von entscheidender Be. als die Gegner der EST behauptet hätten. fügte er hinzu. am Broadway auftraten«.

nach der Behandlung nimmt die Aktivität der Nervenzellen ab. die Schockbehandlung befriedige den unbewußten Wunsch von Patienten nach strenger Bestrafung. um das Gehirn dazu zu bringen. um bei einem Menschen Krampfanfälle auszulösen. von Sitzung zu Sitzung enorm zu. sagte Sackheim. andere. dem eine EST verabreicht wurde. die erforderlich sei. wenn beide Hälften unter Strom gesetzt werden. Wird Gehirn-RückenmarkFlüssigkeit (Liquor cerebrospinalis) eines Säugetiers. grinste er breit. wenn der Strom nur auf eine Hälfte des Gehirns geleitet wird. erhöht sich deren Anfallschwelle.185 .« . Die paradox anmutende Erklärung lautet. daß der Krampfanfall. Die EST übe eine beruhigende Wirkung auf das Gehirn aus. »Gott weiß. »Wir lösen einen Krampfanfall aus. Sackheim verglich die Schockbehandlung mit dem Treten des Gaspedals eines Autos. Außerdem nehme die Stromstärke. der durch Schockbehandlungen ausgelöst wird. antwortete er. der durch einen starken akuten Anfall gelindert werden könne. Die durchschnittliche Dauer einer Elektroschocktherapie umfaßt acht bis neun Behandlungssitzungen.« Diese Erklärung sei »vermutlich gegenwärtig die herrschende Theorie«. einen Krampfanfall einzustellen. Die Therapie habe »nachhaltig krampfverhindernde Wirkungen«. ob sie richtig ist. innere Krampfschutzmechanismen des Gehirns aktiviere.deutung sein. Einige Psychoanalytiker hätten behauptet. Es gebe mindestens hundert solcher Theorien. ebenso der Glukosestoffwechsel und die Durchblutung.92 Dann trug er mir das aktuelle »Kredo der Columbia-Universität« vor. wodurch der im Leerlauf arbeitende Motoren zu schnell auf Touren gebracht werde. die auf ungefähr drei Wochen verteilt werden. Seiner Auffassung nach sei die Depression ein milder Daueranfall. ob es eine Theorie über den Wirkungsmechanismus der EST gebe. einige Patienten sprechen am besten an. fuhr Sackheim fort. anderen Tieren gespritzt. Als ich Sackheim fragte.

befestigen Elektroden an seinen Schläfen und verpassen ihm bei vollem Bewußtsein eine Schockbehandlung.« . schreienden McMurphy auf einen Untersuchungstisch. Technikern. um der Behandlung von Patienten im Psychiatrie Institute beizuwohnen. der von Jack Nicholson gespielt wird.93 Als wir in einem Aufzug von seinem Büro nach unten in die Klinik fuhren. die sich hier über die EST informieren wollten. Mitch Nobler. diesmal. geisteskrank. wird er später durch eine Lobotomie in einen frechen Zombie mit ausdruckslosen Augen verwandelt. gelangten wir in einen kleinen L-förmigen Raum. Der erste Patient. meinte Sackman: »Das wird vermutlich ziemlich enttäuschend für Sie werden. anderen elektronischen Geräten und Menschen: Pflegepersonal. der einen blaßgrünen OP-Kittel trug. einem Anästhesisten. einem Psychiater und zwei Medizinstudenten. der einen weißen Arztkittel trug. McMurphy. ein älterer Herr. erwiderte er amüsiert. In dem Film aus dem Jahr 1975 stellt sich Randall P. schnallen dessen Kollegen den um sich schlagenden. Sackheim sah den Film als Student bei seinem ersten Rendezvous mit seiner späteren Frau.»Nicht wie in Einer flog übers Kuckucksnest?« fragte ich. einem adretten jungen Mann. stand neben einer Untersuchungsliege und sprach leise mit dem Psychiater. »Nein«. Nachdem wir durch eine Tür mit der Aufschrift »ESTAbteilung« gegangen waren. Nachdem er einen sadistischen Pfleger angegriffen hat. der vollgestopft war mit Computermonitoren. um nicht ins Gefängnis zu kommen. .In der EST-Abteilung Einige Wochen nach meinem ersten Interview mit Sackheim hatte ich eine weitere Verabredung mit ihm.186 . Obgleich McMurphy diese Behandlung ohne Beeinträchtigung seiner mentalen Fähigkeiten übersteht. er wird statt dessen in eine Nervenheilanstalt eingewiesen.

der Psychiater. Als Sackheim zu mir zurückkam. wie mir Sackheim mitteilte . Ich hörte. und seine Muskulatur erschlaffte. zeigte sanfte Wellen. die mit einem intravenösen Arzneimittelzuführsystem verbunden war. Der Körper des Patienten wurde starr.legte sich auf die Liege. die in spitze Zackenkurven übergingen. und er zitterte. ihm folgte eine kleine Frau mit kurzem braunem Haar. Der Anästhesist stach eine Nadel. Sackheim erklärte mir. Der Krampfanfall dauerte achtunddreißig Sekunden und endete dann abrupt. Sie sei ins Institute aufgenommen wor. und hielt sie an die Schläfe des Patienten. Sackheim redete ihr freundlich zu. die ebenfalls einen OP-Kittel trug.187 . die Patienten wachten heute binnen Minuten aus der Narkose auf. der aus einem Elektroenzephalographen herauskam. Nobler. Sackheim ging zu dem Patienten und begrüßte ihn herzlich. sein Rücken krümmte sich leicht. in dem sich die Patienten erholen. das einem Fahrradlenker glich und an einem Ende eine Metallscheibe aufwies. der ein ambulanter Patient sei und bald nach Hause gehen könne. ergriff ein Gerät. Unterdessen schob ein anderer Pfleger eine weitere Liege in den Behandlungsraum. Sie legte sich auf die Liege. auf die er mit leiser. wie ihm jemand Fragen stellte. während ein Techniker sie auf die Behandlung vorbereitete. anders als der ältere Mann. undeutlicher Stimme antwortete.ein Naturwissenschaftler. Der Papierstreifen. erst nach Stunden. sagte er mir. worauf dieser nickte. Eine Krankenschwester breitete eine weiße Decke über ihn und schob einen Gummikeil in seinen Mund. Eine Pflegerin schob den Mann auf der Liege in einen angrenzenden Raum. Innerhalb von Minuten stöhnte und bewegte sich der Mann auf der Untersuchungsliege. wie es bei älteren Betäubungsmitteln üblich war. in eine Armvene des Mannes.Der Patient . stationär behandelt werde. Die Pieptöne eines Elektrokardiographen beschleunigten sich. Innerhalb von Sekunden schloß er die Augen. daß die Frau. Man hörte ein kurzes Brummen. nicht mehr.

Sie drehte sich auf die Seite. doch ihre Furcht lege sich mit der Zeit. (Für den älteren Herrn war es das sechste Mal gewesen. Sackheim. sagte mir.) Nachdem die Frau in Narkose versetzt worden war. flüsterte er mir zu. der bereits behandelt worden war. Der erste Patient. Ihre Augen blieben geschlossen. daß sich viele Patienten vor den ersten Behandlungen fürchteten. Der große Zeh der Frau. der neben mir stand. Als ich Sackheim fragte. Als der Assistent die Schläfen der Frau mit einem elektrisch leitenden Gel einrieb. mit dem seine kognitiven Funktionen überprüft werden sollten. daß man ihn nur verschwommen sehen konnte. hielt der Psychiater zwei Elektroden an ihre Schläfen. der aus dem Leintuch hervorschaute. ob er wisse. während eine Krankenschwester mit sanfter Stimme zu ihr sprach. Ihre Zunge hing leicht aus ihrem halb geöffneten Mund heraus. Der Krampfanfall dauerte zweiundvierzig Sekunden. der ältere Herr. Eine Krankenschwester fragte die Patientin: »Können Sie mir Ihren Familiennamen sagen?« Die Frau murmelte ihren Vornamen. lag in einer halbfötalen Haltung auf der Seite. wo er sich befinde. Als ihn ein Techniker fragte. stammelte der Patient hinter dem Vorhang unzusammenhängende .188 . bevor Sackheim und ich eingetroffen waren. saß auf seiner Liege und füllte einen Fragebogen aus. ob die Behandlung schon begonnen habe. deutete er auf das untere Ende der Liege. Dies war die zweite Behandlung für die Frau. Wieder hörte ich ein Brummen. Die Frau. nachdem sie mehrfach »schwere impulsive Suizidtendenzen« gezeigt habe. Hinter einem Vorhang lag ein Patient. vibrierte so schnell. nahm ihr Gesicht einen immer angsterfüllteren Ausdruck an. doch anders als der Patient vor ihr schien die Frau reglos dazuliegen. Ein paar Minuten später ging Sackheim zu ihr und sagte mit lauter Stimme: »Guten Morgen!« Sie reagierte nicht. die gerade behandelt worden war.den. Sackheim nahm mich mit in den Aufwachraum. Die Schwester schob sie aus dem Zimmer.

höher als bei sämtlichen anderen Behandlungsmethoden«. Ein entscheidender prognostischer Faktor für den Erfolg seien die zurückliegenden Erfahrungen eines Patienten mit Antidepressiva. hätten eine anfängliche Besserungsrate von nur fünfzig bis sechzig Prozent. Als wir später vor dem Eingang des Psychiatrie Institute standen. »Einerseits ist die Wahrscheinlichkeit. Sackheim hat bei Patienten. die von über fünfundachtzig bis zu unter vierzig Prozent reichten. die EST einer ihm nahestehenden Person. wenn sich Psychopharmaka bei ihnen als wirkungslos erwiesen haben. von meinem Team behandelt zu werden«. antwortete er. die immer auf Antidepressiva ansprachen. fragte ich Sackheim. wie sie verabreicht wird. und siebenundachtzig Prozent derjenigen. sagte Sackheim. Es gebe eine enorme Bandbreite in der Zeit.« Er zündete sich eine Pfeife an und paffte nachdenklich daran. erlitten innerhalb eines Jahres. entschiede ich mich für die EST«.94 Als ich Sackheim nach seinen Erfolgen fragte. antwortete er auf der Stelle. »Ich würde mir wünschen. den Kopf schüttelnd. sagte er. sagte er. fügte er hinzu. »Überhaupt nicht«. sagte Sackheim. den er behandele. »Wenn ich selbst an einer schweren Depression erkrankte. die Patienten benötigten. dies schwanke mit dem Typus von Patienten. zu verordnen. Natürlich entschließen sich die meisten Patienten erst dann zu Schockbehandlungen. die sich besser fühlten. In Fachzeitschriften wurde über Erfolgsraten berichtet. ob er Bedenken hätte. die an Depression leide. Diese Patienten. »denn wie bei allen medizinischen Behandlungen gibt es auch hier große Unterschiede in der Art und Weise.Worte.« Es gibt auch große Unterschiede in den Erfolgen. eine Besserungsrate von sechsundachtzig Prozent erreicht. um sich von einer Behandlung zu erholen. die verschiedene Gruppen erzielen.189 . »andererseits ist die Wahrscheinlichkeit bleibender Schäden geringer. daß es zu einer Besserung kommt. meistens .

am prononciertesten der Psychiater Peter Breggin. was übrigens in gleicher Weise für die Gesprächstherapie gilt (auch wenn sich die Wirksamkeit weitgehend mit dem Placebo-Effekt erklären läßt).selbst wenn sie in der wohl fortschrittlichsten Schocktherapieklinik der Welt behandelt wurden.haben die Psychopharmaka und die Elektroschocktherapie als Übel dargestellt.oder gerade wenn . Dieser Ansicht bin ich nicht. ohne daß ein erneuter Eingriff erforderlich war .190 . insbesondere wenn man bedenkt. daß ihr Nutzen empirisch nicht belegt ist und wir nichts über die negativen Langzeitwirkungen wissen. der Bücher wie Toxic Psychiatry und Talking Back to Prozac geschrieben hat . Ich teile Breggins Bedenken. Mit anderen Worten. daß der Nutzen von Medikamenten und. in viel geringerem Maße. die es zu beseitigen gelte.keine dieser Alternativen vollkommen ist. Zudem sind Menschen.95 Doch anders als Breggin glaube ich. sie unterzögen sich weiteren Schockbehandlungen oder sprächen doch noch auf Antidepressiva an. daß biologische Therapien manchen Menschen zu gewissen Zeitpunkten helfen können. besser dran. der Elektroschocktherapie übertrieben angepriesen werde. In meinem letzten Jahr auf .sogar binnen vier Monaten. einen Rückfall – es sei denn. wenn sie Alternativen in der Behandlungsmethode haben. daß die Verabreichung von Psychopharmaka an Kinder nicht zu rechtfertigende Ausmaße angenommen hat. selbst wenn . Zur Verteidigung der EST und anderem Mehrere Kritiker . die sich eine Linderung ihrer Beschwerden wünschen. Ich stimme ihm auch darin zu. bei weniger als acht von hundert typischen EST-Patienten besserte sich der psychische Zustand dauerhaft. Wie viele andere Menschen habe ich auch schon einmal eine depressive Phase durchlebt.

Kino. wenn ich jemals wieder in eine Depression verfallen sollte. was vermutlich besser gewesen wäre. Während dieser Depression suchte ich keine ärztliche Hilfe.Essen. Ich war mir auf qualvolle Weise des Verstreichens der Zeit bewußt. daß Hoffnung allein heilen kann. setzte ich alles daran. ich habe heute eine Familie. Sport. Ich würde es vermutlich zunächst mit einer Psychotherapie und dann mit Antidepressiva probieren. daß irgend jemand die Depression einmal als einen Zustand »übersteigerter Aufmerksamkeit« beschrieb. als ich meine künftige Frau kennenlernte und mich in sie verliebte. Ich . ähnlich wie eine Grippe. Gespräche vermochten mich nicht aus meiner morbiden Selbstversunkenheit herauszureißen. daß ich Hilfe suchen würde. was ich nach Abschluß des Colleges aus meinem Leben machen solle. Sekunde um trübselige Sekunde. Dies trifft auf meine Erfahrung zu. Meine Schwermut schien buchstäblich und unablässig auf meiner Brust zu lasten. die in dieser Zeit entstanden sind. und mein Blick wirkt zerstreut. Aber ich weiß genau. Bücher. Mein Zustand manifestierte sich körperlich. unsere Beziehung. In dieser Zeit fragte ich mich bereits bangevoll. Was als eine gewöhnliche Niedergeschlagenheit und Selbstkritik begann. mit der ich ein Verhältnis gehabt hatte.in meinem Fall reichliche Mengen an Alkohol und Medikamenten. für die ich sorgen muß. nahm schon bald einen pathologischen Charakter an. All die kleinen Freuden des Alltags . Er begann nach dem Scheitern einer Liebesbeziehung und hörte auf. Auf Fotos. und er schien physiologische Abhilfsmaßnahmen zu erfordern .191 . Aber er war nicht rein körperlicher Natur. riefe ich vielleicht den Elektroschockspezialisten Harold Sackheim an. Ich erinnere mich daran. Meine Gesichtsmuskeln sind schlaff. Da ich überzeugt davon bin. hoffnungsvoll zu sein. sehe ich anders aus als sonst. Wenn sie nicht anschlügen und mein Zustand sich verschlechterte.dem College beendete eine Frau.

die Herleitungen der Studien nachzuvollziehen. die Geschichte der wissenschaftlichen Ansichten über die Vererbbarkeit von solchen Störungen wie manisch-depressiven Krankheiten und Alkoholismus zu verfolgen. Doch der Übergang von psychologischen Therapien seelischer Störungen zu physiologischen Ansätzen wurde auch durch eine Flut von Berichten gefördert. nach denen die menschliche Psyche vor allem durch Gene . daß bei den Analysen un. daß dieser neue genetische Determinismus. die Genforschung habe einen »neuen biologischen Materialismus«96 geschürt. und die Sichtung der Originaldaten ergab. Ich würde versuchen zu vergessen. das Fragen nach dem Weg und für Verpflichtungen in Beziehungen auf dem Y-Chromosom fehlen oder daß das Gen für das ständige Umschalten von einem Programm zum anderen mit der TV-Fernbedienung nur dort existiert. auf schwachen Füßen stehe: Es ist sehr aufschlußreich. Peter Kramer behauptete in Glück auf Rezept. daß die Gene für die Wahrnehmung von schmutzigen Tellern. weil unser Glaube daran einfach unverrückbar geprägt ist. daß viele Fälle gewöhnlicher Depression. daß sie billiger als eine Psychotherapie sind (auch wenn dies von einigen Psychologen bestritten wird) und daß mächtige Pharmakonzerne unentwegt die Werbetrommel für sie rühren. Jedesmal war es unmöglich. innerhalb von vier Monaten einen Rückfall erleiden. wissenschaftlich gesehen. wie meine.192 .geprägt sei.und nicht durch Erfahrungen . dann unter der Voraussetzung. ohne medizinischen Eingriff vorübergehen.hielte mir immer wieder vor Augen. daß die meisten Menschen.«97 Kramer wies darauf hin. »Wenn wir lachen. Wie aber läßt sich angesichts der Grenzen physiologischer Behandlungsmethoden deren weite Verbreitung erklären? Ausschlaggebend ist wohl die Tatsache. Mindestens dreimal wurden in den vergangenen Jahren die Gene für diese Krankheiten verantwortlich gemacht. die sich wegen ihrer Depression einer Schockbehandlung unterziehen.

daß sich paradoxerweise sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der öffentlichen Meinung die Überzeugung verstärkt. dazu. die bislang vorliegenden Forschungsergebnisse rechtfertigen in keiner Weise die wachsende Überzeugung von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit.genau und oberflächlich gearbeitet worden war. wenn man Kramers eigene Übertreibungen der Vorteile von Fluctin bedenkt. Andererseits hat Kramer vollkommen recht.193 . Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung der menschlichen Psyche. diese Störungen seien vererbbar.98 Dies ist ein ziemlich unverfrorenes Beispiel für das Sprichwort »Ein Esel schilt den anderen Langohr«. . nachzuweisen. Meiner Ansicht nach führte jeder dieser vergeblichen Versuche. daß Störungen auf genetische Ursachen zurückzuführen seien.

Ich sammelte damals Informationen für einen Artikel über die aufstrebende Verhaltensgenetik.stammen von aschkenasischen Juden ab. daß das Tay-Sachs-Syn. Durch Studien an Zwillingen und sonstigen verwandten Individuen bemühten sich Verhaltensgenetiker seit langem. lieber Sigmund. daß sich meine Frau einer Amniozentese unterziehen werde.2 Diese erbliche neurologische Erkrankung führt bei den davon betroffenen Kindern zu Lähmungen und nach meist furchtbaren Leiden zum Tod vor Vollendung des fünften Lebensjahres. die von jeher ein erhöhtes Risiko tragen. die sich während der Schwangerschaft nachweisen lassen.194 . die komplexen Merkmalen und Erkrankungen. Schlagzeile in der Time1 I m Winter 1993 verschränkten sich meine privaten und beruflichen Interessen auf beunruhigende Weise. daß ein pränataler Test sein Leben nachhaltig verändert habe. sexueller Orientierung und hoher Intelligenz. Er und seine Frau . Spina bifida oder anderen Erkrankungen. Als ich mich in die Verhaltensgenetik einzuarbeiten begann. die damals Mitte Dreißig war. das Ungeborene auf genetische Defekte untersuchen zu lassen. Ihr Gynäkologe hatte ihr geraten. GEN-MAGIE Ödipus. Schnödipus.ich nenne sie Larry und Joan . daß wir dank der Wissenschaft kein Kind mit Down-Syndrom. Wir waren froh darüber. Der Fehler. erwähnte. mit unserem ersten Kind schwanger. die spezifischen Gene aufzuspüren. am Tay-Sachs-Syndrom zu erkranken. zugrunde liegen. wurde meine Frau Suzie. in jüngster Zeit haben Forscher versucht. den relativen Beitrag von Anlage und Umwelt zur menschlichen Persönlichkeit zu ermitteln.5. liegt vermutlich in unseren Genen. sagte er mir. Als ich gegenüber einem Freund. ebenfalls ein Wissenschaftsjournalist. haben würden. wie etwa Schizophrenie. Das Vererbungsmuster deutet darauf hin.

daß der Fötus beide Gene geerbt hatte. Der Test.195 . Das gleiche gilt für Tausende anderer Familien. jedes ihrer Kinder würde das Tay-Sachs-Gen mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent von beiden Elternteilen erben und die Krankheit entwickeln. Als meine Frau schwanger wurde. manisch-depres. sich auf die Erkrankung testen zu lassen. daß sie beide Träger des rezessiven Gens sind. Muskeldystrophie und Mukoviszidose verantwortlich sind. Larry und Joan haben heute zwei gesunde Kinder. andernfalls bleibt es wirkungslos. Der Test auf das Tay-Sachs-Syndrom ist meines Erachtens ein uneingeschränkter wissenschaftlicher Erfolg. Ich kann mir nicht vorstellen. daß irgend jemand. Forscher behaupteten. sie könnten die Gene aufspüren. Die Anwendung genetischer Erkenntnisse ersparte meinem Freund und seiner Frau . die nicht nur für relativ einfache Erbkrankheiten wie Tay-SachsSyndrom.sowie ihrem ungeborenen Kind . mit denen Träger des Tay-Sachs-Gens identifiziert werden konnten.drom durch ein rezessives Gen verursacht wird. Das Gen wird nur dann ausgeprägt. den Joan machte. Chorea Huntington. ließen sie sich testen und erfuhren. schien die Verhaltensgenetik noch viel weitergehende Segnungen zu verheißen. einmal abgesehen vielleicht von den erbittertsten Gegnern der Abtreibung. sondern auch für komplexere und verbreitetere Leiden wie Schizophrenie. er wurde abgetrieben. wenn die Nachkommen es sowohl vom Vater als auch von der Mutter erben. in deren Familien das Tay-SachsSyndrom in der Vergangenheit bereits aufgetreten war. an diesem wissenschaftlichen Fortschritt etwas Nachteiliges finden kann.unsägliches Leid. insbesondere solche. als sie schwanger wurde. Als bei Larry und Joan der Kinderwunsch konkrete Formen annahm. Jüdische Organisationen ermunterten jüdische Ehepaare. Bei ihrer nächsten Schwangerschaft war das Testergebnis negativ. In den siebziger Jahren entwickelten Wissenschaftler Tests. ergab.

daß Männer. asoziales Verhalten und potentielle schwere Straffälligkeit im späteren Leben gehören. Mich störte besonders die Diskrepanz zwischen den bescheidenen Ergebnissen dieser Disziplin und der prahlerischen Rhetorik. wie im Normalfall. Doch bald verlor die Verhaltensgenetik für mich ihren Nimbus. stellte der Gastgeber.« Donahues Aussagen waren hysterisch und überzogen. Kurz vor der Ausstrahlung seiner Show hatte die National . Als ich eines Morgens. zu denen Aggressivität. bevor er gefaßt werden konnte. der sich als Experte für Genetik ausgab. an dem wir nicht nur die genetischen Anlagen für zahlreiche organische Erkrankungen identifizieren beziehungsweise diagnostizieren können. Dieser wies warnend darauf hin. Donahue faßte in feierlichem Ton die Bedeutung dieses Falles zusammen: »Es ist weder hysterisch noch übertrieben. der trotz einer normalen Kindheit später zu einem Massenmörder geworden sei. die von ihren Vätern zwei Y-Chromosomen erbten (statt. würden diese genetischen Erkenntnisse nicht nur die Pränataldiagnostik erweitern. nur eines) »ein besonders hohes Risiko für asoziales. Fernsehen schaute. gewalttätiges Verhalten« trügen. kurz vor der ersten Ultraschalluntersuchung meiner Frau. daß wir uns dem Zeitpunkt nähern. sondern auch die entsprechenden Anlagen für psychische Störungen. Phil Donahue. sondern auch zu besseren und sogar kurativen Behandlungen führen.196 . er habe mindestens elf Frauen und zwei Kinder sexuell mißbraucht und erwürgt. Letzten Endes. »Wie Sie herausfinden. hörte ich mit Bestürzung die Vorankündigung für die nächste Folge der Talkshow Donahue. ob Ihr Kind ein Massenmörder wird!« verkündete der Ansager. Als Beweis führte er den Fall eines Mannes mit doppeltem Y-Chromosom in Rochester. New York. zu behaupten.3 Als ich die Sendung einschaltete. mit der sie gerühmt wurde. an. gerade einen Psychiater vor. so hofften die Wissenschaftler.sive Erkrankung und sogar Alkoholismus.

daß es keine signifikante Korrelation zwischen dem Doppel-Y-Syndrom und Gewalttätigkeit gebe. kartieren. soll dieses Projekt sämtliche etwa hunderttausend Gene. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom zwar überdurchschnittlich groß und leicht unterdurchschnittlich intelligent seien. Es wird sowohl von der US-amerikanischen Regierung als auch von der Privatwirtschaft finanziert. Genetiker und Nobelpreisträger von der Harvard-Universität. daß Männer mit doppeltem Y-Chromosom unter den Insassen von Gefängnissen und Nervenheilanstalten überrepräsentiert seien. der zu dem Schluß kam. Anschließende Studien an Nichtgefangenen ergaben jedoch. sagte einem Reporter der Time: »Einst glaubten wir. bezeichnete das Projekt als »endgültige Antwort auf das Gebot ›Erkenne dich selbst‹«5. Beim Gastgeber einer Talkshow ist man auf Sensationslust gefaßt. Jungen mit einem überzähligen Y-Chromosom würden später zu ungewöhnlich aggressiven »Supermännern«. aus denen das Erbgut des Menschen besteht. unser Schicksal stehe in den Gestirnen. daß unser Schicksal weitgehend in unseren Genen liegt. Ende der achtziger Jahre ins Leben gerufen. Heute wissen wir.«6 Der Biologe Daniel Koshland erklärte während seiner Zeit als Herausgeber der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Science. aber keine besondere Neigung zur Gewalttätigkeit zeigten. . Eine Quelle solcher Grandiositätsphantasien ist das Humangenomprojekt.4 Die vorgebliche Korrelation ging auf britische Studien zurück. James Watson. Walter Gilbert. der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und ehemalige Direktor des Humangenomprojekts. Die Forscher stellten die These auf.Academy of Science einen Bericht über Gewalttätigkeit veröffentlicht.197 . die in den sechziger Jahren durchgeführt worden waren und zu dem Ergebnis kamen. doch während der letzten zehn Jahre haben sich einige führende Naturwissenschaftler einer ähnlich verstiegenen Rhetorik bedient.

Autismus und andere Krankheiten ihrer Kinder verantwortlich machten . mit der sich die Medien auf Entdeckungen nach dem Muster »ein Gen für was auch immer« stürzten. Daher nehmen die Ankündigungen auch kein Ende. Extraversion. Zudem hat sich die politische Basis der Verhaltensgenetik verbreitert. Zwangsstörung.198 . Magersucht und mit praktisch allen erdenklichen anderen menschlichen Merkmalen und Leiden in Verbindung gebracht. Sie weisen darauf hin.unnötigerweise . Melancholie.die im allgemeinen die Eltern und insbesondere die Mütter für Schizophrenie.8 Doch Tatsache ist. hoher Intelligenz. sozialer Kompetenz. war einst mit dem Sozialdarwinismus. gewalttätiger Aggressivität. Impulsivität.das Humangenomprojekt könne uns vielleicht bei der Lösung offenbar so schwer in den Griff zu bekommender gesellschaftlicher Probleme wie Drogenmißbrauch. Dies ist es bis zu einem gewissen Grad noch immer. Heroinabhängigkeit. Angst. die wissenschaftlichen Hintergründe sind relativ leicht zu verstehen. Obdachlosigkeit und Gewaltkriminalität helfen. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. saisonaler affektiver Psychose. einen besorgniserregenden Ruck nach rechts gewittert. Introversion. Neugierverhalten. Schizophrenie. Doch die Verhaltensgenetik wird nunmehr von Interessenvertretern der psychisch Kranken unterstützt. Alkoholismus. daß freudianische Theorien der Psychose . pathologischer Spielsucht. dem Nazismus. die genetische Grundlage von Persönlichkeitsmerkmalen zu erforschen. und die damit verbundenen philosophischen und gesellschaftlichen Fragen sind spannend. der Eugenik und anderen abstoßenden Ideologien verbunden.7 In den letzten zehn Jahren haben Wissenschaftler spezifische Gene mit manisch-depressiver Erkrankung. Einige Kritiker haben hinter der Gier. Das Bestreben. daß diese Befunde klassische Beispiele für die von Wissenschaftspublizisten so genannte Super-Story sind. Autismus. männlicher Homosexualität.

Einige schwule Aktivisten unterstützen ebenfalls die Erforschung der genetischen Grundlagen der Homosexualität.das Leid von Eltern mit psychisch gestörten Kindern noch verschlimmert haben. die Psychoanalyse könne uns dabei helfen. möchten sich mit dem bestimmenden Einfluß des genetischen Paradigmas arrangieren. komplexen Verhaltensmerkmalen und Erkrankungen in keinem einzigen Fall zweifelsfrei bestätigt worden sind. Obgleich Phillips einräumte. Andere. die Genetik zu verwerfen.«9 Als ich diesen Aufsatz las.199 . wenn er darauf verwiese. beteuerte er. der 1996 in der New York Times erschien. versuchte der Kinderpsychoanalytiker Adam Phillips Berichten über ein Gen für Neurose und andere Merkmale etwas Positives abzugewinnen. daß diese Berichte vermutlich stimmten. daß die behaupteten Verknüpfungen zwischen einzelnen Genen und spezifischen. die Gesellschaft werde der Homosexualität toleranter gegenüberstehen. Aber sie kann die emotionalen Auswirkungen der ›Akte‹ der Genetik auf das Individuum beurteilen. . sie hoffen. die an stärker psychologisch ausgerichteten Modellen der Psyche festhalten. und sie stellen bessere Diagnosen und Behandlungen in Aussicht. Genetische Erklärungen für psychische Erkrankungen beseitigen dieses Problem. apathischen Patienten fragt: »Welches Gefühl hat dieser Artikel über das Neurose-Gen in Ihnen ausgelöst?« Phillips würde seinem ängstlichen Patienten vermutlich mehr helfen. In einem Essay. wenn sie nachweislich genetisch bedingt sei und nicht länger als Produkt eines willentlichen Entschlusses angesehen werde. wie Phillips seinen unglücklichen. stellte ich mir vor. Der Psychoanalyse »steht es nicht an. unsere Ängste vor der Genforschung zu bewältigen.

»Schwachsinn« und »Armut« nachgewiesen zu haben.und das Eugenics Record Office. In einer 1919 erschienenen Monographie behauptete er. Haut.noch immer eine hervorragende biologische Forschungsanstalt . Einer der ersten und energischsten Befürworter der Eugenik war der amerikanische Genetiker Charles Davenport. die Erblichkeit nicht nur der Augen-. nach dem griechischen Wort für »wohlgeboren«. das sich aus den Untermerkmalen Thalassophilie (Liebe zum Meer) und Hyperkinese (Fernweh) zusammensetze.Die Minnesota-Zwillinge Die Verhaltensgenetik geht auf Zwillingsstudien zurück. durchgeführt wurden.und Haarfarbe. ihre Rasse durch ein Programm der Auslesezüchtung zu verbessern. um die Vererbung von Merkmalen zu verfolgen.10 Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gründete er das Cold Spring Harbor Laboratory . daß »die Natur einen ungleich stärkeren Einfluß ausübt als die Umwelt«. Ab den zwanziger Jahren förderte die von Davenport und anderen gegründete American Eugenics Society sogenannte »Tauglichkeitswettbewerbe für Familien« auf Landwirtschafts. Nachdem Galton sowohl eineiige als auch zweieiige Zwillinge untersucht hatte. In einem Artikel mit dem Titel »Hereditary Talent and Breeding« forderte er die Menschheit auf. Er bezeichnete dieses Programm später als Eugenik. die im neunzehnten Jahrhundert von Francis Galton. In zahlreichen Publikationen nahm Davenport für sich in Anspruch. das Informationen über Tausende von Familien sammelte.200 . sei ein ererbtes Merkmal. sondern auch von Delinquenz. gelangte er zu dem Schluß. daß dieses Merkmal nur Männern eigne. Die geringe Zahl weiblicher Marineoffiziere erklärte Davenport damit. einem britischen Universalgelehrten und entfernten Verwandten von Charles Darwin. die Fähigkeit. ein Marineoffizier zu werden.

die Einwanderung von Angehörigen genetisch »unerwünschter« Rassen zu beschränken. zwangssterilisiert. Ähnliche Maßnahmen wurden in Kanada und Europa beschlossen. Kanada und mehreren skandinavischen Ländern Frauen und Männer. die unerwünschten Personen zu sterilisieren.schauen in allen amerikanischen Bundesstaaten. Weniger amüsant war die Tatsache. Keine andere Nation betrieb die Eugenik jedoch mit solch unerbittlicher Konsequenz wie Nazi-Deutschland. Dabei kürten Preisrichter menschliche Wettkampfteilnehmer nach den gleichen Kriterien wie Zuchtvieh. daß Eugeniker entscheidenden Anteil daran hatten. schwand die Unterstützung für Eugenikprogramme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern.11 Auch wurden weitere Zwillingsstudien und andere Untersuchungen der genetischen Grundlagen des menschlichen Temperaments und Verhaltens durchgeführt. während gleichzeitig nichtgenetische Paradigmen wie etwa die Psychoanalyse Auftrieb erhielten. bei denen man einen genetischen Defekt vermutete.da man mit ihnen nicht herausfinden kann. und sie bedrängten die Bundesregierung. vielmehr praktizierten sie bei geistig und körperlich Behinderten auch Euthanasie (»schöner Tod«). daß in über zwanzig US-amerikanischen Bundesstaaten die Sterilisation von Männern und Frauen in Gefängnissen und Nervenheilanstalten zugelassen wurde. welche Gene welche Verhaltensweise beeinflussen -. Die Nazi-Eugeniker begnügten sich nicht damit. Obgleich Zwillingsstudien nicht mehr dem Stand der Wissenschaft in der Verhaltensgenetik entsprechen . allein in Schweden waren zwischen 1935 und 1976 sechzigtausend Frauen von dieser Maßnahme betroffen. stoßen sie noch immer auf eine unverhältnismäßig starke Resonanz in der Öffentlichkeit. Doch bis Ende der siebziger Jahre wurden in den Vereinigten Staaten. Tatsächlich haben die Medien keinen anderen Forschungen in der Verhaltensgenetik . Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Nazi-Greuel allgemein bekannt wurden.201 .

James Springer hatte eine Frau namens Linda geheiratet. Jeder besaß einen Hund names Toy. die sozusagen ein natürliches Experiment über die relativen Beiträge von Anlage und Umwelt zur Persönlichkeitsentwicklung darstellen. Sie erklärten sich einverstanden und gaben damit den Anstoß zum Minnesota-Zwillingsprojekt. Sie hatten ihre erstgeborenen Söhne auf den Namen James Alan beziehungsweise James Allen getauft. ob sie bereit seien. Der Erblichkeitsgrad bezieht sich nicht auf Individuen.) Die Studien begannen im Jahr 1979. . Die Forscher nahmen an.12 (Eineiige Zwillinge werden deshalb so genannt. sich von ihm untersuchen zu lassen. die unmittelbar nach ihrer Geburt getrennt worden waren und sich vor kurzem erstmals wiedergesehen hatten. unter denen auch zusammen aufgewachsene eineiige und zweieiige Zwillinge sind.202 . daß er sich mit Springer und Lewis in Verbindung setzte und sie fragte. Ähnlichkeiten schrieben sie hingegen den Genen zu. Beide Männer waren von ihren Adoptiveltern James genannt worden. sich von ihr scheiden lassen und anschließend eine Frau namens Betty geheiratet. James Lewis hatte das gleiche getan. daß Unterschiede zwischen erbgleichen Zwillingen durch die Umwelt verursacht werden. weil sie von derselben befruchteten Eizelle [Zygote] abstammen. als der Psychologe Thomas Bouchard von der Universität von Minnesota einen Zeitungsartikel über eineiige männliche Zwillinge las.mehr Aufmerksamkeit geschenkt als den Studien an eineiigen Zwillingen. Die genetische Komponente eines bestimmten Merkmals wird mit dem Begriff Erblichkeitsgrad (Heritabilität) bezeichnet. Der Artikel beeindruckte Bouchard so nachhaltig. Die Übereinstimmungen zwischen den beiden Männern waren verblüffend. Den Schwerpunkt des Projektes bildeten jedoch getrennt aufgewachsene eineiige Zwillinge. die an der Universität von Minnesota durchgeführt wurden. Bouchard erstellte im Lauf der Zeit eine Datenbank über mehr als achttausend Zwillingspaare.

Die Umwelt spielt . sind die Übereinstimmungen zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen etwa genauso groß wie die zwischen zusammen aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Berufs. gelangten Bouchard und seine Kollegen zu einem Grad über siebzig Prozent. Die übrigen zehn Prozent werden durch Ernährung und andere Umweltfaktoren erklärt. Die Forscher fanden bei praktisch allen Merkmalen. Daraus folgte aber nichts Geringeres. wie sie etwa in den Vereinigten Staaten anzutreffen ist. Die Gruppe faßte ihre Ergebnisse 1990 in einem Aufsatz in Science zusammen: »Bei zahlreichen Testskalen. die sie untersuchten. die Persönlichkeit und Temperament.sondern auf Populationen. Die Tatsache. daß neunzig Prozent der Varianz der Körpergröße in einer bestimmten Population durch die genetische Varianz bedingt ist. berufliche Zufriedenheit. Die Gruppe um Bouchard sagte im Grunde genommen. bedeutet.«13 Dies ist eine der beunruhigendsten Behauptungen. Während die meisten anderen Forscher den Erblichkeitsgrad der Intelligenz mit fünfzig Prozent veranschlagten. die unmittelbar nach der Geburt getrennt worden waren und in verschiedenen Elternhäusern aufwuchsen. Auch bei ausgesprochen kulturell definierten Merkmalen wie Religiosität. eine starke genetische Komponente. politische Einstellung (konservativ oder liberal). daß sich elterliche und schulische Erziehung sowie andere Umweltfaktoren nur geringfügig auf unsere Persönlichkeitsmerkmale auswirkten.203 . Im Jahr 1990 hatte die Gruppe um Bouchard über fünfzig eineiige Zwillingspaare untersucht. eher genetische als umweltbedingte Faktoren widerspiegeln.und Freizeitinteressen sowie soziale Einstellungen messen. als daß sich in der sozialen Schichtung. Freizeitinteressen und Scheidungsneigung stießen sie auf einen hohen Beitrag der Gene. daß die Körpergröße zu neunzig Prozent erblich determiniert wird. die ich jemals in einem sachverständig begutachteten Fachaufsatz gelesen habe.

Leute in Aufzügen und an anderen Orten. empirisch glaubhaft untermauert.204 .wir brauchen lediglich das in unseren Genen niedergeschriebene Drehbuch in Handlung umzusetzen. und beide machten sich einen Spaß daraus. haben sie sich weniger auf die nüchternen Schätzwerte des Erblichkeitsgrades in der Studie von Bouchard bezogen als vielmehr auf die bemerkenswerten Ähnlichkeiten zwischen getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingen. Wie die Fallgeschichten Freuds dienen diese Berichte über getrennt aufgewachsene Zwillinge als Instrumente suggestiver rhetorischer Überzeugung. Neben den James-Brüdern waren da noch die »kichernden« Schwestern. Die Zwillinge Jerry Levey und Mark Newman waren beide Feuerwehrmänner geworden und liebten Budweiser-Bier. schon vor der Benutzung der Toilette die Spülung zu betätigen. an denen dichtes Gedränge herrscht. Beide Schwestern kicherten unentwegt und trugen sieben Ringe. Beide hatten die Angewohnheit. daß unsere Identität bereits im Augenblick der Befruchtung festgelegt wird. und Jack. ihnen kommt in diesem Sinne .eigentlich keine Rolle. der in der Tschechoslowakei als Nazi erzogen worden war. »Die Wissenschaft der Verhaltensgenetik hat. durch absichtliches Niesen zu erschrecken. der auf Trinidad eine jüdische Erziehung erhalten hatte. Auf die Gene kommt es an. Beide trugen angeblich Hemden mit Schulterklappen. Der vielleicht spektakulärste Fall betraf Oskar. weitgehend anhand von Zwillingsstudien. die Hypothese. die eine hatte ihren Sohn Richard Andrew genannt und die andere den ihren Andrew Richard. als sie sich 1979 auf Initiative der Bouchard-Gruppe erstmals wiedersahen.«14 Als Wrigt und andere Journalisten diese Behauptung aufstellten. insofern scheint unser Leben prädeterminiert zu sein . Diese Schlußfolgerung wurde in dem 1997 erschienenen Buch Twins des Journalisten Lawrence Wright (der zuvor ein ausgezeichnetes Buch über die erinnerungsaufdeckende Therapie geschrieben hatte) gezogen.

für eine Woche nach Minnesota. haben die Heritabilität von Merkmalen niedriger veranschlagt. um neue Zwillinge anzuwerben. wenn diese beiden Personen nicht miteinander verwandt seien.205 . Der Psychologe Leon Kamin von der Northeastern Universität in Boston gab zu bedenken. am selben Tag geboren wurden und im selben Land aufwuchsen. die oftmals mit weiterer Publizität verbunden war. daß man bei der Suche nach Ähnlichkeiten zwischen zwei Menschen. mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch dann auf Übereinstimmungen stieße. Kritiker monierten. die die Privatsphäre der Zwillinge wahrten. um frühere Kontakte herunterzuspielen und ihre Ähnlichkeiten herauszustreichen. Die Gruppe von Bouchard stützte sich auf die Medien. In einer Studie untersuchte die Psychologin Susan Farber 121 Fälle (die nicht in die Minnesota-Studie einbezogen worden waren). Oskar und Jack (der Nazi und der Jude) sowie die beiden »kichernden« Schwestern hät. Andere Studien. die gleich aussehen. stärker von den Medien beachtet werden oder auch Geld verdienen. Die Zwillinge kamen zur weiteren Untersuchung. die Zwillinge der MinnesotaStudie hätten vielfältige Motive. Während es in einigen Zeitungsberichten hieß. Es gibt Indizien.15 Sie fand nur drei Fälle.17 Sie wollten womöglich den Forschern einen Gefallen tun. bei denen unmittelbar nach der Geburt getrennte Zwillinge angeblich erst durch Wissenschaftler zu Studienzwecken wieder zusammengebracht worden waren. die Kamins Vermutungen bestätigen. Anderer Kritiker haben behauptet. die Bedeutung dieser Übereinstimmungen sei maßlos übertrieben worden.16 Zudem sind die Zwillinge in der Minnesota-Studie möglicherweise nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung oder auch nur die Gesamtpopulation der eineiigen Zwillinge.viel mehr Gewicht zu als den statistischen Analysen und den Erblichkeitsgraden. in denen die Zwillinge vor den Studien keinerlei Kontakt gehabt hatten.

«21 Eine Rezensentin von Twins meinte sarkastisch: »Wie kann man nur auf diese Idee kommen?«22 . Ihr großzügigster Geldgeber ist der Pioneer Fund. Der Pioneer Fund unterstützt zahlreiche Gruppen und Wissenschaftler. waren beide Paare in Wirklichkeit bereits früher zusammengetroffen. verkauften sie ihre Lebensgeschichte an einen Filmproduzenten in Los Angeles. die James-Brüder und die »kichernden« Schwestern in den achtziger Jahren brachte der Minnesota-Gruppe eine kräftige Kapitalspritze. Kinder zu gebären. die bestimmte Kriterien erfüllten. Nachdem die Washington Post einen längeren biographischen Artikel über Oskar und Jack gebracht hatte. daß er nur Frauen. Die meisten Wissenschaftler der Minnesota-Gruppe haben sich von eugenischen Maßnahmen distanziert. Eine Ausnahme ist der Psychologe David Lykken. daß sie mich für einen Faschisten halten. die die Rassentrennung befürworten.ten sich in Minnesota zum ersten Mal wiedergesehen. die Fortpflanzung von Nachkommen der »Pioniergeneration« Amerikas. Frauen ohne »Gebärzulassung«.20 Der Name dieser Vermögensverwaltungsgesellschaft spielt auf ihr ursprüngliches Ziel an.206 . das heißt der Angelsachsen. Lykken klagte gegenüber dem Reporter Lawrence Wright: »Viele Sozialwissenschaftler sind über meine Vorschläge so empört. Einige Zwillinge legten sich Agenten zu und wurden für ihre Auftritte im Fernsehen bezahlt. erlaube. zu fördern. sollten zur Abtreibung gezwungen werden. 18 James Springer und James Lewis traten. nachdem sie von Thomas Bouchard aufgespürt worden waren.19 (Der Film wurde nie gedreht. der Staat solle den Intelligenzquotienten seiner Bürger dadurch heben. in der Johnny Carson Show und in der Sendung People auf. Die große öffentliche Resonanz auf die Berichterstattung über Oskar und Jack. der den Vorschlag gemacht hat.) Auch die Motive der Forscher um Bouchard wurden in Frage gestellt. ein Überbleibsel der US-amerikanischen Eugenik-Bewegung. die schwanger würden.

die zur Ausbildung von Merkmalen beitragen. Muskeldystrophie und andere Krankheiten aufgepürt. die Allele ausfindig zu machen. aber sie geben uns keinen Aufschluß darüber. nehmen die Genetiker an. die Gene von Individuen nach verräterischen Varianten zu durchmustern. Es gibt zwei grundlegende Methoden. bei denen ein bestimmtes Merkmal ungewöhnlich häufig auftritt. eine neurologische Erkrankung. die alle ein bestimmtes Merkmal aufweisen. Mit demselben Verfahren wurden auch Gene für Mukoviszidose. welches Gen oder welche Gene dabei eine Rolle spielen. die einem bestimmten Merkmal zugrunde liegen könnten.Die Fahndung nach Psychosegenen Studien an Zwillingen und anderen Verwandten können starke Indizienbeweise dafür liefern. mit den Genen anderer Individuen. die durchgängig mit dem Merkmal vererbt werden. die normalerweise im mittleren Lebensalter ausbricht und innerhalb von zehn Jahren zum Tod führt. Bei Kopplungsstudien untersuchen die Forscher verwandte Individuen . In beiden Fällen geht es darum.etwa blauen Augen .im Ablauf der Generationen durchgängig mit einem bestimmten Merkmal . daß das Allel an der Ausprägung blauer Augen mitwirkt oder seinerseits mit einem Gen verbunden ist.gekoppelt ist. dessen Verer.207 . Im Jahr 1993 identifizierten Forscher mit der Kopplungsmethode ein Allel für Chorea Huntington. Diese Krankheiten sind wie das Tay-Sachs-Syndrom auf die Mutation nur eines Gens zurückzuführen. Fortschritte in der Biotechnologie in den achtziger Jahren versetzten Verhaltensgenetiker in die Lage. Bei Assoziationsstudien vergleichen die Forscher die Gene nichtverwandter Individuen. um die Allele aufzuspüren. daß ein Merkmal eine genetische Komponente hat.auch Allel genannt . denen dieses Merkmal fehlt. das dies bewirkt.oftmals Großfamilien oder ethnische Inzuchtpopulationen -. Wenn eine Genvariante .

an der etwa ein Prozent der Bevölkerung erkrankt. Im Jahr 1987 behaupteten Genetiker. Das Vererbungsmuster der meisten übrigen Merkmale und Erkrankungen . wird auch der andere erkranken.23 Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister einer Person schizophren ist.ist sehr viel weniger eindeutig.25 Im selben Jahr stellte eine . daß Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung aus der komplexen Wechselwirkung zahlreicher Gene und Umweltfaktoren hervorgehen. Die Schizophrenie. eine Kopplung zwischen einem Gen auf Chromosom elf und der manisch-depressiven Erkrankung bei den Amish nachgewiesen zu haben. Andererseits haben die meisten Schizophrenen keine schizophrenen Verwandten ersten Grades. die für die Verhaltensgenetiker von Interesse sind . Dennoch begannen in den achtziger Jahren die Forscher.insbesondere derjenigen. Auf der Grundlage dieser familiären Daten haben die meisten Genetiker den Schluß gezogen.208 . zeigt ein ähnliches statistisches Profil. die durch Mutationen in einem Gen verursacht werden. Die manisch-depressive Erkrankung. Ist der eine eineiige Zwilling schizophren. dann wird der andere mit einer Wahrscheinlichkeit von fünf bis zehn Prozent ebenfalls erkranken.bungsmuster sich leicht innerhalb eines Stammbaums nachvollziehen läßt. Schizophrenie und manisch-depressive Erkrankung betreffen jeweils Millionen von Menschen. ermuntert von den erfolgreichen Angriffen auf genetische Krankheiten. von der ebenfalls ein Prozent der Bevölkerung betroffen ist. Wenn beide Eltern Träger eines rezessiven Exemplars des Gens sind. die psychischen Erkrankungen zugrunde liegen. beträgt deren Erkrankungsrisiko fünf bis zehn Prozent.24 Der potentielle Nutzen von Gentests und -therapien für psychische Erkrankungen wäre enorm. Wenn der eine eineiige Zwilling erkrankt ist. ist ein typisches Beispiel dafür. werden ihre Nachkommen die Krankheit mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundzwanzig Prozent entwickeln. nach Genen zu fahnden.

30 Peter McGuffin von der Medizinischen Akademie der Universität Wales. der an mehreren internationalen Projekten zur Identifikation potentieller Gene für psychische Erkrankungen mitwirkt. während sie den späteren Fehlschlägen bei dem Versuch. Eine eingehendere Analyse der Amish-Familien im Jahr 1989 brachte keine Verbindung zwischen Chromosom elf und manisch-depressiver Erkrankung zum Vorschein.209 .27 Und 1993 wurden auch die an den israelischen Familien gewonnenen Ergebnisse zurückgenommen. zog die britische Gruppe 1993 ihre Hypothese still und heimlich zurück.andere Forschergruppe bei drei israelischen Familien einen Zusammenhang zwischen einem anderen Gen und der manischdepressiven Psychose fest.26 Die Medien rühmten diese Ergebnisse als bahnbrechende Entdeckungen in der Psychiatrie. stützt sich auf genetische Faktoren. daß sich diese Forschungen eines Tages auszahlen werden. Im Jahr 1988 verkündete eine britische Forschergruppe in Nature. die anfänglichen Ergebnisse zu reproduzieren. daß ein bestimmter DNA-Abschnitt auf Chromosom fünf mit Schizophrenie gekoppelt sei. In derselben Ausgabe von Nature berichteten andere Forscher. was bei der bipolaren affektiven Störung und der Schizophrenie geschieht. kaum Beachtung schenkten. nachdem weitere Daten erhoben worden waren.28 Studien über Schizophrenie folgten einem ähnlichen Muster. sie hätten bei einer schwedischen Familie keinen Zusammenhang zwischen demselben Marker und Schizophrenie festgestellt.«31 .29 Nachdem bei einer erweiterten Studie an den isländischen und britischen Familien keinerlei Zusammenhang gefunden wurde. Das ist einfach nicht zu widerlegen«. doch sie erklärt nur etwa ein Fünftel der Varianz. »Die plausibelste Erklärung für das. »Die Umwelt mag eine gewisse Rolle spielen. ist nach wie vor davon überzeugt. sie habe bei isländischen und britischen Familien nachgewiesen. sagte mir McGuffin.

wie McGuffin einräumte. eine Schizophrenie zu entwickeln. Ein potentielles Gen für die manisch-depressive Psychose sei an der Konstruktion eines Rezeptors für den Neurotransmitter Serotonin beteiligt.210 . der Angriffspunkt für Antidepressiva vom Fluctintyp sei. daß die genetischen Befunde mehr oder minder in die gleiche Richtung weisen wie die pharmakologischen Untersuchungsergebnisse. Er meinte. aber signifikante« Verknüpfung mit Schizophrenie vorliege. wäre die praktische Bedeutung dieser Entdeckung möglicherweise gering. codiere einen Dopaminrezeptor.Bei jüngsten Kopplungsstudien seien mehrere neue Gene aufgespürt worden. so McGuffin. die einen Zusammenhang mit dem 5HT2a-Allel teils bestätigten. »Ich halte es nicht für einen Zufall. McMuffin und zwei Kollegen führten eine Metaanalyse an fünfzehn Studien durch. »Zum gegenwärtigen Zeitpunkt läßt sich mit solchen Informationen wenig für die Risikoprognose anfangen«. Da das normale Risiko ein Prozent beträgt. und kamen zu dem Ergebnis. . daß eine »geringe. Die Analyse ergab. Einige der wirksamsten Medikamente zur Behandlung der Schizophrenie. Das sogenannte Ü3-Gen. einer der vielversprechendsten Kandidaten für ein »Schizophrenie-Gen« sei das sogenannte 5HT2a-Allel. daß Träger des 5HT2a-Allels ein gegenüber der Norm um fünfzig Prozent erhöhtes Risiko haben. entspricht dies einem Risiko von anderthalb Prozent. die möglicherweise an der Entstehung der manisch-depressiven Erkrankung und der Schizophrenie beteiligt seien. das bei der Schizophrenie eine Rolle spiele. veränderten die Dopaminkonzentration im Gehirn. sagte McGuffin. teils widerlegten.« Er war sorgsam darauf bedacht. Und selbst wenn sich die Verbindungen bestätigen sollten. die Bedeutung des D3-Markers und anderer aktueller Befunde nicht zu übertreiben – und das mit gutem Grund: Nicht alle Studien haben einen Zusammenhang zwischen diesen Genen und manisch-depressiver Erkrankung und Schizophrenie festgestellt.

. Im Jahr 1998 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe. ein mehr als doppelt so hohes Risiko. McGuffin ist Mitglied des Nuffield Council on Bioethics. in dem es heißt. als ein Träger des 5HT2a-Allels. Füller Torrey ist Psychiater am Saint Elizabeths' Hospital in Washington. beteuerte Torrey. wenn sie für den Patienten einen eindeutigen medizinischen Nutzen haben. Tests auf genetische Anfälligkeiten. D. daß »Gentests zur Diagnose der wichtigsten Psychosen mit komplexeren Ursachen in der nahen Zukunft nicht besonders nützlich sein werden [. die nur einen schizophrenen Verwandten hat. In The Death of Psychiatry. Die Indizien für die Annahme.Tatsächlich hat nach McGuffins eigenen Berechnungen eine Person. schizophren zu werden. daß »genetische Faktoren eine wichtige Rolle bei der Ausbildung zahlreicher Persönlichkeitszüge spielen. daß die Freudschen Theorien der Persönlichkeit und Geisteskrankheit Makulatur würden. C. die eine relativ geringe prognostische beziehungsweise diagnostische Aussagekraft besitzen.211 . und eine Kapazität auf dem Gebiet der Schizophrenieforschung..] Aus diesem Grund empfehlen wir. Freudian Fraud und anderen Büchern lies Torrey kein gutes Haar an Theorien.33 Die Verhaltensgenetik hätte sogar schon viel früher die Oberhand über die . der auch McGuffin angehörte. des bedeutendsten Gremiums in England für die Bewertung der ethischen Fragen. mehren sich rasch«. Die Verhaltensgenetik.«32 Wird Schizophrenie durch Prionen verursacht? E. die psychische Erkrankungen auf die Erziehung und andere Umweltfaktoren zurückführen.. behauptete Torrey. einen Bericht. Surviving Schizophrenia. nur anzuwenden. die durch biologische Forschungsvorhaben aufgeworfen werden. sorge endlich dafür.

zeigten. Erstens wies Freud selbst.34 Zweitens ziehen viele Forscher .Psychoanalyse gewonnen. Torreys Haltung ist mindestens in zweierlei Hinsicht fragwürdig. Mit Hilfe einer privaten Stiftung versuchen Torrey und andere Forscher an der John-HopkinsUniversität Beweise für die Virus-Hypothese zusammenzutragen. wonach sowohl die manisch-depressive Erkrankung als auch die gewöhnliche Depression möglicherweise durch das sogenannte Borna-Virus verursacht werden. das den Fetus in der Gebärmutter infiziere und das Gehirn dann progressiv schädige. wenn Gene eine Rolle spielten.] wenn wir die bisher übersehene Rolle akzidenteller Eindrücke der frühen Jugendzeit betonten«. daß es eine neurologische Erkrankung bei Pferden. das andere Viruserkrankungen. »mußten wir hören.. daß die Psychoanalyse die Faktoren der Konstitution und der Heredität verleugne. klagte er 1935. Rindern und anderen Säugetieren hervorruft. in einen Topf werfen. Torrey äußerte die Vermutung. wäre da nicht ihre bedauerliche Verknüpfung mit der Eugenik und dem Nazismus gewesen. Unterdessen haben die deutschen Virologen Liv Bode und Hanns Ludwig Untersuchungsergebnisse vorgelegt. auf die Bedeutung genetischer Faktoren hin. die Schizophrenie könne durch ein Virus hervorgerufen werden. »[.212 . obwohl Torrey und andere Wissenschaftler ihn vielfach mit eingefleischten Behavioristen und anderen. dann lediglich insoweit. als sie ihren Träger für eine Virusinfektion anfällig machten. vielleicht eines. die Gene seien der Schlüssel zum Verständnis und zur Behandlung psychischer Krankheiten. von dem man schon länger weiß.35 Das Muster des Auftretens von Schizophrenie in Familien stimme Torrey zufolge häufig mit dem Muster überein.in zunehmendem Maße die Annahme in Zweifel.. wie etwa Kinderlähmung. was uns niemals eingefallen war«.bemerkenswerterweise auch Torrey selbst . die den Geist als ein zunächst unbeschriebenes Blatt auffassen.36 Mindestens eine .

die das Gehirn des Fetus schädigten. daß Prionen auch die Erreger des sogenannten »Rinderwahnsinns« (Bovine spongioforme Enzephalopathie . die sich ohne Hilfe der Nukleinsäuren DNA und RNA replizieren sollen. sind Eiweißpartikel. dem sogenannten Prion. Man vermutet. daß diese Alternativen überhaupt in Erwägung gezogen werden. deren Existenz erstmals von Stanley Prusiner von der Universität von Kalifornien in Berkeley postuliert wurde. daß das genetische Paradigma die anfänglich in es gesetzten Erwartungen nicht erfüllt hat. Obgleich Prusiner 1997 für seine Arbeiten über Prionen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. wie etwa mangelhafter Ernährung der Mutter oder eine Unverträglichkeit zwischen dem Immunsystem der Mutter und ihrem Fetus. im Jahr 1997 in Nature zu verkünden. Die Prionen. sie hätten Belege für einen Zusammenhang zwischen Prionen und Schizophrenie gefunden. daß Prionen tatsächlich existieren. zeigt.38 Die nichtgenetischen Erklärungen von Psychosen vermögen noch weniger zu überzeugen als die genetischen Erklärungansätze.Forschergruppe hat Psychosen einem anderen infektiösen Agens angelastet. bezweifeln viele Mikrobiologen. .213 . bei denen das Gehirn degeneriert und eine schwammige Konsistenz annimmt. Dies hielt eine brasilianische Forschergruppe jedoch nicht davon ab.37 Andere nichtgenetische Erklärungen der Schizophrenie sehen die Ursache der Erkrankung in pränatalen Traumata. Die Tatsache.BSE) und ähnlicher Krankheitsbilder beim Menschen seien.

insbesondere bei Männern. in dem seine Studie. sie habe einen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und einem DNA-Abschnitt (Marker) nahe dem D2-Gen gefunden. Seine Bemühungen. Doch es gibt auch Studien. die andere Genetiker an dem Zusammenhang zwischen dem D2-Gen und Alkoholismus hegten. Blum beantragte sogleich ein Patent auf einen Alkoholismustest. der an der Regulation des Lustempfindens und einer Vielzahl weiterer mentaler Funktionen beteiligt sein soll. daß Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. die früh in ihrem Leben mit gewohnheitsmäßigem starkem Trinken beginnen. in dem die bisherigen Forschungsergebnisse neu bewertet wurden. wurden zweifellos durch einen Artikel auf der Titelseite der New York Times gefördert. diese zu reproduzieren. Eltern herausfinden könnten. wie er meinte. das Interesse von Wagniskapitalgesellschaften an einem solchen Test zu wecken.40 Der Artikel verschwieg allerdings die erheblichen Zweifel.39 Das D2-Gen codiert für einen Rezeptor des Neurotransmitters Dopamin. an der fünfunddreißig Alkoholiker beteiligt waren.Die Alkoholspur Ist Alkoholismus eine Erbkrankheit? Studien an Zwillingen und anderen Verwandten haben Anhaltspunkte für eine genetische Komponente geliefert. Dennoch berichtete eine Forschergruppe um Kenneth Blum vom Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Texas in San Antonio im Journal of the American Medical Association. Im Jahr 1993 erschien im Journal of the American Medical Association ein Übersichtsartikel. als möglicher Wendepunkt bei der Diagnose und Behandlung des Alkoholismus gerühmt wurde. Dort wurde konstatiert. die darauf hindeuten. ob ihre Kinder trunksuchtgefährdet seien.214 . mit dem. Dennoch nahmen zahlreiche Forscher die von Blum und seinen Mitarbeitern publizierten Studienergebnisse so ernst. daß sie versuchten. daß »kein phy.

erklärte er.215 . das Hamer zusammen mit einem Journalisten schrieb. . »Mit anderen Worten. das nichts bewirkte. die man am besten vergessen sollte. das angeblich mit Homosexualität assoziiert ist . sie hatten ein Gen entdeckt. In dem 1998 erschienenen Buch Das unausweichliche Erbe. daß sich das von Blum aufgespürte Allel »auf einem Abschnitt des Chromosoms befand. in Verbindung gebracht. worin dieses »etwas« besteht. bemerkte Hamer. Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und Spielsucht einhergehen. Blum und seine Kollegen halten jedoch an ihrer Auffassung fest. daß er irgendeine funktionale Bedeutung hatte«. Andere Verhaltensgenetiker sehen in der D2-Affäre eine peinliche Angelegenheit.die Entdekkung eines Gens. «45 Was Hamer in seinem Buch verschwieg. multiplem Suchtstoffgebrauch (einschließlich Rauchen).siologisch bedeutsamer Zusammenhang« zwischen dem D2Marker und Alkoholismus nachgewiesen worden sei.41 Einer der Autoren des Beitrags sagte mir später.sich auf noch dürftigere Indizien stützt als die Behauptung. Forschungen hätten gezeigt. Kokainsucht. selbst wenn sie sich nicht darüber einig sind. war die Tatsache. die mit Alkoholismus. der D2-Marker verursache etwas.44 Blums Gruppe und andere haben das D2-Allel mit Lebererkrankungen und anderen medizinischen Komplikationen. Alkoholismus sei genetisch verankert. einem der tatkräftigsten Verfechter genetischer Theorien des menschlichen Verhaltens. doch die von Blum postulierte Verbindung zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus sei im wesentlichen widerlegt. bestritten. Der prominente Genetiker Irving Gottesman von der Universität von Virginia nannte Blums Hypothese »Unfug«43. Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Der vermeintliche Zusammenhang zwischen dem Di-Gen und Alkoholismus wurde sogar von Dean Hamer. daß seine eigene »Ruhmestat« . von dem nicht bekannt war. möglicherweise würden eines Tages Alkoholismusgene identifiziert. Blums D2-Hypothese sei »erledigt«42. Eßsucht.

statistisch gesehen. was ein statistisch signifikantes Ergebnis ist.49 Ebers und sein Kollege George Rice fanden in ihrer Studien an 182 Familien mit einem oder mehr männlichen Homosexuellen auch keine Belege für das Vererbungsmuster.Im Jahr 1993 berichteten Hamer und vier Kollegen vom National Cancer Institute in Science über Untersuchungsergebnisse. Die vorangehende Studie hatte eine Trefferquote von zweiundachtzig Prozent erzielt. denen zufolge ein genetischer Marker auf dem X-Chromosom an der Entstehung der männlichen Homosexualität beteiligt sei. doch die neuen Ergebnisse waren.46 Die Gruppe untersuchte vierzig Paare homosexueller Brüder mit Gentests. Im Jahr 1995 untersuchte George Ebers von der Universität von West-Ontario zweiundfünfzig Paare homosexueller Brüder und fand keine Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Genen auf dem X-Chromosom oder anderen Chromosomen. Bei einem reinen Zufallsbefund sollten nur bei fünfzig Prozent der Paare beide Brüder den genetischen Marker geerbt haben.48 Erstens nahmen an der zweiten Studie lediglich zweiunddreißig Brüderpaare teil. sie hätten den X-Chromosomen-Befund reproduziert. Und zweitens ließ sich der genetische Marker nur bei zweiundzwanzig Paaren nachweisen. das Hamer ent. Doch nicht einmal diese dürftige Korrelation wurde von anderen Forschern bestätigt. Hamer trat in den Sendungen Nightline und MacNeil/Lehrer News Hour auf und unterschrieb den Vertrag für ein Buch. nicht annähernd so aussagekräftig. die nach dem Zufallsgesetz zu erwarten gewesen wären). Statt dessen waren bei dreiunddreißig Paaren beide Geschwister Träger desselben DNA-Fragments auf dem X-Chromosom.47 Im Jahr 1995 berichteten Hamer und seine Mitarbeiter. The Science of Desire. das 1994 erschien. was siebenundsechzig Prozent der Gesamtheit entspricht (gegenüber fünfzig Prozent.216 . Die Veröffentlichung sorgte weltweit für Schlagzeilen.

lautete Hamers Fazit.50 In Das unausweichliche Erbe deutete Hamer die Daten von Ebers und Rice um und behauptete.52 In Das unausweichliche Erbe verschwieg Hamer allerdings geflissentlich. die mit der sexuellen Orientierung in Zusammenhang stehen«. die zu seinem Ruf als führender Genjäger beitrugen: ein Gen für »Neugierverhalten« (beziehungsweise »das Streben nach Nervenkitzel«.53 Die Glockenkurve und der Flynn-Effekt Kein Thema in der Verhaltensgenetik ist so strittig wie die Intelligenz. als Hamer sein Buch schrieb.deckt hatte. Ebers und Rice bestritten dies. Der ursprüngliche Anstoß zu dieser Kontroverse ging von Cyril Burt aus. daß wenigstens zwei andere Forschergruppen im Jahr 1996 berichtet hatten.217 . jedoch keine statistisch bedeutsame« seiner ursprünglichen Befunde. Im Jahr 1998 berichtete eine Gruppe um Alan Sanders vom National Institute of Mental Health. (Die Studie von Sanders war noch nicht veröffentlicht worden. daß es irgendein Gen oder Gene [auf dem X-Chromosom] gibt.51 In seinem Buch stellte Hamer zwei weitere Entdeckungen heraus. bei deren Studien handele es sich »praktisch um eine indirekte Bestätigung. der auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn der einflußreichste Psychologe Englands war. wie es von vielen Journalisten genannt wird) und ein Gen für Angst oder »Neurose«. sie hätten keine Belege für die Existenz eines Gens für »Neugierverhalten« gefunden. ihre Studie an vierundfünfzig Paaren homosexueller Geschwister habe keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Homosexualität und zweiunddreißig verschiedenen Markern auf dem X-Chromosom einschließlich des Markers.54 Als lei.) »Die Befunde ergeben zwingend. der von Hamers Gruppe herausgegriffen worden war. erbracht. Hamer und seine Mitarbeiter veröffentlichten beide Studienergebnisse 1996.

die man erhält. in dem 1994 erschienenen Buch The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) wiederaufgegriffen (das Wort Glockenkurve bezieht sich auf die Form der Verteilung. Er spürte insgesamt dreiundfünfzig Paare auf und verfolgte ihren Lebensweg bis ins Erwachsenenalter. Seither haben andere Wissenschaftler den Versuch gemacht. Andere Genetiker hingegen neigen einer Zahl von höchstens fünfzig Prozent zu. wirke sich kaum auf die Intelligenz aus. wenn man die IQ-Werte einer großen Population graphisch darstellt).218 . wenn man diesen Faktor berücksichtige. Bernie Devlin von der Universität Pittsburgh hat Ergebnisse vorgelegt.55 Devlin behauptete. Die Erziehung. der nur geringfügig unter dem Schätzwert von Burt liege.tender Psychologe der Londoner Schulbehörde beaufsichtigte er die Prüfungen sämtlicher Schüler. die Intelligenz sei ein relativ unveränderliches Merkmal. das robust gegen Umwelteinflüsse sei. Forscher. In den siebziger Jahren gerieten Burts Schlußfolgerungen in Verruf. Burt zu rehabilitieren. indem sie behaupteten. In den zwanziger Jahren begann Burt nach eineiigen Zwillingen. die bei der Geburt getrennt worden waren. die an der Minnesota-Zwillingsstudie mitwirken. hätten für Intelligenz einen Erblichkeitsgrad ermittelt. Im Jahr 1966 veröffentlichte er die verblüffenden Ergebnisse seiner Studie. zu suchen.56 Der Politikwissenschaftler Charles Murray und der . Dennoch wurde Burts These. sinke die Erblichkeit auf vierunddreißig Prozent. daß die hohe Korrelation der IQ-Werte von Zwillingen zum Teil auf ihre gemeinsame pränatale Umwelt zurückzuführen sei. daß Intelligenz zu achtzig Prozent erblich sei. die dafür sprechen. so fand er heraus. er sei bei der Dokumentation der erhobenen Daten zwar recht nachlässig gewesen. seine wichtigsten Untersuchungsergebnisse seien jedoch fundiert. Burt schätzte. nachdem der Psychologe Leon Kamin und andere Ungereimtheiten und Hinweise auf Datenmanipulationen aufgedeckt hatten.

219 . Murray und Herrnstein wiederholten dabei lediglich Argumente. Kritiker erhoben zahlreiche Einwände gegen The Bell Curve. ob dieser Unterschied auf genetische Faktoren zurückzuführen sei. doch ihre Polemik zielte in diese Richtung. Dennoch erregte The Bell Curve großes Aufsehen. einen IQ-Test abzulegen. genauer gesagt. in der sozioökonomischen Schichtung der amerikanischen Gesellschaft spiegelten sich unveränderliche Unterschiede in der Intelligenz wider. daß Verbesserungen im Bildungswesen. die den Status von Schwarzen heben sollen. Die kognitive Leistungsfähigkeit äußere sich in vielfältigen Formen. der konstant niedrige soziale Status von Schwarzen gegenüber Weißen sei in erster Linie auf die niedrigere Intelligenz der Schwarzen zurückzuführen und nicht auf Diskriminierung oder andere gesellschaftliche Faktoren. Tabellen und Diagrammen. Murray und Herrnstein enthielten sich zwar bewußt einer Antwort auf die Frage. und es erschien auf der Bestsellerliste der New York Times – eine bemerkenswerte Leistung für ein Buch voller statistischer Daten. Schwarze schneiden bei IQ-Tests im Schnitt fünfzehn Punkte schlechter ab als Weiße. wie The Bell Curve behaupte.Psychologe Richard Herrnstein behaupteten. die bereits von anderen vorgebracht worden waren. Das Buch wurde im Fernsehen und in der Presse diskutiert. allenfalls geringfügige Auswirkungen haben könnten und im allgemeinen vergeudete Mühe seien.57 Sie wiesen darauf hin. die Korrelation zwischen IQ-Werten und Erfolg in der akademischen Welt. wie etwa . der Begriff Intelligenz sei äußerst unbestimmt und allgemein. IQ-Tests würden lediglich die Fähigkeit messen. Sie behaupteten. insbesondere dem Psychologen Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley und zuvor von Eugenikern und Sozialdarwinisten. aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten und andere Programme. im Geschäftsleben und in anderen Bereichen sei lange nicht so deutlich.

mathematischen und sozialen Kompetenz sowie im räumlichen Vorstellungsvermögen. in der das nicht der Fall wäre. die einen Zusammenhang zwischen Rassenzugehörigkeit und IQ postulieren. sondern kulturelle Konstrukte. Wie kommen Wissenschaftler angesichts all der drängenden Probleme und Bedürfnisse auf der Erde überhaupt auf die Idee.daß Theorien. schien mir die Art von Wissenschaft. ist grauenhaft. ignoriert und nicht diskutiert werden sollten . In ähnlicher Weise seien Rassenkategorien wie schwarz und weiß keine echten biologischen Phänomene.mochten sich ihre konkreten Behauptungen nun als wahr oder falsch erweisen . daß die Freiheit des wissenschaftlichen Diskurses grundsätzlich nicht eingeschränkt werden sollte. Fragen wie diese zu erwägen? Welchen Nutzen versprechen sie sich davon? Diesen Standpunkt .zumindest nicht so vernichtend. wie sie The Bell Curve darstellte . Aber die Entdeckung einer Korrelation zwischen einigen dieser Qualitäten ist nicht von wissenschaftlichem Interesse und ohne soziale Bedeutung. daß diese Kinder »von Natur aus« und unabänderlich minderbegabt seien.220 . die Thesen von Murray und Herrnstein könnten sehr leicht zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen werden. Diejeni. Das Gefalle zwischen den IQ-Werten von Schwarzen und Weißen spiegele die anhaltenden Wirkungen rassischer Vorurteile in den Vereinigten Staaten wider und nicht etwa angeborene Unterschiede in der intellektuellen Leistungsfähigkeit. Sexisten und ähnliche Leute.keinerlei versöhnlichen Wert zu besitzen. Im Gegenteil. wie ich es mir gewünscht hätte. Obgleich ich der Ansicht bin.der sprachlichen. außer für Rassisten. Schon die bloße Vorstellung einer Welt. Keine dieser Kritiken war wirklich vernichtend .legte Noam Chomsky in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens dar: Natürlich unterscheiden sich Menschen in ihrer biologischen Ausstattung voneinander. indem sie schwarzen Kindern sowie deren Eltern und Lehrern suggerierten.

widerlegte. deren Leistungen. erschienen im Vergleich zu denen älterer Rekruten überdurchschnittlich.59 Zu Beginn der achtziger Jahre stieß dieser zufällig auf den Effekt. tragen zum Rassismus und anderen Verirrungen bei.gen. auswirkten . auf der Voraussetzung basiert. der nach James Flynn. Leider beriefen sich Murray und Herrnstein in The Bell Curve auf das gleiche Argument. war jede nachfolgende Ge. wie sie vom IQ gemessen wird.221 . daß jedes Individuum für sich betrachtet werden solle und nicht unter Rückgriff auf die soziale Kategorie. das eine der Hauptprämissen von The Bell Curve . daß die Antwort auf die Frage einen Unterschied macht. um eine merkwürdige Tatsache zu korrigieren: Jede neue Generation von Rekruten schnitt bei demselben Test besser ab als frühere Generationen. daß das Militär seine Bewertungsmethoden immer wieder neu festlegte beziehungsweise neue Tests einführte. als ich 1995 von einem Untersuchungsergebnis hörte. das tut sie aber nicht. Soldaten. Sexisten und andere derartige Leute. was sie sagen. und diejenigen.58 Chomsky will offenbar damit sagen. außer für Rassisten. Bei der Ermittlung des Intelligenzquotienten vergleicht man in der Regel die Leistung eines Individuums mit der Leistung von anderen in derselben Altersgruppe. Daher war ich erleichtert. nur durchschnittlich waren. Der Mittelwert des IQ beträgt definitionsgemäß hundert. die diese Behauptung bestreiten. verglichen mit denen ihrer Altersgenossen. einem Politologen an der Universität von Otago in Neuseeland. benannt ist. weil das. Es handelt sich um den sogenannten Flynn-Effekt. Flynn fand jedoch heraus. als er die Geschichte von Intelligenztests im Militär erforschte. die behaupten.daß sich nämlich kulturelle Einflüsse kaum auf die Intelligenz. Überspitzt formuliert. als sie sich gegen aktive Fördermaßnahmen zugunsten von Minderheiten aussprachen. der es zugeordnet werden kann. daß eine Korrelation zwischen Rasse und IQ besteht.

die nicht nur an Soldaten. Der Anstieg war im Schnitt bei den Tests am größten. hatten ein im Schnitt um siebenundzwanzig Punkte besseres Ergebnis als gleichaltrige Personen im Jahr 1942. Entsprechend behaupteten einige Experten. Die Zunahme reichte von zehn Punkten pro Generation (dreißig Jahre) in Schweden und Dänemark bis zu zwanzig Punkten pro Generation in Israel und Belgien. Bei seinen weiteren Nachforschungen stellte Flynn fest. der 1942 von dem britischen Psychologen J. weil sie heutzutage bei modernen IQ-Tests schlechter abschneiden als Zwanzigjährige. der akademische Erfolg chinesischstämmiger Amerikaner im Vergleich zu ihren europiden Altersgenossen . Einer der angesehensten Tests ist der Progressive Matrizentest nach Raven. der vor fünfzig Jahren verwendet wurde.neration scheinbar intelligenter als ihre Vorgänger. daß ältere Menschen an einem unvermeidlich fortschreitenden Schwund ihrer Intelligenz litten. Wenn der durchschnittliche Siebzigjährige dagegen einen Test ablegt. daß die Ergebnisse von praktisch allen Arten von IQ-Tests. Flynns Daten widerlegten einige vermeintlich gut fundierte Annahmen von Wissenschaftlern. die 1992 getestet wurden. sondern auch an Studenten und anderen Gruppen aller Altersklassen in mindestens zwanzig verschiedenen Ländern erhoben worden waren. die sich mit Intelligenztests befassen. Raven erfunden wurde und seither an einer Vielzahl von Probanden aus sämtlichen Altersgruppen erprobt wurde. die kulturelle oder bildungsbedingte Vorteile dadurch zu minimieren versuchten.C. Beispielsweise waren viele Forscher zu der Überzeugung gelangt. erzielt er in der Regel die gleichen Ergebnisse. seit dem Zeitpunkt der Einführung der Tests um etwa drei Punkte pro Jahrzehnt gestiegen waren. Menschen. wie der durchschnittliche Zwanzigjährige sie damals bei demselben Test erreichte. daß sie die Fähigkeit zum Erkennen abstrakter Muster oder zur Lösung anderer nonverbaler Probleme abfragten.222 .

Flynn fand heraus. eine Korrelation zwischen der Zunahme des IQ und der Dauer des Schul. daß sich die berichtete Diskrepanz im Intelligenzquotienten zum Teil dadurch erklärt. Er kann entweder annehmen. Eine Theorie besagt.und Hochschulbesuchs zu finden. der sie als wirklichen Intelligenzzuwachs deuten will. daß die jungen chinesischstämmigen Amerikaner alten IQ-Tests unterzogen worden waren. vor folgender Alternative. zudem haben Studien gezeigt. der darauf aufmerksam machte. Beide Annahmen sind meines Erachtens absurd. In Wirklichkeit werden IQ-Tests jedoch seltener durchgeführt. Versuche.223 . weil solche Tests immer häufiger angewendet würden. die den stärksten Flynn-Effekt zeigen. daß chinesischstämrnige Amerikaner bei IQ-Tests höhere Punktwerte erzielten als andere rassische Gruppen. daß sich Übung nur geringfügig oder gar nicht in den IQ-Werten niederschlägt. daß Kinder mittlerweile mehr Übung im Ablegen von Tests hätten. doch das Fortpflanzungsverhalten war tendenziell allenfalls dysgenisch. In einer E-Mail an mich legte Flynn die merkwürdigen Konsequenzen seiner Ergebnisse dar: »Angesichts dieser massiven IQ-Zunahme steht jeder. der Flynn-Effekt habe genetische Ursachen und sei nicht etwa umweit. Jede Hypothese. daß der durchschnittliche Mensch heute normal intelligent ist und vor dreißig bis fünfzig Jahren geistig zurückgeblieben war oder daß der durchschnittliche Mensch damals normal intelligent war und heute fast schon ein Genie ist. die bislang zur Diskussion gestellt wurde. blieben . Flynn war der erste. nonverbalen Tests. was die nichtgenetische Ursache sein könnte. hat Schwachstellen.« Er stellt sich die Frage.korreliere mit höherer Intelligenz. Flynn erläuterte: »Im Verlauf von ein bis zwei Generationen hätte nur ein fanatisches Eugenikprogramm einen erheblichen Beitrag zum IQZuwachs leisten können.oder kulturbedingt. schließlich hätten Tests gezeigt.« Niemand hat behauptet. Dies gilt insbesondere für die hochabstrakten.

zumindest wie sie von IQ-Tests gemessen werden. Flynn und andere Psychologen sehen in seinen Daten eine Widerlegung der Thesen. Jedenfalls begannen die IQ-Werte schon lange vor der Verbreitung des Fernsehens zu Beginn der fünfziger Jahre anzusteigen. Der Flynn-Effekt unterstreicht den wesentlichen (wenn auch bislang unerklärlichen) Beitrag nichtgenetischer Faktoren zur Intelligenz. Schwarze seien von Natur aus nicht so intelligent wie Weiße. Der Flynn-Effekt deutet darüber hinaus darauf hin. zudem haben Hochschulzugangsprüfungen und andere akademische Leistungstests in den Vereinigten Staaten nicht zu-. der Anstieg des IQ stehe mit Verbesserungen in der Ernährung in Zusammenhang. Einige Forscher schreiben die Zunahme des IQ der Tatsache zu.was interessanterweise auch für die »geistige Abstumpfung« der heutigen Jugend verantwortlich gemacht wird. daß Kinder immer mehr Zeit mit Fernsehen und mit anderen Medien verbringen . sondern eher abgenommen.224 . die in The Bell Curve aufgestellt wurden. einer der ersten prominenten Forscher. obwohl die IQ-Werte angestiegen sind. der die These aufstellte. hätte der Anstieg der IQ-Werte in Ländern. .61 Schließlich ist der Intelligenzquotient in einigen Ländern binnen einer Generation um über fünfzehn Punkte gestiegen. daß die Differenz von fünfzehn Punkten zwischen den mittleren IQ-Werten von Schwarzen und Weißen entgegen der Ansicht von Murray und Herrnstein keineswegs unabänderlich ist.ohne schlüssiges Ergebnis. die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs von einer Hungersnot heimgesucht worden waren. mutmaßte. sondern vermutlich ausgeglichen werden kann. zum Stillstand kommen beziehungsweise dort hätte sogar eine Trendumkehr einsetzen müssen.60 Wenn dies zuträfe. Der Psychologe Arthur Jensen von der Universität von Kalifornien in Berkeley. widerlegte ihn Flynn.

Als ich ihn 1998 in London anrief. daß auch nichtgenetische Faktoren bei der Prägung der Persönlichkeit eine Rolle spielten. für eine stärkere Gewichtung der Umwelt zu plädieren«. daß sich die Kontroverse über den jeweiligen Einfluß von Anlage und Umwelt zu sehr in Richtung Anlage verschoben habe. ist Robert Plomin vom Institut für Psychiatrie in London.225 . daß »Genies geboren und nicht gemacht werden«. insbesondere jene. der immer wieder die Grenzen seiner Arbeit und der Verhaltensgenetik im allgemeinen betont. Schließlich habe die Verhaltensgenetik mehrfach nachgewiesen. Intelligenz sei ein weitgehend angeborenes. Ein Forscher. Im Jahr 1993 berichtete Plomin. Plomins Methodik ist einfach. doch der Zusammenhang ließ sich in nachfolgenden Studien nicht reproduzieren. Nachdem er Schüler entsprechend ihrem Intelligenzquotienten in Kategorien eingestuft hatte. suchte er nach Allelen. daß der Flynn-Effekt Intelligenzforscher. zu Vorsicht und Bescheidenheit anhielte. sagte er. die bei Kindern mit hohem IQ häufiger sind als bei Kindern mit niedrigem IQ. Dennoch verfolgt Plomin eines der ehrgeizigsten und umstrittensten Ziele in der Verhaltensgenetik: Er fahndet nach Genen für hohe Intelligenz. der oftmals die Übertreibungen seiner Kollegen bedauert. »Ich fühle mich mittlerweile gezwungen.)62 . zeigte er sich beunruhigt darüber. Plomin ist eine der wenigen Stimmen der Vernunft und Mäßigung innerhalb der Verhaltensgenetik. (Unterdessen hatte der Londoner Sunday Telegraph bereits gemeldet. Die Allele wurden nicht aufs Geratewohl ausgewählt.Auf der Suche nach Intelligenzgenen Allerwenigstens sollte man erwarten. er habe bei hochintelligenten Kindern ein überzähliges Exemplar eines bestimmten Allels gefunden. Plomin habe bewiesen. die meisten waren bereits mit Neurorezeptoren und anderen neuronalen Komponenten in Verbindung gebracht worden. die behaupten. unveränderliches Merkmal.

«64 In seinem Gespräch mit mir bezweifelte Polmin. daß solche Sze. durch das man auf Verbindungen zwischen Genen und Verhalten blicken kann. in der die Gentechnik nicht nur körperliche und psychische Erkrankungen heilen. die mit hoher Intelligenz korrelierten. Ich fragte Plomin. »Wir schätzen. und anscheinend sei die Wirkung des Gens sehr schwach. daß es eindeutig weniger als zwei Prozent der Varianz ausmacht und vermutlich sogar eher nur ein Prozent. In dem Film werde eine nicht allzu ferne Zukunft geschildert. Nur etwa die Hälfte der hochintelligenten Kinder seien Träger des Gens. antwortete Plomin. würden als »Behinderte« bezeichnet. nach denen in einer Gruppe von 217 Kindern ein Gen auf Chromosom sechs mit hoher Intelligenz gekoppelt war. Die Welt werde von den gentechnisch aufgemöbelten Herren regiert. daß innerhalb von zwei Monaten kommerzielle Genzentren gegründet werden.226 . könne den Beitrag der Erbanlagen zur Intelligenz und zu anderen kognitiven Funktionen abschätzen helfen.Im Mai 1998 präsentierten er und zwei Kollegen in der Zeitschrift Psychological Science Befunde. die Eltern anbieten. wozu sein Forschungsprojekt gedient habe. wobei man hofft. er habe gerade auf einem Transatlantikflug den Film Gattaca gesehen. daß aus seinen Untersuchungen jemals konkrete Nutzanwendungen hervorgehen würden. Plomin bezweifelte. ein Fenster zu finden. »Es ist eine Fragestellung der Grundlagenforschung.« Plomin sagte mir.« Eine Varianz von einem Prozent entspricht zwei IQ-Punkten. die nicht in den Genuß einer gentechnischen Optimierung gekommen seien. wie etwa Tests auf einen hohen IQ oder intelligenzsteigernde Gentherapien. sie auf dieses Gen zu testen. wenn es keine praktische Konsequenzen hätte. Das Aufspüren von Genen.63 In einem Artikel in der New York Times kommentierte ein Psychologe Plomins Befunde: »Ich bin absolut sicher. sondern auch Intelligenz und sportliche Leistungsfähigkeit optimieren könne. die armen Kerle.

»Ich glaube nicht. während musikalische Begabung. wir werden bald die Fähigkeit besitzen. daß künftige Forschungen Eltern schon bald erlauben würden. so wie auch all die anderen Hypothesen über spezifische Gene für spezifische Verhaltensmerkmale nicht bestätigt wurden. die miteinander und mit der Umwelt in Wechselwirkung stehen.65 Der an Princeton lehrende Genetiker Lee Silver verstieg sich in seinem 1998 erschienenen Buch Das geklonte Paradies . werden nachfolgende Experimente . werden diese Fehlschläge andere Wissenschaftler und Journalisten nicht davon abhalten. die die Verhaltensgenetik bietet. fußballerisches Können und Optimismus immer breiteren Bevölkerungskreisen zugänglich würden.227 . »Ob man das nun für eine gute Idee hält oder nicht. daß die Gentherapie überhaupt eine Erfolgschance hat. bescheiden zu sein.genau so. die durch Mutationen in nur einem Gen verursacht würden.seine Entdeckung eines Gens für hohe Intelligenz nicht bestätigen. Meines Erachtens ist die Gentherapie ein aussichtsloses Unterfangen.narien jemals Wirklichkeit würden. wie es in Gattaca prophezeit worden war. Doch wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. »Stellen Sie sich eine Krankheit vor. wie etwa die Mukoviszidose. an der einhundert Gene beteiligt sind. verkündete Hamer.« Es habe sich schon als außerordentlich schwierig erwiesen. Psychische Erkrankungen sowie Schüchternheit und Hyperaktivität würden verschwinden. in immer höheren Tönen zu preisen. die Chancen. Wenn die Vergangenheit zuverlässige Prognosen erlaubt. In Das unausweichliche Erbe sagte Dean Hamer voraus. noch vor der Empfängnis erwünschte komplexe Merkmale ihrer Nachkommen auszuwählen und unerwünschte Merkmale beseitigen zu lassen .vielleicht sogar von Plomin selbst . das menschliche Verhalten mit Hilfe der Genetik zu verändern und zu manipulieren«. Behandlungen für Erkrankungen zu entwickeln.« Plomin tut gut daran.

bei denen die entsprechende Erkrankung mit einer gewissen. Weltweit sind mehr als dreihundert klinische Studien über gentherapeutische Verfahren an über dreitausend Patienten erprobt worden. die Menschheit werde sich durch die Gentechnologie eines Tages sogar in zwei eigenständige Spezies aufspalten: die Klasse der »Gen-Reichen«. schrieb Silver über diese biotechnologisch frisierten Turbomenschen. als auch in bezug auf ihr eigenes Bewußtsein.228 . Mukoviszidose. echte Fortschritte gemacht worden. Je intelligenter diese Übermenschen würden. der dies nicht zur Verfügung stehe.in einer endlosen positiven Rückkopplungsschleife. unverantwortlich. Bis zum heutigen Tag hat kein einziges seine Bewährungsprobe bestanden. wenn sie von führenden Genetikern kommen.«66 Diese utopischen Vorhersagen sind angesichts der bislang so dürftigen Erfolgsbilanz der Verhaltensgenetik absurd und. »›Wissen‹ erfaßt nicht die Tiefe ihres Verständnisses – sowohl was das Universum betrifft. die schädliche Gene in Zellen vernichten oder deren Ausprägung verhindern sollen. um so stärker könnten sie mit neuen Technologien ihre mentalen Fähigkeiten optimieren . amyotrophische Lateralsklerose und embryonale Tumore. welche durch eine einzige Genmutation verursacht werden. Auf der Basis dieser Erkenntnisse haben Forscher damit begonnen. Natürlich sind bei der Identifizierung von Genen. manchmal sehr hohen Wahrscheinlichkeit ausbrechen wird. und die Klasse der »Naturbelassenen«. die bei Erkrankungen. wie etwa Chorea Huntington. die die Träger dieser Gene aufspüren. . therapeutische Ansätze zu entwickeln.zu noch phantastischeren Spekulationen. Silver prophezeite. Wir verfügen heute über Tests. »›Intelligenz‹ wird ihren kognitiven Fähigkeiten nicht gerecht«. weder an körperlichen noch an psychischen Krankheiten leiden und möglicherweise unsterblich sein. die sich gentechnologische Eingriffe leisten könne. Die Klasse der Gen-Reichen werde intellektuell und sportlich hoch begabt sein.

immer wieder überraschen sie meine Frau und mich. ein Vorkämpfer der gentherapeutischen Forschung. wie einige Genetiker behauptet haben (auch wenn es Zeiten gibt. French Anderson. daß mein Einfluß auf ihr Schicksal so geringfügig ist. einen Jungen und ein Mädchen.«68 Wenn dies schon für Krankheiten gilt. Robert Weinberg vom MIT. Einer der klügsten Erforscher der menschlichen Psyche. ist Jerome Kagan. liegen noch immer keine schlüssigen Beweise dafür vor. schrieb W. hohe Intelligenz und Schüchternheit.»Abgesehen von anekdotischen Berichten über die Wirksamkeit bei einzelnen Patienten. daß das Temperament bis zu einem gewissen Grade angeboren ist. dem wäre so). erklärte 1997: »Bei einer Reihe von genetischen Krankheiten wird die Kenntnis der sie verursachenden Gene den Patienten vermutlich kein bißchen helfen. die spezifische Erkrankungen verursachen.67 Einige führende Genetiker bezweifeln sogar. wo ich mir wünschte. Das Temperament von Jerome Kagan Meine Frau und ich haben mittlerweile zwei Kinder.229 . eine Kapazität auf dem Gebiet der Tumorgenetik. Außerdem kann ich mich nicht damit abfinden. Unser Sohn hatte von Anfang an seine eigene markante Wesensart und unsere Tochter die ihre. 1998 in einem Beitrag in Nature. daß sich die Identifikation der Gene. dann natürlich in noch viel höherem Maße für Schizophrenie. Ich akzeptiere .ich weiß -. Doch andererseits ist beider Charakter auch in ständigem Wandel begriffen. Professor für . die durch eine einzige Genmutation hervorgerufen werden. daß ein gentherapeutisches Protokoll bei der Behandlung einer menschlichen Erkrankung erfolgreich gewesen ist«. den ich kennengelernt habe. zwangsläufig in besseren Behandlungsmethoden niederschlagen werde.

weshalb manche Menschen. Zudem seien einige Theorien.230 .69 In einer Reihe penibel durchdachter Studien. zu Depressionen und anderen psychichen Erkrankungen neigten. Einige der jüngsten Hypothesen von Verhaltensgenetikern beunruhigten Kagan jedoch. Er gab zu. während andere. Als er zu Beginn der fünfziger Jahre an der Yale-Universität studierte. die Forscher an der Universität von Minnesota und an anderen Forschungseinrichtungen aufgestellt hätten. gesunde Erwachsene wären. Wenn Wissenschaftler ein derart »hirnrissiges« Ergebnis vorlegten. den ich im Herbst 1997 an der Harvard-Universität traf. Geradezu entsetzt sei er über die Behauptung. daß er über seine Befunde gelegentlich noch immer betrübt sei.wie die Annahme. so Kagan. der Vermögensstatus und das Verhalten der Eltern habe praktisch keinen Einfluß auf die Intelligenz eines Kindes. die in den fünfziger Jahren begannen. warmherzige Eltern gehabt hätten. Autismus werde durch »gefühlskalte Mütter« gefördert -. trug er eine überwältigende Fülle von Belegen für die Hypothese zusammen. waren er und die meisten seiner Kollegen fest davon überzeugt. glückliche. meinte Kagan. ist selbst hemmungslos extravertiert und nach eigenem Bekunden ein Liberaler. nach . Sie könnten nicht erklären. daß »alles von der Umwelt abhängt« und der Einfluß des biologischen Erbes auf die Ausbildung von Unterschieden zwischen Individuen »belanglos« sei. Kagan. daß Gehemmtheit beziehungsweise Schüchternheit und Ungehemmtheit beziehungsweise Extraversion bis zu einem gewissen Grad angeborene Merkmale seien. die eine traumatische Kindheit erlebt hätten. die liebevolle. die Ausbildung. die auf Umweltfaktoren abstellten.Psychologie an der Harvard-Universität. hätten zweifellos ihre Schwächen. seien sie dazu verpflichtet. Doch dann hätten ihn seine Daten »wie der Teufel gekniffen und gesagt: ›Du irrst dich!‹« Erklärungen. genauso »wertlos wie jeder genetische Determinismus«. die sich bei Psychoanalytikern großer Beliebtheit erfreuten .

sämtliche Nachkommen hatten Flügel. daß sie sich nicht leicht entwirren ließen. Regelmäßigkeiten .und sogar Gesetze . wisse.zu entdecken. Doch als die Forscher die Temperatur im Labor um zehn Grad erhöhten. so sagte er. das Gen werde nicht ausgeprägt. das bei Mäusen Bluthochdruck erzeuge. niemals die Präzision und Allgemeingültigkeit der wirklich exakten Naturwissenschaften wie der Astrophysik und der Kernphysik erreichen. daß Erbanlage und Umwelt oftmals so eng miteinander verzahnt seien. die. Wissenschaftler hätten ein Gen aufgespürt. die die Taufliege (Drosophila) erforschten. daß wir das Phänomen eines schüchternen oder neugierigen Kindes jemals allein mit physiologischen Erkenntnissen erklären oder vorhersagen können. die das menschliche Denken und Verhalten steuerten. die Psychologie und andere Fachgebiete. die viel primitiver seien als der Mensch. selbst bei Organismen. wurden die Gene nicht mehr ausgeprägt. Andererseits würden die Verhaltensgenetik. hätten jüngst ein Paar von Genen entdeckt. Tempera.alternativen Erklärungen zu suchen. »das ist doch ein undurchdringliches Gestrüpp!« Kagan glaubt an die Fähigkeit der Wissenschaft. statt das Ergebnis für bare Münze zu nehmen. aber nur. wenn sie von ihren biologischen Müttern gesäugt würden. wenn die neugeborenen Mäuse von nichtverwandten Weibchen gesäugt würden.231 . entfuhr es Kagan. »Es bedarf keiner weiteren Beispiele!« Darauf beschrieb er mir ein weiteres Beispiel. sagte Kagan. die sich mit der menschlichen Natur befaßten. Andernfalls. ungeflügelte Nachkommen hervorbrächten. wenn sie von Mutter und Vater vererbt würden. Jeder sachkundige Biologe. »Also wirklich«. Diesen Punkt formulierte Kagan in seinem 1994 erschienenen Buch Galen's Prophecy mit unmißverständlicher Klarheit: »Ich glaube nicht. Wissenschaftler. würde er sein Labor dichtmachen und sich eine andere Arbeit suchen. »Das sagt alles!« versetzte Kagan triumphierend.

die Umwelt spielt eine Rolle. sich von Fremden und unvertrauten Ereignissen zurückzuziehen.und Beinbewegungen. Etwa zwei von fünf Kindern seien vergleichsweise kaum gehemmt. . das angeborene Bedürfnis. halfen ihren hochreaktiven Kindern. Etwa eines von fünf Kindern zeige bei der Geburt Symptome von Gehemmtheit. erschwerte es dem Kind.menteigenschaften können nicht auf rein biologische Gegebenheiten zurückgeführt werden.«71 Anders gesagt. Kagan betonte. und einige lebhafte Säuglinge würden zu trägen. vielmehr zwangen ihn seine Forschungen dazu. altersangemessene Forderungen nach Reinlichkeit und Anpassung stellten. sie reagierten auf Stimulation mit offenkundigen Streßsymptomen. daß die Umwelt ein Merkmal entweder verstärken oder abschwächen könne. ihre Ängstlichkeit zu bändigen. »die ihr hochreaktives Kleinkind konsequent selbst vor geringsten Stressoren schützte. wie etwa Weinen und heftigen Arm. Doch nur etwa die Hälfte dieser gehemmten und ungehemmten Kinder behalte diese Merkmale während der Kindheit und Adoleszenz. die mit dem Alter und mit der Umgebung schwanke. die übliche. sie blieben entspannt und lebhaft.232 . sich mit dieser Grenze der Wissenschaft abzufinden. Einige extrem gehemmte Säuglinge würden später extravertierte Jugendliche. Eine Mutter. introvertierten Teenagern. zu kontrollieren. sie zeigten eine Mischung aus Verhaltenheit und Extraversion.«70 Dies war kein bloßes Wunschdenken von Kagan. Die in gleicher Weise betroffenen Mütter. Die meisten Kinder ließen sich nicht leicht klassifizieren. wenn sie gereizt würden.

wie ähnlich ihr Geist dem unseren ist. Zudem konzentrieren sich Verhaltensgenetiker auf Merkmale. daß es ihn »unablässig zutiefst erstaunte. daß die Evolutionspsychologen und die Verhaltensgenetiker Verbündete seien. die allen Menschen gemeinsam sind. Die Evolutionspsychologen folgen hierin Darwin. das die Psychoanalyse als vorherrschendes Erklärungsmodell der menschlichen Psyche zu entthronen versuchte. ist die Evolutionspsychologie. Man könnte meinen. die Individuen voneinander unterscheiden. Evolutionspsychologen. da viele europäische Geistesgrößen Angehörige nichtweißer Rassen als Untermenschen ansahen. daß sie die Verhaltensgenetik für trivial halten. Unsere Gemeinsamkeiten seien viel wichtiger als unsere Unterschiede. Nach einem Aufenthalt bei den Ureinwohnern Feuerlands an der Südspitze Südamerikas erinnerte er sich daran. die in der Urzeit unserer fernen Vorfahren von der natürlichen Selektion gestaltet wurden.Das andere genetische Paradigma Die Verhaltensgenetik ist nicht das einzige Paradigma auf genetischer Grundlage. doch in Wirklichkeit haben die beiden Gruppen grundverschiedene wissenschaftliche Perspektiven und Ziele. während dies das zentrale Anliegen der Evolutionspsychologen ist. betonte Darwin die Einheit des Homo sapiens. das in jüngster Zeit starke Beachtung gefunden hat. Zu einer Zeit. sehen eine Fülle von Anpassungen.oder Kakophonie . die die natürliche Auslese bei der Formung der menschlichen Psyche spielte. Ein Konkurrenzmodell.233 . das aus der Symphonie . die die menschliche Psyche durch die Linse des Darwinismus betrachten. und ebenso er. während Evolutionspsychologen an den Merkmalen interessiert sind. da sie sich ganz auf das Rauschen statt auf das Signal konzentriere. Verhaltensgenetiker interessieren sich im allgemeinen nicht für die Rolle.der Menschheit hervorgehe. Evolutionspsychologen lassen immer wieder durchblicken.

mit dem ich einst vertrauten Umgang hatte«72. So schrieb er einmal in einem Brief. »die von vielen als die große Hoffnung der Zukunft angesehen werden. die im wesentlichen das Recht des Stärkeren predigte. und die begabteren Menschen wären im Kampf ums Dasein nicht erfolgreicher als die weniger begabten.von den inhumanen Auswüchsen der Darwinschen Theorie zu distanzieren bemüht..ging es mir mit einem reinblütigen Neger. Darin sehe ich ein schlimmes Übel für den künftigen Fortschritt der Menschheit. »Den Schwachen bei der Fortpflanzung zu helfen läuft praktisch darauf hinaus. Andernfalls verfiele er in Trägheit. der Mensch »muß sich immer wieder in schwerem Ringen bewähren.überwiegend erfolgreich . In Why Freud Was Wrong sagte der britische Autor Richard Webster vorher. daß das neue und verbesserte darwinistische Paradigma eines Tages die Psychoanalyse als allgemeine Theorie der menschlichen Psyche ablösen werde. Spencer prangerte immer wieder Sozialprogramme an. einer politischen Ideologie. daß Gewerkschaften.«74 Evolutionspsychologen haben sich .. daß evolutionsbiologische . Webster gab zu. Als Begründer des Sozialdarwinismus gilt gemeinhin Darwins Zeitgenosse Herbert Spencer. der das Schlagwort vom »Überleben der Tauglichsten« prägte und es zu einem grundlegenden ethischen Prinzip erhob.234 .73 Selbst der heilige Darwin verwechselte gelegentlich ist mit sollte sein. an die Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie zu gelangen. [.« Er äußerte seine Sorge darüber.] den Konkurrenzkampf ausschalten werden. Doch so wie die moderne Verhaltensgenetik noch immer vom Gespenst der Eugenik verfolgt wird. trägt die Evolutionspsychologie die Bürde des sozialdarwinistischen Erbes. unsere Nachkommen in heimtückischer Weise mit einer Horde von Feinden zu versorgen«. schrieb er in seinem 1874 erschienenen Buch Study of Sociology. weil sie den Schwachen helfen würden und die Starken daran hinderten.

Obgleich die Darwinsche Theorie eine Fülle von Einzelerkenntnissen enthält. das heißt umfassend.Erklärungen der menschlichen Psyche bislang viel zu wünschen übrigließen. vermag sie die Entwicklung der menschlichen Kultur und die Komplexität des menschlichen Geistes noch immer nicht angemessen. sind die zahllosen Versuche.«75 Tatsächlich unterscheiden sich die Schwächen der Evolutionspsychologie nicht allzusehr von den Unzulänglichkeiten der Psychoanalyse.235 . keineswegs immer überzeugend. zu erklären. die Theorie auf den menschlichen Geist anzuwenden. Obgleich Darwins Theorie »eine Lösung für das Problem der Spezies und eine Erklärung für die Entstehung der Organformen liefert. .

einer Hochburg der Evolutionsbiologie. während sie sich angeregt über den neuesten Klatsch und alte Stammesüberlieferungen austauschten. deren Mitglieder sich auf dem an der Pazifikküste gelegenen Campus der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. der so gering ist wie der des niedrigsten Tieres. mit denen sie ihren Status erhöhen und so . der sich.3 Darwin hatte.zumindest was die Männchen anbelangte . DARWIN. RETTE UNS! Aber dann kommen Zweifel auf: Kann man dem menschlichen Geist trauen.es war die Jahrestagung der Human Behavior and Evolution Society (HBES). daß die darwinistische Psychologie in ferner Zukunft entstehen werde. davon bin ich fest überzeugt.ihre Chancen zu sexuellen Interaktionen mehren wollten. wenn er solche großartigen Schlußfolgerungen zieht? CHARLES DARWIN1 T agsüber beteiligten sich ausgewählte Mitglieder des Stammes an rituellen Darbietungen rhetorischer Gewandtheit. wie gewöhnlich. Eine Versammlung von Ureinwohnern in einem tropischen Regenwald ? Weit gefehlt . Abends versammelten sie sich um große Lagerfeuer und tranken vergorene Säfte. Charles Darwins Prophezeiung zu erfüllen (die zusammen mit dem Foto einer barbusigen Buschschönheit aus Amazonien auf der Titelseite des Programmhefts abgedruckt war). Seit der Gründung der HBES im Jahr 1988 hat sie eine wachsende Zahl von Psycho.6. Doch in den neunziger Jahren begann die Evolutionstheorie. aus einem Geist entwickelt hat. recht mit der Behauptung. daß nämlich die Psychologie in einer fernen Zukunft auf eine neue Grundlage gestellt werde .236 . wie ein plötzlich virulent gewordenes Virus. eingefunden hatten.auf Darwins Theorie der Evolution durch natürliche Selektion. die Sozialwissenschaften zu infizieren.2 Mehrere hundert Teilnehmer bemühten sich.

Die Tagung der HBES in Santa Barbara hat auf alle Fälle eines deutlich gezeigt: die unglaublich vielseitige Verwendbarkeit dessen. Einige Vorträge hatten eine amüsant selbstreferentielle Dimension. romanti. um ihm zuzuhören. zu verstehen. die das »neue« darwinistische Paradigma vorstellten. Geoffrey Miller. Historikern und anderen Wissenschaftlern angelockt. The Red Queen des Journalisten Matt Ridley und Wie das Denken im Kopf entsteht des Psycholinguisten Steven Pinker. ob zärtliche. Musiker und andere Kulturschaffende oftmals größere sexuelle Kontaktchancen hätten. daß wir uns hier versammelt hätten. wie wir verstehen.237 . wie er unartikulierte Laute ausstoße. Der Psychiater Randolph Nesse von der Universität Michigan behauptete. daß männliche Künstler. Verlage haben eine Unmenge von Büchern von Wissenschaftlern und Journalisten auf den Markt gebracht. was der Philosoph Daniel Dennett einmal bewundernd »Darwins gefährliche Idee« genannt hat. Bei einer abendlichen Strandparty erörterte eine Gruppe dicht beisammenstehender Wissenschaftler mit Biergläsern in der Hand die Frage. ein junger langhaariger Psychologe. Steven Pinker begann seinen Vortrag über die genetische Verankerung der Sprachfähigkeit mit der Bemerkung. unter anderem Diesseits von Gut und Böse des Journalisten Robert Wright. unterdessen warfen mehrere junge Damen in der vordersten Reihe Miller verzückte Blicke zu. Sexualität war das beherrschende Thema innerhalb und außerhalb der Hörsäle. die Evolutionspsychologie könne uns helfen. die sich mit der Erforschung der menschlichen Angelegenheiten (im weitesten Sinne des Wortes) befassen. es sei doch sehr kurios. Die Evolution des Begehrens des Psychologen David Buss. berichtete. Anthropologen. Das Spektrum der Themen reichte von der Evolution der christlichen Symbolik bis zum Wiederaufleben des Partnertauschs in der amerikanischen Mittelschicht. Wirtschaftswissenschaftlern.logen.

bestand darin. Ein Biologe meinte. daß man die sexuellen Bräuche von Jägern und Sammlern beobachte. Nachdem der Anthropologe herbeigeholt worden war. bei der er stärker auf die Bedürfnisse der weiblichen Partnerinnen einginge. angeborenes Phänomen oder eine moderne. Er wurde gefragt. der kulturelle Determinismus sei eine »Religion« und keine rationale Einstellung.238 . was geschehe. die menschliche Persönlichkeit und die Gesellschaft würden in erster Linie von der Kultur (beziehungsweise der Umwelt oder den Erfahrungen) geprägt. »militaristische« Sexualkontakte gehabt. die Teilnehmer in Begeisterung zu versetzen. wie sie . Zeigten Männer vor. während oder nach dem Geschlechtsakt irgendeine Form von Fürsorglichkeit und Zärtlichkeit gegenüber ihren Sexualpartnerinnen. Die einfachste Methode. rein kulturelle Erfindung sei. oder sei es einfach »rein-raus-ab-die-Maus«? Jemand schlug vor. brachen seine Zuhörer in schallendes Gelächter aus. wenn ein Mann im Dorf eine differenziertere Sexualpraxis entwickelte. man könne diese Streitfrage möglicherweise dadurch lösen. die längere Zeit unter Jägern und Sammlern lebten. die Angehörigen des Stammes. diese Frage einem Anthropologen zu stellen. Die Tagung erweckte manchmal weniger den Eindruck einer wissenschaftlichen Konferenz und mehr den einer politischen Wahlkampfveranstaltung. bei dem er gelebt habe. die noch immer behaupteten. hätten im allgemeinen flüchtige. der sich bei Jägern und Sammlern in Ostafrika aufgehalten habe. Als der Anthropologe Lee Cronk von der Texas-A&M-Universität höhnte. Erlangte er einen Selektionsvorteil? Der Anthropologe grinste schelmisch.4 Beim Anblick der Teilnehmer der HBES-Tagung. teilte er seinen Zuhörern mit. jene verirrten Seelen zu geißeln. erfreuten sich bei den Damen des Stammes wachsender Beliebtheit. Anthropologen.sche Liebe bis zu einem gewissen Grad ein evolutionär entstandenes.

die mit wissenschaftlichem Fachjargon drapiert waren. die unserem Sinn für das Schöne zugrunde liegt. sondern während der mehreren zehntausend. um herauszufinden. sich stritten. Unser stark gewundenes Großhirn wurde nicht in der im Vergleich zur gesamten Erdgeschichte sehr kurzen Zeit der Kulturentstehung geformt. bleibt die Frage.5 Doch selbst wenn man sich mit dieser Erkenntnis abgefunden hat. daß die Präferenzen der Männer zwar hinsichtlich Brustgröße. aufzuklären. Nachfahren einer weit zurückreichenden Ahnenreihe von Organismen. die dem Urschlamm entstiegen. alle Männer aber Frauen mit einem Taille-zu-Hüfte. die evolutionäre Logik. Zu Singhs Probanden gehörten auch indische Hilfsarbeiter. ob Männer bestimmte universelle und somit angeborene sexuelle Präferenzen aufweisen. diese versucht. Singh fand heraus. schien lediglich Spekulationen oder Binsenwahrheiten zu sein. ja hunderttausend Jahre zuvor. Vieles von dem. Wir sind »Steinzeitmenschen auf der Überholspur«. Singh reist seit Jahren durch die Welt und. mußte ich ihrer Grundannahme beipflichten: In der Tat. komplexen und so tief von der Kultur durchdrungenen Geist sagen kann. wie es ein Redner formulierte. die seit ihrer frühen Kindheit in reinen Männerlagern gelebt und angeblich noch nie eine echte Frau oder auch nur ein Bild von einer Frau gesehen hatten.einschließlich Karikaturen und Fotos von bikinitragenden Modells -. einem Psychologen an der Universität von Texas in Austin und führenden Forscher auf dem prosperierenden Gebiet der »darwinistischen Ästhetik«. miteinander flirteten und sich gegenseitig rhetorische Streicheleinheiten verpaßten.und sonstigen Körpermerkmalen zwischen und sogar innerhalb von Kulturen schwanken. was diese Neodarwinisten äußerten.ihren Gruppenzusammenhalt stärkten.239 . sich herausputzten. zeigt Männern »aufreizende« Bilder von Frauen . wir alle sind Tiere. was uns die Darwinsche Theorie über unseren modernen. Gesichts. Nehmen wir die Arbeiten von Devendra Singh.

um uns dies zu sagen? Aber selbstverständlich! . In der Einleitung zu dem Buch The Adapted Mind. »Der Taille-zu-Hüfte-Quotient war ein zuverlässiger Indikator.« Nach Ansicht von Cosmides und Tooby könne die Darwinsche Theorie ein dringend benötigtes Rahmenmodell für die Psychologie.7 sexuell anziehend finden (man berechnet den Quotienten. Männer wollen Sex mit jungen.7 ausgezeichnet mit der Fruchtbarkeit beziehungsweise dem »Vermehrungspotential« korreliere. die sich heute in einem Zustand der Orientierungslosigkeit befänden. Die beiden sagten mir. die 1994 das Zentrum für Evolutionspsychologie an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara gründeten. läuft Singhs Befund jedoch auf eine Binsenwahrheit hinaus. die weder rappeldürr noch fett sind. einer Sammlung von Aufsätzen. um ein Kind zu gebären. des Anthropologen John Tooby. Brauchen wir wirklich die »Evolutionspsychologie«. gesunden Frauen.so die entschiedene Meinung der Psychologin Leda Cosmides und ihres Gatten.Quotienten von 0.7 Cosmides und Tooby. die Cosmides . behauptete Singh in einem Vortrag auf der Tagung der HBES.6 Die natürliche Auslese begünstige diese Präferenz. die darwinistische Ästhetik versuche als einzige unseren Sinn für Schönheit auf seine biologischen Wurzeln zurückzuführen. der menschliche Schönheitsbegriff sei kulturell determiniert. In Alltagssprache übersetzt.240 . »Dies hatte noch niemand kulturvergleichend untersucht. sind zwei führende Vorkämpfer der neodarwinistischen Sozialwissenschaften. noch von keinem anderen Mann geschwängert wurden und deren Hüften breit genug sind. weil ein Taille-zu-Hüfte-Quotient von 0. meinte Tooby. der im Verlauf der Evolutionsgeschichte bis zu einem gewissen Grad die weibliche Fruchtbarkeit vorhersagte«. die Anthropologie und andere Sozialwissenschaften abgeben. indem man den Umfang der Taille durch den Umfang der Hüfte dividiert). die meisten Sozialwissenschaftler glaubten noch immer.

eine genetische Grundlage hätten. daß alle Menschen mit weitgehend derselben genetischen Ausstattung geboren würden. weil sie höchstens ein Kind pro Jahr zur Welt bringen können. daß der Geist aus zahlreichen »Modulen« bestehe. bewältigen mußten: die Suche nach Nahrung und Unterkunft. sondern ein Schweizer Armeemesser. die für verschiedene Funktionen maßgeschneidert seien. die. Die natürliche Auslese habe nach Ansicht von Cosmides und Tooby das Gehirn von Männern und Frauen aufgrund ihrer unterschiedlichen reproduktiven Rollen auf sehr unterschiedliche Weise gestaltet.«8 Allein die Evolutionstheorie. wie das Sprachvermögen. Da Männer . schrieben sie: »Nach über einhundert Jahren fehlt es den Sozialwissenschaften noch immer an einem klaren Ordnungsmodell: Es gibt eine Fülle halbverdauter Beobachtungen. Das Geschlecht sei die entscheidende Ausnahme von der evolutionspsychologischen Regel. Eines ihrer grundlegenden Dogmen lautet. das Finden eines Geschlechtspartners. Der Geist sei keine computerähnliche Allzweckmaschine. könne die Sozialwissenschaften aus diesem Chaos herausführen. Da Männer im Prinzip eine praktisch unbegrenzte Zahl von Kindern zeugen könnten. neigten sie viel stärker zu sexueller Promiskuität als Frauen. bei der Auswahl ihres Geschlechtspartners wählerischer seien. das mit verschiedenen Instrumenten ausgestattet sei. so beteuerten sie.und Tooby zusammen mit Jerome Barkow von der DalhousieUniversität herausgaben. die unsere Vorfahren. Diese Module seien von der natürlichen Auslese für die Lösung der Probleme passend ausgebildet worden.241 . die. die in einem Gewirr unvereinbarer Terminologien formuliert sind. so Cosmides und Tooby. eine beträchtliche Menge empirischer Verallgemeinerungen und ein widersprüchliches Sammelsurium unbegründeter Teiltheorien. die Jäger und Sammler waren. Cosmides und Tooby prägten für ihren Ansatz den Begriff Evolutionspsychologie. das Aufziehen von Kindern und der Umgang mit Rivalen.

Taille-zu-Hüfte-Quotient und andere körperliche Merkmale. und Mädchen mögen Jungs mit viel Geld. für eine Familie zu sorgen. kommentierten und widersprachen sie sich gegenseitig in einem fort. Frauen dagegen komme es weniger auf die körperlichen Merkmale möglicher Geschlechtspartner an als vielmehr auf ihre »Ressourcen« . schlichtes Oxfordhemd und Khakihosen.ihre Fähigkeit. Während eines gemeinsamen Interviews vor der HBES-Tagung unterbrachen. zum ersten Mal begegnete. daß sie der Vater des Kindes seien. um Fragen zu stellen und selbst kurze Statements zu geben. Als ich nach der Beziehung zwischen der Evolutionspsy. wird ihre Eifersucht durch Befürchtungen. sehr viel stärker. Frauen dagegen bedrücke der Gedanke.242 . Sie hielten nicht nur Vorträge. Ihr vierschrötiger Gatte dagegen wirkte wie der typische Intellektuelle: Drahtgestellbrille. Als ich Cosmides und Tooby. als wollte sie sich in einer Country und Western-Bar die Nacht um die Ohren schlagen. Doch was die intellektuelle Energie und die Debattierlust betraf. Bei der Auswahl einer Sexualpartnerin legten Männer besonderen Wert auf Jugendlichkeit. Beide sprechen außerordentlich schnell und noch schneller. wenn der andere zugegen ist. angestachelt.niemals sicher sein könnten. eine kleinwüchsige Frau mit langem schwarzem Haar. die am liebsten Miniröcke und Cowboystiefel trug. Sie gehörten zu den Mitorganisatoren der HBES-Tagung in Santa Barbara und waren dort nachgerade allgegenwärtig. waren sich Cosmides und Tooby unglaublich ähnlich. die mit Fruchtbarkeit korrelierten. sie könnten die emotionale Bindung eines Geschlechtspartners und damit seine Ressourcen verlieren. ihre Geschlechtspartnerin könnte ihnen sexuell untreu sein. Cosmides. sondern kündigten auch Redner an und meldeten sich unverhofft aus dem Publikum zu Wort. war ich verblüfft über dieses ungleiche Gespann. sah so aus. die seit 1979 verheiratet sind. Wie formulierte es doch einer der Gelehrten auf der Tagung der HBES: Jungs mögen hübsche Mädchen.

ich kann mir den Geist nicht als einen äquipotentialen Universal.« »Es gibt einige Dinge«. aber immerhin sind sie vertreten.« »Aber John.« Cosmides wies darauf hin.. John«. warf Tooby dazwischen.chologie und der Verhaltensgenetik fragte. die von politischen Regimen begangen würden. eine Anstellung zu bekommen. Doch andererseits wiegt die intellektuelle Horizonterweiterung durch diese Sichtweise allemal die Unannehmlichkeiten auf. daß Kritiker der Evolutionspsychologie 0 oftmals die Verbrechen übersähen.243 . »Die Verhaltensgenetiker stellen nur einen sehr geringen Prozentsatz der Mitglieder der HBES. daß die [Human Behavior and Evolution Society] extrem tolerant ist. »Sie sagen nicht: ›Bei Gott. hätten sich nur zwei mit Verhaltensgenetik befaßt. Es macht alles schwieriger. Geld auf zutreiben.. daß einem als Evolutionspsychologen die wissenschaftliche Karriere leichtgemacht werde. die auf der Konferenz gehalten worden seien. Dies solle nicht heißen. Daher gehören der Gesellschaft auch einige Verhaltensgenetiker an . Viele Intellektuelle hielten jede Diskussion über die genetische Grundlage der menschlichen Natur noch immer für ein »gewissermaßen unmoralisches Unterfangen. »Ich hab's begriffen«. Es ist schwerer. Von den hundertzwanzig Referaten.. sagte Cosmides: »Die Evolutionspsychologie hat sehr wenig mit der Verhaltensgenetik zu tun. die man dafür in Kauf nehmen muß. Es gibt . so daß ihr beispielsweise auch Literatur. und außerdem hat sie ein sehr breites Themenspektrum. wenn man auf diesem Gebiet arbeitet.und Wirtschaftswissenschaftler angehören. betonte Tooby. die die menschliche Natur als beliebig formbar ansähen. sagte Cosmides. »Da ist zum einen die Tatsache. Es ist schwerer. Aber damit muß man sich abfinden.. antwortete Tooby unwirsch.« Ungeachtet ihrer Meinungsverschiedenheiten glauben Cosmides und Tooby inbrünstig an die Zukunft der Evolutionspsychologie.

könne sie ihre Häufigkeit verringern helfen.diese vielen wichtigen Geistesblitze. Aber ich sehe bestens. als würde man Nuggets schürfen . daß verschiedene menschliche Merkmale nicht verändert werden könnten. Aber wir wissen auch.244 . mit diesem einen neuen Blickpunkt können wir jetzt jede Frage beantworten und politische Richtlinien mit vollkommener Gewißheit festlegen. aber es wird lange dauern. fügte Cosmides hinzu.« Indem uns die Evolutionspsychologie dabei helfe. fuhr Cosmides fort. weil Stalin und Mao und Pol Pot im Namen einer Weltanschauung. »Einige der Evolutionspsychologinnen. Und trotzdem sind sie der Meinung. die ich kenne.‹« »Und nicht nur das«.rechner vorstellen. Ich muß lediglich eine Brille aufsetzen. »Es ist so. daß ihnen die Evolutionspsychologie erhellende Aufschlüsse über das Verhältnis zwischen Mann und Frau geben kann.« Die Evolutionspsychologie behaupte keineswegs. der die Evolutionspsychologie wirklich versteht. und dies ist teilweise auf eine genetische Veranlagung zurückzuführen. sagte Tooby. warf Cosmides ein. die intelligenten modernen evolutionstheoretischen Ansätzen zur Erforschung des Geistes in . gehören zu den radikalsten Feministinnen. fünfzig Millionen Menschen umgebracht haben. sie richtig kennt und etwas Bedrohliches an ihr findet«. Wir nehmen seine Umrisse verschwommen wahr. die auf dieser Sicht des Geistes basiert.« »Wir stehen am Beginn einer neuen Wissenschaft«. Kindesmißbrauch. bis jeder mit dem Gedanken losstürmen möchte: ›Mann.« »Diese Hindernisse. Mißbrauch in der Ehe. die ich kenne.‹ Es ist heuchlerisch. Krieg und andere unerwünschte Verhaltensweisen zu verstehen. »Ich kenne niemanden. daß dort draußen ein riesiges unbesiedeltes Gebiet liegt. »Ich bin zum Beispiel kurzsichtig. »doch sozialpolitische Richtlinien basieren sehr viel stärker auf dem bestimmenden Wertesystem als jede wissenschaftliche Erkenntnis. so Cosmides.

daß sie Steven Pinker für die darwinistische Gemeinschaft anwarben. Seine Ausbildung in Kognitionswissenschaft. Vorteile verschafft und ihnen erlaubt. sie habe unseren Vorfahren. Informationen über Werkzeugherstellung.« Es war klar. sei höchstwahrscheinlich eine evolutionsgeschichtliche Anpassungsleistung. die Jäger und Sammler gewesen seien. behauptete Pinker. Pinker. Zudem versteht er sich hervorragend auf die allgemeinverständliche Aufbereitung seiner Themen. Außerdem hätten die Menschen mit der höchsten Sprachfertigkeit Geschlechtspartner anlocken. er resümierte dort die Kernthesen seines 1996 erschienenen Bestsellers Der Sprachinstinkt.10 Die Sprache. gibt seinen evolutionstheoretischen Erklärungen Stringenz oder zumindest den Anschein davon.den Weg gelegt werden. und das heiße. was Tooby damit sagen wollte: Da uns die Ablehnung der Evolutionspsychologie schade. »Sie werden das menschliche Leid verstärken. so daß seine Werke sowohl bei Wissenschaftlern als auch bei Laien großen Anklang finden. sind langfristig völlig kontraproduktiv«. Bündnisse schmieden und sich weitere Vorteile verschaffen können. würde uns ihre Anerkennung möglicherweise retten.245 . pflichtete Tooby bei. Jagd und andere erlernte Fähigkeiten auszutauschen. bringt für seine Rolle als Befürworter der darwinistischen Psychologie zwei besondere Stärken mit. Ich lernte Pinker auf der HBES-Tagung in Santa Barbara kennen. Steven Pinkers Umgang mit Wörtern Die vielleicht bedeutendste Leistung von Cosmides und Tooby bestand darin. Direktor des Zentrums für kognitive Neurowissenschaft am Massachusetts Institute of Technology. die den Geist als ein Bündel informationsverarbeitender Maschinen betrachtet. die sich auch in zahlreicheren Nachkommen niedergeschlagen .

der visuelle Kortex dagegen tue genau das Gegenteil. Pinker war kühl.« oder: »Heute abend spricht Dr. mußte klein beigeben. Später am selben Tag knüpfte er sich niemand geringeren als Richard Dawkins von der Universität Oxford vor. daß sie dichtgedrängt stehen mußten. fast engelhaftem Gesicht glich.hätten. führte er den Satz an: »Tonight. einer der schärfsten Polemiker unter den heutigen Naturwissenschaftlern. indem er aus begrenzten Informationen »Simulationen« generiert. »Das Niveau der Analyse und Erklärung beeindruckte mich sehr.« Der Sprachinstinkt war das erste große Produkt von Pinkers . das von einer dürerartigen Lockenpracht umsäumt wurde. der den Begriff des »egoistischen Gens« geprägt hatte und das »Alpha-Männchen« des Neodarwinismus ist. daß Pinker einem Rockstar mit zartem. Ruth mit Dick Cavett über Sex. was eine ungemein viel schwierigere Aufgabe sei. als er 1988 auf die Arbeiten von Cosmides und Tooby stieß. der sich in seiner Dissertation an der Harvard-Universität mit dem Sehvermögen befaßt hatte. Pinker. »Ich war förmlich überwältigt«. der eine virtuelle Realität erzeuge. In einer Rede nach dem Abendessen verglich Dawkins' den visuellen Kortex mit einem Rechner. mit Dick Cavett Sex zu haben. als ich ihn in seiner Wohnung in Cambridge interviewte. Ruth discusses sex with Dick Cavett. (Um die Mehrdeutigkeit der Sprache zu veranschaulichen. Dawkins. um Dawkins' Vergleich zu kritisieren: Ein Rechner.246 . Dr. erinnerte sich Pinker. Aber Pinker kann auch harte Saiten aufziehen. Ruth darüber. der sich auf die Sprache spezialisiert hatte. sprang von seinem Stuhl in der vordersten Reihe auf. Es war vermutlich nicht von Nachteil. wandle lediglich dreidimensionale Informationen in ein zweidimensionales Bild um. der virtuelle Realitäten entwirft.«) Zu seinem Vortrag fanden sich so viele Hörer ein.« »Heute abend spricht Dr. Pinker war mehr oder weniger ein herkömmlicher Kognitionswissenschaftler. bestimmt und geistreich.

Dort schrieb Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht.Bekehrung zum Darwinismus.wie unsere Augen. könnten wir ähnliche Erkenntnisse über unsere Gedanken. wenn wir herausfänden. wir könnten den Geist nur verstehen. als ich es liebe zu gewinnen. so Pinker. Dennoch repräsentierte Wie das Denken im Kopf entsteht den neuesten Stand der darwinistischen Rhetorik.«13 Und als Beispiel . wozu sie gut ist. sondern den menschlichen Geist als Ganzes zum Thema haben sollte. so daß der Kern auf der anderen Seite herauskommt.so sei etwa die Größe der Hoden bei verschiedenen Primatenarten proportional zur Promiskuität der Weibchen12 – und mit Beispielen aus der Massenkultur. Emotionen und Motivationen gewinnen. Cosmides und Tooby arrangierten für ihn einen einjährigen Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara. bezog er sich auf ein Zitat des Tennisstars Jimmy Connors: »Ich hasse es mehr zu verlieren. Pinker spickte sein Buch mit amüsanten wissenschaftlichen Fakten . daß es sich um einen Kirschenentsteiner handelt.darauf angelegt sei.247 . das 1998 erschien. Pinker beschrieb dieses Konzept der »analytischen Technik« (reverse engineering) folgendermaßen: »Beim Stöbern im Antiquitätengeschäft finden wir vielleicht eine Konstruktion. Pinker beteuerte. Das Buch war nicht besonders originell. in seinem Vorwort räumte Pinker ein. das nicht nur die Sprache. verstehen wir plötzlich. worin sein ursprünglicher Zweck bestehe. daß unser Geist . Sobald wir erkennen. Hände und andere Merkmale unseres Körpers . Als er auf die Vergänglichkeit des Glücks zu sprechen kam. daß er sich weitgehend auf Erkenntnisse anderer stütze. die uns undurchschaubar erscheint. bis wir wissen.«11 Sobald wir einmal eingesehen hätten. Daraufhin beschloß er ein Buch zu schreiben. daß der Metallring die Halterung für die Kirsche ist und daß der Kolben ein x-förmiges Messer durch die Frucht treibt. die Gene unserer Vorfahren weiterzugeben.

daß selbst der Dalai Lama.«16 Diese nichtssagenden Erklärungen ermöglichten es Kritikern.14 Um die unterschiedlichen sexuellen Präferenzen von Männern und Frauen zu verdeutlichen. das Erinnerungs. wenn der Einsatz hoch ist und die üblichen Techniken zum Erringen eines Erfolgs erschöpft sind«18) und Literatur (»Fiktive . ein erklärter Pazifist. das komponiert wurde. das den Titel »Der Sinn der Lebens« trägt. Einige seiner Hypothesen wirkten jedoch leider trivial. in einem Kapitel. die genauso bündig seien wie alle anderen wissenschaftlichen Theorien. die Männer sehen nur auf die Fotos. zu dem man Zuflucht nimmt. Welchen Zweck hat Musik? Sie führt die Gemeinschaft zusammen.248 . Pinker meinte jedoch. Gegen Ende von Wie das Denken im Kopf entsteht. Als Pinker das Seh-. wenn sie sich einem Fremden näherten.«15 Doch manchmal schien sich Pinker mit allzu oberflächlicher Rhetorik zu begnügen. erwies sich seine Methode der »analytischen Technik« in der Tat als recht überzeugend.und das Sprachvermögen sowie andere universelle menschliche Attribute analysierte. »erklärte« Pinker praktisch alle Aspekte der modernen Kultur einschließlich Musik (»ein exquisites Konfekt. zitierte er die Bemerkung des Besitzers einer Partnervermittlung: »Die Frauen lesen unsere Kurzbiographien wirklich durch. wenn sie richtig betrieben werde. Zu Beginn seines Buches kritisierte er: »An schlechten ›entwicklungsgeschichtlichen‹ Erklärungen besteht kein Mangel. gern Bücher über Kriege lese. Theorien hervorbringen. Religion (das »letzte Mittel. Warum fragen Männer nicht gern nach dem Weg? Weil unsere männlichen Vorfahren unter Umständen getötet wurden.für die tiefe Verwurzelung der männlichen Aggressionsbereitschaft führte er die Tatsache an. die Evolutionsbiologie als eine »leere Übung im nachträglichen Erfinden von Geschichten« zu diskreditieren. die Evolutionspsychologie könne. um die sensitiven Punkte von mindestens sechs unserer geistigen Kapazitäten zu reizen«17).

meinte Pinker. Als Pinker mir diese Theorie erstmals mitteilte. Das Mädchen dürfe sich seiner Motivation nicht bewußt sein. »außer daß es selbst in diesem Fall die Geisel ist«. an der dem erpreßten Dritten viel liegt«.Geschichten bieten uns einen mentalen Katalog der tödlichen Probleme. so daß es nicht durch gutes Zureden oder durch Bestrafung davon abgebracht werden könne. die sich mit Messern. war ich beeindruckt. führte er weiter aus. Pinkers Neigung zu vorschnellen Spekulationen zeigte sich auch während unseres Interviews. Welche Möglichkeiten hätte ich.überwiegend aus wohlhabenden Familien -. Rasiermessern. Hamlet sei eigentlich nichts anderes als ein Leitfaden zur Selbsterhaltung). seine Stellung eingenommen und meine Mutter geheiratet hat?«19 Anders gesagt. Er hatte gerade einen Artikel gelesen über Mädchen im Teenageralter . könne eine »paradoxe Taktik« darstellen. mehr Zeit und mehr Ressourcen auf es zu verwenden. sowie die Ergebnisse von Strategien. daß sie lediglich eine andere Formulierung für das war. Das Mädchen zwinge seine Eltern dazu. Erst später erkannte ich.249 . die wir dann anwenden könnten. der eine Geisel nimmt. was die Kolumnistin Ann Landers vielleicht folgendermaßen gesagt hätte: Einige Kinder tun alles. »gleicht einem Terroristen. . das sich seine Unterarme zerschneide.20 Dieses scheinbar selbstzerstörerische. wenn ich befürchten müßte. Fingernägeln oder anderen scharfen Gegenständen selbst verstümmelt hatten. fehlangepaßte Verhalten. denen wir eines Tages möglicherweise gegenüberstehen. um beachtet zu werden. was seine späteren Fortpflanzungschancen verbessere. daß mein Onkel meinen Vater umgebracht. Ein Mädchen.

wie der der beiden anderen berühmten . der wie Pinker am MIT lehrt. Pinker im besonderen und die Evolutionspsychologen im allgemeinen stehen tief in der Schuld des Linguisten Noam Chomsky. F. selbst wenn ihnen nur minimale verbale Stimuli von außen dargeboten wurden. Die Evolutionspsychologen lehnen sich stark an dieses Argument an (wenn sie auch nicht den Terminus verwenden).die gesamte Evolutionspsychologie wird von einer ziemlich starken Ironie überschattet. Nach Meinung von Chomsky ist die Sprache .wohl das Merkmal. wenn sie behaupten. das uns am stärksten von anderen Säugetieren unterscheidet . die Chomsky zusammenfassend als »Tiefengrammatik« bezeichnete. modulare Theorie des Geistes. Skinner und anderen Behavioristen aufgegriffen worden war. Anders als Lesen und Schreiben. sei die gesprochene Sprache allen bekannten Kulturen gemeinsam. In den fünfziger Jahren begann Chomsky Einwände gegen die induktive Theorie des Lernens (der zufolge der Geist zunächst ein »unbeschriebenes Blatt« ist) vorzubringen. so Chomsky.Was Noam Chomsky wirklich denkt Steven Pinkers Karriere . Evolutionspsychologen wie Tooby und Cosmides meinen. die von den Evolutionspsychologen weiterentwickelt wurde. entwarf die genetische. Chomsky stützte sich dabei im wesentlichen auf das »Reizmangelargument«: Alle körperlich gesunden Kinder lernen fließend zu sprechen.eine teilweise angeborene und keine völlig erlernte Fähigkeit. Chomskys Standpunkt sei .250 . wie etwa Verben und Substantive. Dennoch hat Chomsky darwinistische Erklärungen der Sprache und anderer Aspekte des Geistes scharf kritisiert. viele unserer Eigentümlichkeiten und Fähigkeiten seien zumindest teilweise angeboren. die John Locke im siebzehnten Jahrhundert begründet hatte und die von B. Chomsky. Darüber hinaus wiesen alle Sprachen gemeinsame Strukturmerkmale auf.

Die Biologen könnten Fortschritte bei der Rekonstruktion des Ursprungs menschlicher Merkmale machen. daß die natürliche Auslese in der Evolution der Sprache und anderer menschlicher Attribute vermutlich eine Rolle spiele. wie »sich eine flache lichtempfindliche Oberfläche in einer nicht allzu großen Anzahl von Generationen in ein Auge verwandeln kann. herauszufinden. daß während der Evolution auch nichtadaptive Veränderungen vorkämen. daß wir etwas über die physikalischen und physiologischen Grundlagen wissen. Doch angesichts der gewaltigen Diskrepanz zwischen den kognitiven Fähigkeiten des Menschen und denen der Tiere könne diese Wissenschaft seines Erachtens kaum etwas darüber aussagen.251 . wie oder weshalb diese Fähigkeiten entstanden seien. die den Merkmalen der Tiere ähnelten. der nicht an einen »göttlichen Eingriff« glaube. Man kennt homologe Strukturen bei anderen Orga.« Das gleiche gelte für den menschlichen Arm.durch seine linke politische Einstellung motiviert.Kritiker der darwinistischen Sozialwissenschaft. Man weiß etwas über die physikalischen und physiologischen Hintergründe. nicht der Faktor. »Man findet Belege für Zwischenstufen. Die Schwierigkeit liege darin. was die richtige naturalistische Erklärung sei. Jeder. Die natürliche Selektion sei »ein Faktor. daß es »eine naturalistische Erklärung für sämtliche Phänomene gibt«. seine Einwände gegen den Neodarwinismus seien rein wissenschaftlicher Natur. Aber das hängt damit zusammen. die zeigten.« Darwin selbst habe betont.21 Er räumte ein. würde das unterschreiben. Die Darwinsche Theorie besage im Kern. beteuerte er.ein Faktor. der an Harvard lehrenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin . So hätten etwa Richard Dawkins und andere Theoretiker plausible Computermodelle entworfen. Doch als ich Chomsky auf diesen Punkt ansprach. der die Verteilung der Merkmale und Eigenschaften innerhalb dieser Randbedingungen festlegt . führte Chomsky weiter aus.

daß Menschen miteinander kämpfen.« Im Fall der Sprache und anderer spezifisch menschlicher Attribute. Die Fähigkeit. In Wahrheit werde die Sprache durch die Darwinsche Theorie weder verboten noch gefordert.« Wenn die Menschen eine solche Fähigkeit entwickelt hätten. daß Menschen kooperieren.« Ist Altruismus ein Instinkt? Dasselbe Problem. Wir hätten jedoch vermutlich auch die Fähigkeit erwerben können. In diese Logik kann man praktisch alles pressen. Die Beobachtung. dies trage zur Erhaltung ihrer Gene bei. so Chomsky. Chomsky wies darauf hin. wird mit dem Hinweis erklärt. die Soziobiologie. merkte Chomsky an. uns also in einer linearen Weise artikulierten. die mit einer Prise Wissenschaft gewürzt ist«.nismen. daß der eine seine Gene auf Kosten des anderen weitergeben will. sondern darin. »Die Tatsache. »Sie sagt nichts vorher!«. wird damit erklärt. eine Lautfolge durch den Mund und eine andere durch die Nase auszustoßen. Wir wären nicht durch die zeitliche Linearität gebunden. und diese lege auch keine Randbedingungen für die Ausgestaltung der Sprachfähigkeit fest. »haben wir nichts von alldem«. Viele Evolutionspsychologen distanzieren sich von der Soziobiologie. so Chomsky. daß wir ein Wort nach dem ändern äußerten. hätten die Evolutionspsychologen sie zweifellos als ein Produkt der natürlichen Selektion »erklärt«. die in den siebziger Jahren von dem an der . zwei getrennte Lautfolgen durch Mund und Nase auszustoßen. Chomsky nannte die Evolutionspsychologie eine »Philosophie des Geistes. betreffe auch den bedeutendsten Vorgänger der Evolutionspsychologie. hätte uns eine »sehr viel komplexere und reichhaltigere Kommunikation ermöglicht. daß sie zuwenig. versetzte Chomsky. Die Schwäche der Evolutionstheorie liege nicht darin. daß sie zuviel erklären könne.252 .

Einige führende Mitglieder der HBES räumten ein. In Sociobiology und Biologie als Schicksal sowie anderen Werken verfocht Wilson die These. sie sei eine »rassistische. doch 1996 benannten sie sie in Evolution and Human Behavior um. die Rassismus.253 . Selbst Wissenschaftler. und machten sie zu ihrem Aushängeschild. die auch das Verhalten von Ameisen und Pavianen steuerten. sie versuchten. Wilson ergriff die Gelegenheit. den Sozialdarwinismus wiederzubeleben. Als eine Gruppe von Darwinisten 1988 die Human Behavior and Evolution Society gründete. monierte Wilson. auf ihrer Jahrestagung die Grundsatzrede zu halten. hätten sie stillschweigend der Beschuldigung zugestimmt. zeitigten sie Wirkung. Wilson. die 1981 gegründet worden war. Sexismus und Imperialismus dadurch zu rechtfertigen suchte. mieden den Ausdruck in Zukunft. Ethology and Sociobiology. das menschliche Sozialverhalten unterliege. sagte . um die Führer der HBES für ihren »mangelnden Mut« zu tadeln. den Ausdruck Soziobiologie in den Namen der Gesellschaft aufzunehmen. wenn auch nur näherungsweise. daß sie das Überleben der Tauglichsten zu einem moralischen Prinzip erhob. Die Verantwortlichen der HBES übernahmen eine bereits existierende Vierteljahresschrift. denselben Evolutionsprinzipien. deterministische« Ideologie. auf diese Weise die negativen politischen Konnotationen der Soziobiologie zu umgehen. jene Ideologie aus dem neunzehnten Jahrhundert. Ironischerweise bat die HBES im selben Jahr Edward O. Die Bezeichnung »war für viele ein rotes Tuch und hat uns viele Unannehmlichkeiten bereitet«. Obgleich die Angriffe auf Wilson oft unfair waren. Indem sie den Begriff Soziobiologie verworfen hätten. sie hätten gehofft. verzichteten sie bewußt darauf. die der Soziobiologie wohlwollend gegenüberstanden.Harvard-Universität lehrenden Biologen Edward Wilson populär gemacht wurde. Stephen Jay Gould und Richard Lewontin etwa warfen Wilson und anderen Soziobiologen vor.

daß sich ihr Ansatz zur Erforschung des menschlichen Geistes in wesentlichen Aspekten von der Soziobiologie unterscheide. daß sie sich Evolutionspsychologen nennen«.254 . Laut Cosmides und Tooby besteht ein Unterschied darin. auch in modernen Umwelten«. ist. derartige Verhaltensweisen begünstigte? Darwin selbst vermutete. Derartige Abgrenzungen erzürnen altgediente Soziobiologen wie Richard Alexander von der Universität von Michigan. die doch rücksichtslos die egoistischsten Gene bevorzugte. die natürliche Selektion erlaube möglicherweise die Entstehung von altruistischem Verhalten. als altruistisch werden alle Verhaltensweisen definiert. Er und andere Soziobiologen hätten niemals behauptet. in jeder Umwelt ihre Fortpflanzungschancen zu maximieren. daß die natürliche Selektion. doch andere hätten angenommen. daß »Verhalten überall adaptiv ist. um dann sagen zu können. daß man ihn ersetzen will. so Cosmides und Tooby. daß die Evolutionspsychologie auf denselben theoretischen Grundannahmen basiert wie die Soziobiologie. daß Menschen danach strebten. sagte Alexander über Cosmides und Tooby. wenn man erst einen Popanz aufbauen muß. sofern die. bei denen der Altruist Artgenossen auf Kosten seiner Tauglichkeit beziehungsweise seines Vermehrungspotentials hilft. sondern an die Umstände angepaßt. Wie läßt sich erklären. »Ich habe nichts dagegen. der menschliche Geist sei nicht an das moderne Leben. daß die Evolutionspsychologen davon ausgingen. »insbesondere an die Lebensräume von Jägern und Sammlern«.ein Herausgeber der Zeitschrift Evolution and Human Behavior einem Reporter von Science. «24 Tatsache ist.23 Einige Soziobiologen hätten ebenfalls diese Hypothese geäußert. Eine bemerkenswerte Leistung der Soziobiologie war ihre Erklärung des Altruismus. unter denen sich seine Evolution vollzogen habe. »Was mich auf die Palme bringt.22 Einige Evolutionspsychologen beteuerten beharrlich.

wenn dieses Verhalten die Fortpflanzungschancen der Verwandten des altruistischen Organismus verbessere. Es könne auch die außerordentlichen Risiken und Opfer erklären. antwortete der britische Biologe J. der zufolge die natürliche Auslese die Entstehung altruistischen Verhaltens dann begünstige. Termiten und Nacktmulle zugrunde liege. der das Individuum angehöre. schlug in den siebziger Jahren eine Lösung für dieses Rätsel vor.25 Kurz darauf stellte der britische Biologe William Hamilton die Theorie der Verwandtenselektion auf. (Auf die Frage. wenn solche Verhaltensweisen Altruisten unter dem Strich einen Vorteil brächten. die dem Verhalten so hochsozialer Tiere wie Ameisen.26 Das Konzept der Verwandtenselektion enthülle die evolutionäre Logik. dem die Evolutionspsychologen viel verdanken. die ihr Leben für völlig fremde Menschen aufs Spiel setzen? Robert Trivers von der Rutgers-Universität. die menschliche Mütter und Väter auf sich nähmen. Der barmherzige Samariter riskierte sein Leben. die natürliche Auslese hätte möglicherweise die Entstehung altruistischer Einstellungen und Verhaltensweisen gegenüber Nichtverwandten begünstigt.ses für die gesamte Gruppe. B. Doch die sogenannte Gruppenselektion kam in den sechziger Jahren außer Mode. .255 . daß sie mathematisch nicht schlüssig sei. um einen Fremden vor Räubern zu schützen. aber für zwei Brüder oder acht Cousins. ob er sein Leben für seinen Bruder hingäbe. S Haldane einmal schlagfertig: »Nein. um das Überleben ihrer Kinder und anderer enger Verwandter zu sichern. indem er ihm Vieh und Gold schenkte. als der Evolutionstheoretiker George Williams und andere zeigten.«27) Wie steht es mit den barmherzigen Samaritern. Auch wenn der Samariter aus echtem Mitgefühl und wirklicher Hochherzigkeit gehandelt habe. Trivers behauptete. ein weiterer Evolutionstheoretiker. denn Gene für Altruismus verschwänden unter dem Druck der natürlichen Selektion. von Nutzen sei. anschließend belohnte der Fremde den Samariter.

Und weshalb müßten so viele kulturelle Institutionen so viel Mühe darauf verwenden. Sich auf Chomskys Reizmangelargument stützend. was sich in der menschlichen Gesellschaft bewährt hat. Allen Orr von der Universität von Rochester in einem kürzlich erschienenen Aufsatz über Altruismus. sondern auf schwer erkämpfte Erfahrungen dessen. Richter. die auf die Weitergabe seiner Gene abziele. . als daß wir es allein durch Erfahrung hätten erwerben können. also für diejenigen. daß unser Gespür für potentielle Betrüger zu empfindlich sei. ein so zerbrechliches Merkmal der menschlichen Psyche und Geschichte sei. nicht von der Natur selektierten Merkmale. die nicht auf Gene. die uns bei reziproken Tauschhandlungen hintergingen. den Bürgern den Wert von Mitleid und Freigebigkeit einzubleuen? »Weshalb gibt es so viele Kirchen. wenn diese Probleme in den Kontext sozialer Tauschhandlungen . zurückgehen«. weshalb der Altruismus gegenüber Nichtverwandten. Priester. daß Menschen Probleme sehr viel besser lösten. altruistisches beziehungsweise »tugendhaftes« Verhalten sei möglicherweise »eines jener abiologischen.und insbesondere solcher. bei denen die Betreffenden argwöhnten.setze er doch nur eine egoistische Strategie auf Wechselseitigkeit um. Cosmides behauptete. Er vertrat die Auffassung.29 Trivers Hypothese von reziprokem Altruismus nimmt in der Evolutionspsychologie dennoch eine Schlüsselfunktion ein. Rabbiner. daß sie hintergangen würden . die natürliche Selektion habe uns womöglich ein intuitives Gespür für »Betrüger« vermacht. Trivers nannte diesen Mechanismus »reziproken Altruismus«.256 . zog Cosmides den Schluß. Bewährungshelfer und Auszeichnungen für soziales Engagement?« fragte der Biologe H.28 Skeptiker haben sich gefragt.30 In einer Reihe von Experimenten wies Cosmides nach. wenn er tatsächlich in unseren Genen verankert sei.gestellt und nicht als rein logische Übungen präsentiert wurden.

als die Evolutionspsychologen meinten.33 Doch Buss räumte selbst ein. die Evolution unserer Vorfahren habe sich unter mehr oder minder stabilen Umständen vollzogen.31 Diese und viele andere menschliche Fähigkeiten. weil wir mehr Situationen erster Art erlebten.neben vielen weiteren Aspekten der menschlichen Kultur – von der Fähigkeit des Menschen. daß es uns vielleicht einfach deshalb leichter falle. in der sich unsere Vorfahren entwickelten. Der britische Anthropologe Steven Mithen vertrat bei der HBES-Tagung weitgehend das gleiche Argument. zu erspüren.257 . sei vielleicht oftmals rationaler. sei die Umwelt. könnten von einem universellen Intelligenz.oder Lernprogramm herrühren.32 Er kritisierte.Doch selbst auf der HBES-Konferenz wurden Zweifel an der Hypothese vom Gespür für Betrüger laut. Tatsächlich zeuge die Wissenschaft selbst . Frauen seien instinktiv scheuer als Männer und mäßen instinktiv den Ressourcen ihrer Geschlechtspartner mehr Wert bei als rein körperlichen Merkmalen. daß viele Evolutionspsychologen behaupteten. die gelegentlich zusammenfassend als die Umwelt der evolutionären Anpassung bezeichnet würden. Evolutionspsychologen wie David Buss von der Universität von Michigan behaupten. unterschiedlichste Probleme zu lösen. als logische Probleme zu lösen. statt von angeborenen funktionsspezifischen »Modulen«. wann uns jemand hintergehe. das sich stark auf Heuristiken beziehungsweise Versuch und Irrtum stütze. die spezifische Aufgaben übernommen hätten. der wohl instinktgesteuertste Aspekt der menschlichen Natur. extrem veränderlich und unbeständig gewesen. Selbst das Sexualverhalten. daß das menschliche Sexualverhalten ex. In Wirklichkeit aber. Der Philosoph James Fetzer von der Universität von Minnesota meinte. In Anbetracht dieser Tatsache habe die natürliche Auslese möglicherweise neben Modulen. die Entstehung einer flexiblen Problemlösungsfähigkeit begünstigt. so Fetzers These. so Mithen.

einige weibliche Individuen seien hoch promiskuitiv. als es Männer tun. daß Kinder mit einer um den Faktor sechzig höheren Wahrscheinlichkeit von einem Stiefelternteil – in der Regel einem Stiefvater . In der Pubertät erkennen die meisten Mädchen. Das Syndrom vom bösen Vater Die größten Schwächen zeigt die Evolutionspsychologie. die in der Fortpflanzung den höchsten Daseinszweck sehen.258 .ist die Annahme.umgebracht werden als von einem natürlichen Elternteil. daß sie. Nach der Auswertung von Mordstatistiken aus den Vereinigten Staaten und Kanada kamen sie zu dem Ergebnis. ist dies das widernatürlichste aller Verbrechen. diese Präferenzen seien das Ergebnis rationaler.34 Für Darwinisten. wie etwa die Ermordung von Kindern durch ihre Eltern. von der McMaster-Universität in Kanada mit dem Problem zu befassen. geschwängert zu werden. Sie wiesen darauf hin. wenn sie versucht. daß Frauen flüchtige sexuelle Kontakte stärker meiden. bewußter Überlegung.trem veränderlich sei. daß ihr gegenwärtiger und künftiger soziokönomischer Status relativ unsicher ist. die Evolutionspsychologen hätten mit ihren Annahmen über die weiblichen Sexualpräferenzen recht. In den achtziger Jahren begannen sich Margot Wilson und ihr Gatte. ungeachtet von Verhütungsmaßnahmen.wenn nicht plausibler . ungewöhnliche menschliche Verhaltensweisen zu erklären. Nehmen wir einstweilen an. Ebenso mag sich in der weiblichen Präferenz für ressourcenreiche Männer schlicht die rationale Erkenntnis der Frauen widerspiegeln. bei jedem sexuellen Kontakt das Risiko eingehen. . Martin Daly. daher ist es völlig rational. Sind diese Präferenzen wirklich instinktgesteuert? Genauso plausibel . und nicht alle zögen wohlhabende Männer gutaussehenden vor.

Dennoch werden die Studien von Wilson und Daly oft als ein Musterbeispiel darwinistischer sozialwissenschaftlicher Forschungen angeführt.38 . von Mäusen bis zu Affen.aber genau das ist der Punkt. in dem er unabsichtlich den Forschungen von Daly und Wilson . gab Steven Pinker Homicide an. die Kinder ihrer Sexualpartnerinnen zu töten.35 Dieser Befund schien die Theorie von dem egoistischen Gen zu bestätigen.259 . eher atypisch. ein Buch. Dies sind die Faktoren.36 Man kann auf keinen Fall davon sprechen. das sie zweimal gelesen hätten. Männchen zahlreicher Arten. weil sie eine wichtige Frage aufgreifen und sich auf eine breite empirische Datenbasis stützen. ihre Ergebnisse sollten mit Vorsicht interpretiert und ausgewogen beurteilt werden. das letzte Buch zu nennen. Vielleicht sind sie ungewöhnlich starkem finanziellem und emotionalem Streß ausgesetzt. die gewisse Männer dazu veranlassen. Natürlich sind Männer. Männer. weil sie auf ihre emotionale und finanzielle Stabilität geprüft werden .den Boden entzog. die ihre Paarungspartnerinnen mit einem anderen Männchen zeugten. die Kinder adoptieren. Als die New York Times 1997 führende Intellektuelle bat. Vielleicht haben sie nur widerwillig Verantwortung für die Kinder ihrer Ehefrau übernommen.37 Ironischerweise schrieb Pinker später einen Beitrag für das New York Times Magazine. weil die große Mehrheit der Stiefväter ihre Kinder weder tötet noch mißbraucht. Wilson und Daly sagten selbst. töten die Nachkommen. die Stiefkinder mißbrauchen.daß diese Form der Tötung nichtverwandter Kinder in der Natur weit verbreitet sei. Männer hätten eine angeborene Disposition. die Kinder einer Partnerin zu töten oder zu schädigen . sind ebenfalls atypisch.nicht irgendein instinktiver Drang. wenn diese von anderen Männern gezeugt worden sind. den sie mit Mäusen oder Affen gemein hätten. in dem Wilson und Daly eine evolutionstheoretische Deutung der menschlichen Gewalttätigkeit vorlegten.ja der darwinistischen Psychologie insgesamt .

) Obgleich Kindestötung durch die Mutter auf den ersten Blick als die Verletzung darwinistischer Prinzipien schlechthin erscheine. Ressourcen. Wenn nun einige Mütter ihre Neugeborenen töten. so soll dies darauf zurückzuführen sein. die für die Selbsterhaltung der Mutter und ihrer älteren Nachkommen dringend benötigt wurden. ist dies angeblich auch evolutionär adaptiv. als knappe Ressourcen darauf zu verwenden. sei sie möglicherweise das Ergebnis natürlicher Selektion. Dieses angeborene psychische Modul werde möglicherweise bei heutigen Müttern durch starken Streß aktiviert.Er befaßte sich in seinem Beitrag mit einer Serie von Vorfällen. daß dieses Verhalten evolutionär adaptiv ist. wie nichtssagend evolutionsbiologische Erklärungen des menschlichen Verhaltens geworden sind.. [. ein Neugeborenes zu töten. Wenn Mütter ihre Neugeborenen beschützen (was fast alle tun). bei denen biologische Mütter ihre Neugeborenen getötet hatten. Pinkers Beitrag.. (In einem Fall brachte ein Mädchen bei einem HighSchool-Tanzabend in einer Toilettenkabine ein Kind zur Welt. schrieb Pinker. so Fischers Kritik. »verdeutlicht. Jedwedes Verhalten und sein Gegenteil werden mit der evolutionären Auslese ›erklärt‹.260 .] Auf diese Weise aber wird gar nichts erklärt. daß unsere mütterlichen Vorfahren in bestimmten Streßsituationen besser beraten gewesen seien. Ein paar Wochen nach der Veröffentlichung von Pinkers Aufsatz druckte die New York Times einen Leserbrief des Soziologen Claude Fischer von der Universität von Kalifornien in Berkeley ab. tötete es und ging dann wieder in den Tanzsaal zurück.«39 . Er verwies darauf.

die Individuen auszeichnen. um diese Annahme zu machen. die meisten psychischen und verhaltensbezogenen Unterschiede. in bestimmten Streßsituationen ihre Säuglinge zu töten.«40 In ähnlicher Weise haben Cosmides und Tooby die Vermutung geäußert. doch hilft sie uns in dieser Frage kaum weiter. ist sie diskussionswürdig. hätten unter Umständen geringfügige psychische oder verhaltensbezogene Auswirkungen. wenn die meisten Gemeinsamkeiten auf Gene zurückgeführt werden können und die meisten Unterschiede auf die Umwelt. Erstens ist es sehr viel einfacher. Das würde vielleicht ein Verhaltensgenetiker anführen. Modelle der menschlichen Natur zu entwerfen. Diese Variationen. so behaupteten sie. daß bestimmte Mütter eine genetische Veranlagung für eine schwere Wochenbettdepression haben. Die Evolutionsbiologen haben zwei Beweggründe.261 . »Die Annahme einer erblichen Variabilität des menschlichen Verhaltens wird im allgemeinen von adaptionistischen Theorien weder vorhergesagt noch untermauert. welcher Vater oder Stiefvater oder welche Mutter oder Stiefmutter ein Kind mißbrauchen beziehungsweise töten wird.« Selbst wenn diese Vermutung zutrifft. wenn sie vorhersagen könnte. Eine mögliche Erklärung für Kindestötungen liegt darin. die genetische Variation habe sich im Verlauf der Evolution als Schutzmechanismus gegen Parasiten herausgebildet. Auf die Frage »Weshalb hat diese Frau ihr Kind getötet?« antwortet sie: »Alle Frauen sind aufgrund einer angeborenen Disposition imstande.Verhaltensgenetische Erklärungen vermeiden Die Evolutionspsychologie wäre äußerst nützlich. distanzieren sich Evolutionspsychologen oftmals von derartigen Erklärungen. Zweitens er. weil die meisten Frauen in Streßsituationen ihre Kinder nicht töten. Doch wie ich bereits am Ende des letzten Kapitels erwähnte. seien auf Umweltfaktoren zurückzuführen.

was noch wichtiger ist. wie die Evolutionspsychologen behaupten. daß sie klinisch verwertbare Informationen über Verhaltensund kognitive Störungen zutage fördern wird. das sie benötigt. die Hypothese auf. Panikattacken und andere Erkrankungen hätten überdauert. Die Evolutionspsychologen können auf diese Weise die Kritik vermeiden. In ihrem 1994 erschienenen Buch Warum wir krank werden stellten der Evolutionsbiologe George Williams und der Psychiater Randolph Nesse. wonach viele der beobachteten Unterschiede zwischen Individuen und. die Werke wie The Bell Curve auf sich zogen. Obgleich der Zusammenhang zwischen spezifischen genetischen Unterschieden und spezifischen Verhaltensunterschieden keineswegs erwiesen ist (wie ich in dem vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). In Wie das Denken im Kopf entsteht klammerte Steven Pinker psychische Erkrankungen (bis auf Autismus) aus. Die Schizophrenie beispielsweise steigere möglicherweise die Kreativität oder schärfe das Gespür einer Person für die Gedanken anderer Menschen. läßt er sich auch nicht ausschließen. weil sie unseren Vorfahren gewisse Vorteile gebracht hätten.als durch genetische Unterschiede erklärt werden können.41 Ohne genetische Variation zwischen Individuen fehlte der natürlichen Auslese das Material.laubt diese Annahme Evolutionspsychologen. Ungeachtet all ihrer Unzulänglichkeiten sind mit der Verhaltensgenetik immerhin gewisse Hoffnungen verbunden. zwei herausragende Vertreter des Neodarwinismus. Depression. zweifellos auch unsere Unterschiede erklären. Zudem können die Gene. Nicht so die Evolutionspsychologie.42 . das klassische Prinzip des Liberalismus zu vertreten.262 . rassischen Gruppen eher durch Umwelt. die die Erkenntnisse der Verhaltensgenetik als belanglos abtun. um ihren Zauber zu entfalten. Doch Evolutionspsychologen. es könnte keine Evolution stattfinden. widersprechen ihren eigenen Prämissen. wenn sie unsere Gemeinsamkeiten erklären können. Schizophrenie.

Beispiele von noch geringerer Überzeugungskraft legten der jungianische Psychoanalytiker Anthony Stevens und der Psychiater John Price in ihrem 1996 erschienenen Buch Evolutionary Psychiatry: A New Beginning vor.43 Frauen seien anfälliger für Agoraphobic (Angst vor offenen Räumen), mutmaßten Stevens und Price, weil bei unseren urzeitlichen Vorfahren die Mütter mit den Kindern zu Hause geblieben seien, während die Männer auf die Jagd gingen. Zwangsstörungen seien möglicherweise ein Überbleibsel der Gewohnheit unserer Ahnen, ständig den Zustand von Zäunen und anderen Schutzmaßnahmen gegen Raubtiere und feindliche Sippen zu überprüfen. Die Homosexualität sei möglicherweise deshalb nicht ausgestorben, weil Homosexuelle ihren Verwandten bei der Aufzucht von Kindern geholfen und so die »inklusive Fitneß« (Gesamteignung) ihrer Familie erhöht hätten. Als Beleg für diese Hypothese führten Stevens und Price an, daß wohlhabende Homosexuelle heutzutage »manchmal ihre Freunde schockieren, indem sie den Großteil ihres Vermögens [...] einem Neffen oder einer Nichte vermachen, zu denen sie möglicherweise seit Jahren keinen Kontakt mehr hatten«. »Armer Darwin!« schrieb der britische Biologe Steven Rose in seiner Rezension der Evolutionary Psychiatry in Nature mitleidsvoll. »In den letzten zwanzig Jahren sind in deinem Namen mehr inhaltsleere Spekulationen und dogmatische Behauptungen veröffentlicht worden als in den ganzen hundert Jahren davor, und der Strom reißt noch immer nicht ab.« Er fügte hinzu: »In einer Zeit, in der sowohl die Evolutionstheorie als auch die Psychiatrie von eingefleischten Verfechtern des kulturellen Determinismus angegriffen werden, verdienten sie von ihren Anhängern bessere Dienste.«44

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Darwinistische Kulturalisten Ironischerweise sind einige prominente Neodarwinisten aufgrund ihres Bestrebens, nicht als genetische Deterministen gebrandmarkt zu werden, praktisch nicht mehr von ihren vermeintlichen Erzgegnern, den kulturellen Deterministen, die den Einfluß der Kultur auf die menschliche Natur hervorheben, zu unterscheiden. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist der Anthropologe Napoleon Chagnon45, der wie Cosmides und Tooby an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara lehrt. Chagnon, einer der Mitbegründer der HBES und eine Zeitlang deren Präsident, ist ein echter Bramarbas, der mit großem Vergnügen immer wieder seine zahlreichen wagemutigen Großtaten unter den Yanomamö erzählt, einem Volksstamm im Amazonien, den er in den sechziger Jahren zu erforschen begann. In dieser polygynen Gesellschaft - einer der wenigen, die noch an ihrer ursprünglichen Lebensweise festhalten - überfallen die Männer eines Dorfes gelegentlich andere Dörfer, wobei sie deren männliche Bewohner töten und die weiblichen entführen. Männer aus demselben Dorf kämpfen auch gegeneinander, wobei sich diese Streitigkeiten oftmals an Frauen entzünden. Bei einem Duell versuchen die Gegner, sich gegenseitig mit riesigen Knüppeln auf den Kopf zu schlagen, bis einer bewußtlos zusammenbricht oder kampfunfähig wird. Die Männer tragen die Beulen und Narben, die sie sich bei diesen Duellen zuziehen, wie Auszeichnungen zur Schau. Der aufsehenerregendste Befund, der aus Chagnons mehrjährigen Feldforschungen im Dschungel hervorging, war, daß Männer, die die meisten Gegner getötet hatten, auch die meisten Nachkommen hätten. Umgekehrt hätten die Männer, die gewalttätige Auseinandersetzungen scheuten - Chagnon nannte sie einmal »Schwächlinge« -, relativ wenige Kinder oder gar keine.
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Chagnons Entdeckung hat bedrückende Implikationen. Wenn die Neigung zur Gewalttätigkeit bei bestimmten Männern genetisch verankert ist, könnte die natürliche Auslese diese Gene in Kulturen vom Yanomamö-Typ, in denen Gewalttätigkeit hoch mit Fortpflanzungserfolg korreliert, begünstigen. Doch Chagnon wehrte sich gegen diese Deutung, zumindest im Gespräch mit mir. Er betonte, er glaube nicht, daß Yanomamö-Männer oder andere ein »Kampfgen« in sich trügen, was ihm von einigen Kritikern und Journalisten unterstellt worden sei. Die Yanomamö-Männer, so Chagnon, zeigten nicht deshalb aggressives Verhalten, weil sie von Natur aus gewalttätig seien, sondern weil gewalttätiges Verhalten in ihrer Kultur hoch geschätzt werde. Die Anführer der Yanomamö-Dörfer würden Gewalttätigkeit in einer kontrollierten Weise einsetzen; Männer, die ihre Aggressionen nicht unter Kontrolle hätten, lebten nicht lange genug, um Kinder zu zeugen. Wenn Yanomamö-Männer in einer Gesellschaft aufwüchsen, in der nicht die Kampffähigkeit, sondern die Tüchtigkeit bei der Feldbestellung in hohem Ansehen stünde, meinte Chagnon, würden sie sich schnell an dieses System anpassen. Ich sagte zu Chagnon, diese Erklärung könnte auch von dem Evolutionsbiologen Stephen Jay Gould stammen; schließlich habe auch Gould die Formbarkeit der menschlichen Natur betont (weshalb er von den meisten Evolutionspsychologen als ihr Erzfeind angesehen wird). Ich wollte Chagnon mit dem Vergleich provozieren, doch zu meiner Überraschung widersprach er nicht. »Steve Gould und ich sind vermutlich in vielen Punkten einer Meinung«, antwortete Chagnon. Evolutionspsychologen (oder Anthropologen wie im Fall Chagnons) tun gut daran, die Neigung von Menschen, sich an ihre Kultur anzupassen, zuzugeben. Wie könnten sie die enorme Variabilität des Sozialverhaltens zwischen und selbst innerhalb von Kulturen sonst erklären? Japan war in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts eine extrem aggressive,
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kriegslüsterne Gesellschaft, doch seit dem Zweiten Weltkrieg ist es eine Nation von Pazifisten. Leider stellt die kulturelle Anpassung auch ein Problem für die Evolutionspsychologie dar. Um zu beweisen, daß ein Merkmal angeboren ist, versuchen Evolutionspsychologen zu zeigen, daß es in allen Kulturen vorkommt. So haben Evolutionspsychologen beispielsweise durch kulturvergleichende Studien den Nachweis erbringen wollen, daß Männer von Natur aus stärker zu promiskuitivem Sexualverhalten neigen als Frauen. Doch angesichts der engen wechselseitigen Beziehungen, die am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts zwischen nahezu allen Kulturen, selbst den sogenannten primitiven, bestehen, sind einige der universellen »instinktiven« Einstellungen und Handlungen, die von darwinistischen Forschern dokumentiert wurden, möglicherweise auf soziale Anpassung zurückzuführen. Das behaupteten die kulturellen Deterministen von jeher. Nach Ansicht von Evolutionspsychologen wie Cosmides und Tooby bestimmen Gene unsere Gemeinsamkeiten und Umweltfaktoren unsere Unterschiede. Doch auch das Gegenteil könnte zutreffen, zumindest zum Teil; die Kultur könnte viele unserer Gemeinsamkeiten erklären und die genetische Variation viele unserer Unterschiede.

Die Hypothese der Geburtenfolge Die Abneigung der Evolutionspsychologen gegen die Verhaltensgenetik mag erklären, weshalb sich so viele von ihnen die Hypothese der »Geburtenfolge«, die der Historiker Frank Sulloway vom Massachusetts Institute of Technology aufstellte, zu eigen gemacht haben. Auf der Grundlage der Darwinschen Theorie behauptete Sulloway, daß ein rein empirisches Phänomen - der Rangplatz eines Kindes in der Geburtenfolge seiner Geschwister - zu tiefgreifenden, dauerhaften Unterschieden
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in der Persönlichkeit zwischen Geschwistern führen könne.46 Sulloway zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, daß erstgeborene Kinder konservativ seien, den Status quo unterstützten und sich neuen wissenschaftlichen und politischen Ideen widersetzten, sehr viel größer als bei ihren spätergeborenen Geschwistern. Spätergeborene Kinder seien im allgemeinen abenteuerlustiger, radikaler, aufgeschlossener und risikobereiter. (Sulloway ist selbstverständlich der jüngste von drei Brüdern.) Sulloway behauptete, eine von Robert Trivers aufgestellte Theorie erkläre diese Befunde. Trivers weise darauf hin, daß, mit Ausnahme von eineiigen Zwillingen, Geschwister lediglich in fünfzig Prozent ihrer Erbanlagen miteinander übereinstimmten. Obgleich Geschwister untereinander freigebiger sein sollten als gegenüber Nichtverwandten, sollten sie gleichzeitig um die Zuneigung der Eltern und um andere »Ressourcen« konkurrieren. Je länger Kinder die Risiken des frühen Kindesalters überlebten, um so höher sei die Wahrscheinlichkeit, daß sie (unter ansonsten gleichen Bedingungen) sich fortpflanzten und die Gene ihrer Eltern weitergäben. Daher brächten Eltern älteren Kindern mehr Zuneigung entgegen und investierten mehr Ressourcen in sie. Aus dieser Tatsache, so Sulloway, folge, daß Kinder, die zu verschiedenen Zeitpunkten geboren worden seien, unterschiedliche Strategien verfolgen müßten. Erstgeborene sollten eine enge Beziehung zu ihren Eltern aufrechterhalten und ihre Autorität nicht in Frage stellen. Da Spätergeborene weniger zu verlieren hätten, sei bei ihnen der Anreiz größer, sich Veränderungen und Unbotmäßigkeit um ihrer selbst willen zu eigen zu machen. »Aus darwinistischer Sicht ist es schlechterdings unmöglich, daß der Rang in der Geburtenfolge keine Auswirkungen haben sollte«, postulierte Sulloway in einer Rede auf der Konferenz der HBES. Sulloway sagte, diese Schlußfolgerungen seien durch zahllose Studien belegt. Er behauptete zudem, »erdrückende« Beweise
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dafür zusammengetragen zu haben, daß die meisten großen - wissenschaftlichen und politischen - Revolutionen in der Geschichte der Neuzeit von Spätergeborenen initiiert und unterstützt worden seien, während die »konservativen« Erstgeborenen sie bekämpft hätten. Darwin beispielsweise war das siebte von acht Kindern, und die Anhänger seiner Theorie seien nach Sulloways Analyse ebenfalls häufig Spätergeborene gewesen. Die Reformation und die kopernikanische Wende seien weitere grundlegende historische Umwälzungen, die hauptsächlich von Spätergeborenen angezettelt worden seien. Sulloway hatte Erklärungen für alle Ausnahmen von dieser Regel parat. Martin Luther, ein Erstgeborener, sei ein einfacher Kleriker von der untersten Stufe der kirchlichen Hierarchie gewesen und habe daher seinen Konservatismus überwinden können. Newton war ein Erstgeborener, doch sein Vater starb vor seiner Geburt; außerdem haßte er seinen Stiefvater, daher habe er die enge Bindung an die Eltern, die typisch für die meisten Erstgeborenen sei, nicht entwickelt. Freud war ein Erstgeborener, doch als Jude in einer antisemitischen Gesellschaft habe er viele Merkmale eines Spätergeborenen besessen. Die Französische Revolution wurde weitgehend von Erstgeborenen, wie etwa Robespierre, getragen, doch sie habe sich durch eine außergewöhnliche Blutrünstigkeit und Grausamkeit ausgezeichnet, und dies seien Merkmale von Spätergeborenen. Der Rebell der Familie, in dem Sulloway seine Theorie darlegte, stieß nach seiner Veröffentlichung im Jahr 1996 auf eine weithin positive Resonanz. Sulloways einstiger Lehrer Edward Wilson nannte es »eines der maßgebenden und bedeutendsten Werke in der Geschichte der Sozialwissenschaften«. Die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy sagte voraus, daß Sulloways Werk »genauso einflußreich sein wird wie die Schriften von Freud und Darwin«. Man rechnet zwar damit, daß der Text auf der Rückseite eines Buches übertriebene Anpreisun- 268

gen enthält, doch die Berichterstattung im New Yorker, in Newsweek und in anderen Publikationen war genauso hymnisch. Selbst Jay Gould, der die Evolutionspsychologie ansonsten vernichtend kritisiert, lobte Sulloways Arbeit, die letztlich der Umwelt (wenn auch in darwinistischer Verkleidung) bei der Prägung der Persönlichkeit genausoviel Bedeutung beimesse wie der Anlage.47 Doch nur weil Sulloways These Wissenschaftlern jeglicher politischer Couleur gefällt, bedeutet das nicht, daß sie richtig ist. Sulloways Schlußfolgerungen widersprechen denjenigen in dem Buch Birth Order: Its Influence on Personality von 1983.48 Die Autoren, die Schweizer Psychiater Cecile Ernst und Jules Angst, werteten Hunderte von älteren Studien aus, die einen Zusammenhang zwischen der Geburtenfolge und bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen herzustellen versuchten, und führten dann eine eigene Erhebung an 7582 Einwohnern Zürichs im Schulabschlußalter durch. Sie gelangten zu dem Schluß, daß sich die Geburtenfolge nicht auf die Persönlichkeit auswirke und daß fortgesetzte Versuche, derartige Auswirkungen zu finden, »eine reine Zeit- und Geldverschwendung« seien.49 Sulloways Projekt war bereits weit vorangeschritten, als er auf das Buch von Ernst und Angst stieß. Er behauptete, er habe ihre Daten nochmals ausgewertet und dabei festgestellt, daß diese in Wirklichkeit seine These stützten. Er kam nicht zuletzt deshalb zu diesem Ergebnis, weil er gewisse Studien über die Effekte der Geburtenfolge ausklammerte, in denen die Probanden ihre Persönlichkeit selbst beurteilten, wozu auch die große Untersuchung gehörte, die Ernst und Angst in Zürich durchgeführt hatten. Die »Selbsteinschätzungsstudien« seien praktisch wertlos, so Sulloway, weil die Selbstbeurteilungen von Personen extrem subjektiv verzerrt seien. Nachdem ich Angst in Zürich ausfindig gemacht hatte, teilte er mir per E-Mail mit, er könne »weder nachvollziehen
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noch verstehen«, weshalb Sulloway die von ihm und Ernst für ihr 1983 erschienenes Buch erhobenen Daten nochmals ausgewertet habe. Sulloway habe »eine eindrucksvolle Serie von Fallgeschichten und -beispielen« angeführt, sagte Angst. »Aber meines Erachtens spielt er auf einem anderen Register: Historische Untersuchungen sind naturgemäß retrospektiv, nicht repräsentativ und nicht verallgemeinerungsfähig, und sie können daher die Befunde sorgfältig geplanter empirischer Untersuchungen nicht widerlegen.« Auch die Psychologin Judith Harris hat Sulloways Methode beanstandet. In ihrem 1998 erschienenen Buch The Nurture Assumption wies Harris daraufhin, Sulloway habe sich bei seinen Schlußfolgerungen stark auf Studien gestützt, in denen die Persönlichkeit der Probanden von Verwandten - nämlich Geschwistern und Eltern - bewertet worden sei. Doch diese Methode sei besonders schlecht geeignet, um Sulloways These von der Bedeutung des Geburtenfolge zu überprüfen. Sie führte aus, die These besage im wesentlichen, daß die Konkurrenzstrategien, die Geschwister während der Kindheit innerhalb ihrer Familie benutzten, sich in ihren Beziehungen außerhalb des Elternhauses fortsetzten und sich bis ins Erwachsenenalter hielten. »Einflüsse der Geburtenfolge lassen sich häufig in Beurteilungen durch Eltern und Geschwister nachweisen; sie fehlen jedoch meistens in Erhebungen, die außerhalb des familiären Kontextes vorgenommen werden.«50

Darwin und Freud Eine ähnliche Kritik an Der Rebell der Familie hörte ich von Steven Pinker, einem Kollegen Sulloways am MIT und wie dieser Darwinist. Obgleich er in Wie das Denken im Kopf entsteht Sulloways Der Rebell der Familie lobte, sagte er mir, er hege Zweifel an Sulloways These; sie mute ihn allzu freudia- 270

Beiden ist eine grundlegende tragische Sicht der menschlichen Natur gemein: Das Leben sei ein Kampf. Das Unbewußte nimmt in der Evolutionspsychologie einen ebenso großen Raum ein wie in der Psychoanalyse.« Die Ironie von Pinkers Bemerkung war verblüffend. daß die Nase im Zentrum vieler psychischer Störungen stehe.51 Sulloway gehe wie Freud davon aus. sofern es überhaupt erreichbar sei. Biologe der Seele vertrat Sulloway die Auffassung. Das ist nicht offenkundig so. Beide Theorien besitzen eine nahezu unbegrenzte Flexibilität.52 In Wahrheit gibt es mehr Gemeinsamkeiten zwischen Evolutionspsychologen und Freudiänern. wie wir mit unserer Familie interagieren. Beide sehen Männer und Frauen als grundverschieden und in manchen Aspekten sogar als nicht zusammenpassend an. als diese normalerweise zuzugeben bereit sind. daß »die Art und Weise. einem Neurologen. Ich stehe dem skeptisch gegenüber. Vor der Publikation von Der Rebell der Familie hatte sich Frank Sulloway vor allem als Freud-Kritiker hervorgetan.nisch an. In seinem 1982 erschienenen Buch Freud. wie wir mit der Außenwelt interagieren. darüber entscheidet. sie können praktisch jeden Aspekt des menschlichen Seelenlebens und Verhaltens erklären und lassen sich somit nicht widerlegen. Die egoistischen Gene der Darwinisten motivieren uns wie das Es der Freudianer in einer Weise. Wie viele andere Ideen in der Evolutionspsychologe läßt sich auch diese auf eine Hypothese zurückführen. Beide sind sich der Grenzen unserer Vernunft und der Macht unserer Instinkte deutlich bewußt. angefangen von Darwin und Lamarck bis hin zu Wilhelm Fliess.53 Für beide ist die Sexualität der Schlüssel zum Verständnis der menschlichen Psyche. und alles Glück sei vergänglich. Freud sei alles andere als ein origineller Denker gewesen und habe hemmungslos Anleihen bei anderen Wissenschaftlern gemacht. die uns in der Regel nicht bewußt wird.271 . der überzeugt davon war. die Robert .

wir hätten gute evolutionäre Gründe. der stärker motiviert sei als die Mutter. Letztlich scheuen sich die Darwinisten ebensowenig wie die Freudianer. was den Anteil jedes Kindes an den elterlichen Ressourcen verringerte. denn aus diesem Verhältnis könnten weitere Nachkommen hervorgehen.57 Nach Ansicht von Wilson und Daly müsse der Neid auf das sexuelle Verhältnis der Eltern bei Jungen und Mädchen gleich stark sein. sondern auch zwischen Eltern und ihren Nachkommen erzeugen.54 Andererseits sollten wir nicht so selbstverblendet sein. aus unseren Fehlern nicht zu lernen.272 . Die erfolgreichsten Lügner seien nach Ansicht von Trivers diejenigen. daß ihre Eltern zu erschöpft seien. um unsere eigene Vertrauenswürdigkeit. weitere Nachkommen zu zeugen. unsere Unzuverlässigkeit und andere Unzulänglichkeiten herunterzuspielen. das heißt. Der Evolutionspsychologe David Buss .Trivers in den achtziger Jahren formulierte. um an Sex zu denken.«55 Wie die Freudianer hat auch Trivers die Familie als einen »Konfliktherd« dargestellt. Er erklärte. Die Kinder forderten daher so viel Aufmerksamkeit. Sex zu haben. Aufbauend auf diesen Ideen. mit Hilfe ihrer theoretischen Instrumente ihre Kritiker zu analysieren. die ihre eigenen Lügen glaubten und somit den Anschein der Aufrichtigkeit erweckten. Wie sagte George Orwell doch einmal: »Das Geheimnis der Herrschaft besteht darin. den Glauben an die eigene Unfehlbarkeit mit der Gabe zu verbinden. Ein besonders angespanntes Verhältnis müsse zwischen den Kindern und dem Vater bestehen. von den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Uneigennützigkeit und Stärke zu übertreiben und unseren Egoismus.56 Die divergierenden genetischen Interessen von Familienangehörigen könnten Spannungen nicht nur zwischen Geschwistern. haben Margot Wilson und Martin Daly (die Entdecker des Syndroms des »bösen Stiefeiters«) eine darwinistische Deutung des Ödipuskomplexes vorgeschlagen.

daß jede Interpretation die verfügbaren Daten erklärt und daß es keine Möglichkeit gibt. Unsere unwahrscheinliche Vergangenheit und Zukunft Die Evolutionspsychologie zeichnet sich in vielerlei Hinsicht durch eine seltsame Folgenlosigkeit aus. so würde ich vermuten.273 . die nach Frank Sulloway anlagebedingt jegliche Veränderung ablehnten. Es wurden viele unterschiedliche Interpretationen vorgeschlagen. Evolutionsforscher können jede beliebige Menge psychologischer und sozialer Daten heranziehen und zeigen. welche Interpretation die richtige ist. die Viele-Welten-Interpretation und die Pilotwellentheorie.verfolgte diese Taktik. Er erhob im Psychological Inquiry den Vorwurf. der Widerstand gegen die Evolutionspsychologie sei weniger auf berechtigte wissenschaftliche Einwände zurückzuführen als vielmehr auf den Wunsch der alten Garde von Psychologen.59 Das Problem besteht darin. die den Nachweis erbrächten. einen Rückgang sexueller Kontaktchancen).und Prestigeverlust (und. Daher ist . Dieses Dilemma erinnert mich an jenes Teilgebiet der Physik.das heißt der Erschließung der metaphysischen Bedeutung . Aber sie können keine Experimente durchführen.der Quantenmechanik befaßt. vor allem angesichts des glühenden Eifers. mit dem sie von ihren Anhängern angepriesen wird. durch Studien herauszufinden. die »traditionellen Psychologen« befürchteten einen Status. sich vor einem tatkräftigen Neuanfang zu schützen. das sich mit der »Interpretation« . auf empirische Weise herauszufinden. daß sie sich in darwinistischen Kategorien erklären läßt. daß ihre Auffassung richtig und die alternative Sichtweise falsch ist und umgekehrt. unter anderem die Kopenhagener Interpretation.58 Buss plädierte dafür. ob Kritiker der Evolutionspsychologie im allgemeinen Erstgeborene seien.

60 Die Evolution durch natürliche Selektion solle nicht länger eine Theorie genannt werden.man gezwungen. sie sei eine Tatsache. müßten wir uns wohl damit abfinden.274 . daß viele unerfreuliche Phänomene des modernen Lebens – rücksichtsloser Kapitalismus. Wenn wir adaptionistische Erklärungen der Natur anerkennen würden. insbesondere die eher linksstehenden Biologen Stephen Jay Gould und Richard Lewontin (und vermutlich auch Noam Chomsky. Dennett schrieb in Darwins gefährliches Erbe. politische oder philosophische Wertmaßstäbe zurückgreifen. Sinn und Zweck mit dem Bereich von Raum und Zeit. Ursache und Wirkung. obwohl er es bestreitet). Nationalismus und der. bin ich mit dem Philosophen Daniel Dennett einer Meinung. Doch dies wirft sogleich eine Frage auf. ob die Evolutionspsychologie richtig und der Kulturdeterminismus falsch ist. Sexismus. weshalb müssen dann Wissenschaftler wie Daniel Dennett. Wenn die Evolutionstheorie empirisch so gut abgesichert ist. Richard Dawkins und andere so viel Energie darauf verwenden. ihren Reiz zu preisen? Weshalb wird der Darwinismus als Theorie der gesamten Natur (nicht bloß der Spezies Mensch) von religiösen Fundamentalisten. daß diese Theorie »die beste Einzelidee aller Zeiten« ist. Mechanismus und physikalischem Gesetz vereinigt«. sich bei seiner Wahl auf ästhetische Präferenzen zu stützen. so ihre Befürchtung. Rassismus. die genauso zweifelsfrei erwiesen sei wie jede andere wissenschaftliche Tatsache. Obgleich sich die Darwinsche Theorie der Evolution durch natürliche Selektion meines Erachtens für das Verständnis der menschlichen Natur nicht sonderlich bewährt hat. Ebensowenig läßt sich allein anhand empirischer Daten entscheiden. Man muß auf ästhetische. Darwins Idee habe »mit einem Schlag den Bereich von Leben. aber auch von äußerst kenntnisreichen Wissenschaftlern abgelehnt? Einige Kritiker. haben eindeutig politisch motivierte Vorbehalte gegen die Darwinschen Theorien.

«62 Die Geschichte der Biologie legt einen daraus folgenden Aphorismus nahe: Je begreiflicher uns das Leben wird. die natürliche Auslese sei durch die moderne Medizin und andere Produkte der Zivilisation so abgeschwächt worden. Wie weit kann die Evolution gehen? Werden die Menschen immer intelligenter werden? Wird aus dem Homo sapiens eines Tages eine intelligentere Spezies hervorgehen.61 Der Elementarteilchenphysiker Steven Weinberg schrieb einmal: »Je begreiflicher uns das Universum wird. Die Evolutionstheorie wirft Fragen über unsere Zukunft und unsere Vergangenheit auf. um so sinnloser erscheint es auch. daß die Evolutionstheorie. Wenn man bedenkt. Sie befürchten. etwa die Gruppenselektion. selbst wenn sie von der modernen Genetik und Molekularbiologie gestützt werde. die Wirklichkeit nicht hinlänglich wahrscheinlich mache. so wie wir aus den Affen hervorgingen ? Wie nicht anders zu erwarten. Der absolut unwahrscheinlichste Organismus von allen ist derjenige. Wissenschaftler haben verschiedene Zusatzmechanismen vorgeschlagen. um so unwahrscheinlicher erscheint es auch. wozu genetische Theorien in der Vergangenheit benutzt wurden. sind derartige Vorbehalte nicht unbegründet. daß tiefgreifende körperliche oder geistige Veränderungen beim Men.bis zu einem gewissen Grad wahrscheinliche und sogar unvermeidliche Produkte der Evolution seien und sich nicht leicht ändern ließen. den wir heute rekonstruieren können. Andere erheben aus dem entgegengesetzten Grund Einwände gegen den Darwinismus. die das Phänomen Leben wahrscheinlicher und gesicherter machen sollten. Einige behaupten.gleichen . beantworten Evolutionsforscher diese Frage nicht einhellig. die Gaia-Hypothese und die Komplexitätstheorie. der sich über seine Unwahrscheinlichkeit den Kopf zerbrechen kann. weshalb überhaupt Leben entstanden sei beziehungsweise weshalb das Leben nach seiner Entstehung den Weg eingeschlagen habe.275 . Der Darwinismus könne uns nicht erklären.

daß eines Tages nicht doch einmal Maschinen mit Bewußtsein entwickelt werden... daß Samuel Butler sie in seinem Science-fiction-Roman Erewhon aus dem Jahr 1872 satirisch aufs Korn nahm. daß der Tag kommen wird.sehen unwahrscheinlich seien. würden wir weitgehend auf dem heutigen Entwicklungsstand verharren. in der Wirklichkeit aber nicht?« fragte Steven Pinker in Wie das Denken im Kopf ent. keine Geschöpfe von gestern. die um ein vielfaches intelligenter seien als ein Mensch. [.64 Nach dem phantastischsten Szenario werde die nächste Phase der Evolution von Maschinen getragen. Sie sind überzeugt davon. daß unsere Nachfahren möglicherweise tiefgreifende Veränderungen durchmachen würden. Selbst zur Zeit Darwins waren solche Phantasien bereits derart verbreitet.] Die komplexeren Maschinen sind.63 Falls es keine bahnbrechenden Fortschritte in der Verhaltensgenetik oder breitangelegte Eugenikprogramme gebe. bietet keine Garantie dafür. sondern sozusagen der letzten fünf Minuten. wenn sie das hören. gemessen an der Vergangenheit. Nehmen wir einmal hypothetisch an. Andere Theoretiker mutmaßen. wird noch heute von leidenschaftlichen Anhängern der Künstlichen Intelligenz wie Marvin Minsky vom Massachusetts Institute of Technology und Hans Moravec von der Carnegie-Mellon-Universität benutzt. daß Maschinen heute kaum Bewußtsein besitzen.276 . daß Geschöpfe mit Bewußtsein seit etwa zwanzig Millionen Jahren existieren: Welche großen Fortschritte haben die Maschinen in den letzten tausend Jahren gemacht? Wird die Welt nicht weitere zwanzig Millionen Jahre bestehen? Und was wird am Ende wohl aus ihnen werden?«65 Dieselbe Rhetorik. sondern das gesamte Weltall von superintelligenten Maschinen regiert wird. Darin verkündet ein verrückter Wissenschaftler: »Die Tatsache. an dem nicht nur die Erde.66 Einige Neodarwinisten verdrehen die Augen. »Weshalb gibt es in Romanen so viele Roboter. abzüglich der Ironie.

so Pinker. Fodor gehörte einst zu den führenden Verfechtern der »Computertheorie des menschlichen Geistes« und der Hypothese. Im Jahr 1998 räumte Fodor jedoch die Grenzen dieser Annahmen ein. HAL aus 2001 und RaÜ2 aus Krieg der Sterne werden vielleicht für immer Produkte der Sciencefiction bleiben. Aber in diesem Jahrhundert wird sich das nicht mehr einrichten lassen.68 Anders gesagt. doch die Untergliederung des Geistes in viele kleine anwendungsspezifische Rechner oder Module beantworte noch immer nicht die Frage.69 Um dieses Problem zu verdeutlichen. wies Fodor darauf hin. sondern in Module eingeteilt. daß »die technischen Probleme. könnten in der Tat auf Rechenprozesse zurückgeführt werden. Bestimmte kognitive Aufgaben.«67 Dies liege daran. Gehen. und im nächsten vermutlich auch nicht. »steckt noch immer in den Kinderschuhen«. Farben zu erkennen oder einen Satz grammatisch zu analysieren. so wirke der Mond . Nach Ansicht des Philosophen und Kognitionswissenschaftlers Jerry Fodor von der Rutgers-Universität stehen Evolutionspsychologie und Künstliche Intelligenz bei der Beschreibung des menschlichen Geisteslebens vor demselben Problem. die wir Menschen beim Sehen. der Geist sei kein lernender Allzweckrechner. die spezifische Aufgaben wahrnähmen. wie die Ergebnisse all dieser modularen Berechnungen integriert würden. »Ich würde viel Geld für eine Maschine ausgeben. daß konstruktive Eigentümlichkeiten unseres Sehmoduls vielfältige Sinnestäuschungen erzeugten. Eine Psychologie. ja stellte sie sogar nachdrücklich heraus. die »sich dem Integrationsproblem nicht stellt«. Planen und in unserem ganzen Tagesablauf lösen. lautete sein Fazit. weitaus schwieriger [sind] als die Landung auf dem Mond oder die Sequenzierung des menschlichen Genoms«. schrieb Fodor in einer Besprechung von Wie das Denken im Kopf entsteht. die das Geschirr wegräumt oder einfache Aufträge erledigt. wie etwa die Fähigkeit.277 .steht.

als wenn er hoch am Himmel stehe. . meinte Fodor. In ähnlicher Weise ist der Alltagsverstand in herausragender Weise genau das. um das zu erzeugen. Doch die meisten von uns wüßten. was man »Alltagsverstand« nenne. aber sie haben keine Ahnung. der Output unseres Sehmoduls müsse auf irgendeine Weise mit dem Output anderer Module verrechnet werden.« Wie die Neurowissenschaftler rennen auch die Forscher der Evolutionspsychologie und der Künstlichen Intelligenz gegen das Dilemma des Reduktionismus an. was die Computer. Ein fehlender Bestandteil von entscheidender Bedeutung ist der altbewährte Alltagsverstand. »So wie die Dinge heute stehen«.in der Nähe des Horizonts größer. die wir bauen können. »besitzen wir keine Theorie der Psychologie des Alltagsverstands. Sie können den Geist zwar in Stücke zerlegen.278 . die einer sorgfältigen Prüfung durch einen intelligenten Fünfjährigen standhielte. daß sie einer Sinnestäuschung erliegen. wie sie diese wieder zusammensetzen sollen. nicht besitzen.

Ich sann lange Zeit über die Frage nach. binnen zehn Jahren intelligente Maschinen zu konstruieren. . was man sich darunter vorzustellen hätte. der Monatsschrift des Institute of Electrical and Electronics Engineers. was Er1 kenntnis sei. McCorduck. kam ich zu dem Schluß.7. In Machines Who Think hatte sie ein noch apokalyptischeres Szenario vorgestellt: Nach Ansicht einiger KI-Visionäre würden intelligente Maschinen die nächste Etappe in der Evolution bewußtseinsbegabten Lebens darstellen und bald die Menschen weit hinter sich lassen. Marvin Minsky. RICHARD POWERS.279 . . Ihr neues Buch handelte vom japanischen Fifth Generation Project. KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND Meine Expertensysteme konnten nicht als intelligent bezeichnet werden. als ich eine Stelle beim IEEE Spectrum antrat. die mit dem bekannten Informatiker Joseph Traub verheiratet ist. [ . John McCarthy und andere Wegbereiter der Künstlichen Intelligenz. Machines Who Think2 (man beachte das hintersinnige »who«!). Mit einer Mitgliederzahl über drei. darüber nachzudenken. dessen Ziel es war. neckte die angehenden Publizisten in ihrem Kurs mit ihrer Prophezeiung. ] Nachdem ich mir lange den Kopf zerbrochen hatte. und arbeitete intensiv an einem zweiten. als ich die kommerziellen Interessen bereits fallengelassen hatte. eines Tages seien Computer vielleicht genauso gute oder sogar noch bessere Autoren als Menschen. Sie ergötzte uns mit Anekdoten über Herbert Simon. auch dann noch. daß ich keinen blassen Schimmer davon hatte. Ein Jahr später erhielt ich einen nur geringfügig objektiveren Einblick in die KI-Kultur. den die Autorin Pamela McCorduck an der ColumbiaUniversität hielt.2 I m Jahr 1982 besuchte ich einen Kurs in Wissenschaftspublizistik. Sie hatte bereits ein Buch über Künstliche Intelligenz (KI) geschrieben. Aber sie brachten mich dazu. Galatea 2. Ihre Begeisterung für die Künstliche Intelligenz übertrug sich auf ihre Studenten.

Andere werden sich grundlegend wandeln. Der Autor. Er war selbstverständlich ein glühender Anhänger der Künstlichen Intelligenz. fast ebenso ausdruckslosen Frau dargestellt.hundertausend ist die IEEE eine der größten berufsständischen Organisationen in der Welt. könnten jedoch schon bald menschliche Aufgaben an sich reißen«3 (Expertensysteme sind Softwareprogramme. trug den langweiligen Titel »Die Maschine als Partner des neuen Fachmanns«. ebenso Industriegiganten wie IBM. Der Leitartikel. Unter dem Titel »Nach 1984: Technologie und Individuum« waren auf dem Titelblatt Kopf und Schulter eines silbernen. Informationen aufzunehmen und auf deren Grundlage Entscheidungen zu treffen). um neue An. aber den provozierenden Untertitel »Die heutigen Instrumente liefern mehr Daten. die die Fähigkeit menschlicher Experten nachahmen. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium steckte gewaltige Summen in dieses Forschungsfeld.280 . gesichtslosen Roboters neben einer kahlköpfigen. Einige Berufe werden dadurch überflüssig und verschwinden. einem Hersteller von Expertensystemen. den ich redigierte. war Vizepräsident von Teknowledge. Die KI bildete einen Schwerpunkt der Berichterstattung im Spectrum. Frederick Hayes-Roth. Viele neue Berufe werden entstehen. als das Gehirn verarbeiten kann. die Elektrotechnik werde »die Natur der Arbeitswelt tiefgreifend verändern. und ehemaliger Direktor des KI-Programms der Rand Corporation. Expertensysteme greifen uns unter die Arme. Die Botschaft war klar: das halsbrecherische Tempo des technologischen Fortschritts verwische die Grenzen zwischen Künstlichem und Biologischem. Im Jahr 1984 stellten die Redakteure anläßlich des hundertjährigen Gründungsjubiläums der IEEE ein Sonderheft über »die Auswirkungen der Hochtechnologie auf die Gesellschaft insgesamt und den Berufsstand der Ingenieure im besonderen« zusammen. In seinem Spectrum-Beitrag sagte er voraus.

besteht die wohl größte Aufgabe der Menschheit darin. die sich schwerer automatisieren ließen. sagte ich ihm. daß die . Er begann zu lachen.traumatischen Ereignissen in der Adoleszenz. zu dessen Mitbegründern er in den glorreichen Tagen der KI gehört hatte. nehme dagegen zu. sagte er und gab bereitwillig zu. da die meisten Erwerbstätigkeiten von Maschinen übernommen werden. ihre intellektuellen Kompetenzen zu übernehmen. daß ich seinen Beitrag für Spectrum im Jahr 1984 redigiert hatte. Im Jahr 1998. Anpassung an das Leben im Weltraum. in der sich den Menschen neue Entfaltungsmöglichkeiten eröffneten. die sich mit menschlichen Problemen befassen . sich neue Herausforderungen zu suchen und ihr Selbstverständnis neu zu definieren. verlören Experten an gesellschaftlichem Ansehen.wendungsfelder der Elektronik zu nutzen und zu unterstützen. Die größte Herausforderung für künftige Fachleute wird allerdings auftauchen. vierzehn Jahre nach meinem letzten Gespräch mit ihm. In dem Maße. Die Menschen »gehen fast nur noch persönlichen und sozialen Interessen nach. daß ich ihn jetzt fragen wolle. spürte ich ihn im kalifornischen Palo Alto auf. inwiefern seine Vorhersagen seiner Auffassung nach eingetroffen seien. den Anbieter von Expertensystemen.« Hayes-Roth sagte voraus. Altern und Tod -. Scheidung.« Eine Nische.4 Er arbeitete noch immer für Teknowledge. während die ökonomischen zur Bedeutungslosigkeit herabsinken.281 . Nachdem ich ihn daran erinnert hatte. sportlicher Leistungsfähigkeit. sei die Psychotherapie. wenn Maschinen beginnen. wird zunehmen«. Wenn weiterhin Frieden herrscht. »Sie sind doch wirklich ein gemeiner Schuft«. »Die Anzahl der Experten. daß Expertensysteme schon im Jahr zweitausend Fluglotsen ersetzen würden und binnen fünfzig Jahren Ärzte und Wissenschaftler. der Stellenwert von Kreativität. Einfühlungsvermögen und Intuition. wie die Sachkompetenz der Automaten die des Menschen überträfe. verkündete Hayes-Roth.

Die Codierung von menschlichem Expertenwissen in Software. sagte er. die menschliche Kognition in all ihrer Komplexität nachzubilden.282 . S. Die Menschen seien »sehr. was man maßgeschneiderten Entwurf nennt«. Die größten Hindernisse für die KI. so Hayes-Roth. der in der Physik oder der Molekularbiologie erfolgreich angewendet werde. So hätte beispielsweise das US-amerikanische Bundesaufsichtsamt für die Sicherheit des Flugverkehrs sein veraltetes Flugsicherungssystem bis zum Jahr 2000 automatisieren können. Zahlreiche vielversprechende KI-Projekte seien eingestellt worden. die andere Softwareprogramme schrieben.Entwicklung auf dem Gebiet der Expertensysteme und die KI im allgemeinen seit Beginn der achtziger Jahre stagniere. ersehen könne. das für ein Projekt zusammengetragen wurde. erwies sich als äußerst mühsame. »Es ist ein Beispiel für etwas. seien eher politischer und ökonomischer als wissenschaftlicher Natur. wie er es vorhergesagt habe. hätten die KI-Forscher viel erreicht. sagte Hayes-Roth. Dennoch blieb Hayes-Roth optimistisch. Air Force die Luftangriffe gegen den Irak mit Hilfe eines Expertensystems . Ungeachtet dieser Probleme. weil ihre Geldgeber im öffentlichen oder privaten Sektor allzu ungeduldig geworden seien. Die Konstrukteure von Expertensystemen waren auf zwei Probleme gestoßen. doch bürokratische Trägheit habe dies verhindert. versage. Jener Reduktionismus. wie schwierig es sei. sehr komplexe Systeme. Die Vorkämpfer der KI hätten auch unterschätzt. war für das nächste kaum oder gar nicht brauchbar. wenn es um den menschlichen Geist gehe. die reale Probleme bearbeiten konnte. zeitaufwendige Aufgabe. die sowohl durch die Evolution als auch durch lerngestützte Anpassungsleistungen hervorragend dafür gerüstet sind. Das Wissen. gleichzeitig Dutzende von Variablen effizient und spezifisch zu bearbeiten«. Während des Golfkriegs habe die U. wie man aus den Spracherkennungssystemen und den Softwareprogrammen.

Er war noch immer zuversichtlich.« Simon räumte ein. den Hayes-Roth und andere im Jahr 1984 vorhergesagt hatten. wäre dieses Team zweifellos erfolgreich. dieses Expertensystem habe die gesamten Investitionen des Verteidigungsministeriums in die KI mehr als gerechtfertigt«.« Herbert Simons Prophezeiungen Hayes-Roth ist ein erbärmlicher Schwarzseher im Vergleich zu Herbert Simon von der Carnegie-Mellon-Universität. einem der Gründungsväter der KI und der Kognitionswissenschaft. daß die KI eine relativ einfache und eine relativ schwierige Seite hat. Als ich Simon fragte. »Andererseits. die Konstruktion intelligenter Maschinen sei in mancher Hinsicht schwieriger gewesen als erwartet. den lippenlesenden Cyber-Schurken aus dem Film 2001. die KI habe in jeglicher Hinsicht die in sie gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. der Finanzierung und der Organisation. einen Computer wie HAL. Die relativ einfache Seite bezog sich auf die . warum dieser gewaltige Sprung in der Intelligenz von Maschinen. erwiderte er: »Er hat stattgefunden.283 . »Ich kenne die Hürden auf dem Weg dorthin so gut wie jeder andere«. weshalb Ingenieure nicht in der Lage sein sollten. nicht stattgefunden habe. daß der Traum vom Bau einer wirklich intelligenten Maschine eines Tages in Erfüllung gehen werde. »Die Air Force schrieb. Es dauerte vielleicht zehn oder auch zwanzig Jahre. aber der Erfolg wäre absehbar. sagte Hayes-Roth. aber er hat stattgefunden. »Es zeigte sich. wenn man ein Team zusammenstellte. ein Manhattan-Projekt für den Bau von HAL. sagte Hayes-Roth. zu bauen.« Er sah keinen Grund.geplant. »Es ist lediglich eine Frage der Zeit.5 Anders als viele KI-Forscher bestreitet Simon entschieden die Behauptung. Nicht in diesem konkreten Ausmaß und in der vorhergesehenen Richtung.

wie Menschen tiefschürfende Gedanken denken. »das Gefährt auf schrägen Autobahnauffahrten und -ausfahrten unter Kontrolle zu halten«.Frage. insbesondere angesichts der begrenzten Leistungsfähigkeit der Computer in der Frühzeit der KI. das mit minimaler menschlicher Unterstützung quer durch die Vereinigten Staaten gefahren sei.284 . um die Bildverarbeitung zu beschleunigen. die so schnell und so groß waren.und motorischen Organe mit der Umwelt interagieren. Er zählte verschiedene Projekte auf. sagte Simon. welche Fortschritte die KI in jüngster Zeit gemacht habe. . Jeder Roboter müsse mit seinen Teamkollegen kooperieren und die Pläne seiner Gegenspieler vorwegnehmen und vereiteln. wie Menschen durch ihre Sinnes. Menschliche Eingriffe seien vor allem dazu nötig gewesen.« Die Forscher hätten auch Tricks ersonnen. Besonders beeindruckt zeigte sich Simon von den Spielen. Das eine sei ein Auto namens Navlab. Die schwierige Seite sei die Simulation der Art und Weise. indem es jedes aktuelle Bild von dem vorangehenden subtrahiere. daß sie beispielsweise bewegte statt bloß statische Bilder verarbeiten konnten. Roboter und Computer seien »noch immer sehr weit davon entfernt. symbolische Repräsentationen der Welt zu bilden und zu benutzen. das die Bewegung von Objekten sehr schnell erfasse. die Veränderungen in der Umwelt einfach zu verfolgen.« Es sei außerordentlich schwierig. Doch dies ändere sich rasch.« KIForscher hätten große Fortschritte bei der Simulation der menschlichen Fähigkeit gemacht. bei denen Gruppen fußballspielender Roboter gegeneinander antraten. »Die Schnittstelle zur Umwelt. »Erst vor vielleicht zehn oder fünfzehn Jahren verfügten wir über Computer. diese Aufgaben mit der gleichen Gewandtheit auszuführen wie der Mensch«. wie etwa ein Programm. Roboter stellten in einer Klinik in Pittsburgh und in anderen Orten die Post zu. das ist die wirklich komplizierte Sache. die zeigten.

Nach Ansicht von Simon ist die Kritik an der KI größtenteils emotional motiviert und basiert auf keiner sachlichen Bewertung der Fakten. »Dieses Fachgebiet wird mit anderen Maßstäben gemessen als alle anderen Disziplinen. die ich kenne. »Die meisten finden die Vorstellung.285 . Sie ist die Erforschung der Konstruktion intelligenter Maschinen und ebenso die Wissenschaft von der Intelligenz. sondern auch dessen innere Abläufe. etwa Schach spielt oder ein Gesicht erkennt oder Fußball spielt. »Aber ich denke fast nur in diesen beiden Kategorien. bis wir diese Lücke überbrücken werden.« Intelligente Maschinen stellten eine schwere Kränkung für die Eitelkeit des Menschen dar. erklärte er. aber das sollte uns kein Kopfzerbrechen bereiten. ob ein Computermodell die Funktionsweise des Gehirns getreulich widerspiegele. Simon glaubt fest an das »starke KI-Programm«.Gefragt. wonach es keinen grundlegenden Unterschied zwischen einem Rechner und dem menschlichen Gehirn gebe. »Ein Computer ist hinsichtlich Schnelligkeit und Speicherkapazität und so weiter einfach eine andere Maschine als eine Person«.« Fortschritte in der Computertechnologie einerseits und bei bildgebenden Verfahren andererseits würden bald die Kluft zwischen KI und Neurowissenschaft schließen. ob er die KI in erster Linie als eine Naturwissenschaft oder eine Ingenieurwissenschaft ansehe. weil die Kernspinresonanztomographie und andere Technologien die neuralen Prozesse nicht in hinlänglicher Detailgenauigkeit erfaßten. Es sei noch immer schwierig herauszufinden. antwortete Simon: »Sie ist beides. daß eine Maschine definitionsgemäß denke.« Im Idealfall sollten KI-Modelle nicht nur den Output des menschlichen Gehirns simulieren.« Ein anderes Dogma der starken KI besagt. daß ein Computer denkt. »Ich denke. es wird noch eine Zeitlang dauern. die eine kognitive Aufgabe ausführt. teilte mir Simon mit. spiegelten sich in den Fragen aus dem Publikum .« Jedesmal wenn er einen Vortrag über KI halte. schlicht abstoßend.

dem uralten Gebot zu gehorchen: Erkenne dich selbst. etwas Besonderes zu sein. Und mit dieser Selbsterkenntnis gewappnet. indem er zu hohe Anforderungen stellte.«7 Im selben Vortrag machte Simon vier etwas konkretere Vorhersagen. wir fühlten uns durch sie bedroht. Wenn wir unsere Skepsis gegenüber der KI zum Ausdruck brächten. sie könnten durch Maschinen ersetzt werden.286 . Daher stellten die Menschen »in dem Maße.im Jahr 1967 . Im Jahr 1998 veröffentlichte die New York Times einen Beitrag. lehnten wir sie in Wirklichkeit völlig ab. dann sind das begeisterte KI-Anhänger wie Simon. die nach An. daß die Erde nicht im Mittelpunkt des Universums steht und daß der Mensch vom Affen abstammt. daß die KI innerhalb von zehn Jahren . der wie Simon als KI-Forscher an der Carnegie-Mellon-Universität tätig ist. Er prognostizierte. Erkenntnisfortschritte zum Nutzen statt zum Schaden der Gattung Mensch einzusetzen. Im Jahr 1957 referierte er in überschwenglichen Tönen über die Künstliche Intelligenz.die folgenden Meilensteine erreicht haben werde: . Sie »wird dem Menschen helfen. in dem Astro Teller. Viele KI-Forscher beklagen sich über diesen Zustand.Ein Computer werde Musik komponieren. wird er vielleicht lernen.Ein Computer werde Schachweltmeister sein.Ein Computer werde ein wichtiges neues mathematisches Theorem entdecken und beweisen. damit sie nicht zugeben müssen.die »Angst und Sorge« der Menschen wider. ständig höhere Anforderungen. so wie wir uns durch die Entdeckungen bedroht gefühlt hätten. wie die Künstliche Intelligenz Fortschritte macht. daß Maschinen kreativ oder intelligent sein können«. Intelligente Computer untergrüben unser Gefühl.6 Wenn aber irgend jemand die KI zu fortwährendem Versagen verurteilt hat. . behauptete Teller. . die KI verteidigte.

die in der Tat mathematische Theoreme aufstellen und beweisen. das Musik erzeugte.die llliac Suite.8 Computergenerierte Musik entpuppte sich ebenso wie computergenerierte Kunst und Lyrik als eine vergängliche Modeerscheinung. A. Hiller und L.sicht von Kritikern eine beachtliche ästhetische Qualität besitzen werde. ein . daß diese Programme eine ernsthafte Herausforderung für Komponisten. Simon sagte mir 1998. Simon selbst beschrieb eine der Kompositionen des Programms . so haben mehrere Informatiker. Was die computergenerierte Mathematik anbelangt. Programme entwickelt. Doch wie ein Journalist in einem Beitrag über computergenerierte Musik und Kunst im Jahr 1997 schrieb: »Menschen sehen in verbrannten Tortillas auch Bilder von Jesus und schreiben ihren Autos Gefühle zu. Als Simon 1957 seine Rede hielt. Isaacson bereits ein Programm geschrieben.10 Ende der fünfziger Jahre schrieb der Physiker Herbert Gelernter. Die Melodien. benannt nach einem der ersten Digitalrechner . M. seine Vorhersagen seien weitgehend eingetroffen. darunter Simon selbst. Zeichnungen und Gedichte. die von Computern produziert werden.als »nicht trivial und nicht uninteressant«. Doch inwieweit waren Simons Prognosen wirklich in Erfüllung gegangen? Simons sicherste Wette war das künstliche Komponieren von Musik. .«9 Nicht einmal der glühendste KI-Verehrer behauptet. bildende Künstler und Dichter darstellten.Die meisten Theorien in der Psychologie würden die Form von Computerprogrammen oder von qualitativen Aussagen über die Merkmale von Computerprogrammen annehmen.287 . der bei IBM arbeitete. aber die anderen drei seien »in Reichweite«. hatten die Informatiker L. Die Schach-Prognose habe zwar um dreißig Jahre danebengelegen. sprechen Menschen oftmals auf eindringliche Weise an.

Zu jedem beliebigen Zeitpunkt stehen jedem . bis er eine Siegesstrategie findet. In der Praxis ist diese Strategie jedoch unmöglich.11 Simons Schach-Prognose nahm sich vermutlich für viele Beobachter relativ bescheiden aus. wann der Preis seines Erachtens eingefordert werde: »Nicht heute. daß Computer die nächste Etappe in der Evolution der Intelligenz darstellten. Seit Ende der siebziger Jahre bedienen sich die Mathematiker zunehmend des Computers. Doch selbst innerhalb der KI-Gemeinde monierten Kritiker. die zu Pamela McCorduck in Machines Who Think gesagt hatten. (Fredkin gehörte zu den KI-Forschern.Programm. Einer der ersten Juroren für den Preis war der Mathematiker David Mumford von der Brown-Universität. die für die Vervollständigung bestimmter Beweise erforderlich sind. er dient lediglich als Handlanger für seinen menschlichen Herrn. die höhere Theoreme ausstoßen konnten. Aber der Computer entwirft den Beweis nicht selbst. um aufwendige Berechnungen durchzuführen. das ein Theorem aufstellt. Schach basiert auf einfachen. die Ergebnisse. Gegen-Gegenzüge und so weiter prüfen. indem er den sogenannten Leibniz-Preis stiftete. Zu Beginn der achtziger Jahre versuchte der Informatiker und Unternehmer Edward Fredkin das nachlassende Interesse an der computergestützten Mathematik wiederzubeleben. Andere Informatiker erfanden Algorithmen. seien in ihnen angelegt gewesen. die diese Programme errechnet hätten.) Der von der Carnegie-Mellon-Universität verwaltete Preis setzt hunderttausend Dollar auf das erste Computerprogramm aus. welches einen »tiefgreifenden Einfluß« auf die Mathematik ausübt. eindeutigen Regeln und wird auf einem kleinen kartesischen Spielfeld gespielt. Ich fragte Mumford.12 Grundsätzlich könnte ein Computer die Folgen jedes möglichen Zuges berechnen.288 . nicht in hundert Jahren«. alle möglichen Gegenzüge. das einige der elementaren Lehrsätze der euklidischen Geometrie »entdeckte«. antwortete er.

Mit dieser Kapazität plus einigen Regeln zum Ausschluß recht aussichtsloser Taktiken konnte Deep Blue fünfunddreißig Züge in die Zukunft »sehen«. eine Maschine zu konstruieren. Den Ingenieuren gelang es erst 1958. als Simon vorhergesagt hatte. also mehr als die Zahl der Atome im Universum. war er selbstverständlich hocherfreut. aber stetige Fortschritte. ist 10120. Obgleich es dreißig Jahre länger dauerte. der nur zwei Züge und Gegenzüge vorwegzunehmen versuchte. die die Grundregeln des Schachs ausführen konnte. »Dieses Schachprojekt hat nichts mit KI zu tun«. direkt nach ihrem ersten Spiel gegen Kasparow. verlor jedoch schließlich das Spiel. Deep Blue war ein enorm leistungsfähiger Rechner. Die Gesamtzahl der Spiele.Schachspieler in der Regel achtunddreißig verschiedene Züge offen. ob ihr Erfolg eine Bestätigung der Künstlichen Intelligenz darstelle.289 . sagte Chung-jen Tan. daß er das Problem auf rein rechnerische Prozesse reduziere. müßte 2 085 135 Möglichkeiten prüfen.) Der Erfolg von Deep Blue sei nicht darauf zurückzuführen. »Solange . Jeder dieser möglichen Züge erzeugt achtunddreißig mögliche Gegenzüge des anderen Spielers.13 (Bei diesem Wettstreit gewann Deep Blue die erste Runde. als ich ihn und seine Kollegen im Jahr 1996. daß er das menschliche Urteilsvermögen nachahme. interviewte. der Manager der Deep-BlueForschergruppe. als der IBM-Computer Deep Blue schließlich 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte. welche die Schachregeln erzeugen können. sondern darauf. Und sie klommen die Stufenleiter unaufhörlich nach oben. Seine zweiunddreißig unabhängigen Mikroprozessoren konnten zweihundert Millionen Figurenpositionen pro Sekunde prüfen. Ironischerweise hegten die Entwickler von Deep Blue selbst Zweifel daran. Danach machten Schachcomputer langsame. Ein Schachspieler. die Gesamtzahl beläuft sich entsprechend auf 1444 Züge. sagte Tan. Mitte der sechziger Jahre spielten sie so gut wie durchschnittliche Turnierspieler.

Ich bin kein Psychologe oder Neurowissenschaftler. wenn Deep Blue ausschließlich Zahlenakrobatik betreibe? Er behauptete. als ›Denken‹ bezeichnen«.« Das Team bezweifelte auch. wie wir das überhaupt angehen sollen. Es umfaßt auch die gesamte Software und alles andere. »Doch sobald man es verstanden hat. sagte er. »Doch das wird noch Jahrhunderte dauern«. Deep Blue habe »nichts mit KI zu tun«. »Wir wissen immer noch nicht. was Deep Blue leistet.man das Problem nicht versteht. »Das reicht nicht«. die das menschliche Urteilsvermögen nachzuahmen versuchten. Deep Blue könne »denken«.»Die Techniken. .290 . sagte der IBM-Wissenschaftler Murray Campbell in brüskem Ton. hatte Simon im Jahr 1996 in der New York Times verkündet14). Campbell wies darauf hin. Weshalb konsultiere das IBM-Team Schachgroßmeister. daß es möglich sei. »Das Gehirn ist mehr als nur Hardware. »Nur weil ein Computer Schach spielen kann. sind erbärmlich gescheitert«. wie es Simon und andere KI-Pioniere einmal gehofft hatten. um dem Programm den letzten Schliff zu geben. »Meines Erachtens hat die Fähigkeit zum Schachspielen nicht mit der Frage zu tun. einen wirklich menschenähnlichen Computer zu bauen.« Das Deep-Blue-Team schien Herbert Simons Aussage. indem man jede Nervenzelle durch einen elektronischen Kippschalter ersetze. kann man es auf einen rechnerischen Algorithmus zurückführen. eher amüsant als schmeichelhaft zu finden (»Ich würde das. bedeutet dies noch lange nicht. fügte Tan mit Nachdruck hinzu.« . ein künstliches Gehirn zu konstruieren. aber ich bin mir sicher. daß Ingenieure in der nahen Zukunft in der Lage seien. als ich ihm von Tans Äußerung berichtete. pflichtete ihm sein Kollege Joseph Hoane bei. fuhr er fort.« »Er hat keine Ahnung!« antwortete Simon. ›Denken‹ ist ein sehr schwer zu definierendes Wort. daß er denken kann. ob Computer denken können«. daß sie diese Probleme ebenfalls nicht verstehen. nennt man es KI«.

so Simon. IBM-Produkte mit KI in Verbindung zu bringen oder auch nur den Begriff zu erwähnen.291 . so schnell du kannst. die menschliche Arbeitskräfte ersetzen werden«. in die entgegengesetzte Richtung. die den Geist als eine informationsverarbeitende Maschine betrachtet und die rechnerischen Grundlagen von Mustererkennung und anderen Komponenten der Kognition aufzuklären sucht. Seit den späten fünfziger Jahren habe IBM seinen Mitarbeitern untersagt.15 Am bedeutsamsten und weitsichtigsten war vielleicht Simons Prognose. daß jemand auf die Idee kommen könnte. Diese Modelle lassen sich in zwei allgemeine Kategorien einteilen. dann lauf. dessen innere Struktur unbekannt und sogar bedeutungslos ist und daher ignoriert werden kann. der den Geist als eine black box behandelt. daß sie denkende Computer herstellen. die vorherrschende Richtung in der Psychologie. regelbasierte Algorithmen und neuronale Netze.das Deep-Blue-Team plappere lediglich den offiziellen Standpunkt von IBM nach.«) Ein typisches neuronales Netz besteht aus mehreren Ebenen von Knoten (Neuronen). meist in der Form von »Wenn-Dann-Befehlen«. war der Behaviorismus. Doch der Behaviorismus wich schon bald der Kognitionswissenschaft (auch kognitive Psychologie oder kognitive Neurowissenschaft genannt). die durch Verknüpfungen (Syn. die jede Situation vorwegzunehmen versuchen. Bei der regelbasierten Methode ist das Wissen von Anfang an im Modell enthalten. daß Computermodelle des menschlichen Denkens starken Auftrieb erhielten. Im Jahr 1957. Der Aufstieg der Kognitionswissenschaft hat in der Tat dazu geführt. (»Wenn das Objekt in deinem Gesichtsfeld orange ist und schwarze Streifen hat und einen langen Schwanz und große Zähne. als Simon seine Vorhersage machte. das heißt als ein Objekt. »IBM hat panische Angst davor. daß Computerprogramme in der Psychologie eine immer wichtigere Rolle spielen würden.

292 . »feuert« das Neuron. In Wirklichkeit sind neuronale Netze eine neumodische Anwendungsform altmodischer statistischer Verfahren. Muster mit größerer Treffsicherheit zu erkennen.zumindest im Prinzip . grob vereinfacht. Jedes dieser Neurone überträgt nun seinerseits ein Signal an die nächste Netzebene. in die das gesamte Wissen von Anfang an eingespeist wird. weshalb viele Forscher so gern mit neuronalen Netzen arbeiten. liegt darin. zumindest oberflächlich betrachtet. Nachdem diese Daten eingespeist wurden. wie etwa der Kurveninterpolation. daß sie. folgendermaßen: Ein Input wie etwa ein zweidimensionales Bild eines Gesichts wird in eine Menge von Punkten oder Koordinaten umgewandelt. aus unvollständigen oder uneindeutigen Datensätzen zuverlässige Schlüsse abzuleiten.16 Die Methode funktioniert. scheinen neuronale Netze nachgerade mystische Fähigkeiten zu besitzen.apsen) unterschiedlicher Stärke miteinander verbunden sind. Wenn ein Neuron wiederholt Signale an ein anderes Neuron sendet. die jeweils einen x. erwerben neuronale Netze . Ein Grund. wenn das eintreffende Signal eine hinreichende Intensität besitzt. Jede dieser Funktionen entspricht einem spezifischen Output »Tiger« oder »Hauskatze«. dem menschlichen Gehirn ähneln. Anders als regelbasierte Algorithmen. die so genau wie möglich mit den Koordinaten übereinstimmt. Durch mehrere Rückkopplungsmechanismen kann man das Netz darauf »trainieren«. Nach der Beschreibung von manchen Journalisten und auch Wissenschaftlern zu urteilen. es sendet ein Signal an sämtliche Neuronen der nächsten Netzebene. Daten werden in die erste neuronale Ebene eingespeist.und einen y-Wert besitzen. wird die Verbindung zwischen ihnen verstärkt. sofern der Reiz eine gewisse Stärke erreicht. das heißt. die dazu dienen. sucht das neuronale Netz nach einer Kurve beziehungsweise mathematischen Funktion.Wissen durch einen Vorgang. so daß künftig Signale leichter weitergeleitet werden. der näherungswei.

KI-Forscher behaupteten. und daß [die KI-Forscher] die Sache in die Hand genommen hätten und große Fortschritte machten«. der an der Universität von Kalifornien in Berkeley Philosophie lehrt. daß neuronale Netze oder der regelbasierte Ansatz wirklich intelligente Maschinen hervorbringen werden. Man muß während und sogar noch nach der Trainingsphase weiterhin Wissen von außen zuführen. Goethe ins Englische übersetzen.293 . als er am MIT arbeitete.17 Dreyfus. einer bedeutenden »Denkfabrik«. Können sie bedeutsame wissenschaftliche oder mathematische Probleme lösen. sondern parallel. kaum interessiert. ein Gespräch führen oder ein bekanntes Gesicht in einem überfüllten Raum erkennen? Dreyfus hatte seine Zweifel. Dinge wie Wahrnehmung und Gedächtnis. daß neuronale Netze genauso begrenzt und inflexibel sind wie regelbasierte Methoden. gehört zu den frühesten und beharrlichsten Kritikern der KI. daß Philosophen »sich zweitausend Jahre lang vergeblich darum bemüht hätten. Diese Behauptungen hätten seine Neugierde geweckt. die er erstmals in einem Beitrag formulierte. erinnerte er sich. für die KI zu interessieren. ob Computer jemals Bewußtsein besitzen können. In der Praxis aber hat sich gezeigt. veröffentlicht wurde. der 1967 von der Rand Corporation. Sprache und Denken und so fort zu verstehen. Er begann sich Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre. Überdies führen neuronale Netze Berechnungen nicht seriell (nacheinander) aus.se dem menschlichen Lernen entspricht. Im Gegensatz zu vielen anderen Philosophen habe ihn die metaphysische Frage. Eine stark erweiterte Fassung dieses Beitrags erschien dann 1972 unter . Die Revanche des Philosophen Hubert Dreyfus bezweifelt. er habe sich auf die tatsächliche Leistungsfähigkeit von Computern konzentriert.

wie ihre Anhänger erhofften. so wie Quarks und Elektronen die elementaren Einheiten der Physik bildeten.294 . daß Regeln nur selten für alle Situationen gelten. wo wir unsere Schlüssel hingelegt haben. seien Zusatzregeln erforderlich. In ähnlicher Weise habe Heidegger darauf hingewiesen. eine riesige Menge an Wenn-Dann-Befehlen aus. ja. wenn wir eine prominente Person im Fernsehen erkennen oder uns daran erinnern. schließlich bringe auch das menschliche Gehirn in irgendeiner Weise diesen Trick zustande. die menschliche Wahrnehmung und Erkenntnis mit einem formalen. er bezweifelte sogar. die es für äußerst schwierig gehalten hätten. es gebe keine Grundtatsachen (»Urelemente«.überwiegend als ein regelbasierter Prozeß betrachtet. die als Grundlage der Erkenntnis dienten. Dreyfus erklärte: »Man kann immer sagen: ›Wir bekom. Damals wurde die Kognition innerhalb der KI . indem man die schwer faßbaren kognitiven »Urelemente« identifiziere oder hinlänglich kluge Regeln beziehungsweise Axiome einführe. regelbasierten Modell nachzubilden.auch in der aufstrebenden und sich teilweise mit ihr überschneidenden Kognitionswissenschaft . man könne diese Hindernisse überwinden.dem Titel What Computers Can't Do. so daß ein unendlicher Regreß von Regeln auftrete. den Beweis dafür erbracht zu haben. KI-Theoretiker behaupteten. Nach dieser Auffassung führt unser Gehirn. ob die Anfangsregel für eine bestimmte Situation von Belang sei. jede Tatsachenbehauptung über die Welt müsse durch andere Tatsachenbehauptungen erklärt werden. Dreyfus behauptete klugerweise nicht. Dreyfus zitierte mehrere Philosophen. wie Wittgenstein sie nannte). daß die KI vermutlich keine so schnellen Fortschritte machen würde. daß KI unmöglich sei. Doch er führte zahlreiche Argumente dafür an. Wittgenstein habe gemeint. vor allem Wittgenstein und Heidegger. um festzustellen. daß ein solcher Beweis der Unmöglichkeit überhaupt erbracht werden könne. die jedoch unterhalb der Bewußtseinsschwelle ablaufen.

den man gesunden Menschenverstand nennen könne. diese Aufgabe auszuführen. auf Faustregeln über die besten Strategien und auf ihre Intuition. Selbst wenn eine kognitive Aufgabe mit Regeln definiert werden könne. sondern auf ihre Erinnerungen an das. Regeln für das Schachspiel auf Großmeisterniveau niederzuschreiben. wie man ein alltägliches Gespräch führe. so Dreyfus. Die Regeln der Grammatik und Syntax seien zahlreich.295 . die nicht nur je nach dem Satz. So stützten sich etwa Schachexperten nicht auf reine Berechnungen. eine kognitive Aufgabe auf eine regelbasierte Prozedur zurückzuführen. eine Reihe von Regeln zu finden. Wenn es schon schwierig sei. was in der Vergangenheit erfolgreich war. Unsere Fähigkeit.« Doch in der Praxis sei es außerordentlich schwierig. kontextfreien Elementen möglich?« fragte Dreyfus gegen Ende von What Compu. wenn es darum gehe. falle es einem Computer möglicherweise immer noch schwer.oder ein Gesicht zu erkennen oder eine dichtbevölkerte Straße entlangzugehen hänge größtenteils von unserer Fähigkeit ab. mehrdeutige. die einem Computer sagten. einen Satz zu verstehen . weil diese Kompetenz nicht ohne weiteres auf Regeln zurückgeführt werden könne. sondern auch nach dem Kontext des Gesprächs schwanken könnten. auf einen riesigen Speicher mit Weltwissen zurückzugreifen. so Dreyfus. Schach sei deshalb ein so faszinierendes Spiel. bestimmten. nähmen die Schwierigkeiten exponentiell zu. komplex und voller Ausnahmen. so Dreyfus. »Ist eine erschöpfende Analyse der menschlichen Vernunft in regelgeleitete Operationen an diskreten.men so gute Relevanzaxiome und so gute Metaaxiome zur Reduktion der Relevanzaxiome. in dem die Wörter vorkommen. unvollständige Daten rasch zu verarbeiten und Schlüsse daraus zu ziehen. Ein einziges Wort könne viele verschiedene Bedeutungen und Konnotationen haben. Das Bemerkenswerteste an der menschlichen Intelligenz. sei ihre Fähigkeit. daß es funktionieren wird.

wie es einige KI-Forscher kolportierten.«18 Dreyfus wurde auf Konferenzen und in populärwissenschaftlichen Artikeln zum Kritiker der KI par excellence aufgebaut. daß Deep Blue 1997 Gary Kasparow besiegen würde. hieß es in einem Rundschreiben für Informatiker schadenfroh.ters Can't Do. erinnerte er sich. »Wenn jemand einen begeisterten Aufsatz über die Wunder des Computers schrieb«.« Andererseits könnten sich Computer noch immer nicht über Politik unterhalten oder ein Märchen verstehen. die dann im weiteren Verlauf des Artikels ignoriert wurden. »enthielt dieser immer ein oder zwei Absätze über mich und meine Ansichten. Aber er räumte ein.296 . auf formale Regeln zurückgeführt werden könne. gegen einen anderen Schachcomputer. stärker als andere kognitive Fähigkeiten. daß 1960 ein zehnjähriger Junge eine von Herbert Simon entworfene Maschine besiegt hatte. Der Computer gewann. Zudem sei er »sehr überrascht« über die zunehmende Fähigkeit von Computern.19 Dreyfus bestritt. »Es bedarf einer enormen Schnelligkeit und [Speicherkapazität]. aber es funktioniert. daß Schachprogramme weit hinter den Zielen ihrer Entwickler zurückblieben. Dreyfus wies immer wieder hämisch darauf hin. daß er gesagt habe.« Die KI-Gemeinde erzielte wenigstens einen bedeutsamen PR-Sieg gegen Dreyfus. »Computer können nicht Schach spielen. anzutreten. ihnen fehlten noch immer die gewöhnlichen Fähigkeiten. gesprochene Wörter zu erkennen. die »uns ermögli. Er sei vielmehr der Ansicht gewesen. den MacHack. weil Schach. Im Jahr 1966 nahm Dreyfus die Herausforderung an. daß er nicht erwartet habe. Computer würden niemals besser spielen als ein zehnjähriger Junge. daß Computer eines Tages hervorragend Schach spielen würden. Dreyfus ebensowenig«. er erinnerte die KIForscher daran. »Ist eine Annäherung an dieses Ziel der Künstlichen Intelligenz überhaupt wahrscheinlich? Die Antwort auf beide Fragen scheint ›nein‹ zu lauten.

die in irgendeiner Hinsicht den ursprünglichen gleichen. indem es einen Ansatz einführt. uns in der Welt zurechtzufinden und zu erkennen. was wichtig ist«. . Im Jahr 1992 veröffentlichte MIT Press eine Neuausgabe von What Computers Can't Do unter dem Titel What Computers Still Can't Do.«21 In Anlehnung an einen Ausdruck. gescheitert ist«. wie ein vielverspre22 chender alternativer Ansatz verfügbar wird. den Alltagsverstand nachzubilden. die ihm als ein plausibleres Modell der menschlichen Kognition erschienen. daß dieses Bemühen. Nach fünfzigjährigen Anstrengungen »ist heute allen. daß viele KI-Forscher die regelbasierte Methode aufgegeben und sich neuronalen Netzen zugewandt hätten. Die Forscher möchten daraufhin den Ansatz fast immer auf anderen Gebieten anwenden. außer einigen wenigen Unverbesserlichen. die so viele menschliche Interessen und so viel menschliche Struktur besitzt. stagniert das Programm. expandiert es weiter und lockt immer neue Anhänger an. Kurz. den der Wissenschaftstheoretiker Imre Lakatos prägte. aber gewichtige Phänomene stoßen. wie es ein Mensch tut. Wenn die Forscher jedoch auf unerwartete. klar. In der Einleitung verkündete Dreyfus den Sieg über das. der in einem begrenzten Bereich zu eindrucksvollen Ergebnissen führt. nannte Dreyfus die Künstliche Intelligenz ein »im Niedergang begriffenes Forschungsprogramm«.20 Dreyfus begrüßte die Tatsache. daß sie lernen kann.chen. so zu generalisieren. die sich beharrlich den neuen Techniken widersetzen. der Alltagsverstand fehle ihnen.297 . Aber er wies darauf hin. [Ein solches Programm] beginnt mit großen Erwartungen. daß neuronale Netze in der Praxis auf dasselbe Problem stießen wie die gute altmodische KI: das Unvermögen. Solange das Forschungsprogramm erfolgreich ist. »Man braucht eine lernfähige Maschine. und die Forscher werden sich in dem Maß davon abwenden. was er »die gute altmodische KI« nannte. auf künstliche Weise eine allgemeine Intelligenz zu erzeugen. wobei sie mit Problemen beginnen.

Es scheint nirgendwohin zu führen.298 . »Wir haben einen Haufen kleiner Paradigmen. spiegele das umfassendere Unvermögen der Psychologie wider. und es ist ausgeschlossen. der .« Douglas Lenats Angriff auf den Alltagsverstand Viele Forscher. einer Sammlung von Aufsätzen führender KI-Forscher. Und dann sieht es so aus. den Geist zu simulieren.. in dem Film 2001 war HALs Geburtsjahr 1992. auch wenn sie selbstverständlich nur selten Dreyfus das Verdienst daran zusprechen. das aufgrund seiner umfassenden Gültigkeit die Zustimmung der meisten Forscher gefunden hätte.) »Sprechen wir das Offenkundige aus: HAL existiert nicht. in dem HAL in dem Roman 2001 in einer Fabrik in Urbana. sagte mir Dreyfus.] Wir haben es mit einem Haufen von Modetrends zu tun. haben sich widerstrebend Dreyfus' Urteil zu eigen gemacht.Das Unvermögen der KI.. die 1997 erschien. die jeweils für sich in Anspruch nehmen. ein Rahmenmodell oder Paradigma aufzustellen. doch darauf schreibt Chomsky eine Rezension über Skinner. als ob Regeln und der Kognitivismus die richtige Antwort wären. daß irgendeine wundersame Zunahme der Forschungsgelder oder unserer Erkenntnisse die KI auf das Niveau anheben wird. Illinois. »einsatzfähig wurde«. den Geist zu verstehen. die allein wahren zu sein. das in HAL im Jahr 2001 dargestellt ist«. (1997 war das Jahr. Und heute sind [die neuronalen Netze] groß im Kommen [. Dies war jedenfalls der Tenor von HAL's Legacy. Während der letzten hundert Jahre sei es der Psychologie nicht gelungen. Die Behavioristen scheinen die richtige Antwort gefunden zu haben. erklärte David Stork. die einst an die Computertheorie des menschlichen Geistes glaubten. und damit ist der Behaviorismus erledigt. Wir haben beim Verständnis des Geistes keine Fortschritte gemacht.

da das Jahr 2001 vor der Tür steht«.Sprache. energisch zurückgewiesen.] war die KI bislang ein Mißerfolg«. Speise Millionen von Alltagsausdrücken. was sie wissen sollen. verkündete er: 1. »Wir sind heute in der Lage. die erforderlich sind.25 Roger Shank von der Northwestern-Universität erklärte kategorisch. die Informatiker könnten bestenfalls Maschinen entwickeln. »die eine Menge über das wissen.«24 »Nach jeder allgemeinen Definition [. weshalb wir den Traum von HAL nicht verwirklicht haben. Fakten und Faustregeln. haben wir die Vision von HAL in jenen Bereichen . die in ihren Möglichkeiten grundsätzlich grenzenlos sind und sich nur schwer spezifizieren lassen. die Schritte zu spezifizieren. »könnten wir uns fragen. Kursorisch betrachtet.. fuhr Stork fort. daß er mittelmäßig treffsichere Programme zum Lippenlesen entwickelt habe. in der Einleitung.26 Dieser Pessimismus wurde von einem der Autoren von HAL's Legacy. -begriffen. um ein HAL-ähnliches Geschöpf zu bauen«.und Mißerfolg der KI sei. Planung. wonach der Alltagsverstand der Schlüssel zum Erfolg .299 . stimmte der erfahrene Informatiker David Kuck zu. und erbärmlich wenig über alles andere«.Herausgeber des Buches. bleiben wir weit hinter der Vision zurück. Hardware.23 Stork ist Informatiker und arbeitet an der Stanford-Universität und am Ricoh California Research Center. Douglas Lenat. doch kein gegenwärtiges System reiche auch nur annähernd an HALs Können beim Lippenlesen heran. HAL sei »eine unrealistische Konzeption einer intelligenten Maschine«. Schachspiel erreicht und übertroffen. die niemals in die Tat umgesetzt werden könne. Die Gründe dafür sind aufschlußreich. Lenat schloß sich der Auffassung anderer Autoren an. In Bereichen wie dem Sprachverständnis und dem Alltagsverstand dagegen. Er wies darauf hin.. »Jetzt. die sich exakt definieren und leicht spezifizieren lassen. die den menschlichen Konsens hinsichtlich der .

daß dies kein phantastischer Plan für ein gewaltiges künftiges Projekt sei. 27 um neue Erkenntnisse auf diesem Gebiet zu gewinnen. 3.also den Alltagsverstand -. zu kommunizieren. wie Englisch. Laß den werdenden HAL diese Fähigkeit nutzen.nämlich die Notwendigkeit. das in Gang gesetzt werden sollte. in einer natürlichen Sprache. der ursprünglichen KI-Vision vom Bau eines Computers mit universeller statt hochspezialisierter Intelligenz treu zu bleiben. Wenn er schließlich die Grenze des Wissens in einem Gebiet erreicht. wird es niemanden mehr geben. Konstruiere über dieser Basis die Fähigkeit. daß unsere Programme dieselbe Breite und Tiefe des Alltagswissens besitzen müssen wie Menschen«. Dieses »Cyc« genannte Projekt wurde zunächst von einem Konsortium von Hochtechnologiefirmen mit Namen Microelectronics and Computer Consortium (MCC) mit Sitz in Austin.28 Im selben Jahr setzte er sich das kühne Ziel. Texas. ein Computerprogramm zu entwerfen. Selbst der einfachste Eintrag in einer Enzyklopädie beinhaltet . Schon 1984 hatte er erkannt. Lenat erklärte. in eine Datenbank ein. Lenat ist einer der wenigen KI-Forscher in der Welt. daß spezialisierte Programme eine Sackgasse für die KI darstellten. mit dem er sich darüber unterhalten kann. 2.Wirklichkeit repräsentieren . finanziell gefördert. wie es praktisch jeder Mensch besitze. es sei der konkrete Plan. Nein. um seine Wissensbasis stark zu erweitern. Sie alle stießen »gegen dieselbe Mauer . das das gleiche Wissen enthalte. Im Jahr 1994 schied Lenat aus dem MCC aus und gründete eine eigene Firma. wenn die Menschheit eine höhere Stufe utopischer Zusammenarbeit erreicht habe. der sich bemühte. Cycorp. den er und sein Team in den letzten zehn Jahren verfolgt hätten. Lenat und seine Mitarbeiter konnten nicht einfach Wissen aus Wörterbüchern und Enzyklopädien zusammentragen. so daß er selbst Experimente ausführen muß.300 .

daß der Leser weiß. daß gestorbene Menschen für immer tot sind und daß ein mit Milch gefülltes Glas mit der offenen Seite nach oben und nicht nach unten zeigt. Er weiß. Lenat und seine Programmierer. weiß er. so wie es absurd wäre. daß wir Benutzer sind. Betrachten wir die folgenden beiden Sätze: »Napoleon starb auf Sankt Helena. haben mittlerweile mehr als eine Million Regeln beziehungsweise Behauptungen des Alltagsverstandes zusammengestellt. zu glauben. Doch Lenat behauptete. Cyc besitze bereits »Selbstbewußtsein«. die er manchmal scherzhaft »Ontologisierer« nennt. »HAL. »Wenn man ihn fragt. die Entscheidungsfindung auf der Basis dieser Informationen und so weiter nicht von Nutzen sind. wer mit ihm spricht. daß Cyc niemals »Gefühle« haben könne. die internen logischen Operationen eines Computers würden in Englisch ausgeführt. Cyc »weiß«.«29 Sie setzen voraus. Ein Computer mag Emotionen fingieren. Er weiß. wer wir sind. Er besitzt das gleiche Zeitgefühl wie Sie und ich. um eine ansprechende Benutzerschnittstelle zu erzeugen. daß ein Gespräch stattfindet oder auch daß ein Anwendungsprogramm abläuft. nur weil die Input-/Output-Schnittstelle Englisch benutzt. daß sich Bäume in der Regel im Freien befinden.weitreichende Annahmen. daß Sankt Helena ein Ort ist. weil diese für die Integration von Informationen. Er weiß. daß Wellington länger lebte als Napoleon und so weiter. aber es wäre absurd. was er ist. weiß er. Wenn man ihn fragt. daß er ein Computer ist. Cyc und andere Maschinen dieses Typs werden niemals Emotionen verspüren.301 . daß Cyc einige noch eindrucksvollere Fähigkeiten besitze.«30 Und doch beteuerte Lenat in HAL's Legacy.«31 . So erklärte er in einem Interview. daß er auf einer bestimmten Maschine an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit in Gang ist. solche simulierten Emotionen als real anzusehen. Wellington war zutiefst betrübt. daß Napoleon und Wellington Menschen sind.

wie der menschliche Geist funktioniert. der eine Steilwand erklimmt« zutage fördern. Vielmehr bauen wir nicht mehr und nicht weniger als ein Artefakt. Eine wachsende Zahl von Kognitionswissenschaftlern. eines Ausdrucks oder eines Satzes basierten. oder auch eine konkrete Theorie der Intelligenz zu überprüfen. denn als Ingenieur. gehe es nicht darum. Indem Cyc die Legenden von Bildern in einer Datenbank prüft. die in einem Thesaurus gespeichert sind. »besser zu verstehen. der beobachtet.302 . Die meisten Suchmaschinen suchen nach exakten Übereinstimmungen mit Schlüsselwörtern oder auch nach Synonymen. So könne beispielsweise ein Artdirector mit Hilfe von Cyc Bilder suchen. Cyc eigne sich besonders gut als Suchmaschine.Indem Lenat die Bedeutung von Emotionen herunterspielte. lehnte er sich gegen einen der jüngsten Trends in der Erforschung des menschlichen Geistes auf. die solche vagen Kriterien wie »eine glückliche Person« erfüllten. dessen Arbeit ich im ersten Kapitel behandelte) ist der Ansicht. Cyc dagegen könne auch Übereinstimmungen suchen. wie seine Tochter ihre ersten Schritte macht« hinweisen. so sagte er. In gleicher Weise könne eine Suchanfrage für ein Bild »einer starken und abenteuerlustigen Person« ein Foto eines »Mannes. Cyc könne Suchbefehle nicht da. die auf der weiteren Bedeutung eines Wortes. Tatsächlich versteht sich Lenat nach eigenem Bekunden weniger als Wissenschaftler. das heißt als Wahrheitssucher. Dem Cyc-Team. könne er den Art-director auf ein Foto eines »Mannes. wobei wir mit einer äußerst pragmatischen technischen Einstellung an das Projekt herangehen. um Informationen aus dem World Wide Web oder anderen Datenbanken herauszuholen. Lenat hat betont. daß Emotionen für die menschliche Erkenntnis und Kreativität von zentraler Bedeutung sind. KI-Forschem und Neurowissenschaftlern (insbesondere Joseph LeDoux. der Maschinen zusammenbaut.«32 Bislang sind die kommerziellen Anwendungen von Cyc nicht gerade weltbewegend.

wie etwa San Francisco. wenn X und X' Gatte dasselbe Geschlecht haben«.34 Im . um sich von selbst neues Wissen anzueignen. daß Cyc 1994 oder 1995 in der Lage sei. übersetzt wurden. Lenats Ehrgeiz war von Anfang an. weiß er. wie es ein menschlicher Sucher täte. daß Cyc über hinreichend Intelligenz verfüge. daß er sich von Wissensingenieuren füttern läßt«. indem er Zeitungen. die zuvor in ein komplexes Logiksystem.durch erfüllen. Doch Lenat schiebt das Datum. Cyc werde binnen zehn Jahren die Fähigkeit zu autodidaktischem Lernen besitzen. Befehle in gewöhnlichem Englisch zu interpretieren und auszuführen. Cyc könne zudem jene Art von Fehlern und Inkonsistenzen aufspüren. »Ohne daß man Cyc eigens für die Aufgabe programmieren müßte. sagte Lenat.33 (Lenat übersah. Bücher und andere Informationsquellen durchforste. Im allgemeinen liefert er auch Informationen in diesem Format. an dem Cyc diese Fähigkeit besitzen soll. Als er 1984 mit dem Projekt begann. daß er Bilder direkt prüfe. Doch in den meisten Fällen kann er nur Informationen verarbeiten. die gewöhnliche Computer niemals entdeckten. die nichts mit dem Alltagsverstand zu tun haben. die den Bildern beigefügt sind. so Lenat.303 . So enthielten beispielsweise Finanzdatenbanken oftmals Informationen über die Geschlechtszugehörigkeit eines Individuums und dessen Gatten oder Gattin. »sich neues Wissen leichter durch Lesen anzueignen als dadurch. daß es vermutlich einen Fehler in den Daten gibt. sagte er voraus. die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern erlauben. das als Prädikatenkalkül zweiter Ordnung bezeichnet wird. Im Jahr 1991 war Lenat noch immer optimistisch. Cyc besitzt eine begrenzte Fähigkeit. vielmehr stütze er sich auf Übereinstimmungen zwischen seinem Suchbefehl und den sprachlichen Beschreibungen.) Ironischerweise sind für die Bedienung dieser »Alltagsverstandmaschine« sehr spezielle Kenntnisse erforderlich. daß gewisse Verwaltungsbezirke. immer wieder hinaus. wie es ein Reporter formulierte.

»Ich respektiere ihn dafür«. so Brooks. der niemals durch einen Sinnesapparat in direkten Kontakt mit der Außenwelt trete.« Lenats Version des Alltagsverstandes habe nichts mit der menschlichen Spielart gemein. das Lenat erlaube. die neue Entdeckungen präsentieren wird. Nur leider ist er völlig auf dem Holzweg. könne Cyc nicht nur lernen. Doch bislang sei Lenat weit hinter seinem ehrgeizigsten Ziel zurückgeblieben. eine Maschine mit universellen Fähigkeiten zu schaffen. »Letzten Endes muß man die Grundelemente in Cyc einspeisen. Der KI-Forscher Rodney Brooks fällte ein ähnliches Urteil über Lenat: »Doug ist ein netter Kerl. Ich bewundere seinen Ehrgeiz. Dann.« Brooks. »nicht nachdenken zu müssen«. Man muß ihn mit einer anderen sensorimotorischen Erfahrung verknüpfen. der in Australien geboren wurde und aufwuchs und noch immer mit einem leicht näselnden australischen Akzent . Cyc werde zu einem »vollentwickelten kreativen Mitglied einer Gruppe.«35 Rodney Brooks sucht nach dem Lebenselixier Hubert Dreyfus bewunderte Lenat dafür. höchst originelle. sondern auch schöpferisch tätig sein.Jahr 1997 verschob er den Termin auf das Jahr 2001.«36 Brooks nannte Cyc »ein bequemes Arbeitsbeschaffungsprojekt«. Lenat »ist es gelungen. und das hat nichts mit menschlichem Denken zu tun. Cyc ist nicht in der Lage. und das übersieht er [Lenat] meines Erachtens. so meinte Lenat. Erstaunliche Entdeckungen. »Eigentlich handelt es sich bloß um ein Lexikon. sich durch Lektüre von Zeitungen und anderen Publikationen eigenständig Wissen anzueignen. eine CD mit einer Enzyklopädie des Alltagswissens zu entwikkeln«. bemerkte Dreyfus.304 . Cyc sei im wesentlichen ein Thesaurus. daß er das ursprüngliche Ziel der KI verfolgt. sagte Dreyfus.

und ich werde es verwirklichen!« Brooks begann seine Laufbahn als gewöhnlicher KI-Forscher. die hervortreten. ist eine der faszinierendsten Gestalten der KI. wenn er so richtig in Fahrt kommt (was häufig geschieht).« Steuerprogramme. ich würde das eigentlich nicht glauben. Computerspiele und eine Vielzahl weiterer kommerzieller Produkte seien alle Anwendungsbeispiele der KI-Vision. Für seine Doktorarbeit entwarf er ein hochkomplexes . »Es ist Mode geworden. fügte er mit selbstironischer Gravität hinzu. Er verwandelte sich von einem lästigen Kritiker zu einer Säule des Establishments. wobei er wie ein Prediger den Finger in die Luft streckte. »kenne ich den richtigen Weg. zu sagen. wie die Leute behaupten. daß er jetzt. Sein Charme rührt daher. »Jetzt muß ich ein alter. daß er nicht nur alle anderen. nämlich intelligente Maschinen zu bauen.305 . was sie natürlich verärgerte. computergestützte Haushaltsgeräte. »Meines Erachtens haben wir die Sache falsch angepackt. sie lägen völlig daneben. verknöcherter Spießer sein«. Ich glaube das noch immer. so daß sie nicht mehr so ärgerlich auf mich sind.spricht. sagte er. da er ein renommiertes Labor mit einem großen Etat und zweihundert Mitarbeitern leite. sondern auch sich selbst heruntermacht. doch meines Erachtens war es kein solcher Fehlschlag. die KI sei gescheitert. Doch jetzt«. »Mitte bis Ende der achtziger Jahre lief ich herum und sagte allen. im Jahr 1997 wurde er zum Direktor des Labors für Künstliche Intelligenz des MIT ernannt. Doch Brooks räumte ein. »Wir haben weder HAL noch Commander Data gebaut«. aber sie glauben jetzt. daß das Ziel. Er ist ein auf gewinnende Weise streitsüchtiger Mensch mit längerem Kraushaar und Augen. seine Aufsässigkeit zu bändigen versuche. nicht erreicht worden sei.« Wie Herbert Simon ärgerte sich auch Brooks über einen Großteil der Kritik an der KI. sagte er in Anspielung auf den gleichnamigen Androiden in der Fernsehserie Star Trek. Kurz nach seiner Ernennung sagte er mir.

306 . Im Bemühen. unsere Handlungen zu rechtfertigen. »Menschen sind in der Lage. »Allmählich dämmerte es mir. Vernunft und Logik seien der Schlüssel zur Intelligenz. daß es nicht die Art und Weise abbilde. und doch zeig. als er versuchte. so Brooks. daß derartige Programme lediglich das »entdeckten«. doch meistens handelt es sich dabei um nachträgliche Rationalisierungen. Er erlebte eine Glaubenskrise. was ihre Erfinder bereits in sie hineingesteckt hätten. Herbert Simon und anderen.« Schließlich verwarf Brooks die gesamte Richtung der KIForschung.« Wenn wir gebeten würden. Brooks ärgerte sich über die Behauptungen von Herbert Gelernter. daß sie. in Ketten logischer Schlußfolgerungen zu denken. Niemand behaupte. in Frage stellten. Es machte mich richtig wütend. »reimen wir uns etwas zusammen«. die physikalische Gesetze und mathematische Theoreme entdecken könnten.37 Das Problem des logikorientierten Ansatzes in der KI-Forschung. konnte ich das nicht ausstehen.regelbasiertes Programm für dreidimensionales Sehen. und feststellen mußte.geschrieben. nicht unbedingt auf diese Weise zustande gekommen sein muß. sie hätten Computerprogramme entwikkelt. Roboter auf der Grundlage dieses Programmes zu bauen. die die Annahme. »Selbst als ich noch ein traditioneller KI-Forscher war.« Seit den achtziger Jahren hat Brooks eine Reihe von Aufsätzen – mit Titeln wie »Elefanten spielen nicht Schach« und »Intelligenz ohne Repräsentation« . bestehe darin. wenn überhaupt. nur schlecht funktionierten. daß Insekten sich bei der Entscheidungsfindung auf Vernunft und Logik stützten. die diese Projekte verfolgten. sagte Brooks. daß eine Verhaltensweise nur deshalb. Wie andere Skeptiker wandte er ein. machte er sein Programm noch komplexer und schwerfälliger. diese Probleme zu lösen. wie Menschen in ihrem Alltagsleben Probleme lösen. jedes Wort betonend. weil sie sich mit einer Menge komplexer Regeln beschreiben läßt.

Dieses Cog genannte Geschöpf besteht aus einem Kopf mit Augen und Ohren. seine Arme danach ausstrecken und sie berühren oder ergreifen. einem Nacken. Cogs Siliziumgehirn verfügt über einige wenige Grundreflexe beziehungsweise Instinkte. deren Verhalten von relativ einfachen Sensoren und Chips. insektenartige Verhaltensweisen. Wie Säuglinge hat er einen Wegziehreflex. bis es sich wieder vorwärts bewegen konnte. . Die Insektoiden zeigten eindrucksvoll komplexe. es gleicht dem Roboterskelett. der seine Annahmen einer noch strengeren Bewährungsprobe unterziehen sollte. Eine Grundregel wies das Insektoid an. so lange andere Richtungen auszuprobieren. wenn es gegen ein Hindernis stieß.38 Morris hatte den Titel des Films einem der bekanntesten Aufsätze von Brooks entlehnt. wenn sie im Labor losgelassen wurden. wenn er berührt wird. das zum Vorschein kam. komplexes Verhalten und die Fähigkeit zur Problemlösung. Er bewies seine Ideen. sowie eine gewisse Lernfähigkeit. die ihm einprogrammiert wurden. sondern von ihren Interaktionen mit einer komplexen Umwelt. indem er Dutzende von insektenartigen Robotern baute. Er kann Objekte »sehen«. er zieht seinen Arm zurück. Brooks und seine Insektoid-Roboter wurden (neben einem Löwendompteur. daß die Komplexität von biologischem Verhalten nicht nur von den Organismen selbst herrühre. Cheap and Out of Control vorgestellt.307 . Armen und einem Torso. Brooks gelangte zu der Überzeugung.ten diese Tiere offenkundig differenziertes. gesteuert wurde. Cog kann sich bewegende Objekte mit den Augen oder durch zusätzliche Bewegung des Kopfes verfolgen. Mitte der neunziger Jahre begann eine Gruppe unter Leitung von Brooks mit dem Bau eines humanoiden Roboters. die mit einfachen Regeln programmiert worden waren. nachdem Arnold Schwarzeneggers Leib im Terminator verbrannt war. einem Experten für Nacktmulle und einem Ziergartengestalter) in Errol Morris' Dokumentarfilm Fast.

daß die Umwelt Lernprozesse anregen und fördern könne. ob es etwas mit Wissenschaft zu tun hat. als verstünde er das Gesprochene.Cog und Fell heben abwechselnd einen Radiergummi auf und lassen ihn wieder fallen. so daß man nicht mehr so viel Wissen von vornherein in die Maschinen einfüttern müsse. auf dem zu sehen ist. »Einen Roboter zu bauen ist eine spektakuläre Sache«. sagte Brooks. wie Cynthia Fell. eine der Entwicklerinnen von Cog. jährlich Hunderttausende von Dollar für die Simulation eines Phänomens aufzuwenden. so Brooks. Eine Mutter verwandelt eine einfache Reaktion des Säuglings in ein Spiel. daß Cog über kein Imitationsprogramm verfügt. einem Reporter. der Kopf wendet sich dann dem Geräusch zu.«39 . sagte Steven Pinker. »Es sieht so aus. wies Brooks darauf hin.« Der Kognitionswissenschaftler Thomas Bever von der Universität Rochester meinte kritisch: »Wir wissen so wenig über die frühen Entwicklungsstadien der Kognition. das wir nicht verstehen.« Fell habe rein zufällig ein gewisses Verhalten bei Cog ausgelöst und dieses dann in ein Spiel verwandelt. mit dem Roboter interagiert . schaut er abwechselnd einen der beiden an«. »Diese wechselweise Interaktion geht allein von ihr aus. der wie Brooks am MIT lehrt. Er zeigte mir ein Video. sagte Brooks. problemorientierter und geduldiger sein. »Genau das gleiche tun Mütter mit ihren Säuglingen«. die Richtung festzustellen. sagte Brooks. »Wenn sich zwei Menschen miteinander unterhalten. daß es ziemlich unsinnig ist. das dann den Säugling zu komplexerem Verhalten und Lernen anregt.Cogs »Ohren« erlauben ihm. »aber es ist fraglich. Es ist reine Zeitvergeudung.« Cog kann auch menschliche Gesichter erkennen und sich ihnen zuwenden. KI sollte disziplinierter. Cog habe bereits zu einigen aufschlußreichen Befunden geführt. Nicht jeder ist von Cog beeindruckt. Daraus folge.308 . aus der ein Geräusch kommt. Obgleich Cog Fell zu imitieren schien. wenn sie keine Geräusche von sich geben.

Er bezweifelte. die biologische Systeme erforschten und deren Eigenschaften zu simulieren versuchten. Dies sei die Hoffnung von Konstrukteuren neuronaler Netze. ein Konzept oder eine Sprache. wie er bei einem Workshop in der Schweiz im Jahr 1995 erstmals von einem »Lebenselixier« gesprochen habe. Es ist ein Lebenselixier. Ich glaube. Er erinnerte sich.309 . worauf ein zweiundzwanzigjähriger Student aus Oxford geantwortet habe: »Was Sie gesagt haben. genetischer Algorithmen und anderer Alternativen zu dem alten regelbasierten Ansatz in der KI-Forschung. daß Computerprogramme sich von selbst entwickelten und wirklich intelligente Versionen von sich erzeugen könnten. könnten wir all diese biologischen Vorgänge in einer geringfügig anderen Weise beschreiben. so wie es die Computertheorie im zwanzigsten Jahrhundert getan hatte.« Brooks dachte dabei weniger an eine neue Kraft.« Brooks würzte diese Enthüllung wie gewöhnlich mit einer Prise Selbstironie. die sie nicht zu überwinden vermöchten. war sehr interessant. sagte er. daß »uns etwas entgeht.Brooks selbst schien sich keine Illusionen über den möglichen Ertrag seiner Forschungen zu machen. daß sämtliche Lernprogramme schließlich an eine Wand stießen. »Wenn wir diese Sprache besäßen. Wir übersehen etwas. »Die Apparate. das da ist.« Tatsächlich vermutete Brooks mittlerweile. solche Gedanken sind bei . eine zentrale Komponente übersähen. sagte er bedauernd. funktionieren nicht einmal annähernd so gut wie biologische Systeme«. und es gäbe uns einen Anhaltspunkt. »Möglicherweise gibt es ein theoretisches Maximum der Fitneß. daß er und andere Wissenschaftler. die wir bauen. ein neues Elementarteilchen oder eine Essenz des Lebens als an ein Organisationsprinzip. wie wir Imitationen lebensnäher gestalten könnten. das man nie auch nur annähernd erreichen kann. Er wies darauf hin. »Ich wünsche mir zutiefst«. die der Erforschung des menschlichen Geistes im nächsten Jahrhundert neuen Schwung geben könnte.

der Erzfeind der KI. Auf sie folgten die Katastrophentheorie. wenn der Vogel ein Strauß oder ein Pinguin. mit Ausnahmen zurechtzukommen. waren zwei derartige Metatheorien. wurde er später zu einem der schärfsten Kritiker dieser Technologie. nicht zutreffe. ließ er kein gutes Haar. Er ist einer der Begründer des Artificial Intelligence Laboratory am MIT. die als Lösungen der KI vorgeschlagen worden waren. Auch Minsky hat praktisch jeden anderen Ansatz in der KIForschung in Frage gestellt.40 Diese Argumente decken sich mit denen. An mehreren hochmathematischen »Metatheorien«.310 . daß die Definition eines Vogels als eines Federtieres. Obgleich er in den fünfziger Jahren eines der ersten neuronalen Netze konstruierte. Fraktale.« Brooks war damals einundvierzig Jahre alt. KI und Psychoanalyse Könnte die Psychoanalyse die Lösung darstellen. als die KI-Forschung noch in den Kinderschuhen steckte. wenn er tot oder in einem Käfig eingesperrt sei. so daß er an einer »psychischen« Flughemmung leide. ziemlich verbreitet. die Kybernetik und die Informationstheorie. vorbrachte.Wissenschaftlern. zur Sprache gebracht. Regelbasierte Systeme hätten große Schwierigkeiten. Minsky verwies gern darauf. . wenn er gestutzte Flügel oder in Beton steckende Füße oder wenn er eine traumatische Erfahrung durchgemacht habe. regelbasierten Ansatzes in der KI-Forschung. und wie dessen gegenwärtiger Direktor ist er ein erbitterter Kritiker des logischen. die dem Ende ihrer Laufbahn entgegengehen. In den fünfziger Jahren. die Brooks und andere KI-Forscher so verzweifelt suchten? Die Möglichkeit wurde von niemand geringerem als Marvin Minsky. die Hubert Dreyfus. das fliegt. besonders populär. einem der legendären Überväter der Künstlichen Intelligenz.

»Es gibt zahlreiche Schichten von Netzwerken aus lernenden Maschinen. Es gibt eine Reihe ursprünglicher Zielvorgaben. nur noch einen Theoretiker. die auf irgendeine spezielle. »Vielleicht würden Sie ihn nicht als Wissenschaftler bezeichnen. der diesen Aspekt des Geistes wirklich ernst genommen habe. Sie funktionieren unter gewissen Bedingungen«.« Minsky betonte nachdrücklich. »Freud hat bislang die nach meinen besten Theorien über den Geist aufgestellt.« Er kenne.41 Doch um zu verstehen. »Es gibt einige Grundtriebe.Chaos und Komplexität. die von der Genetik festgelegt sind.« Freud habe »erkannt. daß Freud entgegen der Behauptung einiger moderner Kritiker ein erstrangiger Wissenschaftler gewesen sei. die den Geist auf eine Menge einfacher Regeln zurückzuführen versuchten. Freud habe schon frühzeitig erkannt. der Komplexität des Geistes nicht gerecht würden. bezögen sich auf solche Bedürfnisse wie Nahrung. »muß man über diese Metatheorien hinausgelangen«. um Fehler zu korrigieren oder die anderen Agenturen an die Probleme des Denkens anzupassen. außer ihm selbst. bislang unbekannte Weise von der Kultur und den Eltern vermittelt werden. Unterkunft und Flucht vor Feinden. sagte er. vielleicht auch viele.311 . die es als unangemessen betrachte. sagte mir Minsky einmal. . Minsky tat die Kritik. fuhr Minsky fort. die evolvierten. Der Schlüssel für den Erfolg des Gehirns liege darin. für mich aber war er einer«. Und dazwischen läuft das Denken ab. daß der Geist aus vielen Komponenten besteht«. »Diese Ansätze erzeugen immer wieder Wogen der Begeisterung. wie er sie nannte.« Die primitivsten Instinkte beziehungsweise »Maschinen«. daß die Ansätze von Erzbehavioristen wie Iwan Pawlow. und es gibt eine Reihe essentieller Ziele. Das Über-ich unterdrücke Triebregungen. »Freud schrieb dem Geist also einen Sandwich-Aufbau zu. daß es viele unterschiedliche Strategien zur Problemlösung verwende. wie das Gehirn wirklich funktioniere.

sowie dem Wunsch nach Zuwendung . daß wir uns weiterentwickeln und nicht in unserem gegenwärtigen Zustand der Dummheit verharren. In einem Vortrag mit dem Titel »Psychoanalytische Konzepte für die Steuerung von Emotionen in Robotern«42 schlug Zrehen vor. »Er wäre der erste gewesen.Freud habe seine Theorien nicht hinlänglich überprüft. Er hoffe. Stephane Zrehen. als unbegründet ab. ist der Ansicht. Der »Geist« des Hundes sollte aus mehreren Instinkten . unser mangelhaftes Selbst aus Fleisch und Blut zu überwinden und uns in sehr viel leistungsfähigere Maschinen zu verwandeln. Das Buch gebe seine Ansichten über den »Alltagsverstand und die ihm zugrunde liegenden Prozesse« wieder.312 . ein in Frankreich geborener Wissenschaftler.« Doch zu Zeiten Freuds habe man nicht über derartige Instrumente verfügt. der die richtigen Experimente durchgeführt hätte. ihre Gedanken und Handlungen besser zu verstehen und dadurch mehr Kontrolle über sie zu gewinnen. der am California Institute of Technology arbeitet. »Meines Erachtens ist es für uns wichtig. . zu essen und zu defäkieren. wie ihr Geist funktioniert«. daß unsere Selbsterkenntnis uns eines Tages die Macht gebe.und einem »Ich« bestehen. Als ich Minsky interviewte. »Damit ist der Mensch gemeint«. »Wenn Menschen wüßten. das Buch werde Menschen helfen.dem Bedürfnis. sagte er. Zrehen ging 1998 auf einer Tagung der American Association for Artificial Intelligence näher auf seine Vorstellungen ein. psychoanalytische Annahmen könnten in künstlichen Denkmaschinen erkundet und überprüft werden. sagte er über den Titel.« Minsky teilte auch Freuds Glauben an den therapeutischen Nutzen der Introspektion. »Bei solchen Experimenten führt man Elektroden ins Gehirn ein. arbeitete er gerade an einem Buch mit dem Titel The Emotion Machine.« Doch anders als Freud hoffe er.« Mindestens ein junger KI-Forscher teilt Minskys Sympathien für die Freudsche Theorie. einen RoboterHund zu bauen. »könnten sie sich selbst verändern.

mehrere wichtige Lektionen zu lernen: »nach dem Essen werde ich Gassi geführt«. wie sie etwa dem Ich zugeschrieben werden. werde ich ausgeschimpft«. Das »Ich« könne dem Hund helfen. die dafür zuständig ist.das Ziehen als »eine Geistesagentur. Turkle. sehr leicht mit neuronalen Netzen simulieren lassen«. ist zu einer Psychiaterin der Cybergeneration geworden. In einem Aufsatz mit dem Titel »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance« wies sie 1988 auf mehrere Gemeinsamkeiten zwischen. werde ich morgens nicht gefüttert«. »Künftige Forschungen«. den Behaviorismus. definierte. »wenn ich mein Geschäft draußen verrichte. die eine Ausbildung als Psychoanalytikerin absolviert hat.313 . um sämtliche Elemente zu simulieren. »nachdem mein Herrchen nach Hause gekommen ist und seinen Hut und Mantel abgelegt hat. das mit einer Psyche ausgestattet ist.« Die Bedeutung des Turing-Tests Die Vereinigung von Künstlicher Intelligenz und Psychoanalyse ist nach Ansicht der Soziologin Sherry Turkle nicht so weit hergeholt. Zrehen behauptete. wie es sich anhört. »wenn ich mein Geschäft im Wohnzimmer verrichte. der das Gehirn als eine black box . oberflächlich betrachtet. Kompromisse zwischen inneren Trieben und den Forderungen der Außenwelt zu finden«. werde ich ausgeschimpft«. »auch wenn ich noch so laut belle. »sollten weitere psychoanalytische Schlüsselbegriffe in das gegenwärtige Modell des Ich einbeziehen. »wenn ich aufs Sofa springe. daß »sich komplexe Fähigkeiten. um ein künstliches Geschöpf zu entwickeln. Künstliche Intelligenz und Psychoanalyse hätten einen gemeinsamen Feind. grundverschieden anmutenden Ansätzen zur Erforschung des Geistes hin. füttert es mich«. werde ich am Kopf getätschelt«. die notwendig sind. so das Fazit von Zrehen.

Sie beschrieb ihre Begegnung folgendermaßen: Da ihm beigebracht worden war.mir folgend . das größte sich bewegende Objekt in seinem Wahrnehmungsfeld zu verfolgen (weil es sich dabei in der Regel um einen Menschen handelt). den ihr MIT-Kollege Rodney Brooks gebaut hatte. indem sie die Kognition auf Rechenprozesse zurückführe. und ich muß gestehen. wo bleibt dann das Selbst? Sie stellt nicht nur in Frage.« Sie beschloß. ›bemerkte‹ mich Cog kurz nach dem Betreten des Raumes. deren interne Prozesse nur durch Erforschung ihrer Inputs und Outputs rekonstruiert werden könne. dem humanoiden Roboter. die Psychoanalyse. »Der KI wohnt sogar eine noch bedrohlichere Herausforderung inne: Wenn der Geist ein Programm ist. für andere ist es nichts als ein verstiegenes Hirngespinst. ich fühlte mich dadurch geschmeichelt: Mit einem anderen Besucher wetteiferte ich um Cogs Beachtung. das die Idee einer mit einem Körper versehenen emergenten Intelligenz ernst nimmt. Wenn ich Rodney Brooks früher von seinen robotischen ›Geschöpfen‹ sprechen hörte.«43 In ihrem 1998 erschienenen Buch Leben im Netz beantwortete Turkle die Frage. und die Künstliche Intelligenz. Beide Disziplinen stellten überkommene Vorstellungen von Willensfreiheit und Selbst in Frage. Dieser Besuch erschütterte mich . sondern auch.nicht etwa wegen Cogs Leistungen. ob es überhaupt so etwas wie ein Selbst gibt. so Turkle weiter. ob eine Maschine ein Selbst besitzen könne. »Das Projekt ist umstritten: Einige sehen darin ein hervorragendes Experiment.behandele. indem sie die Rolle unbewußter Vorgänge betone. sondern wegen meiner Reaktion auf ›ihn‹. Das freudianische Unbewußte »stellt ein dezentriertes Selbst dar«. ob das Selbst frei ist. Sie hatte faszinierende Berichte von Cog gehört. Cog selbst in Augenschein zu nehmen und in Erfahrung zu bringen. Cog hätte meinen Blick ›aufgefangen‹ und beantwortet. ein wenig anders. was hinter dem ganzen Wirbel um ihn stecke. war ich immer . Einmal war ich sicher.314 .seinen Kopf. Er drehte .

nicht . löste dies unverzüglich die Antwort aus: »Erzählen Sie mir mehr von Ihrer Mutter«. als wäre Cog eine andere Person. nach meiner Bekanntschaft mit Cog. »Bitte. selbst hochintelligente Gesprächspartner in seinen Bann zu ziehen. erzielte ähnliche Wirkungen. eine so spezifische Antwort zu erzeugen. wie: »Erzählen Sie mir mehr darüber«. fahren Sie fort« oder »Das ist sehr interessant«. die von einem menschlichen Patienten in einen Computer eingegeben wurden. das bei einem Menschen solche Reaktionen auslöst. sah ich diese Anführungszeichen dahinschwinden. griff es auf allgemeine Bemerkungen zurück. Nicht nur KI-Forscher. das ihm erlaubte. dieses Wort im Geist in Anführungszeichen zu setzen. Doch jetzt. Ein Expertensystem. Wenn es dem Programm nicht gelang.315 . antwortete ELIZA: »Weshalb spüren Sie Ihrer Meinung nach gegenwärtig eine gewisse Angst?« Sobald ein Schlüsselwort wie »Mutter« (oder »Vater« oder »Träumen« oder »Familie« oder wie das Schlüsselwort sonst lautete) erwähnt wurde.sorgsam darauf bedacht gewesen. ein Muster zu erkennen. die die Äußerungen eines Psychotherapeuten nachahmten. das in den sechziger Jahren entwickelt wurde und den Namen ELIZA trug. mit Kommentaren. Wenn die Person beispielsweise eingab: »Ich spüre gegenwärtig eine gewisse Angst«. sondern auch einige Psychiater und Psychoanalytiker behaupteten. die Nachfahren von ELIZA würden menschliche Therapeuten ersetzen. Sein raffiniertester Trick bestand darin. bestimmte Ausdrücke aus den Botschaften des Patienten herauszugreifen und sie in eine seiner stereotypen Antworten einzubauen. ELIZA reagierte auf Nachrichten.44 Cog ist wohl kaum das einzige Produkt der KI. Diese Prophezeiung wirkte angesichts der Fähigkeit von ELIZA. Gegen meinen Willen und trotz meiner fortbestehenden Skepsis gegenüber diesem Forschungsprojekt hatte ich mich verhalten.

ein einfaches empirisches Verfahren zur Beantwortung dieser Frage vor. Bewußtsein.geographischen und emotionalen .einmal sonderlich verstiegen. welche Antworten vom Computer stammen und welche vom Menschen. In Machines Who Think schilderte Pamela McCorduck eine Interaktion zwischen ELIZA und einem russischen Informatiker. ELIZA fragte den russischen Wissenschaftler: »Was hat Sie heute zu mir geführt?« Der Russe antwortete: »Ach.«45 Die tiefgreifendste Frage. ist der Computer definitionsgemäß denkfähig. die die KI aufwirft. Der Dialog begann mit einer einfachen Bemerkung. auf der anderen Seite befinden sich ein Computer und ein Mensch. daß sie empfin. nicht hinzusehen. ein Pionier der Informatik. begann dennoch. nichts besonderes. daß er es mit einem Computer und nicht etwa einer Person zu tun hatte. Wenn der Schiedsrichter nicht herausfindet. Der Schiedsrichter gibt über ein Datenendgerät Fragen an den Computer und den Menschen weiter. Auf der einen Seite einer Leinwand sitzt ein Schiedsrichter. der genau wußte. um mit Turkle zu sprechen? Im Jahr 1950 schlug der britische Mathematiker Alan Turing. ein international renommierter Informatiker.»Weshalb fühlen Sie sich Ihrer Meinung nach etwas erschöpft?« erwiderte ELIZA. lautet: Denken und empfinden Maschinen genauso wie wir. besitzen sie ein Selbst. der den Turing-Test besteht. Wir beobachteten dies peinlich berührt. McCorduck beschrieb. seiner Kinder und der großen . dem Rechner seine Sorgen wegen seiner Frau. Wenn uns eine Maschine davon überzeugt.316 .« . Nach der starken KI-Hypothese besitzt ein Computer. Doch die Reaktion des an Heimweh leidenden russischen Wissenschaftlers auf ELIZA und der Soziologin Sherry Turkle auf Cog offenbart den Fehler im Turing-Test.Entfernung von ihnen anzuvertrauen. und waren gleichwohl wie gebannt. das ist alles. Ich fühle mich etwas erschöpft. die an der Universität Stanford stattfand. gaben uns alle Mühe. was nun folgte: »Unser Gast.

Wir deuten selbst die Phänomene. Hirnforscher und Philosophen können sich nicht einmal auf eine gemeinsame Definition von Bewußtsein verständigen. sondern auch Unwettern. sagt dies möglicherweise viel weniger über die Maschine aus als über uns. besitzen alle normalen Menschen ein angeborenes »Psychologiemodul«. komplexe psychische Zustände zu. Die Kontroverse über die Frage. von denen er weiß. daß sie kein Bewußtsein besitzen.46 Schädigungen des »Psychologiemoduls« verursachen möglicherweise Autismus. und heute gibt es uns die starke KIHypothese. ob Maschinen denken und fühlen können.dungsfähig sei.317 . So schreiben wir nicht nur anderen Menschen und Tieren. Die Evolutionspsychologie liefert uns vielleicht einige Aufschlüsse über dieses Phänomen. Nach einer der faszinierendsten Hypothesen. Als der Philosoph Joseph Levine den Begriff »Erklärungslücke« prägte. die aus diesem Gebiet hervorgingen. Das »Psychologiemodul« gab uns einst die Religion. geschweige denn auf eine gemeinsame Erklärung. ist jedoch nur eine Facette der umfassenderen Kontroverse über das Phänomen Bewußtsein. den psychischen Zustand anderer Menschen intuitiv zu erfassen und auf diese Weise ihre Handlungen vorherzusagen. das uns ermöglicht. einem überaktiven »Psychologiemodul« . vorzunehmen. die offenkundig durch bloßen Zufall ausgelöst wurden. Autisten scheinen oftmals keine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Menschen und unbelebten Objekten. Viele von uns sind jedoch mit dem umgekehrten Problem konfrontiert. bezog er sich damit auf das Geheimnisvollste aller Nebenprodukte des Gehirns. wie etwa Tischen und Stühlen. Auch der scharfsinnigste menschliche Beobachter schreibt unwillkürlich selbst Objekten. . Ich persönlich ziehe die Definition von Bewußtsein vor. als die Werke eines zornigen oder liebenden Gottes. Dürren und Sternschnuppen Empfindungsfähigkeit und komplexe psychische Zustände zu.

wurde darüber geschrieben.die der britische Psychologe Stuart Sutherland in The International Dictionary of Psychology aufstellte: »Wahrnehmungen.318 .«47 . Nichts. Es ist unmöglich anzugeben. Bewußtsein liegt jedoch schon dann vor. was es tut und warum es entstanden ist. Bewußtsein ist ein faszinierendes Phänomen. wenn man weiß. wenn Bewußtsein von der Außenwelt vorliegt. was es ist.außer durch Ausdrücke. Der Ausdruck läßt sich nicht definieren . Oft wird irrigerweise Bewußtsein mit Selbstbewußtsein gleichgesetzt. Gedanken und Empfindungen haben. was Bewußtsein bedeutet. das sich dem Zugriff aber entzieht. deren Sinn sich nur begreifen läßt. was sich zu lesen lohnt.

groß oder klein zu sein. die nicht interessanter oder uninteressanter sind als die Prozesse. . behalte aber dieselben Proportionen. etwas außerordentlich Wichtiges entdeckt zu haben: eine Theorie.319 . in welcher Abwandlung und Kombination auch immer. die einander stoßen und bewegen. Unter dieser Annahme könnte man also das Innere der Maschine aufsuchen. da sich zeigen wird. daß die physiologischen Prozesse. die behaupten. Jahrhundert Die Suche nach einer ›molekularen‹ Erklärung des Bewußtseins ist Zeitverschwendung. nehmen wir an. normale Reaktionen. 18. Jahrhundert Daß etwas so Eigenartiges wie ein Bewußtseinszustand der Reizung von Nervengewebe entspringen kann. 20. so daß man sie wie eine Mühle betreten könnte. sind Arten der materiellen Existenz. Dichte. 19. die alle dem Wesen der Wahrnehmung gleichermaßen fremd sind. Ausdehnung. aber was würde man dort beobachten? Nichts anderes als Teile. sich langsam oder schnell in diese oder jene Richtung zu bewegen. Gefühle und die Wahrnehmung erzeugt. GOTTFRIED WILHELM LEIBNIZ. die dieser vollkommen subjektiven Erfahrung zugrunde liegen. Bewegung und Bewegungsrichtung unterscheiden: Mit welchem davon. JULIAN HUXLEY.8. das die Wahrnehmung erklären könnte. SAMUEL JOHNSON. 1/14 Materie kann sich von Materie nur in Form. kann man das Bewußtsein in Verbindung bringen? Rund oder eckig. GÜNTHER STENT. Jahrhundert 1 I m Verlauf seines beruflichen Lebens erhält jeder Wissenschaftsjournalist Briefe von Menschen. Monadologie. fest oder flüssig. diese Maschine werde vergrößert. ist geradeso unerklärlich wie das Erscheinen des Dschinn. die etwa in der Leber ab1 laufen. deren Struktur das Denken. aber niemals etwas. DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Nehmen wir eine Maschine an. nichts anderes sind als scheinbar gewöhnliche. wenn Aladin die Wunderlampe reibt.

Die Erfahrung hat mich gelehrt. daß Einsteins Konzeption von Raum und Zeit falsch sei. wie ich glaubte . Einige Schreiben sind offensichtlich Produkte klinischer Geistesstörung. Das Manuskript umfaßt manchmal Dutzende oder auch Hunderte von handgeschriebenen Seiten. Und dennoch wirkten sie irgendwie . daß ich dächte. setzen Formeln wohlüberlegt ein. Dennoch fällt es mir noch immer nicht leicht. Die Autoren benutzen gewöhnliche Schriftarten. schrieb ich dem Autor .die beweise. Nicht etwa. all diese Möchtegern-Newtons. und sie sehnen sich nach Anerkennung. Wittgenstein) erhebt immer wieder sein Haupt. die am klarsten.320 . eine Neuformulierung der Quantenmechanik. aus). Vielmehr rührt der Gedanke. Amüsiert von einem Schreiben. mit Großbuchstaben und Ausrufungszeichen. wie ich glaubte -. Gott (oder. Oft wechselt auch ständig die Farbe des Kugelschreibers oder Bleistifts. Ein wochenlanges Hin und Her von Briefen.. . intelligentesten und gelehrtesten sind. ob ich Aktien an seinem Unternehmen erwerben könne. Am verstörendsten sind die Briefe. Inc. ein auf einer Seite niedergeschriebener Beweis von Fermats letztem Satz oder auch schlicht die Weltformel. einer von ihnen hätte vielleicht tatsächlich die allumfassende Erklärung gefunden. solche Briefe am besten nicht zu beantworten. schief. die vollgepackt sind mit unverständlichen Wörtern und mathematischen Symbolen.. Faxschreiben und Anrufen war die Folge.in ironischem Tonfall. Die Briefschreiber stehen im allgemeinen in keiner Beziehung zu staatlichen Institutionen (ausgenommen Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken). -Darwins und -Einsteins einfach zu ignorieren. schlimmer noch.. bauen ihre Argumentation sorgfältig auf und berufen sich nur ganz selten auf Gott oder Wittgenstein. zitieren anerkannte Quellen.ein Verfahren zum überlichtschnellen Transport beschrieben wurde (der Briefkopf wies den Schreiber als Vorsitzenden der Transluminal Industries.ironischerweise. in dem .

»Toward a Scientific Basis of Consciousness«.daß sich diese einsamen Wahrheitssucher nach Bestätigung oder zumindest einer Reaktion von dieser gleichgültigen Welt sehnen. daß das Treffen langweilig gewesen wäre.2 Die Tagung lieferte eine Quintessenz um nicht zu sagen Karikatur . jede Person. schief..Fachtermini. wie etwa der Universität Oxford und dem California Institute of Technology. Neurowissenschaft. mein abgestumpftes Herz.. die die Welterklärung gefunden zu haben glaubt. Künstliche Intelligenz. Eine solche Konferenz liefe vermutlich ähnlich ab wie eine Tagung an der Universität von Arizona in Tucson. wie sich zeigen sollte) als die »erste interdisziplinäre Wissenschaftskonferenz zum Thema Bewußtsein in den Vereinigten Staaten« angekündigt. . Viele der Teilnehmer waren berühmte Professoren an bedeutenden Hochschulen. Nicht. in Kontakt zu bringen.der Erkenntnisse aller wissenschaftlichen Fachgebiete. wobei die ganze Zersplitterung und Begriffsverwirrung in diesen Bereichen gleichsam tausendfach vergrößert zum Vorschein kam. mit all den anderen. an der ich im April 1994 teilnahm.321 . Neurologie. die eine letzte Wahrheit entdeckt haben. die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. Mathematik. wurde (fälschlicherweise. Physik und natürlich die Philosophie. Im Idealfall träfen sie sich auf einer Konferenz zu einem Meinungsaustausch und stimmten darüber ab. Manchmal wünschte ich mir.auch wenn ein solcher Beschluß äußerst unwahrscheinlich wäre. Chaostheorie. Praktisch alle wissenschaftlichen Disziplinen (und nicht wenige pseudowissenschaftliche und sogar wissenschaftsfeindliche) waren vertreten: Psychologie. so ihre Überschrift. Psychiatrie. experimentelle Daten. Dennoch wirkten sie alle irgendwie . Ihre Vorträge wiesen alle Kennzeichen eines ernstzunehmenden wissenschaftlichen Diskurses auf . Die Stimmung wurde gleich zu Beginn von einem der Organisatoren. welche Erklärung die beste sei . Gleichungen.

der am Santa-Fe-Institut arbeitet. Eine andere Lektion sei. Doch die Stange hatte diesen modernen Phineas Gage nicht getötet. der Hochburg der modischen Komplexitätsforschung. so Rasmussen weiter. auf den Punkt gebracht. Es zeigte einen Mann mit langen dünnen Haaren und brutalem Gesicht. dem die Stange bei einem Streit um Drogen in den Kopf gerammt worden sei. entfuhr ihm ein begeistertes: »Mann! Das ist ja hier wie in Woodstock!« Später führte er das beste Dia der Konferenz vor. versetzte ihn in Bewußtlosigkeit. Ein langes Stück Stahl ragte aus beiden Schläfen hervor. während seiner Begrüßungsanprache den Blick über die bunt zusammengewürfelte Menge schweifen ließ. setzten meist stillschweigend voraus. Steen Rasmussen. und er biß vor Wut und Schmerz die Zähne zusammen. irreduzible und ganzheitliche . Hameroff berichtete. Jeder vorstellbare Erklärungsansatz für das Phänomen Bewußtsein hatte in Tucson seine Anhänger. Wissenschaftliche Erklärungen. Bewußtsein sei womöglich eine »emergente« . wie robust Bewußtsein sein könne. die bei relativ hohen Temperaturen auftrete. Erst ein Narkotikum. der zur Clique der Quantenbewußtseinstheoretiker gehörte. ein HippieTyp mittleren Alters mit Spitzbart und Pferdeschwanz. so Hameroff. behauptete.322 . Dieser Vorfall. der frontal in die Kamera schaute: seine Augen quollen hervor. zeige. Als Hameroff. so wie die Supraleitfähigkeit eine emergente Eigenschaft gewisser keramischer Verbindungen sei. daß »Thiopental [ein Injektionsnarkotikum] mächtiger ist als das Schwert«. ein dänischer Physiker.dem Anästhesisten Stuart Hameroff von der Universität von Arizona.Eigenschaft des komplexen Verhaltens des Gehirns. daß der Ursachenzusammen. der Mann sei ein Strafgefangener. der Begriff der Willensfreiheit lasse sich möglicherweise durch »Verursachung von oben nach unten« erklären. das ihm in einer örtlichen Klinik verabreicht wurde. ja ihm nicht einmal das Bewußtsein geraubt.3 Er meinte.also nicht vorhersagbare.

die Hologramme erzeugen. wenn auch in geringerer Auflösung. aus denen es hervorgehe. und könne sogar eine gewisse Kontrolle über diese ausüben. daß jeder beliebige Ausschnitt des Bildes das gesamte Bild. Eines der bemerkenswertesten Merkmale eines Hologramms besteht darin.hang nur »von unten nach oben« verlaufen könne. die den Lichtwellen in einem Hologramm entsprächen.ähnlich wie Lichtwellen in einem Laser . Eine Schwäche von Pribrams ursprünglichem holographischem Modell lag darin. daß sich große Verbände von Neuronen . diese oszillierenden Neuronen erzeugten sehr schwache elektrische Felder. Überlagerung und Resonanz zwischen den sich überlagernden Feldern könnten so Erinnerung. man kann daher das gesamte Bild aus einem winzigen Element rekonstruieren. ein emergentes Phänomen wie der menschliche Geist sei bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den kleinen Prozessen. bei der ein dreidimensionales Bild durch Überlagerung zweier Laserstrahlen erzeugt wird. Pribram behauptete. .oftmals wiederholt synchron und in derselben Frequenz entladen.4 Pribram hatte die Hypothese formuliert. daß das Gedächtnis in einer ähnlichen Weise wie die Holographie funktioniere. in sich trägt. So lasse sich die Willensfreiheit erklären. Der erfahrene Neurowissenschaftler Karl Pribram. daß das Gesamtverhalten eines Systems durch das Verhalten seiner kleinsten Elemente festgelegt werde.323 . die er in den sechziger Jahren aufgestellt hatte. stellte eine aktualisierte Version einer einstmals populären Theorie. Nach Ansicht von Pribram können in gleicher Weise aus kleinsten Gedächtnisspuren vollständige Erinnerungen hervorgehen. Später fanden Forscher jedoch heraus. Doch die Verursachung könne auch von oben nach unten erfolgen. das bedeute. daß es offenbar kein neurales Korrelat zu den Laserstrahlen gab. zur Debatte. der dreißig Jahre lang in Stanford lehrte und dann 1989 an die Radford-Universität wechselte.

daß die Versuchspersonen im Schnitt 0. « .»Ich glaube. Daten von Sensoren an den Fingern zeigten.3 Sekunden bevor sie bewußt den Entschluß trafen. Die menschlichen Gedanken. »Es gibt kein schwarzes Loch in unserem Gehirn«. so versicherte sie. der die Hirnwellen aufzeichnete. Der Psychologe Benjamin Libet6 von der Universität von Kalifornien in San Francisco beschrieb ein Experiment. hervorgingen. wiederholte die Kernthese ihres 1990 erschienenen Buches The Quantum Seif 5.324 . Diese Befunde förderten vielleicht auch Erhellendes über das Rätsel Bewußtsein zutage. Danah Zohar. den Knopf zu drücken. . seien quantenphysikalische Fluktuationen der Vakuumenergie des Universums. den Dualismus zu überwinden und zu erkennen. einen Aktivitätsgipfel generierte. der Informationstheorie. Sie sagte. »aber . Auf der Konferenz mangelte es nicht an empirischen Studien. aber nur wenige erbrachten eindeutige Ergebnisse. es sei Zeit. Nach ihrem Vortrag wies einer der Zuhörer darauf hin. während sie den Augenblick ihres Entschlusses mit einer Uhr festhielten. dem »Quant«. Doch ein Elektroenzephalograph. daß das Gehirn der Versuchspersonen im Schnitt 0. zeigte. daß die Physiker tiefreichende Zusammenhänge zwischen der Quantenmechanik. . der Thermodynamik und schwarzen Löchern entdeckt hätten. die zunächst am MIT Physik und anschließend bei dem Psychoanalytiker Erik Erikson an der HarvardUniversität Philosophie und Religion studierte. in meinem Gehirn gibt es ein schwarzes Loch!« fiel ihm ein vermutlich überforderter Zuhörer ins Wort. . bei dem die Versuchspersonen gebeten wurden. zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl einen Finger abzubiegen. die »in Wirklichkeit Gott ist«.Wahrnehmung und andere mentale Funktionen hervorbringen. fügte er hinzu. ihre Finger abbogen. daß Materie und Geist aus einer tieferen Quelle.2 Sekunden nachdem sie den Entschluß gefaßt hatten.

ob seine Befunde etwas mit der Frage der Willensfreiheit zu tun hätten. Diese Patienten sind zwar subjektiv blind. behauptet er. die in verschiedenen Regionen des Zentralnervensystems angesiedelt sind. .und somit auch mentalen Fähigkeiten . »wie man glücklich wird«) fragte Libet. das Blindsichtigkeit genannt wird. die an einem seltsamen Syndrom litten. nachdem sie aus dem Unbewußten aufgestiegen seien. Er wies vorsichtig auf eine mögliche Konsequenz seiner Studien hin: Vielleicht bestehe die Willensfreiheit nicht darin. Ein Forscher zeigte. wie sich ihre Erinnerungsfähigkeit weiterverschlechtert. daß Wahrnehmung und Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad getrennte Phänomene sind. sondern sie zu verwerfen. wird er in vielen Fällen die richtige Antwort liefern. deren Gehirne . Andere Vorträge bezogen sich auf Menschen. was das Bild zeige. doch ihr Gehirn empfängt und verarbeitet auf einer bestimmten Ebene weiterhin visuelle Informationen. wissen sie dann immer weniger um ihren Gedächtnisverlust. In dem Maße. das Gesicht verziehend. in der sie sich ihres Gedächtnisverlustes in qualvoller Weise bewußt sind. nichts zu sehen. Mehrere Forscher sprachen über hirngeschädigte Patienten. Das Phänomen der Blindsichtigkeit deutet darauf hin. antwortete Libet. beispielsweise ein Bild eines Löwen vor. in dem er Ratschläge darüber gab. zu raten. meinte Libet. Absichten zu initiieren. gutzuheißen oder anderweitig auf sie zu reagieren. Ein Arzt aus Kalifornien (der zuvor Exemplare eines selbstverlegten Buches verteilt hatte. Fordert man ihn dann auf.325 . daß Alzheimer-Patienten im Frühstadium der Erkrankung eine Phase durchlaufen.durch Krankheiten oder Verletzungen geschädigt worden waren. »Ich konnte dieser Frage immer aus dem Weg gehen«.»Der eigentliche Beginn der Willensbildung fand möglicherweise noch früher in einer Region des Gehirns statt. Legt man einem Menschen. der an Blindsichtigkeit leidet. deren Aktivität wir nicht ableiteten«.

Dann tippte ihr linker Zeigefinger auf »Ja« und ihr rechter Zeigefinger auf »Nein«.Ein Neurologe von der Universität von North Dakota führte ein Video über eine junge Frau vor. sondern von sämtlichen Erscheinungen der Natur.326 . Ich gab zu be. auf die richtige Antwort zu deuten. »Dort spielt die Musik«. ja aufgebracht. die über Nervenbahnen mit nur einer Hemisphäre in Verbindung stand. daß selbst gesunde Menschen eine gewisse Fragmentierung ihres Selbst erlebten. verzweifelt um eine Antwort ringend: »Ja! Moment mal! Nein! Ja! Nein. nein! Moment mal. Die Frau starrte das Blatt einen Augenblick lang an. der einen Nasenring und einen fünfzehn Zentimeter langen geflochtenen Kinnbart trug und für ein unbekanntes Internetmagazin über die Tagung berichtete. ob sie in ihrer linken Hand. schrie sie.« Anschließend legten die Forscher der Frau ein Blatt Papier vor. Ein anderer machte den Vorschlag. Ein Psychotherapeut unter den Zuhörern meinte im Anschluß. sagte ein Journalist. eine Empfindung spüre. die an einer so schweren Epilepsie litt. und baten sie. Obgleich die Operation ihre Epilepsie gelindert hatte. Bewußtsein war seines Erachtens offensichtlich nicht nur eine Eigenschaft von Menschen und anderen höheren Lebewesen. daß nahezu alle Konferenzteilnehmer Bewußtsein so eng definierten. ja. Einmal ließ ich mich in der Halle auf eine Diskussion mit einem großen glatzköpfigen Mann ein. besser miteinander auszukommen. wie Wanzen. Wem die offiziellen Vorträge zu fad waren. Pflanzen und Steinen. der eine Art Leinenpyjama trug. die die beiden Hemisphären des Gehirns miteinander verbinden. der konnte in der Halle vor dem Hörsaal noch exotischere Kost genießen. besaß sie anschließend zwei Bewußtseinszentren. auf dem die Wörter ja und nein standen. daß Chirurgen die Nervenfasern durchtrennt hatten. Als sie gefragt wurde. Er war enttäuscht. die um die Vorherrschaft konkurrierten. man könne die beiden »Selbste« der Frau durch Konfliktbewältigungsstrategien darin schulen.

die wissenschaftlichen Anforderungen genügten. Nur durch gründliche Erforschung der Nervenzellen und der Wechselwirkungen zwischen diesen könnten Wissenschaftler Modelle entwickeln. Er habe es jedoch überwunden. die die Vererbung auf der Basis der DNA erklärten. könnte ich das vielleicht auch.7 Im Gegensatz zu den Annahmen von Psychologen. er habe einst wie ich an einem äußerst engen materialistischen Paradigma festgehalten. vergleichbar jenen. es sei an der Zeit. wenn man das Gehirn als eine black box behandele. Er widmete dieses Buch Koch.denken. daß es die Wissenschaft bei der Erklärung von Bewußtsein nicht sonderlich weit brächte. Philosophen und anderen Wissenschaftlern könne man Bewußtsein und andere mentale Phänomene niemals richtig verstehen. Crick führte diese Ideen in seinem 1994 erschienenen Buch Was die Seele wirklich ist8 weiter aus. ginge die Spitzenposition vermutlich an Christof Koch. »ohne dessen Energie und Enthusiasmus dieses Buch nie geschrieben worden wäre«. Christof Kochs Bewußtsein Wenn man die verschiedenen Konkurrenten in diesem wissenschaftlichen Wettstreit plazieren müßte. wenn sie es derart weit definierte. und wenn ich nicht so engstirnig bliebe. .327 . der Mitentdecker der DNA-Doppelhelix und einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler dieses Jahrhunderts. Im Jahr 1990 verkündeten er und Francis Crick. Der Mann im Pyjama erwiderte erregt. in einem gemeinsam verfaßten Aufsatz. Bewußtsein zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Erforschung zu machen. Koch dürfte maßgeblich für das stark gewachsene wissenschaftliche Interesse am Bewußtsein verantwortlich sein. einen deutschstämmigen Neurowissenschaftler vom California Institute of Technology.

Kochs Energie und Enthusiasmus waren in seinem Vortrag in Tucson geradezu körperlich zu spüren. Dieser hochgewachsene, schlanke Mann, der mit deutschem Akzent sprach und seine Worte stakkatoartig herunterrasselte, ging während seines Vortrags mit federnden Schritten auf dem Podium hin und her und hielt nur inne, um schnell ein Dia zu zeigen oder einen Witz zu machen. Er erinnerte die Zuhörer daran, daß er und Crick Bewußtsein als die Fähigkeit des Gehirns definiert hätten, sich auf eine bestimmte Anzahl von all den Phänomenen, die auf es einwirken, zu konzentrieren. Dann werde die entscheidende Frage zu einer scheinbar einfachen: Auf welche Weise werde sich das Gehirn zum Beispiel eines Gesichts in einem Raum voller Menschen bewußt? In Wahrheit aber sei das Problem ziemlich kompliziert, erklärte Koch, weil selbst eine einzige visuelle Szene in vielen verschiedenen Regionen des Gehirns verarbeitet werde. »Es gibt nicht einen Ort, an dem alles zusammenläuft.« Er fügte hinzu, diese scheinbar verteilte Struktur des Bewußtseins sei, evolutionsbiologisch gesehen, sinnvoll, da das Gehirn dann nicht so leicht durch eine einzelne, örtlich begrenzte Verletzung außer Betrieb gesetzt werden könnte. Welche Mechanismen aber verwandeln das Entladen von Neuronen in zahlreichen Regionen des Gehirns zu einer einheitlichen Wahrnehmung? »Dies ist das Bindungsproblem«, erklärte Koch. Wenn es den Neurowissenschaftlern gelänge, das Bindungsproblem zu lösen - das ich das Dilemma des Reduktionismus genannt habe -, so Koch, hätten sie einen großen Schritt in Richtung einer Lösung des Bewußtseinsproblems getan. Auf eine mögliche Lösung des Bindungsproblems hätten Experimente hingedeutet, die zeigten, daß sich Neuronen in verschiedenen Teilen des Gehirns gelegentlich mit derselben Frequenz entladen - etwa vierzigmal pro Sekunde. Koch bat die Zuhörer, sich das Gehirn als einen Weihnachtsbaum mit Milliarden von Lichtern vorzustellen, die scheinbar rein zufäl- 328

lig aufleuchteten. Dieses Blinken stelle die Antwort unseres visuellen Kortex auf ein Zimmer voller Menschen dar. Plötzlich beginne eine Teilmenge dieser Lichter mit derselben Frequenz zu blinken, nämlich vierzigmal pro Sekunde, wenn sich der Geist auf ein bestimmtes Gesicht konzentriere beziehungsweise sich dessen bewußt werde. Koch räumte ein, daß die empirischen Beweise für 40-Hertz-Oszillationen recht dürftig seien; sie seien am deutlichsten bei narkotisierten also bewußtlosen – Katzen nachgewiesen worden. Eine andere Form der Bindung könnte schlichte Gleichzeitigkeit sein; die Neuronen entladen sich lediglich zur selben Zeit und nicht unbedingt mit derselben Frequenz. Spärliche Belege für diese Gleichzeitigkeit hätten ebenfalls Tierexperimente geliefert, so Koch. Ein Zuhörer, der Widerspruch gegen Kochs Ausführungen erhob, war Walter Freeman, ein großer, schlanker Neurowissenschaftler mit weißem Bart, der an der Universität von Kalifornien in Berkeley lehrt. (Freemans Vater war der Neurochirurg, der in den fünfziger Jahren die Lobotomien in den Vereinigten Staaten populär gemacht hatte.) Freemans Kritik hat Gewicht, weil er als einer der ersten die neuronalen 40Hertz-Oszillationen untersuchte. Diese Oszillationen mögen zwar in einem gewissen Zusammenhang mit dem Phänomen Bewußtsein stehen, doch seien sie wohl kaum der Schlüssel zur Erklärung des Problems, ebensowenig wie die Sauerstoffaufnahme oder die Durchblutung oder andere ubiquitäre Phänomene. 40-Hertz-Oszillationen seien »eine Sackgasse, ein Holzweg«, sagte er. »Die gegenwärtige Woge der Begeisterung ist durch nichts gerechtfertigt.« Freeman befürwortete ein komplexeres Modell des Bewußtseins, das auf der Chaostheorie aufbaut. Chaotische Systeme scheinen zufallsgesteuert zu sein, während sie in Wahrheit eine verborgene Ordnung aufweisen, die mit mathematischen Objekten, die als Attraktoren bezeichnet werden, beschrieben
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werden kann. Chaotische Systeme zeigen eine sogenannte empfindliche Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen; man spricht bildhaft vom Schmetterlingseffekt. Grundsätzlich kann das Flattern eines Schmetterlings etwa in Iowa eine Kaskadenwirkung auslösen, die in einem Monsun in Indien gipfelt. Indem Freeman die Entladungsmuster großer Verbände von Neuronen graphisch darstellte, konnte er zeigen, daß sie chaotische Muster erzeugen. Dieses Verhalten könne die Fähigkeit des Gehirns erklären, mit erstaunlicher Schnelligkeit auf komplexe Sinnesdaten zu reagieren, so seine Hypothese. Der Anblick eines vertrauten Gesichts etwa löse möglicherweise eine nahezu sofortige Verschiebung im chaotischen Entladungsmuster einer Gruppe von Neuronen im visuellen Kortex aus, die zum Erkennen der Person führe. Doch er räumte ein, daß seine Theorie nur - bestenfalls - ein Steinchen des Puzzles sei.9 Der Philosoph Owen Flanagan von der Duke-Universität meinte ebenfalls, daß das Rätsel Bewußtsein höchstwahrscheinlich nicht mit einem Mechanismus allein - egal ob mit Freemans chaotischen neuronalen Entladungsmustern oder Kochs 4O-Hertz-Oszillationen - gelöst werden könne. Möglicherweise gebe es ebenso viele Formen von Bewußtsein wie von Erinnerung und Wahrnehmung. Unsere bewußte Wahrnehmung des Geruchs einer Katze sei möglicherweise das Produkt einer ganz anderen Menge von Neuronen und neuralen Prozessen als unser visueller Eindruck derselben Katze. Flanagan ist Anhänger einer philosophischen Richtung, die konstruktiver Naturalismus genannt wird und die besagt, daß Bewußtsein ein weitverbreitetes biologisches Phänomen sei, das nicht nur beim Menschen, sondern auch bei vielen Tieren - und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei höheren Primaten - vorkomme. Eine umfassende Erklärung des Bewußtseins werde, so Flanagan, aus einem Prozeß der »Triangulierung« hervorgehen, wobei Berichte von Versuchs- 330

personen über ihre subjektiven Erfahrungen und objektive Daten aus Psychologie und Neurowissenschaft miteinander verbunden würden. »Wir müssen sehr sorgfältig auf das hören, was uns die Menschen über ihre subjektiven Erfahrungen sagen«, meinte Flanagan weiter.
Auch die Psychologen und Kognitionswissenschaftler sollten ein Mitspracherecht haben. Man achte sorgfältig auf ihre Beschreibungen mentaler Vorgänge und darauf, welche Funktionen Bewußtsein gegebenenfalls in der Gesamtorganisation übernimmt. Drittens sollte man sehr sorgfältig auf das hören, was die Neurowissenschaftler dazu zu sagen haben, wie bewußte mentale Ereignisse unterschiedlichster Art zustande kommen, und die Übereinstimmung zwischen ihren Berichten und den phänomenologischen und psychologischen Berichten prüfen. Meines Erachtens ist diese Triangulierung die einzige erfolgversprechende Methode zur Erklärung von Bewußtsein. 10

Roger Penroses Quantensprung Flanagans Ansatz war vielen Rednern in Tucson zu konventionell; sie bevorzugten radikalere Modelle in Anlehnung an die Quantenmechanik. Physiker und Philosophen begannen schon kurz nach der Begründung der Quantenmechanik zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts darüber zu spekulieren, ob Bewußtsein möglicherweise auf irgendeine rätselhafte Weise mit quantenphysikalischen Phänomenen in Zusammenhang stehe. Nach gewissen Interpretationen der Heisenbergschen Unschärferelation wirkt sich der Akt der Messung - der letztlich einen bewußtseinsbegabten Beobachter voraussetzt - auf das Ergebnis von Quantenereignissen aus; so verhalten sich Elektronen in einem Experiment wie Wellen und in einem anderen wie Teilchen. Aus der Quantentheorie folgt, daß Teilchen gei- 331

sterähnlich Wände durchdringen und sich gleichzeitig an zwei verschiedenen Orten aufhalten können. Die Quantenmechanik erlaubt auch sogenannte nichtlokale Wirkungen, bei denen sich zwei Teilchen, die sich mit Überlichtgeschwindigkeit ausbreiten, auf subtile Weise wechselseitig beeinflussen. Einstein, der die Existenz nichtlokaler Wirkungen niemals uneingeschränkt anerkannte, verspottete sie einmal als »gespenstische Fernwirkungen«. Quantentheorien des Bewußtseins waren jedoch kaum mehr als Spekulationen, bevor Roger Penrose sich Ende der achtziger Jahre ernsthaft dafür zu interessieren begann.11 Penrose, ein mathematischer Physiker an der Universität Oxford, ist ein Star der Naturwissenschaft des zwanzigsten Jahrhunderts. Er machte sich zunächst einen Namen als Kapazität für schwarze Löcher und andere Gravitationsphänomene. In den siebziger Jahren lieferten er und sein Student Stephen Hawking (der später den Bestseller Eine kurze Geschichte der Zeit schrieb) einen mathematischen Beweis für die Annahme, daß alle schwarzen Löcher eine Singularität enthielten - einen Punkt, an dem die Dichte der Materie gegen unendlich strebt und die herkömmlichen physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Im Jahr 1989 verkündete Penrose in Computerdenken, daß praktisch alle gängigen Ansätze zur Erklärung des Geistes einschließlich derer, die aus der Künstlichen Intelligenz, der Kognitionswissenschaft und der Neurowissenschaft hervorgingen - fehlerhaft seien. Dreh- und Angelpunkt von Penroses Argumentation war der Unvollständigkeitssatz, den der Mathematiker Kurt Gödel in den dreißiger Jahren aufgestellt hatte. Gödel bewies, daß jedes Axiomensystem, das so komplex ist, daß es Rechenanweisungen erzeugt, unvollständig ist; das bedeutet, daß das System »nichtentscheidbare« Aussagen liefert, deren Wahrheit oder Unwahrheit nicht allein mit diesen Axiomen nachgewiesen werden kann. Diese nichtent- 332

scheidbaren Aussagen sind oftmals mathematische Versionen solcher wohlbekannten selbstbezüglichen Paradoxa wie der Behauptung »Ich lüge«. Nichtentscheidbare Aussagen lassen sich dadurch lösen, daß man neue Axiome in das System einführt, aber diese neuen Axiome erzeugen ihrerseits eine neue Menge nichtentscheidbarer Aussagen und so endlos weiter. Die Bedeutung des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes liegt nach Penrose darin, daß die Mathematik nie auf einen Algorithmus beziehungsweise einen Satz von Regeln zurückgeführt werden könne, der am laufenden Band Theoreme und Beweise produziere. Penrose zog seine subjektiven Erfahrungen als Mathematiker als Beleg für diese Aussage heran; seine besten Arbeiten seien nicht aus deduktiven, logischen Ableitungen hervorgegangen, sondern aus plötzlichen Eingebungen und Einblicken in ein unbeschreiblich schönes Reich platonischer Ideen. Penrose gelangte zu dem Schluß, kein mechanisches, regelbasiertes System - also weder die klassische Physik noch die Informatik, noch die Neurowissenschaft nach ihrer gegenwärtigen Konzeption - könne die schöpferische Fähigkeit des Geistes erklären. Die menschliche Kognition müsse das Produkt subtilerer Wirkungen sein, die vermutlich mit der Quantenmechanik zusammenhingen und die sich bislang dem Blick der herkömmlichen Naturwissenschaft entzogen hätten. In seinem Vortrag in Tucson faßte Penrose die zentralen Argumente seines neuen Buches Schatten des Geistes zusammen, das die Ideen, die er in Computerdenken dargelegt hatte, weiterentwickelte. Er leitete seine Ausführungen mit dem Hinweis ein, daß Deep Thought, ein Computer, der einige der größten Schachspieler der Welt besiegt habe, noch immer nicht mit Problemen fertig werde, die selbst ein Amateurspieler lösen könne. »Computer sind nicht in der Lage zu verstehen«, behauptete Penrose. (Deep Thought war ein Vorläufer von Deep Blue, der 1997 den Schachweltmeister Gary Kasparow besiegte.) Er erklärte, die Fähigkeiten ließen sich nur mit einer – noch
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ausstehenden - physikalischen Theorie erklären, welche die Quantenmechanik und die Relativitätstheorie in sich vereine. Die Formulierung einer solchen Theorie, die Quantengravitationstheorie, Große Vereinheitlichte Theorie oder kurz »die Weltformel« genannt werde, sei das oberste Ziel der theoretischen Physik. In Computerdenken hatte Penrose nicht näher erläutert, wo und wie diese Quasiquanteneffekte wirken sollen. Jetzt postulierte er, daß die quantenphysikalische Nichtlokalität (die Fähigkeit eines Teils eines Quantensystems, augenblicklich andere Teile zu beeinflussen) die Lösung des Bindungsproblems darstellen könne. Diese geisterhaften Quanteneffekte könnten auf der Ebene der Mikrotubuli (winzige Proteinkanäle, die als eine Art Zellskelett fungieren) zum Tragen kommen. Penroses Vortrag entzückte Stuart Hameroff, den Anästhesisten, der die Tagung in Tucson organisiert hatte. Hameroff hatte in den achtziger Jahren als erster die Vermutung geäußert, daß Mikrotubuli die Orte der Entstehung von Bewußtsein sein könnten; seine Aufsätze veranlaßten Penrose dazu, sich dieser Hypothese anzuschließen. Hameroff behauptete, Hinweise darauf gefunden zu haben, daß eine Narkose das Bewußtsein dadurch lahmlege, daß sie die Bewegung von Elektronen in den Mikrotubuli hemme. Daraus folgerte er, daß Mikrotubuli dadurch Bewußtsein erzeugen, daß sie nichtdeterministische, quantenphysikalische Berechnungen ausführen. Jedes Neuron sei daher nicht bloß ein Kippschalter, sondern auch ein leistungsfähiger Computer. »Die meisten Menschen glauben, daß das Gehirn aus vierzig Milliarden Schaltern besteht«, sagte Hameroff einmal zu mir, wobei er sich auf die Neuronen im Gehirn bezog. »Wir dagegen sind der Meinung, daß es aus vierzig Milliarden winzigen Computern besteht.« Er spickte seinen Vortrag über das Quantenbewußtsein mit allen erdenklichen wissenschaftlichen Schlagwörtern: emergent, fraktal, selbstorganisierend, dynamisch. Neben anderen
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Anhängern der Quantentheorie des Bewußtseins nahm er sich wie ein Muster an wissenschaftlicher Exaktheit aus. Eine Gruppe britischer Forscher behauptete, Indizien dafür gefunden zu haben, daß sich die Kognition tatsächlich Quanteneffekte zunutze mache. Die Gruppe hatte die Fähigkeit von Versuchspersonen überprüft, einfache Tests auszuführen, während ihre Gehirnwellen mit einem Elektroenzephalographen (EEG) gemessen wurden. Nach Auskunft der Forscher schwankte die Leistung einiger Probanden, je nachdem ob das EEG ein- oder ausgeschaltet war. Sie folgerten, wenn die Maschine eingeschaltet sei, »beobachte« sie das Gehirn und beeinflusse dadurch den Gedankenfluß, so wie die Beobachtung eines Elektrons, das ein Interferometer durchlaufe, dessen Eigenschaften verändere.

Thermostate mit Bewußtsein Obgleich in Tucson viele Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins versammelt waren, herrschte auch kein Mangel an Kritikern. Christof Koch faßte die Quantentheorie des Bewußtseins in einem Syllogismus zusammen: Die Quantenmechanik sei rätselhaft, und das Bewußtsein sei rätselhaft, folglich müsse zwischen beiden ein Zusammenhang bestehen. Der Physiker John Taylor, der sich am King's College in London mit der Erforschung neuronaler Netze beschäftigt, monierte, daß Penrose und andere Anhänger der Quantentheorie des Bewußtseins die elementarsten Tatsachen der Quantenmechanik außer acht ließen. So würden etwa Nichtlokalität und andere seltsame Quanteneffekte, die angeblich von entscheidender Bedeutung für das Phänomen Bewußtsein seien, im allgemeinen nur bei Temperaturen in der Nähe des absoluten Nullpunktes beobachtet, jedenfalls weit unterhalb der Umgebungstemperatur von den Gehirnen der meisten Lebewesen.
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verwarf in Tucson sowohl die Quantentheorie als auch die neuralen Theorien des Bewußtseins. einhergingen. Er nannte Bewußtsein »das schwierige Problem«. erläutern. wie etwa die Anordnung von Tintepunkten auf einem Stück Papier oder von Elektronen in einem Computer. . Bevor Penrose und andere Anhänger quantentheoretischer Erklärungen auf den extrem reduktionistischen.Taylor widersprach den Quantenhypothesen auch aus pragmatischen Gründen. nämlich Information. meinte Taylor. So wie die Physik die Existenz fundamentaler Eigenschaften der Natur wie Raum. so müsse eine Theorie des Bewußtseins die Existenz einer fundamentalen Eigenschaft postulieren. subnuklearen Ansatz zurückgriffen. Chalmers war jedoch überzeugt davon. Zeit. der ungefähr soviel bedeutet wie subjektiv oder erfahrungsgemäß). Gedächtnis und Willensbildung. David Chalmers. sollten wir uns vielleicht nach etwas anderem umsehen«. sie habe auch einen »phänomenalen« Aspekt (phänomenal ist ein philosophischer Fachterminus. sollten Forscher die Möglichkeiten erkunden. Doch die Information sei nicht rein physikalisch. habe immer ein physikalisches Substrat. wie etwa Wahrnehmung. Energie und Masse annehme. »Erst wenn dies mißlingt. weshalb diese kognitiven Funktionen mit bewußten Empfindungen. eine potentielle philosophische Lösung für dieses schwierige Problem gefunden zu haben.12 Er erklärte in seinem Vortrag. Doch keine physikalische Theorie könne erklären. ein junger australischer Philosoph und Mathematiker. die von manchen Philosophen qualia genannt werden. Die Kernphysik habe bislang für die Biologie keinerlei Bedeutung gehabt. die plausibler und experimentell leichter zu überprüfen seien und die sich bei der Erklärung gewisser Merkmale von Gedächtnis und Wahrnehmung bereits bis zu einem gewissen Grad bewährt hätten. physikalische Theorien könnten lediglich die verschiedenen Funktionen des Gehirns.336 . Information. so führte er seine Idee weiter aus.

daß verschiedene Personen Bewußtsein auf unterschiedliche Weise definieren. Doch diese Fähigkeit manifestiert sich nur in wenigen Menschen und bei diesen auch nur gelegentlich. Chalmers vertrat die gleiche Philosophie wie der kahlköpfige Mann im weißen Pyjama. zudem ist Selbstbewußtsein lediglich ein Sonderfall von Bewußtsein. Wenn man diese informationsgestützte Hypothese anerkennt. Bewußtsein . eine höchst einfache Erfahrung besitzt?« In späteren Publikationen beantwortete er diese Frage mit einem kühnen Ja.Nach dieser Theorie. der in der Halle mit flammenden Worten auf mich eingeredet hatte: Fast alles im Weltall besitze bis zu einem gewissen Grad Bewußtsein. Eine Maus hat eine einfachere Informationsverarbeitungsstruktur als ein Mensch und demgemäß eine einfachere Erfahrung. gibt es komplexe Erfahrung. bei dem das Selbst Gegenstand der Aufmerksamkeit ist. sind einige abwegiger als andere. daß ein Thermostat. daß ein Thermostat Bewußtsein besitzt. äußerst komplexe Proble. und wo es komplexe Informationsverarbeitung gibt. irgendeine Form bewußter Erfahrung besitzen. müsse jedes Objekt. gibt es einfache Erfahrung.337 . bedeutet Bewußtsein Selbstbewußtsein oder sogar ein mystisches Überbewußtsein. Eine Ursache für Mißverständnisse in dieser Debatte ist die Tatsache. so Chalmers. muß man in der Tat annehmen. wie etwa Danah Zohar. Ist es dann vorstellbar. eine höchst einfache Informationsverarbeitungsstruktur. das Information verarbeite. Für die Anhänger des New Age. »Wo es einfache Informationsverarbeitung gibt. meint er damit im allgemeinen die Fähigkeit. Wenn Roger Penrose von Bewußtsein spricht.wegerklärt Auch wenn alle Spekulationen über Bewußtsein ein wenig abwegig anmuten.

was präzise logische Operationen anbelangt . insbesondere solche mathematischer Natur. und es sei ein Phänomen.die Grundlage nicht nur der Mathematik. Ironischerweise sind Computer. Bewußtsein sei zudem ein Nebenprodukt spezifischer physikalischer Prozesse. ohne diese spezifischen Typen von Materie könne Bewußtsein nicht existieren. Die meisten Menschen würden dieses Merkmal Intelligenz. die Theoreme aufstellen und beweisen können. als auf unserem kleinen Planeten Leben entstand. das vermutlich nicht nur beim Menschen. Penrose behauptet in seinem Buch. die Geist und Materie einander gleichstellt oder dem Geist eine Vorrangstellung gibt. Und erst im letzten Augenblick der Erdge. sondern höchstwahrscheinlich auch bei vielen höheren Tieren vorkomme. Es vergingen weitere Jahrmilliarden.338 . bis sich Algen und andere einzellige Organismen zu Vielzellern wie Schleimpilzen und Tyrannosaurus rex weiterentwickelten. und zwar eine seltene Intelligenz. nennen. und ein Computer besiegte 1997 den Schachweltmeister. Schließlich hatten KI-Forscher bescheidene Erfolge mit Programmen.me. dem menschlichen Alltagsverstand weit überlegen (wie ich im vorangehenden Kapitel zu zeigen versuchte). Nach dem gegenwärtigen Stand unseres Wissens existierte das Universum bereits seit Milliarden von Jahren. der jede Anschauung verwirft. zu lösen. Medien und Psychotiker haben Geister ohne Körper gesehen. Um es überspitzt zu sagen: Wir alle haben schon Körper ohne Geist gesehen. die in spezifischen Typen von Materie abliefe. aber nur Mystiker. daß Computer in ihrer gegenwärtigen Konstruktion diesen Typus hoher logischer Intelligenz nicht replizieren könnten. Diese Auffassung von Bewußtsein führt zwangsläufig zu einem recht radikalen Materialismus. sondern auch von Schach und anderen Spielen -. Die sinnvollste Definition von Bewußtsein ist die von Christof Koch und anderen Forschern: Bewußtsein sei schlicht Empfindungsfähigkeit beziehungsweise Aufmerksamkeit.

Gefühl. Wenn ein Asteroid morgen alles Leben auf der Erde vernichten sollte. Dies für unmöglich zu halten wäre jedenfalls narzißtisch.und Schmerzmittel bescheren. die jeweils aus verschiedenen neuralen Prozessen hervorgehen. die Koch rein hypothetisch vorschlug. die notwendig und hinreichend für das menschliche Bewußtsein sind. Die neurale Theorie des Bewußtseins. wird vielleicht eines Tages durch Experimente an Menschen und Tieren bestätigt werden. Vielleicht werden sie uns Aufschlüsse über Schizophrenie und andere kognitive Störungen geben. vielleicht werden sie sogar KI-Forschern zeigen. wie etwa den 4O-Hertz-Oszillationen. daß die Antwort vermutlich viel komplizierter und folglich viel weniger zufriedenstellend ausfallen werde. . Anästhesie und anderen Phänomenen werden Wissenschaftler vielleicht die neuralen Ereignisse isolieren. und vielleicht gibt es auch viele Formen von menschlichem Bewußtsein. Diese Erkenntnisse könnten praktische Folgen haben.339 . Crick und andere einsetzen. es sei denn. gibt es viele verschiedene Formen von Gedächtnis. Durch die Erforschung von Blindsichtigkeit. Bislang haben Wissenschaftler keine Hinweise auf außerirdisches Leben entdeckt. vielleicht werden sie uns wirksamere Narkose. Doch auch er räumte ein. wie sie ihre Maschinen menschenähnlicher gestalten können. als er gehofft habe. Der Schlüssel zur Erklärung von Bewußtsein mag in einem relativ einfachen neuralen Mechanismus liegen. Wahrnehmung und Intelligenz. Wie der Philosoph Owen Flanagan betonte. Doch das Universum wird auch ohne uns gut zurechtkommen. Es wird ziellos auf seiner Bahn weiterrasen bis ans Ende der physikalischen Zeit. würden möglicherweise Leben und folglich auch Bewußtsein im gesamten Universum ausgelöscht. um über das Phänomen Bewußtsein nachzudenken. für die sich Koch. es bringt erneut Lebewesen mit Bewußtsein hervor.schichte besaß das Leben genügend Bewußtsein.

literarischen Sinn verstehen. die behauptet. daß Bewußtsein nicht nur beim Menschen. Eine nicht zu beantwortende Frage lautet: Welche Bedingungen sind notwendig und hinreichend dafür. Der Solipsismus ist ein radikaler Skeptizismus. daß einige sehr intelligente Menschen. der bekannteste war Descartes. Niemand von uns kann absolut sicher sein. Entscheidend ist. weil es vernünftig ist . Bewußtsein nur in einem intuitiven. Die Uneinigkeit wird noch größer. daß ein jeder von uns in einem nahtlosen Gefängnis der Subjektivität eingeschlossen ist. Wir alle machen diese Annahme. sondern in jeder beliebigen Ansammlung von Materie vorkommt? Hier stoßen wir auf eines der ältesten Rätsel der Philosophie. was nach Ansicht vieler Wissenschaftler bedeutet. daß alle Tiere empfindungsunfähige Automaten seien. die Streitfrage so oder so empirisch zu lösen. weil sie zu viele Fragen offenlassen wird. Mein Wörterbuch definiert »Solipsismus« recht unbeholfen als »eine Theorie. daß ein anderer Mensch Bewußtsein. daß auch Affen und andere Säugetiere mit relativ großen Gehirnen bewußte Erlebnisse haben. Empfindungsfähigkeit oder ein Innenleben besitzt. es im Grunde überhaupt nicht zu verstehen.340 . das Problem des Solipsismus. wie der Harvard-Psychologe Howard Gardner behauptete. Doch sollte man nicht vergessen. Die meisten vernünftigen Menschen und sogar viele Neurowissenschaftler und Philosophen gehen davon aus.Vielleicht werden wir. der von der Erkenntnis ausgeht. wenn man sich Lebewesen zuwendet. die uns stammesgeschichtlich ferner stehen. Eine wissenschaftliche Erklärung des menschlichen Bewußtseins wird zweifellos unseren endlosen Debatten über Bewußtsein kein Ende bereiten.und vielleicht weil wir durch unser angeborenes »Psychologiemodul« dazu gebracht werden. daß das Selbst nur die eigenen Modifikationen erkennen kann und daß nur das Selbst wahrhaft existiert«. überzeugt davon waren. daß uns das Solipsismus-Problem daran hindert. .

wie David Chalmers' Thermostat. daß er einen Artikel über eine hirngeschädigte Frau gelesen hat. ihre Intentionen in Handlungen . Doch vernünftige Menschen werden dies immer ablehnen. Die Existenz der Willensfreiheit liegt in gewisser Hinsicht auf der Hand. Barsche und Rankenfußkrebse. wie es die von Eric Kandel erforschten Meeresschnecken besitzen? Müssen die informationsverarbeitenden Schaltkreise aus organischen Stoffen bestehen. weil es keine Möglichkeit gibt. psychisch gesunde Menschen sind eher dazu in der Lage als Schizophrene oder Menschen mit Zwangsstörungen. die zeitweilig ihre Fähigkeit eingebüßt hatte.jemals wissenschaftlich »erklärt« werden kann. wie etwa Proteinen und Nukleinsäuren und Neurotransmittern? Oder lassen sie sich aus Kupfer und Quecksilber fertigen. Erwachsene eher als fünfjährige Kinder und fünfjährige Kinder eher als Säuglinge. Natürlich muß die Willensfreiheit existieren. Menschen besitzen diese Fähigkeit in höherem Maße als Katzen und Hunde. wenn einige Organismen sie in höherem Maße besitzen als andere. In einem Postskriptum zu Was die Seele wirklich ist erinnerte sich Francis Crick daran. Einige Lebewesen sind eher in der Lage als andere.341 . die Streitfrage empirisch zu beantworten. daß die Willensfreiheit . werden viele von uns versucht sein. verschiedene Optionen zu erkennen und unter ihnen auszuwählen. oder aus Silizium wie ein Computerchip? Falls Computer jemals in der Lage sein sollten. ob Sie Bewußtsein besitzen?« Es ist auch unwahrscheinlich.wie Bienen.das ungelöste Problem im Rätsel Bewußtsein . Hirnschäden können unser Gefühl der Willensfreiheit ebenfalls auslöschen. ihnen Bewußtsein zuzuschreiben. Wie sagte doch Koch zu David Chalmers auf einem Cocktailempfang in Tucson: »Woher weiß ich überhaupt. sich wie alte Freunde mit uns zu unterhalten. Setzt Empfindungsfähigkeit eine Großhirnrinde oder nur ein Gehirn voraus? Oder genügt auch ein einfaches Nervensystem.

daß das Gehirn der Frau im Bereich des anterioren Sulcus cinguli geschädigt worden sei. deren wir uns nicht bewußt sind. »Wir sind uns zwar des Willensentschlusses bewußt. die sich unterhalb der Bewußtseinsschwelle abspiele. Aus der Quantenmechanik und der Chaostheorie folgt. daß noch die einfachste Handlung das Produkt einer neuralen Aktivität enormen Ausmaßes sei. Heute nachmittag beschließe ich vielleicht. die durch unsere unvollkommene Selbsterkenntnis erzeugt werde. früher als gewöhnlich mit der Arbeit aufzuhören. Wir meinen.umzusetzen beziehungsweise überhaupt Willensentschlüsse zu fassen. aber nicht darauf reagieren können. Er habe »mit Vergnügen« gehört.« Ich finde diese Betrachtungsweise äußerst einleuchtend. als Indizienbeweis für diesen Standpunkt an. wenn nicht gar unmöglich ist. doch das bedeutet nicht. habe aber selbst nichts darauf erwidern können. (Er führte die Experimente von Benjamin Libet. Sie habe verstanden. die ich weiter vorn in diesem Kapitel beschrieben habe. was andere zu ihr gesagt hätten. wird uns nicht bewußt. Doch wie frei wird dieser Entschluß tatsächlich sein? Jeder vermeintliche freie Willensakt ist Produkt einer unendlichen Folge von unmittelbaren und mittelbaren Ursachen. einem Bereich. daß die Willensfreiheit möglicherweise eine Illusion sei.342 . sie habe sich damals »leer« gefühlt.) Crick sagte zu mir. aber das. daß die . Nachdem sie sich erholt hatte. was uns den Entschluß fassen läßt. daß die präzise Identifikation der Ursachen möglicherweise außerordentlich schwierig. in unserem Entschluß frei gewesen zu sein.13 Und dennoch behauptete Crick. sie habe äußere Reize zwar wahrgenommen. doch in Wirklichkeit ist er das Ergebnis von Vorgängen. um mit meinen beiden Kindern einen Spaziergang im Wald zu machen. sagte sie. schrieb Crick. der nach den Ergebnissen anderer Experimente »viele Inputs von den höheren sensorischen Bereichen empfängt und sich bei den höheren Ebenen des motorischen Systems befindet«.

sondern auf den japanischen Low-budget-Film The Mysterians. das vermutlich alles in Bewegung setzte. ist sie jedenfalls eine absolut unverzichtbare. noch unverzichtbarer als Gott. Bewußtsein lasse sich wohl niemals vollständig auf herkömmliche wissenschaftliche oder sonstige Weise erklären. Die mysterische Sichtweise hat eine ehrwürdige Tradition. dem Schöpfungsereignis. Für keinen dieser Schritte habe ich mich bewußt entschieden. doch der Begriff wurde erst in jüngster Zeit geprägt. (Der Ausdruck geht allerdings nicht auf diese Band zurück. Die Rekonstruktion der Schritte. führt uns über die Kindheit und die pränatale Lebensphase hinaus in die Geschichte des Homo sapiens und des gesamten Lebens auf der Erde und schließlich bis zum Urknall zurück. die . der die Invasion von Außerirdischen zum Thema hat und 1959 produziert wurde.Ursachen nicht existieren. Flanagan nannte diese modernen Zweifler »die neuen Mysteriker« nach der Rockgruppe Question Mark and the Mysterians. Wie frei kann ich demnach sein ? Wenn die Willensfreiheit sich als eine Illusion herausstellt. In seinem 1991 erschienenen Buch The Science of the Mind schrieb der Philosoph Owen Flanagan. William James schrieb einmal: »Mein erster freier Willensakt soll der Glaube an den freien Willen sein.) Zur Untermauerung ihres Standpunktes berufen sich die Mysteriker häufig auf eine begriffliche Unterscheidung. wie die Zitate am Anfang dieses Kapitels zeigen. einige neuzeitliche Naturwissenschaftler und Philosophen hätten behauptet.«14 Der Aufstieg der »Hysteriker« Meine Einstellung zu den Problemen Bewußtsein und Willensfreiheit wurde Mysterianismus genannt.343 . die eine bestimmte Handlung auslösen. die in den sechziger Jahren bekannt war.

nach links zu wenden. sich an jeder Abzweigung nach rechts zu wenden oder zwischen rechts und links abzuwechseln. Doch Newtons eigene Theorie der Schwerkraft. den wir hatten. Dies seien Mysterien. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. Willensfreiheit und andere Aspekte des menschlichen Geistes seiner Auffassung nach unlösbare Probleme seien. Chomsky hat in verschiedenen Schriften dargelegt. So könne eine Ratte lernen. sei nach gängiger Auffassung der Vater der mechanistischen.von Noam Chomsky eingeführt wurde. daß alle Organismen bestimmte Fähigkeiten und Leistungsgrenzen besitzen. In gleicher Weise mögen auch bestimmte Probleme. »Voraussetzung für die Existenz des Geist-Körper-Problems ist eine bestimmte Definition von Körper. so fuhr Chomsky fort. für heute und vermutlich für immer.«15 Newton. und unlösbaren Problemen. die auf ihre spezifische biologische Ausstattung zurückzuführen seien. Er wies darauf hin. die einer Primzahl entspreche. das von ihr verlange.344 . der zufolge sich Objekte gegenseitig in nichtmechanischer Weise beeinflussen könnten. sich in einem Labyrinth zurechtzufinden. Dennoch kritisierte Chomsky einmal im persönlichen Gespräch mit mir ein Grunddogma der mysterischen Auffassung. habe die materialistische Weltanschauung letztlich zerstört. und Newton vernichtete den letzten Körperbegriff. Der am MIT lehrende Linguist unterschied zwischen lösbaren Problemen. das von ihr verlange. die das Geist-Körper-Problem überhaupt erst hervorbrachte. die zumindest grundsätzlich mit herkömmlichen wissenschaftlichen Methoden beantwortbar seien. sich an jeder Abzweigung. für immer unsere Erkenntnisfähigkeit übersteigen. Diese Anforderung übersteige ihre kognitiven Fähigkeiten. . materialistischen Weltanschauung. behauptete er. »Es gibt kein Geist-Körper-Problem«. mit denen sich die Wissenschaft befaßt. daß Bewußtsein. aber eine Ratte werde niemals lernen.

Natürlich hatte er das Rätsel des Bewußtseins mit diesem Argument nicht wirklich gelöst. die sich gegenseitig durch direkten Kontakt beeinflußten. Stoffwechsel und anderen biologischen Prozessen sei.16 . So wie der Vitalismus verschwunden sei. daß ich nicht sonderlich viele Menschen von meinen Ideen überzeugen konnte«. so Chomsky weiter. die durch direkten Kontakt miteinander in Wechselwirkung stünden.345 . sondern aus einem unbeschreiblichen elan vital hervorgehe.Der Materialismus. »Ich sollte dazusagen. Die Welt bestehe nicht aus Objekten. das Kurzzeitgedächtnis und andere mentale Grundfunktionen erklären könnten. daß wir weiterhin von dem GeistKörper-Problem sprechen«. Dennett warf den Mysterikern vor. Zu diesen Eigenschaften gehörten Schwerkraft. nicht funktioniere. daß Bewußtsein eine von vielen rätselhaften Eigenschaften der Natur sei. sobald die Neurowissenschaftler die Aufmerksamkeit. Das Bewußtsein sei lediglich die Summe dieser kognitiven Funktionen. jener uralten Lehre. nachdem Biologen die DNA-gestützte Replikation und andere fundamentale biologische Mechanismen entdeckt hätten. vielmehr behauptete er lediglich. Einen anderen Einwand gegen den Mysterianismus erhob der Philosoph Daniel Dennett von der Tufts-Universität. daß die Welt aus Objekten bestehe. fügte er hinzu. meinte Chomsky. »Es ist ein interessantes Element in der Geschichte der menschlichen Irrationalität. daß der Materialismus selbst für ein so einfaches Phänomen wie einen Ball.einer Fernwirkung – gezeigt. setze voraus. eine dem Vitalismus ähnliche Anschauung zu vertreten. Doch Newton habe durch die Entdeckung der Schwerkraft . sondern aus immateriellen Eigenschaften. so würde die Lehre der Mysteriker zu einer bloßen historischen Fußnote. Elektromagnetismus und auch Bewußtsein. der eine Ebene hinunterrollt. behauptete Dennett. so wie das Leben die Summe von Replikation. wonach Leben nicht aus rein physikalischen Prozessen.

ob irgendwo in den Tiefen des Weltalls ebenfalls Leben existiert oder ob es auf unseren einsamen kleinen Planeten beschränkt ist. ob Leben eine höchstwahrscheinliche und vielleicht sogar zwangsläufige Folge der Gesetze von Physik und Chemie ist oder ein Zufallsereignis. zog Pinker das Fazit. Wir wissen nicht. vermutlich unlösbar seien: Sie [unsere Gehirne] haben sich über die natürliche Selektion entwickelt. um Probleme zu lösen. Am Ende des Buches Wie das Denken im Kopf entsteht. ihm also jegliche Rätselhaftigkeit genommen. der Mendelschen Genetik und der Molekularbiologie »erklärt« wurde. die Wissenschaft habe das Leben wirklich erklärt. die der Geist aufwerfe. All unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse können uns keinen Aufschluß darüber geben . Zu den Wissenschaftlern. Der Mysterianismus wird allmählich zu einer allgemein anerkannten Anschauung. daß das Leben ein tiefes Geheimnis bleibt. und nicht. Das Rätsel bewußtseinsbegabten Lebens und insbesondere von Leben. ist noch unfaßbarer. die für unsere Urahnen über Leben und Tod entschieden haben. Ein anderer Fehler in Dennetts Argumentation ist seine implizite Annahme. das Selbst und andere unergründliche Geheimnisse. die an Blindsichtigkeit leiden. Die Wissenschaft kann uns die Frage letztlich nicht beantworten. die sich öffentlich zum Mysterianismus bekannt haben.Doch wie Patienten zeigen.nicht heute und vermutlich niemals -. weshalb ausgerechnet auf der Erde Leben entstanden ist und weshalb es Organismen wie uns hervorbrachte. auch wenn es von der Evolutionsbiologie. um Zwiesprache mit . Am Ende des sechsten Kapitels habe ich jedoch darauf hingewiesen.346 . der am MIT lehrende Psycholinguist und Evolutionspsychologe. das in solchem Maß Bewußtsein besitzt. Willensfreiheit. daß es über sich selbst nachdenken kann. gehört auch Steven Pinker. das ansonsten einem grenzenlosen Wissenschaftsoptimismus frönte. wie es einmal in aller Ewigkeit eintritt. daß Bewußtsein. ist Bewußtsein bis zu einem gewissen Grad ein autonomes kognitives Phänomen.

18 Bei seinem Vortrag in Tucson räumte er ein. darüber müsse man schweigen.17 Selbst der Neurowissenschaftler Christof Koch gab zu. daß die Mysteriker recht hätten. als er »einen anderen Giganten des zwanzigsten Jahrhunderts« paraphrasierte – Dirty Harry. Wenn diese Regionen des Gehirns diese Funktionen ausführen. daß sich langfristig herausstellen könnte. Wir können nicht zehntausend Wörter im Kurzzeitgedächtnis speichern. daß diejenigen.347 . Als Beleg für diese Auffassung zitierte er einen Aphorismus aus Ludwig Wittgensteins Orakelbuch Tractatus logico-phüosophicus: Wovon man nicht sprechen könne. den brutalen Filmpolizisten. genauer gesagt. sondern auch dem Begriff Erklärung unterschiedliche Bedeutungen beimessen. Wir können kein ultraviolettes Licht sehen. diese Rätsel überstiegen vielleicht schlicht die Erklärungskraft der Wissenschaft. neurales Modell höchstwahrscheinlich genügen. bringt . der von dem Schauspieler Clint Eastwood verkörpert wurde: Ein Wissenschaftler müsse seine Grenzen kennen. daß eine neurale Theorie des Bewußtseins möglicherweise uralte philosophische Aporien wie das Geist-Körper-Problem und die Frage der Willensfreiheit nicht lösen werde. Einen noch größeren Lacherfolg bei seinem Publikum landete er. Nüchternen Köpfen wie Daniel Dennett wird ein physiologisches. Und vielleicht können wir auch nicht Rätsel wie das des freien Willens und der Empfindungsfähigkeit lösen. Der mystische Weg zur Erkenntnis Mittlerweile sollte deutlich geworden sein. die darüber diskutieren. ob sich Bewußtsein erklären läßt. nicht nur dem Begriff Bewußtsein.dem Sittenkodex zu halten oder alle nur denkbaren Fragen beantworten zu können. Wir können ein Obj ekt nicht in der vierten Dimension im Geiste drehen.

daß. falls es den KI-Forschern gelinge. daß selbst wir gewöhnlichen Menschen durch solche bewußtseinserweiternden Methoden wie Meditation. das Rätsel ihres Geistes zu lösen. daß sie. »daß man eine Maschine konstruieren könnte. sondern sie übertreffen -. daß das Phänomen Bewußtsein quasi sofort jegliche Rätselhaftigkeit verliert. Sie wünschen sich nicht bloß eine Erklärung. »Wenn wir einmal intelligente Maschinen bauen«. was ihre Ansichten über Geist-Materie. sagte McGinn. Willensfreiheit und so weiter betrifft. was sie leisten könnte. Andere erwarten mehr als 40-HertzOszillationen im anterioren Sulcus cinguli. die so umfassend und einleuchtend ist.348 . Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. wird der Geist möglicherweise noch immer ein Rätsel bleiben. »Es erscheint mir keineswegs ausgeschlossen«. den Geist zu replizieren – also Maschinen zu entwickeln. die unsere kognitiven Fähigkeiten nicht nur nachbilden. McGinn äußerte mir gegenüber einmal die Vermutung. Sie sehnen sich nach einer Erklärung. sondern eine Offenbarung.das Bewußtsein hervor. diese möglicherweise Erkenntnisse über Bewußtsein gewinnen könnten. wirklich intelligente Maschinen zu entwickeln. so wie die Sonne den morgendlichen Nebel auflöst. daß unsere Cyber-Nachkommen in der Lage sein würden. »sollten wir nicht überrascht sein.«19 Ironischerweise hat ausgerechnet der KI-Visionär Marvin Minsky bezweifelt. selbst wenn es KIForschem gelänge. die nach ganz anderen Prinzipien funktioniert als wir und die in der Lage wäre.« Anders gesagt. Und wer weiß. Bewußtsein. Fasten und bewußtseinsverändernde Drogen zu einem . Optimisten hoffen. wenn wir feststellen müssen. genauso begriffsstutzig und beschränkt sind wie wir. Selbst einige eingefleischte Mysteriker wie etwa der Philosoph Colin McGinn von der Rutgers-Universität schließen die Möglichkeit einer solchen Offenbarung nicht aus. die dem Menschen nicht zugänglich seien. schrieb er.

ein Gefühl wie von etwas Unbegrenztem.349 . so seine Erklärung. der Guru der Alternativmedizin und Bestsellerautor. er selbst habe nie derartige Erlebnisse gehabt.21 Freud räumte ein. meinte Freud nur trocken: »Ein ähnlich starkes Bedürfnis aus der Kindheit wie das nach dem Vaterschutz wüßte ich nicht anzugeben. In bezug auf die Überzeugung vieler religiöser Menschen. der dieses Argument in Tucson vertrat. die nach der Einnahme einer bewußtseinsverändernden Droge angeblich dieselben Visionen hätten. könnten uns jene Erkenntnisse über das Bewußtsein vermitteln. Er räumte ein. mystische Erfahrungen könnten empirische Untersuchungen ergänzen. geraucht hätten. als sie das getrocknete Gift der Colorado-River-Kröte. Diese sonderbaren mystischen Erlebnisse. durchlebten ihre frühe Kindheit noch einmal. so Weil. Er berichtete den Zuhörern von einer Gruppe peruanischer Schamanen. Er und ein Freund hätten eine ähnliche Erfahrung der »Bewußtseinsverschmelzung« gemacht. um aus der gegenwärtigen theoretischen Sackgasse herauszukommen. In Das Unbehagen in der Kultur beschrieb Freud einen Freund. die mystische Erlebnisse hätten. nicht neu. Menschen. Bufo alvarius. daß sie brauchbare Erkenntnisse über die Wirklichkeit lieferten. sie bekämen ein gemeinsames Bewußtsein. der von »einem Gefühl [berichtet hatte]. gleichsam ›Ozeanischem‹«. daß mystische Erfahrungen häufig bei Personen . die erforderlich seien. ihre Erfahrung habe sie in direkten Kontakt mit einer höheren Macht gebracht.«22 William James entwickelte in seinem Buch Die Vielfalt religiöser Erfahrung eine einfühlsamere Betrachtungsweise. Schrankenlosem. das er die Empfindung der ›Ewigkeit‹ nennen möchte. Ein Redner.tieferen Verständnis unseres Geistes gelangen könnten. in der sie noch nicht zwischen sich und der Außenwelt hätten unterscheiden können. doch er bezweifelte. war Andrew Weil.20 Wie die meisten anderen Standpunkte in der Kontroverse um das Phänomen Bewußtsein ist die Idee.

Wir können durchs Leben gehen. bedeute dies noch lange nicht. mögliche Bewußtseinsformen liegen. irgendeinen Wahrheitswert beanspruchen. Keine Betrachtung des Universums kann abschließend sein. die diese anderen Bewußtseinsformen ganz außer Betracht läßt [. das rationale Bewußtsein. aber man setze sie nur einem entsprechenden Reiz aus. daß die dabei gewonnenen Einsichten wertlos seien.24 Mystische Erfahrungen sollten uns zumindest zu der Einsicht bewegen. denn sie alle entströmen ausnahmslos der jeweiligen körperlichen Verfassung ihres Besitzers«.. Vielmehr sollten sie danach beurteilt werden. Seine eigenen Experimente mit Lachgas festigten in ihm die Überzeugung. für die es wahrscheinlich irgendwo auch Anwendungs.350 . meinte der Begründer des Pragmatismus.] Auf jeden Fall verbieten sie einen voreiligen Abschluß unserer Rech. was wir für wahr halten. die in einer seelischen Notlage seien oder an einer neurologischen Erkrankung litten. damit wolle er nicht sagen. Doch nur weil eine mystische Erfahrung eine physiologische oder auch pathologische Grundlage habe. daß alle mystischen Offenbarungserlebnisse als wahr angesehen werden sollten. nur ein besonderer Typ von Bewußtsein ist. nicht einmal unsere wissenschaftlichen Lehren. daß unser normales Wachbewußtsein. bestätigen können«. und schlagartig sind sie in ihrer ganzen Vollständigkeit da: genau umrissene Geistesarten. Danach »dürfte keiner unserer Gedanken und [keines unserer] Gefühle.und Erprobungsbereiche gibt.. von ihm durch den dünnsten Schirm getrennt. »was wir aufgrund ihres Erfahrungszusammenhangs mit unseren moralischen Bedürfnissen und allem anderen.23 James betonte. wie wir es nennen. nicht einmal unser Unglaube. die ganz andersartig sind.vorkommen. ohne etwas von ihrer Existenz zu ahnen. daß wir sehr wenig über unseren Geist wissen. mystische Zustände könnten auch auf künstliche Weise durch pharmakologische Wirkstoffe wie Äther oder Lachgas ausgelöst werden. während um ihn herum.

nung mit der Realität. Der Patient war »ein schwarzhaariger junger Mann mit grünlicher Haut [gewesen]. Einige Erzähler beschrieben das »ozeanische« Rauschgefühl..] er bewegte nur seine schwarzen Augen und war absolut unmenschlich anzusehen [. die sich die Macht positiven Denkens zunutze machen wollten.«26 Der Erzähler wachte daraufhin »jeden Morgen mit einer entsetzlichen Angst in der Magengrube auf und mit einem Gefühl von Unsicherheit..28 Sein ganzes Leben hindurch kämpfte er gegen die Angst und Schwermut an. In einem der bedrückendsten Berichte des Buchs schildert der Erzähler. erst nachdem das Buch erschienen war.. Medikamenten. . die dieser Blick in den Abgrund in ihm erweckt hatten. Er untermauerte diese Behauptung mit einer Fülle von Erfahrungsberichten Betroffener. dachte ich. das ich vorher nicht gekannt hatte und seither nie mehr so empfunden habe«. selbst dieses schreckliche Erlebnis gehabt zu haben. Gewichtheben und verschiedenen »Geisteskuren«. Hypnose.25 Eine der Kernthesen von James' Buch lautet. daß mystische Erfahrungen in grundverschiedenen Formen auftreten könnten. zu bezwingen . über das sich Freud so abfällig äußerte.27 James schrieb diesen Bericht einem anonymen Franzosen zu.] Diese Gestalt bin ich. Wasserkuren. den er einmal in einer psychiatrischen Anstalt gesehen hatte. der völlig verwirrt war [. Er versuchte diese »morbiden Empfindungen« mit Elektrotherapie.351 .offenbar war alles vergebens. wie er sich allein im Ankleideraum aufhielt. als er sich plötzlich an einen Epileptiker erinnerte.. andere durchlebten einen Zustand panischer Angst und Entfremdung. jedenfalls potentiell. gab er zu. Christian science.

eine scheinbar magische Quanteneigenschaft zeigen sollte. daß Religionen mindestens genausooft Intoleranz und Grausamkeit förderten wie Güte. in denen er die bornierte Einstellung der Wissenschaft zur außersinnlichen Wahrnehmung und Religion geißelte. Seine Beiträge in anerkannten Fachzeitschriften bestanden überwiegend aus Briefen. der damals bereits ordentlicher Professor in Cambridge war. daß ein besonderer Typ von supraleitendem Schaltkreis. Im Jahr 1993 behauptete er in einem Leserbrief an Nature. von der konventionellen Physik und wandte sich der Erforschung parapsychischer und mystischer Erfahrungen sowie anderer exotischer Phänomene zu. (Leserbriefschreiber entgegneten prompt. Kurz darauf verabschiedete sich Josephson. diese extrem empfindlichen Instrumente messen Phänomene. Josephson-Kontakte bilden die Grundlage von supraleitenden Quanteninterferenzvorrichtungen (Squids). religiöse Bräuche seien auf »Gene [zurückzuführen]. Josephson wurde 1973 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet und gehörte damit zu den jüngsten Trägern in der Geschichte dieses Preises. besonders sinnfällig. Die nächste Große Vereinheitlichung?«29. einer der bedeutendsten und faszinierendsten Gestalten in der Physik des zwanzigsten Jahrhunderts. die vom Flüstern der Neuronen im menschlichen Gehirn bis zum seismischen Gemurmel der Erde reichen.352 . »harmonischer und effizienter zu funktionieren« . das religiöse Bedürfnis könne Gesellschaften helfen. die mit potentieller Güte in Verbindung stehen«.3° Er behauptete auch. Er schrieb Aufsätze mit Titeln wie »Physik und Spiritualität. Im Jahr 1962 sagte er als zweiundzwanzigjähriger Student an der Universität Cambridge voraus. der heute als Josephson-Kontakt (oder Tunnelkontakt) bezeichnet wird.Brian Josephsons »Tunnelkontakt« Die Gefahren mystischer Erfahrung werden in der Lebensgeschichte von Brian Josephson. die heute als Josephson-Effekt beschrieben wird.) .

dessen Verhältnis zum wissenschaftlichen Establishment seinerzeit gespannt war (wenn auch aus anderen Gründen). einem anderen britischen Genie. einem indischen Mystiker. gebräunt und blond vorkamen. erzählte mir Josephson mit stockender.353 . Er trug ein schwarzes T-Shirt. Im Jahr 1966 lernte er auf einem Besuch in den Vereinigten Staaten einen Mathematiker kennen. Nach einigem Herumdrucksen bekannte Josephson schließlich. als versuche Josephson seine Identität zu verschleiern. Sein Gesicht war fast vollständig von seinem weißen Schlapphut. mit mir zu Mittag zu essen.31 Es hatte fast den Anschein. Ich fragte nach. einer breiten dunklen Brille. Er verschlang die Schriften von Weisen wie etwa Krischnamurti. leiser Stimme von seiner Vergangenheit. Was war geschehen? Wie konnte ein so überragender Wissenschaftler auf die »andere« Seite überlaufen? Am zweiten Tag der Konferenz in Tucson erklärte sich Josephson bereit. die mir alle jung. in gewisser . Hatte er selbst mystische oder übersinnliche Erfahrungen gehabt? »Nun.Jahrelang verfolgte ich. Während wir in einem Taco-Bell-Restaurant Burritos verzehrten . wie sich Physiker in Spekulationen über die Ursache von Josephsons Wandlung ergingen. struppigem Haar und Koteletten verdeckt. der ein ausgeprägtes Interesse an paranormalen Phänomenen hatte. auf dem ein digitalisiertes Porträt von Alan Turing prangte. wodurch ich die Gelegenheit bekam. insbesondere im Vergleich zu Josephson und mir -. dessen Bücher in den sechziger Jahren viele westliche Wissenschaftler und Intellektuelle in ihren Bann zogen. daß seine Wandlung auch auf Veränderungen »im Innern« zurückzuführen sei. dies herauszufinden.umgeben von lauten Einheimischen. Wie viele andere Physiker faszinierte auch ihn die scheinbar zentrale Rolle des Beobachters in der Quantenmechanik und die seltsamen nichtlokalen Korrelationen zwischen Teilchen in der Quantenwelt. Er habe sich Mitte der sechziger Jahre von der konventionellen Physik abzuwenden begonnen.

»Ich hatte einige seltsame Erlebnisse. Er erinnerte sich. daß er Ende der sechziger Jahre »halluzinatorische Bewußtseinszustände« erlebt habe. daß sie sich nicht mit parapsychischen oder »Psi-Phänomenen« befassen wolle. gestattete er sich ein seltenes Lächeln. In seinen Vorträgen und Aufsätzen schalt er die Fachwelt dafür.. Schließlich sagte er mir. die eine Folge seiner allzu intensiven Beschäftigung mit physikalischen Problemen gewesen seien. versicherte Josephson. Die gegenwärtige Theorie »läßt die Sprache von Prozeß . sein Interesse an den rätselhaften Aspekten des Geistes öffentlich zu diskutieren. »Die öffentliche Beachtung. sagte er. die mir zuteil wurde. Er und seine Frau hatten eine Tochter. »Die Meditation gab mir soviel Halt.« Mehrere Jahre lang habe er »starke Tranquilizer« eingenommen. »Ich bin ein eher nüchterner Mensch«.« Andererseits gab ihm die Auszeichnung das Selbstvertrauen und die Gelegenheit. das Phänomen der außersinnlichen Wahrnehmung zu erklären. Die Quantenmechanik könne dazu beitragen. Seine Heirat im Jahr 1976 verschaffte ihm einen weiteren Halt. war vor allem eine Last. »Meine Erlebnisse waren hauptsächlich darauf zurückzuführen. aber nicht . Er beteuerte. Es gelang ihm. um mit seiner angeschlagenen seelischen Verfassung zurechtzukommen.. wenn ihr Anwendungsfeld erweitert werde. die bereits schriftstellerisches Talent zeige. daß er 1973 die Nachricht von der Verleihung des Nobelpreises mit relativer Gelassenheit aufgenommen habe. daß Telekinese und außersinnliche Wahrnehmung durch »recht überzeugende« Daten belegt seien.Weise. Als Josephson von seiner Tochter sprach. daß ich keine Tranquilizer mehr brauchte.« Er meditiere noch immer bis zu mehreren Stunden pro Tag. seine innere Unruhe durch transzendentale Meditation zu bezwingen.« Er hielt inne.« Er stocherte mit der Fingerspitze in seinem Burrito. diese Übungen hätten ihm »so etwas wie inneren Frieden« gegeben. daß ich über einen längeren Zeitraum sehr wenig Schlaf hatte.354 . doch nur.

Josephson war überzeugt davon.« Gelegentlich veranstalte er Vorlesungen über parapsychische Phänomene in Cambridge. Das gewöhnliche Bewußtsein sei »egozentrisch«. daß sie sein Projekt. unterstützten. der ebenfalls einen ganzheitlichen wissenschaftlichen Ansatz befürwortete. und man sei nicht mehr offen für die Einflüsse und Intuitionen. von denen . daß die Ämter. für wichtiger. so aufgeschlossen wären. Daher müssen wir meines Erachtens die Quantentheorie erweitern. »Ich halte das. die über die Vergabe von Forschungsgeldern verfügten. ihre Fähigkeiten zu optimieren und neue Erkenntnisse zu gewinnen.« Er habe sich daran gewöhnt. die jenseits des Gültigkeitsbereichs einer derartigen Beschreibung liegen«. Durch Meditation könne man ein »transegozentrisches« Stadium erreichen. er teile Josephsons Glaube beziehungsweise Interesse an paranormalen Phänomenen nicht. Die heute üblichen reduktionistischen Methoden »schließen die Möglichkeiten aus.und Intention und so weiter nicht zu. »und die Zuhörer sind insgesamt ziemlich beeindruckt gewesen«. die einem »präegozentrischen« Kind zugänglich seien. gegenwärtig wohl nicht angemessen wissenschaftlich untersucht wird«. wie sich Teile zu Gesamtheiten verbinden. Das Ich »beherrscht alles«. daß Meditation Wissenschaftlern helfen könne. daß »die Art und Weise. Er wünsche sich nur.)32 Josephson bedauerte es nicht.« Er fügte hinzu. eine Forschungsgruppe für Parapsychologie in Cambridge ins Leben zu rufen.355 . mit den Anfeindungen anderer Physiker und Amtsinhaber in Cambridge zurechtzukommen. was ich gegenwärtig tue. (In einem Interview kurz vor seinem Tod im Jahr 1992 sagte mir Bohm. Josephson empfand eine gewisse Geistesverwandtschaft zu David Bohm. bei dem »man die Vorteile der Prozesse erlangen kann. der konventionellen Physik den Rücken gekehrt zu haben. einem Physiker. »Es ist nicht mehr so schlimm wie früher. damit wir auch dies berücksichtigen können.

daß mehr dahintersteckte. was sich zunächst wie chaotischer Lärm anhört. universellen »Strukturen« des Geistes sei.« Ob er persönliche Lieblingsstücke habe. aber . Wir warfen unseren Abfall in einen Müllbehälter. die er in seinem Vortrag in Tucson vorstellen wollte. ob es besonders tiefsinnig ist. Er warf einen kurzen Blick auf die Uhr.« Im Hintergrund kreischte die Popdiva Whitney Houston »I'll always love youuuuuuuuu!«. aber auch Rock and Roll sprach ihn an.33 »Durch meine Meditationen entwickelte ich ein feineres Gespür für Musik und erkannte. Er schürzte einen Moment lang die Lippen.. Der Andrang der Gäste im Taco Bell war abgeebbt. »Ich bin intuitiv davon überzeugt. die er als »ziemlich gut« beurteilte.. er wolle unbedingt den Vortrag über »Informationsphysik. fragte ich ihn. »Einiges davon ist von hohem künstlerischem Wert«. neuromolekulares Rechnen und Bewußtsein« hören. den ein jugoslawischer Wissenschaftler im Rahmen der Konferenz hielt.man beeinflußt wurde. sondern von zeitlosen. daß dies für unser Verständnis des Geistes von großer Bedeutung sein könnte.« Das brachte uns schließlich auf seine Musiktheorie. »Etwas. Josephson aß sein Burrito und sein Taco auf.356 . Wissenschaftler könnten etwas über diese universellen geistigen Strukturen herausfinden. . stellten unsere Tabletts auf einen Stapel und gingen hinaus in den strahlend sonnigen Tag. bevor das Ich dominant wurde.« Er glaube mittlerweile. »Ich weiß nicht. während man etwas von der strukturierenden Fähigkeit des Ich behalten kann. offenbart mitunter eine unerwartete Tiefendimension. sagte er über den Rock. daß Musik bis zu einem gewissen Grad das Produkt nicht von oberflächlichen kulturellen Einflüssen. indem sie die menschlichen Reaktionen auf Musik erforschten. Er möge »Bridge over Troubled Water« von Simon und Garfunkel.« Josephson hatte eine Vorliebe für klassische Musik.

die sich mit der Erforschung des menschlichen Geistes befassen. MAX PLANCK. der weiß aus eigener innerer Erfahrung.‹«2 In gewissem Sinn hat Crick recht. Zugleich hat sich jedoch die Neurowissenschaft bislang als seltsam unbefriedigend erwiesen. Francis Crick legte seine reduktionistische Weltsicht zu Beginn seines Buches Was die Seele wirklich ist dar: »›Sie‹. Ihre Erinnerungen. die von der natürlichen Selektion gestaltet wurden. Die Erklärung des Geistes auf neuronaler Grundlage hat uns nicht viel mehr Erkenntnisse beziehungsweise Vorteile gebracht als die Erklärung des Geistes auf der Grundlage von Quarks und Elektronen. Wir sind nichts weiter als ein Haufen Neurone.357 . Diese Erklärungen sind wie die von Crick vertretbar. die sich verschiedenen Aufgaben widmen. aber sie sind alle unzureichend. Ihre Ziele. Lewis Carrolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: ›Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neurone. D ie Wissenschaftler. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Rechenmaschinen. daß an der Eingangspforte der Wissenschaft ein äußerlich unscheinbarer. aber durchaus unentbehrlicher Wegweiser steht: 1 der vorwärtsschauende Glaube.EPILOG DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES MENSCHLICHEN GEISTES Wer jemals an dem Aufbau irgendeiner Wissenschaft wirklich mitgearbeitet hat. Wir seien nichts weiter als ein Haufen idiosynkratischer Gene. . Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit . Wir seien nichts weiter als ein Haufen Sexualneurosen. Ihre Freuden und Leiden. Es gibt viele alternative Reduktionismen.bei alledem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. haben genauso tiefsitzende Überzeugungen wie religiöse Menschen. Wir seien nichts weiter als ein Haufen von Anpassungsleistungen.

geschweige denn das von Menschen. »Wir gehen davon aus. so Anderson.«3 Die Kernphysik. ein an der PrincetonUniversität lehrender Experte für die Physik der kondensierten Materie. hat uns Erkenntnisse über Sterne. über die wir detaillierte Kenntnisse besitzen. wobei jede Ebene bis zu einem gewissen Grad unabhängig von den Ebenen über und unter ihr sei. Begriffe und Ver.358 .In »More is Different«. deren Objekte auf der kleinsten Skala der Natur liegen. der 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Die Teilchenphysik sei nicht in der Lage. Doch die Kenntnis der Grundgesetze. Die Molekularbiologie. erwies sich als ein außerordentlich erfolgreicher Ansatz zum Verständnis von Evolution. Galaxien und die Entstehung des Universums verschafft. reflektierte Philip Anderson. Anderson erkannte die außerordentlichen Erfolge des Reduktionismus ausdrücklich an. »Technik«. Embryonalentwicklung und anderen Aspekten des Lebens. alle anderen naturwissenschaftlichen Disziplinen befaßten sich lediglich mit »Einzelheiten« oder. gebe uns kaum Aufschluß über viele andere Phänomene. Der Reduktionismus werde vorbehaltlos von der großen Mehrheit der aktiven Naturwissenschaftler anerkannt. Anderson war durch die Behauptung von Teilchenphysikern. die das Gebiet der Physik beherrschen. über die Grenzen des wissenschaftlichen Reduktionismus. einem 1972 in Science erschienenen Aufsatz. das Verhalten von Wasser vorherzusagen. die mit der Entdeckung der Doppelhelix begann. Die Wirklichkeit sei hierarchisch aufgebaut. sie führten die fundamentalsten und daher bedeutendsten naturwissenschaftlichen Forschungen durch. daß sämtliche Prozesse in unserem Geist und unserem Körper sowie in der gesamten belebten und unbelebten Materie. »Auf jeder Ebene bedarf es vollkommen neuer Gesetze. zu dem Beitrag angeregt worden. denselben fundamentalen Gesetzen unterliegen. Vererbung. schlimmer noch.

Doch er wies auch darauf hin.« Wenn es ein Phänomen der Natur gebe. »Das wird es wieder geben. daß jemand grundlegende und fruchtbare Gemeinsamkeiten zwischen abendländischen Sichtweisen des menschlichen Geistes und den entsprechenden Anschauungen. prophezeien aber gleichzeitig das Kommen eines Genies. aber sie haben die Sache gewiß vorangebracht. »Das gab es«. die den menschlichen Geist erforschen. weil es völlig unerwartet auftritt und eine Synthese erstellt. schrieb Anderson. feststelle. Eine ähnliche Prognose hörte ich von Eric Kandel.359 . so Gardner. gestehen zwar die Beschränktheit aller gegenwärtigen Forschungsansätze ein.« Er habe während seines eigenen Lebens das Aufkommen so bedeutender Wissenschaftler wie Noam Chomsky und Jean Piaget miterlebt. dem an der Columbia-Universität lehrenden Neurowissenschaftler. dann sei das der menschliche Geist. das nachweislich mehr sei als die Summe seiner Teile. sagte der an Harvard lehrende Psychologe Howard Gardner zu mir. »Wir verdanken ihnen tiefschürfende Einsichten über den menschlichen Geist Sie hatten nicht unbedingt recht. daß »wir das Kommen dieses einzigartigen Genies nicht voraussehen können.«4 Eine Möglichkeit bestehe darin. und die Biologie ist nicht angewandte Chemie. die all seine Vorgänger übersehen hätten. mit der niemand gerechnet hätte«. daß einige von ihm hochgeschätzte Philo.allgemeinerungen. »Die Psychologie ist nicht angewandte Biologie. Der Mythos vom wissenschaftlichen Erlöser Einige Wissenschaftler. die genausoviel Inspiration und Kreativität erfordern wie die auf der vorangehenden Ebene«. Er wies darauf hin. die in der Philosophie und Religion des Fernen Ostens enthalten seien. das Muster und Lösungen erkennen werde.

und dies bringt dann die entsprechende Wissenschaft in unerwarteter Weise voran. daß es für den einzelnen schwerer geworden sei. daß sie die leichten Probleme lösten. Ich habe mich in jüngster Zeit mit Picasso beschäftigt. weil ihm Newton. wer seine Zeitgenossen waren: Freud und Einstein.360 . Mozart oder Michelangelo mehr hervorbringe. Gleick zitierte den Romancier Norman Mailer.«5 Doch wie realistisch ist dieser Mythos von einem wissenschaftlichen Erlöser? In Richard Feynman. die natürliche Selektion oder die Allgemeine Relativitätstheorie entdecken. mutmaßten. wie etwa Thomas Nagel von der New-York-Universität. daß sich der menschliche Geist niemals vollständig ergründen lasse. allerdings würde ich eine wichtige Konsequenz hinzufügen: Für die genialen Wissenschaftler unserer Zeit gibt es weniger zu entdecken als für ihre Vorgänger. Die übriggebliebenen gewichtigen Probleme sind außerordentlich schwierig. deren bemerkenswerte Einsichten uns erlauben. In den fünfziger Jahren . daß die zeitgenössische Kultur keine so überragenden Genies wie Newton. sich hervorzutun. daß ein Genie heute keinen nachhaltigen Einfluß mehr ausüben könnte. und schauen Sie. Ich finde seine Erklärung überzeugend. In Wirklichkeit gebe es heute so viele Einsteins und Freuds. Kein Wissenschaftler kann heute die Gravitation. Darwin und Einstein zuvorkamen. Das soll nicht heißen. Doch Kandel glaubte an die Fähigkeit des menschlichen Intellekts. insbesondere in einer völlig aussichtslos anmutenden Lage bahnbrechende neue Erkenntnisse zu gewinnen.sophen. der geklagt habe: »Es gibt keine großen Menschen mehr. Dinge aus einer völlig neuen Perspektive zu sehen.«6 Nach Ansicht von Gleick ist Mailers Eindruck falsch. Grob vereinfacht könnte man sagen. Leben und Werk des genialen Physikers befaßte sich der Wissenschaftsautor James Gleick mit dem weitverbreiteten Eindruck. so viele herausragende Wissenschaftler. »Hin und wieder tritt eine Person auf.

die das Chaos in eine Ordnung verwandeln könnte.7 Die Gefahren der Wissenschaftsgläubigkeit Die Wissenschaftler werden sich niemals damit abfinden. aufgebaut sind.steckte die Elementarteilchenphysik in einer Krise. und sie sollten es auch gar nicht. Doch dann schuf ein brillanter junger Theoretiker namens Murray Gell-Mann ein Rahmenmodell – er nannte es scherzhaft nach der buddhistischen Anleitung zur Erleuchtung den »Achtfachen Weg« –. ist die Teilchenphysik im Vergleich zur Neurowissenschaft ein Kinderspiel. Sie werden herausfinden.mit vielfach gegensätzlichen Implikationen aufarbeiten. wie sie das Wirrwarr der Entdekkungen zu einer kohärenten Theorie zusammenfassen sollten. gibt es vielleicht gar keine einheitsstiftende Erkenntnis. Wer heutzutage eine einheitliche Theorie des menschlichen Geistes aufstellen wollte. sondern sogar heilen können werden. den sogenannten Quarks.361 . müßte eine astronomische Zahl an empirischen Befunden . das die Teilchen nach ihren gemeinsamen Eigenschaften ordnete. wie . Es ist immer möglich. Teilchenbeschleuniger schienen fast täglich ein exotisches neues Teilchen hervorzubringen. daß der menschliche Geist nicht bezwungen werden kann. Doch was die Komplexität betrifft. in der sich heute die Neurowissenschaft befindet. verdankte sich größtenteils dem Stand beziehungsweise der Unkenntnis der Wissenschaft zu seiner Zeit. daß viele dieser verschiedenen Teilchen aus fundamentaleren Partikeln. die in gewisser Hinsicht an die Sackgasse erinnert. eine einheitliche Theorie der menschliche Psyche zu entwerfen. die Theoretiker wußten nicht. Freuds Fähigkeit. Was das menschliche Gehirn betrifft. daß sie psychische Erkrankungen nicht nur besser therapieren. Später zeigten Gell-Mann und ein anderer Physiker unabhängig voneinander.

Optimisten glauben. wie die natürliche Selektion unser Gehirn gestaltet hat und wie sie es weiterhin prägt. technisch nutzbar zu machen. ist ein Paradebeispiel hierfür. daß ihre Träume vermutlich nie in Erfüllung gehen werden.zweifellos heraus. Diese Vision ist nie Wirklichkeit geworden. Stünde den Physikern nur hinlänglich viel Zeit und Geld zur Verfügung.Anlage und Umwelt bei der Formung des menschlichen Geistes und der individuellen Persönlichkeit zusammenwirken. der die Sonne und andere Sterne zum Leuchten bringt. fänden sie . Sie werden Maschinen bauen. teuren Spaltungsreaktoren. die der Nutzung der Fusionsenergie im Weg stehen.so die optimistische Einschätzung . um selbst offenkundig vernünftige wissenschaftliche Ziele zu erreichen. Der Versuch.362 . auf deren Grundlage entwickelten Physiker Ende der vierziger Jahre die Wasserstoffbombe. die uns an Intelligenz ebenbürtig sind und uns schließlich übertreffen. Geld und Zuversicht nicht aus. daß diese Ergebnisse angesichts des stetigen und rasanten Tempos der Entdeckungen und Neuerungen in der Neurowissenschaft. Sie werden das Geist-Körper-Problem und das Dilemma des Reduktionismus lösen. Sie werden in allen Einzelheiten verstehen. Anders als der Fusionsreaktor ist die Heilung von Krebserkrankungen . Selbst eingefleischten Befürwortern des Fusionsreaktors dämmert es mittlerweile. ökonomischen und politischen Hürden. sind einfach unüberwindlich hoch. die Energie kostengünstiger und sauberer erzeugten als die umweltgefährdenden. Die Krebsforschung ist vielleicht ein Beispiel. Doch manchmal reichen Zeit. wie man Fusionsreaktoren baue. die technischen. der Künstlichen Intelligenz und anderen Gebieten unvermeidlich seien. der Psychiatrie. ausreichender Fördermittel und einer Portion Zuversicht. dazu bedürfe es lediglich beharrlicher Anstrengungen. das sich besser mit der Erforschung des Geistes vergleichen läßt. 8 Die Grundprinzipien der Kernverschmelzung wurden bereits in den dreißiger Jahren aufgeklärt. den Prozeß der Kernfusion.

etwas Erhabenes. selbst wenn man die veränderte Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt. Seit Präsident Richard Nixon 1971 dem Krebs offiziell »den Krieg« erklärte. haben die Vereinigten Staaten über fünfunddreißig Milliarden Dollar für die Krebsforschung aufgewendet. mit diesem Thema. und sie haben ausgeklügelte Verfahren zur Früherkennung der Erkrankung und zur Beurteilung ihres Verlaufs entwickelt. Bestimmte seltene Krebsarten bei Kindern lassen sich heute effizienter behandeln. hat etwas Edles. bemerkte Valenstein. sondern ein weitverbreitetes Phänomen in der modernen Medizin. Er führte aktuelle Beispiele an.9 Die ungebrochene Zuversicht. Doch bislang liegt die Heilung von Krebs in genauso weiter Ferne wie die technische Nutzung der Fusionsenergie. in denen die Erfolge überschätzt und die Gefahren unterschätzt werden.bei denen vorschnell Ergebnisse präsentiert werden. einer Geschichte der Lobotomie in der amerikanischen Psychiatrie. daß wir es vermutlich nie aufgeben werden. Doch diese Gläubigkeit ist auch mit Gefahren verbunden.ein so vordringliches Ziel.363 . Wissenschaftler haben gewaltige Fortschritte bei der Aufklärung der Entstehungsmechanismen verschiedener Krebsformen gemacht. Elliott Valenstein befaßte sich am Ende seines Buches Great and Desperate Cures. Herzerkrankungen. wo die Auswahl der Patienten . AlzheimerKrankheit und andere Erkrankungen hochgejubelt hatten: In der großen Mehrzahl der Fälle . Doch trotz eines unlängst von den Medien hochgespielten angeblichen Rückganges der Krebssterblichkeit. ja sogar heilen. sind die Sterberaten in Wirklichkeit heute höher als im Jahr 1971. Die unkritische allgemeine Anwendung der Lobotomie sei keineswegs eine auf die Psychiatrie beschränkte Fehlentwicklung. wo Wissenschaftler und die Medien klinisch nicht erprobte Therapien für AIDS. die Wissenschaftler auch nach wiederholten Mißerfolgen nicht aufgeben läßt.

364 .mit systematischen Fehlern behaftet ist und wo therapeutische Mißerfolge als Ausnahmen wegerklärt werden . führen auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Organisation zwangsläufig zu entsetzlichen Drangsalierungen auf der einen und zu unsäglichem Leid auf der anderen Seite. Die Gefahren wissenschaftlicher Selbstüberschätzung sind am größten. wenn Wissenschaftler nicht bloß ein Heilmittel für Krebs oder psychische Krankheiten suchen. der den schrecklichen Vereinfachern ihre Macht verleiht. schlimmer noch. sondern eine endgültige Erklärung dafür. Wir müssen uns daran erinnern. wer wir sind oder. müssen wir die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes anders bewerten. wir sollten uns vor den »schrecklichen Vereinfachern«. sich gegen Selbsttäuschung zu feien . die Befähigungsvoraussetzungen für einige Naturwissenschaften sind. sofern sie nicht durch sehr viel Sensibilität.11 Natürlich ist es unser Wunsch nach Antworten und Allheilmitteln. wenn hemmungsloser Ehrgeiz im 10 Spiel ist.waren die verantwortlichen Ärzte von der Gültigkeit ihrer Schlußfolgerungen überzeugt. den »großen despotischen Organisatoren« und »Männern mit einer allumfassenden Vision« in acht nehmen. Um uns selbst vor unserer Leichtgläubigkeit zu schützen.und nahezu unmöglich.« Berlin mahnte uns eindringlich. Dies meinte ich in der . Verständnis und Menschlichkeit abgemildert werden. Der verstorbene Philosoph Isaiah Berlin wies einmal warnend darauf hin. wie oft uns die einschlägigen Disziplinen in der Vergangenheit in die Irre geführt haben und wie dürftig ihre Erfolgsbilanz ausfällt. daß die Anwendung der wissenschaftlichen Rationalität auf menschliche Angelegenheiten häufig in Totalitarismus münde. »Ein Gespür für Symmetrie und Regelhaftigkeit und die Fähigkeit zu stringenter Deduktion. wer wir sein sollten. Gleichzeitig müssen wir offen bleiben für die Möglichkeit echter Fortschritte. Es ist sehr schwer.

wobei er diese Regel durch seine Aussage verletzte. wo ist ihre allgemeine Theorie?‹ Doch ich bin eigentlich recht zufrieden damit. Howard Gardner. Clifford Geertz und andere haben uns geraten. der seine Frau mit einem Hut verwechselte schrieb Sacks: »Um die Person – den leidenden. was ich im ersten Kapitel als »Gagesche Neurowissenschaft« bezeichnet habe. doch gelegentlich macht er es explizit. Schlaganfällen.Einleitung zu diesem Buch mit der Formulierung »hoffnungsvoller Skeptizismus«. müssen wir die Krankengeschichte zu einer wirklichen Geschichte ausweiten. Der Dichter William Carlos Williams verkündete einmal »keine Ideen außer in Dingen«. antireduktionistisches Kredo ist in all seinen Schriften implizit spürbar. wir sollten die Erforschung des Geistes eher als ein quasiliterarisches denn als ein streng wissenschaftliches Unternehmen betreiben. einfühlsame biographische Skizzen von Menschen gezeichnet. hat Sacks sie zum Mittelpunkt seiner Arbeit gemacht. die unter den Folgen von Autismus. er versuche Wittgensteins Diktum zu befolgen. »Ich bekomme immer wieder zu hören: ›Sacks. In Der Mann. daß ein Buch eher aus »Beispielen« als aus Verallgemeinerungen bestehen sollte. Tumoren. Ein Musterbeispiel für diesen literarischen Ansatz ist der Neurologe und Buchautor Oliver Sacks.«12 Sacks' mitfühlendes. Während die meisten Neurowissenschaftler die Einzigartigkeit jedes Individuums wegzuerklären versuchen. Sacks ist der moderne Meister dessen. In seinen Büchern und Aufsätzen hat er außerordentlich lebendige. eine Fallgeschichte nach der anderen zu schreiben und die Theoriebildung anderen zu überlassen. nur .365 . Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und anderen neurologischen Störungen leiden. kranken und gegen die Krankheit ankämpfenden Menschen wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Sacks' Philosophie könnte man vielleicht mit den Worten »keine Ideen außer in Menschen« umschreiben. Er sagte mir einmal.

aber die Wahrheit verschleiern und untergraben können. Wissenschaftler haben gezeigt. eine wirkliche Person. ihre Untersuchungsergebnisse in literarischer Weise darzustellen. Der Fall Phineas Gage der im neunzehnten Jahrhundert lebte und dessen Gehirn von einer Eisenstange durchbohrt wurde . genauso wie Brückenbauer. ›in das Innere des kranken Bewußtseins vorzudringen‹ und ›die pathologische Welt mit den Augen des Patienten zu sehen‹.«13 In Ein Anthropologe auf dem Mars führte er aus: Aber die Realitäten der Patienten. Zusätzlich zum objektiven Ansatz des Wissenschaftlers und Naturforschers müssen wir uns einer intersubjektiven Vorgehensweise bedienen. Techniker suchen nicht nach der Antwort. um so. in seiner Beziehung zum Körperlichen faßbar wird.366 . von den Zusammenhängen zwischen Genen und Persönlichkeit und auch von der Rolle. wie Foucault schreibt.also von außen . Der Meister der Fallgeschichte war Sigmund Freud.nicht vollständig erschließen. Vielleicht sollten sie sich als Techniker betrachten. der . die die natürliche Selektion als Triebfeder menschlichen Verhaltens spielt. der die Psychoanalyse auf der Basis von Einzelfällen wie denen von Anna O. wie sie und ihre Gehirne ihre eigenen Welten konstruieren. lassen sich über Verhaltensbeobachtungen .. die den menschlichen Geist erforschen. der in seiner Beziehung zur Krankheit. weder die Begabung noch die Lust.dann haben wir sowohl ein ›wer‹ als auch ein ›was‹. dem Rattenmann.14 Das Problematische an Fallgeschichten liegt darin. einen Patienten. Schaltkreiskonstrukteure und Autohersteller.belegt dies. dem Wolfsmann und anderen entwickelte. Zudem hat die große Mehrzahl der Wissenschaftler. Fallgeschichten lieferten auch verzerrte Vorstellungen von Fluctin und anderen Psychopharmaka. die Arten. daß sie sich zwar häufig sehr plausibel anhören. daß Freuds Erzählungen oftmals erheblich von der Wahrheit abwichen.

bei einem studentischen Aufsatzwettbewerb als Gutachter zu fungieren. endgültigen. und mein pessimistischer Traktat An den Grenzen des Wissens – und dann ihre eigenen Ansichten über die Zukunft der Wissenschaft darlegen. das ihnen hilft. stringent und ideenreich. Vielmehr suchen Techniker nach einer Antwort. Ein anderer Schreiber befürchtete. der Fortschritt auf dem Gebiet . sagte ein Aufsatzschreiber. Die Sehnsucht nach einer Offenbarung Letztlich hängt die Zukunft der Wissenschaft vom menschlichen Geist von der jungen Generation ab. daß die Forscher durch eine zu enge und zu mechanistische Sicht des menschlichen Geistes behindert werden könnten. wies aber auch warnend darauf hin. und wer weiß schon.absoluten. ohne jedoch potentielle Schwierigkeiten unerwähnt zu lassen. Die Studenten sollten zwei Bücher lesen – Science: The Endless Frontier. unumstößlichen Wahrheit . Die Aufsätze waren größtenteils geradezu unheimlich sachkundig. die Fluctin (fälschlicherweise) zugeschrieben wurden: stark verbesserte Wirksamkeit und minimale Nebenwirkungen. ein anstehendes Problem zu lösen oder abzumildern. könnte sie dieselben Vorzüge erwerben. Wenn sich die wissenschaftliche Erforschung des menschlichen Geistes derart bescheidene Ziele setzte. Viele Studenten stellten die Wissenschaft vom menschlichen Geist als ein besonders vielversprechendes Forschungsgebiet heraus.367 .das Streben danach kann sogar ein Hemmnis für den Fortschritt sein. ein 1945 von dem Physiker Vannevar Bush geschriebener Lobgesang auf den unerschöpflichen Schatz der Wissenschaft. nach irgend etwas. »Ich glaube fest an eine kurz bevorstehende kognitive Revolution«. welche Richtung sie unter ihrem Einfluß einschlagen wird? Im Jahr 1998 bat mich die Verwaltung des Massachusetts Institute of Technology.

Der meines Erachtens beste Aufsatz verknüpfte Betrachtungen zur Kosmologie. Wittgenstein hat diesen Gedanken prägnant zum Ausdruck gebracht: »Nicht wie die Welt ist. daß ich mich nicht noch immer nach dem Offenbarungserlebnis sehne. Künstlichen Intelligenz. ist das Mystische. sondern daß sie ist. das mit einem Schlag alles erklärt. Weit gefehlt. aber egoistische frühere Freundin des Verfassers. der Mitte der fünfziger Jahre nach Einnahme der psychedelischen Substanz Meskalin erklärte. (Ich schlug diesen Aufsatz für eine Auszeichnung vor. die meisten davon Wissenschaftsjournalisten wie ich.der Künstlichen Intelligenz könne sowohl durch die Grenzen der Siliziumchip-Technologie als auch durch eine zunehmende Technologiefeindlichkeit in der Gesellschaft blockiert werden. der ernsthaft versucht. Bewußtsein und Einsichtsfähigkeit gewinnen . daß »die Zukunft der Wissenschaft in bewußtseinsverändernden Substanzen liegt«. Burritos . wurde jedoch von den anderen Juroren überstimmt. Theologie mit Erinnerungen an die schöne. solche »Erfahrungen können von niemandem ignoriert werden. je mehr wir an Intelligenz. Er berief sich dabei auf den britischen Autor Aldous Huxley. Leben und das Universum als Ganzes – unabhängig von der Macht unserer wissenschaftlichen Erklärungen in sprachloser Ehrfurcht bestaunen. Auf der Konferenz in Tucson im Jahr 1994 bewegte ich mich für kurze Zeit am Rand einer solchen Offenbarung. zu verstehen«15. Der Autor beschloß seinen Aufsatz mit der Vorhersage. die Welt.) Meine Erfahrungen mit veränderten Bewußtseinszuständen haben mich davon überzeugt.egal ob durch Drogen oder durch Meditation oder durch Gentechnik oder durch Künstliche Intelligenz -. um so mehr werden wir Bewußtsein. daß sie das Rätsel Bewußtsein nicht lösen können. Es war mein letzter Abend auf der Konferenz.368 . und ich verzehrte mit einem halben Dutzend anderer Konferenzteilnehmer.«16 Das soll nicht heißen. in der er lebt.

er sei Arzt am Gesundheitswissenschaftlichen Zentrum der Universität von Arizona. die außerirdischen Wesen zu erkennen. unserem Tisch. näherte sich ein großer Mann mit Schnurrbart. Rauschpilze. Wir redeten über die Konferenz und waren uns darin einig. die einen dimensionslosen Hyperraum aus reinem Bewußtsein bewohnten und beunruhigt seien wegen der Mißhandlung von Delphinen und anderen Tieren durch den Menschen. das manchmal auch Vitamin K genannt wird. Meine Tischgenossen schienen dem Guru der Alternativmedizin darin beizupflichten. einem Pionier der Delphinforschung und Entdecker von Methoden der sensorischen Deprivation. der aus einer Videobrille und Kopfhörern bestand. Lilly beschrieb die Wesen als Feststoffmaschinen. Er trug einen Apparat. Er nannte ihn VAEB . wovon er/sie eigentlich gesprochen hatte. Er sagte uns. . die stärksten bewußtseinsverändernden Rauscherlebnisse überhaupt auslöse. Obwohl den ganzen Tag glühende Hitze geherrscht hatte. die es dem Neurowissenschaftler John Lilly. die Wissenschaftler und Philosophen hatten einen ratlosen und unschlüssigen Eindruck gemacht. die unsere Wirklichkeit beherrschen. Meskalin und Peyote.369 . war der Abend kühl. mit blauen Blumen gesprenkeltes Hemd trug.LSD. einige Vorträge waren interessanter gewesen als andere. daß Ketamin. Wir begannen Anekdoten über unsere eigenen Erlebnisse mit exotischen bewußtseinserweiternden Substanzen auszutauschen . sondern nur von innen.für Visuelle/Auditive Entspannung und Beruhigung.17 Als sich unser Gespräch dem Ende zuneigte. sondern nur durch Erfahrung erklärt werden könne. daß keine(r) der Redner(innen) wußte. Ketamin war die Droge.und Bier im Garten eines Restaurants. daß Bewußtsein niemals von außen. nicht durch Wissenschaft. Gewiß. Ein Höhepunkt war Andrew Weils Bericht über seine unglaublichen Heldentaten. der ein ärmelloses. ermöglicht hatte. Ein Journalist mit gezwirbeltem Kinnbart und Nasenring versicherte uns.

die pulsierten und sich wandelten.. zwei Seiten derselben inneren Empfindung. den Kopfhörer und die Brille anzuziehen. der Signale an einen Kopfhörer und ein LED-Okular sendet. wenn ich nur genau genug hinsähe. Klang. Reklamebroschüren. entdeckt zu werden. ein mattes Gelächter. eine große Enthüllung. nichtpharmakologisches Mittel zur Erzeugung von Entspannungs. Die Klänge und Farben verschmolzen. Hier lag der Schlüssel zu allem. Patienten in körperlichen oder psychischen Streßsituationen zu beruhigen.] VAEB benutzt einen programmierbaren Impulsgenerator.Er hatte das Gerät zusammen mit einer Gruppe von Kollegen entwickelt und erprobte seine Fähigkeit. darauf wartend.und Farbreize stürzten auf mich ein. Die Töne schwollen an und ab. beschrieben das Gerät als ein »nichtinvasives. Nachdem mir der Mann geholfen hatte. wie aus unterirdischen Tiefen aufsteigend. die ich später sah.« Als er fragte.und/oder hypnogogen Zuständen [. sich ständig verändernd und doch immer gleich bleibend. einer anderen Dimension. meldete ich mich freiwillig. Ich hörte Stimmen. sondern des Bewußtseins schlechthin. sie wurden in gewissem Sinne ununterscheidbar. ob es jemand von uns ausprobieren wolle.370 . Ich spürte das Nahen eines Offenbarungserlebnisses. aber sie schienen von weit weg zu kommen.nicht bloß meines Bewußtseins. drückte er auf einen Schalter. »Machen Sie ein Foto von ihm und schicken Sie es an seinen Chef beim Scientific American]« rief . von Rot zu Blau zu Purpurrot zu Gelb und wieder zurück zu Rot. Dem Patienten werden synchronisierte visuelle und auditive Reize (Lichtblitze und beschwingte Töne) wechselnder Frequenz dargeboten. unbeschreiblich schön. Ich konzentrierte mich nur auf diese elementaren Empfindungen in meinem Kopf.. die allem mit einem Mal Sinn gäbe. und auch die Farben änderten sich unaufhörlich. Ich blickte ins Innerste des Bewußtseins . aus einer anderen Welt. wie das Juwel der Schöpfung.

widerstrebend legte ich Brille und Kopfhörer ab und kehrte zurück in die Wirklichkeit.jemand. und machte ihn schleunigst zu. Langsam.371 . worauf ein allgemeines Gejohle und schallendes Gelächter einsetzte. daß mein Mund offenstand. Ich bemerkte. .

[leere Seite] .372 .

373 .ANHANG .

[leere Seite] .374 .

München 1991. Selbst wenn die Wissenschaft an ihr Ende komme. daß es nachgerade komisch ist. veröffentlichte die Londoner Zeitung Evening Standard eine Rezension. Pressemitteilung. 9 Mayr erörterte die Grenzen der Biologie in Eine neue Philosophie der Biologie.Anmerkungen EINLEITUNG 1 Zitiert nach Quotationary. blieben uns immer noch Sex und Bier. 2 Clifford Geertz. den Abschnitt über Stent in meinem Buch An den Grenzen des Wissens.« 6 Sherwin Nuland. 3 Stent schrieb zwei Bücher über die Grenzen der Wissenschaft: The Corning of the Golden Age. hg. Crick und Penrose. in der Wolpert seine Einwände gegen An den Grenzen des Wissens auf eine etwas sachlichere Weise formulierte. wie weit der Weg ist. S. 81 f. er heiße Geoff Carr und sei Wissenschaftsredakteur beim Economist. Dies verdeutlicht. 7 Weltgesundheitsorganisation. Mai. von Leonard Frank. Druckschrift. der noch vor uns liegt. 1993. Horgan interviewt ein paar führende Wissenschaftler wie Edelman. S. Der Anthropologe als Schriftsteller. . er könne nicht verstehen. S. 4 Stent. doch die Erörterung der tatsächlichen Erkenntnisse der Gehirnforschung fällt oberflächlich aus und zudem sind die befragten Wissenschaftler völlig unterschiedlicher Meinung. 24. Frankfurt a. nachdem ich aus England abgereist war. M. S. Er schrieb: »Schon der Titel des Kapitels ›Das Ende der Neurowissenschaften‹ stellt eine so törichte Behauptung auf. Garden City. 756. Nachdem Wolpert mich ausgescholten hatte. Am 19. Dann meinte er. Vgl. Die künstlichen Wilden. 23-34. August 1996. weshalb sich einige Leute derart über mein Buch aufregten. The Corning of the Golden Age.375 . München 1997. Mai 1997 an der London School of Economics bei einem Empfang im Anschluß an einen Vortrag des Evolutionsbiologen John Maynard Smith. New York 1969. 23. Frank nennt als Quelle Russells 1935 erschienenes Buch Religion and Science.386. 5 Ich traf Lewis Wolpert am 8. 8 Unlocking the Secrets of the Brain. San Francisco 1978. kam ein bärtiger Hüne. München 1994. Ein Ende in Würde?. New York 1999. auf mich zu. Er sagte. veröffentlicht von der American Psychiatrie Association anläßlich ihrer Jahrestagung 1996. der ein T-Shirt und Bluejeans trug. S. und Paradoxes of Progress. Wie wir sterben.

In Our Time. Frühjahr 1992. 10. die am 14. Einen ausgezeichneten Überblick über die Gedächtnisforschung gibt auch Daniel Schacter in seinem Buch Searching for Memory. 13 Interview vom 28. 5 Das Zitat stammt aus einer Pressemitteilung.1983. 11 Clifford Geertz. November 1997 an der Rockefeller-Universität. in: Scientific American. S. In: Scientific American. 14 David Hubel. 7 Daniel Dennett. 15 Vgl. übersetzt von Friedrich Schleiermacher. S. Einen Überblick über ihre Forschungen gibt sie in ihrem Beitrag »Working Memory and the Mind«. 16. 2 Platon. Dezember 1997 an der Yale-Universität. 66. New York 1980. 9-11.org.sfn. April 1998 an der New-York-Universität. 15 Ich interviewte Patricia Goldman-Rakic am 19. ver- . M. S. Brain and Vision.10 Thomas Kuhn legte seine Anschauung von der Wissenschaft dar in Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Vision. 10 Vgl. An den Grenzen des Wissens. The Unnatural Nature of Science. 11 Ein Bericht über die Forschungsarbeiten von Karl Lashley und anderen über das Gedächtnis findet sich in In the Palaces of Memory von George Johnson. 1973. S. 14 Am 18. Phaidon.134. August 1997. 111-117. S. 12 Ich interviewte Karl Friston telefonisch am 20.376 . 4 Informationen über die Society for Neuroscience erhält man auf ihrer Web-site: www. S. 8. 12. 311. 9 »Next. S. April 1998 per E-mail an Journalisten geschickt wurde. New York 1988. 8 Interview vom 12. Januar 1998. »President Torsten Wiesel«. Mai 1998 am California Institute of Technology. 21.S. New York 1992. September 1992. S. S. KAPITEL 1: DIE ERKLÄRUNGSLÜCKE DER NEUROWISSENSCHAFT 1 Tom Wolfe. S. in: New York Review of Books. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. 12 Charles Gross. 571. 22. Geoffrey Montgomery. Hamburg 1994. S. »Learning with Bruner«. April 1997. Der Leserbrief zu diesem Artikel wurde im Dezemberheft desselben Jahrgangs. Eye. Cambridge 1993. 78-83. Stuttgart 1992. 6 Interview vom 18. April 1998. S. Cambridge 1998. 220. S. 13 Lewis Wolpert. in: Search (ein Magazin der Rockefeller-Universität). 59-73. Memory: Tales in the History of Neuroscience. 3 In: Pacific Philosophical Quarterly 64. 354-361. Frankfurt a. November 1997 an der Harvard-Universität. New York 1996. Brain. the Decade of Behavior?«. in: Science.

Juli 1998. Ebenda. »Shrinking Minds and Swollen . in: New England Journal of Medicine. Damasio. Samuel Gosling und Kenneth Craik. Jack Pressman. München 1997. Richard Robins. Daniel Goleman »Brain Structure Differences Linked to Schizophrenia in Study of Twins«. »Psychological Science at the Crossroads«. S.377 . Robert Ornstein. New York 1988. 52. Abigail Zuger. 22. Jeder kann ein Oszilloskop an den Speicher des Computers anschließen. 2.edge. 24. »Penetrating Insight into the Brain«. Als Chris Bremser. Searching for Memory. S. S. Sharon Begley. Ebenda. 214. 31 f. Das Netz der Gefühle. Antonio R. New York 1994. Ebenda. März 1990. The Right Mind. 26. die ich auf einer Webs-site namens »The Edge« veröffentlichte: www. in: American Scientist. V. in: Science. Ramachandran und J.org. in: Scientific American. Descartes' Irrtum. München 1998. 87-96.310-313. S. Last Resort. 19. S. Bach in sehr ausführlicher Weise. Isaac Asimov's Book of Science and Nature Quotations. ein bekannter Informatiker aus San Francisco. S. New York 1998. 274. hg. S. wird erkennen. S. Veröffentlichung der MRT-Studie: Richard Suddath u. The Social Brain. 39. S. B 15. Smythies. Schacter. Februar 1998 an der New-York-Universität. Ich interviewte LeDoux am 6. 20. S. S. 434. in: New York Times. in: Newsweek. meinte er: »Jeder. »Is Everybody Crazy?«.. diesen Abschnitt des Kapitels in der Rohfassung las. Galen's Prophecy.a. »The Split Brain Revisited«. »Cerebral Anatomical Abnormalities in Monozygotic Twins Discordant for Schizophrenia«. S. New York 1997. August 1997. S. S. Wie Emotionen entstehen. 228. daß diese Erklärungslücke exakt dem Unterschied zwischen Maschinencode (Einsen und Nullen) und den tatsächlichen Programmen entspricht. wird er nichts herausfinden. Juli/August 1998. 28. Vgl. LeDoux. New York 1985. Vgl. doch ohne die Programmkonstrukte auf höherer Ebene zu kennen (beziehungsweise abzuleiten). S. J. Jerome Kagan. Michael Gazzaniga.17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 öffentlicht. »Removing Half of Brain Improves Young Epileptics' Life«. in: New York Times. S.« Joseph LeDoux. 22. März 1990. Escher. Oktober 1998. 50-55. S. Michael Gazzaniga. Januar 1998. von Isaac Asimov und Jason Shulman. 31. Das Netz der Gefühle. 90 f. Douglas Hofstadter erörtert diesen Punkt in Gödel. Antwort von LeDoux auf eine Nachricht. der auch nur entfernt etwas mit Programmierung zu tun hat.

-W. »The Other Road: Freud As Neurologist«. von Eric Kandel. von Jeffrey Moussaieff Masson. 30. Gesammelte Werke. Library of Congress. S. Briefe an Wilhelm Fliess. 221-234. hg. 48 Interview am 15. 667f. Our Selves«.Heads«. 1028-1037. Stamford. 8. 30.. in: New York Times Magazine. »A New Intellectual Framework for Psychiatry«. 40 Vgl. in: Freud: Conflict and Culture. von Michael Roth. 41. von Eric Kandel und James Schwartz. »Psychoanalysis and Neuroscience«. 17. Einführende Darstellungen. S. S. London 1998. S. In the Palaces of Memory. Dieses Buch diente als Katalog zur FreudAusstellung der U. Essentials of Neural Science and Behavior. Dezember 1997 im New York Psychiatrie Institute. Sonderheft des Journal of Clinical Psychoanalysis. November 1979. 52 Ders. 1994. Eickhoff. Bd. Frankfurt a. 457-469. S. 387. hg. 3. 37 Melvyn Bragg. 46 Ebenda. 49 Vgl.1996. 42 Kandel sagte selbst zu mir. S. . hg. in: ders. von Herbert Wyman und Stephen Rittenberg. Einleitung von F. S.378 . 45 Ebenda. 53 Ders. Vgl. 50 Sigmund Freud. »Our Memories. S. Frankfurt a. S. New York 1998. ungekürzte Ausgabe. Nr. S. ders. James Schwartz und Thomas Jessell. in: Nature. 208f. Februar 1998. Nachtragsband. Briefe an Wilhelm Fliess 1887-1904. in: American Journal of Psychiatry. vernichtendes Feuer. März 1998. April 1997. M. in: New England Journal of Medicine. »Entwurf einer Psychologie« (1895). Johnson. 1995. 41 Principles of Neural Science. M. M. 1986. 15. 44 Ebenda. und Oliver Sacks.. S. Göttliche Luft. »Psychotherapy and the Single Synapse«. 43 Stephen Hall. 158. München 1993. New York 1981. S. On Giants' Shoulders. 28. 51 Ders. 5.. 1987. hg. 39 Gerald Edelman. S. S. 235 f. er habe die Art der Berichterstattung über die Neurowissenschaft im Scientific American und in der New York Times beeinflußt. Abriß der Psychoanalyse.. 47 Eric Kandel. Frankfurt a.. 149. Connecticut. hg. April 1998. 38 Telefonisches Interview am 11. S. Wie der Geist im Gehirn entsteht. 59–63.

The Freud Reader. Probleme sprachlichen Wissens. 373 f. 11. 8 Richard Webster.181. in Freud: Culture and Conflict. 10 Paul Gray. Freud and His Critics. S. »Return to the Couch: A Revival for Analysis«. Samuel Gosling und Kenneth Craik. . November 1993. S. 269. Schriften zur Geschichte der Psychoanalyse. Weinheim 1996. 7 Zit. 59. S. Ein optimistischer Bericht über die Lage der Psychoanalyse: Erica Goode. »Is Freud Dead?«. 11 Paul Robinson. 4 Besprechung ohne Namensangabe des Rezensenten in: Nation. Malcolm Macmilan. S. Freud Scientifically Reappraised. 9 Frank Cioffi. September 1916. New York 1989. S. 21 Vgl. in: New York Times. 3 E. S. 18 Sigmund Freud. 216. »Freud in Russia: Return of the Repressed«. Freud Evaluated. Im Netz der Gefühle. 2 Die Tagung der Fachgruppe 39 der American Psychological Association fand am 18.311. 12. hg. Wie das Denken im Kopf entsteht. 56. Peter Gay (Hg. M. New York 1995. 12 Vgl. Frederick Crews (Hg. S. 14 Joseph LeDoux. Dezember 1996. S. Frankfurt a. Why Freud Was Wrong. Freudian Fraud. Fuller Torrey. Selbstdarstellung. April 1996 in New York statt. S. »The Freud Controversy«. Steven Pinker.KAPITEL 2: WARUM FREUD NICHT TOT IST 1 Noam Chomsky. 16 Alessandra Stanley. 13 Richard Robins. 34f. New York 1998. in: Time. S. Searching for Memory. 200. S. 8. Mai 1913. in: New York Times.S. S. nach Torrey. Unauthorized Freud. A 1. 29. New York 1992. Freudian Fraud. Januar 1999. Daniel Schacter. hg. Berkeley 1993. C 1. S. S. Cambridge 1997. 19 Ebenda. Juli/August 1998. New York 1998. Oktober 1916. in: Current Opinion. 1999.). S. 47-51. Seymour Fisher und Roger Greenberg. Ladd Franklin in: Nation. 6 Artikel ohne Namensangabe des Autors mit dem Titel »An American Expert's Indictment of American Dream Analysis as a Psychological Humbug«. 5 C. 17 Webster. S. »Psychological Science at the Crossroads«. von Michael Roth. 20 Ebenda. S.154. 666. 82. von Ilse Grubrich-Simitis.379 . 455.503-505. 15 Die American Psychoanalytic Association veröffentlichte diese Daten über die Zahl der Ausbildungskandidaten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Why Freud Was Wrong.). New York 1996. in: American Scientist.

S. M. in: ders. in: Nature. 16. S.a. Studienausgabe. 43 Vgl. S. Connecticut.. 1983. »Zur Ätiologie der Hysterie«. in: Unauthorized Freud. Sexualleben. 25 Edward Dolnick. 40 Frederick Crews. New York 1995. 41 Richard Webster. 42 Ich interviewte Crews am 2. Bd. zusammengefaßt. 32 Telefonisches Interview am 11. 276 f. 159. S. »Was Freud Wrong? Are Dreams the Brain's Start-Up Test?«. 6. 10. 229f. Frankfurt a. Gesammelte Werke.. »Error's Reign«. Die Traumdeutung. 263. 33 Seymour Fishers Studie über die Analitäts-Hypothese wird auf S. S. 17. »Einige psychische Folgen des anatomischen Geschlechtsunterschieds«. November 1993 und 1. April 1998 an der Yale-Universität. 552 f. 26 Der »Psycho-Block« in Manhattan erstreckt sich entlang der West 81st Street zwischen Central Park und Amsterdam Avenue.. The Talking Cure. September 1998. »Preface to the third (revised) English Edition« (1931). S. The Memory Wars.a.. von Alexander Mitscherlich u. 1982. S. New York 1998. in: Times Literary Supplement. S. Madness on the Couch. 36 Ebenda. S. Frankfurt a. 2. in: ders. hg. 1987.a. 284. . »The Bewildered Visionary«.M. Die Leserbriefe auf diesen Bericht wurden am 12. Bd. »Mothers Determine Sexual Preferences«. F 6. 29 Nicholas Wade. in: New York Times. New York 1995. München 1997. 72. S.. 27 Susan Vaughan. hg. 37 Ebenda. 1. Januar 1998. 59.380 . 34 Die beiden Aufsätze von Crews erschienen am 18. die sie provoziert hatten. Juni 1998. in: ders. von Alexander Mitscherlich u. hg. S. 94-105.. Dezember 1994. S. 65. Bd. 28 Sigmund Freud. 44 Konferenz am 3. 31 KeithKendrick u. Studienausgabe. »Studien über Hysterie« (1895). 283. 39 Sigmund Freud.a. Mai 1997. 5. 28. Januar 1998 abgedruckt. 253-272. S. 38 Sigmund Freud. und 4. 6. M.. 39. 261 f. 4 f.22 Sigmund Freud. Studienausgabe. 30 Zur Diskussion des Ödipuskomplexes aus einer evolutionsbiologischen Perspektive vgl. 35 Ebenda. S. S. Sebastiane Timpanaro. New York 1997. Bd. 23 Ebenda. 1982. von Alexander Mitscherlich u. Sie wurden später zusammen mit Briefen. Hysterie und Angst. April 1998 in New Haven. als Buch veröffentlicht: Frederick Crews. The Memory Wars. Wie das Denken im Kopf entsteht. Steven Pinker. S. S. 24 Ebenda. Frankfurt a. M. Englisch im Original. Frankfurt a.

Strukturalismus. Frankfurt a. Mit mindestens ebenso triftigen Gründen läßt sich behaupten. ders.. Freud Scientifically Reappraised.381 . u f. hg. S. 2. »Perennial Antinomies and Perpetual Redrawings: Is There Progress in the Study of Mind?«. New York 1997. 54 Vgl. in: Studienausgabe. 51. April 1996 im Waldorf-Astoria statt. Extraordinary Minds. 48 Fisher und Greenberg. Mai 1996 in New York. 58 In: New Ideas in Psychology 10. Fragen der Gesellschaft. und sein Vortrag firmierte im Veranstaltungsprogramm unter dem Titel »Staying Sane While Changing: Reflections on Clinical Judgement«. S. November 1997 an der Harvard-Universität zu einem Interview. New York 1995. »Is Freud Dead?«. von Alexander Mitscherlich u. S. 47 Sigmund Freud. Doch Bromberg sagte. Nr. 46 Der Sprecher hieß Philip Bromberg. 180. Sue Grand. in: Lingua Franca. 59 Ebenda. Was die Seele wirklich ist. 57 Ich traf Howard Gardner am 19. S. S. Freudian Fraud. Marylou Lionells. Solso und D.. Frames of Mind. M. Bd. Die künstlichen Wilden.1992. 50 Torrey. New York 1994. daß es praktisch kein Gebiet gab. 1993. Behaviorismus. Psychoanalyse. ähnlich einem Freudschen Versprecher. 137. Frankfurt a. vgl. S. 32. Darlene Bregman Ehrenberg und Jody Messler Davies. die Teilnehmerinnen waren Lynn Passey. Gestaltpsychologie und in jüngster Zeit informationstheoretische. S. Der Anthropologe als Schriftsteller. konnektionistische und soziobiologische Ansätze. S. S. daß der angekündigte Titel auf einem Druckfehler basiere. [. Reinbek bei Hamburg 1997. von R. 49 Interview am 7. das sich stetig weiterentwickelt hat. 1982. 65-78: »Eine sachliche historische Bestandsaufnahme der letzten hundert Jahre zeigt. M. 56 Vgl.. hg.] Nach Ansicht von manchen ist dieser Wettstreit zwischen den Schulen unvermeidlich . 51 Francis Crick. 28. Juli/August 1994. 376 f.. Ursprünge der Religion. 188. in: Science of the Mind: 2001 and Beyond. 218. 9. daß die Geschichte der Psychologie aus einer Abfolge mehrerer miteinander rivalisierender Richtungen und Paradigmen bestand: Funktionalismus. Er wies zu Beginn seines Vortrags darauf hin. eigentlich hätte er »Staying the Same While Changing« lauten sollen. Massaro. New York 1983.. das hervorragende Crews-Kurzporträt von Adam Begley »Terminating Analysis«. S. 53 Gray.45 Das Seminar fand am 18. ders. den Vortrag besser als der ursprünglich beabsichtigte. 179-190. S.a. Howard Gardner. The Western Canon. Die Zukunft einer Illusion (1927). 55 Clifford Geertz. der versehentliche Titel beschreibe. 52 Harold Bloom.

Sigmund Freud. ders.. auch »You Are Getting Very Confused: Psychologists' Split Decisions«. Studienausgabe. We 've Had a Hundred years of Psychotherapy and the World's Getting Worse. Beutler und seine Kollegen stellten eine eigenständige Kategorie der interpersonellen Therapien auf. in: Schriften zur Behandlungstechnik. »Psychotherapies: An Overview«.« (S. 5. 324-341. S. The Mind's New Science.388. »Philosophers Ponder a Therapy Gold Mine«. in: American Journal of Psychiatry. S. M. San Francisco 1993. 67).. Der Psychoanalytiker Hillman und der Dichter und Journalist Ventura plädierten mit ihrem Buch für eine Erneuerung von Psychologie und Psychotherapie auf der Grundlage jungianischer Prinzipien. Der Artikel berichtet über das Buch Escaping the Advice Trap von Wendy Williams und Stephen Ceci.. KAPITEL 3: PSYCHOTHERAPIE UND DIE DODO-HYPOTHESE 1 Buchtitel von James Hillman und Michael Ventura. Kansas . or Is It My Shrink?. Toksoz Karasu. New York 1998. hg.a. 3 Vgl. unter der Oberfläche. in: New York Times Week in Review. Am I Crazy.581. 7. daß. doch der Wettstreit geht unter neuen Bannern weiter. S. Vgl. in: New York Times Book Review. korrigierte Aufl. von Alexander Mitscherlich u. in: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. 3. Sigmund Freud. Frankfurt a. Vgl. S. Fast täglich kommen neue Psychotherapien auf den Markt. New York 1985. August 1977. 34. 7. vielmehr war ihre Energie irgendwann erschöpft: Die Namen verschwinden. Vorlesung. Vgl. Allerdings war diesen Schulen in den meisten Fällen kein sonderlicher Erfolg beschieden.. hg. Ergänzungsbd. S. 8. in: New York Times Week in Review. Studienausgabe. 24. Juli 1986. Juni 1998. ferner Larry Beutler u. Philosophen begännen ihre Dienstleistungen als Therapeuten anzubieten. 1997. weitreichende Fortschritte gemacht worden sind. S.382 . 99. Nr. Joe Sharkey. In dem Artikel wird berichtet. Adam Phillips. von Alexander Mitscherlich u. Frankfurt a.60 61 62 63 und das Kennzeichen einer jungen und dynamischen Wissenschaft.. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«.. 2 Vgl. a. in: American Journal of Psychotherapy 40.M. 1982.a. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«. Juni 1998. und sie würden dennoch behaupten. 851-863. S. März 1998. Howard Gardner. Bd. Freud«. 1. Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. 1. »Paging Dr. »Die endliche und die unendliche Analyse«. die Karasu als einen Typus psychodynamischer Therapien klassifiziert hatte. S.. 14.

459. 11 Vgl. Oktober 1997. S. fiel von über zweiundzwanzig Millionen im Jahr 1989 auf weniger als sechzehn Millionen im Jahr 1996. S. Costs and User Characteristics«. David Woodwell von der Abteilung Gesundheitsstatistik lieferte diese Daten. Manufacturing Victims. auf Psychotherapeuten zu verzichten. Dezember 1997. ist sehr viel höher. die von den Centers for Disease Control and Prevention. »The Final Analysis«. Vgl. A 1. 26-33.4 5 6 7 8 9 City 1998. in: New York Times. S. Die Gesamtzahl der psychotherapeutischen Behandlungssitzungen. 1281. Psychotherapien oder sonstige Beratungen durchzuführen. durchgeführt wird. Februar 1993. S. Vgl. 1996. berichtete. daß der Prozentsatz der Amerikaner. Dineen. völlig unterschiedliche Diagnosen stellen und den Patienten völlig unterschiedliche Ratschläge geben.383 . die Lösung des Problems bestehe nicht darin. der an manisch-depressiver Erkrankung litt und 1998 verstarb. Dezember 1998. 4. die von Ärzten verabreicht wurden. Die Autoren. denen identische Fälle zur Begutachtung vorgelegt würden. Die Zahl der Sozialarbeiter. in: New York Magazine. die Zahl der staatlich zugelassenen Psychologen pro Einwohner verdoppelte sich nahezu von 1975 bis 1995. 10 Informationen über den Mental Health Parity Act gibt Robert Pear. September 1994. sondern mehr als einen zu konsultieren. 20. Diese Daten stammen aus der jährlichen National Ambulatory Medical Care Survey. von vierzehn Prozent Mitte der sechziger Jahre auf sechsundvierzig Prozent im Jahr 1995 angestiegen ist. gelangten zu dem Fazit. I: Volume. Tana Dineen. »Price Tag: Psychotherapy«. die einen »Spezialisten für seelische Gesundheit« konsultiert haben. 26. 4. 1284. schrieb: »Fallgeschichten können zweifellos eine Quelle für Hypothesen sein. Demnach würden verschiedene Therapeuten. Mark Olfson und Harold Alan Pincus. S. Sutherland. ein britischer Journalist und Psychologe. S. der American Psychological Association und der National Association of Social Workers zusammengestellt. in: Nature. u. Diese Zahlen über verschiedene Typen von Psychotherapeuten sind aus Interviews mit der American Psychiatrie Association. »Outpatient Psychotherapy in the United States. a. in: American Journal of Psychiatry. Die Times nennt keine Quelle für diese Statistik. Ebenda. National Center for Health Statistics. in: New York Times. Stuart Sutherland. C 1. Quebec. eine kanadische Psychologin. »Insurance Plans Skirt Requirement on Mental Health«. doch diese Hypothesen müssen durch Experimente konkretisiert und . die zumindest potentiell qualifiziert sind. beide Psychologen an der Cornell-Universität. James Kaplan. »Emotional Displays«.

S. . You're Sick. 20 Sigmund Freud. das er am 7. i. Joe Sharkey. »You're Not Bad. S. Freudian Fraud. S. 16 Herb Kutchins und Stuart Kirk. 404.. S. 1997. Bachrach und seine Mitarbeiter veröffentlichten ihre Ergebnisse auch im Journal of the American Psychoanalytic Association 39. Göttingen u. stütze ich mich auf ein Interview mit Bachrach von 1996 und auf Material. New York 1982. J. 465. 168 f. Hans-Ulrich Wittchen und Michael Zaudig. »Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse«.a. korrigierte Aufl... New York 1998. M. 17 Sigmund Freud. Toxic Psychiatry. Geschichte der Psychiatrie. hg.. 580f. Psychoanalysis: The Impossible Profession. 19 Janet Malcolm. Bd.65. 23 In der Beschreibung der Studie von Bachrach u.1991. 246. der sich ausschließlich auf Fallgeschichten stützte. »Die endliche und die unendliche Analyse«. S. die nicht aufgrund fehlerhafter oder verzerrter Daten als unbrauchbar verworfen werden kann«. 123. 4. In Freud Scientifically Reappraised schreiben Fisher und Greenberg auf S. daß »es keine Studie über die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalyse gibt. New York 1992. 14 L.« 12 Karasu. S. S. 15 Vgl. DSM-IV. in: Harper's. Torrey. wenn sie als gültig anerkannt werden sollen. in: Schriften zur Behandlungstechnik. in: New York Times Week in Review. S.überprüft werden. 464 f. Februar 1997. 1982. 10. 5. 13 Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen. Ergänzungsbd. 335.M. 18 Ders. die falsche Theorie des Jahrhunderts par excellence auf. in: Schriften zur Behandlungstechnik. Making Us Crazy.384 . 201. Fuller Torrey. Davies. S. Frankfurt a. 10. 28. S. 24 E. in: Studienausgabe.a. Aufl. 218. Nr. Deutsche Bearbeitung und Einleitung von Henning Saß. und den Nachruf auf Eysenck in der New York Times. Geschichte der Psychiatrie. S. S. 368. 26 Vgl.a. von Alexander Mitscherlich u. New York 1991. September 1997.. 466. 22 Ebenda. S. 27 Peter Breggin. Berlin 1999. S. A 27. 25 Shorter. 21 Vgl. Freudian Fraud. Studienausgabe. September 1997. 871-916. »Wege der psychoanalytischen Therapie«.a. 4. hg. Schließlich stellte Freud. »The Encyclopedia of Insanity«. Februar 1992 auf der Jahrestagung der American Association for the Advancement of Science in Chicago verteilte.. S. It's in the Book«. »The Psychotherapies: Benefits and Limitations«.. Edward Shorter. Frankfurt a. von Alexander Mitscherlich u.

412-415. 2 f. 13. 34 Luborskys Brief an die New York Review of Books in: Frederick Crews. »Scientific Myths That Are Too Good to Die«. M. S. S.. die in einem Betrieb von Western Electric in Hawthorne.511. in: Archives of General Psychiatry 32. Washington. auf nur drei Versuchspersonen. »Some Implicit Common Factors in Diverse Methods of Psychotherapy«. »Comparative Studies of Psychotherapies: Is It True That ›Everybody Has Won and All Must Have Prizes‹?«. 41 Vgl. in: Psychodynamic Treatment Research. mit leichten Abänderungen. März 1998. 508 f. 33 Lester Luborsky und Paul Crits-Christoph. »The Efficacy of Dynamic Therapies«. »The Placebo: Is It Much Ado About Nothing?«. D. S. Dezember 1998. 32 Ebenda. daß Änderungen als solche die Stimmung und Produktivität der Arbeiter positiv beeinflußten. in: American Journal of Orthopsychiatry 6.28 Lester Luborsky u. S. 129 f. S. 6. Harrington schrieb die Einleitung. S. 29 Lewis Carroll. 14. C. von Harrington. 38 Ebenda. Frankfurt a. Diese »vielzitierte« Studie basierte laut Gina Kolata. Einleitung zu The Placebo Effect. könnte mit dem berüchtigten Hawthorne-Effekt zusammenhängen.1936. 30 Saul Rosenzweig. S. 1998. S. herauszufinden. New York 1995. S. 31 Lester Luborsky u. in: New York Times Week in Review. 995-1008. 39 Leon Hoffman von der American Psychoanalytic Association meinte mir gegenüber. 69. Crews' Erwiderung S. The Placebo Effect. ob sich Änderungen an der Ausstattung des Werks. Die Ergebnisse deuteten darauf hin. Ich interviewte Luborsky mehrfach telefonisch über seine Forschungen. New York 1993. dieses Phänomen. in: The Placebo Effect. 13. 37 Ebenda. 40 Harrington.a. S. Harrington. hg. »Der Placebo-Effekt«. 1973. The Placebo Effect. deutsch von Christian Enzensberger. Illinois. in: Spektrum der Wissenschaft. Der Hawthorne-Effekt wurde bei einer Studie entdeckt. S. zwischen 1927 und 1933 durchgeführt wurde. zit. Walter Brown. Memory Wars. . S. Cambridge 1997. S. 30. 5. 1975. 42 Vgl.. Understanding Transference. 102-104. The Powerful Placebo. hg. Einrichtung der Cafeteria und andere Arbeitsbedingungen auf die Produktivität auswirkten. 35 Vgl.385 . Baltimore 1997. von Anne Harrington. Vgl. Alice im Wunderland. a. Arthur Shapiro und Elaine Shapiro. In der Studie ging es darum. 2. daß neuere Medikamente einen stärkeren Placebo-Effekt auslösen. 36 Arthur Shapiro und Elaine Shapiro.

S. 21. 752-760. E. 60 Abgedruckt im Vorwort zu Daniel Fishman. S. »Changing Thinking to Change Emotions«. 52 Martin Seligman teilte mir seine Ansichten über die kognitive Therapie 1996 während eines telefonischen Interviews mit. 56. 23. 53 Karasu. 58 Dawes. Wray . S. Juni 1997. 5. House of Cards. 46 Ebenda. Füller Torrey. 54 Jane Brody. House of Cards. Vgl. 152. S.43 Ebenda. in: New York Times. S. 48 Ebenda. 66. 5. verschärften im Sommer 1998. die sich für die Belange von psychisch Kranken einsetzen. 62 Ebenda. 24. 251.. S. 858. New York 1994. S. 13. 298. S. 49 Ebenda. 45 Jerome Frank und Julia Frank.42. April 1998. 64 Vgl. daß sie mich auf das Museum des Zentrums aufmerksam machten.. The Case for Pragmatic Psychology. B 4-5. März 1998. Fox Butterfield. Torrey und andere. 50. S. in: American Psychologist 32. 1979. 1125-1136. C 9. Freudian Fraud. Katherine Shear u. »Cognitive Behavioral Treatment Compared with Nonprescriptive Treatment of Panic Disorder«. S. S. 146. Baltimore 1993. »The Release of the Mentally 111 from Institutions: A Well-intentioned Disaster«. 56 Mary Smith und Gene Glass. 87-112. S. 51 Frederick Crews sagte dies während unseres Interviews am 2. S. 57 »Specific Versus Non-specific Factors in Psychotherapy«. 63 Ich besuchte das Hudson River Psychiatrie Center am 29. »Prisons Replace Mental Hospitals for the Nation's Mentally 111«. Ich danke meinen Freunden Jan und Alan Peterson dafür. S.1977. »Psychotherapies: An Overview«. Aufl. »Meta-analysis of Psychotherapy Outcome Studies«. Robyn Dawes. 300. in: Archives of General Psychiatry 51. New York 1999. S. 59 Ebenda. 55 M.1994.a. nachdem Schizophrene mehrere in den Medien weidlich behandelte Morde begangen hatten. 44 Ebenda. 50 Ebenda. Zu dieser Studie vgl. S. S. September 1997. in: Archives of General Psychiatry 36. A i. in: Chronicle of Higher Education. zitiert nach Dawes. Ich führte mehrere telefonische Interviews mit Robyn Dawes. in: New York Times. 395-401. 61 Torrey. S. August 1996.386 . 3. S. House of Cards. 47 Ebenda. ihre Kritik an der Gemeindepsychiatrie. Persuasion and Healing. S.

27. S. 16. S. »Fearsome Madness«. 303-313. B i. S. August 1998. Great and Desperate Cures. München 1995. S. Ü. 40. 10. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. 21 Elliot Valenstein. New York 1989. »A Shrinking Discipline«. S. S. 268. März 1997. 297. Mai 1997. 10 Ebenda. November 1997. 4 John Marchall. in: Nature. New York 1986. S. KAPITEL 4: FLUCTIN UND ANDERE PLACEBOS 1 Das Antidepressivum Fluctin (Wirkstoff Fluoxetin) wird auf dem USamerikanischen Markt unter der Bezeichnung »Prozac« vertrieben und hat in Amerika Furore gemacht. 9. S. »Psychosurgery Redux«. 15 Ebenda. 16 Ebenda. 20 Zitiert nach Judith Hooper und Dick Teresi. 8 f.a. 335. 3 Edward Shorter. 7 Ebenda. 422. New York 1986. »Chlorpromazine Is No Penicillin«. Thomas Burton. Geschichte der Psychiatrie. um die psychisch Kranken und die Gesellschaft zu schützen«. »das alte Konzept der Nervenheilanstalt aus der Schublade hervorzuholen. 17 Ebenda. S.Herbert. In diesem Bericht wird Laurie Flynn von der National Alliance for the Mentally 111 mit der Aussage zitiert. S. S. 292 und 371. New York 1995.. 63. 312. S. 7. 229. News & World Report. S. S. (A. 313-322. 8 Ebenda. 12 Shorter. in: U. 324. S.S. Andrew Scull. News & World Report. 294. 19 Harold Sackheim u. in: Wall Street Journal. 3 71 f. 14 Ebenda. Berlin 1999. von Peter Gay. in: U. 322. 13 Ebenda. »Drug Makers' Goal: Prozac Without the Lag«. S. hg. von Floyd Bloom und David Kupfer. S.) 2 Peter D. 9 Ebenda. 302. 346. 5 The Freud Reader. 53 f. 3. 22 Wray Herbert.387 . es sei vielleicht an der Zeit. Geschichte der Psychiatrie. S. »Electroconvulsive Therapy«. 1123. . S. d. S. April 1998. Geschichte der Psychiatrie. 6 Shorter. S. Für eine wirklich vernichtende Besprechung von Shorter vgl. Kramer. hg. Glück auf Rezept. 27. S. S. 11 Vgl. 18 Ebenda. in: Times Literary Supplement. The Three-Pound Universe. S.

S. . August 1997. Frankfurt a. 39 Arianna Huffington. Talking Back to Prozac. in: Chemistry and Industry. 24 Jack Pressman. S. New York 1998. S. Breggin und Breggin. 43 Kramer. News and World Report. 38 John Sommers-Flanagan und Rita Sommers-Flanagan. März 1990. »Drug Sales Can Leave Elderly a Grim Choice: Pills or Other Needs«. 45 Vgl. 18. S. in: U. November 1998. 31 Seymour Fisher und Roger Greenberg (Hg. Dezember 1997.). S. New York 1991. 33 Einen ausführlichen Bericht über die negativen Schlagzeilen.S. S. »A Breakthrough Drug for Depression«. Peter Breggin. in: Psychiatric Times. 44 Ebenda.S. 26 Valenstein. 26. 28. A 1. S.388 . Great and Desperate Cures. 10. »The New You«. Last Resort. in: New Republic. »Efficacy of Antidepressant Medication with Depressed Youth: What Psychologist Should Know«. S. 386. »Use of Antidepression Medicine for Young Patients Has Soared«. 231. »Blooming Business for Happy Pills«. Talking Back to Prozac. 24-29. 382 f. in: Wall Street Journal. S. 27. 1. 14. S. 45 f. From Placebo to Panacea. März 1990. »Peppermint Prozac«. Geschichte der Psychiatrie. Glück auf Rezept. 46 Robert Wright. S. 3. 28 Shorter.1996.145-153. Laut eines Artikels stieg der Umsatz von Fluctin für Kinder von 1995 bis 1996 um 298 Prozent.23 Ebenda. 1994. 274. 31 f. 77. August 1997. S. S. 31. Breggin erklärte. 37 Barbara Strauch. 17. Freeman habe ihm gegenüber diese Schätzung in einem Telefongespräch geäußert. 27 Ebenda. 32 Geoffrey Cowley. S. S. 6 f. Talking Back to Prozac. in: Professional Psychology: Research and Practice 27. die Fluctin machte. August 1998 telefonisch diese Information über den weltweiten Umsatz von Fluctin. in: Newsweek. S. 406. »The Coverage of Happiness«. 36 Susan Aldridge. Abriß der Psychoanalyse. 116. 42 Das Symposion an der New School fand am 5. März 1994. Oktober 1995 statt. New York 1994. in: New York Times. 41 Breggin und Breggin. S.2. M. New York 1997. 40 Peter Kramer. A 15. 35 Die PR-Abteilung von Eli Lilly gab mir am 12. 29 Ebenda. 30 Sigmund Freud. Toxic Psychiatry. 34 Lucette Lagnado. und die anschließenden Anhörungen vor der FDA bieten Peter Breggin und Ginger Ross Breggin.

in: Journal of the American Medical Association. 965-974. 48 S. 57 Irene Elkin. S. 7-13. Nr. in: New York Times. S.1995.. S. in: Consumer Reports. »Religiosity and Remission of Depression in Medically 111 Older Patients«.1996. S.389 . 15. a. 6. in: Current Canadian Psychiatry and Neurology.C.. zitiert nach Fisher und Greenberg. 55 Philip Boffey. S. hg. Garfield. 63 Martin Seligman. 124. S. Mai 1996. in: American Psychologist. ferner Robert Segraves.a. 51 Theresa Crenshaw und James Goldberg. 1994. S.. 631. 56 Irene Elkin u. Nr. »When Depression Lifts But Sex Suffers«. S. Sexual Pharmacology: Drugs That Affect Sexual Function.47 Gregory Simon u. 61 Shorter. in: International Clinical Psychopharmacology 9. Study Finds«. »Psychotherapy Is As Good As Drug in Curing Depression. von A. November 1995. L. in: Professional Psychology: Research and Practice 26.a. in: Handbook of Psychotherapy and Behavior Change. 125. S.a. »The NIMH Treatment of Depression Collaborative Research Program: Where We Began and Where We Are«. S. From Placebo to Panacea. in: New York Times. 53 Kramer. in: Science News. Juni 1996. 47-53. S. 311. 286. 52 »Prozac Works on Clams and Mussels«.a. 58 Ebenda. 50 Daten über die sexuellen Nebenwirkungen von Fluctin und anderen Medikamenten bietet Jane Brody. 49 J. »Initial Antidepressant Choice in Primary Care«. 131. 24. S. 1897-1902. 64 Vgl. Geschichte der Psychiatrie. New York 1996. »Psychotherapy Versus Medication for Depression: Challenging the Conventional Wisdom with Data«. 14.. D. 54 David Antonuccio u. Dezember 1995. 60 Telefonisches Interview mit Kramer im Juli 1996. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 64. Aufl. 59 Ebenda. Mai 1995. 26. S. A i. Harold Koenig u. Bergin und S. »The Effectiveness of Psychotherapy«. Nelson. New York 1994. »Science Is Not a Trial (But It Can Sometimes Be a Tribulation)«. 130. »Sex and the Depressed Patient«. »Are the SSRIs Really Better Tolerated Than the TCAs for Treatment of Depression?«. in: American Journal of Psychiatry. C 7. 4. Mai 1986. Januar 1998.. 62 »Mental Health: Does Therapy Help?«. 734-739. S.1995. S. S. 574-585. Glück auf Rezept. Montgomery u.. in: Psychiatric Annals 24. S. S. 360. 4. 92. April . 63.A. »Selective Serotonin Reuptake Inhibitors: Meta-analysis of Discontinuation Rates«.

S. Die American Psychological Association hat diesen Artikel im World Wide Web unter http://journals. Covi. S. 150. National Institute of Mental Health. From Placebo to Panacea. 176. Fisher und Greenberg. in: Neuropsychopharmacology 10. Walter Brown. auf die Brown wiederum antwortete.html verfügbar gemacht. zitiert nach Fisher und Greenberg.apa. Der Beitrag von Brown löste zahlreiche Leserzuschriften aus. S. S. S.1994. Artikel 0002a. S. in: Journal of Consulting and Clinical Psychology 60. Fisher und Greenberg. 4. S. S. 371. From Placebo to Panacea. 70. New York 1995. 156. S. 5. 265-288. Nr..173-228. in: Spektrum der Wissenschaft. 150. Ich danke Walter Brown von der Brown-Universität dafür. 9. David Cohen.C. 362.a. Kay Jamison. 267. von Deborah Dauphinais.66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 1998. Ebenda. in: British Journal of Psychiatry 167. Ebenda. 213. Walter Brown. »Listening to Prozac But Hearing Placebo«. »A Critique of the Use of Neuroleptic Drugs in Psychiatry«. 157. Moncrieff. S. »Nonblind Placebo Trial: An Exploration of Neurotic Patients' Responses to .org/ prevention/volume1/preoo1ooosa. S. in: Prevention and Treatment 1. 1995. 536-542. From Placebo to Panacea. Ebenda. (ADM) 92-1950. »A Meta-analysis of Antidepressant Outcome Under ›Blinder‹ Conditions«. Fisher und Greenberg. S. S. Ebenda. Scull »Chlorpromazine Is No Penicillin«. From Placebo to Panacea. Nr. »Der Placebo-Effekt«. 664-669. 5. Ebenda. S.390 . 157. Ebenda. From Placebo to Panacea. »Placebo as a Treatment for Depression«. Fisher und Greenberg erörtern die Antidepressiva-Forschung ausführlich in dem Kapitel »Mood-Mending Medicines: Probing Drug. März 1998. »A Re-examination of the Placebo-Controlled Trials of Lithium Prophylaxis in Manie-Depressive Disorder«. Die von Brown zitierte Studie: L. S. 1992.1992. hg. 572. Vgl. Bethesda. Park und L. DHHS Publication No. Die Schlußfolgerungen der Autoren werden bestätigt in Irving Kirsch und Guy Sapirstein. in: Fisher und Greenberg. An Unquiet Mind. Maryland. S. daß er mir den Unterschied zwischen extrapyramidalen Wirkungen und Spätdyskinesie erklärt hat. S. Roger Greenberg u. J. S. Psychotherapy and Placebo Solutions« und anderen Abschnitten ihres Buches From Placebo to Panacea.

9. Shorter. Peter Breggin und Ginger Ross Breggin. »Psychosurgery Redux«. Glück auf Rezept. von Floyd Bloom und David Kupfer. Ebenda. in: Discover.edu:100/cingulot. »Oedipus. die öffentlich die Wirksamkeit der Elektrokrampftherapie zur Behandlung ihrer Depression gepriesen hat. Oktober 1997. 267. S. Ich beobachtete am 10. News and World Report. in: Archives of General Psychiatry 12. S. S. ferner Wray Herbert. 1134. in: U. »Setting the ECT Stimulus«.noah. In einem Interview. Dezember 1996.harvard. i.htm. S. Vgl. Frank Vertosick. Geschichte der Psychiatrie. Die Arbeitsgruppe Zingulotomie am Massachusetts General Hospital beschreibt ihre Arbeit auf der Web-site http://brain. Jack Pressman. 13. Ebenda. S. hg. Oktober 1997 am New York State Psychiatrie Institute. 272. S. Ich interviewte Harold Sackheim am 1. bezeichnete der ehemalige Gastgeber einer Talkshow die Elektroschockherapie als »wunderwirkend wie ein Zauberstab«. S. May Be in Our Genes«. ist Dick Cavett. Ebenda. KAPITEL 5: GEN-MAGIE James Collins. November 1997. »Electroconvulsive Therapy«. 74.83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 Placebo When Its Inert Content Is Disclosed«. 3. 280. New York 1998. Informationen über das Tay-Sachs-Syndrom kann man auf der Website der March of Dimes Foundation abrufen: http://www. Last Resort. Vgl. 336-345. 66-72. S. August 1992 in People erschien. 1 2 .a. 427. New York 1995. The Fault. 288.391 . Oktober 1997 Patienten. S. New York 1994. Brown. Sackheim u. S. 95. S. Schmoedipus. Kramer.1965. 14. edu/pregnancy/march_of_dimes/birth_defects/taysachs. Ebenda. Eine Persönlichkeit des Showgeschäfts. die am New York State Psychiatrie Institute mit der Elektroschocktherapie behandelt wurden. Kap. In diesem Artikel wird über die Entdeckung eines Neurosegens berichtet. Juni 1995. in: Time. 63 f. The War Against Children. S. in: Psychiatrie Times. das am 3. Sackheim und zwei Mitautoren verfaßten einen ausgezeichneten Übersichtsartikel über die Elektroschocktherapie in »Electroconvulsive Therapy«. »Lobotomy's Back«. »Placebo as a Treatment for Depression«. Vgl. 14. in: Psychopharmacology: The Fourth Generation of Progress. S.mgh. Ebenda.. S. Dear Sigmund.html. S.cuny.

12 Einen hervorragenden Überblick über Zwillingsstudien gibt Lawrence Wright. Der falsch vermessene Mensch. Understanding and Preventing Violence. 36. S. zum Beispiel Dorothy Nelkin und M. Februar 1993. New York 1996. S. Das Verblüffende an Wrights weitreichender Schlußfolgerung war die Tatsache. die einen derart radikalen genetischen Determinismus entkräfteten. 13. und »The Rational Approach to the Irrational«. S. S. 16 Kritische Stellungnahmen zur Zwillingsforschung wie an der Universität von Minnesota bieten Paul Billings u. A 39. 15 Wright. Adam Phillips. 1999. daß sich die beiden kichernden britischen Schwestern und die beiden Brüder. Oktober 1989. 15. S. die Geschichte des Doppel-YSyndroms in Stephen Jay Gould. 20. »Here. 13..a. S. C.57. Me Not Worry?«. Nurture. In the Name of Eugenics. Donahue. S. in: Social Science and Medicine 35. Oktober 1990. 14 Wright. »Sequences and Consequences of the Human Genome«. S.178. die auch Informationen über Galton. 19-22. zum ersten . Vgl. 223. Davenport und andere frühe Anhänger dieser Lehre enthält. Leon Jaroff. Nr.a. 18 Zu den Berichten. 10 Eine vorzügliche Geschichte der Eugenik. in Economist. in: Science. Twins. und Val Dusek. 1993. D. »What. Dezember 1996. 153-156. »The Genetic Analysis of Human Behavior: A New Era?«. ist Daniel Kevles. Forbidden Knowledge. 143. von denen der eine als Nazi und der andere als Jude aufgezogen worden war. New York 1997. »Sources of Human Psychological Differences: The Minnesota Study of Twins Reared Apart«. 69 f. 227-238. 3. in: Time. of All Places«. Washington. hg.1992.392 . Vgl. Frankfurt a. Double Helix«. Twins.. die fälschlicherweise angaben. 11 Vgl. »Bewitching Science«. 17 Ich interviewte Leon Kamin mehrfach telefonisch und 1993 persönlich. Oktober 1990. »Happy Birthday. The DNA Mystique. Twins. November/Dezember 1987. S. ausgestrahlt am 25. 13 Thomas Bouchard u. 12. Susan Lindee. Daniel Koshland schrieb unter anderem folgende Leitartikel über Verhaltensgenetik in Science: »Nature. von Albert Reiss und Jeffrey Roth. New York 1985. New York 1995. daß er in seinem Buch eine Vielzahl von Befunden präsentierte. M. in: New York Times. März 1987. 30. 12. März 1993. in: Science for the People.3 4 5 6 7 8 9 »How to Tell If Your Child 's a Serial Killer«. S. August 1997. and Behavior«. Zitiert nach Roger Shattuck.

»Evidence Against Linkage of Schizophrenia to Markers on Chromosome 5 in a Northern Swedish Pedigree«. 16. »Scientists Split over Twins as Lab Subjects«. a. a. Die statistischen Daten über die Erblichkeit der Schizophrenie stammen aus Peter McGuffin u.19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Mal in Minneapolis begegnet seien. ferner Gail Golden. Wright. Janice Egeland u. Hugh Curling vom University College und der Middlesex School of Medicine in London.. Chicago Tribune. Januar 1993. in: Lancet.a. 289-292. geben Jerry Bishop und Michael Waldholz in Genome. in: Nature 326. in: Nature. S. 678-682. März 1980. S. in: Nature Genetics. 19. September 1995. Twins.a. 164-167. gehören Constance Holden. November 1988 in Nature erschienen. 9. »Diminished Support for Linkage Between Manic Depressive Illness and X-Chromosome Markers in Three Israeli Pedigrees«. Sherrington u. Bezüglich der Rolle der öffentlichen Aufmerksamkeit für die Forschungen der Minnesota-Gruppe vgl. Miron Baron u. C 1. »Re-evaluation of the Linkage Relationship Between Chromosome up Loci and the Gene for Bipolar Affective Disorder in the Old Order Amish«... 167-170. 32. S.a. Februar 1987. 26. März 1998.. und Cynthia Gorney. 57. 10. 238-243. September 1988. November 1989.1993. einer der Autoren der 1988 in Nature publizierten . daß sich die kichernden Schwestern sowie der nationalsozialistisch und der jüdisch erzogene Bruder bereits vor ihrer Zusammenführung in Minnesota begegnet waren und miteinander korrespondiert hatten (was ich durch telefonische Interviews bestätigen konnte). Einen ausgezeichneten Überblick über die Methoden. a. S. 1323-1328. S. Wendy Doniger. in: Washington Post. Dezember 1979. 783-787. »What Did They Name the Dog?«.. in: London Review of Books. in: Nature. 131 f. S. die beide am 10. »Genetic Basis of Schizophrenia«.a. Leon Kamin behauptete. New York 1990. Ein Produzent aus Los Angeles namens Anthony Mason sagte mir 1993. S. S. S. S. die zum Aufspüren einzelner Gene eingesetzt werden. er habe eine Option auf die Rechte an der Lebensgeschichte von Oskar und Jack erworben und diese an Hearst Entertainment weiterverkauft. »Localization of a Susceptibility Locus for Schizophrenia on Chromosome 5«. 6. Miron Baron u. Ebenda. »Genetic Linkage Between X-Chromosome Markers and Bipolar Affective Illness«. S. »The Twins«. »Bipolar Affective Disorders Linked to DNA Markers on Chromosome 11«. und James Kennedy u. 49-55..393 . in: Science. »Identical Twins Reared Apart«. S. John Kelsoe u. Die zwei zu gegensätzlichen Ergebnissen kommenden Beiträge über Schizophrenie. Vgl. 21. sind R..

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Studie, die einen Zusammenhang zwischen Schizophrenie und Chromosom fünf feststellte, sagte mir bei einem telefonischen Interview im Jahr 1993, die neuen Daten rechtfertigten die Annahme eines solchen Zusammenhangs nicht länger. Telefonisches Interview mit Peter McGuffin am 3. März 1998. David Dickson, »Panel Urges Caution on Genetic Testing for Mental Disorders«, in: Nature, 24. September 1998, S. 309. E. Fuller Torrey, Freudian Fraud, New York 1992, S. 227. Sigmund Freud, »Ergänzungen zur Selbstdarstellung« (1935), in: ders., Gesammelte Werke, Nachtragsband, Frankfurt a. M. 1987, S. 764. Vgl. Michael Winerip, »Schizophrenia's Most Zealous Foe«, in: New York Times Magazine, 22. Februar 1998, S. 26-29. Vgl. Robert Kunzig, »It Kills Horses, Doesn't It?«, in: Discover, Oktober 1997, S. 97-105. Helena Samaia u. a., »A Prion-Based Psychiatric Disorder«, in: Nature, 20. November 1997, S. 241. Bruce Bower, »New Culprits Cited for Schizophrenia«, in: Science News, 3. Februar 1996, S. 68. Kenneth Blum u.a., »Allelic Association of Human Dopamine D2 Receptor Gene in Alcoholism«, in: Journal of the American Medical Association, 18. April 1990, S. 2055-2060. Lawrence Altman, »Scientists See a Link Between Alcoholism and a Specific Gene«, in: New York Times, 18. April 1990, S. A 1. Joel Gelernter, David Goldman und Neil Risch, »The A1 Allele at the D2 Dopamine Receptor Gene and Alcoholism: A Reappraisal«, in: Journal of the American Medical Association 269,1993, S. 1673-1677. Ich sprach 1993 telefonisch mit Neil Risch, der damals an der Yale-Universität tätig war. Telefonisches Interview mit Gottesman im Jahr 1993. Eine Liste der Erkrankungen, die mit dem D2-Marker in Verbindung gebracht werden, stellt Kenneth Blum u.a. auf in »Reward Deficiency Syndrome«, in: American Scientist, März/April 1996, S. 132-145. Dean Hamer und Peter Copeland, Das unausweichliche Erbe, Bern u. a. 1998, S. 172. Dean Hamer u.a., »A Linkage Between DNA Markers on the X Chromosome and Male Sexual Orientation«, in: Science 261, 1993, S.321-327. Dean Hammer und Peter Copeland, The Science of Desire, New York 1994. S. Hu u.a., »Linkage Between Sexual Orientation and Chromosome Xq28 in Males But Not in Females«, in: Nature Genetics 11, 1995, S. 248-256.
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49 Über diese Befunde von Ebers und Rice wurde erstmals von Eliot Marshall berichtet, »NIH's ›Gay Gene‹ Study Questioned«, in: Science, 30. Juni 1995, S. 1841. In dem Beitrag heißt es auch, daß das Office of Research Integrity des Department of Health and Human Services ein Ermittlungsverfahren gegen Hamer eingeleitet habe. Das Verfahren wurde erstmals von John Crewdson in »Study on ›Gay Gene‹ Challenged«, Chicago Tribune vom 25. Juni 1995, S. C l, öffentlich bekanntgemacht. Crewdson berichtete, daß ein Mitautor des 1993 erschienenen Aufsatzes von Hamer über männliche Homosexualität ihm eine fehlerhafte Auswertung der Daten vorgeworfen habe. Das Verfahren wurde später eingestellt. 50 Alan Sanders u.a., »Genetic Linkage Study of Male Homosexual Orientation«, wurde auf der Jahrestagung 1998 der American Psychiatrie Association in Toronto als Poster präsentiert. Sanders wechselte Anfang 1999 vom National Institute of Mental Health an die Universität Chicago. 51 Hamer und Copeland, Das unausweichliche Erbe, S. 234. 52 Der Aufsatz über Neugierverhalten, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: J. Benjamin u. a., »Population and Familial Association Between D4 Dopamine Receptor Gene and Measures of Novelty Seeking«, in: Nature Genetics 12,1996, S. 81-84. Im selben Heft erschien ein weiterer Beitrag, in dem eine ähnliche Behauptung erhoben wurde: R. Ebstein u.a., »Dopamine D4 Receptor (D4Dr) Exon III Polymorphism Associated with the Human Personality Trait of Novelty Seeking«, S. 78-80. Der Beitrag über Angst, an dem Hamer als Koautor mitwirkte: Klaus-Peter Lesch u.a., »Association of Anxiety-Related Traits with a Polymorphism in the Serotonin Transporter Gene-Regulatory Region«, in: Science 274,1996, S. 1527-1531. 53 Vgl. Anil Malhotra u.a., »The Association Between the Dopamine D 4 Receptor (D4DR) 16 Amino Acid Repeat Polymorphism and Novelty Seeking«, in: Molecular Psychiatry i, 1996, S. 388-391, und Michael Pogue-Geile u. a., »Human Novelty-Seeking Personality Traits and Dopamine D4 Receptor Polymorphisms: A Twin and Genetic Association Study«, in: American Journal of Medical Genetics 81,1998, S. 44-48. Über die Studie von Pogue-Geile berichtete erstmals Sharon Begley, »Born Happy?«, in: Newsweek, 14. Oktober 1996, S. 79. 54 Hintergrundinformationen über Cyril Burt findet man bei Kevles, In the Name of Eugenics. 55 Bernie Devlin u.a., »The Heritability of IQ«, in: Nature, 31. Juli 1997, S. 468-471; vgl. Sharon Begley, »Wombs with a View«, in: Newsweek, 11. August 1997, S. 61. 56 Charles Murray und Richard Herrnstein, The Bell Curve, New York
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1994. 57 Vgl. Stephen Jay Gould, »Curveball«, in: New Yorker, 28. November 1994, S- 139-149, und das Sonderheft von The New Republic, 31. Oktober 1994. 58 Noam Chomsky, Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996, S. 159 f., Hervorhebung J. H. 59 In »Intelligence: Knowns and Unknowns«, einem Bericht der American Psychological Association, der im August 1995 veröffentlicht wurde, stieß ich erstmals auf eine Beschreibung des Flynn-Effekts. Später erfuhr ich, daß Murray und Herrnstein den Flynn-Effekt in The Bell Curve kurz erwähnt und beiläufig als unerheblich für ihre Argumentation abgetan hatten. Flynn legte seine Daten vor in »Massive IQ Gains in 14 Nations: What IQ Tests Really Measure«, in: Psychological Bulletin 101, 1987, S. 171-191. Vgl. meinen Beitrag, »Get Smart, Take a Test«, in: Scientific American, November 1995, S. 12 f. Ich interviewte Flynn 1995 per E-mail und Fax. 60 Telefonisches Interview mit Arthur Jensen 1995. 61 Vgl. Christopher Jencks und Meredith Phillips, »The Black-White Test Score Gap: Why It Must Be Closed. Why It Can Be«, in: The American Prospect, September/Oktober 1998, S. 44-53. 62 Robert Matthews, »Genning Up on Genius Genes«, in: Sunday Telegraph, 24. Januar 1993, S. 9. Der Artikel berichtete über eine Konferenz in London, auf der Plomin seine Ergebnisse vorgestellt hatte. 63 Robert Plomin u.a., »A Quantitative Trait Locus Associated with Cognitive Ability in Children«, in: Psychological Science 9, 1998, S. 159-166. Vgl. Robert Plomin und John Defries, »The Genetics of Cognitive Abilities and Disabilities«, in: Scientific American, Mai 1998, S.62-69. 64 Diese Äußerung stammt von John Kihlstrom, einem Psychologen von der Universität von Kalifornien in Berkeley, zitiert nach Nicholas Wade, »First Gene to Be Linked with High Intelligence Is Reported Found«, in: New York Times, 14. Mai 1998. 65 Hamer, Das unausweichliche Erbe, S. 352. 66 Lee Silver, Das geklonte Paradies, München 1998, S. 330. 67 W. French Anderson, »Human Gene Therapy«, in: Nature, Beilage zu Bd. 392, 30. April 1998, S. 25. 68 Robert Weinberg wurde zitiert in »Hype Surrounds Genomics Inc.«, in: Science, 7. Februar 1997, S. 770. 69 Interview mit Jerome Kagan am 18. November 1997 an der HarvardUniversität. 70 Jerome Kagan, Galen's Prophecy, New York 1994, S. XXI. 71 Ebenda, S. 263.
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Zitiert nach Carl Degler, In Search of Human Nature, New York 1991, S. 15. Deglers Buch ist eine Fundgrube an Informationen über die Geschichte des genetischen Determinismus in Wissenschaft und Gesellschaft. 73 Ebenda, S. 11. 74 Darwins Brief ist abgedruckt in Richard Weikart, »A Recently Discovered Darwin Letter on Social Darwinism«, in: Isis 86,1995, S. 609-611. 75 Richard Webster, Why Freud Was Wrong, New York 1995, S. 457.

KAPITEL 6: DARWIN, RETTE UNS! 1 Gerald Edelman, Göttliche Luft, vernichtendes Feuer. Wie der Geist im Gehirn entsteht, München 1995, S. 70. [Quelle unklar, Anm.d.Lektors] 2 Die Konferenz der Human Behavior and Evolution Society fand vom 28. Juni bis 2. Juli 1995 an der Universität von Kalifornien in Santa Barbara statt. 3 Vgl. Charles Darwin, Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, Stuttgart 1998, S. 676. 4 In seinem Vortrag zum Thema »Das Badewasser und das Baby: Stellenwert und Grenzen des Kulturbegriffs in der Human-Verhaltensökologie« zog Crank insbesondere den Anthropologen Clifford Geertz vom Institute for Advanced Study ins Lächerliche. 5 Die Formulierung stammt von Boyd Eaton von der Emory-Universität. 6 Singh publizierte seine Ergebnisse erstmals in »Adaptive Significance of Female Physical Attractiveness«, in: Journal of Personality and Social Psychology 65, 1993, S. 293-307. Daten, die im Widerspruch zu Singhs These stehen, wurden veröffentlicht von Douglas Yu und Glenn Shepard, »Is Beauty in the Eye of the Beholder?«, in: Nature, 26. November 1998, S. 321 f. 7 Telefonisches Interview mit Cosmides und Tooby im Mai 1995. Ich sprach außerdem mit ihnen auf der HBE S-Konferenz im Juni und kommunizierte mit ihnen per Fax. 8 The Adapted Mind, hg. von Jerome Barkow, Leda Cosmides und John Tooby, New York 1992, S. 23. Einer der bekanntesten Kritiker der Evolutionspsychologie ist Stephen Jay Gould von der Harvard-Universität. Vgl. seinen Aufsatz »Let's Leave Darwin Out of It«, in: New York Times, 29. Mai 1998. Gould griff die Evolutionspsychologie auch in zwei aufeinanderfolgenden Artikeln in der New York Review of Books an: »Darwinian Fundamentalism«, 12. Juni 1997, und »Evolution: The Pleasures of Pluralism«, 26. Juni 1997. Vgl. den Briefwechsel, der in den Heften vom 14. August und 9. Oktober veröffentlicht wurde. Gould räumte ein, daß Menschen

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»Tiere sind und der Geist das Produkt der Evolution ist, daher müssen alle wißbegierigen Menschen das Streben nach einer Evolutionspsychologie unterstützen. Doch die Bewegung, die diesen Namen für sich in Anspruch nimmt, hat ein verhängnisvoll beschränktes Verständnis von der Bedeutung und dem Anwendungsbereich evolutionsbiologischer Erklärungen.« Wenn die Evolutionspsychologen weiterhin nachdrücklich auf ihren verstiegensten Behauptungen bestünden, so die Prognose von Gould, »werden sie eines Tages das Schicksal der Freudianer erleiden, die auch einige wertvolle Erkenntnisse zutage förderten, aber dann spektakulär scheiterten und Leid über Millionen von Menschen brachten (unter anderem Frauen, die als frigide abgestempelt wurden, wenn sie aus physiologischen Gründen nicht in der Lage waren, den Übergang vom klitoralen zum vaginalen Orgasmus zu vollziehen), weil sie eine Theorie von begrenzter Gültigkeit in den Rang einer unumstößlichen Weltanschauung erhoben, die eher einer nicht überprüfbaren und unwandelbaren Religion als einer Wissenschaft glich.« Leider hat Goulds Polemik - und die Erwiderungen darauf - mehr Verwirrung als Klarheit geschaffen. Es ging ihm weniger um eine sachliche Würdigung der Evolutionspsychologie als vielmehr um das Begleichen alter Rechnungen und um die Förderung seiner äußerst eigenwilligen Beiträge zur Evolutionstheorie. Dazu gehören die Theorie vom durchbrochenen Gleichgewicht, die Kontingenztheorie, wonach die Evolution nicht nur von der natürlichen Selektion, sondern auch von Asteroideneinschlägen und anderen unvorhersehbaren Zufallsereignissen gestaltet wird, und die Theorie der »Zwickel«, bei denen es sich um nichtadaptive Nebenprodukte der Evolution handelt (Zwickel ist eigentlich ein architektonischer Terminus, der den dreieckigen Raum zwischen einem Bogen und dem Bauwerk, in das er integriert ist, bezeichnet). Goulds Rhetorik sorgt für weitere Unscharfen. Einmal verspottete er zwei seiner Gegner (den Journalisten Robert Wright und den Philosophen Daniel Dennett): »Unmittelbar nach König Heinrichs aufwühlender Rede am Sankt-Crispins-Tag auf dem Schlachtfeld von Agincourt sorgt Shakespeare für komische Entspannung, als Falstaffs früherer Diener Pistol durch lautes Bluffen und Posieren ein Lösegeld herausholt. Pistols eigener Diener macht daraufhin die berühmte Bemerkung: ›Das Sprichwort stimmt: Das hohle Gefäß macht den größten Lärm.‹« Gould schmückte seine Schmähungen mit einer ähnlich schlagfertigen Antwort: »Doch wie sagte doch T. H. Huxley über Richard Owen in einer Parodie auf Drydens Vers über Alexander den Großen, der, betrunken, in einem Monolog all seine Schlachten noch einmal kämpft – ›Und dreimal schlug er all seine Feinde in die Flucht, und dreimal erschlug er die
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Erschlagenen‹–: Das Leben ist einfach zu kurz, um sich mehr als zweimal mit dem Erschlagen der Erschlagenen zu befassen.« Gould wollte offenbar die Leser der New York Review mit seiner Bildung beeindrukken, doch ihm unterlief eine Selbstparodie. Steven Pinker, Der Sprachinstinkt, München 1996. Interview mit Pinker am 6. August 1997 in Cambridge, Massachusetts. Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 34. Ebenda, S. 577. Ebenda, S. 485. Ebenda, S. 644. Ebenda, S. 597. Ebenda, S. 54. Ebenda, S. 663. Ebenda, S. 688 f. Ebenda, S. 673. Jennifer Egan, »The Thin Red Line«, in: New York Times Magazine, 27. Juli 1997. Ich sprach 1995 mit Noam Chomsky telefonisch über die Evolutionspsychologie. Chomsky erörterte die Evolutionstheorie und menschliches Verhalten in seinem Buch Probleme sprachlichen Wissens, Weinheim 1996. Vgl. den Abschnitt über Chomsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 241-248. Vgl. »›Sociobiology‹ to History's Dustbin?«, in: Science, 19. Juli 1996, S.315. Randolph Nesse von der Universität von Michigan, einer der Begründer der HBES, sagte mir 1995 auch, er und die anderen Mitbegründer hätten den Begriff Soziobiologie wegen seiner negativen Konnotationen bewußt verworfen. Cosmides und Tooby legten die Unterschiede zwischen der Evolutionsbiologie und der Soziobiologie in einem Fax dar, das sie mir 1995 schickten. Vgl. den Abschnitt »Why I Am Not a Sociobiologist«, in David Buss, »Evolutionary Psychology: A New Paradigm for Psychological Science«, in: Psychological Inquiry 1995, S. 1-30. Telefonisches Interview mit Richard Alexander 1995. Vgl. George Williams, Adaptation and Natural Selection: A Critique of Some Current Evolutionary Thought, Princeton 1996. In jüngster Zeit haben mehrere Evolutionstheoretiker versucht, das Modell der Gruppenselektion mit neuem Leben zu erfüllen; vgl. Elliott Sober und David Sloan Wilson, Unot Others, Cambridge 1998. Vgl. William Hamilton, »The Evolution of Altruistic Behavior«, in: American Naturalist 97,1963, S. 354-356. Zitiert nach Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 494.
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28 Robert Trivers, »The Evolution of Reciprocal Altruism«, in: Quarterly Review of Biology 46,1971, S. 35-57. 29 H. Allen Orr, »The Softer Side of Sociobiology«, in: Boston Review of Books Oktober/November 1997, S. 44. 30 Leda Cosmides, »The Logic of Social Exchange: Has Natural Selection Shaped How Humans Reason?«, in: Cognition 31,1989, S. 187-276. 31 Ich interviewte James Fetzer auf der Konferenz der HBES 1995 in Santa Barbara. 32 Steven Mithen faßte seine Einwände gegen die Evolutionspsychologie in einem Vortrag auf der HBES-Konferenz zusammen. In seinem Buch The Prehistory of Mind, London 1996, entwickelte er diese Ideen weiter. Eine weitere Kritik an der Evolutionspsychologie haben Peggy La Cerra und Roger Bingham, »The Adaptive Nature of the Human Neurocognitive Architecture«, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 95,1998, S. 11290-11294. 33 David Buss, Die Evolution des Begehrens, Hamburg 1994. Meine Kritik an Buss' Annahmen über die weibliche und männliche Sexualität basiert auf Kommentaren, die die Anthropologin Sarah Blaffer Hrdy von der Universität von Kalifornien im Jahr 1995 mir gegenüber machte. 34 Vgl. Martin Daly und Margot Wilson, Homicide, New York 1988, sowie dies., »Evolutionary Social Psychology and Family Homicide«, in: Science, 28. Oktober 1988, S. 519-524. 35 Vgl. »Evolutionists Take the Long View on Sex and Violence«, in: Science, 20. August 1993, S. 987. 36 Ich interviewte Wilson und Daly 1995 mehrmals telefonisch. 37 Vgl. »Tales Twice, Indeed Thrice«, in: New York Times, 6. Dezember 1997, S. B 9. 38 Steven Pinker, »Why They Kill Their Newborns«, in: New York Times Magazine, 2. November 1997, S. 52-54. 39 In: New York Times Magazine, 23. November 1997. 40 Unveröffentlichtes Manuskript, »Evolutionary Adaptationism: Another Biological Approach to Criminal and Antisocial Behavior«, das Martin Daly mir 1996 zuschickte. 41 Eine Gegenüberstellung von Evolutionspsychologie und Verhaltensgenetik entwickeln die Kommentare von David Lykken, einem Verhaltensgenetiker von der Universität von Minnesota, auf der Web-site von Edge: www.edge.org. Lykken kritisierte, daß die Evolutionspsychologen den »merkwürdigen Fehler« begingen, »einfach zu unterstellen, daß die gesamte genetische Vielfalt, die es der natürlichen Selektion erlaubte, das menschliche Gehirn hervorzubringen, mittlerweile erschöpft sei und daß psychische Unterschiede zwischen den Individuen, wie wir sie heute beobachten, ausschließlich umweltbedingt seien [...] Anders gesagt,
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alle menschlichen Säuglinge sollen heute, anders als in der Altsteinzeit, Gehirne besitzen, die, ähnlich wie nagelneue Mac-Computer, darauf warten, programmiert zu werden. Dies ist aus evolutionsbiologischen Gründen extrem unwahrscheinlich. Wenn es eine enorme genetisch bedingte Vielfalt in der Psychologie der Haustiere gibt, wie Darwin selbst bemerkte, aber auch im Körperbau und in der Physiologie des Menschen, wie jedes Kind sehen kann, stellt sich die Frage, wieso das menschliche Gehirn die einzige Ausnahme sein soll.« Randolph Nesse und George Williams, Warum wir krank werden. Die Antworten der Evolutionsmedizin, München 1997, S. 260. Anthony Stevens und John Price, Evolutionary Psychiatry: A New Beginning, London 1996. Steven Rose, »Darwin on the Brain«, in: Nature, 3. April 1997, S. 454f. Napoleon Chagnon, »Life Histories, Blood Revenge, and Warfare in a Tribal Population«, in: Science, 26. Februar 1988, S. 985-992. Vgl. sein klassisches Werk Yanomamo: The Fierce People, New York 1968. Chag-non und ich sprachen 1995 in einem telefonischen Interview über die Ähnlichkeit zwischen seinen Auffassungen und denen Stephen Jay Goulds. Frank Sulloway, Der Rebell der Familie, New York 1996. Ich hörte Sulloway seine Theorie über die Bedeutung der Position in der Geschwisterfolge erstmals am 30. Juni 1995 auf der HBES-Konferenz in Santa Barbara vortragen. Zu den positiven Besprechungen von Der Rebell der Familie gehörten Robert Boynton, »The Birth of an Idea«, in: New Yorker, j. Oktober 1996, S. 72, und Geoffrey Cowley, »First Born, Later Born«, in: Newsweek, 7. Oktober 1996, S. 68-74. Kritische Rezensionen schrieben unter anderem John Modell, »Family Niche and Intellectual Bent«, in: Science, 31. Januar 1997, S. 624 f., und Alan Wolfe, »Birth Order, Schmirth Order«, in: New Republic, 23. Dezember 1996, S.29-35. Sulloway behauptete in einem Interview auf der Web-site »Edge« (www.edge.org.), Gould habe sich in dem Fernsehprogramm Nightline positiv zu der Hypothese, daß sich die Position in der Geburtsfolge auf Persönlichkeitszüge auswirke, geäußert. Cecile Ernst und Jules Angst, Birth Order: Its Influence on Personality, Berlin 1983. Das Zitat von Ernst und Angst findet sich in einem Kommentar von Judith Harris auf der Web-site »Edge«, www.edge.org. Judith Harris, The Nurture Assumption, New York 1998, S. 375. Vgl. die Kontroverse zwischen Sulloway und Harris auf »Edge«, www.edge. org. Ich fand die Kritik von Harris an Sulloway überzeugender als die Kernthese ihres Buches, daß die Persönlichkeit von Kindern hauptsächlich
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von ihren Genen und von Gleichaltrigen geformt werde und weniger von ihren Eltern. Interview mit Steven Pinker am 6. August 1997. Frank Sulloway, Freud. Biologe der Seele, Köln 1982. Einen faszinierenden Vergleich zwischen Evolutionspsychologie und Psychoanalyse zieht Robert Wright, Diesseits von Gut und Böse – The moral animal, München 1996, S. 501-522. Der britische Autor Christopher Badcock versuchte (nicht sehr überzeugend), Psychoanalyse und Evolutionstheorie in Oedipus in Evolution, Oxford 1990, miteinander in Einklang zu bringen; eine amüsante Rezension von Badcocks Buch schrieb V. Reynolds, »Translation from the Greek«, in: Nature, 24. Mai 1990, S. 301. Vgl. Robert Trivers, Social Evolution, Reading 1985. George Orwell, Neunzehnhundertvierundachtzig, Frankfurt a.M. u.a. 1976, S. 198. Robert Trivers, »Parent-Offspring Conflict«, in: American Zoologist 14,1974, S. 249-264. Martin Daly und Margot Wilson, »Is Parent-Offspring Conflict SexLinked?«, in: Journal of Personality 58,1990, S. 163-189. David Buss, »The Future of Evolutionary Psychology«, in: Psychological Inquiry 6,1995, S. 86. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997. Daniel Dennett, Darwins gefährliches Erbe, Hamburg 1997, S. 23. Vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens. Steven Weinberg, Die ersten drei Minuten, München 1992, S. 212. Vgl. William Stevens, »Evolution of Humans May at Last Be Faltering«, in: New York Times, 14. März 1995, S. C 1. Vgl. Christopher Mills, Children of Prometheus, Reading 1998. Zitiert nach Martin Gardner, »Computers Near the Threshold?«, in: Journal of Conscious Studies 3, i, 1996, S. 89-94. Der Aufsatz wurde in Gardners Buch The Night Is Large, New York 1996, nachgedruckt. Darin äußerte der bekannte Wissenschaftsjournalist Gardner seine Zweifel, ob die Künstliche Intelligenz jemals Maschinen mit echtem Bewußtsein und echter Intelligenz hervorbringen könne. Als ich Gardner im Januar 1999 anrief, um mir diese Aussage bestätigen zu lassen, sagte er mir, er betrachte sich selbst als einen »Mysteriker«, also als jemanden, der glaube, daß Willensfreiheit, Bewußtsein und andere Aspekte des Geistes Geheimnisse seien, die sich wissenschaftlich nicht ergründen ließen. Der Standpunkt eines solchen »Mysterikers« wird im folgenden Kapitel erörtert. Vgl. meine Interviews mit Marvin Minsky und Hans Moravec in An den Grenzen des Wissens, S. 294-302 und S. 394-399.
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67 Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 13. 68 Ebenda, S. 14. 69 Jerry Fodor, »The Trouble with Psychological Darwinism«, in: London Review of Books, 22. Januar 1998, S. 11-13.

KAPITEL 7: KÜNSTLICHER ALLTAGSVERSTAND 1 Richard Powers, Galatea 2.2, New York 1995, S. 28. Powers' Roman schildert die Bemühungen eines Schriftstellers und Kognitionswissenschaftlers, einen Computer zu bauen, der in der Lage sein soll, Literatur genausogut zu »lesen« wie ein durchschnittlicher Student. 2 Pamela McCorduck, Machines Who Think, San Francisco 1979. Vgl. McCorducks Buch The Fifth Generation, Reading 1983, das sie zusammen mit Edward Feigenbaum geschrieben hat. 3 Frederick Hayes-Roth, »The Machine As Partner of the New Professional«, in: IEEE Spectrum, Juni 1984, S. 28-31. 4 Telefonisches Interview am 22. Januar 1998 mit Hayes-Roth. 5 Ich interviewte Herbert Simon am 25. September 1998 telefonisch. Weitere Informationen in seinen Büchern Die Wissenschaften vom Künstlichen, Berlin 1990, und Modells of My Life, New York 1991. 6 Astro Teller, »Smart Machines, and Why We Fear Them«, in: New York Times, 21. März 1998. 7 Simon sprach am 14. November 1957 bei der Jahrestagung der Operations Research Society of America in Pittsburgh. Der Vortrag basierte auf einem Beitrag, den Simon zusammen mit seinem Kollegen Allen Newell geschrieben hatte: »Heuristic Problem Solving: The Next Advance in Operations Research«, in: Operations Research 6, l, Januar/Februar 1958, S. 1-10. 8 McCorduck, Machines Who Think, S. 188. 9 George Johnson, »The Artist's Angst Is All in Your Head«, in: New York Times Week in Review, 16. November 1997, S. 16. 10 Vgl. meinen Beitrag »The Death of Proof«, in: Scientific American, Oktober 1993, S. 92-103. 11 Mumford äußerte diese Meinung mir gegenüber erstmals im Jahr 1993; im Dezember 1998 teilte er mir per E-mail mit, daß er noch immer zu dieser Aussage stehe. 12 Eine hervorragende Darstellung von Schachcomputern bieten FengHsiung Hsu, Thomas Anatharaman, Murray Campbell und Andreas Nowatzyk, »A Grandmaster Chess Machine«, in: Scientific American, Oktober 1990, S. 44-50. Die Autoren konstruierten Deep Thought, den

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Vorgänger von Deep Blue. 13 Interview mit der Deep-Blue-Forschergruppe im Mai 1996 am Thomas J. Watson Research Center von IBM in Yorktown Heights. 14 Simon, zitiert von Bruce Weber, »A Mean Chess-Playing Computer Tears at the Meaning of Thought«, in: New York Times, 19. Februar 1996, S. A 1. 15 Zu IBMs angeblichem Bestreben, nicht mit Künstlicher Intelligenz in Verbindung gebracht zu werden, vgl. McCorduck, Machines Who Think, S. 159. 16 Für die Hintergrundinformationen über neuronale Netze danke ich Tomaso Poggio, Professor am Fachbereich »Brain Sciences« des MIT und eine Kapazität für neuronale Netze und lernfähige Maschinen. Ich interviewte Poggio am 17. November 1997. 17 Telefonisches Interview mit Hubert Dreyfus am 3. Februar 1998. Eine kritische Haltung zu Dreyfus hat McCorduck, Machines Who Think, S. 180-205. 18 Hubert Dreyfus, What Computers Still Can't Do, Cambridge 1992, S.303. 19 McCorduck, Machines Who Think, S. 200. 20 Dreyfus, What Computers Still Can't Do, S. IX. 21 Ebenda, S. XIV. 22 Ebenda, S. IX. 23 David Stork (Hg.), Hal's Legacy, Cambridge 1997, S. 5. 24 Ebenda, S. 11. 25 Ebenda, S. 49 f. 26 Ebenda, S. 188 f. 27 Ebenda, S. 201 f. 28 Ebenda, S. 371. 29 Ebenda, S. 203. 30 Simson Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, in: Wired, Januar 1997, S. 188. 31 Stork, Hal's Legacy, S. 207. 32 Ebenda, S. 203. 33 Ebenda, S. 206. 34 Paul Wallich, »Silicon Babies«, in: Scientific American, Dezember 1991, S. 134. 35 Garfinkel, »Happy Birthday, HAL«, S. 188. Weitere Informationen über Cyc auf der Web-site, die von Lenats Firma Cycorp unterhalten wird, www.cyc.com. 36 Brooks machte diese Äußerungen, als ich ihn am 17. November 1997 am MIT interviewte. Vgl. das Interview mit Rodney Brooks auf der Web-site »Edge«, www.edge.org.
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Rodney Brooks und Anita Flynn, »Fast, Cheap and Out of Control«, in: Journal of the Interplanetary System 42,1989; »Elephants Don't Play Chess«, in: Robotics and Autonomous Systems 6,1990; »New Approaches to Robotics«, in: Science 253, 1991; »Intelligence Without Representation«, in: Artificial Intelligence 47,1991. Der Philosoph David Rothenberg führte für die von ihm gegründete und herausgegebene Vierteljahresschrift Terra Nova ein fesselndes Interview mit Errol Morris: »Outside the Cage Is the Cage«, in: Terra Nova 3, 2,1998, S. 56-73. Brooks Arbeiten gaben auch den Anstoß zu dem Buch von Kevin Kelly, Out of Control, Reading 1994. Pinker und Bever, zitiert nach John Travis, »Building a Baby Brain in a Robot«, in: Science, 20. Mai 1994, S. 1082. Vgl. Marvin Minsky, Mentopolis, Stuttgart 1990, S. 127. Ich interviewte Minsky 1993 mehrmals persönlich und telefonisch; vgl. das Interview mit Minsky auf der Web-site »Edge«, www.edge.org., und den Abschnitt zu Minsky in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 294-302. Stephane Zrehen hielt diesen Vortrag im Rahmen des Herbst-Symposions der American Association for Artificial Intelligence im Oktober 1998 in Orlando, Florida, das unter dem Motto stand »Emotional and Intelligent: The Tangled Knot of Cognition«. Sherry Turkle, »Artificial Intelligence and Psychoanalysis: A New Alliance«, in: Daedalus, Winter 1988, S. 245. Turkle hat bereits in ihrem Buch Die Wunschmaschine. Vom Entstehen der Computerkultur, Reinbek bei Hamburg 1984, Parallelen zwischen der Psychoanalyse und der KI erörtert. Sherry Turkle, Leben im Netz, Reinbek bei Hamburg 1999, S. 434. McCorduck, Machines Who Think, S. 254. Vgl. Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, S. 407 ff. Dieses Zitat Sutherlands verwendete Francis Crick als Motto für sein Buch Was die Seele wirklich ist. Die naturwissenschaftliche Erforschung des menschlichen Bewußtseins, Reinbek bei Hamburg 1997, S. 6. KAPITEL 8: DAS RÄTSEL BEWUSSTSEIN Die vier Motti stammen der Reihenfolge nach aus folgenden Werken: Daniel Dennett, Philosophie des menschlichen Bewußtseins, Hamburg 1994, S. 531; Steven Pinker, Wie das Denken im Kopf entsteht, München 1998, S. 167; ebenda, S. 167; Günther Stent, The Corning of the Golden Age, Garden City 1969, S. 74. Der Tagungsbericht über die Konferenz zum Thema Bewußtsein, die

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vom 12. bis 17. April 1994 in Tucson stattfand, wurde veröffentlicht unter dem Titel Toward a Science of Consciousness: The FirstTucson Discussions and Debates, hg. von Stuart Hameroff u. a., Cambridge 1996. David Freedman porträtierte Steen Rasmussen in »Playing God«, in: Discover, August 1992, S. 35-45. Vgl. Karl Pribram, Brain and Perception, Hillsdale 1991. Danah Zohar, The Quantum Self, New York 1990. Einen kenntnisreichen Überblick über die Forschungen von Benjamin Libet gibt Tor Norretranders in The User Illusion, New York 1998, S. 216-220 und S. 227-238. Francis Crick und Christof Koch, »Toward a Neurobiological Theory of Consciousness«, in: Seminars in Neurosciences 2,1990, S. 263-275. Francis Crick, Was die Seele wirklich ist, Reinbek bei Hamburg 1997. Vgl. die Diskussion der Hypothesen von Crick und Koch in meinem Buch An den Grenzen des Wissens, München 1997, S. 257-265. Walter Freeman präsentierte sein Modell über Chaos und Gehirn in »The Physiology of Perception«, in: Scientific American, Februar 1991, S. 78-85, und in Societies of Brains, Hillsdale 1995.

10 Das Zitat stammt aus Flanagans Beitrag zu Toward a Science of Consciousness. Vgl. Flanagans Bücher The Science of the Mind, 2. Aufl., Cambridge 1991, und Consciousness Reconsidered, Cambridge 1992. 11 Roger Penrose stellte seine quantenmechanische Theorie des Geistes in folgenden Werken vor: Computerdenken, Heidelberg 1991; Schatten des Geistes, Heidelberg 1995, und The Large, the Small and the Human Mind (das auch Beiträge anderer Autoren enthält), New York 1997. Scharfe Kritik an Penroses Erklärungsansatz übten unter anderem Philip Anderson, »Shadows of Doubt«, in: Nature, 17. November 1994, S. 288 f., und Hilary Putnam, »The Best of All Possible Brains«, in: New York Times Book Review, 20. November 1994, S. 7; vgl. mein Buch An den Grenzen des Wissens, S. 280-285. 12 Vgl. David Chalmers, »The Puzzle of Conscious Experience«, in: Scientific American, Dezember 1995, S. 80-87 (Der Aufsatz wird von einem Kommentar von Francis Crick und Christof Koch begleitet), und The Conscious Mind, New York 1996. Für eine kritische Rezension von Chalmers Buch vgl. John Searle, »Consciousness and the Philosophers«, in: New York Review of Books, 6. März 1997, S. 43-50. Searle lehrt als Philosoph an der Universität von Kalifornien in Berkeley und ist ein führender Kritiker der starken KI-Hypothese. Am bekanntesten ist vielleicht sein außerordentlich einflußreiches Gedankenexperiment »Chinesisches Zimmer«, das er in »Is The Brain's Mind a Computer Programm?«, in: Scientific American, Januar 1999, S. 26-31, ausführte. (Auf Searles Beitrag
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Bd. daß er wirklich Chinesisch versteht? Crick. 32-37. Pinker. Mai 1996. Wie das Denken im Kopf entsteht. S. ohne ihre Bedeutung zu verstehen. Zitiert nach Louis Menand. 4-6. S. Was die Seele wirklich ist. Frankfurt a. daher könnten Computer nicht in dem Sinne »denken«. M. 390 f. S. daß er diese Symbole mit einer anderen Folge von Symbolen beantworten solle. S. »Could a Machine Think?«.407 . S. der kein Chinesisch versteht. S. Vgl. Er erörterte das Geist-Körper-Problem. Wie soll der Mensch auf alle eingehenden Fragen schnell genug antworten. Sein Handbuch sagt ihm.S. »Hard-HeadedDualism«. Interview mit Colin McGinn im August 1994 in New York City. In derselben Weise. 695 f. 197. »Das Unbehagen in der Kultur«. um die Personen außerhalb des Raumes davon zu überzeugen. Weinheim 1996. Ebenda. Telefonisches Interview mit Noam Chomsky im Jahr 1995.a. wie wir es täten. S.13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 folgte eine gewundene Widerlegung der Philosophen Paul und Patricia Churchland. 17. verwendeten Computer Symbole. »William James and the Case of the Epileptic Patient«. sowie alle plausibel klingenden Antworten auf jede Frage auflisten könnte. Vielmehr hat er lediglich daraufhingewiesen. ebd. in: Journal of Consciousness Studies 3.. Er empfängt eine ihm unverständliche Folge von chinesischen Buchstaben. die. S. aber ein Handbuch besitzt. die auf chinesisch geäußert werden können. das alle möglichen Fragen. William James. mit dessen Hilfe er Fragen und Anweisungen auf chinesisch in chinesische Antworten überträgt. in: New York Review of Books. Weils Beitrag in Toward a Science of Consciousness. Dezember 1998. S. S. was er ebenfalls nicht weiß. 327. wäre nahezu unendlich lang. Ein Handbuch. die kognitiven Grenzen der Wissenschaft.48. hg. in: Studienausgabe. so Searle. »Facing Backwards on the Problem of Consciousness«. »blau« bedeutet. 1982. Ebenda. Sigmund Freud. 131-165. S. 9. Ebenda. in: Nature. Frankfurt a. . 124.1.. S. 82. wie schwer es für einen Computer sei. 183. Ebenda. lösbare versus unlösbare Probleme und ähnliche Ideen in Probleme sprachlichen Wissens. 204. 19. 51. Meines Erachtens hat Searle die starke KI-Annahme damit jedoch keineswegs widerlegt.) Searle verglich einen Computer. die bedeutet »Was ist Ihre Lieblingsfarbe?«. M.Christof Koch. Vgl. mit einem Menschen in einem Zimmer. Daniel Dennett. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. von Alexander Mitscherlich u. den Turing-Test zu bestehen. 1997. der einen Turing-Test absolviert.

. in: Physics Education 22. es sei an der Zeit. 1 2 3 4 5 6 7 EPILOG: DIE ZUKUNFT DER WISSENSCHAFTLICHEN ERFORSCHUNG DES GEISTES Max Planck. In Die Einheit des Wissens (Berlin 1998) kehrte der Evolutionsbiologe Edward Wilson von der Harvard-Universität zu einem Thema zurück. »Religion in the Genes«. 393. und »Consciously Avoiding the X-factor«. das er bereits über zwanzig Jahre früher in Sociobiology (Cambridge 1975) angeschnitten hatte. 583. 45. Geschichtswissenschaft.27 Ebenda. 472. sondern auch Philosophie. 29 Brian Josephson. S. in: Behavioral and Brain Sciences 10.1987. James Gleick.zu einem widerspruchsfreien System zu vereinheitlichen. Leben und Werk des genialen Physikers. S. Toward a Science of Consciousness.4. in: Physics Today. Wilson definierte »Konziliation«. S. 15. »Physics and Spirituality: The Next Grand Unification?«. 33 Vgl. 28 Vgl.. Als ich das Manuskript dieses Buches bereits weitgehend abgeschlossen hatte.408 . das meine Sicht der Wissenschaft im allgemeinen und der Disziplinen. April 1994 in Tucson.1987. November 1997 an der HarvardUniversität. 30 Brian Josephson. München 1993. Francis Crick. in: Science. April 1993. in: Nature. Dezember 1996. »More Is Different«. Vorträge und Erinnerungen. Darmstadt 1970. den Beitrag von Josephson u.also nicht nur die Naturwissenschaften. 594. August 1972. die sich mit der Erforschung des Geistes befassen. 183. stieß ich auf ein Buch. S. 31 Interview mit Josephson am 14. in: Physics World. »Wissenschaft und Glaube« (1930). »William James and the Case of the Epileptic Patient«. alle Zweige des Wissens . 15. Weitere Publikationen von Josephson sind »Skepticism and Psi: A Personal View«. Theologie und andere Geisteswissenschaften . 17. das Ziel der Aufklärung. Philip Anderson. Reinbek bei Hamburg 1997. 4. S. 15-19. S. Richard Feynman. S. den er von dem im neunzehnten Jahrhundert lebenden Philosophen William Whewell . 247. in: ders. Juli 1992. Er erklärte. »Has Psychokinesis Met Science's Measure?«. Was die Seele wirklich ist. Interview mit Eric Kandel am 15.a. Menand. Dezember 1997 am New York Psychiatric Institute. S. im besonderen in Frage stellte. 32 Ich interviewte David Bohm im August 1992. S. S. einen Begriff. Interview mit Howard Gardner am 19.

stellt sich die Frage. wie so manche behauptet haben. daß.« (S. daß gerade der aufklärerische Idealismus zu jenem Terror beigetragen hat. daß sie mit quälender Langsamkeit noch Jahrzehnte auf sich warten läßt.übernahm. aber ebenso. ob das Vorhaben machbar ist. Er kam zu dem Schluß. Selbst wenn wir einstweilen annehmen. welcher den furchtbaren Alptraum des totalitären Staates ankündigte?« (S.«(S. Könnte es sein. daß die von Wilson ins Auge gefaßte Vereinigung möglich sei. wenn bereits über den ersten Aufklärungskonzepten der Todesengel schwebte. »Es wäre möglich. obgleich das Wissen über unseren Geist fragmentarisch bleibe. Wilsons Vorschlag warf zwei Fragen auf: erstens diejenige. um so ärmer wird unsere Spezies fürderhin sein. Augen auf den Horizont gerichtet) zurückerobert werden kann. die Frage zu stellen. 15). welchen Nutzen haben wir davon? Wilson scheute sich nicht zu erklären: »Es lohnt sich . ob er zurückerobert werden sollte. wie groß die Aussichten auf eine Vereinheitlichung etwa von Elementarteilchenphysik und Literaturwissenschaft sind. daß die große Synthese sehr bald kommt.durch die Entdeckung und Anerkennung einer einheitlichen Theorie aller . Wenn die Naturwissenschaften mit den Geisteswissenschaften vereinigt werden können. als »buchstäblichen ›Zusammensprung‹ des Wissens durch die interdisziplinäre Verkettung von Fakten und den darauf basierenden Theorien mit dem Zweck. die sich mit dem menschlichen Geist befassen. 398) Es ist nicht zu ersehen. ob der ursprüngliche Geist der Aufklärung (Zuversicht.vor allem im gegenwärtigen Winter unserer kulturellen Unzufriedenheit -. die Einzelteile doch eines Tages zu einer kohärenten Theorie zusammengefaßt würden. 147) Man beachte. um so fragiler werden wir uns und unsere Umwelt gestalten. Eingedenk dieser Tatsache führte Wilson eine Bestandsaufnahme der Verhaltensgenetik. Optimismus.) Doch Wilson beantwortete die von ihm aufgeworfenen Fragen nicht. Je mehr Leben wir von dieser Erde verbannen. eine allgemeine Erklärungsgrundlage zu schaffen«(S. daß Jahrzehnte die pessimistische Schätzung ist. Seine große Hoffnung schien darin zu bestehen. ob dies auch wünschenswert ist. 31 f.409 . wird dies zweifellos über jene Disziplinen erfolgen. daß wir durch Selbsterkenntnis dazu veranlaßt würden. Doch angesichts der erbitterten Kontroversen zwischen so nahe verwandten Disziplinen wie der Soziobiologie und der Evolutionspsychologie stellt sich die Frage. wie man diesem achtbaren Ziel .der Erhaltung der Natur . Anders gesagt. eine für ihn besonders vordringliche Erkenntnis anzunehmen: »Je mehr wir uns von Ersatzmechanismen zum Erhalt unseres Lebens und unserer Biosphäre abhängig machen. der Evolutionspsychologie. Mindestens ebenso lohnend aber ist die logische Gegenfrage. der Künstlichen Intelligenz und der Neurowissenschaft durch.

die sein Leben mit Sinn erfüllt habe. Er befürchtete. der Geist könne niemals vollständig verstanden werden. Im Fall der Kernfusion scheint eine Reihe sehr unglücklicher Randbedingungen die künftige Energiegewinnung auf der Basis des Fusionsprinzips zu verhindern. In dem Artikel wird berichtet. sie bedeute vielleicht auch das Ende der Biologie. »Cancer Undefeated«. James Krumhansl und Chauncey Starr. 249. Elliot Valenstein. Das Für und Wider der Fusionsenergie wurde in der Rubrik »Leserbriefe« von Physics Today im März und Mai 1997 kontrovers diskutiert.410 . was die Realisierbarkeit und Erwünschtheit einer solchen Theorie anbelangt. nicht mit Wilson übereinstimmen. Sie erklärten: »Im Fall der Kernspaltung ermöglichte eine Reihe außergewöhnlich glücklicher technischer Umstände die heutige Kernkraftindustrie. mein Buch. Werden die Sterblichkeitsziffern nicht altersbereinigt.8 9 10 11 12 Wissenschaften auf der Basis von Evolutionsbiologie. Wilson hatte dieses Dilemma dadurch gelöst. Zitiert nach Richard Webster. S. als ich ihn 1994 interviewte. 29. Die Debatte ging im Maiheft mit einem Brief zu Ende. eine solche Theorie untergrabe »unser aufgeblasenes Selbstbild und unsere Hoffnung auf grenzenloses Wachstum in der Zukunft«. ja deterministischen Sicht der menschlichen Natur verknüpft. zu glauben. der gemeinsam von drei herausragenden Fusionsforschern verfaßt wurde: William Parkins. Genetik und Neurowissenschaft näher kommen könnte.« Nicht in Jahrzehnten. die altersbereinigte Krebssterblichkeit in den Vereinigten Staaten habe seit 1970 um sechs Prozent und seit 1950 um mehr als acht Prozent zugenommen. Viele Personen. dessen Erkundung nie an ein Ende kommen würde. New York 1995. daß er das Postulat aufstellte. S. machen sich seine Vorstellungen vom Umweltschutz bereitwillig zu eigen. Great and Desperate Cures. fällt die Zunahme noch viel alarmierender aus. in: New England Journal of Medicine. seine Umweltschutzethik zu weit. Genen und Kultur stellten »einen riesigen unerschlossenen Bereich der Wissenschaft und der menschlichen Geschichte [dar]. sondern niemals. In der Tat schadet Wilson der Sache des Umweltschutzes vielleicht sogar. John Bailar und Heather Gornik. An den Grenzen des Wissens. Ironischerweise schien Wilson. New York 1986. Umgekehrt geht vielen. Ich sprach im Herbst 1997 kurz telefonisch mit Sacks. Why Freud Was Wrong.« Vgl. indem er sie so vehement mit seiner reduktionistischen. 1569-1574. Trotz seiner antireduktionistischen Sympathien hat Sacks immer wieder seine Bewun. Mai 1997. die Wechselwirkung zwischen Natur und Umwelt. jener Disziplin. die. daß eine endgültige Theorie der menschlichen Natur womöglich weder wünschenswert noch realisierbar sei (vgl. die sich seiner reduktionistischen Sicht des Menschen anschließen. 231-241). S. 444 f. S.

dem Direktor des Neurosciences Institute in La Jolla. Ein Anthropologe auf dem Mars. vertreten wird. zum Ausdruck gebracht. Aufl. II. 16. Tractatus logico-philosophicus. Frankfurt a. in den fünfziger Jahren. 84. S. Zu John Lilly vgl. Aldous Huxley. 7. New York 1973. 1990.411 . Reinbek bei Hamburg 1990.. S.13 14 15 16 17 derung für eine umstrittene Theorie der Kognition. Berkeley 1988. der seine Frau mit einem Hut verwechselte. S. die von dem Nobelpreisträger Gerald Edelman. Huxley schrieb die beiden Essays. zu Edelman mein Buch An den Grenzen des Wissens. S. Reinbek bei Hamburg 1997. Der Mann. . aus denen das Buch besteht. Vgl. und The Scientist. Ludwig Wittgenstein. Ders. S. The Doors of Perception and Heaven and Hell.. 266-278. 84. Kalifornien. New York 1990. M. seine beiden Autobiographien The Center of the Cyclone. Oliver Sacks.

Daniel. James. München 1994. Geertz. Der Anthropologe als Schriftsteller. 1993. David. . Horgan. vernichtendes Feuer. John. M. Hamer. Randolph. Die Rahmentheorie der vielfachen Intelligenzen. Pinker. Geheimnisse der Partnerwahl. Descartes' Irrtum. Stuttgart 1991. Abschied vom IQ. Gerald. Crick. Göttliche Luft. Schatten des Geistes. Daniel. Damasio.Literaturhinweise Buss. Die Vielfalt religiöser Erfahrung. Die künstlichen Wilden. Wie unser Verhalten von unseren Genen bestimmt ist./Leipzig 1997Kramer. Das unausweichliche Erbe. München 1997. Steven.412 . Roger. Darwins Gefährliches Erbe. LeDoux. Dem Denken auf der Spur. Bewußtsein und die Gesetze der Physik. München 1992. München 1995. Wie Emotionen entstehen. Clifford. Marvin. und George Williams. Frankfurt a. Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins. Minsky. Nuland. Der unheimliche Erfolg der Glückspille Fluctin. Hamburg 1997. Francis. An den Grenzen des Wissens. Der Sprachinstinkt. Warum wir krank werden. Roger. Frankfurt a. Die Evolution des Begehrens. Joseph. Hamburg 1994. München 1991. Wie der Geist im Gehirn entsteht. Fühlen. Heidelberg 1995. What Computers Still Can't Do. München 1997. und Peter Copeland. Die Debatte um Künstliche Intelligenz. Antonio. Noam. Gardner. Chomsky. München 1995. Dennett. Wie wir sterben. Was die Seele wirklich ist. Eine neue Philosophie der Biologie. Der Weg der Kognitionswissenschaft. München 1998. Denken und das menschliche Gehirn. Edelman. Peter. William. Heidelberg 1991. Weinheim 1996. Sherwin. Dennett. Die Antworten der Evolutionsmedizin. Wege zu einer neuen Physik des Bewußtseins. Howard. Das Netz der Gefühle. Probleme sprachlichen Wissens. M. Dreyfus. Stuttgart 1989. Nesse. Gardner. Hamburg 1994. Bern/München/Wien 1998. Stuttgart 1994. Mayr. Cambridge 1992. Howard. Hubert. Dean. Reinbek bei Hamburg 1997. Philosophie des menschlichen Bewußtseins. Penrose. Computerdenken. Ein Ende in Würde?. Glück auf Rezept. Ernst. Mentopolis. Penrose. München 1997.

Vom Entstehen der Computerkultur. Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens. Ein Anthropologe auf dem Mars. Identität in Zeiten des Internet. Frankfurt a. Edward O. Die biologischen Grundlagen unserer Ethik. Freud. München 1998. der seine Frau mit einem Hut verwechselte.. Sociobiology. Oliver. Wilson. Berlin 1990. Der Mann. Shorter. M. Lee. Wie das Denken im Kopf entsteht. Die Wunschmaschine. Edward O. Herbert. Wright. Simon. Oliver. Der Rebell der Familie. München 1998. Sulloway. Die Wissenschaften vom Künstlichen. Berlin 1999. Cambridge 1975. The Moral Animal. Turkle. Reinbek bei Hamburg 1984. Sherry. Reinbek bei Hamburg 1997. Künstliche Zeugung und Lebensdesign im neuen Jahrtausend. Edward O. 1980. Silver. Frank. Diesseits von Gut und Böse.. Leben im Netz. Frank. Jenseits der psychoanalytischen Legende. Steven. Biologie als Schicksal. Geschichte der Psychiatrie. Biologe der Seele. Köln 1982. .413 . Sacks. Berlin 1998. Robert. Turkle. Sherry. Reinbek bei Hamburg 1990. Wilson. Sacks. Sulloway. Edward.Pinker.. Das geklonte Paradies. Berlin 1999. Geschwisterrivalität. kreatives Denken und Geschichte. Reinbek bei Hamburg 1999. Wilson. München 1996. Die Einheit des Wissens.

Walter Brown. Eric Kramer. Und ein besonderes Dankeschön an Suzie. für ihre persönliche und fachliche Unterstützung. und meinem Agenten. Jerome Kagan. Gary Stix. Ich danke auch meinem Lektor. David Rothenberg. Fred Guterl.Danksagung Ich danke allen.]ohn Brockman. Mindy Kornhaber. Karen Wright und Robert Wright. Phil Ross. und für alle Fehler trage ich die alleinige Verantwortung. Ellen Shell. Christof Koch.414 . Dazu gehören Chris Bremser. die mich so gut kennt. Judith Harris. Stephen Morrow. die mir durch ihre Kritik an diesem Buch wichtige Anregungen gegeben haben. Robert Plomin. Robyn Dawes. Roger Greenberg. Hubert Dreyfus. Selbstverständlich stehen sie nicht unbedingt hinter den Aussagen des Buches. .

135. Woody 147 Alltagsverstand 278. 311. 365 Bachrach. 161-164.110.316-356.132.107. Furcht. 171 American Scientist 61 anale Persönlichkeit 85-87 Anästhetika 153..198. Monoaminoxodasehemmer.198. Beardsley. ..198. Jules 269 f. 313 Berlin. 72.192. 363 Alexander Richard 254 Alkoholismus 16. 339. 42.293. 117. Henry 119 f. 369 Altruismus 254-256 Alzheimer-Krankheit 32. Barkow.134. W.. 329‹ 334. kulturell geprägte 105 Behaviorismus 52. 312. 50 f. Timothy 47 f. 291. 250. 70. 322. 76. siehe auch Psychopharmaka. siehe auch Angstneurose.115. tricyclische Antidepressiva Antonuccio.183. 349.133 f. 346. 114.118 f..169.105. Robert 128 AIDS 16. Allen. Antidepressiva 59. American Psychoanalytic Association 77. 298.179f. in.16. 152. Angstneurose 52 f. 368-370 bewußtseinsverändernde Drogen 349f.415 . Fluctin.158-173.Register Ader. 325. 317.217. 189-191. 198. 230. 74.339 Anderson. 215 Außerirdische 89.104. French 229 Angst 16.276. 369 Autismus 80.107. David 167 Aphasie 55.. 70 Archives of General Psychiatry 122. Jerome 240 mit Cosmides und Tooby: Adapted Mind 240f. 338 alternative Medizin 128. 363 American Association for the Advancement of Science 120 American Journal of Psychiatrie 66 American Psychiatric Association 99. Geburtenfolge 269 f.368f.146 f. Henry 127 Begriffe. Bever. 264 f. 214 f. Philip 358 Anderson.186 f.134. American Psychological Association 73-75. 295-304. 116.. 184 f. Isaiah 363 f.135.196. Panikstörungen Angst. Beecher. 31 f. Aristoteles 31 Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom 44.171 American Psychologist 61.129. Anna o. 366 Annual Review of Psychologie 6l Anonyme Alkoholiker 171 f.180. 238. Anthropologie 11. Thomas 308 Bewußtsein 14. SSRIs.

272 f. 250-252.. Floyd 62 Bloom. 314-316 Commander Data 17. David 355 Bouchard. Murray 290 Carroll. 268. 263. Francis 14.. Bode.. Crews.108..156 f. Charles 200 Dawes. 346 Bloom. 345. 256. Jane 132-134 Brooks. Napoleon 264 f. 272 und Wilson: Homicide 259 Darwin. 227 Christenfeld. 261.34. 266 mit Tooby und Barkow: Adapted Mind 240f. 256. 276.48. John 156 Cameron. 257.100..125 f. siehe auch Künstliche Intelligenz Connors. 333 f. 81. 271. Ewen 152 Campbell. 246. Blindsichtigkeit 325. 233 f.. 327f. Walter 178-180 Burt. Peter 190 Talking Back to Prozac 190 Toxic Psychiatry 190 Brody. 41. 220f.. 264. 168. 131 f. 341 f. Dick 246 Cerletti. Roger 138-143 Cioffi. 339. Harold 102 The Western Canon 102 Blum. 305 Computer 14f. 251. 247 f... 34^357 Cronk. 52. Samuel 276 Erewhon 276 Cade. Rodney 304-310.. Martin 258 f. 38 f. 83 Blickfeld 36 f. Meinungsumfrage 170f. Cyril 217 Bush. 314 Brown.. Peter und Hamer: Das unausweichliche Erbe 215.359 Probleme sprachlichen Wissens 73. Judith 94 f. Liv 212 Bohm. 175-177 Chomsky. Frederick 87-96. 320. 34. David 336 f. David 237..416 .107 f. Noam 73.103.15. Butler. 105. 220f. 217. 39. 357 Was die Seele wirklich ist 327.357 Cavett. 43.. 276-318. Vannevar 367 Science: The Endless Frontier 367 Buss. 360 Davenport. Jimmy 247 Consumer Reports. 200. Kenneth 214 f.. 98. 63.. 338.102.bildgebende Verfahren 31 f. 254. Lee 238 Current Opinion 75 Cyc 300-304 Dalai Lama 248 Daly. Leda 240-245. 254. 250..348. Chalmers. 251.. Charles 13.102. 227 Science of Desire 216 Cosmides. 341 Chlorpromazin 59. 274. Die Evolution des Begehrens 237 Butler. Ugo 153 Chagnon. 150 Unauthorized Freud 76 Crick. 334f. 60. 236f. Copeland. Lewis 357 Alice im Wunderland 122 f.. Robyn 135-137 . 298.. Chorea Huntington 195. 339. Thomas 202-206 Breggin. Frank 76 Cog 307 f. 341. 207. 336.

Hans 102. Cheap and Out of Control 307 Feinschmeckersyndrom 55 . Ethology and Soziobiology 253 Eugenik 19.... 317 Expertensysteme 279-283 extrapyramidale Nebenwirkungen 176 f. 88f.. 57. 230.158 f. 189-192. Gerald 14.137 Dawkins. 61. 148 f. Hubert 293-298. 179-185. 261 f. Evolutionsbiologie 12 f. Edelman. Geburtenfolge 269 f. Susan 205 Fast.16. 78.417 . 200f. George 216 f.. Bernie 218 Dignostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) 115 f. Clint 347 Ebers. 31. Rene 340 Devlin..181.165.. Dodo-Hypothese 123 f.320.143. 206. 362 Erikson.48-53.152. Falscherinnerung siehe erinnerungsaufdeckende Therapie Farber. 21. 361 Einstein.152-155. Elkin. 117.. 301 f. 134. vernichtendes Feuer 63 Effexor 148 Einheitliche Theorie des menschlichen Bewußtseins 33. 237. 22. 233-278. 100.159-161. 204 Erklärungslücke 31. 41. 83. 360 Elektroenzephalograph 324.111.16. 365 f..175. 340 Epilepsie 55.House of Cards 135. 1291.47. 317 erlebnisorientierte Therapie 111 Ernst. 27. 52. Daniel 33. 351 Erbanlage und Umwelt 14.149f. 345-347 Darwins Gefährliches Erbe 274 Depression 14. 346 Evolutionspsychologie 19. 219. 42. 270. 274. 51 f. 333 Deep Thought 333 Dennett. Erik 110. 332. 153.194. 124 Fallgeschichten 104. 72.... 96. 172-175 Dreyfus. 133 f. 100 f. 31. 230 f. 274 Deep Blue 289-291. 67...324 Jugend und Krise 110 erinnerungsaufdeckende Therapie 27. 59. 310 What Computer Can't Do 294-297 Drogenmißbrauch 181. 25. 326.198. 163 f.53.113 f. 85. 304. 200. 225. 99.198.. 247.. 204. 296. 269. 351 Eli Lilly 148. 171 Dolnick. 98 Göttliche Luft. 210. 223. 76.177 ELIZA 315 f. Eysenck. 24.131. 214 Doppelblindstudie 117. 21.161. Albert 52. 183-191 Elektrotherapie 150.. 202 f. 63. Eastwood. 335 Elektroschocktherapie 18 f..167. 80.. Descartes. 59!". 212.196 Dopamin 44. 235. 276 Evolution and Human Behavior 253 f.121 f.114 f. 234. Richard 246. 251. Edward 80 Madness on the Couch 80 Donahue 160. 215 Eagle. Irene 169 Emotion 14. 27.. Cecile 269 f. 93. Morris 73 f.

Fetzer.111.144. 172-174.. 300 analyse Fischbach.. 360. 59. Freeman. Jerome 129f.. Edward 288 Freeman.. 282. Francis 22.117f. 29. 322. Foucault. 366 Gagesche Neurowissenschaft 53-58. 171. Michel 366 Fraktale 310. 329 Freud. finanzielle Förderung 25 f. 52. literarisches Schaffen 98. 36. 99. Karl 39 Frontaler Kortex 41 Furcht 49f. 351.138. Walter (Junior) 329f. Gerald 32f. Gall. Flynn. Wilhelm 70. 58..150. Julia 130 Frank. Jerry 277 f..158-167. 359. Sigmund 16. 181 Persuasion and Healing 130. 44. Gattaca 226 f. 365 Gaia-Hypothese 275 Galen 22. Claude 260 Einfluß 20 Fisher. 211 f.108. 271. 69.148.130.146. Anna 80 349 Die Zukunft einer Illusion 97 Freudsche Fehlleistung 92. 204. 21. 272 Gedächtnis. 98 f. 311 f. 30.177-179 102-108 und Greenberg: Freud ScientiDie endliche und die unendfically Reappraised 84 f.. 244 62-109. Food and Drug Administration (FDA)159f. 298.112. 200 Galvani. 349... 280.193. 340. 339. Seymour 84-87.197. 25. 343 The Science of the Mind 343 Fliess.182. 162 f. Walter (Senior) 155. Owen 330f. 54 Galton. liche Analyse 108 172-178 Entwurf einer Psychologie 70 Limits of Biological Treatments Selbstdarstellung 79 for Psychological Distress 172 Traumdeutung 75. 334 Frank. Richard 360 268.. 68 Ausstellung über 76 Fischer. 366f. siehe auch Angst. Cynthia 308 Freud. 271 Fluctin 18f. 81. 194. siehe auch Psycho243.. Das Unbehagen in der Kultur 177 Flanagan. Fevarin 160 157f. 365 Extraordinary Minds 104 Frames of Mind 104 Mind's New Science. Luigi 22 Gardner.113f. 95 Friston. Gazzaniga. The 106 f. Phineas 53 f.418 .. Feminismus 80.. Erinnerungsvermögen .. James 221-224 Flynn-Effekt 221-224 Fodor.Fell. 210. 98. 20-22. Howard 104-108.130. James 257 121. 181 Fredkin.. 366. Franz Joseph 22. Feynman. 82 From Placebo to Panacea 172.126 f. 52. Panikstörungen Gage. Michael 56 The Social Brain 56 Geburtenfolge 266-270.

344-347. Kriminalität. Donald 65 Heidegger. Paul 103 Greenberg. Herbert 287. siehe auch Kinder. Walter 197 Glass.285.17. 264 f. 365 Gehirnwäsche 98. 227 und Copeland: Science of Desire 216 Das unausweichliche Erbe 215. William 255 Harris.177-179 und Fisher: Freud Scientifically Reappraised 84f. James 165 Gottesman. S 255 Hamer.323. 298-301. Martin 294 Heilfieberbehandlung 151 Heisenbergsche Unschärferelation 331 Herrnstein. James 360 Richard Feynman...293. siehe auch Lernen Geertz. 253. Thomas no I'm Okay -You're Okay no Hawking. 208.419 . Kurt 332 Gödelscher Unvollständigkeitssatz 333 Goldman-Rakic. 91. 305 Haldane. 209.339.217. Gentechnologie 17.172.. 336. 258-261. 83. 334 Hamilton. Stuart 322. siehe auch Bewußtsein Gelernter. 211. 228f. 172-174.197 f. siehe auch Krankenversicherung Gewalttätigkeit 160. 265. 26. 269. 45-47. Dean 215-217.194-197. Richard 219-221. Stephen 332 Eine kurze Geschichte der Zeit 332 Hayes-Roth.19. 98. Stephen Jay 251. 226-229 Gesprächstherapie 120 Gesundheitsfürsorge 73.224.132. Lehen und Werk eines genialen Physikers 360 Gödel.. 178 Limits of Biological Treatments for Psychological Distress 172 From Placebo to Panacea 172. 226. Krieg.361 genetische Algorithmen 309 Gentest 18. 274 Gray. J. B. 68 Golgi Camillo 22 Goodwin. 41-43. 214. Glaube an die Wissenschaft 23.199. 177 Greenfield. 46f. Gentherapie. 362.112. sexueller Mißbrauch Gilbert. Clifford n. 98 f.345.. 85.152 Geist-Körper-Problem 16.330. Judith 270 The Nurture Assumption 270 Harris. Murray 15.107. 66.325. 283. Gene 134 f. 262 . Roger 84-86. Frederick 280-283 Hebb. 64. 306 Gell-Mann. 36-38. 79. 31 f. Patricia 41-44. 248.227 Hameroff. 224 und Murray: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. Frederick 174 Goodwin. Kindestötung. 147. 275 HAL 277.. Irving 215 Gould.104. 199. 357 Gleick. Susan 62 Gruppenselektion 255.

420 . 367 Houston. 162. 257. 157 IQ 18. 289. 287 Hippokrates 22 Hitler. Brain and Vision 40 Hudson River Psychiatrie Center 138-144 Human Behavior and Evolution Society (HBES) 236-243. A. Steven 99-101 Hysterie 75.. Arthur 219. 285. 253. 44f. 87. siehe auch tricyclische Antidepressiva Informationstheorie 310. 224 Johnny Carson Show 206 Johnson & Johnson 177 Johnson. Joseph 290 holographisches Gedächtnismodell 323 Homosexualität 18. 275. 280. 351 Jamison. 214 Journal of the American Psychoanalytic Association 119 Judd. Intelligenz 17.. Boris 78 Jensen. 217-227. Brian 352-356 Journal of the American Medical Association 165. Insulinkomabehandlung 151 f. 219-221. John An den Grenzen des Wissens 12-17. Sarah Blaffer 268 Hubel. International Psychoanalytic Association 77 interpersonelle Therapie 168. 254. Adolf 56 Hoane. Whitney 356 Hrdy. Kay 174 An Unquiet Mind 175 Janov. ironische Wissenschaft 17 f. Thomas 319 Hydrotherapie 151. 95 f. 215-217. 223 f. M 287 Jäger und Sammler 238.. 85.106f. 366 f. 219f.114 .194.170 Inzest 84.Killer.105 f. Huxley. 324 Ingenieurwissenschaft 285. 295. Lewis 60 Jung. 368 Schöne neue Welt 167 Huxley. rassistische 27.116. L. 245.. 220 Intelligenztheorien.343. 121.. Arthur 110 Der Urschrei 110 Jelzin. 198. 206. 40. 267 Humangenomprojekt 197 f. 302. Principles of Psychology 22 Die Vielfalt religiöser Erfahrung 349.168-170. David 35 f. 223 f. siehe auch Intelligenz Rasse und 121. 198. James. 306. 245. Carl 110 Jungianische Therapie 18. 287. Alltagsverstand. 264.116 IBM 119. 351 Hyman. 257. William 22.. siehe auch Volksstämme Jahrzehnt des Gehirns 34 f. Aldous 167.217-229 vielfache 41. 263 Horgan.. 338 f.. L. Samuel 319 Josephson. Isaacson.104f. 89. 46 Eye. 28. 297-302. siehe auch Künstliche Intelli genz. 291 Illiac Suite 287 Imipramin 165.203. IQ genetisch bedingte 121. 349 f. 197.

. 200. 283. 77. Douglas 299-304 Lenin. 332.105. 21 Kultur 220. 88-90. 335. Jerome 60. 98. 229-232 Galens Prophecy 231 Kamin.192 Krankenversicherung 76. 81. 81.. Leon 205. siehe auch Unterricht. 285 Kesey.368 Kutchins und Kirk: Making Us Crazy 116 Kybernetik 310 Laing.Kagan. 79. Erinnerungsvermögen . 91. 244. 257. 47-49. 264-266.. 137..170. 81. Christof 327-329.. 333 Katastrophentheorie 310 Kernfusion 362 f.182. 274. 65..258-260 Kindestötung 258-261 Kirk und Kutchins: Making Us Crazy 116 Klein. 298. 276-318. Erziehung. Joseph 48-53. 41. 356 Künstliche Intelligenz (KI) 16. 164. David 299 Kuhn. 353 Kuck.192 Glück auf Rezept 114.293. 244.183.146 f.309. 338f.146. 359 f. 222 f..161-164.132f.. Imre 297 Lamarck. 244.112.167..146. 136f. Karasu. 235. 311 Koshland. 347 Kognitionswissenschaft 22. 168-170 Komplexitätstheorie 275. 250. J. Toksoz 114 Kasparow.111. 167. 238-240.171.170. Gottfried 319 Leibniz-Preis 288 Lenat. 41. siehe auch Gewalttätigkeit Krischnamurti. 81. 362-364 Krieg 16. Daniel 197 Kramer. 291. Wladimir 77 Lennon. Ken 154 Einer flog über das Kuckucksnest 154. 248.421 . Eric 63-70. 338f.51.186 Ketamin 369 Kinder 27.. 302 Das Netz der Gefühle 49. 245. 146. Donald 180 Koch. 247.120 f. 27.69. Karl 37 LeDoux.. D. 332. Ann 249 Lashley. 296. 21. 218 Kandel. 68 f. HO. 50. Peter 114. 265 f. siehe auch Gesundheitsfürsorge Krebs 16.348. 341. 77 Leibniz. 161 f. 302. Kernspinresonanztomographie (MRT) 31 f. 64f.. 228. Essentials of Neural Science and Behavior 64 und Schwartz: Principles of Neural Science 64. 294. 341. R. 196-198.. 38. 110.303f.116. 154 Phänomenologie der Erfahrung 110 Lakatos.52. 60. 277. 321. siehe auch Künstliche Intelligenz kognitive Verhaltenstherapie 18 f.105-107. 78 f.114. Jean 271 Landers. 282 Krieg der Sterne 277 Kriminalität 16.160.190..297. Gedächtnis. Gary 289. Thomas 19.362. 248. 96. John 110 Leponex (Clozapin) 177 Lernen 14.

.35. Colin 347 McGuffin. 212 Mao Tse-tung 243 Marx. 288.. Robert 94 Mikrotubili 334 Miller. 195 f. 286 f. Richard 251. Hans 276 Morris. David 206 Macmillan Freud Evaluated 76 MacNeil/Lehrer News Hour 216 Magersucht 198 Mailer.422 . 370 . 277 Molekularbiologie 13. 317 Lewontin. 59. 224.115. The Emotion Machine 312 Mitchell. 332 f. David 288 Murray.. Marvin 276.138. 348 f. Charles 219-221.147 Meskalin 368f. 157f.41. 253. Peter 209-211 Meditation 128. Joseph 31. Künstliche Intelligenz Mathematik 39. 56 Mukoviszidose 195. 158 Monod. Karl 16 Maschinen siehe Computer. 286-288..133 f. Errol 307 motorische Steuerung 54. Lester 122-126. 237.149. 282. 340. 2O8-21O. John 369 Literatur 17. Geoffrey 237 Minnesota-Zwillinge 200-206. Mumford. 34. 174 f. Rodolfo 39f. 354-356. John 279 McCorduck. 250. 174f. 274 Libet. 279. 316 McGinn. Roboter. 260. 358 Moniz. 342 Lilly..156f. Ludwig. 321. Mesmer. Monoaminoxodasehemmer 59. 100.59. 257. 363 Locke. 224 und Herrnstein: The Bell Curve (»Die Glockenkurve«) 218-221. 287 Geisteswissenschaft als 73. 104. 181 f. 198. Gregor 61. 348. 227 f. Juliet 94 f. 356 Muskeldystrophie 195. 368 Memory Pharmaceuticals 66 Mendel. 346. 248. 186.1541.143.184. 310-312.. 207 Mystiker 343-347 The Mystiker 343 Mystizismus 337f. Antonio Caetano 154 f.103. 275.51. 365 f. 58.Levine.. 207.. Elizabeth 85 LSD 18. 338 Mayr. 62 f. 288. Ernst 18 McCarthy. 369 Luborsky.. 23. 368. 241. 22.107. 262 Musik 53. 316 Machines Who Think 279.. Jacques 63 Moravec. 346 Mental Health Parity Act 113.131 Lithium 20. 218 Minsky. 54 f. 349-356.. Mithen.192. Steven 257 Modularitätstheorie 19. 102-105.130. 248. Literaturtheorie 17. Franz 30 Michelangelo 360 Michels.. 293. John 250 Loftus. Pamela 279. 306. Norman 360 Malcolm. Llinas. Hanns 212 Lykken. 181. Janet 118 Psychoanalysis: The Impossible Profession 118 manisch-depressive Erkrankungen 17. Benjamin 324f. 329. Lobotomie 19. 31.

154. 54 Physik 12. 186. National Institutes of Health 83. 309 f.359 Phrenologie 19. 156 f. 313 Neuropharmacology 179 Neurosen 66. 175-177. Adam 108. 345.. 217 Depressionsstudie 168 f.. 286. Mitch 186 f..153 f. Isaac 34. Olanzapin.144. 96. 81. 52. 217 Neuroleptika 144. 272 Olanzapin 177 Ono.176. 337 New Republic 165 New York Review of Books 87. 36. Allen 256 Orwell.192 Phillips. 78 f. 251 f.. 100f. 33.... 34.148.357. 22f. 214.144... 201. 47. 201 Nesse. 365 Orr. Iwan 111. 181. 213.. 219. 99.. 260.164.. 273..156 f. 259f. 209. 84.. 266. George 272 Panikstörungen 132 f. 105f..302.. 293. Randolph 237. 231. 26. 91.125 New York Times 64f.327-333. 233.336.340. 14f. 262. 344f. Richard 363 Nobler. 39f. 17. 290 New Yorker 269 Newsweek 159.321. 269..168. 183 Nationalsozialismus 198.47. 317.Nabokov. 28. 229. 262 und Williams: Warum wir krank werden 262 Neugierverhalten 198. 274f. Yoko 110 optimistischer Skeptizismus 28 f. . Risperdal (Risperidon) neuronale Netze 65. 226. 262. 291-293.366 Nervenheilanstalt 138-145. 311 Penrose. Leponex (Clozapin). 361 f..199. 236..423 . 336-338 Computerdenken 332-334 Schatten des Geistes 333 People 206 Persönlichkeit 107. Friedrich Also sprach Zarathustra 18 Nightline 216 Nixon. 116.194. 268. 83. 278. 21-23. 229. 282.158 f.285..176 Pawlow.362.198 Ockhams Rasiermesser-Prinzip 92 Ödipuskomplex 30. Vladimir 75 Nagel. 79. H. 269 Newton. 194. 65. 321. 22.. Reserpin. 104. 31-72.132. 320.. Noradrenalin 59.141. 366 Pharmaunternehmen 148. 346. 360 Nietzsche.44. 240f. 212 Nature 32. 90f. 84. 95 f. Roger 332-334.. 262 Paranoia 75 Parkinson-Krankheit 44. siehe auch Chlorpromazin. 254-257. 297f. 365 New Age 128.. Thomas 360 The Nation 75 National Institute of Mental Health 60.. 211.100f. 84. 89f. Neurowissenschaft 13 f.352 natürliche Selektion 15.158 Nuland.. Sherwin 15 How We Die 15 Obdachlosigkeit 138. 81-83.331. 61.199 Philosophie 17. 184. 321. 217 Neurosurgery 182 Neurotransmitter 31.199. 59f.

52. 72 f. 69. Richard 279 Galatea 2. 77.. Piaget. 199. 310-314. 140.. 355. 108. extrapyramidale Nebenwirkungen. 291. 27. 181 Last Resort 58. Karl 28 Positronenemission (PET) 31. SSRIs Psychotherapie 14. 105-107. 247f. 97 Powers.. Robert 225-227 Popper.... 237.190 Planck.. siehe auch Reduktionistisches Dilemma Professional Psychology 167 Prusiner. 64. 27. 77 Phaidon 30 f. Pablo 360 Pinker.133.126-131.. 114. 40.. 101. Psychological Bulletin 61 Psychological Inquiry 273 Psychological Review 61 Psychological Science 226 Psychologie 15. . i36f. 270.2 279 Präferenzeffekt 123. i34f. 229 psychische Phänomene 349. 331-359 Psychopharmaka 14. 110-113.. 362 f. 201. 276f.172-181. 60. 60 f. 75 f.. 20. 52. 26. 262. 359. 178.115. 334. 270f. 262. 262. 110-145. 175-177. 138-145. 350. 308. 346. 231.. 361.. 41. 352-356 Psychoanalyse 20. 316. 364. 259f. 277. 134. 59. 184. 192. 124 f. 328f.177 Pressman. 230. 44. 69 f. 17. Jean 359 Picasso. 117-120.332f. 28. 168-170. 21.. 27. 212. 173.. 233-235. Steven 77. 59f. 113. Stanley 213 Psychiatrie Annals 166 Psychiatrie Times 161 Psychiatrie 15. 23.117. 321. 185. 99. Spätdyskinesie.. siehe auch Antidepressiva. 346 Wie das Denken im Kopf entsteht 77. 130.424 . 315. 62-109. 146-192. 67 f.346 Der Sprachinstinkt 245 Pioneer Fund 206 Placebo 70. 98. 286. 111. 366 Nebenwirkungen 158-160.. 23. 245-250. 83 Postmoderne 12.. 147. 112. 166. 16. 144-192.. 263. 237.. 271. Plomin. 189. Schizophrenie Diagnose 115 f. 42 f. Fluctin.. 80.. 335 f. 276f. 366 psychodynamische Behandlung 73. Jack 57 f.. Max 357 Platon 30f. 27.. 66. 298. John 263 Prion 213 Problem der Zusammenführung von neurologischen Informationen (Bindungsproblem) 40f. Karl 323 Price. 117. 115. 76.41.181 Pribram. psychische Erkrankung 14. 367. 80 f. 352f. 101.361 f. manisch-depressive Erkrankungen.. 126 f. 162. 78. 99. 180. 22 f.. 157f. 59 f. und Gentechnik 226 f. 19.. 321. 138-144. siehe auch Depression. 38.

.113. Schwartz und Kandel: 352. Sanders.. 227. 359..44. 100.138. 282. 59 f. 331 f.156 Science 32. regelbasierte Algorithmen 143.158. 164. 335. Schamanismus 102. George 216 f.C. 306-310. 248. 317.156. Daniel 77 Reduktionismus 28. 201. 312-314. 210 . 229-231 203. Robert 166 Freud and His Critics 76 Sehvermögen 48.115. 328 f. 284. V. 184.425 .370 Robespierre 268 Seehasen 64f.151.. Alan 217 253. Schüchternheit 163. Manfred 151 Rassismus 16. 83.. 262. Risperdal (Risperidon) 177 178.197.167f. Oliver 365 f. 161f. 54.341 Religion 16. siehe auch EuSanta Fe Institut 322 genik Schachcomputer 18. 274. 299. Ein Anthropologe auf dem Mars 364 Ramachandran.. siehe auch MystizisPrinciples of Neural Science mus 64.338 Raven.158 f. 306.328.. 248. 62. 81 f. 219-221. 61 Der Mann. Rattenmann 114. 203. 280. 278. Saul 123 Rush. 100f.109.. Schizophrenie 14. 246. Steven 263 Rosenzweig. 93. Reich. 68. Searching for Memory 77 107. 366 295 f.191 f.. Harold 183-191 Sacks. der seine Frau mit Ramon y Cajal.149.331-336 Question Mark and the Mystiker 343 Rogers.175. Reserpin 59.172.336 Quantenmechanik 12. 357 f. 216.352-354 Quantentheorie des Bewußtseins 322.131. Steen 322 Sakel. Matt 237 Scientific American (Spektrum der The Red Queen 237 Wissenschaft) 12.194f. Carl 120 Rorschach-Test 136 Rose.358 Ridley.141. 268. Wilhelm 110 262. 208-213.171 auch Künstliche Intelligenz Serotonin 44 f. 273.339. 341 Robinson. 288-298. 47. 198..100.178-180. 222 Schacter. 320. 42.310.362 59f. Santiago 22. 80. 349 reduktionistisches Dilemma 41. Roboter 17. 285-291.254. 58..16. Benjamin 142 Russell. S. 326 Qualia 31. 332 f. 47 f.324. Martin 132. 276. 64. 27. 170-172.229. 56. Melvin 146 Sackheim.333.158. J. Rice. 238. 67 einem Hut verwechselte 365 Rasmussen. 26. siehe Seligmam.. Bertrand 11 Sabshin... 33. 274. 56.15. Paul 76 Segraves.342. 34 f... 68 f. 98. 315 f.

58. 326 Sprachvermögen.194. 184 Spectrum. Katherine 133 Sherrington. 271 f.J. Herbert 279. F.. Lee 227 f. Howard 83 Shorter. 90. Silver. 340 Sozialarbeiter 113.137.Seroxat 148. 2 70 f.. 259. 237-242. J.. HALs Legacy 298 f. Charles 59 Shevrin. Arthur 126-129 Shear. Taylor. Del 159 Shapiro. 295 f. Günther 13. Chung-jen 289 f.. Joseph 56.160 Sexualität 27.. 54. 61 Society for Neuroscience 32.197 .. 279-281 Spencer. 243 Star Trek 17. 298 Jenseits von Freiheit und Würde 110 Smith.. 245 f. 241. siehe auch Fluctin Stalin. B. 305 f.107. Stuart 318 The International Dictionary of Psychology 318 Szasz. 171 Sozialdarwinismus 27. 250-252. 301 Suizid 24. Roger 55 Split-brain-Forschung 56.159 Sullivan. Astro 286 Theorie des Psychologiemoduls 317-340 Tiefschlaftherapie 152 Tierschutzbewegung 42 Time 76. Skinner. 75.426 . 194..159-167.110. Sutherland. 245-248. 56 f. 252-254. William 77. Frank 266-270 Freud. 96 f. Sprachverständnis 22.198..117. 78. 72 Solipsismus 28. Smythies. 283-291. 173 sexueller Mißbrauch 88-90. Tay-Sachs-Syndrom 194f. 305 Stent. 237. 250. John 335 f. 219.147. Das geklonte Paradies 227 Simon. David 298 f. M. 242 Tan. 95 f. Thomas 154 Taille-zu-Hüfte-Quotient 240. Harry Stack 170 Sulloway.303 SSRIs 59. siehe auch Evolutionspsychologie Spätdyskinesie 176 f. Edward 150-152 Geschichte der Psychiatrie 150 f. Singh. Herbert 234 Study of Sociology 234 Sperry. 296. 207 Teilchenphysik siehe Physik Teller. 78-81. Roger 299 Shannon. 234' 253 Sozialwissenschaft 240 f. 257 f.. 248. 110 f. 268 Soziobiologie 19. Sexuelle Funktionsstörungen und Psychopharmaka 166 f. 88. Biologie der Seele 271 Der Rebell der Familie 268.. Devendra 239 f. Anthony 263 und Price: Evolutionary Psychiatry 263 Stork. 293. 84f.123 Hamlet 249 Shank. 34 Sokrates 30. 58. Shakespeare. 266. IEEE 201. Mary 134 f.. 319 The Corning of the Golden Age 13 Paradoxes of Progress 13 Stevens.103.299-301.134.

168. 218 Verhaltensgenetik 15. 22 f. 91 f. George 255. 224. 26... 264. 234 Why Freud Was Wrong 76. 253.James 34. 137 f..276 Vertosick. 230 Usdin.114. 85. 357 Williams. Frank 182 Vertrauen in Therapien 25 f.122. 78. 234 Weil.108. 218.46.365.B..368 Tractatus logico-philosophicus 347 Wolfe.170 Trivers. 69f. 109. Torrey. 86. 261. Turkle. 247f. 100.. . Sebastiane 92 Tooby. Julius 151 Washington Post 206 Watson..107. 90 Vererbung 193.. Andrew 349. Robert 255 f.427 . Tom 30 Wolfsmann 114. 347. Ludwig 294.45. James 155 Webster.. Margo 258 f. Susan 81 f. 165 f. Death of Psychiatry 211 Freudian Fraud 76. 262 und Nesse: Warum wir krank werden 262 Williams. 221 f.. 366 Wolpert.194-235.266 mit Barkow und Cosmides: Adapted Mind 240f. E. 271. 77.137... 114 The Talking Cure 81 f. 34. 40. Richard 78. 346 f. 84f. 68 Willensfreiheit 42. Alan 316.. siehe auch Jäger und Sammler Wagner von Jauregg. Gene 148 US-Kongreß 25. 266.125-131. Joseph 279 Träume 79.105. 272 Wittgenstein.325 Unterricht. 254.172 Verwandtenselektion 255 Viagra 160 Volksstämme 238. Steven 15. Robert 229 Weinberg.. 325. 353 Turing-Test 316 f. Torsten 35 f. 144. Tucson. 205. 21.. 267. 341-344.19. 314.147 Valenstein. 268 Biologie als Schicksal 253 Soziobiology 253 und Daly: Homicide 259 Wilson. 369 Weinberg. 320. 202f. 349. 250.. 69. 261-263. 211 Surviving Schizophrenia 211 Traub.. John 240-245. The Unnatural Nature of Science 22 f. 111 Watson. 52. Edward O. 271 f. William Carlos 365 Wilson.. 211 f. 109.197 Watts. Erziehung 56. J.264. 88.243.158. 114 Verdrängung 79.199f. Füller 86 f. 322f. Lewis 13 f. 82 f.. 144-146.368-371 Turing. Bewußtseintagung in 321-356.314. Elliot 363 Great and Desperate Cures 363 Vaughan. 47. tricyclische Antidepressiva 59. 203.155 Wiesel. Sherry 313-316 Lehen im Netz 314 das Unbewußte 63.Timpanaro. 83..

200-207. 206 Diesseits von Gut und Böse 237 Twins 114. 204. 341 2001 277. 204. 218.148. 283. 263.337 The Quantum Self 324 Zoloft 148 Zrehen. 214.181 Zwangsstörungen 198. 206 Wright. Danah 324. Zwangsneurotiker 81. Zohar. Stephane 312 f.Wright. Robert 237 Yanomamö 264 f.428 . 267 . Lawrence 114.100. 298 Zwillingsforschung 22. 60. 194.

429 ..

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