Sie sind auf Seite 1von 287

D. Scott Rogo

Reisen in die unsterbliche Dimension

Ein 8 Schritte-Führer für Astralreisen

Verlag PETER ERD München

LEAVING THE BODY by D. Scott Rogo Original English language edition published by Prentice-Hall, Inc. Englewood Cliffs, New Jersey 07632 Copyright © 1983 by Prentice-Hall, Inc.

Aus dem Amerikanischen übertragen und bearbeitet von Irmgard Sander. Copyright © der deutschen Ausgabe Verlag PETER ERD, 1985. Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und jeglicher Wiedergabe vorbehalten. Printed in West-Germany ISBN 3-8138-0045-8

Inhalt

Vorwort I

 

S

Vorwort II

S

1. Kapitel: Das Potential zur Loslösung vom Körper

S

2. Kapitel: Projektion durch dynamische Konzentration .

S

3. Kapitel: Projektion durch progressive

Muskelentspannung

S

4. Kapitel: Projektion durch kontrollierte Ernährung , .

S

5. Kapitel: Projektion durch Atmen, Yoga und Mantra

,

S

6. Kapitel : Die Monroe-Methoden

S

7. Kapitel: Projektion durch Visualisierung

S

8. Kapitel: Projektion durch Traumkontrolle

s

9. Kapitel : Projektion durch gelenkte Vorstellungsbilder

s

10. Kapitel: Welchen Nutzen hat die Astralprojektion?

s

9 13 17
9
13
17

45

65

87

115

143

171

203

233

255

Für Richard Parks — der lernen wollte, und für Dr. John Palmer - der verstehen wollte

8

Vorwort I

Haben Sie eine Seele? Wird irgend etwas von Ihnen in irgendeiner Form den Tod überle- ben? Wenn Sie glauben, daß Sie so etwas wie eine Seele haben, daß irgend etwas von Ihnen den Tod überleben wird, woher wissen Sie, daß Ihr Glaube nicht abergläubischer Unsinn ist, an den Sie sich ängstlich klammern, weil Sie der Unvermeidbarkeit und Endgültigkeit des Todes nicht ins Auge sehen können? Die Frage, ob man eine Seele hat, die den Tod überlebt, war einst von ganz entscheidender Bedeutung für die Menschen in unserer Gesellschaft. Die meisten Menschen, ob gebildet oder ungebildet, glaubten, daß irgend etwas von ihnen den Tod überleben würde. Heute wird das Wort Seele in gebildeten Kreisen kaum noch erwähnt, und die ganze Vorstellung von einer Seele wird wie ein Überbleibsel aus primitiveren Zeiten behandelt, wie eine psychologische Kompen- sation, die vielleicht zu einer Zeit notwendig gewesen sein mochte, als das Leben noch unsicherer, brutaler und ungebildeter war, die aber für die aufgeklärten Menschen der heutigen Zeit ganz gewiß unnötig ist. Es ist wahr, daß man die Vorstellung von einer Seele dazu gebrau- chen kann, um den Tatsachen des Lebens auszuweichen, aber anderer- seits trifft das letztlich auch auf jede andere Vorstellung zu. Wenn wir wirklich so etwas wie eine Seele haben, die vielleicht den Tod überlebt, birgt das gewaltige Konsequenzen für die Art, wie wir uns selbst und andere sehen, und für die Art und Weise, wie wir unser Leben führen wollen. Einmal abgesehen von den seltsamen psychologischen Zwek- ken, für die Menschen die Vorstellung von der Seele eingespannt haben, welche Fakten stehen uns über die Vorstellung von einer Seele zur Verfügung?

Sie können die Entstehungsgeschichte des Begriffs Seele, was für Gedanken die Menschen dazu entwickelt haben und die ethymologi- sche Ableitung des Wortes Seele studieren, und Sie können vernunft- mäßig und logisch argumentieren, daß der Begriff der Seele keinen „Sinn" ergibt. Aber, wie schon Roger Bacon, einer der Väter der Wissenschaft, erklärte: „Es gibt zwei Arten zu Wissen zu gelangen:

durch logische Beweisführung und durch Erfahrung. Die Beweisfüh- rung trägt logische Schlußfolgerungen vor und zwingt uns, diese anzuerkennen, verursacht jedoch keine Gewißheit oder beseitigt Zweifel, so daß der Geist in der Wahrheit zur Ruhe kommt, es sei denn, dies wird durch die Erfahrung beigesteuert." Im Grunde ist die Grundlage des Begriffs der Seele nicht geistige Vorstellung sondern eine Erfahrung. Tausende, wenn nicht gar Millionen von heute lebenden Menschen haben bereits die Erfahrung gemacht, für kurze Zeit außerhalb der Grenzen ihres physischen Körpers zu existieren, und haben diesen Zustand als real und nicht als einen Traum oder eine bloß eingebildete Erfahrung erlebt. Eine typische Konsequenz eines solchen Erlebnisses der Loslösung vom Körper ist eine Aussage von der Art wie: „Jetzt glaube ich nicht mehr, daß ich eine Seele habe oder daß irgend etwas von mir den Tod überleben wird, ich weiß es!" Geistige Vorstellungen von der Seele existieren, weil Menschen über- wältigende, oftmals lebensverändernde Erfahrungen eines Daseins außerhalb des physischen Körpers gemacht haben. Gelehrte und wissenschaftliche Untersuchungen über die Erfahrun- gen anderer Menschen sind wertvoll. Ich sehe es als eine der befriedi- gendsten Leistungen meiner Karriere an, daß meine experimentelle Studie über ein talentiertes Medium für derartige Erlebnisse der Loslösung vom Körper, „Miß Z", dazu beigetragen hat, eine neue Ära wissenschaftlicher Untersuchungen über die Erfahrung der Loslösung vom Körper einzuleiten (vgl. Journal of the American Society for PsychicalResearch, 1968, S. 3-27). Dieses Medium war in der Lage, für mich in meinem Labor ein solches Erlebnis der Loslösung von ihrem Körper zu bewirken, während ich ihre Gehirnströme und andere physiologische Funktionen überwachte und aufzeichnete. Aber für viele Menschen wirken Studien über die Erfahrungen anderer nie in einem ausreichenden Maß überzeugend, wenn die Vorstellung, die

dahintersteht, in einem derartigen Widerspruch zu den vorherrschen- den Kulturformen steht wie die Erfahrung der Loslösung vom eigenen Körper. Wir wollen eine unmittelbare, persönliche Erfahrung. Genau in diesem Punkt wird das vorliegende Buch sehr hilfreich sein. Dr. Scott Rogo hat uns allen einen großen Dienst erwiesen, indem er eine Reihe von Techniken zusammengetragen hat, die bei vielen Menschen das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeifüh- ren können. Mit Hilfe einer umfangreichen Durchforschung von Fachliteratur, die den meisten Menschen unbekannt ist, hat Dr. Rogo den wesentlichen Kern einer Vielzahl von psychologischen Techniken, die zu dem Erlebnis einer Loslösung vom eigenen Körper führen können, zusammengetragen, analysiert und zusammengefaßt. Kein anderes Buch deckt in einem derartigen Umfang ein potentiell so wertvolles Material ab und bleibt dabei in der Darstellung eines Materials, das leicht ein Opfer von Sensationsgier werden könnte, so vernünftig und sensibel. Angenommen, Sie würden sich fleißig in einer oder mehrerer der Techniken aus diesem Buch üben. Angenommen, es funktioniert. Eines Nachts finden Sie sich losgelöst von Ihrem physischen Körper wieder, offensichtlich am Leben und bei vollem Bewußtsein, nicht länger durch die Schranken Ihres physischen Daseins begrenzt - was dann? Ein großes Abenteuer erwartet Sie! Dr. phil. Carles T. Tart Psychologisches Seminar, Universität von Kalifornien, Davis

12

Vorwort II

Die Astralprojektion, d. h. die Fähigkeit, nach Belieben „den Körper zu verlassen", fasziniert seit langem die breite Öffentlichkeit. Nicht nur, daß Bücher über dieses Thema zu Bestsellern geworden sind, sondern es rufen auch schon seit langem viele nach Informationen darüber, wie sich dieses Erlebnis herbeiführen und erlernen läßt. Als jemand, der sich schon seit vielen Jahren mit diesem Gegenstand beschäftigt, bin ich immer wieder aufs neue erstaunt, wie viele Bitten um diese Art von Informationen bei mir eingehen. Wenn die breite Öffentlichkeit schon seit langem nach derartigen Informationen fragt, so hat eine Reihe von Organisationen von diesem Interesse profitiert und ein Vermögen damit gemacht. Am augen- scheinlichsten ist darunter die Eckankar-Organisation, die in den 60er Jahren von dem verstorbenen Paul Twitchell in Kalifornien gegründet wurde. Twitchell (der sich in großem Maß auf Ghostwriter stützte) verfaßte mehrere Abhandlungen über seine Erlebnisse der Loslösung vom Körper, und die Eckankar-Bewegung wurde um seine Person herum aufgebaut. Die Bewegung verspricht, jeden Anfänger gegen eine Gebühr in der Kosmologie des Kults und in den Methoden der Astralprojektion zu schulen. Leider haben die Eckankar-Leute nie irgendwelche hieb- und stichfesten Daten veröffentlicht, die beweisen, daß ihre Methoden funktionieren. Diese Methoden - die von Medita- tion über Mantra Yoga bis zu Vorstellungsübungen reichen - sind jedoch ein wesentlicher Bestandteil der traditionellen Lehre von der Astralprojektion und werden wahrscheinlich zumindest bei einigen Menschen funktionieren. Im Laufe der Jahre habe ich viele Briefe von Anhängern dieser Bewegung erhalten, die behaupten, daß sie durch diese Lehren gelernt haben, Erlebnisse der Loslösung vom Körper zu

bewirken. Da diese Methoden jedoch ziemlich elementar und keines- falls ausschließlich in der Eckankar-Bewegung zu finden sind, scheint es kaum lohnenswert, große Summen Geldes auszugeben, um sie zu erlangen. Genausowenig ist es notwendig, sich der Kosmologie der Eckankar, die eine Mischung aus volkstümlichem Okkultismus, östli- cher Philosophie und Metaphysik ist, zu verschreiben, um diese Erfahrung zu genießen. Eine andere Organisation, die sehr rasch aus dem öffentlichen Interesse an der Astralprojektion Kapital geschlagen hat, ist das American Research Team aus Beverly Hills, Kalifornien. Trotz des beeindruckenden Titels ist dieses Team tatsächlich nichts anderes als eine Agentur, die ein Tonband mit elektronischen Geräuschen ver- kauft, von dem sie behauptet, daß es Erlebnisse der Loslösung vom Körper bewirken könne. Die Gruppe behauptet, daß sie Beweise dafür besitzt, daß ihr Tonband funktioniert, hat jedoch bisher noch keine derartige Dokumentation veröffentlicht. Als ich das Band zum ersten Mal hörte, arbeitete ich für den Redaktionstab des Psychic-Magazins und spottete gegenüber meinen Redakteuren, daß das Band tatsächlich den Wunsch in einem weckt, den Körper zu verlassen, nur um diesen entsetzlichen Geräuschen zu entkommen! Die Redakteure hatten mir das Band vorgelegt, weil sie meinen Rat hören wollten, ob sie in ihrem Magazin eine Werbeanzeige für dieses Band veröffentlichen sollten oder nicht. Mein Rat lautete, daß die Anzeige irreführend sei. Die Promoter behaupteten, daß jeder allein dadurch, daß er dem Band lauscht, zu dem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen könnte, aber sie konnten diesbezüglich keinen Beweis anführen. Auch verschiedene sogenannte „Geistes-Dynamiker"-Organisatio- nen, wie beispielsweise Silva Mind Control und die verschiedenen Ableger, die dieses sehr populäre Programm hervorgebracht hat, haben Techniken zum Verlassen des Körpers gelehrt. Diese Versuche, das Vorhandensein von Verfahren, die eine Loslö- sung vom Körper bewirken, kommerziell auszuschlachten, waren eine treibende Kraft bei meinem Wunsch, eine vollständige, aber nicht teure Einführung in die authentischen Verfahren herauszubringen. Der zweite Grund, warum ich dieses Buch geschrieben habe, liegt in meinem eigenen Interesse an den Erlebnissen einer Loslösung vom

eigenen Körper. Ich habe mit dem ernsthaften Studium der Parapsy- chologie begonnen, als ich noch ein Teenager war. Als ich zum ersten Mal etwas über Astralprojektion las, kam ich zu dem Schluß, daß das etwas war, was ich auch erlernen wollte! Ich wühlte mich durch eine Unmenge von Büchern zu diesem Thema, in der Hoffnung, irgendeine Zauberformel zu finden, die die Durchführung einfach und verläßlich

es war nicht ganz so einfach. Es entwickelten

sich daraus über zwei Jahre voller Experimente mit verschiedenen Verfahren, und meine Anstrengungen wurden mehr als belohnt, als ich schließlich an einem Sommertag 1965 mein erstes Erlebnis der Loslö- sung von meinem Körper hatte. Dieses Ausgangserlebnis war das erste einer großen Anzahl, die ich im Laufe der nächsten zwei Jahre und vereinzelt bis auf den heutigen Tag erfahren habe. Während dieser beiden Jahre lernte ich, diese seltsamen Wanderungen des Geistes teilweise zu kontrollieren und sogar bewußt auszulösen. Ich war bis zu einem gewissen Grad tatsächlich in der Lage zu lernen, wie man das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bewirken konnte. Mein Interesse zu lernen, wie man den Körper verlassen kann, erfuhr 1973 eine Auffrischung, als mir eine beratende Gastforschertä- tigkeit bei der Psychical Research Foundation in Durham, North Carolina, angeboten wurde. Die P.R.F. hatte einen Forschungsetat erhalten, um die Erfahrungen der Loslösung vom Körper zu erfor- schen, und arbeitete mit S. Keith Harary, einem begnadeten Duke- Studenten zusammen, der derartige Erlebnisse bei sich nach Belieben auslösen konnte. Die Tatsache, daß Mr. Harary seinen Körper verlassen konnte, während er wach blieb, erregte in höchstem Maß mein Interesse an den Verfahren, die er zur Bewerkstelligung seiner dramatischen Abgänge verwendete. Ich habe mit ihm sehr viele Diskussionen über dieses Thema geführt. Im Laufe meiner Karriere habe ich dann später Ingo Swann, ein Medium aus New Jork, kennengelernt, der ebenfalls nach Belieben seinen Geist auf Wander- schaft schicken konnte. Wieder stellte ich ihm viele Fragen dazu, wie er dies zustande brachte. Allmählich begann ich, all diese Informationen in ein System zu bringen. Inwieweit lassen sich diese Techniken miteinander verglei-

machen würde. Nun

chen, inwieweit weichen sie voneinander ab? Funktioniert ein be- stimmtes Verfahren besser als alle anderen? Ist Astralprojektion wie jede andere Fertigkeit, die man mit Hilfe von Übung, von prakti- schem Herumprobieren in den Griff bekommt? Das war ein Teil der Fragen, über die ich jetzt nachzudenken begann. Dieses Buch ist deshalb mehreren verschiedenen Systemen ge- widmet, die uns angeblich helfen sollen, den eigenen Körper zu verlassen. Ich behaupte nicht, daß sie alle funktionieren. Aber es gibt Belege dafür, daß jede dieser Techniken wahrscheinlich für einige Menschen funktioniert. Wegen der kontroversen Natur dieser Techniken ist jedes Kapitel dieses Buches in drei Hauptabschnitte unterteilt. Im ersten Ab- schnitt werde ich jeweils erklären, wie das jeweilige Verfahren ent- wickelt wurde und welches Prinzip ihm zugrunde liegt. Nachdem ich dann die eigentliche Technik so ausführlich wie möglich erläu- tert habe, werde ich jedes System kritisch beurteilen und alle mir bekannten sachdienlichen Belege dazu anführen, ob dieses System funktioniert oder nicht. Wie ich bereits bemerkt habe, werden die meisten dieser Techniken wahrscheinlich für eine begrenzte Anzahl von Personen funktionieren. Manche werden vielleicht feststellen, daß bei ihnen eine bestimmte Methode funktioniert, während ande- re möglicherweise mit mehreren Methoden Erfolg haben. Und wie- der andere stellen vielleicht sogar fest, daß bei ihnen gar keine der Methoden funktioniert. Diesbezüglich sollte immer wieder hervorgehoben werden, daß das Schlüsselwort dieses Buches Verantwortlichkeit heißt. Ich mache keine unerhörten Versprechungen, noch sind solche möglich. (Genau- sowenig könnte ich ein ganz bestimmte Methode zur Herbeiführung der Loslösung vom Körper gutheißen.) Dieses Buch ist in erster Linie als eine für Laien geschriebene Einführung in die Erfahrung der Loslösung vom Körper gedacht und ist auf den Teil der Öffentlichkeit abgestimmt, der sich ernsthaft wünscht, wirksame Techniken der Astralprojektion zu erlernen. Dr. Scott Rogo Northridge, Kalifornien

1. Kapitel:

Das Potential zur Loslösung vom Körper

Es war ein langer Tag, und Sie sind müde. Sie kommen nach Hause, nicken vor dem Fernseher fast ein, tapsen dann über den Flur und lassen sich auf Ihr Bett fallen in der Erwartung, augenblicklich einzuschlafen. Aber dann fühlen Sie sich - plötzlich und unerklärlich - wie gelähmt. Ein Schwall von Geräuschen erfüllt Ihr Ohr. Grelle Blitze zucken unter Ihren geschlossenen Lidern. Dann haben Sie das Gefühl, als ob Sie zu schweben beginnen. Einen Augenblick später öffnen Sie die Augen und stellen fest, daß Sie über Ihrem Körper schweben. Sie schweben tatsächlich in der Luft! Sie können Ihren physischen Körper und alles andere in dem Zimmer von diesem Standpunkt und diesem losgelösten Blickwinkel aus genau untersuchen. Ihr Geist scheint von den Schranken des Körpers vollkommen befreit, und Sie fühlen eine Freiheit und ein erweitertes Bewußtseinsempfinden, wie Sie es nie zuvor erlebt haben. Aber gerade als Sie anfangen, sich in diesem neuen und ungewöhnlichen Seinszu- stand zurechtzufinden, erfahren Sie einen vorübergehenden „Black- out". Innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde „wachen" Sie wieder in Ihrem Körper auf. Wenn Ihnen das jemals passiert ist, stehen Sie nicht alleine da. Die Erfahrung kann beängstigend, übersinnlich oder auch einfach nur verwirrend gewesen sein. Aber sie war nicht einzigartig. Millionen von Menschen haben dieses seltsame Abenteuer schon erlebt, das ver- schiendentlich unter Astralprojektion, Bewegung außerhalb des Kör- pers, ASW (Außersinnliche Wahrnehmung)-Projektion und einer Unmenge anderer Bezeichnungen bekannt ist. Unglücklicherweise trifft es zu, daß das klassische Erlebnis der Loslösung vom Körper eine entfernte Ähnlichkeit mit gewissen

Phänomenen hat, mit denen sich die Psychiatrie und die Psychopatho- logie beschäftigt. Ein Psychiater würde den obigen Bericht möglicher- weise als ein Beispiel für Depersonalisation (Entpersönlichung; ein Gefühl, daß das Ich nicht mehr wirklich ist), für eine Verzerrung der Körpervorstellung (bei der die Empfindung für die Grenzen des Körpers verwischt) oder für Autoskopie (das Sehen der eigenen Erscheinung) einordnen. Das Erlebnis der Loslösung vom Körper unterscheidet sich jedoch deutlich von diesen Anormalien des Wahr- nehmungsvermögens in einem beträchtlichen-und ungeheuer bedeut- samen - Punkt. Es zeichnet sich oftmals durch eine Ubereinstimmung mit der Wirklichkeit aus, d. h., es ist „wahr-sagend". Mit anderen Worten, wenn Sie „Ihren Körper verlassen" sollten und sich an einen mehrere Meilen entfernten Ort begeben würden, könnten Sie ganz genau sehen, was dort vor sich geht! Durch diesen Aspekt fällt das Phänomen der Loslösung vom Körper aus dem Kompetenzbereich des Psychiaters heraus und in den Kompetenzbereich der Parapsycholo- gen und derjenigen Wissenschaftler, die sich mit den seltsamen Seitenwegen psychischer Phänomene beschäftigen. Nehmen Sie beispielsweise den folgenden Fall, der Celia Green vom Institute of Psychophysical Research in Oxford, England, zugeschickt wurde. Die Absenderin war ein Frau, die gerade eine Operation wegen einer Bauchfellentzündung hinter sich hatte. Es waren Komplikatio- nen aufgetreten, in deren Folge sich eine Lungenentzündung entwik- kelt hatte. Da die Frau auf einer L-förmigen Station lag, konnte sie nichts sehen, was hinter dem Knick in dem Flur lag. Und dennoch „Eines Morgens", so schreibt diese Frau, „hatte ich das Gefühl, nach oben zu schweben, und stellte fest, daß ich auf die übrigen Patientin- nen heruntersah. Ich sah mich selbst: gegen Kissen aufgestützt, sehr blaß und krank. Ich sah, wie die Krankenschwester mit einer Sauer- stoffmaske an mein Bett eilte." Während sie sich außerhalb ihres Körpers befand, sah sie eine Frau, die am anderen Ende des Flurs in ihrem Bett saß. Dieser Standort lag außerhalb ihres physischen Blickfeldes. Die Patientin hatte den Kopf dick verbunden und strickte etwas in blauer Wolle. Ihr Gesicht war sehr rot. Die erstaunte Wanderin außerhalb ihres Körpers konnte sogar sehen, welche Zeit eine kaputte Uhr an einer Wand in der Nähe dieser Patientin anzeigte.

Die diensthabende Krankenschwester war ziemlich entsetzt, als ihre Patientin wieder zu sich kam und ihr von diesen Erlebnissen berichte- te. „Ich erzählte ihr, was geschehen war", erklärte die Frau in ihrem Brief. „Aber zuerst glaubte sie, ich würde wirres Zeug reden." Die Frau fuhr fort: „Sie war natürlich erschüttert, denn die betreffende Dame hatte eine Operation am Warzenfortsatz des Schläfenbeins gehabt und befand sich genau in dem Zustand, wie ich sie beschrieben hatte. Es war ihr strengstens verboten, das Bett zu verlassen, und ich selbst war natürlich die ganze Zeit überhaupt nicht auf gewesen. Nach einigen weiteren Einzelheiten, wie etwa der Zeit auf der Wanduhr (die stehen geblieben war), konnte ich die Schwester zumindest überzeu- gen, daß irgend etwas Seltsames geschehen war." Derartige mit der Wirklichkeit übereinstimmende Erlebnisse der Loslösung vom Körper sind nicht ungewöhnlich und werden seit

Jahren von überall berichtet. Obwohl der physische Körper während eines solchen Erlebnisses vielleicht bewußtlos zu sein scheint, ist der Geist des Perzipienten oftmals in der Lage, aus seiner Perspektive außerhalb des Körpers exakte und detaillierte Beobachtungen zu machen. So hatte beispielsweise eine andere Briefpartnerin von Mrs. Green ein solches Erlebnis der Loslösung vom Körper während eines Ohnmachtsanfalls auf einer Party. „Mir wurde plötzlich ganz heiß", beschrieb sie ihr Erlebnis. „Und im nächsten Moment blickte ich auf eine Gestalt herunter, die mit dem Gesicht nach unten auf dem Boden

lag. Ich schien mich ziemlich weit oben zu befinden

ich, daß der Körper am Boden mein eigener war. Ich sah, wie mein

Körper aufgehoben wurde und konnte deutlich einzelne Personen

dann erkannte

unterscheiden und, was sie taten. Ich sah, wie die Hauptbeleuchtung anging, und fand mich dann genauso plötzlich wieder in meinem Körper vor."

„ Ich konnte mir die Handlungen einzelner Personen merken

und beschrieb ihnen später ihre genauen Bewegungen, die sie bestätig-

ten. Es war mir etwas peinlich, daß ich ohnmächtig geworden war, und mein Begleiter tröstete mich damit, daß es niemand bemerkt habe, da die Hauptbeleuchtung im Saal aus gewesen sei; ich hatte jedoch gesehen, wie das Licht angegangen war und jemand für mich einen Stuhl gebracht hatte."

Der Begleiter der Frau mußte zugeben, daß diese Beobachtungen vollkommen korrekt gewesen waren. Natürlich gehört es nicht gerade zu den angenehmsten Erfahrungen, die man sich denken kann, mit Lungenentzündung im Krankenhaus zu liegen oder auf einer Tanzveranstaltung in Ohnmacht zu fallen. Aber es ist nicht notwendig, solche Feuerproben durchzustehen, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Viele Menschen erleben es auf ganz natürliche Weise - d. h. während sie einschlafen oder meditieren, durch Selbsthypnose und so weiter. Es gibt sogar bestimmte Techniken, mit denen man angeblich lernen kann, den Körper zu verlassen. Und das ist natürlich das Hauptthema dieses Buches. Manche Menschen erleben ihr vom Körper losgelöstes Ich als schemenhaftes Gegenstück ihres physischen Körpers und sehen viel- leicht sogar ein fadenförmiges Band, das die beiden Organismen miteinander verbindet. Andere wiederum erleben sich lediglich als einen Lichtfleck oder Lichtball oder schweben einfach dahin, voll- kommen befreit von jeglicher körperlichen Hülle. Aber kann einfach jedermann zu einem solchen Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper gelangen? Oder ist es eine seltene, übersinn- liche Befähigung, die nur wenige, besonders begabte Personen jemals erlangen? Die Ansicht der Parapsychologen hat sich in dieser Frage im Laufe der Jahre etwas gewandelt. In der Vergangenheit glaubten viele Forscher, daß es sich bei dem Erlebnis der Loslösung vom Körper um ein sehr seltenes Phänomen handelte, das ziemlich weit außerhalb des normalen menschlichen Erfahrungsbereichs lag. Diese Sichtweise ist wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, daß nur sehr wenige Menschen jemals über solche Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper, die sie möglicherweise gehabt hatten, sprachen. Da nur wenig über dieses Phänomen bekannt war, brachte es die Betreffenden meist aus der Fassung. Viele fürchteten, von Freunden und Verwandten als verrückt abgestempelt zu werden, wenn sie anfangen würden, darüber zu reden, daß sie ihren Körper verlassen hätten. Die Vorstellung, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eine seltene Erfahrung ist, etwas, das nur großen Mystikern

und bedeutenden Medien passiert, erfuhr unglücklicherweise eine neuerliche Bestätigung, als einige wenige Medien tatsächlich anfingen, über ihre gewohnheitsmäßigen Erlebnisse der Loslösung vom Körper zu schreiben. Der allererste unter ihnen war vielleicht Hugh Callaway, ein britischer Okkultist, der 1920 begann, Berichte über seine zahlrei- chen Erlebnisse der Loslösung vom Körper in einer Reihe von Artikeln im Occult Review zu veröffentlichen. Unter dem Pseudonym Oliver Fox schrieb Callaway nicht nur über seine spontanen Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper, sondern auch darüber, wie er sich darin geübt hatte, derartige Erlebnisse bewußt herbeizuführen. Zur gleichen Zeit, als Callaway in England seine Ausflüge aus dem Körper unternahm, experimentierte der französische Mystiker Marcel Louis Forhan (oder Yram) mit der Astralprojektion und schrieb an seinem Le Médecin de l'Ame, das unter dem Titel Practical Astral Projektion (Praktische Astralprojektion) in der englischen Übersetzung erschien. Dieses Buch war wie die Artikel Callaways unter einem Pseudonym geschrieben. Diese beiden verwegenen Abenteurer schrieben über klassische Erlebnisse der Loslösung vom Körper, über Reisen in vierdimensionale Welten und über Begegnungen mit nichtmenschli- chen Wesen und mystischen Meistern. Für diejenigen Leser, die Callaway und Yram nicht einfach als Phantasten abtaten, die die Öffentlichkeit zum Narren hielten, mußte es so scheinen, als ob nur sehr außergewöhnliche und besonders begabte Okkultisten derartige Erlebnisse der Loslösung vom Körper haben könnten - oder auch nur versuchen sollten. In den 30er Jahren setzte eine Wandlung ein. Das Phänomen der Astralprojektion erfuhr eine allgemeine Verbreitung, als Sylvan Mul- doon, ein kränklicher junger Mann aus einer Kleinstadt in Wisconsin, begann, seine eigenen sachlichen Berichte über seine zahlreichen Er- lebnisse der Loslösung vom Körper zu schreiben. Sein erstes Buch, The Projektion of the Astral Body (Die Projektion des Astralleibes), er- schien 1929. In einer einfachen, unkomplizierten Sprache verfaßt, fehlten ihm die pompösen okkulten Untertöne und übersinnlichen Beiklänge, von denen die Schriften seiner Vorgänger durchsetzt gewe- sen waren. Muldoon wies seine Leser sogar an, wie sie bei sich selbst derartige Erlebnisse der Loslösung vom Körper bewirken könnten.

Um zu beweisen, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper ein allen Menschen eigenes Potential und nicht eine ausdrückli- che übersinnliche Begabung ist, begann Muldoon, Berichte von normalen, ganz alltäglichen Personen zu sammeln, die ein oder auch zwei derartige Erlebnisse der Loslösung vom Körper im Laufe ihres täglichen Lebens erfahren hatten. Diese Berichte, die er in zwei umfangreichen Büchern veröffentlichte, unterschieden sich in starkem Maße von den geheimnisvollen Berichten Callaways, Forhans und anderer. Sie erzählten einfach, wie die Perzipienten unter den unter- schiedlichsten Bedingungen ihren Körper für kurze Zeit verlassen hatten, herumgeschwebt waren, vielleicht ein oder zwei Freunde besucht hatten und dann wieder in ihren Körper zurückgekehrt waren, ohne durch diese Erfahrung irgendeinen Schaden genommen zu haben. Die Erzählungen waren ausgesprochen undramatisch. Mul- doons Werk war somit der erste ernsthafte Versuch, aufzuzeigen, daß das Phänomen der Loslösung vom Körper möglicherweise eine allge- mein verbreitete Erfahrung ist, die so ziemlich jeder für sich erlangen kann - daß es jedoch ganz gewiß viel alltäglicher ist, als jedermann bis dahin erwartet hatte. Während der 60er Jahre wurden Muldoons Anliegen und seine Methoden durch Dr. Robert Crookall, einen britischen Geologen mit einem ausgeprägten Interesse an der Parapsychologie, ausgeweitet, als dieser ebenfalls begann, Berichte von Erlebnissen der Loslösung vom Körper aus der breiten Öffentlichkeit zu sammeln. Zwischen 1961 und 1971 sammelte und veröffentlichte er ungefähr 750 derartige Fälle. Es scheint also jetzt, als ob das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zumindest genauso allgemein verbreitet ist wie viele andere alltägliche übersinnliche Erfahrungen, wie beispielsweise telepathische „Vorahnungen", präkognitive Träume und andere Formen von außer- sinnlichen Phänomenen, die so viele von uns dann und wann erleben. Aber wie allgemein verbreitet das Erlebnis der Loslösung vom Körper anscheinend wirklich auftritt, kam erst ans Tageslicht, als eine Hand- voll Forscher begann, die breite Öffentlichkeit zu diesem Phänomen zu befragen. Es stand ihnen ein gehöriger Schock ins Haus. Dr. Horneil Hart, ein Soziologe an der Duke-Universität in North Carolina, führte Anfang der 50er Jahre die erste derartige Umfrage

durch und veröffentlichte seine Ergebnisse 1954. Er befragte 155 Duke-Studenten zu dem Phänomen der Loslösung vom Körper und fand heraus, daß 27 Prozent von ihnen wenigstens ein derartiges Erlebnis irgendwann in ihrem Leben erfahren hatten. In den 60er Jahren führte Celia Green ähnliche Umfragen in England durch. Sie befragte 115 Studenten der Universität von Southampton; 19 Prozent gaben zu, persönliche Erfahrungen mit dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper gemacht zu haben. Mrs. Green stellte fest, daß die Studenten der Universität von Oxford mit dem Phänomen der Loslö- sung vom Körper sogar noch vertrauter waren. Bei einer ähnlichen Befragung von 380 Studenten begannen kolossale 34 Prozent von ihren Projektionserfahrungen zu berichten. Jüngste Untersuchungen haben die Ergebnisse dieser Umfragen erhärtet. Dr. Susan Blackmore fand 1978 an der Universität von Surrey in England heraus, daß von 132 befragten Studenten 11 Prozent wenigstens einmal das Erlebnis der Loslösung vom Körper gehabt hatten; während Dr. Erlandur Harald- son und seine Kollegen in Island erfuhren, daß von ungefähr 902 Erwachsenen, die sie in ihrem Heimatland befragten, 8 Prozent zugaben, derartige Erfahrungen gemacht zu haben. Dr. John Palmer von der Universität von Virginia in Charlottesville verschickte Frage- bögen, mit denen er die Öffentlichkeit nach jeglicher Art von über- sinnlichen Erfahrungen befragte, die man möglicherweise gemacht hatte. Von den 268 Studenten, die die Fragebögen an ihn zurücksand- ten, berichteten 25 Prozent von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper; 14 Prozent der 354 Erwachsenen, die die Fragebögen ausfüllten, gaben ebenfalls derartige Erlebnisse zu. Eine Umfrage noch neueren Datums wurde 1980 von Dr. Harvey Irwin an der Universität von New England in Australien veröffentlicht. Er befragte 177 Studenten über mögliche Erlebnisse der Loslösung vom Körper, die sie vielleicht gehabt hatten, und ungefähr 20 Prozent beantworteten seine Frage bejahend. Wenn wir all diese Daten zusammennehmen und einen natürlichen Schluß daraus ziehen, scheint es, als ob ungefähr jeder fünfte Mensch irgendwann im Laufe seines Lebens ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erfahren wird. Das ist eine außerordentlich große Zahl!

Natürlich enthalten diese Statistiken sowohl stillschweigende Folge- rungen wie auch Einschränkungen. Sicherlich zeigen sie an, daß das Erlebnis der Loslösung vom Körper keine seltene okkulte Erfahrung ist. Es scheint weit verbreitet zu sein, kann unter einer Vielzahl unterschiedlicher Bedingungen auftreten und scheint nicht so exotisch zu sein, wie es viele der älteren okkulten Autoren haben erscheinen lassen. Auf der anderen Seite beweisen diese Daten nicht, daß jeder- mann ein Erlebnis der Loslösung vom Körper haben kann, daß die Fähigkeit, den Körper zu verlas h, anerzogen oder erlernt werden kann oder daß das Erlebnis der Loslösung vom Körper in keiner Beziehung zu dem Besitz von übersinnlichen Fähigkeiten im allgemei- nen steht. Da wir keine Ahnung haben, wie weit verbreitet die Empfänglichkeit für übersinnliche Einflüsse in der breiten Öffentlich- keit ist, bleibt die Frage, ob das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ein normales, jedem Mensch eigenes Potential - im Gegensatz zu einer besonderen übersinnlichen Begabung - ist, ein strittiger Punkt. Einige neue, von Forschern in den Vereinigten Staaten zusammen- getragene Beweise haben jedoch viel dazu beigetragen, zu zeigen, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper wahrscheinlich tatsächlich ein dem Menschen eigenes Potential und kein besonderes Talent oder eine ererbte Anlage ist. Diese Auffassung rührt von zwei vollkommen unterschiedlichen Beweisverfahren her. Das erste ist das Ergebnis eines ausgedehnten und detaillierten Forschungsprojekts, das ein Team von Psychiatern und Psychologen in Kansas in Angriff nahm. Dr. Glen Gabbard von der Menniger Foundation in Topeka, Dr. Stewart Twemlow vom Topeka V. A. Médical Center und Dr. Fowler Jones von Médical Center der Universität von Kansas entwickelten Ende der 70er Jahre ein Interesse an dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper und begannen Berichte von Leuten zu sammeln, die eine derartige Erfahrung ge- macht hatten. Sie begannen auch, die Berichtenden selbst zu erfor- schen, und präsentierten ihren ersten Schwung von Ergebnissen im Mai 1980 auf der jährlichen Tagung der American Psychiatric Associa- tion in San Francisco. Die drei Forscher berichteten über mehrere unterschiedliche Phasen

ihrer Arbeit, unter anderem, wie sie sich bemühten, die charakteristi- schen Merkmale des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper auszuarbeiten, wie sie zu bestimmen versuchten, ob sich eine Person, die zu einem derartigen Erlebnis fähig ist, von den meisten anderen Menschen in psychologischer Hinsicht unterscheidet und ob sich das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper aus psychiatrischer Sicht erklären läßt. Sie erhielten eine breitgefächerte Vielzahl von Antwor- ten auf diese Fragen, aber generell betrachtet deuten die Untersu- chungsergebnisse darauf hin, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper ein dem Menschen eigenes Potential ist, das so gesehen jedermann erfahren kann. Die Forscher erläuterten, daß ihr Forschungsprojekt im Februar 1976 seinen Anfang nahm, als Dr. Twemlow in einem Interview für den National Enquirer über sein Interesse an dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper befragt wurde. Innerhalb dieses Interviews bat der Psychiater alle Leser, die eine derartige Erfahrung gemacht hatten, ihm zu schreiben. Als Antwort erhielt er 1500 Briefe, von denen 700 ziemlich typische Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper beschrieben. So schrieb zum Beispiel ein Regierungs- angestellter an Twemlow und berichtete ihm von einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, das er mit ungefähr 10 Jahren gehabt hatte. „Ich lebte zusammen mit meinem älteren Bruder im Haus meines Onkels, einem Major der Sanitätstruppe der U. S. Army", schrieb er. „Eines Tages lag ich wach auf meinem Bett und blickte hinauf zu den Deckenbalken des alten spanischen Gebäudes, in dem sich das Quar- tier befand. Ich grübelte über viele Fragen nach, beispielsweise, was ich dort eigentlich tat und wer ich eigentlich sei. Urplötzlich erhob ich mich vom Bett und machte mich auf den Weg in das angrenzende Zimmer. In diesem Moment befiel mich eine seltsame Empfindung; es war ein Gefühl der Schwerelosigkeit und ein seltsames, unbestimmba- res Gefühl der Freude. Ich wandte mich um, um zum Bett zurückzu- gehen, als ich zu meiner großen Überraschung mich selbst auf dem Bett liegen sah. Dieses überraschende Erlebnis in einem derart zarten Alter gab mir eine Art von Ruck, der mich sozusagen in meinen Körper zurückfahren ließ."

Dr. Twemlow gab sich nicht allein mit diesem Grundmaterial zufrieden. Nachfolgend setzte er sich mit allen seinen Briefpartnern schriftlich in Verbindung, bat sie, verschiedene Fragebögen und psychologische Profile auszufüllen und analysierte die Ergebnisse. Mit Hilfe dieser Verfahrensweisen konnte er ungefähr 339 Fälle der Loslösung vom eigenen Körper zusammentragen und analysieren. Diese Datengrundlage, so erklärte er seinen Kollegen auf der Tagung der American Psychiatric Association, erlaubte es ihm zu bestimmen, welche Faktoren derartige Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen scheinen, welche typischen Merkmale diese Erlebnisse gemeinsam haben und was für ein Personenkreis dazu neigt, derartige Erlebnisse zu haben oder zumindest von ihnen zu berichten. Die Ergebnisse der ersten Umfrage von Dr. Twemlow entsprachen weitgehend dem, was vor ihm schon viele andere Forscher herausge- funden hatten. Die meisten seiner Briefpartner (79 Prozent) befanden sich in einem ruhigen und entspannten Zustand, als sie ihre spontanen Astralflüge erlebten, während die restlichen ihre Erfahrung während einer Entbindung, als Folge einer Narkose oder während eines außer- gewöhnlich schweren Schmerzanfalls machten. Dr. Twemlow konnte auch feststellen, daß Personen, die in Meditation geübt waren, beson- ders empfänglich für spontane Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper zu sein schienen. Die Tatsache, daß 79 Prozent der Antwor- tenden zu dem betreffenden Zeitpunkt weder durch eine kritische oder bedrohliche Situation noch durch Krankheit belastet waren, deutet darauf hin, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper durchaus eine ganz normale menschliche Erfahrung sein kann und nicht nur etwas, das unter ungewöhnlichen - oder lebensbedrohli- chen - Umständen bewirkt wird. Auch die Art der Erlebnisse, von denen Dr. Twemlows Informanten berichteten, waren für das Phäno- men der Loslösung vom Körper im allgemeinen ziemlich repräsenta- tiv. Die meisten Informanten berichteten, daß sie vor ihrem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper seltsame, tosende Geräusche hörten, daß sie fühlten, wie sie „ihren Körper verließen", und auf ihren eigenen Körper zurückblickten, daß sie während ihrer Projektion Wände durchdrangen und andere, fast schon legendäre Aspekte der Bewegung außerhalb des physischen Körpers erlebten.

Aber was die Forscher besonders beeindruckte, war die generelle Unbefangenheit ihrer Informanten in bezug auf das Phänomen der

Loslösung vom eigenen Körper. „Es war bezeichnend, daß annähernd ein Drittel der Erhebungsauswahl in keiner Weise ein derartiges

und auch nicht zugab, es erwartet zu haben

oder auch irgend etwas über derartige Erfahrungen zu wissen", berichtete das Psychiaterteam aus Kansas auf der Tagung der American Psychiatric Association. Und wie reagierten diese Informanten auf ihre Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper? Die meisten fanden großen Gefallen daran! Die Psychiater berichteten, daß kollossale 85 Prozent der Teilneh- mer an der Umfrage die Erfahrung als angenehm beschrieben, und mehr als die Hälfte von ihnen beschrieb sie als „freudig". Dieses Ergebnis deutet darauf hin, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eine Erfahrung ist, die wir hegen sollten und die unserem physischen und geistigen Leben wahrscheinlich außerordent- liche Befriedigung bringen wird. Auch scheint die Erfahrung bei vielen der Berichtenden in tiefgreifender Weise die Einstellung zum Leben und zum Tod beeinflußt zu haben. Mehr als zwei Drittel von ihnen erklärten, daß das Erlebnis geholfen habe, ihre Angst vor dem Tod zu verringern und sie in ihrem Glauben an ein Leben nach dem Tod zu bestärken. „Volle 43 Prozent der Testpersonen hielten es für das Großartigste, was ihnen jemals passiert sei", berichteten die Psychiater ihren Kollegen. Die drei Forscher waren darüber hinaus von der Tatsache beeindruckt, daß sich die meisten der Befragten absolut sicher waren, daß sie nicht träumten, als sie ihr Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper hatten. Aber muß man ein besonders gearteter Mensch sein, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen zu können? Für die Psychiater drängte sich diese Frage natürlich als Forschungsgegen- stand auf. Ausgebildet in der Erforschung der menschlichen Persön- lichkeit und des menschlichen Geistes, fragte sich das Team aus Kansas schon bald, ob eine Person, die das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper erfahren hatte oder zumindest zu einer derartigen Erfahrung fähig ist, psychologisch in irgendeiner Weise „anders" ist als

Erlebnis erwartet hatte

die meisten anderen Menschen. Viele Parapsychologen, die sich mit dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper beschäftigt ha- ben, haben sich dieselbe Frage gestellt. Aber die Forscher aus Kan- sas sind die ersten Wissenschaftler, die sich wirklich um eine empiri- sche Untersuchung dieser Frage bemüht haben. Angesichts der überwältigenden Reaktion auf Twemlows Pres- seinterview mangelte es Jones und Gabbard nicht an Testpersonen für ihre Untersuchung. Sie verschickten an diese Personen detail- lierte Fragebögen, mit deren Hilfe sie beispielsweise auf folgende Fragen Antworten finden wollten: Haben Menschen, die das Phäno- men der Loslösung vom eigenen Körper erleben, eine besonders lebhafte Phantasie? Sind sie hysterischer oder psychotischer als die meisten anderen Menschen? Sind sie tatsächlich sogar besser ange- paßt? Es war nicht schwer, diese Fragen zu beantworten, nachdem die Fragebögen wieder eingegangen waren. Die Forscher konnten von 80 ihrer Briefpartner, die die Fragen höchst prägnant beantwor- teten, detaillierte Informationen sammeln. Die Schlußfolgerung? Menschen, die das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper haben, sind genau wie alle anderen Menschen auch! Sie sind meist ziemlich gut angepaßt und in jeder anderen Hinsicht wenig außerge- wöhnlich. Derartige psychologische Befunde sind aus mehreren Gründen sehr bedeutsam. Der Hauptgrund liegt darin, daß Psychiater oftmals der Ansicht waren, daß Menschen, die von Erlebnissen der Loslö- sung vom eigenen Körper berichten, entweder geistesgestört sind oder zumindest in diese Richtung tendieren. Die bahnbrechende Arbeit von Twemlow, Gabbard und Jones hat gezeigt, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper in keiner Weise das Produkt eines gestörten Geistes ist. Besonders bemerkenswert ist die Entdeckung, daß die meisten der Testpersonen tatsächlich außeror- dentlich gut angepaßt waren und das Gefühl hatten, daß das Erleb- nis der Loslösung vom eigenen Körper ein angenehmes, in keiner Weise Angst erzeugendes Abenteuer sei. Als ausgebildete Kliniker ist sich das Team aus Kansas sehr wohl bewußt, welche Folgen sich für die psychiatrische Gemeinschaft im allgemeinen aus ihrer Unter- suchung ergeben. In ihren Darlegungen argumentierten sie durch-

weg, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper nicht länger als irgendeine Art von anormaler Erfahrung betrachtet werden kann. Die Psychiater widmeten genau dieser Kernfrage sogar einen ihrer drei Vorträge auf der Tagung der American Psychiatric Association und faßten zusammen, was sie über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper in Erfahrung gebracht hatten, indem sie es mit mehreren anormalen psychologischen Erfahrungen, wie sie gelegent- lich von geistesgestörten Patienten berichtet werden, verglichen. Sie zeigten auf, daß sich das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper in keine dieser anormalen Geisteserfahrungen einordnen läßt. Sie konzentrierten dabei ihre Aufmerksamkeit besonders auf klinische Phänomene wie Depersonalisation, Autoskopie und die Verzerrung der Körpervorstellung. Depersonalisation, so erläuterten sie, führt bei der betreffenden Person nicht zu dem Gefühl, daß sie ihren eigenen Körper verläßt. Zudem erzeugt sie in dem Leidenden gewöhnlich eine Panikreaktion und tritt auf, wenn die Person verängstigt oder in psychologischer Hinsicht erregt ist. Das alles unterscheidet sie in starkem Maße von dem klassischen Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper, welches gewöhnlich eine beruhigende und erhebende Erfahrung ist. Ähnliche Argumente brachten die Mediziner gegen die Ansicht vor, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper sei eine Form von Autoskopie, ein relativ seltenes Phänomen, bei dem der Leidende, gewöhnlich von der Brust aufwärts und durchsichtig, seine eigene Erscheinung sieht, die die Bewegungen nachahmt, die er mit seinem physischen Körper macht. Auch dies unterscheidet sich vollkommen von der Art und Weise, wie die Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper beschrieben werden. Und nach einer Prüfung der Literatur über die Verzerrung der Körpervorstellung konnten die Psychiater keinen Beweis dafür finden, daß die spezielle Halluzination eines tatsächlichen Verlassens des eigenen Körpers und Wiedereintretens in den Körper für dieser Art von Erfahrung typisch ist. Diese einschlägigen Kernfragen wurden angesprochen, weil sich das Team aus Kansas bewußt war, daß manche Menschen nach einem derartigen spontanen Erlebnis der Loslösung von eigenen Körper

möglicherweise bei einem Psychiater Hilfe suchen würden. Die Folgen könnten verhängnisvoll sein, so warnten sie, wenn der Psychiater mit der Alltäglichkeit des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper nicht vertraut ist. „Vielleicht wäre für eine Person, die ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gehabt hat, eine Aufklä- rung über das Wesen dieser Erfahrung und die Versicherung, daß sie diese Erfahrung mit anderen Menschen teilt, therapeutisch sinnvoller als die konventionellen psychiatrischen Behandlungsmethoden", er- klärten sie ihren Kollegen in der geistigen Gesundheitspflege. Sie deuteten sogar an, daß ein solcher Patient möglicherweise größere Hilfe im Gespräch mit einem Yogi als mit einem Psychiater finden würde! Zusammenfassend hat die Arbeit des Teams aus Kansas also folgen- des erbracht: (1) das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper ist eine Erfahrung, die in der breiten Öffentlichkeit weit verbreitet ist; (2) es ist eine angenehme Erfahrung, die sogar in psychologischer Hin- sicht von Vorteil sein kann; (3) es ist eine normale menschliche Erfahrung; und (4) es gibt keinen bestimmten Personenkreis, der für ein derartiges Erlebnis besonders empfänglich ist. Die natürliche Schlußfolge aus dieser Untersuchung lautet, daß wir alle das Potential zum Verlassen unseres Körpers in uns tragen und es in unserem alltäglichen Leben einsetzen können. Aber bedeutet allein die Tatsache, daß wir die Fähigkeit besitzen, ein oder zwei Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper zu haben, auch schon, daß wir tatsächlich lernen können, dies bewußt zu bewirken? Dies ist eine heikle und kontroverse Frage. Ich selbst neige jedoch zu der Ansicht, daß sie mit Ja zu beantworten ist und daß eine beträchtliche Anzahl experimenteller Beweise diese Auffassung unter- stützen. Dies ist die zweite Hauptbeweisrichtung zur Unterstützung der These, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper ein „dem Menschen eigenes Potential" ist. Zu den einschlägigsten experimentellen Untersuchungen, die diese Ansicht bestätigen, gehört die von John Palmer an der John-F.- Kennedy-Universität in Orinda, Kalifornien. Dr. Palmer begann mit der experimentellen Erforschung des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper Mitte der 70er Jahre, als er Forschungslehrbeauftragter

an der Universität von Virginia war. Palmer hatte schon seit langem argumentiert, daß es möglich sein müßte, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, falls es ein dem Menschen eigenes Potential sei, in freiwilligen Testpersonen zu bewirken, indem man diese Personen anwies, sich an gewisse „Übungs"verfahren zu halten. Ihn beein- druckte die Tatsache, daß jene außergewöhnlichen Personen, die bei sich freiwillig und bewußt das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeiführen können, damit beginnen, indem sie sich entspan- nen, in einen veränderten, das Erlebnis der Loslösung einleitenden Bewußtseinszustand eintreten und sich dann als Einleitung zur Her- beiführung des Erlebnisses vorstellen, wie sie ihren Körper verlassen. Der junge Psychologe begann also, Testpersonen in diesen Vorgehens- weisen zu schulen. Sein Projekt führte zu einigen merkwürdigen Erfolgen. Dr. Palmer führte sein erstes Experiment an der Universität von Virginia durch, indem er 60 freiwillige Studenten testete, die von sich behaupteten, keine besondere übersinnliche Veranlagung zu besitzen. Er bat jeden dieser Studenten einzeln zu sich, wies sie kurz in die Fähigkeit ein, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu bewirken, und warb sie dann für sein Experiment. Hinter diesem ersten Treffen stand der Gedanke, die Studenten in dem Glauben zu ermutigen, daß sie das Erlebnis tatsächlich bei sich bewirken können, indem sie gewisse Übungsschritte befolgen. Jede Testperson wurde dann in einen Laborraum geführt, wo man ihr einen Tisch zeigte, auf den während des bevorstehenden Experiments ein Bild gestellt werden sollte. Die Testperson wurde gebeten, sich in dem Raum zu orientie- ren, da sie später gebeten werden würde, sich nach Verlassen ihres Körpers dorthin zu begeben. Der Freiwillige wurde dann in einen anderen Raum gebracht, in einen Sessel gesetzt und dann angewiesen, sich vollkommen zu entspannen, dadurch daß er nach und nach jede Muskelgruppe seines Körpers zunächst anspannte und dann löste. Dann wurde der Freiwillige einem Zustand leichter Desorientierung unterzogen. Über Kopfhörer wurde eine monotone Sinuswelle einge- spielt, während die Testperson auf eine rotierende Spiralscheibe starren mußte. Schließlich wurde der Student gebeten, sich vorzustel- len, wie er seinen Körper verläßt und in die Spirale eindringt.

Wenn es der Testperson gelang, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, dann wurde sie gebeten, sich in den angrenzenden Laborraum zu begeben und einen Blick auf das Bild zu werfen, das inzwischen auf den Tisch gestellt worden war. Dieser Teil des Experiments war als „Beweis" dafür gedacht, daß der Freiwillige tatsächlich seinen Körper verlassen hatte. Diese Methode zur Herbeiführung von Erlebnissen der Loslösung vom Körper bei den Freiwilligen war ziemlich erfolgreich. Als sie befragt wurden, ob es ihnen zu irgendeinem Zeitpunkt während des Experiments so erschienen sei, als ob sie sich im wahrsten Sinn des Wortes außerhalb ihres Körpers befunden hätten, antworteten 42 Prozent der Testpersonen bejahend. Leider gelang es jedoch nur wenigen von ihnen, das Zielbild korrekt zu beschreiben. Dies war besonders seltsam, da viele der Testpersonen das Gefühl hatten, es tatsächlich gesehen zu haben. Palmer wiederholte schon bald sein Experiment, indem er 40 weitere Testpersonen testete. Dieses Experiment, das ebenfalls an der Univer- sität von Virginia durchgeführt wurde, folgte den gleichen Grundprin- zipien wie das erste, umfaßte jedoch einige zusätzliche Feinheiten. Die Testpersonen für diesen Test wurden zunächst wieder mit Hilfe der progressiven Muskelentspannung entspannt, aber die Spiralscheibe nahm Palmer aus dem Experiment heraus. Statt dessen setzte er den Studenten halbierte Tischtennisbälle auf die Augen und ließ sie in rotes Licht starren. Über Kopfhörer wurde „weißes Rauschen" eingespielt. Es ist bekannt, daß diese Konstellation, in der Fachsprache „Ganzfeld- stimulation"genannt, eine leichte Desorientierung und wachtraum- artige Vorstellungen erzeugt. Palmer glaubte, daß dieser Zustand einer sensorischen Isolation seinen Testpersonen wirksamer zu dem Gefühl verhelfen könnte, als ob sie „ihren Körper verlassen" würden. Wie in seinem ersten Experiment wies er seine Freiwilligen auch diesmal an, einen angrenzenden Raum zu „besuchen" und festzustellen, was für ein Bild dort auf einen Tisch gestellt worden war. Neu an diesem Experiment war jedoch, daß Dr. Palmer nur 20 seiner Testpersonen tatsächlich anwies, während des Tests ihren Körper zu verlassen. Die übrigen wurden lediglich gebeten, sich das Bild in dem angrenzenden Raum „vorzustellen". Diese Vorsichtsmaß-

nahme wurde ergriffen, um festzustellen, welche Rolle in diesem Experiment das Verlassen des Körpers und „normale" ASW im Verhältnis zueinander spielen. Die Ergebnisse dieses Tests waren geradliniger als diejenigen, die Palmer aus dem ersten Experiment gewonnen hatte. Von den 20 Testpersonen, die speziell angewiesen worden waren, während der Ganzfeldstimulation ihren Körper zu verlassen, gaben nicht weniger als 13 ein Erlebnis der Loslösung von ihrem Körper zu Protokoll. Aber auch aus der „Kontrollgruppe" verzeichneten vier Testpersonen ein spontanes Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Den Testper- sonen, die ein Erlebnis der Loslösung von ihrem Körper zu Protokoll gaben, gelang es meist mit einigem Erfolg und übereinstimmender als den übrigen Freiwilligen, das Zielbild zu beschreiben. Dies würde natürlich darauf hindeuten, daß diese Personen während des Experi- ments wirklich in der Lage gewesen waren, ihren Körper zu verlassen und den angrenzenden Raum aufzusuchen. Dr. Palmer führte noch ein drittes Experiment durch, bei dem er während der Einleitungsphase zusätzlich zu der Ganzfeldstimulation einen Vibrierstuhl einsetzte. Da viele Personen, die die Erfahrung der Loslösung von ihrem Körper gemacht haben, berichten, daß ihr Körper vibrierte, als ob ein elektrischer Strom hindurchgehen würde, glaubte Palmer, daß die künstliche Erzeugung dieser Empfindung möglicherweise die Auslösung des Erlebnisses fördern könnte. Er hatte recht. Im Laufe dieses dritten Experiments testete er mit diesem neuen Verfahren 40 Testpersonen, und fast die Hälfte von ihnen gab ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu Protokoll. Es ließe sich nun einwenden, daß sich Palmers Testpersonen lediglich eingebildet haben, daß sie ihren Körper verließen, und nicht wirklich ein klassisches Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erfahren haben. Durch diese Theorie lassen sich jedoch nicht alle Ergebnisse dieser Experimente erklären. Einige der Testpersonen berichteten von Erfahrungen, die sich von den spontanen Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper, von denen Personen in der Folge eines Unfalls oder des besonderen Zustands kurz vor dem Einschlafen berichten, praktisch nicht unterschieden. So beschrieb beispielsweise eine männliche Testperson, wie er sich

plötzlich bewußt wurde, daß er seinen Körper verlassen hatte. „Wäh- rend der Entspannungsphase spürte ich zuerst einen Ansturm von einer Art Erregung", berichtete er Palmer. „Und ich fühlte mich vollkommen abgehoben von allem. Als ich dann versuchen sollte, meinen Körper zu verlassen, wurde mein Verstand plötzlich sehr rege und scharf, und ich fühlte mich wie in einer Art Kasten in einem toten Körper. Das dauerte während des gesamten Experiments an, und als es vorüber war, hatte ich das Gefühl eines großen Falls, als sich das Band

ausschaltete. Ich hatte während der ganzen Zeit auch so ein Gefühl, als ob ich meinen ganzen Körper unter mir in dem Sessel sehen könnte, und einmal hatte ich das Gefühl, als ob sich mein Geist in einem gelben Leuchten direkt über meinen Augen dicht an meinem Kopf befinden würde, und es war ich selbst, aber ich konnte es auch sehen; und ich versuchte mir den Raum mit mir selbst darinnen vorzustellen, und ich hatte das Gefühl, hellwach zu sein und den Raum zu sehen. Und dann habe ich eine Erinnerung an ein Bild in Blaugrün und einem hellen Rotbraun, aber das könnte ein Bild sein, das ich einfach so in meinem Kopf hatte." Andere Testpersonen berichteten von anfänglichen Empfindungen beim Verlassen des Körpers, die an die Art und Weise erinnern, wie manche Menschen den Beginn eines spontanen Erlebnisses der Loslö- sung vom eigenen Körper beschreiben. So berichtete zum Beispiel

einer von Palmers Studenten: „

hatte das Gefühl, als ob ich

durch die Rückenlehne des Sessels hinausgleiten würde. Ich schien mich immer noch in meinem Körper zu befinden, aber ich hatte deutlich das Gefühl, mich einen halben oder ganzen Meter zurückzu- bewegen. Einen Augenblick später schien ich mich etwas nach oben zu bewegen - ein Gefühl, als ob man schwimmt - wie in einer Wanne voll Wasser." Dr. Palmer ist, teilweise als Folge seines Projekts, zu verschiedenen Schlußfolgerungen über das Wesen des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper gelangt. Er glaubt, daß es tatsächlich möglich ist, diese Erfahrung bewußt herbeizuführen, und daß verschiedene verän- derte Konzentrationszustände, wie zum Beispiel die sensorische Isola- tion und Entspannung, mit diesem Phänomen verknüpft zu sein scheinen. Er hält es auch für möglich, daß gewisse psychologische

Ich

Faktoren helfen, diesen Zustand zu erfahren. Palmer beeindruckte die Tatsache, daß diejenigen Testpersonen, die ausdrückliche angewiesen worden waren, als Folge der einleitenden Schritte ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu haben oder zu erwarten, häufiger zu einem derartigen Erlebnis gelangten als die Testpersonen, die nicht in dieser Richtung instruiert worden waren. (Dieser Befund ergab sich ziemlich deutlich aus seiner zweiten großen Versuchsreihe.) Dies führte Palmer zu dem Schluß, daß die psychologische Erwartungshal- tung ein Schlüsselfaktor ist, um Menschen zu helfen, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bewußt herbeizuführen. Mit anderen Worten, wenn Sie daran glauben, daß eine bestimmte Methode funktioniert, wird sie wahrscheinlich auch funktionieren. Aber wenn das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper tatsäch- lich ein uns allen eigenes Potential ist, warum erlebt dann nicht jeder dieses Phänomen? Warum gelangten nicht alle Testpersonen in Pal- mers Experimenten zu einem derartigen Erlebnis? Und warum wird, wie zu Beginn dieses Kapitels dargestellt, wahrscheinlich nur jeder fünfte im Laufe seines Lebens dieses Abenteuer erleben? Es muß noch irgendeinen anderen verborgenen Faktor geben, der bestimmt, wer zu irgendeinem Zeitpunkt seines Lebens erleben wird, daß er seinen Körper verläßt, und wer nicht. Selbst die Verfahrensweisen, die Palmer an der Universität von Virginia ausarbeitete, bewirkten nur bei ungefähr der Hälfte der getesteten Versuchspersonen ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Warum ist es den übrigen nicht gelungen? Eine mögliche Lösung dieses Rätsels kam im August 1978 ans Tageslicht, als Palmer auf einer Tagung von Parapsychologen an der Washington-Universität in St. Louis sprach. Er berichtete, daß er gegen Ende seines Projekts an der Universität von Virginia angefangen habe, die Hirnströme seiner freiwilligen Versuchspersonen aufzu- zeichnen, in der Hoffnung, feststellen zu können, ob sich während eines solchen Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper irgend- welche Veränderungen der Hirnströme ergeben würden. Palmer machte eine überraschende Entdeckung: Versuchspersonen, deren Hirnstromdiagramm während der Vorbereitungen für das Experiment ein Übermaß an Thetawellen aufwies, berichteten unweigerlich über

ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper während des nachfol- genden Experiments. Palmer erläuterte, daß er im Laufe seiner Arbeit auf drei Versuchspersonen stieß, die über 30 Prozent Thetawellen in ihrem Ruhe-EEG aufwiesen. Alle drei hatten später als Folge seiner Auslösungsschritte ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Diese Übereinstimmung war zu auffällig, um sie einfach ignorieren zu können. Aber was ist denn so besonders an diesen Thetawellen? Die Thetawellen sind vielleicht die geheimnisvollsten unter den Hirnströmen. Wir wissen, daß das Gehirn beständig kleine elektrische Schwingungen erzeugt, die man aufzeichnen kann, indem man Elek- troden auf der Kopfhaut ansetzt. Die sich ergebenden Aufzeichnungen werden dann von einem Elektroenzephalographen graphisch darge- stellt. Diese Wellen werden in vier Kategorien eingeteilt. Die vorherr- schendste Kategorie ist die der Setawellen, die zwischen 14 und 30 Perioden pro Sekunde verzeichnet und jegliche Art von intellektuellen Aktivitäten, wie etwas das Lösen von Problemen, begleitet. Wenn wir uns entspannen und unseren Verstand freimachen, verlangsamen sich unsere Hirnströme auf 8 bis 12 Perioden pro Sekunden; diese werden Alphawellen genannt. Deltawellen sind noch langsamer, zwischen 1/2 und 3 Perioden pro Sekunde, und treten gewöhnlich während des Schlafs auf. Die ungewöhnlichen Thetawellen, die bei 4 bis 7 Perioden pro Sekunden zwischen den Alpha- und den Deltawellen liegen, scheinen sich zu manifestieren, wenn die betreffende Personen an einer tiefgreifenden Bewußtseinveränderung teilhat. Intensive kreative Be- tätigungen oder Yoga-Meditation scheinen diese Wellen auszulösen, und sie treten auch auf, wenn eine Person versucht, intensive geistige Vorstellungsbilder zu schaffen, oder bewußt einen veränderten Be- wußtseinszustand herbeiführt. Palmers Entdeckung deutet darauf hin, daß eine auf natürliche Weise entspannte und meditative Person möglicherweise besonders empfänglich für ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist. Es wäre möglich, daß diejenigen, die eine natürliche Befähigung besitzen, ihren Geist freizumachen und ihre Aufmerksamkeit von der Außen- welt abzuwenden, auch die Fähigkeit besitzen, ihren Körper zu verlassen. Die mögliche Entdeckung einer Verbindung zwischen Thetawellen

und dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper birgt auch eine ganz besondere Hoffnung für diejenigen Menschen, die diese Erfahrung bewußt bei sich auslösen wollen. Es ist möglich zu lernen, wie man vermittels eines Biofeedbacks Thetawellen erzeugen kann, und die Pflege dieser Fähigkeit könnte zur Entwicklung von Fertigkei- ten zum Verlassen des Körpers führen. Dr. Elmer Green hat sich seit mehreren Jahren an der Menniger Foundation in Topeka, Kansas, einem Institut, das sich ausschließlich psychologischen Forschungs- projekten widmet, mit Biofeedback-Methoden beschäftigt. Er hat mit einzigartigem Erfolg andere Menschen gelehrt, ihre Hirnströme, einschließlich der Thetawellen, bewußt zu kontrollieren. Tatsächlich

hat Green öffentlich erklärt, daß Personen, die eine Kontrolle über die Thetawellen erlangen, in der Folge beginnen, übersinnliche Erfahrun- gen zu machen. Dies paßt möglicherweise zu Palmers Befunden. Die Entdeckung eines möglichen Zusammenhangs zwischen dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper und bestimmten Hirnwellenfrequenzen ist einer der aufregendsten neuen potentiellen Forschungsansätze zu diesem Thema. Wie Palmer in seinem Vortrag

an der Washington-Universität feststellte: „

sammenhang in zukünftigen Forschungsarbeiten bestätigen, ist es

vielleicht möglich, Biofeedback-Methoden zu entwickeln , um entwe- der das Auftreten des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper

um das spontane Auftreten derartiger Erlebnisse

bei Personen zu verhindern, die sich davon befreien wollen." Für eine Klärung dieser Kernfrage sind offensichtlich weitere Forschungsarbei- ten erforderlich. Es könnte der Anschein entstehen, als ob diese vielfältigen Befunde und Umfragen nichts als ein Mischmasch von Untersuchungsergebnis- sen sind, die in keiner Beziehung zueinander stehen. Aber das ist nicht der Fall. Eine sorgfältige Überprüfung dieser neueren Untersuchungen des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper offenbart verschie- dene miteinander übereinstimmende Entdeckungen. Zusammengefaßt könnte man sagen, daß es keinen bestimmten Personenkreis gibt, der für das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper besonders emp- fänglich ist, und daß spezielle „Erregungs"-Methoden demjenigen, der ein solches Erlebnis bei sich bewirken möchte, helfen können. Dar-

zu fördern oder

Zu-

sollte

sich

dieser

über hinaus steigen die Chancen, zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, wenn man lernen kann, die elektri- schen Hirnströme bewußt zu kontrollieren. Es hat deshalb den Anschein, daß die bewußte Herbeiführung eines

i Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper eine Fertigkeit ist, die jl so gut wie jeder erlernen kann, und nicht ein ererbtes Talent oder eine von Gott gegebene Fähigkeit. Nun erhebt sich natürlich die Frage, ob man wirklich versuchen sollte, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bewußt bei sich herbeizuführen. Gibt es Gefahren bei der Astralprojektion? Oder gibt es irgendwelche besonderen Vorteile, die man mit Hilfe derartiger Praktiken erlangen kann? Meine persönliche Einstellung zu dieser Frage hat sich im Laufe der Jahre gewandelt. Die alte okkulte Schule vertrat die Ansicht, daß das Verlassen des Körpers gefährlich sein könnte. Diese, insbesondere von Hugh Calla- way propagierte Auffassung paßt zu seiner Überzeugung, daß die Astralprojektion nur wenigen Auserlesenen (zu denen er selbst gehör- te) vorbehalten ist, die auf dem oftmals trügerischen Pfad geistiger Erleuchtung weit fortgeschritten sind. In einer seiner Arbeiten für den

obwohl ich sicher weiß, daß einige der

Symptome beim Verlassen des Körpers schmerzhaft und äußerst unangenehm sind, habe ich keinen Beweis dafür, daß sie wirklich so gefährlich sind, wie man sie empfindet, oder daß sie für die Gesundheit des Experimentators schädlich sind." Callaway schlägt dennoch vor, daß „nervöse" Menschen und solche mit einem schwachen Herzen auf Experimente mit der Astralprojektion verzichten sollten. Er wies auch auf die Möglichkeit hin, daß als Folge derartiger Übungen Herzversa- gen, Wahnsinn, Gehirnschlag, schädliche Auswirkungen bei der Rückkehr in den Körper und Besessenheit durch körperlose Wesen auftreten könnten. Es ist jedoch wichtig, festzuhalten, daß Callaway seine Auffassung auf zu seiner Zeit und in seiner Kultur allgemein verbreitete okkulte Überzeugungen gründete und keinen tatsächlichen Beweis dafür in der Hand hatte, daß derartige schreckliche Katastro- phen denjenigen erwarteten, der das Abenteuer, den eigenen Körper zu verlassen, wagte. (Anm.: Es sollte an dieser Stelle fairerweise jedoch darauf hingewiesen werden, daß E. Thelmar in ihrem 1932 erschiene-

Occult Review schrieb er: „

nen Buch The Maniac behauptete, daß eine von ihr durchgemachte psychotische Phase Folge ihrer Astralprojektionen war. Es ist ein faszinierendes Buch, das aber in der Literatur völlig einzigartig dasteht. Die von ihr berichteten Erfahrungen der Loslösung vom eigenen Körper könnten in gar keinem Zusammenhang mit ihrer zeitweiligen Psychose gestanden haben oder einen bereits vorher bestehenden Zustand lediglich eingeleitet haben.) Vor einigen Jahren wurde in der Presse tatsächlich über einen Fall berichtet, bei dem ein Jugendlicher tot in seinem Zimmer aufgefunden worden war, nachdem er mit der Astralprojektion experimentiert hatte. Seine Freunde be- haupteten, daß er freiwillig seinen Körper verlassen habe - für immer. Aber eine nachfolgende Autopsie offenbarte eine wesentlich greifba- rere Ursache für seinen Tod; er starb an einer Überdosis Drogen. Als ich selbst als Teenager anfing, mit der Astralprojektion zu experimentieren, war ich von den Schriften solch großer Meister wie Callaway, Forhan und Muldoon stark beeinflußt und zweifellos ihren Aussprüchen ergeben, daß die Wanderschaft des Geistes alle mögli- chen Arten von physischen, geistigen und seelischen Gefahren mit sich bringen könnte. Ich hatte tatsächlich bei meinen persönlichen Erleb- nissen einige unangenehme Nebenwirkungen erfahren. Deshalb er- klärte ich, als ich zum ersten Mal (1973 in einem Artikel für das Fate- Magazin) verschiedene Methoden zur bewußten Herbeiführung der Loslösung vom eigenen Körper beschrieb, daß „die Astralprojektion aus ganz grundlegenden physiologischen und psychologischen Grün- den tatsächlich gefährlich ist". Ich legte dar, daß das Experimentieren mit dem Verlassen des Körpers für die normalen homöostatischen Körperfunktionen schädlich sein könnte. Insbesondere machte ich mir Gedanken darum, wie diese Induktionsmethoden die Sauerstoffver- sorgung des Gehirns, die normale Regulation des Herzschlags und so weiter beeinflussen könnten. Wenn ich auf meine Erfahrungen, von denen ich später in detaillier- terer Form berichten werde, zurückblicke, glaube ich, daß meine Einstellung ziemlich rückschrittlich und naiv war. Die Astralprojek- tion ist keine „okkulte" Erfahrung, die nur selbsterwählte Eingeweihte zum Zwecke ihrer geistigen Vervollkommnung hegen sollten. Es ist eine normale, gesunde Erfahrung, zu der jeder - ob Arzt, Rechtsan-

walt oder Handwerker - fähig ist. Denken Sie daran, daß das Forschungsteam aus Kansas herausfand, daß die überwältigende Mehrheit der Befragten ihr Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper als erfreulich beschrieb. Manche Menschen waren tatsächlich erschreckt durch ihre plötzliche Befreiung vom eigenen Körper, aber es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einem Erlebnis, das als beängstigend empfunden wird, und einem, das objektiv gefährlich ist. In den meisten Fällen war die Angst eine psychologische Reaktion auf das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper selbst und nicht auf eine diesem Erlebnis innewohnende Gefahr. Angstreaktionen treten gewöhnlich bei Personen auf, die kein Vorwissen über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper haben und deshalb für ein derartiges Erlebnis seelisch-geistig unvorbereitet sind. Während meiner ersten Erfahrungen der Loslösung vom eigenen Körper war ich auch erschreckt durch das Lähmungsgefühl, das oftmals die Freisetzung begleitet, durch die Art und Weise, wie mein Körper sich brennend heiß anfühlte, während ich versuchte, ein derartiges Erlebnis bewußt herbeizuführen, durch die Art, wie mein Herz raste, wenn ich in meinen Körper zurückkehrte, und durch verschiedene andere geringfügige Begleiterscheinungen. Aber je mehr ich mich an den Zustand des Verweilens außerhalb meines Körpers gewöhnte, um so mehr traten diese Empfindungen in den Hinter- grund. Entweder sie traten während des Erlebnisses der Loslösung gar nicht mehr auf, oder ich registrierte sie einfach nicht mehr. Rückschau- end habe ich das Gefühl, daß viele dieser Begleiterscheinungen tatsäch- lich durch den Widerstand meines Geistes (und Körpers) gegen diese Erfahrung hervorgerufen worden sind; sie gehören vielleicht gar nicht zu der Erfahrung selbst. Es ist heute ziemlich bekannt, daß jeder Prozeß, der den Geist in eine neue Beziehung zum Körper setzt, bei einer begrenzten Anzahl von Personen gewisse Nebenwirkungen verursacht. Selbst eine einfa- che Meditation kann zunächst unangenehm sein. Manche Personen machen eine Phase von unangenehmen körperlichen Empfindungen, unwillkürlichen geistigen Reaktionen und Angstgefühlen durch, wenn sie anfangen zu meditieren. Das ist nicht weit verbreitet, aber es ist vollkommen normal. Diese „Eingewöhnungsphase" hört gewöhnlich

mit der Zeit von selbst auf. Zen-Schüler werden sogar gewarnt, daß sie unter Umständen eine Phase unangenehmer geistiger Vorstellungsbil- der durchmachen können, wenn sie mit ihren Meditationsübungen beginnen. Es wird ihnen angeraten, diese Bilder, die sich ohne Zweifel mit der Zeit verlieren werden, einfach zu ignorieren. Das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist vielleicht in dieser Hinsicht nicht anders. Geist und Körper reagieren vielleicht zunächst auf unangeneh- me Weise, aber es gibt keinen wirklichen Grund zu glauben, daß diese Begleiterscheinungen in irgendeiner Weise schädlich sind. In meinem Fall haben sie sich während des ersten Jahrs meiner Experimente vollkommen verloren. Eine der häufigsten Fragen zu diesem Phänomen lautet natürlich, ob man während der Astralprojektion aus seinem Körper „ausgesperrt", werden kann. Die Antwort ist allem Anschein nach Nein. Alle großen Experimentatoren der Vergangenheit haben versucht, das Verweilen außerhalb des Körpers zu verlängern. Die meisten haben sich bewußt bemüht, außerhalb ihres Körpers zu bleiben, selbst wenn sie intuitiv das Gefühl hatten, es sei Zeit zurückzukehren. In fast allen Fällen mußten sie feststellen, daß sie unfreiwillig in ihren Körper zurück- kehrten. Es scheint fast, als ob Körper und Geist ihre eigenen Regeln haben, wie lange das Erlebnis der Loslösung vom Körper andauern kann - Regeln, über die sich selbst die bewußte Willenskraft nicht hinwegsetzen kann. Alles in allem hat es also nicht den Anschein, als ob sich irgend jemand übermäßige Gedanken wegen der oft zitierten Gefahren der Astralprojektion machen müßte. Wirkliche Gefahren sind wahr- scheinlich nicht vorhanden. Selbst die unangenehmen Begleiterschei- nungen treten wahrscheinlich nur selten auf. Warum sollten sonst so viele Personen, die dieses Erlebnis einmal hatten, den Wunsch äußern, noch einmal die Chance dazu zu bekommen? Nach meiner eigenen Einschätzung ist das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eine befriedigende Erfahrung, aus der wir sehr viel lernen können. Es demonstriert, daß der Geist eine Wesenheit für sich ist, klar unterschieden vom Verstand und vom Körper. Ich habe keinen Menschen getroffen, der das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erfahren hat und immer noch Materialist ist. Die

Erfahrung hilft uns auch, die Gesamtheit des Universums in einem größeren Umfang zu erfassen, als es uns eingesperrt in die Begrenzun- gen unseres physischen Körpers möglich ist. Das Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper kann auch helfen, die Angst vor dem Tod zu überwinden. Für manche ist dieses Erlebnis im wahrsten Sinne des Wortes eine Demonstration der persönlichen Unsterblichkeit. Weitere Gewinne aus dem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper werden im abschließenden Kapitel dieses Buches angesprochen werden. Ich habe sicherlich aus meinen persönlichen Erlebnissen der Loslö- sung von meinem Körper sehr viel gelernt. Ich glaube, daß es jedem, der schließlich diese Fähigkeit erlangt, genauso gehen wird.

Quellenhinweise

Crookall, Robert, The Study and Practice of Astral Projektion. London,

1961

More Astral Projections, London, 1964 Casebook of Astral Projection, Secaucus, New York, 1972

Fox, Oliver, Astral Projection, New Hyde Park, New York, 1962

Green, Celia, Out-of-the-Body Experiences, Oxford 1968

Green, Elmer, und Green, Alyce, Beyond Biofeedback, New York, 1977

Muldoon, Sylvan, The Case for Astral Projection, Chicago, 1946

Muldoon, Sylvan, und Carrington, Hereward, The Projection of the Astral Body, London, 1929

The Phenomena of Astral Projection, London, 1951

Palmer, John, „ESP and out-of-body experiences: EEG correlates", in:

Research in Parapsychology - 1978, Metuchen, New York, 1979

Palmer, John, und Liebermann, R., „The influence of psychological set on ESP and out-of-body experiences", in: Journal of the American Society

for Psychical Research, 1975, 69, 193-213

„ESP and out-of-body experiences: A further study.", in: Research in Parapsychology - 1975, Metuchen, New York, 1976 Palmer, John, und Vasser, C., „ESP and out-of-body experiences: An

exploratory study", in: Journal of the American Society for Psychical

Research, 1974, 68, 257-280 Rogo, Dr. Scott, „Astral projection a risky practice?", in: Fate, Mai 1973 Twemlow, Stuart W., Gabbard, Glen O., Jones, Fowler C., „The out-of- body experience. I: Phenomenology; II: Psychological Profile; III:

Differential diagnosis." Reihe von drei Arbeiten, vorgetragen auf der Tagung der American Psychiatric Association 1980

Yram, Practical Astral Projection, London, n. d.

44

2. Kapitel

Projektion durch dynamische Konzentration

Viele Methoden, die traditionellerweise benutzt werden, um das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bewußt herbeizuführen, konzentrieren sich auf Entspannung, das Eintreten in einen schlafähn- lichen Zustand, Selbsthypnose oder die Herbeiführung ähnlicher „Dämmerzustände" des Bewußtseins. Methodisch ausgearbeitete In- duktionsprozesse, die sich auf diesen Praktiken gründen, werden in vielen der folgenden Kapiteln umrissen. Aber nur wenigen ist klar, daß eine der ersten, auf empirischem Wege gewonnene Methode zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper weitaus dynamischer und willensmäßiger war. Der Schlüssel lag im Gebrauch direkter Konzentration. Diese Methode wurde zuerst um die Jahrhundertwende von französischen Forschern entwickelt, ob- wohl man sich heute kaum noch an ihre Untersuchungen und Verfah- rensweisen erinnert.

Hintergrund

Die französischen Erforscher des Übersinnlichen aus dem 19. Jahrhundert waren das Produkt eines reichen Erbes französischen und deutschen Okkultismus. Diese Forscher, die ihre Anschauungen auf die Schriften Franz Anton Mesmers (dem Entdecker des Vorgängers der modernen Hypnose) und seiner Anhänger gründeten, glaubten, daß der menschliche Körper ein kosmisches oder übersinnliches „Fluidum" enthielte. Dieses geheimnisvolle, gleichzeitig stoffliche und unstoffliche Fluidum sollte aus dem Körper veräußerlicht werden können. Ein für übersinnliche Einflüsse empfängliches Medium, so

glaubte man, war in der Lage, diese unsichtbare Substanz nach Wunsch zu veräußerlichen und durch sie übersinnliche Phänomene zu erzeugen, wie beispielsweise Objekte zu bewegen, ohne sie zu berüh- ren. Es hieß, dieses Fluidum könnte sogar veranlaßt werden, in ein Haus einzudringen, so daß dieses in der Folge von Geistern heimge- sucht würde. In vieler Hinsicht ähnelt das übersinnliche Fluidum der Okkultisten dem, was sowjetische Parapsychologen heute als „Bio- plasma" bezeichnen. Diese französischen Gelehrten waren auch von einem Phänomen fasziniert, das den Mesmerianern als „wanderndes Hellsehen" bekannt war. Viele Forscher jener Zeit glaubten, daß es möglich sei, einem hypnotisierten Medium zu befehlen, seinen Geist an einen entfernten Ort zu schicken und festzustellen, was dort vor sich ging. Eine Reihe dieser Forscher sammelte eindrucksvolle Zeugnisse, die die Existenz dieses erstaunlichen Phänomens dokumentierten. (Ein berühmter Fall betrifft einen bekannten Forscher aus Frankreich, der sein junges Medium bat, seinen Vater ausfindig zu machen und ihm zu folgen, wohin er auch ging. Der junge Mann folgte seinem Vater durch die Straßen der Stadt und sah ihn ein Haus von fragwürdigem Ruf betreten. Bei der Überprüfung der Richtigkeit dieses Berichts gab der Vater des Mediums zu, daß die Beobachtungen des Jungen zutreffend gewesen seien — und bat dann den Experimentator, ein derartiges Experiment nicht noch einmal durchzuführen!) Als natürliche Folge aus diesen Beobachtungen ergab sich die Überzeugung, daß der menschliche Körper nicht nur aus einem physischen Organismus, sondern darüber hinaus auch aus einem „fluidalem" Zweitkörper besteht, der veräußerlicht werden und als eine körperlose Erscheinung herumwandern kann, wobei er das menschliche Bewußtsein mit sich nimmt. (Beachten Sie wiederum, wie sehr dies der Überzeugung vieler sowjetischer Forscher ähnelt, daß wir alle in uns einen halbstofflichen „bioplasmischen Körper" beherber- gen.) Schon bald entwickelten viele französische Erforscher des Über- sinnlichen Tests, um die Existenz des Zweitkörpers zu beweisen. Die systematischste Arbeit in dieser Richtung wurde von Hector Durville geleistet, einem Hypnotiseur und Generalsekretär der Ma- gnetic Society in Frankreich. Als ein sehr kritischer und neuerungs-

süchtiger Forscher bemühte er sich in starkem Maße, die Existenz des fluidalen Zweitkörpers zu beweisen, und begann seine Entdeckungen in einer Serie von Berichten und Arbeiten zu veröffentlichen, die 1908 zum ersten Mal erschienen. Diese Arbeiten sind auch heute noch faszinierend zu lesen. Durville führte die meisten seiner Experimente bei sich zu Hause durch. Für eine Versuchsreihe hypnotisierte er zusammen mit einem Kollegen ein weibliches Medium. Ein Beobachter wurde in einem anderen Teil des Hauses plaziert. Die Experimentatoren „schickten" den Zweitkörper ihres Mediums in diesen entfernt gelegenen Raum und wiesen ihn an, den Beobachter entweder zu berühren, zu schlagen oder an ihm zu zerren. Diese Versuche waren in gleichbleibendem Maße erfolgreich. Der Beobachter, der keine Ahnung hatte, was von dem Zweitkörper des Mediums verlangt werden würde, fühlte mehr- fach Schläge, Berührungen oder ein Zerren durch unsichtbare Hände. Der Phantomkörper war sogar für einige Personen, die Durville als Zeugen benutzte, sichtbar. Im allgemeinen beschrieben sie ihn als eine weißliche, geisterhafte Gestalt und sahen eine schnurähnliche Verlän- gerung, die aus seinem Kopf oder seinem Bauch heraustrat (und zum physischen Körper des Mediums zurückführte). Durvilles faszinierendste Entdeckung bestand darin, daß viele Per- sonen, die sich ansonsten nicht für übersinnlich veranlagt hielten, oftmals sogar die unsichtbare Anwesenheit des Zweitkörpers wahr- nehmen konnten. Er führte mehrere Versuche durch, bei denen der Beobachter allein ein einem Raum saß und zu „erraten" versuchte, wann die Kollegen das Phantom ihres Mediums zu ihm sandten. „Wenn sich das Phantom den Beobachtern nähert, nehmen neun von zehn seine Anwesenheit dadurch wahr, daß sie ein plötzliches Gefühl von Kühle befällt, das bald, nachdem sich das Phantom wieder entfernt hat, verschwindet", schrieb Durville in einer Zusammenfas- sung seiner Arbeit von 1908. „Manche Personen nehmen deutlich eine Art Luftzug wahr, wie man ihn ähnlich fühlt, wenn man neben einer sich in Betrieb befindlichen elektrostatischen Maschine steht. Wenn das Phantom sechs oder acht Minuten neben Personen gestanden hat, die sich in einer Ecke meines Arbeitszimmers befinden, scheint es ihnen, als ob dieser Teil des Zimmers fühlbar kühler wäre als der übrige

Raum. Nur wenige Personen nehmen diese Kälteempfindung nicht wahr, dafür aber andere Sinneseindrücke. So fühlt eine Versuchsper- son bei Näherung des Phantoms, insbesondere wenn es 40 oder 50 Sekunden vor ihm gestanden hat, wie seine Hände und insbesondere die Fingerspitzen feucht werden. Wenn das Phantom noch länger stehen bleibt, breitet sich diese Feuchtigkeit über den Oberkörper der Versuchsperson aus. Andere fühlen ein leichtes Zittern, eine Art Schauer, der seltsam, aber nicht unangenehm ist." Dem französischen Experimentator gelang es später mit Erfolg, den fluidalen Zweitkörper physische - d. h. telekinetische - Darbietungen ausführen zu lassen. Der freigesetzte Zweitkörper konnte ein Klopfen verursachen, indem er mit seiner „Hand" auf einen Tisch klopfte, konnte eine halbgeöffnete Tür schließen und so weiter. Als Beispiel folgt das vollständige Protokoll eines solchen Experi- ments, das in Durvilles Arbeitszimmer durchgeführt wurde. Zwei Zeugen, ein M. Dubois und ein weiterer Kollege, waren anwesend. Das Medium wurde in Hypnose versetzt, und dann wurde der Zweitkörper durch Suggestion freigesetzt. „Ich veranlaßte die Projektion des Zweitkörpers, und als er ausrei- chend verdichtet erschien, bat ich ihn, sobald es ihm möglich sei, einige Male auf den Tisch zu schlagen. Nach zwei oder drei Minuten hörten wir ein Knacken in dem Tisch, den niemand berührte, und dann deutlich ein zweimaliges leichtes Klopfen, als ob jemand mit den Fingerspitzen auf den Tisch geklopft hätte. Ich bat das Phantom, erneut zweimal zu klopfen. Ich hatte diesen Wunsch kaum ausgespro- chen, als ein zweimaliges Klopfen ähnlich dem ersten erklang. Ich gönnte dem Medium ein paar Augenblicke Ruhe, bevor ich das Phantom bat, erneut, und zwar dreimal, zu klopfen. Wieder hörten wir ein Knacken in dem Tisch und sofort darauf ganz deutlich ein dreimaliges Klopfen ähnlich den vorangegangenen. In diesem Augenblick läutete es an der Tür. Das Medium wurde unruhig, und ich stellte fest, daß sich das Phantom nicht mehr in der Nähe des Tisches und auch nicht in dem Sessel, den wir links von dem Medium für es hingestellt hatten, befand. Ich fragte das Medium, wo das Phantom sei. „Es ist zur Tür, um nachzusehen, wer dort ist", lautete die Antwort. Ich fragte, wer an der Tür sei und uns störte und

ob wir die Tür öffnen sollten. „Es ist ein Mann, der zu Ihnen will", antwortete sie. „Sie können die Tür öffnen." Ich bat M. Dubois, dem Besucher, der schon wieder gehen wollte, die Tür zu öffnen. Es war Dr. Ridet, der mir ein Manuskript bringen wollte. Er wurde ins Arbeitszimmer geführt, wo das Experiment im Gange war. Das Phantom war zu dem Sessel zurückgekehrt, aber es war in einem aufgelösten Zustand, und das Medium war ermüdet. Ich beruhigte sie und versuchte, das Phantom erneut zu verdichten. Als dies in einem ausreichenden Maß gelungen zu sein schien, bat ich es, sich dem Tisch zu nähern und zweimal zu klopfen. Nach zwei oder drei Minuten hörten wir ein Knacken in dem Tisch und dann ein dreimaliges Klopfen, als ob jemand mit der Unterseite der ausgestreck- ten Finger auf den Tisch klopfen würde. Das Medium war abgespannt und beunruhigt durch die Anwesen- heit des neuen Zeugen, den sie nicht kannte. Aus Angst vor einem Nervenanfall weckte ich sie langsam, unter Beachtung der üblichen Vorsichtsmaßnahme, aus der Hypnose auf. Obwohl sie etwas er- schöpft war, befand sie sich körperlich und seelisch in einem guten Zustand." Durvilles größte Leistung ist zweifellos die Fotografie des Zweit- körpers von einem seiner Medien. Er gelangte zu zwei derartigen Fotografien auf Magnesiumplatten, welche eine verschwommene menschliche Gestalt zeigen, die weiß, aber undurchsichtig ist. Ein weiterer französischer Forscher aus demselben Zeitraum war Dr. Charles Lancelin, ein Arzt und begeisterter Studierender des Okkultismus und der Erforschung des Übersinnlichen. Er teilte Dur- villes Vorstellungen von einem fluidalen Zweitkörper und arbeitete sogar mit einigen der Medien seines Kollegen. Lancelin glaubte jedoch, daß die Projektion des menschlichen Phantomkörpers unter die Kontrolle der Willenskraft gebracht werden könnte. Da er nicht der Ansicht war, daß die Hypnose für die Veräußerlichung des Phantoms wesentlich sei, begann er mit der systematischen Erforschung der Selbstauslösung des Phantomkörpers. Lancelin brachte schließlich ein 559 Seiten umfassendes Buch her- aus, Methodes de Dédoublement Personnel, in dem er seine Untersu- chungen, seine Theorien und seine Methoden für die Astralprojektion

protokollierte. Dieses Buch setzte sich auch mit vielen Methoden auseinander, die innerhalb der mündlichen Tradition der zahlreichen okkulten Zirkel in Frankreich gelehrt wurden, und ihre Veröffentli- chung verursachte beträchtliches Aufsehen.

Die Methode

Lancelin vertrat die Auffassung, daß die Astralprojektion sowohl eine Wissenschaft wie auch eine Kunst sei und daß zahlreiche A-priori- Bedingungen erfüllt sein müßten, bevor man lernen könnte, den eigenen Körper zu verlassen. Zuallererst muß man das richtige „Tem- perament" für die Experimente haben. Temperament ließe sich nach Lancelin definieren als ein „physiologischer Zustand, der durch die Vorherrschaft eines Elementes, Organs oder Systems im menschlichen Körper hervorgerufen wird". Ein Mensch mit einem nervösen Tempe- rament galt als am besten geeignet für die Selbstauslösung des Erlebnis- ses der Loslösung vom eigenen Körper. Heute würden wir vielleicht sagen, daß ein Mensch mit einem nervösen Temperament jemand ist, der suggestibel und empfänglich für Hypnose ist, der sich leicht von der Natur oder in schöpferischem Unternehmungen gefangennehmen läßt und sich der Informationen, die aus seiner Umwelt an ihn ergehen, in höchstem Maße bewußt ist, der eine Sensibilität für die Menschen, die ihn umgeben, besitzt und insbesondere auch für Informationen, die vermittels verschiedener Formen nicht verbaler Kommunikation vermittelt werden. Wenngleich der Begriff neurotisch keine angemes- sene Übersetzung für das wäre, was Lancelin mit einem „nervösen Temperament" meinte, so würde vielleicht „hochsensibel und emp- fänglich für Menschen und die physische Umwelt" der Bedeutung des Ausdrucks gerechter werden. Das zweite Kriterium für einen erfolgreichen Ausflug in die überir- dische Domäne der Astralprojektion besteht in der Gesundheit des Mediums. Er oder sie sollte eine gute Gesundheit, ein ruhiges Gemüt und einen gelassenen Geist besitzen. Darüber hinaus muß das Medium einen eisernen Willen haben, dessen Gebrauch der Schlüssel zu Lancelins Lehre ist. Man muß fähig sein, den eigenen Willen zu

stärken, bis der Willensakt genausosehr zu einem unbewußten wie einem bewußten Prozeß wird. Das bedeutet, daß das Medium zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper lernen muß, wie man mit einer derart strikt ausgerichteten Konzentra- tion „wollen" kann, daß etwas Bestimmtes geschieht, so daß keine störenden Gedanken das gewollte Verlangen aus seiner Vorrangstel- lung im Bewußtsein verdrängen können. Nach einer Weile wird dieser Prozeß des „Wollens" ins Unterbewußtsein eingehen - d. h., das gewollte Tun und Verlangen wird im Gedächtnis bleiben, selbst wenn sich das Medium nicht mehr bewußt mit dem Willensakt beschäftigt. Das klingt vielleicht sehr abstrakt, ist es aber gar nicht. Lassen Sie mich ein Beispiel für diese Art des Wollens anführen. Ich besuchte einmal ein für übersinnliche Einflüsse empfängliche Dame aus New York, die erfolgreich die Fähigkeit demonstriert hatte, kleine Objekte durch ihren Willen zu bewegen. Sie war bei derartigen Demonstratio- nen gefilmt worden; es gab sehr schöne Filmaufnahmen davon, wie sie ein Fläschchen über eine Anrichte in ihrer Küche wandern ließ. Als ich sie fragte, wie sie das zuwege brachte, erklärte sie mir, daß es eine Sache des Willens sei. Sie konzentrierte sich auf das Objekt, auf das sie einwirken wollte, und wollte mit aller Macht, daß es sich bewegt. Dieser Prozeß des Wollens setzte sich fort, bis sie jegliches Bewußtsein für ihre physische Umgebung verlor und anfing, mit dem Objekt zu „verschmelzen". An diesem Punkt existierte nur noch sie und dieses Objekt, und sie konnte es bewegen, als ob es einfach eine Verlängerung ihres eigenen Körpers wäre. Das ist es, was Lancelin mit „dynami- schem Wollen" meinte. Hereward Carrington, ein ernsthafter Studierender der Astralpro- jektion und Erforscher des Übersinnlichen von einigem Ansehen, bevor er 1958 in Los Angeles verstarb, war auch einer der wenigen Gelehrten, die mit Lancelins Werk vertraut waren. Er stellte 1919 die erste englische Zusammenfassung dieses Werkes vor und bot einige spezielle Übungen an, mittels derer man erlernen kann, den Willen zu dynamisieren. „Um den Erfolg unserer ,Astralprojektion' sicherzustellen, müssen wir also zunächst den Willen dynamisieren", schlug er vor. „Das heißt, genaugenommen, ihn ,hyperdynamisieren', so daß er überladen

ist und explodieren kann wie Champagner, wenn der Korken entfernt wird. Es gibt verschiedene Methoden, dies zu erreichen. Eine der einfachsten besteht darin, kurz vor dem Einschlafen immer wieder zu sich selbst zu sagen: ,Ich habe Willenskraft - ich habe Energie!' Das muß man so lange durchhalten, bis der Schlaf wirklich eintritt und jegliche Erinnerung verloren geht. Dann kann man klar umrissen und detailliert an die Aufgaben des bevorstehenden Tages denken und den festen Entschluß fassen, selbst unter großem Druck und trotz Versu- chungen nicht davon abzuweichen. Dies wird dem unterbewußten Willen eine Kraft verleihen, der nichts gleichkommt." Aber wie steht es mit Lancelins Vorstellung vom unterbewußten Wollen? Sie läßt sich vielleicht am besten mit Hilfe einer Analogie verdeutlichen. Haben Sie schon einmal ein Problem gehabt, das Sie derart beunruhigt hat, daß Sie sich in Gedanken fortgesetzt damit beschäftigt haben, wie etwa eine akute Geldverlegenheit, ohne daß Sie sich an irgend jemand wenden konnten? Sie haben viel darüber nachgedacht, das Problem in Gedanken immer wieder durchgespielt, bis es Sie Tag und Nacht verfolgt hat. So gut wie jeder hat eine derartige Feuerprobe schon einmal durchstehen müssen. Wahrscheinlich haben Sie dabei festgestellt, daß Sie auch in ganz unerwarteten Momenten über das betreffende Problem nachdachten. Vielleicht wurde Ihnen zu irgendeinem Zeitpunkt während der Arbeit oder einer Freizeitbeschäf- tigung ganz allmählich bewußt, daß Sie die ganze Zeit über irgendwo in Ihrem Hinterkopf über das Problem und seine mögliche Lösung nachgedacht haben. Das ist es, was Lancelin mit „unterbewußtem Wollen" meinte. Es ist interessant, daß dieser Prozeß eine große Ähnlichkeit mit gewissen Vorgängen hat, die in der traditionellen Magie gelehrt werden. Der Eingeweihte wird angewiesen, sich im Geiste derart stark auf ein bestimmtes Verlangen zu konzentrieren, daß schließlich das Unterbewußtsein von dem Wollen Besitz ergreift und das gewünschte Ereignis mit Hilfe okkulter Mittel eintreten läßt. Bevor man sich im eigentlichen Sinn an der Astralprojektion versucht, sollte der Wunsch dazu und die geistige Beschäftigung mit ihrer Herbeiführung auf dieser Ebene bereits vorhanden sein. Diese Methode des konzentrierten, in eine Richtung ausgerichteten

Wollens ist in Wirklichkeit nicht so geheimnisvoll, wie sie vielleicht klingt. Sie hat große Ähnlichkeit mit der christlichen Vorstellung vom dynamischen Gebet - daß durch inbrünstigen Wunsch und Glauben durch göttliche Vermittlung Dinge in der Welt verändert werden können. Nach okkulter Überzeugung können diese Veränderungen direkt durch die Kraft des Willens erreicht werden. Dennoch sind sich die Methoden des dynamischen Wollens und des konzentrierten Gebets im Grunde sehr ähnlich. Der Wunsch muß derart stark werden, daß er alle Ebenen des Geistes vollkommen in Anspruch nimmt. Diese Instruktionen sind genaugenommen Schulungsübungen, bei denen der Schüler eingeweiht werden soll, bevor der eigentliche Versuch einer Astralprojektion gemacht wird. Wenn man erfolgreich die Methode des dynamischen Wollens erlernt hat, kann die zweite Phase des Programms - der Prozeß der „Lösung" des Zweitkörpers vom physischen Körper - beginnen. Das geschieht folgendermaßen:

Setzen Sie sich in einen bequemen Sessel, oder legen Sie sich aufs Bett, und gehen Sie dann Ihren ganzen Körper in Gedanken durch. Konzentrieren Sie sich mit aller Macht auf jeden Zentimeter Ihres Körpers, und wollen Sie, daß sich der Zweitkörper an diesem Punkt loslöst. Versuchen Sie, wirklich zu fühlen und sich nicht nur vorzustel- len, wie sich der menschliche Zweitkörper an jedem einzelnen Punkt loslöst. Nach Abschluß dieses Vorgangs konzentrieren Sie Ihre ge- samte geistige Energie auf den Solarplexus oder auf die Stirn, und wollen Sie, daß sich Ihr Geist und Ihr Zweitkörper vom Körper freimachen. Es genügt nicht, sich einfach zu wünschen, daß dies geschieht; Sie müssen dazu eine nahezu erschöpfende Willensanstren- gung unternehmen. Selbst wenn Sie bei diesem ersten Mal nicht zu einem klassischen Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen, könnte es sinnvoll sein, wenn Sie sich vorstellen, daß Sie tatsächlich Ihren Körper verlassen haben. Stellen Sie sich vor, daß Sie sich von Ihrem Körper befreit haben und sich losgelöst in Ihrem Zimmer bewegen. Beachten Sie jedes kleinste Detail. Sie werden vielleicht feststellen, daß Sie in einem größeren Maße „draußen" sind, als Sie für möglich halten. Zur Bestätigung der Erfahrung dieser Veräußerlichung schlug Lan-

celin eine gemeinschaftliche Bemühung zusammen mit einem Freund vor. Sie vollziehen den oben skizzierten Prozeß, versetzten sich dann durch die Kraft Ihres Willens in das Haus oder das Zimmer Ihres Freundes und stellen dann fest, ob er Sie tatsächlich sehen kann.

Hierfür eignet sich vielleicht am besten eine Person, die in irgendeiner Weise für übersinnliche Einflüsse empfänglich ist. Als kleinen Tip sollten Sie sich das Bild ihres Freundes die ganze Zeit im Geiste vor Augen halten, während Sie durch die Kraft Ihres Willens Ihren Körper verlassen. Stellen Sie sich das Gesicht Ihres Freundes am Ende eines Tunnels vor, und projizieren Sie sich durch diesen Tunnel hindurch und in das Haus Ihres Freundes. Ihr Freund sollte sich, während Sie versuchen, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizu- führen, gleichzeitig ganz auf Sie konzentrieren. Das könnte helfen, Sie zu der betreffenden Person hinzuziehen. Abgesehen von den rein psychologischen Aspekten der Methoden Lancelins können auch einige atmosphärische oder situationsmäßige Faktoren zum Erfolg oder Fehlschlag Ihrer Experimente beitragen. Folgendes ist beispielsweise zu beachten:

1. Die atmosphärischen Bedingungen sollten trocken und klar sein und das Barometer hoch stehen.

2. Versuchen Sie nicht, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, wenn die Atmosphäre elektrisch geladen ist. Es ist nicht ratsam, während eines Gewitters eine Projektion zu versuchen.

3. Die Außentemperatur sollte mild bis warm sein und nicht weniger als 20 Grad unter der normalen Körpertemperatur des Menschen liegen.

4. Während des Versuchs, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, sollten Sie nur lose Kleidung oder gar nichts am Körper tragen.

5. Machen Sie Ihre Versuche im Dunkeln oder nur bei sehr gedämpf- tem Licht.

6. Versuchen Sie die Projektion, während Sie allein sind.

7. Sorgen Sie für vollkommene Stille, bevor das Experiment beginnt, weil jedes plötzliche oder störende Geräusch Ihre Aufmerksamkeit ablenken und Ihre Konzentration zunichte machen könnte.

8.

Führen Sie diese Versuche spät in der Nacht durch, wenn es am wahrscheinlichsten ist, daß sich der Schlaf unvermutet einstellt.

9. Es ist am besten, bequem irgendwo zu sitzen oder zu liegen. Für ein

optimales Ergebnis sollten Sie sich entweder auf die rechte Seite oder auf den Rücken legen. Sie sollten sich nicht auf die linke Seite legen. Nach Lancelin ist die Astralprojektion eine schwierige Angelegen- heit, der man sich nur langsam und vorsichtig nähern sollte. Es war seine Überzeugung, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper dazu benutzt werden könnte, noch nie wahrgenommene Dimensionen des Raumes und der Zeit zu erforschen, und daß man sowohl geistig wie seelisch auf diese Erfahrung vorbereitet sein sollte. Im wesentlichen vertrat er in bezug auf das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper die Haltung eines Okkultisten, eine Haltung, die - wie im 1. Kapitel angedeutet wurde - möglicherweise nicht richtig ist. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß Lancelins Methoden zu seiner Zeit die fortschrittlichsten und am weitesten entwickelten waren und sich auf die Schriften und Praktiken der größten Okkultisten Frank- reichs stützten. Sein eigenes Werk hat viele dieser Methoden durch Beweis erhärtet, und man sollte sie ernst nehmen.

Kritische Bemerkungen

Die im vorangegangenen besprochenen Methoden und Vorbedin- gungen mögen dem Leser als ziemlich willkürlich erscheinen, aber man darf nicht vergessen, daß Lancelin seine Ansichten auf jahrelangen empirischen Beobachtungen und Experimenten gründete. Sein ma- gnum opus ist nie in einer englischen Übersetzung erschienen. Car- nngtons Zusammenfassung wird ihm kaum gerecht. Es ist daher unmöglich, die logischen Grundlagen und Beweise zu erläutern, die der französische Forscher für seine verschiedenen Ansichten und Vorschläge ins Feld führte. Lancelins Forschung ist wahrscheinlich das maßgebende, auf empirischem Weg gewonnene System zur willentli- chen Herbeiführung der Projektion des Zweitkörpers. Es ist deshalb bedauernswert, daß es in den Vereinigten Staaten oder auch allgemein unter den Schülern der Astralprojektion so wenig bekannt ist.

Meine persönliche Achtung vor der Forschungsarbeit Lancelins ist im Laufe der Jahre in beträchtlichem Maße gewachsen, größtenteils gegründet auf meine eigenen Erfahrungen und Experimente mit der Kunst der Loslösung vom eigenen Körper. Wie schon im Vorwort dieses Buches angesprochen, begann ich 1965 mit Hilfe systematischer Experimente zu eigenen Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Zwischen 1965 und 1967 traten derartige Erleb- nisse relativ häufig auf, und ich lernte, sie bis zu einem gewissen Grade bewußt zu beeinflussen. Rückblickend muß ich sagen, daß viele der Bedingungen im Umfeld meiner damaligen Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper mit Lancelins Ansichten übereinstimmten. So traten sie zum Beispiel gewöhnlich unter solchen Bedingungen auf, von denen Lancelin glaubte, daß sie die Astralprojektion begünstigen würden - bei warmem Wetter, wenn ich kurz vor dem Einschlafen war, bei völliger Stille und so weiter. Meine Projektionen traten auch auf, wenn ich entweder auf dem Rücken oder auf der rechten Seite lag. Tatsächlich stellte ich sogar fest, daß ich ein beginnendes Erlebnis im Ansatz unterdrücken konnte, indem ich mich einfach auf die linke Seite drehte. Warum das so ist, weiß ich selbst nicht, aber es stimmt in eigenartiger Weise mit Lancelins Entdeckungen überein. Seine Bemerkungen über die atmosphärischen Bedingungen sind ebenso faszinierend. Als ich 1973 nach Durham, North Carolina, ging, um in der Psychical Research Foundation zu arbeiten, lernte ich S. Keith Harary (genannt „Blue"), einen Studenten der Duke-Univer- sität, der bei sich nach Belieben Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper herbeiführen konnte, kennen und arbeitete sechs Wochen mit ihm zusammen. Während dieser sechs Wochen demonstrierte Blue seine Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, sich an entfernte Orte zu projizieren, zu „sehen", was dort vor sich ging, Tiere auf seine Anwesenheit reagieren zu lassen und in seltenen Fällen sogar seine Erscheinung sichtbar werden zu lassen. (Ein vollständiger Bericht von Hararys Fähigkeiten findet sich im 3. Kapitel.) Aber in einem Punkt war Blue eisern. Er versuchte nie eine Projektion während eines Gewitters oder wenn ein Gewitter drohte. Er hatte das Gefühl, daß die elektrische Aufladung in der Atmosphäre seine Fähigkeiten behin- derte und ihn desorientierte. Auch hatte er eine Abneigung dagegen,

sich während seiner Projektionen irgendwelchen elektrischen Leitun- gen zu nähern. Manchmal, so erzählte er mit, wurde er bei derartigen Gelegenheiten von den Leitungen „gefangen" und hing an ihnen fest. Ich glaube nicht, daß dies bloße Einbildung war. Zumindest einmal testeten wir Blue, als ein Gewitter im Anzug war. Er hatte darum gebeten, das Experiment zu verschieben, aber wir hatten ihn ermutigt, es dennoch zu versuchen. Er wurde in das Duke-Universitätskranken- haus in eine hermetisch abgeschlossene Zelle gebracht und gebeten, sich in das Laboratorium der Psychical Research Foundation zu projizieren. Dort sollte er sich die Anordnung ansehen, die wir für ihn aufgebaut hatten und uns berichten, was er gesehen hatte. (Die Anordnung bestand aus verschiedenen Laborgeräten, die wir auf einer großen Trommel aufgebaut hatten.) Blue sagte voraus, daß er wegen des Gewitters bei diesem Experiment versagen würde, und er behielt recht. Dabei hatte er nur eine Woche zuvor dieselbe Aufgabe in großartiger Manier erledigt. Während meines Aufenthalts in Durham hatte ich später Gelegen- heit, verschiedene Fälle von spontanen Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper zu untersuchen, die mir von Leuten zugesandt wur- den, die von unserer Forschungsarbeit gehört hatten. Eine Frau beschrieb, wie sie während eines ihrer Erlebnisse einer elektrischen Leitung zu nahe gekommen war, an ihr hängengeblieben war und sich an ihr entlangbewegen mußte, bis sie endlich wieder davon loskam. Dieser Fall wies eine faszinierende Parallele zu dem auf, was Blue uns erzählt hatte. Es könnte durchaus möglich sein, daß sich das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper und Elektrizität, wie Lancelin behauptete, einfach nicht miteinander vertragen. Lancelins bedeutendster Beitrag zur Erforschung der Astralprojek- tion lag jedoch in seiner Betonung der Rolle des dynamischen Wollens - sowohl auf bewußter wie unterbewußter Ebene - bei der Herbeifüh- rung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper. Obwohl sie vielleicht den abstraktesten Teil seiner Methoden darstellen, bilden seine Schriften über den Gebrauch der Willenskraft einen wesentlichen Bestandteil seines Systems. Man darf sogar mit gutem Grund anneh- men, daß der Wille der Schlüsselbestandteil bei der bewußten Herbei- führung von Astralprojektionen ist. Denn trotz des ganzen Drumher-

ums von Körperhaltung, atmosphärischen Bedingungen und so wei- ter, die Lancelin so sorgfältig beschrieben hat, gibt es aus Erzählungen beträchtliche Belege dafür, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper allein durch den konzentrierten Einsatz bewußter Willenskraft bewirkt werden kann. Es gibt einige wenige Glückliche, die bei sich Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper mit Hilfe dieser Methode bewirkt haben ohne jegliche methodische Ausbildung (oder auch Kenntnis) in Lancelins Methoden. William James, der große amerikanische Psychologe und Philosoph, veröffentlichte 1909, während er an der Havard-Universität lehrte, einen derartigen Fall. Der Name der betreffenden Person wurde nie enthüllt, aber James versichterte seinen Lesern, daß es sich um „ einen meiner Kollegen (handelte), einen befähigten und geachteten Professor an der Havard-Universität." Der Kollege hatte James diese Geschichte zunächst im Vertrauen mitgeteilt und erst später in einem Brief schriftlich festgehalten. Der Vorfall fand 1883 oder 1884 statt, als der betreffende Professor einer Dame den Hof machte, die ebenfalls in Cambridge lebte. „Eines Abends, so gegen Viertel vor oder kurz vor zehn, als ich allein in meinem Zimmer saß und eine Weile über diese Sache nachgedacht hatte, entschloß ich mich zu versuchen, ob ich meinen Astralkörper zu der Dame A projizieren könnte", schrieb er James. „Ich hatte über- haupt keine Ahnung, wie dieser Prozeß funktionierte, aber ich öffnete einfach mein Fenster, das in die Richtung des Hauses der Dame A zeigte (obwohl das Haus eine halbe Meile entfernt hinter einem Hügel lag), setzte mich in einen Sessel und versuchte, mich mit aller Macht in die Gegenwart der Dame A zu wünschen (Hervorhebung nachträglich eingefügt). In meinem Zimmer brannte kein Licht. Ungefähr zehn Minuten lang saß ich diesem Zustand des Wünschens da. Während dieser Zeit empfand ich nichts Außergewöhnliches." Am nächsten Tag besuchte der Professor seine Braut. Sie erzählte ihm sofort, daß sie am voraufgegangenen Abend seine Erscheinung gesehen hatte, während sie zu Abend aß. Sie hatte vom Tisch aufgeblickt und einen Herrn gesehen, der sie durch die halbgeöffnete Eßzimmertür angestarrt hatte. Sie war zur Tür gegangen, um ihn hineinzubitten, aber sie hatte niemanden mehr vorgefunden.

Eine noch weiterentwickelte Reihe ähnlicher Versuche wurde von S. H. Beard, einem Londoner Geschäftsmann, berichtet, der 1881 begann, mit der Astralprojektion zu experimentieren. Er machte verschiedene Besuche bei seiner Braut, einer Miß Verity, und wurde bei mindestens einem dieser Experimente von Edmund Gurney beob- achtet, einem Gelehrten, der eines der Gründungsmitglieder der Society for Psychical Research in England war. (Diese Gesellschaft war kurz zuvor ins Leben gerufen worden, um Berichte von übersinn- lichen Phänomenen zu studieren und zu erforschen.) Beard begann seine Experimente, nachdem er einiges über das Wesen des Willens gelesen hatte. Anscheinend hatte er intuitiv die

Rolle der konzentrierten Willenskraft bei der Astralprojektion erfaßt. So schrieb er später: „Nachdem ich gelesen hatte, welch große Macht der menschliche Wille auszuüben fähig ist, faßte ich mit der ganzen Kraft meines Seins den Entschluß, im Geiste im vorderen Schlafzim-

mer im zweiten Stock eines Hauses zu sein

in dem zwei junge

Damen schliefen." Diese waren Miß Verity (25 Jahre alt) und ihre elfjährige Schwester. Sie wohnten ebenfalls in London. Die Versuche begannen in einer Sonntagnacht im November. Beard setzte sich in sein Zimmer und konzentrierte sich im Geiste auf das Haus der Veritys. Die junge Frau wußte nichts von dem Experiment. Beard konzentrierte sich mit aller Macht und schlief ein, ohne sich

erinnern zu können, ob er sein Ziel erreicht hatte. Am folgenden Tag machte er einen Besuch bei den Veritys und erfuhr zum ersten Mal, daß er erfolgreich gewesen war. Die ältere Miß Verity erzählte ihm, daß sie in der voraufgegangenen Nacht plötzlich seine Erscheinung in ihrem Zimmer gesehen hätte. Sie hatte erschreckt aufgeschrien und ihre Schwester geweckt, die ebenfalls die Erscheinung gesehen hatte. Miß

Verity schrieb später, daß dieses Erlebnis „

zu lebendig war, als daß

ich es je vergessen könnte." Sein nächstes Stegreifexperiment führte Beard am 1. Dezember um halb zehn Uhr abends durch. Wieder setzte er sich in seine Zimmer und versuchte, sich in ein Haus in London zu projizieren, wo die Veritys einen Besuch machten. „Ich bemühte mich so stark, meinen Geist auf das Haus zu konzentrieren, in dem Miß Verity und ihre beiden Schwestern weilten, daß ich tatsächlich in dem Haus zu sein

schien", schrieb er in seinem Tagebuch. Beard blieb eine Zeitlang dort. Obwohl er seinen physischen Körper immer noch in seinem eigenen Haus spürte, fühlte er sich wie gelähmt. Sein Bewußtsein schien am anderen Ende der Stadt bei seiner Braut zu weilen. Mittels einer willensmäßigen Anstrengung durchbrach er die Lähmung und kehrte in seinen Körper zurück. Später entschloß er sich, Miß Verity in

derselben Nacht noch einmal zu erscheinen

nacht. Am nächsten Tag stellte Beard fest, daß seine Bemühungen erfolg- reich gewesen waren, als er die Veritys besuchte und erfuhr, daß seine Erscheinung um halb zehn im Flur des Obergeschosses des Hauses gesehen worden war. Genau um Mitternacht hatte Miß Verity seine Erscheinung noch einmal gesehen. Sie wachte in ihrem Bett auf, als die Erscheinung plötzlich auftauchte, ihr Zimmer betrat, an ihr Bett trat, ihr übers Haar strich und wieder verschwand. Seinen letzten Versuch machte Beard am 22. März 1884. Wieder einmal konzentrierte er sich mit aller Macht auf das Haus der Veritys und schlief dann ein. Zur selben Zeit wurde seine Erscheinung am anderen Ende der Stadt gesehen. Leider führte Beard die meisten seiner Experimente kurz vor dem Einschlafen durch und konnte sich dann normalerweise nicht mehr an seine Projektion erinnern. Das entscheidende Experiment am 1. Dezember ist jedoch eine bemerkenswerte Ausnahme und bestätigt vieles von dem, was Lancelin zur gleichen Zeit in Frankreich entdeck- te. In diesem Fall war Beards Willensakt derart intensiv, daß er sich tatsächlich an dem entfernten Ort erlebte. Dieser Eindruck war so lebendig, daß er sich wirklich als die Erscheinung fühlte, während er sich gleichzeitig seines gelähmten Körpers in seinem eigenen Haus bewußt blieb. Die Tatsache, daß seine Erscheinung in einem Fall von zwei Zeugen gesehen wurde, ist ein starker Beleg dafür, daß dieser Londoner Geschäftsmann wirklich irgendeinen Aspekt seines Ichs in das Haus seiner Braut projiziert hat. Soviel zu der Rolle des bewußten Willens. Aber wie kann der unterbewußte Wille und Antrieb helfen, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu bewirken? An einer früheren Stelle in diesem Kapitel war das unterbewußte

diesmal um Mitter-

Wollen als der allesbeherrschende Wunsch, ein bestimmtes Ziel zu erreichen, definiert worden. Diese Konzentration muß so anhaltend sein, daß sie ständig im Geist vorhanden ist. Es wäre durchaus möglich, daß diese Art der konzentrierten, aber peripheren Konzen- tration auch für die Projektion des Zweitkörpers notwendig ist. In Beards Fall wurde sein Wunsch, sich zu seiner Braut zu projizieren, durch sein Studium des menschlichen Willens entfacht. Es ist wahr- scheinlich, daß er wahrscheinlich lange vor seinem tatsächlichen ersten Versuch sozusagen von dem Gedanken besessen war, sein Phantom zu Miß Verity zu projizieren. Seine willentliche Anstrengung, sich zu ihr zu projizieren, stellte also nur noch die Vollendung einer allgemeine- ren Ebene des Wollens dar. Sylvan Muldoon, wahrscheinlich der bekannteste amerikanische Experimentator im Bereich der Astralprojektion, stimmte in vielen dieser Punkte voll mit Lancelin überein. Wir wissen aus seinem autobiographischen Buch The Projection of the Astral Body, das er als junger Mann Ende der 20er Jahre schrieb, daß er von Lancelins Werk erst erfuhr, nachdem er bereits selbst die Fähigkeit der bewußten Projektion entwickelt hatte. Und dennoch entdeckte auch er, daß die Astralprojektion durch einen Willensakt hervorgebracht werden kann. Er hob jedoch hervor, daß der wichtigste Faktor dabei nicht der bewußte Wille sei. Der bewußte Willensakt fungierte in erster Linie als eine beständige Suggestion für das Unterbewußtsein, um auch dieses zu veranlassen, die Projektion zu wollen. Sobald der Wunsch nach einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu einer Sache des Unterbewußtseins und einem beherrschenden Gedanken geworden sei, schrieb Muldoon, würden sich spontane Erlebnisse der Loslösung ganz von selbst einstellen. Muldoon nannte dies den „passiven Willen". Es ist auch möglich, daß Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper spontan auftreten, wenn man einmal a priori die Fähigkeit zu projizieren entwickelt hat, insbesondere durch unterbewußte Willens- akte. Ein solches Erlebnis hatte ich persönlich 1977 auf einer Geschäfts- reise von Los Angeles nach New York. Ich stand kurz vor der Veröffentlichung meines ersten Buches über das Phänomen der Loslö-

sung vom eigenen Körper (meine Anthologie Mind Beyond the Body, New York, 1978) und war sehr mit diesen Studien beschäftigt. Ich wollte mein Haus in Los Angeles nicht unbeaufsichtigt lassen, deshalb zog Dave, ein Freund, für die Dauer meiner Abwesenheit dort ein, um sich darum zu kümmern. Aus irgendeinem Grund machte ich mir auf dieser Reise Sorgen um mein Haus. Ich machte mir Gedanken, daß Dave vielleicht vergessen würde, den Briefkasten zu leeren oder das Haus abzuschließen, und um eine Unmenge anderer lästiger Kleinig- keiten. Diese Gedanken beschäftigten mich unaufhörlich. Ungefähr eine Woche nach meiner Abreise von zu Hause begann ich, zum ersten Mal nach längerer Zeit wieder Erlebnisse der Loslö- sung von meinem Körper zu haben. Nachdem ich zu Bett gegangen war, fand ich mich plötzlich zu Hause in Los Angeles wieder. Ich war mir bewußt, daß mein Körper in New York war, und mein Ichbewuß- tes unterschied sich vollkommen vom bloßem Träumen. Ich fand mich bei diesen Erlebnissen jedesmal im Eingangsflur meines Hauses wie- der, sah mich einfach ein paar Minuten um, um mich zu versichern, daß alles in Ordnung war, und versetzte mich dann Kraft meines Willens nach New York zurück. Diese Erfahrungen waren so lebendig und überzeugend, daß ich Blue Harary, der damals in New York arbeitete, davon erzählte. Am 22. August erreichte diese plötzliche Häufung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper ihren Höhepunkt. Wieder einmal projizierte ich mich in mein Haus und entschloß mich, festzustellen, ob ich Dave finden und ihm meine Anwesenheit bemerkbar machen könnte. Ich erschien im Eingangsflur des Hauses und begab mich in das Gästezimmer, wo Dave während seines Aufenthaltes in meinem Haus schlafen sollte. Aber ich fand statt dessen seinen Bruder dort vor. Das verwirrte mich, und ich kehrte in meinem Körper nach New York zurück. Als ich nach Los Angeles zurückkehrte, bekam ich eine tolle Geschichte zu hören! Wie es schien, hatte Dave zur gleichen Zeit, als ich in New York meine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper hatte, angefangen, im Haus seltsame Geräusche und menschliches Stöhnen zu hören. In der Nacht des 22. Augusts - als ich mich entschloß, ihm meine Anwesenheit bemerkbar zu machen - hatte Dave

eine schwebende Erscheinung gesehen, die durch den Flur des Hauses schoß. Das hatte ihn so erschreckt, daß er auf der Stelle das Haus verlassen hatte! Ich erfuhr auch, daß Daves Bruder, genau wie ich es gesehen hatte, jene Nacht im Haus verbracht und in dem Gästezimmer übernachtet hatte. Ich sollte vielleicht noch hinzufügen, daß mir Dave und sein Bruder diese Einzelheiten berichteten, bevor ich ihnen von meinen Projek- tionserlebnissen erzählte. Die sich gegenseitige erhärtenden Beobach- tungen waren daher so überzeugend, daß ich mich schließlich ent- schloß, einen Bericht darüber zu veröffentlichen. Aus diesem Vorfall können wir verschiedenes lernen. Er zeigt, wie der unterbewußte Antrieb zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gepaart mit einer schon vorher bestehenden Fähigkeit zur Erfahrung dieses Phänomens zu spontanen Astralprojektionen führen kann. Viele von Lancelins Vorschlägen, wie man erlernen kann, den Willen zu dynamisieren, könnten durchaus dazu gedacht sein, genau diesen Zustand einer a priori Bereitschaft zu erzeugen. Der beständige Wunsch nach einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, an dem im Geiste unaufhörlich festgehalten wird, scheint ein Weg zu sein, dieses Maß an unterbewußter Bereitschaft zu erzeugen. In solchen Fällen können die Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper ganz von selbst auftreten, auch ohne den Gebrauch des dynamischen Wollens. Wir können also abschließend feststellen, daß die Methoden Lance- lins einen Ansatz darstellen, der zu Unrecht vernachlässigt worden ist. Ganz sicher erhärten die Erfahrungen von Beard und von dem Kollegen von William James vorläufig Lancelins Entdeckungen. Über das wahre Wesen des menschlichen Willens ist nur sehr wenig bekannt; aber diese besondere Befähigung, die uns allen gemeinsam ist, könnte der Schlüssel für die Entwicklung aller Arten von übersinnlichen Fähigkeiten sein.

Quellenhinweise

Carrington, Hereward, Modern Psychical Phenomena, New York, 1919 Durville, Hector, „Experimental researches concerning phantoms of the living", in: Annals of Psychical Science, 1908, 7, S. 335-344 „New experiments with phantoms of the living", in: Annals of Psychical Science, 1908, 7, 464-470 Gurney, E., Myers, F., Podmore, F., Phantasms of the Living, London, 1886 James, William, „A possible case of projection of the double", in: Journal of

the American Society for Psychical Research, 1909, 2 Lancelin, Charles, Methodes de Dédoublement Personnel, Paris, 1908

Rogo, Dr. Scott, „A haunting by a living agent", in: Theta, 1978, 6 S. 15-20

3. Kapitel:

Projektion durch progressive Muskelentspannung

In diesem Zeitalter des Streß und der Angstzustände entwickeln die psychologischen und medizinischen Einrichtungen ein neuerliches Interesse an den ganzheitlichen Vorteilen der physischen Entspan- nung. Es ist in angemessener Weise demonstriert worden, daß eine einfache Entspannung Muskelverspannungen verringert, Angstzu- stände lindert, dem Körper hilft, sich von Krankheiten zu erholen, und darüber hinaus Geist und Körper in einer Unmenge weiterer Hinsich- ten zuträglich ist. Kein Wunder also, daß Dr. Herbert Benson von der Havard Medical School sein 1975 veröffentlichtes Buch The Relaxa- tion Response (Die Wirkung der Entspannung) auf der Bestsellerliste wiederfand. Es pries in einfacher, verständlicher Sprache die positiven Eigenschaften der Entspannung und bot dem Leser unkomplizierte Rezepte an, mittels derer jedermann diese Kunst erlernen konnte. Ein Thema, das Dr. Benson nicht berührte, war die Astralprojektion; und doch haben im Laufe der Jahre viele Menschen durch die Anwendung von Entspannungsmethoden bei sich spontane und willentliche Erleb- nisse der Loslösung vom eigenen Körper herbeigeführt. Obwohl sich diese Methoden je nach den zugrundeliegenden Quellen im einzelnen unterscheiden, betonen sie einmütig, daß sich ein Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper nur einstellt, wenn es gelingt, den Körper ruhigzustellen und zu beruhigen.

Hintergrund

Der Gebrauch irgendeiner Form von Entspannungsübung, um das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, ist wahrscheinlich eine sehr alte Kunst. Diese Methode ergibt einen praktischen Sinn. Wir sind im wahrsten Sinne des Wortes Gefangener unseres Körpers. Fortwährend werden wir bombardiert sowohl mit allen möglichen sensorischen Reizen, die durch die Sinnesorgane des Körpers wahrgenommen werden, als auch mit körpereigenen Reizen - d. h. Empfindungen, die innerhalb des Körpers selbst entstehen. Den meisten von uns wäre es unbegreiflich, uns selbst als etwas Getrenntes von unserem Körper vorzustellen, was wahrscheinlich ein Grund dafür ist, warum das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper nicht noch weiter verbreitet ist. Wir sind derart an unseren Körper und die Sinnesgenüsse und Empfindungen, die wir durch ihn erhalten, gekettet, daß wir uns fortwährend daran hindern, die Befreiung von seinen Beschränkungen zu erleben. Jede Methode, die uns hilft, unsere Abhängigkeit vom Körper aufzugeben, könnte durchaus dazu geeignet sein, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper Wirklichkeit werden zu lassen. „Die Ansicht, daß eine Entspannung der Muskeln für die Bewir- kung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper förderlich

ergibt theoretisch einen Sinn, weil der relative Mangel

sein könnte

an körpereigenen Reizen bei entspannten Muskeln den Verlust des Körperbewußtseins fördern könnte", schreibt Dr. John Palmer von der John-F.-Kennedy-Universität. Wie im 1. Kapitel aufgezeigt, benutzte Palmer erfolgreich die Entspannung (in gewissem Grade), um seinen freiwilligen Studenten zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper oder einer entsprechenden Erfahrung zu verhel- fen. Das alles soll bedeuten, daß wir möglicherweise nicht unser Bewußtsein zwingen müssen, den Körper zu verlassen, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, wie Lancelin lehrte. Möglicherweise braucht man nur einfach zuzulassen, daß ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eintritt, indem man direkt auf eher passive Weise mit dem Körper arbeitet. Anstatt das Bewußt- sein gewaltsam aus dem Körper zu treiben, könnte es möglicherweise

einen Weg geben, die Wachsamkeit des Körpers zu verringern, so daß ihm das Bewußtsein für kurze Zeit entfliehen kann! In dieser Hinsicht ist es sehr erhellend, daß viele in bezug auf die Astralprojektion sehr befähigte Personen, ganz unabhängig voneinan- der, mit Hilfe von Entspannung bei sich Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper bewirkt haben, auch wenn sie in der Kunst der tiefgreifenden Entspannung nicht methodisch ausgebildet waren. So machte zum Beispiel Sylvan Muldoon die Erfahrung, daß er bewußt Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper herbeiführen konnte, indem er seinen Körper ruhigstellte und seinen Pulsschlag verlangsam- te. Das unmittelbare Ergebnis dieses Verfahrens bestand darin, daß Muldoon in einen Zustand tiefgreifender Entspannung eintrat. (Mul- doons Methoden werden an späterer Stelle in diesem Kapitel noch eingehender besprochen.) Es ließen sich noch weitere ähnliche Fälle anführen. So benutzt beispielsweise auch Blue Harary (vgl. 2. Kapitel) regelmäßig gewisse Entspannungsübungen, wenn er sich darauf vorbe- reitet, seinen Körper zu verlassen. Mit dem wachsenden Interesse an der Kunst der Entspannung, erscheinen auf dem Markt immer mehr „populär-psychologische" Handbücher, wie man diesen Zustand der Ruhe und Gelassenheit erreichen kann. Heute ist es jedem möglich, sich eine Stunde am Tag Zeit zu nehmen und die grundlegenden Techniken zu erlernen. Bei fleißigem Üben läßt sich die Körperentspannung in nur einer Woche erlernen. Seit Jahren sind alle möglichen Arten von Entspannungsmethoden im Gespräch. Die alten Yogis lehrten ihre Schüler Entspannung, indem sie sie anwiesen, ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihr regelmäßiges Atmen zu konzentrieren. Auch viele christliche Mystiker konzentrierten sich in Verbindung mit dem Gebet auf das Atmen, um Körper und Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Eine weitere Methode zur Bewirkung einer tiefgreifenden Entspannung bestand darin, während des Atmens immer wieder bestimmte Schlüsselphrasen zu wiederholen. Diese Methoden mögen vielleicht mehr geistorientiert als körperorientiert erscheinen, aber man darf nicht vergessen, daß Körper und Geist in dynamischer Weise in Wechselwirkung miteinander stehen. Wenn Sie den einen entspannen, entspannen Sie automatisch auch den anderen. Die wissenschaftliche Psychologie hat allerdings erst in jüngerer Zeit

damit begonnen, systematische Methoden zur physischen Entspan- nung zu entwickeln und zu lehren. Das erste methodisch ausgearbeite- te System wurde in den 30er Jahren veröffentlicht, als Dr. Edmund Jacobson von der Universität von Chicago sein Buch Progressive Relaxation (Progressive Entspannung) herausbrachte, das erläuterte, wie sich ein Zustand tiefgreifender Entspannung erreichen läßt, da- durch daß man jede einzelne Muskelgruppe des Körpers fortschreitend anspannt und wieder löst. Progressive Selbstentspannung wurde in den 50er Jahren zu einem populären psychologischen Hilfsmittel, als Dr. Joseph Wolpe vom Eastern Pennsylvania State Psychiatric Insti- tute aufzeigte, daß sich viele Phobien heilen ließen, dadurch daß man die Patienten lehrte, beim Gedanken an das (die) angstauslösende(n) Objekt(e) entspannt zu bleiben. Obwohl Jacobson die Methode der progressiven Muskelentspan- nung in ein System brachte und formalisierte, hat er sie nicht eigentlich erfunden. Die progressive Entspannung des Körpers durch die Arbeit mit den Hauptmuskelgruppen gibt es schon seit vielen Jahren. Der wesentliche Vorzug von Jacobsons speziellen Übungen besteht darin, daß sie der Person helfen, ein Gefühl der tiefgreifenden Entspannung zu erreichen oder zumindest die Empfindung einer derartigen Ruhe und Gelassenheit zu schätzen. Diese tiefgreifende Wirkung wird erreicht, dadurch daß die Person fortwährend gezwungen wird, die Wirkung der Entspannung mit der der Anspannung zu vergleichen, während sie nacheinander jede einzelne Muskelgruppe anspannt und wieder löst.

Die Methode

Viele Menschen entspannen sich und meditieren, aber nicht bei allen führt das zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Offensichtlich ist die progressive Muskelentspannung nur der erste Schritt zur bewußten Beeinflussung des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper. Die Herbeiführung der progressiven Muskelent- spannung sollte daher als ein Zustand betrachtet werden, in den Sie eintreten müssen, bevor Sie in aktiver Weise wollen, daß ein Erlebnis

der Loslösung vom eigenen Körper stattfindet. Genaue Instruktionen für diese Verbindung von progressiver Muskelentspannung und dy- namischem Wollen werden an späterer Stelle in diesem Kapitel ge- geben. Es gibt zwei verschiedene Methoden, die man anwenden kann, um diese Form der tiefgreifenden Entspannung herbeizuführen. Die erste besteht darin, sich bequem hinzulegen und den gesamten Vorgang im Geiste durchzugehen. Die zweite verwendet auf Band aufgenommene Instruktionen. Die einfachste Methode, sich der progressiven Muskelentspannung

zu nähern, besteht natürlich in geistiger Übung. Es gibt verschiedene Wege, die grundlegende Methode in Angriff zu nehmen, aber das folgende Schritt-für-Schritt Programm wird die verlangte Aufgabe erfüllen, Sie in tiefgreifender Weise zu entspannen. Die Art und Weise, wie Sie an das Entspannen herangehen, ist jedoch genauso wichtig wie die Übungen selbst. Bedenken Sie also, bevor Sie beginnen, die folgenden Punkte:

1. Suchen Sie sich zuallererst einen bequemen Ort. Sie können dazu einen Sessel, ein Bett oder eine Couch benutzen, wobei allerdings die Entspannung in einer ausgestreckten Lage wahrscheinlich für ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eher förderlich ist. (Eine vor einigen Jahren in England durchgeführte Umfrage hat aufgedeckt, daß aus einem Personenkreis mit spontanen Erlebnis- sen der Loslösung vom eigenen Körper ein überwältigender Teil der betreffenden Personen diese Erfahrung im Liegen machte.)

2. Wenn Sie beginnen, sollten Sie Ihre Muskeln nicht bis zur Ver- krampfung anspannen. Spannen Sie sie lediglich leicht an, zählen Sie langsam bis fünf, und entspannen Sie sich dann für ein paar Sekunden (10-20), bevor Sie mit der nächsten Muskelgruppe wei- terarbeiten.

3. Konzentrieren Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf das Gefühl der Anspannung und Lösung. Lassen Sie nicht zu, daß Ihre Gedanken abschweifen. Konzentrieren Sie sich voll und ganz auf den Teil Ihres Körpers, mit dem Sie gerade arbeiten. Vergessen Sie nicht, daß die progressive Muskelentspannung genauso eine geistige wie eine körperliche Übung ist.

4.

Spannen und lösen Sie jede einzelne Muskelgruppe zwei- oder dreimal.

5. Versuchen Sie, den übrigen Teil Ihres Körpers still und ruhig zu halten, während Sie die einzelnen Muskelgruppen anspannen. Tun Sie so, als ob sich Ihr gesamtes Sein in dem Teil Ihres Körpers befindet, mit dem Sie gerade arbeiten.

6. Obwohl dies in vielen Programmen zur progressiven Muskelan-

spannung nicht ausdrücklich gelehrt wird, könnte es nützlich sein, wenn Sie beim Anspannen einatmen, während des Zählens den Atem anhalten und beim Lösen der Muskeln wieder ausatmen. Die Quellen sind sich nicht einig darüber, ob man die Augen geschlossen oder offen halten soll. Ich würde Ihnen empfehlen, die Augen zu schließen. Wenn Sie mit offenen Augen arbeiten, wäre es vielleicht ratsam, den Raum abzudunkeln. Unter Berücksichtigung der oben aufgeführten Punkte können Sie mit Ihren speziellen Entspannungsübungen beginnen. Im folgenden

wird ein derartiger Plan vorgestellt, wobei es allerdings viele weitere Varianten gibt.

1. Beginnen Sie mit ein paar tiefen Atemzügen. Atmen Sie langsam

ein, halten Sie den Atem ungefähr fünf Sekunden lang an, und atmen Sie dann genauso langsam wieder aus.

2. Ballen Sie zunächst Ihre dominante Hand zur Faust, zählen Sie bis

fünf, und lösen Sie die Faust wieder. Wiederholen Sie das zwei- oder dreimal.

3. Wiederholen Sie diesen Vorgang, indem Sie den Bizeps Ihres

dominanten Arms anspannen.

4. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit Ihrer anderen Hand.

5. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit dem Bizeps Ihres anderen

Arms.

6. Machen Sie eine kurze Pause, und konzentrieren Sie sich auf das

Gefühl der Entspannung und inneren Wärme oder auf die Befriedi-

gung, die Ihnen das Gefühl der Erholung vermittelt.

7. Wiederholen Sie den oben beschriebenen Vorgang mit Ihren

Stirnmuskeln, indem Sie die Augenbrauen entweder heben oder

zusammenziehen.

8. Wiederholen Sie den Vorgang, indem Sie die Augen schließen und

öffnen, wenn Sie bei offenen Augen arbeiten.

9. Wiederholen Sie den Vorgang, indem Sie die Kinnbacken an- spannen.

10. Machen Sie eine kurze Pause, wie unter 6. beschrieben.

11. Spannen und lösen Sie die Nackenmuskeln, indem Sie entweder

mit den Muskeln arbeiten oder, falls es Ihnen schwer fällt, diese Gruppe genau zu fühlen, indem Sie mit dem Kinn die Brust berühren.

12. Spannen und lösen Sie die Schulterblätter, indem Sie sie nach

hinten biegen.

13. Wiederholen Sie den Vorgang, indem Sie die Schultern nach vorne

schieben.

14. Spannen und lösen Sie die Bauchmuskeln.

15. Wiederholen Sie das gleiche mit dem Schließmuskel.

16. Wiederholen Sie das gleiche mit den Oberschenkelmuskeln.

17. Spannen und lösen Sie die Zehen, indem Sie sie so fest wie möglich

zusammenrollen.

18. Wiederholen Sie den Vorgang, indem Sie die Zehen nach oben, in

Richtung Ihres Körpers strecken.

19. Spannen und lösen Sie die Unterschenkelmuskulatur Ihres domi-

nanten Beines.

20. Wiederholen Sie diesen Vorgang mit der Unterschenkelmuskula-

tur des anderen Beines.

21. Hören Sie auf, und versuchen Sie, sich nicht zu bewegen. Konzen-

trieren Sie Ihren Geist auf Ihren Zustand vollkommener Entspan- nung und genießen Sie diesen Zustand. Leider erläutern nur sehr wenige Handbücher, wie man nach dem Durchexerzieren dieser Methode wieder zu einem normalen geistigen und körperlichen Zustand zurückkehrt. Eine Möglichkeit wäre, damit zu beginnen, daß Sie Arme und Beine ein paarmal strecken, während Sie ausgestreckt daliegen. Dehnen Sie auch einige Ihrer übrigen Muskeln, ganz ähnlich, wie Sie es wahrscheinlich nach einem ausgiebi- gen Schlaf tun, bevor Sie aus dem Bett aufstehen. Die oben beschriebenen Übungen stellen nur ein mögliches Pro- gramm zur Entspannung dar. Möglicherweise werden Sie feststellen, daß Sie persönlich mit anderen, alternativen Verfahren besser zurecht- kommen. Eine Variante besteht zum Beispiel darin, mit den Füßen zu

beginnen und sich dann fortschreitend hochzuarbeiten. Wahrschein- lich ist es gleichgültig, welche Methode der progressiven Muskelent- spannung Sie verwenden. Das Wichtige ist, darauf zu achten, daß Sie mit allen Muskelgruppen des Körpers arbeiten, daß Sie in einem gleichmäßigen und fast rhythmischen Tempo arbeiten, im Gleichklang mit den Übungen atmen und sich fortgesetzt auf den Unterschied zwischen dem Zustand der Muskelanspannung und der Muskelent- spannung konzentrieren. Nach einer Woche der Übung sollten Sie fähig sein, nach Abschluß der Übungen jegliches Bewußtsein Ihres Körpers zu verlieren. Dies ist der ideale Zustand für ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, da sich der Körper wahrscheinlich nicht mehr automatisch der Freisetzung widersetzen wird. Wenn es Ihnen schwer fällt, dieser Art vom Programm zu folgen, könnten Sie versuchen, ein Band aufzunehmen, das Sie in gesproche- ner Form durch die Übungen führt. Für ein optimales Ergebnis ist es hilfreich, wenn Männer zu diesem Zweck eine weibliche Stimme verwenden und Frauen eine männliche. Der Sprecher sollte in einem gleichmäßigen, fast monotonen Tonfall wie bei der Einleitung einer Hypnose lesen. Die Stimme sollte sanft und beruhigend klingen. Ein gleichmäßiges und neutrales Geräusch im Hintergrund wird die Wirkung fördern. Das Geräusch der Meeresbrandung ist zum Beispiel ideal. Im folgenden ist der Text eines solchen Entspannungstonbandes abgedruckt, das häufig von Parapsychologen verwendet wird, um Personen zu helfen, einen innerlich konzentrierten und ASW-leiten- den Zustand des Körpers und des Geistes zu erlangen:

„Der Zweck dieses Tonbandes soll sein, einen Zustand der physi- schen und geistigen Entspannung zu bewirken. Wir werden mit der Entspannung der Muskeln beginnen. Entspannung ist die Beseitigung jeglicher Muskelanspannung. Machen Sie es sich so bequem wie möglich; lockern Sie alle Kleidungsstücke, die möglicherweise zu eng sind. Denken Sie nicht über die Instruktionen nach, wenn Sie sich entspannen. Folgen Sie ihnen einfach passiv und automatisch. Denken Sie daran, alle anderen Muskeln vollkommen entspannt zu lassen, wenn Sie einen bestimmten Teil Ihres Körpers anspannen. Beginnen Sie, indem Sie Ihre Zehen nach unten in eine angespannte Haltung

zusammenrollen. Spannen Sie sie mehr und mehr an, und spüren Sie das Unbehagen. Halten Sie diese Anspannung, während ich von 10 bis 1 zurückzähle, und lösen Sie die Anspannung bei 1. (Zählen) Entspan-

nen Sie sich. Entspannen Sie Ihre Zehen jetzt vollständig, und spüren Sie den Unterschied. Anstatt die Zehen zusammenzurollen, biegen Sie sie jetzt nach oben zu Ihrem Gesicht hin. Spüren Sie die Anspannung und das Unbehagen in Ihren Schienbeinen. Halten Sie diese Anspan-

nung

Erleichterung in Ihren Beinen. Als nächstes rollen Sie Ihre Zehen wieder zusammen, und spannen Sie die Ober- und Unterschenkel an, wobei Sie darauf achten, daß Ihr restlicher Körper vollkommen

entspannt

Genießen Sie das Gefühl der Erleichterung, das mit der Beseitigung der

Muskelanspannung verbunden ist. Lösen Sie jede Anspannung, schal-

ten Sie jeden Druck aus, versetzen Sie Ihren Körper in einen Zustand tiefer Entspannung, wobei Sie jedesmal tiefer und tiefer vordringen. Als nächstes spannen Sie Ihre Bauchmuskeln so fest wie möglich an,

während

vollkommen. Entspannen Sie sich. Biegen Sie jetzt Ihren Rücken

durch, und spüren Sie die Anspannung entlang Ihrer Wirbelsäule

Entspannen Sie sich. Legen Sie sich wieder bequem

hin. Lassen Sie Ihr ganzes Gewicht los; lassen Sie alle Anspannung in

jedem Muskel Ihres Körpers los. Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksam- keit jetzt auf Ihre Arme und Hände. Entspannen Sie den Rest Ihres Körpers vollkommen. Ballen Sie Ihre Hände zu Fäusten, und beugen Sie die Arme, so daß Sie den Bizeps anspannen. Halten Sie diese

Entspannen

Sie sich. Lassen Sie die Arme zur Seite fallen. Entspannen Sie sich vollkommen. Atmen Sie jetzt tief ein, füllen Sie Ihre Lungen, und spüren Sie die Anspannung in Ihrem ganzen Brustkorb. Halten Sie Atmen Sie wieder aus. Spüren Sie die Erleichterung, während Sie ausatmen. Entspannen Sie sich. Achten Sie darauf, daß all die Körper-

Anspannung so fest Sie können, während

Entspannen Sie sich. Lösen Sie sich

Entspannen Sie sich.

Entspannen Sie sich. Spüren Sie die

(Zählen von 10 bis 1)

bleibt

(Zählen

von

10

bis

1)

ich

(Zählen)

(Zählen)

(Zählen)

teile, auf die wir uns konzentriert haben, vollkommen entspannt sind. Falls Sie irgendwo noch eine Anspannung verspüren, entspannen Sie die betreffenden Muskeln vollkommen. Drücken Sie jetzt Ihren Kopf so weit wie möglich zurück. Spüren Sie die Anspannung in den

Entspannen Sie sich. Beugen Sie berühren Sie mit dem Kinn die Brust

Entspannen Sie sich. Entspannen Sie sich vollkom-

men. Kneifen Sie alle Gesichtsmuskeln, auch um die Augen herum,

Nackenmuskeln

Ihren Kopf jetzt nach vorn

(Zählen)

(Zählen)

fest zusammen, indem Sie eine Grimasse schneiden. Halten Sie diese

Entspannen Sie sich. Beseitigen Sie alle Anstrengung

den

und Anspannung. Entspannen Sie Ihren Nacken

(Zählen)

den Hals

Mund

entspannen Sie die Kopfhaut

glätten Sie die Stirnmus-

keln

entspannen Sie die Augen und Ihre gesamten Gesichtsmus-

Entspannen Sie

sich. Entspannen Sie jeden Muskel Ihres Körpers. Konzentrieren Sie

sich auf den Bereich, der am entspanntesten ist, und stellen Sie sich vor, daß sich dasselbe angenehme, positive, entspannte Gefühl ausbreitet und Ihren gesamten Körper in ein einziges behagliches, warmes, angenehmes Gefühl der Entspannung versenkt. Entspannen Sie sich vollständig und vollkommen. Jetzt werden wir mit der geistigen Entspannung beginnen. Halten Sie den Kopf gerade, und richten Sie den Blick nach oben, um Ihre Augen anzuspannen. Zwinkern Sie nicht. Ihre Lider werden schwer; Ihre Lider werden müde. Während Sie darauf warten, atmen Sie ein, und, während Sie wieder ausatmen, stellen Sie sich vor, wie Sie sich noch tiefer entspannen. Stellen Sie sich vor, wie Sie sich mit jedem Atemzug mehr und mehr entspannen. Wenn sich Ihre Lider schwer und müde anfühlen, halten Sie sie nicht gewaltsam offen. Schließen Sie die Augen, sobald sie müde werden. Atmen Sie weiter tief ein, und entspannen Sie sich mit jedem Ausatmen noch mehr. Konzentrieren

keln. Entspannen Sie sich

Entspannen Sie sich

entspannen Sie Ihren befreien Sie sich von

allem Druck. Versetzen Sie Ihren Körper in einen Zustand tiefer Entspannung, der immer tiefer und tiefer vordringt. Achten Sie darauf, daß alle Muskeln vollkommen entspannt sind. Es ist ein gutes Gefühl, so vollkommen und vollständig entspannt zu sein. Geräusche

Sie sich jetzt wieder auf das Entspannen ganzen Körper. Lösen Sie alle Anspannung

und Töne werden Sie nicht ablenken, sondern werden Ihnen helfen, geistig noch losgelassener und entspannter zu werden." Natürlich wird eine bloße Entspannung Sie nicht automatisch aus Ihrem Körper herauskatapultieren. Zur Förderung des Erlebnisses der

Loslösung vom eigenen Körper sind besondere Vorgehensweisen erforderlich. Selbstsuggestion lautet der beste Tip, aber erst, nachdem Sie bereits darin beschlagen sind, in einen weit fortgeschrittenen Zustand der progressiven Muskelentspannung einzutreten. Dann können Sie die progressive Muskelentspannung folgendermaßen mit speziellen Suggestionen zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper verbinden:

1. Wenn Sie sich hinlegen und auf die Entspannung vorbereiten, sollten Sie sich im Geiste suggerieren, daß Sie bei Beendigung der Übung zu einem Erlebnis der Loslösung von Ihrem Körper gelan- gen werden. Warten Sie ein paar Sekunden, bevor Sie mit den Übungen beginnen, damit die Suggestion im Unterbewußtsein registriert werden kann. 2. Während Sie jede einzelne Muskelgruppe nacheinander entspan- nen und ausatmen, gebieten Sie mit der Kraft Ihres Willens, daß sich Ihr Geist oder Seelenleib an diesem speziellen Punkt von Ihrem Körper löst. (Dies ist eine Methode, die Charles Lancelin zur bewußten Herbeiführung der Loslösung vom eigenen Körper empfahl.) 3. Richten Sie am Ende der Sitzung Ihre ganze Konzentration auf die Stirn oder auf den Scheitel Ihres Kopfes. Stellen Sie sich vor, wie Ihr Geist Ihren Körper verläßt, indem er geradewegs dadurch hinausgleitet. Erwarten Sie nicht, gleich beim ersten Versuch Erfolg zu haben. Vergessen Sie nicht, daß Entspannung eine Kunst ist, etwas, das Sie erlernen müssen. Da es Übung erfordert, werden vielleicht zwei oder drei Wochen der täglichen Disziplin notwendig sein, bevor Sie wirk- lich zu fühlen beginnen, wie sich die Entspannung auf den Körper auswirkt. Die meisten Autoritäten auf dem Gebiet der Entspannung empfehlen, diese Übungen nicht abends unmittelbar vor dem Schla- fengehen durchzuführen, da man noch vor Beendigung vom Schlaf übermannt werden könnte. Sie sollten sich zunächst an diesen Rat halten. Sobald Sie jedoch die Methode der progressiven Muskelent- spannung wirklich im Griff haben, könnten Sie diese Übungen auch versuchen, wenn Sie sich zur Nachtruhe hinlegen. Führen Sie die Übungen direkt im Bett durch. Bleiben Sie, wenn Sie fertig sind, still

auf dem Rücken liegen und schlafen Sie so ein - aber versuchen Sie, Ihr Bewußtsein unmittelbar bis zu dem Moment, wo der Schlaf Sie wirklich übermannt, wachzuhalten. Diese Methode wird besonders von Sylvan Muldoon empfohlen, der sie als eine seiner Hauptmetho- den zur Herbeiführung nächtlicher Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper benutzte. Wie können Sie feststellen, wann Sie kurz davor stehen, zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, oder ob Sie wenigstens auf dem richtigen Weg sind? Der erste Hinweis wird sein, wenn Sie, während Sie entspannt bleiben, ein seltsames Gefühl des Fallens und/oder Schwebens verspüren. Einige wenige Leute finden sich plötzlich ganz spontan außerhalb ihres Körpers vor, aber die meisten durchlaufen ein Stadium, in dem sie die Loslösung des Bewußtseins tatsächlich spüren. Ich persönlich habe zum Beispiel immer ein Gefühl, als ob ich durch mein Bett oder die Couch hindurchfalle, wenn ich kurz vor einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper stehe. Gleichzeitig beginnt es in meinem Kopf wie wild zu summen - fast wie in einem Bienenkorb. Viele Leute, die spontane Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper hatten, während sie ganz einfach im Bett lagen, haben von ähnlichen Symptomen berichtet. Wenn Sie anfangen, diese Empfin- dungen zu verspüren - und sie können sich ziemlich drastisch äußern - sollten Sie versuchen, sie zu verstärken. Bewegen Sie sich unter keinen Umständen. Dies würde das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper abbrechen, aber zu diesem Zeitpunkt werden Sie wahrschein- lich sowieso schon erstarrt sein. Gebieten Sie sich kraft Ihres Willens, den Körper zu verlassen. Möglicherweise bekommen Sie zuerst einen Schreck, wenn sich diese Symptome manifestieren, insbesondere, wenn Sie feststellen, daß Sie sich nicht bewegen können. Diese Form der Starre, die einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper vorausgeht, ist tatsächlich ein gutes Zeichen. Kämpfen Sie nicht dagegen an. Wenn es den Anschein hat, daß es Ihnen einfach nicht gelingt, Ihren Körper zu verlassen, Sie aber dennoch gelähmt bleiben, sollten Sie sich nicht allzu sehr beunruhigen. Um die Starre zu durchbrechen, konzentrieren Sie Ihre gesamte Aufmerksamkeit auf einen Ihrer Finger, und versuchen Sie, diesen zu bewegen. Der Finger

wird sich unweigerlich bewegen, und dieser geringfügige Durchbruch wird die Starre überwinden.

Kritische Bemerkungen

Es gibt beträchtliche Hinweise dafür, daß die physische Entspan- nung in sich ein Leiter für das spontane Auftreten von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper ist. Als Celia Green vom Institute of Psychophysical Research in Oxford in den 60er Jahren begann, die breite Öffentlichkeit über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper zu befragen, berichteten mehrere ihrer Informanten, daß sie

ihr Erlebnis hatten, als sie gerade meditierten, sich entspannten oder regelrechte Übungen zur progressiven Muskelentspannung durch- führten. So berichtete beispielsweise eine der Briefpartnerinnen von Frau Green, wie ihre Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper als Folge von Yoga-Meditationen, verbunden mit Übungen zur progres- siven Muskelentspannung, auftraten. Ihre Methode bestand darin, jeden Teil ihres Körpers ruhigzustellen, ohne dabei spezielle Span- nungs- oder Entspannungsübungen durchzuführen. „Ich mußte mich in einer ziemlich warmen, nicht kalten Umgebung auf den Boden legen und mich darauf konzentrieren, meinen ganzen Körper zum Einschlafen zu bringen", schrieb sie. „Dazu mußte ich zwei- oder dreimal tief einatmen und meinen Körper völlig loslassen. Begonnen wurde mit der kleinen Zehe des rechten Fußes, und sobald

dieser schlief, kam die nächste Zehe an die Reihe und so weiter

ganzen Körper hinauf bis schließlich zu den Augen befahl ich meinem

Ich habe das natürlich mehrere Male ohne

Körper, einzuschlafen

den

allzu großen Erfolg ausprobiert, und dann ist es mir schließlich gelungen." Bei einer derartigen Gelegenheit hatte diese Frau das Gefühl, davonzutreiben. Sie schlug die Augen auf und entdeckte, daß sie von

irgendeinem Punkt oberhalb ihres Körpers auf sich selbst und den Fußboden hinunterblickte. Eine weitere Briefpartnerin von Frau Green erzählte, daß sie

während ihrer Entspannungsübungen beständig eindöste, so daß ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper von selbst eintreten konnte.

bin immer eingedöst", fuhr sie fort. „Und dann geschah

etwas Seltsames, ein Gefühl, als ob ich im Geiste in der gegenüberlie- genden rechten Ecke meines Schlafzimmers nahe der Zimmerdecke schweben würde (immer in derselben Position)." Diese Frau entdeckte auch - wie ich -, daß das Gefühl des Fallens oder Schwebens die erste Stufe zu einem vollentwickelten Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist. Wenn diese Empfindungen auftra- ten, wußte sie, daß sie kurz davor stand, ihren Körper zu verlassen. Eine weitere Briefpartnerin von Frau Green hatte beim Einschlafen infolge ihrer Entspannungsübungen automatisch ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. „Jede Nacht lag ich auf dem Rücken in meinem Bett und entspannte meinen Körper Stück für Stück, wobei ich bei den Zehen anfing und

schließlich die Augen erreichte. Man sollte sich dabei auf eine imaginä- re Leere zwischen den Augenbrauen konzentrieren und diese dann mit dem Bild einer Blume füllen und sich diese zu einer vollständig ausgebildeten Blume entwickeln lassen. Wochenlang schlief ich einfach ein, wenn ich ungefähr bei der Taille angekommen war, und allmählich vernachlässigte ich den Gedanken, meinen physischen Körper zu verlassen, obwohl mir das Entspan- nungsritual zu einer Gewohnheit geworden war Dann wurde ich eines Nachts in dem schlaftrunkenen Zustand kurz vor dem Einschlafen eines leichten Gefühls gewahr, das sich vielleicht mit dem Gefühl vergleichen läßt, wenn einem in der Badewanne ein

Stück Seife aus der Hand gleitet. Ich war wach

Ich wandte mich zur

Seite, um meinen Mann anzusehen und stellte etwas überrascht fest, daß ich auf ihn hinunterblickte, und während ich hinuntersah, stieg ich höher hinauf und erblickte meine eigene schlafende Gestalt neben der meines Mannes."

Diese Fälle können nicht als unnormal betrachtet werden. Als Frau Green ihre Informanten nach ihrem körperlichen und geistigen Zu- stand zum Zeitpunkt des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper befragte, erklärten 33 Prozent, daß sie sich in einem entspann-

ich „

teren Zustand als gewöhnlich befunden hatten. Nur 11 Prozent beschrieben ihren Zustand als angespannter. Dieser Trend in den Daten wurde sogar noch deutlicher, als Frau Green diejenigen ihrer Informanten befragte, die mehr als ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erfahren hatten. Etwas mehr als 41 Prozent beschrie- ben ihren Zustand als physisch entspannter als gewöhnlich, während sich 11 Prozent anscheinend in einem angespannteren Zustand befun- den hatten. Wie schon an früherer Stelle erwähnt, ist es bemerkenswert, wieviele der in bezug auf die Astralprojektion besonders befähigten Personen Entspannungsmethoden als einen direkten Weg zum Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper entwickelt haben. Hugh Callaway erwähnte eine Variante des Verfahrens der progressiven Muskelent- spannung als ein Mittel, das er benutzte, um seinen Körper zu verlassen; und S. Keith Harary und Sylvan Muldoon verwendeten zu diesem Zweck ebenso eine Art Entspannungsmethode. Harary behauptet zum Beispiel, daß seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper ganz natürlich auftreten, wenn er seinen Körper ruhigstellt. In einer Beschreibung seiner Methode, die er speziell für dieses Buch verfaßte, schreibt er:

„Vor einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ,nach Wunsch' bewirke ich zunächst einmal eine .Beruhigung' meines physischen Körpers. Das geschieht einfach dadurch, daß ich zulasse, daß sich ein Gefühl einer entspannten Empfindungslosigkeit in mei- nem Körper ausbreitet und er sich meiner bewußten Wahrnehmung entzieht. Bei meinen früheren Bemühungen, zu einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper ,nach Wunsch' zu gelangen, erreichte ich diesen Zustand einer entspannten Empfindungslosigkeit gewöhnlich, indem ich mir suggerierte, daß nacheinander jeder Teil meines Körpers anfing, sich schwer, warm und entspannt anzufühlen. Gewöhnlich arbeitete ich mich auf diese Weise von meinen Füßen bis zum Kopf hoch, wobei ich alle außenstehenden Gedanken in passiver Weise aus meinem Geist treiben ließ. Während dieser ,Beruhigungs'-Phase suggerierte ich mich auch, daß ich, falls ich es wollte, zu einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper gelangen könnte und daß

die leiseste Beunruhigung des physischen Körpers dieses Erlebnis wieder beenden würde. Danach war ich in der Lage, zu einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper zu gelangen. Nach langer Übung stellte ich fest, daß es meinem Körper immer leichter wurde, in diesen ,Ruhe'-Zustand einzutreten. Schließlich brauchte ich mir nur noch zu suggerieren, daß ich mich entspannte, daß ich fähig sein würde, zu einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper zu gelangen, und daß es keinerlei Schwierigkeiten geben würde (da es auch keine Schwierigkeiten geben konnte, es sei denn, ich ließ sie zu oder ich befand mich in psychologischer Hinsicht in einer gereizten Verfassung). Nur wenige Augenblicke nach dieser Suggestion trete ich gewöhnlich automatisch' in den ,Ruhe'-Zustand ein. Ich muß mich nur noch darauf konzentrieren, wohin ich während des Erlebnisses der Loslösung von meinem Körper ,gehen' will, und dann werde ich dorthin gehen." Sylvan Muldoon verwendete ein etwas anderes System, obwohl die Grundprinzipien Jacobsons Methode der progressiven Muskelent- spannung ähnlich sind, da ihr Ziel darin besteht, sich nacheinander auf jeden Abschnitt des Körpers zu konzentrieren und ihn ruhigzustellen. In seinem Buch The Projection of the Astral Body gibt Muldoon eine ausführliche Beschreibung seiner Methode. Diese Methode ist nicht so sehr ein spezielles Verfahren zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper als ein Weg, den Körper in einen Zustand der Entspannung zu versetzen, der ihn für ein derartiges Erlebnis empfänglich macht. Anstatt jedoch mit den einzelnen Mus- kelgruppen des Körpers zu arbeiten, konzentriert sich Muldoons Methode darauf, allmählich den Pulsschlag zu verlangsamen. Mul- doon betrachtete dieses Verfahren als einen Ersatz für Entspannungs- übungen, auch wenn es bestimmte Anspannungs-Entspannungs- übungen in sich einschließt. Er weist darauf hin, daß „die Übung zur Verlangsamung des Pulsschlags gleichzeitig auch zu Konzentration und Entspannung führt - und beseitigt so die Notwendigkeit spezieller Übungen für jeden dieser Faktoren." Das folgende 12-Punkte-Programm ist eine systematische Darstel- lung der Entspannungsmethode von Muldoon, die aus seinen umfang- reichen Schriften herausgezogen wurde:

1.

Beginnen Sie, indem Sie sich auf dem Rücken oder der rechten Seite ausstrecken, wobei die Arme seitlich am Körper anliegen. (Beachten Sie hier die Übereinstimmung mit Lancelins Methode, die ebenfalls das Liegen auf der linken Seite verbietet.)

2. Atmen Sie tief ein, halten Sie einen Moment lang den Atem an, und versuchen Sie dann, die Luft in die Magengrube zu „zwingen". Das Zwerchfell sollte sich heben. Dann atmen Sie wieder aus. (Beach- ten Sie wieder die Ähnlichkeit mit Lancelins Methode, die eben- falls die Rolle des Bauches bei der Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper hervorhebt.)

3. Wiederholen Sie diesen Vorgang sechs bis achtmal.

4. Schließen Sie die Augen, konzentrieren Sie sich auf den Scheitel Ihres Kopfes, und versuchen Sie, die Kopfhaut anzuspannen und wieder zu entspannen.

5. Wiederholen Sie das gleiche mit Ihren Nackenmuskeln.

6. Wiederholen Sie das gleiche mit den Oberarmmuskeln.

7. Wiederholen Sie diesen Vorgang Ihren ganzen Körper hinunter. An diesem Punkt ist Muldoons Methode natürlich praktisch identisch mit vielen Methoden der progressiven Muskelentspan- nung, auch wenn sie etwa neun Jahre bevor Edmund Jacobson - der als Begründer der Methode der progressiven Muskelentspan- nung gilt - seine Beschreibung dieser Methode herausbrachte veröffentlicht wurde.

8. Konzentrieren Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf Ihr Herz und spüren Sie sein rhythmisches Pulsieren. Konzentrieren Sie sich darauf, bis Sie es ohne Schwierigkeiten sowohl hören wie fühlen können. Fühlen Sie, wie dieses Pulsieren innerhalb Ihres Körpers entsteht, aber nicht mit den Händen, die immer noch an Ihrer Seite liegen sollten. Dies schließt die erste Phase von Muldoons Methode der Herz- kontrolle ab. Sie sollten nicht versuchen, zu der nächsten Phase überzugehen, bevor Sie nicht die Fähigkeit, Ihre gesamte Auf- merksamkeit auf Ihr Herz zu konzentrieren, während Sie anson- sten vollkommen entspannt bleiben, wirklich beherrschen. Wenn Sie dieses Maß an Beherrschung erreicht haben, können Sie zum nächsten Schritt übergehen.

9. Versuchen Sie, während Sie immer noch liegen, Ihr Bewußtsein des Herzschlags auf jeden beliebigen Teil Ihres Körpers zu über- tragen. Konzentrieren Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf ver- schiedene Teile Ihres Körpers, und fühlen Sie Ihr Herz dort schlagen. Stellen Sie sich nicht nur vor, daß es dort schlägt; Sie müssen das Pulsieren an der betreffenden Stelle wirklich fühlen.

10. Beginnen Sie mit der Stirn, gehen Sie dann fortschreitend Ihren Körper hinunter, und fühlen Sie Ihr Herz an jeder Stelle schlagen - zuerst an der Kopfhaut, dann an den Wangen, dem Nacken, dem Bauch, dem Unterleib, den Oberschenkeln, den Waden und den Füßen.

11. Kehren Sie jetzt den Vorgang um, und gehen Sie an Ihrem Körper entlang hinauf, bis Sie das verlängerte Mark, den tiefsten und niedrigsten Teil des Gehirns erreichen.

12. Konzentrieren Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Ihr Herz, und gebie-

ten Sie ihm kraft Ihres Willens, langsamer zu schlagen. Der Schlüssel zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper liegt nach Muldoon darin, das Herz dazu zu bringen, langsam und gleichmäßig zu schlagen. Mit anderen Worten, Sie versuchen, den Ruhezustand des Körpers während des normalen Schlafes zu imitie- ren, während ihr Bewußtsein wach bleibt. Dies ist der natürliche Zustand, in dem das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper auftritt. Diese Verfahren sind wirklich überhaupt nicht schwierig. Moderne Studien über das Biofeedback-Training - der Kunst, die vermeintlich automatischen Körperfunktionen bewußt zu regulieren - haben be- wiesen, daß die meisten Menschen mit einem Minimum an Übungs- aufwand ihren Herzschlag nach Belieben verlangsamen oder beschleu- nigen können. Als ich als Jugendlicher ein wenig mit Muldoons Methode herum- spielte, hatte ich keine Schwierigkeit, diese Fähigkeit in den Griff zu bekommen, und konnte meinen Pulsschlag auf 60 Schläge pro Minute verlangsamen, um ihn dann innerhalb weniger Sekunden auf 90 zu beschleunigen. Als ich auf dem College war, habe ich sogar einmal mit Hilfe dieser Technik einen Arzt zur Verzweiflung gebracht, der versuchte, meinen Puls zu messen. (Vergessen Sie dabei nicht, daß das

Biofeedback erst wesentlich später populär wurde.) Das Grundpro- blem besteht darin zu lernen, den Herzschlag bewußt zu kontrollie- ren, so daß er gleichmäßig bleibt. Muldoon machte ein paar spezielle Vorschläge, um dieses Maß an Kontrolle zu erlernen:

„Wir nehmen jetzt an, daß Sie entspannt, die Arme seitlich am Körper, auf dem Rücken liegen und daß Sie die Fähigkeit erlangt haben, das Pulsieren Ihres Herzens in jedem Teil Ihres Körpers zu fühlen. Jetzt konzentrieren Sie sich wieder auf Ihr Herz, und wenn es nicht gleichmäßig schlägt, sagen Sie ihm im Geiste, daß es gleichmäßig schlägt, und Sie sollen den richtigen Schlagrhythmus und Takt im Geiste nachvollziehen, wobei Sie sich auf das Klopfen Ihres Herzens im richtigen Rhythmus konzentrieren. Halten Sie diese Übung durch, bis Ihr Herz gleichmäßig schlägt. Wenn Ihr Herzschlag vorher unregelmäßig war und Sie jetzt dafür gesorgt haben, daß er gleichmäßig ist, oder wenn er von Natur aus gleichmäßig und gesund ist, dann sind Sie jetzt bereit, sich auf einen langsameren Herzschlag zu konzentrieren. Denken Sie nur an dieses Pulsieren. Konzentrieren Sie sich auf dieses Pulsieren, das Sie in Ihrem Brustkorb, in Ihrem Herzen spüren, schlagen Sie im Geist den Takt mit, erlauben Sie sogar, daß sich Ihr Kopf bei jedem Schlag leicht mitbewegt, wenn er dazu neigt. Nachdem Sie sich ein paar Minuten lang genau an diesen Rhythmus gehalten haben, beginnen Sie - im Geiste - den Takt eine Spur langsamer zu schlagen. Unterbrechen Sie nicht Ihre Konzentration, um festzustellen, ob Ihr Herz Ihrer Suggestion gehorcht oder nicht, denn Sie werden das im Geiste von selbst erkennen. Halten Sie Ihre Konzentration auf diese Weise durch, bis Ihr Herzschlag das von Ihnen gewünschte Tempo erreicht hat." Muldoon gab keinen Hinweis darauf, wie langsam das Herz genau schlagen sollte, aber er erwähnte, daß er persönlich seinen Herzschlag auf 42 Schläge pro Minute verlangsamte. Er erklärte jedoch nicht, ob dies ein optimales Tempo für jeden sei. Da der Körper an diesem Punkt den Zustand des Schlafes imitiert, glaubte Muldoon, daß sich das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper auf ganz natürliche Weise einstellen würde. Das traf in seinem Fall zu, aber er besaß in dieser Hinsicht auch eine natürliche Begabung.

Vielleicht möchten Sie persönlich diese Methode durch einige spezielle Selbstsuggestionen zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper ergänzen. Wenn Sie Ihren Herzschlag verlang- samt und Ihren Körper ruhiggestellt haben, geben Sie sich zu diesem Zweck im Geiste den Befehl, Ihren Körper zu verlassen. Am besten verwenden Sie dazu die gleiche Art von Suggestion, wie sie an früherer Stelle in diesem Kapitel, in dem Abschnitt über eine Verknüpfung von progressiver Muskelentspannung und dem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, vorgestellt wurde.

Quellenhinweise

Benson, Herbert, The Relaxation Response, New York, 1975 Braud, William, und Braud, Lendell, „Preliminary exploration of psi-conduc- tive states: Progressive muscular relaxation.", in: Journal of the Ameri-

can Society for Psychical Research, 1973 , 67, S. 26-46

Green, Celia, Out-of-Body Experiences, Oxford, England: Institute of Psy- chophysical Research, 1968 Hales, Dianne, The Complete Book of Sleep, Reading, Mass., 1980 Harary, Keith, Persönliche Gespräche mit dem Autor (Januar 1982) Jacobson, Edmund, Progressive Relaxation, Chicago, 1938 Muldoon, Sylvan, und Carrington, Hereward, The Projection of the Astral Body, London, 1929

86

4. Kapitel:

Projektion durch kontrollierte Ernährung

Die meisten Systeme zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper betonen geistige Prozesse wie das Wollen, die Visualisierung, die Konzentration, die geistige Ausrich- tung und andere angeborenen Fähigkeiten, die von Mensch zu Mensch variieren. Das Hauptproblem bei diesen Methoden liegt darin, daß sie unmöglich zu objektivieren sind. Sie lassen sich deshalb auch nicht normieren. Wieviel Wille ist genau erforderlich, um den Körper verlassen zu können? Und wie läßt sich so etwas Abstraktes wie der menschliche Wille überhaupt quantitativ bestimmen? Diese Fragen drängen sich uns bei den oben beschriebenen Methoden auf, obwohl sie der Natur der Sache nach nicht beantwortet werden können. Nur wenige Okkultisten, Experimentatoren im Bereich der Astral- projektion oder Autoren haben sich jemals mit derartigen Themen auseinandergesetzt, was ein Grund dafür ist, warum die Kunst der Astralprojektion genau das geblieben ist - eine Kunst. Es gibt jedoch ein System, das tatsächlich objektiv ist, da sein Schlüssel einfach in einer kontrollierten Ernährung besteht. Diese Methode lehrt, daß man, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, die Struktur des ektosomatischen Körpers vermittels einer geregelten Ernährung verändern muß. Sobald die Konstitution des Zweitkörpers und sein Verhältnis zum physischen Körper umstruk- turiert ist, können Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper ganz natürlich auftreten.

Hintergrund

Diese Methode oder dieses Ernährungssystem ist genaugenommen eine Phase in einem komplizierten System, das auf das Jahr 1916 zurückgeht. Bei den meisten Fachleuten und Autoren auf dem Gebiet der Astralprojektion ist es vollkommen in Vergessenheit geraten.

Dennoch stellt die Geschichte, die hinter der Veröffentlichung dieses Systems steht, ein bedeutendes Kapitel in der Geschichte der Erfor- schung des Übersinnlichen dar. Diese Methode wurde ursprünglich von Prescott Hall veröffent- licht, einem Amateurforscher auf dem Gebiet des Übersinnlichen aus Brookline in Massachusetts und Mitglied der American Society for Psychical Research. Hall stand den übersinnlichen Phänomenen an- fänglich ziemlich skeptisch gegenüber, dennoch faszinierten ihn die Berichte von zwei Bekannten, die behaupteten, daß sie ihren Körper nach Belieben verlassen könnten. Beide Herren behaupteten auch, daß sie ihre Fähigkeit zur Astralprojektion benutzt hätten, um mit neuen Dimensionen von Raum und Zeit und körperlosen, ätherischen Gei- steswesen Kontakt aufzunehmen. Hall wußte nicht, was er von derartigen Geschichten halten sollte,

aber er blieb ihnen gegenüber aufgeschlossen

sich deswegen an ein Medium zu wenden. 1902 hatte Hall Untersu- chungen mit einem Amateurmedium aus Boston angestellt, einer Dame, die ihm einige äußerst überzeugende Kommunikationen mit seinen eigenen verstorbenen Freunden und Verwandten übermittelt hatte. Minnie Keeler war Hausfrau, Mutter und nichtprofessionelles Medium und hatte ihre Fähigkeiten nach dem Tode ihres Mannes entwickelt. Wir wissen relativ wenig über sie, außer daß Prof. James Hyslop, der Präsident der American Society for Psychical Research und ein kritischer Forscher auf diesem Gebiet, sie gut kannte, seit sie begonnen hatte, ihre besonderen Fähigkeiten zu entwickeln. Er hatte eine hohe Meinung von ihr. Für gewöhnlich trat Frau Keeler, wie die meisten Medien ihrer Zeit, in einen leichten Trancezustand ein, um die Botschaften von den Toten zu übermitteln. Diese Kommunikations- partner lieferten auch weitschweifige „spirituelle Belehrungen". Die- ses letztgenannte Material war seiner Natur nach nur selten beweis-

jedenfalls genug, um

kräftig, aber Hyslop war von der Reichweite und Spontaneität dieser Mitteilungen und der Bildung, die aus ihnen sprach, beeindruckt. Prescott Hall nahm seine Experimente mit Minnie Keeler 1909 wieder auf, und eine verstorbene Freundin von ihm, deren Identität er leider vertraulich behandelte, begann, sich ihm durch das Medium mitzuteilen. (In seinen Berichten spricht Hall lediglich von einer Miß X.) Seine Gespräche mit Miß X. durch das Medium Keeler konzen- trierten sich oft auf das Thema der Astralprojektion, und das gab ihm die Idee zu einem kuriosen Experiment. Wenn die Kommunikations- partner von Frau Keeler ihm Methoden zur Herbeiführung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper liefern konnten, die nicht in veröffentlichten okkulten Schriften zu finden waren, gab es vielleicht einen einfachen Weg, ihre Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Wenn diese Methoden funktionierten, waren diese Informationen offensichtlich auf irgendeine übernatürliche Weise durch das Medium übermittelt worden. Wenn nicht, waren die Lehren wahrscheinlich vom Unterbewußtsein des Mediums selbst erzeugt worden. Während einer der Sitzungen trug Hall Miß X. diesen Plan vor. Sie war von dieser Idee fasziniert und brachte Hall in Kontakt mit mehreren angeblichen orientalischen Meistern, die sich von da an regelmäßig durch Minnie Keeler mitteilten. Ihre weitschweifigen Botschaften schlossen verschiedene Bemerkungen und Vorschläge zur Herbeiführung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper ein sowie Vorträge über das Wesen des Astralkörpers und des spiritu- ellen Lebens. Diese Kommunikationen wurden Hall von 1909 bis 1915 in wöchentlichen Zeitabständen übermittelt. Ein Jahr später veröffent- lichte er zwei umfangreiche aber sehr unsystematische Zusammenfas- sungen dieser Lehren im Journal of the American Society for Psychical Research. Hyslop fügte einen Kommentar hinzu, in dem er darauf hinwies, daß er nicht erkennen könnte, wie diese Lehren, obgleich sie keine Beweiskraft besäßen, in Frau Keelers eigenem Kopf entstanden sein könnten. Dies mag als ein seltsamer Standpunkt erscheinen, aber man darf nicht vergessen, daß die Medien in der Vergangenheit sich von den heutigen in ziemlich großem Maße unterschieden. Viele von ihnen waren vollkommen unprofessionell. Sie veranstalteten keine öffentli-

chen Demonstrationen ihrer Fähigkeiten, nahmen kein Geld oder boten ihren Dienst Fremden an. Gewöhnlich entdeckten sie ihre Fähigkeiten zufällig bei Tischrück-Seancen oder anderen geselligen Veranstaltungen, und betrachteten sie eher belustigt als alles andere. Diese privaten Medien waren oftmals sowohl an übersinnlichen Phänomenen wie auch an ihren eigenen besonderen Gaben vollkom- men uninteressiert, und hielten sich vielfach den spirituellen Gemein- schaften in ihrer Stadt fern. Sitzungen gewährten sie normalerweise nur engen Freunden und Verwandten. Hyslop stellte sogar besondere Nachforschungen über Minnie Keelers Hintergrund an und erfuhr zu seiner Zufriedenheit, daß sie nie in ihrem Leben übersinnliche Phänomene oder die Erforschung des Übersinnlichen in systematischer Weise studiert hatte. Ihr Lesen zu diesem Thema beschränkte sich auf wenige Bücher und gelegentlich hatte sie ein oder zwei Fachzeitschriften zur Hand genommen. Obwohl Hyslop die Möglichkeit erwog, daß die „spirituellen Lehren" von Frau Keeler aus der Tiefe ihres eigenen Unterbewußtseins ent- springen könnten, glaubte er, daß diese Ansicht genauso wenig überprüfbar war wie der Gedanke, daß sie tatsächlich aus dem Jenseits stammten. Was immer man auch über Minnie Keeler und ihre Mitteilungen an Hall denken mag, sie stellen sicherlich ein höchst merkwürdiges Kapitel in der oftmals bizarren Geschichte des Übernatürlichen dar. Sie umfassen sehr detaillierte Vorträge über das Wesen der Astralpro- jektion, die sicherlich weiter entwickelt waren als alles, was in der populären okkulten Literatur jener Zeit veröffentlicht worden war. In diesen Mitteilungen wurden verschiedene Methoden zur Herbeifüh- rung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper beschrieben, auf die sich Jahre später Hereward Carrington und Sylvan Muldoon mit größtem Respekt beziehen sollten.

Die Methoden

Wie bereits erwähnt, ist das Keeler-System nicht sehr gut organisiert und wurde auch nie in einer systematischen Anordnung vorgestellt. Liest man jedoch Halls gesamte Schriften über diese Kommunikatio- nen durch, stellt man fest, daß im Laufe der Sitzungen mit Frau Keeler Stück für Stück ein detailliertes System zur Herbeiführung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper übermittelt wurde. Der erste Versuch, diese Vorschläge in eine systematische Ordnung zu bringen, stammt von Dr. Robert Crookall, aber selbst seine Darstel- lung von 1964 bleibt sehr unsystematisch und unbefriedigend. Das Keeler-System setzt sich im groben aus drei miteinander im Einklang stehenden Aspekten zusammen. Der erste ist ein Ernäh- rungsplan, den der Schüler befolgen muß, um die Fähigkeit zu Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper zu erlangen. Diese Phase ist für den Erfolg des gesamten Systems entscheidend, obwohl sie von den wenigen Autoren, die dieses Material überhaupt zur Kenntnis genommen haben, in ihrer Bedeutung heruntergespielt wurde. Der zweite Teil des Systems besteht aus verschiedenen Visuali- sierungsübungen, mit denen der Schüler beginnen sollte, nachdem er den Ernährungsplan eine Weile befolgt hat. Der dritte Teil betrifft bestimmte Atmungsübungen, die zur gleichen Zeit wie die Visualisie- rungsübungen ausgeführt werden sollten. Keinem der drei Aspekte wurde ein besonderes Gewicht beigelegt. Wir wollen sie uns jetzt einen nach dem anderen ansehen. Zusammenfassend aus Halls Schriften, läßt sich der Ernährungsplan wie folgt konstruieren:

1. Der Schüler beginnt entweder mit Fasten oder indem er die Nahrungsaufnahme einschränkt. 2. Unmittelbar vor dem Versuch, zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, sollte man überhaupt keine Nahrung zu sich nehmen. Zuviel Essen kann jeglichen Erfolg bei der Astralprojektion von vornherein versperren. 3. Für die Dauer des Übungsprogramms sollte man kein Fleisch essen. 4. Der Ernährungsplan sollte in der Hauptsache aus Obst und Gemüse bestehen.

5.

Möhren sind besonders zuträglich.

6. Rohe Eier begünstigen den Ernährungsplan und die Bewirkung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper.

7. Man sollte keinerlei Arten von Nüssen essen.

8. Erdnüsse sind besonders schlecht. (Sie werden hier in einer beson- deren Kategorie aufgeführt, weil sie genaugenommen keine Nüsse sind, sondern wie die Erbse zu der Gattung der Schmetterlingsblüt- ler zählen.)

9. Getränke jeglicher Art sind zuträglich, man sollte sie jedoch nicht in übertriebenem Maße zu sich nehmen. Auf den ersten Blick scheint dieser Ernährungsplan nichts Überra-

schendes aufzuweisen. Er ist generell ausgeglichen, und ein junger Arzt, dem ich diesen Plan vorlegte (ohne hinzuzufügen, zu welchem

Zweck er gedacht ist), stellte fest, daß er der berühmten Scardales Diät sehr ähnlich ist. Er fragte lediglich, warum dieser Plan kein Geflügel- fleisch vorsah! Die Diät ist auch nicht als ausschließlich zu verstehen. Gemäß der Kommunikationspartner von Minnie Keeler muß der Schüler sie nur während seiner anfänglichen Übungsphase befolgen. Sobald er die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen erlernt oder erlangt hat, kann er die Diät vernachlässigen. Es gibt jedoch noch einen Zusatz bei diesem Ernährungsplan. Für die Zeitdauer der Experimente muß der Schüler vollständig auf den Genuß von Alkohol, Tabak und anderen Drogen verzichten. Nachdem der Experimentator diese Diät einige Zeit befolg hat (es ist keine genaue Dauer angegeben), kann er zu bewußten Versuchen im Bereich der Astralprojektion übergehen. Diese Versuche sollten durchgeführt werden, während der Schüler aufrecht sitzt oder aber in einer anderen Haltung, bei der die Blutzirkulation nicht behindert wird. Füße und Hände sollten zu keiner Zeit übereinandergelegt werden. Die Sitzungen sollten in einem abgedunkelten Raum durchge- führt werden, und die Augen sollten dabei geschlossen bleiben. Nachdem der Schüler es sich bequem gemacht hat, kann er mit der aktiven Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper beginnen. Die Vertiefung in eine der folgenden Visualisie- rungsstrategien kann das Verlassen des Körpers erleichtern:

1. Stellen Sie sich vor, daß Sie sich in einem Kegel befinden und durch

ihn hindurchgleiten. Versuchen Sie, durch die Spitze des Kegels hinauszuschießen, nachdem Sie sich hineingequetscht haben.

2. Konzentrieren Sie sich auf das Bild eines Strudels. Stellen Sie sich vor, wie Sie durch den Strudel hindurch und aus dem Körper heraus gewirbelt werden. Sie sollten sich vorstellen, wie Sie zu einem einzigen Punkt zusammenschrumpfen und sich dann bei Ihrem Austritt wieder ausdehnen.

3. Stellen Sie sich vor, wie Sie von einer Welle davongetragen werden.

4. Stellen Sie sich vor, daß Sie an einer Seilwinde hängen und von ihr aus dem Körper herausgezogen werden.

5. Stellen Sie sich vor, daß Sie herumwirbeln - und dann wirbeln Sie sich direkt aus Ihrem Körper heraus. Oder stellen Sie sich vor, daß Sie durch eine rotierende Röhre herausgezogen werden.

6. Stellen Sie sich vor, daß Sie sich in einer Röhre befinden, die sich allmählich mit Wasser füllt. Sehen Sie sich selbst als einen kleinen Lichtfleck, und versuchen Sie, in der Wand der Röhre ein kleines Loch zu finden, durch das Sie entfliehen können. Stoßen Sie durch dieses Loch hinaus.

7. Bauen Sie sich im Geiste ein Bild von sich auf, als ob Sie sich selbst in einem Spiegel betrachten. Ubertragen Sie dann Ihr Be- wußtsein auf dieses Bild.

8. Stellen Sie sich vor, wie Dampf von einem feuchten Stück Stoff aufsteigt. Stellen Sie sich dann vor, daß Sie dieser Dampf sind, der aus dem Stoff Ihres physischen Körpers austritt. Diese Visualisierungsübungen sind sehr unterschiedlich, aber einige

davon sind auf eigenartige Weise faszinierend und könnten durchaus zur Bewirkung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper beitragen. Nehmen Sie zum Beispiel die Vorstellung, mittels einer Seilwinde aus dem Körper herausgezogen zu werden. Als ich als Jugendlicher mit der Astralprojektion herumexperimentierte, hatte ich einmal ein sehr bizarres Erlebnis, während dessen ich das Gefühl hatte, als ob ich an einem Seil durch meinen Kopf hindurch buch- stäblich aus meinem Körper herausgezogen würde. Dieses unver- kennbare Gefühl war sehr seltsam und etwas beunruhigend, daß es mir schien, als ob ich meinen Körper gegen meinen Willen verlassen

würde. Es wäre also durchaus plausibel, daß man dieses Erlebnis auslösen könnte, indem man sich auf eine derartige Vorstellung konzentriert. Andere Visualisierungsmethoden, die von Frau Keelers Kommuni- kationspartner vorgeschlagen wurden, scheinen mit Empfindungen verwandt, von denen Meister auf dem Gebiet der Astralprojektion tatsächlich berichtet haben. Einige davon betonen die Rolle des sich Herauswirbelns oder Herauswindens aus dem Körper. Es gibt viele Berichte über Aufzeichnungen von Leuten, die tatsächlich erlebt haben, wie sie, gewöhnlich durch den Kopf, direkt aus dem Körper herauswirbelten oder -rotierten. Die Spiegel-Visualisierung ähnelt Sylvan Muldoons Vorschlag, daß man in einen Spiegel blicken und versuchen sollte, das Bewußtsein von dem einen Bild auf das andere zu übertragen. In diesem Fall ist es jedoch wahrscheinlich, daß sich Muldoon auf Halls Schriften bezog, ohne dies in gebührender Weise deutlich zu machen. Der Gedanke, sich vorzustellen, daß man durch irgendeine Art von Öffnung hinausschießt, ist unabhängig von Frau Keeler auch von einigen anderen Medien vorgeschlagen worden. Hugh Callaway hat oftmals seinen Körper verlassen, indem er sich vorstellte, daß er durch eine Art Falltür oben in seinem Kopf aus seinem Körper austrat. Aleister Crowley, der berühmte britische Okkultist, lehrte seine Schüler, ihren Körper zu verlassen, indem sie sich auf einer ansonsten leeren Wand eine geschlossene Tür vorstellten, auf der ein Symbol geschrieben stand, das die Schüler zur Meditation verwendet hatten. Der Schüler führt dann das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbei, indem er sich vorstellt, daß sich die Tür öffnet und er hindurchgleitet. Zwei Jahre nach Veröffentlichung dieser Methoden brachte Hall seinen letzten Bericht über seine Kommunikationssitzungen mit Frau Keeler heraus, der die Ergebnisse seiner eigenen Experimente enthielt. In diesem Zusammenhang beschrieb er einige weitere Visualisierungs- übungen:

1. Konzentrieren Sie sich auf eine Stelle, die ungefähr ein oder zwei Meter von Ihrem Körper entfernt ist, und versuchen Sie, sich darauf zuzubewegen.

2.

Konzentrieren Sie sich auf eine Stelle oberhalb Ihres Kopfes, und versuchen Sie, sich zu ihr zu erheben.

3. Konzentrieren Sie sich auf einen Punkt ungefähr vierzig Zentime- ter oberhalb Ihres Kopfes, und versuchen Sie, mit diesem Punkt zu verschmelzen.

4. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl, aber lehnen Sie sich nicht gegen die Rückenlehne zurück. Konzentrieren Sie sich auf einen horizontalen Balken etwas oberhalb Ihrer Augenhöhe. Konzen- trieren Sie sich auf diesen Balken, bis Sie das Gefühl haben, sich zu erheben. Halten Sie dann den Atem an.

5. Legen Sie sich hin, spannen Sie Hände und Füße an, und ziehen Sie die Bauchmuskeln zusammen, während Sie versuchen, den Astral- körper hinauszuzwingen; oder stellen Sie sich vor, wie Sie - Ihr physischer Körper — durch den Raum fällt.

6. Stellen Sie sich vor, daß Sie eine lange Treppe hinaufsteigen. Oben auf dem Treppenabsatz ergreifen Sie ein imaginäres Seil und springen ab. Gleichzeitig füllen Sie Ihre Lungen mit Luft.

7. Setzen Sie sich auf einen Stuhl, und versuchen Sie zu fühlen, wie Sie sich horizontal nach vorne bewegen.

8. Stellen Sie sich vor, daß Sie auf Zehenspitzen herumwirbeln und dann springen oder abheben.

9. Stellen Sie sich als eine Seifenblase vor, die im Raum schwebt.

10. Stellen Sie sich vor, daß Sie durch die Luft zum Himalaja fliegen. 11. Stellen Sie sich einen Punkt ungefähr einen halben Meter vor Ihrem Hals vor. Stellen Sie sich dann vor, daß er sich auf Sie zubewegt, bis Sie mit ihm verschmelzen. All diese zusätzlichen Übungen erscheinen Ihnen vielleicht über- flüssig und unsystematisch wie schon die voraufgegangenen, aber ihnen allen sind verschiedene Vorzüge gemeinsam. Zunächst einmal sind es ausgezeichnete Konzentrationsübungen, da es sich um sehr einfache Bilder handelt, die man sich ohne große Schwierigkeiten vor dem geistigen Auge vergegenwärtigen kann. Darüber hinaus lehren sie den Schüler, seine Konzentration auf etwas außerhalb vom Körper auszurichten. Wie schon im vorangegangenen Kapitel bemerkt, kön- nen wir an den Körper gekettet sein, weil wir gewohnheitsmäßig an sein Vorhandensein erinnert werden. Dies geschieht durch die sensori-

schen und körpereigenen Reize. Die oben aufgelisteten Übungen sind alle nützlich, um den Körper ruhigzustellen, so daß seine Zugänglich- keit für sensorische Reize verringert wird. Die Konzentration auf etwas außerhalb des Körpers könnte durchaus helfen, die körpereige- nen Reize, die gewöhnlich innerhalb des Körpers entstehen, zu ignorieren, wenn auch nicht direkt zu verringern. In diesem Licht betrachtet, scheint das Keeler-System bemerkens- wert sinnvoll zu sein. Der dritte Teil der Keeler-Hall-Methoden betrifft das Atmen, einen Vorgang, der Okkultisten, Yogis und andere Zuträger des spiritisti- schen Weges von jeher im höchsten Maße interessiert hat. Leider ist dieser Aspekt der Methode in Halls veröffentlichten Schriften nicht besonders gut ausformuliert. Wir erfahren lediglich, daß die Kommu- nikationspartner von Frau Keeler lehrten: „Atmen ist wichtig, da das Pulsieren im Gehirn mit ihm synchron ist." Sie fügten hinzu, daß „verschiedene Übungen" helfen, den Körper zu verlassen, und daß „es zum Verlassen des Körpers von Wert ist, den Atem anzuhalten, während das Nicht-Einatmen keine Wirkung hat". Die Kommunikationspartner von Frau Keeler haben jedoch an keiner Stelle ausgeführt, worin diese „verschiedenen Atemübungen" eigentlich bestehen sollten. Ihre Bemerkungen über das Atmen sind bestenfalls dunkel zu nennen und scheinen eher hoffnungslos. Wäre es möglich, daß uns hier ein Schlüsselelement der Keeler-Methode verlorengegangen ist? Ich glaube nicht. Die Botschaften geben uns genügend Informatio- nen an die Hand, um zu rekonstruieren, auf welche Übungen sich die Kommunikationspartner bezogen. Es scheint wahrscheinlich, daß sich die oben zitierten knappen Bemerkungen auf eine sehr alte Atemtech- nik beziehen, die im Yoga gelehrt wurde (pranajamana genannt) und angeblich zur Entwicklung übersinnlicher Fähigkeiten einschließlich der Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, führt. Diese Methode besteht darin, in einem gleichmäßigen Tempo einzuatmen, den Atem für eine vorgeschriebene Zeitdauer anzuhalten und dann wieder auszuatmen. Diese drei Phasen müssen einem übereinstimmenden Verhältnis von Einatmen, Anhalten und Ausatmen folgen und mehre- re Male wiederholt werden. Da diese Technik im nächsten Kapitel

detailliert beschrieben wird, wird sie an dieser Stelle nicht genauer ausgeführt. Aber die Art und Weise, wie die Kommunikationspartner von Frau Keeler das Einatmen und das Anhalten des Atems betonen, weist eine zu deutliche Übereinstimmung mit der Philosophie des Yoga pranajamana auf, um bloßer Zufall zu sein. Es ist auch interessant, daß die meisten Yoga Schriften hervorheben, daß diese Atemübungen gefährlich sein können, wenn man sie nicht korrekt ausführt. Die Gefahren, so warnen sie, können sowohl körperlicher wie geistiger Natur sein. Könnte dies möglicherweise der Grund sein, warum die Kommunikationspartner von Frau Keeler in der detaillierten Beschreibung dieser Techniken so zurückhaltend waren? Kurz zusammengefaßt: Das Keeler-Hall-System schließt drei Aspekte ein. Man beginnt, indem man eine nicht genauer bezeichnete Zeitdauer einen vorgeschriebenen Ernährungsplan befolgt. Zur eigent- lichen Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper setzt oder legt man sich hin, wobei Hände und Füße nicht übereinandergeschlagen werden, und führt im Geiste verschiedene Visualisierungsübungen aus. Gleichzeitig sollten bestimmte Atem- übungen durchgeführt werden. Dieses System ähnelt der Methode der progressiven Muskelentspannung in der Hinsicht, daß es ein passives System ist, anders als Lancelins Methode, die man als ein aktives System bezeichnen könnte. Die Keeler-Hall-Methode lehrt, wie man den Körper ruhigstellt und entspannt, nicht, wie man sich den Weg hinaus erkämpft!

Kritische Bemerkungen

Wie wirksam sind nun diese Keeler-Hall-Methoden? Es gibt zwei Wege, dieses Material und diese Methoden zu analysie- ren. Der erste besteht darin, festzustellen, ob die Mitteilungen Informa- tionen über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper enthalten, die Minnie Keeler selbst normalerweise nicht hätte wissen können. Der zweite Weg geht über die Berichte irgendeiner beliebigen Person, die versucht hat, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, indem sie diesen Methoden folgte.

Es war der verstorbene Robert Crookall, der Geologe und Parapsy- chologe aus Bath in England, der als erster aufzeigte, wie überzeugend das Keeler-Material zu sein scheint. 1964 veröffentlichte er ein kleines Buch, in dem er demonstrierte, daß viele der Fakten über die Astral- projektion, die in den Botschaften durch Frau Keeler so sorgfältig beschrieben wurden, um die Jahrhundertwende nicht weitläufig be- kannt waren. Denken Sie daran, daß diese Methoden von 1909 bis 1915 übermittelt wurden, in einer Zeit also, in der kaum etwas über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper bekannt war. Während Hugh Callaway bereits begonnen hatte, über seine Erfahrungen zu schreiben, war Forhans Werk in den Vereinigten Staaten so gut wie unbekannt, und Muldoon hatte dieses Thema noch nicht populär gemacht. Nicht einmal unter den Erforschern des Übersinnlichen gab es viele, die sich für dieses Phänomen besonders interessierten. Frau Keeler hätten nur einige wenige Quellen zur Verfügung gestanden, wenn sie sich wirklich über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper hätte informieren wollen. Unser Wissen über die empirischen und phänomenologischen Aspekte des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper stammt erst aus den 60er Jahren. Ende der 50er Jahre zog sich Crookall aus seiner beruflichen Karriere als Geologe zurück, um sich nun ganz dem Studium des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper zu widmen. Sein erstes Projekt bestand darin, mehrere Hunderte Berichte von derartigen Fällen zusammenzutragen und dann ihre charakteristi- schen Merkmale sorgfältig und statistisch auszuarbeiten. Sein erstes Werk erschien 1961, und eine ergänzende Analyse von noch mehr Fällen wurde 1964 veröffentlicht. Diese beiden Berichte, jeweils in Buchform veröffentlicht, waren die ersten Studien überhaupt, die sich die Analyse der genauen Struktur und Phänomenologie dieses Phäno- mens zur Aufgabe gestellt hatten. Ungefähr um die gleiche Zeit begann auch Celia Green in Oxford mit ihrer systematischen Erforschung der Berichte von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper. Heute befinden wir uns also in einer ausgezeichneten Position, um das Keeler-Material zu beurteilen. Es sieht sicherlich so aus, als ob die Kommunikationspartner von Frau Keeler mehr über das Phänomen der Loslösung vom eigenen

Körper wußten als irgendeine lebende Person zu ihrer Zeit. So erzählten zum Beispiel die orientalischen Meister von Frau Keeler Hall bei einer Gelegenheit, daß Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper manchmal als Folge einer Narkose auftreten. Sie warnten jedoch, daß derartige Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper weniger lebendig und verschwommener sind als solche Erlebnisse, die auf natürliche Weise zustande kommen. Das scheint zuzutreffen. Wir wissen heute, daß viele Menschen bei der Anwendung von Äther, Lachgas oder Natriumpentathol zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen. Sowohl Croo- kall wie Frau Green sammelten in ihren Arbeiten viele derartige Berichte. Crookall fand in seiner ersten Sammlung von 382 Berichten 46 derartige Fälle, die also 12 Prozent seiner Erhebungsauswahl ausmachten. Aber bei einer genaueren Überprüfung dieser Fälle machte er eine noch interessantere Entdeckung. Aus Gründen der Analyse teilte Crookall seine Fallsammlung in zwei allgemeine Kate- gorien ein. Die erste bestand aus denjenigen Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper, die auf natürliche und spontane Weise zustande gekommen waren - beim Einschlafen oder wenn die betreffende Person krank oder erschöpft war. In die andere Kategorie ordnete er die Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper ein, die durch Erstickung, Hypnose oder durch die Anwendung von Narkosemitteln erzwungen wurden. Zwischen diesen beiden Arten von Erlebnissen stellte er einen quantitativen Unterschied fest. Die „natürlichen" Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper waren lebendiger, horizonterweiternder und friedlicher als die erzwungenen, die eher langweilig und verschwommen waren. Obwohl der Unterschied, den Crookall zwischen den natürlichen und den erzwungenen Projektio- nen feststellte, aufgrund der kleinen Auswahl an erzwungenen Fällen, mit der er arbeiten mußte, statistisch gesehen nicht allgemein aussage- kräftig sind, stellen sie doch einen offensichtlichen Trend dar, der auf einen echten empirischen Unterschied zwischen diesen beiden Arten von Fällen hindeuten. Die Kommunikationspartner von Frau Keeler bemerkten auch, daß zu Beginn des Erlebnisses, in dem Moment, wo das Bewußtsein seinen Platz von innerhalb des physischen Körpers zu dem ektosomatischen

Körper wechselt, ein vorübergehender Bewußtseinsschwund auftritt. „In dem Moment der Trennung zwischen den beiden Körpern tritt gewöhnlich ein Augenblick der Bewußtlosigkeit auf", wurde Hall gesagt. Crookall fand heraus, daß dieses Phänomen in seinen Fällen ziem- lich weit verbreitet war, und seine Analyse zeigt, daß 20 bis 30 Prozent aller Personen, die von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper berichten, diese Wirkung erfahren. Hall wurde gesagt, daß zu Beginn des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper die betreffende Person eine Phase der doppelten Bewußtheit durchlaufen wird, d. h. eine Phase, in der sie sich gleichzeitig sowohl innerhalb wie außerhalb ihres Körpers erlebt. Selbst wenn sich die Person zu diesem Zeitpunkt noch innerhalb ihres Körpers befindet, kann sie die Anwesenheit von Geistern, beispiels- weise von Verstorbenen, in der Nähe spüren oder sehen. Dies hat sich ebenfalls als zutreffend erwiesen. Sylvan Muldoon schrieb umfangreich über das Thema der doppelten Bewußtheit. Es taucht auch häufig in den Schriften von Personen auf, die nur ein oder zwei derartige Erfahrungen gemacht haben. Einer der berühmtesten Fälle eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper überhaupt wurde beispielsweise von Sir (später Lord) Auckland Geddes in einem Vortrag vor der Royal Medical Society von Edinburgh 1937 berichtet. Geddes, ein gefeierter Mediziner und Professor der Anatomie, trug ursprünglich vor, daß ihm das Erlebnis von einem Freund erzählt worden sei, aber die meisten Autoren stimmen darin überein, daß er eine persönliche Erfahrung beschrieb. Geddes berichtete, daß er eines Nachts todkrank aufwachte. Er war so schwach, daß er nicht zum Telefon gelangen konnte, er konnte sich nur noch zurücklegen und darauf warten, daß der Tod ihn überwältig- te. Plötzlich fühlte er, wie sich sein Bewußtsein in zwei Hälften teilte. Ein Teil blieb innerhalb seines physischen Körpers, der andere Teil schien als eine blaue Wolke über seinem Körper zu schweben. Er war sich seiner bewußt, wie er im Bett lag, und gleichzeitig konnte er aus seiner Position außerhalb seines Körpers auf sich selbst herunterblik- ken. Schließlich fühlte er, wie seine ganze Lebenskraft von dem Körper auf dem Bett in die blaue Wolke überging. Er - oder die blaue

Wolke - löste sich dann von dem Körper und bewegte sich durch das Haus. Während er in diesem Zustand herumwanderte, sah Geddes, wie seine Frau in das Zimmer kam, ihn entdeckte und den Arzt rief. Er beobachtete verächtlich, wie der Arzt erschien und ihm eine Spritze gab, um ihn wiederzubeleben. Als sein Herz wieder zu schlagen anfing, wurde er in den Körper zurückgesogen. Er selbst beschrieb sich als „aufs höchste verärgert", daß er zurückkehren mußte! Obwohl Geddes, während er sich außerhalb seines Körpers befand, keine Geistererscheinungen wahrnahm, tun dies viele Leute - genau so wie es die Kommunikationspartner von Frau Keeler bemerkten. Crookall schließt in seine Fallstudien 62 derartige Berichte ein. Es ist bekannt, daß Personen, die ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper infolge eines Herzversagens oder eines lebensbedrohlichen Unfalls haben, oftmals erleben, wie sie ihren Körper verlassen, in eine Welt der Schönheit reisen und verstorbene Verwandte treffen, die sie anweisen, in ihren Körper zurückzukehren. Es ist nicht so gut bekannt, daß einzelne Personen, die zu spontanen Erlebnissen von der Loslösung vom eigenen Körper gelangen, manchmal von ähnlichen Begegnungen berichten. Oftmals spüren sie diese Wesenheiten, die sie entweder auf ihrer Reise außerhalb des Körpers begleiten oder aber zur Rückkehr drängen, eher, als daß sie sie sehen. Dies ist vielleicht einer der interessantesten Aspekte des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper, obwohl er im allgemeinen vernachlässigt wird. Die orientalischen Meister, die ihre Weisheit so bereitwillig mit Hall teilten, erläuterten auch etwas zu den eigentlichen Mechanismen der Astralprojektion. Sie behaupteten, daß das Hauptverfahren in dem Verlassen des Körpers durch den Kopf besteht und daß die projizieren- de Person gelegentlich erlebt, daß sie aus ihrem Körper herauswirbelt. Hall hatte keine Möglichkeit zu wissen, daß Crookall diese Behaup- tung viele Jahre später durch Beweise erhärten würde. Seine Fallstu- dien schlossen 29 Fälle ein, in denen die Berichtenden speziell be- schrieben, wie sie ihren Körper durch den Kopf verlassen hatten. Es handelte sich dabei auch um physische Empfindungen, und nicht bloß um Vorstellungsbilder. Da ich dieses Phänomen selbst erfahren habe, kann ich bestätigen, wie überwältigend die Wirkung sein kann. Es fühlt sich oftmals so an, als ob Ihr inneres Ich direkt durch ein Loch

oben in Ihrem Kopf herausgesogen würde! Zweifellos ist dies der Grund, warum Hugh Callaway vorschlug, den Körper zu verlassen, dadurch daß man die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt richtet. Das Herauswirbeln aus dem Körper ist ein seltenes Erlebnis, dennoch beschreibt Muldoon dieses Phänomen in seinen autobiogra- phischen Schriften, und es ließen sich auch noch andere Fälle zitieren. Die Kommunikationspartner von Frau Keeler beschrieben auch die (heute) bekannte „Silberkordel", die so viele Personen als Verbindung zwischen ihrem physischen Körper und ihrem ektosomatischen Kör- per sehen; sie beschrieben, daß einige beim Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper Lichtstreifen hinter sich sehen, wenn sie sich fortbewegen ([Anm.: Forhan, der unter dem Namen Yram schrieb, weist besonders auf den Seiten 62 und 66 seiner Practical Astral Projection auf dieses Phänomen hin; vgl. auch S. 13 in Sylvan Muldoons Projection of the Astral Body)-, sie beschrieben, daß eine Person, die zum ersten Mal ihren Körper verläßt, plötzlich feststellen kann, daß sie horizontal über ihrem physischen Körper schwebt, und eine Vielzahl weiterer kleiner, bekannter Merkmale, von denen wir heute wissen, daß sie wesentliche Bestandteile des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper sind. Es fällt deshalb schwer, mit Crookall nicht übereinzustimmen, wenn er schreibt: „Es ist jetzt klar, daß die Kommunikationspartner von Frau Keeler, wer oder was auch immer sie gewesen sein mögen, sehr viel mehr über die Astralprojek- tion wußten als irgendeine lebende Person." Crookall behauptete auch, daß diese Tatsache allein darauf hindeutet, daß diese Lehren sehr wahrscheinlich von körperlosen Geisteswesen stammten. Ich persönlich glaube, daß diese letzte Frage strittig ist. Es ist auch möglich, daß diese Lehren aus irgendeinem höheren Aspekt von Minnie Keelers eigenem Geist herrührten - eine Ebene des Geistes, die über uns und unsere metaphysische Natur mehr weiß, als wir bewußt wahrneh- men. (Anm.: Zu diesem Aspekt des Ichs, mit dem sich mehr und mehr Mediziner, Psychologen und Psychiater gezwungenermaßen konfrontiert sehen, gibt es eine große Menge psychologischer Litera- tur. Diese Ebene des Geistes kann durch Hypnose angezapft werden und wurde früher der „verborgene Beobachter" genannt. Sie ist ein Teil von uns, der sich in unserem Geist zurückzieht und alles, was mit

uns geschieht, beobachtet und beurteilt. Personen, die an einer Persönlichkeitsspaltung leiden, weisen oftmals wenigstens eine Per- sönlichkeit auf, die wesentlich gesunder, verständiger und gutartiger zu sein scheint. Diese Persönlichkeit, die auch als „innere Selbsthilfe" bezeichnet worden ist, kann sogar dem Mediziner bei der Heilung des Opfers helfen! Ein Arzt, der mir aus Los Angeles bekannt ist, hat festgestellt, daß er mit diesem Aspekt des Geistes, den er das „Beschüt- zer-Ich" nennt, in Verbindung treten kann, um ihm bei der Diagnose unzugänglicher Patienten zu helfen. All diese Forscher scheinen denselben Aspekt des Geistes zu beschreiben. Diese Ebene könnte sich auch uns und anderen mitteilen, indem sie ihre eigene Individualität annimmt. Einige der Ratgeber, die sich durch ein Medium kundtun, könnten von dieser Art sein. Der allzeit populäre Seth, der sich regelmäßig durch Jane Roberts aus Elmira, New York, mitteilt, könnte eine derartige Persönlichkeit sein.) Es ist kaum von Bedeutung, ob die Mitteilungen durch Frau Keeler von Verstorbenen oder von ihrem eigenen inneren Ich herrührten. Wichtig ist, daß diese Informationen eine Fülle von Daten über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper enthalten, von denen Frau Keeler wohl kaum hätte Kenntnis haben können. Die Tatsache, daß diese Lehren sicherlich differenzierter sind als alles zu jener Zeit verfügbare Material, ist ein Indiz dafür, daß die Induktionsmethoden auch wirksam und bedeutsam sind. Jetzt kommen wir zu einer mehr praktischen Beurteilung der Keeler-Methoden. Haben Sie sich jemals für irgend jemanden als wirksam erwiesen? Mit Beginn ihrer Mitteilung durch Frau Keeler 1909 experimentierte Prescott Hall mehrere Jahre lang mit diesen Übungen. Allem Anschein nach führte er diese Experimente zu Hause in Brookline, Massachu- setts, durch und führte ein detailliertes Tagebuch über seine Ergebnis- se. Abgesehen von dem Material über die Astralprojektion erhielt Hall auch beträchtliche Informationen über die psychische Entfaltung im allgemeinen. Meist handelte es sich dabei um Meditations- und Visualisierungsübungen. Hall interessierte sich schließlich mehr dafür, die Fähigkeit des Hellsehens und Hellhörens zu entwickeln als die Fähigkeit, seinen Körper zu verlassen. Dies war wahrscheinlich auch

der Grund, warum ihn die Kommunikationspartner von Frau Keeler zu Beginn seiner Sitzungen warnten, daß sein ektosomatischer Körper sehr stark mit seinem physischen Körper verbunden sei und es ihm deshalb schwerfallen würde, die Projektion zu erlernen. Seine Experi- mente mit der Astralprojektion waren daher nicht systematisch, obwohl er über einen Zeitraum von sechs Jahren immer wieder mehr oder weniger ernsthaft mit den Vorschlägen, die er durch Frau Keeler übermittelt erhielt, herumexperimentierte. Seinen ersten Teilerfolg hatte Hall anscheinend im September 1909 zu verzeichnen. Er berichtet in seinem Tagebuch, daß er während einer Visualisierungsübung das Gefühl hatte, als ob sein physischer Körper „herunterfallen und entgleiten" würde. Er bemerkte auch das deutli- che Gefühl, daß er sich überhaupt nicht mehr in seinem Körper befinden würde. Hall erwähnt nicht, wie lange diese Empfindung genau andauerte. Während einiger Experimente, die er im Oktober durchführte, hatte er einen ähnlichen Erfolg. Im Laufe seiner Übungen hatte er das Gefühl, als ob er aus seinem Körper herausgezogen würde, und glaubte, daß er tatsächlich von einer unsichtbaren Kraft aus seinem Körper herausgezogen würde. Seine Tagebucheintragungen vom März 1910 verraten, daß er anfing, während seiner Experimente ein seltsames Gefühl des Fallens zu erleben. Leider ist es Hall allem Anschein nach nie geglückt, zu einem voll ausgebildeten Erlebnis der Loslösung von seinem eigenen Körper zu gelangen. Er hatte einige periphere oder beginnende Erlebnisse, aber es gelang ihm nie, die „Schwelle" zu überschreiten und wirklich bewußt zu erleben, daß er seinen Körper verläßt. Das alles erscheint mir sehr plausibel. Während solcher Perioden, in denen ich anfange, Erlebnisse der Loslösung von meinem Körper zu haben, durchlaufe ich gewöhnlich auch eine Phase, in der ich ähnliche Gefühle des Fallens oder Sinkens erlebe, wenn ich mich abends zu Bett lege. Dies ist das erste Anzeichen dafür, daß sich ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper oder eine Periode derartiger Erlebnisse zu manifestieren beginnt. Sobald ich dieses Gefühl das erste Mal empfinde, muß ich meinen ganzen Willen darauf konzentrieren, meinen Körper zu verlassen. Gewöhnlich folgt dann ein starkes Ringen, wobei ich gegen die Anziehungskraft meines Körpers an-

kämpfe. Manchmal gelingt es mir, ihr zu entfliehen. Vielfach entgleitet dieses Gefühl jedoch meiner Kontrolle, und ich muß mich damit abfinden, daß ich fest in meinem Körper haftenbleibe. Hall hatte wahrscheinlich mit einem ähnlichen Problem zu kämpfen. In den Mitteilungen durch Frau Keeler findet sich sogar ein gewisser Hinweis auf diesen Effekt. Hall hatte den Kommunikationspartner von Frau Keeler während einer Sitzung 1909 von seinem Erfolg berichtet. Sie schlugen ihm daraufhin vor, daß er, sobald sich diese Gefühle wieder manifestieren würden, seine Bauchmuskeln, Hände und Füße anspannen und versuchen sollte, sich den Weg aus dem Körper zu erzwingen. Sie wiesen ihn auch an, sich gleichzeitig bildlich vorzustellen, daß er losgelöst im Raum schwebt. Es ist interessant, daß dies die einzige Stelle in den gesamten Mitteilungen durch Frau Keeler ist, wo die orientalischen Meister einen dynamischen und aktiven Weg zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper vorschlugen. Sie mußten erkannt haben, daß Hall kurz davor stand, seinen Körper zu verlassen, und waren offensichtlich bereit, ihm spezielle Übungen zur Erreichung dieses Ziels anzubieten. Als ich selbst diesen Zustand erreichte, hielt ich intuitiv den Atem an, schloß die Augen und stellte mir vor, daß ich meinen Körper verließ und über ihm schwebte. Ich bin zufällig auf diese Methode gestoßen, lange bevor ich von Halls Erfahrungen las. Man hätte jedoch voraussagen können, daß es Hall nicht wirklich gelingen würde, seinen Körper zu verlassen. In seinem Bericht für die American Society for Psychical Research von 1918 weist er insbeson- dere darauf hin, daß er die Empfehlungen der Kommunikationspart- ner von Frau Keeler, sich jeglichen Genusses von Tabak und Alkohol zu enthalten, nicht befolgte. Man könnte sogar vermuten, daß sich Hall auch insgesamt nicht an den Ernährungsplan gehalten hat, und da dieser Ernährungsplan ein entscheidender Bestandteil des Keeler- Materials ist, läßt sich wohl kaum behaupten, daß Halls Experimente eine ausschlaggebende Überprüfung dieser Methoden darstellen. Es gibt aber noch einen weiteren Experimentator, der die Keeler- Methoden ausprobierte. Seine Ergebnisse sahen ganz anders aus und führten schließlich zu der Entwicklung der Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen. Wie Sie wahrscheinlich an dieser Stelle schon

erraten haben, handelt es sich bei diesem Forscher um meine eigene Person! Ich kam zum ersten Mal im Frühjahr 1965 mit dem Keeler-Hall- Material in Berührung. Ich war damals noch ein Teenager und hatte kurz zuvor den Entschluß gefaßt, die Parapsychologie zu meinem Lebensinhalt zu machen. Ich war nicht allzu interessiert daran, selbst übersinnliche Fähigkeiten zu entwickeln, vor allem, weil ich nicht glaubte, derartige Fähigkeiten zu besitzen. Ich interessierte mich mehr dafür, Nachforschungen anzustellen, mit Personen zusammenzuar- beiten, die wirklich für übersinnliche Einflüsse empfänglich waren, und Experimente durchzuführen. Aber, als ich anfing, über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper zu lesen, wußte ich mit einemmal, daß ich es unbedingt selbst erleben mußte. Schon bald verschlang ich alles, was ich zu diesem Thema finden konnte, in der Hoffnung, irgendwelche Informationen zu finden, wie man dieses Erlebnis bewirken könnte. Muldoons The Projection of the Astral Body wurde praktisch meine Bibel, da er in diesem Buch einige seiner eigenen Methoden beschrieb. In jenem Sommer wurde mein Wunsch, zu einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper zu gelangen, besonders intensiv. Wenn die Schule vorbei war, ging ich sofort nach Hause in mein Zimmer und probierte die Lehren aus, von denen ich gelesen hatte. Ich führte auch nächtliche Experimente durch. Während dieser Periode kamen mir viele Erinnerungen an eine Reihe von Erlebnissen der Loslösung von meinem Körper wieder, die ich als kleines Kind erlebt hatte. So wachte ich zum Beispiel, als ich vier oder fünf Jahre alt war, nachts auf, schwebte über meinem Bett, bewegte mich durch den Flur unseres Hauses und kehrte in mein Zimmer zurück. Ich begann mich auch daran zu erinnern, daß mich auf diesen Ausflügen oftmals irgendein Führer, den ich mehr spürte als sah, begleitete - als ob er versuchte, mich irgend etwas zu lehren. Diese Erinnerungen waren auch keine Konfabulationen. Ich erin- nerte mich ganz genau, welchen Spielkameraden und Familienangehö- rigen ich mein Geheimnis mitteilte. Heute sind diese Erinnerungen noch genauso lebendig und deutlich wie meine Erinnerungen an die Oberschule und das College.

Diese Erinnerungen schürten mein Interesse an dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper nur noch mehr, da sie zeigten, daß ich zumindest das Potential besaß, meinen Körper verlassen zu können. Bei der Suche nach einem sicheren Weg, zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, stieß ich in Carringstons Vorwort zu Muldoons erstes Buch auf eine Zusammenfassung des Materials von Prescott Hall. Ich wußte überhaupt nichts über Minnie Keeler und ihre orientali- schen Meister, da Muldoon und Carrington diesen Aspekt von Halls Schriften so gut wie gar nicht erwähnen. Mein Interesse konzentrierte sich in erster Linie auf die Ernährungsvorschriften, die Hall skizzierte. Sie waren leicht zu befolgen, erforderten nicht viel Zeit und wurden nicht langweilig! Allerdings wandelte ich sie in einigen Punkten ab. Ich aß weiter Fleisch, aber in geringeren Mengen und verzichtete ganz auf Fleisch, das nicht gar gebraten war. (Ich hatte irgendwo gelesen, daß dies eine Möglichkeit sei, wenn man nicht vollkommen auf Fleisch verzichten wollte.) Eier aß ich gekocht, nicht roh, aber ich stopfte mich mit Möhren voll und mied Nüsse wie die Pest - ich machte mich sogar dadurch unbeliebt, daß ich sie aus Kuchen und anderen Backwa- ren im Zweifelsfall herauspickte. Die Wochen vergingen. Es wurde August, und ich hatte mit meinen Versuchen zur Astralprojektion noch keinen Erfolg gehabt, also gab ich meine Bemühungen auf. Ich behielt den Ernährungsplan weiter bei, da er mir eine nützliche Sache zu schein schien, aber ich gab alle übrigen Experimente auf. Von da an habe ich bewußt nicht mehr erwartet, zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Und dann geschah es. Es war ein brennend heißer Tag im August. Ich kam wie gewöhnlich am frühen Nachmittag von der Sommerschule nach Hause, schaltete in meinem Zimmer das Radio ein und warf mich aufs Bett. Während ich einer Arie aus Wagners Rienzi lauschte, döste ich langsam ein. Ich befand mich in jener Dämmerzone zwischen Wachen und Schlafen, als ich plötzlich das Gefühl hatte, als ob mein ganzer Körper direkt durch die Matratze hindurchsinken würde. Ich hatte noch nie etwas Ähnli- ches gefühlt. Dann dämmerte es mir, daß ich möglicherweise kurz vor

einem Erlebnis der Loslösung von meinem Körper stand. Das Gefühl des Sinkens dauerte an, also drehte ich mich auf den Rücken. Augenblicklich war ich wie gelähmt. Ich schloß die Augen und konzentrierte meine ganze Aufmerksamkeit darauf, diese Empfindun- gen zu verstärken. Mein Gesicht fühlte sich starr an. Ich muß für einen kurzen Augenblick das Bewußtsein verloren haben, denn als nächstes weiß ich nur noch, daß ich fühlte, wie ich über meinem Körper schwebte, und mich dann am Fußende des Bettes wiederfand, wie ich mich selbst ansah. Ich konnte ziemlich deutlich sehen, aber es schien, als ob in meinem Zimmer alles in einen leichten Dunst oder Nebelschleier eingehüllt sei. Nachdem ich eine Weile mich selbst angesehen und mir überlegt hatte, was ich jetzt eigentlich tun sollte, entschloß ich mich zu versuchen, mein Zimmer zu verlassen. Fast augenblicklich begann ich zu schweben und bemerkte jetzt erst, daß ich ein geisterhaftes Doppel meiner selbst zu sein schien. Ich bewegte mich zur Tür, ohne im eigentlichen Sinn zu gehen, aber ich verlor das Gleichgewicht und fiel zur Seite. Sofort richtete ich mich wieder auf und setzte meinen Weg zu der geschlossenen Tür fort. Leider schwand mir in dem Moment das Bewußtsein und ich erwachte wieder in meinem Körper. Mein Herz schien ungewöhnlich langsam zu schlagen. Die ganze Geschichte kann höchstens eine Minute oder so gedauert haben, denn im Radio spielte immer noch dieselbe Arie. Die Erfahrung erfüllte mich mit freudiger Erregung, aber trotz der Lebendigkeit dieses Erlebnisses nahm ich meine bewußten Experimente zu seiner Herbeiführung nicht wieder auf. Das war auch nicht nötig - denn nur wenige Wochen später geschah das alles noch einmal. Wieder kam ich von der Schule nach Hause, ging in mein Zimmer und legte mich aufs Bett, um ein Nickerchen zu machen. Ich spürte dasselbe merkwürdige Gefühl des Fallens, das meinem ersten Erlebnis der Loslösung von meinem Körper voraufgegangen war, aber diesmal wurde es von einem Pulsieren begleitet, als ob mein ganzer Körper elektrisch aufgeladen würde. Wie schon zuvor, begann ich mich darauf zu konzentrieren, diese Empfindungen zu verstärken. Wieder erlebte ich einen kurzfristigen Bewußtseinsschwund und fand mich außer- halb meines Körpers wieder, diesmal kauerte ich neben dem Bett vor

ein paar Schränken. Ich sah etwas verschwommen, und auf dem linken Auge schien mir irgend etwas die Sicht zu verdecken. Ich erhob mich und blickte auf meinen Körper, in der Hoffnung, die berühmte „Silberkordel" zu sehen, von der ich soviel gelesen hatte. Ich sah sie nicht, aber ich bemerkte, daß mein (physischer) Kopf zur Seite auf die linke Schulter gesunken war. Mein Arm hatte sich vor mein linkes Auge geschoben. Das, so vermutete ich, war der Grund, warum mir in meinem Astralkörper die Sicht in gleicher Weise verdeckt war. Mehr als alles andere wollte ich das Schlafzimmer verlassen. Ich bewegte mich also zur Tür und versuchte, einfach durch sie hindurch zu gehen. Es funktionierte. Ich weiß nur, daß ich mich in dem einen Moment noch in meinem Zimmer befand und mich der Tür näherte, und im nächsten Moment tauchte ich bereits auf der anderen Seite aus der Tür auf. Ich wandte mich den Flur hinunter um die Ecke in das Wohnzimmer, wo ich meine Mutter erblickte, die auf der Couch saß und las. In diesem Moment bellten meine beiden Hunde los und ich verlor das Bewußtsein. Einen Augenblick später „erwachte" ich wieder in meinem Körper. Diese beiden Erlebnisse waren meine einzigen in jenem Sommer. Immer noch machte ich keine weiteren Experimente mit der bewußten Projektion und hörte sogar auf, mich an den Ernährungsplan zu halten. Ich erwartete wirklich nicht, noch weitere Erlebnisse der Loslösung von meinem Körper zu haben, und mein Geist war jetzt mehr auf den Beginn des neuen Schuljahres eingestellt. Sehr zu meiner eigenen Überraschung begann ich dann im Oktober, weitere derartige Erlebnisse zu haben. Eines Nachts, als ich schon im Bett lag und dabei war, einzuschlafen, fühlte ich mich plötzlich vollkommen gelähmt. Ein entsetzlicher Schwall von Geräuschen erfüllte meine Ohren, als ob direkt vor meinem Fenster ein Wasserfall rauschen würde. Es war ein sehr unangenehmes Gefühl, deshalb versuchte ich, das Erlebnis abzubrechen. Ich durchbrach die Starre, indem ich mich darauf konzentrierte, meinen Zeigefinger zu bewegen, und drehte mich dann auf die linke Seite, was ja angeblich das Verlassen des Körpers verhindern soll. Als ich jedoch begann, meine Lage zu verändern, erschienen plötzlich über mir in der Luft drei groteske weiße Gesichter. Sie wirkten wirklich bedrohlich, und, auch als sie

wieder verschwunden waren, hatte ich immer noch Angst. Wenn dies die Astralprojektion war, dann hatte ich ein für allemal genug davon! Ein paar Wochen später geschah das gleiche noch einmal. Ich erwachte mit dem Gefühl, daß ich eine lange Reise an einen unbekann-

ten Ort hinter mir hatte. Aber bevor ich mich auch nur annähernd orientiert hatte, hatte ich das Gefühl, aus meinem physischen Körper buchstäblich herauskatapultiert zu werden. So seltsam es auch erschei- nen mag, ich erlebte mich plötzlich als einen körperlosen Punkt im

Raum in einer Ecke meines Zimmers

meinen physischen Körper wie auf meine ektosomatische Gestalt, die darüber schwebte, herab. Das Gefühl des Dahintreibens war nicht so erschreckend wie zuvor, und ich ließ mich einfach mitgehen. Dieser Zustand dauerte ein paar Augenblicke an, und dann schwand langsam mein Bewußtsein und ich fand mich wieder in meinem Körper vor. Dieses Erlebnis war für mich ziemlich rätselhaft, und erst Jahre später las ich von anderen Fällen einer derartigen Projektion der „doppelten Freisetzung". Dieses besondere Erlebnis diente als Sprungbrett für die Weiterent- wicklung meiner Fähigkeiten, und während der folgenden zwei Jahre erlebte ich Dutzende von Erlebnissen der Loslösung von meinem Körper. Ich lernte sogar, sie teilweise bewußt zu beeinflussen. Aber diese Geschichte möchte ich mir für das Kapitel über Methoden der Traumkontrolle aufheben, da diese Technik auf komplizierte Weise mit dem besonderen Zustand unmittelbar beim Einschlafen zusam- menhängt. Welche Rolle spielte nun der durch Frau Keeler übermittelte Ernährungsplan für die Entwicklung meiner Fähigkeit, meinen Kör- per zu verlassen? Das ist eine komplizierte Frage, und ich bin mir ganz und gar nicht sicher, daß ich darauf eine eindeutige Antwort geben kann. Viele Systeme zur bewußten Herbeiführung von Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper betonen, welche Rolle die unterbe- wußte Motivation dabei spielt, wenn man erlernen will, den eigenen Körper zu verlassen. Es wäre möglich, daß ich, während ich meine bewußten Versuche zur Projektion aufgegeben hatte, unterbewußt immer noch wollte, daß ein derartiges Erlebnis eintrat. Dadurch daß ich meine bewußte Aufmerksamkeit von dieser Aufgabe zurückzog,

und ich blickte sowohl auf

könnte ich möglicherweise diese andere Ebene des Wollens verstärkt haben. Falls dies der Fall gewesen wäre, hätten die Keeler-Methoden nur sehr wenig mit dem Beginn meiner Erlebnisse der Loslösung von meinem Körper zu tun gehabt. Verschiedene Faktoren veranlassen mich jedoch zu der Auffassung, daß der Keeler-Ernährungsplan doch zu der Entwicklung meiner Fähigkeit, meinen eigenen Körper zu verlassen, beigetragen haben kann. Als ich zum ersten Mal auf das Hall-Material stieß, wußte ich nichts von einer Verbindung mit Minnie Keeler und ihren orientalischen Kommunikationspartnern oder von Prescott Halls eigenen Erfahrun- gen. Als ich die Diät absetzte, erwartete ich natürlich, daß nun auch meine Erlebnisse der Loslösung von meinem Körper aufhören wür- den. Aber sie hörten nicht auf, und das verwirrte mich so sehr, daß ich zu zweifeln begann, ob die Diät überhaupt ausschlaggebend an der Auslösung dieser Erlebnisse beteiligt war. Erst zwei Jahre später las ich das Keeler-Material in seiner Originalfassung und erfuhr, daß man nach den Lehren der Kommunikationspartner von Frau Keeler erwar- ten kann, daß die Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper weiter auftreten, auch nachdem die Diät nicht weiter befolgt wird. Wenn meine Erlebnisse durch unterbewußte psychologische Suggestion hervorgerufen worden wären, hätten sie sich nicht derart fortsetzen dürfen, wie sie es taten. Zudem beschreiben Halls Aufzeichnungen über seine eigenen Bemühungen zur Astralprojektion die gleichen Einleitungsphasen beim Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, die ich erlebte, während ich die Keeler-Methode befolgte. Wenn ich Halls autobiographische Aufzeichnungen lese, bin ich heute noch erstaunt über die Ähnlichkeiten zwischen seinen Beobachtungen und meinen. Die Keeler-Methoden betonen auch die Bedeutung von Vorstellung und Visualisierung als Ergänzung zu dem Ernährungsplan. Vor mei- nen ersten Erlebnissen der Loslösung von meinem Körper war ich mir meiner geistigen Vorstellungsbilder nie bewußt gewesen. Aber als ich im Laufe der Zeit immer mehr derartige Erlebnisse hatte, wurde meine Visualisierungskraft in höchsten Maße aktiv. Ich fing an, lebhafte hypnagogische Vorstellungsbilder zu haben (Vorstellungsbilder, die

dem Einschlafen vorausgehen), obwohl ich mir ihrer vorher nie bewußt gewesen war. Wäre es möglich, daß die Keeler-Diät in irgendeiner Weise die geistige Vorstellungs- und Visualisierungskraft beeinflußt? Wäre es möglich, daß die Übungen, die die Kommunika- tionspartner von Frau Keeler vorschlugen, auf wirklichen hypnagogi- schen Vorstellungsbilder gründen, die sich zu manifestieren beginnen, wenn man die Diät befolgt? Das sind natürlich reine Spekulationen. Aber ich habe seit langem das Gefühl, daß das Keeler-Material in irgendeiner Weise tatsächlich ein wesentlicher Faktor bei meiner plötzlichen Entwicklung der Fähigkeit, meinen Körper zu verlassen, gewesen ist. Und wenn es um etwas so Geheimnisvolles wie die Loslösung vom eigenen Körper geht, ist die eigene Intuition manchmal der verläßlichste Führer.

Quellenhinweise

Alvarado, Carlos, „Phenomenological differences between natural and enfor- ced out-of-body experiences: a re-analysis of Crookall's findings.", in:

Theta, 1981, S. 19-11

Crookall, Robert, The Techniques of Astral Projection, London 1964 More Astral Projection, London, 1964

Forhan, Marcel Louis, (Yram), Practical Astral Projection, London, n. d. Hall, Prescott, „Digest of spirit teachings received through Mrs. Minnie E.

Keeler.", in: Journal of the American Society for Psychical Research,

1916, 10, S. 632-660, 679-708 „Experiments in astral projection.", in: Journal of the American Society

for Psychical Research, 1918, 12, S. 39-60

Muldoon, Sylvan, und Carrington, Hereward, The Projection of the Astral

Body, London 1992

Rogo, Dr. Scott, „Experiential aspects of out-of-body experiences.", in: Mind Beyond the Body, Dr. Scott Rogo (Hrsg.), New York, 1978

114

5. Kapitel:

Projektion durch Atmen, Yoga und Mantra

Das Phänomen der Astralprojektion ist so gut wie jeder Kultur auf der Welt bekannt. Obwohl es eine relativ weit verbreitete Erfahrung zu sein scheint, wird das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper in vielen Kulturen als heilig, göttlich und übernatürlich verehrt. Die Schamanen und heiligen Männer vieler primitiver Kulturen beweisen ihre Macht, indem sie sich in dieser Fähigkeit üben, die als Beweis ihrer großen Kräfte auf einer Stufe mit Levitation und der Unempfindlich- keit gegen Feuer steht. Dies ist vielleicht der Grund, warum die geistigen Disziplinen vieler Religionen Methoden zur Entwicklung des Vermögens, den eigenen Körper zu verlassen, vorlegen. Diese Methoden richten sich in ihrer unterschiedlichen Struktur nach dem Glaubenssystem der jeweiligen Weltanschauung. Viele dieser Methoden sind uns heute nicht mehr zugänglich. Jahrhunderte- lang reisten die alten Griechen auf der Suche nach dem Weg der Erleuchtung zu dem Tempel von Eleusis, um durch die Teilnahme an mehrtägigen heiligen Riten geistig wiedergeboren zu werden. Es gibt Hinweise darauf, daß ein Teil dieser Riten in einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bestand. Falls dies so war, sind die eigentlichen Methoden, die für diese rituelle Induktion angewandt wurden, der Nachwelt jedoch verlorengegangen. Obwohl die Priester von Eleusis ihre Geheimnisse gut behüteten, sind uns aus Indien und aus dem Tibet tatsächlich umfangreiche mündliche Traditionen über das Verlassen des eigenen Körpers über- liefert. Nicht nur der Yoga beschreibt Methoden zum Verlassen des Körpers vor, sondern auch der tibetanische Buddhismus - der in starkem Maße von den okkulten Traditionen der indischen Kosmolo- gie beeinflußt ist - enthält sorgfältig ausgearbeitete Lehren über die

Astralprojektion, den Astralkörper und die Taten, die er vollbringen kann. Einige dieser Lehrsätze ähneln den traditionellen taoistischen Lehren und sogar der Kabbala, der jüdischen Geheimlehre.

Hintergrund,

Der traditionelle Yoga ist eine so alte Praxis, daß niemand weiß, wann und wie er sich zuerst entwickelte. In Indien könnte er durchaus schon seit 3000 v. Chr. ausgeübt worden sein. Yoga ist genaugenom- men nicht ein religiöses System, sondern eine Reihe von miteinander verbundenen Disziplinen, die alle dem Zweck dienen sollen, den Ausübenden zu einer mystischen Vereinigung mit Gott zu führen. Die heutige Praxis des Yoga besteht in der Hauptsache aus detaillierten Anleitungen und Übungen zur Atmung, Körperbeherrschung, Medi- tation und Andacht. Diese Verfahren wurden zum ersten Mal von Patandschali, einem indischen Gelehrten und Ausübenden dieser Kunst, in seinem berühmten Yoga Sutra systematisiert, das auf das zweite und dritte Jahrhundert v. Chr. zurückdatiert. Patandschali hat diese Übungen nicht erfunden, sondern lediglich für die religiösen Bräuche seiner Zeit systematisch geordnet. Die Grundlehren des Yoga scheinen nichts allzu Esosterisches und Geheimnisvolles an sich zu haben. Das Yoga Sutra selbst ist ziemlich unkompliziert und bemerkt nur sehr wenig zu übersinnlichen Phäno- menen und wie man die Fähigkeit, derartige Wunder zu vollbringen, entwickeln kann. Spätere Yoga-Lehren heben jedoch diesen Aspekt der Disziplin hervor - ein Aspekt, der zweifellos in einer umfangrei- chen, geheimen und mündlichen Tradition enthalten war, über die sich Patandschali zu reden scheute. Das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper wird besonders in den Hatha Yoga Pradipika, die im Laufe des zwölften Jahrhunderts auftauchten, behandelt. Alain Danie- lou, einer der größten französischen Experten auf dem Gebiet der indischen Lehre und Religion, zitiert in seinem Buch Yoga - the method of re-integration (Yoga - Die Methode der Reintegration) mehr als ein halbes Dutzend weiterer Hindu-Schriften über den Astralkörper. Die Astralprojektion wird als eine der „30 Nebenerlan-

gungen", die durch Yoga erreichbar sind, besonders aufgeführt. Die okkultere Seite des Yoga lehrt auch spezielle Übungen zur Projektion des ätherischen Körpers. Wie schon oben angedeutet, gibt es verschiedene Schulrichtungen des Yoga, unter anderem den Yoga der Körperberherrschung (Hatha Yoga), den Yoga des Erweckens von schlummernden Energien im Körper (Kundalini Yoga), den Yoga des Klanges und Gesanges (Mantra Yoga), den Yoga der Andachtsübungen (Bhakti Yoga), den Yoga der guten Taten (Karma Yoga) und die Yogas der Gemütsberuhi- gung und Meditation (Gnana und Radscha Yoga). Die für unsere Zwecke wichtigsten Richtungen sind diejenigen, die mit der Beherr- schung von übernatürlichen Kräften in unserem Körper zusammen- hängen. Der Kundalini Yoga und der Mantra Yoga, der manchmal und teilweise in den Kundalini Yoga eingeordnet wird, lehren, daß in uns allen eine schlummernde Kraft ruht. Die Kundalini, die an der Basis des Rückgrats ruht, wandert, sobald sie geweckt wird, den Körper hinauf, indem sie sich am Rückgrat hochwindet. Während sie zum Kopf hochsteigt, weckt sie verschiedene „psychische Zentren" oder Cbakras. Jedes Chakra ist mit speziellen psychischen Fähigkeiten verknüpft, die sich spontan entwickeln, sobald das Zentrum angeregt wird. Es ist nicht klar, ob diese Zentren lediglich bildliche Mittelpunk- te des Körpers oder tatsächliche objektive Zentren psychischer Kraft sind. Viele Fachleute vertreten hier unterschiedliche Auffassungen, aber die meisten stimmen darin überein, daß das Erwecken dieser Zentren der Schlüssel zur Erlangung übernatürlicher Kräfte ist - was alles einschließt, von der Levitation, über die Astralprojektion bis hin zur Macht über die Handlungen anderer Menschen und zur Erzeu- gung von Materie durch die Kraft der Gedanken. Es scheint kaum zu bezweifeln, daß die tiefgründigeren Traditionen des Yoga ganz bewußt Methoden zur Erlangung übersinnlicher Kräfte ausarbeiten. Spezielle Übungen zur Beherrschung einiger dieser Kräfte werden in den Lehren ziemlich offen dargestellt. Abendländer weisen darauf hin, daß der wahre Yoga seine Schüler tatsächlich davor warnt, sich auf die Entwicklung von übersinnlichen Fähigkeiten zu konzentrieren, weil er sie als Ablenkung vom Pfad der geistigen Erleuchtung betrachtet. Die Sache ist jedoch nicht ganz so

einfach. Das große Yoga Sutra des Patandschali warnt zwar wirklich, daß gewisse übersinnliche Fähigkeiten für das Streben nach geistiger Erleuchtung nachteilig sein können, aber diese Warnung bezieht sich nicht auf Phänomene wie Levitation, Astralprojektion und so weiter, die im Gegenteil dem Schüler fortgesetzt einfach als Lohn für seinen Einsatz versprochen werden. Spätere Yoga-Schriften wie beispielswei- se die Hatba Yoga Pradipika versprechen im Grunde die Entwicklung von übersinnlichen Fähigkeiten (oder Siddhis) als Folge eines fleißigen Studiums und Übens. Einige der älteren Upanischaden des Hinduis- mus warnen die Schüler ebenfalls im Zusammenhang mit übersinnli- chen Fähigkeiten; aber während sie offen von einer Zurschaustellung dieser Fähigkeiten abraten, wird nichts Nachteiliges über ihre Ent- wicklung gesagt. Es gibt mehrere Stufen bis zur Beherrschung des Yoga, darunter die Entwicklung des rechten Denkens, die Beherrschung der Körperhal- tung, das richtige Atmen und tiefgründige Meditation. Übersinnliche Phänomene und ihre Entwicklung sind insbesondere mit der Kunst des richtigen Atmens, oder Pranajamana, verknüpft, die wiederum mit der Erweckung der Kundalini zusammenhängt. Die hinduistische Philosophie lehrt, daß das Universum von einer feinen Energie durchdrungen ist, die Prana genannt wird. Um auf dem Pfad der geistigen Erleuchtung voranzukommen, muß man fähig sein, diese Energie zu manipulieren und den Körper damit zu erfüllen. Ein ganzes Yogasystem wurde auf verschiedenen Methoden zum richtigen Atmen aufgebaut, wobei jede eine besondere Art der Manipulation von Prana vorschreibt. Hereward Carrington, ein Fachmann auf dem Gebiet des Yoga wie der übersinnlichen Phänomene, schrieb einmal, daß das Atmen „die wichtigste Stütze des gesamten Yogasystems" ist. Da das Atmen die Kundalini entfacht, wird das Atmen zum einzigen, wichtig- sten Weg zur Ekstase - einschließlich der Macht, den Körper nach Belieben zu verlassen. Mantra Yoga hängt mit der Vorstellung zusammen, daß es im Universum Rhythmen gibt, die man erfassen muß, um Transzendenz zu erlangen. Mantra Yoga lehrt, daß gewisse Klänge besondere Kräfte besitzen, wenn sie immer wieder in monotoner Weise angestimmt werden. Obwohl einige Autoren über Yoga behaupten, daß die

traditionellen Mantras lediglich Konzentrationshilfen seien, lehren die wahren Überlieferungen, daß die Klänge der Worte oder Phrasen selbst die Welt wesentlich beeinflussen können. Die übernatürlichen Überlieferungen des Yoga wurden besonders in Tibet gepflegt. Die primitiven Bräuche des himalajischen Volkes waren größtenteils animistisch und beschäftigten sich in starkem Maße mit dem Übernatürlichen. Selbst heute spielt das Übernatürliche immer noch eine große Rolle in der Weltanschauung und den Ritualen dieses Volkes. Als Yoga und (später) die buddhistische Philosophie aufkamen, entwickelte der Tibet seine eigene, einheimische Religion, die die buddhistische Kosmologie, Yoga-Praktiken und primitiven Aberglauben in sich vereinigte. Es entstand der Tantrismus mit seinen sorgfältig ausgearbeiteten und ritualistischen Lehren und Praktiken zu übersinnlichen Phänomenen. In den heiligen Schriften des Tibet, Bkah-Hgyur und Bstan-Hgyur, häufen sich die Hinweise auf die Astralprojektion, und ihre Yoga-Überlieferungen schließen spezielle Methoden zu Erlangung dieser Fähigkeit ein. In anderen Kulturen sind ganz unabhängig sehr ähnliche Überzeu- gungen und Lehren entstanden. Der Taoismus, eine der Volksreligio- nen in China, lehrt nicht nur von der traditionellen Kundalini des Yoga, sondern auch wichtige Atemmethoden. Der Kabbalismus, das mystische Meditationssystem innerhalb der hebräischen Tradition, betont ebenfalls die dynamische Rolle des Atems bei der Meditation. Er lehrt eine symbolische Kosmologie, die dem Chakra-System ähnelt, und hat seine eigene Version des Mantra Yoga entwickelt, bei der die Bezeichnungen hebräischer Schriftzeichen oder bestimmte Umwandlungen der Buchstaben, die den heiligen Namen Gottes bilden, rezitiert werden. Die großen Kabbalisten lehrten auch geheime Atemmethoden. In dem Buch Sobar, einer bedeutenden kabbalisti- schen Schrift, die im Mittelalter in Spanien auftauchte, finden sich Lehrsätze über die Fähigkeit der Seele, den Körper zu verlassen. Auch das Christentum bildet keine Ausnahme. Einige der großen katholischen Mystiker gelangten zur Ekstase durch Meditation beglei- tet von rhythmischem Atmen und der fortgesetzten Wiederholung bestimmter Gebete. In römisch-katholischen Überlieferungen findet sich die Erwähnung der Bilokation, dem Phänomen, daß eine Person

zur gleichen Zeit an zwei Orten erscheint. Viele der großen Mystiker und Heiligen der Kirche waren (und sind) darin bewandert. Anders als die meisten östlichen Philosophien enthält jedoch die mystische Theologie des Katholizismus keine speziellen Methoden zum Verlas- sen des Körpers, da alle übernatürlichen Fähigkeiten als von Gott gegeben interpretiert werden. Es ließe sich ein ganzes Buch über die Rolle des Seelenleibes und der Astralprojektion innerhalb der Kosmologie der meisten mystischen Überlieferungen schreiben. Wir wollen uns jetzt jedoch wieder jenen Methoden zuwenden, die benutzt werden, um das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen.

Die Methoden

Der Yoga-Ausdruck für den Astralkörper lautet Linga Sharira. Seine Projektion wird Prapti, oder die Kunst der Augenblickswande- rung, genannt. Eine Methode, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen, geschieht durch das Atmen. Es existieren mindestens zwei spezielle Übungen, um den Körper zu verlassen, aber der Schüler sollte sich zunächst mit den Grundlagen der richtigen Atemtechniken vertraut machen, bevor er zu diesen fortge- schritteneren Praktiken übergeht. Die meisten Abendländer atmen einfach nicht richtig. Richtiges Atmen entstammt dem Zwerchfell und nicht dem Brustkorb. Diese Atemtechnik muß der Schüler erlernen, bevor er zu irgendwelchen weiteren Übungen fortschreiten kann. Die folgenden Schritte zeigen Ihnen, wie Sie richtig atmen lernen:

1. Nehmen Sie eine aufrechte, stehende oder sitzende, Haltung ein. Sie können sich auch flach auf den Rücken legen, wobei die Arme seitlich am Körper anliegen (im Yoga „Leichnamshaltung" ge- nannt). Manche Schüler nehmen auch lieber den schulmäßigen Lotussitz oder halben Lotussitz ein (wobei die Füße auf den Schoß hochgezogen werden). 2. Atmen Sie langsam und gleichmäßig durch die Nase. Ihr Bauch soll sich ausdehnen. Atmen Sie nicht aus dem Brustkorb.

3.

Während Sie über das Zwerchfell einatmen, erweitern Sie allmählich

den unteren Teil des Brustkorbes und schieben so die unteren

Rippen vor.

4. Füllen Sie sich weiter mit Luft, und beginnen Sie, den oberen Teil

des Brustkorbes zu erweitern und so die oberen Rippen vorzu- schieben.

5. Halten Sie ein paar Augenblicke den Atem an.

6. Atmen Sie langsam wieder aus, wobei Sie alle Luft aus den Lungen

herauspressen. Atmen Sie durch die Nase oder durch eine Verbin- dung von Nase und Mund aus. Diese Übung hat nichts Mystisches an sich. Obwohl diese Atemtech- nik ursprünglich im Yoga beschrieben wurde, wird sie ganz regulär Musikern, Sängern und Sportlern zur Atembeherrschung gelehrt. Nachdem Sie diese grundlegende Technik erlernt haben, schreiten

Sie fort, indem Sie sich in einigen anderen grundlegenden Yogaübun- gen üben. Eine heißt „der aufstrebende Atem" und kann benutzt werden, um den gesamten Körper zu beleben.

1. Stellen Sie sich aufrecht hin, mit den Fersen zusammen.

2. Atmen Sie gleichmäßig ein. Gleichzeitig erheben Sie sich auf die

Zehenspitzen, während sich Ihre Lungen mit Luft füllen.

3. Halten Sie mehrere Sekunden lang den Atem an und bleiben Sie

dabei auf den Zehenspitzen.

4. Atmen Sie in dem gleichen Tempo, wie Sie eingeatmet haben,

langsam wieder durch die Nase aus. Lassen Sie sich gleichzeitig wieder auf die Fersen zurücksinken.

5. Wenn Sie möchten, können Sie beim Ein- und Ausatmen auch die

Arme heben und senken. Der „verlängerte" Atem ist auch eine grundlegende und einfache Yogaübung, die Sie auf die tieferen Geheimnisse der Pranajamana vorbereiten wird. Denken Sie daran, daß diese Übungen sowohl eine geheimnisvolle wie auch eine praktische Seite haben, da sie die Prana im ganzen Körper ausbreiten.

1. Stellen oder setzen Sie sich aufrecht hin.

2. Atmen Sie langsam und gleichmäßig ein.

3. Halten Sie den Atem solange an, wie es Ihnen ohne Unbehagen

möglich ist.

4.

Atmen Sie aus, indem Sie die Luft in kurzen Stößen durch den Mund aus Ihrem Körper herauspressen. Diese einleitenden Übungen werden Sie für das eigentliche System

der Pranajamana vorbereiten, das für die Ausübung der Astralprojek- tion entwickelt wurde. Der erste Teil dieser Übungen wird der „große psychische Atem" genannt. Es wurde zum ersten Mal von einem Engländer beschrieben, der unter dem Pseudonym Yogi Ra- macharaka schrieb und um die Jahrhundertwende Yoga studierte und zu einem begeisterten Yoga-Schüler wurde. Seine Schriften, die in einer Reihe von kurzen Handbüchern erschienen, sind ein ausge- zeichneter Leitfaden für ein Studium des Yoga. Dem „großen psychi- schen Atem" liegt der Gedanke zugrunde, den Organismus auf die Entwicklung übersinnlicher Fähigkeiten vorzubereiten, indem man zunächst das Chakra-System stimuliert. Wie Ramacharaka in seiner Hindu- Yogi Science of Breath (Hindu-Yoga Wissenschaft des Atems) erklärt, beschränkt sich die Übung auf 11 Schritte.

1. Legen Sie sich in entspannter Haltung hin.

2. Atmen Sie gleichmäßig und regelmäßig, bis ein vollkommen regelmäßiger Rhythmus erreicht ist.

3. Stellen Sie sich beim Ein- und Ausatmen vor, daß der Atem durch die Knochen der Beine den Körper hinaufgezogen und dann wieder durch sie hinausgepreßt wird.

4. Wiederholen Sie dies, aber konzentrieren Sie sich auf die Kno- chen der Arme.

5. Wiederholen Sie dies, aber konzentrieren Sie sich auf den Schädel.

6. Wiederholen Sie dies durch den Bauch.

7. Wiederholen Sie dies durch die Geschlechtsteile.

8. Stellen Sie sich vor, daß der Atem durch die Wirbelsäule hinauf- gezogen und dann beim Ausatmen durch sie wieder hinausge- preßt wird.

9. Stellen Sie sich vor, daß der Atem durch jede Pore der Haut

eingesogen und wieder ausgestoßen wird. Stellen Sie sich vor, daß sich Ihr ganzer Körper mit Prana füllt. 10. Senden Sie den Atem mit jedem weiteren Einatmen zu den einzelnen Lebenszentren des Körpers: der Stirn, dem Hinter-

kopf, der Gehirnbasis, dem Solarplexus, dem unteren Teil der Wirbelsäule, dem Nabel, den Geschlechtsteilen.

11. Atmen Sie aus, bis aller Atem aus den Lungen heraus ist, halten Sie einen Moment inne, und pressen Sie dann jeden kleinsten Rest Luft aus Ihrem Körper heraus. Ramacharaka erwähnt auch, daß diese Technik verbunden mit Meditation zur Projektion des Astralkörpers führen kann. Die Grund- methode besteht darin, über das innere Ich als etwas, das getrennt und unabhängig vom physischen Körper existiert, zu meditieren. Diese Übung wird Ihren Geist schulen, den Körper während der Meditation zu ignorieren, wodurch es Ihnen möglicherweise gelingt, den Seelen- leib freizusetzen. Während der ganzen Übung muß der regelmäßige Atemrhythmus beibehalten werden. Nach Beherrschung dieser Übung ist der Schüler jetzt bereit für die Kernübung zur Loslösung vom eigenen Körper - dem kreuzweisen Atmen, einem alten Yoga-Geheimnis, das von dem Guru an den Schüler weitergegeben wurde. Es wurde geheimgehalten wegen seiner großen Macht, nicht nur das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper auszulösen, sondern auch die Kundalini zu wecken und sogar das Auftreten von Levitation zu bewirken. Im Abendland war diese Kunst so gut wie gar nicht bekannt, bis Swami Vivekananda, ein Schüler des berühmten Gurus Ramakrishna, in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Vereinigten Staaten besuchte und, sehr zum Entsetzen seiner Mityogis, einige der mehr esoterischen Praktiken des Yoga popularisierte. Das Grundprinzip ist relativ einfach, obwohl sich die genaue Ausführung unter Umständen als schwierig erweisen kann:

1. Halten Sie Ihr linkes Nasenloch mit dem linken Daumen zu, und atmen Sie durch Ihr rechtes Nasenloch ein.

2. Atmen Sie weiter ein, bis Ihre Lungen ganz mit Luft gefüllt sind, ohne daß es für Sie unangenehm werden sollte.

3. Halten Sie Ihr rechtes Nasenloch mit dem rechten Daumen zu, und beginnen Sie, bis 100 zu zählen, bis es Ihnen unangenehm wird, den Atem anzuhalten. Halten Sie natürlich gleichzeitig das linke Nasen- loch weiter zu.

4. Nehmen Sie den linken Daumen fort, und atmen Sie langsam durch

das linke Nasenloch aus, ohne den Atem angestrengt oder gewalt- sam hinauszupressen.

5. Beginnen Sie wieder einzuatmen, diesmal durch das linke Nasen- loch, während Sie das rechte weiter zuhalten.

6. Halten Sie den Atem wieder an, und beginnen Sie zu zählen.

7. Wenn Sie bei derselben Zahl wie zuvor angelangt sind, nehmen

Sie den rechten Daumen fort und atmen durch das rechte Nasen- loch aus. Der Schlüssel zu dieser Methode liegt in der Mäßigung. Wenn Sie beim ersten Mal zuviel Luft einatmen, müssen Sie vielleicht am Ende des Zyklusses nach Luft schnappen. Falls dies geschieht, führen Sie die Übung nicht richtig aus. Halten Sie bei den nachfolgenden Zyklen den Atem nie länger an als bei Ihrem ersten Versuch. Das kann den Kohlendioxidspiegel in Ihrem Blut durcheinanderbringen. Das Ziel dieser Übung liegt darin, den Atem immer länger anzuhal- ten, aber dies muß allmählich und über eine längere Zeitdauer hinweg erreicht werden. Die Zeitdauer des Einatmens, Anhaltens und Ausatmens muß zudem in einem speziellen Verhältnis zueinander stehen. Zwischen diesen Phasen sollte ein ganz strenges Verhältnis herrschen. Sie sollten beginnen, indem Sie 12 Sekunden lang einatmen, 48 Sekun- den lang den Atem anhalten und 24 Sekunden lang ausatmen. Ihr Ziel ist es, dieses Verhältnis auf 16:64:32 und schließlich auf 20:80:40 zu steigern. Manche Gelehrte schreiben jedoch andere Zeitfaktoren vor, obwohl sie sich alle an das Verhältnis 1:4:2 halten. Eine bekannte Schrift, die um die Jahrhundertwende veröffentlicht wurde, beginnt mit 4:16:8, steigert dies auf 8:32:16 und endet mit

16:64:32.

Jede Verhältniseinheit entspricht einer anderen Ebene der Prana- jamana, wobei die Entwicklung von übersinnlichen Fähigkeiten mit der dritten Phase der Übung verknüpft ist. Für eine optimale Wirkung empfehlen die meisten alten Schriften 20 Zyklen des kreuzweisen Atmens bei jeder Sitzung. Wie oft Sie diese Übung am Tag durchführen sollten, wird nicht festgesetzt, aber viermal täglich wäre nicht unvernünftig. Sie können beispiels- weise jeweils eine Sitzung ansetzen, wenn Sie aufwachen, vor dem

Mittagessen, vor dem Abendessen und bevor Sie zu Bett gehen. Denken Sie daran, daß diese Übung mit leerem Magen durchgeführt werden sollte. Einige Handbücher schlagen vor, während des kreuzweise Atmens im Geiste ein Mantra zu rezitieren, aber dies scheint nicht unbedingt erforderlich. Die ständige Wiederholung eines dieser „Machtworte" könnte Ihnen jedoch helfen, die Sekunden, die während jeder Phase der Übung vergehen, mitzuzählen. Gewöhnlich wird zu diesem Zweck die elementare Silbe AUM empfohlen. Wie schon zuvor erwähnt, empfehlen verschiedene Autoritäten auf dem Gebiet des Yoga das kreuzweise Atmen zu unterschiedlichen Zwecken. Einige Gelehrte, wie beispielsweise Sir John Woodruffe (der unter dem Namen Arthus Avalon schrieb), schlagen das kreuzweise Atmen als Mittel zur Levitation vor. Woodruffe war ein Engländer, der kurz nach der Jahrhundertwende einige der ersten gelehrten Abhandlungen über östliche Religionen schrieb. Auch heute noch lehren Meister der Transzendentalen Meditaion diese Übung ihren fortgeschrittenen Schülern, die nach der Entwicklung dieser speziellen Siddhi streben. Aber trotz ihrer Behauptungen gibt es keinen Beweis dafür, daß irgendein Ausübender der Transzendentalen Meditation jemals als Folge dieser Übung wirklich zur Levitation gelangt ist. Swami Vivekananda empfahl das kreuzweise Atmen andererseits zur Erweckung der Kundalini. Er fügt nur eine Änderung in der Übung ein. Der Schüler wird angewiesen, während er den Atem anhält, den Atemstrom im Geiste zur Basis des Rückgrats hinunter zu senden. Wieder andere praktizierende Yogis schlagen den Gebrauch dieser Methode zur Projektion des Astralkörpers vor. Vielleicht führt das kreuzweise Atmen zu allen dreien dieser großen Fähigkeiten. Wie auch immer, die Yoga-Schriften erklären dem Schüler jedenfalls auch, wie er erkennen kann, ob er sich auf dem richtigen Weg befindet. Der Körper wird anfangen zu transpirieren, er wird sich leicht anfühlen, als ob er bereit sei, davonzuschweben; und der Schüler hört möglicherweise merkwürdige innere Geräusche - Musikklänge, Glockenläuten, Flattern und andere „Kern"-Geräusche -, wenn die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, gesteigert wird. Diese Geräusche werden angeblich von den Nadis, oder Energieträgern, im

Körper erzeugt, wenn sie aktiv zu werden beginnen. (Anm.: Prescott Hall hat während seiner Experimente mit den Keeler-Methoden häufig derartige Geräusche gehört. Vgl. auch den merkwürdigen Bericht in den Proceedings der American Society for Psychical Research im Dezember 1919, der sich mit einem Mann beschäftigt, der zufällig anfing, seinen Körper zu verlassen, nachdem er automatisches Schrei- ben praktiziert hatte. Hier wird eine genaue Beschreibung vieler dieser Kerngeräusche gegeben, obwohl dieser Mann niemals Yoga studiert hatte.) Es ist nicht klar, ob das kreuzweise Atmen tatsächlich sofort das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeiführen oder auch nur dem Schüler helfen soll, sich für spontane Projektionen vorzube- reiten. Aber es gibt Hypothesen in der Literatur, daß das kreuzweise Atmen eine Methode zur bewußten und angewandten Projektion des Astralkörpers ist. Eine andere Methode zum Verlassen des Körpers wurde einige Zeit später in Tibet entwickelt. Diese Methode ist in hohem Maße syste- matisiert und so sorgfältig ausgearbeitet, daß ihre Beschreibung ein ganzes Kapitel in Anspruch nehmen würde. Sie schließt unter ande- rem vier Gebete ein, die (anscheinend) rezitiert werden sollten, während man einige einleitende Visualisierungsübungen durchführt, die sich auf verschiedene tibetanische Gottheiten konzentrieren. Dar- auf sollen ungefähr 15 bis 20 weitere Visualisierungsübungen folgen, die zum Teil von dem Schüler verlangen, sich mehr als ein Bild zur gleichen Zeit im Geiste vorzustellen. An verschiedenen Punkten dieser Visualisierungen sollen bestimmte Mantras rezitiert werden. Es werden auch unterschiedliche Visualisierungen für verschiedene Mei- sterstücke, die der Yogi während der Loslösung von eigenen Körper vollbringen will, vorgeschrieben. Und das ist nur der schriftlich festgehaltene Teil der Formel! Vermutlich existieren zu diesen Visua- lisierungen noch „geheime" Zusätze, die innerhalb der mündlichen Überlieferung des tibetanischen Yoga verblieben und niemals ge- druckt worden sind. Diejenigen Leser, die die Astralprojektion mit Hilfe dieser kompli- ziert ausgearbeiteten Methode versuchen wollen, finden ihre Beschrei- bung auf den Seiten 26-73 der Standard Oxford University Press-

Ausgabe von W. Y. Evan-Wentzs maßgebendem Werk Tibetan Yoga and Secret Doctrines (Tibetanischer Yoga und Geheimlehren). Yoga und Tantrismus sind nicht die einzigen Disziplinen, die lehren, wie die Astralprojektion aus dem Rezitieren von Mantras folgen kann. Auch in der Kabbala, der Sammlung von Lehrsätzen und Praktiken der umfangreichen mystischen Überlieferungen innerhalb des Judentums, wird rituelles Rezitieren vorgeschrieben. Ursprünglich eine mündliche Tradition, erreichten die schriftlichen Aufzeichnungen der Kabbala im Mittelalter ihren Höhepunkt, als ihre esoterischste Schrift, das Buch Sohar, im dreizehnten Jahrhundert in Spanien erschien. Genau wie beim Yoga besteht das Ziel der Kabbali- stik darin, den Menschen zu einer direkten Vereinigung mit Gott zu bringen. Ihre mannigfaltigen Praktiken schreiben unter anderem bestimmte Methoden der Meditation und des Atmens sowie die Wiederholung gewisser biblischer Phrasen und Buchstabenkombina- tionen vor. Die bekannteste Meditationshilfe besteht darin, die Auf- merksamkeit auf bestimmte Buchstabenkombinationen zu konzen- trieren, die aus einer Vertauschung der Buchstaben bestehen, die den heiligen Namen Gottes bilden. Das Rezitieren von biblischen Schlüs- selphrasen, so daß man „hinter ihren Sinn" schaut, ist eine weitere alte kabbalistische Methode. Franz Bardon, ein deutscher Kabbalist, skizzierte in seinem Buch Der Schlüssel für wahren Kabbalah, das verschiedene kabbalistische Praktiken und Formeln anbietet, ein System, wie man mit Hilfe derartiger Rezitationen bewußt den Körper verlassen kann. Das Buch ist schwerverständlich, und die Methode der Rezitation dieser beson- deren Buchstabenkombinationen bleibt ziemlich rätselhaft. So wird zum Beispiel nicht klar, ob die Kombinationen laut angestimmt oder im Geiste rezitiert werden sollen. Cuno Helmuth Müller zog jedoch 1964 die Grundbestandteile aus den Bardon-Methoden heraus und systematisierte sie für den allgemeinen Gebrauch. In einer Reihe von Artikeln für die deutsche Okkultisten-Zeitschrift Die andere Welt beschreibt Müller einigermaßen detailliert Bardons Mantra-Methode zum Verlassen des eigenen Körpers. Die Übung soll angeblich in der Projektion des ätherischen Körpers gipfeln, dem geisterhaften und halbstofflichen Doppel des physischen Körpers.

Die Übung beginnt mit der Rezitation von vier Buchstabenkombi- nationen:

DC, CK, EF, EK

Jede Kombination sollte für einen vollständigen Takt siebenmal angestimmt werden. Nach mehreren Rezitationen des vollständigen Taktes geht man zum nächsten über. Jeder Takt sollte 10 bis 15 Minuten lang angestimmt werden. Jede Sitzung dauert daher minde- stens 40 Minuten. Man sollte für die Übung eine sitzende Haltung annehmen, ähnlich wie man sie gewöhnlich auch zur Meditation annimmt. Diese Buchstabenkombinationen sollten zwei bis drei Mo- nate lang täglich rezitiert werden, bevor man die restlichen Buchsta- benkombinationen hinzufügt. Schließlich werden sieben weitere Buchstabenkombinationen hin- zugefügt, so daß das vollständige Mantra jetzt lautet:

DC, CK, EF, EK BF, CR, DR, EB, BD, BN, CU

Wieder besteht ein vollständiger Zyklus aus sieben Wiederholun- gen. Jede Kombination aus der ursprünglichen Gruppe sollte ungefähr fünf Minuten lang angestimmt werden. Die Kombinationen aus der zweiten Gruppe sollten 10 bis 15 Minuten lang rezitiert werden; eine vollständige Sitzung wird also ungefähr 90 Minuten beanspruchen. Es ist nicht ganz klar, wie sich das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper manifestieren soll. Anscheinend soll diese Methode entweder direkt das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper auslösen oder aber den Übenden für dieses Erlebnis empfänglich machen, so daß es spontan aufzutreten beginnt. Das Hauptproblem bei dieser Methode besteht einfach darin, wie die Buchstaben ausgesprochen werden sollen. Das deutsche System basiert auf einer angeblich hebräischen Tradition. Mindestens ein fleißiger (und hingebungsvoller!) deutscher Okkultist hat diese Me- thode tatsächlich erfolgreich in seiner Muttersprache verwandt. (Vgl. unten meine „Kritischen Bemerkungen".) Eigentlich muß das ur-

sprüngliche Mantra jedoch dazu gedacht gewesen sein, in Hebräisch rezitiert zu werden. Nach kabbalistischer Überlieferung ist in dem Aussprechen oder auch bloßen Schreiben der Buchstaben des hebräi- schen Alphabets eine große Macht enthalten. Das einzige Problem besteht darin, daß es keine Schriftzeichen für die Vokale gibt. Sie erhalten eine Markierung, aber keine richtige Bezeichnung. In Hebrä- isch würde das Mantra also folgendermaßen lauten:

daleph-chaf/chaf-kaf/(e)f ay/(e)kaf beth-fay/chaf-tash/daleph-rash/(e)beth/beth-daleph/beth-noon/ chaf(u)

Die Rezitation der Vokale bleibt ein Rätsel. Selbst der Gebrauch der Silbe „chaf" entspricht nicht wirklich dem Buchstaben „c", da ein gutturaler „ch"-Laut und ein entsprechendes Schriftzeichen die einzig vergleichbare Übersetzung wäre. Auf dieses Problem stößt man nicht nur im Englischen, sondern auch im Deut- schen. Abgesehen von Personennamen und übernommenen Fremd- wörtern wird der Buchstabe „c" im Deutschen nur in der Zusammenset- zung „ch" und „ck" verwendet. Wie ließe es sich also ohne Schwierig- keiten in eine rein deutsche kabbalistische Tradition eingliedern? Ein weiteres Problem bei diesem System liegt in den Anforderun- gen, die es an das Gedächtnis stellt. Es könnte deshalb ratsam sein, die Buchstabenkombinationen vorzugsweise in Hebräisch auf ein Wand- plakat zu schreiben, bevor man rezitiert. Ein derartiges Vorgehen würde der Kabbalistik ganz gewiß nicht zuwiderlaufen, daß diese Tradition direkt lehrt, über den Buchstaben des hebräischen Alphabets zu meditieren. Die entsprechenden Schriftzeichen zu daleph, chaf und dem übrigen Alphabet sowie die Zeichen für die Vokale werden Sie in jeder beliebigen hebräischen Fibel finden. Walter K. Paul, dessen Experimente mit diesem System an späterer Stelle noch besprochen werden, hat auch festgestellt, daß diese Formel mit Erfolg sowohl im Geiste wie auch laut rezitiert werden kann. Vielleicht wäre es also das beste, die Buchstabenkombinationen nur zu betrachten, anstatt sie mündlich zu rezitieren. Obwohl das Müller-System keine besonderen Atemübungen ein-

schließt, hat die Kabbalistik im allgemeinen in starkem Maße hervor- gehoben, wie der Atem uns mit der gesamten Schöpfung verbindet. Wir wissen auch, daß die großen Rabbis geheime Atemtechniken als Teil der Ausbildung ihrer Schüler lehrten. Diese Methoden sind uns jedoch heute nicht mehr überliefert. Wir wissen lediglich, daß die geheimen Atemübungen mit Visualisierungsübungen verknüpft wur- den - so zum Beispiel die Vorstellung, daß der Atem den Verstand durchdringt - um eine mystische Vereinigung mit Gott zu erzeugen. Aller Wahrscheinlichkeit nach ähnelten diese Praktiken dem kreuz- weise Atmen oder dem „großen psychischen Atem" des traditionellen Yoga. Für ein optimales Ergebnis könnte man also möglicherweise irgendeine rhythmische Atemübung mit dem Mantra kombinieren.

Kritische Bemerkungen

Wie bei den meisten Methoden zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper stehen und fallen auch diese geistlichen Praktiken mit ihrer praktischen Anwendung. Falls sie funktionieren, sollte es irgendwelche Aufzeichnungen darüber geben. Vorläufige Dokumentationen zeigen zumindest, daß die großen Yogis des Ostens in der Kunst der Loslösung vom eigenen Körper bewandert sind. Dr. Karlis Osis von der American Society for Psychical Research und Dr. Erlendur Haraldson, ein Psychologe von der Universität von Reykjavik in Island, besuchten Anfang der 70er Jahre Indien in der Hoffnung, die Meisterstücke der großen Gurus zu dokumentieren. Sie hörten verblüffende Geschichten von wunder- samen Bilokationen und konnten zwei derartige Berichte persönlich untersuchen. Der erste betrifft Satya Sai Baba, den berühmtesten Guru von Südindien und angeblichen Wundertäter. Bei ihren Bemühungen, seine vorgeblichen Wunder zu dokumentieren, hörten die beiden Psychologen, daß Sai Baba bei einer Gelegenheit 1965 in der Stadt Manjeree in Kerala „gesehen" worden war, während er gleichzeitig Meilen entfernt in seinem Ashram in der Gesellschaft einiger seiner Anhänger geweilt hatte. Ram Mohan Rao, Direktor einer technischen

Schule in Manjeree, behauptete, daß Sai Baba plötzlich an seiner Tür erschienen sei, eine ganze Zeit bei ihm und seinen Hausgästen geblieben sei und sie dann wieder verlassen hätte. Osis und Haraldson konnten schließlich acht Zeugen ausfindig machen, die zu der Zeit in Raos Haus anwesend gewesen waren, als Sai Baba erschienen war. Ebenso konnten die beiden Psychologen dokumentieren, daß Sai Baba gleichzeitig in seinem Ashram gewesen war. Die Beweiskraft dieses Falls wurde jedoch durch die Tatsache abgeschwächt, daß keiner der Zeugen in Raos Haus Sai Baba vor seinem unerwarteten Besuch jemals begegnet war. Sie erkannten ihn lediglich nach Fotos, die sie später sahen. Der Besucher hätte also auch ein Schwindler gewesen sein können, der sich als der Guru ausgegeben hatte. Ein zweiter, beweiskräftigerer Bericht betrifft Dadaji, einen weniger bekannten heiligen Mann, der ursprünglich ein bekannter Sänger und Geschäftsmann gewesen war. Er verließ die Gesellschaft, um sich dem Studium des Yoga zu widmen, und kam dann nach seiner Einweisung in den geistlichen Weg mit seiner neuen Identität und seinen neuen Fähigkeiten zurück. Osis und Haraldson brannten darauf, den Guru näher zu überprüfen, nachdem sie die folgende Geschichte gehört hatten. Anfang 1970 weilte Dadaji zu einem Besuch bei einigen seiner Anhänger in Allahabad, 400 Meilen von seinem eigenen Wohnsitz entfernt, als er plötzlich verkündete, daß er in den Gebetsraum des Hauses gehen würde. Als er einige Zeit später wieder zurückkam, erklärte er seinen Anhängern, daß er sich nach Kalkutta projiziert hätte, und behauptete, das Haus der Schwägerin eines seiner Anhänger besucht zu haben. Er drängt die Versammelten, mit der Frau Verbin- dung aufzunehmen, um die Wahrheit seiner Geschichte zu beweisen. Seine Anhänger taten dieses und fanden heraus, daß er zu derselben Zeit, als er sich in ihren Gebetsraum zurückgezogen hatte, tatsächlich auch in Kalkutta gesehen worden war. Die Familie der Frau berichtete, wie sich der Guru zunächst im Zimmer ihrer Tochter, die selbst zu seinen Anhängern zählte, materialisiert habe. Sie erkannte ihn sofort und war überaus erschreckt und überrascht. Bei seiner plötzlichen und anfänglich durchsichtigen Erscheinung schrie sie auf, was den Rest der

Familie auf seine Anwesenheit aufmerksam machte. Seine Gestalt wurde von mehreren Familienmitgliedern gesehen, einschließlich des Oberhauptes der Familie, der absolut skeptisch gewesen war, bis er die geheimnisvolle Gestalt selbst im Zimmer des Mädchens hatte sitzen sehen. Osis und Haraldson machten mehrere Zeugen für diesen Fall ausfindig, einschließlich Dadajis Gastgeber in Allahabad und der Familie in Kalkutta. Ihre Aussagen stimmten wechselseitig überein. Da die indischen Gurus in gewisser Weise in der Kunst der Astralprojektion bewandert sind, kann diese Tatsache allein als Indiz dafür gewertet werden, daß die Ansprüche der traditionellen Induk- tionsmethoden zur Loslösung vom eigenen Körper des Yoga rechtmä- ßig sein können. Aber es existiert ein noch stärkerer Beweis dafür, daß die Pranajamana-Methoden möglicherweise ein Weg zur Astralpro- jektion sind, und dieser stammt aus dem Abendland, wo ebenfalls Fälle von durch Pranajamana erzeugte Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper berichtet worden sind. Attila von Szalay ist ein begabtes Medium und ein Yogafachmann, der viele Jahre in Südkalifornien gelebt hat. Ich bin ihm zum ersten Mal 1967 begegnet. Art von Szalay wurde in New York geboren, reiste jedoch in den 40er Jahren in den Westen, um als Fotograf zu arbeiten. Seine übersinnlichen Fähigkeiten entwickelten sich spontan, als er noch ein junger Mann war, und veranlaßten ihn, Yoga zu studieren. Nachdem er diese Kunst beherrschte, gediehen seine übersinnlichen Fähigkeiten, einschließlich der Fähigkeit, seinen Körper nach Belieben zu verlassen. Ein Hauptzeuge für Szalays bemerkenswerte Fähigkeiten ist Ray- mond Bayless, seit 25 Jahren ein Veteran der spiritistischen Szene von Los Angeles und langjähriger Mitarbeiter von mir. Bayless konnte mehrere Beispiele für Szalays Fähigkeiten in der Astralprojektion, psychischen Fotografie und Telepathie dokumentieren. Wie Bayless in seinem Buch Experiences of a Psychical Researcher (Erlebnisse eines Erforschers des Übersinnlichen) erklärt, saß er eines Tages im Februar 1955 zu Hause auf einer Couch und band sich gerade einen Schnürsenkel zu, als er plötzlich aus dem Augenwinkel eine kurze Bewegung bemerkte. In dem Glauben, daß seine Katze durch das Zimmer gelaufen sei, blickte er auf und sah einen großen trapezförmigen „Schatten" vor

sich schweben! Der „Schatten" hatte etwa die Größe eines Mannes und schwebte ungefähr dreißig Zentimeter über dem Fußboden. Unter Bayless erstauntem Blick flog der Schatten durch das Zimmer und durch eine offene Glastür hinaus. Bayless hatte keine Ahnung, was dieser Schatten zu bedeuten hatte, aber er fuhr sofort nach Hollywood, um von Szalay zu erzählen, was er gesehen hatte. Als von Szalay ihm die Tür zu seinem Studio öffnete, wartete Bayless nicht einmal, bis er eingetreten war, bevor er mit seiner Geschichte herausplatzte. „Rate mal, was mir passiert ist", begrüßte er seinen Freund sofort. Szalay erwiderte prompt und ohne Umschweife: „Du hast mich gesehen." Dann erklärte er seinem Freund, daß er sich bewußt zu ihm projiziert hatte, und beschrieb Bayless das Innere seines Hauses, obwohl er ihn nie dort besucht hatte. Von Szalay erzählte mir später, daß er dieses Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper mit Hilfe einer Form von Pranajamana hervorge- rufen habe. Seine spezielle Technik bestand darin, sich hinzulegen und einige Male kurz und flach einzuatmen, um dann die Luft gewaltsam wieder aus den Lugen herauszustoßen. Diese Hyperventilation erzeug- te er mehrere Minuten lang, bis er sich außerhalb seines Körpers wiederfand. Er glaubt, daß diese Atemübung, die sich aus seinem Yogastudium entwickelt hat, einen geringfügigen Sauerstoffmangel im Organismus verursacht, der automatisch das Phänomen auslöst. Bayless selbst hat auch mit verschiedenen Pranajamana-Methoden zum Verlassen des Körpers herumexperimentiert und hatte zumindest bei einer Gelegenheit einen gewissen Erfolg. Ein Experiment, das er 1952 durchführte, war besonders erhellend. Es war spät am Nachmit- tag, und er faßte den Entschluß zu versuchen, seinen Körper mit Hilfe von Atemübungen zu verlassen. Er streckte sich auf dem Bett in der Shavasana, oder „Leichnamshaltung", aus, so daß seine Arme seitlich an seinem Körper lagen. Dann widmete er sich einer Übung, die mit dem „großen psychischen Atem" verwandt ist und in einem regel- mäßigen, schnellen aber tiefen Ein- und Ausatmen besteht. Gleich- zeitig befahl er sich im Geiste kraft seines Willens, daß er seinen Körper verlassen sollte, und stellte sich bildlich die Kundalini an der Basis seines Rückgrats vor. Er praktizierte das ungefähr eine

Stunde lang, bevor er aufhörte. Dann ruhte er sich einfach aus, und sein Geist schweifte in Tagträume ab. Seine Augen waren geschlossen. Bayless erwartete zu diesem Zeitpunkt nicht, seinen Körper zu verlassen. Aber während er ruhte, fühlte er plötzlich, wie sein Körper anfing, heftig hin und her zu schwingen. Sein erster Gedanke war der eines Erdbebens. Aber er hatte kaum daran gedacht, als er fühlte, wie er auf das Bett zurückfiel. Es war eine derart dramatische Erfahrung, daß ihre Intensität ihn erschreckte und er mit einemmal erkannte, daß er tatsächlich über seinem Körper geschwebt hatte. Er glaubt jedoch, daß dieses beginnende Erlebnis der Loslösung von seinem Körper vielleicht eher durch seinen Glauben an die Methode als durch die Atemübung selbst hervorgerufen worden ist. Die Berichte von Art von Szalay und Raymond Bayless mögen vielleicht etwas mühelos erscheinen, aber ihre Erfahrungen waren ganz bestimmt kein Beispiel für „Anfängerglück". Vergessen Sie nicht, daß beide Männer jahrelang mit Yoga und Yoga-Atemübungen experi- mentiert hatten, bevor diese Erlebnisse auftraten. Diese jahrelange Praxis könnte daher in ihrem Körper die Bereitschaft zu dem Erlebnis der Loslösung vom Körper geschaffen haben. Und während Bayless dazu neigt, Pranajamana als ein außerordentlich entwicklungsfähiges System zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper zu meiden, glaubt von Szalay, daß das Atmen möglicherweise der wesentliche Schlüssel zu dieser Fähigkeit ist. Aber, warum das Atmen mit der Bewirkung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper im Zusammenhang steht, ist nicht klar. Die Yoga-Kosmologie bietet eine komplizierte Erklärung an, die sich auf der Art und Weise gründet, wie das Atmen die menschlichen Kräfte mit den Prana-Kräften der Natur verbindet. Es könnten aber auch einfachere Faktoren beteiligt sein. Neuere Forschungen, durch- geführt am Langley Porter Neuro-Psychiatrischen Institut in San Francisco, haben gezeigt, daß tiefes Atmen viele Auswirkungen auf den Körper und den Geist hat. Es entspannt den Organismus, beruhigt die Gehirntätigkeit und bewirkt die Erzeugung von Alpha-Wellen, während es gleichzeitig die Körperanspannung löst. Dieser Zustand der geistigen und körperlichen Ruhe wirkt wahrscheinlich als Leiter für den Zustand, der zum Verlassen des Körpers erforderlich ist.

Dennoch ist das kreuzweise Atmen des Yoga eine Methode zur Bewirkung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper, der

man sich nur mit größter Vorsicht nähern sollte

Es ist eine sehr ungezielte Methode, die die Kundalini wecken, Levitation erzeugen und die Entwicklung einer Reihe von übersinnli- chen Fähigkeiten einschließlich der Astralprojektion bewirken soll. Alte Yoga-Schriften betonen, daß diese Atemübungen nicht von allgemeineren Yogapraktiken getrennt und nur unter Anleitung eines Lehrers praktiziert werden sollten. Die Überlieferung warnt, daß bei einer falschen oder vorzeitigen Ausübung die Kundalini in einer falschen Weise geweckt werden könnte. Dies könnte das Energiesy- stem des Körpers in ernsthafter Weise unterbrechen und alle mögli- chen Arten von beunruhigenden körperlichen und geistigen Auswir- kungen zur Folge haben. Das ist auch der Grund, warum die Methode des kreuzweisen Atmens geheimgehalten wurde, bis Vivekananda sie dem Abendland enthüllte, wofür er von den übrigen Gurus scharf kritisiert wurde. Vielleicht ist das auch der Grund, warum die Kabbalisten ihre Atemmethoden ebenfalls so geheimgehalten haben. Warnungen über zielloses Experimentieren mit der Yoga-Atmung sind in den Yoga- Schriften bemerkenswert offenkundig, und es gibt gute Gründe, diese Ermahnungen ernst zu nehmen. Viele Yoga-Schüler haben durch kreuzweises Atmen die Kundalini erfolgreich geweckt, aber dann erlebten sie alle möglichen negativen Reaktionen auf diese Erfahrung, darunter unerträgliche und unkontrollierbare Hitzewellen über den ganzen Körper, Anfälle von Panik oder Schrecken, chronische Schlaflosigkeit, zwanghaftes Muskelzucken und sogar vorübergehen- de Psychosen. ('Anm.: Vgl. wegen einiger derartiger Krankengeschich- ten Lee Sannela, Dr. med., Kundalini - psychosis or transcendence ? (Kundalini - Psychose oder Transzendenz?), San Francisco 1976. Es gibt auch einen faszinierenden Bericht in den Proceedings der Ameri- can Society for Psychical Research vom Dezember 1919, auf die ich mich bereits in einer früheren Anmerkung bezogen habe. Der Bericht betrifft einen Mann, der sich 1906 wegen einiger übersinnlicher Erlebnisse, die er hatte, mit der American Society for Psychical Research in Verbindung setzte. Er stand am Rande eines totalen

wenn überhaupt.

psychotischen Zusammenbruchs und stammelte unaufhörlich von einer Kraft an der Basis seines Rückgrats, die in regelmäßigen Abstän- den wirksam würde. Sobald diese Kraft seinen Körper hinaufstieg und seinen Kopf erreichte, wurde er verrückt. Glücklicherweise hatte er einen Weg gefunden, diese Kraft durch die Atmung zu kontrollieren. Es ist unnötig zu erwähnen, daß dieser Mann keinerlei Kenntnis im Yoga besaß und rein zufällig auf all das gestoßen war. Er wurde schließlich durch hypnotische Suggestion „geheilt".) Es gibt keinen Grund, diese Berichte nicht ernst zu nehmen. Es handelt sich wahrscheinlich um wirkliche Störungen, verursacht durch die falsche Manipulation einer Energie, die in unserem Körper wohnt und der konventionellen Wissenschaft bis heute noch unbekannt ist. Meine persönliche Uberzeugung von der Triftigkeit dieser Warnungen rührt von Gesprächen her, die ich mit Yoga-Schülern geführt habe, die selbst äußerst nachteilige Reaktionen auf Kundalini-Yoga wirklich erlebt haben. Da Pranajamana Teil einer komplizierten geistig-py- sisch-religiösen Disziplin ist, die in erster Linie dazu gedacht ist, die Kundalini zu wecken, sollte man sich diese Methode vielleicht besser nicht für den Versuch, den Körper zu verlassen, auswählen. Es stehen viele andere Methoden zur Verfügung, von denen nur wenige irgend- welche Gefahren in sich zu bergen scheinen. Genauso wenig sind die tibetanischen Methoden allzusehr zu empfehlen. Allem voran ließen sich wahrscheinlich nur wenige Leser dieses Buches von einer Methode fesseln, deren Erläuterung allein 20 Seiten in Anspruch nimmt - wobei Teile der Methode immer noch geheim bleiben und vom Lehrer auf den Schüler weitergegeben werden müssen. Aber funktioniert dieses Ritual tatsächlich? Dieses absurd komplizierte und oftmals unsinnige Ritual könnte tatsächlich eine Art Tarnmanöver sein. Die Yogis des Tibet müssen im Besitz von wesent- lich einfacheren Methoden zur Bewirkung des Phänomens der Loslö- sung vom eigenen Körper gewesen sein, veröffentlichten jedoch dieses langatmige Ritual, um die Öffentlichkeit davon abzuhalten, sich für die Sache zu interessieren. Wahrscheinlich hatte es lediglich den Zweck, jegliches Interesse an dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper zu entmutigen. Das sind natürlich lediglich ganz persönliche Spekulationen, aber dieses System unterscheidet sich

durch seine übertriebene Kompliziertheit derart von allem, was in jeder anderen Disziplin gelehrt wird, daß es mir einfach als Schwindel erscheinen muß. Jetzt wollen wir uns der Kabbala zuwenden. Das Mantra-System von Müller ist trotz seiner Schwerfälligkeit von deutschen Okkultisten erfolgreich angewandt worden. Walter K. Paul, ein deutscher Spiritist, veröffentlichte einen vollständigen Be- richt über seine Anwendung dieses Systems in der Frühjahrsausgabe 1968 von Light, dem offiziellen Blatt des College of Psychic Studies in London. Paul begann im Januar 1965 mit seinen Experimenten, indem er täglich das Mantra rezitierte. Sechs Wochen später gelang ihm sein erster Erfolg, als er vom Schlaf erwachte und feststellte, daß er als phantomhafter Zweitkörper über seinem physischen Körper schweb- te. Die Erfahrung dauerte 15 bis 20 Skunden lang, dann erlebte er einen momentanen Bewußtseinsschwund und wachte wieder in seinem Körper auf. Das gleiche geschah zwei Monate später noch einmal als Folge eines bewußten Versuchs zur Astralprojektion. Beim Zubettge- hen „wollte" Paul, daß er seinen Körper verließ, aber nichts geschah. Er blieb reglos liegen und erlebte dann, wie sich sein ätherisches „Bein" aus seinem physischen Körper hob und wieder zurücksank. Sein nächstes Erlebnis hatte er in der folgenden Nacht in Form einer vollständigen Loslösung vom eigenen Körper. Er war kurz vor dem Einschlafen, als die Vibrationen wieder begannen. Das rüttelte ihn wieder wach, und während er regungslos dalag, fühlte er, wie er sich geradewegs aus seinem Körper erhob. Er schreibt: „In diesem Moment fühlte ich einen Arm unter meinem Rücken, der mich zur Seite zog, und ich fühlte, wie die Bettdecke herunterrutschte." Sein erster Gedanke war, daß er wirklich aus dem Bett getragen würde. Dann erkannte er, daß er ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erfuhr, das in irgendeiner Weise von einem körperlosen Wesen unterstützt wurde. Paul fährt fort: „Er oder sie stellte mich auf die Füße, links vom Bett und etwas vom Fuß des Bettes entfernt, und blieb hinter mir, mit einer Hand auf jeder Schulter." Paul hatte den Eindruck, als ob der freundliche Helfer verhinderte, daß er hinfiel. „Dann drehte er oder sie mich nach rechts und schob mich sanft

vorwärts, und ich ging, bis ich direkt vor dem Fußende meines Bettes stand." Dann schwand Paul für kurze Zeit das Bewußtsein, und er kam in seinem physischen Körper wieder zu sich. Pauls Bericht ist praktisch identisch mit meinen Kindheitserlebnis- sen. Auch ich hatte das Gefühl, als ob die Erscheinung, die mich damals bei meinen Erlebnissen der Loslösung von meinem Körper begleitete, mich (d. h. meinen ätherischen Zweitkörper) praktisch durch das Haus tragen würde. Obwohl meine Erinnerungen in diesem speziellen Punkt verschwommen sind, kann ich mich erinnern, daß ich diesen Helfer wenigstens bei einer Gelegenheit auch gesehen habe. Zwei Monate später hatte Paul das gleiche Erlebnis wieder. Er erwachte und stellte fest, daß er im Flur vor seinem Schlafzimmer stand. Zunächst glaubte er, daß er im Schlaf gewandert sei, und ging also in sein Schlafzimmer zurück. Als er sich seinem Bett näherte, spürte er einen seltsamen Sog, als ob sich um sein Bett herum ein Vakuum bilden würde. Diese merkwürdige Empfindung machte ihn auf seinen Zustand der Losgelöstheit von seinem Körper aufmerksam. Das Schlafzimmer war dunkel, und er setzte sich also auf sein Bett und fühlte seinen physischen Körper tatsächlich dort liegen. Einen Augen- blick später wachte er in seinem Bett wieder auf. Die ganze Episode hatte 30 bis 40 Sekunden gedauert. Diese Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper dauerten mehrere Monate an, während der Paul fleißig mit seinen Mantra- Rezitationen fortfuhr. Die Erlebnisse hörten anscheinend auf, als Paul die Rezitationen einstellte. Zwei Jahre später kehrte Paul zu seinen kabbalistischen Praktiken zurück, neugierig, ob er ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeiführen könnte, dadurch, daß er die Formeln nur im Geiste durchging, anstatt sie zu rezitieren. Nach sechs Wochen täglicher Übung begann er erneut, Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper zu haben. Es waren in erster Linie nächtliche Erlebnis- se, und sie begannen gewöhnlich mit einem Gefühl körperlicher Vibration. Sobald diese Empfindungen auftraten, entschloß sich Paul einfach kraft seines Willens, seinen Körper zu verlassen. Als Folge schwebte er dann aus seinem Körper heraus und kam gewöhnlich am Fußende seines Bettes zu einem Halt. Diese Vorfälle waren weniger

ausgedehnt und kompliziert als seine früheren Erlebnisse der Loslö- sung vom eigenen Körper, und Paul führt dies auf seine rein geistige Anwendung der Buchstabenkombinationen zurück. Diese Berichte sprechen für sich selbst. Interessant ist jedoch die merkwürdige Parallele, die sowohl in Pauls wie in Bayless' Berichten auftaucht und auch in meinen Aufzeichnungen erscheint. Beachten Sie, daß Pauls Erlebnisse spontan auftraten, nachdem er zu Bett gegangen war. Sie manifestierten sich nicht als eine direkte Folge der Mantra-Rezitationen selbst. Auch Bayless hatte seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper erst, nachdem er seine Pranajamana- Übungen beendet hatte und einfach ruhig dalag. Meine ersten Erleb- nisse der Loslösung von meinem Körper manifestierten sich ebenfalls spontan, nachdem ich aufgehört hatte, bewußt zu versuchen, sie herbeizuführen. Ungeachtet der Tatsache, daß wir heute ganz andere Induktionsmethoden verwenden, taucht dieses merkwürdige Phäno- men der „Aufgabe der Bemühungen" in allen drei Fällen auf. Diese Gesetzmäßigkeit kann uns vielleicht etwas sehr Wichtiges über die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, sagen. Eine okkulte Erklärung wäre, daß viele der Übungen, die benutzt werden, um das Phämonen der Loslösung vom eigenen Körper herbeizuführen - Visualisierung, Ernährung, Mantra-Rezitationen und Atmen -, in irgendeiner Weise die Struktur des ätherischen Körpers oder sein Verhältnis zum physischen Körper verändern. Diese Veränderung kann dann zu der spontanen Manifestation des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper führen. Das Phänomen der „Aufgabe der Bemühungen" ließe sich jedoch auch psychologisch erklären. Die verschiedenen Induktionsmetho- den, die wir in diesem Kapitel betrachtet haben, genauso wie diejeni- gen, die in den vorangegangenen Kapiteln beschrieben worden sind, dienen vielleicht einfach dazu, die Aufmerksamkeit auf die Absicht zu konzentrieren, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu haben. Sie dynamisieren den Willen, wie es Lancelin ausgedrückt hätte, und fungieren als eine beständige unterbewußte Suggestion, daß ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper schließlich tatsächlich stattfinden wird. Sobald der bewußte Verstand nicht mehr an der Aufgabe beteiligt ist, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper

zu wollen, ermöglicht diese Aufgabe der Bemühungen der Suggestion, ausschließlich innerhalb des Unterbewußtseins wirksam zu werden - welches dann die Voraussetzungen für das tatsächliche Eintreten des Erlebnisses schafft. Falls dies zutrifft, ist das Phänomen der „Aufgabe der Bemühun-

gen" ein sehr wichtiger Aspekt der Astralprojektion. Seine Botschaft

daß es allein unsere Motivation, zu einem

ist vielleicht einfach

Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen, und nicht die Anwendung irgendeiner bestimmten Methode ist, die uns tatsächlich die Fähigkeit verleiht, den eigenen Körper zu verlassen.

Quellenhinweise

Bayless, Raymond, Experiences of a Psychical Researcher, New York,

1972

Carrington, Hereward, Higher Psychical Development, New York, 1924

Danielou, Alain, Yoga - the Method of re-integration, London, 1949 Epstein, Perle, Kabbalah - the way of Jewish mystic, New York, 1978 Evans-Wentz, W. Y., Tibetan Yoga and Secret Doctrines, Oxford, Engl.,

1958

Gibson, Walter, The Key to Yoga, New York, 1958 Ingber, Dina, „Brain breathing." in: Science Digest, 1981, 89, S. 72-75 Osis, Karlis, und Haraldson, Erlendur, „OBEs in Indian swamis: Sathya Sai

Baba and Dadaji." in: Research in Parapsychology - 1975, New York,

1976

Paul, Walter K., „Out of the body by mantras." in Eight, 1968, 88, S. 26-40

Richards, Steve, Eevitation, Wellingborough, Engl., 1980

White, John, Kundalini, Evolution and Enlightenment, New York, 1979 Yogi Ramacharaka, The Hindu-Yogi Science of Breath, Chicago, 1904

142

6. Kapitel:

Die Monroe-Methoden

Bei den meisten der bisher besprochenen Techniken handelt es sich um methodische Systeme zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper, die zur Weiterverbreitung und zum allgemeinen Gebrauch gedacht sind. In diesem Kapitel werden wir uns nun einigen hochspeziellen Techniken zuwenden, die von einem talentierten Medium entwickelt worden sind, wie sie sich für seine persönlichen Projektionen als nützlich herausstellten. Alle talentierten Medien - von Sylvan Muldoon bis S. Keith Harary - haben ihre eigene, einzigartige Methode zum Verlassen des Körpers entwickelt. Zum Glück für uns sind diese Methoden im allgemeinen auch aufgezeichnet worden.

Hintergrund

Im Jahre 1971 erschien das wahrscheinlich populärste und erfolg- reichste Buch, das jemals über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper geschrieben worden ist, als Robert Monroe, ein Geschäftsmann aus Virginia, seinen autobiographischen Bericht Jour- neys Out of the Body (Reisen außerhalb des Körpers) veröffentlichte. Monroe, heute ein weißhaariger Manager, wurde 1915 geboren und wuchs in Lexington in Kentucky auf. Nach einem Studium an der Ohio State-Universität arbeitete er zunächst in der Radio- und Fernse- hindustrie in New York. Von da stieg er später ins Werbegeschäft ein. Seine Erfahrungen mit dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper begannen 1958, nachdem er sich längst eine erfolgreiche Karriere aufgebaut hatte. Sein neugefundenes Talent verwirrte ihn

zunächst, aber im Laufe der Jahre hat er sich zu einem häufigen Reisenden auf den astralen Nebenstraßen entwickelt. Sein Buch beschreibt nicht nur seine irdischen Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper, sondern auch surrealistische Reisen in parallele Welten und andere Dimensionen des Raumes und der Zeit. Wie er in einem Interview für die Zeitschrift Fate erklärte, hatte er sogar „gewisse bemerkenswerte Erlebnisse - wie zum Beispiel Besuche in anderen Energiesystemen, die sich das ,Ich'bewußtsein nicht einmal vorstellen kann. Es gab auch Kontakt zu Wesenheiten, die weit jenseits von allem lagen, was ich mir in meinen wildesten Phantasievorstellun- gen jemals erträumt hätte." Gemäß seiner Autobiographie entwickelte dieser Geschäftsmann seine Fähigkeit zum Verlassen seines Körpers infolge einer Krankheit, die ihn im Frühjahr 1958 heimsuchte. Seine Familie war an diesem Morgen nicht zu Hause, und er hatte seine Zeit damit verbracht, einem Tonband mit besonderen Klängen zu lauschen. Nach einem späten Frühstück mit seiner Familie nach deren Rückkehr, entschloß er sich, sich hinzulegen, und wurde plötzlich von Krämpfen geschüttelt. Sein erster Gedanke war eine Lebensmittelvergiftung, daher blieb er für den Rest des Tages im Bett und ruhte sich aus. Drei Wochen später geschah das gleiche erneut, aber während dieses Anfalls begann sein ganzer Körper zu vibrieren. Und obwohl ihn diese merkwürdigen Vibrationen noch monatelang weiterplagten, gelang es dem Hausarzt nicht, die Ursache zu diagnostizieren. Eines Nachts, als er im Bett lag und sein einer Arm seitlich herunterbaumelte, begannen die Vibrationen erneut. Monroe stützte sich gegen den Boden auf, und seine Hand schien direkt durch den Fußboden hindurchzugehen! Er war verwirrt, schüttelte dieses Er- lebnis jedoch als einen Tagtraum ab. Die Vibrationen traten weiter- hin auf. Wenige Wochen später gelangte Monroe dann zu seinem ersten wirklichen Erlebnis der Loslösung von seinem Körper. Er war kurz vor dem Einschlafen, als er spürte, wie eine Welle von Vibrationen seinen Körper durchströmte. Er dachte sofort an Segelfliegen, was zu diesem Zeitpunkt sein größtes Hobby war, und fand sich plötzlich in der Nähe der Zimmerdecke seines Schlafzimmers wieder. „Ich

schwebte gegen die Decke und stieß bei jeder Bewegung, die ich machte, sanft dagegen", schreibt er. „Verblüfft drehte ich mich in der Luft herum und blickte hinunter. Da unten in dem Halbdunkel war das Bett. In dem Bett lagen zwei Gestalten. Zu meiner Rechten lag meine Frau. Neben ihr lag eine andere Person. Beide schienen zu schlafen." Natürlich war es seine eigene Gestalt, die er dort liegen sah. Monroe wurde von Panik befallen, als ihm klarwurde, daß er vielleicht im Begriff stand zu sterben, also tauchte er hinab und zurück in seinen Körper. Diese Erfahrung verwirrte Monroe derart, daß er seinen Arzt und einen befreundeten Psychologen wegen seiner Symptome konsultier- te. Der Psychologe empfahl ihm, sich mit Östlichen Philosophien zu beschäftigen, aber selbst das konnte Monroes Angst, daß er wahnsin- nig wurde, nicht beschwichtigen. Es half auch nicht, als sich im Laufe der folgenden Wochen weitere Erlebnisse der Loslösung von seinem Körper einstellten. Diese fortgesetzten Erlebnisse führten ihn schließ- lich 1964 zum U.C.L.A. Neuropsychiatrischen Institut, wo er ver- schiedene Ärzte aufsuchte in der Hoffnung, mehr über sein Problem zu erfahren. Dort wußte man natürlich nichts über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper und konnte Monroe kaum helfen. Zu seinem Glück erfuhr er jedoch zur gleichen Zeit etwas über Parapsy- chologie, und das gab ihm einen Hinweis zum Verständnis seiner Erlebnisse. Als er herausfand, was er tatsächlich erlebte, verlor Monroe seine Angst vor diesen Erlebnissen. Anstatt seine Projektionen zu fürchten, begann er nun, mit ihnen zu experimentieren - und lernte bald, daß er nicht nur seinen Körper verlassen, sondern auch Freunde besuchen (selbst wenn sie Meilen entfernt wohnten) und in parallele Welten reisen konnte. Er begann jetzt auch, von diesen Erlebnissen detaillierte Aufzeichnungen zu machen mit den Namen der Personen, die er in dem Zustand der Losgelöstheit von seinem Körper besucht hatte, was sie zum Zeitpunkt seiner Besuche gerade getan hatten, und den nachfolgenden Bestätigungen seiner Beobachtungen durch andere. Seine seltsamen Reisen machten ihn auch für einige merkwürdige Nebeneffekte empfänglich. Während der Einleitungsphasen seiner Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper begann er, präkogniti-

ve Visionen zu haben. Seine Neugier in bezug auf dieses Phänomen brachte ihn auch mit wissenschaftlichen Einrichtungen in Kontakt, und schließlich nahm er an einem Forschungsprojekt sowohl der Universität von Virginia wie des Topeka (Kansas) Veterans Admini- stration Hospital teil, wo er versuchte, seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper unter nachprüfbaren Bedingungen hervorzu- rufen. Monroes Hauptinteresse galt jedoch der Entwicklung von Metho- den, um den Körper zu verlassen, und der Erforschung der neuen Dimensionen der Realität, die er durch seine Erlebnisse entdeckt hat. Er hat nicht nur viele ganz persönliche Techniken entwickelt, sondern auch ein eigenes Institut zur Entwicklung noch wirksamer Methoden gegründet. Die Ausläufer der Blue Ridge Mountains von Virginia sind der gegenwärtige Standort des Monroe Institute for Applied Sciences (Institut für angewandte Wissenschaften), das Anfang der 70er Jahre eröffnet wurde. Klienten des Instituts können einige Tage dort verbringen und an einem Schulungsprogramm zur Selbsterforschung teilnehmen, das auch ein klassisches Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper einschließen soll. Die Sitzungen umfassen Praktiken der sensorischen Isolation, Gehörstimulation und gelenkte Vorstel- lungsbilder. Das Werk von Robert Monroe ist daher zweigeteilt. Auf der einen Seite interessiert er sich für die experimentelle und wissenschaftliche Erforschung des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper, auf der anderen Seite ist er - wie Hugh Callaway und Marcel Louis Forhan vor ihm - von der okkulten Seite dieser Erfahrung fasziniert, die uns Aufschlüsse über verborgene Dimensionen des Universums ver- spricht.

Die Methoden

Monroe hat verschiedene Methoden zum Verlassen des Körpers entwickelt, die sich in erster Linie auf seinen persönlichen Erfahrungen gründen. Er hat diese Methoden im Laufe der Jahre in beträchtlichem Maße überarbeitet, und das Programm, das gegenwärtig im Monroe-

Institut gelehrt wird, unterscheidet sich erheblich von den Methoden, die er ursprünglich 1971 zum Zeitpunkt der Veröffentlichung seiner Autobiographie empfahl. Im Januar 1981 erklärte mir ein Sprecher des Instituts ausdrücklich, daß Monroes ursprüngliche Schriften über Praktiken zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper (ca. 1971) heute überholt sind. Es existiert tatsächlich ein derart großer Unterschied zwischen seinen autobiographischen Schriften und dem gegenwärtigen einwöchigen Programm seines Instituts, daß an dieser Stelle beide in gewissem Umfang beschrieben werden sollten. Wir werden uns also in dem folgenden ersten Abschnitt diejenigen Methoden ansehen, die Monroe selbst benutzte, um seinen Körper zu verlassen, und die er nach seinen eigenen Berichten benutzte, als er mit Erfolg seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper im Laboratorium herbeiführte. Der zweite Abschnitt wird sich dann mit dem Programm seines Instituts beschäftigen. Monroe ist eindeutig der Überzeugung, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper ein dem Menschen eigenes Potential ist, zu dessen Entwicklung wir alle fähig sind. Er schreibt sogar: „Der einzig mögliche Weg zur Anerkennung der Realität des Zweitkörpers und der Existenz in ihm besteht darin, ihn selbst zu erfahren." Er fügt jedoch zurückhaltend hinzu: „Es entzieht sich jedoch meiner Beurtei- lung, ob jemand das auch tun sollte oder nicht." Monroe behauptet, daß vor dem eigentlichen Versuch, den eigenen Körper zu verlassen, verschiedene Vorbedingungen erfüllt sein müs- sen. Die wichtigste besteht in dem intensiven Wunsch, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu haben, was wahrscheinlich dem entspricht, was frühere Autoren als den „Willen", diesen Zu- stand zu erleben, bezeichnet haben. Monroe hebt auch hervor, daß der Experimentator ein gewisses Maß an psychologischer Stärke besitzen muß. Nachdem Monroe selbst das erste Mal seinen Körper verlassen hatte, begann er sozusagen chronische Erlebnisse der Loslö- sung vom eigenen Körper zu haben. Irgendwie schien er eine Tür geöffnet zu haben, die sich nicht wieder schließen ließ. Er warnt seine Schüler, daß sie mit dem gleichen Problem rechnen müssen. Wenn man einmal ein Erlebnis der Loslösung vom eingenen Körper ausge- löst hat, gibt es kein Zurück mehr. Sie werden für den Rest ihres

Lebens mit Ihrer Entscheidung, Ihren Körper zu verlassen, leben müssen. Ihr nächstes Problem wird Ihr Verhältnis zu Ihren Freunden und Verwandten sein. Die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, wird Sie in eine neue Beziehung zu den Menschen in Ihrer Umgebung setzen. Sie müssen bereit sein, sich als Außenseiter, als Verrückter oder auch einfach nur als Lügner abstempeln zu lassen, da viele Ihrer Freunde und Verwandten nicht bereit sein werden, die Gültigkeit Ihrer Erfahrungen anzuerkennen. Sie müssen auch auf ein gewisses Maß an Ächtung vorbereitet sein. Monroes Warnungen sind wohlbegründet, besonders da sich heute aus der breiten Öffentlichkeit so viele für eine spirituelle Entfaltung interessieren. Hugh Callaway war ein Okkultist, Sylvan Muldoon ein Spiritist und Marcel Louis Forhan ein Mystiker, der einen großen Teil seines Lebens in China lebte. Diese Männer bewegten sich in Gesell- schaftskreisen, die den Ansprüchen des Übernatürlichen ganz und gar aufgeschlossen gegenüberstanden. Sie selbst befinden sich vielleicht nicht in einer derart günstigen Position. Nehmen Sie den Fall einer jungen Krankenhausangestellten, die nach Monaten der Selbstentfaltung und Übung ziemlich bemerkenswerte psychokinetische Fähigkeiten entwickelte. Ihre Fähigkeit, kleine Ge- genstände durch die bloße Kraft ihres Denkens zu bewegen, wurde gefilmt, und zwei führende amerikanische parapsychologische For- schungsanstalten dokumentierten ihre Fähigkeiten. Aber schließlich verleugnete sie ihr Talent. Sie hatte keine Schwierigkeiten, mit diesem Talent, das sie in sich entfesselt hatte, fertig zu werden, aber sie konnte nicht mit den Reaktionen ihrer Freunde fertig werden, die im allgemei- nen keine Kenntnisse im Bereich der Parapsychologie besaßen und nicht an übersinnliche Phänomene glaubten. Sie glaubten, daß ihre Freundin ihnen mit irgendeinem Hokuspokus einen Streich spielte oder einfach einer Selbsttäuschung erlegen war, und wurden ihr gegenüber sehr mißtrauisch. Die gefühlsmäßige Belastung infolge dieser Ächtung war zu groß, so daß die junge Frau schließlich ganz aufhörte, ihre Fähigkeit vorzuführen. Heute führt sie ein ereignisloses Leben in New York, wo sie als Medizinisch-Technische Assistentin arbeitet. Sie hat so gut wie gar kein aktives Interesse mehr an der Parapsychologie.

Monroe weist auch darauf hin, daß ein Hinderungsfaktor bei der Entwicklung der Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, in der „Angstbarriere" bestehen kann - in dem inneren Widerstand, den der Schüler gegen dieses Erlebnis aufbringt. Wir alle besitzen gewisse Hemmungen gegenüber der Begegnung mit dem Unbekannten, und das Verlassen des eigenen Körpers ist eine Erfahrung, die wir intuitiv mit Sterben oder Wahnsinnigwerden assoziieren. Deshalb haben wir alle eine natürliche Angst davor, unseren Körper zu verlassen, die durch unser kulturelles und gesellschaftliches Umfeld tief in uns verwurzelt ist. Monroe gibt zu, daß seine eigene Angstbarriere mehrere Jahre lang bestand und daß er, erst nachdem er sie überwun- den hatte, sein Vermögen, den eigenen Körper zu verlassen, in vollem Umfang erforschen konnte. Es ist einfach diese Barriere, die uns in unserem Körper festhält und das schwierigste Hindernis darstellt, das man überwinden muß, bevor man zu dem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen kann. „Ich weiß nicht, wie man diese Angstbarriere umgehen kann", gesteht Monroe. „Außer durch ein möglichst vorsichtiges Vorgehen zu Beginn, um Schritt für Schritt eine Vertrautheit mit diesem Phänomen zu schaffen." Die meisten großen Experimentatoren im Bereich der Astralprojek- tion der Vergangenheit erwähnen in ihren Schriften etwas, das mit dieser Angstbarriere verwandt ist. Insbesondere Forhan weist auf die instinktive Furcht hin, die er jedesmal empfand, wenn während seiner Projektionen irgend etwas Neues und Unerwartetes mit ihm geschah. Der Kontakt mit einer neuen Dimension, die erste Begegnung mit einem körperlosen Wesen oder seltsame physische Empfindungen lösten zum Beispiel alle diese eingefleischte Angst in ihm aus. Allmäh- lich gelangte er jedoch zu der Erkenntnis, daß die Welt des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper in erster Linie eine geistige Welt ist. Nichts konnte ihn wirklich verletzen, während er sich außerhalb seines Körpers befand; es war nur seine eigene Angst, die ihn so oft quälte. Er entdeckte schließlich, daß er allein durch die Kraft seines Willens seine Umgebung verändern und jeden möglichen Angreifer in der Astralwelt auflösen konnte. Sobald er dieses große Geheimnis erkannte hatte, machte er sich nie mehr Sorgen um sein Wohlbefinden, während er sich außerhalb seines physischen Körpers bewegte.

Vielleicht ist dies etwas, das Sie lernen sollten, bevor Sie versuchen, Ihren Körper zu verlassen. Aus praktischen Gründen sollte sich der Schüler intensiv mit der Literatur über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper beschäftigen, bevor er sich selbst an der Projek- tion versucht. Die Schriften der großen Experimentatoren der Ver- gangenheit sind in dieser Hinsicht besonders empfehlenswert. Sie werden Sie auf das vorbereiten, was Sie erleben können, wenn Sie sich losgelöst von Ihrem Körper bewegen. Wenn ich damals das gewußt hätte, was ich heute über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper weiß, wäre ich wahrscheinlich über einige meiner anfängli- chen Erfahrungen nicht so beunruhigt gewesen, so zum Beispiel über das Gefühl der Lähmung, das Gefühl, gegen meinen Willen aus meinem Körper herausgesogen zu werden, die grimmigen weißen Gesichter, die ich bei meinen ersten beginnenden Erlebnissen sah, und über andere Begegnungen, die ich auf meinem Weg zur Selbster- forschung hatte. Nachdem Sie sich psychologisch darauf vorbereitet haben, Ihren Körper zu verlassen, können Sie die im folgenden beschriebenen Schritte durchführen, um das Erlebnis auszulösen. 1. Schritt: Entspannen Sie Ihren Körper. Nach Monroe ist „die

die erste Vorbedingung, vielleicht

Fähigkeit, sich zu entspannen,

sogar der erste Schritt selbst", um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Obwohl Monroe selbst keine speziellen Entspannungsübungen anbietet, wird eine Methode der progressiven Muskelentspannung oder der Selbsthypnose diesen Zweck erfüllen. 2. Schritt: Versuchen Sie, in den Zustand an der Grenze zum Schlaf einzutreten. Fast alle großen Experimentatoren im Bereich der Astral- projektion haben festgestellt, daß das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper mit jenem seltsamen Zustand genau zwischen Wa- chen und Schlafen verknüpft zu sein scheint, der auch als hypnagogi- scher Zustand bezeichnet wird. Dr. John Palmer fand heraus, daß diejenigen seiner Versuchspersonen an der Universität von Virginia, die in einen experimentell (durch Ganzfeld-Stimulation) ausgelösten entsprechenden Zustand eintreten konnten, den größten Erfolg bei der Bewirkung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper

hatten. Dieselbe Entdeckung machten durch eigene Erfahrung in erster Linie Sylvan Muldoon und Monroe selbst. Aber wie läßt sich dieser Zustand bewußt erreichen? Es gelingt einzig und allein durch Übung. Verfolgen Sie genau, wenn Sie sich zum Schlafen hinlegen, den Vorgang des Einschlafens. Versuchen Sie, sobald Sie einzudösen beginnen, Ihr Bewußtsein wachzuhalten. Zu- nächst werden Sie die Herrschaft über Ihr Bewußtsein verlieren und einschlafen. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Schließlich werden Sie fähig sein, instinktiv zu beurteilen, wann Sie einzuschlafen beginnen. Diese Hinweise werden es Ihnen ermöglichen, an dieser Grenzzone des Bewußtseins unbegrenzt festzuhalten. Sie können auch bestimmte Übungen benutzen, um den hypnagogi- schen Zustand zu bestimmen. Ich persönlich verwende eine relativ einfache Übung. Konzentrieren Sie sich, wenn Sie sich schlafen legen, solange Sie können auf ein einzelnes geistiges Bild. Sobald andere Bilder spontan in Ihrem Kopf aufzutauchen beginnen, haben Sie den hypnagogischen Zustand erreicht. Lernen Sie, diese Bilder zu verfolgen und in passiver Weise zu studieren. Dieser Beobachtungsprozeß wird Sie tatsächlich wachhal- ten, da Ihr Geist auf diese Weise in minimalem Umfang stimuliert, aber nicht wirklich wachgerüttelt wird. Ich benutze diese Technik seit Jahren und habe mich sogar darin geschult, diese Bilder zu beobach- ten, mich aufzuraffen, sie niederzuschreiben und dann fast augenblick- lich wieder in den hypnagogischen Zustand zurückzukehren. Das alles ist wirklich nur eine Frage der Übung. Eine andere alte Methode zur Verlängerung des hypnagogischen Zustands besteht darin, beim Hin- legen einen Arm im Ellbogen gebeugt und erhoben zu halten. Sobald Sie kurz davor stehen einzuschlafen, wird Ihr Arm sinken und Sie auf diese Tatsache aufmerksam machen. Wieder werden Sie mit etwas Übung schließlich in der Lage sein, diesen Grenzzustand zwischen Wachen und Schlafen eine beträchtliche Zeitdauer aufrechtzuerhalten. Der Schlüssel besteht einfach darin, sich dieses Zustandes bewußt zu werden. Monroe bezeichnet diesen Zustand nicht mit dem formalen psycho- logischen Begriff, sondern nennt ihn einfach „Zustand A". 3. Schritt: Vertiefen Sie diesen Zustand. Monroe rät seinen Schülern,

als Vorbedingung zum Verlassen des Körpers zu lernen, diesen hypnagogischen Zustand zu vertiefen. Die erste Übung besteht darin zu lernen, wie man den Geist reinigt und gleichzeitig in dem Zustand kurz vor dem Einschlafen verbleibt. „Denken Sie an gar nichts, aber verbleiben Sie zwischen Wachen und Schlafen", rät Monroe. „Schauen Sie einfach durch Ihre geschlossenen Lider auf die Schwärze vor Ihnen. Tun Sie nicht mehr. Nach einer Reihe derartiger Übungen sehen Sie möglicherweise „Geistesbilder" oder Lichtmuster. Diese scheinen keine große Bedeutung zu besitzen und sind vielleicht lediglich eine Form von neutraler Entladung." (Anm.: Der Fachausdruck für die „Lichtmuster", die man beim Einschlafen sieht, lautet „Phosphene". Sie entstehen, sobald irgendein Reiz außer Licht auf die Netzhaut auftrifft. Es handelt sich dabei nicht um neutrale Entladungen, son- dern um einen rein optischen Effekt.) Sobald diese Bilder aufhören, hat man den Zustand B, nach Monroe, erreicht. Nun muß man lernen, noch tiefer einzudringen, in den Zustand C - ein Zustand derart tiefgreifender Entspannung, daß man jegliches Bewußtsein für den Körper und die sensorischen Reize verliert. Es ist fast, als ob Sie sich in einem leeren Raum befinden, in dem Ihre eigenen Gedanken die einzige Reizquelle sind. Der ideale Zustand zum Verlassen des Körpers ist jedoch der Zustand D. Dieser entspricht dem Zustand C, wenn er bewußt, aus einem ausgeruhten und frischen Zustand heraus bewirkt wird und nicht die Folge einer normalen Müdigkeit ist, die den Schlaf heraufbe- schwört. Zur bewußten Herbeiführung des Zustands D schlägt Mon- roe vor zu üben, wenn man morgens oder nach einem kurzen Nickerchen aufwacht. Zu diesem Zeitpunkt sind Sie ausgeruht, aber immer noch physisch und geistig entspannt. Beginnen Sie mit den Übungen, bevor Sie sich zu regen beginnen. Obwohl Monroe mir in diesem Punkt vielleicht widersprechen wird, möchte ich behaupten, daß das, was er mit Zustand C und D bezeichnet, vielleicht tatsächlich die erste Stufe des wirklichen Schlafes ist. Es ist schwer zu bestimmen, wann ein Mensch von einem noch wachen Zustand in einen wirklichen Schlaf hinübergleitet. Wenn man Versuchspersonen an einen EEG-Apparat anschließt und ihre Hirn- ströme aufzeichnet, zeigt sich kein deutlich getrennter Wechsel vom

bloß schlaftrunkenen Zustand zum wirklichen Schlaf; der Übergang vollzieht sich fließend. Personen, die während ihres anfänglichen leichten Schlafs aufgeweckt werden, sind sich vielleicht nicht einmal bewußt, daß sie weggeschlafen sind. Gewöhnlich erklären sie, mit ihren Gedanken beschäftigt gewesen zu sein, und erinnern sich nicht, tatsächlich das Bewußtsein verloren zu haben. Monroe scheint seine Schüler zu lehren, wie man den Übergang vom Wachen zum Schlafen wirklich beobachten kann, ohne das Bewußtsein zu verlieren. Die Psychologen wissen heute, daß unser Geist, selbst wenn wir nicht träumen, mit einer beständigen Geistestätigkeit beschäftigt ist. Es könnte sich bei Monroes Übungen also auch um eine systematische Methode zu Wahrung eines gewissen Bewußtseins des eigenen Denk- prozesses während des tatsächlichen Schlafeintritts handeln. 4. Schritt: Treten Sie in einen Zustand der Vibration ein. Dies ist der wichtigste Teil von Monroes Methode, aber zugleich auch der un- durchsichtigste. Viele Personen, die ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper hatten, haben die merkwürdigen „Vibrationen" erwähnt, die seinen Beginn ankündigten. Diese Vibrationen können sich in einer großen Variationsbreite manifestieren, angefangen von einem leichten Krib- beln bis hin zu einem Gefühl, als ob den Körper elektrische Strom- schläge durchzucken würden. Monroe hat sie mehrere Wochen lang erlebt, bevor er sein erstes Erlebnis der Loslösung hatte. Ihre Ursache bleibt jedoch ein Rätsel. Sie könnten tatsächlich durch die wirklich beginnende Freisetzung des psychischen Zweitkörpers verursacht werden, oder aber die Folge irgendeiner Form von körpereigener Stimulation sein, die entsteht, wenn das normale Körperbewußtsein vollkommen ausgeschaltet ist. Monroe behauptet nicht zu wissen, welches die Ursachen dieser merkwürdigen Vibrationen sind, aber er glaubt, daß ihre bewußte Erzeugung der entscheidendste Schritt überhaupt bei der willentlichen Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper ist. Zum Eintritt in diesen Vibrations- zustand, als einem Zusatz zum Zustand D, bietet er folgende Anlei- tung an:

1. Entfernen Sie jeglichen Schmuck oder andere Gegenstände, die Ihre Haut berühren.

2.

Dunkeln Sie den Raum ab, so daß Sie durch die geschlossenen Lider kein Licht sehen können, aber schließen Sie nicht alles Licht aus.

3. Legen Sie sich so hin, daß Ihr Körper auf einer Nord-Süd-Achse liegt und Ihr Kopf in Richtung des magnetischen Nordpols weist. (Es wird kein Grund für diese besondere Lage angegeben.)

4. Lockern Sie alle Kleidung, aber bleiben Sie bedeckt, so daß es Ihnen eine Spur wärmer ist, als es Ihnen normalerweise vielleicht angenehm wäre.

5. Sorgen sie dafür, daß Sie einen Ort und eine Zeit wählen, wo Sie absolut kein Geräusch stören kann.

6. Versetzen Sie sich in einen Zustand tiefgreifender Entspannung.

7. Suggerieren Sie sich selbst, daß Sie sich an alles, was in der bevorstehenden Sitzung geschieht, erinnern werden und daß es für Ihr Wohlbefinden zuträglich sein wird. Wiederholen Sie diese Suggestion fünfmal.

8. Gehen Sie dazu über, durch den halbgeöffneten Mund zu atmen.

9. Konzentrieren Sie sich während des Atmens auf den leeren Raum

vor sich. 10. Wählen Sie einen Punkt, der ungefähr dreißig Zentimeter von Ihrer Stirn entfernt ist. Wechseln Sie dann Ihren geistigen Bezugs- punkt auf eine Entfernung von zwei Meter. 11. Drehen Sie den Punkt um 90 Grad nach oben, indem Sie eine imaginäre Linie parallel zu Ihrer Körperachse und über Ihrem Kopf ziehen. Richten Sie Ihre Konzentration darauf aus, greifen Sie nach den „Vibrationen" an diesem Punkt und ziehen Sie sie in Ihren Körper. Was sind denn nun diese „Vibrationen", nach denen Sie greifen? Und wie holen Sie sie in Ihren Körper? Monroe bleibt in diesem Punkt sehr ungenau, aber er bietet einige Informationen über eine Methode an, anscheinend auf geistigem Wege mit ihnen in Verbindung zu treten. Die einzige Möglichkeit, die Vibrationen zu verstehen, ist, sie zu erleben. Sie können auch versuchen, mit den Vibrationen Kontakt aufzunehmen, indem Sie sich vorstellen, daß von Ihren geschlossenen Lidern zwei Linien ausgehen, die ungefähr dreißig Zentimeter vor

Ihrer Stirn zusammenlaufen. Versuchen Sie, an diesem Punkt, wo sich die beiden Linien treffen, eine Art Widerstand oder „Druck" zu spüren. Dazu könnten Sie sich ein Gefühl vorstellen, wie wenn zwei entgegengesetzte magnetische Pole gewaltsam zusammengedrückt oder zwei elektrische Drähte zusammengeführt werden. Als nächstes verlegen Sie diesen Schnittpunkt auf eine Entfernung von ungefähr einem Meter vor Ihnen. Monroe erklärt: „Es muß eine Verdichtung des Raumes der Kräfte zwischen den zusammenlaufenden Linien entstehen, und der Druck muß daher erhöht werden, um die Konver- genz der Linien zu wahren." Er schlägt weiter vor, daß Sie nun den Schnittpunkt einen weiteren Meter hinausschieben, so daß er in einem Winkel von 30 Grad von Ihrem Kopf aus liegt. Monroe rät sogar, diesen Winkel mit Hilfe eines Winkelmessers zu bestimmen, damit Sie ihn sich ganz konrekt bildlich vorstellen können. Er fährt fort: „Sobald Sie gelernt haben, sich diesen Winkel von 30 Grad nach vorne (oder ungefähr zwei Meter von Ihnen entfernt) vorzustellen und diese Vorstellung zu halten, schicken Sie den Schnittpunkt um einen Winkel von 90 Grad (oder in Form eines ,L') nach oben in Richtung Ihres Kopfes, aber parallel zur Achse Ihres Körpers. Sie ,greifen' mit diesem Schnittpunkt. Recken oder greifen Sie mit diesem Punkt mehr und mehr, bis Sie eine Reaktion erhalten." Monroe versichert, daß man weiß, wann man eine Reaktion erhalten hat. Sie werden ein Aufwallen, Zischen oder Pulsieren in Ihrem Kopf verspüren. Dann werden die Vibrationen den ganzen Körper durch- strömen. Dies sind vorbereitende Übungen, und Monroe versichert, daß der Schüler nach angemesssener Praxis in der Lage sein wird, den Zustand der Vibration nach Belieben zu erreichen. 5. Schritt: Lernen Sie, den Vibrationszustand zu kontrollieren. Nachdem Sie gelernt haben, wie man diesen Zustand erreicht, müssen Sie jetzt beginnen, seine zahlreichen Feinheiten zu erforschen. Üben Sie die Erzeugung dieser Vibrationen, bis Sie keine Angst mehr vor den Wellen und elektrisierenden Empfindungen haben, die diesen Zustand begleiten. Monroe schlägt vor, daß Sie sich einfach entspannen und diese Vibrationen passiv beobachten, bis Sie Ihnen vertraut sind. Gleichzeitig sollten Sie üben, sie zu kontrollieren, indem Sie sie

im Geiste in Ihren Kopf hinein, bis hinunter in Ihre Zehen zwingen, so daß Sie Ihren ganzen Körper durchströmen und von Kopf bis Fuß Vibrationswellen erzeugen. Zur Erzeugung dieses Welleneffekts kon- zentrieren Sie sich auf die Vibrationen und „schieben" im Geiste eine Welle aus Ihrem Kopf heraus und lenken Sie Ihren Körper hinunter. Praktizieren Sie dies, bis Sie diese Wellen auf geistigen Befehl sofort auslösen können. Falls Ihnen die Vibrationen heftig oder zittrig

erscheinen - denken Sie daran, daß Bayless das Gefühl hatte, als ob sein Körper von einem Erdbeben geschüttelt würde -, empfiehlt Monroe, daß Sie im Geiste die Schwingungsfrequenz erhöhen. Das wird die Vibrationen gleichmäßiger machen. Sobald Sie den Vibrationszustand unter Kontrolle haben, sind Sie bereit, Ihren Körper wirklich zu verlassen.

6. Schritt: Beginnen Sie mit einer teilweisen Loslösung. Der Schlüssel

liegt hierbei in der Gedankenkontrolle. Konzentrieren Sie sich fest auf den Gedanken, Ihren Körper zu verlassen. Lassen Sie Ihre Gedanken nicht abschweifen. Abschweifende Gedanken könnten dazu führen, daß dieser Zustand Ihrer Kontrolle entgleitet. Nachdem Sie nun den Vibrationszustand erreicht haben, beginnen Sie, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu erkunden, indem Sie eine Hand oder ein Bein des „Zweitkörpers" freisetzen. Monroe schlägt vor, daß Sie Ihre „Hand" so weit Sie können heraus- strecken und ein vertrautes Objekt, zum Beispiel die Wand neben Ihrem Bett, berühren. Dann stoßen Sie etwas fester und lassen Ihre „Hand" durch das Objekt hindurchgehen. Ziehen Sie die „Hand" zurück, indem Sie sie wieder in Deckung mit Ihrer physischen Hand bringen, verringern Sie die Vibrationsfrequenz und beenden Sie dann das Experiment. Bleiben Sie ruhig liegen, bis Sie wieder zu einem vollkommen normalen Zustand zurückgekehrt sind. Dieses Experi- ment wird Sie darauf vorbereiten, Ihren Körper ganz zu verlassen.

7. Schritt: Lösen Sie sich von Ihrem Körper. Monroe beschreibt zwei

Grundmethoden zur Durchführung dieser vollkommenen Trennung. Eine Methode besteht darin, sich aus dem Körper zu „heben". Zu diesem Zweck stellen Sie dich, nachdem Sie den Vibrationszustand erreicht haben, vor, daß Sie immer leichter werden. Denken Sie daran, wie schön es wäre, einfach nach oben zu schweben. Halten Sie um

jeden Preis an diesem Gedanken fest, und lassen Sie nicht zu, daß er durch irgendwelche andere Gedanken von außen gestört wird. Dann wird sich das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ganz natürlich einstellen. Eine andere Methode, die Monroe zum Verlassen des Körpers benutzt, ist die „Rotationsmethode" oder die Technik des „Herausrol- lens". Versuchen Sie, sobald Sie den Vibrationszustand erreicht haben, auf den Bauch zu rollen, als ob Sie sich im Bett umdrehen wollten. Versuchen Sie nicht, sich im physischen Sinn umzudrehen, indem Sie Arme und Beine bewegen. Versuchen Sie, Ihren Zweitkörper von oben bis unten zu drehen und rollen Sie praktisch aus Ihrem physi- schen Ich heraus. Sie werden dann außerhalb, neben Ihrem Körper sein. Stellen Sie sich jetzt vor, nach oben zu schweben, und dann sollten Sie feststellen, daß Sie über Ihrem Körper schweben. Monroe empfiehlt, mit der Methode des „Heraushebens" zu begin- nen, aber er behauptet, daß beide Verfahren gleichermaßen wirkungs- voll zur Herbeiführung einer vollständigen Loslösung sind. Monroe schlägt auch verschiedene Experimente und Übungen vor, die Sie möglicherweise ausprobieren wollen, sobald Sie Ihren Körper verlassen haben. Diese Experimente werden uns hier nicht beschäfti- gen, und der Leser sollte auf Monroes Buch zurückgreifen, wenn er sich für weitere Einzelheiten interessiert. Monroe rät in seinem Buch auch, daß man sich erst an das Gefühl, sich außerhalb seines Körpers zu bewegen, gewöhnen soll, bevor man sich an weitere Erkundungen wagt. Während der ersten Versuche sollte der Schüler nicht versuchen, den Raum zu verlassen, in dem er seine Projektion durchführt.

Kritische Bemerkungen

Bei der Bewertung der Monroe-Methoden darf man vor allem nicht vergessen, daß es sich um persönliche Verfahren handelt. Monroe hat sie für seine eigenen Erfahrungen entwickelt; sie funktionieren viel- leicht für ihn, aber nicht notwendigerweise auch für jeden anderen. Seine Versicherung der generellen Wirksamkeit der Methode des „Herausrollens" kann hier als ein typisches Beispiel dienen. Meine

persönlichen Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper werden gewöhnlich durch das angekündigt, was Monroe den Vibrationszu- stand nennt, obwohl sich dieser Zustand bei mir normalerweise spontan manifestiert. Ich habe nur wenig Kontrolle darüber und zu diesem Zeitpunkt oftmals Schwierigkeiten, meinen Körper zu verlas- sen. Dies trifft besonders zu, wenn ich meine Konzentration nicht lange genug auf dem Gefühl des vollständigen Getrenntwerdens von meinem Körper halten kann. Manchmal passiert es sogar, daß ich zum Teil hinauskomme, aber zur Hälfte in meinem physischen Körper steckenbleibe! (Einmal blieb ich stecken, als sich Kopf und Oberkör- per schon außerhalb befanden, aber der Rest, von der Taille abwärts noch vollkommen mit meinem physischen Ich deckte. Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem Schmerz in einer schmalen Zone um die Taille herum, wo in der Nacht zuvor die Verbindungsgrenze gewesen war.) Ich habe festgestellt, daß die beste Methode, zu diesem Zeitpunkt den Körper zu verlassen, in dem „Herausheben" besteht, wobei ich allerdings diese Entdeckung lange vor der Veröffentlichung von Monroes Biographie machte. Nachdem ich jedoch sein Buch Journeys Out of the Body gelesen hatte, versuchte ich auch, mit der Methode des „Herausrollens" zu experimentieren, aber ich hatte nie Glück damit. Ich hatte tatsächlich das seltsame Gefühl, mich wirklich immer und immer wieder in meinem Körper zu rollen, aber es ist mir nie gelungen, mich tatsächlich aus ihm herauszurollen. Die Botschaft ist einfach. Was für einen Menschen zutrifft, muß nicht notwendigerweise auch für alle Menschen zutreffen. Das Verlas- sen des eigenen Körpers ist eine sehr persönliche Angelegenheit, und individuelle Unterschiede spielen offensichtlich bei der Entwicklung dieser Fähigkeit eine bedeutende Rolle. Auf der anderen Seite liegt einer der Hauptvorzüge der Monroe- Methoden in der Konzentration auf dem Vibrationszustand. Dieser Zustand ist allgemein von Experimentatoren auf dem Gebiet der Astralprojektion beschrieben worden, aber niemand hat etwas über das Wesen dieses Zustands geschrieben oder wie man ihn hervorrufen kann. John Palmer versuchte während seines Projekts an der Universi- tät von Virginia diese Empfindungen nachzuahmen. Er ließ seine freiwilligen Versuchspersonen versuchen, ein Erlebnis der Loslösung

vom eigenen Körper zu bewirken, während sie auf einem Vibrierstuhl saßen, und hatte mit diesem Verfahren einen gewissen Erfolg. Aber auch diese Arbeit verrät nichts darüber, warum und wie diese Vibratio- nen mit dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper verknüpft sind. Monroes Schriften zu diesem Thema sind deshalb unter Umstän- den sehr bedeutsam. Unglücklicherweise werden Monroes Methoden genau in diesem Punkt ziemlich unverständlich. Seine komplizierte Methode des Grei- fens nach und geistigen Ergreifens von Vibrationen aus der Luft erscheint willkürlich und ohne verständliche Erklärung. Aber die Frage, die wirklich zur Debatte steht, ist ziemlich einfach. Ist Monroe wirklich in der Lage gewesen, mit seinen eigenen Metho- den Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper auszulösen? Er hat an wenigstens zwei größeren experimentellen Projekten teilgenom- men, bei denen seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper unter nachprüfbaren Bedingungen aufgezeichnet wurden. Die Versu- che wurden an der Universität von Virginia von Dr. Charles Tart und im Topeka V. A. Hospital von Dr. Stuart Twemlow und Dr. Fowler John durchgeführt, die kürzlich ein ehrgeiziges Forschungsprogramm über das Wesen des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper angeregt haben. Die Ergebnisse dieser Experimente sind für die Beurteilung von Monroes Glaubwürdigkeit entscheidend - um so mehr, als er sich später unter höchst verdächtigen Umständen aus einem ähnlichen Experiment herauskomplimentierte, das Anfang der 70er Jahre an der Universität von Virginia geplant war. Dr. Tart begann mit seinen Versuchen, nachdem er Monroe 1965 kennengelernt hatte. Tart war zu der Zeit Psychologe an der Universi- tät von Virginia und hatte Zugang zu einem psychologischen Labor des Universitätskrankenhauses. Von Dezember 1965 bis August 1966 nahm Monroe an neun Versuchen teil. Diese Versuche liefen im Grunde immer in der gleichen Weise ab. Monroe wurde in einem Raum des Labors untergebracht, in dem eine Liege stand, auf der er die Nacht verbringen konnte. An seinen Kopf und seine Brust wurden Elektroden angelegt, die zu einem Polygraphen in einem angrenzen- den Geräteraum führten, wo Tart (oder ein Assistent) seine Hirnströ- me, seinen Puls und andere physiologische Funktionen aufzeichnen

konnte. Monroe wurde lediglich gebeten, sich schlafen zu legen, seinen Körper zu verlassen, aus dem Schlafraum hinaus und in den Geräteraum zu schweben. Dort war auf einem Regal eine Zahl mit fünf Ziffern plaziert worden. Monroes nächste Aufgabe bestand darin, sich diese Zahl anzusehen, in seinen Körper zurückzukehren und den Forschern Bericht zu erstatten. Obwohl Monroe dieses Experiment nie erfolgreich durchführen konnte, brachte es für die Beteiligten doch einige Überraschungen. (Anm.: Während seiner Tätigkeit an der Universität von Kalifornien in Davis arbeitete Tart mit einem anderen Medium zusammen, das schließlich bei diesem Experiment Erfolg hatte.) Während seiner achten Nacht in dem Labor gelang es Monroe, zweimal seinen Körper zu verlassen. Nachdem er sich zur Ruhe gelegt hatte, konnte er aus seinem Körper herausrollen, in der Nähe seiner Liege schweben und schließlich das Zimmer verlassen. Er fand sich in einem ihm unbekann- ten Raum, vermutlich im Krankenhaus wieder, in dem sich zwei Personen unterhielten. Als Monroe feststellte, daß er die Aufmerk- samkeit dieser Personen nicht auf sich lenken konnte, kehrte er in seinen Körper zurück. Die Rückkehr in den Schlafraum half ihm, sich wieder zu orientieren, und er löste das zweite Erlebnis der Loslösung von seinem Körper aus. Diesmal verließ er den Schlafraum und betrat den Geräteraum, fand aber zu seiner Überraschung niemanden dort vor. Er suchte ein wenig herum und fand schließlich die Assistentin von Dr. Tart im Flur in einem Gespräch mit einem Mann. Monroe versuchte, die Aufmerksamketi der beiden zu erregen, und die Assi- stentin schien auch zu reagieren. Es gelang Monroe jedoch nicht, die Aufmerksamkeit des Mannes zu erregen, und er kehrte schließlich in seinen Körper zurück. Später erfuhr Monroe, daß seine Beobachtungen korrekt gewesen waren. Tarts Assistentin hatte während des Experiments einmal den Geräteraum verlassen, als ihr Mann vorbeigekommen war. Sie war in den Flur hinausgegangen, um mit ihm zu sprechen. Dr. Tart war zudem fasziniert von Monroes Psychophysiologie. Seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper schienen sich während eines schwach umrissenen Traumzustands zu manifestieren. Als Tart an die Universität von Kalifornien in Davis wechselte,

nahm er die Arbeit mit Monroe wieder auf. Dem Psychologen gelang es 1968, Monroe für nur eine Nacht dorthin zu holen. Dieser Versuch war ähnlich aufgebaut wie das Projekt in Virginia. Monroe verbrachte die Nacht in einem Laborraum der Universität, ausgestattet mit einem bequemen Bett und den Elektroden, die zu einem Polygraphen führten. Es gelang ihm in dieser Nacht, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper auszulösen, aber es glückte ihm nicht, in den angrenzenden Raum zu gelangen, wo wieder eine Zahl für ihn plaziert worden war. Allem Anschein nach verirrte er sich, nachdem er seinen Körper verlassen hatte, bewegte sich in die falsche Richtung und gelangte schließlich in einen Hof, der an das Labor angrenzte. Als er erkannte, daß er sich verirrt hatte, kehrte er in seinen Körper zurück. Das Experiment war also genaugenommen ein Fehlschlag, aber Mon- roe konnte dennoch den Hof genau beschreiben, obwohl er ihn nie zuvor gesehen hatte. Ebenso interessant waren die Werte, die etwas über seine Psycho- physiologie besagten. Das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Kör- per war während eines anfänglichen Schlafzustands aufgetreten, der durch einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks gekennzeichnet war. Die Aufzeichnungen deuteten jedoch darauf hin, daß er zu diesem Zeitpunkt nicht geträumt hatte. Tart arbeitete auch einige Versuche aus, um zu überprüfen, ob Monroe in der Lage sei, sich von Virginia in sein eigenes Haus in Berkeley zu projizieren. Die Ergebnisse waren jedoch nicht überzeu- gend. Später willigte Monroe in weitere Versuche am Topeka V. A. Hospital in Kansas ein. Hier wurden seine Fähigkeiten zum Verlassen des Körpers von Stuart Twemlow und Fowler Jones erforscht. Bei diesem Projekt lag der springende Punkt darin, Monroes Persönlich- keitsprofil zu erstellen in der Hoffnung, irgendwelche Hinweise zu finden, die sich mit seinen Erlebnissen der Loslösung vom eigenen Körper in Zusammenhang bringen ließen. Die beiden Forscher konn- ten mit ihrer Versuchsperson auch ein paar psychophysiologische Tests durchführen. Monroe wurde in einem Raum des psychophysio- logischen Labors des Krankenhauses untergebracht, wo man ihn anwies, ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper herbeizufüh-

ren und sich bei seiner Rückkehr in seinen Körper über eine Sprechan- lage mit den Forschern in Verbindung zu setzen. Im angrenzenden Raum befand sich ein Techniker zur Überwachung der Aufzeichungs- geräte, während Twemlow und Jones Monroe durch eine Spionglas- scheibe von einem dritten Raum aus beobachteten. Als Monroe anfing, das Erlebnis der Loslösung von seinem Körper auszulösen, stand ihnen eine ziemliche Überraschung bevor. „Ungefähr um dieselbe Zeit, als der Techniker zu uns in den Raum kam, um uns von einer Veränderung der Hirnstromaufzeichnungen zu unterrichten, hatten Dr. Jones und ich gleichzeitig den Eindruck, als ob sich Monroes Oberkörper wie unter einer Hitzewelle verzerren würde, während der untere Teil seines Körpers scharf abgegrenzt blieb", schreibt Twemlow. „Diese Verzerrung dauerte bis ungefähr zwei Minuten vor Beendigung des Experiments an." Die Forscher erfuhren später, daß Monroes Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, von dem er ihnen berichtete, zeitlich mit den beobachtbaren Veränderungen seiner Hirnstromaufzeichnungen zu- sammenfiel. Die Forscher aus Kansas fanden allgemein heraus, daß Monroes Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper von einem ziemlich deutlich abzugrenzenden Zustand des Gehirns begleitet wurden, in dem sich seine Hirnströme verlangsamten und weniger abwechslungs- reich wurden. Sie behaupten, daß Monroe tatsächlich in der Lage war, seine Hirnströme in einen engen Frequenzbereich hinunterzuschrau- ben, um seinen Körper zu verlassen. All diese Versuche und Daten scheinen sicherlich sehr gehaltvoll zu sein, aber das bedeutet nicht, daß Monroes Glaubwürdigkeit unan- fechtbar ist. Starke experimentelle Beweise sprechen sicherlich dafür, daß er seinen Körper verlassen kann, aber viele seiner anderen Behauptungen bleiben gewissermaßen fraglich. In seiner Autobiographie behauptet Monroe zum Beispiel, daß seine ersten Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper mit seltsamen Anfällen von Krämpfen und Vibrationen verknüpft waren. Einige Jahre zuvor hatte er jedoch unter dem Pseudonym Bob Rame einen Bericht über seine Erlebnisse geschrieben. Er wurde 1962 von Dr. Andrija Puharich, einem Einzelforscher aus Kalifornien, als ein Kapi-

tel seines Buches Beyond Telepathy (Jenseits der Telepathie) veröf- fentlicht. Die meisten der Berichte von Monroe und Rame sind identisch, außer daß Monroe in seinen Berichten unter dem Namen Rame zugibt, daß seine ersten Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper durch Schnüffeln von Klebstoff bewußt herbeigeführt wur- den. Vielleicht wollte Monroe einfach nur nicht zur Förderung dieser gefährlichen Praxis beitragen, als er sich daranbegab, sein Buch zu schreiben. (In den 50er Jahren war in der Öffentlichkeit nur wenig über das Schnüffeln von Klebstoff bekannt.) Aber Monroe war nicht allzugut beraten, diese Diskrepanz in seinen Schriften unkorrigiert zu lassen. Monroes Glaubwürdigkeit wurde noch ernsthafter in Frage gestellt, als sich David Black, ein nachforschender Reporter aus dem Osten, 1973 entschloß, die Berichte in Journeys Out of the Body zu überprü- fen. Black konnte keine der Personen, die Monroe in seinem Buch erwähnt, ausfindig machen, die seine Besuche während seines Zustan- des der Losgelöstheit von seinem Körper bestätigen konnten, und er mußte feststellen, daß der Geschäftsmann aus Virginia sehr auswei- chend antwortete, als er ihn zu diesem Punkt befragte. Ich persönlich bin der Ansicht, daß Monroe wahrscheinlich tatsäch- lich die Fähigkeit besitzt, seinen Körper zu verlassen, daß er aber seine Berichte übertrieben und romantisch ausgeschmückt hat. Seine Schrif- ten über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper enthalten sicherlich sehr viel Einsicht und Verständnis in bezug auf dieses Erlebnis, was mich zu dem Glauben veranlaßt, daß er tatsächlich ein umfangreiches persönliches Wissen darüber besitzt. Aber wieviel und in welchem Umfang, muß für uns ein Geheimnis bleiben. Die Tatsache, daß Monroes erste Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper durch das Schnüffeln von Klebstoff ausgelöst wurde, sollte jedoch der Aussagekraft dieser Erlebnisse keinen Abbruch tun. Es gibt zahlreiche künstliche Hilfsmittel, um ein derartiges Erlebnis auszulösen. Personen, die mit Marihuana, LSD und MDA (3,4 Methylen-dioxy-amphetamin) experimentiert haben, haben über spontane Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper berichtet, und es scheint keinen Grund zu geben, ihre Berichte nicht für bare Münze zu nehmen. Man sollte jedoch nicht vergessen, daß die von Monroe

beschriebenen Methoden zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper von jemand entwickelt worden sind, der diese Erlebnisse bereits auf einem ganz anderen, möglicherweise gefährlichen Weg ausgelöst hatte. Deshalb sind diese Methoden vielleicht besser für jemand geeignet, der schon zuvor einige Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper gehabt hat, als für jemand, der diese Fähigkeit erst ganz neu entwickeln will. Abgesehen von seinen persönlichen Methoden, hat Monroe in den 70er Jahren sein Institut gegründet und eröffnet, um der breiten Öffentlichkeit zu einem Zugang zu dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper zu verhelfen. Sein Institut hat seinen Sitz in Faber in Virginia, wo Seminare abgehalten und neue Methoden der Selbster- forschung entwickelt werden. (Anm.: Die postalische Anschrift des Monroe Institute of Applied Sciences lautet: P.O. Box 94C, Faber, Virginia 22938. Ich möchte bei den Mitarbeitern des Instituts dafür bedanken, daß sie mir einen Teil des folgenden Materials zur Verfü- gung gestellt haben. Dies bedeutet jedoch nicht notwendigerweise, daß ich mich dem Programm des Instituts anschließe.) Das grundlegende Ziel des Instituts besteht darin, dem Klienten zu helfen, sein inneres Ich zu erforschen. Es richtet sich nicht ausschließ- lich auf das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper, obwohl die Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper Teil des dort gelehrten Gesamtprogrammes ist. Ein Klient, der sich für das Gateway-Programm, der Hauptattraktion des Instituts, anmeldet, verbringt eine Woche im Zentrum des Instituts. Das Programm umfaßt mehrere Sitzungen in einer Isolationszelle, wo der Klient über Kopfhörer speziell vorbereiteten Bandaufnahmen lauscht. Es sind auf Band aufgenommene Übungen zur Entspannung, zur Kontrolle des körpereigenen Energiesystems, zur Erforschung anderer Realitäten und zum Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Das Ziel dieser Bandaufnahmen, die eine Mischung aus pulsierenden Klangwellen und verbalen Instruktionen darstellen, besteht darin, die Hemisphären des Gehirns zu synchronisieren. Das Gehirn teilt sich in zwei Hemisphären, wovon jede für bestimmte Funktionen verant- wortlich ist. Allgemein wird die Ansicht vertreten, daß die linke Hemisphäre die logischen und analytischen Funktionen kontrolliert,

während die rechte die räumlichen und ästhetischen Aufgaben regu- liert. Jede Hemisphäre sendet eine ununterbrochene Serie von elektri- schen Impulsen aus, die von einem EEG-Gerät aufgezeichnet werden können. Es ist vollkommen normal, daß die beiden Hemisphären nicht synchron miteinander sind. Monroe und sein Institut behaupten nun, daß ihre Bandaufnahmen die elektrischen Aktivitäten der beiden Hemisphären synchronisieren und es so dem Klienten ermöglichen, sein inneres Ich leichter und ohne Widerstand vom Gehirn zu erfor- schen. Dies ist natürlich nur eine sehr knappe und oberflächliche Zusam- menfassung des Institutsprogramms. Ob es tatsächlich funktioniert, ist eine ganz andere Sache. Einige Leute ziehen offensichtlich einen großen Nutzen aus diesem Programm. Eine prominente Befürworterin ist Dr. Elizabeth Kubler- Ross, eine bekannte Autorität auf dem Gebiet Tod und Sterben, die das Institut in der Hoffnung besuchte, zu einem Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper zu gelangen. Sie wollte wissen, was es wirklich für ein Gefühl ist zu „sterben" (den Körper zu verlassen), um ihre todkranken Patienten besser verstehen zu können. Ihre enthusia- stische Bestätigung des Instituts wurde im Rahmen eines Interviews für die Zeitschrift Cosmopolitan im Februar 1980 veröffentlicht. Frau Dr. Kubler-Ross gelangte nicht nur während einer ihrer ersten Sitzun- gen zu einem klassischen Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, sondern erlebte nach einigen weiteren Sitzungen, was Psychologen ein „Gipfel"-Erlebnis nennen - wobei der Erlebende in freudevoller Weise mit der ganzen Schöpfung eins zu werden scheint. Und Frau Dr. Kubler-Ross steht mit ihrem Enthusiasmus sicherlich nicht alleine da. In einer neuern Ausgabe der Zeitschrift Fate berichtet der frühere Fernsehautor James Bryce aus Kalifornien über seine persönlichen, ehrfurchtsgebietenden Reaktionen auf das Gateway- Programm. Er hatte während seines Aufenthalts in dem Institut anscheinend kein klassisches Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, aber er erinnert seine Leser: „Sie sollten eine Teilnahme an einem Seminar des Monroe-Instituts nicht erwägen, wenn Ihr Haupt- ziel ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist. Das ist nicht der Zweck des Programms. Sein Ziel ist es, Ihre Realitätsauffassung

derart zu verändern, daß Sie über jene ,speziellen' besonderen Sinne nicht länger bloß staunen, sondern anfangen, sie zur Verbesserung Ihres Lebens zu benutzen." Er fügt hinzu: „Die Forschungsarbeit an dem Institut hat ein Instrumentarium hervorgebracht, das es uns erlaubt, die äußeren Grenzbereiche des Bewußtseins zu erforschen und daraus Informationen und Instruktionen zu gewinnen, um den Wert unseres persönlichen Lebens zu steigern und uns eine eigene Realität zu schaffen." Bryce erwähnt jedoch nicht, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ein wesentlicher Bestandteil der Schwerpunktsetzung des Instituts ist. Der Anleitungsbroschüre, die an Personen verschickt wird, welche sich auf die Teilnahme an einem der Programme vorbereiten, ist sogar eine Bandaufnahme beigegeben, die dem Klienten helfen soll, das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper zu erkunden. Ein Informationsblatt, das mir vom Monroe-Institut zugesandt wurde, hebt ausdrücklich hervor, daß der

Zweck des Gateway-Programms zu einem Teil darin besteht, „

physischen Körper und den Zustand der Losgelöstheit vom Körper bewußt zu kontrollieren, mit anderen Energieformen und Realitäten in Verbindung zu treten und sie aufzusuchen." Man muß also davon ausgehen, daß das Gateway-Programm zu einem wesentlichen Teil eine Methode zur Herbeiführung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper ist. Sollte man das Gateway-Programm des Instituts nun als eine besonders wirksame Methode zur Erkundung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper betrachten? Trotz der enthusiastischen Befürwortung durch Frau Dr. Kubler- Ross und andere ließe sich einige Kritik gegen das Institut und seine Programme vorbringen. Wenngleich das Zentrum eine breite Vielfalt von Programmen und Aktivitäten anbietet, legt es oftmals ein sehr naives Verständnis von Psychophysiologie und Psychobiologie an den Tag. So weist zum Beispiel eine kleine Broschüre, die von dem Institut verteilt wird und den Titel Brain Power (Verstandeskraft) trägt, auf die Unterschiede zwischen den Funktionen der Hemisphären des Gehirns hin, versäumt es aber zu erwähnen, daß einzelne Lateralitätsfunktionen im allgemeinen nur für Rechtshänder zutreffen und für viele Linkshän- der nicht. Genauso wenig gibt es einen Grund zu glauben, daß die

den

HEMI-SYNC-Bandaufnahmen wirklich helfen können, das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper auszulösen. Es sind schon ver- schiedene erfolgreiche Versuche unternommen worden, die Hirnströ- me von Personen während eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper aufzuzeichnen, und die aus diesen Untersuchungen gewonnenen Daten deuten nicht darauf hin, daß die Synchronisierung der Hemisphären ein übereinstimmendes oder auch nur indikatives Merkmal dieses Erlebnisses ist. Darüber hinaus ist auch nicht jeder, der dieses Programm mitmacht, automatisch damit zufrieden. S. Keith Harary, selbst ein talentiertes Medium auf dem Gebiet der Astralprojektion, hat an einer früheren Version des heutigen Pro- grammes teilgenommen und hielt es für nutzlos als Methode der Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Kör- per. Und ich habe einmal einen Brief von einem Ehepaar erhalten, das an dem Gateway-Programm teilgenommen hatte und sich von dem Institut übers Ohr gehauen fühlte. Da ich damals beratender Redakteur einer nationalen Fachzeitschrift auf diesem Gebiet war, schrieben sie an mich, so erklärten sie, in der Hoffnung, daß ich ihnen raten könnte, wie sie die Öffentlichkeit am besten von dem, was sie als Betrug am Kunden betrachteten, warnen könnten. Da ich selbst nie an dem Gateway-Programm teilgenommen ha- be und das auch nicht beabsichtige, kann ich es weder empfehlen noch kritisieren. Es scheint offensichtlich, daß die dort angewand- ten Methoden, wie alle in diesem Buch skizzierten Methoden, für manche Menschen funktionieren, für andere jedoch nicht. Die Sen- sibilität für veränderte Bewußtseinszustände, die Bereitwilligkeit und Bereitschaft zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper und vorangegangene Erfahrungen mit Methoden der Selbst- erforschung werden allesamt eine Rolle dabei spielen, wie man auf das Gateway-Programm reagiert. In keiner der Schriften, die ich von dem Institut kenne, wird dem Klienten garantiert, daß er durch bloße Teilnahme an dem Programm zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen wird, so daß Monroe und seine Mitarbeiter sicherlich von dem Vorwurf der falschen Wer- bung oder Übertreibung freizusprechen sind. Es scheint mir je- doch, daß es einfachere - und billigere - Methoden gibt, zum Kern

des Phänomens der Loslösung vom eigenen Körper vorzudringen. Die Teilnahme an einem Programm des Instituts ist nicht gerade preiswert, und eine Mitgliedschaft im Institut kostet 155 Dollar, von denen möglicherweise 60 Dollar Einschreibegebühr für eines der Programme abgehen. Es sind auch Tonbandprogramme für den Heimgebrauch erhältlich. Wenn Bereitschaft und Wunsch zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper der Schlüssel zu diesem merkwürdigen Phäno- men sind, dann wird das Gateway-Programm vielleicht wirklich vielen Leuten helfen. Andere Schüler und Interessierte finden die- ses einwöchige Programm vielleicht aber auch nicht ganz nach ih- rem Geschmack.

Quellenhinweise

Black, David, Ecstasy: Out-of-the-Body Experiences, New York, 1975

Bryce, James, „The man who journey afar", in: Fate, August, 1982 Monroe, Robert, Journey Out of the Body, New York, 1962 Puharich, Andrija, Beyond Telepathy, New York, 1962 Tart, Charles, „A second psychophysiological Study of out-of-the-body experiences in a gifted subject." in: International Journal of Parap- sychology, 1967, 9, S. 251-258 Vorwort zu Robert Monroes Journey Out of the Body, op. cit. Twemlow, Stuart, Epilogue: Personality file, in: Robert Monroe, Journeys Out of the Body, New York, 1977 (revid. Auflage)

170

7. Kapitel:

Projektion durch Visualisierung

Die meisten Methoden zum Verlassen des Körpers erkennen die entscheidende Rolle der Visualisierung an. Lancelin empfiehlt die Visualisierung als eine Methode, um im Zustand des Losgelöstheit vom Körper zu einem gewünschten Ort oder Freund zu gelangen, während Muldoon empfiehlt, sich bildlich vorzustellen, daß man sich in einem Spiegel sieht und dann mit dem Spiegelbild ver- schmilzt, um das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper her- beizuführen. Sowohl die tibetanischen Yogis wie auch die „Kom- munikationspartner" von Minnie Keeler führen eine große Anzahl von Visualisierungsübungen auf, die dem Schüler helfen sollen, den Körper zu verlassen, und sogar die jüdischen Kabbalisten erkann- ten die große Macht der geistigen Vorstellungsbilder. Es sollte da- her nicht überraschen, daß ganze Systeme zum Verlassen des Kör- pers entwickelt worden sind, die auf diesem Vorgang gründen.

Hintergrund

Visualisierung und geistige Vorstellungsbilder sind große psycho- logische Rätsel. Wir wissen relativ wenig über die inneren Bilder unseres Geistes, aber die Macht der geistigen Vorstellungsbilder ist seit Jahrhunderten bekannt. Die alten Ägypter glaubten, daß geisti- ge Vorstellungsbilder das physische Universum wesentlich beein- flussen könnten und daß man ein gewünschtes Ereignis bewirken könnte, indem man es sich einfach bildlich vorstellt. Die Hermeti- sche Magie, die sich um die Philosophie und die Lehren des ägyp- tischen Lehrers Hermes Trismegistus entwickelte, behauptete, daß

die Gedanken physische Eigenschaften enthielten und man durch ihre Beeinflussung die Welt beherrschen könnte. Es wurde auch geglaubt, daß die innere Entwicklung ihrem Wesen nach mit den geistigen Vorstellungsbildern und ihrem möglichen Gebrauch ver- knüpft sei. Ein weiterer alter okkulter Glaube lautete, daß man, wenn man sich ein bestimmtes Bild im Geiste vorstellte, von den Eigenschaften des vorgestellten Objekts erfüllt würde. Die Parapsychologen von heute haben erfahren, daß Visualisie- rungsstrategien den Leuten helfen können, Zugang zu ihren ASW- Kräften zu gewinnen, und sogar telekinetische Wirkungen hervor- bringen können. Viele Medien benutzen Visualisierungsmethoden, um in ihre versiegelten Kästchen zu „schauen" oder andere Dinge zu vollbringen, während andere talentierte Medien Gegenstände bewegen können, dadurch daß sie sich den Vorgang bewußt bild- lich vorstellen. Es könnte also in diesen alten okkulten Überzeu- gungen ein Körnchen zumindest psychologischer Wahrheit liegen. Rituelle Visualisierung spielt eine wesentliche Rolle in der christ- lichen Meditation wie auch in der Kunst des primitiven Schamanis- mus. Die Schamanen waren (und sind) die Wundertäter und Heiler vieler technologisch unentwickelter Kulturen. Wenn sie gebeten werden, eine Krankheit zu heilen, begeben Sie sich auf eine geistige Reise, bei der sie sich bildlich vorstellen, daß sie in andere Welten wandern, die Seele des Kranken finden und sie in seinen Körper zurückbringen. Tatsächlich spielt der Gebrauch der Visualisierung als einem Mittel der Selbstbildung und psychologischen Transzen- denz in so gut wie allen Religionen und Weltkulturen eine Rolle. Die Kunst und Praxis der Visualisierung erreichte ihren Höhepunkt im Tantra Yoga des Tibet, wo spezielle Übungen zur Entwicklung des Vorstellungsvermögens in tiefgründigster Weise ausgearbeitet sind. Selbst in unserer eigenen technologischen Gesellschaft stehen Medizin und Psychologie im Begriff, etwas über die Macht der geistigen Vorstellungsbilder zu lernen. Es gibt heute Hinweise dar- auf, daß sich selbst Krankheiten wie Krebs durch die Anwendung von Visualisierungsstrategien behandeln und bekämpfen lassen. Eine interessante Verbindung findet sich auch zwischen der Vi- sualisierung, dem geistlichen Weg und dem Erlebnis der Loslösung

vom eigenen Körper. Die meisten mystischen Traditionen verlassen sich auf die schöpferische Kraft der Visualisierung, sowohl um den Körper zu verlassen, wie auch um geistliche Transzendenz zu er- langen. Insbesondere die Kabbala lehrt ihren Schülern, sich so lan- ge ein kompliziertes kosmologisches Diagramm, das der „Baum des Lebens" genannt wird, bildlich vorzustellen, bis sie in den tieferen Sinn dahinter erkennen. Diese Einsicht erlaubt angeblich dem ein- zelnen (vor dem geistigen Auge), die Realitäten der geistlichen Welt zu „sehen". Die Kabbala lehrt auch, daß diese Art der tiefen Meditation zu einer Form des Erlebnisses der Loslösung vom eige- nen Körper führen kann. Wenn man sich lange genug auf die Vor- stellungsbilder der hebräischen Schriftzeichen konzentriert, so schreibt der große jündische Gelehrte G. Scholem, kann der Schü- ler vielleicht „die Gestalt seines Ichs vor sich stehen sehen, und er vergißt sein Ich, und es wird von ihm losgelöst, und er sieht die Gestalt des Ichs vor sich, wie es mit ihm spricht und ihm die Zukunft vorhersagt". Dann wird ihn ein strahlendes Licht umhül- len, und er wird die Vereinigung mit Gott erleben. Dies hat natürlich große Ähnlichkeit mit den Berichten von Leu- ten, die Fast-Begegnungen mit dem Tod erlebten - lebendige Er- lebnisse der Loslösung vom eigenen Körper im Augenblick des klinischen Todes. Viele Menschen, die vom klinischen Tod wieder- belebt wurden, berichten, wie sie ihren Körper verlassen haben, von einem großen weißen oder goldenen Licht umhüllt wurden und manchmal sogar Bilder der Offenbarungen von der Zukunft schauten. Dr. Kenneth Ring von der Universität von Connecticut in Storrs beschäftigt sich mit der Erforschung dieses Phänomens. Diese Parallelen lassen vermuten, daß einige Formen kabbalisti- scher Visualisierung dazu gedacht waren, in gewisser Weise ein Erlebnis der Todesnähe (Erlebnis der Loslösung vom eigenen Kör- per) herbeizuführen. Auch der konventionelle Katholizismus ist keineswegs frei von Lehren über die Visualisierung und das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. St. Ignatius von Syrien schrieb im ersten Jahrhundert n. Chr. ein geistliches Handbuch, in dem er die bildli- che Vorstellung heiliger Szenen als Mittel zur Erlangung der Eksta-

se empfahl. Der Begriff „Ekstase" hat im katholischen Denken eine ziemlich unruhige Geschichte hinter sich, und jahrelang wogte eine hitzige Debatte um die Frage, ob die geistliche Ekstase die Freiset- zung der Seele vom Körper mit sich bringt oder nicht. Auch das Tantra Yoga besitzt eine seltsame Methode der Herbei- führung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper durch Visualisierung, um zu einem Verständnis des Wesens des Ichs und der Welt zu gelangen. Der Schüler wird angewiesen, in einen Spiegel zu blicken, auf dem das Bild einer weiblichen Gott- heit aufgemalt ist. Er wird instruiert, die Kräfte der Visualisierung zu benutzen, um das, was er in dem Spiegel sieht, zu beleben. Es kann dazu das Bild vom eigenen Ich benutzt werden. Mit der nötigen Übung wird es wirklich und unabhängig werden und schließlich in dem Raum zwischen dem Spiegel und dem Betrachter lebendig werden. Diese Übung ist jedoch im wesentlichen eine geistige Übung, weil ihr Zweck darin besteht, den Schüler aus der physischen Welt herauszuführen und ihm die objektive Realität der geistigen Sphäre zu zeigen, wo sich der Yogi von allen irdischen Begierden befreien kann. Alle diese Verfahren scheinen in die gleiche Richtung zu weisen. Der Prozeß der Visualisierung läßt uns unseren Körper vergessen. Er erlaubt dem Geist, von der Bürde des Fleisches und seiner materiellen Welt unabhängig zu werden. Dieser körperlose Zustand ermöglicht es dem Schüler, das Wesen der geistlichen Welt besser zu erforschen und aus ihr zu lernen.

Die Methoden

Visualisierung kann zu einer anderen Art von Erlebnis der Los- lösung vom eigenen Körper führen, als wir bisher besprochen ha- ben. Praktisch alle der bisher skizzierten Induktionsmethoden gründeten auf der Annahme, daß die Astralprojektion die Freiset- zung einer Art „Seelenträger" vom physischen Körper mit sich bringt - den sogenannten „Astralkörper", über den Muldoon so- viel geschrieben hat, den „Phantom-Zweitkörper" der französi-

schen Fluidisten, der „ätherische Leib" der Okkultisten und so weiter. Aber viele Menschen, die ein spontanes Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper haben, nehmen sich nicht in irgendeiner derartigen Form wahr. So fand beispielsweise Celia Green beim Sammeln ihrer Fallstu- dien heraus, daß 80 Prozent ihrer Briefpartner sich als völlig kör- perlos für die Dauer ihres Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper beschrieben. Dieser Befund ist von Dr. Susan Blackmore von der Universität von Bristol in England bestätigt worden. Sie befragte 172 Studenten an der Universität von Amsterdam über mögliche Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper. Von 34 Studenten, die die Frage nach einem derartigen Erlebnis bejahten, hatten nur vier sich während des Erlebnisses als eine Art Phantom- körper wahrgenommen. Die meisten beschrieben, daß sie lediglich wie ein Punkt im Raum herumschwebten, in irgendeiner ver- schwommenen, formlosen Gestalt weilten oder sich überhaupt nicht bewußt waren, wie sie sich bewegten. Diese Daten können darauf hindeuten, daß die Bezeichnung „Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper" tatsächlich ein Gattungsbegriff ist, unter den wir viele verschiedene Phänomene eingeordnet haben. Es könnte tatsächlich unterschiedliche Formen des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper geben. Die eine könnte die Freisetzung eines Seelenleibes mit sich bringen, während es sich bei der anderen vielleicht um die einfache Freisetzung des Bewußtseins handelt. Das Phänomen der körperlosen Bewegung hat auch viele Fach- leute zu der Ansicht verleitet, daß es sich bei dem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper nicht wirklich um die Freisetzung des Bewußtseins vom Körper handelt, sondern um eine Form von Wahrnehmungsanomalie, bei der irgendein Aspekt des wahrneh- menden Ichs für einen Moment die Umgebung aus einer anderen Perspektive als der des physischen Körpers betrachtet. Sie argu- mentieren daher, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper eine Wahrnehmungsillusion und nicht ein echtes, übersinn- liches Phänomen sei. Diese Frage ist natürlich umstritten. Wie auch immer, Visualisierungsübungen können jedoch der Schlüssel zu dieser merkwürdigen Form des Erlebnisses der Loslö-

sung vom eigenen Körper sein. Ein derartiges Erlebnis würde nor- malerweise sicherlich als ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper bestimmt werden, da das Bewußtsein als freischwebend im

Raum erlebt wird und in der Lage ist, aus dieser Perspektive detail- lierte Beobachtungen zu machen. Es sind uns verschiedene methodische Verfahren zum Verlassen des Körpers durch Visualisierungsstrategien aus zahlreichen Quel- len überliefert. Der Hauptbestandteil der meisten von ihnen ist ein ganz einfacher. Sie müssen lernen, sich Ihren Aufenthaltsort aus einer vom Körper unabhängigen Perspektive bildlich vorzustellen. Dies müssen Sie so lange üben, bis Sie in der Lage sind, den Schwerpunkt Ihres Bewußtseins nach Belieben aus Ihrem Körper hinauszuverlegen. Ein einfaches Verfahren, das im Moment von vielen sogenannten Geistesdynamiker-Gruppen gelehrt wird, sieht folgendermaßen aus:

1. Suchen Sie sich einen Raum, wo Sie ungestört üben können.

2. Setzen Sie sich auf einen bequemen Stuhl mit dem Gesicht zu einer freien Wand oder einem anderen leeren Gesichtsfeld. Sie können zu diesem Zweck eine leere Filmleinwand benutzen oder auch einfach ein weißes Laken über eine Tür hängen.

3. Der Blick sollte durch nichts behindert werden, entfernen Sie also alle Möbel oder anderen Gegenstände aus dem Rand Ihres Blickfeldes.

4. Stellen Sie einen einfachen Gegenstand — eine Vase, ein Buch, einen Aschenbecher oder dergleichen - direkt auf Blickhöhe vor Sie. Die leere Wand dient als Hintergrund. Der Gegenstand soll- te eine einfache Form haben, mit so wenig Verzierungen wie möglich.

5. Schauen Sie den Gegenstand an, bis Sie praktisch jedes Detail in Ihr Gedächtnis aufgenommen haben, die Form, die Gestaltung, die Farbe, die Konturen.

6. Schließen Sie die Augen, und stellen Sie sich den Gegenstand und den Raum selbst bildlich vor. Stellen Sie sich dies nicht einfach vor, sondern erschaffen Sie vor Ihrem geistigen Auge den Raum und den Gegenstand neu in der richtigen Perspektive und den richtigen Proportionen.

7.

Stellen Sie sich den geistig geschaffenen Raum nicht sozusagen „in Ihrem Kopf" vor, sondern „draußen", als ob Sie einen Rönt- genblick besäßen und den Raum durch Ihre geschlossenen Au- genlider hindurch sehen würden.

8. Sobald dieses Bild verblaßt oder Sie es nicht länger festhalten können, öffnen Sie die Augen und frischen Ihr Gedächtnis über das Aussehen des Raumes wieder auf.

9. Wiederholen Sie den ganzen Vorgang.

Dies ist eine vorbereitende Übung. Sie beginnen vielleicht, indem Sie täglich 15 bis 20 Minuten üben. Der Schlüssel zum Erfolg liegt im täglichen Üben ohne Ausnahme. Sobald Sie diese Übung be- herrschen, können Sie zur nächsten Phase des Programms fort- schreiten.

1. Wiederholen Sie die oben beschriebene Übung mit einer Uhr. Nehmen Sie die Zeit in Ihr Gedächtnis auf.

2. Schließen Sie die Augen, und stellen Sie sich die Uhr bildlich vor.

3. Beobachten Sie, wie auf Ihrer geistigen Uhr die Zeit verstreicht.

4. Offnen Sie nach ein paar Minuten die Augen, und vergleichen

Sie die Zeit auf dem wirklichen Zifferblatt. Wenn sich die Zeiten ungefähr entsprechen, strebt Ihre Visualisierungskraft ihren Hö- hepunkt an. Was hat das alles mit der Loslösung vom Körper zu tun? Die Antwort lautet, daß Sie Schritt für Schritt lernen werden, irgend- einen Aspekt Ihres Geistes aus Ihrem Körper herauszuprojizieren. Indem Sie üben, eine geistige Nachbildung der Welt zu schaffen, mit der Sie wahrnehmungsmäßig in eine Wechselwirkung treten können, lernen Sie, von der wirklichen Welt in eine geistig kon- struierte zu springen. Wenn Sie intensiv genug und lange genug üben, kann diese Form des Wahrnehmungssprunges mit der Zeit spontan auftreten. Dieses Phänomen wird man als ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper erleben. Steve Richards, ein Yoga-Schüler und Autor, der jetzt in Texas lebt, hat insbesondere darüber geschrieben, welche Macht diese Übung zur Herbeiführung spontaner Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper hat. „Nach zwei Wochen dieser

Übungen können allmählich spontane Erlebnisse der Astralprojek- tion auftreten", schreibt er. „Erwarten Sie am Anfang nicht zu-

Aber, wenn Sie beharrlich bleiben, stellen Sie vielleicht ei-

nes Abends beim Einschlafen fest, daß Sie, kurz bevor Sie das Bewußtsein verlieren, das Gefühl haben, aus Ihrem Körper ,her- auszusteigen'. Dieses Erlebnis tritt am häufigsten spät abends und sehr früh morgens auf." Mit anderen Worten, diese Übungen helfen, den Geist darin zu schulen, unabhängig von Reizen, die wir durch unsere Sinne aus unserer Umgebung aufnehmen, zu funktionieren. Der Geist be- ginnt dann, vollkommen unabhängig von diesen Sinnesorganen wahrnehmungsmäßig zu funktionieren - und das hat ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu Folge. Während Ihrer Selbstschulung machen Sie vielleicht einige seltsa- me Erfahrungen, die Sie erkennen lassen, wann Sie sich auf dem richtigen Weg befinden. So kann es geschehen, daß Sie während der Visualisierung einen Moment lang nicht mehr sagen können, ob Ihre Augen offen oder geschlossen sind. Kurz vor dem Ein- schlafen stellen Sie vielleicht plötzlich fest, daß Sie Ihr Zimmer deutlich vor sich sehen, auch wenn Ihre Augen geschlossen sind. Diese sehr bezeichnenden Erlebnisse sind ein Anzeichen dafür, daß Ihr Geist bereits begonnen hat, als eine Wahrnehmungsebene jen- seits des normalen Sehvermögens zu funktionieren. Falls und so- bald dies passiert, sollten Sie versuchen, Ihr Bewußtsein kraft Ihres Willens zu veranlassen, Ihren Körper zu verlassen. Wahrscheinlich werden Sie Erfolg haben. Fast alle großen Experimentatoren auf dem Gebiet der Astral- projektion der Vergangenheit haben dieses eigentümliche Phäno- men erlebt. Wenn sich ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu manifestieren beginnt, aber noch bevor das Bewußtsein den Körper verlassen hat, wird der Betreffende gelegentlich das Zimmer deutlich vor sich sehen, obwohl seine Augen geschlossen sind. Das Zimmer wird deutlich sichtbar und manchmal sogar hel- ler erleuchtet sein, als es „wirklich" ist. Ob ein derartiges Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper real oder lediglich eine Vorspiegelung der Einbildungskraft ist, ist

viel

wirklich nicht der entscheidende Punkt. Vergessen Sie nicht, daß der Begriff „Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper" nur be- schreibenden Charakter hat. Er ist keine Erklärung für das Erlebnis des Verlassens des eigenen Körpers, noch enthält er eine derartige Erklärung. Selbst die meisten Parapsychologen sind sich nicht si- cher, ob der Geist während eines derartigen Erlebnisses tatsächlich den Körper verläßt. Manche Forscher vertreten die Auffassung, daß sich ein bestimmter Aspekt des Geistes wirklich vom Körper trennt. Sowohl Dr. Tart, wie auch ich persönlich vertreten diese prinzipielle Ansicht. Aber viele andere Forscher, wie zum Beispiel Susan Blackmore und John Palmer, glauben dagegen, daß das Er- lebnis der Loslösung vom eigenen Körper in Wirklichkeit ein be- sonderer Kniff der geistigen Einbildungskraft ist. Die Frage, ob ein besonderer „Typ" von Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper mehr eine Trennung von Körper und Geist bedeutet als ein ande- rer, geht also im Grund am eigentlichen Sachverhalt vorbei. Jedes Erlebnis, bei dem eine Person plötzlich feststellt, daß sie ihre Um- gebung von einem anderen Standpunkt als dem ihres physischen Körpers aus sieht, ist ein gültiges Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper. Dabei ist nicht entscheidend, welche spezielle Form dieses Erlebnis annimmt. In dem Abschnitt „Kritische Be- merkungen" werde ich jedoch einige Belege dafür zitieren, daß Personen, die Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper durch intensive Visualisierung erzeugen, fähig sind, mit der Wirklichkeit übereinstimmende Beobachtungen über entfernte Orte und Ereig- nisse zu machen. Das allein würde darauf hindeuten, daß die Vi- sualisierung ein wirksamer Weg zum Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist und daß durch Visualisierung bewirkte Erlebnis- se der Loslösung vom eigenen Körper genauso gültig sind wie alle anderen auch. Die oben beschriebenen Übungen sind im wesentlichen dazu ge- dacht, spontane Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper her- vorzurufen. Es sind auch andere Übungen entwickelt worden, um dieses Erlebnis auf dynamischere Weise zu bewirken und zu kon- trollieren. Ein vollständiges System zur Schulung für das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper ist von Richard Greene aus

Cambridge in Massachusetts entwickelt worden, der sein Pro- gramm in einem privat verlegten Buch veröffentlichte. Dieses auf empirischen Erfahrungen gegründete System ist zu einem Teil aus Greenes Arbeit mit mehreren bereitwilligen Studenten entstanden. Die folgenden Schritte zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper stellen eine Zusammenfassung von Greenes ausführlicheren Beschreibungen und Erläuterungen dar. Beachten Sie, daß seine Übungen im wesentlichen Erweiterungen der oben besprochenen Visualisierungsstrategien sind.

1. Schritt: Entwickeln Sie die Fähigkeit, die Vorstellungskraft zu

aktivieren. Da die Visualisierung der Schlüssel zu Greenes System ist, muß der Schüler zunächst lernen, geistige Vorstellungsbilder aufzubauen und zu beherrschen. Die grundlegende Übung besteht darin zu lernen, wie man einfache geistige Vorstellungsbilder im Geiste festhält und bewahrt. Jeder kann im Geiste ein Bild herauf- beschwören, aber es erfordert Übung, es dort festzuhalten, ohne daß es sich entweder auflöst oder durch andere, störende Bilder verdrängt wird. Greene empfiehlt, mit bestimmten okkulten Sym- bolen zu beginnen, beispielsweise mit einem roten gleichseitigen Dreieck, einem blauen Kreis, einem schwarzen Oval, einem gelben Quadrat oder einem weißen Halbmond. Setzen Sie sich an einen ruhigen Ort, wählen Sie eins dieser Symbole aus, und üben Sie, es

vor Ihrem geistigen Auge festzuhalten. Sie haben Ihr Ziel erreicht, wenn Sie das Bild 10 Minuten lang festhalten können, ohne daß es Ihnen entgleitet. Üben Sie oft, aber benutzen Sie für jede Sitzung ein anderes Bild, damit Sie nicht von einem bestimmten Bild ab- hängig werden. Üben Sie täglich wenigstens 10 Minuten lang.

2. Schritt: Lernen Sie das richtige Atmen als Ergänzung zu dieser

Übung. Hier greift Greene auf die im 5. Kapitel zusammengefaßte Yoga-Tradition zurück. Er empfiehlt eine vereinfachte Methode der Pranajamana, bei der man einatmet, während man bis fünf zählt, dann den Atem anhält und bis sechs zählt, und schließlich wieder

ausatmet, wobei man bis vier zählt. Der Atem wird angehalten, bis man bis sechs gezählt hat. Dann beginnt der Schüler mit dem neuen Zyklus. Greene behauptet (gegründet auf die Kosmologie des Yoga), daß diese Atemübung dem Körper Energie verleiht und

dem Bewußtsein hilft, genügend Energie zu gewinnen, um den Körper zu verlassen. Es wird aus seinen Schriften nicht ganz deut- lich, ob Sie das Atmen gleichzeitig mit den Visualisierungsübungen oder unabhängig davon üben sollen. Zu irgendeinem Zeitpunkt sollten Sie jedoch auf jeden Fall die beiden Übungen miteinander verbinden. Greene betont besonders, daß Sie täglich üben sollen und gerade, wenn Sie sich müde oder erschöpft fühlen. Auf diese Weise bleibt der Organismus mit Energie erfüllt und der Körper für die Freisetzung des Bewußtseins bereit. 3. Schritt: Lernen Sie, Ihr Bewußtsein in einen leblosen Gegen- stand zu übertragen. Zum Erlernen dieser Fertigkeit - besonders beliebt bei vielen „Geistesdynamiker"-Gruppen - stellen Sie eine Tasse oder einen anderen einfachen Gegenstand sich gegenüber auf die andere Seite des Raumes. Sie können mit geschlossenen oder geöffneten Augen dasitzen. Konzentrieren Sie sich auf den Gegen- stand, und versuchen Sie, mit ihm zu verschmelzen, bis Sie tatsäch- lich eins mit ihm geworden sind. Die Identifikation sollte so voll- ständig sein, daß Sie sich selbst als die Tasse erfahren. Das ist wirklich nicht so schwer, wie es vielleicht klingt. Indem Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Gegenstand konzentrieren, werden Sie schließlich feststellen, daß Ihre Wahrnehmung des Rau- mes und sogar Ihres eigenen Körpers für einen Moment ver- schwimmt. Das ist ein gutes Zeichen. Üben Sie also weiter, bis Sie einzig und allein nur noch den Gegenstand und Ihren Geist be- wußt wahrnehmen. Bei fortgesetzter Übung werden Sie schließlich feststellen, daß Sie nicht mehr in der Lage sind, sich selbst von dem Gegenstand, auf den Sie sich konzentrieren, zu unterscheiden. Diese Übung wird auch in einigen Schulen des Buddhismus ge- lehrt. Sie soll dem Schüler vor Augen führen, daß wir uns selbst nur aus Gewohnheit und falschem (kategorischem) Denken heraus als unabhängig von unserer Umgebung wahrnehmen. Beobachten Sie, sobald Sie diese Ebene der Verschmelzung er- reicht haben, den Raum aus der Perspektive des Gegenstandes, d.h. von der anderen Seite des Raumes aus. Sie sollten in der Lage sein, Ihren physischen Körper gegenüber sitzen zu sehen. Greene empfiehlt, diese Fertigkeit täglich 5 bis 10 Minuten zu üben. Üben

Sie, bis Sie Ihren Geist nach Belieben auf die unabhängige Perspek- tive umschalten können. Dies ist in sich schon eine begrenzte Form des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper.

4. Schritt: Lernen Sie, Ihr Bewußtsein aus Ihrem Körper heraus

in irgendeine beliebige Perspektive Ihrer Wahl zu projizieren. Sie können beginnen, indem Sie Ihr Bewußtsein aus Ihrem Körper heraus auf die andere Seite des Raumes übertragen. Diese Vorstellungsübung ist praktisch mit dem identisch, was Sie unter 3. gelernt haben, aber in diesem Fall verzichten Sie auf den Gebrauch eines Konzentrationsobjekts als Stütze. Greene bemerkt: „Viele Ih- rer Gedanken und Vorstellungen sollten nun von da herrühren, wo

sich Ihr geistiges Bewußtsein jetzt befindet. Sie sollten in der Lage sein, von diesem Ort her zu denken. Sie sollten auch das Gefühl haben, daß Sie sich wirklich dort befinden, wo Ihr geistiges Be- wußtsein ist." Greene nennt dieses Phänomen „geistiges Wandern", und es hat große Ähnlichkeit mit dem, was die alten Mesmerianer „wanderndes Hellsehen" nannten. Sobald Sie diese Übertragung des Bewußtseins erreicht haben, können Sie die Sitzung beenden, indem Sie Ihr Bewußtsein kraft Ihres Willens in Ihren Körper zu- rückversetzen. Greene macht darauf aufmerksam, daß Sie sich während dieser Übung möglicherweise Ihres Körpers weiter bewußt bleiben kön- nen. Dies bedeutet nicht notwendigerweise, daß Sie versagt haben, sondern daß nur ein Teil Ihres Bewußtseins außerhalb Ihres Kör- pers funktioniert. Sie können möglicherweise auch das Gefühl ha- ben, als ob Ihr Bewußtsein zwischen diesen beiden Orten hin und her springt. Der Grund dafür kann in der Macht der Gewohnheit liegen. Es braucht Zeit, und Ihr Bewußtsein wird zunächst einen natürlichen Widerstand dagegen entwickeln, außerhalb der norma- len Perspektive des Körpers zu funktionieren.

5. Schritt: Üben Sie, den Geist ganz vom Körper fort zu projizie-

ren. Beginnen Sie, indem Sie sich wie gewöhnlich hinsetzen oder hinlegen. Machen Sie Ihren Geist von allen außenstehenden Gedan- ken frei, und führen Sie die unter 2. beschriebenen rhythmischen Atemübungen durch. Stellen Sie sich bildlich vor, daß Ihr Körper von einer ovalen Lichthülle umgeben ist. (Sie können sich auch

bildlich vorstellen, daß Ihr Körper von einem Seelenleib umgeben ist.) Jetzt stellen Sie sich bildlich vor, daß dieser Träger von Ihrem physischen Körper fort und nach oben schwebt. Zur Rückkehr brau- chen Sie sich nur bildlich vorzustellen, daß der Phantomkörper in seinen physischen Sitz zurückkehrt, oder Sie wollen einfach, daß er zurück- kehrt. Der Wiedereintritt wird wahrscheinlich spontan erfolgen. Dieser Schritt ist vielleicht für das Erlernen der Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen, tatsächlich überflüssig. Wenn Sie den vierten Schritt beherrschen, haben Sie bereits eine Form des Erlebnis- ses der Loslösung vom eigenen Körper erreicht, auch wenn Sie sich vielleicht immer noch fragen werden, ob Sie während dieses Erlebnis- ses der Geisteswanderung tatsächlich den Körper verlassen oder sich nur selbst täuschen. Falls Sie immer noch Zweifel hegen, möchten Sie diese Form des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper vielleicht objektiv dokumentieren. Obwohl man bei Greene selbst in dieser Sache kaum einen Rat findet, lassen sich durch Visualisierung hervorgerufene Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper auf einfache Weise bestätigen. Sie könnten einen Freund bitten, eine dreistellige Zahl auf ein Stück Papier zu schreiben und auf ein Regal in dem Raum zu legen, den Sie gewöhnlich für Ihre Übungssitzungen benutzen. Das Regal sollte sich natürlich außerhalb Ihres normalen Blickfeldes befinden. Versuchen Sie, nachdem Sie Ihr Bewußtsein aus Ihrem Körper herausprojiziert haben, zu dem Regal zu schweben und die Zahl zu lesen. Wenn es Ihnen gelingt, haben Sie Ihr Ziel erreicht! Greenes Handbuch umfaßt auch unter anderem die Erörterung von Problemen, denen Sie möglicherweise bei der Loslösung vom Körper begegnen werden, wie man zu einem „Gipfel"-Erlebnis ge- langt, Ratschläge zu Experimenten, die Sie möglicherweise mit Ih- rer Umgebung versuchen wollen, wie Glaubenssysteme Ihre Erleb- nisse beeinflussen können und so weiter. Diese Fragen werden uns an dieser Stelle nicht beschäftigen, und der Leser sollte wegen nä- herer Informationen auf Greenes eigenen Schriften zurückgreifen. (Greenes Handbook of Astral Protection kann unter folgender An- schrift direkt bestellt werden: Next Step Publications, P.O. Box 571, Cambridge, Mass. 02139) Visualisierungsmethoden wurden auch von vielen der „okkulten

Zirkeln" gelehrt, die um die Jahrhundertwende in England florier- ten, wie zum Beispiel der berühmte Order of the Golden Dawn und seine zahlreichen Seitenlinien. Diese Methoden waren im Grunde einfache Visualisierungsübungen, ähnlich der bereits be- sprochenen, aber oftmals mit der Ausübung okkulter Rituale samt Geisterbeschwörung und symbolischer Riten vermischt. Wenn- gleich diese Rituale dem Schüler ein starkes Gefühl der Selbstüber- hebung vermittelten, hatten Sie wahrscheinlich keinerlei Auswir- kung auf die Fähigkeit, den eigenen Körper zu verlassen. Sie dien- ten lediglich als Konzentrationshilfe für die bevorstehende Aufga- be. Andere „geheime" okkulte Methoden des Viktorianischen Zeit- alters stützten sich auf hochspezifische Visualisierungsübungen, wovon einige interessant sind und einen gesonderten Kommentar verdienen, auch wenn viele wissenschaftliche Parapsychologen sie heute mit Geringschätzung betrachten mögen. Es ist heute unter den Parapsychologen ziemlich in der Mode, alles, was nach „Okkultismus" riecht, mit Mißtrauen zu betrach- ten. Es ist leider wahr, daß ein größerer Teil des traditionellen Okkultismus ein seltsames Sammelsurium von Aberglauben, be- deutungslosen Ritualen und blankem Unsinn ist. Aber die Aus- übenden der rituellen Magie und des schulmäßigen Okkultismus waren oftmals intelligente Menschen, die zu großen Entdeckungen und Einsichten über den geistlichen Weg und die Welt fähig waren. Das Erbe der großen Okkultisten enthält wahre Perlen der Weis- heit. Die Vereinigungen, die auf ihren Lehren gegründet wurden, interessierten sich für die praktische Anwendung übersinnlicher Kräfte, ein Problem, mit dem sich die heutige Parapsychologie gerade erst zu befassen beginnt. Was uns der traditionelle Okkul- tismus über die tatsächliche Ausübung übersinnlicher Fähigkeiten lehrt, ist oftmals erhellend und könnte für die modernen Forscher unter Umständen sehr bedeutsam sein. Das trifft insbesondere für die Astralprojektion zu, deren Behandlung und Ausübung unter den Okkultisten besonders beliebt war. Die meisten okkulten Lehren raten dem Schüler, zunächst inten- siv an der Entwicklung seiner Vorstellungsfähigkeit zu arbeiten, bevor er die Visualisierung dazu benutzt, um tatsächlich seinen

Körper zu verlassen. Spezielle Übungen zu diesem Zweck sind zum Beispiel, sich mit geschlossenen Augen bildlich einen Raum vorzustellen, bis man in der Lage ist, jedes kleinste Detail im Gei- ste wieder zu erschaffen, oder sich ein Bild anzusehen und es dann im Geiste immer wieder neu zu schaffen, bis man jede Schattierung und jeden Bestandteil des Bildes geistig nachvollziehen kann, oder sich einen dreidimensionalen Gegenstand anzusehen und dann im Geiste um ihn herumzugehen und ihn aus den verschiedenen Per- spektiven zu erleben. Sobald der Anfänger diese Übungen be- herrschte, folgten spezielle Übungen zum Verlassen des Körpers. Es wurde jedoch betont, daß sich ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper nur dann einstellen würde, wenn der Geist für diese Erfahrung bereit sei. Verschiedene Visualisierungsübungen sollten das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper mehr aus- lösen als im eigentlichen Sinne herbeiführen. Bei einer gebäuchlichen Methode mußte sich der Schüler in einen halbdunklen Raum setzen, die Augen schließen und sich bildlich vorstellen, daß er in einer entfernten Ecke des Raumes sitzt. Eine andere Methode bestand darin, den Schüler auf einen Stuhl zu setzen und ihn anzuweisen, sich mit geschlossenen Augen eine Ko- pie seines „Ichs" vorzustellen, die ihm genau gegenübersitzt. Dann sollte der Schüler fühlen, daß er sich nach vorne bewegt, um mit seiner „Kopie" zu verschmelzen. Eine dritte Methode lehrte den Novizen, sich hinzulegen und bildlich vorzustellen, daß er sich in die Luft erhebt, bis er sich des Bettes überhaupt nicht mehr be- wußt war. An diesem Punkt sollte sich der Schüler dann bildlich vorstellen, daß er am Fußende des Bettes steht und sich selbst ansieht. Jede dieser Methoden mußte immer wieder geübt werden, bis der Schüler das Gefühl hatte, daß er seine Visualisierung tat- sächlich (d. h. physisch) miterlebt. Aleister Crowley, der berühmte englische Meister der „Schwar- zen Magie", lehrte eine ähnliche Übung, die an früherer Stelle in diesem Buch schon einmal kurz beschrieben worden ist. Er wies seine Schüler an, sich eine geschlossene Tür in einer ansonsten leeren Wand vorzustellen. Auf der Tür sollte sich der Schüler ein Symbol oder Schriftzeichen vorstellen, das er bereits zuvor als Me-

ditationshilfe benutzt hatte. Der Schüler sollte sich dann bildlich vorstellen, daß sich die Tür langsam öffnet und er sich hindurchbe- wegt. Diese Übung würde immer wieder wiederholt, bis sich der Schüler tatsächlich geradewegs aus seinem Körper herausprojizier- te. Zumindest ein heutiger Schüler und Gelehrter des Okkultismus, der britische Autor Kenneth Grant, ist der Überzeugung, daß er einmal durch ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper, das während dieser Übung spontan auftrat, Verbindung zu einer ganz neuartigen Ebene der Realität aufgenommen hat. Die meisten okkulten Methoden zur Herbeiführung eines Erleb- nisses der Loslösung vom eigenen Körper basieren auf ähnlichen Übungen zur Bewußtseinsprojektion, wie sie Greene und andere Gleichgesinnte in einer methodischeren Form aufgezeichnet und von ihrem geheimnisvollen Beiwerk befreit haben. Die Okkultisten des neunzehnten Jahrhunderts standen dem Er- lebnis der Loslösung vom eigenen Körper jedoch etwas differen- zierter gegenüber als manche der Gruppen und Lehrer, die gegen- wärtig diese Visualisierungsstrategien befürworten. Sie glaubten, daß diese Visualisierungsübungen Scheinformen des Erlebnisses schaffen, die, bei fortgesetzter Übung, ein echtes Erlebnis der Los- lösung vom eigenen Körper auslösen würden, sobald der Schüler dafür bereit sei. Mit anderen Worten, man wies den Schüler an, so lange zu üben, den Körper zu verlassen, bis es wirklich geschah! Diese Wiederholungen halfen wahrscheinlich, den Willen des Schü- lers auf den Wunsch nach einem Erlebnis der Loslösung vom eige- nen Körper zu konzentrieren, bis sich die Suggestion schließlich im Unterbewußtsein festsetzte. Oder diese Übungen waren möglicher- weise eine Methode, den Geist zu schulen, seinen natürlichen Wi- derstand gegen die Loslösung vom Körper zu überwinden.

Kritische Bemerkungen

Übungen

Diese

— aber keiner hat jemals behauptet, daß die Astralprojektion unbe-

dingt schwierig sein muß. All diesen Methoden scheint der Gedan-

erscheinen

mögen

Ihnen

geradezu

absurd

einfach

ke zugrunde zu liegen, daß, wenn man das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper beharrlich übt, es schließlich tatsächlich ein- treten wird. Eine andere mögliche Betrachtungsweise wäre, daß Sie sich darin schulen, einen Wahrnehmungssprung von einem Beob- achtungsstandpunkt zu einem anderen durchzuführen. Dr. Susan Blackmore sieht eine Analogie zwischen dem Erlebnis der Loslö- sung vom eigenen Körper und der Art von Wahrnehmungssprung, die auftritt, wenn Sie den Necker-Würfel betrachten, eine paradoxe Figur, die plötzlich ihre Form zu verändern scheint.

Figur, die plötzlich ihre Form zu verändern scheint. Beachten Sie, wie sich der Würfel zu verändern

Beachten Sie, wie sich der Würfel zu verändern scheint, während Sie ihn betrachten. Sie können diesen Wahrnehmungssprung manchmal auch durch ein Augenzwinkern hervorrufen. Manche Parapsychologen glauben, daß das Erlebnis der Loslösung vom ei- genen Körper tatsächlich eine Art Sinnestäuschung analog diesem Phänomen ist. Das Modell des Wahrnehmungssprunges ist jedoch nicht notwendig rein psychologisch zu sehen. Derartige Orientie- rungswechsel können eine Sinnestäuschung sein, sie können aber auch tatsächlich die plötzliche physische Verschiebung des Be- wußtseins an einem Punkt außerhalb des Körpers darstellen. In Zusammenhang mit diesem Gedanken liebt es S. Keith Hara- ry, seine Zuhörer mit einer etwas provozierenden Äußerung zu verblüffen. Wenn er über seine Erlebnisse der Loslösung vom eige-

nen Körper spricht, erinnert er seine Zuhörer daran, daß es wirk- lich keinen Beweis dafür gibt, daß das „Bewußtsein" überhaupt im Körper ist. Es gibt wirklich keinen Beweis dafür, daß es im Gehirn „enthalten" ist. Das Bewußtsein ist nichts Materiales; es ist voll- kommen unstofflich. Daher kann es auch nicht „in" etwas enthal- ten sein. Wir erleben es wahrscheinlich aus Gewohnheit in unserem Kopf. Unsere Aufgabe besteht darin zu lernen, diese Gewohnheit zu durchbrechen. Und wenn wir das können, können wir unser Bewußtsein auch anderswo erleben. Und Harary glaubt, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper genau das zur Folge hat. Die hier besprochenen Visualisierungsübungen könnten durchaus eine ausgezeichnete Methode sein, um den Geist auf derartige Orientierungswechsel vorzubereiten. Sie können ganz allmählich auftreten, wenn man eine Zeitlang diese Übungen praktiziert, oder vielleicht auch spontan als natürliche Folge dieser Schulung. Derar- tige Erlebnisse der Wanderung des Geistes würden wahrscheinlich nicht die Freisetzung eines Seelenleibes zur Folge haben, aber sie würden sich als plötzliche und augenblickliche Entfernung des Be- wußtseins aus dem Körper manifestieren. Zumindest ein bekanntes Medium verläßt sich gewohnheitsmäßig auf eine Kombination von Visualisierung und Bewußtseinsprojek- tion, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Ingo Swann ist ein Künstler und Medium aus New York, dessen Fähigkeiten auf dem Gebiet der Loslösung vom eigenen Körper 1971 von der American Society for Psychical Research gete- stet wurden. Janet Mitchell, damals Forschungsassistentin bei der American Society for Psychical Research, war für die Durchführung der Versuche verantwortlich. Es war der Anlage nach ein einfaches Experiment, das aber letztlich interessante Aufschlüsse über das Phänomen der Loslösung vom eigenen Körper erbringen sollte. In einem speziellen Laborraum wurde ein kastenartiges Regal unter die Decke gehängt. Das Regal wurde mit Hilfe von Glühbirnen beleuch- tet, so daß jeder Gegenstand, der hineingestellt wurde, deutlich zu sehen war. Da Swann seine Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper aus einem wachen Zustand heraus herbeiführt, brauchte er

für sie keine komplizierten Vorbereitungen zu treffen. Er setzte sich einfach auf einen bequemen Stuhl unter das Regal und ließ sich die Elektroden für den Polygraphen an den Kopf anlegen. Dann setzte Swann einen Teil seines Geistes frei, schickte ihn zur Decke hinauf, sah, welches Bild dort in das Regal gestellt worden war, und berichte- te Frau Mitchell gleichzeitig, was er sah. Da Swann ein begabter Künstler ist, zeichnete er gewöhnlich auch eine Skizze von dem, was er in dem Regal sah. Diese Skizzen waren manchmal mit, dem Bild in dem Regal vollkommen iden- tisch. Noch faszinierender aber war die Art und Weise, wie Swann diese Zielbilder sah. Sein Sehvermögen im Zustand der Loslösung vom Körper schien ganz bestimmten Prinzipien zu folgen, so wie sich unser physisches Sehvermögen an die Gesetze der Optik hält. Seine Ergebnisse hatten ganz gewiß keine Ähnlichkeit mit jener fragmentarischen, symbolhaften und „globalen" Art und Informa- tionen, wie man sie durch ASW erhält. Swanns Methode zum Verlassen des Körpers ist sehr einfach - wahrscheinlich, weil diese Fähigkeit bei ihm ein angeborenes Talent ist. Er entscheidet sich einfach, wohin er seinen Geist schicken will, stellt sich diesen Punkt bildlich vor und schiebt dann seinen Geist hinüber an diesen Ort. Manchmal fühlt er während einer solchen Projektion wirklich, wie sein Geist wandert, obwohl er bewußtseinsmäßig vollkommen wach bleibt. Richard Greene hat Berichte seiner Schüler zusammengetragen, die ebenfalls darauf hindeuten, daß Visualisierungsübungen erfolg- reich zur Herbeiführung eines Erlebnisses der Loslösung vom eige- nen Körper beitragen können. Obwohl er einräumt, daß manche Schüler länger brauchen, um diese Fähigkeit zu entwickeln, als andere, ist Greene überzeugt, daß seine Methoden, unter der Vor- aussetzung von genügend Zeit und Übung, für praktisch jeden Menschen funktionieren. Die Berichte, die er zusammengetragen hat, lesen sich oftmals sehr ähnlich wie die Berichte von Personen, die spontan oder mit Hilfe anderer Methoden zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangt sind. Der folgende Be- richt wurde zum Beispiel von einem Schüler verfaßt, der versuchte, sein Bewußtsein in eine Glühbirne zu versetzen.

„Zuerst fiel es mir schwer, mich in der Position der Glühbirne zu fühlen. Kaum fühlte ich mich dort, als ich auch schon wieder in meinen physischen Körper zurückgezogen wurde. Es war wie ein großer Kampf, um mich dort zu halten, wo ich sein wollte. Für ein paar Augenblicke hatte ich tatsächlich den Eindruck, daß ich zwischen meinem Körper und der Glühbirne hin und her springen würde. Sobald ich dann in der Glühbirne konzentriert war, konnte ich die Nähe der Wand fühlen (in der Nähe der Glühbirne war eine Wand). Zuerst stellte ich auch fest, daß mein Geist den Raum so, wie ich ihn normalerweise kannte, zu analysieren und sich ins Gedächtnis zu rufen versuchte. Tatsächlich versuchte ich also, mir meine Erinnerung an den Raum zunutze zu machen. Ich bemerkte auch, daß ich mich, sobald ich versuchte zu analysieren, mich zu erinnern oder darüber nachzudenken, wie etwas aussehen sollte, sofort in meinem Körper wiederfand. Einmal machte ich den Ver- such, meinen eigenen physischen Körper von der Glühbirne aus zu sehen. Als ich ihn ansah, bemerkte ich, daß ich auf meinen Körper heruntersah, aber es gelang mir nicht, die Farbe meiner Kleidung oder die Form meiner Frisur wahrzunehmen. Als ich versuchte, mir verstandesmäßig klarzumachen (oder, wenn man will, mich zu erinnern), wie diese Dinge aussahen, fand ich mich sofort in mei- nem Körper wieder. Derartige Dinge geschahen drei- oder viermal, und ich dachte natürlich, daß ich mir einfach nur einbildete oder vorstellte zu ,sehen'. Plötzlich geschah etwas, was für mich von großem Interesse war. Unter der Glühbirne standen zwei Kästen. Ich wußte nicht, was sie enthielten. Von meiner Position als Glüh- birne konnte ich von oben in sie hineinschauen. Ich sah, daß der eine Kasten irgendeine Art Kordel oder Kabel enthielt. In dem anderen Kasten waren Papierschnipsel. Das Wort ,sehen' ist nicht das richtige Wort, um zu beschreiben, wie ich diese Dinge wahr- nahm. Es waren Bilder, die in mein Bewußtsein eindrangen. Gleichzeitig mit den Wahrnehmungen kam ein sicheres Gefühl ih- rer vollkommenen und gänzlichen Richtigkeit. Wenn Sie die Augen schließen und sich bildlich ein rotes Dreieck vorstellen - so wie es vor Ihrem geistigen Auge erscheint, habe ich diese Dinge gesehen. Ich versetzte dann mein Bewußtsein in meinen Körper zurück und

ging hinüber zu den Kästen, um hineinzusehen. In dem einen Ka- sten war ein Kabel, das, wie ich später feststellte, zu einem Gitar- renverstärker führte, und in dem anderen waren Papierschnipsel. Eine andere Sache, die ich als Glühbirne bemerkt hatte, war, daß die Lampe nicht direkt über den Kästen, sondern etwas seitlich davon zu hängen schien. Als ich aufstand, um meine Ergebnisse zu überprüfen, stellte ich fest, daß die Glühbirne in einer Richtung etwas seitlich verschoben zu den Kästen und nicht direkt über ihnen hing. Ich bemerkte auch, daß ich, als ich aus der Perspektive der Glühbirne auf die Kästen hinuntergesehen hatte, tatsächlich die Glühbirne gewesen war. Denn als ich überprüfte, was ich durch meine Verschmelzung mit der Glühbirne gesehen hatte, indem ich im physischen Sinne zu der Lampe hinging und aus ihrer Perspek- tive hinunterschaute, sah ich genau das, was ich gesehen hatte, als ich bewußtseinsmäßig mit der Glühbirne eins gewesen war." Zur Frage der wirklichen geistigen Wanderung sollten Sie den folgenden Bericht mit einem typischen Bericht von einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper vergleichen. „Ich projizierte mein Bewußtsein aus meinem physischen Körper heraus zu einer Freundin, mit der ich ungefähr drei Wochen lang nicht mehr gesprochen hatte. Die Wohnung dieser Person war mir vertraut, und ich wußte, wie sie aussah. Ich konnte mich fast au- genblicklich dort fühlen. Zunächst war ich vor der Wohnungstür. Ich versuchte dann, durch die Tür zu gehen, aber ich mußte fest- stellen, daß es sehr schwierig war und ich nicht hindurchgelangen konnte. Ich drehte mich um, so daß ich rückwärts durch die Tür gehen würde. Ich stellte fest, daß es mir dann sehr leicht fiel, durch die Tür hineinzugelangen. Sobald ich hindurch war, drehte ich mich um und versuchte meine Freundin ausfindig zu machen. Ich sah, daß sie in der Küche im hinteren Teil der Wohnung war. Ich sah, daß sie vor dem Fernsehgerät saß und Kaffee trank. Ich hatte auch den Eindruck, daß vor ihr eine Schreibmaschine stand, und ich hatte den Eindruck, daß sie möglicherweise auf dieser Maschine geschrieben hatte. Ich versuchte dann, sie dazu zu brin- gen, mich zu sehen oder zu fühlen. Zu diesem Zweck berührte ich ihre Schulter, aber sie schien nicht zu reagieren. Ich blieb noch

eine Weile in ihrer Wohnung und kehrte dann schließlich in mei- nen physischen Körper zurück. Nach meiner Rückkehr rief ich sie an, es war ein Ferngespräch, und fragte sie nach den Dingen, die ich gesehen hatte. Zu dem Zeitpunkt, als ich mich zu ihr begeben hatte, hatte sie Kaffee getrunken und vor dem Fernsehgerät gesessen. Sie sagte, daß die Schreibmaschine NICHT auf dem Tisch vor ihr gestanden hatte und daß sie überhaupt nicht auf der Maschine geschrieben hatte. Sie sagte jedoch, daß sie ungefähr um die Zeit, als ich dage- wesen war, daran gedacht hätte, einen Brief an eine Freundin, irgendwo in Chikago, auf der Maschine zu schreiben. Der Gedan- ke an das Schreibmaschinenschreiben war also in ihrem Bewußtsein vorhanden gewesen. Zu der Frage, ob sie mich gefühlt hätte, sagte sie, daß sie kein bestimmtes Gefühl wie eine Berührung wahrge- nommen hätten, daß sie aber ungefähr um diese Zeit plötzlich im Geiste mein Bild vor Augen gehabt und dann eine Weile über mich nachgedacht hätte." Beachten Sie hier, wie die Geisteswanderung oder das „wandern- de Hellsehen" eine Mischung aus (offensichtlich) echten Beobach- tungen und anscheinend durch ASW vermittelte Informationen mit sich bringen kann. Dieses Paradoxon hat einige Parapsychologen zu der Argumentation gebracht, daß das Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper lediglich ein subjektiv veränderter Bewußt- seinszustand sei, während dessen man die dem Geiste innewohnen- den Kräfte der außersinnlichen Wahrnehmung nutzen könne. Es ist jedoch auch möglich, daß der Geist für die Eindrücke der ASW besonders empfänglich ist, nachdem er vom Körper und seinem Gehirn unabhängig geworden ist. Der Geist könnte diese Eindrük- ke möglicherweise automatisch verarbeiten, während er seine Beob- achtungen macht. Daraus könnte eine gewisse natürliche Verwir- rung resultieren. Die Tatsache, daß die Visualisierung zur Bewirkung eines be- grenzten Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper beitragen kann, wird auch durch ein Phänomen illustriert, das man als „Fern-Sehen" bezeichnen könnte - eine moderne Form des „wan- dernden Hellsehens", das im Zeitalter der großen Mesmerianer so

gut bekannt war. Die Grundmethoden, die zunächst von Ingo Swann als Ergänzung zu seinen Fähigkeiten der Loslösung vom eigenen Körper entwickelt worden waren, wurden später von For- schern am Stanford Research Institute (heute S. R. I. International) in Menlo Park formalisiert, als sie erkannten, daß diese Methode auch von anderen Medien oder sogar auch von Laien erlernt wer- den konnte. „Fern-Sehen" ist zu einem der populärsten Werkzeuge der Parapsychologie geworden, um Leuten zu helfen, ASW-Kräfte zu entwickeln und zu demonstrieren - und es ist auch seinem Wesen nach mit dem Phänomen der Loslösung vom eigenen Kör- per verknüpft. Die ganze Forschungsarbeit um das „Fern-Sehen" begann, als Ingo Swann, dessen Fähigkeiten zu dem Zeitpunkt gerade an dem S. R. I. getestet wurden, zwei Naturwissenschaftlern erklärten, daß er seinen Geist an jeden beliebigen Ort auf der Welt sende könnte. Alles, was er dazu brauchte, waren ein paar Angaben zu den Län- gen- und Breitengraden, und dann könnte er sich dorthin projizie- ren, sich ansehen, wie es dort aussieht, und dann Bericht erstatten. Rüssel Targ und Harold Puthoff waren von seiner Behauptung verblüfft und entschlossen sich, ihn sofort auf die Probe zu stellen. Sie befanden sich zu diesem Zeitpunkt gerade mitten in einem ASW-Test, aber Swann war gelangweilt, und sie wollten ihn ein wenig aufheitern. Sie riefen ihm also ein paar Koordinaten zu und warteten ab, was ihre Versuchsperson berichten würde. Die Ergeb- nisse dieses improvisierten Experiments waren so verblüffend, daß Targ und Puthoff sich auf dieses merkwürdige Phänomen zu kon- zentrieren begannen. Während der folgenden Wochen forderten sie Swann immer wieder mit Aufgaben des „Fern-Sehens" heraus. Sie wählten lediglich die Koordinaten aus, Swann setzte sich in einen bequemen Sessel im Versuchslabor, projizierten seinen Geist an den entsprechenden Ort und erzählte allen, was er sah. Die Genau- igkeit seiner Beobachtungen war erstaunlich. Manchmal gab es auch Überraschungen. Für ein Experiment ga- ben die Naturwissenschaftler Swann Koordinaten, von denen sie glaubten, daß sie die Mitte des Lake Viktoria in Afrika bestimmten. Swann schickte seinen Geist an den entsprechenden Ort und be-

schrieb, wie er über ein großes Gewässer flog und auf einem nahe- gelegenen Stück Land landete. Dies ergab für Targ und Puthoff keinen Sinn, und sie eilten, um ihre Karte noch einmal zu überprü- fen. Sie entdeckten, daß diese speziellen Koordinaten ganz genau eine Halbinsel bestimmten, die in den See hineinragte! Swann nahm alles in allem an fast 100 dieser „Fern-Sehens"- Sitzungen teil. 75mal war er erfolgreich, 14mal versagte er, und 4 weitere Versuche konnten nicht ausgewertet werden. Targ und Puthoff führten auch eine Reihe von Tests durch, bei denen einer von ihnen an einen willkürlich gewählten Ort in der Gegend der San Francisco Bay hinausfuhr. Swann, der keine Ahnung hatte, wohin der Forscher gefahren war, wurde gebeten, sich zu dem Forscher zu projizieren und zu berichten, was er sah. Seine Be- schreibungen waren oftmals korrekt und detailliert. Er konnte den Aufenthaltsort des Forschers, das Gelände, nahe gelegene Gebäude und sogar die Landschaft beschreiben. Das Verfahren, das Swann für sein „Fern-Sehen" benutzt, ist eine Form des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper, obwohl er dies oftmals nur ungern zuzugeben scheint. Ich hatte die Gelegenheit, Swann zu interviewen, als er 1976 im Rahmen eines Werbefeldzuges für ein Buch, das er geschrieben hatte, in Los Angeles war. Ich war neugierig zu erfahren, ob Swann wirklich das Gefühl hatte, während seiner „Fern-Sehens"-Versuche seinen Kör- per zu verlassen, oder ob er lediglich Kräfte der ASW benutzte, um visuelle Eindrücke von entfernten Gegenständen zu erhalten. „,Fern-Sehen' unterscheidet sich nicht sehr von Tagträumen", er- klärte er. „Wenn man mit dem Forscher, der irgendwohin gefahren ist, Verbindung aufnehmen soll, dann kommt man einfach mit sich überein, daß man es tun wird. Man denkt einfach an ihn, und dann strömen plötzlich eine Flut von Vorstellungsbildern auf dich ein." Dies kam mir ganz gewiß nicht wie eine echte Geistesprojektion vor. Ich sprach Swann darauf an, und er gab zu, daß unterschiedli- che Medien möglicherweise unterschiedliche Methoden zur Voll- bringung des „Fern-Sehens" benutzten, unter anderem auch eine wirkliche Geistesprojektion. „Manche Leute berichten häufig, daß sie das Gefühl haben, sich wirklich an den betreffenden Ort zu

begeben", sagte er unter Anspielung auf sich selbst. „Sie berichten, daß sie Wasserläufe oder eine Wüste überqueren. Sie gelangen an die Orte und erwähnen oftmals Dinge, die man erwähnen würde, wenn man aus einem Flugzeug steigt - die Feuchtigkeit, den Wind oder die Kälte und so weiter." Bei seinen eigenen Versuchen auf dem Gebiet des „Fern-Sehens" erlebt Swann manchmal genau diese Art des Reisens. Er beendete unser Gespräch, indem er zugab, daß das „Fern-Sehen" auf beide Weise möglich sei, aus einer Position innerhalb oder außerhalb des Körpers. Swann sollte es eigentlich wissen, denn er hat anderen Medien geholfen, Fähigkeiten auf dem Gebiet des „Fern-Sehens" zu ent- wickeln. Am erfolgreichsten war der verstorbene Pat Price, ein ehemaliger Polizeibeamter aus Burbank in Kalifornien, der bei mehreren Gelegenheiten am S. R. I. getestet wurde. Für ihre Arbeit mit diesem eher unwahrscheinlichen übersinnlichen Superstar führ- ten Targ und Puthoff einen genau festgelegten Versuchsplan ein. Sie wählten zunächst eine Reihe von geographischen Standorten im Bereich der San Francisco Bay aus. Dann fuhr einer der Forscher heimlich zu einem willkürlich daraus ausgewählten Ort und blieb dort ein paar Minuten lang, während der andere Forscher zusam- men mit Price im S. R. I. blieb. Sobald der eine Forscher an dem vorbestimmten Ort angekommen war, bat der andere Price, den übersinnlichen Kontakt herzustellen, den Aufenthaltsort des For- schers im Geiste zu besuchen und zu berichten, was er sah. Price verwendete zur Erfüllung dieser Aufgabe ein ähnliches Verfahren wie Swann. Er setzte sich zurück, entspannte sich, machte seinen Geist frei und suggerierte sich, den Forscher draußen aufzusuchen und zu sehen, wo er sich befand. Manchmal zeichnete er auch eine Skizze von dem, was er sah. Eine Versuchsreihe bestand aus unge- fähr sechs derartiger Sitzungen. Von Prices Berichten wurden Pro- tokolle angefertigt und in willkürlicher Reihenfolge an einen Au- ßenstehenden zur Überpüfung weitergegeben. Dieser Schiedsrichter besuchte dann die verschiedenen Orte und versuchte zu erraten, welches Protokoll für welchen Ort gedacht war. Die Ergebnisse waren phänomenal! Price konnte nicht nur den jeweiligen Zielort detailliert beschreiben, er konnte sogar den Na-

men des Gebäudes oder Platzes nennen, auf dem sich der Forscher draußen befand. Der Schiedsrichter hatte im allgemeinen keinerlei Schwierigkeiten, die Protokolle den jeweiligen Orten zuzuordnen. Der nächste Schritt in der Forschungsarbeit des S. R. I. auf dem Gebiet des „Fern-Sehens" kam, als man diese Methode bei anderen Personen testete, darunter mehrere Institutsangestellte und sogar ein oder zwei ortsansässige Skeptiker. Die Forscher stellten zu ih- rer Überraschung fest, daß die Fähigkeiten des „Fern-Sehens" al- lem Anschein nach ziemlich weit verbreitet ist. Viele Personen, die sich normalerweise nicht als besonders empfänglich für übersinnli- che Einflüsse betrachteten, waren sehr erfolgreich, sobald sie sich ernsthaft damit beschäftigten. Die Methode des „Fern-Sehens" ist inzwischen auch von anderen Forschern kopiert worden: am Mundelein College in Chikago, am Institut for Parapsychologie in Durham, an den Lawrence-Berkeley Laboratories im nördlichen Kalifornien und in anderen angesehe- nen Versuchsanstalten. Sie ist eine der populärsten heute gebräuch- lichen Testmethoden. Obwohl das „Fern-Sehen" nicht notwendigerweise ein Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper mit sich bringt, lehrt es die Leute, wie man sich etwas bildlich vorstellt. Man könnte das „Fern-Sehen" tatsächlich als eine Visualisierungsmethode betrach- ten, die zur Bewirkung eines Erlebnisses der Loslösung vom eige- nen Körper nützlich ist. Viele, die das „Fern-Sehen" praktizierten, fingen schließlich an, sich zu den Zielorten zu begeben, als ob sie durch die Kunst dieses Visualisierungsprozesses lernen würden, ih- ren Körper zu verlassen. Targ und Puthoff haben sogar einige vorläufige Daten zur Un- terstützung der Ansicht zusammengetragen, daß das „Fern-Sehen" eine Trennung von Geist und Körper mit sich bringt. Einige ihrer erfolgreichsten Versuchspersonen konnten über die Zielorte „flie- gen" und von Gebäuden und Ansichten des Geländes berichten, die für den draußen befindlichen Forscher nicht sichtbar waren. Das S. R. I. Team hofft, daß es ihm schließlich gelingen wird, diese Komponente des „Fern-Sehens" zu dokumentieren, dadurch daß man empfindliche Oszillatoren und andere Geräte an dem Zielort

aufstellt. Auf diese Weise will man feststellen, ob ein Geist, der den Ort überblickt, die Aufzeichnungen und Funktionen dieser Geräte beeinflussen kann. Das wäre ein Hinweis darauf, daß der Geist der Versuchsperson tatsächlich auf irgendeine Weise „anwe- send" wäre. Die meisten Parapsychologen betrachten das „Fern-Sehen" als einen Zweck an sich, als eine ziemlich einfache Methode zur Über- prüfung der ASW-Kräfte anderer Personen, die häufig ziemlich verläßlich zu funktionieren scheint. Nur wenige wissen die Tatsa- che zu schätzen, daß das „Fern-Sehen" vielleicht der erste Schritt zur Entwicklung von Fähigkeiten der Loslösung vom eigenen Kör- per ist und als eine genauso wirksame Schulungsmethode betrachtet werden kann wie die im vorangegangenen Abschnitt aufgelisteten Übungen. Die bloße Visualisierung eines entfernten Ortes könnte der erste Schritt zur Geistesprojektion sein. Falls Sie das „Fern-Sehen" selbst erlernen wollen, können Sie dies verhältnismäßig leicht tun. Gehen Sie wie folgt vor. Lassen Sie für Ihre ersten Pilotversuche einen Freund verschiede- ne Orte in Ihrer Stadt fotografieren. Wählen Sie ein Foto aus, sehen Sie es sich an, und setzen Sie sich dann in einen bequemen Sessel in Ihrer Wohnung, und stellen Sie sich den Ort bildlich vor. Halten Sie im Geiste solange Sie können an diesem Bild fest. Stel- len Sie sich vor, daß Sie Ihren Körper verlassen, an diesen Ort reisen und über ihm schweben. Sehen Sie sich den Ort so detailliert wie möglich an. Es könnte nützlich sein, das, was Sie sehen und erleben, auf Tonband festzuhalten. Vergleichen Sie jetzt das, was Sie gesehen haben, mit dem Foto. Achten Sie besonders auf alles, was Sie gesehen haben und was nicht auf dem Foto erscheint. Das könnte zum Beispiel eine Land- schaft hinter einem Gebäude sein, oder ein anderes Bauwerk dane- ben oder irgend etwas anderes. Vermerken Sie diese zusätzlichen Details besonders, und fahren Sie dann zu dem Ort. Stellen Sie fest, ob irgendwelche dieser zusätzlichen Beobachtungen korrekt sind. Falls es so ist und Sie diesen Ort zuvor noch nie besucht haben, war Ihr „Fern-Sehen" erfolgreich. Sie sollten diese Visualisierungsübung wöchentlich praktizieren,

bis in Ihren Berichten eindeutig übernatürliche Informationen auf- zutauchen beginnen. Dann werden Sie für die nächste Phase Ihrer Entwicklung bereit sein. Sie werden sich dazu wieder an einen Freund wenden müssen. Bitten Sie ihn, ungefähr zwei Dutzend Orte in der Umgebung der Stadt auszuwählen - alle so verschieden wie möglich, so daß sie schließlich leicht zu identifzieren sein werden. Für jeden Tag in der Woche lassen Sie Ihren Freund einen dieser Orte willkürlich aus- wählen und dorthin fahren, während Sie zu Hause bleiben. Setzen Sie sich bequem hin und warten Sie ab, bis Sie sicher sind, daß Ihr Freund an dem Zielort angekommen ist. Dann stellen Sie sich bild- lich vor, wie Sie sich auf die Reise machen, um ihn zu finden. Suggerieren Sie sich im Geiste, daß Ihr Geist vom Aufenthaltsort Ihres Freundes wie von einem Magnet angezogen wird. Es sollte nicht lange dauern, bis Sie „sehen" wo er sich befindet. Sprechen Sie alles, was Sie sehen, die Geographie, mögliche Gebäude in dem Gebiet und, was Ihr Freund dort tut, auf ein Tonband. Später schreiben Sie ein Protokoll von Ihrem Bericht. Führen Sie dieses Experiment sechsmal durch. Dann geben Sie Ihrem Freund die sechs Protokolle in willkürlicher Reihenfolge und stellen fest, ob er sie den Orten korrekt zuordnen kann. Zunächst werden Sie wahrscheinlich kein vollständiges Erlebnis der Loslösung von Ihrem Körper herbeiführen. Aber wenn Sie die Übung fortsetzen und sich suggerieren, daß Ihr Geist während dieses Vorgangs Ihren Körper verläßt, werden Sie vielleicht irgend- wann während Ihres „Fern-Sehens" feststellen, daß Ihr Geist wirk- lich auf Reisen ist. Wie schon die weisen Okkultisten ihren Schü- lern rieten - kümmern Sie sich nur darum, die Übungen zu beherr- schen. Sie werden zu Ihrem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen, wenn der Geist bereit dafür ist. Das erfolgreiche „Fern-Sehen" scheint in der Tat eine Art Kunst oder besondere Fertigkeit zu sein. Alan Vaughan, ein Medium und Forscher, der jetzt in Los Angeles lebt, schlägt vor, daß Sie beim Üben folgende Punkte beachten (die ich geringfügig abgeändert habe):

1. Berichten Sie, was Sie sehen, und nicht, was Sie „denken". Be-

richten Sie alle Bilder, die in Ihrem Geist auftauchen. Zensieren Sie nichts.

2. Zeichnen Sie, was Sie sehen, wenn Sie glauben, daß Sie das können.

3. Versuchen Sie nicht, in den Bildern, die vor Ihrem Geist auftau- chen, einen Sinn zu entdecken. Nehmen Sie sie einfach so, wie sie kommen, und versuchen Sie nicht, sie zu analysieren.

4. Konzentrieren Sie sich möglichst auf Gestalt, Form und Farbe der Objekte oder Gebäude, die Sie sehen.

5. Lassen Sie sich nicht verwirren, wenn irgend etwas, das Sie se- hen, keinen Sinn ergibt. Berichten Sie es trotzdem.

6. Besuchen Sie die Zielorte, nachdem Sie Ihre Sitzung oder Serie von Sitzungen abgeschlossen haben. Achten Sie genau auf De- tails in dem Gebiet, die Sie gesehen haben, die aber Ihr Freund nicht gesehen hat oder nicht sehen konnte.

7. Machen Sie nicht zu viele Sitzungen innerhalb einer kurzen Zeit.

Kurz, das „Fern-Sehen" kann sowohl ein Zweck an sich wie auch praktisch eine Schulungsmethode zur Entwicklung der Fä- higkeit zur Loslösung vom eigenen Körper sein. Viele Medien auf dem Gebiet des „Fern-Sehens" erleben dieses Phänomen so- gar ohne jegliche Schulung in formalen Methoden zur Herbei- führung des Erlebnisses der Loslösung vom eigenen Körper. Viel Erfolg! Es gibt jedoch ein praktisches Problem bei der Verwendung der Visalisierung, das nur wenige Autoren, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, angesprochen haben. Leider besitzt nicht jeder Mensch ein stark ausgeprägtes Vermögen der Visualisierung. Viele Menschen sind zu ziemlich intensiven, geistigen Vorstellungsbil- dern fähig und können sich von ihren geistigen Schöpfungen ganz gefangennehmen lassen. Aber weniger Begabten auf diesem Gebiet fällt es unter Umständen schwer, sich selbst die einfachsten Bilder im Geiste vorzustellen und festzuhalten. Sollten Sie zu diesen we- niger Begabten zählen, sind die in diesem Kapitel beschriebenen Übungen vielleicht nicht das Richtige für Sie. Es sind Bücher er- hältlich, die Übungen zur Entwicklung und Verbesserung des Vor- stellungsvermögens anbieten. Es scheint jedoch, als ob die Fähig-

keit zur Entwicklung von Visualisierungsfertigkeiten in der indivi- duellen Psychologie jedes einzelnen tief verwurzelt ist. Manche Menschen können einfach keine Vorstellungsfähigkeit entwickeln. Ich kenne eine Psychologin, die ein derart schwaches Visualisie- rungsvermögen besitzt, daß sie nicht einmal in der Lage ist, sich ihre eigene Wohnung bildlich vorzustellen und zu sagen, wie viele Fenster die Wohnung hat. Sie muß sich dazu buchstäblich hinset- zen und es mühsam errechnen, indem sie die Außen- und Innen- wände durchzählt! Es ist vielleicht keine schlechte Idee, wenn Sie Ihr persönliches Vorstellungsvermögen testen, bevor Sie versuchen, über diese Methode zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Das bedeutet nicht, daß Sie eine besonders starke Vorstellungsfä- higkeit besitzen müssen, um zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper zu gelangen. Dr. Harvey Irwin, ein Psychologe an der Universität von New England in Armindale, Australien, hat herausgefunden, daß sich die Menschen, die spontane Erlebnisse der Loslösung vom eigenen Körper haben, in ihrer Vorstellungsfä- higkeit nicht sehr von dem unterscheiden, was für einen durch- schnittlichen Erwachsenen normal ist. Aber der Gebrauch der Vi- sualisierung, um die Fähigkeit der Loslösung vom eigenen Körper zu entwickeln, ist vielleicht nicht gerade die beste Methode für diejenigen, die Schwierigkeiten mit geistigen Vorstellungsbildern haben. Wie können Sie feststellen, ob Sie eine natürliche Begabung in bezug auf die Visualisierung besitzen oder nicht? Es besteht die Möglichkeit, dies über verschiedene komplizierte psychologische Tests herauszufinden. Aber eine andere, naheliegende Methode fin- den Sie in der Praxis. Testen Sie sich einfach selbst. Stellen Sie sich bildlich Ihre Wohnung vor, und stellen Sie fest, ob Sie zählen können, wie viele Fenster sie besitzt. Wenn Sie mit dieser einfa- chen Aufgabe Schwierigkeiten haben, sind Sie möglicherweise nicht der Typ, der normalerweise in visuellen Vorstellungsbildern denkt. Eine andere, sehr einfache Methode, um annähernd zu bestimmen, ob Sie sich von Ihren geistigen Vorstellungsbilder wirklich gefan- gennehmen lassen können, besteht in dem unten skizzierten Test.

Es ist ein Auszug und eine Zusammenfassung eines komplizierten Tests zur Bewertung vieler Aspekte der Erkenntnis- und Wahrneh- mungsweise eines einzelnen. Bewerten Sie jede Aussage mit wahr oder falsch, wie es auf Sie persönlich zutrifft.

1. Eine ausdrucksvolle oder poetische Sprache kann mich tief be- wegen.

2. Wenn ich einen Kino- oder Fernsehfilm oder ein Theaterstück sehe, kann ich mich davon so gefangennehmen lassen, daß ich mich selbst und meine Umgebung vergesse und die Geschichte so erlebe, als ob sie wirklich wäre und ich selbst daran teilneh- men würde.

3. Manchmal habe ich das Gefühl, als ob mein Geist die ganze Welt umfangen könnte.

4. Ich kann mir manche Dinge so lebendig vorstellen (oder in Tag- träumen ausmalen), daß sie meine Aufmerksamkeit wie ein guter Film oder eine gute Geschichte fesseln.

5. Es ist mir manchmal möglich, mich vollkommen in die Natur

oder die Kunst zu vertiefen und das Gefühl zu haben, als ob sich mein gesamter Bewußtseinszustand in irgendeiner Weise vorübergehend verändert hätte. Wenn Sie den überwiegenden Teil dieser Aussagen als falsch be- wertet haben, sind für Sie vielleicht die in den vorangegangenen Kapiteln beschriebenen Methoden eher zu empfehlen. Selbst wenn viele von Ihnen feststellen sollten, daß sie infolge dieser Übung nicht zu einem Erlebnis der Loslösung vom eigenen Körper gelangen, können Sie aus diesen Übungen Nutzen ziehen. Die innere Welt der geistigen Vorstellungsbilder ist eine faszinie- rende Welt und entwickelt sich heute rasch zu einer der größten Herausforderungen für die Psychologie. Die Welt der geistigen Er- fahrung ist weitaus unterhaltsamer und erhellender in bezug auf das eigenen Ich, als die oftmals eintönigen Botschaften, die wir aus der materialen Welt erhalten. Wenn Sie also durch den Gebrauch der geistigen Vorstellungsbilder nicht zur Loslösung von Ihrem Körper gelangen können, sollten Sie sie wenigstens dazu benutzen, um in sich selbst vorzudringen. Sie lernen dadurch vielleicht genausoviel.