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WHITEPAPER: DataCenter 2020 | 1

DataCenter 2020: Der Weg


zum energieeffizienten Rechenzentrum –
Umsetzung der Erkenntnisse

April 2013

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WHITEPAPER: DataCenter 2020 | 2

DataCenter 2020: Der Weg


zum energieeffizienten Rechenzentrum –
Umsetzung der Erkenntnisse
Das DataCenter 2020 ist ein Testlabor von T-Systems und Intel Zeit für eine indirekte freie Kühlung durch Außenluft und spart
im Münchner Euro-Industriepark. Gemeinsam ermitteln beide Energie.
Unternehmen dort Methoden, mit deren Hilfe bestehende Re-
chenzentren optimiert und energieeffizienter betrieben werden Details zu allen Maßnahmen und Ergebnissen finden sich in den
können. Zudem geht es darum, mit diesen Erkenntnissen ein ersten drei Whitepapers des Projektes [1] [2] [3].
Modell für das Rechenzentrum der Zukunft zu entwickeln.
Dieses vierte Whitepaper beschreibt anhand der unten darge-
Fokus der bisherigen Arbeit im DataCenter 2020 war die Ver- stellten Roadmap, wie T-Systems die aus dem Projekt mit Intel
besserung der Energieeffizienz von Bestandsrechenzentren gewonnenen Erkenntnisse für den energieeffizienten Umbau
auf RZ-Infrastrukturebene in pragmatischen und realisierbaren und die Optimierung von bestehenden T-Systems Rechenzentren
Schritten. Dies gelang durch Maßnahmen zur optimierten Luft- konkret umgesetzt hat. Dabei waren verschiedene Herausforde-
führung, durch Kaltgang- oder Warmgangeinhausung (hier gibt rungen wie etwa Brandschutz und Hygienevorschriften gemäß
es keine Effizienzunterschiede), eine niedrigere Lüfterdrehzahl der Richtlinie VDI 6022 zu meistern. Die größte Herausforderung
der Umluftkühlgeräte und eine höhere Temperaturspreizung ist jedoch der Umbau im Bestand.
(∆ T) im Server-Raum. Die Einhausung der Kalt- oder Warmgän-
ge erhöht zudem die Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit der Datensammlung I und Datensammlung II
Server. So kann die Einhausung bei Energiedichten von beispiels- Der erste Schritt beinhaltete eine Datensammlung der Infrastruk-
weise 10 kW/Rack, Investitionen in eine vergleichsweise teure tur der bestehenden Rechenzentren mit Fragebögen und Assess-
unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) für die Kühlung ment vor Ort. Die umfangreiche Analyse erfolgte in zwei Phasen:
vermeiden; eine Einhausung kann die USV für den Klimabereich
allerdings nicht in vollem Umfang ersetzen. Die Datensammlung I umfasste die Bestandsaufnahme der zent-
ralen RZ-Infrastruktur. Dazu gehören Daten zu den eingesetzten
Die höchste Effizienz des Energieeinsatzes (Power Usage Effecti- Kaltwassersätzen (Anzahl, Hersteller, Typ, Baujahr, Kältemittel-
veness, PUE) im Rechenzentrum wurde gemäß der Obergrenze typ, Kühlmedium) und den zugehörigen Parametern wie Vor-
der ASHRAE-Empfehlungen mit einer Rechnereinlasstemperatur lauftemperatur, Rücklauftemperatur sowie die Parameter der
(TA) von 27°C erzielt. Mit einer passenden Zulufttemperatur im indirekten freien Kühlung. Äquivalente Daten wurden zu den
Doppelboden (T1) von 26°C lässt sich die Wasservorlauftempe- Rückkühlern und, falls vorhanden, einer zentralen Lüftungsanla-
ratur im Kaltwassersatz (= äußerer Kühlkreislauf) auf 20°C er- ge unter anderem mit Angaben zur Einblas- und Ausblastempe-
höhen. Die höhere Wasservorlauftemperatur verkürzt die Zeit ratur gesammelt. Ein wichtiges Hilfsmittel sind zudem hydrauli-
für die Kühlung mittels Kältemaschinen, verlängert dadurch die sche Schemata von Kälte und Lüftung.

Datensammlung I Datensammlung II Warm-/Kaltgangstruktur


Beginn Rechenzentrum global IT-Räume IT-Räume
(HVAC) (Hardwareanordnung, Defragmentierung / Migration
Luftführung) (Racks, Server, Speicher, Netz) 1. Meilenstein:
IT-Raum
Fertigstellung Warm-/
Kaltgangstruktur
1. Schritt
Einhausungen
Anpassung BMS Aufbau Leckage-Reduzierung
Sensoren, adaptive Steuerung ULK-Geräte (Klimageräte) Doppelboden / Racks
Anpassung Lüftergeschwindigkeiten

2. Meilenstein:
Optimaler IT-Raum
(CMO)

Temperaturen HW-Eintrittstemperatur Kaltwasserversorgung


Verträge und Commercials IT-Raum Rechenzentrum global ABSCHLUSS
1.) 22°C > 25°C 1.) 8/14°C > 14/20°C
2.) 25°C > 27°C (FMO) 2.) 14/20°C > 20/26°C > Optimierung „freie Kühlung“

2. Schritt

Abbildung 1: Roadmap zur Verbesserung der Energieeffizienz in Bestandsrechenzentren


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Bei der Datensammlung II standen die Kennzahlen der einzel- Anhand dieser Kriterien entstand eine Liste von RZ-Standorten
nen IT-Räume des Rechenzentrums inklusive der Raumpläne und zugeordneten Serverräumen für die Optimierungsmaßnah-
(Layout) im Mittelpunkt. Hier wurden beispielsweise die Ist-/ men. Aufgrund der Komplexität der Planung entschied man sich
Soll-Leistungsdaten (kW/m²) erfasst, der Stromverbrauch der für eine Pilotierung. Die Fertigstellung dieser Planung stellte den
IT-Hardware, die Raumgröße und -höhe sowie die Höhe des ersten Meilenstein des Programms (1. Meilenstein gemäß Abbil-
Doppelbodens. Weiterhin ging es um die Daten der eingesetzten dung 1) dar.
Umluftkühlgeräte (Hersteller, Typ, Anzahl, Baujahr, Direktläufer
oder Keilriemenantrieb, Frequenzumformer, Motortyp, Strom- Bei in erster Analyse ungeeigneten Standorten und Räumen
aufnahme, Einblas- und Ansaugtemperatur, Regelverfahren). hingegen wurden Planungen angestoßen, die eine energetische
Auch Daten zu Druckverhältnissen im Doppelboden sowie des- Optimierung mit Hilfe zukünftiger Technologien ermöglichen
sen Grad der Abdichtung waren zu erfassen. sollen.

Warm-/Kaltgangstruktur in IT-Räumen Leckage-Reduzierung/Einhausungen/ULK-Geräte/


Aufgrund der nunmehr vorhandenen Daten war eine umfang- Anpassung BMS
reiche Analyse möglich. Ziel dieser Analyse war die Erfassung Ziel dieser Maßnahmen ist eine möglichst ideale Trennung von
der Rechenzentren und Serverräume, die mit vertretbarem Kalt- und Warmluft, der Luftmengenregulierung und der thermi-
Aufwand-Nutzen-Verhältnis gemäß des Business Cases und schen Abhängigkeiten im Rechenzentrum, die letztlich durch die
in Abstimmung mit der unternehmensweiten RZ-Strategie als Optimierung der Lüfterdrehzahl zu einer Reduzierung des Strom-
energietechnisch optimierbar ermittelt werden können. Voraus- verbrauchs führt. Für weitere Informationen zur Umsetzung von
gegangen war hierbei die Entscheidung, Kaltgangeinhausungen Maßnahmen, die das Aufkommen von Leckagen verringern,
aufgrund der räumlichen und operativen Gegebenheiten voran- zum Ausbau der Einhausungen sowie zu den Anpassungen von
zutreiben (für Details siehe [1] [2] [3]). Lüftergeschwindigkeiten der Umluftkühlgeräte wird auf das
Whitepaper Nr. 1 [1] verwiesen.
Entscheidende Parameter bei der Auswahl der Standorte
und Räume waren: Im operativen Betrieb einer IT ergeben sich unterschiedliche Last-
 Vorhandensein einer Kalt-/Warmgangstruktur szenarien, die eine intelligente Steuerung der Umluftkühlgeräte
 Umbaumöglichkeit der Kaltgangeinhausung
 nötig machen. Hierzu existieren eine Reihe von möglichen Regel-
 Möglichkeit zur Ausführung eines Kühlungskonzepts auf konzepten, die begleitend zum Projekt DataCenter 2020 analy-
Basis eines Kaltwassersystems siert wurden [4]. Im konkreten Fall wurde die Schaffung zweier
unabhängiger Regelkreise für Lüfterdrehzahl und Öffnungsgrad

BMS

BMS

Abbildung 2: Regelkreise bei der Umsetzung der DC2020-Ergebnisse im Bestand


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des Kaltwasserventils als umsetzbar bewertet. Maßnahmen zur tigkeit) hinsichtlich der Fühlerpositionierung und deren Anzahl
Realisierung sind dabei die Platzierung von Temperatursensoren überarbeitet und optimiert, woraus eine Fühlerstandardmatrix
im Kaltgang (Lüfterdrehzahlsteuerung) sowie in der Zuluft des resultierte, die in unterschiedliche Raumparameter wie Kalt-
Kühlgeräts. gangeinhausung, offene/strukturierte Systeme sowie offene/
nicht strukturierte Systeme unterteilt ist. Um einen reibungslosen
Im Rahmen der Pilotumsetzung wurden sämtliche Steuergerä- Ablauf während der Pilotphase zu gewährleisten und die Ver-
te der bestehenden Umluftkühlgeräte gegen ein Steuergerät fügbarkeit nicht zu beeinflussen, wurden zudem einige Umbau-
aus der Gebäudeautomation getauscht. Dies ermöglichte die maßnahmen bereits als „Piloten im Piloten“ durchgeführt und
Schaffung eines eigenen Standards. Außerdem wurde auch die ausführlich getestet.
Überwachung der Raumkonditionen (Temperatur und Feuch-

Kaltgangeinhausung

Außenluft und Feuchtigkeit über


AHU´s und Dampfbefeuchter

Montagefenster

min. 2 Fühler/pro 2 ULK-Geräte je 1 Fühler


Mitte Decke/Rack
T/F

T T

T
1,5m Oberkante
ULK Doppelboden
T T/F

T
Mitte ULK/Rack 1/3 Linie Rackreihe 2/3 Linie Rackreihe

2/3 Linie Doppelboden


T/F
1 Fühler je Kaltgang

T Regelfühler T/F GLT-Fühler „Informativ“ T/F SLA-Fühler

Offene/strukturierte Systeme Offene/nicht strukturierte Systeme

Außenluft und Feuchtigkeit über Außenluft und Feuchtigkeit über


AHU´s und Dampfbefeuchter AHU´s und Dampfbefeuchter
Montagefenster Montagefenster

min. 2 Fühler/pro 2 ULK-Geräte je 1 Fühler min. 2 Fühler/pro 2 ULK-Geräte je 1 Fühler


Mitte Decke/Rack Mitte Decke/Rack
T/F T/F
Montagefenster Montagefenster

T/F T/F

T T

ULK ULK

T T
Mitte ULK/Rack 1/3 Linie Rackreihe 2/3 Linie Rackreihe Mitte ULK/Rack 1/3 Linie Rackreihe 2/3 Linie Rackreihe

2/3 Linie Doppelboden 2/3 Linie Doppelboden


T/F T/F T/F

1 Fühler je Kaltgang abhängig Raumlayout

T Regelfühler T/F GLT-Fühler „Informativ“ T/F SLA-Fühler T Regelfühler T/F GLT-Fühler „Informativ“ T/F SLA-Fühler

Abbildung 3: Fühlerpositionierungen bei unterschiedlichen Raumkonfigurationen


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Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen wurde die energetische


Optimierung des Current Mode of Operation (CMO) erreicht, Wasser
Enthalpie
100% 90% 80% 70% 60% 50% 40%

20 g/kg
mithin Meilenstein 2. Rel. Feuchte
60 kg
18 g/kg Betriebspunkt Temperatur
25°C +/- 2K
Herausforderungen bei der Umsetzung im Bestand 16 g/kg
30%

Betriebspunkt Feuchte
Exemplarisch traten während der Pilotierung der genannten 8,5 g/kg im Mittel 40 kg
14 g/kg
Maßnahmen zusätzliche Unwägbarkeiten zutage. Die Wichtigs-
12 g/kg
ten seien hier aufgeführt: 20%

10 g/kg 20 kg

Netzwerkkomponenten: Um die Luftführung im Rechenzen- 8 g/kg


15%

trum optimieren zu können, müssen sich die Netzwerkkompo-


6 g/kg 0 kg

nenten in das Kalt-/Warmgang-Konzept einfügen. Das heißt: Sie


10%

unterstützen die im Klimamodell vorgegebene Luftrichtung vom 4 g/kg


5%

Kaltgang zum Warmgang und die Luftführung im Server-Rack 2 g/kg

von vorne nach hinten. Erfüllen die Komponenten diese Anfor- 0 g/kg

derungen nicht, ist es möglich, dies mit Hilfe von Luftleitblechen -15° -10° -5° 0° 5° 10° 15° 20° 25° 30° 35° 40° Temperatur

zu kompensieren.

Brandschutz: Durch die Einhausung entsteht eine „Raum im Abbildung 4: Raumluftbedingungen gemäß ASHRAE-Empfeh-
Raum“-Situation. Dies kann sich auf das Brandschutzkonzept lungen im Mollier-h-x-Diagramm
auswirken. Folgende Punkte werden dabei berührt:
 
Notwendigkeit konzeptioneller Änderungen
bei Detektion und Löschung
 
Konzept zur Betriebsmittelabschaltung
(Umluftkühlgeräte und IT-Hardware)
 
Alarmierungs- und Evakuierungskonzept licht, der öffentlichen Diskussion um Erkrankungen durch Klima-
anlagen entgegenzutreten. Die Richtlinien-Reihe liegt seit 2011
Für die avisierte Lösung ist während der Pilotierung eine brand- in der dritten, überarbeiteten Fassung vor und trägt den Haupt-
schutztechnische Stellungnahme bei einem Gutachter beauftragt titel „Raumlufttechnik, Raumluftqualität“.
worden, die letztlich die Lösung mit dem bisherigen Brand-
schutzkonzept als konform bewertete. Ein vergleichbares Vor- Die Richtlinie VDI 6022 stellt Anforderungen an die Planung (z. B.
gehen sollte ggf. beim Alarmierungs- und Evakuierungskonzept Luftvolumenstrom, Zugang für Inspektion und Reinigung, Filter,
genutzt werden. Dimensionierung der Luftführungssysteme, Verhinderung feuch-
ter Stellen), Herstellung und Errichtung (z. B. keine Installationen
Resistenz gegen höhere Temperaturen: Durch den Aufbau im luftführenden Bereich, Einbau nur von sauberen Komponenten,
der Einhausung, und die daraus resultierende Erhöhung der Tem- Reinigung vor Inbetriebnahme) von RLT-Anlagen. Gesundheitlich
peraturspreizung, steigen auch die Temperaturen im Warmgang, problematische Schwachstellen einer Klima- oder Lüftungsanlage
insbesondere nach einem Ausfall der Kühlung. Komponenten sind vor allem die Filter und das Kühlregister. Sind Filter feucht,
wie Kabel, Steckdosenleisten und auch Sicherungen müssen werden sie von Pilzen und Bakterien durchwachsen, die Sporen,
daher für Betriebstemperaturen von über 50°C ausgelegt sein. Gift- und Geruchsstoffe in den Luftstrom abgeben. Filter müssen
Dieser Aspekt ist bei Installationen stets zu berücksichtigen. daher regelmäßig kontrolliert und ausgewechselt werden. Da
warme Luft mehr Feuchtigkeit aufnimmt als kalte, fällt im Kühl-
Auswirkungen der Richtlinie VDI 6022: Aufgrund der register häufig Kondenswasser an, so dass sich auch hier und im
Richtlinie VDI 6022 für raumlufttechnische Anlagen (RLT- Tropfenabscheider Mikroorganismen vermehren können.
Anlagen) müssen diese den darin enthaltenen Hygiene-
Anforderungen entsprechen. Diese Norm des Fachbereichs Im Rahmen der Pilotierung im Bestandsrechenzentrum wurden
Technische Gebäudeausrüstung des Vereins Deutscher Inge- hierzu erneut von Fachgutachtern passende Stellungnahmen ein-
nieure (VDI) wurde 1998 erstmalig mit dem Ziel veröffent- geholt, die die geplanten Optimierungsmaßnahmen validierten.
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IT-RAUM den oben genannten Bedingungen nicht entsprechen, lassen


Back Front to Front Back to Back Front to Front Back to Back Front to Front Back sich nicht mehr energieeffizient betreiben. Der Grund: Müsste
U das Klimamodell wegen einer Komponente angepasst werden,
L
K wäre ein großer Bereich des Rechenzentrums ebenfalls von die-
Warmgang

Warmgang

Warmgang

Warmgang
Kaltgang

Kaltgang

Kaltgang ser Klimaumstellung betroffen. Da die Klimatisierung nur groß-


U
L flächig geregelt werden kann, würden hier hohe wirtschaftliche
K
Verluste entstehen.

IT-RAUM Setzt ein Hersteller auf eine andere Luftführung, ist es möglich,
Back Front to Front Back to Back Front to Front Back to Back Front to Front Back to Back
mit Hilfe von Luftleitblechen auf die gewünschte Luftführung
U
L
(Front to Back) umzustellen.
K

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch die interne Schulung


der Mitarbeiter bezüglich der neuen Richtlinien und deren Aus-
wirkungen auf den operativen Betrieb, so dass im Regelbetrieb
die dauerhafte Umsetzung gewährleistet werden kann.
Abbildung 5: Draufsicht und Seitenansicht der
schematischen Darstellung der Kalt-/Warmgang-Struktur Ein durchaus nicht zu unterschätzender Aspekt hinsichtlich des
(Front to Front/Back to Back) Einflusses auf Durchführung der Optimierungsmaßnahmen sind
die bestehenden Kundenverträge. Hier muss im Vorfeld eine
HW-Eintrittstemperatur/Kaltwasserversorgung genaue Betrachtung durchgeführt werden und gegebenenfalls
(Verträge und Commercials) eine Anpassung in Rücksprache mit den Kunden vorgenommen
Als Folge der Arbeiten des Projektes DataCenter2020 hat werden. D. h. auch die Kunden müssen im Vorfeld von Optimie-
T-Systems für das idealtypische energieeffiziente Rechenzentrum rungsmaßnahmen eingebunden werden, um hier das nötige
ein Klimamodell entworfen, das auf den ASHRAE-Empfehlungen Verständnis zu schaffen.
von 2008 beruht und folgende Anforderungen stellt:
Komponenten, die all diese Anforderungen der Einkaufsrichtlini-
In den Rahmenbedingungen zur Temperatur wurde die Rechner- en erfüllen, sind die Voraussetzung für weitere Maßnahmen zu
einlasstemperatur auf ein Fenster von 18 bis 27°C festgelegt. einer besseren Energieeffizienz. Dazu gehören die Anhebung der
Hintergrund ist der beste, in den Messungen erzielte, PUE-Wert Rechnereinlasstemperatur in zwei Schritten (von 22 auf 25°C,
gemäß der Obergrenze der ASHRAE-Empfehlungen mit einer später von 25 auf 27°C) sowie die Wasservorlauftemperatur im
Rechnereinlasstemperatur von 27°C, da sich damit die Zeit für Kaltwassersatz (= äußerer Kühlkreislauf) von 8 auf 14°C bzw. im
die indirekte freie Kühlung verlängert. Hinsichtlich der Feuchte Rahmen der technischen Möglichkeiten oder/und technischen
liegt das Fenster zwischen 6g/kg und 12g/kg absoluter Feuchte. Limitierungen. Die höhere Wasservorlauftemperatur verkürzt die
Die relative Feuchte ist auf maximal 60 Prozent begrenzt. Als Zeit für die Kühlung mittels Kältemaschinen und verlängert die
konkreter Betriebspunkt wurde daher ein Wert von 25°C +/- 2K Zeit für eine indirekte freie Kühlung durch die Außenluft (siehe
und ein Wert von 8,5 g/kg absoluter Feuchte im Mittel festgelegt. auch [3]).

T-Systems hat zudem die Kalt-/Warmgang-Struktur für die Auf- Ausblick:


stellung der IT-Komponenten folgendermaßen festgelegt: Front Weitere Stellschrauben für eine höhere Energieeffizienz
to Front/Back to Back. Die Luftrichtung verläuft von kalt nach Der Fokus des Projektes DataCenter 2020 liegt bis zu diesen
warm, von vorne nach hinten (Front to Back). Ergebnissen in der Optimierung der Energieeffizienz der reinen
Rechenzentrums-Infrastruktur. Hier sind in der Regel die in der
Aus dem neuen Klimamodell ergeben sich neue Anforderun- Summe und in den ersten Schritten größten Verbesserungen zu
gen an die Technik. Daher wurden die Einkaufsrichtlinien für die erwarten. Weitere Verbesserungen lassen sich in der Folge eine
Komponenten der Rechenzentren verändert. Die Spezifikationen
der Lüfter bezüglich der Luftrichtung sind jetzt bereits bei der
Bestellung der Komponenten zu beachten. Komponenten, die
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Referenzen
ohne Luftleitbleche
[1] Whitepaper: DataCenter 2020 – Erste Ergebnisse für die
energetische Optimierung von bestehenden Rechen-
zentren, http://www.datacenter2020.de/wp-content/
Front Kaltgang IT-KOMPONENTE Back Warmgang
uploads /100730-WP1_Datacenter2020-d.pdf
[2] Whitepaper: DataCenter 2020: Hohe Energiedichte im
Rechenzentrum – effizient und zuverlässig, http://www.
datacenter2020.de/wp-content/uploads/110330-WP2_
Datacenter2020-d.pdf
mit Luftleitblechen
[3] Whitepaper: DataCenter 2020: Keine Effizienz-Unterschie-
de bei Kaltgang- und Warmgangeinhausung, http://www.
datacenter2020.de/wp-content/uploads/111130-WP3_
Front Kaltgang IT-KOMPONENTE Back Warmgang Datacenter2020-d.pdf
[4] „An Investigation Into Cooling System Control Strategies
for Data Center Airflow Containment Architectures”;
Michael K. Patterson, Rainer Weidmann, Markus Leberecht,
Abbildung 6: Luftleitbleche verändern die Luftführung Manuel Mair, and Richard M. Libby; ASME 2011 Pacific
Rim Technical Conference and Exhibition on Packaging and
Ebene höher finden, d. h. im Energieverbrauch der IT selbst. Integration of Electronic and Photonic Systems, MEMS and
Hier geht es beispielsweise darum, den energetisch optimalen NEMS: Volume 2, ISBN: 978-0-7918-4462-5
IT-Arbeitspunkt zu ermitteln, ergo, die optimale Energieeffizienz
bei Leistung pro Watt. Abgewogen werden müssen hierbei im Informationen zum DataCenter 2020 finden sich unter:
einfachsten Fall zwei Effekte: Wird Verlustleistung beim Rechner www.datacenter2020.de
eingespart, sinkt auch der Aufwand für die Kühlung, anderer- www.datacenter2020.com
seits sinkt im gleichen Fall auch der Durchsatz der IT. Hier gilt es
die optimale Balance zu finden.
Intel, Intel vPro und das Intel Logo sind Marken der Intel Corporation in den
USA oder anderen Ländern.
Techniken, die hierzu notwendig sind oder hierbei zum Tragen
*Andere Marken oder Produktnamen sind Eigentum der jeweiligen Inhaber.
kommen können, sind beispielsweise:

 
Messung des Stromverbrauchs aller relevanten IT-Kompo-
nenten in Echtzeit, als notwendige Grundlage eines aktiven
Verbrauchsmanagements. Hierbei sind unterschiedliche An-
sätze möglich, die sich im Wesentlichen in hardwarebasierte
(vollständige Instrumentarisierung von Stromverteilern) und
softwarebasierte (Nutzung von netzbasierten Schnittstellen
wie IPMI/DCMI oder SNMP) Maßnahmen aufteilen.
 Virtualisierung: Eine geschickte Verteilung von Arbeitslasten

durch Konsolidierungsstrategien oder IT-Automatismen er-
möglicht eine effizientere Verwaltung der IT-Infrastruktur.
 
Nutzung von Power-Capping, dem aktiven Begrenzen des
Energieverbrauchs auf Server-, Rack- oder Reihenebene durch
HW-basierte Mechanismen im Server. Diese extern einstellba-
re Begrenzung wirkt als definitives Limit, welches der Server
nicht überschreitet, unabhängig von seiner aktuellen Arbeits-
last. Hieraus ergeben sich erfahrungsgemäß Potentiale, den
Energieverbrauch einer einzelnen IT-Dienstleistung zu sen-
ken, ohne dabei Service Level Agreements zu verletzen. Powered by