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Transkript

Interview mit Christopher Clay und Lou Lorenz­Dittlbacher (ZIB 2, ORF 2, 8. August 2013)

Donnerstag, 8. August 2013, 20:00 Uhr Zeit im Bild 2 (ZIB 2), ORF Quelle: http://tvthek.orf.at Autoren: Thomas Knapp (thomas.knapp@neuwal.com) und Dominik Leitner (dominik.leitner@neuwal.com) Artikel auf http://neuwal.com

Bild: ORF 2 PULS4

 Frau Lorenz­Dittlbacher.. aber aus unserer Sicht gibt es keinen einzelnen Spitzenkandidaten. sondern ein Spitzenteam. Weil wir das Ganze nicht . Was bringt denn das? Christopher Clay: Also es gibt natürlich einen Erstgereihten auf der Liste.] Ich begrüße bei mir im Studio: Christopher Clay. Guten Abend! Christopher Clay: Guten Abend. es gibt keinen Spitzenkandidaten."Natürlich ist Basisdemokratie schwierig. Das geht bei ihnen nicht. wir hatten eigentlich vor die Spitzenkandidaten aller neuen Parteien einzuladen. Lou Lorenz­Dittlbacher: Herr Clay." Abb. 1: Wordle mit 50 Wörtern Lou Lorenz­Dittlbacher: [..

 wenn nicht bei uns selber. der Reform unserer Demokratie hin zu mehr Mitbestimmung und der Investitionen in die Zukunft und Chancen für alle Menschen. mit ihrer Organisationsstruktur. Dass wir die Errungenschaften. von Technologie. Also: Es ist zu früh. aber sie sind in mehreren Landtagen vertreten. dass einer einfach der Chef sein muss? Christopher Clay: Das glaube ich nicht. Sie hätten viel vor. Wir glauben. ­ das Ziel der Piraten ist. sie haben gerade die internationale Bewegung angesprochen. dann merkt man. wie die anderen. Und deren Gesicht wir hunderttausendfach an die Wände kleisten … und man soll diese Person wählen. wie das jetzt gerade beim Ausbau des Überwachungsstaates passiert. Ist ihnen das auch wichtig. uns da dem Totgesang zu schwelgen. Das war einer der Gründe. Lou Lorenz­Dittlbacher: Ein deutscher Piratenkollege hat in der ZEIT gesagt: Ich hoffe. Die Deutschen benützen das noch nicht. dass die endlich auch in die Politik einfließen und dass diese Technologien für die Menschen eingesetzt werden und für die Erhöhung der Freiheit und Mitbestimmung und nicht gegen sie. Lou Lorenz­Dittlbacher: Wenn man sich ihr Parteiprogramm ansieht. ging es auch wieder bergab. wir in Österreich benützen da technische Lösungen ­ ein Online­Abstimmungssystem ­ wo wir gut gemeinsam fair unsere Meinung bilden können. Aber z. ein nationales Parlament. warum es bei ihnen so viele persönliche Reibereien gab. dass klingt jetzt nicht zu seriös. Kann es nicht sein. Bei uns soll man Themen wählen. nicht umsetzbar waren. Aber wir wollen nicht wie andere Politiker so tun. alle Menschen mitbestimmen zu lassen und mitreden zu lassen und die Mündigkeit aller Menschen zu fördern und wo sollten wir da anfangen. was gut ist für die Menschen. nicht zu seriös zu sein? Christopher Clay: Also wichtig ist nicht genauso zu sein. sie haben viel vor. Also. So schnell. das ist unser Kerninhalt. die müssen natürlich von glaubwürdigen Köpfen vertreten werden. wie es berauf ging. Also.auf einen Personenkult reduzieren wollen. Ein bisschen frischer Wind tut der Politik schon sehr gut. eingezogen. dass das auch an einem Zuviel an Basisdemokratie gelegen ist. die haben sich in einem atemberaubenden Tempo zerschlissen. sie stehen bei den Umfragen nicht mehr bei hohen zweistelligen Prozentzahlen. natürlich ist Basisdemokratie schwierig. die Chancen und die Gefahren vom Fortschritt. Und nicht alles nur bewahren wollen. Jahrhundert bringen wollen. dass die Sache vor die Köpfe gehen soll. wenn sie an die Macht kämen. Sondern: Bei uns geht es um die internationale Bewegung der Piraten und um unsere Kernthemen der Verteidigung unserer Freiheiten. Man sieht aber auch: Sie würden dazu eigentlich das Geld abschaffen müssen. Lou Lorenz­Dittlbacher: Die deutschen Piraten. aber gleichzeitig: Gut. wie es immer schon war. als gäbe es die eine Person. In Island ist die Piratenpartei zum ersten Mal in ein Parlament. die besser weiß als alle anderen.B. Ein Beispiel ist das . weil eben dieser Anspruch. vom Internet. sie leiten in Berlin den Kontrollausschuss zum Flughafen­Skandal. dass wir die Politik endlich ins 21.

das ist ungefähr 85 Milliarden. an ehrenamtliche Tätigkeiten. dass es die Aufgabe des Staates ist. da findet sich in ihrem Parteiprogramm folgender Satz: Das Bedingungslose Grundeinkommen sichert die Existenz. Das Gesamtbudget etwa des Innenministeriums ist. . das jetzige Sozialsystem kostet 85 Milliarden. Also da würden mehr als alle Steuereinnahmen draufgehen auf dieses Modell. obwohl es was kostet. Können Sie so etwas nicht nur deswegen fordern. Lou Lorenz­Dittlbacher: Ich hab jetzt die Zahlen nicht vom Sozialsystem. Das ist knapp unter was das gesamte Sozialsystem heute kostet. Zur Finanzierbarkeit: Wir haben eine Modellrechnung angestellt. immerhin noch knapp unter 15 Prozent leben unter der Armutsgrenze in Österreich.9 Milliarden nimmt der Staat jährlich an Steuern ein. Lou Lorenz­Dittlbacher: In einem Jahr? Christopher Clay: Pro Jahr. sind 2. meines Wissens. Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Menschen. weil sie an Existenzangst leiden. Und wir glauben. ohne dass es dafür monetäre Entlohnung gibt. die Mündigkeit seiner Bürgerinnen und Bürgern zu fordern und ihre Freiheit zu garantieren.sogenannte “Bedingungslose Grundeinkommen”. weil sie es nicht bezahlen müssen? Christopher Clay: Na. die solche Arbeiten verrichten.9 Milliarden. sondern auch eine insgesamt produktivere. denken sie nur an Pflege. Es würde 81 Milliarden Euro kosten jeder Person in Österreich die Mindestpension auszubezahlen bzw. Christopher Clay: Nein. Auswirkungen auf die Kriminalitätsrate. aber ich hab die Zahlen was es an Steuereinnahmen gibt und das sind heuer 76.. also dass das... Und viele Leute sind heute nicht frei. Menschen. Studenten von ihren Eltern usw. Wir haben eine Modellrechnung angestellt.. das hab ich mir angeschaut.2 Milliarden. eine Investition ist. Und viele gesellschaftlich sinnvolle Tätigkeiten werden verrichtet. Also. es wird ohne Bedürftigungsprüfung ausgezahlt und bedeutet keinen Zwang zur Arbeit. wir glauben.. Lou Lorenz­Dittlbacher: 76. die sich langfristig für uns alle rechnet. Ob da.. Das ist. nicht mehr. Also. Lou Lorenz­Dittlbacher: Wie viel haben Sie gesagt? 81? Christopher Clay: 81 Milliarden.. für Kinder einen halben Satz. also: Mal den Kontext hinter dieser Forderung: Wir wollen die Münd­. sind momentan abhängig von ihren Ehepartnern. an Erziehung. dass eine Gesellschaft mit weniger Abhängigkeit und mehr Mündigkeit der Einzelnen nicht nur eine lebenswertere ist..

 In Österreich wird alle fünf Jahre mittlerweile ein Nationalrat gewählt. es ist weniger als das Sozialsystem heute kostet. Das ist eine Mischform aus direkter und repräsentativer Demokratie die Populismus verhindert. wird glauben dass das langfristig eine Investition ist die sich lohnt. Wir wollen das Leute sich frei entfalten können. ein neues Bildungssystem. Ist das für Sie ein Modell wo Sie sagen "das hat gut funktioniert"? Christopher Clay: Nein.. Lou Lorenz­Dittlbacher: Ja.. Aber es geht ja auch gar nicht um mich.. Wir wollen echte Mitbestimmung.. das sprengt den Rahmen tatsächlich. Natürlich braucht es weiterhin Spitalseinrichtungen und Pflegegeld und bedürftige.Christopher Clay: Wie gesagt. diese . Da gings nicht darum die Meinung der Bevölkerung zu erheben. Stellen Sie sich selbst die Frage ­ würden Sie nicht mehr arbeiten wenn Sie 800 Euro im Monat bekommen würden? Lou Lorenz­Dittlbacher: Ich bin da bestimmt kein. es geht um Sie und um Ihre Partei. Ich möchte noch zu einem anderen Thema kommen. die heutzutage schon automatisiert werden könnte. aber wir wollen eine Diskussion darüber lostreten ob die Gesellschaft nicht vielleicht eine bessere wäre wenn mehr Menschen frei und unabhängig sind. Volksbefragungen. Da gab’s. Wir wollen nicht Menschen in schwere und repetitive Arbeit drängen. Lou Lorenz­Dittlbacher: Aber was sagen Sie eigentlich denen die sagen "ich möcht gar nicht so viel mitbestimmen. äh Lebensaufwand. Natürlich geht das nicht ohne Begleitmaßnahmen. das hat überhaupt nicht gut funktioniert. Volksabstimmungen gibt’s nicht so viele. Die zu einer Gesellschaft führt die produktiver ist. Langfristig denken wir da an neue technologisch erst möglich gewordene Mittel wie zum Beispiel das Konzept der Liquid Democracy. als Hilfe für extra bedürftige Menschen. natürlich könnte man nicht alle dieser Kosten umlegen. Natürlich ist das nicht eine Forderung die man von heute auf morgen umsetzen kann. Das Ziel der Vollbeschäftigung ist heute nicht mehr ein verfolgenswertes. sondern das war eine Kampagne der Parteien.. Aber ich würde wohl auch arbeiten wenn sie mir nicht so viel Spaß machen würde. Im Jänner gab’s aber die Wehrpflicht­Volksbefragung. da wurde nach diskutierte welche Partei ist jetzt der Gewinner und der Verlier. Christopher Clay: Aber intern erproben wir das schon. Das war eine rein parteitaktisch vereinnahmte Sache. Das. also einer Gesetzesinitiative für die Bevölkerung die dann auch verpflichtend umgesetzt werden muss und einer Vetoinitiative aus der Bevölkerung. ich wähle Parteien damit sie mir das abnehmen. Also anfangen sollte das mit einer verpflichtenden . Aber wie gesagt. Viele. das sprengt jetzt wahrscheinlich den Rahmen das im Detail zu erklären. Also ich bin sicher ein anderer Fall weil mir macht meine Arbeit auch sehr viel Spaß. nur damit sie einen Arbeitsplatz haben. Das Thema Mitbestimmung ist Ihnen auch sehr wichtig. einfach um meinen Lebensinhalt und den meiner Familie. finanzieren zu können.

 Wenn Sie es schaffen. damit eben.Entscheidungen"? Christopher Clay: Genau das ermöglicht dieses Modell. uns ist das wichtigste dass unsere Themen mehr Gehör finden. um in diesem System mal ein bisschen aufzuräumen. Christopher Clay: Danke vielmals. aber transparent und flexibel und müssen nicht fünf Jahre warten bis sie ihre Stimme ändern können. Lou Lorenz­Dittlbacher: Gut. Koalitionsverhandlungen könnten wir nur führen mit einer Partei die diese auch transparent und öffentlich führt. Lou Lorenz­Dittlbacher: Was ist ihr Ziel? Christopher Clay: Das Ziel ist eindeutig der Einzug. da sind wir an einem Scheidepunkt in unserer Entwicklung. was in diesem Interview nicht vorgekommen ist. danke fürs Kommen. und das ist auch schon eine schöne Illustration davon warums die Piraten braucht. möchten Sie in die Regierung. sollten Sie den Einzug in den Nationalrat schaffen? In den Umfragen liegen Sie derzeit bei 2 % muss man dazusagen. zum Abschluss die Frage an Sie: wo möchten Sie mitbestimmen. in welche Richtung die Demokratie weitergeht. Lou Lorenz­Dittlbacher: Herr Clay. Sie können sich vermutlich selber ausmalen welche das sein werden. Und Leute die mitbestimmen wollen können das tun. aber keine Stimme ist verloren. Christopher Clay: Also ich nehme an gar keine. mit jedem Prozent werden unsere Themen ernster genommen. möchten Sie in die Opposition? Christopher Clay: Also. . also Leute die diese Aufgabe delegieren möchte können das machen. ist die Verteidigung unserer Freiheit die momentan sehr angegriffen wird. Da müssen wir den Überwachungsstaat verhindern. das wir ernst genommen werden. Lou Lorenz­Dittlbacher: Sagen Sie es.