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Hamburg:

Winter 2009/2010 Sonderausgabe

Das Magazin der Metropole

Unter Geiern
Wie Hamburgs Politiker die
Stadt verkaufen - und wo der
Widerstand dagegen wächst

New Kids on the Block:

RECHT AUF STADT

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Hamburg:
Thema: Die Stadt gehört allen
Inhalt / Editorial
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in Hamburg sagt man „Tschüs“. Und mit dieser Ausgabe sagen wir auch „Tschüs!“. Zu
dem Werbegetexte, das PR-Magazine wie dieses üblicherweise prägt. Wir: Das sind ein
paar Hamburger Journalistinnen und Journalisten, Grafiker und Grafikerinnen die es
nicht mehr ertragen, das Marketingsprech vom „Wohnen am Wasser“ und der „pulsieren-
den Metropole“, während um uns herum die Mieten steigen, sündhaft teure Eigentums-
wohnungen und Büroglaspaläste aus dem Boden schießen und Grünflächen verkauft und
zugebaut werden. Wir möchten sie nicht mehr ausklammern, die soziale Frage.
Ja, es ist eine Menge los in Hamburg – aber ganz anders als es sich unsere Metropolen-
Vermarkter wünschen. Unter dem Motto „Recht auf Stadt“ entstehen derzeit überall in
Hamburg Initiativen gegen Gentrifizierung, gegen städtische Großprojekte und für Frei-
räume – einige davon stellen wir in diesem Magazin vor.
Es wird Zeit, dass Politiker aufhören, Leitlinien zu befolgen, die sich Unternehmensbera-
ter ausgedacht haben. Denn das führt zu einer Stadt, auf die nur noch Besserverdienende
ein Recht haben. Wir dagegen meinen: Die Stadt gehört allen.

Für Nachfragen, Kritik, Anregungen oder Zuspruch: rechtaufstadt@gmx.net

UNTERNEHMEN HAMBURG
Wenn Geld die Stadt regiert _________________________________________ S. 04
Was Politiker anrichten, wenn sie ein Gemeinwesen zum Profit-Center umbauen

KONJUNKTURPAKET
„Wohnraum für alle“ ______________________________________________ S. 07
Der Jurist Marc Meyer über das Hamburger Mietproblem

GÄNGEVIERTEL Wir lieben Waffen!


Jetzt erst recht! __________________________________________________ S. 08
Langfristiger Gewinn: Künstler kämpfen um den Erhalt eines historischen Viertels

INITIATIVEN
Widerstandorte ___________________________________________________ S. 10
Hier wird geträumt und gekämpft. Für Freiräume, gegen Verdrängung

NACHTLEBEN
Magie der Schweißtropfen _________________________________________ S. 14
Das Clubsterben in der „Musikstadt Hamburg“ geht weiter

FRAPPANT/IKEA
Der Elch will den Stadtteil __________________________________________ S. 16
In Altona soll ein Ikea-Möbelhaus entstehen. Hatten wir das nicht schon mal?

ST. PAULI Internationales


Hamburg, meine Schatzstadt ________________________________________ S. 18
Ein Comic über den Kiez Maritimes Museum
New Kids on the Block:
MANIFEST Hamburg
TITELFOTO: BERND RUMM

Not In Our Name, Marke Hamburg! ___________________________________ S. 20


Jan Delay, Rocko Schamoni, Kettcar, Fettes Brot und viele andere haben genug
Koreastraße 1 | 20457 Hamburg
WARUM, HAMBURG? HafenCity | U-Bahn Meßberg
Urban Utopia _____________________________________________________ S. 23 Geöfnet: Di., Mi., Fr.,
Stadt-Ethnologin Kathrin Wildner über die „ideale Stadt“
Sa., So. von 10 bis 18 Uhr,
Do. von 10 bis 20 Uhr

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UNTERNEHMEN HAMBURG

WENN GELD DIE


STADT REGIERT
Die Metropole als Unternehmen: Das fanden Stadtväter vor zweieinhalb Jahrzehnten
revolutionär. Doch der Fall Hamburg zeigt, was Politiker anrichten, wenn sie ein Gemein-
wesen zum Profit-Center umbauen.
Eine Bilanz von Johanna Adler

„Schwierige Zeiten“: Wenn „Unternehmen Hamburg“ aus- ausrichten. Von der Stärkung was gefördert wird, während
Hamburgs Bewohner diese zurufen. Ein Paradigmenwech- der Starken, so die Logik des die Wirtschaftsbehörde das
Wörter hören, müssen sie sel: Schluss mit Gemeinwesen Konzepts, würden alle profi- Geld bereitstellt. Die HWF ist
sich traditionell warm an- und Sozialverträglichkeit – die tieren. Seitdem ist Hamburg die erste von vielen GmbHs,
ziehen. Dann werden „Pa- Stadt solle künftig als Unter- keine Stadt mehr. Hamburg also von privatwirtschaftlich
kete geschnürt“, Reformen nehmen betrachtet werden ist ein Wirtschaftsstandort. organisierten Institutionen,
verabschiedet und „Maß- und wie ein solches handeln. die unter der Dachmarke
nahmen“ durchgeführt, die Profitabel, wettbewerbsori- Dohnanyi gab den Startschuss „Unternehmen Hamburg“
„schmerzhaft, aber notwen- entiert, effizient. Jede Unter- dafür, dass die Politik – im- agieren. „Entbürokratisie-
dig“ sind. Schwierig sind die abteilung – egal, ob Kultur, merhin die Instanz, auf die der rung“ ist das Schlagwort, mit
Zeiten immer dann, wenn Wissenschaft, Wohnungsbau Bürger Einfluss nehmen kann – dem die Umwandlung vor-
Politiker etwas durchsetzen oder Tourismus – wird zu sich zurück zieht und öffentli- angetrieben wird. Dohnanyi
wollen – möglichst schnell. einem „Profit-Center“, das aus che Aufgabenbereiche privati- selbst hat den Sinn deutli-
Und „unbürokratisch“, also: sich heraus gewinnorientiert siert. Als erstes gründete man cher formuliert: Die GmbHs
ohne öffentliche Diskussion. arbeitet. Gleichzeitig soll die die Hamburger Gesellschaft für würden die „Durchsetzbarkeit
Eine „schwierige Zeit“ war es Stadt ihre Wohn- und Arbeits- Wirtschaftsförderung (HWF). wichtiger Entscheidungen
auch, die Bürgermeister Klaus bedingungen den Vorlieben Seither bestimmt ein Konglo- zügiger“ machen; „investiti-
von Dohnanyi (SPD) 1983 als einer „neuen Intelligenz“ merat aus Handelskammer und onshemmende Vorschriften“
Argument heranzog, um das (Dohnanyi) entsprechend Banken, wie gearbeitet und können umgangen werden.

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Das ist der Beginn der Ent- Auf der Einnahmenseite hat das zugegriffen haben. Und indem
demokratisierung der Stadt. mehrfach beliehene Sonderver- das „Unternehmen Hamburg“
Weder über das Leitbild „Un- mögen nur eines zu verbuchen: an sie verkauft, macht es seine
ternehmen Hamburg“ noch die potenziellen Erlöse aus Stadtteile zu Spekulationsob-
über dessen Nachfolger konnte dem Grundstücksverkauf. Die jekten, deren Wert – wie an
die Bürgerschaft abstim- müssen also möglichst hoch der Börse – steigt oder fällt.
men, obwohl es die gesamte sein – und um den Kaufanreiz
Stadtpolitik neu ausrichtete. zu verstärken, werde Inves- Die Öffentlichkeit wird ent-
Nach Dohnanyi setzt Hen- toren mit weiteren Zuge- eignet, ihr Lebensraum immer
ning Voscherau (SPD) diesen ständnissen gelockt. Statt um kleiner, ihre Lobby sowieso,
Weg fort. Seinem größten städtebauliche Planung geht es vor allem, wenn es um die Inte-
Coup – der Hafencity – liegt einzig und allein um maximale ressen der Normal-, Gering-,
ein geheimer Deal zugrunde, Verkaufspreise – auch wenn oder Gar-nicht-Verdiener geht.
den er 1997 verkündet: Unter die Stadt damals viele Ideen- Die städtische Wohnungsge-
seiner Regie hatte die Stadt wettbewerbe ausgerufen hat, sellschaft SAGA, ursprünglich
über die „Hamburger Hafen- die den Bürgern Beteiligung gegründet, um „sichere und
und Logistik AG“ (HHLA) zumindest suggerieren sollten. sozial verantwortliche Woh-
Flächentausch und Firmenum- nungsversorgung für breite
siedelungen zwischen Hafen- ENTEIGNETE ÖFFENTLICHKEIT Schichten der Bevölkerung“
city und Altenwerder vorbe- Grundstücke, Freiflächen, zu gewährleisten, wird im Un-
reitet. Als der Bürgermeister Wohnhäuser: Schritt für Schritt ternehmen Hamburg ebenfalls
seine Pläne offen legt, sind die privatisiert das „Unternehmen zum Profit-Center. Gewinn
Weichen bereits gestellt: Ein Hamburg“ auch unter dem kann die SAGA über steigen-
reguläres Planverfahren, wie es nächsten CDU-geführten Senat de Mieten erwirtschaften:
vorgeschrieben gewesen wäre, städtisches Eigentum oder Wohnungen werden saniert
ist obsolet. Die Bürgerschaft überlässt es profitorientierten und anschließend teurer. Mehr
wird mit bereits geschaffenen Nutzern zur Bewirtschaftung. „aufgewerteter“ Wohnraum
Tatsachen konfrontiert, die Öf- Nach dem seit 2001 gelten- bedeutet mehr zahlungskräfti-
fentlichkeit ist an der Diskus- den Konzept „Wachsende ge Mieter. Schließlich soll die
sion überhaupt nicht beteiligt Stadt“ werden aus einzelnen SAGA nicht länger Wohnraum
– es gibt keine Diskussion. Wohnvierteln „Quartiere“, die für alle bereitstellen – sie muss
Vertraulichkeit sei notwen- „gemanagt“ werden. Nur we- das Vermögen des Hamburg-
dig gewesen, um die Flächen nige Gutverdienende können Konzerns vergrößern, damit
günstig erwerben zu können, sich die aufgewerteten Viertel er neues Geld zum Investieren
lautet Voscheraus Begründung. leisten. Doch problematisch hat. 2005 kauft die SAGA
sind nicht nur die Verkäufe, das städtische Wohnungsbau-
Zu Hamburgs unternehme- sondern vor allem die Käufer: unternehmen GWG. Kosten:
rischem Prinzip gehört nun Für internationale Investment- 500 Millionen Euro, die nun
auch, dass die Stadt mit gesellschaften, die in Hamburg durch die Mieten der SAGA-
virtuellem Geld plant: Die neu mittlerweile hunderttausende Bewohner wieder reinkommen
erworbenen Immobilien und Wohnungen besitzen, sind müssen. Auf diese Weise hat
Grundstücke der Hafencity, die Immobilien und Grundstücke das „Unternehmen Hamburg“
ihren tatsächlichen Wert erst einzig und allein Anlageobjek- auch seinen „schwächeren“
noch beweisen müssen, werden te, die Gewinne abwerfen müs- Bürgern viel Geld abgeluchst,
zum städtischem „Sonder- sen. Zugleich dienen Investiti- das nun wieder ausgegeben
vermögen“ erklärt. Verwaltet onen im Immobilienmarkt als wird. Nicht für sozialen
wird dieses Kapital zunächst Absicherung für Investitionen Wohnungsbau, sondern vor
von der „Gesellschaft für im Finanzmarkt. Bricht dieser allem: für die Hafencity.
Hafen und Standortentwick- – wie gerade geschehen – zu-
lung“ (HSG). Diese nimmt sammen, wird Wohnraum zur Hamburgs Traum vom „Leben
Kredite auf, mit denen unter schnellen Handelsware. Miet- und Arbeiten am Wasser“ zeigt
FOTOS: BERND RUMM

anderem Hafenverlagerung wohnungen werden verkauft, exemplarisch, dass die Logik


bzw. –erweiterung finanziert Instandsetzungen erfolgen nur des „Unternehmens Hamburg“
werden sollen. Wenig später noch nach dem Low-Cost- auch wirtschaftlich nicht auf-
werden Kredite aufgenommen, Prinzip. Es sind die guten alten geht: Das inzwischen von der
um die Kredite zu finanzieren. „Heuschrecken“, die hier „HafenCity GmbH“ verwal-

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UNTERNEHMEN HAMBURG
tete Sondervermögen konnte vorangetrieben wurde, hat von selbst produzierten Leerstand bestenfalls noch zur Spielwiese
bisher weder die Ausgaben vornherein zu Fehlplanungen entgegen zu wirken, musste die für das „kreative Prekariat“,
für den Hafen in Altenwerder geführt. Da der Senat – seinem Stadt als Mieterin einspringen. das wiederum zur Stärkung
noch die Kosten für den neuen Effizienz-Prinzip folgend – ein Zwischen 2004 und 2008 ist des Standortfaktors „pulsie-
Stadtteil tragen. Bereits 2007 staatliches Bauprojekt an pri- die von der Stadt angemie- rende Metropole“ herangezo-
wies das Sondervermögen ein vatwirtschaftlich organisierte tete Fläche um rund 100000 gen werden kann. Vertrieben
Defizit von 390 Millionen Unternehmen übertragen hat, Quadratmeter gestiegen. Auch werden dabei alle anderen.
Euro auf. Die Kreditfinan- entstand offenbar eine gewisse in die leeren Büros des Über-
zierung lässt die Schulden Unübersichtlichkeit, über deren seequartiers soll nun mit dem HARTE ZEITEN
zudem stetig wachsen. Entwicklung auch die Bürger- Bezirksamt Mitte die Stadt Wenn das „Unternehmen
Die Elbphilharmonie ist schon schaft nicht informiert wurde. selbst einziehen – für rund 15 Hamburg“ überhaupt etwas
jetzt ein Wahrzeichen dafür, Fest steht: Für die Kosten muss Euro pro Quadratmeter, einem produziert, dann ist es Armut.
wie teuer das angeblich so die Stadt einspringen. Public Mietpreis, der alles andere als In Hamburg leben inzwischen
effiziente Model des Public- zahlt, private baut. Für Hoch- marktgerecht ist. Dieses Mal doppelt so viele Kinder von
Private-Partnership werden tief entstehen keine Nachteile. wird die schwierige Zeit der Sozialhilfe wie in anderen
kann: Mit der ReGe (Realisie- Wirtschaftskrise als Argu- westdeutschen Städten. Ihre
rungsgesellschaft mbH) wurde ALLES FÜR DEN INVESTOR ment für den „Notfalleinsatz“ Zahl wächst so schnell, weil
das Projekt einem Koordinator Noch ein Beispiel, wieder herangezogen. Tatsächlich das Geld für die Subventio-
übergeben, dessen Kompe- Hafencity: In Hamburg gab gab es jedoch von vornherein nierung des Wirtschaftsstand-
tenz in Fachkreisen mehr als es bereits vor Baubeginn viele eine „Sondervereinbarung“, orts Hamburg in anderen
umstritten ist. Als privater Büroflächen. Mit der Hafencity die dem Investor den hohen Bereichen gestrichen wurde.
Partner kam Hochtief hinzu. sind es noch mehr. Wenn das Mietpreis garantiert hat und Die Ansiedelung der „neuen
Seit November 2008 heißt Angebot groß ist, sinkt der ihn gegen alle Eventualitäten Elite“ hat keine Arbeitsplätze
es, dass Hamburg für den Preis der Ware. Eine Binsen- absicherte: So wird ein privates geschaffen, höchstens prekäre
Unternehmen noch Beschäftigungsverhältnisse, am
über seine Inves- meisten vermutlich im Bereich
tition hinaus von der privaten Wachdienste. Mit
öffentlicher Hand dem Wohnungsmarkt ordnet
subventioniert. Aus sich die Stadt neu: reich im
denselben Gründen Inneren, arm in den Randbe-
soll auch die Uni- zirken. Ghettos für Reiche,
versität Hamburg Ghettos für Arme. Und auch in
– entgegen jeder den ärmeren Stadtteilen greifen
wirtschaftlichen Standortfaktoren wie Kultur,
Logik – den für sie Freizeitangebote und geeig-
teuren Umzug in neter Wohnraum. Nur tragen
die Hafencity vor- sie hier Minuszeichen vorweg.
nehmen. Die Stadt Die „soziale Verwahrlosung“,
stellt die Flächen die „Jugendkriminalität“, von
bereit, die Stadt der immer dann zu lesen ist,
hilft beim Bau und wenn mal wieder ein Kind
trägt am Ende alle verhungert oder ein „Schläger“
Risiken, weil sie verknackt wird, sind die Fol-
den Wert des Ge- gen, die Hamburgs Unterneh-
samtprojekts Ha- menspolitik offenbar in Kauf
Hafencity: städtisch produzierter Leerstand fencity stabil halten nimmt. Statt durchmischter
muss. Das ist in Stadtteile fördert Hamburg seit
Bau der Elbphilharmonie 323 weisheit, die auch das „Un- der Tat wirtschaftsfreundlich. Jahren die Segregation. Doch
Millionen Euro zahlen muss – ternehmen Hamburg“ kennen Wirtschaftlich ist es nicht. immer mehr Hamburgerin-
für einen „Leuchtturm“, der dürfte. Zu den ursprünglichen nen und Hamburger machen
anschließend von Hochtief Plänen der Hafencity gehörte Vom allgemeinen Wohlstand, mobil gegen diese Politik und
vermarktet wird. Die Kosten es daher, einen „Angebotsüber- der die „Stärkung der Starken“ kämpfen. Für ihre Stadt, für
sind jedoch nicht „explodiert“, hang auszuschließen“ – die mit sich bringen sollte, ist nicht eine Stadt für alle. Darum
wie die Stadt behauptet. Die Bürogebäude der so genann- viel zu spüren. Die Innenstadt brechen jetzt wieder harte
Schnelligkeit und Dring- ten „Perlenkette“ beweisen wird zum Erlebnisraum für neu Zeiten an – diesmal für das
lichkeit, mit der das Projekt jedoch das Gegenteil. Um dem angesiedelte Gutverdiener oder „Unternehmen Hamburg“.

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KONJUNKTURPAKET

„WOHNRAUM FÜR ALLE“


Der Jurist Marc Meyer über das Hamburger Mietproblem
Interview: Eliane Romeck

17 Prozent Mietsteigerung in spiegelwert verlangt werden der stadteigenen SAGA-GWG nungen sind in Hamburg
drei Jahren bei überproporti- darf. Im BGB gehört der § 559 fängt nicht einmal deren eige- Mangelware, die am liebsten
onalem Anstieg der niedrigen abgeschafft, der den Mietern nen Schwund ab. an den Meistbietenden mit den
und mittleren Mieten in der die gesamten Kosten einer größten Sicherheiten vermietet
Zukunft: Marc Meyer, Jurist Modernisierung innerhalb Warum überlässt die Stadt werden. Deswegen bedarf es
bei „Mieter helfen Mietern“, von neun Jahren abverlangt. nicht mal der SAGA-GWG staatlicher Einflussnahme auf
erklärt, wie Hamburg das Beides sind Bundesgesetze, die eine ihrer Liegenschaften? diesen Markt, damit sicher ge-
Ruder rumreißen könnte. auch nur bundesweit verändert Deren Aufgabe ist es doch stellt wird, dass alle Menschen
werden können. „für sozialen Ausgleich in den angemessen mit Wohnraum
Immer weniger Menschen Wohnquartieren“ zu sorgen? versorgt werden können.
können sich das Wohnen in der Die SAGA hat zwar soziale
inneren Stadt leisten. Können Aufgaben, gleichzeitig soll Ist durch Schwarz-Grün ein
wir nichts dagegen machen? sie aber jährlich aktuell rund anderer Zungenschlag in
Doch, wenn der politische Wil- 50 Millionen Euro in den Hamburgs Wohnungspolitik
le bei denjenigen vorhanden Haushalt der Stadt abführen, gekommen?
ist, die über Vergabe öffentli- die sie als Gewinn aus den Ein anderer Zungenschlag ist
cher Mittel, die Ausgestaltung Mietwohnungen erwirtschaften schon zu erkennen, da zumin-
gesetzlicher Regelungen und muss. Und leider hat die Stadt dest soziale wohnungsbauliche
das Handeln städtischer Unter- Hamburg in den letzten Jahren Aspekte mehr Gewicht finden.
nehmen entscheiden. Und auf ihre eigenen Grundstücke Allerdings sind die bisherigen
die politische Willensbildung ausschließlich im so genannten Erfolge so gering, dass ich auch
können Mieter- und Stadtteili- Höchstgebotsverfahren auf den für die Zukunft skeptisch bin.
nitiativen durchaus erfolgreich Markt geworfen, das heißt an
Druck ausüben. den Meistbietenden verkauft. Was muss die Politik anders
In Hamburg müssten viel mehr Alle attraktiven städtischen machen?
öffentlich geförderte, schicke, 1993 existierten noch 211 000 Liegenschaften müssten so Ich würde umgehend den Er-
ökologische und günstige Miet- Sozialwohnungen, heute sind preisgünstig an Bauherren von lass sozialer Erhaltungsverord-
wohnungen in attraktiven La- es noch 116 000 und jedes Jahr Sozialwohnungen veräußert nungen für die innerstädtischen
gen gebaut werden. Und zwar fallen weitere 5000 aus der werden, dass diese dort auch Quartiere veranlassen. Dann
vorzugsweise durch städtische Sozialbindung raus. Sind das
Gesellschaften und Genossen-
schaften. Dafür viel mehr Geld
„ganz normale“ Prozesse?
Nein. Das ist vor allem die Fol- 1993 gab es in Hamburg
zur Verfügung zu stellen, wäre
ein auf nachhaltige, soziale
ge davon, dass die Förderung
des Neubaus von Sozialwoh- 211 000 Sozialwohnungen,
gesellschaftliche Entwicklung
gerichtetes Konjunkturpaket,
nungen bereits vor Jahren auf
quasi Null heruntergefahren heute sind es noch 116 000
anders als die Milliarden für wurde. Damit fehlt Ersatz für
Banken und Abwrackprämien. die regelmäßig aus der Bindung tolle, preiswerte Wohnungen sollte unbedingt eine genossen-
fallenden Wohnungen. Die der- bauen können. schaftliche Immobilienagentur
Ist Vermietern erlaubt, was zeitigen Angebote öffentlicher in Hamburg eingerichtet wer-
ihnen gefällt? Förderung sind für Bauherren „Die Welt“ schrieb im Juli den. Wenn beispielsweise eine
Nein, aber im Wirtschaftstraf- vor dem Hintergrund ander- 2009: „Für Obdachlose, Erbengemeinschaft ein Haus
gesetzbuch müsste der § 5 weitig erwarteter Marktchan- Schwangere, Jugendliche und verkaufen möchte oder die
gegen Mietpreisüberhöhung cen ökonomisch offenbar psychisch Kranke ist der Woh- Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend
so formuliert werden, dass bei nicht ausreichend attraktiv. So nungsmarkt praktisch schon machen kann, kann mit Hilfe
Anmietung einer Wohnung werden sie in manchen Jahren heute dicht.“ der Agentur eine Vermittlung
nicht mehr als 20 Prozent über nicht einmal vollständig ab- Man könnte die Aufzählung der Verkaufsobjekte an eine
dem maßgeblichen Mieten- gerufen. Das Neubauvolumen erheblich verlängern. Woh- Genossenschaft stattfinden.

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GÄNGEVIERTEL

JETZT ERST RECHT!


Seit dem 22. August halten Künstler, Aktivisten und Musiker das Gängeviertel besetzt.
Die Stadt hat das Areal an einen Immobilienspekulanten verkauft und sich damit wieder
einmal für schnelles Geld und gegen den Erhalt eines historischen Stadtteils entschieden.
Acht Argumente, in die Gänge zu kommen

Text: Sven Brockhaus

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„Hummel Hummel, Mors Mors!“ Ja, die Hamburger Originale, bei keiner Stadtrundfahrt bleiben sie uner-
1 wähnt. Der legendäre Wasserträger Johann Wilhelm Bentz alias „Hummel“ oder auch die „Zitronenjette“, die
tagsüber Südfrüchte verkaufte und abends betrunken unflätige Lieder sang: Beide lebten sie in den engen Gassen der
Gängeviertel. Heute findet man hier den letzten Rest der Arbeiterstadtteile, die sich einst vom Hafen bis in die obere
Neustadt schlängelten. Drumherum: Bürohäuser, Franchise-Fastfood, polierte Fassaden, Tiefgaragen mit einbeto-
nierten Grünpflanzen davor. Ein pitoresker Gegensatz, den es zu besichtigen lohnt. So lange es noch steht.

Geht es nach dem Senat, wird auch das Rest-Gängeviertel bald durch global austauschbare City-Architektur
2 ersetzt. Davon zeugen die „planungsrechtlichen Befreiungen“, die die Baubehörde und der Bezirk Mitte dem
Gängeviertel-Investor Hanzevast zugestanden haben. Abreißen, entkernen, aufstocken: Bis zu neun Geschosse hoch
soll der Büro- und Eigentumswohnungskomplex werden, den die Niederländer im Sinn haben. Von der alten Bau-
substanz blieben dann nur einige dekorative Fassaden. All das sei „städtebaulich gewollt“, erklärt der Senat – „das
Zurücktreten der Denkmalschutzbelange erfolgte in einem Abwägungsprozess mit anderen öffentlichen Interessen.“

Welche öffentlichen Interessen? Da hat die Freie und Hansestadt Hamburg glasklare Prioritäten: „Hamburg
3 wächst! Wir liefern die Grundstücke“ verkündet das „Finanzbehörde Immobilienmanagement“ in einer Hoch-
glanzbroschüre. Die Stadt als Flächen-Portfolio – was für ein trauriges Selbstverständnis für eine Metropole, die sich
gerne als „schönste Stadt der Welt“ anpreist. „Du bist nur ein Grundstückslieferant!“ möchte man ihr auf die Melo-
die von Yellow Submarine zusingen. Rund 50 Prozent des Stadtgebietes sind derzeit noch in öffentlichem Besitz –
wäre es nicht an der Zeit, einen Teil davon auch mal der Öffentlichkeit zugute kommen zu lassen?

Ausgerechnet zwischen Gänsemarkt und Musikhalle haben ein paar Leute jetzt eine Rettungsaktion gestartet.
4 Sie haben die investorenarchitektonisch verschandelte Innenstadt nicht aufgegeben – obwohl sie bereits zu
nichts anderem mehr gut war als zum Shoppen bei Zara, H&M, Saturn und all den anderen Ketten, die es auch in
jeder anderen Stadt gibt. Im letzten hohlen Zahn des ansonsten komplett überkronten City-Gebisses keimt nun Hoff-
nung. Auf eine andere Innenstadt. Und auf vernünftige Politiker, die endlich soziale Verantwortung übernehmen.

Im offiziellen „Leitbild Wachsende Stadt“ ist die Rede von „jungen, kreativen Menschen“, um die Hamburg mit
5 anderen Metropolen konkurrieren müsse. Na bitte: Im Gängeviertel laufen jede Menge davon herum, und das
auch noch mitten in der City. Zwar gehören die „Kreativen“ wohl nicht zu den Großverdienern, aber als Lockvögel
müssten sie den Stadtvätern und –müttern Gold wert sein. Man denke nur an die Schanze, St. Pauli, Ottensen und das
Karoviertel – alles „kreative“ Stadtteile, mit denen die „Hamburg Marketing“ heute bundesweit Werbung macht.

Als nach der künstlerischen Instandbesetzung die Presse freundlich berichtete und sich jede Menge prominente
6 Unterstützer fanden, sprachen sich von der Kultursenatorin bis zum Bezirksamtleiter plötzlich alle für den
Erhalt des Gängeviertels aus. Keiner wollte mehr dessen Ausverkauf zu verantworten haben. Doch statt das Engage-
ment ihrer Bürger zu nutzen, hält die Stadt am Vertrag mit dem Investor fest. Die Künstler möchte sie nun woanders
ansiedeln. Die Besetzer sind sich jedoch einig: „Wir wollen bleiben!“

Erfreulicherweise sind die Gängeviertler nämlich von der widerständigen Sorte: „Der Senat muss verstehen,
7 dass es hier Angebote von Kreativen, von Künstlerinnen und Künstlern gibt, der Stadt etwas zu geben, das ihr
fehlt“ (Heiko, 52, Architekt). „Ich habe keine linke Geschichte, aber meine Ansprüche an Stadt und Gesellschaft sind
geprägt von Gemeinschaft, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Dass eine andere Form der Planung, mit mehr Beteili-
gung von unten stattfinden muss. Deshalb engagiere ich mich hier“ (René, 34, Student). „Ich finde einfach, dass man
so einen freien Raum braucht. Neuer Space für alternative Menschen, für alternative Lebensgestaltung“ (Sushi, 33
Jahre, Pflegetherapeut). „Ein Open Space für alle möglichen Künstler und Freigeister, ohne ein Reglement von oben“
(Dali, 33 Jahre, Eventmanager). „Ich bin hier, weil ich frei arbeiten will“ (Irina, 29, Grafikerin).

Die Finanzbehörde hat sich als unfähig erwiesen, mit öffentlichem Grund und Boden etwas Ansprechendes an-
8 zustellen. Es wird also Zeit, sich bei einem Bier, einem Kaffee oder einem Glühwein im Gängeviertel zu treffen,
FOTO: BERND RUMM

um darüber nachzudenken, wie sich die gemeinschaftliche Aneignung dieses kleinen gallischen Dorfes in der City
weiter organisieren ließe. Ein paar gute Vorschläge haben die Besetzerinnen und Besetzer schon geliefert: Sanierung,
Entwicklung und Betrieb des Gängeviertels sollen genossenschaftlich geschehen. Und ein putziges Atelier- und Gale-
rien-Feigenblatt soll das Areal nicht werden – geplant sind auch soziale Einrichtungen und preiswerte Wohnungen,
die Hamburg so dringend braucht. Alles nachzulesen unter www.gaengeviertel.info

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INITIATIVEN

WIDERSTANDORTE
Hier wird geträumt, gekämpft und mitunter gekapert: 16 Hamburger Initiativen, die ganz
ohne Renditeversprechen Verdrängung verhindern und Freiräume verteidigen wollen

APFELBAUM AKU CENTRO EINWOHNER-


BRAUCHT WILHELMSBURG SOCIALE VEREIN ST.
WURZELRAUM GEORG / OHNE
Wilhelmsburg, das ver- Nichtkommerziell, genos- MIX IST NIX
Seit zehn Jahren versuchen meintlich ferne Viertel süd- senschaftlich und selbstver-
Altonaer Kleingärtnerinnen lich der Elbe, ist traditionell waltet mitten im umgewan-
und -gärtner die Zerstörung der Hafenarbeit zugewandt. delten Schanzenviertel – so Der Drache lacht zuletzt:
ihrer Schrebergärten rund Hier leben jene, die wenig manchem investorenfreund- Ziemlich ulkig kommt der
um den Othmarscher Kir- Geld in der Tasche und lichen Gentrifizierungs- Ritterschreck auf der selbst-
chenweg und am Volkspark oft einen migrantischen akteur stellen sich da die gemachten Anwohnerzei-
zu verhindern. Die Hintergrund in der Familie Nackenhaare auf. Seit sich tung daher. Das Blatt ist das
Stadt will haben. Seitdem Hamburg der autonome Stadtteiltreff Sprachrohr des Einwohner-
die teils den Zuschlag für die Aus- im Sommer 2008 mit einem vereins St. Georg von 1987.
hundert- richtung der Internationalen Mietvertrag in den alten Damals galt der Stadtteil als
jährigen Bauausstellung (IBA) 2013 Schlachthof eingenistet hat, Hamburgs dreckiger Hinter-
Grünflä- bekommen hat, wendet sich entwickelt sich das Centro hof. Heute ist vor allem das
chen aus das Blatt für die Wilhelms- Sociale als offener Ort für Gebiet rund um die Lange
dem Vier- burger. IBA und Stadt Reihe ein Laufsteg der Life-
tel rupfen investieren tatkräftig in die styler und Loftbesitzer. Der
und auf so genannte Aufwertung Einwohnerverein und sein
den noch und wollen so langfristig Ableger „Ohne Mix ist nix“
ungebauten A7-Elbtun- finanzstarkes Publikum zum wollen ein Korrektiv sein:
neldeckel verpflanzen. „Sprung über die Elbe“ Sie haben die Erhöhung des
Das dann freie Bauland locken. Der Arbeitskreis Mietenspiegels rückgängig
würde viel Geld in Ham- kommentiert die Umstruk- gemacht, retteten die letzte
burgs Haushalt spülen, die turierungs-Wünsche der sehr unterschiedliche Akti- Litfasssäule und drückten
liebevoll umhegten Gärten Hamburger Stadtentwick- vitäten: von Roter Hilfe und durch, dass der Bezirk die
aber wären verloren. Die lungspolitik kritisch. zaubernden Kindern über Soziale Erhaltensverord-
Bürgerinitiative wird von Elektrogefrickel bis hin zum nung für St. Georg prüfen
Politik, Planern und Inves- aku-wilhelmsburg. radikalen Handarbeiten. muss. Der Drache weiß,
toren als Spielverderberin blog.deblog.de Eine Jury des Bezirks soll warum er lacht.
geschmäht, kämpft aber nun mit einem Wettbewerb
trotz Anfeindungen weiter entscheiden, ob das Haus einwohnerverein-stgeorg.de
für die Kleingärten in der auch im nächsten Jahr ein
verdichteten Stadt. offener Raum für die Nach-
barschaft sein darf. Das
www.schreberspacken.de sorgt bereits seit Wochen
www.wurzelraum.de für Unruhe im Viertel.

www.centrosociale.de

10 HAMBURG – DAS MAGAZIN DER METROPOLE

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ELBTREPPEN- FRAPPANT / GÄNGE- GARTEN-
HÄUSER KEIN IKEA IN VIERTEL KUNSTNETZ
ALTONA
Der Blick ist traumhaft. Verbrecherort, „Klein Mos- Wo sich heute ein schnu-
Wohl deshalb sollen kau“, Brutstätte: Vor 100 ckeliges Kleinod an den
zwischen Altonaer Bal- Jahren zog sich das Gas- Bahnhang schmiegt, lag
kon und Oevelgönne bald senviertel der Hamburger bis vor neun Jahren nichts
mehrstöckige Neubauten Arbeiterschaft vom Hafen weiter als ein verrümpelter
stehen. Die städtische weit nach Nordwest. Heute Betriebshof. 2003 über-
Wohnungsbaugesellschaft hat nur ein Dutzend der his- nahm der Kunstförderverein
SAGA kümmert sich längst torischen Häuser zwischen Gartenkunstnetz die Regie
nur noch notdürftig um die Musikhalle und Gänsemarkt in der Eifflerstraße 35.
historischen Elbtreppen- die städtische Verrottungs- Seitdem finden Nachwuchs-
häuser und behauptet, eine Mit der Großen Bergstra- politik überstanden. Um künstler im Baum-Contai-
Sanierung sei zu teuer. Den ße ließe es sich gut leben, Abriss und Neubebauung ner zwischen Palettentrep-
seit 2006 geplanten Abriss auch ohne Shopping und durch den Immobilienhänd- pen und Kletterstieg ihr
konnte die Mieterinitiative Facelifting. Doch die ler Hanzevast zu verhindern,
dern Refugium: Der Verein öffnet
bislang verhindern. Ein Vorzeigefußgängerzone den Ort für Ausstellungen,
Kaufangebot der Bewohner- der Siebziger darf nicht so Theater und Konzerte und
Genossenschaft lehnt die bleiben wie sie ist, denn versteht sich als urbane
Stadt ab. Ein unabhängiges Stadtplaner wollen mehr Oase jenseits der lärmenden
Denkmalschutzgutachten Kaufkraft im Viertel haben. Masseneventkultur. Leise ist
plädiert auf Erhaltung. Ei- Nun hat Ikea das von der es trotzdem nicht: Vorbei-
nes der Häuser ist 300 Jahre Bezirkspolitik gezielt als ratternde ICs und S-Bahnen
alt, ein weiteres gilt als das Schandfleck gebrandmarkte geben die Taktung für
älteste und einzige heute Frappant-Gebäude für zehn Gesprächspausen. Die Stadt
noch beinahe unveränderte Millionen Euro gekauft, hat dem Verein im Sommer
Saalhaus im Hamburger um die erste City-Filiale mit gekündigt, um das Gelände
Raum. Zurzeit stehen 40 Vollsortiment zu bauen. als „Kreativimmobilie“ zu
Prozent der Mietwohnun- Vier Parkdecks über drei hatten Künstlerinnen und verkaufen. Daraufhin hat
gen und auch die legendäre Ausstellungsetagen werden Künstler im August zu ei- das Gartenkunstnetz das
Kneipe „Zwiebel“ leer. Tausende nach Altona zie- nem Hoffest geladen, das bis verwunschene Plätzchen für
hen. Anwohner fürchten ein heute andauert. Das Husa- besetzt erklärt.
www.elbtreppe.com Verkehrschaos und einen renstück freundlicher Haus-
blaugelben Riesenklotz besetzung in der Innenstadt www.gartenkunst.net
mitten im Wohngebiet. Und bekam viel Sympathie und
die im Frappant arbeitenden Solidarität. Ob das reicht,
Künstler kämpfen für ein um die Stadt zum Ausstieg
soziokulturelles Zentrum. aus dem Vertrag mit dem
Allerdings: Eine Pro-Ikea- Investor zu bewegen, muss
Initiative gibt es auch. sich nun zeigen.

www.kein-ikea-in-altona.de www.gaengeviertel.info
www.frappant.org

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INITIATIVEN

MOORBURG- NO BNQ! / ES PFERDEMARKT ROTE FLORA


TRASSE STOP- REGNET KAVIAR BLEIBT!
Oktober 1989, Hamburg
PEN / GRÜN- blickt gen Osten. Gleich-
ZUG ALTONA In den achtziger Jahren zeitig wird die Flora, einst
rettete der Widerstand die Varieté, dann Haushalts-
So macht sich Vattenfall kei- Hafenstraßenhäuser vor warenladen, zum politisch
ne Freunde: Erst drückt der dem Abriss, später setzten umkämpften autonomen
schwedische Stromkonzern Anwohner ihren Traum vom Zentrum mitten im schicker
Hamburg ein Kohlekraft- öffentlichen Park Fiction werdenden Schanzenvier-
durch. Heute geht es dem tel. Musicalmacher Kurz
Viertel immer mehr an den will einen kommerziellen
Den hat kaum jemand auf
Kragen: St. Pauli wird wie Publikumsmagneten ins
dem Zettel: Der klitzekleine
kein anderer Stadtteil auf Herz des Quartiers pflan-
Park am verkehrsreichen
Markenbildung und Immo- zen, muss jedoch angesichts
Pferdemarkt ist für die
bilienrendite getrimmt. Aber des Widerstands aus dem
Verwaltung nicht mehr
Hamburgs wohl kratzbürs- Viertel kapitulieren. Zwölf
als eine Verkehrsinsel, für
tigstes Quartier kann immer Jahre nach der Besetzung
die Anwohner aber eine
werk auf, nun schlägt er noch anders. Das Aktions- der „Roten Flora“ verkauft
Ruhezone. Der Gastronom,
eine zwölf Kilometer lange netzwerk gegen Gentrificati- die Stadt das Haus für
der im Sommer 2009 in
Schneise von Moorburg bis on „Es regnet Kaviar“ und 370 000 Mark an den
einer Nacht- und Nebel-
Diebsteich. Die Umwelt- die Interessengemeinschaft Immobilienkaufmann
Aktion ein Stück Grün zur
behörde hat die Versor- „No BNQ!“ stellen sich Klausmartin Kretschmer.
Verkaufsfläche ummünzen
gungstrasse abgesegnet, die gegen die Umwandlungsplä- Einen Mietvertrag lehnt das
wollte, musste seine Bude
Anwohner aber wehren sich ne zwischen Reeperbahn und Flora-Plenum bis heute ab.
angesichts der kritischen
gegen Untertunnelung und Elbe. Ihr unablässiger und oft Jetzt, zum 20. Geburtstag
Nachbarschaft eiligst wieder
Abholzung. Ende 2009 will witziger Protest gegen Brau- der Roten Flora, bereitet
abbauen. Für nächstes Jahr
sich Vattenfall im nächs- erei- und Bernhard-Nocht- Kretschmer offenbar den
droht neues Ungemach:
ten Bauabschnitt von den Quartier, Videoüberwachung Verkauf vor. Er sei, so wird
Das benachbarte Buddhisti-
Landungsbrücken unter der und Entmietung soll Politik gemunkelt, bereits im Ge-
sche Zentrum will auf dem
Hafenstraße hindurch bis und Planer mürbe machen. spräch mit dem Musicalpro-
Rasen eine Stupa errichten.
zur Holstenstraße graben. duzenten Michael Brunner.
Die Anwohner aber wollen
Rund 300 Bäume werden www.no-bnq.org Der hätte das Haus gerne
keinen neun Meter hohen
fallen, unter anderem im www.empire-stpauli.de als neuen Standort. Knapp
Korpus mit Goldspitze,
kleinen Gählerpark und sieben Millionen Euro soll
sondern einfach nur einen
im bereits durch Neubau- er für die Flora bezahlen
Platz, der keinem weiteren
ten geschrumpften wollen. Geräumt, versteht
Zweck dient, außer
Grünzug Altona. Wer sich.
einfach da zu sein.
bei den ersten Sägen-
klängen nicht tatenlos www.rote-flora.de
ampferdemarkt.
bleiben will, kann sich
wordpress.com
über eine SMS-Kette
alarmieren lassen.

www.moorburgtrasse-
stoppen.de

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TEUER TREN- VORWERK- WASSERTURM- ZOLLHAUS
DY LANGWEI- STIFT INI / FREIES ALTER
LIG / WE MAKE NETZWERK ELBTUNNEL
THE CITY Wohnungen, Ateliers, Werk- ZUM ERHALT
stätten für KünstlerInnen in DES SCHAN- Seit 2007 Jahre werkeln 15
‚Noch ist St. Pauli nicht einem schönen Altbau Menschen im Zollhaus am
verloren’, heißt es in dem von 1866, mitten im Ka-
ZENPARKS Alten Elbtunnel in Ateliers
handgemachten DIN A5- rolinenviertel, für günstige und Werkstätten, es gibt
Magazin, das Miete – was für ein Traum. Am 19. Oktober 2009 Veranstaltungen und eine
erstmals im Im historischen Vorwerk- sprach das Gericht C. frei. Fahrradwerkstatt. Jetzt will
Mai 2009 zwi- stift aber rappelt es seit Das Urteil: Die Wasserturm- die „Hamburg Port Autho-
schen Nord- September: Die Künstler- Aktivistin hatte niemanden rity“ (HPA) dem ein Ende
und Südkurve Innen wehren sich gegen beleidigt oder verletzt. Sie setzen. Die Hafenverwalte-
am Millerntor die Gutsherrenmanier des rin besteht auf Abriss zum
kursierte sie verwaltenden Vereins 31. Dezember, angeblich
und schnell Stiftung Freiraum e.V., der muss genau dort eine Bau-
vieltausendfach eng verbandelt ist mit der stelle für die Elbtunnelsanie-
den Weg ins Patriotischen Gesellschaft. rung eingerichtet werden.
Viertel fand. Und weil sie die Vereins- Die Künstler könnten doch
Unaufgeregt vorstände nicht abwählen wieder umziehen, heißt
und pragma- können, die keine Regung es – zum Beispiel in einen
tisch beleuchtet zeigen, den Künstlern die Container in Waltershof.
das Blättchen geforderten Mitspracherech- Widerstandslos aber wollen
die kommen- te zu gewähren, machen die die Künstlerinnen und
den Bau- und Bewohner nun Druck mit Künstler nicht gehen und
Abrisspläne dem, was sie haben: dem war einfach nur dagewesen. wenden sich nun mit Fragen
auf St. Pauli. Haus. Seit dem 1. Septem- Das aber hat den Polizisten und Petitionen an Bezirks-
Das Heft ver- ber ist der Vorwerkstift und Sicherheitsdiensten versammlung und Bundes-
steht sich als besetzt. im Schanzenpark gereicht, tag: Ist das Gebäude nicht
Leitfaden für um gegen C. und andere denkmalschutzwürdig? Wer
den prakti- www.artist-residence- Aktivisten seit Jahren immer sagt, dass abgerissen werden
schen gentri- hamburg.de neue Gerichtsverfahren zu muss? Faktisch ist das Zoll-
fizierungskri- eröffnen. Nicht erst seit haus nun besetzt.
tischen Einsatz. Wer also der Eröffnung des Möven-
Beschwerdebriefe schreiben pickhotels 2007 pocht die www.alterelbtunnel.info
will, erhält eine Fundgrube Initiative zum Erhalt des
an Kontaktdaten politischer Schanzenparks auf das
Entscheidungsträger. Und Recht aller, sich im öffent-
wer richtig mitmischen will, lichen Raum unbehelligt
findet Anschluss an eines bewegen zu können und
der zahlreichen Netzwerke. hinterfragt kritisch die Rolle
von Polizei und Verwaltung
www.we-make-the-city.com bei der Durchsetzung priva-
ter, kommerzieller Interes-
sen. Der Protest richtet sich
nicht nur gegen Mövenpick
im Park, sondern auch
gegen die Gentrifizierung
rundherum mit ihren Be-
gleiterscheinungen.

www.schanzenturm.de

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NACHTLEBEN

MAGIE DER
SCHWEISSTROPFEN
Hamburg wirbt mit dem Label „Musikstadt“. Aber die kleinen Clubs, die
Brutstätten von neuen Bands und Beats, gibt es immer weniger.
Ein Plädoyer für Dreck- und Dezibeltoleranz von Sandra Plötz

Beat, Punk, HipHop, Hamburger Schule: Hamburgs Ruf als Quelle guter Popmusik ist legendär. Vom
Proberaum im Hinterhofkeller bis zu den Titelseiten der Musikmagazine ist es jedoch ein weiter Weg.
Um ihn gehen zu können, braucht man Clubs, in denen neue Bands auftreten können – und für die wie-
derum enthusiastische Betreiber. Viele von ihnen mussten in den letzten Jahren das Licht ausmachen:
Das glorreiche Heinz Karmers Tanzcafé, die Tanzhalle und das
Marquee. Die Schilleroper und jene drei Clubs, die vorüberge-
hend im C&A-Kaufhaus am Nobistor untergekommen waren:
Weltbühne, Echochamber und Phonodrome. Zum Jahresende
müssen vermutlich Weitere schließen. Astra-Stube, Fundbureau
und Waagenbau erhielten wegen der geplanten Sanierung der
Sternbrücke durch die Bahn zum 31. Dezember die Kündigung.
Die Betreiber haben kaum Aussichten, auf andere Orte auszu-
weichen.

Kann man also von einem Clubsterben in Hamburg sprechen?


„Mittlerweile ja, es gibt zu wenig Clubs, jedenfalls in der Sub-
kultur“, sagt Tino
Hanekamp vom
Übel & Gefähr-
lich, dem Club im
Feldstraßenbun-
ker. „Es fehlt an
kleinen, schraddel-
ligen Kellerläden.
Ich sehe es an den
Tourplänen. Bei
Bands, die kleiner
und abseitiger sind,
die weniger als 300
Leute ziehen, steht
Hamburg immer
seltener auf dem Kalender.“ Hanekamp, der auch die Welt-
bühne mitverantwortet hatte, hält es für verkaftbar, dass
kleine Läden nach ein paar Jahren umziehen müssen. „Es
muss dann aber ein neuer Platz zu finden sein. Und darin
besteht das Problem: Es gibt keine geeigneten Orte mehr.“

1989 eröffneten Rocko Schamoni und andere den ersten


Pudel Club – konspirativ, in einem Abrisshaus im Schanzen-
viertel. Den Schlüssel hatte Schamoni dem Vermieter „zum

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Fahrradbasteln“ abgebettelt, geöffnet hatte der Pudel nur zu bestimmten Anlässen, von denen die Gäste
per Telefonkette erfuhren. „Es gab dann 15 Kästen Bier, selbstgebrannte Schnäpse und eine heiße Party,
bei der Leute wie Funny van Dannen, die Lassie Singers oder Helge Schneider auftraten“, erinnert sich
Schamoni.

Seit 1993 sitzt der „Golden Pudel Club“, dessen unterer Teil immer noch aussieht, als wäre die Abrissbir-
ne schon bestellt, in der Hafenstraße. Zwanzig Jahre Pudel Club – warum macht sich Schamoni, längst
Bestsellerautor, die Mühe? „Hier treffen sich Leute und tauschen sich aus, dann gehen sie nach Hause,
komponieren Musik, malen oder schreiben einen Text. Das sind die Impulsgeber der zeitgenössischen
Kunst- und Popkultur“, antwortet er. „Neue Ideen kommen immer aus dem Underground, und mich inte-
ressieren diese Keimzellen der neuen Künste. Dafür steht der Pudel. Er möchte das Huhn sein, dass diesen
Eiern einen Brutraum zur Verfügung stellt.“

Ted Gaier von der Band „Die Goldenen Zitronen“ kann sich „eine Popszene gar nicht ohne kleine Clubs
denken“. Schließlich ist er nach Hamburg gezogen, „um an einer Szene teilzunehmen, in der man sich
physisch trifft. An Orten, die eine Adresse haben. Clubs sind
Räume der Begegnung, des Diskurses und der Ekstase.“
Wie etwa im Heinz Karmers, wo der Schweiß der Feiernden
von der Decke tropfte, regelmäßig das Klo überlief und das
Atmen wehtat – dafür geriet fast jeder Abend dort zum unver-
gessenen Ereignis. Der Laden leistete dieselbe Arbeit wie ein
gutes kleines Plattenlabel: Aus der unüberschaubaren Flut von
Getösebands aus aller Welt wählten die Betreiber die besten
und interessantesten aus. Mit dem Effekt, dass man einfach auf
gut Glück hinging, ohne die Band zu kennen – und oft genug
stark beeindruckt den Laden verließ.

Die Politik hat den Wert der Musikszene als Image steigern-
den Wirtschaftsfaktor längst erkannt. „Musikstadt Hamburg“
lautet der Slogan. Und die wird auch ein bisschen unterstützt:
Gerade hat die zuständige Behörde für Kultur, Sport und Medi-
en einen Fond zur Erstattung der GEMA-Gebühren eingeführt
und möchte „Investitionszuschüsse wegen Baumaßnahmen
der einzelnen Clubs“ in Höhe von rund 376.000 Euro leisten.
Im Vergleich zu Fördergeldempfängern wie Elbphilharmonie,
Tamm-Museum oder anderen Spektakeln ist das allerdings
mager.

„Man hat erkannt, dass die Musikszene wichtig ist und möchte
sie jetzt kontrollieren“, sagt Ted Gaier. „Man denkt, man könnte die Szenen, die im toten Winkel der Stadt
entstanden sind, nach den Marketing-Interessen des Standorts Hamburg und der Investoren herumschie-
ben. Das funktioniert aber nicht, denn dann ist die Magie weg. Was sie nicht kapieren ist, dass Orte eine
Aura haben: Man kann einen Mojo Club nicht in die ,Tanzenden Türme‘ verpflanzen.“ Auch Tino Hane-
kamp ärgert das. „Nach außen feiern die Hamburger Politiker ihre Kreativen und die Subkultur mit dem
Aushängeschild ,Musikstadt Hamburg‘ – und hintenrum nehmen sie uns die Proberäume und Spielflächen
weg. Sie verbauen und planieren die Brachen, machen die Räume immer dichter, so dass uns kein Platz
mehr bleibt zum Existieren.“

„Das Tolle an Pop ist ja, dass sich Pop jeglichen festen Kriterien entzieht“, sagt Ted Gaier, der auch als Mu-
sikproduzent arbeitet. „Dass ein Beat schleppt, jemand seltsam singt, oder eine Gitarre verstimmt ist – all
so’n Zeug kann im richtigen Moment einen Nerv treffen, der die Musik weiterbringt. Jegliche Popmusik,
angefangen bei Beat- bis hin zu elektronischer Musik, hatte erstmal ein Geheimnis, von dem deine Eltern
oder langweiligen Mitschüler nichts kapiert haben. Und diese Geheimcodes werden im Club ausgebrütet,
erforscht und verfeinert – nicht in irgendwelchen Messehallen.“

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FRAPPANT/IKEA

DER ELCH WILL DEN


STADTTEIL
Ikea nach Altona? Das gab’s schon mal – als Kunstprojekt in den wilden Achtzigern, in
denen Ottensen noch kratzbürstig und das Wort „Stadtteilkultur“ noch nicht harmlos klang.
Albert Kippenberger über Widerstand damals und heute

Was hatten sie hier nicht schon Einer von ihnen hält immer zigern prägten Aktivisten wie eine Art Bus-Highway vom
alles vor. Die Vision von der noch an der Idee des selbstbe- Tobias und Brigitte diesen Be- Bahnhof über Spritzenplatz
„City West“ zum Beispiel, ein stimmten Wohnens fest. Tobias, griff. Damals wurde der Mix und Reitbahn nach Lurup zu
kühner Wurf aus den Sechzi- heute 54 Jahre, arbeitet für eine aus engagierter Stadtteilarbeit verhindern. „Dem konnten wir
gern. Nahezu komplett abrei- Gesellschaft, die Wohnprojekte und Kultur mit viel öffentli- uns erfolgreich entgegen stel-
ßen wollten die Herren Ham- realisiert. Rückblickend glaubt chem Geld gefördert, sogar len“, erinnert sich Brigitte. Un-
burgs Ottensen damals und er, dass der Giganto-Plan, wie Bundesmittel flossen nach Ot- zählige Altbauten hätten dafür
stattdessen Büros, Miet-, Ver- es ihn auf dem Reißbrett auch tensen. Als Theaterleute, Filmer weichen müssen – wie auch für
waltungs- und Dienstleistungs- für St. Georg in der Variante und Initiativen eine ehemalige die bereits
türme hochziehen. „Alster-City“ mit 80-stöckigen Schokoladenfabrik in der Eu-
Der Schuss ging nach hinten los. Hochhäusern und zubetonier- lenstraße
Aus Geldmangel letztlich, aber ter (!) Alster gab, auch Vorteile
auch aufgrund der Anwohner- hatte: „Die Stadt
proteste blieb statt gigantischer

zuvor geplanten
Autobahnzubringer für Otten-
sen und Altona Altstadt.
kaperten, entstand das „Stadt- Eine schöne Aktionsform da-
hatte einen Teil teilzentrum Motte“, das noch mals hieß „Sechs-Tage-Schlei-
der Häuser schon aufgekauft, heute wirkt. Tobias, von Mit- chen“: „Jeden Nachmittag mit
um sie anschließend abreißen te der siebziger bis Anfang der dem Fahrrad den Verkehr lahm
„City West“ die bescheidene zu können“, erinnert er sich. achtziger Jahre auch Geschäfts- legen. Das war groß!“, sagt To-
dänisch geprägte Architektur. In „In die konnte man prima führer des selbstverwalteten bias. Und es half, jede Menge
diesen flachen Häusern siedelte günstig einziehen.“ Auch ande- Stadtteilzentrums, dokumen- Tempo-30-Zonen zu inspirieren.
sich nach und nach eine wider- re Hausbesitzer hatten in ihre tierte damals mit der Videoka- Wenn es stimmt, was in der Ge-
ständige Nachbarschaft an, stu- Häuser nicht mehr investiert, mera Wandel und Widerstand. rüchteküche über die geplante
dentisch geprägt, künstlerisch sondern ließen sie verrotten. Ob Polit-Theater oder Ansied- Ansiedlung Ikeas im Frappant-
inspiriert, später punk-autonom „Ottensen war grau, sogar ver- lung, ob Verkehrsberuhigung Gebäude köchelt, könnte es das
besetzt. All jene kamen her, die rucht. Manch einer traute sich oder Autobahnzubringer – un- „Sechs-Tage-Schleichen“ bald
von Größenwahn die Schnauze abends hier nicht rein“, sagt zählige Gruppen, Initiativen wieder geben. Denn im Zuge
voll hatten und stattdessen alles Brigitte, eine Mittfünfzigerin, und Einzelpersonen brachten der Verlegung des Bahnhofs Al-
auf eigene Faust machen woll- die heute im Stadtteilarchiv ar- damals Politik und Kultur in tona nach Diebsteich, wie von
ten - selbstverwaltet natürlich, beitet. Viele Junge und Kreative das Viertel und auf die Straße. Bahnchef Rüdiger Grube jüngst
gegen Krieg, Kapitalisten und schnappten sich den billigen Zum Beispiel die „BIVO“, die proklamiert, könnte auf Höhe
Konsum. Und die sich wehren Wohnraum. Bürgerinitiative Verkehr in Ot- des jetzigen Autoverladezuges
konnten. „Stadtteilkultur“ – in den Sieb- tensen, die sich gründete, um ein Autobahnzubringer entste-

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hen. Ikea hätte bestimmt nichts Am Standort in der Großen frei wurde, hatte man die Idee, Kunstprojekt, das auch auf
dagegen. Bergstraße geht Ikea heute auf die später in Kemal-Altun- Film gebannt ist: Aktivisten in
Schließlich kommt der Möbel- ähnlich vor. Erst kursierte das Platz umgetaufte Freifläche ein Stadtvermesser- und Bauarbei-
gigant gewiss nicht nach Alto- Gerücht von der abgespeckten Einkaufszentrum zu setzen. Es terkluft ziehen durchs Viertel,
na, um die Große Bergstraße zu City-Variante, in der es nur war einer der Höhepunkte des ein angeblicher Architekt prä-
„beleben“. Ikea dürfte auf das Kleingegenstände, aber keine widerständigen Ottensens. Das sentiert ein Ikea-Giga-Modell
Viertel auf der anderen Seite Möbel gäbe. Bei der öffentli- Viertel schnappte sich die Frei- für den Kemal–Altun-Platz und
scharf sein – Ottensen, das sich chen Anhörung Mitte Septem- fläche, riss Zäune ein, baute ein vermeintlicher Fernsehjour-
längst wieder gehäutet hat. Heu- ber stellte der Durchsetzung- Bühnen drauf und feierte, ent- nalist fragt Anwohner, was sie
te bieten das „Mercado“ und Stratege des Möbelhauses dann wickelte eigene Ideen wie die ei- davon hielten, dass ein Förder-
jede Menge Klamottenläden im klar, man wolle ein Vollsorti- nes Parks und protestierte gegen band bis zum Bahnhof gebaut
einst widerständigen Stadtteil ment, weil die anderen zwei (fast) alles, was aus Verwaltung werden soll, um die Möbel
vor allem Shopping-Ambiente Ikea-Häsuer an der Grenze der und Politik kam. Als die Be- abzutransportieren. „Oh Gott
– demnächst vielleicht auch für Kapazität seien. Und der be- zirksverwaltung in einer Nacht- bloß nicht“, antwortet ein
den Itzehoer Familienklüngel. stellte Verkehrsgutachter der und-Nebel-Aktion alte Bäume Herr im schicken Anzug. Dann
Schließlich gibt es für manche Firma Argus erklärte, das Ver- fällte, kippten die Anwohner wandert ein Elchkopf auf Men-
wenig Schöneres im Leben, als kehrsaufkommen sei „absolut die übrig gebliebenen Zweige schenschultern durchs Viertel,
bei Ikea im geplanten im Rahmen“. Erst auf kurzerhand vor die Rathaus- schaut hier rein, lungert da
hartnäckige Nachfrage tür und schrieben: „Wer Bäu- rum – und spricht kein Wort.
ließ er durchblicken, dass me fällt, geht über Leichen“. „Diesen Elchkopf haben wir
er ungern öffentlich über „Wir haben gemacht, was wir jüngst in der Motte wieder ge-
Zahlen spreche, weil er wollten. Das Viertel war unser funden“, sagt Tobias. Vielleicht
für das Gutachten „so Viertel“, erinnert sich einer, der hat ja bald wieder jemand Ver-
wenig Zeit“ gehabt damals dabei war. Zwischen- wendung dafür – schließlich
habe. Die Mehrheit zeitlich zog ein Bauwagenplatz hat der Elch schon einmal die
der rund fünfhundert aufs Gelände. bösen Geister vertrieben. Wer
Anwesenden pfiff Damals tauchte das „große Bedarf hat: einfach in der Mot-
die Ikea-Delegation schwedische Möbelhaus“ zum te melden.
gnadenlos aus – zu- ersten Mal im Viertel auf – als
mal sie auf die For-
derungen nach einem stadtteil-
Als shoppen noch einkaufen
750 Plätze-Re- verträglichen Konzept in keiner
hieß: das Frappant-Gebäude
staurant Köttbullar zu essen, Weise einging. Beifall erntete
in den Siebzigern
und danach durch Ottensen zu der Ikea-Sprecher erst, als er
flanieren, während das Auto versprach, Ikea werde nicht
trocken und warm im Ikea- kommen, wenn die Anwohner
Parkhaus steht. dagegen seien. Ob sich das Mö-
Das global operierende Möbel- belhaus dran hält?
unternehmen belebt den Wider- Nach außen gibt sich das Un-
spruchsgeist im Viertel neu. Er- ternehmen des schwedischen
innerungen an Schnelsen 1985 Multi-Milliardärs Ingvar Kam-
werden wach. Damals konnte prad gern als Kumpel, nach
der Möbelgigant in der öffent- innen gilt das aber kaum: Von
lichen Anhörung vor Baube- „skandalösem Vorgehen gegen
ginn die Anwohner nicht davon Betriebsratsvorsitzende“ über
überzeugen, dass Ikea genau Mobbing- bis hin zu Bespitze-
das ist, was ihnen noch zum lungsvorwürfen sind schnell
Glück fehlt. Ikea versprach ei- viele unappetitliche Hinweise
nen auf „zwei bis drei Stunden im Internet zu finden.
an Wochentagen“ und „wenige Altona als Standort für Malls
Stunden am Wochenende kon- und Möbelhäuser: Diese Vi-
zentrierten“ Verkehr – eine ab- sion gab es auch schon vor
surde Untertreibung, wie man zwanzig Jahren. Als neben den
heute weiß. Gebaut wurde das Zeise-Werkhallen das Gelände
Shopping-Paradies trotz des des ehemaligen Baggerfabri-
Widerstands. kanten Menck und Hambrock

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ST. PAULI

Eine Bildergeschichte von Kayser Tantzen

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MANIFEST

NOT IN OUR NAME,


MARKE HAMBURG!
Ein Gespenst geht um in Europa, seit der US-Ökonom Richard Florida vorgerechnet hat, dass nur die
Städte prosperieren, in denen sich die „kreative Klasse“ wohlfühlt. „Cities without gays and rock bands
are losing the economic development race“, schreibt Florida. Viele europäische Metropolen konkurrieren
heute darum, zum Ansiedelungsgebiet für diese „kreative Klasse“ zu werden. Für Hamburg hat die Kon-
kurrenz der Standorte mittlerweile dazu geführt, dass sich die städtische Politik immer mehr einer „Image
City“ unterordnet. Es geht darum, ein bestimmtes Bild von Stadt in die Welt zu setzen: Das Bild von der
„pulsierenden Metropole“, die „ein anregendes Umfeld und beste Chancen für Kulturschaffende aller
Couleur“ bietet. Eine stadteigene Marketing-Agentur sorgt dafür, dass dieses Bild als „Marke Hamburg“
in die Medien eingespeist wird. Sie überschwemmt die Republik mit Broschüren, in denen aus Hamburg
ein widerspruchfreies, sozial befriedetes Fantasialand mit Elbphilharmonie und Table-Dance, Blankenese
und Schanze, Agenturleben und Künstlerszene wird. Harley-Days auf dem Kiez, Gay-Paraden in St. Ge-
org, Off-Kunst-Spektakel in der Hafencity, Reeperbahn-Festival, Fanmeilen und Cruising Days: Kaum
eine Woche vergeht ohne ein touristisches Megaevent, das „markenstärkende Funktion“ übernehmen soll.
Liebe Standortpolitiker: Wir weigern uns, über diese Stadt in Marketing-Kategorien zu sprechen.
Wir sagen: Aua, es tut weh. Hört auf mit dem Scheiß. Wir lassen uns nicht für blöd verkaufen. Wir wol-
len weder dabei helfen, den Kiez als „bunten, frechen, vielseitigen Stadtteil“ zu „positionieren“, noch
denken wir bei Hamburg an „Wasser, Weltoffenheit, Internationalität“ oder was euch sonst noch an
„Erfolgsbausteinen der Marke Hamburg“ einfällt. Wir denken an andere Sachen. An über eine Million
leerstehender Büroquadratmeter zum Beispiel und daran, dass ihr die Elbe trotzdem immer weiter zubau-
en lasst mit Premium-Glaszähnen. Wir stellen fest, dass es in der westlichen inneren Stadt kaum mehr ein
WG-Zimmer unter 450 Euro gibt, kaum mehr Wohnungen unter 10 Euro pro Quadratmeter. Dass sich die
Anzahl der Sozialwohnungen in den nächsten zehn Jahren halbieren wird. Dass die armen, die alten und
migrantischen Bewohner an den Stadtrand ziehen, weil Hartz IV und eine städtische Wohnungsvergabe-
politik dafür sorgen. Wir glauben: Eure „Wachsende Stadt“ ist in Wahrheit die segregierte Stadt, wie im
19. Jahrhundert: Die Promenaden den Gutsituierten, dem Pöbel die Mietskasernen außerhalb.
Und deshalb sind wir auch nicht dabei, beim Werbefeldzug für die „Marke Hamburg“. Nicht, dass
ihr uns freundlich gebeten hättet. Im Gegenteil: Uns ist nicht verborgen geblieben, dass die seit Jahren

Unterzeichnerinnen und Unterzeichner: 1000 Robota; Addicted; Adja Schwietring, Illustratorin; Agnes Nuber, Kulturmanagerin; Agnieszka Krzemins-
ka, Aktivistin / Künstlerin; Alexander Mayer, Künstler; Alexandra Grieß, Künstlerin; Alfred Hilsberg, WSFA; Amélie Putzar, Linda e.V.; André Hess-
ling, Techniker; Andrea Elsner, PR Beraterin; Andrea Rothaug, Autorin /Kulturmanagerin; Andreas Homann, Gestalter / Typograph; Andreas Sach-
witz, Veranstalter; Andree Wenzel, Choreograph / Künstler; Andy Giorbino, Musiker; Angela Gerlach, Illustratorin; Anika Liekefett, Musikerin /
Künstlerin; Anika Väth, Kultur- und Medienmanagement; Anja von Harsdorf, Illustratorin /Grafikerin; Ann-Christin Urbarz, Malerin / Designerin;
Anna BertermannMusikerin/Grafikerin; Anna Maria Schmidt, Fotografin; Anne Mair, Illustratorin; Anne Vaupel, Künstlerin; Anne Weber, Schauspie-
lerin; Annette Kayser, Musikerin; Barbara Schmidt-Rohr, Tanzinitiative Hamburg e.V.; Armin Chodzinski, Künstler; Arne Kulf, Illustrator / Grafiker;
Asmus Tietchens, Musiker / Komponist; Assoto Sounds, DJ, Axel Kochmeier, DJ; Axel Martens, Fotograf; Azizah Hocke, Bühnenbilderin; Bernard-A.
Homann, Filmausstatter; Bernd Begemann, Musiker; Bianca Gabriel, Designerin / Künstlerin; Bianca Ludewig, DJ/Journalistin; Booty Carrell, Musi-
ker / DJ; Bratze; Britta Huntemann, Designerin; Buback, Label und Konzertagentur; Carola Deye, Künstlerin; Carolin Loebbert, Illustratorin; Carsten
Hellberg, Dokumentar; Carsten Seidel, Illustrator / DJ; Catharina Boutari, Musikerin; Charalambos Ganotis, Musiker; Charlotte Pfeifer, Schauspiele-
rin; Chicks On Speed; Christian 3 Rooosen, Künstler; Christian Uhlig, Musiker, Christiane Müller Lobeck, Journalistin; Christine Ebeling, Künstlerin;
Christine Schulz, Musikerin; Christoph Brüggemann, Schauspieler; Christoph Kähler, Musiker; Christoph Lohse, Musiker; Christoph Schäfer, Künstler;
Christoph Twickel, Journalist; Claudia Ahlering, Malerin / Illustratorin; Claudia Pegel, Künstlerin; ClickClickDecker; Clouds Hill Studio; Cornelius
Puschke, Theatermacher; Cyrus Ashrafi Musiker; Dalibor Nikolic, Künstler; Daniel Chun, Designer; Daniel Richter, Künstler; Daniel Schlott, Musiker
; David Chotjewitz, Schriftsteller / Theaterregisseur; Deichkind; Dice Industries, Comiczeichner; Die Goldenen Zitronen; Dirk Schulze, Comiczeich-
ner; Dirk Wittenberg, Redakteur; Ditterich von Euler-Donnersperg, Musiker, Labelmacher; DJ Mad / Absolute Beginner, DJ Phono; Doc Strange, DJ;
Doerte Habighorst, Künstlerin; Dorle Bahlburg, Kostümbildnerin; Dorothea Dieckmann, Schriftstellerin; Dorothea Richter, Grafikerin; Dr. Kathrin
Wildner; Dr. Roberto Ohrt, Kunsthistoriker / Kurator; Enno Arndt, Veranstalter; Erich Pick, Künstler; Extra; Fabian Stoltz, Illustrator/Comiczeichner;

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sinkenden kulturpolitischen Fördermittel für freie künstlerische Arbeit heutzutage auch noch zunehmend
nach standortpolitischen Kriterien vergeben werden. Siehe Wilhelmsburg, die Neue Große Bergstraße,
siehe Hafencity: Wie der Esel der Karotte sollen bildende Künstler den Fördertöpfen und Zwischennut-
zungs-Gelegenheiten nachlaufen – dahin, wo es Entwicklungsgebiete zu beleben, Investoren oder neue,
zahlungskräftigere Bewohner anzulocken gilt. Ihr haltet es offensichtlich für selbstverständlich, kulturelle
Ressourcen „bewusst für die Stadtentwicklung“ und „für das Stadt-Image“ einzusetzen. Kultur soll zum
Ornament einer Art Turbo-Gentrifizierung werden, weil ihr die üblichen, jahrelangen Trockenwohn-Pro-
zesse gar nicht mehr abwarten wollt. Wie die Stadt danach aussehen soll, kann man in St. Pauli und im
Schanzenviertel begutachten: Aus ehemaligen Arbeiterstadtteilen, dann „Szenevierteln“, werden binnen
kürzester Zeit exklusive Wohngegenden mit angeschlossenem Party- und Shopping-Kiez, auf dem Fran-
chising-Gastronomie und Ketten wie H&M die Amüsierhorde abmelken.
Die Hamburger Kulturpolitik ist längst integraler Bestandteil eurer Eventisierungs-Strategie. Dreißig Mil-
lionen Euro gingen an das Militaria-Museum eines reaktionären Sammlerfürsten. Über vierzig Prozent
der Ausgaben für Kultur entfallen derzeit auf die Elbphilharmonie. Damit wird die Kulturbehörde zur
Geisel eines 500-Millionen-Euro-Grabes, das nach Fertigstellung bestenfalls eine luxuriöse Spielstätte für
Megastars des internationalen Klassik- und Jazz-Tourneezirkus ist. Mal abgesehen davon, dass die Sym-
bolwirkung der Elbphilharmonie nichts an sozialem Zynismus zu wünschen übrig lässt: Da lässt die Stadt
ein „Leuchtturmprojekt“ bauen, das dem Geldadel ein Fünf-Sterne-Hotel sowie 47 exklusive Eigentums-
wohnungen zu bieten hat und dem gemeinen Volk nur eine zugige Aussichtsplattform übrig lässt. Was für
ein Wahrzeichen!
Uns macht es die „Wachsende Stadt“ indessen zunehmend schwer, halbwegs bezahlbare Ateliers,
Studio- und Probenräume zu finden, oder Clubs und Spielstätten zu betreiben, die nicht einzig und allein
dem Diktat des Umsatzes verpflichtet sind. Genau deshalb finden wir: Das Gerede von den „pulsierenden
Szenen“ steht am allerwenigsten einer Stadtpolitik zu, die die Antwort auf die Frage, was mit städtischem
Grund und Boden geschehen soll, im Wesentlichen der Finanzbehörde überlässt. Wo immer eine Innen-
stadtlage zu Geld zu machen ist, wo immer ein Park zu verdichten, einem Grünstreifen ein Grundstück
abzuringen oder eine Lücke zu schließen ist, wirft die Finanzbehörde die „Sahnelagen“ auf den Immo-
bilienmarkt – zum Höchstgebot und mit einem Minimum an Auflagen. Was dabei entsteht, ist eine ge-
schichts- und kulturlose Investoren-City in Stahl und Beton.
Wir haben schon verstanden: Wir, die Musik-, DJ-, Kunst-, Theater- und Film-Leute, die Kleine-
geile-Läden –Betreiber und Ein-anderes-Lebensgefühl-Bringer, sollen der Kontrapunkt sein zur „Stadt der
Tiefgaragen“ (Süddeutsche Zeitung). Wir sollen für Ambiente sorgen, für die Aura und den Freizeitwert,
ohne den ein urbaner Standort heute nicht mehr global konkurrenzfähig ist. Wir sind willkommen. Ir-
gendwie. Einerseits. Andererseits hat die totale Inwertsetzung des städtischen Raumes zur Folge, dass wir
– die wir doch Lockvögel sein sollen – in Scharen abwandern, weil es hier immer weniger bezahlbaren

Fanladen St.Pauli; Felix Grimm, Filmemacher; Felix Kubin, Komponist/ Hörspielmacher; Felix Schlüter, Grafiker; Fettes Brot; Fidel Bastro; Frank
Amling, Autor / Musiker; Frauke D. Dreyer, Grafik; Fredrik Nedelmann, Musikverleger / Edition Stora; George Riemann, Illustrator / Künstler; Gere-
on Klug, Nobistor; Gero Vierhuff, Theaterregisseur; Gesine Lenz, Bühnenbildnerin; Gisbert zu Knyphausen, Musiker; Goesta Diercks, Künstler/Kura-
tor; Goetz Steeger, Musiker / Autor; Gosia Machon, Malerin / Illustratorin; Gregory Buettner, Musiker; Gudrun Niebuhr, Grafik-Designerin; Halma;
Hanna Pitzke, Designerin / Journalistin; Harald Retzbach, Radiomoderator/Konzertveranstalter; Heiko Karn, Künstler; Heinz Wolf, Zeichner; Helmut
Zhuber, Schauspieler; Henning Kles, Künstler; Ilse Mänz, Hafenbahnhof; Inga Seevers, Fotografin; Ini Neumann, Illustratorin; JaKönigJa; Jan Bolen-
der, Filmemacher; Jan Delay; Jan Elbeshausen, Uebel & Gefährlich; Jan Martin Löhndorf, Comiczeichner; Jan Peters, Filmemacher; Jacques Palminger,
Künstler / Musiker; Jenny Beyer, Choreographin; Jens Heller, Maler; Jens Rausch, Künstler; Jens Reitemeyer, Grafiker; Hoo Doo Girl, Horst Petersen /
Jetzmann, Musiker; Jochen Distelmeyer, Musiker; Johannes Ottmar, Journalist / Dramaturg; John O. Doerksen, Illustrator; Jonas Blaumann, Redak-
teur; Jörg Hochapfel, Musiker; Josephin Böttger, Künstlerin / Filmemacherin; Jubie vs VK Whatever; Jürgen Haunss, Autor; Jürgen Speidel, DJ / Aus-
stellungsmacher, Juri Gagarin, Musiker; Karen Koltermann, Künstlerin; Karen Tonne, Filmeditor; Karin Bauer, Designerin; Karl Hilse, Artstore; Kar-
lotta Knote, Hörspiel u. Clubmacherin; Karsten Krause, Filmemacher; Katharina Duve, Filmemacherin; Katharina Kohl, Künstlerin, Katharina Schütz,
Schauspielerin; Kathrin Wildner, Stadtethnologin; Kathrin Zinkant, Autorin; Kathrine Altaparmakov, Bühnenbilderin; Katrin Bahrs, Künstlerin; Kat-
rin Gebbe, Regisseurin; Katrin Markworth, Grafikerin; Katrin Mayer, Künstlerin; Katrin Weiland, Literaturveranstalterin; Kerstin Davies, Grafikerin;
Kettcar; Kopfthema; Kriton Klingler-Ioannides, Komponist / Musiker; Lars Brinkmann, Journalist; Lars Lewerenz, Audiolith Records, Lars Precht,
Musiker; Leonid Kharlamov, Künstler; Leslie Strohmeyer, Designerin; Liliane Oser, Illustratorin; Lilli Thalgott, Kamerafrau; Lorin Strohm, Musikerin
/ Designerin; Mailiss Wollenhaupt, Künstlerin; Maike Höhne, Filmemacherin / Kuratorin; Malte Urbschat, Künstler; Manuel Herwig, Schauspieler;
Manuel Mack, Kameramann/Fotograf; Manuel Muerte, Künstler; Marcela Moraga, Künstlerin; Marek Meyer, Tourmanager; Maren Amini, Illustrato-
rin; Maren Grimm, Filmemacherin; Marga Glanz, Groove City Record Store; Margit Czenky, Künsterin / Filmemacherin; Mario Stresow, Molotow

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ANFÄNGERGLÜCK

und bespielbaren Platz gibt. Mittlerweile, liebe Standortpolitiker, habt ihr bemerkt, dass das zum Problem
für euer Vorhaben wird. Doch eure Lösungsvorschläge bewegen sich tragischerweise kein Jota außerhalb
der Logik der unternehmerischen Stadt. Eine frische Senatsdrucksache etwa kündigt an „die Zukunftspo-
tenziale der Kreativwirtschaft durch Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu erschließen“. Eine „Krea-
tivagentur“ soll zukünftig u.a. „Anlaufstelle für die Vermittlung von Immobilienangeboten“ sein. Wer
sich die Mieten nicht leisten kann, muss sich als „künstlerischer Nachwuchs“ einsortieren lassen und bei
der Kreativagentur um „temporäre Nutzung von Leerständen“ ersuchen. Dafür gibt es sogar einen Miet-
zuschuss, allerdings nur, wenn „die Dringlichkeit des Bedarfs und die Relevanz für den Kreativstandort
Hamburg“ gegeben sind. Unmissverständlicher kann man nicht klarstellen, was „Kreativität“ hier zu
sein hat: Nämlich ein Profit Center für die „Wachsende Stadt“.
Und da sind wir nicht dabei. Wir wollen nämlich keine von Quartiersentwicklern strategisch
platzierten „Kreativimmobilien“ und „Kreativhöfe“. Wir kommen aus besetzten Häusern, aus muffigen
Proberaumbunkern, wir haben Clubs in feuchten Souterrains gemacht und in leerstehenden Kaufhäusern,
unsere Ateliers lagen in aufgegebenen Verwaltungsgebäuden und wir zogen den unsanierten dem sanierten
Altbau vor, weil die Miete billiger war. Wir haben in dieser Stadt immer Orte aufgesucht, die zeitweilig aus
dem Markt gefallen waren – weil wir dort freier, autonomer, unabhängiger sein konnten. Wir wollen jetzt
nicht helfen, sie in Wert zu setzen. Wir wollen die Frage „Wie wollen wir leben?“ nicht auf Stadtentwick-
lungs-Workshops diskutieren. Für uns hat das, was wir in dieser Stadt machen, immer mit Freiräumen zu
tun, mit Gegenentwürfen, mit Utopien, mit dem Unterlaufen von Verwertungs- und Standortlogik.
Wir sagen: Eine Stadt ist keine Marke. Eine Stadt ist auch kein Unternehmen. Eine Stadt ist ein
Gemeinwesen. Wir stellen die soziale Frage, die in den Städten heute auch eine Frage von Territorial-
kämpfen ist. Es geht darum, Orte zu erobern und zu verteidigen, die das Leben in dieser Stadt auch für
die lebenswert machen, die nicht zur Zielgruppe der „Wachsenden Stadt“ gehören. Wir nehmen uns das
Recht auf Stadt – mit all den Bewohnerinnen und Bewohnern Hamburgs, die sich weigern, Standortfak-
tor zu sein. Wir solidarisieren uns mit den Besetzern des Gängeviertels, mit der Frappant-Initiative gegen
Ikea in Altona, mit dem Centro Sociale und der Roten Flora, mit den Initiativen gegen die Zerstörung
der Grünstreifen am Isebek-Kanal und entlang der geplanten Moorburg-Trasse in Altona, mit No-BNQ
in St. Pauli, mit dem Aktionsnetzwerk gegen Gentrifizierung und mit den vielen anderen Initiativen von
Wilhelmsburg bis St. Georg, die sich Stadt der Investoren entgegenstellen.

Booking; Mariola Brillowska, Künstlerin / Professorin; Marion dos Santos, Fotografin; Marita Mayer Trickfilmerin; Markus Beck, Theater-/ Filmema-
cher; Markus Koehler, Grafikdesigner; Markus Lohmann, Künstler; Mathias Will, Künstler; Matthias Arfmann, Manager / Produzent / Musiker; Mat-
thias Meyer, Künstler; Mbemba Ceesay, DJ; Meike Schrader, Sängerin; Melina Moersdorf, Fotografin; Mense Reents, Musiker; Mica Ani, DJ; Michael
Thomas, Hinterconti; Milla Kay, Musikerin / Produzentin; Mimi Lenz, Journalistin; Miriam Nawroth; Buchhändlerin, Muck Giovanett, Musiker;
Natascha Geier, Autorin; Nicolai Beverungen, Echobeach; Nicolai von Schweder-Schreiner, Übersetzer / Musiker; Nicole Hartmann, Künstlerin; Niels
Frevert, Musiker; Niels Kramer, Musiker; Nikolai Hartmann, Cutter; Nils Knott, Sammler; Nils Koppruch/SAM, Musiker/Künstler; Nina Pagalies, Il-
lustratorin; Nina Schley, Cutterin; Nurhan Sekerci, Corazon International Filmproduktion; Olaf Sobczak, Filmenacher; Olaf Zelewski, Comiczeich-
ner; Ole Grönwoldt, Designer; Oliver Ferreira, Illustrator; Oliver Frank, Musikmanager; Oliver Görnandt, Fotograf / Kunstverein Linda; Pascal
Finkenauer, Musiker; Pascal Fuhlbrügge, Musiker; Peggy Kostaras, Musikmanagerin; Pelle Buys; Peter Kersten aka Lawrence, Smallville / Dial Rec.;
Peter Lohmeyer, Schauspieler; Peter Ott, Filmemacher / -professor; Petra Kolitsch, Künstlerin / Illustratorin; Pia Burnette, Sängerin; quartieren.org;
Ralf Köster, DJ / MFOC; Ralf Krüger, Galerist; Ralf Poerschke, Journalist; Rica Blunck, Choreographin / Sängerin; Richard von der Schulenburg,
Musiker; Rocko Schamoni, Autor und Musiker; Sabine Skiba, Fotografie; Sami Khatib, Künstler; Sandra Trostel, Filmemacherin; Sara Mously, Jour-
nalistin; Sarah Wiener, Köchin und Autorin; Sascha Piroth, Künstler; Saskia J.-E. Timm, DJ / Veranstalterin; Schwabinggrad Ballett; Sebastian Reier,
Musiker / Autor; Semkye Ling, Künstler; Siggy Johannson, Schmuckmacherin; Silke Burmester, Journalistin; Sima Niroumand, Grafikerin; Simon
Strotmann, DJ / Kiss Kiss Club; Simona Caranica, Designerin / Kamerafrau; Simone Bruehl, Künstlerin; Sina Klimach, Buchhändlerin; Siri Keil, Ra-
diomoderatorin; Soenke Dorau, Musiker; Sonja Umstätter, Filmemacherin; Sophia Klipstein, Illustratorin; Station 17; Stefan Ebinger, Hörbar e.V.;
Stefan Muhle, Videotechniker Thalia Theater; Steffen Baraniak, Grafiker; Stephan Fust, Musiker; Stephanie Janssen, Journalistin; Sünne Walter, Il-
lustratorin; Suse Wilke, Architektin / Künstlerin; Suzanna Ortego, Freie Künstlerin; Sven Elsner, Musiker; Sven Janetzko, Künstler/Musiker; Sylvi
New Kids on the Block:
Kretschmar, Künstlerin/Performerin; Tanju Börü, Hasenschaukel; Tatjana Greiner, Künstlerin; The Tex Turner Experience; Thomas Lengefeld, Drum-
bule/Hafenklang; Thomas Maringer, Tontechniker; Thomas Piesbergen, Musiker; Till Haupt, Kuenstler; Till Laßmann, Illustrator; Tillmann Terbuy-
ken, Künstler; Tilman Knop, Künstler; Tim-Ove Kuhlmann, DJ; Tina Petersen, Journalistin; Tino Hanekamp, Uebel & Gefährlich; Tobias Schmidt, DJ;
Tocotronic; Ute Zimmermann, Grafikerin; Verena Braun, Künstlerin / Musikerin; Viktor Marek Musiker; Vito Avantario, Journalist

...und viele, viele mehr: www.buback.de/nion

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WARUM, HAMBURG?

URBAN UTOPIA
Die Stadt-Ethnologin Kathrin Wildner lebt in Hamburg und lehrt an der Europa-
Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Gedanken über die „ideale Stadt“
Aufgezeichnet von Eliane Romeck

„Dass eine Stadt wie Hamburg werden. Die Machtverhältnisse


als Unternehmen geführt wird, sind von vorneherein klar.
ist eine neue Erfindung und Die Stadtforscherin Faranak
steht nirgendwo festgeschrie- Miraftab spricht in diesem
ben. Es steht konträr zur Zusammenhang von ‚invited
Stadt als politischem und spaces‘, zu denen man ein-
sozialem Gefüge, in dem geladen wird und ‚invented
es verschiedene Interessen- spaces‘, die man erfindet.
gruppen gibt, die miteinan- Vor allem in letzteren entwi-
der konkurrieren, aber auch ckeln sich Gegenpositionen,
verhandeln. In den heutigen die in Frage stellen, die Wi-
Veränderungsprozessen ist dersprüche deutlich machen
das nicht mehr möglich. In der und nicht zukleistern. In einer
Firma Hamburg geht es um Er- Stadt gibt es immer unvereinba-
tragserhöhung und Kapitalakku- re Widersprüche, und man muss
mulation, alle anderen sind raus aus sehen, wie man damit umgeht. Das
dem Spiel. Das ist meiner Meinung erfordert basisdemokratische Prozesse,
nach der Grund, warum sich derzeit in die langwierig und nervig sein können, in
Hamburg so viele Initiativen gegen Gentrifi- denen man sich oft fragt, ob nicht jetzt mal
zierungsprozesse organisieren. Städtische, öffentli- jemand sagen kann, was zu tun ist. Ich war gerade
che Räume werden dicht gemacht und hermetisch abgeriegelt – mit Studenten in Venezuelas Hauptstadt Caracas, wo wir mit
nicht physisch, es werden keine Tore errichtet, aber durch die Art Leuten aus den Consejos Communales gesprochen haben, den
der Preispolitik, wie Plätze gestaltet werden, wie und für wen sie kommunalen Räten, die die Belange der einzelnen Viertel regeln.
zugänglich sind. Dadurch gibt es keine Heterogentität und keine Ein Vertreter sagte mir: ‚Wenn wir von Revolution reden, dann
Möglichkeit des Andersseins mehr. Das ist einer der wesentlichen kann das doch nur heißen, Zeit und Raum zu bekommen. Zeit
Punkte, gegen den sich die Kritik an Gentrifizierung richtet. Sie vor allem.‘ Das trifft es in meinen Augen genau. Es bedarf langer
geht nicht gegen fünf Anzugträger und zwei Porsche, wohl aber Diskussionen, und dann müssen die Ideen ausprobiert und
dagegen, dass jemand, der keinen Anzug trägt und keinen Por- auch wieder verworfen werden können. Es ist schwierig, so eine
sche fährt, im Weinladen nicht mehr bedient wird. Haltung zu verteidigen, weil man immer wieder mit der Frage
konfrontiert wird: Wie soll das gehen? Wer soll das bezahlen? In
Was Stadt ausmacht, sind eben Heterogenität, Vielschichtig- der Tat ist es utopisch und angreifbar, was ich sage, aber ich finde
keit, Unübersichtlichkeit, Konflikte und Aushandlungsprozesse es wichtig, sich immer wieder vorzustellen, dass es auch anders
zwischen den verschiedenen Akteuren. Das ‚Recht auf Stadt‘, ein gehen könnte, ohne von vorneherein zu wissen, wie.
Begriff von Henri Lefebvre, bedeutet Teilhabe an den Infrastruk-
turen der Stadt – aber vor allem, Stadt mitgestalten zu können Gentrifizierung ist kein typisches Phänomen und vor allem kein
und mitzuentscheiden. Ich spreche hier nicht von Partizipation natürliches, wie behauptet wird. Gentrifizierung heißt, dass gezielt
im Sinne eines ‚Runden Tisches‘, wie er heutzutage in Stadtpla- Stadtteile auf- und abgewertet und dadurch Verdrängungsprozesse
nungsdiskursen üblich ist. Das sind in erster Linie Tools, um et- in Gang gesetzt werden. Das ist ein gelenkter Prozess, der ökono-
was zu rechtfertigen: Alle dürfen sagen, wie sie sich Stadt vorstel- mischen Bedingungen und politischen Entscheidungen unterliegt,
len, dann hängen die Zettel an der Wand, bis sie weggeschmissen die auch andere sein können oder eben regulierbar sind.“

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Anteil der Hamburger Kinder (bis sechs Jahre), die auf Sozialleistungen angewiesen sind: 26 %
Anteil der Hamburger Kinder und Jugendlichen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind: 22 %
Bundesdeutscher Durchschnitt (bis 18 Jahre): 15,6 %

Einwohner Hamburgs, die pro Kalenderjahr


ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als einer Million Euro erzielen: 880
Anzahl von Angehörigen dieser Gruppe, bei denen im Jahr 2007 eine Betriebsprüfung stattfand: 11

Anteil des Monatseinkommens, den Hamburgs Bürger


im Durchschnitt für Wohnen ausgeben: 36 bis 45 %
Bundesdeutscher Durchschnitt: 25,5 %

Jährlicher Baubedarf an Wohnungen in Hamburg: 5000-6000 Einheiten


Voraussichtlicher Neubau an Wohnungen bis Ende 2009: Unter 3000 Einheiten

Steigerung der Mieten auf St. Pauli seit 2005: 27,7 %

Anzahl der Sozialwohnungen in Hamburg 1993: 211 000


Anzahl der Sozialwohnungen in Hamburg derzeit: 116 000

Derzeit unvermietete Büro- und Gewerbefläche in Hamburg: 968 800 qm


In der Hafencity entstehende Büro- und Gewerbefläche: 950 000 qm

Kostensteigerung für den Bau der Elbphilharmonie seit Planungsbeginn: 246 Millionen (320 %)
Zeitpunkt der Einführung eines Kosten-Controllings: Sommer 2008

Porschefahrerdichte in Hamburg: 5,89 Promille


Bundesdeutscher Durchschnitt: 2,62 Promille

Hamburg wächst. Wir liefern den Protest.


Hamburg grows. We provide the protest.

Recht auf Stadt


Hamburg www.rechtaufstadt.net

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