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Universität Siegen

Philosophische Fakultät
Vorbereitungsseminar Bildungswissenschaften
Prof. Dr. Iris Bunte
Wintersemester 2018/2019
vorgelegt von: Yücel Kaya

Die Wichtigkeit der elterlichen Zusammenarbeit als


Merkmal erfolgreicher Schulen

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Inhaltsverzeichnis

 Einleitung……………………………………………………3

 Begriff „Partizipation“…………………………………….4

 Historischer Ursprung von Partizipation……………...4

 Fazit…………………………………………………………..6

 Literaturverzeichnis……………………………….………8

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Einleitung

Die Bildungsinstitutionen nehmen eine große Rolle im Alltag der Kinder ein und greifen
immer früher in das Privatleben der Kinder ein, in der Regel im dritten Lebensjahr mit
dem Kindergarten. Dies ist einer der Gründe, weshalb Eltern einen hohen Anspruch
auf die Bildungsinstitutionen setzen. Doch was oft vergessen wird ist die Familie. Denn
sie ist der zentrale Ort des Aufwachsens für die Kinder und hat einen immensen
Einfluss auf ihre Entwicklung und Bildung. Nicht nur die Ansprüche an die Lehrkräfte
steigen, sondern auch Eltern sind mit neuen Erwartungen konfrontiert. Sie sollen
beispielsweise die richtige Bildungsinstitution für ihr Kind auswählen, mit den
Lehrkräften kommunizieren und Elternabende und Schulveranstaltungen besuchen.
Auf der Seite der Lehrer haben sich im Zuge der Schulentwicklung aber auch neue
Aufgaben entwickelt. Sie sollten die Eltern über das Wohlergehen und die Entwicklung
der Kinder im schulischen Alltag informieren, Eltern beratend zur Seite stehen, sowie
auf Unterstützungsangebote verweisen, um auf verschiedene Weisen
zusammenzuarbeiten.

Die Idealvorstellung Zusammenarbeit von Eltern und Lehrkräften steht in der aktuellen
Bildungsdebatte, jedoch gibt es eine ganze Reihe von Herausforderungen und
Problemen. Insgesamt ist die verstärkte Kooperation mit Eltern in der öffentlichen und
fachlichen Debatte nahezu ausschließlich positiv besetzt.
Dennoch ist das Thema in ihrer praktischen, alltäglichen Umsetzung, aber auch mit
Blick auf die Wirkungen bisher noch wenig wissenschaftlich untersucht und zeigen ein
eher ernüchterndes Bild (vgl. Meister 2010: 277). Die Eltern beklagen unzureichende
Mitbestimmungsmöglichkeiten und Informationsdefizite. Lehrer beurteilen eine
elterliche Mitwirkung zwar überwiegend positiv, sind aber gleichzeitig gegen eine
Ausweitung der Mitspracherechte der Eltern. Außerdem sind Faktoren wie Zeiten,
räumliche Mobilität und Sprachen nicht hinreichend berücksichtigt worden, so dass
insbesondere für bildungsferne Milieus eine große Distanz zwischen Elternhaus und
Schule besteht. Im Allgemeinen verweisen die Ergebnisse darauf, dass Schule besser
in die Gesellschaft integriert werden muss und es einer Kultur der gegenseitigen
Verständigung bedarf. In der aktuellen Schulmanagement Diskussion und den
Überlegungen zur Schulentwicklung spielt Partizipation von Eltern eher eine
untergeordnete Rolle. Zwar wird Partizipation als wesentlicher Faktor von
Schulentwicklung angesehen, allerdings liegt der Fokus auf der Partizipation von

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Lehrkräften und der Rolle der Schulleitung (vgl. Meister 2010: 277). In dieser Arbeit
möchte ich über die Wichtigkeit von Partizipation sprechen und zunächst den Begriff
erläutern. Anschließend auf die historische Entwicklung von Partizipation im
Schulentwicklungsprozess eingehen und abschließend ein Fazit ziehen.

Begriff „Partizipation“

Unter dem Begriff Partizipation ist ein Sammelbegriff zu verstehen, der verschiedene
Arten und Formen von Beteiligung meint. Gerade in Bezug auf Schule ist dieser Begriff
ein wichtiger Bestandteil, da die Schule von einem starken Miteinander und durch eine
wechselseitige Beziehung geprägt ist. Er beschreibt im Schulentwicklungsdiskurs auf
der einen Seite Entscheidungskompetenzen der Eltern in der Einzelschule als auch
die Mitwirkungs- bzw. Mitbestimmungsmöglichkeiten was die Gestaltung des
Unterrichts und allgemein das Schulleben betrifft (vgl. Meister 2010: 277). Da Eltern
eine wichtige schulische Akteursgruppe bilden, können sie als wichtige Instanzen für
Schulqualität angesehen werden. Jedoch muss hierbei Partizipation als Interaktion
zwischen Eltern und Schule verstanden werden, um ein fortschrittliches Miteinander
zu ermöglichen. Dies kann unter anderem auch dadurch geschehen, indem das
Selbstverständnis der Akteure ins Bewusstsein gerufen wird (vgl. Meister 2010: 277).
Der Grundgedanke der Partizipation ist nicht neu. Denn bereits in den zwanziger
Jahren ließ sich dieser Begriff in einigen reformpädagogischen Schulkonzepten
zurückzuverfolgen. Mit Reformpädagogik meint man eine „Pädagogik vom Kinde aus“,
welche ebenfalls in aktuellem Schulentwicklungsdiskurs ein wichtiger Bestandteil ist
und man heutzutage versucht vom „Frontalunterricht“ nun schülerorientierter bzw.
schülerzentrierter umzupolen.

Historischer Ursprung der Partizipation von Eltern

Mit dem Ziel einer Demokratisierung von Staat und Gesellschaft wurde die
Elternwirkung erstmals in der Weimarer Republik 1919 verrechtlicht. Erst mit dieser
Reform erwirkten Eltern ein allgemeines Recht, in allen staatlichen Schulen
Elternbeiräte zu wählen. Ihre Mitwirkungsmöglichkeiten waren trotzdem gering. Viele
gewerkschaftlich orientierte Eltern schlossen sich im Herbst 1920 im „Bund freier
Schulgesellschaften Deutschlands“ zusammen. Bis Ende 1920 hatte der Bund bereits

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120 Ortsgruppen mit mehr als 100 000 Mitgliedern. Die SPD unterstützte beständig
die Arbeit der Elternbeiräte und setzte sich für eine Ausweitung der demokratischen
Mitwirkungsrechte ein (vgl. Günther 1957: 262). Der große Sprung von Partizipation
von Eltern kam dann in den 70er Jahren. Mit dem Förderstufenurteil 1972 hat das
Bundesverfassungsgericht erstmals grundsätzliche Ausführungen zum Verhältnis
Schule-Elternrecht gemacht und die Mitbestimmungsrechte der Eltern in den
Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer festgeschrieben (vgl. Meister 2010: 277).
Im Grundgesetz ist das Erziehungsrecht der Eltern ebenfalls verankert: „Pflege und
Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern“ (Artikel 6, GG). Die
Mitwirkungsrechte von Eltern und Schulen wurde im Landesschulgesetz geregelt. In
den 80er Jahren initiiert unter anderem durch die Erarbeitung der UN-
Kinderrechtskonvention und des Kinder- du Jugendhilfegesetzes, kam es dann zur
Verstärkung des Beteiligungsrechts. „So wurden im Jahre 1987 erstmals
Kinderbeauftragte von den Fraktionen des deutschen Bundestages eingesetzt. Im
folgenden Jahr entstand die Kinderkommission des Bundestages, 1989 ernannte als
erstes Bundesland Nordrhein-Westfalen einen Kinderbeauftragten der
Landesregierung.“ (Schröder 1996: 27)

In neueren Diskussionen um eine erweiterte Partizipation fließen unterschiedliche


Argumentationslinien zusammen:
Die demokratietheoretische Argumentationslinie fordert eine Eröffnung von
Möglichkeiten zur Mitgestaltung der Eltern in Einzelschulen. Zum einen soll dies als
Angleichung der Institution an die übergreifende demokratische Gesellschaftsform
angepasst werden, als auch die Schule als politischen Bildungsraum stärken. (vgl.
Meister: 277)

Die pädagogische verweist auf eine notwenige Erziehungs- bzw.


Bildungspartnerschaft und eine Öffnung der Schule gegenüber außerschulischen
Angeboten zur optimalen Erziehung der Kinder und Jugendlichen.
Die managementtheoretische Argumentationslinie hebt hervor, dass Eltern enger an
die Schule geknüpft werden und somit ihre Verantwortung gestärkt wird, wodurch die
Eltern sich ihrer Rolle als aktive Bildungspartner verstehen sollen und somit die Rolle
der Eltern aufgewertet wird (vgl. Meister 2010: 277).

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Fazit

Die traditionelle und längst veraltete Aufgabenverteilung zwischen Familie und Schule
bzw. Erziehung und Bildung ist längst überholt. Denn Erziehung und Bildung ist die
gemeinsame Aufgabe von Familie und Schule.
Die zunehmende Heterogenität spiegelt sich in der Schule wieder und bringt neue
Herausforderungen an Lehrer und Schüler mit sich. Eine partizipative Schulkultur im
Gegensatz zu einer erzwungenen Anpassung sollte sich in Zukunft als neues Standard
erweisen. Denn nicht nur die Anerkennung, sondern auch Wertschätzung von Vielfalt
ist hier entscheidend. Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung im Jahre 2004
hat die bis heute intensiv diskutierte PISA- Studie ergeben, dass Schulerfolg stark an
Familienfaktoren abhängt. In keinem anderen Industrieland ist die soziale Herkunft so
entscheidend für den Schulerfolg. Kinder aus Akademikerfamilien haben eine viermal
größere Abiturchance als Kinder aus Arbeiterfamilien (vgl. Krumm, 2001: 179). Somit
ist es offensichtlich, dass in den Familien viel gelernt wird, vor allem Kompetenzen und
Einstellungen, welche für das zukünftige Leben wichtig sind beispielsweise
Sprachfähigkeiten, Selbstkontrolle und –bewusstsein, soziale Fertigkeiten aber auch
Lernmotivation usw. Die Entwicklung und Aneignung solcher Aspekte bestimmt den
späteren Schul- und Lebenserfolg der SuS.

Somit ist die Mitwirkung von Familien an der Schule ein unerlässlicher Faktor des
Schulentwicklungsprozesses. Sie ist zwar eine große Herausforderung für das
Miteinander von Eltern, Lehrkräften, Schülern und der Schule, aber kann als Motor der
Entwicklung von Entwicklung sein. Die Einbettung entsprechender Maßnahmen in die
reguläre Schulentwicklung mit einer langfristig angelegten Gesamtstrategie ist dabei
von zentraler Bedeutung. Insbesondere sollte der Abbau von Barrieren der Beteiligung
insbesondere für Eltern mit Migrationshintergrund ein vordergründiges Ziel in der
Schule sein. Erst wenn die Bildungspartnerschaft im Allgemeinen in der BRD
flächendeckend und nicht partiell umgesetzt wurde, kann man im Hinblick auf die
Zukunft kooperative Maßnahmen, insbesondere für Eltern, die Kinder mit
Förderschwerpunkt haben, umsetzen. „Eine gelingende Partizipation und Kooperation
erfordern eine starke Orientierung an Alltag, Lebenswelt und Erfahrungshintergrund
der teilnehmenden Eltern und die Berücksichtigung individueller Interessen und
Bedürfnisse.“ (Solf, C./Wittke, 2007: 145). Aber auch die Partizipation von Kindern und
Jugendlichen ist ebenso wichtig wie die Partizipation von Eltern, da sie daraus wichtige

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Kompetenzen wie Selbstbestimmung bzw. Selbstverwirklichung erlernen und zu
mündigen Bürgern werden. Gerade in unserer demokratischen Gesellschaft sollte
Partizipation im Bildungssystem ein sehr hohes Maxim darstellen und somit ist es
durchaus nötig, dass sich die Bildungsinstitution Schule in Zukunft intensiver damit
auseinandersetzt und die nötigen organisatorischen Rahmenbedingungen festlegt,
damit der Schulentwicklungsprozess von statten gehen kann.

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Literaturverzeichnis:

-Günther, K.-H. (1957). Geschichte der Erziehung. Berlin: Volkseigener Verlag Berlin,
Volk und Wissen.

-Krumm, V. (2001): Das Verhältnis von Elternhaus und Schule. In: ROTH, L. (Hrsg.):
Pädagogik: Handbuch für Studium und Praxis. München: Oldenbourg, 1016-1029.

-Meister, G. (2010). Partizipation von Eltern im Schulentwicklungsprozess. Bad


Heilbrunn.

-Schröder, R. (1996): Freiräume für Kinder(t)räume! Weinheim und Basel: Beltz.

-Solf, C./Wittke, V. (2007): Partizipation von Eltern in den Hilfen zur Erziehung am
Beispiel der Tagesgruppe (§ 32 KJHG). Dissertation. Freie Universität Berlin.