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Greta Franzelin T-5A 6.02.

2018

Das Autonomiestatut
1. Die wichtigsten Etappen in der Entstehungsgeschichte Südtirols

Am Ende des 1. Weltkrieges (1914-1918), wird Südtirol im Rahmen des Friedensvertrags von St.
Germain (1919) formell Italien zugesprochen. Im Jahre 1920 wird Südtirol schließlich durch die Entente
dem italienischen Staat angegliedert.

Unter Mussolini beginnt ab 1922 eine für die deutschsprachige Bevölkerung leidvolle faschistische
„Italianisierungs-Politik“. In Italien herrscht der Faschismus von 1922-1943. Namen von Orten und
Personen werden durch italienische Begriffe ersetzt. Deutsch als Unterrichtssprache ist ab sofort
verboten. Die deutsche Sprache wird in dieser Zeit in sogenannten Katakombenschulen heimlich
unterrichtet.

1939 schließen Hitler und Mussolini ein Abkommen. Hiernach verbleibt Südtirol beim italienischen
Staat, die Südtiroler erhalten jedoch die Wahl – die sogenannte „Option“ – ins Deutsche Reich
auszuwandern. Etwa 75.000 Bürger verlassen daraufhin ihre Heimat – und wandern nach Deutschland
aus. Dort wird ihnen ein besseres Leben versprochen, doch die Optanten gelangen bloß vom Regen in
die Traufe.

Nach Ende des 2. Weltkrieges (1939-1945) ist die Südtirol-Frage weiter ungeklärt. Unter der
deutschsprachigen Bevölkerung gibt es ein starkes Bestreben nach Unabhängigkeit vom italienischen
Staat.

Im Rahmen des „Pariser Abkommens“ auch „Gruber-Degasperi-Abkommen“ genannt (1946), welches


nach dem österreichischen Außenminister und dem italienischen Ministerpräsident benannt wurde,
einigen sich Österreich und Italien erstmals auf die Gewährung einer Autonomie für Südtirol.

Am 1. Jänner 1948 tritt die republikanische Verfassung Italiens in Kraft. 30 Tage später genehmigt die
italienische verfassunggebende Nationalversammlung das erste Autonomiestatut. Als erstes
Autonomiestatut bezeichnet man die Übertragung des Vertrages in die Verfassung.

Im Jahre 1957 findet die Kundgebung des „Los von Trient“ auf Schloss Sigmundskron statt. Unter „Los
von Trient“ versteht man die organisatorische Trennung der Legislative für die Provinzen Trentino
Südtirol. Die deutschen Südtiroler wollten nämlich selbst Gesetze erlassen, denn bisher hatte der
Regionalrat Gesetzgebungsbefugnis mit ständiger italienischer Mehrheit.

Die nach Deutschland ausgewanderten Südtiroler dürfen zwar zurückkehren und die italienische
Staatsbürgerschaft annehmen, doch werden sie verachtet von den „Dableibern“ und haben ihr ganzes
Hab und Gut verloren.

Zwischen 1960 und 1962 kommt es dreimal zur Südtirolfrage vor der UNO. Der österreichische
Bundeskanzler Bruno Kreisky hat sie das erste Mal durchgeführt, auch die folgenden male erfolgten
durch die Österreicher.

Die wachsende Unzufriedenheit entlädt sich im Juni 1961 in der „Feuernacht“, die von über 40
Anschlägen auf Strommasten und Bahnlinien geprägt ist. Jetzt wird die Welt auf die Lage Südtirols und
den Wunsch seiner deutsch- und ladinischsprachigen Bürger nach Selbstverwaltung aufmerksam.

1972 folgt das zweite Autonomiestatut. Es entspricht unserer heutigen Gesetzeslage. Es ermöglicht
Südtirol Gesetze in vielen Bereichen autonom zu erlassen. Hierzu zählen vor allem der für die Südtiroler
Wirtschaft überaus bedeutsame Fremdenverkehr und das Gastgewerbe. Aber auch andere Bereiche
wie Jagd und Fischerei, Messen und Märkte, Kommunikations- und Transportwesen, Landwirtschaft,
Kindergärten, Schulbau fallen unter die Autonomie.
Greta Franzelin T-5A 6.02.2018

2001 kommt es zu einer Verfassungsreform, dem so genannten „3. Autonomiestatut“.

2. Die Kompetenzbereiche der Gesetzgebung

Eine wichtige Eigenschaft unseres Autonomiestatuts ist es, dass unsere Provinz Gesetze erlassen kann.
Es gibt jedoch Sachbereiche, in denen wir alleine entschieden können und Sachbereiche in denen vor
allem das italienische Parlament in Rom entscheidet und Bozen nur begrenzte Entscheidungen selbst
treffen kann. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei verschiedenen
Gesetzgebungsbefugnissen:

1. Die primäre Gesetzgebungsbefugnis


2. Die sekundäre Gesetzgebungsbefugnis
3. Die tertiäre Gesetzgebungsbefugnis

Die primäre Gesetzgebungsbefugnis: Das bedeutet, dass das Land ausschließlich zuständig ist, gewisse
Sachgebiete zu regeln. Dadurch kann es sein, dass Landesgesetze in diesen Sachgebieten anders lauten
als Staatsgesetze in denselben Sachgebieten. Insgesamt sind es 29, einige davon lauten:

 Ortsnamengebung
 Landschaftsschutz
 Schulbau
 Berufsausbildung
 Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Bodenverbesserung
 Fremdenverkehr und Gastgewerbe

Da die primäre Gesetzgebung nicht unbegrenzt ist, darf sie nicht verletzen:

 Die Verfassung
 Die EU-Verpflichtungen
 Die internationalen Verpflichtungen

Die sekundäre Gesetzgebungsbefugnis: Das bedeutet, dass das Land in bestimmten Sachgebieten
Zusatzgesetze erlassen kann, die jedoch immer im Rahmen der vom Staat festgelegten Gesetze sein
müssen. Was bedeutet, dass das staatliche Gesetz gilt, der Südtiroler Landtag es jedoch ergänzen kann.

Die tertiäre Gesetzgebungsbefugnis: Die Gesetzgebung des Landes ist in diesen Bereichen auf die
„Ergänzung der staatlichen Gesetzesbestimmungen“ beschränkt.

3. Die Stellung der Sprachgruppen in Südtirol

Der ethnische Proporz (italienisch proporzionale etnica) dient bei uns in Südtirol dazu, um die
Gleichberechtigung bei der Stellenvergabe von öffentlichen Ämtern zwischen der deutsch-, ladinisch-
und italienisch-sprachigen Bevölkerung sicherzustellen. Demnach werden öffentliche stellen gemäß
der Stärke der einzelnen Sprachgruppen laut amtlicher Volkszählung besetzt. Dies gilt zudem auch für
die Zusammensetzung der ‚Landesregierung. Für den Landtag zwar nicht, dort ergibt es sich jedoch
meist automatisch.

Die Deutsche und die italienische Sprache werden gleichgestellt, Italienisch bleibt jedoch immer
staatliche Amtssprache.

Die deutschsprachigen Bürger haben das Recht, im Verkehr mit den öffentlichen Ämtern wie z.B.
Postämter, öffentliche Verkehrsmittel oder Gerichtsbehörde ihre Muttersprache zu gebrauchen.
Greta Franzelin T-5A 6.02.2018

4. Kritikpunkte

Grundsätzlich finde ich es absolut positiv, dass wir Südtiroler dieses Privileg haben. Durch das
Autonomiestatut wird uns eine weitgehend autonome Entscheidung ermöglicht und es kann besser auf
die Bedürfnisse einer einzigen Region eingegangen werden. Nun frage ich mich jedoch ob dem wirklich
so ist? Wie ich finde kann diese Aussage nur teilweise bestätigt werden und dies möchte ich nun anhand
eines Beispiels darlegen:

Das Autonomiestatut sieht vor, dass die deutschsprachigen Bürger das Recht haben, im Verkehr mit
den öffentlichen Ämtern ihre Muttersprache zu gebrauchen. Da kann ich aus eigener Erfahrung sagen,
dass dies absolut nicht der Realität entspricht. Leider ist es all zu oft der Fall, dass man in öffentlichen
Ämtern, wenn man die eigene Muttersprache spricht, nicht verstanden wird, geschweige denn eine
Antwort erwarten kann. Dabei möchte ich keine der beiden Sprachgruppen besonders hervorheben,
weil ich finde, dass sowohl Deutsche als auch Italiener, die eine solche Art von Arbeit ausführen im
Stande sein müssen, mit den Kunden zu kommunizieren. Als Maßnahme dagegen würde ich nicht
unbedingt das Autonomiestatut reformieren. Viel mehr würde ich als Bedingung für eine Stelle im
öffentlichen Amt vorsehen, dass der Arbeitnehmer im Besitz des Zweisprachigkeitsnachweises A sein
muss. Immerhin gibt es in Südtirol genug Personen die dieses Kriterium erfüllen. Abschließend
möchte ich betonen, dass ich finde, dass man als Südtiroler und somit als italienischer Staatsbürger
beide Sprachen gut beherrschen sollte. Wenn man schon ein solches Privileg hat in einer
zweisprachigen Region zu leben, sollte man dies als Chance sehen seine Sprachkenntnisse zu
erweitern.