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Gleichwertige Feststellung von Schülerleistungen

zum Thema:

Hämophilie A und B

Fach: Biologie

Klasse: Wirtschaftsgymnasium WG 12/3

Verfasser: Henry Kaas

Fachlehrer: F. Wolf

Vorgelegt am: 19.06.2017

Erklärung:
Ich erkläre, dass ich die schriftliche Arbeit selbstständig und nur mit den angegeben
Hilfsmitteln angefertigt habe und dass ich alle Stellen die dem Wortlaut oder dem Sinn nach
anderen Werken entnommen sind, durch Angabe der Quellen als Entlehnung kenntlich
gemacht habe.

Stuttgart den 08.06.2017

Unterschrift
1

Inhalt
1. Definition ................................................................................................................................ 2
1.1 Blutgerinnung ................................................................................................................... 3
1.2 Der Tenasekomplex .......................................................................................................... 4
1.3 Typen der Hämophilie ...................................................................................................... 4
2. Geschichte der Krankheit ....................................................................................................... 5
3. Vererbung ............................................................................................................................... 6
4. Therapie .................................................................................................................................. 8
5. Literaturverzeichnis ................................................................................................................ 9
5.1 Internetquellen .................................................................................................................. 9
5.2 Literaturquellen ................................................................................................................ 9
5.3 Bildquellen ....................................................................................................................... 9
2

1. Definition
Hämophilie ist allgemein als die Bluterkrankheit bekannt. Hämophilie kann in verschiedenen
Schweregraden auftreten und verursacht bei dem Patienten eine Störung der Blutgerinnung.
Die Krankheit hat ihren Ursprung auf einem defekten genmutiertem Allel auf dem X-
Chromosom und wird somit gonosomal vererbt, weshalb fast ausschließlich Männer an dieser
Krankheit erkranken. Das Blut der Patienten gerinnt nur schwer oder überhaupt nicht,
aufgrund dessen kann es zu spontanen Blutungen kommen die ohne sichtbare Verletzungen
auftreten. Diese Blutungen treten häufig in der Muskulatur, inneren Organen oder Gelenken
auf, weshalb es so schwierig ist die Blutungen direkt zu erkennen und zu stoppen. Die
Bluterkrankheit hat eine große Bedeutung in der Geschichte der europäischen Fürstenhäuser
und wird dadurch auch als „Königliche Krankheit“ betitelt.
3

1.1 Blutgerinnung
Um verstehen zu können was bei der Hämophilie im Körper passiert, müssen wir die
Blutgerinnung selbst genauer betrachten. Sie wird oft als Blutstillung oder Hämostase
bezeichnet. Die Blutgerinnung ist ein elementarer Vorgang im menschlichen Körper und ist
seit der Entstehung des Lebens wichtig. Sie erfolgt in mehreren Schritten und läuft bei
Menschen ohne Hämophilie folgendermaßen ab. Wenn im Körper ein Blutgefäß verletzt wird,
ob sichtbar oder im inneren des Körpers, zieht sich dieses verletzte Gefäß zusammen um den
Blutverlust so gering wie möglich zu halten. Unmittelbar nach dieser Reaktion folgt die
Blutpfropfbildung die durch Ablagerung der Blutplättchen an der Wunde passiert. Unter
Einfluss des von-Willebrand-Faktors werden diese Blutplättchen dort angelagert und locken
weitere an. Sie verkleben sich zu einem Blutpfropfen und erzeugen so ein „Pflaster“ für die
Wunde. Zum endgültigen Verschluss und der anschließenden Heilung der Wunde reicht
dieses Provisorium aber nicht aus deshalb beginnt nun erst die eigentliche Blutgerinnung. Sie
läuft in Form einer Kettenreaktion ab und ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der
Blutstillung und Wundheilung. Hierfür sind sogenannte Gerinnungsfaktoren nötig, welche in
Form von Eiweißen zu einem großen Teil in der Leber gebildet werden. Von der Leber
werden sie in das Blut abgegeben, zirkulieren dort und bringen dann den Gerinnungsprozess
in Gang. Die zehn verschiedenen Gerinnungsfaktoren werden mit den römischen Zahlen
I-XIII bezeichnet wobei III,IV und VI fehlen. Der von-Willebrand-Faktor wird oft als
Gerinnungsfaktor bezeichnet, im engeren Sinne ist dies aber nicht korrekt da er an der
Gerinnungskaskade selbst nicht beteiligt ist. Die Gerinnungskaskade ist die Reaktion der
verschiedenen Gerinnungsfaktoren die sich gegenseitig aktivieren. Sie wird nach der
Gewebeverletzung aktiviert. Diese Reaktionskette hat zum Ergebnis das ausreichende
Mengen des Gewebeklebers Fibrin gebildet werden. Zunächst ist es lösliches Fibrinogen das
dann in das unlösliche, feste und klebrige Fibrin umgewandelt wird. Das Fibrin legt sich in
dünnen Fäden um den in der Wunde gebildeten Blutpfropf und verschließt so die Wunde
endgültig.1

1
Vgl. Huth-Kühne, Angela; Staritz, Peter; 2011, S.55
4

1.2 Der Tenasekomplex


Für das weitere Verständnis der Auswirkungen einer Hämophilie ist die Betrachtung des
Tenasekomplexes wichtig. Die Faktoren IX und VIII, die bei einer Hämophilie betroffen sein
können, bilden in Verbindung mit Phospholipiden und Calciumionen den Tenasekomplex der
eine wichtige Schaltstelle in der Gerinnungskaskade darstellt. Faktor IX ist ein sogenanntes
Proenzym und wir nach seiner Aktivierung in Faktor IXa-Enzym überführt. Der Faktor IXa
wird Serinprotease genannt und ist für die Aktivierung des Faktors X verantwortlich. Diese
Aktivierung würde allein sehr langsam verlaufen, deshalb ist die Unterstützung durch einen
Cofaktor nötig. In diesem Fall ist dieser Cofaktor VIII. Die Unterstützung dieses Cofaktors
führt zu 200.000 fachen Beschleunigung der Reaktion.2

1.3 Typen der Hämophilie


Die Krankheit lässt sich in zwei Formen unterscheiden, die Hämophilie A und B. Die
Hämophilie A ist als die bekannte „Bluterkrankheit“ definiert und ist die weitaus geläufigere
Erkrankung, denn ca. 85% der erkrankten leiden an dieser Form der Hämophilie. Sie kommt
bei Männern ungefähr mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:10000 vor, das bedeutet, dass in
Deutschland circa 8000 Menschen von der Krankheit betroffen sind. Frauen sind praktisch
nicht betroffen, da beide Eltern die Krankheit ins sich tragen müssen. Bei dieser Art der
Krankheit mangelt es an dem Gerinnungsfaktor VIII, der einer der wichtigsten Komponenten
bei der Gerinnungskaskade ist. Im Körper von gesunden Menschen ist dieses Glukoprotein in
den Körperflüssigkeiten mit einer Konzentration von 0,5-1 mg/100ml zu finden. Die Hälfte
der Hämophilie A Patienten weißen weniger als 1% dieser Konzentration auf. Teilweise
weißen Patienten sogar eine Konzentration von über 30% auf, aufgrund von
Aminosäuresequenzunterschieden ist das Genprodukt allerdings funktionsunfähig und
bewirkt keine Blutgerinnung. Heterozygote Träger des Hämophilie A-Gens haben zwar eine
geringere Faktor VIII-Konzentration als gesunde Menschen, die Menge reicht jedoch aus um
eine Blutgerinnung zu gewährleisten.2 Durch den Mangel am Faktor VIII-Gen kann der
Tenasekomplex nicht im vorgesehenen Tempo ablaufen, so kommt es zu Störung der
Gerinnungskaskade. Mit nur 15% tritt die Hämophilie B deutlich seltener auf, die
Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 1:30000, was bedeutet, dass in Deutschland nur rund 2500
erkrankte Menschen leben. Der große Unterscheid zwischen den Wahrscheinlichkeiten der
Erkrankung hat seinen Ursprung in der Größe des Faktorgens. Das Faktorgen VIII das bei der
Hämophilie A betroffen ist, ist sechs Mal größer als das Faktor IX-Gen.

2
Vgl. Intersero
3
Vgl. Natura Biologie, 2010
5

Wie bei der Hämophilie A sind auch hier fast ausschließlich Männer betroffen. Bei der
Hämophilie B ist die Konzentration des Gerinnungsfaktors IX zu niedrig, da dieser für die
Aktivierung des Hauptfaktors X nötig ist und im Zusammenwirken mit dem Faktor VIII den
Tenasekomplex aktiviert, weißt die Blutgerinnung eine Störung auf.

2. Geschichte der Krankheit


Schon im zweite Jahrhundert berichteten die Juden von ersten Ereignissen, die heute klar als
solche der Hämophilie zu beschreiben sind. „Wenn zwei Jungen bei der Beschneidung an
Blutungen versterben, brauchen alle weiteren Söhne der Mutter, ihrer Töchter und ihrer
4
Schwestern nicht beschnitten zu werden.“ Dieses Zitat findet sich in alten jüdischen
Schriften und zeigt die Regel des nicht Beschneidens eines dritten Sohnes wenn seine beiden
Brüder bei der Operation verstorben sind. Später im 18. Jahrhundert wird dieses Phänomen
das erste Mal in medizinischen Schriften als Hämophilie bezeichnet. Es wird kaum von
erkrankten Frauen berichtet sondern hauptsächlich von Männern, dadurch war es den
Menschen schon damals möglich auf einen gonosomalen Erbgang der Krankheit zu schließen.
Weltweite Bekanntheit erlangte die Krankheit durch ihr vermehrtes Auftreten in den
europäischen Königshäusern in den letzten 200 Jahren.5 Besonders die Rolle die diese
Krankheit im Stammbaum der englischen Adelsfamilie im 19. und 20. Jahrhundert gespielt
hat ist sehr bemerkenswert. Wie in Abbildung 1 zu sehen ist war Königin Victoria von
England (1819—1901) Konduktorin der Krankheit und gab sie an ihr Kind, ihren Sohn Prinz
Leopold weiter. Dieser erlag im Alter von 31 Jahren der Krankheit nach einer Hirnblutung.
Durch zwei ihrer Töchter die ebenfalls Konduktorinnen waren breitete sich die Hämophilie
auch in den russischen und spanischen Königshäusern aus. Eine der Nachfahrinnen von
Victoria der Königin von England heiratete Nicolaus II, den russischen Zaren. Ihnen wurde
ein Sohn geboren der Alexeij genannt wurde. Auch er war ein Hämophilie Patient, wohl einer
der bekanntesten überhaupt. Er bekam einen Matrosen an die Seite der darauf aufpassen
sollte, dass der Junge sich nicht verletzt sodass er an seiner Krankheit nicht zu Tode kommt.
Die damals im Adel verbreitete Hämophilie kann heute als Hämophilie B bestätigt werden.

4
o.V.,2.Jahrhundert
5
Vgl. Baxalta Deutschland GmbH, 2017
6

Abbildung 1

3. Vererbung
Die Hämophilie ist eine der verbreitetsten Erbkrankheiten. Der Erbgang dieser Krankheit ist
seit langem bekannt und folgt strikten Vererbungsregeln, so ist es ziemlich genau möglich das
Risiko für eine Hämophilie Erkrankung zu berechnen. Wie wir bereits Wissen treten die
Hämophilen durch Genmutationen der Gerinnungsfaktoren auf. Genannte Gene befinden sich
auf dem X-Chromosom. Der Erbgang der Hämophilie ist rezessiv, was bedeutet, dass ein
Defektes Allel auf dem X-Chromosom durch ein gesundes Allel auf einem zweiten X-
Chromosom kompensiert werden kann. Frauen besitzen zwei X-Chromosomen, so lässt sich
erklären, dass Frauen meist nur phänotypisch an dieser Krankheit erkranken und so
Konduktorinnen der Krankheit sind. Da Männer ein X-Chromosom und ein Y-Chromosom
besitzen können sie ein krankes Allel auf dem X-Chromosom nicht ausgleichen und
erkranken so an Hämophilie. Diesen Erbgang nennt man heterosomal-rezessiv. In der
folgenden Abbildung sind die Möglichkeiten der Erbgänge einer Hämophilie Erkrankung mit
einem erkrankten Vater und einer gesunden Mutter sowie mit einem gesunden Vater und einer
Konduktorin als Mutter aufgezeigt.
7

Abbildung 2

Wenn der Vater an Hämophilie leidet und die Mutter gesund ist, können die Söhne aus dieser
Beziehung nicht erkrankten da sie von der Mutter ein gesundes X-Chromosom erhalten und
vom Vater ein Y-Chromosom ohne defektes Allel. Die Töchter jedoch werden sicher
Hämophilie Konduktorinnen da das vom Vater kommende zweite X-Chromosom immer
defekt ist. Bei der Kombination eines gesunden Vaters mit einer Konduktorin als Partnerin
existiert je ein 50 % Risiko dafür einen hämophilen Sohn oder eine Konduktorin als Tochter
zu bekommen, da die Mutter entweder ein defektes oder ein gesundes X-Chromosom
weitergibt. Im seltenen Fall das beide Eltern ein defektes X-Chromosom in sich tragen, kann
es auch möglich sein das Frauen an Hämophilie erkranken. Auch Paare bei denen kein
Elternteil Hämophilie in sich trägt, können ein krankes Kind bekommen. Hierbei handelt es
sich um eine neu Mutation des Gens, eine sogenannte Spontanmutation.
8

4. Therapie
Bei einer Hämophilie Erkrankung stehen mehrere Behandlungsmöglichkeiten zur Wahl, die
Basis besteht im Wesentlichen aus Substitutions- und Physiotherapie. Bei der
Substitutionstherapie wird der fehlende Gerinnungsfaktor im Körper durch ein Faktorpräparat
ersetzt. Das Ziel ist es in erster Linie spontane Blutungen in Muskeln und Gelenken zu
verhindern, jedoch sollte der Betroffene darauf achten Verletzungen zu vermeiden und
Medikamente welche die Blutgerinnung zusätzlich schwächen nicht zu nehmen. Der Einsatz
dieser Gerinnungsfaktoren ermöglicht Patienten heutzutage ein nahezu uneingeschränktes
Leben zu führen. Bei der Gewinnung der Faktorpräparate gibt es zwei Möglichkeiten, welche
sich durch die Gewinnung aus Spenderblut oder aus gentechnisch veränderten Tierzellen
unterscheiden lassen. Bei der Gewinnung aus Spender Blut waren Infektionskrankheiten wie
der HI-Virus früher ein großes Problem, dank modernen Qualitätsstandards ist das Risiko
heute auf nahezu null Prozent gesunken. Der Wirkungsgrad beider Methoden ist heutzutage
als gelichwertig anzusehen. Die Therapie mit dem Faktorpräpart kann man entweder als
Dauerprophylaxe, also als regelmäßige Verabreichung des Präparats ohne erkennbare
Probleme, oder als On-demand-Therapie, was so viel wie Bedarfstherapie bedeutet,
durchführen. Welche dieser Arten angewendet wird, wird individuell nach Schweregrad,
Begleiterkrankungen und Alter des Patienten, mit Hilfe eines Fachmanns entschieden. Bei der
Dauerprophylaxe ist der Patient andauernd geschützt. Der Faktor wird in regelmäßigen
Abständen gespritzt, unabhängig von einem hohen Blutungsrisiko oder einer akuten Blutung.
So ist die Gefahr im Vorhinein gesenkt und die Blutungen treten schwächer und seltener auf.
Dies ist für die Reduzierung des Risikos sogenannter Zielgelenke, solche die oft von
Blutungen betroffen sind und dadurch stark geschädigt sind, wichtig. Durch diese Form der
Therapie lassen sich außerdem Blutungen verhindern die vom Patienten nur schwer bemerkt
werden und so von der On-demand-Therapie oder auch Bedarfstherapie nicht behandelt
werden. Bei der Bedarfstherapie wird der Faktor nur bei auftretenden Blutungen oder bei
Verdacht zum Beispiel vor Operationen, gespritzt. Die Physiotherapie wird angewandt um bei
akuten Blutungen das gesammelte Blut in den Gelenken und Muskeln wieder in den
Blutstrom einzubringen und dient der Prävention von Folgeschäden.6

6
Vgl. Huth-Kühne, Angela; Staritz, Peter; 2011, S.57
9

5. Literaturverzeichnis
5.1 Internetquellen
• https://www.haemophilie.org/diagnose/geschichte-der-haemophilie/ (abgerufen am
25.05.2017)
• http://www.intersero.de/download/GeschichteHaemophilie.pdf (abgerufen am
25.05.2017)
• http://flexikon.doccheck.com/de/H%C3%A4mophilie_B (abgerufen am 25.05.2017)
• http://www.intersero.de/download/HaeufigkeitSchweregradeHaemophilie.pdf
(abgerufen am 25.05.2017)
• https://www.dhg.de/informationen/blutungskrankheiten/haemophilie/vererbung.html
(abgerufen am 04.06.2017)
• http://www.haemophilie-experte.de/erwachsene/therapie/-
/journal_content/56/28437/255548/ (abgerufen 04.06.2017)

5.2 Literaturquellen
• Huth-Kühne, Angela; Staritz, Peter (2011): Bluthochdruck& Hämophilie, Stuttgart,
Trias Verlag
• Von Beeren, Dieter; Roßnagel, Günter (2007): Natura, Stuttgart, Ernst Klett Verlag
• Baron, Prof. Dr. Diethard; u. a. (2012): Genetik, Braunschweig, Winklers Verlag
• Höxter, Henriette; Wolff, Gabriele (2015): Biologie Heute, Braunschweig, Winklers
Verlag

5.3 Bildquellen
• Abbildung1:
https://lehrerfortbildungbw.de/u_matnatech/bio/gym/bp2004/fb3/4_klasse9_10/10_lz_
erb/haemo/a_haemo.html (abgerufen am 30.05.2017)
• Abbildung2:
http://www.octapharma.de/de/anwendungsgebiete/haemophilie/haemophilie-ab.html
(abgerufen am 04.06.2017)