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Modul – Hygienisches Arbeiten (2)

Grundlagen der Infektionslehre

Klinisch relevante Erreger/Krankheitserreger:


• Organismen, die in anderen Lebewesen eine Infektion oder übertragbare Krankheiten
auslösen können
• Zu ihnen zählen: Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten, Prionen

Bakterien
• Einzellige Organsimen, die sich durch Zellteilung vermehren
• ohne echten Zellkern (Prokaryonten) und bilden häufig Toxine, zum Teil mit schwerwiegenden
Wirkungen -> Therapie: Antibiotika
• Aussehen: kugel-, stäbchen-, faden- oder schraubenförmige Bakterien
• Färbeverhalten: gramnegative und grampositive Bakterien
• Aerobe und anaerobe Bakterien
• einige Bakterien können widerstandsfähige Dauerformen bilden (Sporenbildung)
➔ Nicht alle Bakterien besitzen eine Pathogenität!

Viren
• Keine Lebewesen, da sie keinen eigenen Stoffwechsel besitzen
• Kleiner als Bakterien
• Benötigen zur Vermehrung eine Wirtszelle
• RNA-Viren und DNA-Viren
• Behüllte (mit Lipidhülle) und unbehüllte Viren → Unterscheidung spielt für die Desinfektion
eine entscheidende Rolle!

Pilze
• Besitzen einen Zellkern (Eukaryonten) und Zellorganellen
• Pilze können sich über Sporen vermehren, die sehr widerstandsfähig und schwer abzutöten
sind
• Als Krankheitserreger im klinischen Kontext häufig, z.B. Hefepilz Mykosen (Soor durch Candida
albicans), Schimmelpilze (systemische Mykose/Aspergillose)

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Nosokomiale Infektion (= NI, Krankenhausinfektion, Hospitalinfektion, infektiöser Hospitalismus)

Definition
• eine Infektion wird als nosokomial bezeichnet, wenn der Infektionstag (= Tag mit dem ersten
Symptom) frühestens der Tag 3 des Krankenhausaufenthaltes ist
• Vorliegen von lokalen oder systemischen Infektionszeichen als Reaktion auf das
Vorhandensein von Erregern/Mikroorganismen oder ihrer Toxine, die im zeitlichen
Zusammenhang mit einer medizinischen Intervention (stationär oder ambulant) stehen,
soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand

Ursachen nosokomialer Infektionen laut Robert Koch-Institut (RKI)


• Patientenfaktoren: aufgrund krankheitsbedingter Vorschädigungen der Patienten steigt ihr
Risiko zur Entwicklung für Krankenhausinfektionen
• Umwelt: Krankenhausumgebung schafft günstige Faktoren zur Ausbreitung, z.B. die Nähe von
Patienten zueinander, Kontamination von Geräten, nicht desinfizierte Hände des
medizinischen Personals etc.
• Technologie: immer häufiger werden komplizierte und schwierige Operationen durch
Fortschritte in der operativen Technik durchgeführt, die gleichzeitig neue Eintrittspforten für
Infektionserreger bringen
• Menschliche Faktoren: Medizinisches Personal ist heute mehr in Anspruch genommen als
früher, dadurch Gefahr, dass durch weniger Zeit einfache Hygienemaßnahmen nicht
ausreichend beachtet werden

Risikogruppe
• Menschen mit eingeschränkter Immunabwehr
• Alter, z.B. Frühgeborene, hohes Alter
• Vorerkrankungen oder Grundleiden, z.B. Tumoren, Verbrennungen, Diabetes mellitus,
Polytrauma u.a.
• Therapiebedingt, z.B. Immunsuppression, Antibiotika, Zytostatika, Cortison, Radio-
Chemotherapie, Z. n. Transplantation etc.
• Nach Operationen, z.B. langdauernd, ausgedehnt etc.

Folgen von nosokomialen Infektionen


• Für Patienten: durch längeren KH-Aufenthalt, Isolierung, Folgeerkrankungen/Komplikationen
bis hin zum Tod, psychische Belastung, Verlust von Lebensqualität, Gefahr für Arbeitsplatz,
höhere Kosten, zusätzliche Medikamente, kosmetische Probleme
• Für die Pflege: Schuldgefühle, mehr Arbeit, größerer Aufwand bei der Versorgung der
Patienten, Stress und mehr Arbeitsaufwand für die Pflegenden
• Für die Klinik: höhere Kosten, Image-Schaden, Personalprobleme, rechtliche
Auseinandersetzungen

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Multiresistente Erreger und Resistenzbildung

Definition
Multiresistente Erreger (MRE) sind gegen mehrere Antibiotika resistent. Sie sind deswegen schwer zu
bekämpfen und behindern deshalb eine optimale Behandlung mit Antibiotika für den Patient/Klient.
• Das Arzneimittel verliert somit seine Wirkung
• Es gibt zahlreiche Stämme, die als Problemstämme gelten, da diese besonders häufig
Multiresistenzen/Vielfachresistenzen entwickeln:
➢ Staphylokokken
➢ Enterokokken
➢ Enterobacter
➢ Klebsiella
➢ Streptokokken
➢ Pseudomonaden (und weitere!)

Resistenzformen
MRSA (Methicillin resistenter Staphylokokkus aureus)
• Inzidenzzahlen bis zu 50%
• MRSA weist Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff Methicillin und seinen Derivaten auf
• Häufiger Lokalisationsort sind Oberflächen des Menschen, v.a. Nasen-Rachenraum oder Haut-
und Schleimhautareale (z.B. Leisten, Achseln)

VRE (Vancomycin resistente Enterokokken)


• VRE weist Resistenzen gegenüber dem Wirkstoff Vancomycin
• Häufiger Lokalisationsort ist der Gastro-Intestinaltrakt

ESBL (Extended spectrum Betalactamase produzierende Bakterien)


• Laktamasen sind Enzyme, die von gramnegativen Bakterien (z.B. E. coli, Kl. pneumoniae)
produziert werden können → mit Bildung dieser Enzyme werden bestimmte Antibiotika wie
Penicilline, Cephalosporine etc. unwirksam
• Häufiger Lokalisationsort der gramnegativen Bakterien v.a. in der Darmflora → können zu
Harnwegs-, Wund- und Atemwegsinfektionen führen

MRGN (Multiresistente gramnegative Bakterien)


• 3MRGN: multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 wichtigsten
Antibiotikagruppen
• 4MRGN: multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 4 der 4
Antibiotikagruppen
• Antibiotikagruppen: Cephalosporine, Acylureidopenicilline, Fluorchinolone und Carbapeneme
• Häufiger Lokalisationsort ist die Darmflora

Risikofaktoren für MRE-Infektionen


• Gesunde Menschen können multiresistente Erreger in sich tragen, ohne selbst zu erkranken
• Problematisch, wenn diese Erreger unbewusst auf Menschen mit geschwächtem
Abwehrsystem übertragen werden → besonders gefährdet, Infektionen zu entwickeln, die
schwerer zu behandeln sind
• Folgende Faktoren erhöhen das Risiko MRE zu bekommen:

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➢ Klinikaufenthalt innerhalb der letzten 6 Monate
➢ Aufenthalt in einem Pflegeheim/Senioreneinrichtung
➢ Dauerhafte Pflegebedürftigkeit
➢ Antibiotikatherapie innerhalb der letzten 6 Monate
➢ Offene und schlecht heilende Hautwunden
➢ Katheter, Zugänge
➢ Erkrankungen, die das Abwehrsystem schwächen z.B. Diabetes mellitus Typ II,
Hepatitis
➢ Medikamente, die das Abwehrsystem schwächen

CAVE:
• Beim Auftreten von resistenten Erregern sind besondere Hygienemaßnahmen wichtig
• Je nach Resistenztyp muss die PSA (persönliche Schutzausrüstung) angepasst werden und die
Aufmerksamkeit im Umgang mit dem Patienten muss erhöht werden

Antimikrobielles Regime (AR); Engl.: antimicrobial regime

Definition
„Ein System aller in einem Krankenhaus gegen Infektionserreger gerichteten Maßnahmen (z.B.
Antiinfektive Therapie wie Antiseptik, Asepsis, Desinfektion, Sterilisation). Das antimikrobielle Regime
ist ein wesentlicher Teil des Hygieneregimes in einem Krankenhaus (RKI, 2015).“

Infektionsquellen Übertragungsweg Empfänger

Das Antimikrobielle Regime kann durch konditionierende Maßnahmen positiv unterstützt werden!

Konditionierende Maßnahmen
• Maßnahmen zur Verbesserung der Abwehrlage: ausgewogene vitaminreiche Ernährung,
körperliche Aktivität
• Maßnahmen zu Verbesserung des Wohlbefindens: Umgebungsgestaltung, Service und
Komfort im Krankenhaus, wertschätzender Umgang mit den Patienten
• Maßnahme zur Verhinderung der Keimverschleppung: Distanzierung
• Maßnahmen zur Keimreduktion: Sterilisation, Desinfektion

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Literatur:
Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (2020), Patienten-Information, https://www.patienten-
information.de/kurzinformationen/multiresistente-erreger (Zugriff am 30.03.2020)
I care Pflege (2015), 2. Auflage Thieme Verlag.
Robert Koch-Institut (2017), Definitionen nosokomialer Infektionen für die Surveillance im
Krankenhaus-Infektions-Surveillance-System (KISS-Definitionen), https://www.nrz-
hygiene.de/fileadmin/nrz/module/KISS_Definitionen_E-Book_Neuauflage_06_2017.pdf (Zugriff am
27.03.2020)
Robert Koch-Institut (2015), Infektionsschutz und Infektionsepidemiologie, Fachwörter – Definitionen
– Interpretationen. Robert Koch-Institut (Hrsg.).
Thiemes Pflege, Schewior-Popp, Sitzmann, Ullrich (2017), 13. Auflage Thieme Verlag.

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