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Abitur Zusammenfassung Gemeinschaftskunde - Politische Teilhabe und Demokratie (Lehrplaneinheit 13.1)

Themen der Lehrplaneinheit 13.1 - Politische Teilhabe und Demokratie

Die Schülerinnen / Schüler befassen sich mit der institutionalisierten Partizipation als einer grundlegenden Legitimation demokratischer Herrschaft. Sie setzen sich mit der Frage auseinander, welche Formen der politischen Mitwirkung gewährleistet sein müssen und wieweit von diesen Gebrauch gemacht werden muss, um das Funktionieren einer Demokratie zu garantieren. Dabei untersuchen sie auch die ambivalente Rolle der Medien als Vermittler und Akteure im politischen Prozess. Auf dieser Grundlage bewerten sie die Partizipationsmöglichkeiten in der repräsentativen Demokratie.

Politische Beteiligungsformen

Überblick über direkte und indirekte Teilhaberechte (Art. 5, 8, 9, 20, 21, 38 GG) und über verschiedene Ebenen der Teilhabe Untersuchung der Bedeutung der Medien für die politische Teilhabe: Vergleich der Informationsbeschaffung aus Zeitungen. Fernsehen. Internet an einem Beispiel

Parteien

Recherche (z.B. im Internet) zu Angeboten der Parteien (Partizipationsmöglichkeilen, Information, Programme) und zur Funktion der Parteien Untersuchung des Wandels des Parteien Systems (gesellschaftliche Konfliktlagen und Entstehung neuer Parteien) und des Zusammenhanges von innerparteilicher Demokratie und Parteien Finanzierung Überprüfung der Kritik an den Parteien und am Parteienstaat

Wahlen

Fallanalyse einer (aktuellen) Wahl: Wahlrecht und Wahlsystem. Kandidaten- und Programmangebot. Wählermobilisierung, Medien und Wahlkampf, Wahlprognosen, Wahlbeteiligung Wahlanalyse, z.B. sozial statistischer Vergleich des Wäh lerverhaltens im Heimatwahlkreis

Interessenverbände

Untersuchung der unterschiedlichen Aufgaben von Inte ressengruppen und Parteien und der unterschiedlichen Organisations- und Konfliktfähigkeit von Interessen Auseinandersetzung mit dem Spannungsverhältnis von Gemeinwohl und Gruppeninteressen in der pluralistischen Demokratie und mit korporativen Entscheidungsstrukturen Bürgerbeteiligung und Zukunft der Demokratie

Bürgerbeteiligung und Zukunft der Demokratie

Definition von repräsentativer und plebiszilärer Demokratie Auseinandersetzung mit Voraussetzungen für Demokratie (Bürgerengagement und Zivilcourage), mit partizipatorischem und elitärem Demokratieverständnis

Ausweitung politischer Teilhaberechte

Debatte über Chancen und Risiken plebiszitärer Elemente in einer repräsentativen Verfassung oder über die politische Teilhabe in der Europäischen Union Auseinandersetzung mit unkonventionellen Beteiligungsforrnen, z.B. Protestbewegungen

Artikel 20

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

Mit diesem Artikel legt das Grundgesetz die Demokratie als die Grundlage und den

Rahmen unserer Verfassungsordnung fest. Die Demokratie des Grundgesetzes kann auf

einige wenige Prinzipien zurückgeführt werden:

Artikel 20

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und

Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden

Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt

Demokratie

[griechisch, "Volksherrschaft"] Staatsform, bei der ein Staat nach dem Willen des Volkes regiert wird.

Prinzipen der freiheitlich demokratischen Grundordnung:

- Die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Persönlichkeit auf Leben und freie Entfaltung

- Die Gewaltenteilung

- Die Verantwortlichkeit der Regierung

- Die Gesetzmäßigkeit der Verwaltung

- Die Unabhängigkeit der Gerichte

- Das Mehrparteienprinzip

- Die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.

Demokratiemodelle

Demokratietheorie: Wer soll in der Demokratie die Entscheidungen treffen? Es gibt darauf 2 prinzipielle Antworten:

Plebiszitäre und Repräsentative Demokratie

 

Plebiszitäre Demokratie

 

Repräsentative Demokratie

Selbstgesetzgebung des Volkes (Volksversammlung)

Demokratisch gewählte Politiker werden beauftragt das Gemeinwesen politisch zu gestalten.

Abgeordnete in einem Parlament (gewählt) dürfen Entscheidungen nur mit Rückbindung an die Wähler treffen

Volk entscheidet die politischen Sachfragen nicht selbst sondern wählt „nur“ die politischen Entscheidungsträger

keine politische Selbstständigkeit

antike Versammlungsdemokratie (Athen) als Vorbild

Auch gibt es teilweise Volksbegehren und Volksentscheid neben dem parlamentarischen Entscheidungssystem

Vertritt die Interessen der Wähler direkt

Wähler haben mehr Einfluss

Natürliche Spannungen

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Amtsprinzip demokratische Wahl der Amtsinhaber

Auch mittelbare oder indirekte Demokratie genannt

Unmittelbare Demokratie bei Rousseau:

Der Souverän (Staatsoberhaupt) hat nur die gesetzgebende Gewalt / kann nur handeln, wenn das Volk versammelt ist.

Es müssen Volksversammlungen regelmäßig und fest stattfinden (ohne Einberufungen)

Abgeordnete können nicht Stellvertreter des Volkes sein

Gesetze die nicht vom Volk beschlossen worden sind, sind keine Gesetze und sind nichts wert

Bei der indirekten Demokratie sind die Wähler nur während der Wahlen frei: danach sind sie Sklaven der Politiker.

Volk als ständig mächtiges Parlament

Volk soll direkt bestimmen können, was es will

Plebiszitäre Demokratie Das Volk ist hier der unmittelbare Entscheidungsträger.

Rätedemokratie bei Marx:

Gesellschaft soll in ihren politischen Institutionen von unten nach oben aufgebaut sein.

Eingeteilt in Basisgruppen (Betriebs-, Wohn-, und Verwaltungseinheiten) Basistruppen als aktive, politische Kräfte bei Versammlungen (dadurch bildet sich der politische Wille)

Alle öffentlichen Ämter (auch Beamtentitel) werden durch Wahl vergeben/besetzt.

Mandatsträger sind in Entscheidungen den Wählern verantwortlich – gebundenes Mandat + Abberufbarkeit der Delegierten

Gewählte Vertreter ( Räte) sollen nie mehr verdienen als das Durchschnittseinkommen eines Arbeiters

Räte sollen in ihrer Zusammensetzung die soziale Struktur der Wähler widerspiegeln können.

Nur Arbeiter sollen wählen wegen dem Klassenkampf

Abschaffung des Berufbeamtentums, Ämterhäufung und allzu häufiger Wiederwahl durch Ämterrotation

Abschaffung der liberalen Gewaltenteilung ( nur Ausdruck des bürgerlichen Kampfes gegen ein feudalistisches System)

„Rätepyramide“ von unten nach oben jeweils durch Wahlen organisiert und aufgebaut.

Imperatives Mandat: Räte müssen sich an den Wählern orientieren, sonst werden sie abgewählt

Nicht nur gebildete Menschen sondern jeder Arbeiter kann alle Funktionen besetzen und ausführen

Alle Menschen, besonders aber die Räte sollen für das Gemeinwohl auf ihre eigenen Interessen verzichten um das Ganze mit den ganzheitlichen Interessen zu unterstützen

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Basisdemokratie/BÜNDNIS 90 DIE GRÜNEN

imperatives Mandat von Abgeordneten (Abgeordneter muss sich nach dem Willen

seiner Wähler richten) Rotation aller politischen Ämter, in der Regel nach 2-6 Jahren (einmalige

Wiederwahl aus organisatorischen Gründen möglich) keine Machtanhäufung! Keine Ämterhäufung: nicht gleichzeitig Parteiamt und Abgeordneten Mandat, oder

Posten auf Landes- und Kreisebene zugleich inne haben Ehrenamtlichkeit aller politischer Ämter nur mit Aufwandsentschädigung in Höhe

eines durchschnittlichen Facharbeiterlohnes Rest an die Partei Schutz der Minderheiten: Kompromisse statt Mehrheitsbeschlüssen oder

Kampfabstimmungen auf Kosten von Minderheiten Mitgliederoffenheit ausnahmslos aller Gremien und Sitzungen

Keine aufgezwungenen Meinungen in allen wichtigen Entscheidungen (für die Parteien oder bestimmte Personen/Personalentscheidungen)

Grundgedanke:

Ständige Kontrolle aller Amts- und Mandatsinhaber sowie aller Institutionen durch die

Basis. Dadurch ist ihre jederzeitige Ablösung möglich, wenn gegen den Willen der

Wählerschaft gehandelt wird. Grundsätzliches Misstrauen gegen die repräsentative

Demokratie.

Gedanken der politischen Verantwortlichkeit:

- das Gemeinwohl verlangt einen intensiven Reflexionsprozess.

- Es werden demokratisch gewählte Politiker beauftragt, das Gemeinwesen politisch zu gestalten.

Zwei Ausprägungen der repräsentativen Demokratie:

- Denkbar ist, dass das Volk ein Parlament wählt und dieses wiederum eine Regierung wählt, deren Bestandteil vom Vertrauen des Parlamentes abhängig ist (parlamentarische Demokratie).

- Denkbar ist, dass das Volk in getrennten Wahlen sowohl die Zusammensetzung das maßgeblich mit der Gesetzgebungsarbeit betrauten Parlamentes bestimmt als auch die Besetzung des Spitzenamtes der Exekutive vornimmt (präsidentielle Demokratie).

Eine Verwandtschaft zur Konkurrenztheorie ist bei beiden Ausprägungen zu erkennen.

Die Repräsentative Demokratie ist eine Synthese aus dem bereits im antiken Rom praktizierten Amtsprinzip und dem demokratischen Prinzip der Wahl der Amtsinhaber.

Häufig wird die repräsentative Demokratie durch Elemente der plebiszitären Demokratie ergänzt. (Neben dem parlamentarischen Entscheidungssystem gibt es plebiszitäre Instrumente wie zum Beispiel Volksbegehren, Volksentscheid)

Repräsentative Demokratie Kielmansegg

repräsentative Demokratie als Notlösung im Gegensatz zu wahrer, wirklicher Volksherrschaft

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moderne, repräsentative Demokratie entstand seit der Revolution durch einen Reifeprozess

harmonische, und spannungsreiche Synthese aus Demokratie und Amtsprinzip (Idee der Bürgerfreiheit, Rechtsgebundenheit aller Herrschaft, Verpflichtung der Regierung auf Gemeinwohl)

Prinzipien trotz Schwierigkeiten auf einander angewiesen

Demokratieprinzip:

jeder Bürger hat das gleiche Recht auf freie Mitwirkung an den gemeinsamen Angelegenheiten; bündelt die Rechte in der Denkfigur der Volkssouveränität

Amtsprinzip:

Bestimmung des Amtes ist das Gemeinwohl, Befugnis für andere verbindlich zu entscheiden wird nicht als eigenes Ursprüngliches Recht ausgeübt sondern als übertragene Vollmacht. Befugnis ist rechtlich eingegrenzt (mit unbegrenzter Handlungsfreiheit unvereinbar. Verantwortlichkeit ist das Element des Amtes.

Repräsentative Demokratie:

Wahl von Volksvertretern, die nicht an Weisungen der Wähler gebunden sind (freies

Mandat)

direkter Einfluss der Bürger nur durch Wahlen möglich

Trotzdem: Volk als oberster Souverän (Prinzip der Volkssouveränität)

Die Befugnis für das Ganze verbindlich zu entscheiden, ist in Ämter verfasst aber diese Ämterverfassung steht auf dem Fundament allgemeiner Wahlen und steht offen für alle Bürger.

Freies Mandat: Repräsentanten dürfen entscheiden, wie sie wollen, sie sind keine Rechenschaft an die Wähler schuldig, nicht an den Wähler gebunden und können so frei nach ihrem Gewissen und ihrer Überzeugung entscheiden

Ämter sind für spezielle Bereiche in der Politik zuständig: Wähler erteilen Aufträge an Abgeordnete Ämter sind festgelegt bzw. genau abgegrenzt: es gibt spezielle Aufgaben für jedes Amt

Jedes Amt entscheidet selbstständig ohne Einspruch der jeweils anderen oder der Wähler und dient dem Gemeinwohl, nicht dem eigenen Nutzen der Amtsinhaber und soll im Rahmen des Möglichen das Beste für das Volk leisten, darf dabei aber nicht über das Amt hinausgehen

Verhindert ständige, teure, aufwendige (Zeit, Arbeit) Umfragen und Volksabstimmungen, da zu viele verschiedene Menschen eines Volkes nicht gut und überlegt entscheiden können (zu große Zahl verschiedener Meinungen und Ansichten)

Problem: Die Gewählten sollten dem Gemeinwohl der gesamten Nation dienen und in deren Namen handeln. Kandidaten sind aber oft auf die Gunst ihrer Parteien oder Regionen gebunden/angewiesen und müssen sich nach ihnen richten (Angst nicht mehr gewählt zu werden: Bevorzugung einiger Gruppen (Partei, Region))

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Volk braucht sich hier nach der Wahl nicht mehr um Politik zu kümmern

Der Repräsentant (Aus: Denkansprache von Edmund Burke 3.11.1774)

Es darf nicht nach lokalen Zwecken und Vorurteilen entschieden werden, sondern das Gemeinwohl aller muss berücksichtigt werden

Parlament als beratend, abwägende Versammlung einer Nation mit einem Interesse:

Das Wohlergehen des Ganzen

Meinung der Wähler als respektvolle und wichtige, ernstzunehmende Meinung

Die Meinung des Wählers anhören, aber dennoch soll der Repräsentant auf seine eigene Urteilskraft vertrauen.

Pro

Contra

- harmonische und spannungsreiche Synthese zweier Prinzipien. Demokratieprinzip, Spannungsprinzip.

- spannungsreiche Synthese des Amts- und des Demokratieprinzips

- keine tatsächliche Volksherrschaft

- Ämter sind für speziellen Bereich in der Politik zuständig.

- keine direkte Mitbestimmung des Volkes (vor allem in Sachentscheidungen)

- Jedes Amt entscheidet selbstständig ohne Einspruch der anderen und dient damit dem Gemeinwohl.

- Meinungen von Minderheiten gehen verloren

- Angst vor Willkürherrschaft

 

- Wähler haben nur während der Wahl wahre Mitbestimmungsrechte, danach können sie nicht mehr mitbestimmen

- Nur die zweitbeste Lösung im Gegensatz zu wahrer Volksherrschaft

- Repräsentant vertritt nicht immer den Wähler

- Nach der Wahl zählt die Meinung der Wähler kaum mehr

- Mangelnde Transparenz von politischen Entscheidungen.

- Regierungsbürokratie wird immer größer und höhlt die Funktion der gewählten Repräsentanten aus.

- Ein zentrales Problem: In wessen Name und zu wessen Wohl der in ein Parlament gewählte politisch agieren soll.

Plebiszite / plebiszitär- Demokratie ( direkte Demokratie) :

Abgeordnete sind stark an die Wähler gebunden

Auch Volksentscheide (Plebiszite) sind möglich. Dabei wird vom Volk direkt über

Annahme und Ablehnung von Gesetzen entschieden:

- Personalplebiszit: z.B. Direktwahl des Präsidenten

- Sachplebiszit (Referendum): zur Entscheidung von Sachfragen

Volksabstimmungen/demokratische Elemente

Auswirkungen (Beispiel Schweiz):

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nicht jedes Gesetz wird über Volksbegehren beschlossen

nur wenn sich das Parlament nicht einigen kann gibt es Volksbegehren, daher oft nur Kompromisslösungen im Parlament, um Volksbegehren zu vermeiden

hohe Kosten, großer Zeitaufwand, viel Arbeit Sehr unbeliebt beim Parlament

Bedeutungsverlust der Parlamentswahlen

Sinkende Wahlbeteiligung (teilweise unter 50%)

Keine richtigen Wahlmöglichkeiten, da keine starke Oppositionspartei vorhanden ist (Opposition ist teilweise in die Regierung aufgenommen)

Weitreichende Abwehrmaßnahmen von Parteien, Verbänden und Bürokratie die durch Verhandlungen und Kompromisse versuchen, Referenden zu verhindern (Referendumsdrohung)

System gilt als relativ konservativ, wenig beweglich und unaufgeschlossen gegenüber Neuerungen

Abstimmungen fallen meist kompromissbezogen und regierungstreu aus.

Einflussreiche Wähler setzen ihre Interessen (vielleicht) eher durch

Entscheidungen dauern länger, kein schnelles Handeln mehr möglich

Druck durch Wählerschaft/Medien verfälschte Ergebnisse

Pro

Contra

- Aufgaben von Partei und Parlament werden nicht untergraben, im Gegenteil. Sie werden gestärkt.

- die Gefahr demagogischer Vereinfachung und Emotionalisierung komplexer Fragen, die nicht auf Ja-Nein- Alternativen zu bringen sind

- die Gefahr, dass Parlament und Regierung

- Teiltheorie innerhalb des Repräsentativmodells.

- Die Zeit ist gekommen, den Bürgerinnen und Bürgern Möglichkeiten direkter Beteiligung an politischen Entscheidungen einzuräumen. Das Deutschland von heute ist mit der Weimarer Republik nicht vergleichbar. Demokratisches Bewusstsein

und Informationsgrad der Bevölkerung sind heute ungleich höher als damals.

- Die Verfassungen der meisten alten und aller neuen Bundesländer sehen Volksbegehren und Volksentscheide auf Landes- und kommunaler Ebene vor. Sie sind auch vielfach praktiziert worden, teilweise mit großem Erfolg und ohne negative Begleiterscheinungen.

- Der Missbrauch von Plebisziten kann dadurch ausgeschlossen werden, dass zu bestimmten Problemen - etwa Haushalt, Steuern, Außenpolitik - Volksbefragungen nicht zugelassen werden.

sich in schwierigen Situationen aus der Verantwortung flüchten;

- die Gefahr, dass konstitutive Elemente der Verfassungsordnung (Gewaltenteilung, Föderalismus, Kontrollfunktion des Bundesverfassungsgerichts) durch plebiszitäre Entscheidungen geschwächt oder gar aufgehoben werden könnten.

- Der Parlamentarische Rat hat sich aufgrund der schlechten Erfahrungen mit Volksentscheiden in der Weimarer Republik für eine reine Repräsentativdemokratie entschieden. Es gibt keinen Grund, an dieser Entscheidung zu rütteln.

- Elemente direkter Demokratie sind auf kommunaler und Landesebene wegen der Überschaubarkeit der zu entscheidenden Fragen und der geringen Zahl der Abstimmungsberechtigten praktikabel. Für die komplexen Probleme der Bundespolitik sind sie nicht geeignet.

- Die Mindestbeteiligung kann hoch angesetzt

- Aktive, gut organisierte Minderheiten können ihre Sonderinteressen durchsetzen.

werden, um die Durchsetzung von Minderheitsinteressen zu verhindern.

- Es können lange Fristen für eine umfassende Information der Bevölkerung vorgesehen werden, um Manipulationen und Entscheidungen aufgrund kurzfristiger Stimmungen zu erschweren.

- Das repräsentative System wird durch direkte Bürgerbeteiligung nicht abgeschafft, sondern ergänzt. Das Parlament bleibt der Ort politischer Auseinandersetzung und Entscheidung. Volksabstimmungen können jedoch das Parlament zwingen, sich mit Themen zu befassen, die die Gesellschaft

Ebenso Kann es zur Missachtung von Interessen nicht durchsetzungsfähiger Mehrheiten kommen.

- Der Manipulation würde Tür und Tor geöffnet. Macht würde denen zufallen, die die dem Volk vorzuliegenden Fragen formulieren und Zugang zu den Medien haben. Direkte Demokratie ist eine "Prämie für jeden Demagogen" (Theodor Heuss).

- Ein per Volksabstimmung beschlossenen Gesetz kann leicht den Anschein größerer Legitimität gewinnen. Es ist auch weniger korregierbar als parlamentarische

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bewegen.

Entscheidungen. Es könnte sich die Tendenz entwickeln, das Parlament nur noch weniger wichtige Fragen entscheiden zu lassen.

Politische Beteiligungsformen

Unter politischer Beteiligung werden in der Regel jene Verhaltensweisen von Bürgern verstanden, die sie alleine oder mit anderen freiwillig mit dem Ziel unternehmen, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen.

Diese Einflussnahmen können sich auf eine oder mehrere Ebenen des politischen Systems (Gemeinde, Land, Bund) richten.

Es gibt zwei Formen der politischen Beteiligung:

1. Die konventionelle politische Beteiligung (verfasste bzw. auf verfasste Formen bezogene Aktivitäten)

2. Die unkonventionelle politische Beteiligung (unverfasste Aktivitäten)

Als verfasst gelten solche Handlungen, die in einen institutionell klar definierten Kontext eingebettet sind, so z.B. in das Grundgesetz oder in eine Gemeindeordnung. In diese Kategorie fallen in erster Linie alle Wahlen zu Parlamenten.

Unverfasst sind hingegen jene Aktionsformen, die in einem spontanen oder geplanten Mobilisierungsprozess außerhalb eines institutionalisierten Rahmens entstehen.

Bei der unkonventionellen politischen Beteiligung unterscheidet man weiterhin zwischen legalen und illegalen Beteiligungsformen.

Im illegalen Bereich wird dabei zusätzlich zwischen nicht unmittelbar gewaltsamen, (z.B. Hausbesetzungen) und der direkten politischen Gewalt gegen Personen und Sachen differenziert

1.

Konventionelle Beteiligungen:

-

Beteiligung an Wahlen

-

Seine Meinung sagen

-

Sich an Versammlungen an öffentlichen Diskussionen beteiligen

-

In einer Partei aktiv mitarbeiten

-

Als Helfer einen Kandidaten bei der Wahl unterstützen

-

Bürgerbegehren/ Bürgerentscheid bzw. Volksbegehren/ Volksentscheid

-

Petitionen

-

Kundgebungen und genehmigte Demonstrationen

-

Vereinigungen

2.

Unkonventionelle Beteiligungen:

-

Mitarbeit in einer Bürgerinitiative

-

Teilnahme an einer nicht genehmigten Demonstration

-

Hausbesetzung, Besetzung von Fabriken, Ämtern

-

Bei einer Demonstration mal richtig Krach schlagen, auch wenn dabei einiges zu Bruch geht

-

Für eine Sache kämpfen, auch wenn dazu Gewalt gegen Personen notwendig ist

-

politische Gegner einschüchtern

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Die meisten demokratischen Staaten funktionieren nicht nach den Prinzipien der plebiszitären Demokratie. Es existieren jedoch vielfach plebiszitäre Elemente innerhalb der demokratischen Systeme zur Korrektur und Verbesserung repräsentativer Systeme.

Solche Elemente sind:

Bürgeranträge: Eine (Mindest-) Anzahl von Bürgern beantragt, bestimmte

Angelegenheiten vom Gemeindeparlament zu behandeln.

Bürgerbegehren: eine Mindestanzahl von Bürgen (z.B. 15%) stellt den Antrag, dass

eine bestimmte Sachfrage nicht durch das jeweilige Parlament, sondern durch alle

stimmberechtigten Bürger entschieden werden soll.

Bürgerentscheid: Die Bürger – meistens einer Gemeinde – entscheiden über das

Anliegen eines Bürgerbegehrens. Es kommt auch vor, dass eine Gemeindeparlament

den Bürgern eine Angelegenheit zur Entscheidung vorlegt.

Bürgerbegehren auf Landesebene: Volksbegehren Bürgerentscheid auf Landesebene: Volksentscheid

Seit den 70-er,80er Jahren:

Bürgerinitiativen:

Zusammenschlüsse von Bürgern um konkrete, politische, gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Anliegen durchzusetzen, häufig auf kommunaler Ebene, um z.B. einen Straßenneubau zu verhindern oder die Errichtung einer Sportstätte zu ermöglichen. Wird die Zielsetzung erreicht lösen sich die Bürgerinitiativen meistens auf.

Schwerpunkt der heutigen Parlamentskritik (Emil Hübner):

Referenden: Möglichkeit einer nachträglichen Billigung oder Verwerfung von Gesetzesbeschlüssen des Parlaments durch das Volk.

Begründung von Volksentscheiden:

- gewachsenen staatsbürgerlichen Reife der bundesdeutschen Wählerschaft.

- „Fehlentscheidungen“ des Bundestags.

- Positive Erfahrungen in manchen Bundesländern mit Volksentscheiden. Wie z.B. Bayern.

Nebenwirkung von Volksentscheiden:

- Die Gleichung „mehr Volksrechte = bessere politische Entscheidung“ muss nicht unbedingt stimmen.

- Für die Änderung der Verfassung müssen 100000 Unterschriften von Stimmberechtigten gesammelt werden. Änderung der Verfassung gegen den Willen der politischen Institution in einem Volksentscheid durchsetzen.

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- fakultatives Gesetzreferendum: Auf Antrag von 50000 Stimmberechtigten muss ein Bundesgesetz dem Volk zu Annahme oder Verwerfung vorgelegt werden.

- Bedeutungsverlust der Parlamentswahlen. (Wahlbeteiligung: Von 80% auf 50 % in der Schweiz)

- Fast-Allparteien-Regierung steht keine Opposition gegenüber. (Mitwirkungsrechte der Bürger haben zu diesem Zustand geführt)

- Die Möglichkeit, dass jedes Bundesgesetz vom Volk verworfen werden kann, hat zu weitreichenden Abwehmaßnahmen der schweizerischen Eliten geführt. Parteien, Verbände und Bürokratie versuchen durch Verhandlungen und Kompromisse zu verhindern, dass die Gesetzesbeschlüsse nachträglich vom Volk verworfen werden. „Referendumsdrohung“.

- Zeitaufwand und Kosten für Volksabstimmungen sind beträchtlich.

- Volksentscheide fallen „generell kompromissbezogen und regierungstreu“ aus.

Wenn man die Einführung erweiterter Volksrechte für unerlässlich hält, sollte man jedenfalls stufenweise vorgehen. Für Verfassungsänderungen zu den 2/3 Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat auch die Zustimmung der Wählermehrheit verpflichtend vorschreiben, bevor man weitere Schritte übernimmt.

Kompromissvorschläge:

- Parteien zu mehr Offenheit und Bürgernähe bringen.

- Einführung offener Listen.

- Parteinmitgliedern verstärktes Mitwirkungsmöglichkeit einräumen.

- „einfache“ Parteimitglieder beratend in die Aufstellung der Länderlisten einschalten.

- Reduzierung staatlicher Wahlkampffinanzierung Parteispitzen sind gezwungen sich intensiver mit der Pflege der Parteibasis zu befassen und sich verstärkt um die Gewinnung neuer Mitglieder bemühen.

- Parteien müssen mehr konsequenzen aus ihrem teilweise „problematischen“ Verhaltenziehen.

Grenzen der Mehrheitsdemokratie:

- Mehrheitsentscheidungen sollen nur dann möglich sein, wenn sie später „korrigierbar“ sind.

Vordemokratisches Staatsverständnis:

- Es wird versucht den Personenkreis einzugrenzen, dem diese Rechte zukommen.

- Der Mehrheitsdemokratie wird vorgeworfen, dass sie die Stimmen zähle, nicht wiege. Hinter jeder Stimme steht nicht die gleiche Sachkenntnis.

- Völlig desinteressierten Mehrheiten ständen sachkundige betroffene Minderheitengruppen gegenüber. gleiche staatsbürgerlichen Rechte werden weggewischt Unterscheidung zwischen Klugen und weniger Klugen.

- Ein Vetorecht in den Händen bestimmter Minderheitsgruppierungen würde Privilegien schaffen, die nicht mit unserem heutigen Demokratieverständnis vereinbar.

Mehrheiten können sich irren Minderheiten aber auch.

- Tendenzen der Anhänger „Grenzen der Mehrheitsdemokratie“ sollten jedoch ernstgenommen werden.

Eine Mehrheit, die vergisst, dass sie sich im Normalfall aus verschiedenen Minderheiten zusammensetzt, und die auf die anderen Minderheiten keine Rücksicht mehr nimmt, wird das System der Mehrheitsdemokratie selbst in Frage stellen, sobald

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die Minderheit die Hoffnung genommen wird, selbst zur Mehrheit zu werden, und sich bald permanent übergangen fühlt.

Parteien

Funktion und Rechstellung der Partei:

Funktion:

- Personalrekrutierung: Parteien präsentieren Personen, die gewählt werden.

- Interesseartikulierung: öffentliche Erwartungen werden an das politische System formuliert.

- Programmfunktion: In ein Parteiprogramm, werden unterschiedliche Interessen zu einer Gesamtvorstellung integriert. Mit diesem Programm wird um die Gunst der Wähler geworben.

- Partizipationsfunktion: Verbindung zwischen Bürger und politischen System.

- Legimationsfunktion: Parteien sollen die politischen Ordnung im Bewusstsein der Bürger verankern.

Rechtsstellung: (Artikel 21 im Grundgesetz)

- Wehrhafte Demokratie (abwehrbereite Demokratie): Verfassungswidrige Parteien können Verboten werden. (Wenn eine Partei darauf aus ist, die freiheitliche demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen bzw. zu beseitigen, oder eine Gefährdung für die Bundesrepublik Deutschland darstellt ist sie Verfassungswidrig.)

- Gründung ist frei

- Innere Ordnung muss demokratisch sein.

- Über Herkunft und die Verwendung ihrer Mittel müssen sie öffentlich Rechenschaft geben, weil sie nicht Instrumente unbekannter und unkontrollierter Macht werden sollen.

Parteiengesetz (24. Juli 1967):

Die Parteien wirken an der Bildung des politischen Willen mit, indem sie

- auf die Gestaltung der politischen Meinung Einfluss nehmen,

- die politische Bildung anregen und vertiefen, zum Beispiel über die Erwachsenenbildungsaktivitäten ihrer Stiftungen,

- Teilnahme aller am politischen Leben fördern,

- zu Übernahme politischer Ämter befähigte Personen heranbilden,

- sich durch Aufstellung von Bewerberinnen und Bewerbern an den Wahlen in Bund, Ländern und Gemeinden beteiligen.

- auf die politische Entwicklung der staatlichen Institutionen Einfluss nehmen.

- die von ihnen erarbeiteten politischen Ziele in den Prozess der staatlichen Willensbildung einbringen und

- für eine lebendige Verbindung zwischen Volk und Staatsorganen sorgen.

Kritik an Parteien:

- Personalrekrutierung: Verengung der Auswahl auf zu wenige Personen, Tendenz zum „geschlossenen Verein“

- Interessenartikulation: Verengung auf die Interessen etablierter und einflussreicher Gruppen, Mängel. an der Erkenntnis und Bearbeitung neuer Gemeinwohlprobleme.

- Partizipationsfunktion: Mangel an Offenheit für Bürgerbeteiligung, statt dessen Absicherung aus

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staatlicher Ressourcen durch Ämterpatronage statt Parteienfinanzierung.

- Legimationsfunktion: Entwicklung der Parteien zu quasi staatlichen Organen, abgehoben von den Fragen und Sorgen der Bürger.

- Keine gleichen Chancen für Mitglieder.

- Beiträge der Mitglieder reichen zur Finanzierung nicht.

- Mangel an Transparenz der Finanzierung.

Parteienstaat

(Buch S.163-164)

Im Parlament entscheiden „Parteibeauftragte“, Parteien sind gleichsam das Volk und durch die jeweilige Mehrheit wird er Parteiwille zum Staatswillen.

- Parteien sind in die Verfassung einbezogen

- Parteien werden vom Volk gewählt

- Nur die Parteien machen Politik (kein Mandat ohne Parteizugehörigkeit)

- Striktes Handeln nach dem Parteiprogramm

- Politsche Ämter können nur von Parteimitgliedern besetzt werden

- Verbeamtung nur mit „richtiger“ Parteizugehörigkeit möglich

- Parteien werden durch öffentliche Gelder finanziert

Problem:

- Randgruppen werden unterdrückt

- Wahl wird schnell nur zur Scheinwahl, da die Parteien schnell zu viel an Macht gewinnen

- Man kann beruflich keine Kariere machen, wenn man sich nicht der richtigen Partei anschließt

Zur Geschichte und Struktur des deutschen Parteiensystems

(Buch S. 157-160)

- Heute: 2 große Volksparteien (CDU/CSU, SPD) mit Unterstützung von kleinen (FDP, Grüne)

- 5%-Klausel erschwert kleinen Parteien ins Parlament zu kommen

- Parteien wurden verboten, weil sie nicht dem Grundgesetz entsprachen

- Durch gute Wirtschafts-, Sozial- und Staatsordnung, kein Anlass für Bildung neuer Parteien

- Volksparteien repräsentieren ein breites Spektrum von Interessen

Probleme:

- Zuwachs von Wechselwählern, Rückgang der Stammwähler

- Zunahme der Nichtwähler

- Bildung von radikalen Parteien am rechten und linken Rand (rechts- bzw. linksextrem)

Die Genealogie der Parteien

SPD:

- Fast unverändert seit der Weimarer Republik

- 1957 gab es einen Zulauf der

Volkspartei

CDU:

- entstand 1945 erst nach dem Krieg

- entstand aus Christlich sozialer Volkspartei, Deutsche Staatspartei, Deutsche

Zentrumspartei, deutsche Volkspartei

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- Zulauf 1956 der „Block der Heimatvertriebenen und Entrechteten“ und die

 

Deutsche Partei 1960

CSU:

- Nach WKZ Umbenennung von Bayrische Volkspartei in CSU – danach

 

Unverändert

FDP:

- Entstehung aus DVP und der deutschen Staatspartei. Zuläufe 1990 davor einige

 

Abspaltungen

Grüne: - zuerst „Anti-Partei“ und „soziale Bewegung“

 

- neue Form politischer Beteiligung

- kontinuierliche Arbeit in Parlament und Übernahme von Regierungsämtern

 

organisatorische Konsolidierung (Anpassung/Festsetzung)

 

- Ausscheiden radikal-sozialistischer, fundamentalistischer, ökologischer Gruppen

- Zusammenschluss mit Bündnis `90

Republikaner: - rechtskonservative, nationale Partei, nicht sicher ob sie sich aus Dauer

 

behaupten kann

PDS:

- bekennt sich zum „demokratischen Sozialismus“

- linksorientierte ostdeutsche Partei

Streitbare Demokratie

Anders als die Weimarer Republik ist die Demokratie des Grundgesetzes nicht nur eine formale Demokratie, sondern eine Wertordnung, die freiheitliche demokratische Grundordnung mit ihren unantastbaren Prinzipien. Dementsprechend enthält das Grundgesetz in Artikel 79 Abs. 3 eine so genannte "Ewigkeitsklausel", wonach eine Änderung der in den Artikeln 1 und 20 niedergelegten Grundsätze (Menschenwürde, Grundrechtsbindung der staatlichen Gewalt, Staatsstrukturprinzipien) unzulässig ist.

Das Grundgesetz als Basis und Rahmen

Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 verkündet.

Grundrechte (Artikel 1 – 19) stehen an vorderster Stelle hervorgehobene Position verdeutlicht den hohen Rang dieser Rechte.

Art. 1

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt

Die Grundrechte lassen sich inhaltlich vier großen Bereichen zuordnen:

Den größten Teil nehmen die Freiheitsrechte ein. Zu diesen Freiheitsrechten zählen das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, die Freiheit des Glaubens, des politischen Bekenntnisses, des Gewissens, der Wissenschaft, der Presse, der Meinung, der Versammlung, des Berufes und die Freizügigkeit. Ferner zählen dazu das Postgeheimnis sowie die Unverletzlichkeit der Wohnung.

Ein zweiter Bereich umfasst die Gleichheitsrechte. Der Begriff Gleichheit beinhaltet in diesem Zusammenhang nicht die Forderung nach sozialer Gleichheit (z. B. Angleichung der Einkommensverhältnisse). Es geht um die staatsbürgerliche

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Gleichbehandlung. In diesem Sinne gebietet ein Willkürverbot, Gesetze und Vorschriften für alle gleich anzuwenden. Dies gilt auch für das Wahlrecht.

Einen dritten Bereich nehmen Verfahrensrechte ein, also Rechte des einzelnen Bürgers, die er in Streit- und Konfliktfällen ausüben bzw. erlangen kann. In diesem Sinne garantiert das Grundgesetz Rechtsschutz; in juristischen Streitfällen entscheiden gesetzliche Richter, außerdem erfolgt Freiheitsentzug nur auf der Grundlage rechtsstaatlicher Verfahren.

Der vierte Bereich der Grundrechte umfasst institutionelle Garantien für Ehe und Familie, das Privateigentum sowie das Recht auf Erbschaften.

Die Betätigung vor allem der Meinungs- und Pressefreiheit, der Vereins- und Versammlungsfreiheit durch Bürger in ihren Zusammenschlüssen ist eine notwendige Bedingung demokratischer Politik. Diese Rechte können also zugleich auch als politische Teilhaberechte (Art. 5, 8, 9, 20, 21, 38 GG) verstanden werden.

Die wichtigsten Institutionen:

Die Bundesregierung

1. Regierungsauftrag vom Volk

Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes. Das Volk übt die Staatsgewalt in Wahlen aus

und hat auch das letzte Wort bei der Kontrolle der wichtigsten Einrichtungen des Staates,

den fünf "Verfassungsorganen“. Diese sind der Bundestag und der Bundesrat mit

gesetzgebenden Aufgaben ("Legislative"), das Bundesverfassungsgericht zur höchsten

Rechtsprechung ("Judikative") und schließlich der Bundespräsident und die

Bundesregierung, die ausführende Aufgaben übernehmen ("Exekutive"). Die

Bundesregierung steuert die politischen und staatlichen Geschäfte, hat jedoch auch das

Initiativrecht für Gesetze.

2. Die Bundesregierung

Die Bundesregierung besteht aus dem Bundeskanzler sowie den Bundesministern.

Zusammen bilden sie "das Kabinett".

3. Die Rolle des Bundeskanzlers

Der Bundeskanzler hat eine hervorgehobene Stellung in der Regierung. Er ist sozusagen

der "Kapitän" der Regierung. Er bestimmt, wer Mitglied der Regierung werden soll, denn

ihm allein steht das Recht zur Kabinettsbildung zu. Er wählt die Minister aus und macht

einen für den Bundespräsidenten verbindlichen Vorschlag ihrer Ernennung oder

Entlassung. Er entscheidet außerdem über die Zahl der Minister und legt ihre

Geschäftsbereiche fest. Der Bundeskanzler bestimmt die Eckpfeiler der Regierungspolitik

(sog. Kanzlerprinzip).

4. Die Rolle der Minister

Obwohl der Bundeskanzler ein Weisungsrecht gegenüber seinen Ministern besitzt, betont

die Verfassung allerdings auch, dass die Bundesminister innerhalb des festgelegten

politischen Rahmens ihren Geschäftsbereich selbständig und eigenverantwortlich leiten

(Ressortprinzip). Mancher Ressortminister kann sich zudem durch eigene Leistung,

geschickten Umgang mit der Öffentlichkeit oder durch starken Rückhalt bei

parlamentarischen oder außerparlamentarischen Kräften eine starke Stellung schaffen.

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5. Das Zusammenspiel der Regierungskräfte: Der Kanzler und sein Kabinett

In den 50 Jahren Bundesrepublik hat sich gezeigt, dass trotz der starken Position des

Kanzlers die Leistungsfähigkeit der Regierung nicht allein durch ihn gewährleistet werden

kann. Selbst wenn ihm das Bundeskanzleramt eine straffe Führung und Koordination von

der Zentrale aus ermöglicht. Eine bedeutsame Rolle in der Praxis des Regierens spielt das

Kollegium, das aus dem Bundeskanzler und den Ministern besteht.

6. Drei wichtige Arbeitsgrundsätze

Für dieses Zusammenspiel in der Bundesregierung sieht das Grundgesetz drei wichtige

Arbeitsprinzipien vor: Das Kanzler-, das Kollegial- und das Ressortprinzip. Sie regeln den

Umgang und die Arbeitsteilung im Kabinett.

7. Das Kanzlerprinzip

Nach dem Kanzlerprinzip bestimmt der Bundeskanzler die Richtlinien der Politik und trägt

dafür die Verantwortung. Das bedeutet, genauer gesagt: Er leitet die Geschäfte der

Bundesregierung. Grundlage hierfür ist eine vom Kabinett beschlossene

Geschäftsordnung. Sie wird vom Bundespräsidenten genehmigt.

8. Das Kollegialprinzip

Nach dem Kollegialprinzip entscheiden Kanzler und Minister gemeinsam, wenn über

Angelegenheiten von allgemeiner politischer Bedeutung diskutiert wird. Bei

Meinungsverschiedenheiten ist der Kanzler allerdings Erster unter Gleichen. Dies

bedeutet: Kommt es zum Streit zwischen den Ministern, schlichtet der Bundeskanzler.

Das Kabinett muss schließlich mit Mehrheit zu einer Entscheidung finden.

9. Das Ressortprinzip

Nach dem Ressortprinzip leitet jeder Minister seinen Aufgabenbereich in eigener Verantwortung. Der Bundeskanzler darf deshalb nicht ohne Weiteres in die Befugnisse seiner Minister "hineinregieren". Zugleich muss jeder Minister allerdings darauf achten, seine Entscheidungen nur innerhalb des vom Kanzler vorgegebenen politischen Rahmens zu treffen.

Deutscher Bundestag

Deutscher Bundestag, ist die aus Wahlen hervorgehende Vertretung des deutschen Volkes (Artikel 38ff. GG). Er ist das oberste Bundes- und das stärkste Verfassungsorgan der Bundesrepublik Deutschland, seine Befugnisse sind jedoch durch das System der Gewaltenteilung begrenzt. Seine vornehmste Aufgabe ist die Darstellung und Verkörperung des Volkes und seines Willens (Repräsentation)

Er wählt den Bundeskanzler

Er wählt die Hälfte der Bundesverfassungsrichter

Er wählt den Wehrbeauftragten

Seine Mitglieder gehören der Bundesversammlung an, durch die der Bundespräsident gewählt wird

Er ist an der Wahl der Bundesrichter beteiligt

Er übt die parlamentarische Kontrolle über die Regierung aus. Dazu stattet ihn das Grundgesetz mit der Befugnis aus, die Anwesenheit jedes Mitglieds der Bundesregierung zu verlangen, Untersuchungsausschüsse einzusetzen. In diesem Zusammenhang gehören auch die Genehmigung von Staatsverträgen, die

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Feststellung des Haushaltsplanes, die Rechnungskontrolle, die Genehmigung von Bundesanleihen.

Der Bundestag kann weitere Anklage gegen den Bundespräsidenten, wegen Gesetzesverletzung vor dem Bundesverfassungsgericht erheben

Er soll die wichtigsten politischen Themen zur Diskussion stellen und Lösungen und Alternativen anbieten (Willensbildungsfunktion).

Im Bundestag sollen die im Volk vorhandenen Meinungen Ausdruck finden (Artikulationsfunktion).

Die weitaus wichtigste Aufgabe des Bundestages liegt jedoch in der Gesetzgebung. Kein förmliches Gesetz kommt ohne seinen Beschluss zustande

Funktion in Bezug auf die Gesetzgebung:

Er führt 3 Lesungen der Gesetze durch in denen die Entwürfe besprochen und geändert werden. In der 1 Lesung findet nur bei politisch wichtigen Gesetzentwürfen ein Aussprache statt. In der 2. Lesung wird jede Bestimmung des Entwurfes einzeln besprochen und darüber abgestimmt. Am Ende der 3. Lesung findet eine Schlussabstimmung statt

Gesetze, die die Beziehung zwischen Bund und Ländern besonders betreffen, wird die Zustimmung der Vertretung der Länder und des Bundesrates benötigt.

Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Bundestag, Bundesrat und der Bundesregierung kann der Vermittlungsausschuss einberufen werden. Aufhebung und Änderung des Gesetzesbeschluss durch den Vermittlungsausschuss machen eine erneute Beschlussfassung des Bundestages erforderlich.

Bei einfachen Gesetzen kann ein Einspruch des Bund Bundesrat zurückgewiesen werden.

Der Bundesrat

Der Bundesrat wacht darüber, dass die Gesetzgebung des Bundes nicht die Kompetenzen der Länder aushöhlt. Fast alle wichtigen Gesetze sind von seiner Zustimmung abhängig. Damit hat er eine bedeutende Kontrollfunktion gegenüber dem Bundestag und der Bundesregierung.

Mehrheitsverhältnisse

Es kann nicht ausbleiben, dass die Oppositionsmehrheit im Bundesrat Ihren Vorteil nutzt, um wichtige Gesetze aufzuhalten und die Regierung in Schwierigkeiten zu bringen, indem sie Gegenvorschläge unterbreitet. In der Regel geht es aber um gleichartige Länderinteressen, zum Beispiel um die Verteilung der Steuern zwischen Bund und Ländern.

Interessenausgleich

In vielen Fällen meldet der Bundesrat umfangreiche Änderungswünsche an. Zumeist wird im Vermittlungsausschuss – manchmal erst nach längeren Auseinandersetzungen – ein Kompromiss gefunden, der die unterschiedlichen Interessen ausgleicht.

Nicht zuletzt fließen in die Gesetzgebung durch den Bundesrat die Erfahrungen der Länderbürokratien ein, die die Gesetze ausführen müssen. Die Vertreter der Länder, In der praktischen Arbeit ein Stab von Ministerialbeamten, bringen ihren Sachverstand und ihre Verwaltungserfahrung ein. Sie achten darauf, dass Gesetze und Verordnungen praktikabel sind.

Mitglieder im Bundesrat

Die 16 Bundesländer entsenden zwischen drei und sechs Mitglieder in den Bundesrat und haben ebenso viele Stimmen. Jedes Land hat mindestens drei Stimmen, Länder mit mehr

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als zwei Millionen Einwohnern haben vier, mit mehr als sechs Millionen fünf und mit mehr als sieben Millionen sechs Stimmen (Art. 51 GG). Bundesratsmitglieder sind die Regierungschefs, die Minister für Bundesangelegenheiten und weitere Fachminister. Die Stimmen eines Landes werden geschlossen abgegeben. Jede Landesregierung legt ihr Stimmverhalten fest.

Fachausschüsse

Wie im Bundestag wird die eigentliche Arbeit in Ausschüssen geleistet. Der Bundesrat hat 16 Fachausschüsse gebildet. In die jedes Land ein Mitglied entsendet. Es sind die jeweils zuständigen Fachminister, die sich in der Regel durch Ministerialbeamte vertreten lassen. Jedes Land hat eine Stimme, Beschlüsse werden mit einfacher Mehrheit gefasst.

Beschlüsse:

Das Plenum tagt gewöhnlich alle drei Wochen. Es beschließt mit Stimmenmehrheit von den 69 Stimmen sind mindestens 35 für einen Beschluss erforderlich. Die Haltung der einzelnen Landesregierungen sind vorher festgelegt, die Beschlüsse sind durch die Ausschüsse vorbereitet worden. Die Entscheidungen werden nur noch mündliche dargelegt und begründet. Daher herrscht in der Regel eine sachliche Atmosphäre, es gibt selten „Reden zum Fenster hinaus“.

Der Vermittlungssausschuss - Brücke zwischen dem Bundesrat und dem Bundestag

1. Zusammensetzung:

- 32 Mitlieder:

- 16 Mitglieder sind vom Bundesrat gestellt (Jedes Bundesland hat einen Sitz).

- 16 Mitglieder sind vom Bundestag gestellt (Je nach Stärke der Fraktion wurden die Sitze verteilt). Bundestag und Bundesrat sind gleichstark vertreten.

- Die Sitzungen werden von einem der beiden Vorsitzenden geleitet (Bundesratmitglied/Bundestagsmitglied). Vierteljährlich wechselt sich der Vorsitz ab und vertritt sich gegenseitig.

- Mitglieder sind an keine Weisungen gebunden. (Freies Mandat)

- Mitglieder sind für die Dauer einer Legislaturperiode gewählt.

- Mitglieder und Vertreter dürfen höchstens viermal in je Bundeswahlperiode ausgewechselt werden.

2. Aufgaben und Funktionen:

- Hat eine Vermittlerfunktion zwischen Bundestag und Bundesrat.

- Erarbeitung eines Einigungsvorschlages, der Aussicht hat, als endgültige Gesetzesfassung angenommen zu werden und der auch politisch durchsetzbar ist.

- Scheitern des Gesetzes soll verhindert werden.

- Verfügt über eine eigene Beschlusskompetenz.

3. Wesen der Verhandlungen:

- Verhandlungen streng vertraulich (Sitzungsprotokolle dürfen erst in der übernächsten Wahlperiode nach der jeweiligen Sitzung – also frühestens 5 Jahre später – eingesehen werden.)

- Einzelne Sachverständige nur in Ausnahmefällen.

- Beobachter und Publikum keinesfalls Teilnahme gestattet.

Die strikte Vertraulichkeit wird damit begründet, dass die Mitglieder anderenfalls nicht in der Lage wären, durch gegenseitiges Nachgeben einigungsfähige Kompromisse zu erzielen, sondern von ihren jeweiligen Ländern oder politischen Parteien unter Druck gesetzt und zur

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Unnachgiebigkeit gezwungen werden.

4.

Ergebnisse des Vermittlungsverfahren:

Es sind 4 Ergebnisse denkbar:

- Der Ausschuss empfiehlt, den Gesetzbeschluss des Bundestags zu ändern.

- Der Gesetzbeschluss des Bundestag wird bestätigt.

- Dem Bundestag wird vorgeschlagen, Gesetzesbeschluss wieder aufzuheben.

- Das Verfahren wird ohne Einigungsvorschlag abgeschlossen.

5.

Rolle des Vermittlungsausschusses im Gesetzgebungsverfahren:

- Der V. wird erst tätig, wenn er angerufen wird. Nur bei Gesetzen möglich.

- Bei Einspruchsgesetzen: V. kann durch den Bundesrat angerufen werden. Bei Zustimmungsgesetzen: V. kann auch durch Bundestag und Bundesregierung angerufen werden.

6.

Bewertung des Vermittlungsausschusses:

- Der hohe Anteil der nach Anrufung des Ausschusses letztlich verkündeter Gesetze belegen seine Effektivität.

- Kritikpunkt: Das Verfahren ist weitgehend nicht transparent.

Der Bundespräsident

Staatstheoretische Funktion

- steht als Staatsoberhaupt protokollarisch an der Spitze des Staates

- Verfassungsorgan, das die Bundesrepublik Deutschland nach innen und nach außen repräsentiert.

Indem er durch sein Handeln und öffentliches Auftreten den Staat selbst – seine Existenz, Legitimität, Legalität und Einheit – sichtbar macht repräsentiert er den Staat. Darin kommen zugleich die Integrationsaufgabe und die rechts- und Verfassungswahrende Kontrollfunktion seines Amtes zum Ausdruck.

Abkehr von Weimar

- Reichspräsident von Hindenburg hatte seine Befugnisse gegen Ende der Weimarer Republik unheilvoll genutzt.

- So kann er weder alleine den Kanzler bestimmen noch „Notverordnungen“ erlassen; auch hat er nicht den Oberbefehl über die Streitkräfte.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Funktion des Bundespräsidenten stark

eingeschränkt.

Aufgaben

Vertretung Deutschlands nach innen und außen;

Völkerrechtliche Vertretung der Bundesrepublik Deutschland (Art. 59. Abs. 1 Satz 1 GG)

Abschluss von Verträgen mit auswärtigen Staaten (Art. 59 Abs. 1 Satz 2 GG)

Beglaubigung (Bestellung) der deutschen diplomatischen Vertreter und der Empfang (Entgegennahme der Beglaubigungsschreiben) der ausländischen Diplomaten (Art 59 Abs. 1 Satz 3 GG)

Prüfung, Unterzeichnung und Verkündigung von Bundesgesetzen;

Erklärung des Gesetzgebungsnotstandes;

Vorschlag, Ernennung und Entlassung des Kanzlers;

Auflösungsmöglichkeit des Bundestages (Art. 63, Abs. 4 GG), wenn eine Kanzlerwahl durch den Bundestag wiederholt nicht erfolgt oder der Bundestag dem Kanzler das Vertrauen versagt (Art. 68 GG);

Ernennung und Entlassung der Bundesminister sowie von Richtern, Beamten und Offizieren;

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Begnadigung von Straftätern.

Wirken des Bundespräsidenten im Ausland / gegenüber anderen Staaten

Der Bundespräsident ist nach dem Grundgesetz als Staatsoberhaupt nicht Teil der Exekutive. Er steht über den drei Gewalten. Das gilt auch für den außenpolitischen Bereich. Er kann jedoch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die langfristigen Probleme lenken, die einer Lösung bedürfen, aber nicht Gegenstand der exekutiven Politik sind.

Der Bundespräsident vertritt die Bundesrepublik Deutschland völkerrechtlich.

Das geschieht im Rahmen seiner Auslandsreisen, zu denen neben den Staatsbesuchen auch offizielle Visiten und Arbeitsbesuche im Ausland zählen, und in seinen Reden.

In seinen außenpolitischen Reden äußert er sich zu wichtigen Themen der internationalen Politik

Wahl durch die Bundesversammlung und persönlichen Voraussetzung

Der Bundespräsident wird von der Bundesversammlung gewählt

Der Bundespräsident muss Deutscher sein, das Wahlrecht zum Bundestag besitzen und das 40. Lebensjahr vollendet haben. Seine Amtszeit dauert fünf Jahre. Eine Wiederwahl ist nur einmal zulässig.

fünf Jahre . Eine Wiederwahl ist nur einmal zulässig. DER GESETZGEBUNGSPROZESS (das Gesetzgebungsverfahren in

DER GESETZGEBUNGSPROZESS (das Gesetzgebungsverfahren in Deutschland)

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Gesetzesinitiative:

- nach dem Grundgesetz kann ein Gesetzesentwurf

durch die Bundesregierung

aus der Mitte des Bundestages

durch den Bundesrat

Gang der Gesetzgebung

- Referentenentwurf

eingebracht werden.

Das zuständige Fachreferendum eines Ministeriums arbeitet mithilfe von Verbänden und Organisationen einen Entwurf aus, der mit den betroffenen Ministerien abgestimmt wird.

- Kabinettsvorlage

Der Gesetzesentwurf wird von Kabinett, dem Kollegium der

Bundesregierung als Regierungsentwurf beschlossen.

- 1. Durchgang im Bundesrat

Bundesrat kann innerhalb von 6 Wochen zum Regierungsentwurf Stellung

nehmen. Genaue Prüfung und oftmals Änderungsvorschläge

- 1. Lesung im Bundestag

Jeder Gesetzesentwurf durchläuft im Plenum des Bundestags 3 Beratungen (Lesungen). Am Ende der 1. Lesung wird der Entwurf an einen oder

mehrere Ausschüsse überwiesen. Ein Ausschuss ist federführend, er ist verantwortlich für den Fortgang des Verfahrens.

- Ausschussberatung

wichtigste Stufe im Gesetzgebungsverfahren. Die Vorlage wird in Anwesenheit von mitgliedern der Regierung oder deren Vertreter es Bundesrates und der zuständigen Ministerialbeamten unter allen denkbaren Gesichtspunkten geprüft. Bei politisch bedeutsamen Vorhaben fast immer in einer öffentlichen Anhörung von Sachverständigen, Wissenschaftlern und Verbänden vertreten. Während der Ausschussberatung befassen sich Arbeitskreise und –gruppen der Fraktionen mit dem Entwurf, um ihre Position festzulegen. Nach Schluss der Beratungen gibt der Ausschuss dem Plenum eine Beschlussempfehlung.

- 2. Lesung im Bundestag

Jede Best. des Entwurfs wird einzeln diskutiert, es wird auch zu Abstimmungen und zu Änderungsanträgen aufgerufen diese sollen vor allem der Öffentlichkeit die abweichenden Standpunkte der Opposition verdeutlichen

- 3. Lesung im Bundestag

die grundsätzlichen Probleme werden erörtert, Öffentlichkeit soll informiert

werden. Die 3. Lesung endet mit der Schlussabstimmung

- 2. Durchgang im Bundesrat

Jedes vom Bundestag beschlossene Gesetz wird nochmals vom Bundesrat geprüft. Gesetze, die die Recht und Interessen der Länder berühren, bedürfen seiner ausdrücklichen Zustimmung (Zustimmungsgesetz)

Zustimmungsgesetze Gesetze, die der Zustimmung des Bundesrats bedürfen:

- Gesetze, die die Verfassung ändern

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-

Gesetze, die Auswirkungen auf die Finanzen der Länder haben (Steuern)

-

Gesetze, die von Ländern auszuführen sind

-

(Verwaltungsvorschriften, die meisten wichtigen Bundesgesetze Sicherung des Mitwirkungsrechtes des Bundesrates; ¾ aller Zustimmungsgesetze)

Einfache Gesetze

Alle übrigen Gesetze, für die im Grundgesetz nicht ausdrücklich die Zustimmung

des Bundesrates vorgesehen ist

- Bundesrat kann Einspruch einlegen Bundestag kann mit erneuter Abstimmung mit Mehrheit seiner Mitglieder diesen Einspruch zurückweisen

- Vermittlungsausschuss:

Siehe Blatt

- Verkündigung und Ausfertigung

Fachminister, Bundeskanzler und Bundespräsident unterzeichnen das fertige Gesetz

Positive Aspekte der Gesetzgebung (zentrale Form des Regierens)

~ Der Gesetzgebungsprozess ist zur Herausarbeitung der typischen Merkmale und Strukturen des Regierungsprozesses besonders geeignet, weil:

alle Verfassungsorgane daran in für sie typischer Weise beteiligt sind,

alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen versuchen, darauf Einfluss zu nehmen,

im Rahmen eines institutionalisierten Verfahrens politische Handlungsspielräume unterschiedlich genutzt werden können

Politische Entscheidungen können an vielen Stellen in diesem Ablauf Platz haben: Sie fallen vor allem

- im Entschluss der Regierung (der Fraktionen) oder teilweise auch im Einvernehmen der beiden

- in Phase der Vorbereitung eines Entwurfs (Ministerialbürokratie, Gespräche zwischen Vertretern von Verbänden, Referenten und polit. Spitze)

- im Aushandeln von Kompromissen im Vermittlungsausschuss, wo Regierungsmehrheit, Opposition und Bundesratsmehrheit (oft) darauf angewiesen sind ein Einvernehmen herzustellen

Oft gut durchdachte Gesetze

Länder haben ein Mitspracherecht, (Landesregierungen zu wählen ist also sinnvoll)

Mitwirkung von Bürgern bei der Gesetzgebung (Verband, Partei, Petitionsausschuss)

Arbeit in der Öffentlichkeit ( Bis auf Vermittlungsausschuss: Transparenz)

Negativ: Vor allem

- langwieriges Verfahren, keine spontanen Entscheidungen sind möglich

- Kompromissgesetze, da viele Interessen mitspielen

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Das Bundesverfassungsgericht:

Zusammensetzung / Wahl:

- 2 Senate (1. Senat: „Grundrechtssenat“ 2. Senat: „Staatsrechtssenat“) mit je 8 Richtern je zur Hälfte gewählt von Wahlausschüssen von Bundesrat und Bundestag.

- Amtsdauer der Richter 12 Jahre (höchstens bis zum 68. Lebensjahr)

- Richter sind nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Befangenheit) austauschbar.

- Wiederwahl nicht zulässig.

- Obwohl die Richter von Fraktionen / Parteien vorgeschlagen werden, zählt bei der Richterwahl vor allem die fachliche Qualifikation.

- Mitglieder des Bundesverfassungsgerichts dürfen weder Organen der Legislative noch Organen der Exekutive des Bundes oder der Länder angehören.

- Die Kandidaten müssen jeweils mit 2/3-Mehrheit gewählt werden. (verweigert den fanatischen Parteigängern den Zugang)

- Wählbar ist, wer mindestens 40 Jahre alt ist und eine volle juristische Ausbildung besitzt.

Die Bedeutung des Gerichtes macht die Besetzung der Richterstelle zu einem Politikum.

Gericht und Verfassungsorgan:

- Kann jeden Akt der gesetzgebenden Gewalt auf Verfassungsmäßigkeit überprüfen

- erhalten grundsätzliche und allgemein formulierte Regeln

- Muss das Grundgesetz rechtsbindlich interpretieren

- Grundgesetz muss ständig neu ausgelegt werden und dem gesellschaftlichen Wandel entsprechend weiterentwickelt werden.

- „Das Bundesverfassungsgericht“ ist ein allen übrigen Verfassungsorganen gegenüber selbstständiger und unabhängiger Gerichtshof des Bundes.

- Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Verfassungsorganen.

- Entscheidung für Verfassungsmäßigkeiten von Parteien / ggf. Parteiverbot

- gibt ungefragt Hinweise, wie es in bestimmten Fragen denkt.

- Übereinstimmung von Gesetzen und Verträgen werden festgestellt und es bestätigt (in der Regel), was die Politik entschieden hat

- Klagen richten sich nur gegen bestehendes Recht oder Regierungsentscheidungen.

- Das Bundesverfassungsgericht entscheidet unter anderem

- über Verfassungsbeschwerden

- über Streitigkeiten zwischen Bundesorganen oder zwischen Bund und Ländern (Organstreitigkeiten)

- über die Vereinbarkeit von Bundes- oder Landesrecht mit dem Grundgesetz (Normenkontrollverfahren)

- über die Verfassungswidrigkeit von Parteien.

Verfassungsbeschwerde:

- Jeder Bürger kann mit einer Verfassungsbeschwerde das Gericht anrufen, der glaubt, durch die öffentliche Gewalt in seinen Grundrechten verletzt zu sein. (Missbrauchsfällen: 2600€ Gebühr)

- Verfassungsbeschwerde kann erst dann eingelegt werden, wenn der Rechtsweg ausgeschöpft ist. Kann angenommen oder abgelehnt werden.

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- Kammern, die mit je 3 Bundesverfassungsrichtern besetzt sind, prüfen jede eingereichte Beschwerde auf ihre Zulässigkeit (nur 2,7% aller Verfassungsbeschwerden waren erfolgreich).

Normenkontrolle:

Konkrete Normenkontrolle: Wenn ein Gericht zur Überzeugung gelang, dass das anzuwendende Gesetz nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist, muss es die Entscheidung des Bundesverfassungsgericht einholen.

Abstrakte Normenkontrolle: Auf Antrag des Bundes- / Landesregierung oder mindestens eines Drittel des Bundestagsabgeordneten, prüft das Bundesverfassungsgericht, ob Bundesrecht oder Landesrecht mit dem Grundgesetz übereinstimmt, bevor das Gesetz in einem „konkreten“ Fall angewendet worden ist.

Aufgaben:

- Hüter und Interpret der Verfassung in den Streitfragen über deren Auslegung und Anwendung.

- Wird nur tätig, wenn es gerufen wird. (Kann nicht durch Eigeninitiative zum Überorgan der anderen Verfassungsorgane werden)

- Balance zwischen Rechtsinterpretation und polit. Wertung.

- Feststellung von Verfassungswidrigkeiten bei Regelung oder deren verfassungskonforme Auslegung.

- Interesse der Öffentlichkeit an umstrittenen Entscheidungen

- Urteile werden von verschiedenen polit. Richtungen akzeptiert.

- Unparteiische Entscheidungen!

Recht und Politik:

- großes Maß an Respekt und Ansehen: Vertrauen der Bürger

- aber Kritik:

- Es urteile über Fragen, die eigentlich in die Kompetenz des Bundestags fallen

- Es politisiere die Justiz und verrechtliche die Politik.

- Opposition der jeweiligen Regierung versuchen ihre parlamentarischen unterlegenen Auffassung durch den Gang nach Karlsruhe möglichst doch noch zum Siege zu verhelfen. (2/3 der abstrakten Normenkontrollverfahren und Organstreitverfahren gehen auf oppositionelle Klagen zurück).

- Es steht fest, dass die personelle Besetzung des Bundesverfassungsgerichts von parteipolitischen Kräften bestimmt wird und sich in vielen Urteilen auch politische Konstellationen widerspiegeln.

3 wesentliche Effekte des Bundesverfassungsgerichts für den politischen Prozess in

Deutschland:

1. Stabilisierende Funktion (Hat sich als verfassungshütende Institution und Macht begrenzende Schranke bewährt)

Hohe Vertrauenswerte kommen der Demokratie zugute.

2. Schränkt die ausgreifende Reichweite seiner Judikatur den Spielraum der parlamentarischen Mehrheit bedenklich ein.

Problematik:

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Vorrauseilendem Gehorsam des Gesetzesgebers gegenüber dem Verfassungsgerichtlichen Vormund. Neigung unangenehme Entscheidungen dem Bundesverfassungsgericht zu überlassen.

3. Das Gericht kommt in Allgemeinen zu Kompromisshaften Urteilen, nahe der polit. Mitte.

Bundesverfassungsgerichtsgesetz:

Absichten:

- Unabhängigkeit der Richter sichern.

- Autorität des Gerichtes zu sichern

- politisch Einseitige Besetzung der beiden Senate vermeiden.

Parteiverbot:

Freiheitlich-demokratische Grundordnung (BverfGE 2) :

- die Achtung vor den im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechten, vor allem vor dem Recht der Persönlichkeit, auf Leben und freie Entfaltung.

- die Volkssouveränität

- die Gewaltenteilung

- die Verantwortlichkeit der Regierung,

- die Gesetzesmäßigkeit der Regierung,

- die Unabhängigkeit der Gerichte,

- das Mehrheitsprinzip

- die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition.

Parteiverbote nach dem Artikel 21:

- 1952 Nazistische Sozialistische Reichspartei (SRP)

- 1956 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

Für ein Parteiverbot gelten folgende Regeln:

- Antragsberechtigt sind Bundestag, Bundesrat, Bundesregierung, oder – wenn die Partei auf das Gebiet eines Landes beschränkt ist – die Landesregierung.

- Die Entscheidung trifft das Bundesverfassungsgericht; das Urteil hat Gesetzeskraft.

- Die Feststellung der Verfassungswidrigkeit durch das Bundesverfassungsgericht hat die Auflösung der Partei und das Verbot, Ersatzorganisationen zu schaffen zur Folge.

Was spricht dafür, dass ein neues Verfahren wiederaufgenommen wird?

- Ein Zeichen wird gesetzt, dass Politik und Justiz nicht die Augen verschließen.

- Populistische Aufmärsche vor geschichtsträchtigen Orten und Symbolen können durch die Behörden leichter verboten werden. Das Bild des heutigen Deutschlands im Ausland wird nicht weiter gefährdet.

- Rechtsextreme Parteien nehmen nicht mehr an der staatlichen Parteifinanzierung teil.

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- Die von der NPD erstrebte „neue Ordnung“ sei „unmittelbar gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet.“ entspricht den Vorraussetzungen zum Parteiverbot.

- Der NPD wird der organisatorische Rahmen der Partei zur Verbreitung zur Verbreitung dieser antisemitischen Meinung zu genommen.

- Pflicht zum Verbotsantrag und somit zum Handeln: Gerade die Nichteinleitung eines Verbotsantrags und Verfahrens bewirkt, entsprechend dem ursprünglichen Sinne des Grundgesetzes, dass diese (extremistische) Partei als verfassungsmäßig gilt. Denn andernfalls wäre ja nach Artikel 21 ein Verfahren gegen die Partei einzuleiten.

- Keine Parteienfinanzierung durch den Staat. (Durch die Erstattungskosten von Millionenhöhe für den Wahlkampf wurde die NPD gestärkt.)

- Klarheit über die Verfassungsmäßigkeit der Partei schaffen.

- Historischer Hintergrund: Weimarer Republik

- 1933 gelang es den Nationalsozialisten ohne Verstoß gegen den Wortlaut der Verfassung die Entwicklung der Diktatur einzuleiten.

- Kein Einfluss auf polit. Entscheidung

- Schultz vor direkter Einflussnahme.

Was spricht dagegen, dass eine neues Verfahren wiederaufgenommen wird?

- Die Gruppierung verschwindet im Untergrund

- keine aktive Kontrolle der Tendenzen mehr

- Illegalität = keine Beschränkung auf legale Mittel mehr; die Bereitschaft Gewalt einzusetzen steigt.

- Die Gruppierung ist nicht die einzige Partei mit rassistischen Tendenzen; Anhänger und Organisatoren der verbotenen Partei finden sich in mehreren Parteien/Organisationen wieder.

- Deutscher Rassismus hängt nicht an einer oder mehreren Parteien / Gruppierungen; er ist in Teilen der Bevölkerung verwurzelt.

- Gefahr eines abschlägigen Beschlusses des BVerfG:

Wird die NPD trotz Antrages nicht verboten, führt dies einerseits zur Einsicht, dass polit. System scheinbar machtlos dasteht und andererseits werden die rechten Ansichten und Mitglieder märtyrisiert.

- Keine Kontrolle mehr über Inhalte und Verbreitung.

- Grundrechte „Meinungsfreiheit“ „Versammlungsfreiheit“.

Parteiverbot am Beispiel der NPD:

NPD: Seit der Gründung der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) am 14. November 64 gehören die völkische Idee von Staat, Reich und Nation, die Ideologie der „Volksgemeinschaft“, Antisemitismus und Rassismus, die Verherrlichung der NS-Zeit, die Relativierung der deutschen Geschichte und der Kriegsschuld zu zentralen Eckpunkten des Parteiprogramms.

Ein paar Fakten zur NPD und dem Verfahren:

- Anfang 2001 beantragen Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat beim Verfassungsgericht ein Verbot der NPD.

- Antragsteller sind mehrheitlich der Auffassung, dass das von den Verfassungsbehörden gesammelte Material ausreicht und den Kriterien der Rechtssprechung nach Art 21. entspricht.

- Erst durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik erwachte die einflusslose Partei zu neuem politischen Leben.

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- ca. 6000 bis 7000 Mitglieder, Bundesweit unter 1 % Ernsthafte Bedrohung der Bundesrepublik oder der deutschen Demokratie?

- Funktion der NPD als „Nahtstelle zum gewaltbereiten Spektrum“ Nebulös. Gelegentliche Entgleisungen oder Straftaten von einzelnen Parteimitgliedern oder Anhängern, reichen nicht aus. Belege für eine direkte Anweisung zu Straftaten durch NPD gibt es nicht. Beweislage sehr schwierig. Kriterium kann aber sein: Systematische Missachtung des Gleichheitsgrundsatzes und der Menschrechte, zusammen mit anderen Verstößen.

- Mit der NPD würde eine Konkurrenzpartei der DVU und der „Republikaner“ wegfallen. Ohne Konkurrenz könnten die DVU oder die „Republikaner“ leichter die 5 % Hürde schaffen.

- Bundesverfassungsgericht:

- Der zweite Senat wäre durch ein Parteiverbotprozess über Monate hin lahm gelegt. (KPD Verbot: 52 Verhandlungstage; Normal: 5 Tage im Jahr; Bis zum KPD Verbot vergingen 5 Jahre Risiko)

- Anders als damals, dürfen die Bundesverfassungsrichter nicht mehr wiedergewählt werden. Amtszeit endet nach 12 Jahren. Wenn es nur noch 6 Senatsrichter von 8 sind Beschlussunfähig. Aber in den nächsten Jahren scheiden 3 Senatsrichter aus Prozess müsste neu aufgerollt werden Arbeit wäre vergebens.

In normalen langwierigen Gerichtsverfahren, ist es üblich, dass der Prozess mit Ersatzrichtern beginnt. Schwachstelle im höchsten deutschen Gericht.

Möglichkeit: Solange kein Nachfolger gewählt ist, kann ein Verfassungsrichter auch noch nach seinem eigentlichen Amtsende im Dienst bleiben. Aber: Rechtsstaatlich äußerst bedenklich.

Wenig Chancen auf Erfolg des Verbotes, da

- NPD unternimmt schon jetzt alle Anstrengungen, einem möglichen Verbot die Grundlage zu entziehen. (Internet-Seiten werden gesäubert, keine Aufmärsche durch die NPD angemeldet.)

- Verfahren birgt auch rechtsstaatliche Probleme:

- Gewisse Quellen, die Beweise gegen die NPD liefern können aus Geheimhaltungsgründen nicht offen gelegt werden. (V-Leute des Verfassungsschutz: Um sie vor Racheakte zu schützen werden sie nicht preisgegeben, zudem sollen sie weiter Informationen über die NPD liefern) Nicht die unmittelbaren Zeugen werden dem Gericht über die Beobachtungen berichten, sondern so genannte Zeugen vom Hörensagen Überprüfung der Glaubwürdigkeit unmöglich.

„Wehrhafte Demokratie“ (geprägt wurde der Begriff 1937 von dem emigrierten Verfassungsrechtler Karl Löwenstein)

Artikel 21 Abs 2:

Parteien, die sich nach ihren Zielen oder nach dem Verhalten ihrer Anhänger darauf

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ausgehen, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu beeinträchtigen oder zu beseitigen oder den Bestand der Bundesrepublik Deutschland zu gefährden, sind verfassungswidrig. Über die Frage der Verfassungswidrigkeit entscheidet das Bundesverfassungsgericht.

Verbände, Bürgerinitiativen, Parteien (Siehe Blätter).

Interessenverbände (Artikel 9) (pressure groups):

Definition: freiwillige Vereinigungen gleichgesinnter Mitglieder, um gemeinsame Belange zu bearbeiten und gemeinsame Interessen durchzusetzen; Träger können (juristische) Personen oder Körperschaften sein. Vor allem Verbände der Wirtschaft (Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften) versuchen über Lobbyarbeit ihren Einfluss auf die Politik geltend zu machen.

- Lobbyliste: Die Spitzenverbände mit bundespolitischen Interessen haben sich in eine Liste eintragen lassen.

- Man kann die Tätigkeitsfelder in 5 Gruppen einteilen.

- Vereinigungen im Wirtschaftsleben und in der Arbeitswelt

- Vereinigungen mit sozialen Zielen

- Vereinigungen im Berech Freizeit und Erholung

- Vereinigungen im Bereich Kultur und Wissenschaft

- Vereinigungen mit ideellen und gesellschaftspolitischen Zielsetzungen.

Funktion der Interessenverbände:

- Sie fassen die unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder zusammen, formulieren konkrete Forderungen und versuchen ihre Ziele mit wirkungsvollen Mitteln durchzusetzen.

Nehmen die spezifischen Interessen ihrer Mitglieder wahr und bringen sie in den politischen Entscheidungsprozess ein.

Mittel zur Wahrnehmung der Verbandsinteressen im politischen Willensbildungsprozess:

- gegenüber den Parteien:

- Mitgliedschaft von Verbandsmitgliedern in politischen Parteien;

- Mobilisierung von Wählern,

- materielle (finanzielle) Wahlhilfe

- immaterielle Wahlhilfe (Z.B Aufruf)

- Spenden an Parteien zur allgemeinen Parteifinanzierung.

- gegenüber dem Parlament:

- Verbandsmitglieder und Verbandsfunktionäre als Abgeordnete,

- Lobbyismus: Vorsprache bei Abgeordneten

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- Hearings;

- gegenüber der Regierung:

- Vorsprache mit Gutachtenerstellung bei der Ministerialbürokratie,

- Kontakte mit Regierungschef und Ministern.

Adressaten der Einflussnahme sind:

- Die Öffentlichkeit

- Parteien

- Parlamente

- Regierung und Bürokratie

- Organe der Europäischen Union.

Rechtliche Regelung:

- Interessenvertreter können von Ausschüssen des Bundestages um Stellungsnahme gebeten werden

- Ministerien sind gehalten, bei der Vorbereitung von Gesetzen, Vertreter der Spitzenverbände hinzuzuziehen

Chancen und Probleme des Verbandswesen:

Chancen

Probleme

 

- wachsende Individualisierung

- Funktionäre der Verbände mischen in der Gesetzgebung mit.

- Schlagkraft durch hohen Organisationsgrad und dem Vertretungsmonopol

- Minderheiten versuchen ihre Interessen gegen Mehrheit durchsetzen.

- Vertritt nur Mini – Interessen der Gesellschaft können radikal

- Zu enge Verbindung zu Parteien und Verbänden (2/3 der Parlamentarier) (Patronage = Ämterhäufung)

auftreten. verfügen über eine große

Finanzkraft, weil hinter ihnen profitable Unternehmen stehen.

- Gelder können zielsicher eingesetzt werden.

- Sie sind durchsetzungsfähig und verfügen über Fachwissen.

- Meinungsvielfalt (Pluralismus) Verschiedene Interessen können durchgesetzt werden.

- Verbände vertreten ihre eigenen Interessen und nicht das Gemeinwohl

- Verbände „verkaufen“ ihr Stimmen (Spenden, Bestechung).

- Staat driftet in die Handlungsunfähigkeit.

- Einmischung auf Ebenen, für die sie nicht zuständig sind,

- Sicherung einer Platzes auf der Landesliste

- Ermöglichung der Kommunikation zwischen Staat und Bürgern

- Keine Transparenz der Organisationsstruktur

- Kompetenz / Sachverstand politische Partizipation

- Können ihre Interessen mit unterschiedlich starken finanziellen Mitteln durchsetzen Demokratie??

- Keine Transparenz der Kassenführung.

Pluralismus: die Form eines politischen Gemeinwesens, das in seinem Staats- und Sozialgefüge ein Höchstmaß autonomer Gestaltungsmöglichkeiten gewährleistet, dadurch, dass alle Werte und Ideen toleriert werden, soweit sie den Pluralismus als solchen nicht gefährden, und alle individuellen und korporativen Grundrechte (Religionsfreiheit, Pressefreiheit, Koalitionsrecht, Versammlungsfreiheit, Petitionsrecht u.

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a.) als Grundlage eigenständiger Willensbildung und Entscheidungsbefugnis garantiert und tatsächlich respektiert werden. Im pluralistischen Gemeinwesen ist der Staat in seiner Macht begrenzt (Gewaltenteilung) und zur Beachtung und Sicherung der sozialen Realität autonomer Gruppenwillen (Kirchen, Gewerkschaften, Parteien u. a.) verpflichtet. Grundprinzip ist das Recht auf Opposition. Man unterscheidet den Gruppengeschlossenen Pluralismus (Ständestaat), in dem keine Individual-, sondern lediglich Korporationsrechte bestehen, vom gruppenoffenen Pluralismus, in dem der Einzelbürger seine Gruppenzugehörigkeit prinzipiell frei wählen kann

Pluralismuskritik:

- Es gibt Interessen schwächerer Gruppen, die schwer organisierbar und durchsetzbar sind.

- Kurzfristige Interessen setzen sich leichter durch, als langfristige (z.B. Erhaltung von Arbeitsplätzen vor Umweltschutz.)

- Neue Interessen sind gegenüber alten und organisierten schwer durchzusetzen.

- Je allgemeiner Interessen sind, umso schwerer sind sie organisierbar (z.B. Verbraucherinteressen).

Bürgerinitiativen:

Definition: Zusammenschlüsse von Personen außerhalb der herkömmlichen Vereine, Parteien und Interessenverbände, die - meist auf lokaler Ebene - Missstände beseitigen oder Verbesserungen gegenüber öffentlichen Stellen durchsetzen wollen, besonders in den Bereichen Erziehungs- und Bildungswesen, Verkehr und Umweltschutz.

- Urdemokratisch: Als gemeinsame Initiativen von Bürgern zur Vertretung bestimmter Anliegen gegenüber Verwaltung oder politischen Organgen gibt es sie, seit es demokratische Freiheiten, Koalitions- und Petitionsrecht gibt.

Chancen und Probleme der Bürgerinitiative:

Chancen

Probleme

- Sie können das dauerhafte Engagement in Verbänden und Parteien ergänzen, aber nicht ersetzen.

- Sobald die Bürgerinitiative nicht nur wie die Verbände versuchen, ihre Interessen geltend zu machen und politischen Druck auszuüben, sondern versuchen ihr Recht auf Mitbestimmung geltend zu machen Konflikt

- Beanspruchen Entscheidungskompetenz, die demokratisch gewählten Organen zukommen.

- Bürger können ihr Interesse geltend machen.

- Können die Entscheidungskompetenz von Politikern in Frage stellen Kontrolle

- Minderheitsinteressen gegen Mehrheitsinteressen

- Je allgemeiner die Interesse ist, umso schwieriger ist es, sie durchzusetzen.

- Bei Ausübung von politischen Druck der Bürgerinitiativen: - Konflikt der Legitimation. Bürgerinitiativen werfen den Parteien vor, dass sie nicht das Fachwissen haben. Kompetenz? Streitigkeit um die Definition von Allgemeinwohl. Wer handelt nun im

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Allgemeinwohl? Parteien setzen sich für das Allgemeinwohl ein. Bürgerinitiativen: Allgemeinwohl auf lokaler Ebene

Allgemeinwohl? Parteien setzen sich für das Allgemeinwohl ein. Bürgerinitiativen: Allgemeinwohl auf lokaler Ebene Minderheitenschutz.

Verbände – Der Anfang vom Ende der Demokratie?!

1.

Wie stehen die Begriffe „Pluralismus“ und „Verbände“ im Zusammenhang?

Die Aktivität einer Vielzahl von Verbänden ist Ausdruck des Pluralismus unserer Gesellschaft; sie ist ein Element freiheitlicher Meinungs- und Willensbildung und sie ist grundrechtlich geschützt.

2.

Was kann man aus den beiden Geschäftsordnungen GGO und GOBReg herausarbeiten in Bezug auf die Interessenverbände – Belege aus dem Text!?

- Ministerien verkehren grundsätzlich nur mit Zentral- oder Gesamtverbänden.

- Verbände, deren Wirkungskreis sich nicht über das gesamte Bundesgebiet erstreckt, sind im Allgemeinen nicht heranzuziehen.

3.

Welche Hauptkritikpunkte zum Verbandswesen werden insgesamt diskutiert und welche Forderungen könnten sich hieraus ergeben?

-

Einfluss zu groß (auf Politik), müssen stärker kontrolliert werden.

- Sind sie genügend demokratisch?

- Staatsorgane gegenüber dem Verbandswesen zu schwach.

- Kurzfristige Interessen setzen sich eher durch, als langfristige, je allgemeiner die Interesse, desto schwieriger wird sie zu organisieren.

- Keine Trennung von politischen Ämtern und Verbandstätigkeiten.

- Minderheiten setzen sich durch, was nicht unbedingt fürs Allgemeinwohl ist.

4.

Bringen sie folgende Begriffe in einen sinnvollen Zusammenhang:

Gemeinwohl – Pluralismus – öffentliche Ämter – Elitenpluralismus – Pluralismuskritik.

Pluralismus in öffentlichen Ämtern dient zum Gemeinwohl. In den Ämtern sind sie allerdings nur Eliten, was dem Ansatz zur Pluralismuskritik bietet Elitenpluralismus:

Es werden nur die Interessen großer Verbände vertreten. Kleinere Verbände kommen nicht dagegen an.

5.

Erläutern sie, was man unter Korporatismus versteht.

Soll ausdrücken, dass Verbände nicht nur als gesellschaftliche Kräfte Einfluss auf Staat und Politik ausüben, sondern vielmehr selbst auch öffentliche Funktionen wahrnehmen.

6.

Was verspricht man sich von korporatistischen Einrichtungen und was verspricht aus politischer Sicht gegen diese Idee?

- soziale Leistungen helfen – gut

- Trennung von Staat und Gesellschaft nicht mehr gewährleistet – schlecht.

Verbände üben nicht nur als Gesellschaftliche Kräfte Einfluss auf den Staat und

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Politik, sondern nehmen auch öffentlichen Einfluss.

7. Erarbeiten sie das aktuelle Beispiel „Bündnis für Arbeit“, indem sie auf folgende Punkte achten:

Verhandlungspartner / Idee / Verhandlungspunkte / Problempunkte / Kritik

Versuchen sie aus dem Beispiel heraus eine eigene Position zu entwickeln zum Thema Korporatismus bzw. Pluralismus.

Verhandlungspartner: Staat, Verband und Gewerkschaften Idee: Staat als Moderator Verhandlungspunkte:

Problempunkte:

Kritik: Freiheit des Bürgers wird eingeschränkt.

- Verkürzung der Lebensarbeitszeit

- Bestände Abbau

Verbände wollen sich einmischen.

Parteien: (Wiederholung Buch S. 156ff.)

Verhältnis zwischen Bürgerinitiativen / Verbänden und Parteien: (S.109)

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Ziele

Aufgaben und

Verankerung im politischen System

Aufbau und

Einflussmöglichkeiten

Funktionen

Finanzierung

       

- demokratische Struktur

 

Parteien

- Regierung des Staates

Vertretung des

Volkes

siehe Grundgesetz Artikel 21

- Parteien offen für alle Bürger

Regierungsparteien bestimmen die

- Interessenvertretung des Volkes

- Mitgliederbeiträge

Gesetzgebung.

- staatliche Mittel

 

- Spenden

   

Sie mobilisieren die Öffentlichkeit und üben Druck auf Behörden aus. Selbsthilfe (Frauenhäuser) („neue soziale Bewegung“)

Parteien schalten sich oft ein, Presseerklärung, Anfragen an die Verwaltungen

- Einzelne Bürger schließen sich zu einer Bürgerinitiative zusammen um

- Öffentlichkeitsarbeit (Presse Medium) (Mobilisierung der Öffentlichkeit)

- Druck auf Behörden

Bürgerinitiativen

Sie wollen zumeist auf lokaler Ebene Missstände beseitigen

Missstände zu bekämpfen.

- Private Finanzierung (Öffentlichkeitsarbeit)

(Blockade, Sit – ins,

Mahnwache)

   

Organisieren und

- Artikel 9

   

Verbände

- Durchsetzung der eigenen Interessen

- Besitz wahren

- Einschnitte verhindern

Vertreten die

idealen und

materiellen

Interessen ihrer Mitglieder

- Lobbyisten

beim

Präsidenten

des

Bundestags

- Mitgliederbeiträge

- Spenden

- durch Medien

- Demonstrationen

- pers. Kontakte

- Streiks

- viele Parlamentarier

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Merkmale

Stärken

Schwächen

 

Situation der BRD

     

- undurchsichtige Finanzierung

 

-

 

Parteien

demokratische Struktur

- Abhängigkeit von Medien

direkter Einfluss auf Gesetzesgebung

- Viele Interessen zufrieden stellen.

Mehr – Parteien - System

 

- die Konzentration auf ein begrenztes Ziel (onepurpose – organisation)

     

- Die Fähigkeit, kurzfristig Anhänger in hohem Maße zu mobilisieren ( persönliche Betroffenheit)

- die Rekrutierung aus den Mittelschichten und höherem Einkommens- und Bildungsniveau

- Massenaktion gegen Großprojekte.

- Minderheitsinteressen gegen Mehrheitsinteressen Problematisch, wenn sie

„Neue Soziale

Bewegung“

Sie können das dauerhafte Engagement in Verbänden und Parteien ergänzen (aber

nicht ersetzen)

Ende der 70-er Jahre:

Bürgerinitiativen

- Entscheidungskompetenz beanspruchen, die demokratisch gewählten Organen zukommen.

- Dabei Gewalt anwenden.

gehäufte Bildung Grüner und alternativen Parteien 1980 „Die Grünen“ Durch Einfluss der Westparteien 1990 Einbüßung des Einlusses.

 
 
   

- Großer Einfluss auf die Mitglieder

   

Verbände

- viele Mitglieder

- Verbände werden nicht überwacht Unabhängigkeit

- geraten oft in Kritik;

- kein direkter Einfluss

Fast jeder ist in einem Verband.

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5.

Identitäts- und Konkurrenztheorie

 

Identitätstheorie

 

Vergleich

(Inhaltsorientierung)

Konkurrenztheorie

(Spielregeln)

   

- Privateigentum

- völlige Gleichheit

- Individuum hat die Möglichkeit selbst seine privaten Interessen zu fördern unter der Bedingung dass es die Grenzen respektiert.

- Schutz der Person

Menschenbild

- Einstimmigkeit, aber Bewahrung der Freiheit.

- Gehorsam gegenüber dem Gemeinwohl

- „individuelle Freiheit“

   

- freie unbehinderte Konkurrenz um freie Stimmen

- keinen gemeinsamen Willen.

Gesellschaftsauffassung

- Die Parteimeinungen werden unterdrückt

- Konkurrenz der Interessen und Kompromisse (Starke Meinung setzt sich durch)

- Das Wohl des Einzelnen hilft der Gemeinschaft.

   

- Pluralismus, liberale Demokratie

- Identität zwischen Herrschenden und Beherrschten müssen gleich sein.

- Der Staat führt den Willen des Volkes aus.

- parlamentarisches Repräsentativ

Staatsauffassung

- systematische Kompromisse durch den Staat

- Konkurrenz der Unternehmergruppen fließen in die Partei ein.

 

- „totalitäre“ Demokratie

- Hinnahme des gesellschaftlichen Status quo

- Vertrauen auf Eliten

- reiner Pragmatismus

Kritik

- Erziehungsdiktatur

(Aufzwingen von Denkwesen).

- Zwanghafte Gemeinwohlorientierung.

- Gleichgültigkeit gegenüber Werten.

- Vorherrschen von Privatinteressen.

Die Einzelnen Organe: (Siehe Blätter)

Begriffe:

Zustimmungsgesetz:

- Gesetze, die die Verfassung ändern.

- Gesetze, die Auswirkungen auf die Finanzen der Länder haben.

- Gesetze, die von den Ländern auszuführen sind.

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Einfache Gesetze:

Einfache Gesetze sind alle übrigen Gesetze, für die im Grundgesetz nicht ausdrücklich die Zustimmung des Bundesrates vorgesehen ist.

Massenmedien und Demokratie:

(Da wir damals die Massenmedien nicht ausführlich besprochen haben, sind die folgenden Punkte zum Verständnis etwas ausführlicher gehalten)

Art 5 GG Jeder hat das Recht seine Meinung über alle Medien frei zu verbreiten. Dies gilt für Presse Hörfunk, Fernsehen, Filme, Bücher, Flugblätter und Neue Technologien wie z.B. das Internet.

Das Grundgesetz verbietet eine Zensur! Jedoch setzt es allerdings dort Schranken, wo Gesetze, Jugendschutz oder persönliche Ehre verletzt werden.

Es gibt keine staatliches (Regierungs-) Fernsehen oder eine vom Staat gelenkte Presse, wie in der DDR oder zur Zeit des Dritten Reiches. Massenmedien sind zumeist privatwirtschaftlich organisiert

Ausnahmen: ARD, ZDF etc. öffentlich – rechtlich (D.h sie sind weder privatwirtschaftlich noch staatlich und haben im besonderen Maße den Auftrag, die Bürger objektiv ausgewogen und umfassen zu berichten. Um diesen Auftrag zu entsprechen haben sie eine spezielle Struktur. Vertreter aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen, wie z.B, Gewerkschaften, Unternehmen, Kirchen, jüdische Organisationen, Sportverbände, aber auch Parteien, bilden die Ausichts- und Lenkungsgremien. Es wird dadurch verhindert, dass das Programm einseitig zugunsten einer Gruppe wird. Finanzierung dieser Sender erfolgt durch Gebühren / Werbeeinnahmen.

Privatwirtschaftlich organisierten Fernseh- und Hörfunksender:

finanzieren sich ausschließlich durch Werbeeinnahmen und wirtschaften wie eine „normale" Firma, die mit dem Verkauf ihrer Produkte größtmögliche Erlöse erzielen möchte. Dies tritt dann ein, wenn hohe Werbeeinnahmen im Kontext von Sendungen mit großer Zuschauerzahl erzielt werden, die also „hohe Einschaltquoten" bringen. Es leuchtet ein, dass daher Inhalte von Sendungen, die nur von einer Minderheit gesehen werden, wie z. B. Kultursendungen, kaum in den Programmen der Privatsender auftauchen.

Aufgaben die Massenmedien

„Medium" „Mittel" und im weiteren Sinne „Mittler" zwischen den Bürgern und der

Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik:

Die Massenmedien liefern den Bürgern Informationen aus Politik, Kultur, Wirtschaft

und Gesellschaft. Umgekehrt erhalten z. B. die Politiker Informationen über Probleme

und Ansichten der Bürger zu einzelnen Fragen.

Die Medien liefern neben der Information Kritik und Meinungen; sie bieten teilweise

eine Plattform für die Darlegung unterschiedlicher (politischer) Auffassungen, sodass

sich Bürger daran orientieren können.

Die Medien üben eine „Filterfunktion" aus. Die Nachrichtenfülle ist so groß, dass

eine Auswahl der Sendeinhalte getroffen werden muss. Hierbei können sich Probleme

z.B. bei der Nachrichtenauswahl zeigen, weil sich bestimmte Meldungen besser

„verkaufen“ lassen und damit eine höhere Einschaltquote erzielt werden kann.

Die Bürger erwarten, dass die Medien Missstände in Staat und Gesellschaft

aufdecken, allerdings ohne die Intimsphäre von Personen zu verletzen.

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Politiker betrachten die Medien als wichtiges Instrument, ihre Parteiprogramme und

aktuellen Positionen aber auch sich selbst dem Bürger zu vermitteln.

Für die Wirtschaft sind die Medien mittlerweile unabdingbar, um Produkte zu

vermarkten.

Schließlich beeinflussen die Medien durch die Art und den Umfang von Darbietungen

die Einstellung der Bürger unter anderem auch zu politischen Problemen.

Bis 1984 verfügten ARD und ZDF mit ihren Radio- und Fernsehprogrammen über ein

Monopol. Seit 1984 dürfen in Deutschland auch private Anbieter Hörfunk und Fernsehen

ausstrahlen

Die „Fernsehlandschaft" in Deutschland stellt sich in etwa wie folgt dar:

• Öffentlich-rechtliche Anbieter: ARD, ZDF, ARTE, Phönix, 3 sät, Kinderkanal; 3.

Programme: N 3, B 3, HR 3, WDR, SWF, ORB, MDR

• Private Anbieter: RTL, RTL 2, Super RTL, VOX; SÄT l, Pro 7, DF l, DSF

• Ausländische Anbieter: ORF, DSF, TV 5, BBC, NBC, MTV u. a.

Eine ähnliche Struktur zeigt sich beim Hörfunk mit einer Zweiteilung in öffentlich-

rechtliche und private Anstalten.

Da die Produktion von Fernsehsendungen sehr kostspielig ist, können sich dies wenige

Unternehmen leisten. Die vielen privaten Sender gehören daher nur einigen Konzernen,

meist großen Unternehmenszusammenschlüssen, sodass es auch in diesem Bereich zu

einer Konzentration kommt. Einige Firmen sind teilweise auch über Tochterfirmen

miteinander verbunden, teilweise sind auch große ausländische Eigentümer in der

deutschen „Fernsehlandschaft" tätig. Zwischen den einzelnen Sendern/Sendergruppen

existiert ein z.T. harter Konkurrenzkampf, bei dem es darum geht, so viele Zuschauer

wie möglich zu gewinnen, um der werbetreibenden Wirtschaft eine breite Plattform zu

bieten. Dies hat dazu geführt, dass viele Sendungen inhaltlich und in der äußeren Form

so gestaltet werden, dass die vermeintlichen oder tatsächlichen Zuschauerwünsche

möglichst genau getroffen werden.

Kritiker sehen im Vergleich mit dem Standard der ARD und des ZDF der 60er und 70er-

Jahre eine sehr deutliche Qualitätsminderung und Verflachung politischer Beiträge,

Verschiebung anspruchsvoller Sendungen auf ungünstige Tageszeiten, Dominanz

anspruchsloser Unterhaltung, Ausblendung der Kultur. Hinzu kommt nach Meinung von

Beobachtern die Tendenz bei ARD und ZDF, diesem Trend zu folgen, um keine Zuschauer

zu verlieren.

Da mittlerweile das Fernsehen die dominante Rolle bei den Massenmedien spielt, ist

für das politische System die Frage wichtig, ob sich die möglicherweise negativen

Tendenzen in der Fernsehkultur auch auf den politischen Bereich auswirken. Dieses

Problem mögen die folgenden Fragen illustrieren:

Ist der politische Pluralismus hinreichend gewahrt, wenn es z. B. bei den privaten

Anbietern nur zwei große Unternehmensgruppen gibt?

Wie wirkt sich die Dominanz des Fernsehens aus, wenn Politik überwiegend nur

noch über den Bildschirm vermittelt wird?

Hat die „Telekratie", die „Herrschaft des Fernsehens", Auswirkungen auf die Auswahl des Führungspersonals bei den Parteien bzw. auf die Auswahl der Sachthemen, mit denen sich die Politik beschäftigt?

Welchen Stellenwert hat die Politik in den Medien angesichts der Dominanz des

Unterhaltungssektors?

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Werden Ereignisse/Probleme unzulässig vereinfacht und nur noch über Personen

vermittelt?

Erlangen nicht eher unwichtige Ereignisse (z. B. Naturkatastrophen in fernen

Weltgegenden) einen hohen Stellenwert, weil sie „telegen" sind?

Neben dem Fernsehen spielen Zeitungen als Massenmedium eine wichtige Rolle.

Erscheinungsbild und Leserschaft sind dabei recht unterschiedlich. Politisch

bedeutsam sind die überregionalen Tageszeitungen wie die Frankfurter

Allgemeine Zeitung, die Süddeutsche Zeitung, Die Welt und die Frankfurter

Rundschau. In den meisten Regionen verfügen Regionalzeitungen über eine große

Stammleserschaft. Täglich erscheinen die so genannten „Boulevard-Blätter" (z.B.

Bild, Express, BZ), sonntags vor allem die „Bild am Sonntag" und die „Welt am

Sonntag". In vielen Städten und Regionen existieren Zeitungen, die sich nur durch

Werbung finanzieren, an alle Haushalte verteilt werden und teilweise

(regional)politische Meldungen bringen. Eine weitere Kategorie bilden die

Wochenzeitungen/Wochenmagazine (z.B. Die Zeit, Rheinischer Merkur, Die

Woche, Der Spiegel, Focus). Sie decken ein breites Spektrum des politischen,

gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ab und konzentrieren sich eher auf

weniger tagesaktuelle, aber langfristige Tendenzen und Strukturen.

Alle Zeitungen sind meinungsbildend, indem sie über Politik berichten und reflektieren. Für die breite Masse der Bevölkerung spielen dabei die regionalen Tageszeitungen und einzelne Boulevard-Blätter eine große Rolle.

Die überregionalen Tageszeitungen dagegen werden eher von den Mittel- und

Bildungsschichten in Wirtschaft, Kultur und Politik gelesen und wirken auf diese

meinungsbildend.

Die Art und Weise, wie Zeitungen und das Fernsehen über politische Ereignisse berichten

und diese kommentieren, beeinflusst wiederum den Inhalt und den Verlauf solcher

Geschehen.

Der Einfluss aller Medien wird vielfach als so bedeutend eingeschätzt, dass man bereits

von einer Vierten Gewalt spricht, der aber eine demokratische Legitimation fehlt.

Massenmedien vorgeworfen, dass sie

• politische Sachverhalte unzulässig vereinfachen;

• politische Ereignisse wenig sachlich sehen, sondern eher personalisieren;

• manche Probleme unnötig (und nur kurzzeitig) dramatisieren;

• eher an „negativen" als an „positiven" Meldungen interessiert seien;

• häufig Meldung und Kommentierung vermengen.

Die genannten Gefahren existieren zwar, werden jedoch durch die Pluralität der Medien auch gebannt. Wichtig sind in diesem Zusammenhang verantwortungsbewusst handelnde Journalisten, die nicht nur auf die Steigerung des Absatzes bzw. eine höhere Einschaltquote achten, sondern sich dem Ethos eines aufklärerischen und investigativen Journalismus und der wahrheitsgemäßen Darstellung verpflichtet fühlen.

Anhang:

Gewaltenteilung:

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Gemeindeebene

Länderebene

Bundesebene

Exekutive (vollziehende Gewalt im Staat)

Gemeindeverwaltung,

   

Stadtverwaltung,

Kreisverwaltung.

Landesregierung,

Landesverwaltung

Bundesregierung

Legislative (Gesetzgebende Gewalt im Staat)

Gemeinderäte,

   

Kreistage,

Kreisrat

Landesparlament

Bundestag,

Bundesrat

Judikative (Richterliche Gewalt im Staat)

Amtsgericht,

Landgericht,

Bundesverfassungsgericht,

Landgericht

Oberlandesgericht

Oberster Gerichtshof.

Landgericht Oberlandesgericht Oberster Gerichtshof. Horizontale Gewalten- Teilung. Vertikale Gewaltenteilung

Horizontale

Gewalten-

Teilung.

Oberster Gerichtshof. Horizontale Gewalten- Teilung. Vertikale Gewaltenteilung document from

Vertikale Gewaltenteilung

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Gewaltenteilung (Aufteilung der Staatsfunktion zwischen auf verschiedene Organe), Gewaltenverschränkung (Aufteilung der Staatsfunktion zwischen auf verschiedene Organe in Verbindung mit dem Zwang zur Koorperation der Organe), Gewaltenkontrolle

- Staatsorgane beschränken und kontrollieren sich gegenseitig, um politischen Machtmissbrauch entgegen zu wirken.

- Laut Grundgesetz gibt es in der BRD die horizontale und vertikale Gewaltenteilung.

Vertikale Gewaltenteilung:

Aufteilung der Staatsgewalt zw. Bund, Ländern und Kommunen.

Horizontale Gewaltenteilung:

Exekutive, Legislative, Judikative.

Die horizontale Gewaltenteilung überschneidet sich mit der vertikalen, denn die drei Typen von Institutionen existieren auch bei der vertikalen Gewaltenteilung.

- Verfassungstheorie sieht die Verteilung der Staatsmacht als Schutz vor einem totalitären Staat (diktatorischen) Staat. Dadurch sollen individuelle und politische Freiheiten geschützt werden.

Aber: Es genügt nicht nur Parlamente, Regierung und Gerichte um einen freiheitlichen, demokratischen Staat zu gewährleisten. Die gegenseitigen Kontrollen müssen funktionieren.

Politische und individuelle Freiheit wird ermöglicht.

- Interorgankontrollen verhindern eine einseitige Machtverlagerung hin zu einem der obersten Bundesorgane.

- Ausübung der Staatsgewalt auf drei unterschiedliche Institutionen und deren Kompetenzen verteilt:

Legislative Gewalt

Exekutive Gewalt

Judikative Gewalt

- Bundestag

 

-

unabhängige

- Landtage (bzw. Bundesrat)

- Bundesregierung

- Landesregierung

Gerichte

Doppeltes Gesicht.

- Parlament und Regierung sind personell eng miteinander verflochten.

- Regierungsgewalt und Gesetzgebungsgewalt sind geprägt durch das Prinzip der Gewaltenverschränkung, das zugunsten der Regierung ausfällt.

- Kanzlerprinzip: Kanzler bestimmt die Richtlinien der Politik.

- Opposition kann als parlamentarische Minderheit der Regierung nur sehr eingeschränkt entgegentreten. ( Versuchen über das Bundesverfassungsgericht gegen die parlamentarische Entscheidung zu klagen.)

- Vertikale Gewaltenteilung ist auf den drei Ebenen Bund, Länder und Gemeinden trotz wachsender Bundeskompetenzen weiterhin von Bedeutung.

- Länder formulieren über den Bundesrat ihren politischen Willen und machen ihn gegenüber der Regierung und dem Parlament deutlich.

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Gewaltenteilung und Gewaltenverschränkung (Buch S. 190):

John Locke (1632 – 1704) :

Locke spricht von Exekutive, Legislative und Förderative (Teil der Exekutive, jedoch bezogen auf die Außenploitik). Die Legislative steht über Exekutive / Förderative. Der Staat dient der Erhaltung des Naturzustandes des Menschen: Freiheit und Gleichheit. Lockes Staat ist ein Staat der Eigentümer. Er vertritt das Mehrheitswahlrecht, die Gewaltenteilung (ohne Judikative) und das Zensuswahlrecht (nur das Steuerzahlende Volk darf wählen).

Lockes Staatsphilosophie lehrt, im Gegensatz zu der T. Hobbes', dass der Staat von den Menschen errichtet wurde, um Freiheit, Gleichheit und Eigentum zu garantieren durch gegenseitige Beschränkungen. Damit ist der Charakter des Staates im Sinn der Volkssouveränität bestimmt, und weder patriarchalische noch absolutistische Regierungsformen können anerkannt werden. Das Volk hat das Recht des Widerstands

gegen jede Form verfassungswidriger Herrschaft.

Charles – Luis de Secondat de Montesquieu (1724 – 1804)

Erweiterung der Gewaltenteilung Lockes um die Judikative. Montesquieu schreibt, dass der Mensch, dem Macht innewohnt, dazu getrieben wird, sie zu missbrauchen; es muss daher bewirkt werden, dass Macht die Macht bremst. Sobald in ein und derselben Person oder Beamtenschaft zwei oder gar alle drei Gewalten vereint wären, gebe es keine Freiheit mehr (Gefahr des Machtmissbrauchs). Montesquieu schafft daher das Prinzip der Inkompatibilität (keine andere Gruppe darf eine andere dominieren). Er legt Wert auf das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit.

[Montesquieu krönte sein Lebenswerk mit der staats- und kulturphilosophischen Schrift „De l'Esprit des lois” (Vom Geist der Gesetze, 1748), einem der bedeutendsten staatstheoretischen Werke überhaupt. In ihr stellt er die drei klassischen Staatsformen Republik (Demokratie), Monarchie und Despotie einander gegenüber und ordnet ihnen jeweils ein Grundprinzip zu, aus denen sie ihre Gesetze ableiten: Während die Republik auf der Tugend und die Monarchie auf der Ehre beruhe, werde die Despotie (Tyrannis) von der Furcht zusammengehalten und sei von Bräuchen (nicht Gesetzen) abhängig. Anders als frühere Staatstheoretiker geht Montesquieu nicht von einer idealtypischen Idee des Staates aus, sondern sieht ihn als spezifisches Resultat natürlicher Gegebenheiten, sozialer und kultureller Traditionen und der Religion. Als Gegner des Absolutismus zielte Montesquieu auf eine konstitutionelle Monarchie nach englischem Vorbild. Zur Vermeidung einer durch einzelne oder Gruppen ausgeübten Willkür fordert er in der Tradition von Henry Bolingbroke und John Locke daher die Teilung der drei Gewalten im Staat (Gesetzgebung, Gesetzesvollzug und Rechtsprechung). ]

Thomas Hobbes (1588 – 1679):

Hobbes' Philosophie ist streng nominalistisch und mechanistisch und schließt die Theologie aus. Sie befasst sich nur mit Gegenständen, natürlichen und künstlichen, d. h. vom Menschen geschaffenen, die der verstandesmäßigen "Berechnung" zugänglich sind. Am wirksamsten wurde seine Lehre vom Naturzustand und Gesellschaftsvertrag (Naturrecht).

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Gewaltenteilung und Kontrolle – Möglichkeit der Opposition:

1.

Erarbeiten Sie den wesentlichen Unterschied zwischen Locke und Montesquieu und gehen sie auf deren Motive ein, die Gewaltenteilung vorzunehmen.

 

Locke

Montesquieu

Gewaltenteilung

Exekutive, Legislative (und Förderative)

Exekutive, Legislative und Judikative

 

- Judikative fehlt, da erst 1701 mit dem Act of Settlement die Unabhängigkeit der Gerichte begründet wurde.

- Prinzip der Inkompatibilität (keine andere Gruppe darf eine andere dominieren).

Motive

- Positives Menschenbild:

Menschen wollen Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung; Liebe

- Macht die Macht bremst.

 

- Der Mensch ist das ausgezeichnete Vernunftwesen.

 

- Vernunft bestimmt sein Denken und Handeln (eingeschränkt von "Charakterschwächen")

Menschenbild

- Alle Menschen sind wesensmäßig gleich. Gesellschaftliche Rollen oder Verflechtungen werden erst von ges. Systemen erzeugt, und tasten diese Def. nicht an!

- Mensch neigt dazu seine Macht zu missbrauchen.

- Vernunftglauben und Gleichheitsprinzip

2.

Warum ist der Ausdruck Gewaltenteilung problematisch und inwiefern kann in der Bundesrepublik kaum von einer einfachen Dreiteilung der Gewalten gesprochen werden?

3.

Warum kommen die Vorstellung Montesquieus dem amerikanischen System näher, als unserem Regierungssystem?

4.

Stellen Sie sämtliche Kontrollmöglichkeiten des Parlaments in einer Tabelle zusammen und bewerten Sie diese nach ihrer Wirksamkeit.

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Kontrollmöglichkeiten des Parlamentes (nach Buch S. 226)

 

Kontrollmöglichkeiten

 

Bewertung

 

-

Stärkstes Instrument. Kann nur in wichtigen Fragen (Wie z.B. Bundeswehreinsatz) eingesetzt werden. Da das Scheitern des Misstrauensvotum z.B. beim Ladenschutzgesetz vorprogrammiert wäre. negative Auswirkung auf die Opposition.

1.

Konstruktives Misstrauensvotum

- Möglichkeit der Missbilligung

- Möglichkeit einer Verweigerung des Vertrauens (Art. 68 GG)

 

-

2.

Freies Mandat

 

- Rederecht

- Recht zum Fraktionswechsel

- Indemnität und Immunität

3.

Öffentlichkeit der Verhandlung des Bundestags.

 

- Recht der Herbeirufung eines

- Bundesministers durch jedes Mitglied des Bundestags.

- Große Anfrage

- Kleine Anfrage

- Aktuelle Stunde

- Recht auf Beanstandung einer

- Auskunft der Bundesregierung

- Zwischenfragen

- Hearing.

4. Budget

 

-

Haushalts und Finanzkontrolle

5.

Parlamentarische Mitregierung in der Gesetzesgebung.

 

- Vorlagen

- Anträge

- Entschließungsanträge

- Auskunftserteilung durch die Regierung.

6.

Enquête – Komission

 

7. Petitionswesen

 

8. Wehrbeauftragter

 

9. Untersuchungsausschüsse

 

10.Staatsanklage, Organstreit, abstrakte Normenkontrolle.

 

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