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Islam: Irrtümer und Missverständnisse in Bezug auf den Koran

Ein koranisches Islamverständnis auf ganzheitlicher Basis unter Berücksichtigung


neuester Forschungen und im Geiste der Korankernprinzipien

Dr. Seyed M. Azmayesh

Die Koranverse sind im Lauf der Jahrhunderte durch irrtümliche Deutungen, sachlich
falsche Zitate und unrichtige Übersetzungen der Texte, wie auch durch Zitieren einiger
Stellen außerhalb ihres Zusammenhangs missbraucht worden.

Da die Diskussionen um den Islam nicht abreißen wollen und eine wachsende Zahl
extremistischer Gruppen weltweit im Namen des Islams agieren, wollen wir einen
Beitrag zur Aufklärung der häufigsten Irrtümer und falschen Vorstellungen in Bezug auf
den Koran und Islam leisten. Ziel ist es, in diesem Essay auf diese Irrtümer und falschen
Vorstellungen in Bezug auf die Verse des Korans bei Muslimen sowie Nicht-Muslimen
einzugehen und dessen authentische Kernaussagen zur Geltung zu bringen. Die
Fehlurteile, die wir in dieser Schrift aufgreifen, beziehen sich auf die Koran-
Darstellungen zu den Menschenrechten, der Gleichstellung von Frau und Mann und dem
Konzept des Dschihads.

Bevor wir die Betrachtung der Einzelheiten der unterschiedlichen Fehldeutungen


vornehmen, erachten wir es als wichtig, den geistigen Kern des Islams und seiner
wichtigsten Basis zu betrachten. Dadurch lässt sich leichter nachvollziehen, warum
einige Verse des Korans scheinbar nicht den eindeutigen Prinzipien des Islams ent-
sprechen, sei es durch gewisse Fehldeutungen und fehlerhafte Übersetzungen oder
deren herausreißen aus dem Gesamtzusammenhang. Dieser Aspekt sollte
gerechterweise nicht außer Acht gelassen werden, so wie in jeder zivilisierten
Gesellschaft ein Richter die Gesetze des Landes im Kontext des Geistes der Verfassung
oder der Grundrechte betrachtet. In ähnlicher Weise sollten die Koranverse auch im
Kontext des spirituellen Rahmens oder "Geistes" betrachtet werden, der in den Versen
enthalten ist. Der erste Schritt dieses Prozesses wird darin bestehen, den Begriff Islam,
wie der Koran ihn definiert, zu untersuchen.

Unterwerfung oder Frieden?


Oft findet sich der Begriff Islam mit „Unterwerfung" oder „Gehorsam" übersetzt und
wird als „blindes Folgen" gedeutet. Diese Übersetzung ist jedoch falsch und irreführend.
Die Wurzeln des Begriffs Islam sind selm und salam, was mit „Heil", „Gesundsein“ oder
„Frieden" übersetzt werden kann. Salama und yaslemo sind Verbformen von selm und
drücken aus „den Frieden im Herzen erwerben" oder „ein heiles Herz erlangen". Tasleem
hingegen ist der Ausdruck, der mit „Unterwerfung" übersetzt werden müsste.

Das Wort Islam bezieht sich auf die Bedeutung von „Heil", „Heilung", „Gesundheit" oder
„Frieden". Ein Individuum, das sich dem Erlangen dieses inneren „Heils" oder „Friedens"
verschreibt, wird Muslim genannt. Der Koran schildert die Selbsterkenntnis als
Ausgangspunkt für die Entscheidung, ein solches Ziel anzustreben, um nicht mit einem
„kranken" oder „unruhigen" Herzen, soghm, zu leben. Mit Hilfe der Koranlehren kann ein
Suchender sein Herz aus einem Zustand des soghm in einen Zustand des selm
verwandeln. Selm bedeutet „heiles" oder „gesundes" Herz. Laut Koran lässt sich eine
weitere Verwandlung des Herzens erzielen, die daraus besteht, dass der Suchende aus

1
dem Zustand des salem sein Herz in den Zustand des salim verwandeln. Salim ist ein
„immunisiertes“, „heiliges" oder „gewisses" Herz. Im Koran wird für diesen Prozess
Abraham als Vorbild genannt, dessen Herz den Zustand salim erreicht hatte.

Beachten wir, dass alle diese Begriffe wie Islam, Muslim, Selm, Salem und Salim sich von
der Wurzel Salam ableiten lassen und in der jeweiligen Weise etwas zum Ausdruck
bringen, das mit „Heilung“, „Heil sein“, „Gesund sein“ oder „Frieden“ zu tun hat. Der
Koran spricht auch vom Zielort im Nachtodlichen und nennt diesen Ort Dar al-Salam,
das „Haus des ewigen Friedens“ - auch bekannt als Paradies oder Himmel.
Darüberhinaus ist es nicht unüblich, Muslime as-Salam-Alaikum zur Begrüßung sagen zu
hören. Übersetzt heißt das „Friede sei mit dir". Die Bedeutung dieser Begrüßungsformel
und des Wortes Salam sowie seinen Ableitungen werden im Koran stark betont.

Die vierte Sure (an-Nisa, Die Frauen) weist die Muslime in Vers 94 an: „(...) und sagt
nicht zu einem, der euch mit Salam, dem Friedensgruß, begrüßt „Du bist ein
Ungläubiger!" Aus diesem Vers kann man ableiten, dass die Lehren des Islam einem
Muslim verbieten, die Religion oder den Glauben eines anderen in Frage zu stellen. Der
Koran betont hingegen, dass die Begrüßung mit Salam (Frieden) der Beweis einer guten
Tat ist und wer mit Salam begrüßt wird, die Pflicht hat, den Friedensgruß zu erwidern.
Dabei ist der Glaube oder die Religion dessen, der den Friedensgruß ausgesprochen hat,
völlig unerheblich. Vers 63 der Sure 25 (al-Furqan, Der Maßstab) beschreibt die Jünger
des Allbarmherzigen als äußerst demütig. Zum Beispiel antworten sie mit dem
Friedensgruß Salam, wenn sie von den Unwissenden hart angegangen werden. Des
Weiteren wird Gott im Koran mit verschiedenen Namen bezeichnet, unter anderem mit
Salam1. Auch diesen Aspekt können wir nicht außer Acht lassen. Das Wort Salam spielt
im Islam eine entscheidende Rolle und der ganze geistige Schulungsweg dreht sich um
Salam und seine Ableitungen. Wer die Prinzipien des Salam berücksichtigt und den Geist
des Korans erfasst hat, kann feststellen, dass alle Vorwürfe gegenüber dem Koran durch
Islamophobe, sowie jede barbarische und gewalttätige Handlung im Namen des Islams
durch Fundamentalisten einfach nur Ergebnisse des Missbrauchs der koranischen Texte
sind.

Kategorien und Auslegungen des Korans


Oft ist es so, dass Unkenntnis über den Aufbau des Korans zu vielen Missverständnissen
und falschen Interpretationen der Verse führen kann.
Im Allgemeinen kann man den Koran in drei Hauptkategorien aufteilen. Die erste und
relevanteste Kategorie von Versen bilden die Kernlehren des Islams, die nach Ansicht
der Muslime von dem Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed offenbart wurden.
Die zweite Kategorie von Versen besteht aus Fragen an Mohammed, die ihm seine
Jünger und andere Zuhörer seiner Unterweisungen stellten. Die dritte Kategorie der
Koranverse besteht aus den Antworten, die Mohammed auf die ihm gestellten Fragen
gab. Oft waren unter den Fragenstellern auch seine Gegner, die entschlossen waren,
seine Mission bei jeder sich ergebenden Gelegenheit zu untergraben und häufig
versuchten, sich lustig über ihn zu machen. Viele Missverständnisse in Bezug auf den
Koran erwachsen aus Unkenntnis der Bedeutung des Aufbaus dieses Buches. Vor allem
geschieht dies bei der Kategorie von Versen, welche die Fragen an Mohammed
enthalten. So kann man jetzt ahnen, wie einige der Verse fälschlicherweise für
Kernlehren des Islams gehalten werden können.

1 Gott wird mit einer Vielzahl von Namen benannt. Sie bezeichnen einzelne Aspekte, Eigenschaften oder Qualitäten des Göttlichen.

2
Irreführende oder unrichtige Auslegungen des Korans, genauso wie schlechte
Auslegungen anderer heiliger Texte, stellen uns vor große Herausforderungen in
modernen multikulturellen Gesellschaften. Um den Koran auslegen zu können, sollte
man sich an den Prinzipien orientieren, die der Prophet Mohammed selbst aufgestellt
hat und man sollte den besonderen Aufbau des Korans kennen, sowie die Werte, die sein
Fundament ausmachen.

Eine Erforschung des Korans setzt voraus, die Bedeutung der Verse zu verstehen und sie
auf mehreren Ebenen zu erfassen. Zunächst sollte man die Bedeutung und den Sinn der
Worte aufnehmen können, dann auf einer allegorischen oder hermeneutischen Ebene
und schließlich auf der geistigen oder metaphysischen Ebene. Wenn man diese drei
Ebenen nicht erfassen kann, erliegt man sehr schnell den Fallstricken mangelhafter
Interpretationen des Korans. Aus diesem Grund findet sich im Koran der Hinweis, dass
nur Kenner aller Bedeutungsebenen den Koran auslegen sollten.

Er ist es, Der dir das Buch herabgesandt hat. Es enthält eindeutige, grundlegende Verse, die
den Kern des Buches bilden und Verse, die verschieden gedeutet werden können. Diejenigen
aber, die im Herzen abwegige Absichten hegen, befassen sich vorrangig mit den nicht
Eindeutigen, mit der Absicht, Verwirrung zu stiften und eigene Deutungen zu entwickeln.
Die einzig richtige Deutung weiß nur Gott allein. Diejenigen aber, die über tiefgreifendes,
fundiertes Wissen verfügen, bekennen: "Wir glauben daran. Alles ist von Gott, unserem
Herrn." So denken nur die, die sich ihres gesunden Verstandes bedienen.
Sure 3, Vers 7.

Daher lässt sich nachvollziehen, dass Wort für Wort Übersetzungen des Korans, wie sie
heute im Westen üblich sind, gewöhnlich unrichtige Aussagen enthalten. Es ist
unabdinglich, den Koran in seiner Sprache, Arabisch, zu erforschen und alle Ebenen
seiner Aussagen zu erfassen. Dies ist alles andere als einfach, denn wir sollten
berücksichtigen, dass viele der Worte im Koran nur scheinbar arabische Worte sind,
aber eigentlich weisen diese Begriffe eine frappierende Ähnlichkeit mit dem
Altsyrischen und sogar dem Altpersischen auf. Ohne Kenntnisse in Etymologie2 in Bezug
auf die Koranverse kann sich niemand seiner Auslegung sicher sein. Daher würde man
der Sache gerechter werden, wenn nur Fachleute, die sich dieser Nuancen bewusst sind
und die alle Bedeutungsebenen dieser Verse erfassen können, den schwierigen Versuch
unternehmen, den Koran auszulegen oder zu übersetzen.

Dies hat Mohammed auch als Vermächtnis seiner Nachwelt hinterlassen, wie uns ein
von allen Muslimen anerkanntes Hadith3 eröffnet: „Ich werde jetzt diese Welt verlassen
und hinterlasse euch zwei bedeutende Vermächtnisse: das Buch Gottes und meine
Familie étràt oder Tradition sunnat. Haltet euch an beide, um von Gott vor jeglicher
Abspaltung und Abweichung beschützt zu sein.“4

2 Wortherkunft
3 Ein Hadith ist ein mündlich überlieferter Spruch, der Mohammed zugeordnet wird. Um jedoch ein Hadith als authentisch zu klassifizieren,
muss es eine eindeutige schriftliche Spur der Überlieferung bis in die Zeit des Propheten geben und noch wichtiger: es muss mit den Versen des
Korans in der Sinngebung übereinstimmen.
4 Hadith Nabavi zitiert von Zeyd ibn Argham, wie der Autor Muslem in seinem Sahih berichtet, Hadith as-Sagàlayn wird von vielen
Berichterstattern zitiert: Al-Termazhi ; as-Sonan, vol. 5 im Kapitel ‘al-Managhib fil Ahlol bayt en Nabbi’. Ahmad Hanbal. Al-Musnàd, vol. III, p.
14, 17, 26, 59. Hâkim sagt in Al-Mustadrak, vol. 3 p. 109 dies Hadith sei Sahihlaut Muslim und Bokhari in ihren Büchern Sahih. Mohammad
Baghir el Majlesi, Bihâr ol Anwar, vol. 3 p. 106.

3
Nehmen wir all diese Aspekte zusammen, wird klar, dass eine Auslegung des Korans
schwierig ist und jemanden braucht, der spirituell hoch entwickelt ist, fachkundig in der
arabischen, sowie in weiteren Sprachen ist und sich der unterschiedlichen Sinn-Ebenen
in jedem Vers bewusst ist. Daher werden die Leser des Korans in dem weiter oben
zitierten Vers an die Gefahren erinnert, den Koran nach eigenem Gutdünken und
eigensüchtigen Interessen auszulegen5. Um dieser Fallgrube zu entgehen, muss man
sich geistig weiter entwickeln und seine eigensüchtigen Interessen zurückstellen
können. Da die Übersetzung des Korans keine einfache Aufgabe ist, sollte man nicht
allzu leichtfertig jegliche Auslegung oder Übersetzung als korrekte Wahrheit und einzige
Bedeutungsmöglichkeit der Verse betrachten.

Das letzte zu berücksichtigende Kriterium in der Auslegung und im Gesamtverständnis


des Korans bezieht sich auf die Verse, die den Aufbau einer Zivilisation in genau
definierten Entwicklungsschritten schildern. Diese Verse basieren auf einem naskh
genannten Prinzip.

Historische Entwicklungen menschlicher Gesellschaften und das koranische


Prinzip der Aufhebung (Naskh)
Der Koran ist ein Buch, das den Menschen und der Gesellschaft Entwicklungsschritte zu
einer substanziellen Evolution aufzeigt. Die Methode der Vermittlung gemäß der
chronologischen Lehren des Korans macht Gebrauch von dem Prinzip der „Aufhebung"
oder „Annulierung“. Im Folgenden ein Beispiel aus dem Koran:

Du Mensch! Du strebst mit aller Mühe deinem Herrn zu; und du sollst Ihm begegnen.
Sure 84, Vers 6

In einem weiteren Vers heißt es:


Der Edelste vor Gott ist der Frommste unter euch.
Sure 49, Vers 13

Das Prinzip des Naskh annuliert einen alten Vers durch einen neuen Vers. Naskh
bedeutet „Aufhebung, Auslöschung, Streichung, Übertragung, Unterdrückung,
Auflösung". Die Funktionsweise von Naskh wird in diversen Versen, wie in der Sure
7/Vers 154, Sure 45/Vers 29, Sure 22/Vers 52, Sure 2/Vers 106 und in der Sure 16/Vers
101 angewandt. Diese Verse sind als „Aufhebungsverse" bekannt.

Wenn Wir (einem Gesandten) das wunderbare Zeichen eines Vorigen vorenthalten oder es
in Vergessenheit geraten lassen, so geben wir ihm ein besseres oder ein ähnliches. Weißt du
nicht, dass Gottes Allmacht unermesslich ist?
Sure 2, Vers 106.
Wenn Wir dir ein Zeichen geben, das die Zeichen von Gesandten vor dir ersetzt - Gott weiß
wohl, was Er offenbart - sagen die Ungläubigen: "Du bist ein Lügner!" Doch die meisten von
ihnen sind unwissend.
Sure 16, Vers 101.

5 Ein klassisches Beispiel eigensüchtiger Auslegung des Korans ist der Einsatz von Steinigungen als Form einer islamischen Strafe, wie es einige
Kleriker im Verlauf der Geschichte immer wieder getan haben. Der Koran hat die Steinigung unter keinen Umständen als islamische Strafe
aufgeführt, sondern hat die Steinigung als Strafe geschildert, die Despoten an den Propheten Gottes vollziehen ließen. Daher lehnt der Koran
solche Strafen vehement und entschieden ab. Es gibt aber immer noch einige Kleriker, die behaupten, Steinigung sei eine gerechte Strafe.

4
In diesen Versen findet man das Prinzip der Aufhebung eines älteren Verses und seine
Ersetzung durch einen jüngeren Vers erläutert. Gemäß diesem Prinzip wird der
aufgehobene Vers mansoukh in seiner Relevanz gegenüber dem neuen Vers naskh
herabgestuft und der neue Vers gewinnt dadurch eine höherwertige Gültigkeit. Auf dem
geistigen Schulungsweg der substanziellen Entwicklung ist es üblich, dass ein Anfänger
auf dem Weg von soghm zu selm die Stufen der inneren Entwicklung und der Entfaltung
der seelisch-geistigen Eigenschaften allmählich und in organischer Weise kennen und
ausüben lernt.

Das zivilisatorische Entwicklungsprinzip und die Menschenrechte im Koran


Die Evolution der Menschheit hat mit der Bildung kleiner Gruppen, bestehend aus
Männern, Frauen und Kindern begonnen, die als soziale Zelle in unterschiedlichen
Regionen der Welt im Stil der Gemeinschaften der Steinzeit zusammen lebten. Im Laufe
der Geschichte und vieler Jahrtausende haben sich diese einfachen Gruppen
weiterentwickelt und haben einen neuen Schritt eingeleitet, als sie die ersten
Stadtstaaten in Regionen wie Mesopotamien gründeten. Später sehen wir blühende
Zivilisationen auftauchen, wie die sumerische, die babylonische, die assyrische, die
persische, die griechisch-römische, die sich überlagerten und einander ablösten.
Jahrhunderte später wichen die alten Zivilisationen den modernen Gesellschaften. So
sehen wir, wie die Menschheit eine allmähliche Entwicklung durchlaufen hat, die sich
aus Sklavenhaltergesellschaften hin zu Zivilisationen entwickelten, die sich
demokratisch verstehen und Menschenrechte respektieren.

Die Geschichtsbücher beschreiben, wie sich im 6. Jahrhundert n. Chr. zwei weit


entwickelte Zivilisationen und Großmächte, Persien und Byzanz, gegenüberstanden, die
in unmittelbarer Nachbarschaft herumwandernder Beduinen auf der Arabischen
Halbinsel lebten. Die Beduinen hatten noch keine historische Weiterentwicklung
erfahren, da sie sich den abergläubischen Traditionen der Stämme und Bräuche ihrer
Vorfahren vehement verschrieben hatten und von diesen nicht abweichen wollten.
Die Koranlehren enthalten verschiedene Aspekte, die allesamt auf eine geistig-
kulturelle-soziale Erneuerung in jener Region zielten. Dreiundzwanzig Jahre lang
wurden Mohammed die koranische Lehren offenbart. In dieser Zeit der schrittweisen
Offenbarungen leiteten die Verse eine allmähliche Entwicklungsmethode für seine
Gefährten an. Die koranische Methode der schrittweisen Evolution versuchte den
Lebensstil der Bewohner der Arabischen Halbinsel weiter zu entwickeln.

Die Stufen der Entwicklung beginnen mit dem Ist-Zustand einer in Obskurantismus, Un-
wissen und Götzendienerei verfangenen Gesellschaft, leiten zum Zustand des Anfängers
auf dem Weg von soghm zu selm als Muslim (Gläubiger) über, erreichen dann den
Zustand eines Mo'men (glaubwürdiger Muslim), erreichen die Stufe des Zustands eines
Mottaghi (frommer Muslim) und erreichen die Ebene eines Seddigh (gewissenhafter,
gerechter Muslim). Schließlich gilt es, sich als Krönung den Zustand des Abd (ein
Monotheist, der die Einheit allen Seins erfahren hat) zu erarbeiten.

Neben den Anleitungen zu einer geistigen Entwicklung und zum Erlangen von Weisheit
betont der Koran auch die Wichtigkeit, lesen und schreiben zu lernen und sich mit
Büchern zu beschäftigen.6 Eine der ersten Maßnahmen Mohammeds in Medina war die

6 Gott hat den Gläubigen wahrhaftig eine Gnade erwiesen, indem Er einen Gesandten aus ihrer Mitte mit der Botschaft betraute, der ihnen die offenbarten Zeichen Gottes
vorträgt, der sie läutert und sie das Buch und die Weisheit lehrt. Denn zuvor hatten sie sich in schwerem Irrtum befunden. Sure 3, Vers 164.

5
Einführung einer Art Schulpflicht für die eingewanderten Muslime. Er schickte sie in die
Schulen der Juden, um dort lesen und schreiben zu lernen und Wissen zu erlangen. Die
geistigen Lehren Mohammeds waren vermischt mit Lehren, die sich auf die Entwicklung
menschlicher Werte in der Gesellschaft bezogen. Dies kam daher, dass er erkannt hatte,
dass eine geistige Entwicklung nicht ausreichte, um sich gegen Despotismus und
abergläubische Praktiken aufzulehnen, um eine friedliche auf Teilhabe basierende
demokratische Gesellschaft zu gründen.

O Prophet! Fürchte Gott und höre nicht auf die Ungläubigen und die Heuchler! Gottes
Wissen und Weisheit sind unermesslich. Befolge alles, was dir von deinem Herrn offenbart
wird! Gott weiß genau, was ihr tut. Verlass dich auf Gott allein! Gott genügt als Hüter.
Sure 33, Verse 1-3.

Letztlich sehen wir, dass sich gewisse Gruppen auf eine bestimmte Anzahl überlieferter
Hadithe verlässt, um im Namen des Islams unmenschliche Handlungen zu begehen oder
sachlich falsche Unterstellungen über den Koran in die Welt zu bringen. Doch um ein
abschließendes Urteil über den Koran zu fällen, verlangt auch schon der Koran, dass
man sich allein auf seine Aussagen beziehen sollte. Die Gültigkeit eines Hadith kann an
den Aussagen im Koran überprüft werden. Wenn das Hadith mit der Aussage des Korans
übereinstimmt, kann es als eine aussagekräftige Überlieferung gelten.

Um die Gleichwertigkeit aller Menschen hervorzuheben, spricht der Koran in seinen


Lehren sehr häufig die Nachfahren Adams an.7 Daher wendet sich Gott im Koran
allgemein an die Menschheit und die Menschen, jenseits des Geschlechts oder anderer
Unterscheidungsmerkmale. Der Koran betont sogar, dass jeder Mensch das Potential in
sich trägt Gottes Stellvertreter auf Erden zu werden. Daher ist ein Mensch unabhängig
von seiner Rasse, Hautfarbe oder Geschlecht zu betrachten:

Wir haben die Kinder Adams geehrt, haben sie über Land und Meer getragen, sie mit
Gütern versorgt und sie vielen Geschöpfen vorgezogen.
Sure 17, Vers 70.

Er ist es, Der euch zu Statthaltern auf Erden gemacht hat.


Sure 35, Vers 39.

Der Wert allen Lebens wird hervorgehoben, weshalb der Koran zu dieser Aussage
kommt:

Deswegen schrieben wir den Kindern Israels vor, dass jeder, der einen Menschen tötet - es
sei denn als Vergeltung für Mord oder Unheilstiftung auf Erden - gleichsam die ganze
Menschheit tötet; und wer einem, den der Tod bedroht, zum Leben verhilft, der hat
gleichsam der gesamten Menschheit zum Leben verholfen.
Sure 5, Vers 32.

Aus geistiger Sicht lässt sich die Nähe zu Gott nur durch gute Taten, die aus reiner und
uneigennütziger Absicht entspringen, erreichen.8 Damit sind Menschen gemeint, deren
Sinn sich auf die positive Entwicklung der Welt richtet, jenseits des Geschlechts oder
7
O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib (Adam und Eva) erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet.
Sure 49, Vers 13.
8 Der Edelste vor Gott ist der Frommste unter euch (idem).

6
dem Ansehen der Person, die gute Taten vollbringt. Dieses grundlegende Prinzip ist das
wichtigste Fundament des koranischen Bildungsanspruchs, der eine Fortsetzung aller
Prophetenlehren bis in die Zeit Mohammeds ist.

Dieses Prinzip stellt den geistigen Kern der koranischen Lehren dar und liegt vielen
Suren zu Grunde, wie zum Beispiel in der Geschichte der „Zivilisation von Saba".

Die Menschen von Saba lebten in einer fruchtbaren Gegend und wurden von Königin
Balkis, der berühmten Königin von Saba regiert.9 Diese Königin lebte zur Herrschaftszeit
Salomos, eines Propheten Gottes und Sohn König Davids. Als Salomon von dieser
Zivilisation unter der Herrschaft einer weisen Frau erfuhr, sandte er ihr eine Einladung,
ihn in seinem Reich zu besuchen, um Balkis und ihr Volk mit dem monotheistischen Weg
vertraut zu machen.

Die edle Balkis, Königin von Saba, nahm die Einladung wohlwollend an und zog mit
ihrem Hofstaat nach Palästina, wo Salomo lebte. Dort wurde sie durch Salomo in den
monotheistischen Schulungsweg - genannt Islam10,- eingeweiht.

Von dieser Begegnung schreibt der Koran in der Sure Naml (Die Ameisen), um am
Beispiel des Großreichs von Saba zu zeigen, dass auch eine Frau ein Land regieren kann
und diese Tätigkeit für jeden Menschen möglich wäre, losgelöst von der Frage des
Geschlechts. Diese Tätigkeit erfordert die Fähigkeiten Pläne zu machen,
Verhandlungsgeschick, Weisheit, Übersicht und umfassendes Wissen anstatt Zwang und
Vorurteile. So erlebte Salomo alle diese Fähigkeiten an Balkis und versuchte nicht, sie
vom Thron zu stoßen, weil sie eine Frau war - sondern schätzte ihre Fähigkeiten, wie sie
über Saba herrschte.

Diese auf Gleichwertigkeit gründenden Lehren spiegeln sich im Koran wider,


insbesondere in der Sure 27, genannt Naml. Diese Sure behandelt ein weiteres
Phänomen der irdischen Welt. Einige Zeilen gehen auf verschiedene Tiere ein, die in
Gruppen oder Kollektiven leben. Die Lebensumstände der Ameisen werden in dieser
Sure erwähnt, wie sie verschiedene Aufgaben erfüllen und unter der Fürsorge und
Führung durch die Ameisenkönigin miteinander kooperieren11. Auch die Welt der
Bienen wird im Koran angeführt, nämlich wie die Bienen auch von einer Königin und
nicht von einem König geführt werden und alle Tätigkeiten unter der Leitung der
Bienenkönigin so fein wie ein Uhrwerk aufeinander abgestimmt sind12. Noch
interessanter ist jedoch die Schilderung im Koran, wie die Königin der Ameisen ihren
Ameisen befiehlt, sich so schnell wie möglich unter die Erde zurückzuziehen bis das
Heer Salomos das Vadi Naml (Tal der Ameisen) durchquert hat, um nicht von den Hufen

9
Der Wiedehopf hatte sich nicht weit davon aufgehalten und sprach: "Ich habe etwas erfahren, was du nicht weißt. Ich bringe dir aus Saba eine wichtige zuverlässige
Nachricht. Ich habe dort gesehen, dass eine Frau als Königin über das Volk herrscht, die von allen Gaben hat und einen gewaltigen mächtigen Thron besitzt. Sure 27
Namal, Verse 22, 23. Gehe mit diesem Brief von mir zu ihnen und wirf ihn hin, dann wende dich von ihnen ab und höre, was sie einander sagen!" Die Königin sagte:
"Ihr Vornehmen! Mir ist ein achtbarer Brief zugeworfen worden." Er kommt von Salomo und lautet: Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Gütigen! Seid mir
gegenüber nicht hochmütig, und kommt ergeben zu mir! Sure 27, Verse 28-31.
10 Islam: Schulungsweg von einem siechen Herzen zu einem heilen Herzen, von Entfremdung zum Einssein und Verbundensein mit dem
Schöpferischen.
11
Als sie ins Tal der Ameisen kamen, sagte eine Ameise: "O ihr Ameisen! Geht in eure Wohnungen, sonst zertreten euch Salomo und seine Streiter, ohne es zu
merken." Sure 27, Vers 18.
12
Und dein Herr gab den Bienen ein: "Baut euch Behausungen in den Bergen, in den Bäumen und in den von den Menschen errichteten Bienenstöcken!" Ernährt euch
dann von allen Früchten und nutzt die Wege, die Gott euch geebnet hat!" Aus ihren Leibern kommt ein Labsal verschiedener Art, das den Menschen Heil bringt. Darin
ist ein Zeichen für Menschen, die nachdenken können. Sure 16, Verse 68-69.

7
und Stiefeln der Armee zertrampelt zu werden. Salomo bekommt diese Anweisung der
Ameisenkönigin mit, lächelt und bewundert ihre Auffassungsgabe und Umsicht13.

Dieses Motiv setzt sich in der gleichen Sure in der Geschichte der Königin von Saba fort,
worin König Salomo zum Ausdruck bringt, dass die Schöpfung nichts mit dem
Geschlecht zu tun hat und Gott die Gleichwertigkeit zwischen Frau und Mann hoch hält.
Als Prophet Mohammed jedoch nach Art der ihm vorausgehenden Propheten versuchte,
die ungebildeten Bewohner der Wüsten der Arabischen Halbinsel aufzuklären, wiesen
die meisten die Werte und Lehren des Korans ab und weigerten sich, die
abergläubischen Überzeugungen ihrer Vorfahren loszulassen. Ein Teil dieses
Aberglaubens gründete auf der Überlegenheit der Männer über Frauen.

Als der Koran offenbart wurde, lebten viele Männer und Frauen auf der Arabischen
Halbinsel, die wegen ihrer Armut nicht heiraten konnten. Andere heirateten in der
Hoffnung, einen männlichen Nachkommen zu zeugen, der für das wirtschaftliche
Auskommen der Familie hätte arbeiten können. Zeugten sie dann jedoch Mädchen,
begruben sie diese bei lebendigem Leib gleich nach der Geburt. Viele Väter, deren
Frauen Mädchen geboren hatten, gerieten in Rage und fühlten sich anderen Männern
gegenüber minderwertig. Frauen waren wirklich rechtlos, was viele zwang, Schutz zu
suchen im Zelt (Tschador) einer der Männer, so dass die reicheren Männer großen
Zulauf hatten, da sich die Frauen dadurch erhofften, ihr Leben zu verbessern. Somit
hatten reiche Männer zahlreiche Frauen in ihrem Zelt.

Leute mit abergläubischen und frauenfeindlichen Ansichten konnten daher die Hinweise
Mohammeds, sich zu den Werten im Koran zu bekennen und Männer und Frauen als
gleichwertig zu betrachten, nicht annehmen. Sie lehnten die Lehren Mohammeds und
die Inhalte seines Buches offen ab.14 Sie forderten Mohammed auf, entweder seine
Lehren zu verschweigen oder sie zu ändern und das Buch so umzuschreiben, dass seine
Inhalte mit ihren Stammesbräuchen übereinstimmen. Mohammed gab jedoch nicht auf
und unternahm es mit großer Entschlossenheit, Bewohner der Arabischen Halbinsel in
einer auf Entwicklung angelegten Weise zu unterweisen und sie mit menschlichen
Werten vertraut zu machen, um sie aus dem Zustand der Unwissenheit und
Unbewusstheit herauszuführen. Dabei machte Mohammed sie mit Kernlehren, wie der
All-Einheit Gottes, der Unterstützung Gottes für seine ihm Zugewandten vertraut. Er
pries ihnen die Heirat als wünschenswerte Praxis an und warnte sie vor der
Ungerechtigkeit, ihre neugeborenen Mädchen bei lebendigem Leib zu begraben, da sich
am Tag der Auferstehung ihre so abgewiesenen Töchter erheben und sich bei Gott über
sie beschweren würden.

Der Prophet der Muslime gestand Frauen das Recht zu, Zeugnis abzulegen und
Erbschaften anzutreten. Er wies darauf hin, dass es vor Gott keine Unterschiede
zwischen Mann und Frau im Glauben gibt. Den Männern legte er ans Herz, ihr
ausschweifendes Leben zu unterlassen und zu üben, Frauen nicht lustvoll anzustarren.
Den Frauen empfahl er, den Männern nicht launisch und unzuverlässig
gegenüberzutreten. Prophet Mohammed gab den Männern zu bedenken, dass es so gut
wie unmöglich sei, zwei Frauen gerecht zu werden und sie gleich zu behandeln, wodurch

13 Da lächelte er heiter über ihre Worte. Sure 27, Vers 19.


14
Die Ungläubigen sagen: "Wir werden weder an diesen Koran noch an die vor ihm offenbarten Schriften glauben." Du müsstest sehen, wie die Ungerechten am Jüngsten
Tag vor ihrem Herrn stehen und einander Vorhaltungen machen werden. Die Unterdrückten werden den Überheblichen sagen: "Wenn ihr nicht gewesen wäret, wären wir
Gläubige." Sure 34, Vers 31.

8
kein Mann mehr als eine Frau heiraten sollte.15 Entgegen der Bräuche der Zeit der
Unkenntnis verbat Mohammed den Männern das Begaffen von Frauen und auferlegte
den muslimischen Frauen in Mekka, ihren Nacken, ihre Brüste und ihr Geschlecht zu
bedecken und sich sittsam zu verhalten. Auch sollten die muslimischen Frauen nicht die
Blicke der Männer durch aufreizendes Verhalten auf sich ziehen oder beim Gehen ihre
Reize besonders zur Geltung bringen.16

Das wiederum zeigt, dass der Koran keine Anweisung erteilt, ein hidschab (Kopftuch) zu
tragen, sondern nur den Körper ab dem Nacken abwärts in der Weise zu verhüllen, dass
die geschlechtsspezifischen Merkmale nicht so stark zur Geltung kommen. Hier sollten
wir hervorheben, dass einige Korandeuter versucht haben, Koranverse so auszulegen,
dass Frauen gezwungen werden können, ihren Kopf, ja sogar ihr Gesicht zu verhüllen.
Dafür gibt es im Koran keinen Beleg. Keiner der Verse weist Frauen an, Kopf und Gesicht
zu verhüllen. Der Koran legt den Muslimen nahe, dass der Schmuck zinat der Frauen nur
für ihre Ehemänner und Vertrauten zu sehen sein sollte. Es gibt jedoch Unterschiede
zwischen zinat (Schmuck, Zierde, Ornat), hosn (Sinn, Einsicht in innere Schönheit, auch
eines Gedankens) und dschamal (Anziehungskraft, Glanz, durchscheinende Schönheit,
innerer geistiger Ausdruck von Schönheit). Darüber hinaus fordert der Koran sowohl
Männer als auch Frauen auf, keusch zu sein, um ihr Seelenheil nicht zu gefährden. Dabei
wird nicht zwischen Männern und Frauen unterschieden, sondern es wird beiden
Geschlechtern empfohlen, ihr Verhalten gewissenhaft zu überprüfen. Der Koran enthält
keinen Aufruf zu einem pflichtgemäßen Tragen eines hidschab17 und es muss niemand
spezifische Kleidung tragen. Der Prophet hat einfach nur den gläubigen Frauen geraten,
sich sittsam anzuziehen, was den dortigen Bräuchen in der Zeit der Unwissenheit
widersprach.18

15
Und wenn ihr fürchtet, ihr würdet nicht gerecht gegen die Waisen handeln, dann heiratet Frauen, die euch genehm dünken, zwei oder drei oder vier; und wenn ihr
fürchtet, ihr könnt nicht billig handeln, dann (heiratet nur) eine oder was eure Rechte besitzt. Also könnt ihr das Unrecht eher vermeiden. Sure 4, Vers 3.
Mohammed hatte mehrere Frauen. Diese Tatsache nutzen einige seiner Gegner, um daraus den Schluss zu ziehen, dass Islam Vielweiberei
unterstützt. Wer jedoch genauer auf Mohammeds Leben schaut, wird zu einem ganz anderen Schluss kommen. Schauen wir zunächst auf seine
Zeit in Mekka. Dort hatte er nur eine Frau. Er hatte im Alter von fünfundzwanzig Jahren die fünfzehn Jahre ältere Witwe Khadidscha bin
Chuwaylid geheiratet. Laut allgemeiner Meinung gingen aus dieser Verbindung ein Sohn und zwei Töchter hervor. Offensichtlich haben nur die
beiden Töchter das Erwachsenenalter erreicht. Allgemein ist man sich auch darüber einig, dass Mohammed ein zweites Mal heiratete, nachdem
Khadidscha gestorben war und er nach Medina zog.
Dazu sollten wir berücksichtigen, dass die Rolle Mohammeds in der Gesellschaft Medinas einen anderen Stellenwert bekam, als die Bewohner
Medinas ihn baten, ihr Anführer zu sein und er sich gezwungen sah, aus der neuen Rolle heraus einige der Bräuche in der Stadt anzunehmen, um
den Frieden in der Stadt zu wahren.
Zu diesen Bräuchen der Stadt gehörte die besondere Vertragsgestaltung, die mit arrangierten Heiraten besiegelt und bekräftigt wurden. Dieser
Brauch war nicht nur auf der Arabischen Halbinsel üblich, sondern auch in anderen Weltteilen. Daher sollten alle nach Khadidscha folgenden
Verbindungen Mohammeds unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. Die Frauen, die auf diese Art Teil seiner Familie wurden, betrachtete
Mohammed nicht als seine "Ehefrauen" im engeren Sinne. Ein Beleg für diesen Schluss ist die Kinderlosigkeit aus diesen Verbindungen. Daraus
ergibt sich, dass er die Frauen, die er als Ergebnis des gebräuchlichen Vertragsabschlusses in sein Haus aufnahm, nicht als seine "echten Frauen"
betrachtete, denn die Vermählungen ergaben sich aus politischen oder humanitären Erwägungen heraus.
Die Frauen waren entweder Witwen der im Kampf getöteten Muslime und standen ohne Beschützer da oder waren Teil einer einflussreichen
Familie oder eines Clans, die Mohammed ehren oder die Allianz mit ihnen bekräftigen musste. Die einzige Frau, der nachgesagt wird, dass sie
nach Khadidscha Mohammed einen Sohn (der nicht überlebt hat) geboren haben soll, war Maria al-Qibitiyya. Den meisten Berichten zu Folge
war aber Maria al-Qibitiyya eine koptische Nonne und christliche Gelehrte, die tiefe Gespräche mit Mohammed über Spiritualität und das Leben
Jesu geführt haben soll. Auch die bekannteren historischen Biografien von ibn-Hischam und ibn-Ischaq über Mohammeds Leben reihen Maria al-
Qibitiyya nicht als eine seiner Ehefrauen ein.
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... Sie sollen den Boden nicht mit den Füßen schlagen, um verdeckten Schmuck bemerkbar zu machen. Kehrt alle reumütig zu Gott zurück, ihr Gläubigen, damit ihr
Erfolg erzielt! Sure 24, Vers 31.
17 Der Koran kennt im Allgemeinen keine Zwangsbekehrung oder gewaltsames Auferlegen von Islam. Er bietet nur Anleitung an. Es gibt
keinen Zwang im Glauben. Sure 2, Vers 256.
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Und sage den gläubigen Frauen, sie sollen den Blick niederschlagen und ihre Keuschheit wahren und ihre Zierde nicht zeigen, außer dem, was davon sichtbar ist, und sie
sollen ihre Tücher über ihren Kleiderausschnitt ziehen und ihre Zierde niemandem zeigen außer ihren Ehemännern, ihren Vätern, Schwiegervätern, ihren Söhnen,
Stiefsöhnen, ihren Brüdern, den Söhnen ihrer Brüder und ihrer Schwestern, den Frauen, mit denen sie Umgang haben, den Leibeigenen, den mit ihnen lebenden Männern,
die Frauen nicht mehr begehren, und den Kindern, die noch kein Verlangen nach Frauen haben... Sure 24, Vers 31.

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Natürlich waren das aus unserer heutigen Sicht kleine Schritte, um die Männer und
Frauen auf der Arabischen Halbinsel allmählich aus ihrem ungebildeten Zustand zu
befreien, damit ihr Geist, ihre Seele und ihr Verstand vorbereitet werden konnten, um
die Lehren der Propheten und die göttliche Anschauung auf die Gleichwertigkeit
zwischen Frauen und Männern aufzunehmen, wie wir sie in dem Abschnitt über das
Königreich Saba und die Sure „Die Ameisen“ beschrieben haben.

Um wirklich zu verstehen, welche Haltung der Koran Frauen gegenüber einnimmt,


müssen wir den allgemeinen Geist des Korans hinterfragen, den Geist der
abrahamitischen Lehren, der sich aus der Zeit des Propheten Abraham bis in die Ära
Mohammeds durchgezogen hat.

Wie im Koran dargestellt, weisen auch die Ansichten der Propheten und der heiligen
Texte zu Fragen der inneren Entwicklung auf eine substanzielle Entwicklung aller
Menschen hin, ungeachtet ihrer Abstammung oder ihres Geschlechts.

Hintergründe zu Dschihad
Der Begriff Dschihad wird heutzutage nicht entsprechend seiner eigentlichen
ursprünglichen Bedeutung verwendet. Wenn jemand heute über Dschihad spricht,
schwingt eine sehr negative, ja sogar manchmal Angst erzeugende Konnotation mit, die
mit „islamischem" Terrorismus und Selbstmordangriffen in Zusammenhang gebracht
wird.

Diese Risiken und Gefahren durch willkürliche Kommentare zu heiligen Schriften sind
nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Den Koran, die Bibel oder die Tora kann man
schnell mal lesen, aber eine sinnvolle Interpretation ist dann doch schwieriger, denn
jede Person projiziert ihren geistigen Entwicklungsstand in ihre jeweilige
Interpretation. Unreife Menschen werden durch ihre unmittelbaren Impulse beherrscht,
sie leben im Zustand der Unwissenheit, auch wenn wir schon im 21. Jahrhundert sind.
Ihre Auslegungen der heiligen Schriften wie Bibel, Evangelium und Koran entsprechen
der oberflächlichen, materialistischen Stufe ihrer Fähigkeit zu begreifen und zu denken.
Man kann nicht das Buch dafür zur Rechenschaft ziehen, wenn die Interpretation
schlichtweg falsch ist oder zumindest irreführend oder missverständlich.

Dschihad heißt „höchste Anstrengung". Die Wurzel dieses Begriffs ist dschahd, was mit
„Anstrengung", „Mühe", „Streben" übersetzt werden könnte. Jemand, der sich nicht
unerheblich einsetzt, um ein wichtiges Ziel zu erreichen, ist ein modschahid. Der Begriff
Dschihad und alle seine Ableitungen ist ein spezifisches Vokabular im Koran und wird
darin 41 Mal verwendet. Dschihad gehört zu den Säulen des Islam. Gemäß den
sunnitischen Gelehrten gibt es fünf religiöse Verpflichtungen: Salat (tägliches Gebet),
Zakat (religiöse Steuern), Soun (Fasten), Hadsch (Pilgerfahrt nach Mekka) und Dschihad
(alle Bemühungen für Gott). Demgegenüber sprechen Schiiten von acht Säulen: Salat,
Soun, Khoms und Zakat, Hadsch, Dschihad, Amr bil ma’rouf (sich vornehmen, gute Taten
zu vollbringen), Nahi menal monkar (das Ego wird vom Ausführen schlechter Taten
abgehalten).

Im Koran werden Gläubige als Menschen beschrieben, die regelmäßig beten, ihre
religiösen Steuern leisten und sich ernsthaft anstrengen, auf materielle Güter zu
verzichten und ihr Ego auf dem Weg zu Gott zu überwinden. Anders gesagt sollte ein
treuer Muslim die Bedeutung von Dschihad beachten und ausüben. Im Gegensatz zu der

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heute üblichen Anschauung gehört die religiöse Disziplin des Dschihad ganz und gar
nicht zu den Techniken der Kriegsführung oder hat sonst irgendwie mit Krieg zu tun. Die
im Koran verwendeten Worte für Krieg sind harb und getal sowie deren Ableitungen:

a) Harb ist ein Kampf, der von einer Person oder von einer Gruppe gegen moralische
oder physische Feinde ausgeht. Zum Beispiel enthält die Sure "Die Kuh" (bakara) jenen
Vers, in dem Wucher strikt abgelehnt wird.

Doch Gott hat den Handel erlaubt und den Wucher verboten.
Sure 2, Vers 275.

O ihr Gläubigen! Fürchtet Gott und verzichtet auf noch ausstehende Wucherbeträge, wenn
ihr wirklich an Gott glaubt! Wenn ihr das nicht tut, so wisst, dass ihr mit Gott und Seinen
Gesandten in Fehde steht.
Sure 2, Verse 278-279.

Ein anderer Vers schildert:


Sooft sie Feuer zum Krieg (harb) gegen den Gesandten und die Gläubigen entfachen, löscht
es Gott.
Sure 5, Vers 64.

b) Getal bedeutet „Krieg führen". Getal bekommt eine negative und zerstörerische
Bedeutung, wenn der Krieg dazu dient, Gerechtigkeit zu verachten und die Rechte der
Menschen zu unterdrücken. Eine positive Note bekommt getal, wenn dadurch Leben
und Würde beschützt werden, sowie Güter und Gebäude beim Angriff eines
unerbittlichen Feindes bewahrt werden. Gott hat den Muslimen erlaubt, Krieg zu führen,
wenn sie sich „zurecht verteidigen" müssen. Dies geschah, als der Prophet und seine
Gefährten gezwungen waren, Mekka aus Angst um ihr Leben, zu verlassen. Sie wurden
unzählige Male von ihren Gegnern angegriffen. Vers 39 aus der Sure „Die Pilgerfahrt"
(hadsch) berichtet von diesem historischen Ereignis und verwendet dabei den Begriff
getal und nicht dschihad.

Den Gläubigen, die von den Ungläubigen angegriffen werden, ist es erlaubt, zu kämpfen
(yoghteloun), weil ihnen Unrecht geschehen ist. Gott kann sie gewiss siegen lassen.
Sure 22, Vers 39.

David und Goliath


Verschiedene Koranverse nehmen mit dem Wort getal Bezug auf die militärischen
Auseinandersetzungen der Gefährten des Propheten, die sich wiederholt gegen
angreifende Feinde zur Wehr setzen mussten. Ein Beispiel wird mit der Geschichte über
den Kampf der Israeliten unter der Führung Davids gegen ihre Feinde, geführt von
Goliath, gegeben.

Hast du nicht von den Häuptern der Kinder Israels nach Moses gehört, wie sie zu einem
ihrer Propheten sprachen: „Setze einen König über uns, dass wir für Gottes Sache kämpfen
(katala) mögen?" Er sprach: "Ist es nicht wahrscheinlich, dass ihr nicht kämpfen werdet,
wenn euch Kampf verordnet wird?" Sie sprachen: „Welchen Grund sollten wir haben, uns
des Kampfes für Gottes Sache (katala) zu enthalten, wenn wir doch von unseren
Wohnungen und unseren Kindern vertrieben worden sind?" ... Ihr Prophet sprach zu ihnen:

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„Gott hat Saul - Talût - zu eurem König bestimmt." ... Sie sagten (als sie Goliath und seine
Kämpfer erblickten): „Wir können Goliath und seine zahlreichen Kämpfer heute nicht
bezwingen." Diejenigen unter ihnen, die darauf vertrauten, dass sie Gott einmal (am
Jüngsten Tag) begegnen würden, sagten: „Wie oft bezwang eine kleine Schar mit Gottes
Willen eine große!" Gott ist mit den Standhaften. ... Sie besiegten sie mit Gottes Verfügung.
David (einer der Kämpfer Sauls) erschlug Goliath. Gott gewährte David nach Sauls Tod
Herrschaft und Weisheit. Er lehrte ihn, was Er wollte.
Sure 2, Verse 245-251.

Im Anschluss an diese Verse folgert der Koran:


Wenn Gott es nicht so einrichtete, dass die guten Menschen die Bösen verdrängen und dass
die Bösen einander bekämpfen, wäre die Erde voller Unheil.
Sure 2, Vers 251.

Und fügt hinzu:


Kämpft (gatelou) für die Sache Gottes, und seid euch dessen bewusst, dass Gott alles hört
und alles weiß!
Sure 2, Vers 244.

Aus der Logik des Korans heraus kann man ableiten, dass Widerstand gegen
Ungerechtigkeit, Überfälle und Barbarei berechtigt ist. Dennoch muss betont werden,
dass der Begriff dschihad in diesen Versen nicht vorkommt, sondern getal oder
mokateleh verwendet werden. Um es deutlich auszudrücken: Dschihad entspricht
keineswegs einer militärischen Handlung, weder Angriff noch Verteidigung
korrespondieren mit diesem Begriff. Der Begriff dschihad bezeichnet eine „intensive
Bemühung" und entspricht einer inneren individuellen Handlung, zu der die Gläubigen
aufgerufen sind, um sich dem höchsten Ziel einer geistigen Schulung zum
Schöpferischen (Göttlichen, Gott, Allah) hin zu bewegen. Dazu liest man im Koran:

Den Gläubigen, die sich für Unsere Sache einsetzen (dschahadou), zeigen Wir Unsere Wege.
Gott ist gewiss mit den Rechtschaffenen, die sich eifrig um gute Werke bemühen.
Sure 29, Vers 69.

In der gleichen Sure ergänzt dieser Vers die Erläuterung:


Wer da strebt (dschihad), strebt nur für seine eigene Seele; er erzieht seine nafs. (Man
dschahada faennama youiahid le nafseh)
Sure 29, Vers 6.
Somit stellt dschihad ein Ringen dar, das jeder Gläubige in seinem Innern durchführt. Er
ringt mit seinen primitivsten Affekten und instinktiven Trieben. In diesem heftigen und
mühevollen Ringen strebt der Gläubige danach, in sich selbst menschlichere und
ritterlichere Eigenschaften und innere Haltungen wie Partnerschaftlichkeit, Liebe,
Großzügigkeit, Beharrlichkeit, Toleranz zu entwickeln und zerstörerische Impulse wie
Eifersucht, Neid, Hass, Gemeinheit oder Verbohrtheit zu unterbinden.

Einziges Ziel dschihad zu betreiben, ist der Kampf gegen die nafs (Ego). Der Begriff nafs
bezeichnet eher impulsgetriebene oder triebgesteuerte Regungen, was wir gemeinhin
mit selbstsüchtig umschreiben könnten. Nafs sind instinktive Impulse in uns, die sich
selbst überlassen, sich als Barbarei, Obskurantismus und Ignoranz auswirken können.
Nafs sind die primitivsten Schichten der Gattung Mensch, die mit sogenannten
primitiven Hirnfunktionen verbunden sind. Durch die Tätigkeit dieser primitiven

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Hirnfunktionen verbleibt die Menschheit im Allgemeinen unter den Gesetzen eines un-
kultivierten Lebens in der Wildnis. Nafs steht im völligen Gegensatz zu allem Göttlichen,
Schöpferischen und Geistigen.

Der Mystiker Fariduddin Attar19 vergleicht die Eigenschaften der nafs mit einem
Dschungel, der durch verschiedene Tiere wie dem wilden Wolf, dem schlauen Fuchs,
dem lustvollen Bär, dem aggressiven Tiger, der Schlange, der Fledermaus, dem Skorpion
und anderen bevölkert wird. Die Pflicht des Gläubigen besteht darin, den unkultivierten
Wildwuchs seiner Persönlichkeit in einen Garten voller Duft und Blüten zu verwandeln.
Der Mystiker Maulana aus Balkh vergleicht die nafs mit einem Drachen, den
siebenhundert Köpfe zieren, die sich allesamt gegen den Himmel stellen.
Gott hat die Propheten gesandt, um die Menschen um sie herum aus dem Schlaf der
Selbstsucht zu wecken und auf die Quelle der verborgenen Gefahren in uns hinzuweisen.

Im Koran steht:
Ich spreche mich von der Schuld nicht frei. Die Seele (nafs) treibt gewiss zum Bösen.
Sure 12, Vers 53.

Und (gedenket der Zeit) da Moses zu seinem Volke sprach: "O mein Volk, ... kehre dich denn
zu deinem Schöpfer und merze deine Triebe aus (töte deine nafs).
Sure 2, Vers 54.

Eigene Triebe (nafs, Antreiber zerstörerischer Handlungen ammara bissou) im Zaum


halten lernen, ist eine unerlässliche Bedingung für die Entwicklung der Seele zu edleren
Werten der Menschlichkeit, Einigkeit und Geistigkeit. Indem diese erste Hürde
überwunden wird, kann eine Person nach und nach ihre geistige Realität verwirklichen
und dem Bild Gottes entsprechen, um am Scheitelpunkt eines langen und
beschwerlichen Prozesses ein wahrhafter Stellvertreter Gottes auf Erden zu werden.
Darum kann ein Gläubiger seine Waffe der inneren Hingabe nie aufgeben und diesem
inneren Ringen nicht abschwören. Mystiker zeigen, wie man mittels dschihad Schritt für
Schritt seine geistige Entwicklung so weit voranbringen kann, dass man auf der
höchsten Stufe dem Bild Gottes im eigenen Herzen begegnet. Für einen spirituellen
Schüler gilt dieser Zustand als sichere Garantie gegenüber den Launen der nafs.
Der erste Rat der Propheten an ihre Schüler bezieht sich auf dschihad, da diese hohe
Anstrengung die Tore zur ganzheitlichen Reife öffnet. Daher gilt es, dschihad gegen
unser eigenes Ego zu führen, da die nafs unsere mächtigsten Gegner sind. So lange wir
unsere nafs nicht beherrschen lernen, wird eine Entwicklung unserer latenten seelisch-
geistigen Fähigkeiten schwierig.

Unterscheidung verschiedener Dschihads in den Überlieferungen


In der muslimischen Tradition (sunna) haben die islamischen Rechtsgelehrten, foghaha
genannt, drei verschiedene Arten von Dschihad unterschieden. Der große Dschihad
(dschihad al-akbar) bedeutet Selbstüberwindung oder das Ringen mit dem inneren
Feind; der kleine oder geringere Dschihad (dschihad al-asgar) meint den Kampf gegen
einen äußeren Aggressor, um seine Werte zu verteidigen und der edelste Dschihad hat
den Beinamen al-afdal, was soviel heißt wie „die Wahrheit im Angesicht eines

19 Persischer Mystiker und Dichter des 13. Jahrhunderts.

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Unterdrückers aussprechen"(In einem von Muslim und Bukhari überlieferten Hadith).
Aus einem Ereignis der ersten islamischen Kriege erfahren wir, wie wichtig der Wandel
in der Bedeutung und der geistige Aspekt von Dschihad war. Eines Tages kam es zu
einer Schlacht zwischen den Gefährten Mohammeds und einer heidnischen
Stammesarmee, aus der die Muslime siegreich hervorgingen. Als die Feinde abzogen,
sah Mohammed, dass die Muslime sehr zufrieden mit ihrem Einsatz und ihrem Sieg
waren. Er sprach zu ihnen: „Von dieser geringeren Schlacht kehren wir nun zurück zu
der großen Schlacht und betätigen uns im größten Dschihad (Farajena menal jihad
alasgar ela aljihad alakbar)20.” Den Muslimen stockte angesichts dieser Antwort der
Atem und sie riefen: „Aber das war doch der schlimmste Gegner, den wir je besiegt
haben." Doch Mohammed antwortete: “Ganz und gar nicht. Euer größter Gegner ist in
euch, jeder von euch wird das Ringen mit seinem eigenen Ego aufnehmen müssen (a ’da
adovokom alnafs allati baina djanbeikom).” Dazu bemerkt Maulana : „Den Löwen
betrachte als beherzt, der sich selbst überwindet und nicht jenen, der sich in die Reihen
der Gegner stürzt“21.

Weiterführende Literatur
Dieser Artikel hat zum Ziel in kurzer Art und Weise die Missverständnisse und Irrtümer
in Bezug auf Islam, die eine unmittelbare Auswirkung auf die heutigen multikulturellen
Gesellschaften haben, darzulegen und richtig zu stellen.
Wer sich darüberhinaus für eine Vertiefung der Zusammenhänge und Hintergründe des
Islams und des Korans interessiert und verstehen will, wie und warum zwei Islam-
Versionen in die Welt gekommen sind, sei auf die Forschungsarbeit von Dr. Seyed
Mostafa Azmayesh „Neue Forschungsergebnisse zum Koran" hingewiesen.

Zum Autor:
Dr. Seyed M. Azmayesh ist Religions- und Geisteswissenschaftler und Forscher auf dem
Feld der Religionen, der Mystik und Gnostik. Er hat an der Universität Sorbonne in Paris
Theologie, am Pariser Pantheon Recht und an der Universität Lyon vergleichende
Religionswissenschaften mit Schwerpunkt Islam und Christentum studiert.
Dr. Azmayesh ist zugleich Geistesforscher, Religionswissenschaftler und Gnostiker. Es
liegen zahlreiche Publikationen in persischer Sprache vor. Einige dieser Werke sind
auch auf Französisch, Englisch, Schwedisch, Deutsch und Niederländisch erhältlich.
www.smazmayesh.org/en

Original auf Englisch, übertragen von Dr. Patricia Vöge und Helmut N. Gabel
Kontakt in Deutschland: Helmut N. Gabel
presse@karamat.eu
Termine zum Thema in Deutschland unter www.karamat.eu

20 Ein von Bayhagi zitiertes Hadith, das auch bei dem großen Gelehrten, Mystiker und Dichter Rumi Maulana in seinem Mathnavi Band I zu finden
ist.
21 Masnawi, Bd I, Seite 38. Übersetzt aus dem Masnavi Mirkhani (Tehran, 1953).

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