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10_09_004_Leserbriefe 22.09.

2009 15:17 Uhr Seite 4

leserbriefe redaktion@hinnerk.de

Bin eine Mama aus OWL und mein Sohn heißt Hinnerk.
Er ist 20 Monate alt. Erst war ich sehr erschrocken, als
ich seinen Namen im Web eingegeben habe. Man weiß ja
Clubmode nicht, wie sein Leben und das seiner Liebe abläuft.
HAMBURG Heute bin ich froh, dass es euch gibt und stolz, dass mein
zieht an
Junge euren Namen trägt. SIMONE
Zu „Muss das sein?“, hinnerk 09/09 eine Einladung zum Dialog über ein ranz werben muss. Sie hat die Mög- auf eine Stufe stellt. Der CSD sollte
Es ist immer wieder erstaunlich, wie in- Thema, das schon ein Massenphäno- lichkeit Ihre Vorliebe auszuleben ohne doch an Stonewall erinnern. Und uns
tolerant gerade jene sind, die den He- men ist. Tatsächlich wurden wir derart diskriminiert zu werden. Wohlgemerkt, allen zeigen, dass unsere Lebensform
terosexuellen vorwerfen, sie würden häufig positiv von den Zuschauern des wenn man wie ich davon ausgeht, dass nicht schlechter ist als die der hetero-
die Homosexuellen an den Rand der CSD angesprochen (und die „Hunde“ sexuelle Handlungen, die das Küssen sexuellen Mehrheit. Was wir dann sexu-
Gesellschaft drängen. Man mag über wurden permanent gekrault), dass ich übersteigen, in private Lebensbereiche ell daraus machen, ist uns – so wie auch
SM und den „rollenden Hundezwinger“ sagen kann: Wir waren willkommen, gehören. allen Heterosexuellen – selbst überlas-
denken, was man will, aber Sexualität gerne gesehen und fotografiert! Wir SM ist für mich nichts speziell schwul- sen. Dafür braucht man keine Akzep-
hat immer etwas mit „unten und oben“, waren auch immer „gut angezogen“ lesbisches. Drag Queens schon. Ja, der tanz, sondern hat daheim hoffentlich
mit (geduldeter) „Gewalt“, mit „aktiv und haben uns wahrlich „gesittet“ ver- CSD sollte für Vielfalt stehen. Ja, er ein Bett. DR. CHRISTINA WOYWOD
und passiv“ zu tun. Besondere Aus- halten, was die Leute zum Näherkom- sollte für Toleranz stehen. Aber wenn
prägungen dieser Spielarten machen men einlud. Was soll daran nun das wir das so auslegen, warum kommen Zu „Das Duell“, hinnerk 09/09
möglicherweise Angst, aber frei davon „Dunkle und Abseitige“ sein? Es geht dann nicht auch die Anti-Atomkraft- Gehört der hinnerk plötzlich zum Axel
ist niemand, der seine Sexualität aus- darum, die Themen Fetisch und SM gegner mit? Hat mit Schwulsein genau- Springer Verlag, oder wurdet ihr gleich
lebt. Also: Ja, es muss sein – denn die dorthin zu holen, wo sie hingehören: so viel zu tun wie SM! Nein, Vielfalt vom Seeheimer Kreis der SPD gekauft?
für mich eingeforderte Offenheit und mitten in die Gesellschaft. MIKE heißt nicht, dass man jede Grenzüber- Der Artikel über Johannes Kahrs
Toleranz gilt auch für jene, die mir mög- schreitung tolerieren muss. Und nur, grenzt an Wahlwerbung. Einem Mann,
licherweise Angst und Unbehagen be- Ja, Leuten wie mir, die in der Gesell- weil es sich um eine sexuelle Spielart der so viel Dreck am Stecken hat, mit
reiten. CLAUS schaft akzeptiert werden wollen, ist es handelt, heißt es auch nicht, dass man bestenfalls viertelkritischen Andeutun-
tatsächlich peinlich, mit einer derarti- ihre öffentliche Zurschaustellung ak- gen davonkommen zu lassen, ist frech.
Zum Artikel „Muss das sein?“ möchte gen gesellschaftlichen Gruppe in Zu- zeptieren muss, weil man selber einer Und Farid Müller nur als nett und har-
ich aus gegebenem Grund Stellung be- sammenhang gebracht zu werden. Mit wegen ihrer sexuellen Orientierung dis- moniesüchtig zu beschreiben, ohne auf
ziehen: Ich war der „Herr der Hunde“ folgendem haben Sie nicht Recht: Drag kriminierten Gruppe angehört. Ich gehe seine Verdienste für die LGBT-Commu-
des „rollenden Hundezwingers“ der Queens würden nur akzeptiert, weil Sie zum CSD, weil ich mich damit identifi- nity einzugehen, ist auch keine journa-
Strictly-Men-Bar auf dem CSD, und das bunt und lustig sind. Sie sind ein Teil ziere. Und mit vor Sulkys gespannten listische Objektivität. Von einer Zeitung
war gut so! Was war und ist der Sinn der schwulen Kultur. Unsere Flaggschif- Menschen und Hundezwingern identi- erwarte ich Wahlempfehlungen und
der Präsenz von Fetisch und SM auf fe. Es gibt für sie kein Äquivalent in der fiziere ich mich nicht. HENDRIK DWINGE Parteienvergleiche anhand eines Fra-
dem CSD? Ganz klar: zu zeigen, dass heterosexuellen Kultur unserer Gesell- genkatalogs oder des bisher Geleiste-
es noch eine große Gruppe von Men- schaft. Die SM-Szene hingegen findet So schade es ist: Mittlerweise schäme ten. Keine Plattitüden und selbstver-
schen gibt, die gesellschaftlich ausge- eine Entsprechung in der „heterosexu- ich mich, bei der Parade mitzulaufen. liebtes Grünen-Bashing. DIRK KOTTE
grenzt und missverstanden wird, ob- ellen Kultur“ und nennt sich dort – Über- Ich kann nicht verstehen, warum ein
wohl es sich eben nicht um eine kleine raschung – SM-Szene! Für mich ist das Schwulenmagazin die Lebensform Ho-
Minderheit handelt. Unsere Präsenz ist eine Gruppe, die nicht um mehr Tole- mosexualität mit der Sexualpraktik SM

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